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Handbuch
der
Naturgeschichte

Abbildung von Inhaltsverzeichnis auf Titelblattxxx
Zwölfte Ausgabe.
Mit zwey Kupfertafeln.

Wien,
1832.

Bey Mich. Lechner Universitäts-Buchhändler.
[titlePage_verso]

Vorrede.

[Seite III]

So gebe ich denn die zwölfte rechtmäßige Auflage die-
ses Handbuchs ans Licht, das, mehrere Nachdrücke des-
selben ungerechnet, auch in mancherlei Sprachen (– ins
Englische, Französische, Italienische, Holländische, Dä-
nische und Russische –) übersetzt worden, kurz, wie man
spricht, sein Publikum gefunden hat.

Es bedarf dabei nicht erst der Versicherung, daß
diese abermalige Ausgabe mit ganz bedeutendem Zu-
wachs und Berichtigungen ausgestattet worden, wovon
ich namentlich im mineralogischen Theile Vieles der Gü-
te meiner theuren Freunde und Collegen, der Hofräthe
Stromeyer und Hausmann verdanke.

Nachstehendes aus der Vorrede zu den vorigen Aus-
gaben mag auch in dieser seine Stelle finden.

Ich habe eben in jenen mineralogischen Abschnitten,
so wie im ganzen Buche, von Geschlechtern und den dar-
unter begriffenen Gattungen gesprochen. Denn, daß
man in der Mineralogie die Fossilien in genera und
species eintheilt, und die genera auf deutsch Ge-
schlechter, so wie die species Gattungen nennt,
darüber ist meines Wissens unter den gelehrten und phi-
losophischen Mineralogen Deutschlands nur eine Stim-
me. Und so versteht sichs wohl von selbst, daß wenn ich
also in einem Theile des Buchs die Benennungen von
Geschlecht und Gattung in diesem von jeher angenomme-
nen Sinne brauchen mußte, ich nicht in einem andern
Theile das Wort Gattung im verkehrten Sinne für ge-
nus brauchen durfte, wie doch in der That neuerlich von
[Seite IV] gar manchen deutschen Schriftstellern in der Zoologie
und Botanik beliebt ist.

Ich weiß nicht, wer der Reformator ist, der diese
Umkehrung der Begriffe und ihrer bestimmten Zeichen
zuerst unternommen haben mag: – aber wohl weiß ich,
was er mit einem solchen versuchten Eingriffe in den
Sprachgebrauch

‘„quem penes arbitrium est, et jus, et
norma loquendi
“’

bei andern aufgeklärten Nationen riskirt hätte: – daß
es ihm hingegen in Deutschland nicht an Nachahmern
gefehlt hat, ist eben nicht unerwartet. – Genug indeß,
daß so viele philosophische Naturforscher und die größten
unserer naturkundigen Philosophen das verba valent si-
cut numi besser befolgt, und sich also durch diese son-
derbare Umstempelung nicht irre führen lassen. – Und
warum auch ich für meine Person es hierin lieber beim
Alten lasse, als mich an jene Nachahmer anschließe, da-
für habe ich folgende Gründe:

1. Hoffentlich weiß doch ein jeder, seiner Sprache kun-
dige, deutsche Naturforscher (– und wer es nicht weiß,
der kann es aus Adelung's Wörterbuch lernen –)
was die erste und Fundamentalbedeutung des Wortes
Geschlecht ist:

‘„Die Aehnlichkeit der verschiedenen Gat-
tungen der Dinge:"’

Dieß ist der wahre eigentliche Sinn des Wortes
Geschlecht, wie wir ihn von Kindesbeinen an, selbst aus
des seiner Sprache höchst kundigen Luther's Bibel-Ue-
bersetzung lernen.

Dem zu Folge wissen wir also in Anwendung auf
Methodologie in der Naturgeschichte:

Die Gattungen schafft die Natur: der Sy-
stematiker bringt sie nach ihren gemeinschaftli-
chen Aehnlichkeiten unter Geschlechter.

[Seite V]

2. Eben so ausgemacht und bekannt ist aber auch, daß
hingegen das Wort Gattung von dem Zeitworte
sich gatten, abstammt; und da nun im freien Na-
turzustande wohl nur die Thiere von einer species sich
mit einander fruchtbar gatten, so versteht sich also von
selbst, daß das Wort species, in dem Sinne, wovon
hier die Rede ist, durch kein anderes deutsches Wort
passender und bezeichnender und bestimmter ausgedrückt
werden konnte, als durch Gattung.

3. Daß aber die Homonymie des deutschen Wortes
Geschlecht, indem es sowohl genus als sexus bedeutet,
zu Irrung Anlaß geben werde, ist wohl eben so wenig
im Ernst zu befürchten, als bei dem lateinischen Worte
genus, das, wie wir in den Knabenjahren in der Gra-
matik beim Unterschied der Worte generis masculini
oder feminini lernen, auch statt sexus gebraucht wird.

4. Und wenn aber auch obbesagter Reformator im
Ernste so etwas befürchten zu müssen meinte, so hätte er
immerhin mögen wer weiß was für ein Wort von eige-
ner Fabrik statt des ihm bedenklichen Geschlechts
vorschlagen; aber nichts konnte ihn berechtigen, die
Landessprache – d.h. den bestimmten einmal festgesetz-
ten Sinn der deutschen Worte – (da man z.B. Men-
schen geschlecht etc. sagt, so gut wie genus humanum)
zu verkehren! Denn, wie unser sel. Lichtenberg bei
einem ähnlichen Anlaß sich ausdrückt:

‘„Hypothesen zu machen, und sie als seine Stim-
me der Welt vorzulegen, darf niemand gewehrt
seyn, sie gehören dem Verfasser. Aber die
Sprache gehört der Nation, und mit
dieser darf man nicht umspringen,
wie man will.“

Die gleiche schuldige Achtung gegen dieses der Na-
tion gehörige Eigenthum, habe ich auch bei den deut-
schen Namen der Naturalien beobachtet, und mich daher
immer der allgemein angenommenen und allgemein ver-
[Seite VI] ständlichen, nicht aber etwa der Solöcismen einer ein-
zelnen Provinz bedient. Darum brauche ich z.B. nicht
das hier zu Lande gewöhnliche Wort Molle, sondern
das allgemein angenommene Molch; eben so nicht das
im Erzgebirge gebräuchliche Wort Kobelt, sondern das
längst allgemein adoptirte und selbst in andere lebende
und todte Sprachen aufgenommene Kobalt u.s.w.

Anders ist der Fall mit den in der Naturbeschrei-
bung von unsern neuen Systematikern zur Bezeichnung
der Geschlechter und ihrer Gattungen selbsterfun-
denen Kunst- und Trivial- Namen. So billig und
vernünftig es freilich ist, auch hierin so viel als möglich
die einmal ziemlich allgemein angenommenen Benennun-
gen beizubehalten, so können doch Fälle eintreten, wo
es noch billiger und vernünftiger ist, einen vorher ge-
wählten Namen, wenn er einen durchaus irrigen Begriff
erweckt, gegen einen richtigern umzutauschen. Und doch
habe ich mich dieser an sich erlaubten, aber auch heut zu
Tage so oft gemißbrauchten und dann das Studium der
Naturgeschichte so äußerst erschwerenden Freiheit nur in
sehr wenigen Fällen, wo es mir unvermeidlich schien,
bedient. So habe ich z.B. den Panzerthieren oder Ar-
madillen ihren einheimischen, allgemein bekannten und
längst von classischen Zoologen angenommenen Namen,
Tatu, restituirt; da man sonst diesen fast haarlosen
Thieren durch einen seltsamen Mißgriff den Namen,
Rauchfuß, Dasypus, beigelegt hatte, womit die al-
ten Griechen, ganz passend und völlig nach der Natur,
das rauchfüßige Hasengeschlecht bezeichnet haben.
– Aus ähnlichen Gründen brauche ich für den schönen
neuseeländischen Nephrit lieber seinen einheimischen Na-
men (Punammustein), unter welchem er zuerst von
unsern Antipoden zu uns gebracht und bekannt worden,
als die ihm neuerlich beigelegte Benennung Beilstein,
da ich im hiesigen akademischen Museum, so wie in den
in London befindlichen großen Sammlungen von südlän-
dischen Merkwürdigkeiten, zwar wohl die Menge von
Hacken und andern Geräthen, so sich die Neuseeländer
[Seite VII] aus diesem Steine bereiten, aber schlechterdings kein
daraus verfertigtes Beil aufgefunden habe. – Eben so
habe ich diejenige Gattung des Fledermausgeschlechts,
Vampyr oder Blutsauger genannt, die wirklich schlafen-
den Säugethieren das Blut aussaugt: da hingegen Lin-
né diesen Namen dem fliegenden Hund beigelegt hatte,
der wohl seit die Welt steht, kein Blut gesogen hat,
sondern sich ganz allein von Früchten nährt. – Aber
viele andere, nur nicht gar zu unpassende Kunstnamen
der Art habe ich dennoch beibehalten, um ja nicht die
Nomenclatur und Synonymien ohne dringende Noth,
zur großen Last der Lernenden, zu häufen.

Daß aber manche bekannte Namen von Naturalien
hier doch anders geschrieben werden, als es insgemein
geschieht, hat auch seinen guten Grund. So schreibe
ich z.B. Tofus und nicht Tophus, weil es kein grie-
chisches Wort ist; eben so Manacanit*) und nicht
Menacanit, weil der Fundort dieses Fossils in seiner er-
sten Sylbe ein a hat, so gut wie Hamburg oder Frankfurt.

Im Thierreiche habe ich immer den lateinischen Na-
men vorausgesetzt, weil da hundert exotische Geschöpfe
vorkommen, die im Deutschen keinen bekannten verständ-
lichen Namen haben. Im Mineralreiche hingegen ist der
Fall umgekehrt. Da sind gerade die deutschen Benen-
nungen die bekanntesten und selbst großen Theils in an-
dere Sprachen aufgenommen.

Beim Thierreiche ist denjenigen Gattungen, die sich
in Deutschland finden, wieder so, wie in den vorigen
Ausgaben, ein † vorgesetzt. Im Mineralreich konnte
dieß unterbleiben, weil so ein Zeichen bei den allgemein
verbreiteten Fossilien überflüssig, bei vielen von denen
[Seite VIII] aber die in Deutschland selbst ein sehr eingeschränktes
Vaterland haben, wie der Boracit etc. unzureichend ge-
wesen wäre.

Die Abbildungen naturhistorischer Ge-
genstände
, die in der Verlagshandlung dieses Hand-
buchs heftweise herauskommen, (– und von welchen
schon mehrere Hefte [namentlich I. II. V. VI.] in neuen
verbesserten Auflagen erschienen sind –) beziehen sich
auf die neuesten Ausgaben desselben und dienen ihm zu
einer zweckmäßigen Erläuterung.

Göttingen,
im Januar 1831.
J. F. Blumenbach.

Erster Abschnitt.
Von Naturalien überhaupt
und

ihrer Eintheilung in drey Reiche.

[Seite 1]

§. 1.

Alle Körper, die sich auf, und in unserer Erde finden, zeigen
sich entweder in derselben Gestalt und Beschaffenheit, die sie aus
der Hand des Schöpfers erhalten und durch die Wirkung der sich
selbst überlassenen Naturkräfte angenommen haben; oder so,
wie sie durch Menschen und Thiere, zu bestimmten Absichten,
oder auch durch bloßen Zufall verändert und gleichsam umge-
schaffen worden sind.

Auf diese Verschiedenheit gründet sich die bekannte Einthei-
lung derselben in natürliche (naturalia), und durch Kunst
verfertigte (artefacta). Die erstern machen den Gegen-
stand der Naturgeschichte aus, und man pflegt alle Körper zu
den Naturalien zu rechnen, die nur noch keine we-
sentliche Veränderung durch Menschen erlitten
haben. Artefacten werden sie dann genannt, wenn der
Mensch*) absichtlich Veränderungen mit ihnen vorgenommen.

Anm. 1. Daß übrigens jene Begriffe vom Wesentlichen und
vom Absichtlichen im gegenwärtigen Falle, bei so verschie-
dentlicher Rücksicht und Modification, nicht anders als relativ
seyn können, bedarf wohl keiner Erinnerung. – Denn so könnte
man ein Maulthier, oder einen Caraiben mit seinem durch die
Kunst gemodelten Schedel und dergl. mehr, aus gewisser Rück-
sicht auch zu den Artefacten nehmen.

[Seite 2]

Anm. 2. Zuweilen können Naturalien manchen Kunstproducten
so ähnlich seyn, daß sie schwer von einander zu unterscheiden sind.
Daher z.B. die ehedem getheilten Meinungen, ob der Ueberzug
in der piscina mirabile bei Bajá ein von selbst aus dem Wasser
abgesetzter Rindenstein von Kalksinter, oder aber ein absichtlich
aufgetragener künstlicher Mörtel sey. (– s. Götting. gel. An-
zeigen 1791. 188 St. –)

§. 2.

Alle und jede natürlichen Körper zeigen, 1) in Rücksicht ih-
rer Entstehung, 2) ihres Wachsthums, und 3) ihrer
Structur, eine doppelte Verschiedenheit.

Die einen nähmlich sind allemahl von andern natürlichen
Körpern derselben Gestalt und Art hervorgebracht; so daß ihre
Existenz in einer ununterbrochenen Reihe bis zur ersten Schö-
pfung*) hinauf immer andere dergleichen Körper voraussetzt,
denen sie ihr Daseyn zu danken haben.

Zweytens nehmen sie allerhand fremde Substanzen als
Nahrungsmittel in ihren Körper auf, assimiliren sie den Be-
standtheilen desselben, scheiden das Ueberflüssige wieder aus,
und befördern mittelst dieser beständigen Erneuerung und Wech-
sel ihr Wachsthum von innen (durch innige Aneignung, in-
tus susceptio, expansio).

Diese beiden Eigenschaften setzen drittens von selbst eine be-
sondere Structur bei dieser Art von natürlichen Körpern vor-
aus. Sie müssen nähmlich, wenn sie auf diese Weise Nah-
rungsmittel zu sich nehmen und umwandeln und mit der Zeit
andere Geschöpfe ihrer Art wieder hervorbringen sollen, man-
cherlei diesen Zwecken der Selbsterhaltung und Fortpflanzung
entsprechende, deßhalb mit den so genannten Lebenskräften ver-
sehene, und zu einem zweckmäßigen Ganzen unter einander ver-
bundene, Gefäße, Adern und andere Organe in ihrem Kör-
per haben, die zur Aufnahme bestimmter Säfte, zur Assimila-
tion jener Alimente, zur Erzeugung der Nachkommenschaft u.
s. w. nothwendig sind.

Dies Alles fehlt bei den natürlichen Körpern der andern
Art, nähmlich der Mineralien. Beides, sowohl ihre Ent-
[Seite 3] stehung, als ihr Wachsthum (wenn man es gar nur Wachs-
thum nennen darf), wird keinesweges durch Ernährung, son-
dern lediglich nach eigentlich so genannten bloß physischen (me-
chanischen und chemischen), Gesetzen durch Anhäufung oder An-
satz homogener Theile von außen (aggregatio, juxta po-
sitio) bewirkt; folglich ist bei ihnen weder ursprüngliche Orga-
nisation noch Lebenskraft zu erwarten*).

Und eben deßhalb heißen sie unorganisirte, und jene
hingegen organisirte Körper.

§. 3.

Endlich sind nun aber auch jene organisirten Körper
selbst, besonders in der Art, wie sie ihre Nahrungsmittel zu
sich nehmen, von einer doppelten Verschiedenheit.

Die einen nähmlich saugen einen sehr einfachen Nahrungs-
saft, vorzüglich mittelst zahlreicher Fasern, die sich am untern
Ende ihres Körpers befinden, ohne merkliche willkührliche Be-
wegung in sich.

Da hingegen die andern eine meist einfache Hauptöffnung
am obern oder vordern Ende ihres Körpers haben, die zu einem
geräumigen Schlauche führt, wohin sie, vom innern Gefühle
des Hungers getrieben, ihre Alimente, die von sehr verschiede-
ner Art sind, mittelst willkürlicher Bewegung bringen.

Jenes sind die Pflanzen, dieses die Thiere.

Anm. Hingegen gibt die Fähigkeit den Standort zu verändern
(locomotivitas) kein hinreichendes Unterscheidungszeichen der
Thiere von den Pflanzen, ab. Denn viele Pflanzen, wie z.B.
die gemeinen Wasserlinsen, sind nicht festgewurzelt, sondern kön-
nen zu gewissen Jahrszeiten etc. ihren Aufenthalt verändern, bald
zu Boden sinken, bald wieder auf die Oberfläche des Wassers
steigen u.s.w. Und anderseits gibt es ganze Geschlechter von
Wasserthieren, zumahl unter den Conchylien, Corallen etc. die
ihren einmahl eingenommenen Platz nie von selbst wieder ver-
lassen können.

§. 4.

Diese sehr faßliche Eintheilung der natürlichen Körper in
organisirte und unorganisirte (§. 2.), und der organisirten
wieder unter einander (§. 3.), ist nun der Grund der bekannten
drey Reiche, worunter man die Naturalien sehr schicklich ge-
bracht hat, und wovon das erste die Thiere, das zweyte die
Pflanzen, das dritte die Mineralien begreift.

Die Thiere sind demnach belebte und beseelte organisirte
[Seite 4] Körper, die sich ihre sehr vielartige Nahrung mittelst willkür-
licher Bewegung suchen, und selbige durch den Mund in den
Magen bringen.

Die Pflanzen sind zwar ebenfalls belebte organisirte Kör-
per, aber unbeseelt, so daß sie ihren sehr homogenen Nah-
rungssaft ohne willkürliche Bewegung mittelst der Wurzeln
einsaugen.

Die Mineralien endlich sind unbelebte und unorgani-
sirte Körper, die folglich ohne Lebenskraft nach den physischen
(mechanischen und chemischen) Gesetzen von Anziehung, Anhäu
fung, Bildungskraft etc. entstehen.

Anm. Gegen diese Eintheilung in drey Reiche, ist, zumahl neu-
erlich, eine doppelte Einwendung gemacht worden.

Manche haben zwar die Kluft zwischen den organisirten
und unorganisirten Körpern anerkannt, aber nur keine bestimm-
ten Gränzen zwischen Thieren und Gewächsen zugeben wollen:

Andere hingegen haben die beliebten Metaphern von Stu-
fenfolge der Geschöpfe geradezu dahin gedeutet, als ob überhaupt
keine bestimmbaren Eintheilungen der Naturalien in Reiche u.
s. w. Statt fänden.

Was das erste betrifft, so sollte man zwar überhaupt nicht
vergessen, was so oft bey Gegenständen der Erfahrung der Fall
ist, daß man sie weit leichter für das, was sie sind, richtig an-
erkennen und von andern unterscheiden, als ihre einzelnen unter-
scheidenden Merkzeichen ausfinden und angeben kann*) – So
sagte z.B. Linné: ‘„nullum characterem hactenus eruere
potui, unde Homo a Simia internoscatur.“’ Nun glaube ich
zwar in diesem Buche solche äußere Charaktere der Humanität
angegeben zu haben, wodurch sich der Mensch von den noch so
menschenähnlichen Affen (wie man sie nennt); so wie überhaupt
von allen andern Säugethieren unverkennbar auszeichnet. Aber
auch ohne dieselben wird doch hoffentlich nie ein Naturforscher in
praxi in Verlegenheit gekommen seyn, Menschen und Affen etwa
zu verwechseln. – Außerdem aber können ferner Geschöpfe aus
noch so verschiedenen Classen manche theils auffallende und uner-
wartete Aehnlichkeit mit einander haben, ohne daß dadurch die
dessen ungeachtet unverkennbare Verschiedenheit zwischen diesen
Classen selbst wegfallen dürfte. Man theilt z.B. die Thiere sehr
natürlich in warmblütige und kaltblütige; und rechnet eben so na-
türlicher Weise die Säugethiere zu jenen und hingegen die Insec-
ten zu diesen; ohne je deßhalb irre zu werden, daß die Bienen
in ihrem Stocke so ganz ohne Vergleich wärmer sind, als etwa
ein Igel während seines Winterschlafs. – So gibt es unter den
[Seite 5] Mollusken Geschlechter, wie z.B. die Sepien, die sich von den
übrigen Thieren dieser Classe sehr auszeichnen, und dagegen man-
che auffallende Aehnlichkeit mit den Fischen haben. Aber Nie-
mand wird meinen, deßhalb müsse nun die Scheidewand zwischen
diesen beiden Classen aufgehoben werden. – Und eben so wenig
wird Jemand im Ernst in Versuchung gerathen, das Thier- und
Pflanzenreich deßhalb mit einander zu verbinden, weil man an
gewissen Pflanzen gewisse Aehnlichkeiten mit gewissen Thieren be-
merkt hat. Von der Art sind z.B. die sonderbaren Bewegun-
gen mancher Mimosenarten, und des hedysarum gyrans etc.,
die, so merkwürdig sie auch an sich bleiben, doch gar nicht ein-
mahl in den oben angegebenen Charakter der Animalität eingrei-
fen. So wenig als hinwiderum diejenigen Aehnlichkeiten, so die
Arm-Polypen mit den Gewächsen haben, den oben bestimmten
Charakter der Vegetabilität betreffen. Sondern, die Arm-Po-
lypen sind Thiere, die so wie der Mensch und die Auster, vom
Hunger getrieben ihre Nahrung durch willkürliche Bewegung in
den Mund bringen, was hingegen bey keiner Pflanze, in der bis
jetzt bekannten Schöpfung, der Fall ist.

Nun und so beantwortet sich die andere Einwendung ge-
gen die Naturreiche etc., die sich auf die so gepriesene Metapher
von Stufenfolge der Geschöpfe gründet, eigentlich von selbst.

Alle die beliebten Bilder von Kette, von Leiter, von Netz etc.
in der Natur, haben zwar für die Methodologie im Studium der
Naturgeschichte in sofern ihren unverkennbaren Nutzen zum regu-
lativen Gebrauch, als sie den Grund eines sogenannten natür-
lichen Systems abgeben, worin man die Geschöpfe nach ih-
ren meisten und auffallendsten Aehnlichkeiten, nach ihrem Total-
habitus und der darauf gegründeten so genannten Verwandtschaft
untereinander zusammen ordnet.

Aber sie nun, wie doch so oft von wohlmeinenden Physico-
theologen geschehen, dem Schöpfer in den Plan seiner Schöpfung
hinein legen, und die Vollkommenheit und den Zusammenhang
derselben darin suchen zu wollen, daß die Natur (wie man sich
ausdrückt) keinen Sprung thue, weil die Geschöpfe in
Rücksicht ihrer äußern Form so fein stufenweise auf ein-
ander folgten, das wäre doch schon an sich eine vermessene Schwach-
heit, wenn sie auch nicht, wie doch der Fall ist, bei ernsterer
Prüfung sich selbst widerlegte*).

Denn man braucht bloß die noch so kunstreich und sorgfältig an-
gelegten Entwürfe von solchen Stufenfolgen in der Reihe der
Geschöpfe näher zu beleuchten, um einzusehen, wie sehr darin
einerseits sich ganze Haufen von Geschöpfen ähnlicher Bildung in
Geschlechtern von fast unübersehlich zahlreichen Gattungen (zumahl
unter den Insecten und Gewürmern, aber auch im Pflanzenrei-
che) zusammen drängen, und andere dagegen gleichsam isolirt ste-
hen, weil sie wegen ihrer ausgezeichneten, ganz eigenen Bildung
nicht ohne sichtlichen Zwang in einer solchen Leiter der Natur ir-
gendwo eingeschoben und untergebracht werden können (wie z.B.
[Seite 6] die ganze Classe der Vögel; die Schildkröten, die schon gedachten Se-
pien u.a.m.). – Ferner aber finden sich Thiere, bey welchen,
wie z.B. bey den Schildläusen, Männchen und Weibchen eine
so durchaus ganz verschiedene Gestaltung haben, daß man folglich
in der gedachten Leiter die einen von den andern trennen und
nach dieser so sehr verschiedenen Sexualform beiden auf weit von
einander entfernten Sprossen ihre verschiedenen Stellen anweisen
müßte. – Nun dann zeigen sich Lücken in der Leiter, wo offen-
bar ohne einen sehr gewagten Sprung gar nicht über zu kommen
ist, wie zu Einem Beyspiel statt aller, die zwischen den organi-
sirten Körpern und den Mineralien u.s.w.

So mangelhaft aber überhaupt die bildlichen Vorstellungen
von Kette und Natur u. dergl. gerathen müssen, so ganz grund-
los ist nun vollends gar die vermessene Behauptung mancher Phy-
sicotheologen, als ob kein Glied aus dieser ihrer zu Papier ge-
brachten Kette ausfallen dürfte, wenn nicht die Schöpfung selbst
stocken sollte u.s.w. – So gut einzelne Gattungen von Thieren
aus ganzen großen Inseln, z.B. die Wölfe aus Großbritannien
vertilgt sind, ohne daß die dasige Schöpfung durch diese nun-
mehrige scheinbare Lücke ihren sonstigen Zusammenhang verloren
haben sollte, so können andere Geschöpfe aus ganzen Welttheilen
und wohl von der ganzen Erde vertilgt werden (wie dieß allem
Anschein nach mit manchen, z.B. mit dem Dudu wirklich ge-
schehen), ohne daß durch diesen merklichen hiatus, der dadurch
in der Kette der Physicotheologen entsteht, der ewige stille Gang
der Schöpfung selbst, im mindesten gefährdet werden dürfte.

Einige Hauptquellen und andere Hülfsmittel zur N. G.
überhaupt.

  1. Aristoteles (lebte ungefähr 400 Jahr vor Christi Geburt.) Ej. opera,
    gr. lat.
    ex. ed. Gu. du Val. Paris. 1654. IV. vol. fol. zumahl
    im II. B.
  2. C. Plinius Secundus (†. im J. 79. nach Chr. Geb.) Ej. historia
    mundi
    I. xxxvii. – Ein Paar saubere und correcte Handausga-
    ben sind die Leidner, Elzevirische 1635. III. vol. 12. und die Zwey-
    brücker 1783. V. vol. 8.
  3. Conr. Gesner. (†. 1562.)
  4. Joh. Ray (†. 1705.) Die hierher gehörigen Hauptwerke dieser bei-
    den Männer werden anderwärts angeführt.
  5. C. v. Linné (†. 1778.) Ej. systema naturae ed. 12. Holm. 1766.
    IV. vol. 8. und die dazu gehörigen beiden mantissae ib. 1767.
    sq. 8.
  6. ed. 13. aucta, reformata cura Jo. Fr. Gmelin. Lips. 1788. IX.
    vol. 8.
  7. Und zum Verständniß der linnéischen Kunstsprache: Jo. Reinh. For-
    ster enchiridion historiae naturali inserviens. Hal. 1788. 8.
  8. J. K. W. Illiger's Versuch einer systematischen vollständigen Ter-
    minologie für das Thierreich und Pflanzenreich. Helmstädt. 1800. 8.
  9. G. L. le Clerc C. de Buffon (†. 1788.) Ej. histoire naturelle.
    Die Orig. Ausgabe, Paris seit 1749. XXXIII. vol. 4. oder
    LXXII. vol. 12.

Zur allgemein N. G.

[Seite 7]
  1. F. S. Voigt's Grundzüge einer N. G. Frankf. 1817. 8.
  2. Dess. System der Natur und ihre Geschichte. Jena. 1823. 8.
* * *
  1. H. F. Link's Urwelt und das Alterthum, erläutert durch die Na-
    turkunde. Berl. 1821. u. f. II. Th. 8.

Zur geographischen N. G.

  1. C. Ritter's Erdkunde im Verhältniß zur Natur, Verl. seit 1817. 8.

Miscellan-Werke.

  1. G. v. Linné amoenitates academicae. Holm. seit 1749. IX. vol. 8.
  2. Oeuvres de Ch. Bonnet. Neuch. 1779. sq. 4. die ersten V. B.

Physicotheologische und ähnliche Werke.

  1. Jo. Ray's wisdom of God manifested in the works of the crea-
    tion
    . ed. 12 Glasgow. 1750. 12.
  2. W. Derham's physicotheology. ed. 4. Lond. 1716. 8.
  3. Ch. Bonnet contemplation de la nature. (als IVter Band der ge-
    dachten Ausg. seiner Werke.)
  4. W. Paley's natural Theology. ed. 16. Lond. 1819. 8.
  5. Holländ. mit gehaltreichen Zusätzen und Anm. von J. Clarisse.
    Amst. 1810. 8.

Wörterbücher.

  1. Valm. de Bomare Dictionnaire d'histoire naturelle. ed. 4. Lyon,
    1791. VII. vol. 4.
  2. Nouveau Dictionnaire d'histoire naturelle appliquée aux arts
    etc. par une Société de naturalistes et d'agriculture. Par.
    1804. XXIV. vol. 8.
  3. Dictionnaire des sciences naturelles, par plusieurs Prof. du Jar-
    din du Roi
    etc. Strasb. seit 1816. 8.
  4. Ph. Andr. Nemnich's allgemeines Polyglotten Lexicon der Na-
    turgeschichte
    . Hamb. 1793. IV. B. 8.

Journale etc.

  1. Journal de physique. Paris von 1773 bis 1823. XCVI. B. 4.
  2. Annales des sciences naturelles. par Audouin, Ad. Brogniart et
    Dumas. Paris seit 1824. 8.
* * *
  1. Zur Naturwissenschaft überhaupt – und zur Morphologie. Von -
    the. Stuttg. u. Tübingen seit 1817. 8.

Zweyter Abschnitt.
Von den
organisirten Körpern überhaupt.

[Seite 8]

§. 5.

Im allgemeinen werden die organisirten Körper (§. 2.) von
ihres Gleichen*) erzeugt, dann durch eigene Kraft lebens-
lang ernährt, und dadurch ihre Selbsterhaltung und Wachs-
thum, und wenn sie zu ihrer Reise gelangt, auch ihre Fort-
pflanzungsfähigkeit bewirkt.

§. 6.

Zu diesen großen Verrichtungen werden sie eben durch die
Organisation ihres Baues, und durch die mit derselben
verbundenen Lebenskräfte geschickt gemacht. Denn durch
diese letztern erhalten die Organe sowohl ihre Empfänglichkeit
für reitzende Eindrücke (stimuli) als ihr Bewegungsvermögen,
ohne welches beides, weder Ernährung noch Wachsthum, noch
wechselseitige Einwirkung der Theile zur zweckmäßigen Erhal-
tung des Ganzen, und umgekehrt**), denkbar seyn könnte.

§. 7.

Sich die Entstehung der organisirten Körper zu erklä-
ren, hat man, zumahl neuerlich, die so genannte Evolu-
tions-Hypothese bequem gefunden, und gemeint, es werde
gar kein Mensch, und kein anderes Thier, und keine Pflanze
erzeugt, – sondern sie lägen alle schon seit der ersten Schöpfung
als völlig präformirte Keime***) bei ihren Aeltern und
[Seite 9] Vorfahren längst vorräthig; die verschiedenen Generationen
steckten, gleichsam wie eingepackte Schachteln, in einander; und
würden nur nach und nach, so wie die Reihe an sie käme, durch
die Befruchtung entwickelt und ans Licht gebracht. – Eine Mei-
nung, die doch schon sowohl durch den dabei erforderlichen Auf-
wand von übernatürlichen (hyperphysischen) Anstal-
ten*), als durch die, allen Gesetzen einer philosophischen Na-
turforschung zuwiderlaufende unnütze Vervielfältigung
der natürlichen [physischen]**) Kräfte, und durch die un-
übersehliche Menge von zwecklosen Schöpfungen aller
der zahllosen präformirten Keime, die nur nicht zu ihrer Ent-
wickelung gelangen konnten, aller präjudizlosen Urtheilskraft
widerstehen müßte, wenn sie auch nicht durch die überwiegenden
gegenseitigen Erfahrungsgründe widerlegt würde.

Anm. Nach der einstimmigen Behauptung der allerberühmtesten
und allereifrigsten Verfechter der Evolutionshypothese,
sollen die präformirten Keime bei der Mutter vorräthig liegen,
und während der Befruchtung durch die Kraft des hinzukommen-
den männlichen Zeugungsstoffes erweckt und zur Entwickelung an-
getrieben werden. Was man Empfängniß nennt; sey folglich
nichts als das Erwachen des schlaftrunkenen Keimes durch den
Reitz des auf ihn wirkenden männlichen Samens.

Also bedarf es hier zuvörderst einer erweckenden Kraft.

Nun aber ähneln ja oft Kinder zum Sprechen bloß ihrem
Vater; – Bätzen, die sich kurz hintereinander mit mehreren
männlichen Hunden belaufen haben, werfen oft Junge, die die-
sen verschiedenen Vätern ähneln; – zweyerlei Men-
schenrassen, z.B. Neger und Weiße, zeugen mit einander
nothwendigen Mittelschlag, nähmlich Mulatten; – und wenn
nun vollends ungleiche Gattungen (verschiedene Species) von
Thieren oder Gewächsen einander befruchten, so entstehen Bastar-
de, die eben so viel von der väterlichen als von der mütterlichen
Gestaltung an sich haben.

Ja das läßt sich freilich nicht wohl verkennen: und dem zu
Folge gestehen dann die Evolutionisten dem männlichen Samen,
[Seite 10] außer seiner erweckenden, nun auch Nro. 2. in sofern eine bil-
dende Kraft zu, daß er den bei der Mutter präformirt gele-
genen Keim wohl in etwas zur väterlichen Gestaltung umzufor-
men vermöge.

Demnach wäre folglich zweyerlei Kraft im männlichen
Samen; 1) die erweckende und 2) doch auch eine bildende. –

Aber man kann ja mittelst einer, mehrere Generationen hin-
durch immer wiederholten, künstlichen Bastardzeugung endlich die
Eine Gattung von organisirten Körpern gänzlich in die andere
umwandeln. So hat man z.B. aus der künstlichen Befruchtung
der Einen Pflanzengattung mittelst des männlichen Staubes
von eine andern, Samen gezogen, welcher fecundable Ba-
stardpflanzen gegeben; d.h. die sich zur Blüthezeit abermahls
mit männlichen Staub von jener andern Gattung befruchten las-
sen, und wiederum fecundable Bastarde der zweyten Genera-
tion hervorgebracht. Jene Bastarde von der ersten Generation
hielten gleichsam das Mittel zwischen beiden verschiedenen Stamm-
Aeltern von väterlicher und mütterlicher Seite. Die von der zwey-
ten hingegen ähnelten schon weit mehr der väterlichen, als der
mütterlichen. Und nachdem die gleiche künstliche Befruchtung noch
fernerweit durch zwey folgende Generationen eben so wiederholt
worden, so entstanden endlich Pflanzen, an welchen die ursprüng-
liche mütterliche Gestaltung so zu sagen ganz verwischt, und
in die väterliche umgewandelt worden. (– s. Kölreu-
ter's dritte Fortsetzung der Nachricht von einigen das Geschlecht
der Pflanzen betreffenden Versuchen S. 51. §. 24. mit der
Ueberschrift: ‘„Gänzlich vollbrachte Verwandlung Ei-
ner natürlichen Pflanzengattung in die ande-
re.“’ –)

Da hat denn folglich alle Präformation des seit Erschaffung
der Welt conservirten mütterlichen Keims am Ende zu nichts ge-
holfen, sondern hat der bildenden Kraft des männlichen Stof-
fes (der eigentlich nach der Evolutionshypothese bloß durch seine
erweckende Kraft auf denselben hätte wirken sollen,) gänzlich
weichen müssen.

§. 8.

Und so bleibt es folglich im Ganzen unserem Erkenntniß-
vermögen und selbst den Regeln aller philosophischen Naturfor-
schung*) weit angemessener, wenn man die Entstehung der
neuerzeugten organisirten Körper bloß durch allmähliche
Ausbildung (Epigenesis) des an sich zwar ungeformten,
aber unter den dazu erforderlichen Umständen organisirbaren,
Zeugungsstoffes erklärt.

Nur kommt es bei der vielfachen Vorstellungsart, die man
sich von einer solchen allmählichen Bildung machen kann und ge-
[Seite 11] macht hat*), darauf an, sie so zu bestimmen, wie sie dem
Begriff von organisirten Körpern, und dann den Phänomenen,
die uns die Beobachtung bei Entstehung derselben lehrt, am un-
gezwungensten entspricht.

§. 9.

Und dieß geschieht, wenn man annimmt, daß der reife, vor-
her zwar umgeformte, aber organisirbare Zeugungsstoff der Ael-
tern, wenn er zu seiner Zeit, und unter den erforderlichen Um-
ständen an den Ort seiner Bestimmung gelangt, dann für eine
in demselben nun zweckmäßig wirkende Lebenskraft, nähmlich
den Bildungstrieb (nisus formativus), zuerst empfäng-
lich wird; – für einen Trieb, der sich von aller bloß mecha-
nischen bildenden Kraft [als welche auch im unorganischen Rei-
che Krystallisationen**) und dergl. hervorbringt] dadurch aus-
zeichnet, daß er nach der endlos mannichfaltig verschiedenen Be-
stimmung der organisirten Körper und ihrer Theile, die vielar-
tig organisirbaren Zeugungsstoffe auf eben so mannichfaltig
aber zweckmäßig modificirte Weise in bestimmte Gestalten zu for-
men vermag – und so [– durch die Verbindung des mecha-
nischen mit dem zweckmäßig Modificirbaren in diesem Triebe***)
–] zuerst bei der Empfängniß die allmähliche Ausbildung;
[Seite 12] dann aber auch die lebenswierige Erhaltung dieser organischen
Bildung durch die Ernährung; und selbst wenn dieselbe durch
Zufall gelitten haben sollte, so viel möglich die Wiederersetzung
derselben durch die Reproduction, bewirkt wird**).

Anm. 1. Diese allmähliche Ausbildung der neuen organisirten Kör-
per ist am anschaulichsten an solchen zu betrachten, die mit einer
ganz ansehnlichen Größe ein schnelles (so zu sagen zusehends merk-
liches) Wachsthum, und eine so zarte halbdurchsichtige Textur
verbinden, daß sie (zumahl im sattsamen Lichte und unter mäßi-
ger Vergrößerung) aufs deutlichste, klarste durchschaut werden
können.

So im Gewächsreiche an manchen einfachen Wassermoosen,
wie z.B. an der Brunnen-Conferve (Conferva fontinalis,
Caeramium caespitosum Roth.) die sich in den ersten Früh-
lingstagen fortpflanzt. (– Abbild. nat. hist. Gegenst. tab. 49.)
Unter den blutlosen Thieren an den Arm-Polypen.

Und unter den warmblütigen an der ersten Erscheinung des
Küchelchens im bebrüteten Eye und seiner dann von Tag zu Tag
fortrückenden Ausbildung.

Anm. 2. Hoffentlich ist für die mehrsten Leser die Erinnerung
überflüssig, daß das Wort Bildungstrieb selbst, so gut wie die
Benennungen aller andern Arten von Lebenskräften an sich weiter
nichts erklären, sondern bloß eine besondre (das Mechanische mit
dem zweckmäßig Modificirbaren in sich vereinende) Kraft unter-
scheidend bezeichnen soll, deren constante Wirkung aus der Er-
fahrung anerkannt worden, deren Ursache aber so gut, wie die
Ursache aller andern noch so allgemein anerkannten Naturkräfte
für uns hier nieden im eigentlichen Wortverstande qualitas oc-
culta bleibt. Das hindert aber nicht, daß man nicht immer mehr
suchen sollte, ihre Wirkungen durch Beobachtung weiter zu erfor-
schen und zu verfolgen, und sie so auf allgemeine Gesetze zurück
zu bringen.

§. 10.

Durch die bestimmte zweckmäßige Wirksamkeit des Bil-
dungstriebes in den bestimmten dafür empfänglichen organisir-
baren Stoffen, wird nun die eben so bestimmte Form und der
Habitus aller einzelnen Gattungen (Species) von organisirten
Körpern erhalten; und bei denen, wo es Statt findet, auch
ihre Sexual-Verschiedenheit, durch welche sich nähmlich die
männlichen Geschöpfe von den weiblichen in derselben Gattung
auszeichnen.

§. 11.

Aber freilich kann der Bildungstrieb auch eben sowohl
als jede andere in ihrer Thätigkeit gestörte oder fremdartig
[Seite 13] modificirte Lebenskraft auf mancherlei Weise von seiner eigent-
lichen bestimmten Richtung abweichen*).

So entstehen dann (– der bloß krankhaften, nicht
ins Gebiet der Naturgeschichte gehörigen, Abweichungen zu
geschweigen –) 1) durch ganz gewaltsame Störungen des-
selben ganz widernatürliche**) Formen der organisirten Kör-
per, nähmlich die Mißgeburten.

2) Dadurch, daß der zweyfache Sexual-Charakter, der
sonst in den beiden Geschlechtern getrennt seyn sollte, mehr oder
weniger in einem und eben demselben Individuum verbunden
ist, die Zwitter.

3) Dadurch, daß zwei Geschöpfe ganz verschiedener Gat-
tung (zweierlei Species) einander befruchten, die Ba-
starde.

Endlich 4) durch den Einfluß der mancherlei Ursachen der
allmählichen Ausartung, die Rassen und Spielarten.

§. 12.

Unter Mißgeburt versteht man, nach dem gemeinen
Sprachgebrauche, eine widernatürliche, angebohrne, leicht in
die Augen fallende Verunstaltung in Bildung äußerer, größerer
Theile. So mannigfaltig aber diese Mißgestalten seyn können,
so lassen sie sich doch alle auf folgende vier Hauptclassen zu-
rückbringen***);

1) M. G. mit widernatürlicher Bildung einzelner Glieder.
Fabrica aliena.

2) M. G. mit Versetzung oder widernatürlicher Lage einzel-
ner Glieder. Situs mutatus. Die seltensten von allen
(– nähmlich unter Mißgeburten in dem angegebenen Sinne.
Oft hat man hingegen bei Leichenöffnungen wohlgebildeter
Menschen manche ihrer Eingeweide in ganz verkehrter
Lage gefunden –).

[Seite 14]

3) M. G. denen ganze Glieder mangeln. Monstra per
defectum. Unter diesen die lehrreichsten.

4) M. G. mit überzähligen Gliedern. Monstra per
excessum. Die gemeinsten (– selbst nicht selten unter
wilden Thieren, z.B. Hasen –); theils gar erblich, wie
z.B. in den sechsfingrigen Familien, und bei Hühnern mit
fünf oder sechs Zehen.

Anm. Die auffallende Aehnlichkeit unter so vielen Monstrositäten
beweiset, daß auch selbst diese Abweichungen des Bildungstriebes
dennoch bestimmten Gesetzen folgen müssen; so wie hingegen die
bekannte Erfahrung, daß die Hausthiere seit ihrer Unterjochung
und die cultivirten Gartenpflanzen denselben weit mehr als in
ihrem wilden Zustande unterworfen sind (daß z.B. Mißgeburten
unter den Hausschweinen so häufig, unter den wilden Schweinen
hingegen fast unerhört sind), auch daß sie in manchen Jahren
ungewöhnlich häufig fallen, sich mit der Lehre der Evolutionisten,
daß die Keime dieser Mißgeburten ebenfalls seit der ersten
Schöpfung schon monströs präformirt eingeschachtelt ge-
legen, wohl schwerlich zusammen reimen läßt.

§. 13.

Zwitter nennt man zwar im engern Sinne bloß solche
einzelne Individua von organisirten Körpern, bei welchem wi-
dernatürlicher Weise die Spuren der zweyfachen eigentlichen
Sexual-Organe mehr oder weniger verbunden sind, die sonst,
in den männlichen und weiblichen Geschöpfen derselben Art, ge-
trennt seyn sollten. Dergleichen finden sich selbst zuweilen
unter den warmblütigen Thieren; zumahl unter dem Rindvieh,
Schafen und Ziegen, aber im Menschengeschlechte sind sie noch
unerwiesen.

Nächstdem aber verdient auch diejenige Abweichung des
Bildungstriebes hier einer Erwähnung, wenn andere körper-
liche Functionen oder Charaktere, die dem einen Geschlechte
eigen seyn sollten, sich bei Individuis des andern äußern.
Wenn z.B. Hirschkühe und Reh-Geißen Geweihe aufsetzen;
oder Fasan- und Pfau-Hennen mit zunehmenden Jahren
männliches Gefieder kriegen; oder Mannspersonen oder andere
männliche Säugethiere Milch geben*) u.s.w.

Endlich aber zeigt sich auch zuweilen im ganzen Verhältniß
des Körperbaues einzelner, übrigens noch so regelmäßig und
schön gebildeter Geschöpfe des einen Geschlechts doch mehr oder
[Seite 15] weniger vom Totalhabitus des andern; z.B. weibliche Weich-
lichkeit in der Totalform des männlichen*).

§. 14.

Wenn ein weibliches Geschöpf der einen Gattung von einem
männlichen einer andern Gattung befruchtet worden, so ent-
stehen daraus Bastarde, deren Bildung aus der beiderlei
Aeltern ihrer gleichsam zusammengeschmolzen ist**). Da aber
von der bestimmten Bildung der organisirten Körper, be-
sonders der Thiere, die behörige und für den Gang der Schö-
pfung so äußerst wichtige Vollziehung ihrer Geschäfte abhängt,
so ist es eine weise Einrichtung in der Natur, daß erstens,
wenigstens unter den rothblütigen Thieren, in ihrem freien
Natur-Zustande meines Wissens niemals eine Paarung und
Vermischung unter zweyerlei Gattungen bemerkt worden;
zweytens aber die Bastarde überhaupt meistentheils unfrucht-
bar, und nur sehr selten im Stande sind, ihr Geschlecht wei-
ter fortzuflanzen. Daher gehört es zu den seltnern Aus-
nahmen, wenn Maulthiere, oder die Bastarde von Hänflingen
und Canarienvögeln zuweilen fruchtbar sind. Bei den Pflan-
zen gelingt es leichter, daß durch künstliche Befruchtung ver-
schiedener Gattungen Bastarde hervorgebracht werden können,
die fruchtbaren Samen tragen (– s. oben Seite 10. –).
Hingegen bedürfen die fabelhaften Sagen von vermeinten Ba-
starden aus der Vermischung vom Rindvieh und Pferden oder
Eseln, und von Caninchen und Hühnern, oder vollends gar
von Menschen und Vieh, jetzt hoffentlich keiner weitern Wider-
legung.

Anm. Eben in der gedachten notorischen Erfahrung, daß im freien
Natur-Zustande jener Geschöpfe nur die von einer und eben
derselben Species sich mit einander gatten, liegt der natürliche
Grund, warum das Wort Species im Deutschen am allerna-
türlichsten durch Gattung übersetzt wird (– davon mit mehren
in der Vorrede –).

§. 15.

Rassen und Spielarten (varietates) sind diejeni-
gen Abweichungen von der ursprünglichen specifiken Gestaltung
[Seite 16] der einzelnen Gattungen organisirter Körper, so diese durch
die allmähliche Ausartung oder Degeneration erlitten haben.

Rasse heißt aber im genauern Sinne ein solcher durch
Degeneration entstandener Charakter, der durch die Fortpflan-
zung unausbleiblich und nothwendig forterbt, wie z.B. wenn
Weiße mit den Negern Mulatten, oder mit amerikanischen
Indianern Mestissen zeugen: welches hingegen bei den Spiel-
arten keine nothwendige Folge ist; wie z.B. wenn blau-
äugige Blonde mit braunäugigen Brünetten Kinder zeugen*).

Anm. Wenn sich gewisse Ausartungen seit unabsehlichen Reihen
von Generationen fortgepflanzt haben, so hält es oft schwer zu
bestimmen, ob das bloße Rassen oder ursprünglich verschiedene
Gattungen (Species) sind? Wenigstens gibt es dann zur Ent-
scheidung in dergleichen Fällen keine andern in praxi anwend-
bare Regeln, als die, so aus der Analogie abstrahirt sind; da
hingegen die, so Ray, Büffon und andere angenommen
haben, den Charakter von Species darnach zu bestimmen, wenn
die Geschöpfe mit einander fruchtbare Nachkommenschaft
zeugen, zu diesem Behuf sehr unzulänglich und schwankend ist.

Denn abgerechnet, daß die Anwendung dieser Regel ohne-
hin bei allen den Thieren und Pflanzen wegfällt, die sich ohne
Paarung fortpflanzen (– s. unten §. 20. –), so findet sie
auch in unzähligen andern Fällen wegen unüberwindlicher Schwie-
rigkeiten nicht Statt, wie z.B. bei Entscheidung der Frage, ob
der asiatische und der afrikanische Elephant zu einerlei Species
gehören oder nicht? Und selbst da, wo die Erfahrung Statt
hat, wie z. E. bei der Vermischung von Pferd und Esel, fragt
sich wieder, soll da der gewöhnliche oder aber der äußerst seltene
Erfolg als Regel angesehen werden. Denn gewöhnlich sind die
Maulthiere steril, und nur in äußerst seltenen Fällen hat man
sie zur Fortpflanzung fähig befunden. Wollte man also diesen
wunderseltenen Fall als Regel gelten lassen, so müßte man Pferd
und Esel für Thiere derselben Species halten, ungeachtet sie in
ihrem ganzen Körperbau – zumahl im Innern (und namentlich
in der ganz auffallend verschiedenen Einrichtung ihrer Stimm-
werkzeuge), wenigstens eben so specifisch von einander differiren
als Löwe und Katze. Da stimmt hingegen alle Analogie dafür,
sie als zwey ganz verschiedene Gattungen anzuerkennen. Und
eben diesem Grundsatze der Analogie gemäß halte ich auch die ge-
dachten beiderlei Elephanten für ganz verschiedene Gattungen,
weil ihr Gebiß, äußeres Ohr etc. eine so constante auffallende
Verschiedenheit zeigt, die sich unmöglich als bloße Folge der De-
generation gedenken läßt.

§. 16.

[Seite 17]

Zu den mancherlei Ursachen der Ausartung gehören vor-
züglichst der Einfluß des Himmelstrichs, der Nahrung, und bei
Menschen und Thieren auch der Lebensart.

Kaltes Clima z.B. unterdrückt das Wachsthum der orga-
nisirten Körper, und darum sind die Grönländer, Lapplän-
der etc., so wie die Thiere und Gewächse kalter Erdstriche, klein,
untersetzt. Eben so bringt dieses Clima weiße Farbe an Thie-
ren und Gewächsen hervor, und darum sind die Nordländer
von Natur von weißer Haut etc., so wie viele warmblütige
Thiere der kältesten Gegenden anomalisch weiße Haare und Fe-
dern, viele Pflanzen daselbst anomalisch weiße Blüthen haben
u.s.w. – Dagegen tragen die Creolen (d.h. die in Ost-
und West-Indien von europäischen Aeltern gebohrenen Weißen)
meist das unverkennbare Gepräge ihrer südlichen Heimath
an sich.

Wie sehr aber verschiedene Lebensart, Cultur und Nah-
rungsmittel nach und nach die Bildung, Farbe und ganze Con-
stitution der organisirten Körper umzuändern vermöge, davon
sehen wir an unsern Hausthieren*), an unserem Getreide,
Obst, Küchen-Gewächsen, Blumen-Floren etc. – am aller-
auffallendsten aber bei den Verschiedenheiten im Menschen-Ge-
schlechte selbst, die augenscheinlichsten Beispiele.

Diese mancherlei Ursachen der Degeneration können nun
aber nach Verschiedenheit der Umstände einander entweder un-
terstützen, und die Ausartung um so schneller und auffallender
machen, oder aber auch wieder gewisser Maaßen einander auf-
heben u.s.w.; daher man in dieser Untersuchung bei der An-
wendung auf einzelne Fälle nie zu einseitig urtheilen darf.

Anm. 1. So gibt es z.B. selbst unter der Linie kalte Erdstriche,
wie im Innern von Sumatra etc. Hingegen bringt Sibirien
gar viele Gewächse der wärmern Gegenden hervor, die in weit
südlichern Ländern von Europa nicht fortkommen.

Anm. 2. Sonderbar ist die eigenthümliche Wirkung, die einige
Climate auf die organisirten Körper, zumahl des Thierreichs,
äußern. So, daß z.B. in Syrien die Katzen, Kaninchen,
Ziegen etc. so auffallend langes und weißes Haar haben; auf
Corsica die Pferde, Hunde etc. so auszeichnend gefleckt sind; auf
Guinea Menschen, Hunde und Hühner zu Negern in ihrer Art
werden u.s.w.

§. 17.

[Seite 18]

Die Ernährung der organisirten Körper geht auf ver-
schiedene Weise vor sich. Den Pflanzen wird ihre einfache Nah-
rung durch Wurzeln, die sich außerhalb ihres Stammes
am einen Ende desselben befinden, zugeführt. Die Thiere hin-
gegen haben, wie sich Boerhaave ausdrückte, gleichsam ihre
Wurzeln innerhalb ihres Körpers, nähmlich im Magen
und Darmkanal, wo der nahrhafte Theil der Alimente durch
unzählige Gefäßchen, fast wie bei den Pflanzen durch Wurzeln,
eingesogen und dem übrigen Körper zugeführt wird.

Der brauchbare Theil der Nahrungsmittel wird durch
einen bewundrungswürdigen Proceß dem Stoff der organisirten
Körper assimilirt; der überflüssige hingegen ausgedunstet;
und bei den Thieren, die keinen so einfachen Nahrungssaft wie
die Pflanzen zu sich nehmen, auch durch andere Wege als Un-
rath ausgeworfen.

§. 18.

Das Wachsthum der organisirten Körper ist die Fol-
ge ihrer Ernährung. Die meisten erreichen früh die bestimmte
Größe ihres Körpers. Von manchen Bäumen aber, wie z.B.
von der Norfolkinsel-Fichte (Columnia pinifolia oder Arau-
caria excelsa), der Kohlpalme (Areca oleracea), dem
Baobab (Adansonia digitata) etc., auch von einigen andern
Gewächsen, z.B. vom Rotang (Calamus rotang) und so
auch von manchen Thieren, wie z.B. von vielen Gattungen
der Bandwürmer und selbst von den Crocodilen und großen
Wasserschlangen läßt sich schwerlich sagen, ob und wann in
ihrem Leben sie aufhören an Länge oder Dicke zuzunehmen.

§. 19.

Zum Wachsthum der organisirten Körper gehört auch ihre
Reproductions-Kraft, oder die merkwürdige Eigen-
schaft, daß sich verstümmelte oder völlig verlorne Theile ihres
Körpers von selbst wieder ergänzen. Diese bewundernswerthe
Einrichtung in der organisirten Schöpfung sichert die Thiere
und die Pflanzen bei tausend Gefahren, wo ihr Körper ver-
letzt wird: und ist folglich auch, nebst der Ernährung über-
haupt, einer der größten Vorzüge, wodurch die Maschinen
aus der Hand des Schöpfers bei weitem über die größten
Kunstwerke der Menschen erhoben werden, als welchen ihre
Verfertiger keine Kraft mittheilen können, ihre Triebfedern
und Räder, wenn sie verbogen, verstümmelt und abgenutzt
würden, von selbst wieder herzustellen: eine Kraft, die hin-
[Seite 19] gegen der Schöpfer jedem Thiere und jeder Pflanze – nur in
verschiedenem Maaße – beigelegt hat.

Viele organisirte Körper verlieren zu bestimmten Zeiten
gewisse Theile ihres Körpers von freien Stücken, die ihnen
nachher wieder reproducirt werden; wohin das Abwerfen der
Geweihe, das Mausern der Vögel, die Häutung der Schlan-
gen, der Raupen, das Schälen der Krebse, das Entblättern
der Gewächse u.s.w. gehört. Man könnte dies die gewöhn-
liche Reproduction nennen.

Die andere hingegen ist die außerordentliche, von
der hier eigentlich die Rede ist, da nähmlich dem organisirten
Körper, zumahl den Thieren, Wunden, Beinbrüche etc. ge-
heilt, oder gar durch Unfall verstümmelte und verlorene Theile
wieder ersetzt werden. Der Mensch und die ihm zunächst ver-
wandten Thiere besitzen eine freilich sehr eingeschränkte Repro-
ductionskraft: die hingegen bei vielen kaltblütigen Thieren,
besonders bei den Wasser-Molchen, Krebsen, Land-Schnecken,
Regenwürmern, See-Anemonen, See-Sternen, Arm-
Polypen etc. von einer ausnehmenden Stärke und Vollkom-
menheit ist.

Anm. Vor mehreren Jahren habe ich einem Wassermolch der
größern Art (Lacerta lacustris), den ich nun in Spiritus auf-
bewahre, fast das ganze Auge exstirpirt; nähmlich alle Säfte
auslaufen lassen und dann ⅘ der ausgeleerten Häute rein aus-
geschnitten; – und doch hat sich binnen zehn Monaten ein voll-
kommener neuer Augapfel mit neuer Hornhaut, Augenstern,
Crystall-Linse etc. reproducirt, der sich bloß dadurch vom andern
gesunden Auge auszeichnet, daß er nur erst ungefähr halb so
groß ist, (s. – Götting. gel. Anz. 1785. 47. St. –)

§. 20.

Wenn die organisirten Körper durch Ernährung und
Wachsthum zu ihrer vollen Reife gelangen, so erhalten sie dann
auch das Fortpflanzungsvermögen (§. 5.), das aber
auf eine sehr verschiedene Weise vollzogen wird. Ueberhaupt
nämlich ist entweder schon jedes Individuum für sich im Stande,
sein Geschlecht fortzupflanzen; oder aber es müssen sich ihrer
zwey mit einander paaren oder begatten, wenn sie neue organi-
sirte Körper ihrer Art hervorbringen sollen.

Die mannigfaltigen besondern Verschiedenheiten in diesen
beiderlei Hauptweisen der Fortpflanzung lassen sich doch füglich
unter folgende vier Arten bringen:

1) Jedes Individuum vermehrt sich auf die einfachste Weise,
ohne vorhergegangene Befruchtung: entweder durch Theilung,
[Seite 20] wie manche Infusions-Thierchen*) und Blumen-Polypen**);
oder wie bei der Brunnen-Conferve so, daß das alte faden-
artige Gewächs am einen Ende zu einem kuglichen Knöpfchen
anschwillt, das nachher abfällt und wieder zu einem solchen
Faden ausgetrieben und umgebildet wird (– Abbild. nat.
hist. Gegenst.
tab. 49. –); oder durch Sprossen, wie
die Arm-Polypen und viele Gewächse u.s.w.

2) Jedes Individuum ist zwar auch im Stande sich fortzupflan-
zen, hat aber als ein wahrer Zwitter beiderlei Geschlechts-
theile an seinem Leibe, und muß vorher, wenn es Thier ist,
die bei sich habenden weiblichen Eierchen mit männlichem Sa-
men – und wenn es Pflanze ist, seine weiblichen Samen-
körner mit männlichem Blumenstaub – befruchten, ehe sich
ein Junges daraus bilden kann. Dies ist der Fall bei den
mehresten Gewächsen, und im Thierreich, wie es scheint, bei
manchen Muscheln.

3) Ebenfalls beide Geschlechter, wie bei den Hermaphroditen
der vorigen Classe, in einem Individuo verknüpft; doch daß
keines sich selbst zu befruchten im Stande ist, sondern nur
immer ihrer zweye sich zusammen paaren und wechselseitig
einander befruchten und befruchtet werden müssen. Diese
sonderbare Einrichtung findet sich nur bei wenigen Thieren;
beim Regenwurm, bei manchen Land-Schnecken***) etc.

4) Die beiden Geschlechter in separaten Individuis, von de-
nen das eine die weiblichen Theile oder Eier, das andere den
männlichen befruchtenden Saft enthält. So alle rothblütige
und viele andere Thiere, und so auch manche Pflanzen, wie
die Palmen, der Hopfen, die mehresten Moose etc.

Einige Thiere dieser Classe geben die Eier selbst von sich,
in welchen sich erst nachher das Junge vollends ausbildet.
Dies sind die eierlegenden Thiere (ovipara). Bei andern
aber wird dies Ei so lange in der Bärmutter zurück behalten,
bis das Junge vollkommen ausgebildet worden, und nun von
seinen Hüllen befreit zur Welt kommen kann; lebendig ge-
bärende Thiere (vivipara).

Anm. Quae actu animal pariunt, vivipara dicuntur; quae
potentia, ovipara. Harvey.

[Seite 21]

Wie unwesentlich aber der Unterschied zwischen Eierlegen und
lebendig gebären sei, erweisen die Beispiele der Blattläuse und
Federbusch-Polypen, die sich nach den verschiedenen Jahrszeiten
bald auf die eine, bald auf die andere Weise fortpflanzen; und man-
cher Schlangen, die zwar Eier legen, in welchen aber schon das
ganz ausgebildete Thier enthalten ist. Gewissermaßen könnte man
mit diesem letztern Falle diejenigen Pflanzen vergleichen, in de-
ren reifen Samenkörnern ein grüner Pflanzenkeim eingeschlossen
liegt, wie z.B. bei den sogenannten ägyptischen Bohnen von der
Nymphaea nelumbo.

§. 21.

Nachdem die organisirten Körper die Bestimmungen ihres
Lebens erfüllt haben, so weicht endlich alle Lebenskraft von ih-
nen, und sie sterben. Die wenigsten erreichen aber das Ziel,
das ihnen die Natur zum Laufe ihres Lebens vorgesteckt hat,
sondern tausenderlei Zufälle verkürzen ihnen diesen Weg, meist
lange vor der bestimmten Zeit. So rechnet man z.B., daß
von 1000 in Europa gebohrnen Menschen nur ungefähr 78 für
Alter sterben; und von den großen furchtbaren Amphibien, Cro-
codilen, Riesenschlangen etc. erreicht vielleicht nicht das tausend-
ste sein gesetztes Alter und Größe. Nach dem Tode der Thiere
und Pflanzen wird ihr Körper durch Gährung, Fäulniß oder
Verbrennen, kurz durch die chemische Zersetzung seiner Urstoffe
allmählich aufgelöset, mithin ihr Organismus zerstört, und ihre
Asche endlich mit der übrigen Erde vermengt, die ihnen vorher
Nahrung und Aufenthalt gegeben hatte.

* * *

Zur N. G. der organischen Körper überhaupt:

  1. Ch. Bonnet Considérations sur les corps organisés (im IIIten
    B. der Oeuvres).
  2. G. R. Treviranus Biologie etc. Göttingen seit 1802. 8.
* * *
  1. Gemälde der organischen Natur in ihrer Verbreitung auf der Erde.
    von J. B. Wilbrand und F. Aug. Ritgen. Gießen 1821.
    mit einer großen ausgemalten Charte und der Erklärung. 8.
  2. Dazu Wilbrand's Darstellung der gesammten Organisation. Das.
    1809. II. B. 8.

Dritter Abschnitt.
Von den Thieren überhaupt.

[Seite 22]

§. 22.

So endlos vielartig die Bildung und der Bau der Thiere
ist, so scheinen sie doch sämmtlich (oder höchstens bis auf wenige
Ausnahmen mancher so genannten Infusionsthierchen etc.) den
Mund (§. 3.) mit einander gemein zu haben, durch welchen
sie dem Körper seine Nahrung zuführen: und statt daß die Pflan-
zen ihren sehr einfachen Nahrungssaft aus Luft, Wasser und
Erde einsaugen, so ist hingegen der Thiere ihr Futter äußerst
mannigfaltig, und wird beinahe ohne Ausnahme aus den
organisirten Reichen selbst entlehnt; und sie müssen es, durch
die peinlichen Gefühle des Hungers getrieben, mittelst will-
kürlicher Bewegung zu sich nehmen, um dadurch ihre
Selbsterhaltung zu bewirken.

§. 23.

Bei den insgemein so genannten vollkommneren Thie-
ren wird der abgesonderte Nahrungssaft zuvor mit dem Blute,
das in seinen Adern circulirt, vermischt, und von da erst in
die übrigen Bestandtheile des Körpers abgesetzt. Dieses eigent-
lich so genannte Blut ist von rother Farbe, aber in Rücksicht sei-
ner Wärme bei den verschiedenen Classen dieser rothblütigen
Thiere von doppelter Verschiedenheit. Bei den einen (nähmlich
bei den Amphibien und Fischen) hält es meist ungefähr die Tem-
peratur des Mediums, in welchem sie sich befinden, daher sie
kaltblütig genannt werden. Bei den andern aber, die deß-
halb warmblütig heißen (den Säugethieren und Vögeln),
zeigt es in ihrem vollkommen belebten Zustande immer eine Wär-
me von unges. 100 Gr. Fahrenh. mehr oder weniger. Der
Saft hingegen, welcher bei den so genannten weißblütigen
Thieren die Stelle des Bluts vertritt, unterscheidet sich beson-
ders durch den Mangel der rothen Kügelchen von jenem eigent-
lich so genannten Blute.

§. 24.

[Seite 23]

Das Blut der Thiere mag nun aber weiß oder roth, kalt
oder warm seyn, so muß es im gesunden Zustande immer mit
frischen Portionen eines zum Leben nothwendigen Stoffes (–
des so genannten Sauerstoffs –) aus der atmosphärischen Luft
oder aus dem Wasser geschwängert werden, wogegen es gleiche
Portionen eines andern Stoffes (– des Kohlenstoffes –) aus
dem Körper wiederum fortschafft. Zu diesem merkwürdigen le-
benswierigen Proceß in dem belebten thierischen Laboratorium
dient vorzüglichst das Athemholen; welches die rothblütigen
Thiere entweder durch Lungen, oder wie die Fische durch Kie-
men; die weißblütigen aber mittelst mancherlei anderer analogen
Organe verrichten.

§. 25.

Nur diejenigen Thiere, die mit Lungen versehen sind, kön-
nen auch Stimme (vox) von sich geben. Der Mensch hat sich
außer der ihm angebohrnen Stimme auch noch die Rede (lo-
quela) erfunden.

§. 26.

Die Organe, wodurch die willkürlichen Bewegungen un-
mittelbar vollzogen werden, sind die Muskeln, die bei den
rothblütigen Thieren das eigentliche so genannte Fleisch ausma-
chen. Nur bei einigen ganz einfach gebauten Thieren, wie die
Polypen, sind diese Bewegungs-Organe von dem übrigen gal-
lertigen Stoffe nicht zu unterscheiden.

§. 27.

Außerdem finden sich aber auch einige wenige Muskeln, über
welche der Wille nichts vermag. So z.B. das Herz, als
welches lebenslang unaufhörlich (– beim Menschen ungefähr
4500 Mahl in jeder Stunde –), und zwar ohne wie andere
Muskeln zu ermüden, oder endlich zu schmerzen, als Haupt-
triebfeder des Blutumlaufs, in seiner schlagenden Bewegung ist.

§. 28.

Beide Arten von Muskeln aber, bis unwillkürlichen sowohl
als die, so sich nach dem Entschlusse des Willens bewegen, be-
dürfen zu diesem ihren Bewegungsvermögen des Einflusses der
Nerven.

§. 29.

Diese Nerven entspringen aus dem Gehirn und aus dem
Rückenmark, und es scheint, daß die Größe der beiden letztern
in Vergleichung der Dicke der daraus entstehenden Nerven mit
den Geisteskräften der Thiere im umgekehrten Verhältniß ste-
[Seite 24] he*), so daß der Mensch von allen das größte Gehirn, in Ver-
gleichung seiner sehr dünnen Nerven, hat; da hingegen einfäl-
tige Thiere, wie z.B. die hieländischen Amphibien, dicke Ner-
ven bei einem sehr kleinen Gehirne haben.

§. 30.

Außer dem Einfluß, den die Nerven auf die Muskelbewe-
gung haben, ist ihr zweytes Geschäft, auch der Seele die äußern
Eindrücke auf den thierischen Körper, durch die Sinne mitzu-
theilen. Die Beschaffenheit der Sinnwerkzeuge ist aber in den
verschiedenen Thier-Classen selbst sehr verschieden. So erhalten
z.B. viele Thiere offenbar allerhand sinnliche Eindrücke, ohne
daß wir doch die Sinnwerkzeuge an ihnen entdecken können, die
bei andern zu solchen Eindrücken nothwendig sind. Die Schmeiß-
fliege z.B. und viele andere Insecten haben Geruch, ob wir
gleich keine Nase an ihnen wahrnehmen u. dergl. m.

Anm. Manche haben die Zahl der fünf Sinne überhaupt auf we-
nigere einschränken, andere hingegen dieselbe mit neuen vermeh-
ren wollen. Vanini z.B. und viele nach ihm hielten das
Gefühl bei Befriedigung des Sexual-Triebes für einen sechsten
Sinn; Jul. Cäs. Scaliger das Gefühl beim Kitzeln unter
den Achseln für einen siebenten. So hielt achtens Spallan-
zani das Gefühl, wodurch sich die Fledermäuse bei ihrem Flat-
tern im Finstern für den Anstoß sichern; so wie neuntens Dar-
win das Gefühl für Wärme und Kälte für besondere Sinne.

§. 31.

Durch den anhaltenden Gebrauch werden Nerven und Mus-
keln ermüdet, und sie brauchen von Zeit zu Zeit Ruhe zur
Sammlung neuer Kräfte, die ihnen der Schlaf gewährt. Dem
Menschen und den mehresten von Gewächsen lebenden Thieren
ist die Nacht zu dieser Erholung angewiesen; doch halten sich
auch manche von diesen, wie z.B. der Siebenschläfer etc., be-
sonders aber viele Raubthiere, wohin zumahl die mehresten Fi-
sche gehören, auch manche Insecten und Gewürme, am Tage
verborgen und gehen des Nachts ihren Geschäften nach, weßhalb
sie animalia nocturna genannt werden.

§. 32.

Außer diesem Erholungsschlaf findet sich in der Oekonomie
vieler Thiere noch die sehr bequeme Einrichtung, daß sie einen
beträchtlichen Theil des Jahrs, und zwar gerade die rauhesten
Monathe, da es ihnen schwer werden würde, für ihre Erhal-
[Seite 25] tung zu sorgen*), in einem tiefen Winterschlaf zubringen.
Sie verkriechen sich, wenn diese Zeit kommt an sichere, schau-
rige Orte; und fallen mit einbrechender Kälte in eine Art von
Erstarrung, aus der sie erst durch die erwärmende Frühlings-
sonne wieder erweckt werden. Diese Erstarrung ist so stark,
daß die warmblütigen Thiere während dieses Todtenschlafs nur
unmerkliche Wärme übrig behalten (– s. oben S. 22. –),
und daß die Puppen vieler Insecten, die zu gleicher Zeit ihre
Verwandlung bestehen, im Winter oft so durchfroren sind, daß
sie, dem Leben des darin schlafenden Thieres unbeschadet, wie
Eiszapfen oder Glas klingen, wenn man sie auf die Erde fal-
len läßt.

So viel bekannt, hält doch kein einziger Vogel, hingegen
die mehresten Amphibien, Winterschlaf.

§. 33.

Von den Seelenfähigkeiten sind manche dem Menschen
mit den mehresten übrigen Thieren gemein, wie z.B. die Vor-
stellungskraft, die Aufmerksamkeit, und so auch die
beiden so genannten innern Sinne, Gedächtniß nähmlich und
Einbildungskraft.

§. 34.

Andere sind fast bloß den übrigen Thieren eigen, so daß
sich beim Menschen nur wenige Spuren davon finden, nähm-
lich die so genannten Naturtriebe oder Instincte. Da-
gegen er hinwiederum im ausschließlichen Besitze der Ver-
nunft ist.

§. 35.

Der Instinct**) ist das Vermögen der Thiere, aus einem
angebohrnen, unwillkürlichen, inneren Drange, ohne allen Un-
terricht, von freien Stücken, sich zweckmäßigen, und zu ihrer
und ihres Geschlechts Erhaltung abzielenden Handlungen zu un-
terziehen.

Daß diese wichtigen Handlungen wirklich ganz unüberlegt,
bloß nach ursprünglichen Gesetzen der Nothwendigkeit, und
gleichsam maschinenmäßig vollzogen werden, wird durch zahl-
[Seite 26] reiche Bemerkungen erweislich, wie z.B., daß die Hamster auch
todten Vögeln doch zuerst die Flügel zerbrechen, ehe sie weiter
anbeißen; daß junge Zugvögel, die man ganz einsam im Zim-
mer erzogen hat, doch im Herbst den innern Ruf zum Fortzie-
hen fühlen, und im Käfich bei allem guten Futter und Pflege
unruhig werden.

§. 36.

Unter den mancherlei Arten dieser thierischen Triebe sind
besonders die so genannten Kunsttriebe merkwürdig, da sich
nähmlich so viele warmblütige Thiere und Insecten ohne alle
Anweisung und ohne alle vorgängige Uebung*), (als welche
bei so vielen gar nicht Statt finden kann; wie z.B. bei den
Seidenwürmern etc., die nur Ein für alle Mahl in ihrem Leben
davon Gebrauch machen können, und wo folglich schlechterdings
erster Versuch und Meisterstück Eins seyn muß), so ungemein
künstliche Wohnungen, Nester, Gewebe etc. zu ihrem Aufent-
halte, zur Sicherheit für ihre Junge, zum Fang ihres Raubes,
und zu vielfachen andern Zwecken zu verfertigen wissen.

§. 37.

Der Mensch zeigt außer den Sexualtrieben wenig andere
Spuren von Instinct: angeborne Kunsttriebe aber hat er vol-
lends ganz und gar nicht. Was ihn hingegen für diesen schein-
baren Mangel entschädigt, ist der Gebrauch der Vernunft.

Diese mag nun entweder eine ausschließlich eigenthümliche
Fähigkeit der menschlichen Seele, oder aber ein unendlich stär-
kerer Grad einer Fähigkeit seyn, wovon manche Thiere**)
auch einige schwache Spur hätten; oder eine eigene Richtung der
gesammten menschlichen Seelenkräfte u.s.w., so liegt wenig-
stens der hohe Vorzug, den der Mensch durch den Besitz dersel-
ben erhält, das Vermögen sich selbst zu vervollkommnen, un-
widerredlich am Tage.

Und da ihm die ganze bewohnbare Erde zum Aufenthalt
offen steht, und fast die ganze organisirte Schöpfung zur Speise
überlassen ist, so erzeugt freilich eben die große Verschiedenheit
der Climate, die er bewohnen soll, und der Nahrung, die ihm
der Ort seines Aufenthalts gestattet, eben so verschiedene Be-
dürfnisse, die er durch keinen einförmigen Kunsttrieb, aber
wohl durch den Gebrauch seiner sich nach den Umständen gleich-
[Seite 27] sam accommodirenden Vernunft auf eben so mannichfaltige Wei-
se zu stillen vermag.

§. 38.

Wie unendlich aber der Mensch schon durch diesen einzigen
Vorzug über die ganze übrige thierische Schöpfung erhoben wer-
de, beweiset die unbeschränkte Herrschaft, womit er über alle
Triebe und über die Lebensart, Haushaltung etc., mit einem
Worte, über das ganze Naturell dieser seiner Mitgeschöpfe
nach Willkür disponiren, die furchtbarsten Thiere zähmen, ihre
heftigsten Triebe dämpfen, sie zu den kunstreichsten Handlungen
abrichten kann u.s.w.

Anm. Um sich überhaupt zu überzeugen, wie sehr der cultivirte
Mensch Herr der übrigen Schöpfung auf dieser Erde ist, braucht
man sich bloß an die Umschaffung zu erinnern, die er seit Entde-
ckung der neuen Welt mit ihr und der alten wechselseitig vorge-
nommen hat! Was für Gewächse und Thiere er aus dieser in
jene übergepflanzt hat, wie z.B. Reis, Caffee etc., Pferde, Rind-
vieh etc. und was er v. v. von dorther nun wieder in seinem Welt-
theile einheimisch gemacht, wie z.B. Cartoffeln, Taback, wäl-
sche Hühner u.s.w.

§. 39.

Am auffallendsten erweist sich die allein auf den Vorzug
der Vernunft beruhende Herrschaft des Menschen über die übrige
thierische Schöpfung durch die so genannten Hausthiere;
worunter man in engerer Bedeutung diejenigen warmblütigen
Thiere versteht, so der Mensch zu Befriedigung wichtiger Be-
dürfnisse und überhaupt zu beträchtlicher Benutzung absichtlich
ihrer Freiheit entzogen und sich unterjocht hat. Im weitern
Sinne kann man aber auch die Bienen und Seidenwürmer, so
wie die Cochenill-Insekten dahin rechnen.

Anm. 1. Unter jenen Hausthieren im engern Sinn ist eine drey-
fache Verschiedenheit zu bemerken. Von manchen nämlich hat
der Mensch die ganze Gattung ihrem freien Naturzustande entzogen,
und sich unterwürfig gemacht, wie z.B. das Pferd. Von andern,
die er sich zwar auch ins Haus zieht, existirt doch aber noch die
ursprünglich wilde Stammrasse, wie vom Schwein, Katze,
Rennthier, den beiderlei Camelen der alten Welt, und dem so
genannten Meiergeflügel. Der Elephant endlich pflanzt sich gar
nicht in der Gefangenschaft fort, sondern jeder, der zum Dienst
des Menschen gebraucht werden soll, muß erst aus der Wildheit
eingefangen, gezähmt und abgerichtet werden.

Anm. 2. Die eigentlich so genannten Hausthiere variiren zwar
häufig in der Farbe; und manche der darunter gehörigen Säuge-
thiere zeichnen sich auch durch einen hängenden Schwanz und
schlappe Ohren aus, aber keins von beiden ist ein beständiges
Kennzeichen der Unterjochung. (– Ueber die Hausthiere s. mit
mehreren den Gothaischen Hof-Kalender vom J. 1796. –)

§. 40.

[Seite 28]

Die zoologischen Systeme haben sich nach dem Linnéi-
schen vielartig gemehrt*). Nach diesem wird das ganze Thier-
reich unter folgende sechs Classen gebracht:

I. Cl. Säugethiere (mammalia), Thiere mit warmen
rothen Blut, die ihre Junge lebendig zur Welt bringen,
und sie dann einige Zeit lang mit Milch an Brüsten säugen.

II. Cl. Vögel, Thiere mit warmem rothen Blut, die aber
Eier legen, und Gefieder haben.

III. Cl. Amphibien, Thiere mit kaltem rothen Blut, die
durch Lungen Athem holen.

IV. Cl. Fische, Thiere mit kaltem rothen Blut, die durch
Kiemen, und nicht durch Lungen, athmen.

V. Cl. Insecten, Thiere mit kaltem weißen Blut, die
Fühlhörner (antennas) am Kopf und eingelenkte (hornar-
tige) Bewegungswerkzeuge haben.

VI. Cl. Gewürme (vermes), Thiere mit kaltem weißen
Blut, die keine Fühlhörner, sondern meist Fühlfäden (ten-
tacula) und wohl nie eingelenkte Bewegungswerkzeuge
haben.

* * *

Die beiden letztern Classen sind aber neuerlich, zumahl von fran-
zösischen Zoologen, und vor allen von Hrn. Bar. Cúvier naturge-
mäßer in mehrere vertheilt und geordnet worden, wovon weiter un-
ten behörigen Ortes die Rede seyn wird.

* * *

Hauptquellen und andere Hülfsmittel zur Thiergeschichte
Ueberhaupt.

  1. Aristoteles. – Histoire des animaux, avec des notes etc. par
    Camus. Par. 1793. II. vol. 4.
  2. Aristoteles N. G. der Thiere, mit Anm. von Fr. Strack.
    Frankf. 1816. 8.
  3. Conr. Gesneri icones quadrupedum viviparorum, it. avium et
    animalium aquatilium: cum nomenclaturis
    singulorum in
    linguis diversis Europae.
    ed. 2. Tig. 1560. fol.
  4. Aldrovandus.
  5. Jo. Jonston historia naturalis de animalibus. Francof. 1649-
    1653. fol.
  6. auch unter dem Titel: H. Ruysch (Frid. fil.) theatrum univer-
    sale omnium animalium
    . Amst. 1718. II. vol. fol.
  7. Ray.
  8. Buffon.
  9. G. Ad. Sukow Anfangsgründe der Naturgeschichte der (rothblüti-
    gen) Thiere. Leipzig seit 1797. 8.
  10. G. Cuvier tableau élémentarie de l'histoire naturelle des ani-
    maux.
    Par. 1798. 8.
  11. und Dess. Règne animal, distribué d'après son organisation.
    Par. 1817. IV. vol. 8.
  12. A. M. Const. Duméril zoologie analytique. Par. 1806. 8.
  13. Gotth. Fischer zoognosia etc. Mosq. 1813. III. vol. 4. und 8.
  14. Lor. Oken's Lehrbuch der N. G. IIIter Th. Leipz. 1816. II. B. 8.
  15. G. Aug. Goldfuß, Handbuch der Zoologie. Nürnberg. 1820. II. B. 8.
  16. P. A. Latreille Familles naturelles du règne animal. Par.
    1825. 8. übers. mit Anmerk. von Dr. Berthold. Weimar.
    1827. 8.
  17. J. B. Wilbrand Handbuch der Naturge-
    schichte des Thierreichs. Gießen 1829. 8.
* * *
  1. Deutschlands Fauna in Abbild. nach der Natur, mit Beschreibungen
    von Jac. Sturm. Nürnb. seit 1790. 12.
  2. Linnaei fauna Suecica. ed. 2. Holm. 1761. 8.
  3. Th. Pennant's British zoology. Lond. 1768-1777. IV. vol. 8.
  4. und Dess. großes Kupferwerk unter gleichem Titel, ib. seit 1763.
    gr. Fol.
  5. C. P. Cl. Fleurieu histoire naturelle des Oiseaux, des Pois-
    sons, des Cetacèes, des Amphibies
    etc. marins, im IIten
    und IIIten Bande des voyage autour du monde par Et. Mar-
    chand.
    Par. 1800. 4.
* * *
  1. J. F. Brandt und J. T. C. Ratzeburg Darstellung und Beschrei-
    bung der Thiere, die in der Arzneimittellehre in Betracht kom-
    men. Berl. seit 1827. gr. 4.
* * *
  1. W. Elf. Leach's Zoological Miscellany. Lond. seit. 1814. 8.
  2. The Zoological Journal by Th. Bell, Sowerby and N. A. Vi-
    gors. Lond. seit 1824. 8.

Vierter Abschnitt.
Von den Säugethieren.

[Seite 30]

§. 41.

Die Säugethiere haben das warme rothe Blut mit den Vö-
geln gemein; aber sie gebären lebendige Junge: und ihr Haupt-
charakter, der sie von allen übrigen Thieren unterscheidet, und
von dem auch die Benennung der ganzen Classe entlehnt ist,
sind die Brüste, wodurch die Weibchen ihre Junge mit
Milch ernähren. Die Anzahl und Lage der Brüste ist ver-
schieden. Meist sind ihrer noch Ein Mahl so viel, als die Mut-
ter gewöhnlicher Weise Junge zur Welt bringt; und sie sitzen
entweder an der Brust, oder am Bauche, oder zwischen den
Hinterbeinen*).

§. 42.

Der Körper der allermehresten [wo nicht aller**)] Säu-
gethiere ist mit Haaren von sehr verschiedener Stärke,
Länge und Farbe besetzt; die auch bei einigen als Wolle ge-
kräuselt, oder als Borsten straff und struppig sind, oder
gar wie beim Igel etc. steife Stacheln bilden. Bei manchen
sind die Haare an besondern Stellen als Mähne oder Bart
verlängert; und bei einigen, wie bei den Pferden, Hunden etc.
stoßen sie an bestimmten Stellen in entgegengesetzter Richtung
an einander und machen so genannte Nähte (suturas). Bei
[Seite 31] andern, wie z.B. bei den Seehunden etc. ändert sich die Farbe
mit dem Alter. Auch sind manche durch die Kälte (§. 16.) bei
uns im strengen Winter, im Norden aber Jahr aus Jahr ein,
entweder grau, wie das Eichhörnchen (Grauwerk), oder
schneeweiß, wie das große Wiesel (Hermelin) etc. Wenn hin-
gegen diese weiße Farbe zugleich mit lichtscheuen Augen und
rothen Pupillen verbunden ist, wie bei den so genannten Ka-
ckerlacken im Menschengeschlecht und unter manchen andern
Gattungen von warmblütigen Thieren, so ist es die Folge einer
wirklich kränklichen Schwäche.

§. 43.

Der Aufenthalt der Säugethiere ist sehr verschieden.
Die mehresten leben auf der Erde; manche wie die Affen,
Eichhörnchen etc., fast bloß auf Bäumen; einige, wie der
Maulwurf, als eigentliche animalia subterranea, unter der
Erde; andere bald auf dem Lande, bald im Wasser, wie die
Biber, Seebären; und noch andere endlich bloß im Wasser,
wie die Wallfische. – Hiernach sind nun auch ihre Füße oder
ähnliche Bewegungswerkzeuge verschieden. Die mehresten ha-
ben vier Füße; der Mensch nur zwei, aber auch zwei Hände;
die Affen hingegen vier Hände. Die Finger und Zehen der-
jenigen Säugethiere, die im Wasser und auf dem Lande zu-
gleich leben, sind durch eine Schwimmhaut verbunden. Bei
den Fledermäusen sind die an den Vorderfüßen ungemein lang
und dünne; und zwischen ihnen ist eine zarte Haut ausgespannt,
die zum Flattern dient. Die Füße mancher Wasserthiere aus
dieser Classe sind zum Rudern eingerichtet, und bei den Wall-
fischen ähneln sie gar einiger Maaßen den Flossen der Fische;
doch daß die Hinterflossen ohne Knochen sind, und horizontal,
nicht wie ein Fischschwanz vertikal, liegen. Einige wenige
Säugethiere (solidungula) haben Hufe; viele aber (bisulca)
gespaltene Klauen. Die mehresten gehen (zumahl mit den
Hinterfüßen) bloß auf den Zehen; einige aber, wie der Mensch,
und gewisser Maaßen auch die Affen, Bären, Elephanten u.
a. m. auf der ganzen Fußsohle bis zur Ferse.

§. 44.

Die wahren Ameisenbären, die Schuppenthiere und eini-
ge Wallfische ausgenommen, sind die übrigen Säugethiere mit
Zähnen versehen, die man in Vorderzähne*) (primores s.
[Seite 32] incisores), Eckzähne oder Spitzzähne (caninos s. laniarios),
und Backenzähne (molares) eintheilt. Die letztern zumahl
sind nach der verschiedenen Nahrung dieser Thiere auch ver-
schiedentlich gebildet. Bei den fleischfressenden nähmlich ist die
Krone scharfkantig, fast schneidend; bei den grasfressenden
oben breit und eingefurcht; und bei denen, die sich, so wie der
Mensch, aus beiden organisirten Reichen nähren, in der Mitte
eingedruckt, und an den Ecken abgerundet.

Manche Säugethiere, wie z.B. der Elephant und der
Narhwal, haben große prominirende Stoßzähne (dentes ex-
serti); andere, wie z.B. das Wallroß, Hauzähne.

§. 45.

Bloß unter den Säugethieren, und zwar nur unter den
grasfressenden, gibt es wirklich wiederkauende Gattun-
gen, bei welchen nähmlich das zuerst bloß obenhin zerbissene
und geschluckte Futter bissenweise wieder durch den Schlund
zurückgetrieben, und nun erst recht durchkaut und dann zum
zweyten Mahl geschluckt wird.

Zu diesem Zweck haben die wiederkauenden Thiere eine
eigene Einrichtung des Gebisses; indem ihre Backenzähne wie
mit sägeförmigen Querfurchen ausgeschnitten sind, und die
Kronen derselben nicht horizontal liegen, sondern schräg aus-
geschlägelt sind, so daß an denen im Oberkiefer die Außenseite,
an denen im untern aber die nach der Zunge hin gerichtete in-
nere Seite die höchste ist. Dabei haben sie einen schmalen Un-
terkiefer, der eine sehr freie Seitenbewegung gestattet, wo-
durch denn, wie der Augenschein lehrt, der Mechanismus die-
ser sonderbaren Verrichtung von dieser Seite bewirkt wird.

Anm. 1. Bei den ruminantibus, die zugleich gespaltene Klauen
haben (bisulca), kommt nun außerdem noch der vierfache
Magen hinzu, dessen innerer Bau und Mechanismus überaus
merkwürdig ist. Das zum ersten Mahl geschluckte noch halb
rohe Futter gelangt nähmlich in den ungeheuern ersten Magen
(rumen, magnus venter, franz. le double, l'herbe, la
panse,
der Pansen, Wanst), als in ein Magazin, worin es
nur ein wenig durchweicht wird. Von da wird eine kleine Por-
tion dieses Futters nach der andern mittelst des zweyten
Magens (reticulum, franz. le bonnet, le reseau, die Hau-
be, Mütze, das Garn), der gleichsam nur ein Anhang des er-
[Seite 33] sten ist, aufgefaßt und wieder durch den Schlund hinauf getrie-
ben. Nun wird der wiedergekaute, zum zweyten Mahl geschluckte
Bissen durch eine besondere Rinne, ohne wieder durch die beiden
ersten Mägen zu passiren, gleich aus dem Schlunde in den
dritten (Echinus, centipellio, omasus, franz. le feuillet,
le pseautier,
das Buch, der Psalter, der Blättermagen) gelei-
tet, wo er von da endlich zur völligen Verdauung in den vierten
(abomasus, franz. la caillette, der Laab, die Ruthe, der
Fettmagen) gelangt, der dem Magen anderer Säugethiere am
nächsten kommt*).

Anm. 2. Der allgemeine, auf alle wiederkauende Thiere über-
haupt passende Haupt-Nutzen der Rumination scheint mir noch
unbekannt.

§. 46.

Außer den Klauen, Zähnen etc. sind viele Säugethiere auch
mit Hörnern als Waffen versehen. Bei einigen Gattungen,
wie beim Hirsch, Reh etc. sind die Weibchen ungehörnt; bei an-
dern, wie beim Renthier und im Ziegengeschlecht, sind ihre
Hörner doch kleiner als der Männchen ihre. Anzahl, Form
und Lage, besonders aber die Textur der Hörner, ist sehr ver-
schieden. Beim Ochsen-, Ziegen- und Gazellengeschlecht sind
sie hohl, und sitzen wie eine Scheide über einem knöchernen
Zapfen oder Fortsatz des Stirnbeins. Die Hörner der beider-
lei Rhinocer sind dicht, und bloß mit der Haut auf der Nase
verwachsen. Beim Hirschgeschlecht hingegen sind sie zwar eben-
falls solide, aber von mehr knochenartiger Textur, und ästig.
Sie heißen dann Geweihe, und werden gewöhnlich alljähr-
lich abgeworfen und neue an ihrer Statt reproducirt.

§. 47.

Die Oeffnung des Afters wird bei den mehresten Säuge-
thieren durch den Schwanz bedeckt, der eine Fortsetzung des
Kuckucksbein (coccyx), und von mannichfaltiger Bildung und
Gebrauch ist. Er dient z.B. manchen Thieren sich der stechen-
den Insecten zu erwehren; vielen Meerkatzen und einigen an-
dern americanischen und Neu-holländischen Thieren statt einer
Hand, um sich daran halten, oder damit fassen zu können
(cauda prehensilis, Rollschwanz); den Springhasen zum
Springen (cauda saltatoria); dem Kängaruh zum Gleich-
gewicht bei seinem aufrechten Sitz und zur Vertheidigung etc.

§. 48.

Auch sind am Körper einiger Thiere dieser Classe besondere
Beutel von verschiedener Bestimmung zu merken. So haben
[Seite 34] viele Affen, Paviane, Meerkatzen, auch der Hamster u.a.,
Backentaschen (thesauros), um Proviant darin einschleppen
zu können. Beim Weibchen der Beutelthiere liegen die Zitzen
in einer besondern Tasche am Bauche, worein sich die saugen-
den Jungen verkriechen.

§. 49.

Manche Säugethiere, wie z.B. die mehresten größern
grasfressenden, sind gewöhnlich nur mit Einem Jungen auf
einmahl trächtig; andere hingegen, wie z.B. die Raub-
thiere, und die Schweine mit mehreren zugleich.

Die Leibesfrucht steht mit der Mutter durch die so
genannte Nachgeburt (secundinae) in Verbindung, welche
aber von verschiedener Gestaltung ist; da sie z.B. im Men-
schengeschlecht einen einfachen größern Mutterkuchen (pla-
centa) bildet, hingegen bei den wiederkauenden Thieren mit
gespaltenen Klauen (bisulca) in mehrere, theils sehr zahl-
reiche, zerstreute kleine solche Verbindungsorgane (cotyledo-
nes) vertheilt ist u.s.w.

§. 50.

Die Wichtigkeit der Thiere überhaupt läßt sich haupt-
sächlich aus einem zweyfachen Gesichtspuncte bestimmen; ent-
weder nähmlich, in sofern sie auf die Haushaltung der Natur
im Großen, auf den ganzen Gang der Schöpfung Einfluß
haben; oder in sofern sie dem Menschen unmittelbar nutzbar
werden. Aus jener Rücksicht sind, wie wir unten sehen wer-
den, die Insecten und Gewürme die bei weiten wichtigsten Ge-
schöpfe; aus dieser hingegen die Säugethiere; und zwar sowohl
wegen der Größe als der Vielartigkeit ihrer Benutzung.
Die Verschiedenheit in ihrer Bildung, ihre große Gelehrigkeit,
ihre Stärke u.s.w. machen sie für den Menschen auf die man-
nichfaltigste Weise brauchbar*). Aus keiner andern Classe von
Thieren hat er sich so treue, dienstfertige und arbeitsame Ge-
hülfen zu schaffen gewußt; keine ist ihm zu seinem unmittelba-
ren Gebrauch und zu seiner Selbsterhaltung so unentbehrlich als
diese. – Ganze Völker des Erdbodens können mit einer ein-
zigen Art von Säugethieren fast alle ihre dringendsten Bedürf-
nisse befriedigen. So die Grönländer mit dem Seehund; die
Lappen, Tungusen etc. mit dem Renthier; die Aleuten mit dem
Wallfisch.

§. 51.

[Seite 35]

Die vielfache Brauchbarkeit der Säugethiere für das
Menschengeschlecht reducirt sich vorzüglich auf folgendes. Zum
Reiten, zum Zug, Ackerbau, Lasttragen u.s.w.:
Pferde, Maulthiere, Esel, Ochsen, Büffel, Renthiere, Ele-
phanten, Camele, Llamas, Hunde. Zur Jagd zum Be-
wachen etc.: Hunde. Zum Mausen und Vertilgen anderer
schädlichen Thiere: Katzen, Igel, Ameisenbären etc. Zur Spei-
se: das Fleisch vom Rindvieh, Schafen, Ziegen, Schweinen,
vom Hirschgeschlecht, von Hasen, Kaninchen, u.s.w. Ferner
Speck, Schmalz, Blut, Milch, Butter, Käse. Zur Klei-
dung, zu Decken, Zelten etc. Pelzwerk, Leder, Haare,
Wolle etc. Zum Brennen: Talg, Thran, Wallrath. Zum
Schreiben, Bücherbinden etc.: Pergament, Leder. Für
andere Künstler und zu allerhand Gebrauch: Borsten,
Haar, Geweihe, Hörner, Klauen, Elfenbein u.a. Zähne,
Fischbein, Knochen, Blasen, Därme, Sehnen und Knochen zu
Tischlerleim. Därme zu Saiten. Blut zu Berliner-
blau u.a. Farben. Knochen und Huf zu Beinschwarz,
Hornschwarz etc. Fett und Mark zu Seife. Mist zum
Dünger, zur Feuerung, zu Salmiak etc. Endlich zu
Arznei: Bisam, Bibergeil, Hirschhorn, Milch etc.

§. 52.

Von der andern Seite sind aber freilich mehrere Thiere
dieser Classe dem Menschengeschlecht unmittelbar oder mittelbar
nachtheilig. Manche reißende Thiere, besonders aus dem
Katzen-Geschlecht, fallen Menschen an. Eben diese und
noch manche andere, z.B. die Wiesel, Marder, Iltisse, Viel-
fraße, Fischottern, Wallfische etc. vertilgen viele nutzbare Thie-
re: – oder schaden den Gewächsen, Bäumen, Gar-
tenfrüchten, dem Getreide u.s.w. wie die Feldmäuse,
Hamster, Lemming, Hirsche, Hasen, Biber, Affen, Elephan-
ten, Rhinocer, Nilpferde etc. oder gehen andern Eßwaren
nach; wie Ratten, Mäuse, Fledermäuse u.s.w. Gift scheint
(außer etwa dem männlichen Schnabelthier, dessen Sporn am
Hinterfuße für giftig gehalten worden) kein anderes Thier dieser
Classe im gesunden Zustande zu besitzen.

§. 53.

Man hat verschiedene künstliche, d.h. bloß von einzel-
nen zum Classificationsgrunde gelegten Charaktern entlehnte Sy-
steme (systemata artificialia), nach welchen verdiente Natur-
forscher die Säugethiere zu ordnen versucht haben. Aristo-
telis Eintheilung z.B. ist bloß auf die allgemeinste Verschie-
[Seite 36] denheit der Zehen und Klauen gegründet, und die haben auch
Ray u.a. zum Grunde gelegt, und nach der Zahl der Zehen
etc. weiter bearbeitet. Aber hierbei müssen die verwandtesten und
im Ganzen noch so ähnlichen Gattungen von Ameisenbären,
Faulthieren etc. getrennt, und in ganz verschiedene Ordnungen
versetzt werden, bloß weil die eine mehr, die andere weniger
Zehen hat. Linné hat die Zähne zum Classificationsgrund ge-
wählt, ein Weg, auf dem man aber nicht minder, bald auf die
unnatürlichsten Trennungen, bald auf die sonderbarsten Ver-
bindungen stößt*). Das Geschlecht der Fledermäuse muß
nach seinem Entwurf, wegen des verschiedenen Gebisses bei
einigen Gattungen, wenigstens in drey verschiedene Ordnun-
gen zerstückt werden; so die beiderlei Nashörner in zwey; –
dagegen kommt der Elephant mit den Panzerthieren, und
den formosanischen Teufelchen in eine gemeinschaftliche Ord-
nung etc.

§. 54.

Ich habe daher ein im Ganzen natürlicheres System
der Säugethiere zu entwerfen getrachtet, wobei ich mehr auf
den Totalhabitus dieser Thiere gesehen, doch vorzüglich die
Bewegungswerkzeuge, weil sie am leichtesten in die Augen fal-
len und dem Totalhabitus sehr angemessen sind, zum Grund
der Ordnungen gelegt, aber zwey derselben, welche vielartige
Geschöpfe begreifen, wieder nach der Verschiedenheit ihres Ge-
bisses in einige Familien unterabgetheilt, und diese mit den be-
kannten Namen einiger Linnéischen Ordnungen bezeichnet: und
so die ganze Classe folgender Maaßen geordnet:

I. Ord. Bimanus. Der Mensch mit zwey Händen.

II. Quadrumana. Thiere mit vier Händen. Affen, Pa-
viane, Meerkatzen und Makis.

III. Chiroptera. Die Säugethiere, deren Vorderfüße Flat-
terhäute bilden (§. 43). Die Fledermäuse.

IV. Digitata. Säugethiere mit freien Zehen an allen vier
Füßen. – Diese Ordnung zerfällt nach der Verschiedenheit
des Gebisses in folgende drey Familien:

A) Glires. Mit mauseähnlichem Gebiß. Eichhörnchen,
Hasel- und andere Mäuse, Murmelthiere, Meerschwein-
chen u.s.w. Springmäuse, Hasen, Stachelschweine.

B) Ferae. Die eigentlich so genannten reißenden Thiere
und einige andere Geschlechter mit ähnlichem Gebiß.
[Seite 37] Löwen etc., Hunde etc., Bären, Wiesel, Viverren, Beu-
telthiere, Igel, Spitzmäuse, Maulwürfe.

C) Bruta. Ohne Gebiß, oder wenigstens ohne Vorder-
zähne etc. Faulthiere, Ameisenbären, Schuppenthiere,
Panzerthiere.

V. Solidungula. Pferd etc.

VI. Bisulca. Die wiederkauenden Thiere mit gespaltenen
Klauen.

VII. Multungula. Meist sehr große, aber unförmliche,
borstige oder dünnbehaarte Säugethiere mit mehr als zwey
Klauen an jedem Fuß. Schweine (denn auch diese haben
im Grunde vier Klauen), Tapir, Elephanten, Nashörner,
Nilpferd.

VIII. Palmata. Säugethiere mit Schwimmfüßen. Wieder
nach der Verschiedenheit ihres Gebisses in obgedachte drey
Familien getheilt:

A) Glires. Biber.

B) Ferae. Seehunde etc., Ottern.

C) Bruta. Das Schnabelthier, Wallroß, der Manate.

Letzterer macht von hier den schicklichsten Uebergang zur letz-
ten Ordnung.

IX. Cetacea. Wallfische. Warmblütige Thiere, die mit den
kaltblütigen Fischen fast nichts als den unschicklichen Namen
gemein haben, und deren natürliche Verbindung mit den
übrigen Säugethieren schon Ray vollkommen richtig einge-
sehen hat*).

* * *

Zur N. G. der Säugethiere.

  1. Conr. Gesneri historiae animalium L. I. de quadrupedibus vi-
    viparis.
    Basil. 1551. fol.
  2. Ul. Aldrovandi de quadrupedibus digitatis viviparis L. III. Bo-
    non. 1627. fol.
  3. Id. de quadrupedibus solidipedibus. ib. 1616. fol.
  4. Id. de quadrupedibus bisulcis. ib. 1613. fol.
  5. Ej. de cetis L. I. (am Ende seines Werks de piscibus.) ib. eod.
    fol.
  6. Jo. Rah synopsis animalium quadrupedum. Lond. 1693. 8.
  7. Buffon.
  8. Th. Pennant's history of quadrupeds. Lond. 1781. II. vol. 4.
  9. Deutsch (mit Zusätzen von J. M. Bechstein). Weimar. 1799.
    II. B. 4.
  10. Ej. arctic zoology vol. I. ib. 1784. 8.
  11. J. Ch. Dan. v. Schreber Säugethiere. Erlang. seit 1774. 4.
  12. J. Chr. Pol. Erxleben systema mammalium Lips. 1777. 8.
  13. E. A. W. v. Zimmermann geographische Geschichte des Menschen
    und der allgemein verbreiteten vierfüßigen Thiere. Leipz. 1778.
    III. B. 8.
  14. J. M. Bechstein's gemeinnützige N. G. Deutschlands I. B. Leipz.
    1789. 8.
  15. A general history of Quadrupeds. The figures engraved on
    wood by
    Th. Bewick. Newcastle upon Tyne 1790. 8.
  16. Fr. Tiedemann's Zoologie. I. B. Landshut. 1808. 8.
  17. C. Illigeri prodromus systematis mammalium et avium. Berol.
    1811. 8.
  18. J. Bapt. Fischer synopsis mammalium. Stuttg. 1829. 8.
  19. Histoire naturelle des mammifères, par Geoffroy St. Hilaire
    et Fr. Cuvier, publiée par C. de Lasteyrie. Par. seit 1819.
    gr. Fol.
  20. J. C. Temminck monographies de mammalogie. Par. seit 1824. 4.

I. BIMANUS.

1. Homo. Erectus, bimanus. Mentum prominulum.
Dentes aequaliter approximati; incisores inferiores
erecti.

1. †. Sapiens*).

Zu den äußern Kennzeichen, wodurch der Mensch selbst
vom menschenähnlichsten Affen, geschweige von den übrigen
Thieren zu unterscheiden ist, gehört vorzüglich sein aufrech-
ter Gang (als wozu sein ganzer Wuchs und Bildung be-
sonders aber seine beckenähnlichen Hüftknochen, das Verhält-
niß seiner Schenkel zu den Armen und seine breiten Fußsoh-
len, eingerichtet sind), dann der freieste Gebrauch zweyer
vollkommnen Hände; ferner sein prominirendes
Kinn und die aufrechte Stellung seiner untern
Schneidezähne.

Das weibliche Geschlecht hat (außer der ihm in der Blüthe
des Lebens eigenen Form des Busens) noch ein Paar eigen-
thümliche Charaktere, die dem männlichen und allen übrigen
Thieren abgehen, nämlich einen periodischen Blutverlust
[Seite 39] in einer bestimmten Reihe von Lebensjahren; und dann einen
besondern Theil an den Sexual-Organen, dessen Mangel
oder Zerstörung als ein körperliches Kennzeichen der ver-
letzten jungfräulichen Integrität anzusehen, und in der
Form und Lage bei andern weiblichen Thieren nicht gefun-
den ist.

Was aber die Seelenfähigkeiten des Menschen betrifft, so
hat er außer dem Begattungstriebe wenig Spuren von In-
stinct (§. 34. u. f.), Kunsttriebe aber (§. 36.) schlechter-
dings gar nicht. Dagegen ist er ausschließlich im Besitz
der Vernunft (§. 37.), und der dadurch von ihm selbst
erfundenen Rede oder Sprache (loquela), die nicht mit
der bloß thierischen Stimme (vox) verwechselt werden darf
(§. 25.), als welche auch den ganz jungen und selbst den
stummgebornen Kindern zukommt. Und so folgt aus jenen
beiden ausschließlichen Vorzügen das große ausschließliche Ei-
genthum der Menschenspecies, wodurch sie über die ganze übri-
ge thierische Schöpfung erhoben wird, das Vermögen
sich selbst zu vervollkommnen (§. 37.)

* * *

Der Mensch ist für sich ein wehrloses, hülfsbedürfti-
ges Geschöpf. Kein anderes Thier außer ihm bleibt so lan-
ge Kind, keins kriegt so sehr spät erst sein Gebiß, lernt so
sehr spät erst auf seinen Füßen stehen, keins wird so sehr spät
mannbar u.s.w. Selbst eine großen Vorzüge, Vernunft
und Sprache, sind nur Keime, die sich nicht von selbst, son-
dern erst durch fremde Hülfe, Cultur und Erziehung entwi-
ckeln können; daher denn bei dieser Hülfsbedürftigkeit und
bei diesen zahllosen dringenden Bedürfnissen die allgemeine na-
türliche Bestimmung des Menschen zur gesellschaftlichen
Verbindung. – Nicht ganz so allgemein läßt sich hinge-
gen vor der Hand noch entscheiden, ob in allen Welttheilen
die Proportion in der Anzahl der gebornen Knäbchen und
Mädchen, und die Dauer der Zeit und der Fortpflanzungsfähig-
keit bei beiden Geschlechtern so gleich sei, daß der Mensch über-
all so wie in Europa zur Monogamie bestimmt
werde*).

Sein Aufenthalt und seine Nahrung sind beide un-
beschränkt; er bewohnt die ganze bewohnbare Erde, und nährt
sich mit den vielartigsten Stoffen aus dem weitesten Umfang
[Seite 40] der organisirten Schöpfung. Und in Verhältniß zu seiner
mäßigen körperlichen Größe, und in Vergleich mit andern
Säugethieren erreicht er ein ausnehmend hohes Alter.

* * *

Es gibt nur eine Gattung (species) im Menschengeschlecht;
und alle uns bekannte Völker aller Zeiten und aller Himmels-
striche können von einer gemeinschaftlichen Stammrasse ab-
stammen*). Alle National-Verschiedenheiten in Bildung
und Farbe des menschlichen Körpers sind um nichts auffallen-
der oder unbegreiflicher als die, worin so viele andere Gat-
tungen von organisirten Körpern, zumahl unter den Haus-
thieren, gleichsam unter unsern Augen ausarten. Alle diese
Verschiedenheiten fließen aber durch so mancherlei Abstufungen
und Uebergänge so unvermerkt zusammen, daß sich daher
auch keine andere, als sehr willkürliche Gränzen zwischen ih-
nen festsetzen lassen. Doch habe ich das ganze Menschenge-
schlecht noch am füglichsten unter folgende fünf Rassen**) zu
bringen geglaubt:

1) Die caucasische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 3 und 51.

von mehr oder weniger weißer Farbe mit rothen Wangen,
langem, weichem, nußbraunem Haar (das aber einerseits
ins Blonde, anderseits ins Schwarze übergeht), und der
nach den europäischen Begriffen von Schönheit musterhaf-
testen Schädel- und Gesichts-Form. Es gehören dahin
die Europäer mit Ausnahme der Lappen; dann die west-
lichern Asiaten, dießseits des Ob, des caspischen Meers
und des Ganges; nebst den Nordafricanern; – al-
so ungefähr die Bewohner der den alten Griechen und
Römern bekannten Welt.

2) Die mongolische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 1.

meist waizengelb (theils wie gekochte Quitten, oder wie ge-
trocknete Citronenschalen); mit wenigem, straffem, schwar-
zem Haar; enggeschlitzten aber gleichsam aufgedunsenen
Augenliedern, plattem Gesicht; und seitwärts eminirenden
Backenknochen. Diese Rasse begreift die übrigen Asia-
[Seite 41] ten, mit Ausnahme der Malayen; dann in Europa die
Lappen, und im nördlichen America, von der Beringsstra-
ße bis Labrador, die Eskimos.

3) Die äthiopische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 5.

mehr oder weniger schwarz; mit schwarzem, krausem Haar;
vorwärts prominirenden Kiefern wulstigen Lippen und
stumpfer Rase. Dahin die übrigen Africaner, na-
mentlich die Neger, die sich dann durch die Fulahs in die
Mauren etc. verlieren, so wie jede andere Menschen-Va-
rietät mit ihren benachbarten Völkerschaften gleichsam zu-
sammen fließt.

4) Die americanische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 2.

meist lohfarb oder zimmtbraun (theils wie Eisenrost oder
angelaufenes Kupfer); mit schlichtem, straffem, schwarzem
Haar, und breitem aber nicht plattem Gesicht, sondern
stark ausgewirkten Zügen. Begreift die übrigen Ameri-
caner außer den Eskimos.

5) Die malayische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 4.

von brauner Farbe (einerseits bis ins helle Mahagoni, an-
derseits bis ins dunkelste Nelken- und Castanienbraun);
mit dichtem, schwarzlockigem Haarwuchs; breiter Nase;
großem Mund. Dahin gehören die Südsee-Insula-
ner oder die Bewohner des fünften Welttheils und der Ma-
rianen, Philippinen, Molucken, sundaischen Inseln etc.,
nebst den eigentlichen Malayen*).

Von diesen fünf Haupt-Rassen muß nach allen physiologi-
schen Gründen die caucasische als die so genannte Stamm-
oder Mittel-Rasse angenommen werden. Die beiden
Extreme, worin sie ausgeartet, ist einerseits die mon-
[Seite 42] golische, anderseits die äthiopische. Die andern zwei Ras-
sen machen die Uebergänge. Die americanische den,
zwischen der caucasischen und mongolischen, so wie die ma-
layische den, zwischen jener Mittel-Rasse und der äthio-
pischen*).

* * *

Alle den fabelhaften Wust herzuzählen, womit die Menschen
die N. G. ihres Geschlechts verunreinigt haben, lohnt sich
jetzt nicht der Mühe; – doch nur Weniges von vielem.

Die vermeintlichen patagonischen Riesen z.B. sind,
von Magellan's Zeiten bis auf die unsrigen, in den
Erzählungen der Reisenden, von zwölf Fuß zu siebenthalb
eingekrochen, und bleiben also wenig größer als jeder an-
dere Mensch von guter Statur.

Und daß die noch neuerlich von Commerson für ein Zwerg-
völkchen ausgegebenen Quimos auf Madagascar nichts
weiter sind als eine Art Cretine, d.h. kleine Blödsinnige
mit dicken Köpfen und langen Armen (dergleichen sich im
Salzburgischen, so wie im Walliserlande, zumahl aber
im Piemontesichen in Menge finden), wird bei pathologi-
scher Prüfung mehr als bloß wahrscheinlich.

Eben so sind die Kackerlacken, Blafards, Albinos, oder
weißen Mohren**) nicht ein Mahl eine Spielart, geschweige
[Seite 43] eine besondere Gattung, sondern gleichfalls Patienten, de-
ren Geschichte mehr in die Pathologie als in die Naturhi-
storie gehört.

Linné's Homo troglodytes ist ein unbegreifliches Gemisch
aus der Geschichte jener preßhaften kränklichen weißen Moh-
ren, und des Orang utangs: – sein Homo lar hingegen
ein wahrer Affe.

Die in Wildniß unter Thieren erwachsenen Kinder*) sind
klägliche sittliche Monstra, die man eben so wenig, als an-
dere durch Krankheit oder Zufall entstellte Menschen, zum
Muster des Meisterstücks der Schöpfung anführen darf.

Geschwänzte Völker, von Natur geschürzte Hotten-
tottinnen, die vorgebliche natürliche Bartlosigkeit der
Americaner**), die Sirenen, Centauren, und alle
Fabeln von gleichem Schrot und Korn, verzeihen wir der
gutherzigen Leichtgläubigkeit unserer lieben Alten.


II. QUADRUMANA.

Säugethiere mit vier Händen, wie es ihre Lebensart und
ihr Aufenthalt auf den Bäumen erfordert. Sie sind ursprüng-
lich wohl bloß zwischen den Wendezirkeln zu Hause***).

2. Simia. Affe. Habitus plus minus anthropomorphus,
auriculae et manus fere humanae. Nares anteriores.
Dentes primores incisores, supra et infra 4. laniarii so-
litarii, reliquis longiores.

Bloß in der alten Welt, zwar menschenähnlicher als die
Thiere der nächstfolgenden Geschlechter, doch aber außer den
schon beim Menschengeschlecht angeführten Umständen, in ih-
rer ganzen Bildung, besonders auch durch die schmalen Hüf-
ten und platten Lenden, auf das ausfallend-sichtlichste vom
Menschen unterschieden.

a) Ungeschwänzte.
[Seite 44]

1. Satyrus. der Orang utan, Pongo*). S. rufa,
pilis longis raris, capite globoso, fronte tumida,
auriculis minoribus.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 12 und 52.

Wie es scheint bloß auf Borneo und Sumatra, und auch
da in geringer Anzahl**); läßt sich, wenn er ganz jung ein-
gefangen worden, so wie der Schimpansee und andere Affen
auch, zu allerhand künstlichen Handlungen abrichten, die man
aber von seinem natürlichen Betragen genau unterscheiden muß.

Ist, wie Camper aus der Zergliederung eines solchen Thiers
gezeigt, weder einer menschlichen Rede, noch eines natürlichen
aufrechten Ganges fähig.

2. Troglodytes. der Schimpansee, Barris. S. ni-
gra, macrocephala, torosa, auriculis magnis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 11.

Im Innern von Angola, Congo etc. und tiefer landein-
wärts; ungefähr von der Größe eines dreyjährigen Buben.

3. Lar. der Gibbon, Golok, Wouwou. (Linné's
Homo lar.). S. brachiis longissimis, talos attin-
gentibus.

Schreber tab. 3.

Auf beiden indischen Halbinseln, auch auf den Molucken;
hat ein rundliches, ziemlich menschenähnliches Gesicht, aber
ganz auffallend lange Arme und ist von schwärzlicher Farbe.

[Seite 45]

4. Sylvanus. der gemeine türkische Affe. S. bra-
chiis corpore brevioribus, natibus calvis, capite
subrotundo.

Schreber tab. 4.

In Nordafrica, Ostindien etc. Unter den ungeschwänzten
Affen der gemeinste und dauerhafteste; der auch leicht in Eu-
ropa Junge heckt; ist sehr gelehrig etc. Wohl kaum vom inuus
(Büffon's magot) verschieden. Ist auch auf Gibraltar ver-
wildert, und hat sich da im Freien fortgepflanzt.

b) Geschwänzte.

5. Rostrata. der langnasige Affe, Kahau, Ban-
tagan-Affe, Bantanian, (Fr. le nasique, la
guenon à
long nez. Engl. the Proboscis Monkey).
S. cauda mediocri, naso elongato, rostrato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 13.

Auf den sundaischen Inseln. Eine simia, die nicht sima
ist, sondern sich durch eine lange rüsselförmige Nase auffal-
lend auszeichnet.

6. Silenus. der Bartaffe, Wanduru. S. caudata,
barbata nigra, barba incana prolixa.

Schreber. tab. 11.

Auf Ceilon etc. Aeltere ganz kenntliche Abbildungen*)
dieses Affen sind durch Verschönerung von spätern Copisten**)
zum vorgeblichen geschwänzten Menschen umgestaltet worden.

7. Cynomulgus. der Macacco, die (insgemein so ge-
nannte) Meerkatze. S. cauda longa, arcuata, nari-
bus bifidis elatis.

Schreber tab. 12.

Auf Guinea, Angola etc. beinahe olivengrün. Wird un-
ter den geschwänzten wahren Affen am häufigsten nach Europa
gebracht.

3. Papio. Pavian. (Fr. babouin. Engl. baboon). Fa-
cies prolongata, minus anthropomorpha, nasus utrin-
que tuberosus, nates nudae, coccineae, cauda (ple-
risque
) abbreviata. Dentes ut in simiis.

Auch bloß in der alten Welt. Ihr Kopf hat wenig men-
schenähnliches, bei manchen eher etwas vom Schwein, zumahl
[Seite 46] in der Schnauze. Meist sind es unbändige, und äußerst geile
Thiere.

1. Hamadryas. der Hundskopf. (Cynocephalus.
Fr. le Tartarin). P. cinereus, auribus comosis, un-
guibus acutiusculis.

Schreber tab. 10.

In Aegypten etc. bis zum Cap. Kommt so oft in der Bil-
derschrift auf den altägyptischen Kunstwerken vor*).

2. Maimon. der Mandril. P. facie violacea glabra,
profunde sulcata.

Schreber tab. 7.

Auf Guinea, am Cap etc. wo oft ganze Scharen Wein-
berge und Obstgärten plündern sollen.

Eine größere Gattung oder Varietät davon (S. mormon,
der Choras) ist in Ceilon zu Hause.

4. Cercopithecus. Meerkatze. Auriculae et manus
minus humanae. Nares laterales. Nates tectae. Den-
tes ut in simiis.

Das ganze Geschlecht ist bloß im wärmern Süd-America
einheimisch, wo es den Indianern zu einem gemeinen Wild-
bret dient.

a) Cauda prehensilii, die Sapajous.

1. Seniculus. der rothe Brüllaffe (l' Alouate.)
C. barbatus rufus, gutture tumido,

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 91.

Scharenweis in den großen Waldungen von Guiana etc.,
wo er, so wie eine andre Gattung (Cercop. Belzebul) zu-
mahl bei Wetterveränderung ein betäubendes Geschrei hören
läßt, das durch eine sonderbare knöcherne Resonanzblase am
Kehlkopfe (zwischen den mächtig großen Seitenflügeln des Un-
terkiefers) hervorgebracht wird.

1. Paniscus. der Coaita. C. ater, palmis tetradacty-
lis absque pollice.

Schreber tab. 26. A. 26. B.

Hat ungemeines Geschick in seinem langen Rollschwanze**).

[Seite 47]

b) Cauda non prehensili, die Sanguinchen,
(eigentlich Sahuichen).

3. Jacchus. der Uistiti, (eigentlich Titi). der Nach-
tigallaffe, Bisamaffe. C. fuscus, juba pilosa
alba ad genas ante aures, cauda villosa annulata.

Das flinke, in der Gefangenschaft gar zuthuliche Thier-
chen erreicht nicht die Größe unsrer Eichhörnchen; daher es
in einer Cocosnuß-Schale Raum hat.

5. Lemur. Maki. Nasus acutus, dentes primores supe-
riores
4. per paria remoti, inferiores 4–6. porrecti,
compressi, incumbentes; laniarii solitarii, approxi-
mati*).

1. Tardigradus. der Loris. (cucang). L. ecaudatus.

Schreber tab. 38.

Zumahl auf Ceilon; hat die Größe und Farbe des Eich-
hörnchens, schlanke dünne Beine etc. und so wie die folgende
Gattung am Zeigefinger der Hinterfüße eine spitzige Kralle,
an allen übrigen Fingern aber platte Nägel.

2. Mongoz. der Mongus. L. facie nigra, corpore et
cauda griseis.

Schreber tab. 39. A. 39. B.

So wie einige verwandte Gattungen auf Madagascar und
den benachbarten Inseln. Die Hinterfüße sind viel länger als
die vordern. Sein Fell hat, wie bei manchen Affen, einen
specifiken Geruch, fast nach Ameisenhaufen.


III. CHIROPTERA.

Die Finger der Vorderfüße sind, den Daumen ausgenom-
men, länger als der ganze Körper dieser Thiere; und zwischen
denselben ist die zarte Flatterhaut ausgespannt (§. 43.). Daher
können sie eben so wenig als die Affen mit ihren Händen, oder
die Faulthiere mit ihren hakenförmigen Kletterkrallen etc. bequem
auf der Erde gehen.

6. Vespertilio. Fledermaus. (Fr. chauve-souris.
Engl. bat.) Pollex palmarum et digiti plantarum bre-
ves, reliqui longissimi, membranae expansili inter-
texti, pro volatu.

[Seite 48]

Ein weitläufiges Geschlecht von animalibus nocturnis,
dessen verschiedene Gattungen in alle fünf Welttheile verbrei-
tet sind.

a) Dentibus primoribus 4. utrinque.

1. Spectrum. der Vampyr. V. ecaudatus, naso in-
fundibiliformi lanceolato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 31.

In Südamerica; der Körper von der Größe des Eich-
hörnchen. Wird dadurch sehr lästig, daß er nicht nur ande-
ren größeren Säugethieren, dem Rindvieh, Pferden etc.,
sondern auch schlafenden Menschen, bei welchen er sich vor-
züglich an die Fußzehen setzt, Blut aussaugt, woher er denn
auch den Namen des Vampyrs (Blutsaugers) erhalten hat.

2. Caninus. der fliegende Hund. (Linné's vampy-
rus
, Büffon's roussette). V. ecaudatus, naso sim-
plici, membrana inter femora divisa.

Schreber. tab. 44.

Weit größer als der Vampyr, so daß er mit ausgespann-
ten Flatterhäuten gegen 6 Fuß messen soll, lebt aber bloß
von Baumfrüchten und kann also schlechterdings nicht Vam-
pyr genannt werden: findet sich scharenweise in Hindustan
und auf den ostindischen und Austral-Inseln; in größter
Menge aber auf Neu-Holland. Ist auf den Pelew-Inseln
das allereinzige Säugethier.

b) Dentibus primoribus supra 4. infra 6.

3. †. Auritus. (Büffon's oreillard). V. caudatus, au-
riculis maximis.

So wie die folgende in den mildern Gegenden der alten
Welt. Ihre Ohren, die man insgemein, aber irrig, dop-
pelt nennt, sind einfach, nur alle Theile auffallend groß.

4. †. Murinus. die gemeine Fledermaus, Speck-
maus. (Engl. the rearmouse). V. caudatus, auri-
culis capite minoribus.

Hängt sich so wie auch die vorige Gattung zu ihrem Win-
terschlaf in Höhlen an den Hinterfüßen auf. Vermehrt sich
zuweilen in manchen Gegenden binnen kurzer Zeit in Unzahl.

c) Dentibus primoribus superioribus nullis.

5. †. Ferrum equinum. die Hufeisennase. V. naso
foliato ferri equini aemulo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 42.

Im Mittlern und südlichen Europa.


IV. DIGITATA. (Pododactyla).

[Seite 49]

Die Säugethiere mit freien Zehen an allen vier Füßen.
Die zahlreichste Ordnung an Geschlechtern und Gattungen, da-
her jene füglich nach der Verschiedenheit ihres Gebisses erst wie-
der unter drei Familien gebracht werden. A) Glires. B) Ferae.
C) Bruta.

A) Glires. (Rodentia, Scalpris dentata, Jo. hunter.)

Mit zwei zum Nagen bestimmten meißelartigen Vorder-
zähnen in jedem Kiefer, ohne Eckzähne.

7. Sciurus. Cauda pilosa, disticha. Dentes primores
utrinque 2; inferiores subulati.

1. Volans. das fliegende Eichhörnchen. (Büf-
fon's polatouche). S. duplicatura cutis laterali a
pedibus anterioribus ad posteriores.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 71.

In Liefland, Rußland und Sibirien. Von der Farbe des
petit-gris. Das schlaffe Fell, das von den Vorderfüßen nach
den Hinterfüßen zu auf der Seite wegläuft, dient ihm nur
wie zu einem Fallschirm, um einen weitern Sprung von der
Höhe herab wagen zu dürfen.

2. †. Vulgaris. das Eichhörnchen. (Fr. l'écureil.
Engl. the squirrel). S. auriculis apice barbatis,
cauda dorso concolori.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1808.

Wohl in ganz Europa, und fast ganz Asien. Die nordi-
schen, zumahl an den Ufern des Ob und am Baikal-See,
werden im Winter grau, und geben dann das ächte Grau-
werk, (petit-gris). Zuweilen finden sich auch hier zu Lan-
de schwarze Eichhörnchen; seltener schneeweiße mit rosenro-
then Augen; und noch seltener weiß- und schwarzgefleckte.

Der virginische Sc. cinereus (Büffon's petit-gris) ist
größer und ohne Ohrpinsel. Thut zumahl den Maisfeldern
großen Schaden.

8. Glis. (Myoxus). Cauda rotunda, versus apicem cras-
sior. Dentes ut in sciuris.

1. †. Esculentus. der Siebenschläfer, Ratz, Bilch,
die Rellmaus. (Fr. le loir. Engl. the rellmouse).
G. griseus, subtus albidus, auriculis rotundatis,
nudis.

Schreber. tab. 225.

[Seite 50]

So wie die folgende Gattung in den mildern Erdstrichen
der alten Welt. Es ist der wahre glis der Alten, den sie ver-
speiseten*), und in eigenen glirariis**) mästeten. Lebt in
Eichen- und Buchenwäldern, nistet in hohlen Bäumen; und
hält langen und sehr festen Winterschlaf.

2. †. Avellanarius. die kleine Haselmaus. (Fr. le
muscardin
. Engl. the dormouse). G. rufus, polli-
ce plantarum mutico, auriculis rotundatis.

Schreber. tab. 227.

Kleiner am Leibe als die Hausmaus. Zu ihrem Winter-
schlaf bereitet sie sich ein kugliches, ziemlich festes Lager von
Tangelnadeln, u.a. kleinen Gestrüppe, worein sie sich ver-
gräbt.

9. Mus. Cauda gracilis, subnuda. Dentes ut in praece-
dentibus.

1. Oeconomus. die Wurzelmaus. M. cauda subses-
quiunciali, auriculis nudis vellere molli latentibus,
palmis subtetradactylis, corpore fusco.

Schreber. tab. 190.

Durch Sibirien, bis nach Kamtschatka. Wird theils durch
die großen Wanderungen, die sie, zumahl von Kamtschatka
aus, in manchen Jahren, fast wie der Lemming, anstellt,
besonders aber durch die Industrie merkwürdig, womit sie
eine große Menge meist eßbarer Wurzeln in ihre unterirdi-
schen Höhlen schleppt, denen die Tungusen etc. (wie die Thü-
ringer dem Hamster-Vorrath) nachgraben.

2. †. Sylvaticus. die Waldmaus, große Feld-
maus. (Fr. le mulot. Engl. the field rat.). M. cau-
da mediocri, pectore flavescente, abdomine albi-
do***).

Schreber. tab. 180.

Thut den Feldfrüchten und der Holzsaat Schaden.

3. †. Amphibius. die Wasserratte, der Erdwolf.
M. cauda longitudine dimidia corporis, auribus vix
vellere prominulis, palmis subtetradactylis.

Schreber. tab. 186.

[Seite 51]

In der ganzen nördlichen Erde. Ist zumahl den Gärten
nachtheilig, besonders dem Wurzelwerk*).

4. †. Arvalis. die Feldmaus, Stoßmaus. (Fr. le
campagnol.
Engl. the field mouse). M. cauda me-
diocri, dorso ferrugineo, abdomine cinereo.

Schreber. tab. 191.

Vermehrt sich in manchen Jahren ungeheuer, und thut zu-
mahl der Wintersaat großen Schaden. Das bewährteste Ver-
tilgungsmittel ist wohl der englische Erdbohrer. Auch unter
dieser Gattung finden sich hier herum, wie unter der folgen-
den, Kackerlacken.

5. †. Musculus. die Hausmaus. (Fr. la souris.
Engl. the mouse). M. cauda elongata, palmis te-
tradactylis pollice palmarum mutico.

In Europa und den gemäßigten Erdstrichen von Asien und
America. Hat sich den Menschen gewisser Maßen zum Haus-
thier aufgedrungen.

Die weißen Mäuse mit rothen Augen (die Kackerlacken in
ihrer Art), sind zuweilen so lichtscheu, daß sie in der Hel-
lung die Augenlieder fest zuschließen, und für blind gehal-
ten werden.

6. †. Rattus. die Ratte. (Fr. le rat. Engl. the rat).
M. cauda elongata, palmis tetradactylis cum ungui-
culo pollicari.

Ist jetzt fast über alle fünf Welttheile verbreitet; scheint
aber ursprünglich im mittlern Europa zu Hause**). Aeußerst
gefräßig. Frißt sogar Scorpione, und zieht dem Menschen
und seinen Victualien überall nach; den Bergleuten in die
tiefsten Schachte, so wie den Seefahrern auf die Schiffe. Un-
ter andern gehört diese Land- und Hausplage zu den gefähr-
lichsten Feinden der Zuckerplantagen in Westindien.

An vielen Orten wird sie allgemach durch die ursprünglich
wohl in Ostindien und Persien einheimliche Wanderratte
[Seite 52] (M. decumanus. Fr. le surmulot. Engl. the Norway-
rat
) verdrängt, die von röthlich-grauer Farbe und ihr Fell
mit vielen einzelnen langen Borstenhaaren durchmengt ist.

7. Lemmus. der Lemming. M. capite acuto, cauda
brevicula, corpore nigro fulvoque irregulariter
maculato.

Schreber. tab. 195. A. 195. B.

Häufig in Lappland und Sibirien. Zuweilen emigriren
ganze Legionen von einer Gegend in die andere. Ihre uner-
wartete und unbemerkte Ankunft, und dann auch der Fall,
daß welche von den Raubvögeln in die Luft gehoben und sich
doch noch los gearbeitet und herunter gefallen etc., mag zu
der alten Sage Anlaß gegeben haben, daß es mitunter Lem-
minge vom Himmel regne.

8. Typhlus. die Blindmaus, Slepez. M. ecauda-
tus, palmis pentadactylis, incisoribus supra in-
fraque latis, palpebrarum aperturis auriculisque
nullis.

Schreber. tab. 206.

Im südlichen Rußland. Lebt mehrentheils unter der Erde.
Soll für seine kleinen ganz deutlichen Augäpfel doch gar kei-
ne Oeffnung in der Gegend der Augenlieder haben, und
folglich gänzlich blind seyn.

10. Marmota. (Arctomys). Auriculae abbreviatae, cau-
da brevis, aut nulla. Dentes ut in praecedentibus.

1. Alpina. das Murmelthier. (Graubündnisch
murmont vom Lat. mus montanus. Fr. la marmot-
te
). M. corpore depresso, supra fusco, subtus
flavescente.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1812.

In vielen der höhern Alpen von Europa und Asien. Merk-
würdig ist, daß man es auf der allée blanche in Savoyen
theils auf isolirten Klippen findet, die wie Inseln aus diesem
Eismeer hervorragen, etliche Stundenweit von allem unbeeiseten
Erdreich entfernt, und im ganzen Jahr nur etwa sechs Wo-
chen lang vom Schnee entblößt sind; so daß es scheint, die
dasigen Murmelthiere durchschlafen wenigstens zehn Monathe
vom Jahre, und bringen nur einen äußerst kleinen Theil ih-
rer Existenz wachend zu.

2. †. Citellus. das Erdzeiselchen, Suslick.(Mus pon-
ticus). M. auriculis minimis, cauda villosa, cor-
pore vario.

[Seite 53]

Schreber. tab. 211.

Häufigst in Ungarn, Polen und Sibirien. Hat die Grö-
ße vom Hamster; auch so wie dieser Backentaschen.

3. †. Cricetus. der Hamster, Kornferkel. M. ab-
domine nigro.

F. G. Sulzer's N. G. des Hamsters. Götting. 1774.
8. Taf. 1. 2.

Hin und wieder in Deutschland, Polen, Sibirien etc. Lebt
vorzüglich von Getreide, Bohnen etc., wovon er großen Vor-
rath in den Backentaschen zu seinen unterirdischen, wohl 7
Fuß tiefen Höhlen schleppet. Eine Höhle hält manchmal auf
60 Pfund solcher Victualien. Er vermehrt sich ausnehmend,
und man hat wohl eher nur allein in der Gothaischen Stadt-
flur in Einem Sommer auf 90000 Hamster getödtet. Es gibt
eine ganz schwarze Spielart unter diesen Thieren, so wie auch
Kackerlacken mit rothen Pupillen.

11. Hyrax. (Daman.) Dentes primores superiores 2,
distantes, inferiores 4 contigui, palmae digitis 4,
plantae digitis 3, cauda nulla.

1. Capensis. der Klipdas. (Büffon's marmotte du
Cap
). H. palmarum unguibus planis, plantarum
unico subulato.

Schreber. tab. 240.

Am Cap, fast von der Größe des Murmelthiers. Lagert
sich auch so in Felsenhöhlen, ist aber seinem eigenen anoma-
lischen Bau nach, zumahl wegen des Gebisses und der Füße,
schwer zu classificiren.

12. Savia. Halbkaninchen. Auriculae rotundatae,
parvae. Cauda nulla aut brevis. Dentes primores
utrinque 2.

Das ganze Geschlecht bloß im wärmern Südamerica, zu-
mahl in Brasilien.

1. Porcellus. das Meerschweinchen. Cobaya (Fr.
le cochon d'Inde. Engl. the Guinea-pig). S. ecau-
data, corpore variegato*).

Schreber. tab. 173.

Kommt auch in Europa leicht fort, variirt in der Farbe,
und ist wohl das fruchtbarste von allen Säugethieren. Soll
jetzt kaum mehr wild gefunden werden.

[Seite 54]

2. Aguti. (Piculi). das Ferkelkaninchen. S. cauda-
ta, corpore ex rufo fusco, abdomine flavescente.

Ménag. du Mus. nation. L. V. tab. 3.

Größer als ein Kaninchen.

13. Lepus. Dentes primores utrinque 2; superiores du-
plicati.

1. †. Timidus. der Hase. (Fr. le lièvre. Engl. the
hare
). L. auriculis apice nigris, corpore et pedi-
bus posticis longioribus.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1798.

Fast in der ganzen alten Welt. Ist unter den Fußsohlen,
und sogar zum Theil im Munde, behaart. Beide, Hase und
Kaninchen, scheinen wiederzukauen*).

Sonderbar ist die wundersame, von so vielen braven Na-
turforschern für wahr angenommene Sage, daß man schon
oft und in ganz verschiedenen Gegenden und Zeiten einzelne
gehörnte Hasen mit kleinen Rehgeweihchen gefunden habe**).

Der Berghase (Lepus variabilis) in manchen nörd-
lichen und alpinischen Gegenden, unterscheidet sich schon in
der Bildung vom gemeinen durch einen dickeren Kopf, kür-
zere Ohren, und kürzern Schwanz, längere Hinterbeine mit
auffallend breiten Pfoten; paart sich auch nicht mit jenem.
Im äußersten Norden, wie in Grönland etc. ist er Jahr aus
Jahr ein, in den Schweizer- und Tyroler-Alpen etc. aber nur
im Winter weiß***).

2. †. Cuniculus. das Kaninchen. (Fr. le lapin. Engl.
the rabbit.) L. auriculis nudatis, corpore et pedi-
bus posticis brevioribus.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1799.

Ursprünglich in den wärmern Zonen der alten Welt, aber
nun auch in nordischen Gegenden einheimisch, und auf man-
che Südsee-Inseln verpflanzt. Sie vermehren sich so stark,
daß sie wohl eher [z.B. ums Jahr 1736 auf der St. Pe-
[Seite 55] ters-Insel bei Sardinien*)] zur Landplage geworden sind**);
und kommen auch in ganz wüsten Gegenden, wie auf Volca-
no, der sonst so öden liparischen Insel, fort. Die wilden
sind grau; und die weißen mit rothen Augen die ge-
meinsten Kackerlacken.

Die langhaarigen angorischen (S. 17. Anm. 2.) oder so
genannten englischen Seidenhasen kommen auch hier
zu Lande gut fort.

14. Jaculus. (Dipus). Pedes antici brevissimi, postici
elongati. Cauda saltatoria, apice floccosa. Dentes
primores utrinque 2.

1. Jerboa. der Springhase, Erdhase, die Spring-
maus, zweybeinige Bergmaus. Palmis tri-
dactylis, plantis tetradactylis.

Schreber. tab. 228.

Zumahl in Nordafrica, Arabien etc. Macht sich Höhlen in
die Erde. Springt mit der Leichtigkeit einer Heuschrecke, und
wohl 7 bis 8 Fuß weit.

15. Hystrix. Stachelschwein. (Fr. porcepic. Engl.
porcupine). Corpus spinis tectum. Dentes primores
utrinque 2.

1. Cristata. H. spinis longissimis, capite cristato,
cauda abbreviata.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 81.

Ursprünglich im wärmern Asien und fast ganz Africa;
nährt sich zumahl von Baumrinden; nistet in die Erde. Im
Zorn rasselt es mit seinen Stacheln, die ihm zuweilen, be-
sonders im Herbst, ausfallen; kann sie aber nicht gegen seine
Verfolger von sich schießen!***)

2. Dorsata. (Urson). H. spinis brevibus sub pilis oc-
cultis.

Schreber. tab. 169.

In Canada, auf Labrador, um die Hudsonsbay etc.
Thut zumahl im Winter den jungen Baumstämmen großen
Schaden.

B) Ferae.
[Seite 56]

Mit spitzen oder zackigen Vorderzähnen, und meist nur ei
nem Eckzahn auf jeder Seite, der aber bei den mehrsten von
ansehnlichter Größe und Stärke ist. – Die eigentlich so ge-
nannten reißenden Thiere und einige andere Geschlechter mit
ähnlichem Gebiß.

16. Erinaceus. Corpus spinis tectum. Dentes primores
utrinque 6*); laniarii supra 3, infra 1, molares 4.

1. Europaeus. der Igel. (Fr. le hérisson. Engl.
the hedge-hog). E. auriculis rotundatis, naribus
cristatis**).

Fast in der ganzen alten Welt. Ein animal nocturnum.
Nährt sich aus beiden Reichen. Mauset wie eine Katze. Kann
spanische Fliegen in Menge fressen. Spießt allerdings (wie
die Alten sagen, von den Neuern hingegen ohne allen Grund
bezweifelt, mir aber nun schon von drey ganz zuverlässigen
Augenzeugen versichert worden) Früchte an seine Rücken-Sta-
cheln, um sie so in sein Lager zu tragen***).

17. Sorex. Nasus rostratus, auriculae breves. Dentes
primores superiores 6†), bifidi: inferiores 2-4 in-
termediis brevioribus; laniarii utrinque plures.

1. †. Araneus. die Spitzmaus. (Fr. la musaraigne.
Engl. the shrew). S. cauda mediocri, abdomine
albido.

Schreber. tab. 160.

In Europa und Nordasien. Daß sie giftig sey, oder den
Pferden in den Leib krieche etc. sind ungegründete Sagen.
Selten finden sich gefleckte oder ganz weiße Spitzmäuse.

2. †. Fodiens. die Wasserspitzmaus. S. abdomine
cinereo, digitis ciliatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 72.

An kleinen Gewässern. Statt einer Schwimmhaut ist jede
Zehe zu beiden Seiten mit steifen Härchen besetzt, die die Fü-
[Seite 57] ße zum Rudern ungemein geschickt machen. Die Oeffnung
des Gehörganges kann das Thier wie durch eine Klappe zu-
schließen, so lange es unter Wasser ist.

3. Exilis. S. minimus, cauda crassissima tereti.

Am Jenisei und Ob. Das kleinste der bis jetzt bekannten
Säugethiere. Wiegt nur 1/2 Quentchen.

18. Talpa. Caput rostratum, palmae fossoriae. Dentes
primores superiores 6. inferiores 8; laniarii major
1, minores 4.

1. †. Europaea. der Maulwurf, die Schermaus.
(Fr. la taupe. Engl. the mole). T. cauda breviore,
auriculis nullis.

Fast in der ganzen alten Welt. Ist ein vollkommenes ani-
mal subterraneum, wozu ihm außer andern Eigenheiten
seines Körperbaues, besonders die Schaufelpfoten zu Statten
kommen. Er hat sehr kleine Augen, kann geschickt schwim-
men und bei Ueberschwemmung auf die Bäume klettern. Eine
erbsengelbe Spielart findet sich mitunter in der hiesigen Ge-
gend.

2. Versicolor. (s. aurata). T. ecaudata, palmis tri-
dactylis.

Vosmaer's monogr. 1787

Bloß am Cap. Kann also nicht (nach Linné) asiatica
heißen. Ihr Haar schillert, zumahl wenn es naß ist, mit
farbigem Goldglanz.

19. Didelphys. (Plerisque) hallux muticus. Feminis fol-
liculus abdominalis mammarum.

Auch bei dieses Geschlechts so zahlreichen und einander im
Ganzen so verwandten Gattungen variirt doch das Gebiß so
mannichfaltig, daß dieselben nach dem linnéischen System in
ganz verschiedene Geschlechter vertheilt werden müßten.

1. Marsupialis. das Beutelthier, Opossum. D.
albida, auriculis, antibrachiis et tibiis nigris, cau-
da squamosa longitudine corporis. Dentes primores
superiores 10, inferiores 8, laniarii elongati.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 54.

Zuwahl im wärmern Nordamerica*). Das Weibchen von
dieser und andern Gattungen dieses Geschlechts hat eine gro-
ße Tasche am Bauche, die durch besondere Muskeln geschlossen
[Seite 58] und geöffnet werden kann; und in deren Boden die Zitzen lie-
gen. Die Junge werden ganz außer Verhältniß klein (gleich-
sam nur als unreife Abortus) zur Welt gebracht, dann aber
erst lange Zeit in dieser Tasche getragen, wo sie sich ansau-
gen und von der Muttermilch nähren, bis sie reifer und voll-
kommener ausgebildet, gleichsam vom neuen geboren werden
können.

2. Gigantea. das Känguruh. D. grisea, cauda lon-
ga crassa, pedibus anticis brevissimis, posticis lon-
gissimis. Palmis pentadactylis, plantis subtetradac-
tylis. Dentes primores superiores 6. inferiores 2.
laniarii nulli.

Hawkesworth T. III. pag. 157.

In Neu-Holland. Mausefahl. Ist, wenn es aufrecht sitzt,
wohl mannshoch, und gegen 200 Pfund schwer. Lebt in
Heerden von 50 und mehr Stück. Ist bloß grasfressend.
Springt in weiten wohl zwey Klafter langen Sätzen, wobei
ihm sein mächtig starker Schwanz zum Springstock, so wie
beim Aufrechtsitzen zur Stütze, und gegen den Angriff als
kräftige Vertheidigungswaffe dient. Das Weibchen wirft nur
ein Junges auf einmahl, das bei der Geburt kaum halb so
groß als eine Maus ist, dann aber von der Mutter drey Vier-
teljahr lang in jenem Sacke getragen wird, bis es wohl 14
Pfund wiegt.

3. Wombat. (Phascolamys). D. subfusca, cauda bre-
vissima. Dentes primores utrinque 2 cylindrici,
obtusi. laniarii nulli. molares 5.

Leach vol. II. tab. 96.

Ebenfalls im fünften Welttheile. Von der Größe des Dach-
ses. Wie es scheint, auch so ein animal nocturnum, das
in der Erde wühlt.

20. Viverra. Caput vulpinum. Cauda plerisque felina.
Dentes primores utrinque 6, intermediis brevioribus.
Lingua plerisque retrorsum aculeata. Ungues exserti.

1. Zibetha. die Zibethkatze. (Hyaena odorifera. Fr.
la civette. Engl. the civet). V. cauda annulata, dor-
so jubato cinereo nigroque undatim striato.

Ménagerie du Muséum national. Livrn. IV. tab. 1.

Im südlichen Asien und nördlichen Africa. Bei beiden Ge-
schlechtern sammelt sich in einer besondern Höhle, die zwi-
schen dem After und den Zeugungsgliedern liegt, das Zibeth,
eine schmierige, wohlriechende Substanz.

[Seite 59]

2. Genetta. die Genettkatze. (Fr. la genette. Engl.
the genet). V. cauda annulata, corpore fulvo-ni-
gricante maculato.

H. n. des mammifères XVII. tab. 3.

In der Levante. Wird seines Felles wegen geschätzt.

3. Nasua. Coatimondi. V. rufa, cauda albo annulata.

Schreber. tab. 218.

In Südamerika. Mit einer rüsselförmigen sehr beweglichen
Nase.

4. Putorius. das Stinkthier, Conepatl. (Fr. la
mouffette
. Engl. the skunk, pol-cat). V. lineis
dorsalibus albis, per caudam productis.

Schreber. tab. 122.

In Virginien, Canada etc. Hat seinen Namen von dem
unerträglichen Gestank, den es, so wie mehrere verwandte
Gattungen seines Geschlechts, im Zorne von sich gibt.

5. Ichneumon. die Pharaonsmaus, der Mungo.
(Büffon's große mangouste). V. cauda basi in-
crassata sensim attenuata, apice floccosa.

Ménag. du Mus. nation. L. VI. tab. 4.

Hat straffes, fast borstenartiges Haar, mit braunem breit
geringelten Streifen. Ist häufig in Aegypten, wo es zumahl
den Crocodileneiern, so wie außerdem den Schlangen, nach-
stellt; sich aber ausnehmend kirre und häuslich machen läßt.

21. Mustella. Dentes primores superiores 6, erecti,
acutiores, distincti: inferiores 6, obtusiores, con-
ferti: duo interiores. Lingua laevis.

Die Gattungen dieses Geschlechts haben kurze Füße, und
einen lang gestreckten Körper, den sie im Geben bogenförmig
krümmen. Sie sind sehr flink, beissig und blutdürstig.

1. †. Martes. der Baummarder, Edelmarder,
Tannenmarder, Wildmarder, Feldmarder.
(Fr. la marte. Engl. the pinemartin). M. corpore
fulvo-nigricante, gula flava.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

Zumahl im Schwarzholz der ganzen nördlichen Erde. Sein
schönes Fell kommt dem Zobel am nächsten.

2. †. Foina. der Hausmarder, Steinmarder. (Fr.
la fouine. Engl. the martin). M. corpore fulvo-ni-
gricante, gula alba.

v. Wildungen a. a. O.

[Seite 60]

Im mittlern und wärmern Europa und dem benachbarten
Asien. Läßt sich jung eingefangen, so wie auch die vorige
Gattung, zum Wunder zahm machen.

3. †. Putorius. der Iltis, Ilk, Ratz, Stänker-
ratz. (Fr. le putois. Engl. the fitchet, polecat). M.
flavo-nigricans, ore et auricularum apicibus albis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1801.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem Hausmarder. Auch
in der Barbarei. Das ganze Thier, und selbst sein abgezo-
genes Fell, geben einen sehr widrigen Geruch von sich.

Das Frettel (furo. Fr. le furet. Engl. the ferret)
von gelblich weißer Farbe mit rothen Pupillen, ist ein wah-
rer Kackerlacke in seiner Art, folglich wohl keine ursprüngli-
che eigene Gattung, sondern eine Abart vom Iltis, mit wel-
chem es sich auch paart. Taugt gut zum Ratten- und Canin-
chen-Fang.

4. Zibellina. der Zobel. (Fr. la zibeline. Engl. the
sable
). M. corpore fulvo-nigricante, facie et gula
cinereis.

Schreber. tab. 136.

Zumahl in Sibirien. Die schönsten mit recht schwarzbrau-
nem, dickhaarigen und glänzenden Fell finden sich um Jakuzk.

5. †. Erminea. das große Wiesel, Hermelin. (Fr.
le roselet, l'hermine. Engl. the stoat, the ermine).
M. caudae apice nigro.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1802.

In der nördlichen Erde, vorzüglich in Sibirien. Größer
als das gemeine Wiesel. Aendert aber eben so wie dieses die
Farbe, so daß es im Sommer bräunlich, im Winter aber
(als Hermelin) weiß ist.

6. †. Vulgaris. das gemeine Wiesel. (Fr. la belette.
Engl. the weesel). M. corpore ex rufo fusco sub-
tus albo.

v. Wildungen a. a. O.

Im Norden von Europa und Asien. Die Mutter trägt oft
ihre Junge im Maule umher (daher die alte Fabel, als ob
sie dieselben durch diesen Weg zur Welt brächte).

22. Ursus. Dentes primores superiores 6, intus excavati
alterni, inferiores 6, laterales 2, longiores lobati;
laniarii primarii solitarii (minimi 1-2 inter hos et
primos molares
), lingua laevis.

[Seite 61]

1. †. Arctos. der Bär. (Fr. l'ours. Engl. the bear). U.
fusco nigricans, cauda abrupta.

Ménag. du Mus. nat. III. tab. 3.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 32.

In der nördlichen Erde, doch auch in Ostindien und Nord-
africa. In der Jugend lebt er meist von Gewächsen; nach
dem dritten Jahr aber mehr vom Fleisch. Zum Gefecht be-
dient er sich mehr seiner Vordertatzen, als des Gebisses. Ein
ausgewachsener kann wohl vier Centner und darüber an Ge-
wicht halten.

Zu den merkwürdigsten Spielarten unter den Bären gehö-
ren: die großen schwarzen Ameisenbären; die kleinen hellbrau-
nen Honigbären; und die noch kleinern weißlichen Silberbä-
ren; sämmtlich zottig, und zumahl unter dem Halse lang-
beharrt.

Hingegen macht der nordamericanische Bär mit schwarzem,
schlichtem, atlasglänzendem Haar, und flacherm Kopf mit
spitzerer Schnauze, wohl eine eigene Gattung aus, die sich
gewöhnlich von Früchten und in manchen Jahrszeiten fast
ausschließlich von Ameisen nährt.

2. Maritimus (glacialis) der Eisbär, Polarbär,
U. albus, collo et rostro elongatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 33.

An den Küsten und beim Treibeis der nördlichsten Erde.
Darf nicht mit der weißen Spielart des gemeinen Bären ver-
wechselt werden. Er wird bei 10 Fuß lang, und über 15
Centner schwer; schwimmt und taucht sehr geschickt, und ist
fast bloß fleischfressend*).

3. Longirostris. (Engl. the Petre Bear). niger, vilo-
sus, labiis protensilibus, colli macula alba.

Cattons Animals in aquatinta 1788. tab. 20.

Tidemann über das vermeintliche Bärenartige Faul-
thier 1820. 4.

In Bengalen, wo er in die Erde gräbt. Auch dort selten
(S. 44. N. **). Von der Mittelgröße des Bären**).

[Seite 62]

4. Gulo. der Vielfraß, Rosomack. (Fr. le glouton.
Engl. the glutton). U. corpore rufofusco, medio
dorsi nigro.

Pallas Spicileg. zoologie. XIV. tab. 2.

In der nördlichen Erde, besonders in Sibirien. Seine
Freßgierde hat zu allerhand Fabeln Anlaß gegeben.

Das Wolverene oder Quickhatch (Ursus luscus) auf
Labrador und an der Hudsonsbay scheint wenig von ihm ver-
schieden zu seyn.

5. †. Taxus. der Dachs. Meles. (Fr. le blaireau,
Engl. the badger). U. cauda concolore, abdomine
nigro.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

In Europa und Asien bis gen Schina. Ein animal omni-
vorum. Baut unter der Erde einen tiefen Kessel, zu welchem
verschiedene Röhren oder Gänge führen. Verschläft den größ-
ten Theil seines Lebens, und hält besonders langen und festen
Winterschlaf, wobei er seine Schnauze in den Fettbeutel am
Hinterleibe steckt.

6. Mellivorus. der Honig-Dachs, Rattel. U. dorso
cinereo, fascia laterali nigra, abdomine nigro.

Sparrmann in den schwed. Abhandl. 1777. tab.
4. fig. 3.

Am Cap; lebt vom Honig und Wachs der wilden Bienen,
die in die Höhlen der Stachelschweine etc. nisten. Er gibt auf
den Flug der heimeilenden Bienen acht, oder folgt auch bloß
der Anweisung des Honigkuckucks. Hat ein zottiges Fell, mit
einer ungemein starken sehr beweglichen schiebbaren Haut, wo-
durch er einerseits vor den Bienenstichen und anderseits vor
tiefen Bissen der Hunde etc. gesichert ist.

7. Lotor. der Waschbär, Rakun, Sjupp, Coati.
(Büffon's Raton). U. cauda annulata, fascia pal-
pebrarum transversali nigra.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 62.

Ein animal nocturnum, im wärmern nordöstlichen Ame-
rica etc. Frißt mancherlei. Bedient sich der Vorderpfoten sehr
geschickt zum Fassen, zum Einweichen oder Auffischen sei-
nes Futters etc. Wird überhaupt sehr kirre. Sein Haar ist
nächst des Bibers seinem, das vorzüglichste für Hutmacher.

23. Canis. Dentes primores superiores 6, laterales lon-
giores distantes, intermedii lobati, inferiores 6, lo-
bati omnes, laniarii solitarii, incurvati.

[Seite 63]

1. †. Familiaris. der Hund. (Fr. le chien. Engl. the
dog
). C. cauda recurvata; subinde digito spurio
ad pedes posticos.

Dieser treue Gefährte des Menschen, der sich besonders
durch die ausnehmende Schärfe seiner Sinne, verbunden mit
seiner großen vielartigen Gelehrigkeit (sogar zum Fisch- und
Robbenfang), aber auch durch mancherlei andere Brauchbar-
keit empfiehlt, ist längst mit ihm über alle fünf Welttheile
verbreitet, und gibt den größten Beweis von der Perfectibi-
lität der Thiere, wenn der Mensch ihre Anlagen durch lange
Reihen von Generationen ausbildet.

Ob alle die verschiedenen Hunde-Rassen als bloße Varie-
täten einer und derselben Gattung anzusehen sind, und ob
diese selbst vom Wolf oder Schakal abstamme, ist schwerlich
zu entscheiden. Doch scheinen manche Rassen, z.B. der Dachs-
hund, das Windspiel etc. viel Eigenes, zu besondern Functio-
nen Abzweckendes in ihrer Bildung zu haben, so daß man
diese zweckmäßigen Eigenheiten nicht wohl für zufällige Folge
der bloßen Ausartung halten kann.

Zu den Hauptrassen gehören wohl.

a) Fricator. der Mops. (Fr. le doguin. Engl. the
pug-dog). Mit untersetztem, kurzem Leibe, schwar-
zen Flecken an den Backen und hängenden Ohren.

Den Uebergang von dieser zur nächstfolgenden Rasse
macht der eigentliche Bullenbeißer, Wachthund,
Bluthund, molossus (Engl. the bull-dog), bei
welchem der Unterkiefer vor dem obern etwas hervor-
tritt.

b) Mastivus. die Englische Dogge. (Fr. le dogue.
Engl. the mastiff). Mit stumpfem Kopfe, hängen-
den lappichten Oberlefzen und glattem Haar. Bellt dum-
pfig und kurz. – Ihm scheint der Metzgerhund (Fr. le
matin
) nahe verwandt.

c) Terrae novae. der Neufundländer. (– Ab-
bild. n. h. Gegenst
. tab. 6. –) Zeichnet sich durch
seine ausnehmende Größe, langes seidenartiges Haar,
langflockigen, meist aufwärts gekrümmten Schwanz, be-
sonders aber durch die Art von Schwimmhaut zwischen
den Zehen aus, die bei ihm ungleich größer ist, als bei
andern Hunden. Daher sein ungemeines Geschick zum
Schwimmen. Meist sind diese Hunde weiß und schwarz;
und ausnehmend gelehrig*).

[Seite 64]

d) Sagax, venaticus. der Jagdhund. (Fr. le chien
courant
). Mit langem dickem Körper, eingefurch-
tem Hinterkopfe, langen hängenden Ohren. Das Haar
bald schlicht, bald zottig. – Hierher auch die Bracke
(Engl. the spanish pointer),der Hühnerhund,
Wachtelhund und die schön getigerten Corsicaner-
hunde.

e) Aquaticus. der Pudel. (Fr. le barbet. Engl.
the water-dog). Mit stumpfem Kopfe, und wollich-
tem Haar.

f) Pastoralis, domesticus, villaticus. der Schä-
ferhund, Haushund. (Fr. le chien de berger.
Engl. the cur). mit aufrechten Ohren; der Schwanz
an der untern Seite lang behaart. – Hierzu auch der
isländische Hund, und der Spitz oder Pommer.
(Fr. le chien loup). Auch der große St. Bern-
hards-Hund; und der kleinere, den die Kamtscha-
dalen etc. zum Zug in Schlitten gebrauchen. – Auch die
auf manchen Insel-Gruppen der Südsee einheimischen
Hunde, die von den Einwohnern als Mastvieh gezogen
werden, und bloß vegetabilische Nahrung genießen,
scheinen zu dieser Rasse zu gehören.

g) Meliteus. das Bologneserhündchen. (Fr. l'e-
pagneul, le bichon.
Engl. the lapdog, the shock).
Mit sehr langem, seidenartigem Haar, zumahl im Ge-
sichte.

h) Vertagus. der Dachshund. (Fr. le basset.
Engl. the tumbler, the turnspit). Mit langer
Schnauze, hängenden Ohren, lang gestrecktem Körper,
kurzen, krummen Vorderfüßen, und rothbraunen Fle-
cken über den Augen. – Ihm scheint der englische Ter-
rier
(terrarius), mit borstigem Haar und struppiger
Schnauze, nahe verwandt.

i) Dingo. der neuholländische Hund. Aehnelt,
zumahl in der Bildung des Kopfs und Schwanzes,
mehr dem Fuchs.

k) Leporarius. das Windspiel. (Fr. le levrier.
Engl. the grey-hound). Mit langem, zugespitztem
Kopfe, hängenden Ohren, dicker Brust, sehr schlankem
Leib und Beinen.

l) Graius*). der spartanische Hund. (canis laco
[Seite 65] nicus). Sehr groß; hält in der Bildung das Mittel
zwischen Jagdhund und Windspiel.

Ihm ähnelt der große dänische und der nun aus-
gestorbene große irländische Hund.

m) Aegyptius. der guineische Hund. (Fr. le
chien-turc.
Engl. the Indian dog, the naked
dog
). Aehnelt dem Windspiel, hat aber nur im Gesich-
te gekrullte Haare, der übrige Körper ist meist kahl, und
schwarz, oder rußigbraun, fast wie Negerhaut. (s. S.
17. Anm. 2.)

Diese verschiedenen Haupt-Rassen paaren und vermischen
sich aber nicht nur unter einander, sondern auch mit Wölfen
und Füchsen, mit welchen sie sogar zuweilen fruchtbare Ba-
starde erzeugen.

2. †. Lupus. der Wolf. (Fr. le loup. Engl. the wolf).
C. cauda incurvata.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795.

Fast in der ganzen alten Welt, ist aber in einigen Län-
dern, wie z.B. in Groß-Britannien und Irland ausgerottet.
Hat einen schleppenden doch dabei schnellen und nicht leicht zu
ermüdenden Gang. Aus Hunger fressen die Wölfe sogar Schilf
und Erde; graben auch Leichen aus, und da mag etwa ihre
nächtliche Erscheinung auf Kirchhöfen etc. den Anlaß zu der
alten Sage von Währwölfen gegeben haben.

3. Aureus. der Schakal, Thos. (Büffon's Adive).
C. corpore fulvo, pedibus longioribus, caudae
apice nigro.

Schreber. tab. 94.

In ganz Nordafrica und Orient, besonders in Natolien
und Bengalen; zieht des Nachts scharenweise umher; frißt
Thiere, Lederwaren etc.; gräbt Leichen aus. Manche Natur-
forscher haben den Schakal für den ursprünglich wilden
Hund, und manche Exegeten Simson's Füchse für Schakale
gehalten.

4. †. Vulpes. der Fuchs, Birkfuchs. (Fr. le renard.
Engl. the fox). C. cauda recta, apice discolore.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Zumahl in der nördlichern alten Welt. In Unzahl auf den
östlichen Aleuten, die davon den Namen der Fuchsinseln
erhalten haben. Frißt unter andern Früchten namentlich sehr
gern Weintrauben.

[Seite 66]

Der Brandfuchs (alopex) ist wohl sicher nur eine Ab-
art davon.

Ob aber auch der wegen seines kostbaren Felles berühmte
schwarze Fuchs mit weißer Schwanzspitze, der in Sibirien,
aber auch in Menge auf Labrador zu Hause ist [und der, wenn
seine Haare gleichsam silberweiße Spitzen haben, Silber-
fuchs genannt wird*)], für eine bloße Abart des gemeinen
Fuchses oder für eine besondere Gattung anzusehen sei, läßt
sich vor der Hand noch nicht mit Gewißheit bestimmen.

5. Lagopus. der weiße Fuchs, Polarfuchs, Stein-
fuchs, Eisfuchs. Isatis. (Engl. the arctic fox. Russ.
Pesez). C. cauda recta, apice concolore, palmis
plantisque pilosissimis.

Schreber. tab. 93. A. 93. B.

In den Polarländern, zumahl auf Spitzbergen, Neu-Zem-
bla, Grönland etc. – Die mehresten sind weiß. Die so ge-
nannten blauen Füchse hingegen bläulichgrau.

6. Hyaena. die Hyäne. C. nigricans, maculis virga-
tis, facie nigra, juba cervicis dorsique, pedibus te-
tradactylis.

Der indianische Wolf, von J. El. Ridinger.

Hat meist einerlei Vaterland mit dem Schakal, dem sie auch
in der Lebensart ähnelt. Hat ihr Ablager unter der Erde oder
in Felsenhöhlen und Berg-Klüften.

Die gefleckte Hyäne (Canis crocuta) ist viel größer**)
als jene gestreifte; findet sich zumahl in großer Menge in
Habessinien und von da südlich bis zum Cap.

24. Felis. Ungues retractiles, caput rotundius, lin-
gua aspera, Dentes primores 6 acutiusculi, exteri-
oribus majoribus; laniarii solitarii, supra a primo-
ribus, infra a molaribus remoti.

[Seite 67]

1. Leo. der Löwe. (Fr. le lion. Engl. the lion). F.
cauda elongata floccosa*), corpora fulvo.

Ménag. du Mus. national. VI. tab. 2. und II.
tab. 1.

In den heißen Zonen der alten Welt, vorzüglich in Africa;
weiland aber auch in Peloponnes und Aetolien. Auch neulich
haben Löwinnen in Menagerieen, in Deutschland und sonst
im mildern Europa Junge geworfen. Dem Männchen bricht
die Mähne erst im zweiten Lebensjahre aus. Das Fleisch des
Löwen wird von den Hottentotten gegessen und eine Horde Ara-
ber zwischen Tunis und Algier soll sich fast bloß davon nähren.

2. Tigris. der Tiger. F. cauda elongata: capite, cor-
pore et crucibus nigro-virgatis.

the Tiger, von G. Stubs.

Bloß in Asien und vorzüglich von Bengalen bis Schina,
auch auf Sumatra etc. Ueberaus regelmäßig gestreift. Läßt
sich allerdings zähmen, und muß auch vor dem Elephanten
erliegen.

3. Pardus. der Panther, Parder**). F. cauda sub-
elongata, maculis obtuse angulatis, passim con-
fluentibus et annulatis.

Ménag. du Mus. nat. III. tab. 1.

In Africa und Ostindien. Die Flecken seines Fells sind hin
und wieder wie zusammengeflossen, theils in Hufeisenform,
oder geringelt u.s.w.

Leopard nennt man eine etwas kleinere Abart, mit klei-
neren Flecken, deren meist drey bis vier auf fast goldgelbem
Grunde beisammen stehen.

4. Panthera. der kleine Panther. (Büffon's once):
F. cauda elongata, corpore albido, maculis irre-
gularibus nigris.

Schreber. tab. 100.

In der Barbarei und Ostindien. Weit kleiner, als die
vorige Gattung. Auch leicht zu zähmen, und zur Jagd (der
[Seite 68] Rehe, Gazellen etc.) abzurichten, wozu sie im Orient vor-
längst, und in den mittlern Zeiten auch in Italien und Frank-
reich gebraucht worden.

5. Onça. der Jaguar, americanische Tiger. F.
cauda subelongata, corpore fusco lutescente, ma-
culis angulatis, ocellatis, medio flavis.

Hist. nlle. des Mammifères XVII. tab. 1.

In Südamerica. Größer als der Panther, dem er sonst
sehr ähnelt.

6. Concolor. der americanische Löwe, Puma, Cu-
guar. F. cauda mediocri, corpore immaculato fulvo.

Schreber. tab. 104.

In Peru, Brasilien etc.; zeichnet sich durch sein rothgelbes,
ungeflektes Fell (weßhalb er mit dem Namen eines Löwen
belegt worden) und kleinen Kopf aus.

7. †. Lynx. der Luchs. (Fr. le loup-cervier. Engl.
the mountain cat). F. cauda abbreviata, apice atro,
auriculis apice barbatis, corpore maculato, plantis
palmisque amplissimis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

In der nördlichen Erde; doch auch häufig im Neapolitani-
schen; thut den Wildbahnen größern Schaden als der Wolf.

8. †. Catus. die Katze. (Fr. le chat. Engl. the cat).
F. cauda elongata, striis dorsalibus longitudinali-
bus, lateralibus spiralibus.

Fast in der ganzen alten Welt; ist aber erst von da durch
die Spanier nach America überbracht worden. Die wilde*)
ist größer, als die zahme, von grauröthlicher Farbe, mit
schwarzen Lefzen und Fußsohlen. Die Hauskatze begattet sich
äußerst selten unter den Augen der Menschen, und verwildert
sehr leicht wieder, wenn sie zufällig in Wildniß geräth. Zu
den Besonderheiten der Katzen gehört ihre starke Elektricität;
das Leuchten ihrer Augen im Dunkeln; ihre seltsame Gierde
auf gewisse Pflanzen, wie z.B. auf die Nepeta cataria und
aufs Teucrium marum etc.; ihr Schnurren oder Spinnen;
die ängstliche unüberwindliche Antipathie vieler Menschen ge-
gen dieselben etc. – Zu den vorzüglichsten Spielarten gehört
die angorische oder persische Katze mit dem langen,
seidenartigen Haar, die gewöhnlich schwer hört; die bläulich-
graue Carthäuser- oder Cyperkatze; und die spani-
[Seite 69] sche oder schildpattfarbige Katze (Tortoiseshell-
cat
); unter welchen letztern man häufig weibliche Katzen von
drey ganz verschiedenen Farben (z.B. schwarz, weiß
und gelbbraun) in großen Flecken gleich vertheilt,
aber äußerst selten einen dergleichen Kater, findet.

C) Bruta.

Ohne Gebiß oder wenigstens ohne Vorderzähne.

25. Bradypus. Faulthier. (Ignavus. Fr. paresseux.
Engl. sloth). Caput rotundatum, crura antica lon-
giora. Dentes primores nulli utrinque; laniarii (?)
obtusi, solitarii; molares cylindrici, obtusi.

1. Tridactylus. der Aï. B. pedibus tridactylis, cau-
da brevi.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 53.

In Guiana etc. Freilich ein äußerst langsames schwerfälli-
ges, aber bei aller dieser Trägheit listiges und im Nothfall
muthiges und starkes Geschöpf; hat dabei ein äußerst zähes
Leben, und wenige Bedürfnisse. Frißt Laub, säuft gar
nicht etc.

26. Orycteropus. Caput productum rostratum. Cauda
elongata conica. Palmae tetradactylae, plantae pen-
tadactylae. Dentes primores et laniarii nulli; mola-
res infra 4, supra 5.

1. Capensis. das Erdschwein.

Buffon Supplément vol. VI. tab. 31.

Am Cap. Vordem irrig zu den Ameisenbären gerechnet.
Ein großes animal nocturnum, das mit seinen mächtig
starken Krallen in der Erde gräbt, und fast einzig von Ter-
miten lebt.

27. Myrmecophaga. Ameisenbär. (Fr. fourmiller.
Engl. ant-eater). Rostrum productius, lingua lum-
briciformis: dentes nulli.

1. Jubata. der große Tamandua. M. palmis tetra-
dactylis, cauda longa jubata.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 82.

Zumahl in Brasilien. Am Leibe so groß, als ein Flei-
scherhund, und lebt doch so wie die folgende kleine Gattung
in der Wildniß einzig von den dortigen großen Ameisen.

2. Didactyla. der kleine Tamandua. M. palmis di-
dactylis, ungue exteriore maximo, plantis tetra-
dactylis: cauda prehensili.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 22.

[Seite 70]

Ebenfalls in Südamerica; von der Größe und auch fast
von der Farbe des Eichhörnchens.

28. Echidna. (Tachyglossus). Corpus spinis pilisque
tectum: rostrum elongatum, teretiusculum: lingua
lumbriciformis: dentes nulli.

1. Hystrix. E. spinis albido annulatis.

Leach's Miscellany vol. II. tab. 91.

Home in den philos. Transact. 1802. tab. 10.

So wie eine verwandte Gattung (E. setosa) in Neu-Hol-
land. Beide haben im innern Bau vieles, von andern Mam-
malien Abweichendes, mit dem Schnabelthiere gemein.

29. Manis. Schuppenthier, formosanisches Teufel-
chen. Corpus squamis tectum: lingua teres: dentes
nulli.

Die Bekleidung ausgenommen, haben die Thiere dieses Ge-
schlechts in ihrer Bildung, Lebensart etc. viel Aehnliches mit
den Ameisenbären. Von vielen ältern Naturforschern wur-
den sie unter die Eidexen gezählt.

1. Tetradactyla. der Phatagin. M. cauda longiore:
ungulis bifidis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 14.

Auf Formosa und dem benachbarten Asien. Ungefähr von
der Größe des eben gedachten kleinen Ameisenbären. Sein ca-
stanienbraun geschuppter Körper ähnelt einem Tannenzapfen.

30. Tatu. Armadill, Panzerthier, Gürtelthier.
(dasypus linn). Corpus testis zonisque osseis cata-
phractum: dentes primores et laniarii nulli.

1. Novemcinctus. der Caschicame. T. zonis dorsali-
bus 9; palmis tetradactylis: plantis pentadactylis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 83.

In Südamerica, bis an die magellanische Straße. Baut
unter die Erde, wird sehr kirre, rollt sich bei Gefahr, so
wie die Schuppenthiere und der Igel, kugelicht zusammen.


V. SOLIDUNGULA.

Thiere mit Hufen. Ein einziges Geschlecht von wenigen
Gattungen.

31. Equus. Pedes ungula indivisa, cauda setosa. Den-
tes primores superiores 6 obtuse truncati: inferiores
6 prominentiores; laniarii solitarii utrinque remoti.

[Seite 71]

1. †. Caballus. das Pferd. (Fr. le cheval. Engl. the
horse
). E. cauda undique setosa.

Ursprünglich wilde Pferde gibt es schwerlich mehr,
aber häufig und theils in großen Herden verwilderte,
so z.B. in der Mongolei, und in Paraguay, wohin die
Pferde (so wie überhaupt nach America) erst durch die Spa-
nier überhaupt worden u.s.w. Unter den zahmen Pferde-
Rassen*) zeichnen sich die Araber (zumahl die von der Zucht
der Annecy um Palmyra herum, und vom Libanus bis ge-
gen den Horeb etc.) durch ihren wunderschönen Baut, so wie
durch äußerste Leichtigkeit und Dauerhaftigkeit aus. Ihnen
folgen die Persianer und Barben. Unter den europäischen sind
die spanischen (besonders die aus Andalusien), die neapolita-
nischen und englischen die vorzüglichsten. Die letztern haben
besonders den Vorzug der Schnelligkeit, wodurch sie sich in
den Wettrennen auszeichnen**). – Ganzer berittenen Na-
tionen zu geschweigen, wie z.B. die Kosaken, Tartaren, Cal-
mücken, die Pferde-Tungusen, die Abiponer etc., so ist auch
für die cultivirtesten Völker der Werth dieses Thiers für Land-
wirthschaft, Cavallerie, Postwesen etc. unermeßlich. Manche
der gedachten berittenen Völker leben auch großen Theils vom
Fleisch und Milch der Pferde. Die letztere gibt, wenn sie zu-
sammen geronnen, vollends aber wenn sie abgezogen worden,
das berauschende Kumiß der Mongolen.

2. †. Asinns. der Esel. (Fr. l'âne. Engl. the ass).
E. cauda extremitate setosa, cruce dorsali nigra.

Der wilde Esel, von welchem das zahme Hausthier
abstammt, ist der wahre onager der Alten; und findet sich
jetzt zumahl in der Tatarei, unter dem Namen Kulan***),
von da er jährlich im Herbst in großen Heerden südlich nach
Indien und Persien zu zieht und daselbst überwintert. Er ist
größer und schlanker als der zahme Esel, und von ausneh-
mender Schnelligkeit. – Ins nördlichste Europa ist der Esel
[Seite 72] bis jetzt noch gar nicht verpflanzt. Auch artet er wenig aus.
Höchstens etwa in der Farbe, da es z.B. weiße Esel gibt.

* * *

Pferd und Esel lassen sich zusammen begatten, und geben
zweyerlei Bastarde, die von großer Dauerhaftigkeit und Stär-
ke, und zuweilen (aber sehr selten) fruchtbar sind. Eins ist
das gemeine Maulthier [mulus, Fr. le mulet*)], das
vom männlichen Esel erzeugt, und von der Stute geworfen
wird. Das andere ist der Maulesel [hinnus, Fr. le bar-
deau
**)], der vom Hengste gezeugt, und von der Eselinn
geworfen ist. Dieser letztere ist seltener, und hat Gelegenheit
zur Sage von den fabelhaften Jumarn, oder vorgeblichen
Bastarden vom Pferde- und Ochsengeschlecht, gegeben.

3. Zebra. E. zonis fuscis et albidis, maxime regula-
ribus.

The Sebra, von G. Stubbs, 1771.

Das Zebra (wovon es zwey ganz verschiedene Gattungen
gibt, deren eine, das Guagga***), man irrig für die Weib-
chen der andern gehalten hat) ist im südlichen Africa zu Hau-
se. Es lebt heerdenweis, ist ungemein schnell, aber wild und
unbändig. Gezähmt haben beide sowohl mit Eseln als Pfer-
den Bastarde gezeugt†).


VI. BISULCA. (Pecora.)

Die wiederkauenden Thiere mit gespaltenen Klauen, unter
welchem sich die wichtigsten Hausthiere finden.

32. Camelus, Cornua nulla, labium leporinum, pedes
subbisulci
††). Dentes primores inferiores 6 spathi-
formes: superiores 2; laniarii distantes, superiores
3, inferiores 2.

1. Dromedarius. das gemeine Camel. [Fr. le dro-
madaire
†††)]. C. tofo dorsi unico.

Ménag. du Mus. nat. II. tab. 4.

[Seite 73]

Findet sich noch hin und wieder in Asien, zumahl in den
Wüsteneien zwischen Schina und Indien, wild, ist aber für
den ganzen Orient und für das nördliche und mittlere Africa
das wichtigste Hausthier. (Das Schiff für die Wüsten – nen-
nen es die Araber.) Die gewöhnliche Last der Carawanen-
Camele ist gegen sechs Centner, und damit legen sie täglich
gegen vier deutsche Meilen (– die Courier-Camele oder
Heiries aber zwey Meilen in einer Stunde –) zurück.
Das nutzbare Thier frißt dorniges Buschwerk, was in den
Wüsten in Menge wächst, und für kein anderes Säugethier zur
Nahrung taugt. Auch kann es, wie versichert wird, den Durst
mehrere Wochen lang erdulden, säuft aber dafür ungeheuer
viel auf ein Mahl. Beide, sowohl diese, als die folgende
Gattung, haben eine große Schwiele vorn an der Brust, vier
kleine an den Vorderfüßen, und zwey dergleichen an den
Hinterfüßen, die ihnen zum Aufstemmen dienen, wenn sie
müde sind, und sich niederlegen.

2. Bactrianus. das Trampelthier. (Fr. le chameau.
Engl. the camel). C. tosis dorsi duobus.

Ménag. du Mus. nat. I. tab. 1.

Im mittlern Asien, bis gen Schina, zumahl in ganzen
großen Heerden in Bessarabien etc. wird daselbst seines schnel-
len Trabes und natürlichen Sattels wegen, mehr als die vo-
rige Gattung zum Zuge gebraucht.

3. Liama. das Liama, die Camelziege, Guana-
co. C. dorso laevi, tofo pectorali.

Schreber. tab. 306.

So wie die folgende Gattung im südlichen America, beson-
ders dem gebirgigen Peru. Wird als Lastthier gebraucht,
und kann bei seiner mäßigen Größe doch bis anderthalb Cent-
ner tragen.

4. Vicuuna. das Schafcamel. (Fr. la vigogne). C.
tofis nullis, corpore lanato.

Schreber. tab. 307.

Kleiner als das Liama. Läßt sich nicht zähmen, sondern
wird wegen seines zimmtbraunen Haares, das die bekannte
Vigogne-Wolle gibt, jährlich in großen Treibjagden hau-
fenweis gefangen. Auch soll der occidentalische Bezo-
arstein am öftersten in dieser Gattung gefunden werden.

33. Capra. Cornua cava rugosa scabra. Dentes primo-
res
superiores nulli, inferiores 8; laniarii nulli.

[Seite 74]

1. †. Ovis. das Schaf. (Fr. la brebis. Engl. the
sheep
). C. mento inberbi, cornibus compressis lu-
natis.

Findet sich wohl nirgends mehr ursprünglich wild; scheint
auch weit seltner als die Ziege wieder verwildern zu kön-
nen; wird aber fast in der ganzen alten Welt als eins der
allernutzbarsten Hausthiere gehalten, und ist auch bald nach
der Entdeckung von America dorthin verpflanzt worden.

Unter den verschiedenen Rassen der Schafe sind vor allen
die spanischen, aus Segovien, und die englischen und
deren treffliche Abkömmlinge auf Neu-Süd-Wallis wegen
ihrer ausnehmenden Wolle; die isländischen mit vier,
sechs oder acht Hörnern; und die arabischen und ägyp-
tischen mit dem großen und wohl 40 Pfund schweren Fett-
Schwanze, zu merken. Die ostfrisischen Marsch-Schafe
sind ungehörnt; groß, wollreich, mit kahlen kurzen Schwän-
zen; die lüneburger Heidschnucken hingegen klein, und
beide Geschlechter gehörnt. Die zwischen den Wendezirkeln ha-
ben mehrentheils statt der krausen Wolle schlichtes Ziegenhaar;
und die in Südafrica noch überdies lang herabhängende Ohren.

2. Ammon. das Muffelthier. (musimon. Büffon's
mouflon). C. cornibus arcuatis circumflexis subtus
planiusculis, palearibus laxis pilosis.

Brandt u. Ratzeburg. l. t. 9.

Auf Corsica und Sardinien, in Griechenland, in der Bar-
barei; eine verwandte weit größere Art aber (das Argali)
in Sibirien bis Kamtschatka und dann im nordwestlichen Ame-
rica. Letzteres ein sehr schmackhaftes Wildbret, hat mächtig
starke und schwere*) Hörner, und wird von einigen Natur-
forschern für das Stammthier zu unserm Schaf gehalten.

3. †. Hircus. die Ziege. (Fr. la chèvre. Engl. the
goat
). C. mento barbato, cornibus arcuatis, cari-
natis.

Die Hausziege scheint von dem aegagrus abzustammen,
der im Caucasus und den daran gränzenden östlichen Gebir-
gen lebt, und in dessen Pansen (so wie bei manchen Gattun-
gen von Antilopen) zuweilen der orientalische Bezoar-
stein gefunden wird, daher das Thier selbst mit dem Namen
[Seite 75] des Bezoarbocks belegt worden*). – Die Hausziege (– das
wichtige Hausthier der alten Guanchen auf den Canarischen
Inseln –) verwildert leicht wieder, und ist nun meist eben so
weit als das Schaf auf der Erde verbreitet. – Die angori-
sche Ziege oder das Kämmelthier hat langes seidenartiges
Haar und gibt das beste so genannte Camelgarn, so wie ausdem
äußerst feinen Wollhaar, das die schönen kleinen geradhörnigen
Bergziegen in Kashmir und Tibet unter ihrem gröbern, lan-
gen Haar tragen, die allerköstlichsten Shawls in jenem pa-
radiesischen Wunderlande gewebt werden**).

4. †. Ibex. der Steinbock. (capricornus. Fr. le bou-
quetin
. Engl. the wild goat). C. mento barbato,
cornibus lunatis maximis, supra nodosis, in dor-
sum reclinatis.

Meisner's Museum der N. G. Helvetiens
Nro. 1 und 6.

In den höchsten Schneegebirgen von Savoyen, so wie in
den sibirischen Alpen. Das Gehörn eines bejahrten Steinbocks
wiegt wohl 8 Pfund, und hat meist eben so viel knorrige
Ringe auf jeder Seite.

34. Antilope. Cornua cava, teretia, annulata, vel spi-
ralia. Dentes ut in capris.

Ein weitläufiges Geschlecht, wovon sich zahlreiche Gattun-
gen im mittlern und südlichen, Asien und Africa, zumahl
aber am Cap finden***).

1. †. Rupicapra. die Gemse (Fr. le chamois, l'Izard).
A. cornibus erectis uncinatis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1803.

In den alpinischen Gegenden des mildern Europa und west-
lichen Asiens. Zahm gemachte Gemsen sollen sich mit den Zie-
gen gepaart und Bastarde erzeugt haben. Von den unverdau-
lichen Zasern ihres Futters bilden sich in ihrem Pansen die
ehedem berühmten so genannten Gemsballen (aegagropilae).

2. Dorcas. die Gazelle. A. cornibus teretibus an-
nulatis, medio flexis, apicibus laevibus approxi-
matis.

Schreber. tab. 269.

[Seite 76]

Im ganzen Orient und Nordafrika. Das schlanke flinke
Thier macht die Lieblingsjagd der Morgenländer, und gibt ih-
rer Dichtersprache das reizende Bild weiblicher Schönheit.

3. Oreotragus. der Klippspringer. A. cornibus
rectis subulatis, capite rufo, corpore ex flavo
virescente, cauda brevissima.

Schreber. tab. 259.

In Südafrica.

4. Pygarga. der Springbock, Prunkbock. A. cor-
nibus liratis, linea laterali faciei et trunci fusca,
clunibus albis.

Vosmaer. descr. de la Gazelle de parade.

Im Innern des südlichsten Africa, von wannen er jährlich
in Heerden von vielen tausenden gegen das Cap zu und nach
einigen Monathen wieder zurück zieht.

5. Leucophaea. der große blaue Bock. A. corni-
bus recurvatis teretiusculis annulatis, corpore cae-
rulescente.

Schreber. tab. 278.

Nur noch im Cafferlande; übrigens aber ausgerottet.

6. Oreas. das Cudu. A. cornibus subulatis rectis ca-
rinato-contortis, corpore griseo.

Vosmaer. descr. d'un animal appellé Canna.

In Südafrica und Ostindien. Die Form und Länge seiner
geraden Hörner ähnelt der von dem fabelhaften Einhorn,
wozu es vielleicht den Anlaß gegeben.

7. Pieta. das Nylghau. A. cornibus antrorsum in-
curvis, cervice colloque jubatis, cauda longa floc-
cosa, pedibus albo nigroque annulatis.

W. Hunter. in philos. Transact. vol. LXI. tab. 5.

In Bengalen etc.

8. Gnu. A. cornibus antrorsum directis, apicibus re-
flexis; mente barbato: juba cervicali et pectorali.

Vosmaer. descr. du Gnou.

In öden Gegenden vom Cap landeinwärts. Fast von der
Größe eines Pferdes; und an Gebilde manches Ochsenähnlich.

35. Bos. Cornua concava, lunata, laevia. Dentes ut in
generibus praecedentibus.

1. †. Taurus. der Ochse. (Fr. le boeuf. Engl. the ox).
B. cornibus teretibus extrorsum curvatis, paleari-
bus laxis.

[Seite 77]

Der Auerochse (urus, bonasus und Bison der alten
Welt) wird noch jetzt in Polen, Litauen, Sibirien gefunden,
und war ehedem auch in Deutschland einheimisch. Ob er die
wilde Stammrasse von unserem gezähmten Hornvieh sei, ist
neuerlich bezweifelt worden.

Zu den merkwürdigsten Varietäten des domesticirten Rind-
viehs gehört die halbwilde weiße Rasse mit braunen oder
schwarzen Ohren, auf den Ladronen, und hin und wieder in
Großbritannien: die mit den ausnehmend großen Hörnern in
Sicilien; die gänzlich ungehörnte in einigen Provinzen von
England u.a.m.

Dagegen scheint's noch zweifelhaft, daß auch die indischen
(von den Hindus heilig verehrte) Buckelkuh, der bos indi-
cus
, oder Zebu*) eine bloße Varietät dieser Gattung seyn
solle.

Im Pansen des Rindviehs finden sich zuweilen Ballen aus
Haaren, die sie sich abgeleckt und eingeschluckt haben. Die
ihnen eigene, furchtbare, pestartige Viehseuche, hat zumahl
seit 1711 zuweilen lange und weit und breit grassirt. Hinge-
gen sind die Kuhpocken seit 1798 durch Dr. Jenner als
wohlthätiges Sicherungsmittel für die Kinderblattern bewährt
worden.

2. Buffelus. der Büffel. (Engl. the Buffalo). B.
cornibus resupinatis intortis antice planis.

Brandt u. Ratzeburg l. t. 10.

Stammt wohl ursprünglich aus Tibet, ist nun aber nach
und nach durch den größten Theil von Asien und Nordafrika
verbreitet, und wird auch hin und wieder in Europa, wie z.
B. seit dem siebenten Jahrhundert in Italien, in Ungarn,
und auch im Salzburgischen gezogen und zum Zuge gebraucht.
Hat ein schwarzes, dünn behaartes Fell, das ausnehmend stark
und vorzüglich zu Schläuchen tauglich ist.

3. Arni. der Riesenbüffel. B. cornibus divarica-
tis, lunatis, longissimis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 63.

In den gebirgichten Gegenden von Nord-Hindostan. Un-
geheuer groß, so daß ein junger 15 Centner gewogen.

4. Grunniens. der Büffel mit dem Pferdeschweif,
Ziegenochse. B. cornibus teretibus, introrsum
[Seite 78] curvatis, vellere propendente, cauda undique ju-
bata.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 23.

In Tibet zu Hause, wird aber auch in Hindostan als Haus-
thier gehalten. Kleiner als unser Hornvieh, zeichnet sich auch
außerdem durch seine grunzende Stimme, durch sein zottiges
Ziegenhaar, und durch einen büschligen sehr langhaarigen
Schwanz aus, der, wenn er schön ist, in Indien hoch ge-
schätzt und theuer bezahlt wird.

5. Bison. der nordamericanische Bison. B. cor-
nibus divaricatis brevibus, juba longissima dorso
gibboso.

Schreber. tab. 296.

Das größte Landthier der neuen Welt; lebt heerdenweise
in den sumpfigen Wäldern des mildern Nordamerica. Im
Winter ist es über den ganzen Körper behaart, im Frühjahr
hingegen wird es am Rücken und Hinterleibe kahl, und be-
hält bloß seine große Brust- und Nacken-Mähne.

6. Moschatus. der Bisamstier. (Fr. le boeuf mus-
qué
. Engl. the musk ox). B. cornibus deflexis, ba-
sibus latissimis complanatis ad frontem contiguis;
apicibus reflexis.

Cptn. Parry's 1st voyage tab. 17.

Sein Vaterland ist bloß aufs äußerste Nordamerica im
Westen der Hudsonsbay vom 66 bis 73° der Breite einge-
schränkt. Ein Paar seiner Hörner soll zuweilen über einen hal-
ben Centner wiegen.

36. Giraffa. Cornua simplicissima pelle tecta, fascicu-
lo pilorum nigro terminata. Dentes primores supe-
riores nulli: inferiores 8 spathulati, extimo bilobo;
laniarii nulli.

1. Camelopardalis, die Giraffe. (Nabis).

Cptn. Carteret in den philos. Transact. Vol. LX.
tab. 1.

Im innern Africa. Sie hat, wegen ihres langen Halses,
kurzen Körpers, abhängigen Rückens, und wegen ihres röth-
lichen, schön gefleckten Felles, ein sehr auszeichnendes Anse-
hen; sie soll im Schreiten, wie die Paßgänger, immer den
Vorder- und Hinterfuß der einen Seite zugleich heben, und
daher einen sonderbaren Gang haben, von dem die Bewe-
gung des Springers im Schachspiel entlehnt worden; und
ist, wenn sie aufrecht steht, über 16 Fuß hoch.

[Seite 79]

37. Cervus. Cornua solida multifida. Dentes ut in ge-
neribus praecedentibus (interdum tamen laniarii
solitarii superiores).

1. Alces. das Elennthier, Elch. (Fr. l'élan. Engl.
the elc). C. cornibus planis acaulibus, palmatis.

Brandt u. Ratzeburg l. t. 5.

In der ganzen nördlichen Erde (wenn anders das nord-
americanische Elenn, Fr. l'original. Engl. the moose-
deer
*) keine eigene Gattung macht), ist sehr hochbeinig;
erreicht die Größe vom Pferd, wiegt wohl über 600 und sein
Gehörn 30 Pfund; läßt sich zähmen und herdenweise auf
die Weide treiben. Die alten Sagen, daß das Elennthier oft
von Epilepsie befallen werde etc. brauchen jetzt keiner Widerle-
gung.

2. †. Dama. der Damhirsch, Tannhirsch. (Fr. le
daim
. Engl. the buck, fallow-deer). Cornibus
subramosis compressis, summitate palmata.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Im mildern Europa. Kleiner als der gemeine Hirsch; va-
riirt in der Farbe.

3. Tarandus. das Renthier. (rangifer. Fr. le renne.
Engl. the rein). C. cornibus (in utroque sexu) lon-
gis, simplicibus, teretibus, summitatibus subpal-
matis, juba gulari pendula.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In der ganzen nördlichen Erde; theils in mächtigen Heer-
den; kann in wärmern Zonen nicht ausdauern, lebt von dür-
rem Laub, und vorzüglich von Renthier-Moos, das es un-
ter dem Schnee hervorscharrt. Dient zumahl den Lappländern,
Samojeden, Tungusen und Koräken zur Befriedigung der
dringendsten Bedürfnisse des Lebens.

4. Elaphus. der Edel-Hirsch. (Fr. le cerf. Engl.
the stag). C. cornibus ramosis totis teretibus, re-
curvatis apicibus multifidis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1794.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem Elenn, nur unter
mehr südlicher Breite. Die Zahl der Enden seines Geweihes
richtet sich nicht genau nach dem Alter des Thiers; nach dem
achten Jahre ist sie unbestimmt. Die größten natürlichschönen
Geweihe sind höchst selten von mehr als 24 wahren En-
[Seite 80] den. Der Hirsch wird ungefähr 30 Jahre oder etwas dar-
über alt.

5. †. Capreolus. das Reh. (Fr. le chevreuil. Engl.
the roe). C. cornibus ramosis, teretibus, erectis,
summitate bifida.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1797.

In den mildern und wärmern Erdstrichen von Europa und
Asien. Das Gehörn des Rehbocks wird zumahl nach Castra-
tion, auffallender als bei andern Gattungen dieses Geschlechts
durch sonderbare Exostosen entstellt.

38. Moschus. Cornua nulla. Dentes primores ut in prae-
cedentibus generibus; laniarii superiores solitarii ex-
serti.

1. Moschifer. das Bisamthier. (Fr. le musc. Engl.
the musk). M. folliculo umbilicali.

Brandt u. Ratzeburg l. t. 7.

In den Schwarzwäldern und bergigen Gegenden von Ti-
bet und dem südlichen Sibirien. Das Männchen hat in der
Nabelgegend einen Beutel fast von der Größe eines Hühner-
eies, worin sich der Bisam, dieses wichtige Arzneimittel,
sammelt.

2. Pygmaeus. das kleine guineische Rehchen. (Fr.
le chevrotain). M. supra fusco-rufus, subtus al-
bus, ungulis succenturiatis nullis.

Seba, thes. I. tab. 45. fig. 1.

In Ostindien und auf Guinea. Das kleinste Thier dieser
Ordnung. Seine ganzen Beine sind nur Fingers lang, und
haben ungefähr die Dicke eines Pfeifenstiels.


VII. MULTUNGULA. (Belluae, die mehresten
Pachydermata Cuv.)

Meist sehr große, aber unförmliche, borstige oder dünn
behaarte Säugethiere, mit mehr als zwey Klauen an jedem
Fuß. Also mit Inbegriff der Schweine, denn auch diese haben
im Grunde vier Klauen.

39. Sus. Rostrum truncatum, prominens, mobile. Den-
tes primores (plerisque) superiores 4, convergentes.
inferiores 6, prominentes; laniarii superiores 2, in-
feriores 2, exserti.

[Seite 81]

1. †. Scrofa. das Schwein. (Fr. das wilde le sanglier,
das zahme le cochon. Engl. jenes the wild boar, die-
ses the hog). S. dorso setoso, cauda pilosa.

Das wilde Schwein hat eine längere Schnauze und über-
haupt eine andere Form des Schädels, kürzere aufrechte Oh-
ren, größere Fangzähne als das Hausschwein, und ist fast
immer von schwarzgrauer Farbe.

Wenige Thiere sind so allgemein fast über die ganze Erde
verbreitet, als das Hausschwein. Es hat einen ungemein
scharfen Geruch, und ist beinahe ein animal omnivorum.
Das Weibchen wirft nicht selten zwey Mahl im Jahr und
wohl eher bis 20 Junge auf ein Mahl. – In America, wo-
hin diese Schweine aus Europa übergebracht worden, sind sie
theils verwildert. (Fr. cochons marons). Auf Cuba wur-
den sie mehr als noch ein Mahl so groß, als ihre europäischen
Stammältern; auf Cubagua arteten sie in eine abentheuerli-
che Rasse aus mit Klauen, die auf eine halbe Spanne lang
waren etc. – Die schinesischen (Fr. cochons de Siam) ha-
ben kürzere Beine und einen ausgeschweiften Rücken ohne
Mähne. – In Schweden und Ungarn findet sich nicht selten
eine Spielart mit ungespaltenen Klauen, die schon den Alten
bekannt war, so wie man auch welche mit fünf Klauen gese-
hen hat.

2. Aethiopicus. das Emgalo. (Büffon's sanglier du
Cap verd
). S. dentibus primoribus nullis: laniariis
superioribus lunatis extrorsum curvatis: sacculis
verrucosis sub oculis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 92.

Im Innern von Südafrica. Auch auf Madagascar. Ein
furchtbar wildes Thier, mit mächtig großem Kopf, spannen-
breitem Rüssel, großen warzigen Fleischlappen unter den
Augen etc.

3. Tajassu. das Bisamschwein, Nabelschwein,
(Pecari, Pakira). S. cauda nulla, folliculo moschi-
fero ad extremum dorsi.

Schreber. tab. 325.

Heerdenweise in den wärmsten Gegenden von Südamerica.
Wird höchstens nur 60 Pfund schwer.

4. Babirussa*). S. dentibus laniariis superioribus
maximis, parallelis retrorsum arcuatis.

Schreber. tab. 328.

[Seite 82]

Zumahl auf den moluckischen Inseln. Lebt am Wasser,
kann sehr geschickt selbst nach ziemlich entlegenen Inseln schwim-
men. Es hält schwer, zu bestimmen, wozu ihm die fast zir-
kelförmigen großen Eckzähne des Oberkiefers dienen mögen?
beim Weibchen sind sie weit kleiner.

40. Tapir. Dentes primores utrinque 6; laniarii 4; pal-
mae ungulis 4, plantae ungulis 3.

Americanus. der Tapir, Anta.

Schreber. tab. 319.

Das größte Landthier in Südamerica, von der Statur ei-
nes mittelmäßigen Ochsen. Kopf und Schenkel sind ungefähr
wie beim Schwein; die Oberlippe zugespitzt und sehr beweg-
lich. Gewöhnlich setzt sich's auf die Hinterfüße wie ein Hund.
Geht gern ins Wasser, schwimmt sehr gut etc. – Ein sehr
ähnliches Thier, das Maïta findet sich in Ostindien auf Ma-
lacca und Sumatra*).

41. Elephas. Elephant. Proboscis longissima, prehen-
silis: dentes superiores eburnei exserti.

1. Asiaticus. E. capite elongato, fronte concava, au-
riculis minoribus angulosis: dentium molarium co-
rona lineis undulatis parallelis distincta.

Ménag. du Mus. nat. II. tab. 2. VII. tab. 3.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 19. fig. B.

Im südlichen Asien, vorzüglich auf Ceilon. Ist das größte
von allen Landthieren, wird wohl 15 Fuß hoch und wiegt im
zwanzigsten Jahre auf 7000 Pfund. Seine auf dem Rücken
fast Daumens dicke Haut ist doch selbst gegen Insectenstiche
empfindlich; gewöhnlich von grauer Farbe. Das Hauptorgan
des Elephanten ist sein Rüssel, der ihm zum Athemhohlen,
zum äußerst feinen Geruch, zum Wasserschöpfen, sein Futter
damit zu fassen und ins Maul zu stecken, und zu vielerlei an-
dern Verrichtungen, statt der Hände dient. Er kann ihn drey
Ellen lang ausstrecken, und bis zu anderthalb Ellen wieder
einziehen. Am Ende ist derselbe, wie mit einem biegsamen
Haken versehen, und hiermit kann er ungemein feine kunst-
reiche Handlungen verrichten, z.B. Knoten aufknüpfen,
Schnallen auflösen, mehrere Stücken Geld mit Einem Mahl
aufheben u.s.w. Seine Nahrung besteht vorzüglich aus Laub der
Bäume, Reis und andern Gräsern. Er schwimmt mit ungemei-
ner Leichtigkeit selbst durch schnelle Ströme. Bei der Begat-
[Seite 83] tung soll er sich, wie die mehresten vierfüßigen Säugethiere be-
springen. Das neugeworfene Junge saugt mit dem Maule
(nicht mit dem Rüssel, wie viele gemeint haben). Ungefähr
im dritten, vierten Jahre kommen bei beiden Geschlechtern
die zwei großen Stoßzähne zum Ausbruch, die das Elfenbein
geben. Sie werden wohl 7 bis 8 Fuß lang und einer der-
selben kann bis auf 200 Pfund wiegen. Wahrscheinlich wird
der Elephant auf 200 Jahre alt. Am häufigsten nutzt man
ihn zum Lasttragen, da er zum mindesten 20 Centner zu tra-
gen, und schwere Ballen etc. Berge hinauf zu wälzen im Stan-
de ist. Sein Gang ist gleichsam ein schnelles Schieben der
Beine, und dabei so sicher, daß er auf auch ungebahnten We-
gen doch nicht strauchelt*).

2. Africanus. E. capite subrotundo, fronte convexa,
auriculis amplissimis, rotundatis: dentium mola-
rium corona rhombis distincta.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 32. fig. C.

Diese im mittlern und südlichern Africa einheimische Gat-
tung wird jetzt höchstens nur noch im Innern dieses Erdtheils
als Hausthier gehalten, im übrigen aber bloß des Fleisches
und vorzüglich des Elfenbeins wegen gefangen und geschossen.

42. Rhinoceros. Nashorn. (Abada). Cornu solidum,
conicum, naso insidens.

1. Asiaticus. Rh. dentibus primoribus, utrinque qua-
ternis, inferioribus conicis, superioribus subloba-
tis; laniaris nullis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 7. fig. B.

In Ostindien. Das bei dieser Gattung mehrentheils ein-
zelne Horn ist bei ihm, so wie das doppelte beim africanischen
nicht am Knocher fest gewachsen, sondern bloß auf demselben
aufsitzend.

2. Africanus. Rh. dentibus primoribus et laniariis
nullis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 7. fig. A.

In Südafrica, am Cap etc. Meist mit doppeltem Horn;
das zweite ist kleiner, und sitzt hinter dem erstern.

43. Hippopotamus. Dentes primores superiores remoti,
[Seite 84] (inferiores procumbentes); laniarii inferiores incur-
vati, oblique truncati.

1. Amphibius. das Nilpferd. (am Cap Seekuh ge-
nannt).

Buffon, Supplément vol. III. tab. 62. 63. vol. VI.
tab. 4. 5.

Häufig im südlichen Africa, so wie ehedem im Nil. Aeu-
ßerst plump, mit einem unförmlichen großen Kopfe, unge-
heuern Rachen, dicken Leibe, kurzen Beinen etc. Ein erwach-
senes wiegt wenigstens viertehalb tausend Pfund. Nährt sich
von Vegetabilien und Fischen.


VIII. PALMATA.

Säugethiere mit Schwimmfüßen deren Geschlechter wie-
der nach der Verschiedenheit ihres Gebisses (so wie oben die Di-
gitata) in drey Familien zerfallen. A) Glires. B) Ferae.
C) Bruta.

A) Glires.

Mit meißelförmigen Nagezähnen.

44. Castor. Pedes postici palmati. Dentes primores utrin-
que 2.

1. †. Fiber. der Biber. (Fr. le castor. Engl. the
beaver
). C. cauda depressa, ovata, quasi squamosa.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 43.

In der nördlichern Erde, in einsamen Gegenden an Land-
Seen und größern Flüssen. Er wird wegen seiner feinen
Haare für die Handlung, und für die Arzneikunst wegen des
so genannten Bibergeils wichtig, das sich bei beiden Geschlech-
tern in besondern Behältern am Ende des Unterleibes findet.
Am berühmtesten sind aber diese Thiere durch die ausnehmen-
de Kunstfertigkeit, mit welcher sie, da wo sie sich (wie im
Innern von Canada) noch in Menge beisammen finden, ihre
dauerhaften Wohnungen, besonders aber, da wo sie es nö-
thig finden, die dazu gehörigen bewundernswürdigen Däm-
me aufführen. Denn, zugegeben, daß freilich in den Erzäh-
lungen mancher Reisebeschreiber vom Bau der Biberhütten
vieles verschönert und übertrieben worden, so wissen sich doch
diese Thiere, nach dem einstimmigen Zeugniß der unverdäch-
tigsten Beobachter aus ganz verschiedenen Welttheilen, dabei
[Seite 85] so nach zufälligen Umständen zu bequemen, daß sie sich da-
durch weit über die einförmigen Kunsttriebe anderer Thiere
erheben.

B) Ferae.

Mit dem Gebiß der reißenden Thiere.

45. Phoca. Pedes postici exporrecti, digiti coaliti. Den-
tes primores superiores 6, inferiores 4; laniarii solitarii.

Nebst den Thieren des vorigen Geschlechts gleichsam die
Amphibien unter den Säugethieren, deren ganzer Körperbau
darnach eingerichtet ist, um in beiden Elementen leben zu
können*).

1. Vitulina. der Seehund, die Robbe, das See-
kalb. (Fr. le veau marin. Engl. the seal). P. ca-
pite laevi, auriculis nullis, corpore griseo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 73.

In den nördlichen Meeren; auch im schwarzen, Caspi-
schen und mehrern Sibirischen Seen. Ist für die finnischen
Insulaner, so wie für die Kamtschadalen, besonders aber
für die Grönländer und für die labradorischen Esquimos, ein
äußerst wichtiges Geschöpf: die beiden letztern Völker zumahl,
nähren sich von seinem Fleisch, kleiden sich in sein Fell, be-
ziehen ihre Sommerhütten und Lederbothe damit etc. Sein
Fang macht ihr vorzüglichstes Geschäft, und die darin er-
worbene Geschicklichkeit ihr Glück und ihren Stolz aus. Kann
wie die nächstfolgende Gattung leicht kirre und zuthuig werden.

2. Monachus. die Mönchsrobbe. (Fr. le phoque à
ventre blanc
). P. inauriculata, dentibus incisoribus
utrinque 4; palmis indivisis, plantis exunguicu-
latis.

Buffon, Supplém. vol. VI. tab. 44.

Zumahl im mittländischen Meere. Sehr gelehrig. Auch
auffallend wegen der unruhigen Veränderlichkeit ihrer gan-
zen Gesichtsbildung.

[Seite 86]

3. Ursina. der Seebär. P auriculata, collo laevi.

Buffon. Supplém. vol. VI. tab. 47.

Im Sommer heerdenweise auf den Inseln des kamtschatki-
schen Meers, überwintert aber vermuthlich auf den benach-
barten etwas südlichern Inseln des stillen Oceans. Lebt in
Polygamie, so daß jedes Männchen wohl dreyßig bis vier-
zig Weibchen hat, die es mit vieler Eifersucht bewacht, und ge-
gen seine Nebenbuhler zu behaupten sucht*).

4. Jubata. der stellersche Seelöwe. P. auricula-
ta, collo jubato.

Buffon. Supplém. vol. VI. tab. 48.

Im ganzen stillen Ocean. Die größte Gattung dieses Ge-
schlechts; hat den Namen von der beim Männchen gewisser
Maßen löwenartigen Mähne.

5. Proboscidea (cristata. Linn.). der ansonsche Seelö-
we. (Engl. the Sea-Elephant). P. naso probosci-
deo retractili.

Péron. voy. aux terres australes. tab. 32.

An den südlichern Inseln im atlantischen und stillen Ocean.
Wird auf 30 Fuß lang. Nur das Männchen hat die sonder-
bare rüsselförmige Nase.

46. Lutra. Palmae plantaeque natatoriae. Dentes pri-
mores
utrinque 6; superiores distincti, inferiores
conferti.

1. †. Vulgaris. die Fischrotter. (Fr. la loutre. Engl.
the otter). L. plantis nudis, cauda corpore dimi-
dio breviore.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1798.

In den mildern Gegenden der nördlichen Erde. Die schön-
sten in Canada.

2. Brasiliensis. die brasilische Flußotter, der
Wasserwolf. (la sarivovienne). L. badia, macula
alba submentali cauda corpore dimidio breviore.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 93.

Diese gemeiniglich mit der folgenden verwechselte Gattung
lebt in den Flüssen und Landseen des östlichen und innern
Südamerica.

3. Marina. die Seeotter. (Fr. le castor marin.
[Seite 87] Engl. the sea-otter). L. nigra, plantis pilosis, cau-
da corpore quadruplo breviore.

Cook's voyage to the northern hemisphere. vol.
II. tab. 43.

Besonders um Kamtschatka und an der jenseitigen Küste
vom nordwestlichen America bis hinunter nach Nutka-Sund,
doch auch um Corea, und zumahl im gelben See. Ihr schwar-
zes und silbergraues Fell ist für die Schinesen das kostbarste
aller Rauchwerke.

C) Bruta.

Ohne Gebiß, oder wenigstens ohne Vorderzähne.

47. Ornithorhynchus. Mandibulae rostratae (anatinae).
Dentes nulli*).

1. Paradoxus. das Schnabelthier. Engl. the duck-
bill
).

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 41.

Dieses so ganz abenteuerliche Geschöpf zeichnet sich von allen
bisher bekannten Säugethieren durch die beispiellose Bildung
seiner Kinnladen aus, die im äußern aufs vollkommenste ei-
nem breiten platten Entenschnabel ähneln, auch eben so mit
einer weichen nervenreichen zum Tasten bestimmten Haut über-
zogen, auch an den Seitenrändern gezähnelt sind. Beiderlei
Füße sind mit einer Schwimmhaut versehen, die an den Vor-
dern noch vor den Krallen hervorragt, und sich mittelst der-
selben fächerartig zusammenfalten oder ausbreiten läßt. Die-
ses Wunderthier lebt in Landseen des an sonderbaren Formen
seiner Geschöpfe so reichen Australiens, unweit Botanybay.

48. Trichechus. Pedes posteriores compedes coadunati.

1. Rosmarus. das Wallroß. (Fr. le morse. Engl.
the walrus). T. dentibus laniariis superioribus ex-
sertis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 15.

Bei dem Treibeis des Nordpols: oft zu hunderten beisam-
men. Nährt sich vom Seetang und Schalthieren, die er mit
[Seite 88] seinen Hauzähnen loskratzt. Die alten Normannen machten
ihre fast unverwüstlichen Ankertaue von Wallroßriemen*).

Eine verwandte Gattung, der Dugong, ist in Südin-
dien, zumal an den Sundischen und Moluckischen Inseln zu
Hause**).

2. Manatus. die Seekuh. (Fr. le lamantin). T. den-
tibus laniariis inclusis.

Albers icones ad illustr. anat. compar. Fasc. II.
tab. 4.

In Flüssen und an den Seeküsten der wärmern Erde, z.
B. häusig in Orinoco. Scheint zu manchen der Sagen von
Meerjungfern (oder Sirenen der neuern) Anlaß gegeben zu
haben***).


IX. CETACEA†).

49. Monodon. Dens alteruter maxillae superioris exser-
tus longissimus, rectus, spiralis.

1. Narhwal. das See-Einhorn.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 44.

Meist im nördlichen atlantischen Ocean. Das Junge hat
ursprünglich zwey Zähne (in jedem Oberkieferknochen Ei-
nen), die aber von ungleicher Größe sind, und beim Er-
wachsenen sehr selten zusammen gefunden werden, sondern
gewöhnlich nur einer von beiden. Zuweilen so lang als der
Körper des Thieres, d.h. wohl 18 Fuß und darüber.

50. Balaena. Dentes nulli. Laminae loco superiorum
corneae.

1. Mysticetus. der Wallfisch. (Fr. la baleine. Engl.
the black whale). B. dorso impinni.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 94.

[Seite 89]

Das größte aller bekannten Thiere*), das über 100000
Pfund an Gewicht hält, ist theils gegen den Nordpol, aber
auch in südlichen Gegenden im atlantischen Ocean, und im
stillen Meere zu Hause. Die heutiges Tages gefangen werden,
sind selten über 60 bis 70 Fuß lang. Der ungeheuere Kopf
macht wohl ein Drittel des ganzen Thiers aus. Die Haut ist
meistens schwarz oder mit weiß gemarmelt etc., hin und wie-
der dünn behaart, und oft mit Muscheln besetzt. Den kamt-
schadalischen Insulanern und den nordwestlichen Americanern
gibt dieses ungeheuere Thier victus et amictus etc. Die Eu-
ropäer hingegen fangen den Wallfisch (wovon ein großer
5000 Rthlr. werth seyn kann) des Fischthrans und besonders der Bar-
den wegen, deren er 700 im Oberkiefer hat, die das (zu-
weilen weißstreifige) Fischbein geben, und von denen die mit-
telsten wohl 20 Fuß lang werden.

2. Rostrata. einer der verschiedenen Finnfische. B. pec-
tore sulcato, pinna dorsalis obtusa.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 74.

Die Haut an Hals und Brust und Vordertheil des Bauchs
ist bei dieser und einigen andern Gattungen dieses Geschlechts
sehr regelmäßig nach der Länge gefurcht**).

51. Physeter. Dentes in maxilla inferiore.

1. Macrocephalus. der Caschelot, Pottfisch. (Engl.
the white whale). P. dorso impinni, dentibus in-
flexis, apice acutiusculo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 84.

Meist in den südlichen Weltmeeren; zumal an den Küsten
von Brasilien und von Neu-Südwallis. Er erreicht die Grö-
ße des Wallfisches, hat einen ungeheuren Rachen, und kann
Klafterlange Hayfische verschlingen. Sein Oberkiefer ist sehr
breit, der untere hingegen überaus schmal. Er wird vorzüg-
lich des Wallraths (sperma ceti) wegen aufgesucht, das in
Gestalt eines milchweißen Oels theils im Körper des Thiers
bei dem Thran, theils aber, und zwar in größter Menge in
[Seite 90] besondern Behältern am Kopfe desselben, zumal vorn auf den
Oberkiefern gefunden wird, und an der Luft zu einem halb
durchsichtigen Talg verhärtet. – Die köstliche wohlriechende
graue Ambra ist eine Stercoralverhärtung, die sich zumal im
dicken Darm mancher davon erkrankender Caschelotte findet.

52. Delphinus. Dentes in maxilla utraque.

1. Phocaena. das Meerschwein, der Braunfisch.
(tursio Plin. Fr. le marsouin. Engl. the porpoise).
D. corpore subconiformi, dorso lato pinnato, ro-
stro subobtuso.

Ménag. du Mus. nat. VII. tab. 4.

So wie die folgende Gattung in den europäischen Meeren:
wird so wie diese 1 1/2 Klafter lang und ist zumal für die Lach-
se ein schädliches Raubthier.

2. Delphis. der Delphin, Tümmler. (Fr. le dau-
phin
. Engl. the porpesse). D. corpore oblongo
subtereti, dorso pinnato, rostro attenuato, acuto.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 95.

Der eigentliche Delphin der Alten.

3. Orca. der Nordcaper, Speckhauer. (Fr. l'épau-
lard
. Engl. the grampus). D. pinna dorsi altissima;
dentibus subconicis, parum incurvis.

Schreber. tab. 340.

Mehr im nördlichen Weltmeere, doch auch im mittellän-
dischen; wird 20 Fuß lang.


Fünfter Abschnitt.
Von den Vögeln.

[Seite 91]

§. 55.

Die Säugethiere zeigen in ihrer Bildung, mithin auch in
ihrer Lebensart etc. so sehr viel Verschiedenheit, daß sich nur
wenig Allgemeines von ihnen überhaupt sagen läßt, und man
sich folglich bei ihrer speciellen Geschichte desto umständlicher zu
seyn gedrungen sieht. Bei den Vögeln ist der Fall anders. Bei-
des, so wohl ihre Gestalt, als auch ihre Lebensart hat im Gan-
zen genommen mehr Uebereinstimmendes, daher man sich bei
der besondern Geschichte ihrer einzelnen Geschlechter und Gattun-
gen schon kürzer fassen kann.

§. 56.

Alle Vögel kommen in Rücksicht ihrer Bildung darin mit
einander überein, daß sie zwey Füße, zwey Flügel, ei-
nen ganz oder doch zum Theil hornichten Schnabel, und
einen mit Federn bedeckten Körper haben. Sie zeichnen
sich zugleich durch diese vier Charaktere von allen andern Thie-
ren aufs kenntlichste aus, und machen eine gleichsam isolirte
Classe von Geschöpfen aus, die mit keiner andern zusammen
fließt, und sich daher in die vermeinte Kette oder Leiter der na-
türlichen Körper (S. 6.) nicht ohne Zwang einpassen läßt.

§. 57.

Unter jenen Charakteren sind die Federn den Vögeln
ausschließlich eigen, die in regelmäßigen Reihen (in quincun-
ce) in die Haut verwachsen und mit vielem Fette durchzogen
sind; aber in gewisser Jahrszeit, gewöhnlich im Herbste, aus-
fallen und neue an ihrer Statt regenerirt werden. Viele, zumal
die meisten Wasservögel, auch die Schneehühner etc. mausern
sich gar zwey Mahl im Jahr, im Frühling und Herbst. Bei
manchen Gattungen hat der junge Vogel, zumal vor der ersten
Mause (als avis hornotina) andere Farben oder Zeichnungen
des Gefieders, als im reisern Alter. Bei manchen herrscht auch
hierin große Sexualverschiedenheit. Von den Haaren unterschei-
den sie sich besonders auch dadurch, daß sie, so viel bekannt,
[Seite 92] wenn sie beschnitten oder sonst verstümmelt worden, alsdann
nicht so wie diese, wieder ergänzt werden.

§. 58.

Die stärksten Federn sind in den Fittigen und im Schwan-
ze. Jene heißen Schwungfedern (remiges), diese Steu-
erfedern (rectrices). Die Schwungfedern bilden bei aus-
gespannten Flügeln gleichsam breite Fächer, womit sich die Vö-
gel in die Luft heben und fliegen können. Einige wenige Vögel
(aves impennes), wie die Pinguine etc. haben gar keine
Schwungfedern, und sind daher zum Fluge ungeschickt. So
fehlen auch einigen Vögeln, wie dem Casuar, den Taucherchen etc.
die Steuerfedern.

§. 59.

Im innern Körperbau*) zeichnen sich die Vögel be-
sonders durch die merkwürdigen Luftbehälter aus, die in
ihrem Körper vertheilt, und vorzüglich zum Fluge von äußer-
ster Wichtigkeit sind. Die mehresten stehen mit den Lungen, an-
dere aber bloß mit dem Rachen in Verbindung, und der Vogel
kann sie nach Willkür mit Luft laben oder ausleeren. Zu diesen
Luftbehältern gehören vorzüglich große aber zarte häutige Zel-
len, die theils im Unterleibe, theils unter den Achseln und
sonst noch unter der Haut verbreitet sind, und durchs Einath-
men mittelst der Lungen voll Luft gepumpt werden können. Au-
ßerdem dienen den Vögeln auch gewisse markleere hohle Kno-
chen, wie die Schulterknocken im Flügel etc. und manchen selbst
die Hirnschale, zu ähnlichen Zwecken; und endlich sind auch die
ungeheuern Schnäbel der Pfefferfraße, Nashornvögel etc.
ebenfalls dahin gehörig.

§. 60.

Durch diese merkwürdigen Einrichtungen werden die Vö-
gel zum Flug geschickt, bei welchem die Geschwindigkeit so-
wohl als die lang anhaltende Dauer gleich merkwürdig sind.
Nur wenige Vögel, wie der Straus, der Casuar, die Pin-
guine und andere aves impennes (§. 58.) können gar nicht
fliegen.

§. 61.

Der Aufenthalt der Vögel ist beinahe eben so verschie-
den als der Säugethiere ihrer. Die mehresten leben auf Bäu-
[Seite 93] men, andere auf dem Wasser, sehr wenige bloß auf der Erde:
aber kein einziger Vogel (so wie der Maulwurf in der vorigen,
und andere Geschöpfe in den beiden letztern Thier-Classen) bloß
unter der Erde. Die Bildung der Füße ist auch bei den Vö-
geln, so wie bei den Säugethieren, ihrem verschiedenen Auf-
enthalt angemessen*).

§. 62.

Sehr viele Vögel verändern ihren Wohnplatz zu
gewissen Jahrszeiten; die meisten zwar bloß in sofern, daß sie
nur wenige Meilen weil in die benachbarten Gegenden streichen,
und bald darauf in ihre alte Heimath zurückkehren; andere aber,
wie die Hausschwalben, die Kraniche, Störche etc. so, daß sie
im Herbst große Wallfahrten, weit übers Meer und über einen
beträchtlichen Theil der Erdkugel weg, anstellen, und den Win-
ter bis zur Rückkehr im folgenden Frühjahre in wärmern Zo-
nen zubringen**).

§. 63.

Kein Vogel hat wahre Zähne, sondern diese Thiere müssen
ihre Speise entweder mit dem Schnabel zerbeißen, oder ganz
schlucken. Bei denjenigen samenfressenden Vögeln, die ihre Kör-
ner ganz, unzerbissen einschlucken, gelangen diese nicht sogleich
in den Magen, sondern werden vorher im drüsenreichen Kro-
pfe (ingluvies, prolobus) eingeweicht, und von da nur all-
mählig an den Magen überlassen, der bei diesen Thieren äu-
ßerst musculös, und so stark ist, daß er sogar nach Reaumur's
u.a. merkwürdigen Versuchen, verschluckte Haselnüsse und Oli-
venkerne zu zerdrücken und Münzen so glatt wie Papier abzu-
scheuern vermag. Sehr viele Vögel verschlucken aber auch über-
dieß noch kleine Kieselsteinchen, die ebenfalls die Zermalmung
und nachherige Verdauung der Speisen befördern***). Verschie-
dene fleischfressende Vögel, wie die Falken, Eulen, Eisvö-
[Seite 94] gel etc. können die Knochen, Haare und Gräten der kleinen Thie-
re, die sie verzehrt haben, nicht verdauen, sondern brechen sie,
in eine Kugel (das Gewölle) geballt, nach der Mahlzeit wie-
der von sich*).

§. 64.

Zu den besondern Eigenheiten der Sinnwerkzeuge
der Vögel in Vergleichung zu den Säugethieren, gehört unter
andern der Mangel der knorpligen zur Auffassung des Schalls
dienenden äußern Ohren; der aber, zumal bei den nächtli-
chen Raubvögeln, durch die äußerst regelmäßige zirkelförmige
Stellung und bestimmte Richtung der Federchen in der Gegend
des Ohres und bei manchen derselben auch noch überdieß durch
eine bewegliche Klappe am äußern Gehörgange vergütet wird.

Anm. Nur sehr wenige Vögel, die Enten nähmlich u.a. verwand-
te Gattungen, scheinen den wirklichen Sinn des Tastens (d.
h. des Gefühls im engern Verstande) zu besitzen; und das
Organ dazu ist wohl die welche Bedeckung ihres Schnabels, die
mit ausnehmend starken Hautnerven versehen, und beim leben-
digen Thier äußerst empfindlich ist. Auch sieht man, wie die En-
ten in den Pfützen, wo sie bei Aufsuchung des Fraßes weder dem
Gesichte, noch dem Geruche nachgehen können, mit dem Schnabel
wirklich sondiren.

§. 65.

Die Stimme ist zumal bei den kleinen so genannten
Sangvögeln mannichfaltig und anmuthig, doch darf man nicht
sowohl sagen, daß sie singen, (– denn natürlicher Gesang ist
ein ausschließliches Vorrecht des Menschen –) als, daß sie
pfeifen. Außer den obgedachten Luftbehältern (§. 59.) kommt
ihnen dazu vorzüglich die Einrichtung ihres Kehlkopfs (larynx)
zu Statten, der bei den Vögeln nicht bloß, so wie den Säuge-
thieren und Amphibien, am obern Ende, nähmlich an der Zun-
genwurzel befindlich, sondern gleichsam in zwey abgesonderte
Hälften an die beiden Enden der Luftröhre vertheilt ist. Die Pa-
pageien, Raben, Stahre, Dompfaffen etc. hat man die Men-
schenstimme nachahmen und Worte aussprechen gelehrt: so wie
auch die Sangvögel im Käficht leicht fremden Gesang anneh-
men, Lieder pfeifen lernen, und sich sogar zum Accompagné-
[Seite 95] ment abrichten lassen, so, daß man mit mehreren Dompfaffen
zugleich schon wirklich kleine Concerte hat geben können. Ueber-
haupt aber scheint auch der Waldgesang der Sangvögel doch erst
durch Uebung und Nachahmung recht ausgebildet zu werden.

§. 66.

Die mehresten Vögel begatten sich im Frühjahr; man-
che aber, wie der Kreuzschnabel in der kältesten Jahrszeit nach
Weihnachten. Das Hausgeflügel ist gar an keine bestimmte Zeit
gebunden, sondern läßt sich Jahr aus Jahr ein zu diesem Ge-
schäft willig finden. Manche halten sich nur zur Begattungszeit,
andere aber, wie die Tauben und Hausschwalben, für immer
paarweise zusammen: noch andere aber leben, wie der Haus-
hahn, und unter den wilden Vögeln der Straus, in Polygynie.

§. 67.

Das befruchtete Weibchen wird vom Instinct getrieben,
für die Zukunft zu sorgen, und zu nisten, wovon eigentlich
vielleicht außer dem Kukkuk wohl nur sehr wenige andre, z.B.
die Nachtschwalbe ausgenommen sind. Bei den polygynischen Vö-
geln, wie bei den Hühnerarten, nimmt das Männchen gar kei-
nen Antheil an diesem Geschäfte; bei denen aber, die sich paar-
weise zusammen halten, zumal unter den Sangvögeln, trägt es
doch Baumaterialien herbei, und verpflegt sein Weibchen wäh-
rend ihrer Arbeit.

§. 68.

Die Auswahl des Ortes, an dem jede Gattung ihr
Nest anlegt, ist ihren Bedürfnissen und ihrer ganzen Lebensart
aufs genaueste angemessen. Und eben so sorgfältig wählt auch
jede Gattung die Baumaterialien zu ihrem Neste.

§. 69.

Die Form der Nester ist bald mehr bald minder künstlich.
Manche Vögel, wie die Schnepfen, Trappen, Kibitze etc. machen
sich bloß ein dürres Lager von Reisholz, Strohhalmen etc. auf
der platten Erde: andere tragen sich nur ein weiches kunstloses
Bett in Löcher der Mauern, Felsenritzen und hohle Bäume; so
die Spechte, Heber, Dohlen, Sperlinge etc. Sehr viele, zumal
unter den Hühnern, Tauben und Sangvögeln, geben ihrem Ne-
ste die Gestalt einer Halbkugel oder einer Schüssel; andere, wie
der Zaunkönig, ungefähr die Form eines Backofens: noch an-
dere, wie manche Meisen, Kernbeißer etc. die von einem Beu-
tel u.s.w.*).

§. 70.

[Seite 96]

Wenn endlich das Geschäft des Nesterbaues vollendet ist,
so legt die Mutter ihre Eier hinein; deren Anzahl bei den ver-
schiedenen Gattungen der Vögel sehr verschieden ist. Viele
Wasservögel z.B. legen jedes Mahl nur ein einziges Ei; die
Taucherchen und mehresten Tauben ihrer zwey; die Möven drey,
die Raben vier; die Finken fünf; die Schwalben sechs bis acht;
die Rebhühner und Wachteln vierzehn; das Haushuhn aber, be-
sonders wenn man ihm die Eier nach und nach wegnimmt*),
bis fünfzig und darüber. Zuweilen geben auch manche Vögel,
ohne vorher gegangene Befruchtung, Eier von sich, die aber zum
Brüten untauglich sind und Windeier (ova subventanea,
cynosura, zephyria, hypenemia) heißen.

§. 71.

Die Ausbildung des jungen Thiers, die bei den Säugethie-
ren noch im Mutterleibe vollzogen wird, muß hingegen bei den
Vögeln im schon gelegten Ei, mittelst des Brütens bewirkt
werden. Nur der Kukkuk brütet seine Eier nicht selbst aus,
sondern überläßt es den Grasmücken oder Bachstelzen etc., in de-
ren Nest er sein Ei gelegt hat. Hingegen weiß man, daß selbst
Capaunen und Hunde und sogar Menschen Vogeleier ausgebrü-
tet haben**). Auch bloß durch künstliche Wärme, und erhitzten
Mist***), und durch Lampenfeuer in so genannten Brüt-Ma-
schinen†) und in Brütöfen, kann man leicht Hühnchen auskrie-
chen lassen. – Die Vögel werden durchs anhaltende Brüten ab-
gemattet, und nur bei solchen, die sich paarweise zusammen hal-
ten, wie bei den Tauben, Schwalben etc. nimmt auch das Männ-
chen an diesem Geschäfte Antheil. Die Hähne unter den Cana-
[Seite 97] rienvögeln, Hänflingen, Stieglitzen etc. überlassen zwar das
Brüten bloß ihren Weibchen, versorgen sie doch aber während
der Zeit mit Futter und ätzen sie theils aus dem Kropfe.

§. 72.

Während des Brütens geht nun im Eie selbst die große
Veränderung vor, daß das Küchelchen darin allmählich ge-
bildet, und von Tag zu Tag mehr zur Reise gebracht wird*).
Zu dieser Absicht ist nicht nur der Dotter überhaupt specifisch
leichter als das Eiweiß, sondern auch wiederum diejenige Stelle
auf seiner Oberfläche (der so genannte Hahnentritt, cica-
tricula), neben welcher das künftige Hühnchen zu liegen kommt,
selbst noch leichter als die entgegen gesetzte Seite, so daß folg-
lich bei jeder Lage des Eyes doch immer jene Stelle dem Leibe
des brütenden Vogels zugekehrt ist. Die erste Spur des neuen
Küchelchens zeiget sich immer erst eine geraume Zeit, nachdem
das Brüten seinen Anfang genommen; beim Hühnerei z.B.
kaum vor Ende des ersten Tages; so wie am Ende des zweyten
das berühmte Schauspiel der ersten Bewegung des dann noch
sehr unvollkommnen Herzchens (das punctum saliens) seinen
Anfang nimmt. Zu Ende des fünften Tages sieht man schon das
ganze kleine gallertartige Geschöpf sich bewegen. Am vierzehnten
brechen die Federn aus; zu Anfang des fünfzehnten schnappt das
Hühnchen schon nach Luft; und ist am neunzehnten Tage im
Stande einen Laut von sich zu geben.

Anm. Beim Vogel im Ei ist die erste Gestalt, worin er sich
zeigt, noch weit mehr von seiner nachmahligen Form, wenn er
zum Auskriechen reif wird, verschieden, als die früheste Gestalt
des neu empfangenen Säugethiers von seiner nachherigen Bil-
dung; so daß man sagen kann, das Küchelchen im Eie gelange
erst durch eine wahre Metamorphose zu seiner vollkommenen Ge-
stalt, und das sowohl in Rücksicht einzelner Eingeweide (z.B.
des Herzens) als in der Totalbildung. (– vergl. die Abbild. n.
h. Gegenst.
tab. 64. –)

§. 73.

Unter den mancherlei zur bewundernswürdigen Oekono-
mie des bebrüteten Küchelchens dienenden Organen, sind die
beiden allerwichtigsten zwey sehr gefäßreiche Membranen, die
zumal um die Mitte der Brütezeit in ganz ausnehmender Schön-
[Seite 98] heit sich zeigen. – Nähmlich die Nabelhaut (chorion),
die dann unter der Eierschale ausgebreitet ist; und die Dot-
terhaut (membrana valvulosa vitelli), die mit dem Darm-
canal des zarten Geschöpfs zusammenhängt. – Jene dient ihm
statt der Lungen zum so genannten phlogistischen Proceß (–
S. 23 u. f. –) und diese zur Ernährung mittelst des Dotters,
der allgemach durch das sich ihm beimischende Eiweiß verdünnt
wird. (– Abbild. n. h. Gegenst. tab. 34. –)

§. 74.

Jede Gattung Vögel hat zwar ihre bestimmte Brütezeit
von verschiedener Länge, die aber doch nach Verschiedenheit des
Climas und der wärmern oder kältern Witterung verzögert oder
beschleunigt wird. Beim Huhn ist das Küchelchen gewöhnlich zu
Ende des ein und zwanzigsten Tages zum Auskriechen aus
dem Eie reif.

§. 75.

Die jungen Vögel werden einige Zeit von der Mutter, und
bei denen, die in Monogamie leben, auch vom Vater, mit vie-
ler Zärtlichkeit gefüttert, und zumal bei den mehresten körner-
fressenden aus dem Kropfe geätzt, bis sie befiedert, und über-
haupt für ihren eigenen Unterhalt zu sorgen im Stande sind.

§. 76.

Die Vögel erreichen, nach Verhältniß ihrer körperlichen
Größe, und in Vergleich mit den Säugethieren, ein sehr ho-
hes Alter, und man weiß, daß selbst in der Gefangenschaft
Adler und Papageien über hundert, Buchsinken, Stieglitze über
24 Jahre etc. leben können.

§. 77.

Die Vögel sind für die Haushaltung der Natur im Gro-
ßen ungemein wichtige Geschöpfe, obgleich ihre unmittelbare
Brauchbarkeit fürs Menschengeschlecht ohne Vergleich ein-
facher ist, als der Säugethiere ihre. Sie vertilgen unzäh-
lige Insecten, und das unbedingte Wegfangen einiger ver-
meintlich schädlichen Vögel, der Sperlinge, Krähen etc. in man-
chen Gegenden, hat meist eine ungleich schädlichere Vermehrung
des Ungeziefers nach sich gezogen. Andere verzehren größe-
re Thiere, Feldmäuse, Schlangen, Frösche, Eidexen etc. oder
Aeser. Viele helfen Unkraut ausrotten. Von der andern
Seite wird auch die Vermehrung und Fortpflanzung
der Thiere sowohl, als der Gewächse, durch Vögel be-
fördert. So weiß man z.B., daß die wilden Enten bei ihren
Zügen befruchteten Fischrogen in entfernte Teiche übertragen,
und sie dadurch zuweilen fischreich machen. Sehr viele Vögel
[Seite 99] verschlucken Samenkörner, die sie nachher wieder ganz von sich
geben, und dadurch die Verbreitung derselben befördern: so z.
B. die Tauben auf Banda die Muscatnüsse etc. Der Mist der
Seevögel düngt kahle Felsenklippen und Küsten, daß nachher
nützliche Gewächse da fortkommen können. Manche Falkengat-
tungen lassen sich zur Jagd, so wie die Scharben zum Fisch-
fang, abrichten etc. So sehr viele Vögel, ihre Eier, ihr Fett etc.
dienen zur Speise; die ganzen Felle der Seevögel zur Klei-
dung mancher Polar-Völker; die Federn zum Füllen der Bet-
ten, zum Schreiben, und zu mancherlei theils kostbaren
Putz, so wie sie auch bei vielen wilden Völkern, zumal auf den
Inseln des stillen Oceans, einen beträchtlichen Handelsartikel
ausmachen.

§. 78.

Der Schade, den die Vögel stiften, läßt sich fast gänz-
lich auf die Vertilgung nutzbarer Thiere und Ge-
wächse zurückbringen. Der Condor, der Lämmergeier u.a.
Raubvögel tödten Kälber, Ziegen, Schafe etc. Der Fischadler
und so viele Wasservögel sind den Fischen und ihrem Leich, so
wie die Habichte, Sperber, Aelstern etc. dem Hausgeflügel ge-
fährlich. Die Sperlinge und andere kleine Sangvögel schaden
der Saat, den Weintrauben und Obstbäumen etc. Und endlich
werden freilich nicht bloß brauchbare Gewächse, sondern auch
eben so wohl wucherndes Unkraut durch die Vögel verpflanzt.
Wirklich giftige Thiere finden sich aber in dieser Classe
eben so wenig, als in der vorigen.

§. 79.

Da die Bildung der Vögel, im Ganzen genommen, ziem-
lich einförmig ist, und gewisse Theile ihres Körpers, wie der
Schnabel und die Füße, die sich auf ihre ganze Lebensart, Nah-
rung etc. beziehen, schon an sich so viel von ihrem Total-Habitus
bestimmen; so haben die mehresten Ornithologen auch ihre Clas-
sification auf die Verschiedenheit des einen oder des andern von
den genannten Theilen gegründet; Klein z.B. auf die Bil-
dung der Zehen; Möhring auf die Bedeckung der Beine,
Brisson auf beides in Verbindung mit der Beschaffenheit des
Schnabels etc. Linné nimmt in dem Plan seines Systems
der Vögel auch auf die Bildung mehrerer Theile zugleich, und
so ziemlich auf den ganzen Habitus, Rücksicht; nur scheint er
sich in der Ausführung zuweilen vergessen zu haben; we-
nigstens begreift man nicht, wie Papageien, Colibrite und Krä-
hen bei ihm in eine Ordnung verbunden, hingegen Tauben
und Hühner in zwey Ordnungen von einander gerissen, und
[Seite 100] mehr Verbindungen oder Trennungen dieser Art zugelassen wer-
den durften.

§. 80.

Ich habe mir also hier einige Abänderungen von dem Lin-
néischen System erlaubt, und die ganze Classe in folgende neun
Ordnungen abzutheilen versucht.

A) Landvögel.

I. Accipitres. Die Raubvögel: mit krummen starken Schnä-
beln, meist mit kurzen, starken, knorrigen Füßen, und gro-
ßen, gebogenen, scharfen Klauen.

II. Levirostres. Mit kurzen Füßen, und meist sehr großen,
dicken, aber mehrentheils hohlen und daher sehr leichten
Schnäbeln, Papageien, Tucane etc.

III. Pici. Mit kurzen Füßen, mittelmäßig langen und schmalen
Schnäbeln, und theils wurmförmiger, theils fadenförmiger
Zunge. Wendehals, Spechte, Baumkletten, Colibrite etc.

IV. Coraces. Mit kurzen Füßen, mittelmäßig langem, und
ziemlich starkem, oben erhabenem Schnabel. Raben, Krä-
hen etc.

V. Passeres. Die so genannten Sangvögel nebst den Schwal-
ben etc. Sie haben kurze Füße, und einen mehr oder weniger
kegelförmigen, zugespitzten Schnabel, von verschiedener Län-
ge und Dicke.

VI. Gallinae. Vögel mit kurzen Füßen, oben etwas erhabe-
nem Schnabel, der an der Wurzel mit einer fleischigen Haut
bewachsen ist. Auch die Tauben habe ich unter diese Ordnung
gebracht, da sie bei weitem mehr mit den Hühnern als mit
den Sangvögeln, denen sie Linné zugesellte, verwandt sind.

VII. Struthiones. Die großen, zum Flug ungeschickten Land-
vögel. Der Straus, Casuar und Dudu.

B) Wasservögel.

VIII. Grallae. Sumpfvögel, mit langen Füßen, langem,
fast walzenförmigem Schnabel, und meistens langem Halse.

IX. Anseres. Schwimmvögel mit Ruderfüßen, einem stum-
pfen, mit Haut überzogenen, am Rande meist gezähnelten
Schnabel, der sich an der Spitze des Oberkiefers mit einem
Häkchen endigt.

* * *

Zur N. G. der Vögel.

[Seite 101]
  1. Conr. Gesneri historiae animalium L. III. qui est de avium na-
    tura
    . Tiguri. 1555. fol.
  2. Ulyss. Aldrovandi ornithologia. Bonon. 1599. sq. Vol. III. fol.
  3. F. Willughby ornithologiae L. III. ex. ed. Raji. Lond. 1676. fol.
  4. Jo. Raji synopsis methodica avium. ib. 1713. 8.
  5. J. Edwards's natural history of birds. Lond. 1743 sq. Vol. IV. 4.
  6. Ej. gleanings of natural history. ib. 1758. sq. Vol. III. 4.
  7. Brisson ornithologie. Paris 1760. Vol. VI. 4.
  8. Buffon.
  9. Daubenton jun. planches des oiseaux. Paris 1775 sq. fol. (1008
    Bl.)
  10. C. J. Temminck et Meiffr. Laugier nouveau Recueil de Plan-
    ches color. des oiseaux
    . ib. 1820 sq. fol.
  11. (Jo. Latham's) general synopsis of birds. ib. 1781. Vol. VI. 4.
    und das Supplement dazu. ib. 1787.
  12. F. M. Daudin Traité élémentaire et complet d'ornithologie. Par.
    1800. Vol. II. 4.
* * *
  1. C. J. Temminck Tableau systématique des oiseaux qui se trou-
    vent en Europe
    . ed. 2. Par. 1820. II. vol. 8.
  2. Deutsch mit vielen Zusätzen v. C. L. Nitzsch. Halle 1822. 2 Bän-
    de. 8.
  3. Joh. Leonh. Frisch Vorstellung der Vögel in Deutschland. Ber-
    lin, 1733. bis 1763. Fol. (242 Taf.)
  4. J. M. Bechstein's gemeinnützige N. G. Deutschlands II–IV. B.
    Leipz. 1791. 8.
  5. Dess. ornithologisches Taschenbuch von und für Deutschland. Leipz..
    1802 u. f. III. Th. kl. 8.
  6. J. P. A. Leisler's Nachträge zu Bechstein's N. G. Deutschland. I.
    H. Hanau, 1812. 8.
  7. J. Wolf u. J. Fr. Frauenholz Abbildungen und Beschreibun-
    gen der in Franken brütenden Vögel. Nürnb. seit 1799. Fol. u. 4.
  8. Teutsche Ornithologie, herausgeg. von Borkhausen, Lichtham-
    mer und Becker dem Jüng. Darmst. seit 1800. Fol.
  9. Taschenbuch der deutschen Vögel-Kunde, oder kurze Beschreibung aller
    Vögel Deutschlands, von Meyer und Wolf. Frankf. a. M.
    1810. II. B. 8.
  10. J. A. und J. Fr. Naumann N. G. der Vögel Deutschlands. Leipz.
    seit 1820. 8.
  11. Chr. L. Brehm Beiträge zur (Deutschen) Vögelkunde. Neustadt an
    der Orla, seit 1820. 8.
  12. Corn. Nozemann Nederlandsche Vogelen, door Chr. Sepp en
    Zoon. Amst. 1770. sq. fol.
  13. History of British Birds; the figures engraved on wood by T.
    Bewick. Newcastle upon Tyne. ed. 3. 1816. II. vol. 8.
  14. Pennant's arctic zoology. IIr Band.
  15. Fr. Levaillant hist. naturelle des oiseaux d'Afrique. Paris.
    1796 sq. 4.
  16. Marc. Catesby's natural history of Carolina. Lond. 1731. Vol.
    II. fol.
  17. Alex. Wilson's American ornithology. Philad. 1808 sq. vol. I-
    VIII. gr. 4. dazu vol. IX. von G.. Ord. und Forts. von Ch.
    Lucian Bonaparte. in III. vol.
  18. Andr. Sparrmann museum Carlsonianum. Holm. 1786. Fasc. II.
    fol.
* * *

Zur Physiologie dieser Thier-Classe.

  1. Fr. Tiedemann's Zoologie. IIr und IIIr Band. Heidelberg. 1810
    – 14. 8.

Erst also die Landvögel in VII Ordnungen.

I. ACCIPITRES.

Fast alle mit kurzen, starken Füßen, großen scharfen Kral-
len und starkem, gekrümmtem Schnabel, der meist oben auf der
Seite in zwey stumpfe, schneidende Spitzen ausläuft, und an
der Wurzel mehrentheils mit einer fleischigen Haut (cera) be-
deckt ist. Sie nähren sich theils von Aas, theils vom Raube le-
bendiger Thiere, leben in Monogamie, nisten an erhabenen Or-
ten, und haben ein wilderndes, widerliches Fleisch.

1. Vultur. Geier. Rostrum rectum, apice aduncum;
plerisque caput et collum impenne. Lingua bifida.

1. Gryphus. der Condor, Cuntur. V. caruncula
verticali longitudine capitis.

de Humboldt Recueil d'observations de Zoologie.
tab. 8. 9.

Hauptsächlich im westlichen Südamerica. Hält mit aus-
gespannten Flügeln auf 12 Fuß in die Breite, und seine
Schwungfedern sind am Kiel wohl fingersdick. Er ist schwarz-
braun von Farbe mit einem weißen Halskragen. Nistet zu-
mal an felsigen Ufern, fliegt ausnehmend hoch, lebt meist
vom Raube unter den Viehherden, und von den todten Fischen,
welche die See auswirft.

2. Papa. der Geyerkönig, Kuttengeier, Sonnen-
geier. V. naribus carunculatis, vertice colloque
denudato.

Buffon oiseaux vol. I. tab. 6.

In Westindien und Südamerica. Nur von der Größe ei-
nes welschen Huhns; zumal am Kopf von schönen gelben, ro-
then und schwarzen Farben, mit langen, fleischigen Lappen
[Seite 103] über dem Schnabel. Kann den nackten Hals ganz in den dick-
befiederten Schulterkragen einziehen.

3. †. Barbatus. der Lämmergeier, Bartgeier,
Goldgeier, Jochgeier. V. rostri dorso versus
apicem gibboso, mento barbato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 85.

In den Tyroler- und Schweizer-Alpen; auch in Sibirien
und Habessinien. Der größte europäische Raubvogel, dessen
ausgespannte Flügel bei 10 Fuß messen, und der sich vorzüg-
lich durch seinen starkhaarigen Bart, und durch den befieder-
ten Kopf, besonders aber durch den gewölbten Rücken vorn
am Oberschnabel von andern Geiern auszeichnet.

4. Percnopterus. der Aasgeier. V. remigibus nigris,
margine exteriore, praeter extimas, canis.

Besonders häufig in Palästina, Arabien und Aegypten.
Verzehrt unzählige Feldmäuse, Amphibien etc. Die alten
Aegyptier haben diesen Vogel, so wie einige andere ihnen
vorzüglich nutzbare Thiere, heilig gehalten, und ihn häufig
in ihrer Bilderschrift auf Obelisken, Mumienbekleidungen etc.
vorgestellt.

2. Falco. (Span. Açor.) Rostrum aduncum, basi cera
instructum: caput pennis tectum: lingua bifida.

1. Serpentarius. der Secretär. (sagittarius, Fr. le
messager
). F. cera alba, cruribus longissimis, cri-
sta cervicali pendula, rectricibus intermediis elon-
gatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 55.

Vom Cap landeinwärts, auch auf den Philippinen. Mit
langen Beinen, wie ein Sumpfvogel.

2. †. Melanaëtus. der schwarzbraune Adler. (Büf-
fon's aigle commun, Engl. the black eagle). F.
cera lutea, pedibusque semilanatis, corpore ferru-
gineo, nigricante, striis flavis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

In Europa. Beträchtlich kleiner als der folgende.

3. †. Chrysaëtos. der Goldadler, Steinadler.
(Büffon's grand aigle. Engl. the golden eagle). F.
cera lutea, pedibusque lanatis luteo-ferrugineis,
corpore fusco ferrugineo vario, cauda nigra, basi
cinereo undulata.

Buffon vol. I. tab. 1.

[Seite 104]

Im gebirgigen Europa. Nistet auf hohen Felsen und ver-
sorgt seine Junge mit Wildpret von Hasen, Gemsen etc.

4. †. Ossifragus. der Seeadler, Fischadler, Bein-
brecher. (Fr. l'orfraie, Engl. the seaeagle, the osprey).
F. cera lutea pedibusque semilanatis, corpore fer-
rugineo, rectricibus latere interiore albis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1801.

An den europäischen Küsten, auch in Nordamerica und
theils auf der Südsee. Fast von der Größe des Goldadlers.
Lebt fast bloß von Fischen.

5. †. Haliaëtus. der Entenstößer, Moosweih. (Fr.
le balbuzard. Engl. the osprey). F. cera pedibus-
que caeruleis, corpore supra fusco, subtus albo,
capite albido.

Buffon vol. I. tab. 2.

Mehr an den Ufern der Flüsse als an den Seeküsten. Ist
oft mit dem Fischadler vermengt worden.

6. †. Milvus. die Weihe, der Gabelgeier, Milan,
Scheerschwänzel, Schwalbenschwanz, Tau-
benfalke. (Fr. le milan. Engl. the kite). F. cera
flava, cauda forsicata, corpore ferrugineo, capite
albidiore.

Frisch tab. 72.

Fast in der ganzen alten Welt.

7. Gentilis. der Edelfalke. (Fr. le faucon, Engl.
the falcon). F. cera pedibusque flavis, corpore ci-
nereo maculis fuscis, cauda fasciis quatuor nigri-
cantibus.

Frisch tab. 74.

In gebirgigen Gegenden der nördlichen Erde; variirt in
zahlreichen Spielarten, deren einige auch von manchen für
besondere Gattungen angenommen werden. Wird vorzüglich
(so wie freilich manche andere verwandte Gattungen dieses
Geschlechts auch) zum Fang kleiner Säugethiere und Vögel,
namentlich in den Morgenländern zur Gazellenjagd, und in
Europa zur Reiherbeitze abgerichtet.

8. †. Palumbarius. der Habicht, Taubenfalke. (ac-
cipiter, Fr. l'autour. Engl. the gooshawk). F. ce-
ra nigra, margine pedibusque flavis, corpore fus-
co, rectricibus fasciis pallidis, superciliis albis.

Frisch tab. 81. 82.

Hat meist gleiche Heimath mit der vorigen Gattung.

[Seite 105]

9. †. Nisus. der Sperber, Vogelfalke. (Fr. l'éper-
vier
. Engl. the sparrow hawk). F. cera viridi,
pedibus flavis, abdomine albo griseo undulato, cau-
da fasciis nigricantibus.

Frisch tab. 90. 91. 92.

In einem großen Theile der alten Welt.

3. Strix. Eule. (Noctua). Rostrum breve, aduncum,
nudum absque cera: nares barbatae: caput grande;
lingua bifida: pedes digito versatili: remiges aliquot
serratae.

1. †. Bubo. der Uhu, Schubut, die Ohreule. (Fr.
le grand duc. Engl. the great horn owl, the eagle-
owl
). S. auribus pennatis, iridibus croceis, corpo-
re rufo.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795.

Das größte Thier seines Geschlechts. Im mildern Europa
und westlichen Asien*).

2. Nyctea. die Schnee-Eule, Harfang. S. capite
laevi, corpore albido, maculis lunatis distantibus
fuscis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 75.

In der nördlichsten Erde. Ein prachtvolles Thier.

3. †. Flammea. Die Schleiereule, Perleule, Kir-
cheneule, Thurmeule. (Fr. l'effraie). S. capite
laevi, corpore luteo punctis albis, subtus albido
punctis nigricantibus.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In den gemäßigtern Zonen der alten und neuen Welt.
Von ausnehmend schönem und sanftem Gefieder.

4. †. Passerina. das Käuzchen. (Fr. la chevêche.
Engl. the little owl, screechowl). S. capite laevi,
remigibus maculis albis quinque ordinum.

Frisch tab. 100.

In Europa und Nordamerica.

4. Lanius. Rostrum rectiusculum, dente utrinque ver-
sus apicem, basi nudum: lingua lacera.

[Seite 106]

1. †. Excubitor. der Würger, Bergälster. (Fr. la
pie-grieche grise
. Engl. the great shrike). L. cau-
da cuneiformi, lateribus alba, dorso cano, alis ni-
gris macula alba.

Frisch tab. 59.

In Europa und Nordamerica. Ahmt, so wie die folgen-
de Gattung, andrer Vögel Stimme sehr geschickt nach.

2. †. Collurio. der Neuntödter. (Fr. l'écorcheur. Engl.
the red-backed shrike). L. cauda subcuneiformi,
dorso griseo, rectricibus quatuor intermediis uni-
coloribus, rostro plumbeo.

Frisch tab. 60.

In Europa. Nährt sich hauptsächlich von Insecten, zumal
Käfern, Grashüpfern etc., die er zum Vorrath an Schwarz-
dorn und anderes dorniges Gebüsche anspießt.


II. LEVIROSTRES.

Die Vögel dieser Ordnung sind fast bloß den wärmsten
Erdstrichen eigen, und werden durch die theils sehr großen, di-
cken, aber in Verhältniß meist sehr leichten Schnäbel, kenntlich,
deren oben (§. 59.) bei Gelegenheit der Luftbehälter gedacht
worden.

5. Psittacus. Papagei, Sittig. (Fr. perroquet. Engl.
parrot). Mandibula superior adunca, cera instruc-
ta; lingua carnosa, integra. Pedes scansorii*).

Merkwürdig ist, daß manche einzelne Gattungen dieses
(– weitläufigen, daher von den Ornithologen in mancherlei
Familien eingetheilten –) Geschlechts eine so überaus einge-
schränkte Heimath haben, daß sich, z.B. auf den Philippi-
nen, verschiedene derselben bloß einzig und allein auf der ei-
nen oder andern Insel, und hingegen nie auf den noch so nahe
liegenden, benachbarten finden. Ueberhaupt haben die Papa-
geien viel auszeichnendes, Eigenes in ihrem Betragen. Sie
wissen sich z.B. ihrer Füße fast wie Hände zu bedienen, brin-
gen ihre Speise damit zum Schnabel, krauen sich damit hin-
ter den Ohren, und wenn sie auf dem Boden gehen, so tre-
ten sie, nicht wie andere Vögel bloß mit den Krallen, sondern
[Seite 107] mit der ganzen Ferse auf etc. Ihr hakenförmiger Oberschna-
bel ist eingelenkt und sehr beweglich, und nutzt ihnen zuweilen
statt eines dritten Fußes zum Klettern, Anhalten etc. Beide
Geschlechter lernen leicht Worte nachsprechen, und manche hat
man. wenn gleich höchst selten, sogar singen gelehrt.

1. Macao. der Aras, indianische Rabe (Aracan-
ga
). P. macrourus ruber, remigibus supra caeru-
leis, subtus rufis, genis nudis rugosis.

Edwards's birds tab. 158.

In Südamerica.

2. Alexandri. P. macrourus viridis, collari pectore-
que rubro, gula nigra.

Edwards's l. c. tab. 292.

In Ostindien.

3. Cristatus. der Cacadu. P. brachyurus, crista pli-
catili flava.

Frisch tab. 50.

In Ostindien, zumal auf den Molucken.

4. Erithacus. der Jaco, aschgraue Papagei. P.
brachyurus canus, temporibus nudis albis, cauda
coccinea.

Frisch tab. 51.

Auf Guinea, Congo und Angola.

5. Ochrocephalus. (Fr. l'amazone à tête jaune). P. vi-
ridis, vertice flavo, tectricibus alarum puniceis,
remigibus ex viridi, nigro, violaceo et rubro va-
riis, rectricibus duabus extimis basi intus rubris.

Daubenton Pl. 312.

In Westindien etc.

6. Pullarius. (Fr. l'inséparable). P. brachyurus viri-
dis, fronte rubra, cauda fulva fascia nigra, orbitis
cinereis.

Frisch tab. 54. fig. 1.

Auf Guinea und in Ostindien. Nicht viel größer als ein
Blutfink. Hat den französischen Namen von der irrigen Sa-
ge, als ob er immer Paarweis gehalten werden müßte, weil
keiner den Verlust seines Gatten überleben könnte.

6. Ramphastos. Tukan, Pfefferfras. Rostrum maxi-
mum, inane, extrorsum serratum, apice incurvatum.
Pedes scansorii plerisque.

Der ungeheuere Schnabel, der alle Gattungen
dieses sonderbaren Geschlechts südamericanischer Vögel aus-
[Seite 108] zeichnet, ist ausnehmend leicht, und von ungemein weichem
Horn. Ihre Zunge ist eine halbe Spanne lang, wie von
Fischbein, an der Wurzel kaum eine Linie breit, und an den
Seiten vorwärts gezasert. Das Gefieder variirt sehr, nach
der Verschiedenheit der beiden Geschlechter, auch nach dem
Alter etc.

1. Tucanus. R. nigricans, rostro flavescente, versus
basin fascia nigra, fascia abdominali flava.

7. Buceros. Der Nashornvogel, Calao. (hydroco-
rax). Rostrum maximum, inane, ad basin versus
frontem recurvuatum: pedes gressorii.

Die sämmtlichen Gattungen dieses ebenfalls abentheuerlich
gebildeten Geschlechts sind in Ostindien und Neu-Holland zu
Hause.

1. Rhinoceros. B. processu rostri frontali recurvato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 24.


III. PICI.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze Füße, und meist
einen geraden, nicht dicken Schnabel von mittelmäßiger Länge.

8. Picus. Specht. (Fr. pic. Engl. woodpecker). Ro-
strum polyedrum, apice cuneato; lingua brevissima,
retrorsum aculeata; vagina ossis linguae teres lum-
briciformis, longissima; pedes scansorii.

Die Spechte haben vorzüglich den sonderbaren Bau, daß sich
ihr Zungenbein in zwey lange grätenförmige Knorpel verläuft,
die von hinten nach vorn über den ganzen Hirnschädel unter der
Haut liegen, und sich an der Stirne nahe an der Schnabel-
wurzel endigen. Diese Knorpel sind also gleichsam elastische
Federn, mittelst welcher diese Vögel das wurmförmige Vor-
derende desto leichter hervorschießen, und an der hornigen
kleinen Zunge Insecten anspießen können*).

1. †. Martius. der Schwarzspecht, gemeine Specht,
die Hohlkrähe. P. niger, vertice coccineo.

Frisch tab. 34. fig. 1.

Nebst den folgenden Gattungen im mildern Europa und
nördlichen Asien.

[Seite 109]

2. †. Viridis. der Grünspecht, Grasspecht. P. vi-
ridis, vertice coccineo.

Frisch tab. 35.

3. †. Major. der große Bunt- oder Rothspecht.
P. albo nigroque varius, occipite rubro.

Frisch tab. 36.

4. †. Minor. der kleine Bunt- oder Rothspecht.
P. albo nigroque varius, vertice rubro.

Frisch tab. 37.

9. Iynx. Rostrum teretiusculum, acuminatum; lingua
ut in picis mucronata; pedes scansorii.

1. †. Torquilla. der Drehhals, Wendehals, Nat-
terwindel. (Fr. le torcol, Engl. the wryneck). F.
cauda explanata, fasciis fuscis quatuor.

Frisch tab. 38.

Hat seinen Namen von der ungemeinen Gelenksamkeit sei-
nes Halses, und meist die gleiche Heimath wie die vorgedach-
ten Spechte.

10. Sitta. Spechtmeise. Rostrum subulatum, teretius-
culum, apice compresso, mandibula superiore paul-
lo longiore; pedes ambulatorii.

1. †. Europaea. der Blauspecht. (Fr. la sitelle le tor-
chepot
. Engl. the nut-hatch, the woodcracker). S.
rectricibus nigris, lateralibus quatuor infra apicem
albis.

Frisch tab. 39.

In allen drey Welttheilen der nördlichen Erde.

11. Todus. Rostrum subulatum, depressiusculum, ob-
tusum, rectum, basi setis patulis; pedes gressorii.

1. Viridis. (Fr. le todier. Engl. the green sparrow). T.
viridis, pectore rubro.

Im mittlern America.

2. Paradisaeus. T. capite cristato nigro, corpore al-
bo, cauda cuneata , rectricibus intermediis longis-
simis.

In Südafrica, auf Madagascar etc.

12. Alcedo. Rostrum trigonum, crassum, rectum, lon-
gum; pedes breves, gressorii.

1. †. Ispida. der Eisvogel. (Alcyon, (Fr. le martin-
[Seite 110] pêcheur
Engl. the kingsfisher). A. supra cyanea,
fascia temporali flava, cauda brevi.

Frisch tab. 223.

Fast in der ganzen alten Welt. Nährt sich von Fischen,
deren Gräten er dann als Gewölle (§. 63.) ausbricht. Daß
er nach dem Tode leicht vertrocknet ohne in Fäulniß überzu-
gehn, ist nicht, wie Paracelsus und so viele nach ihm mein-
ten, eine Eigenheit dieses Vogels, sondern zeigt sich unter
ähnlichen Umständen auch am Kreuzschnabel, Canarienvogel u.a.

13. Merops. Rostrum curvatum compressum, carina-
tum; pedes gressorii.

1. Apiaster. der Immenwolf, Bienenfresser. (Fr.
le guépier. (Engl. the bee-eater). M. dorso ferru-
gineo, abdomine caudaque viridi caerulescente,
gula lutea, fascia temporali nigra.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1808.

Im südlichen Europa und mildern Asien. Lebt von In-
secten.

14. Upupa. Rostrum arcuatum, convexum, subcom-
pressum, obtusiusculum, pedes ambulatorii.

1. †. Epops. der Wiedehopf, Kothhahn. (Fr. la hu-
pe
. Engl. the hoopoe). U. crista variegata.

Frisch tab. 43.

In Europa und Ostindien. Nährt sich von Regenwürmern
und mancherlei Insecten. Nistet in hohle Bäume, und, wie
schon Aristoteles anmerkt, oft auf eine Grundlage von Men-
schenkoth*).

15. Certhia. Baumläufer. Rostrum arcuatum, tenue,
subtrigonum, acutum; pedes ambulatorii.

1. †. Familiaris. die Baumklette, der Grüper, Grau-
specht, Baumkleber. (Fr. le grimpereau, Engl.
the creeper). C. grisea, subtus alba, remigibus fus-
cis; rectricibus decem.

Frisch tab. 39. fig. 1.

In Europa. Klettert fast wie die Spechte an den Baum-
stämmen herum, um Insecten und ihre Puppen zu suchen etc.

2. †. Muraria. der Mauerspecht. C. cinerea, rec-
tricibus roseis, remigibus rectricibusque fuscis,
maculis alarum fulvis niveisque.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 76.

[Seite 111]

Das ausnehmend schöne Thier hat Sperlings Größe, und
lebt einsam im wärmern Europa. Namentlich im C. Bern.
In Deutschland ist's äußerst selten. Nistet in altem Gemäuer,
auf Thürmen etc.

3. Coccinea (vestiaria). C. coccinea, rectricibus re-
migibusque nigris.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 16.

Auf den Sandwich-Inseln, deren kunstreiche Einwohner
mit den Federchen dieses kleinen carmoisinrothen Vogels man-
cherlei prachtvollen Putz und andere Kleidungsstücke, Helme etc.
sogar ganze Mäntel etc. überziehen.

4. Sannio. C. olivacea, vertice subviolaceo, remigi-
bus caudaque subfurcata fuscis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 8.

Auf Neu-Seeland.

16. Trochilus*). Colibri. Honigsauger, Blumen-
specht. (Fr. oiseau-mouche. Engl. humming bird).
Rostrum subulato-filiforme longum. Mandibula infe-
riore tubulata, superiore vaginante inferiorem. Lin-
gua filis duobus coalitis tubulosa; pedes ambulato-
rii, brevissimi.

Das ganze Geschlecht ist, so viel man bis jetzt weiß, allein
in America zu Hause. Aber nicht bloß im wärmern, sondern
theils auch nördlich bis Nutka-Sund und südlich bis zur West-
küste von Patagonien.

A) Curvirostres (eigentliche Colibris).

1. Pella. (Fr. le colibri-topase). Tr. ruber, rectrici-
bus intermediis longissimis, capite fusco, gula au-
rata uropygioque viridi.

Edwards tab. 32.

In Guiana. Wohl 6 Zoll lang.

B) Rectirostres (Fr. oiseaux-mouches).

2. Minimus. T. corpore viridi nitente, subtus albido;
rectricibus lateralibus margine exteriore albis.

Edwards tab. 105

Der allerkleinste bekannte Vogel, der aufgetrocknet nur un-
gefähr 30 Gran wiegt. Sein Nest ist von Baumwolle, und
hat die Größe einer Wallnuß; und seine zwey Eier etwa die
von einer Zuckererbse.

[Seite 112]

3. Mosquitus. der Juwelen-Colibri. (Fr. le Ru-
bis topase
). T. viridescens vertice purpureo aura-
to, gutture auroreo rutilo.

Seba thes. tab. 37. fig. 1.

Stirn und Scheitel des Männchens glänzen mit rubinro-
them Feuer, und seine Kehle wie glühendes Gold.


IV. CORACES.

Die Vögel dieser Ordnung haben einen starken, oben er-
habenen Schnabel von mittelmäßiger Größe, und kurze Füße.
Sie leben theils von Getreide u.a. Pflanzensamen etc. theils von
Insecten, und auch von Aas; und haben mehrentheils ein wil-
derndes, unschmackhaftes Fleisch.

17. Buphaga. Rostrum, rectum, subquadrangulare;
mandibulis gibbis, integris, extrorsum gibbosioribus.
Pedes ambulatorii.

1. Africana. (Fr. le pic boeuf. Engl. the beefeater).

Latham Vol. I. P. I. tab. 12.

In Senegambien etc.

18. Crotophaga. Rostrum compressum, semiovatum,
arcuatum, dorsato-carinatum. Mandibula superiore
margine utrinque angulata. Nares perviae.

1. Ani. der Madenfresser. (Fr. le bout de petun.
Engl. the razor-billed blackbird). C. pedibus
scansoriis.

Latham. l. c. tab. 13.

In Westindien. Lebt in gesellschaftlicher Verbindung, und
es sollen sogar mehrere Weibchen sich zusammen halten und
ein gemeinschaftliches Nest bauen, mit einander brüten etc.

19. Corvus. Rostrum convexum cultratum, nares mysta-
ce tectae; pedes ambulatorii.

1. †. Corax. der Kolk-Rabe. (Fr. le corbeau. Engl.
the raven). C. corpore atro-nitente, rostri apice
subincurvo, cauda semirhombea..

Frisch tab. 63.

Wie die nächstfolgende Gattung fast durchgehends in bei-
den Welten. Hat einen überaus scharfen Geruch, raubt Fi-
sche, Krebse, junge Enten, selbst junge Haasen etc. schleppt
auch andere Sachen zu Neste, die er nicht fressen kann.

2. †. Corone. die Raben-Krähe. (Fr. la corneille,
[Seite 113] Engl. the carrion crow). C. atrocaerulescens to-
tus, cauda rotundata: rectricibus acutis.

Buffon vol. III. tab. 3.

3. †. Frugilegus. die Saatkrähe, der Karechel.
(Fr. le freux, la frayonne. Engl. the rook). C.
ater, fronte cinerascente, cauda subrotunda.

Frisch tab. 64.

Meist im ganzen mildern Europa. Vergütet den mäßigen
Schaden, den sie der Saat thut, durch die weit beträchtli-
chere Vertilgung unzähliger Feldmäuse, Engerlinge, Gras-
raupen etc.

4. †. Cornix. die Krähe, Nebelkrähe, Hauben-
krähe. (Fr. la corneille mantelée. Engl. the hoo-
ded crow
, royston crow). C. cinerascens capite, ju-
gulo, alis caudaque nigris.

Frisch tab. 65.

In den mildern Zonen der alten Welt. Hauset in man-
chen Gegenden als Standvogel Jahr aus Jahr ein, in an-
dern läßt sie sich bloß über Winter nieder, ohne daß man
noch recht weiß, wo sie von da im Frühjahr hinzieht. Wird
ebenfalls durch die Vertilgung unzähligen Ungeziefers nutzbar,
thut doch aber auch den Maisfeldern großen Schaden.

5. †. Monedula. die Dohle. (Fr. le choucas. Engl.
the jackdaw). C. fuscus, occipite incano, fronte,
alis caudaque nigris.

Frisch tab. 67.

Im nordwestlichen Europa.

6. †. Glandarius. der Holzheher, Nußbeißer, Mar-
colph, Hetzle, Herrenvogel. (Fr. le geai. Engl.
the jay). C. tectricibus alarum caeruleis, lineis
transversis albis nigrisque, corpore ferrugineo
variegato.

Frisch tab. 55.

Im mildern Europa.

7. †. Caryocatactes. der Nußheher. (Fr. le cassenoix.
Engl. the nutcracker). C. fuscus alboque puncta-
tus, alis caudaque nigris: rectricibus apice albis:
intermediis apice detritis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In der nördlichen Erde.

8. †. Pica. die Aelster, Atzel, Aegerste, Heister.
[Seite 114] (Fr. la pie. Engl. the magpie). C. albo nigroque
varius, cauda cuneiformi.

Frisch tab. 58.

In Europa und Nordamerica. Ein schädliches Thier für
junges Meyergeflügel, und mitunter wohl für die Saatfelder,
das aber auch zahllose Raupen, Schnecken etc. vertilgt.

20. Coracias. Rostrum cultratum, apice incurvato, basi
pennis denudatum; pedes breves ambulatorii.

1. †. Garrula. die Mandelkrähe, Racke, Blau-
racke, der Birkheher. (Fr. le rollier. Engl. the
roller
). C. caerulea, dorso rubro, remigibus nigris.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1807.

Im mildern Europa und in Nordafrica. Läßt sich in der
Erntezeit, wenn die Frucht in Mandeln steht, haufenweise
auf den Feldern sehen.

21. Gracula. Rostrum convexo-cultratum, basi nu-
diusculum. Lingua integra, acutiuscula, carnosa.
Pedes ambulatorii.

1. Religiosa. (Fr. le mainate, Engl. the minor grakle).
G. nigro violacea, macula alarum alba, fascia oc-
cipitis nuda, flava.

Buffon vol. III. tab. 25.

In Ostindien. Hat eine schöne Stimme und lernt leicht
Worte nachsprechen.

2. Quiscula. der Maisdieb. G. nigro-violacea, cau-
da rotundata.

Catesby vol. I. tab. 12.

In Nordamerica.

22. Paradisea*). Paradisvogel. (manucodiatta). Ro-
strum basi plumis tomentosis tectum. Pennae hypo-
chondriorum longiores. Rectrices duae superiores
singulares denudatae.

Das Ganze Geschlecht von zahlreichen Gattungen hat ein
überaus eingeschränktes Vaterland, da es wohl bloß auf Neu-
Guinea zu Hause ist, von da diese Thiere als Zugvögel nach
[Seite 115] den Moluken u.a. benachbarten Inseln streichen. Noch jetzt
schneiden die Papus diesen Thieren, die wegen ihres pracht-
vollen Gefieders in Indien als Putz getragen werden, wenn
sie sie zu dieser Absicht verkaufen, die Füße ab, die daher die
leichtgläubigen Alten den Paradisvögeln überhaupt abzuspre-
chen wagten*).

1. Apoda. (Fr. l'émeraude). P. brunnea pennis hypo-
chondriis luteis corpore longioribus, rectricibus
duabus intermediis longis setaceis.

Edwards tab. 110.

2. Alba. der weiße Paradisvogel. (Fr. le manu-
code
à 12 filets). P. anterius nigra violacea, po-
sterius alba, humeris viride virgatis, rectricibus
12 nigris.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 96.

Eine der schönsten und sonst seltensten Gattungen dieses Ge-
schlechts, am Leibe ohngefähr von der Größe einer Drossel.

23. Trogon. Curucuru. Rostrum capite brevius, cul-
tratum, aduncum, margine mandibularum serratum.
Pedes scansorii.

1. Viridis. T. viridi aureus, subtus luteus, gula
nigra.

Edward's tab. 331.

In Guiana.

24. Bucco. Bartvogel. (Fr. barbu. Engl. barbet).
Rostrum cultratrum, lateraliter compressum apice
utrinque emarginato, incurvato; rictu infra oculos
protenso.

1. Atroflavus. B. niger, jugulo, pectore et lineis
supra et infraorbitalibus luteis, abdomine griseo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 65.

In Sierra Liona.

25. Cuculus. Rostrum teretiusculum. Nares margine
prominulae. Pedes scansorii.

1. †. Canorus. der Kukuk. (Fr. le coucou. Engl.
the cuckow). C. cauda rotundata nigricante albo-
punctata.

Frisch tab. 40. u.f.

[Seite 116]

In der nördlichen alten Welt; wo er aber doch nur im
Frühling und Sommer zu sehen ist. Er bebrütet das halbe
dutzend Eier, die er jedes Frühjahr nach und nach legt, nicht
selbst, sondern legt sie einzeln in die Nester der Grasmücken
und Bachstelzen etc.*) zwischen dieser ihre eigenen Eier, da
sich dann diese kleinen Vögel an seiner Statt dem Brüt-Ge-
schäfte unterziehen. Merkwürdig ist, daß seine Eier, die doch
um Vieles größer sind, als dieser so weit kleinern Vögel ih-
re, dennoch eben nicht länger als diese bebrütet zu werden
brauchen. Der junge Kukuk wächst aber dagegen sehr schnell,
und drängt wohl eher die mit ihm zugleich ausgebrüteten jun-
gen Grasmücken aus ihrem mütterlichen Neste**). Sein Win-
teraufenthalt ist noch nicht zuverlässig bekannt.

2. Indicator. der Honigkukuk, Sengo, Mook. C.
cauda cuneiformi fusco et albido maculata, alis
fuscis maculis flavis, pedibus nigris.

Jo. Fr. Miller fasc. IV. tab. 24.

Im südlichern Africa vom Cap landeinwärts. Hat seinen
Namen von der Fertigkeit, mit welcher er, wie der Honig-
Dachs, seine liebste Nahrung, aus den wilden Bienennestern
aufzusuchen weiß.

3. Persa. der Turaco. C. capite cristato, corpore
viridi-caerulescente, remigibus sanguineis, cauda
aequali.

Buffon vol. VI. tab. 15.

In Südafrica. Das sehr schöne Thier zeichnet sich außer
andern besonders durch die doppelte apfelgrüne Holle mit wei-
ßen Endspitzen von den übrigen Gattungen dieses Geschlechts
auffallend aus.

26. Oriolus. Rostrum conicum, convexum, acutissi-
mum, rectum: mandibula superiore paulo longiore,
obsolete emarginata; pedes ambulatorii.

1. †. Galbula. die Golddrossel, Goldamsel, der
Kirschvogel, Bülow, Pirol. (Fr. le loriot). O.
luteus, pedibus nigris, rectricibus exterioribus
postice flavis.

Frisch tab. 31.

[Seite 117]

Hin und wieder in der alten Welt. Soll in Bigamie le-
ben. Das Männchen goldgelb und schwarz, das Weibchen
olivengrün. Macht sich ein künstliches, napfförmiges, sehr
dauerhaft zwischen zwey Aestchen befestigtes Nest.

2. Phoeniceus. der Maisdieb. (Engl. the black bird).
O. niger, alarum tectricibus coccineis.

Catesby vol. I. tab. 13.

Im mildern Nordamerica. Hält sich gemeiniglich zu dem
obgedachten Maisdieb (Gracula quiscula).

3. Jupujuba. (Persicus Linn.). O. niger, dorso posti-
co maculaque tectricum alarum basique rectricum
luteis.

Brisson vol. II. tab. 9. fig. 1.

In Brasilien etc. Baut sich, wie die vorige und mehrere
andere Gattungen dieses Geschlechts, ein langes beutelförmi-
ges Nest von Schilf und Binsen*), deren man zuweilen meh-
rere Hundert an einem Baume hängen sieht.


V. PASSERES.

Kleine Vögel, mit kurzen schlanken Füßen, und kegelför-
migem, scharf zugespitztem Schnabel von verschiedener Größe
und Bildung. Sie leben in Monogamie, nähren sich von In-
secten und Pflanzen-Samen, haben ein zartes, schmackhaftes
Fleisch, und die meisten von ihnen singen (wie man's insgemein
nennt).

27. Alauda. Rostrum cylindrico-subulatum, rectum,
mandibulis aequalibus, basi deorsum dehiscentibus.
Unguis posticus rectior digito longior.

1. †. Arvensis. die Feldlerche, Himmelslerche,
Bardale. (Fr. l'alouette. Engl. the field-lark,
sky-lark). A. rectricibus extimis duabus extrorsum
longitudinaliter albis: intermediis inferiore latere
ferrugineis.

Frisch tab. 15. fig. 1.

Fast in der ganzen alten Welt. Badet sich, so wie der
Straus, die Hühner und viele andere deßhalb so genannte
Scharrvögel (aves pulveratrices), im Sande.

[Seite 118]

2. †. Cristata. die Haubenlerche, Kobellerche,
Heidelerche. (Fr. le cochevis). A. rectricibus ni-
gris: extimis duabus margine exteriore albis, capi-
te cristato.

Frisch tab. 15. fig. 2.

In Deutschland und den benachbarten Ländern.

28. Sturnus. Rostrum subulatum, angulato-depressum,
obtusiusculum: mandibula superiore integerrima, mar-
ginibus patentiusculis.

1. †. Vulgaris. der Staar, die Sprehe. (Fr. l'étour-
neau
. Engl. the stare, starling). S. rostro flave-
scente, corpore nigro punctis sagittatis albis.

Frisch tab. 217.

Meist in der ganzen alten Welt. Ein nutzbares Thier, das
unzählige schädliche Insecten vertilgt.

29. Turdus. Rostrum tereti-cultratum: mandibula su-
periore apice deflexo, emarginato.

1. †. Viscivorus. die Schnarre, Misteldrossel,
der Ziemer, Mistler. (Fr. la draine. Engl. the
missel bird,
shrite). T. dorso fusco collo maculis
albis, rostro flavescente.

Frisch tab. 15.

Hin und wieder in der alten Welt. Nährt sich von Mistel-
beeren, die auch häufig durch ihn fortgepflanzt werden.

2. †. Pilaris. der Krammetsvogel. (Fr. la litorne,
tourdelle
. Engl. the fieldfare). T. rectricibus ni-
gris; extimis margine interiore apice albicantibus,
capite uropygioque cano.

Frisch tab. 26.

Im nördlichen Europa, streicht aber ins südliche. Nährt
sich vorzüglich von Wachholder- (Krammets-) Beeren.

3. †. Iliacus. Weindrossel, Rothdrossel. (Fr. le
mauvis
. Engl. the redwing). T. alis subtus ferru-
gineis, superciliis flavescentibus.

Frisch tab. 28.

Im nördlichen Europa. Glättet ihr Nest mit Letten und
faulem Holze aus; und da letzteres theils im Finstern leuch-
tet, so könnte vielleicht so ein qui pro quo den Anlaß zur
Erzählung der Alten, von einer ave hercynica noctu lu-
cente
gegeben haben.

[Seite 119]

4. †. Musicus. die Sangdrossel, Zippdrossel,
Weißdrossel. (Fr. la grive. Engl. the throstle,
song thrush
). T. remigibus basi interiore ferru-
gineis.

Frisch tab. 27.

Mehr südlich verbreitet als die vorige. Zuweilen findet
sich eine weißgraue Spielart von ihr.

5. Polyglottus. die americanische Nachtigall,
Sinsonte. (Fr. le moqueur. Engl. the mockbird).
T. fusco-cinereus, subtus albidus, maculis verti-
cis, alarum et caudae candidis.

Catesby vol. I. tab. 27.

In Louisiana, Carolina, auch auf Jamaica etc. Ahmt ande-
rer Vögel Stimme leicht und täuschend nach.

6. Roseus. T. subincarnatus, capite, alis caudaque
nigris, occipite cristato.

Edwards vol. I. tab. 20.

Im mittlern Europa und Asien. Vertilgt unzählige Zug-
heuschrecken.

7. †. Merula. die Amsel, Schwarzdrossel. (Fr. le
merle
. Engl. the blackbird, ouzel). T. ater, rostro
palpebrisque flavis.

Frisch tab. 29.

Im mildern Europa. Lebt einsam, nährt sich von
Wachholderbeeren; hat ein vorzüglich treues Gedächtniß.

8. Cyanus. die Blauamsel. (Solitarius. Fr. le merle
bleu
). T. nigro-caeruleus, remigibus rectricibus-
que fuscis.

Edwards vol. I. tab. 18.

Einsam auf den Inseln und an den Küsten des Archipela-
gus; ein lieblicher Sangvogel.

30. Ampelis. Rostrum rectum, convexum: mandibula
superiore longiore, subincurvata, utrinque emar-
ginata.

1. Garrulus. der Seidenschwanz, Pfeffervogel,
Sterbevogel, Böhmer. (Fr. le jaseur de Bohème.
Engl. the bohemian chatterer). A. occipite crista-
to: remigum secundariorum apice coccineo lan-
ceolato
.

Frisch tab. 32.

Im nördlichsten Europa, kommt aber in manchen Jah-
[Seite 120] ren zur Herbstzeit häufig nach Deutschland: zumal auf den
Harz.

31. Loxia. Rostrum conico-gibbum, frontis basi ro-
tundatum; mandibula inferior margine laterali in-
flexa.

1. †. Curvirostris. der Kreuzschnabel, Krumm-
schnabel, Krünitz, Tannenpapagei. (Fr. le bec
croisé
. Engl. the cross-bill, sheldaple). L. rostro
forsicato.

Frisch tab. 11. fig. 3. 4.

In den Schwarzwäldern der nördlichen Erde. Brütet mit-
ten im Winter zu Ende des Jänners.

2. †. Coccothraustes. der Kernbeißer, Kirschfink.
(Fr. le gros bec. Engl. the hawfinch). L. linea ala-
rum alba, remigibus mediis apice rhombeis, rec-
tricibus latere basis tenuiore nigris.

Frisch tab. 4. fig. 2. 3.

Hin und wieder in Europa.

3. †. Pyrrhula. der Dompfaffe, Blutfink, Lie-
big, Gimpel. (rubicilla. Fr. le bouvreuil. Engl.
the bullfinch). L. artubus nigris, tectricibus cau-
dae remigumque posticarum albis.

Frisch tab. 2. fig. 1. 2.

In der nördlichern alten Welt. Beide Geschlechter lernen
leicht Lieder pfeifen, selbst einander accompagniren, und so-
gar Worte nachsprechen.

4. Gregaria. L. ex griseo flavescens, fronte olivacea,
nucha, humeris, alis et cauda fuscis.

Paterson's journeys pag. 133.

Am Cap, wo Heerden von mehreren Hunderten ihre Ne-
ster auf einem Baum dicht zusammen bauen, und das wun-
derbare Gebäude mit einem gemeinschaftlichen überhängenden
Dache bedecken.

5. Pensilis. L. viridis, capite et gutture flavis, fas-
cia oculari viridi, abdomine griseo, rostro, pedi-
bus, cauda remigibusque nigris.

Sonnerat voy. aux Indes. T. II. tab. 112.

Ebenfalls am Cap, so wie auf Madagascar. Bauet auch
eins der wundersamsten Nester, am Wasser, fast retortenför-
mig mit abwärts hängendem Halse zum Ein- und Ausflug,
so daß die Mündung nahe über der Wasserfläche zu hängen
kommt.

[Seite 121]

6. Philippina. die Baya. L. fusca, subtus albido-
flavicans, vertice pectoreque luteis, gula fusca.

Daubenton Planches. tab. 135. fig. 2.

In Ostindien; sehr gelehrig, daher sie in der indischen
Halbinsel zu mancherlei kleinen Künsten abgerichtet wird. Bauet
gleichfalls ein sehr kunstreiches hängendes Nest aus Binsen etc.

7. Cardinalis. der indianische Haubenfink, die
virginische Nachtigall. (Engl. the redbird). L.
cristata rubra, capistro nigro, rostro pedibusque
sanguineis.

Frisch tab. 4. fig. 1.

In Nordamerica, wird wegen seines rothen Gefieders und
seines Gesanges häufig nach Europa gebracht.

8. †. Chloris. der Grünfink, Grünling, Grün-
schwanz, die Zwuntsche. (anthus, florus. Fr. le
verdier
. Engl. the greenfinch). L. flavicantivirens,
remigibus primoribus antice luteis, rectricibus la-
teralibus quatuor basi luteis.

Frisch tab. 2. fig. 3. 4.

Hin und wieder in Europa.

9. Oryx. der Feuervogel. L. grisea, rostro, fron-
te abdomineque nigris, collo uropygioque fulvis.

Daubenton Planches. tab. 6. fig. 2. unb tab. 134.
fig. 1.

Am Cap etc.; das Männchen im Frühling und Sommer
feuerroth und sammetschwarz; im Herbst und Winter hinge-
gen von der graulichbraunen Farbe des Weibchens.

32. Emberiza. Ammer. Rostrum conicum, mandibulae
basi deorsum a se invicem discedentes: inferiore
lateribus inflexo-coarctata, superiore angustiore.

1. Nivalis. die Schneeammer, der Schneevogel.
(Fr. l'ortolan de neige. Engl. the snow bunting).
E. remigibus albis, primoribus extrorsum nigris:
rectricibus nigris: lateralibus tribus albis.

Frisch tab. 6. fig. 1. 2.

In der nördlichsten Erde*). Kommt nur zum Ueberwin-
tern nach Deutschland, wo sie sich aber zuweilen mit ein Mal
in unermeßlichen Zügen sehen läßt.

[Seite 122]

2. †. Miliaria. die graue Ammer. (Fr. le proyer. Engl.
the bunting). E. grisea, subtus nigro maculata,
orbitis rufis.

Frisch tab. 6. fig. 4.

Meist durch ganz Europa.

3. †. Hortulana. der Ortolan, Kornfink, die Fett-
ammer, windsche Goldammer. E. remigibus ni-
gris, primis tribus margine albidis; rectricibus ni-
gris, lateralibus duabus extrorsum nigris.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1803.

In den wärmern Gegenden von Europa und dem benach-
barten Asien.

4. †. Citrinella. die Goldammer, Gelbgans, der
Emmerling. (Fr. le bruant. Engl. the yellow ham-
mer
). E. rectricibus nigricantibus: extimis duabus
latere interiore macula alba acuta.

Frisch tab. 5. fig. 1. 2.

Meist durch ganz Europa.

5. Aureola. E. citrina, vertice, dorsoque spadi-
ceis, crisso albido, rectricibus duabus utrinque
extimis fascia obliqua alba.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 56.

In Sibirien, bis Kamtschatka.

6. Paradisea. die Witwe. (Fr. la veuve à collier
d'or
. Engl. the whidah bird). E. fusca, pectore
rubro, rectricibus intermediis quatuor elongatis
acuminatis: duabus longissimis, rostro rubro.

Edwards tab. 86.

Hat den englischen, nachher in andern Sprachen aus Miß-
verstand verunstalteten Namen von seiner Heimath, dem Kö-
nigreich Whydah (oder Judah) auf der guineischen Küste.

33. Tanagra. Rostrum conicum acuminatum, emargina-
tum, basi subtrigonum, apice declive.

1. Jacapa. (Fr. le cardinal pourpré, le bec d'argent,
Engl. the red-breasted blackbird). T. atra, fron-
te, jugulo pectoreque coccineis.

Edwards tab. 267.

So wie mehrere verwandte Gattungen in Westindien und
dem benachbarten America.

34. Fringilla. Fink. Rostrum conicum rectum acumi-
natum.

[Seite 123]

1. †. Caelebs*). der Buchfink, Gartenfink, Roth-
fink, Waldfink. (Fr. le pinçon. Engl. the chaf-
finch
). F. artubus nigris, remigibus utrinque al-
bis, tribus primis immaculatis: rectricibus duabus
oblique albis.

Frisch tab. 1. fig. 1. 2.

In Europa und Africa: hat mannichfaltigen Gesang, so
daß oft die Finken in einem Revier von sechs oder mehr Mei-
len in die Runde überein, und in benachbarten Gegenden
wieder anders schlagen.

2. †. Montifringilla. der Bergfink, Tannenfink,
Rothfink, Mistfink, Schneefink, Winterfink,
Quäkfink, Böheimer. (Fr. le pinçon d'Ardennes.
Engl. the bramble). F. alarum basi subtus flavis-
sima.

Linné fauna suec. tab. 2. fig. 198.

Im nördlichen Europa. Kommt, wenn die Buchmast gut
gerathen, im Spätherbst zu vielen Tausenden nach manchen
Gegenden Deutschlands.

3. Nivalis. der Schneefink. (Fr. la niverolle). F.
fusca, subtus nivea, remigibus secundariis rectri-
cibusque albis.

Brisson vol. III. tab. 15. fig. 1.

Auf dem Caucasus, und in den europäischen Alpen.

4. †. Carduelis. der Stieglitz, Distelfink. (Fr.
le chardonneret. Engl. the goldfinch, the thistle-
finch
). F. fronte et gula coccineis, remigibus an-
trorsum flavis: rectricibus duabus extimis medio,
reliquisque apice albis.

Frisch tab. 1. fig. 3. 4.

Fast durch ganz Europa und in den benachbarten Ländern
der übrigen alten Welt. Gibt mit der Canarien-Sie schöne
Bastarde**).

5. Amandava. der Fink von Bengalen. (Fr. le
Bengali piqueté
. Engl. the Amedabad finch). F.
fusca rufescensque albo punctata.

Buffon vol. IV. tab. 2. fig. 1.

[Seite 124]

In Ostindien. Daß seine Knochen, wie man behauptet,
gelb seyn sollen, habe ich bei denen, die ich zu untersuchen
Gelegenheit gehabt, nicht bestätigt gefunden.

6. Canaria. der Canarienvogel, ehedem Zucker-
vögelein. (Fr. le serin de Canarie). F. rostro al-
bido, corpore subfusco, pectore flavescente, rec-
tricibus remigibusque virescentibus.

Frisch tab. 12. fig. 1-4.

Scheint zu Anfang des sechszehnten Jahrhunderts aus den
canarischen Inseln zuerst nach Europa gebracht worden zu
seyn: ist aber seitdem daselbst in mancherlei Varietäten aus-
geartet. Die wilde Stamm-Rasse ist bräunlichgrau mit
gelber Brust. Unter den übrigen sind besonders die mit der
Holle oder Federbüschchen auf dem Kopfe (so genannte Kapp-
Vögel), und die Kackerlacken mit rothen Augen zu merken.

7. †. Spinus. der Zeisig, Erlenfink. (ligurinus,
acanthis. Fr. le tarin. Engl. the siskin). F. remi-
gibus medio luteis: primis quatuor immaculatis,
rectricibus basi flavis, apice nigris.

Frisch tab. 11. fig. 1. 2.

Nistet in den Gipfeln der hohen Tannen und Fichten in
dichten Schwarzwäldern; daher sein Nest selten gefunden
wird*).

8. †. Cannabina. der Hänfling, Leinfink, die
Artsche. (Fr. la linotte. Engl. the greater linnet).
F. remigibus primoribus rectricibusque nigris, utro-
que margine albis.

Frisch tab. 9. fig. 1. 2.

In Europa und Nordamerica.

9. †. Linaria. das Citrinchen, der Flachsfink,
Bluthänfling. (Fr. le sizerin. Engl. the lesser
linnet
). F. remigibus rectricibusque fuscis, margi-
ne obsolete pallido, litura alarum albida. (Mas pec-
tore et vertice sanguineis.)

Frisch tab. 10. fig. 3. 4.

In der ganzen nördlichen Erde.

10. †. Domestica. der Sperling, der Spatz. (passer.
Fr. le moineau. Engl. the sparrow). F. remigibus
[Seite 125] rectricibusque fuscis, gula nigra, temporibus fer-
rugineis.

In ganz Europa und den benachbarten Ländern der übri-
gen alten Welt fast allgemein verbreitet. Doch, daß er sich
in einzelnen Gegenden, wie z.B. an manchen Orten in Thü-
ringen (und zwar auch an solchen, wo es doch weder an Laub-
holz noch Obstbäumen etc. fehlt) nicht findet. Er brütet vier
Mal im Jahre. Freilich für Gärten und Feld ein schädliches
Thier, das aber doch auch unzähliges Ungeziefer vertilgt.
Zuweilen finden sich ganz weiße Sperlinge.

35. Muscicapa. Fliegenfänger. (Fr. gobe-mouche.
Engl. flycatcher). Rostrum subtrigonum utrinque
emarginatum, apice incurvo; vibrissae patentes ver-
sus fauces.

1. †. Atricapilla. der Fliegenschnäpper. M. nigra,
subtus, frontis macula alarumque speculo albis,
rectricibus lateralibus extus albis.

Frisch tab. 24. fig. 1.

Hin und wieder in Europa.

36. Motacilla. Rostrum subulatum rectum: mandibu-
lis subaequalibus.

1. †. Luscinia. die Nachtigall. (Fr. le rossignol.
Engl. the nightingale). M. rufo-cinerea armillis
cinereis.

Frisch tab. 21. fig. 1. 2.

In den mildern Erdstrichen von Europa und Asien. Kommt
im April in unsern Gegenden an, und zieht zu Ende Augusts
wieder von dannen, man weiß noch nicht gewiß, wohin; we-
nigstens, so viel bekannt, nicht nach Africa.

2. †. Curruca. die Grasmücke, der Heckenschma-
tzer, Weidenzeisig. (Fr. la fauvette. Engl. the
hedge sparrow
). M. supra fusca subtus albida, rec-
tricibus fuscis: extima margine tenuiore alba.

Frisch tab. 21. fig. 3.

Im mildern Europa.

3. †. Ficedula. die Beccafige. (im alten Fr. l'oy-
selet de Chypre
). M. subfusca, subtus alba, pec-
tore cinereo maculato.

Frisch tab. 22. fig. 3. 4.

Im mildern und wärmern Europa, zumal auf Cyprus,
[Seite 126] von wannen sie wegen ihres schmackhaften Fleisches weit ver-
führt wird.

4. †. Alba. die weiße oder graue Bachstelze, das
Ackermännchen. (Fr. la lavandière. Engl. the
white waterwagtail
). M. pectore nigro, rectrici-
bus duabus lateralibus dimidiato-oblique albis.

Frisch tab. 23. fig. 4.

Meist in der ganzen alten Welt.

5. Calliope. M. mustelina, olivaceo-maculata, sub-
tus ex flavescente alba, gula miniata, linea alba
nigraque cincta, loris nigris, superciliis albis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 45.

In Sibirien, bis Kamtschatka.

6. †. Atricapilla. der Klosterwenzel, Mönch. (Fr.
la fauvette à tête noire. Engl. the blackcap). M.
testacea, subtus cinerea, pileo obscuro.

Linné fauna suecica. tab. 1. fig. 256.

Im mildern Europa. Einer der lieblichsten Sangvögel.

7. †. Phoenicurus. das Rothschwänzchen, Schwarz-
kehlchen. (Fr. le rossignol de muraille. Engl. the
redstart
). M. gula nigra, abdomine caudaque rufis,
capite dorsoque cano.

Frisch tab. 19. fig. 1.

Hat meist gleiches Vaterland mit der Nachtigall; kommt
und geht auch zu gleicher Zeit mit ihr.

8. †. Rubecula. das Rothkehlchen, Rothbrüstchen,
der Rothbart. (erithacus. Fr. le rouge-gorge.
Engl. the robin redbreast, ruddock). M. grisea,
gula pectoreque ferrugineis.

Frisch tab. 19. fig. 2.

Meist in ganz Europa. In England der Lieblingsvogel
des Volks. Das muntere beliebte Geschöpf wird durch Ver-
tilgung unzähliger schädlicher Insecten sehr nutzbar.

9. †. Suecica. das Blaukehlchen, die Schild-Nach-
tigall. M. pectore ferrugineo fascia caerulea, rec-
tricibus fuscis versus basin ferrugineis.

Frisch tab. 19. fig. 2. a. b.

Zumal am Wasser in den gebirgigen Gegenden der mil-
dern alten Welt.

10. †. Troglodytes. der Zaunkönig, Zaunschlu-
pfer, Schneekönig, Winterkönig. (Engl. the
[Seite 127] wren
). M. grisea, alis nigro cinereoque undu-
latis.

Frisch tab. 24. fig. 3.

In der nördlichen Erde. Macht sich ein bedecktes Nest,
fast in Gestalt eines Backofens*), und legt zahlreiche Eier.

11. †. Regulus. das Goldhähnchen. (Fr. le roite-
let
). M. remigibus secundariis exteriori margine
flavis, medio albis, crista verticali crocea.

Frisch tab. 24. fig. 4.

Ebenfalls in der nördlichern Erde. Der kleinste europäi-
sche Vogel.

12. Sartoria. der Schneidervogel. M. tota pallide
lutea.

J. R. Forster's Indische Zoologie tab. 8.

In Indien. Kleiner als der Zaunkönig. Hat den Namen
von der merkwürdigen Art, wie er sein Nest aus Baum-
blättern verfertigt, da er einige dürre Blätter an ein grünes
am äußersten Ende eines Zweiges gleichsam annähet, so daß
dadurch eine tutenförmige Höhlung gebildet wird, die er mit
Flaumen etc. ausfuttert.

37. Pipra. Manakin. Rostrum capite brevius, basi
subtrigonum integerrimum, apice incurvum. Pedes
gressorii.

1. Rupicola. (Fr. le coq de roche). P. crista erecta
margine purpurea, corpore croceo, tectricibus
rectricum truncatis.

Edward's tab. 264.

In Guiana etc.

38. Parus. Meise. (Fr. mésange. Engl. titmouse).
Rostrum integerrimum, basi setis tectum.

1. †. Major. die Kohlmeise, Brandmeise. (Fr. la
charbonnière
. Engl. the great titmouse). P. capite
nigro, temporibus albis, nucha lutea.

Frisch tab. 13. fig. 1. 2.

Meist durch die ganze alte Welt. Ein muthiges Thier, das
weit größere Vögel anfällt, andern kleinen Sangvögeln die
Köpfe aufhackt etc. Man hat bei dieser und andern über Win-
ter bei uns bleibenden Gattungen dieses Geschlechts ange-
[Seite 128] merkt, daß dann das Horn ihres Schnabels weit härter wird
als im Sommer, das ihnen beim Auspicken ihres Futters aus
dem gefrornen Erdreich zu Statten kommt.

2. †. Caeruleus. die Blaumeise, Pimpelmeise,
Jungfernmeise, der Blaumüller. (Fr. la mé-
sange
bleue. Engl. the nun). P. remigibus caeru-
lescentibus: primoribus margine exteriore albis,
fronte alba, vertice caeruleo.

Frisch tab. 14. fig. 1.

Häufig in Europa. Vertilgt Jahr aus Jahr ein unzählige
Insecten.

3. †. Caudatus. die Schwanzmeise, Moormeise,
Schneemeise (Fr. la mésange à longue queue.
Engl. the longtailed titmouse). P. vertice albo, cau-
da corpore longiore.

Frisch tab. 14. fig. 3.

In Europa und Westindien. Legt wohl 20 Eier, baut sich
ein sackförmiges Nest*) von Moos, Wolle etc. und bekleidet
es von außen mit den nähmlichen Baumkrätzen u.a. Moosen,
womit der Baum, an dessen Stamm sie es angelegt, be-
wachsen ist.

4. †. Biarmicus. das Bartmännchen, der india-
nische Sperling. (Fr. le moustache. Engl. the
bearded titmouse
). P. vertice cano, cauda corpore
longiore, capite barbato.

Frisch tab. 8. fig. 3.

Im nordwestlichen Europa, England etc.

5. †. Pendulinus. die Beutelmeise, Pendulinmei-
se, der Remitz, Cottonvogel. (Fr. la mesange de
Pologne
). P. capite subferrugineo, fascia oculari
nigra, remigibus rectricibusque fuscis margine utro-
que ferrugineo.

J. D. Titii parus minimus Remiz descriptus. Lips.
1755. 4. tab. 1. 2.

Hin und wieder in Oesterreich, Ober-Italien, Polen, Si-
birien etc. baut sich ein beutelförmiges Nest von Pappelwolle etc.,
das sie an einem dünnen Aste aufhängt.

39. Hirundo. Schwalbe. Rostrum minimum incurvum,
subulatum, basi depressum.

[Seite 129]

Die Schwalben zeichnen sich auch außer ihrer Bildung durch
ihre Lebensart etc. gar sehr von den übrigen Thieren dieser
Ordnung aus. Bei der bekannten Streitfrage über den Win-
teraufenthalt unserer hierländischen Schwalben, zumal der
beiden ersten Gattungen, scheint doch nach allem, was dar-
über geschrieben worden, noch manches nicht vollkommen ins
Reine. Schade, daß bei den für die eine*) oder für die an-
dere**) Behauptung angeführten Erfahrungen, die Gattun-
gen, an welchen sie gemacht worden, nicht bestimmt genug
angegeben sind. Im Ganzen hat doch aber immer das Weg-
ziehen derselben nach wärmeren Gegenden bei weiten die größ-
te Wahrscheinlichkeit für sich.

1. †. Domestica. die Rauchschwalbe, Feuerschwal-
be. (hirundo rustica Linn. Fr. l'hirondelle de che-
minée
. Engl. the house-swallow, chimney-swal-
low
). H. rectricibus, exceptis duabus intermediis,
macula alba notatis, fronte et gula spadiceis.

Frisch tab. 18. fig. 1.

Nebst der Uferschwalbe einer der weitverbreitetsten Vögel
auf Erden. Die Benennungen dieser und der folgenden Gat-
tung sind bei den Systematikern auf das seltsamste vermengt
und verwechselt worden. Hier diese, mit den nackten unbe-
fiederten Füßen und weißgefleckten Steuerfedern, baut ihr of-
fenes Nest (das oft von Wanzen wimmelt) an die Dachgie-
bel, Ställe, Scheuern, und auf den Dörfern in den Haus-
flur und unter die Rauchfänge.

2. †. Agrestis. die Hausschwalbe, Fensterschwal-
be, Mehlschwalbe, Spyrschwalbe. (hirundo ur-
bica
Linn. Fr. l'hirondelle de fenêtre ou de mu-
raille
, le martinet à cul blanc. Engl. the martin,
martlet
). H. pedibus hirsutis, rectricibus immacu-
latis, dorso nigro caerulescente, tota subtus alba.

Frisch tab. 17. fig. 2.

[Seite 130]

Zumal in der nördlichen Erde. Nistet meist auf den Dör-
fern außerhalb der Häuser unterm Dache, an den Kirchen-
fenstern etc. Macht ihr Nest aus Lehm-Klümpchen, oben zu-
gewölbt.

3. †. Riparia. die Uferschwalbe, Erdschwalbe.
(Fr. l'hirondelle de rivage. Engl. the sandmartin,
shore bird). H. cinerea, gula abdomineque albis.

Frisch tab. 18. fig. 2.

Baut in Fluß-Ufern, Lehmgruben, Sandhügeln etc.

4. Esculenta. die Salangane. H. rectricibus omni-
bus macula alba notatis.

Von der Größe des Zaunkönigs. Auf den sundaischen u.
a. Inseln des indischen Archipelagus bis Neu-Guinea etc.
Baut da in die Uferlöcher und Berghöhlen die berufenen in-
dianischen oder Tunkinsnester, deren Stoff der Hausenblase
ähnelt. Man sammelt jährlich wohl vier Millionen dieser
Nestchen, die größtentheils nach Schina verkauft werden.

5. †. Apus. die Mauerschwalbe, Steinschwalbe,
Pierschwalbe, Thurmschwalbe. (Fr. le martinet.
Engl. the black martin, swift). H. nigricans, gu-
la alba, digitis omnibus quatuor anticis.

Frisch tab. 17. fig. 1.

In allen drey Welttheilen der nördlichen Erde.

40. Caprimulgus. Rostrum modice incurvum, mini-
mum, subulatum, basi depressum; vibrissae ciliares.
Rictus amplissimus; unguis intermedius introrsum
ciliatus.

1. †. Europaeus. die Nachtschwalbe, Hexe, der
Ziegenmelker, Ziegensauger, Nachtrabe, Tag-
schläfer. (nycticorax. Fr. l'engoulevent, la tette-
chèvre
. Engl. the goatsucker, night-raven). C.
narium tubis obsoletis.

Frisch tab. 101.

In der alten Welt. Ein animal nocturnum, das
im Flug seine schnurrende Stimme hören läßt. Es lebt
von Insecten, besonders von Nachtfaltern etc. und die al-
te Sage, daß es den Ziegen die Milch aussauge, ist unge-
gründet.


VI. GALLINAE.

[Seite 131]

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze Füße und einen
convexen Schnabel, der an der Wurzel mit einer fleischigen
Haut überzogen ist, und dessen obere Hälfte zu beiden Seiten
über die untere tritt. Sie nähren sich meist von Pflanzensamen,
die sie im Kropfe einweichen, legen zahlreiche Eier; und geben
das mehreste Hausgeflügel.

41. Columba. Taube*). (Fr. und Engl. pigeon). Rostrum
rectum versus apicem descendens.

a) Cauda aequali modica.

1. †. Oenas. die Haustaube, Feldtaube, Holz-
taube. (vinago, livia. Fr. le biset. Engl. the stock
dove
). C. caerulescens, cervice viridi nitente,
dorso postico albo, fascia alarum apiceque caudae
nigricante.

Sylvan, v. Laurop und Fischer für d. J. 1815.

Die Holztaube ist meist in der ganzen alten Welt zu Hau-
se. Die in Norden ziehen im Herbst nach etwas südlichern
Gegenden. Die in mildern Erdstrichen hingegen überwintern
scharenweise in Felsenklüften, kohlen Bäumen etc. Das wilde
Weibchen brütet zwey Mal im Jahre, die Haustaube hinge-
gen neun bis zehn Mal, so daß man von einem einzigen Paar
binnen vier Jahren 14762 Tauben ziehen könnte. Die vor-
züglichsten Abarten (wovon doch manche für besondere Gat-
tungen angesehen werden) sind folgende;

a) dasypus, die Trommeltaube. (Fr. le pigeon pat-
tu
. Engl. the rough-footed dove). Mit lang befieder-
ten Füßen. Frisch tab. 145.

b) gutturosa, die Kropftaube, der Kröpfer. (Fr.
le pigeon à grosse gorge, le grandgosier. Engl. the
cropper pigeon
). Mit theils ungeheuerem Kropfe. Frisch
tab. 146.

c) turbita, das Möwchen. (Fr. le pigeon cravate, à
gorge frisée
. Engl. the turbit). Mit krausen Brust-
federn und ganz kurzem Schnabel. Frisch tab. 147.

d) gyratrix, der Tümmler. (Fr. le pigeon culbutant.
Engl. the tumbler). Mit glattem Kopf und einem kah-
[Seite 132] len rothen Augenring: überschlägt sich im steigenden Fluge.
Frisch tab. 148.

e) cucullata, die Schleiertaube, Zopftaube. (Fr.
le pigeon nonain, Engl. the jacobine). Mit vorwärts
gerichtetem Kopf-Busche. Frisch tab. 159.

f) laticauda, die Pfauentaube, der Hühner-
schwanz. (Fr. le pigeon paon. Engl. the shaker).
Mit aufrechtem, ausgebreitetem Schwanze. Frisch tab. 151.

g) tabellaria, die Posttaube, Brieftaube, türki-
sche Taube. (Fr. le pigeon messager. Engl. the
carrier pigeon
). Mit rothen Fleischwarzen um den Schna-
bel und die Augen herum. Diese Taubenart hat ihren Na-
men daher, weil man sich ihrer vorzüglich ehedem in der
Levante bediente, um Briefchen zu überschicken*).

2. Coronata. der Kronvogel. C. caerulescens, su-
pra cinerea, orbitis nigris, crista erecta, humeris
ferrugineis.

Jo. Fr. Miller fasc. III. tab. 16.

Zumal auf Neu-Guinea und den Molucken etc. Fast von
der Größe des welschen Hahns.

3. †. Palumbus, die Ringtaube, große Holztau-
be, Schlagtaube, Plochtaube, Kohltaube, Holz-
taube. (Fr. le pigeon ramier. Engl. the ring-dove).
C. rectricibus postice atris, remigibus primoribus
margine exteriore albidis, collo utrinque albo.

Sylvan, v. Laurop u. Fischer für d. J. 1815.

Meist in ganz Europa.

4. † Turtur. die Turteltaube. (Fr. la tourterelle.
Engl. the turtle-dove). C. rectricibus apice albis,
dorso griseo, pectore incarnato, macula laterali
colli nigra lineolis albis.

Sylvan, v. Laurop. u. Fischer für d. J. 1815.

In den warmen und mildern Gegenden der alten Welt.
Von ihrer gepriesenen Keuschheit und ehelichen Treue die fa-
belhaften Uebertreibungen abgerechnet, haben sie darin nichts
vor andern Vögeln ähnlicher Lebensart voraus.

5. †. Risoria. die Lachtaube. (Fr. la tourterelle à
collier
. Engl. the indian turtle). C. supra lute-
scens lunula cervicali nigra.

Frisch tab. 141.

Im mildern Europa und in Ostindien.

[Seite 133]

b) Cauda longiore cuneata.

6. Migratoria. die Zugtaube. C. orbitis denudatis
sanguineis, pectore ruso.

Frisch tab. 142.

Im nordöstlichen America. Macht zur Zeit ihrer unermeß-
lichen Züge, eine Haupt-Nahrung der dasigen Indianer
aus, die auch Tausende derselben räuchern und dörren.

42. Tetrao. (Engl. grouse). Macula prope oculos nu-
da, papillosa.

1. †. Coturnix. die Wachtel. (Fr. la caille. Engl.
the quail). T. pedibus nudis, corpore griseo ma-
culato, superciliis albis, rectricum margine lunu-
laque ferruginea.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1802.

Fast in der ganzen alten Welt; ein Zugvogel, der sich im
Zug zuweilen in zahlloser Menge sehen läßt.

2. †. Perdix. das Rebhuhn, Feldhuhn. (Fr. la
perdrix grise
. Engl. the partridge). T. pedibus
nudis calcaratis, macula nuda coccinea sub oculis,
cauda ferruginea, pectore subfusco.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1799.

Im mittlern Europa und in den mildern Gegenden des
asiatischen Rußlands.

3. †. Rufus. (Fr. la perdrix rouge, la bartavelle). T.
pedibus nudis calcaratis rostroque sanguineis, gu-
la alba cincta fascia nigra albo punctata.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

Im südlichen Europa und Orient. Wird aus den Inseln
des Archipelagus als Meyergeflügel gehalten.

4. †. Bonasia. das Haselhuhn. (Fr. la gelinotte. Engl.
the grouse). T. pedibus hirsutis, rectricibus cine-
reis punctis nigris fascia nigra: exceptis interme-
diis duabus.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Lebt einsam in den Haselgebüschen des mittlern Europa.
Das schwedische (Hiärpe) ist wohl das schmackhafteste von
allem wilden Geflügel.

5. †. Lagopus. das Schneehuhn, Rype. (Fr. la
gelinotte blanche
. Engl. the white grouse, ptar-
migam
). T. pedibus lanatis, remigibus albis, rec-
tricibus nigris apice albis, intermediis albis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

[Seite 134]

In den alpinischen und nördlichsten Gegenden der alten
und neuen Welt. Ist im Sommer von grauer Farbe. Na-
mentlich ein überaus wichtiges Thier für die europäischen Co-
lonisten in Labrador und Grönland.

Eine dieser verwandte Art ist der L. Scoticus (Engl. the
red grouse, moor cock), zumal ist den schottischen Hoch-
ländern.

6. †. Tetrix. der Birkhahn, die Kurre. (Fr. le pe-
tit tetras
. Engl. the black cock). T. pedibus hirsu-
tis, cauda bifurcata, remigibus secundariis basin
versus albis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795.

In der nördlichern alten Welt.

7. †. Urogallus. der Auerhahn. (Fr. le coq de bruy-
ère
, tetras. Engl. the capercaile, cock of the wood).
T. pedibus hirsutis, cauda rotundata, axillis albis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1794.

Im nördlichern Europa; hat ein äußerst scharfes Gesicht
und Gehör. Seine Zunge und oberer Kehlkopf liegen tief
unten im Halse.

43. Numida. Caput cornutum, collum compressum co-
loratum; palearia carunculacea ad latera maxillae
utriusque.

1. Meleagris. das Perlhuhn. (Fr. la peintade. Engl.
the guiney hen). N. rostro cera instructo nares re-
cipiente.

Frisch tab. 126.

Das so wunderschön weißpunctirte Geschöpf ist ursprüng-
lich im nördlichen und westlichen Africa einheimisch, aber
auch längst nach Europa und vielen Gegenden von America
verpflanzt.

44. Menura. Cauda elongata, plana, rectricibus 16.
duabus intermediis angustis, longioribus, duabus ex-
ternis apice dilatato exterius recurvo; reliquis laxis.

1. Superba. der Leierschwanz, Schweifhahn.

Audebert et Vieillot oiseaux de Paradis tab. 14.
15. 16.

Auf Neuholland. Das Männchen wegen seines großen wun-
dersam gebildeten schönfarbigen Schweifes eines der sonder-
barsten Thiere der ganzen Classe.

[Seite 135]

45. Phasianus. Genae cute nuda laevigata.

1. †. Gallus. der Haushahn. (Fr. le coq. Engl. the
cock
). Ph. caruncula compressa verticis geminaque
gulae, auribus nudis, cauda compressa ascendente.

Die vermuthliche wilde Stammrasse*) ist in Hindustan zu
Hause; von rothbrauner Farbe; und zeichnet sich durch flache
hornichte Blättchen an den Spitzen der Hals- und Flügelfe-
dern aus (die den zinnoberrothen Flügelblättchen des Seiden-
schwanzes ähneln). Der Haushahn hingegen ist meist über
die ganze Erde verbreitet. Doch ist er erst durch die Spanier
nach America gebracht: hingegen auf vielen Inseln der Süd-
see bei ihrer Entdeckung von den Europäern schon vorgefun-
den worden. Das Huhn ist bei der Menge Eier, die es legt,
und seinem oftmaligen Brüten eins der allernutzbarsten Thie-
re der ganzen Classe. Und die Hahnen-Gefechte längst und
in mehreren Welttheilen ein beliebtes Volksschauspiel.

Die Hühner sind unter den Hausthieren dieser Classe in die
allermannichfaltigsten und auffallendsten Rassen und Spielar-
ten degenerirt; theils in wahre zum erblichen Schlag gewor-
dene Monstrositäten**); sowohl per defectum (– s. oben
S. 14 –), wie der ungeschwänzte Kluthahn; als per
excessum (– a. a. O. –), wie z.B. mit fünf oder gar
sechs Zehen***).

Unter den übrigen Abarten verdienen besonders bemerkt zu
werden:

a) der Paduanerhahn, wohl noch einmal so groß als
der gemeine Haushahn.

b) Der Zwerghahn, Krup-Hahn, kaum halb so
groß als der gemeine.

c) Der Strupphahn, krause Hahn, frieslän-
dische Hahn, mit krausen auswärts gekrümmten
Federn.

[Seite 136]

d) Das Wollhuhn, aus Japan, Schina etc. Seine
Federn sind schlicht, fast wie Haare, daher die Fabel
von Bastarden, die von Kaninchen und Hühnern erzeugt
seyn sollten, entstanden ist.

e) Das Negerhuhn, mit schwarzer Haut. Vorzüglich
auf St. Jago am grünen Vorgebirge, wo auch noch
andere Vogelarten diese Sonderbarkeit haben sollen.

2. Colchicus. der Fasan. (Fr. le faisan. Engl. the
pheasant
). P. rufus, variegatus, capite viridi cae-
rulescente, cauda cuneata, genis papillosis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

Hat den Namen vom Flusse Phasis in Mingrelien, von
wo ihn die Argonauten zuerst nach Europa gebracht haben
sollen.

3. Argus. Ph. fusco-flavescens, nigro punctatus et
undulatus, remigum 11 interlorum latere exteriore
ocellato, genis nudis, occipite nigro subcristato,
rectricibus 2 intermediis longissimis.

Philos. Transact. vol. LV. tab. 3.

In seiner Art wohl das wunderschönste prachtvollste Ge-
schöpf in der Natur. Besonders sind die großen Augen auf
den innern Schwungfedern unbeschreiblich schön schattirt, je-
dem gleichsam ein Lichtpunkt aufgesetzt etc.; mißt vom Schna-
bel zur Schwanzspitze auf 9 Fuß, und ist nebst den beiden
folgenden Gattungen zumal in Schina zu Hause.

4. Pictus. der Goldfasan. Ph. crista flava, pectore
coccineo, remigibus secundariis caeruleis, cauda
cuneata.

Edwards tab. 68. 69.

Bei dieser und der folgenden Gattung zeichnen sich die er-
wachsenen Männchen durch die ausnehmende Schönheit ihres
Gefieders aus.

5. Nycthemerus. der Silberfasan. Ph. albus, crista
abdomineque nigris, cauda cuneata.

Edwards tab. 66.

46. Crax. Rostrum basi cera obductum in utraque man-
dibula. Pennae caput tegentes revolutae.

1. Alector. der Curasso, Hocco. C. cera flava,
corpore nigro, ventre albo.

Buffon vol. II. tab. 13.

In Guiana etc.

[Seite 137]

47. Meleagris. Caput carunculis spongiosis tectum,
gula caruncula membranacea longitudinali.

1. Gallopavo. der Truthahn, Puter, wälsche
Hahn, Kalekuter, Kuhnhahn. (Fr. le dindon.
Engl. the turkey). M. maris pectore barbato.

Im mittlern und nördlichern America, wo er in großen
Heerden auf Bäumen lebt; ward 1530 zuerst nach Deutsch-
land gebracht, wo er nun als Meiergeflügel gehalten wird,
und in mancherlei Varietäten von weißer u.a. Farben aus-
geartet ist.

48. Pavo. Caput pennis revolutis tectum, pennae cau-
dales elongatae, ocellatae.

1. Cristatus. der Pfau. (Fr. le paon. Engl. the
peacock
). P. capite crista compressa, calcaribus
solitariis.

Ist wohl ursprünglich in Ostindien einheimisch, und seit
Alexanders des Großen Zeiten nach Europa verpflanzt. Das
Männchen zeichnet sich vom dritten Jahre an durch die Pracht
seiner Schwanz- oder vielmehr Rücken-Federn aus. Unter
den Spielarten ist die weiße die auffallendste.

49. Otis. Rostrum mandibula superiore fornicata; pe-
des cursorii.

1. †. Tarda. der Trappe. (Fr. l'outarde. Engl. the
bustard
). O. maris capite juguloque utrinque cri-
stato.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Dieser größte hierländische Vogel ist in der gemäßigten al-
ten Welt zu Hause. Das Männchen wird wohl gegen 30
Pfund schwer, und hat vorn am Halse einen weiten verbor-
genen Sack, der sich unter der Zunge öffnet.


VII. STRUTHIONES.

Große Landvögel, mit freien unverbundenen Zehen, und
kurzen zum Flug ungeschickten Flügeln ohne Schwungfedern.

50. Struthio. Rostrum subconicum: pedes cursorii.

1. Camelus. der Straus. (Fr. l'autruche. Engl. the
ostrich
). S. pedibus didactylis, digito exteriore
parvo mutico, spinis alarum binis.

Ménag. du Mus. nat. I. tab. 3.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 77.

[Seite 138]

Der allergrößte Vogel, der eine Höhe von 8 Fuß und dar-
über erreicht, und außer Africa nur in Arabien zu Hause ist.
Das Unvermögen zum Flug wird bei ihm durch die ausneh-
mende Schnelligkeit seines Laufs vergütet*). Von seinen
Eiern, deren er wohl 30 legt, hält jedes ungefähr so viel
als 24 Hühnereier. Vorzüglich wird er durch seine Federn
schätzbar.

Der americanische Straus (Str. rhea) ist zumal
in Chili zu Hause.

2. Casuarius. der Casuar, Emeu. S. pedibus tri-
dactylis, galea palearibusque nudis, remigibus spi-
nosis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 97.

In Ostindien. Hat große Stärke in seiner mittlern Klaue.
Seine Federn sind hornicht und ähneln Pferdehaaren, und
es entspringen immer zwey und zwey Schafte aus einem ge-
meinschaftlichen Kiele.

Eine eigene Gattung von Casuar ohne Helm (Str. austra-
lis
) ist neuerlich im fünften Welttheil auf Neu-Südwallis
entdeckt worden.

51. Didus. Rostrum medio coarctatum rugis duabus
transversis: utraque mandibula inflexo apice; facies
ultra oculos nuda.

1. Ineptus. der Dudu, Dronte, Walghvogel.
(Cygnus cucullatus, D. pedibus ambulatoriis, cau-
da brevissima, pennis incurvis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 35.

Ehedem auf Isle de France und Bourbon. – Aber nach den
Versicherungen von Morel, der deßhalb an Ort und Stelle
Untersuchung angestellt hat, existirt dieser Vogel jetzt nicht
mehr. Und das ist nicht unwahrscheinlich, da er das schwer-
leibigste, langsamste Thier der ganzen Classe, folglich leicht
zu fangen, und doch wegen seines widrigen Fleisches von we-
nig Nutzen war**).

[Seite 139]

So weit die Landvögel. Nun die Wasservögel in
II. Ordnungen.

VIII. GRALLAE.

Diese, die Sumpfvögel, haben einen walzenförmigen
Schnabel von ungleicher Länge, hohe stelzenartige Beine, und
auch mehrentheils seinen langen Hals, aber kurzen Schwanz.
Sie halten sich in sumpfigem, moorigem Boden auf, leben meist
von Amphibien, Fischen, Insecten und Wasserpflanzen, die
mehresten nisten auf der Erde oder im Schilf, und werden gro-
ßentheils durch ihr vorzüglich schmackhaftes Fleisch und durch ih-
re Eier nutzbar.

52. Phoenicopterus. Rostrum denudatum, infracto-in-
curvatum, denticulatum, pedes tetradactyli.

1. Ruber. der Flamingo, Flamant, Korkorre. P.
ruber, remigibus nigris.

Sylvan, v. Laurop u. Fischer für d. J. 1814.

In Seegegenden der wärmern Erdstriche beider Welten.
Wird bei einem mäßig großen Körper, aber ganz auffallend
langem Halse und Beinen, wohl mannshoch.

53. Platalea. Rostrum planiusculum: apice dilatato,
orbiculato, plano. Pedes tetradactyli, semipalmati.

1. Leucorodia. die Löffelgans, der Löffelreiher.
(Fr. la spatule. Engl. the spoonbill). P. corpore
albo, gula nigra, occipite subcristato.

Frisch tab. 200. u. f.

Hin und wieder, zumal in der westlichen alten Welt.

54. Palamedea. Rostrum conicum, mandibula superio-
re adunca. Pedes tetradactyli, fissi.

1. Cornuta. (Kamichy, Kamoucle). P. alulis bispi-
nosis, fronteque cornuta.

Latham vol. III. P. I. tab. 74.

In den Savannen des östlichen Südamerica.

55. Mycteria. Rostrum subadscendens, acutum: man-
dibula superiore triquetra; inferiore trigona acumi-
nata adscendente; frons calva: nares lineares: pedes
tetradactyli.

1. Americana. (Jabiru, Touyou. Fr. la cigogne du
Brésil
).

Latham l. c. tab. 26.

Hat mit dem vorigen Vogel gleiches Vaterland.

[Seite 140]

56. Cancroma. Rostrum gibbosum; mandibula superiore
cymbae resupinatae forma.

1. Cochlearia. (Fr. le cuiller. Engl. the boatbill). C.
ventre rufescente.

Latham l. c. tab. 26.

Ebenfalls in Brasilien etc.

57. Ardea. Rostrum rectum, acutum, longum, sub-
compressum; pedes tetradactyli.

1. Pavonina. der Kron-Kranich. (Fr. l'oiseau royal).
A. crista setosa erecta, temporibus palearibusque
binis nudis.

Buffon vol. VII. tab. 11.

Im südlichern Africa. Die Federn in seiner schönen Krone
sind sonderbar spiralförmig gewunden.

2. †. Grus. der Kranich. (Fr. la grue. Engl. the
crane
). A. occipite nudo papilloso, corpore cine-
reo, alis extus testaceis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

In der nördlichen alten Welt.

3. †. Ciconia. der Storch. (Fr. la cigogne. Engl.
the stork). A. alba, orbitis nudis remigibusque ni-
gris: rostro, pedibus cuteque sanguineis.

In den mildern Gegenden fast der ganzen alten Welt.
Nährt sich nicht bloß von Amphibien, sondern frißt auch nutz-
bare Thiere, ganze Ketten junge Rebhühner u.s.w.; schleppt
auch nicht selten Leinwand, Garn etc. ins Nest, um es weich
auszufuttern*).

4. †. Major. der Reiher, Fischreiher. (Fr. héron.
Engl. heron). A. occipite crista nigra dependente,
corpore cinereo, collo subtus linea fasciaque pec-
torali nigris.

Frisch tab. 199.

Fast durchgehends in beiden Welten. Schädliche Thiere,
die den Fischteichen und besonders der jungen Brut nachthei-
lig werden. Sie nisten auf hohen Bäumen, Eichen etc.**).

[Seite 141]

5. Garzetta. (Fr. l'aigrette). A. occipite cristato,
corpore albo, rostro nigro, loris pedibusque vi-
rescentibus.

Buffon T. VII. tab. 20.

Zumal in Persien etc. Mit den kostbaren langen, silber-
weißen, seidenartigen Rückenfedern.

6. †. Stellaris. die Rohrdommel, der Iprump.
(Fr. le butor. Engl. the bittern). A. capite lae-
viusculo, supra testacea maculis transversis, sub-
tus pallidior maculis oblongis fuscis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1808.

In den mildern Gegenden der nördlichern Erde.

58. Tantalus. Rostrum longum, subulatum, teretius-
culum, subarcuatum: facies nuda ultra oculos: pe-
des tetradactyli, basi palmati.

1. Ibis. [Tantalus aethiopicus. Latham. Numenius
ibis Cuvier*)]. T. albus, remigum apicibus, rostro
et pedibus nigris, remigibus secundariis elongatis
nigro-violaceis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 86.

Das berühmte, von den alten Aegyptern, als Symbol
der Ueberschwemmung des Nils**), auf ihren Denkmälern
verewigte, und so wie die damaligen menschlichen Leichen und
manche Thiere (wie z.B. verschiedenartige Raubvögel, Fal-
ken sowohl als Sperber), zu Mumien bereitete***) und in
besondern Gewölben in größter Menge beigesetzte, aber jetzt
so wie das Nilpferd, der Nilcrocodil etc. in Nieder-Aegyp-
ten selten gewordne Thier†).

[Seite 142]

Der schwarze kleinere Ibis scheint mit dem auch in Eu-
ropa und selbst im südlichen Deutschland vorkommenden Tan-
talus falcinellus einerlei zu seyn.

59. Scolopax. Schnepfe. Rostrum teretiusculum, ob-
tusum, capite longius, facies tecta, pedes tetradac-
tyli, postico pluribus articulis insistente.

1. †. Arquata. die Brachschnepfe, das Brachhuhn.
(Numenius. Fr. le courlis. Engl. the curlew). S.
rostro arcuato: pedibus caerulescentibus, alis ni-
gris maculis niveis.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1809.

Weit verbreitet, zumal an den Küsten und Ufern der nörd-
lichern Erde.

2. †. Rusticula. die Waldschnepfe. (Fr. la bécasse.
Engl. the woodcock). S. rostro basi rufescente,
pedibus cinereis, femoribus tectis, fascia capitis
nigra.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1801.

In den wärmern Gegenden der nördlichen alten Welt.

3. †. Gallinago. die Heerschnepfe, Himmelszie-
ge, der Haberbock, das Haberlämmchen. (Fr.
la bécassine. Engl. the snipe). S. rostro recto,
tuberculato, pedibus fuscis frontis lineis fuscis
quaternis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1803.

Fast durchgehends in der nördlichern Erde.

60. Tringa. Rostrum teretiusculum longitudine capitis,
digito postico uniarticulato, a terra elevato.

1. †. Pugnax. der Kampfhahn, Renomist, Haus-
teufel. (Fr. le combattant, paon de mer. Engl.
the ruff). T. rostro pedibusque rubris, rectrici-
bus tribus lateralibus immaculatis, facie papillis
granulatis carneis.

Frisch tab. 232. u. f.

In der nördlichen alten Welt. Hat seinen Namen von der
Streitbarkeit, wir welcher die Männchen zur Brunstzeit ge-
gen einander kämpfen.

2. †. Vanellus. der Kiebitz. (gavia. Fr. le vanneau.
Engl. the bastard-plover, lapwing, pee-wit). T.
pedibus rubris, crista dependente, pectore nigro.

Frisch tab. 213.

[Seite 143]

Ebenfalls in der nördlichern alten Welt.

61. Charadrius. Regenpfeiffer. (Fr. pluvier. Engl.
plover). Rostrum teretiusculum, obtusum. Nares li-
neares. Pedes cursorii, tridactyli.

1. †. Hiaticula. die Seelerche, der Brachvogel.
(Fr. le pluvier à collier. Engl. the sealark). C.
pectore nigro, fronte nigricante fasciola alba, ver-
tice fusco, pedibus luteis.

Frisch tab. 214.

Hin und wieder an den Flüssen der nördlichen Erde, na-
mentlich auch auf den Sandwich-Inseln.

62. Recurvirostra. Säbelschnäbler. Rostrum depres-
so-planum, subulatum, recurvatum acuminatum,
apice flexili. Pedes palmati, tridactyli.

1. †. Avosetta. R. albo nigroque varia.

Buffon vol. VIII. tab. 38.

In den mildern Gegenden der alten Welt etc.; nährt sich
vorzüglich von Wasser-Insecten und Gewürmen, die er mit
feinem sonderbar aufwärts gebogenen Schnabel sehr geschickt
zu fangen weiß.

63. Haematopus. Rostrum compressum, apice cuneo
aequali; pedes cursorii tridactyli.

1. †. Ostralegus. Der Austerdieb, Austermann,
die Meerälster. (Fr. l'huitrier. Engl. the seapie,
oyster-catcher). H. rostro pedibusque rubris.

Latham vol. III. P. I. tab. 84.

Hin und wieder an den Seeufern aller Welttheile; nährt
sich vorzüglich von Muschelthieren.

64. Fulica. Wasserhuhn. Rostrum convexum, mandi-
bula superiore margine supra inferiorem fornicata;
frons calva, pedes tetradactyli, subpinnati.

1. Porphyrio. (Fr. la poule Sultane. Engl. the pur-
ple water-hen
). F. pedibus fissis, fronte pedibus-
que rubris, corpore viridi subtus violaceo.

Buffon vol. III. tab. 17.

Auf vielen Küsten und Inseln der wärmern Zonen in al-
len fünf Welttheilen. Vom schönsten schlanken Wuchs und
prächtigen violet und grün schillenden Gefieder. Wird leicht
zahm.

2. †. Atra. das schwarze Blätzhuhn. (Fr. la foul-
[Seite 144] que
, morelle. Engl. the coot). F. pedibus pinnatis
fronte incarnata, armillis luteis, corpore nigri-
cante.

Frisch tab. 209.

In der mildern nördlichern Erde.

65. Parra. Rostrum teretiusculum, obtusiusculum. Na-
res ovatae in medio rostri. Frons carunculata, carun-
culis lobatis. Alulae spinosae.

1. Jacana. (Fr. le chirurgien, chevalier). P. ungui-
bus posticis longissimis, pedibus viridescentibus.

Buffon vol. VIII. tab. 16.

In Westindien, Brasilien etc.

66. Rallus. Rostrum basi crassius, compressum, dorso
attenuatum apicem versus, aequale, acutum; pedes
tetradactyli, fissi.

1. †. Crex. der Wachtelkönig, Schnerz, Wiesen-
schnarrer, Schars. (ortygometra. Fr. le râle de
genet
. Engl. the rail, dakerhen). R. alis rufo-fer-
rugineis.

Frisch tab. 210.

In den mildern Gegenden der alten Welt. Wachtelkönig
heißt er von der alten irrigen Sage, als ob er dieser Vögel
Heerführer im Zuge sey.

67. Psophia. Rostrum cylindrico-conicum, convexum,
scutiusculum, mandibula superiore longiore. Nares
ovatae, patulae. Pedes tetradactyli, fissi.

1. Crepitans. die Trompete, der Agami, Macku-
kawa. (Fr. l'oiseau trompette). P. nigra, pectore
columbino.

Latham vol. II. P. II. tab. 68.

In Südamerica, vorzüglich häufig am Amazonen-Strom.
Wird ausnehmend kirre und ihrem Herrn zugethan.


IX. ANSERES.

Die Vögel dieser Ordnung werden durch ihre Schwimm-
füße kenntlich, die ihnen mehr nach hinten zu sitzen, und da-
her zum Rudern sehr geschickt, aber desto unbequemer zum Ge-
hen sind. Ihr Oberschnabel endigt sich meist in ein kurzes Häk-
[Seite 145] chen, und ist wie der untere bei den mehresten mit einer aus-
nehmend nervenreichen Haut überzogen (– s. oben S. 94).
Sie haben eine fleischige Zunge, einen rauhen stacheligen Gau-
men, und bei vielen von ihnen haben die Männchen vorn an
der Luftröhre eine besondere knorpelige oder knöcherne Kapsel.
Sie haben dichtes fettes Gefieder, das kein Wasser annimmt,
halten sich an den Ufern des Meeres, der Seen, der Flüsse,
auf Inseln, Klippen, im Schilfe etc. auf, und leben mehren-
theils in Polygamie. Sie legen meistens nur Ein oder wenige
Eier; sind aber, besonders wegen ihres Fleisches, Fettes, Fe-
dern etc. von mannichfaltiger Nutzbarkeit.

68. Rhinchops. Rostrum rectum, mandibula superiore
multo breviore; inferiore apice truncata.

1. Nigra. (Fr. le bec en oiseaux. Engl. the seacrow,
cut-water). R. nigricans, subtus alba, rostro basi
rubro.

Brisson T. VI. tab. 21. fig. 2.

In Nord-America. Der Oberschnabel ist kürzer als der
untere und dieser liegt in jenem, gleichsam wie ein eingeschla-
genes Taschenmesser.

69. Sterna. Rostrum edentulum, subulatum, subrec-
tum, acutum, compressiusculum. Nares lineares,
ad basin rostri.

1. Stolida. die Noddy. (Fr. le fou, diable). S. cor-
pore nigro, fronte albicante, superciliis atris.

Brisson T. VI. tab. 18. fig. 2.

In allen Meeren zwischen den beiden Wendezirkeln.

2. Hirundo. die Seeschwalbe. (Engl. the silver-
bird
). S. cauda forficata: rectricibus duabus exti-
mis albo nigroque dimidiatis.

Frisch tab. 119.

An der ganzen nördlichsten Erde.

70. Colymbus. Taucher. Rostrum edentulum, subula-
tum, rectum, acuminatum, pedes compedes.

1. Grylle. die grönländische Taube. (Engl. the
sea-turtle
). C. pedibus palmatis tridactylis, cor-
pore atro, rectricibus alarum albis.

Frisch tab. 185.

Ebenfalls an der ganzen nördlichsten Erde.

2. †. Troile. die Lumer. (Fr. le guillemot). C. pedi-
[Seite 146] bus palmatis tridactylis, corpore fusco, pectore
abdomineque niveo, remigibus secundariis extremo
apice albis.

Frisch tab. 185.

An den Seeküsten der nördlichen Erde.

3. †. Urinator. (Fr. le grébe). C. capite laevi, pal-
pebra inferiore lutea, macula alarum alba.

Edward's tab. 306. fig. 2.

Im wärmern Europa. Sein am Unterleibe silberweißes
Fell wird, so wie das vom C. cristatus, zu Feder-Muffen,
Verbrämungen etc. verarbeitet.

71. Larus. Möve. (Fr. mouette. Engl. gull). Rostrum
edentulum, rectum, cultratum, apice subadunco.
Mandibula inferior infra apicem gibba.

Meist an den Küsten der nördlichen Erde, doch finden sich
auch welche auf der Südsee und zwar theils in ungeheueren
Schaaren.

1. †. Tridactylus. (Engl. the tarrock). L. albicans,
dorso canescente, rectricum apicibus, excepto ex-
tremo, nigris, pedibus tridactylis.

Brisson T. VI. tab. 17. fig. 2.

Am nördlichen Ocean.

72. Plotus. Rostrum rectum, acuminatum, denticula-
tum. Facies tecta, pedes palmati omnibus digitis
connexis.

1. Anhinga. P. ventre albo.

Willoughby tab. 72.

In Brasilien etc. Am Leibe von der Größe einer Ente,
aber mit einem sehr langen Halse, den das Thier spiralför-
mig zusammenrollen und so den Kopf gegen die Fische, die es
erschnappen will, los schnellen soll.

73. Phaëthon. Rostrum cultratum, rectum, acumina-
tum, fauce pone rostrum hiante. Digitus posticus
antrorsum versus.

1. Aethereus. der Tropikvogel. (Fr. le paille-en-
queue
. Engl. the tropic-bird). P. rectricibus dua-
bus longissimis, rostro serrato, pedibus aequilibri-
bus: digito postico connexo.

Brisson T. VI. tab. 42. fig. 1.

An der offenbaren See, zwischen den beiden Wendezirkeln.
Nährt sich meist von fliegenden Fischen.

[Seite 147]

74. Procellaria. Rostrum edentulum, subcompressum:
mandibulis aequalibus, superiore apice adunco; in-
feriore apice compresso-canaliculato. Pedes ungue
postico sessili absque digito.

1. Pelagica. der Sturmvogel, Ungewittervogel.
(Fr. le petrel. Engl. the tempestbird, stormfinch,
mother cary's chicken). P. nigra, uropygio albo.

Linné fauna suecica tab. 2. fig. 143.

Sowohl im nördlichen als südlichen Ocean. Meist in offe-
ner freier See fern vom Lande auf Klippen, und die Schif-
fer sehen es gemeiniglich als Zeichen eines bevorstehenden
Sturms an, wenn er sich von da nach den Schiffen flüchtet.
Die Einwohner der Färöer bedienen sich seiner statt Lampe,
indem sie ihm bloß einen Docht durch den Körper ziehen und
anbrennen, da dann die Flamme von dem vielen Fette, das
allmählich hineindringt, lange Zeit unterhalten wird.

75. Diomedea. Rostrum rectum; maxilla superiore api-
ce adunca; inferiore truncata.

1. Exulans. der Albators. (Fr. le mouton du cap).
D. alis pennatis longissimis, pedibus aequilibribus
trydactylis.

Edwards tab. 88.

Von der Größe eines Schwans, hält aber mit ausgespann-
ten Flügeln über 10 Fuß Breite, fliegt auf 500 deutsche Mei-
len von irgend einem Lande entfernt, aber selten höher als
10 bis 20 Fuß über der Meeresfläche. Nährt sich großen-
theils von fliegenden Fischen*).

76. Pelecanus. Rostrum rectum: apice adunco, ungui-
cultato: pedes aequilibres: digitis omnibus quatuor
simul palmatis.

a) Rostro edentulo.

1. †. Onocrotalus. die Kropfgans, der Pelican.
(Fr. pélican. Engl. pelican). P. gula saccata.

Ein Blatt von J. E. Ridinger 1740.

In den wärmern Gegenden aller fünf Welttheile, (wenn
anders die americanische Kropfgans nicht specifisch von der in
der alten Welt verschieden ist). Hat den griechischen Namen
von ihrer Eselsstimme, den deutschen aber von dem ungeheu-
ren beutelförmigen Kropfe, der ihr am Unterschnabel hängt,
[Seite 148] und sich so ausdehnen läßt, daß er wohl 20 Pfund Wasser
fassen kann.

2. Aquilus. die Fregatte. (Fr. le tailleur. Engl. the
man of war bird
). P. alis amplissimis, cauda forfi-
cata, corpore nigro, rostro rubro, orbitis nigris.

Edwards tab. 309.

Hat in der Bildung und Lebensart viel Aehnliches mit dem
Albatros: nur noch längere Flügel, die ausgespannt auf 14
Fuß klaftern, und dem fliegenden Thiere ein sonderbares
Ansehen geben.

3. †. Carbo. die Scharbe, der Seerabe. (Fr. und
Engl. cormoran). P. cauda rotundata, corpore ni-
gro, rostro edentulo, capite subcristato.

Frisch tab. 187.

Meist in allen fünf Welttheilen. Den Fischen sehr nach-
theilig. Vermehrt sich zuweilen an Küsten, wo er sonst un-
bekannt war, binnen wenigen Jahren zu vielen Tausenden*).

Eine ihr sehr ähnliche Gattung (Pelecanus sinensis)
wird in Schina zum Fischfang abgerichtet. (– Abbild. n.
h. Gegenst. tab. 25. –)

b) Rostro serrato.

4. Bassanus. die Rothgans. (Fr. le fou de bassan.
Engl. the gannet, the soland goose). P. cauda cu-
neiformi, corpore albo, rostro remigibusque pri-
moribus nigris, facie caerulea.

Brisson. T. VI. tab. 44.

Häufigst im Norden von Europa und America, zumal auf
den schottischen Inseln, und namentlich auf Baß**), wovon
diese Gans den Namen führt. Macht die Hauptnahrung der
Insulaner auf St. Kilda, deren Weiber auch die abgestreif-
te Haut dieses Vogels statt Schuhe tragen, die zwar nur
ungefähr fünf Tage halten, aber auch augenblicklich wieder
durch neue ersetzt sind***).

77. Anas. Rostrum lamelloso-dentatum, convexum, ob-
tusum; lingua ciliata, obtusa.

[Seite 149]

1. †. Olor. der Schwan, Elbsch. (Fr. le cygne.
Engl. the swan, elk). A. rostro semicylindrico atro,
cera nigra, corpore albo.

Frisch tab. 152.

In der nördlichen alten Welt: nährt sich von Fröschen,
Wasserpflanzen etc. Man muß diesen, den so genannten stum-
men oder zahmen Schwan, von dem so genannten wilden,
A. cygnus (mit gelber Haut an der Schnabelwurzel und
weit längerer krummlaufender Luftröhre), unterscheiden. Die-
ser letztere findet sich auch in Nordamerika
und gibt einen hellen weit schallenden nicht unangeneh-
men Ton von sich.

Der schwarze Schwan mit weißen Schwungfedern (A.
nigra) ist an den Küsten von Australien zu Hause. Bei
Botanybay sowohl als an der Westküste, wo das schöne Thier
schon 1697 gefunden und beschrieben worden*).

2. Cygnoides. die spanische, türkische oder schi-
nesische Gans. (Fr. l'oie de Guinée. Engl. the
swan-goose
, chinese goose). A. rostro semicylin-
drico: cera gibbosa, palpebris tumidis.

Frisch tab. 153. 154.

Auf Guinea, am Cap, dann in Sibirien und Schina,
und wie es scheint auch auf den Sandwich-Inseln des stillen
Oceans. Man unterscheidet mehrere Varietäten.

3. †. Anser. die Gans. (Fr. l'oie. Engl. the goose).
A. rostro semicylindrico, corpore supra cinereo,
subtus pallidiore, collo striato.

Meist in allen fünf Welttheilen wild. Hat unter den warm-
blütigen Thieren wohl das schnellste Wachsthum. Unter den
zahmen soll es wohl häufig völlig schneeweiße Ganserte, aber
nur selten eine ganz weiße weibliche Gans geben.

4. Aegyptiaca (chenalopex). A. rostro subcylindrico,
corpore undulato, vertice albo, speculo alari can-
dido fascia nigra.

Ménag. du Mus. nat. V. tab. 4.

Zumal in Aegypten, auf dessen alten Kunstwerken sie häu-
fig als Symbol der Kinderliebe vorkommt.

5. Canadensis. die Hudsonsbay-Gans. (Engl. the
rey goose
). A. cinerea, capite colloque nigris,
genis gulaque albis.

Edward's tab. 151.

[Seite 150]

Im kältern Nordamerica. Sehr gesucht wegen ihrer aus-
nehmenden Flaumen zu Betten. Gibt auch vorzügliche Schreib-
federn.

6. Bernicla. die Baumgans, Rothgans, schotti-
sche Gans. A. fusca, capite, collo pectoreque ni-
gris, collari albo.

Frisch tab. 156.

In den kältesten Ländern der nördlichen Erde, kommt bloß
zum Ueberwintern nach Schottland und andern mildern Ge-
genden, wo sie sich unter andern von dem Thiere der Enten-
muschel (Barnacle, Lepas anatifera) nährt, daher die
alte seltsame Fabel entstanden, daß dieser Vogel nicht aus
einem Ei, sondern ans einer Muschel hervorkomme u.s.w.*)

7. Mollissima. der Eidervogel. (Fr. l'oie à duvet.
Engl. the eiderduck, cuthbert duck). A. rostro cy-
lindrico, cera postice bifida, rugosa.

Brünnich's N. H. des Eidervogels tab. 1 u. f.

In der nördlichen Erde, zumal häufig auf Island und in
Grönland. Sein Fleisch und Eier sind sehr schmackhaft; noch
wichtiger aber ist sein Fell, womit man Kleider futtert, und
die Flaumfedern, die unter dem Namen der Eiderdunen be-
kannt sind.

8. †. Boschas. die Ente. (Fr. le canard. Engl. the
duck, mallard
). A. rectricibus intermediis (maris)
recurvatis, rostro recto.

Frisch tab. 158 u. f.

Die wilde Ente findet sich fast in der ganzen nördlichen
Erde, theils in ungemein schönen Spielarten. Die zahme
(A. domestica) scheint große Neigung zu unnatürlicher Paa-
rung zu haben, so daß z.B. die Entriche aus Hühner erpicht
sind und sie zu reitzen suchen.

9. †. Clypeata. die Löffelente. (Fr. le souchet.
Engl. the shoveler). A. rostro extremo dilatato ro-
tundato; ungue incurvo.

Frisch tab. 161 u. f.

Hat meist gleiches Vaterland mit der vorigen. Die Ränder
[Seite 151] des Schnabels sind nach innen mit hornigen Borsten besetzt,
fast wie kleine Wallfischbarden.

78. Mergus. Taucher, Wasserhuhn. Rostrum denti-
culatum, subulato-cylindricum, apice adunco.

1. Merganser. der Kneifer. (Fr. l'harle. Engl. the
goos-ander
). M. crista longitudinali erectiuscula:
pectore albido immaculato, rectricibus cinereis
scapo nigricante.

Frisch tab. 190.

In der ganzen nördlichen Erde. So wie andere Gattun-
gen dieses Geschlechts ein schädliches Thier für Fischteiche, zu-
mal zur Laichzeit.

79. Alca. (Engl. auk). Rostrum edentulum, breve,
compressum, convexum, transverse sulcatum: man-
dibula inferior ante basin gibba.

Das ganze Geschlecht an den Küsten und Klippen der nörd-
lichen Erde.

1. Arctica. der Papageitaucher. (Fr. le macareux.
Engl. the puffin). A. rostro compresso-ancipiti,
sulcato sulcis 4, oculorum orbita temporibusque
albis, palpebra superiore mucronata.

Nistet in Erdhöhlen, oder wühlt sich auch selbst so ein un-
terirdisches Lager.

80. Aptenodytes. Fettgans, Pinguin. (Fr. manchot).
Rostrum compressiusculum, subcultratum, longitu-
dinaliter oblique sulcatum; mandibula inferior apice
truncato: alae impennes, pinniformes.

Ihr glattes glänzendes Gefieder, die gleichsam flossenähn-
lichen, schuppigen, kleinen Flügel, und ihr gerader, fast
aufrechter Gang geben diesen Thieren ein sonderbares Anse-
hen, deren verschiedene Arten an den südlichen Küsten und
Inseln von Africa und America, so wie andere um Neu-
Holland, Neu-Guinea und Neu-Seeland zu Hause sind*).
Finden sich theils in zahlloser Menge beisammen.

1. Chrysocome. A. rostro rufo-fusco, pedibus fla-
vescentibus, crista frontali atra erecta, auriculari
deflexa flava.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 46.

[Seite 152]

Auf den Falklands-Inseln, Neu-Holland etc.

2. Patagonica. A. rostro pedibusque nigris, macula
ad aures aurea.

Forster l. c. tab. 2.

In der gleichen Heimath, die größte Gattung ihres Ge-
schlechts. Und von Farbe und Zeichnung des Gefieders, zu-
mal am Halse, die schönste.

3. Demersa. A. rostro pedibusque nigris, superciliis
fasciaque pectorali albis.

Edwards tab. 94.

Häufig am Cap etc.


Sechster Abschnitt.
Von den Amphibien.


§. 81.

Die Säugethiere und Vögel unterscheiden sich beides durch die
Wärme ihres Bluts (§. 23. und 40.) und durch die größere
Menge desselben von den Amphibien und Fischen.

§. 82.

Die Amphibien aber ähneln doch darin noch den warm-
blütigen Thieren, und zeichnen sich hingegen von den Fischen vor-
züglich dadurch aus, daß sie wie jene auch noch durch Lungen
Luft schöpfen; obgleich dieselben von weit lockerer Textur, und
auch ihre Athemzüge weit unbestimmter, und so zu sagen unor-
dentlicher sind, als bei den beiden Classen mit warmen Blute.
Auch können sie das Athemhohlen weit länger entbehren als diese,
weit länger im so genanten luftleeren Raume, oder auch in
eingesperrter Luft (wie z.B. Kröten in einer engen Höhle mit-
ten in Baumstämmen oder Steinblöcken) und selbst geraume
Zeit in einer Atmosphäre von kohlenstoffsaurem Gas aushalten,
und auffallende Extreme von Hitze und von Kälte ausdauern, so daß
man z.B. ungezweifelte Beispiele von Wassermolchen und Frö-
schen hat, die sowohl im Magen und Darmcanal von Menschen
gelebt haben, als auch ihrem Leben unbeschadet in dichte Eis-
schollen eingefroren sind.

§. 83.

[Seite 153]

Und eben weil die Amphibien mit Lungen versehen sind,
so sind sie auch noch fähig Stimme von sich zu geben: doch
scheinen einige (wie z.B. unter den hierländischen der wahre Sa-
lamander, die grüne Eidexe, die Blindschleiche etc.) gänzlich
stumm zu seyn.

§. 84.

In Rücksicht der Bildung überhaupt herrscht vorzüglich
die doppelte Verschiedenheit unter den Amphibien, daß sie ent-
weder, wie die Schildkröten, Frösche, Eidexen etc. mit Füßen
versehen sind; oder aber, als Schlangen einen langgestreckten,
cylindrischen Körper ohne alle äußere Bewegungswerkzeuge
haben.

§. 85.

Die äußern Bedeckungen sind bei den Amphibien
mannichfaltiger als bei den warmblütigen Thieren. Einige sind
mit einer knochigen Schale überzogen: andere mit hornartigen
Reifen, oder mit zahlreichen kleinen Schildchen, oder mit Schup-
pen bedeckt: und noch andere haben eine nackte nur mit Schleim
überzogene Haut. Die mehresten häuten sich von Zeit zu
Zeit. Manche, wie z.B. der Laubfrosch und verschiedene Ei-
dexen, besonders der Chamäleon, ändern auch zuweilen plötz-
lich ihre Farbe.

§. 86.

Den mehresten Amphibien ist, wie schon die Benennung
der ganzen Classe andeutet, Wasser und Land zum gemein-
schaftlichen Aufenthalt angewiesen. Manche gehen willkür-
lich in beiden ihren Geschäften und ihrer Nahrung nach. An-
dere hingegen bringen entweder eine bestimmte Periode ihres
Lebens, oder gewisse Jahrszeiten bloß in einem von beiden zu.
Endlich sind aber auch manche entweder bloß für das Land,
oder bloß für das Wasser, und nicht für beides zugleich be-
stimmt.

§. 87.

Manche Amphibien, zumal unter den Schildkröten und
Schlangen, leben von sehr gemischter Nahrung: andere hin-
gegen, wie der Laubfrosch, Chamäleon etc. sind sehr eigen in
der Wahl ihrer Speisen, gehen z.B. bloß lebende Insecten
von einigen wenigen bestimmten Gattungen an. In der Ge-
fangenschaft nehmen viele gar keine Nahrung zu sich und kön-
nen dann zum Wunder lange fasten: ich selbst habe z.B. Sa-
lamander auf acht Monathe lang ohne Speise und selbst ohne
daß sie dabei beträchtlich abgezehrt wären, erhalten: und von
[Seite 154] Schildkröten weiß man, daß sie gegen anderthalb Jahre ohne
alle Nahrung ausdauern können.

§. 88.

Die bei vielen Amphibien so ganz ausnehmende Leichtigkeit
und Stärke ihrer Reproductionskraft (§. 19.), hat,
wo ich nicht irre, in der obgedachten Stärke ihrer Nerven und
hingegen respectiven Kleinheit ihres Gehirns (§. 29.) einen
Grund: da folglich die erstern von letzterem minder abhängig
sind; und überhaupt die ganze Maschine zwar schwächere Mo-
bilität, weniger consensus zeigt, das ganze Leben der Am-
phibien einfacher, und mehr bloß vegetativ scheint, als bei den
warmblütigen Thieren, – aber dagegen die Glieder mehr mit
eigenthümlicher, independenter Lebenskraft versehen sind. Und
da folglich bei dieser mehr eigenthümlichen Lebenskraft der ein-
zelnen Theile, nicht gleich jeder Stimulus, der auf Einen
Theil, oder auf Ein System wirkt, sogleich, wie bei den
warmblütigen Thieren, andere in Consensus zieht, so erklärt
sich auch wohl überhaupt daher ihr zähes Leben, so daß Frösche,
denen das Herz ausgerissen ist, doch noch umher hüpfen, und
Schildkröten, denen das Gehirn aus dem Kopfe genommen
worden, noch Monathe lang leben können; daher auch wohl die
anhaltende Beweglichkeit der den Amphibien abgeschnittenen Thei-
le, wie z.B. der Schwänze von Wassermolchen, Blindschlei-
chen etc.*)

§. 89.

Zu Waffen und Vertheidigungsmitteln dient
manchen Amphibien, zumal unter den Schlangen, ihr Gift;
dem Salamander, der Feuerkröte etc. ihr milchichter Hautschaum
den sie im Nothfall von sich geben: vielen auch wohl der speci-
fike Geruch, den sie verbreiten; so zumal manche Schlangen,
Kröten, Eidexen etc.

§. 90.

Die äußern Sinne scheinen bei den mehresten Amphibien
von keiner sonderlichen Schärfe zu seyn. – Unter den innern
zeichnet sich doch bei vielen das Gedächtniß aus, da man Bei-
spiele selbst von Crocodilen und Kröten hat, die ihre Wohlthäter
kennen gelernt und kirre geworden, und vollends viele Schlan-
gen bekanntlich sich zu allerhand Gaukeleien abrichten lassen.
[Seite 155] Hingegen finden sich bei den Thieren dieser Classe nur sehr we-
nige Spuren von wahren Kunsttrieben (§. 36.).

§. 91.

Auch scheinen die wenigsten Amphibien einen täglichen Er-
holungsschlaf zu halten; – dagegen aber wohl alle die
kältern Wintermonathe in Erstarrung zuzubringen; und das
zwar theils einzeln, theils, wie unsere hieländischen Frösche und
Salamander, in Haufen. Doch können auch diese gar leicht
des Winterschlafs entbehren, und Jahr aus Jahr ein wachend
im Zimmer erhalten werden.

§. 92.

Das Fortpflanzungsgeschäft der Amphibien hat
ungemein viel Sonderbares. Der Paarungstrieb ist bei vielen
so heftig, daß man z.B. Frösche gesehen hat, die in Ermange-
lung eines Weibchens andere männliche Frösche oder Kröten
oder gar todte Weibchen besprungen haben. Bei den mehresten
Fröschen und See-Schildkröten dauert die Paarung mehrere
Tage, ja Wochen lang. Die Vipern schlängeln sich in der
Paarung mit dem Hinterleibe aufs innigste um einander, und
züngeln dabei mit gebogenem Halse auf einander los. Die
Wassermolche hingegen umfassen einander gar nicht, sondern
das Männchen schwimmt zur Brustzeit bloß um sein Weibchen
herum und bespritzt die Eierchen, so wie sie dieselben von sich
gibt, von der Ferne.

§. 93.

Die Amphibien sind, bis auf sehr wenige Ausnahmen,
eierlegende Thiere. Aber manche, zumal unter den Schlan-
gen etc. geben die Eier nicht eher von sich, als bis das darin
befindliche Junge schon meist seine völlige Ausbildung erhalten
hat. Die Pipa heckt ihre Junge aus dem Rücken aus.

Anm. Ein Salamander, den ich wenigstens vom Ende des Som-
mers an ganzer vier Monathe lang völlig isolirt in einem Gla-
se gehalten, hat hierauf um Neujahr herum ganz unerwartet
binnen wenigen Tagen 34 Junge geheckt, so daß folglich hier
eine ehemalige Befruchtung, auf eine noch weit längere Zeit
hinaus, als bei den Hühnern, ihre Wirksamkeit erhalten muß.

§. 94.

Die Frösche und Eidexen, die im Wasser jung werden,
kommen nicht gleich in ihrer vollkommnen Gestalt, sondern als
so genannte Larven zur Welt, und müssen sich erst noch einer
Art von Metamorphose unterziehen, ehe sie die Ausbildung
und den völligen Gebrauch aller ihrer Gliedmaßen erlangen.
Die kleinen Frösche z.B. (die so genannten Kaulquappen,
[Seite 156] gyrini, cordyli, Fr. tétards, Engl. toadpoles) haben
anfangs noch keine Füße, sondern dafür einen langen Ruder-
schwanz: auch, so wie die jungen Salamander*), eine Art
von Fischkiefern (branchiae oder Swammerdam's appen-
dices fimbriatae) zu beiden Seiten des Halses; ferner zum
Theil eine kleine Saugeröhre an der Unterlefze u. dergl. m.
Lauter Theile, die nur für den Larvenstand des zarten jungen
Thieres bestimmt sind und mit der zunehmenden Reife desselben
allgemach schwinden.

§. 95.

Die Amphibien haben ein langsames Wachsthum; so
daß z.B. unsere hierländischen Frösche meist erst im vierten Jahr
mannbar werden: und doch erreichen diese nur ein, nach Ver-
hältniß dieser späten Pubertät, nicht beträchtliches Alter von 12
bis 16 Jahren. Hingegen weiß man, daß Schildkröten selbst
in der Gefangenschaft über 100 Jahre gelebt haben, so daß,
hiernach zu schließen, die Crocodile und großen Schlangen etc.
wohl zu einem noch höhern Alter gelangen können.

§. 96.

Die Benutzung der Amphibien für's Menschengeschlecht
ist ziemlich einfach; aber für manche Gegenden theils äußerst
beträchtlich. Zumal der Genuß der Schildkröten und ihrer
Eier, so wie auch verschiedener Frösche und Eidechsen etc. – auch
von Schildkröten Thran; Schildpatt zu Kunstarbeiten;
gegerbte Alligatorshäute zu schönen Sätteln etc. –

§. 97.

Schädlich werden manche ungeheuere Thiere dieser Clas-
se, die Crocodile, Wasserschlangen etc. durch ihre Größe,
und andere, zumal unter den Schlangen, durch ihr Gift,
das in keiner andern Thierclasse von einer so gefahrvollen Hef-
tigkeit ist.

§. 98.

Die ganze Classe zerfällt bloß in zwey Haupt-Ordnungen:

I. Reptiles. Die Amphibien mit vier Füßen. (Die qua-
drupeda ovipara der ältern Naturforscher) – Schild-
kröten, Frösche, Eidechsen. Und

II. Serpentes. Die Schlangen, ohne alle äußere Bewe-
gungswerkzeuge (§. 84.).

* * *

Einige wenige Quellen zur N. G. dieser Classe:

[Seite 157]
  1. Alb. Seba rerum naturalium thesaurus. Amst. 1734. 1765. IV.
    vol. gr. Fol. (– hierher gehören bloß die beiden ersten Bände.)
  2. Jo. Nic. Laurenti synopsis reptilium emendata. Vindob. 1786. 8.
  3. C. de la Cepède histoire naturelle des quadrupèdes ovipares
    et des serpens
    . Paris 1788. II. vol. 4.
  4. Deutsch, mit Anmerk. und Zusätzen von J. M. Bechstein. Weim.
    1800. V. Th. 8.
  5. E. Ad. Suckow Anfangsgründe der N. G. der Thiere. III. Th.
    Leipzig 1798. 8.
  6. J. Gottl. Schneider historiae amphibiorum naturalis et litera-
    riae
    Fasc. I. II. Jen. 1799. 1801. 8.
  7. Fr. Tiedemann, M. Oppel und Jos. Liboschitz N. G.. der
    Amphibien. Heidelb seit 1817. Fol.
  8. Blas. Merrem tentamen systematis amphibiorum. Marburg
    1820. 8.

I. REPTILES*).

Alle Thiere dieser Ordnung sind (wenigstens wenn sie ihre
vollkommene Gestalt erlangt haben) mit vier Füßen versehen,
die nach dem verschiedenen Aufenthalt dieser Thiere entweder
freie (pedes digitati), oder durch eine Schwimmhaut ver-
bundene (palmati), oder gar wie in eine Flosse verwachsene
Zehen (pinnati) haben.

1. Testudo**). Schildkröte. (Fr. tortue. Engl. tortoi-
se
, die See-Schildkröten aber turtle. Span. ga-
làpago
). Corpus testa obtectum, cauda (plerisque)
brevis, os mandibulis nudis edentulis***).

Die mehresten Schildkröten sind mit einer knochigen sehr
festen Schale bedeckt, deren Obertheil mit dem Rückgrath und
den Rippen des Thiers verwachsen, und mit den breiten hor-
nigen Schuppen belegt ist, die bei manchen Gattungen so
stark und schönfarbig sind, daß sie zu Kunstsachen verarbeitet
werden. Gewöhnlich liegen 13 dergleichen Schuppen in der
Mitte, und 24 um den Rand herum. Der Untertheil oder
das Bauchschild ist etwas kleiner, als das obere, und mit Aus-
[Seite 158] schnitten für Kopf, Schwanz und Füße versehen. – Ueber-
haupt aber dient die so ganz ausgezeichnete eigenthümliche Bil-
dung dieses dadurch gleichsam isolirten Geschlechts zu einer
bedeutenden Instanz gegen die vermeinte Stufenfolge in der
Natur.

1. Membranacea. T. pedibus palmatis, unguiculis
tribus, testa orbiculari orvata, membranacea gri-
sea, striata, scabra.

Schneider l. c. tab. 1.

In Guiana.

2. Imbricata. die Carette. (Engl. the hawksbill
turtle
). T. pedibus pinniformibus, testa cordata
subcarinata, margine serrato: scutellis imbricatis
latiusculis, cauda squamata.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils, im Anhang
tab. 42.

In beiden Indien; auch im rothen Meere. Gibt das beste
Schildpatt*).

3. Mydas. die grüne oder Riesen-Schildkröte.
(viridis Schneider. Fr. la tortue franche. Engl. the
green turtle
). T. pedibus pinniformibus, margini-
bus maxillarum dentatis, testa ovata.

Brandt u. Ratzeburg l. t. 22.

Diese See-Schildkröte hält zuweilen 8 Centner am Ge-
wicht. Sie hat ihren gewöhnlichern Namen von ihrer blaß-
olivengrünlichen Schale und der auffallend grünen Farbe ih-
res Fettes. Lebt bloß vom Seetang u. dergl. Vegetabilien,
daher ihr ausnehmend schmackhaftes gar nicht thraniges Fleisch.

4. †. Orbicularis. die gemeine Flußschildkröte
(Emys Aristot.) T. pedibus palmatis, testa orbi-
culata planiuscula.

Im mildern Europa.

5. Graeca. T. pedibus subdigitatis, testa postice gib-
ba: margine laterali obtusissimo, scutellis planius-
culis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 66.

Im südlichen Europa und nördlichen Africa.

6. Geometrica. T. pedibus posticis palmatis, testae
scutellis elevatis truncatis.

Schöpff tab. 10.

[Seite 159]

In Ostindien, und am Cap. Ungefähr von der Größe ei-
ner flachen Hand: hat wegen ihres regelmäßigen schwarz
und gelb gezeichneten, hochgewölbten Rückenschildes ein arti-
ges Ansehen.

2. Rana*). Frosch (Fr. grenouille. Engl. frog.) und
Kröte (Fr. crapaud. Engl. toad). Corpus nudum
pedibus quatuor, posticis longioribus**).

1. Pipa. R. corpore plano, rostro spathiformi, di-
gitis anticis muticis quadridentatis, posticis ungui-
culatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 36.

In den Gewässern von Guiana. Wird durch die überaus
sonderbare und ganz anomalische Weise, mit der die Mutter
ihre Junge ausheckt, merkwürdig. Das Männchen streicht
nämlich den Leich, den das Weibchen vorher auf die gewöhn-
liche Art von sich gegeben, demselben auf den Rücken, und
befruchtet sie hierauf mit seinem Samen. Die Eierchen ver-
wachsen nachher gleichsam in der Haut der Mutter, bis nach
Verlauf von beinahe drei Monathen die darin befindlichen an-
fangs geschwänzten Kaulquappen***) zum Ausbruch reif sind,
und nachdem ihr Schwanz allgemach verschwunden und sie da-
gegen ihre vier Füße erhalten, den Rücken ihrer Mutter ver-
lassen können.

2. Cornuta. R. palpebris conicis.

Seba vol. I. tab. 72. fig. 1. 2.

In Virginien; hat wegen seiner großen stieren Augen,
und der ungeheueren tutenförmigen obern Augenlider ein
abentheuerliches Ansehen.

3. Ocellata. (Engl. the bull-frog). R. auribus ocel-
latis, pedibus muticis.

Catesby vol. II. tab. 72.

In Nordamerica. Fast von der Größe eines Meerschwein-
chens. Hat den englischen Namen von seiner starken Stimme.

[Seite 160]

4. Paradoxa. die Jackie. (Rana piscis). R. femori
bus postice oblique striatis.

Seba vol. I. tab. 78.

Im südlichen America. Die Larve (§. 95.) erreicht eine
fast spannenlange Größe, ist dann viel größer, als der aus-
gebildete, zu seiner Reife gelangte Frosch, und hat in jenem
Larvenzustande zu einer alten Sage, von Fröschen, die sich
in Fische verwandelten, Anlaß gegeben. Auch nachdem schon
die vier Beine ihre ganze Größe und Ausbildung erhalten ha-
ben, bleibt daß Thier doch noch geraume Zeit geschwänzt.

5. †. Buso. die Kröte. R. corpore ventricoso ver-
rucoso lurido fuscoque.

Rösel tab. 20. 21.

Daß ihr sogenannter Harn ein heftiges Gift seyn soll, ist
ungegründet. Hingegen ist es unläugbar, daß man verschie-
dentlich lebendige Kröten mitten in durchsägten Baumstäm-
men, oder in Steinblöcken etc. angetroffen hat.

6. †. Bombina. die Feuerkröte. R. corpore verru-
coso, abdomine aurantio-caesio maculato, pupilla
triquetra.

Rösel tab. 22.

Am Bauche schön blau und gelb gemarmelt, hüpft fast wie
ein Frosch.

7. †. Portentosa. die Haus-Unke. (Bufo calamita
Laurent.). R. verrucosa, linea dorsali flava, late-
ralibus rufescentibus.

Rösel tab. 24.

In feuchten Kellern, Ufer-Höhlen etc. kommt selten zum
Vorschein; gibt aber einen eigenen dumpfen Laut von sich,
der allerhand abergläubige Sagen veranlaßt hat.

8. †. Temporaria. der braune Grasfrosch. R. sub-
fusca dorso planiusculo subangulato.

Rösel tab. 1-8.

Im Gras und Gebüsch etc., von da die Jungen nach war-
men Sommer-Regen haufenweise hervorkriechen, da dann
ihre plötzliche Erscheinung wohl zu der alten Sage vom Frosch-
regen Anlaß gegeben haben mag.

9. † Esculenta. der grüne Wasserfrosch, Rö-
ling, Marxgöker. (Engl. the gibbous frog). R.
viridis, corpore angulato, dorso transverse gibbo,
abdomine marginato.

Rösel tab. 13-16.

[Seite 161]

In Teichen und Sümpfen. Die Männchen quaken laut,
zumal des Abends bei schönem Wetter, und treiben dabei
zwey große Blasen hinter den Maulwinkeln auf. Sie sind
schlau und muthig, verzehren Mäuse, Sperlinge, und selbst
junge Enten, Forellen etc. und können sogar über große Hechte
Herr werden. Zur Begattungszeit bekommen die Männchen
dieser und der vorigen Gattung schwarze warzige Ballen an
den Daumen der Vorderfüße, womit sie sich äußerst fest um
ihrer Weibchen Brust klammern können.

10. †. Arborea. der Laubfrosch. (calamites, hyla.
Fr. la rainette, grenouille de St. Martin, le grais-
set
). S. corpore laevi, subtus granulato, pedibus
fissis, apicibus digitorum lenticulatis.

Rösel tab. 9-12.

Fast in ganz Europa (doch nicht in England), auch in
America etc. Der klebrige Schleim, womit er wie die Schne-
cken überzogen ist, dient ihm bei seinem Aufenthalt am Laub
der Bäume, zur Haltung. Die erwachsenen Männchen, die
an ihrer braunen Kehle kenntlich sind, haben eine laute Stim-
me, die sie, wenn das Wetter sich ändern will, aber auch
außerdem zur Paarungszeit von sich geben. Sie blähen dabei
die Kehle zu einer großen Blase auf.

3. Draco*) Corpus tetrapodum caudatum, alatum.

1. Volans. die fliegende Eidechse. D. brachiis ab
ala distinctis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 98.

In Ostindien und Africa.

4. Lacerta**). Eidechse. (Fr. lézard. Engl. lizard).
Corpus elongatum, pedibus quatuor aequalibus.

1. Crocodilus. der (eigentliche) Crocodil. (Crocodi-
lus vulgaris Cuv.) L. rostro aequali, scutis nuchae
6, squamis dorso quadratis, sex-fariam positis,
pedibus posticis palmatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 26. 27.

Zumal häufig in den größern Strömen von Africa (na-
mentlich im Ober-Nil und im Niger). Das größte Thier der
süßen Wasser, das wohl eine Länge von 30 Fuß erreichen
[Seite 162] soll*): und doch haben seine Eier kaum die Größe eines
Gänse-Eies. Erwachsen fällt er Menschen und andere große
Thiere an. Jung gefangen aber läßt er sich doch zähmen**).

2. Alligator. der Kaiman. (Crocodilus sclerops Cuv.)
L. porca transversa inter orbitas, nucha fasciis os-
seis 4 cataphracta, pedibus posticis semi-palmatis.

Seba vol. I. tab. 104. fig. 10.

Im mittlern America. Weit rundlicher und glatter am Lei-
be und Schwanz, als der eigentliche Crocodil, wird auch
nicht so groß als dieser und legt kleinere Eier. Hat übrigens
eben so wie jener fünf Zehen an den Vorderfüßen und vier
an den hintern, von welchen allen aber nur die drey innern
mit Krallen bewaffnet sind. Die Felle dieser Gattung werden
jetzt in Brasilien trefflich gegerbt.

3. Gangetica. der Gavial. L. mandibulis elongatis
subcylindricis, pedibus posticis palmatis.

Edwards in philos. Transact. vol. XLIX.

Zumal im Ganges.

4. Monitor. (Fr. la sauve-garde). L. cauda carina-
ta, corpore mutico squamis marginatis, maculis
ocellatis.

Seba vol. I. tab. 94. fig. 1. 2. 3.

In beiden Indien. Ueberaus sauber und regelmäßig schwarz
und weiß gefleckt; wird über 3 Ellen lang; hat den Namen
daher, daß es sich, wie man sagt, meist in Gesellschaft der
Crocodile aufhalten, und durch einen pfeifenden Laut, den
es von sich gibt, diese seine furchtbare Gefährten verrathen
soll.

5. Iguana. der Leguan. L. cauda tereti longa, su-
tura dorsali dentata, crista gulae denticulata.

Seba vol. I. tab. 95 sq. tab. 98. fig. 1.

In Westindien. Ein flinkes Thier. Hat ein überaus schmack-
haftes Fleisch und Eier.

6. Chamaeleon. L. cauda prehensili, digitis duobus
tribusque coadunatis.

Jo. Fr. Miller fasc. II. tab. 11.

[Seite 163]

In Ostindien, Nordafrica, und nun auch theils in Spa-
nien. Langsam, träge, lebt auf Bäumen und Hecken, nährt
sich von Insecten, die er mit seiner langen vorn kolbigen aus-
gehöhlten klebrigen Zunge sehr behende zu fangen versteht.
Seine Lungen sind ausnehmend groß, und das Thier
kann sich damit nach Willkür aufblähen oder dünner machen,
daher vermuthlich die Sage der Alten entstanden seyn mag,
daß es bloß von Luft lebe. Seine Augen haben die ganz ei-
gene Einrichtung, daß jedes besonders, oder auch beide zu-
gleich nach verschiedenen Richtungen, eines z.B. aufwärts,
das andere hinterwärts etc. und zwar schnell bewegt werden
können. Seine natürliche Farbe ist grünlichgrau, er ändert
dieselbe aber zuweilen, zumal wenn es gereizt wird etc. Der
zuweilen bemerkte Wiederschein von benachbarten farbigen
Gegenständen auf die glänzenden Schuppen des lebendigen
Thiers hat Anlaß zu der Fabel gegeben, als ob sich seine
Farbe überhaupt nach denselben richte.

7. Gecko. (vermuthlich der wahre stellio*) oder saurus
der Alten). L. cauda tereti mediocri, digitis muticis
subtus lamellatis, corpore verrucoso, auribus con-
cavis.

Seba vol. I. tab. 109.

In Aegypten, Ostindien, auch auf den Inseln der Süd-
see und selbst hin und wieder im südlichen Europa, z.B. im
Neapolitanischen. Er soll einen giftigen Saft zwischen seinen
blätterichten Fußzehen haben, und dieser sich den Eßwaaren,
wo das Thier darüber wegläuft, mittheilen.

8. Scincus. (crocodilus terrester). L. cauda tereti me-
diocri, apice compressa, digitis muticis lobato-
squamosis marginatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 87.

Im steinigen Arabien, Aegypten etc.

9. †. Agilis. die grüne Eidechse, Kupfer-Ei-
dechse. L cauda verticillata longiuscula, squamis
acutis, collari subtus squamis constricto.

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Im wärmern Europa, und, wie es scheint, auch in bei-
den Indien und auf den Inseln der Südsee. Ihre Eier leuch-
ten eine Zeitlang im Finstern.

10. †. Lacustris. der Wasser-Molch, Wasser-Sa-
[Seite 164] lamander. L. nigra, dorso lateribusque verruco-
sis, abdomine flavo, nigro-maculato.

Laurenti tab. 2. fig. 4.

Die Männchen haben im Frühjahr eine vom Kopf bis
zum Schwanz längs des Rückens hinlaufende emporstehende
ausgezackte Haut. Von seiner ausnehmenden Reproductions-
kraft s. oben S. 19.

11. †. Salamandra. der Salamander, Molch, die
Molle, Ulme. (Fr. le sourd, mouron). L. cauda
tereti brevi, pedibus muticis, corpore flavo nigro-
que vario nudo, poroso.

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Schwarz und citrongelb gefleckt, spannenlang und dau-
mendick. Daß er giftig sey, im Feuer leben könne etc., sind
Fabeln.

* * *

Interimistisch mögen hier ein Paar anomalische Amphi-
bien ihre Stelle finden, deren sonderbarer Bau – zumal ihre
ansehnlichen frei ausstehenden Kiemen – immer noch räthselhaft
scheint.

A. Proteus. Pedes antici digitis 3; postici binis. Pal-
pebrae indivisae.

1. †. anguinus.

von Schreibers in den philos Transact. for.
1801*).

Im unterirdischen Sitticher See in Krain. Höchst licht-
scheu.

B. Siren. Pedes tantum antici: digitis 4.

1. lacertina.

Ellis und J. Hunter in den philos. Transact. vol.
LVI.

In den Gewässern von Carolina.

II. SERPENTES*).

[Seite 165]

Die Schlangen**) haben gar keine äußeren Gliedmaßen,
sondern bloß einen cylindrischen lang gestreckten Körper, den sie
wellenförmig bewegen; und der mit Schuppen, Schildern oder
Ringen bekleidet ist. Manche leben im Wasser (da sie bei ihrer
ausnehmend langen und theils blasenförmigen Lungen leicht schwim-
men können), andere auf der Erde, andere meist auf Bäumen.
Sie legen mehrentheils an einander gekettete Eier, und ihre
Kinnladen sind nicht, wie bei andern Thieren, fest eingelenkt,
sondern zum Kauen ungeschickt, indem sie sich weit von einander
dehnen lassen, so daß die Schlangen andere Thiere, die oft weit
dicker als sie selbst sind, ganz verschlingen können. Ihre meist
gespaltene sehr schlanke Zunge dient ihnen zum Tasten***).
Manche sind mit heftigem Gift in besondern Bläschen am vor-
dern Rande des Oberkiefers versehen†), das in eigenen Drüsen
abgeschieden und durch besondere röhrenförmige, einzeln stehen-
de, gegen die Spitze zu mit einer länglichen Oeffnung versehene,
Giftzähne (– als durch einen Ausführungsgang –) beim Biß
in die Wunde geflößt wird. (– Abbild. n. h. Gegenst tab.
37. fig. 1. –) Diese bloß am vordern Rande des zugleich
merklich starken Oberkiefers befindlichen Giftzähne geben auch
den zuverlässigsten Charakter ab, um die giftigen Schlangen von
den giftlosen zu unterscheiden††), da bei den letztern der ganze
äußere Rand der obern Kinnlade (bis hinten) mit Zähnen be-
setzt ist (– Abbild. n. h. Gegenst. a. a. O. fig. 2. –);
[Seite 166] außerdem haben aber wohl alle Schlangen noch eine doppelte
Reihe kleiner Gaumen-Zähne mit einander gemein.

5. Crotalus. Klapperschlange. (Fr. serpent à sonnet-
tes
. Engl. rattle-snake). Scuta abdominalia. Scuta
squamaeque subcaudales. Crepitaculum terminale
caudae.

1. Horridus.C. scutis 167. scutellis 23.

Seba vol. II. tab. 95. fig. 1.

Zumal im wärmern Nordamerica: wird auf 6 Fuß lang
und fast armsdick. Die Gattungen dieses Geschlechts unter-
scheiden sich von allen andern Schlangen, ja überhaupt von
allen übrigen Thieren in der Schöpfung durch die räthselhaf-
te, hornartige, gegliederte Rassel am Ende des Schwanzes.
– Die Zahl der Glieder an diesem so wunderbar gebauten
und in seiner Art so ganz einzigen Organ nimmt mit den Jah-
ren zu, und soll bei alten wohl auf 40 steigen. Daß kleine
Vögel, Eichhörnchen etc. im Gebüsch der darunter liegen-
den Klapperschlange*) von selbst in den Rachen fallen, wird
von gültigen Augenzeugen versichert; ist aber keine ausschließ-
liche Eigenheit dieses Geschlechts, da man das Nämliche auch
an mehreren andern Schlangen der neuen und alten Welt be-
merkt haben will. – Die Klapperschlangen selbst werden häu-
figst von den Schweinen und Raubvögeln verzehrt. Auch las-
sen sie sich überaus kirre und zahm machen.

6. Boa. Scuta abdominalia et subcaudalia. Calcaria ana-
lia bina.

1. Constrictor. die Riesenschlange, Abgotts-
schlange, Anaconda. (Fr. ledevin). B. scutis 240.
scutellis 60.

Merrem II. Heft. tab. 1.

[Seite 167]

In Ostindien, Africa und Brasilien*). Wird nach Adan-
son's Versicherung auf 40 bis 50 Fuß lang. Soll lebendi-
gen Antilopen etc. die Rippen und andere Knochen entzwei bre-
chen, das Thier nachher mit einem gallertartigen Geifer über-
ziehen, und so hinterwürgen. Doch ist sie leicht kirre zu ma-
chen und wird, wie die Brillenschlange, von den ostindischen
Gauklern zu allerhand Kunststücken abgerichtet. – Die Ama-
ru-Schlange in Südamerica, die von den Antis in Peru
angebetet ward, und auch auf 30 Fuß lang wird, scheint
wenig von dieser verschieden. – Hingegen ist wohl die auf
Guinea so heilig verehrte so genannte Juda-Schlange
von einer andern Gattung.

7. Coluber. (Fr. couleuvre). Scuta abdominalia. Squa-
mae subcaudales.

1. Vipera. C. scutis 118. squamis 22.

Es werden mehrere Schlangen mit dem Namen der Viper
belegt. Hier diese von Linné so genannte ist in Aegypten zu
Hause und giftlos.

2. Cerastes. die gehörnte Schlange. ♂ C. tenta-
culis superciliaribus, scutis 145. squamis 44.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils, im Anhang
tab. 40.

Diese von den beiden über den Augen stehenden Hörnchen
benannte Schlange hat gleiches Vaterland mit der vorigen,
und ist allerdings giftig.

3. †. Berus. die Otter, Viper. (Engl. the adder).
C. scutis 146. squamis 39.

Brandt u. Ratzeburg l. t. 20.

Diese ehemals officinelle Viper ist von bräunlicher Farbe
und in wärmern Gegenden der alten Welt, auch schon in
Deutschland und in der Schweiz zu Hause. Ihr Biß verur-
sacht zwar heftige Entzündung, wird doch aber nur selten tödt-
lich. Es ist dieselbe Gattung, womit ehedem Redi und
nachher Fontana so viele merkwürdige Versuche angestellt
haben.

[Seite 168]

4. †. Natrix. die Ringel-Natter, Schnake, der
Unk. (Fr. la couleuvre à collier). C. scutis 170.
squamis 60.

Stahlfarbig mit weißen Seitenflecken, zumal an den bei-
den Seiten des Halses. Man hat selbst in Europa welche von
10 u. m. Fuß gefunden, die dann wohl ehedem Anlaß zu den
abentheuerlichen Erzählungen von Lindwürmern etc. gegeben
haben mögen.

5. Coccineus. die Carmoisin-Schlange. C. scutis
175. squamis 35.

Voigt's Magazin 5ten Bdes 1stes Stück. tab. 1.

Diese ausnehmend schönfarbige und unschuldige Schlange
ist in Florida und Neu-Spanien zu Hause. Fingers dick
und ungefähr 2 Fuß lang. Längs dem Rücken laufen etliche
und zwanzig große und sehr regelmäßige carmoisinrothe Fle-
cken, die mit schwarzen Rändern eingefaßt, und diese wieder
mit citrongelben Querstreifen von einander abgesondert sind.
Die Mädchen in Florida sollen das schöne Thier zum Putz als
Halsband oder in die Haare geflochten tragen etc.

6. Naja. die Brillenschlange. (Cobra de Gabelo).
C. scutis 193. squamis 60.

Russell's Indian Serpents tab. 5. 6.

In Ostindien. Der Hals ist weit ausdehnbar, und hinten
mit einer brillenähnlichen Figur bezeichnet. Ist eine der gif-
tigsten Schlangen, wird aber häufig vom Ichneumon gefres-
sen, und ist auch leicht zu allerhand Gaukelkünsten abzu-
richten.

8. Anguis. Squamae abdominales et subcaudales.

1. †. Fragilis. die Blindschleiche, Bruchschlange,
der Haselwurm, Hartwurm. (Fr. l'orvet. Engl.
the blind-worm, slowworm). A. squ. abd. 135. to-
tidemque subcaud.

In dumpfigen Gegenden, alten Gemäuer etc. Bricht leicht
entzwei, wenn man sie anfaßt, und die Stücken bewegen sich
doch noch Stunden lang. Man findet von ihr mancherlei theils
sauber gezeichnete Spielarten.

2. Platuros. ♂ A. cauda compressa obtusa.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 28.

Im indischen Ocean und der Südsee.

9. Amphisbaena. Annuli trunci caudaeque.

[Seite 169]

1. Fuliginosa. A. ann. tr. 200, caudae 30.

Seba vol. I. tab. 88. fig. 3. u.a.

In America. Schwarz und weiß gefleckt.

10. Caecilia. Runzelschlange. Rugae trunci caudae-
que. Labrum superius tentaculis 2.

1. Tentaculata. C. rugis 135.

Seba vol. II. tab. 25. fig. 2.

Auch in America. Hat gar keine Schuppen, sondern run-
zelige Ringe in der glatten Haut, fast wie ein Regenwurm.


Siebenter Abschnitt.
Von den Fischen.


§. 99.

Die Fische sind diejenigen mit rothem kalten Blut versehenen
Thiere, die sich mittelst wahrer (mit Gräten oder knorpligen
Faden versehenen) Flossen bewegen, und mittelst wahrer im-
mer zu beiden Seiten des Halsels verwahrt liegenden (nicht wie
an den Froschlarven etc. außerhalb desselben frei hervorragenden)
Kiemen Athem holen.

Anm. Wahre Kiemen und wahre Flossen – um sie von den
gewisser Maßen analogen Organen der ganz jungen Frösche, Sa-
lamander etc. (§. 94.) zu unterscheiden.

§. 100.

Diese Kiemen oder Kiefen (branchiae) vertreten bei
den Fischen fast vollkommen die Stelle der Lungen. Sie liegen
auf beiden Seiten hinter dem Kopfe, meistens unter einer oder
mehreren großen halbmondförmigen Schuppen, die deßhalb die
Kiemen-Deckel (opercula branchialia) heißen und bei den
mehresten mit der Kiemen-Haut (membrana branchiostega)
verbunden sind. Die Kiemen selbst sind mit unzähligen der zar-
testen Blutgefäße durchwebt, und auf jeder Seite meist in vier
Blätter vertheilt, die ungefähr der Fahne an einer Feder ähneln
und die an ihrer Basis durch eben so viele bogenförmige Gräten
unterstützt werden.

§. 101.

[Seite 170]

Das Athemholen, das die Fische eben so wenig als die
mit Lungen versehenen Thiere lange entbehren können, geschieht
bei ihnen, indem sie die im Wasser aufgelösete Luft durch
den Mund in die Kiemen leiten, und dann durch die Kiemen-
öffnung (apertura branchialis) wiederum von sich geben;
folglich nicht wie die mit Lungen versehenen Thiere durch den
gleichen Weg ein- und ausathmen.

§. 102.

Da sie keine Lungen haben, so versteht sich folglich von
selbst, daß ihnen auch keine wahre Stimme zugeschrieben werden
kann, obgleich einige von ihnen, wie z.B. der Knurrhahn, der
Wetterfisch etc. einen Laut von sich geben können.

§. 103.

Die Bildung des Körpers, überhaupt genommen, ist
bei den Fischen ungleich mannichfaltiger als bei den beiden vori-
gen Thierclassen. Bei den mehresten hat doch der Körper eine
verticale Stellung, d.h. er ist auf beiden Seiten zusammen
gedrückt (corpus compressum s. cathetoplateum); bei ei-
nigen andern hingegen, wie bei dem Rochen, liegt er horizontal,
ist in die Breite platt gedrückt (corpus depressum s. plagio-
plateum); bei andern, wie beim Aal etc. ist er mehr walzen-
förmig: bei andern, wie bei den Panzerfischen, prismatisch oder
vierkantig etc.

Bei allen aber stoßen Kopf und Rumpf unmittelbar an ein-
ander, ohne durch einen eigentlichen Hals von einander abge-
sondert zu seyn.

§. 104.

Die Fische sind (bis auf wenige Ausnahmen) mit Schup-
pen bekleidet; und zwar die Grätenfische mit eigentlich so ge-
nannten, die von einer ganz eigenen Substanz, und bei den
verschiedenen Gattungen von der mannichfaltigsten theils aus-
nehmend eleganten Bildung und Zeichnung, und farbigen Gold-
und Silberglanze sind: die mehrsten Knorpelfische hingegen mit
mehr knochenartigen Schildern, hakichten Stacheln, u. dergl. m.

Die Schuppen werden von außen noch mit einem besondern
Schleim überzogen, der großen Theils aus kleinen Schleim-
höhlen abgeschieden zu werden scheint, die bei den mehresten Fi-
schen zu beiden Seiten des Körpers in der so genannten Sei-
ten-Linie liegen.

§. 105.

[Seite 171]

Die Bewegungswerkzeuge der Fische*), die Flossen (an
welchen man neuerlich merkwürdige Reproductionskraft wahr-
genommen), bestehen aus dünnen knochenartigen oder knorpeli-
gen Gräten, die durch eine besondere Haut mit einander ver-
bunden, an eigenen Knochen befestigt, und durch bestimmte Mus-
keln bewegt werden. Ihrer bestimmten Lage nach heißen die
obern, Rückenflossen (pinnae dorsales); die seitwärts hinter
den Kiemen befindlichen, Brustflossen (pinnae pectorales);
die am Bauche vor der Oeffnung des Afters stehenden, Bauch-
flossen (pinnae ventrales); die hinter dieser Oeffnung, Steiß-
flosse (pinna analis); endlich am Schwanze, die Schwanzflosse
(pinna caudalis), die immer eine verticale Stellung hat.

Die so genannten fliegenden Fische haben sehr lange und
straffe Brustflossen, so daß sie sich damit selbst über die Oberflä-
che des Wassers erheben und kleine Strecken weit fortfliegen
können.

§. 106.

Ein anderes Hülfsmittel zur Bewegung der Fische, beson-
ders wohl zum Steigen und Sinken (wie bei den so genannten
cartesianischen Teufelchen), ist die Schwimmblase, womit
zumal die Süß-Wasser-Fische versehen sind, und die mittelst
eines eigenen Canals (ductus pneumaticus) meist mit dem
Schlunde, seltener mit dem Magen in Verbindung steht.

§. 107.

In Rücksicht ihres Aufenthalts theilt man die Fische
überhaupt in See- und Süß-Wasser-Fische. Manche können
doch auch zuweilen einige Zeit im Trocknen aushalten, wie der
Aal, die Muräne etc. Andere theils in warmen mineralischen
Quellen**).

§. 108.

Die mehresten Fische, zumal die in der See leben, sind
animalia nocturna, die nämlich ihren Geschäften zur Nacht-
zeit nachgehen, am Tage hingegen sich mehr in der Tiefe ruhig
[Seite 172] halten. Daher auch die von Fischen lebenden Insulaner und
Küsten-Bewohner meist des Nachts auf den Fang ausgehen.

§. 109.

Eine große Anzahl Gattungen von Fischen verändern in ge-
wissen Jahrszeiten ihren Aufenthalt; so Steigen viele Seefische
um zu laichen in die Buchten und Mündungen der Flüsse; man-
che derselben aber, wie z.B. die Häringe im nördlichen atlan-
tischen Ocean, machen auch noch außerdem anderweitige Züge
zu bestimmten Jahrszeiten und in unermeßlichen Scharen zwi-
schen den Küsten des westlichen Europa und des nordöstlichen
America*).

§. 110.

Die Fische sind größten Theils fleischfressende Thiere,
und da sie keine eigentliche Füße haben ihre Beute damit zu fas-
sen, mit mancherlei andern Mitteln ihrer Herr zu werden ver-
sehen. Theils nämlich mit langen Bartfasern (cirrhi) am Mau-
le, um damit andere kleine Wasserthiere, wie mit einem Köder
zu locken, und gleichsam zu angeln. (So der Sternseher, der
Froschfisch etc.) Andere, wie der Chaetodon rostratus, mit
einer Spritzröhre, um dadurch die über dem Wasser fliegenden
Insecten gleichsam herab zu schießen. Andere, wie drey See-
fische, der Zitterochse, Tetrodon electricus und Trichiu-
rus indicus und die beiden Flußfische, der Zitteraal und
der Zitterwels, mit einer besondern erschütternden und betäu-
benden Kraft etc.

§. 111.

Was die äußern Sinne der Fische betrifft, so muß der
Geruch bei vielen überaus scharf seyn, da sie den versteckten
Köder in weiter Entfernung auswittern. Auch ihr Gehör ist
scharf, und sie haben dazu ähnliche Organe, wie die im innern
Ohr anderer rothblütigen Thiere. Besonders aber zeigen sich
mancherlei Sonderbarkeiten im Baue ihres Auges, zahlreichere
Häute, ausschließlich eigne andre Organe u. dergl. m.**).

§. 112.

Ueber die Naturtriebe u.a. Seelenkräfte der Fi-
sche läßt sich vor der Hand aus Mangel an richtigen Beobach-
tungen wenig sagen. Doch weiß man, daß manche, wie z.B.
[Seite 173] die Forellen, überaus kirre werden*); andere, z.B. alte Kar-
pfen, sehr listig und verschlagen sind etc.

§. 113.

Von ihrem Schlafe gilt meist die gleiche Anmerkung,
die bei den Amphibien gemacht worden ist (§. 91.), daß näm-
lich wenigstens die mehresten einem Winterschlaf ausgesetzt sind;
aber wohl nur sehr wenige einen bestimmten täglichen periodi-
schen Erholungsschlaf haben: wie es z.B. vom Goldbrachsen ge-
sagt wird.

§. 114.

Außer den wenigen lebendig-gebährenden Fischen, wohin
der Aal und die so genannte Aalmutter gehören, mögen sich
wohl wenige Fische wirklich mit einander paaren; sondern bei
den mehresten gibt das Weibchen den Rogen noch unbefruchtet
von sich, und das Männchen kommt hierauf nach, um denselben
mir seiner Milch zu begießen.

Man hat diese Einrichtung für die Landwirthschaft benutzen
gelernt, indem man auch aus der künstlichen Vermischung von
Eiern und Samen der Lachs-Forellen etc. junge Fische erzielen
kann**).

Anm. Zu andern Merkwürdigkeiten im Zeugungsgeschäfte der Fi-
sche gehört auch noch, daß manche, wie die Lamprete, durchge-
hends beiderlei Sexualorgane haben, so wie man hingegen bei an-
dern, wie namentlich beim Karpfen, anomalisch einzeln, wirk-
liche Zwitter gefunden hat.

§. 115.

Die Vermehrung der meisten Fische ist zum Wunder
stark, so, daß ungeachtet die Eierchen der mehresten in Verhält-
niß zu ihrer Statur ungleich kleiner sind, als in irgend einer
andern Thier-Klasse, dennoch bei manchen die Eierstöcke größer
sind, als ihr ganzer übriger Körper. Daher zählt man, z.B.
beim Häring, zwischen 20 und 37000, beim Karpfen über
200000, bei der Schleihe 383000, beim Flinder über eine
Million Eierchen etc.***).

§. 116.

Theils haben die jungen Fische, so wie sie aus dem Eie
kriechen, noch nicht ihre völlige Gestalt: sondern müssen sich eben-
falls, so wie viele Amphibien (§. 94.), erst einer Art von Me-
tamorphose unterziehen, wodurch ihre Flossen u. dergl. m.
allgemach vollends ausgebildet werden.

§. 117.

[Seite 174]

Die Fische gelangen, im Verhältniß zur Größe ihres Kör-
pers, zu einem hohen Alter. Man weiß von Karpfen, Hech-
ten etc., daß sie anderthalb hundert Jahre erreichen können.
Doch werden einige kleine Fische, wie z.B. der Stichling etc.,
nur wenige Jahre alt.

§. 118.

Die Brauchbarkeit der Fische für den Menschen ist
ziemlich einfach, meist bloß zur Speise; aber eben von dieser
Seite für einen großen Theil des Menschengeschlechts, der theils
fast ganz von diesen Thieren lebt, von der äußersten Wichtig-
keit. Selbst wilde Völker, wie z.B. die Kamtschadalen, Bra-
silianer etc., wissen die Fische auf die mannichfaltigste Weise, so-
gar zu einer Art Mehl, zu Kuchen u.s.w. zu bereiten: und
bei vielen, wie z.B. unter den Insulanern des stillen Oceans,
macht der Fischfang ihr Hauptgeschäft, – und in Rücksicht der
überaus sinnreichen angemessenen Geräthschaften, die sie sich
dazu erfunden haben, wirklich eine Art von nachdenkendem Stu-
dium aus. Aber auch für einen großen Theil der cultivirten
Erde ist der Fang, z.B. des Härings, Kabeljaus, Thunfisches
u. dergl. m. von großer Wichtigkeit – Der Thran von
Hayen, Häringen, Kabeljauen etc. wird häufigst in Lampen ge-
brannt: der Leberthran von letztern nun auch als Arzneimittel.
– Die östlichsten Küstenbewohner des mittlern Asien kleiden
sich in gegerbte Lachshäute. – Und manche Theile einiger Fi-
sche werden zu technischen Gebrauch und Kunstsachen benutzt;
wie z.B. die Schuppen des Ukley zu Glasperlen; und Fischhaut
von Rochen und Hayen etc.; Hausenblase etc.

§. 119.

Den mehresten Schaden thun die Raubfische; zumal in
den Weltmeeren die Haye; und in den süßen Wassern die Hech-
te. – Auch sind manche Fische wenigstens in gewissen Gegenden
giftig, so daß ihr Genuß tödtlich werden kann. So zumal ei-
nige Gattungen von Tetrodon.

§. 120.

Die systematische Classification der Fische scheint noch man-
cher Verbesserung zu bedürfen. Inzwischen bringt man sie vor
der Hand im Ganzen unter zwey Hauptabtheilungen, nämlich:

A) Knorpelfische (Pisces cartilaginei) die keine wah-
ren Gräten haben: und

B) mit Gräten versehene oder eigentlich so genann-
te Fische (Pisces spinosi).

[Seite 175]

Die Knorpelfische sondert man in folgende zwey Ord-
nungen, welche la Cepede nach dem Daseyn oder Mangel des
Kiemendeckels bestimmt, und hiernach die darunter gehörigen
Geschlechter vertheilt hat: nämlich:

I. Chondropterygii. Ohne Kiemendeckel.

II. Branchiostegi. Mit Kiemendeckel.

Die eigentlich so genannten Fische aber hat Linné
nach der Beschaffenheit und Lage der Bauchflossen geordnet:
nämlich:

III. Apodes. Die gar keine Bauchflossen haben.

IV. Jugulares. Die, deren Bauchflossen vor den Brust-
flossen sitzen.

V. Thoracici. Die, wo die Bauchflossen gerade unter
den Brustflossen, und

VI. Abdominales, wo sie hinter diesen sitzen.

Zur N. G. der Fische.

  1. Guil. Rondelet de piscibus. Lugd. 1554. P. II. 1555. fol.
  2. Conr. Gesner de piscium et aquatilium animantium natura. Tig.
    1558. fol.
  3. Steph. a. Schonevelde ichthyologia etc. Hamburg. 1624. 4.
  4. F. Willoughbeii historia piscium. ex ed. Raii. Oxon. 1686. fol.
  5. Jo. Raii synopsis methodica piscium. Lond. 1713. 8.
  6. Petr. Artedi ichthyologia. ex ed. Linnaei. Lugd. Bat. 1738. 8.
  7. Laur. Theod. Gronovii Zoophylacium Gronovianum. Lugd.
    Bat. 1781. P. I – III. fol.
  8. Ant. Gouan historia piscium. Argent. 1770. 4.
  9. Du Hamel et de Marre histoire des poissons (traité des pêches
    etc.) Par. 1770 sq. III. vol. fol.
  10. M. El. Bloch öconomische N. G. der Fische Deutschlands. Berl.
    1782. III. B. 4.
  11. Dess N. G. ausländischer Fische. ib. 1785. IX. B. 4.
  12. Ej. Systema ichthyologiae, inchoatum absolvit Jo. Gottl. Schnei-
    der. Berol. 1801. 8.
  13. de la Cépède histoire naturelle des poissons. Par. 1798. V.
    vol. 4.
  14. Histoire naturelle des poissons, par le B. Cuvier et M. Valen-
    ciennes. Par. seit 1828. 8. und Planches, fol.
* * *
  1. Patr. Russell's Descriptions and Figures of 200 Fishes of the
    coast of Coromandel
    . Lond. 1803. II. vol. fol.
* * *
  1. Al. Monro Vergleichung des Baues und der Physiologie der Fische
    mit dem Bau des Menschen und der übrigen Thiere. – Mit vie-
    len Zusätzen vor P. Camper und J. G. Schneider. Leipzig
    1787. 4.

I. CHONDROPTERYGII.

[Seite 176]

Die Knorpelfische dieser Ordnung haben keine Kiemendeckel,
und bei den mehresten ist das Maul an der Unterseite des
Kopfs befindlich.

1. Petromyzon. Spiracula branchialia 7 ad latera colli.
Fistula in nucha. Pinnae pectorales aut ventrales
nullae.

1. †. Marinus. die Lamprete. (Fr. la lamproie.
Engl. the lamprey). P. ore intus papilloso, Pinna
dorsali posteriore a cauda distincta.

Bloch tab. 77.

In der Nordsee so wie im mittelländischen u.a. Meeren.
Steigt aber auch 20 und mehrere Meilen weit in die Flüsse.
Wird wohl auf 3 Fuß lang.

2. †. Fluviatilis. die Pricke, Neunauge. P. pinna
dorsali posteriore angulata.

Bloch tab. 78.

In größern Flüssen. Nur halb so groß als die vorige
Gattung.

2. Gastrobranchus. Bauchkieme. Spiracula branchia-
lia 2 ventralia. Fistula in rostro. Pinnae pectorales
aut ventrales nullae.

Dieses räthselhafte Geschlecht ward ehedem unter dem Na-
men Myxine den Gewürmen beigezählt.

1. Coecus. der Blindfisch, Schleimaal. (Myxine
glutinosa Linn.)

Bloch tab. 413.

An den Küsten des nördlichen atlantischen Oceans. Soll gar
keine Augen haben.

3. Raia. Roche*). (Fr. raie. Engl. ray). Spiracula
branchialia 5 subtus ad collum; corpus depressum,
os sub capite.

Ein seltsam gebildetes und theils gar wunderbar organi-
sirtes Thiergeschlecht. Manche Arten hat man ehedem durch
allerhand Künstelei zu vorgeblichen Basilisken etc. umgestaltet
und aufgetrocknet. Manche scheinen auch bei einiger Aehnlich-
keit, die der Untertheil ihres Kopfs mit einem Menschenge-
[Seite 177] sichte hat, zu der Sage von Meerjungfern etwas beigetragen
zu haben*). Ungeachtet sie nur ein Ei auf einmal legen, so
vermehren sie sich doch so stark, daß der Ocean in manchen
Gegenden gleichsam davon wimmelt. Die Eier haben eine
hornige Schale mit vier Spitzen, und heißen See-Mäuse.

1. Torpedo. der Zitterroche, Krampffisch. (Fr.
la torpille. Engl. the crampfish). R. tota laevis
maculis dorsalibus 5 orbiculatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 57.

Besonders im mittelländischen Meere. Der bekannteste von
den so genannten elektrischen Fischen (§. 110.). Wird an
theils Orten gegessen.

2. †. Batis. der Glattroche, Baumroche, Flete,
Tepel. (Fr. la raie lisse. Engl. the skate, flair).
R. varia, dorso medio glabro, cauda unico aculeo-
rum ordine.

Bloch tab. 79.

In den europäischen Meeren. Wird auf zwey Centner schwer.
Hat ein vorzüglich schmackhaftes Fleisch.

3. Pastinaca. der Stachelroche, Pfeilschwanz. (Fr.
la pastenaque, tareronde, raie baïonette. Engl.
the sting-ray). R. corpore glabro, aculeo longo
anterius serrato in cauda, et dorso apterygio.

Bloch tab. 82.

In vielen Welt-Meeren. Sein Schwanz-Stachel ist zwar
nicht giftig; aber er dient dem Thiere und auch wilden Völ-
kern als Waffen.

4. Squalus. Hay. (Fr. chien de mer. Engl. shark).
Spiracula branchialia 5 ad latera colli. Corpus oblon-
gum teretiusculum. Os in inferiore capitis parte.

1. Acanthias. der Dornhay. (Fr. l'aguillat). S.
pinna anali nulla, dorsalibus spinosis, corpore te-
retiusculo.

Bloch tab. 85.

In den europäischen Meeren. Hat drei Reihen Zähne in
jedem Kiefer.

2. Zygaena. der Hammerfisch, Jochfisch. (Fr. le
marteau
). S. capite latissimo transverso malleiformi.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 99.

[Seite 178]

In den mehresten Welt-Meeren.

3. Carcharias. (lamia, tiburo. Fr. le requin. Engl.
the white shark). S. dorso plano, dentibus serratis.

Bloch tab. 120.

Einer der weitest verbreiteten Fische. Zumal häufig im at-
lantischen Ocean. Wiegt zuweilen auf zehntausend Pfund, und
in seinem Magen hat man wohl eher ganze Pferde gefunden.
Hat sechsfache Reihen Zähne in den Kiefern, die (wie über-
haupt bei den mehresten Hayen) nicht in die Kinnladen ein-
gekeilt, sondern wie durch eine Art Gelenk mit denselben ver-
bunden sind. Die vordere Reihe dieser Zähne macht das ei-
gentliche Gebiß. Die hintern liegen (wenigstens beim jungen
Thier) rückwärts gekehrt, gleichsam auf Reserve, damit zu-
fälliger Verlust derer in der vordern Reihe zu wiederholten
Malen ersetzt werden kann.

4. Pristis. der Sägefisch, Schwertfisch. (Fr. la
scie de mer
. Engl. the saw fish). S. pinna ani nul-
la, rostro ensiformi osseo plano utrinque dentato.

Bloch tab. 120.

Unter andern im nördlichen atlantischen Ocean. Das brei-
te schwertförmige, oft mehrere Ellen lange Gewehr, das die-
ses Thier vor dem Kopfe führt, ist an beiden Seiten-Rän-
dern mit 24 oder mehreren starken eingekeilten Zähnen
besetzt.

5. Lophius. Seeteufel (Fr. baudroie, diable de mer.
Engl. sea-devil). Pinnae pectorales branchiis insi-
dentes. Spiracula solitaria pone brachia.

1. †. Piscatorius. der Froschfisch. (rana piscatrix.
Fr. la grenouille pêcheuse. Engl. the frog-fish).
L. depressus capite rotundato.

Bloch tab. 87.

An den europäischen Küsten. Der ungeheure Kopf, der die
größere Hälfte des ganzen Thiers ausmacht, und dann die
fleischigen Angelfaden am Maule (§. 110.) geben ihm ein
auffallendes Ansehen.

6. Balistes. Hornfisch. Caput compressum. Apertura
supra pinnas pectorales. Corpus compressum, squa-
mis corio coadunatis. Abdomen carinatum.

1. Tomentosus. (Engl. the little old wife). B. pin-
na capitis biradiata, corpore posterius subvilloso.

Bloch tab. 148. fig. 1.

In beiden Indien.

[Seite 179]

7. Chimaera. Spiracula solitaria, quadripartita, sub
collo. Oris labium superius quinquepartitum. Dentes
primores incisores bini supra infraque.

1. Monstrosa. C. rostro subtus plicis pertusis.

Bloch tab. 124.

Im nördlichen atlantischen Ocean.


II. BRANCHIOSTEGI.

Die mit Kiemendeckeln versehenen Knorpelfische.

8. Acipenser. Spiracula lateralia solitaria, linearia. Os
sub capite, retractile, edentulum. Cirri quatuor sub
rostro ante os.

1. †. Sturio. der Stör. (Fr. l'esturgeon. Engl. the
sturgeon
). A. squamis dorsalibus 11.

Bloch tab. 88.

In allen europäischen Meeren, auch im caspischen etc., in
der Wolga, im Nil etc. Macht nebst den übrigen Gattungen
dieses Geschlechts sowohl wegen des Fleisches, als des aus
dem Rogen bereiteten Caviars, für viele Völker einen wichti-
gen Fang aus, und kann gegen tausend Pfund schwer wer-
den. Oft ziehen ihrer eine Menge in schmalen aber langen
Zügen hinter einander, und das soll Anlaß zu der fabelhaf-
ten Sage von ungeheuren nordischen Seeschlangen gegeben
haben.

2. Ruthenus. der Sterlet. A. squamis dorsalibus 15.

Bloch tab. 89.

Dieser vorzüglich schmackhafte Fisch findet sich am häufig-
sten im caspischen Meer und in der Wolga, aber selten über
30 Pfund schwer.

3. Huso. der Hausen, Beluga. (Antacaeus.) A.
squamis dorsalibus 13. caudalibus 43.

Bloch tab. 129.

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen. Ist nebst dem
Wels wohl der größte Süß-Wasserfisch, und vorzüglich we-
gen des Fischleims oder Hausenblase merkwürdig, die man
besonders aus der Schwimmblase desselben, doch auch aus
dem Stör und noch aus einer andern Gattung dieses Ge-
schlechts, nämlich der Sewruge (Acipenser stellatus),
die auch das beste Caviar gibt, ja theils auch aus der Schwimm-
blase des Wels u.a. bereitet.

[Seite 180]

9. Ostracion. Panzerfisch. (Fr. poisson coffre). Cor-
pus osse integro loricatum. Pinnae ventrales nullae.

1. Bicuspis. O. trigonus, spinis dorsalibus duabus.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 58.

An den Küsten von Schina, und, wenn anders der O.
stellifer nicht eine eigene Gattung ist, auch in America.

2. Triqueter. O. trigonus muticus.

Bloch tab. 130.

So wie der folgende in Ostindien.

3. Cornutus. O. tetragonus, spinis frontalibus sub-
caudalibus binis.

Bloch tab. 133.

In Ostindien. Ein niedliches kleines Thier, dessen Panzer
aufs regelmäßigste, meist mit Sechsecken wie Bienenzellen,
bezeichnet ist.

10. Tetrodon. Stachelbauch. Corpus subtus murica-
tum. Pinnae ventrales nullae.

1. Lagocephalus. (Fr. le poisson souffleur). T. abdo-
mine aculeato, corpore laevi, humeris prominen-
tibus.

Bloch tab. 140.

Besonders häufig im Senegal. Und zwar sind die, so man
oben im Flusse landeinwärts fängt, ein gesundes gutes Essen.
Hingegen die nahe an der See, in der Mündung des Stroms,
sehr giftig.

2. Electricus. T. corpore maculoso; pinnis viridibus.

Philos. Transact. Vol. LXXVI. P. II. tab. 13.

Einer von den bis jetzt bekannten elektrischen Fischen (§. 110.)
In Ostindien an der St. Johanna-Insel.

3. Hispidus. der Kugelfisch. (orbis. Engl. the
moon-fish
). T. totus hispidus, papillis setaceis.

Bloch tab. 142.

Im rothen Meere etc. Aber auch in den süßen Wassern der
benachbarten Länder.

4. Mola. der Klumpfisch. (lana Fr. la lune de mer.
Engl. the sun-fish). T. laevis compressus, cauda
truncata: pinna brevissima dorsali analique annexa.

Hamburg. Magaz. XVIII. B. tab. 1.

Häufig im mittelländischen und atlantischen Meere. Wiegt
zuweilen auf fünf Centner. Hat den deutschen Namen von
seiner unförmlichen Gestalt; den französischen und englischen
[Seite 181] aber von dem starken phosphorischen Schein, womit die Sei-
ten und der Unterleib des lebendigen Fisches leuchten.

11. Diodon. Corpus spinis acutis mobilibus undique
adspersum. Pinnae ventrales nullae.

1. Hystrix. der Stachelfisch, Guara. (Engl. the
porcupine-fish
). D. oblongus, aculeis teretibus.

Bloch tab. 126.

Zumal im atlantischen Ocean: namentlich auch an den
nordamericanischen Küsten.

12. Cyclopterus. Bauch-Sauger. Caput obtusum.
Pinnae ventrales in orbiculum connatae.

1. †. Lumpus. der See-Hase, Klebpfost, Haf-
padde. (Fr. le lièvre de mer. Engl. the lumpsu-
cker
). C. corpore squamis osseis angulato.

Bloch tab. 90.

In den nördlichen Meeren der alten Welt. Hängt sich mit
seinem gerippten flachen Brustschilde aufs festeste an die Klip-
pen, Schiffe u.s.w. an.

13. Centriscus. Messer-Fisch. Caput productum in
rostrum angustissimum. Abdomen carinatum. Pinnae
ventrales unitae.

1. Scolopax. die Meer-Schnepfe. C. corpore squa-
moso scabro, cauda recta extensa.

Bloch tab. 123. fig. 1.

Im mittelländischen Meer etc.

14. Syngnathus. Rostrum subcylindricum, ore opercu-
lato, maxilla inferiore mobiliore. Corpus cataphrac-
tum. Pinnae ventrales nullae.

1. Acus. die Meer-Nadel, Sack-Nadel. (Engl.
the pipe). S. pinnis caudae ani pectoralibusque ra-
diatis; corpore septem-angulato.

Bloch tab. 91. fig. 2.

In der Nord- und Ostsee etc.

2. Hippocampus. das See-Pferdchen, die See-
Raupe. (Fr. le cheval marin. Engl. the seahorse).
S. pinna caudae quadrangulae nulla, corpore sep-
temangulato tuberculato.

Bloch tab. 116. fig. 3.

Einer der weitest verbreiteten Seefische. Hat seinen Na-
men, weil der Vordertheil einem Pferdekopf und Hals, das
hintere Ende aber einer Raupe verglichen worden. Im Tode
[Seite 182] krümmt er sich wie ein S, und ähnelt so dem Springer im
Schach.

15. Pegasus. Os proboscide retractili. Rostrum ensifor-
me, lineare. Corpus articulatum osseis incisuris, ca-
taphractum. Pinnae ventrales abdominales.

1. Draconis. der Seedrache. P. rostro conico.

Bloch tab. 109. fig. 1. 2.

In Ostindien. Die großen breiten Brustflossen ähneln aus-
gespannten Flügeln, und mögen wohl den Namen veranlaßt
haben.


III. APODES.

Diese und die drey folgenden Ordnungen begreifen nun die
mit Gräten versehenen oder eigentlich so genannten
Fische. Und zwar hier diese, die sogar keine Bauchflossen haben.

16. Muraena. Caput laeve. Nares tubulosae. Membr.
branch. radiis 10, corpus teretiusculum, lubricum.
Pinna caudalis coadunata dorsali anique. Spiracula
pone caput vel pinnas pectorales.

1. Helena. die Muräne. M. pinnis pectoralibus
nullis.

Bloch tab. 153.

Ein sehr gefräßiger Raubfisch, in den wärmern Meeren
beider Welten.

2. †. Anguilla. der Aal. (Fr. l'anguille. Engl. the
eel
). M. maxilla inferiore longiore, corpore uni-
colore.

Bloch tab. 73.

Einer der allgemeinst verbreiteten Flußfische beider Welten.
Geht zuweilen ans Land auf Wiesen, ins Getreide etc. Hat
ein zähes Leben, und das ihm ausgeschnittene Herz behält
wohl noch 40 Stunden lang seine Reitzbarkeit. Nach den
genauesten Beobachtungen gebiert er sicher lebendige Junge*).

17. Gymnotus. Caput operculis lateralibus. Tentacula
duo ad labium superius. Membr. branch. radiis 5;
corpus compressum, subtus pinna carinatum.

1. Electricus. der Zitteraal, Zitterfisch, Drill-
[Seite 183] fisch. (Fr. l'anguille électrique). G. nudus, dorso
apterygio, pinna caudali obtusissima anali connexa.

Bloch tab. 156.

Besonders bei Surinam und Cayenne, wo ihn van Ber-
kel*) 1695 zuerst bekannt gemacht hat. Ungefähr Manns-
lang**).

18. Trichiurus. Caput porrectum, operculis laterali-
bus. Dentes ensiformes, apice semisagittati: primo-
res majores. Membr. branchiostega radiis 7. Corpus
compresso-ensiforme. Cauda subulata, aptera.

1. Lepturus. T. mandibula inferiore longiore.

Bloch tab. 158.

In beiden Indien.

2. Indicus. T. mandibulis aequalibus.

Willoughby App. tab. 3. fig. 3.

In Ostindien. Ebenfalls ein elektrischer Fisch (§. 110.).

19. Anarrhichas. Caput obtusiusculum. Dentes primo-
res supra infraque conici, divergentes, sex pluresve,
molares inferiores palatique rotundati. Membr. branch.
radiis 6. Corpus teretiusculum, pinna caudae di-
stincta.

1. †. Lupus. der Klippfisch, Seewolf, Steinbei-
ßer. (Engl. the ravenous). A. pinnis pectoralibus
amplis subrotundis.

Bloch tab. 74.

An den Küsten des nördlichen Europa.

20. Ammodytes. Caput compressum. Labium superius
duplicatum, dentes acerosi. Membr. branch. rad. 7.
Corpus teretiusculum, cauda distincta.

1. †. Tobianus. der Sandfisch, Sandaal, To-
biasfisch, Sandspier. (Engl. the sandlaunce).
A. maxilla inferiore longiore.

Bloch tab. 75. fig. 2.

Ebenfalls am nördlichen Europa. Wühlt sich in den Kü-
[Seite 184] stensand, wo er in England und Holland in Menge heraus-
gestochen wird.

21. Ophidium. Caput nudiusculum. Dentes maxillis,
palato, faucibus. Membr. branch. radiis 7 patula.
Corpus ensiforme.

1. †. Imberbe. der Nugnoge, Fünffingerfisch. O.
maxillis imberbibus, cauda obtusiuscula.

British Zoology. App. tab. 93.

Häufig an Austerbänken, da er der gefährlichste Feind der
Austern seyn soll. Wird nicht selten in fest geschloßnen Au-
sterschalen gefunden*).

22. Stromateus. Caput compressum. Dentes in maxil-
lis, palato. Corpus ovatum, latum, lubricum. Cau-
da bifida.

1. Paru. S. uniculor.

Bloch tab. 160.

An America.

23. Xiphias. Caput maxilla superiore terminatum rostro
ensiformi. Os edentulum. Membr. branch. rad. 8;
corpus teretiusculum, alepidotum..

1. †. Gladius. der Schwertfisch, Hornfisch. (Fr.
l'épée de mer, l'empéreur, l'espadon. Engl. the
sword-fish, whale killer
). X. mandibula inferiore
acuta, triangulari.

Bloch tab. 76.

In den nördlichen sowohl als südlichen Meeren. Wird mit
seinem Schwerte auf 18 Fuß lang, und hält dann gegen 5
Centner an Gewicht. Hat ein sehr schmackhaftes Fleisch und
macht besonders für die calabrischen und sicilianischen Fischer
einen wichtigen Fang**).

24. Leptocephalus. Caput exile. Corpus elongatum,
tenuissime compressum. Pinnae pectorales minutae.

1. Morrisii.

Leach's zoolog. miscell. vol. III. tab. 126.

An den englischen Küsten, wie ein schmaler hell durchschei-
nender Rieme***).

IV. JUGULARES.

[Seite 185]

Fische, deren Bauchfloßfedern vor den Brustflossen sitzen.

25. Callionymus. Caput labio superiore duplicato; ocu-
li approximati. Membr. branchiostega rad. 6; aper-
tura nuchae foraminibus respirante. Opercula clau-
sa. Corpus nudum. Pinnae ventrales remotissimae.

1. Lyra. (Fr. le lacert. Engl. the piper). C. dorsalis
prioris radiis longitudine corporis.

Bloch tab. 161.

Im atlantischen Ocean.

26. Uranoscopus. Caput depressum, scabrum, majus.
Os simum, maxilla superior brevior. Membr. branch.
radiis 5; anus in medio.

1. Scaber. der Sternseher. (Fr. le boeuf. Engl.
the star-gazer). U. cirris multis in maxilla infe-
riore.

Bloch tab. 163.

Vorzüglich häufig im mittelländischen Meere.

27. Trachinus. Caput scabriusculum, compressum.
Membr. branch. rad. 6; anus prope pectus.

1. †. Draco. das Petermännchen. (Fr. la vive.
Engl. the wever, stingfish). Trachinus.

Bloch tab. 61.

Im mittelländischen Meere, in der Nordsee etc.

28. Gadus. Corpus laeve. Membr. branch. rad. 7 tere-
tibus; pinnae cute communi vestitae, pectorales acu-
minatae.

1. †. Aeglefinus. der Schellfisch. (Engl. the had-
dock
). G. tripterygius cirratus albicans, cauda bi-
loba, maxilla superiore longiore.

Bloch tab. 62.

Im ganzen nördlichen europäischen Ocean, vorzüglich aber
an den englischen und schottischen Küsten. – Viele Fische
phosphoresciren unter gewissen Umständen nach dem Tode:
bei diesem hier ist aber dieses Leuchten zuweilen von ganz auf-
fallender Stärke und langanhaltender Dauer*).

[Seite 186]

2. †. Callarias. der Dorsch. G. tripterygius cirratus
varius, cauda integra, maxilla superiore longiore.

Bloch tab. 63.

Hat meist gleichen Aufenthalt mit dem vorigen.

3. †. Morrhua. der Kabeljau, Steinfisch. Baccal-
jao
. (Asellus. Fr. la morue. Engl. the codfish).
G. tripterygius cirratus, cauda subaequali, radio
primo anali spinoso.

Bloch tab. 64.

Es werden unter diesen gemeinschaftlichen Namen mehrere
verwandte Gattungen dieses Geschlechts begriffen, die wegen
der unsäglichen Menge und wegen der mannichfaltigen Zube-
reitung (als Stockfisch, als Laberdan, und als Klippfisch)
und langen Conservation etc. von der äußersten Wichtigkeit
sind. Sie finden sich vorzüglichst in den nördlichen Gegenden,
beides des stillen und atlantischen Oceans, wo sie besonders
um Labrador, Neu-Fundland, auch um Island und an den
Nordküsten von Großbritannien den wichtigsten Fischfang aus-
machen*).

4. †. Merlangus. der Witling, Gadde. (Fr. le mer-
lan
. Engl. the whiting). G. tripterygius imberbis
albus, maxilla superiore longiore.

Bloch tab. 65.

In den europäischen Meeren.

5. †. Lota. die Quappe, Drusche, Rutte, Aal-
raupe, Aalputte. (Fr. la lote. Engl. the burbot).
G. dipterygius cirratus, maxillis aequalibus.

Bloch tab. 70.

Vorzüglich in den Schweizer-Seen. Einer der schmackhaf-
testen deutschen Fische.

29. Blennius. Schleimfisch. Caput declive, tectum.
Membr. branch. rad. 6; corpus lanceolatum, pinna
ani distincta.

1. †. Viviparus. die Aalmutter. B. ore tentaculis
duobus.

Bloch tab. 72.

Im mittelländischen Meere, in der Nordsee etc. Gebiert le-
bendige Junge.

V. THORACICI.

[Seite 187]

Fische, deren Bauchfloßfedern gerade unter den Brustflos-
sen sitzen.

30. Cepola. Caput subrotundum compressum. Os si-
mum, dentes curvati, simplici ordine. Membr. branch.
radiis 6, corpus ensiforme, nudum, abdomine vix
capitis longitudine.

1. Taenia. der Bandfisch. (Fr. le ruban). C. pinna
caudae attenuata, capite obtusissimo.

Bloch tab. 170.

Im mittelländischen Meere.

31. Echeneis. Caput depressum, supra planum margi-
natum, transverse sulcatum. Membr. branch. rad. 10.

1. Remora. der Saugefisch. (Fr. le sucet. Engl.
the sucking-fish). E. cauda bifurca, striis capitis 18.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 78.

In den mildern Weltmeeren. Das sonderbare Thier kann
sich mittelst des quergestreiften Hinterkopfs aufs festeste an
Schiffe, Hayfische etc. anhalten. Daher die alte Fabel, daß
ein einziger ein Schiff im vollen Lauf zu hemmen vermöge.

32. Coryphaena. Caput truncato-declive. Membr. branch.
rad. 5; pinna dorsalis longitudine dorsi.

1. Hippurus. der Goldkarpfe. (Fr. la dorade. Engl.
the dolphin). C. cauda bifida, radiis dorsalibus 60.

Bloch tab. 174.

Im atlantischen Meere. Ein prachtvolles Thier, das be-
sonders im Sterben in wunderschöne Farben (aus dem Gel-
ben ins Blaue und Purpurrothe etc.) spielt.

33. Gobius. Caput poris 2 inter oculos approximatos,
altero anteriore. Membr. branch. rad. 4; pinnae ven-
trales unitae in ovatam.

1. Niger. die Meergrundel. G. pinna dorsali secun-
da radiis 14.

Bloch tab. 38. fig. 1. 2. 5.

Im atlantischen und indischen Ocean.

34. Cottus. Caput corpore latius, spinosum. Membr.
branch. rad. 6.

1. †. Cataphractus. der Knurrhahn, Steinpicker.
[Seite 188] (Engl. the pogge.) C. loricatus rostro verrucis
bifidis, capite subtus cirroso.

Bloch tab. 38. fig. 3. 4.

An den nördlichen Küsten von Europa und America.

2. †. Gobio. der Kaulkopf, Rotzkolbe, Gropp,
Kruppe. (Fr. le chabot. Engl. the bull-head, the
miller's
thumb). C. laevis, capite spinis duabus.

Bloch tab. 38. fig. 1. 2.

Ein sehr gemeiner europäischer Flußfisch. Das Weibchen
scharrt sein Leich in eine Höhle am Grund, und bewacht es,
bis die Jungen ausgekrochen sind, aufs sorgfältigste.

35. Scorpaena. Caput magnum, aculeatum. Oculi vi-
cini. Dentes maxillis, palato, faucibus. Membr.
branch. radiis 7.

1. Horrida. S. tuberculis callosis adspersa.

Bloch tab. 183.

In Ostindien.

36. Zeus. Caput compressum, declive. Labium supe-
rius membrana transversa fornicatum. Lingua subu-
lata. Membr. branch. radiis 7 perpendicularibus: in-
fimo transverso. Corpus compressum.

1. Vomer. (Engl. the silvery dory). Z. cauda bifur-
ca, spina ante pinnam analem dorsalemque recum-
bente.

Bloch tab. 139.

2. Faber. (Engl. the doree, dory). Z. cauda rotun-
data; lateribus mediis ocello fusco; pinnis analibus
duabus.

Bloch tab. 41.

Beide im atlantischen Meer.

37. Pleuronectes. Butte, Scholle, Halbfisch. (Fr.
sole. Engl. flounder.) Oculis utrisque in eodem la-
tere frontis. Membr. branch. rad. 4-7; corpus com-
pressum, latere altero dorsum, altero abdomen re-
ferente.

Die Schollen sind die einzigen Thiere die ihre beiden Au-
gen auf einer Seite des Kopfs haben; manche Gattungen
nähmlich auf der rechten, andere auf der linken; sehr selten
finden sich Mißgeburten unter ihnen, die anomalisch auf der
unrechten Seite ihre Augen haben. Auch beide Nasenlöcher
[Seite 189] sitzen ebenfalls so schief seitwärts. Sie schwimmen in einer
schrägen Lage, die Augenseite in die Höhe gerichtet.

1. †. Platessa. die Scholle, Plateis, Goldbutte.
(passer. Fr. la plie. Engl. the plaise). P. oculis
dextris, corpore glabro, tuberculis 6 capitis.

Bloch tab. 42.

Nebst den folgenden besonders in den nördlichen Meeren.

2. †. Flesus. der Flünder. (Engl. the flounder.) P.
oculis dextris, linea laterali aspera, spinulis ad
pinnas.

Bloch tab. 44.

3. †. Limanda. die Glahrke, Kliesche. (Engl. the
dab
). P. oculis dextris, squamis ciliatis, spinulis
ad radicem pinnarum dorsi anique, dentibus ob-
tusis.

Bloch tab. 46

4. †. Hippoglossus. die Heiligbutte. (Fr. le fletang.
Engl. the holibut). P. oculis dextris, corpore toto
glabro.

Bloch tab. 47.

Theils von vier Centnern an Gewicht: unter andern in
größter Menge im nördlichen stillen Ocean.

5. †. Maximus. die Steinbutte. (Fr. und Engl.
turbot). P. oculis sinistris, corpore aspero.

Bloch tab. 49.

Doch weit kleiner als die vorige. Einer der schmackhafte-
sten Fische.

38. Chaetodon. Dentes (plurimis) setacei, flexiles con-
fertissimi, numerosissimi. Membr. branch. radiis 6;
corpus pictum, pinna dorsi anique carnosa squa-
mosa.

1. Rostratus. C. cauda integra, spinis pinnae dorsa-
lis 9, maculaque ocellari; rostro cylindrico.

Bloch tab. 202.

In Ostindien. Der Oberkiefer endigt sich in eine Röhre,
wodurch der Fisch die Insecten, die an allerhand Wasserpflan-
zen sitzen, bespritzt, daß sie herabfallen und ihm zur Speise
werden müssen.

2. Macrolepidotus. C. cauda integra, spinis dorsali-
bus 11, radio dorsali quarto filiformi longissimo.

Bloch tab. 200.

In Ostindien.

[Seite 190]

39. Sparus. Brachse. Dentes primores robusti, mola-
res obtusi, conferti. Labia simplicia. Membr. branch.
rad. 5; corpus compressum. Pinnae pectorales acu-
minatae.

1. Aurata. der Goldbrachsen. S. lunula aurea in-
ter oculos.

Bloch tab. 266.

Im mittländischen und atlantischen Meer. Hat fast in
allen Sprachen seinen Namen von dem goldfarbigen halben
Monde vor den Augen.

2. Sargus. der Greißbrachsen. S. ocello subcau-
dali, corpore fasciis nigris.

Bloch tab. 264.

Im mittelländischen Meer. Die Männchen sollen zur Be-
gattungszeit sehr hitzig wie Säugethiere oder Vögel um ihre
Weibchen kämpfen.

3. Pagrus. der Seebrachsen. S. rubescens, cute
ad radicem pinnarum dorsi et ani in sinum pro-
ducta.

Bloch tab. 267.

Einer der allgemeinst verbreiteten Seefische. Zuweilen
giftig.

40. Labrus. Lippfisch. Dentes acuti, labia duplicata
magna. Membr. branch. rad. 6; pinnae dorsalis radii
postice ramento filiformi aucti. Pectorales rotun-
datae.

1. Julis. der Meerjunker. L. lateribus caerulescen-
tibus, vitta longitudinali fulva utrimque dentata.

Bloch tab. 287.

Im mittelländischen Meer. Nur Fingers lang, von aus-
nehmend schönen Farben. Wird den Badenden durch seinen
Biß lästig.

41. Sciaena. Caput totum squamis obtectum. Membr.
branch. rad. 6; opercula squamosa. Corpus fossula
dorsi pro pinna dorsali recondenda.

1. Nigra. S. tota nigra, ventre fusco-albescente.

Bloch tab. 297.

Wie viele andere Gattungen dieses Geschlechts im rothen
Meere.

42. Perca. Opercula spinosa, antrorsum serrata. Membr.
[Seite 191] branch. rad. 7; corpus pinnis spinosis. Linea latera-
lis cum dorso arcuata.

1. †. Fluviatilis. der Barsch. (Fr. la perche. Engl.
the perch). P. pinnis dorsalibus distinctis, secunda
radiis 16.

Bloch tab. 52.

In Europa und Nordasien.

2. †. Lucioperca. der Zander, Sandbarsch, Schiel.
P. pinnis dorsalibus distinctis, secunda radiis 23.

Bloch tab. 51.

So wie der folgende im nördlichen Europa. Hier diese
Gattung vorzüglich schmackhaft, vor allen die im Plattensee
in Ungarn. Von ansehnlicher Größe in der Donau.

3. †. Cernua. der Kaulbarsch. (Engl. the ruffe). P.
pinnis dorsalibus unitis radiis 27; spinis 15; cauda
bifida.

Bloch tab. 53. fig. 2.

43. Gasterosteus. Membr. branch. rad. 3; corpus ad
caudam utrimque carinatum. Pinnae ventrales pone
pectorales, sed supra sternum.

1. †. Aculeatus. der Stichling. (spinarella. Engl.
the stickleback). G. spinis dorsalibus tribus.

Bloch tab. 53. fig. 3.

In Europa; wird fast bloß zum Mästen der Schweine, zu
Thran, und statt Dünger gebraucht.

2. Ductor. der Lootsman. (Fr. le pilote. Engl.
the pilot-fish). G. spinis dorsalibus 4 membrana
branchiostega 7-radiata.

Der berühmte kleine Fisch der sich immer als Begleiter oder
Vorläufer beim furchtbaren Requin (Squalus carcharias)
findet. Einige Uebertreibungen abgerechnet ist die Hauptsache
neuerlich durch treffliche Beobachter vollkommen bestätigt*).

44. Scomber. Caput compressum, laeve. Membr. branch.
rad. 7; corpus laeve, linea laterali postice carinatum.
Pinnae spuriae saepe versus caudam.

1. †. Scomber. die Makrele. (Fr. le maquereau.
Engl. the mackrel). S. pinnulis 5.

Bloch tab. 54.

[Seite 192]

Im nordischen und atlantischen Meer etc. Wie der folgen-
de ein gefräßiger aber sehr schmackhafter Raubfisch. Von bei-
den machten die Alten ein vorzügliches Garum.

2. Pelamys. die Bonite. S. pinnulis inferioribus 7;
abdomine lineis utrimque 4 nigris.

In allen wärmern Welt-Meeren. Auch dieses Thier phos-
phorescirt nach dem Tode zuweilen sehr stark, und kann dann
so wie manche andere Fische und deren Thran etc. zum Leuch-
ten des Seewassers beytragen.

3. †. Thynnus. der Thunnfisch. (Fr. le thon. Engl.
the tunny.) S. pinnulis utrimque 8.

Bloch tab. 55.

In der Nordsee, dem mittelländischen Meer, Ost- und
Westindien etc. Wird über Manns lang, und dann wohl ge-
gen 5 Centner schwer. Ist zuweilen giftig*). – Ihm äh-
nelt die zumal aus den Südsee-Reisen bekannte Albicore.

45. Mullus. Caput compressum, declive, squamis tec-
tum. Membr. branch. rad. 3; corpus squamis magnis
facile deciduis.

1. Barbatus. der Rothbarbe, Meerbarbe. (trigla.
Fr. le surmulet). M. cirris geminis, corpore rubro.

Bloch tab. 348. fig. 2.

Zumal im mittelländischen Meere. Ungefähr fußlang. Be-
rühmt wegen des Luxus, den weiland die römischen Schwel-
ger damit getrieben, so wie wegen des physiologisch merkwür-
digen wundersamen Farbenspiels, das dieser Fisch (so wie der
Goldkarpfe – S. 187 – u. einige andere) im Sterben
zeigt**).

Der M. surmuletus (Bloch tab. 47.) scheint mir nach
genauer Vergleichung gar nicht specifisch von dieser Gattung
verschieden.

46. Trigla. Seehahn. Caput loricatum lineis scabris.
Membr. branch. rad. 7; digiti liberi ad pinnas pec-
torales.

1. Volitans. T. digitis vicinis membrana palmatis.

Bloch tab. 351.

Einer der fliegenden Fische in den mildern Welt-Meeren.


VI. ABDOMINALES.

[Seite 193]

Die, deren Bauchstoßen hinter den Brustfloßfedern sitzen.
Die mehresten Süßwasserfische sind aus dieser Ordnung.

47. Cobitis. Oculi in suprema capitis parte. Membr.
branch. rad. 4-6; cauda versus pinnam minus an-
gustata.

1. Anableps. C. cirris 2; capite depresso, oculis pro-
minulis.

Bloch tab. 361.

Bey Surinam. Gebiert lebendige Junge, und wird beson-
ders durch den ganz einzigen Bau seiner gleichsam in zwey
Abschnitte halbirten Hornhaut des Auges, und übrige Ein-
richtung der Augäpfel, merkwürdig*).

2. †. Barbatula. der Schmerling, Grundel, Bart-
grundel. (Fr. la loche. Engl. the loach). C. cir-
ris 6, capite intermi compresso.

Bloch tab. 31. fig. 3.

In mehrern Spielarten, mit und ohne Bartfäden etc. Die
größten finden sich in der Aar in der Schweiz.

3. †. Fossilis. der Wetterfisch, Peizker, Schlamm-
peizker, die Pipe, Steinpietsche, Kurrpiet-
sche. C. cirris 6, spina supra oculos.

Bloch tab. 31. fig. 1.

In Europa. Kann wie der Knurrhahn einen Laut von sich
geben. Wenn man ihn in Gläsern, mit Sand am Boden,
erhält, so wird er bey bevorstehender Wetterveränderung un-
ruhig**).

48. Silurus. Caput nudum. Os cirris filiformibus tenta-
culatum. Membr. branch. rad. 4-14; radius pinna-
rum pectoralium aut dorsalis primus spinosus, retro-
dentatus.

1. †. Glanis. der Wels, Schaidfisch. S. pinna dor-
sali unica mutica, cirris 6.

Bloch tab. 34.

In den mildern Strichen der alten Welt. Nebst dem Hau-
sen der größte Süßwasser-Fisch, der wohl 3 Centner am
[Seite 194] Gewicht hält, und wegen des unförmlich großen und breiten
Kopfes und der langen Bartfäden ein sonderbares Anse-
hen hat.

2. Cataphractus. S. pinna dorsali postica uniradiata,
squamis ordine simplici, cirris 6, cauda integra.

Catesby vol. III tab. 19.

In Nordamerica.

3. Electricus. der Zitter-Wels, Raasch. (Fr. le
trembleur
). S. pinna dorsali unica lumbari, remo-
ta absque radiis, cirris 6.

Broussonet in den Mém. de l'ac. des sc. de Paris.
1792. tab. 20.

Ebenfalls ein electrischer Fisch. (§. 110). Findet sich im
Nil und mehrern andern africanischen Flüssen. Wird unge-
fähr 20 Zoll lang. Ist eßbar.

49. Loricaria. (Fr. cuirassier). Caput laeve depres-
sum. Os edentulum retractile. Membr. branch. ra-
diis 6; corpus cataphractum.

1. Plecostomus. L. pinnis dorsi duabus.

Bloch tab. 374.

In Südamerica.

50. Salmo. Caput laeve. Dentes in maxillis, lingua.
Membr. branch. rad. 4-10; pinna dorsalis postica
adiposa: pinnae ventrales multiradiatae.

1. † Salar. der Lachs, Salm. (Fr. le saumon.
Engl. the salmon). S. rostro ultra inferiorem ma-
xillam prominente.

Bloch tab. 20. 98.

In den nordischen Meeren und Flüssen, theils wie auf La-
brador und im Amur-Lande in unsäglicher Menge. Hält sich
des Sommers in den Flüssen, im Winter aber in der See
auf. Wächst wohl unter den Fischen am schnellsten. Nur die
Männchen haben einen gebogenen Unterkiefer. Die Weiber
der Orotchys-Tungusen wissen die Lachshäute durch Gerben
ausnehmend geschmeidig zu machen, um sich damit zu kleiden.

2. †. Trutta. die Lachs-Forelle. (Fr. la truitte sau-
monée
. Engl. the sea trout). S. ocellis nigris iri-
dibus brunneis, pinna pectorali punctis 6.

Bloch tab. 21.

An den Küsten und in den Flüssen von Europa. Wird 8
bis 10 Pfund schwer.

[Seite 195]

3. †. Fario. die Forelle. (Fr. la truite. Engl. the
trout
). S. maculis rubris, maxilla inferiore sub-
longiore.

Bloch tab. 22. 23.

In schattigen Waldbächen des gebirgigen mildern Europa
und Asien. Wird selten über 2 Pfund schwer. Variirt sehr
an Farbe und Geschmack.

4. †. Alpinus. die Alpenforelle, der Rothfisch.
S. dorso nigro lateribus caeruleis, ventre fulvo.

Bloch tab. 104.

Im alpinischen und nördlichen Europa. Ein wichtiges Thier
für die schwedischen Lappen, deren beinahe einzige Nahrung
es zu Zeiten ausmacht; lebt großentheils von Mücken (culex
pipiens).

5. †. Eperlanus. der große Stint, Alander. (Engl.
the smelt). S. capite diaphano, radiis pinnae ani 17.

Bloch tab. 28. fig. 2.

Im nördlichern Europa. Fast durchscheinend. – Ihm äh-
nelt der so genannte grönländische Häring, Angmarset
(Salmus arcticus) den die Grönländer nächst ihrer Haupt-
nahrung, dem Seehundfleische, in größter Menge gleichsam
als Brod oder Kuchen verzehren.

6. †. Lavaretus. der Gangfisch, Schnepel, Weiß-
fisch. S. maxilla superiore longiore, radiis pinnae
dorsi 14.

Bloch tab. 25.

In der Nord- und Ostsee; auch in der Hudsonsbay. –
Dahin gehören vermuthlich auch die Felchen, und der Aal-
bock im Thuner-See, der mit der Ferra des Gemfer-
Sees einerlei zu seyn scheint.

7. †. Thymallus. die Aesche. (Fr. l'ombre). S. ma-
xilla superiore longiore, pinna dorsi radiis 23.

Bloch tab. 24.

Im mittlern Europa und Sibirien.

51. Fistularia. Caput: rostrum cylindricum, apice
maxillosum. Membr. branch. radiis 7; corpus....

1. Tabacaria. E. cauda bifida setifera.

Bloch tab. 387.

Das so gar sonderbar gebildete Thier mit winzig-kleinem
Maule an einer mächtig langen Schnauze findet sich an den
östlichen Küsten vom wärmern America und an Neuholland.

[Seite 196]

52. Esox. Caput supra planiusculum: mandibula supe-
riore plana breviore, inferiore punctata: dentes in
maxillis, lingua. Membr. branch. rad. 7-12.

1. †. Lucius. der Hecht. (Fr. le brochet. Engl. the
pike
). E. rostro depresso subaequali.

Bloch tab. 32.

In vielen Flüssen und Seen von Europa, Asien, und
Nordamerica. Einer der gefräßigsten Raubfische, der nicht
nur andere Fische, sondern auch allerhand Amphibien, Krö-
ten etc. viele Wasservögel und kleine Säugethiere, auch zu-
weilen gar Krebse verschlingt.

2. †. Belone. der Hornfisch. (Fr. l'orphie. Engl.
the garpike). E. rostro utraque maxilla subulato.

Bloch tab. 33.

In den europäischen Meeren, theils in unsäglicher Menge.
Hat grünliche Gräten, die durchs Sieden grasgrün werden.

53. Polypterus. Membr. branch. radio unico. Spiracu-
la utrinque bina in vertice. Pinnae dorsales nume-
rosae.

1. Bichir.

Geoffroy Saint-Hilaire: Mémoires d'histoire na-
turelle tab. 5.

Im Nil. Ungefähr zwey Spannen lang, von meergrünet
Farbe, wie mit knöchernen Schuppen gepanzert. Seine zahl-
reichen Rückenflossen (16 und darüber); und die gleichsam
wie an Beinen ansitzenden Brust- und Bauchflossen, so wie
noch mehrere auffallende Eigenheiten zeichnen dieses sonderba-
re Thier zu einem eigenen Geschlechte aus.

54. Elops. Caput laeve. Dentium scabrities in maxilla-
rum margine, palato. Membr. branch. radiis 30; prae-
terea exterius in medio armata dentibus 5.

1. Saurus. E. cauda supra infraque armata.

Bloch tab. 393.

Auf Jamaica.

55. Argentina. Dentes in maxillis, lingua. Membr. branch.
radiis 8. Corpus ano caudae vicino. Pinnae ventrales
multiradiatae.

1. Carolina. A. pinna anali radiis 15.

Catesby vol. II. tab. 24.

Hat den Namen von ihrem Vaterlande.

[Seite 197]

56. Atherina. Caput maxilla superiore planiuscula.
Membr. branch. radiis 6. Corpus fascia laterali ar-
gentea.

1. Hepsetus. A. pinna ani radiis fere 12.

Bloch tab. 393. fig. 3.

Im mittelländischen Meere.

57. Mugil. Caput: Labia membranacea; inferius intror-
sum carinatum. Dentes nulli. Denticulus inflexus su-
pra sinus oris. Membr. branch. rad. 7. curvis. Oper-
cula laevia rotundata. Corpus albicans.

1. Cephalus. M. pinna dorsali anteriore quinquera-
diata.

Bloch tab. 394.

Im mittelländischen u.a. Meeren.

58. Exocoetus. Caput squamosum, maxillis utroque
latere connexis. Membr. branch. radiis 10. Corpus
albicans, abdomen angulatum, pinnae pectorales ma-
xime volatiles, radiis antice carinatis.

1. Volitans. der fliegende Häring. E. abdomine
utrinque carinato.

Der gemeinste aller fliegenden Fische. Ist zahnlos. Findet
sich meist in allen wärmern Weltmeeren; theils in großen
Scharen.

Die seltenste Gattung dieses Geschlechts, der Exocoetus
mesogaster (– Abbild. n. h. Gegenst. tab. 100. –)
die zumal im Westen des atlantischen Oceans zu Hause ist,
zeichnet sich außer den gezähnelten Kiefern, auch durch die
Stellung der Bauchflossen an der Mitte des Unterleibes, und
dadurch aus, daß die mittlern Strahlen in denselben die
längsten sind.

59. Polynemus. Caput compressum, undique squamo-
sum: rostro obtusissimo prominente. Membr. branch.
rad. 5. vel 7. Corpus digitis liberis ad pinnas pec-
torales.

1. Quinquaris P. digitis quinque corpore longio-
ribus.

Seba vol. III. tab. 27. fig. 2.

In Westindien.

60. Clupea. Caput maxillarum superiorum mystacibus
serratis. Membr. branch. rad. 8. Branchiae interne
[Seite 198] setaceae. Abdominis carina senata. Pinnae ventrales
saepe novemradiatae.

1. Harengus. der Häring, Strömling. (membras?
Fr. l'hareng. Engl. the herring). C. immaculata,
maxilla inferiore longiore.

Bloch tab. 29.

Einer der wichtigsten Fische für die nördliche Erde, der
zwar von Menschen und sehr vielen Thieren (zumal vom
Nordkaper, von manchen Möven-Gattungen etc.) verfolgt
wird, sich aber auch dagegen zum bewundern stark vermehrt.
Besonders sind nun seit dem zwölften Jahrhundert bey Ge-
legenheit ihrer großen äußerst bestimmten, regelmäßigen Som-
mer-Reisen (– s. oben §. 109. –) nach den europäischen
Küsten, zumal nach den Orcaden, nach Norwegen etc. tausen-
de von Europäern mit ihrem Fang beschäftigt.

2. †. Sprattus. die Sprotte, der Breitling. (Fr.
la sardine. Engl. the sprat). C. pinna dorsali ra-
diis 13.

Bloch tab. 29. fig. 2.

Ebenfalls in den nördlichen Meeren, aber auch im mittel-
ländischen. Ist von manchen Naturforschern irrig für den
jungen Häring gehalten worden.

3. †. Alosa. die Alse, der Mutterhäring, Mai-
fisch. (Fr. l'alose. Engl. the shad.) C. lateribus
nigro maculatis, rostro nigro.

Bloch tab. 30. fig. 1.

Vorzüglich häufig im mittelländischen Meere; aber auch in
der Nord- und Ostsee etc.

4. †. Encrasicolus. die Sardelle, der Anschovis.
(Fr. l'anchois). C. maxilla superiore longiore.

Bloch tab. 30. fig. 2.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem vorigen. Wird vor-
züglich häufig an Gorgona im Golfo di Livorno gefangen.

61. Cyprinus. Caput ore edentulo. Os nasale bisulcum.
Membr. branch. rad. 3. Corpus laeve albens. Pinnae
ventrales saepe novemradiatae.

1. †. Barbus. Die Flußbarbe. C. pinna ani radiis 7.
cirris 7. pinnae dorsi radio secundo utrinque ser-
rato.

Bloch tab. 18.

Im mildern Europa und westlichen Asien. Ihr Rogen ist
[Seite 199] giftig, so daß sein Genuß schon oft sehr gefahrvolle Zufälle
erregt hat*).

2. †. Carpio. der Karpfe. (Fr. la carpe. Engl. the
carp
.) C. pinna ani radiis 9, cirris 4, pinnae dor-
salis radio postice serrato.

Bloch tab. 16.

Jetzt nun meist in ganz Europa. Ins nördlichere seit 300
J. allgemach durch die Kunst verpflanzt. Soll mit verwand-
ten Gattungen, zumal mit der Karausche, Bastarden geben.
Auch finden sich unter den Karpfen häufiger Mißgeburten als
unter irgend einer andern bekannten Fischgattung. – Die
Spiegelkarpfen**), die sich besonders durch die bestän-
dig von Schuppen entblößten Theile des Körpers auszeichnen,
scheinen doch keine bloße Spielart, sondern eine besondere
Gattung dieses Geschlechts zu seyn.

3. †. Tinca. die Schleihe. (Fr. la tanche. Engl.
the tench.) C. pinna ani radiis 25, cauda integra,
corpore mucoso, cirris 2.

Bloch tab. 19.

Einer der weitstverbreiteten Flußfische. Kann mit den Kie-
mendeckeln einen Laut von sich geben. Die Goldschleihe***)
ist einer der schönsten deutschen Fische.

4. †. Carassius. die Karausche. (Fr. le carasin. Engl.
the crucian.) C. pinna ani radiis 10, cauda integra,
linea laterali recta.

Bloch tab. 11.

In Europa und Mittel-Asien.

5. Auratus. das schinesische Goldfischchen, der
Goldkarpfe, Kin-ju. (Fr. la dorée. Engl. the
goldfish
.) C. pinna ani gemina, caudae trifida trans-
versa bifurca.

Baster in Haarlem. Verhandel. VII. D. 1. St. mit
illum. Fig.

In Japan und Schina, wo sie gleichsam als Hausthiere
gehalten werden, und in mancherlei wunderbare, theils fast
monströse Varietäten, der vortrefflichsten Farben, Zahl und
Bildung der Flossen, Größe der Augen etc. ausgeartet sind.
[Seite 200] Sie kommen auch im mildern Europa recht gut fort. Kön-
nen sogar Jahr und Tag im bloßen Wasser ohne alle weitere
Nahrung leben, und geben dabei doch von Zeit zu Zeit Un-
rath von sich.

6. †. Phoxinus. die Elritze. (Fr. le vairon. Engl.
the minow). C. pinna ani radiis 8, macula fusca
ad caudam, corpore pellucido.

Bloch tab. 8. fig. 5.

Häufig in der Weser.

7. †. Orfus. der Orf, Urf, Würfling, Elft. C.
pinna ani radiis 13.

Bloch tab. 96.

Zumahl im südlichen Deutschland. Schön orangefarben.

8. †. Alburnus. der Ukley, Lauge, Weißfisch,
Schneiderfischchen. (Fr. l'able, ablette. Engl.
the bleak). C. pinna ani rad. 20.

Bloch. tab. 8. fig. 4.

So wie der folgende im mittlern Europa und westlichen
Asien. Meist nur fingerslang. Seine Schuppen werden zur
Verfertigung der Glasperlen gebraucht*).

9. †. Brama. der Bley, Brachsen. (Fr. la brème).
C. pinna ani rad. 27, pinnis fuscis.

Bloch tab. 13.


Achter Abschnitt.
Von den Insecten.

[Seite 201]

§. 121.

Die Thiere der beiden letzten Classen (§. 40.), die Insecten
und Gewürme, unterscheiden sich schon dadurch von den vorher-
gehenden, daß sie kein rothes Blut, sondern statt dessen einen
weißlichen Saft in ihrem Körper führen: weßhalb sie (§. 23.)
auch von den Alten blutlose Thiere (animalia exsanguia)
genannt wurden. So wie man sie neuerlich darum, weil sie
keine Rückenwirbel – so wie überhaupt kein Gerippe – haben,
auch wirbellose Thiere (Fr. animaux invertébrés) genannt hat.

§. 122.

Die Insecten haben ihren Namen daher, daß, wenigstens
im Zustande ihrer vollkommenen Ausbildung, Kopf, Brust und
Hinterleib, wie durch Einschnitte von einander abgesondert
sind, ja bei vielen fast nur wie durch einen Faden unter einan-
der verbunden werden. Außerdem zeichnen sie sich aber auch
(bis auf wenige Ausnahmen unter den Geschlechtern der unge-
flügelten Ordnung) durch besondere theils sehr empfindliche Or-
gane aus, die sie in ihrem vollkommnen Zustande am Kopfe tra-
gen (Antennae, Fühlhörner), und die alle Mal an der
Wurzel eingelenkt, meist aber auch noch außerdem gegliedert
sind; und endlich durch die hornartigen, eingelenkten Fü-
ße, und deren größere Anzahl, da die völlig ausgebildeten In-
secten zum allermindesten ihrer sechs, manche aber wohl auf an-
derthalb hundert etc. haben.

§. 123.

Außer den angegebenen Merkzeichen, haben die Insecten
in ihrem Aeußern wenig, was ihnen allen gemein wäre. Die
ganz unermeßliche Anzahl der Gattungen, ihre so unendlich ver-
schiedenen Bestimmungen, und dahin abzweckende eben so ver-
schiedene Lebensart, Bedürfnisse etc. erfordern eine äußerst viel-
artige Bildung, in welcher sie, so wie in der ungleichen Größe
ihres Körpers, ausnehmend von einander abweichen.

§. 124.

[Seite 202]

Selbst die äußere Bedeckung ihres Körpers ist man-
nigfaltiger als bei den übrigen Thieren. Sehr viele sind wie mit
einem hornartigen Panzer überzogen, der aus mehrern Stü-
cken besteht, die sich wie die Schienen eines Blechhandschuhes
über einander schieben lassen; und wodurch diese Thiere vor man-
cherlei Unfällen gesichert, und für den Mangel der Knochen,
die bei andern Thieren zur Anlage der Muskeln etc. dienen, ent-
schädigt werden. Manche sind mit seinen Haaren besetzt, und
bei den Schmetterlingen etc. die Flügel mit so genannten Feder-
chen, oder vielmehr Schuppen bedeckt, die zum Theil von
den schönsten Farben sind: so wie sich überhaupt unter den In-
secten, Thiere von unbeschreiblicher Schönheit finden.

§. 125.

Auch in der Einrichtung der Sinnwerkzeuge*), und
also vermuthlich auch in der Art der Empfindung, weichen
die Insecten gar sehr von den übrigen Thieren ab, so daß ihnen
sogar manche Naturforscher verschiedne von unsern fünf äußern
Sinnen, zumahl das Gehör und den Geruch, ohne Grund haben
absprechen wollen; da man doch jenes bei vielen, die einander
zur Paarungszeit durch einen besondern Laut locken, und diesen
bei noch weit mehreren, die ihren versteckten Fraß auswittern,
unverkennbar wahrnimmt.

§. 126.

Die Augen der Insecten sind vorzüglich merkwürdig, und
zwar in Rücksicht ihres Baues von zweyfacher Art. Die einen
sind große Halbkugeln, die aber meist aus tausenden von Fa-
cetten, bei einigen auch aus zahlreichen kegelförmigen Spitzen,
bestehen, die auf der innern Seite mit einem theils buntfarbi-
gen oder glänzenden Anstrich überzogen sind. Die mehresten ge-
flügelten Insecten, aber auch manche ungeflügelte, wie der
Flußkrebs, Hummer etc. haben dergleichen. Die Augen der an-
dern Art (stemmata, ocelli) sind einfach, klein, und so wohl
in Rücksicht ihrer Anzahl als Lage verschieden. Die erstern
scheinen mehr für die Ferne, so wie die letztern für die Nähe
bestimmt zu seyn; wenigstens reimt sich dieß damit, daß die
Schmetterlinge in ihrem geflügelten, vollkommenen Zustande
solche große componirte telescopische Augen kriegen, da sie vor-
[Seite 203] her als Raupen nur myopische kleine Augen hatten. Nur we-
nige Insecten, wie z.B. die Krebse, können ihre Augen be-
wegen.

§. 127.

Die Fühlhörner*) die bei den verschiedenen Gattun-
gen, und bei manchen selbst nach der Sexualdifferenz derselben,
sehr vielartig gestaltet sind, und die manche Naturforscher für
Organe des Geruchs oder des Geschmacks etc. angesehen haben,
scheinen doch nichts weiter zu seyn, als was ihr Name andeutet,
– Werkzeuge des Tastens, Sonden, Tangenten, die ihnen
bei ihrer harten, unempfindlichen, äußern Decke, und den mehr-
sten auch bei der Unbeweglichkeit ihrer Augen doppelt wichtig
werden. Die Insecten scheinen das feinste Gefühl in ihrem An-
tennen, wie wir in den Fingerspitzen, zu haben; und da sie
großentheils im Dunkeln leben, dadurch, so wie Blinde, den
Mangel des Lichts durch feines Gefühl zu ersetzen. – Hingegen
ist der allgemeine Hauptzweck der so genannten Freßspitzen
(palpi), die meist neben den Freßwerkzeugen der Insecten sitzen,
und nur wenigen gänzlich zu fehlen scheinen, und die auch von
manchen für Sinnwerkzeuge dieser Thiere gehalten worden, noch
sehr räthselhaft.

§. 128.

Im innern Körperbau**) weichen die Insecten gar
sehr von den rothblütigen Thieren ab.

Was man z.E. bei den Raupen für ihr Herz angesehen
hat, das ist ein langer Canal von ungleicher Weite der längs
des Rückens liegt, aus welchem aber nicht eine einzige Ader ent-
springt, so daß folglich auch die Ernährung bei diesen Insecten
auf eine eigene, von der Nutrition der rothblütigen Thiere ganz
verschiedene Art vor sich gehen muß.

Hingegen sind sie mit unzähligen Luftröhren vom er-
staunenswürdigsten, feinsten Bau, und mit äußerst zahlreichen
Muskeln, die aber auch so wohl in der Bildung als in der
Farbe von den Muskeln der rothblütigen Thiere abweichen,
versehen.

§. 129.

[Seite 204]

Ungeachtet die Insecten eben so wohl als die rothblütigen
Thiere, des Umsatzes von Kohlenstoff gegen Sauerstoff (§. 24.)
zur Erhaltung ihres Lebens bedürfen; so bemerkt man doch nur
bei wenigen (wie z.B. bei den Krebsen, Heuschrecken und man-
chen Cicaden und Käfern etc.) eine dem Athemholen ähnliche Be-
wegung. Ueberhaupt aber schöpft kein Insect seine Luft durch
den Mund, sondern durch mancherlei andere spiracula*).
Auch können die meisten weit länger als jene rothblütigen Thiere
im so genannten luftleeren Raume aushalten; und viele leben
in der den so eben genannten Thieren so schädlichen mephitischen
Luft, worin animalische und vegetabilische Stoffe faulen (–
dem gekohlten Wasserstoffgas etc. –) gleichsam als in ihrem
Elemente.

§. 130.

Ueberhaupt ist der Aufenthalt der Insecten auf und un-
ter der Erde**) weit unbeschränkter, als der von irgend einer
andern Thierclasse. Es sind fast auf allen warmblütigen Thie-
ren welche anzutreffen, und sogar größere Insecten, wie z.B.
Käfer, Bienen etc. haben selbst wieder ihre besonderen Milben
und Läuse. Auch sind wohl nur wenige Gewächse (etwa der Ta-
xus, der Sevenbaum, und die mehrsten Laubmoose etc.) die gar
keinen bekannten Insecten zur Wohnung und Aufenthalt dienen.
Da hingegen manche, wie z.B. die Eiche, von mehr als einem
hundert verschiedener Gattungen von Insecten bewohnt und be-
sucht werden. – So allgemein aber die Insecten, im Ganzen
genommen, über die ganze Erde verbreitet sind, so streng ist
doch dagegen vielen einzelnen Gattungen ihr ganz besonderer,
eingeschränkter Aufenthalt auf bestimmten Thieren oder Pflan-
zen, und deren einzelnen Theilen angewiesen.

§. 131.

Nur wenige Insecten leben in gesellschaftlicher Ver-
bindung, und leisten einander in ihren Geschäften wechselsei-
tige Hülse. Die allermeisten gehen einzeln und isolirt ihren
Verrichtungen nach und manche, die wie die Spinnen in zahl-
[Seite 205] reicher Gesellschaft jung worden sind, zerstreuen sich bald nach-
her, und leben einsiedlerisch, so daß viele außer der Begattungs-
zeit kein anderes Geschöpf ihrer Art wieder zu sehen kriegen.

§. 132.

Der überaus merkwürdigen Gebäude, Wohnungen etc.
die sich so viele Insecten zu verfertigen wissen, ist schon oben bei
Anlaß der Kunsttriebe (§. 36.) Erwähnung geschehen. Es sind
wenige Thiere dieser Classe, die nicht wenigstens Ein Mal, in
einer gewissen Periode ihres Lebens Proben dieser natürlichen
Kunstfähigkeit ablegen sollten, indem sie entweder wie die
Kleidermotten und Frühlingsfliegen in ihrer unvollendeten Ge-
stalt als Larven sich ein Gehäuse zum Aufenthalte und zum Schu-
tze verfertigen; oder sich um die Verwandlung und den langen
Todesschlaf zu bestehen, ein Lager bereiten, sich einspinnen etc.,
oder die sich wie die Ameisenlöwen Fallgruben graben, und wie
die Spinnen Netze für ihren Raub weben: oder die, wie man-
che Wasserkäfer und Spinnen, zur Sicherheit für ihre Nachkom-
menschaft, Säcke oder Nester zubereiten, denen sie ihre Eier
anvertrauen können. Manche von denen, die in gesellschaftlicher
Verbindung leben, bauen sich mit vereinten Kräften, und nach
den Gesetzen einer äußerst regelmäßigen, ihnen angebornen Meß-
kunst, gemeinschaftliche Wohnungen u.s.w.

§. 133.

Bei der Ernährungsart der Insecten sieht man offen-
bar, daß dieselbe nicht, wie bei den allermehrsten rothblütigen
Thieren, bloß auf ihre Selbsterhaltung, sondern hauptsächlich
darauf abzweckt, daß sie organisirte Materie consumiren sol-
len. Sie müssen essen, nicht bloß um satt zu werden, sondern
um zugleich Aas zu verzehren, um selbst wieder andere lebendi-
ge Insecten aufzureiben etc., um Unkraut zu vertilgen etc. – eine
große Bestimmung, zu deren Erfüllung außer der fast zahllosen
Menge der Gattungen überhaupt, sehr vielen von diesen spe-
ciebus, theils ihre äußerst starke Vermehrung, theils ihre bei-
spiellos heftige Freßgierde und schnelle Verdauung bei einem
sehr kurzen Darmcanal zu Statten kommt. Man weiß z.B.,
daß eine Raupe in 24 Stunden das Triplum ihres eigenen Ge-
wichts verzehren kann. – Auch sind die Freßwerkzeuge der
Insecten vielartiger als in irgend einer andern Thierclasse: da
manche mit seitwärts beweglichen gezähnelten Kinnladen und
Freßzangen (maxillae); andere mit einem zugespitzten, horn-
artigen Bohrrüssel (rostrum); andere mit einem fleischigen
Schlurfrüssel mit breiter Mündung (proboscis); manche mit
[Seite 206] einer spiralförmig aufgerollten (so genannten) Zunge etc. ver-
sehen sind.

§. 134.

Vor den Nachstellungen ihrer Feinde sind einige
Insecten wie z.B. die Spannraupen durch ihre täuschende Ge-
stalt; andere dadurch daß sie einerlei Farbe mit den Gewächsen
haben, worauf sie leben*), folglich weniger darauf abstechen,
und nicht so leicht bemerkt werden können; andere auch wohl
durch den heftigen Geruch, den sie im Nothfall verbreiten kön-
nen; andere durch die Macht des gesellschaftlichen Lebens; noch
andere durch ihre bewundernswürdige Stärke etc. gesichert. Und
manche sind gar mit Waffen, z.B. mit Hörnern wie Kneip-
zangen, oder mit Stachel und Gift versehen.

§. 135.

Auch bei der Fortpflanzung der Insecten zeigen sich
ungemein viele eigene Sonderbarkeiten. So z.B., daß oft in
einer und eben derselben Gattung die beiden Geschlechter einan-
der so äußerst unähnlich gebildet sind, daß man sie eher für
ganz verschiedene Thierarten, als für zusammen gehörige Gat-
ten halten sollte: oder daß unter den Bienen und andern ihnen
verwandten Insecten immer die größte Anzahl gänzlich ge-
schlechtlos ist; das heißt, daß sie gezeugt und geboren wer-
den, ohne doch nach dem ordentlichen Laufe selbst die Bestim-
mung zur Empfängniß oder zur Zeugung zu haben.

§. 136.

Ferner hat die Begattung bei verschiedenen Insecten
sehr viel Eigenes. Bei nicht wenigen Gattungen wird sie z.B.
im Fluge vollzogen, und manche derselben sind bloß für diese
kurze Paarungszeit geflügelt. – Ueberhaupt aber leben die
mehresten in sofern in einer gezwungenen Monogamie, daß sie
schlechterdings nicht mehr als ein einziges Mahl in ihrem Leben
sich paaren können: der Tod ist bei ihnen eine so unausbleibliche
Folge der ersten Begattung, daß man sogar ihr Leben durch ver-
zögerte Paarung verlängern kann.

§. 137.

Zu andern Sonderbarkeiten beim Fortpflanzungsgeschäfte
der Insecten gehört auch, daß bei vielen, wie z.B. beim Co-
chenille-Wurm, beim Sandfloh etc. das trächtige Weibchen zu
einer ungeheuren Größe anwächst: so daß man z.B. rechnet,
daß bei der weißen Ameise der Hinterleib der zum Gebühren rei-
[Seite 207] fen Mutter auf 2000 Mal dicker und größer ist, als er vor der
Befruchtung war.

§. 138.

Die mehresten Insecten legen Eier, die von den Müttern
nach einem bewundernswürdigen Instinct immer aufs genaueste
an die bestimmten, der künftigen jungen Brut angemessensten
Orte gebracht werden. Manche legen z.B. ihre Eier bloß in
den Körper lebendiger Insecten anderer Art, in Raupen; oder
in Puppen; oder gar in anderer Insecten ihre Eier; denn wirk-
lich kriecht zuweilen aus den Eiern der Ringelraupe statt der
jungen Raupe eine eigne Art kleiner Mückchen aus.

Auch sind die Insecten-Eier zum Theil, zumal bei den
Schmetterlingen, von einer überaus mannigfaltigen sonderba-
ren Bildung und Zeichnung, und wenn sie von der Mutter an
die freie Luft gelegt werden, mit einer Art Firniß überzogen,
damit sie weder vom Regen abgespült, noch durch andern Zu-
fall leicht zerstört werden können. Einige wenige Insecten gebä-
ren lebendige Junge, und manche, wie die Blattläuse, pflanzen
sich auf beiderlei Weise fort.

§. 139.

Ein äußerst merkwürdiges Phänomen, das fast bloß die-
ser Thierclasse eigen, wenigstens in den andern (§. 72.
Anm.), bei weitem nicht so auffallend wird, ist ihre Metamor-
phose. Es kommt nämlich kein einziges geflügeltes Insect un-
mittelbar aus dem Ei, sondern diese alle müssen sich (– so wie
auch einige ungeflügelte –) erst in gewissen Lebensepochen ei-
ner Art von Verwandlung unterziehen. Dabei wird nicht nur
ihre äußere Gestaltung, sondern zugleich ihr innerer Körperbau
(gegen die gemeine Meinung) auf eine Weise umgebildet*),
die sich schwerlich mit der vorgeblichen Präexistenz präformir-
ter Keime (§. 7.) zusammen reimen läßt**).

§. 140.

[Seite 208]

In der Gestalt, wie diese Insecten, die sich einer Meta-
morphose unterziehen, zuerst aus dem Ei kriechen, heißen sie
Larven. Meist kommen sie äußerst klein aus Licht, so daß z.
B. eine erwachsene Weidenraupe 72,000 Mal schwerer wiegt als
da sie eben ans dem Ei gekrochen war. Dagegen wachsen sie aber
auch desto schneller, so daß z.B. die Maden der blauen Schmeiß-
fliege 24 Stunden nach dem Auskriechen schon 155 Mal schwe-
rer sind als da sie aus dem Ei kamen.

Theils haben diese Larven Füße, wie die Raupen und En-
gerlinge: theils aber keine, wie die Maden. Flügel haben sie
gar noch nicht. Auch sind sie in diesem Zustande zur Fortpflan-
zung noch gänzlich unfähig: sie ernähren sich bloß, und wach-
sen, und häuten sich mit unter einige Mal.

§. 141.

In der Gestalt, worein die Larve umgebildet wird, heißt
sie Nymphe. Manche können sich während dieses Zustandes
herum bewegen, auch Nahrungsmittel zu sich nehmen. Andere
hingegen verschließen sich als Puppe (chrysalis, aurelia),
und bringen diesen Theil ihres Lebens in einem betäubenden To-
desschlaf, ohne Nahrungsmittel, und ohne sich von der Stelle
zu bewegen, zu.

§. 142.

Allein während der Zeit, da das Geschöpf so ganz fühllos
und erstarrt in seiner Hülse vergraben scheint, geht mit ihm
selbst die große Palingenesie vor, daß es aus seinem Larvenstand
zum vollkommenen Insect (insectum declaratum,
imago) umgebildet wird, und zu bestimmter Zeit aus seinem
Kerker hervorbrechen kann. Manche Insecten absolviren diese
letzte Rolle ihres Lebens in einer sehr kurzen Zeit. Verschiedene
bringen, wenn sie aus ihrer Hülfe kriechen, nicht ein Mal einen
Mund mit zur Welt, sie fressen nicht mehr, sie wachsen nicht
weiter; jene beiden Bestimmungen eines organisirten Körpers
hatten sie schon als Larven erfüllt; jetzt ist ihnen nur noch die
dritte übrig: sie sollen ihr Geschlecht fortpflanzen, und dann der
Nachkommenschaft Platz machen, und sterben.

§. 143.

Die unmittelbare Brauchbarkeit*) der Insecten für
den Menschen ist ziemlich einfach: dagegen aber ist der Antheil,
den diese kleinen wenig bemerkten Thiere an der großen Haus-
haltung der Natur haben, desto mannichfaltiger und ganz un-
[Seite 209] ermeßlich. Sie sind es, die unzählige Arten von Unkraut theils
im Keim ersticken, theils, wenn es auch ausgewachsen ist, ver-
tilgen, und seinem fernern Wuchern vorbeugen. Einen an-
dern ebenfalls äußerst wichtigen Nutzen leisten so viele Insecten,
die sich von Aas nähren, im Miste leben u.s.w. und die da-
durch, daß sie diese widrigen animalischen Substanzen auszeh-
ren, zerstreuen und durchwirken, von der einen Seite der In-
fection der Luft vorbeugen, und von der andern die all-
gemeine Düngung des Erdreichs befördern. Aus jener Rück-
sicht werden z.B. die Schmeißfliegen in den heißen Erdstrichen
so wohlthätig. Anderseits befördern auch unzählige Insecten die
Befruchtung der Gewächse, auf überaus merkwürdige Weise*)
und eine Gattung von Gallwespen benutzt man zur Zeitigung
der Feigen. Verschiedenartige Insecten werden von den Fischern
zu Angelköder gebraucht. Manche Thiere dieser Classe, wie
die Krebse, und einige Gattungen von Heuschrecken etc. sind -
bar. So der Honig der Bienen, aus welchem auch in man-
chen Gegenden von Europa so wie im Innern von Afrika der
Meth gewonnen wird. Die Seide nutzt zur Kleidung und
mancherlei anderm Gebrauch. Verschiedene Insecten geben treff-
liche Farben, wie die Cochenille den Scharlach etc. Die Gall-
äpfel werden zur Tinte, und Wachs zu Kerzen und vielerlei
andern Gebrauch benützt. So das Lack, ein Product gewisser
ostindischer Schildläuse, das zu Firniß , zum Siegellack u.s.w.
verbraucht wird. Für die Arznei sind vorzüglich die spani-
schen Fliegen, die Kelleresel und die Ameisen von Belange, und
neuerlich sind auch die so genannten Maiwürmer, vom neuen
als Hülfsmittel gegen die Wasserscheue, so wie manche andere
Käfer gegen Zahnweh, gepriesen worden.

§. 144.

So unermeßlich der Nutzen der Insecten ist, so ist aber
auch anderseits der Schade**) sehr erheblich, den viele Gat-
tungen derselben anrichten. Viele sind den Feldfrüchten
überhaupt gefährlich, verursachen Mißwachs, und verheeren,
wie die Zug-Heuschrecken, junge Saat, und alles, wo sie auf-
fallen. Manche sind besonders dem Getreide nachteilig; an-
dere, wie so viele Raupen, Erbflöhe, Engerlinge etc. den Gar-
tengewächsen; andere Raupen und Käferlarven etc. den Obst-
bäumen; die Schildläuse besonders der Orangerie; die
[Seite 210] Larven einiger Dermestes-Gattungen und die Holzraupen den
Holzungen; die Ameisen, Grasraupen etc. den Wiesen; die
Brod-Schaben den Victualien; die weißen Ameisen etc. dem
Hausgeräthe etc.; die Kleidermotten der Wolle, dem Pelz-
werk u.s.w. Die Larven vieler kleiner Käferchen den Büchern
und Naturaliensammlungen. Endlich werden auch ei-
nige Arten von so genanntem Ungeziefer dem Menschen selbst,
so wie den Pferden, Schafen, Hühnern und andern Hausthie-
ren, ja sogar verschiednen nutzbaren Insecten, den Bienen,
Seidenwürmern etc. auf unmittelbare Weise lästig; und andere,
wie manche Skorpione etc. durch ihr Gift, furchtbar.

§. 145.

In der systematischen Anordnung folge ich auch
hier überhaupt dem Linnéischen Systeme, doch daß in der letzten
Ordnung, nach dem Vorgange von De Lamarck u.a. neuen
französischen Entomologen die Spinnen, Skorpione, Krebse etc.
(die Arachniden und Crustaceen) von den eigentlichen Insecten
ganz abgesondert, den Beschluß machen.

I. Ordn. Coleoptera. Käfer. Meist mit hornartigem
Körper. Die Flügel falten sich in der Ruhe zusammen,
und sind mit zwey hornartigen Decken oder Scheiden
belegt, die sich in der Mitte in gerader Linie an einander
schließen.

II. Hemiptera. Mit vier entweder kreuzweis zusammen ge-
legten oder gerade ausgestreckten, meist zur Hälfte harten,
fast pergamentähnlichen Flügeln etc. Theils haben sie Freß-
zangen, theils einen spitzigen Bohr-Rüssel.

III. Lepidoptera. Schmetterlinge. Mit weichem be-
haartem Körper, und vier ausgespannten Flügeln, die mit
bunten Schuppen bedeckt sind.

IV. Neuroptera. Mit vier durchsichtigen netzförmigen oder
gegitterten Flügeln.

V. Hymenoptera. Mit vier durchsichtigen geaderten
Flügeln.

VI. Diptera. Die Insecten mit zwey (unbedeckten) Flü-
geln.

VII. Aptera. Die völlig ungeflügelten.

* * *

Zur N. G. der Insecten. Nur wenige von vielen.

  1. Th. Mouffet theatrum insectorum. Lond. 1634. Fol.
  2. Jo. Raii historia insectorum. Lond. 1710. 4.
  3. Jo. Swammerdam algemeene Verhandeling van de bloedeloose
    Dierkens
    . Utr. 1669. 4.
  4. Ej. biblia naturae. LB. 1737. Fol.
  5. Mar. Sib. Merian metamorphosis insectorum Surinamensium.
    Amst. 1705. Fol. max.
  6. Jac. l'Admiral jun. gestaltverwisselnde gekorvene Diert jes.
    Amst. 1740. Fol.
  7. Joh. Leonh. Frisch Beschreibung von allerhand Insecten in Deutsch-
    land. Berl. 1720–38. XIII. Th. 4.
  8. G. W. Panzer's Insectenfaune Deutschlands. Nürnb. seit 1795. 12.
  9. Index entomologicus in Panzeri faunam insectorum Germaniae.
    P. I. 1813.
  10. Aug. Joh. Rösel monatliche Insecten-Belustigungen. Nürnb. 1746
    –61. IV. B. 4.
  11. Chr. Fr. C. Kleemann Beiträge dazu. Ebendas. seit 1761. 4.
  12. v. Linné fundamenta entomologiae. Ups. 1767. 4. it. im VII. B.
    seiner amoenitat. academic.
  13. J. H. Sulzer's Kennzeichen der Insecten. Zürich 1761. 4.
  14. Dess. abgekürzte Geschichte der Insecten. Winterthur 1766. 4.
  15. Jo. Chr. Fabricii philosophia entomologica. Hamburg. 1778. 8.
  16. Ej. systema entomologiae. Flensb. 1775. 8.
  17. Ej. genera insectorum. Kilon. 1776. 8.
  18. Ej. species insectorum. Hamb. 1781. II. vol. 8.
  19. Ej. entomologia systematica. Hafn. 1793. V. vol. 8.
  20. P. A. Latreille histoire naturelle des insectes. Par. 1804. XIV.
    vol. 8. (als Forts. der Sonninischen Ausg. von Büffon.)
  21. de Lamarck (s. beim folgenden Abschn.)
  22. A. M. C. Dumeril considérations générales sur la classe des
    Insectes. Par. 1823. 8.
  23. de Reaumur histoire des insectes. Par. 1734-1742. VI. vol. 4.
  24. de Geer histoire des insectes. Stockh. 1752-1778. VII. vol. 4.
  25. Ej. genera et species insectorum; extraxit A. J. Retzius. Lips.
    1783. 8.
  26. Geoffroy histoire des insectes des environs de Paris. Par. 1762.
    II. vol. 4.
* * *
  1. Lesser théologie des insectes. (trad. de l'allemand) avec des re-
    marques
    de P. Lyonet. à la Haye. 1742. II. vol. 8.
  2. W. Kirby's and W. Spence's Introduction to Entomology. ed. 2.
    Lond. 1818-26. IV. vol. 8.
* * *
  1. L. G. Scriba Beiträge zur Insectengeschichte. Frkf. seit 1790. 4.
* * *
  1. Magazin für Insectenkunde, herausgegeben von K. Illiger.
    Braunschw. 1801–07. VI. Th. 8.
  2. E. F. Germar's Magaz. der Entomologie. Halle seit 1813. 8.
* * *
  1. Nic. Jos. Brahm Insecten-Calender. Mainz 1790. II. Th. 8.
* * *
[Seite 212]

Anm. Manchem Insectensammler kann wohl die Nachricht interes-
sant seyn, daß ein hiesiger geschickter Nadelmacher, Hr. Fehler,
nicht nur Insectennadeln von vorzüglicher Güte verfertigt, son-
dern auch mit Eifer und Kenntniß die Insecten der hiesigen Ge-
gend sammelt und Liebhabern gerne mittheilt.


I. COLEOPTERA. s. Vaginipennia. (Eleuthe-
rata Fabr.)

Die Insecten dieser Ordnung*) werden überhaupt Käfer
genannt, ob man gleich diesen Namen auch dem ersten Geschlech-
te insbesondere beilegt. Die Larve hat Freßzangen, und bei
den mehresten Geschlechtern sechs Füße, die an der Brust sitzen:
bei einigen, wie unter den Holzböcken, ist sie ohne Füße (eine
Made). Sie verpuppt sich mehrentheils unter der Erde in
einer ausgehöhlten Erd-Scholle: oder aber, wie bei den ge-
nannten Holzböcken, im Holze. Das vollkommene In-
sect kriecht zwar weich aus der Puppe; seine Haut verhärtet
aber in kurzer Zeit an der Luft; es hat so wie die Larve Kinn-
laden am Kopfe, und ist mit harten hornartigen Flügeldecken
(elytra) versehen.

1. Scarabaeus. Käfer. (Fr. hanneton. Engl. beetle).
Antennae clavatae capitulo fissili. Tibiae anticae sae-
pius dentatae.

1. Hercules. (Geotrupes Hercules. F.) S. scutellatus,
thoracis cornu incurvo maximo; subtus unidenta-
to, capitis recurvo; supra multidentato.

Rösel vol. IV. tab. 5. fig. 3.

In Brasilien. Die Larven einen starken Daumen dick. Der
Käfer variirt in der Farbe, schmutzig-grün etc.

2. Actaeon. (Geotrupes A. F.) S. scutellatus thorace
bicorni, capitis cornu unidentato, apice bifido.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. A. fig. 2.

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen.

[Seite 213]

3. †. Lunaris. (Copris L. F.) S. exscutellatus, tho-
race tricorni; intermedio obtuso bifido, capitis
cornu erecto, clypeo emarginato.

Frisch P. IV. tab. 7.

Auf Wiesen und Viehweiden, vorzüglich im Kuhmist, aus
dem er, wie andere verwandte Käfergattungen, hohle Kugeln
formt, die er einzeln unter die Erde verscharrt, an Gras-
wurzeln befestigt und in jede ein einziges Ei legt.

4. †. Nasicornis. (Geotrupes N. F.) der Nashorn-
käfer. S. scutellatus, thorace prominentia tripli-
ci, capitis cornu incurvato, antennis heptaphyllis.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 7. fig. 8. 10.

Der größte hierländische Käfer; fliegt selten; als Enger-
ling findet er sich häufig in Gerberlohe und in hohlen Bäu-
men; und thut in manchen Gegenden den Reden großen
Schaden.

5. †. Sacer. (Ateuchus S. F.) S. exscutellatus, cly-
peo sex-dentato, thorace inermi crenulato, tibiis
posticis ciliatis, vertice subbidentato.

Sulzer's Gesch. tab. 1. fig. 3.

Namentlich häusig in Aegypten, wo er von den alten Aegyp-
tiern als Sinnbild der Ober- und Unterwelt verehrt, und
auf ihren Obelisken, Mumiensarcophagen und mancherlei an-
dern Kunstwerken, theils in coloßaler Größe, vorgestellt wor-
den*). Besonders hat man ihn auf die Rückseite der Aegyp-
tischen (und auch der Etruskischen) geschnittenen Steine aus-
geschnitzt, die deßhalb Käferrücken oder Scarabäen genannt
werden.

6. †. Fimetarius. (Aphodius F. F.) S. scutellatus,
thorace inermi, capite tuberculato, elytris rubris,
corpore nigro.

Frisch P. IV. tab. 19. fig 3.

Im Kuhmist.

7. †. Stercorarius. der Roßkäfer. (Engl. the dung-
beetle
). S. scutellatus, muticus, ater, glaber; ely-
tris sulcatis; capite rhombeo: vertice prominulo;
antennis rubris.

Frisch P. IV. tab. 6. fig. 3.

Besonders im Pferdemist: daher häufig auf Fahrwegen.
[Seite 214] Wenn er an heitern Sommerabenden herum fliegt, so ist
meist auch für den folgenden Tag gut Wetter zu erwarten.

8. †. Vernalis. des Mistkäfer. S. scutellatus muti-
cus, elytris glabris laevissimis, capitis clypeo rhom-
beo, vertice prominulo, antennis nigris.

Sulzer Gesch. tab. 1. fig. 6.

Häufig im Schafmist.

9. †. Horticola. (Melolontha H. F.) der Gartenkä-
fer. S. scutellatus muticus, capite thoraceque cae-
ruleo subpiloso, elytris griseis, pedibus nigris.

Frisch P. IV. tab. 14.

Zumahl an den Obstbäumen etc.

10. †. Melolontha. (Melolontha vulgaris. F.) der
Maikäfer, Kreuzkäfer. (Engl. the Maychaffer,
cockchaffer). S. scutellatus muticus testaceus, tho-
race villoso; cauda inflexa, incisuris abdominis
albis.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 1.

Eins der gemeinsten Insecten, das vier Jahre lang als
Engerling oder Glime unter der Erde lebt, sich von Getrei-
dewurzeln etc. nährt, und zuweilen allgemeinen Mißwachs
verursacht hat*). Nach der Verpuppung kommt es endlich
als Maikäfer zum Vorschein, und schadet in dieser Gestalt
dem jungen Laube, besonders an Obstbäumen.

11. †. Solstitialis. (Melolontha S. F.) der Brachkä-
fer, Juniuskäfer, Johanniskäfer. S. scutella-
tus muticus testaceus, thorace villoso, elytris lu-
teo-pallidis pellucidis; lineis tribus albis parallelis.

Frisch P. IX. tab. 15. fig. 3.

Auch dieses Käfers Larve thut in manchen Jahren der Saat
großen Schaden.

12. †. Auratus. (Cetonia aurata. F.) der Goldkäfer,
Rosenkäfer. S. scutellatus muticus auratus, seg-
mento abdominis primo lateribus unidentato, cly-
peo planiusculo.

Frisch P. XII. tab. 3. fig. 1.

[Seite 215]

Die Larve und Puppe findet sich häufig in Ameisenhaufen
und hohlen Baumstämmen. Der schöne Käfer selbst aber in
Gärten etc. Man hat Beyspiele, daß er mit angefeuchteten
Brodrinden gefüttert, über 8 Jahre lebendig erhalten worden.

2. Lucanus. Antennae clavatae, clava compressa latere
latiore pectinato fissili. Maxillae porrectae, exser-
tae, dentatae.

1. †. Cervus. der Hirschkäfer, Hornschröter,
Weinschröter. (Fr. le cerf volant. Engl. the stag
beetle
). L. scutellatus; maxillis exsertis, apice bi-
furcatis, latere unidentatis.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 5.

Vorzüglich in Eichenwäldern. Nur das Männchen hat die
Geweihen ähnelnden Kneipzangen am Kopfe.

3. Dermestes. Antennae clavatae; capitulo perfoliato;
articulis tribus crassioribus. Thorax convexus, vix
marginatus. Caput sub thorace inflexum latens.

1. †. Lardarius. der Speckkäfer. D. niger elytris
antice cinereis, punctis nigris.

Frisch P. V. tab. 9.

Larve und Käfer nähren sich von fetten, weichen Theilen
todter Thiere.

2. †. Pellio. D. niger coleoptris punctis albis binis.

Zieht sich zumal nach Pelzwerk, ausgestopften Thieren. etc.

3. †. Typographus. (Bostrichus T. F.) der Borken-
käfer, Fichtenkäfer, Fichtenkrebs, Holzwurm.
D. testaceus pilosus elytris striatis retusis praemor-
so-dentatis.

v. Trebra in den Schr. der Berl. Ges. Naturforsch.
Freunde. IV. B. tab. 4.

Das den Fichtenwaldungen neuerlich aus dem Harz und in
mehrern Gegenden Deutschlands so furchtbar gewordne Thier;
das im Splint der Fichten (Pinis abies) theils in solcher Men-
ge hauset, daß man wohl in einem mäßigen Baume über
80000 seiner Larven gezählt bat. Bei der dadurch verursach-
ten Wurmtrockniß stirbt der Baum vom Wipfel herunter ab,
seine Nadeln werden roth, er verliert sein Harz, und taugt
dann nicht einmal so gut wie sonst zum Verkohlen, geschwei-
ge als Bau- oder Brennholz.

4. †. Piniperda. (Hylesinus P. F.) der Tannenkäfer,
[Seite 216] schwarze fliegende Wurm. D. niger subvillo-
sus, elytris piceis integris, plantis rufis.

Kaum halb so groß als die vorige Gattung.

5. †. Paniceus. (Anobium P. F.) der Brotkäfer. D.
oblongus, ferrugineus, oculis rufis.

Frisch P. I. tab. 8.

Seine Larve verzehrt zumal das Brot, wird daher nament-
lich auf weiten Seereisen dem Schiffszwieback sehr gefährlich,
und ist auch einer der schädlichsten Bücherwürmer.

4. Ptinus. Kümmelkäfer. (Fr. pannache, vrillette.)
Antennae filiformes; articulis ultimis majoribus. Tho-
rax subrotundus, immarginatus, caput excipiens.

1. †. Pertinax. (Anobium P. F.) P. fuscus unicolor.

Hat seinen Namen daher, weil er, sobald man ihn be-
rührt, die Füße anzieht, wie todt liegt, und lange durch kei-
nen Reitz von der Stelle zu treiben ist.

2. †. Fur. P. testaceus, subapterus, thorace quadri-
dentato, elytris fasciis duabus albis.

Sulzer's Gesch. tab. 2. fig. 8.

Eins der furchtbarsten Thiere für Naturaliensammlungen,
Hausgeräthe und Pelzwerk.

3. †. Fatidicus. (Anobium tesselatum. F.) die Tod-
tenuhr, der Klopfkäfer. (Engl. the death-
watch
.) P. fuscus subpilosus griseo irregulariter
maculosus.

Philos. Transact. N. 271. 291.

Eine der sehr verschiedenen Insectenarten, die durch den
klopfenden Laut, womit die Gatten einander zur Paarungs-
zeit locken, zu mancherlei Volksaberglauben Anlaß gegeben
haben.

5. Hister. Antennae capitatae capitulo solidiusculo;
infimo articulo compresso, decurvato. Caput intra
corpus retractile. Os forcipatum. Elytra corpore bre-
viora. Tibiae anticae dentatae.

1. †. Unicolor. H. totus ater, elytris substriatis.

Sulzer's Kennzeichen tab. 2. fig. 8. 9.

In sandigem Boden und auf Viehweiden.

6. Gyrinus. Antennae clavatae, rigidae, capite brevio-
res, oculi 4, duobus supra, duobus infra.

1. †. Natator. der Schwimmkäfer. G. substriatus.

Sulzer's Gesch. tab. 2. fig. 10.

[Seite 217]

Schwimmt mit großer Schnelligkeit auf der Oberfläche des
Wassers. Im Tauchen hat er eine Luftblase am Hintern;
gibt einen widrigen Geruch von sich.

7. Byrrhus. Antennae clavatae subsolidae, subcom-
pressae.

1. †. Museorum. (Anthenus M. F.) B. nebulosus,
elytris subnebulosis puncto albo.

In Pelzwerk, ausgestopften Thieren etc.

8. Silpha. Antennae extrorsum crassiores. Elytra mar-
ginata. Caput prominens. Thorax planiusculus, mar-
ginatus.

1. †. Vespillo. (Necrophorus V. F.) der Todtengrä-
ber. (Fr. le fossoyeur). S. oblonga atra clypeo or-
biculato inaequali, elytris fascia duplici aurantia.

Frisch P. XII. tab. 3. fig. 2.

Sie haben ihren Namen von der besondern Geschicklich-
keit, womit sie die Aeser von kleinen Thieren, Maulwürfen,
Fröschen etc. die sie von weitem auswittern, unter die Erde zu
vergraben, und ihre Eier dahinein zu legen verstehen. Ihrer
sechse find wohl im Stande, einen todten Maulwurf binnen
vier Stunden, einen Fuß tief in fetten Boden einzuscharren.

9. Cassida. Schildkäfer. Antennae subfiliformes, ex-
trorsum crassiores. Elytra marginata. Caput sub tho-
racis clypeo plano reconditum.

1. †. Viridis. C. viridis, corpore nigro.

Rösel vol. II. Erdkäf. III. tab. 6.

Auf Disteln, Feldmelde etc. Die Larve und Puppe sind
ganz flach und am Rande sonderbar ausgezackt mit Spitzen
versehen.

2. †. Murraea. C. nigra, clypeo rubro, elytris san-
guineis, punctis nigris sparsis.

Besonders häufig am Alant.

10. Coccinella. Sonnenkäfer, Marienkuh, Som-
merkind, Gotteslämmchen. (Fr. vache à Dieu;
bête de la vierge. Engl. Lady-cow, Lady-bird.)
Antennae subclavatae, truncatae. Palpi clava semi-
cordata. Corpus hemisphaericum, thorace elytrisque
marginatis, abdomine plano.

1. †. 7-Punctata. C. coleoptris rubris; punctis ni-
gris septem.

Frisch P. IV. tab. 1. fig. 4.

[Seite 218]

Ist neuerlich, so wie einige Rüsselkäfer und Meloë-Gat-
tungen als wirksames Heilmittel bey mancherlei Zahnweh em-
pfohlen worden.

2. †. Bipustulata. C. coleoptris nigris; punctis ru-
bris duobus, abdomine sanguineo.

Frisch P. IX. tab. 16. fig. 6.

11. Chrysomela. Blattkäfer. Antennae moniliformes,
extrorsum crassiores. Thorax, nec elytra, margi-
natus.

1. †. Goettingensis. (Chrys. haemoptera F.) C. ovata
atra pedibus violaceis.

Panzer Faun. Germ. Heft 44. t. 3.

Häufig an der Schafgarbe*).

2. †. Minutissima. C. ovata nigra opaca.

Eins der kleinsten Käferchen. Kaum den dritten Theil so
groß als ein Floh.

3. †. Cerealis. C. ovata aurata, thorace lineis tribus,
coleoptrisque quinque violaceis, abdomine vio-
laceo.

4. †. Oleracea. (Galleruca O. F.) C. saltatoria (s. fe-
moribus posticis crassissimis) virescenti-caerulea.

Ein, namentlich der Rübsaat, gar schädliches kleines Thier,
das so wie mehrere verwandte Gattungen unter dem Namen
Erdflöhe oder Erdfliegen bekannt ist**).

5. †. Merdigera. (Lema M. F.) der Lilienkäfer. C.
oblonga rubra, thorace cylindrico utritique im-
presso.

Sulzer's Gesch. tab. 3. fig. 14.

In Lilien, Maiblumen etc. Die Larve bedeckt sich mir ih-
rem eigenen Unrath. Der kleine rothe Käfer, worein sie sich
verwandelt, gibt, wenn man ihn in der hohlen Hand vors
Ohr hält, mit seinen Flügeldecken einen durchdringenden hel-
len Laut von sich.

12. Hispa. Stachelkäfer. Antennae fusiformes, basi
approximatae, inter oculos sitae. Thorax elytraque
aculeata saepius.

[Seite 219]

1. †. Atra. H. corpore toto atro.
Unter der Erde an Graswurzeln.

13. Bruchus. Antennae filiformes, sensim crassiores.

1. †. Pisi. der Erbsenkäfer. B. elytris albo puncta-
tis, podice albo maculis binis nigris.

Thut auch in Nordamerica dem Mais großen Schaden.

2. Nucleorum. B. cinereus, elytris striatis, femori-
bus posticis ovatis, dentatis, tibiis incurvis.

Mém. de l'ac. des Sc. de Paris 1771. tab. 2.

Im mittlern America. Fast von der Größe des Goldkä-
fers. Ist oft mit dem weit kleinern Br. bactris verwechselt,
und durchbohrt die steinharten, daumensdicken Nußschalen der
Cocos lapidea woraus Knöpfe u. dergl. gedreht werden.

14. Curculio. Rüsselkäfer. (Fr. charanson). Anten-
nae subclavatae, rostro insidentes. Rostrum corneum
prominens.

Sie haben meist einen kurzen rundlichen aber überaus hart
gepanzerten Körper, und einen festen mehr oder weniger ge-
bogenen Rüssel von verschiedener Länge. Es sind nachtheilige
Thiere, von denen besonders die mit dem sehr langen Rüs-
sel den Bäumen, die übrigen aber den Feldfrüchten und Gar-
tengewächsen Schaden thun. Die Larven mancher Gattungen
nennt man Pfeiffer.

1. Palmarum. (Calandra P. F.) der Palmbohrer.
C. longiroster ater, thorace ovato planiusculo, ely-
tris abbreviatis striatis.

Sulzer's Kennz. tab. 3. fig. 20.

Zumal in Süd-Indien. Hat fast die Größe des Horn-
schröters. Die Larve nährt sich vom Sagumarke; wird aber
selbst als ein schmackhaftes Gericht gegessen.

2. †. Frumentarius. (Attelabus F. F.) der rothe
Kornwurm, Reiter, Wippel. C. longiroster
sanguineus.

So wie der folgende eine große Plage für die Kornböden.
Er saugt das Mehl aus dem Korn und läßt die Hülse liegen.
Das bewährteste Gegenmittel ist, die Fruchtböden und ihre
Gebälke etc. mit scharfer Seifensiederlauge besprengen und ab-
fegen zu lassen. – Nicht selten verbreitet er sich auch in
Wohnzimmer und Betten.

3. †. Granarius. der schwarze Kornwurm. (Calan-
[Seite 220] dra granaria. F.). C. longiroster piceus oblongus
thorace punctato longitudine elytrorum.

4. †. Paraplecticus. (Lixus P. F.) C. longiroster cylin-
dricus subcinereus, elytris muconatis.

Sulzer's Gesch. tab. 4. fig. 7.

Auf Wasserpflanzen. Die Beschuldigung, daß er den Pfer-
den Lähmung verursache, ist ungegründet, und trifft wohl
die verdächtigen Pflanzen, aber nicht das darauf wohnende
unschuldige Thier.

5. †. Bacchus. (Attelabus B. F.) der Rebensticher.
C. longiroster aureus, rostro plantisque nigris.

Sulzer's Gesch. tab. 4. fig. 4.

An Apfelbäumen, Weinstöcken etc.

6. †. Pomorum. C. longiroster, femoribus anticis den-
tatis, corpore griseo nebuloso.

Frisch P. I. tab. 8.

Zerstört in manchen Jahren die mehresten Apfelknospen.

7. †. Nucum. (Rhynchaenus N. F.) C. longiroster,
femoribus dentatis, corpore griseo longitudine
rostri.

Rösel vol. III. Erdkäf. IV. tab. 67.

Macht die Haselnüsse wurmstichig.

8. Imperialis. der Juwelenkäfer. (Engl. the Dia-
mond Beetle.) C. breviroster niger, elytris denta-
tis, sulcatis punctis excavatis, auro versicolore
distinctis, abdomine aeneo viridi.

In Brasilien. Eins der prachtvollsten Insecten. Das ge-
färbte Gold in den unzähligen Grübchen, die reihenweise auf
den Flügeldecken eingegraben sind, thut in hellem Lichte, zu-
mal unter dem Vergrößerungsglase, eine ausnehmende Wir-
kung.

15. Attelabus. Caput postice attenuatum inclinatum.
Antennae apicem versus crassiores.

1. †. Coryli. A. niger, elytris rubris.

Sulzer's Kennz. tab. 4. fig. 25.

2. †. Apiarius. (Trichodes A. F.) der Immenwolf.
A. caerulescens, elytris rubris, fasciis tribus nigris.

Sulzer's Gesch. tab. 4. fig. 4.

Ist häufig wo viel Bienenzucht ist, thut in manchen Jah-
ren den Stöcken großen Schaden.

[Seite 221]

16. Cerambyx. Bockkäfer, Holzbock. (capricornus)
Anttennae attenuatae. Thorax spinosus aut gibbus.
Elytra linearia.

Manche Gattungen haben auffallend lange Fühlhörner, ei-
nen ungemein starken Brustschild und ein überaus zähes Leben,
so daß man angespießte Holzböcke noch nach vier Wochen le-
bendig gefunden hat. Meist leben sie in Holz, und geben
mittelst des Brustschildes, den sie an den Flügeldecken reiben,
einen knarrenden Laut von sich.

1. Longimanus. C. thorace spinis mobilibus, elytris
basi unidentatis apiceque bidentatis, antennis longis.

Rösel vol. II. Erdkäf. II. tab. 1. fig. a.

So wie die folgende Gattung in Südamerika.

2. Cervicornis. (Prionus C. F.) C. thorace marginato
dentato, maxillis porrectis coniformibus utrinque
spinosis, antennis brevibus.

Rösel a. a. O. fig. b.

Noch größer als der vorige. Ebenfalls schön gezeichnet,
mit Kneipzangen, fast wie am Hornschröter.

3. †. Moschatus. C. thorace spinoso, elytris obtusis
viridibus nitentibus, femoribus muticis, antennis
mediocribus.

Frisch P. XIII. tab. 11.

Gibt einen bisamähnlichen Geruch von sich.

4. †. Aedilis. (Lamia A. F.) C. thorace spinoso; punc-
tis 4. luteis, elytris obtusis nebulosis, antennis lon-
gissimis.

Frisch P. XIII. tab. 12.

Die Fühlhörner sind wohl sechs Mal so lang als das ganze
Thier.

17. Leptura. Antennae setaceae. Elytra apicem versus
attenuata. Thorax teretiusculus.

1. †. Aquatica. (Donacia crassipes F.) L. deaurata,
antennis nigris, femoribus posticis dentatis.

An allerhand Wasserpflanzen. Variirt in der Farbe.

18. Necydalis. Afterholzbock. Antennae setaceae. Ely-
tra alis minora. Cauda simplex.

1. †. Major. (Molorchus abbreviatus F.) N. elytris
abbreviatis ferrugineis immaculatis, antennis bre-
vioribus.

[Seite 222]

19. Lampyris. Johanniswürmchen. (cicindela nitedu-
la. Fr. ver luisant. Engl. glow-worm). Antennae
filiformes. Elytra flexilia. Thorax planus, semiorbi-
culatus, caput subtus occultans cingensque. Abdo-
minis latera plicato-papillosa.

Nur die Männchen sind geflügelt, und diese haben zwey
blaulich phosphorescirende lichte Punkte unten am Bauche.
Ihre ungeflügelten Weibchen leuchten weit stärker als die
Männchen, besonders um die Begattungszeit, da ihr Licht
vermuthlich den Männchen zur Anzeige dient, sie aufzufinden.
Einige Zeit, nachdem das Weibchen seine Eier gelegt hat (die
selbst auch im Finstern leuchten), verliert sich der Schein bei
beiden Geschlechtern.

1. †. Noctiluca. L. oblonga fusca, clypeo cinereo.

Unter Wachholdersträuchen, Rosenbüschen etc. Ein Paar
in ein Gläschen gethan, leuchten hell genug, um dabei im
Finstern lesen zu können.

20. Cantharis. Antennae setaceae. Thorax marginatus
capite brevior. Elytra flexilia. Abdominis latera pli-
cato-papillosa.

1. †. Fusca. C. thorace marginato rubro, macula ni-
gra, elytris fuscis.

Die Larve dieses Thiers hält sich über Winter in der Erde
auf, und kommt dann zuweilen, wenn es geschneit hat, zu
tausenden hervorgekrochen, da ihre plötzliche Erscheinung auf
dem frischen Schnee zu allerhand fabelhaften Sagen Anlaß
gegeben.

21. Elater. Springkäfer, Schmid. (Fr. taupin.) An-
tennae setaceae. Thorax retrorsum angulatus. Mucro
pectoris e foramine abdominis resiliens.

Diese Thiere sind wegen der sonderbaren Fertigkeit merkwür-
dig, mit welcher sie, wenn sie auf dem Rücken zu liegen kom-
men, sich in die Höhe zu schnellen, und wieder auf die Beine zu
helfen wissen. Vorzüglich dient ihnen dazu ein Stachel, der
vorn an der Brust befestigt ist, und in eine Rinne oben am
Bauche paßt, aus der er beim Aufschnellen mit Gewalt her-
aus schnappt; und dann die Spitzen, die rückwärts auf bei-
den Seiten des Brustschilds heraus stehen, und mit den Flü-
geldecken auf eine ähnliche Weise eingelenkt sind.

1. Noctilucus. der Cucuyo. E. thoracis lateribus
macula flava glabra.

[Seite 223]

Im mittlern America; wohl zwey Zoll lang. Die beiden
gelben runden Flecken gegen die Seitenspitzen des Brustschil-
des leuchten stark im Finstern, und die Caraiben bedienten sich
ehedem der Cucuyos und einiger anderer phosphorescirenden
Insecten statt der Leuchten.

2. †. Niger. E. thorace laevi, elytris, pedibus cor-
poreque nigris.

Häufig auf Viehweiden.

22. Cicindela. Sandkäfer. Antennae setaceae. Ma-
xillae prominentes denticulatae. Oculi prominuli.
Thorax rotundato-marginatus.

Als Larven scharren sie sich in Sand, fast wie der Amei-
senlöwe, um andern Insecten aufzulauern, und als Käfer
wissen sie ihnen mit ausnehmender Schnelligkeit im Lauf und
Flug nachzujagen.

1. †. Germanica. O. viridis, elytris puncto lunula-
que apicum albis.

23. Buprestis. Prachtkäfer. Antennae setaceae, longi-
tudine thoracis. Caput dimidium intra thoracem re-
tractum.

1. Gigantea. B. elytris fastigiatis bidentatis rugosis,
thorace marginato laevi, corpore inaurato.

Sulzer's Kennz. tab. 6. fig. 38.

In beiden Indien. Klein Fingers lang.

2. †. Chrysostigma. B. elytris serratis longitudinali-
ter sulcatis, maculis duabus aureis impressis, tho-
race punctato.

Sulzer's Kennz. tab. 6. fig. 39.

3. †. Viridis. B. elytris integerrimis sublinearibus
punctatis, thorace deflexo, viridi elongato.

Von der Farbe der spanischen Fliege, aber nur ein Paar
Linien lang. Die Larve richtete vor einigen Jahren in hie-
siger Gegend große Verwüstung in jungen Rothbuchen-
Stämmen an. Tödtete sie durch Zerstörung des Splints,
worin sie geschlängelte Gänge fraß.

24. Dyticus. Wasserkäfer, Fischkäfer. (hydrocan-
tharus). Antennae setaceae aut clavato-perfoliatae.
Pedes postici villosi, natatorii submutici.

1. †. Piceus. (Hydrophilus P. F.) D. antennis perfo-
[Seite 224] liatis, corpore laevi, sterno carinato, postice
spinoso.

Frisch P. II. tab. 6. fig. 1.

Eine der größten Gattungen. Wenn der Käfer seine Eier
legen will, so bereitet er dazu eine artige längliche Hülfe, die
er mit einer braunen Seide überzieht, und die mit den ein-
geschlossenen Eiern wie ein Schiffchen auf dem Wasser schwimmt,
bis die kleinen Larven ausgekrochen und im Stande sind, in
ihr Element über Bord zu springen.

2. †. Marginalis. D. niger, thoracis elytrorumque
margine flavis (mas).

Sulzer's Kennz. tab. 6. fig. 42.

Ist (so wie vermuthlich die mehresten Gattungen dieses Ge-
schlechts), den Fischreichen gefährlich. Beim Weibchen ist die
vordere Hälfte der Flügeldecken längs gefurcht.

25. Carabus. Laufkäfer. Antennae setaceae. Thorax
obcordatus apice truncatus marginatus. Elytra mar-
ginata.

Raubthiere in ihrer Art. Viele geben, wenn man sie an-
faßt, einen widerlichen Saft von sich. Die wenigsten können
fliegen, laufen aber desto schneller.

1. †. Coriaceus. C. apterus ater opacus, elytris punc-
tis intricatis subrugosis.

Sulzer's Kennz. tab. 6. fig. 44.

2. †. Auratus. der Goldhahn. C. apterus, elytris
porcatis; striis sulcisque laevibus inauratis.

Häufig auf Feldern, Wiesen etc.

3. †. Sycophanta. (Calosoma S. F.) C. aureo nitens,
thorace caeruleo, elytris aureo viridibus striatis,
abdomine subatro.

Sulzer's Gesch. tab. 7. fig. 1.

Der größte hierländische Laufkäfer.

4. †. Crepitans. (Brachinus C. F.) der Bombardir-
käfer. (Fr. le pétard). C. thorace capite pedibus-
que ferrugineis, elytris viridi nigricantibus.

Schwedische Abhandl. 1750. tab. 7. fig. 2.

Ein kleines Käferchen. Wird besonders von der vorigen
Gattung verfolgt, und ist dabei durch die von Dr. Rolan-
der beschriebene ganz eigene Art bekannt geworden, womit
er sich gegen den C. inquisitor u.a. seiner Feinde zu ver-
theidigen sucht; da er ihnen mit einem merklich starken Laut
einen blaulichen Dunst entgegen schießt etc.

[Seite 225]

5. †. Spinipes. der Saatfresser. (C. gibbus. F.) C.
piceus, thorace linea excavata longitudinali mani-
bus spinosis.

Olivier T. III. tab. 12. fig. 142.

Die unterirdische Larve verursacht in manchen Jahren (wie
z.B. 1776 in der Lombardey und 1812 im Hallischen Saal-
kreise) furchtbaren Mißwachs der jungen Getreidesaat. Der
Käfer hält sich des Nachts in Menge auf den Aehren auf.

26. Tenebrio. Antennae moniliformes articulo ultimo
subrotundo. Thorax plano-convexus, marginatus.
Caput exsertum. Elytra rigidiuscula.

1. †. Molitor. T. alatus niger totus, femoribus anti-
cis crassioribus.

Frisch P. III. tab. 1.

Die Larven halten sich im Mehl auf, finden sich daher häu-
fig in Mühlen und Bäckerhäusern, heißen Mehlwürmer,
und geben das bekannte Nachtigallenfutter ab.

2. †. Mortisagus. (Blaps mortisaga. F.). der Tod-
tenkäfer. T. apterus thorace aequali, coleoptris
laevibus mucronatis.

Frisch P. XIII. tab. 25.

27. Meloë. Antennae moniliformes articulo ultimo ova-
to. Thorax subrotundus. Elytra mollia flexilia, ca-
put inflexum gibbum.

1. †. Proscarabeus. der Maiwurm. (Fr. le scarabé
onctueux
. Engl. the oil-beetle). M. apterus, cor-
pore violaceo.

Frisch P. VI. tab. 6. fig. 5.

Ein weiches Thier, das bei gewaltsamer Berührung einen
stinkenden Saft aus den Kniegelenken der Beine ausfließen
läßt.

2. †. Vesicatorius. (Lytta vesicatoria F.) die spani-
sche Fliege. (cantharis offic.) M. alatus viridissi-
mus nitens, antennis nigris.

Das wichtige heilsame Geschöpf, das (so wie in Bengalen
die M. trianthemae*)) zum Blasenziehen gebraucht wird.

28. Mordella. Antennae filiformes serratae. Caput de-
flexum sub collo (in territo). Palpi compresso-cla-
[Seite 226] vati, oblique truncati. Elytra deorsum curva apicem
versus. Ante femora lamina lata ad basin abdominis.

Kleine Käferchen. Das ganze Geschlecht begreift nur weni-
ge Gattungen, die sich noch dazu wenig zu vermehren scheinen.

1. †. Aculeata. M. atra, ano spina terminato.

Sulzer's Kennz. tab. 7. fig. 46.

29. Staphylinus*). Antennae moniliformes. Elytra dimi-
diata. Alae tectae. Cauda simplex exserens duas ve-
siculas oblongas.

Sind besonders wegen der kleinen Blasen merkwürdig, die
sie, sobald sie Gefahr merken, aus dem Hinterleibe treiben;
deren Nutzen aber noch unbestimmt ist.

1. †. Maxillosus. S. pubescens niger, fasciis cine-
reis, maxillis longitudine capitis.

30. Forficula. Antennae setaceae. Elytra dimidiata.
Alae tectae. Cauda forcipata.

1. †. Auricularia. der Ohrwurm, Oehrling, Ohr-
höhler. (Fr. le perce-oreille. Engl. the ear-wig.)
F. elytris apice albis.

Frisch P. VIII. tab. 15. fig. 1. 2.

An der ungegründeten Sage, daß dieß Thier gern den
Menschen in die Ohren kröche, ist nur so viel, daß sich ir-
gend etwa ein Mal eins dahin so gut, wie irgend ein andres
Insect, verirren kann Aber dem jungen Gemüse, den Nel-
kenknospen etc. sind sie nachtheilig, so wie da wo sie sich in
Menge vermehren, dem Grundholz der Gebäude und den
Fensterfutterungen.


II. HEMIPTERA. (Ulonata und Rhyngota
Fabr.)

Bei den meisten Insecten dieser Ordnung ist der Kopf nach
der Brust niedergedrückt, bei einigen mit Kinnladen, bei den
mehresten aber mit einem nach dem Unterleibe gebogenen Sauge-
rüssel versehen, weßhalb diese auch von einigen Naturforschern
Proboscidea genannt werden. Meistens haben sie vier Flügel,
[Seite 227] von welchen zumal die obern an der Wurzel fester und hornar-
tiger, am äußern Ende aber dünner und weicher sind. Bei ei-
nigen sind sie grade ausgestreckt, bei andern übers Kreuz zu-
sammengefaltet. Theils sind sie auch mit einer Art kleiner Flü-
geldecken belegt. Manche haben nur zwey Flügel, und bei ver-
schiedenen sind die Weibchen gänzlich ungeflügelt. Ihre Ver-
wandlung ist nicht sehr ausfallend: sondern die Larven ähneln
dem vollkommnern Insect bis auf die Flügel, die erst nach und
nach völlig ausgebildet werden*).

31. Blatta. Schabe. Caput inflexum. Antennae seta-
ceae. Elytra alaeque planae, subcoriaceae. Thorax
planiusculus orbiculatus, marginatus. Pedes curso-
rii. Cornicula duo supra caudam.

1. †. Orientalis. die Brotschabe, Küchenschabe,
der Kakerlake, Tarokan. (Fr. le cancrelas, ra-
vet
. Engl. the black beetle, cockroach). B. ferru-
gineo-fusca elytris abbreviatis sulco oblongo im-
presso.

Frisch P. V. tab. 3.

Jetzt nun fast in allen Welttheilen. So wie einige andre
Gattungen dieses Geschlechts (z.B. die, ich weiß nicht war-
um, sogenannte Germanica, die Americana etc.) für man-
che Gegenden, wo sie sich eingenistet und stark vermehrt hat,
eine der lästigsten Hausplagen. Verzehrt vorzüglich mancher-
lei Victualien, vor allen aber Brot etc. Kann daher in Schif-
fen auf weiten Seereisen schaudervolles Elend verursachen**).
Ist noch am ersten durch Arsenik, Dampf von Schwefel und
Asa foetida, kochend Wasser etc. und wo nur wenige in ei-
nem Zimmer oder einer Küche sind, dadurch zu vertilgen,
daß man über Nacht einen Igel oder eine Ente hineinsperrt.

2. Heteroclita. B. fusca, elytris nigris, sinistro inte-
gro 4-pustulato; dextro ad marginem internum se-
mipellucido, 3-pustulato.

Pallas spicileg. zoologic. IX. tab. 1. fig. 5.

In Tranquebar etc. Wegen der auffallenden Ungleichheit in
der Zeichnung der beiden Oberflügel werkwürdig.

3. †. Lapponica. B. flavescens, elytris nigromaculatis.

Auch außer Lappland im mildern Europa.

[Seite 228]

32. Mantis. Caput nutans, maxillosum, palpis instruc-
tum. Antennae setaceae. Alae 4 membranaceae, con-
volutae, inferiores plicatae. Pedes antici compresi,
subtus serrato-denticulati, armati ungue solitario et
digito setaceo laterali articulato: postici 4. laeves,
gressorii. Thorax linearis elongatus angustatus.

Alle von einer ungewöhnlichen, lang gestreckten, sonderba-
ren Bildung*). Auch ihr Gang, ihr Betragen etc. hat was
Eigenes gleichsam Feierliches, das wohl zu der abergläubi-
schen Devotion Anlaß gegeben hat, mit der mehrere Gattun-
gen dieses Geschlechts, zumal im Oriente angesehen werden.

1. Gigas. [Phasma G. F.**)] M. thorace teretiusculo
scabro, elytris brevissimis, pedibus spinosis.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 19. fig. 9. 10.

Auf Amboina. Spannenlang, und doch kaum so dick als
eine Gänse-Spuhle. Wird von den Indianern gegessen.

2. Gongylodes. M. thorace subciliato, femoribus an-
ticis spina terminatis, reliquis lobo.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 7. fig. 1. 2. 3.

Auf Guinea etc.

3. †. Religiosa. (M. oratoria var. β. F.) die Gottes-
anbetherin, das wandelnde Blatt, der Wein-
handel, Weinhasel. M. thorace laevi subcarina-
to elytrisque viridibus immaculatis.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 1. 2.

Geht meist nur auf den vier Hinterfüßen, und hält die
vordern beiden in die Höhe. Man nennt es das wandelnde
Blatt, weil seine Oberflügel an Gestalt und Farbe einem
Weidenblatte ähneln. Kann wohl zehn Jahre alt werden.

4. Precaria. M. thorace subciliato, elytris flavis ocel-
lo ferrugineo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 88.

Am Cap; wo sie von den Hottentotten heilig verehrt wird.

33. Gryllus. Heuschrecke. (Fr. sauterelle. Engl. gras-
hopper
). Caput inflexum, maxillosum, palpis instruc-
tum. Antennae setaceae s. filiformes. Alae 4 deflexae,
[Seite 229] convolutae, inferiores plicatae. Pedes postici salta-
torii. Ungues ubique bini.

Ein großes Geschlecht, dessen mehreste Gattungen dem
Wiesenwachs und Getreide gefährlich sind. Bei manchen ge-
ben die Männchen entweder zur Begattungszeit, oder wenn
sich das Wetter ändern will, einen bekannten zirpenden Laut
von sich, den sie theils mit den Springfüßen, am meisten aber
mit den Flügeln hervorbringen.

1. †. Gryllotalpa. (Acheta G. F.) die Werre, Maul-
wurfsgrille, der Riehwurm, Reitwurm,
Schrotwurm, Ackerwerbel, Erdkrebs. (Fr. la
courtilière. Engl. the molecricket). G. thorace ro-
tundato, alis caudatis elytro longioribus, pedibus
anticis palmatis tomentosis.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 14. 15.

In Europa und Nordamerica: theils an Orten wie im
Thüringischen etc. ausnehmend häufig. Lebt meist unter der
Erde, und thut zumal den Küchengewächsen und der Ger-
stensaat großen Schaden.

2. †. Domesticus. (Acheta D. F.) die Grille, Zir-
se, Heimchen. (Fr. le grillon. Engl. the cricket).
G. thorace rotundato, alis caudatis elytro longiori-
bus, pedibus simplicibus, corpore glauco.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 12.

3. †. Campestris. (Acheta C. F.) die Feldgrille. G.
thorace rotundato, cauda biseta stylo lineari, alis
elytro brevioribus, corpore nigro.

Frisch P. I. tab. 1.

4. †. Viridissimus. (Locusta viridissima. F.) der Baum-
hüpfer. G. thorace rotundato, alis viridibus im-
maculatis, antennis setaceis longissimis.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 10. 11.

Von schöner grüner Farbe. Lebt meist auf Gebüschen, springt
vorzüglich weit.

5. †. Verrucivorus. (Locusta verrucivora. F.) das
Heupferd. G. thorace subquadrato laevi, alis vi-
ridibus fusco maculatis, antennis setaceis longitu-
dine corporis.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 8.

[Seite 230]

6. Cristatus. die Kammheuschrecke. G. thorace cri-
stato, carina quadrifida.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 5.

In den Morgenländern, Aegypten etc.

7. †. Migratorius. die Zugheuschrecke, Strichheu-
schrecke, Heerheuschrecke. G. thorace subcarina-
to; segmento unico, capite obtuso, maxillis atris.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 29.

Das furchtbare Insect, das oft in unsäglichen Zügen auch
in Europa eingefallen ist, und allgemeinen Mißwachs, Hun-
gersnoth etc. verursacht hat. Ursprünglich gehört es wohl (so
wie der ihm ähnliche, sich auch zu Zeiten in Unzahl vermeh-
rende Gr. tartaricus), in die asiatische Tartarei zu Hause,
doch findet es sich auch einzeln in Deutschland, das doch seit
1750 mit großen Invasionen desselben verschont geblieben*).
Auch soll sich diese Heuschrecke (wenn es anders die gleiche Gat-
tung ist) in Nord- und Süd-America finden. – Daß sie in
Arabien und dem nördlichen Africa noch jetzt, so wie in den
ältesten Zeiten, in Menge verspeiset wird, ist eine ausgemach-
te Sache: und daß das einige neuere Reisende in diese Län-
der für eine Fabel erklärt haben, gibt ein lehrreiches Bei-
spiel von voreilig dreistem Hyperscepticismus.

8. †. Stridulus. die Holzheuschrecke. G. thorace
subcarinato, alis rubris extimo nigris nebulosis.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 21. fig. 1.

Leben meist im Gehölze. Die Männchen geben im Fluge ei-
nen lauten klappernden Ton von sich.

34. Fulgora**). Caput fronte producta, inani. Anten-
nae infra oculos, articulis 2, exteriore globoso. Ro-
strum inflexum, pedes gressorii.

[Seite 231]

Der sonderbare Charakter dieses Geschlechts ist die hornige
Blase vor der Stirne, die bei den nachbenannten Gattungen
im Leben und einige Zeit nach dem Tode einen Schein ver-
breitet.

1. Laternaria. der surinamische Laternträger,
Leiermann. (Fr. la porte-lanterne. Engl. the
lanthorn-fly
). F. fronte ovali recta, alis lividis;
posticis ocellatis.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 28. 29.

Die größte Art; die leuchtende Blase ist fast so groß als
der ganze übrige Körper, und scheint so hell, daß sich die
Guianischen Wilden ihrer ehedem statt Leuchten bedient ha-
ben sollen.

2. Candelaria. der schinesische Laternträger. F.
fronte rostrato-subulata adscendente, elytris viri-
dibus luteo-maculatis, alis flavis: apice nigris.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 39.

35. Cicada (Fr. cigale). Rostrum inflexum. Antennae
setaceae. Alae 4 membranaceae, deflexae. Pedes ple-
risque saltatorii.

Die männlichen Cicaden geben wie die Heuschrecken einen
Laut von sich, der durch besondere, mehr zusammengesetzte
Werkzeuge an ihrem Unterleibe hervorgebracht wird.

Merkwürdig ist, daß einige Gattungen von Keulenschwäm-
men (clavariae) besonders häufig aus den Puppen von Ci-
caden, theils gar auf dem lebendigen Leibe ihrer Larven, so
wie andere auf Raupen, Schmetterlings-Puppen, Laufkä-
fern etc. wachsen*).

1. Orni. die Manna-Cicade – (Tettigonia O. F.)
C. nigra flavo-maculata, alis hyalinis, basi flavis
maculis nigris.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 25. fig. 1. 2.

Im südlichen Europa und in Nordafrica an einigen Gat-
tungen von Eschen, wo sie durch ihren Stich das Ausschwit-
zen der Manna (so wie in Arabien eine Gattung von Schild-
lausen an einer Tamariske) verursachen soll. Wird insgemein
nebst der fast noch ein Mal so großen C. plebeia (Rösel
[Seite 232] fig. 4.) für die bei den Alten so beliebten Cicaden gehal-
ten*).

2. †. Spumaria. (Cercopis S. F.) der Schaumwurm,
Gäschtwurm. C. fusca, elytris maculis binis albis
lateralibus; fascia duplici interrupta albida.

Frisch P. VIII. tab. 12.

Besonders häufig auf Weidenbäumen, denen die Larve im
Frühjahr den Saft aussaugt, und ihn in Gestalt eines
Schaums (des so genannten Kuckuckspeichels), unter wel-
chen sie oft versteckt ist, wieder von sich gibt. Daher auch
die Sage von regnenden Weiden.

3. Lanata. (Lystra L. F.) C. alis deflexis nigris:
punctis caeruleis, fronte lateribusque rubris, ano
lanato.

Stoll tab. 10 fig. 49. und D.

In Westindien. Hat den Beinamen von den räthselhaften,
schneeweißen, aber im Wasser gleichsam schmelzenden langen
Flocken am Hinterleibe**).

36. Notonecta. Wasserwanze. Rostrum inflexum. An-
tennae thorace breviores. Alae 4 cruciato-complica-
tae, antice coriaceae. Pedes posteriores pilosi nata-
torii.

1. † Glauca. N. grisea elytris griseis margine fusco
punctatis apice bifidis.

Frisch P. VI. tab. 13.

Schwimmt die mehrste Zeit auf dem Rücken: weiß auch
in dieser Lage kleine Mücken etc., von denen sie sich nährt,
mit vieler Geschwindigkeit zu haschen.

37. Nepa. Wasserscorpion. Rostrum inflexum, Alae
4 cruciato-complicatae anticae coriaceae. Pedes an-
teriores cheliformes; reliqui 4 ambulatorii.

1. †. Cinerea. N. cinerea, thoraci inaequali, corpo-
re oblongo-ovato.

Frisch P. VII. tab. 15.

[Seite 233]

Die Eier dieses Thieres haben eine überaus sonderbare Ge-
stalt, an einem Ende mit Häkchen, fast wie Samen von
Kornblumen etc.

2. †. Cimicoides. (Naucoris C. F.) N. abdominis mar-
gine serrato.

Frisch P. VI. tab. 14.

3. Plana. (Nepa rustica F.) N. subfusca: oculis ni-
gris, alis albidis, dorso plano.

Eine gewisse Art Wassermilben legt diesem Thier, das na-
namentlich auf Trankebar zu Hause ist, ihre Eier auf den
Rücken*).

38. Cimex. Wanze. Rostrum inflexum. Alae 4 crucia-
to-complicatae, superioribus antice coriaceis. Dor-
sum planum thorace marginato. Pedes cursorii**).

1. †. Lectularius. (Acanthia lectularia F.) die Bett-
wanze, Wandlaus. (Fr. la punaise. Engl. the
bug, wall-louse
). C. flavescens, alis nullis.

Sulzer's Kennz. tab. 10. fig. 69.

Ueber die ursprüngliche Heimath und den Aufenthalt die-
ses ekelhaften, lichtscheuen Insects im wilden Zustande weiß
man wenig Zuverlässiges. Jetzt findet sichs fast in allen Welt-
theilen (namentlich in Sibirien, Ostindien, Nord- und Süd-
America etc.) So leicht Wanzen durch Zufall in ein Haus kom-
men können, so leicht ist es, sie bald anfangs durch sorgfältige
wiederholte Anwendung kräftiger Mittel***) auch wieder zu
vertreiben: was aber äußerst schwer hält, wo man sie ein-
mal überhand nehmen und sich weit verbreiten lassen.

[Seite 234]

2. †. Corticalis. (Aradus C. F.) C. membranaceus,
abdominis margine imbricatim secto, corpore ni-
gricante.