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HANDBUCH
der

vergleichenden Anatomie

Spartam quam nactus es. orna.

(Erasmi adag.)
xxx
Dritte verbesserte und vermehrte Auflage.
Mit 8 Kupfern.

Göttingen,
1824
.
In der Dieterichschen Buchhandlung.
[titlePage_verso]
Ex
Bibliotheca
Regia Acad.
Georgiæ.
Aug:

Handbuch
der

vergleichenden Anatomie.

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Vorrede
zu den vorigen Ausgaben
mit einigen Zusätzen
.

[[III]]

Seit ich aus Neigung und Beruf
den grössten Theil meiner reifern
Studien und meiner besten Zeit
der Grundfeste der Arzneywissen-
schaft; wie Zimmermann die
Physiologie nennt, und der prima
materia philosophiae
, wie die Natur-
geschichte bey Bacon von Ve-
rulam
heisst, gewidmet habe, bin
ich sehr bald und täglich mehr
überzeugt geworden wie wahr es
ist wenn Haller sagt: die Phy-
siologie habe von der vergleichen-
den Anatomie mehr Licht erhal-
[Seite IV] ten, als selbst von der Zergliede-
rung menschlicher Leichen; und
wenn Leibnitz eben jene anato-
me comparata
für die lebendige
Seele der ganzen Naturgeschichte
der Thiere erklärt. Und wenn
ich glauben darf, in jenen beyden
Feldern nicht ohne Nutzen gear-
beitet zu haben, so verdanke ich
das grösstentheils der Beyhülfe,
die mir die vergleichende Anato-
mie dazu gewährt hat; so wie ich
es mir anderseits wohl zu einigem
Verdienst anrechnen darf, dass ich,
meines Wissens, wenigstens in
Deutschland zuerst, schon seit
langer Zeit alljährig*) eigene Vor-
lesungen über dieselbe gehalten
[Seite V] und selbst dadurch das meinige
beygetragen habe, Sinn und Eifer
für dieses fruchtbare Studium zu
erwecken und immer mehr zu
verbreiten; und so hoffe ich nun
auch durch die Ausgabe dieses
Handbuchs, als des ersten das je
über die ganze anatome comparata
erschienen ist, dieses Studium noch
mehr zu erleichtern, und selbst da-
durch gemeinnütziger zu machen.
Es ist dieses Buch in derselben
Manier abgefasst, die bey denen,
so ich über die andern beyden
gedachten Wissenschaften, über
die Physiologie und Naturge-
schichte herausgegeben, Beyfall
gefunden; auf den ich auch wohl
bey dieser neuen Arbeit um so
eher rechnen durfte, da sie, wie
gesagt, die erste in ihrer Art war,
die nämlich mit ihrem scientifi-
schen Gehalt und zweckmässigen
[Seite VI] Plan, besonders auch die zu einer
brauchbaren Grundlage für Vor-
lesungen erforderliche Form ver-
bindet.

Zu dem für ein solches Hand-
buch
zweckmässigen Plan, gehört
aber vor allem eine recht über-
dachte Auswahl, aus der uner-
messlichen Fülle von Materialien,
die sich bis jetzt schon bey der
Bearbeitung dieses Studiums an-
gehäuft haben; wobey ich denn
die beständige Anwendung auf
Physiologie und Thiergeschichte
vor Augen gehabt, auch eben dess-
halb hin und wieder kleine Be-
merkungen aus jenen Wissenschaf-
ten eingestreut habe. Und so be-
greift sich von selbst, warum hin-
gegen ausführliche Myologie, An-
giologie, Nevrologie u.s.w. ganz
ausser den Grenzen eines solchen
[Seite VII] Handbuchs liegen. Anders verhält
es sich hingegen mit der verglei-
chenden Osteologie, da der Kno-
chenbau der rothblütigen Thiere,
als Grundfeste ihres ganzen Kör-
pers, nicht nur im genauesten Be-
zug mit der übrigen Anatomie,
sondern auch mit der Totalform
jener Geschöpfe, mithin auch
grossentheils mit ihrer gan-
zen Oekonomie und Lebensweise
steht.

Auf unsere jagdbaren und Haus-
thiere habe ich aus einem doppel-
ten Grunde vorzüglich Rücksicht
genommen. Theils weil sie zur
Zergliederung überall am leichte-
sten zu schaffen sind; theils wegen
des grossen Interesses was die rich-
tige Kenntniss ihres Baues für
Landwirthschaft und Vieharzney-
kunst haben muss. Von ausländi-
[Seite VIII] schen hingegen habe ich immer
ausgehoben, was sich durch die
bedeutendsten Eigenheiten aus-
zeichnet.

Bey dem was ich nicht selbst in
der Natur zu untersuchen oder zu
gehen Gelegenheit gehabt, sind
immer meine Gewährsleute ange-
geben, aber auch ausserdem theils
die besten mir bekannten Abbil-
dungen, theils besonders die vor-
züglichsten kleinen Schriften und
die in periodischen Sammlungen
zerstreuten Abhandlungen zur
anatome comparata citirt, so dass
ich nicht leicht eine von Wich-
tigkeit übergangen, sondern bey-
läufig in den Anmerkungen ein
ziemlich vollständiges Verzeich-
niss zur Litteratur dieses Studiums
gegeben zu haben glaube.

[Seite IX] Ueberhaupt aber habe ich, eben
aus beständiger Rücksicht auf das
dem bey weitem grössern Theil
der Leser und Zuhörer Wichtig-
ste, und auf die beschränkte Zeit,
welche die mehresten derselben
auf diese, wenn gleich noch so
fruchtbare Hülfswissenschaft ver-
wenden können, vorzüglich die
warmblütigen Thierclassen abge-
handelt, dagegen aber die kalt-
blütigen, zumahl die aus den bei-
den letzten Classen des Linnei-
schen Systems kürzer berührt, und
von diesen wirbellosen Thieren
meist nur eines oder das andre
als Beyspiel angeführt.

Solche Hauptquellen aber, wie
die grössern systematischen Werke
von Blainville, Carus, Cu-
vier, Geoffroy
, Meckel, Ru-
dolphi, Tiedemann und Tre-
[Seite X] viranus
sind meist nur Ein für
Allemahl, und auch das zu allem
Ueberfluss, genannt. Das Gleiche
gilt besonders von den Abbildun-
gen, womit einige derselben, zu-
mahl die von Cuvier und Carus
ausgestattet sind, so wie von den
meisterhaften Monographien von
Bojanus, Cuvier, Home, Spix,
Tiedemann u.a., und von den
gehaltreichen additional Notes, wo-
mit der berühmte Lawrence
seine Uebersetzung dieses Hand-
buchs
bereichert hat.

Das bedarf wohl keiner Apolo-
gie, dass ich viele lateinische oder
griechische allgemein bekannte
und allgemein verständliche Kunst-
wörter nicht erst verdeutscht habe,
als wodurch sie sicherlich für viele
Leser gerade minder verständlich
worden wären, so wie es sich auch
[Seite XI] widerlich ausgenommen haben
würde, wenn ich immer und im-
mer bey jedem Satze, wo von etwas
die Rede ist, was irgend einer
ganzen Classe oder Ordnung von
Thieren gemein ist, den ewigen
Refrain von ‘„so viel bis jetzt bekannt“’
oder ‘„meines Wissens“’ u.s.w. hätte
ausdrücklich wiederholen wollen,
da es sich von selbst versteht, dass
jede solche allgemeine Behaup-
tung nichts anders sagen will
und kann, als dass der, welcher
sie äussert, bis jetzt noch von
keiner Ausnahme weiss.

Ueber die bestimmte Bedeutung
der sonst in der Zootomie sehr
relativen Ausdrücke von oben,
unten, vorn u.s.w., habe ich
mich im Buche selbst (S. 70, 239.)
erklärt.

* * *

[Seite XII] Dass diese abermahlige Ausgabe
wieder mancherley Zusätze und
Berichtigungen erhallen hat, be-
darf wohl nicht erst meiner Ver-
sicherung.

Göttingen,
den 31. März 1824.

J. F. Blumenbach.

Uebersicht der Abschnitte.

[[XIII]]

Zusätze.

[[XV]]

p. 87 zu §. 48. s. Wilbrand in Okens Isis
1823. H. V. pag. 509.

p. 102 §. 63. anders werden diese Knochen von
Oken gedeutet in seiner Isis 1823. H. X.
pag. 446 des Anz.

p. 104 zu N. **) die Skelete der Siren lacertina
und des Proteus Mexicanus bey Cuvier
sur les reptiles douteux etc. Par. 1807.
gr. 4. tab. 4. und im voyage de Humboldt
et Bonplandt 2ieme P. observs de Zoo-
logie et d'Anat
ie comparée Ier vol. 1811.
tab. 14.

p. 112 zu N. *) Jan. van der Hoeven de
sceleto piscium.
Leid. 1822. 8. m. Kupf.

p. 113 zu §. 75. von der so merkwürdigen
Asymmetrie am Schedel der Schollen s.
Meckel's anat. physiologische Beob. und
Untersuch.
pag. 274.

p. 144 zu N. *) Home von den Drüsen in der
innern Magenhaut der Hirundo esculenta
und einiger hieländischen Passerum in
den philos. Transact. for 1817. pag. 334.
tab. 16.

[Seite XVI]

p. 186 vom corpus adiposum der Salamander,
so wie überhaupt vom innern Bau der-
selben Dr. Rathke im I. B. der neusten
Schr. der naturforsch. Gesellsch.
in Dan-
zig. I. Th. pag. 3. m. Abbild.

p. 196 zum ganzen Xten Abschn. Heusin-
ger's
System der Histologie. I. Th.
2tes H. Eisen. 1823. 4. m. Kupf.

p. 254 unten zu N. **) von der Test. europaea
s. Bojanus tab. 26. fig. 154 sq.

p. 301 zu N. **) Dr J. C. Warren's compa-
rative view of the sensorial and nervous
Systems.
Boston 1822. 8. mit Abbild. des
Nerv. Syst. im Hummer, in der Sco-
lop. morsitans,
dem Blutegel und der
Auster.

p. 324 zu N. **) setze: und 1820 sq.

p. 368 zu N. **) doch hat er die Nasenlöcher
nachher gerade am Papageytaucher rich-
tig erkannt.

p. 395 zu N. **) G. R. Treviranus vom Ge-
hörwerkzeug der Schabe (Blatta orienta-
lis
) in den Annalen der Wetterauischen
Gesellsch. f. d. Naturkunde
I. B. pag. 169.
tab. 5.


Erster Abschnitt.
Vom
Knochenbau der Thiere
überhaupt
.

[Seite 1]

§. 1.

Nur die rothblütigen*) Thiere sind
mit einem wahren Gerippe versehen, zu
welchem ihre Knochen, und zwar bey
den mehrsten nur bis auf wenige Aus-
[Seite 2] nahmen*), untereinander verbunden sind,
und wovon im Ganzen die Totalform**)
und die mehrere oder mindere Gelen-
kigkeit ihres Körpers abhängt.

§. 2.

Die gewöhnlich***) weisse Farbe der
Knochen hat doch mancherley Abstufun-
[Seite 3] gen, selbst zuweilen am gleichen Stück
(wie z.B. in den Backenzähnen der Ele-
phanten), und bey einigen wenigen Gat-
tungen oder Rassen von Thieren sind sie
überhaupt von andrer Farbe*). So
z.B. die Gräten des Hornfisches (Esox
belone)
grünlich, die Knochen mancher Ab-
arten von Hünern schwärzlich u.s.w.**).

§. 3.

[Seite 4]

Weit mannichfaltiger aber ist ihre
Textur und Korn, und zwar sowohl über-
haupt an den verschiedenen Knochen des
nähmlichen Skelets, als auch insbeson-
dre in einzelnen Classen und Ordnungen
von Thieren, da sich z.B. das spröde
Gefüge der Luftknochen der Vögel, das
gleichsam langsplittrige bey vielen grössern
Amphibien und Fischen, das sonderbar
Zähe und Dichte an einzelnen Theilen
mancher sogenannten Knorpelfische u.s.w.
gar auffallend von andrer Knochen ihrem
auszeichnet.

§. 4.

Die Kronen oder den freystehenden
Theil der Zähne ausgenommen, sind die
Knochen überhaupt von aussen mit Bein-
haut
bekleidet, und die mehrsten auch
inwendig mit Mark*) versehen, das
[Seite 5] von verschiedner Consistenz, z.B. bey
den Cetaceen ein flüssiger Thran ist.

§. 5.

Wiederum den grössten Theil der
Zähne ausgenommen, werden die übri-
gen Knochen durch Verknöcherung an-
fänglicher Knorpel gebildet, welches Os-
sificationsgeschäfte ceteris paribus bey
den lebendig gebührenden Thieren sei-
nen Anfang und Fortgang in frühern
Terminen zu haben scheint, als bey den
Eyerlegenden. Wenigstens verhält sich
diess so beym bebrüteten Hühnchen in
Vergleich zu ungebohrnen Säugethie-
ren*). So wie hinwiederum unter
diesen letztern manche Termine der Os-
sification früher bey den Quadrupe-
[Seite 6] den als beym Menschen einzutreten
scheinen*).



Zweyter Abschnitt.
Vom
Gerippe der Säugethiere.

[Seite 7] [Seite 8]

§. 6.

So vielartig auch die Formen der Säu-
gethiere, zumal der vierfüssigen*), und
folglich auch die Gerippe derselben sind,
so kommen dennoch diese entweder
sämmtlich, oder doch die mehresten der-
selben in folgenden Eigenheiten mitein-
ander überein, und unterscheiden sich
zugleich durch dieselben vom Gerippe
der andern Classe warmblütiger Thiere,
der Vögel.

[Seite 9]
A) SÄUGETHIERE. B) VÖGEL.
1) Schedel mit äch-
  ten Nähten.
  (Bis auf wenige Aus-
    nahmen:
etwa des Ele-
    phanten, u. des Schna-
    belthiers*)).
Schedel ohne ächte
  Nähte**).
2) Gebiss.
  Ausnahmen: die Ameisen-
    bären. Manis. Schna-
    belthier. Balaena.
Schnabel ohne
  Zähne.
3) Unbewegliche
  Oberkiefer.
Bewegliche Ober-
  kiefer.
  Ausnahmen: z.B. der
    Nashornvogel.
4) Os intermaxillare.
  (Von den etwaigen
    Ausnahmen s. S. 26.)
Kein solches os in-
  termaxillare.
[Seite 10]
5) Zwey condyli oc-
  cipitales
Nur Ein condylus
  occipitalis.
6) 7 Halswirbel.
  (Ausnahmen: Das drey-
    zehige Faulthier und
    einige Cataceen)
Mehr als 7 Hals-
  wirbel.
7) Bewegliche Rük-
kenwirbel.
Wenig und grossen-
  theils gar nicht be-
  wegliche Rücken-
  wirbel.
8) Geschlossnes
  Becken.
  (Ausnahmen: Die Amei-
    senbaren mit vorn off-
    nem Becken: und die
    Cetaceen ohne alle Hilft-
    knochen.
Vorn offnes Becken.
  (Ausnahme: der Straus
  – tab. II. –)
9) Nur bey weni-
  gen Geschlechtern
  wahre Schlüssel-
  beine.
Durchgehends
  Schlüsselbeine;
  und fast eben
  so allgemein die
  Furcula.
  (Denn selbst beym
  Straus und Casuar zei-
  gen sich doch Rudi-
  mente dazu.)

§. 7.

[Seite 11]

Zuförderst nun vom Schedel der Säu-
gethiere*), als dessen Bildung überhaupt
den bedeutendsten grössten Bezug auf
die ganze thierische Oekonomie hat; na-
mentlich als Behälter des Gehirns, der
mehrsten Sinnorgane, und der Fress-
werkzeuge**).

§. 8.

[Seite 12]

Bey der bekannten Eintheilung der
Schedelknochen in die eigentliche Hirn-
schale (ossa caluariae) und in die Ge-
sichtsknochen (ossa faciei mit Einschluss
des Unterkiefers) ist das theils auffallende
Verhältniss der respectiven Grösse dieser
Leiden Haupttheile merkwürdig*). Man
[Seite 13] vergleiche z.B. um nur einige Paar Gat-
tungen aus gleichen Ordnungen zu nen-
nen, den Schedel des Kängaruh (Didel-
phys gigantea)
mit dem vom Opossum
(Did. marsupialis); oder den vom Tümm-
ler (Delphinus delphis) mit des Casche-
lot (Physeter macrocephalus) seinem.

§. 9a.

Die Anzahl der eigentlichen Hirn-
schalenknochen ist im Ganzen wie beym
Menschen. Doch das Stirnbein bey den
mehrsten gehörnten Thieren aus zwey
Hälften zusammen gesetzt; hingegen
die Scheitelbeine bey manchen derselben
zu einem zusammenhängenden Stück
und bey andern meist mit dem Hinter-
hauptsbeine verwachsen. Und manche
[Seite 14] Digitata haben noch einen eignen in
die Breite laufenden flachen Knochen
zwischen den Scheitelbeinen und dem
Hinterhauptsbein*).

§. 9b.

So wie an Schönheit der gewölbten
Form kein thierisches Stirnbein dem
menschlichen gleich kommt, so zeichnet
sich hingegen dasselbe schon bey man-
chen andern Quadrumanen, zumal bey den
grossen Pavianen (Papio mormon u.s.w.)
[Seite 15] durch die grosse platte triangulare Fläche
aus, mit welcher die Stirne gleichsam
zurückgepresst ist, und deren Seitenrän-
der unten vom processus malaris am
Aussenrande der Augenhölen schräg rück-
wärts bis gegen die crista occipitalis
convergiren*).

§. 10.

Uebrigens hängt vom Mangel oder
aber vom Daseyn und dann wiederum
[Seite 16] von der Grösse und Richtung dieser crista
occipitalis
eine Hauptverschiedenheit der
Scheitelform ab, und steht meist in be-
stimmten Bezug zur mehrern oder min-
dern Stärke des Gebisses. Sie mangelt
z.B. den mehrsten Affen und Meerkatzen,
und ist hingegen bey dem fruchtbaren
Pongo von Borneo*) von mächtiger
Grösse. – Die longitudinale crista ist
zumahl beym Dachs auffallend stark aus-
gewirkt: so wie die transversale z.B. am
Biber, und beide am Opossum. – Bey
den Elephanten liegt zwischen den hoch-
gewölbten Seitentheilen des Obersche-
dels eine tiefe weite Grube, auf deren
Boden eine kleine longitudinale crista
sitzt**). – Unter den Hunderassen findet
sich hierin viele Verschiedenheit; wenn
man z.B. den Mops mit dem Neufund-
länder vergleicht.

§. 11.

[Seite 17]

Auch die Lage und Richtung des
grossen foramen occipitale zeigt bey
manchen Gattungen merkwürdige Diffe-
renz. Statt dass es nämlich beym
Menschen am weitsten nach vorn*) und
meist horizontal liegt (zuweilen gar mit
dem vordem Rande hoher als mit dem
hintern); so liegt es hingegen bey den
mehrsten Quadrupeden am Ende der
Grundfläche des Schedels, und zwar
schräg, mit dem hintern Rande mehr
oder weniger auswärts gekehrt: bey ei-
nigen gar am Hinterkopfe geradeaus in
verticaler Richtung; und zuweilen, wie
z. E. beym Murmelthier (Marmota al-
pina)
sogar mit dem obern Rande mehr
vorwärts gerichtet, als mit dem untern**).

§. 12.

[Seite 18]

Die wahren Nähte, wodurch die Hirn-
schalenknochen unter einander verbun-
[Seite 19] den werden, sind bey den mehrsten Qua-
drupeden, wenigstens von aussen, min-
der geschlängelt als beym Menschen.
Doch sind sie bey den gehörnten Bisul-
cis
zu leicht einzusehenden Zweck sehr
stark und scharf gezähnelt; auch die Stirn-
knochen dabey überaus dick*).

Sogenannte Zwickelbeinchen (ossicula
Wormiana),
finden sich selten an Thier-
schedeln. Doch habe ich welche an
Hasen, und am Schedel eines jungen
Orangutang vor mir; welcher letztere
[Seite 20] auch durchgehends ausnehmend elegante
Suturen hat*).

§. 13.

Die Facialknochen des Schedels tra-
gen überhaupt durch ihre Richtung und
stärkere oder mindere Prominenz auf-
fallend viel zur Totalform des ganzen
Kopfs bey**); und zwar wird diese Pro-
[Seite 21] minenz grösstentheils durch die verlän-
gerten Oberkiefer selbst; zum Theil aber
[Seite 22] auch, und bey manchen hauptsächlich,
durch den zwischen denselben gleichsam
eingeheilten berühmten Intermaxillar-
Knochen bewirkt.

§. 14.

Statt dass nemlich beym Menschen
die beiden Knochen des Oberkiefers vorn
unter der Nase an einander stossen*)
und alle oberen Zähne enthalten; so sind
sie hingegen bey den übrigen Säuge-
thieren vorn durch diesen besondern,
ebenfalls gepaarten, Intermaxillar-Kno-
[Seite 23] chen
*) getrennt, der gleichsam darzwi-
schen eingekeilt ist, und bey denjeni-
gen, welche mit obern Schneidezähnen
versehen sind, dieselben aufnimmt**).
Er findet sich aber auch bey den Bisul-
cis,
denen diese Zähne im Oberkiefer ab-
gehen, so wie auch bey solchen Ge-
schlechtern, die überhaupt keine Vor-
derzähne haben, wie das Schnabelthier
(Ornithorhynchus paradoxus), das Erd-
schwein (Oryderopuscapensis) und die Ar-
madillgattungen, ja selbst bey gänzlich
Zahnlosen Säugethieren, wie die Amei-
senbären und eigentlichen Wallfische***).

[Seite 24] – Er wird von den benachbarten Sche-
delknochen durch deutliche Suturen ab-
gesondert, die von aussen neben der
Nase und Schnauze*), am Gaumen
aber neben den vordern foraminibus pa-
latinis
**) laufen. – Seine Grösse und
[Seite 25] Form ist in manchen Ordnungen und
Geschlechtern von Säugethieren von auf-
fallender Verschiedenheit. Bey vielen feris
z.B. ist er klein; so auch beym Wallross.
Hingegen bey vielen gliribus (Digitatis
und Palmatis) theils mächtig gross; so
beym Murmelthier, Biber; auch beym
[Seite 26] Nilpferd, beym Tümmler, Caschelot u.a.
m. Sonderbar bauchig am Wombat (Di-
delphys W.
) Die seltsamste Form
haben die beiden hakenförmig gebognen
durch eine breite Synchondrose von ein-
ander getrennten Intermaxillar-Knochen
des Schnabelthiers (– tab I. n. o. –)*)

§. 15.

[Seite 27]

Die eben gedachten vordem foramina
palatina
(oder incisiua) sind bey den
mehrsten Säugethieren, so wie beym
Menschen, doppelt. Meines Wissens
sind sie bey den Quadrupeden weil grösser
als beym Menschen, zumal bey den Bi-
sulcis
von auffallender Länge und Weite.
So auch im Hasengeschlecht*).

§. 16.

Besonders merkwürdig sind bey den
meisten Bisulcis die an der Aussenseite
der Oberkiefer neben den Nasenbeinen
befindlichen grubenförmigen Eindrücke
[Seite 28] von den aussen daran liegenden soge-
nannten sinibus sebaceis. – Beym Hasen,
der auch hierin, so wie in so vielen an-
dern Stücken seines Baues, eine so auf-
fallende Aehnlichkeit mit den wieder-
kauenden Thieren jener Ordnung zeigt,
ist diese Stelle zum Theil wie netzför-
mig durchbrochen.

§. 17.

Das Zygoma zeigt vielerley und sehr
bedeutende Verschiedenheit, die zumal
mit den Beisswerkzeugen in sehr direc-
tem Bezuge steht*). Bey vielen Quadru-
peden (zumal unter den Digitatis und
Palmatis) verläuft sich der processus ma-
laris
des Oberkiefers in einem eben so
langen schmalen Fortsatz, als der ihm
vom Schlafbein entgegen kommende; so
dass er nach Verhältniss die Stelle ein-
nimmt, wo bey andern so wie beym
[Seite 29] Menschen, das Jochbein liegt; und die-
ses selbst nur als ein Zwischenstück
zwischen jene beiden Fortsätze wie ein-
geschaltet ist; mithin gar nicht ans
Stirnbein reicht, und folglich auch nichts
zur Bildung der Augenhöle beyträgt.

Fast fadenförmig und meist gerade-
laufend ist das Zygoma beym Maulwurf.
Hingegen von ungeheurer Stärke und
weitem innern Raum für die mächtigen
Zur Bewegung des Unterkiefers be-
stimmten Muskeln bey vielen Raubthie-
ren, wie z.B. beym Tiger; aber auch
beym Biber. – Bey manchen unter-
wärts gebogen, wie bey der Ratte u.a.m.;
bey andern aufwärts, z.B. bey den
Wieseln.

Besonders auffallend ist ein grosser
herabsteigender Fortsatz, wodurch sich
das Jochbein der Faulthiere auszeich-
net*).

§. 18.

[Seite 30]

Von den Nasenknochen zeigt sich bey
den Elephanten gleichsam nur ein Ru-
diment. Bey den mehrsten Affen, und
selbst beym Orangutang ist er einfach,
dreyeckt, und sehr klein; bey dem Cho-
ras (Papio mormon) auffallend lang und
schmahl, vertieft zwischen den langen
wulstigen Leisten der Oberkieferbeine.
Bey den allermehrsten eigentlichen Qua-
drupeden aber ist er doppelt und theils
von ausnehmender Grösse. So z.B. bey
den Bisulcis und dem Hasengeschlecht;
auch beym Pferd, Schwein u.s.w. Bey
den Gattungen des Rhinocergeschlechts
verwachsen die das Horn tragenden Na-
senknochen frühzeitig zusammen.

§. 19.

Auch von den Thränenbeinen haben die
Elephanten nur ein Rudiment. Am an-
sehnlichsten zeigen sie sich hingegen
[Seite 31] bey den Bisulcis, besonders bey den An-
tilopen, und noch auffallender beym
Opossum (Didelphys marsupialis)*).

§. 20.

Die Augenhölen sind, zumal in Rück-
sicht ihrer Richtung, ihres Umfanges
und ihrer Tiefe, von mancherley merk-
würdiger Verschiedenheit. Bey den al-
lermehrsten sind sie seitwärts gerichtet.
Bey den Affen, Pavianen und Meer-
katzen, so wie beym Menschen, vor-
wärts, und zwar weit näher beysam-
men als bey diesem. Beym Biber ste-
hen sie aufwärts.

In Rücksicht des Umfangs sind sie
bey den gedachten Quadrumanen ganz
[Seite 32] geschlossen. Bey den Bisulcis und So-
lidungulis
haben sie zwar nach aussen
einen kreisförmigen Rand, aber die
äussere Seitenwand der Höle ist nach
hinten offen. Bey den mehresten feris
endlich und manchen gliribus ist auch
selbst der äußere Rand nach hinten un-
terbrochen.

Eben so vielartig ist auch die Tiefe
oder Fläche dieser Hölen. Bey man-
chen sind sie so flach, dass sie kaum
diesen Namen verdienen. So z.B. beym
Maulwurf und den Ameisenbären*).

§. 21.

Bey den mit Hörnern versehenen Säu-
gethieren sitzen dieselben auf besonders
[Seite 33] dazu bestimmten Fortsätzen gewisser
Schedelknochen. Beym einhornigen Rhi-
nocer nemlich auf einer rauhen etwas.
erhabnen Fläche des ungeheuren Nasen-
beins. Und eben da sitzt auch das vor-
dere des zweyhornigen; das hintre aber
so wie bey den gehörnten Bisulcis auf
dem Stirnknochen*). Und zwar zeigt
sich bey den letztern eine doppelte merk-
würdige Verschiedenheit, nachdem sie
entweder im Ochsen- Ziegen- und Anti-
lopengeschlecht eigentlich sogenannte
Hörner, oder aber im Hirschgeschlecht
Geweihe tragen. Bey jenen erwächst
nemlich dem jungen Thiere die äussre
Tafel der Stirnbeine zu einem**) Zapfen,
[Seite 34] in welchen sich bey den mehresten*)
selbst die Stirnhölen erstrecken; und
dessen äussre Haut allgemach Horn ab-
scheidet, und damit wie mit einem Fut-
teral überzogen wird.

Im Hirschgeschlecht**) hingegen (und
zwar bey den mehrsten Gattungen nur
[Seite 35] bey den Männchen)*) erhebt sich jene
Tafel bloss zu einem kurzen stumpfen
Stuhl oder Rosenstock, auf welchem
nach der Hand das eigentliche Geweihe
empor wächst, das alljährlich gewech-
selt wird, und während seines Wachs-
[Seite 36] thums mit behaarter sehr gefässreicher
Haut bekleidet ist*).

[Seite 37] Die einfachen Hörnchen der Giraffe
halten gleichsam das Mittel zwischen
jenen beiderley Hauptarten von Gehörn.
Die Form, Textur, und dass sie peren-
niren, haben sie mit den Stirnzapfen
der eigentlichen Hörner, die behaarte
[Seite 38] Bekleidung aber mit den Geweihen
gemein.

§. 22.

Der Unterkiefer der Thiere derjenigen
Classe, bey welcher wir jetzt stehen,
weicht auffallender als kaum irgend ein
andrer Knochen ihres Gerippes vom
menschlichen ab. – Vor allem gleich
schon durch den Mangel des auszeich-
nenden Characters der Humanität – des
prominirenden Kinnes, als welches alle
Hassen des Menschengeschlechts mit ein-
ander gemein haben, und das hingegen
keinem bis jetzt bekannten andern Säu-
gethiere zukommt. Auch hat der Mensch,
nach Verhältniss zum Schedel, den kür-
zesten Unterkiefer, (worin ihm nur etwa
[Seite 39] der Elephant*) gleichkommt), so wie
er sich auch durch die eigne Form
und Richtung der Gelenkknöpfe aus-
zeichnet.

Die Einlenkung derselben ist nach
der Verschiedenheit des Gebisses sehr viel-
artig. Bey den feris z.B. liegen beide
meist in gleicher Linie, sind walzen-
förmig, und genau in die lange cauitas
glenoidea
wie in eine ausgefurchte Rinne
gepasst, in welcher sie als in einem
festen Gewinde laufen. Auffallend ist
diess beym Dachs, wo diese walzen-
förmigen Gelenkknöpfe von den Rän-
dern ihrer Rinnen so umfasst werden,
dass (wenigstens beym erwachsenen Thiere)
der Unterkiefer, selbst nach der Mace-
ration des Schedels, nicht herausfallen
kann. – Bey manchen Herbivoren (im
weiten Sinn des Worts) sind jene con-
[Seite 40] dyli wirklich kugelförmige Knöpfe; so
beym Elephanten und beym Biber. –
Bey den Bisulcis hingegen sind sie wie
mit einer wenig ausgeschweiften Fläche
gleichsam abgeschnitten; und zugleich
ist bey dieser Ordnung von Thieren
(am auffallendsten bey der Giraffe) der
Unterkiefer ungleich schmaler als der
obere, so dass folglich die beiden Zahn-
reihen nicht auf einander passen, son-
dern erst durch die freyere Seitenbewe-
gung der Kinnlade beym Wiederkauen
an einander geschoben werden. – Bey
vielen gliribus liegen beide condyli
nach der Länge fast einander parallel;
so z. E. beym Hasen, dem auch (so wie
den Ameisenbären) der processus coro-
noideus
fast gänzlich abgeht; der hin-
gegen bey der Giraffe von ganz auffal-
lender Höhe ist. – Bey den Cetaceen
ist die Gelenkfläche des Unterkiefers
fast gerade nach hinten gekehrt*).

[Seite 41] Ueberhaupt sind wenige andre Knochen
am Gerippe der Säugethiere von so viel
förmiger Verschiedenheit als der Unter-
kiefer. Zu den alleranomalischsten gehört
der nach vorn schaufeiförmig flache des
Schnabelthiers (– tab. I. i –), der vom
Wombat mit den mächtig starken Ho-
rizontal-Fortsätzen auf der Unterseite;
und der von den Brasilischen Brüllaffen
(Cercopithecus seniculus und Belzebul)
mit den ungeheuer hohen Vertical-Flü-
geln zum Schutz ihrer knöchernen
Stimmblase.

Noch ist endlich zu bemerken, dass
die beiden Hälften des Unterkiefers bey
vielen Säugethieren entweder bis ins er-
wachsene Alter oder gar lebenslang
durch eine blosse Synchondrose ver-
bunden bleiben, die sich im Kochen
oder Maceriren leicht von einander giebt;
und bey manchen dieser Thiere auch im
Leben ein wenig beweglich ist, so dass
[Seite 42] dadurch die Spitzen der untern Vorder-
zähne um etwas von einander gesperrt
werden können. Hingegen verwachsen
sie wie beym Menschen früh zu einem
Stück bey den Quadrumanen, auch
beym Pferd, Rindvieh, Schwein, Elephan-
ten u.s.w.

§. 23.

Bis auf wenige Ausnahmen sind bey
den allermehrsten Säugethieren die Kie-
fer mit Zähnen*) versehen: denn gänz-
[Seite 43] lich zahnlos sind bloss die eigentlichen
Wallfische (Balaenae), die Schuppen-
thiere, und die Americanischen Amei-
senbären.

Substanz und Gefüge der Zähne sind
von aller andern Knochen ihren ver-
schieden. Besonders zeichnet sich der
Schmelz (substantia vitrea) an den Kro-
nen derselben sowohl durch seine aus-
nehmende Härte, da er theils am Stahl
Funken giebt, als durch den Mangel
des Schleimgewebes aus, womit der in-
nere mehr knochenartige Theil (substan-
tia ossea)
der Krone, so wie die Wur-
zel durchzogen ist. Er scheint den
Elfenbeinzähnen so wie den obern Hau-
zähnen des Emgalo (Sus aethiopicus), den
Vorderzähnen des Hippopotamus, den
Hauern des Wallrosses und dem Stoss-
zahn des Narhwal zu fehlen; doch un-
terscheidet man auch an allen diesen
eine äussre dünne Rinde womit sie be-
kleidet sind. Ueberhaupt haben aber
diese Zähne manches eigne in ihrer Tex-
[Seite 44] tur; und besonders ist sie im Elfenbein
ohne ihres Gleichen*).

[Seite 45] Ganz anomalisch aber ist die Orga-
nisation der Backenzähne des Capschen
sogenannten Erdschweins (Orycteropus
capensis)
die aus verticalem Röhrchen
[Seite 46] (gleichsam wie im Spanischen Rohre)
bestehen.

Bey einigen Thieren zeichnen sich
die Kronen gewisser Zähne von aussen
durch besondre Farbe aus. So sind die
Nagezähne mancher glirium, z.B. des
Bibers, Murmelthiers und Eichhörnchens,
wenigstens an der Vorderseite, nuss-
braun; und die Backenzähne vieler Bi-
sulcorum
, so wie auch der Elephanten,
grossentheils wie mit einer schwarzen
Glasur überzogen*).

§. 24.

Eine Eintheilung der Zähne, wenn
sie allgemein passend und doch verständ-
lich seyn soll, hat ihre Schwierigkei-
[Seite 47] ten. – Inzwischen taugt doch immer
die Lage derselben besser dazu, als etwa
ihre Form, (denn die ist z.B. bey den
Caschelotten und Delphinen fast durch-
gehends die gleiche;) und so lassen sie
sich im Ganzen unter die bekannten
drey Gassen von Vorderzähnen, Eck-
zähnen
und Backenzähnen bringen, nur
muss der Begriff von denselben genau
bestimmt werden.

§. 25.

Vorderzähne sind im Oberkiefer der
Quadrupeden und Delphine diejenigen
die im os intermaxillare sitzen, und im
Untern die, so mit diesen Zähnen, oder
bey denjenigen Thieren, welchen diesel-
ben mangeln, mit dem vordem Rande
jenes Knochen zusammen passen. –
Zahl und Form derselben ist sehr ver-
schieden. Von letzterer doch einiges
zum Beyspiel anzuführen, so sind bey
den gliribus zumal die untern meissel-
förmig, (dentes scalprarii, wie sie Grew
nannte.) Bey einigen derselben, na-
[Seite 48] namentlich beym Biber, Stachelschwein
und der Hausmaus, hat das untere Paar
ganz ausnehmend lange Wurzeln, bey
manchen, z. E. beym Murmelthier auch
die obern. Im Hasengeschlecht sind die
obern doppelt, so dass sich noch ein
ganz kleines Paar hinter dem grössern
vordern Paare findet. Beym Wallross
ähneln die Kronen der Vorder – sowohl
als der Backenzähne flachen Knöpfen.
Beym Tümmler ragt, gegen die Weise
bey andern Thieren, das Vorderende
des Unterkiefers mit seinen äussersten
Vorderzähnen weiter hervor, als das
vom obern. – Ueberhaupt haben die
untern Vorderzähne der Säugethiere eine
mehr oder weniger schräge Lage, da
sie hingegen beym Menschen aufrecht
stehen, als worin ihm kaum nur der
Orangutang von Borneo ähnelt.

§. 26.

Von den Eckzähnen sitzen die obern
im Kiefer selbst nahe an den Intermaxil-
lar-Knochen, folglich gehört der wun-
[Seite 49] derbar lange Stosszahn des Narhwal*),
so wie die Hauzähne des Wallrosses,
unter diese Classe. – Bey manchen Pa-
vianen, zumal aber bey den grössern
reissenden Thieren, sind diese Zähne
theils von furchtbarer Stärke; und bey
den letztern der ganze Profilumriss und
Wurf des Vorderschedels nach densel-
ben gerichtet, was z.B. am Tiger auf-
fallend sichtlich ist. Die sonderbarste
Bildung haben die obern Eckzähne des
männlichen Babirussa, deren Bestimmung,
bey einer solchen Länge und fast kreis-
förmigen Richtung im Vergleich zu ihrer
Dünne, noch unbekannt scheint. –
Noch verdienen die kleinen stumpfen
Eckzähne im Oberkiefer des Hirsches,
[Seite 50] wegen der ganz anomalischen Form
ihrer Kronen, Erwähnung, so wie bey
den jetzt existirenden Bärenarten und
mehrern andern Gattungen dieses Ge-
schlechts die ganz kleinen Eckzähnchen,
die neben den grossen nach hintenzu
sitzen*).

§. 27.

[Seite 51]

Die Backenzähne sind in so fern die
allgemeinsten, dass, wenn anders Säuge-
thiere Zähne haben, dieselben wenig-
stens aus dieser Classe sind, wenn auch
gleich manchen, wie den Tatus und dem
Orycteropus die Vorder- und Eckzähne;
abgehen. Nur der Narhwal macht hier-
von eine Ausnahme, als welcher, seinen
Stosszahn ausgenommen, übrigens zahnlos
ist. – Form, Textur und respective Lage
der Backenzähne sind von merkwürdiger
Verschiedenheit. Bey vielen Quadru-
manen z.B. haben die beiden vordern,
den Eckzähnen zunächst stehenden, so
wie beym Menschen kleinere Kronen
und einfachere Wurzeln als die hinte-
ren*): wesshalb sie auch von J. Hun-
[Seite 52] ter mit dem Namen bicuspides bezeich-
net, und nur die letztern molares ge-
nannt worden. – In der eben genann-
ten Ordnung sind die Kronen der Backen-
zähne, so wie auch bey den feris und
beym Menschen, ganz mit Schmelz
überzogen*): da hingegen bey vielen
gliribus**), so wie bey den Solidungu-
lis, Bisulcis
***) und den mehrsten Mult-
[Seite 53] ungulis,
auch Knochensubstanz auf der
Mahl- oder Endfläche derselben zu
sehen ist, die mit verticalstehenden
theils sonderbar gewundnen Blättern von
Schmelz, der etwas mehr hervorragende
Kanten bildet, gleichsam durchschlän-
gelt ist*). Bey manchen bloss gras-
fressenden und nicht ruminirenden Thie-
ren, wie die Solidungula und die Ele-
phanten, liegen die breiten Kronen der
Backenzähne meist horizontal auf ein-
ander. Bey den mehrsten Bisulcis hin-
gegen sind sie schräg ausgeschlegelt, so
dass an den obern die äussern Ränder,
an den untern hingegen die innern hö-
her sind, so wie es in Verbindung mit
dem schmalen Unterkiefer und der Art
[Seite 54] seiner Einlenkung (§. 22. S. 40.) der
Function des Wiederkauens angemessen
ist. Bey den mehrsten reissenden Thie-
ren, zumal aus dem Löwen- und Hunde-
Geschlecht, haben die Backzähne zackigte
nach der Länge der Kiefer gleichsam
zusammengedrückte Kronen, davon die
untern dicht innerhalb der obern lie-
gen, so dass beiderley beym Zerbeissen
mittelst des festen Gewindes der wal-
zenförmigen Gelenkknöpfe des Unter-
kiefers wie Scheerenblätter an einander
weggleiten.

§. 28.

So wie manchen Ordnungen, Ge-
schlechtern und Gatttungen der Quadru-
peden gewisse Arten von Zähnen gänz-
lich abgehen, wie z.B. den Bisulcis die
obern Vorderzähne, den Elephanten die
untern, dem Africanischen Nashorn so-
wohl diese als jene; den gliribus die
Eckzähne u.s.w.; so sind dann auch
bey manchen andern gewisse Abschnitte
des Gebisses, zumal die Eck- und Backen-
zähne, durch Zwischenräume von ein-
[Seite 55] ander abgesondert. So z.B. im Pferde-
und Bären-Geschlecht. Bey keinem
Quadrupede (die Quadrumanen mit ein-
geschlossen) sind aber wohl die sämmt-
lichen Zähne so eben an einander gerei-
het und von so gleichförmiger Höhe der
Kronen als beym Menschen.

§. 29.

Ueber das Wechseln der Zähne lässt
sich aus Mangel sattsamer Beobachtun-
gen*), zumal an wilden Thieren, we-
nig Zuverlässiges sagen. Unter den Di-
gitatis
scheinen manche glires z.B. die
Meerschweinchen und Caninchen ihr Ge-
biss gar nicht zu wechseln**). Hinge-
gen bedarf die ehemalige irrige Be-
[Seite 56] hauptung, dass nur das Hausschwein
seine Zähne wechsle, und die wilde Sau
hingegen nicht, jetzt keiner weitern
Widerlegung*). Unter den feris haben
namentlich Hunde und Fischottern wäh-
rend des Wechselns oft doppelte Eck-
zähne, wenn der neue perennirende
früher hervorbricht, als der alte Milch-
zahn ausgefallen war. – Wenigstens
bey manchen Affen finden sich, so wie
beym Menschen, unter den Milchbacken-
zähnen noch keine bicuspides, sondern
an deren Statt auf jeder Seite jedes Kie-
fers anfänglich zwey eben so vielzak-
kichte Zähne, wie die eigentlichen
maxillares**). – Besonders merkwür-
dig ist die Art, wie das Wechseln der
Backenzähne bey den Elephanten er-
[Seite 57] folgt, da der neue perennirende hinter
dem alten Milchzahn ausbricht*), von
welchem dann allgemach eine Verti-
calschicht nach der andern absorbirt
wird**), und dagegen jener in glei-
cher Masse zunimmt***). – Ueber-
haupt aber giebt es schwerlich irgend
ein Thier dieser Classe, bey welchem
sowohl der erste Ausbruch als das nach-
herige Wechseln der Milchzähne nach
[Seite 58] Verhältniss so auffallend spät erfolgt
als beym Menschen.

§. 30.

Mit den Jahren werden die Kronen
der Zähne durch den Gebrauch mehr
oder weniger abgenutzt*), und erhal-
[Seite 59] ten dadurch zum Theil das Ansehen wie
angeschliffene Flächen, die zumal bey
den Eckzähnen der Schweine*) und des
Nilpferdes sichtlich sind. An den Vor-
derzähnen der Pferde lässt sich darnach
das Alter derselben bestimmen.

§. 31.

So viel vom Schedel der Säugethiere.
Nun zum Rumpf ihres Gerippes, nach
der Ordnung der drey Haupttheile des-
[Seite 60] selben, Rückgrat, Becken und Thorax:
wovon ersteres überhaupt der allge-
meinste Theil des Gerippes ist, der nem-
lich allen rothblütigen Thieren ohne
Ausnahme, und hingegen keinem ein-
zigen weissblütigen zukommt.

§. 32.

Merkwürdig ist, dass die Thiere die-
ser Classe, wenigstens die Quadrupe-
den, im Ganzen einerley Anzahl von
Halswirbeln haben. Die Giraffe und das
Pferd z.B. nicht einen mehr als der
Maulwurf oder die Ameisenbären. Durch-
gehends nemlich, so wie beym Men-
schen, ihrer sieben. Nur bey dem drey-
zehichten Faulthier hat Cuvier die un-
erwartete Anomalie entdeckt, dass es
deren 9 hat. Bey manchen Cetaceen
hingegen scheinen sich nur 6 zu finden:
überhaupt aber sind bey denselben
meist ihrer 4 oder 5 zusammen ver-
wachsen. – Bey den mehrsten feris
zeichnet sich der erste Halswirbel (atlas)
durch seine ausnehmende Stärke und
[Seite 61] grossen flügelähnlichen processus trans-
versos
aus*).

§. 33.

Die Zahl der Brustwirbel richtet sich
nach den Rippenpaaren, wovon unten
einiges gedacht werden wird. – Zumal
bey den langhalsigen Quadrupeden, wie
das Pferd, die Giraffe, Camele und
andere Bisulca, und bey den sehr schwer-
köpfigen, wie die Elephanten, sind die
processus spinosi dieser Wirbel, beson-
ders der vordern, an welche das grosse
ligamentum suspensorium colli mit sei-
nem hintern Ende befestigt ist, von
auffallender Länge.

§. 34.

Auch die Lendenwirbel variiren gar
sehr in der Zahl. Die Elephanten z.B.
haben ihrer nur 3, die Camele 7. Eben
[Seite 62] so manche Quadrumanen, z.B. der
Mandril, andere Thiere nur 6 oder 5.
Das Pferd gewöhnlich 6. Der Esel 5.
(Die Maulthiere meist 6, zuweilen aber
auch nur 5). – Bey den mehrsten Qua-
drupeden sind die Fortsätze dieser Wir-
bel vorwärts (so wie bey den Affen nach
der gewöhnlichen Stellung derselben
aufwärts*)) gekehrt. – Die processus
transuersi
sind, zumal bey vielen wie-
derkauenden Thieren, von ausnehmen-
der Grösse; und so zeigen sie sich auch
beym Hasen.

§. 35.

Noch vielartiger ist die Form und
das Verhältniss des Kreuzbeins. Die
[Seite 63] Anzahl seiner sogenannten Wirbel va-
riirt selbst bey verschiedenen Gattun-
gen des gleichen Geschlechts. Bey der
gemeinen Fledermaus z.B. besteht es
aus 4 Wirbeln, und hingegen beym
fliegenden Hund aus einem einzigen;
bey den mehrsten Affen aus drey Stük-
ken*), beym Orangutang aus 4**),
beym Schimpanse aus 5***). – In der
Bildung zeichnet sich unter andern das
vom Pferd durch die grossen flügelför-
migen Seitenfortsätze am vordem Ende,
und das vom Maulwurf durch ein gleich-
sam scharfkantiges schmales Blatt aus,
in welches die processus spinosi dessel-
ben verwachsen sind†). – Den Ceta-
[Seite 64] ceen
kann beym Mangel der Hüftkno-
chen gar kein wahres Kreuzbein zuge-
schrieben werden.

§. 36.

Das Kukuksbein wird bey den ge-
schwänzten Thieren zur sogenannten
Schwanzrippe verlängert, die bey man-
chen aus einer grossen Anzahl von Wir-
beln besteht. Z.B. beym Todtenköpf-
chen (Cercopithecus morta) aus 22. Beym
Coaita (Cercopithecus paniscus) aus 32.
Beym zweyzehigten Ameisenbär aus 41*).

§. 37.

[Seite 65]

Die Hüftknochen im weitern Sinn,
oder was man insgemein die ungenann-
ten Beine nennt, machen in Verbin-
dung mit dem Kreuzbein das sogenannte
Backen*) aus. Indess lässt sich, so pa-
radox es auch lautet, wohl behaupten,
dass ausser dem Menschen gar kein
andres Thier ein Becken habe: da in
der Thal bey keinem derselben die
genannten zusammen verbundnen Kno-
[Seite 66] chen von beckenähnlicher Gestalt sind.
Denn auch bey den menschenähnlich-
sten Affen sind die beiden Hüftknochen
doch weit länger als breit; und bey den
Elephanten, beym Pferd u.s.w. haben
sie wegen der langen Schaambeinver-
bindung eben so wenig Beckenform. –
Bey manchen, wie beym Biber und Kän-
guruh, ist gar keine Synchondrose der
Schaambeine, sondern beide Knochen
sind an deren Stelle zu einem Stücke
mit einander verwachsen. Hingegen ste-
hen sie bey den Ameisenbären fast wie
bey den Vögeln von einander. – Beym
Maulwurf ist das Becken so eng, dass
es gar die innern Genitalien und übri-
gen benachbarten Eingeweide nicht fas-
sen kann, sondern diese ausserhalb der
Schaambeine liegen müssen. – Bey dem
Känguruh*) und andern Beutelthieren**)
[Seite 67] findet sich am obern oder vordem Rande
der Schaambeine am Bauche hin noch
ein besonderes Paar etwas divergirender
länglicher platter Knochen (die ossa
marsupialia
oder cornua peluis abdo-
minalia),
dergleichen auch, doch von
anderer Gestaltung, beym Schnabelthier
gefunden wird*).

Die Cetaceen haben, da ihnen die
Hinterfüsse mangeln, auch keine Hüft-
knochen, und folglich gar kein Becken;
doch unten am Bauche ein paar kleine
Knochen, die man gewissermassen mit
den Schaambeinen vergleichen kann**).

§. 38.

[Seite 68]

Der Thorax ist, bey den allermehr-
sten, wo nicht bey allen Thieren die-
ser Classe*), schmaler, und hingegen
vom Brustbein nach den Wirbeln ge-
messen, nach Verhältniss tiefer als beym
Menschen. Diess hängt theils von der
schwächern Krümmung ihrer Rippen,
theils von der schlankern Form des
Brustbeins ab. Am auffallendsten ist
jene kielförmige Bildung (thorax cari-
natus)
bey den hochbeinichten Quadru-
peden, wie z.B. bey der Giraffe, dem
Hirschgeschlecht u.s.w.

§. 39.

[Seite 69]

Nur sehr wenige Säugethiere, nem-
lich einige Gattungen von Fledermäu-
sen und Armadillen, haben ein Rippen-
paar
weniger als der Mensch. Bey wei-
tem die allermehrsten haben hingegen
deren mehrere. Selbst viele Quadrumana
haben 14 Paar, das Schnabelthier 17, das
Pferd gewöhnlich 18, die Elephanten,
20*), der Tapir eben so viele, das
zweyzehichte Faulthier (Bradypus di-
dactylus)
gar 23 Paar. – Beym zwey-
zehichten Ameisenbär (Myrmecophaga
didactyla)
zeichnen sich die 16 Rippen-
paare durch ihre auffallende Breite aus,
[Seite 70] womit der ganze Rücken und die Sei-
ten des Skelets, fast bis zu den Hüft-
knochen, gleichsam wie gepanzert sind.

§. 40.

Das Brustbein ist bey den mehrsten
Thieren dieser Classe, zumal unter den
feris, cylindrisch und wie gegliedert.
So ist es selbst bey vielen Quadruma-
nen
und bey den Bären, deren Gerippe
sonst in vielen Stücken dem mensch-
lichen ähnelt. – Am sonderbarsten ist
dieser Knochen beym Maulwurf gestal-
tet, wo er sich nach vorn*) in einen
langen fast pflugschaarförmigen Fortsatz
[Seite 71] verläuft, der unter den Halswirbeln,
und mit denselben parallel, liegt*).

§. 41.

Und nun zu den so genannten Extre-
mitäten
des Gerippes, die sich, so viel-
artig auch ihre Gestaltung in dieser
Thierclasse ist, dennoch im Ganzen und
nach ihren Haupttheilen, und der re-
spectiven Verbindungsart derselben**)
[Seite 72] u.s.w., sämmtlich mit denen am Men-
schen vergleichen lassen. – Zuerst von
den vordern.

§. 42.

Die Schlüsselbeine, die selbst von treff-
lichen neuern Zoologen bloss Linné's
Primaten (worunter er ausser dem Men-
schen und den Quadrumanen auch die
Fledermäuse begriff) zugeschrieben wor-
[Seite 73] den, finden sich ausserdem noch bey
einer grossen Anzahl von Säugethie-
ren*): so zumal bey denjenigen Qua-
drupeden, die besondern Gebrauch von
ihren Vorderfüssen machen, z.B. zum
Fassen, wie Eichhörnchen und Biber:
und zum Graben, wie das Murmelthier
oder vollends der Maulwurf; oder zum
Wühlen, wie die Ameisenbären und
Igel**); oder zum Klettern; wie die
Faulthiere u.s.w. – Viele andere ha-
ben wenigstens an deren Stelle einen
analogen kleinen, bloss zwischen Seh-
[Seite 74] nen steckenden*), Knochen auf jeder
Seite, den Vicq d'Azyr daher zum
Unterschied os clauiculare nannte. So
bey den meisten feris**) und manchen
gliribus. – Uebrigens ist auch die Form
und relative Grösse der wahren einge-
lenkten Schlüsselbeine sehr mannichfaltig.
Bey den Fledermäusen sind sie von auf-
fallender Länge. – Beym Orangutang
haben sie die grösste Aehnlichkeit mit
dem menschlichen: beym zweyzehichten
Ameisenbär sind sie fast rippenförmig:
am alleranomalischten, fast cubisch, beym
Maulwurf***). Sie fehlen hingegen
gänzlich den hochbeinichten Quadrupe-
den mit kielförmiger Brust, namentlich
[Seite 75] den Bisulcis und Solidungulis; aber
auch den Cetaceen.

§. 43.

Die Schulterblätter finden sich durch-
gehends bey allen rothblütigen Thie-
ren, welche Vorderfüsse oder ähnliche
Bewegungswerkzeuge haben. Nament-
lich also in beiden Classen der warm-
blütigen Thiere ohne Ausnahme. Ihre
Bildung ist aber selbst bey den Säuge-
thieren von mancherley Verschieden-
heit: zumal das Verhältniss ihrer drey
Hauptränder gegen einander, das sich
nach der Lage dieser Knochen, und
dieses sich nach der Totalform des Tho-
rax. (§. 38.) richtet. So ist z.B. der
nach dem Rückgrat gekehrte Rand bey
den mehrsten eigentlichen Quadrupeden,
zumal bey den hochbeinichten mit schma-
ler Brust, als bey welchen die Schul-
terblätter zu beiden Seiten derselben
liegen, am kürzesten; bey manchen
aber, z.B. beym Elephanten, so wie
bey den Chiropteris, bey den meisten
[Seite 76] Quadrumanen, und zumal beym Men-
schen selbst, am längsten. – Wie-
derum ganz anomalisch, fast einem
Röhrenknochen ähnelnd, sind die Schul-
terblätter des Maulwurfs*). – Dass die
beiden Hauptfortsätze an diesen Kno-
chen, der coracoides und das acromium
bey denen am ansehnlichsten ausge-
bildet seyn müssen, die wahre lange
Schlüsselbeine haben, lässt sich schon
a priori erwarten.

§. 44.

Die merkwürdigsten Verschiedenhei-
ten an den eigentlich so genannten vor-
[Seite 77] dern Extremitäten
lassen sich am füg-
lichsten nach den Ordnungen und Ge-
schlechtern der Thiere dieser Classe zu-
sammen fassen. Am allerauffallendsten
und abweichendsten ist ihr Bau bey
den Fledermäusen und beym Maulwurf.
Jenen fehlt der radius im Vorderarm,
oder sie haben höchstens nur ein grä-
tenförmiges Rudiment davon*). Ihr
Daumen ist kurz, mit einer hakenför-
migen Kralle: hingegen die phalanges
der übrigen 4 Finger, zwischen wel-
chen die Flatterhaut ausgespannt ist,
ausser allem Verhältniss lang, dünne**),
fast grätenförmig, und ohne Nägel***).

[Seite 78] Beym Maulwurf ist die Form des Schul-
terknochen (os humeri) ohne ihres glei-
chen; in der Mitte schmal, und an bei-
den Enden auss sonderbarste breit aus-
geschweift. Seine Schaufelpfoten zeich-
nen sich anförderst durch einen ganz
eignen sichelförmigen Knochen aus, der
vom vordem Ende des radius nach dem
Daumen hin liegt; ferner finden sich an
den Phalangen der Finger zahlreiche
Fortsätze, und auf ihrer Aussenseite
eine Menge Sesamsbeinchen; alles zur
Vergrösserung des Insertionswinkels der
Sehnen als Hauptmittel zur Erleichte-
rung der Muskelbewegung. – Bey den
Seehunden sind die grossen Röhrenkno-
chen der vordem Extremitäten nicht
cylindrisch, sondern wie plattgedruckt,
wodurch sie flossenartiger ausfallen und
besser zum Rudern taugen*). – Beson-
[Seite 79] ders merkwürdig sind einige Eigenhei-
ten am metacarpus und metatarsus der
Thiere mit gespaltnen Klauen und Hu-
fen. Beym Schwein nemlich bestehen
diese Theile aus vier Röhren. – Bey
den Bisulcis vor der Geburt aus zweyen
dicht an einander liegenden, die aber
nachher durch Absorption der Scheide-
wände zu einer gemeinschaftlichen Röhre
umgebildet werden*). – Beym Pferd
aus einer einzigen Hauptrohre (gamba
Veget. Fr. le canon), an deren hintern
Seitenrändern ein Paar weit kürzere
unbewegliche Nebenröhren, die Griffel-
beine (Fr. les poinçons oder os epineux)
wie angewachsen sitzen, so dass nur
jene Hauptröhre mit dem Fesselknochen
(Fr. le paturon) articulirt, welcher sich
mit der ersten phalanx eines der mitt-
lern Finger in der Menschenhand, so
[Seite 80] wie der Hufknochen*) gewissermassen
mit dem dritten oder Nagelgliede des-
selben, vergleichen lässt**). – Ueber-
haupt aber ist diese äusserste Phalanx
nach der Verschiedenheit der hornarti-
[Seite 81] gen Bedeckung derselben durch platte
Nägel oder Krallen oder Hufe oder
gespaltene Klauen u.s.w. selbst von
verschiedener damit correspondirender
Bildung.

§. 45.

Endlich auch noch einiges von den
hintern Extremitäten. – Bey den aller-
mehrsten Quadrupeden ist das Schen-
kelbein weit kürzer als ihre Schienbein-
röhre, und daher gar nicht oder kaum
merklich vom Unterleibe abstehend. Nur
bey wenigen, wie z.B. beym Bär, ist
der erstgenannte Knochen länger, und
so auch bey manchen Affen, nament-
[Seite 82] lich beym Orangutang, bey welchem
auch, so wie bey verschiednen andern
wahren Affen und Pavianen, die Röhren
des Ober- und Vorder-Arms auffallend
länger sind, als die vom Ober- und
Unter-Schenkel. – Manche, wie z.B.
die Elephanten, haben kein ligamentum
teres
am Schenkelkopf, folglich auch
keine Grube dafür auf demselben, die
sich hingegen bey den Nashörnern fin-
det. – Den Bisulcis fehlt fast durch-
gehends die fibula. – Die eigne Form
des talus bey den Thieren der nemli-
chen Ordnung ist aus dem Gebrauch
desselben zum Knöchelspiel der Alten
bekannt*). – Bey manchen Quadru-
[Seite 83] manen, und namentlich beym Orangutang,
sind die beiden hintern Phalangen der
vier Finger an ihrer Hinterhand merk-
lich bogenförmig gekrümmt, wodurch
sie zum Anhalten auf den Baumästen
bequem, hingegen zum aufrechten Gange
desto unfähiger sind. – Die Cetaceen
haben gar keine Knochen in ihren
Schwanzflossen, aber wohl in den Brust-
finnen*), wo sie im Ganzen denen in
den Vorderfüssen der Robben ähneln.


Dritter Abschnitt.
Vom
Gerippe der Vögel.

[Seite 84]

§. 46.

Der Totalbau, des Vogelgerippes*) hat
in der ganzen Classe viele übereinstim-
mende Gleichförmigkeit; und zeigt, wenn
er mit den so ungleich vielförmigern
Skeleten der Säugethiere verglichen wer-
den soll, noch die mehrste, theils auf
den ersten Blick unerwartete Aehnlich-
keit mit dem menschlichen**).

§. 47.

[Seite 85]

Zu den Eigenheiten des Schedels der
Vögel gehört, dass, wenigstens bey den
Erwachsenen, die eigentlichen Hirnscha-
lenknochen*) ohne ächte Nähte, son-
dern wie zu einem Stücke verwach-
sen, sind**).

[Seite 86] Ferner haben sie ohne Ausnahme nur
einen einzigen mit dem obersten Hals-
wirbel articulirenden condylus am vor-
dem Rande der grossen Oeffnung des
Hinterhauptes. (– tab. IV. a –)

Und eben so allgemein ist auch wohl
in der ganzen Classe der Quadratkno-
chen
(Fr. os carré)*), wodurch der Un-
terkiefer in der Ohrgegend zu beiden
Seiten mit dem Schedel eingelenkt ist.
(– tab. IV. b –)

[Seite 87] Das Thränenbein haben zwar die Säu-
gethiere mit den Vögeln gemein; doch
scheint es bey diesen noch allgemeiner
als bey jenen; ist meist von ansehnli-
cher Grösse (– tab. IV. c –) und muss
genau von dem, weit weniger allge-
meinen, aber bey den mehrsten Raub-
vögeln ansehnlichen Superciliarknochen*)
unterschieden werden.

§. 48.

Ihre Kiefer sind durchgehends zahn-
los; aber der obere**), der bey den Säu-
gethieren gänzlich unbeweglich ist, hat
bey den Vögeln, bis auf wenige Aus-
nahmen, mehrere oder mindre Beweg-
[Seite 88] lichkeit*); entweder so dass er, wie
bey den Papageyen**), einen eignen von
der Hirnschale abgesonderten Knochen
ausmacht, der durch eine wahre Arti-
culation mit derselben verbunden ist,
oder doch so, dass er bey den aller-
mehrsten übrigen zwar in einem Stück,
aber doch mittelst nachgiebiger elasti-
scher Knochenblätter mit derselben zu-
sammenhängt. – Nur bey wenigen, z.B.
beym Nashornvogel***) (Buceros rhi-
[Seite 89] noceros), scheint er gänzlich unbe-
weglich*).

§. 49.

Das Verhältniss der eigentlichen Hirn-
schalenknochen zu den Kiefern ist auch
in dieser Classe sehr verschieden. Jene
sind z.B. bey den Eulen von auffallen-
der, so wie diese hingegen bey den Nas-
hornvögeln von ungeheurer Grösse**).

§. 50.

[Seite 90]

Zu den übrigen vorzüglich characte-
ristischen Verschiedenheiten der Vögel-
schedel unter einander*), gehört beson-
ders, dass die Augenhölen (die über-
haupt in dieser ganzen Classe von an-
[Seite 91] sehnlicher Grösse sind), bey manchen
bloss durch eine membranose, bey an-
dern durch eine knöcherne mehr oder
weniger durchbrochne Scheidewand von
einander abgesondert sind; und dann
das Verhältniss der Nasen- und Gau-
menöffnung
zum Oberkiefer; das selbst
bey verschiednen Gattungen des glei-
chen Geschlechts ausnehmend differirt;
denn so sind z.B. diese Oeffnungen
klein beym Storch, und hingegen beym
Kranich von einer solchen Weite, dass
dadurch der längste Theil des Kiefers
nur wie ein durchbrochnes Prisma aus
drey weit von einander abstehenden,
nach der Schnabelspitze convergirenden,
schmalen Knochenstreifchen zu bestehen
scheint.

§. 51.

Die Steifheit des Rückens der Vögel
wird durch zahlreichere und bewegli-
chere Halswirbel compensirt, deren, um
nur wenige Beyspiele anzuführen, der
Rabe 12 hat, das Huhn 13, der Straus
18, der Storch 19, der Schwan 23.

§. 52.

[Seite 92]

Am Rumpfe (truncus) des Vogelge-
rippes sind überhaupt weniger knorpe-
lichte Theile als bey den Säugethieren,
zumal ist der dazu gehörige Theil des
Rückgrates kurz und wenig oder gar
nicht beweglich, und ohne wahre Len-
denwirbel. So wie auch kein Vogel ein
zu einer wahren gegliederten Schwanz-
rippe verlängertes Kukuksbein hat*).

§. 53.

Das Becken der Vögel wird haupt-
sächlich durch einen breiten einfachen
gemeinschaftlichen Hüftknochen gebil-
det, dessen Seitentheile bey mancher-
ley Gattungen verschiedentlich gestaltet
sind, nach unten aber, statt eine Schaam-
beinverbindung zu machen, weit von
[Seite 93] einander abstehen, wovon, so viel bis
jetzt bekannt, bloss der Straus die merk-
würdige Ausnahme macht, dass sein
Becken auch, wie bey den allermeisten
Quadrupeden, nach unten, und zwar,
wie bey einigen derselben (§. 37. p. 63.)
durch völlig zusammen verwachsene
Schaambeine geschlossen ist. (– tab.
II. e –)

§. 54.

Die Vögel haben weniger Rippen als
die Säugethiere. Meines Wissens nie
über 10 Paare. Auch liegen die so ge-
nannten unächten (costae spuriae), die
nemlich gar nicht ans Brustbein reichen,
bey ihnen nach vorn, nicht wie bey
jener Thierclasse nach den Hüften zu;
und die ächten sind nur mittelbar durch
besondre kleine Zwischenknochen mit
den Rändern des Brustbeins verbunden.
Auch zeichnen sich, wenigstens die
mittlern Paare, durch einen besondern
flachen fast hakenförmigen Fortsatz aus,
der nach oben und hinten gekehrt ist.

§. 55.

[Seite 94]

Das Brustbein dieser Thiere verläuft
sich nach unten in das verticale Kno-
chenblatt (crista) zur Anlage der mäch-
tig grossen Brustmuskeln. Beym männ-
lichen wilden Schwan (Anas cygnus),
so wie bey einigen Gattungen des Rei-
hergeschlechts, z.B. beym Kranich, bil-
det dieser Theil eine sonderbare hohle
Kapsel, die zur Aufnahme eines be-
trächtlichen Theils der Luftröhre dient.
– Dem Straus fehlt aber jenes Kno-
chenblatt gänzlich, da sein Brustbein
die in dieser Classe sonst unerhörte Form
einer flachgewölbten Schale oder eines
Brustharnisches hat.

§. 56.

Die Flügel mit dem Rumpfe zu ver-
binden, dienen dreyerley merkwürdige
Knochen*). Die überaus robusten
[Seite 95] Schlüsselbeine, welche gerade Röhren-
knochen bilden. Dann das dieser Classe
eigne Gabelbein (furcula, s. os iugale,
Fr. la lunette, Engl. the merry thought)
wodurch das obere Ende derselben mit
dem Brustbein zusammenhängt; und die
säbelförmigen Schulterblätter.

Der Straus und Casuar haben zwar
keine abgesonderte furcula; dagegen
aber auf jeder Seite, am Vordertheil
des Brustbeins, einen sonderbaren, läng-
licht flachen Knochen, der aus einem
Rudiment derselben, so wie aus dem
Schlüsselbein und Schulterblatt gleich-
sam in eins verschmolzen ist*). Ande-
rer Verschiedenheiten dieses Knochens
zu geschweigen, wie z.B. am Kranich
wo er aus zwey abgesonderten Hälften
besteht, die nicht mit einander, sondern
seitwärts mit der merkwürdigen Luft-
[Seite 96] röhren-Kapsel des Brustbeins verbun-
den sind.

§. 57.

Die Flügelknochen lassen sich im Gan-
zen füglich mit denen im Arm des
Menschen oder der Quadrumanen ver-
gleichen, und bestehen bey den aller-
mehresten Vögeln aus einer Oberarm-
röhre, zwey Vorderarmröhren, zwey
Knochen in der Handwurzel, zweyen
meist zusammen gewachsenen in der
Mittelhand, einem Daumenknochen, und
zweyen Fingern, wovon der zunächst
am Daumen liegende aus zwey Glie-
dern, der äusserste aber nur aus einem
besteht. – Zu den merkwürdigsten Ab-
weichungen davon gehört, so wohl was
die Zahl als die Bildung und das re-
spective Verhältniss dieser Knochen gegen
einander betrifft, die Einrichtung derselben
in den fast flossenartigen Ruderflügeln des
Pinguingeschlechts (– tab. III. –)*).

§. 58.

[Seite 97]

Der Knochenbau der untern Extre-
mitäten
ist am Vogelgerippe einfacher
als bey den Säugethieren, und begreift
im Allgemeinen bloss das Schenkelbein,
die Schienbeinröhre (bey manchen mit
einer kurzen fast grätenförmigen Ne-
benröhre), eine Röhre des Mittelfusses
(metatarsus)*), und die Fusszehen.
Und da die Vögel weder wahre Neben-
röhre (fibula), noch auch Fusswurzel
(tarsus) haben, so articulirt ihre Schien-
beinröhre unmittelbar mit der gedach-
ten Mittelfussröhre. – Bey den mehr-
sten Vögeln ist eine merkwürdige Pro-
gression der Zahl der Phalangen in ih-
ren Zehen, da die hintre Zehe aus zwey
Gliedern, die innere aus dreyen, die
[Seite 98] mittlere aus vieren, und die äusserste
aus fünfen besteht*). – Doch haben
die Papageyen an der grossen Zehe noch
einen besondern Querknochen**).


Vierter Abschnitt.
Vom
Gerippe der Amphibien.

[Seite 99]

§. 59.

Bey den Amphibien sind erstens die
beiden Ordnungen derselben, die vier-
füssigen nemlich und die Schlangen,
und unter jenen wiederum die drey
Hauptgeschlechter von Schildkröten, Frö-
schen und Eidechsen, in der Totalform
ihres Körpers, und mithin auch in der
Einrichtung ihrer Gerippe, so sehr von
einander verschieden, dass es am besten
seyn wird, das hierher gehörige nach
der Folge dieser Ordnungen und Ge-
schlechter selbst, zusammen zu fassen.
Zuerst also von den Reptilien.

§. 60.

[Seite 100]

Die Schildkröten, deren ganze Ge-
rippe*) überhaupt, so wie diese Thiere
selbst, einen ausnehmend sonderbaren
Bau haben, sind völlig zahnloss; haben
aber (so wie mehrere andre Thiere aus
beiden Ordnungen dieser Classe) vorn
am Oberkiefer eine Art von os inter-
maxillare.
Der hornichte Ueberzug ih-
rer Kinnladen hat, zumal an der obern,
in Rücksicht seiner Verbindung mit der-
selben, manche theils auffallende Aehn-
lichkeit mit dem Pferdehuf. Zumal bey
den Seeschildkröten ist die Hirnhöhle
äusserst eng in Vergleich zur Grösse
[Seite 101] des Schedels*), dessen grössten Raum
die beiden weiten fossae laterales ein-
nehmen, in welchen die mächtig grossen
Beissmuskeln liegen.

§. 61.

Der eigentliche Rumpf des Skelets
ist mit den beiden grossen Schalen des
Thiers verwachsen: so, dass die Brust-
wirbel und Rippen in der Rückenschale
festsitzen, das Brustbein hingegen dem
Bauchschild zur Grundlage dient.

Die knöcherne Rückenschale besteht
aus ohngefähr 50 Stücken, die theils
durch ächte Nähte unter einander ver-
bunden sind.

§. 62.

An den Beckenknochen**) unterschei-
det man die gleichen drey Haupttheile,
[Seite 102] wie bey der Säugethiere ihren, aber im
umgekehrten Verhältniss der respectiven
Grösse. Die Schaambeine nemlich sind
so hoch und breit, dass sie die beiden
grössten flachen Knochen (ossa plana)
am ganzen Schildkröten-Skelet aus-
machen, die Hüftknochen hingegen am
kleinsten.

§. 63.

Am sonderbarsten ist Form und Lage
ihrer Schulterblätter und Schlüsselbeine.
Jene liegen ganz anomalisch nach un-
ten, hinter dem Brustschilde, und diese
haben gleichsam die Gestalt eines Win-
kelhaken, wo aussen an der Ecke des-
selben die Oberarmöhre (os humeri) ein-
gelenkt ist.

§. 64.

Frösche und Kröten*) haben theils
Gaumen-theils Kieferzähnchen, und ein
[Seite 103] sehr kurzes Rückgrat, das sich hinten
in einen einfachen geraden Knochen en-
digt, der mitten zwischen dem gabelför-
migen Hüftknochen zu liegen kommt.

§. 65.

Sie haben gar keine Rippen; dage-
gen aber breite processus transuersos der
Brustwirbel, und eine sonderbare Ver-
bindung der fast schuppenförmigen Schul-
terblätter und zweyer Paare von Schlüs-
selbeinähnlichen Knochen mit dem Brust-
beine.

§. 66.

Noch verdient eine sonderbare Ein-
richtung in der Vorderarmröhre und
dem Schienbein dieser Thiere Erwäh-
nung, als welche zwar nur aus einem
Stücke bestehn und noch dazu in der
[Seite 104] Mitte dicht sind ohne Markhöhle, aber
sich an beiden Enden gleichsam in zwey
fast trichterförmige Röhren mit deutli-
chen Markhöhlen spalten*).

§. 67.

Unter den Eidexenartigen**) Amphi-
bien mögen hier die Crocodile***) we-
[Seite 105] gen mancher besonders merkwürdigen
Eigenheiten in ihrem Bau zum Bey-
spiele dienen.

Schwerlich sind bey irgend einer an-
dern Art von Thieren die Kiefer von
so auffallender Grösse in Vergleich zu
der äusserst engen Hirnhöhle.

Der obere endigt sich vorn in eine
Art von os intermaxillare, und die
Seitenflügel des untern bestehen aus
mehrern zusammengefügten Stücken.

Besonders ist auch bey diesen Thie-
ren*) die Einlenkung des Unterkiefers;
da derselbe die am Oberkiefer befindliche
Gelenkwalze (condylus) in seine Gelenk-
rinne (cauitas articularis) aufnimmt**).

§. 68.

[Seite 106]

Ihre zahlreichen Zähne haben das
merkwürdige, dass zum Behuf des Wech-
selns anfänglich immer ihrer zweye wie
Tuten in einander stecken*).

§. 69.

[Seite 107]

Die allerauffallendste Sonderbarkeit an
ihrem Gerippe ist aber ein wunderba-
res sternum abdominale, was ganz vom
vordern eigentlichen Brustbein verschie-
den ist, und sich vom Schwerdknorpel
desselben nach den Schaambeinen er-
streckt, und zur Stütze der Bauchein-
geweide zu dienen scheint*).

§. 70.

[Seite 108]

Die Schlangen*) haben wohl sämmt-
lich einen, unabhängig von der übrigen
Hirnschale schon für sich mehr oder
weniger beweglichen Oberkiefer.

§. 71.

Bey ihrem Gebiss ist vor allem die
wichtige sehr bestimmte Verschiedenheit
zu merken, wodurch sich die gifti-
gen Gattungen von Schlangen von den un-
gleich zahlreichern giftlosen auszeichnen.

Die letztern haben nämlich im Ober-
kiefer vier mit kleinern Zähnen besetzte
Maxillarknochen, wodurch gleichsam eine
gedoppelte doch weit von einander ab-
stehende Reihe von Zähnen gebildet
[Seite 109] wird, wovon die eine nach innen auf
jeder Seite längs des Gaumens, die
andre aber nach aussen am vordem Kie-
ferrande sitzt.

Den eifrigen fehlt diese äussre Reihe
von kleinen Zähnchen; dagegen haben
sie aber am vordern Rande des Ober-
kiefers die längern röhrenförmigen Gift-
zähne, welche mit den Giftblasen in
Verbindung stehen, und im Grunde als
wahre knöcherne ductus excretorii an-
zusehen sind, wodurch das Gift in
die damit gebissne Wunde eingeflösst
wird*).

§. 72.

So wie es überhaupt scheint dass die
Menge der Rückgratswirbel bey den roth-
blütigen Thieren mit der Grösse und
Stärke ihrer äussern Bewegungswerk-
[Seite 110] zeuge im umgekehrten Verhältnisse ste-
hen; so haben namentlich die Schlan-
gen beym gänzlichen Mangel solcher
Werkzeuge die allerzahlreichsten Wir-
bel; theils über 300.

Bey den Klapperschlangen sind die
letzten Schwanzwirbel breit, und mit
den ersten blasenförmigen Gliedern der
hornartigen Klapper überzogen; so wie
auch die übrigen holen Glieder dieses
in seiner Art so einzigen und räthsel-
haften Organs*) auf eine bewunderns-
werthe Weise an einander gelenkt sind.

§. 73.

[Seite 111]

Auch finden sich bey den Schlangen
die allermehrsten Rippenpaare; bey man-
chen auf dritthalbhundert.

Darunter verdienen besonders die 20
Paare von sogenannten costis scapulari-
bus
der Brillenschlangen bemerkt zu
werden, die ihnen zum Aufblähen des
Halskragens dienen*).

Hingegen sind die Schlangen (etwa
mit Ausnahme der Blindschleichen) wohl
unter allen rothblütigen Thieren die ein-
zigen die kein eigentliches Brustbein
haben.


Fünfter Abschnitt.
Vom
Gerippe der Fische.

[Seite 112]

§. 74.

Bey der mannichfaltigen Verschieden-
heit in der Totalbildung der Fische be-
greift sich von selbst wie vielartig auch
die Form ihrer Gerippe seyn muss*);
[Seite 113] doch kommen sie im Ganzen darin un-
tereinander überein, dass ihre Finnen,
Zumal die Brust- und Bauch-Flosse an
besondre dazu bestimmte Knochen ein-
gelenkt sind; überhaupt aber die Fische
weit mehr lose vom übrigen Skelet ab-
gesonderte Knochen haben, als die Thiere
der vorigen Classen*).

§. 75.

Der Schedel ist bey vielen Knorpel-
fischen (namentlich bey den Rochen)
von sehr einfachen Bau, und besteht
[Seite 114] (den Unterkiefer abgerechnet) meist nur
aus Einem Haupt-Stück. Bey den Grä-
tenfischen hingegen ist er aus desto zahl-
reichern Knochen zusammengesetzt, de-
ren man z.B. am Kopfe des Barsch auf
80 zählt.

Die meisten von diesen haben einem
mehr oder minder beweglichen Oberkiefer,
auch mit einem vel quasi os interma-
xillare.

§. 76.

Besonders zeigt sich in dieser Classe
grosse Mannichfaltigkeit im Bau des
Gebisses.

Manche Geschlechter, wie z.B. die
Störe, sind zahnlos. Ihr Gebiss, das
aus den Oberkiefern, Jochbeinen und
beiden Hälften der Unterkinnlade be-
steht, macht einen vom übrigen Sche-
[Seite 115] del abgesonderten, eignen beweglichen
Theil aus, der aus dem, unten nach
dem Halse zu liegendem Maule, heraus-
geschoben und wieder eingezogen wer-
den kann.

§. 77.

Unter dem mit Zähnen versehenen
Fischen findet sich ausnehmende Ver-
schiedenheit in. Form, Menge und Lage
derselben.

So haben z.B. manche Gattungen des
Brachsengeschlechts (Sparus probatoce-
phalus
u.a.m.) fast menschenähnliche
Vorderzähne*), die auch mit Wurzeln
in Zahnzellen eingekeilt sitzen.

Bey sehr vielen andern Fischgeschlech-
tern hingegen werden die Zähne durch
zapfenförmige Fortsätze der Kieferkno-
chen gebildet, die nur wie mit einer
Rinde von Schmelz (substantia vitrea)
überzogen sind.

[Seite 116] Bey den allermehresten Hayfischen ist
das Gebiss mit zahlreichen Zähnen auf
den Nothfall zum Ersatz von verlohren
gehenden, versehen. Der carcharias
z.B. hat ihrer über 200, die in meh-
reren Reihen fast wie die Blätter einer
Artischocke auf einander liegen. Nur
die in der äussersten Reihe am Kiefer-
Rande stehen auswärts und bloss. Die
in den übrigen Reihen hingegen sind
kleiner, mit den Spitzen rückwärts ge-
kehrt und mit einer Art Zahnfleisch be-
deckt. Sie brechen durch und schlagen
sich rum wenn welche in der äussern
Reihe verlohren gehen*). Es versteht
sich daher bey dieser Einrichtung von
selbst, dass sie keine Wurzeln haben
können.

Nur der Sägefisch (Squalus pristis) hat
an beiden Seitenrändern seines Schwerd-
förmigen Gewehrs fest eingekeilte Zähne.

[Seite 117] Bey manchen Fischen ist selbst der
Gaumen und bey einigen (z.B. beym
Lophius piscatorius) sogar das Zungen-
bein, so wie bey vielen Rochen der
Rand des Wundes mit Zähnen wie ge-
pflastert*).

§. 78.

Das Rückgrat, besteht bey den lang-
gestreckten Fischen mit kurzen Flossen
aus desto zahlreichern Wirbeln (§. 72.),
[Seite 118] deren sich z.B. beym Aal über 100,
bey manchen Hayen über 200 finden.

Das Hauptstück oder sogenannte cor-
pus
dieser Wirbel ist meist cylindrisch,
auf beiden Flächen mit einer trichter-
förmigen Vertiefung und concentrischen
Ringen, deren Zahl sich nach dem Alter
des Thiers richten soll.

Das Rückenmark läuft oberhalb der-
selben durch einen an der Wurzel der
Dornfortsätze gebildeten Canal.

Mit den sogenannten Brustwirbeln sind
bey den mehresten Gräten-Fischen die
Rippen eingelenkt; bey manchen stehen
sie aber ausser dergleichen Verbindung
mit denselben; und den Knorpelfischen
kann man gar keine eigentlichen Rippen
zuschreiben.

§. 79.

Unter den besondern Knochen die zur
Grundlage und Einlenkung der Flossen
[Seite 119] dienen*), lassen sich die an den Brust-
finnen mit Schulterblättern, und die an
den Bauchflossen gewissermassen mit den
Hüftknochen der vorigen Thierclassen
verglichen**).

§. 80.

[Seite 120]

Viele Fische sind endlich auch noch
mit blossen Fleischgräten (ossicula mus-
culorum
Artedii) versehen, die theils
gabelförmig sind, immer bloss zwischen
den Muskeln liegen und zur Bewegung
derselben dienen.


Sechster Abschnitt.
Vom
Schlunde und Magen
.

[Seite 121]

§. 81.

Auf die vergleichende Uebersicht der
Gerippe, als von welchen die Totalbil-
dung der rothblütigen Thiere abhängt,
folgt nun der zweckmässige Aushub des-
sen, was von übrigen thierischen Kör-
perbau und dessen Verrichtungen hier
zu merken ist; und diess zwar nach
einer natürlichen Ordnung und Folge
der Functionen.

In den Unterabtheilungen jedes Ab-
schnitts werden dann die einzelnen Thier-
classen, nach der im Vortrag der Zoo-
logie gewöhnlichsten Ordnung durch-
gegangen.

§. 82.

Die sogenannten Functiones naturales
die das Ernährungs-Geschäfte der Thiere
[Seite 122] in weitern Sinne begreifen, machen um
so füglicher den Anfang, da sie einer-
seits allen Thierclassen ohne Ausnahme
zukommen, ja sogar, wenn gleich auf
eine andre Weise, den Pflanzen mit den
Thieren gemein sind; anderseits aber
doch auch gerade in der eigenthümli-
chen Art wie sie von den Thieren voll-
zogen werden, ein Hauptcharacter der
Animalität liegt; insofern nemlich die
Thiere diejenigen organisirten Körper
sind, die in der Regel ihre Nahrung
mittelst willkührlicher Bewegung suchen,
und sie durch den Mund in den Magen
bringen.

A) SÄUGETHIERE.

§. 83.

Von ihrem Gebiss ist das merkwür-
digste schon im zweyten Abschnitt ge-
sagt. – Manche Affen, Paviane und
Meerkatzen, sind so wie die Hamster
und einige demselben ähnliche Gattun-
gen des Marmotengeschlechts mit Bak-
[Seite 123] kentaschen (thesauri)
versehen, worin
jene Quadrumanen bey ihrem Aufent-
halte auf den Bäumen im Nothfall kleine
Provisionen aufnehmen, und die Ham-
ster u. dergl. Wintervorrath in ihre Erd-
hölen eintragen*).

§. 84.

Bloss bey den Camelen der alten
Welt ist bis jetzt der grosse drüsen-
reiche willkührlich bewegliche Anhang
des veli palatini bemerkt worden, der
vermuthlich diesen Thieren bey ihrem
Aufenthalt in dürren Sandwüsten zur
Netzung des Rachens dient**).

§. 85.

[Seite 124]

Der Schlund der Quadrupeden zeich-
net sich von dem Menschlichen beson-
ders durch den fast schraubenförmigen
Lauf der beiden Reihen von einander
durchkreuzenden Querfasern in seiner
Fleischhaut aus. – Bey gierig schlin-
genden Raubthieren wie z. E. beym
Wolf ist er von auffallender Weite: so
wie hingegen bey vielen grössern Gras-
fressenden, zumal aber bey den Wie-
derkauenden seine Häute desto robu-
ster sind*).

Auch die Mündung des Schlundes in
den Magen zeigt in Rücksieht der
Weite sowohl, ab der Art ihrer Inser-
tion manche Verschiedenheit; daher be-
greiflich ist warum sich manche Thiere,
wie der Hund, so sehr leicht, andre
[Seite 125] hingegen, wie z.B. das Pferd, kaum
anders als in äusserst seltnen Fällen*),
erbrechen können**).

§. 86.

[Seite 126]

Weit mehr ist der Magen selbst bey
vielen Thieren dieser Classe in Form
und Bau und Function verschieden*).

Bey den mehrsten fleischfressenden**)
Quadrupeden, zumal bey den sogenann-
ten reissenden Thieren, ist er dem
Menschlichen im Ganzen ziemlich ähn-
lich, doch theils von andrer Gestalt, wie
z.B. bey der Robbe (Phoca vitulina)
wo der Schlund gleich am linken Ende
des Magens eintritt, so dass dasselbe gar
keinen sogenannten blinden Sack bildet.
Bey manchen andern, z.B. beym Lö-
wen, Bär u.s.w. ist er um die Mitte
herum durch eine schwache Verenge-
rung wie in ein paar Abschnitte ge-
[Seite 127] theilt, und überhaupt sind bey den Car-
nivoren seine Häute, zumal die Fleisch-
haut sehr robust*).

§. 87.

Bey manchen Herbivoren scheint er
von aussen ebenfalls einfach; ist aber
inwendig entweder wie beym Pferd**),
durch auffallende Verschiedenheit der
beiden Hälften der innern Haut die ihn
auskleidet***); oder aber wie bey so
[Seite 128] vielen mauseartigen Thieren durch eine
fast klappenförmige Verlängerung der-
selben Haut gleichsam in zwey Ab-
schnitte getheilt. Diess ist auch beym
Hasen und Caninchen der Fall, und da
zeigt sich, besonders wenn sie ein paar
Stunden vorher gefressen haben, auffal-
lende Verschiedenheit zwischen der Be-
schaffenheit des Futters in derjenigen
Hälfte wo der Schlund eintritt, in Ver-
gleich zu der die nach dem Darm geht.

§. 88.

Bey manchen andern, zumal eben-
falls grasfressenden Säugethieren, besteht
er aber aus zwey oder noch mehreren
[Seite 129] schon von aussen ganz von einander
unterschiedenen, und gleichsam eben so
viele Mägen bildenden Abschnitten. So
z. E. beym Hamster aus zweyen*);
beym Kängaruh**), und beym Bisam-
schwein***) aus dreyen; bey den Faul-
thieren aus vieren†).

Aber auch die fleischfressenden Ceta-
ceen
haben einen vielfachen Magen, und
zwar manche Gattungen derselben von
[Seite 130] drey, andre von vier und theils von fünf
sackförmigen Abtheilungen*).

§. 89.

Die so zu sagen kunstreichste Ein-
richtung, zumal des innern Baues und
seines Mechanismus findet sich bey den
allgemein bekannten vier Mägen der
wiederkauenden Thiere mit gespaltnen
Klauen, wovon wir die von zwey da-
hin gehörigen Hausthieren, dem Horn-
und Wollvieh zum Muster nehmen**).

[Seite 131] Der erste Magen, der Pansen (beym
Rothwildbret der Wanst, rumen, pe-
[Seite 132] nula, magnus venter, ingluuies,
Fr. le
Double, l'herbier, la panse;
Engl. the
paunch)
ist beym erwachsnern Vieh (noch
nicht so beym neugebohrnen oder Säug-
ling) bey weiten der allergrösste; von
aussen am Ende gleichsam in zwey sack-
förmige Anhänge, inwendig aber wie in
vier Höhlungen abgetheilt; und seine in-
nere Haut wie mit unzähligen plattge-
drückten Zäpfchen besetzt*).

[Seite 133] Hierauf folgt zweytens die Haube,
Mütze, das Garn oder der Magenzipfel
[Seite 134] (reticulum, arsineum, ollula, Fr. le bon-
net, le reseau
, Engl. the Honeycomb)
der gleichsam als ein kuglichter Anhang
zum Pansen anzusehen ist, sich aber
doch besonders durch die ausnehmend
saubre Bildung der polygonischen scharf-
kantigen Zellen oder Fächer von dem-
selben auszeichnet, die durch die inner-
ste Haut desselben formirt werden.

Der dritte Magen heisst das Buch,
der Psalter, Calender, Falten- oder Blät-
termagen, oder Löser, (echinus, con-
claue, centipellio, omasum,
Fr. le feuil-
let; le pseautier,
Engl. the manyfold,
the feck)
ist der kleinste, und von den
vorigen beiden sowohl in seiner Form,
die man mit der eines zusammengeku-
gelten Igels verglichen hat, als in sei-
nem Innern gänzlich verschieden; denn
seine Hölung wird durch zahlreiche
(beym Schaf gegen 40, beym Ochsen ge-
gen 100) blätterförmige Duplicaturen
seiner innern Haut sehr beengt, die längs
[Seite 135] liegen und von verschiedner regelmässig
abwechselnder Breite sind.

Der vierte endlich, der sogenannte
Laab, Fettmagen oder Rohde (aboma-
sum, faliscus, ventriculus intestinalis,

Fr. la caillette, Engl. the read) ist
nächst dem Pansen der grösste, länglicht
birnförmig, und seine innere Haut der
in andern Thiermägen ähnlich, mit grossen
längslaufenden wulstigen Falten.

§. 90.

Die ersten drey Mägen stehen auf
eine überaus merkwürdige Weise unter
einander und mit einer rinnenförmigen
Fortsetzung des Schlundes in Verbin-
dung. Dieser tritt nämlich da ein wo
Pansen, Haube, und Buch an einander
grenzen; verläuft sich aber dann inwen-
dig in die gedachte Rinne, so dass das
obre Ende derselben mit ihm continuirt,
das untre aber nach dem dritten Magen
geht. Als Rinne steht sie dann zugleich
den rechts und links liegenden beiden
[Seite 136] ersten Mägen offen. Wenn sich aber
ihre wulstigen fast lippenähnlichen Sei-
tenränder an einander legen, so bildet
sie dann eine geschlossene Röhre, die
gleichsam als eine directe Fortsetzung
des Schlundes nach dem dritten Magen
anzusehen ist.

§. 91.

Die verschiedene Verrichtung dieses
sonderbaren Theils entweder als offne
Rinne, oder als geschlossene Röhre,
scheint also dahin abzuwecken, dass
sie im ersten Fall das abgegraste nur
obenhin zermalmte noch halb rohe Fut-
ter in den Pansen als in ein Magazin
fallen lässt; von wannen es in kleinen
Portionen in die Haube kommt, und
von dieser, nachdem es mehr durch-
weicht ist, (gleichsam durch eine Art
von motus antiperistalticus) in den
Schlund zurück, und so wieder ins
Maul getrieben, daselbst ruminirt und
zum zweyten mal geschluckt wird;
wobey sich aber sodann die Rinne zur
[Seite 137] Röhre schliefst*) und den wiederge-
kauten Bissen geradewegs in den dritten
Magen leitet**). Hier wird das rumi-
[Seite 138] nirte bey seinem vermuthlich nur kur-
zen Aufenthalt, zwischen den Blättern
desselben noch mehr zur Verdauung
vorbereitet, und diese dann vollends
im vierten oder eigentlich sogenannten
Magen beendigt*).

§. 92.

[Seite 139]

Noch ein paar Eigenheiten an den
Mägen einiger andern Säugethiere fin-
den gerade hier ihre passendste Stelle,
ehe wir zu der Vögel ihren übergehn,
da sie darin mit dem übereinkommen,
wodurch sich sonst viele von diesen
auszeichnen.

Beym Beutelthier nemlich stehn ganz
gegen die sonstige Regel in dieser Thier-
classe die beiden Mündungen des Ma-
gens, so nahe oder eigentlich noch
dichter beysammen als bey so vielen
Vögeln.

[Seite 140] Der Biber hat am obern Magen-
munde ein eignes corpus glandulosum,
ohngefähr von der Grösse eines Gulden
nach innen voller Schleimhölen*); das
im Ganzen dem bulbus glandulosus am
Vogelmagen ähnelt, und diesem bewun-
dernswerthen Thiere wohl zur Verdauung
und Animalisirung seines trocknen Fut-
ters von Baumrinden, Spänen u.s.w.
dient.

Und der Magen des Pangolin (Ma-
nis pentadactyla)
ist fast so derb und
fleischicht als ein Hühnermagen, und
enthält auch so wie der von den Kör-
nerschluckenden Vögeln, Steinchen und
Grant, der von jenem Thier wahrschein-
lichst zu gleichem Zweck, wie bey die-
sen Vögeln, eingeschluckt wird**).

B) VÖGEL.

[Seite 141]

§. 93.

So wie oben der Backentaschen bey
manchen Säugethieren gedacht worden,
so verdient hier der Kehlsack Erwäh-
nung, der beym männlichen Trappen
vorn am Halse unter der Haut liegt,
und sich mit einer weiten Mündung unter
der Zunge öffnet, dessen Nutzen aber
noch nicht ganz entschieden scheint*).

§. 94.

Der Schlund, der überhaupt bey den
meisten Vögeln der Luftröhre zur rech-
[Seite 142] ten herabsteigt, ist bey vielen fleisch-
fressenden so wie auch ihr oberer Ma-
genmund von auffallender Weite; (meist
ungleich weiter als der Darmcanal);
theils um die ganzen Fische oder grosse
Knochen die sie schlucken und die der
Magen nicht fassen könnte, einstweilen
zu beherbergen*), theils auch um das
Gewölle (die Haar- oder Federn- und
Knochen- oder Gräten-Ballen) desto
leichter wieder auszubrechen**).

§. 95.

[Seite 143]

Meist nur bey den Landvögeln wie
es scheint, und auch nicht einmal bey
diesen allen, (übrigens aber bey vielen
Raubvögeln*) so gut als bey Körner-
fressenden,) erweitert sich der Schlund
vor dem Brustbein erst in den Kropf
(ingluuies, prolobus,
Fr. jabot), der mit
zahlreichen, theils in regelmässige Rei-
hen vertheilten Schleim- oder Speichel-
Drüsen besetzt ist; die besonders bey
denen die ihre Junge aus diesem Kropfe
ätzen, um die Zeit merklich anschwel-
len**) und eine beträchtlichere Menge
Saftes secerniren***).

§. 96.

[Seite 144]

Ohne Vergleich allgemeiner und wohl
meist der ganzen Classe zukommend, ist
ein andres drüsenreiches secernirendes Or-
gan, der Vormagen, (bulbus glandulosus,
echinus, infundibulum, proventriculus,
corpus tubulosum
etc.) der vor dem Ein-
tritt des Schlundes in den eigentlichen
Magen liegt, dessen Bildung*) und rela-
tive Grösse aber bey verschiedenen Ge-
schlechtern und Gattungen vielartig dif-
ferirt. Beym Straus z. E. nimmt er sich
in Grösse und Form völlig wie ein
[Seite 145] zweyter Magen aus*). Bey manchen
andern Vögeln, wie z. E. bey Papageyen,
Reihern**) u.s.w. weicht er zwar
vom eigentlichen Magen in der Gestalt
ab, übertrifft ihn aber an Grösse; so wie
er hingegen bey den Hühnern u.s.w.
weit kleiner ist***) und dem Eisvogel,
gänzlich zu mangeln scheint.

§. 97.

Bey den mehresten Vögeln liegt der
Magen mehr nach oben†), nach dem
Rückgrat zu, und ruht gleichsam auf
einer Unterlage von Gedärmen; beym
[Seite 146] Kukuk hingegen kommt er unten zu
liegen; doch ist diess bey weiten keine
ausschliessliche Eigenheit dieses merk-
würdigen Geschöpfs*), sondern ich habe
das gleiche auch bey manchen andern,
namentlich beym Pfefferfras (Rampha-
stos tucanus
) und Nussheher (Coruus
caryocatactes)
gefunden.

§. 98.

Der Bau des Magens scheint zwar
bey den verschiedenen Ordnungen und
Geschlechtern dieser Classe von auffal-
lend grosser Verschiedenheit zu seyn.
Bey vielen Fleisch- und Insectenfressen-
den z. E. nur wie ein häutiger Schlauch
in Vergleich zu dem mit den derben
muskulösen Ballen bey den Körner-
schluckenden Vögeln. Aber zwischen
diesen beiden Extremen finden einer-
[Seite 147] seits mannichfaltige Uebergänge*), und
anderseits auch grosse Analogieen statt;
zumal was den Lauf der Faserbündel
in der Fleischhaut**) und das gleich-
sam schwielichte Ansehen der inner-
sten***) betrifft, als worinn doch auch
viele von jenen sogenannten membranö-
sen Mägen mit dem bey den Hühnern
u.s.w., merkliche Aehnlichkeit zeigen.

§. 99.

Freylich aber ist beides, zumal der
muskulöse Theil, am ventriculus bulbosus
der körnerschluckenden Vögel, bekannt-
lich von ganz ausgezeichneter Stärke†).

[Seite 148] Hier finden sich nemlich statt der blossen
Fleischhaut die vier ausnehmend dicken
derben Muskeln; das grosse Paar he-
misphärische laterales, und zwey klei-
nere wulstige intermedii über den beiden
Enden der Magenhöhle. Alle viere un-
terscheiden sich sowohl durch ihre Tex-
tur*) und beyspiellose Festigkeit, als
durch die ihnen eigene Farbe von allen
andern Muskeln des thierischen Körpers.

Die schwielichte innerste Haut, de-
ren Furchen und Runzeln von beiden
Halbkugeln wechselseitig in einander
greifen, verhält sich wie eine wahre
Epidermis, indem sie so wie diese durch
anhaltenden Gebrauch von Druck und
Reiben allgemach dicker wird**).

Die Höhle dieser sonderbaren Mägen
ist nach Verhältnis enge und klein,
[Seite 149] und verläuft sich trichterförmig in den
untern Magenmund, der nahe bey dem
obern liegt. – Kurz, alles ist an die-
sem merkwürdigen Organe auf mächtige
Triturationskraft*) berechnet, zu de-
ren Verstärkung noch der bekannte In-
stinct der körnerschluckenden Vögel
kommt, ausser ihrem Futter immer auch
rauhe harte Steinchen zu sich zu neh-
men**).

C) AMPHIBIEN.

[Seite 150]

§. 100.

Bey den Seeschildkröten hat der weite
Schlund eine ganz auffallende Eigenheit
[Seite 151] heit, da er inwendig mit unzähligen
grossen, steifen, an den Spitzen fast
hornartigen Stacheln von weisser Farbe
besetzt ist*). Sie stehen alle in einer-
ley Richtung, mit den Spitzen rück-
wärts nach dem Magenmunde zu. Ver-
muthlich um den Rücktritt des dahin-
eingeschluckten Futters zu verhüten,
das nur allmälich in den Magen gelan-
gen kann.

§. 101.

Bey den Crocodilen ist der Schlund
trichterförmig, und ihr Magen hat so-
[Seite 152] wohl in der benachbarten Lage seiner
Leiden Mündungen als auch gewisser-
massen in der Derbheit seiner Häute,
einige (wenn gleich nur entfernte) Aehn-
lichkeit mit der körnerfressenden Vö-
gel ihrem.

§. 102.

Bey den Schlangen zeigt der Ma-
gen wenig andere Verschiedenheit vom
Schlunde, als dass er etwas weiter, aber
in Verhältniss zu dieses seiner ansehn-
lichen Länge, auffallend kurz ist.

D) FISCHE.

§. 103.

Dagegen ist der Schlund bey den
mehresten Fischen desto kürzer. Doch
ist diess weder wie Aristoteles
glaubte*) der ganzen Classe gemein,
noch auch, wie andere es modificirt, der
verlängerte Schlund den langgestreck-
ten Fischen eigen.

§. 104.

[Seite 153]

Grösse und Form des Magens va-
riirt in dieser Classe sehr mannichfal-
tig*). Bey den mehresten Fischen ist
er dünnhäutig. Bey gar manchen aber
auch ziemlich derb fleischig**) und
inwendig mit schwielichter Haut aus-
gekleidet; doch dass auch bey diesen
die vermeinte Aehnlichkeit desselben
mit dem Magen der körnerschluckenden
Vögel nur sehr entfernt bleibt***).

E) INSECTEN.

[Seite 154]

§. 105.

Was schon anderwärts*) angemerkt
worden, dass das Ernährungsgeschäft
der Insecten bey weiten nicht bloss
wie bey den allermehresten rothblü-
tigen Thieren, auf ihre Selbsterhal-
tung, sondern hauptsächlich darauf ab-
aweckt, dass sie organisirte Materie con-
sumiren
sollen, das wird durch den aus-
gezeichneten Bau ihrer sogenannten er-
sten Wege augenscheinlich bestätigt**):
da zumal bey den allermehresten von
denen, die sich einer Verwandlung un-
terziehen, der Magen im Larvenzustande
von mächtiger Grösse in Verhältniss zu
dem kurzen Darmcanal ist; und dage-
gen bey denen die in ihrem vollende-
ten Zustande wenig oder keine Nahrung
mehr zu sich nehmen, alsdann auch
[Seite 155] ganz auffallend verkleinert und gleich-
sam zusammengeschrumpft erscheint*).

§. 106.

Ueberhaupt kann von den endlos man-
nichfaltigen Besonderheiten des innern
Baues in einzelnen Geschlechtern und
Gattungen dieser so vielförmigen Thier-
classe hier nur sehr weniges Platz fin-
den: also auch von denen am Schlund
und Magen derselben bloss ein Paar
Worte**).

[Seite 156] Im Ohrwurm ist der obere Magen-
mund inwendig wie mit einigen Zähnen
[Seite 157] in zwey Reihen besetzt*).

Bey manchen Heuschrecken ist der
Magen selbst zwar klein, dafür aber
der Schlund von desto grösserer Weite.

Bey manchen Gattungen dieses Ge-
schlechts; zumal bey der Maulwurfs-
grille besteht der Magen aus drey bis
vier blasenförmigen Abtheilungen**).
die man mit den Mägen der wieder-
kauenden Säugethiere verglichen hat***).

Des mit Gräten und andern Knochen-
stücken versehenen Magens des Hum-
mers und einiger anderer Krebse†) ist
[Seite 158] schon oben gedacht [§. 1. Not. *)]. Be-
kanntlich liegen auch an diesem seine
drey Zähne, die wenigstens beym Fluss-
krebs, so wie der Magen selbst alljähr-
lich reproducirt werden.

F) WÜRMER.

§. 107.

Auch aus dieser Classe die so sehr
vielartig von einander verschiedene Ge-
schöpfe begreift, können hier nur we-
nige Beyspiele gleichsam als Muster aus-
gehoben werden*).

[Seite 159] Einen überaus sonderbaren Magen hat
der wegen seiner wunderschönen Farben
[Seite 160] allgemein bekannte Goldwurm (Aphro-
dite aculeata);
bey welchem dieses Ein-
geweide an Form und Grösse fast einem
Dattelkern, so wie an Derbheit des Ge-
füges beynahe dem bey den körner-
schluckenden Vögeln ähnelt*).

Bey vielen Schalthieren, zumal unter
den Bivalven wird der Schlund wie zu
einen Kropf oder Vormagen erweitert;
und ist bey manchen inwendig mit
hunderten von zarten Zähnchen be-
setzt**).

In dem sehr robusten und dehnba-
ren Magen der Bulla lignaria sitzen
drey harte kalkichte Schalen womit das
[Seite 161] Thier andre Conchylien die es verzehrt
zu zermalmen im Stande ist*).

Bey den mehrsten eigentlichen Mol-
lusken ist der Magen von einfachem
häutigen Bau, und nach Verhältniss von
sehr verschiedner Grösse. Auffallend
gross habe ich ihn z. E. bey Scyllaea
pelagicum
gefunden. Vollends bey den
Blutegeln füllt er bekanntlich den grössten
Theil des Leibes und ist inwendig mit-
telst zehn häutiger durchbrochener Schei-
dewände wie in Abschnitte getheilt.

[Seite 162] Die Armpolypen endlich und andere
ihnen ähnliche Zoophyten sind über-
haupt kaum für etwas andres als für
einen beseelten an der Mündung mit
Fangarmen besetzten Magen anzu-
sehen.


Siebenter Abschnitt.
Vom
Darmcanal
.

[Seite 163]

A) SÄUGETHIERE.

§. 108.

Der Darmcanal (– überhaupt nächst
dem Magen das allerallgemeinste Ein-
geweide im ganzen Thierreich –) zeigt
bey den Thieren dieser Classe, beson-
ders nach der Nahrungsweise derselben
eine doppelte Hauptverschiedenheit, in-
dem er in der Regel bey den Fleisch-
fressenden nach Verhältniss kürzer, und
dann auch die Strecke der sogenannten
dünnen Därme bey denselben im Aeus-
sern weniger von den dicken verschie-
den ist, als bey den Herbivoren*). –
[Seite 164] Doch leidet auch alles dieses seine Aus-
nahmen. Denn so hat z.B. die Robbe
auffallend lange, und hingegen das Faul-
thier sehr kurze Gedärme; so sind fer-
ner beym Dachs, der doch kein eigent-
lich fleischfressendes Thier ist, ja selbst
bey manchen bloss Herbivoren, wie
z. E. beym Siebenschläfer (Glis esculen-
tus)
u.a.m. die dünnen Därme meist
von gleicher Stärke mit den dicken, und
was dergl. m. ist*).

§. 109.

[Seite 165]

In den dünnen Därmen sind bey den
mehresten Säugethieren die sogenannten
Kerkringischen Klappen schwächer aus-
gewirkt als beym Menschen; bey man-
chen ganz unmerklich; und das sowohl
bey Fleischfressenden als Herbivoren. –
Bey den Cetaceen hingegen ist die ganze
innere Fläche der Därme mit längslau-
fenden meist geschlängelten Falten be-
setzt.

Die flockichte zur Einsaugung des
Milchsafts dienende innerste Haut*)
unterscheidet wohl ganz allgemein die
[Seite 166] dünnen Därme von den dicken, als
welche mehr bloss zur Aufnahme des
Unraths bestimmt sind. Beym Bär sind
diese Flocken auffallend langzottig.

Die Fallopische Klappe (valuula coli)
fehlt wohl nur wenigen Thieren dieser
Classe wie z.B. dem Igel, Waschbär,
Schnabelthier u.s.w.*).

§. 110.

Der Blinddarm**) zeigt bey ihnen, und
zwar selbst bey manchen Gattungen aus
dem gleichen Geschlecht, grosse Ver-
schiedenheit. Manche, zumal unter den
Fleischfressenden haben ihn gar nicht;
doch fehlt er auch einigen Herbivoren
wie z.B. dem Siebenschläfer. Bey an-
dern Grasfressenden ist er hingegen
theils von ausnehmender Grösse und
[Seite 167] Weite. Z. E. beym Hasen und Canin-
chen länger als das ganze Thier, und
inwendig mit einer sonderbaren in
Schneckenwindung laufenden Klappe be-
setzt. – Der Klipdas (Hyrax capen-
sis)
hat erst ein grosses weites coecum
und dann eine Strecke weiter hin von
Heuern zwey andre conische Blinddärm-
chen*).

Der wurmförmige Anhang mangelt
gar vielen Säugethieren; selbst manchen
Affen (z.B. dem syluanus u.a.m.).

§. 111.

Der Grimmdarm (colon) ist bey den
mehresten grasfressenden Thieren dieser
Classe wie in blasenförmige Abschnitte
getheilt, und von grosser Weite und
Länge. So z.B. auffallend beym Ele-
phant und Pferd. Bey letztern ist die
ganze Strecke der dicken Därme auf 24
Fuss lang; da sie hingegen bey einem
mittelmässigen Hunde wenig über eine
[Seite 168] Spanne beträgt. Bey diesem zeichnet
sich der Mastdarm durch starke Quer-
falten aus, wodurch er beengt und auch
wohl die Ausleerung des Unraths er-
schwert wird.

Bey einigen wenigen z. E. beym Bi-
ber*) und Faulthier (am auffallendsten
aber beym Schnabelthier), haben Mast-
darm und Harnröhre einen gemein-
schaftlichen Ausgang der sich gewisser-
massen mit der cloaca der Vögel ver-
gleichen lässt**).

B) VÖGEL.

[Seite 169]

§. 112.

Diese haben im Ganzen einen weit
kürzern Darmcanal als die Säugethiere;
[Seite 170] und ebenfalls ist er bey den Fleischfres-
senden gemeiniglich kürzer als bey denen
[Seite 171] die sich vom Gewächsreich nähren.
Auch zeigt sich bey ihnen im Aeussern
kein merklicher Unterschied zwischen
den dünnen und dicken Därmen; viel-
mehr sind sie bey manchen am Anfange
weiter als gegen das Ende.

§. 113.

[Seite 172]

Die mehresten Vögel haben zwey
Blinddärme, die bey manchen Gattun-
gen zumal unter den Geschlechtern der
Hühnerartigen und Wasservögel von an-
sehnlicher Länge sind. Beym Straus
zeichnen sie sich durch eine merkwür-
dige schneckenförmig gewundne Klappe
aus*). Einige wenige Wasservögel ha-
ben nur Einen solchen Blinddarm, und
manchen, besonders unter den Raubvö-
geln fehlen sie gänzlich.**)

§. 114.

Der Mastdarm endigt sich in die so-
genannte cloaca, eine schlauchförmige
Weitung***) worin sich zugleich die
[Seite 173] Harnleiter, die Genitalien, und die hin-
ter ihr liegende bursa Fabricii (von
welcher in einem ändern Abschnitt die
Rede seyn wird) öffnen.

C) AMPHIBIEN.

§. 115.

Nur aus jeder der beiden Hauptord-
nungen Eine Gattung als Beyspiel.

Bey der Caret-Schildkröte (Testudo
caretta)
ist der Darmcanal fünfmal so
lang als das ganze Thier; die sogenann-
ten dünnen Därme beträchtlich weiter
als die kurze Strecke der dicken. Beide
inwendig durchaus der Länge nach ge-
faltet*), und (wie diess wohl in der
ganzen Classe der Fall ist) mit einer
Menge zähen Schleim überzogen**).

§. 116.

[Seite 174]

In der Natter (Coluber natrix) be-
trägt die ganze Länge des Darmcanals
nicht einmal die des Thiers. Die dün-
nen Därme bilden durch ihren verlän-
gerten Eintritt in die dicken eine an-
sehnliche Fallopische Klappe. Nur das
letzte Ende der dünnen ist so wie die
dicken und wie der Schlund (der wohl
1/3 so lang als das ganze Thier ist) und
Magen inwendig der Länge nach ge-
faltet*).

D) FISCHE.

[Seite 175]

§. 117.

Sie haben, bis auf wenige Ausnah-
men einen sehr kurzen Darmcanal. Bey
einigen, z. E. im Zitterrochen ist er nur
halb so lang als der Magen*). Doch
wird bey ihm (so wie auch bey man-
cherley andern Knorpelfischen) der Weg
den der Darmbrey und nachher der Un-
rath darin zu machen haben, durch
eine breite Klappe verlängert, die schnek-
kenförmig hindurchläuft**).

§. 118.

Ueberaus merkwürdig, und wie es
scheint bis auf sehr wenige Ausnahmen
[Seite 176] (z. E. beym Hecht) allen Fischen gemein
sind die sogenannten appendices pylori-
cae,
die sich theils am untern Magen-
munde, meist aber zu Anfang des Darm-
canals in denselben öffnen und einen
Darmsaft abscheiden, der einen Haupt-
einflute auf das bey diesen Thieren in
kurzer Zeit zu beendigende Verdauungs-
und Chylifications – Geschäft zu haben
scheint*). Meist haben sie die Gestalt
kleiner freyhängender Blinddärmchen**),
deren Anzahl bey den verschiedenen.

[Seite 177] Gattungen von einem einzigen bis zu
mehreren hunderten variirt; bey manchen
Knorpelfischen aber sind sie wie in ei-
nem drüsenartigen Eingeweide verwach-
sen*), das man mit dem pancreas der
warmblütigen Thiere verglichen hat.

E) INSECTEN.

§. 119.

Aehnliche solche Blinddärmchen (va-
sa varicosa
Swammerd.) finden sich
auch an dem vollends überaus Karsten
Darmcanal vieler Insecten**); der sich
übrigens in dieser Classe besonders
durch den Mangel eines Gekröses von
[Seite 178] den Därmen der rothblütigen Thiere
auszeichnet*).

F) WÜRMER.

§. 120.

Unter den Mollusken haben manche
wie z.B. der Goldwurm (Aphrodite acu-
leata)
ebenfalls solche Blinddärmchen
zu beiden Seiten ihres kurzen Haupt-
darms**).

Unter den Schalthieren scheinen die
festsitzenden überhaupt einen kürzern
und einfachern Darmcanal zu haben,
als die so sich von der Stelle bewegen.
Bey den mehresten Bivalven geht der
Mastdarm nach Poli's Versicherung
mitten durchs Herz. Bey den Weg-
[Seite 179] schnecken (Limax) sowohl als bey de-
nen mit dem Haus (Helix u.s.w.), öffnet
sich der Mastdarm vorn auf dem limbus
dicht neben dem Luftloch.

Dem Blutegel kann eigentlich gar
kein Darm zugeschrieben werden, doch
hat er allerdings einen After am Schwanz-
ende, wodurch er nur zuweilen etwas
weniges von Unrath (bey weitem das
mehrste aber durch den Mund) von sich
gibt. Die Armpolypen hingegen haben
auch nicht einmal so eine Oeffnung am
Hinterleibe.


Achter Abschnitt.
Von der
Leber, Milz und dem Netze.

[Seite 180]

§. 121.

Mit der Leber*) steht die Milz**)
rücksichtlich ihrer Function im nahen
Bezug; ist aber so wie das aus jener
Rücksicht noch sehr problematische Netz
minder allgemein als jenes Eingeweide,
das wohl keiner Classe oder Ordnung
des Thierreichs mangelt, die mit einem
Herzen und Circulationssystem verse-
hen ist.

A) SÄUGETHIERE.

[Seite 181]

§. 122.

Die Leber dieser Thiere zeigt ausser
den minder bedeutenden und wohl nicht
immer constanten Varietäten der Grösse,
Farbe, Abtheilung durch Einschnitte
(die z. E. bey den Carnivoren gewöhn-
lich zahlreicher sind als bey den Her-
bivoren) und dergl.*) vorzüglich die
zweyfache Hauptverschiedenheit, dass sie
bey manchen Geschlechtern und Gat-
tungen alle ihre Galle unmittelbar in
den sogenannten Zwölffingerdarm ergiesst,
bey vielen andern aber sich ein Theil
[Seite 182] derselben vorher in die Gallenblase sam-
melt. Diese fehlt unter andern*) dem
Pferde-**) und Hirsch – Geschlecht,
und einigen Cetaceen.

Bey manchen von denen so hinge-
gen damit versehen sind, namentlich
beym Rindvieh, zeigen sich die berühm-
ten ductus hepaticystici die unmittelbar
aus der Leber in dieselbe übergehn.

[Seite 183] Ebenfalls beym Ochsen so wie auch
beym Schaf u.s.w. zeichnet sich die
Milz durch ein eigenes zellenartiges Ge-
füge von dem bloss adrigen vieler an-
drer Thiere dieser Gasse aus*). Viel-
leicht dass diese Verschiedenheit der
Textur gelegentlich nähern Aufschluss
über die wahre Function dieses immer
noch sehr räthselhaften Eingeweides
gibt**).

Ein eigentliches wahres Netz***)
scheint wohl den Säugethieren aus-
[Seite 184] schliesslich eigen*). Und selbst was
bey andern Thieren für die Milz ge-
nommen wird, ist doch ebenfalls in sei-
ner Textur, Verbindung u.s.w. von je-
nem Eingeweide wie es sich in dieser
Classe findet, sehr verschieden**).

B) VÖGEL.

[Seite 185]

§. 123.

Die Leber ist bey dem Hausgeflügel
flach Verhältniss auffallend grösser als
bey den wilden Vögeln*). Bekannt-
lich fehlt die Gallenblase auch vielen
Gattungen dieser Classe, (z.B. den Tau-
ben, Papageyen u.s.w.) ja selbst zu-
weilen einzelnen Individuis einer Gat-
tung die sonst nach der Regel damit
versehen ist, wie z.B. unter den Haus-
hühnern.

Ein kuchenförmiger drüsenartiger Fett-
klumpen der zumal bey Wasservögeln
unter den Därmen Hegt, wird von man-
chen Zootomen für ein Netz gehalten.

C) AMPHIBIEN.

[Seite 186]

§. 124.

Ueberhaupt ist die Leber bey diesen
Thieren von ansehnlicher und bey man-
chen, z. E. beym Salamander von ganz
auffallender Grösse. Auch ist mir keine
Gattung bekannt der die Gallenblase
mangelte.

Die gelben, theils keulenförmigen,
theils wie gefingerten ductus adiposi oder
appendices luteae die bey den Fröschen
zu beiden Seiten des Rückgrats über
den Nieren liegen, hat zuerst Mal-
pighi
für eine Art von Netz gehalten*).
Wie entfernt aber diese Aehnlichkeit
sey, zeigt ausser so vielen andern Ver-
schiedenheiten besonders das constante
merkwürdige Verhältniss worin die ver-
änderliche Grösse derselben mit dem
Paarungsgeschäft dieser Thiere steht.

D) FISCHE.

[Seite 187]

§. 125.

Bey vielen ist der kurze Darmcanal
von der grossen langen Leber wie um-
fasst und gleichsam bewachsen. – Bey
manchen, in ihrem übrigen Körper fasst
fettlosen Fischen, wie z.B. die Rochen,
der Kabeljau u.s.w. strotzt hingegen
die Leber von Thran. – Nicht vielen
Gattungen fehlt die Gallenblase; wie
z.B. der Lamprete, Rothbarbe u.s.w.

E) INSECTEN.

§. 126.

Ein wirklich gallebereitendes und in
sofern leberähnliches Organ scheint sich
bloss bey den wenigen Thieren dieser
Classe zu finden, die mit einem Herzen
und System von Saftgefässen versehen
sind; also namentlich bey den Kreb-
sen*). – Dass aber auch die bey vielen
[Seite 188] andern befindlichen Blinddärmchen theils
für Gallenwege angesehen worden, ist
schon oben erinnert.

So wie dann auch manchen, Zooto-
men das grobe corpus adiposum das bey
den Raupen*) und vielen andern In-
secten**) und zwar bey manchen den
grössten Theil ihres Leibes ausfüllt, ei-
nige Aehnlichkeit mit einem Netze zu
haben geschienen hat.

F) WÜRMER.

§. 127.

Die Organe worin der Saft abgeson-
dert und enthalten wird, von welchem
die Tintenfische den Namen haben, sind
längst mit Gallenwegen verglichen wor-
den, so dass man den Mytis für eine
[Seite 189] Leber, und den Tintenbeutel für eine
Gallenblase genommen hat*).

Bey vielen Schalthieren, zumal un-
ter den Bivaluen, liegt die Leber um
den Magen und ergiesst ihre Galle in
die Höhle desselben**). – Bey man-
chen Schnecken füllt sie die obern Win-
dungen des Gehäuses***).


Neunter Abschnitt.
Von
den Harnwegen
.

[Seite 190]

§. 128.

Diese reinigenden Organe gehen gar
vielen Thieren ab die doch noch Gal-
lenwege haben, und finden sich aus-
schliesslich bloss in den rothblütigen
Classen, als welchen allen die Nieren
gemein sind, da hingegen die Blase
manchen Ordnungen und Geschlechtern
derselben mangelt.

A) SÄUGETHIERE.

§. 129. a.

Die Nieren haben bey manchen dersel-
ben, wie namentlich beym Bär*), einen
gleichsam traubenförmigen Bau, so dass
[Seite 191] jede wie aus vielen kleinern*) zusam-
mengesetzt ist, die durch ihre Blutge-
fässe**) und Harngänge mit gemein-
schaftlichen Stämmen derselben zusam-
men hängen.

Die ihrer Lage nach mit den Nieren
zunächst verbundenen Neben-Nieren
(Glandulae supra-renales, renes suc-
centuriati
u.s.w.) gehören (so wie die
Schild- und Brustdrüse) ihrer Function
nach zu den annoch problematischen Or-
ganen; doch scheinen sie nach den neu-
esten zootomischen Vergleichungen***)
den mehrsten Bezug auf die Sexualver-
richtungen zu haben.

§. 129. b.

[Seite 192]

Die Blase hat bey den mehrsten Qua-
drupeden eine freyere Lage in der Bauch-
höhle als beym Menschen*). In den
reissenden Thieren ist sie nach Verhält-
niss weit kleiner als in den Herbivoren.
Vorzüglich gross ist sie bey den wieder-
kauenden bisulcis und dem Hasen**).

B) VÖGEL.

[Seite 193]

§. 130.

Ihre Nieren*) bilden (bis auf sehr
Wenige Ausnahmen beym Cormoran
u.s.w.) eine doppelte Reihe von ein-
zelnen von einander abgesonderten drü-
senartigen Körperchen**) die zu beiden
Seiten der Lendenwirbel in besondern
Vertiefungen der Hüftknochen, wie ein-
gepresst liegen***). Dass der ganzen
[Seite 194] Classe die Blase mangelt, ergibt sich aus
dem was oben von ihrer cloaca gesagt
worden, von selbst.

C) AMPHIBIEN*).

§. 131.

Im Schildkröten- und Frosch-Ge-
schlechte findet sich zwar eine grosse
Blase, die bey manchen der eigentlich
sogenannten Frösche sogar doppelt ist,
so dass ihrer zweye neben einander lie-
gen, über deren Verhältniss zu den
Harnwegen aber die Meinungen noch
getheilt sind**).

D) FISCHE.

[Seite 195]

§. 132.

Merkwürdig ist, dass so viel be-
kannt, dieser Classe die Neben-Nieren
abgehn; die also bloss mit Lungen ath-
menden Thieren zuzukommen scheinen.

Ohngeachtet nicht abzusehen ist,
wozu den Fischen, und überhaupt den
blossen Wasserthieren, eine Harnblase
nutzen kann, so ist doch wenigstens eine
grosse Zahl von Geschlechtern und Gat-
tungen derselben damit versehen.


Zehnter Abschnitt.
Von den
äussern Bedeckungen
.

[Seite 196]

§. 133.

Unter den mancherley verschiedenen
Bestimmungen und Functionen der so-
genannten allgemeinen Integumente, ist
wenigstens für die rothblütigen Thiere
eine der allerwichtigsten, so wie die
allgemeinste, dass sie denselben als rei-
nigende Organe dienen; daher denn
auch das was hier von denselben zu
sagen ist, seine passendste Stelle gleich
hinter den Harnwegen finden kann.

§. 134.

Die Grundlage aller übrigen äussern
Bedeckungen macht die lederartige ei-
gentliche Haut (corium)
die allen vier
Classen von rothblütigen Thieren ge-
[Seite 197] mein und gleichsam als die filzartig
verdichtete (mit Nerven und Blut- und
Saug-Adern durchwebte) Aussenfläche
ihres Zellgewebes anzusehen ist. –
Diese wird zu äusserst mit der Oberhaut
bedeckt, die wenigstens bey den mit
Lungen athmenden Thieren grosse Aehn-
lichkeit unter einander zeigt. – Zwi-
schen beiden liegt der Malpighische
Schleim der aber doch nur bey den
warmblütigen sich als eine besondere
Hautschicht unterscheiden lässt. – Die
Oberhaut ist endlich noch in den ver-
schiedenen Classen mit besondern, wie
es scheint zunächst zur Ab- und Aus-
scheidung gewisser Stoffe bestimmten
Organen besetzt; wie bey den Säugethie-
ren mit Haaren, bey den Vögeln mit
Federn u.s.w.*)

A) SÄUGETHIERE.

[Seite 198]

§. 135.

Ihr corium ist von auffallender Ver.
schiedenheit der Stärke. Z.B. ausneh-
mend zart im Flügel der Fledermäuse;
ungeheuer dick hingegen bey manchen
Multungulis (namentlich bey den Rhino-
cern) und Palmatis [vor allem beym
Wallross*)]. Auch die Form der Pa-
pillen auf seiner Aussenfläche ist bey
den mancherley Thieren dieser Classe
und selbst an verschiedenen Theilen
desselben Thieres vielartig; theils gar
fadenförmig, wie z.B. an den Tatzen
des Bären und ausnehmend sauber an
den Zitzen des eigentlichen Wallfisches
(Balaena mysticetus.).

Die Farbe in der Malpighischen
Schleimhaut
variirt zuweilen individuell
bey Thieren einer und eben derselben
[Seite 199] Gattung so wie bey verschiedenen Rassen
im Menschengeschlechte*). Am dick,
sten ist sie bey manchen Cetaceen**).
Sonderbar ist der schon von Aristo-
teles
bemerkte consensus in welchem oft
bey manchen gefleckten Hausthieren,
besonders bey Schafen, Caninchen und
Hunden der Gaumen und zuweilen selbst
der Augenstern mit dem Felle steht,
so dass wie dieses gefleckt ist, sich
auch Flecken in jenen Theilen zeigen***).

[Seite 200] Die Oberhaut ist nach Verschieden-
heit ihrer Bestimmung oft an einzelnen
Theilen eines Thieres von sehr unglei-
cher Stärke, Z.B. sehr zart an den
Fingerspitzen der Affen und Paviane
in Vergleich zur Dicke derselben an
mancher ihrer Gesäss-Schwielen. Bey
verschiedenen Multungulis, zumal am
Elephanten, bildet sie an vielen Stellen
des Körpers gleichsam hornartige dicht
an einander stehende Zapfen*). Doch
dieser Verschiedenheiten sind zu endlos;
mancherley, als dass sie hier berührt
werden könnten.

§. 136.

[Seite 201]

Haare finden sich, wenigstens ein-
zeln, wohl bey allen erwachsenern
Säugethieren, selbst die Cetaceen nicht
ausgenommen. Ihre verschiedene Stärke
macht, von der feinsten Shawlwolle bis
zu den dicksten Stachelschweinstacheln,
unmerkliche Uebergänge. Dickere Borsten
und Haare, so wie z.B. die im Schwanze
des Elephanten u.a.m. ähneln in ihrem
Gefüge gar sehr dem Horn*) oder Fisch-
bein. So wie anderseits manche von
diesen beiderley Stoffen sich leicht in
Borsten spalten. Gewöhnlich sind die
Haare cylindrisch; doch manche platt,
gleichsam zweyschneidig; so z.B. die
oben auf den Zehen des Schnabelthiers
und des gemeinen Stachelschweins; und
recht auffallend die langen trocknen
gleichsam binsenähnlichen Schweifhaare
[Seite 202] des grossen Ameisenbären (Myrmeco-
pliaga jubata);
Andere wie z. E. die
Barthaare der Robben*) sind auch etwas
flach, aber wie mit wollenförmigen
Bändern, so dass sie gleichsam ein kno-
tiges oder gegliedertes Ansehen erhalten.
Etwas ähnliches zeigt sich auch schon
beym Haar von manchen Bisulcis**), am
auffallendsten bey dem womit der Bi-
[Seite 203] sambeutel am männlichen Moschusthiere
besetzt ist. Diese sind zugleich nur
wie mit einem lockern Markgewebe ge-
füllt, und daher sehr brüchig. – Man-
che sind zwar dicht und fest aber doch
mit einer durch ihre Axe laufenden
engen Röhre wie durchbohrt; so die
langen steifen Barthaare des Seebären,
(Phoca ursina). Und die am Schwanze
einiger Gattungen von Stachelschweinen
sind ganz hohl, gleichsam wie Feder-
spulen.

Ueberhaupt sind die Haare die un-
verweslichsten Theile der Säugethiere,
and besitzen beiderley Art von Repro-
ductionskraft [die gewöhnliche im na-
türlichen Zustande und die ausserordent-
liche nach zufälligen Verlust*)] in auf-
fallender Stärke. – Sie sind zumal bey
manchen Gattungen ausnehmend elek-
trisch, und dienen den dichtbehaarten
Thieren überhaupt wohl vorzüglich zur
[Seite 204] Absetzung des Ueberflusses von Phos-
phorsäure*); manchen Gattungen oder
Rassen aber auch nach der Verschieden-
heit ihrer Integumente noch zu beson-
dern Ausleerungen, die sich durch ei-
genthümlichen Geruch äussern, der da-
her z. E. bey manchen Pferde- und
Hunde-Rassen eben so specifisch ist
als der Nationalgeruch mancher Spiel-
arten im Menschengeschlecht**).

B) VÖGEL.

§. 137.

Die dreyerley Häute haben die Be-
deckungen der Vögel mit der Säuge-
thiere ihren gemein. Auch sind man-
che, wie der Lämmergeyer (Vultur bar-
batus),
die Raben, Puter u. e. a. an ein-
zelnen Stellen mit Haaren versehen.
Und andre, wie der Casuar in seinen
[Seite 205] Flügeln, mit hornichten oder fischbein-
ähnlichen Stacheln, die sich aber doch
durch das kielartige Gefüge ihrer Wur-
zel schon dem Bau der Federn als der
allgemeinen und ausschliesslichen Beklei-
dung dieser Thierclasse, nähern. Die
besondern Verschiedenheiten des Gefie-
ders*) sind unzählbar. Zu den merk-
würdigern gehören z.B. die schuppen-
ähnlichen kleinen Federchen (gleichsam
squamulae ciliatae) an den zum rudern
bestimmten Stummelflügeln der Pinguine;
die lanzettförmigen Blättchen an der
Spitze der Hals- und Flügelfedern des
wilden Stammhahns, und an den hintern
Schwungfedern des Seidenschwanzes;
auch dass gar mancherley Vögel aus ver-
schiedenen Ordnungen Doppelfedern ha-
ben, bey welchen nämlich immer zwey
oder auch mehrere**) Schafte aus Einem
[Seite 206] gemeinschaftlichen Kiele entspringen u.
dergl. m.*)

[Seite 207] Ihr periodischer Wechsel beym Mau-
sern zeigt zuweilen bey solchen Gattun-
gen deren Männchen anders gefiedert
sind als ihre Weibchen, das für die
Physiologie höchst interessante Phäno-
men, dass letztre im zunehmenden Alter
wenn sie aufhören Eyer zu legen, allge-
mach männliches Gefieder bekommen*).

Dass übrigens die Integumente der
Vögel ebenfalls zu reinigenden abfüh-
renden Organen dienen, zeigt nament-
lich sowohl die Mause selbst, als auch
bey manchen die Abscheidung beson-
[Seite 208] drer Stoffe durch diesen Weg; wie z. E.
des weissen mehlichten Staubes, der
zumal bey den weissen Cacadus (aber
auch bey manchen andern Gattungen
des Papageygeschlechts und auch bey
mehrern Vögeln aus andern Ordnungen)
besonders zur Brunstzeit häufig abge-
sondert wird.

C) AMPHIBIEN.

§. 138.

Die vielartigen Bedeckungen bey
den verschiedenen Ordnungen oder Ge-
schlechtern dieser Classe, von Schildern,
Reifen, Schuppen oder nackter Haut,
sind zu äusserst mit einer Oberhaut be-
kleidet, die bey vielen, namentlich bey
den Schlangen als sogenanntes Natter-
hemd (leberis, senecta), und bey den
Wassermolchen häufig abgestreift wird.
Bey letztern, zumal im Frühjahr und
Herbst, wohl wöchentlich zu mehrern
Malen. Manche von den feingeschupp-
ten, wie das Chamäleon, oder mit
[Seite 209] nackter Haut, wie so manche Frö-
sche, ändern zu Zeiten, zumal nach Ver-
schiedenheit des Lichts, der Wärme und
auch, der Leidenschaften, ihre Farbe.

D) FISCHE.

§. 139.

Die Fische sind (bis auf wenige Aus-
nahmen) mit Schuppen bedeckt, die bey
vielen von denen die sich bloss in ho-
ter See aufhalten, bloss liegen, hinge-
gen bey denen die an den Küsten und
im süssen Wasser leben, mit einer
Schleimhaut überzogen sind. Merkwür-
dig ist dass die Hautfarbe mancher Fi-
sche, namentlich z.B. der Rothbarbe,
sich genau nach der Leber ihrer rich-
tet*). Die Schuppen selbst werden
wicht wie Haare und Gefieder gewechselt,
sondern perenniren, und sollen jährlich
eine neue Lage zu ihrem blattrigen Ge-
füge erhalten, aus deren Zahl sich folg-
lich das Alter des Thiers erkennen lasse.


Eilfter Abschnitt.
Von mancherley besondern
Secretionen.

[Seite 210]

§. 140.

Noch verdienen mancherley Organe
Erwähnung, die zur Abscheidung be-
sonderer Säfte, grösstentheils von noch
nicht genug bekannten Nutzen, in ein-
zelnen Gassen oder Geschlechtern und
Gattungen von Thieren bestimmt sind*)
und wohl am füglichsten hier kurz zu-
sammen gefasst werden können.

A) SÄUGETHIERE.

§. 141.

Ausser den allgemein bekannten Spei-
cheldrüsen
findet sich besonders beym
Hund und einigen andern reissenden
[Seite 211] Thieren auch eine in der Augenhöhle,
die Nuck beschrieben hat, und deren
Ausführungsgang sich am Oberkiefer bey
einem der hintern Backzähne öffnet*).

§. 142.

[Seite 212]

Beiderley Gattungen des Elephahten-
geschlechts, die Afrikanische sowohl als
die Indische, und zwar die weiblichen
so gut als die männlichen, haben eine
ansehnliche secernirende Drüse*) an
den Schläfen, zwischen dem Auge und
Gehörgang worinnen zur Brunstzeit ein
bräunlicher Saft abgeschieden wird, der
dann durch eine Oeffnung in der Haut
ausfliesst**).

[Seite 213] Mit dieser Secretion scheint mir übri-
gens was den Bau der Organe betrifft,
die hinten auf dem Rucken des soge-
nannten Bisamschweins (Sus taiassu) noch
die mehreste Aehnlichkeit zu haben*).

§. 143.

Viele wiederkauende Bisulca und so
auch die Hasen haben auf der obge-
dachten Stelle der Oberkiefer (§. 16.)
die sinus sebaceos, die von dem fettigen
Schleime so genannt worden der bey
manchen derselben in ansehnlicher Menge
darin abgeschieden wird, und besonders
beym Hirsch unter dem gleich unpassen-
den Namen der Hirschthränen oder des
Hirschbezoars bekannt ist**).

§. 144.

Ebenfalls bey den mehresten wieder-
kauenden Thieren und auch wieder bey
[Seite 214] den Hasen finden sich hinten in den
Weichen, neben den Genitalien und
Zitzen die antra inguinalia wie sie Pal-
las
nannte, worin aus darunter liegen-
den Drüsen eine Art von starkriechen-
dem Schmalz abgesetzt wird*).

§. 145.

Einige andre Säugethiere haben zu
besondern. Zwecken eigene inwendig
fein behaarte Taschen am Unterleibe,
worin auch gewisse fettige Feuchtigkeiten
von eigenthümlichem Geruch abgesondert
werden. So z.B. der Afterbeutel des
Dachses**); und der Zitzensack der
weiblichen Beutelthiere***).

§. 146.

[Seite 215]

Gleichfalls beym Dachs und den Beu-
telthieren, aber auch sonst noch bey
sehr vielen andern fleischfressenden Thie-
ren (sowohl unter den Digitatis als Pal-
matis)
sitzen am Ende des Mastdarms
die After-Drüsen und Bälge, (– tab.
VII. w. x. y. z. –), die einen eigenen
im frischen Zustand meist sehr heftig
riechenden gelben schmierigen Stoff se-
cerniren, wovon bey manchen ihr Aus-
wurf einen fast bisamartigen Geruch
erhält*).

§. 147.

Von diesen Afterdrüsen muss man
eine andre Art von solchen secerniren-
den Glandeln und Bälgen unterscheiden,
[Seite 216] in welchen zwar ebenfalls starkriechende
Stoffe abgeschieden werden, die aber
mehr mit den Genitalien in Verbindung
zu stehen scheinen*). Sie finden sich
sowohl bey gar manchen der nämlichen
fleischfressenden Thiere die auch mit
den Afterdrüsen versehen sind, wie z. E.
beym Löwen u.s.w., dem Zibet-Thier
u.a.m., als auch bey manchen von Ve-
getabilien lebenden, denen jene Organe
mangeln; und zwar bey manchen von
diesen in beiden Geschlechtern, wie z. E.
beym Biber**), bey der canadischen Bi-
[Seite 217] samratte*), (Mus zibethicus) u.s.w.,
bey andern aber blass beym männlichen,
so z. E. beym Bisamthier dessen Beutel
in der Nabelgegend an der Vorhaut
befindlich ist**).

§. 148.

Endlich verdienen auch noch die in-
wendig behaarten drüsenreichen Höhlen
Erwähnung, die sich an den Füssen von
mancherley wiederkauenden Bisulcis und
namentlich beym Schaf finden und sich
mit einem besondern Ausführungsgang
in der Fuge zwischen den Klauen öff-
nen***), dessen Verstopfung, zumal
[Seite 218] durch lang anhaltende nasse Witterung,
bey diesen Thieren beschwerliche Zu-
fälle verursacht*).

B) VÖGEL.

§. 149.

Ohngeachtet die Vögel überhaupt
ihre Speise nicht wirklich kauen, so sind
doch manche derselben, und vor allen
die Spechte mit ansehnlichen Speichel-
drüsen
**) an den Seitenflügeln des Un-
terschnabels u.s.w., versehen, die durch
ihre Secretion die so sehr häufige und
starke Bewegung der Zunge beym
Schlucken erleichtern helfen.

Die Bauch-Speicheldrüse, wie man
neuerlich das Pancreas genannt hat, ist
zumal bey denjenigen Raubvögeln die
[Seite 219] nicht saufen von beträchtlicher Grösse;
übrigens in dieser Classe van vielartiger
Form und Gefüge.

§. 150.

Die Oeldrüsen am Vropygium sind
nach Verhältniss bey den Schwimmvö-
geln am grössten, und bey manchen
derselben, wie z. E. bey der Bisam-Ente
(Anas moschata) von einem ausgezeich-
neten Geruch. Nur bey der ungeschwänz-
ten Hüner-Rasse, dem Kluthahn (gal-
lus ecaudatus)
hat sich dieses Organ
durch die Degeneration verloren*).

C) AMPHIBIEN.

§. 151.

Ob gerade alles das was bey manchen
Thieren dieser und der folgenden Clas-
sen für ein Pancreas angesprochen wor-
[Seite 220] den, diesen Namen mit recht verdient,
scheint wohl nach zweifelhaft*).

Aber Afterdrüsen die zu gewissen
Zeiten einen starken specifischen Ge-
ruch verbreiten, finden sich allerdings
sowohl bey manchen Reptilien, wie z. E.
beym Kaiman (Lacerta alligator), als
bey Schlangen, wie namentlich bey den
Klapperschlangen**).

§. 152.

Manche Reptilien, z. E. der Salaman-
der und die Kröten schwitzen, zumal
wenn sie gereitzt werden, eine scharfe
Feuchtigkeit durch zahlreiche Poren
der Haut. Und der Gecko soll eine
wirklich giftartige zwischen seinen blät-
terigen Fusszehen secerniren.

[Seite 221] Weit heftiger ist aber das Schlangen-
gift, das in einer Art von Speicheldrü-
sen*) bey so manchen Gattungen abge-
schieden wird, die sich durch die dazu
bestimmten schon oben (S. 109.) ange-
führten Organe von den Giftlosen aus-
zeichnen**).

D) FISCHE.

§. 153.

Die allgemeinste von den hier zu
nennenden Secretionen in dieser Classe
ist die des Haut- und Schuppen-Schleims
[Seite 222] in den längs der Seitenlinien liegenden
Canäle*), deren auf jeder Seite eine oder
etliche vom Kopf**) bis zur Schwanz-
flosse laufen. Bey manchen Fischen er-
giesst sich ihr Schleim durch die Zwi-
[Seite 223] schenräume der Schuppen, bey andern
sind aber diese selbst mit regelmässigen
Oeffnungen zum Ausfluss desselben wie
durchbohrt.

E) INSECTEN.

§. 154.

Bey den Insecten finden sich wohl
gar keine wahren glandulae conglome-
ratae
oder analoge Eingeweide; son-
dern ihre mancherley Secretionen werden
bloss durch freyliegende Gefässe bewirkt*).

Ausser so mancherley Abscheidungen
gewisser Stoffe die bloss einzelnen Gat-
tungen eigen sind, wie zum Beyspiel
der sehr scharfe Saft in einer besondern
Blase am Halse der Gabelschwanzraupe
(von Phalaena vinula) oder der Dunst
den einige kleine Laufkäfer (Carabus
crepitans, marginatus
u.s.w.) von sich
treiben, oder die heftig riechbare Aus-
dünstungen womit sich viele Wanzen
[Seite 224] im Nothfall vertheidigen u. dergl. m.
ausser diesen verdienen hauptsächlich
zweyerley Arten von abgesonderten Säf-
ten in dieser Classe bemerkt zu werden,
der Seidenstoff den zumal die Raupen
der Phalänen*) und die Spinnen**) ver-
weben, und dann das Gift womit zumal
manche Hymenoptera***) und Aptera†)
bewaffnet sind.

Gewissermassen kann aber auch das
Wachs das die Honigbiene und der In-
dische Coccus mellificus bereiten, mit
zu den Secretionen, die manchen Thie-
ren dieser Classe eigen sind, gerechnet
werden.

F) WÜRMER.

[Seite 225]

§. 155.

Die merkwürdigsten hierher gehöri-
gen Secretionen finden sich bey den
Schalthieren; die allgemeine nämlich,
wodurch sie sich in einem besondern
nahe beym Herzen belegenen Einge-
weide (sacculus calcarius Swammerd.
glandula testacea Pol.) den Kalkstoff
zu ihren Schalen verarbeiten*); dann
die besonders einigen Gattungen vom
Seeschnecken (wie z.B. Buccinum lapil-
lus, echinophorum, Murex brandaris,
trunculus
u.s.w. Helix ianthina u.a.m.)
[Seite 226] und sehr wenigen Muscheln (z.B. Arca
nucleus)
eignen, da sie den Purpur be-
reiten*); und endlich die welche bey
manchen Bivalven, bloss in ausserordent-
lichen Fällen, Statt hat, wenn sie näm-
lich die Perlen absetzen**).


Zwölfter Abschnitt.
Vom
Herzen und den Blutgefässen.

[Seite 227]

§. 156.

Ein wahres vollständiges Circula-
tionssystem,
dessen Centralorgane, dem
Herzen, rohe Säfte aus den absorbiren-
den Gefässen durch Blutadern zugeführt,
und aus welchem dagegen Schlagadern
zur Secretion nach den abscheidenden
Drüsen und drüsenartigen Eingeweiden
gehen, ein solches System scheint wohl
bloss den rothblütigen Thieren eigen und
allgemein. Und eben so allgemein ist
auch wohl ihrem Herzen der Herzbeu-
tel*)
. – Aber Theile eines ähnlichen
[Seite 228] Systems, zumal Herz, und gewisse da-
mit verbundene Gefässe finden sich aller-
dings auch bey manchen Geschlechtern
in den beiden weissblütigen Classen.

A) SÄUGETHIERE.

§. 157.

Der innere Bau ihres Herzens ist im
Ganzen wie beym Menschen; aber die
Lage desselben bey den Quadrupeden
und Cetaceen anders. Es liegt nämlich
bey denselben mehr längs des Körpers;
ruht mehr auf dem Brustbein als auf
dem Zwerchfell; auch ist daher der
Herzbeutel dieser Thiere (höchstens bis
auf sehr Wenige Ausnahmen) nicht so wie
im Menschen mit demselben verwach-
sen*); die Strecke der untern Hohlader
die innerhalb der Brust liegt, nach Ver-
hältniss länger, und was dergl. m. ist.

§. 158.

[Seite 229]

Bey mehrern Gattungen von grössern
Bisulcis und auch beym Schwein finden
sich da wo die aorta aus dem linken
Ventrikel tritt, einen oder zwey kleine
platte Knochen, die sogenannten (zumal
am Hirsch weiland berufenen) Herz-
beinchen
*). Der angebliche Nutzen der-
selben zur Stütze der Valveln u.s.w.
scheint nicht sehr einleuchtend.

§. 159.

Man hat gemeint die Amphibien in
dieser Classe. (Palmata) und die Ceta-
ceen hätten in der Scheidewand der bei-
den sinuum ein offenes foramen ouale
wie die Leibesfrucht, und müssten es
haben, da sie bey ihrer Lebensweise
[Seite 230] im Tauchen oft geraume Zeit des Ath-
mens entbehrten u.s.w. Diess ist nun
widerlegt, da wiederhohlte Zergliede-
rungen erwachsener Thiere dieser Art
gezeigt haben, wie selten sich diese
ungewöhnliche Ausnahme von der son-
stigen Regel findet*).

Aber wohl hat man dagegen bey
mehrern Geschlechtern und Gattungen
von Palmatis sowohl als Cetaceis (na-
mentlich beym Seehund, bey der See-
otter, beym. Delphin u.s.w.) betracht-
[Seite 231] liche und constante Weitungen und
Geflechte an gewissen Blutadern, zumal
an der untern Hohlader entdeckt, die
wohl ohne Widerrede dazu dienen, um
während des Untertauchens einen Theil
des nach dem Herzen zurücklaufenden.
Blutes einstweilen aufzunehmen, bis das
Thier wieder athmen und dadurch den
kleineren Blutumlauf wieder in Gang
bringen kann*).

§. 160.

Von besonders merkwürdigen Verthei-
lungen der Schlagadern an einzelnen
Theilen gewisser Thiere dieser Classe**),
[Seite 232] verdienen vorzüglich das sogenannte rete
mirabile
beym Eintritt der carotis ce-
rebralis
in die Hirnschalenhöhle von
vielen Bisulcis*) und reissenden Thie-
ren; und dann die überaus sonderbare
Art Erwähnung, wie nach Carlisle's
Bemerkung**) bey den Faulthieren so-
wohl als bey dem Lemur tardigradus
die Stämme der zu den Beinen laufenden
Arterien sich bey ihren Austritt aus dem
Rumpf sogleich in zahlreiche meist pa-
rallele Aeste oder plexus vertheilen,
die sich zum Theil dann gegen die Ein-
bogen und Kniee hin auch wieder mit-
einander verbinden.

Von merkwürdigen Vertheilungen der
Blutadern, ist eine der wundersamsten
und in ihrer Art prachtvollsten die, so
das rete mirabile venosum in der Fleisch-
sohle des Pferdehufs bildet, (– S. 80 –)
[Seite 233] da die Vorderseite des Hufknochen mit
zahlreichen meist parallel laufenden
Zweigen, die untere Hohlfläche dessel-
ben aber mit netzförmigen Anastomo-
sen überzogen ist.

B) VÖGEL.

§. 161.

In dieser ganzen Classe zeigt sich so,
viel bekannt ohne Ausnahme die über-
aus merkwürdige Eigenheit im Baue ihres
Herzens, dass der rechte Ventrikel statt
einer membranösen Klappe (wie sie sich
bey den Säugethieren in beiden Herz-
kammern und bey den Vögeln selbst
auch in der linken findet) mit einem
derben straffgespannten, fast dreyeckten
Muskel versehen ist. Diese sonderbare
Einrichtung dient wohl dazu um das Blut
aus dem rechten Herzen mit desto mehr
Nachdruck in die Lungen treiben zu
können, da sich diese selbst (wegen ihres
Zusammenhanges und Verbindung mit
den mancherley Luftbehältern von wel-
[Seite 234] chen unten die Rede seyn wird) nicht
so wie bey den Säugethieren durch die
Inspiration aufblähen, als wodurch der
Uebertritt des carbonisirten Bluts in die-
selben ohnehin schon erleichtert wird*).

§. 161. b.

Bey den Vögeln sowohl als in den
beiden nächstfolgenden Thier-Classen hat
Prof. Jacobson. ein eignes vom übri-
gen getrenntes Venensystem, welches
das vom Hintertheile des Körpers und
dem damit verbundenen Extremitäten,
so wie von den beiderley Sexualorganen
zurücklaufende venose Blut nicht wie
bey den Säugethieren zur hintern Hohl-
ader, sondern entweder bloss zu dem
Nieren, oder zu diesen und zur Leber
(und nur bey den Vögeln zu einem
kleinen Theil auch in die Hohlader)
[Seite 235] führt, und namentlich zur Secretion des
Harns in diesen drey Thierclassen be-
stimmt scheint*).

C) AMPHIBIEN.

§. 162.

Bey manchen Amphibien, wie na-
mentlich bey unseren, hieländischen
Fröschen und Salamandern besteht ihr
einfaches Herz nur aus Einem Ventrikel
und Einem sogenannten Ohr**); bey
andern, wie z.B. den Crocodilen, ei-
gentlich sogenannten Eidexen und Schlan-
gen aus Einer Kammer mit zwey Herz-
ohren.

§. 163.

[Seite 236]

Noch anders aber verhält es sich in
den Schildkröten, über deren Herz und
dessen Theile mehr als über das irgend
einer andern Ordnung von Thieren, ge-
stritten worden.

Die Haupteinrichtung desselben kommt
auf folgendes hinaus:

Ihr Herz hat zwey Ohren*), die so
wie bey den warmblütigen Thieren durch
eine verschlossene Scheidewand von ein-
ander abgesondert sind, und ihr Blut
auch durch eben die Wege wie bey die-
sen, empfangen; das rechte Ohr nämlich
aus den beiden Hohladern, das linke
[Seite 237] aus den venis pulmonalibus. Jedes er-
giesst dann auch sein Blut in den ihm
Zugehörigen Ventrikel; denn deren sind
ebenfalls zwey; folglich alles bisher er-
wähnte im Ganzen wie bey uns.

Aber die sonderbare Eigenheit wo-
durch sich das Herz dieser Thiere aus-
zeichnet und von anderer ihrem unter-
scheidet, liegt ausser der auffallenden
wehr in die Breite gezognen äussern
Form in dreyerley. Dass nämlich 1) die
beiden Herzkammern selbst (und, bey
manchen Gattungen, zumal von See-
schildkröten auch die Höhlen der soge-
nannten Herzohren) ausnehmend eng
und klein, dagegen aber die fleischich-
ten Wände dieses Eingeweides ganz auf-
fallend dick und von gleichsam schwam-
michter Textur sind, so dass das Herz
nicht so wohl einen fleischichten zwey-
kammerigen Sack, als vielmehr einen
mit Blut getränkten Schwamm Vor-
stellt; – dass 2) jene beiden Ventrikel
durch eine besonders fleischichte fast
röhrenförmige Valvel, die aus dem lin-
[Seite 238] ken in den rechten hinüber geht, mit
einander münden, jener in diesen sich
öffnet: – und dass 3) die sämmtlichen
grossen Schlagader-Stämme mit dem
rechten Ventrikel in Verbindung stehen,
keiner derselben ausschliesslich bloss mit
dem linken. Dabey liegt die aorta mit
ihren drey Hauptästen*) mehr nach
rechts und oben, die pulmonalis hinge-
gen entspringt wie aus einer Nebenwei-
tung**) jenes rechten Ventrikels, in
der Mitte der basis des Herzens nach
[Seite 239] unten*) (– versteht sich, wie schon
oben ein für alle Mal erinnert worden,
nach der horizontalen Lage der Thiere
zu reden. –)

Nun begreift sich leicht wie diese
merkwürdige anomalische Einrichtung,
dass nämlich im Grunde alles Blut durch
[Seite 240] den rechten Ventrikel weiter getrieben
wird*), der Lebensweise dieser Schild-
kröten beym langen Untertauchen zu
statten kommt, indem bey ihnen der
sogenannte grosse Blutumlauf vom klei-
nen
der durch die Lungen geht, in so
fern unabhängig ist, dass dann, wäh-
rend sie unter Wasser sind und nicht
athmen, dessen ungeachtet jener seinen
Fortgang behält; anders als bey den
[Seite 241] warmblütigen Thieren, wo bekanntlich
nach ihrer Geburt die aorta kein Blut
fortführen kann, was nicht so eben erst
aus den athmenden Lungen durch den
linken Ventrikel ihr zugeführt worden
wäre*).

D) FISCHE.

[Seite 242]

§. 164.

In dieser Thierclasse ist das Herz*).
nach Verhältniss zum ganzen Körper
ausnehmend klein, und von einem sehr
einfachen Bau, da es bloss aus Einem
Ventrikel und Einem Ohr besteht, die
zusammen mit dem sogenannten cor
[Seite 243] dextrum der warmblütigen Thiere zu
vergleichen sind. Denn der aus dem
Ventrikel entspringende Arterienstamm
(der bey den mehrsten Fischen gleich
bey seinem Austritt aus demselben wie
zu einem kleinen Schlauch erweitert
wird) geht gerade vorwärts zu dem Re-
spirationsorganen, den Kiemen; aus wel-
chen das Blut nachher mittelst einer
grossen, der aorta zu vergleichenden,
Schlagader die längs des Rückgrats nach
hinten läuft in den übrigen Körper ver-
theilt und nachdem es in die Venen
übergetreten, durch die Stämme der Hohl-
ader nach dem Herzohr zurück gebracht
wird*). Beyläufig zu Einem Beweis
[Seite 244] statt vieler, für die auch vom Herzen
unabhängige Kraft der Arterien, den
Blutumlauf zu unterhalten.

§. 165.

Ueberhaupt haben die mehrsten kalt-
blütigen Thiere, namentlich die Fische
und die hieländischen Amphibien nach
Verhältniss weit geringere Blutmasse
und weniger Blutgefässe als die warm-
blütigen. Dagegen ohne Vergleich
mehr aus dem Arteriensystem entsprin-
gende vasa decolora.

E) INSECTEN.

§. 166.

Nur bey den wenigsten sogenannten
weissblütigen Thieren findet sich ein
wahres Herz und damit zusammenhän-
gendes Adersystem; hier in dieser Classe
wohl bloss bey einigen Geschlechtern
der ungeflügelten Insecten, wie die
Krebse*) und Kiefenfüsse. Doch hat
[Seite 245] die Meinung dass das lange zu beiden Sei-
ten meist mit dreyeckten flachen Muskeln
gleichsam gefiederte eine Art von Ichor
führende und wellenförmig pulsirende
Rücken-Gefäss bey den Raupen u.s.w.
ein dem Herzen der Function nach ana-
loges Organ sey, sich durch Herold's
treffliche Untersuchungen allerdings be-
stätigt*). Dagegen scheint auch selbst
bey den genannten Geschlechtern doch
kein Uebergang der Arterienenden in
die Anfänge der Venen, folglich kein
wahrer Kreislauf statt zu haben.

F) WÜRMER.

§. 167.

Bey zahlreichen Geschlechtern dieser
Classe, zumal unter den Molluscis**)
[Seite 246] und Testaceis*) ist ein Herz unver-
kennbar**), und theils von auffallend
[Seite 247] sonderbarem Bau. So besteht es z. E.
bey den Tintenfischen aus einem Ven-
trikel und zwey Ohren, die aber von
einander abgesondert zu beiden Seiten
desselben nach den beiden Kiemen zu
liegen. – Auch manche Bivalven sol-
len nach Poli zwey Herzohren, und
einige gar ihrer viere haben. Aber auch
bey allen diesen Schalthieren hat man
noch keinen Zusammenhang zwischen
ihren Arterien*) und sogenannten Venen
bemerken können**); so wie anderseits
gar manche Geschlechter aus andern Ord-
nungen dieser Classe zwar mit einem
zusammenhängenden Gefässsystem aber
ohne Herz versehen sind***), und den
eigentlichen Zoophyten weder das eine
noch das andere zugeschrieben werden
[Seite 248] kann, als bey welchen die Ernährung
wohl bloss durch unmittelbare Einsau-
gung des Nahrungssaftes aus ihrer Bauch-
höhle in das gallertartige parenchyma
ihres Körpers vor sich geht*).


Dreyzehnter Abschnitt.
Von den
absorbirenden Gefässen
.

[Seite 249]

§. 168.

Schon Valsalva nahm als Axiom
an, dass da wo wahre Blutgefässe sind
auch die eigentlich sogenannten absor-
birenden oder lymphatischen Gefässe
nicht fehlen. Umgekehrt scheint es
auch dass nur diejenigen Thierclassen
mit wahren lymphatischen Gefässen ver-
sehen sind, bey welchen sich zugleich
ein vollständiges Circulationssystem von
Blutgefässen findet. Das wäre also nur
bey den vier Classen von rothblütigen
Thieren. (§. 156.)

Bey gar vielen sogenannten weissblü-
tigen ist zwar eine Art von Einsau-
gung entweder ganz evident, wie bey
den Armpolypen, deren parenchyma,
[Seite 250] wenn sie farbige Insecten verschluckt
haben, nach einiger Zeit mit gleicher
Farbe tingirt erscheint; oder doch nach
der Analogie aus andern Phänomenen
zu vermuthen, wie bey der Verwand-
lung der verpuppten Raupen u.s.w. –
Aber doch ist noch kein wirkliches Sy-
stem von eigentlichen absorbirenden Ge-
fässen an denselben erwiesen*).

§. 169.

Dieses System, das eben wegen des
constanten Verhältnisses, worin es zum
wahren Blutumlauf steht, am füglich-
sten auch hier gleich abgehandelt wird,
begreift bekanntlich die aus den dünnen
Därmen entspringenden Milchgefässe, und
die eigentlich so genannten lymphati-
schen im übrigen Körper; dann die
[Seite 251] glandulas conglobatas, die wenigstens
bey den mehrsten damit versehenen
Thieren bloss aus knaulförmiger Ver-
wickelung jener beiderley Unterarten
von Gefässen zu bestehen scheinen;
und endlich den ductus thoracicus als
den Hauptabführungscanal der durch
jene Gefässe dem Blute zuzubringen-
den Säfte.

A) SÄUGETHIERE.

§. 170.

In dieser Classe sind alle die gedach-
ten Theile des absorbirenden Systems
am vollständigsten und deutlichsten aus-
gewirkt*). Auch zeichnen sich bey
ihnen die Milchgefässe, wenn sie Chy-
lus enthalten, durch die weisse Farbe
desselben von den übrigen einsaugen-
den Gefässen aus, die nur meist wasser-
helle oder blassgelbliche Lymphe füh-
[Seite 252] ren. Die erstem laufen, besonders bey
Schafen und Ziegen in ansehnliche
Stämme zusammen: und die letztern,
die eigentlich so genannten lymphati-
schen Gefässe, sind unter andern, na-
mentlich an den Unterschenkeln des
Pferdes, in überaus saubern Geflechten
zu sehen.

Die Milchsaftröhre ist bey vielen Qua-
drupeden z.B. beym Hund, doppelt*),
und bildet bey den mehrsten grössern
Gattungen an ihrem Anfang (constan-
ter als beym Menschen) eine blasen-
förmige cisterna chyli**).

Und bey vielen, zumal unter den fe-
ris
, findet sich ein ansehnliches Aggre-
[Seite 253] gat von Gekrösdrüsen, das unter dem
unpassenden Namen des pancreas Asel-
lii
bekannt ist*).

B) VÖGEL.

§. 171.

In dieser Classe ist der Chylus meist
durchsichtig, mithin unterscheiden sich
auch die Milchgefässe nur durch ihre
Lage und Function von den eigentli-
chen lymphatischen. Auch bilden sie
keine Gekrösdrüsen, da sich doch an
andern Stellen bey vielen grössern Vö-
[Seite 254] geln glandulae conglobatae zeigen. Ihr
ductus thoracicus ist gedoppelt*).

C) AMPHIBIEN.

§. 172.

Bey den Seeschildkröten finden sich
in ihrem zarten Gekröse ausnehmend
starke Milchgefässe. Ihre Milchsaftröhre
ist ebenfalls doppelt: und die lymphati-
schen Drüsen scheinen ihnen gänzlich
zu fehlen**).

D) FISCHE.

§. 173.

Bey diesen sind, so viel man bis jetzt
untersucht hat, die absorbirenden Ge-
fässe ohne Valveln; auch scheinen ih-
[Seite 255] nen die lymphatischen Drüsen abzuge-
hen; und ihr ductus thoracicus theilt
sich, wenigstens nach vorn (oder oben),
in zwey Hauptäste*).


Vierzehnter Abschnitt.
Von den
Respirationswerkzeugen
*).

[Seite 256]

§. 174.

So unentbehrlich wenigstens den bey
weiten allermeisten Thieren die lebens-
wierige Unterhaltung des grossen che-
mischen Processes ist, wodurch ihnen
der Sauerstoff, dieses wahre pabulum
vitae,
zugeführt und gegen Ueberfluss
von Wasser- und Kohlenstoff umgesetzt
wird, so sehr verschieden sind die Or-
gane und der Mechanismus, wodurch
diese bewundernswerte Function voll-
zogen wird**). Beym gebornen Säu-
[Seite 257] gethier, so wie beym ausgekrochnen
Vogel und den ausgebildeten Amphi-
bien, ist das Hauptlaboratorium zu die-
sem Behuf in die Lungen verlegt, bey
den Fischen in die Kiemen, bey den
mehrsten Insecten in die Luftröhren,
bey den Würmern in analoge, aber selbst
wieder verschiedenartige, Werkzeuge.

A) SÄUGETHIERE.

[Seite 258]

§. 175.

Die Lungen der Quadrupeden in die-
ser Classe kommen im Ganzen, was
Gefüge, Form und Verbindung betrifft,
mit den menschlichen überein. Bey
den Cetaceen hingegen und den zu-
nächst an dieselben gränzenden Palma-
tis
, wie z. E. beym Manaten, zeichnen
sie sich durch festere Textur, zumal
der sie umgebenden Haut, so wie auch
der eignen Gestalt aus, da sie nicht in
so genannte lobos eingetheilt, sondern
ohne Einschnitte, und langgestreckt,
aber flach, und theils mit dem Brust-
fell, theils auch dadurch mit dem aus-
nehmend robusten fleischichten Zwerch-
fell verwachsen sind*).

B) VÖGEL.

§. 176.

Die Werkzeuge des Athmens in die-
ser Classe gehören wegen vieler Eigen-
thümlichkeiten, besonders aber wegen
[Seite 259] ihres Zusammenhangs und Verbindung mit
mancherley durch einen grossen Theil
des ganzen Körpers verbreiteten Theilen,
zu den merkwürdigsten Einrichtungen in
der thierischen Oekonomie*).

Die Lungen selbst sind bey den Vö-
geln nach Verhältnis klein, flach, hin-
ten im Thorax angewachsen, gleichsam
in die Zwischenräume der Rippen ein-
gefugt, und werden bloss nach vorn
oder unten mit dem Brustfelle beklei-
det, so dass sie folglich, genau zu reden,
ausserhalb der Brusthöhle liegen. Ein
grosser Theil dieser Höhle wird dage-
gen, so wie auch ein Theil der so ge-
nannten Bauchhöhle, von membranösen
Luftsäcken eingenommen**), in welche
sich die Lungen durch ansehnliche Mün-
dungen öffnen. Jene in der Brüst sind,
[Seite 260] wenigstens bey grossen Vögeln, durch
häutige querliegende Scheidewände in
einige Abschnitte getheilt*), deren
jeder, so wie auch die im Bauche lie-
genden Säcke, durch eine besondere
Oeffnung in den Lungen mit den Luft-
wegen derselben, und folglich mit der
Luftröhre in Verbindung steht. Eben-
falls bey grössern Vögeln zeigen sich
in den Membranen dieser Luftsäcke hin
und wieder ansehnliche Bündel und
Streifen von Muskelfasern, die man für
ein Surrogat des dieser Thierclasse man-
gelnden wahren Zwerchfells angesehen
hat**), und die, wie man bey Vivisec-
[Seite 261] tionen solcher grösserer Vögel sieht*),
hauptsächlich dazu dienen mögen, die
durchs Einathmen hinein gebrachten
Luftvorräthe nach Bedürfniss wieder in
die Lungen zurück zu treiben, wobey
auch die Füllung oder Ausleerung der
Brustsäcke mit denen im Unterleibe ab-
zuwechseln scheint**).

§. 177.

Ausser diesen Säcken ist aber auch,
wenigstens bey den allermehrsten Vö-
geln (denn es findet darin bey den ver-
schiedenen Geschlechtern und Gattungen
gar vielartige Verschiedenheit, Ausnah-
men u. dergl. statt) ein beträchtlicher
Theil ihres Gerippes zu Luftbehältern
bestimmt. Hauptsächlich gehören da-
tin die grösseren Röhrenknochen, na-
[Seite 262] mentlich die Schulter- und Schenkel-
knochen und die Schlüsselbeine. Dann
aber auch die mehrsten flachen und viel-
eckichten Knochen am Rumpfe, beson-
ders das Brustbein, die Hüftknochen,
und die Rückenwirbel. Alle diese sind
bey den erwachsenen Vögeln, wenig-
stens im Mittelstück, markleer*), so
dass die Röhrenknochen eine grosse Höh-
lung enthalten, und meist nur gegen
die Enden zu wie mit knochichten Quer-
fäden durchkreuzt, die übrigen aber mit
einem Gewebe von leeren Knochenzel-
len gefüllt sind. Sie haben (zumal die
Röhrenknochen an dem nach der Brust
zugekehrten Ende) ansehnliche Oeffnun-
gen**), wodurch sie vermittelst beson-
derer Gefässe mit dem Lungen in einer
Verbindung stehen, die sich durch man-
[Seite 263] cherley Versuche an lebendigen oder
todten Vögeln zeigen lässt*).

§. 178.

Dass diese Luftknochen den mehr-
sten Vögeln zur Erleichterung im Flug**),
so wie manchen Wasservögeln beym
Schwimmen, und dem Straus u. mehr.
beym Schnellen Lauf u.s.w., dienen
mögen, wird schon daher wahrschein-
lich, weil man gerade bey vielen der
grössern hochfliegenden Vögel, Adler u.
dergl. die mehrsten und geräumigsten
Luftknochen findet; vollends aber, weil
[Seite 264] diese Knochen beym ganz jungen erst
ausgekrochenen Vogel allerdings mit
blutreichem Marke versehen sind, das
sich erst gegen die Zeit wenn sie flück
werden, durch Absorption, bey man-
chen ganz, bey andern, zumal unter
den Wasservögeln, doch wenigstens
grösstentheils verliert.

Dass aber anderseits doch nicht alle
diese knöcherne Luftbehälter, so wie
die Luftsäcke, directen Bezug auf das
Respirationsgeschäft dieser Thiere haben
mögen, lässt sich schon daher schliessen,
weil ausser den gedachten, auch bey
vielen der Zwischenraum zwischen den
beiden Knochentafeln der Hirnschale
und der Unterkiefer Luft fasst, deren
Zuführungsgänge in keiner Verbindung
mit den Lungen, sondern bloss mit den
Eustachischen Röhren stehen.

§. 179.

Durch den gleichen Weg wird auch
in derjenigen Ordnung der Vögel, die
desshalb Levirostres genannt werden,
[Seite 265] ihr theils ungeheurer Schnabel mit Luft
versehen, als welcher ihnen nicht, wie
andere Zergliederer gemeint*), zu Ge-
ruchwerkzeugen, sondern ebenfalls zum
Luftbehälter dient. (– tab. V. e. f. vom
Ramphastos tucanus. –)

§. 180.

Ausser dem schon erwähnten Nutzen
dieser verschiedenen Luftbehälter, mögen
sie überhaupt auch dazu dienen, dass
die Vögel bey mancherley schnellen oder
anhaltenden Bewegungen, und die Sang-
vögel beym Schlagen**), seltner zu ath-
men brauchen, so wie die Bauchsäcke
offenbar auch zur Ausleerung des Un-
raths, und bey den Weibchen vielleicht
selbst zum Legen des Eyes wirken.

C) AMPHIBIEN*).

[Seite 266]

§. 181.

Die Lungen der Amphibien zeichnen
sich von der warmblütigen Thiere ihren
schon sowohl durch ihre auffallende
Grösse als durch ihre ausnehmend lockere
Textur aus**); was denn vielen der-
[Seite 267] selben besonders zum Schwimmen zu
Statten kommt.

§. 182.

Beym Chamäleon sind sie mit zahl-
reichen, gleichsam gefingerten, Fortsätzen
oder Anhängen versehen*). Bey den
Wassermolchen endigen sie sich nach
hinten in eine längliche Blase.

Die Schlangen (wenigstens die aller
mehresten) haben nur eine einzige
Lunge, die einen langgestreckten, bla-
senförmigen Schlauch bildet**).

§. 183.

[Seite 268]

Bey den neugebornen Fröschchen (Kaul-
quappen) und denjenigen Eidexen, die
im Wasser jung werden*), findet sich
[Seite 269] in diesem ihren Larvenzustande ein
Paar den Fischkiemen gewisser Massen
ähnliche Organe (appendices fimbriatae
Swammerd.*)); die aber frey zu bei-
den Seiten des Halses heraus ragen, und
nicht permanent sind, sondern sich all-
gemach (bey unsern hieländischen Repti-
lien jener Art meist binnen wenigen
Tagen,) in die Brust zurück ziehen, und
ihre Reste da noch für einige Zeit als
so genannte Afterlungen**) neben den
wahren Lungen zu sehen sind***). Und
[Seite 270] statt der Kiemenöffnung, wodurch die
Fische das durch den Mund einge-
[Seite 271] schluckte Wasser wieder von sich geben
haben manche Kaulquappen an der lin-
ken Seite des Kopfs neben dem Auge
zu diesem Behuf einen kleinen schlauch-
förmigen Ausführungsgang*), der von
der kleinen Röhre an der Unterlefze
mancher dieser Larven unterschieden
werden muss, womit sich dieselben zur
sicherern Haltung anfangs an Wasser-
pflanzen fest saugen**).

D) FISCHE.

§. 184.

Statt der Lungen ist diese Thierclasse
mit Kiemen oder Kiefern (branhiae)***)
[Seite 272] versehen, die zu beiden Seiten am Hin-
tertheile des Kopfs jede unter ihrem
beweglichem Kiemendeckel (operculum
branchiale
) liegen (der nur den chon-
dropterygiis
abgeht), und mit dem Ra-
chen in Verbindung stehen, wodurch
ihnen ihr Sauerstoff aus der im Wasser
befindlichen Luft (so wie den durch
Lungen athmenden Thieren mittelst der
atmosphärischen) zugeführt wird*).
Sie geben das Wasser nachher durch
die Kiemenöffnungen (aperturae bran-
chiales
) wiederum von sich; und zeich-
nen sich folglich auch schon dadurch
von den Thieren der vorigen drey Clas-
sen aus, dass sie nicht so wie diese
durch den gleichen Weg exspiriren,
durch welchen sie vorher eingeathmet
hatten.

§. 185.

Wie die Kiemen zum Behuf dieses
so genannten phlogistischen Processes
[Seite 273] ihr venöses Blut durch die Branchial-
arterie erhalten, und es nach seiner
Umsetzung in arterielles, durch die Aorta
wieder fortschicken, ist schon oben
(§. 164) berührt worden. Die Ver-
theilung dieser Gefässe auf den Falten
und Feldern der Kiemenblätter selbst
aber gehört zu den allerzartesten und
zahllosesten im thierischen Körperbau*).

Bey den mehrsten Fischen**) be-
steht jede der beiden Kiemen aus vier
Blättern, die an eben so vielen mit
dem Zungenbein verbundenen bogen-
förmigen Gräten oder Knorpeln sitzen.
Meist findet sich nur Eine Kiemenöff-
nung auf jeder Seite; bey manchen aber,
namentlich unter den Knorpelfischen,
ihrer mehrere.

§. 186.

Sehr viele Seefische, zumal aber die
im süssen Wasser lebenden, sind mit
[Seite 274] einer einfachen oder doppelten Schwimm-
blase
*) versehen, die, bey den deshalb
untersuchten hieländischen Süsswasser-
fischen grossentheils Stickgas, bey den
Seefischen hingegen meist Sauerstoffgas
enthält. Wenn sie ausser dem allgemein
bekannten Nutzen, nach welchem sie be-
nannt ist**), noch zu andern Functio-
nen dient***), so findet sie doch eben
[Seite 275] sowohl als oben die Luftbehälter der
Vögel hier in diesem Abschnitt füglich
ihre Stelle.

Sie sitzt in der so genannten Bauch-
höhle, am Rückgrath fest, und steht
gewöhnlich mit dem Schlunde, bey ei-
nigen mit dem Magen, durch einen
besondern Canal (ductus pneumaticus)
in Verbindung*) in welchem man bey
manchen, wie z.B. beym Karpen, Klap-
pen gefunden hat, die wie es scheint,
wohl die Luft durch denselben aus der
Blase heraus, aber keine von aussen
hinein lassen.

E) INSECTEN.

§. 187.

Dass auch den weissblütigen Thieren,
im Ganzen genommen, eine Art von
Respirationsgeschäft unentbehrlich sey,
liess sich schon nach der Analogie aus
dem in den mehrsten Ordnungen bei-
[Seite 276] der Classen derselben entdeckten wun-
derbaren Apparat von Kiemen oder Luft-
röhren schliessen; bey vielen derselben
ist aber auch der Process selbst, die
Umsetzung des Sauerstoffs gegen Koh-
lenstoff u.s.w., durch directe Versuche
erwiesen*).

Uebrigens unterscheiden sich die weiss-
blütigen Thiere von den rothblütigen
schon dadurch, dass, so viel bekannt,
keines derselben durch den Mund Luft
schöpft.

§. 188.

Unter den Insecten**) sind manche
von denen die im Wasser leben, wie
namentlich die Fluss- und Seekrebse,
[Seite 277] da wo die Beine ansitzen, mit einer
Art von Kiemen*), unter den übri-
gen aber, zumal die Landinsecten**),
wie bekanntlich überhaupt ohne Ver-
gleich die bey weiten grösste Zahl in
dieser Thierclasse ausmachen, mit be-
wundernswürdigen durch den grössten
Theil ihres Körpers verbreiteten Luft-
gefässen versehen***), und zwar sind letz-
[Seite 278] tere bey denen die sich einer Verwand-
lung unterziehen müssen, in ihrem Lar-
venzustande (– während also ihr Nutri-
tionsgeschäft im vollsten Gange ist, –)
in ungleich grösserer Menge und Stärke
vorhanden, als nachdem sie ihre letzte,
so genannte vollkommene, Gestaltung
erlangt haben.

§. 189.

Bey den Raupen z.B. liegt zu bei-
den Seiten unter der Haut eine starke
Luftröhre (trachea), die nach aussen
mit neun Luftlöchern (stigmata) mün-
det; nach dem Innern hin sich aber
durch eben so viele Stämmchen von
Luftgefässen (bronchiae) in zahllosen Ra-
mificationen verbreitet*).

[Seite 279] Beides, ihre Tracheen und Bronchien,
sind von silberweisser Farbe, und die
[Seite 280] Hauptmembran derselben besteht aus
spiralförmig gewundenen Fäden (fast wie
der Ueberzug der gesponnenen Sai-
ten). Ihre aller zartesten und zahlreich-
sten Enden vertheilen sich in den Spei-
secanal, vorzüglichst aber in das oben
(§. 126.) erwähnte grosse corpus adiposum.

§. 190.

Uebrigens zeigt sich so wohl in der
Anzahl als in der Lage der zum Ath-
men der Insecten bestimmten äussern
Mündungen vielartige Verschiedenheit*).
Bey den mehresten liegen dieselben zu
beiden Seiten des Leibes. Viele von
denen im Wasser lebenden Larven oder
auch ausgebildeten Insecten hingegen
schöpfen atmosphärische Luft mittelst des
Endes vom Hinterleibe. Besonders merk-
würdig ist die Veränderung, die mit man-
chen Thieren dieser Classe in dieser Rück-
sicht während ihrer Verwandlung vor
sich geht; da z.B. die gemeinen Mücken
(Culex pipiens etc.) als Larven durch
[Seite 281] eine Röhre am Hinterleibe, als Nymphen
hingegen durch zwey andere am Kopfe
Luft schöpfen*).

F) WÜRMER.

§. 191.

In dieser so vielartige Geschöpfe um-
fassenden Thierclasse sind auch die Or-
gane des Athmens von sehr verschiede-
nem Bau**), und einigen Ordnungen,
namentlich bey den Bewohnern der Co-
rallen und den eigentlich so genannten
Zoophyten, vielleicht auch den Intesti-
nalwürmern, scheinen sie gänzlich zu
mangeln, so dass, wenn auch bey ihnen
eine analoge functio vitalis Statt hat, sie
doch auf andern vor der Hand noch
[Seite 282] unentdeckten Wegen vor sich gehen
muss.

§. 192.

Bey denen aber die mit eigentlichen
Respirationswerkzeugen versehen sind,
zeigt sich so wie unter den Insecten,
wiederum die gleiche Verschiedenheit,
dass das nämlich bey Manchen, wie
z.B. bey den Tintenfischen*), Au-
stern**) u.s.w. eine Art von Kie-
men – selbst wieder von mancher-
ley Bau –; bey den mehresten hin-
gegen Tracheen sind, wie z.B. bey
so vielen andern Schaalthieren***) und
[Seite 283] Molluscis*) und Intestinis**). Doch
sind viele aus der ersten dieser Ord-
nung mit beiderley Respirationswerk-
zeugen zugleich versehen. Bey man-
chen Bewohnern der Bivalven, z.B.
der Venusmuscheln***), liegen die
Luftgefässe zwischen den Häuten eines
einfachen oder doppelten röhrenförmi-
gen Schlauchs, der am Vordertheile des
[Seite 284] Thiers befindlich ist, willkürlich aus-
gestreckt oder eingezogen werden kann,
und an sich noch zu andern Zwecken,
z.B. zum Eyerlegen, dient, am Rande
seiner Mündung aber mit dem Oeffnun-
gen der Tracheen als mit Stigmaten
besetzt ist.


Fünfzehnter Abschnitt.
Von den
Stimmwerkzeugen
.

[Seite 285]

§. 193.

Schon Aristoteles hat richtig ein-
gesehen, dass nur denjenigen Thieren
wahre Stimme zugeschrieben werden,
könne, die mit wirklichen Lungen ath-
men, folglich bloss denen in den ersten
drey Classen des Thierreichs. Aber
auch selbst unter diesen sind manche
Geschlechter und Gattungen entweder
überhaupt stumm, wie z.B., so viel
bekannt, die Ameisenbären*), die
[Seite 286] Schuppenthiere, die Cetaceen*), Schild-
kröten, mancherley Eidexen und Schlan-
gen; oder gehen doch in gewissen Erd-
strichen keine Stimme von sich, wie
z.B. die Hunde in manchen Ländern
von America, oder die Wachteln**)
und Frösche***) in vielen Gegenden
von Sibirien.

A) SÄUGETHIERE.

[Seite 287]

§. 194.

Die allermehresten Thiere dieser
Classe*) haben das mit einander ge-
mein, dass ihre Stimmritze vorn mit
dem Kehldeckel (und dieser, wenig-
stens bey sehr vielen, mit einem be-
[Seite 288] sondern vom Zungenbeine entspringen-
den, im Menschen nicht befindlichen,
Muskel) versehen ist; und die Seiten-
ränder jener Ritze durch die doppelten
Stimmbänder (ligamenta thyreo-arytae-
noidea
) gebildet werden, zwischen wel-
chen auf jeder Seite die Stimmhöhlen
(ventriculi laryngis) liegen. Der Kehl-
deckel fehlt inzwischen den mehresten
Fledermäusen; und bey einigen mause-
ähnlichen Thieren, wie z.B. beym Sie-
benschläfer, ist er kaum merklich. So
wie anderseits die obern Stimmbänder,
mithin auch die Stimmhöhlen, man-
chen Bisulcis, z.B. dem Ochsen und
Schaafe, abgehen.

§. 195.

Bey manchen Gattungen von Säuge-
thieren wird die ihnen eigentümliche
sich besonders auszeichnende Stimme,
oder doch gewisse Töne noch durch
andere Organe gebildet, wohin vorzüg-
lich bey einigen sonderbare gespannte
Membranen, bey andern aber eigene
[Seite 289] Blasen und Säcke gehören, die mit dem
Innern des Kehlkopfs in Verbindung ste-
hen, und theils als Fortsetzungen der
Stimmhöhlen anzusehen sind.

Beym Pferde z.B. wird der Anfang
des Wieherns durch eine besondere zart-
sehnige, fast sichelförmige Membran be-
wirkt, die in der Mitte am Schildknorpel
sitzt, und mit ihren Enden nach den
äussern Rändern der Stimmritze läuft*).

Das eigene Geschrey des Esels hinge-
gen wird dadurch hervor gebracht, dass
sich unter einer ähnlichen Membran eine
besondere kesselförmige Vertiefung; im
Schildknorpel befindet, und ausserdem
noch zu beiden Seiten ein paar Oeff-
nungen liegen, die zu besonderen Höh-
len führen**).

Und nun das Maulthier –, das wie-
hert nicht wie die Pferdestute, von wel-
cher es geworfen ist, sondern schreyt
[Seite 290] wie der Eselhengst, von dem es erzeugt
worden, und hat auch ganz den Kehl-
kopf desselben, und nichts von jenen
eigenen Stimmorganen seiner Mutter.
Eine Erscheinung, die wie so viele
andere sich wohl schwerlich mit der
vermeinten Präexistenz der präformirten
Keime im mütterlichen Eyerstocke rei-
men lässt*).

Bey der Katze liegen unter den Stimm-
bändern ein Paar zarte Membranen, die
vermuthlich das diesen Thieren eigene
Schnurren oder Spinnen verursachen**).

[Seite 291] Das Schwein hat zwey beträchtliche
membranöse Säcke vorn oberhalb der
Stimmbänder*).

Mancherley Affen**) und Paviane***)
haben, so wie auch das Renthier†),
[Seite 292] vorn am Halse ansehnliche einfache oder
doppelte Kehlbeutel von verschiedener
Form und Abtheilung, die mit einer oder
zwey Oeffnungen im Kehlkopf zwischen
dem Zungenbein und Schildknorpel
münden.

Und bey manchen Meerkatzen (z.B.
beym Cercopithecus beelzebub und seni-
culus
) bildet der mittlere oder Vorder-
theil des Zungenbeins eine sonderbare
knöcherne Capsel von fast kugelichter
Form*), mittelst deren diese Thiere
ihr durchdringendes weit schallendes
Geschrey hervorbringen.

B) VÖGEL.

§. 196.

Die bis auf sehr wenige Ausnahmen
allgemeinste Haupteigenheit der Stimm-
organe in dieser Classe reducirt sich dar-
[Seite 293] auf, dass die Vögel, wie man insge-
mein sagt, einen doppelten – oder wie
man richtiger sagen sollte, einen an
beiden Enden der Luftröhre vertheilten
Kehlkopf und zweyerley Stimmritze
haben.

§. 197.

Am oberen Ende der Luftröhre liegt
nämlich bloss die obere oder eigentliche
Stimmritze, und zwar ohne Kehldeckel*),
deren scheinbarer Mangel bey sehr vie-
len durch die conischen Fleischfasern zu
beiden Seiten der Ritze ersetzt wird.

§. 198.

Der Hauptapparat zur Bildung der
Vogelstimme findet sich hingegen im
[Seite 294] untern oder Bronchial-Larynx*), der
inwendig eine zweyte Stimmritze ent-
hält, die durch gespannte Membranen
gebildet wird, und bey vielen, zumal
unter den Wasservögeln, mit einem so
genannten Schnarrwerk in den Orgel-
pfeifen verglichen werden kann: von
aussen aber bey den verschiedenen Ord-
nungen und Geschlechtern mit mehre-
ren oder wenigern Muskelpaaren so wie
mit einer Art von Schilddrüse versehen
ist. Uebrigens zeigt sich, und zwar
ebenfalls besonders bey den Wasservö-
geln, theils schon in der verhältniss-
mässigen Länge und Lauf der Luftröhre,
[Seite 295] hauptsächlich aber im Baue des untern
Kehlkopfes, bey vielen Gattungen, und
bey manchen derselben wieder nach der
Sexualverschiedenheit, vielartige Abän-
derung*). So hat z.B. der so genannte
zahme oder stumme Schwan (Anas olor)
eine gerade auslaufende Luftröhre, die
hingegen beym männlichen wilden oder
[Seite 296] singenden (cygnus) in die oben gedachte
Capsel des Brustbeins tritt (– §. 55. –).
Beym Löffelreiher (Platalea leucorodia),
so wie auch beym Katraka (Phasianus
motmot
) u.a. finden sich ähnliche Win-
dungen der Luftröhre, doch ohne jene
Brustbeincapsel. Bey vielen Schwimm-
vögeln aber haben bloss die Männchen
am untern oder Bronchial-Larynx eine
knöcherne Blase von mancherley Ge-
stalt*), die ebenfalls zur Verstärkung
ihrer Stimme dient**). So die gemeine
Ente, die europäische Haubenente (Anas
[Seite 297] fuligula), die Brandente (tadorna), die
weisse Tauchente (Mergus albellus), die
Tauchergans (merganser) u.a.m.

C) AMPHIBIEN.

§. 199.

In dieser letzten Classe von animali-
bus vocalibus
ist der Bau der Stimm-
werkzeuge im Ganzen ziemlich einfach,
doch wieder bey den mancherley Ge-
schlechtern, Gattungen, und selbst theils
nach der Sexualverschiedenheit, von
vielartiger Einrichtung.

§. 200.

Die Landschildkröten (wenigstens Te-
studo graeca
), haben eigentlich zwey
Luftröhren, indem sich der kurze ge-
meinschaftliche Stamm gleich beym drit-
ten Halswirbel in zwey lange Haupt-
äste theilt, die weit in die Brust hin-
absteigen ehe sie in die Lungen eintre-
ten. Jeder macht seitswärts eine starke
Krümmung über welche sich die beiden
[Seite 298] aortae abdominales herumschlagen*).
Bey den Fröschen ist die Luftröhre sehr
kurz; doch bey den Männchen etwas
länger als bey den Weibchen; auch ihre
Stimmritze weiter. Uebrigens ist diese
auch wohl bey allen Thieren dieser
Classe mit Stimmbändern versehen**).

§. 201.

Bey manchen Fröschen zeichnen sich
die Männchen noch durch besondere
Luftsäcke aus, wohin die grosse. Kehl-
blase des Laubfrosches und die Backen-
blasen gehören, die der grüne Wasser-
[Seite 299] frosch (Rana esculenta) zur Paarungs-
zeit an beiden Seiten der Mundwinkel
durch ein Paar Oeffnungen aufbläht, die
am Unterkiefer nahe an der Stimmritze
liegen*).


Sechszehnter Abschnitt.
Vom
Gehirne und dem Nervensystem
überhaupt.

[Seite 300]

§. 202.

In keiner andern Classe von Functio-
nen der thierischen Oekonomie ist eine
so reine einleuchtende Stufenfolge vom
einfachsten Bau zum zusammengesetzt-
ten bemerklich*), als in der, zu wel-
cher wir jetzt übergehen, die den Haupt-
character der Animalität bestimmt, und
selbst davon ihren Namen erhalten hat**).

§. 203.

[Seite 301]

Bey manchen der einfachsten Thiere,
aus der Classe der Würmer, zumal bey
den Eingeweidewürmern und den so ge-
nannten Zoophyten, ist überhaupt wenig
oder keine Verschiedenheit von partibus
similaribus
*) ihres Körpers, und na-
[Seite 302] mentlich nichts zu erkennen, was als
ein distinctes Nervensystem oder dazu
gehörige Theile angesprochen werden
könnte: sondern die Nervenmaterie, die
sich übrigens durch Empfindungs- und
Bewegungsvermögen bey ihnen so gut
als in irgend einer andern Ordnung
oder Classe des Thierreichs äussert, ist
in ihre ganze meist homogene Masse wie
verschmolzen: so dass sich z.B. bey den
fast durchscheinenden Armpolypen, die
sich in unsern Gewässern doch oft mit
Zoll langen Körper und Spannen lan-
gen Fangarmen finden, selbst bey bester
Beleuchtung und starker Vergrösserung,
doch nichts als ein körniges, (gleichsam
gekochten Sago ähnelndes) Gefüge zeigt,
das durch eine gallertartige Grundmasse
in die bestimmte Form verbunden
wird.

§. 204.

[Seite 303]

Schon bey vielen andern Würmern ist,
so wie bey den Insecten, ein distinctes
Gangliensystem von Nerven zu unter-
scheiden, die bey den mehresten gröss-
tentheils aus dem so genannten Rücken-
mark entspringen, an dessen Kopfende
das eigentliche Gehirn nur einen sehr
kleinen unansehnlichen Theil macht: der
hingegen in den beiden Classen von
Thieren mit rothem kalten Blute, noch
viel mehr aber bey den warmblütigen,
von weit zusammengesetzteren Bau und
relativ beträchtlicherer Grösse ist, worin
endlich der Mensch in so fern alle übri-
gen übertrifft, dass er, nach Sömmer-
ring's
scharfsinniger Bemerkung*), das
bey weiten allergrößte Gehirn in Ver-
[Seite 304] hältniss zu der Feinheit seiner dar-
aus entspringenden Nerven hat*).

A) SÄUGETHIERE.

§. 205.

Schon die beiden grossen Scheide-
wände welche die harte Hirnhaut als
[Seite 305] so genanntes Zeit (tentorium) zwischen
dem grossen und kleinen Gehirn, und
als Sichel (falx) zwischen den beiden
Hälften des erstern bildet, zeigen bey
einigen Thieren dieser Classe die merk-
würdige Eigenheit, dass sich ein star-
kes Knochenblatt als Fortsatz der be-
nachbarten Hirnschalenknochen zwischen
ihre Duplicatur erstreckt.

Von einer knöchernen Grundlage der
Sichel ist mir zwar unter den Quadru-
peden dieser Classe nur Ein Beyspiel
ohne seines gleichen bekannt, das ich
bey dem an Anomalien der Art so rei-
chen Ornithorhynchus gefunden (– tab.
I. c. –); unter den Cetaceen aber findet
sich etwas Aehnliches, wenigstens bey
den Delphinen*). Uebrigens tritt auch
[Seite 306] die Sichel selbst, bey manchen Gattun-
gen mehr, bey andern weniger tief zwi-
schen die Hirnhälften*), und einigen
fehlt sie ganz.

Weit häufiger findet sich hingegen
bey manchen Säugethieren ein tentorium
cerebelli osseum
, das aber bey den ver-
schiedenen Gattungen von ungleicher
Grösse und Umfang ist. Es wird durch
besondere Knochenblätter gebildet, die
sich hauptsächlich von der so genann-
ten tabula vitrea der Scheitelbeine, und
zum Theil auch von den beiderseiti-
gen Felsenbeinen in das tentorium der
harten Hirnhaut erstrecken, und im
Ganzen eine doppelte Verschiedenheit
zeigen.

Bey manchen nämlich, stellt es gleich-
sam eine knöcherne Wand vor, die nur
nach unten einen meist viereckten Durch-
[Seite 307] gang lässt. So bey den mehresten Gat-
tungen des Katzen und Bärengeschlechts,
beym Marder u.a.m., sogar bey einer
Meerkatze, dem Coaita (Cercopithecus
paniscus
)*).

Bey andern hingegen besteht es aus
drey von einander abstehenden Stücken,
deren eins von oben und hinten, wie
ein Dach, in die Hirnschalenhohle hin-
ein ragt; die andern beiden aber seit-
wärts von den Felsenbeinen entsprin-
gen. So bey manchen Phocis**), beym
Orycteropus capensis, bey Didelphys
wombat
, im Hunde- und Pferdege-
schlecht u.a.m.

[Seite 308] Endlich zeigt sich aber auch bey noch
andern, z.B. beym Schwein, Caninchen,
manchen Mäusen u. dergl. doch ein
Rudiment zu den letztgedachten Seiten-
theilen, wenigstens ein scharfer Rand
an den Felsenbeinen*).

§. 206.

Zu denen Eigenheiten aber, wodurch
sich bey den Säugethieren das Gehirn
selbst**) von dem menschlichen aus-
[Seite 309] zeichnet, gehört überhaupt, ausser der
schon erwähnten grossern Stärke der
daraus entspringenden Nerven, auch das
nach Verhältnis zum grossen Gehirn
beträchtlichere Volumen des kleinen,
[Seite 310] so wie die ansehnlichere Dicke des
Rückenmarks*).

§. 207.

Ferner ist das merkwürdige und räth-
selhafte Sandhäufchen, das sich beym
Menschen nach den ersten Jugendjahren
bis auf höchst seltene Ausnahmen, immer
an seiner Zirbeldrüse findet**), bis jetzt
nur erst einigemal anomalisch an ein-
zelnen Individuen von Bisulcis, beob-
achtet worden***).

§. 208.

[Seite 311]

Bey den eigentlichen Quadrupeden
(also die Quadrumanen ausgenommen)
verlaufen sich die vordern lobi des
grossen Gehirns nach unten in die so
genannten processus mamillares*), aus
welchen hernach die Geruchnerven des
ersten Paars entspringen. Sie sind, zu-
mal bey den Grasfressenden, von an-
sehnlichster Grösse**), überhaupt aber
um so merkwürdiger, da sie, besonders
wegen der Verlängerung der vordern
[Seite 312] Ventrikel, die sich hinein erstrecken,
weiland zu grossen physiologischen Irr-
thümern Anlass gegeben haben*).

§. 209.

Uebrigens findet zwischen dem Hirn
der grasfressenden Quadrupeden und der
mehresten Carnivoren im allgemeinen
auch noch die eigene Verschiedenheit
Statt, dass bey ersteren die vordern
oder obern von den corporibus quadri-
geminis
(die vulgo so genannten nates)
grösser sind, als die hintern und untern,
bey den Carnivoren hingegen das Wi-
derspiel Statt hat. So wie auch bey
jenen die eminentia candicans gross und
einfach, bey den Fleischfressenden hin-
gegen klein und doppelt ist**).

B) VÖGEL.

[Seite 313]

§. 210.

Allerdings bildet auch bey manchen
Vögeln die harte Hirnhaut einen sichel-
förmigen Fortsatz der folglich mit Un-
recht der ganzen Classe abgesprochen
worden*). Ja, beym Auerhahn habe
[Seite 314] ich sogar eine knöcherne Grundlage
dazu, fast so wie in der Hirnschale des
Schnabelthiers (§. 204.), gefunden*).

§. 211.

Das Hirn selbst**). ähnelt, im Ganzen
genommen, dem in der vorigen Thier-
classe (selbst darin, dass es sich bey
manchen Vögeln nach vorn in eine Art
von processibus mamillaribus verläuft),
so wie es sich hingegen von dem in
den folgenden auffallend auszeichnet.
[Seite 315] Doch unterscheidet es sich von der Säu-
gethiere ihrem ausser seiner glatten
Oberfläche (ohne wulstige Windungen)
besonders dadurch, dass die thalami*)
der Sehenerven nicht innerhalb des ei-
gentlichen oder großen Gehirns einge-
schlossen, sondern hinter demselben frey
liegen, meist von kuglichter Form und
inwendig hohl sind; ein Bau, den im Ge-
gentheil die Vögel mit den beiden Clas-
sen der Thiere mit rothem kalten Blut
gemein haben. – Auch sind diejeni-
gen Körper, die bey den Säugethieren
mit Recht striata heissen, bey den Vö-
geln nur einfarbig.

§. 212.

Hingegen fehlen den Vögeln manche
Theile des Gehirns, die sich bey den
[Seite 316] Säugethieren finden, entweder gänzlich,
oder die Meinungen darüber sind we-
gen abweichender Eigenheiten im Bau
u.s.w. wenigstens getheilt. Ersteres ist
allem Anschein nach der Fall mit dem
corpus callosum, der Brücke u.a.m.;
letzteres mit dem fornix, der Zirbel-
drüse, den eminentiis mamillaribus, cor-
poribus quadrigeminis
etc.*). Auch hat
[Seite 317] das Cerebellum der Vögel so wie aller
Eyerlegenden Thiere keine Seiten-lobos
sondern besteht einzig aus dem Vermis.

C) AMPHIBIEN.

[Seite 318]

§. 213.

Ueber das Hirn der Amphibien ist
vergleichungsweise noch wenig gearbei-
tet. Im Ganzen scheint es sehr klein
und einfach; besteht nur aus fünf rund-
lichen Partien, nämlich den beiden
Hemisphären, den dahinter frey und
abgesondert liegenden durch Ventrikel
ausgehöhlten beiden thalamis*) und dem
kleinen Gehirn, das in beiden Classen
von Thieren mit rothem kalten Blut in
seinem Innern keinen so genannten arbor
vitae
zeigt. Hingegen ist das Rücken-
mark verglichen mit der Kleinheit des
Gehirns, bey den mehresten Amphibien
von ausnehmender Stärke**).

D) FISCHE.

[Seite 319]

§. 214.

In dieser Classe*) füllt das Gehirn
bey weiten nicht die Hirnschale aus:
sondern zwischen der dura mater (die
bey den mehresten grossen Fischen von
einer fast knorpelartigen Festigkeit ist,)
und der pia findet sich eine Menge ei-
ner fettig-salzigen Feuchtigkeit in ei-
nem lockern Schleimgewebe, das einer
[Seite 320] schaumigen Sulze ähnelt*) und die
Stelle der arachnoidea zu vertreten
scheint.

§. 215.

Uebrigens ist der Bau des Hirns bey
den verschiedenen Geschlechtern und
Gattungen (ja selbst nicht gar selten bey
den Individuis der nämlichen Species,)
von Fischen von vielartiger Verschie-
denheit, besteht aus mancherley meist
paarweise gereihten tuberculis oder lo-
bulis
, unter welchen doch durchge-
hends die fünfe, deren bey den Amphi-
[Seite 321] bien gedacht worden, als die constante-
sten sich auszeichnen*).

§. 216.

Eine eigne Merkwürdigkeit die zu
vielen physiologischen Untersuchungen
[Seite 322] und Folgerungen Anlass gegeben, ist,
dass wenigstens bey den mehrsten Fi-
schen, aber auch bey manchen Amphibien
(z. E. in der Natter) die Sehenerven
[Seite 323] sich (ungefähr wie ein Paar übereinan-
der geschlagene Finger) kreuzen*).

Eben diese Nerven haben bey man-
chen Fischen den sonderbaren Bau einer
der Länge nach aufs sauberste zusam-
mengefalteten Markhaut**).

[Seite 324] Und die Geruchsnerven bilden bey
manchen, z. E. beym Stock-Kabeljan
(Gadus merluccius) und Karpen*) ehe
sie sich in die unten zu erwähnende ge-
faltete Nasenhaut verbreiten eine Art
von Nervenknoten, dergleichen sich
sonst, so viel bekannt, am übrigen Ner-
vensystem der Fische nicht finden.

§. 217.

Endlich verdienen hier auch noch
diejenigen Nerven besondere Erwähnung,
die sich bey den elektrischen Fischen**)
in ihre bewundernswerthen aponeuro-
tischen Zellen vertheilen, welche mit
Eyweiss ähnlichen Stoffe und Gallerte
gefüllt sind und ihnen gleichsam statt
einer Leidner Flasche oder elektrischen
Batterie dienen. Beym Zitterrochen (Raia
torpedo
) liegen bekanntlich diese son-
derbaren Organe nach den Seitenflossen
[Seite 325] des Thiers*) und erhalten ihre Nerven
zum Theil vom 5ten Paare, doch haupt-
sächlich vom vagus aus dem verlänger-
ten Marke. Beym Zitteraal (Gymnotus
electricus
) finden sie sich zu beiden
Seiten unter dem Hinterleibe**) und
ihre Nerven kommen von den Interco-
stal-N. Und beym Zitterwels (Silurus
electricus
) sind sie, wie man spricht,
zwischen Fell und Fleisch über den
ganzen Leib des Thiers verbreitet und
ihre Nerven entspringen vom achten
Paare***).

E) INSECTEN.

[Seite 326]

§. 218.

Der allgemeinen Einrichtung des Ner-
vensystems in dieser Classe ist oben
(§. 204.) gedacht.

Bey den Raupen, als bey welchen es
bis jetzt am genauesten untersucht wor-
den*), liegt das Gehirn gleichsam wie
ein bohnenförmiger doppelter Nerven-
knoten in der nach Verhältniss zu dem-
gelben mächtig grossen hörnernen Hirn-
schaale. Von da läuft längs des Bauches
[Seite 327] der nervige Strang der insgemein mit
dem Rückenmark der rothblütigen Thiere,
neuerlich aber auch mit dem Intercostal-
Nerven derselben verglichen worden*),
und bildet unterwegs ein Dutzend ein-
fache ganglia, aus welchen zunächst, so
wie aus dem doppelten Hirnknoten, die
Nerven-Paare entspringen**).

F) WÜRMER.

[Seite 328]

§. 219.

Die Bewohner der Corallen und die
eigentlich sogenannten Zoophyten aus
genommen, ist nun bey vielen Geschlech-
tern aus den übrigen Ordnungen dieser
Classe ein distinctes Nervensystem, so
[Seite 329] gut wie bey den Insecten, erwiesen*).
Selbst bey vielen von denen, welchen es
[Seite 330] sonst von andern Naturforschern aus-
[Seite 331] drücklich abgesprochen worden war*).
Besonders merkwürdig ist in vielartigen
Geschlechtern derselben das Nerven-
Halsband, das den Obertheil ihres Schlun-
des umfasst, dergleichen sich auch in
manchen Insecten findet; so wie sich
überhaupt im Bau und Vertheilung des
Nervensystems mancherley theils auf-
fallende. Aenlichkeiten zwischen vielen
Thieren dieser beiden Classen zeigen. So
z. E. des Goldwurm (Aphrodite acu-
leata
) seines, verglichen mit der Rau-
pen ihrem**). Bey anderen ist es
hingegen desto anomalischer, wie z. E.
beym Tintenfisch, aus dessen Gehirn
zwey dicke Stränge entspringen, die sich
[Seite 332] in der Brust in zwey käulenförmige
ganglia enden, von welchen sich zahl-
reiche Nerven verbreiten*)


Siebzehnter Abschnitt.
Von den
Sinnwerkzeugen überhaupt und
den Organen des Tastens ins Besondere.

[Seite 333]

§. 220.

Ueber wenige andere Gegenstände der
Vergleichenden Anatomie und Physiolo-
gie sind die Meinungen so verschieden
und getheilt gewesen, als über die Sinn-
werkzeuge mancher Thierclassen*).
Vieles Missverständniss hierin ist offen-
bar dadurch veranlasst worden, dass man
[Seite 334] zu voreilig und unbedingt von den
menschlichen Sinnwerkzeugen auf der
Thiere ihre geschlossen; folglich z.B.
gemeint hat, Thiere, die eine Zunge
haben, müssten deshalb auch damit
schmecken können, hingegen Thieren
an denen keine Nase zu unterscheiden
ist, fehle der Sinn des Geruchs; und
dergl. m. Beobachtung und Nachsinnen
lehrt bald, dass um nur bey den eben-
gedachten Beyspielen zu bleiben, sehr
vielen Thieren, z.B. unter den Säuge-
thieren den Ameisenbären, und dann
den allermehrsten Vögeln, die Zunge
womit sie versehen sind, nach der Sub-
stanz oder auch nach dem Mechanismus
derselben zu urtheilen, unmöglich als
Organ des Geschmacks sondern bloss zur
Ingestion ihres Futters dienen kann:
und dass andere, besonders unter den
Insecten, sehr scharfen Geruch verra-
then, ob sich gleich kein Theil an ihrem
Kopfe angeben lässt, den man der
Analogie nach für eine Nase ansprechen
dürfte.

§. 221.

[Seite 335]

So allgemein wohl den Thieren das
Gefühl überhaupt zukommt, wodurch
sie besonders für die Eindrücke von
Wärme und Kälte empfänglich werden,
so sind hingegen nur sehr wenige, so
wie der Mensch, mit Organen versehen,
die ausschliesslich zum unmittelbaren*)
Tasten bestimmt sind; um nämlich da-
mit absichtlich äussere Gegenstände zu
befühlen, zu exploriren, gleichsam zu
sondiren.

Ueberhaupt scheint sich dieser Sinn,
so viel wenigstens bis jetzt bekannt, nur
in vier Thierclassen zu finden: nämlich
bey mehreren Säugethieren, bey weni-
gen Vögeln, bey den Schlangen, und dann
wahrscheinlich bey den Insecten.

A) SÄUGETHIERE.

[Seite 336]

§. 222.

Am vollkommensten, dem mensch-
lichen Bau am ähnlichsten, ist bekannt-
lich das Organ des Betastungssinnes bey
den Quadrumanen ausgebildet; als bey
welchen die Fingerspitzen, zumahl an
den Hinterhänden, mit einer eben so
weichen, und eben so sonderbar und
regelmässig zartbefurchten Haut beklei-
det sind als beym Menschen.

Auch unter den Digitatis mögen meh-
rere mit diesem Sinn versehen seyn.
Namentlich glaube ich ihn an der Un-
terseite der Vorderzehen des Waschbären
(Vrsus lotor), und dem feinen Gebrauch
den er davon macht, zu bemerken.

Minder ausgemacht dünkt mich, ob
man den Rüssel des Maulwurfs*) und
der Schweine**), oder die Zunge
bey den solidungulis und bisulcis***),
[Seite 337] und die Schnauze bey diesen und an-
deren Thieren*), für wahre Organe des
Betastungssinnes in der obgedachten Be-
deutung ansehen darf**). Eher möchte
man ihn noch dem Rüssel des Elephanten
und der hakenförmigen weichen, immer
feuchten Spitze an der Oberlippe des
Rhinocers, zuschreiben können.

[Seite 338] Desto unverkennbarer zeigt sich der-
selbe hingegen nach meinen Untersu-
chungen an dem so wunderbaren Schna-
belthier (Ornithorhynchus paradoxus),
und zwar ist bey ihm so wie bey den
Enten u.s.w., das Organ dazu, die
ausnehmend nervenreiche Haut womit
seine schnabelförmigen Kiefer, zumahl
der obere, bekleidet sind, und in wel-
che sich die ansehnlichen Nerven vom
fünften Paare, und zwar hauptsächlich
vom zweyten Aste desselben, im gan-
zen völlig wie bey den genannten
Schwimmvögeln, verbreiten. (– tab. I.
k. l. m. p. –)

B) VÖGEL.

[Seite 339]

§. 223.

Das so eben gedachte Organ des Be-
tastungs-Sinnes beym Schnabelthier
stimmt seinem Bau nach zum Bewun-
dern mit dem bey den Gänsen und En-
ten überein, als bey welchen der Schna-
bel mit einer ähnlichen äusserst empfind-
lichen Haut überzogen, und diese mit
einer Menge Nerven von allen drey
Aesten des fünften Paars durchzogen ist.
(– tab. IV. c und f bis o –) Offenbar
dient ihnen dieser Apparat um damit
im Schlamme, wo ihnen weder Sehen
noch Riechen zu Statten kommt, nach
ihrem Futter umher zu tasten.

C) AMPHIBIEN.

§. 224.

Es ist wohl mehr witzig als wahr,
wenn man von den Schlangen gesagt
hat*), ihr ganzer Körper sey gleichsam
[Seite 340] eine Hand, wodurch sie sehr richtige
Gefühlsbegriffe erhalten könnten. Hin-
gegen dient ihnen nach Hellmann's
Untersuchungen*) ihre meist gespaltne
sehr schlanke Zunge zum Tasten.

D) FISCHE.

§. 225.

Und eben diess ist wohl der Fall
bey den Fischen, wovon übrigens die
mehresten, zumahl am Bauche und an
den Lippen ein äusserst feines Gefühl
haben**).

E) INSECTEN.

§. 226.

Mehr als bloss wahrscheinlich ist es
hingegen nach allen Untersuchungen
und Beobachtungen, die über den Bau
der Antennen, und den unverkennba-
[Seite 341] ren Gebrauch angestellt worden, den
so viele Geschlechter davon machen,
dass dieselben wirklich das sind, was
ihr deutscher Name andeuten soll,
Fühlhörner, oder noch eigentlicher Be-
tastungswerkzeuge, um damit zu sondi-
ren und zu exploriren*), was ihnen
bey der Unempfindlichkeit ihrer äussern
meist hornartigen Bekleidung und den
mehrsten auch bey der Unbeweglichkeit
ihrer Augen um desto nöthiger ist**).

F) WÜRMER.

[Seite 342]

§. 227.

Minder entschieden scheint es hinge-
gen vor der Hand noch, ob auch die
sogenannten Fühlfaden (tentacula) bey so
vielen Würmern, und namentlich die
Arme der Sepien*), für Organe des
Tastens, in dem engern Sinne wovon
hier die Rede ist, angesehen werden
dürfen**).


Achtzehnter Abschnitt.
Von der Zunge.

[Seite 343]

§. 228.

Dass bey uns und manchen andern
Thieren die Zunge das Organ des Ge-
schmacks ist, berechtigt uns freylich
nicht, allen Thieren, die eine Zunge
haben, deshalb denselben zuzuschreiben.
Denn manchen dient dieses Organ, wie
schon gedacht, offenbar bloss zur Inge-
stion*), und bey vielen andern ist es
[Seite 344] wenigstens noch sehr zweifelhaft, ob sie
wirklich damit schmecken. Aber eben
so wenig sind wir befugt, weder die-
sen noch den ganz zungenlosen Thie-
ren den Geschmackssinn abzusprechen,
der bey ihnen einen andern Sitz haben
kann*) Ueberhaupt aber ist diess wohl
[Seite 345] unter den fünf Sinnen derjenige, über
welchen sich vor der Hand noch in der
vergleichenden Physiologie am wenig-
sten mit Gewissheit entscheiden lässt.

A) SÄUGETHIERE.*)

§. 229.

Eine völlig menschenähnliche Zunge
hat sich meines Wissens noch bey kei-
nem andern Säugethiere gefunden. Selbst
der Affen ihre unterscheidet sich davon
[Seite 346] durch ihre schmalere langgestreckte Form
und durch die grössere Differenz der
mehr verschiedenartigen Papillen, womit
ihre obere Seite gleichsam besäet ist*).

§. 230.

Bey den mehrsten Herbivoren, zu-
mahl aber bey den bisulcis, ist sie mit
einem festen und dichten epithelium be-
kleidet, das zahllose zugespitzte und
rückwärts gekehrte Papillen bildet, die
[Seite 347] wenigstens bey den hieländischen, ihrer
Consistenz und Richtung nach, zum Ab-
rupfen des Grases zu nutzen scheinen.
Weit schärfer greift hingegen die gleich-
sam stachelige Zunge der Thiere aus
dem Katzengeschlecht ein*). Doch fin-
den sich ähnliche scharfe Papillen auch
auf der Zunge mancher andrer, z. E.
bey manchen Fledermäusen**), Beutel-
tieren***) u.s.w.

Inzwischen scheint kein Zweifel, dass
doch auch allen diesen Thieren ihre
Zunge, wenigstens an den vordern Rän-
dern, ebenfalls zum Schmecken diene.

§. 231.

[Seite 348]

Anders verhält es sich hingegen bey
denjenigen zahnlosen Säugethieren, die
wie die Ameisenbären*) und Schuppen-
[Seite 349] thiere ihr Futter ganz schlucken, als
bey welchen wohl offenbar die lange
wurmförmige Zunge lediglich zum Or-
gan der Ingestion bestimmt scheint.

B) VÖGEL.

[Seite 350]

§. 232.

Zwar sind wohl alle Vögel mit einer
Zunge versehen, denn auch der Pelican
(onocrotalus), dem man sie absprechen
wollen, hat doch allerdings ein deut-
liches Rudiment davon: aber nur weni-
gen Geschlechtern scheint dieselbe wirk-
lich zum Schmecken zu dienen. Doch
ist diess wohl mit manchen Raub- und
Schwimmvögeln, besonders aber mit
den mehrsten Papageyen der Fall, als
deren weiche, dicke Zunge mit Papillen
besetzt ist und mit speichelartiger Feuch-
tigkeit benetzt wird, und die auch
mancherley Getränk und flüssige oder
weiche Speisen mit derselben wirklich
kosten und auswählen.

§. 233.

Hingegen ist bey vielen andern Vögeln
die Zunge hornartig, steif, nervenlos,
folglich durchaus zum Schmecken unfä-
hig, sondern bloss zur Ingestion bestimmt.
[Seite 351] So um Ein auffallend unverkennbares
Beyspiel statt vieler anzuführen bey
den Pfefferfrassen, deren Zunge theils
Spannenlang und doch an der Wurzel
kaum zwey Linien breit, durchaus wie
ein Streifen Fischbein und an den Sei-
tenrändern vorwärts gezasert ist.

§. 234.

Ueberhaupt ist die Zunge bey den ver-
schiedenen Geschlechtern und Gattungen
dieser Thierclasse von sehr vielartiger
Gestaltung*) und Mechanismus. Von
letzterm verdienen zwey Beyspiele be-
sondre, Erwähnung; der nämlich an der
Zunge der Spechte**) und des Auer-
hahns.

Insgemein wird den Spechten eine
ausnehmend lange Zunge zugeschrieben.

[Seite 352] Dem ist nicht so. Denn was man bey
andern Vögeln eigentlich ihre Zunge
nennt, ist bey jenen winzig klein;
gleichsam nur ein hornartiges Pfeilspitz-
chen mit Wiederhaken an den Seiten-
rändern. Dahinter aber folgt ein über-
aus sonderbares schlankes, aber sehr lang-
schenkeliges Zungenbein, das aus fünf
fast grätenförmigen, theils knorpeligen
Stücken besteht, einem einfachen und
vier gepaarten. In der Ruhe liegt jenes
in einer fleischigen sehr dehnbaren Scheide
im Schnabel. Das erste Paar der damit
articulirenden Seitenschenkel liegt zu bei-
den Seiten des Halses, das andre hier-
anstossende aber läuft Unter der Haut
über den Schedel, wo die convergirenden
Extreme neben einander wie in einer
Rinne liegen, und vorn, gewöhnlich zur
rechten im Oberschnabel, enden. An
diesem hintern Paar hängt das ganze
sonderbare Ingestionsorgan gleichsam wie
in Stahlfedern*). Das vordre aber legt
[Seite 353] sich, wenn die Zunge ausgeschossen
werden soll, an einander, wird von dem
hintern Ende der alsdann ausgedehnten
fleischigen Scheide des Vorderstücks mit
aufgenommen; und dadurch die gleich-
sam verlängerte Zunge mehrere Zoll weit
herausgetrieben*).

Beym Auerhahn hat die Zunge eine
noch mehr anomalische Mobilität, in-
dem sie mit sammt dem Kehlkopf in der
Ruhe tief unten im Schlunde steckt,
und doch mittelst ansehnlicher Mus-
keln auch schnell und leicht heraufge-
zogen werden kann**).

C) AMPHIBIEN.

[Seite 354]

§. 235.

Auch aus dieser Classe nur einige
wenige Beyspiele von Hauptverschie-
denheiten.

Bey den Crocodilen, denen die Zunge
von Herodotus bis Hasselquist so
oft ganz abgesprochen worden, ist sie
klein, von weniger Beweglichkeit und
zwischen dem Unterkiefer wie ver-
wachsen*).

Ihnen ähneln hierin die Salamander.

Ganz verschieden hiervon ist hinge-
gen die wunderbare oft beschriebene
Zunge des Chamäleon, deren Mecha-
[Seite 355] nismus gewisser Massen eher mit der
Spechte ihrer verglichen werden könnte;
doch ist die Form anders, das vordere
Ende kolbicht, mit einer ausgehöhlten
Vertiefung u.s.w.*).

Die Zunge mancher Schildkröten ist
am vordern Rande mit langfaserigen Pa-
pillen dicht besetzt**).

Bey den Fröschen liegt die flache
fleischige Zunge in der Ruhe von vorn
nach hinten, d.h. sie ist vorn hinter
dem Bogen des Unterkiefers festgewach-
sen und ihr freyes Ende ist rückwärts
[Seite 356] gekehrt, so dass es mit seinem meist halb-
mondförmigen Ausschnitt die Stimm-
ritze umfasst. Um Beute damit zu ha-
schen, wird die Zunge vorwärts und
zum Maule heraus geschlagen.

§. 236.

Eine ähnliche Befestigung und Rich-
tung der Zunge findet sich auch bey den
Schlangen*), nur ist dieselbe rund und
schlank, mit zweispaltiger Spitze und
ihre Wurzel wie in einer fleischigen
Scheide, aus welcher sie aus und ein
gezogen werden kann**).

D) FISCHE.

[Seite 357]

§. 237.

Von der Zunge dieser und der bey-
den folgenden Thierclassen lässt sich vor
der Hand noch wenig sagen. Vollends
ob und in wie fern sie als Geschmacks-
organ diene?*)

Bey den Fischen zeigt sie wenigstens
keine deutlichen Papillen**), und ist
hingegen bey vielen mit Zähnen besetzt.

Was man an manchen, z. E. beym
Karpen, insgemein die Zunge nennt, ist
ein oben am Gaumen befestigter, drü-
senartiger, aber am lebendigen Thier
äusserst reitzbarer Theil***).

E) INSECTEN.

[Seite 358]

§. 238.

Dasjenige Organ das allgemein bey den
Insecten die Zunge genannt wird*),
dient wohl offenbar bloss zur Inge-
stion**), hingegen ist es nach den
genauen Beobachtungen des Prof. Knoch
sehr wahrscheinlich, dass wenigstens
vielen derselben das hintere Paar Palpen
zum Schmecken gegeben sey***).

F) WÜRMER.

[Seite 359]

§. 239.

Im Munde mancher Mollusken*) und
Schnecken**) findet sich ein Organ,
das man seiner Lage wegen für eine
Zunge zu nehmen pflegt. Aber bis jetzt
ist noch keine der über ihren Nutzen
angestellten Beobachtungen entscheidend
genug, um sie für Sinnwerkzeuge des
Geschmacks halten zu dürfen.


Neunzehnter Abschnitt.
Von den
Geruchswerkszeugen
.

[Seite 360]

§. 240.

Der Sinn des Geruchs ist im Thier-
reich ohne Vergleich ausgedehnter und
allgemeiner als der des Geschmacks, da
er nicht nur zahlreichen Gattungen zur
Unterscheidung ihres Futters nöthig ist,
wenn sie gleich dasselbe nachher nicht
erst zu Schmecken brauchen, sondern
auch ausserdem so sehr vielen bey Be-
friedigung ihrer Geschlechtstriebe zum
Aufsuchen der Gatten dient. Doch ist
auch hier, zumahl was die dazu be-
stimmten Werkzeuge betrifft, in den
beyden Gassen der sogenannten weiss-
blütigen Thiere noch vieles problema-
tisch.

A) SÄUGETHIERE.

[Seite 361]

§. 241.

Bey den vierfüssigen Säugethieren*)
im weitern Sinn (d.h. mit Einschluss
der Quadrumanen und Fledermäuse,)
lässt sich schon am Schedel die grössre
oder mindre Stärke ihres Geruchssinnes,
und zwar hauptsächlich aus dreyerley
beurtheilen.

a) Aus dem Bau ihres Siebbeins, be-
sonders aus der Menge und symmetri-
schen Anordnung der Oeffnungen, die
im obern Horizontalblatt desselben zum
Durchgang der Nervenfäden vom ersten
Paar bestimmt sind; b) aus der Bildung
der untern Muscheln; und c) aus dem
Daseyn und Verhältniss der mittelbar
zum Geruchsorgan beytragenden Neben-
höhlen der innern Nase, vorzüglichst
aber aus der Beschaffenheit der Stirn-
höhlen.

§. 242.

[Seite 362]

Als Muster von gleichsam kunstreich-
ster Ausbildung des Siebbeins, sowohl
an Eleganz des siebförmigen Querblat-
tes als der wundersamen Windungen
seiner Muscheln, um in dem beengten
Raum der Nasenhöhlen doch die grösst-
möglichste Fläche für die Schneidersche
Haut zu erhalten, dienen namentlich
die vom Igel, Maulwurf, Wiesel-Bä-
ren-Hunde- und Katzengeschlecht, fer-
ner die von den mehresten bisulcis und
von den Elephanten. Lauter Thiere die
auch bekanntlich in der ausnehmenden
Schärfe des Geruchs eminiren.

Ueberaus enge und wenig ausgebildet
ist hingegen das Siebbein der mehre-
sten Quadrumanen, als bey welchen es
nicht zwischen ihren so dicht an ein-
ander stossenden Augenhöhlen (§. 20.)*),
[Seite 363] sondern tiefer in die Nase hinab liegt,
so dass ihre Geruchsnerven erst zwischen
den partibus orbitalibus des Stirnbeins
wie durch einen Canal herablaufen, auf
dessen Boden das kleine unansehnliche
Siebchen befindlich und nur mit weni-
gen Oeffnungen durchbohrt ist*).

Den Cetaceen kann gar kein Siebbein
zugeschrieben werden; so wie auch noch
die Frage ist von welchem Paare ihr
Geruchwerkzeug seine eigentlich für die-
sen Sinn bestimmten Nerven erhält.

§. 243.

Die untern Muschelbeine stehen bey
den meisten Quadrupeden in Rücksicht
der mehr oder minder gewundenen Ab-
theilungen mit den obern im Siebbein
in gleichem Verhältniss. Besonders gross
[Seite 364] und fast tutenförmig sind sie bey den
bisulcis*). Mit sehr zahlreichen Win-
dungen bey vielen reissenden Thieren**).
Beydes aber, nämlich ausnehmend gross
und zum Bewundern vielfältig durch ein-
ander gewunden bey der Robbe***).

§. 244.

Die Stirnhöhlen sind, um nur we-
nige Beyspiele auszuheben†), am aller-
[Seite 365] ungeheuersten beym Elephanten*);
nächst dem bey dem so scharfwittern-
den Schwein. Bey vielen von den mit
eigentlichen Hörnern (§. 21. pag. 33 u. f.)
versehenen Thieren dieser Classe, er-
strecken sie sich mehr oder weniger in
die Hornzapfen des Stirnbeins, doch bey
keinem so sehr weit hinauf, als beym
Steinbock. Ueberhaupt sind sie bey den
bisulcis ansehnlich**), so auch bey den
[Seite 366] solidungulis und den mehresten reissen-
den Thieren. Hingegen fehlen sie der
Robbe, und so auch den meisten nagen-
den Säugethieren, und den Cetaceen.

§. 245.

In Betreff der äussern Verlängerung
und Oeffnungen der Nase, verdienen vor
allen wegen ihres anomalischen Baues der
Rüssel der Elephanten und die Blasröhren
der Cetaceen, Erwähnung.

Bey jenem ist der Zwischenraum zwi-
schen der äussern Haut und den beyden
durch eine Scheidewand von einander ab-
gesonderten innern Canälen hauptsäch-
lichst mit zahllosen Muskelbündeln von
zweyerley Richtung und Function ausge-
füllt. Mit innern transversalen nämlich,
die gleichsam eccentrisch von jenen lan-
gen Nasenhöhlen nach den äussern Be-
[Seite 367] kleidungen laufen*); und dann mit
äussern bogenförmigen, die mehr nach
der Länge des Rüssels, doch mit ihren
Enden meist nach innen gekehrt liegen**).
Jene dienen denselben auszudehnen,
ohne dass doch dadurch seine beyden
Höhlen beengt werden; die letztern hin-
gegen ihn zu verkürzen; und beyderley
ihm noch ausserdem seine wundersame
Beweglichkeit nach allen Richtungen zu
geben.

Bey den Cetaceen aber ist das Blase-
loch (fistula) nicht wie viele Naturfor-
scher gemeint, ein besondres, von den
Nasenlöchern verschiednes Organ, son-
dern ganz mit denselben einerley***),
[Seite 368] scheint aber überhaupt nicht zum riechen
sondern bloss zum athmen und mittelst
einer Klappe zum Aussprützen des mit
ihrem Fras in den Rachen dringenden
Wassers bestimmt zu seyn*).

B) VÖGEL.

§. 246.

Die Nasenlöcher münden bey den
mancherley Geschlechtern dieser Classe
an sehr verschiedenen Stellen des Ober-
schnabels; bey manchen, wie z. E. bey
den Papageytauchern (Alca arctica etc.)
an den Seitenrändern desselben mit einer
so schmalen Ritze, dass sie leicht über-
sehen werden können**).

§. 247.

[Seite 369]

Die Vögel haben kein eigentliches Sieb-
bein, sondern ihre Geruchsnerven treten
durch die Augenhöhlen in die innere
Nase und vertheilen sich in die Schleim-
haut, womit zumahl die zwey bis drey
Paar knöchernen*) oder knorpeligen
und membranösen**) Muscheln (bullae
turbinatae
oder tubulatae vesicae***),
von vielartiger Form und Grösse be-
kleidet sind†).

C) AMPHIBIEN.

§. 248.

In dieser Thierclasse ist das Geruchs-
werkzeug minder deutlich ausgewirkt.
[Seite 370] Doch zeigen sich auch hier wenigstens
ein Paar knorpelige Erhabenheiten, die
den Muscheln der warmblütigen Thiere
ähneln*).

D) FISCHE.

§. 249.

Die mehresten Fische scheinen auf
jeder Seite gedoppelte Nasenlöcher zu
haben, da die Mündung derselben durch
eine klappenförmige, bewegliche Haut
als wie mit einer Scheidewand getheilt
ist**).

§. 250.

Hinter derselben liegt bey den meh-
resten, statt der Muscheln eine überaus
[Seite 371] sauber, meist excentrisch gefaltete Mark-
haut (ungefähr von der Form einer ge-
streiften Napfmuschel,) in welche sich
das Ende des Geruchsnerven vom ersten
Paare verläuft*).

E) INSECTEN.

§. 251.

Dass viele Insecten riechbare Dinge
mit ausnehmender Schärfe, theils aus
[Seite 372] weiter Ferne wittern, ist durch zahl-
reiche Erfahrungen längst ausgemacht.
Nur ist man noch über das Organ zweifel-
haft, das ihnen zu diesem Behufe dient*).

Da alle rothblütigen Landthiere nur
mittelst der Luft riechen, die sie ein-
ziehen, so haben manche Naturforscher
auch die Stigmaten der Insecten für die
Geruchswerkzeuge derselben gehalten**).
Andre schreiben diese Function wahr-
scheinlich dem vordern Paar Palpen zu***).

F) WÜRMER.

[Seite 373]

§. 252.

Auch manche Würmer zeigen, dass
sie riechen können. So namentlich
viele Landschnecken (Helix pomatia
etc.)*). Aber wie es geschieht, ist noch
unbekannt. Etwa durch das stigma
thoracicum
?


Zwanzigster Abschnitt.
Von den
Gehörwerkzeugen
.

[Seite 374]

§. 253.

Der vielartige Nutzen, den das Gehör
den Thieren gewährt, sie für Gefahr
zu warnen, viele Raubthiere zu ihrem
Frasse zu leiten, bey manchen andern
die Gatten zur Paarung zusammen zu
bringen u. dergl. m. lässt schon auf die
Allgemeinheit desselben in den mehrsten
Thierclassen schliessen*). Die roth-
[Seite 375] blütigen sind wohl ohne Ausnahme da-
mit versehen. Aber auch bey manchen
sogenannten weissblütigen zeigt sich ein
analoges Organ desselben, und von ver-
schiednen andern weiss man wenigstens,
dass sie hören, wenn auch gleich das
dazu bestimmte Werkzeug noch unbe-
kannt ist.

A) SÄUGETHIERE.

§. 254.

Die vierfüssigen Säugethiere sind die
einzigen mit wahren äusseren Ohren*)Verweis fehlt in Vorlage
[Seite 376] versehenen Geschöpfe; und davon sind
doch auch die mehresten von denen
ausgenommen, die im Wasser oder un-
ter der Erde leben. So fehlen sie
z.B. den mehresten Gattungen des Rob-
bengeschlechts, dem Wallross und der
Seekuh, dem Schnabelthier und dem
Maulwurf. Hingegen sind sie manchen
andern mit Unrecht abgesprochen wor-
den, wie dem Erdzeiselchen (Marmota
citillus
). Eben so irrig werden insge-
mein die nur ungeheuer grossen Ohren
der einen hieländischen Fledermaus
(Vespertilio auritus) für doppelt ausge-
geben*). In den wesentlichen Thei-
len kommen sie wohl durchgehends
mit dem menschlichen überein; nur
ist ihre Totalform sehr vielartig ver-
schieden. Ausser den Quadrumanen
haben wenige andre, wie z.B. das ge-
[Seite 377] meine Stachelschwein, menschenähnliche
Ohren*). Bey keinem aber scheint
die knorpelige Grundlage derselben (nach
Verhältniss der Grösse,) von so festem
elastischen Gefüge als beym Menschen.
Bey manchen, wie nahmentlich am
Beutelthier (Didelphys marsupialis) sind
sie fast bloss häutig.

§. 255.

Der äussere Gehörgang ist bey man-
chen, zumal im Wasser lebenden oder
doch hineingehenden Quadrupeden dieser
Classe, mit einer eignen Klappe zum
untertauchen verwahrt, die z. E. bey
der Wasserspitzmaus (Sorex fodiens) von
ausnehmend kunstreicher Einrichtung ist.
Länge, Weite und Richtung**) des
[Seite 378] Ganges selbst variiren bey vielen Ge-
schlechtern mannigfaltig. Ausnehmend
lang und sonderbar gewunden ist er
beym Schnabelthier*).

§. 256. a.

Dass alle Säugethiere ein Paukenfell,
die dahinter liegende Paukenhöhle, und
eine damit correspondirende, von jedem
Ohr nach dem Schlunde [nur bey den
Cetaceen nach dem Blaseloch (§. 245.)]
gehende Eustachische Röhre haben, be-
darf kaum erst einer Erwähnung. Ihr
Paukenfell ist nach aussen etwas con-
cav; indem es nach dem Mittelpunct
eine kleine Grube bildet. Eben so sind
alle mit den beyden sogenannten Fenstern
versehen; dem eyförmigen, das der
Fusstritt des Steigbügels füllt, und
dem runden, das zur Mündung der
Schnecke führt.

§. 256. b.

[Seite 379]

Beym Pferd und Esel öffnet sich die
Eustachische Röhre nicht unmittelbar in
den Rachen, sondern in eine besondre
diesem Thiergeschlechte eigne geräumige
Höhle (den sogenannten Luftbeutel) an
den Seitenflügeln des Unterkiefers; und
diese Höhlen münden erst wieder durch
eine knorplichte Klappe mit einer läng-
lichten Spalte in den Rachen*).

§. 257.

[Seite 380]

Mit der eigentlichen Paukenhöhle
steht bey vielen vierfüssigen Säugethie-
ren eine andre Cavität in Verbindung,
die nach der Lage des knöchernen Or-
gans worin sie befindlich ist, mit den
Zellen im Zitzenfortsatz am Schlafbein
des erwachsenen Menschen, verglichen
werden kann.*)

Bey vielen bildet dieses Organ eine
ganz hohle knöcherne Blase (Bulla ossea).

[Seite 381] So bey Katzen, Hunden, Mardern, Eich-
horn, Haase, auch bey manchen bisul-
cis
; und eine Anlage dazu zeigt sich
selbst bey manchen Meerkatzen. Beym
Rindvieh hingegen und bey den Schwei-
nen ist die Höhlung durch zahlreiche
Knochenblättchen in längliche Zellen
(fast wie die Fächer in einem reifen
Mohnkopf,) abgetheilt*).

§. 258.

Die allermehrsten warmblütigen Qua-
drupeden haben, wie der Mensch, drey**)
Gehörknöchelchen; im Ganzen auch von
ähhnlicher Form***); nur das Schna-
belthier und die demselben verwandte
[Seite 382] Echidna haben ihrer bloss zweye*);
hingegen findet sich, zumal bey man-
chen bisulcis, zuweilen noch ein oder
das andere überzählige Nebenbeinchen**).

§. 259.

Auch der sogenannte Labyrinth scheint,
so viel bekannt, bey den desshalb un-
tersuchten vierfüssigen Säugethieren, im
Ganzen und Wesentlichsten mit dem
beym Menschen überein zu kommen.
Doch hat die Schnecke (– die übrigens
dieser Classe ausschließlich eigen ist –)
bey einigen ein Gewinde mehr als bey
ihm; anderer minder bedeutenden Ver-
schiedenheiten zu geschweigen***).

§. 260.

[Seite 383]

Hingegen zeigt sich bey den Ceta-
ceen*) ausser dem was schon von ih-
rer Eustachischen Röhre erwähnt wor-
den, noch in gewissen andern Stücken
ihres Gehörorgans so manches Beson-
deres, und von der warmblütigen Qua-
drupeden ihren Abweichendes, dass es
allerdings eine eigene Erwähnung ver-
dient.

[Seite 384] Dass sie kein äusseres Ohr haben, ist
bekannt. Die Oeffnung ihres Gehörgan-
ges ist auffallend enge. Das knöcherne
Gehörorgan ist bey den Delphinen nur
lose mit dem Schedel verbunden. Bey-
den Balänen und Cascheloten aber wie
ganz davon abgesondert.

Der bekannte weiland officinelle mas-
sive Knochen, den man ganz irrig La-
pis manati
s. tiburonis genannt hat,
ist nichts anders, als der Aussentheil
der Paukenhöhle, und bulla ossea der
Balänen.

Die Gehörknöchelchen und der Laby-
rinth, besonders die desshalb lange ver-
kannten Bogengänge (canales semicircu-
lares
) sind überhaupt bey den Cetaceen
ausnehmend klein.

B) VÖGEL.

§. 261.

In der ganzen Classe*) findet sich so
wenig als in den folgenden, ein knorpe-
[Seite 385] liges äusseres Ohr*), das also bloss
den mehresten Säugethieren ausschliess-
lich eigen ist. Bey den Vögeln wird
dieser scheinbare Mangel durch die,
zumal bey vielen Raubvögeln, über-
aus regelmässige excentrische Stellung
der Federn um die Oeffnung des Ge-
hörganges herum ersetzt. Auch sind
manche, zumal gleichfalls unter der
[Seite 386] eben genannten Ordnung, und nahment-
lich unter den Eulen, mit einer über-
aus sonderbaren, theils häutigen, theils
muskulösen Klappe, in der gedachten
Oeffnung versehen*).

§. 262.

Das Paukenfell ist bey den Vögeln
nach aussen convex; und die Pauken-
höhlen
beyder Ohren stehen bey den
mehresten durch die markleeren Zellen
der Hirnschale mit einander in Ver-
bindung**).

Sie haben nur Ein Gehörbeinchen,
wodurch das Pankenfell mit dem ey-
förmigen Fenster connectirt, und das
folglich die Stelle von Hammer und
Steigbügel der Säugethiere vertritt. Der
[Seite 387] Theil, der den Hammer vorstellt, ist
meist nur knorpelig, und mit keinem
tensor tympani versehen.

Die Eustachischen Röhren öffnen sich
hinten am Gaumengewölbe, wie mit
einer gemeinschaftlichen Mündung.

§. 263.

Ihr Labyrinth zeichnet sich durch an-
sehnliche, ziemlich freyliegende (nicht
wie bey den mehresten Säugethieren in
dichter Knochenmasse vergrabene) Bo-
gengänge, besonders aber durch den
Mangel der Schnecke aus. Statt der-
selben haben die Vögel einen kurzen,
stumpfen, hohlen, knöchernen Zapfen,
der aus dem Vorhof schräg nach hinten
herabsteigt, übrigens aber so wie die
Schnecke der Säugethiere, durch eine
Scheidewand in zwey Gänge abgetheilt
ist, deren einer auf das runde Fenster
stösst; überhaupt auch eben so, wie
jene Schnecke, Markfäden vom Gehör-
nerven aufnimmt u. dergl. m.

C) AMPHIBIEN.

[Seite 388]

§. 264.

Das Gehörorgan zeigt in den ver-
schiedenen Ordnungen, und selbst bey
manchen Geschlechtern dieser Thier-
classe*) mehr Verschiedenheit, als in
den beyden vorigen, oder in den nächst
folgenden; daher die vorzüglichsten der-
selben einzeln angeführt zu werden ver-
dienen.

§. 265.

[Seite 389]

Unter den Reptilien haben die Schild-
kröten, Frösche, und die mehresten Gat-
tungen des Eidexengeschlechts, ausser
den Bogengängen des Labyrinths, auch
noch, wie die warmblütigen Thiere,
eine Pauke mit der Eustachischen Rohre,
welches beides aber, so wie auch die
eigentlichen Gehörbeinchen, den Sala-
mandern abgeht.

Bey den Schildkröten hat das Pau-
kenfell eher das Ansehen eines knorpe-
ligen Deckels, der selbst wieder mit
den gemeinschaftlichen Integumenten be-
kleidet ist. Ihr einzelnes Gehörbein-
chen ähnelt der Vögel ihrem.

Die Frösche haben bekanntlich ein
grosses, frey zu Tage liegendes Pauken-
fell, und weite Gaumenmündung ihrer
kurzen Eustachischen Röhre, zwey
knorpelartige Gehörbeinchen, und in
dem Säckchen am Vorhofe des Laby-
rinths, schon ein Rudiment eines sol-
chen kleinen weichen Steinchens, der-
gleichen bey den Eidexen und Schlan-
[Seite 390] gen, so wie in den folgenden drey
Thierclassen, mehr vorkommen.

Die Crocodile sind wohl die einzi-
gen Amphibien, die eine Art von äusse-
rem Gehörgang haben. Sie sind, so
wie die mehresten übrigen Eidexen,
sowohl mit Gehörbeinchen, als auch
mit den eben gedachten, steinartigen
Körperchen am Vorhofe des Labyrinths
versehen.

Dass den Salamandern die Pauke nebst
Zubehör abgeht, ist schon gedacht. Ihr
eyförmiges Fenster ist bloss mit einem
knorpeligen Deckel verschlossen, und
der Sack an ihrem Vorhof enthält ein
weiches Steinchen.

§. 266.

Auch die Schlangen haben (höchstens
bis auf wenige Ausnahmen, z.B. der
Blindschleiche*)) weder Pauke noch
Eustachische Röhre. Doch wie ein Ru-
diment eines gleichsam, in Fleisch ver-
wachsenen Gehörbeinchens.

D) FISCHE.

[Seite 391]

§. 267.

Nur bey einigen Geschlechtern von
Knorpelfischen, den Rochen, Hayen und
Lampreten, erstreckt sich ein fast röh-
renförmiger Anhang vom Vorhof des
Labyrinths nach hinten und aussen, so
dass er für ein Rudiment einer Pauke
angesehen werden kann.

§. 268. a

Das Gehörwerkzeug der Grätenfische
hat neuerlich durch die musterhaften
Untersuchungen des Prof. Weber*)
ganz neues Licht erhalten. Sie haben
neben den vordersten Halswirbeln ansehn-
liche mit den Hammer, Ambos und Steig-
bügel zu vergleichende Gehörbeinchen
und bey denen die mit einer Schwimm-
blase versehen sind (S. 274) steht die-
selbe mit jenen Beinchen in einer solchen
Verbindung dass sie als ein Hülfsorgan
des Gehörs zu betrachten ist.

§. 268. b

[Seite 392]

Ihr inneres Ohr*) enthält drey sehr
ansehnliche und meist frey ausgewirkte
[Seite 393] und in der Schedelhöhle sichtliche Bo-
gengänge, in deren gemeinschaftlichem
Vorhof an den feinsten Enden des bey
ihnen vom fünften Paare kommenden
Gehörnerven, bey manchen ein, bey
andern zwey, und bey den mehresten
drey, theils überaus sauber ausgebildete
Steinchen hängen, die zumal bey vielen
Grätenfischen, von Farbe weiss wie Por-
cellan, aber überaus spröde und brüchig
sind*).

§. 269.

Ueberhaupt aber zeichnet sich dieses
innere Ohr der Fische von dem bey den
übrigen drey Classen von rothblütigen
Thieren durch die merkwürdige Eigen-
heit aus, dass es mit den Jahren wächst,
folglich seine Grösse in bestimmten Ver-
hältniss mit der des ganzen Thiers und
seinem Alter steht.

E) INSECTEN.

[Seite 394]

§. 270.

Dass viele Insecten Gehör haben, ist
keinem Zweifel unterworfen*); aber un-
gewiss bleibt noch, welches ihr dazu
bestimmtes Organ seyn mag. Nur bey
manchen der grösseren Krebse zeigt sich
allerdings ein besonderer Theil, welcher
der Analogie nach mit dem Vorhof des
Labyrinths in den vorigen Thierclassen
verglichen werden muss**). Es findet
[Seite 395] sich nämlich an der Wurzel ihrer Fühl-
horner auf jeder Seite ein kurzes bein-
artiges Röhrchen, dessen äussere Oeff-
nung mit einer festen Membran ver-
schlossen ist, und das ein häutiges Säck-
chen enthält, worein sich ein Nerve ver-
liert, der mit dem zu den Antennen ge-
henden aus einem gemeinschaftlichen
Stamme entspringt. Letzterer Umstand
könnte die Meinung begünstigen, als ob
die Fühlhörner selbst mit zu Gehöror-
ganen dienten, sie wird aber sowohl
durch Beobachtungen über das feine Ge-
hör solcher Insecten, die, wie z.B. die
Spinnen, gar keine wahren Antennen
haben, als durch Versuche an andern,
z.B. an Heuschrecken, entkräftet, die
nachdem man ihnen die Fühlhörner ab-
geschnitten, dennoch nach wie vor scharf
gehört haben*).

F) WÜRMER.

[Seite 396]

§. 271.

Nur bey den Sepien hat man bis jetzt,
und zwar in dem knorpelartigen Ringe,
der den grossen tentaculis dieser Thiere
gleichsam zur Basis dient, zwey ovale
Höhlen, und in jeder derselben ein Beu-
telchen gefunden, das eine kleine kno-
chenartige Substanz einschliesst, an wel-
che sich Nervenfäden, so wie an denen
im Vorhof des Labyrinths der Fische
verlieren*).


Ein und zwanzigster Abschnitt.
Von
den Augen
.*)

[Seite 397]

§. 272.

Empfindung für Licht ist wohl allen
den Thieren gemein, die demselben in
ihrem freyen Naturzustande ausgesetzt
werden; evident zeigt sich diess wenig-
stens bey manchen der einfachsten Zoo-
phyten, wie z. E. bey den Armpolypen;
aber Empfänglichkeit für Bilder von
äussern Gegenständen ist nur denen
eigen, die zur Aufnahme derselben
mit Augen**) versehen sind. Denn ausser-
[Seite 398] dem hat die Natur auch einigen Gattun-
gen selbst von rothblütigen Thieren,
zwar nach dem bloss mechanischen Nor-
maltypus des Bildungstriebes ihrer Clas-
sen ein Rudiment von Augen gegeben,
die übrigens nicht zum Sehen nutzen
können, wie diess beym Proteus erwie-
sen ist*), aber auch unter den Säuge-
thieren von dem Slepez (Marmota ty-
phlus
)**); und unter den Fischen von der
Myxine glutinosa angegeben wird.

§. 273.

Da das Auge***), zumal bey den
rothblütigen Thieren, ein sehr zusam-
[Seite 399] mengesetztes Organ ist, so fassen wir
bey den anzuführenden Eigenheiten
desselben erst die zusammen, die den
Augapfel selbst, seine Häute und Feuch-
[Seite 400] tigkeiten betreffen, hernach die von den
ihn umgebenden Theilen*), den Augen-
liedern, Thränenwegen u.s.w.

A) SÄUGETHIERE.

§. 274.

Dass die Sclerotica bey vielen Quadru-
peden dieser Classe, so wie beym Men-
schen selbst, nicht durchgehends von
gleicher Stärke, sondern, zumal in ihrem
Hintergründe, am dicksten ist, war längst
bekannt**). Auch liess sich wohl ver-
muthen, dass diese Einrichtung auf die
sogenannten mutationes oculi internas
ihren Bezug haben möge, um die Form
des Augapfels, folglich die Länge seiner
Achse und die respective Lage der Linse
nach der Nähe oder Ferne der zu sehen-
den Gegenstände und andrer dergleichen
Verhältnisse zu accommodiren. Ich hoffe
[Seite 401] aber, diese Vermuthung durch den be-
wundernswerthen Bau dieser Haut bey
warmblütigen Amphibien (die nämlich
abwechselnd, nicht nur in mancherley
Entfernungen, sondern sogar durch zwey-
erley Medium von so sehr Verschiedener
Dichtigkeit, als Luft und Wasser ist,
sehen müssen), so wie ich ihn zuerst am
Auge einer Grönländischen Robbe (Phoca
grönlandica
) gefunden, zur Gewissheit
gebracht zu haben*). Die Hornhaut
dieses Auges ist nämlich sehr dünne und
[Seite 402] nachgiebig; das zunächst an ihr anstossende
Segment der Sclerotica dick und fest;
der mittlere Gürtel derselben wieder
ungleich dünner und geschmeidig; endlich
ihr Hintergrund am allerdicksten, fast
knorpelartig (– tab. VI. –). Nun ist
der ganze Augapfel mit überaus ro-
busten Muskeln umgeben, und so be-
greift sich leicht, wie durch die nach
den Umständen accommodirte Action
derselben jene erforderlichen innern Ver-
änderungen bewirkt werden müssen, um
die Augenachse, wenn das Thier durch
die Luft sehen will, zu verkürzen, die
Linse dem Hintergrunde des Augapfels
näher zu bringen, so wie es die starke
Brechung der Lichtstrahlen erfordert,
die dann aus dem dünnen Medium der
Luft in das Dichtere des Auges gehen;
und v. v.

Bey den Wallfischen zeichnet sich die
Sclerotica durch ihre mächtige Stärke
und Festigkeit, zumal im Hintergrunde,
aus, als wo sie, wenn der ganze Aug-
apfel etwa die Grösse einer Orange hat,
[Seite 403] beynahe einen Zoll dick ist, so dass
bey der fast kugeligen Form des Auges
doch der innere Raum für den Glaskör-
per gleichsam linsenförmig ausfällt. Je
näher aber die Sclerotica der Hornhaut
kommt, desto dünner wird sie. Zumal
im Hintergrunde zeigt sie ein überaus
sonderbares, wie aus festen sehnigten
Fasern und Blättern, aufs dichteste zu-
sammen gewirktes oder gleichsam gefilz-
tes Gefüge, das, vorzüglich an den
Seiten, von mehr als Knorpelhärte ist*).

[Seite 404] Das Verhältnis des Umfanges der
Hornhaut zur Sclerotica, ist bey den
mancherley Gattungen von Säugethie-
ren sehr verschieden. Am grössten ist
es wohl beym Stachelschwein (Hystrix
cristata
), als bey welchem die Horn-
haut fast die Hälfte des Augapfels ein-
nimmt.

§. 275.

Die Chorioidea bestellt bey den Wall-
fischen deutlicher, als bey andern Säu-
gethieren, aus zwey besondern Blät-
tern, wovon das innere (die Membrana
Ruyschiana
) auch mit einem matten
Tapetum versehen ist.

§. 276.

[Seite 405]

Uebrigens zeichnet sich die Chorioidea
bey vielen Geschlechtern dieser Classe,
zumal von solchen reissenden Thieren,
die ihrem Geschäfte im Dunkeln nachge-
hen, und dann unter den bisulcis durch
die schönfarbige, meist saphirblaue oder
seladongrüne, theils wie Atlas glänzende
zartflockige Fläche (das so genannte
Tapetum lucidum)*) aus, womit ein
Theil vom Hintergrunde ihrer innern
Seite auf dem schwarzen oder braunen
Pigment**) überzogen ist, und wahr-
[Seite 406] scheinlich dazu dient, um weniger Licht
zu absorbiren, sondern es vielmehr an die
[Seite 407] davor liegende Markhaut zurück zu
werfen.

§. 277.

Die Markhaut (Retina)*) zeigt bey
manchen Quadrupeden, namentlich beym
Hasen und Caninchen, ihr Nervenmark
in überaus saubern deutlich abgeson-
derten gleichsam flammigen, zumal in
die Quere laufenden Streifen**).

Das merkwürdige foramen centrale,
das Sömmerring in der menschli-
chen Markhaut entdeckt hat, ist seit-
dem auch bey mehreren Quadrumanen,
deren Augen ebenfalls wie beym Men-
schen in parallelen Achsen vorwärts ste-
[Seite 408] hen, gefunden worden*). Diese Lage
gewährt den Vortheil dass die Gegen-
stände mit beyden Augen zugleich und
folglich desto schärfer gesehen werden.
Hingegen hat sie auch den Nachtheil,
dass im allzuhellen Lichte beyde Augen
zugleich um so eher und um so stärker
geblendet werden, da das blendende
Licht auf die correspondirenden focos
principales
beyder Augen zugleich fällt.
Dieser Nachtheil wird aber wie es mir
scheint, durch das foramen centrale ge-
hoben, oder doch gemindert, wenn die-
jenige Stelle der Retina auf welche der
focus principalis fällt, sich im blenden-
[Seite 409] den Lichte wie zu einer kleinen Pupille
erweitern, und den concentrirten Licht-
kegel durch dieselbe hindurch und auf
die dahinter liegende Choroidea fallen
lassen kann, deren Pigment dieses Licht
absorbirt; eine Einrichtung die den Men-
schen und Affen wohl um so mehr zu
statten kommt, da ihren Augen bekannt-
lich auch die Blinzhaut abgeht.

§. 278.

Die Regenbogenhaut (Iris), überhaupt
ein Organ ohne seines Gleichen, zeigt
bey den mancherley Geschlechtern und
Gattungen von Säugethieren mannich-
faltigere und sonderbarere Verschieden-
heiten, als irgend ein anderer Theil des
Auges. Die den verschiedenen Gattun-
gen eigene Farbe ihrer Vorderseite va-
riirt bey den Rassen und Spielarten un-
ter den Hausthieren, doch minder, auf-
fallend, als bey denen im Menschenge-
schlecht; steht aber auch, wie bey die-
sen, meist mit der Farbe der Haare in
Consensus; sogar dass sich nicht selten
[Seite 410] bey gefleckten Hunden, Caninchen u.s.w.,
auch correspondirende Flecken auf dem
Augensterne zeigen.

Das Gefüge der Iris ist nach Ver-
schiedenheit der Gattungen von sehr im-
gleicher Dichtigkeit. Bey keiner ein-
zigen aber, deren Augen ich desshalb
untersucht, habe ich noch eine Spur von
wahren Muskelfasern finden können.
Eben so wenig bey denen vom Ele-
phanten und von Wallfischen, die ich
vor nur habe, als bey den weissen Ca-
ninchen mit ihrer zarten fast durch-
scheinenden Regenbogenhaut.

In dem gedachten Seehundauge sind
die Ciliargefässe nicht in die Iris ver-
theilt, sondern liegen grossentheils frey
an der Vorderseite derselben, so dass sie
von aussen, auch ohne Einsprützung,
sehr sichtliche und ansehnliche Netze
bilden*).

Bekanntlich ist die Oeffnung der Iris,
die Pupille, bey den bisulcis, so wie
[Seite 411] bey den solidungulis, cetaceis u.s.w.,
transversal, im Katzengeschlecht, zumal
im hellen Lichte, oblong u.s.w. An-
derer kleiner Eigenheiten an diesem Theil
zu geschweigen, wie z.B. der flockigen
mit schwarzen Pigment*) tingirten klei-
nen Anhängsel (oder sogenannten Trau-
ben
), womit, zumal beym Pferde**)
aber auch bey mancherley bisulcis***)
[Seite 412] mehrentheils die Mitte des obern Randes
der Pupille besetzt ist*).

§. 279.

Einer der bewundernswürdigsten, aber-
was seine gewiss höchst wichtige Fun-
ction betrifft, bis jetzt noch immer
räthselhaftesten Theile des Auges, ist
das Corpus ciliare, zumal die so genann-
ten processus auf seiner Rückseite mit
der Fülle und unbeschreiblichen Eleganz
ihrer Blutgefässe. Ihre feinern Verschie-
denheiten bey den schon desshalb un-
[Seite 413] tersuchten Gattungen, lassen sich nicht
aufzählen, geschweige ohne Abbildun-
gen verständlich beschreiben*). Unter
andern scheint mir, namentlich beym
Elephanten und Hund, die Zartheit ihres
Baues von ausgezeichneter Schönheit.

§. 280.

Das Verhältniss der so genannten Kry-
stallinse
zum Glaskörper variirt bey den
verschiedenen Gattungen theils sehr auf-
fallend. Die grösste Linse aus dieser
Rücksicht habe ich in dem an sich sehr
kleinen Auge des Beutelthiers (Didelphys
marsupialis
) gefunden; die kleinste hat,
wie bekannt, der Wallfisch. Bey kei-
nem Säugethier ist sie wohl so schwach
gewölbt, als beym erwachsenen Men-
schen. Bey der Katze, dem Hasen, den
[Seite 414] bisulcis, dem Pferd, dem Beutelthier,
den Seehunden, ist sie in derselben
Folge, wie sie hier genannt werden,
immer convexer. Endlich bey den Ce-
taceen fast sphärisch*).

Merkwürdig ist doch auch die bei-
stimmte Regelmässigkeit, mit welcher
bey manchen Gattungen die Linse durchs
Austrocknen oder Einbeizen in Säuren
u. dergl. vom Mittelpunct nach dem Um-
fange in Hauptsegmente springt**).

§. 281.

[Seite 415]

Die Thränendrüse*) ist wohl wenig-
stens allen Landthieren dieser Classe ge-
mein. Viele Quadrupeden haben auch
noch eine oder die andere überzählige,
die dem Menschen abgeht. Aber manche
haben wenigstens keine Thränenpuncte,
und der Elephant überhaupt auch keinen
Thränensack**), so wie kein Thränen-
bein (§. 190.)

§. 282.

Die Blinzhaut (membrana nictitans,
palpebra tertia s. interna, periophthal-
mium
), wovon sich bey den Quadruma-
nen, so wie beym Menschen, nur ein
Rudiment findet, ist bey manchen Qua-
drupeden***) von ansehnlicher Grösse
und Beweglichkeit. So namentlich im
[Seite 416] Katzengeschlecht, beym Beutelthier,
Dachs, Waschbar*), Pferd, den Seehun-
den, und vor allen beym Elephanten**).

§. 283.

Die respective Grösse der eigentlichen
Augenlieder zeigt bey den Thieren die-
ser Classe mancherley Verschiedenheit.
Das untere ist, z. E. beym Elephanten
ganz ansehnlich, beym Pferd sehr klein;
und bey diesem so wie bey den mehre-
sten Quadrupeden, ohne Wimpern, da
hingegen bey den Quadrumanen, auch
beym Bären, Elephanten, bey der Gi-
raffe u.s.w. beyde damit besetzt sind.

B) VÖGEL.

§. 284.

Ueberhaupt sind die Augapfel der
mehresten Vögel***), folglich auch die
[Seite 417] knöchernen Augenhöhlen in Verhältniss
zum Kopf; von auffallender Grösse, aber
jene sehr wenig beweglich.

Bey den Raubvögeln haben sie eine
ganz eigene fast kelchförmige Gestalt,
so dass dann die sehr gewölbte Hornhaut
den Boden des Kelchs vorstellt, und der
Hintergrund der Sclerotica gleichsam den
Deckel*).

§. 285.

Diese Eigenheit der Form rührt von
der Krümmung und Zusammenfügung der
[Seite 418] dicht neben einander liegenden Knochen-
blätter her, die bey diesen, so wie über-
haupt bey allen andern Vögeln*), im
Vordertheil der Sclerotica verwachsen,
aber bey den übrigen hur kurz, und
gleichsam schuppenförmig sind, so dass
sie zusammen nur einen flachen etwas
gewölbten Ring bilden, hingegen bey
den Raubvögeln, wegen ihrer Länge
und Beugung, dem ganzen Augapfel die
gedachte Kelchform geben**).

§. 286.

Schärfer und deutlicher als bey an-
dern Thieren, zeigt sich im Auge man-
cher Vögel die Grenze zwischen einigen
Häuten desselben, von welchen man
sonst gemeint hat, dass sie in einander
[Seite 419] continuirten. So habe ich z. E. die
zwischen der Chorioidea und der Iris vor-
züglich schon im Auge des Schuhu (Strix
bubo
), und die zwischen dem Rande
der Retina und dem äussern Umfang
des Ciliarkörpers nirgend bestimmter,
als in dem eines Pfefferfrasses (Ram-
phastos tucanus
) gefunden.

§. 287.

Ein dem Auge der Vögel wohl eigen-
thümlicher überaus sonderbarer und
hoch grossentheils rätselhafter Theil
ist der so genannte Fächer*) (pecten
plicatum, marsupium,
Fr. la bourse,
le peigne), der innerhalb der Retina wie
[Seite 420] aus einer Spalte derselben entspringt,
schräg in den Glaskörper dringt, und
in demselben befestigt ist, und bey
manchen Gattungen bis an den Rand
der Kapsel der Linse reicht. Sein Um-
riss ist meist ein verschobenes Viereck;
in seinen Falten laufen zahlreiche Blut-
gefässe; und das vorzüglich starke Pig-
ment, womit er angeschwärzt ist, macht
es wahrscheinlich, dass er hauptsächlich
mit zur Absorbtion des blendenden
Lichts bestimmt seyn mag*).

§. 288.

[Seite 421]

Die Vögel haben ansehnliche Thränen-
wege, deren Ableitungsgänge sich oben
in die Gaumenhöhle ergiessen*).

Ihre Blinzhaut**) ist mit zwey deut-
lichen Muskeln versehen***).

Von ihren Augenliedern hat bey man-
chen Gattungen, z. E. beym Haushuhn,
Puter, Gans, Ente u.s.w. das untere,
das ein eigenes kleines Knorpelblatt ent-
hält, die mehreste Beweglichkeit; bey
anderen hingegen, wie bey den Papa-
geyen, dem Straus u.s.w. das obere.

Nur bey wenigen sind beyde Augen-
lieder mit Wimpern besetzt. So z. E.
beym Straus, dem Secretär (Falco ser-
pentarius
), dem Ani, manchen Papa-
geyen u.s.w.

C) AMPHIBIEN.

[Seite 422]

§. 289.

Von merkwürdigen Besonderheiten der
Augen in dieser Thierclasse ist noch
wenig bekannt*).

Um indess doch Einiges anzuführen,
so macht bey manchen hieländischen
Reptilien und Schlangen die gemein-
schaftliche Oberhaut eine Art von festem
Fenster vor den Augäpfeln, die sich
hinter demselben frey bewegen.

Wenigstens die Riesenschildkröte**)
hat, wie die Vögel, einen aus Knochen-
scheibchen zusammengesetzten Ring in
der Sclerotica. Ueberhaupt sind die
Schildkröten mit ansehnlichen Thränen-
drüsen und, so wie die Frösche u.s.w.,
mit einer sehr beweglichen Blinzhaut
versehen***).

D) FISCHE.

[Seite 423]

§. 290.

Die Eigenthümlichkeiten der Fisch-
augen*), welche entweder der ganzen
Classe oder doch den mehresten Ge-
schlechtern und Gattungen derselben ge-
mein sind, betreffen theils die Trennung
ihrer Chorioidea und Retina in mehrere
deutlich abgesonderte Blätter; theils ein
paar kleine im Innern des Auges befind-
liche Organe, die ausser dieser keiner
andern Thierclasse zukommen.

§. 291.

[Seite 424]

Statt dass nämlich die Chorioidea beym
Menschen nur eine einfache; bey man-
chen anderen warmblütigen Thieren,
besonders bey den Cetaceen, eine dop-
pelte Haut bildet; so besteht sie hinge-
gen bey den Fischen aus drey distincten
Blättern, indem die innerste derselben
eine wahre membrana Ruyschiana
vorstellt, die mittlere aber (membrana
vasculosa
Halleri) sowohl von dieser
als der äussersten verschieden ist, wel-
che letztere mit der allen rothblütigen
Thieren gemeinen eigentlich so genann-
ten Chorioidea verglichen werden muss.
Eben diese letztgedachte wird bey den
fischen vorn zur Iris, und zeichnet
sich bey vielen durch den bekannten,
eigenen Silber – oder Goldglanz aus.

Die Retina ist deutlich in zwey Blät-
ter theilbar, wovon das äussere markig
das innere aber von sauber faserigem
Gefüge ist.

§. 292.

[Seite 425]

Die beyden andern den Fischaugen
ausschliesslich eigenen und, wenigstens
den Grätenfischen, gemeinen Organe,
sind erstens ein meist hufeisenförmiger
Wulst, der zwischen den beyden ge-
dachten inneren Blättern der Chorioidea
(der Ruyschiana und vasculosa Hall.)
liegt, und von manchen für muskulös,
von anderen für drüsicht, von noch an-
dern für ein blosses Convolut von Blut-
gefässen gehalten wird; und zweytens
die klockenförmige Gefässhaut (campa-
nula
Halleri), die aus der Ruyschi-
schen entspringt, und nach der Linse
geht, mithin einige (aber doch nur ent-
ferntere) Aehnlichkeit mit dem Fächer
im Vogelauge (§. 287.) zu haben scheint.

Hingegen findet sich wiederum, we-
nigstens bey den Grätenfischen, kein
wahrer Ciliarkörper.

§. 293.

Die Crystalllinse ist bey den mehre-
sten Fischen, nach Verhältniss zum Aug-
[Seite 426] apfel, von sehr ansehnlicher Grösse, und
fast oder vollkommen kugelig. Die
gläserne Feuchtigkeit hingegen klein,
und die wässerige bey vielen kaum
merklich.

§. 294.

Zu den merkwürdigen Eigenheiten an
den Augen einzelner Geschlechter und
Gattungen von Fischen gehören z. E. die
festen durchsichtigen Scheiben der ge-
meinschaftlichen Integumente, hinter
welchen sich die Angäpfel, wie bey
manchen Amphibien (§. 289.), bewe-
gen*); die sonderbare articulirende Ver-
bindung des Augapfels der Rochen und
Hayen mit einem knorpeligen Stiel**);
[Seite 427] die seitwärts weit hinausragenden Au-
gen des Hammerfisches (Squalus zy-
gaena
); das gleichsam gefingerte opercu-
lum pupillare
im Rochenauge*); der
ganz sonderbare Bau des Auges bey der
Cobitis anableps mit getheilter Horn-
haut und doppelter Pupille bey einer
einfachen Linse**) u. dergl. m.

E) INSECTEN.

[Seite 428]

§. 295.

Bekanntlich finden sich bey den Thie-
ren dieser Classe zwey ihrem Bau
nach ganz von einander verschiedene
Arten von Augen*). Kleine, einfache
(stemmata) und grosse gleichsam polye-
drische oder facettirte (oder auch wie
mit Kugelflächen oder Kegelspitzen be-
setzte), die wie aus Tausenden von an-
dern kleinen Augen zusammengesetzt
scheinen**). Die ersten in verschiede-
ner Anzahl bey den mehresten apteris,
[Seite 429] so wie bey vielen nachher geflügelten
in ihrem Larvenzustande. Mit den Flü-
geln erhalten diese in ihrer letzten so
genannten vollkommenen Ausbildung die
grossen zusammengesetzen Augen. Viele
Geschlechter von geflügelten Insecten
haben aber auch dann so wie manche
aptera (z.B. die grössern Gattungen
von Kiefenfüssen*)), ausser diesen noch
einige stemmmata.

§. 296.

Der innere Bau hat bisher nur an den
grossen polyedrischen Augen untersucht
werden können**). Die innere Fläche
[Seite 430] der facettirten Hornhaut ist mit einem
farbigen Pigment überzogen. Hinter
diesem liegen eben so viel prismatische
oder eigentlich keilförmige Zäpfchen dicht
neben einander zusammengehäuft, als
die Hornhaut Facetten hat. Hierauf
folgt noch weiter nach innen eine
zweyte farbige Haut; und auf diese zu
innerst etwas markiges, das für eine
Fortsetzung des Sehnerven genommen
wird.

§. 297.

Wie aber die Insecten mit diesen Au-
gen sehen, das bedarf, so wie über-
haupt die wahre Bestimmung jener zwey
so ganz verschiedenen Arten der Au-
gen*) erst noch weiterer Untersuchung.

F) WÜRMER.

[Seite 431]

§. 298.

Bey den Tintenfischen sind die Augen
zwar denen der rothblütigen Thiere, zu-
mahl der Fische, im Ganzen sehr ähn-
lich; doch dass sie sich auch von jenen
durch mancherley eigenthümliche Beson-
derheiten auszeichnen*). So ist bey
ihnen z.B. statt der Hornhaut nur eine
locker mit dem ührigen Augapfel ver-
bundene Haut vorgespannt; die Iris ist
von sehr fester, zäher Substanz, gleich-
sam wie eine Fortsetzung der Sclerotica
[Seite 432] und am obern Rande mit einem in die
Pupille ragenden Fortsatz versehen, wo-
durch letztere eine fast halbmondförmige
Gestalt erhält; ihr Ciliarkörper vorzüg-
lich vollkommen und deutlich ausgebil-
det u.s.w.

Von manchen Land- und Fluss-
schnecken ist es auch nun erwiesen,
dass die schwarzen Puncte am äussersten
Ende ihrer sogenannten Hörner wahre
zum Sehen bestimmte Augen sind*).


Zwey und zwanzigster Abschnitt.
Von
den Muskeln.

[Seite 433]

§. 299.

Vom Herzen und andern muskulosen
Eingeweiden ist schon anderwärts ge-
handelt. Hier ist nun von den eigent-
lichen Muskeln die Rede, welche für
die insgemein so genannten willkürli-
chen Bewegungen bestimmt sind. Doch
liegt die ausführliche specielle Myologie
ausser dem Plan dieses Handbuchs, als
für welchen nur etwas Weniges von
dem gehört, was von Eigenheiten im
Muskelbau der verschiedenen Classen
und einiger desshalb besonders merk-
würdiger Gattungen vorzüglich wichtig
scheint*).

A) SÄUGETHIERE.

[Seite 434]

§. 300.

Die grössere oder geringere Aehnlich-
keit des Muskelbaues der übrigen Säu-
gethiere*) zu des Menschen sei-
[Seite 435] nem*) lässt sich schon aus der mehrern
oder mindern Analogie folgern, die ihr
Gerippe in Vergleich zürn menschlichen
zeigt. Mithin ist sie bey den Quadru-
manen am auffallendsten**). Und doch
unterscheiden sich auch diese selbst
schon von aussen durch die Kleinheit
ihrer Gesäss- und Wadenmuskeln, als
deren Stärke und Wölbung bekanntlich
zu den Eigenthümlichkeiten der schönen
menschlichen Form gehört***).

§. 301.

[Seite 436]

Unter den Muskeln die dem Men-
schen abgehen, hingegen wenigstens
den allermehresten Quadrupeden gemein
sind, verdienen vorzüglich der grosse
Hautmuskel des Rumpfs*) (panniculus
carnosus, expansio carnea, musculus
subcutaneus
) und der suspensorius oculi**)
Erwähnung.

§. 302.

[Seite 437]

Zu denen die hingegen nur gewissen
Geschlechtern und Gattungen eigen sind,
gehören z. E. die theils äusserst zahlrei-
chen am Rollschwanze mancher Meer-
katzen*) u.a. Südamerikanischen und
Neuholländischen Säugethiere; die schon
erwähnten im Elephantenrüssel**); der
am Kehldeckel vieler Quadrupeden***)
(ceratoëpiglottidaeus) u.s.w.

§. 303.

[Seite 438]

Andere Muskeln, die wohl den meh-
resten Ordnungen der ganzen Classe ge-
mein sind, zeichnen sich aber doch bey
manchen Gattungen durch ausnehmende
Stärke zu besondern ihnen eigenthüm-
lichen Bewegungen aus; wie z.B. der
glutaeus medius beym Pferd*), der in
Verbindung mit einigen andern, zumahl
mit dem gemellus**), vorzüglich das
diesen Thieren eigene Hintenausschla-
gen bewirkt; so die mächtig starken
flexores am Schwanze des Bibers, die
extensores an dem des Kängaruh u.a.m.

B) VÖGEL.

§. 304.

Die Muskeln dieser Thierclasse zeich-
nen sich im Allgemeinen schon durch
die physiologische Eigenheiten aus, dass
[Seite 439] ihre Reizbarkeit vergleichungsweise
schwächer, und im Tode bald ver-
gänglich ist, und dass bey vielen die
Sehnen der langen Muskeln, zumahl an
den Extremitäten, doch theils auch am
Rumpfe, mit zunehmenden Alter ver-
knöchern*). Auffallend habe ich diess
namentlich am Kranichskelet gefunden.

§. 305.

Von der besondern Myologie**) der
Vögel ist schon das Merkwürdigste im
[Seite 440] Vorhergehenden berührt; z.B. von Mus-
keln die ihnen zwar nicht ausschliesslich
eigen, aber doch allgemeiner sind als
bey den Thieren der vorigen Classe,
wie die an ihrer Blinzhaut; oder die
ihnen fehlen, wie das fleischigte Zwerch-
fell; oder die sich bey ihnen durch ihre
ausnehmende Grösse und eigne Form
auszeichnen, wie die Brustmuskeln u.s.w.

C) AMPHIBIEN.

§. 306.

Die beyden Hauptordnungen dieser
Classe zeichnen sich durch eine auffal-
lende Verschiedenheit in ihrem Muskel-
bau von einander aus, die sich nach der
eben so grossen Verschiedenheit ihres
Gerippes, richtet. Bey den Reptilien
nämlich, zumahl bey den Schildkröten*)
[Seite 441] und Fröschen, bey welchen der Rumpf
ihres Skelets so wenige Beweglichkeit
hat, sind der Muskeln wenigere (– denn
den Schildkröten fehlen sogar ausser dem
Zwerchfell auch die eigentlichen Bauch-
und Brustmuskeln –), aber dafür, be-
sonders bey dem eben gedachten Ge-
schlechte von ausnehmender fleischiger
Stärke: bey den Schlangen hingegen
sind sie einförmiger, dünner, dagegen
aber, wie es die mächtige Menge ihrer
Wirbel und Rippen und anderntheils
der Mangel aller äussern Bewegungs-
werkzeuge erfordert, bey weiten desto
Zahlreicher.

D) FISCHE.

§. 307.

Das Muskelfleisch der Fische*) unter-
scheidet sich von dem der durch Lun-
gen athmenden Thiere im Ganzen schon
[Seite 442] ausser seinem geringen Blutgehalt und
der davon herrührenden blassern Farbe,
vorzüglich durch das ihm eigene bey
den mehresten gleichsam blättrige und
zugleich grossentheils sehnenlose im
Ganzen aber sehr einförmige*) Gefüge;
eine Einrichtung, die übrigens in Ver-
bindung mit der Menge ihrer Muskeln
genau dem grossen Aufwand von An-
strengung und Kraft angemessen ist, den
der Aufenthalt und die ganze Oekono-
mie dieser Thiere mit sich bringt**).

E) INSECTEN.

§. 308.

Was so eben von der Einförmigkeit,
Menge und Kraft der Muskeln bey den
[Seite 443] Fischen gesagt worden, das findet im
Ganzen ebenfalls, nur anders modificirt,
aber meist noch auffallender bey den
Insecten statt*). Doch zeigt sich schon
bey den wenigen die aus dieser Rück-
sicht genauer untersucht worden, man-
cherley Verschiedenheit. So haben z.B.
die äusserst starken Muskeln in den
Krebsscheeren**) vergleichungsweise
noch grosse Aehnlichkeit mit denen bey
manchen Organen der rothblütigen
Thiere, da sie sich hingegen bey an-
[Seite 444] dern Insecten, wie namentlich bey den
Raupen, durch ihre eigene bläulich-
weisse Farbe, platte, gleichsam kurzen
Bandstreifchen ähnelnde Form, weiches
Gefüge und ganz ausnehmende Anzahl
von denen bey den vorigen Thierclassen
auszeichnen. Denn so zählte bekannt-
lich Lyonet*) in der Weidenraupe
nicht weniger denn 4061 Muskeln**),
von welchen nur allein 2186 dem tubus
alimentarius
zugehören.

F) WÜRMER.

§. 309.

Mit dem Totalhabitus des Muskelsy-
stems der eben gedachten Raupen hat
[Seite 445] wiederum das bey den Mollusken*), be-
sonders den Bewohnern der Conchylien**)
im Ganzen grosse Aehnlichkeit. Ausser
denen die den Würmern dieser beyden
Ordnungen überhaupt gemein sind, ha-
ben, wie sich von selbst versteht, die
von der letzten noch besondere eigene
Muskeln zur Verbindung mit ihren
Schalen und zur Bewegung derselben.
So z.B. in den Schnecken ansehnliche
Muskelbündel an ihrem Hinterleibe,
mittelst deren sie in dem Hauptgewinde
ihres Hauses festsitzen und sich in sel-
biges hineinziehen; die Bivalven ihre
[Seite 446] mächtig starken adductores um ihre
Schalen zu schliessen*) u.s.w. Vie-
len, besonders von den eigentlich so
genannten oder nackten Mollusken, dient
ein eigener Apparat von Hautmuskeln
zu der theils so auffallenden Verkür-
zung ihres Körpers: die hingegen bey
den mehresten Zoophyten und Bewoh-
nern der Corallen auch ohne sichtliche
Muskelfasern durch das ausnehmende
Contractionsvermögen in ihrem galler-
tigen Parenchyma statt hat.


Drey und zwanzigster Abschnitt.
Von
den männlichen Genitalien.

[Seite 447]

§. 310.

Die vergleichende Anatomie muss sich
bey den Sexualfunctionen bloss auf die-
jenigen Thiere beschränken, bey welchen
bestimmte männliche Organe für Be-
fruchtung und weibliche zur Empfäng-
niss vorhanden sind.

Zu jenen gehören hauptsächlich die
Geilen, Samenbläschen, Prostata und
männliche Ruthe. Doch sind die letz-
tern drey, zumahl die Bläschen und
Prostata, selbst unter den rothblütigen
Thieren, bey weitem nicht allgemein.

§. 311.

Die Geilen, und theils auch die Sa-
menbläschen und Prostata, sind bey vielen
von denjenigen männlichen Thieren die
eine bestimmte Brunstzeit haben, von
[Seite 448] ausnehmend veränderlicher Grösse;*) um
diese Zeit nemlich stark angeschwol-
len, und hingegen in den von dieser
Periode entferntesten Monaten äusserst
klein. Besonders auffallend ist diess
z.B. an den Geilen des Maulwurfs,
Sperlings, der Frösche u.s.w.**).

§. 312.

Beyläufig verdienen doch auch erst
noch im Allgemeinen die eignen Or-
[Seite 449] gane Erwähnung; womit die Männchen
einiger Gattungen von Thieren ausser
den Genitalien zu dem Zweck verse-
hen sind, um ihre Weibchen bey der
Paarung damit fest zu halten. So z.B.
der Giftsporn an den Hinterfüssen des
männlichen Schnabelthiers*), der knollige
schwarze Ballen der sich im Frühjahr
am Daumen des männlichen Grasfrosches
und grünen Wasserfrosches bildet; die
beyden mit articulirenden Knochen ver-
sehenen Glieder neben den Genitalien
des männlichen Zitterrochen und eini-
[Seite 450] ger andern Knorpelfische*); die Zange
am Hinterleibe der Libellen-Männchen,
[Seite 451] die Saugescheiben an den Vorderfüssen
des männlichen Dyticus marginalis und
dergl. m.

A) SÄUGETHIERE.

§. 313.

Ein scrotum worin die Hoden ausser-
halb der so genannten Bauchhöhle hän-
gen, findet sich bloss unter den Säuge-
thieren; aber bey weitem nicht bey allen
Gattungen derselben. Unter andern fehlt
es, und zwar sehr zweckmässig, den
im Wasser lebenden Thieren dieser
Classe; so wie den vollkommenen sub-
terraneis, dem Maulwurf u.s.w.; und
denen die sich, wie der Igel u.a. bey
Gefahr kuglicht zusammenrollen. Von
diesen beständigen testicondis müssen
diejenigen Thiere unterschieden werden,
bey welchen (wie z. E. beym Meer-
schweinchen*), Eichhörnchen, Ratte,
[Seite 452] auch dem Hamster*), canadischen Bi-
samratte, (ondatra)**) u.a.) die Hoden
ausser der Brunstzeit***) aus dem Un-
terleibe heraus oder auch wieder zurück-
treten können.

Bey solchen testicondis wo auch zu-
gleich die männliche Ruthe ausser ihrer
Sexualfunction sehr versteckt liegt, wie
bey dem Kater, dem Rammler, a. m.
hält es, vollends wann sie noch jung
sind, oft schwer, sie auf den ersten
Blick von den weiblichen Thieren der-
selben Art zu unterscheiden.

§. 314.

Bey vielen eigentlichen Quadrupeden,
z.B. beym Hund, Hengst, Widder und
a. m. liegt in oder neben der Achse des
Testikels nach dem Nebengeilen zu ein
Streif von verdichtetem Schleimgewebe,
[Seite 453] der unter dem Namen des corpus High-
mori
bekannt, aber weder ein hohler
Canal, noch auch sonst von so kunst-
reichem Bau ist, als er von vielen Zer-
gliederern des 17ten Jahrhunderts beschrie-
ben und abgebildet worden*).

§. 315.

Bey weiten die mehresten Gattungen
von Säugethieren, und zwar, die Ceta-
ceen angenommen**), aus allen übri-
[Seite 454] gen Ordnungen der ganzen Classe, sind
mit Samenbläschen versehen, die sich
bey manchen, wie z. E. bey einigen
Affen, vor allen aber beym Igel*),
während seiner Brunstzeit durch eine
auffallende Grösse auszeichnen.

Zu denenjenigen Gattungen hingegen,
denen sie gänzlich abgehen, gehören
namentlich das Hunde- und Katzen-
geschlecht, die Bären, Beutelthiere,
Fischottern, Seehunde und das Schna-
belthier.

§. 316.

[Seite 455]

Die bey manchen Gattungen einfache,
bey den mehresten aber doppelte Pro-
stata
, ist wohl mir den Säugethieren
eigen, aber vermuthlich allen Gattun-
gen der ganzen Classe gemein. Wenig-
stens finden sich bey denen, welchen
sie von Manchen abgesprochen werden,
wie beym Bock und Widder, ansehn-
liche drüsenartige Körper, die im Gan-
zen doch mehr Aehnlichkeit mit diesen,
als mit den Cowperschen Drüsen zu
haben scheinen*).

§. 317.

Zu den vom menschlichen Baue ab-
weichenden Eigenheiten der männlichen
Ruthe
in dieser Thierclasse gehört, dass
dieselbe bey manchen Gattungen nur
Ein corpus cauernosum penis ohne Schei-
dewand hat. So z. E. beym Schwein
und bey den Cetaceen, bey welchen letz-
tern dieser schwammichte Körper gar
[Seite 456] wundersam wie mit sehnichten Zellen
durchkreutzt ist*).

Bey einigen Gattungen, deren Paarung
eine längere Zeit braucht, wie z. E.
bey den Hunden, Dachsen u.s.w. ist
der schwammichte Körper der Eichel,
und theils, auch der untere Theil am
hintern Ende der Ruthe, so eingerichtet,
dass er während jenes Acts weit stärker
als die übrige Ruthe anschwillt, und da-
durch die festere Verbindung mit den
weiblichen Organen bewirkt wird**).

Zu einem ähnlichen Behuf mag auch
wohl die eigene Form der Eichel die-
nen, die ich bey einigen Säugethieren
bemerkt habe. z. E. beym Sajou (Cer-
copithecus apella
) vorn wie flach ab-
geschnitten mit breiten kreisförmigen
Rande; beym asiatischen Nashorn mit
[Seite 457] drey ausgeschweiften Einschnitten, und
dergl. m.*)

§. 318.

Viele Gattungen von Säugethieren,
zumahl von denen die keine Samenbläs-
chen haben, und wohl eben desswegen
einer längern Zeit zur Paarung bedür-
fen, doch auch manche von den übri-
gen**) sind mit einem besondern, meist
zylindrischen, theils rinnenförmigen Kno-
chen***) in der männlichen Ruthe ver-
[Seite 458] sehen. So einige Affen, die mehre-
sten Fledermäuse, das Meerschweinchen
u.a. Savien, der Hamster und viele
andere mäuseartige Thiere, der Hund,
Bär, Dachs, mancherley Gattungen des
Viverren-Wiesel- und Fischotterge-
schlechts, die Robben, das Wallross
u.a.m.*).

§. 319.

Bey den allermehresten männlichen
Thieren dieser Classe verläuft sich die
Harnröhre bis zur Eichel, und dient
zum gemeinschaftlichen Ausführungsgang
für den Harn, den liquor prostatae und
[Seite 459] den Samen. Bey einigen wenigen Gat-
tungen sind aber für den erstern und für
die zum Zeugungsgeschäfte gehörigen
Säfte besondere Abführungswege vor-
handen. Beym Opossum z.B. ist die
gabelförmig gespaltene Eichel mit drey
Mündungen versehen; eine für den Harn
in der Fuge wo jene Theilung beginnt,
und zweye für den Samen an den bey-
den Spitzen der Eichel*). Beym Schna-
belthier öffnet sich die kurze Harnröhre
gerade in die cloaca, und die ansehn-
liche Ruthe hingegen dient bloss zur
Ausleerung des Samens, der sich durch
die beyden mit stachelichten Papillen be-
setzten Mündungen der gleichsam zwey-
kolbigen Eichel ergiesst**); bey der
Echidna (ornithorhynchus hystrix) en-
[Seite 460] digt sich die im übrigen dem eben ge-
dachten Bau ähnliche Ruthe gar in vier
Eicheln*).

§. 320.

Die Eichel ist, zumahl bey manchen
Gattungen aus dem Savia- und Katzen-
geschlecht, mit Widerhäkchen besetzt,
die wohl auch diesen mit keinen Samen-
bläschen versehenen Thieren zur innigern
und längern Verbindung bey der Paarung
dienen mögen**).

§. 321.

[Seite 461]

Endlich verdient auch noch ange-
merkt zu werden, dass bey manchen
Gattungen dieser Thierclasse die männ-
liche Ruthe, so lange sie sich ausser
Erection befindet, nach hinten gekehrt
ist, so dass sie ihr Wasser in der glei-
chen Richtung wie die weiblichen Thiere
lassen. So, um nur wenige Beyspiele
zu nennen, der Hase, der Löwe, die
Camele und Nashörner. Aber irrig ist
die seit Aristoteles*) so oft nach-
geschriebene Behauptung, als ob diese
retromingentia sich auch rückwärts
paarten.

B) VÖGEL.

§. 322.

Die an den Nieren liegenden Geilen
und die ductus deferentes sind die ein-
zigen in dieser Classe allgemein con-
[Seite 462] stanten Theile der männlichen Geni-
talien*).

Nur bey wenigen, wie z.B. beym
Hahn, endigen sich die eben genannten
Gänge in eine längliche Weitung, die
man für ein Analogon der Samenbläs-
chen hat wollen gelten lassen.

Statt einer Ruthe finden sich bey den
mehresten in der cloaca zwey kleine
Papillen, in welche sich jene Samengänge
verlaufen. So z. E. beym Hahn**),
Puter, Tauber u.s.w.

Einige wenige Gattungen aber haben
eine einfache Ruthe von beträchtlicher
Länge, die ausser der Paarung neben
[Seite 463] der cloaca zusammengeschlagen und ver-
borgen liegt, aber nachdem das Thier
sein Weibchen getreten hat, noch ei-
nige Zeit sichtbar bleibt, ehe sie sich
wieder zurückzieht. Beym Entrich*)
ist diess eine lange, wurmförmige Röhre;
beym Straus hingegen eine Rinne, die
auch beym Harnen des Thiers zum Vor-
schein kommt**).

C) AMPHIBIEN.

§. 323.

Bey den Schildkröten liegen die Nie-
ren, Geilen und Nebengeilen dicht an
einander, jedes von diesen drey Organen
unterscheidet sich aber durch eigene
Farbe und Gefüge auf den ersten Blick.
Samenbläschen scheinen sie nicht zu ha-
ben***); wenigstens finde ich bey einer
[Seite 464] Testudo graeca, die ich zergliedert;
keine Spur davon. Hingegen ist ihre
Ruthe von auffallender Grösse; ausser
der Sexualfunction in der Cloaca zu-
rückgezogen; statt der Harnröhre mit
einer Rinne versehen, deren Seitenrän-
der sich aber wohl in der Erection an
einander legen, und so eine geschlossene
Röhre bilden*). Die Eichel endigt sich
[Seite 465] in eine stumpfe, hakenförmige Spitze,
gewissermassen wie das Ende des Ele-
phantenrüssels.

§. 324.

Unsere hieländischen eigentlich so ge-
nannten Frösche*) haben ansehnliche
Samenbläschen, und statt der Ruthe in
der Cloaca eine kleine Papille.

Den Kröten**) fehlt beydes; sowohl
die Bläschen als diese Warze.

§. 325.

Die Crocodile haben eine einfache Ru-
the; die hieländischen Landeidechsen
hingegen ihrer zweye; die Wassermolche
aber, die sich nicht paaren, überhaupt
nichts einem solchen Organe ähnliches.

§. 326.

[Seite 466]

Die Schlangen*) haben sehr lange,
schmale Geilen, keine Samenbläschen,
aber doppelte Ruthen, deren jede wieder
gabelförmig gespalten, und mit stacheli-
gen Widerhäkchen besetzt ist**).

D) FISCHE.

§. 327.

Die männlichen Genitalien sind in
den verschiedenen Ordnungen dieser
Classe***) selbst von verschiedenem
Bau†). Wir heben nur zwey Gattun-
gen als Muster aus. Von Knorpelfischen
[Seite 467] den Zitterrochen, von den mit Gräten
versehenen, den Karpen.

Bey jenem finden sich deutliche Gei-
len, die theils aber, aus zahllosen Drü-
senkörnchen, theils wie bey den Grä-
tenfischen, aus Milch bestehen; vasa de-
ferentia
, und ein Samenbläschen, das
sich mittelst einer kleinen Papille in den
Mastdarm öffnet*).

Beym Karpen**) hingegen vertritt,
so wie bey vielen andern Grätenfischen,
die Milch die Stelle der Geilen, und
bildet bey diesem zwey längliche, platte
Eingeweide von ansehnlicher Grösse,
weisser Farbe und zackiger, irregulärer
Gestalt, die zu beyden Seiten der Ge-
därme und der Schwimmblase liegen,
so dass die linke den Mastdarm wie eine
Rinne umfasst. Mitten durch jeden die-
ser beyden Milche läuft ein ductus de-
ferens
, der hinten in eine Art Samen-
[Seite 468] bläschen übertritt, welche beyde sich
dann beym After nach unten in ei-
nen gemeinschaftlichen Ausführungsgang
öffnen*).

E) INSECTEN.**)

§. 328.

Auch aus dieser Classe erlaubt uns
die vielartige Verschiedenheit des Baues
[Seite 469] bey den verschiedenen Ordnungen, Ge-
schlechtern und Gattungen*), nur ein
[Seite 470] Paar der letztern als Beyspiele auszu-
heben. Den Seidenwurmschmetterling
wegen der Aehnlichkeit seiner Genita-
lien mit denen bey manchen der so ge-
nannten vollkommenern warmblütigen
Thiere. Und eine Heuschrecke wegen
der scheinbaren äussern Analogie ihrer
männlichen Zeugungstheile mit den weib-
lichen.

Bey dieser (dem Gryllus verruoiuorus)
sehen nämlich zumahl die mächtig
grossen Testikel mit ihren bündelweis
zusammengefalteten Gefässen, den eben
so grossen Eyerstöcken mit den auch
gleichsam bündelweis darin vertheilten
Eyern, auffallend ähnlich*).

[Seite 471] Beym Seidenfalter aber unterscheidet
man ausser den Geilen auch noch lange
davon ableitende vasa deferentia, selbst
eine Art von Samenbläschen, und eine
sehr ansehnliche Ruthe mit hakenför-
miger Eichel*).

F) WÜRMER.

§. 329.

Eben so auch aus dieser Classe nur
zwey Beyspiele statt vieler**). Eins
von einem Intestinalwurm (Ascaris lum-
bricoides
), weil es auch noch für No-
[Seite 472] sologie Interesse hat, das andere von
einem Molluscum, dem Tintenfisch, we-
gen der ganz sonderbaren Eigenheiten
bey den männlichen Genitalien desselben.

Der Spulwurm hat nur Einen Geilen,
der ungefähr in der Mitte des Thiers
liegt, und aus einem einzigen in ein
längliches Bündel zusammengefalteten Ge-
fäss besteht, dass sich leicht auseinan-
der wickeln lässt, und dann gegen drey
Fuss lang ist. Es verliert sich nach
dem Hintertheil des Wurms zu in eine
dickere Röhre, fast von der Stärke einer
Rabenspule, und hieran stösst die im
Schwanzende verborgene Ruthe, die
vermutlich bey der Paarung heraus-
tritt*).

Die männlichen Genitalien des Tin-
tenfisches (Sepia loligo) sind zumahl
durch die merkwürdigen, freylich wohl
in der Beschreibung etwas verschöner-
ten, Beobachtungen berühmt worden,
die Türberv. Needham daran ge-
[Seite 473] macht*), und die Büffon zu einer
Hauptstütze seiner Zeugungshypothese
benutzt hat**). Der Theil, der sich
mit der Milch der Grätenfische verglei-
chen lässt, enthält zur Laichzeit viele
hundert kleiner (etwa vier Linien lan-
ger) röhrenförmiger Samenbehälter, die
bündelweis nach dem Ausführungsgang
hin gerichtet sind, und zusammen in
einer zähen Feuchtigkeit liegen. Diese
ganzen Röhrchen werden excernirt, da
dann ein spiralförmiges Gefäss, welches
sie nebst dem eigentlichen Samen wie
in einer Hülse enthalten, das dünnere
Vorderende derselben sprengt, so dass
sich der Same selbst ergiesst und die
gelaichten Eyer des Weibchens be-
fruchtet.


Vier und zwanzigster Abschnitt.
Von
den weiblichen Genitalien.

[Seite 474]

§. 330.

Von allen zu den weiblichen Genita-
lien gehörigen Organen ist ein Eyerstock
das allerwesentlichste und allgemeinste.
Ausser ihm finden sich bey allen durch
Lungen athmenden Thierclassen, so
wie bey manchen Fischen und vielen
weissblütigen Thieren, auch so genannte
Eyergänge (Fallopische Röhren u.s.w.),
die vom Eyerstock zur Gebärmutter
führen, und endlich, – wenigstens bey
denen, die durch wirkliche Paarung be-
fruchtet werden, auch eine Scheide,
wodurch wiederum der Uterus mit
den äussern Sexualtheilen in Verbindung
kommt.

Bey den Vögeln sind (nur bey man-
chen die Eyerstöcke ausgenommen) alle
[Seite 475] diese Theile nur einfach. Manche Knor-
pelfische haben zwar doppelte Eyergänge,
wie aber doch mit einer gemeinschaft-
lichen Mündung beginnen, und sich auch
in einer einfachen Gebärmutter enden.
Das weibliche Menschengeschlecht hat,
so wie viele andere Säugethiere, zwey
Eyerstöcke, und für jeden einen beson-
dern Eyergang, aber einfache Gebärmut-
ter und Scheide. Viele andere weib-
liche Thiere dieser Classe haben einen
uterus bicornis; einige andere aber fast
durchgehends gedoppelte innere Genita-
lien, nämlich selbst vollkommen doppelte
uteros, und wenigstens zum Theil, auch
doppelte Scheiden, wie das Opossum
(– tab. VII. –).

A) SÄUGETHIERE.

§. 331.

Von den zu den äussern weiblichen
Sexualorganen dieser Thierclasse gehöri-
gen besondern Theilen ist wohl die cli-
[Seite 476] toris der allgemeinste*), als welche
vielleicht bloss dem Schnabelthier ab-
geht**), sich hingegen selbst bey den
Cetaceen findet***).

So wie sie überhaupt manche Aehn-
lichkeit mit der männlichen Ruthe zeigt,
so ist sie auch bey mehrern Gattungen
von Säugethieren, z. E. bey der Ziesel-
maus (Marmota citillus), dem Wasch-
[Seite 477] bären, der Löwin, der Fischotter u.s.w.
mit einem kleinen Knochen versehen;
und so wie die Ruthe des männlichen
Beutelthiers eine gespaltene Eichel hat
(§. 219.), so ist auch der Kitzler beym
weiblichen auf eine ähnliche Weise ge-
theilt (– tab. VII. c. –). Bey der Robbe
und dem Loris (Lemur tardigradus) geht
die Aehnlichkeit gar so weit, dass sich
selbst die Harnröhre in denselben verläuft
und sich an seinem vordern Ende mün-
det*). Aber auch schon bey der Ratte,
Hausmaus, dem Hamster u.s.w. liegt
die clitoris und die Oeffnung der Harn-
röhre vom Eingang zur Scheide entfernt,
mehr nach vorn; ein Bau, der daher zu-
weilen für eine widernatürliche Zwit-
tergestaltung missgedeutet worden**).

§. 332.

[Seite 478]

Ein solches hymen von der Form und
Lage wie bey Mädchen und Jungfrauen,
ist wohl noch bey keinem andern weib-
lichen Thiere bemerkt worden. Denn
solche Gebilde, wie die bekannte häu-
tige Klappe vor der Harnröhrenmündung
in der Scheide der Stute u.s.w.*) sind
doch sehr davon verschieden**).

§. 333.

Die Mutterscheide (vagina) der Qua-
drupeden, so viel ich deren aus dieser
[Seite 479] Rücksicht untersucht habe, unterschei-
det sich hauptsächlich durch zweyerley
von der menschlichen. Durch ihre Rich-
tig, und durch den Habitus ihrer in-
nersten Haut. Jene liegt nämlich, so
wie es der Bau ihres Beckens mit sich
bringt, mit dem uterus, oder wenig-
stens mit dem Mutterhalse, fast ganz
in der gleichen Axe. Und diese, die
drüsenreiche Haut, womit ihre Höhlung
ausgekleidet ist, bildet keine so äusserst
elegante Querfurchen wie im Menschen-
geschlecht, sondern ist bey den meh-
resten bloss in die Länge gerunzelt; und
wo auch Querfalten sind, da finden sie
sich doch entweder nur, wie bey der
Kuh, am vordern Ende der Scheide hin-
ter dem äussern Muttermunde, oder
wenn sie sich, wie bey den Aeffinnen,
weiter erstrecken, so sind sie doch, wie
gesagt, durchgehends von der ausnehmen-
den Sauberkeit, die sich in der mensch-
lichen vagina zeigt, sehr entfernt*).

§. 334.

[Seite 480]

Die Gebärmutter selbst ist in dieser
Classe von auffallend Verschiedener Tex-
tur und Gestaltung*), Von solcher
Stärke und Derbheit des parenchyma
[Seite 481] wie beym Weibe findet sie sich wohl
bey keinem andern Säugethiere*). Unter
denen, die ich zergliedert, hatte das
Weibchen von Simia syluanus verglei-
chungsweise noch den derbsten uterus.
Nächst dem das von dem zweyzehich-
ten Ameisenbär. Bey den allermehrsten
Säugethieren ist er hingegen, wie be-
kannt, dünnhäutig, gleichsam darmähn-
lich, aber mit einer unverkehnbaren
wahren Muskelhaut versehen.

§. 335.

Die vielartige Form des ungeschwän-
gerten
uterus in dieser Thierclasse lässt
sich auf folgende Hauptverschiedenhei-
ten zurück bringen:

1) Einfach ohne Hörner (uterus sim-
plex
) meist birn- oder eyförinig. So
[Seite 482] zumahl bey den gedachten Thieren mit
derber Gebärmutter. Doch ist sein Um-
riss bey manchen Aeffinnen von mehr
dreyeckter Form, als beym Weibe, und
bey einigen (z.B. beym Gibbon) finden
sich oben nach den Fallopischen Gän-
gen zu schon gleichsam Anlagen zu ein
paar stumpfen Säcken*), die beym Lo-
ris (Lemur tardigradus) noch deutlicher
ausgewirkt sind, und sich schon dem
uterus bicornis nähern**).

2) Einfach, aber mit geraden oder
etwas gebogenen Hörnern (uterus bicor-
nis
). Gerade sind sie z. E. bey der
Hündinn***) und beym Waschbären;
auch bey den hieländischen Fledermäu-
sen, dem Meerschweinchen†), bey der
Fischotter, den Seehunden††) und
a. m.†††); mehr gebogen bey den Ce-
[Seite 483] taceen*), bey der Stute**), beym Igel***),
noch stärker bey den bisulcis†).

3) Doppelt, als blosse Hörner, die
mit keiner besondern einfachen Mutter-
höhle zusammenhängen, sondern unmit-
telbar in die Scheide münden (uterus
duplex
), bey den Hasen††) und Ca-
ninchen†††), beym Maulwurf*) u.a.

4) Doppelt, mit sonderbaren grossen
Seitenwindungen (uterus anfractuosus)

tab. 33. von der Zibethkatze.

tab. 37. fig. 2. und tab. 38. 39. von der
Genettkatze.

T. XIII. tab. 51. vom Seehund.

[Seite 484] beym Opossum (– tab. VII. –)*), und auf
eine ähnliche Art auch beym Kängaruh**).

§. 336.

Jene vielartigen Gestaltungen leiden
aber im trächtigen Zustande auch ver-
schiedenartige Abänderung.

Beym einfachen uterus scheint sich
diese äussere Formänderung im Ganzen
wie bey der schwangern Gebärmutter
des Weibes zu verhalten.

[Seite 485] Beym trächtigen uterus bicornis ist
wiederum die Form anders bey denen,
die in der Regel nur Ein Junges auf
einmahl werfen, als bey den multiparis.
Bey der Stute liegt die Frucht bloss in
der Höhle der eigentlichen Gebärmut-
ter*). Bey der Kuh aber ausserdem
auch zugleich in dem einen damit zu-
sammenhängenden erweitertem Horne**).
Bey denen hingegen, die viele Junge
zugleich werfen, so wie auch beym
uterus duplex der Hasen und Caninchen,
in beyden Hörnern, die sich dann bey
denen, wo sie im ungeschwängerten Zu-
stande gerade sind, wie bey den Hunden,
krumm winden, und nach der Zahl der
darin befindlichen Früchte durch flache
Einschnitte abgetheilt werden***).

[Seite 486] Der uterus anfractuosus der Beutel-
thiere erleidet wohl die mindeste Abän-
derung seiner sonstigen Gestaltung, da
diese wunderbaren Geschöpfe ihre Brut
so ausser Verhältniss klein, gleichsam
als ganz unreife Abortus gebären.

§. 337.

Von den Fallopischen Röhren be-
merke ich hier bloss, dass dieselben bey
manchen, wie z. E. beym gemeinen
Affen (S. syluanus), und noch mehr
beym Opossum (– tab. VII. l. r. –) wie
knaulförmig in einander geschlängelt
sind. Und von den so genannten Fim-
brien
, dass diese bey andern, wie z. E.
beym Caninchen, eine meist trichter-
förmige Gestalt haben.

§. 338.

[Seite 487]

Die Eyerstöcke sind bey den mehre-
sten Gattungen*) eyförmig, so dass die
Graafischen Bläschen im Parenchyma
derselben gleichsam versteckt liegen. Bey
manchen, wie z. E. beym Schwein, pro-
miniren diese Bläschen nach aussen, so
dass die ovaria wie mit kuglichten
Buckeln besetzt (mammelonirt) schei-
nen**); beym Igel aber hängen die
Bläschen meist ganz frey, so dass die
Eyerstöcke dieses Thiers kleinen Trau-
ben, und in so fern der Vögel ihren
ähneln.

Die Anzahl der Bläschen scheint im
Ganzen ungefähr mit der Menge der
Jungen übereinzustimmen, die eine Mut-
ter in ihrem Leben hecken kann***).

[Seite 488] Und die gelben Körper*), die diesen
Namen von der Farbe haben, die sie in
[Seite 489] den Eyerstöcken der Kühe zeigen, schei-
nen sich wohl kaum bey einem Qua-
druped anders, als nach vorgängiger
Befruchtung zu finden*).

B) VÖGEL.

§. 339.

Die weiblichen Genitalien dieser Thier-
classe**) lassen sich am fasslichsten
unter drey Hauptabtheilungen bringen,
Die äussern mit Inbegriff der cloaca;
dann der darmähnliche tubus genitalis;
und endlich der fast ganz davon abge-
sonderte Eyerstock.

[Seite 490] Und da ihr Totalbau bey allen weib-
lichen Vögeln, so viel bekannt, im Gan-
zen sehr übereinstimmt, so können wir
nur gleich die allgemeinstbekannte Gat-
tung, die Henne, zum Muster neh-
men*).

§. 340.

Die äussere Mündung der Genitalien
wird durch eine Querspalte hinter
den von einanderstehenden Schambeinen
(§. 53.) gebildet, die bey der Henne
grösser ist, als beym Halm, und deren
kleinere vordere Lefze von der grössern
hintern (velabrum) bedeckt wird.

Diese Spalte führt zur cloaca, in
welcher viererley verschiedene Organe
münden (§. 114.). Der Mastdarm, und
an dem wulstigen Rande seiner Oeffnung
[Seite 491] die beyden Harnleiter; zu seiner Linken
die Mutterscheide, und hinter jenem
Rande nach oben die bursa Fabricii*).
Diese letztre ist bey den verschiednen
Gattungen dieser Thierclasse von un-
gleicher Form; eyförmig, oder länglich
wie ein kurzes Därmchen u.s.w. und
bey jungen Vögeln am grössten: im Al-
ter schrumpft sie zusammen, so dass
sie z. E. bey alten Hahnen kaum ein
Hirsenkorn fafst**).

§. 341.

[Seite 492]

An dem langen darmähnlichen, im
Ganzen freylich ziemlich einförmigen,
[Seite 493] tubus genitalis lassen sich doch drey
Theile wiederum besonders unterschei-
den. Die Scheide, der eigentliche ute-
rus
und der ouiductus, der sich zu
äusserst in das ohnehin ganz davon dif-
ferirende infundibulum endet.

Die Scheide ist etwa anderthalb Zoll
lang, sehr dehnbar, hat aber eine ge-
schlängelte Lage.

[Seite 494] Der uterus ist ungefähr eben so lang,
aber von weiterem Umfange, fleischich-
tern Wänden, und, zumahl inwendig,
gefaltet.

Der ouiductus (Fr. la portière) ist
gleichsam eine Fortsetzung desselben,
wohl anderthalb Fuss lang, darmförmig
gewunden, hin und wieder durch
schwache Einschnitte um etwas veren-
gert, überhaupt conisch, nämlich nach
dem infundibulum zu schlanker; seine
innere Haut mit unzähligen Zäpfchen*)
zur Abscheidung des mehrsten Eyweisses
besetzt, und nach oben wie mit einer
Art von Gekröse (mesometrium s. mese-
raeon uteri
.) am Rückgrat befestigt*).

[Seite 495] Er mündet endlich an seinem ausser-
sten dünnern Ende ins infundibulum,
das zur Aufnahme der Dotter aus dem
Eyerstocke bestimmt ist, und eine läng-
liche ausgebreitete feine Haut mit aus-
nehmend sauber gefaltetem Rande vor-
stellt, die hinterwärts durch ein rundes
sehnichtes Band mit dem uterus ver-
bunden wird.

§. 342.

Der traubenförmige (in manchen Vö-
geln doppelte) Eyerstock liegt unter
der Leber, und hält bey einem jungen
Legehuhn wohl gegen 500 Dotter, von
der Grösse eines Nadelknopfs bis zur
Reife, und zwar liegen die reifsten
immer nach dem äussern Umfange des
Stocks. Jeder Dotter ist in einer
Haut (calyx) eingeschlossen, die mit-
telst eines kurzen petiolus am Stocke
sitzt. Wenn ein Dotter reift, so zeigt
sich aussen an seinem calyx eine weisse
glänzende Linie, nach deren Richtung
diese Haut endlich berstet und ihren
[Seite 496] Dotter von sich lässt, der vom infun-
dibulum
auf eine schwer zu begreifende
Weise*) aufgenommen und in den oui-
[Seite 497] ductus getrieben wird, wo er während
seines Durchgangs sein Eyweiss und
seine Häute*), und endlich auch seine
Kalkschale erhält, die im uterus zu ih-
rer vollen Festigkeit gelangt. Der ca-
lyx hingegen bleibt am Eyerstocke und
schrumpft allgemach ein, so wie über-
haupt bey alten Hühnern, wenn sie
ausgelegt haben, die sämmtlichen in-
nern Genitalien fast bis zur Unkennt-
lichkeit einkriechen und schwinden.

C) AMPHIBIEN.

§. 343.

Bey den Schildkröten, namentlich bey
den auf dem Lande lebenden, ist in
den äussern Genitalien eine deutliche,
in der cloaca liegende, clitoris zu mer-
[Seite 498] ken. Ihre uteri, ouiductus und Eyer-
stöcke haben im Ganzen viel Aehn-
lichkeit mit der Vögel ihren, nur dass
bey ihnen alle diese innern Sexualorgane
gedoppelt da sind, und sich auch die
kurzen Scheiden mit zwey Mündungen
in die cloaca öffnen*). Auch sind nur
die beyden Gebärmutter fleischig, die
oviductus hingegen überaus zarthäutig.

§. 344.

Die hieländischen, eigentlich so ge-
nannten Frösche haben ausser der cloaca
einen grossen blasenförmigen uterus, der
aber inwendig durch eine verticale Schei-
dewand in zwey Höhlen getheilt ist,
aus welchen zwey wohl eine Elle lange
darmförmig gewundene oviductus ent-
springen, die in ihrem Fortgange enger
werden, und sich zuletzt mit einer of-
fenen Mündung zu beyden Seiten des
Herzens enden. Die Eyerstöcke hinge-
gen liegen unter der Leber, so dass es
auch schwer zu begreifen ist, wie die
[Seite 499] einzelnen Eyer von da in die eben ge-
dachten Mündungen gelangen*).

Den Kröten fehlt jener blasenförmige
uterus, sondern ihre oviductus treten
über der cloaca in einen gemeinschaft-
lichen Ausgang zusammen**).

§. 345.

Auch bey den hieländischen Eidech-
sen
ist der Bau dieser Theile im Ganzen
wie bey den letztgedachten Thieren, nur
sind die oviductus nach Verhältniss wei-
ter, aber kürzer, und der Eyerstock
enthält wenigere Eyer.

§. 346.

Die weiblichen Schlangen haben auch
doppelte äussere Oeffnungen der Geni-
talien, zur Aufnahme der doppelten Or-
gane ihrer Männchen (§. 326.). Ihre
langen oviductus sind meist sonderbar
[Seite 500] geschlängelt und gefaltet; und ihre Eyer-
stöcke ähneln einem Paar langer mit gal-
lertigen Bläschen besetzter Schnüre*).

D) FISCHE.

§. 347.

Aus dieser Classe**) hier nur wieder,
so wie im vorigen Abschnitt, den Zit-
terrochen und Karpen als Muster der
beyderley Hauptarten von Fischen.

Jener***) hat doppelte uteros, die nach
hinten mit einer gemeinschaftlichen
Scheide in die cloaca münden, nach
vorn aber in die oviductus übergehen,
welche sich dann am Ende in ein eben-
falls gemeinschaftliches infundibulum zur
Aufnahme der successiv reifern und
[Seite 501] dann in Vergleichung zu den Grätenfi-
schen sehr grossen Dotter aus den trau-
benförmigen Eyerstöcken offnen. Diese
Dotter werden erst während ihres Durch-
gangs durch den oviductus mit Eyweiss
und der sonderbaren hornartigen Schale
versehen, die unter dem Namen der
Seemaus*) bekannt, und von länglich
vierkantiger Form ist, deren vier Ecken
sich bey den Rochen in eine gekrümmte
Spitze, und bey den Hayen in einen
sonderbar gekräuselten hornartigen Fa-
den verlieren**). Zu dieser Secretion
des Eyweisses und Ausbildung der Schale
dient theils die papillose innere Haut
der Eyergänge, theils auch die beyden
drüsenartigen Wülste die gerade in den
[Seite 502] Sommermonathen, während welcher
diese Knorpelfische ihre Eyer legen, am
vordern Ende der Eyergänge, gegen das
infundibulum hin, zu sehen sind*).

Beym Karpen, so wie vermuthlich
bey den allermehresten eyerlegenden
Grätenfischen, ist der Bau weit einfacher.
Die beyden Rogen liegen nämlich, so
wie die Milch der Männchen (§. 327.),
zu beyden Seiten der Gedärme, Leber
und Schwimmblase bis zum After; be-
stehen bloss aus einer zarten Haut, wel-
che die durchgehends gleich grossen und
äusserst zahlreichen Eyer (beym Karpen
über 200,000) einschliesst; und endigen
mit einem gemeinschaftlichen Ausgang
hinter dem After**).

E) INSECTEN.*)

[Seite 503]

§. 348.

Wieder nur von den beyden schon
im vorigen Abschnitte zu Beyspielen ge-
wählten Gattungen**).

Beym Gryllus verruciuorus hält jeder
der beyden ansehnlichen Eyerstöcke auf
50 gleichsam bündelweise vertheilte
Eyer, und beyde verbinden sich am
hintern Ende mit einander und öffnen
sich zwischen den beyden Scheiden des
Legestachels***).

Beym Seidenfalter hingegen besteht
jeder seiner beyden Eyerstöcke wie aus
vier Perlschnürchen, deren jedes auf 60
Eyer enthält, die durch einen kurzen
Ausführungsgang (der aber mit mehre-
[Seite 504] ren sackförmigen, vor der Hand noch
problematischen, Eingeweiden zusam-
menhängt) am Ende des Hinterleibes
gelegt werden*).

F) WÜRMER.

§. 349.

Ebenfalls bloss die beyden Thiere als
Muster deren männliche Zeugungstheile
oben beschrieben worden**).

Beym weiblichen Spulwurm ist die
Oeffnung seiner Genitalien ohngefähr
auf der Mitte des Körpers, und führt
erst zu einem kurzen Gange, der sich
dann nach dem hintern Ende des Thiers
hin in zwey lange Schenkel theilt, die
zuletzt in zwey noch weit längere auf
und abgewickelte zarte, fadenförmige
[Seite 505] Eyergänge sich verlieren*), welche oft
bey gedrückten oder geborstenen Spul-
würmern zum Leibe heraushangen, und
wohl eher zu dem Irrthum verleitet ha-
ben als seyen das junge Würmer, das
Thier folglich lebendig gebährend u.s.w.

Beym Tintenfisch scheint der weib-
liche Bau im Ganzen sehr einfach; ein
doppelter Eyerstock mit Eyern, von
ungleicher Grösse, der sich in einen ge-
meinschaftlichen Ausgang beym After
und der Mündung des Tintenbeutels
endigt**).


Fünf und zwanzigster Abschnitt.
Von
der Leibesfrucht der Säugethiere
und den Organen, mit welchen
sie verbunden ist.

[Seite 506]

§. 350.

Das erste was sich nach der Befruch-
tung der weiblichen Säugethiere in ihrer
dadurch trächtig gewordenen Gebärmut-
ter bildet, sind die Häute (inuolucra)
der eyförmigen Blasen, in welchen dann
nach bestimmten Terminen die Leibes-
frucht sichtbar wird, welche (wohl nur
die Beutelthiere, Kängaruh u. dergl.
ausgenommen) mittelst der Nabelschnur
mit jenen Häuten, und so mit dem uterus
der Mutter, selbst, in Verbindung steht,
und dadurch bis zu ihrer Wurfzeit er-
nährt wird*). Demnach scheint es die
[Seite 507] natürlichste Ordnung, auf die Beschrei-
bung der Gebärmutter nun zunächst die
von den Häuten und anderen Theilen der
sogenannten Nachgehurt und zuletzt end-
lich das folgen zu lassen, was auch über
die Leibesfrüchte selbst hier angemerkt
zu werden verdient.

§. 351.

Die Verbindungsart des trächtigen ute-
rus mit den Häuten der Nachgeburt und
durch diese mit der Frucht, zeigt bey
den Säugethieren eine dreyfache Haupt-
verschiedenheit. Entweder nämlich hängt
die Gebärmutterhöhle mit der ganzen
[Seite 508] äussern Haut des sogenannten Eyes zu-
sammen; oder sie ist mittelst einer ein-
fachen placenta, oder aber durch zahl-
reichere cotyledonen mit derselben ver-
bunden.

§. 352.

Das erstere ist der Fall bey der träch-
tigen Sau*); und noch bestimmter bey
der Stute, als bey welcher die äussere
Haut des sogenannten Eyes, das chorion,
gewissermassen einen sackförmigen Mut-
terkuchen vorstellt. Es ist dasselbe
nämlich, zumahl in der zweyten Hälfte
des Trächtigseyns, mit zahlreichen und
theils gar starken Verästelungen der
Nabelschnuradern durchzogen, und auf
der Aussenseite mit unzähligen schwam-
michten Zäpfchen besetzt, die mit der
innern Seite der Gebärmutter zusam-
menhängen**).

§. 353.

[Seite 509]

Bey denen Thieren dieser Classe die
ihre Früchte mittelst eines Mutterku-
chens ernähren, zeigt sich wieder bey
mancherley Gattungen merkwürdige Ver-
schiedenheit, theils in der Form und bey
einigen auch in der successiven Verän-
derung derselben, theils aber auch im
einfachern oder zusammengesetztern Bau
dieses Organs.

Bey den mehresten Digitatis, so wie
bey den Quadrumanen, ist die placenta
rundlich*); doch theils wie aus zwey
neben einander liegenden Hälften zu-
sammengesetzt, bey der Hündinn aber
so wie bey der Katze, Marder u.s.w.
gurtförmig (cingulum s. zona)**), und
[Seite 510] beym Iltis hält ihre Form gleichsam das
Mittel zwischen diesen beyden, da sie
aus zwey runden Kuchen besteht, die
durch ein breites gurtförmiges Zwischen-
stück mit einander verbunden sind*).

Von Formwandelung dieses Organs
glaube ich das allersonderbarste Beyspiel
im Igel gefunden zu haben. Bey die-
sem nimmt nämlich einige Wochen
nach der Befruchtung die placenta meist
den ganzen Umfang des chorii ein, hat
ungefähr die Gestalt und Grösse einer
Haselnuss, und ist dabey von innen
schwammicht, blutreich; nach aussen
aber derb und fest, gleichsam von Knor-
pelhärte. Doch ist sie nicht durchaus
von gleicher Stärke, sondern nach der
[Seite 511] concaven Seite der Mutterhörner hin
weit dünner und geschmeidiger als an
der entgegengesetzten (– Tab. VIII.
fig. 1. –). Mit der Zeit aber nimmt jene
dünne, geschmeidige Stelle an Umfang
zu, wird allgemach fast membranös und
die entgegenstehende dickste hingegen
bildet sich nach und nach zu einer gleich-
sam sattelförmigen*) sehr dicken und
festen placenta mit dünn zulaufenden
Rändern (– Tab. VIII. fig. 2. –). Diese
kommt dem reifern foetus meist quer
über die Hüften zu liegen, doch so, dass
auch der Nächstanliegende ebenfalls zum
Theil damit bedeckt und für Beschädi-
gung bey äussern gewaltsamen Druck ge-
schützt wird. Denn gerade das scheint
der Nutzen bey dieser so sonderbaren
und meines Wissens in ihrer Art einzi-
gen Einrichtung, um dadurch die zarten
Fötus im Leibe eines Thiers zu sichern,
das sich bekanntlich mit solcher Anstren-
gung zusammenkugelt, dass ohne jene
[Seite 512] Vorkehrung die trächtige Gebärmutter
und ihre Bewohner dadurch gefährlichem
Druck ausgesetzt seyn müssten.

Bey mancherley Gattungen von Digi-
tatis
ist die nach dem uterus zugekehrte
Außenseite des Mutterkuchens, noch mit
einem besondern weissen, gleichsam drü-
senartigen Körper (corpus glandulosum
Everardi*) s. subplacenta) besetzt,
der kleiner ist als die eigentliche pla-
centa, von derselben eingefasst wird**),
und sich, je mehr die Frucht reift, durch
desto leichtern Druck davon trennen und
ablösen lässt.

§. 354.

[Seite 513]

Bey den Bisulcis endlich ist der Mut-
terkuchen in zahlreiche cotyledonen von
ausnehmend merkwürdiger und für die
ganze Physiologie der placenta überhaupt
lehrreicher Einrichtung, vertheilt. So
nennt man nämlich eigene fleischige Aus-
wüchse (glandulae uterinae), die sich
im befruchteten uterus auf seiner inne-
ren Fläche ausbilden, und in welchen
eben so viele genau damit correspondi-
rende flockichte Gefäss-Büschel (carun-
culae
) auf der Außenfläche des chorii
gleichsam eingewurzelt sind, so dass
dann die pars uterina und die pars foe-
talis
des Mutterkuchens zwey deutlich
von einander verschiedene und gegen
die Zeit, da die Frucht reift, auch leicht
von einander zu trennende Theile aus-
machen, von welchen nur die letztern
mit der Nachgeburt abgehen, die erstern
aber, nämlich die Cotyledonen, im ute-
rus, nachdem er seiner Bürde quitt ge-
worden, allgemach einschrumpfen. Zahl
und Form jener Auswüchse ist bey den
[Seite 514] mancherley Geschlechtern und ihren
Gattungen verschieden. Bey Schafen
und Kühen steigt ihre Zahl zuweilen
auf hundert. Bey Schafen und Ziegen
sind es im Wortverstande*) Cotyledo-
nen, nämlich napfförmig oder wie die
sogenannten Krebsaugen**); da sie hin-
gegen bey den Kühen, Rehen u.s.w.
gleichsam Knöpfe oder Pilze mit Kugel-
fläche***) bilden.

§. 355.

Die Stämme der entweder vom gan-
zen chorion (§. 352.) oder von der pla-
centa (§. 353.) oder den Carunkeln (§. 354.)
[Seite 515] kommenden Venen und hinwiederum
von der Frucht zu ihnen laufenden Ar-
terien verbinden sich in der Nabelschnur,
die, so viel bekannt, bey keinem an-
dern Säugethier nach Verhältniss von
einer so ansehnlichen Länge*) und so
Strickförmig gewunden ist als beym
reifen Kinde**).

Am Füllen hat sie so wie beym Kinde
nur Eine Nabelvene***), da sich hin-
gegen bey den mehresten andern Qua-
drupeden deren zweye finden, die sich
aber entweder nahe am Leibe der Frucht,
oder doch innerhalb desselben, zu ei-
nem gemeinschaftlichen Stamme ver-
binden†).

§. 356.

[Seite 516]

Das amnion, die innerste von den
beyden Häuten des sogenannten Eyes
welche die schwangere Frau mit den
trächtigen andern Säügethieren gemein
hat, zeichnet sich doch bey manchen der
letztern, wie z. E. bey der Kuh und der
Stute*), durch ihre zahlreichen Blutge-
fässe aus, da sie hingegen beym Men-
schen blutlos ist.

§. 357.

Ausserdem aber findet sich bey den
mehresten trächtigen Quadrupeden und
selbst bey den Cetaceen zwischen dem
chorion und amnion die sogenannte
allantois oder Harnhaut. Den letztern
Namen hat sie, weil sie mittelst des
urachus mit der Harnblase der Frucht
zusammenhängt, daher man denn auch
die wässerige Feuchtigkeit, wovon sie
strotzt, für den Harn derselben gehal-
ten**), der dahinein seinen Abfluss habe
[Seite 517] u.s.w. Allantois aber hat man sie we-
gen der Wurstform genannt, die sie bey
den Bisulcis und dem Schweine zeigt*),
die aber bey mancherley andern Ge-
schlechtern und Gattungen auch anders
gestaltet ist. So ähnelt sie z.B. unter
den Digitatis beym Hasen, Caninchen,
Meerschweinchen u.s.w. einer kleinen
Flasche die mit ihrem Boden auf der in-
nern Fläche der placenta aufsitzt; beym
Iltis einer eyförmigen Blase u.s.w.
Bey den Solidungulis kleidet sie die
ganze innere Fläche des chorii aus, und
schliesst das Füllen mit seinem amnion
in sich, und eben bey den Thieren die-
[Seite 518] ser Ordnung findet sich auch am häu-
figsten (doch auch nicht selten bey Kühen)
in dem Wasser der allantois ein gleich-
sam coagulirtes Sediment in grössern
oder kleinen Klumpen verschiedener Form
und Anzahl, das längst unter dem
wunderlichen Namen des Pferdegifts,
(Hippomanes) bekannt ist*).

Manchen Ordnungen und Geschlech-
tern von Säugethieren, namentlich den
Quadrumanen und unter den Digitatis
dem Igel, fehlt aber jene Harnhaut, so
wie dem Menschen ganz und gar; ja
beym Igel und den Beutelthieren ver-
läuft sich nicht einmahl die Harnblase,
wie bey der menschlichen Leibesfrucht
in ein Rudiment des urachus, sondern
[Seite 519] ist schon beym Fötus kugelicht, ohne
Oeffnung im Boden derselben (– Tab.
VIII. fig. 2. f. –).

§. 358.

Hingegen zeigt sich bey dem eben
genannten Thiere, so wie auch bey der
Hündinn, Katze u.s.w., ebenfalls zwi-
schen chorion und amnion eine auf dem
ersten Blicke zwar der allantois ähn-
liche Blase, die tunica erythroides (–
Tab. VIII. fig. 1. c. fig. 2. c. –), die im
Anfange des Trächtigseyns auch, so wie
jene, von einer wässerigen Feuchtigkeit
strotzt, aber schon dadurch gänzlich von
ihr unterschieden ist, dass sie keines-
weges durch einen urachus mit dem
Boden der Harnblase, sondern durch die
vasa omphalomeseraica (– Tab. VIII.
fig. 2. k. –) mit den Blutgefässen des
Gekröses der Frucht in Verbindung
steht*). Eben diese Verbindung zeigt
auch die Aehnlichkeit, die sie, einer-
[Seite 520] seits mit dem Dottersacke der bebrüte-
ten Vögel, und anderseits mit der so
merkwürdigen vesicula umbilicalis, an
zarten menschlichen Embryonen aus den
ersten Monathen der Schwangerschaft*)
hat; auch ist jene tunica erythroides, so
wie dieses eben gedachte Bläschen, nur
bey zarten Leibesfrüchten recht gefüllt
[Seite 521] und strotzend, und schrumpft hingegen
in der Folge so zusammen, dass man
offenbar sieht, beyder ihre Function muss
bloss für die frühere Lebensperiode der
Frucht bestimmt seyn*).

§. 359.

Die erste Spur von Bildung der Frucht
selbst, zeigt sich bey den verschiedenen
Gattungen dieser Thierclasse immer erst
eine bestimmte meist beträchtlich lange
[Seite 522] Zeit nach der Empfängnis. Auch ist
so wie beym menschlichen Embryo,
ihre anfängliche Gestaltung noch weit
von der nachwärtigen Vollkommenheit
des reifen Fötus entfernt*), und die
Ordnung des Wachsthums und der Aus-
bildung der Gliedmassen, ist bey wei-
tem nicht in der ganzen Classe die
nämliche, sondern bey den besondern
Gattungen dahin berechnet, dass immer
diejenigen äussern Organe am frühesten
ausgebildet und vervollkommnet wer-
den, die gerade dem jungen Thiere zu
seiner Lebensweise die notwendigsten
sind. Daher z.B. die auffallende Grösse
der Hinterhände der ungebornen Qua-
drumanen
, oder der Füsse der Eichhörn-
chen, kurz der Säugethiere die auf Bäu-
[Seite 523] men zu leben bestimmt sind, oder aber
auch der jungen Füllen, Ziegenlämmer
u.s.w., die sogleich nach der Geburt
schon auftreten und laufen müssen*),
in Vergleich mit dem Verhältniss der da-
mit correspondirenden Theile der reifen
menschlichen Leibesfrucht**).

§. 360.

[Seite 524]

Das wichtigste von dem, worin man-
che Gattungen ungeborner Säugethiere
in ihrem inneren Bau von der mensch-
lichen Leibesfrucht abweichen, ist schon
gelegentlich angeführt. Im übrigen, so
viel nämlich bisher darüber angemerkt
worden*), wie z.B. in der membrana
pupillaris
**), den dreyerley räthselhaf-
[Seite 525] ten, sogenannten Drüsen, thymus*),
thyreoidea und den suprarenalibus**)
u.s.w., scheinen sie mit dem ungebor-
nen Kinde im Ganzen meist übereinzu-
kommen. Kleiner Verschiedenheiten zu
geschweigen, wie z.B. dass das meconium
bey den reifern Früchten von Bisulcis
und mauseartigen Thieren schon festen
scybalis ähnelt***) u. dergl. m.


Sechs und zwanzigster Abschnitt.
Von
den Brüsten und Zitzen der
Säugethiere.

[Seite 526]

§. 361.

Zur ersten Nahrung der reifen und
neu gebornen Frucht, ist in dieser Thier-
classe die Muttermilch bestimmt, die
in den Brüsten abgeschieden wird, von
welchen die ganze Thierclasse, der diese
Secretion ausschliesslich eigen aber auch
wohl allgemein*) ist, den Linnéischen
Namen mammalia erhalten hat. Doch
sind bey manchen männlichen Säuge-
thieren, z. E. bey der Hausmaus, beym
Hamster und Mongos, noch keine Zitzen
bemerkt worden, da doch sonst dieses
Geschlecht bekanntlich eben so wie das
[Seite 527] weibliche damit versehen ist*), wenn
sie auch gleich dieselben entweder wie
der Hund in geringerer Anzahl, oder
wie der Hengst an andrer Stelle**)
haben.

§. 362.

[Seite 528]

Ueberhaupt sind die Brüste von allen
Organen der Säugethiere die einzigen
die nach Verschiedenheit der Gattungen
eine so vielartig verschiedne Lage ha-
ben, und auch in der Anzahl so sehr
variiren. Letztere ist doch, zumahl bey
unsern Hausthieren, mancherley Anoma-
lien unterworfen*); so wie denn auch
die insgemein angenommene Regel, als
ob die Thiere meist noch einmahl so
viel Zitzen hätten als sie gewöhnlich
Junge würfen, bey manchen Gattungen,
wie z. E. namentlich beym Hausschwein,
beym Meerschweinchen u.s.w., ihre
grossen Ausnahmen leidet.

Und was ihre Lage betrifft, so ist
diese bey manchen so anomalisch, dass
sie eben deshalb lange unerkannt geblie-
ben; wie z.B. am Stachelschwein (Hy-
stix cristata
) wo ich endlich an einem
[Seite 529] Ungebohrnen auf jeder Seite dicht hin-
ter dem Schultergelenk ein Paar Papil-
len gefunden habe, die man schwerlich
für etwas anders als für Zitzen an-
sprechen kann. Die wundersamste Lage
haben sie aber bekanntlich bey den
weiblichen Beutelthieren, wo sie auch
ausser der Zeit da die Mutter gerade
Junge in ihrem Zitzensack trägt kaum
zu erkennen sind*).

§. 363.

[Seite 530]

Bey eben diesen sonderbaren Thieren
sind auch, so wie bey den im Wasser
und unter der Erde lebenden Säuge-
thieren (und zwar bey allen diesen
zu leicht abzusehenden Nutzen), die
Milchdrüsen selbst nur ganz flach un-
ter die Haut verbreitet, ohne zu Brü-
sten oder Eutern ausgebildet zu seyn,
und ihre Milchgänge verlaufen sich in
keine solche Weitungen und Höhlen,
worin sie hingegen bey den Bisulcis,
auch bey der Stute u.s.w. zusammen-
kommen*). Aber auch bey denen die
[Seite 531] mammas pectorales haben, sind diese
doch nie von derjenigen Form, wo-
durch sich das weibliche Menschenge-
schlecht in der Blüthe des Lebens so
ausschliesslich auszeichnet*).


Sieben und zwanzigster Abschnitt.
Von
dem bebrüteten Küchelchen, und
den zu seiner Oekonomie gehöri-
gen Organen des Eyes.

[Seite 532]

§. 364.

Alle die mannichfaltigen Lebens- und
Nutritions- und Formations-Processe,
denen sich das neuentstandene ungebo-
rene Säugethier in seiner Mutter Leibe,
und durch den innigsten Zusammen-
hang mit derselben unterzieht, die führt
hingegen das Küchelchen im Eye selbst-
ständig, ganz unabhängig von seiner
Mutter, und ohne irgend eine andere
fremde Hülfe als die der atmosphäri-
schen Luft in Temperatur von Brüt-
wärme.

§. 365.

Das reife befruchtete Ey, so wie wir
es oben (§. 342.) nach seiner Ausbildung
[Seite 533] im oviductus und uterus verlassen hat-
ten ist zunächst innerhalb seiner Schale,
mit der weissen, dichten, aderlosen Haut
(membrana albuminis) ausgekleidet, de-
ren beyde übrigens dicht zusammen-
hängende Blätter nur gewöhnlichst am
stumpfen Ende einen mit atmosphäri-
scher Luft*) gefüllten Zwischenraum
lassen.

Von dieser Haut wird zunächst das
doppelte Eyweiss umschlossen, wovon
jedes wieder mit einer zarten Membran
umgeben, das äussere flüssiger und
durchsichtiger, das innere aber dichter
und trüber ist, sich auch in hartgesot-
tenen Eyern eins vom andern schalicht
ablösen lässt.

Vom innern wird bekanntlich der
Dotter umflossen, der mit einer eigenen
Haut umzogen ist, von welcher sich
[Seite 534] mehrentheils zwey gleichsam knotige,
und an den äussersten Enden flockichte
Schnüre, die sogenannten Hagel (gran-
dines, chalazae
)*) in das innere Eyweiss
verlaufen.

Oben auf der Haut des Dotters ist
endlich ein kleiner, milchweisser, rund-
licher Fleck, der irrig sogenannte Hah-
nentritt
(cicatricula s. macula) zu merken,
der mit einem, oder mehreren weisslichen,
concentrischen Kreisen (halones s. circuli)
umgeben wird, deren Nutzen aber, so
wie der vom Hahnentritt selbst und
von den Hageln, noch nicht ausgemacht
scheint.

§. 366.

Und nun zu den bewundernswerthen
successiven Veränderungen, die während
[Seite 535] des Bebrütens im Eye vorgehen, und zu
den Metamorphosen welchen sich theils
die Totalform des Küchelchen, theils
einzelne Eingeweide desselben unterzie-
hen, wobey wir zur Angabe der Ter-
mine, wieder aus dem schon angeführ-
ten Grunde, das von der Henne zum
Muster nehmen*). Erst das Ganze nur
[Seite 536] cursorisch in chronologischer Ordnung*).
Dann aber noch über einige der wich-
tigsten Theile und deren Geschäfte ein
Wort ins besondere.

§. 367.

[Seite 537]

Nicht in oder auf dem Hahnentritt
selbst, sondern dicht neben ihm zeigt
sich zu Ende des ersten Tages, an
welchem das Brüten seinen Anfang ge-
nommen, auf der Dotterhaut eine glän-
zende meist länglicht abgerundete, aber
in der Mitte etwas schmalere*), kleine
Stelle, (nidus pulli s. colliquamentum s.
areola pellucida) das dem künftigen
Küchelchen gleichsam vorläufig die Stätte
bereiten soll.

Eine wahre erste Spur von diesem
selbst, wird schwerlich vor Anfang des
zweyten Tages beobachtet seyn; und
zwar erscheint sie dann noch unge-
krümmt, wie ein kurzer gallertiger Fa-
den mit kolbichten Enden, und ziem-
lich enge eingeschlossen in dem an-
fangs kaum von ihm zu unterscheiden-
den amnion.

Die Halonen (§. 365.) erweitern um
diese Zeit ihre Kreise, schwinden aber
[Seite 538] kurz darauf so wie auch bald nachher
der Hahnentritt für immer.

§. 368.

Gegen Ende des zweyten Tages zei-
gen sich die ersten Spuren von rothem
Blut auf der Fläche der Dotterhaut. An-
fangs als Puncte, die allgemach wie in
Furchen oder Rinnen zusammenfliessen,
so wie diese dann bald hernach zu wah-
ren Adern sich schliessen, und in ge-
meinschaftlichen Stämmen sich mit dem
Küchelchen verbinden*). Die Ader-
fläche selbst heisst figura venosa s. area
vasculosa
; die Blutader wodurch sie be-
grenzt wird vena terminalis; und der
Hauptstamm aller dieser Venen tritt in
die Pfortader des Küchelchens, so wie
hingegen die in diese Dotterhaut sich
verlaufenden Schlagadern aus dem
Stamme der Gekrösarterie desselben ent-
springen.

§. 369.

[Seite 539]

Zu Anfange des dritten Tages verräth
sich das indess neu gebildete Herzchen
(das Hauptorgan des nun eingeleiteten
Circulationsprocesses,) durch seinen Tri-
ple-Schlag als dreyfaches punctum sa-
liens
. So wie nämlich gar manche Theile
des bebrüteten Küchelchens sich einer
successiven Formwandlung unterziehen
müssen, so gilt diess vor allen von der
Metamorphose des Herzens, als welches
in seiner ersten Gestalt einem zusam-
mengeschlängelten Canal mit drey im
Triangel dicht aneinander liegenden Wei-
tungen ähnelt, wovon die eine das
dann noch gemeinschaftliche (eigentlich
rechte) Herzohr; die andere den dann
auch noch alleinigen (eigentlich linken)
Ventrikel; und die dritte den bulbus aor-
tae
vorstellt.

Um die gleiche Zeit krümmt sich nun
das anfänglich langgestreckte Rückgrat
des zarten Geschöpfes zur sogenannten
carina, in welcher die distincten Wirbel
[Seite 540] deutlich zu erkennen sind; und die Au-
gen verrathen sich durch ihr schwarzes
Pigment, und ihre nach Verhältniss auf-
fallende Grösse; zeichnen sich aber in
der Folge besonders durch eine eigene
Spalte der Regenbogenhaut*) aus, wo-
[Seite 541] mit dieselbe nach unten zu unterbro-
chen wird*).

§. 370.

Vom vierten Tage an, wo das Küchel-
chen schon eine Länge von 4 Linien
erreicht hat, und seine wichtigsten
Baucheingeweide, Magen, Gedärme und
Leber (doch diese bis zum 6ten Tage
noch ohne Gallenblase) sichtbar werden,
zeigt sich auch in seiner Nabelgegend
ein gefässreiches Bläschen (chorion s.
membrana vmbilicalis), das in den fol-
genden Tagen fast zusehends anwächst,
bis es in der zweyten Hälfte der Brüte-
zeit den grössten Theil der Schale in-
nerhalb der membrana albuminis (§. 365.)
auskleidet, um einstweilen für die Lun-
gen zu vicariren, und an ihrer Statt
den sogenannten phlogistischen oder
[Seite 542] Respirationsprocess zu führen. Denn die
Lungen selbst fangen zwar schon vom fünf-
ten Tage an ausgebildet zu werden, sind
doch aber so lange das Küchelchen noch
von seinem amnion (§. 367.) umgeben,
und von dessen liquor umflossen ist, eben
so unthätig als die im ungebornen Säu-
gethiere.

§. 371.

Am sechsten Tage wenn nun das
Hühnchen schon gegen 7 Linien lang
ist, zeigt es auch die erste Bewegung
willkürlicher Muskeln.

Am neunten beginnt das Verknöche-
rungsgeschäft, da der erste Knochen-
saft abgesetzt wird und in puncta ossifi-
cationis
verhärtet (§. 5. Not. **). Recht
als Puncte oder gleichsam als ein kreis-
förmiges Schnürchen von ein Paar Dutzend
der zartesten Perlen, sieht man sie im
Augapfel rund um die Hornhaut, wo
sie die Grundlage des Knochenrings der
Sclerotica machen*).

[Seite 543] Im gleichen Termine fangen dann auch
auf der Dotterhaut die schönen Zeich-
nungen der gelben Dottergefässe (vasa
vitelli lutea
) an sichtbar zu werden.

Am vierzehnten Tage brechen die
Kiele der Federn hervor, und das Kü-
chelchen ist schon im Stande, wenn man
es aus dem Eye nimmt, nach Luft zu
schnappen.

Am neunzehnten vermag es schon
Stimme von sich zu geben, und am ein
und zwanzigsten seinen Kerker zu durch-
brechen und sein zweytes Leben zu be-
ginnen.

§. 372.

Nun zum Schluss noch ein Paar Worte
über die beyden schon gedachten wun-
derbaren Membranen, die Dotterhaut
und das chorion, von denen das Leben
und die Erhaltung des kleinen Geschöpfes
am unmittelbarsten abhängt*).

[Seite 544] Letzteres, das chorion, dieses so höchst
einfache und so höchst vollkommene tem-
poräre Surrogat der Lungen, gibt in ei-
nem mit Vorsicht geöffneten Ey, aus der
zweyten Hälfte des Bebrütens, auch
ohne alle weitere künstliche Einspritzung
u.s.w., einen der prachtvollesten An-
blicke in der organischen Schöpfung.
Ein Feld von zahllosen Ramificationen
strotzender Blutgefässe beyderley Art.
Und zwar die Venen – scharlachroth,
indem sie oxygenirtes Blut zum Küchel-
chen hinführen; die Arterien hingegen –
schwarzroth, weil sie carbonisirtes Blut
von demselben herausbringen*) (§. 161.
Not. *). Ihre Stämme hängen mit den
iliacis des Hühnchens zusammen, und
ihre dünnhäutigen Aeste geben im frisch-
geöffneten noch lebenden Eye, das beste
mikroskopische Object, um den Blutum-
[Seite 545] lauf an einem warmblütigen Thiere zu
demonstriren.

§. 373.

Auch die andere der genannten bey-
den Häute, die membrana vitelli hängt
mit dem Unterleibe des Küchelchens –
aber auf eine doppelte und ganz andere
Weise als die vorige – zusammen.
Theils durch den ductus vitello-intesti-
nalis
(pedunculus s. apophysis)*) mit
[Seite 546] einer Stelle des dünnen Darms, theils
wie schon obgedacht (§. 368.) durch seine
Blutgefässe mit der arteria meseraica
und der Pfortader des Vogels.

Nun aber wird der Dotter im Fort-
gange des Bebrütens durch Beymischung
des inneren Eyweisses (§. 365.) immer
blasser und dünner: und zugleich bil-
den sich an der inneren Fläche der Dot-
terhaut, da wo auf der äusseren die
schon erwähnten gelben geaderten Zeich-
nungen sichtbar werden (§. 371.), zahl-
lose in den Dotter hinabhängende ge-
franste Gefässe mit flockichten Enden,
von einem ganz eigenen, meines Wis-
[Seite 547] sens sonst beyspiellosen Bau*), die
wohl sicher dazu dienen den Dotter ein-
zusaugen und in die gedachten Venen
zu führen**), wo er dem Blute assi-
milirt und demnächst zur Nutrition des
Küchelchens verwandt wird; so dass
beym auskriechenden jungen Hühnchen,
nur noch der Rest des ganzen Dotters
[Seite 548] und seines Sackes im Bauche zu sehen
ist, der allgemach in den folgenden
Wochen so weit vollends eingesogen
wird, dass sich zuletzt nur noch die
Spur davon wie eine an der Aussen-
seite des Darms klebende Narbe bemer-
ken lässt*).


Appendix A Erklärung der Kupfer.

[Seite 549]
* * *

(– Tab. II. und die Nebenfigur auf Tab. VIII.
ausgenommen, sind auf den übrigen die
Gegenstände in natürlicher Grösse abge-
bildet –).

* * *

Appendix A.1 Tab. I.

Der Schedel des Schnabelthiers (Orni-
thorhynchus paradoxus
). Von der Hirn-
schale, die keine Nähte hat, ist ein
Stück der rechten Seite ausgebrochen,
um das Innere zu zeigen.

xxx

a. b. Die beyden condyli occipitales.

c. Die sonderbare knöcherne falx.

d. Das Jochbein.

e. Die rechte Augenhöhle.

[Seite 550]

f. Der breite processus mandibularis
am Oberkiefer.

g. Ein ähnlicher an der Unterkinn-
lade.

h. Der Gelenkknopf dieser Kinnlade.

i. Der fast wie bey den Enten ge-
zähnelte Rand des vordem Seiten-
theils derselben.

k. Der zweyte Ast des fünften Ner-
venpaars.

l. m. p. Zweige dieses Astes die sich
in die Schnabelhaut vertheilen.

n. o. Der Intermaxillarknochen die-
ser Seite.


Appendix A.2 Tab. II.

[Seite 551]

Das Becken und die Schenkelknochen
vom Straus (Struthio camelus).

xxx

a. b. Das Kreuzbein (20 Zoll lang).

c. d. e. Die vorn zusammen ver-
wachsenen ungenannten Beine.

f. g. Die markleeren Schenkel-
knochen.


Appendix A.3 Tab. III.

[Seite 552]

Der skeletirte rechte Fittig des Cap-
Pinguins (Aptenodytes demersa).

Ueberhaupt zeichnen sich die sämmt-
lichen Flügelknochen desselben schon
durch ihre auffallend flache, gleichsam
plattgedrückte Form, dann aber auch
durch zwey überzählige Knochen am
Elnbogen, so wie anderseits durch den
Mangel des Daumenknochen aus.

1. ist das untere Ende der Oberarm-
röhre.

2. 3. die beiden überzähligen Knochen.

4. die Elnbogenröhre.

5. die Speiche.

6. 7. die beiden Knochen in der Hand-
wurzel.

8. das getheilte os metacarpi.

9. 10. die beiden Phalangen des vor-
dern Fingers.

11. der nur aus einem Glied beste-
hende Nebenfinger.


Appendix A.4 Tab. IV.

[Seite 553]

Der Schedel einer Ente. Besonders
zur Vergleichung mit dem Schedel des
Schnabelthiers, tab. I.

xxx

a. Der einfache condylus occipitalis.

b. Der Quadratknochen.

c. Das Thränenbein.

d. Die elastischen Knochenblätter zur
beweglichen Verbindung der Ober-
kiefer mit der Hirnschale.

e. Die membranosen Muscheln der in-
neren Nase.

f. c. Der erste Ast des fünften Ner-
venpaars.

g. Zweige desselben in die Oberschna-
belhaut.

h. i. Der zweyte Ast jenes Nervenpaars.

k. l. m. Zweige desselben in die ge-
dachte Haut.

h. n. Der dritte Ast des fünften Ner-
venpaars.

o. Zweig desselben in die Unterschna-
belhaut.


Appendix A.5 Tab. V.

[Seite 554]

Der nach der Länge vertical halbirte
Schedel und Oberschnabel eines jungen
Pfefferfrases (Tucanus ramphastos).

xxx

a. Die Hirnschalenhöhle.

b. Die membranosen Muscheln der
inneren Nase.

c. Eine grosse Aushöhlung im Schna-
bel, vor diesen Muscheln.

d. Eine membranose verticale Scheide-
wand, wodurch jene Aushöhlung
abgetheilt ist.

e. f. Der hornichte, inwendig zel-
lichte Oberschnabel.


Appendix A.6 Tab. VI.

[Seite 555]

Augapfel der Phoca grönlandica.

xxx

a. Die sehr dünne cornea.

b. Die dicke vordere Zone der scle-
rotica
.

c. Die dünne nachgiebige mittlere
Zone, gleichsam der Aequator der-
selben.

d. Der fast knorpelartige dickste Hin-
tergrund dieser harten Haut.

e. Der breite orbiculus ciliaris.

f. Der Augenstern.

g. Die Pupille.

h. Die vordere Fläche der Krystall-
linse.

i. Der nernus opticus.


Appendix A.7 Tab. VII.

[Seite 556]

Die weiblichen Genitalien des Beutel-
thiers (Didelphys marsupialis) mit den
benachbarten Eingeweiden.

Die vagina ist von der Seite längs
aufgeschnitten und offen auseinander
gelegt.

xxx

a. b. Der gemeinschaftliche Theil für
beyde Scheiden.

c. Die doppelte clitoris, deren Eicheln
aus der Vorhaut herausragen.

d. Der Eingang zur Harnröhre.

e. Die Scheide linker Hand unge-
öffnet.

b. f. Die zur rechten laufende, so
wie der gemeinschaftliche Theil
a. b. der Länge nach aufgeschnit-
ten und auseinander gelegt.

g. Die grosse Lateral-Windung am
uterus rechter Seite.

[Seite 557]

h. Dieselbe wie sie mit der entge-
gen liegenden o. in eine gemein-
schaftliche Höhle zusammentritt.

i. k. Die cornua uteri.

l. Die geschlängelten feinen Windun-
gen der Fallopischen Röhre jener
Seite.

m. Der Eyerstock.

n. o. p. q. r. s. Dieselben Theile von
der linken Seite.

t. Die ausgeleerte Harnblase.

u. u. Das Ende des dicken Darms.

v. Der After.

w. x. Die Afterbälge (Scent-bags)
(§. 146.).

y. z. Die Mündungen der Ausfüh-
rungsgänge derselben.


Appendix A.8 Tab. VIII.

[Seite 558]

Ungeborene Igel verschiedenen Alters,
besonders um die Veränderung zu zei-
gen die mit ihrem Mutterkuchen vor-
geht:

xxx

Fig. 1.

Ein noch sehr unreifer conceptus.


a. b. b. Das eyförmige chorion geöff-
net, so dass die ganze vordere
Hälfte weggenommen ist.

a. Der dicke fast knorpelharte Theil
desselben.

b. b. Der dünnere geschmeidigere
Theil.

c. Die tunica erythroides die so wie

d. der Embryo mit seinem amnion
vorher im chorion eingeschlossen
gewesen.


[Seite 559]

Fig. 2.

Eine reifere Frucht.


a. b. Der nun sattelförmige Mutter-
kuchen.

c. Die tunica erythroides.

d. Der Fötus mit geöffnetem Unter-
leibe, dessen Eingeweide und Ge-
fässe in der Nebenfigur vergrössert
sind.

e. Die Leber.

f. Die Harnblase ohne urachus.

g. h. Die beyden arteriae vmbilicales.

i. Die vena vmbilicalis.

k. Die vasa omphalomeseraica.


Appendix A.9 Druckfehler.

[Seite 560]

S. 134 Z. 13. I. omasum.

S. 166 §. 110. Z. 1. I. Blinddarm.

S. 192 k. 8**) letzte Z. hinter noch setze Harn-

S. 207 n. Z. 4. st. Sagg. I. Sagg.

S. 339 §. 224. Z. 1. st. Er I. Es.


Appendix B

[Tab. I]
I.xxx
[interleaf] [Tab. II]
II.xxx
[interleaf] [Tab. III]
III.xxx
[interleaf] [Tab. IV]
IV.xxx
[interleaf] [Tab. V]
V.xxx
[interleaf] [Tab. VI]
VI.xxx
[interleaf] [Tab. VII]
VII.xxx
[interleaf] [Tab. VIII]
VIII.xxx
[interleaf] [interleaf] [interleaf] [interleaf] [binding_verso]
Notes
*).
[Seite IV]

Seit 1777. über einzelne Fächer und Ge-
genstände derselben, z.B. über Osteo-
logia comparata,
Zootomie der hielän-
dischen Hausthiere u.s.w., dann aber
seit 1785. immer den vollständigen Cur-
sus über die ganze Disciplin.

*).
[Seite 1]

Bloss bey wenigen Insecten und Ge-
würmen finden, sich wirklich knochen-
artige Theile: wie z.B. die überaus sau-
bern kleinen Schilde, Bögen und Grä-
ten am Magen des Hummers und eini-
ger andern Krebse. – Das knöcherne
Gestelle oder die sogenannte Laterne
des Aristoteles in den See-Igeln u.a.m.

Wenigstens ähneln diese Theile an
Korn und Gefüge den wahren Knochen
mehr als das sogenannte os sepiae.

*).
[Seite 2]

Von der Art sind besonders manche
kleinere, wie z.B. das Zungenbein, der
Knochen in der männlichen Ruthe vie-
ler Säugethiere, die ossicula clauicula-
ria
bey manchen derselben, der knö-
cherne gleichsam gefächerte Ring in der
harten Haut der Vogelaugen, u.a.m.;
denn sonst kann man auch bey denje-
nigen vierfüssigen Säugethieren welchen
die Schlüsselbeine abgehen ihre vor-
dern Extremitäten dahin rechnen.

**).
[Seite 2]

s. Galen's Anwendung davon auf die
Menschenähnlichkeit der Affen im Iten B.
seines Meisterwerks de anatomicis ad-
ministrat.
T. IV. pag. 26. der Chartier.
Ausg.

***).
[Seite 2]

Dass die Knochen mancher Thiere nach
dem Genuss der Färberröthe roth wer-
den, hat schon Laevin. Lemnius in
der Mitte des XVI. Jahrh. angemerkt.
[Seite 3] s. dess. miracula occulta naturae p. 390.
der Antwerp. Ausg. von 1581. 8.

Merkwürdig bleibt doch, dass dieser
bekannte Versuch bey den kaltblütigen
Thieren höchstens nur sehr unvollkom-
men gelingt.

*).
[Seite 3]

Doch ist dergleichen auch von einigen
Thieren ohne Grund behauptet wor-
den. Denn was z.B. F. Nicholls im
compendium anatomic. pag. 7. von den
Bengalis (Fringilla amandaua) u.a. vom
Goldfasan gesagt, dass sie gelbe Kno-
chen hätten, habe ich da ich beide Thiere
frisch untersucht, nicht andern gefunden.

**).
[Seite 3]

Namentlich von den Hünern zu Indore
und Neermul in Berar sagte diess
Akber's des grossen Vizier Abulfazel
in s. classischen Ayeen Akbery vol. II.
Calcutta 1784. 4. pag. 72. und von denen
[Seite 4] um Persepolis, Niebuhr in s. Reise-
beschr.
II. B. S. 12.

*).
[Seite 4]

Die von Aristoteles irrig behaup-
tete Marklosigkeit der Löwenknochen
bedarf jetzt keiner weitern Widerle-
[Seite 5] gung. s. davon so wie von einigen ähn-
lichen Sagen Ren. Hener opolog. pro
Vesalio advers. Sylvium. Ven. 1555. 8.
pag. 27.

*).
[Seite 5]

Beym Hühnchen im Ey, das bekannt-
lich 21 Tage bebrütet wird, zeigt sich
die erste Spur eines Knochenkerns nicht
früher als zu Anfang des neunten Ta-
[Seite 6] ges, der mit der 17ten Woche der
menschlichen Schwangerschaft zu ver-
gleichen ist; da hingegen die ersten
puncta ossificationis im menschlichen
Embryo schon in der 7ten oder 8ten
Woche nach der Empfängniss (– aber
gewiss nicht, wie neuerlich grosse Zer-
gliederer gemeynt haben, gar schon
in der 3ten bis 4ten –) abgesetzt
werden.

Folglich begreift sich leicht, wie
grosse Einschränkungen es leiden muss
was Haller am Schluss seiner übri-
gens so musterhaften Beobachtungen
über die Bildung der Knochen im be-
brüteten Küchelchen sagt: ‘„quae de
pullorum ossibus demonstrauimus, ea
etiam de aliis animantium classibus vera
erunt, et de ipso demum homine
.“’

*).
[Seite 6]

So z.B. die Schliessung der Fontanel-
len, als welche ich bey unreifen Lei-
besfrüchten von Feris und von Bisul-
cis
sehr gross, hingegen bey den rei-
fen
kaum noch eine Spur davon ge-
funden, die sich wenigstens mit der
gewöhnlichen Grösse derselben beym
neugebohrnen Kinde gar nicht verglei-
[Seite 7] chen lässt. – Auch begreift sich leicht
aus der Vergleichung des Beckens zur
Grösse des Kindskopfs und aus der gan-
zen Mechanik des Geburtsgeschäftes des
Weibes mit dem Becken und dem
Jungewerfen der weiblichen Quadru-
peden,
warum nur beym Kinde jene –
vorzüglich durch die Fontanellen be-
wirkte – nachgiebige Schiebbarkeit der
grossen Hirnschalenknochen, zur Er-
leichterung der Geburt erforderlich war.

Doch leidet es auch seine Ausnah-
men wenn Prof. Flormann in Lund
überhaupt den jungen Thierschedeln
die Fontanellen abspricht. (nach We-
ber's
und mohr's naturhistor. Reise
durch einen Theil Schwedens
p. 35 u. f.)
Wenigstens habe ich sie bey manchen
Digitatis, wie z.B. bey neugebohrnen
gesunden Seidenhasen, in ganz ansehn-
licher Grösse gefunden.

*).
[Seite 8]

Vergl. mit diesem ganzen Abschnitt,
Göthe's fruchtbaren osteologischen Ty-
pus des vierfüssigen Thiers, im I. B. zur
Morphologie
S. 165 u. f. und die lehrrei-
chen Abbildungen von Skeletten der Qua-
drupeden, wovon ich in der Gesch.
der Knochen des menschl. Körp.
eine
Uebersicht gegeben habe, welchen unter
den neusten vorzüglich beyzufügen sind
[Seite 9] die in Cuvier's Ossemens fossiles und
in den hierher gehörigen Monogra-
phien von Dr. Pander und Prof.
d'alton.

*).
[Seite 9]

So ist es wenigstens bey meinem Exem-
plar, dessen nahtloser Schedel auch von
dieser Seite einem skeletirten Vogel-
kopfe auffallend ähnelt. (– Tab. I. vergl.
mit tab. IV. –)

**).
[Seite 9]

Versteht sich bey erwachsenen Vögeln;
denn ganz junge haben wenigstens ab-
gesonderte Schedelknochen, wenn gleich
ohne wirklich gezähnelte ächte Nähte.

*).
[Seite 11]

Vergl. viele treffliche Abbildungen der
Schedel von mancherley Thieren, zu-
mal aus den beyden warmblütigen Clas-
sen, ausser den schon genannten Wer-
ken, im Atlas zu Gall und Spurz-
Heim
Anat. du Syst. nerveux, und
in Spix cephalogenesis; und nütz-
liche Bemerkungen über den Schedel
und andre Theile des Skelets bey man-
cherley Quadrupeden, in Dr. Neer-
gaard's
Beyträgen zur vergleichenden
Anatomie
u.s.w. Göttingen 1807. 8.
S. 91 u. f.

**).
[Seite 11]

Ueber die Aehnlichkeit des Schedels
mit den Wirbeln hat sich vielleicht J. P.
Frank zuerst ausgesprochen, de ver-
tebralis columnae in morbis dignitate

im XIten B. seines Delectus opusculor.
medicor.
1792. pag. 8. ‘„In ea semper
[Seite 12] opinione versatus sum quamcunque spi-
nalis columnae vertebram pro
parvo,
eodemque transverso, cranio esse con-
siderandam.
“’ und ‘„– extrema et ex
omnibus maxime conspicua mobilis-
simaque vertebra, quam
calvariam ap-
pellamus.
“’ Ausführlicher und bestimm-
ter davon s. Oken über die Bedeu-
tung der Schädelknochen
Jena 1807. 4.
Und Dr. Aug. Leop. Ulrich de
sensu ac significatione ossium capitis
speciatim de capite testudinis.
Berol.
1816. 4. und die von Letzterm ange-
führten Schriftsteller.

*).
[Seite 12]

Dazu dient sowohl die Ansicht im
Profil als von oben her. Vom Nutzen
der letztern (der norma verticalis) na-
mentlich zu Vergleichung der National-
formen der Menschenschedel, habe ich
in der dritten Ausg. der Schrift: de ge-
[Seite 13] neris hum. varietate natiua
pag. 203.
und in der IVten Decas cranior. diuer-
sar. gentium
pag. 12. not. q) gehandelt.
vergl. Wolt. H. Crull de cranio,
eiusque ad faciem ratione
Gröning.
1810. 8. Spix a. a. O. und W. Lawren-
ce's
Lectures on Physiology etc. Lond.
1819. 8.

*).
[Seite 14]

s. Merrem's Zergliederung der Haus-
Maus in seinen vermischten Abhand-
lungen aus der Thiergeschichte. S.
59,
tab. 2. fig. 11. a., und D. Nic. Meyer
prodromus anatom. murium Jen. 1800.
pag. 15. fig. 6. 8. besonders aber die vor-
zügliche Monographie, Gotthelf-Fi-
scher
de osse epactali s. Göthiano
palmigradorum. Mosquae. 1811. gr. Fol.
m. Kupf.

Treffliche Bemerkungen über die
Osteogenie dieses Knochen sowohl als
des Hinterhauptsbeins bey vielartigen
Säugethieren s. in Meckel's Hand-
buch der pathologischen Anatomie
I. B.
S. 326 u f.

*).
[Seite 15]

An dem in meiner Sammlung befind-
lichen schaudererregenden Schedel eines
dreyssigjährigen, von Mutterleibe an
blödsinnig gewesenen, Thiermenschen,
den ich in der Commentatio de ano-
malis et vitiosis quibusdam nisus for-
matiui aberrationibus,
Gott. 1813. 4. be-
schrieben und tab. II. abgebildet habe,
spricht sich der rohthierische Charak-
ter namentlich dadurch aus, dass die
fast trianguläre eingedrückte Stirne
oben in einen so schmalen Scheitel zu-
lauft, dass die obern Ränder der grossen
Bogen von der Anlage der Schläfemus-
keln (die plana semicircularia) kaum
Daumen breit von einander abstehen.

*).
[Seite 16]

s. Gotth. Fischer's naturhistorische
Fragmente
I. B. Tab. III. IV.

**).
[Seite 16]

P. Camper Descript. anatomique d'un
Eléphant mâle
tab. XIII. fig. 6.

*).
[Seite 17]

An dem eben gedachten Schedel des
dreyssigjährigen Thiermenschen liegt
diese Oeffnung fürs Rückenmark weit
mehr zurück, als an irgend einem der
zahlreichen Affen und Paviane, die ich
damit verglichen habe.

**).
[Seite 17]

s. Daubenton sur les différences de
la situation du grand trou occipital
[Seite 18] dans l'homme et dans les animaux
in
den Mém. de l'Acad. des sc. de Paris
1764. pag. 568. Dieser treffliche Zoo-
tome gründete auch auf diese Verschie-
denheit seine sogenannte Occipital-
Linie,
eine der Normalregeln die man
zur Vergleichung der Schedelformen
unter einander, angegeben hat. – Er
zieht nemlich zwey gerade einander
durchschneidende Linien im Profil der
Schedel: die eine vom hintern Rande
des foramen magnum (der auch zu-
gleich bey den allermehrsten Säugethie-
ren der obere ist) durch den untern
Rand der Augenhöle; die andre aber
durchs planum horizontale jener grossen
Hinterhaupts-Oeffnung, mitten zwischen
beiden condylis; und bestimmt dann
nach dem Winkel, worin diese beiden
Linien zusammstossen, die Aehnlichkeit
oder Verschiedenheit der Schedelformen.

Gar viel scheint übrigens durch diese
Regel nicht gewonnen, da einmal bey
den bey weitem allermehrsten, übrigens
noch so sehr von einander verschiede-
nen Quadrupeden, dieser Winkel im-
[Seite 19] mer zwischen 80 und 90° fallt, und
andrerseits die kleinern Abweichungen
selbst individuell in einer und eben der-
selben Gattung variiren.

*).
[Seite 19]

Hingegen habe ich die Hirnschalenkno-
chen bey den mit der Drehkrankheit be-
hafteten Schafen (den sogenannten Seeg-
lern
oder Quesenköpfen), wenn die
Wurmblase (Hydatis cerebralis) nahe
unter der Hirnschale lag und gross
war, an dieser Stelle grösstentheils ab-
sorbirt und zuweilen bloss wie eine
dimne, dem Druck sehr nachgebende
knorpelartige Haut gefunden.

*).
[Seite 20]

Es ist daher mit Einschränkung zu ver-
stehen, wenn Eustach von den Näh-
ten an den Affenschedeln sagt: ‘„vbique
adeo obscurae sunt, vt magna ex parte
suturae nomen, aut nullo modo, aut
vix mereantur.
“’ Ossium exam. pag. 173.

**).
[Seite 20]

Zur festem Bestimmung derselben hat
Camper seine Facial-Linie angenom-
men, deren Anwendung am ausführ-
lichsten in seinem posthumen Werke
über den natürlichen Unterschied der
Gesichtszüge
u.s.w. (übersetzt von
Soemmerring, Berl. 1792. 4.) aus ein-
ander gesetzt ist. – Er zieht auch wie
Daubenton im Profil eines jeden Sche-
dels zwey gerade einander durchschnei-
dende Linien, aber in andern Richtun-
gen als jener. Eine horizontale nem-
lich, die durch den äussern Gehörgang
und den Boden der Nasenhöle läuft;
[Seite 21] und dann eine andre von der Wölbung
der Stirne mitten über der Nase nach
dem äussersten prominirenden Rande
der Oberkiefer oder des Intermaxillar-
Knochen, mitten unter der Nase. Letztre
ist die eigentliche Facial-Linie, und
der Winkel, den sie mit jener horizon-
talen macht, bestimmt nach ihm die
Verschiedenheiten der Thierschedel, so
wie der Nationalphysiognomieen der
mancherley Menschenrassen.

In Rücksicht auf diese letztere An-
wendung habe ich meine Erinnerungen
dagegen schon in der dritten Ausg. der
Schrift: de gener. hum. var. pag. 200 u. f.
beygebracht. Und was ihren Gebrauch
zu Unterscheidung der Thierschedel be-
trifft, so gilt mutatis mutandis auch
hier, was oben von der Daubentoni-
schen Linie gesagt worden, dass nem-
lich die bey weitem allergrösste und
mannichfaltigste Menge der übrigens
dem Kopfe nach so verschieden gebil-
deten Quadrupeden (– wenigstens drey
Viertheile von den ohngefähr sechshun-
dert Gattungen derselben, die wir bis
jetzt kennen –) dennoch eine und eben
dieselbe Faciallinie haben.

[Seite 22] Bestimmter und bedeutender ist Cu-
vier's
comparative Ansicht, der die
Schedel von verschiednen Menschen-
rassen und Thierarten vertical nach der
Länge durchgesagt und das Verhält-
niss der Durchschnittsfläche der Hirn-
schalenhöhle zu der Gesichtsknochen
ihrer (mit Ausschluss des Unterkiefers),
verglichen hat. Anat. comparée T. II.
p. 10. u. f. S. auch Crull und Spix
a. a. O.

*).
[Seite 22]

wo sie die Spina nasalis bilden, die
hingegen den Thieren, die keine so
prominirende Nase haben, mangelt.

*).
[Seite 23]

Gotth. Fischer über die verschiedne
Form des Intermaxillarknochens in ver-
schiednen Thieren.
Leipz. 1800. 8. mit
Kupfern, und D. Kools annotationes
anatomicae.
Groning. 1810. pag. 5 u. f.

**).
[Seite 23]

Vesalius de c. h. fabrica pag. 46. (der
besten Ausg. von 1555.) fig. 1.

***).
[Seite 23]

Desshalb habe ich diesen Knochen lie-
ber os intermaxillare als mit Haller
os incisiuum genannt. Blair in sei-
ner Osteographia elephantina nennt
ihn os palati; Vitet os maxillaire
inférieur.

*).
[Seite 24]

Eustachius tab. anat. XLVI. fig. 2.

**).
[Seite 24]

Da wo auch zuweilen an Menschen-
schedeln, wenigstens von Kindern, das
foramen incisiuum auf beiden Seiten
mit einer Ritze umzogen ist, von wel-
cher Fallopius schon 1561 so richtig
sagte: ‘„reperio hanc diuisionem, vel
rimam potius esse, quam suturam
cum os ab osse non separet, neque in
exterioribus appareat, vel cum os cum
osse von coniungat, quod suturarum
munus est.
“’ s. Dess. Obseruation. anato-
mic.
fol. 35. b. der Venetian. Orig. Ausg.
In wie fern aber die durch diese
Fissur bezeichnete Alveolar-Portion
des menschlichen Oberkiefers allerdings
für ein Rudiment eines Intermaxillar-
Knochens angesehen werden müsse,
hat Göthe in seiner berühmten Ab-
handlung gezeigt, die seit 1786 als Ma-
nuscript für Freunde mitgetheilt war,
und nun im Iten B. zur Morphologie
mit reichen Zusätzen erschienen ist.
[Seite 25] Vergl. Vicq-d'azyr in den Mém.
de l'ac. des sc. de Paris
a. 1780.
p. 489. und Const. Nicati de labii
leporini congeniti natura et origine.

Ultraj. 1822. pag. 25.

Unter den Anatomen des XVI. Jahr-
hunderts, die bey der bekannten Streit-
frage, ob Galen's Osteologie nach Men-
schen – oder nach Affen-Gerippen ab-
gefasst sey, das letztre unter andern
aus dem von ihm auch dem Menschen
zugeschriebnen Intermaxillar-Knochen
erwiesen, verdient hier vorzüglichst In-
grassias
angefuhrt zu werden, weil er
in seinen classischen Commentariis in
galeni librum de ossibus, Panorm. 1603.
fol. besonders durchgehende auf dieje-
nigen Stellen aufmerksam macht ‘„vbi
ex simiarum dissectione deceptus
Ga-
lenus
, a vera hominis constructione
ac sceleto deuiat.
“’ s. pag. 120. 125 u. f.

*).
[Seite 26]

Ich darf nicht alles hier wiederholen,
was vom Intermaxillar-Knochen in der
3ten Ausg. de gener. hum. variet. pag.
34 bis 41 gesagt ist, wo ich auch ei-
nige Affen und Meerkatzen angeführt,
an deren Schedeln, ohngeachtet sie von
jungen Subjecten waren, sich doch keine
Spur dieses Knochens erkennen liess. –
Man müsste denn annehmen, dass er
bey allen diesen Thieren schon in ihrem
unreifern Alter ganz verwachsen wäre,
wenn gleich die übrigen Schedelkno-
chen noch auss deutlichste ihre Suturen
erhalten hätten.

Auch bey verschiedenen Säugethie-
ren aus andern Ordnungen, namentlich
dem Bradypus tridactylus und Vesper-
tilio ferrum equinum
konnte Fischer,
und am aegyptischen Vespertilio per-
foratus
Geoffroy Saint-Hilaire
keine Spur des Intermaxillar-Knochens
[Seite 27] auffinden. s. des Erstem oben ange-
führte Monographie S. 47. 89. und
Letztern in der grossen Description de
d'Egypte. Hist. naturelle
T. II. p. 126.
Tab. IV. fig. 4.

*).
[Seite 27]

Bey manchen, wie z.B. beym Löwen,
sind die Ausgänge dieser grossen Oeff-
nungen am Gaumen sogar beym leben-
digen
Thiere sichtlich. – s. J. Er. ri-
dinger's
Abbildung des zahmen Lö-
wen, der 1760. in Deutschland zu se-
hen gewesen gr. Fol.

*).
[Seite 28]

S. pinel's Recherches sur une nou-
velle methode de classification des qua-
drupêdes
im Iten B. der Actes de la
Soc. d'histoire naturelle de Paris

pag. 50.

*).
[Seite 29]

Die beiden Tanrecs (Erinaceus seto-
sus
und ecaudatus) haben gar kein
[Seite 30] Jochbein. s. Meckel's Beyträge zur
vergleichenden Anatomie
I. B. I. Heft
S. 40.

*).
[Seite 31]

Eine Eigenheit an den Makis (dem Le-
mur-
Geschlechte) ist, dass bey ihnen
die obere Oeffnung des Thränencanals,
sein Eingang, ausserhalb der Augen-
höle, auf dem Oberkiefer selbst liegt.
s. Fischer's Anatomie der Maki I. B.
Frankf. 1804. 4. S. 6.

*).
[Seite 32]

Unrichtig ist Haller's Behauptung
(Elem. T. V. pag. 343.) ‘„homini maior
quam vlli bestiarum orbitae pars os-
sea est.
“’ Schon die Katze z.B. hat
nach Verhältniss weit grössere Augen-
hölen, vollends aber so manche Ma-
kis, von deren Schedeln Fischer im
gedachten Werke treffliche Abbildun-
gen gegeben hat.

*).
[Seite 33]

Geoffroy Saint-Hilaire in den
Mémoires de la Societé d' histoire na-
turelle de Paris.
a. 7. Cah. I.

**).
[Seite 33]

und bey Ouis polycerata zu mehrern.
(– Ein merkwürdiges Beyspiel von
erblicher zur Rasse ausgearteter Mon-
strosität, als wichtige Instanz gegen
die vermeinte Praeexistenz praeformir-
ter Keime. –)

*).
[Seite 34]

Man hat die Antilopen davon ausge-
nommen; dass diese Ausnahme aber
wenigstens nicht von allen Gattungen
dieses Geschlechts gilt, sehe teil am
Gehörn einer Antilope bubalis in mei-
ner Sammlung, dessen knöcherner Zap-
fen allerdings hohl ist und mit den
Stirnhölen in Verbindung steht.

**).
[Seite 34]

Ich habe nun wohl gegen 20 verschiedne
Beyspiele zusammen gebracht, wo man
seit der Mitte des XVIten Jahrhunderts
hin und wieder in Europa, und auch
in Ostindien gehörnte Hasen mit klei-
nen Rehbockartigen Geweihen gefun-
den zu haben versichert. Hätte diess
seine Richtigkeit, so wäre es noch ein
Umstand mehr, worin diese Thiere
den Bisulcis ähneln. Was mir aber
dieses Vorgeben sehr verdächtig macht,
ist, dass ich bis jetzt, aller angewand-
ten Mühe ohngeachtet, noch von kei-
[Seite 35] nem einzigen Exemplare solcher Hörn-
chen habe vergewissert werden können,
wo dieselben auf dem Kopf des Hasen
selbst fest sässen. Die, von welchen
ich genaue Zeichnungen vor mit habe,
sind offenbar für den Hasen von un-
verhältnissmässiger Grösse; und die
auf dem hölzernen Kopf eines vorgeb-
lich gehörnten Hasen im Cassler Mu-
seum (der 1621 geschossen seyn soll)
sind durchaus nichts weiter als kleine
Rehgeweihchen.

*).
[Seite 35]

Von anomalischen Beyspielen von
Hirschkühen, die, durch eine in die
Zwittergestaltung schlagende Abwei-
chung des Bildungstriebes, Geweihe
bekommen, s. G. E. Stahl propempt.
de cornu cerui deciduo. Hal. 1699. J.
Jac. Scheuchzer in J. Fr. Leopold
diss. de alce. Bas. 1700. Jam. Hoy in
den Transact. of the Linneau Soc.
vol. II. pag. 356 u.a.m.

*).
[Seite 36]

Die jährliche Reproduction der Ge-
weihe gehört aus mehrerer Rücksicht
zu den merkwürdigsten Phänomenen
in der thierischen Physiologie. Sie gibt
eins der auffallendsten Beyspiele a) von
der Stärke der Nutrition und dem da-
durch bewirkten schnellen Wachsthum
bey warmblütigen Thieren. Denn das
Gehörn eines Capitalhirsches, das wohl 1/4
Centner am Gewichte hält, ist dennoch
binnen 10 Wochen völlig ausgebildet:
– b) von der eben so auffallenden
Stärke der Absorption, wodurch gegen
die Zeit des Abwerfens das alte Ge-
weihe, das vorher wie zu Einem Stück
mit dem Stirnknochen zusammenhing,
über dem Rosenstock aufgelockert, und
dadurch sein bisheriger fester Zusam-
menhang mit dem. Schedel allgemach
gelösst wird: – c) vom partiellen Le-
benslaufe eines thierischen Theils, der
vom Lebensalter des ganzen Thiers (als
welches sich beym Hirsch auf 30 Jahre
erstreckt) ganz unabhängig ist: – d)
von der Veränderlichkeit des Calibers
einzelner Blutgefässe, da die zur Ernäh-
rung des Geweihes bestimmten Aeste
der äussern Carotis während des Auf-
[Seite 37] setzens so auffallend erweitert werden,
und sich hingegen, sobald dasselbe ver-
eckt ist, wieder zusammenziehen: –
und c) von dem innigen sogenannten
Consensus, der zwischen dem Aufsetzen
der Geweihe und dem Zeugungsge-
schäfte vorwaltet; dass nemlich absicht-
liche Castration, oder auch zufällige aber
wesentliche Beschädigung an den Geni-
talien ein so auffallendes Hinderniss der
Erzeugung oder regelmässigen Ausbil-
dung, oder aber des Wechselns der Ge-
weihe abgiebt. s. z.B. die merkwürdi-
gen Versuche des Dr. Rich. Russell
in seiner Oeconomy of nature in acute
and chronical Diseases of the glands

pag: 21 und die genaue Beobachtung in
der obgedachten Commentatio de nisus
formatiui aberrationibus
pag. 12 u. f.

Noch auffallender ist die Bemerkung,
die man gemacht zu haben versichert,
dass durch eine Art von Reaction die
[Seite 38] Verletzung des neu aufgesetzten Ge-
hörns den Hirsch wenigstens für eine
Zeitlang impotent mache. s. Gr. von
Mellin in den Beob. und Entdeck.
der Berliner naturforsch. Gesellsch.

IV. B. pag. 360. und Dr. Paris in den
Transact. of the Linnean Society vol. X.
P. II. pag. 311.

*).
[Seite 39]

Vergl. Pinel sur les os de la tête de
l'Eléphant
im Journ. de Phys. T. XLIII.
pag. 54.

Camper descr. anat. d'un Elêphant
tab. 13. fig. 1. 4. 5.

*).
[Seite 40]

Den seltsamen und doch ziemlich ge-
meinen Irrthum, da die Hälften des
Unterkiefers vom eigentlichen Wallfisch
[Seite 41] für Rippen angesehen worden, hat
schon Rondelet widerlegt: de piscibus
pag. 53.

*).
[Seite 42]

(Jos. Guicii. Duverney) Lettre con-
tenant plusieurs nouvelles observations
sur l'osteologie. Par.
1689. 4.

Jo. Jac. Kober de dentibus eorum-
que diuersitate.
Argent. 1774. 4. c. f. ae.

P. Mar. Aug. Broussonet com-
paration entre les dents de l'homme
et celles des quadrupedes
in den Mém.
de l'Acad. des sc. de Paris
1787.
pag. 550.

Rob. Blake's Essay on the struc-
ture and Formation of the Teeth in
Man and various animals.
Dubl. 1801. 8.

und vor allen Fr. Cuvier des dents
des mammiféres.
Par. seit 1821. 8.

*).
[Seite 44]

Mancher andern Eigenheiten des El-
fenbeins zu geschweigen, wodurch selbst
noch heuere Naturforscher verleitet
worden, es für eine Art von Horn zu
halten, so zeigt sich die Verschiedenheit
seiner Textur von anderer Zähne ihrer
namentlich in dem überaus merkwür-
digen pathologischen Phänomen, da
man zuweilen beym Zersägen grosser
Elfenbeinzähne mitten in ihrer Substanz
eiserne oder bleyerne Kugeln auf eine
eigene Weise verwachsen gefunden, wo-
mit das Thier in jüngern Jahren ange-
schossen worden. Haller bediente
sich desselben sowohl zur Widerlegung
von Duhamel's Meinung, als ob die
Knochen aus der Beinhaut, so wie das
Holz der Bäume aus dem Splinte ge-
bildet werde, als auch zum Erweis der
beständigen Erneuung der festen Theile
des thierischen Körpers. Noch beleh-
render wird es aber zur Erklärung
der besonders durch die Petersburger
Preisaufgabe bakannten nutritio vltra
vasa. –
Beyspiele beschreiben Dau-
benton
bey Buffon T. XI. pag. 161.
Gallandat over de Olyphants Tan-
[Seite 45] den im
IX. D. der Verhandelingen
der Genootsch. te Vlissingen
pag.
352. Bonn in der descr. thesauri
Hoviani
pag. 146. und Goethe
zur Morphologie II. B. S. 7. Beson-
ders merkwürdig ist ein dergleichen
Stück in meiner Sammlung, wo eine
Bleykugel, ohne platt gedruckt zu seyn,
in einem Segment eines Ostindischen
Elfenbeinzahns, der von der Dicke
eines Mannsschenkels gewesen seyn
muss, dicht an der innern Höhle des
Zahns so verwachsen liegt, dass der
Eingang des Schusses auf der Aussen-
seite wie durch eine saubere Maser ge-
schlossen, die Kugel selbst als mit einer
besondern Rinde umgeben, und der
Elfenbeinsaft am innern Rand in die
Höhlung des Zahns gleichsam stalac-
titförmig ausgewuchert ist. – Denn dass
sonst die Kugeln in die Alveole des
jungen Thiers geschossen und von da
in dem erwachsenden Zahn allgemach
fortgeschoben worden, zeigt Cuvier
s. les ossemens fossiles T. I. pag. 48.

*).
[Seite 46]

Zuweilen ist diese schwarzbraune Gla-
sur, zumal bey dem domesticirten
Horn- und Wollvieh noch mit einer
sogenannten Weinsteincruste von auf-
fallender metallisch glänzender Bronze-
farbe überzogen welche nach Stro-
meyer's
Analyse kohlensaures Braun-
steinoxyd hält. s. Gilberts Annalen
XXXVIII B. S. 469.

*).
[Seite 49]

Ueber die Frage, ob der Narhwal wirk-
lich nur Einen oder aber eigentlich
zwey solcher Stosszähne habe, s. den
Vten Heft der Abbildungen naturhi-
storischer Gegenstände
zu tab. 44. Ver-
gleiche Home in den philos. Transact.
1813. P. I. pag. 126. und unsers unver-
gesslichen Albers icones ad illustran-
dam anatomen comparatam,
Fasc. I.
tab. 23.

*).
[Seite 50]

So ist es namentlich beym braunen
Alpen-Bär, von welchem ich drey
Schedel vor mir habe, und eben so
bey einem schwarzen Americanischen,
ferner bey einem andern im National-
museum zu Paris, dessen Vaterland
unbekannt ist, und auch beym nordi-
schen Eisbär; von welchen allen ich
meisterhafte Zeichnungen von der Güte
des Herrn Bar. Cuvier besitze.

Hingegen fehlen diese kleinen Eck-
zähnchen dem ungeheuer grossen fos-
silen Bär der Vorwelt (Vrsus spe-
laeus)
zu dessen Osteologie ich eine
grosse Sammlung aus den vier berühm-
ten Knochenhölen Deutschlands, nem-
lich der Scharzfelder am Harz, der
Gailenreuter am Fichtelberge, der Al-
tensteiner auf dem Thüringerwalde,
und der Sundwicher bey Iserlohn, zu-
sammengebracht habe.

*).
[Seite 51]

Bey manchen Affen und Pavianen hat
der vorderste Backenzahn im Unter-
kiefer eine sehr ausgezeichnete Bildung:
die Krone nemlich (fast wie bey den
feris, von welchen sogleich die Rede
ist), zusammengedrückt, mit einer schar-
fen Spitze, und ausserdem auch lang
herabsteigenden Vorderrande; mit wel-
[Seite 52] chem die vordere der beiden Wurzeln
einen stumpfen Winkel macht. – s.
die treffliche Abbildung vom Schedel
des grossen Mandril (engl. Man-tyger)
in Cheselden's osteography vor dem
1ten Cap.

*).
[Seite 52]

Eben so auch bey dem ungeheuern
jetzt fossilien Ohio-Incognitum aus der
Vorwelt, dem vulgo sogenannten fleisch-
fressenden Elephanten (Mammut ohio-
ticum), s.
den Iten Heft der Abbild.
naturhistorischer Gegenst.
tab. 19. fig. A.

**).
[Seite 52]

Bey vielen – denn bey einigen, z.B.
beym Murmelthier, ist die ganze Krone
dieser Zähne mit Schmelz überzogen.

***).
[Seite 52]

Vom innern Bau der Backenzähne der
Bisulcorum s. Hollmann de ossibus
fossilibus
in den Commentar. soc. Reg.
scient. Gottingens.
T. II. pag. 263., und
[Seite 53] Schreger in Isenflamm's und Ro-
senmüller's
Beyträgen für die Zer-
gliederungskunst
I. B. 1. Heft S. 5 u. f.

*).
[Seite 53]

Die specifisch verschiedene Form die-
ser Blätter bey den beiden Gattungen
des Elephantengeschlechts, des Asiati-
schen und des Africanischen s. in den
Abbild. n. h. Gegenstände. a. a. O.
fig. B. C.

*).
[Seite 55]

S. als Muster die ausführliche Beschrei-
bung des Zähnewechselns des Pferdes,
Tenon in den Mém. de l'Institut na-
tional
T. I. pag. 553. und J. W. Neer-
gaard's
Naturbeschreibung der Zähne-
des Pferdes mit Rücksicht auf andre
Thiere.
Kopenh. 1816. 4. mit K.

**).
[Seite 55]

s. Le gallois expériences sur le prin-
cipe de la vie
pag. 351.

*).
[Seite 56]

s. Home in den Philosoph. Transact.
for
1801. p. 320.

**).
[Seite 56]

So sind z.B. in dem Schedel eines
noch unerwachsenen Orangutangs von
Borneo, den ich der Güte des Hrn.
van Marum verdanke, noch keine
bicuspides, sondern die vielzackichten
Milchbackenzähne.

*).
[Seite 57]

Den ganzen so merkwürdigen Gang der
Dentition der Elephantenbackenzähne
hat Cuvier auss genauste nach der Na-
tur beschrieben, im Iten B. seiner Re-
cherches sur les ossemens fossiles
T. I.
pag. 38.

**).
[Seite 57]

s. Brugmans Bemerkungen darüber
in van Maanen diss. de absorptione
solidorum.
Lugd. Batav. 1794. 8. pag. 51.

***).
[Seite 57]

Von der ersten Bildung dieser Ver-
ticalschichten die sie zu ihrem Durch-
bruch gelangen, besonders von der Art
wie ihr Schmelz aus der substantia os-
sea
in kleinen Zäpfchen ausschwitzt,
habe ich in der Preisschrift über die
Nutritionskraft
, St. Petersb. 1789. 4.
p. 16. fig. 1. eine Abbildung gegeben.

*).
[Seite 58]

Daher hat man bey Digitalis gliribus
verschiedentlich bemerkt, dass wenn sie
das eine Paar ihrer Vorderzähne verloren
haben, sodann das entgegenstehende zu
einer theils ganz monstrosen Länge
fortgewachsen ist. Etwas ähnliches soll
auch erfolgen, wenn sie bloss weiche
Nahrungsmitel zum Futter erhalten. –
s. Morton's natural history of Nor-
thamptonshire
p. 445. Achard's chy-
misch-physische Schriften
pag. 161.

Auch besitze ich mehrere Hasen-
köpfe an welchen das vordre Paar
der obern Nagezähne fast Ringförmig
gekrümmt, aber auch die dahinterste-
henden Stummelzähnchen verlängert
und abgesondert sind; der eine untre
aber schief gewachsen herausragt.

Noch sonderbarer ist aber eine ähn-
liche Verlängerung der Backenzähne
der einen Seite an einem Hasenschedel
in meiner Sammlung, die nicht auf ein-
[Seite 59] ander passen, sondern deren Kronen
theils zu einer Länge von 10 Linien
neben einander vorbey gewachsen sind
und sich ganz pfriemenförmig anein-
ander abgeschliffen haben. Was schon
Matthiolus (in Dioscoridem pag. 299.
der Bauhin. Ausg. v. 1598) von der
partiellen Reproduction der den Mur-
melthieren abgebrochnen Vorderzähne
sagt, hat sich (– nur den allzu kurzen
Termin abgerechnet –) allerdings an die-
sem und andern Nagethieren, Meer-
schweinchen etc. bestätigt gefunden.

*).
[Seite 59]

Vor allen beym Emgalo (Sus aethio-
picus)
wo die hintre Fläche der untern
Hauzähne so dicht an die vordre der
grossen Obern anschliesst.

*).
[Seite 61]

Vesling in Severini vipera Pythia.
Patav. 1651. 4. pag. 232.

Von dem Bezug den diess auf das
Gebiss dieser reissenden Thiere hat. s.
Eustachius de dentibus pag. 86.

*).
[Seite 62]

Da Galenus in seiner Osteologie die
Richtung dieser Fortsätze eben so an-
giebt, so zeigte Vesalius auch hieraus,
so wie aus der Galenischen Beschrei-
bung des Kreuz- und Kukuksbeins und
mehreren anderen Stellen, dass dieselbe
nach Affen und nicht nach Menschen
abgefasst sey. – s. dessen Epistola ra-
tionem modumque propinandi radicis
Chynae decocti, pertractans
. pag. 49
[Seite 63] der grossen Oporinischen Ausg. 1546.
gr. 4.

*).
[Seite 63]

Vesalius de c. h. fabrica p. 99. fig. 4. 5.

**).
[Seite 63]

Camper sagt, das Kreuzbein dieses be-
rühmten Thiers bestehe aus drey Wir-
beln. In dem Exemplar in meiner Samm-
lung aber sind offenbar ihrer viere.

***).
[Seite 63]

Tyson's anatomy of a Pygmy pag. 89.
der Ausg. von 1751.

†).
[Seite 63]

Etwas ähnliches zeigt sich auch beym
Armadill, von dessen überhaupt sehr
[Seite 64] anomalisch gebauten Becken, so wie von
seinem ganzen merkwürdigen Gerippe
Wiedemann in s. Archiv für Zoologie
und Zootomie
I. B. 1. St. p. 106. eine
sehr genaue Beschreibung giebt. – Vergl.
damit die Abbildung eines Armadill-
Skelets in Cheselden's osteography
vor dem 8ten Cap.

*).
[Seite 64]

Wenn sich, wie das oft der Fall ist,
Meerkatzen, Beutelratten u.s.w. in der
Gefangenschaft entweder selbst ein Stück
dos Schwanzes abfressen, oder es durch
andern Zufall verlieren, was dann zu-
weilen in der Bestimmung der Gattun-
[Seite 65] gen Irrthum veranlasst hat, so bildet
sich gewöhnlich am äussersten Wirbel
des verstümmelten Schwanzes ein son-
derbarer knorrichter theils wie carlöser
Auswuchs.

*).
[Seite 65]

Bernh. Gottl. Schregeri peluis ani-
mantium brutorum cum humana compa-
ratio.
Lips. 1787. 4.

J. H. F. Autenrieth et J. Fischer
obseruationes de pelui mammalium. Tu-
bing. 1798. 8.

Abbildungen des Beckens der Kuh,
mit genauen Dimensionen s. bey J.
Gunth. Eberhard over het Verlos-
sen der Koeijen.
Amst. 1798. 8. tab. IV
bis VII.

*).
[Seite 66]

Ever. Home on the mode of genera-
tion of the Kanguroo
in den philos.
Transact. for
1795. tab. 21. a. a.

**).
[Seite 66]

Daubenton vol. X. tab. 51. fig. 3. N.
O. P. Q. (– Dieses Citat bedeutet hier
[Seite 67] und in der Folge immer die erste Ori-
ginalausgabe des Büffonischen Werks in
4. das ich aber nicht unter Büffon's
Namen anführen darf, da bekanntlich
gerade der zootomische Theil, von Dau-
benton,
in den mehresten andern Aus-
gaben weggelassen ist. –)

*).
[Seite 67]

Ever. Home's Anatomy of the Orni-
thorhynchus paradoxus
, in den philos.
Transact. for
1802. P. I. tab. 3. e. e.

**).
[Seite 67]

Rondelet de piscib. p. 461. TYSON'S
anat. of a Porpess. Lond. 1680. 4. p. 28.

*).
[Seite 68]

Etwa das Murmelthier ausgenommen,
dessen ganzer Rumpf im Leben oft
ganz auffallend glatt und niedergedrückt
erscheint. Daher es auch oft und gern
auf dem Rücken liegt, was aber das
Opossum und der Orangutang mit un-
ter auch thun; so dass Camper diese
Lage mit Unrecht zu den Eigentüm-
lichkeiten des Menschen zählte, in den
Vorlesungen über den Ausdruck der
Leidenschaften
etc. pag. 29.

*).
[Seite 69]

Nur 19 finden sich an dem Skelet des
asiatischen Elephanten im Cassler Mu-
seum; so fand es Blair in dem, wo-
von er die Osteographie geliefert; und
so finde ich es auch in einer hand-
schriftlichen italiänischen Notiz von den
Gerippe desjenigen Elephanten, der 1657
zu Florenz gestorben, die ich aus der
herzoglichen Bibliothek zu Gotha vor
mir habe.

*).
[Seite 70]

Kaum bedarf es wohl erst der Erinne-
rung, dass die Ausdrücke von vorn,
hinten, oben, oder unten, bey den
Quadrupeden immer nach der horizon-
talen Richtung ihres Körpers zu ver-
stehen sind. Folglich nach vorn das
was beym Menschen in seiner auf-
rechten Stellung nach oben heissen
müsste u.s.w.

*).
[Seite 71]

Auch am Robbenskelet, (dessen Rumpf
in seinem Totalhabitus überhaupt man-
che auffallende Aehnlichkeiten mit des
Maulwurfs seinem hat) ist das Brust-
bein am Halsende in einem langen cy-
lindrischen Fortsatz verlängert.

**).
[Seite 71]

Ein paar Stellen beym Aristoteles,
hist. animal. II. 1. und de animal. in-
cessu
c. 11. und beym Plinius XI. 102.
haben zu dem seltsamen qui pro quo
Anlass gegeben, als ob bey den mehr-
sten Quadrupeden Elnbogen und Kniee
in Vergleich au den menschlichen nach
der ganz entgegengesetzten Richtung
flectirt würden. Dieses Missverständ-
niss muss wohl dadurch veranlasst seyn-
dass da der Schulterknochen (os humeri)
und das Schenkelbein, zumal bey den
[Seite 72] hochbeinichten Quadrupeden sehr kurz
sind und nahe am Rumpse anliegen,
und nicht so; wie beym Menschen und
den Quadrumanen, und Bären, Elephan-
ten u.s.w. frey hervorstehen, diesel-
ben desshalb verkannt, und demnach
überhaupt auch die übrigen Haupttheile
der Extremitäten bey jenen Thieren
unrichtig mit andern als den wirklich
damit correspondirenden Theilen des
menschlichen Körpers verglichen wor-
den. – s. darüber Fabric. ab Aqua-
pendente
de motu locali animalium
secundum totum
in dess. oper. anatomic.
pag. 342 der Albinischen Ausg. und
Barthez des mouvemens progressifs
de l'homme
im Journal des Sçav. vom
Jan. 1783. pag. 34 der Pariser 4t Ausg.

*).
[Seite 73]

Jo. Gottl. Haase comparatio clauicu-
larum animantium brutorum cum hu-
manis.
Lips. 1766. 4.

Vicq d'Azyr sur les clavicules et
sur les os claviculaires
in den Mém.
de l'Acad. des sc. de Paris
1785.
pag. 350.

**).
[Seite 73]

Den Zweck der Schlüsselbeine bey
manchen der genannten Thiere hat
schon der wackre Fabric. Hildanus
richtig eingesehen, s. dess. Kurtze Be-
schreibung der Fürtrefflichkeit der Ana-
tomy.
Bern 1624. 8. pag. 219.

*).
[Seite 74]

Daher Serao denselben mit den Se-
sambeinchen vergleicht. s. dess. opus-
coli di fisico argumento.
Napol. 1766. 4.
pag. 84.

**).
[Seite 74]

Pallas spicileg. zoologica. fascic. XIV.
pag. 41.

***).
[Seite 74]

s. davon so wie über die ganze merk-
würdige Osteologie des Thiers, Fr. W.
Jos. Jacobs anatome talpae europaeae
Jen. 1816. 8. m. K.

*).
[Seite 76]

Von dem wunderbaren Bau der Schul-
terblätter und ihrer Verbindung mit
den eben so anomalischen Schlüssel-
beinen und Brustknochen des Schnabel-
thiers s. Home a. a. O. tab. 3. H. M.
Ducrotay de Blainville
Diss. sur
la place que la famille des Ornitho-
rynques et des Echidnés doit occuper
dans les séries naturelles.
Par. 1812.
4. p. 9-12. und L. M. Jaffé de orni-
thorhyncho paradoxo.
Berol. 1823. 4.
tab. 2. fig. 3.

*).
[Seite 77]

Weygand im IVten Suppl. zu den
Breslauer Samml. p. 55.

**).
[Seite 77]

Daher denn auch schon Lion. da
Vinci
aus dem Bau und Mechanismus
der Fledermäuse – und nicht der Vö-
gel – zu zeigen suchte, dass, und wie
auch der Mensch wohl fliegen könne,
s. Amoretti vita di L. D. V. p. 145.

***).
[Seite 77]

Das fliegende Eichhorn hat an der Aussen-
seite des Carpus einen eignen gräten-
förmigen Knochen, der mittelst zwey
[Seite 78] kleiner rundlicher Beinchen an der
Handwurzel befestigt, und in der zum
Fallschirm dienenden Seitenhaut einge-
wachsen ist.

*).
[Seite 78]

Also wie die Flügelknochen der Pin-
guine, davon unten §. 57. tab. III.

*).
[Seite 79]

Jo. bapt. Com. a Covolo de meta-
morphosi duorum ossium pedis in qua-
drupedibus aliquot.
Bonon. 1765. 4. –
Fougeroux in den Mém. de l'Acad.
des Sc.
1772. P. II. pag. 520.

*).
[Seite 80]

Die normale Textur der vordem Au-
ssenseite des Hufknochen bey schönen
Pferden die nie beschlagen worden,
gehört zu den ausgezeichnet sauber-
sten Knochengebilden; wird aber durch
schlechten Beschlag mit den Jahren
ganz entstellt. s. CLARK in dem zunächst
anzuführenden Werke S. 14.

**).
[Seite 80]

Den beträchtlichen Zwischenraum zwi-
schen dem nach Verhältniss kleinen
Hufknochen und der innern Seile des
weit grössern hornichten Hufs füllt zu-
mal die sogenannte Fleischsohle, die
aus verdichtetem Schleimgewebe besteht,
und mit zahlreichen Nerven und Blut-
gefässen durchwirkt ist, zumal mit den
zahllosen Zweigen des rete mirabile
venosum,
dass die Vorder- und Un-
terseite der Hufknochen umgiebt.

Der Huf selbst bildet längs der in-
nern Seite der Hornwand, wohl 500
gar sonderbare schmale Hornstreifen,
zwischen welche sich eben so viele
Blätter der Fleischsohle erstrecken.

[Seite 81] Auf der Hornsohle unterscheidet man
aber vorzüglichst dreyerley, durch ihre
Elasticität für die leichte Bewegung des
Pferdes höchst wichtige Organe, den
Strahl mit seiner Grube, und hinter
demselben zu beiden Seiten die Ballen.

Von allem diesen s. viel Neues und
Wichtiges in des gelehrten Veterinararz-
tes Bracy Clark's Series of origi-
nal Experiments on the Foot of the
living Horse.
Lond. 1809. 4. mit Kupf.

*).
[Seite 82]

Aristotelis H. A. l. II. c. 1. und de
partib. animal.
l. X. c. 4. – Von den
mancherley Benennungen dieses so all-
gemein bekannt gewordnen Knochens
in den mehrsten Europäischen und Mor-
genländischen Sprachen, so wie von
seiner form bey verschiedenen Thieren,
s. Th. Hyde historia talorum im IIten
B. des Syntagma dissertationum Des-
selb. Oxon. 1767. 4. pag. 310. u. f.

*).
[Seite 83]

So auch beym Manaten, dessen vor-
dere Ruderfüsse weiland für Sirenen-
hände ausgegeben worden. s. z.B. Th.
Bartholini
histor. anatomic. Cent. II.
pag. 188.

*).
[Seite 84]

Viel treffliches zu diesem Abschnitt
enthalten Nitzsch osteografische Beytr.
zur N. G. der Vögel.
Leipz. 1811. 8.
mit Kupfern; und, so wie zur ganzen
Anatomie dieser Thier-Classe, der
IIte und IIIte B. von Tiedemann's
Zoologie.

**).
[Seite 84]

Wie schon der wackre Belon gezeigt
hat. s. Dess. histoire de la nature des
oyseaux. avec leurs naïfs portraicts re-
tirez du naturel.
Paris. 1555. fol. p. 40.

*).
[Seite 85]

Von diesen eigentlichen Hirnschalen-
knochen der Vögel s. Vinc. Mala-
carne
in den Mem. della Società Ita-
liana.
T. I. pag. 747. und T. II. p. 237.
und Geoffroy-Saint-Hilaire in
den Annales du Muséum T. X. Cah. 58.
1807. mit trefflichen Abbild.

**).
[Seite 85]

Hier verdient eine, so viel bis jetzt
bekannt, bloss einigen Scharben (Pele-
canus carbo
und graculus) eigne Ano-
malie erwähnt zu werden, als bey wel-
chen auf dem Hintertheil des Scheitels
ein sonderbarer säbelförmiger kleiner
Knochen befindlich ist, der, wie man
glaubt, dem Thiere als Hebel dient, um
den Kopf zurück zu schlagen, wenn er
die weggeschnappten Fische erst in die
Höhe wirft, um sie dann mit offnem
Rachen der Länge nach aufzufangen. –
Aber freylich thun das gar manche
andere fischfressende Vögel auch, ohne
[Seite 86] doch dazu mit diesem besondern Kno-
chen versehen zu seyn. – Das ganze
Gerippe der Scharbe hat schon Coiter
auf der IVten von seinen trefflichen
Tafeln mit Thierskeleten abgebildet, die
den von ihm herausgegebenen Lectio-
nibus
Fallopii de partib. similaribus
etc. Norib. 1575. fol. beygefügt sind.

*).
[Seite 86]

Diesen Namen hat ihm Herissant bey-
gelegt tu der nachbenannten Abhand-
lung pag. 356. Aber schon Coiter hat
demselben im angeführten Werke genau
bestimmt, und Stenonis ihn das os
intermedium
genannt. Act. Hafn. vol. II.
1673. p. 321.

*).
[Seite 87]

s. Merrem's Abhandl. aus der Thier-
geschichte.
pag. 120.

**).
[Seite 87]

Am Oberkiefer einiger Vögel haben
neuere Zootomen auch ein Rudiment
der Intermaxillarknochen angenommen.
s. Fischer's obgedachte Monographie
S. 115. und Geoffroy Saint–Hi-
Laire
in den Annales du Muséum
a. a. O. S. 347.

*).
[Seite 88]

Herissant sur les mouvemens du bec
des oiseaux
in den Mém. de l'Ac. des
sc. de Paris
1748. pag. 345. mit treffli-
chen Kupfern.

**).
[Seite 88]

Auch von dem Oberschnabel des Pele-
canus varius
sagt Labillardiere:
‘„cette mandibule est mobile comme celle
des perroquets.
“’ s. Dess. Relation
du voyage à la recherche de
la Pé-
rouse
. T. I. pag. 210.

***).
[Seite 88]

So ist es wenigstens an einem Schedel
dieses abenteuerlichen Geschöpfs in
meiner Sammlung, der noch aus dem
Nachlass des verdienstvollen C. clu-
sius
abstammt.

*).
[Seite 89]

Die noch neuerlich wiederholte Behaup-
tung, als ob beym Flamingo (Phoeni-
copterus ruber)
nur der Oberkiefer be-
weglich; und hingegen der untre völlig
unbeweglich sey, (s. z.B. Museum
Wormianum
p. 309. u. f.) finde ich an
dem Schedel jenes Vogels den ich vor
mir habe, keinesweges bestätigt. – Vergl.
Buffon, hist. nat. des oiseaux vol. XVI.
pag. 300. ed. in 12°.

**).
[Seite 89]

Eine bewundernswerthe Sexual verschie-
denheit zeigt sich hierin am Schedel
der Hollenhühner, als bey welchen
der Stirntheil der Hirnschale wie zu
einer monstrosen Blase aufgetrieben
wird, auf welcher dann ihr grosser
Federbusch sitzt. – Eine erbliche Ab-
[Seite 90] weichung des Bildungstriebes, die mei-
nes Wissens ausserdem im ganzen Thier-
reich ihres gleichen nicht hat, und von
der ich nicht, absehe, wie Pallas (in
den Act. acad. Petropolit. a. 1780.
F. II. p. 97.) auf die seltsame Ver-
muthung kommen konnte, sie möchte
wohl aus Vermischung zwischen Perl-
hühnern (Numida meleagris) und Haus-
hühnern entstanden seyn.

Ich habe neuerlich mehrere Köpfe
solcher Hollenhühner frisch untersucht
und zum Ueberfluss mit denen vom
Perlhuhn verglichen, und die totale
Verschiedenheit zwischen beider ihrem
Schedelbau, und bey erstern zumal
das Verhältniss des Hirns zu seiner
Hirnschale, beschrieben und abgebildet
in der obgedachten Commentatio de
nisus formatiui aberrationibus
p. 19.

u. f. tab. I. fig. 2.

*).
[Seite 90]

Vergl. Jac. Th. Klein stemmata
avium.
Lips. 1759. 4. mit 40 Kupf.

*).
[Seite 92]

Bey der ungeschwänzten Hühnerrasse,
dem sogenannten Kluthuhn (Gallus
ecaudatus)
bey welchem sich das Vro-
pygium
durch Degeneration verloren
hat, ist auch vom Kukuksbein nichts
weiter als ein unförmlicher knorrichter
kurzer Ansatz übrig.

*).
[Seite 94]

Von mancherley Verschiedenheiten im
Bau derselben s. Vicq-d'Azyr in sei-
nen Memoires pour servir à l'anatomie
des oiseaux
in den Mém. de l'Ac. des
sc. de Paris
1772. P. II. pag. 626.

*).
[Seite 95]

Ueber den hiervon etwas abweichen-
den Bau dieser Knochen beym Süd-
ländischen ungehelmten Casuar s. P.
J. Is. de Fremery observat. osteolo-
gicas de Casuario Novae Hollandiae.

Ultraj. 1819. 8. pag. 25. fig. 2.

*).
[Seite 96]

Ueber einige osteologische (und myo-
logische) Besonderheiten des Eulenflü-
[Seite 97] gels s. Heusinger in Meckel's deut-
schen Archiv
VII. B. 1822. S. 177.
tab. 3. – Vergl. auch Ebendas. im
VI. B. 1821. S. 546. tab. 4.

*).
[Seite 97]

An diesem os metatarsi sitzt beym
Haushalm und manchen andern männ-
lichen Thieren der Hühnerordnung
der Sporn, eine mit Horn überzogene
[Seite 98] apophysis vera von deren consensus
mit den Genitalien F. B. Osiander in
Beckmann's Beytr. zur Gesch. der Er-
findungen
Vten B. S. 499. u. f. handelt.

*).
[Seite 98]

Viele treffliche Bemerkungen über die-
sen, so wie über manche andre Theile
der Osteologie dieser Thierclasse, giebt
Schneider in seinen so reichhaltigen
commentar. ad reliqua librorum Fri-
derici
II. Imperatoris pag. 30.

**).
[Seite 98]

Diesen finde ich wenigstens an meh-
rern Papageyskeletten in meiner Samm-
lung. Bey dem von Psittacus eritha-
cus
ähnelt er einem ganz kurzen Röh-
renknochen; beym Ps. leucocephalus
ist er mehr rundlich u.s.w.

*).
[Seite 100]

Gute Abbildungen von Schildkröten-
Skeleten s. bey Coiter, Cheselden
und in Joh. Dan. Meyer's Zeitver-
treib mit Betrachtung curioser Vor-
stellungen allerhand Thiere
u.s.w.
T. I. t. 29. 31. T. II. t. 62., und die
einzelnen Theile in Giov. Caldesi
osservaz. anatom. intorno alle Tarta-
rughe.
Fir. 1687. 4. vor allen aber in
Bojani anatome testudinis Europaeae
Vilnae. 1819. Fol.

*).
[Seite 101]

Eine musterhafte Beschreibung und
Abbildungen des Schedels der Riesen-
schildkröte und seiner Knochen giebt
Dr. Ulrich in der oben (S. 12.) an-
geführten Schrift.

**).
[Seite 101]

L. Fr. E. Lorenz obseruationes ana-
tomicae de pelui reptilium
Hal. 1807. 8.

*).
[Seite 102]

Gerippe der Hieländischen s. in Rö-
sel's
allgemein bekannten Meister-
werke t. 7. 12. 16. 19. 21. 23. 24. und
das sonderbare Skelet der Pipa genau
beschrieben und abgebildet, von Rudol-
[Seite 103] phi
in F. G. Breyer obs. anat. circa
fabricam Ranae pipae.
Berol. 1812. 4.
So wie das der Rana paradoxa bey
Lorenz a. a. O.

Vergl. auch C. H. Mertens obs-
in osteologiam Batrachorum nostra-
tium.
Hal. 1820. 8.

*).
[Seite 104]

s. des ber. Wundarztes Mich. Troja
Memoria sopra la struttura singolare
della tibia e del cubito nelle Rane e
nei Rospi,
in seinen Sperienze intorno
alla Rigenerazione delle ossa.
Nap.
1779. 8. pag. 250. t. 7. 8.

**).
[Seite 104]

Das Gerippe der gemeinen grünen Ei-
dexe s. bey Coiter t. 4. Meyer T. I.
t. 56.

Des Salamanders bey Meyer T. I. t. 54.

Der Wassermolche ebendas. t. 55. 56.

Des Chamäleon bey Cheselden
vor dem 6ten Cap.

Des wundersamen Proteus in Con-
figliachi's
und Rusconi's Mono-
graphia
t. 4. f. 5.

***).
[Seite 104]

Crocodilskelete s. in Nehem. Grew
musaeum Regalis Societatis Lond. 1681.
fol. t. 4. – vorzüglich aber in Faujas-
Saint-Fond
hist. naturelle de la mon-
tagne de St. Pierre de Maestricht
t. 24.

*).
[Seite 105]

Ein Uebergang zu dieser Art von Ein-
lenkung zeigt sich an den Kiefern der
Schildkröten.

**).
[Seite 105]

Jene Gelenkwalze ähnelt (wenigstens
beym Alligator, dessen Schedel ich vor
mir habe) gewissermassen der Rolle
(trochlea oder rotula Alb.) am untern
Ende der Oberarmröhre.

Vielleicht hat eben diese merkwür-
dige Einlenkungsweise zu dem alten
[Seite 106] Irrthum Anlass gegeben, der doch selbst
von so guten Anatomen, wie Vesa-
lius
und Columbus adoptirt worden,
als ob beym Crocodil der Oberkiefer
beweglich, der untre hingegen unbe-
weglich sey.

Aber der Augenschein lehrt, dass
zwar die Crocodile, wenn gleich der
Unterkiefer ruhig liegt, dennoch den
übrigen Schedel in jenem Gelenke auf
und nieder bewegen können, und dass
diess bey ihnen sowohl wegen des Ver-
hältnisses des Oberschedels zur unge-
heuren Grösse des Unterkiefers, als
auch wegen jener anomalischen Arti-
culation leichter geht, als bey andern
Thieren: dass aber an eine eigne Be-
weglichkeit der blossen Oberkieferkno-
chen, (so wie sie bey den allermehre-
sten Vögeln, Schlangen und Fischen
Statt hat) bey ihnen nicht zu denken ist.

*).
[Seite 106]

Zuweilen gar ihrer dreye, wie ret-
zius
versichert, in sein. animad-
[Seite 107] vers. circa crocodylum.
Lund. 1797. 4.
p. 12. sq.

*).
[Seite 107]

An drey ostindischen Crocodilskeleten
die ich untersucht, hatte der Tho-
rax 12 Paar Rippen, nemlich 10 P.
ächte und 2 Paar sogenannte spurias.
Erstre hatten knöcherne appendices
und zwischen dem Hauptstück der
Rippe und diesen Anhängen auch noch
überdem ein drittes kleines Mittelstück.
Das sternum abdominale bestand aus
7 Paar zusammen verbundner knorp-
lichter Bogen; von welcher die 6 vor-
dem Paare mit offnen Zwischenräumen
durchbrochen waren, hingegen der
Raum zwischen dem hintersten Paare
und den Schaambeinen mit einem
breiten Knorpelblatt ausgefüllt war. –
Von dem wenigstens gewissermassen
[Seite 108] ähnlichen Bau beym Nilcrocodil vergl.
Jo. Veslingii obseruationes anato-
micas.
Hafn. 1664. 8. pag. 43. seq. und
vom Alligator die Beschreibung des
P. Plumier in den Mémoir. de Tre-
voux
vom Febr. 1705. pag. 127.

*).
[Seite 108]

Gerippe verschiedner Schlangen s. bey
Meyer T. I. t. 88. 90. 91. und T. II.
t. 17.

*).
[Seite 109]

Beyspiele zur Vergleichung s. im IVten
Hefte meiner Abbildungen naturhisto-
rischer Gegenstände
tab. 37. wo die
Köpfe einer Klapperschlange und der
Riesenschlange beide mit offnem Rachen
zu dieser Absicht vorgestellt sind.

*).
[Seite 110]

Von dem vermuthlichen Zweck dieses
den Klapperschlangen so ausschliesslich
eignen Organs, und wie fern es diesen
sehr trägen Geschöpfen doch vielleicht
dazu dienen könne, die dadurch auf-
geschreckten Vögel u.s.w. zu sich
herunter zu bringen (was dann den
Anlass zu der Sage von ihrem ver-
meinten Fascinationsvermögen gegeben
haben kann) s. Voigt's neues Magazin
I. B. 2tes St. S. 37 u. f. über die Zau-
berkraft der Klapperschlangen, beson-
ders in Rücksicht einer Schrift des

Dr. barton.

*).
[Seite 111]

s. Home in den Philosoph. Transact.
for
1804.

Dasselbe ist auch wohl bey einigen
andern Gattungen des Coluber-Ge-
schlechts der Fall, namentlich bey der
Aegyptischen C. haje, die auch ihren
Hals im Zorne sehr weit auftreiben kann.
Ueber den Antheil, welchen die
Bewegung der Rippen am kriechen der
Schlangen hat, s. ebenfalls Home in
jenen Transact. for 1812.

*).
[Seite 112]

Noch fehlt es an Abbildungen von Ge-
rippen der verschiedenartigsten See-
fische. Ein schönes Rochen-Skelet
findet sich bey Cheselden hinter
der Vorrede. Vom Uranoscopus sca-
ber
in Fischer Zoognosia. ed. 3. Vol. I.
Mosqu. 1813. 4. tab. 3.

Von 25 Gerippen verschiedner Süss-
wasserfische hat Meyer in den bei-
den ersten Bänden seines schon öfter
angeführten Werks gute Vorstellungen
geliefert.

Ein Karpen-Skelet s. in du Hamel
Traité des pêches (einem Theile der
grossen Descriptions des arts et métiers)
P. II. Sect. I. tab. 3. [Seite 113] .

Das vom Brachsen und vom Häring
musterhaft beschrieben und abgebildet
in Fr. Rosenthal's ichthyotomischen
Tafeln
1. Heft. Berl. 1812. 4.

*).
[Seite 113]

Treffliche Bemerkungen über den Bau
des Skelets der Fische im Allgemeinen,
giebt Autenrieth in Wiedemann's
Archiv I. B. 2ten St. und Rosenthal
in Reil's und Autenrieth's Archiv
für die Physiol.
X. B.

Von den Gerippen einzelner Ord-
nungen von Fischen s. Vicq-d'azyr
im VII. B. der Mémoires presentés à
l'Acad. des scienc.
Deutsch mit An-
[Seite 114] merkungen und Zusätzen von Schnei-
der
in dessen Sammlung von anato-
mischen Aufsätzen und Bemerkungen
zur Aufklärung der Fischkunde.
I. Th.
Leipz. 1795. 8.

*).
[Seite 115]

Augustin. Scilla de corporibus ma-
rinis lapidescentibus.
ed. Rom. 1759. 4.
tab. 2. fig. 3.

*).
[Seite 116]

s. Hérissant in den Mém. de l'Acad.
des sc. de Paris
1749. pag. 155. und
W. Andre in den phil. Transact.
vol. LXXIV. pag. 274.

*).
[Seite 117]

Eins der wunderbarsten Arten von Ge-
biss findet sich beym Narinarisische, ei-
ner westindischen Rochengattung (Raja
flagellum
Schneid.) und ist von
Sloane als die Zunge des Thiers be-
schrieben und abgebildet in den philos.
Transact.
vol. XIX. pag. 674. – Das
Stück, was ich davon besitze, ist ein
flacher Knochen gegen 5 Zoll lang, fast
2 Zoll breit, und klein Fingers dick,
der ans 15 nach der Länge an einan-
der stehenden bogenförmigen Abschnit-
ten zusammen gefügt, und jeder dieser
Bogen auf der obern Seite mit 60 dicht
neben einander liegenden schmalen Zäh-
nen bedeckt ist.

*).
[Seite 119]

Geoffroy im Xten Bande der An-
nales du Muséum
und Rosenthal im
Xten B. von Reil's Archiv.

**).
[Seite 119]

Ich besitze ein Exemplar des überaus
sonderbaren, hierher gehörigen Knochen
der im Museum Wormianum pag. 270.
in Jacobaei museum regium tab. 9. fig. 2.
und in Olearii Gottorf. Kunstkammer
tab. 12. fig. 3. abgebildet, und lange für
ganz räthselhaft gehalten worden. Er
ist dicht, flachrundlich, ohngefähr von
der Form und Grösse einer glatten Ca-
stanie, verläuft sich am obern Rande
mit der einen Seite in einem knochich-
ten Stachel, und articulirt auf der an-
dern mittelst eines bewundernswerthen
Giuglymus ohne seines Gleichen mit
zwey kleinen Knöchelchen verschiede-
ner Grösse, die ohngefähr die Form
von Pfeilspitzen haben. Höchst wahr-
scheinlich gehört er einem ostindischen
Chaetodon (vermuthlich dem Ch. arthri-
ticus
Schneid.) zu; so dass das grössere
Stück zur Grundlage der Rückenflosse
[Seite 120] dient, und die kleinen die ersten ra-
dios
derselben ausmachen. – Vergl.
W. Bell's description of a Chaeto-
don called by the Malays Ecan
Bonna
in den philos. Transact. 1793.
und Fischer im IV. B. S. 68. des ge-
dachten Archivs.

Einen diesem sehr ähnlichen, (eben
so mit den beiden Nebenbeinchen ar-
ticulirenden, und in einem 3 Zoll lan-
gen Stachel sich verlaufenden) Knochen
eines andern Chaetodon habe ich neuer-
lich von meinem Freunde von Ol-
fers
aus Brasilien erhalten.

*).
[Seite 123]

Eine genaue Beschreibung und Abbil-
dung derselben s. in einer der muster-
haftesten naturhistorischen und zooto-
mischen Monographien, Sulzer's Ver-
such einer Naturgeschichte des Ham-
sters
p. 41. 58. u. f. tab. 3. fig. 1.

**).
[Seite 123]

s. Ever. Home's Life of J. Hun-
ter
vor dieses letztem posthumen
Werke on the blood, inflammation etc.
p. 42.

*).
[Seite 124]

Vom Schlund, so wie vom ganzen tu-
bus alimentarius
vieler Thiere aus ver-
schiedenen Gassen s. besonders Grew
im Anhange zum obgedachten museum
Regal. Societ.

*).
[Seite 125]

s. Nebel de nosologia brutorum cum
hominum morbis comparata.
Giess.
1798. 8. pag. 66.

**).
[Seite 125]

Unerwartet scheint es auf den ersten
Blick, dass auch die wiederkauenden
Bisulca, denen doch der Rückweg des
Futters aus ihren ersten Mägen in den
Schlund so geläufig ist, ebenfalls nur
schwer zum Erbrechen zu bringen
sind. – Ich besitze vom sel. Have-
mamn
(Director der Vieharzueyschule
zu Hannover) einen Haarballen aus
dem Pansen einer Kuh, die au Stok-
kung in der Verdauung litt, welcher
nach der Anwendung eines Stücks
weisser Niesswurz, das dem kranken
Thier durch einen Einschnitt vorn am
Brustlappen unter die Haut geschoben
worden, mit Heftigkeit weggebrochen
ist. Eine ausführlichere Nachricht da-
von habe ich im II. B. von Voigt's
Magazin für den neuesten Zustand
der Naturkunde
pag. 637. u. f. mit-
getheilt.

*).
[Seite 126]

s. hierzu überhaupt Jens W. Neer-
gaard's
vergleichende Anatomie der
Verdauungswerkzeuge der Säugethiere
und Vögel.
Berl. 1806. 8. und Home's
Lectures.

**).
[Seite 126]

Herm. H. C. Schrader de digestione
animalium carniuororum.
Goett. 1755. 4.

*).
[Seite 127]

Doch ists nicht wörtlich zu nehmen,
wenn Röderer sagte: ‘„Der Bär hat
einen doppelten Magen: des erstem
und grössern Bau ist wie bey den
fleischfressenden Thieren; des zwey-
ten und kleinem wie bey den Vögeln,
die sich mit harten Saamen nähren.“’

**).
[Seite 127]

Bertin in den mém. de l'Ac. des
scienc. de Paris
a. 1746. tab. 7. und
Neergaard a. a. O.

***).
[Seite 127]

An beiden Hälften dieser innersten
Haut des Pferdemagens finden sich, zu-
mal im Frühjahr, so häufigst die Lar-
ven zweyer Gattungen des Bremsen-
geschlechts, vom Oestrus equi nemlich
[Seite 128] (– den Linné Oe. bouis nannte –),
und vom haemorrhoidalis, deren
wahre Naturgeschichte erst neuerlich
durch den vortrefflichen Veterinararzt
Bracy Clark im III B. der Transac-
tions of the Linnean Society
pag. 298.
u. f. aufgehellt worden. – Die Figur
der Pferde-Bremse und ihrer Larve
findet sich auch in meinen Abbildungen
naturhistorischer Gegenstände,
tab. 47.
fig. 3. 4. 5.

*).
[Seite 129]

Trefflich beschrieben von Sulzer
a. a. O. pag. 81. u. f.

**).
[Seite 129]

Labillardiere in der Relation du
voyage à la recherche de
la Pérouse.
T. I. pag. 134. Cuvier Leçons d' Anat.
comp.
T. V. tab. 37. Fig. 1. und Home
in den philos. Transact. for 1807.
tab. 8.

***).
[Seite 129]

Tyson in den philos. Transact. vol. XIII.
pag. 364. tab. 1. fig. 5. tab. 2. fig. 1. 2.

†).
[Seite 129]

Daubenton Vol. XIII. pag. 54. tab. 3.
und pag. 63. tab. 7., und Wiede-
mann
in seinem Archiv. I. B. 1stes St.
p. 145. u. f.

*).
[Seite 130]

s. z.B. Tyson's anatomy of a Porpess.
Lond. 1680. 4. tab. 1. fig. 6. J. Hun-
ter
in Schneider's Beyträgen zur
Naturgeschichte der Wallfischarten.

I. Th. pag. 51. u. f. Cuvier. a. a. O.
tab. 38. fig. 2. und Home in den philos.
Transact.
for 1807. pag. 93.

**).
[Seite 130]

Von dem Heer von Schriftstellern, die
über die Mägen der wiederkauenden
Thiere und deren Function geschrieben
haben, führe ich nur folgende wenige
wegen der deutlichen Abbildungen an,
die sie geliefert, besonders diejenigen,
aus welchen sich die in den ersten Le-
bens-Perioden so auffallend zunehmende
Grösse des ersten Magens in Vergleich
zum vierten ersehen lässt.

[Seite 131] Observationes anatomicae collegii pri-
vati Amstelodamensis.
(P. I.) 1667. 12.
pag. 12. fig. 3. (vom neugebohrnen
Kalbe)

Perrault im III. B. seiner Essais
de physique.
pag. 211. u. f. tab. 13. 14.

Jo. Conrad. Peyeri merycologia.
Basil. 1685. 4.

Jo. Jac. Harderi apiarium ib.
1687. 4. pag. 16. tab 1. (vom ungebohrnen
Kalbe)

Daubenton T. IV. tab. 15-18. (un-
ter andern tab. 15. fig. 2. von einem
Kalbe von fünf Wochen).

P. Camper Lessen over de thans
zweevende Veesterfte,
Leeuward. 1769. 8.

H. Vink Lessen over de Herkau-
wing der Runderen, Rotterd. 1770. 8.

J. Brugnone in den Mém. de l'Ac.
de Turin. sc. phys.
T. IV. 1809. pag. 1.
und 309.

Und Gaet. Malacarne in den
Memorie di Fis. della Soc. Italiana.

T. XVII. 1815.


Und besonders von den sogenannten
Wasserbehältern in den Camels-Mä-
gen, ausser Perrault, Dauben-
ton
u.a.

[Seite 132] Russel's nat. history of Aleppo vol. II.
pag. 425. der Ausg. von 1794 und Home
in den philos. Transact. for 1806. pag. 357
tab. 17-19. und wieder in den Lectures.


*).
[Seite 132]

Meist in diesem ersten Magen, seltner
im zweyten finden sich zuweilen bey
manchen wiederkauenden Bisulcis ku-
glichte oder länglichtrunde krankhafte
Concremente von dreyerley Stoff; die
nemlich entweder aus verschluckten
Haaren, oder aus unverdauten Pflan-
zenzasern zusammengeballt, oder aber
aus Säften, als Steine abgesetzt sind.

Die Haarballen, zumal beym Horn-
vieh, entstehen aus ihren eignen Haa-
ren, die sie sich ablecken, und die
dann im Magen gleichsam zusammen
[Seite 133] gefilzt werden. Sie bleiben entweder
auch von aussen haaricht, oder werden
da wie mit einer schwarzglänzenden
Glasur überzogen, die der an ihren
Backzähnen ähnelt (– §. 23. S. 46. –).

Die aus vegetabilischen Stoffen, und
wie man sagt, besonders aus den ma-
cerirten Zasern der Aethusa meum ge-
bildeten Gemsballen (aegagropilae) fin-
den sich bey den Gemsen, und sind
meist von einem überaus zarten, fei-
nen Zunderschwamme ähnlichen Ge-
webe, von aussen aber auch mit einer
glatten schwarzen Rinde bekleidet.

Von den steinartigen oder sogenann-
ten Bezoaren kommen die orientalischen
aus wilden Ziegen. Die occidentali-
schen aber aus den Südamericanischen
Gattungen des Camelgeschlechts. Letz-
tre sind meist von gelblich grauer Farbe;
erstre grünlichschwarz mit concentri-
schen schaalichten Ablösungen, und
halten zuweilen als Kern ein Stückchen
Reisholz. – Bey einem ziemlich grossen
orientalischen Bezoar, den ich zur Un-
tersuchung durchsägt, besteht hingegen
der Kern aus rothbraunen, überaus
zarten und dichten Gewebe wie Zun-
[Seite 134] derschwamm, oder wie die Substanz
der Gemsballen.

*).
[Seite 137]

Das setzt freylich eine Art von will-
kührlichen Bewegungsvermögen in die-
sem Theil voraus. Aber überhaupt ist
der Einfluss des Willens auf das Ge-
schäft des Wiederkauens unverkennbar.
Es ist an keine bestimmte Zeit gebun-
den, sondern die Thiere können es
bey vollem Pansen nach Gelegenheit
der Umstände früher oder später in
Gang setzen. – Unter den nicht gar
seltnen Beyspielen von ruminirenden
Menschen wird von manchen ausdrück-
lich gesagt, dass es bey ihnen ein will-
kührliches Geschäft gewesen. Ich selbst
habe vier Männer gekannt, die ihr
Gemüse u.a. vegetabilische Nahrung
wiederkaueten. Sie versicherten (was
ebenfalls schon von andern angemerkt
worden) dass für sie die Rumination
ein wahrer Genuss sey: und zweye der-
selben hätten es ganz in ihrer Willkühr,
wenn sie sich denselben erlauben durften,
oder nach Beschaffenheit der Umstände
versagen mussten.

**).
[Seite 137]

So hats schon der alte Severino in
seiner reichhaltigen Zootomia Demo-
[Seite 138] critea
eingesehen: ‘„penula et ollula
media reuomitur ad os, hinc rumina-
tum ad conclaue descendit, et hinc
postremo ad ventriculum proprie dic-
tum.
“’

*).
[Seite 138]

Ich habe schon anderwärts das Ge-
ständniss geäussert; dass mir die allge-
meine, auf alle wiederkauende Thiere
passende Endabsicht der Rumination
und der Hauptnutzen, den diese so
wunderbar zusammengesetzte Function
für ihre Oekonomie haben muss, noch
unbekannt ist. Was insgemein, dafür
angenommen wird, ist sämmtlich un-
befriedigend. Den alten Aristotelischen
und Galenischen Wahn, als sey es zum
Ersatz der Vorderzähne, deren Stoff
bey diesen Thieren zu Hörnern und
Geweihen verwandt werde, hat schon
Fabric. Ab Aquapendente mit leich-
ter Mühe widerlegt.

Perrault u.a. meinten, es sey
zur Sicherheit dieser vielfressenden und
[Seite 139] meist schüchternen Thiere, um nicht
zu vielen Nachstellungen ausgesetzt zu
seyn, wenn sie lange Zeit mit Kauen
auf offner Weide zubringen müssten,
Aber der Indische Büffel ruminirt auch,
der doch vor keinem Löwen flieht,
sondern ihn eher anfällt und gemeinig-
lich zu nichte stösst. Und der Stein-
bock hausst in solchen alpinischen Re-
gionen, die jedem Raubthier unzu-
gänglich sind, und was dergleichen
mehr ist.

*).
[Seite 140]

Eben so der Wombat. s. Home in
den philos. Transact. for 1808. tab. 9.

**).
[Seite 140]

Nemlich wohl gewiss nicht, wie Burt
im IIten B. der Asiatick Researches
vermuthet, um sich davon zu nähren,
sondern wie mir es scheint, vielmehr
um die lebendigen Insecten u.a. kleinen
Thiere, die sein gewöhnliches Futter
[Seite 141] sind, dadurch todt zu quetschen
u.s.w., die sonst vermöge ihrer Vi-
talität
der blossen chemischen Action
des Magensafts eben so wohl widerste-
hen würden, als es bey Menschen
und andern Säugethieren die einheimi-
schen Spulwürmer, oder verschluckte
Wassermolche u.s.w. thun. – Da-
von unten ein mehreres.

*).
[Seite 141]

Edward's natural History of Birds.
T. II. tab. 73. und Schneider ad re-
liqua librorum
Friderici II. T. II.
pag. 9.

*).
[Seite 142]

Eine Seemöve (Larus tridactylus), die
ich Jahre lang lebendig unter Augen
gehabt, konnte Spannenlange Knochen
verschlucken, so dass bloss das untre
Ende davon in den Magen reichte und
von demselben verdaut ward, indess
das übrige noch in den Schlund hinauf-
ragte, und so wie jenes aufgelösst ward,
allgemach nachrutschte.

**).
[Seite 142]

Ueber den ähnlichen Ursprung der gal-
lertigen vulgo sogenannten Sternschnup-
pen s. Morton's natural History of
Northamptonshire.
pag. 353. und Dr.
Persoon in Voigt's neuen Magazin.
I. B. 2tes St. pag. 56.

*).
[Seite 143]

Dr. Wolf in eben diesem Magazin.
I. B. 4tes St. pag. 73. tab. 1.

Dr. Neergard in dem oben (S. 126)
angefuhrten Werke tab. 4. fig. 1. 3.

**).
[Seite 143]

3. Hunter on animal oeconomy.
pag. 193. tab. 1. 2. und Neergaard
tab. 5. fig. 2. 3.

***).
[Seite 143]

Vom umgekehrten Verhältniss des Al-
ters der jungen Tauben zur Zeit wie
lange die Alten das Futter für diesel-
ben im Kröpfe behalten, s. Viridet
[Seite 144] du bon chyle pour la production du
sang.
T. I. pag. 78.

*).
[Seite 144]

Von dem verschiedenen Bau und Lage
der in demselben zur Auflösung des
Futters bestimmten Drüsen s. wiederum
Home a. a. O. for 1812. pag. 394. und
for 1813. pag. 77.

Ueberaus nette mikroskopische Ab-
bildungen der Innern Drüsenhaut im
Vormagen einiger Vögel s. in Alb.
Meckel
obs. circa superficiem anima-
lium internam.
Bern. 1822. 8. fig. 4-8.

*).
[Seite 145]

Vallisnieri nennt ihn daher auch
bey diesem Thier ventricolo primo; s.
dess. Notomia dello Struzzo. lab. 1.
p. 159. u. f. der Ausgab. v. 1713. 4.
vergl. Cuvier a. a. O. tab. 40. fig. 3.

**).
[Seite 145]

Cuvier a. a. O. fig. 1.

***).
[Seite 145]

Von mancherley andern Verschieden-
heiten dieses Theils an allerhand Vö-
geln s. die Pariser Mémoires pour ser-
vir à l'histoire naturelle des animaux,

hin und wieder.

†).
[Seite 145]

s. oben S. 70. Not.*)

*).
[Seite 146]

wie Herissant glaubte und darin
den Grund suchte, warum der Kukuk
nicht brüten dürfe, s. die Mém. de
l'Acad. des sciences de Paris
1752.

*).
[Seite 147]

Haller hat deren eine Menge gesam-
melt in den Elem. physiol. T. VII.
pag. 115.

**).
[Seite 147]

Duverney oeuvres anatomiques T. II.
pag. 447.

***).
[Seite 147]

Wepferi cicutae aquaticae historia
et noxae
pag. 174. – Ueberhaupt eins
der reichhaltigsten Werke zu diesem
ganzen Abschnitt der Zootomie.

†).
[Seite 147]

J. Conr. Pezeri anatome ventriculi
gallinacei
an seiner Exercit. de glan-
dulis intestinor.
Scafhus. 1677. 8.

*).
[Seite 148]

Wier gu. Muys de carnis musculo-
sae structura.
Leid. 1741. 4. tab. 1.
fig. 10. 11.

**).
[Seite 148]

Al. Monro des Aelt. Versuch über
vergleichende Anatomie.
Aus dem Engl.
Götting. 1790. 8. p. 71.

*).
[Seite 149]

Reaumur's zahlreiche Versuche die
Stärke dieser Triturationskraft zu be-
stimmen, sind allgemein bekannt. Sie
stellen unter andern im Hamburgischen
Magazin
XII. B. pag. 63. u. f.

Ein paar minder bekannte Beobach-
tungen sind, dass Fel. Plater einen
Onyx, den eine Henne verschluckt
hatte, nach vier Tagen um ein Vier-
theil kleiner fand, und dass ein Louisd'or
auf diese Weise im Magen, einer Ente
16 As am Gewicht verloren hatte,
s. Swammerdam Bibl. nat. pag. 168.

**).
[Seite 149]

Zweck und Nutzen dieses Steinschluk-
kens ist sehr verschieden angegeben
worden. – Nach Caesalpinus sollte
es mehr ein Medicament als ein all-
tägliches Beförderungsmittel zur Ver-
[Seite 150] dauung seyn. – Nach Boerhaave na-
mentlich ein absorbens gegen die Ma-
gensäure. – Nach Lister um Kalk-
erde zur Bildung der Eyerschale zu lie-
fern. – Nach Redi ein Surrogat für
den Mangel der Zähne. – Nach Whytt
besonders ein mechanisches Reitzmittel
für den Magen, das ihnen bey der so
schwielichten Haut, womit er ausge-
kleidet sey, zu statten komme; und
was dergleichen mehr ist.

Spallanzani verwarf geradezu alles
Zweckmässige dabey und meinte, die
Vögel thätens bloss aus Stupidität: Ich
zweifle aber, ob man in dieser Mei-
nung grosse Sagacität finden kann,
wenn man weiss, wie schlechterdings
unentbehrlich ihnen dieses Hülfsmittel
zur Verdauung ihrer Körner ist, da sie
ohne dasselbe beym reichlichsten Futter
abzehren u.s.w. – Auch ist daher
jenes Paradoxon schon von J. Hun-
ter
on animal oeconomy pag. 155. und
von D. G. Fordyce on digestion p. 23.
trefflich widerlegt worden.
[Seite 151] Mir scheint übrigens das Bedürfniss
des Steinschluckens dahin abzuzwecken,
um die Saamenkörner dadurch zu tödten
und ihrer Lebenskraft zu berauben,
die sonst der Digestionskraft widersteht
(– s. oben S. 141. Not. *) –): so wie
man gefunden hat, dass die Pferde,
wenn man ihr Futter an Hafer und
Gerste vorher durch abbrühen tödtet,
bey weitem nicht so viel brauchen und
doch besser dabey gedeihen als sonst.

*).
[Seite 151]

Ruysch thesaurus anatomicus VIII.
tab. 2. fig. 4.

*).
[Seite 152]

Vergleiche Fabric. ab Aquapendente
pag. 100. der obgedachten Ausg.

*).
[Seite 153]

Abbildungen von mancherley Fisch-
mägen s. im IIten B. von Sam. Col-
lins's
System of anatomy. Lond. 1685.
Fol. und bey Vicq-d'azyr in den
oben [pag. 113. Not.*)] angeführten
Abhandlungen.

**).
[Seite 153]

Rondelet pag. 70.

***).
[Seite 153]

Besonders merkwürdig ist der grosse
Magen des Kugelfisches (Tetrodon his-
pidus)
den das Thier im Nothfall mit
eingeschluckter Luft füllen und dadurch
seine ganze sonst längliche Gestalt in
eine kugeliche umwandeln kann. s.
Geoffroy de St. Hil. in der grossen
Descr. de l'Egypte. Hist. naturelle
Livrais. I.

*).
[Seite 154]

Im Handbuch der Naturgeschichte
S. 320. der 10ten Ausg.

**).
[Seite 154]

K. A. Ramdohr über die Verdauungs-
werkzeuge der Insecten.
Halle 1811. 4.
mit 30 Kupfertafeln.

*).
[Seite 155]

Vergl. z.B. den Magen der Raupe von
Papilio vrticae bey Swammerdam
bibl. naturae tab. 34. fig. 4. mit dem
des Schmetterlings tab. 36. fig. 1.

Und vorzüglich die ganze Verwand-
lungs-Folge in den successiven Stadien
des Pap. brassicae in Herold's Ent-
wickelungsgeschichte der Schmetter-
linge.
Marb. 1815. 4. tab. 3. fig. 1-12.

**).
[Seite 155]

Hierher gehörige Abbildungen von Mä-
gen aus den verschiedenen Ordnungen
dieser Classe haben (ausser den Ram-
dohr'schen) gegeben: z.B. von der
Larve des Nashornkäfers Swammer-
dam
tab. 27. fig. 11. 12. vergleiche mit
[Seite 156] Rösel II. B. Erdkäfer 1. Cl. tab. 8.
fig. 1. 2.

Von der Larve des Hornschröters
Rösel a. a. O. tab. 9. fig. 8.

Vom Ohrwurm C. F. Posselt ten-
tamina circa anatomiam Forficulae auri-
culariae.
Jen. 1800. 4. fig. 26.

Vom Gryllus verruciuorns Rösel
II. B. Heuschrecken tab. 9. fig. 2.

Vom Seidenwurm Malpighi de bom-
byce
Lond. 1669. 4. tab. 5. fig. 1. und in
der Puppe tab. 8. fig. 3. vergl. mit Rö-
sel III
ten B. tab. 9. fig. 1. 2. und F.
Bibiena in den Comm. instit. Bono-
niens.
T. V. P. I. tab. 2. fig. 7. 8. 10.
11. und tab. 3. fig. 13.

Von der Weidenraupe Lyonet's
Meisterwerk tab. 13. fig. 1. 2.

Vom Uferaas (Ephemera horaria)
Swammerdam tab. 15. fig. 1. 5.

Von der Puppe der Musca chamae-
leon
tab. 41. fig. 6.

Von der Käsemade (Musca putris)
tab. 43. fig. 5.

Von der Laus tab. 2. fig. 3.

*).
[Seite 157]

Posselt a. a. O. pag. 7. fig. 27.

**).
[Seite 157]

Cuvier in den Mémoires de la Societ.
d'hist. nat. de Paris
a. 7. tab. 4.
fig. 8.

***).
[Seite 157]

Swammerdam algem. Verhandel. van
de Bloedeloose Dierkens.
Utr. 1669. 4.
pag. 93. und G. Hier. Velschii he-
catosteae obs.
Aug. Vindel. 1675. 4.
pag. 41.

†).
[Seite 157]

Vom Flusskrebs s. Rösel III. B. tab. 58.
fig. 9. und 12.

[Seite 158] Fr. W. L. Succow myologiae in-
sectorum specimen.
Heidelb. 183. 4.
tab. 2. fig. 10. 11. 12.

und A. H. Geveke de cancri astaci qui-
busd. partibus.
Gott. 1817. 4. fig. 7. 8.

*).
[Seite 158]

Abbildungen von Mägen bey Würmern
aus den verschiedenen Ordnungen ha-
ben unter andern folgende Zootomen
gegeben:

Vom Spulwurm Tyson in den phi-
los. Transactions.
vol. XIII. N. 147.
Vergl. mit P. Chr. Fr. Werneri
vermium intestinal. expositio. Lips.
1782. 8. tab. 7. fig. 153. und 154.
[Seite 159] Vom Regenwurm Willis de anima
brutor.
Lond. 1672. 8. tab. 4. fig. 1.
vergl. mit Vandelli diss. de Aponi
thermis
etc. Patav. 1758. 8.

Vorn Blutegel M in den Mém.
de l'ac. des sc. de Paris
a. 1739. vergl.
mit Bibiena in den comm. instit. Bo-
noniens.
T. VII. pag. 102. Rawl.
Johnson on the medicinal Leech. Lond.
1816. 8. pag. 124. und Home's Lectu-
res on compar. Anatomy
tab. 70.

Von der Weg-Schnecke Swam-
merdam
tab. 9. fig. 2.

Vom Tintenfischen ebendas. tab. 51.
fig. 5. vergl. mit Monro's Physiologie
der Fische
tab. 31. der Schneiderschen
Uebers.

Von vielartigen Mollusken vorzüg-
lichst Cuvier Mémoires sur les Mol-
lusques.
Par. 1817. 4.

it. St. Fr. Leue de Pleurobranchaea
nouo Molluscorum genere.
Hal. 1813. 4.

Von mancherley Muscheln Poli in
den testac. vtriusque Siciliae Parm.
1791-95. II. B. gr. Fol.

Und von Schnecken s. z.B. W.
Wohnlich de Helice pomatia. Wirceb.
[Seite 160] 1813. 4. Sal. Stiebel Limnei stag-
nalis anatome.
Gotting. 1815. 4. und
vom Seeohr, Bas. J. Feider de ha-
lyotidum structura.
Hal. 1814. 4.

*).
[Seite 160]

Pallas miscellanea Zoologica tab. 7.
fig. 9. 10. 11. 12. und 12*.

**).
[Seite 160]

z.B. im Chiton cinereus bey Poli
T. I. tab. 3. fig. 9.

[Seite 161] Vergl damit den auf eine ähnliche
Weise bezahnten Schlund der Tinten-
fische in Turberv. Needham's nouvel-
les observations microscopiques
tab. 3.
fig. 1 und 4.

*).
[Seite 161]

Humphrey in den Transact. of the
Linnean Society
vol. II. pag. 15. Dra-
parnaud
im neuen Journ. de physique
T. VII. pag. 146.

Eben dieser Magen war neuerlich
von einigen Naturforschern für ein
eigenes Geschlecht einer ganz neuen
Ordnung von dreyschaligen Conchylien
angesehen worden.

*).
[Seite 163]

Anmerkenswerth ist wie der Caliber
der Därme und die Stärke oder Dicke
[Seite 164] ihrer Häute durchaus eben in keinem
bestimmten Verhältniss zueinander ste-
hen. So haben z.B. die mächtig langen
aber nur klein fingersdicken tenuia einer
bald erwachsnen Robbe ohne Vergleich
weit robustre Membranen als die mehr
als daumensstarken des Opossum bey
welchem sie aufgetrocknet wie die zar-
teste Blase durchscheinen; statt dass sie
bey der Robbe ihrer robusten Dicke
wegen fast undurchsichtig sind.

*).
[Seite 164]

Viel wichtiges über den verschiednen
Bau der Gedärme, aber auch des Ma-
gens und andrer Bauch-Eingeweide
bey den Nagethieren, enthalten Pallas
[Seite 165] nouae species quadrupedum e glirium
ordine.
Erlang. 1778. 4.

*).
[Seite 165]

Ueber den Bau dieser flockichten Haut
in vielerley Gattungen aus allen vier
Classen von rothblütigen Thieren siehe
Rom. ad. Hedwig disquisitio ampul-
lularum
Lieberkühnii. Lips. 1797. 4.
Rudolphi's anatomisch-physiologische
Abhandlungen
S. 41. und zumahl von
Säugethieren und Vögeln den jüngern
Meckel in des ältern Bruders Ar-
chiv
V. B. 1819. S. 164.

*).
[Seite 166]

Genaue Beschreibung dieser Klappe bey
den hieländischen Hausthieren gibt J.
M. Röderer de valuula coli. Argent.
1768. 4. pag. 46 u. f.

**).
[Seite 166]

Gerh. V. Den Busch diss. de intestino
coeco eiusque processu vermiformi.

Goet. 1814. 4. mit Kupf.

*).
[Seite 167]

Pallas Spicilegia Zoolagica II. tab. 3.
fig. 7. 8.

*).
[Seite 168]

Bey diesem öffnen sich auch die Biber-
geilbehälter in die cloaca. s. Andr.
Conr. Bonn
anatome Castoris. Lugd.
Batav. 1806. 4. tab. I. fig. 1.

**).
[Seite 168]

So wie oben der Bezoare und anderer
Magen-Concremente gedacht worden,
so verdienen hier die Intestinalsteine,
die sich zuweilen bey Pferden finden,
und die köstlichen Stercoralverhärtun-
gen bey Cascheloten, Erwähnung.

Jene sind gemeiniglich gelblichgrau,
kugelrund, von aussen fettglänzend, auf
dem Bruche matt, erdig; halbhart; ihre
mittlere Grösse ohngefähr wie die einer
[Seite 169] Billardkugel; theils aber hat man sie
auch grösser als ein Menschenkopf ge-
sehen; so wie überhaupt alle diese
äusseren Kennzeichen gar vielartig va-
riiren. Das Merkwürdigste ist ihr Ge-
halt, der nach Fourcroy's und Klap-
roth's
Analyse, wenigstens bey vie-
len, zur Hälfte aus phosphorsaurer Talk-
erde besteht. – Gewöhnlich finden sie
sich bey Müllerpferden, die lange mit
Kleie und Mehlstaub gefüttert worden;
meist nur Einer, zuweilen aber auch
ihrer eine grosse Menge beysammen;
am östersten im Grimmdarm, sehr sel-
ten im Magen (wenn anders diese von
der nämlichen Art gewesen sind). In
den häufigsten Fällen sind sie erst nach
dem Tode des Thiers bey der Section
gefunden worden. – In den Episto-
lis de re numismatica ad
Z. Goezium
pag. 247. finde ich aber auch ein Bey-
spiel, wo ein Pferd geraume Zeit hin-
[Seite 170] durch alle Monathe einen solchen Stein
von der Grösse eines Hühnereyes mit
dem Miste von sich gegeben. vergl.
auch J. Hadr. Slevogtii hist. equi
lapidicaci.
Jen. 1714. 4.

Eine ganz von diesen Darmsteinen
verschiedene Art von kugelichten Con-
crementen, die sich ebenfalls zuweilen
bey Pferden im colon und zumal im
coecum findet, ist aus vegetabilischen
feinen Zasern, innig zusammengeballt,
und ähnelt auf den ersten Blick den
Gemskugeln; daher auch Lafosse der
sie beschrieben und abgebildet, diesel-
ben aegagropilas (und hingegen die
wahren Darmsteine bezoar equinum)
nennt. S. dess. Cours d'hippiotrique
pag. 158. tab. 51. fig. 20 – 22. Sie sind
so wie die Gemsballen weit leichter als
jene Darmsteine, und nicht selten fin-
den sie sich Paarweise beysammen. Ein
grösserer (wohl wie ein Kindskopf,)
napflörmig, in welcher der andere klei-
nere kugelichte einpasst.

Die Stercoralverhärtung vom Casche-
lote oder Pottfische ist die unter dem
[Seite 171] Namen des grauen Ambers bekannte
kostbare Substanz, die schon vorlängst
für ein thierisches Excrement, neuer-
lich aber von vielen für ein Fossil,
von andern für ein Baumharz gehalten
worden; deren animalischer Ursprung
aber nun nach den genauesten Untersu-
chungen ausser Zweifel gesetzt scheint.
– Der Baronet Banks schrieb mir
darüber, dass nach dem was er von den
englischen Südseewallfischfängern ersah-
ren, der im gesunden Zustande des Ca-
schelots fast flüssige Auswurf durch eine
Art von Verstopfung zu Amber ver-
härte; daher man ihn nur in matten
abgemergelten Thieren finde, und der
festeste kostbarste komme, wie es
scheint von Todten, die nämlich an
der dadurch verursachten Krankheit
gestorben.

*).
[Seite 172]

Vallisnieri a. a. O. tab. 2. fig. 1. 2.

**).
[Seite 172]

Von mancherley Verschiedenheiten die-
ses Theils s. die zahlreichen Abbildun-
gen in Grew's comparative Anatomy
of Stomachs and Guts
in seinem Mu-
saeum Regalis Societatis.

***).
[Seite 172]

Beym Straus bildet sie eine grosse kug-
lichte Blase. s. Sam. Collins's System
of Anatomy
vol. II. tab. 73. – Aehn-
[Seite 173] lich geformt ist sie auch bey einigen
hieländischen Vögeln; z.B. im Habicht,
grauen Reiher u.s.w.

*).
[Seite 173]

Im Mastdarm fand ich diese Falten so
breitblätterig und in solcher Menge dicht
an einander liegend, dass ein Quer-
durchschnitt desselben das Ansehen ei-
nes sternförmigen breiten Ringes hatte.

**).
[Seite 173]

Diejenige Strecke des dünnen Darmes,
die dem Sprachgebrauche nach das ie-
[Seite 174] iunum
heissen würde, war in dem
Thiere, das ich secirt, zumal da wo
das Gekröse ansitzt, etwa spannenlang
mit unzähligen kleinen beutelförmigen
Fortsätzen besetzt; (fast wie die soge-
nannten appendiculae epiploicae, die
sich zuweilen bey manchen Säugethie-
ren finden.)

*).
[Seite 174]

Vergl. Charas nouvelles experiences
sur la vipére.
Par. 1672. 8. und ty-
son's
anatomy of a Rattle-Snake in
den philos. Transact. Vol. XIII.
N. 144.

*).
[Seite 175]

Lorenzini osservaz. intorno alle tor-
pedini.
Flor. 1678. 4. tab. 2. fig. 4.

**).
[Seite 175]

Aus einer andern Gattung von Rochen
abgebildet von Swammerdam in der
vierten (überhaupt für die Zootomie gar
reichhaltigen) Ausgabe von Th. Bar-
tholini
anatome. Lugd. Bat. 1673. 8.
pag. 297.

Aus einem Hayfische in Perrault's
Essais de physique T. III. pag. 219.

*).
[Seite 176]

Das Hauptwerk über diesen merkwür-
digen Theil ist die äusserst seltene Pars
altera obseruationum anatomicarum col-
legii priuati Amstelodamensis;
1673. 12.
die fast ganz Swammerdam's Arbeit ist.

**).
[Seite 176]

Bey manchen, wie z. E. bey der Quappe,
haben sie ein gleichsam fingerähnliches
Ansehen; daher dieser Theil bey die-
sem Fische vorlängst unter dem Namen
Quappenhändchen oder Quappenfuss be-
kannt war. s. Chr. Encelius de re
metallica.
Francof. (1551) 8. pag. 241,
wo auch meines Wissens die erste Ab-
bildung davon gegeben worden.

*).
[Seite 177]

Die Folgen, die sich hieraus zur Auf-
klärung des Secretionsgeschäfts über-
haupt ziehen lassen, habe ich schon in
den Institution, physiolog. pag. 401.
ed. 4. angedeutet.

**).
[Seite 177]

Sie sind von manchen Zootomen für
dünne Därme, von andern für Gallen-
wege, oder für ein Rudiment des Pan-
kreas, von noch andern für Milchröh-
ren oder aber für Harngefässe gehalten
worden.

*).
[Seite 178]

Hierher, so wie zu manchen der fol-
genden Abschnitte, gehören die mehre-
sten der schon oben pag. 155. 156 und
159 angeführten Abbildungen, zumahl
die bey Ramdohr über die Verdauungs-
werkzeuge der Insecten.

**).
[Seite 178]

welche aber Home für Respirations-
Organe hält. Philos. Transact. for 1815.
P. II. pag. 260.

*).
[Seite 180]

Ueber die Leber in allen Thierclassen
s. Nic. Mulder de functione hepatis,
in disquisitione zootomica illius visce-
ris nixa.
Leyd. 1818. 8.

s. auch f. L. D. Ebeling de pul-
monum cum hepate antagonismo.
Got-
ting. 1806. 8.

**).
[Seite 180]

vergl. Wilbrand in Oken's Isis
1821. VI. pag. 543.

*).
[Seite 181]

Beyläufig verdient doch als eine beson-
dre Eigenheit der Leber einiger an und
in der See lebenden vierfüssigen Säuge-
thiere, des Eisbären nämlich und ge-
wisser Seehunde, erwähnt zu werden,
dass ihr Genuss für den Menschen gif-
tig zu seyn scheint. So erfuhren es an
jenem, Heemskerk's Gefährten auf No-
waja Semlja, und an diesen, die schiff-
brüchige Mannschaft von Anson's Ge-
schwader an der Küste von Patagonien.

*).
[Seite 182]

Ein ansehnliches Verzeichniss von Säu-
gethieren welche keine Gallenblase ha--
ben, gibt Fr. W. H. trott de vesi-
culae felleae defectu.
Erlang. 1822. 4.

**).
[Seite 182]

Manche haben freylich den sehr weiten
Gallengang des Pferdes auch eine Blase
nennen wollen. s. z.B. Sr. Th. Brown's
pseudodoxia epidemica pag. 119. der
Ausg. von 1672.

Eher kann man das vom Elephanten
sagen, dessen Gallengang bey seinem
Eintritte in den Darm eine blasenförmige
Weitung macht. Camper tab. 7.

Einen ähnlichen Bau hat Neergaard
im Waschbären gefunden, s. Dess. ver-
gleichende Anat. der Verdauungswerkz.

ab. 6. fig. 4-8.

*).
[Seite 183]

Stukeley on the Spleen tab. 3 und
tab. 4. fig. 2 und 4.

Beides, jene Leber-Blasengänge und
diese zellichte Textur verdienen um so
mehr Erwähnung, da sie zu Irrthümern
in der Physiologie des Menschen An-
lass gegeben.

**).
[Seite 183]

Von dem merkwürdigen Phänomen ei-
nes eignen Blatterausschlags an der Milz
wasserscheuer Thiere, zumal der Hunde,
aber auch der Füchse und Katzen, s. J.
H. Locher magnum lienis in hydro-
phobia momentum.
Gott. 1822. mit K.

***).
[Seite 183]

Vom besondern Ansehen des Netzes bey
einzelnen Gattungen führe ich seiner
[Seite 184] auffallenden Eigenheit wegen nur das
vom Waschbär (Vrsus lotor) an, wel-
ches nach Verhältniss sehr gross ist und
aus unzähligen riemenförmigen netzartig
zusammen anastomosirenden Fettstreifen
von einer ausnehmenden Eleganz be-
steht, die durch eine äusserst zarte
fast Spinnweben ähnliche Zwischenhaut
unter einander verbunden sind.

Wunderschön und ausnehmend gross
habe ich es auch bey der Zergliederung
einer alten Löwin gesehn.

*).
[Seite 184]

Vergl. A. G. Stosch de omentis mam-
malium partibusque illis similibus alio-
rum animalium.
Berol. 1807. 8.

**).
[Seite 184]

Beschreibungen dieses Theils aus man-
cherley Vögeln, Amphibien und Fischen
s. bey A. Moreschi della Milza in
tutti gli animali vertebrali.
Mail. 1803. 8.

[Seite 185] und C. F. Heusinger über den Bau
und die Verrichtung der Milz.
Thionv.
1817. 8.

*).
[Seite 185]

Br. Robinson on the food and dis-
charges of human bodies.
Lond. 1748. 8.
pag. 97 u. f. tab. 1 und 2.

*).
[Seite 186]

De omento et adiposis ductibus, Oper.
T. II. pag. 35. 42. 46 und 49. der London
Fol. Ausg.

*).
[Seite 187]

Willis de anima brutorum tab. 3. fig.
1. Rösel III. Th. tab. 58. fig. 9
[Seite 188] tab. 59. fig. 15. 16. und Succow a. a. O.
tab. 1. fig. 1. ff. und tab. 2. fig. 13.

*).
[Seite 188]

Lyonet tab. 5. fig. 1. 5. und tab. 12.
fig. 9.

**).
[Seite 188]

s. z.B. im Scorpion G. R. Trevira-
nus
über den innern Bau der Arach-
niden
tab. 1. fig. 6. A. B.

*).
[Seite 189]

Vergl. die Abbildungen bey Swammer-
dam, Turberv. Needham, monro

und Tilesius de respiratione Sepiae
officinalis
tab. 1. fig. 1. ff.

**).
[Seite 189]

Poli T. I. tab. 3. fig. 5. 10. vom Chiton
cinereus. –
tab. 4. fig. 13. 16. von Le-
pas balanus. –
tab. 8. fig. 7. von Pho-
las dactylus. –
tab. 13. fig. 1. vom Solen
strigilatus. –
tab. 14. fig. 12. von Tel-
lina planata. –
tab. 22. fig. 11. 12. vom
Spondylus gaederopus u.s.w.

***).
[Seite 189]

Swammerdam tab. 5. fig. 6 – 9. von
Helix pomatia. Und Sal. Stiebel
Limnei stagnalis anatome. Gotting.
1815. tab. 1. fig. 10. l. von Helix
stagnal.

*).
[Seite 190]

Eustachii tabulae anatomicae tab. 4.
fig. 4.

*).
[Seite 191]

Beym Bär wohl aus 50 und darüber. s.
H. F. v. Fleming deutscher Jäger.
Leipz. 1719. Fol. pag. 126 u. f.

**).
[Seite 191]

Bey manchen Palmatis (2. B. Robbe und
Fischotter) bilden die Nierenvenen ein
ansehnliches Netz, mit dessen Maschen
die Furchen zwischen der mamelonir-
ten Aussenfläche der Nieren durchzo-
gen sind.

***).
[Seite 191]

Nämlich nach J. F. Meckel's mei-
sterhaften Untersuchungen (über alle die
[Seite 192] dreyerley gedachten drüsenartigen Or-
gane) in seinen Abhandlungen aus der
menschlichen und vergleichenden Ana-
tomie.
Halle 1806. 8.

*).
[Seite 192]

Vesalii anatomicar. Falloppii obser-
vationum examen.
pag. 126 u. f. der
Orig. Ausg. v. 1564. 4. Riolani an-
thropographia
pag. 241. der Pariser
Ausg. v. 1626. 4.

**).
[Seite 192]

Bey den Pferden, von deren Intesti-
nalsteinen oben die Rede gewesen, fin-
den sich auch nicht gar selten Harn-
blasensteine und zwar theils von aus-
nehmender Grösse. Diese zeichnen sich
in Rücksicht ihres Stoffes gar sehr von
den Menschlichen aus, da sie nach
Fourcroy's und Vauquelin's Unter-
suchung weder Phosphorsäure noch Harn-
[Seite 193] säure, sondern statt deren Kohlensäure
enthalten.

*).
[Seite 193]

Aloys. Galvani in den comment. in-
stit. Bononiens. T.
V. P. II. pag. 508.
tab. 1. 2.

**).
[Seite 193]

Eins der lehrreichsten Beyspiele von
auffallender Aehnlichkeit zwischen den
secernirenden eigentlich sogenannten Ein-
geweiden und den glandulis conglome-
ratis.
Vergl. die institut. physiologic.
pag. 40. der 4ten Ausg.

***).
[Seite 193]

Des eignen, von Prof. Jacobson ent-
deckten, besonders zur Abscheidung des
Harns in dieser und in den deiden fol-
[Seite 194] genden Thierclassen thätigen Venen-
systems wird unten im XII Abschnitte
gedacht.

*).
[Seite 194]

Theob. Fr. Finck (Praes. J. Fr.
Meckel) de amphibiorum systemate
uropoetico.
Hal. 1817. 8.

J. Davy in den philos. Transact.
for 1818. P. II. pag. 303.

**).
[Seite 194]

Vergl. z.B. C. von Schreibers in
Gilbert's Annalen 1813. XLIII. B.
S. 85. mit J. Davy in den philos.
Transact.
for 1821.

*).
[Seite 197]

Viel zu diesem Abschnitt s. in Ducro-
tay de Blainville
de l'Organisation
des animaux ou Principes d'Anatomie
comparée
T. I. Par. 1822. 8.

*).
[Seite 198]

Daher schon die alten Normannen ihre
fast unverwüstlichen Ankertaue daraus
verfertigten. – s. J. Spelmanni vita
Aelfredi Magni Anglor. Regis. Oxon.
1678. Fol. pag. 205.

*).
[Seite 199]

Namentlich habe ich diess z. E. bey
mehreren Macacos (Simia cynomolgus)
und Mandrils (Papio maimon) bemerkt.

**).
[Seite 199]

Frisch habe ich diese Haut der Cetaceen
bloss bey einem gestrandeten Finnfische
(Balaena rostrata) und einem Delphine
zu untersuchen Gelegenheit gehabt. Bey
beiden bildete sie eine ansehnliche
Schleimlage: doch war sie bey weiten
nicht von der Dicke eines kleinen Fin-
gers, wie sie an einem übrigens unbe-
stimmten Wallfisch im Museum Gau-
bianum
1783. 8. pag. 14. angegeben wird.

***).
[Seite 199]

s. unter andern Schneider's Zusätze zu
Monro's Physiologie der Fische pag. 81.

*).
[Seite 200]

So wie ich sie bey mehreren dieser
Thiere über dem Rüssel unter der Stirne
befunden, halten sie grosse Aehnlichkeit
mit der hornzapfigen Oberhaut der bei-
den sogenannten porcupine-men, aus
Suffolk, die sich vor mehrern Jahren
auch hier bey uns sehen liessen, und in
der trefflichen Monographie von Ti-
lesius
über die beiden sogenannten
Stachelschweinmenschen aus der Fa-
milie Lambert,
Altenb. 1802. gr. Fol.
auf's genaueste beschrieben und abgebil-
det sind.

*).
[Seite 201]

Noch mehr Horn- oder Schildpatt-
artig sind die Hautschuppen des Ma-
nis Geschlechts, zu mahl des Pangolin
(M. pentadactyla s. brachyura) an
Welchem ich Rückenschuppen von 3 Z.
Länge und 2 1/2 Z. Breite gemessen habe.

*).
[Seite 202]

Albini annotat. academicae L. III.
pag. 66.

**).
[Seite 202]

Durch gewisse Abweichungen des Bil-
dungstriebes, die zumal in fehlerhafter
Beschaffenheit des corii ihren Grund zu
haben scheint, kann auch bey Menschen
das Haar eine ihm sonst unnatürliche,
gewissermassen dem von manchen Qua-
drupeden und namentlich dem von
Hirschen und Rehen ähnelnde Form
erhalten. Diess war z.B. der Fall bey
dem Mädchen aus dem Trierischen, das
in den 70ger Jahren hier so wie in
einem grossen Theile von Europa zur
Schau herumgefüht worden, s. LA-
Vater's physiognom. Fragmente IV. Th.
pag. 68. und den IV. B. des Supple-
ment
zum Büffon pag. 571.

*).
[Seite 203]

Handbuch der Naturgeschichte p. 31.
der 10. Aufl.

*).
[Seite 204]

Fourcroy Syst. des connoissances chi-
miques
T. IX. p. 270.

**).
[Seite 204]

Mehr davon habe ich in der 3ten Ausg.
der Schrift de generis hum. varietate
natiua
pag. 163 u. f. gesagt.

*).
[Seite 205]

Chr. L. Nitzsch pterographische
Fragmente
in Voigt's neuen Magazin
XI. 13. S. 393.

**).
[Seite 205]

An den Rückenfedern eines so eben ans
dem Ey gekrochenen jungen Strauses in
[Seite 206] meiner Sammlung, sind theils bis 20 in
einem gemeinschaftlichen Kiele verbun-
den. s. Abbild. n. h. Gegenst. VIII. H.
tab. 77. fig. 2.

*).
[Seite 206]

So wie man schon manchesmal in mensch-
lichen Leichen, zumal bey Weibsperso-
nen in einer sogenannten Honig- oder
Grützgeschwulst der Eyerstöcke, theils
auffallend grosse Haarbüschel gefunden;
so haben sich auch zuweilen, doch ohne
Vergleich seltner, bey zahmen Gänsen
und Enten, an Eingeweiden der Brust
und des Unterleibes eben so präterna-
turelle Gebilde von wundersamen wie
mit Schmalz übergossnen Federgewäch-
sen
gezeigt.

In einem Faustgrossen dergleichen
Stück, womit Herr Dr. Baring zu
Jühnde meine Sammlung bereichert hat,
und das aussen am Magen einer gemä-
steten Gans gesessen, stecken zum min-
desten viele hundert weisser, meist
zwey Zoll langer und wie mich die
Untersuchung gelehrt hat, vollkommen
ausgebildeter Federn.

[Seite 207] Vergl. die ähnlichen Fälle in Ha-
now's
Seltenheiten 1. B. S. 255. in Jac.
Penada
osservaz. e memorie anatomi-
che.
Sagg. II. Pad. 1800. 4. p. 59. und
in Ad. w. Otto seltenen Beobachtun-
gen zur Anatomie
etc. I. St. Bresl. 1816.
4. S. 137.

*).
[Seite 207]

Die genaue Beschreibung dieser wun-
dersamen Sexual-Metamorphose an ei-
ner alten Goldsasanhenne in meiner
Sammlung s. in der oben S. 15. ange-
führten Commentatio pag. 8 u. f.

*).
[Seite 209]

Santorini obseruat. anatomicae. Ve-
net. 1724. 4. pag. 4.

*).
[Seite 210]

Vergl. Tiedemann in Meckel's
Archiv II. B. S. 112.

*).
[Seite 211]

Ant. Nuck sialographia tab. 3. und
tab. 6. fig. 2. 3.

Ueber eine besonders merkwürdige se-
cernirende Drüse, die sich beym Men-
schen, sehr vielen andern Säugethieren
und vermuthlich allen Vögeln, und
zwar meist an der Aussenseite der Na-
senhöhle findet und deren Ausführungs-
gang sich am vordem Ende der untern
Muschel öffnet, s. Prof. Jacobson im
Bulletin des Sciences He la Socte philo-
mathique
vom Apr. 1813 wo er dieses
Organ nach dem verdienstvollen Ent-
decker desselben, la glande nasale
latérale de
Sténon nennt. Vergl.
nemlich Stenonis obseruat. anatomic.
1662. 12. p. 105. – S. auch Analyse
des travaux de la Socte vétérinaire de
Copenhague.
2. Rapport. 1815. 4.

Und ausführlich über die Verschie-
denheiten dieser Nasendrüse bey den
Vögeln Nitzsch in Meckel's Archiv
VI. B. S. 234-269.

*).
[Seite 212]

s. die Hist. des animaux der Pariser
Academisten P. III. pag. 138. tab. 22. fig.
Y. Z. und Camper's Elephantenanato-
mie tab. 10. fig. 1. und tab. 11. fig. 1. 2.

**).
[Seite 212]

Eine alte Bemerkung, die schon in der
Indischen Mythologie vorkommt. s.
Lt F. Wilford im IIIten B. der Asia-
tick Researches
pag. 443. Später auch
bey Strabo im XVten B. pag. 1031.
der Almelov. Ausg.

Vergl. auch Gen. Beaulieu's voy.
aux Indes orientales
pag. 105. (in des
ältern Thevenot Samml. T. II.) und
J. Wolfg. Heydt's Ostind. Schau-
platz
pag. 212.

Besonders aber A. W. v. Schlegel
Indische Bibliothek I. B. pag. 165.

*).
[Seite 213]

s. Ph. Seifert spicilegia adenologica
Berol. 1823. 4. pag. 13. tab. 2.

**).
[Seite 213]

J. J. Wepfer in E. N. C. Dec. II. a. 6.
obs. 118.

Chabert und Heron im Journal
de l'Agriculture
etc. Mai 1778. p. 87.

*).
[Seite 214]

Wepfer in der gedachten Samml.
Dec. I. a. 3. obs. 167.

**).
[Seite 214]

J. Gottl. Walter in den Mém. de
l'Ac. des Sc. de Berlin
1792.

***).
[Seite 214]

Die gelbe Feuchtigkeit in diesem letz-
tern verglich Tyson mit derjenigen,
die beym Menschen in den Jahren der
Mannbarkeit unter den Achseln aus-
geschwitzt wird. Phil. Transact. vol
XX. pag. 120.

*).
[Seite 215]

s. z.B. Grew a. a. O. tab. 23. vom
IItis, Wiesel, Fuchs und Katze.

Daubenton T. IX. tab. 4. fig. 1.
vom Löwen. tab. 16. fig. 2. vom Panther.
tab. 32. vom Zibetthier. T. VII. tab. 13.
von der Fischotter u.s.w.

Mitchill im American Museum
Vol. V. p. 487. von den Stinktthieren.

*).
[Seite 216]

Tyson, der übrigens zuerst recht ge-
naue Untersuchungen über die mancher-
ley von ihm sogenannten Scent-Bags
angestellt (in Plott's natural history
of Oxfordshire
pag. 305. und in den
philos. Transact. vol. XIII. pag. 39. 377.
vol. XX. pag. 120. u.s.w.), hat doch die
verschiedenen Arten derselben mitein-
ander verwechselt. So auch Haller
in den Elem. physiol. T. VII. P. I.
pag. 147. u.a.m.

**).
[Seite 216]

Daubenton T. VIII. tab. 40. 41.

*).
[Seite 217]

Sarrazin in den Mém. de l'Ac. des sc.
de Paris
1725. tab. 12. fig. 9. tab. 13.
fig. 11.

**).
[Seite 217]

Pallas Spicileg. zoolog. XIII. tab. 6.
fig. 4. 8. 10.

***).
[Seite 217]

Rob. r. Livingston im IIten B. der
Transact. of the Soc. of New-York
pag. 140.

J. Fr. Niemann in s. Taschenbuche
für Hausthierärzte
u.s.w. II. B. S. 87.

*).
[Seite 218]

Von einigen besondern Secretionen man-
cher Säugethiere wird in der Folge an-
derwärts gehandelt. So z.B. vom Gift-
sporn des männlichen Schnabelthiers
unten bey den Nebenorganen zum
Paarungsgeschäfte.

**).
[Seite 218]

V. A. Huber de lingua Pici viridis.
Stuttg. 1821. 4. tab. 1. fig. 1.

*).
[Seite 219]

De Reaumur Art. de faire éclorre des
oiseaux domestiques.
T. II. pag. 332. u. f.
der Ausg. von 1751.

*).
[Seite 220]

Wenigstens haben sich die Zootomen
selbst nicht immer darüber vergleichen
können. Charas z.B. nahm bey den
Schlangen das für ein Pancreas was
Tyson mit den Alten für eine Milz
ansah u.s.w.

**).
[Seite 220]

Tyson in den philos. Transact. vol. XIII.
pag. 38.

*).
[Seite 221]

Von diesen eigentlichen Giftdrüsen am
Coluber (Trigonocephalus) mutus und
berus s. Seifert a. a. O. pag. 3. tab. 1.
fig. 1-4.

**).
[Seite 221]

Ueber die (eigentlichen) Speicheldrüsen
der Schlangen s.
Tiedemann in den
Denkschriften der Akad. der W. zu
München,
für 1813.

und von einigen andern secerniren-
den Organen in der Augengegend man-
cher giftigen Schlangen Patr. Russell
und Home in den philos. Transact.
for 1804. p. 70.

*).
[Seite 222]

(Aug. Quir. Rivinus) in den Leipziger
Actis eruditor. 1687. pag. 161. tab. 3.
vergl. mit Perrault in den Essais de
Physique
T. III. tab. 20. fig. 2.

**).
[Seite 222]

Von besonders merkwürdigem Bau und
Vertheilung sind die zahlreichen an-
sehnlichen Haut-Canäle am Kopfe von
mancherley Rochen und Hayen, die ihr
berühmter Entdecker Stenonis in sei-
nen beiden classischen Werken, de
musculis et glandulis
pag. 42. und ele-
mentor. myologiae specim.
pag. 72., am
genauesten aber Lorenzin sulle Torpe-
dini
pag. 7 und 21. beschrieben.

Prof. Jacobson vermuthet aber
nach sorgfältiger Untersuchung dass
diese Gänge an den gedachten Knorpel-
fischen
als Werkzeuge eines besondern
Sinnes anzusehen seyn. s. das Nou-
veau Bulletin des Sciences par la Soc
te
philomathique vom Sept. 1813.

*).
[Seite 223]

s. Cuvier in den Mém. de la Soc. d'-
hist. nat. de Paris
a. 7. pag. 40.

*).
[Seite 224]

s. z.B. Lyonet tab. 5. fig. 1. und tab. 14.
fig. 10. 11.

**).
[Seite 224]

Rösel T. IV. tab. 39. fig. 2. 3. 4.

***).
[Seite 224]

Von der Biene s. Swammerdam tab. 18.
fig. 1. 2. 3. und tab. 19. fig. 3.

†).
[Seite 224]

Rich. Mead opera medica T. II.
tab. 3.

*).
[Seite 225]

Swammerdam tab. 5. fig. 4. 5. von He-
lix pomatia.

Poli T. II. tab. 20. fig. 6. von Venus
chione –
tab. 26. fig. 11. 13. von Arca
pilosa.

Dr. Wohnlich de helice pomatia
Wirceb. 1813. 4. pag. 23. und Prof.
Jacobson in Meckel's Archiv VI. B.
S. 370 finden jenen sacculus den Nieren
der Wirbelthiere analog.

*).
[Seite 226]

s. z.B. vom Buccinum lapillus Ström
im Xten B. der Kiöbenh. Selsk. Skrifter
pag. 30.

**).
[Seite 226]

Poli T. I. introduct. pag. 19.

*).
[Seite 227]

Sonderbar ist, wie so manche, sonst
gute Anatomen, dem Igel haben den
Herzbeutel absprechen können. So z.B.
Blasius, Pezer, Harder, Ottav.
Tozzetti
u.a.m. – Freylich ist er
bey diesem Thier meist sehr zart und
[Seite 228] es erfordert einige Behuthsamkeit bey
Oeffnung der Brust dass er nicht zer-
reisse.

*).
[Seite 228]

Vergl. Morgagni in den epist. anat.
pag. 302 u. f. der Fol. Ausg. von 1764.

*).
[Seite 229]

Glem. Jac. Keuchen de ossiculis e
cordibus animalium
. Groning. 1772. 4.

J. C. Lüthi (praes. de Kielmeyer)
observ. zootomicae. Tubing. 1814. 4.

Dr. Jaeger im Vten Bande von
Meckel's Archiv. S. 113.

und Dr. Leuckart im VIten B
S. 136.

*).
[Seite 230]

So besitze ich noch durch die Güte des
sel. Dr. Albers in Bremen, ein aller-
dings sehr merkwürdiges Herz eines
erwachsenen Seehundes, in welchem
nicht nur das foramen ouale, sondern
auch der ductus arteriosus noch voll-
kommen offen; ausserdem aber auch
beide grosse Schlagaderstämme, zumal
aber der von der aorta, zu einem
weiten, gleichsam aneurysmatischen
Sacke ausgedehnt sind. Und das letz-
tere hat auch gerade so der wackere
Seger an einer Robbe bemerkt, in den
Ephem. nat. cur. Dec. I. a. 9. p. 252.

*).
[Seite 231]

Kulmus in den Act. acad. nat. curio-
sor
. T. I. pag. 25.

**).
[Seite 231]

Von einzelnen wichtigen Schlagadern
derselben, s. z.B. Ed. Vinnassa (praes.
W. L. Rapp) de arteriarum encephali
in diuersis mammalibus decursu
. Tub.
1821. 4.

und C. Kammerer (praes. F. G.
Gmelin) descr. anat. aortae abdomi-
nal. in diuersis mammalium generib
.
Rotwil. 1820. 4. mit Kupf.

*).
[Seite 232]

Aus einem ungeborenen Kalbe abgebil-
det bey Monro on the nervous System
tab. 1.

**).
[Seite 232]

In den philos. Transact. for 1800. pag.
98 u. f. tab. 1. 2.

*).
[Seite 234]

Ausführlicher habe ich davon im IXten
Bande der commentat. der Königl. Soc.
der Wiss. gehandelt und auch daselbst
pag. 128. fig. 2. die Abbildung dieses
Muskels aus dem grauen Reiher ge-
geben.

*).
[Seite 235]

s. Dessen Aufsätze im Bulletin de la
soc. philomath.
Avr. 1813., dann im
III. B. von Meckel's Archiv S. 147.
und de Systemate venoso peculiari.
Hafn. 1821. 4.

**).
[Seite 235]

Eine gute Zeichnung des Froschherzens
und der damit zunächst in Verbindung
stehenden Blutgefässe gibt Swammer-
dam
tab. 49. fig. 3. 4.

*).
[Seite 236]

Eine auffallende Verschiedenheit finde
ich hier zwischen der Testudo caretta,
und der mydas, von welchen beiden
ich die Herzen vor mir habe. – Bey
jener sind die Ohren, wie bey den
warmblütigen Thieren, dünnhäutig,
schlapp; bey dieser hingegen ausneh-
mend derb, ihre äusseren Wände fast
dicker und robuster als selbst an den
Ventrikeln.

*).
[Seite 238]

Davon zwey nach dem Unterleibe ge-
hen, rechts nämlich die eigentliche aorta
abdominalis
und links der ductus com-
municatiuus
Meryi, der mit dem
ductus arteriosus der Leibesfrucht ver-
glichen worden.

**).
[Seite 238]

Mery, Morgagni u.a. rechneten
diese Weitung für einen dritten ven-
triculus intermedius
; daher sich be-
greift, warum manche den Schildkrö-
ten nur Einen Ventrikel (wegen der
offenen Zwischenmündung), andere
zwey, und noch andere ihrer drey zu-
geschrieben haben.

*).
[Seite 239]

Die besten und deutlichsten Abbildun-
gen des innern Baues vom Herzen der
Seeschildkröten sind die von Mery in
den Mém. de l'Ac. des sc. 1703. tab.
12. so irrig auch übrigens die Anwen-
dung war, die er davon auf den ver-
meinten Weg des Blutlauss im Herzen
der menschlichen Leibesfrucht machen
wollte.

Nach der Vergleichung mit meinen
Präparaten zu schliessen, vermuthe ich,
dass seine Zeichnungen nach einer Te-
studo caretta
gemacht sind.

Wrisberg hat sich zwar in seinen
obseruat. de corde testudinis marinae
mydas dictae
im XVI. B. der Commen-
tat. Soc. Reg. scientiar. Gottingens
.
pag. 48. auf dazu gehörige Abbildungen
bezogen, die aber nie zum Vorschein
gekommen.

*).
[Seite 240]

Vollkommen richtig hat das schon der
musterhaft genaue Morgagni einge-
sehn, der seine treffliche Beschreibung
des Herzens einer Seeschildkröte (in den
Aduersar. anat. V. animadv. 17.) mit
folgendem schliesst;

‘„Quae cum ita essent, agnoui facile,
sanguinem tum ab vniuerso corpore,
tum a pulmonibus redeuntem, illum
quidem per auriculam dexteram im-
mediate, hunc vero per sinistram,
subiectumque siniitrum ventriculum,

omnem denique in dextrum compelli,
vt ab hoc, et communicante inter-
medio tum in corpus vniuersum, tum
in pulmones propellatur“’ etc.

*).
[Seite 241]

Was bey diesen Thieren normaler Bau
ist, das zeigt sich zuweilen auf eine
analoge Weise auch in der abnormen
Bildung des menschlichen Herzens bey
Personen die daher von Mutterleibe an
mit der sogenannten Blausucht behaftet
gewesen. Ein Phänomen was sich mit
so vielen andern reimt, welchen zu
Folge sich gewisse Organe des mensch-
lichen Embryo, so wie selbst die frü-
heste Totalgestaltung desselben einer
Art von Metamorphose unterziehen,
und gleichsam erst die einfachern Ge-
bilde aus niedern Thierclassen durch-
laufen müssen, ehe sie den Gipfel des
vollendetsten menschlichen Typus er-
reichen; – und hingegen im Fall dass
sie in diesem Lauf durch zufällige Stö-
rung des Bildungstriebes gehemmt wer-
den, und folglich auf einer jeher nie-
dern Staffeln stehen bleiben; alsdann
mehr oder minder Aehnlichkeit mit der
[Seite 242] niedern thierischen Organisation zeigen.
Also auch bey manchen Blausüchtigen
zwey Ventrikel die aber durch eine
Oeffnung in ihrer Zwischenwand mit
einander mündeten, und beide Arterien-
stämme aus der rechten dieser Kam-
mern entspringend, keine aus der lin-
ken. – s. z.B. Abernethy's surgical
and physiological Essays
P. II. pag. 158.
mit Kupf.

vergl. auch Jo. Conr. Tobler de
morbo caeruleo
. Gotting. 1812. 4.

und besonders J. C. Hein de istis
cordis deformationibus quae sangui-
nem venosum cum arterioso misceri
permittunt
. Ebendas. 1816. 4.

*).
[Seite 242]

Fr. Tiedemann's Anatomie des Fisch-
herzens
. Landshut 1809. 4. mit Kupf.

*).
[Seite 243]

Abbildungen geben Perrault in den
Essais de physique T. III. tab. 19. Du-
Verney
in den posthumen Oeuvres
anatomiques
T. II. tab. 9. Gouan hi-
storia piscium
tab. 4. fig. 4. 5. (– nur
dass diese alle den Stamm der Bran-
chialarterie für die aorta nehmen –)
Monro Physiol. der Fische tab. 1. fig. 4.
tab. 15. und 18, und vor allen Tie-
demann
a. a. O.

*).
[Seite 244]

Willis de anima brutorum tab. 3. fig. 1
Rösel's Insectenbelustigungen III. B.
[Seite 245] tab. 58. fig. 9. und 14. vergl. G. R.
Treviranus über den innern Bau
der Arachniden
S. 16.

*).
[Seite 245]

Ueber das Rückengefäss der Insecten
in d. Abhandl. d. Naturforsch. Ges.
zu Marburg. I. B.

**).
[Seite 245]

s. z.B. vom Limax maximus, Swam-
merdam
tab. 9. fig. 1. und von der Se-
[Seite 246] pia officinalis tab. 52. fig. 1. vergl. mit
Monro's Physiol. der Fische tab. 31.
fig. 1. 2. Cuvier's Tableau élémentaire
de l'hist. naturelle des animaux
tab. 8.
fig. 1. und Home in den Philos. Trans-
act
. for 1817. L. 1. – von der Aply-
sia fasciata
, Cuvier's Mollusques
tab. 2. fig. 3.

*).
[Seite 246]

Vom Chiton cinereus, Poli T. I.
tab. 3. fig. 13. – von Pholas dactylus
tab. 7. fig. 8. und tab. 8. fig. 7. 8. – von
Mya pictorum tab. 9. fig. 11. 12. – vom
Solen siliqua tab. 10. fig. 16. – vom
Solen strigilatus – von Tellina pla-
nata
tab. 14. fig. 14. – von Venus
chione
T. II. tab. 20. fig. 10. – von Arca
pilosa
tab. 26. fig. 13.

Von Ostrea edulis, Willis a. a. O.
tab. 2. fig. 2.

Von Helix pomatia, Swammerdam
tab. 5. fig. 4. vergl. mit tab. 4. fig. 1.
und Wohnlich fig. 1.

von Helix stagnalis, Stiebel tab. 1.
fig. 2 und 5. a. b.

**).
[Seite 246]

Cuvier theilt dem zu Folge die ganze
Classe der Würmer, je nachdem sie
mit einem Herzen und dazu gehörigen
Gefässystem versehen sind oder nicht,
[Seite 247] in zwey Hauptfamilien, wovon er jene
Mollusca und diese Zoophyta nennt.

*).
[Seite 247]

Poli T. II. tab. 25. fig. 2. von Arca noae
und tab. 27. fig. 8. 12. von Ostrea jacobaea.

**).
[Seite 247]

Ebenders, T. I. introd. pag. 39.

***).
[Seite 247]

Bern. Fr. Bening de hirudinibus.
Harderov. 1776. 4. pag. 23. – eine treff-
liche Monographie.

[Seite 248] Auch die Medusen haben kein Herz
und dennoch ein deutliches Circulations-
system von Arterien, und Venen. s.
Mitchill in Albers's amerikanischen
Annalen
. I. Heft. pag. 121.

*).
[Seite 248]

Baker, Fontana, O. Fr. Müller und
mehrere berühmte Naturforscher haben
das dunkle Körperchen im Leibe des
Räderthiers (Vorticella rotatoria) für
ein Herz gehalten, ohngeachtet es will-
kürliche Bewegung hat, die sich nach
der wirbelnden, Bewegung der Sternrä-
derchen richtet. Vielmehr hat man durch
eine sonderbare petitio principii daraus
demonstriren wollen, dass es folglich
Thiere gebe, die ihr Herz ganz nach Will-
kür in Bewegung setzen oder ruhen lassen
könnten u.s.w. – Ich habe aber schon vor
40 Jahren gezeigt, dass dieses merkwürdige
Organ nichts weniger als ein Herz sey,
sondern zum Speisecanal gehöre.

*).
[Seite 250]

Dem Seidenwurm u.a. Raupen hat
Sheldon absorbirende Gefässe zuge-
schrieben, in s. History of the absor-
bent System
P. I. pag. 28.

So dem Seeigel (Echinus esculentus)
Monro in der Physiol. der Fische
pag. 88 u. f.

*).
[Seite 251]

Auch sind bekanntlich alle Haupttheile
dieses wichtigen Systems von Gefässen
zuerst an Säugethieren nach und nach
entdeckt worden.

*).
[Seite 252]

Pecqueti experimenta noua anatomica
pag. 21. der Paris. Ausg. 1654. 4.

**).
[Seite 252]

Ueberhaupt aber variiren Lauf und
Vertheilung des ductus thoracicus auch
bey den Quadrupeden – wenigstens
bey unsern Hausthieren – so gut wie
im menschlichen Körper. Er bildet
z.B. namentlich beym Hund gegen
[Seite 253] das obere (oder vordere) Ende nicht
selten eine gleichsam ringförmige Thei-
lung, aus welcher unbedeutenden Va-
rietät dann der wunderliche Van Bils
etwas normales – sein vermeintes re-
ceptaculum tortuosum
etc. – machen
wollte. Er hat es auf einem übrigens,
(von Seiten der Kunst,) schönen Blatte
abbilden lassen in seiner Responsio ad
admonitiones
Io. Ab Horne. Roterod.
1661. 4. pag. 7.

*).
[Seite 253]

Asellius de lactibus tab. 1 et 2.

*).
[Seite 254]

Hewson in den philos. Transact. vol.
LVIII. tab. 10. vom Huhn.

vergl. Magendie in seinen Journal
de Physiol. experimentale
. T. I. 1821.
T. 47.

**).
[Seite 254]

Monro's phyioslogy of Fishes tab. 30.
des Originals.

*).
[Seite 255]

Hewson und Monro an den a. O. –
vergl. auch vom Cyclopterus lumpus
Th. Bartholini anat. renov. p. 609.
der Ausg. von 1673.

*).
[Seite 256]

Viel lehrreiches zu diesem und dem
folgenden Abschnitte (aber auch zu
den obigen osteologischen u.a.) gibt
Geoffroy-Saint-Hilaire in s. Phi-
losophie anatomique
. Par. 1818. 8. m. K.

**).
[Seite 256]

Aug. Broussonet variae positiones
circa respirationem
. Monspel. 1778. 4.
[Seite 257] und in Prof. Ludwig delectus opus-
culor. ad scient. naturalem spectant.

Lips. 1790. 8. pag. 118.

Chr. L. Nitzsch de respiratione
animalium
. Viteb. 1808. 4.

G. J. van der Boon Mesch de cir-
culatione et respiratione animalium
pulmonibus instructorum
. Leid. 1812. 4.

Fouquet de organi respiratorii in
animalium serie evolutione
. Hal. 1816.

Aem. Huschke de organor. re-
spiratoriorum in animalium serie meta-
morphosi
. Jen. 1818. 8.

A. F. Schweigger's Classification
der Thiere nach den Respirationsorga-
nen,
im Königsberger Archiv für Na-
turwiss. etc. I. Th. pag. 90.

*).
[Seite 258]

Tyson's phocaena pag. 30 u. f.

*).
[Seite 259]

Ladisl. Chernak de respiratione
volucrum
. Groning. 1773. 4.

Lehm. Fuld de organis quibus aves
spiritum ducunt
. Wirceb. 1816. 4. m. K.

**).
[Seite 259]

Harvey's Entdeckung, de generat.
animal
. pag. 4 sq. der Orig. Ausg. von
1651. 4.

*).
[Seite 260]

Perrault Essais de physique T. III.
tab. 18. vom Straus.

**).
[Seite 260]

Casp. Bartholini diaphragmatis struc-
tura noua
. Paris 1676. 8. pag. 31.

Sonst sind noch neuerlich die Mei-
nungen der Zootomen getheilt gewesen,
welche von den verschiedenen Häuten
in und an der Vogelbrust man eigent-
lich mit dem Zwerchfell vergleichen
solle. s. z.B. J. Hunter in den Philos.
Transact
. vol. LXIV. P. I. pag. 207.
[Seite 261] und Mich. Girardi in den Memorie
della Societa Italiana
T. II. P. II.
pag. 739.

*).
[Seite 261]

Wepfer cicutae aquaticae historia
pag. 171.

**).
[Seite 261]

Jo. Bapt. Du Hamel Regiae scien-
tiar. Acad. historia
pag. 141.

*).
[Seite 262]

Das wusste schon Kais. Frider. II. de
arte venandi cum auibus
pag. 39 sq.
der Schneiderschen Ausg.

**).
[Seite 262]

Camper's kleine Schriften I. B. 1. St.
tab. 1. u. 4.

*).
[Seite 263]

Vorzüglich merkwürdig sind die scharf-
sinnigen Versuche des Dr. Albers,
der mittelst eines besonders dazu einge-
richteten Apparats lebendige Vögel durch
diese Luftknochen hat verschiedene Gas-
arten, einathmen lassen. s. Dess. Bey-
träge zur Anatomie und Physiologie
der Thiere
Istes Heft. Brem. 1802. 4.
pag. 110.

**).
[Seite 263]

s. darüber besonders Dr. J. A. H.
Reimarus in Reil's und Auten-
rieth's
Archiv XIter B. pag. 229.

*).
[Seite 265]

z.B. Cajet. Monti in den Comment.
instit. Bononiens. T. III. pag. 298 sq.
und noch neuerlich Stewart Traill
in den Transact. of the Linnean So-
ciety
vol. XI. P. 11.

**).
[Seite 265]

Willis a. a. O.

*).
[Seite 266]

Ueber das Respirationssystem dieser
Thierclasse s. vor allen Meckel in s.
Archiv IV. B. p. 60. und Vten p. 213.

**).
[Seite 266]

Zum Grund des bekannten Phänomens,
dass die Lungen bey lebendig geöffne-
ten Schildkröten und Fröschen nicht wie
bey Vivisectionen der Säugethiere zu-
sammenfallen, sondern sich oft noch
geraume Zeit, wenigstens zum Theil,
aufgetrieben erhalten können, fanden
Malpighi a. a. O. und neuerlich Rob.
Townson de amphibiis Goett. 1794. 4.
die zusammenziehenden Muskeln der
Stimmritze (constrictores glottidis) hin-
reichend; Bremond hingegen hielt diess
nach seinen Versuchen nicht für allein
zulänglich, sondern rechnete dabey viel
auf die eigne Lebenskraft der Lungen
selbst; und hiermit vergl. auch Ru-
dolphi's
Versuche in s. anatomisch-
[Seite 267] physiologischen Abhandl. pag. 119 u. f.
G. R. Treviranus im IV. B. der Bio-
logie
pag. 141. besonders aber Const.
Em. de weltzien de pulmanum aut-
energia in organico respirationis me-
chanismo
. Dorp. 1819. 8. pag. 102.

*).
[Seite 267]

Vallisnieri istoria del Camaleonte
pag. 68. tab. 3. fig. 10.

**).
[Seite 267]

Bey einer viertehalb Fuss langen Natter
die ich secirte, mass die Lunge 1 Fuss
1 Zoll; ihre vordere Hälfte ähnelte einem
fleischichtem Darm, dessen innere Haut
überaus sauber gegittert war (im Klei-
[Seite 268] nen fast wie die innere Fläche der
Haube bey den Bisulcis); die hintere
hingegen bildete bloss eine dünnhäutige,
lange Blase.

*).
[Seite 268]

Man hat gezweifelt, ob auch die Junge
des wahren Salamanders mit solchen
Kiemen versehen seyen, und La-
treille
in der Histoire naturelle des
Salamandres de France
fragt noch (pag.
19 u. f.) ‘„Les jeunes Salamandres ter-
restres ont – elles des branchies? Voilà
une question que je mets encore au
rang des problèmes
“’ etc. Ich habe aber
diese Frage schon vor 38 Jahren und
zwar bejahend nach der Natur beant-
wortet, da mehrmals trächtige Salaman-
derweibchen, die ich in Gläsern mit
etwas Wasser auf dem Zimmer gehabt,
unter meinen Augen ihre Junge geheckt
haben, die ansehnliche solche Kiemen
mit zur Welt brachten. s. das Specimen
physiologiae comparatae
im VIIIten B.
der Göttingischen Societäts-Commen-
tationen pag. 99.

*).
[Seite 269]

Swammerdam bibl. nat. pag. 822. Rö-
sel
tab. 2. fig. 18. vorzüglich aber J.
Conr. de Hasselt observationes de
metamorphosi quarundam partium Ra-
nae temporariae
. Groning. 1820. 8. m.
Kupf. und von den jungen Wasser-
molchen Maur. Rusconi degli organi
della circolazione delle larve delle sa-
lamandre aquatiche
. Pav. 1817. 4. m.
Kupf.

**).
[Seite 269]

Swammerdam pag. 822. tab. 49. fig. 1.
Rösel pag. 82. tab. 19. fig. 2.

***).
[Seite 269]

Die räthselhafte Siren lacertina aus
Carolina hat nach J. Hunter's Zer-
[Seite 270] gliederungen bey ihren äussern Kiemen
zugleich auch in ihrem Innern zwey
blasenformige Lungen. s. Philosoph.
Transact. vol. LVI. pag. 307 u. f.

Dasselbe ist der Fall bey dem nicht
minder räthselhaften Proteus anguinus
im Sitticher See in Krain, dessen son-
derbaren inneren Bau von Schreibers
in eben diesen Transactions v. J. 1801.
und Configliachi e Rusconi in ih-
rer Monografia del Proteo anguino.
Pav. 1819. 4. beschrieben und abge-
bildet haben; wo letzterer zumahl die
Verschiedenheiten angiebt, wodurch sich
diese Sackförmigen Organe des Proteus
von andern mehr Lungenähnlichen aus-
zeichnen.

Von jenen beiden räthselhaften Thie-
ren so wie auch von den Larven man-
cher Frösche und Salamander s. be-
sonders Cuvier's Recherches anato-
miques sur les reptiles regardés encore
comme douteux pur les Naturalistes,

Par. 1807. 4. und in den Voyages de
Humboldt et Bonpland IIme P.
[Seite 271] Observations d'anatomie comparée Iet
vol. 1811.

*).
[Seite 271]

Rösel tab. 18. fig. 7. 8.

Vorzüglich deutlich habe ich dieses
Organ an ein paar grossen Larven der
Rana paradoxa vor mir.

**).
[Seite 271]

Rösel tab. 14. fig. 17.

***).
[Seite 271]

Rosenthal in den Verhandl. der
Berlin. naturforsch. Gesellsch.
I. B.
I. St. 1819.

*).
[Seite 272]

Duméril vom Mechanismus des Ath-
mens der Fische, im Magasin ency-
clopedique
par Millin 1807. T. VI. p. 35.

*).
[Seite 273]

Fischer's naturhistor. Fragmente. I. B.
pag. 213 u. f.

**).
[Seite 273]

Monro tab. 25. vom Schellfisch; tab. 26.
vom Lachs.

*).
[Seite 274]

Gotth. Fischer über die Schwimm-
blase der Fische
. Leipz. 1795. 8. und
Nachträge dazu in Dess. naturhisto-
rischen Fragmenten
. I. B. S. 229 u. f.
an beiden Orten mit Abbildungen der
Blase aus verschiedenen Fischen.

Dergleichen aus mehreren andern
geben Needham de formato foetu tab. 7.
Redi de viuentibus intra viuentia tab.
3-6. und die Observ. anatom. col-
legii priuati Amstelod
. P. II. tab. 10.

**).
[Seite 274]

Vergl. Aug. W. Zacharia's Elemente
der Luftschwimmkunst
. Wittenb. 1807.
8. S. 90 u. f.

***).
[Seite 274]

Von ihrer merkwürdigen Verbindung
mit dem Gehörorgan s. E. H. Weber
de aure animalium aquatilium. Lips.
1820. 4. m. Kupf.

*).
[Seite 275]

s. des Entdeckers C. Fracassati ep.
de cerebro ad Malpighium p. 227 u. f.

*).
[Seite 276]

s. davon die beiden reichhaltigen Schrif-
ten: F. Loth. Aug. Sorg disquisit.
physiolog. circa respirationem insector.
et vermium.
Rudolst. 1805. 8.

und Fr. Hausmann commentatio
de animalium exsanguium respiratione.

Hannov. 1803. 4.

**).
[Seite 276]

J. Flor. Martinet de respiratione
insectorum.
Lugd. Batav. 1753. 4.

*).
[Seite 277]

So z.B. am Flusskrebs, bey Willis
de anima brutorum. tab. 3. fig. 2. 3.
Rösel's Insectenbelustig. III. Th. tab.
58. fig. 9. 11. tab. 59. fig. 17. und Fr.
gu. l. Succow Specimen myologiae
insectorum
. tab. 1. fig. 1. k. k.

**).
[Seite 277]

Doch geben auch unter diesen die Skor-
pione, da sie ebenfalls mit Kiemen ver-
sehen sind, ein auffallendes, freylich
so viel bekannt in ihrer Art einziges
Beyspiel einer Thierart, die, obgleich
blos in der Luft lebend, nach Art der
Fische Athem schöpft, s. G. R. Tre-
viranus
über den innern Bau der Arach-
niden.
Nürnb. 1812. 4. S. 8. tab. 1. fig. 7. 8.

***).
[Seite 277]

Curt. Srengel de partibus quibus
insecta spiritus ducunt
. Lips. 1815. 4.
mit Kupf.

*).
[Seite 278]

Lyonet tab. 4. fig. 1. tab. 5. fig. 1. u. f.
tab. 6. fig. 1. tab. 7. fig. 1. tab. 10. fig. 1.
2. und tab. 11.

Vergl. damit die Abbildungen der
Luftwege im Nashornkäfer bey Swam-
merdam
tab. 29. fig. 9. 10. tab. 30.
fig. 1. 10.

[Seite 279] Im Hornschröter, bey Malpighi
de bombyce. tab. 3. fig. 2.

In einer Cicade, ebendas. tab. 3. fig. 3.

In einer Heuschrecke tab. 4. fig. 1. und
Cuvier in den Mém. de la Soc. d'hi-
stoire naturelle de Paris
, an 7. pag. 39.
fig. 2.

Im Seidenwurm, Malpighi tab. 3.
fig. 1.

In einer Libelle, Cuvier a. a. O.
fig. 2. 5. 6.

Im Uferaas, Swammerdam tab. 14.
fig. 1. tab. 15. fig. 1. 4. 7.

In der Honigbiene, ebendas. tab. 17.
fig. 9. 10. tab. 25. fig. 10. tab. 24. fig. 1. 2. 3.

In der Ochsenbremse, Bracy Clark
in den Transact. of the Linnean So-
ciety
. T. III. tab. 23. fig. 25.

In Fliegenmaden, Swammerdam
tab. 40. fig. 1. 2. tab. 41. fig. 1. 2. tab. 42.
fig. 3. 8. tab. 43. fig. 2.

In der Laus, ebenders. tab. 1. fig.
8. 4. 7.

In mehrern Gattungen von Spinnen,
G. R. Treviranus a. a. O. tab. 2. u. f.

*).
[Seite 280]

s. zumal Hausmann a. a. O.

*).
[Seite 281]

Swammerdam algem. Verhandel. van
de Bloedeloose Dierkens
. 1669. tab. 2.

**).
[Seite 281]

vergl. hierüber vorzüglich Cuvier so-
wohl im Journal d'histoire naturelle
1792. T. II. p. 85. als in seinem tableau
de l'hist. nat. des animaux
S. 384 u.a.,
und Sorg, Hausmann a. a. O. auch
[Seite 282] Spallanzani sur la respiration. Genèv.
1803. 8.

*).
[Seite 282]

Swammerdam bibl. nat. tab. 51. fig. 1.
Monro tab. 41. fig. 1. und besonders
Tilesius de respiratione Sepiae offi-
cinalis
. Lips. 1801. 4. tab. 1. 2.

**).
[Seite 282]

Willis tab. 2.

***).
[Seite 282]

Von der Lepas balanus s. Poli tab. 4.
fig. 20. 22.

[Seite 283] von Pholas dactylus tab. 8. fig. 61.

vom Solen strigilatus tab. 13. fig. 5.

von der Helix pomatia, Swam-
merdam
tab. 4. fig. 1.

und von der H. stagnalis, Stiebel
tab. 1. fig. 5.

*).
[Seite 283]

von nackten Wegschnecken ebenfalls
Swammerdam tab. 8. fig. 7. tab. 9.
fig. 1.

**).
[Seite 283]

Von den Blutegeln s. Bening de hiru-
dinibus
pag. 20 u. f. und P. Thomas,
histoire naturelle des sangsuës. Par.
1806. 8.

***).
[Seite 283]

An der Venus laeta bey Poli tab. 2.
fig. 17.

*).
[Seite 285]

An einem – freylich trocknen – Präpa-
rate vom Larynx und den Lungen des
kleinen Tamandua (Myrmecophaga di-
dactyla
) finde ich den Kehlkopf ganz
knöchern, völlig von der nemlichen Sub-
stanz wie das Zungenbein, die aus-
[Seite 286] nehmend kurze Luftröhre aber ist wie
ein bloss häutiger Canal zusammen ge-
fallen, ohne eine merkliche Spur von
Knorpelringen.

*).
[Seite 286]

J. Hunter hat bey den Cetaceen, die
er zergliedert, keine glandula thyreoidea
gefunden. Das reimte sich mit der
Hypothese, dass diese Drüse zur Bil-
dung der Stimme diene.

**).
[Seite 286]

Pennant's arctic Zoology T. II.
pag. 320.

***).
[Seite 286]

Müller's Sammlung Russischer Ge-
schichte
T. VII. pag. 123.

Vergl. J. Chr. Beckmann's histo-
rische Beschreibung der Chur- und
Mark-Brandenburg
. T. I. pag. 590.

*).
[Seite 287]

Ausser den beiden ältern Hauptwerken
über die Stimmwerkzeuge von Casse-
eius
und Fabric. ab Aquapendente,
und den in der Folge anzuführenden
Schriften, gehört hieher Marc. Jan
Busch
diss. de mechanismo organi
vocis
, Groning 1770. 4. die viele wich-
tige Bemerkungen von P. Camper ent-
hält, vorzüglich aber L. Wolff (Praes.
C. Asm. Rudolphi) diss. anato-
mica de organo vocis mammalium
.
Berol. 1812. 4. m. Kupf.

Vom besonders merkwürdigen Bau
dieser Organe bey verschiedenartigen
Cetaceen s. Camper sur la structure
interieure de plusieurs Cetacés
; Al-
bers
icones, Fasc. II; und Rudolphi
in den Abhandl. der Berliner Akad.
physik. Cl. 1820-21.

*).
[Seite 289]

Herissant in den Mém. de l'ac. des
sc. de Paris
1753. tab. 9.

**).
[Seite 289]

Ebendas. tab. 10.

*).
[Seite 290]

Jener so wesentlichen ganz specifischen
Verschiedenheit im Bau des Kehlkopfs
des Pferdes und Esels habe ich im
Handb. der Naturgesch. pag. 26. der
Xten Ausg. als Einer von so manchen
Instanzen gegen die von Ray. Büffon
u.a. angenommene Regel gedacht, als
ob alle diejenigen Geschöpfe zu Einer
Species gehören müssten, die mit ein-
ander fruchtbare Nachkommenschaft
zeugen.

**).
[Seite 290]

Vicq-d'azyr in den Mém. de l'Ac.
des sc. de Paris
. 1779. tab. 11. fig. 17.

*).
[Seite 291]

Casserius de vocis auditusque orga-
nis
tab. 10. fig. 9. 10. pag. 55. ‘„ad grun-
nitum in porcis efficiendum
.“’ – He-
rissant
a. a. O. tab. 11.

**).
[Seite 291]

z.B. der Orang-Utang (Simia saty-
rus
), s. Camper's Naturgesch. dessel-
ben
tab. 3. fig. 2. tab. 4. a. fig. 2. 3.

Der Magot (Simia inuus) in Lud-
wig's
Grundr. der Naturgesch. der
Menschenspecies
. tab. 1. 2.

Bey einem gemeinen Affen (Simia
silvanus).
den ich zergliedert, liess sich
der rechte Kehlbeutel Daumen, dick
und drey Zoll lang aufblasen, der
linke hingegen nur zur Grösse einer
Muskatennuss. Den Kehlbeutel eines
geschwänzten Affen, (vermutlich Si-
mia cynomolgus
) s. bey Camper tab.
4. a. fig. 2.

***).
[Seite 291]

Der Mandril (Papio maimon) bey
Vicq-d'Azyr a. a. O. tab. 7.

†).
[Seite 291]

Camper a. a. O. tab. 8. fig. 7.

*).
[Seite 292]

s. Purchas's Pilgrimes T. IV. pag. 1302.
Vicq-d'Azyr tab. 9. 10. Camper
tab. 4. b. fig. 4. 5. und Von Hum-
boldt
a. a. O. tab. 4. n. IX.

*).
[Seite 293]

Was Warren in den philos. Trans-
act
. vol. XXXIV. p. 113. beym Straus
für einen Kehldeckel ansah, ist bloss
eine kleine Erhabenheit auf der Zun-
genwurzel. s. Cuvier in der Ména-
gerie du Museum national d'histoiré
naturelle
. Par. 1801; Fol. No. I. bey
tab. 3.

*).
[Seite 294]

Daher mancherley Vögel, wenn man
ihnen schon die Luftröhre unter der
obern Stimmritze durchschneidet, doch
noch mittelst des Bronchial-Kehlkopfs
ihre Stimme ziemlich unverändert von
sich geben können. s. Duverney in
der Hist. de l'Acad. des sc. de Paris
T. II. pag. 7. Girardi in den Memo-
rie della Società Italiana
T. II. P. II.
pag. 737. und Cuvier im Magazin
encyclopédique
ann. 1. T. II. pag. 357.

*).
[Seite 295]

Vom Bronchial-Larynx s. vorzüglich
Herissant, Vicq-d'Azyr, und Cu-
vier
a. den a. O., und noch eine
zweyte Abhandlung des Letztern im
2ten B. des IVten Jahrg. vom Magaz.
encyclopéd. Ferner Schneider im
Leipziger Magazin v. 1786 und 1787.
und in seinem Commentar ad reli-
qua libror
. Friderici II. pag. 33.
211 u. f.

Ins besondere vom wilden Schwan
s. Aldrovandi ornitholog. T. III.
p. 13 u. f.

und von der Gans, Haller's mei-
sterhafte Beschreibung de partium c.
h. fabrica et functionibus T. VII.
pag. 321 u. f. verglichen mit dem schö-
nen Abbildungen bey Herissant a. a.
O. tab. 12 u. 14.

*).
[Seite 296]

Vergl. wieder ausser Herissant und
Cuvier a. a. O. Aldrovandi orni-
thol
. T. III. pag. 190. Willoughby
ornithol. tab. 73. Bloch in den Be-
schäftig. der Berliner naturf. Gesellsch.

T. IV. pag. 579 u. f. tab. 16 u. f. und in
den Schriften T. III. pag. 370. tab. 7 u. s.
und Latham in den Transactions of
the Linnean Society
vol. IV. pag. 90.
tab. 9-16.

**).
[Seite 296]

S. darüber schon des alten Fabricius
Hildanus
Beschr. der Fürtrefflichkeit
der Anatomy
pag. 223.

*).
[Seite 298]

Blasii Zootomia. Amst. 1677. 8. tab.
17. fig. 5.

**).
[Seite 298]

Vom Larynx des Crocodilus Orinoci
s. Humboldt a. a. O. tab. 4. n. 10.

Vicq-d'Azyr a. a. O. tab. 13. fig. 45.
46. von Schildkröten; fig. 41. 42. 44. von
Fröschen; fig. 47 bis 52. von Schlangen.

Den Kehlkopf der Klapperschlange s.
bey Tyson's Anatomy of a Rattle-
snake
in den philos. Transact. vol. XIII.
Nr. 144. fig. 5.

*).
[Seite 299]

Camper's kleine Schriften I. B. 1. St.
pag. 144. tab. 3. fig. 1-4.

*).
[Seite 300]

Einen scharfsinnigen Versuch einer
neuen Einteilung der Thiere nach dem
Totalorganismus des Nervensystems in
ihren Classen oder Hauptordnungen, hat
Rudolphi geliefert in seinen Beyträ-
gen zur Anthropologie und allgemeinen
Naturgeschichte
. Berl. 1812. 8. S. 79.

**).
[Seite 300]

Viel lehrreiches zu diesem Abschnitt,
(besonders über das Hirn der warmblü-
[Seite 301] tigen Thiere,) das nur nach dem Zu-
schnitt dieses Handbuchs nicht einzeln
beygebracht werden kann, findet sich
in Gall et Spurzheim Anatomie et
Physiologie du Systeme nerveux
etc.
Par. seit 1810. 4. mit den dazu gehö-
rigen Kupf. in Fol.

bey Jos. et C. Wenzel de stru-
ctura cerebri humani et brutorum
.
Tubing. 1812. fol.

und in mehrern andern auch hieher
gehörigen Werken, die ich aber schon
in der IVten Ausg. der Institut. phy-
siolog
. 1821. pag. 176 u.a. aufgeführt
habe.

*).
[Seite 301]

So wurden bekanntlich von den Alten
die homogenen organischen Stoffe, wie
z.B. Nerven, Muskeln, Sehnen, Kno-
chen, Knorpel u.s.w. genannt, aus
[Seite 302] deren Verbindung partes dissimilares
des thierischen Körpers, nämlich seine
Theile, Gliedmassen, Eingeweide u. s.
w. gebildet sind.

*).
[Seite 303]

s. Dess. Diss. de basi encephali, Goet-
ting. 1778. 4. pag. 17. und tabula ba-
seos encephali
. Francof. 1799. Fol.
pag. 5 u. f.

Vergl. damit Jo. Godofr. Ebel ob-
seruat. neurologic. ex anatome compa-
rata
. Francof. ad Viadr. 1788. 8.

*).
[Seite 304]

Den grossen Einfluss den dieses Ver-
hältniss der Grösse des Gehirns zum
übrigen Nervensystem auf die ganze
thierische Oekonomie der kaltblütigen
Thiere, verglichen mit den warmblüti-
gen, äussert, wie namentlich davon ihre
weit mindern Consensus, folglich die
schwächere Mobilität ihrer ganzen Ma-
schine, anderseitig hingegen auch die
grössere vom Hirn unabhängige, vielmehr
eigentümliche Vitalität der einzelnen
Theile, so wie die ausnehmende Stärke
ihrer Reproductionskraft abhängt, von
alle dem habe ich ausführlicher gehan-
delt in dem Specimen physiol. comp.
inter animantia calidi et frigidi san-
guinis
im VIIIten B. der Societäts-Com-
mentationen; auch im Handb. der Na-
turgeschichte
pag. 237 u. f. der Xten
Ausgabe.

*).
[Seite 305]

Etwas Aehnliches, aber bloss als eine
meines Wissens beyspiellose anato-
mische Varietät, zeigt sich in einem
Schedel einer 30 jährigen Weibsperson
in meiner Sammlung, in welchem die
so genannte tabula vitrea des Stirn-
beins, da wo der processus falciformis
[Seite 306] anliegt, ebenfalls wie beym Schnabel-
thier, ein langes sichelförmiges Knochen-
blatt bildet.

*).
[Seite 306]

S. hiervon Soemmerring vom Hirn
und Rückenmark
, Mainz 1788. 8.

*).
[Seite 307]

S. Josephi's Anatomie der Säugethiere.
Beytr. zum Isten B. S. 34. tab. 4.
fig. 1.

**).
[Seite 307]

Im Schedel einer jungen Robbe, den ich
besitze, hängt die vordere oder obere
Seite jenes dachförmigen Stücks durch
ein sehr robustes vertikales Knochen-
blatt, das sich bis an die Mitte der
sutura lambdoidea erstreckt, mit der in-
nern Fläche des Hinterhauptbeins, da
wo die Sichel sich endet, zusammen.

*).
[Seite 308]

Von den Hauptverschiedenheiten des
knöchernen tentorii und seinem angeb-
lichen, aber nicht wahrscheinlichen
Nutzen habe ich schon im osteologi-
schen Handbuche
S. 117 u. f., und von
letzterm auch in den instit. physiolog.
pag. 174. gehandelt.

**).
[Seite 308]

Abbildungen von Gehirnen aus dieser
Thierclasse (ausser denen, die in den
folgenden Noten angeführt werden),
geben z.B.

vom Schimpanse (Simia troglodytes),
Tyson in seiner vortrefflichen Mono-
graphie
fig. 13. 14.

von andern Quadrumanen so wie
vom zahlreichen Quadrupeden aus ver-
[Seite 309] schiedenen Ordnungen der Säugethiere
Tredemann icones cerebri simiarum
et quorundam animalium rariorum
,
Heidelb. 1821. fol.

vom Hund, Collins im System of
anatomy
vol. II. tab. 53. fig. 1. und
Ebel a. a. O. tab. 1. fig. 7.

von der Katze, Collins tab. 53.
fig. 2. und Ebel tab. 1. fig. 3.

vom Pferd, Vicq-d'Azyr in den
Mém. de l'Ac. des sc. von 1783. tab. 7.
und Ebel tab. 1. fig. 1.

vom Schaf, Vicq-d'Azyr tab. 8.
fig. 1. und Ebel tab. 1. fig. 8.

vom Ochsen Vicq-d'Azyr tab. 8.
fig. 2. und Ebel tab. 1. fig. 6. und 9.

vom Schwein, Collins tab. 54. und
Ebel tab. 1. fig. 10.

vom Elephanten, Camper tab. 14.

von der Robbe W. Vrolik de Pho-
cis speciatim de Phoca vitulina
. Ultraj.
1822. 8. tab. 1.

*).
[Seite 310]

Das Auffallende dieser Verschiedenheit,
selbst schon bey den so genannten an-
thropomorphis
, den Quadrumanen, zeigt
die Abbildung des Hirns eines Mandrills
(Papio maimon), die ich in den beiden
ersten Auflagen der Schrift de generis
hum. variet. natiua
tab. 1. fig. 1. gege-
ben habe.

**).
[Seite 310]

Soemmerring de lapillis vel prope
vel intra glandulam pinealem sitis.

Mogunt. 1785. 8.

***).
[Seite 310]

In einem Damhirsch hat es Soemmer-
ring
gefunden, a. a. O. pag. 10.

[Seite 311] in der Ziege Malacarne. s. Dess.
Encefalotomia di alcuni quadrupedi.
Mant. 1795. 4. pag. 31.

*).
[Seite 311]

S. Metzger's Specimen anatomiae
comparatae primi paris neruorum
in
Dess. Opusc. anatom. et physiolog.
Goth. 1790. 8. pag. 100. u. f.

**).
[Seite 311]

Abbildungen dieses Organs, zumal an
Hirnen von Bisulcis und vom Hasenge-
schlechte s. in Collin's System of
anatomy
vol. II. tab. 51 u. f. Ebel a.
a. O. Willisii anat. cerebri fig. 2.
Monro on the nervous System tab.
9 und 24.

*).
[Seite 312]

Die zuerst und ganz aus der Natur von
dem wackern Conr. Vict. Schneider
zu Wittenberg widerlegt worden, in
s. classischen kleinen Liber de osse cri-
briformi
. 1655. 12.

**).
[Seite 312]

S. Soemmerring vom Hirn u.s.w.
pag. 91 u. f.

[Seite 313]

Von den Eigenheiten einiger beson-
ders merkwürdigen Nerven zumahl in
dieser Classe s. z.B. L. Jacobson de
quinto pari n. animalium
. Regiom. 1818.

4. Ferd. Muck de ganglio ophthal-
mico et neruis ciliaribus animalium
.
Landish. 1815. 4.

vorzüglich aber vom sympathischen:
Rudolphi in den Abhandl. der Ber-
liner Akad
. 1814. pag. 161.

E. H. Weber anat. compar. n.
sympath. Lips. 1817. 8.

und H. C. van der Boon Mesch
de n. sympath. Leid. 1821. 8.


*).
[Seite 313]

Selbst noch von Haller, de partium
corp. hum. fabr. et funct
. T. VIII.
pag. 163.

*).
[Seite 314]

Ebenfalls beym Auerhahn ist das Ge-
hirn in Verhältniss zur Grösse des
Kopfs und ganzen Körpers ganz auf-
fallend klein; da es hingegen bekannt-
lich bey manchen andern Thieren dieser
Classe, zumal unter den Sangvögeln,
in eben dieser Relation, selbst das
menschliche übertrifft.

**).
[Seite 314]

Dr. Franke im Archiv für Physiolo-
gie
XI. B. S. 220.

und A. Meckel in s. Bruders Ar-
chiv
II. B. S. 25.

auch Th. G. J. Nicolai de me-
dulla spinali avium
Hal. 1811. 8.

*).
[Seite 315]

Ueber die verschiedene Deutung dieser
Theile im Vogelhirn, die von mehrern
neuern Zergliederern zu den Vierhüglern
gerechnet werden, s. besonders Tiede-
mann's
Bildungsgesch. des Gehirns im
Foetus
. Nürnb. 1816. 4. pag. 118.

*).
[Seite 316]

S. Haller's kernigen Aufsatz de ce-
rebro auium
im IIIten Bd. der Oper.
minor. pag. 191.

und Malacarne's weitläufigen Com-
mentar darüber in den Memorie della
Società Italiana
T. I. pag. 747. T. II.
P. I. p. 237. T. III. pag. 126.

Abbildungen von Vogelhirnen ha-
ben gegeben; z.B.

von einem Habicht Ebel tab. 1. fig. 13.

von einer Eule Id. ib. fig. 12.

vom Eisvogel Collins tab. 49. fig. 1.

vom Kolkraben Vicq-d'Azyr in
den Mém. de l'ac. des sc. 1783. tab. 10.
fig. 1.

vom Indianischen Haubenfink Col-
lins
tab. 58. fig. 3.

[Seite 317] von einem Finken Ebel. tab. 2. fig. 6.

von einer Taube Id. tab. 58. fig. 5.

vom Rebhuhn Id. ib. fig. 6.

vom Haushuhn Vicq-Azyr a. a. O.
tab. 9. fig. 3. 4. 5.

vom Truthahn Collins tab. 57. fig.
3. 4. 5.

vom Trappen Id. tab. 57. fig. 1. 2.

von der Waldschnepfe Id. tab. 57.
fig. 6.

von der Heerschnepfe Id. ib. fig. 8.

von der Brachschnepfe Id. tab. 58.
fig. 1.

von der Pfuhlschnepfe ib. fig. 2.

Vom Schwan Id. tab. 56. fig. 1.

von der Gans Id. Tab. 56. fig. 1. und
tab. 59. fig. 2. und von der Seite und
im Innern Ludwig de cinerea cerebri
substantia
Lips. 1779. 4. fig. 1. 2. 3.
von unten Ebbl tab. 2. fig. 1.

von der Kriekente Collins tab. 57
fig. 7.

und von der gemeinen wilden Ente
Id. tab. 56. fig. 3. 4.

*).
[Seite 318]

Der Kreuzung der Sehenerven, die
manche Amphibien mit vielerley Fischen
gemein haben, wird unten (§. 216)
gedacht.

**).
[Seite 318]

Abbildungen des Gehirns einer Land-
schildkröte s. bey Caldesi tab. 2 fig. 5.

vorzüglich aber bey Bojanus a. a. O.
tab. 23.

[Seite 319] von Fröschen bey Ludwig, Vicq-
d
'Azyr und Ebel a. a. O.

vom sehr einfachen Hirn des Pro-
teus vorzüglich G. R. Trevirranus
in den Commentat. Soc. scientiar. Got-
tingens. recentior
. vol. IV. pag. 200.
tab. 2.

von der Viper bey Vicq-d'Azyr
tab. 10. fig. 8.

und von mehrern Amphibien aus
beiden Ordnungen so wie von manchen
Fischen bey H. Kuhl in s. Beitr.
zur Zool. u. vergleichenden Anatomie.
Frankf. 1820. 4.

*).
[Seite 319]

Apost. Arsaky de piscium cerebro et
medulla spinali.
Hal. 1813. 4. mit Kupf.
[Seite 320] Desmoulins in Magendie's Jour-
nal de Physiol
. T. II. p. 127.

und C. W. H. Fenner de anat.
compar. et naturali philosophia
. Jen.
1820. 8.

*).
[Seite 320]

E. H. Weber de aure animal. aqua-
tilium
pag. 21.

Zumahl bey den Knorpelfischen findet
sich diese Sulze in Menge, und bey
manchen mehrere Lagen derselben von
verschiedner Consistenz, theils Eyweiss-
ähnlich und so durchsichtig und klar
wie Hirschhorn-Gallerte.

[Seite 321] Die Küsten-Eskimos auf Labrador
wissen sich daraus nette Putzcorallen zu
verfertigen, wovon die Proben die ich
besitze auf den ersten Blick wie au-
Copal gearbeitet scheinen.

*).
[Seite 321]

Haller de cerebro piscium in den
Oper. minor. T. III. pag. 198.

Abbildungen von Fischgehirnen fast
aus allen Ordnungen, doch meist nur
von der obern Außenseite finden sich
bey Collins tab. 60. bis 70.

Ausserdem s. von Rochen Camper in
s. klein. Schr. II. Bd. 2. St. tab. 3. fig. 1.
2. Monro Physiol. der Fische, tab. 1.
34. und 37. Scarpa de auditu et
olfactu
. tab. 1. fig. 1. und Harwood
im System of comparative Anatomy
aud Physiology
. vol. I. tab. 10.

Von Hayfischen Stenonis in den
Elem. myologiae tab. 5. fig. 4. und tab.
[Seite 322] 7. fig. 1. auch Scarpa a. a. O. tab. 2.
fig. 6.

vom Froschfisch (Lophius piscatorius)
Camper a. a. O. tab. 1. fig. 1. 2.

vom Meeraal (Muraena conger) Vicq-
d
'Azyr a. a. O. tab. 10. fig. 3.

vom Kabeljau (Gadus morrhua) Cam-
per
a. a. O. I. B. 2. St. tab. 1. fig. 2. und
Monro tab. 39.

vom Schellfisch (Gadus aeglefinus)
Id. on the nervous System tab. 32.

von der Steinbutte (Pleuronectes
maximus
) Vicq-d'Azyr tab. 10. fig. 5.

von der Trigla adriatica, Tiede-
mann
in Meckel's Archiv II. B. tab.
2. fig. 4.

vom Wels Ebel a. a. O. tab. 2. fig. 4.

vom Hecht Casserius de auditu
tab. 12. Vicq-d'Azyr tab. 10. fig. 4.
Ebel tab. 2. fig. 2. Scarpa tab. 2. fig. 1.
und Harwood tab. 9. fig. 1. 2.

vom Karpen Ebel ib. fig. 3. und
Scarpa tab. 2. fig. 4.

*).
[Seite 323]

s. Soemmering in den Hessischen
Beyträgen zur Gelehrsamkeit
1. B. 2. St.
1784. S. 205. und Dess. Dissert. de
decussatione neruot. opticor
. Mogunt.
1786. pag. 24.

G. Coopmans neurologia pag. 38 u. f.

Rudolphi im Wiedemannischen
Archiv.
I. B. 2. St. pag. 156.

und viele der in der vorigen Note
angeführten Abbildungen.

**).
[Seite 323]

s. Eustachii examen ossium pag. 227.
und eine Abbildung aus dem Schwert-
fisch bey Malpighi de cerebro.

Um damit das gewöhnliche Gefüge
andrer Nerven zu vergleichen s. man
z.B. die Abbildung von dem physiolo-
gischen Präparat des Anfanges vom
5ten Paar beym Elephanten in Abr.
Kaau Boerhaave historia anatomica
(prior) infantis, cuius pars corporis infe-
rior monstrosa
. Petrop. 1754. 4. tab. 1.

*).
[Seite 324]

Scarpa a. a. O.

**).
[Seite 324]

Rudolphi in den Abhandlungen der
Berliner Akad
. 1814. pag. 174.

*).
[Seite 325]

J. Hunter in Philos. Transact. Vol.
LXIII. pag. 481. tab. 20.

Mich. Girardi in den Memorie della
Societa italiana
. T. III. pag. 553.

und J. T. Todd in den Philos. Trans-
act
. for. 1816. P. I. pag 221.

**).
[Seite 325]

J. Hunter in Philos. Transact. Vol.
LXV. pag. 395. tab. 9.

***).
[Seite 325]

Geoffroy im Bulletin de la Societé
philomatique, 6e année.
T. III. p. 169 sq.

*).
[Seite 326]

S. vor allen Lyonet's Nevrologie der
Weidenraupe tab. 9. tab. 10. fig. 5. 6.
und tab. 18. fig. 1.

vom Seidenwurm Swammerdam tab.
28. fig. 3. (besser als bey Malpighi)
und Bibiena in den comm. instit.
Bononiens.
T. V. P. I. tab. 4. fig. 17. 18.
20. und im Schmetterling. fig. 21.

In der Raupe des Nessel-Papilions
Swammerdam tab. 34. fig. 7.

In der des gemeinen Buttervogels
Herold in dem oben S. 155. genann-
ten Werke.

*).
[Seite 327]

s. darüber besonders E. H. Weber
anat. comparata nerui sympathici pag.
89. und Wilbrand in seiner Preis-
schrift über die Classification der Thiere.
pag. 37. 41.

**).
[Seite 327]

Von andern Insecten s. z.B. das Ner-
vensystem der Larve des Nashornkäfers
bey Swammerdam tab. 28. fig. 1. und
Roesel T. II. Erdkäfer 1ste Cl. tab. 8
fig. 4.

vom Uferaas Swammerdam tab. 14.
fig. 1. tab. 15. fig. 6.

vom Männchen der Imme ID. tab. 22.
fig. 6.

von der Moosbiene und Hummel
Treviranus, Biol. Vter B. tab. 1.

von der Ochsenbremse Gaede in
Wiedemann's zoolog. Magaz. I. B.
tab. 1. fig. 3.

[Seite 328] von Musca chamaeleon in verschie-
denen Stadien der Verwandlung Swam-
merdam
tab. 40. fig. 5. tab. 41. fig. 7.

von der Käsemade Id. tab. 43. fig. 7.

von der Laus Id. tab. 2. fig. 7.

von einem Schneckenkrebs Id. tab.
11. fig. 9.

vom Hummer Willis de anima
brutorum
tab. 3. fig. 1.

vom Monoculus apus Gaede a. a. O.
fig. 1. und von Scolopendra morsitans
fig. 7.

Viele treffliche anatomische und phy-
siologische Bemerkungen über das Ner-
vensystem mancher Insecten enthalten
von Humboldt's Versuche über die
gereizte Muskel- und Nervenfaser
I. B.
pag. 273. bis 86.

*).
[Seite 329]

S. z.B. namentlich vom Spulwurm, so
wie von Ascaris gigas und den Fasciola
hepatica
Ad. W. Otto im Magaz der
Berliner naturf. Gesellsch
. VII. Jahrg.
3tes Qu1 pag. 223. tab. 5 und 6. Vom
Regenwurm Jos. Mangili de syste-
mate nerueo hirudinis, lumbrici terre-
stris aliorumque vermium
. Ticini 1795.
Deutsch im IIten B. des Archiv's für
Physiologie
.

vom Blutegel schon Redi de viuen-
tibus intra viuentia
tab. 14. fig. 9. und
Bibiena in den comment. instit. Bono-
niens
. T. VII. tab. 2. fig. 5. tab. 3. fig. 6.
– vergl. auch Bening pag. 19 u. f.
und Mangili a. a. O.

von der Giftkuttel Bohadsch de qui-
busd. animalib. marinis
tab. 3. fig. 1. 3. 4.

Von mancherley nackten und be-
hausten Land-Schnecken und Bewoh-
nern der Flussmuscheln (und deren
ganzen innern Bau), das Prachtwerk
von De Férussac, die Hist. natlle des
Mollusques terrestres et fluviatiles
.

von einer Wegschnecke Swammer-
dam
tab. 9. fig. 2.

[Seite 330] von der Weinbergschnecke Swam-
merdam
tab. 4. fig. 6. tab. 6. fig. 1. ver-
glichen mit Spallanzani in den Me-
morie della Societa italiana.
Tab. II.
P. II. pag. 545.

vom Mytilus cygneus Mangili so-
pra alcune specie di conchiglie bivalvi.

Mail. 1804. 8. fig. 1. 2.

vom Mytilus anatinus Ratke in
den Skrivter af Naturhistorie-Selskabet.
IV. B. I. Heft. p. 162. Vor allen Cu-
vier's
meisterhafte Zergliederung so
vielartiger Mollusken in dem schon
oben (S. 159.) angeführten Werke, und
die von Meckel in seinen Beyträgen
zur vergleichenden Anatomie
.

vergl. auch Leue