Aktuelle Seite: 

Wissenschaftshistorischer Kontext

Das wissenschaftliche Werk Johann Friedrich Blumenbachs gehört in den Zusammenhang einer der wichtigen wissenschaftlichen „Revolutionen“ der Zeit zwischen der Mitte des 18. und der Mitte des 19. Jahrhunderts. Vergleichbar mit der kopernikanischen Wende dreihundert Jahre zuvor reduzierte diese Revolution in den Bio- und Geowissenschaften die relative Bedeutung der menschlichen Existenz. Während die früh-neuzeitliche Astronomie dies in Hinblick auf den Weltraum tat, stand im 18. und 19. Jh. die zeitliche Dimension der Existenz zur Diskussion. Es ging um das, was Wolf Lepenies schon vor längerer Zeit „das Ende der Naturgeschichte“ genannt hat, also um den Übergang von einer statisch verstandenen, atemporalen Naturgeschichte zu einer temporalisierten Geschichte der Natur. Dabei erlangte die Erde eine prähistorische Existenz, und u.a. trieb das immer höher veranschlagte, die biblische Chronologie weit übersteigende geologische Alter der Erde eine Säkularisierung der Geo- und Biowissenschaften voran.

Fossil aus dem Bestand des von Blumenbach aufgebauten ehemaligen Academischen Museums in Göttingen
Fossilien waren entscheidende Ausgangspunkte für die Neuinterpretation der Vergangenheit der Erde in Blumenbachs Zeit.