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Anthropologie

Blumenbach steht am Beginn einer in der modernen Gesellschaft bis heute geführten Debatte über die Entstehung des Lebens, den Ursprung der Arten, Monogenie, Polygenie, einschließlich der Rassendebatte. Auf der Grundlage seiner Schädelsammlung entwickelte er seine berühmte Klassifikation der Menschheit in Varietäten. Indem er zugleich die Einheit der Spezies Mensch betonte, begründete Blumenbach den wissenschaftlichen Anti-Rassismus. Diese Tatsache ist ungenügend bekannt, und das Projekt soll u.a. auch diesen wichtigen Beitrag Blumenbachs zur Wissenschafts- und zur Gesamtkultur stärker bewusst machen.
Konkret wird die textkritische Bearbeitung von Blumenbachs Doktorarbeit De generis humani varietate nativa (1775 und spätere Ausgaben) Licht auf die Entstehung der Anthropologie werfen. Im Mittelpunkt steht dabei die Loslösung der „Wissenschaften vom Menschen“ sowohl von der Heilsgeschichte, als auch von der in der Aufklärung dominierenden humanistischen und philosophischen Ausrichtung. An ihre Stelle trat ein stärker naturwissenschaftlicher Ansatz.

Bildschöner Schedel einer Georgianerin. Kupferstich aus Blumenbachs Abbildungen naturhistorischer Gegenstände, 6. Heft (1802) Nr. 51. Blumenbach schrieb - zeitgenössischen Reiseberichten folgend - den Bewohnern von Georgien besondere Schönheit zu.