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Göttingische
gelehrte Anzeigen.
Unter der Aufsicht
der königl. Gesellschaft der Wissenschaften.

Der zweyte Band
auf das Jahr 1823.

Göttingen,
gedruckt bey J.C. Baier.

Göttingen.

[Seite 1289]

Die von der königlichen Societät der Wissenschaf-
ten für den diesjährigen Julius-Termin aufgegebene
ökonomische Preisfrage, betreffend:

‘“Eine genaue, nach der bekannten Schüb-
lerschen Methode durchgeführte Untersu-
chung der physikalischen Beschaffenheiten
der verschiedenen Bodenarten irgend einer
Gegend, verbunden mit einer Darstellung
des Verhaltens der wichtigsten ökonomi-
schen Gewächse auf denselben, hinsichtlich
ihres Gedeihens im Allgemeinen und des
Durchschnittsertrages der Aernten im Be-
sondern”

ist bey ihr unbeantwortet geblieben.

Dagegen sind für die nächsten beyden Jahre fol-
gende ökonomische Aufgaben theils wieder in Anden-
ken zu bringen, theils zuerst nun bekannt zu machen:

Für den November des laufenden Jah-
res
:

[Seite 1290]

‘“Der Mangel sehr feuerfester Schmelzge-
fäße, welche höhere Hitzgrade als z.B.
die bekannten Almeröder Tiegel aushal-
ten können ohne zu schmelzen, ist in man-
chen Gegenden von Deutschland, bey ver-
schiedenen technischen Anwendungen, sehr
fühlbar. Die Erfahrung lehrt, daß Talk-
erde die Feuerbeständigkeit des Thons sehr
zu vermehren vermag, und es frägt sich,
ob nicht etwa die aus den Mutterlau-
gen von der Kochsalzsiedung auf manchen
Salinen in Menge darstellbare kohlensaure
Bittererde oder Talkerde haltige Fossilien,
wie u.A. der Serpentin, mit Vortheil als
Zusatz bey der Fabrication solcher Schmelz-
gefäße angewandt werden könnten?

Die Kön. Societät d.W. macht daher zum
Gegenstande einer Preisaufgabe:

Eine auf Versuche gegründete Beantwor-
tung der Frage: wie die auf den Salinen
zu gewinnende kohlensaure Talkerde hal-
tige Körper, zur Verfertigung sehr feuer-
fester Schmelzgefäße mit Vortheil be-
nutzt werden können?

Wobey die Königl. Societät erwartet,
daß der Anleitung zu Anfertigung derselben,
Proben von dem nach derselben bereiteten
Schmelzgeräthe zur Prüfung beygefügt
werden”
’.

Für den Julius künftigen Jahres:

‘“Welche Mittel sind anzuwenden, um
einen Thon, der zu kalkhaltig ist, um bey
gewöhnlicher Behandlung gute Ziegel lie-
fern zu können, so zu verbessern, daß die
bekannten Mängel der aus einem solchen
Thone gebrannten Steine verschwinden?
”’

[Seite 1291]

Für den November desselben Jahres:

‘“Die, auf eine britische Zusammenstellung
der bisherigen Erfahrungen und auf neue
Versuche und Beobachtungen gegründe-
te Nachweisung des noch immer nicht
gehörig erörterten Einflusses, den das
Gypsen (sogenannte Duxen) auf den
Klee und einige andere ökonomische Ge-
wächse äußert, um dadurch ein ratio-
nelles Verfahren bey der Anwendung
desselben zu begründen.
”’

Und für den Julius 1825 wird nun nachste-
hende Aufgabe zum ersten Mahle bekannt gemacht:

‘“Zu den größten Mängeln der Land-
wirthschaft in den mehrsten Gegenden
von Deutschland und zumahl in den
unsrigen, gehört die höchst unvollkom-
mene und nachlässige Bereitung und Be-
nutzung des vegetabilisch-animalischen
Düngers. Die große Sorgfalt, welche
darauf in manchen andern Gegenden,
besonders in den Niederlanden und in
der Schweiz, gewandt, und der außer-
ordentliche Nutzen, der daraus dort für
die Oekonomie gezogen wird, ist dem
gebildeten Landwirth bey uns zwar
nicht ganz unbekannt; aber theils sind
noch die Ansichten über die Vortheile
jener Methoden der Düngerbereitung
getheilt, theils liegen auch in den Ver-
hältnissen unserer Wirthschaften hin und
wieder Hindernisse, die sich einer Nach-
ahmung des in den genannten Ländern
üblichen Verfahrens, entgegen stellen.
Auf jeden Fall ist aber im Allgemeinen
die in Niedersachsen gewöhnliche Berei-
tungs- und Benutzungsart des Düngers,
[Seite 1292] der größten und wesentlichsten Verbes-
serungen fähig.

Die Königl. Societät der Wissenschaften
verlangt daher:

‘“Eine Darstellung der Mängel der in
Niedersachsen im Allgemeinen üblichen
Bereitungs- und Benutzungsart des ve-
getabilisch-animalischen Düngers, nebst
einer gründlichen Anleitung, solche, un-
ter Berücksichtigung des in anderen Ge-
genden, besonders in den Niederlan-
den und in der Schmelz gebräuchlichen
Verfahrene, möglichst zu verbessern
”’.

Auf die beste Beantwortung jeder dieser vier Auf-
gaben, ist ein Preis von zwölf Ducaten, und der
Termin der einzusendenden Schriften auf das Ende
des Mayes und Septembers jedes Jahrs gesetzt.



Blumenbach, Johann Friedrich. Date:
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