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Tagungen

Johann Friedrich Blumenbach and the Culture of Science in Europe around 1800
(23.-24. April 2015)

Programm der Tagung
Bericht über die Tagung (aus Akademie heute 2/2015; pdf)
 

Videoaufzeichnungen der Vorträge und Sektionskommentare
(komplette Liste der Vorträge mit Abstracts unterhalb des Videofensters)

 

 

   
 

 

Hinweis: Videoauswahl über das Feld „Playlist“ links oben im Videofenster

 

 

 

Sektion 1: Blumenbach scholarship in the digital age
Gerhard Lauer (Göttingen):   Blumenbach scholarship and digital humanities
Prof. Dr. Gerhard Lauer beschreibt Verfahrensweisen und Potential der Digital Humanities.
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Heiko Weber (Göttingen)   ‘Johann Friedrich Blumenbach – online’: challenges, opportunities, and early results
Ziel des Projekts „Johann Friedrich Blumenbach – online“ ist eine „digitale Edition“, d. h. die historischen Texte werden mit Zusatzinformationen anreichert, um sie für digitale Analyse- und Auswertungsverfahren vorzubereiten. Eine wichtige Rolle spielen dabei Metadaten und Normdatenbanken.
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Roman Göbel (Jena)   ‘Haeckel correspondence online’
Roman Göbel berichtet über das 2013 begonnene Projekt „Ernst Haeckel online Briefedition“. Ziel dieses auf 25 Jahre angelegten Langzeitprojekts der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften ist es, die gesamte überlieferte Korrespondenz des Evolutionsbiologen Ernst Haeckel (1834–1919) in digitaler Form verfügbar zu machen.
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Paul Youngman (Lexington)   Commentary
Prof. Dr. Paul Youngmans Kommentar zu den Vorträgen über die Projekte „Johann Friedrich Blumenbach – online“ and „Ernst Haeckel Online-Briefedition“ im Rahmen der internationalen Tagung „Johann Friedrich Blumenbach and the Culture of Science in Europe around 1800“ der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und über das Projekt „Darwin Online“.
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Sektion 2: Scientific collections and material knowledge cultures

Emma C. Spary (Cambridge, UK)   The didactic, nationalist and scientific ends of specimens during the French Republic
Dr. Emma C. Spary fragt, unter welchem Gesichtspunkt und von wem naturhistorische Objekte im Frankreich des Ancien Regime wertgeschätzt wurden und ob die Französische Revolution einen vollständigen Bruch mit dieser Praxis bewirkte. Sie zeigt, dass die Naturgeschichte als wissenschaftliche Disziplin schon immer eine transnationale und pan-europäische materielle Kultur darstellte: Sammlungen und ihre Objekte waren wesentlich mobiler als man glauben könnte.
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Michael Schultz (Göttingen)   The Blumenbach collection of human skulls
Prof. Dr. Dr. Schultz demonstriert an Beispielen die Bedeutung der Schädelsammlung Johann Friedrich Blumenbachs (1752–1840) für die moderne Forschung in verschiedenen Disziplinen, z. B. Anatomie und physische Anthropologie, forensische Anthropologie und Gerichtsmedizin, Medizingeschichte, Paläopathologie, Archäologie und Ethnologie.
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Robert Scheck (Hannover)   The Cook/Forster collection
Robert Scheck berichtet über den von Johann Friederich Blumenbach (1752–1840) angeregten Ankauf von naturhistorischen und ethnographischen Sammlungsobjekten aus dem Pazifikraum für das ehemalige Akademische Museum der Universität Göttingen. Die Objekte stammen von den Weltumsegelungen James Cooks (1728–1779) und aus dem Nachlass von Johann Reinhold Forster (1729–1798), der an der zweiten Weltumsegelung (1772–1775) teilgenommen hatte.
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Dominik Hünniger (Göttingen)   Johann Christian Fabricius and the practice of natural history around 1800
Dr. Dominik Hünniger berichtet über Johann Christian Fabricius’ (1745–1808) akademischen Bildungsgang, seine Forschungsaufenthalte in London und Paris, seine Lehrtätigkeit in Kiel und seine Leistungen auf dem Gebiet der Entomologie.
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Mario Marino (Cottbus)   Commentary
Dr. Mario Marinos Kommentar zu den Vorträgen „The didactic, nationalist and scientific ends of specimens during the French Republic“, „The Blumenbach collection of human skulls“, „The Cook/Forster collection“ und „Johann Christian Fabricius and the practice of natural history around 1800“.
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Keynote Address

Nell Irvin Painter (Princeton)   Five Skulls that Made Human Taxonomy
Prof. Dr. Nell Irvin Painters Festvortrag stellte Johann Friedrich Blumenbachs (1752–1840) anthropologische Forschungen in den Kontext des europäischen Kolonialismus des 18. Jahrhunderts. Die von Blumenbach als empirische Grundlage verwendeten menschlichen Schädel aus aller Welt wurden oft unter Einsatz von Gewalt nach Europa gebracht. Einen ähnlichen Hintergrund hat auch Blumenbachs Bezeichnung der Menschen in Europa, Nordafrika und dem vorderen Orient als „Kaukasier“. Sie kann auf den antiken, mittelalterlichen und islamischen Sklavenhandel mit Menschen aus der Schwarzmeerregion zurückgeführt werden.
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Sektion 3: Anthropology and the issue of race

Renato G. Mazzolini (Trient)   Blumenbach and albinism
Prof. Dr. Renato Mazzolini erläutert die bedeutende Rolle Johann Friedrich Blumenbachs (1752–1840) bei der Entdeckung der Tatsache, dass es sich beim Albinismus um eine erbliche Pigmentstörung handelt, die bei Menschen auf allen Kontinenten auftritt, also auch bei Europäern. Blumenbach sah darin eine weitere Bestätigung seiner Auffassung, dass alle Menschen einer einzigen biologischen Spezies angehören.
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Robert J. Richards (Chicago)   The Just Measure of Schiller’s Skull: Scaling Humanity in Kant, Blumenbach, Tiedemann, and Carus
Prof. Dr. Robert Richards beschäftigt sich mit den Auffassungen Immanuel Kants (1724–1804), Johann Friedrich Blumenbachs (1752–1840), Friedrich Tiedemanns (1781–1861) und Carl Gustav Carus’ (1789–1869) über unterschiedliche „Menschenrassen“ unter naturhistorischen und psychologischen Gesichtspunkten. Kant und Carus zufolge gab es eine Hierarchie klar voneinander abgegrenzter „Rassen“; Blumenbach und Tiedemann verneinten dies. Richards zufolge könnte dies auf der sehr begrenzten Zahl von anatomischen Daten und Schädelexemplaren beruhen, die Kant und Carus zur Verfügung standen bzw. von ihnen herangezogen wurden.
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Thomas Junker (Tübingen)   Blumenbach’s theory of human races and the natural unity of humankind
Prof. Dr. Thomas Junker demonstriert mit Abbildungen und Textpassagen aus Johann Friedrich Blumenbachs (1752–1840) originalen Publikationen, dass Blumenbach mit der Definition von fünf Menschenvarietäten keine wertende Hierarchie beabsichtigte, wie dies Stephen Jay Gould (1941–2002) in seinem Buch The Mismeasure of Man (1981) behauptet und mit einer manipulierten Abbildung suggeriert hatte.
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Hans-Konrad Schmutz (Zürich)   Anthropology and slavery from Blumenbach to the American Civil War
Prof. Dr. Hans-Konrad Schmutz untersucht das komplexe Verhältnis zwischen der entstehenden naturwissenschaftlichen Anthropologie und der Politik in der Mitte des 19. Jahrhunderts, vor allem in Zusammenhang mit der Frage der Legitimation oder der Abschaffung der Sklaverei. Das Spektrum der wissenschaftlichen Positionen reichte dabei von Johann Friedrich Blumenbachs (1752–1840) ästhetischem, James Cowles Prichards (1786–1848) biblischem und Jean Louis Armand de Quatrefages’ (1810–1892) morphologischem Monogenismus bis zu den teils konservativen und teils progressiven Polygenismen um James Hunt (1833–1869), Franz Ignaz Pruner Bey (1808–1882) oder Paul Broca (1824–1880) und ihrem Umfeld in London und Paris in den 1860er Jahren.
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Nicolaas Rupke (Lexington)   ‘Huxley’s Rule’ and the origins of scientific racism
Prof. Dr. Nicolaas Rupke widerspricht der Ansicht, dass Johann Friedrich Blumenbach (1752–1840) der Begründer eines „wissenschaftlich“ begründeten Rassismus war. Vielmehr sei dieser erst im Kielwasser des britischen Darwinismus und insbesondere von Thomas Henry Huxley (1825–1895) propagiert worden.
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Sektion 4: Discourses and narratives

John Zammito (Houston)   The Rise of Paleontology and the Historicization of Nature: Blumenbach and DeLuc
Prof. Dr. John Zammito beschreibt Johann Friedrich Blumenbach (1752–1840) als wichtigen Pionier einer temporalisierten Auffassung von der Natur in Deutschland: Schon seit den Jahrzehnten zwischen 1780 und 1800 standen die „Geschichtlichkeit der Natur“ und die Paläontologie im Zentrum von Blumenbachs Forschungen. Zammito verweist insbesondere auf Blumenbachs Rezeption der geologischen Vorstellungen Jean-André DeLucs (1727–1817) und setzt sich kritisch mit der Einschätzung von Blumenbachs Bedeutung durch Martin J. Rudwick and Frank W. P. Dougherty auseinander.
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Peter Hanns Reill (Los Angeles)   Blumenbach in the Americas: Prince Maximilian Wied-Neuwied’s implementation of Blumenbach’s interpretations of ethnographic research
Prof. Dr. Peter Hanns Reill stellt neues Quellenmaterial über die Expeditionen Maximilian zu Wied-Neuwieds (1782–1867) im Osten Brasiliens und in Nordamerika vor. Reill zufolge waren Wieds wissenschaftliche Bestrebungen von seinem Studium bei Johann Friedrich Blumenbach (1752–1840) geprägt, dessen ethnographisches Forschungsprogramm er in diesen relativ unberührten Regionen umsetzen wollte.
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Martin van Gelderen (Göttingen)   Overall commentary
Prof. Dr. Martin van Gelderens Kommentar zu den Vorträgen im Rahmen der internationalen Tagung „Johann Friedrich Blumenbach and the Culture of Science in Europe around 1800“ der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.
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Die Tagung wurde mit Mitteln der Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung gefördert.