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Handbuch der Naturgeschichte —

Table of contents

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[titlePage_recto]
Handbuch
der
Naturgeschichte
Multa fiunt eadem sed aliter.
(quintilian.)
Neunte Ausgabe.
Erste Abtheilung.

Wien
1816
,
bey Rath. Gräffer und Härter.
[titlePage_verso]

Vorrede
zur vorhergehenden achten Auflage.

[[III]]

(Mit einigen Zusätzen.)

Ein bedeutender Kunstrichter seiner Zeit,
Gilles Menage, war des Glaubens, daß die
Güte eines Buchs mit der Zahl der Ausgaben
desselben in Verhältniß stehe, und man von ei-
nem bewährt brauchbaren deren acht zählen
müsse.

So wenig sich nun zwar absehen läßt, wie
der sonst scharfsinnige Mann auf einen so aben-
teuerlichen – im Allgemeinen so höchst trüglichen
ganz unzuverlässigen Maßstab verfallen konnte, so
darf es inzwischen der Verfasser eines wissenschaft-
lichen, besonders auch zur Grundlage bey akade-
mischen Vorlesungen bestimmten Handbuchs, zu-
mahl in einer Disciplin, die deren schon vorher gar
manches zählte, für ein Zeichen der Brauchbar-
[Seite IV] keit des seinigen ansehen, wenn er die achte (–
und nun die neunte –) Ausgabe davon be-
sorgen muß, – fünf bis sechs Übersetzungen des-
selben in fremde Sprachen ungerechnet, die zwi-
schendurch davon erschienen sind*).

Das Buch sollte von der allgemeinen Natur-
geschichte, gleichsam von ihrer Philosophie, eine
faßliche Übersicht, und aus der unübersehlichen
Fülle der speciellern so viel des Gemeinnützigsten
und Interessantesten in gedrängter Kürze enthal-
ten, als der zweckmäßige Zuschnitt eines, wie
gesagt, auch als Leitfaden bey akademischen Vor-
lesungen brauchbaren Handbuchs gestattet. Da-
bey ist unter andern auch besonders darauf Rück-
sicht genommen, daß dasselbe zu einem nützlichen
Hülfsmittel zum Nachschlagen, und zwar nah-
mentlich beym Lesen von Reisebeschrei-
bungen
dienen möchte, und dazu war denn
auch das genaue Register erforderlich, das einige
tausend Rahmen von merkwürdigen Naturproduc-
ten enthält.

So wie jede neue Ausgabe des Buchs ganz
beträchtlichen Zuwachs von neuen Entdeckungen
[Seite V] oder Berichtigungen in der Naturgeschichte, auch
von eigenen Ansichten und Bemerkungen des Ver-
fassers erhalten hat, so auch diese gegenwärtige,
und zwar – wie schon die Vergleichung des Re-
gisters zu derselben ausweisen könnte – nach Ver-
hältniß wohl mehr als eine der vorigen.

Folgendes aus den Vorreden zu den letz-
tern Ausgaben mag auch in dieser hier seine Stelle
finden.


Ich habe in den mineralogischen Abschnitten,
so wie im ganzen Buche, von Geschlechtern und
den darunter begriffenen Gattungen gesprochen.
Denn daß man in der Mineralogie die Fossilien
in genera und species eintheilt, und die genera
auf Deutsch Geschlechter, so wie die species Gat-
tungen
nennt, darüber ist meines Wissens un-
ter den gelehrten und philosophischen Mineralogen
Deutschlands nur eine Stimme. Und so ver-
steht sichs wohl von selbst, daß, wenn ich also in
einem Theile des Buchs die Benennungen von
Geschlecht und Gattung in diesem von je (– und
bis vor Kurzem allgemein –) angenommenen
Sinne brauchen mußte, ich nicht in einem andern
Theile das Wort Gattung im verkehrten Sinne
[Seite VI] für genus brauchen durfte, wie doch in der That
neuerlich von gar manchen Deutschen Schriftstel-
lern in der Zoologie und Botanik versucht worden.

Ich weiß nicht, wer der Reformator ist,
der diese Umkehrung der Begriffe und ihrer be-
stimmten Zeichen zuerst unternommen haben mag:
– aber wohl weiß ich, was er mit einem solchen
versuchten Eingriffe in den Sprachgebrauch

‘„quem penes arbitrium est, et jus, et
norma loquendi
“’

bey andern aufgeklärten. Nationen riskirt hätte:
– daß es ihm hingegen in meinem theuern Va-
terlande Deutscher Nation nicht an Nachahmern
gefehlt hat, ist nichts weniger als unerwartet. –
Genug indeß, daß so viele philosophische Natur-
forscher und die größten unserer naturkundigen
Philosophen das verba valent sicut numi besser
befolgt, und sich also durch diese sonderbare Um-
stempelung nicht irre führen lassen. – Und war-
um auch ich für meine Person es hierin lieber
beym Alten lasse, als mich an jene Nachahmer
anschließe, dafür habe ich folgende Gründe:

1) Hoffentlich weiß doch ein jeder, der sei-
ner Sprache kundige, Deutsche Naturforscher (–
und wer es nicht weiß, der kann es aus Ade-
lung's
Wörterbuche lernen –), was die erste
[Seite VII] und Fundamentalbedeutung des Wortes Ge-
schlecht ist:

‘„Die Aehnlichkeit der verschiedenen Gat-
tungen
der Dinge:’

Dieß ist der wahre eigentliche Sinn des
Wortes Geschlecht, wie wir ihn von Kindesbei-
nen an, selbst aus des seiner Sprache höchst kundi-
gen Luther's Bibel-Übersetzung lernen.

Dem zu Folge wissen wir also in Anwen-
dung auf Methodologie in der Naturgeschichte:

Die Gattungen schafft die Natur: der Sy-
stematiker bringt sie nach ihren gemeinschaft-
lichen Ähnlichkeiten unter Geschlechter.

2) Eben so ausgemacht und bekannt ist aber
auch, daß hingegen das Wort Gattung von
dem Zeitworte sich gatten, abstammt; und
da nun im freyen Naturzustande wohl nur die
Thiere von einer species sich mit einander
fruchtbar gatten, so versteht sich also von selbst,
daß das Wort species, in dem Sinne, wovon
hier die Rede ist, durch kein anderes Deutsches
Wort passender und bezeichnender und bestimm-
ter ausgedrückt werden konnte, als durch Gat-
tung
.

[Seite VIII]

3) Daß aber die Homonymie des Deutschen
Wortes Geschlecht, indem es sowohl genus als
sexus bedeutet, zu Irrung Anlaß geben werde,
ist wohl eben so wenig im Ernst zu befürchten
als bey dem Lateinischen Worte genus, das,
wie wir in den Kinderjahren in der Gramma-
tik beym Unterschied der Worte generis ma-
sculini
oder foeminini lernen, auch statt sexus
gebraucht wird.

4) Und wenn aber auch obbesagter Refor-
mator im Ernste so etwas befürchten zu müssen
meinte, so hätte er immerhin mögen wer weiß
was für ein Wort von eigener Fabrik statt des
ihm bedenklichen Geschlechts vorschlagen; aber
nichts konnte ihn berechtigen, die Landessprache –
d.h. den bestimmten einmahl festgesetzten Sinn
der Deutschen Worte – (da man z.B. Men-
schen geschlecht etc. sagt so gut wie genus hu-
manum
) zu verlehren! Denn, wie unser seliger
Lichtenberg bey einem ähnlichen Anlaß sich
ausdrückt:

‘Hypothesen zu machen, und sie als seine Stim-
me der Welt vorzulegen, darf niemand ge-
wehrt seyn, sie gehören dem Verfasser. Aber
die Sprache gehört der Nation, und
mit dieser darf man nicht umsprin-
gen, wie man will
.“’

[Seite IX]

Die gleiche schuldige Achtung gegen dieses
der Nation gehörige Eigenthum, habe ich auch bey
den Deutschen Nahmen der Naturalien beobachtet,
und mich daher immer der allgemein angenomme-
nen und allgemein verständlichen, nicht aber etwa
der Solöcismen einer einzelnen Provinz bedient.
Darum brauche ich z.B. nicht das hier zu Lande
gewöhnliche Wort Molle, sondern das allgemein
angenommene Molch: eben so nicht das im Erz-
gebirge gebräuchliche Wort Kobelt, sondern das
längst allgemein adoptirte und selbst in andere le-
bende und todte Sprachen aufgenommene Kobalt
u.s.w.

Anders ist der Fall mit den in der Naturbe-
schreibung von unsern neuen Systematikern zur
Bezeichnung der Geschlechter und ihrer Gattungen
selbsterfundenen Kunst- und Trivial-Nah-
men. So billig und vernünftig es freylich ist,
auch hierin so viel als möglich die einmahl ziemlich
allgemein angenommenen Benennungen beyzube-
halten, so können doch Fälle eintreten, wo es
noch billiger und vernünftiger ist, einen vorher
gewählten Nahmen, wenn er einen durchaus irri-
gen Begriff erweckt, gegen einen richtigern umzu-
tauschen. Und doch habe ich mich dieser an sich er-
laubten, aber auch heut zu Tage so oft gemiß-
brauchten und dann das Studium der Naturge-
[Seite X] schichte so äußerst erschwerenden Freyheit nur in
äußerst wenigen Fällen, wo es mir unvermeidlich
schien, bedient. So habe ich z.B. den Panzer-
thieren oder Armadillen ihren einheimischen, allge-
mein bekannten und längst von classischen Zoolo-
gen angenommenen Nahmen, Tatu, restituirt;
da man sonst diesen fast haarlosen Thieren durch
einen seltsamen Mißgriff den Nahmen, Rauch-
fuß
, Dasypus, beygelegt hatte, womit die
alten Griechen, ganz passend und völlig nach der
Natur, das rauchfüßige Hasengeschlecht be-
zeichnet haben. – Aus ähnlichen Gründen brauche
ich für den schönen Neuseeländischen Nephrit lieber
seinen einheimischen Nahmen (Punammustein),
unter welchem er zuerst von unsern Antipoden zu
uns gebracht und bekannt worden, als die ihm
neuerlich beygelegte Benennung Beilstein, da
ich im hiesigen akademischen Museum, so wie in
den in London befindlichen großen Sammlungen
von südländischen Merkwürdigkeiten, zwar wohl
die Menge von Hacken und andern Geräthen, so
sich die Neuseeländer aus diesem Steine bereiten,
aber schlechterdings kein daraus verfertigtes Beil
aufgefunden habe. – Eben so habe ich diejenige
Gattung des Fledermausgeschlechts, Vampyr oder
Blutsauger genannt, die wirklich schlafenden Säu-
gethieren das Blut aussaugt; da hingegen Linné
[Seite XI] diesen Nahmen dem fliegenden Hund beygelegt
hatte, der wohl, seit die Welt steht, kein Blut
gesogen hat, sondern sich ganz allein von Früchten
nährt. – Aber viele andere, nur nicht gar zu
unpassende Kunstnahmen der Art habe ich dennoch
beybehalten, um ja nicht die Nomenclatur und
Synonymien ohne dringende Noth, zur großen
Last der Lernenden, zu häufen.

Daß aber manche bekannte Nahmen von
Naturalien hier doch anders geschrieben werden,
als es insgemein geschieht, hat auch seinen guten
Grund. So schreibe ich z.B. Tofus und nicht
Tophus, weil es kein griechisches Wort ist; eben
so Manacanit*) und nicht Menacanit, weil
der Fundort dieses Fossils in seiner ersten Sylbe
ein a hat, so gut wie Hamburg oder Frankfurt.

Im Thierreiche habe ich immer den lateini-
schen Nahmen vorausgesetzt, weil da hundert exo-
tische Geschöpfe vorkommen, die im Deutschen
keinen bekannten verständlichen Nahmen haben.
Im Mineralreiche hingegen ist der Fall umgekehrt.

[Seite XII]

Da sind gerade die Deutschen Benennungen die
bekanntesten und selbst großen Theils in andere
Sprachen aufgenommen.

Beym Thierreiche ist denjenigen Gattungen,
die sich in Deutschland finden, wieder so, wie in
den vorigen Ausgaben, ein † vorgesetzt. Im
Mineralreich konnte dieß unterbleiben, weil so ein
Zeichen bey den allgemein verbreiteten Fossilien
überflüssig, bey vielen von denen aber, die in
Deutschland selbst ein sehr eingeschränktes Vater-
land haben, wie der Boracit etc. unzureichend
gewesen wäre.

Die Abbildungen naturhistorischer
Gegenstände,
die ich in der Verlagshandlung
dieses Handbuchs heftweise herausgebe, beziehen
sich auf die neuesten Ausgaben desselben und dienen
ihnen zu einer zweckmäßigen Erläuterung.

Göttingen,
im September 1814.

J. F. Blumenbach.

Handbuch
der
Naturgeschichte

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Erster Abschnitt.
Von Naturalien überhaupt
und
ihrer Eintheilung in drey Reiche.

[[1]]

§. 1.

Alle Körper, die sich auf, und in unserer Erde fin-
den, zeigen sich entweder in derselben Gestalt und Be-
schaffenheit, die sie aus der Hand des Schöpfers er-
halten und durch die Wirkung der sich selbst überlasse-
nen Naturkräfte angenommen haben; oder so, wie sie
durch Menschen und Thiere, zu bestimmten Absichten,
oder auch durch bloßen Zufall verändert und gleichsam
umgeschaffen worden sind.

Auf diese Verschiedenheit gründet sich die bekann-
te Eintheilung derselben in natürliche (naturalia),
und durch Kunst verfertigte (artefacta). Die
erstern machen den Gegenstand der Naturgeschichte*)
aus, und man pflegt alle Körper zu den Natura-
lien
zu rechnen, die nur noch keine wesentliche
Veränderung durch Menschen erlitten ha-
[Seite 2] ben. Artefacten
werden sie dann genannt, wenn
der Mensch*) absichtlich Veränderungen mit ihnen
vorgenommen.

Anm. 1. Daß übrigens jene Begriffe vom Wesent-
lichen
und vom Absichtlichen im gegenwärti-
gen Falle, bey so verschiedentlicher Rücksicht und Mo-
dification, nicht anders als relativ seyn können, be-
darf wohl keiner Erinnerung. Wie viel kommt nicht
z.B. bloß auf den Gesichtspunct des Sammlers an.
So kann eine Ägyptische Mumie sowohl in eine Na-
turaliensammlung zur anthropologischen Suite, als
in eine Sammlung altägyptischer Kunstwerke gehören.

Anm. 2. Zuweilen können Naturalien manchen Kunst-
producten so ähnlich seyn, daß sie schwer von einan-
der zu unterscheiden sind. Daher z.B. die ehedem
getheilten Meinungen, ob der Überzug in der piscina
mirabile
bey Bajä ein von selbst aus dem Wasser
abgesetzter Rindenstein von Kalksinter, oder aber ein
absichtlich aufgetragener künstlicher Mörtel sey. (– s.
Götting. gel. Anzeigen 1791. 188. S. –)

§. 2.

Alle und jede natürliche Körper zeigen, 1) in
Rücksicht ihrer Entstehung, 2) ihres Wachs-
thums
, und 3) ihrer Structur, eine doppelte
Verschiedenheit.

Die einen nähmlich sind allemahl von andern na-
türlichen Körpern derselben Gestalt und Art hervor ge-
bracht; so daß ihre Existenz in einer ununterbrochenen
Reihe bis zur ersten Schöpfung**) hinauf, immer an-
[Seite 3] dere dergleichen Körper voraussetzt, denen sie ihr Da-
seyn zu danken haben.

Zweytens nehmen sie allerhand fremde Substan-
zen als Nahrungsmittel in ihren Körper auf, assimili-
ren sie den Bestandtheilen desselben, scheiden das Über-
flüssige wieder aus und befördern mittelst dieser bestän-
digen Erneuerung und Wechsel ihr Wachsthum von
innen
(durch innige Aneignung, intus susceptio,
expansio).

Diese beyden Eigenschaften setzen drittens von
selbst eine besondere Structur bey dieser Art von natür-
lichen Körpern voraus. Sie müssen nähmlich, wenn
sie auf diese Weise Nahrungsmittel zu sich nehmen
und umwandeln, und mit der Zeit andere Geschöpfe
ihrer Art wieder hervor bringen sollen, mancherley
diesen Zwecken der Selbsterhaltung und Fortpflanzung
entsprechende, deßhalb mit den sogenanten Lebens-
kräften versehene, und zu einem zweckmäßigen
Ganzen unter einander verbundene, Gefäße, Adern
und andere Organe in ihrem Körper haben, die zur
Aufnahme bestimmter Säfte, zur Assimilation jener Ali-
mente, zur Erzeugung der Nachkommenschaft u.s.w.
nothwendig sind.

Dieß alles fehlt bey den natürlichen Körpern der
andern Art, nähmlich den Mineralien. Beydes,
sowohl ihre Entstehung, als ihr Wachsthum (wenn
man es gar nur Wachsthum nennen darf), wird kei-
nesweges durch Ernährung, sondern lediglich nach ei-
[Seite 4] gentlich sogenannten bloß physischen (mechanischen und
chemischen), Gesetzen, durch Anhäufung oder Ansatz
homogener Theile von außen (aggregatio, juxta
positio
) bewirkt; folglich ist bey ihnen weder ursprüng-
liche Organisation noch Lebenskraft zu erwarten.

Und eben deßhalb heißen sie unorganisirte,
und jene hingegen organisirte Körper.

§. 3.

Endlich sind nun aber auch jene organisirten
Körper selbst, besonders in der Art wie sie ihre Nah-
rungsmittel zu sich nehmen, von einer doppelten Ver-
schiedenheit.

Die einen nähmlich saugen einen sehr einfachen
Nahrungssaft, vorzüglich mittelst zahlreicher Zasern,
die sich am untern Ende ihres Körpers befinden, ohne
merkliche willkührliche Bewegung in sich.

Da hingegen die andern eine meist einfache Haupt-
öffnung am obern oder vordern Ende ihres Körpers ha-
ben, die zu einem geräumigen Schlauche führt, wo-
hin sie vom innern Gefühle des Hungers getrieben ihre
Alimente, die von sehr verschiedener Art sind, mit-
telst willkührlicher Bewegung bringen.

Jenes sind die Pflanzen, dieses die Thiere.

Anm. Hingegen gibt die Fähigkeit den Standort zu
verändern (locomotivitas) kein hinreichendes Unter-
scheidungszeichen der Thiere von den Pflanzen, ab.
Denn viele Pflanzen, wie z.B. die gemeinen Was-
serlinsen, sind nicht festgewurzelt, sondern können zu
gewissen Jahrszeiten etc. ihren Aufenthalt verändern,
bald zu Boden sinken, bald wieder auf die Ober-
fläche des Wassers steigen u.s.w. Und andererseits
gibt es ganze Geschlechter von Wasserthieren, zumahl
unter den Conchylien, Korallen etc. die ihren einmahl
eingenommenen Platz nie von selbst wieder verlassen
können.

[interleaf]

§. 4.

[Seite 5]

Diese sehr faßliche Einteilung der natürlichen
Körper in organisirte und unorganisirte (§. 2.), und
der organisirten wieder unter einander (§. 3.) ist nun
der Grund der bekannten drey Reiche, worunter
man die Naturalien sehr schicklich gebracht hat, und
wovon das erste die Thiere, das zweyte die Pflanzen,
das dritte die Mineralien begreift.

Die Thiere sind demnach belebte und beseelte
organisirte Körper, die sich ihre sehr vielartige Nah-
rung mittelst willkührlicher Bewegung suchen, und sel-
bige durch den Mund in den Magen bringen.

Die Pflanzen sind zwar ebenfalls belebte or-
ganisirte Körper, aber unbeseelt, so daß sie ihren sehr
homogenen Nahrungssaft ohne willkührliche Bewegung
mittelst der Wurzeln einsaugen.

Die Mineralien endlich sind unbelebte und
unorganisirte Körper, die folglich ohne Lebenskraft
nach den bloß physischen (mechanischen und chemischen)
Gesetzen von Anziehung, Anhäufung, Bildungskraft
etc. entstehen.

Anm. Gegen diese Eintheilung in drey Reiche, ist zu-
mahl neuerlich, eine doppelte Einwendung gemacht
worden.

Manche haben zwar die Kluft zwischen den or-
ganisirten und unorganisirten Körpern anerkannt, aber
nur keine bestimmten Gränzen zwischen Thieren und
Gewächsen zugeben wollen:

Andere hingegen haben die beliebten Metaphern
von Stufenfolge der Geschöpfe geradezu dahin gedeu-
tet, als ob überhaupt keine bestimmbaren Einthei-
lungen der Naturalien in Reiche u.s.w. Statt fänden.

Was das erste betrifft, so sollte man zwar über-
haupt nicht vergessen, was so oft bey Gegenständen
[Seite 6] der Erfahrung der Fall ist, daß man sie weit leichter
für das, was sie sind*), richtig anerkennen und von
andern unterscheiden, als ihre einzelnen unterscheiden-
den Merkzeichen ausfinden und angeben kann**). –
So sagte z.B. Linné: nullum characterem hacte-
‘„nus eruere potui, unde Homo a Simia internosca-
tur
.“’ Nun glaube ich zwar in diesem Buche solche
äußere Charaktere der Humanität angegeben zu ha-
ben, wodurch sich der Mensch von den noch so men-
schenähnlichen Affen (wie man sie nennt), so wie über-
haupt von allen andern Säugthieren unverkennbar
auszeichnet. Aber auch ohne dieselben wird doch hof-
fentlich nie ein Naturforscher in praxi in Verlegen-
heit gekommen seyn, Menschen und Affen etwa zu
verwechseln. – Außerdem aber können ferner Geschö-
pfe aus noch so verschiedenen Classen manche theils
auffallende und unerwartete Ähnlichkeit mit einander
haben, ohne daß dadurch die dessen ungeachtet unver-
kennbare Verschiedenheit zwischen diesen Classen selbst
wegfallen dürfte. Man theilt z.B. die Thiere sehr
natürlich in warmblütige und kaltblütige; und rechnet
eben so natürlicher Weise die Säugethiere zu jenen
und hingegen die Insecten zu diesen; ohne je deßhalb
irre zu werden, daß die Bienen in ihrem Stocke so
ganz ohne Vergleich wärmer sind, als etwa ein Igel
während seines Winterschlafs. – So gibt es in der
Classe der Gewürme Geschlechter, wie z.B. die Se-
pien, die sich von den übrigen Thieren dieser Classe
sehr auszeichnen, und dagegen manche auffallende
Ähnlichkeit mit den Fischen haben Aber niemand
wird meinen, deßhalb müsse nun die Scheidewand
zwischen der Classe der Fische und der Classe der Ge-
[Seite 7] würme aufgehoben werden. – Und eben so wenig
wird jemand im Ernst in Versuchung gerathen, das
Thier- und Pflanzenreich deßhalb mit einander zu
verbinden, weil man an gewissen Pflanzen gewisse
Ähnlichkeiten mit gewissen Thieren bemerkt hat. Von
der Art sind z.B. die sonderbaren Bewegungen man-
cher Mimosenarten, und des hedysarum gyrans etc.
die, so merkwürdig sie auch an sich bleiben, doch gar
nicht einmahl in den oben angegebenen Charakter der
Animalität eingreifen. So wenig als hinwiederum
diejenigen Ähnlichkeiten, so die Arm-Polypen mit
den Gewächsen haben, den oben bestimmten Charak-
ter der Vegetabilität betreffen. Sondern, die Arm-
Polypen sind Thiere, die so wie der Mensch und die
Auster, vom Hunger getrieben, ihre Nahrung durch
willkührliche Bewegung in den Mund bringen, was
hingegen bey keiner Pflanze, in der bis jetzt bekann-
ten Schöpfung, der Fall ist.

Nun und so beantwortet sich die andere Einwen-
dung gegen die Naturreiche etc. die sich auf die so
gepriesene Metapher von Stufenfolge der Geschöpfe
gründet, eigentlich von selbst.

Alle die beliebten Bilder von Kette, von Leiter,
von Netz etc. in der Natur, haben zwar für die Me-
thodologie im Studium der Naturgeschichte in so fern
ihren unverkennbaren Nutzen, als sie den Grund eines
so genannten natürlichen Systems abgeben,
worin man die Geschöpfe nach ihren meisten und auf-
fallendsten Ähnlichkeiten, nach ihrem Totalhabitus
und der darauf gegründeten so genannten Verwandt-
schaft untereinander, zusammen ordnet.

Aber sie nun, wie doch so oft von wohlmeinenden
Physicotheologen geschehen, dem Schöpfer in den
Plan seiner Schöpfung hinein legen, und die Voll-
kommenheit und den Zusammenhang derselben darin
suchen zu wollen, daß die Natur (wie man sich aus-
drückt) keinen Sprung thue, weil die Ge-
schöpfe in Rücksicht ihrer äußern Form so
fein stufenweise auf einander folgten, das wäre doch
schon an sich eine vermessene Schwachheit, wenn sie
auch nicht, wie doch der Fall ist, bey ernsterer Prü-
fung sich selbst widerlegte*).

[Seite 8]

Denn man braucht bloß die noch so kunstreich und
sorgfältig angelegten Entwürfe von solchen Stufen-
folgen in der Reihe der Geschöpfe näher zu beleuch-
ten, um einzusehen, wie sehr darin einerseits sich gan-
ze Haufen von Geschöpfen ähnlicher Bildung in Ge-
schlechtern von fast unübersehlich zahlreichen Gattun-
gen (zumahl unter den Insecten und Gewürmen, aber
auch im Pflanzenreiche) zusammen drängen, und an-
dere dagegen gleichsam isolirt stehen, weil sie wegen
ihrer ausgezeichneten ganz eigenen Bildung nicht ohne
sichtlichen Zwang in einer solchen Leiter der Natur
irgendwo eingeschoben und untergebracht, werden kön-
nen (wie z.B. die ganze Classe der Vögel; die Schild-
kröten, die schon gedachten Sepien u.a.m.) – Fer-
ner aber finden sich Thiere, bey welchen, wie z. E. bey den
Schildläusen, Männchen und Weibchen eine so durch-
aus ganz verschiedene Gestaltung haben, daß man
folglich in der gedachten Leiter die einen von den an-
dern trennen und nach dieser so sehr verschiedenen Se-
xualform beyden auf weit von einander entfernten
Sprossen ihre verschiedenen Stellen anweisen müßte.
– Nur dann zeigen sich Lücken in der Leiter, wo of-
fenbar ohne einen sehr gewagten Sprung gar nicht
überzukommen ist, wie zu Einem Beyspiel statt aller,
die zwischen den organisirten Körpern und den Mine-
ralien u.s.w.

So mangelhaft aber überhaupt die bildlichen Vor-
stellungen von Kette der Natur u.s.w. gerathen
müssen, so ganz grundlos ist nun vollends gar die
vermessene Behauptung mancher Physicotheologen,
als ob kein Glied aus dieser ihrer zu Papier gebrach-
ten Kette ausfallen dürfte, wenn nicht die Schöpfung
selbst stocken sollte u.s.w. – So gut einzelne Gat-
tungen von Thieren aus ganzen großen Inseln, wie
z.B. die Wölfe aus Großbritannien vertilgt sind,
ohne daß die dasige Schöpfung durch diese nunmeh-
rige scheinbare Lücke ihren sonstigen Zusammenhang
verloren haben sollte, so können andere Geschöpfe aus
ganzen Welttheilen und wohl von der ganzen Erde
vertilgt werden (wie dieß allem Anschein nach mit
manchen, z.B. mit dem Dudu wirklich geschehen),
ohne daß durch diesen merklichen hiatus, der dadurch
in der Kette der Physicotheologen entsteht, der ewige
stille Gang der Schöpfung selbst, im mindesten ge-
fährdet werden dürfte.

Einige Hauptquellen und andere Hülfsmittel zur
N. G. überhaupt.

[Seite 9]
  1. Aristoteles (lebte ungefähr 400 Jahr vor Christi Geburt.)
    Ej. opera, gr. lat. ex ed. Gu. du Val. Paris. 1654.
    IV. vol. fol. zumahl im II. B.
  2. C. Plinius Secundus († im J. 79. nach Chr. Geb.) Ej.
    historia mundi
    . I. xxxvii – ein Paar saubere und
    correcte Handausgaben sind die Leidner, Elzevirische
    1635. III. vol. 12. und die Zweybrücker 1783. V.
    vol. 8.
  3. Conr. Gesner († 1562.)
  4. Joh. Ray. († 1705.) Die hierher gehörigen Hauptwer-
    ke dieser beyden Männer werden anderwärts an-
    geführt.
  5. C. v. Linné († 1778) Ej. systema naturae ed. 12. Holm.
    1766. IV. vol. 8. und die dazu gehörigen beyden
    mantissae ib 1767. sq. 8.
  6. ed. 13. aucta, reformata cura Jo. Fr. Gmelin. Lips. 1788.
    IX. vol. 8.
  7. Und zum Verständniß der Linnéischen Kunstsprache; Jo.
    Reinh. Forster
    enchiridion historiae naturali inserviens
    Hal. 1788. 8.
  8. J. K. W. Illiger's Versuch einer systematischen vollstän-
    digen Terminologie für das Thierreich und Pflanzen-
    reich. Helmstädt 1800. 8.
  9. G. L. le Clerc C. de Buffon. († 1788.) Ej. histoire natu-
    relle
    . Die Original Ausgabe, Paris, seit 1749. XXXIII.
    vol. 4. oder LXXII. vol. 12.

Miscellan-Werke.

  1. C. v. Linné amoenitates academicae. Holm. seit 1749 IX.
    vol. 8.
  2. Oeuvres de Ch. Bonnet. Neuch. 1779. sq. 4. die ersten
    V. Bd.

Physicotheologische und ähnliche Werke.

  1. Jo. Ray's wisdom of God manifested in the works of the
    creation
    . ed. 12. Glasgow. 1750. 12.
  2. W. Derham's physicotheology. ed. 4. Lond. 1716. 8.
  3. Ch. Bonnet contemplation de la nature. (als IV. Band
    der gedachten Ausgabe seiner Werke.)

Wörterbücher.

[Seite 10]
  1. Valm. de Bomare Dictionaire d'histoire naturelle. ed. 4.
    Lyon, 1791. VII. vol. 4.
  2. Nouveau Dictionnaire d'histoire naturelle appliquée aux
    arts
    etc. par une Société de naturaliste et d'agricul-
    ture
    . Par 1804 XXIV. vol. 8.
  3. Dictionnaire des sciences naturrelles, par plusieurs Prof.
    du Museum National
    etc. Par. seit 1804. 8.
  4. Ph. Andr. Nemnich allgemeines Polyglotten Lexicon der
    Naturgeschichte
    . Hamb. 1793. IV. Bd. 4.

Journale etc.

  1. Journale de physique. Paris seit 1773. 4.
  2. Magazin für das neueste aus der Physik und Naturge-
    schichte, herausgegeben von L. E. Lichtenberg und
    J. H. Voight. Gotha, 1781 bis 97. XII. B. und
    J. H. Voigts Magazin für den neuesten Zustand
    der Naturkunde. Jena seit 1797 bis 1806. ebenfalls
    XII. Bände 8.

Zweyter Abschnitt.
Von den organisirten Körpern
überhaupt.

[Seite 11]

§. 5.

Jeder organisirte Körper (§. 2.) wird von seines
Gleichen erzeugt, dann durch eigene Kraft lebens-
lang ernährt, und dadurch seine Selbsterhaltung
und Wachsthum, und wenn er zu seiner Reife
gelangt, auch seine Fortpflanzungsfähigkeit
bewirkt.

§. 6.

Zu diesen großen Verrichtungen werden die orga-
nisirten Körper eben durch die Organisation ihres
Baues, und durch die mit derselben verbundenen Le-
benskräfte
geschickt gemacht. Denn durch diese letz-
tern erhalten die Organe sowohl ihre Empfänglichkeit
für reitzende Eindrücke (stimuli) als ihr Bewegungsver-
mögen, ohne welches beydes weder Ernährung noch
Wachsthum, noch wechselseitige Einwirkung der Theile
zur zweckmäßigen Erhaltung des Ganzen, und umge-
kehrt*), denkbar seyn könnte.

§. 7.

[Seite 12]

Sich die Entstehung der organisirten Körper
zu erklären, hat man, zumahl neuerlich, die so ge-
nannte Evolutions-Hypothese bequem gefunden,
und gemeint, es werde gar kein Mensch, und kein
anderes Thier, und keine Pflanze erzeugt, – sondern
sie lägen alle schon seit der ersten Schöpfung als völlig
präformirte Keime
*) bey ihren Ältern und Vor-
fahren längstens vorräthig, die verschiedenen Genera-
tionen steckten, gleichsam wie eingepackte Schachteln,
in einander, und würden nur nach und nach, so wie
die Reihe an sie käme, durch die Befruchtung entwi-
ckelt und ans Licht gebracht. – Eine Meinung, die
doch schon sowohl durch den dabey erforderlichen Auf-
wand von übernatürlichen (hyperphysischen)
Anstalten**), als durch die, allen Gesetzen einer phi-
losophischen Naturforschung zuwiderlaufende unnütze
Vervielfältigung der natürlichen (physi-
schen
)***) Kräfte, und durch die unübersehliche Men-
ge von zwecklosen Schöpfungen aller der zahl-
[Seite 13] losen präformirten Keime, die nur nicht zu ihrer Ent-
wickelung gelangen konnten, aller präjudizlosen Urtheils-
kraft widerstehen müßte, wenn sie auch nicht durch die
überwiegenden gegenseitigen Erfahrungs-
gründe
widerlegt würde.

Anm. Nach der einstimmigen Behauptung der allerbe-
rühmtesten und allereifrigsten Verfechter der Evolu-
tionshypothese
, sollen die präformirten Keime bey
der Mutter vorräthig liegen, und während der Befruch-
tung durch die Kraft des hinzukommenden männli-
chen Zeugungsstoffes erweckt und zur Entwickelung
angetrieben werden. Was man Empfängniß nennt,
sey folglich nichts als das Erwachen des schlaftrunke-
nen Keimes durch den Reitz des auf ihn wirkenden
männlichen Samens.

Also bedarf es hier zuvörderst einer erweckenden
Kraft
.

Nun aber ähneln ja oft Kinder zum Sprechen
bloß ihrem Vater; – Bätzen, die sich kurz hin-
tereinander mit mehreren männlichen Hunden belau-
fen haben, werfen oft Junge, die diesen verschiede-
nen Vätern
ähneln; – zweyerley Menschenra-
cen
, z.B. Neger und Weiße, zeugen mit einander
nothwendigen Mittelschlag, nähmlich Mulatten;
– und wenn nun vollends ungleiche Gattungen
(verschiedene Species) von Thieren oder Gewächsen
einander befruchten, so entstehen Bastarde, die eben
so viel von der väterlichen als von der mütterlichen
Gestaltung an sich haben.

Ja das läßt sich freylich nicht wohl verkennen: und
dem zu Folge gestehen dann die Evolutionisten dem
männlichen Samen, außer seiner erweckenden, nun
auch Nr. 2. insofern eine bildende Kraft zu, daß
er den bey der Mutter präformirt gelegenen Keim
wohl in etwas zur väterlichen Gestaltung umzuformen
vermöge.

Demnach wäre folglich zweyerley Kraft im
männlichen Samen; 1) die erweckende und 2) doch
auch eine bildende. –

Aber man kann ja mittelst einer, mehrere Genera-
tionen hindurch immer wiederhohlten, künstlichen Ba-
stardzeugung endlich die Eine Gattung von organi-
sirten Körpern gänzlich in die andere umwandeln.
[Seite 14] So hat man z.B. aus der künstlichen Befruchtung
der Einen Pflanzengattung mittelst des männlichen
Staubes von einer andern, Samen gezogen, wel-
cher fecundabele Bastardpflanzen gegeben; d.h.
die sich zur Blühezeit abermahls mit männlichem Staub
von jener andern Gattung befruchten lassen, und wie-
derum fecundabele Bastarde der zweyten Gene-
ration hervorgebracht. Jene Bastarde von der ersten
Generation hielten gleichsam das Mittel zwischen bey-
den verschiedenen Stammältern von väterlicher und
mütterlicher Seite. Die von der zweyten hingegen
ähnelten schon weit mehr der väterlichen, als der
mütterlichen. Und nachdem die gleiche künstliche Be-
fruchtung noch fernerweit durch zwey folgende Gene-
rationen eben so wiederhohlt worden, so entstanden
endlich Pflanzen, an welchen die ursprüngliche müt-
terliche
Gestaltung so zu sagen ganz verwischt, und
in die väterliche umgewandelt worden. – (s. Köl-
reuter's
dritte Fortsetzung der Nachricht von einigen
das Geschlecht der Pflanzen betreffenden Versuchen
S 51. §. 24. mit der Überschrift: ‘„Gänzlich voll-
brachte Verwandlung einer natürlichen
Pflanzengattung in die andere
.“’ –)

Da hat denn sogleich alle Präformation des seit
Erschaffung der Welt conservirten mütterlichen Keims
am Ende zu nichts geholfen, sondern hat der bilden-
den
Kraft des männlichen Stoffes (der eigentlich nach
der Evolutionshypothese bloß durch seine erwecken-
de
Kraft auf denselben hätte wirken sollen,) gänzlich
weichen müssen!

§. 8.

Und so bleibt es folglich im Ganzen unserem Er-
kenntnißvermögen und selbst den Regeln aller philoso-
phischen Naturforschung*) weit angemessener, wenn
man die Entstehung der neuerzeugten organisirten
Körper bloß durch allmähliche Ausbildung
[Seite 15] (Epigenesis) des an sich zwar ungeformten, aber un-
ter den dazu erforderlichen Umständen organisirbaren
Zeugungsstoffes, erklärt.

Nur kommt es bey der vielfachen Vorstellungsart,
die man sich von einer solchen allmählichen Bildung
machen kann und gemacht hat*), darauf an, sie so zu
bestimmen, wie sie dem Begriff von organisirten Kör-
pern, und dann den Phänomenen, die uns die Be-
obachtung bey Entstehung derselben lehrt, am unge-
zwungensten entspricht.

§. 9.

Und dieß geschieht, wenn man annimmt, daß
der reife, vorher zwar ungeformte, aber organisirba-
re Zeugungsstoff der Ältern, wenn er zu seiner Zeit,
und unter den erforderlichen Umständen an den Ort
seiner Bestimmung gelangt, dann für eine in den-
selben nun zweckmäßig wirkende Lebenskraft, nähm-
lich den Bildungstrieb (nisus formativus) zu-
erst empfänglich wird; – für einen Trieb, der sich
von aller bloß mechanischen bildenden Kraft (als wel-
che auch im unorganischen Reiche Krystallisationen**)
[Seite 16] u. dgl. hervorbringt) dadurch auszeichnet, daß er
nach der endlos mannigfaltig verschiedenen Bestim-
mung der organisirten Körper und ihrer Theile, die
vielartig organisirbaren Zeugungsstoffe auf eben so
mannigfaltig, aber zweckmäßig modificirte Weise in
bestimmte Gestalten zu formen vermag – und so
(– durch die Verbindung des Mechanischen mit dem
zweckmäßig Modificirbaren in diesem Triebe*) –)
zuerst bey der Empfängniß die allmählige Aus-
bildung; dann aber auch die lebenswierige Erhaltung
dieser organischen Bildung durch die Ernährung;
und selbst wenn dieselbe durch Zufall gelitten haben
sollte, so viel möglich die Wiederersetzung derselben
durch die Reproduction, bewirkt wird**).

Anm. 1. Diese allmählige Ausbildung der neuen or-
ganisirten Körper ist am anschaulichsten an solchen zu
betrachten, die mit einer ganz ansehnlichen Größe
ein schnelles (so zu sagen zusehendes merkliches) Wachs-
thum, und eine so zarte halbdurchsichtige Textur ver-
binden, daß sie (zumahl im sattsamen Lichte und un-
ter mäßiger Vergrößerung) auf das deutlichste, klar-
ste durchschaut werden können.

So im Gewächsreiche an manchen einfachen Was-
sermoosen, wie z.B. an der Brunnen-Conserve
(Conserva fontinalis Ceramium caesnitosum ROTH.) die
sich in den ersten Frühlingstagen fortpflanzt. (– Ab-
bild. n. h. Gegenst. tab
. 49. –)

[Seite 17]

Unter den blutlosen Thieren an den Arm-Polypen.

Und unter den warmblütigen an der ersten Er-
scheinung des Küchelchens im bebrüteten Eye und
seiner dann von Tag zu Tag fortrückenden Aus-
bildung.

Anm. 2. Hoffentlich ist für die mehresten Leser die Er-
innerung überflüssig, daß das Wort Bildungstrieb
selbst, so gut wie die Benennungen aller anderen
Arten von Lebenskräften an sich weiter nichts erklä-
ren, sondern bloß eine besondere (das Mechanische
mit dem zweckmäßig Modificirbaren in sich vereinen-
de) Kraft unterscheidend bezeichnen soll, deren con-
stante Wirkung aus der Erfahrung anerkannt wor-
den, deren Ursache aber so gut, wie die Ursache
aller anderen noch so allgemein anerkannten Natur-
kräfte für uns hienieden im eigentlichen Wortverstan-
de qualitas occulta bleibt*). – Das hindert aber nicht,
daß man nicht immer mehr suchen sollte, ihre Wir-
kungen durch Beobachtung weiter zu erforschen und
zu verfolgen, und sie so auf allgemeine Gesetze zu-
rück zu bringen.

§. 10.

Durch die bestimmte zweckmäßige Wirksamkeit
des Bildungstriebes in den bestimmten dafür empfäng-
lichen orgainsirbaren Stoffen, wird nun die eben so
bestimmte Form und der Habitus aller einzelnen Gat-
tungen (Species) von organisirten Körpern erhalten;
und bey denen, wo es Statt findet, auch ihre Se-
xual-Verschiedenheit, durch welche sich nähmlich die
männlichen Geschöpfe von den weiblichen in derselben
Gattung auszeichnen.

§. 11.

[Seite 18]

Aber freylich kann der Bildungstrieb auch eben
sowohl als jede andere in ihrer Thätigkeit gestörte
oder fremdartig modificirte Lebenskraft auf mancherley
Weise von seiner eigentlichen bestimmten Richtung
abweichen*).

So entstehen dann (– der bloß krankhaf-
ten
, nicht in das Gebiethe der Naturgeschichte gehö-
rigen Abweichungen, zu geschweigen –) 1) durch
ganz gewaltsame Störungen desselben ganz widerna-
türliche**) Formen der organisirten Körper, nähmlich
die Mißgeburten.

2) Dadurch, daß bei zweyfache Sexual-Cha-
rakter, der sonst in den beyden Geschlechtern getrennt
seyn sollte, mehr oder weniger in einem und eben
demselben Individuum verbunden ist, die Zwitter.

3) Dadurch, daß zwey Geschöpfe ganz verschie-
dener Gattung (zweyerley Species) einander befruch-
ten, die Bastarde.

Endlich 4) durch den Einfluß der mancherley Ur-
sachen der allmählichen Ausartung, die Racen und
Spielarten.

§. 12.

Unter Mißgeburt versteht man, nach dem
gemeinen Sprachgebrauche, eine widernatürliche, an-
[Seite 19] geborne, leicht in die Augen fallende Verunstaltung
in Bildung äußerer, größerer Theile. So mannig-
faltig aber diese Mißgestalten seyn können, so lassen
sie sich doch alle auf folgende vier Hauptclassen zurück
bringen*):

1) M. G. mit widernatürlicher Bildung einzel-
ner Glieder. Fabrica aliena.

2) M. G. mit Versetzung oder widernatürlicher
Lage einzelner Glieder. Situs mutatus. Die
seltensten von allen (– nähmlich unter Mißge-
burten in dem angegebenen Sinne. Oft hat man
hingegen bey Leichenöffnungen wohlgebildeter
Menschen manche ihrer Eingeweide in ganz
verkehrter Lage gefunden –).

3) M. G. denen ganze Glieder mangeln.
Monstra per defectum. Unter diesen die lehr-
reichsten.

4) M. G. mit überzähligen Gliedern. Mon-
stra per excessum
. Die gemeinsten (– selbst
nicht selten unter wilden Thieren, z.B. Ha-
sen). – Theils gar erblich, wie z.B. in den
sechsfingerigen Familien, und bey Hühnern mit
fünf oder sechs Zehen.

Anm. Die auffallende Ähnlichkeit unter so vielen Mon-
strositäten beweiset, daß auch selbst diese Abweichun-
gen des Bildungstriebes dennoch bestimmten Gesetzen
folgen müssen; so wie hingegen die bekannte Erfah-
rung, daß die Hausthiere seit ihrer Unterjochung und die
cultivirten Gartenpflanzen denselben weit mehr als in
[Seite 20] ihrem wilden Zustande unterworfen sind (daß z.B.
Mißgeburten unter den Hausschweinen so häufig,
unter den wilden Schweinen hingegen fast unerhört
sind), sich mit der Lehre der Evolutionisten, daß die
Keime dieser Mißgeburten ebenfalls seit der ersten
Schöpfung schon monströs präformirt einge-
schachtelt gelegen, wohl schwerlich zusammen rei-
men läßt.

§. 13.

Zwitter nennt man zwar im engern Sinne
bloß solche einzelne Individuen von organisirten Kör-
pern, bey welchen widernatürlicher Weise die Spu-
ren der zweyfachen eigentlichen Sexual-Organe mehr
oder weniger verbunden sind, die sonst, in den männ-
lichen und weiblichen Geschöpfen derselben Art, ge-
trennt seyn sollten. Dergleichen finden sich selbst zu-
weilen unter den warmblütigen Thieren; zumahl un-
ter dem Rindvieh, Schafen und Ziegen.

Nächstdem aber verdient auch diejenige Abwei-
chung des Bildungstriebes hier einer Erwähnung,
wenn andere körperliche Functionen oder Charaktere,
die dem einen Geschlechte eigen seyn sollten, sich bey
Individuen des andern äußern. Wenn z.B. Hirsch-
kühe und Rehe Geweihe aufsetzen; oder Fasan- und
Pfau-Hennen mit zunehmenden Jahren männliches
Gefieder kriegen; oder Mannspersonen oder andere
männliche Säugethiere Milch geben*) u.s.w.

Endlich aber zeigt sich auch zuweilen im ganzen
Verhältniß des Körperbaues einzelner, übrigens noch
so regelmäßig und schön gebildeter Geschöpfe des einen
Geschlechts doch mehr oder weniger vom Totalhabitus
[Seite 21] des andern; z.B. weibliche Weichlichkeit in der To-
talform des männlichen.*).

§. 14.

Wenn ein weibliches Geschöpf der einen Gattung
von einem männlichen einer andern Gattung befruch-
tet worden, so entstehen daraus Bastarde, deren
Bildung aus der beyderley Ältern ihrer gleichsam zu-
sammengeschmolzen ist**). Da aber von der bestimmten
Bildung der organisirten Körper, besonders der
Thiere, die behörige und für den Gang der Schö-
pfung so äußerst wichtige Vollziehung ihrer Geschäfte
abhängt, so ist es eine weise Einrichtung in der Na-
tur, daß erstens, wenigstens unter den rothblütigen
Thieren, in ihrem freyen Natur-Zustande meines
Wissens niemahls eine Paarung und Vermischung un-
ter zweyerley Gattungen bemerkt worden; zweytens
aber die Bastarde überhaupt meistentheils unfruchtbar,
und nur sehr selten im Stande sind, ihr Geschlecht
weiter fortzupflanzen. Daher gehört es zu den selt-
nern Ausnahmen, wenn Maulthiere, oder die Ba-
starde von Hänflingen und Canarienvögeln zuweilen
fruchtbar sind. Bey den Pflanzen gelingt es leichter,
daß durch künstliche Befruchtung verschiedener Gat-
tungen Bastarde hervorgebracht werden können, die
fruchtbaren Samen tragen (s. oben S. 15.). Hingegen
[Seite 22] bedürfen die fabelhaften Sagen von vermeinten Bastar-
den aus der Vermischung vom Rindvieh und Pferden
oder Eseln, und von Kaninchen und Hühnern, oder
vollends gar von Menschen und Vieh, jetzt hoffentlich
keiner weitern Widerlegung.

Anm. Eben in der gedachten notorischen Erfahrung,
daß im freyen Natur-Zustande jener Geschöpfe nur
die von einer und eben derselben Species sich mit ein-
ander gatten, liegt der natürliche Grund, warum
das Wort Species im Deutschen am allernatürlichsten
durch Gattung übersetzt wird (davon mit mehreren
in der Vorrede). –

§. 15.

Racen und Spielarten (varietates) sind
diejenigen Abweichungen von der ursprünglichen spe-
cifiken Gestaltung der einzelnen Gattungen organisir-
ter Körper, so diese durch die allmähliche Ausartung
oder Degeneration erlitten haben.

Race heißt aber im genauern Sinne ein sol-
cher durch Degeneration entstandener Charakter, der
durch die Fortpflanzung unausbleiblich und nothwen-
dig forterbt, wie z.B. wenn Weiße mit den Negern,
Mulatten, oder mit Amerikanischen Indianern Me-
stissen zeugen: welches hingegen bey den Spielar-
ten
keine nothwendige Folge ist; wie z.B. wenn
blauäugige Blonde mit braunäugigen Brünetten Kin-
der zeugen*).

Anm. Wenn sich gewisse Ausartungen feit unabsehlichen
Reihen von Generationen fortgepflanzt haben, so
[Seite 23] hält es oft schwer zu bestimmen, ob das bloße Racen
oder ursprünglich verschiedene Gattungen (Species
sind? Wenigstens gibt es dann zur Entscheidung in
dergleichen Fällen keine andern in praxi anwendbare
Regeln, als die, so aus der Analogie abstrahirt sind;
da hingegen die, so Ray, Büffon und andere
angenommen haben, den Charakter von Species
darnach zu bestimmen, wenn die Geschöpfe mit ein-
ander fruchtbare Nachkommenschaft zeugen, zu
diesem Behuf sehr unzulänglich und schwankend ist.

Denn abgerechnet, daß die Anwendung dieser Re-
gel ohnehin bey den unzähligen Thieren und Pflanzen
wegfällt, die sich ohne Paarung fortpflanzen (s. un-
ten §. 20), – so findet sie auch in unzähligen andern
Fällen wegen unüberwindlicher Schwierigkeiten nicht
Statt, wie z.B. bey Entscheidung der Frage, ob
der Asiatische und der Afrikanische Elephant zu einerley
Species gehören oder nicht? Und selbst da, wo die
Erfahrung Statt hat, wie z.B. bey der Vermischung
von Pferd und Esel, fragt sich wieder, soll da der
gewöhnliche oder aber der äußerst seltene Erfolg als
Regel angesehen werden. Denn gewöhnlich sind die
Maulthiere steril, und nur in äußerst seltenen Fällen
hat man sie zur Fortpflanzung fähig befunden. Wollte
man also diesen wunderseltenen Fall als Regel gelten
lassen, so müßte man Pferd und Esel für Thiere der-
selben Species halten, ungeachtet sie in ihrem ganzen
Körperbau – zumahl im Innern (und nahmentlich
in der ganz auffallend verschiedenen Einrichtung ihrer
Stimmwerkzeuge), wenigstens eben so specifisch von
einander differiren als Löwe und Katze. Da stimmt
hingegen alle Analogie dafür, sie als zwey ganz ver-
schiedene Gattungen anzuerkennen. Und eben diesem
Grundsatze der Analogie gemäß halte ich auch die ge-
dachten beyderley Elephanten für ganz verschiedene
Gattungen, weil ihr Gebiß eine so constante auf-
fallende Verschiedenheit zeigt, die sich unmöglich als
bloße Folge der Degeneration gedenken läßt.

§. 16.

Zu den mancherley Ursachen der Ausartung ge-
hören vorzüglichst der Einfluß des Himmelsstriches,
der Nahrung, und bey Menschen und Thieren auch
der Lebensart.

[Seite 24]

Kaltes Clima z.B. unterdrückt das Wachsthum
der organisirten Körper, und darum sind die Grön-
länder, Lappländer etc., so wie die Thiere und Ge-
wächse kalter Erdstriche, klein, untersetzt. Eben so
bringt dieses Clima weiße Farbe an Thieren und Ge-
wächsen hervor, und darum sind die Nordländer von
Natur von weißer Haut etc., so wie viele warmblü-
tige Thiere der kältesten Gegenden anomalisch weiße
Haare und Federn, viele Pflanzen daselbst anomalisch
weiße Blüthen haben u.s.w. – Dagegen tragen
die Creolen (d.h. die in Ost- und West-Indien
von Europäischen Ältern geborenen Weißen) das un-
verkennbare, meist wunderschöne Gepräge ihrer südli-
chen Heimath an sich.

Wie sehr aber verschiedene Lebensart, Cultur
und Nahrungsmittel nach und nach die Bildung,
Farbe und ganze Constitution der organisirten Kör-
per umzuändern vermöge, davon sehen wir an unsern
Hausthieren*), an unserem Getreide, Obst, Kü-
chen-Gewachsen, Blumen-Floren etc. – am aller-
auffallendsten aber bey den Verschiedenheiten im
Menschen-Geschlechte selbst, die augenscheinlichsten
Beyspiele.

Diese mancherley Ursachen der Degeneration
können nun aber nach Verschiedenheit der Umstände
einander entweder unterstützen, und die Ausartung
um so schneller und auffallender machen, oder aber
auch wieder gewisser Maßen einander aufheben u.s.w.;
[Seite 25] daher man in dieser Untersuchung bey der Anwendung
auf einzelne Fälle nie zu voreilig urtheilen darf.

Anm. 1. So gibt es z.B. selbst unter der Linie kalte
Erdstriche, wie im Innern von Sumatra etc. Hinge-
gen bringt Sibirien gar viele Gewächse der wärmern
Gegenden hervor, die in weit südlichern Ländern von
Europa nicht fortkommen.

Anm. 2. Sonderbar ist die individuelle Wirkung, die
einige Climate auf die organisirten Körper, zumahl
des Thierreichs, äußern. So, daß z.B. in Syrien
die Katzen, Kaninchen, Ziegen etc. so auffallend lan-
ges und weißes Haar haben; auf Corsica die Pfer-
de, Hunde etc. so auszeichnend gefleckt sind; auf
Guinea Menschen, Hunde und Hühner zu Regern
in ihrer Art werden u.s.w.

§. 17.

Die Ernährung der organisirten Körper geht
auf verschiedene Weise vor sich. Den Pflanzen wird
ihre einfache Nahrung durch Wurzeln, die sich au-
ßerhalb
ihres. Stammes am einen Ende desselben
befinden, zugeführt. Die Thiere hingegen haben,
wie sich Boerhaave ausdrückte, gleichsam ihre Wur-
zeln innerhalb ihres Körpers, nähmlich im Ma-
gen und Darmcanal, wo der nahrhafte Theil der
Alimente durch unzählige Gefäßchen, fast wie bey den
Pflanzen durch Wurzeln, eingesogen und dem übri-
gen Körper zugeführt wird.

Der brauchbare Theil der Nahrungsmittel wird
durch einen bewunderungswürdigen Proceß dem Stoff
der organisirten Körper assimilirt; der überflüssi-
ge hingegen ausgedunstet; und bey den Thieren, die
keinen so einfachen Nahrungssaft wie die Pflanzen zu
sich nehmen, auch durch andere Wege als Unrath
ausgeworfen.

§. 18.

[Seite 26]

Das Wachsthum der organisirten Körper ist
die Folge ihrer Ernährung. Die meisten erreichen früh
die bestimmte Größe ihres Körpers. Von manchen
Bäumen aber, wie z.B. von der Norfolkinsel-Fichte
(Columnia pinifolia), der Kohlpalme (Areca ole-
racea
), dem Baobab (Adansonia digitata) etc.,
auch von einigen andern Gewächsen, z.B. vom Ro-
tang (Calamus rotang) und so auch von manchen
Thieren, wie z.B. von vielen Gattungen der Band-
würmer und selbst von den Krokodillen und großen
Wasserschlangen läßt sich schwerlich sagen, ob und
wann in ihrem Leben sie aufhören an Länge oder Dicke
zuzunehmen.

§. 19.

Zum Wachsthum der organisirten Körper gehört
auch ihre Reproductions-Kraft, oder die
merkwürdige Eigenschaft, daß sich verstümmelte oder
völlig verlorne Theile ihres Körpers von selbst wieder
ergänzen. Diese bewundernswerthe Einrichtung in der
organisirten Schöpfung sichert die Thiere und die
Pflanzen bey tausend Gefahren, wo ihr Körper ver-
letzt wird: und ist folglich auch, nebst der Ernährung
überhaupt, einer der größten Vorzüge, wodurch die
Maschinen aus der Hand des Schöpfers bey weitem
über die größten Kunstwerke der Menschen erhoben
werden, als welchen ihre Verfertiger keine Kraft mit-
theilen können, ihre Triebfedern und Räder, wenn
sie verbogen, verstümmelt und abgenutzt würden, von
selbst wieder herzustellen: eine Kraft, die hingegen
der Schöpfer jedem Thier und jeder Pflanze – nur
in verschiedenem Maße – beygelegt hat.

[Seite 27]

Viele organisirte Körper verlieren zu bestimmten
Zeiten, gewisse Theile ihres Körpers von freyen Stü-
cken, die ihnen nachher wieder reproducirt werden;
wohin das Abwerfen der Geweihe, das Mausern der
Vögel, die Häutung der Schlangen, der Raupen,
das Schälen der Krebse, das Entblättern der Gewäch-
se u.s.w. gehört. Man könnte dieß die gewöhnli-
che
Reproduction nennen.

Die andere hingegen ist die außerordent-
liche
, von der hier eigentlich die Rede ist, da nähm-
lich dem organisirten Körper, zumahl den Thieren,
Wunden, Beinbrüche etc. geheilt, oder gar durch Unfall
verstümmelte und verlorene Theile wieder ersetzt werden.
Der Mensch und die ihm zunächst verwandten Thiere
besitzen eine freylich sehr eingeschränkte Reproductions-
kraft: die hingegen bey vielen kaltblütigen Thieren,
besonders bey den Wasser-Molchen, Krebsen, Land-
Schnecken, Regenwürmern, See-Anemonen, See-
Sternen, Arm-Polypen etc. von einer ausnehmenden
Stärke und Vollkommenheit ist.

Anm. Vor mehreren Jahren habe ich einem Wassermolch
der größern Art (Lacerta lacustris), den ich nun in
Spiritus aufbewahre, fast das ganze Auge exstirpirt;
nähmlich alle Säfte auslaufen lassen und dann 4/5
der ausgeleerten Häute rein ausgeschnitten: – und
doch hat sich binnen zehn Monathen ein vollkommener
neuer Augapfel mit neuer Hornhaut, Augenstern,
Krystall-Linse etc. reproducirt, der sich bloß dadurch
vom andern gesunden Auge auszeichnet, daß er nur
erst ungefähr halb so groß ist. (s. Götting. gel. Anz.
1785. 47. St.)

§. 20.

Wenn die organisirten Körper durch Ernährung
und Wachsthum zu ihrer vollen Reife gelangen, so
[Seite 28] erhalten sie dann auch das Fortpflanzungsver-
mögen
(§. 5.), das aber auf eine sehr verschiedene
Weise vollzogen wird. Überhaupt nähmlich ist entwe-
der schon jedes Individuum für sich im Stande, sein
Geschlecht fortzupflanzen; oder aber müssen sich ihrer
zwey mir einander paaren oder begatten, wenn sie
neue organisirte Körper ihrer Art hervor bringen sollen.

Die mannigfaltigen besondern Verschiedenheiten
in diesen beyderley Hauptweisen der Fortpflanzung las-
sen sich doch füglich unter folgende vier Arten bringen:

1) Jedes Individuum vermehrt sich auf die einfach-
ste Weise, ohne vorher gegangene Befruchtung:
entweder durch Theilung, wie manche Infusions-
Thierchen*) und Blumen-Polypen**); oder wie
bey der Brunnen-Conserve so, daß das alte fa-
denartige Gewächs am einen Ende zu einem kug-
lichen Knöpfchen anschwillt, das nachher abfällt
und wieder zu einem solchen Faden ausgetrieben
und umgebildet wird (Abbild. n. h. Gegenst.
tab
. 49.); oder durch Sprossen wie die Arm-
Polypen und viele Gewächse u.s.w.

2) Jedes Individuum ist zwar auch im Stande
sich fortzupflanzen, hat aber als ein wahrer Zwit-
ter beyderley Geschlechtstheile an seinem Leibe,
und muß vorher, wenn es Thier ist, die bey sich
habenden weiblichen Eyerchen mir männlichem
Samen – und wenn es Pflanze ist, seine weib-
lichen Samenkörner mit männlichem Blumenstaub
[Seite 29] – begießen und dadurch befruchten, ehe sich ein
Junges daraus bilden kann. Dieß ist der Fall bey
den mehresten Gewächsen, und im Thierreich,
wie es scheint, bey manchen Muscheln.

3) Ebenfalls beyde Geschlechter, wie bey den Her-
maphroditen der vorigen Classe, in einem Indi-
viduo verknüpft; doch daß keines sich selbst zu be-
fruchten im Stande ist, sondern immer ihrer
zwey sich zusammen paaren und wechselseitig ein-
ander befruchten und befruchtet werden müssen.
Diese sonderbare Einrichtung findet sich nur bey
wenigen Thieren; beym Regenwurm, bey man-
chen Land-Schnecken*) etc.

4) Die beyden Geschlechter in separaten Indivi-
duis, von denen das eine die weiblichen Theile
oder Eyer, das andere den männlichen befruch-
tenden Saft enthält. So alle rothblütige und
viele andere Thiere, und so auch manche Pflan-
zen, wie die Palmen, der Hopfen, die mehre-
sten Moose etc.

Einige Thiere dieser Classe geben die Eyer selbst
von sich, in welchen sich erst nachher das Junge
vollends ausbildet. Dieß sind die eyerlegenden
Thiele (ovipara). Bey andern aber wird dieß Ey
so lange in der Gebärmutter zurück behalten, bis
das Junge vollkommen ausgebildet worden, und
nun von seinen Hüllen befreyt zur Welt kommen
kann; lebendig gebärende Thiere (vivipara).

Anm. Quae actu animal pariunt, vivipara dicuntur;
quae
potentia, ouipara. Harvey.

[Seite 30]

Wie unwesentlich aber der Unterschied zwischen
Eyer legen und lebendig gebären sey, erweisen die
Beyspiele der Blattläuse und Federbusch-Polypen,
die sich nach den verschiedenen Jahrszeiten bald auf
die eine, bald auf die andere Weise fortpflanzen; und
mancher Schlangen, die zwar Eyer legen, in welchen
aber schon das ganz ausgebildete Thier enthalten ist.
Gewisser Maßen könnte man mit diesem letztern Falle
diejenigen Pflanzen vergleichen, in deren reifen Sa-
menkörnern ein grüner Pflanzenkeim eingeschlossen
liegt, wie z.B. bey den sogenannten Ägyptischen
Bohnen von der Nymphaea nelumbo.

§. 21.

Nachdem die organisirten Körper die Bestimmungen
ihres Lebens erfüllt haben, so weicht endlich alle Le-
benskraft von ihnen, und sie sterben. Die wenigsten
erreichen aber das Ziel, das ihnen die Natur zum Lau-
fe ihres Lebens vorgesteckt hat, sondern tausenderley
Zufälle verkürzen ihnen diesen Weg, meist lange vor
der bestimmten Zeit. So rechnet man z.B., daß von
1000 gebornen Menschen nur ungefähr 76 vor Alter
sterben; und von den großen furchtbaren Amphibien,
Krokodillen, Riesenschlangen etc. erreicht vielleicht nicht
das tausendste sein gesetztes Alter und Größe. Nach
dem Tode der Thiere und Pflanzen wird ihr Körper
durch Gährung, Fäulniß oder Verbrennen, kurz durch
die chemische Zersetzung seiner Urstoffe allmählich auf-
gelöset, mithin ihr Organismus zerstört, und ihre
Asche endlich mit der übrigen Erde vermengt, die ihnen
vorher Nahrung und Aufenthalt gegeben hatte.


Dritter Abschnitt.
Von den Thieren überhaupt.

[Seite 31]

§. 22.

So endlos vielartig die Bildung und der Bau
der Thiere ist, so scheinen sie doch sämmtlich (oder höch-
stens bis auf wenige Ausnahmen mancher sogenann-
ten Infusionsthierchen etc.) den Mund (§. 3.) mit
einander gemein zu haben, durch welchen sie dem
Körper feine Nahrung zuführen: und statt daß die
Pflanzen ihren sehr einfachen Nahrungssaft aus Luft,
Wasser und Erde einsaugen, so ist hingegen der Thie-
le ihr Futter äußerst mannigfaltig, und wird bey-
nahe ohne Ausnahme aus den organisirten Reichen selbst
entlehnt; und sie müssen es, durch die peinlichen Ge-
fühle des Hungers getrieben, mittelst willkührli-
cher Bewegung
zu sich nehmen, um dadurch ihre
Selbsterhaltung zu bewirken.

§. 23.

Bey den insgemein so genannten vollkomm-
neren
Thieren wird der abgesonderte Nahrungssaft zu-
vor mit dem Blute, das in seinen Adern circulirt,
vermischt, und von da erst in die übrigen Bestandthei-
le des Körpers abgesetzt. Dieses eigentlich sogenannte
Blut ist von rother Farbe, aber in Rücksicht seiner
Wärme bey den verschiedenen Classen dieser rothblü-
[Seite 32] tigen Thiere von doppelter Verschiedenheit. Bey den
einen (nähmlich bey den Amphibien und Fischen) hält
es meist ungefähr die Temperatur des Mediums, in
welchem sie sich befinden, daher sie kaltblütig ge-
nannt werden. Bey den andern aber, die deßhalb
warmblütig heißen (den Sáugethieren und Vö-
geln), zeigt es in ihrem vollkommen belebten Zustan-
de immer eine Wärme von ungef. 100 Gr. Fahrenh.
mehr oder weniger. Der Saft hingegen, welcher bey
den sogenannten weißblütigen Thieren (nähmlich
bey den Insecten und Gewürmen) die Stelle des Bluts
vertritt, unterscheidet sich besonders durch den Mangel
der rothen Kügelchen, von jenem eigentlich so genann-
ten Blute.

§. 24.

Das Blut der Thiere mag nun aber weiß oder
roth, kalt oder warm seyn, so muß es im gesunden
Zustande immer mit frischen Portionen eines zum Le-
ben nothwendigen Stoffes – (des sogenannten Sau-
erstoffs oder Oxygens) – aus der atmosphärischen Luft
oder aus dem Wasser geschwängert werden, wogegen
es gleiche Portionen eines andern Stoffes – (des
Kohlenstoffes) – aus dem Körper wiederum fortschafft.
Zu diesem merkwürdigen lebenswierigen Proceß in
dem belebten thierischen Laboratorium dient vorzüg-
lichst das Athemhohlen; welches die rothblütigen
Thiere entweder durch Lungen, oder wie die Fische
durch Kiemen; die weißblütigen aber mittelst man-
cherley anderer analogen Organe verrichten.

§. 25.

Nur diejenigen Thiere, die mit Lungen versehen
sind, können auch Stimme (vox) von sich geben.
[Seite 33] Der Mensch hat sich außer der ihm angebornen Stim-
me auch noch die Rede (loquela) erfunden.

§. 26.

Die Organe, wodurch die willkührlichen Bewe-
gungen unmittelbar vollzogen werden, sind die Mus-
keln
, die bey den rothblütigen Thieren das eigentlich
so genannte Fleisch ausmachen. Nur bey einigen ganz
einfach gebauten Thieren, wie die Polypen, sind diese
Bewegungs-Organe von dem übrigen gallertigen
Stoffe nicht zu unterscheiden.

§. 27.

Außerdem finden sich aber auch einige wenige
Muskeln, über welche der Wille nichts vermag. So
z.B. das Herz, als welches lebenslang unaufhörlich
(beym Menschen ungefähr 4500 Mahl in jeder Stun-
de), und zwar ohne wie andere Muskeln zu ermüden,
oder endlich zu schmerzen, als Haupttriebfeder des
Blutumlaufs, in seiner schlagenden Bewegung ist.

§. 28.

Beyde Arten von Muskeln aber, die unwillkühr-
lichen sowohl als die, so sich nach dem Entschlusse des
Willens bewegen, bedürfen zu diesem ihren Bewe-
gungsvermögen des Einflusses der Nerven.

§. 29.

Diese Nerven entspringen aus dem Gehirn
und aus dem Rückenmark, und es scheint, daß die
Größe der beyden letzteren in Vergleichung der Dicke
der daraus entstehenden Nerven mit den Geisteskräf-
ten der Thiere im umgekehrten Verhältniß stehe*),
[Seite 34] so daß der Mensch von allen das größte Gehirn, in
Vergleichung seiner sehr dünnen Nerven, hat; da hin-
gegen einfältige Thiere, wie z.B. die hierländischen
Amphibien, dicke Nerven bey einem sehr kleinen Ge-
hirne haben.

§. 30.

Außer dem Einfluß, den die Nerven auf die
Muskelbewegung haben, ist ihr zweytes Geschäft,
auch der Seele die äußern Eindrücke auf den thierischen
Körper, durch die Sinne mitzutheilen. Die Be-
schaffenheit der Sinnenwerkzeuge ist aber in den ver-
schiedenen Thier-Classen selbst sehr verschieden. So
erhalten z.B. viele Thiere offenbar allerhand sinnli-
che Eindrücke, ohne daß wir doch die Sinnwerkzeuge
an ihnen entdecken können, die bey andern zu solchen
Eindrücken nothwendig sind. Die Schmeißfliege z.B.
und viele andere Insecten haben Geruch, ob wir gleich
keine Nase an ihnen wahrnehmen u. dergl. m.

Anm. Manche haben die Zahl der fünf Sinne überhaupt
auf wenigere einschränken, andere hingegen dieselben
mit neuen vermehren wollen. Vanini z.B. und
viele nach ihm hielten das Gefühl bey Befriedigung
des Sexual-Triebes für einen sechsten Sinn. Jul.
Cäs. Scaliger das Gefühl beym Kitzeln unter den
Achseln für einen 7ten. So hielt 8tens Spallan-
zani
das Gefühl, wodurch sich die Fledermäuse bey
ihrem Flattern im Finstern für den Anstoß sichern;
so wie 9tens Darwin das Gefühl für Wärme und
Hälte für besondere Sinne.

§. 31.

Durch den anhaltenden Gebrauch werden Nerven
und Muskeln ermüdet, und sie brauchen von Zeit zu
Zeit Ruhe zur Sammlung neuer Kräfte, die ihnen
der Schlaf gewährt. Dem Menschen und den mehre-
[Seite 35] sten von Gewächsen lebenden Thieren ist die Nacht zu
dieser Erhohlung angewiesen; doch halten sich auch
manche von diesen, wie z.B. der Siebenschläfer etc.,
besonders aber viele Raubthiere, wohin zumahl die
mehresten Fische gehören, auch manche Insecten und
Gewürme, am Tage verborgen und gehen des Nachts
ihren Geschäften nach, weßhalb sie animalia noctur-
na
genannt werden.

§. 32.

Außer diesem Erhohlungsschlaf findet sich in der
Ökonomie vieler Thiere noch die sehr bequeme Einrich-
tung, daß sie einen beträchtlichen Theil des Jahrs,
und zwar gerade die rauhesten Monathe, da es ihnen
schwer werden würde, für ihre Erhaltung zu sorgen*),
in einem tiefen Winterschlaf zubringen. Sie ver-
kriechen sich, wenn diese Zeit kommt, an sichere,
schaurige Orte; und fallen mit einbrechender Kälte in
eine Art von Erstarrung, aus der sie erst durch die
erwärmende Frühlingssonne wieder erweckt werden.
Diese Erstarrung ist so stark, daß die warmblütigen
Thiere während dieses Todtenschlafs nur unmerkliche
Wärme übrig behalten (s. oben S. 7.), und daß die
Puppen vieler Insecten, die zu gleicher Zeit ihre
Verwandlung bestehen, im Winter oft so durchfroren
sind, daß sie, dem Leben des darin schlafenden Thie-
res unbeschadet, wie Eiszapfen oder Glas klingen,
wenn man sie auf die Erde fallen läßt.

So viel bekannt, hält doch kein einziger Vogel,
hingegen die mehresten Amphibien, Winterschlaf.

§. 33.

[Seite 36]

Von den Seelenfähigkeiten sind manche
dem Menschen mit den mehresten übrigen Thieren ge-
mein, wie z.B. die Vorstellungskraft, die
Aufmerksamkeit, und so auch die beyden soge-
nannten, innern Sinne, Gedachtniß nähmlich
und Einbildungskraft.

§. 34.

Andere sind fast bloß den übrigen Thieren eigen,
so daß sich beym Menschen nur wenige Spuren davon
finden, nähmlich die sogenannten Naturtriebe
oder Instincte. Dagegen er hinwieder im aus-
schließlichen Besitze der Vernunft ist.

§. 35.

Der Instinct*) ist das Vermögen der Thiere,
aus einem angebornen, unwillkührlichen, innern Dran-
ge, ohne allen Unterricht, von freyen Stücken sich
zweckmäßigen, und zu ihrer und ihres Geschlechts Er-
haltung abzielenden Handlungen zu unterziehen.

Daß diese wichtigen Handlungen wirklich ganz
unüberlegt, bloß nach ursprünglichen Gesetzen der
Nothwendigkeit, und gleichsam maschinenmäßig voll-
zogen werden, wird durch zahlreiche Bemerkungen er-
weislich, wie z.B. daß die Hamster auch todten Vö-
geln doch zuerst die Flügel zerbrechen, ehe sie weiter
anbeißen; daß junge Zugvögel, die man ganz einsam
im Zimmer erzogen hat, doch im Herbst den innern
[Seite 37] Ruf zum Fortziehen fühlen, und im Käfich bey allem
guten Futter und Pflege unruhig werden.

§. 36.

Unter den mancherley Arten dieser thierischen
Triebe sind besonders die so genannten Kunsttriebe
merkwürdig, da sich nähmlich so viele warmblütige
Thiere und Insecten ohne alle Anweisung und ohne
alle vorgängige Übung*), (als welche bey so vielen
gar nicht Statt finden kann; wie z.B. bey den
Seidenwürmern etc., die nur Ein für alle Mahl in
ihrem Leben davon Gebrauch machen können, und
wo folglich schlechterdings erster Versuch und Meister-
stück eines seyn muß), so ungemein künstliche Woh-
nungen, Nester, Gewebe etc. zu ihrem Aufenthalte,
zur Sicherheit für ihre Jungen, zum Fang ihres Rau-
bes, und zu vielfachen andern Zwecken zu verferti-
gen wissen.

§. 37.

Der Mensch zeigt außer den Sexualtrieben we-
nig andere Spuren von Instinct: angeborne Kunst-
triebe aber hat er vollends ganz und gar nicht. Was
ihn hingegen für diesen scheinbaren Mangel entschä-
digt, ist der Gebrauch der Vernunft.

Diese mag nun entweder eine ausschließlich ei-
genthümliche Fähigkeit der menschlichen Seele, oder
aber ein unendlich stärkerer Grad einer Fähigkeit seyn,
wovon manche Thiere**) auch einige schwache Spur hät-
ten; oder eine eigene Richtung der gesammten mensch-
lichen Seelenkräfte u.s.w., so liegt wenigstens der
[Seite 38] hohe Vorzug, den der Mensch durch den Besitz dersel-
ben erhält, das Vermögen sich selbst zu vervollkomm-
nen, unwiderredlich am Tage.

Und da ihm die ganze bewohnbare Erde zum
Aufenthalt offen steht, und fast die ganze organisirte
Schöpfung zur Speise überlassen ist, so erzeugt frey-
lich eben die große Verschiedenheit der Klimate, die
er bewohnen soll, und der Nahrung, die ihm der Ort
seines Aufenthalts gestattet, eben so verschiedene Be-
dürfnisse, die er durch keinen einförmigen Kunsttrieb,
aber wohl durch den Gebrauch seiner sich nach den Um-
ständen gleichsam accommodirenden Vernunft auf eben
so manigfaltige Weise zu stillen vermag.

§. 38.

Wie unendlich aber der Mensch schon durch diesen
einzigen Vorzug über die ganze übrige thierische Schö-
pfung erhoben werde, beweiset die unbeschränkte Herr-
schaft, womit er über alle Triebe und über die Lebens-
art, Haushaltung etc., mit einem Worte, über das
ganze Naturell dieser seiner Mitgeschöpfe nach
Willkühr disponiren, die furchtbarsten Thiere zähmen,
ihre heftigsten Triebe dämpfen, sie zu den kunstreich-
sten Handlungen abrichten kann u.s.w.

Anm. Um sich überhaupt zu überzeugen, wie sehr der
cultivirte Mensch Herr der übrigen Schöpfung
auf dieser Erde ist, braucht man sich bloß an die
Umschaffung zu erinnern, die er seit Entdeckung der
neuen Welt mit ihr und der alten wechselseitig vor-
genommen hat! Was für Gewächse und Thiere er aus
dieser in jene übergepflanzt hat, wie z.B. Reiß,
Caffeh etc. Pferde, Rindvieh etc. und was er v. v.
von dorther nun wieder in seinem Welttheile einhei-
misch gemacht, wie z.B. Kartoffeln, Tobak, wäl-
sche Hühner u.s.w.

§. 39.

[Seite 39]

Am auffallendsten erweist sich die allein auf den
Vorzug der Vernunft beruhende Herrschaft des Men-
schen über die übrige thierische Schöpfung durch die so-
genannten Hausthiere; worunter man in engerer
Bedeutung diejenigen warmblütigen Thiere versteht,
so der Mensch zur Befriedigung wichtiger Bedürfnisse
und überhaupt zu beträchtlicher Benutzung absichtlich
ihrer Freyheit entzogen und sich unterjocht hat. Im
weitern Sinne kann man aber auch die Bienen und
Seidenwürmer, so wie die Cochenill-Insecten da-
hin rechnen.

Anm. 1. Unter jenen Hausthieren im engern Sinne ist
eine dreyfache Verschiedenheit zu bemerken. Von man-
chen nähmlich hat der Mensch die ganze Gattung ih-
rem freyen Naturzustande entzogen, und sich unter-
würfig gemacht, wie z.B. das Pferd. Von andern,
die er sich zwar auch ins Haus zieht, existirt doch aber
noch die ursprünglich wilde Stammrace, wie
vom Rindvieh, Schwein. Katze, Rennthier, den bey-
derley Camehlen der alten Welt, und dem so ge-
nannten Meyergeflügel. Der Elephant endlich pflanzt
sich gar nicht in der Gefangenschaft fort, sondern je-
der, der zum Dienst des Menschen gebraucht werden
soll, muß erst aus der Wildheit eingefangen, gezähmt
und abgerichtet werden.

Anm. 2. Die eigentlich so genannten Hausthiere varii-
ren zwar häufig in der Farbe; und manche der dar-
unter gehörigen Säugethiere zeichnen sich auch durch
einen hängenden Schwanz und schlappe Ohren aus,
aber keines von beyden ist ein beständiges Kennzeichen
der Unterjochung. – (Uber die Hausthiere s. mit
mehrern den Gothaischen Hof-Kalender vom Jahre
1796). –

§. 40.

Nach dem Linnéischen System wird das ganze
Thierreich unter folgende sechs Classen gebracht:

I. Cl. Säugethiere (mammalia), Thiere mit
[Seite 40] warmem rothen Blut, die ihre Jungen lebendig
zur Welt bringen, und sie dann einige Zeit lang
mit Milch an Brüsten säugen.

II. Cl. Vögel, Thiere mit warmem rothen Blut,
die aber Eyer legen, und Gefieder haben.

III. Cl. Amphibien, Thiere mit kaltem rothen
Blut, die durch Lungen Athem hohlen.

IV. Cl. Fische, Thiere mit kaltem rothen Blut,
die durch Kiemen, und nicht durch Lungen,
athmen.

V. Cl. Insecten, Thiere mit kaltem weißen
Blut, die Fühlhörner (antennas) am Kopf,
und eingelenkte (hornartige) Bewegungswerk-
zeuge haben.

VI. Cl. Gewürme (vermes), Thiere mit kal-
tem weißen Blut, die keine Fühlhörner, son-
dern meist Fühlfäden (tentacula) und meines
Wissens nie eingelenkte Bewegungswerkzeuge
haben*).

Hauptquellen und andere Hülfsmittel zur Thier-
geschichte überhaupt.

  1. AristotelesHistoire des animaux d' Aristote, avec
    des notes etc. par
    Camus. Par. 1783. II vol. 4.
  2. Conr. Gesneri icones quadrupedum viviparorum, it.
    avium et animalium aquatilium cum nomenclaturis
    singulorum in linguis diversis Europae
    . ed. 2. Tig.
    1560. fol.
  3. Aldrovandus.
  4. Jo. Jonston. historia naturalis de animalibus. Francof.
    1649–1653. fol.
  5. auch unter dem Titel H. Ruysch (Frid. fil.) theatrum
    universale omnium animalium
    Amst. 1718. II. vol.
    fol
    .
  6. Ray.
  7. Buffon.
  8. G. Ad. Suckow Anfangsgründe der Naturgeschichte
    der Thiere. Leipz. seit 1797. 8.
  9. G. Cuvier tableau élémentaire de l'histoire naturelle des
    animaux
    . Par. 1798. 8.
  10. A. M. Constant Duméril zoology analytique. Par. 1806 8.
  11. Deutschlands Fauna in Abbild. nach der Natur, mit Be-
    schreibungen von Iac. Sturm. Nürnb. seit 1790. 12.
  12. Linnaei fauna Suecica. ed. 2. Holm. 1761. 8.
  13. Th. Pennant's British Zoology. Lond. 1768 – 1777. IV.
    vol. 8.
  14. und Dess. großes Kupferwerk unter gleichem Titel ib.
    seit 1763. gr. Fol.
  15. C. P. Cl. Fleurieu histoire naturelle des Oiseaux, des
    Poissons, des Cétacées, des Amphibies etc. marins
    ,
    im II. und III. Bande des voyage autor du monde
    par Et. Marchand
    . Par. 1800. 4.

Vierter Abschnitt.
Von den Säugethieren.

[Seite 42]

§. 41.

Die Säugethiere haben das warme rothe Blut mit
den Vögeln gemein; aber sie gebären lebendige Jun-
ge: und ihr Hauptcharakter, der sie von allen übrigen
Thieren unterscheidet, und von dem auch die Benen-
nung der ganzen Classe entlehnt ist, sind die Brü-
ste
, wodurch die Weibchen ihre Jungen mit Milch er-
nähren. Die Anzahl und Lage der Brüste ist verschie-
den. Meist sind ihrer noch Ein Mahl so viel, als die
Mutter gewöhnlicher Weise Junge zur Welt bringt;
und sie sitzen entweder an der Brust, oder am Bau-
che, oder zwischen den Hinterbeinen*).

§. 42.

[Seite 43]

Der Körper der allermehresten (wo nicht aller*))
Säugethiere ist mit Haaren von sehr verschiedener
Stärke, Länge und Farbe besetzt; die auch bey einigen
als Wolle gekräuselt, oder als Borsten straff und
struppig sind, oder gar wie beym Igel etc. steife Sta-
cheln
bilden. Ben manchen sind die Haare an beson-
dern Stellen als Mähne oder Bart verlängert; und
bey einigen, wie bey den Pferden, Hunden etc. stoßen
sie an bestimmten Stellen in entgegengesetzter Rich-
tung an einander und machen so genannte Näthe
(suturas). Bey manchen, wie z.B. bey den See-
hunden etc. ändert sich die Farbe mit dem Alter. Auch
sind manche durch die Kälte (§. 16) bey uns im stren-
gen Winter, im Norden aber Jahr ans Jahr ein, entwe-
der grau, wie das Eichhörnchen (Grauwerk), oder
schneeweiß, wie das große Wiesel (Hermelin) etc.
Wenn hingegen diese weiße Farbe zugleich mit licht-
scheuen Augen und rochen Pupillen verbunden ist, wie
bey den so genannten Kackerlacken im Menschenge-
schlecht und unter manchen andern Gattungen von
warmblütigen Thieren, so ist es die Folge einer wirk-
lich tränklichen Schwäche.

§. 43.

Der Aufenthalt der Säugethiere ist sehr verschie-
den. Die mehresten leben auf der Erde; manche, wie
die Affen, Eichhörnchen etc., fast bloß auf Bäumen;
einige, wie der Maulwurf, als eigentliche animalia
subterranea
, unter der Erde; andere bald auf dem
[Seite 44] Lande, bald im Wasser, wie die Biber, Seebären;
und noch andere endlich bloß im Wasser, wie die Wall-
fische. – Hiernach sind nun auch ihre Füße oder ähn-
liche Bewegungswerkzeuge verschieden. Die mehresten
haben vier Füße; der Mensch hat nur zwey, aber auch
zwey Hände; die Affen hingegen haben vier Hände.
Die Finger und Zehen derjenigen Säugethiere, die
im Wasser und auf dem Lande zugleich leben, sind
durch eine Schwimmhaut verbunden. Bey den Fleder-
mäusen sind sie an den Vorderfüßen ungemein lang
und dünne; und zwischen ihnen ist eine zarte Haut aus-
gespannt, die zum Flattern dient. Die Füße mancher
Wasserthiere aus dieser Classe sind zum Rudern einge-
richtet, und bey den Wallfischen ähneln sie gar einiger
Maßen den Floßen der Fische; doch daß die Hinterflo-
ßen ohne Knochen sind, und horizontal, nicht wie ein
Fischschwanz vertical, liegen. Einige wenige Säuge-
thiere (solidungula) haben Hufe; viele aber (bisulca)
gespaltene Klauen. Die mehresten gehen (zumahl mit
den Hinterfüßen) bloß auf den Zehen; einige aber,
wie der Mensch, und gewisser Maßen auch die Affen,
Bären, Elephanten u.a.m. auf der ganzen Fußsoh-
le bis zur Ferse.

§. 44.

Die mehresten Ameisenbären, die Schuppenthiere,
und einige Wallfische ausgenommen, sind die übrigen
Säugethiere mit Zähnen versehen, die man in
Vorderzähne*) (primores s. incisores), Eckzähne
[Seite 45] oder Spitzzähne (caninos s. laniarios), und Backen-
zähne (molares), eintheilt. Die letztern zumahl sind
nach der verschiedenen Nahrung dieser Thiere auch ver-
schiedentlich gebildet. Bey den fleischfressenden nähm-
lich ist die Krone scharfkantig fast schneidend; bey den
grasfressenden oben breit und eingefurcht; und bey
denen, die sich, so wie der Mensch, aus beyden orga-
nisirten Reichen nähren, in der Mitte eingedruckt, und
an den Ecken abgerundet.

Manche Säugethiere, wie z.B. der Elephant und
der Narhwal, haben große prominirende Stoßzähne
(dentes exserti); andere, wie z.B. das Wallroß,
Hauzähne etc.

§. 45.

Bloß unter den Säugethieren, und zwar nur unter
den grasfressenden, gibt es wirklich wiederkauende
Gattungen, bey welchen nähmlich das zuerst bloß oben-
hin zerbissene und geschluckte Futter bissenweise wieder
durch den Schlund zurück getrieben, und nun erst recht
durchgekaut und dann zum zweyten Mahl geschluckt wird.

Zu diesem Zweck haben die wiederkauenden Thiere
eine eigene Einrichtung des Gebisses; indem ihre Ba-
ckenzähne wie mit sägeförmigen Querfurchen ausge-
schnitten sind, und die Kronen derselben nicht horizon-
tal liegen, sondern schräg ausgeschlägelt sind, so daß
an denen im Oberkiefer die Außenseite, an denen im
untern aber die nach der Zunge Hingerichtete innere
Seite die höchste ist. Dabey haben sie einen schmalen
[Seite 46] Unterkiefer, der eine sehr freye Seitenbewegung ge-
stattet, wodurch denn, wie der Augenschein lehrt, der
Mechanismus dieser sonderbaren Verrichtung von dieser
Seite bewirkt wird.

Anm. 1. Bey den ruminantibus, die zugleich gespaltene
Klauen haben (bisulca), kommt nun außerdem noch
der vierfache Magen hinzu, dessen innerer Bau
und Mechanismus überaus merkwürdig ist. Das zum
ersten Mahl geschluckte noch halb rohe Futter gelangt
nähmlich in den ungeheuern ersten Magen (rumen,
magnus venter, franz. le double, l' herbier, la pan-
se
, der Pansen, Wanst), als in ein Magazin, wor-
in es nur ein wenig durchweicht wird. Von da wird
eine kleine Portion dieses Futters nach der andern
mittelst des zweyten Magens (reticulum, franz.
le bonnet, le reseau, die Haube, Mütze, das Garn),
der gleichsam nur ein Anhang des ersten ist, aufge-
faßt und wieder durch den Schlund hinauf getrieben.
Nun wird der wiedergekaute, zum zweyten Mahl ge-
schluckte Bissen durch eine besondere Rinne, ohne wie-
der durch die beyden ersten Mägen zu passiren, gleich
aus dem Schlunde in den dritten (echinus, centipel-
lio, omasus
, franz. le feuillet, le pseautier, das
Buch, der Psalter, der Blättermagen) geleitet, wo
er von da endlich zur völligen Verdauung in den
vierten (abomasus, franz. la caillette, der Laab,
die Ruthe, der Fettmagen) gelangt, der dem Magen
anderer Säugethiere am nächsten kommt*).

Anm. 2. Der allgemeine, auf alle wiederkauende Thie-
re überhaupt passende Haupt-Nutzen der Rumination
scheint mir noch gänzlich unbekannt.

§. 46.

Außer den Klauen, Zähnen etc. sind viele Säu-
gethiere auch mit Hörnern als Waffen versehen.
Bey einigen Gattungen, wie beym Hirsch, Reh etc.
sind die Weibchen ungehörnt; bey andern, wie beym
[Seite 47] Rennthier und im Ziegengeschlecht, sind ihre Hörner
doch kleiner als der Männchen ihre. Anzahl, Form
und Lage, besonders aber die Textur der Hörner, ist
sehr verschieden. Beym Ochsen-, Ziegen- und Gazellen-
geschlecht sind sie hohl, und sitzen wie eine Scheide
über einem knöchernen Zapfen oder Fortsatz des Stirn-
beins. Die Hörner der beyderley Rhinocer sind dicht,
und bloß mit der Haut auf der Nase verwachsen. Beym
Hirschgeschlecht hingegen sind sie zwar ebenfalls solide,
aber von mehr knochenartiger Textur, und ästig. Sie
heißen dann Geweihe, und werden gewöhnlich all-
jährig abgeworfen und neue an ihrer Statt reproducirt.

§. 47.

Die Öffnung des Afters wird bey den mehresten
Säugethieren durch den Schwanz bedeckt, der eine
Fortsetzung des Guckgucksbeins (coccyx), und von
mannigfaltiger Bildung und Gebrauch ist. Er dient z.
B. manchen Thieren sich der stechenden Insecten zu
erwehren; vielen Meerkatzen und einigen andern Ame-
rikanischen und Neu-holländischen Thieren statt einer
Hand um sich daran halten, oder damit fassen zu kön-
nen (cauda prehensilis, Rollschwanz); den Spring-
hasen zum Springen (cauda saltatoria), dem Kängu-
ruh zum Gleichgewicht bey seiner aufrechten Stellung
und zur Vertheidigung etc.

§. 48.

Auch sind am Körper einiger Thiere dieser Classe
besondere Beutel von verschiedener Bestimmung zu
merken. So haben viele Affen, Paviane, Meerkatzen,
auch der Hamster u.a., Backentaschen (thesauri),
fr. salles, um Proviant darin einschleppen zu kön-
nen. Beym Weibchen der Beutelthiere liegen die Zi-
[Seite 48] tzen in einer besondern Tasche am Bauche, worein sich
die saugenden Jungen verkriechen.

§. 49.

Manche Säugethiere, wie z.B. die mehresten
größten grasfressenden, sind gewöhnlich nur mit Einem
Jungen auf einmahl trächtig; andere hingegen,
wie z.B. die Rauvthiere, und die Schweine mit
mehreren zugleich.

Die Leibesfrucht steht mit der Mutter durch
die sogenannte Nachgeburt (secundinae) in Verbin-
dung, welche aber von verschiedener Gestaltung ist;
da sie z. P. im Menschengeschlecht einen einfachen grö-
ßern Mutterkuchen (placenta) bildet, hingegen
bey den wiederkauenden Thieren mit gespaltenen Klauen
(bisulca) in mehrere, theils sehr zahlreiche, zer-
streute kleine solche Verbindungsorgane (cotyledones)
vertheilt ist u.s.w.

§. 50.

Die Wichtigkeit der Thiere überhaupt läßt
sich hauptsächlich aus einem zweyfachen Gesichtspuncte
bestimmen; entweder nähmlich, in so fern sie auf die
Haushaltung der Natur im Großen auf den ganzen
Gang der Schöpfung Einfluß haben; oder in so fern
sie dem Menschen unmittelbar nutzbar werden. Aus
jener Rücksicht sind, wie wir unten sehen werden, die
Insecten und Gewürme die bey weiten wichtigsten
Geschöpfe; aus dieser hingegen die Säugethiere; und
zwar sowohl wegen der Größe als der Vielartig-
keit
ihrer Benutzung. Die Verschiedenheit in ihrer
Bildung, ihre große Gelehrigkeit, ihre Stärke u. s.
w. machen sie für den Menschen auf die mannigfaltig-
[Seite 49] ste Weise brauchbar*). Aus keiner andern Classe von
Thieren hat er sich so treue, dienstfertige und arbeit-
same Gehülfen zu schaffen gewußt; keine ist ihm zu
seinem unmittelbaren Gebrauch und zu seiner Selbsterhal-
tung so unentbehrlich als diese. – Ganze Völker des
Erdbodens können mit einer einzigen Art von Säuge-
thieren fast alle ihre dringendsten Bedürfnisse befriedigen.
So die Grönländer mit dem Seehund; die Lappen,
Tungusen etc. mit dem Rennthier; die Aleuten mit
dem Wallfisch.

§. 51.

Die vielfache Brauchbarkeit der Säugethiere
für das Menschengeschlecht reducirt sich vorzüglich auf fol-
gendes. Zum Reiten, zum Zug, Ackerbau,
Lasttragen
u.s.w.: Pferde, Maulthiere, Esel,
Ochsen, Büffel, Rennthiere, Elephanten, Kamehle,
Lama's, Hunde. Zur Jagd, zum Bewachen etc.
Hunde. Zum Mausen und Vertilgen anderer schäd-
lichen Thiere: Katzen, Igel, Ameisenbären etc. Zur
Speise: das Fleisch vom Rindvieh, Schafen, Zie-
gen, Schweinen, vom Hirschgeschlecht, von Hasen,
Kaninchen, u.s.w. Ferner Speck, Schmalz, Blut,
Milch, Butter, Käse. Zur Kleidung, zu De-
cken, Zelten
etc. Pelzwerk, Leder, Haare, Wolle etc.
Zum Brennen: Talg, Fischthran, Wallrath**).

[Seite 50]

Zum Schreiben, Bücherbinden etc. Pergament,
Leder. Für andere Künstler und zu allerhand
Gebrauch
: Borsten, Haare (zumahl Menschen-
und Pferde-Haare), Geweihe, Hörner, Klauen,
Elfenbein u.a. Zähne, Fischbein, Knochen, Blasen.
Därme, Sehnen und Knochen zu Tischlerleim.
Därme zu Saiten. Blut zu Berlinerblau u.a.
Farben. Knochen und Huf zu Beinschwarz, Horn-
schwarz
etc. Fett und Mark zu Seife. Mist zum
Dünger, zur Feuerung, zu Salmiak etc. Endlich
zur Arzney: Bisam, Bibergeil, Hirschhorn, Milch etc.

§. 52.

Von der andern Seite sind aber freylich mehrere
Thiere dieser Classe dem Menschengeschlecht unmittel-
bar oder mittelbar nachtheilig. Manche reißende
Thiere, besonders aus dem Katzen-Geschlecht, fallen
Menschenan. Eben diese und noch manche andere, z.B.
die Wiesel, Marder, Iltisse, Vielfraße, Fischottern,
Wallfische etc. vertilgen viele nutzbare Thiere: – oder
schaden den Gewächsen, Bäumen, Gar-
tenfrüchten, dem Getreide
u.s.w. wie die
Feldmäuse, Hamster, Leming, Hirsche, Hasen, Bi-
ber, Affen, Elephanten, Rhinocer, Nilpferde etc.
oder gehen andern Eßwaaren nach; wie Ratten,
Mäuse, Fledermäuse u.s.w. Gift scheint kein ein-
ziges Thier dieser Classe zu besitzen, außer in der
Wuth und Wasserscheue, der zumahl die aus dem
Hundegeschlecht ausgesetzt sind.

§. 53.

Man hat verschiedene künstliche, d.h. bloß
von einzelnen zum Classificationsgrunde gelegten Cha-
rakteren entlehnte Systeme (sistemata artificialia),
[Seite 51] nach welchen verdiente Naturforscher die Säugethiere
zu ordnen versucht haben. Aristoteles Einthei-
lung z.B. ist bloß auf die allgemeinste Verschieden-
heit der Zehen und Klauen gegründet, und die haben
auch Ray u.a. zum Grunde gelegt, und nach der
Zahl der Zehen etc. weiter bearbeitet. Aber hierbey
müssen die verwandtesten und im Ganzen noch so ähn-
lichen Gattungen von Ameisenbären, Faulthieren etc.
getrennt, und in ganz verschiedene Ordnungen versetzt
werden, bloß weil die eine mehr, die andere weniger
Zehen hat. Linné hat die Zähne zum Classifications-
grund gewählt, ein Weg, auf dem man aber nicht
minder, bald auf die unnatürlichsten Trennungen, bald
auf die sonderbarsten Verbindungen stößt*). Das Ge-
schlecht der Fledermäuse muß nach des Ritters Ent-
wurf, wegen des verschiedenen Gebisses bey einigen
Gattungen, wenigstens in drey verschiedene Ordnun-
gen zerstückt worden; so die beyderley Nashörner in
zwey; – dagegen kommt der Elephant mit den Pan-
zerthieren, und dem sormosanischen Teufelchen in eine
gemeinschaftliche Ordnung etc.

§. 54.

Ich habe daher ein im Ganzen natürlicheres
System der Säugethiere zu entwerfen getrachtet, wo-
bey ich mehr auf den Totalhabitus dieser Thiere
gesehen, doch vorzüglich die Bewegungswerkzeuge,
weil sie am leichtesten in die Augen fallen und dem
Totalhabitus sehr angemessen sind, zum Grund der
[Seite 52] Ordnungen gelegt, aber zweye derselben, welche viel-
artige Geschöpfe begreifen, wieder nach der Verschie-
denheit ihres Gebisses in einige Familien unterabge-
theilt, und diese mit den bekannten Nahmen einiger
Linnéischen Ordnungen bezeichnet: und so die ganze
Classe folgender Maßen geordnet:

I. Ordn. Bimanus. Der Mensch mit zwey Händen.

II. Quadrumana. Thiere mit vier Händen. Affen,
Paviane, Meerkatzen und Makis.

III. Chiroptera. Die Säugethiere, deren Vorder-
füße Flatterhäute bilden (§. 43.). Die Fledermäuse.

IV. Digitata. Säugethiere mit freyen Zehen an allen
vier Füßen. – Diese Ordnung zerfällt nach der
Verschiedenheit des Gebisses in folgende drey Fa-
milien:

A) Glires. Mit mauseähnlichem Gebiß. Eichhörn-
chen, Hasel- und andere Mäuse, Murmelthie-
re, Meerschweinchen etc., Springmäuse, Hasen,
Stachelschweine.

B) Ferae. Die eigentlich so genannten reißenden
Thiere und einige andere Geschlechter mit ähn-
lichem Gebiß. Löwen etc., Hunde etc., Bären,
Wiesel, Viverren, Beutelthiere, Igel, Spitz-
mäuse, Maulwürfe.

C) Bruta. Ohne Gebiß, oder wenigstens ohne Vor-
derzähne etc. Faulthiere, Ameisenbären, Schup-
penthiere, Panzerthiere.

V. Solidungula. Pferd etc.

VI. Bisulca. Die wiederkauenden Thiere mit gespal-
tenen Klauen.

[Seite 53]

VII. Multungula. Meist sehr große, aber unförm-
liche, borstige oder dünnbehaarte Säugethiere mit
mehr als zwey Klauen an jedem Fuß. Schweine
(denn auch diese haben im Grunde vier Klauen),
Tapir, Elephanten, Nashörner, Nilpferd.

VIII. Palmata. Säugethiere mit Schwimmfüßen.
Wieder nach der Verschiedenheit ihres Gebisses in
obgedachte drey Familien getheilt:

A) Glires. Biber.

B) Ferae. Seehunde etc., Ottern.

C) Bruta. Das Schnabelthier, Wallroß, der
Manate.

Letzterer macht von hier den schicklichsten Über-
gang zur letzten Ordnung.

IX. Cetacea. Wallfische. Warmblütige Thiere, die
mit den kaltblütigen Fischen fast nichts als den un-
schicklichen Nahmen gemein haben, und deren na-
türliche Verbindung mit den übrigen Säugethieren
schon Ray vollkommen richtig eingesehen hat*).

* * *

Zur N. G. der Säugethiere.

  1. Conr. Gesneri historiae animalium L. I. de quadrupedi-
    bus viuiparis
    . Basil. 1551. fol.
  2. Ul. Aldrovandi de quadrudedibus digitatis viuiparis. L. III.
    Bonon. 1627. fol.
  3. Id. de quadrupedibus solidipedibus ib. 1616. fol.
  4. Id. de quadrupedibus bisulcis. ib. 1613. fol.
  5. Ej. de cetis. L. I. (am Ende seines Werks de piscibus ib.)
    eod. fol.
  6. Jo. Raii synopsis animalium quadrupedum. Lond. 1613. 8.
  7. Buffon.
  8. Th. Pennant's history of quadupeds. Lond. 1781. II.
    vol. 4.
  9. Deutsch mit Zusätzen von D. M. Bechstein. Weimar
    1799. II. B. 4.
  10. Ej. aretic zoology. vol. I. ib. 1784. 8.
  11. I. Ch. Dan. V. Schreber Säugethiere, Erlang, seit.
    1774. 4.
  12. J. Chr. Pol. Erxleben systema mammalium, Lips. 1777. 8.
  13. E. A. W. v. Zimmermann geographische Geschichte
    des Menschen, und der allgemein verbreiteten vier-
    füßigen Thiere Leipz, 1778. III. B. 8.
  14. I. M. Bechsteins gemeinnützige N. G. Deutschlands,
    I. B. Leipz. 1789. 8.
  15. Marmad. Tunstall's general history of Quadrupeds. The
    figures engraved on wood by
    J. Bewik. Newcastle
    upon Tyne
    1790. 8.
  16. Fr. Tiedemanns Zoologie I. B. Landshut. 1808. 8.

I. BIMANUS.

[Seite 55]

1. HOMO. Erectus, bimanus. Mentum pro-
minulum. Dentes aequaliter approxima-
ti; incisores inferiores erecti
.

1. Sapiens.

Zu den äußern Kennzechen, wodurch der Mensch
selbst vom menschenähnlichsten Affen, geschweige von
den übrigen Thieren zu unterscheiden ist, gehört vor-
züglich sein aufrechter Gang (als wozu sein gan-
zer Wuchs und Bildung, besonders aber seine becken-
ähnlichen Hüftknochen, das Verhältniß seiner Schenkel
zu den Armen und seine breiten Fußsohlen, eingerich-
tet sind; dann der freyeste Gebrauch zweyer voll-
kommenen Hände
; ferner sein prominirendes
Kinn
und die aufrechte Stellung seiner un-
tern Schneidezähne
.

Das weibliche Geschlecht hat (außer der ihm in der
Blüthe des Lebens eigenen Form des Busens) noch ein
Paar eigenthümliche Charaktere, die dem männlichen
und allen übrigen Thieren abgehen, nähmlich einen
periodischen Blutverlust in einer bestimmten Reihe
von Lebensjahren; und dann einen besondern Theil an den
Sexual-Organen, dessen Mangel oder Zerstörung als
ein körperliches Kennzeichen der verletzten jung-
fräulichen
Integrität anzusehen und wenigstens in
der Form und Lage noch bey keinem andern weiblichen
Thiere bemerkt ist.

Was aber die Seelenfähigkeiten des Menschen betrifft,
so hat er außer dem Begattungstriebe wenig Spuren
von Instinct (§. 34 u. f.). Kunsttriebe aber
(§. 36.) schlechterdings garnicht. Dagegen ist er aus-
schließlich im Besitz der Vernunft (§. 37.), und der
dadurch von ihm selbst erfundenen Rede oder Spra-
che
(loquela), die nicht mit der bloß thierischen Stim-
me
(vox) verwechselt werden darf (§. 25.), als welche
[Seite 56] auch den ganz jungen und selbst den stummgebornen
Kindern zukommt. Und so folgt aus je en beyden aus-
schließlichen Vorzügen das große ausschließliche Eigen-
thum der Menschenspecies, wodurch sie über die ganze
übrige thierische Schöpfung erhoben wird, das Ler-
mögen sich selbst zu vervollkommnen
.

* * *

Der Mensch ist für sich ein wehrloses, hülfsbe-
dürftiges
Geschöpf. Kein anderes Thier außer ihm
bleibt so lange Kind, keins kriegt so sehr spät erst sein
Gebiß, lernt so sehr spät erst auf seinen Füßen stehen,
keins wird so sehr spät mannbar u.s.w. Selbst seine
großen Vorzüge, Vernunft und Sprache, sind nur
Keime, die sich nicht von selbst, sondern erst durch frem-
de Hülfe, Cultur und Erziehung entwickeln können;
daher denn bey dieser Hülfsbedürftigkeit und bey die-
sen zahllosen dringenden Bedürfnissen die allgemeine
natürliche Bestimmung des Menschen zur gesellschaft-
lichen Verbindung
. Nicht ganz so allgemein läßt
sich hingegen vor der Hand noch entscheiden, ob in al-
len Welttheilen die Proportion in der Anzahl der ge-
bornen Knäbchen und Mädchen, und die Dauer der
Zeit der Fortpflanzungsfähigkeit der beyden Geschlech-
ter so gleich sey, daß der Mensch überall so wie in
Europa
zur Monogamie bestimmt werde.

Sein Aufenthalt und seine Nahrung sind bey-
de unbeschränkt; er bewohnt die ganze bewohnbare Er-
de, und nährt sich mit den vielartigsten Stoffen aus
dem weitesten Umfang der organisirten Schöpfung.
Und in Verhaltniß zu seiner mäßigen körperlichen Grö-
ße, und in Vergleich mit andern Säugethieren erreicht
er ein ausnehmend hohes Alter.

* * *

Es gibt nur Eine Gattung (species) im Men-
schengeschlecht; und alle uns bekannte Völker aller
Zeiten und aller Himmelsstriche können von einer ge-
meinschaftlichen Stammrace abstammen*). Alle Na-
tional-Verschiedenheiten in Bildung und Farbe des
menschlichen Körpers sind um nichts auffallender oder
unvegreiflicher als die, worin so viele andere Gattun-
gen von organisirten Körpern, zumahl unter den Haus-
[Seite 57] thieren, gleichsam unter unfern Augen ausarten. Alle
diese Verschiedenheiten fließen aber durch so mancherley
Abstufungen und Übergänge so unvermerkt zusammen,
daß sich daher auch keine andere, als sehr willkührliche
Gränzen zwischen ihnen festsetzen lassen. Doch habe ich
das ganze Menschengeschlecht noch am füglichsten unter
folgende fünf Racen zu bringen geglaubt:

1) Die Kaukasische Race:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 3. und 51.

von mehr oder weniger weißer Farbe mit rothen
Wangen, langem, weichem, nußbraunem Haar (das
aber einerseits ins Blonde, andererseits ins Schwarze
übergeht); und der nach den Europäischen Begriffen
von Schönheit musterhaftesten Schedel- und Gesichts-
Form. Es gehören dahin die Europäer mit Aus-
nahme der Lappen; dann die westlichern Asia-
ten
, dießseits des Ob, des Caspischen Meers und des
Ganges; nebst den Nordafrikanern; – also
ungefähr
die Bewohner der den alten Griechen und
Römern bekannten Welt.

2) Die Mongolische Race:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 1.

meist waizengelb (theils wie gekochte Quitten, oder
wie getrocknete Eitronschalen); mit wenigem, straffem,
schwarzem Haar; enggeschlitzten, aber gleichsam aufge-
dunsenen Augenliedern, plattem Gesicht; und seitwärts
eminirenden Backenknochen. Diese Race begreift die
übrigen Asiaten, mit Ausnahme der Malayen,
dann in Europa die Lappen, und im nördlichen Ameri-
ka, von der Beringsstrasse bis Labrador, die Eskimos.

3) Die Aethiopische Race:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 5.

mehr oder weniger schwarz; mit schwarzem, krausem
Haar; vorwärts prominirenden Kiefern, wulstigen
Lippen und stumpfer Nase. Dahin die übrigen
Afrikaner
, nahmentlich die Neger, die sich dann
durch die Fulahs in die Mauren etc. verlieren, so wie
jede andere Menschen-Varietät mit ihren benach-
barten Völkerschaften gleichsam zusammen stießt.

4) Die Amerikanische Race:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 2.

Lohfarb oder zimmtbraun (theils wie Eisenrost oder
angelaufenes Kupfer); mit schlichtem, straffem, schwar-
[Seite 58] zem Haar, und breitem aber nicht plattem Gesicht,
sondern stark ausgewirkten Zügen. Begreift die übri-
gen Amerikaner
außer den Eskimos.

5) Die Malaysche Race:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 4.

von brauner Farbe (einerseits bis ins helle Mahago-
ui, andererseits bis in das dunkelste Nelken- und Kasta-
nienbraun); mit dichtem schwarzlockigem Haarwuchs;
breiter Nase; großem Mund. Dahin gehören die
Südsee-Insulaner oder die Bewohner des
fünften Welttheils und der Marianen, Philippinen,
Molucken, Sundaischen Inseln etc, nebst den eigent-
lichen Malayen
*)

Von diesen fünf Haupt-Racen muß nach allen physio-
logischen Gründen die Kaukasische als die so genannte
Stamm- oder Mittel-Race angenommen wer-
den. Die beyden Extreme, worin sie ausgear-
tet, ist einerseits die Mongolische, andererseits die Aethio-
pische. Die andern zwey Racen machen die Ueber-
gänge
. Die Amerikanische den, zwischen der Kauka-
sischen und Mongolischen, sowie die Malayische den,
zwischen jener Mittel-Race und der Aethiopischen.**).

* * *

Allen den fabelhaften Wust herzuzählen, womit die Men-
schen die N. G. ihres Geschlechts verunreinigt haben,
[Seite 59] lohnt sich jetzt nicht der Mühe; – doch nur Weniges
von vielem.

Die vermeintlichen Patagonischen Riefen z.B.
sind, von Magalhaens Zeiten bis auf die unsri-
gen, in den Erzählungen der Reisenden, von zwölf
Fuß zu siebenthalb eingekrochen, und bleiben also
wenig größer als jeder andere Mensch von guter
Statur.

Und daß die noch neuerlich von Commerson für ein
Zwergvölkchen ausgegebenen Quimos auf Mada-
gascar nichts weiter sind als eine Art Kretine, d.h.
kleine Blödsinnige mit dicken Köpfen und langen Ar-
men, (dergleichen sich im Salzburgischen, so wie im
Walliserlande, zumahl aber im Piemontesischen in Men-
ge finden), wird bey pathologischer Prüfung mehr als
bloß wahrscheinlich.

Eben so sind die Kackerlacken, Blafards, Albinos,
oder weiße Mohren*) nicht ein Mahl eine Spiel-
art, geschweige eine besondere Gattung, sondern gleich-
falls Patienten, deren Geschichte mehr in die Patho-
logie als in die Naturhistorie gehört.

Linnés Homo troglodytes ist ein unbegreifliches Ge-
misch aus der Geschichte jener preßhaften kränklichen
weißen Mohren, und des Orangutangs sein Homo
lar
hingegen ein wahrer Affe.

Die in Wildniß unter Thieren erwachsenen Kin-
der**) sind klägliche sittliche Monstra, die man eben
[Seite 60] so wenig, als andere durch Krankheit oder Zufall
entstellte Menschen zum Muster des Meisterstucks der
Schöpfung anführen darf.

Geschwänzte Völker, von Natur geschürzte
Hottentottinnen
, die vorgebliche natürliche
Bartlosigkeit der Amerikaner*), die Sirenen,
Centauren
, und alle Fabeln von gleichem Schrot
und Korn, verzeihen wir der gutherzigen Leichtgläu-
bigkeit unserer lieben Alten.


II. QVADRVMANA.

Säugethiere mit vier Händen, wie es ihre Le-
bensart und ihr Aufenthalt auf den Bäumen erfordert.
Sie sind ursprünglich wohl bloß zwischen den Wende-
cirkeln zu Hause**).

2. Simia: Affe. Habitus plus minus anthropo-
morphus, auriculae et manus fere humanae.
Nares anteriores. Dentes
primores incisores,
supra et infra 4. laniarii solitarii, reliquis lon-
giores
.

Bloß in der alten Welt; zwar menschenähnlicher als
die Thiere der nächstfolgenden Geschlechter, doch aber
außer den schon beym Menschengeschlecht angeführten
Umständen, in ihrer ganzen Bildung, besonders auch
durch die schmalen Hüften und platten Lenden, auf das
auffallend sittlichste vom Menschen unterschieden.

a) Ungeschwänzte.

1. Satyrus, der Orangutang. S. rufa, pilis longis
raris, capite globoso, fronte tumida, auriculis mino-
ribus
.

[Seite 61]

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 12. und 52.

Wie es scheint bloß auf Borneo, und auch da in ge-
ringer Anzahl*); läßt sich, wenn er ganz jung einge-
fangen worden, so wie der Schimpansee und andere
Affen auch, zu allerhand künstlichen Handlungen ab-
richten, die man aber von seinem natürlichen Betragen
genau unterscheiden muß.

Ist, wie Camper aus der Zergliederung eines solchen
Thiers gezeigt, weder einer menschlichen Rede, noch
eines natürlichen aufrechten Ganges fähig.

2. Troglodytes, der Schimpansee, Barris. S.
nigra, macrocephala, torosa, auriculis magnis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 11.

Im Innern von Angola, Congo etc. und tiefer land-
einwärts; so wie der vorige ungefähr von der Größe
eines dreyjährigen Buben.

3. Lar, der Gibbon, Golok, (Linnés Homo
lar) S. brachiis longisimis, talos attingentibus.

v. Schreber tab. 3.

Auf beyden Indischen Halbinseln, auch auf den Mo-
lucken; hat ein rundliches, ziemlich menschenähnliches
Gesicht und ungeheuer lange Arme, und ist von schwärz-
licher Farbe.

4. Sylvanus, der gemeine Türkische Affe. S.
brachiis corpore brevioribus, natibus caluis, capite
subrotundo.

v. Schreber. tab. 4.

In Nordafrika, Ostindien etc. Unter den ungeschwänz-
ten Affen der gemeinste und dauerhafteste; der auch
leicht in Europa Junge heckt; ist sehr gelehrig etc. Ihm
ähnelt der inuus (cyocephalus, Büffons magot) der
auch gleiches Vaterland mit ihm hat. Einer von bey-
den ist auch auf Gibraltar verwildert, und hat sich da
im Freyen fortgepflanzt.

b) Geschwänzte.

5. Rostrata, der langnasige Affe, Kahau,
Bantagan, Bantanian
, (Fr. le nasique, la
guenon à long nez
). S. cauda mediocri, naso elon-
gato, rostrato.

[Seite 62]

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 13.

Auf den Sundaischen Inseln. Eine simia die nicht
sima ist, sondern sich durch eine lange rüsselförmige Na-
se auffallend auszeichnet.

6. Silenus, der Bartaffe, Manduru. S. cauda-
ta, barbata nigra, barba nigra prolixa
.

v. Schreber tab. 11.

Auf Ceilon etc Ältere ganz kenntliche Abbildungen*)
dieses Affen sind durch Verschönerung von spätern Co-
pisten**) zum vorgeblichen geschwänzten Menschen um-
gestaltet worden.

7. Cynomolgus, der Macacco, die (insgemein so
genannte) Meerkatze. S. cauda longa, arcuata,
labio leporino
.

v. Schreber tab. 12.

Auf Guinea, Angola etc. beynahe olivengrün. Wird
unter den geschwänzten wahren Affen am häufigsten
nach Europa gebracht.

3. Papio, Pavian (Fr. babouin, Engl. baboon.)
Facies prolongata, minus anthropomorpha, na-
sus utrinque tuberosus, natos nudae, coccineae,
cauda (
plerisque***)) abbreviata. Dentes vt in
simiis
.

Auch bloß in der alten Welt. Ihr Kopf hat wenig
menschenähnliches, bey manchen eher etwas vom Schwein,
zumahl in der Schnauze. Meist sind es unbändige, und
äußerst geile Thiere.

1. Mormon, der Choras. P. naso miniato ad latera
caerulescente
.

v. Schreber tab. 8. A. 8. B.

Auf Ceilon etc. Wird gegen fünf Fuß hoch; hat, zu-
mahl wegen der hochfarbigen abstechenden Streifen auf
und zu beyden Seiten der Nase, ein auffallendes An-
sehen.

2. Maimon, der Mandril. P. facie violacea glabra,
profunde sulcata.

v. Schreber tab. 7.

[Seite 63]

Auf Guinea, am Cap etc. wo oft ganze Scharen
Weinberge und Obstgärten plündern sollen. Viel klei-
ner als der vorige.

4. Cercopithecus, Meerkatze. Auriculae
et manus minus humanae. Nares laterales. Na-
tes tectae. Dentes ut in simiis
.

Das ganze Geschlecht ist bloß im wärmern Süd-
America einheimisch, wo es den einheimischen India-
nern zu einem gemeinen Wildbret dient.

a) Cauda prehensili, die Sapaious.

1. Seniculus, der rothe Brüllaffe (l' Alouate). C.
barbatus rufus, gutture tumido.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 91.

Schaarenweis in den großen Waldungen von Guia-
na etc., wo er, so wie eine andre Gattung (Cercop. Bel-
zebul
) zumahl bey Wetterveränderung ein betäubendes
Geschrey hören läßt, das durch eine sonderbare knöcher-
ne Resonanzblase an dem dadurch gleichsam kropfförmig
aufgetriebenen Kehlkopf, hervorgebracht wird.

2. Paniscus, der Coaita C. ater, palmis tetradactylis
absque pollice
.

v. Schreber tab. 26. A. 26. B.

Hat ungemeines Geschick in seinem langen Roll-
schwanze*)

b) Cauda non prehensili, die Sanguinchen.

3. Iacchus, der Uistiti. C. juba pilosa alba ad genas
ante aures, cauda villosa annulata.

v. Schreber tab. 33.

Braun, und so klein, daß er in einer Cocosnuß-
Schale Raum hat.

5. Lemvr, Maki. Nasus acutus, dentes primo-
res
superiores 4. per paria remoti, inferiores 4 –
6. porrecti, compressi, incumbentes; laniarii
solitarii, approximati**).

[Seite 64]

1. Tardigradus, der Loris. (cueang.) L. ecaudatus.

v. Schreber tab. 38.

Auf Ceilon; hat die Größe und Farbe des Eichhörn-
chens, schlanke dünne Veine etc. und so wie die folgende
Gattung am Zeigefinger der Hinterfüße eine spitzige
Kralle, an allen übrigen Fingern aber platte Nägel.

2. Mongoz, der Mongus. L. facie nigra, corpore et
cauda griseis.

v. Schreber tab. 39. A. 39. B.

So wie einige verwandte Gattungen auf Madagascar
und den benachbarten Inseln. Die Hinterfüße sind viel
länger als die vordern. Sein Fell hat, wie bey man-
chen Affen, einen specifiken Geruch, fast nach Ameisen-
haufen.


III. CHIROPTERA.

Die Finger der Vorderfüße sind, den Daumen aus-
genommen, länger als der ganze Körper dieser Thiere;
und zwischen denselben ist die zarte Flatterhaut aus-
gespannt (§. 43.). Daher können sie eben so wenig als
die Affen mit ihren Händen, oder die Faulthiere mit ihren
hakenförmigen Kletterkrallen etc. bequem auf der Erde
gehen.

6. Vespertilio, Fledermaus. (Fr. chauve-
souris
. Engl. bat.) Pollex palmarum et digiti
plantarum breves, reliqui longissimi, membra-
nae expansili intertexti, pro volatu
.

Ein weitläufiges Geschlecht von, animalibus noctur-
nis
, dessen verschiedene Gattungen in alle fünf Welt-
theile verbreitet sind.

a) Dentibus primoribus 4. utrinque.

1. Spectrum, der Vampyr. V. ecaudatus, naso in-
fundibuliformi lanceolato
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 31.

In Südamerika; der Körper von der Größe des
Eichhörnchen. Wird dadurch sehr lästig, daß er nicht
nur anderen größeren Säugethieren, dem Rindvieh,
Pferden etc. sondern auch schlafenden Menschen, bey wel-
chen er sich vorzüglich an die Fußzehen setzt, Blut
[Seite 65] aussaugt, woher er denn auch den Nahmen des Vam-
pyrs (Blutsaugers) erhalten hat.

2. Caninus, der fliegende Hund. (Linne's vam-
pyrus,
Büffon's roussette.) V. ecaudatus, naso
simplici, membrana inter femora divisa
.

v. Schreber tab. 44.

Weit größer als der Vampyr, so daß er mit ausge-
spannten Flatterhäuten gegen 6 Fuß messen soll, lebt
aber bloß von Baumfrüchten und kann also schlechter-
dings nicht Vampyr genannt werden: findet sich scha-
renweise in Hindostan und auf den Ostindischen und
Austrat-Inseln; in unzähliger Menge aber auf Neu-
Holland. Ist auf den Pelew-Inseln das alleinzige
Säugethier.

b) Dentibus primoribus supra 4. infra 6.

3. †. Auritus, (Büffon's oreillard.) V. caudatus, au-
riculis maximis
.

So wie die folgende in den mildern Gegenden der
alten Welt. Ihre Ohren, die man insgemein, aber ir-
rig, doppelt nennt, sind einfach, nur alle Theile un-
geheuer groß.

4. †. Murinus, die gemeine Fledermaus, Speck-
maus
. (Engl. the rearmouse) V. caudatus, auri-
culis capite minoribus
.

Hängt sich so wie auch die vorige Gattung zu ihrem Win-
terschlaf in Höhlen an den Hinterfüßen auf. Vermehrt sich
zuweilen in manchen Gegenden binnen kurzer Zeit in
Unzahl.

c) Dentibus primoribus superioribus nullis.

5. †. Ferrum equinum, die Hufeisennase. V. naso
foliato ferrum equini aemulo
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 42.

Im mittlern und südlichen Europa.


IV. DIGITATA. (Pododactyla).

Die Säugethiere mit freyen Zehen an allen vier
Füßen. Die zahlreichste Ordnung an Geschlechtern und
Gattungen, daher jene füglich nach der Verschiedenheit
ihres Gebisses erst wieder unter drey Familien gebracht
werden.

[Seite 66]

A) Glires. B) Ferae. C) Bruta.

A) Glires. (Scalpris dentata Jo. Hunter.)

Mit zwey zum Nagen bestimmten meißelartigen Vor-
derzähnen in jedem Kiefer, ohne Eckzähne.

7. Sciurus. Cauda pilosa, disticha. Dentes pri-
mores
utrinque 2. inferiores subulati.

1. Volans, das fliegende Eichhörnchen. (Büf-
fon's
polatouche.) S. duplicatura cutis lateriali a
pedibus anterioribus ad posteriores
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 71.

In Liefland, Rußland und Sibirien. Von der Farbe
des petit gris. Das schlaffe Fell, das von den Vorder-
füßen nach den Hinterfüßen zu auf der Seite wegläuft,
dient ihm nur wie zu einem Fallschirm, um einen wei-
tern Sprung von der Höhe herab wagen zu dürfen.

2. †. Vulgaris, das Eichhörnchen. (Fr. l'ecureil.
Engl the squirrel.) S. auriculis apice barbatis, cau
da dorso concolori.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1808.

Wohl in ganz Europa, und fast ganz Asien. Die
nordischen, zumahl an den Ufern des Ob- und am Bai-
kal-See, werden im Winter grau, und geben dann
das echte Grauwerk, (petit gris). Zuweilen finden
sich auch hier zu Lande schwarze Eichhörnchen; seltener
schneeweiße mit rosenrothen Augen; und noch seltener
weiß- und schwarzgefleckte.

Der Virginische Sc. cinereus (Büffon's petit gris)
ist größer und ohne Ohrpinsel. Thut zumahl den Mais-
feldern großen Schaden.

8. Glis. (Myoxus.) Cauda rotunda, versus api-
cem crassior. Dentes ut in sciuris
.

1. †. Esculentus, der Siebenschläfer, Ratz,
Bilch, die Rellmaus
. (Fr. le loir. Engl. the
rellmouse.
)
G. grisens, subtus albidus, auriculis ro-
tundatis, nudis.

v. Schreber tab. 225.

So wie die folgende Gattung in den mildern Erd-
strichen der alten Welt. Es ist der wahre glis der Al-
ten, den sie verspeiseten*), und in eigenen glirariis**)
mästeten. Lebt in Eichen- und Buchenwäldern, nistet
[Seite 67] in hohle Bäume; und hält langen und sehr festen Win-
terschlaf.

1. †. Avellanarius, die kleine Haselmaus. (Fr.
le muscardin. Engl the dormouse.) G. rufus, pol-
lice plantarum mutico, auriculis rotundatis
.

v. Schreber tab. 227.

Kleiner am Leibe als die Hausmaus. Zu ihrem Win-
terschlaf bereitet sie sich ein kugliches, ziemlich festes
Lager von Tangelnadeln, u.a. kleinem Gestrüppe, wor-
ein sie sich vergräbt.

9. Mus. Cauda gracilis, subnuda. Dentes ut in
praecedentibus
.

1. Oeconomus, die Wurzelmaus. M. cauda subses-
quiunciali, auriculis nudis vellere molli latentibus,
palmis subtetradactylis, corpore, fusco
.

v. Schreber tab. 190.

Durch Sibirien, bis nach Kamtschatka. Wird theils
durch die großen Wanderungen, die sie, zumahl von
Kamtschatka aus, in manchen Jahren, fast wie der
Lemming, anstellt, besonders aber durch die Industrie
merkwürdig, womit sie eine große Menge meist eßbarer
Wurzeln in ihre unterirdischen Höhlen schleppt, denen
die Tungusen etc. (wie die Thüringer dem Hamster-Vor-
rath) nachgraben.

2. †. Sylvaticus, die Waldmaus, große Feld-
maus
. (Fr. le mulot. Engl the field rat.) M.
cauda mediocri, pectore flavescente, abdomine albido.

v. Schreber tab. 180.

Thut den Feldfrüchten und der Holzsaat Schaden.

3. †. Amphibius, die Wasserratte, der Erd-
wolf
. M. cauda longitudine dimidia corporis, auri-
bus vix vellere prominulis, pedibus subtetradactylis
.

v. Schreber tab. 186.

Ist zumahl den Gärten nachtheilig, besonders dem
Wurzelwerk.

4. †. Arvalis, die Feldmaus, Stoßmaus. (Fr.
le campagnol. Engl. the field mouse.) M. cauda me-
diocri, dorso ferrugineo, abdomine cinereo
.

v. Schreber tab. 191.

Vermehrt sich in manchen Jahren ungeheuer, und
thut zumahl der Wintersaat großen Schaden. Das be-
währteste Vertilgungsmittel ist wohl der Englische Erd-
bohrer.

5. †. Musculus, die Hausmaus. (Fr. la souris.
[Seite 68] Engl. the mouse.) M. cauda elongata, palmis te-
tradactylis, police palmarum mutico
.

In Europa und den gemäßigten Erdstrichen von Asten
und Amerika. Hat sich dem Menschen gewisser Maßen
zum Hausthiere aufgedrungen.

Die weißen Mäuse mit rothen Augen sind die Kacker-
lacken in ihrer Art, und zuweilen so lichtscheu, daß sie
in der Hellung die Augenlieder fest zuschließen, und für
blind gehalten werden.

6. †. Rattus, die Ratte. (Fr. le rat. Engl. the rat.)
M. cauda elongata, palmis tetradactylis cum ungui-
culo pollicari
.

Ist jetzt fast über alle fünf Welttheile verbreitet; scheint
aber ursprünglich im mittleren (Europa zu Hause. Äußerst
gefräßig. Frißt sogar Scorpione, und zieht dem Men-
schen und seinen Victualien überall nach. Den Berg-
leuten in die tiefsten Schachte, so wie den Seefahrern
auf die Schiffe. Unter andern gehört diese Land- und
Hausplage zu den gefährlichsten Feinden der Zuckerplan-
tagen in West-Indien.

An vielen Orten wird sie allgemach durch die ursprüng-
lich wohl in Ostindien und Persien einheimische Wan-
derrate
(M. decumanus. Fr. le surmulot) verdrängt,
die von rothlichgrauer Farbe und ihr Fell mit vielen ein-
zelnen langen Borstenhaaren durchmengt ist.

10. Marmota. (Arctomys.) Auriculae abbrevia-
tae, cauda brevis, aut nulla. Dentes ut in prae-
cedentibus.

1. Alpina, das Murmelthier (Granbündnisch
murmont vom Lat. mus montanus. Fr. la marmotte.)
M. corpore depresso, supra fusco, subtus flavescente.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1812.

In vielen der höhern Alpen von Europa und Asien,
Merkwürdig ist, daß man es auf der allé blanche in
Savoyen theils auf isolirten Klippen findet, die wie
Inseln aus diesem Eismeer hervorragen, Stunden weit
von allem unbeeiseten Erdreich entfernt, und im gan-
zen Jahr nur etwa sechs Wochen lang vom Schnee ent-
blößt sind; so daß eß scheint, die dasigen Murmelthiere
durchschlafen wenigstens zehn Monathe vom Jahre, und
bringen nur einen äußerst kleinen Theil ihrer Existenz
wachend zu.

2. †. Cricetus, der Hamster, Kornferkel. M.
abdomine nigro
.

[Seite 69]

F. S. Sulzers N. G. des Hamsters. Gött. 1774.
8. Taf. 1. 2.

Hin und wieder in Deutschland, Pohlen, Sibirien etc.
Lebt vorzüglich von Getreide, Bohnen etc., wovon er
großen Vorrath in den Backentaschen zu seinen unter-
irdischen, wohl 7 Fuß tiefen Höhlen, schleppet. Eine Höh-
le hält wohl manchmahl auf 60 Pfund solcher Victualien.
Er vermehrt sich ausnehmend, und man hat wohl eher
im Gothaischen in einem Jahr über 27000 Hamster ge-
tödtet. Es gibt eine ganz schwarze Spielart unter die-
sen Thieren, so wie auch Kackerlacken mit rothen Pu-
pillen.

3. Lemmus, der Lemming. M. capite acuto, corpore-
re nigro fulvorque irregulariter maculato
.

v. Schreber tab. 195. A. 195. B.

Häufig in Lappland und Sibirien Zuweilen emigri-
ren ganze Legionen von einer Gegend in die andere.
Ihre unerwartete und unbemerkte Ankunft, und dann
auch der Fall, daß, welche von den Raubvögeln in die
Lust gehoben und sich doch noch los gearbeitet und her-
untergefallen etc., mag zu der alten Sage Anlaß gege-
ben haben, daß es mitunter Lemminge vom Himmel
regne.

4. Typhlus, die Blindmaus, Slepez, M. ecau-
data, palmis pentadactylis, incisoribus supra infra-
que latis, palpebrarum aperturis auriculisque nullis
.

v. Schreber tab. 206.

Im südlichen Rußland. Lebt mehrentheils unter der
Erde. Soll für seine kleinen ganz deutlichen Augäpfel
doch gar keine Öffnung in der Gegend der Augenlieder
haben, und folglich gänzlich blind seyn.

11. Hyrax. (Daman.) Dentes primores superio-
res
2. distantes, inferiores 4. contigui, palmae
digitis
4, plantae digitis 3, cauda nulla.

1. Capensis, der Klipdas. (Büffon's marmotte
du Cap.
)
H. palmarum unguibus planis, plantarum
unico subulato
.

v. Schreber tab. 240.

Am Cap, fast von der Größe des Murmelthiers. La-
gert sich auch so in Felsenhöhlen, ist aber seinem eige-
nen anomalischen Bau nach zumahl wegen des Gebisses
und der Füße schwer zu classificiren.

12. Scavia. Halbkaninchen. Auriculae ro-
tundatae, parvae. Cauda nulla aut brevis. Den-
tes
primores utrinque 2.

[Seite 70]

Das ganze Geschlecht bloß im wärmern Südamerika,
zumahl in Brasilien.

1. Porcellus, das Meerschweinchen. Cobaya, (Fr.
le cochon d'Inde. Engl. the Guinea pig.) S. ecau-
data, corpore variegato
.

v. Schreber tab. 173.

Kommt auch in Europa leicht fort, variirt in der
Farbe, und ist wohl das fruchtbarste von allen Säuge-
thieren.

2. Aguti, (Piculi) das Ferkelkaninchen S. cau-
data, corpore ex rufo fusco, abdomine flavescente
.

v. Schreber tab. 172.

Größer als ein Kaninchen.

13. Lepvs. Dentes primores utrinque 2. superio-
res duplicati
.

1. †. Timidus, der Hase, (Fr. le liévre, Engl. the
hare
.) auriculis apice nigris, corpore et pedibus
posticis longioribus.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1798.

Fast in der ganzen alten Welt, und auch in Nord-Ameri-
ka Ist unter den Fußsohlen, und sogar zum Theil im
Munde, behaart. Beyde, Hasennd Kaninchen, scheinen
wieder zu kauen*).

Sonderbar ist die wundersame, von so vielen braven
Naturforschern für wahr angenommene Sage, daß man
schon oft und in ganz verschiedenen Gegenden und Zei-
ten einzelne gehörnte Hasen mit kleinen Rehgeweihchen
gefunden habe**).

Der Berghase (Lepus variabilis) in manchen nörd-
lichen und Alpinischen Gegenden, unterscheidet sich schon
in der Bildung vom gemeinen durch einen dickeren Kopf,
kürzere Ohren, und kürzern Schwanz, längere Hinter-
beine mit auffallend breiten Pfoten, paart sich auch nicht
mit jenem. Im äußersten Norden, wie in Grönland etc.
ist er Jahr aus Jahr ein, in den Schweizer- und Ty-
roler Alpen etc. aber nur im Winter weiß***).

2. †. Cuniculus, das Kaninchen. (Fr. le lapin.
Engl. the rabbet.) L. auriculis nudatis, corpore et
pedibus posticis brevioribus
.

von Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1799.

[Seite 71]

Ursprünglich in den wärmern Zonen der alten Welt,
aber nun auch in nordischen Gegenden einheimisch. Sie
verwehren sich so stark, daß sie wohl eher [z.B. neuer-
lich ums Jahr 1736 auf der St. Peters Insel bey Sar-
dinien*)] zur Landplage geworden sind†); und kom-
men auch in ganz wüsten Gegenden, wie auf Volcano,
der sonst so öden Liparischen Insel fort. Die wilden
sind grau. Die weißen mit rothen Augen sind
Kackerlacken in ihrer Art.

Die langhaarigen Angorischen (S 28. Anm. 2.) oder
so genannten Englischen Seidenhasen kommen
auch hier zu Lande gut fort.

14. Iaculus. (Dipus.) Pedes antici brevissimi,
postici elongati. Cauda saltatoria, apice floc-
cosa. Dentes
primores utrinque 2.

1. Jerbou, der Springhase, Erdhase, die
Springmaus, zweybeinige Bergmaus
.
Palmis tridactylis, plantis tetradactylis.

v. Schreber tab. 228.

Zumahl in Nord-Afrika, Arabien etc. Macht sich Höh-
len in die Erde Springt mit der Leichtigkeit einer Heu-
schrecke, und wohl 7 bis 8 Fuß weit.

15. Hystrix. Stachelschwein. (Fr. porcepic.
Engl. porcupine.) Corpus spinis tectum. Den-
tes
primores utrinque 2.

1) Dorsata, (Urson.) H. spinis brevibus sub pilis occultis.

v. Schreber tab. 169.

In Canada, auf Labrador, um die Hudsonsbau etc.
Thut zumahl im Winter den jungen Baumstämmen gro-
ßen Schaden.

2. Cristata. H. spinis longissimis, capite cristato, cau-
da abbreviata.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 81.

Ursprünglich im wärmern Asien und fast ganz Afrika;
nähert sich zumahl von Baumrinden; nistet in der Erde.
Im Zorn rasselt es mit seinen Stacheln, die ihm zu-
weilen, besonders im Herbst, ausfallen; kann sie aber
nicht gegen seine Verfolger von sich schießen!**)

B.) Ferae.
[Seite 72]

Mit spitzen oder zackigen Vorderzähnen, und meist
nur einem Eckzahn auf jeder Seite, der aber bey den
mehrsten von ansehnlicher Größe und Stärke ist. – Die
eigentlich so genannten reißenden Thiere und einige an-
dere Geschlechter mit ähnlichem Gebiß.

16. Erinaceus. Corpus spinis tectum. Den-
tes
primores utrinque 6*); laniarii supra 3, in-
fra
1. molares 4.

1. †. Europaeus, der Igel. (Fr. le hérisson. Engl.
the hedge-hog.) E auriculis rotundatis, naribus cri-
siatis
.

Fast in der ganzen alten Welt. Ein animal noctur-
num
. Nährt sich aus beyden Reichen. Mauset wie eine
Katze. Kann Spanische Fliegen in Menge fressen. Spießt
allerdings (wie die Alten sagen, von den Neuern hinge-
gen ohne allen Grund bezweifelt, mir aber nun schon
von drey ganz zuverlässigen Augenzeugen versichert wor-
den) Früchte an seine Rücken-Stacheln, um sie so in
sein Lager zu tragen**).

17. Sorex. Nasus rostratus, auriculae breves.
Dentes primores superiores 6***), bifidi; infe-
riores
2 – 4 intermediis brevioribus; laniarii
utrinque plures.

1. †. Araneus, die Spitzmaus. (Fr. la musaraigne,
Engl. the shrew,) S. cauda mediocri, abdomine
albido.

v. Schreber tab. 160.

In Europa und Nord-Asien etc. Daß sie giftig sey,
oder den Pferden in den Leib krieche etc. sind ungegrün-
dete Sagen. Selten finden sich weiße Spitzmäuse.

2. †. Fodiens, die Wasserspitzmaus. S. abdomi-
mine cinereo, digitis ciliatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 72.

An kleinen Gewässern. Statt einer Schwimmhaut ist
jede Zehe zu beyden Seiten mit steifen Härchen besetzt,
[Seite 73] die die Füße zum Rudern ungemein geschickt machen.
Die Oeffnung des Gehörganges kann das Thier durch
eine Klappe zuschließen, so lange es unter Wasser ist.

3. Exilis. S. minimus, cauda crassissima tereti.

Am Jenisei und Ob. Das kleinste der bis jetzt be-
kannten Säugethiere. Wiegt nur 1/2 Quentchen.

18. Talpa. Caput rostratum, palmae fossoriae.
Dentes primores superiores 6, inferiores 8; la-
niarii
maior 1, minores 4.

1. †. Europaea, der Maulwurf, die Schermaus.
(Fr. la taupe. Engl. the mole.) T. cauda breviore,
auriculis nullis.

Fast in der ganzen alten Welt. Ist ein vollkomme-
nes animal subterraneum, wozu ihm außer andern Ei-
genheiten seines Körperbaues, besonders die Schaufel-
pfoten zu Staaten kommen. Er hat sehr kleine Augen,
kann geschickt schwimmen und bey Überschwemmung auf
die Bäume klettern. Eine erbsengelbe Spielart findet
sich mitunter in der hiestgen Gegend.

2. Versicolor, (s. aurata). T. ecaudata, palmis tridactylis.

Vosmaer's monogr. 1787.

Bloß am Cap. Kann also nicht (nach Linné) asiati-
ca
heißen. Ihr Haar schillert, zumahl wenn es naß ist,
mit farbigem Goldglanz.

19. Didelphis. (plerisque) Hallux muticus. Fe-
minis folliculus abdominalis mammarum
.

Auch bey dieses Geschlechts so zahlreichen und einan-
der im Ganzen so verwandten Gattungen variirt doch
das Gebiß so mannigfaltig, daß dieselben nach dem Lin-
néischen System in ganz verschiedene Geschlechter ver-
theilt werden müßten.

1. Marsupialis, das Beutelthier, Opossum.
D. albida, auriculis, antibrachiis et tibiis nigris, cau-
da squamosa longitudine corporis. Dentes
primores
superiores 10, inferiores 8, laniarii elongati.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 54.

Zumahl im wärmern Nord-Amerika*). Das Weib-
chen von dieser und den mehresten übrigen Gattungen
dieses Geschlechts hat eine große Tasche am Bauche,
die durch besondere Muskeln geschlossen und geöffnet
[Seite 74] werden kann; und in deren Boden die Zitzen liegen.
Die Jungen werden ganz außer Verhältniß klein (gleich-
sam nur als unreife Abortus) zur Welt gebracht, dann
aber erst lange Zeit in dieser Tasche getragen, wo sie
sich ansaugen und von der Muttermilch nähren, bis sie
reifer und vollkommener ausgebildet, gleichsam von
neuem geboren werden können.

2. Dorsigera, der Surinamische Aeneas. D. cauda
basi pilosa, orbitarum marginie fusco. Dentes ut in
priori.

v. Schreber tab. 150.

In Süd-Amerika Das Weibchen, das bey dieser
Gattung keinen Zitzensack hat, soll seine Jungen, wenn
sie noch klein sind, auf dem Rücken tragen, und diese
sich dabey mit ihren Nollschwänzen an der Mutter ih-
rem anhalten.

3. Gigantea, das Känguruh. Cauda apice attenua-
to, pedibus anticis brevissimis, posticis longissimis
.
Palmis pentadactylis, plantis subtetradaetylis Den-
tes
primores superiores 6. inferiores 2. laniarii nulli.

v. Schreber, tab. 154.

In Neu-Holland Mausefahl. Ist, wenn es auf-
recht sitzt, wohl mannshoch, und 140 Pfund schwer. Lebt
in Heerden von 50 und mehr Stück. Ist bloß grasfres-
send. Springt in weiten wohl zwey Klafter langen
Sätzen. Das Weibchen hat einen Zitzensack. Wirst nur
Ein Junges auf einmahl, das bey der Geburt kaum
halb so groß als eine Maus ist, dann aber von der
Mutter drey Vierteljahr lang in jenem Sacke getra-
gen wird, bis es wohl 14 Pfund wiegt.

20. Viverra. Caput vulpinum. Cauda pleris-
que felina. Dentes
primores utrinque 6. inter-
mediis brevioribus. Lingua plerisque retrorsum
aculeata. Ungues exserti.

1. Zibetha, die Zibethkatze. (Hyaena odorifera. Fr.
la civette. Engl. the civet). V. cauda annulata, dor-
so cinereo nigroque undatim striato
.

v. Schreber tab. 112.

Im südlichen Asten und nördlichen Afrika. Bey bey-
den Geschlechtern sammelt sich in einer besondern Höhle,
die zwischen dem After und den Zeugungsgliedern liegt,
das Zibeth, eine schmierige, wohlriechende Substanz.

2. Genetta, die Genettkatze. (Fr. la genette. Engl.
the genet.) V. cauda annulata, corpore fulvo-nigri-
cante maculato
.

[Seite 75]

v. Schreber tab. 113.

In der Levante. Wird seines Felles wegen geschätzt.

3. Putorius, das Stinkthier, Conepatl. (Fr.
la mouffette. Engl. the skunk, pol-cat.) V. lineis
quinque dorsalibus parallelis albis.

v. Schreber tab. 122.

In Virginien, Canada etc. Hat seinen Nahmen von
dem unerträglichen Gestank, den es, so wie mehrere
verwandte Gattungen seines Geschlechts, im Zorne von
sich gibt.

4. Ichneumon, die Pharaonsmaus, der Mun-
go
(Buffon's große mangouste) V. cauda basi
incrassata sensim attenuata apice floccosa.

v. Schreber tab. 45 B.

Hat straffes, fast borstenartiges Haar, mit braunen
breit geringelten Streifen. Ist häufig in Ägypten, wo
es zumahl den Krokodilleneyern, so wie außer dem den
Schlangen, nachstellt; sich aber ausnehmend kirre und
häuslich machen läßt.

5. Aurita, das Großohr. (Fennec. Büffon's ani-
mal anonyme
) V. auriculis amplissimis.

Bruce's Reisen nach den Quellen des Nils, V.
B. tab. 22.

In der Barbarey, Nubien etc. Nistet auf den Palmen,
und lebt Vorzüglich von Datteln.

21. Mustela. Dentes primores superiores 6,
erecti, acutiores, distincti: inferiores 6, obtusio-
res, conferti; duo interiores. Lingua laevis
.

Die Gattungen dieses Geschlechts haben kurze Füße,
und einen lang gestreckten Körper, den sie im Gehen
bogenförmig krümmen. Sie sind sehr flink, beißig und
blutdürstig.

1. †. Martes, der Baummarder, Edelmarder,
Tannenmarder, Wildmarder
, Feldmar-
der
. (Fr. la marte. Engl. the pinemartin.) M. cor-
pore fulvo-nigricante, gula
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

Zumahl im Schwarzholz der ganzen nördlichen Erde.
Sein schönes Fell kommt dem Zobel am nächsten.

2. †. Foina, der Hausmalder, Steinmarder,
(Fr. la fouine Engl. the martin,) M. corpore fulvo-
nigricante, gula alba
.

v. Wildungen a. a. O.

Im mittlern und wärmern Europa und dem benach-
[Seite 76] barten Asien. Läßt sich jung eingefangen, so wie auch
die vorige Gattung, zum Wunder zahm machen.

3. †. Putorius, der Iltis, Ilk, Ratz, Stänker-
ratz
. (Fr. le putois. Engl. the fithet, polecat.) M.
flavonigricans, ore et auricularum apicibus albis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1801.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem Hausmarder.
Auch in der Barbarey. Das ganze Thier, und selbst
sein abgezogenes Fell geben einen sehr widrigen Geruch
von sich.

Das Frettel (furo, Fr. le furet. Engl. the fer-
ret
) von gelblich weißer Farbe mit rothen Pupillen, ist
ein wahrer Kackerlacke in seiner Art, folglich wohl sicher
keine ursprüngliche eigene Gattung, sondern eine Ab-
art von Iltis, mit welchem es sich auch paart. Taugt
gut zum Ratten- und Kaninchen-Fang.

4. Zibellina, der Zobel. (Fr. la zibeline. Engl. the
sable
.) M. corpore fulvo-nigricante, facie et gula cinereis.

v. Schreber tab. 136.

Zumahl in Sibirien. Die schönste mit recht schwarz-
braunen, dickhaarigem und glänzendem Fell finden sich
um Jakuzk.

5. †. Erminea, das große Wiesel, Hermelin.
(Fr. le rosolet, l'hermine. Engl. the stoat, the er-
mine.
) M. caudae apice nigro.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1802.

In der nördlichen Erde, vorzüglich in Sibirien, Grö-
ßer als das gemeine Wiesel. Ändert aber eben so wie
dieses die Farbe, so daß es im Sommer bräunlich, im
Winter aber (als Hermelin) weiß ist.

6. †. Vulgaris, das gemeine Wiesel. (Fr. la be-
lette
. Engl. the weesel.) M. corpore ex rufo fusco
subtus albo.

v. Wildungen a. a. O.

Im Norden von Europa und Asien. Die Mutter
trägt oft ihre Junge im Maule umher (daher die
alte Fabel. als ob sie dieselben durch diesen Weg zur
Welt brächte.)

22. Ursus. Dentes primores superiores 6. intus
excavati alterni, inferiores
6, laterales 2, longio-
res lobati
, laniarii primarii slotarii (minimi 1-
2 inter hos et primos molares), lingua laevis.

2. †. Arctos, der Bär. (Fr. l'ours. Engl. the bear).
V. fusco nigricans, cauda abrupta.

Abbild n. h. Gegenst. tab. 32.

[Seite 77]

In der nördlichen Erde, doch auch in Ost-Indien
und Nord-Afrika. In der Jugend lebt er meist von
Gewächsen; nach dem dritten Jahr aber mehr vom
Fleisch. Zum Gefecht bedient er sich mehr seiner Vor-
dertatzen, als des Gebisses. Ein ausgewachsener kann
wohl vier Centner und darüber, am Gewicht halten.

Zu den merkwürdigsten Spielarten unter den Bä-
ren gehören: die großen schwarzen Ameisenbären; die
kleinen hellbraunen Honigbären; und die noch kleinern
weißlichen Silberbären; sämmtlich zottig, und zumahl
unter dem Halse langbehaart.

Hingegen macht der Nordamerikanische Bär mit
schwarzem, schlichtem, atlasglänzendem Haar, und
flachern Kopf mit spitzerer Schnauze, wohl eine eigene
Gattung, die sich gewöhnlich von Früchten und in man-
chen Jahrszeiten fast ausschließlich von Ameisen nährt.

2. Maritimus, (glacialis). der Eisbär, Polarbär.
V. albus, collo et rostro elongatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 33.

An den Küsten und beym Treibeis der nördlichsten
Erde. Darf nicht mit der weißen Spielart des gemei-
nen Bären verwechselt werden. Er wird bey zwölf Fuß
lang, und auf 15 Centner schwer; schwimmt und taucht
sehr geschickt, und ist fast bloß fleischfressend*).

3. Gulo, der Vielfraß, Rosomack. (Fr. le glouton.
Engl. the glutton,) V. corpore rufofusco, medio dor-
si nigro
.

Pallas Spicileg, zoologie. XIV. tab. 2.

In der nördlichen Erde, besonders in Sibirien. Sei-
ne Freßgierde hat zu allerhand Fabeln Anlaß gegeben.

Das Wolverene oder Quickhatch (Ursus luscus) auf
Labrador und an der Hudsonsbay scheint wenig von ihm
verschieden zu seyn.

4. †. Taxus, der Dachs. (Fr. le blaireau. Engl.
the badger,) V. cauda concolore, abdomine nigro.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1797.

In Europa und Asien bis gegen Schina. Ein ani-
mal omnivorum
. Baut unter der Erde einen tiefen Kes-
sel, zu welchem verschiedene Röhren oder Gänge führen.
Verschläft den größten Theil seines Lebens, und hält
[Seite 78] besonders langen und festen Winterschlaf, wobey er sei-
ne Schnauze in den Fettbeutel am Hinterleibe steckt.

5. Mellivorus, der Honig-Dachs, Rattel. V.
dorso cinereo, fascia laterali nigra, abdomine nigro.

Sparmann in den schwed. Abhandl. 1777.
tab. 4. fig. 3.

Am Cap; lebt vom Honig und Wachs der wilden
Vienen, die in den Höhlender Stachelschweine etc. nisten.
Er gibt auf den Flug der heim eilenden Bienen acht.
oder folgt auch bloß der Anweisung des Honig Guckucks.
Hat ein zottiges Fell, mit einer ungemein starken sehr
beweglichen schiebbaren Haut, wodurch er einerseits vor
den Bienenstichen, und anderseits vor tiefen Bissen der
Hunde etc, gesichert ist.

6. Lotor, der Waschbär, Rackun, Sjupp, Coa-
ti
. (Büffon's Raton.), V. cauda annulata, fascia
palpebrarum transversali nigra.

Abbild. n. h. Gegens. tab. 62.

Ein animal nocturnum, im wärmern nordöstlichen
Amerika etc. Frißt mancherley. Bedient sich der Vor-
derpfoten sehr geschickt zum Fassen, auch zum Einwei-
chen oder Aufsischen seines Futters*) etc. Wird überhaupt
sehr kirre. Sein Haar ist nächst des Bibers seinen, das
vorzüglichste für Hutmacher.

23. Canis. Dentes primores superiores 6, latera-
les longiores dostantes, intermedii lobatil; infe-
riores
6, lobati omnes; laniarii solitarii, incur-
vati
.

1. †. Familiaris, der Hund. (Fr. le chien. Engl.
the dog,) C. cauda recurvata; subinde digito spurio
ad pedes posticos
.

Dieser treue Gefährte des Menschen, der sich beson-
ders durch die ausnehmende Schärfe seiner Sinne, ver-
bunden mit seiner großen vielartigen Gelehrigkeit (so-
gar zum Fisch- und Robbenfang), aber auch durch man-
cherley andere Brauchbarkeit empfiehlt, ist längst mit
ihm über alle fünf Welttheile verbreitet, und gibt den
größten Beweis von der Perfectibilität der Thiere, wenn
der Mensch ihre Anlagen durch lange Reihen von Ge-
nerationen ausbildet.

[Seite 79]

Ob alle die verschiedenen Hunde-Racen als bloße
Varietäten einer und derselben Gattung anzusehen sind,
und ob diese selbst vom Wolf oder Schakal abstamme,
ist schwerlich zu entscheiden. Wir scheinen manche Ra-
cen, z.B. der Dachshund, das Windspiel etc. viel Ei-
genes zu besondern Funktionen Abzweckendes in ihrer
Bildung zu haben, so daß ich diese zweckmäßigen Ei-
genheiten nicht wohl für zufällige Folge der bloßen
Ausartung halten kann.

Zu den Hauptracen gehören wohl

a) Fricator, der Wops. (Fr. le doguin. Engl. the
pugdog
,) mit untersetzten, kurzem Leibe, schwarzem
Flecken an den Backen und hängenden Ohren.

Den Übergang von dieser zur nächstfolgenden Ra-
ce macht der eigentliche Bullenbeißer, Wacht-
hund, Bluthund
, molossus (Engl. the bull
dog
), bey welchem der Unterkiefer vor dem obern
etwas hervortritt.

b) Mastivus, die Englische Dogge (Fr. le do-
gue
. Engl. the mastiff.) mit stumpfem Kopfe, hän-
genden lappichten Oberlefzen und glattem Haar.
Vellt dumpfig und kurz. – Ihm scheint der Metz-
gerhund
(Fr. le matin) nahe verwandt.

c) Terrae novae, der Neufundländer, (– Ab-
bild. n. h. Gegenst
. tab. 6. –) Zeichnet sich durch
seine ausnehmende Größe, langes seidenartiges Haar,
langflockigen, meist aufwärts gekrümmten Schwanz,
besonders aber durch die Art von Schwimmhaut
zwischen den Zehen aus, die bey ihm ungleich grö-
ßer ist, als bey andern Hunden. Daher sein un-
gemeines Geschick zum Schwimmen. Meist sind die-
se Hunde weiß und schwarz; und ausnehmend ge-
lehrig.

d) Sagax, venaticus, der Jagdhund. (Fr. le
chien-courant
.) mit langem, dickem Körper, einge-
furchtem Hinterkopfe, langen hängenden Ohren.
Das Haar bald schlicht, bald zottig. – Hierher
auch die Bracke, (Engl. the spanish, pointer.),
der Hühnerhund, Wachtelhund und die
schön getiegerten Corsicanerhunde.

e) Aquaticus, der Budel (Fr. le barbet. Engl.
the water-dog.) mit stumpfem Kopfe, und wollich-
tem Haar.

f) Pastoralis, domesticus, villaticus, der Schäfer-
hund, Haushund
. (Fr. le chien de berger.
Engl. the cur.) mit aufrechten Ohren; der Schwanz
[Seite 80] an der untern Seite lang behaart. – Hierzu auch
der Isländische Hund, und der Spitz oder
Pommer. (Fr. le chien-loup). Auch der nun,
wie es scheint, ausgestorbene große St. Bern-
hards
-Hund. Und der kleinere, den die Kamt-
schadalen etc. zum Zug in Schlitten gebrauchen. –
Auch die auf manchen Insel-Gruppen der Südsee
einheimischen Hunde, die von den Einwohnern als
Mastvieh gezogen werden, und bloß vegetabilische
Nahrung genießen, scheinen zu dieser Race zu
gehören.

g) Meliteus, das Bologneserhündchen. (Fr.
l'epagneul, le bichon. Engl. the lap dog the
shok
.) mit sehr langem, seidenartigem Haar, zu-
mahl im Gesichte.

h) Vertagus, der Dachshund (Fr. le basset.
Engl. the tumbler, the turnspit) mit langer Schnau-
tze, hängenden Ohren, lang gestrecktem Körper,
kurzen, krummen Vorderfüßen, und rothbraunen
Flecken über den Augen. – Ihm scheint der En-
glische Terrier (terrarius), mit borstigem Haar und
struppiger Schnautze nahe verwandt.

i) Dingo, der Neuholländische Hund Ähnelt,
zumahl in der Bildung des Kopfs und Schwanzes,
mehr dem Fuchs.

k) Leporarius, das Windspiel (Fr. le levrier.
Engl the grey-hound.) mit langem, zugespitztem
Kopfe, hängenden Ohren, dicker Brust, sehr schlan-
kem Leib und Beinen.

l) Graius,*) der Spartanische Hund (cànis la-
conicus
), sehr groß; hält in der Bildung das Mit-
tel zwischen Jagdhund und Windspiel.

Ihm ähnelt der große Dänische und der nun
ausgestorbene Irländische Hund.

m) Aegyptius, der Guineische Hund. (Fr. le
chien turc
. Engl. the Indian dog, the naked dog.)
ähnelt dem Windspiel, hat aber nur im Gesichte ge-
krullte Haare, der übrige Körper ist meist kahl, und
schwarz, oder rußigbraun, fast wie Negerhaut. (s, S.
28. Anm. 2.)

Diese verschiedenen Haupt-Racen paaren und ver-
mischen sich aber nicht nur unter einander, sondern auch
[Seite 81] mit Wölfen und Füchsen, mit welchen sie sogar zuwei-
len fruchtbare Bastarde erzeugen.

2. †. Lupus, der Wolf. (Fr. le loup. Engl. the
wolf
.) C. cauda incurvata.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795.

Fast in der ganzen alten Welt; ist aber in einigen
Ländern, wie z.B. in Groß-Britannien und Irland,
ausgerottet. Hat einen schleppenden doch dabey schnel-
len und nicht leicht zu ermüdenden Gang. Aus Hun-
ger fressen die Wölfe sogar Schilf und Erde; graben
auch Leichen aus, und da mag etwa ihre nächtliche Er-
scheinung auf Kirchhöfen etc. den Anlaß zu der alten Sa-
ge von Währwölfen gegeben haben.

3. Aureus, der Schakal, Thos (Büffon's Adi-
ve
.) C. corpore fulvo, pedibus longioribus, caudae api-
ce nigro
.)

v. Schreber tab. 94.

In ganz Nordafrika und Orient, besonders in Na-
tolien und Bengalen; zieht des Nachts scharenweise um-
her; frißt Thiere, Lederwaaren etc.; gräbt Leichen aus.
Manche Naturforscher haben den Schakal für den ur-
sprünglich wilden Hund, und manche Exegeten Sim-
sons Füchse für Schakale gehalten.

4. †. Vulpes, der Fuchs, Birkfuchs. (Fr. le re-
nard
. Engl. the fox.) C. cauda recta, apice discolore.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Zumahl in der nördlichern alten Welt. In Unzahl
auf den östlichen Aleuten, die davon den Nahmen
der Fuchsinseln erhallen haben. Frißt unter andern
Früchten nahmentlich sehr gern Weintrauben.

Der Brandfuchs (alopex) ist wohl sicher nur eine
Abart davon.

Ob aber auch der wegen seines kostbaren Felles be-
rühmte schwarze Fuchs mit weißer Schwanzspitze,
der in Sibirien, aber auch in Menge auf Labrador zu
Hause ist [und der, wenn seine Haare gleichsam silber-
weiße Spitzen haben, Silberfuchs genannt wird*)],
für eine bloße Abart des gemeinen Fuchses oder für
eine besondere Gattung anzusehen sey, läßt sich vor der
Hand noch nicht mit Gewißheit bestimmen.

5. Lagopus, der weiße Fuchs, Polarfuchs,
Steinfuchs, Eisfuchs
. (Isatis. Engl. the arctic
[Seite 82] fox. Russ. Pesez.) C. cauda recta, apice concolore,
palmis plantisque pilosissimis
.

v. Schreber tab. 93. A. 93. B.

In den Polarländern, zumahl auf Spitzbergen, Neu-
Zembla, Grönland etc. – Die mehresten sind weiß.
Die so genannten blauen Füchse hingegen bläulich-
grau.

6. Hyaena, die Hyäne. C. nigricans, maculis vir-
gatis, facie nigra, juba cervicis dorsique, pedibus
tetradactylis.

Der Indianische Wolf, von J. El. Ridinger.

Hat meist einerley Vaterland mit dem Schakal, dem
sie auch in der Lebensart ähnelt. Hat ihr Ablager un-
ter der Erde oder in Felsenhöhlen und Berg-Klüften.

Die gefleckte Hyäne (Canis crocuta) ist viel grö-
ßer*) als jene gestreifte; findet sich zumahl in großer
Menge in Habessinien und von da südlich bis zum Cap.

Beyde machen in ihrem Körperbau einen Übergang
zum folgenden Geschlecht.

24. Felis. Ungues retractiles, caput rotundius,
lingua aspera. Dentes
primores 6 acutiusculi,
exterioribus majoribus,
laniarii solitarii, supra
a primoribus, infra a molaribus remoti.

1. Leo, der Löwe. (Fr. le lion. Engl. the lion.)
F. cauda elongata floccosa, corpore fulvo.

v. Schreber tab. 97. A. 97. B.

In den heißen Zonen der alten Welt, vorzüglich in
Afrika; weiland aber auch im Pelopones und Aetolien.
Auch neulich haben Löwinnen in Menagerien in Deutsch-
land und sonst im mildern Europa Junge geworfen.
Dem Männchen bricht die Mähne erst im zweyten Le-
bensjahre aus. Das Fleisch des Löwen wird von den
Hottentotten gegessen und eine Horde Araber zwischen
Tunis und Algier soll sich fast bloß davon nähren.

[Seite 83]

2. Tigris, der Tieger. F. cauda elongata; capite, cor-
pore et cruribus nigro-virgatis.

the Tiger, von G. Stubbs.

Blöß in Asien und vorzüglich von Bengalen bis Schi-
na, auch auf Sumatra etc. Überaus regelmäßig gestreift.
Läßt sich allerdings zähmen, und muß auch vor dem
Elephanten erliegen.

3. Pardus, der Panther. Parder*). F. cauda
subelongata, maculis obtuse angulatis, passim con-
fluentibus et annulatis.

v. Schreber. tab. 99.

In Afrika und Ostindien, Die Flecken seines Fells
sind hin und wieder wie zusammengeflossen, theils in
Hufeisenform, oder geringelt u.s.w.

Leopard nennt man eine etwas kleinere Abart, mit
kleinern Flecken, deren meist drey bis vier auf fast gold-
gelbem Grunde beysammen stehen.

4. Panthera. der kleine Panther. (Büffon's
once.) F. cauda elongata, corpore albido, maculis ir-
regularibus nigris.

v. Schreber. tab. 100.

In der Barbarey und Ostindien. Weit kleiner als
die vorige Gattung. Auch leicht zu zähmen, und zur
Jagd (der Rehe, Gazellen etc.) abzurichten, wozu sie im
Orient verlangst, und in den mittlern Zeiten auch in
Italien und Frankreich gebraucht worden.

5. Onca, der Jaguar, Amerikanische Tieger.
F. cauda subelongata, corpore fusco lutescente, ma-
culis angulatis, ocellatis, medio flavis
.

v. Schreber tab. 102.

In Südamerika. Größer als der Panther, dem er
sonst sehr ähnelt.

6. Concolor, der Amerikanische Löwe, Puma,
Cuguar
. F. cauda mediocri, corpore immaculata
fulvo.

v. Schreber tab. 104.

In Peru, Brasilien etc.; zeichnet sich durch sein roth-
gelbes, ungeflecktes Fell (weßhalb er mit dem Nahmen
eines Löwen belegt worden) und kleinen Kopf aus.

7. †. Lynx, der Luchs. (Fr. le loup-cervier. Engl.
the mountain cat.) F. cauda abbreviata, apice atro,
[Seite 84] auriculis apice barbatis, corpore maculato, plantis
palmisque amplissimis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

In der nördlichen Erde; doch auch häufig im Nea-
politanischen; thut den Wildbahnen größern Schaden
als der Wolf.

8. †. Catus, die Katze. (Fr. le chat. Engl. the cat.)
F. cauda elongata, striis dorsalibus longitudinalibus,
lateralibus spiralibus.

Fast in der ganzen alten Welt; ist aber erst von da
durch die Spanier nach Amerika überbracht worden.
Die wilde*) ist größer, als die zahme, von grauröth-
licher Farbe, mit schwarzen Lefzen und Fußsohlen. Die
Hauskatze begattet sich äußerst selten unter den Augen
der Menschen, und verwildert sehr leicht wieder, wenn
sie zufällig in Wildniß geräth. Zu den Besonderheiten
der Katzen gehört ihre starke Elektricität; das Leuchten
ihrer Augen im Dunkeln; ihre seltsame Gierde auf ge-
wisse Pflanzen, wie z.B. auf die Nepeta cataria und
aufs Teucrium marum etc.; ihr Schnurren oder Spin-
nen, das durch ein Paar eigene zarte, gespannte Häut-
chen in ihrem Kehlkopf bewirkt wird; die ängstliche un-
überwindliche Antipathie vieler Menschen gegen diesel-
ben etc. – Zu den vorzüglichsten Spielarten gehört die
Angorische oder Persische Katze mit dem langen,
seidenartigen Haar, die gewöhnlich schwer hört; die
bläulichgraue Carthäuser- oder Cyperkatze; und
die Spanische oder schildpattfarbige Katze
(Tortoiseshellcat); unter welchen letztern man häufig
weibliche Katzen von drey ganz verschiedenen Far-
ben (z.B. schwarz, weiß und gelb), aber äußerst selten
einen dergleichen Kater findet.

C) Bruta.

Ohne Gebiß oder wenigstens ohne Vorderzähne.

25. Bradypus. Faulthier. (Ignavus Fr. pares-
seux
. Engl. sloth.) Caput rotundatum, crura an-
tica lóngiora. Dentes
primores nulli utrinque;
laniarii (?) obtusi, solitarii; morales cylindrici.
obtusi.

4. Triadactylus, der Ai. B. pedibus trydactilis, cauda
brevi
.

[Seite 85]

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 53.

In Guiana etc. Freylich ein äußerst langsames schwer-
fälliges, aber bey aller dieser Trägheit listiges und im
Nothfall muthiges und starkes Geschöpf; hat dabey ein
äußerst zähes Leben, und wenige Bedürfnisse. Frißt
Laub, säuft gar nicht etc.

26. Myrmecophaga. Ameisenbär. (Fr. four-
miller
. Engl. ant-eater.) Rostrum productius,
lingua Iumbriciformis; dentes nulii
.

1. Iubata, der große Tamandua. M. palmis te-
tradactylis, cauda longa jubata.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 82.

Zumahl in Brasilien. Am Leibe so groß als ein Flei-
scherhund, und lebt doch so wie die folgende kleine Gattung
in der Wildniß einzig von den dortigen großen Ameisen.

2. Didactyla, der kleine Tamandua. M. palmis
didactylis, ungue exteriore maximo, plantis tetradac-
tylis; cauda
prehensili.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 22.

Ebenfalls in Südamerika; von der Größe und auch
fast von der Farbe des Eichhörnchens.

27. Manis. Schuppenthier, Formosani-
sches Teufelchen
. Corpus squamis tectum; lin-
gua terzes; dentes nulli.

Die Bekleidung ausgenommen, haben die Thiere die-
ses Geschlechts in ihrer Bildung, Lebensart etc. viel Ähn-
liches mit den Ameisenbären. Von vielen altern Na-
turforschern wurden sie unter die Eidexen gezählt.

1. Tetradactyla, der Phatagin. M. cauda logiore:
ungulis bifidis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 14.

Auf Formosa und dem benachbarten Asien. Ungefähr
von der Größe des eben gedachten kleinen Ameisenbä-
ren. Sein kastanienbraun geschuppter Körper ähnelt ei-
nem Tannenzapfen.

28. Tatu. Armadill, Panzerthier, Gür-
telthier
. (dasypus Linn.) Corpus testis zonis-
que osseis
cataphractum: dentes primores et la-
niarii
nulli.

1. Novemcinctus, der Caschicame. T. zonis dor-
salibus 9; palmis tetradatylis; plantis pentadactylis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 83.

In Südamerika, bis an die Magellanische Straße.
[Seite 86] Baut unter die Erde, wird sehr kirre, rollt sich bey
Gefahr, so wie die Schuppenthiere und der Igel, ku-
gelicht zusammen.


V. SOLINDVNGVLA.

Thiere mit Hufen. Ein einziges Geschlecht von
wenigen Gattungen.

29. Equus. Pedes ungula indivisa, cauda fetosa,
Dentes
primores superiores 6. obtuse truncati;
interiores 6. prominentiores:
laniarii solitarii
utrinque remoti.

1. †. Caballus, das Pferd. (Fr. le cheval. Engl.
the horse.) E. cauda undique setosa.

Ursprünglich wilde Pferde gibt es schwerlich
mehr, aber häufig und theils in großen Heerden ver-
wilderte
; so z.B. in der Mongoley, vollends aber
in unermeßlicher Menge in Paraguay, wohin die Pfer-
de (so wie überhaupt nach Amerika) erst durch die Spa-
nier überbracht worden u.s.w. Unter den zahmen
Pferde-Racen zeichnen sich die Araber (zumahl die von
der Zucht der Anneey um Palmyra herum, und vom
Libanus bis gegen den Horeb etc.) durch ihren wunder-
schönen Bau, so wie durch äußerste Leichtigkeit und
Dauerhaftigkeit aus. Ihnen folgen die Persianer und
Barben. Unter den Europäischen sind die Spanischen
(besonders die aus Andalusien), die Neapolitanischen und
Englischen die vorzüglichsten. Die letztern haben be-
sonders den Vorzug der Schnelligkeit, wodurch sie sich
in den Wettrennen auszeichnen*). – Ganzer beritte-
nen Nationen zu geschweigen, wie z.B. die Cosacken,
Tataren, Kalmücken, die Pferde-Tungusen, die Abi-
poner etc. so ist auch für die cultivirtesten Völker der
[Seite 87] Werth dieses Thiers für Landwirthschaft, Cavallerie,
Postwesen etc. unermeßlich. Manche der gedachten be-
rittenen Völker leben auch großen Theils vom Fleisch
und Milch der Pferde. Die letzters gibt, wenn sie zu-
sammen geronnen, vollends aber wenn sie abgezogen
worden, das berauschende Kumiß der Mongolen.

2. †. Asinus, der Esel. (Fr. l'âne. Engl. the ass.)
E. cauda extremitate setosa, cruce dorsali nigra.

Der wilde Esel, von welchem das zahme Haus-
thier abstammt, ist der wahre onager der Alten; und
findet sich jetzt zumahl in der Tatarey, unter dem Nah-
men Kulan*), von da er jährlich im Herbst in gro-
ßen Heerden südlich nach Indien und Persien zuzieht
und daselbst überwintert. Er ist größer und schlanker
als der zahme Esel, und von ausnehmender Schnellig-
keit. – Ins nördlichste Europa ist der Esel bis jetzt
noch gar nicht verpflanzt. Auch artet er wenig aus.
Höchstens etwa in der Farbe, da es z.B. weiße Esel
gibt.

* * *

Pferd und Esel lassen sich zusammen begatten, und
geben zweyerley Bastarde, die von großer Dauerhaftig-
keit und Stärke, und zuweilen (aber sehr selten) frucht-
bar sind. Eins ist das gemeine Maulthier [mulus,
Fr. le mulet**)], das vom männlichen Esel gezeugt,
und von der Stute geworfen wird. Das andere ist der
Maulesel [hinnus. Fr. le bardeau***)], der vom
Hengste gezeugt, und von der Eselinn geworfen ist.
Dieser letztere ist seltener, und hat Gelegenheit zur Sa-
ge von den fabelhaften Jumarn, oder vorgeblichen
Bastarden vom Pferde- und Ochsengeschlecht, gegeben.

3. Zebra. E. zonis fuscis et albidis, maxime regularibus.

The Sebra, von G. Stubbs, 1771.

Das Zebra (wovon es zwey ganz verschiedene Gat-
tungen gibt, deren eine man fälschlich für die Weibchen
der andern gehalten hat), ist im südlichen Afrika zu
Hause. Es lebt heerdenweis, ist ungemein schnell, aber
wild und unbändig. Gezähmt hat die Stute sowohl
mit Esel als Pferdehengsten Bastarde gezeugt.

[Seite 88]

VI. BISULCA. (Pecora.)

Die wiederkauenden Thiere mit gespaltenen
Klauen, unter welchen sich die wichtigsten Haus-
thiere finden.

30. Camelus. Cornua nulla, labium lepori-
num,
pedes subbisulci*). Dentes primores in-
feriores 6 spathiformes; superiores 2;
laniarii
distantes, superiores 3, inferiores 2.

1. Dromedarius, das gemeine Kamehl. [Fr. le dro-
madaire
**)]. C. tofo dorsi unico.

v. Schreber tab. 303.

Findet sich noch hin und wieder in Asien, zumahl in
den Wüsteneyen zwischen Schina und Indien, wild, ist
aber für den ganzen Orient und für das nördliche und
mittlere Afrika das wichtigste Hausthier. (Das Schiff
für die Wüsten – nennen es die Araber.) Die gewöhn-
liche Last der Karavanen-Kamehle ist gegen sechs Cent-
ner, und damit legen sie täglich gegen vier Deutsche
Meilen zurück. Das nutzbare Thier frißt dorniges
Buschwerk, was in den Wüsten in Menge wächst, und
für kein anderes Säugethier zur Nahrung taugt. Auch
kann es, wie versichert wird, den Durst mehrere Wo-
chen lang erdulden, säuft aber dafür ungeheuer viel auf
ein Mahl, da sich dieses Wasser lange Zeit in seinem
Magen ziemlich unverändert erhalten soll. Beyde, so-
wohl diese, als die folgende Gattung, haben eine große
Schwiele vorn an der Brust, vier kleine an den Vor-
derfüßen, und zwey dergleichen an den Hinterfüßen, die
ihnen zum Aufstemmen dienen, wenn sie müde sind,
und sich niederlegen.

2. Bactrianus, das Trampelthier. (Fr. le cha-
meau
. Engl. the camel) C. tofis dorsi duobus.

v. Schreber tab. 304.

[Seite 89]

Im mittlern Asien, bis gen Schina, zumahl in gan-
zen großen Herden in Bessarabien etc, wird daselbst seines
schnellen Trabes und natürlichen Sattels wegen, mehr
als die vorige Gattung zum Zuge gebraucht.

3. Llama, das Liama, die Kamehlziege Gua-
naco
. C. dorso laevi, toso pectorali.

v. Schreber tab. 306.

So wie die folgende Gattung im südlichen Amerika,
besonders dem gebirgigen Peru. Ward als Lastthier
gebraucht, und kann bey seiner mäßigen Größe doch
bis anderthalb Centner tragen.

4. Vicunna, das Schafkamehl. (Fr. la vigogne.) C.
tofis nullis, corpore lanato.

v. Schreber tab. 307.

Kleiner als das Liama. Läßt sich nicht zähmen, son-
dern wird wegen seines zimmtbraunen Haares, das die
bekannte Vigogne-Wolle gibt, jährlich in großen Treib-
jagden haufenweis gefangen. Auch soll der Occiden-
talische Bezoarstein
am öftesten in dieser Gat-
tung gefunden werden.

31. Capra. Cornua cava rugosa scabra. Den-
tes
primores superiores nulli, inferiores 8, lania-
rii
nulli.

1. †. Ovis, das Schaf. (Fr. le brebis. Engl. the
sheep
.) C. mento imberbi, cornibus compressis lunatis.

Findet sich wohl nirgends mehr ursprünglich wild;
scheint auch nicht ein Mahl nur so wie die Ziege wie-
der verwildern zu können: wird aber fast in der
ganzen alten Welt als eins der allernutzbarsten Haus-
thiere gehalten, und ist auch bald nach der Entdeckung
von Amerika dorthin verpflanzt worden.

Unter den verschiedenen Racen der Schafe sink vor
allen die Spanischen, aus Segovien, und dann die
Englischen wegen ihrer ausnehmenden Wolle; die
Isländischen mit vier, sechs oder acht Hörnern;
und die Arabischen und Ägyptischen mit dem
großen und wohl 40 Pfund schweren Fett-Schwanze,
zu merken. Die Ostfrisischen Marsch-Schafe sind
ungehörnt; groß, wollreich, mit kahlen kurzen Schwän-
zen; die Lüneburger Heidschnucken hingegen klein,
und beyde Geschlechter gehörnt. Die zwischen den
Wendezirkeln haben mehrentheils statt der krausen
[Seite 90] Wolle schlichtes Ziegenhaar; und die in Südafrika noch
überdieß lang herab hängende Ohren.

2. Ammon, das Muffelthier, (musimon Büf-
fon's
mouflon) C. cornibus arcuatis circumflexis
subtus planiusculis, palearibus laxis pilosis.

v. Schreber tab. 268.

Auf Corsica und Sardinien, in Griechenland, in der
Barbarey; eine verwandte, weit größere Art aber (das
Argali) in Sibirien bis Kamtschatka und dann im
nordwestlichen Amerika. Letzteres, ein sehr schmackhaftes
Wildbret, hat mächtig starke und schwere*) Hörner,
und wird von einigen Naturforschern für das Stamm-
thier zu unserm Schaf gehalten.

3. †. Hircus, die Ziege. (Fr. la chevre. Engl. the
goat
.) C. mento barbato, cornibus arcuatis carinatis.

Die Hausziege scheint von dem aegagrus abzustam-
men, der im Caucasus und den daran glänzenden östli-
chen Gebirgen lebt, und in dessen Wägen, (so wie bey
manchen Gattungen von Antilopen) zuwellen der Ori-
entalische
Bezoarstein gefunden wird, daher das
Thier selbst mit dem Nahmen des Bezoarbocks belegt
worden**). – Die Hausziege (– das wichtige Haus-
thier der alten Guanchen auf den Canarischen In-
seln –) verwildert leicht wieder, und ist nun meist eben
so weit als das Schaf auf der Erde verbreitet. – Die
Angorische Ziege oder das Kämmelthier hat langes sei-
denartiges Haar und gibt das beste so genannte Kamehl-
garn, so wie aus dem äußerst feinen Wollhaar, das die
schönen kleinen geradhörnigen Bergziegen in Kashmir
und Tibet unter ihrem gröbern, langen Haar tragen,
die allerköstlichsten Shawls in jenem paradiesischen
Wunderlande gewebt werden***).

4. †. Ibex, der Steinbock. (capricornus. Fr. le
bouquetin
. Engl. the wild goat.) C. mento barba-
to, cornibus lunatis maximis, supra nodosis, in dor-
sum reclinatis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1803.

[Seite 91]

In den höchsten Schneegebirgen von Savoyen, so
wie in den Sibirischen Alpen. Das Gehörn eines be-
jahrten Steinbocks wiegt wohl 8 Pfund, und hat meist
eben so viel knorrige Ringe auf feder Seite.

32. Antilope. Cornuacava, teretia, annulata,
vel spiralia. Dentes ut in capris.

Ein weitläufiges Geschlecht, wovon sich zahlreiche
Gattungen im mittlern und südlichen Asien und Afrika,
zumahl aber am Cap finden.

1. †. Rupicapra, die Gemse. (Fr. le chamois, l'Izard.)
A. cornibus erectis uncinatis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1803.

In den alpinischen Gegenden des mildern Europa und
westlichen Asiens, Zahm gemachte Gemsen sollen sich
mit den Ziegen gepaart und Bastarde erzeugt haben.
Von den unverdaulichen Zasern ihres Futters, bilden
sich in ihren Mägen die ehedem berühmten so genann-
ten Gemsballen (aegagropilae).

2. Dorcas, die Gazelle. C. cornibus teretibus an-
nulatis, medio flexis, apicibus laevibus approximatis.

v. Schreber tab. 269.

Im ganzen Orient und Nordafrika. Das schlanke
flinke Thier macht die Lieblingsjagd der Morgenländer,
und gibt ihrer Dichtersprache das reihende Bild weibli-
cher Schönheit.

3. Pygarga, der Springbock, Prunkbock. A.
cornibus liratis, linea laterali faciei et trunci fusca,
clunibus albis
.

Vosmaer descr. de la Grazelle de parade.

Im Innern des südlichen Afrika, von wannen er jähr-
lich in Heerden von vielen Tausenden gegen das Cap zu
und nach einigen Monathen wieder zurück zieht.

4. Oreas, das Cudu. A. cornibus subulatis rectis ca-
rinato-contortis. corpore griseo.

Vosmaer descr. d'un animal appellé Canna.

In Südafrika und Ostindien. Die Form und Länge
seiner geraden Hörner ähnelt der von dem fabelhaften
Einhorn, wozu es vielleicht den Anlaß gegeben.

33. Bos. Cornua concava, lunata, laevia. Den-
tes ut in generibus praecedentibus.

1. †. Taurus, der Ochse. (Fr. le boeuf. Engl. the
[Seite 92] ox.) B. cornibus teretibus extrorsum curvatis, pale-
aribus laxis.

Der Auerochse (urus, bonasus und Bison der al-
ten Welt) wird noch jetzt in Poylen, Litauen, Sibirien
gefunden, und war ehedem auch in Deutschland ein-
heimisch. Daß er die wilde Stammrace von unserem
gezähmten Hornvieh sey, ist doch wegen bestimmter Ei-
genheiten in seinem Bau, unwahrscheinlich. – Zu den
merkwürdigsten Varietäten des domesticirten Rindviehs
gehört die halbWilde weiße Race mit braunen oder
schwarzen Ohren, auf den Ladronen, und hin und wie-
der in Großbritannien; die mit den ausnehmend gro-
ßen Hörnern in Sicilien: die gänzlich ungehörnte in
einigen Provinzen von England u.a.m.

Hingegen scheints noch zweifelhaft, daß auch die In-
dische (von den Hindus heilig verehrte) Buckelkuh, der
bos indicus, oder Zebu (– v. Schreber tab. 298. –)
eine bloße Varietät dieser Gattung seyn folle.

In den Wagen des Rindviehs finden sich zuweilen
Ballen aus Haaren, die sie sich abgeleckt und einge-
schluckt haben. Die ihnen eigene, furchtbare, pestartige
Viehseuche, hat zumahl seit 1711 zuweilen lange und
weit und breit grassirt. Hingegen sind die Kuhpocken
seit 1798 durch Dr. Jenner als wohlthätiges Sicherungs-
mittel für die Kinderblattern bewährt wurden.

2. Buffelus, der Büffel. (Engl. the Buffato.) B.
cornibus resupinatis intortis antice planis
.

v. Schreber tab. 300.

Stammt wohl ursprünglich aus Tibet, ist nun aber
nach und nach durch den größten Theil von Asien und
Nordafrika verbreitet, und wird auch hin und wieder
in Europa, wie z.B. seit dem siebenten Jahrhundert
in Italien, in Ungarn, und auch im Salzburgischen
gezogen, und zum Zuge gebraucht. Hat ein schwarzes
dünn behaartes Fell, das ausnehmend stark und vor-
züglich zu Schläuchen tauglich ist.

3. Grunniens, der Büffel mit dem Pferde-
schweif, Ziegenochse
. B. cornibus teretibus,
introrsum curvatis, vellere propendente, cauda un-
dique iubata
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 23.

Ebenfalls in Tibet zu Hause, wird aber auch in
Hindostan als Hausthier gehalten. Kleiner als unser
Hornvieh, zeichnet sich außerdem durch seine grunzende
[Seite 93] Stimme, durch sein zottiges Ziegenhaar, und durch ei-
nen büschligen sehr langhaarigen Schwanz aus, der,
wenn er schön ist, in Indien hoch geschätzt und theuer
bezahlt wird.

4. Arni. der Riesenbüffel. B. cornibus divarica-
tis, lunatis, longissimis.

In den gebirgigten Gegenden von Nord-Hindostan.
Ungeheuer groß, so daß ein junger 15 Centner gewogen.

5. Bison, der Nordamerikanische Bison. B.
cornibus divaricatis brevibus, juba longissima, dorso
gibboso.

v. Schreber tab. 296.

Das größte Landthier der neuen Welt; lebt herden-
weise in den sumpfigen Wäldern des mildern Nordame-
rika. Im Winter ist es über den ganzen Körper behaart,
im Frühjahr hingegen wird er am Rücken und Hinter-
leibe kahl, und behält bloß seine ungeheure Brust- und
Nacken-Mähne.

6. Moschatus, der Bisamstier. (Fr. le boeuf mus-
qué
. Engl. the musk ox.) B. cornibus deflexis, ba-
sibus latissimis complanatis ad frontem contiguis;
apicibus reflexis.

v. Schreber tab. 302.

Sein Vaterland ist bloß aufs äußerste Nordamerika
im Westen der Hudsonsbay vom 66 bis 73° der Breite
eingeschränkt. Ein Paar seiner Hörner soll zuweilen
über einen halben Centner wiegen.

34. Giraffa. Cornua simplicissima pelle tec-
ta, fascicula pilorum nigro terminata. Dentes
lati, extimo bilobo
; laniarii nulli.

1. Cameleopardalis, die Giraffe.

Cptn Carteret in den philos. Transact. Vol. LX.
tab. 1.

Im innern Afrika. Sie hat, wegen ihres langen
Halses, kurzen Körpers, abhängigen Rückens, und we-
gen ihres röthlichen, schön gefleckten Felles, ein sehr
auszeichnendes Anschen; sie soll im Schreiten, wie die
Paßgänger, immer den Vorder- und Hinterfuß der ei-
nen Seite zugleich heben, und daher einen sonderbaren
Gang haben, von dem die Bewegung des Springers
[Seite 94] im Schachspiel entlehnt worden; und ist, wenn sie auf-
recht steht, über sechszehn Fuß hoch.

35. Cervus. Cornua solida multifida. Dentes
ut in generibus praecedentibus (interdum ta-
men
laniarii solitarii superiores).

1. Alces, das Elennthier. (Fr. l'elan. Engl. the
elk
.) C. cornibus planis acaulibus, palmatis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In der ganzen nördlichen Erde (wenn anders daß
Nord-Amerikanische Elenn, Fr. l'original. Engl. the
moose-deer
*) keine eigene Gattung macht), ist sehr
hochbeinig; erreicht die Größe vom Pferd, wiegt wohl
über 1200 und sein Gehörn über 50 Pfund; läßt sich
zähmen und heerdenweise auf die Weide treiben. Die
alten Sagen, daß das Elennthier oft von Epilepsie be-
fallen werden, brauchen jetzt keiner Widerlegung.

2. †. Damma, der Damhirsch, Tannhirsch. (Fr.
le daim. Engl. the buck fa low-deer.) Cornibus
subramosis compressis, summitate palmata
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Im mildern Europa. Kleiner als der gemeine Hirsch;
variirt in der Farbe.

3. Tarandus, das Rennthier. (rangifer. Fr. le renne.
Engl. the rein.) C. cornibus (in utroque sexu) lon-
gis, simplicibus, teretibus, summitatibus subalmatis,
juba gulati pedula.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In der ganzen nördlichen Erde. Theils, wie in Kamt-
schatka in Heerden von tausend und mehr Stück; kann
in wärmern Gegenden nicht ausdauern, lebt von dür-
rem Laub, und vorzüglich von Rennthier-Moos das
es unter dem Schnee hervorscharrt. Dient zumahl den
Lappländern, Samojeden, Tungusen und Koräken zur
Befriedigung aller der dringendsten Bedürfnisse des
Lebens.

4. †. Elaphus, der Edel-Hirsch. (Fr. le cerf.
Engl the stag) C. cornibus ramosis totis tereti-
cus recurvatis apicibus multifidis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1794.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem Elenn, nur
[Seite 95] unter mehr südlicher Breite. Die Zahl der Enden seines
Geweihes richtet sich nicht genau nach dem Aller des
Thiers: nach dem achten Jahre ist sie unbestimmt. Die
größten natürlichschönen Geweihe sind höchst selten von
mehr als 24 wahren Enden. Der Hirsch wird unge-
fähr 30 Jahre oder etwas darüber alt.

5. †. Capreolus, das Reh. (Fr. le chevreuil. Engl.
the roe) C. cornibus ramosis, teretibus, erectis,
summitate bifida.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

In den mildern und wärmern Erdstrichen von Eu-
ropa und Asien. Das Gehörn des Rehbocks wird zu-
mahl nach Castration, auffallender als bey andern Gat-
tungen dieses Geschlechts durch sonderbare Exostosen
entstellt.

36. Moschus. Cornua nulla. Dentes primores
ut in praecedentibus generibus; laniarii supe-
riores solitarii exserti.

1. Moschifer, das Bisamthier. (Fr. le musc. Engl.
the musk.) M. folliculo umbilicali.

v. Schreber tab. 242.

In den Schwarzwäldern und bergigen Gegenden von
Tibet und dem südlichen Sibirien. Das Männchen hat
in der Nabelgegend einen Beutel fast von der Größe
eines Hühnereyes, worin sich der Bisam, dieses wich-
tige Arzneymittel, sammelt.

2. Pygmaeus, das kleine Guineische Rehchen.
M. supra fusco-rufus, subtus albus, ungulis succen-
turiatis nullis.

Seba, thes. I. tab. 45, fig. 1.

In Ostindien und auf Guinea. Das kleinste Thier
dieser Ordnung. Seine ganzen Beine sind nur Fin-
gers lang, und haben ungefähr die Dicke eines Pfei-
fenstiels.


VII. MULTUNGULA (Belluae.)

Meist sehr große, aber unförmliche, borstige oder
dünn behaarte Säugethiere, mit mehr als zwey Klauen
[Seite 96] an jedem Fuß. Also mit Inbegriff der Schweine,
denn auch diese haben im Grunde vier Klauen.

37. Sus. Rostrum truncatum, prominens, mo-
bile. Dentes
primores (plerisque) superiores 4,
convergentes, inferiores 6, prominentes;
lania-
rii
superiores 2, inferiores 2, exserti.

1. †. Scrofa, das Schwein, (Fr. das wilde, le san-
glier
, das zahme le cochon. Engl jenes the wild
boar
, dieses the hog.) S. dorso setoso, cauda pilosa.

Das wilde Schwein*) hat eine längere Schnauze
und überhaupt eine andere Form des Schädels, kürzere
aufrechte Ohren, größere Fangzähne als das Haus-
schwein, auch keinen Speck, und niemahls Finnenwür-
mer, und ist fast immer von schwarzgrauer Farbe.

Wenige Thiere sind so allgemein fast über die ganze
Erde verbreitet, als das Hausschwein. Es hat einen
ungemein scharfen Geruch, und ist beynahe ein animal
omnivorum
. Das Weibchen wirft nicht selten zwey
Mahl im Jahr und wohl eher bis 20 Junge aus ein
Mahl. – In Amerika, wohin die Schweine aus Eu-
ropa übergebracht worden, sind sie theils verwildert,
(Fr. cochons marons). Auf Cuba wurden sie mehr als
noch ein Mahl so groß, als ihre Europäischen Stamm-
ältern; auf Cubagua arteton sie in eine abentheuerliche
Race aus mit Klauen, die auf eine halbe Spanne lang
waren etc. – Die Schinesischen (Fr. cochons de Siam)
haben kürzere Beine und einen ausgeschweiften Rücken
ohne Mähne. – In Schweden und Ungarn findet sich
nicht selten eine Spielart mit ungespaltenen Klauen,
die schon den Alten bekannt war, so wie man auch wel-
che mit fünf Klanen gesehen hat.

2. Aethiopicus, das Emgalo. (Büffon's sanglier
du Cap. verd.
) S. dentibus primoribus nullis; lania-
riis superioribus lunatis extrorsum curvatis; saeculis
verrucosis sub oculis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 92.

Im Innern von Süd-Afrika. Auch auf Madagaskar.
Ein furchtbar wildes Thier, mit mächtig großen Kopf,
spannen-breiten Rüssel, großen warzigen Fleischlappen
unter den Augen etc.

[Seite 97]

3. Tajassu, das Nabelschwein, Visamschwein,
(Pecari, Pakira). S. cauda nulla, folliculo moschife-
ro ad extremum dorsi.

v. Schreber tab. 325.

Herdenweise in den wärmern Gegenden von Süd-
amerika. Wird höchstens nur 60 Pfund schwer.

4. Babirussa,*) S. dentibus laniariis superioribus ma-
ximis, parallelis retrorsum arcuatis.

v. Schreber tab. 328.

Zumahl auf den Moluckischen Inseln. Lebt am Was-
ser, kann sehr geschickt selbst nach ziemlich entlegenen
Inseln schwimmen. Es hält schwer, zu bestimmen, wo-
zu ihm die fast zirkelförmigen großen Eckzähne des
Oberkiefers dienen mögen? beym Weibchen sind sie weit
kleiner.

38. Tapir. Dentes primores utrinque 6; laniarii
4; palmae ungulis 4, plantae ungulis 3
.

1. Americanus, der Tapir, Anta.

v. Schreber. tab. 319.

Das größte Landthier in Süd-Amerika, von der
Statur eines mittelmäßigen Ochsen, Kopf und Schen-
kel sind ungefähr wie beym Schwein; die Oberlippe
zugespitzt und sehr beweglich. Gewöhnlich setzt sich's auf
die Hinterfüße wie ein Hund. Geht gern ins Wasser,
schwimmt sehr gut etc.

39. Elephas. Elephant. Proboscis longissima,
prehensilis; dentes
primores superiores exserti.

1. Asiaticus, E capite elongato, fronte concava, auri-
culis minoribus, dentium molarium corona lineis
un-
dulatis parallelis
distincta.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 19. fig. B.

Im südlichen Asien, vorzüglich auf Ceilon. Ist das
größte von allen Landthieren, wird wohl 15 Fuß hoch,
und wiegt im zwanzigsten Jahre auf 7000 Pfund Sei-
ne auf dem Rücken fast Daumens dicke Haut ist doch
selbst gegen Insectenstiche empfindlich; gewöhnlich von
grauer Farbe. Das Hauptorgan des Elephanten ist
sein Rüssel, der ihm zum Athemhohlen, zum äußerst
feinen Geruch, zum Wasserschöpfen, sein Futter damit
zu fassen und ins Maul zu stecken, und zu vielerley
andern Verrichtungen, statt der Hände dient. Er kann
[Seite 98] ihn drey Ellen lang ausstrecken, und bis zu ander-
halb Ellen wieder einziehen. Am Ende ist derselbe, wie
mit einem biegsamen Haken versehen, und hiermit kann
er ungemein feine kunstreiche Handlungen verrichten,
z.B. Knoten aufknüpfen, Schnallen auflösen, mehrere
Stücke Geld mit Einem Mahl aufheben u.s.w. Sei-
ne Nahrung besteht vorzüglich aus Laub der Bäume,
Reiß und andern Gräsern. Er schwimmt mit ungemei-
ner Leichtigkeit selbst durch schnelle Ströme. Bey der
Begattung soll er sich wie die mehrsten übrigen Säu-
gethiere bespringen. Das neugeworfene Junge saugt
mit dem Maule (nicht mit dem Rüssel, wie viele ge-
meint haben). Ungefähr im dritten, vierten Jahre kom-
men den beyden Geschlechtern die zwey großen Stoß-
zähne zum Ausbruch, die das Elfenbein geben. Sie
werden wohl 7 bis 8 Fuß lang und einer derselben kann
bis auf 200 Pfund wiegen. Wahrscheinlich wird der
Elephant auf 200 Jahre alt. Am häufigsten nutzt man
ihn zum Lasttragen, da er zum mindesten 20 Centner
zu tragen, und schwere Ballen etc. Berge hinauf zu
wälzen im Stande ist. Sein Gang ist gleichsam ein
schnelles Schieben der Beine, und dabey so sicher, daß
er auch auf ungebahnten Wegen doch niche strauchelt.

2. Africanus. E capite subrotundo, fronte convexa, au-
riculis amplissimis; dentium molarium corona
rhom-
bis
distincta.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 19. fig. C.

Diese im mittlern und südlichern Afrika einheimische
Gattung, wird jetzt höchstens nur noch im Innern die-
ses Erdtheils als Hausthier gehalten, im übrigen aber
bloß des Fleisches und vorzüglich des Elfenbeins we-
gen gefangen und geschossen.

40. Rhinoceros. Nashorn. Cornu soli-
dum, conicum, naso insidens.

1. Asiaticus. Rh. dentibus primoribus utrinque quater-
nis, inferioribus conicis, superioribus sublobatis;

laniariis nullis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 7. fig. B.

In Ostindien Das bey dieser Gattung mehrentheils
einzelne Horn ist bey ihm so wie das doppelte beym
Afrikanischen nicht am Knochen fest gewachsen, sondern
bloß auf demselben aufsitzend.

2. Africanus. Rh. dentibus primoribus et laniariis nullis.

[Seite 99]

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 7. fig. A.

In Süd-Afrika, am Cap etc. Das zweyte Horn ist
kleiner, und sitzt hinter dem erstern.

41. Hippopotamus. Dentes primores supe-
riores remoti (inferiores procumbentes);
laniarii
inferiores incurvati, oblique truncati.

1. Amphibius. das Nilpferd. (Am Cap Seekuh
genannt).

Buffon. Supplement vol. III. tab. 62. 63. vol. VI.
tab. 4. 5.

Häufig im südlichen Afrika, wo sie ehedem im Nil.
Äußerst plump, mit einem unförmlichen großen Kopfe,
ungeheuern Rachen, dicken Leibe, kurzen Beinen etc.
Ein erwachsenes wiegt wenigstens vierthalb tausend
Pfund. Nährt sich von Vegetabilien und Fischen.


VIII. PALMATA.

Säugethiere mit Schwimmfüßen, deren Ge-
schlechter wieder nach der Verschiedenheit ihres Ge-
bisses (so wie oben die Digitata) in drey Familien zer-
fallen. A) Glires. B) Ferae. C) Bruta.

A) Glires.

Mit meißelförmigen Nagezähnen.

42. Castor. Pedes postici palmati. Dentes
primores utrinque 2.

1. †. Fiber, der Biber. (Fr. le castor. Engl. the
beaver
.) C. cauda depressa, ovata, quasi squamosa.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 43.

In der nördlichern Erde, in einsamen Gegenden an
Land-Seen und größern Flüssen. Er wird wegen sei-
ner feinen Haare für die Handlung, und für die Arz-
neykunst wegen des so genannten Bibergeils wichtig,
das sich bey deyden Geschlechtern in besondern Behäl-
tern am Ende des Unterleibes findet. Am berühmtesten
sind aber diese Thiere durch die ausnehmende Kunstfer-
[Seite 100] tigkeit, mit welcher sie, da wo sie sich (wie im Innern
von Canada) noch im Menge beysammen finden, ihre
dauerhaften Wohnungen, besonders aber, da wo sie
es nöthig finden, die dazu gehörigen bewundernswür-
digen Dämme aufführen. Denn, zugegeben, daß frey-
lich in den Erzählungen mancher Reisebeschreiber vom
Bau der Biber vieles verschönert und übertrieben wor-
den, so wissen sich doch diese Thiere, nach dem einstim-
migen Zeugniß der unverdächtigsten Beobachter aus
ganz verschiedenen Welttheilen, dabey so nach zufälli-
gen Umstanden zu bequemen, daß sie sich dadurch weit
über die einförmigen Kunsttriebe anderer Thiere erheben.

B) Ferae.

Mit dem Gebiß der reißenden Thiere.

43. Phoca. Pedes postici exporrecti, digiti co-
aliti. Dentes
primores superiores 6, inferiores 4;
laniarii solitarii.

Nebst den Thieren des vorigen Geschlechts gleichsam
die Amphibien unter den Säugethieren, deren ganzer
Körperbau darnach eingerichtet ist, um in beyden Ele-
menten leben zu können*).

1. Vitulina, der Seehund, die Robbe, das
Seekalb
. (Fr. le veau marin. Engl. the seal,)
P. capite laevi, auriculis nullis, corpore griseo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 73.

In den nördlichen Meeren. Ist für die Finnischen
Insulaner, so wie für die Kamtschadalen, besonders
aber für die Gronländer und für die Labradorischen Es-
quimos, ein äußerst wichtiges Geschöpf: die beyden letz-
tern Völker zumahl, nähren sich von seinem Fleisch,
kleiden sich in sein Fell, beziehen ihre Sommerhütten und
Fischerbothe damit etc. Sein Fang macht ihr vorzüg-
lichstes Geschäft, und die darin erworbene Geschicklich-
keit ihr Glück und ihren Stolz aus.

[Seite 101]

2. Ursina. der Seebär. P. auriculata, collo laevi.

Buffon, Supplement, vol. VI. tab. 47.

Im Sommer herdenweise, auf den Inseln des Kamt-
schatkischen Inselmeers, überwintert aber vermuthlich
auf den benachbarten, etwas südlichern Inseln des stil-
len Oceans. Lebt in Polygamie, so daß jedes Mäna-
chen wohl dreyßig bis vierzig Weibchen hat, die es mit
vieler Eifersucht bewacht, und grimmig gegen seine Ne-
benbuhler zu behaupten sucht*).

3. Iubata, der Stellersche Seelöwe. P. auricula-
ta, collo jubato.

Buffon. Supplement. vol. VI. tab. 48.

Im ganzen stillen Ocean. Die größte Gattung die-
ses Geschlechts; hat den Nahmen von der beym Männ-
chen gewisser Maßen löwenartigen Mähne.

4. Cristata, der Ansonsche Seelöwe**). P. ca-
pite antice cristato
.

Anson's voyage round the world. tab. 19.

Im Atlantischen sowohl als im stillen Ocean. Nur
das Männchen hat den häutigen Kamm auf der Nase.

44. Lutra. Palmae plantaeque natatoriae. Den-
tes
primores utrinque 6; superiores distincti,
inferiores conferti.

1. †. Vulgaris, die Fischotter. (Fr. la loutre. Engl.
the otter.) L. plautis nudis, vauda corpore dimidio
breviore.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1798.

In den mildern Gegenden der nördlichen Erde. Die
schönsten in Canada.

2. Brasiliensis, die Brasilische Flußotter, der
Wasserwolf
. (le Saricovienne.) L. badia, macula
alba submentali, cauda corpore dimidio breviore.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 93.

Diese gemeiniglich mit der folgenden verwechselte
Gattung lebt in den Flüssen und Landseen des östlichen
und innern Südamerika.

[Seite 102]

3. Marina, die Seeotter. (Fr. le castor marin.
Engl. the sea-otter.) L. nigra, plantis pilosis, cau-
da corpore quadruplo breviore
.

Cook's voyage to the northern hemisphere vol. II.
tab. 43.

Besonders um Kamtschatka und an der jenseitigen
Küste vom nordwestlichen Amerika bis hinunter nach
Nutka-Sund, doch auch um Corea, und zumahl im
gelben See. Ihr schwarzes und silbergraues Fell ist für
die Schinesen das kostbarste aller Rauchwerke.

C) Bruta.

Ohne Gebiß, oder wenigstens ohne Vorderzähne.

45. Ornithorhynchus. Mandibulae rostra-
tae
(anatinae). Dentes nulli*).

1. Paradoxus, das Schnabelthier. (Engl. the
duck-bill
.)

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 41.

Dieses so ganz abenteuerliche Geschöpf zeichnet sich
von allen bisher bekannten Säugethieren durch die bey-
spiellose Bildung seiner Kinnladen aus, die im äußern
aufs vollkommenste einen breiten platten Entenschna-
bel ähneln, auch eben so mit einer weichen nervenrei-
chen zum Tasten bestimmten Haut überzogen, auch an
den Seitenrändern gezähnelt sind. Beyderley Füsse sind
mit einer Schwimmhaut versehen, die an den Vordern
noch vor den Krallen hervorragt, und sich mittelst der-
selben fächerartig zusammenfalten oder ausbreiten läßt.
Noch hat man an keinem von beyden Geschlechtern eine
Spur von Zitzen gefunden. Dieses Wunderthier lebt
in Landseen des an sonderbaren Formen seiner Geschö-
pfe so reichen fünften Welttheils, unweit Botanybay.

[Seite 103]

46. Trichechus. Pedes posteriores compedes
coadunati.

1. Rosmarus, das Wallroß. (Fr. le morse. Engl.
the walrus.) T. dentibus laniariis superioribus exsertis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 15.

Bey dem Treibeis des Nordpols: oft zu hunderten
beysammen. Nährt sich vom Seetang und Schalthie-
ren, die er mit seinen Hauzähnen loskratzt Die alten
Normannen machten ihre fast unverwüstlichen Ankertaue
von Wallroßriemen*).

2. Manatus, die Seekuh. (Fr. le lamantin.) T. den-
tibus laniariis inclusis.

v. Schreber tab. 80.

In Flüssen und an den Seeküstender wärmerm Erde,
z.B. häufig im Orinoco. Scheint zu manchen der Sa-
gen von Sirenen und Meerjungfern Anlaß gegeben zu
haben**).


IX. CETACEA.

Die ehedem so ganz widersinnig zu den Fischen
gerechneten Säugethiere***).

47. Monodon. Dens alteruter maxillae su-
perioris exsertus longissimus, rectus spiralis.

1. Narhwal, das See-Einhorn.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 44.

Meist im nördlichen Atlantischen Ocean. Das jun-
ge hat ursprünglich zwey Zähne (in jedem Oberkiefer-
[Seite 104] knochen Einen), die aber von ungleicher Größe sind,
und beym Erwachsenen sehr selten zusammen gefunden
werden, sondern gewöhnlich nur einer von beyden. Zu-
weilen so lang, als der Körper des Thieres, d.h. wohl
18 Fuß und darüber.

48. Balaena. Dentes nulli. Laminae loco su-
periorum corneae.

1. Mysticetus, der Wallfisch. (Fr. la baleine Engl.
the black whale.) B. dorso impinni.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 94.

Das größte aller bekannten Thiere*), das über 100000
Pfund an Gewicht halt, ist theils gegen den Nordpol,
aber auch in südlichen Gegenden im Atlantischen Ocean,
und im stillen Meere zu Hause. Die heutiges Tages
gefangen werden, sind selten über 60 bis 70 Fuß lang.
Der ungeheure Kopf macht wohl ein Drittel des gan-
zen Thiers aus. Die Haut ist meistens schwarz der
mit weiß gemarmelt etc., hin und wieder dünn behaart,
und oft mit Muscheln besetzt. Den Kamtschadalischen
Insulanern und den nordwestlichen Amerikanern giht
dieses ungeheure Thier victus et amictus etc. Die Eu-
ropäer hingegen fangen den Wallfisch (wovon ein gro-
ßer 5000 Rthlr werth seyn kann) des Fischthrans und
der Barden wegen, deren er auf 700 im Oberkiefer hat,
die das Fischbein geben, und von denen die mittelsten
wohl zwanzig Fuß lang werden.

2. Boops, einer der verschiedenen Finnfische (Fr.
la jubarte). B. pectore sulcato, prinna dorsali obtusa.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 74.

Die Haut an Hals und Brust und Vordertheil des
Bauchs, ist bey dieser und einigen andern Gattungen
dieses Geschlechts sehr regelmäßig nach der Länge ge-
furcht**).

49. Physeter. Dentes in maxilla inferiore.

1. Macrocephalus, der Caschelot, Pottfisch.
[Seite 105] (Engl. the white whale.) P. dorso impinni, dentibus
inflexis, apice acutiusculo
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 84.

Meist in den südlichern Weltmeeren; zumahl an den
Küsten von Brasilien und von Neu-Südwallis. Er
erreicht die Größe des Wallfisches, hat einen ungeheu-
ren Rachen und kann klafterlange Hayfische verschlin-
gen Sein Oberkiefer ist sehr breit, der untere hinge-
gen überaus schmal. Er wird vorzüglich des Wallraths
(sperma ceti) wegen aufgesucht, das in Gestalt eines
milchweißen Öhls theils im Körper des Thiers bey dem
Thran, theils aber, und zwar in größter Menge in be-
sondern Behältern am Kopfe desselben, zumahl vorn auf
den Oberkiefern gefunden wird, und an der Luft zu
einem halb durchsichtigen Talg verhärtet. Die köstliche
wohlriechende graue Ambra ist eine Stercorolnerhär-
tung, die sich zumahl im dicken Darm mancher davon
erkrankender Caschelotte findet.

50. Delphinus. Dentes in maxilla utraque.

1. Phocaena, das Meerschwein, der Braunfisch.
(tursio Plinn Fr. le marsouin. Engl. the porpoise.)
D. corpore subconiformi, dorso lato pinnato, rostro
subobtuso.

v. Schreber tab. 342.

So wie die folgende Gattung in den Europäischen
Meeren: wird so wie diese 1/2 Klafter lang, und ist zu-
mahl für die Lachse ein schädliches Raubthier.

2. Delphis, der Delphin, Tümmler. (Fr. le dau-
phin
. Engl. the porpesse.) D. corpore oblongo sub-
tereti, dorso pinnato, rostro attenuato, acuto.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 95.

Der eigentliche Delphin der Alten.

3. Orca, der Nordcaper, Speckhauer. (Fr.
l'epaulard, Engl. the grampus) D. pinna dorsi al-
tissima; dentibus subconicis, parum incurvis.

v. Schreber tab. 340.

Mehr im nördlichen Weltmeere, doch auch im mittel-
ländischen; wird 20 Fuß lang.


Fünfter Abschnitt.
Von den Vögeln.

[Seite 106]

§. 55.

Die Säugethiere zeigen in ihrer Bildung, mithin
auch in ihrer Lebensart etc. so sehr viel Verschieden-
heit, daß sich nur wenig Allgemeines von ihnen über-
haupt sagen läßt, und man sich folglich bey ihrer spe-
ciellen Geschichte desto umständlicher zu seyn gedrun-
gen sieht. Bey den Vögeln ist der Fall anders. Bey-
des, so wohl ihre Gestalt, als auch ihre Lebensart
hat im Ganzen genommen mehr Übereinstimmendes,
daher man sich bey der besondern Geschichte ihrer ein-
zelnen Geschlechter und Gattungen schon kürzer fassen
kann.

§. 56.

Alle Vögel kommen in Rücksicht ihrer Bildung
darin mir einander überein, daß sie zwey Füsse,
zwey Flügel
, einen ganz oder doch zum Theil
hornigen Schnabel, und einen mit Federn
bedeckten Körper
haben. Sie zeichnen sich zu-
gleich durch diese vier Charaktere von allen andern Thie-
ren aufs kenntlichste aus, und machen eine gleichsam
isolirte Classe von Geschöpfen aus, die mit keiner an-
dem zusammen stießt, und sich daher in die vermeinte
[Seite 107] Kette oder Leiter der natürlichen Körper (S. 9.) nicht
ohne Zwang einpassen läßt.

§. 57.

Unter jenen Charakteren sind die Federn den
Vögeln ausschließlich eigen, die in regelmäßigen Rei-
hen (in quincunce) in die Haut verwachsen, und mit
vielem Fette durchzogen sind; aber in gewisser Jahrs-
zeit, gewöhnlich im Herbste, ausfallen und neue an
ihrer Statt regenerirt werden. Viele, zumahl die
meisten Wasservögel, auch die Schneehühner etc. mau-
sern sich gar zwey Mahl im Jahr, im Frühling und
Herbst. Bey manchen Gattungen hat der junge Vo-
gel, zumahl vor der ersten Mause (als avis hornoti-
na
) andere Farben oder Zeichnungen des Gefieders,
als im reifern Alter. Bey manchen herrscht auch hier-
in große Sexualverschiedenheit. Von den Haaren un-
terscheiden sie sich besonders auch dadurch, daß sie, so
viel bekannt, wenn sie beschnitten oder sonst verstüm-
melt worden, alsdann nicht so wie diese, wieder er-
gänzt werden.

§. 58.

Die stärksten Federn sind in den Fittigen und im
Schwänze. Jene heißen Schwungfedern (remi-
gés
), diese Steuerfedern (rectrices). Die Schwung-
federn bilden bey ausgespannten Flügeln gleichsam
breite Fächer, womit sich die Vögel in die Luft heben
und fliegen können. Einige wenige Vögel (aves im-
pennes
), wie die Pinguine etc. haben gar keine
Schwungfedern, und sind daher zum Fluge ungeschickt.
So fehlen auch einigen Vögeln, wie dem Casuar,
den Taucherchen etc. die Steuerfedern.

§. 59.

[Seite 108]

Im innern Körperbau*) zeichnen sich die
Vögel besonders durch die merkwürdigen Luftbehälter
aus, die in ihrem Körper vertheilt, und vorzüglich
zum Fluge von äußerster Wichtigkeit sind. Die meh-
resten stehen mit den Lungen, andere aber bloß mit
dem Rachen in Verbindung, und der Vogel kann sie
nach Willkühr mit Luft laden oder ausleeren. Zu die-
sen Luftbehältern gehören vorzüglich große aber zarte
häutige Zellen, die theils im Unterleibe, theils
unter den Achseln und sonst noch unter der Haut ver-
breitet sind, und durchs Einathmen mittelst der Lun-
gen voll Luft gepumpt werden können. Außerdem
dienen den Vögeln auch gewisse markleere hohle
Knochen
, wie die Schulterknochen im Flügel etc.
und manchen selbst die Hirnschale, zu ähnlichen Zwe-
cken; und endlich sind auch die Ungeheuern Schnä-
bel
der Pfefferfraße, Nashornvögel etc. ebenfalls da-
hin gehörig.

§. 60.

Durch diese merkwürdigen Einrichtungen werden
die Vögel zum Flug geschickt, bey welchem die Ge-
schwindigkeit so wohl als die lang anhaltende Dauer
gleich merkwürdig sind. Nur wenige Vögel, wie der
Strauß, der Casuar, die Pinguine und andere aves
impennes
(§. 58.) können gar nicht fliegen.

§. 61.

[Seite 109]

Der Anfenthalt der Vögel ist beynahe eben
so verschieden als der Säugethiere ihrer. Die mehre-
sten leben auf Bäumen, andere auf dem Wasser, sehr
wenige bloß auf der Erde: aber kein einziger Vögel
(so wie der Maulwurf in der vorigen, und andere Ge-
schöpfe in den beyden letztern Thier-Classen) bloß un-
ter der Erde. Die Bildung der Füße ist auch bey
den Vögeln, so wie bey den Säugethieren, ihrem
verschiedenen Aufenthalte angemessen*).

§. 62.

Sehr viele Vögel verändern ihren Wohn-
platz
zu gewissen Jahrszeiten; die meisten zwar bloß
in so fern, daß sie nur wenige Meilen weit in die be-
nachbarten Gegenden streichen, und bald darauf in
ihre alte Heimath zurückkehren; andere aber, wie die
Hausschwalben, die Kraniche, Störche etc. so, daß sie
im Herbst große Wallfahrten, weit übers Meer und
über einen beträchtlichen Theil der Erdkugel weg, an-
stellen, und den Winter bis zur Rückkehr im folgen-
den Frühjahre in wärmern Zonen zubringen.

§. 63.

Kein Vogel hat Zähne, sondern diese Thiere
müssen ihre Speise entweder mit dem Schnabel zer-
beißen, oder ganz schlucken. Bey denjenigen samen-
fressenden Vögeln, die ihre Körner ganz, unzerbissen
einschlucken, gelangen diese nicht sogleich in den Ma-
[Seite 110] gen, sondern werden vorher im drüsenreichen Kröpfe
(ingluvies, prolobus) eingeweicht, und von da nur
allmählich an den Magen überlassen: der bey diesen
Thieren äußerst musculös, und so stark ist, daß er
sogar, nach Reaumur's u.a. merkwürdigen Versu-
chen, verschluckte Haselnüsse und Olivenkerne zu zer-
drücken und Münzen so glatt wie Papier abzuscheuern
vermag. Sehr viele Vögel verschlucken aber auch über-
dieß noch kleine Kieselsteinchen, die ebenfalls die Zer-
malmung und nachherige Verdauung der Speisen be-
fördern*). Verschiedene fleischfressende Vögel, wie
die Falken, Eulen, Eisvögel etc. können die Knochen,
Haare und Graten der kleinen Thiere, die sie verzehrt
haben, nicht verdauen, sondern brechen sie, in eine
runde Kugel (das Gewölle) geballt, nach der Mahl-
zeit wieder von sich**).

§. 64.

Zu den besondern Eigenheiten der Sinnwerk-
zeuge
der Vögel in Vergleichung zu den Säugethie-
ren, gehört unter andern der Mangel der knorpligen,
zur Auffassung des Schalls dienenden, äußern Ohren;
[Seite 111] der aber, zumahl bey den nächtlichen Raubvögeln,
durch die äußerst regelmäßige zirkelförmige Stellung
und bestimmte Richtung der Federchen in der Gegend
des Ohres und bey manchen derselben auch noch über-
dieß durch eine bewegliche Klappe am äußern Gehör-
gange vergütet wird.

Anm. Nur sehr wenige Vögel, die Enten nähmlich u.
a. verwandte Gattungen, scheinen den wirklichen
Sinn des Tastens d.h. des Gefühls im en-
gern Verstände) zu besitzen; und das Organ dazu
ist wohl die weiche Bedeckung ihres Schnabels, die
mit ausnehmend starken Hautnerven versehen; und
beym lebendigen Thier äußerst empfindlich ist. Auch
sieht man, wie die Enten in den Pfützen, wo sie
bey Aussuchung des Fraßes weder dem Gesichte, noch
dem Geruche nachgehen können, mit dem Schnabel
wirklich sondiren.

§. 65.

Die Stimme ist zumahl bey den kleinen so ge-
nannten Sangvögeln mannigfaltig und anmuthig, doch
darf man nicht sowohl sagen, daß sie singen (– denn
natürlicher Gesang ist ein ausschließliches Vorrecht des
Menschen –) als, daß sie pfeifen. Außer den ob-
gedachten Luftbehältern (§. 59.) kommt ihnen dazu
vorzüglich die Einrichtung ihres Kehlkopfs (larynx) zu
Statten, der bey den Vögeln nicht bloß, so wie den
Säugethieren und Amphibien, am obern Ende, nähm-
lich an der Zungenwurzel befindlich, sondern gleich-
sam in zwey abgesonderte Hälften an die beyden En-
den der Luftröhre vertheilt ist. Die Papageyen, Ra-
ben, Stahre, Dompfaffen etc. hat man die Menschen-
stimme nachahmen und Worte aussprechen gelehrt; so
wie auch die Sangvögel im Käficht leicht fremden Ge-
sang annehmen, Lieder pfeifen lernen, und sich sogar
[Seite 112] zum Accompaganement abrichten lassen, so, daß man
mit mehreren Dompfaffen zugleich schon wirklich klei-
ne Concerte hat geben können. Überhaupt aber scheint
auch der Waldgesang der Sangvogel doch erst durch
Übung und Nachahmung recht ausgebildet zu werden.

§. 66.

Die mehreren Vögel begatten sich im Früh-
jahr; manche aber, wie der Kreuzschnabel in der käl-
testen Jahrszeit nach Weihnachten. Das Hausgeflü-
gel ist gar an keine bestimmte Zeit gebunden, sondern
läßt sich Jahr aus Jahr ein zu diesem Geschäft willig
finden. Manche halten sich nur zur Begattungszeit,
andere aber, wie die Tauben und Hausschwalben, für
immer paarweise zusammen: noch andere aber leben,
wie der Haushahn, und unter den wilden Vögeln der
Strauß, in Polygynie.

§. 67.

Das befruchtete Weibchen wird vom Instinct ge-
trieben, für die Zukunft zu sorgen, und zu nisten,
wovon eigentlich vielleicht außer dem Guckguck wohl nur
sehr wenige andre, z.B. die Nachtschwalbe ausgenom-
men sind. Bey den polygynischen Vögeln, wie bey
den Hühnerarten, nimmt das Männchen gar keinen
Antheil an diesem Geschäfte; bey denen aber, die sich
paarweise zusammen halten, zumahl unter den Gang-
vögeln, trägt es doch Baumaterialien herbey, und
verpflegt sein Weibchen während ihrer Arbeit.

§. 68.

Die Auswahl des Ortes, an dem jede Gat-
tung ihr Nest anlegt, ist ihren Bedürfnissen und ihrer
ganzen Lebensart aufs genaueste angemessen. Und
[Seite 113] eben so sorgfältig wählt auch jede Gattung die Bau-
materialien
zu ihrem Neste.

§. 69.

Die Form der Nester ist bald mehr bald min-
der künstlich. Manche Vögel, wie die Schnepfen-
Trappen, Kibitze etc. machen sich bloß ein dürres La-
ger von Reisholz, Strohhalmen etc. auf der platten
Erde: andere tragen sich nur ein weiches kunstloses
Bett in Löcher der Mauern, Felsenritzen und hohle
Bäume; so die Spechte, Heher, Dohlen, Sperlin-
ge etc. Sehr viele, zumahl unter den Hühnern, Tau-
ben und Sangvögeln, geben ihrem Neste die Gestalt
einer Halbkugel oder einer Schüssel: andere, wie der
Zaunkönig, ungefähr die Form eines Backofens: noch
andere, wie manche Meisen, Kernbeißer etc. die von
einem Beutel u.s.w.*).

§. 70.

Wenn endlich das Geschäft des Nesterbaues voll-
endet ist, so legt die Mutter ihre Eyer hinein; de-
ren Anzahl bey den verschiedenen Gattungen der Vö-
gel sehr verschieden ist. Viele Wasservögel z.B. le-
gen jedes Mahl nur ein einziges Ey; die Taucher-
chen und mehresten Tauben ihrer zwey; die Möven
drey; die Raben vier; die Finken fünf; die Schwal-
ben sechs bis acht; die Repphühner und Wachteln vier-
zehn; das Haushuhn aber, besonders wenn man ihm
die Eyer nach und nach wegnimmt**), bis funfzig und
[Seite 114] darüber. Zuweilen geben auch manche Vögel, ohne
vorher gegangene Befruchtung, Eyer von sich, die
aber zum Brüten untauglich sind und Windeyer
heißen.

§. 71.

Die Ausbildung des jungen Thieres, die bey den
Säugethieren noch im Mutterleibe vollzogen wird,
muß hingegen bey den Vögeln im schon gelegten Ey,
mittelst des Brütens bewirkt werden. Nur der
Guckguck brütet seine Eyer nie selbst aus, sondern über-
läßt es den Grasmücken oder Bachstelzen etc., in deren
Nest er sein Ey gelegt hat. Hingegen weiß man, daß
selbst Kapaunen und Hunde und sogar Menschen Vo-
geleyer ausgebrütet haben*). Auch bloß durch künst-
liche Wärme, und erhitzten Mist**), und durch Lam-
penfeuer in so genannten Brüt-Maschinen***) und in
Brütöfen, kann man leicht Hühnchen auskriechen las-
sen. – Die Vögel werden durch das anhaltende Brüten
abgemattet, und nur bey solchen, die sich paarweise
[Seite 115] zusammen halten, wie bey den Tauben, Schwalben etc.
nimmt auch das Männchen an diesem Geschäfte An-
theil. Die Hähne unter den Canarienvögeln, Hänflin-
gen, Stieglitzen etc. überlassen zwar das Brüten bloß
ihren Weibchen, versorgen sie doch aber während der
Zeit mit Futter und ätzen sie theils aus dem Kropfe.

§. 72.

Während des Brütens geht nun im Eye selbst
die große Veränderung vor, daß das Küchelchen
darin allmählich gebildet, und von Tag zu Tag mehr
zur Reift gebracht wird*). Zu dieser Absicht ist nicht
nur der Dotter überhaupt specifisch leichter als das
Eyweiß, sondern auch wieder diejenige Stelle auf
seiner Oberfläche (der so genannte Hahnentritt,
cicatricula), neben welcher das künftige Hühnchen zu
liegen kommt, selbst noch leichter als die entgegen ge-
setzte Seite, so daß folglich bey jeder Lage des Eyes
doch immer jene Stelle dem Leibe des bebrütenden Vo-
gels zugekehrt ist. Die erste Spur des neuen Küchel-
chens zeiget sich immer erst eine geraume Zeit, nachdem
das Brüten seinen Anfang genommen. Beym Hüh-
nerey z.B. kaum vor Ende des ersten Tages: so wie
am Ende des zweyten das berühmte Schauspiel der
ersten Bewegung des dann noch sehr unvollkommenen
Herzchens (das punctum saliens) seinen Anfang
nimmt. Zu Ende des fünften Tages ficht man schon
das ganze kleine gallertartige Geschöpf sich bewegen.
Am vierzehnten brechen die Federn aus; zu Anfang
[Seite 116] des fünfzehnten schnappt das Hühnchen schon nach Luft:
und ist am neunzehnten Tage im Stande einen Laut
von sich zu geben.

Anm. Beym Vogel im Ey ist die erste Gestalt, worin
er sich zeigt, noch weit mehr von seiner nachmahli-
gen Form, wenn er zum Auskriechen reif wird, ver-
schieden, als die früheste Gestalt des neuempfange-
nen Säugethiers von seiner nachherigen Bildung;
so daß man sagen kann, das Küchelchen im Eye ge-
lange erst durch eine Art von Metamorphose zu sei-
ner vollkommenen Gestalt, und das sowohl in Rück-
sicht einzelner Eingeweide (z.B. des Herzens) als
in der Totalbildung. (– vergl. die Abbild. n. h.
Gegenst.
tab. 64. –)

§. 73.

Unter den mancherley zur bewunderungswürdi-
gen Ökonomie des bebrüteten Küchelchens dienenden
Organen, sind die beyden allerwichtigsten zwey sehr
gefäßreiche Membranen, die zumahl um die Mitte
der Brütezeit in ganz ausnehmender Schönheit sich
zeigen. – Nähmlich die Nabelhaut (chorion)
die dann unter der Eyerschale ausgebreitet ist; und
die Dotterhaut (membrana valvulosa vitelli), die
mit dem Darmcanal des zarten Geschöpfes zusammen-
hängt. – Jene dient ihm statt der Lungen zum sogenann-
ten phlogistischen Prozeß, – (S. 37 u. f. –) und diese
zur Ernährung mittelst des Dotters, der allgemach
durch das sich ihm beymischende Eyweiß verdünnt wird.
(– Abbild. n. h. Gegenst. tab. 34. –)

§. 74.

Jede Gattung Vögel hat zwar ihre bestimmte
Brütezeit von verschiedener Länge, die aber doch nach
Verschiedenheit des Klima und der wärmern oder käl-
tern Witterung verzögert oder beschleunigt wird. Beym
Huhn ist das Küchelchen gewöhnlich zu Ende des ein
[Seite 117] und zwanzigsten Tages zum Auskriechen aus dem
Eye reif.

§. 75.

Die jungen Vögel werden einige Zeit von der
Mutter, und bey denen, die in Monogamie leben,
auch vom Vater, mit vieler Zärtlichkeit gefüttert, und
zumahl bey den mehresten körnerfressenden aus dem
Kropfe geätzt, bis sie befiedert, und überhaupt für
ihren eigenen Unterhalt zu sorgen im Stande sind.

§. 76.

Die Vögel erreichen, nach Verhältniß ihrer kör-
perlichen Größe, und in Vergleich mit den Säugethieren,
ein sehr hohes Alter, und man weiß, daß selbst in
der Gefangenschaft Adler und Papageyen über hun-
dert, Buchfinken, Stieglitze über 24 Jahre etc. leben
können.

§. 77.

Die Vögel sind für die Haushaltung der Natur
im Großen ungemein wichtige Geschöpfe, obgleich
ihre unmittelbare Brauchbarkeit fürs Menschen-
geschlecht ohne Vergleich einfacher ist, als der Säu-
gethiere ihre. Sie vertilgen unzählige Insecten,
und das unbedingte Wegfangen mancher vermeintlich
schädlichen Vögel, der Sperlinge, Krähen etc. in man-
chen Gegenden, hat meist eine ungleich schädlichere
Vermehrung des Ungeziefers nach sich gezogen. An-
dere verzehren größere Thiere, Feldmäuse,
Schlangen, Frösche, Eidexen etc. oder Aeser. Viele
helfen Unkrautausrotten. Von der andern Sei-
te wird auch die Vermehrung und Fortpflan-
zung
der Thiere so wohl, als der Gewächse,
durch Vögel befördert. So weiß man z.B., daß die
[Seite 118] wilden Enten bey ihren Zügen befruchteten Fischrogen
in entfernte Teiche übertragen, und sie dadurch zu-
weilen fischreich machen. Sehr viele Vogel verschlu-
cken Samenkörner, die sie nachher wieder ganz von
sich geben, und dadurch die Verbreitung derselben be-
fördern: so z.B. die Tauben auf Panda die Muscat-
nüsse etc. Der Mist der Seevögel düngt kahle Fel-
senklippen und Küsten, daß nachher nützliche Gewäch-
se da fortkommen können. Manche Falkengattungen
lassen sich zur Jagd, so wie die Scharben zum Fisch-
fang, abrichten etc. So sehr viele Vögel, ihre Eyer,
ihr Fett etc. dienen zur Speise. Die ganzen Felle
der Seevögel zur Kleidung mancher der nördlichsten
Völker. Die Federn zum Füllen der Betten, zum
Schreiben, und zu mancherley theils kostbarem Putz,
so wie sie auch bey vielen wilden Völkern, zumahl auf
den Inseln des stillen Oceans, einen beträchtlichen
Handelsartikel ausmachen.

§. 78.

Der Schade, den die Vögel stiften, läßt sich
fast gänzlich auf die Vertilgung nutzbarer Thie-
re und Gewächse
zurück bringen. Der Condor,
der Lammergeyer u.a. Raubvögel tödten Kälber, Zie-
gen, Schafe etc. Der Fischadler und so viele Wasser-
vögel sind den Fischen und ihrem Leich, so wie die Ha-
bichte, Sperber, Älstern etc. dem Hausgeflügel ge-
fährlich. Die Sperlinge und andere kleine Sangvögel
schaden der Saat, den Weintrauben und Obstbäu-
men u.s.w. Und endlich werden freylich nicht bloß
brauchbare Gewächse, sondern auch eben so wohl wu-
cherndes Unkraut durch die Vögel verpflanzt. Gif-
[Seite 119] tige Thiere finden sich aber in dieser Classe von
Thieren eben so wenig, als in der vorigen.

§. 79.

Da die Bildung der Vögel, im Ganzen genom-
men, ziemlich einförmig ist, und gewisse Theile ihres
Körpers, wie der Schnabel und die Füße, die sich
auf ihre ganze Lebensart, Nahrung etc. beziehen, schon
an sich so viel von ihrem Total-Habitus bestimmen;
so haben die mehresten Ornithologen auch ihre Classi-
fication auf die Verschiedenheit des einen oder des an-
dern von den genannten Theilen gegründet; Klein
z.B. auf die Bildung der Zehen, Möhring auf
die Bedeckung der Beine, Brisson auf beydes in
Verbindung mit der Beschaffenheit des Schnabels u.
s. w. Linné nimmt in dem Plan seines Systems
der Vögel auch auf die Bildung mehrerer Theile zu-
gleich, und so ziemlich auf den ganzen Habitus, Rück-
sicht; nur scheint er sich in der Ausführung zu-
weilen vergessen zu haben: wenigstens begreift man
nicht, wie Papageyen, Colibrite und Krähen bey
ihm in eine Ordnung verbunden, hingegen Tauben
und Hühner in zwey Ordnungen von einander gerissen,
und mehr Verbindungen oder Trennungen dieser Art
zugelassen werden dürften.

§. 80.

Ich habe mir also hier einige Abänderung von
dem Linnéischen System erlaubt, und die ganze Classe
in folgende neun Ordnungen abzutheilen versucht.

A) Landvögel.

I. Accipitres. Die Raubvögel: mit krummen, star-
ken Schnäbeln, meist mit kurzen, starken, knor-
[Seite 120] rigen Füßen, und großen, gebogenen, scharfen
Klauen.

II. Levirostres. Mit kurzen Füßen, und meist sehr
großen, dicken, aber mehrentheils hohlen, und da-
her sehr leichten Schnäbeln.

Papageyen, Tucane etc.

III. Pici. Mit kurzen Füßen, mittelmäßig langen
und schmahlen Schnäbeln, und theils wurmförmiger,
theils fadenförmiger Zunge. Wendehals, Spechte,
Baumkletten, Colibrite etc.

IV. Coraces. Mit kurzen Füßen, mittelmäßig lan-
gem, und ziemlich starkem, oben erhabenem Schna-
bel. Raben, Krähen etc.

V. Passeres. Die so genannten Sangvögel nebst den
Schwalben etc. Sie haben kurze Füße, und einen
mehr oder weniger kegelförmigen, zugespitzten Schna-
bel, von verschiedener Länge und Dicke.

VI. Gallinae. Vögel mit kurzen Füßen, oben etwas
erhabenem Schnabel, der an der Wurzel mit einer
fleischigen Haut bewachsen ist. Auch die Tauben
habe ich unter diese Ordnung gebracht, da sie bey
weiten mehr mit den Hühnern als mit den Sang-
vögeln, denen sie Linné zugesellete, verwandt sind.

VII. Struthiones. Die großen, zum Flug ungeschick-
ten Landvögel. Der Strauß, Casuar und Dudu.

B) Wasservögel.

VIII. Grallae. Sumpfvögel, mit langen Füßen,
langem, fast walzenförmigem Schnabel, und mei-
stens langem Halse.

[Seite 121]

IX. Anseres. Schwimmvögel mit Ruderfüßen, einem
stumpfen, mit Haut überzogenen, am Rande meist
gezähnelten Schnabel, der sich an der Spitze des
Oberkiefers mit einem Häkchen endigt.

* * *

Zur N. G. der Vögel.

  1. Conr. Gesneri historiae animalium L. III. qui est de avium
    natura
    , Figur. 1555. fol.
  2. Ulyss. Aldrovandi ornithologiae. Bonon. 1599. sq. Vol.
    III. fol.
  3. F. Willughby ornithologiae L. III. ex ed. Raji. Lond.
    1676. fol.
  4. J. Edwards's natural history of birds. Lond. 1743. sq.
    Vol. IV. 4.
  5. Ej. gleanings of natural history. ib. 1758 sq. Vol. III. 4.
  6. Brissom ornithologie. Paris. Vol. VI. 4.
  7. Buffon.
  8. Daubenton planches des oiseaux. Paris 1775 sq. fol.
    (1008 Bl.)
  9. Th. Pennant's genera of birds. Lond. 1781. 4.
  10. Ej. arctic zoology. II. Band. ib. 1784. 4.
  11. (Jo. Latham's general synopsis of birds. ib. 1781. Vol. VI.
    4. und das Supplement dazu ib. 1787.)
  12. F. M. Daudin Traité elementaire et complement d'ornitholo-
    gie
    . Par. 1800. Vol. II. 4.
* * *
  1. Joh. Leonh. Frisch Vorstellung der Vögel in Deutsch-
    land. Berlin, 1733 bis 1763. Fol. 242 Taf.
  2. J. M. Bechsteins gemeinnützige N. G. Deutschlands
    II. IV. B. Leipzig, 1791. 8.
  3. Dess. ornithologisches Taschenbuch von und für Deutsch-
    land. Leipz. 1802. u. f. III. Th. kl. 8.
  4. J. P. A. Leislers Nachträge zu Bechsteins N. G.
    Deutschlands. 1. H. Hanau 1812. 8.
  5. J. Wolf u. J. Fr. Frauenholz Abbildungen u. Ve-
    schreibung der in Franken brütenden Vögel. Nürnb.
    seit 1799. Fol. u. 4.
  6. Deutsche Ornithologie, herausgeg, von Borkhausen,
    Lichthammer
    und Becker dem Jüng. Darmst. seit
    1800. Fol.
  7. Taschenbuch der deutschen Vögel-Kunde, oder kurze Be-
    schreibung aller Vögel Deutschlands, von Meyer. u.
    Wolf Frankf. a. M. 1810. II. B. 8.
  8. Corn. Nozemann Nederlandsche Vogelen, door Chr. Sepp.
    en Zoon. Amst
    . 1770 sq. fol.
  9. Marc. Catesby's natural history of Carolina. Lond. 1731.
    Vol. II. fol.
  10. Andr. Sparrmann Museum Carlsoniarum. Holm. 1786. Fasc.
    II. fol.

Erst also die Landvögel in VII. Ordnunger.

[Seite 123]

I. ACCIPITRES.

Fast alle mit kurzen, starken Füßen, großen,
scharfen Krallen und starkem, gekrümmtem Schnabel,
der meist oben auf der Seite in zwey stumpfe, schnei-
dende Spitzen ausläuft, und an der Wurzel mehren-
theils mit einer fleischigen Haut (cera) bedeckt ist. Sie
nähren sich theils von Aas, theils vom Raube leben-
diger Thiere, leben in Monogamie, nisten an erha-
benen Orten, und haben ein wilderndes, widerliches
Fleisch.

1. Vultur. Geyer. Rostrum rectum, apice
aduncum; plerisque caput et collum impenne.
Lingua bifida.

1. Gryphus, der Condor, Cuntur. V. ca-
runcula verticali longitudine capitis
.

de Humboldt Recueil d'observations de
Zoologie
tab. 8. 9.

Hauptsächlich im westlichen Südamerika. Hält
mit ausgespannten Flügeln auf 12 Fuß in die Brei-
te, und seine Schwungfedern sind am Kiel wohl
singersdick. Er ist schwarzbraun von Farbe mit ei-
nem weißen Halskragen. Nistet zumahl an felsigen
Ufern, stiegt ausnehmend hoch, lebt meist vom
Raube unter den Viehheerden, und von den todten
Fischen, die die See auswirft.

2. Papa, der Geyerkönig, Kuttengeyer,
Sonnengeyer
. V. naribus carunculatis, ver-
tice colloque denudato.

[Seite 124]

Buffon oiseaux Vol. I. tab. 6.

In Westindien und Südamerika. Nur von der
Größe eines Welschen Huhns; zumahl am Kopf von
schönen gelben, rothen und schwarzen Farben, mit
langen, fleischigen Lappen über dem Schnabel. Kann
den nackten Hals ganz in den dickbefiederten Schul-
terkragen einziehen.

3. †. Barbatus, der Lämmergeyer, Bart-
geyer, Goldgeyer
, Jochgeyer. V. rostri
dorso versus apicem gibboso, mento barbato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 85.

In den Tyroler- und Schweizer Alpen: auch in
Sibirien und Habessinien. Der größte Europäische
Vogel, dessen ausgespannte Flügel bey 10 Fuß
messen, und der sich vorzüglich durch seinen start-
haarigen Bart, und durch den befiederten Kopf, be-
sonders aber durchden gewölbten Rücken vorn am Ober-
schnabel von andern Geyern auszeichnet*).

4. Percnopterus, der Aasgeyer. V. remigi-
bus nigris, margine exteriore, practer exti-
mas, canis
.

Besonders häufig in Palästina, Arabien und
Ägypten. Verzehrt unzählige Feldmäuse, Amphi-
bien etc. Die alten Ägyptier haben diesen Vogel,
so wie einige andere ihnen vorzüglich nutzbare Thie-
re, heilig gehalten, und ihn häufig in ihrer Bil-
derschrift auf Obelisken, Mumienbekleidungen u. s.
w. vorgestellt.

2. Falco. (Span. Açor.) Rostrum aduncum,
basi cera instructum; caput pennis tectum; lin-
gua bifida.

1. Serprentarius, der Secretär. (sagittarius.
Fr. le messager.) F. cera alba cruribus longis-
[Seite 125] simis, crista cervicali pendula, rectricibus in-
termediis elongatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 55.

Vom Cap landeinwärts, auch auf den Philippi-
nen. Mit langen Beinen, wie ein Sumpfvogel*).

2. †. Melanaëtus, der schwarzbraune Ad-
ler
. (Büffon's aigle commun. Engl. the
black eagle
.) F. cera lutea, pedibusque se-
milanatis, corpore ferrungineo nigricante, striis
flavis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

In Europa. Beträchtlich kleiner als der folgende.

3. †. Chrysaëtos, der Goldadler, Stein-
adler
. (Büffon's grand aigle, Engl. the
golden eagle
.) F. cera lutea, pedibusque la-
natis luteo ferrugineis, corpore fusco ferru-
gineo vario, cauda nigra, basi cinereo undu-
lata.

Buffon Vol. I. tab. 1.

Im gebirgigen Europa. Nistet auf hohen Felsen
und versorgt seine Jungen mit Wildbret von Hasen,
Gemsen etc.

4. †. Ossifragus, der Fischadler, der Bein-
brecher
. (Fr. l'orfraie, Engl. the seaeagle,
the osprey
.) F. cera lutea pedibusque semila-
natis, corpore ferrugineo, rectricibus latere in-
teriore albis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1801.

An den Europäischen Küsten, auch in Nordame-
rika und theils auf der Südsee. Fast von der Grö-
ße des Goldadlers. Lebt fast bloß von Fischen.

[Seite 126]

5. †. Haliaëtus, der Entenstößer, Moos-
weih
. (Fr. le balbuzard, Engl. the osprey.)
F. cera pedibusque ceruleis, corpore supra
fusco, subtus albo, capite albido.

Buffon Vol. I. tab. 2.

Mehr an den Ufern der Flüsse als an den See-
küsten. Ist oft mit dem Fischadler verwechselt worden.

6. †. Milvus, die Weihe, der Gabelgeyer,
Milan, Scherschwänzel
, Schwalben-
schwanz, Taubenfalke
. (Fr. le milan,
Engl. the kite.) F. cera flava, cauda forsicata,
corpore ferrugineo, capite albidiore.

Frisch tab. 72.

Fast in der ganzen alten Welt.

7. Gentilis, der Edelfalke. (Fr. le faucon.
Engl. the falcon.) F. cera pedibusque flavis,
corpore cinereo maculis fuscis, cauda fasciis
quatuor nigricantibus.

Frisch tab. 47.

In gebirgigen Gegenden der nördlichen Erde; va-
riirt in zahlreichen Spielarten, deren einige auch
von manchen für besondere Gattungen angenommen
werden. Wird vorzüglich (so wie freylich manche
andere verwandte Gattungen dieses Geschlechts auch)
zum Fang kleiner Säugethiere und Vogel, nah-
mentlich in den Morgenländern zur Gazellenjagd,
und in Europa zur Reiherbeitze abgerichtet.

8. †. Palumbarius, der Habicht, Tauben-
falke
. (Aaccipiter. Fr. l'autour, Engl. the
gooshawk
.) F. cera nigra, margine pedibusque
flavis, corpore fusco, rectricibus fasciis palli-
dis, superciliis albis
.

Frisch tab. 81. 82.

Hat meist gleiche Heimath mit der vorigen Gat-
tung.

9. Nisus, der Sperber, Vogelfalke. (Fr.
l'epervier. Engl. the sparrow hawk. (F. cera
[Seite 127] viridi, pedibus flavis, abdomine albo griseo
undulato, cauda fasciis nigricantibus.

Frisch tab. 90. 91. 92.

In Europa.

3. Strix. Eule. Rostrum breve, aduncum, nu-
dum absque cera; nares barbatae; caput grande;
lingua bifida; pedes digito versatili; remiges ali-
quot ferratae
.

1. †. Bubo, der Uhu, Schubut, die Ohr-
eule
. (Fr. le grand duc. Engl. the great
hornowl, the eagle-owl
.) S. auribus pennatis,
iridibus croceis, corpore rufo
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795.

Das größre Thier seines Geschlechts. Im mil-
dern Europa und westlichen Asien*).

2. Nyctea, die Schnee-Eule, Harfang.
S. capite laevi, corpore albido, maculis lunatis
distantibus fuscis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 75.

In der nördlichsten Erde. Ein prachtvolles Thier.

3. †. Flammea, die Schleyereule, Kir-
cheneule, Thurmeule
. (Fr. l'effraie). S.
corpore luteo punctis albis, subtus albido punc-
tis nigricantibus.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In den gemäßigtern Zonen der alten und neuen
Welt. Von ausnehmend schönen und sanftem Ge-
fieder.

4. †. Passerina, das Käutzlein. (Fr. la che-
vêche
. Engl. the little owl.) S. capite laevi,
remigibus maculis albis quinque ordinum
.

[Seite 128]

Frisch tab. 100.

In Europa und Nordamerika.

4. Lanius. Rostrum rectiusculum, dente utrin-
que versus apicem, basi nudum; lingua lacera.

1. †. Excubitor, der Würger, Bergalster.
(Fr. la pie-grieche grise. Engl. the great
shrike
.) L. cauda cuneiformi, lateribus alba,
dorso cano, alis nigris macula alba.

Frisch tab. 59.

In Europa und Nordamerika. Ahmt, so wie die
folgende Gattung, anderer Vögel Stimme sehr ge-
schickt nach.

2. †. Collurio, der Neuntödter. (Fr. l'ecor-
cheur,
Engl. the red-backed shrike.) L. cau-
da subcuneiformi, dorso griseo, rectricibus
quatuor intermediis unicoloribus, rostro plum-
beo.

Frisch tab. 60.

In Europa. Nährt sich hauptsächlich von In-
secten, zumahl Käfern, Grashüpfern etc., die er zum
Vorrath an Schwarzdorn und anderes dorniges Ge-
büsche anspießt.


II. LEVIROSTRES.

Die Vögel dieser Ordnung sind fast bloß den
wärmsten Erdstrichen eigen, und werden durch die
theils sehr großen, dicken, aber in Verhältniß meist
sehr leichten Schnäbel, kenntlich, deren oben (§. 59)
bey Gelegenheit der Luftbehälter gedacht worden.

5. Psittacus. Papagey, Sittig, (Fr.
perroquet, Engl. parrot.) Mandibula superior
[Seite 129] adunca, cera instructa, lingua carnosa, integra.
Pedes scansorii
.*)

Merkwürdig ist, daß manche einzelne Gattun-
gen dieses Geschlechts eine so überaus, eingeschränkte
Heimath haben, daß sich, z.B. auf den Philippi-
nen, verschiedene derselben bloß einzig und allein
auf der einen oder andern Insel, und hingegen
nie auf den noch so nahe liegenden, benachbarten
finden. Überhaupt haben die Papageyen viel Aus-
zeichnendes, Eigenes in ihrem Betragen. Sie wis-
sen sich z.B. ihrer Füße fast wie Hände zu bedienen,
bringen ihre Speise damit zum Schnabel, krauen
sich damit hinter den Ohren, und wenn sie auf dem
Boden gehen, so treten sie, nicht wie andere Vö-
gel bloß mit den Krallen, sondern mit der ganzen
Ferse auf etc. Ihr hakenförmiger Oberschnabel ist ein-
gelenkt und sehr beweglich, und nutzt ihnen zuwei-
len fast statt eines dritten Fußes zum Klettern, An-
halten u.s.w. Beyde Geschlechter lernen leicht Wor-
te nachsprechen, und manche hat man, wenn gleich
höchst selten, sogar singen gelehrt.

1. Macao, der Aras, Indianische Rabe.
(Aracanga). P. macrourus ruber, remigibus
supra caeruleis subtus rufis, genis nudis ru-
gosis
.

Edward's birds tab. 158.

In Südamerika.

2. Alexandri. P. macrourus viridis, collari pec-
toreque rubro, gula nigra
.

Edwards. I. c. tab. 292.

In Ostindien.

3. Cristatus, der Kakadu. P. brachyurus, cry-
sta plicatili flava.

[Seite 130]

Frisch tab. 50.

In Ostindien, zumahl auf den Molucken.

4. Erithacus, der Jaco, aschgraue Papa-
gey
. P. brachyurus canus, temporibus nudis
albis, cauda coccinea
.

Frisch tab. 51.

Auf Guinea, Congo und Angola.

5. Ochrocephalus, (Fr. l'amazone à tête jaune.)
P. viridis, vertice flavo, tectricibus alarum
puniceis, remigibus ex viridi, nigro, violaceo
et rubro variis, rectricibus duabus extimis basi
intus rubris.

Daubenton Pl. 312.

In Westindien etc.

6. Pullarius, (Fr. l'inseparable.) P. brachyurus
viridis, fronte rubra, cauda fulva fascia nigra,
orbitis cinereis
.

Frisch tab. 54. fig. 1.

Auf Guinea und in Ostindien. Nicht viel größer
als ein Blutfink. Hat den Französischen Nahmen
von der irrigen Sage, als ob er immer Paarweis
gehalten werden müßte, weil keiner den Verlust sei-
nes Gatten überleben könnte.

6. Ramphastos. Tucan, Pfefferfras.
Rostrum maximum, inane, extrorsum serratum,
apice incurvatum. Pedes scansorii plerisque.

Der ungeheure Schnabel, der alle Gattungen
dieses sonderbaren Geschlechts Südamerikanischer Vö-
gel auszeichnet, ist ausnehmend leicht, und von
ungemein weichem Horn. Ihre Zunge ist eine hal-
be Spanne lang, wie von Fischbein, an der Wur-
zel kaum eine Linie breit, und an den Seiten vor-
wärts
gezasert. Das Gefieder variirt sehr, nach
Verschiedenheit der beyden Geschlechter, auch nach
dem Alter etc.

1. Tucanus, R. nigricans rostro flavéscente
[Seite 131] versus basin fascia nigra, fascia abdominal
flava.

7. Bvceros. Der Nashornvogel, Calao.
(hydrocorax) Rostrum maximum, inane, ad
basin versus frontem recurvatum; pedes gressorii.

Die sämmtlichen Gattungen dieses ebenfalls eben-
teurlich gebildeten Geschlechts, sind in Ostindien
und Neu-Holland zu Hause.

1. Rhinoceros, B. processu rostri frontali re-
curvato
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 24.


III. PICI.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze Füße,
und meist einen geraden, nicht dicken Schnabel von
mittelmäßiger Länge.

8. Picus. Specht. (Fr. pic. Engl. wood-pe-
cker
.) Rostrum polyedrum, apice cuneato; lin-
gua teres lumbriciformis, longissima, mucro-
nata, apice retrorsum aculeato; pedes scansorii
.

Die Spechte haben vorzüglich den sonderbaren
Bau der Zunge, daß sich das Zungenbein in zwey
lange grätenförmige Knorpel verlauft, die von hin-
ten nach vorn über den ganzen Hirnschädel unter der
Haut liegen, und sich an der Stirne nahe an der
Schnabelwurzel endigen. Diese Knorpel sind also
gleichsam elastische Federn, mittelst welcher diese
Vögel ihre wurmförmige Zunge desto leichter her-
vorschießen, und an der hornigen Spitze derselben
Insecten anspießen können.

1. †. Martius, der Schwarzspecht, gemei-
ne Specht, die Hohlkrähe
. P. niger, ver-
tice coccineo
.

[Seite 132]

Frisch tab. 34. fig. 1.

Nebst den folgenden Gattungen im mildern Eu-
ropa und nördlichen Asien.

2. †. Viridis, der Grünspecht, Grasspecht.
P. viridis, vertice coccineo.

Frisch tab. 35.

3. †. Major, der große Bunt- oder Roth-
specht
. P. albo nigroque varius, occipite rubro.

Frisch tab. 36.

4. †. Minor, der kleine Bunt- oder Roth-
specht
. P. albo nigroque varius, vertice rubro.

Frisch tab. 37.

9. Iynx. Rostrum teretiusculum, acuminatum;
lingua lumbriciformis, longissima, mucronata;
pedes scansorii.

1. †. Torquilla, der Drehhals, Wendehals,
Natterwindel
. (Fr. le torcol, Engl. the
wryneck
.) F. cauda explanata, fasciis fuscis
quatuor
.

Frisch tab. 38.

Hat seinen Nahmen von der ungemeinen Gelenk-
samkeit seines Halses, und meist die gleiche Hei-
math wie die vorgedachten Spechte.

10. Sitta. Spechtmeise. Rostrum subulatum,
teretiusculum, apice compresso, mandibula su-
periore paullo longiore; pedes ambulatorii
.

1. †. Europaea, der Blauspecht. (Fr. la
sittele, le torchepot
, Engl. the nut-hatch,
the wood-cracker.) S. rectricibus nigris, late-
ralibus quatuor infra apicem albis
.

Frisch tab. 39.

In allen drey Welttheilen der nördlichen Erde.

11. Todus. Rostrum subulatum, depressiuscu-
lum, obtusum, rectum, basi setis patulis
;
pedes gressorii.

1. Viridis, (Fr. te todier, Engl. the green spar-
row
.) T. viridis, pectore rubro.

Im mittlern Amerika.

[Seite 133]

2. Paradisaeus. T. capite cristato nigro, corpo-
re albo, cauda cuneata, rectricibus interme-
diis longissimis
.

In Südafrika, auf Madagascar etc.

12. Alcedo. Rostrum trigonum, crassum, rec-
tum, longum; pedes breves, gressorii
.

1. †. Ispida, der Eisvogel. (Alcyon. Fr. le
martin pecheur
, Engl. the kingsfisher.) A.
supra cyanea, fascia temporali flava, cauda
brevi
.

Frisch tab. 223.

Fast in der ganzen alten Welt. Nährt sich von
Fischen, deren Gräten er dann als Gewölle (§. 63.)
ausbricht. Daß er nach dem Tode leicht vertrocknet
ohne in Fäulniß überzugehen, ist nicht wie Para-
celsus und so viele nach ihm meinten, eine Eigenheit
dieses Vogels, sondern zeigt sich unter ähnlichen
Umständen auch am Kreuzschnabel, Canarienvo-
gel u.a.

13. Merops. Rostrum curvatum compressum,
carinatum; pedes gressorii.

1. Apiaster, der Immenwolf, Bienen-
fresser
. (Fr. le guépier, Engl. the bee-eater.)
M. dorso ferrugineo, abdomine caudaque vi-
ridi caerulescente, gula lutea, fascia tempo-
rali nigra
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1808.

Im südlichen Europa und mildern Asien. Lebt
von Insecten.

14. Upupa. Rostrum arcuatum, convexum, sub-
compressum, obtusiusculum, pedes ambulatorii
.

1. †. Epops, der Wiedehopf, Rothhahn.
(Fr. la hupe, Engl. the hoopoe.) U. crista
variegata
.

Frisch tab. 43.

In Europa und Ostindien. Nährt sich von Re-
[Seite 134] genwürmern und mancherley Insecten. Nistet in
hohle Bäume, und, wie schon Aristoteles anmerkt,
oft auf eine Grundlage von Menschenkoth*).

15. Certhia. Baumläufer. Rostrum arcuatum,
tenue, subtrigonum, acutum; pedes ambulatorii.

1. †. Familiaris, die Baumklette, der Grü-
per, Grauspecht
, Baumkleber. (Fr. le
grimpereau
, Engl. the creeper.) C. grisea.
subtus alba, remigibus fuscis; rectricibus decem.

Frisch tab. 39. fig. 1.

In Europa. Klettert fast wie die Spechte an den
Baumstämmen herum, um Insecten und ihre Pup-
pen zu suchen etc.

2. †. Muraria, der Mauerspecht. C. cinerea,
rectricibus roseis, remigibus rectricibusque
fuscis, maculis alarum fulvis niveisque
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 76.

Das ausnehmend schöne Thier hat Sperlings
Größe, und lebt einsam im wärmern Europa. Nah-
mentlich im C. Bern. In Deutschland ists äußerst
selten. Nistet in altem Gemäuer, auf Thürmen etc.

3. Coccinea. C. coccinea, rectricibus remigibus-
que nigris
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 16.

Auf den Sandwich-Inseln, deren kunstreiche
Einwohner mit den Federchen dieses kleinen carme-
sinrothen Vogels mancherley prachtvollen Putz und
andere Kleidungsstücke, Helme etc. sogar ganze Män-
tel etc. überziehen.

4. Sannio. C. olivacea, vertice subviolaceo, re-
migibus caudaque subfurcata fuscis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 8.

Auf Neu-Seeland.

[Seite 135]

16. Trochilus*) Colibri, Honigsauger,
Blumenspecht
. (Fr. oiseau-mouche. Engl.
humming bird.) Rostrum subulatofiliforme lon-
gum. Manbibula inferiore tubulata, superiore
vaginante inferiorem. Lingua filis duobus coa-
litis tubulosa; pedes ambulatorii
, brevissimi.

Das ganze Geschlecht ist, so viel man bis jetzt
weiß, allein in Amerika zu Hause. Aber nicht bloß
im wärmern, sondern theils auch nördlich bis Nut-
ka-Sund und südlich bis zur Westküste von Pata-
gonien.

A) Curvirostres (eigentliche Colibris).

1. Pella. (Fr. le colibri-topase.) Tr. ruber, rec-
tricibus intermediis longissimis, capite fusco-
gula aurata uropygioque viridi
.

Edwards tab. 32.

In Guiana. Wohl 6 Zoll lang.

B) Rectirostres (Fr. oiseaux-mouches.)

2. Minimus. T. corpore viridi nitente, subtus al-
bido; rectricibus lateralibus margine exterio-
re albis
.

Edwards tab. 105.

Der allerkleinste bekannte Vogel, der aufgetrock-
net nur ungefähr 30 Gran wiegt. Sein Nest ist
von Baumwolle, und hat die Größe einer Wallnuß;
und seine zwey Eyer etwa die von einer Zuckererbse.

3. Mosquitus, der Juwelen-Colibri. (Fr.
le Rubis-topase.) T. viridescens vertice pur-
pureo aurato, gutture auroreo rutilo
.

Seba thes. tab. 37. fig. 1.

Stirn und Scheitel des Männchens glänzen mit
rubinrothem Feuer, und seine Kehle wie glühendes
Gold.

[Seite 136]

IV. CORACES.

Die Vögel dieser Ordnung haben einen starken,
oben erhabenen Schnabel von mittelmäßiger Größe,
und kurze Füße. Sie leben theils von Getreide u.a.
Pflanzensamen etc. theils von Insecten, und auch von
Aas; und haben mehrentheils ein wilderndes, un-
schmackhaftes Fleisch.

17. Buphaga. Rostrum rectum, subquadran-
gulare: mandibulis gibbis, integris, extrorsum
gibbosioribus. Pedes ambulatorii
.

1. Africana. (Fr. le pic boeuf Engl. the beefater.)

Latham Vol. I. P. I. tab. 12.

In Senegambien etc.

18. Crotophaga. Rostrum compressum, se-
miovatum, arcuatum, dorsatocarinatum. Man-
dibula superiore margine utrinque angulata. Na-
res perviae
.

1. Ani. (Fr. le bout de petun. Engl. the razor-
billed blackbird
.) C. pedibus scansoriis.

Latham I. c. tab. 13.

In Westindien. Lebt in gesellschaftlicher Verbin-
dung, und es sollen sogar mehrere Weibchen sich
zusammen halten, und ein gemeinschaftliches Nest
bauen, mit einander brüten etc.

19. Corvus. Rostrum convexum cultratum, na-
res mystace tectae; pedes ambulatorii
.

1. †. Corax, der Kolk-Rabe. (Fr. le corbeau.
Engl. the raven.) C. corpore atronitente, ro-
stri apice subincurvo, cauda semirhombea
.

Frisch tab. 63.

Wie die nächstfolgende Gattung fast durchgehends
[Seite 137] in beyden Welten. Hat einen überaus scharfen Ge-
ruch, rauht Fische, Krebse, junge Enten, selbst
junge Hasen etc. schleppt auch andere Sachen zu
Neste, die er nicht fressen kann.

2. Corone, †. die Raben-Krähe. (Fr. la corneil-
le
, Engl. the carrion crow.) C. atrocaerules-
cens totus, cauda rotundata: rectricibus acutis
.

Buffon Vol. III. tab. 3.

3. †. Frugilegus, die Saatkrähe, der Ka-
rechel
. (Fr. le freux, la frayonne, Engl.
the rook.) C. ater, fronte cinerascente, cauda
subrotunda
.

Frisch tab. 64.

Meist im ganzen mildern Europa. Vergütet den
mäßigen Schaden, den sie der Saat thut, durch die
weit beträchtlichere Vertilgung unzähliger Feldmäu-
se, Engerlinge, Grasraupen etc.

4. †. Cornix, die Krähe, Nebelkrähe, Hau-
benkrähe
. (Fr. la corneille mantelée. Engl.
the hooded crow, royston crow.) C. cinera-
scens, capite jugulo alis caudaque nigris
.

Frisch tab. 65.

In den mildern Zonen der alten Welt. Haust in
manchen Gegenden als Standvogel Jahr aus Jahr
ein, in andern läßt er sich bloß über Winter nieder,
ohne daß man noch recht weiß, wo er von da im
Frühjahr hinzieht. Wird ebenfalls durch die Ver-
tilgung unzähligen Ungeziefers nutzbar, thut doch
aber auch den Maisfeldern großen Schaden.

5. †. Monedula, die Dohle. (Fr. le choucas,
Engl. the jackdaw.) C. fuscus, occipite in-
cavo, fronte alis caudaque nigris
.

Frisch tab. 67.

Im nordwestlichen Europa.

6. †. Glandarius, der Holzheher, Nußbei-
ßer, Marcolph
, Hetzle, Herrenvogel.
(Fr. le geai. Engl. the jay.) C. rectricibus
[Seite 138] alarum caeruleis, lineis transversis albis ni-
grisque, corpore ferrugineo variegato
.

Frisch tab. 55.

Im mildern Europa.

7. †. Caryocatactes, der Nußheher. (Fr.
le casse noix. Engl. the nut cracker.) C. fus-
cus alboque punctatus, alis caudaque nigris:
rectricibus apice albis: intermediis apice de-
tritis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In der nördlichen Erde.

8. †. Pica, die Älster, Atzel, Ägerste, Hei-
ster
. (Fr. la pie. Engl. the magpie.) C. albo
nigroque varius, cauda cuneiformi
.

Frisch tab. 58.

In Europa und Nordamerika. Ein schädliches
Thier für junges Meiergeflügel, aber für Felder
und Gärten sehr nützlich, das zahllose Raupen,
Schnecken etc. vertilgt. Zudem einer der unterhal-
tendsten Stubenvögel.

20. Coracias. Rostrum cultratum, apice in-
curvato, basi pennis denudatum; pedes breves
ambulatorii
.

1. Garrula, die Mandelkrähe, Racke, Blau-
racke, der Birkheher
. (Fr. le rollier, Engl.
the roller.) C. caerulea, dorso rubro, remi-
gibus nigris
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1807.

Im mildern Europa und in Nordafrika. Läßt sich
in der Erntezeit, wenn die Frucht in Mandeln steht,
haufenweise auf den Feldern sehen.

21. Gracula. Rostrum convexo-cultratum, ba-
si nudiusculum. Lingua integra, acutiuscula
,
carnosa. Pedes ambulatorii.

1. Religiosa (Fr. le mainate, Engl. the minor
[Seite 139] grakle.) G. nigro violacea, macula alarum
alba, fascia occipitis nuda, flava.

Buffon Vol. III. tab. 25.

In Ostindien. Hat eine schöne Stimme, und
lernt leicht Worte nachsprechen.

2. Quiscula, der Maisdieb. G. nigro-viola-
cea, cauda rotundata
.

Catesby vol. 1. tab. 12.

In Nordamerika.

22. Paradisea*) Paradiesvogel. (manu-
codiatta.
) Rostrum basi plumis tomentosis tec-
tum. Pennae hypochondriorum longiores. Rec-
trices duae superiores singularrs denudatae
.

Das ganze Geschlecht von zahlreichen Gattungen
hat ein überaus eingeschränktes Vaterland, da es
wohl bloß auf Neu-Guinea zu Hause ist, von da
diese Thiere als Zugvögel nach den Molucken u.a.
benachbarten Inseln streichen. Noch jetzt schneiden
die Papus diesen Thieren, die wegen ihres pracht-
vollen Gefieders in Indien als Putz getragen wer-
den, wenn sie sie zu dieser Absicht verkaufen, die
Füße ab, die daher die leichtgläubigen Alten den
Paradiesvögeln überhaupt abzusprechen wagten**).

1. Apoda. (Fr. l'Émeraude.) P. brunnea pen-
nis hypochondriis luteis corpore longioribus
.
rectricibus duabus intermediis longis setaceis.

Edwards tab. 110.

2. Alba, der weiße Paradiesvogel. (Fr. le
manucode à
12 filets.) P. anterius nigra-vio-
[Seite 140] lacea, posterius alba, humeribus viride virga-
tis, rectricibus 12 nigris
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 96.

Eine der schönsten und zugleich die seltenste Gat-
tung dieses Geschlechts, am Leibe ohngefähr von
der Größe einer Drossel.

23. Trogon. Curucuru. Rostrum capite bre-
vius, cultratum, aduncum, margine mandibu-
larum serratum. Pedes scansorii
.

1. Viridis. T. viridi aureus, subtus luteus, gu-
la nigra
.

Edwards tab. 331.

In Guiana.

24. Bucco. Bartvogel. (Fr. barbu, Engl. bar-
bet
.) Rostrum cultratum, lateraliter compres-
sum apice utrinque emarginato, incurvato, rictu
infra oculos protenso
.

1. Atroflavus. B. niger, jugulo, pectore et li-
neis supra- et infraorbitalibus luteis, abdomine
griseo
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 65.

In Sierra Liona.

25. Cuculus. Rostrum teretiusculum. Nares
margine prominulae. Pedes scansorii
.

1. †. Canorus, der Guckguck. (Fr. le coucou.
Engl. the cuckow.) C. cauda rotundata ni-
gricante albo punctata
.

Frisch tab. 40 u. f.

In der nördlichen alten Welt; wo er aber doch
nur im Frühling und Sommer zu sehen ist. Er be-
brüter das halbe Dutzend Eyer, das er jedes Früh-
jahr nach und nach legt, nicht selbst, sondern legt
sie einzeln in die Nester der Grasmücken und Bach-
stelzen etc. zwischen dieser ihre eigenen Eyer, da sich
dann diese kleinen Vögel an seiner Statt dem Brüt-
Geschäfte unterziehen. Merkwürdig ist, daß seine
[Seite 141] Eyer, die doch um vieles größer sind, als dieser so
weit kleinern Vögel ihre, dennoch eben nicht län-
ger als diese bebrütet zu werden brauchen. Der
junge Guckguck wächst aber dagegen sehr schnell, und
wirft die mit ihm zugleich ausgebrüteten jungen
Grasmücken aus ihrem mütterlichen Nest. Sein
Winteraufenthalt ist noch nicht zuverlässig bekannt.

2. Indicator, der Honigguckguck, Sengo,
Mook
. C. cauda cuneiformi fusco et albido-
maculata, alis fuscis maculis flavis, pedibus
nigris
.

Jo. Fr. Miller fasc. IV. tab. 24.

Im südlichern Afrika vom Cap landeinwärts. Hat
seinen Nahmen von der Fertigkeit, mit welcher er,
wie der Honig-Dachs, seine liebste Nahrung, aus
den wilden Bienennestern auszusuchen weiß.

26. Oriolus. Rostrum conicum, convexum,
acutissimum, rectum: mandibula superiore pau-
lo longiore, obsolete emarginata; pedes ambu-
latorii
.

1. †. Galbula, die Golddrossel, Goldam-
sel, der Kirschvogel
, Bülow, Pirol.
(Fr. le loriot.) O. luteus, pedibus nigris, rec-
tricibus exterioribus postice flavis
.

Frisch tab. 31.

Hin und wieder in der alten Welt. Das Männ-
chen goldgelb und schwarz, das Weibchen olivengrün.
Macht sich ein künstliches, napfförmiges, sehr dauer-
haft zwischen zwey Ästchen befestigtes Nest.

2. Phoecenius, der Maisdieb. (Engl. the black
bird
.) O. niger, alarum rectricibus coccineis.

Catesby vol. I. tab. 13.

Im mildern Nordamerika. Hält sich gemeinig-
lich zu dem obgedachten Maisdieb (Gracula quisculo.)

3. Jupujuba. (Persicus Linn.) O niger, dorso
postico maculaque rectricum alarum basique
rectricum luteis
.

[Seite 142]

Brisson vol. II. tab. 9. fig. 1.

In Brasilien etc. Baut sich, wie die vorige und
mehrere andere Gattungen dieses Geschlechts, ein
langes beutelförmiges Nest von Schilf und Bin-
sen*) deren man zuweilen mehrere Hundert an Ei-
nem Baume hängen sieht.


V. PASSERES.

Kleine Vögel, mit kurzen schlanken Füßen, und
legelförmigem, scharf zugespitztem Schnabel von ver-
schiedener Größe und Bildung. Sie leben in Mono-
gamie, nähren sich von Insecten und Pflanzen-Sa-
men, haben ein zartes, schmackhaftes Fleisch, und die
meisten von ihnen singen (wie mans insgemein nennt).

27. Alauda. Rostrum cylindrico-subulatum,
rectum, mandibulis aequalibus, basi deorsum
dehiscentibus. Unguis posticus rectior digito
langior
.

1. †. Arvensis, die Feldlerche, Himmels-
lerche, Bardale
. (Fr. l'alouette. Engl. the
field-lark, sky-lark
.) A. rectricibus extimis
duabus extrorsum longitudinaliter albis: in-
termediis inferiore latere ferrugineis
.

Frisch tab. 15. fig. 1.

Fast in der ganzen alten Welt. Badet sich so wie
der Strauß, die Hühner und viele andere deßhalb
so genannte Scharrvögel (aves pulveratrices)
im Sande.

2. †. Cristala, die Haubenlerche, Kobel-
[Seite 143] lerche, Heidelerche. (Fr. le cochevis.) A.
rectricibus nigris: extimis duabus margine ex-
teriore albis, capite cristato
.

Frisch tab. 15. fig. 2.

In Deutschland und den benachbarten Ländern.

28. Sturnus. Rostrum subulatum, angulato-
deoressum, obtusiusculum: mandibula superio-
re integerrima, marginibus patentiusculis
.

1. †. Vulgaris, der Staar, die Sprehe.
(Fr. l'etourneau. Engl. the stare, starling.)
S. rostro flavescente, corpore nigro punctis
sagittatis albis
.

Frisch tab. 217.

Meist in der ganzen alten Welt. Ein nutzbares
Thier, das unzählige schädliche Insecten vertilgt.

29. Turdus. Rostrum tereti-cultratum: mandi-
bula superiore apice deflexo, emarginato
.

1. †. Viscivorus, die Schnarre, Mistel-
drossel, der Ziemer
, Mistler. (Fr. la
draine
. Engl. the missel bird, shrite.) T. dor-
so fusco, collo maculis albis, rostro flaves-
cente
.

Frisch tab. 15.

Hin und wieder in der alten Welt. Nährt sich
von Mistelbeeren, die auch häufig durch sie fortge-
pflanzt werden.

2. †. Pilaris, der Krammetsvogel. (Fr.
la litorne, tourdelle. Engl. the field fare.) T.
rectricibus nigris: extimis margine interiore
apice albicantibus, capite uropygioque cano
.

Frisch tab. 26.

Im nördlichen Europa, streicht aber ins südliche.
Nährt sich vorzüglich von Wachholder-(Krammets)-
Beeren.

3. †. Iliacus, Zipdrossel, Rothdrossel.
[Seite 144] (Fr. le mauvis. Engl. the redwing.) T. alis
subtus ferrugineis, superciliis flavescentibus
.

Frisch tab. 28.

Im mildern Europa. Glättet sein Nest mit Let-
ten und faulem Holze aus; und da letzteres theils
im Finstern leuchtet, so könnte vielleicht so ein qui
pro quo
den Anlaß zur Erzählung der Alten, von
einer ave hercynica noctu lucente gegeben haben.

4. †. Musicus, die Sangdrossel, Wein-
drossel, Weißdrossel
. (Fr. la grive.
Engl. the throstle, song thrush.) T. remi-
gibus basi interiore ferrugineis
.

Frisch tab. 27.

Hat ungefähr gleiches Vaterland mit der vori-
gen. Zuweilen findet sich eine weißgraue Spielart
von ihr.

5. Polyglottus, die Amerikanische Nachti-
gall, Sisonte
. (Fr. le moqueur. Engl.
the mock-bird.) T. fusco-cinereus, subtus al-
bidus, maculis verticis, alarum et caudae can-
didis
.

Catesby vol. I. tab. 27.

In Louisiana, Carolina, auch auf Jamaica etc.
Ahmt anderer Vögel Stimme leicht und täuschend
nach.

6. Roseus. T. subincarnatus, capite, alis cau-
daque nigris, occipite cristato
.

Edwards tab. 20.

Im mittlern Europa und Asien. Vertilgt un-
zählige Zugheuschrecken.

7. †. Merula, die Amsel, Schwarzdrossel.
(Fr. le merle. Engl. the blackbird.) T. ater,
rostro palpebrisque flavis.

Frisch tab. 29.

Im mildern Europa. Lebt einsam, nährt sich von
Wachholderbeeren, hat ein vorzüglich treues Ge-
dächtniß.

[Seite 145]

30. Ampelis. Rostrum rectum, convexum:
mandibula superiore longiore, subincurvata
,
utrinque emarginata.

1. Garrulus, der Seidenschwanz, Pfeffer-
vogel, Sterbevogel
, Böhmer. (Fr. le
jaseur de Bohème.
Engl. the bohemian chat-
terer
.) A. occipite cristato: remigum secun-
dariorum
apice coccineo lanceolato.

Frisch tab. 32.

Im nördlichsten Europa, kommt aber in man-
chen Jahren zur Herbstzeit häufig nach Deutschland:
zumahl auf den Harz.

31. Loxia. Rostrum conico-gibbum, frontis
basi rotundatum; mandibula inferior margine
laterali inflexa
.

1. †. Curvirostris, der Kreutzschnabel, Krumm-
schnabel, Krünitz
, Tannenpapaqey.
(Fr. le bec croisé. Engl. the cross-bill, sheld-
apple
.) L. rostro forsicato.

Frisch tab. 11. fig. 3. 4.

In den Schwarzwäldern der nördlichern Erde.
Brütet mitten im Winter zu Ende des Jänners.

2. †. Coccothraustes, der Kernbeißer, Kirsch-
fink
. (Fr. le gros bec. Engl. the hawfinch.)
L. linea alarum alba, remigibus mediis apice
rhombeis, rectricibus latere tenuiore baseos
nigris
.

Frisch tab. 4. fig. 2. 3.

Hin und wieder in Europa.

3. †. Pyrrhula, der Dompfaff, Blutfink,
Liebig, Gimpel
. (rubicilla. Fr. le bouvreuil.
Engl. the bullfinch.) L. artubus nigris, tec-
tricibus caudae remigumque posticarum albis
.

Frisch tab. 2. fig. 1. 2.

In der nördlichern alten Welt. Beyde Geschlech-
[Seite 146] ter lernen leicht Lieder pfeifen, selbst einander ac-
compagniren, und sogar Worte nachsprechen.

4. Gregaria. L. ex griseo flavescens, fronte oli-
vacea, nucha, humeris, alis et cauda fuscis
.

Paterson's journeys pag. 133.

Am Cap, wo Heerden von mehreren Hunderten
ihre Nester auf einen Baum dicht zusammen bauen,
und das wunderbare Gebäude mit einem gemeinschaft-
lichen überhängenden Dache bedecken.

5. Pensilis. L. viridis, capite et gutture flavis,
fascia oculari viridi, abdomine griseo, rostro,
pedibus, cauda remigibusque nigris.

Sonnerat voy. aux Indes T. II. tab. 112.

Ebenfalls am Cap, so wie auf Madagascar.
Bauet auch eins der wundersamsten Nester, am
Wasser, fast retortenförmig mit abwärts hängendem
Halse zum Ein- und Ausflug, so daß die Mün-
dung nahe über der Wasserfläche zu hängen kommt.

6. Philippina, die Baya. L. fusca, subtus al-
bido flavicans, vertice pectoreque luteis, gula
fusca
.

Daubenton Planches, tab. 135. fig. 2.

In Ostindien; sehr gelehrig, daher sie in der In-
dischen Halbinsel, zu mancherley kleinen Künsten
abgerichtet wird. Bauet gleichfalls ein sehr kunst-
reiches hängendes Nest aus Binsen etc.

7. Cardinalis, der Indianische Hauben-
fink, die Virginische Nachtigall
. (Engl.
the red-bird.) L. cristata rubra, capistro ni-
gro, rostro pedibusque sanguineis
.

Frisch tab. 4. fig. 1.

In Nordamerika, wird wegen seines rothen Ge-
fieders und seines Gesanges häufig nach Europa ge-
bracht.

8. †. Chloris, der Grünfink, Grünling,
Grünschwanz, die Zwuntsche
. (anthus
[Seite 147] florus. Fr. le verdier. Engl. the greenfinch.)
L. flavicanti-virens, remigibus primoribus
antice luteis, rectricibus lateralibus quatuor
basi luteis
.

Frisch tab. 2. fig. 3. 4.

Hin und wieder in Europa.

9. Orix, der Feuervogel. L. grisea, rostro,
fronte abdomineque nigris, collo uropygio-
que fulvis
.

Daubenton Planches, tab. 6. fig. 2. und tab.
134. fig. 1.

Am Cap etc. das Männchen im Frühling und
Sommer feuerroth und sammtschwarz; im Herbst und
Winter hingegen von der graulichbraunen Farbe
des Weibchens.

32. Emberiza. Ammer. Rostrum conicum, man-
dibulae basi deorsum a se invicem discenden-
tes: inferiore lateribus inflexo-coarctata, supe-
riore angustiore
.

1. Nivalis, die Schneeammer, der Schnee-
vogel
. (Fr. l'ortolan de neige. Engl. the
snow bunting
.) E. remigibus albis, primori-
bus extrorsum nigris: rectricibus nigris, late-
ralibus tribus albis
.

Frisch tab. 6. fig. 1. 2.

In der nördlichsten Erde. Kommt nur zum
Überwintern nach Deutschland, wo sie sich aber zu-
weilen mit ein Mahl in unermeßlichen Zügen sehen
läßt.

2. †. Miliaria, die graue Ammer. (Fr. le
proyer
. Engl. the bunting.) E. grisea, sub-
tus nigro maculata, orbitis rusis
.

Frisch tab. 6. fig. 4.

Meist durch ganz Europa.

3. †. Hortulana, der Ortolan, Kornfink,
die Fettammer, windsche Goldammer
.
[Seite 148] E. remigibus nigris, primis tribus margine
albidis: rectricibus nigris, lateralibus duabus
extrorsum nigris
.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1803.

In den wärmern Gegenden von Europa und dem
benachbarten Asien.

4. †. Citrinella, die Goldammer, Gelb-
gans, der Emmerling
. (Fr. le bruant.
Engl. the yellow hammer.) E. rectricibus ni-
gricantibus: extimis duabus latere interiore
macula alba acuta
.

Frisch tab. 5. fig. 1. 2.

Meist durch ganz Europa.

5. Aureola. E. citrina, vertice, torque dorso-
que spadiceis, crisso albido, rectricibus dua-
bus utrinque extimis fascia oblinqua alba
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 56.

In Sibirien, bis Kamtschatka.

6. Paradisea, die Witwe. (Fr. la veuve à
collier d'or
. Engl. the whidah bird.) E. fus-
ca, pectore rubro, rectricibus intermediis qua-
tuor elongatis acuminatis: duabus longissimis
,
rostro rubro.

Edwards tab. 86.

Hat den Englischen, nachher in andern Spra-
chen aus Mißverstand verunstalteten Nahmen von
ihrer Heimath, dem Königreich Whydah (oder Ju-
dah) auf der Guineischen Küste.

33. Tanagra. Rostrum conicum, acumina-
tum, emarginatum, basi subtrigonum, apice
declive
.

1. Jacapa. (Fr. le cardinal poupré, le bec d'ar-
gent
. Engl. the red-breasted blackbird.) T.
atra, fronte, jugulo pectoreque coccineis.

Edwards tab. 267.

In Westindien und dem benachbarten Amerika.

[Seite 149]

34. Fringilla. Fink. Rostrum conicum rec-
tum acuminatum
.

1. †. Caelebs, der Buchfink, Gartenfink.
Rothfink, Waldfink
. (Fr. le pinçon. Engl.
the chaffinch.) F. artubus nigris, remigibus
utrinque albis, tribus primis immaculatis
:
rectricibus duabus oblique albis.

Frisch tab. 1. fig. 1. 2.

In Europa und Afrika: hat maningfaltigen Ge-
sang, so daß oft die Finken in einem Revier von
sechs oder mehr Meilen in die Runde überein, und
in benachbarten Gegenden wieder anders schlagen.

2. †. Montifringilla, der Bergfink, Tan-
nenfink, Rothfink
, Mistfink, Schnee-
fink, Winterfink
, Quäkfink, Böhei-
mer
. (Fr. le pinçon d'Ardennes. Engl. the
bramble
.) F. alarum basi subrus flavissima.

Linné fauna suec. tab. 2. fig. 198.

Im nördlichen Europa, Kommt, wenn die Buch-
mast gut gerathen, im Spätherbst zu vielen Tau-
senden nach manchen Gegenden Deutschlands.

3. Nivalis, der Schneefink. (Fr. la niverolle.)
E. fusca, subtus nivea, remigibus secundariis
tectricibusque albis
.

Brisson vol. III. tab. 15. fig. 1.

Auf dem Caucasus, und in den Europäischen
Alpen.

4. †. Carduelis, der Stieglitz, Distelfink.
(Fr. le chardonneret. Engl. the goldfinch,
the thistlefinch
.) F. fronte et gula coccineis,
remigibus antrorsum flavis: rectricibus dua-
bus extimis medio, reliquisque apice albis
.

Frisch tab. 1. fig. 3. 4.

Fast durch ganz Europa und in den benachbarten
Ländern der übrigen alten Welt. Gibt mit der Ca-
narien-Sie schöne Bastarde*).

[Seite 150]

5. Amandava, der Finke von Bengalen.
(Fr. le Bengali piqueté. Engl. the Amedabad
finch
.) F. fusca rufescensque albo punctata.

Buffon vol. IV. tab. 2. fig. 1.

In Ostindien. Daß seine Knochen, wie man be-
hauptet, gelb seyn sollen, habe ich bey denen, die
ich zu untersuchen Gelegenheit gehabt, nicht bestä-
tigt gesunden.

6. Canaria, der Canarienvogel, ehedem
Zuckervögelein
. (Fr. le serin de Canarie.)
F. rostro albido, corpore subfusco, pectore
flavescente, rectricibus remigibusque vires-
centibus
.

Frisch tab. 12. fig. 1-4.

Scheint zu Anfang des sechzehnten Jahrhun-
derts aus den Canarischen Inseln zuerst nach Euro-
pa gebracht worden zu seyn: ist aber seitdem daselbst
in mancherley Varietäten ausgeartet. Die wilde
Stamm-Race ist bräunlichgrau mit gelber Brust.
Unter den übrigen sind besonders die mit der Holle
oder Federbüschchen auf dem Kopfe (so genannte
Kapp-Vögel), und die Kackerlacken mit rothen
Augen zu merken.

7. †. Spinus, der Zeisig, Erlenfink. (li-
gurinus, acanthis
. Fr. le tarin. Engl. the
siskin
.) F. remigibus medio luteis: primis
quatuor immaculatis, rectricibus basi flavis
,
apice nigris.

Frisch tab. 11. fig. 1. 2.

Nistet in den Gipfeln der hohen Tannen und
Fichten in dichten Schwarzwäldern; daher sein Nest
selten gefunden wird*).

8. †. Cannabina, der Hänfling, Leinfink,
die Artsche
. (Fr. la linotte. Engl. the grea-
[Seite 151] ter linnet.) F. remigibus primoribus rectrici-
busque nigris, utroque margine albis
.

Frisch tab. 9. fig. 1. 2.

In Europa und Nordamerika.

9. †. Linaria, das Citrinchen, der Flachs-
fink, Carminhänfling
. (Fr. le sizerin.
Engl. the lesser linet.) F. remigibus rectri-
cibusque fuscis, margine obsolete pallido
,
litura alarum albida.

Frisch tab. 10. fig. 3. 4.

In der ganzen nördlichen Erde.

10. †. Domestica, der Sperling, Spatz,
passer. (Fr. le moineau. Engl. the sparrow.)
F. remigibus rectricibusque fuscis, gula ni-
gra, temporibus ferrugineis
.

In ganz Europa und den benachbarten Ländern
der übrigen alten Welt fast allgemein verbreitet.
Doch daß er sich in einzelnen Gegenden, wie z.B.
an manchen Orten in Thüringen (und zwar auch an
solchen, wo es doch weder an Laubholz noch Obst-
stämmen etc. fehlt) nicht findet. Er brütet vier Mahl
im Jahre. Freylich für Gärten und Feld ein schäd-
liches Thier, das aber doch auch unzähliges Unge-
ziefer vertilgt. Zuweilen finden sich ganz weiße
Sperlinge.

35. Muscicapa, Fliegenfänger. (Fr. gobe
mouche
. Engl. flycatcher.) Rostrum subtri-
gonum utrinque emarginatum, apice incur-
vo;
vibrissae patentes versus fauces.

1. †. Atricapilla, der Fliegenschnäpper.
M. nigra, subtus, frontis macula alarumque
speculo albis, rectricibus lateralibus extus
albis
.

Frisch tab. 24. fig. 1.

Hin und wieder in Europa.

36. Motacilla. Rostrum subulatum rectum:
mandibulis subaequalibus.

[Seite 152]

1. †. Luscinia, Nachtigall. (Fr. le rossignol
Engl. the nightingale.) M. rufo-cinerea ar-
millis cinereis
.

Frisch tab. 21. fig. 1. 2.

In den mildern Erdstrichen von Europa und Asien.
Kommt im April in unsern Gegenden an, und zieht
zu Ende Augusts wieder von dannen, man weiß
noch nicht gewiß, wohin; wenigstens, so viel be-
kannt, nicht nach Afrika.

2. †. Curruca, die Grasmücke, der He-
ckenschmatzer, Weidenzeisig
. (Fr. la
fauvelle
. Engl. the hedge sparrow.) M. su-
pra fusca subtus albida, rectricibus fuscis:
extima margine tenuiore alba
.

Frisch tab. 21. fig. 3.

Im mildern Europa.

3. †. Ficedula, die Beccafige. M. subfusca,
subtus alba, pectore cinereo maculato.

Frisch tab. 22. fig. 3. 4.

Im mildern und wärmern Europa, zumahl auf
Cyprus, von wannen sie wegen ihres schmackhaften
Fleisches weit verführt wird.

4. †. Alba, die weisse oder graue Bach-
stelze, das Ackermännchen
. (Fr. la la-
vandiere
. Engl. the white waterwagtail.) M.
pectore nigro, rectricibus duabus lateralibus
dimidiato oblique albis
.

Frisch tab. 23. fig. 4.

Meist in der ganzen alten Welt.

5. Calliope. M. mustelina, oblivaceo-macula-
ta, subtus ex flavescente alba, gula miniata
,
linea alba nigraque cincta, loris nigris, su-
perciliis albis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 45.

In Sibirien, bis Kamtschatka.

6. †. Atricapilla, der Klosterwenzel, Mönch.
[Seite 153] (Fr. la fauvette â téte noire. Engl. the black-
cap
.) M. testacea, subtus cinerea, pileo ob-
scuro
.

Linné fauna suecica. tab. 1. fig. 256.

Im mildern Europa. Einer der lieblichsten Sang-
vögel.

7. †. Phoenicurus, das Schwarzkehlchen.
(Fr. le rossignol de muraille. Engl. the red-
start
.) M. gula nigra, abdomine caudaque
rufis, capite dorsoque cano
.

Frisch tab. 19. fig. 1.

Hat meist gleiches Vaterland mit der Nachtigall;
kommt und geht auch zu gleicher Zeit mit ihr.

8. †. Rubecula, das Rothkehlchen, Roth-
brüstchen, der Rothbart
. (erithacus Fr.
le rougegorge. Engl. the robin-redbreast.)
M. grisea, gula pectoreque ferrugineis.

Frisch tab. 19. fig. 2.

Meist in ganz Europa. Bleibt auch über Winter
bey uns, und wird durch Vertilgung unzähliger
schädlicher Insecten sehr nutzbar.

9. †. Troglodytes, der Zaunkönig, Zaun-
schlupfer, Schneekönig
, Winterkönig.
(Engl. the wren.) M. grisea, alis nigro cine-
reoque undulatis
.

Frisch tab. 24. figur. 3.

In der nördlichern Erde. Macht sich ein bedecktes
Nest, fast in Gestalt eines Backofens*), und legt
zahlreiche Eyer.

10. †. Regulus, das Goldhähnchen. (Fr. le
roitelet
.) M. remigibus secundariis exteriori
margine flavis, medio albis, crista verticali
crocea
.

Frisch tab. 24. fig. 4.

[Seite 154]

Ebenfalls in der nördlichem Erde. Der kleinste
Europäische Vogel.

11. Sartoria, der Schneidervogel. M. tota
pallide lutea
.

J. R. Forsters Indische Zoologie tab. 8.

In Indien. Kleiner als der Zaunkönig. Hat den
Nahmen von der merkwürdigen Art, wie er sein
Nest aus Baumblättern verfertigt, da er einige
dürre Blätter au ein grünes am äußersten Ende
eines Zweiges gleichsam annähet, so daß dadurch
eine tutenförmige Höhlung gebildet wird, die er
mit Flaumen etc. ausfüttert.

37. Pipra, Manakin. Rostrum capite brevius,
basi subtrigonum integerrimum, apice incur-
vum. Pedes gresorii
.

1. Rupicola. (Fr. le coq de roche) G. crista
erecta margine purpurea, corpore croceo
,
tectricibus rectricum truncatis.

Edwards tab. 264.

In Guiana etc.

38. Parus, Meise. (Fr. mésage, Engl. tit-
mouse, Tom-tit
.) Rostrum integerrimum, basi
setis tectum
.

1. †. Maior, die Kohlmeise, Brandweise.
(Fr. la charbonnière, Engl. the great lit-
mouse
.) P. capite nigro, temporibus albis,
nucha lutea.

Frisch tab. 13. fig. 1. 2.

Meist durch die ganze alle Welt. Ein muthiges
Thier, das weit größere Vögel anfällt, andern
kleinen Sangvögeln die Köpfe aufhackt etc. Man
hat bey dieser und andern über Winter bey uns blei-
benden Gattungen dieses Geschlechts angemerkt,
daß dann das Horn ihres Schnabels weit härter
wird als im Sommer, das ihnen beym Auspicken
ihres Futters aus dem gefrornen Erdreich zu Stat-
ten kommt.

[Seite 155]

2. †. Caeruleus, die Blaumeise, Pimpel-
meise, Jungfernmeise
, der Blaumül-
ler
. (Fr. la mesange bleue. Engl. the nun.)
P. remigibus caerulescentibus: primoribus
margine: exteriore albis, fronte alba, vertice
caeruleo
.

Frisch tab. 14. fig. 1.

Häufig in Europa. Vertilgt Jahr aus Jahr ein
unzählige Insecten.

3. †. Caudatus, die Schwanzmeise, Moor-
meise, Schneemeise
. (Fr. la mesange à
longue queue
. Engl. the longtailed titmouse.)
P. vertice albo, cauda corpore longiore.

Frisch tab. 14. fig. 3.

In Europa und Westindien. Legt wohl 20 Eyer,
laut sich ein sackförmiges Nest*) von Moos,
Wolle etc. und bekleidet es von außen mit den nähm-
lichen Baumkrätzen u.a. Moosen, womit der
Baum, an dessen Stamm sie es angelegt, bewach-
sen ist.

4. †. Biarmicus, das Bartmännchen, der
Indianische Sperling
. (Fr. le moustache.
Engl. the bearded titmouse.) P. vertice cano,
cauda corpore longiore, capite barbato
.

Frisch tab. 8. fig. 3.

Im nordwestlichen Europa, England etc.

5. Pendulinus, die Beutelmeise, Pendu-
linmeise, der Remitz
, Cottonvogel. (Fr.
la mesange de Pologne.) P. capite subferrugi-
neo, fascia oculari nigra, remigibus rectrici-
busque fuscis margine utroque ferrugineo
.

J. D. Titii parus minimus Remiz descript-
tus
. Lips. 1755. 4. tab. 1. 2.

Hin und wieder in Ober-Italien, Pohlen, Si-
birien etc. baut sich ein beutelförmiges Nest von
[Seite 156] Pappelwolle et. das sie an einem dünnen Aste auf-
hängt.

39. Hirundo. Schwalbe. Rostrum minimum
incurvum, subulatum, basi depressum
.

Die Schwalben zeichnen sich auch außer ihrer
Bildung durch ihre Lebensart etc. gar sehr von den
übrigen Thieren dieser Ordnung aus. Bey der be-
kannten Streitfrage über den Winteraufenthalt un-
serer hierländischen Schwalben, zumahl der beyden
ersten Gattungen, scheint doch nach allem, was
darüber geschrieben worden, noch manches, nicht voll-
kommen in das Reine. Schade, daß bey den für
die eine*) oder für die andere**) Behauptung
angeführten Erfahrungen, die Gattungen, an
welchen sie gemacht worden, nicht bestimmt genug
angegeben sind. Im Ganzen hat doch aber immer
das Wegziehen derselben nach wärmeren Gegenden
bey weiten die größte Wahrscheinlichkeit für sich.

1. †. Domestica, die Rauchschwalbe, Feu-
erschwalbe
. (hirundo rustica Linn. Fr. l'hi-
rondelle de cheminée
. Engl. the house swal-
low, chimney-swallow
.) H. rectricibus, ex-
ceptis duabus intermediis macula alba nota-
tis, fronte et gula spadiceis
.

Frisch. tab. 18. fig. 1.

Nebst der Uferschwalbe einer der weitverbreitet-
sten Vögel auf Erden. Die Benennungen dieser und
der folgenden Gattung sind bey den Systematikern
[Seite 157] auf das seltsamste vermengt und verwechselt worden.
Hier diese, mit den nackten unbefiederten Füßen
und weißgefleckten Steuerfedern, baut ihr offenes
Nest (das oft von Wanzen wimmelt) an die Dach-
giebel, Ställe, Scheuern, und auf den Dörfern
in den Hausären und unter die Rauchfänge.

2. †. Agrestis, die Hausschwalbe, Fenster-
schwalbe, Mehlschwalbe
, Spyrschwal-
be
. (hirundo urbica Linn. Fr. l'hirondelle de
fenétre ou de muraille, le martinet à cul
blanc
. Engl. the martin.) H. pedibus hirsu-
tis, rectricibus immaculatis, dorso nigro
caerulescente, tota subtus alba
.

Frisch. tab. 17. fig. 2.

Zumahl in der nördlichen Erde. Nistet meist auf
den Dörfern außerhalb der Häuser unter dem Da-
che, an den Kirchfenstern etc. Macht ihr Nest aus
Lehm-Klümpchen, oben zugewölbt.

3. †. Riparia, die Uferschwalbe, Erd-
schwalbe
. (Fr. l'hirondelle de rivage. Engl.
the sandmartin, shore bird.) H. cinerea, gula
abdomineque albis
.

Frisch. tab. 13. fig. 2.

Baut in Fluß-Ufern, Lehmgruben, Sandhü-
geln etc.

4. Esculenta, die Salangane. H. rectricibus
omnibus macula alba notatis
.

Von der Größe des Zaunkönigs. Auf den Sundai-
schen u.a. Inseln des Indischen Archipelagus bis
Neu-Guinea etc. Baut da in die Uferlöcher und
Berghöhlen die berufenen Indianischen oder Tun-
kinsnester, deren Stoff der Hausenblase ähnelt und
vermuthlich aus halbverdauten, dadurch für Fäu-
lung gesicherten und so regurgitirten molluscis be-
steht. Man sammelt jährlich wohl vier Millionen
dieser Nestchen, die größtentheils nach Schina ver-
kauft werden.

[Seite 158]

5. †. Apus, die Mauerschwalbe, Stein-
schwalbe, Pierschwalbe
, Thurmschwal-
be
. (Fr. le martinet. Engl. the black mar-
tin, swift
.) H. nigricans, gula alba, digitis
omnibus quatuor anticis
.

Frisch. tab. 17. fig. 1.

In allen drey Welttheilen der nördlichen Erde.

40. Caprimulgus. Rostrum modice incurvum,
minimum, subulatum, basi depressum: vi-
brissae ciliares. Rictus amplissimus; unguis in-
termedius introrsum ciliatus
.

1. †. Europaeus, die Nachtschwalbe, Hexe,
der Ziegenmelker, Ziegensauger,
Nachtrabe, Tagschläfer
. (nycticorax. Fr.
l'engoulevent, la tette-chevre. Engl. the
goatsucker, night-raven
.) C. narium tubis
obsoletis
.

Frisch tab. 101.

In der alten Welt. Ein animal nocturnum,
das im Flug seine schnurrende Stimme hören läßt.
Es lebt von Insecten, besonders von Nachtfaltern etc.
und die alte Sage, daß es den Ziegen die Milch
aussauge, ist ungegründet.


VI. GALLINAE.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze Füße und
einen convexen Schnabel, der an der Wurzel mit ei-
ner fleischigen Haut überzogen ist und dessen obere Hälf-
te zu beyden Seiten über die untere tritt. Sie nähren
sich meist von Pflanzensamen, die sie im Kropfe ein-
weichen, leben in Polygamie, legen zahlreiche Eyer, und
geben das mehreste Hausgeflügel.

[Seite 159]

41. Columba, Taube. (Fr. und Engl. pi-
geon
.) Rostrum rectum versus apicem descen-
dens
*).

a) Cauda aequali modica.

1. †. Oenas, die Haustaube, Feldtaube,
Holztaube
. (vinago, livia. Fr. le biset
Engl. the stock dove.) C. caerulescens, cervi-
ce viridi nitente, dorso postico albo, fascia
alarum apiceque caudae nigricante
.

Die Holztaube ist meist in der ganzen alten
Welt zu Hause. Die in Norden ziehen im Herbst
nach etwas südlichern Gegenden. Die in mildern
Erdstrichen hingegen überwintern scharenweise in
Felsen-Klüften, hohlen Bäumen etc. Das wilde
Weibchen brütet zwey Mahl im Jahre, die Haus-
taube hingegen neun bis zehn Mahl, so daß man von
einem einzigen Paar binnen vier Jahren 4762 Tau-
ben ziehen könnte. Die vorzüglichsten Abarten (wo-
von doch manche für besondere Gattungen angesehen
werden) sind folgende:

a) dasypus, die Trommeltaube. (Fr. le
pigeon pattu.
Engl. the rough-footed dove.)
mit langbefiederten Füßen. Frisch tab. 145.

b) gutturosa, die Kropftaube, der Krö-
pfer
. (Fr. le pigeon à grosse gorge, le grand-
gosier
. Engl. the cropper pigeon.) mit theils
ungeheurem Kropfe. Frisch. tab. 146.

c) turbita, das Möwchen. (Fr. le pigeon cra-
vate
, à gorge frisée. Engl. the turbit.) Mit
krausen Brustfedern und ganz kurzem Schnabel.
Frisch. tab. 147.

d) gyratrix, der Tümmler. (Fr. le pigeon
culbutant
, Engl. the tumbler.) Mit glattem
Kopf und einem kahlen rothen Augenring: über-
schlägt sich im steigenden Fluge. Frisch. tab. 148.

[Seite 160]

e) cuculata, die Schleyertaube, Zopf-
taube
. (Fr. le pigeon nonain, Engl. the
jacobine
.) Mit vorwärts gerichtetem Kopf-
Busche. Frisch. tab. 159.

f) laticauda, die Pfauentaube, der Hüh-
nerschwanz
. (Fr. le pigeon paon, Engl.
the shaker.) Mit aufrechtem, ausgebreitetem
Schwanze. Frisch. tab. 151.

g) tabellaria, die Posttaube, Brieftau-
be, Türkische Taube
. (Fr. le pigeon mes-
sager
. Engl. the carrier pigeon.) Mit rothen
Fleischwarzen um den Schnabel und die Augen
herum. Diese Taubenart hat ihren Nahmen da-
her, weil man sich ihrer vorzüglich ehedem in
der Levante bediente, um Briefchen zu über-
schicken*).

2. Coronata. der Kronvogel. C. caerulescens,
supra cinerea, orbitis nigris, crista erecta,
humeris ferrugineis.

Jo. Fr. Miller fasc. III. tab. 16.

Zumahl auf Neu-Guinea und den Molucken etc.
Fast von der Größe des welschen Hahns.

3. †. Palumbus, die Ringtaube, große
Holztaube, Schlagtaube
, Plochtau-
be, Kohltaube
, Holztaube. (Fr. le pi-
geon ramier
, Engl. the ring-dove.) C. rec-
tricibus postice atris: remigibus primoribus
margine exteriore albidis collo utrinque albo
.

Frisch. tab. 138.

Meist in ganz Europa.

4. †. Turtur, die Turteltaube. (Fr. la tour-
terelle
, Engl. the turtle-dove.) C. rectricibus
[Seite 161] apice albis, dorso griseo, pectore incarnato,
macula laterali colli nigra lineolis albis.

Frisch tab. 140.

In den warmen und mildern Gegenden der alten
Welt. Von ihrer gepriesenen Keuschheit und eheli-
chen Treue die fabelhaften Übertreibungen abgerech-
net, haben sie darin nichts vor andern Vögeln ähn-
licher Lebensart voraus.

5. †. Risoria, die Lachtaube. (Fr. la tour-
terelle à collier
, Engl. the indian turtle.) C.
supra lutescens lunula cervicali nigra.

Frisch tab. 141.

Im mildern Europa und in Ostindien.

b) Cauda longiore cuneata.

6. Migratoria, die Zugtaube. C. orbitis de-
nudatis sanguineis, pectore rufo
.

Frisch tab. 142.

Im nordöstlichen Amerika. Macht zur Zeit ihrer
unermeßlichen Züge, eine Haupt-Nahrung der da-
sigen Indianer aus, die auch Tausende derselben
räuchern und dörren.

42. Tetrao. (Engl. grous.) Macula prope
oculus nuda, papillosa
.

1. †. Coturnix, die Wachtel. (Fr. la caille,
Engl. the quail.) T. pedibus nudis, corpore
griseo maculato, superciliis albis, rectricum
margine lunulaque ferruginea
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1802.

Fast in der ganzen alten Welt; ein Zugvogel,
der sich im Zug zuweilen in zahlloser Menge sehen
läßt.

2. †. Perdix, das Rebhuhn, Feldhuhn.
(Fr. la perdix grise. Engl. the partridge.) T.
pedibus nudis calcaratis, macula nuda coc-
cinea sub oculis, cauda ferruginea, pectore
subfusco
.

[Seite 162]

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1799.

Im mittlern Europa und in den mildern Gegen-
den des Asiatischen Rußlands.

3. †. Rufus, (Fr. la perdrix rouge, la barta-
velle.)
T. pedibus nudis calcaratis rostroque
sanguineis, gula alba cincta fascia nigra albo
punctata
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

Im südlichen Europa und Orient. Wird auf den
Inseln des Archipelagus als Meiergeflügel gehalten.

4. †. Bonasia, das Haselhuhn. (Fr. la ge-
linotte
.) T. pedibus hirsutis, rectricibus cine-
reis punctis nigris fascia nigra: exceptis inter-
mediis duabus
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Lebt einsam in den Haselgebüschen des mittlern
Europa. Das Schwedische (Hiärpe) ist wohl das
schmackhafteste von allem wilden Geflügel.

5. †. Lagopus, das Schneehuhn, Rype.
(Fr. la gelinotte blanche. Engl. the white
game
.) T. pedibus lanatis, remigibus albis,
rectricibus nigris, apice albis: intermediis
albis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

In den alpinischen und nördlichsten Gegenden der
alten und neuen Welt. Ist im Sommer von grauer
Farbe. Nahmentlich ein überaus wichtiges Thier
für die Europäischen Colonisten in Labrador und
Grönland.

6. †. Tetrix, der Birkhahn. (Fr. le petit te-
tras
, Engl. the black cock.) T. pedibus hir-
sutis, cauda bifurcata, remigibus secundariis
basin versus albis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795.

In der nördlichern alten Welt.

7. †. Vrogallus, der Auerhahn. (Fr. le coq
[Seite 163] de bruyere, tetras. Engl. the cock of the
wood
.) T. pedibus hirsutis, cauda rotundata,
axillis albis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1794.

Im nördlichern Europa; hat ein äußerst scharfes
Gesicht und Gehör. Seine Zunge und oberer Kehl-
kopf liegen tief unten im Halse.

43. a). Numida. Caput cornutum, collum com-
pressum coloratum; palearia carunculacea ad la-
tera maxillae utriusque
.

1. Meleagris, das Perlhuhn. (Fr. la peintade.
Engl. the guiney hen.) N. rostro cera instruc-
to nares recipiente
.

Frisch tab. 126.

Das so zum wundern schön weißpunctirte Geschöpf
ist ursprünglich im nördlichen und westlichen Afrika
einheimisch, aber auch längst nach Europa und vie-
le Gegenden von Amerika verpflanzt.

43. p). Menura. Cauda elongata, plana, rectri-
cibus 16. duabus intermediis angustis, longiori-
bus, duabus externis apice dilatato exterius re-
curvo; reliquis laxis
.

1. Superba, der Leyerschwanz, Schweif-
hahn
.

Audebert et Vieillot oiseaux de Paradis
tab. 14. 15. 16.

Auf Neuholland. Das Männchen wegen seines
mächtig großen wundersam gebildeten schönfarbigen
Schweifes eines der prachtvollsten Thiere der gan-
zen Classe.

44. Phasianus. Genae cuta nuda laevigata.

1. †. Callus, der Haushahn. (Fr. le coq. Engl.
the cock.) Ph. caruncula compressa verticis
geminaque gulae, auribus nudis, cauda com-
pressa ascendente
.

[Seite 164]

Die vermuthliche wilde Stammrace*) ist in
Hindustan zu Hause; von rothbrauner Farbe, und
zeichnet sich durch flache hornichte Blättchen an den
Spitzen der Hals- und Flügelfedern aus (die den
zinnoberrothen Flügelblättchen des Seidenschwan-
zes ähneln). Der Haushahn hingegen ist meist über
die ganze Erde verbreitet. Doch ist er erst durch die
Spanier nach Amerika gebracht: hingegen auf vielen
Inseln der Südsee bey ihrer Entdeckung von den
Europäern schon vorgefunden worden. Das Huhn
ist bey der Menge Eyer, die es legt, und seinem
oftmahligen Brüten eines der allernutzbarsten Thiere
der ganzen Classe. Und die Hahnen-Gefechte längst
und in mehreren Welttheilen ein beliebtes Volks-
schauspiel.

Die Hühner sind, unter den Hausthieren dieser
Classe in die allermannigfaltigsten und auffallendsten
Racen und Spielarten degenerirt. Theils in wahre
zum erblichen Schlag gewordene Monstrositäten**);
sowohl per defectum (– s. oben S. 22 –), wie
der ungeschwänzte Kluthahn; als per excessum
(– a. a. O. –), wie z.B. mit 5 oder gar 6
Zehen***).

Unter den übrigen Abarten verdienen besonders
bemerkt zu werden:

a) Der Paduanerhahn, wohl noch einmahl
so groß als der gemeine Haushahn.

[Seite 165]

b) Der Zwerghahn, Krup-Hahn, kaum
bald so groß als der gemeine.

c) Der Struphahn, krause Hahn, Fries-
ländische Hahn
, mit krausen auswärts ge-
krümmten Federn.

d) Das Wollhuhn, aus Japan Schina etc.
Seine Federn sind schlicht, fast wie Haare,
daher die Fabel von Bastarden, die von Kanin-
chen und Hühnern erzeugt seyn sollten, ent-
standen ist.

e) Das Negerhuhn, mit schwarzer Haut.
Vorzüglich auf St. Jago am grünen Vorgebir-
ge, wo auch noch andere Vogelarten diese
Sonderbarkeit haben sollen.

2. Colchcus, der Fasan. (Fr. le faisan. Engl.
the pheasant.) Ph. rusus, variegatus, capite
viridi caerulescente, cauda cuneata, genis
papillosis
.

v. Wilgungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

Hat den Nahmen vom Flusse Phasis in Mingre-
lien, von da ihn die Argonauten zuerst nach Euro-
pa gebracht haben sollen.

3. Argus. Ph. fusco-flavescens, nigro puncta-
tus et undulatus, remigum 11 interiorum la-
tere exteriore ocellato, genis nudis, occipite
nigro, subcristato, rectricibus 2 intermediis
longissimis
.

Philos. Transact. vol. LV. tab. 3.

In seiner Art wohl das wunderschönste, prachtvoll-
ste Geschöpf in der Natur. Besonders sind die großen
Augen auf den innern Schwungfedern unbeschreiblich
schön schattirt, jedem gleichsam ein Lichtpunct auf-
gesetzt etc; mißt vom Schnabel zur Schwanzspitze
auf 9 Fuß, und ist nebst den beyden folgenden Gat-
tungen zumahl in Schina zu Hause.

4. Pictus, der Goldfasan. Ph. crista flava,
[Seite 166] pectore coccineo, remigibus secundariis cae-
ruleis, cauda cuneata
.

Edwards tab. 68. 69.

Bey dieser und der nächstfolgenden Gattung zeich-
nen sich die erwachsenen Männchen durch die ausneh-
mende Schönheit ihres Gefieders aus.

5. Nycthemerus, der Silberfasan. Ph. albus
crista abdomineque nigris, cauda cuneata
.

Edwards tab. 66.

45. Crax. Rostrum basi cera obductum in utra-
que mandibula. Pennae caput tegentes revo-
lutae.

1. Alector, der Curasso. C. cera flava, cor-
pore nigro, ventre albo
.

Buffon Vol. II. tab. 13.

In Guiana etc.

46. Meleagris. Caput carunculis spongiosis
tectum, gula caruncula membranacea longitudi-
nali
.

1. Gallopavo, der Truthahn, Puter, wäl-
sche Hahn, Kalekuter
, Kuhnhahn.
(Fr. le dindon, Engl. the turkey.) M. maris
pectore barbato
.

Im mittlern und nördlichem Amerika, wo er in
großen Herden zu Hunderten auf Bäumen lebt,
ward 1530 zuerst nach Deutschtand gebracht, wo er
nun als Meiergeflügel gehalten wird, und in man-
cherley Varietäten von weißer u.a. Farben ausge-
artet ist.

47. Pavo. Caput pennis revolutis tectum, pen-
nae caudales elongatae, ocellatae
.

1. †. Cristatus, der Pfau. (Fr. le paon,
Engl. the peacock.) P. capite crista com-
pressa, calcaribus solitariis
.

Ist wohl ursprünglich in Ostindien einheimisch,
und seit Alexanders des Großen Zeiten nach Europa
[Seite 167] verpflanzt. Das Männchen zeichnet sich von dritten
Jahre an durch die Pracht seiner Schwanz- oder
vielmehr Rücken-Federn aus. Unter den Spielar-
ten ist die weiße die auffallendste.

48. Otis. Rostrum mandibula superiore fornica-
ta; pedes cursorii
.

1. †. Tarda, der Trappe. (Fr. l'outarde,
Engl. the bustard.) O. maris capite ingulo-
que utrinque cristato
.

Frisch tab. 106 u. f.

Dieser größte hierländische Vogel ist in der gemä-
ßigten alten Welt zu Hause. Das Männchen wird
wohl gegen 30 Pfund schwer, und hat vorn am Hal-
se einen weiten verborgenen Sack, der sich unter
der Zunge öffnet.


VII. STRUTHIONES.

Große Landvögel, mit freyen unverbundenen Ze-
hen, und kurzen zum Flug ungeschickten Flügeln ohne
Schwungfedern.

49. Struthio. Rostrum subconicum, pedes
cursorii
.

1. Camelus, der Strauß. (Fr. l'autruche,
Engl. the ostrich.) S. pedibus didactylis, di-
gito exteriore parvo mutico, spinis alarum
binis
.

Latham Vol. III. P. I. tab. 71.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 77.

Der allergrößte Vogel, der eine Höhe von acht
Fuß und darüber erreicht, und außer Afrika nur in
Arabien zu Hause ist. Das Unvermögen zum Flug
wird bey ihm durch die ausnehmende Schnelligkeit
seines Laufs vergütet*). Von seinen Eyern, deren er
[Seite 168] wohl 30 legt, hält jedes ungefähr soviel als 24
Hünereyer. Vorzüglich wird er durch seine Federn
schätzbar.

Der Amerikanische Strauß (Str. rhea) ist
zumahl in Chili zu Hause.

2. Casuarius, der Casuar, Emeu. S. pedi-
bus tridactylis, galea palearibusque nudis, re-
migibus
spinosis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 97.

In Ostindien. Hat große Stärke in seiner mit-
lern Klaue. Seine Federn sind hornicht und ähneln
Pferdehaaren, und es entspringen immer zwey und
zwey Schafte aus einem gemeinschaftlichen Kiele.

Eine eigene Gattung von Casuar ohne Helm
(Str australis) ist neuerlich im fünften Welttheil
auf Neu-Südwallis entdeckt worden.

50. Didus. Rostrum medio coarctatum rugis
duabus transversis: utraque mandibula inflexo
apice; facies ultra oculos nuda
.

1. Ineptus, der Dudu, Dronte, Walgh-
vogel
. (Gygnus cucullatus.) D. pedibus am-
bulatoriis, cauda brevissima, pennis incurvis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 35.

Ehedem auf Ile de France und Bourbon. –
Aber nach den Versicherungen des Hrn. Morel,
der deßhalb an Ort und Stelle Untersuchung an-
gestellt hat, existirt dieser Vogel jetzt nicht mehr.
Und das ist nicht unwahrscheinlich, da er das schwer-
leibigste, langsame Thier der ganzen Classe, folg-
lich leicht zu fangen, und doch wegen seines widri-
gen Fleisches von wenig Nutzen war*).

[Seite 169]

So weit die Landvögel. Nun die Wasservö-
gel
in II Ordnungen.

VIII. GRALLAE.

Diese die Sumpfvögel, haben einen walzen-
förmigen Schnabel von ungleicher Länge, hohe stel-
zenartige Beine, und auch mehrentheils einen langen
Hals, aber kurzen Schwanz. Sie halten sich in sum-
pfigem, moorigem Boden auf, leben meist von Am-
phibien, Fischen, Insecten und Wasserpflanzen, die
mehresten nisten auf der Erde oder im Schilf, und
werden großentheils durch ihr vorzüglich schmackhaftes
Fleisch und durch ihre Eyer nutzbar.

51. Phoenicopterus. Rostrum denudatum, in-
fracto-incurvatum, denticulatum, pedes tetra-
dactyli
.

1. Ruber, der Flamingo, Flamant, Kor-
korre
. P. ruber, remigibus nigris.

Catesby vol. I. tab. 73 sq.

In Seegegenden der wärmern Erdstriche beyder
Welten. Wird bey einem mäßig großen Körper,
aber ganz auffallend langem Halse und Beinen,
wohl mannshoch.

52. Platalea. Rostrum planiusculum; apice
dilatato, orbiculato, plano. Pedes tetradactyli
,
semipalmati.

1. Leucorodia, die Löffelgans, der Löf-
felreiher
. (Fr. la spatule, Engl. the spo-
onbill
.) P. corpore albo, gula nigra, occipite
subcristato
.

Frisch tab. 200 u. f.

Hin und wieder, zumahl in der westlichen alten
Welt.

[Seite 170]

53. Palamedea. Rostrum conicum, mandibu-
la superiore adunca. Pedes tetradactyli, fissi
.

1. Cornuta. (Kamichy, Kamoucle.) P. alulis
bispinosis, fronteque cornuta
.

Latham Vol. III. P. I. tab. 74.

In den Savannen des östlichen Süd-Amerika.

54. Mycteria. Rostrum subadscendens, acu-
tum: mandibula superiore triquetra: inferiore
trigona acuminata adscendente: frons calva-
nares lineares: pedes tetradactyli
.

1. Americana. (Jabiru, Touyouyou. Fr. la cicog-
ne du Bresil
.)

Latham l. c. tab. 26.

Hat mit dem vorigen Vogel gleiches Vaterland.

55. Cancroma. Rostrum gibbosum; mandi-
bula superiore cymbae resupinatae forma
.

1. Cochlearia. (Fr. la cuilliere. Engl. the boat-
bill
.) C. ventre rufescente.

Latham l. c. tab. 26.

Ebenfalls in Brasilien etc.

56. Ardea. Rostrum rectum, acutum, longum,
subcompressum; pedes tetradactyli
.

1. †. Grus, der Kranich. (Fr. la grue. Engl.
the crane.) A. occipite nudo papilloso, cor-
pore cinereo, alis extus testaceis
.

Frisch tab. 194.

In der nördlichen alten Welt.

2. †. Ciconia, der Storch. (Fr. la cicogne,
Engl. the stork.) A. alba, orbitis nudis re-
migibusque nigris: rostro, pedibus cuteque
sanguineis
.

In den mildern Gegenden fast der ganzen alten
Welt. Nährt sich nicht bloß von Amphibien, sondern
frißt auch nutzbare Thiere, ganze Ketten junger Repp-
hühner u.s.w. schleppt auch nicht selten Leinwand,
[Seite 171] Garn etc. in das Nest, um es weich auszufüttern*).

3. †. Major, der Reiher, Fischreiher. (Fr.
und Engl. heron.) A. occipite crista nigra de-
pendente, corpore cinereo, collo subtus linea
fasciaque pectorali nigris
.

Frisch tab. 199.

Fast durchgehends in beyden Welten. Schädliche
Thiere, die den Fischteichen und besonders der jun-
gen Brut nachtheilig werden. Sie nisten auf hohen
Bäumen, Eichen etc.**).

4. Garzetta. (Fr. l'aigrette.) A. occipite cristato,
corpore albo, rostro nigro, loris pedibusque
virescentibus
.

Buffon T. VII. tab. 20.

Zumahl in Persien etc. Mit den kostbaren langen,
silberweißen, seidenartigen Rückenfedern.

5. †. Stellaris, die Rohrdommel, der
Iprump
. (Fr. le butor. Engl. the bittern.)
A. capite laeviusculo, supra testacea maculis
transversis, subtus pallidior maculis oblongis
fuscis
.

Frisch tab. 205.

In den mildern Gegenden der nördlichern Erde.

57. Tantalus. Rostrum longum, subulatum,
teretiusculum, subarcuatum: facies nuda ultra
oculos; pedes tetradactyli, basi palmati
.

1. Ibis. (Tantalus aethiopicus Latham. Nu-
menius
ibis Cuvier.) T. albus, remigum
[Seite 172] apicibus, rostro et pedibus nigris, remigibus
secundariis elongatis nigro-violaceis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 86.

Das berühmte, von den alten Ägyptern, als
Symbol der Überschwemmung des Nils*), auf
ihren Denkmählern verewigte, und so wie die da-
mahligen menschlichen Leichen zu Mumien bereitete**)
und in besondern Gewölben in größter Menge bey-
gesetzte, aber jetzt wenigstens in Nieder-Ägypten
ziemlich seltene Thier***).

Der schwarze kleinere Ibis scheint mit dem auch
in Europa und selbst im südlichen Deutschland vor-
kommenden Tantalus falcinellus einerley zu seyn.

58. Scolopax. Schnepfe. Rostrum teretius-
culum, obtusum, capite longius, facies tecta,
pedes tetradactyli, postico pluribus articulis in-
sistente
.

1. †. Rusticula, die Waldschnepfe. (Fr. la
becasse
. Engl. the woodcock.) S. rostro basi
rufescente, pedibus cinereis, femoribus tectis
,
fascia capitis nigra.

Frisch tab. 226 u. f.

In den wärmern Gegenden der nördlichern alten
Welt.

2. †. Gallinago, die Heerschnepfe, Him-
melsziege, der Haberbock
, das Haber-
[Seite 173] lämmchen. (Fr. la becassine. Engl. the sni-
pe
.) S. rostro recto, tuberculato, pedibus fus-
cis, frontis lineis fuscis quaternis
.

Frisch tab. 229.

Fast durchgehends in der nördlichern Erde.

59. Tringa. Rostrum teretiusculum longitudine
capitis, digito postico uniarticulato, a terra
elevato
.

1. †. Pugnax, der Kampfhahn, Renom-
mist, Hausteufel
. (Fr. le combattant,
paon de mer. Engl. the ruff.) T. rostro pe-
dibusque rubris, rectricibus tribus lateralibus
immaculatis, facie papillis granulatis carneis
.

Frisch tab. 232 u. f.

In der nördlichen alten Welt. Hat seinen Nahmen
von der Streitbarkeit, mit welcher die Männchen
zur Brunstzeit gegen einander kämpfen.

2. †. Vanellus, der Kybitz. (gavia. Fr. le van-
neau
. Engl. the bastard-plover, lapwing,
pee-wit.) T. pedibus rubris, crista depen-
dente, pectole nigro
.

Frisch tab. 213.

Ebenfalls in der nördlichem alten Welt.

60. Charadrius. Regenpfeifer. (Fr. plu-
vier
, Engl. plover.) Rostrum teretiusculum,
obtusum. Nares lineares. Pedes cursorii, tridac-
tyli
.

1. †. Hiaticula, die Seelerche. (Fr. le plu-
vier à collier
. Engl. the sea-lark.) C. pectore
nigro, fronte nigricante fasciola alba, vertice
fusco, pedibus luteis
.

Frisch tab. 214.

Hin und wieder an den Flüssen der nördlichen
Erde, nahmentlich auch auf den Sandwich-Inseln.

61. Recurvirostra. Säbelschnäbler. Ro-
strum depresso planum, subulatum, recurva
-
[Seite 174] tum, acuminatum, apice flexili. Pedes palmati
tridactyli
.

1. †. Avosetta. R. albo nigroque varia.

Buffon Vol. VIII. tab. 38.

In den mildem Gegenden der alten Welt etc. nährt
sich vorzüglich von Wasser-Insecten und Gewürmen,
die er mit seinem sonderbar aufwärts gebogenen
Schnabel sehr geschicht zu fangen weiß.

62. Haematopus. Rostrum compressum, apice
cuneo aequali: pedes cursorii tridactyli
.

1. †. Ostralegus, der Austerdieb, Auster-
mann, die Meerälster
. (Fr. l'huitrier
Engl. the sea-pie, pied oyster-catcher.) H.
rostro pedibusque rubris.

Latham Vol. III. P. I. tab. 84.

Hin und wieder an den Seeufern aller Welttheilen
nährt sich vorzüglich von Conchylien.

63. Fulica, Wasserhuhn. Rostrum conve-
xum, mandibula superiore margine supra infe-
riorem fornicata
; frons calva, pedes tetradac-
tyli, subpinnati
.

1. Porphyrio. (Fr. la Poule Sultane. Engl. the
purple Water-hen
.) F. pedibus fissis, fronte
pedibusque rubris, corpore viridi subtus vio-
laceo
.

Buffon Vol. VIII. tab. 17.

Auf vielen Kusten und Inseln der wärmern Zonen
in allen fünf Welttheilen. Vom schönsten schlanken
Wuchs und prächtigen violet und grün schillernden
Gefieder. Wird leicht zahm.

2. †. Atra, das schwarze Bläßhuhn. (Fr.
la foulque, morelle. Engl. the coot.) F. pe-
dibus pinnatis fronte incarnata, armillis luteis
,
corpore nigricante.

Frisch tab. 209.

In der mildern nördlichen Erd.

[Seite 175]

64. Parra. Rostrum teretiusculum, obtusiuscu-
lum. Mares ovatae in medio rostri. Frons carun-
culata, carunculis lobatis. Alulae spinosae
.

1. Jacana. (Fr. le chirurgien, chevalier.) P. un-
guibus posticis longissimis, pedibus viridescen-
tibus
.

Buffon Vol. VIII. tab. 16.

In Westindien, Brasilien etc.

65. Rallus. Rostrum basi crassius, compres-
sum, dorso attenuatum apicem versus, aequale
,
acutum; pedes tetradactyli, fissi.

1. †. Grex, der Wachtelkönig, Schnerz,
Wiesenschnarrer, Schars
. (ortygometra.
Fr. le râle de genet. Engl. the rail, daker-
hen
.) R. alis rufo-ferrugineis.

Frisch tab. 210.

In den mildern Gegenden der alten Welt. Wach-
telkönig heißt er von der alten irrigen Sage, als
ob er dieser Vögel Heerführer im Zuge sey.

66. Psophia. Rostrum cylindrico-conicum,
convexum, acutiusculum, mandibula superiore
longiore. Nares ovatae, patulae. Pedes tetradac-
tyli, fissi
.

1. Crepitans, die Trompete, der Agami,
Mackukawa
. (Fr. l'oiseau trompette.) P.
nigra, pectore columbino.

Latham. Vol. II. P. II. tab. 68.

In Süd-Amerika, vorzüglich häufig am Amazo-
nen-Strom. Wird aufnehmend kirre und ihrem
Herrn zugethan.


IX. ANSERES.

Die Vögel dieser Ordnung werden durch ihre
Schwimmfüße kenntlich, die ihnen mehr nach hinten
zu sitzen, und daher zum Rudern sehr geschickt, aber
[Seite 176] desto unbequemer zum Gehen sind. Ihr Oberschnabel
endigt sich meist in ein kurzes Häkchen, und ist wie
der untere bey den mehresten mit einer ausnehmend
nervenreichen Haut überzogen. (– s. oben S. 145. –)
Sie haben eine fleischige Zunge, einen rauhen stache-
ligen Gaumen, und bey vielen von ihnen haben die
Männchen vorn an der Luftröhre eine besondere knor-
pelige oder knöcherne Kapsel. Sie haben dichtes fettes
Gefieder, das kein Wasser annimmt, halten sich an
den Ufern des Meeres, der Seen, der Flüsse, auf
Inseln, Klippen, im Schilf etc. auf, und leben meh-
rentheils in Polygamie. Sie legen meistens nur Ein
oder wenige Eyer; sind aber, besonders wegen ihres
Fleisches, Fettes, Federn etc. von mannigfaltiger Nutz-
barkeit.

67. Rhinchops. Rostrum rectum, mandibula
superiore multo breviore; inferiore apice trun-
cata
.

1. Nigra. (Fr. le bec en ciseaux. Engl. the sea-
crow, cut-water
.) R. nigricans, subtus alba,
rostro basi rubro.

Brisson. T. VI. tab. 21. fig. 2.

In Nord-Amerika. Der Oberschnabel ist kürzer
als der untere und dieser liegt in jenem, gleichsam
wie ein eingeschlagenes Taschenmesser.

68. Sterna. Rostrum edentulum, subulatum.
subrectum, acutum, compressiusculum. Nares
lineares, ad basin rostri
.

1. Stolida, die Noddy. (Fr. le fou, diable.)
S. corpore nigro, fronte albicante, supercili-
is atris
.

Brisson T. VI. tab. 18. fig. 2.

In allen Meeren zwischen den beyden Wendezir-
keln.

[Seite 177]

2. Hirundo, die Seeschwalbe. (Engl. the
silver-bird
.) S. cauda forficata: rectricibus
duabus extimis albo nigroque dimidiatis
.

Frisch tab. 119.

An der ganzen nördlichsten Erde.

69. Colymbus. Taucher. Rostrum edentulum,
subulatum, rectum, acuminatum, pedes com-
pedes
.

1. Grylle, die Grönländische Taube. (Engl.
the sea-turtle.) C. pedibus palmatis tridac-
tylis, corpore atro, rectricibus alarum albis
.

Frisch tab. 185.

Ebenfalls an der ganzen nördlichsten Erde.

2. †. Troile, die Lumer. (Fr. le guillemot.)
C. pedibus palmatis tridactylis, corpore fusco,
pectore abdomineque niveo, remigibus secun-
dariis extremo apice albis
.

Frisch tab. 185.

An den Seeküsten der nördlichen Erde.

3. †. Urinator. (Fr. la grébe.) C. capite laevi,
palpebra inferiore lutea, macula alarum alba.

Edwards tab. 360 fig. 2.

Im wärmern Europa. Sein Fell wird, so wie
das vom C. cristalus, zu Feder-Muffen etc. verar-
beitet.

70. Larus. Möve. (Fr. mouette, Engl. gull.)
Rostrum edentulum, rectum, cultratum, apice
subadunco. Mandibula inferior infra apicem
gibba
.

Meist an den Küsten der nördlichen Erde, doch
finden sich auch welche auf der Südsee und zwar
theils in ungeheuren Scharen.

1. †. Tridactylus. (Engl. the tarrock.) L. albi-
cans, dorso canescente, rectricum apicibus
,
excepto extremo, nigris, pedibus tridactylis.

Brisson T. VI. tab. 17. fig. 2.

Am nördlichen Ocean.

[Seite 178]

71. Plotus. Rostrum rectum, acuminatum,
denticulatum. Facies tecta, pedes palmati om-
nibus digitis connexis
.

1. Anhinga. P. ventre albo.

Willoughby tab. 72.

In Brasilien etc. Am Leibe von der Größe einer
Ente, aber mit einem sehr langen Halse, den das
Thier spiralförmig zusammen rollen und so den
Kopf gegen die Fische, die es erschnappen will, los
schnellen soll.

72. Phaëthon. Rostrum cultratum, rectum,
acuminatum, fauce pone rostrum hiante. Digi-
tus posticus antrorsum versus
.

1. Aethereus, der Tropikvogel. (Fr. la pail-
leen-queve
. Engl. the trobic-bird.) P. rectri-
cibus duabus longissimis, rostro ferrato, pe-
dibus aequilibribus: digito postico connexo
.

Brisson T. VI. tab. 42. fig. 1.

An der offenbaren See, zwischen den beyden
Wendezirkeln. Nährt sich meist von den fliegenden
Fischen.

73. Procellaria. Rostrum edentulum, sub-
compressum: mandibulis aequalibus, superiore
apice adunco; inferiore apice compresso-cana-
liculato. Pedes ungue postico sessili absque di-
gito
.

1. Pelagica, der Sturmvogel, Ungewit-
tervogel
. (Fr. le petrel. Engl. the tempest-
bird, stormfinch, mother cary's chicken
.) P.
nigra, uropygio albo.

Linné fauna suecica. tab. 2. fig. 143.

Sowohl im nördlichen als sudlichen Ocean. Meist
in offener freyer See fern vom Lande auf Klippen,
und die Schiffer sehen es gemeiniglich als Zeichen
eines bevorstehenden Sturms an, wenn er sich von
da nach den Schiffen flüchtet. Die Einwohner der
[Seite 179] Färöer bedienen sich seiner statt Lampe, indem sie
ihm bloß einen Docht durch den Körper ziehen und
anbrennen, da dann die Flamme von dem vielen
Fette, das allmählich hinein zieht, lange Zeit un-
terhalten wird.

74. Diomedea. Rostrum rectum: maxilla su-
periore apice adunca; inferiore truncata
.

1. Exulans, der Albatros. (Fr. le mouton.
du cap
.) D. alis pennatis longissimis, pedi-
bus aequilibribus tridactylis
.

Edwards tab. 88.

Von der Größe eines Schwans, hält aber mit
ausgespannten Flügeln wohl 11 Fuß Breite, fliegt
auf 500 Deutsche Meilen von irgend einem Lande
entfernt, aber selten höher als 10 bis 20 Fuß über
der Meers-Fläche. Nährt sich großentheils von
fliegenden Fischen*).

75. Pelecanus. Rostrum rectum: apice adun-
co, unguiculato: pedes aequilibres: digitis om-
nibus quatuor simul palmatis
.

a) Rostro edentulo.

1. †. Onocrotalus, die Kropfgans, der
Pelican
. (Fr. und Engl. pelican.) P. gula
saccata
.

Ein Blatt von J. E. Ridinger 1740.

In den wärmern Gegenden aller fünf Welttheile,
(wenn anders die Amerikanische Kropfgans nicht spe-
cifisch von der in der alten Welt verschieden ist).
Hat den Griechischen Nahmen von ihrer Eselsstimme,
den Deutschen aber von dem ungeheuren beutelför-
migen Kropfe, der ihr am Unterschnabel hängt,
und sich so ausdehnen läßt, daß er wohl 20 Pfund
Wasser fassen kann.

[Seite 180]

2. Aquilus, die Fregatte. (Fr. le tailleur
Engl. the man of war bird.) P. alis amplis-
simis, cauda forficata, corpore nigro, rostro
rubro, orbitis nigris
.

Edwards tab. 309.

Hat in der Bildung und Lebensart viel Ähnliches
mit dem Albatros: nur noch längere Flügel, die
ausgespannt auf 14 Fuß klafftern, und dem fliegen-
den Thier ein sonderbares Ansehen geben.

3. Carbo, die Scharbe, der Seerabe. (Fr.
und Engl. cormoran.) P. cauda rotundata,
corpore nigro, rostro edentulo, capite sub-
cristato
.

Frisch tab. 187.

Meist in allen fünf Welttheilen. Eine ihr sehr
ähnliche Gattung (Pelecanus sinensis) wird in
Schina zum Fischfang abgerichtet.

(Abbild. n. h. Gegenst. tab. 25.)

b) Rostro serrato.

4. Bassanus, die Rothgans. (Fr. le fou de
bassan
. Engl. the gannet, the soland goose.)
P. cauda cuneiformi, corpore albo, rostro
remigibusque primoribus nigris, facie caerulea
.

Brisson T. VI. tab. 44.

Häufigst im Norden von Europa und Amerika,
zumahl auf den Schottischen Inseln, und nahment-
lich auf Baß*), wovon diese Gans den Nahmen
führt. Macht die Hauptnahrung der armen Insu-
laner auf St. Kilda, deren Weiber auch die abge-
streifte Haut dieses Vogels statt Schuhe tragen,
die zwar nur ungefähr fünf Tage halten, aber auch
augenblicklich wieder durch neue ersetzt sind**).

[Seite 181]

76. Anas. Rostrum lamelloso-dentatum, con-
vexum, obtusum; lingua ciliata, obtusa
.

1. †. Olor, der Schwan, Elbsch. (Fr. le
cygne
. Engl. the swan, elk.) A. rostro se-
micylindrico atro, cera nigra, corpore albo
.

Frisch tab. 152.

In der nördlichen alten Welt: nährt sich von
Fröschen, Wasserpflanzen etc. Man muß diesen,
den so genannten stummen oder zahmen Schwan,
von dem so genannten wilden, A. cygnus (mit
gelber Haut an der Schnabelwurzel und weil län-
gerer krummlaufender Luftröhre), unterscheiden.
Dieser letztere gibt einen hellen, wen schallenden,
nicht unangenehmen Ton von sich.

Der schwarze Schwan mir weißen Schwung-
federn (A. nigra) ist an den Küsten des fünften
Welttheils zu Hause. Bey Botanybay sowohl als
an der Westküste, wo das schöne Thier schon 1697
gefunden und beschrieben worden*).

2. Cignoides, die Spanische, Türkische oder
Schinesische Gans
. (Fr. l'oye de Guinée.
Engl. the swan-goose, chinese goose.) A.
rostro semicylindrico: cera gibbosa, palpe-
bris tumidis
.

Frisch tab. 153. 154.

Auf Guinea, am Cap, dann in Sibirien und
Schina, und wie es scheint auch auf den Sandwich-
Inseln des stillen Oceans. Man unterscheidet meh-
rere Varietäten.

3. †. Anser, die Gans. (Fr. l'oye. Engl. the
goose
.) A. rostro semicilyndrico, corpore su-
pra cinereo, subtus pallidiore, collo striato
.
Meist in allen fünf Welttheilen wild. Unter den
zahmen soll es wohl häufig völlig schneeweiße Gan-
[Seite 182] serte, aber nur selten eine ganz weiße weibliche
Gans geben.

4. Canadensis, die Hudsonsbay-Gans.
(Engl. the grey goose.) A. cinerea, capite
colloque nigris, genis qulaque albis.

Edwards tab. 151.

Im kältern Nordamerika. Sehr gesucht wegen ihrer
ausnehmenden Flaumen zu Betten. Gibt auch vor-
zügliche Schreibfedern.

5. Bernicla, die Baumgans, Rothgans,
Schottische Gans
. A. fusca, capite collo
pectoresque nigris, collari albo.

Frisch tab. 156.

In den kältesten Ländern der nördlichen Erde;
kommt bloß zum Überwintern nach Schottland und
andern mildern Gegenden, wo sie sich unter andern
von dem Thier der Entenmuschel (Barnacle, Lepas
anatifera) nährt, daher die alle seltsame Fabel
entstanden, daß dieser Vogel nicht aus einem Ey,
sondern aus einer Muschel hervor komme u.s.w.*).

6. Mollissima, der Eidervogel. (Fr. l'oye à
duvet
. Engl. the eiderduck, cuthbert duck.)
A. rostro cylindrico, cera postice bifida, ru-
gosa.

Brünnichs N. H. des Eidervogels tab. 1. u. f.

In der nördlichen Erde, zumahl häufig auf Is-
land und in Grönland. Sein Fleisch und Eyer sind
sehr schmackhaft; noch wichtiger aber ist sein Fell,
womit man Kleider futtert, und die Flaumfedern,
die unter dem Nahmen der Eiderdunen bekannt sind.

7. Boschas, die Ente. (Fr. le canard. Engl.
the duck, mallard.) A. rectricibus interme-
diis (maris) recurvatis, rostro recto.

Frisch tab. 158 u. f.

[Seite 183]

Die wilde Ente findet sich fast in der ganzen
nördlichen Erde, theils in ungemein schönen Spiel-
arten. Die zahme (A. domestica) scheint große
Neigung zu unnatürlicher Paarung zu haben, so
daß z.B. die Entriche auf Hühner erpicht sind und
v. v. Enten den wälschen Hahnen nachlaufen und
sie zu reitzen suchen.

8. †. Clypeata, die Löffelente. (Fr. le sou-
chet
. Engl. the shoveler.) A. rostri extremo
dilatato rotundato; ungue incurvo.

Frisch tab. 161 u. f.

Hat meist gleiches Vaterland mit der vorigen.
Die Ränder des Schnabels sind nach innen mit hor-
nigen Borsten besetzt, fast wie kleine Wallfischbarden.

77. Mergus. Taucher, Wasserbuhn. Ro-
strum denticulatum, subulato-cylindricum,
apice adunco.

1. †. Merganser, der Kneifer. (Fr. l'harle.
Engl. the goos-ander.) M. crista longitudi-
nali erectiuscula: pectore albido immaculato,
rectricibus cinereis, scabo nigricante
.

Frisch tab. 190.

In der ganzen nördlichen Erde. So wie andere
Gattungen dieses Geschlechts ein schädliches Thier
für Fischteiche, zumahl zur Leichzeit.

78. Alca. (Engl. auk.) Rostrum edentulum,
breve, compressum, convexum, transverse ful-
catum, mandibula inferior ante basin gibbosa
.

Das ganze Geschlecht an den Küsten und Klippen
der nördlichen Erde.

1. Arctica, der Papageytaucher. (Fr. le
macareux
. Engl. the puffin.) A. rostro com-
presso-ancipiti, sulcato sulcis 4, oculorum
orbita temporibusque albis, palpebra supe-
riore mucronata.

[Seite 184]

Nistet in Erdhöhlen, oder wühlt sich auch selbst
so ein unterirdisches Lager.

79. Aptenodytes. Fettgans, Pinguin.
(Fr. manchot.) Rostrum compressiusculum:
subcultratum, longitudinaliter oblique fulcatum,
mandibula inferior apies truncato: alae impen-
nes, pinniformes
.

Ihr glattes glänzendes Gefieder, die gleichsam
flossenäbulichen, schuppigen, kleinen Flügel, und
ihr gerader, fast aufrechter Gang geben diesen Thie-
ren ein sonderbares Ansehen, deren verschiedene
Arten an den südlichen Küsten und Inseln von Afri-
ka, und Amerika, so wie andere um Neu-Hol-
land, Neu-Guinea und Neu-Seeland zu Hause
sind*). Finden sich theils in zahlloser Menge bey-
sammen.

1. Chrysocome. A. rostro rufo-fusco, pedibus
flavescentibus, crista frontali atra erecta, au-
riculari deflexa flava.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 46.

Auf den Falklands-Inseln, Neu-Holland etc.

2. Demersa. A. rostro pedibusque nigris, su-
perciliis fasciaque pectorali albis.

Edwards tab. 94.

Häufig am Cap etc.


Sechster Abschnitt.
Von den Amphibien.

[Seite 185]

§. 81.

Die Säugethiere und Vogel unterscheiden sich
beydes durch die Wärme ihres Bluts (§. 23 und 40.)
und durch die größere Menge desselben von den Am-
phibien und Fischen.

§. 82.

Die Amphibien aber ähneln doch darin noch
den warmblütigen Thieren, und zeichnen sich hingegen
von den Fischen vorzüglich dadurch aus, daß sie wie
jene auch noch durch Lungen Luft schöpfen; obgleich
dieselben von weit lockerer Textur, und auch ihre
Athemzüge weit unbestimmter, und so zu sagen unor-
dentlicher sind als bey den beyden Classen mit warmem
Blute. Auch können sie das Athemhohlen weit länger
entbehren als diese, weit länger im so genannten luft-
leeren Raume, oder auch in eingesperrter Luft (wie
z.B. Kröten in einer engen Höhle mitten in Baum-
stämmen oder Steinblöcken) und selbst geraume Zeit
in einer Atmosphäre von kohlengesäuerter Luft aushal-
ten, und auffallende Extreme von Hitze und von Kälte
ausdauern, so daß man z.B. ungezweifelte Beyspiele
von Wassermolchen und Fröschen hat, die sowohl im
[Seite 186] Magen und Darmcanal von Menschen gelebt haben,
als auch ihrem Leben unbeschadet in dichte Eisschollen
eingefroren sind.

§. 83.

Und eben weil die Amphibien mit Lungen verse-
hen sind, so sind sie auch noch fähig Stimme von
sich zu geben: doch scheinen einige (wie z.B. unter
den hierländischen der wahre Salamander, die grüne
Eidexe, die Blindschleiche etc.) gänzlich stumm zu seyn.

§. 84.

In Rücksicht der Bildung überhaupt herrscht
vorzüglich die doppelte Verschiedenheit unter den Am-
phibien, daß sie entweder, wie die Schildkröten,
Frösche, Eidexen etc. mit vier Füßen versehen sind;
oder aber, als Schlangen einen langgestreckten, cy-
lindrischen Körper ohne alle äußere Bewegungswerk-
zeuge haben.

§. 85.

Die äußern Bedeckungen sind bey den
Amphibien mannigfaltiger als bey den warmblütigen
Thieren. Einige sind mit einer knochigen Schale über-
zogen: andere mit hornartigen Reifen, oder mit zahl-
reichen kleinen Schildchen, oder mit Schuppen bedeckt:
und noch andere haben eine nackte nur mit Schleim
überzogene Haut. Die mehresten häuten sich von
Zeit zu Zeit. Manche, wie z.B. der Laubfrosch und
verschiedene Eidexen, besonders der Chamäleon, än-
dern auch zuweilen plötzlich ihre Farbe.

§. 86.

Den mehresten Amphibien ist, wie schon die
Benennung der ganzen Classe andeutet, Wasser und
[Seite 187] Land zum gemeinschaftlichen Aufenthalt angewie-
sen. Manche gehen willkührlich in beyden ihren Geschäf-
ten und ihrer Nahrung nach. Andere hingegen bringen
entweder eine bestimmte Periode ihres Lebens, oder
gewisse Jahrszeiten bloß in einem von beyden zu. End-
lich sind aber auch manche entweder bloß für daß
Wasser, und nicht für beydes zugleich bestimmt.

§. 87.

Manche Amphibien, zumahl unter den Schild-
tröten und Schlangen, leben von sehr gemischter
Nahrung: andere hingegen, wie der Laubfrosch,
Chamäleon etc. und sehr eigen in der Wahl ihrer Spei-
sen, gehen z.B. bloß lebende Insecten von einigen
wenigen bestimmten Gattungen an. In der Gefan-
genschaft nehmen viele gar keine Nahrung zu sich und
können dann zum Wunder lange fasten: ich selbst habe
z.B. Salamander auf acht Monathe lang ohne Speise
und selbst ohne daß sie dabey beträchtlich abgezehrt
wären, erhalten: und von Schildkröten weiß man,
daß sie gegen anderthalb Jahre ohne alle Nahrung
ausdauern können.

§. 88.

Die bey vielen Amphibien so ganz ausnehmende
Leichtigkeit und Stärke ihrer Reproductions-
kraft
(§. 19) hat, wo ich nicht irre, in der ob-
gedachten Stärke ihrer Nerven und hingegen respecti-
ven Kleinheit ihres Gehirns (§. 29.) einen Grund; da
folglich die erstern von letzterem minder abhängig sind;
und überhaupt die ganze Maschine zwar schwächere
Mobilität, weniger consensus zeigt, das ganze Leben
der Amphibien einfacher, und mehr bloß vegetativ
[Seite 188] scheint, als bey den warmblütigen Thieren, – aber
dagegen die Glieder mehr mit eigenthümlicher, inde-
pendenter Lebenskraft versehen sind. Und da folglich
bey dieser mehr eigenthümlichen Lebenskraft der einzel-
nen Theile, nicht gleich jeder Stimulus, der auf
Einen Theil, oder auf Ein System wirkt, sogleich,
wie bey den warmblütigen Thieren, andere in Con-
sensus zieht, so erklärt sich auch wohl überhaupt daher
ihr zähes Leben, so daß Frösche, denen das Herz aus-
gerissen ist, doch noch umher hüpfen, und Schildkrö-
ten, denen das Gehirn aus dem Kopfe genommen
worden, noch Monathe lang leben können; daher auch
wohl die anhaltende Beweglichkeit der den Amphibien
abgeschnittenen Theile, wie z.B. der Schwänze von
Wassermolchen, Blindschleichen etc.*)

§. 89.

Zu Waffen und Vertheidigungsmit-
teln
dient manchen Amphibien, zumahl unter ten
Schlangen, ihr Gift; dem Salamander, der Feue-
kröte etc. ihr milchichter Hautschaum, den sie im Noth-
fall von sich geben: vielen auch wohl der specifike Ge-
ruch, den sie verbreiten; so zumahl manche Schlan-
gen, Kröten, Eidexen etc.

§. 90.

Die äußern Sinne scheinen bei den mehresten
Amphibien von keiner sonderlichen Schärfe zu seyn. –
Unter den innern zeichnet sich doch bey vielen das Ge-
dachtniß aus, da man Beyspiele selbst von Crocodilen
[Seite 189] und Kröten hat, die ihre Wohlthäter kennen gelernt
und kirre geworden, und vollends viele Schlangen be-
kanntlich sich zu allerhand Gaukeleyen abrichten lassen.
Hingegen finden sich bey den Thieren dieser Classe nur
sehr wenige Spuren von wahren Kunsttrieben.
(§. 36.)

§. 91.

Auch scheinen die wenigsten Amphibien einen täg-
lichen Erhohlungsschlaf zu halten. – Dagegen
aber wohl alle die kältern Wintermonathe in Erstar-
rung zuzubringen. Und zwar theils einzeln, theils
wie unsere hierländischen Frösche und Salamander in
Haufen. Doch können auch diese gar leicht des Win-
terschlafs entbehren, und Jahr aus Jahr ein wachend
im Zimmer erhalten werden.

§. 92.

Das Fortpflanzungsgeschäft der Amphi-
bien hat ungemein viel Sonderbares. Der Paarungs-
trieb ist bey vielen so heftig, daß man z.B. Frösche
gesehen hat, die in Ermangelung eines Weibchens an-
dere männliche Frösche oder Kröten oder gar todte
Weibchen besprungen haben. Bey den mehresten Frö-
schen und See-Schildkröten dauert die Paarung meh-
rere Täge, ja Wochen lang. Die Vipern schlängeln
sich in der Paarung mit dem Hinterleibe auf das in-
nigste um einander, und züngeln dabey mit geboge-
nem Halse auf einander los. Die Wassermolche hinge-
gen umfassen einander gar nicht, sondern das Männ-
chen schwimmt zur Brunstzeit bloß um sein Weibchen
herum und bespritzt die Eyerchen, so wie es dieselben
von sich gibt, von der Ferne.

§. 93.

[Seite 190]

Die Amphibien sind, bis auf sehr wenige Aus-
nahmen, Eyerlegende Thiere. Aber manche, zu-
mahl unter den Schlangen etc. geben die Eyer nicht
eher von sich, als bis das darin befindliche Junge schon
meist seine völlige Ausbildung erhalten hat. Die Pipa
heckt ihre Jungen auf dem Rücken aus.

Anm. Ein Salamander, den ich wenigstens vom Ende
des Sommers an ganzer vier Monathe lang völlig
isolirt in einem Glase gehalten, hat hierauf um Neu-
jahr herum ganz unerwartet binnen wenigen Tagen
34 Junge geheckt, so daß folglich hier eine ehemah-
lige Befruchtung, auf eine noch weit längere Zeit
hinaus als bey den Hühnern, ihre Wirksamkeit erhal-
ten muß.

§. 94.

Die Frösche und Eidexen, die im Wasser jung
werden, kommen nicht gleich in ihrer vollkommenen
Gestalt, sondern als so genannte Larven zur Welt,
und müssen sich erst noch einer Art von Metamor-
phose
unterziehen, ehe sie die Ausbildung und den
völligen Gebrauch aller ihrer Gliedmaßen erlangen.
Die kleinen Frösche z.B. (die so genannten Kaul-
quappen
, gyrini, Fr. tetards, Engl. toadpoles)
haben anfangs noch keine Füße, sondern dafür einen
langen Ruderschwanz; auch, so wie die jungen Sala-
mander, eine Art von Fischkiemen (branchiae oder
Swammerdams appendices simbriatae) zu bey-
den Setten des Halfes; ferner zum Theil eine kleine
Saugeröhre an der Unterlefze u. dergl. m. Lauter
Theile, die nur für den Larvenstand des zarten jungen
[Seite 191] Thieres bestimmt sind und mit der zunehmenden Reife
desselben allgemach schwinden*).

§. 95.

Die Amphibien haben ein langsames Wachs-
thum
; so daß z.B. unsere hierländischen Frösche
meist erst im vierten Jahre mannbar werden: und doch
erreichen diese nur ein, nach Verhältniß dieser späten
Pubertät, nicht beträchtliches Alter von 12 bis 16
Jahren. Hingegen weiß man, daß Schildkröten selbst
in der Gefangenschaft über 100 Jahre gelebt haben,
so daß hiernach zu schließen, die Crocodile und großen
Schlangen etc. wohl zu einem noch höhern Alter gelan-
gen können.

§. 96.

Die Benutzung der Amphibien für das Men-
schengeschlecht ist ziemlich einfach; aber für manche Ge-
genden theils äußerst beträchtlich. Zumahl der Ge-
nuß
der Schildkröten und ihrer Eyer, so wie auch
verschiedener Frösche und Eidexen etc. – auch von
Schildkröten Thran; und Schildpart zu Kunstar-
beiten
etc. –

§. 97.

[Seite 192]

Schädlich werden manche ungeheure Thiere
dieser Classe, die Crocodile, Wasserschlangen etc. durch
ihre Größe, und andere, zumahl unter den Schlan-
gen, durch ihr Gift, das in keiner andern Thierclasse
von einer so gefahrvollen Heftigkeit ist.

§. 98.

Die ganze Classe zerfällt bloß in zwey Ordnun-
gen:

I. Reptiles. Die Amphibien mit vier Füßen. (Die
quadrupeda ovipara der altern Naturforscher)
Schildkröten, Frösche, Eidexen. Und

II. Serpentes. Die Schlangen, ohne alle äu-
ßere Bewegungswerkzeuge. (§. 84.)

* * *

Einige wenige Quellen zur N. G. dieser Classe:

  1. Alb. Seba rerum naturalium thesaurus. Amst. 1734. 1765.
    IV. vol. gr. Fol. (– hierher gehören bloß die bey-
    den ersten Bände.)
  2. Joh. Nic. Laurenti synopsis reptilium emendata.
    Vindob. 1786. 8.
  3. C. de la Cepéde histoire naturelle des quadrupédes ovi-
    pares et des serpens
    . Paris. 1788. II. vol. 4.
  4. Deutsch, mit Anmerk. und Zusätzen von J. M. Bech-
    stein
    . Weim. 1800. V. Th. 8.
  5. G. Ad. Suckow Anfangsgründe der N. G. der Thiere.
    III. Th. Leipz. 1798. 8.
  6. J. Gottl Schneider historiae amphibiorum naturalis et
    literariae
    . Fasc. I. II. Jen. 1799 1801. 8.

I. REPTILES.

[Seite 193]

Alle Thiere dieser Ordnung sind (wenigstens wenn
sie ihre vollkommene Gestalt erlangt haben) mit vier
Füßen versehen, die nach dem verschiedenen Aufent-
halt dieser Thiere entweder freye (pedes digitati),
oder durch eine Schwimmhaut verbundene (palmati),
oder gar wie in eine Flosse verwachsene Zehen (pinnati)
haben.

1. Testudo, Schildkröte. (Fr. tortue. Engl.
lortoise, die See-Schildkröten aher turtle,
Span. galàpago) Corpus testa obtectum, cauda
(plerisque) brevis, os mandibulis nudis eden-
tulis
*)

Die mehresten Schildkröten sind mit einer kno-
chigen sehr festen Schale bedeckt, deren Obertheil
mit dem Rückgrath und den Rippen des Thiers ver-
wachsen, und mit den breiten hornigen Schuppen
belegt ist, die Hey manchen Gattungen, so stark und
schönfarbig sind, daß sie zu Kunstsachen verarbei-
tet werden. Gewöhnlich liegen 13 dergleichen Schup-
pen in der Mitte, und 24 um den Rand herum.
Der Untertheil oder das Bauchschild ist etwas klei-
ner, als das obere, und mit Ausschnitten für
Kopf, Schwan; und Füße versehen. – Überhaupt
aber dient die so ganz auszeichnete eigenthümliche
Bildung dieses dadurch gleichsam isolirten Geschlechts
zu einer bedeutenden Instanz gegen die vermeinte
Stufenfolge in der Natur.

1. Membranacea. T. pedibus palmatis, ungui-
[Seite 194] culis tribus, testa orbiculari ovata, membra-
nacea, grisca, striata, scabra
.

Schneider l. c. tab. I.

In Guiana.

2. Imbricata, die Carette. (Engl. the hawks-
bill turtle
.) T. pedibus pinniformibus, testa
cordata subcarinata, margine serrato: scu-
tellis imbricatis latiusculis, cauda squamata.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils, im
Anhang tab. 42.

In beyden Indien; auch im rothen Meere. Gibt
das beste Schildpatt*).

3. Mydas, die grüne oder Riesen-Schild-
kröte
. (viridis Schneider. Fr. la tortue fran-
che
. Engl. the green turttle.) T. pedibus pin-
niformibus, marginibus maxillarum dentatis,
testa ovata.

Schöpff tab. 17. fig. 2.

Diese See-Schildkröte hält zuweilen 8. Centner
am Gewicht. Sie hat ihren gewöhnlichern Nahmen
von ihrer blaß-olivengrünlichen Schale und der
auffallend grünen Farbe ihres schmackhaften Fettes.
Lebt bloß vom Seetang u. dergl. Vegetabilien,
daher ihr ausnehmend schmackhaftes, gar nicht thra-
niges Fleisch.

4. †. Orbicularis, die gemeine Flußschild-
kröte
. (europaea Schneid.) T. pedibus pal-
matis, testa orbiculata planiuscula.

Im mildern Europa.

5. Graeca. T. pedibus subdigitatis, testa postice
gibba: margine laterali obtusissimo, scutellis
planiusculis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 66.

Im südlichen Europa und nördlichen Afrika.

[Seite 195]

6. Geometrica. T. pedibus posticis palmatis,
testae scutellis elevatis truncatis.

Schöpff tab. 10.

In Ostindien, und am Cap. Ungefähr von der
Größe einer flachen Hand: hat wegen ihres regel-
mäßigen schwarz und gelbgezeichneten, hochgewölb-
ten Rückenschildes ein artiges Ansehen.

2. Rana. Frosch (Fr. grenouille. Engl. frog.)
und. Kröte (Fr. crapaud. Engl. toad.) Cor-
pus nudum pedibus quatuor, posticis lan-
gioribus
*).

1. Pipa. R. corpore plano, rostro spathiformi,
digitis anticis muticis quadridentatis, posti-
cis unguiculatis
.

Abild. n. h. Gegenst. tab. 36.

In den Gewässern von Guiana. Wird durch die
überaus sonderbare und ganz anomalische Weise,
mit der die Mutter ihre Jungen ausheckt, merke-
würdig. Das Mannchen streicht nähmlich den Leich,
den das Weibchen vorher auf die gewöhnliche Art
von sich gegeben, demselben auf den Rücken, und
befruchtet ihn hierauf mit seinem Samen. Die
Eyerchen verwachsen nachher gleichsam in der Haut
der Mutter, bis nach Verlauf von beynahe drey
Monathen die darin befindlichen anfangs geschwänz-
ten Kaulquappen**) zum Ausbruch reif sind, und
nachdem ihr Schwanz allgemach verschwunden und
sie dagegen ihre vier Füße erhalten, den Rücken
ihrer Mutter verlassen können.

2. Cornuta. R. palpebris conicis.

Seba vol. I. tab. 72. fig. 1. 2.

In Virginien; hat wegen seiner großen stieren
[Seite 196] Augen, und der Ungeheuren tutenförmigen obern
Augenlieder ein abenteuerliches Ansehen.

3. Ocellata. (Engl. the bull-frog.) R. auribus
ocellatis, pedibus muticis
.

Catesby vol. II. tab. 72.

In Nord-Amerika. Fast von der Größe eines
Meerschweinchens. Hat den Englischen Nahmen von
seiner starken Stimme.

4. Paradoxa, die Jackie. (Rana piscis.) R. fe-
moribus postice oblique striatis
.

Seba vol. I. tab. 78.

Im südlichen Amerika. Die Larve (§. 95.) er-
reicht eine fast spannenlange Größe, ist dann viel
größer als der ausgebildete, zu seiner Reife gelang-
te Frosch, und hat in jenem Larvenzustande zu einer
alten Sage, von Fröschen, die sich in Fische ver-
wandelten, Anlaß gegeben. Auch nachdem schon die
vier Beine ihre ganze Größe und Ausbildung er-
halten haben, bleibt das Thier doch noch geraume
Zeit geschwänzt.

5. †. Bufo, die Kröte. R. corpore ventrico-
so verrucoso lurido fuscoque.

Rösel tab. 20. 21.

Daß ihr Harn ein heftiges Gift seyn soll, ist un-
gegründet. Hingegen ist es unläugbar, daß man
verschiedentlich lebendige Kröten mitten in durchsäg-
ten Baumstämmen, oder in Steinblocken etc. Ange-
troffen hat.

6. †. Bombina, die Feuerkröte. R. corpore
verrucoso, abdomine aurantio-caesio macu-
lato, pupilla triquetra.

Rösel tab. 22.

Am Bauche schön blau und gelb gemarmelt,
hüpft fast wie ein Frosch.

7. †. Portentosa, die Haus-Unke. (Buso ca-
[Seite 197] lamita. Laurent.) R. verrucosa, linea dor-
sali flava, lateralibus rufescentibus.

Rösel tab. 24.

In feuchten Kellern, Ufer-Höhlen etc. kommt
selten zum Vorschein; gibt aber einen eigenen dum-
pfen Laut von sich, der allerhand abergläubige Sa-
gen veranlaßt hat.

8. †. Temporaria, der braune Grasfrosch.
R. subfusca dorso planiusculo subangulato.

Rösel tab. 1–8.

Im Gras und Gebüsch etc. von da die Jungen
nach warmen Sommer-Regen haufenweise hervor-
kriechen, da dann ihre plötzliche Erscheinung wohl
zu der alten Sage vom Froschregen Anlaß gegeben
haben mag.

9. †. Esculenta, der grüne Wasserfrosch,
Röling, Marxgöker
. R. viridis, corpore
angulato, dorso transverse gibbo, abdomine
marginato.

Rösel tab. 13–16.

In Teichen und Sümpfen. Die Männchen qua-
ken laut, zumahl des Abends bey schönem Wetter,
und treiben dabey zwey große Blasen hinter den
Maulwinkeln auf. Sie sind schlau und muthig,
verzehren Mäuse, Sperlinge, und selbst junge
Enten, Forellen etc. und können sogar über Hechte
Herr werden. Zur Begattungszeit bekommen die
Männchen dieser und der vorigen Gattung schwarze
warzige Ballen an den Daumen der Vorderfüße,
womit sie sich äußerst fest um ihrer Weibchen Brust
klammern können.

10. †. Arborea, der Laubfrosch. (calamites,
hyla. Fr. la raine, grenouille de St. Martin,
le graisset
.) R. corpore laevi, subtus granu-
lato pedibus fissis, apicibus digitorum lenti-
culatis.

Rösel tab. 9–12.

[Seite 198]

Fast in ganz Europa (doch nicht in England,
auch in Amerika etc. Der klebrige Schleim, womit
er wie die Schnecken überzogen ist, dient ihm bey
seinem Aufenthalt am Laub der Bäume zur Hal-
tung. Die erwachsenen Männchen, die an ihrer
braunen Kehle kenntlich sind, haben eine laute
Summe, die sie, wenn das Wetter sich ändern
will, aber auch außerdem zur Paarungszeit von
sich geben. Sie blähen dabey die Kehle zu einer
großen Blase auf.

3. Draco. Corpus tetrapodum caudatum,
alatum.

1. Volans, die fliegende Eidexe. D. bra-
chiis ab ala distinctis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 98.

In Ostindien und Afrika.

4. Lacerta. Eidexe. (Fr. lezard. Engl.
lizard.) Corpus elongatum, pedibus quatuor
aequalibus.

1. Crocodilus, der (eigentliche) Krokodil. (Cro-
codilus vulgaris Cuv.) L. rostro aequali,
scutis nuchae 6, squamis dorsi quadratis,
sex-fariam positis, pedibus posticis palmatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 26. 27.

Zumahl häufig in den großern Strömen von Afrika
(nahmentlich im Ober Nil und im Niger). Das
größte Thier der süßen Wasser, das wohl eine Länge
von 30 Fuß erreichen soll*): und doch, haben seine
Eyer kaum die Größe eines Gänse-Eyes. Erwach-
sen fällt er Menschen und andere große Thiere an.
Jung gefangen aber läßt er sich doch zähmen**).

[Seite 199]

2. Alligator, der Kaiman. (Crocodilus scler-
ops Cuv
.) L. porca transversa inter orbitas,
nucha fasciis osseis 4 cataphracta, pedibus
postici semipalmatis.

Seba. vol. I. tab. 104. fig. 10.

Im mittlern Amerika. Weit rundlicher und glat-
ter am Leihe und Schwanz, als der eigentliche
Krokodil, wird auch nicht so groß als dieser und
legt kleinere Eyer. Hat übrigens eben so wie jener
fünf Zehen an den Vorderfüßen und viere an den
hintern, von welchen allen aber nur die drey innern
mit Krallen bewaffnet sind.

3. Gangetica, der Gavial. L. mandibulis
elongatis subcylindricis, pedibus postici pal-
matis.

Edwards in philos. Transact. Vol. XLIX.

Zumahl im Ganges.

4. Monitor. (Fr. la sauve-garde.) L. cauda
carinata, corpore mutico squamis marginatis,
maculis ocellatis
.

Seba vol. I. tab. 94. fig. 1. 2. 3.

In beyden Indien. Ueberaus sauber und regel-
mäßig schwarz und weiß gefleckt; wird über 3 Ellen
lang; hat den Nahmen daher, daß es sich, wie
man sagt, meist in Gesellschaft der Krokodile auf-
halten, und durch einen pfeifenden Laut, den es
von sich gibt, diese seine furchtbaren Gefährten
verrathen soll.

5. Iguana, der Leguan. L. cauda tereti lon-
ga, sutura dorsali dentata, crista gulae denti-
culata.

Seba. vol. I. tab. 95 sqq. tab. 98. fig. 1.

In Westindien. Ein flinkes Thier. Hat ein über-
aus schmackhaftes Fleisch und Eyer.

6. Chamaeleon. L. cauda prehensili, digitis duo-
bus tribusque coadunatis.

Jo. Fr. Miller fascic. II. tab. 11.

[Seite 200]

In Ostindien, Nord Afrika, und nun auch
theils in Spanien. Langsam, träge, lebt auf Bäu-
men und Hecken, naht sich von Insecten, die es-
mit seiner langen vorn kolbigen ausgehöhlten klebri-
gen Zunge sehr behende zu fangen versteht. Seine
Lungen und ausnehmend groß, und das Thier kann
sich damit nach Willkühr aufblähen oder dünner
machen, daher vermuthlich die Sage der Alten ent-
standen seyn mag, das ei bloß von Luft lebe. Seine
Augen haben die ganz eigene Einrichtung, daß
jedes besonders, oder auch beyde zugleich nach ver-
schiedenen Richtungen, eines z.B. aufwärts, das
andere hinterwärts u.s.w. und zwar schnell bewegt
werden können. Seine natürliche Farbe ist grünlich-
grau, es ändert dieselbe aber zuweilen, zumahl
wenn es zornig wird etc. Der zuweilen bemerkte
Wiederschein von benachbarten farbigen Gegenständen
auf die glänzenden Schuppen des lebendigen Thiers
hat Anlaß zu der Fabel gegeben, als ob sich seine
Farbe überhaupt nach denselben richte.

7. Gecko (vermuthlich der wahre stellio oder sau-
rus
der Alten) L. cauda tereti mediocri, di-
gitis muticis subtus lamellatis, corpore verruco-
so, auribus concavis.

Seba vol. 1. tab. 109.

In Ägypten, Ostindien, auch auf den Inseln
der Südsee und selbst hin und wieder im südlichen
Europa, z.B. im Megapolitanischen. Er soll einen
giftigen Saft zwischen seinen blättrichen Fußzehen
haben, und dieser sich den Eßwaaren, wo das Thier
drüber wegläuft, mittheilen.

8. Scincus, (crocodilus terrester.) L. cauda tereti
mediocri, apice compressa, digitis muticis
lobato-squamosis marginatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 87.

Im steinigen Arabien, Ägypten etc.

9. †. Agilis, die grüne Eidexe, Kupfer-
[Seite 201] Eidexe. L. cauda verticillata longiuscula,
squamis acutis, collari subtus squamis con-
stricto.

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Im wärmern Europa, und, wie es scheint, auch
in beyden Indien und auf den Inseln der Südsee.
Ihre Eyer leuchten eine Zeitlang im Finstern.

10. †. Lacustris, der Wasser-Molch, Was-
ser
-Salamander. L. nigra, dorso lateri-
busque verrucosis, abdomine flavo, nigro-
maculato.

Laurenti tab. 2. fig. 4.

Die Männchen haben im Frühjahr eine vom
Kopf bis zum Schwanz längs des Rückens hinlau-
fende empor stehende ausgezackte Haut. Von seiner
ausnehmenden Reproductionskraft s. oben S. 31.

11. †. Salamandra, der Salamander,
Molch, die Molle
, Ulme. (Fr. le sourd,
mouron
) L. cauda tereti brevi. pedibus mu-
ticis, corpore flavo nigroque vario, nudo, po-
roso.

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Schwarz und citrongelb gefleckt, spannenlang
und daumendick. Daß er giftig sey, im Feuer leben
kenne etc. sind Fabeln.


II. SERPENTES.

[Seite 202]

Die Schlangen*) haben gar keine äußeren Glied-
maßen, sondern bloß einen cylindrischen lang gestreck-
ten Körper, den sie wellenförmig bewegen; und der
mit Schuppen, Schildern, oder Ringen bekleidet ist.
Manche leben im Wasser (da sie bey ihrer ausnehmend
langen und theils blasenförmigen Lunge leicht schwim-
men können), andere auf der Erde, andere meist auf
Bäumen. Sie legen mehrentheils an einander gekette-
te Eyer, und ihre Kinnladen sind nicht, wie bey an-
dern Thieren, fest eingelenkt, sondern zum Kauen
ungeschickt, indem sie sich weit von einander dehnen
lassen, so daß die Schlangen andere Thiere, die oft
weit dicker als sie selbst sind, ganz verschlingen können.
Manche sind mit heftigem Gift in besondern Bläschen
am vordern Rande des Oberkiefers versehen**), das
in eigenen Drüsen abgeschieden und durch besondere
röhrenförmige, einzeln stehende, gegen die Spitze zu
mit einer länglichen Öffnung versehene, Giftzähne
(– als durch einen Ausführungsgang –) beym Biß
in die Wunde geflößt wild. (– Abbild. n. h. Ge-
genst
. tab. 37. fig. 1. –) Diese bloß am vordern
Rande des zugleich merklich starken Oberkiefers befind-
lichen Giftzähne geben auch den zuverlässigsten Cha-
[Seite 203] rakter ab, um die giftigen Schlangen von den giftlo-
sen zu unterscheiden*), da bey den letztern der ganze
äußere Rand der obern Kinnlade (bis hinten) mit Zäh-
nen besetzt ist (– Abbild. n. h. Gegenst. a. a. O.
fig. 2. –); außerdem haben aber wohl alle Schlan-
gen noch eine doppelte Reihe kleiner Gaumen-Zähne
mit einander gemein.

5. Crotalus. Klapperschlange. (Fr. ser-
pent à sonnettes
. Engl. rattle-snake.) Scuta
abdominalia. Scuta squamaeques subcaudales.

Crepitaculum terminale caudae.

1. Horridus. ♃ C. scutis 167. scutellis 23.

Seba. vol. II. tab. 95. fig. 1.

Zumahl im wärmern Nordamerika: wird auf 6
Fuß lang und fast armsdick. Die Gattungen dieses
Geschlechts unterscheiden sich von allen andern Schlan-
gen, ja überhaupt von allen übrigen Thieren in der
Schöpfung durch die räthselhafte, hornartige, ge-
gliederte Raffel am Ende des Schwanzes. – Die
Zahl der Glieder an diesem so wunderbar gebauten
und in seiner Art so ganz einzigen Organ nimmt
mit den Jahren zu, und soll bey alten wohl auf 40
steigen. Daß kleine Vögel, Eichhörnchen etc. im
Gebüsch der darunter liegenden Klapperschlange**)
gleichsam von selbst in den Rachen fallen, wird von
[Seite 204] gültigen Augenzeugen versichert; ist aber keine aus-
schließliche Eigenheit dieses Geschlechts, da man
das nähmliche auch an mehrern andern Schlangen
der neuen und alten Welt bemerkt haben will. –
Die Klapperschlangen selbst werden häufigst von den
Schweinen und Raubvögeln verzehrt. Auch lassen
sie sich überaus kirre und zahm machen.

6. Boa. Scuta abdominalia et subcaudalia.

1. Constrictor, die Riesenschlange, Ab-
gottsschlange, Anaconda
. (Fr. le devin)
B. scutis 240. scutellis 60.

Merrem II. Heft. tab. 1.

In Ostindien und Afrika. Wird nach Adanson's
Versicherung auf 40 bis 50 Fuß lang. Soll leben-
digen Rehen etc. die Rippen und andere Knochen
entzwey brechen, das Thier nachher mit einem gal-
lertartigen Geifer überziehen, und so hinter würgen.
Doch ist sie leicht kirre zu machen und wird, wie die
Brillenschlange, von den Ostindischen Gauklern zu
allerhand Kunststücken abgerichtet. – Die Amaru-
Schlange in Süd-Amerika, die von den Antis in
Peru angebethet ward, und auch auf 30 Fuß lang
wird, scheint wenig von dieser verschieden. – Hin-
gegen ist wohl die aus Guinea so heilig verehrte so
genannte Juda-Schlange von einer andern
Gattung.

7. Coluber. (Fr. couleuvre.) Scuta abdomi-
nalia, squamae subcaudales
.

1. Vipera. C. scutis 118. squamis 22.

[Seite 205]

Es werden mehrere Schlangen mit dem Nahmen
der Viper belegt. Hier diese von Linné so genannte,
ist in Ägypten zu Hause.

2. Cerastes, die gehörnte Schlange. ♃ C.
tentaculis superciliaribus, scutis 145. squa-
mis
44.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils, im
Anhang tab. 40.

Diese von den beyden über den Augen flehenden
Hörnchen benannte Schlange hat gleiches Vaterland
mit der vorigen, und ist allerdings giftig.

3. †. Berus, die Otter, Viper. (Engl. the
adder
.) ♃ C. scutis 146. squamis 39.

Laurenti tab. 2. fig. 1.

Diese ehemahls officinelle Viper ist von bräunli-
cher Farbe und in wärmern Gegenden der alten
Welt, auch schon in Deutschland und in der Schweiz
zu Hause. Ihr Biß verursacht zwar heftige Entzün-
dung, wird doch aber nur selten tödtlich. Es ist die-
selbe Gattung, womit ehedem Redi und neuerlich
Fontana so viele merkwürdige Versuche angestellt
haben.

4. †. Natrix, die Ringel-Natter, Schna-
cke, der Unk
. (Fr. la couleuvre à collier.)
C. scutis 170. squamis 60.

Stahlfarbig mit weißen Seiten-Flecken, zumahl
an den beyden Seiten des Halses. Man hat selbst
in Europa welche von 10 u. m. Fuß gefunden die
dann wohl ehedem Anlaß zu den abenteuerlichen
Erzählungen von Lindwürmern etc. gegeben haben
mögen.

5. Coccineus, die Carmoisin-Schlange. C.
scutis 175. squamis 35.

Voigts Magazin 5ten Bdes. 1stes Stück.
tab. 1.

Diese ausnehmend schönfarbige und unschuldige
[Seite 206] Schlange ist in Florida und Neu-Spanien zu
Hause. Fingers dick und ungefähr 2 Fuß lang.
Längs dem Rücken laufen etliche und zwanzig große
und sehr regelmäßige carmoisinrothe Flecken, die
mit schwarzen Rändern eingefaßt, und diese wieder
mit citrongelben Querstreifen von einander abgeson-
dert sind. Die Mädchen in Florida sollen das schöne
Thier zum Putz als Halsband oder in die Haare ge-
flochten tragen etc.

6. Naja, die Brillenschlange. (Cobra de
Cabelo.
) ♃ C. scutis 193. squamis 60.

Russell's Indian Serpents tab. 5. 6.

In Ostindien. Der Hals ist weit ausdehnbar, und
hinten mit einer brillenähnlichen Figur bezeichnet.
Ist eine der giftigsten Schlangen, wird aber häufig
vom Ichneumon gefressen, und ist auch leicht zu-
allerhand Gaukelkünsten abzurichten.

8. Anguis. Squamae abdominales et subcau
dales.

1. †. Fragilis, die Blindschleiche, Bruch-
schlange, der Haselwurm
, Hartwurm.
(Fr. l'orvet. Engl. the blind-worm, slow-
worm
) A. squ. abd. 135. totidemque subcaud.

In dumpfigen Gegenden, altem Gemäuer etc.
Bricht leicht entzwey, wenn man sie anfaßt, und
die Stücke bewegen sich doch noch Stunden lang.
Man findet von ihr mancherley theils sauber gezeich-
nete Spielarten.

2. Platuros. ♃ A. cauda compressa, obtusa.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 28.

Im Indischen Ocean und der Südsee.

9. Amphisbaena. Annuli trunci caudaeque.

1. Fuliginosa. A. ann. tr. 200. caudae 30.

Seba vol. I. tab. 88. fig. 3. u.a.

In Amerika. Schwarz und weiß gefleckt.

[Seite 207]

10. Caecilia. Runzelschlange. Rugae trun-
ci caudaeque. Labrum superius tentaculis 2.

1. Tentaculata. C. rugis 135.

Seba vol. II. tab. 25. fig. 2.

Auch in Amerika. Hat gar keine Schuppen, son-
dern runzelige Ringe in der glatten Haut, fast wie
ein Regenwurm.


Siebenter Abschnitt.
Von den Fischen.

[Seite 208]

§. 99.

Die Fische sind diejenigen mit rothem kalten
Blut versehenen Thiere, die sich mittelst wahrer (mit
Gräten oder knorplichen Faden versehenen) Flossen
bewegen, und mittelst wahrer immer zu beyden Seiten
des Halses verwahrt liegenden (nicht wie bey den
Froschlarven außerhalb desselben frey hervorragenden)
Kiemen Athem hohlen.

Anm. Wahre Kiemen und wahre Flossen – um
sie von den gewisser Maßen analogen Organen der
ganz jungen Frösche, Salamander etc. (§. 94.) zu
unterscheiden.

§. 100.

Diese Kiemen oder Kiefen (branchiae) ver-
treten bey den Fischen fast vollkommen die Stelle der
Lungen. Sie liegen auf beyden Seiten hinter dem
Kopfe, meistens unter einer oder mehreren großen
halbmondförmigen Schuppen, die deßhalb die Kiemen-
Deckel (opercula branchialia) heißen, und bey den
mehresten mit der Kiemen-Haut (membrana bran-
chiostega
) verbunden sind. Die Kiemen selbst sind mit
unzähligen der zartesten Blutgesäße durchwebt, und
auf jeder Seite meist in vier Blätter vertheilt, die
ungefähr der Fahne an einer Feder ähneln, und die an
ihrer Basis durch eben so viele bogenförmige Gräten
unterstützt werden.

§. 101.

[Seite 209]

Das Athemhohlen, das die Fische eben so
wenig als dietmit Lungen versehenen Thiere lange ent-
behren können, geschieht bey ihnen, indem sie die im
Wasser aufgelösete Luft durch den Mund in die
Kiemen leiten, und dann durch die Kiemenöffnung
(apertura branchialis) wiederum von sich geben; folg-
lich nicht wie die mit Lungen versehenen Thiere durch
den gleichen Weg ein- und ausathmen.

§. 102.

Da sie keine Lungen haben, so versteht sich folg-
lich von selbst, daß ihnen auch keine wahre Stimme
zugeschrieben werden kann, obgleich einige von ihnen,
wie z.B. der Knurrhahn, der Wetterfisch etc. einen
Laut von sich geben können.

§. 103.

Die Bildung des Körpers, überhaupt genom-
wen, ist bey den Fischen ungleich mannigfaltiger als
bey den beyden vorigen Thierclassen. Bey den mehresten
hat doch der Körper eine verticale Stellung, d.h. er
ist auf beyden Seiten zusammen gedrückt (corpus com-
pressum s. cathetoplateum
): bey einigen andern
hingegen, wie bey den Rochen, liegt er horizontal,
ist in die Breite platt gedruckt (corpus depressum s.
plagioplateum
); bey andern, wie beym Aal etc. ist er
mehr walzenförmig: bey andern, wie bey den Pan-
zerfischen, prismatisch oder vierkantig etc.

Bey allen aber stoßen Kopf und Rumpf unmittel-
bar an einander, ohne durch einen eigentlichen Hals
von einander abgesondert zu seyn.

§. 104.

Die Fische sind (bis auf wenige Ausnahmen) mit
Schuppen bekleidet; und zwar die Grätenfische mit
eigentlich sogenannten, die von einer ganz eigenen
Substanz, und bey den verschiedenen Gattungen von
[Seite 210] der mannigfaltigsten theils ausnehmend eleganten Bil-
dung und Zeichnung, und farbigen Cold- und Silber-
glanze sind: die mehrsten Knorpelfische hingegen mit
mehr knochenartigen Schildern, hakichten Stacheln,
u. dgl. m.

Die Schuppen weiden von außen noch mit einem
besondern Schleim überzogen, der großen Theils
aus kleinen Schleimhöhlen abgeschieden zu werden
scheint, die bey den mehresten Fischen zu beyden Sei-
len des Körpers in der sogenannten Seiten-Linte
liegen.

§. 105.

Die Bewegungswerkzeuge der Fische*), die Flo-
ßen
(an welchen man neuerlich merkwürdige Repro-
ductionskraft wahrgenommen), bestehen aus dünnen
knochenartigen oder knorpeligen Gräten, die durch eine
besondere Haut mit einander verbunden, an eigenen
Knochen befestigt, und durch bestimmte Muskeln be-
wegt werden. Ihrer bestimmten Lage nach heißen die
odern, Rückenfloßen (pinnae dorsales); die seitwärts
hinter den Kiemen befindlichen, Brustfloßen (pinnae
pectorales
; die am Bauche vor der Öffnung des Af-
ters stehenden, Bauchfloßen (pinnae ventrales; die
hinter dieser Öffnung, Steißfloße (pinna analis);
endlich am Schwanze, die Schwanzfloße (pinna cau-
dalis
), die immer eine verticale Stellung hat.

Die sogenannten fliegenden Fische haben sehr
lange und straffe Brustfloßen, so daß sie sich damit
selbst über die Oberfläche des Wassers erheben und kleine
Strecken weit fortfliegen können.

§. 106.

[Seite 211]

Ein anderes Hülfsmittel zur Bewegung der Fische,
besonders wohl zum Steigen und Sinken (wie bey den
sogenannten Cartesianischen Teufelchen), ist die
Schwimmblase, womit zumahl die Süß-Wasser-
Fische versehen sind, und die mittelst eines eigenen Ca-
nals (ductus pneumaticus) meist mit dem Schlunde,
seltener mit dem Magen in Verbindung steht.

§. 107.

In Rücksicht ihres Aufenthalts theilt man die
Fische überhaupt in See- und Süß-Wasser-Fische.
Einige können doch auch zuweilen einige Zeit im Trock-
nen aushalten, wie der Aal, die Muräne etc. Andere
theils in warmen mineralischen Quellen*).

§. 108.

Die mehresten Fische, zumahl die in der See le-
ben, sind animalia nocturna, die nahmlich ihren Ge-
schiften zur Nachtzeit nachgehen, am Tage hingegen
sich mehr in der Tiefe ruhig halten. Daher auch die
von Fischen lebenden Insulaner und Küsten-Bewoh-
ner meist des Nachts auf den Fang ausgehen.

§. 109.

Eine große Anzahl Gattungen von Fischen verän-
dert in gewissen Jahrszeiten ihren Aufenthalt; so stei-
gen viele Seefische um zu leichen in die Buchten und
Mündungen der Flüsse; manche derselben aber, wie
z.B. die Häringe im nördlichen Atlantischen Ocean,
machen auch noch außerdem anderweitige Züge zu
bestimmten Jahreszeiten und in unermeßlichen Scharen
zwischen den Küsten des westlichen Europa und des
nordöstlichen Amerika**).

§. 110.

[Seite 212]

Die Fische sind größten Theils fleischfressen-
de
Thiere, und da sie keine eigentlichen Füße haben,
ihre Beute damit zu fassen, mit mancherley andern
Mitteln, ihrer Herr zu werden, versehen. Theils nähm-
lich mit langen Bartfasern (cirri) am Maule, um
damit andere kleine Wasserthiere, wie mit einem Kö-
der zu locken, und gleichsam zu angeln. (So der
Sternseher, der Froschfisch etc.) Andere, wie der Chae-
todon
rostrarus, mit einer Spritzröhre, um dadurch
die über dem Wasser fliegenden Insecten gleichsam her-
ab zu schießen. Ändere, wie drey Seefische, der
Zitterrochen, Tetrodon electricus und Trichiurus
indicus
und die beyden Flußfische, der Zitteraal
und der Zitterwels, mit einer besondern erschütternden
und betäubenden Kraft u.s.w.

§. 111.

Was die äußern Sinne der Fische betrifft, so
muß der Geruch bey vielen überaus scharf seyn, da sie
den versteckten Köder in weiter Entfernung auswittern.
Auch ihr Gehör ist scharf, und sie haben dazu ähnliche
Organe, wie die im innern Ohr anderer rothblütigen
Thiere. Besonders aber zeigen sich mancherley Sonder-
barkeiten im Baue ihres Auges, zahlreichere Häute,
ausschließlich eigene andere Organe u. dergl. m.*).

§. 112.

Über die Naturtriebe u.a. Seelenkräfte
der Fische läßt sich vor der Hand aus Mangel an rich-
tigen Beobachtungen wenig sagen. Doch weiß man,
daß manche, wie z.B. die Forellen, überaus kirre
werden**); andere z.B. alle Karpfen, sehr listig
und verschlagen sind u.s.w.

§. 113.

[Seite 213]

Von ihrem Schlafe gilt meist die gleiche An-
merkung, die bey den Amphibien gemacht worden ist
(§. 91.), daß nähmlich vermuthlich alle einem Win-
terschlaf ausgesetzt sind; aber wohl nur sehr wenige
einen bestimmten täglichen periodischen Erhohlungs-
schlaf haben: wie es z.B. vom Goldbrachsen gesagt
wird.

§. 114.

Außer den wenigen lebendig-gebärenden Fischen,
wohin der Aal und die sogenannte Aalmutter gehören,
mögen sich wohl wenige Fische wirklich mit einander
paaren; sondern bey den mehresten gibt das Weib-
chen den Rogen noch unbefruchtet von sich, und das
Männchen kommt hierauf nach, um denselben mit sei-
ner Milch zu begießen.

Man hat diese Einrichtung für die Landwirthschaft
benutzen gelernt, indem man auch aus der künstlichen
Vermischung von Eyern und Samen der Lachs-Forel-
len etc. junge Fische erzielen kann*).

Anm. Zu andern Merkwürdigkeiten im Zeugungsge-
schäfte der Fische gehört auch noch, daß man einzeln
unter denselben, nahmentlich beym Karpfen wirkli-
che Zwitter
gefunden hat.

§. 115.

Die Vermehrung der meisten Fische ist zum
Wunder stark, so, daß ungeachtet die Eyerchen der
mehresten im Verhältniß zu ihrer Statur ungleich klei-
ner sind, als in irgend einer andern Thier-Classe,
dennoch bey manchen die Eyerstöcke größer sind, als
ihr ganzer übriger Körper. Daher zahlt man, z.B.
beym Häring, zwischen 20 und 37000, beym Karpfen
[Seite 214] über 200000, bey der Schleihe 383000, beym Flin-
der über eine Million Eyerchen etc.*)

§. 116.

Theils haben die jungen Fische, so wie sie aus
dem Eye kriechen, noch nicht ihre völlige Gestalt: son-
dern müssen sich ebenfalls, so wie viele Amphibien
(§. 94.), erst einer Art von Metamorphose un-
teziehen, wodurch ihre Floßen u. dgl. m. allgemach
vollends ausgebildet werden.

§. 117.

Die Fische gelangen, im Verhältniß zur Größe
ihres Körpers zu einem hohen Alter. Man weiß von
Karpfen, Hechten etc., daß sie anderthalb hundert Jah-
re erreichen können. Doch werden einige kleine Fische,
wie z.B. der Stichling etc. nur wenige Jahre alt.

§. 118.

Die Brauchbarkeit der Fische für den Men-
schen ist ziemlich einfach, meist bloß zur Speise; aber
eben von dieser Seite für einen großen Theil des Men-
schengeschlechts, der theils fast ganz von diesen Thieren
lebt, von der äußersten Wichtigkeit. Selbst wilde Völ-
ker, wie z.B. die Kamtschadalen, Brasilianer etc.
wissen die Fische auf die mannigfaltigste Weise, sogar
zu einer Art Mehl, zu Kuchen u.s.w. zu bereiten:
und bey vielen, wie z.B. unter den Insulanern des
stillen Oceans, macht der Fischfang ihr Hauptge-
schöft, – und in Rücksicht der überaus sinnreichen
angemessenen Geräthschaften, die sie sich dazu erfunden
haben, wirklich eine Art von nachdenkendem Studium
aus. Aber auch für einen großen Theil der cultivirten
Erde ist der Fang, z.B. des Härings, Kabeljaus,
Thunnfisches u. dgl. m. von äußerster Wichtigkeit. –
Der Thran von Hayen, Häringen, Kabeljauen etc.
[Seite 215] wird häufig in Lampen gebrannt. – Die östlichsten
Küstenbewohner des mittlern Asiens kleiden sich in
gegärbte Lachshäute. – Und manche Theile einiger
Fische werden zu technischem Gebrauch und Kunstsa-
chen
benutzt; wie z.B. die Schuppen des Ukley zu
Glasperlen; Fischhaut von Rochen und Hayen etc.;
Hausenblase etc.

§. 119.

Den mehresten Schaden thun die Raubfische;
zumahl in den Weltmeeren die Haye; und in den süßen
Wassern die Hechte. – Auch sind manche Fische wenig-
stens in gewissen Gegenden giftig, so daß ihr Genuß
tödtlich werden kann. So zumahl einige Gattungen
von Tetrodon.

§. 120.

Die systematische Classification der Fische scheint
noch mancher Verbesserung zu bedürfen. Inzwischen
bringt man sie vor der Hand im Ganzen unter zwey
Hauptabtheilungen: nähmlich:

A) Knorpelfische (Pisces cartilaginei), die keine
wahren Gräten haben: und

B) mit Gräten versehene oder eigentlich so-
genannte Fische (Pisces spinosi).

Die Knorpelfische sondert man in folgende
zwey Ordnungen, welche Hr. Gr. la Cepede nach dem
Daseyn oder Mangel des Kiemendeckels bestimmt,
und hiernach die darunter gehörigen Geschlechter ver-
theilt: nähmlich:

I. Chondropterygii. Ohne Kiemendeckel.

II. Branchiostegi. Mit Kiemendeckeln.

Die eigentlich sogenannten Fische aber hat
Anns nach der Beschaffenheit und Lage der Bauchfloßen
geordnet: nähmlich:

III. Apodes. Die gar keine Bauchfloßen haben.

[Seite 216]

IV. Jugulares. Die, deren Bauchstoßen vor den
Brustfloßen sitzen.

V. Thoracici. Die, wo die Bauchstoßen gerade
unter den Brustfloßen, und

VI. Abdominales, wo sie hinter diesen sitzen.

Zur N. G. der Fische.

  1. Guil. Rondelet de piscibus. Lugd. 1554. P. II. 1555. fol.
  2. Conr. Gesner de piscium et aquatilium animantium natu-
    ra
    Tig. 1558. fol.
  3. Steph. a Schonevelde ichthyologia. etc. Hamburg. 1624. 4.
  4. F. Willoughbeii historia piscium. ex ed. Raii. Oxon.
    1686 fol.
  5. Jo. Raii synopsis methodica piscium Lond. 1713. 8.
  6. Petr. Artedi ichthyologia. ex ed Linnaei Lugd. Bat.
    1738. 8.
  7. Laur. Theod. Gronovii Zoophylacium Gronovianum.
    Lugd. Bat. 1781. P. I-III fol.
  8. Ant. Gouan historia piscium Argent. 1770. 4.
  9. Du Hamel et de Marre histoire des poissons (traité des
    pêches etc.) Par. 1770 sq. III. vol. fol.
  10. M. El. Bloch öconomische N. G. der Fische Deutsch-
    lands. Berl. 1782. III. B. 4.
  11. Dess. N. G. ausländischer Fische. ib. 1785 IX. B. 4.
  12. Ej. Systema ichthyologiae, inchoatum absolvit Jo. Gottl.
    Schneider
    . Berol. 1801. 8.
  13. De la Cépède histoire naturelle des poissons. Par. 1798.
    V vol. 4.
  14. G. Ad. Suckow Anfangsgr. der N. G. der Thiere.
    IVter Th. Leipz. 1799. II Bände. 8.
* * *
  1. Al. Monro Vergleichung des Baues und der Physio-
    logie der Fische mit dem Bau des Menschen und der
    übrigen Thiere. – Mit vielen Zusätzen vou P. Cam-
    per
    und J. G. Schneider. Leipz. 1787. 4.

[Seite 217]

I. CHONDROPTERYGII.

Die Knorpelfische dieser Ordnung haben keine
Kiemendeckel, und bey den mehresten ist das Maul
an der Unterseite des Kopfs befindlich.

1. Petromyzon. Spiracula branchialia 7 ad
latera colli. Fistula in nucha. Pinnae pectora-
les aut ventrales nullae
.

1. †. Marinus, die Lamprete. (Fr. la lam-
proye
. Engl. the lamprey.) P. ore intus
distincta
.

Bloch tab. 77.

In der Nordsee so wie im mittelländischen u.a.
Meeren. Steigt aber auch 20 und mehrere Meilen
weit in die Flüsse. Wird wohl auf 3 Fuß lang.

2. †. Fluviatilis, die Pricke, Neunauge.
P. pinna dorsali posteriore angulata.

Bloch tab. 78.

In größern Flüssen. Nur halb so groß als
die vorige Gattung.

2. Gastrobranchus, Bauchkieme. Spira-
cula branchialia 2 ventralia. Fistula in rostro.
Pinnae pectorales aut ventrales nullae.

Dieses räthselhaste Geschlecht ward ehedem un-
ter dem Nahmen Myxine den Gewürmen beygezählt.

1. Coecus. der Blindfisch, Schleimaal. (My-
xine
glutinosa Linn.)

Bloch tab. 413.

An den Küsten des nördlichen Atlantischen Oceans.
Soll gar keine Augen haben!

3. Raia, Roche. (Fr. raie. Engl. ray.) Spira-
cula branchialia 5 subtus ad collum; corpus
depressum; os sub capite.

[Seite 218]

Ein seltsam gebildetes und theils gar wunderbar
organisirtes Thiergeschlecht. Manche Arten hat man
ehedem durch allerhand Künstelen zu vorgeblichen
Basilisken etc. umgestaltet und aufgetrocknet. Man-
che scheinen auch bey einiger Ähnlichkeit, die der
Untertheil ihres Kopfes mit einem Menschengesichte
hat, zu der Sage von Sirenen etwas beygetragen
zu haben*). Ungeachtet sie nur ein Ey auf ein-
mahl legen, so vermehren sie sich doch so stark, daß
der Ocean in manchen Gegenden gleichsam davon
wimmelt. Die Eyer haben eine hornige Schale mit
vier Spitzen, und Heißen See-Mäuse.

1. Torpedo, der Zitterroche, Krampffich.
(Fr. la torpille. Engl. the chrampfish.) R.
tota laevis maculis dorsalibus 5 orbiculatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 57.

Besonders im mittelländischen Meere. Der be-
kannteste von den sogenannten electrischen Fischen
(§. 110.). Wird an mehrern Orten gegessen.

2. †. Batis, der Glattroche, Baumroche,
Flete, Tepel
. (Fr. la raie lisse. Engl. the
skate
, flair.) R. varia, dorso medio glabro,
cauda unico aculeorum ordine
.

Bloch tab. 79.

In den Europäischen Meeren. Wird auf zwey Cent-
ner schwer. Hat ein vorzüglich schmackhaftes Fleisch.

3. Pastinaca, der Stachelroche, Pfeil-
schwanz
. (Fr. la pastenaque, tareronde, raie
baionette
, Engl. the sting-ray.) R. corpore
glabro, aculeo longo anterius serrato in cau-
da, et dorso apterygio.

Bloch tab. 82.

[Seite 219]

In vielen Welt-Meeren. Sein Schwanz-Stachel
ist zwar nicht giftig; aber er dient dem Thiere und
auch wilden Völkern als Waffen.

4. Sqvalus, Hay. (Fr. chien de mer. Engl.
shark.) Spiracula branchialia 5 ad latera colli.
Corpus oblongum teretiusculum. Os in infe-
riore capitis parte
.

1. Acanthias, der Dornhay. (Fr. l'aguillat.)
S. pinna anali nulla, dorsalibus spinosis, cor-
pore teretiusculo
.

Bloch tab. 85.

In den Europäischen Meeren. Hat drey Reihen
Zähne in jedem Kiefer.

2. Zygaena, der Hammerfisch, Jochfisch. S.
capite latissimo transverso malleiformi.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 99.

In den mehresten Weltmeeren.

3. Carcharias. (lamia, tiburo. Fr. le requin
Engl. the white shark.) S. dorso plano, den-
tibus serratis
.

Bloch tab. 120.

Zumahl häufig im Atlantischen Ocean. Wiegt zu-
weilen auf zehntausend Pfund, und in seinem Ma-
gen hat man wohl eher ganze Pferde gefunden. Hat
sechsfache Reihen Zähne in den Kiefern, die (wie
überhaupt bey den mehresten Hayen) nicht in die
Kinnladen eingekeilt, sondern wie durch eine Art
Gelenk mit denselben verbunden sind. Die vordere
Reihe dieser Zähne macht das eigentliche Gebiß. Die
hintern liegen (wenigstens beym jungen Thier) ruck-
wärts gekehrt, gleichsam auf Reserve, damit zu-
fälliger Verlust derer in der vordern Reihe zu wie-
derhohlten Mahlen ersetzt werden kann.

4. Pristis, der Sägefisch, Schwertfisch. (Fr.
la scie de mer. Engl. the saw fish.) S. pinna
ani nulla, rostro ensiformi osseo plano utrin-
que dentato.

[Seite 220]

Bloch tab. 120.

Unter andern im nördlichen Atlantischen Ocean.
Das breite schwertförmige, oft mehrere Ellen lan-
ge Gewehr, das dieses Thier vor dem Kopfe führt,
ist an beyden Seiten-Rändern mit 24 oder mehre-
ren starken eingekeilten Zahnen besetzt.

5. Lophius, Seeteufel. (Fr. baudroie, diab-
le de mer.
Engl. sea-devil.) Pinnae pecto-
rales branchiis insidentes. Spiracula solitaria
pone brachia
.

1. †. Piscatorius, der Froschfisch, (rana pisca-
trix
. Fr. la grenouille pecheuse. Engl. the
frog-fish
.) L. depressus capite rotundato.

Bloch tab. 87.

An den Europäischen Küsten. Der ungeheure Kopf,
der die größere Hälfte des ganzen Thieres ausmacht,
und dann die fleischigen Angelfaden am Maule
(§. 110.) geben ihm ein auffallendes Ansehen.

6. Balistes, Hornfisch. Caput compressum.
Apertura supra pinnas pectorales. Corpus com-
pressum, squamis corio coadunatis. Abdomen
carinatum
.

1. Tomentosus. (Engl. the little old wife.) B.
pinna capitis biradiata, corpore posterius
subvilloso.

Bloch tab. 148, fig. 1.

In beyden Indien.

7. Chimaera. Spiracula solitaria, quadripar-
tita, sub collo. Oris labium superius quinque-
partitum. Dentes primores incisores bini supra
infraque.

1. Monstrosa. C. rostro subtus plicis pertusis.

Bloch tab. 124.

Im nördlichen Atlantischen Ocean.

II. BRANCHIOSTEGI.

[Seite 221]

Die mit Kiemendeckeln versehenen Knorpelfische.

8. Acipenser. Spiracula lateralia solitaria, li-
nearia. Os sub capite, retractile, edentulum.
Cirri quatuor sub rostro ante os.

1. †. Sturio, der Stör. (Fr. l'esturgeon. Engl.
the sturgeon.) A. squamis dorsalibus 11.

Bloch tab. 88.

In allen Europäischen Meeren, auch im Caspi-
schen etc. in der Wolga, im Nil etc. Macht nebst
den übrigen Gattungen dieses Geschlechtes sowohl
wegen des Fleisches, als des aus dem Rogen berei-
teten Caviars, für viele Völker einen wichtigen
Fang aus, und kann gegen tausend Pfund schwer
werden. Oft ziehen ihrer eine Menge in schmalen
aber langen Zügen hinter einander, und das soll
Anlaß zu der fabelhaften Sage von ungeheuren nor-
dischen Seeschlangen gegeben haben.

2. Ruthenus, der Sterlet. A. squamis dor-
salibus
15.

Bloch tab. 89.

Dieser vorzüglich schmackhafte Fisch findet sich
am häufigsten im Caspischen Meere und in der Wolga,
aber selten über 30 Pfund schwer.

3. Huso, der Hausen, Beluga. (Antacaeus).
A. squamis dorsalibus 13. caudalibus 43.

Bloch tab. 129.

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen. Ist
vorzüglich wegen des Fischleims oder Hausenblase
merkwürdig, die man besonders aus der Schwimm-
blase desselben, doch auch aus dem Stör und noch
aus einer andern Gattung dieses Geschlechts, nähm-
lich der Sewruge (Acipenser stellatus), die auch
den besten Caviar gibt, ja theils auch aus der
Schwimmblase des Wels, bereitet.

[Seite 222]

9. Ostracion, Panzersisch. (Fr. poisson coffre)
Corpus osse integro loricatum. Pinnae ventra-
les nullae.

1. Bicuspis. O. trigonus, spinie dorsalibus duabus.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 58.

An den Küsten von Schina, und, wenn anders
der O. stellifer nicht eine eigene Gattung ist, auch
in Amerika.

2. Triqueter. O. trigonus muticus.

Bloch tab. 150.

So wie der folgende in Ostindien.

3. Cornutus. O. tetragonus, spinis frontalibus
subcaudalibusque binis
.

Bloch tab. 133.

In Ostindien. Ein niedliches kleines Thier, dessen
Panzer aufs regelmäßigste, meist mit Sechsecken
wie Bienenzellen, bezeichnet ist.

10. Tetrodon. Stachelbauch. Corpus sub-
tus muricatum. Pinnae ventrales nullae.

1. Lagocephalus, (Fr. le poisson souffleur.) T.
abdomine aculeato, corpore laevi, humeris
prominentibus.

Bloch tab. 140.

Besonders häufig im Senegal. Und zwar sind
die, so man oben im Flusse landeinwärts fängt,
ein gesundes gutes Essen. Hingegen die nahe an
der See, in der Mündung des Stroms, sehr giftig.

2. Electricus. T. corpore maculoso: pinnis vi-
ridibus.

Philos. Transact. Vol. LXXVI. P. II. tab. 13.

Einer von den fünf bis jetzt bekannten electrischen
Fischen (§. 110.). In Ostindien an der St. Johan-
na-Insel.

3. Hispidus, der Kugelfisch. (orbis. Engl. the
moon-fish
.) T. totus hispidus, papillis setaceis.

[Seite 223]

Bloch tab. 142.

Im rothen Meere etc. Aber auch in den süßen
Wassern der benachbarten Länder.

4. Mola. der Klumpfisch. (Fr. la lune de mer.
Engl. the sun fish-) T. laevis compressus,
cauda truncata; pinna brevissima dorsali ana-
lique annexa.

Hamburg. Magaz. XVIII. B. tab. 1.

Häufig im mittelländischen und Atlantischen Meere.
Wiegt zuweilen auf fünf Centner. Hat den Deut-
schen Nahmen von seiner unförmlichen Gestalt; den
Französischen und Englischen aber von dem starken
phosphorischen Schein, womit die Seiten und der
Untrleib des lebendigen Fisches leuchten.

11. Diodon. Corpus spinis scutis mobilibus
undique adspersum. Pinnae ventrales nullae.

1. Histrix, der Stachelfisch, Guara. (Engl.
the porcupine-fish) D. oblongus, aculeis te-
retibus.

Bloch tab. 126.

Zumahl im Atlantischen Ocean: nahmentlich auch
an den nordamerikanischen Küsten.

12. Cyclopterus. Bauch-Sauger. Caput
obtusum. Pinnae ventrales in urbiculum connatae
.

1. †. Lumpus, der See-Hase, Klebpfost,
Hafpadde
. (Fr. le liévre de mer. Engl. the
lump
-sucker.) C. corpore squamis osseis an-
gulato
.

Bloch tab. 90.

Im den nördlichen Meeren der alten Welt. Hängt
sich mir seinem gerippten flachen Brustschilde aufs
festeste an die Klippen, Schiffe u.s.w. an.

13. Centriscvs. Messer-Fisch. Caput pro-
ductum in rostrum angustissimum. Abdomen
carinatam. Pinnae ventrales unitae.

[Seite 224]

1. Scolapax, die Meer-Schnepfe. C. corpore
squamoso scabro, cauda recta extensa
.

Bloch tab. 123. fig. 1.

Im mittelländischen Meer etc.

14. Syngnathus. Rostrum subcylindricum,
ore operculato, maxilla inferiore mobiliore. Cor-
pus cataphractum. Pinnae ventrales nullae.

1. Acus, die Meer-Nadel, Sack-Nadel,
(Engl. the pipe.) S. pinnis caudae ani pecto-
ralibusque radiatis; corpore septemangulato.

Bloch tab. 91. fig. 2.

In der Nord- und Ostsee etc.

2. Hippocampus, das See-Pferdchen, die
See
-Raupe. (Fr. le cheval marin. Engl.
the sea-horse.) S. pinna caudae quadrangulae
nulla, corpore septemangulato tuberculato.

Bloch tab. 116. fig. 5.

Einer der weitverbreiteten Seefische. Hat seinen
Nahmen, weil der Vordertheil einem Pferdekopf
und Hals, das Hintere Ende aber einer Raupe ver-
glichen worden. Im Tode krümmt er sich wie ein S,
und ähnelt so dem Springer im Schach.

15. Pegasvs. Os proboscide retractili. Rostrum
ensiforme, lineare. Corpus articulatum osseis
incisuris, cataphractum. Pinnae ventrales ab-
dominales.

1. Draconis, der Seedrache. P. rostro conico.

Bloch tab. 109. fig. 1. 2.

In Ostindien. Die großen breiten Brustfloßen
ähneln ausgespannten Flügeln, und mögen wohl
den Nahmen veranlaßt haben.


III. APODES.

[Seite 225]

Diese und die drey folgenden Ordnungen begrei-
fen nun die mit Graten versehenen oder eigentlich
so genannten
Fische. Und zwar hier diese, die
gar keine Bauchflossen haben.

16. Muraena. Caput laeve. Nares tubulosae.
Membr. branch. radiis 10, corpus teretiuscu-
lum, lubricum. Pinna caudalis coadunata dor-
sali anique. Spiracula pone caput vel pinnas
pectorales.

1. Helena, die Muräne. M. pinnis pectorali-
bus nullis.

Bloch tab. 153.

Ein sehr gefräßiger Raubfisch, in den wärmern
Meeren beyder Welten.

2. †. Anguilla, der Aal. (Fr. l'anguille. Engl.
the eel.) M. maxilla inferiore longiore, cor-
pore unicolore
.

Bloch tab. 73.

In den Flüssen beyder Welten. Geht zuweilen
ans Land auf Wiesen, ins Getreide etc. Hat ein
zähes Leben, und das ihm ausgeschnittene Herz be-
hält wohl noch 40 Stunden lang seine Reitzbarkeit.
Nach den genauesten Beobachtungen gebährt er sicher
lebendige Junge*).

17. Gymnotvs. Caput operculis lateralibus.
Tentacula duo ad labium superius. Membr.
branch. radiis 5; corpus compressum, subtus
pinna carinatum.

[Seite 226]

1. Electricus, der Zitteraal, Zitterfisch,
Drillfisch
. (Fr. l'anguille electrique.) G. nu-
dus, dorso apterygio, pinna caudali obtusissi-
ma anali connexa.

Bloch tab. 156.

Besonders bey Surinam und Cayenne, wo ihn
van Berkel*) zuerst bekannt gemacht hat. Un-
gefähr mannslang**).

18. Trichiurus. Caput porrectum, operculis
lateralibus. Dentes ensiformes, apice semisagit-
tati: primores maiores. Membr. branchiostega
radiis 7. Corpus compresso-ensiforme. Cauda
subsulata, aptera.

1. Lepturus. T. mandibula inferiore longiore.

Bloch tab. 158.

In beyden Indien.

2. Indicus. T. Mandibulis aequalibus.

Willoughby. App. tab. 3. fig. 3.

In Ostindien. Ebenfalls ein electrischer Fisch.
(§. 110.)

19. Anarrhichas. Caput obtusiusculum. Den-
tes primores supra infraque conici, divergentes,
sex pluresve, molares inferiores palatique rotun-
dati. Membr. branch. radiis 6. Corpus teretius-
culum, pinna caudae distincta.

1. †. Lupus, der Klippfisch, Seewolf, Stein-
beißer
. (Engl. the ravenous.) A. pinnis pec-
toralibus amplis subrotundis.

Bloch tab. 74.

An den Küsten des nördlichen Europa.

[Seite 227]

20. Ammodytes. Caput compressum. Labium
superius duplicatum, dentes acerosi. Membr.
branch. rad. 7. Corpus teretiusculum, cauda
distincta.

1. †. Tobianus, der Sandfisch, Sandaal, To-
biassfsch
. (Engl. the sand-launce.) A. ma-
xilla inferiore longiore.

Bloch tab. 75 fig. 2.

Ebenfalls am nördlichen Europa. Wühlt sich in
den Küstensand, wo er in England und Holland in
Menge herausgestochen wird.

21. Ophidivm. Caput nudiusculum. Dentes
maxillis, palato, faucibus. Membr. branch, radiis
7 patula. Corpus ensiforme
.

1. †. Imberbe, der Nugnoge, Fünffingerfisch.
O. maxillis imberbibus, cauda obtusiuscula,
British Zoology. App. tab. 93.

Häufig an Austerbänken, da er der gefährlichste
Feind der Austern seyn soll. Wird nicht selten in
fest geschloßnen Austerschalen gefunden*).

22. Stromateus. Caput compressum. Dentes
in maxillis, palato. Corpus ovatum, latum, lu-
bricum. Cauda bifida.

1. Paru. 8. unicolor.

Bloch tab. 160.

An Amerika.

23. Xiphias. Caput maxilla superiore termina-
tum rostro ensiformi. Os edentulum. Membr.
branch. rad. 8; corpus teretiusculum
.

1. †. Gladius, der Schwertfisch, Hörnfisch.
(Fr. l'epee de mer, l'empereur, l'espandon.
Engl. the sword-fish, whale killer.) X.
mandibula inferiore acuta, triangulari.

Bloch tab. 76.

[Seite 228]

In den nördlichen sowohl als südlichen Meeren.
Wird mit seinem Schwerte auf 18 Fuß lang, und
hält dann gegen 5 Centner an Gewicht. Hat ein
sehr schmackhaftes Fleisch und macht besonders für
die Calabrischen und Sicilianischen Fischer einen,
wichtigen Fang*).


IV. JUGULARES.

Fische, deren Bauchfloßfedern vor den Brust-
floßen sitzen.

24. Callionymus. Caput labio superiore du-
plicato; oculi approximati. Membr. branchio-
stega rad. 6; apertura nuchae foraminibus re-
spirante. Opercula clausa. Corpus nudum. Pin-
nae ventrales remotissimae.

1. Lyra. (Fr. le lacert. Engl. the piper.) C. dor-
salis prioris radiis longitudine corporis.

Bloch tab. 161.

Im Atlantischen Ocean.

25. Uranoscopus. Caput depressum, scabrum,
maius. Os simum, maxilla superior brevior,
Membr. branch. radiis 5; anus in medio.

1. Scaber, der Sternseher. (Fr. le boeuf.
Engl. the star-gazer.) U. cirris multis in
maxilla inferiore.

Bloch tab. 163.

Vorzüglich häufig im mittelländischen Meere.

26. Trachinus. Caput scabriusculum, com-
pressum. Membr. branch. rad. 6; anus prope
pectus.

[Seite 229]

1. †. Draco, das Petermänchen. (Fr. la vive
Engl. the wever, stingfish.) Trachinus.

Bloch tab. 61.

Im mittelländischen Meere, in der Nordsee etc.

27. Gadus. Corpus laeve. Membr. branch. rad.
7 teretibus; pinnae cute communi vestitae, pec-
torales acuminatae
.

1. †. Aeglefinus, der Schellfisch. (Engl. the
hadock
.) G. tripterygius cirratus albicans, cau-
da biloba, maxilla superiore longiore.

Bloch tab. 62.

Im ganzen nördlichen Europäischen Ocean, vor-
züglich aber an den Englischen und Schottischen Kü-
sten. – Viele Fische phosphoresciren unter gewissen
Umständen nach dem Tode: bey diesem hier ist aber
dieses Leuchten zuweilen von ganz auffallender Stär-
ke und lang anhaltender Dauer*).

2. †. Callarias, der Dorsch. G. tripterygius
cirratus varius, cauda integra, maxilla supe-
riore longiore.

Bloch tab. 63.

Hat meist gleichen Aufenthalt mit dem vorigen.

3. †. Morrhua, der Kabeljau, Steinfisch.
Baccaljao (Asellus. Fr. la morue. Engl. the
cod-fish
.) G. tripterygius cirratus, cauda
subaequali, radio primo anali spinoso.

Bloch tab. 64.

Es werden unter diesen gemeinschaftlichen Nah-
men mehrere verwandte Gattungen dieses Geschlechts
begriffen, die wegen der unsäglichen Menge und we-
gen der mannigfaltigen Zubereitung (als Stock-
fisch
, als Laberdan, und als Klippfisch) und langen
[Seite 230] Conservation etc. von der äußersten Wichtigkeit sind.
Sie finden sich Vorzüglich in den nördlichen Gegen-
den, beydes des stillen und Atlantischen Oceans, wo
sie besonders um Labrador, Neu-Fundland, auch
um Island und an den Nordküsten von Großbrita-
nien den wichtigsten Fischfang ausmachen*).

4. †. Merlangus, der Witling, Gadde (Fr.
le merlan Engl. the whiting) G. tripterygius
imberbis albus, maxilla superiore longiore.

Bloch tab. 65.

In den Europäischen Meeren.

5. †. Lota, die Quappe, Drusche, Rutte,
Aalraupe Aalputte
. (Fr. la lote. Engl.
the burbot.) G. dipterygius cirratus, maxillis
aequalibus.

Bloch tab. 70.

Vorzuglich in den Schweizer-Seen. Einer der
schmackhaftesten Deutschen Fische.

28. Blennius, Schleimfisch. Caput declive,
tectum. Membr branch. rad. 6; corpus lance.
olatum. pinna ani distincta.

1. †. Viniparus, die Aalmutter. B. ore ten-
taculis duobus.

Bloch tab. 72.

Im mitelländischen Meere, in der Nordsee etc.
Gebärt lebendige Junge.


V. THORACICI.

Fische, deren Bauchfloßfedern gerade unter den
Brustfloßer sitzen.

29. Cepola. Caput subrotundum compressum.
Os simum, dentes curvati, simplici ordine
.
[Seite 231] Membr. branch, radiis 6; corpus ensiforme, nu-
dum, abdomine vix capitis longitudine.

1. Taenia, der Bandfisch. (Fr. le ruban.) C.
pinna caudae attenuata, capite obtusissimo.

Bloch tab. 170.

Im mittelländischen Meere.

30. Echeneis. Caput depressum, supra pla-
num marginatum, transverse sulcatum. Membr.
branch. rad. 10.

1. Remora, der Saugefisch. (Fr. le sucet.
Engl. the sucking-fish.) E. cauda bifurca,
striis capitis
18.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 78.

In den mildern Weltmeeren. Das sonderbare
Thier kann sich mittelst des quergestreiften Hinter-
kopfs aufs festeste an Schiffe, Hayfische etc. anhal-
ten. Daher die alte Fabel, daß ein einziger ein
Schiff im vollem Lauf zu hemmen vermöge.

31. Coryphaena. Caput truncatodeclive.
Membr. branch. rad. 5; pinna darsalis longitu-
dine dorsi
.

1. Hippurus, der Goldkarpfe. (Fr. la dorade.
Engl. the dolphin.) C. cauda bifida, radiis
dorsalibus
60.

Bloch tab. 174.

Im Atlantischen Meere. Ein prachtvolles Thier,
das besonders im Sterben in wunderschöne Farben
(aus dem Gelben ins Blaue und Purpurrothe etc.)
spielt.

32. Gobius. Caput poris a inter oculos appro-
ximatos, altero anteriore. Membr. branch. rad.
4; pinnae ventrales unitae in ovatam.

1. Niger, die Meergrundel. G. pinna dor-
sali secunda radiis 14
.

Bloch tab. 36. fig. 1. 2. 5.

Im Atlantischen und Indischen Ocean.

[Seite 232]

33. Cottus. Caput corpore latius, spinosum.
Membr. branch. rad. 6.

1. †. Cataphractus, der Knurrhahn, Stein-
picker
. (Engl. the pogge.) C. loricatus rostro
verrucis bifidis, capite subtus cirroso
.

Bloch tab. 38. fig. 3. 4.

An den nördlichen Küsten von Europa und Amerika.

2. †. Gobio, der Kaulkopf, Kotzkolbe, Gropp,
Kruppe
. (Engl. the bull-head, the miller's
thumb
.) C. laevis, capite spinis duabus.

Bloch tab. 38. fig. 1. 2.

Ein sehr gemeiner Europäischer Flußfisch. Das
Weibchen scharrt sein Leich in eine Höhle am Grund,
und bewacht es, bis die Jungen ausgekrochen sind,
aufs sorgfältigste.

34. Scorpaena. Caput magnum, aculeatum.
Oculi vicini. Dentes maxillis, palato, faucibus-
que. Membr. branch. radiis
7.

1. Horrida. S. tuberculis callosis adspersa.

Bloch tab. 183.

In Ostindien.

35. Zevs. Caput compressum, declive. Labium
superius membrana transversa fornicatum. Lin-
gua subulata. Membr. branch. radiis 7 perpen-
dicularibus: infimo transverso. Corpus com-
pressum
.

1. Vomer. Z. cauda bifurca, spina ante pinnam
analem dorsalemque recumbente
.

Bloch tab. 193.

2. Faber. (Engl. the doree, dory.) Z. cauda
rotundata; lateribus mediis ocello fusco: pin-
nis analibus duabus
.

Bloch tab. 41.

Beyde im Atlantischen Meer.

[Seite 233]

36. Pleuronectes, Butte, Scholle, Halb-
fisch
. (Fr. sole. Engl. flounder.) Oculis utris-
que in eodem latere frontis. Membr. branch
.
rad. 4-7; corpus compressum, latere altero
dorsum, altero abdomen referente
.

Die Schollen sind die einzigen Thiere in der Na-
tur, die ihre beyden Augen auf einer Seite des
Kopfs haben; manche Gattungen nähmlich auf der
rechten, andere auf der linken; sehr selten finden
sich Mißgeburten unter ihnen, die anomalisch auf
der unrechten Seite ihre Augen haben. Auch beyde
Nasenlöcher sitzen ebenfalls so schief seitwärts. Sie
schwimmen in einer schrägen Lage, die Augenseite
in die Höhe gerichtet.

1. †. Platessa, die Scholle, Plateis, Gold-
butte
(passer. Fr. la plie. Engl. the plaise.)
P. oculis dextris, corpore glabro, tubercu-
lis 6 capitis
.

Bloch tab. 42.

Nebst den folgenden besonders in den nördli-
chen Meeren.

2. †. Flesus, der Flünder. (Engl. the floun-
der
.) P. oculis dextris, linea laterali aspera,
spinulis ad pinnas.

Bloch tab. 44.

3. †. Limanda, die Glahrke, Kliesche.(Engl.)
the dab. P. oculis dextris, squamis ciliatis,
spinulis ad radicem pinnarum dorsi anique,
dentibus obtusis.

Bloch. tab. 46.

4. †. Hippoglossus, die Heiligbutte. (Fr. le
fletang
. Engl. the holibut.) P. Oculis dex-
tris, corpore toto glabro
.

Bloch tab. 47.

Theils von vier Centnern an Gewicht; unter
[Seite 234] andern in größter Menge im nördlichen stillen
Ocean.

5. †. Maximus, die Steinbutte. (Fr. und
Engl. turbot.) P. oculis sinistris, corpore
aspero
.

Bloch tab. 49.

Doch weit kleiner als die vorige. Einer der schmack-
haftesten Fische.

37. Chaetodon. Dentes (plurimis) setacei,
flexiles confertissimi, numerosissimi. Membr.
branch. radiis 6; corpus pictum, pinna dorsi
anique carnosa squamosa
.

1. Rostratus. C. cauda integra, spinis pin-
nae dorsalis 9., maculaque ocellari; rostro
cylindrico
.

Bloch tab. 202.

In Ostindien. Der Oberkiefer endigt sich in ei-
ne Röhre, wodurch der Fisch die Insecten, die an
allerhand Wasserpflanzen sitzen, bespritzt, daß sie
herabfallen und ihm zur Speise werden müssen.

2. Macrolepidotus. C. cauda integra, spinis dor-
salibus 11, radio dorsali quarto filiformi lon-
gissimo
.

Bloch tab. 200.

In Ostindien.

38. Sparus, Brachse. Dentes primores robu-
sti, molares obtusi, conferti. Labia simplicia
.
Membr. branch. rad. 5; corpus compressum.
Pinnae pectorales acuminatae.

1. Aurata, der Goldbrachsen. S. lunula au-
rea inter oculos
.

Bloch tab. 266.

Im mittelländischen und Atlantischen Meer. Hat
[Seite 235] fast in allen Sprachen seinen Nahmen von dem gold-
farbigen halben Monde vor den Augen.

2. Sargus, der Greißbrachsen. S. ocello
subcaudali, corpore fasciis nigris.

Bloch tab. 264.

Im mittelländischen Meere. Die Männchen sollen
zur Begattungszeit sehr hitzig wie Säugethiere oder
Vögel um ihre Weibchen kämpfen.

3. Pagrus, der Seebrachse. S. rubescens, cu-
te ad radicem pinnarum dorsi et ani in sinum
producta
.

Bloch tab. 267.

Einer der am allgemeinsten verbreiteten Seefische.
Zuweilen giftig.

39. Labrus, Lippfisch. Dentes acuti, labia du-
plicata magna. Membr. branch. rad. 6; pin-
nae dorsalis radii postice ramento filiformi aucti
Pectorales rotundatae
.

1. Julis, der Meerjunker. L. lateribus cae-
rulescentibus, vitta longitudinali fulva utrim-
que dentata
.

Bloch tab. 287.

Im mittelländischen Meer. Nur Fingers lang, von
ausnehmend schönen Farben. Wird den Baden-
den durch seinen Biß lästig, der wie Mückenstiche
schmerzt.

40. Sciaena. Caput totum squamis obtectum.
Membr. branch. rad. 6; opercula squamosa.
Corpus: fossula dorsi pro pinna dorsali recon-
denda
.

1. Nigra. S. tota nigra, ventre fusco-albes-
cente
.

Bloch tab. 297.

Wie so viele andere Gattungen dieses Geschlechts
im rothen Meere.

[Seite 236]

41. Perca. Opercula spinosa, antrorsum serra-
ta. Membr. branch. rad. 7. corpus pinnis spino-
sis. Linea lateralis cum dorso arcuata
.

1. †. Fluviatilis, der Barsch. (Fr. la perche,
Engl. the perch.) P. pinnis dorsalibus di-
stinctis, secunda radiis
16.

Bloch tab. 52.

In Europa und Nordasien.

2. †. Lucioperca, der Zander, Sandbarsch,
Schiel
. P. pinnis dorsalibus distinctis se-
cunda radiis
32.

Bloch. tab. 51.

So wie der folgende im nördlichen Europa. Hier
diese Gattung vorzüglich schmackhaft, vor allen die
im Plattensee in Ungarn. Von ansehnlicher Größe
in der Donau.

3. †. Cernua, der Kaulbarsch. (Engl. the
ruffe
.) P. pinnis dorsalibus unitas radiis 27:
spinis 15: cauda bifida.

Bloch tab. 53 fig. 2.

42. Gasterosteus. Membr. branch. rad. 3;
corpus ad caudam utrimque carinatum. Pinnae
ventrales pone pectorales, sed supra sternum
.

1. †. Aculeatus, der Stichling. (spinarella.
Engl. the stickleback.) G. spinis dorsalibus
tribus
.

Bloch tab. 53. fig. 3.

In Europa; wird fast bloß zum Mästen der
Schweine und statt Dünger gebraucht.

2. Ductor, der Lootsmann. (Fr. le pilote.
Engl. the pilot-fish.) G. spinis dorsalibus 4,
membrana branchiostega 7-radiata.

Der berühmte kleine Fisch der sich immer als Be-
gleiter oder Vorläufer beym furchtbaren Requin
(Squalus carcharias) findet. Einige Übertreibun-
[Seite 237] gen abgerechnet, ist die Hauptsache neuerlich durch
treffliche Beobachter vollkommen bestätiget*).

43. Scomber. Caput compressum, laeve.
Membr. branch. rad. 7; corpus laeve, linea
laterali postice carinatum. Pinnae spuriae saepe
versus caudam
.

1. †. Scomber, die Makrele. (Fr. le maque-
reau
. Engl. the mackrel.) S. pinnulis 5.

Bloch tab. 54.

Im nordischen und Atlantischen Meere etc. Wie
der folgende ein gefräßiger aber vorzüglich schmack-
hafter Raubfisch. Von beyden machten die Alten ein
Vorzügliches Garum.

2. Pelamys. Die Bonite. S. pinnulis inferio-
ribus 7; abdomine lineis utrimque 4 nigris
.

In allen wärmern Weltmeeren. Auch dieses Thier
phosphorescirt nach dem Tode zuweilen sehr stark,
und kann dann so wie manche andere Fische und de-
ren Thran etc. zum Leuchten des Seewassers beytragen.

3. †. Thynnus der Thunfisch. (Fr. le thon.
Engl. the tunny.) S. pinnulis utrimque 8.

Bloch tab. 55.

In der Nordsee, dem mittelländischen Meer, Ost-
und Westindien etc. Wird über Manns lang, und
dann wohl gegen 5 Centner schwer. Ist zuweilen
giftig**). – Ihm ähnelt die zumahl aus den Süd-
see-Reisen bekannte Albicore.

44. Mullus. Caput compressum, declive, squa-
mis tectum. Membr. branch. rad. 3; corpus
squamis magnis facile deciduis
.

[Seite 238]

1. Barbatus, der Rothbart, die Meerbar-
be
. M. cirris geminis, corpore rubro.

Bloch tab. 328. fig. 2.

Ein schöner schmackhafter Fisch des mittelländischen
Meeres. Ungefähr fußlang.

45. Trigla. Caput loricatum lineis scabris.
Membr. branch. rad. 7; digiti liberi ad pinnas
pectorales
.

1. Volitans. T. digitis vicenis membrana pal-
matis
.

Bloch tab. 351.

Einer der fliegenden Fische in den mildern Welt-
meeren.


VI. ABDOMINALES.

Fische, deren Bauchfloßen hinter den Brustfloß-
federn sitzen. Die mehresten Süßwasser-Fische sind aus
dieser Ordnung.

46. Cobitis. Oculi in suprema capitis parte.
Membr. branch. rad. 4-6; cauda versus pinnam
minus angustata
.

1. Anableps. C. cirris 2; capite depresso, oculis
prominulis
.

Bloch tab. 361.

Bey Surinam. Gebärt lebendige Junge, und
wird besonders durch den ganz einzigen Bau seiner
gleichsam in zwey Abschnitte halbirten Hornhaut des
Auges, und übrige Einrichtung der Augäpfel, merk-
würdig*).

[Seite 239]

2. †. Barbatula, der Schmerling, Grundel,
Bartgrundel
. (Fr. la loche. Engl. the
loach
.) C. cirris 6, capite inermi compresso.

Bloch tab. 31. fig. 3.

In mehrern Spielarten, mit und ohne Bartfä-
den etc. Die größten finden sich in der Aar in der
Schweiß.

3. †. Fossilis, der Wetterfisch, Peizker,
Schlammbeisker, die Pipe
, Stein-
pietsche, Kurrpietsche
. C. cirris 6, spina
supra oculos
.

Bloch tab. 31. fig. 1.

In Europa. Kann wie der Knurrhahn einen Laut
von sich geben. Wenn man ihn in Gläsern, mit
Sand am Boden, erhält, so wird er bey bevorste-
hender Wetterveränderung unruhig.

47. Silurus. Caput nudum. Os cirris filiformi-
bus tentaculatum. Membr. branch. rad
. 4-14;
radius pinnarum pectoralium aut dorsalis pri-
mus spinosus, retrodentatus
.

1. †. Glanis, der Wels, Schaidfisch. S. pin-
na dorsali unica mutica, cirris
6.

Bloch tab. 34.

In den mildern Strichen der alten Welt. Der
größte Süßwasser-Fisch, der wohl 3 Centner am
Gewicht hält, und wegen des unförmlich großen und
breiten Kopfes und verlangen Bartfäden ein sonder-
bares Ansehen hat.

2. Cataphractus. S. pinna dorsali postica uni-
radiata, squamis ordine simplici, cirris
6,
cauda integra.

Catesby vol. III. tab. 19.

In Nordamerika.

3. Electricus, der Zitter-Wels, Raasch. (Fr.
[Seite 240] le trembleur.) S. pinna dorsali unica lumbari.
remota absque radiis, cirris 6.

Broussonet in den Mém. de l'ac. des
sc. de Paris
1792. tab. 20.

Ebenfalls ein elektrischer Fisch (§. 110). Findet
sich im Nil und mehrern andern Afrikanischen Flüs-
sen. Wird ungefähr 20 Zoll lang. Ist eßbar.

48. Loricaria. (Fr. cuirassier.) Caput laeve
depressum. Os edentulum retractyle. Membr.
brauch. radiis 6; corpus cataphractum
.

1. Plecostomus. L. pinnis dorsi duabus.

Bloch tab. 374.

In Südamerika.

49. Salmo. Caput laeve. Dentes in maxillis,
lingua. Membr. branch. rad. 4-10; pinna dor-
salis postica adiposa; pinnae ventrales multira-
diatae
.

1. †. Salar, der Lachs, Salm. (Fr. le saumon.
Engl. the salmon.) S. rostro ultra inferiorem
maxillam prominente
.

Bloch tab. 20. 98.

In den nordischen Meeren und Flüssen, theils
wie auf Labrador und im Amur-Lande in unsäglicher
Menge. Hält sich des Sommers in den Flüssen, im
Winter aber in der See auf. Nur die Männchen
haben einen gebogenen Unterkiefer. Die Weibchen
der Orotchys-Tungusen wissen die Lachshäute durch
Gerben ausnehmend geschmeidig zu machen um sich
damit zu kleiden.

2. †. Trutta, die Lachs-Forelle. (Fr. la
truite saumonée
. Engl. the sea trout.) S. ocel-
lis nigris iridibus brunneis, pinna pectorale
punctis
, 6.

Bloch tab. 21.

[Seite 241]

An den Küsten und in den Flüssen von Europa.
Wird 8 bis 10 Pfund schwer.

3. †. Fario, die Forelle. (Fr. la truite. Engl.
the trout.) S. maculis rubris, maxilla inferio-
re sublongiore
.

Bloch tab. 22. 23.

In schattigen Waldbächen des gebirgigen mildern
Europa und Asien. Wird selten über 2 Pfund schwer.
Variirt sehr an Farbe und Geschmack.

4. †. Alpinus, die Alpenforelle, der Roth-
fisch
. S. dorso nigro lateribus caeruleis, ven-
tre fulvo
.

Bloch tab. 104.

Im Alpinischen und nördlichen Europa. Ein wich-
tiges Thier für die Schwedischen Lappen, deren bey-
nahe einige Nahrung es zu Zeiten ausmacht; lebt
großentheils von Mücken (culex pipiens).

5. †. Eperlanus, der große Stint, Alander.
(Engl. the smelt.) S. capite diaphano, radiis
pinnae ani
17.

Bloch tab. 28. fig. 2.

Im nördlichen Europa. Fast durchscheinend. –
Ihm ähnelt der sogenannte Grönländische Häring,
Angmarset (Salmo arcticus), den die Grönlän-
der nächst ihrer Hauptnahrung, dem Seehundflei-
sche, in größter Menge gleichsam als Brod oder
Kuchen verzehren.

6. †. Lavaretus, der Gangfisch, Schnepel,
Weißfisch
. S. maxilla superiore longiore,
radiis pinnae dorsi 14.

Bloch tab. 25.

In der Nord- und Ostsee; auch in der Hudsons-
bay. – Dahin gehören vermuthlich auch die Fel-
chen
, und der Aalbock im Thuner-See, der
mit der Ferra des Genfer-Sees einerley zu seyn
scheint.

[Seite 242]

7. †. Thymallus, die Äsche. (Fr. l'ombre.) S.
maxilla superiore longiore, pinna dorsi ra-
diis
23.

Bloch tab. 24.

Im mittlern Europa und Sibirien.

50. Fistularia. Caput: rostrum cylindricum,
apice maxillosum. Membr. branch. radiis 7:
corpus....

1. Tabacaria, F. cauda bifida setifera.

Bloch tab. 387.

Das so gar sonderbar gebildete Thier mit win-
zig kleinem Maule an einer mächtig langen Schnau-
tze findet sich an den östlichen Küsten vom wärmern
Amerika und an Neuholland.

51. a) Esox. Caput supra planiusculum; mandi-
bula superiore plana breviore, inferiore puncta-
ta: dentes in maxillis, lingua. Membr. branch
.
rad. 7-12.

1. †. Lucius, der Hecht. (Fr. le brochet. Engl.
the pike.) Q. rostro depresso subaequali.

Bloch tab. 32.

In vielen Flüssen und Seen von Europa, Asien
und Nordamerika. Einer der gefräßigsten Raub-
fische, der nicht nur andere Fische, sondern auch al-
lerhand Amphibien, Kröten etc., viele Wasservögel
und kleine Säugethiere, auch zuweilen gar Krebse
verschlingt.

2. †. Belone. der Hornfisch. (Fr. l'orphie
Engl. the garpike.) L. rostro utraque ma-
xilla subulato
.

Bloch tab. 33.

In den Europäischen Meeren, theils in unsägli-
cher Menge. Seine Gräten sind grün, als wenn
sie mit Saftfarbe angestrichen wären.

[Seite 243]

51. b) Polypterus. Membr. branch. radio
unico. Spiracula utrinque bina in vertice. Pin-
nae dorsales numerosae
.

1. Bichir.

Geoffroy-Saint-Hilaire Mémoires d'hi-
stoire naturelle
tab. 5.

Im Nil. Ungefähr zwey Spannen lang, von
meergrüner Farbe, wie mit knöchernen Schuppen
gepanzert. Seine zahlreichen Ruckenfloßen (16 und
darüber); und die gleichsam wie an Beinen ansitzen-
den Brust- und Bauchfloßen, so wie noch mehrere
auffallende Eigenheiten qualificiren dieses sonderbare
Thier zu einem eigenen Geschlechte.

52. Elops. Caput laeve. Dentium scabrities in
maxillarum margine, palato. Membr. branch
.
radiis 30; praeterea exterius in medio armata
dentibus
5.

1. Saurus. E. cauda supra infraque armata.

Bloch tab. 393.

Auf Jamaica.

53. Argentina. Dentes in maxillis, lingua.
Membr. branch. radiis 8. Corpus ano caudae
vicino. Pinnae ventrales multiradiatae
.

1. Carolina. A pinna anali radiis 15.

Catesby. vol. II. tab. 24.

Hat den Nahmen von ihrem Vaterlande.

54. Atherina. Caput maxilla superiore pla-
niuscula. Membr. branch. radiis 6. Corpus
fascia laterali argentea
.

1. Hepsetus. A. pinna ani radiis fere 12.

Bloch tab. 393, fig. 3.

Im mittelländischen Meere.

55. Mugil. Caput: Labia membranacea: in-
[Seite 244] ferius introrsum carinatum. Dentes nulli. Den-
ticulus inflexus supra sinus oris. Membr. branch
rad. 7. curvis. Opercula laevia rotundata. Cor-
pus albicans
.

1. Cephalus. M. pinna dorsali anteriore quin-
queradiata
.

Bloch tab. 394.

Im mittelländischen u.a. Meeren.

56. Exocoetus. Caput squamosum. Os eden-
tulum, maxillis utroque latere connexis. Membr
.
branch. radiis 10. Corpus albicans, abdomen
angulatum, pinnae pectorales maxime volatiles
,
radiis antice carinatis.

1. Volitans, der fliegende Häring. E. ab-
domine utrinque carinato
.

Der gemeinste aller fliegenden Fische. Findet sich
meistens in allen wärmern Weltmeeren; theils in
großen Scharen.

Die seltenste Gattung dieses Geschlechtes, der
Exocoetus mesogaster (Abbild. n. h. Gegenst.
tab. 100.), die zumahl im Westen des Atlantischen
Oceans zu Hause ist, zeichnet sich durch die Stel-
lung der Bauchfloßen an der Mitte des Unterleibes,
und dadurch aus, daß die mittlern Strahlen in
denselben die längsten sind.

57. Polynemus. Caput compressum, undique
squamosum: rostro obtusissimo prominente
.
Membr. branch. rad. 5. vel 7. Corpus digitis
liberis ad pinnas pectorales
.

Quinquarius. P. digitis quinque corpore longio-
ribus
.

Seba vol. III. tab. 27, fig. 2.

In Westindien.

[Seite 245]

58. Clupea. Caput maxillarum superiorum my-
stacibus serratis. Membr. branch. rad. 8. Bran-
chiae interne setaceae. Abdominis carina serra-
ta. Pinnae ventrales saepe novemradiatae
.

1. Harengus, der Häring, Strämling,
membras? (Fr. l'hareng. Engl. the herring.)
C. immaculata, maxilla inferiore longiore.

Bloch tab. 29.

Einer der wichtigsten Fische für die nördliche Er-
de, der zwar von Menschen und sehr vielen Thie-
ren (zumahl vom Nordkaper, von manchen Möven-
Gattungen etc.) verfolgt wird, sich aber auch dage-
gen zum Bewundern stark vermehrt. Besonders sind
nun seit dem zwölften Jahrhundert bey Gelegenheit
ihrer großen äußerst bestimmten, regelmäßigen
Sommer-Reisen (s. oben §. 109.) nach den Euro-
päischen Küsten, zumahl nach den Orcaden, nach
Norwegen etc. so viele tausend Europäer mit ihrem
Fang beschäftigt.

2. †. Sprattus, die Sprotte, der Breit-
ling
. (Fr. la sardine. Engl. the sprat.) C.
pinna dorsali radiis 13.

Bloch tab. 29, fig. 2.

Ebenfalls in den nördlichen Meeren, aber auch
im mittelländischen. Ist von manchen Naturforschern
irrig für den jungen Häring gehalten worden.

3. †. Alosa, die Alse, der Mutterhäring,
Mayfisch
. (Fr. l'alose. Engl. the shad.) C.
lateribus nigro maculatis, rostro nigro.

Bloch tab. 30, fig. 1.

Vorzüglich häufig im mittelländischen Meere.

4. †. Enerasicolus, die Sardelle, der An-
schovis
. (Fr. l'anchois.) C. maxilla supe-
riore longiore
.

Bloch tab. 30, fig. 2.

[Seite 246]

Hat meist gleiches Vaterland mit dem vorigen.
Wird vorzüglich häufig an Gorgona im Golfo di
Livorno gefangen.

59. Cyprinus. Caput ore edentulo. Os nasale
bisulcum. Membr. branch. rad. 3. Corpus lae-
ve albens. Pinnae ventrales saepe novemra-
diatae
.

1. †. Barbus, die Barbe. C. pinna ani ra-
diis 7, cirris 7, pinnae dorsi radio secundo
utrinque serrato
.

Bloch tab. 18.

Im mildern Europa und westlichen Asien. Ihr
Rogen ist giftig, so daß sein Genuß schon oft sehr
gefahrvolle Zufälle erregt hat*).

2. †. Carpio, der Karpfe. (Fr. la carpe.
Engl. the carp.) C. pinna ani radiis 9, cir-
ris 4, pinnae dorsalis radio secundo postice
serrato.

Bloch tab. 16.

Jetzt nun meist in ganz Europa. Ins nördlichere
seit 300 Jahren allgemach durch die Kunst verpflanzt.
Soll mit verwandten Gattungen, zumahl mit der
Karausche, Bastarden geben. Auch finden sich un-
ter den Karpfen häufiger Mißgeburten als unter ir-
gend einer andern bekannten Fischgattung. – Die
Spiegelkarpfen**), die sich besonders durch
die beständig von Schuppen entblößlen Theile des
Körpers auszeichnen, scheinen doch keine bloße
Spielart, sondern eine besondere Gattung dieses
Geschlechts zu seyn.

3. †. Tinca, die Schleihe. (Fr. la tanche,
[Seite 247] Engl. the tench.) C. pinna ani radiis 25,
cauda integra, corpore mucoso cirris 2.

Bloch tab. 19.

Einer der weitestverbreiteten Flußfische. Kann mit
den Kiemendeckeln einen Laut von sich geben. Die
Goldschleihe*) ist einer der schönsten Deut-
schen Fische.

4. †. Carassus, die Karausche (Fr. le ca-
rassin
. Engl. the crucian.) C. pinna ani
radiis 10, cauda integra, linea laterali recta
.

Bloch tab. 11.

In Europa und Mittel-Asien.

5. Auratus, das Schinesiche Goldfischen,
der Goldkarpfe, Kin
-ju. (Fr. la dorée.
Engl. the goldfish.) C. pinna ani gemina,
caudae trifida transversa bifurca.

Baster in Harlem. Verhandel. VII. D. 1. St.
mit illum. Fig.

In Japan und Schina, wo sie gleichsam als
Hausthiere gehalten werden, und in mancherley
wunderbare, theils fast monströse Varietäten, der
vortrefflichsten Farben, Zahl und Bildung der Flos-
sen, Größe der Augen etc. ausgeartet sind. Sie
kommen auch im mildern Europa recht gut fort.
Können sogar Jahr und Tag im bloßen Wasser ohne
alle weitere Nahrung leben, und geben dabey doch
von Zeit zu Zeit Unrath von sich.

6. †. Phoxinus, die Elritze. (Fr. le vairon.
Engl. the minow.) C. pinna ani radiis 8,
macula fusca ad caudam, corpore pellucido.

Bloch tab. 8, fig. 5.

Häufig in der Weser.

7. †. Orfus, der Orf, Urs, Würfling,
Elft
. C. pinna ani radiis 13.

Bloch tab. 96.

[Seite 248]

Zumahl im südlichen Deutschland. Schön orange-
farben.

8. †. Alburnus, der Ukley, Lauge, Weiß-
fisch
. (Fr. l'able, ablette. Engl. the bleak.)
C. pinna ani rad. 20.

Bloch tab. 8, fig. 4.

So wie der folgende im mittlern Europa und
westlichen Asien. Seine Schuppen werden zur Ver-
fertigung der Glasperlen gebraucht*).

9. †. Brama, der Bley, Brachsen. (Fr. la
brème
.) C. pinna ani rad. 27, pinnis fuscis.

Bloch tab. 13.


Achter Abschnitt.
Von den Insecten.

[Seite 249]

§. 121.

Die Thiere der beyden letzten Classen (§. 40), die
Insecten und Gewürme, unterscheiden sich schon da-
durch von den vorhergehenden, daß sie kein rothes
Blut, sondern statt dessen einen weißlichen Saft in
ihrem Körper führen: weßhalb sie (§. 23) auch von
den Alten Blutlose Thiere (animalia exsanguia)
genannt wurden. So wie man sie neuerlich darum,
weil sie keine Rückenwirbel – so wie überhaupt kein
Gerippe – haben, auch Wirbellose Thiere (Fr. ani-
maux invertébrés
) genannt hat.

§. 122.

Die Insecten haben ihren Nahmen daher, weil
wenigstens im Zustande ihrer vollkommenen Ausbil-
dung, Kopf, Brust und Hinterleib, wie durch Ein-
schnitte
von einander abgesondert sind, ja bey vie-
len fast nur wie durch einen Faden unter einander
verbunden werden. Außerdem zeichnen sie sich aber auch
(bis auf wenige Ausnahmen unter den Geschlechtern
der geflügelten Ordnung) durch besondere theils sehr
empfindliche Organe aus, die sie in ihrem vollkomm-
[Seite 250] nen Zustande am Kopfe tragen (Antennae, Fühl-
hörner
), und die alle Mahl an der Wurzel einge-
lenkt, meist aber auch noch außerdem gegliedert sind;
und endlich durch die hornartigen, eingelenkten
Füße, und deren größere Anzahl, da die völlig aus-
gebildeten Insecten zum allermindesten ihrer sechs,
manche aber wohl auf anderthalb hundert etc. haben.

§. 123.

Außer den angegebenen Merkzeichen, haben die
Insecten in ihrem Äußern wenig, was ihnen allen
gemein wäre. Die ganz unermeßliche Anzahl der Gat-
tungen, ihre so unendlich verschiedenen Bestimmungen,
und dahin abzweckende eben so verschiedene Lebensart,
Bedürfnisse etc. erfordern eine äußerst vielartige Bil-
dung, in welcher sie, so wie in der ungleichen Größe
ihres Körpers, ausnehmend von einander abweichen.

§. 124.

Selbst die äußere Bedeckung ihres Körpers
ist mannigfaltiger als bey den übrigen Thieren. Sehr
viele sind wie mit einem hornartigen Panzer über-
zogen, der aus mehreren Stücken besteht, die sich wie
Schienen eines Blechhandschuhes über einander schie-
ben lassen; und wodurch diese Thiere vor mancherley
Unfällen gesichert, und für den Mangel der Knochen,
die bey andern Thieren zur Anlage der Muskeln etc.
dienen, entschädigt werden. Manche sind mit feinen
Haaren besetzt, und bey den Schmetterlingen etc.
die Flügel mit sogenannten Federchen, oder vielmehr
Schuppen bedeckt, die zum Theil von den schönsten
Farben sind: so wie sich überhaupt unter den Insecten
Thiere von unbeschreiblicher Schönheit finden.

§. 125.

[Seite 251]

Auch in der Einrichtung der Sinnwerkzeu-
ge
*), und also vermuthlich auch in der Art der Em-
pfindung
, weichen die Insecten gar sehr von den
übrigen Thieren ab, so daß ihnen sogar manche Na-
turforscher verschiedene von unsern fünf äußern Sin-
nen, zumahl das Gehör und den Geruch, ohne Grund
haben absprechen wollen; da man doch jenes bey vie-
len, die einander zur Paarungszeit durch einen beson-
dern Laut locken, und diesen bey noch weit mehreren,
die ihren versteckten Fraß auswittern, unverkennbar
wahrnimmt.

§. 126.

Die Augen der Insecten sind vorzüglich merk-
würdig. und zwar in Rücksicht ihres Baues von zwey-
facher Art. Die einen sind große Halbkugeln, die
aber meist aus Tausenden von Facetten, bey einigen
auch aus zahlreichen kegelförmigen Spitzen bestehen,
die auf der innern Seite mit einem theils buntfarbigen
oder glänzenden Anstrich überzogen sind. Die mehre-
sten geflügelten Insecten, aber auch manche ungeflü-
gelte, wie der Flußkrebs, Hummer etc. haben derglei-
chen. Die Augen der andern Art (stemmata, ocelli)
sind einfach, klein, und so wohl in Rücksicht ihrer
Anzahl als Lage verschieden. Die erstern scheinen mehr
für die Ferne, so wie die letztern für die Nähe be-
stimmt zu seyn; wenigstens reimt sich dieß damit, daß
[Seite 252] die Schmetterlinge in ihrem geflügelten, vollkomme-
nen Zustande solche große componirte teleskopische Au-
gen kriegen, da sie vorher als Raupen nur myopische
kleine Augen hatten. Nur wenige Insecten, wie z.B.
die Krebse, können ihre Augen bewegen.

§. 127.

Die Fühlhörner*), die bey den verschiede-
nen Gattungen, und bey manchen selbst nach der Se-
xualdifferenz derselben, sehr vielartig gestaltet sind,
und die manche Naturforscher für Organe des Geruchs
oder des Geschmacks etc. angesehen haben, scheinen doch
nichts wetter zu seyn, als was ihr Nahme andeutet, –
Werkzeuge des Tastens, Sonden, Tangenten, die
ihnen bey ihrer harten, unempfindlichen, äußern De-
cke, und den mehresten auch bey der Unbeweglichkeit
ihrer Augen doppelt wichtig werden. Die Insecten
scheinen das feinste Gefühl in ihren Antennen, wie
wir in den Fingerspitzen zu haben; und da sie größ-
tentheils im Dunkeln leben, dadurch, so wie Blinde,
den Mangel des Lichts durch feines Gefühl zu ersetzen.
– Hingegen ist der allgemeine Hauptzweck der so ge-
nannten Freßspitzen (palpi), die meist neben den
Freßwerkzeugen der Insecten sitzen, und nur wenigen
gänzlich zu fehlen scheinen, und die auch von manchen
für Sinnwerkzeuge dieser Thiere gehalten worden,
noch sehr räthselhaft.

§. 128.

Im innern Körperbau**) weichen die In-
secten gar sehr von den rothblütigen Thieren ab.

[Seite 253]

Was man z. E. bey den Raupen für ihr Herz
angesehen hat, das ist ein langer Canal von ungleicher
Weite, der längs des Rückens liegt, aus welchem aber
nicht eine einzige Ader entspringt, so, daß folglich
auch die Ernährung bey diesen Insecten auf eine ei-
gene, von der Nutrition der rothblütigen Thiere ganz
verschiedene Art vor sich gehen muß.

Hingegen sind sie mit unzähligen Luftröhren
vom erstaunenswürdigsten, feinsten Bau, und mit
äußerst zahlreichen Muskeln, die aber auch sowohl
in der Bildung als in der Farbe von den Muskeln der
rothblütigen Thiere abweichen, versehen.

§. 129.

Ungeachtet die Insecten eben so wohl als die roth-
blütigen Thiere, des Umsatzes von Kohlenstoff gegen
Sauerstoff (§. 24) zur Erhaltung ihres Lebens bedür-
fen; so bemerkt man doch nur bey wenigen (wie z.B.
bey den Krebsen, Heuschrecken und manchen Cicaden
und Käfern etc.) eine dem Athemhohlen ähnliche Bewe-
gung. Überhaupt aber schöpft kein Insect seine Luft
durch den Mund, sondern durch mancherley andere spi-
racula
*). Auch können die meisten weit länger als
jene rothblütigen Thiere im sogenannten luftleeren
Raume aushalten; und viele leben in der, den so eben
genannten Thieren so schädlichen, mephitischen Luft,
worin animalische und vegetabilische Stoffe faulen
(– dem gekohlten Wasserstoffgas etc. –) gleichsam als
in ihrem Elemente.

§. 130.

[Seite 254]

Überhaupt ist der Aufenthalt der Insecten auf
und unter der Erde*) weit unbeschränkter, als der
von irgend einer andern Thierclasse. Es sind fast auf
allen warmblütigen Thieren welche anzutreffen, und
sogar größere Insecten, wie z.B. Käfer, Bienen etc.
haben selbst wieder ihre besondern Milben und Läuse.
Auch sind wohl nur wenige Gewächse (etwa der Ta-
xus, der Sevenbaum, und die mehrsten Laubmoose etc.),
die gar keinen bekannten Insecten zur Wohnung und
Aufenthalt dienen. Da hingegen manche, wie z.B.
die Eiche, von mehr als einem hundert verschiedener
Gattungen von Insecten bewohnt und besucht werden.
– So allgemein aber die Insecten, im Ganzen ge-
nommen, über die ganze Erde verbreitet sind, so streng
ist doch dagegen vielen einzelnen Gattungen ihr ganz
besonderer, eingeschränkter Aufenthalt auf bestimmten
Thieren oder Pflanzen, und deren einzelnen Theile
angewiesen.

§. 131.

Nur wenige Insecten leben in gesellschaftli-
cher Verbindung
, und leisten einander in ihren
Geschäften wechselseitige Hülfe. Die allermeisten ge-
hen einzeln und isolirt ihren Verrichtungen nach und
manche, die wie die Spinnen in zahlreicher Gesellschaft
jung worden sind, zerstreuen sich bald nachher, und
leben einsiedlerisch, so daß viele außer der Begat-
[Seite 255] tungszeit kein anderes Geschöpf ihrer Art wieder zu
sehen kriegen.

§. 132.

Der überaus merkwürdigen Gebäude, Woh-
nungen
etc., die sich so viele Insecten zu verfertigen
wissen, ist schon oben bey Anlaß der Kunsttriebe (§. 36)
Erwähnung geschehen. Es sind wenige Thiere dieser
Classe, die nicht wenigstens ein Mahl, in einer ge-
wissen Periode ihres Lebens Proben dieser natürlichen
Kunstfähigkeit ablegen sollten, indem sie entweder,
wie die Kleidermotten und Frühlingsfliegen, in ihrer
unvollendeten Gestalt, als Larven sich ein Gehäuse
zum Aufenthalte und zum Schutze verfertigen; oder
sich, um die Verwandlung und den langen Todes-
schlaf zu bestehen, ein Lager bereiten, sich einspin-
nen etc., oder die, sich wie die Ameisenlöwen Fallen,
und wie die Spinnen Netze für ihren Raub verferti-
gen; oder die wie manche Masserkäfer und Spinnen,
zur Sicherheit für ihre Nachkommenschaft, Säcke oder
Nester zubereiten, denen sie ihre Eyer anvertrauen
können. Manche von denen, die in gesellschaftlicher
Verbindung leben, bauen sich mit vereinten Kräften,
und nach den Gesetzen einer äußerst regelmäßigen, ih-
nen angebornen Meßkunst, gemeinschaftliche Woh-
nungen u.s.w.

§. 133.

Bey der Ernährungsart der Insecten sieht
man offenbar, daß dieselbe nicht, wie bey den aller-
mehrsten rothblütigen Thieren, bloß auf ihre Selbst-
erhaltung, sondern hauptsächlich darauf abzweckt, daß
sie organisirte Materie consumiren sollen. Sie
[Seite 256] müssen essen, nicht bloß um satt zu werden, sondern
um zugleich Aas zu verzehren, um selbst wieder ande-
re lebendige Insecten aufzureiben etc., um Unkraut zu
vertilgen u.s.w. – eine große Bestimmung, zu de-
ten Erfüllung außer der fast zahllosen Menge der Gat-
tungen überhaupt, sehr vielen von diesen speciebus,
theils ihre äußerst starke Vermehrung, theils ihre bey-
spiellos heftige Freßgierde und schnelle Verdauung bey
einem sehr kurzen Darmcanal zu Statten kommt. Man
weiß z.B., daß eine Raupe in 24 Stunden das Tri-
plum ihres eigenen Gewichts verzehren kam. – Auch
sind die Freßwerkzeuge der Insecten vielartiger
als in irgend einer andern Thierclasse: da manche mit
seitwärts beweglichen gezähnelten Kinnladen und Freß-
zangen (maxillae); andere mit einem zugespitzten horn-
artigen Bohrrüssel (rostrum); andere mit einem flei-
schigen Schlurfrüssel mit breiter Mündung (probos-
cis
); manche mit einer spiralförmig aufgerollten (soge-
nannten) Zunge etc. versehen sind.

§. 134.

Vor den Nachstellungen ihrer Feinde
sind einige Insecten, wie z.B. die Spannraupen durch
ihre täuschende Gestalt; andere dadurch, daß sie einer-
ley Farbe mit den Gewächsen haben, worauf sie le-
ben*), folglich weniger darauf abstechen, und nicht
so leicht bemerkt werden können; andere auch wohl
durch den heftigen Geruch, den sie im Nothfall ver-
breiten können; andere durch die Macht des gesell-
[Seite 257] schaftlichen Lebens; noch andere durch ihre bewun-
dernswürdige Stärke etc. gesichert. Und manche sind gar
mit Waffen, z.B. mit Hörnern wie Kneipzangen,
oder mit Stachel und Gift versehen.

§. 135.

Auch bey der Fortpflanzung der Insecten
zeigen sich ungemein viele eigene Sonderbarkeiten. So
z.B., daß oft in einer und eben derselben Gattung
die beyden Geschlechter einander so äußert unähnlich
gebildet sind, daß man sie eher für ganz verschiedene
Thierarten, als für zusammen gehörige Gatten halten
sollte: oder daß unter den Bienen und andern ihnen
verwandten Insecten immer die größte Anzahl gänzlich
geschlechtlos ist; das heißt, daß sie gezeugt und
geboren werden, ohne doch nach dem ordentlichen Laufe
selbst die Bestimmung zur Empfängniß oder zur Zeu-
gung zu haben.

§. 136.

Ferner hat die Begattung bey verschiedenen
Insecten sehr viel Eigenes. Bey nicht wenigen Gat-
tungen wird sie z.B. im Fluge vollzogen, und manche
derselben sind, bloß für diese kurze Paarungszeit geflü-
gelt. – Überhaupt aber leben die mehresten in so fern
in einer gezwungenen Monogamie; daß sie schlechter-
dings nicht mehr als ein einziges Mahl in ihrem Leben
sich paaren können: der Tod ist bey ihnen eine so un-
ausbleibliche Folge der ersten Begattung; daß man
sogar ihr Leben durch verzögerte Paarung verlängern
kann.

§. 137.

Zu andern Sonderbarkeiten beym Fortpflanzungs-
geschäfte der Insecten gehört auch, daß bey vielen;
[Seite 258] wie z.B. bey dem Cochenille Wurm, bey dem Sand-
floh etc. das trächtige Weibchen zu einer ganz ungeheu-
ren Größe anwächst: so daß man z.B. rechnet, daß
bey der weißen Ameise der Hinterleib der zum Gebäh-
ren reifen Mutter auf 2000 Mahl dicker und größer
ist als er vor der Befruchtung war.

§. 138.

Die mehresten Insecten legen Eyer, die von den
Müttern nach einem bewundernswürdigen Instinct
immer aufs genaueste an die bestimmten der künftigen
jungen Brut angemessensten Orte gebracht werden.
Manche legen z.B. ihre Eyer bloß in den Körper
lebendiger Insecten anderer Art, in Raupen; oder
in Puppen; oder gar in anderer Insecten ihre Eyer!
denn wirklich kriecht zuweilen aus den Eyern der Rin-
gelraupe statt der jungen Raupe eine eigene Art kleiner
Mückchen aus.

Auch sind die Insecten-Eyer zum Theil, zumahl
bey den Schmetterlingen, von einer überaus mannig-
faltigen sonderbaren Bildung und Zeichnung, und
wenn sie von der Mutter an die freye Luft gelegt
werden, mit einer Art Firniß überzogen, damit sie
weder vom Regen abgespühlt, noch durch andern Zufall
leicht zerstört werden können. Einige wenige Insecten
gebähren lebendige Junge, und manche, wie die
Blattläuse, pflanzen sich auf beyderley Weise fort.

§. 139.

Ein äußerst merkwürdiges Phänomen, das fast
bloß dieser Thierclasse eigen, wenigstens in den andern
(§. 72. Anm. 94. 116.), bey weiten nicht so auffal-
lend wird, ist ihre Metamorphose. Es kommt
[Seite 259] nähmlich kein einziges geflügeltes Insect unmittelbar
aus dem Ey, sondern diese alle müssen sich (– so wie
auch einige ungeflügelte –) erst in gewissen Lebens-
epochen einer Art von Verwandlung unterziehen. Dabey
wird nicht nur ihre äußere Gestattung, sondern zugleich
ihr ganzer innerer Körperbau (gegen die gemeine Mei-
nung) auf eine Weise umgebildet*) die sich schwerlich
mu der vorgeblichen Präexistenz präformirter
Keime (§. 7.) zusammen reimen läßt**).

§. 140.

In der Gestalt, wie diese Insecten, die sich einer
Metamorphose unterziehen, zuerst aus dem Ey kriechen,
heißen sie Larven. Meist kommen sie äußerst klein
ans Licht, so daß z.B. eine erwachsene Weidenraupe
72,000 Mahl schwerer wiegt, als da sie eben aus dem
Ey gekrochen war. Dagegen wachsen sie aber auch desto
schneller, so daß z.B. die Maden der blauen Schmeiß-
fliege 24 Stunden nach dem Auskriechen schon 155
Mahl schwerer sind, als da sie aus dem Ey kamen.

Theils haben diese Larven Füße, wie die Raupen
und Engerlinge: theils aber keine; wie die Maden.
Flügel haben sie gar noch nicht. Auch sind sie in diesem
Zustande zur Fortpflanzung noch gänzlich unfähig: sie
[Seite 260] ernähren sich bloß, und wachsen, und häuten sich
mitunter einige Mahl.

§. 141.

In der Gestalt, worein die Larve umgebildet
wird, heißt sie Nymphe. Manche können sich wäh-
rend dieses Zustandes herum bewegen, auch Nahrungs-
mittel zu sich nehmen. Andere hingegen verschließen
sich als Puppe (chrysalis, aurelia), und bringen
diesen Theil ihres Lebens in einem betäubenden Todes-
schlaf, ohne Nahrungsmittel, und ohne sich von der
Stelle zu bewegen, zu.

§. 142.

Allein während der Zeit, da das Geschöpf so ganz
fühllos und erstarrt in seiner Hülse vergraben scheint,
geht mit ihm selbst die große Palingenesie vor, daß
es aus seinem Larvenstand zum vollkommenen
Insect
(insectum declaratum, imago) umgebildet
wird, und zu bestimmter Zeit aus seinem Kerker her-
vorbrechen kann. Manche Insecten absolviren diese
letzte Rolle ihres Lebens in einer sehr kurzen Zeit. Ver-
schiedene bringen, wenn sie aus ihrer Hülse kriechen,
nicht ein Mahl einen Mund mit zur Welt, sie fressen
nicht mehr, sie wachsen nicht weiter; jene beyden Be-
stimmungen eines organisirten Körpers hatten sie schon
als Larven erfüllt; jetzt ist ihnen nur noch die dritte
übrig: sie sollen ihr Geschlecht fortpflanzen, und dann
der Nachkommenschaft Platz machen, und sterben.

§. 143.

Die unmittelbare Brauchbarkeit der Insec-
ten für den Menschen ist ziemlich einfach: dagegen
[Seite 261] aber ist der Antheil, den diese kleinen wenig bemerk-
ten Thiere an der großen Haushaltung der Natur
haben, desto mannigfaltiger und ganz unermeßlich.
Sie sind es, die unzählige Arten von Unkraut theils
im Keim ersticken, theils, wenn es auch aufgewachsen
ist, vertilgen, und seinem fernern Wuchern vor-
beugen. Einen andern ebenfalls äußerst wichtigen Nu-
tzen leisten so viele Insecten, die sich von Aas nähren,
im Miste leben u.s.w. und die dadurch, daß sie diese
widrigen animalischen Substanzen aufzehren, zerstreuen
und durchwirken, von der einen Seite der Insec-
tion
der Luft vorbeugen, und von der andern
die allgemeine Düngung des Erdreichs befördern.
Aus jener Rücksicht werden z.B. die Schmeißfliegen
in den heißen Erdstrichen so wohlthätig. Andererseits be-
fördern auch unzählige Insecten die Befruchtung der
Gewächse, auf überaus merkwürdige Weise*), und
eine Gattung von Gallwespen benutzt man zur Zeiti-
gung der Feigen. Verschiedenartige Insecten werden
von den Fischern zu Angelköder gebraucht. Manche
Thiere dieser Classe, wie die Krebse, und einige Gat-
tungen von Heuschrecken etc. sind eßbar. So der Ho-
nig
der Bienen, aus welchem auch in manchen Ge-
genden von Europa so wie im Innern von Afrika der
Meth gewonnen wird. Die Seide nutzt zur Klei-
dung und mancherley anderem Gebrauch. Verschiedene
Insecten geben treffliche Farben, wie die Cochenille
den Scharlach etc. Die Galläpfel werden zur Tinte,
und Wachs zu Kerzen und vielerley andern Gebrauch
[Seite 262] benutzt. So das Lack, ein Product gewisser Offindi-
scher Schildläuse, das zu Firniß, zum Siegellack u.
s. w. verbraucht wird. Für die Arzney sind vorzüg-
lich die Spanischen Fliegen, die Kellevesel und die Amei-
sen von Belange, und neuerlich sind auch die soge-
nannten Maywürmer, von Neuem als Hülfsmittel ge-
gen den tollen Hundsbiß, so wie manche andere Käfer
gegen Zahnweh, gepriesen worden.

§. 144.

So unermeßlich der Nutzen der Insecten ist, so
ist aber auch andererseits der Schaden sehr erheblich,
den viele Gattungen derselben anrichten. Viele sind
den Feldfrüchten überhaupt gefährlich, verursachen
Mißwachs, und verheeren, wie die Zug-Heuschre-
cken, junge Saat, und alles, wo sie auffallen.
Manche sind besonders dem Getreide nachtheilig; an-
dere, wie so viele Raupen, Erdflöhe, Engerlinge etc.
den Gartengewächsen; andere Raupen und Käfer-
larven etc. den Obstbäumen; die Schildläuse beson-
ders der Orangerie; die Larven einiger Derme-
stes
-Gattungen und die Holzraupen den Holzun-
gen
; die Ameisen, Grasraupen etc. den Wiesen; die
Brot Schaben den Victualien; die weißen Ameisen
etc. dem Hausgeräthe etc.; die Kleidermotten der
Wolle, dem Pelzwerk u.s.w. Die Larven vieler
kleiner Käferchen den Büchern und Naturalien-
sammlungen
. Endlich werden auch einige Arten
von sogenanntem Ungeziefer dem Menschen selbst,
so wie den Pferden, Schafen, Hühnern und andern
Hausthieren, ja sogar verschiedenen nutzbaren Insec-
ten, den Bienen, Seidenwürmern etc. auf unmittel-
[Seite 263] bare Weise lästig; und andere, wie manche Skorpio-
ne etc. durch ihr Gift, furchtbar.

§. 145.

In der systematischen Anordnung folge
ich in dieser Classe dem Entwurf des R. Linné, wie
es die Einrichtung eines solchen, besondere auch zu
halbjährigen Vorlesungen über die ganze N. G. be-
stimmten, Handbuchs wohl nicht anders gestattet.

I. Ordn. Coleoptera, Käfer. Meist mit horn-
artigem Körper. Die Flügel falten sich in der
Ruhe zusammen, und sind mit zwey hornarti-
gen Decken
oder Scheiden belegt, die sich in
der Mitte in gerader Linie an einander schließen.

II. Hemiptera. Mit vier entweder kreuzweis zu-
sammen gelegten oder gerade ausgestreckten, meist
zur Hälfte harten, fast pergamentähnlichen Flü-
geln etc. Theils haben sie Freßzangen, theils
einen spitzigen Bohr-Rüssel.

III. Lepidoptera, Schmetterlinge. Mit
weichem behaarten Körper, und vier ausgespann-
ten Flügeln, die mit bunten Schuppen bedeckt
sind.

IV. Neuroptera. Mit vier durchsichtigen, netzför-
migen oder gegitterten Flügeln.

V. Hymenoptera. Mit vier durchsichtigen gea-
derten
Flügeln.

VI. Diptera. Die Insecten mit zwey (unbedeckten)
Flügeln.

VII. Aptera. Die völlig ungeflügelten.

Zur N. G. der Insecten.

[Seite 264]
  1. Th. Mouffet theatrum insectorum Lond 1634. Fol.
  2. Jo. Raii historia insectorum. Lond. 1710. 4.
  3. Jo. Swammerdam algeméene Verhandeling van de bloede-
    loose Dieckens
    . Utr. 1669. 4.
  4. Ej. biblia naturae. LB. 1737. Fol.
  5. Mar. Sib. Merian metamorphosis insectorum Surinamen-
    sium
    . Amst. 1705. Fol. max.
  6. Jac. l'Admiral iun. gestaltverwisselnde gekorvene Diertjes.
    Amst. 1740. Fol.
  7. Joh. Leonh. Frisch Beschreibung von allerhand In-
    secten in Deutschland. Berl. 1720 – 38. XIII. Th. 4.
  8. G. W. Panzer's Insectenfaune Deutschlands seit 1795. 12.
    Index entomologicus in Panzeri faunam insectorum Ger-
    manie P
    . I. 1813.
  9. Aug. Joh. Rösel monathliche Insecten-Belustigun-
    gen. Nürnb. 1746 – 61 IV. B. 4.
  10. Chr. Fr. E. Kleemann Beyträge dazu. Ebendas. seit
    1761. 4.
  11. V. Linné fundamenta entomologiae. Ups. 1767. 4. it. im
    VII B. von Linnés amoenitatib. academic.
  12. J. H. Sulzers Kennzeichen der Insecten. Zürich
    1761. 4.
  13. Dess abgekürzte Geschichte der Insecten. Winterthur
    1776. 4.
  14. Jac. Chr. Schaeffer elementa entomologica. Ratish.
    1766. 4.
  15. Ej. icones insectorum Ratisbonensium. ib. 1767. 4.
  16. Jo. Ant. Scopoli entomologia Carniolica. Vindob. 1763. 8.
  17. Jo. Chr. Fabricii philosophia entomologica. Hamburg.
    1778. 8.
  18. Ej. sistema entomologiae. Flensb. 1775. 8.
  19. Ej. genera insectorum Kilon. 1776. 8.
  20. Ej. species insectorum. Hamb. 1781. II. vol 8.
  21. Ej. entomologia systematica. Hafn. 1793. V. vol. 8.
  22. P. A. Latreille histoire naturelle des insectes. Par. 1804.
    XIV. vol. 8. (als Forts. der Sonninischen Ausg. von
    Büffon.)
  23. de Reaumur histoire des insectes. Par. 1734 – 1742. VI.
    vol. 4.
  24. de Geer histoire des insectes. Stockh. 1752. – 1778.
    VII. vol. 4.
  25. Ej. genera et species insectorum; extraxit A. J. Retzius.
    Lips. 1783. 8.
  26. Geoffroy histoire des insectes des environs de Paris. Par.
    1762. II. vol. 4.
* * *
  1. Lesser theologie des insectes (trad. de l'allemand) avec
    des remarques de
    P. Lyonet. à la Haye. 1742. II.
    vol. 8.
* * *
  1. J. G. Scriba Beyträge zur Insectengeschichte Frkf. seit
    1790. 4.
* * *
  1. Magazin für Insectenkunde, herausgegeben von K. Illiger.
    Braunschw. seit 1801. 8.
* * *
  1. Nic. Jos. Brahm Insecten-Kalender. Mainz. 1790.
    II. Th. 8.
* * *

Anm. Manchem Insectensammler kann wohl die Nach-
richt interessant seyn, daß ein hiesiger geschickter Na-
delmacher, Hr. Fehler, nicht nur Insectennadeln
von vorzüglicher Güte verfertigt, sondern auch mit
Eifer und Kenntniß die Insecten der hiesigen Gegend
sammelt und Liebhabern gerne mittheilt.


I. COLEOPTERA, s. Vaginipennia.
(Eleutherata Fabr.)

[Seite 266]

Die Thiere dieser Ordnung*) werden überhaupt
Käfer genannt, ob man gleich diesen Nahmen auch
dem ersten Geschlechte ins besondere beylegt. Die
Larve hat Freßzangen, und bey den mehresten Ge-
schlechtern sechs Füße, die an der Brust sitzen: bey ei-
nigen, wie unter den Holzböcken, ist sie ohne Füße
(eine Made). Sie verpuppt sich mehrentheils unter
der Erde in einer ausgehöhlten Erd-Scholle: oder
aber, wie bey den genannten Holzböcken, im Hohe.
Das vollkommene Insect kriecht zwar weich
aus der Puppe; seine Haut verhärtet aber in kurzer
Zeit an der Luft; es hat so wie die Larve Kinnladen
am Kopfe, und ist mit harten hornartigen Flügelde-
cken (elytra) versehen.

1. Scarabaeus, Käfer. (Fr. hanneton. Engl.
beetle.) Antennae clavatae capitulo fissili. Ti-
biae anticae saepius dentatae
.

1. Hercules. (Geotrupes Hercules. F.) S. scu-
tellatus, thoracis cornu incurvo maximo; sub-
tus unidentato, capitis recurvato; supra multi-
dentato
.

Rösel vol. IV. tab. 5. fig. 3.

In Brasilien. Die Larve einen starken Daumen
[Seite 267] dick. Der Käfer variirt in der Farbe, meist schmutzig-
grün etc.

2. Actaeon. (Geotrupes A. F.) S. scutellatus
thorace bicorni, capitis cornu unidentato,
apice bifido
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. A. fig. 2.

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen.

3. †. Lunaris. (Copris L. F.) S. exscutellatus,
thorace tricorni; intermedio obtuso bifido,
capitis cornu erecto clypeo emarginato
.

Frisch P. IV. tab. 7.

Auf Wiesen und Viehweiden, vorzüglich im Kuh-
mist, aus dem er, wie andere verwandte Käfer-
gattungen, hohle Kugeln formt, die er einzeln un-
ter die Erde verscharrt, an Graswurzeln befestigt
und in jede ein einziges Ey legt.

4. †. Nasicornis. (Geotrupes N. F.) der Nas-
hornkäfer
. S. scutellatus, thorace promi-
nentia triplici, capitis cornu incurvato, an-
tennis heptaphyllis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 7. fig. 8, 10.

Der größte hierländische Käfer, fliegt selten;
als Engerling findet er sich häufig in Gerberlohe und
in hohlen Bäumen; und thut in manchen Gegenden
den Reben großen Schaden.

5. †. Sacer. (Ateuchus S. F.) S. exscutellatus,
clypeo sex-dentato, thorace inermi crenula-
to, tibiis posticis ciliatis, vertice subbiden-
tato.

Sulzers Gesch. tab. I. fig. 3.

Nahmentlich häufig in Ägypten, wo er von den
alten Ägyptiern als das heiligste ihrer mythischen
Symbole, als Sinnbild der Ober- und Unterwelt
verehrt, und auf ihren Obelisken, Mumiensarco-
phagen und mancherley andern Kunstwerken vorge-
stellt worden. Besonders hat man ihn auf die Rück-
[Seite 268] seite der Ägyptischen (und auch der Etruskischen) ge-
schnittenen Steine ausgeschnitzt, die deßhalb Kä-
ferrücken oder Scarabäen genannt werden.

6. †. Fimetarius. (Aphodius F. F.) S. scutella-
tus, thorace inermi, capite tuberculato, ely-
tris rubris, corpore nigro
.

Frisch P. IV. tab. 19, fig. 3.

Im Kuhmist.

7. †. Stercorarius, der Roßkäfer. (Engl. the
dung-beetle
.) S. scutellatus, muticus, ater,
glaber; elytris sulcatis; capite rhombeo; ver-
tice prominulo; antennis rubris
.

Frisch P. IV. tab. 6, fig. 3.

Besonders im Pferdemist; daher häufig auf Fahr-
wegen. Wenn er an heitern Sommerabenden her-
um fliegt, so ist meist auch für den folgenden Tag
gut Wetter zu erwarten.

8. †. Vernalis, der Mistkäfer. S. scutellatus
muticus, elytris glabris laevissimis, capitis
clypeo rhombeo, vertice prominulo, anten-
nis nigris
.

Sulzers Gesch. tab. 1, fig. 6.

Häufig im Schafmist.

9. †. Horticola. (Melolontha H. F.) der Gar-
tenkäfer
. S. scutellatus muticus, capite tho-
raceque caeruleo subpiloso, elytris griseis,
pedibus nigris
.

Frisch P. IV. tab. 14.

Zumahl an den Obstbäumen etc.

10. †. Melolontha. (Melolontha vulgaris F.)
der Maykäfer, Kreuzkäfer. (Engl. the
May-chaffer, Cock chaffer
.) S. scutellatus
muticus testaceus, thorace villoso; cauda in-
flexa, incisuris abdominis albis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 1.

[Seite 269]

Eins der gemeinsten Insecten, das vier Jahre
lang als Engerling oder Glime unter der Erde lebt,
sich von den Getreidewurzeln etc. nährt, und zuwei-
len allgemeinen Mißwachs verursacht hat*). Im
sechsten Jahr kommt es endlich als Maykäfer zum
Vorschein, und schadet in dieser Gestalt dem jun-
gen Laub, besonders an Obstbäumen.

11. †. Solstitialis. (Melolontha S. F.) der Brach-
käfer, Juniuskäfer
, Johanniskäfer. S.
scutellatus muticus testaceus, thorace villoso,
elytris luteo-pallidis pellucidis; lineis tribus al-
bis parallelis
.

Frisch P. IX. tab. 15, fig. 3.

Auch dieses Käfers Larve thut in manchen Jahren
der Saat großen Schaden.

12. †. Auratus. (Cetonia aurata. F.) der Goldkä-
fer, Rosenkäfer
. S. scutellatus muticus au-
ratus, segmento abdominis primo lateribus uni-
dentato, clypeo planiusculo
.

Frisch P. XII. tab. 3, fig. 1.

Die Larve und Puppe findet sich häufig in Amei-
senhaufen und hohlen Baumstämmen. Der schöne
Käfer selbst aber in Gärten etc. Man hat Beyspiele,
daß er sich über 8 Jahr lebendig erhalten und mit
angefeuchteten Brotrinden füttern lassen.

2. Lucanus. Antennae clavatae; clava com-
pressa latere latiore pectinato fissili. Maxillae
porrectae, exsertae, dentatae
.

1. †. Cervus, der Hörnschröter, Wein-
schröter
. (Fr. le cerf-volant. Engl. the
[Seite 270] stag beetle.) L. scutellatus; maxillis exsertis,
apice bifurcatis, latere unidentatis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 5.

Nächst dem Krebsen das größte Deutsche Insect,
lebt vorzüglich in Eichenwäldern. Nur das Männ-
chen hat die Geweihen ähnelnden Kneipzangen am
Kopfe.

3. Dermestes. Antennae clavatae: capitulo
perfolio; articulis tribus crassioribus. Thorax
convexus, vix marginatus. Caput sub thorace
inflexum latens
.

1. †. Lardarius, der Speckkäfer. D. niger
elytris antice cinereis, punctis nigris
.

Frisch P. V. tab. 9.

Larve und Käfer nähren sich von fetten, weichen
Theilen todter Thiere.

2. †. Pellio. D. niger coleoptris punctis albis
binis
.

Zieht sich zumahl nach Pelzwerk, ausgestopften
Thieren u.s.w.

3. †. Typographus, (Bostrichus T. F.) der
Borkenkäfer, Fichtenkäfer
, Fichten-
krebs, Holzwurm
. D. testaceus pilosus
elytris striatis retusis praemorso-dentatis
.

v. Trebra in den Schr. der Berl. Ges. Na-
turforsch. Freunde. IV. B. tab. 4.

Das den Fichtenwaldungen neuerlich auf dem
Harz und in mehreren Gegenden Deutschlands so
furchtbar gewordene Thier; das im Splint der
Fichten (Pinus abies) theils in solcher Menge hau-
set, das man wohl in einem mäßigen Baume über
80,000 seiner Larven gezählt hat. Bey der dadurch
verursachten Wurmtrockniß stirbt der Baum vom
Wipfel herunter ab, seine Nadeln werden roth, er
verliert sein Harz, und taugt dann nicht einmahl
[Seite 271] so gut wie sonst zum Verkohlen, geschweige als
Bau- oder Brennholz.

4. †. Piniperda. (Hylesinus P. F.) der Tan-
nenkäfer, schwarze fliegende Wurm
.
D. niger subvillosus, elytris piceis integris,
plantis rufis.

Kaum halb so groß als die vorige Gattung.

5. †. Paniceus. (Anobium P. F.) der Brot-
käfer
. D. oblongus, ferrugineus, oculis
rufis
.

Frisch P. I. tab. 8.

Seine Larve verzehrt zumahl das Brot, wird
daher nahmentlich auf weiten Seereisen dem Schiffs-
zwieback sehr gefährlich, und ist auch einer der
schädlichsten Bücherwürmer.

4. Ptinus. Kümmelkäfer. (Fr. pannache,
urillette
.) Antennae filiformes; articulis ultimis
majoribus. Thorax subrotundus, immarginatus
,
caput excipiens.

1. †. Pertinax. (Anobium P. F.) P. fuscus
unicolor
.

Hat seinen Nahmen daher, weil er, sobald man
ihn berührt, die Füße anzieht, wie todt liegt,
und lange durch keinen Reitz von der Stelle zu
treiben ist.

2. †. Fur. P. testaceus, subapterus, thorace
quadridentato, elytris fasciis duabus albis
.

Sulzers Gesch. tab. 2, fig. 8.

Eins der furchtbarsten Thiere für Naturaliensamm-
lungen, Hausgeräthe und Pelzwerk.

3. †. Fatidicus. (Anobium tesselatum. F.) die
Todtenuhr, der Klopfkäfer
. (Engl. the
death-watch
.) P. fuscus subpilosus griseo
irregulariter maculosus
.

Philos. Transact. N. 271, 291.

[Seite 272]

Eine der sehr verschiedenen Insectenarten, die
durch den klopfenden Laut, womit die Gatten ein-
ander zur Paarungszeit locken, zu mancherley Volks-
aberglauben Anlaß gegeben haben.

5. Hister. Antennae capitatae capitulo soli-
diusculo; infimo articulo compresso, decurva-
to. Caput intra corpus retractile. Os forcipa-
tum. Elytra corpore breviora. Tibiae anticae
dentatae
.

1. †. Unicolor. H. totus ater, elytris substriatis.

Sulzers Kennzeichen tab. 2, fig. 8, 9.

In sandigem Boden und auf Viehweiden.

6. Gyrinus. Antennae clavatae; rigidae, capi-
te breviores, oculi 4, duobus supra, duobus
infra
.

1. †. Natator, der Schwimmkäfer. G. sub-
striatus
.

Sulzers Gesch. tab. 2, fig. 10.

Schwimmt mit großer Schnelligkeit auf der
Oberfläche des Wassers. Im Tauchen hat er eine
Luftblase am Hintern; gibt einen widrigen Geruch
von sich.

7. Byrrhus. Antennae clavatae subsolidae,
subcompressae.

1. †. Museorum. (Anthenus M. F.) B. nebulo-
sus, elytris subnebulosis puncto albo
.

In Pelzwerk, ausgestopften Thieren etc.

8. Silpha. Antennae extrorsum crassiores.
Elytra marginata. Caput prominens. Thorax
planiusculus, marginatus
.

1. †. Vespillo. (Necrophorus V. F.) der Tod-
tengräber
. (Fr. le fossoyeur.) S. oblonga
[Seite 273] atra, clypeo orbiculato inaequali, elytris fascia
duplici aurantia
.

Frisch P. XII. tab. 3, fig. 2.

Sie haben ihren Nahmen von der besondern Ge-
schicklichkeit, womit sie die Äser von kleinen Thie-
ren, Maulwürfen, Fröschen etc., die sie von wei-
ten auswittern, unter die Erde zu vergraben, und
ihre Eyer dahinein zu legen verstehen. Ihrer sechs
sind wohl im Stande, einen todten Maulwurf
binnen vier Stunden, einen Fuß tief in fetten
Boden einzuscharren.

9. Cassida, Schildkäfer. Antennae subfili-
formes, extrorsam crassiores. Elytra marginata.
Caput sub thoracis clypeo plano reconditum
.

1. †. Viridis. C. viridis, corpore nigro.

Rösel vol. II. Erdkäf. III. tab. 6.

Auf Disteln, Feldmelde etc. Die Larve und Pup-
pe sind ganz flach und am Rande sonderbar ausge-
zackt mit Spitzen versehen.

2. †. Murraea. C. nigra, clypeo rubro, ely-
tris sanguineis, punctis nigris sparsis
.

Besonders häufig am Alant.

10. Coccinella, Sonnenkäfer, Marien-
kuh, Sommerkind
, Gotteslämmchen.
(Fr. vache à Dieu, bête de la vierge. Engl.
Lady-cow, Lady-bird.) Antennae subclava-
tae, truncatae. Palpi clava semicordata. Cor-
pus hemisphaericum, thorace elytrisque mar-
ginatis, abdomine plano
.

1. †. 7. Punctata. C. coleopteris rubris; punc-
tis nigris septem
.

Frisch P. IV. tab. 1, fig. 4.

Ist neuerlich, so wie einige Rüsselkäfer- und Me-
[Seite 274] loë-Gattungen als wirksames Heilmittel bey man-
cherley Zahnweh empfohlen worden.

2. †. Bipustulata. C coleoptris nigris; punctis
rubris duobus, abdomine sanguineo
.

Frisch P. IX. tab. 16, fig. 6.

11. Chrysomela, Blattkäfer. Antennae
moniliformes, extrorsum crassiores. Thorax
,
nec elytra, marginatus.

1. †. Goettingensis. (Chrys. haemoptera. F.) C.
ovata atra pedibus violaceis.

Panzer Faun. Germ. Heft 44, t. 3.

Häufig an der Schafgarbe.

2. †. Minutissima. C. ovata nigra opaca.

Eins der kleinsten Käferchen. Kaum den dritten
Theil so groß als ein Floh.

3. †. Cerealis. C. ovata aurata, thorace lineis
tribus, coleoptrisque quinque violaceis, ab-
domine violaceo
.

4. †. Oleracea. (Galleruca O. F.) C. saltatoria
(s. femoribus posticis crassissimis) virescenti-
caerulea
.

Ein schadliches kleines Thier, das so wie mehrere
verwandte Gattungen unter dem Nahmen Erd-
flöh
- oder Erdfliegen bekannt ist.

5. †. Merdigera. (Lema M. F.) der Lilien-
käfer
. C. oblonga rubra, thorace cylindrico
utrinque impresso.

Sulzers Gesch. tab. 3, fig. 14.

In Allen, Mayblumen etc. Die Larve bedeckt
sich mit ihrem eigenen Unrath. Der kleine rothe
Käfer, worein sie sich verwandelt, gibt, wenn
man ihn in der hohlen Hand vors Ohr hält, mit
seinen Flügeldecken einen durchdringenden hellen
Laut von sich.

[Seite 275]

12. Hispa, Stachelkäfer. Antennae fusifor-
mes, basi approximatae, inter oculos sitae
.
Thorax elytraque aculeata saepius.

1. †. Atra. H. corpore toto atro.

Unter der Erde an Graswurzeln.

13. Bruchus. Antennae filiformes, sensim
crassiores
.

1. †. Pisi, der Erbsenkäfer. C. elytris albo
punctatis, podice albo maculis binis nigris
.

Thut auch in Nordamerika dem Mais großen
Schaden.

2. Nucleorum. B. cinereus, elytris striatis, fe-
moribus posticis ovatis, dentatis, tibiis in-
curvis
.

Mém. de l'Ac. des Sc. de Paris 1771. tab. 2.

Im mittlern Amerika. Fast von der Größe des
Goldkäfers. Ist oft mit dem weit kleinem Br. bac-
tris
verwechselt, und durchbohrt die steinharten,
daumensdicken Nüsse der Cocos lapidea, woraus
Knöpfe u. dergl. gedreht werden.

14. Curculio, Rüsselkäfer. (Fr. charanson.)
Antennae subclavatae, rostro insidentes. Ro-
strum corneum prominens
.

Sie haben meist einen kurzen rundlichen, aber
überaus hart gepanzerten Körper, und einen festen
mehr oder weniger gebogenen Rüssel von verschiede-
ner Länge. Es sind nachtheilige Thiere, von denen
besonders die mit dem sehr langen Rüssel den Bäu-
men, die übrigen aber den Feldfluchten und Gär-
tengewächsen Schaden thun. Die Larven mancher
Gattungen nennt man Pfeiffer.

1. Palmarum. (Calandra P. F.) der Palmhoh-
rer
. C. longiroster ater, thorace ovato pla-
niusculo, elytris abbreviatis striatis
.

Sulzers Kennz. tab. 3. fig. 20.

[Seite 276]

In beyden Indien. Hat fast die Größe des Horn-
schröters. Die Larve nährt sich vom Sagumarke;
wird aber selbst als ein schmackhaftes Gericht ge-
gessen.

2. †. Frumentarius, (Attelabus F. F.) der schwar-
ze
oder rothe Kornwurm, Reiter, Wip-
pel
. C. longiroster sanguineus.

Eine große Plage für die Kornböden. Er saugt
das Mehl aus dem Korn und läßt die Hülse liegen.
Das bewährteste Gegenmittel ist, die Fruchtböden
und ihre Gebälke etc. mit scharfer Seifensiederlauge
besprengen und abfegen zu lassen. – Nicht selten
verbreitet er sich auch in Wohnzimmer und Betten.

3. †. Granarius. (Calandra granaria. F.) C. lon-
giroster piceus oblongus thorace punctato lon-
gitudine elytrorum
.

Auch auf Kornböden, in Mühlen etc.

4. †. Paraplecticus. (Lixus P. F.) C. longiroster
cylindricus subcinereus, elytris mucronatis
.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 7.

Auf Wasserpflanzen. Die Beschuldigung, daß
er den Pferden Lähmung verursache, ist ungegrün-
det, und trifft wohl die verdächtigen Pflanzen, aber
nicht das darauf wohnende unschuldige Thier.

5. †. Bacchus. (Attelabus B. F.) der Reben-
sticher
. C. longiroster aureus, rostro plan-
tisque nigris
.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 4.

An Apfelbäumen, Weinstöcken etc.

6. †. Pomorum. C. longirostris femoribus anti-
cis dentatis, corpore griseo nebuloso
.

Frisch P. I. tab. 8.

Zerstört in manchen Jahren fast alle Apfelknospen.

7. †. Nucum. (Rynchaenus N. F.) C. longiro-
[Seite 277] ster, femoribus dentatis, corpore griseo lon-
gitudine rostri
.

Rösel vol. III. Erdkäf. IV. tab. 67.

Macht die Haselnüsse wurmstichig.

8. Imperialis, der Juwelenkäfer. C. brevi-
roster niger, elytris dentatis, sulcatis punctis
excavatis, auro versicolore distinctis, abdo-
mine aeneo viridi
.

In Brasilien. Eins der prachtvollsten Insecten.
Das gefärbte Gold in den unzähligen Grübchen, die
reihenweise auf den Flügeldecken eingegraben sind,
thut in hellem Lichte, zumahl unter dem Vergrö-
ßerungsglase, eine unbeschreibliche Wirkung.

15. Attelabus. Caput postice attenuatum in-
clinatum. Antennae apicem versus crassiores
.

1. †. Coryli. A. niger, elytris rubris.

Sulzers Kennz. tab. 4. fig. 25.

2. †. Apiarius, (Trichodes A. F.) der Immen-
wolf
. A caerulescens, elytris rubris, fasciis
tribus nigris
.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 4.

Ist häufig, wo viel Bienenzucht ist, thut in man-
chen Jahren den Stöcken großen Schaden.

16. Cerambyx. Bockkäfer, Holzbock, (ca-
pricornus
). Antennae attenuatae. Thorax spino-
sus aut gibbus Elytra linearia
.

Manche Gattungen haben ungeheuer lange Fühl-
hörner, einen ungemein starken Brustschild und Flü-
geldecken, und ein überaus zähes Leben, so daß
man angespießte Holzböcke noch nach vier Wochen
lebendig gefunden hat. Meist leben sie in Holz, und
geben Mittelst des Brustschildes, den sie an den Flü-
geldecken reiben, einen knarrenden Laut von sich.

1. Longimanus. C. thorace spinis mobilibus,
[Seite 278] elytris basi unidentatis apiceque bidentatis,
antennis longis.

Rösel vol. II. Erdkäf II. tab. 1 fig. a.

So wie die folgende Gattung in Südamerika.

2. Cervicornis. (Prionus C. F.) C. thorace mar-
ginato dentata, maxillis porrectis coniformi-
bus utrinque spinosis, antennis brevibus
.

Rösel a. a. O. fig. b.

Noch größer als der vorige. Ebenfalls schön ge-
zeichnet, mit Kneipzangen, fast wie am Hornschröter.

3. †. Moschatus. C. thorace spinoso, elytris ob-
tusis viridibus nitentibus, femoribus muticis
,
antennis mediocribus.

Frisch P. XIII. tab. 11.

Gibt einen bisamähnlichen Geruch von sich.

4. †. Aedilis. (Lamia A. F.) C. thorace spino-
so; punctis 4 luteis, elytris obtusis nebulosis
,
antennis longissimis.

Frisch P. XIII. tab. 12.

Die Fühlhörner sind wohl sechs Mahl so lang als
das ganze Thier.

17. Leptura. Antennae setaceae. Elytra apicem
versus attenuata. Thorax teretiusculus
.

1. †. Aquatica. (Donacia crassipes F.) L. deau-
rata, antennis nigris, femoribus posticis den-
tatis
.

An allerhand Wasserpflanzen. Variirt in der Farbe.

18. Necydalis, Afterholzbock. Antennae
setaceae. Elytra alis minora. Cauda simplex
.

1. †. Maior. (Molorchus abbreviatus F.) N. ely-
tris abbreviatis ferrugineis immaculatis, an-
tennis brevioribus
.

19. Lampyris, Johanniswürmchen, (ci-
cindela, nitedula)
. (Fr. ver luisant. Engl. glow-
[Seite 279] worm.) Antennae filiformes. Elytra flexilia. Tho-
rax planus, semiorbiculatus, caput subtus oc-
cultans cingensque. Abdominis latera plicato-
papillosa
.

Nur die Männchen sind geflügelt, und diese ha-
ben zwey blaulich phosphorescirende lichte Puncte
unten am Bauche. Ihre ungeflugelten Weibchen
leuchten weit stärker als die Männchen, besonders
um die Begattungszeit, da ihr Licht vermuthlich
den Männchen zur Anzeige dient, sie aufzufinden.
Einige Zeit, nachdem das Weibchen seine Eyer ge-
legt hat (die selbst auch im Finstern leuchten) ver-
liert sich der Schein bey beyden Geschlechtern.

1. †. Noctiluca. L. oblonga fusca, clypeo ci-
nereo
.

Unter Wachholdersträuchen, Rosenbüschen etc. Ein
Paar in ein Gläschen gethan, leuchten hell genug,
um dabey im Finstern lesen zu können.

20. Cantharis. Antennae setaceae. Thorax
marginatus capite brevior. Elytra flexilia. Ab-
dominis latera plicato-papillosa
.

1. †. Fusca. C. thorace marginato rubro, ma-
cula nigra, elytris fusceis
.

Die Larve dieses Thiers hält sich über Winter in
der Erde auf, und kommt dann zuweilen, wenn es
geschneyt hat, zu Tausenden hervorgekrochen, da
ihre plötzliche Erscheinung auf dem frischen Schnee
zu allerhand fabelhaften Sagen Anlaß gegeben.

21. Elater, Springkäfer, Schmied. (Fr.
taupin.) Antennae setaceae. Thorax retrorsum
angulatus. Mucro pectoris e foramine abdomi-
nis resiliens
.

Diese Thiere sind wegen der sonderbaren Fertig-
keit merkwürdig, mir welcher sie, wenn sie auf dem
Rücken zu liegen kommen, sich in die Höhe zu
[Seite 280] schnellen, und wieder auf die Beine zu helfen wis-
sen. Vorzüglich dient ihnen dazu ein Stachel, der
vorn an der Brust befestigt ist, und in eine Rinne
oben am Bauche paßt, aus der er heym Aufschnel-
len mit Gewalt heraus schnappt; und dann die Spi-
tzen, die rückwärts auf beyden Seiten des Brust-
schildes heraus stehen, und mit den Flügeldecken auf
eine ähnliche Weise eingelenkt sind.

1. Noctilucus, der Cucuyo. E. thoracis la-
teribus macula flava glabra
.

Im mittlern Amerika; wohl zwey Zoll lang. Die
beyden gelben runden Flecken gegen die Seitenspi-
tzen des Brustschildes leuchten stark im Finstern, und
die Caraiben bedienten sich ehedem der Cucuyos und
einiger anderer phosphorescirenden Insecten statt
der Leuchten.

2. †. Niger. E. thorace laevi, elytris, pedibus
corporeque nigris
.

Häufig auf Viehweiden.

22. Cicindela, Sandkäfer. Antennae seta-
ceae. Maxillae prominentes denticulatae. Oculi
prominuli. Thorax rotundato-marginatus
.

Als Larven scharren sie sich in Sand, fast wie der
Ameisenlöwe, um andern Insecten aufzulauern,
und als Käfer wissen sie ihnen mit ausnehmender
Schnelligkeit im Lauf und Flug nachzujagen.

1. †. Germanica. C. viridis, elytris puncto lu-
nulaque apicum albis
.

23. Buprestes, Prachtkäfer. Antennae se-
taceae, longitudine thoracis. Caput dimidium
intra thoracem retractum
.

1. †. Gigantea. B. elytris fastigiatis bidentatis
rugosis, thorace marginato laevi, corpore in-
aurato
.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 38.

In beyden Indien. Wohl Fingers lang.

[Seite 281]

2. †. Chrysostigma. B. elytris serratis longitudi-
naliter sulcatis, maculis duabus aureis impres-
sis, thorace punctato
.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 39.

3. †. Viridis. B. elytris integerrimis sublineari-
bus punctatis, thorace deflexo, viridi elon-
gato
.

Von der Farbe der Spanischen Fliege, oder nur
ein Paar Linien lang. Die Larve richtete vor eini-
gen Jahren in hiesiger Gegend große Verwüstung
in jungen Rothbuchen-Stämmen an. Tödtete sie
durch Zerstörung des Splints, worin sie geschlängel-
le Gänge fraß.

24. Dyticus, Wasserkäfer, Fischkäfer,
(hydrocantharus). Antennae setaceae aut clava-
to-perfoliatae. Pedes postici villosi, natatorii
submutici
.

1. †. Piceus. (Hydrophilus P. F.) D. antennis
perfoliatis, corpore laevi, sterno carinato
,
postice spinoso.

Frisch P. II. tab. 6. fig. 1.

Eine der größten Gattungen. Wenn der Käfer
seine Eyer legen will, so bereitet er dazu eine ar-
tige längliche Hülse, die er mit einer braunen Sei-
de überzieht, und die mit den eingeschlossenen Eyern
wie ein Schiffchen auf dem Wasser schwimmt, bis
die kleinen Larven ausgekrochen und im Stande
sind, in ihr Element über Bord zu springen.

2. †. Marginalis. D. niger, thoracis elytrorum-
que margine flavis (mas)
.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 42.

Ist (so wie vermuthlich die mehresten Gattungen
dieses Geschlechts,) den Fischteichen gefährlich. Beym
Weibchen ist die vordere Hälfte der Flügeldecken
längs gefurcht.

[Seite 282]

25. Carabus, Laufkäfer. Antennae setaceae
Thorax obcordatus apice truncatus marginatus.
Elytra marginata
.

Raubthiere in ihrer Art. Viele geben, wenn man
sie anfaßt, einen widerlichen Saft von sich. Die
wenigsten können fliegen; laufen aber desto schneller.

1. †. Coriaceus. C. apterus ater opacus, elytris
punctis intricatis subrugosis
.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 44.

2. †. Auratus, der Goldhahn. C. apterus.
elytris porcatis; striis sulcisque laevibus inau-
ratis
.

Häufig auf Feldern, Wiesen etc.

3. †. Sycophanta. (Calosoma S. F.) C. aureo
nitens, thorace caeruleo, elytris aureo viridi-
bus striatis, abdomine subatro
.

Sulzers Gesch. tab. 7 fig. 1.

Der größte hierländische Laufkäfer.

4. †. Crepitans, (Brachinus C. F.) der Bom-
bardirkäfer
. (Fr. le petard, Schwed.
Styckjunkare.) C. thorace capite pedibusque
ferrugineis, elytris viridi nigricantibus
.

Schwedische Abhandl. 1750. tab. 7. fig. 2.

Ein kleines Käferchen. Wird besonders von der
vorigen Gattung verfolgt, und ist dabey durch die
von Dr. Rolander beschriebene ganz eigene Art de-
kannt geworden, womit es sich gegen den C. inqui-
sitor
u.a. seiner Feinde zu vertheidigen sucht; da
es ihnen mit einem merklich starken Laut einen blau-
lichen Dunst entgegen schießt etc.

5. †. Spinipes, der Saatfresser. (C. gibbus
E.) C. piceus, thorace linea excavata longi-
tudinali, manibus spinosis
.

Olivier T. III. tab. 12. fig. 142.

Die unterirdische Larve verursacht in manchen Jah-
ren, wie z.B. 1776 in der Lombardey und 1812
[Seite 283] im Hallischen Saalkreise furchtbaren Mißwachs der
jungen Getreidesaat. Der Käfer hält sich des Nachts
in Menge auf den Ähren auf.

26. Tenebrio. Antennae moniliformes articu-
lo ultimo subrotundo. Thorax plano-convexus,
marginatus. Caput exsertum. Elytra rigidiuscula
.

1. †. Molitor. T. alatus niger totus, femoribus
anticis crassioribus
.

Frisch P. III. tab. 1.

Die Larven halten sich im Mehl auf, finden sich
daher häufig in Mühlen und Beckhäusern, heißen
Mehlwürmer, und geben das bekannte Nachti-
gallenfutter ab.

2. †. Mortisagus, (Blaps mortisaga. F.) der
Todtenkäfer
. T. apterus thorace aequali,
coleoptris laevibus mucronatis
.

Frisch P. XIII. tab. 25.

27. Meloë. Antennae moniliformes articulo ul-
timo ovato. Thorax subrotundus. Elytra mollia
flexilia, caput inflexum gibbum
.

1. †. Proscarabaeus, der Maywurm. (Fr. le
scarabé onctueux
, Engl. the oil-beetle.) M.
apterus, corpore violaceo.

Frisch P. VI. tab. 6. fig. 5.

Ein weiches Thier, das bey gewaltsamer Berüh-
rung einen stinkenden Saft aus den Kniegelenken
der Beine fließen läßt.

2. †. Vesicatorius, (Lytta vesicatoria F.) die
spanische Fliege
. (cantharis offic.) M. ala-
tus viridissimus nitens, antennis nigris
.

Das wichtige heilsame Geschöpf, das zum Bla-
senziehen gebraucht wird
.

28. Mordella. Antennae filiformes serratae.
Caput deflexum sub collo (in territo). Palpi com-
presso clavati, oblique truncati. Elytra deorsum

[Seite 284] curva apicem versus. Ante femora lamina lata
ad basin abdominis
.

Kleine Käferchen. Das ganze Geschlecht begreift
nur wenige Gattungen, die sich noch dazu wenig zu
vermehren scheinen.

1. †. Aculeata. M. atra, ano spina terminato.

Sulzers Kennz. tab. 7. fig. 46.

29. Staphylinus.*) Antennae monilifor-
mes. Elytra dimidiata. Alae tectae. Cauda sim-
plex exserens duas vesiculas oblongas
.

Sind besonders wegen der kleinen Blasen werk-
würdig, die sie, so bald sie Gefahr merken, aus
dem Hinterleibe treiben; deren Nutzen aber noch
unbestimmt ist.

1. †. Maxillosus. S. pubescens niger, fasciis
cinereis, maxillis longitudine capitis
.

30. Forficula. Antennae setaceae. Elytra di-
midiata. Alae tectae. Cauda forcipata
.

1. †. Auricularia, der Ohrvurm, Öhrling,
Ohrhöhler
. (Fr. le perce-oreille. Engl. the
car-wig
.) F. elytris apice albis.

Frisch P. VIII. tab. 15. fig. 1, 2.

An der ungegründeten Sage, daß dieß Thier
gern den Menschen in die Ohren kröche, ist nur so
viel, daß sich irgend etwa ein Mahl eins dahin so
gut wie jedes andere Insect, verirren kann. Aber
dem jungen Gemüse, den Nelkenknofpen etc. sind
sie nachtheilig, so wie da, wo sie sich in Menge ver-
mehren, dem Grundholz der Gebäude und den Fen-
sterfutterungen.


II. HEMIPTERA. (Ulonata und Rhyn-
gota Fabr
.)

[Seite 285]

Bey den meisten Insecten dieser Ordnung ist der
Kopf nach der Brust niedergedrückt, bey einigen mit
Kinnladen, bey den mehresten aber mit einem nach
dem Unterleibe gebogenen Saugerüssel versehen, weß-
halb diese auch von einigen Naturforschern Probosci-
dea
genannt werden. Meistens haben sie vier Flügel,
von welchen zumahl die obern an der Wurzel fester
und hornartiger, am äußern Ende aber dünner und
weicher sind. Bey einigen sind sie gerade ausgestreckt,
bey andern übers Kreutz zusammengefaltet. Theils
sind sie auch mit einer Art kleiner Flügeldecken belegt.
Manche haben nur zwey Flügel, und bey verschiede-
denen sind die Weibchen gänzlich ungeflügelt. Ihre
Verwandlung ist nicht sehr auffallend: sondern die
Larven ähneln dem vollkommenern Insect bis auf die
Flügel, die erst nach und nach völlig ausgebilder
werden.

31. Blatta, Schabe. Caput inflexum. Anten-
nae setaceae. Elytra alaeque planae, subcoria-
cae. Thorax planiusculus, orbiculatus, margi-
natus. Pedes cursorii. Cornicula duo supra
caudam
.

1. †. Orientalis, die Brotschabe, Küchen-
schabe, der Kakerlake
, Tarokan. (Fr.
le cancrelas, ravet. Engl. the black beetle,
cockroach.) B. ferrugineo-fusca elytris ab-
breviatis sulco oblongo impresso
.

Frisch P. V. tab. 3.

[Seite 286]

Jetzt nun fast in allen Welttheilen. So wie eini-
ge andere Gattungen dieses Geschlechts (z.B. die
Germanica, Americana etc.) für manche Gegen-
den, wo sie sich eingenistet und stark vermehrt hat,
eine der lästigsten Hausplagen. Verzehrt vorzüglich
mancherley Victualien, vor allen aber Brok etc.
Kann daher in Schiffen auf weiten Seereisen schau-
dervolles Elend verursachen*). Ist noch am ersten
durch Arsenik, Dampf von Schwefel und Assa
foetida
, kochend Wasser etc., und wo nur wenige
in einem Zimmer oder einer Küche sind, dadurch zu
vertilgen, daß man über Nacht einen Igel oder
eine Ente hinein sperrt.

2. Heteroclita. (B. Petiveriana F.) B. fusca,
elytris nigris, sinistro integro 4-pustulato;
dextro ad marginem internum semipellucido,
3-pustulato
.

Pallas spicileg. zoologic. IX. tab. 1. fig. 5.

In Tranquebar etc. Wegen der auffallenden Un-
gleichheit in der Zeichnung der beyden Oberflügel
merkwürdig.

3. †. Lapponica. B. flavescens, elytris nigro-
maculatis
.

Auch außer Lappland im mildern Europa.

32. Mantis. Caput nutans, maxillosum, pal-
pis instructum. Antennae setaceae. Alae
4
membranaceae, convolutae, inferiores plica-
tae. Perles
antici compressi, subtus serrato-
denticulati, armati ungue solitario et digito se-
taceo laterali articulato:
postici 4. laeves, gres-
sorii. Thorax linearis elongatus angustatus
.

[Seite 287]

Alle von einer ungewöhnlichen, lang gestreckten,
sonderbaren Bildung*). Auch ihr Gang, ihr Be-
tragen etc. hat was Eigenes gleichsam Feyerliches,
das wohl zu der abergläubischen Devotion Anlaß ge-
geben hat, mit der mehrere Gattungen dieses Ge-
schlechts, zumahl im Oriente angesehen werden.

1. Gigas. [Phasma G. F.**)] M. thorace tere-
tiusculo scabro, elytris brevissimis, pedibus
spinosis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 19, fig. 9, 10.

Auf Amboina. Spannenlang, und doch kaum so
dick als eine Gänse-Spuhle. Wird von den India-
nern gegessen.

2. Gongylodes. M. thorace subciliato, femori-
bus anticis spina terminatis, reliquis lobo
.

Rösel vol. II. Heusch tab. 7. fig. 1, 2, 3.

Auf Guinea etc.

3. †. Religiosa (M. oratoria var. β. F.) die
Gottesandetherinn, das wandelnde
Blatt, der Weinhandel
, Weinhasel.
M. thorace laevi subcarinato elytrisque viridi-
bus immaculatis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 1. 2.

Geht meist nur auf den vier Hinterfüßen, und
hält die vordern beyden in die Höhe. Man nennt es
das wandelnde Blatt, weil seine Oberflügel an Ge-
stalt und Farbe einem Weidenblatte ähneln. Kann
wohl zehn Jahre alt werden.

4. Precaria. M. thorace subciliato, elytris flavis
ocello ferrugineis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 88.

[Seite 288]

Am Cap; wo sie von den Hottentotten heilig ver-
ehrt wird.

33. Gryllus, Heuschrecke. (Fr. sauterelle.
Engl. grashopper.) Caput inflexum, maxillo-
sum, palpis instructum. Antennae setaceae s
.
filiformes. Alae 4 deflexae, convolutae, infe-
riores plicatae. Pedes postici saltatorii. Ungues
ubique bini
.

Ein großes Geschlecht, dessen mehreste Gattun-
gen dem Wiesenwachs und Getreide gefährlich sind.
Bey manchen geben die Männchen entweder zur
Begattungszeit, oder bey einbrechender Nacht, oder
wenn sich das Wetter ändern will, einen bekannten
zirpenden Laut von sich, den sie theils mit den
Springfüßen, am meisten aber mit den Flügeln
hervordringen.

1. †. Gryllotalpa, (Acheta G. F.) die Werre,
Maulwurfsgrille, der Riehwurm,
Reitwurm, Schrotwurm
, Ackerwer-
bel, Erdkrebs
. (Fr. la courtilière, Engl.
the molecrick.) G. thorace rotundato, alis
caudatis elytro longioribus, pedibus anticis
palmatis tomentosis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 14, 15.

In Europa und Nordamerika: theils an Orten,
wie im Thüringischen etc. ausnehmend häufig. Lebt
meist unter der Erde, und thut zumahl den Ku-
chengewächsen und der Gerstensaat großen Schaden.

2. †. Domesticus, (Acheta D. F.) die Grille
Zirse, Heimchen
. (Fr. le grillon. Engl.
the cricket.) G. thorace rotundato, alis cau-
datis elytro longioribus, pedibus simplicibus
,
corpore glauco.

Rösel vol. II Heuschr. tab. 12.

[Seite 289]

3. †. Campestris, (Acheta C. F.) die Feldgril-
le
. G. thorace rotundato, cauda biseta stylo
lineari, alis elytro brevioribus, corpore nigro
.

Frisch P. I. tab. 1.

4. †. Viridissimus, (Locusta viridissima. F.)
der Baumhüpfer. G. thorace rotundato,
alis viridibus immaculatis, antennis setaceis
longissimis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 10, 11.

Von schöner grüner Farbe. Ledt meist auf Gebü-
schen; springt vorzüglich weit.

5. †. Verrucivorus, (Locusta verrusivora. F.)
das Heupferd. G. thorace subquadrato lae-
vi, alis viridibus fusco maculatis, antennis
setaceis longitudine corporis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 8.

6. Cristatus, Kammheuschrecke. G. thorace
cristato, carina quadrifida
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 5.

In den Morgenländern, Ägypten etc.

7. †. Migratorius, die Zugheuschrecke,
Strichheuschrecke, Heerheuschrecke
. G.
thorace subcarinato; segmento unico, capite
obtuso, maxillis atris
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 29.

Das furchtbare Insect, das oft in unsäglichen
Zügen auch in Europa eingefallen ist, und allge-
meinen Mißwachs, Hungersnoth etc. verursacht hat.
Ursprünglich gehört es wohl in die Asiatische Tata-
rey zu Hause, doch findet es sich auch einzeln in
Deutschland, das doch seit 1750 mit großen Inva-
sionen desselben verschont geblieben*). Auch soll sich
[Seite 290] diese Heuschrecke (wenn es anders die gleiche Gat-
tung ist) in Nord- und Süd-Amerika finden. –
Daß sie in Arabien und dem nördlichen Afrika noch
jetzt, so wie in den ältesten Zeiten, in Menge ver-
speiset wird, ist eine ausgemachte Sache: und daß
das einige neuere Reisende in diese Länder für eine
Fabel erklärt haben, gibt ein lehrreiches Beyspiel
von voreilig dreistem Hyperscepticismus.

8. †. Stridulus, die Holzheuschrecke. G.
thorace subcarinato, alis rubris extimo nigris
nebulosis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 21. fig. 1.

Lebt meist im Gehölze. Die Männchen geben im
Fluge einen lauten klappernden Ton von sich.

34. Fulgora*). Caput fronte producta, inani.
Antennae infra oculos, articulis 2, exteriore glo-
boso. Rostrum inflexum, pedes gressorii
.

Der sonderbare Charakter dieses Geschlechts ist
die hornige Blase vor der Stirne, die bey den nach-
benannten Gattungen im Leben und einige Zeit nach
dem Tode einen hellen Schein verbreitet.

1. Laternaria, der Surinamische Latern-
träger, Leyermann
. (Fr. la portelanterne,
Engl. the lanthorn-fly.) F. fronte ovali rec-
ta, alis lividis; posticis ocellatis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 28, 28.

Die größte Art; die leuchtende Blase ist fast so
groß als der ganze übrige Körper, und scheint so
[Seite 291] hell, daß sich die Guianischen Wilden ihrer ehedem
statt Leuchten bedient haben sollen.

2. Candelaria, der Schinesische Laternträ-
ger
. F fronte rostrato-subulata adscenden-
te, elytris viridibus luteo-maculatis, alis fla-
vis; apice nigris
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 39.

35. Cicada. (Fr. cigale.) Rostrum inflexum.
Antennae setaceae. Alae 4 membranaceae, de-
flexae. Pedes plerisque saltatorii
.

Die männlichen Cicaden geben wie die Heuschre-
cken einen Laut von sich, der durch besondere, mehr
zusammengesetzte Werkzeuge an ihrem Unterleibe her-
vor gebracht wird.

Merkwürdig ist, daß einige Gattungen von Keu-
lenichwämmen (clavariae) besonders häufig auf den
Puppen von Cicaden, theils gar auf dem lebendi-
gen Leibe ihrer Larven, so wie andere auf Raupen,
Schmetterlings-Puppen, Laufkäfern etc. wachsen.*).

1. Orni. (Tettigonia O. F.) C. nigra flavoma-
culata, alis hyalinis, basi flavis maculis
nigris
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 25, fig. 3.

Im südlichen Europa und in Nordafrika. Die bey
den Alten so beliebte Cicade.

2. †. Spumaria, (Cercopis S. F.) der Schaum-
wurm, Gäschtwurm
. C. fusca, elytris
maculis binis albis lateralibus; fascia duplici
interrupta albida
.

Frisch P. VIII. tab. 12.

Besonders häufig auf Weidenbäumen, denen die
Larve im Fruhjahr den Saft aussagt, und ihn in
[Seite 292] Gestalt eines Schaums (des so genannten Kuckucks-
speichels), unter welchem sie oft versteckt ist, wie-
der von sich gibt. Daher auch die Sage von regnen-
den Weiden.

3. Lanata, (Listra L. F.) C. alis deflexis nigris
punctis caeruleis, fronte lateribusque rubris:
ano lanato
.

Stoll. tab. 10, fig. 49 und D.

In Westindien. Hat den Beynahmen von den
räthselhaften, schneeweißen, aber im Wasser
gleichsam schmelzenden langen Flocken am Hinter-
leibe*).

36. Notonecta, Wasserwanze. Rostrum
inflexum. Antennae thorace breviores. Alae 4
cruciato-complicatae, antice coriaceae. Pedes
posteriores pilosi natatorii
.

1. †. Glauca. N. grisea elytris griseis margine
fusco punctatis apice bifidis
.

Frisch P. VI. tab. 13.

Schwimmt die mehrste Zeit auf dem Rücken;
weiß auch in dieser Lage kleine Mücken etc., von
denen sie sich nährt, mit vieler Geschwindigkeit zu
haschen.

37. Nepa, Wasserscorpion. Rostrum infle-
xum. Alae 4 cruciato-complicatae anticae coria-
ceae. Pedes anteriores cheliformes; reliqui 4
ambulatorii
.

1. †. Cinerea, N. cinerea, thorace inaequali,
corpore oblongo-ovato.

Frisch P. VII. tab. 15.

Die Eyer dieses Thieres haben eine überaus son-
[Seite 293] derbare Gestalt, an einem Ende mit Häkchen, fast
wie Samen von Kornblumen etc.

2. †. Cimicoides, (Naucoris C. F.) N. abdomi-
nis margine serrato
.

Frisch P. VI. tab. 14.

3. Plana. (Nepa rustica. F.) N. subfusca: ocu-
lis nigris, alis albidis, dorso plano
.

Eine gewisse Art Wassermilben legt diesem Thier,
das auf Tranquebar zu Hause ist, ihre Eyer auf
den Rücken*).

38. Cimex, Wanze. Rostrum inflexum. Alae 4
cruciato-complicatae, superioribus antice co-
riaceis. Dorsum planum thorace marginato. Pe-
des cursorii
.

1. †. Lectularius, (Acanthia lectularia. F.) die
Bettwanze, Wandlaus
. (Fr. la punaise.
Engl. the bug, wall-louse.) C. flavescens, alis
nullis
.

Sulzers Kennz. tab. 10. fig. 69.

Über die ursprüngliche Heimath und den Aufent-
halt dieses ekelhaften, lichtscheuen Insects im wil-
den Zustande weiß man wenig Zuverlässiges. Jetzt
findet sichs in den Wohnungen unreinlicher oder
sorgloser Menschen fast in allen Welttheilen (nah-
mentlich in Sibirien, Ostindien, Nord- und Süd-
Amerika etc.). So leicht Wanzen durch Zufall in ein
Haus kommen können, so leicht ist es, sie bald an-
fangs durch sorgfältige wiederhohlte Anwendung kräf-
tiger Mittel**) auch wieder zu vertreiben: was
[Seite 294] aber äußerst schwer hält, wo man sie einmahl über-
hand nehmen und sich weit verbreiten lassen.

2. †. Corticalis. (Aradus C. F.) C. membrana-
ceus, abdominis margine imbricatim secto,
corpore nigricante
.

In Wäldern an Baumstämmen: ist wegen seiner
täuschenden, rindenartigen Gestalt und Farbe schwer
zu finden.

3. †. Baccarum, der Qualster. C. ovatus gri-
seus, abdominis margine nigro maculato
.

In Gärten, zumahl an Johannisbeeren. Auch
diese Wanze stinkt fürchterlich: doch bloß, wenn sie
berührt wird; da ihr der Gestank, wie manchen
andern Wanzen, zum Vertheidigungsmittel zu die-
nen scheint.

4. †. Personatus. (Reduvius P. F.) C. rostro
arcuato, antennis apice capillaceis, corpore
oblongo subvilloso fusco
.

Frisch P. X. tab. 20.

Hält sich in Winkeln auf. Die Larve ist immer
wie mit Staub und Kehricht bedeckt.

39. Aphis, Blattlaus, Neffe, Mehlthau.
(Fr. puceron. Engl. plant-louse.) Rostrum in-
flexum. Antennae thorace longiores. Alae 4
erectae aut nullae. Pedes ambulatorii. Abdomen
postice saepius bicorne
.

[Seite 295]

Es gibt oft in Einer Gattung, ja in Einer und
eben derselben Familie, geflügelte und ungeflügel-
te Blattläuse, und das ohne alle Beziehung auf
den Sexualunterschied. Die Männchen sind kleiner
als ihre Weibchen, und werden auch in weit minde-
rer Anzahl jung. Sie erscheinen nicht eher als in
der letzten Generation jedes Sommers*); bey den
mehresten Gattungen also erst zu Ende desselben,
und nur auf kurze Zeit, da sie ihre Weibchen be-
fruchten, die kurz darauf Eyer oder vielmehr Hül-
sen von sich geben, in welchen zwar die jungen
Blattläuse schon völlig ausgebildet liegen, aber
doch nicht eher als bis im folgenden Frühjahr her-
vor brechen, und zwar sind alle diese nunmehr aus-
gekrochenen Blattläuse durchgehends weiblichen Ge-
schlechts, so daß bis zu dem eben gedachten Termin
der letzten Generation keine männliche Blattlaus
zu sehen ist. Und dessen ungeachtet sind doch alle
jene jungfräulichen Blattläuse im Stande, ohne
Zuthun eines Gatten ihr Geschlecht fortzupflanzen;
so daß jene einmahlige Begattung im Herbste, ihre
befruchtende Wirkung im folgenden Frühjahr und
Sommer bey vielen bis ins neunte Glied äußert.

1. †. Ribis. A. ribis rubri.

Frisch P. XI. tab. 14.

2. †. Ulmi. A. ulmi campestris.

3. †. Sambuci. A. sambuci nigrae.

Frisch P. XI. tab. 18.

4. †. Rosae. A. rosae.

Sulzers Kennz. tab. 12, fig. 79.

5. †. Bursaria. A populi nigrae.

Swammerdam Biblia nat. tab. 45, fig. 22
u. f.

[Seite 296]

Auf der Schwarzpappel, da sie die sonderbaren
Auswüchse verursachen, die man Pappelrosel,
Alberknospen
etc. heißt.

6. Pistaciae. A nigra, alis albidis, tibiis lon-
gissimis, thorace verrucoso
.

An Pistacien, Mastix, Terpenthinbaum etc., wo
sich die Blattläuse in einer spannenlangen, scho-
tenähnlichen Hülse aufhalten.

40. Chermes, Blattsauger. Rostrum pecto-
rale. Antennae thorace longiores. Alae 4 defle-
xae. Thorax gibbus, pedes saltatorii
.

Haben in der Bildung viel Ähnliches mit den
geflügelten Blattläusen. Als Larven sehen sie fast
aus wie Cicaden, hüpfen auch so etc.

1. †. Buxi. C. buxi.

2. †. Alni. C. betulae alni.

Frisch P. VIII. tab. 13.

41. Coccus. Schildlaus. (Fr. Gallinsecte.)
Rostrum pectorale. Abdomen postice setosum.
Alae 2 erectae masculis. Feminae apterae.

Bey keinen andern Thieren sehen die beyden Ge-
schlechter einander so auffallend ungleich, als bey
den Schildläufen. Das Männchen ähnelt einer klei-
nen Mücke, das Weibchen hingegen ist ungeflügelt,
und sitzt, nachdem es sich gehäutet hat, fast unbe-
weglich an den Gewächsen, und könnte bey man-
chen Arten eher für eine Narbe an der Pflanze, als
für ein lebendiges Thier angesehen werden. Das
Männchen schwärmt indeß im Freyen umher, bis
es, vom Begattungstrieb gereitzt, ein solches ein-
siedlerisches Weibchen aufsucht und befruchtet.

1. Hisperidum. C. hybernaculorum.

Sulzers Kennz. tab. 12, fig. 81.

Das Weibchen hält sich vorzüglich an Orangen-
bäumen, auf der Rückseite der Blätter auf.

[Seite 297]

2. Adonidum. C. rufa farinacea pilosa.

Wie die vorige in Gewächshäusern, besonders
an Kaffehbäumen etc. Man vertreibt sie, wenn man
die Gewächse nach dem Begießen mit Schwefelblu-
men bestreut.

3. Ilicis. Kermes. C. quercus cocciferae.

Im südlichen Europa, besonders dem Languedoc
und in der Provence, an Stechpalmen etc. Die bee-
renförmigen, galläpfelartigen Eyer-Nester (Fr. le
vermillon
) dieser Thiere werden mit Essig besprengt,
und das Carmoisinroth daraus verfertigt.

4. †. Polonicus, Deutsche Cochenille, Jo-
hannisblut
. C. radicis scleranthi perennis.

Frisch P. V. tab. 2.

Macht ebenfalls kermesartige Eyer-Nester an
den Wurzeln vom Weggras und andern Pflanzen;
zumahl häufig in Pohlen und am Don, wo sie ge-
sammelt, und zur Farbe angewendet werden.

5. Cacti, der Scharlachwurm. (Fr. le co-
chenille
. Engl. the cochineal-fly.) C. cacti
coccinelliferi
.

Ellis in ben philos. Transact. vol. LII.
P. II.

Ursprünglich in Mexico; findet sich auf mehreren
Cactusarten, die deßhalb in großen Plantagen ge-
pflanzt, und die Cochenillewürmer fast wie die Sei-
denwürmer darauf gezogen, und jährlich zu drey
Mahl abgelesen werden.

6. Lacca, der Gummi-Lackwurm. C. ficus
indicae et religiosae
.

D. Roxburgh in Voigts Magazin VIII.
B. 4. St. tab. I.

Zumahl in den gebirgigen Gegenden von Hind-
[Seite 298] ostan zu beyden Seiten des Ganges; von ihm
kommt das so genannte Gummilack*).

42. Thrips. Rostrum obscurum. Antennae
longitudine thoracis. Abdomen sursum reflexile
.
Alae 4 rectae, dorso incumbentes, longitudi-
nales, angustae, subcruciatae
.

Überaus kleine Insecten, die sich gesellschaftlich
in den Blüthen mancher Gewächse aufhalten, und
meist nur durch ihre große Anzahl, oder durch die
Munterkeit, mit der sie umher hüpfen und fliegen,
bemerkbar werden.

1. †. Physapus. T. elytris glaucis, corpore atro.

De Geer in den schwed. Abhandl. v. J. 1774.
tab. 4. fig. 4.

Im Getreide, Bohnenblüthen etc.


III. LEPIDOPTERA (Glossata Fabr.)*).

[Seite 299]

Die Schmetterlinge, eine weitläufige Ord-
nung, die sich durch vier ausgespannte, mit bunten
Schuppen befiederte Flügel, und einen behaarten Kör-
ner auszeichnet. Als Raupen haben sie Kinnladen,
zwölf Augen am Kopfe, einen lang gestreckten, cy-
lindrischen Körper von zwölf Abschnitten, mit neun
Luftlöchern auf jeder Seite, drey Paar hakenförmigen
Klauen an der Brust, und meist fünf Paar runden
fleischigen Füßen am Hinterleibe. Die Raupe häutet
sich verschiedentlich, wird dann zur Puppe, die meh-
rentheils unbeweglich, doch bey der Weidenraupe und
einigen andern sehr wenigen Gattungen sich von der
Stelle zu bewegen im Stande ist. Hieraus kommt
[Seite 300] endlich nach einer bestimmten Zeit der Schmetter-
ling
zum Vorschein, der meist lange Fühlhörner, nur
drey Paar Füße, statt der Kinnladen eine spiralför-
mig aufgerollte (so genannte) Zunge, und statt jener
zwölf kleinen Augen, zwey große halbkugelichte und
drey kleine (§. 126) hat. Alle die zahlreichen Gattun-
gen hat Linné unter drey Geschlechter gebracht.

43. Papilio, Tagvogel.(Engl. butter-fly.)
Antennae apicem versus crassiores, saepius cla-
vato-capitatae. Alae erectae sursumque conni-
ventes
.

Die Raupe ist mehrentheils wie mit Dornen be-
setzt, und häutet sich gewöhnlich vier Mahl. Sie
verpuppt sich ohne ein äußeres Gespinnste: die Pup-
pe ist zackig, theils schön goldfarbig (chrysalis, au-
relia
), und hängt sich mit dem hintern Ende auf.
Der Schmetterling fliegt nur am Tage herum, und
hält im Sitzen seine vier breiten ausgespannten Flü-
gel in die Höhe, mit der Oberseite (die bey vielen
an Farbe und Zeichnung gar sehr von der Unterseite
verschieden ist) gegen einander gekehrt. Linné hat
das ganze Geschlecht, leichter Faßlichkeit wegen,
wieder in fünf Familien (phalanges) abgetheilt.

a. Equites. Alis primoribus ab angulo posti-
co ad apicem longioribus, quam ad basin:
his saepe antennae filiformes
.

Tröes, ad pectus maculis sanguineis (sae-
pius nigri
).

Achivi, pectore incruento, ocello ad an-
gulum ani
.

b. Helliconi. Alis angustis integerrimis, saepe
denudatis: primoribus oblongis; posticis bre-
vissimis.

[Seite 301]

c. Danai. Alis integerrimis.

Candidi, alis albidis.

Festivi, alis variegatis.

d. Nymphales. Alis denticulatis.

Gemmati, alis ocellatis.

Phalerati, alis eaecis absque ocellis.

e) Plebeji. Parvi. Larva saepius contracta.

Rurales, alis maculis obscurioribus.

Urbicolae, alis maculis pellucidis.

* * *

1. Priamus. P. E. T. alis denticulatis tomento-
sis supra viridibus: institis atris, posticis ma-
culis sex nigris
.

Clerk tab. 17.

Auf Ambonia etc. So wie der folgende ein großes
prächtiges Thier.

2. Ulysses. P. E. A. alis caudatis fuscis, disco
caeruleo splendente dentato. Posticis subtus
ocellis septem
.

Clerk tab. 23. fig. 1.

Auch in Ostindien.

3. †. Machaon, der Schwalbenschwanz.
F. E. A. alis caudatis concoloribus flavis, lim-
bo fusco, lunulis flavis, angulo ani fulvo
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 1.

4. †. Podalirius, der Segelvogel. P. E. A.
alis caudatis subconcoloribus flavescentibus:
fasciis nigricantibus geminatis: posticis subtus
linea aurantia
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 2.

5. †. Apollo, der rothe Augenspiegel. P.
H. alis oblongis integerrimis albis: posticis
ocellis supra 4: subtus 6, basique rubris
.

Sulzers Kennz. tab. 13. fig. 41.

Im wärmern Europa.

[Seite 302]

6. †. Crataegi, der Lilienvogel, Baum-
weißling, Heckenweißling
. P. H. alis
integerrimis rotundatus albis: venis nigris
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 3.

Eine der schädlichsten Raupen für Obstbäume.
Die Jungen halten sich gesellschaftlich in einem Ge-
spinnste zusammen.

7. †. Brassicae, die Kohleule, der Kohl-
weißling, Buttervogel
. P. D. C. alis
integerrimis rotundatis albis: primoribus ma-
culis duabus apicibusque nigris, major
.

Rösel vol. I. Tagsvögel II. tab. 4.

Nebst den beyden folgenden auf Kohl, Kraut
und Rübsaat. Buttervogel heißt der Schmetterling
(so wie die Butterblume), von der gelben Farbe der
Unterflugel: ein Nahme, der aber nachher auch
den Papilionen überhaupt abgeben worden ist.

8. †. Rapae, der Rübenweibling. P. D. C.
alis integerrimis rotundatis: primoribus ma-
culis duabus apicibusque nigris, minor
.

Rösel vol. I. Tagsvögel II. tab. 5.

9. †. Napi, P. D. C. alis iniegerrimis rotun-
datis albis: subtus venis dilatato-virescen-
tibus
.

10. †. Cardamines, der Auroravogel. P.
D. C. alis integerrimis rotundatis albis, pri-
moribus medio fulvis, posticis subtus viridi-
nebulosis
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 8.

11. †. Rhammi, der Citronen-Papi-
lion, das fliegende Blatt
. P. D. C.
alis integerrimis angulatis flavis: singilis punc-
to flavo, subtus ferrugineo
.

Rösel vol. III. tab. 46.

12. †. Hyperantus, P. D. F. alis integerrimis
[Seite 303] fuscis, subtus primoribus ocellis tribus: po-
sticis duobus tribusque
.

13. †. Io, das Pfauenauge, der Pfauen-
spiegel
. P. N. G. alis angulato dentatis-
fulvis nigromaculatis: singulis subtus ocello
caeruleo
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 3.

Die Puppe wie vergoldet.

14. †. Galatea, das Bretspiel. P. N. G.
alis dentatis albis nigroque variis, subtus
primoribus ocello unico, posticis quinque
obsoletis
.

Rösel vol. III. tab. 37.

15. †. Cardui, der Distelvogel. P. N. G.
alis dentatis fulvis albo nigroque variegatis,
posticis utrinque ocellis quatuor, saepius
coecis
.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 10.

Die Puppe ebenfalls ganz goldglänzend. In man-
chen Jahren unsäglich häufig.

16. †. Iris, der Schillervogel, Changeant.
P. N. G. alis subdentatis subtus griseis; fascia
utrinque alba interrupta, posticis supra unio-
cellatis
.

Rösel vol. III. tab. 42.

17. †. Antiopa, der Trauermantel. P. N.
P. alis angulatis nigris limbo albido.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 1.

18. †. Polychlores, der große Fuchs. P. N.
P. alis angulatis fulvis, nigro maculatis: pri-
moribus supra punctis quatuor nigris
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 2.

Die Raupe gibt einen bisamähnlichen Geruch
von sich.

[Seite 304]

19. †. Urtica, der kleine Fuchs, Nesselvo-
gel
. P. N. P. alis angulatis fulvis nigro-ma-
culatis; primoribus supra punctis tribus nigris
.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 4.

20. †. C. album, der C-Vogel. P. N. P. alis
angulatis fulvis nigro maculatis, posticis sub-
tus
C. albo notatis.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 5.

21. †. Atalanta, der Mars, 980-Vogel.
(Engl. the admirable.) P. N. P. alis dentatis
nigris albo maculatis: fascia communi pur-
purea, primoribus utrinque, posticis mar-
ginali
.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 6.

Einer der schönsten Deutschen Schmetterlinge.

22. †. Pavia, der Silberstrich. P. N. P. alis
dentatis luteis nigro-maculatis, subtus lineis
argenteis transversis
.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 7.

Auch ein überaus schönes Thier von mittlerer Größe.

23. †. Aglaja, der große Perlenmutter-
vogel, Violenvogel
. P. N. P. alis denta-
tis flavis nigro maculatis: subtus maculis 21
argenteis
.

24. †. Pruni, P. P. R. alis subcaudatis supra
fuscis: posticis subtus fascia marginali fulva
nigro-punctata
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 7.

Auf Zwetschenbäumen.

25. †. Argus, P. P. R. alis ecaudatis caeruleis:
posticis subtus limbo ferrugineo: ocellis cae-
ruleo-argenteis
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 37.

Auf Kreuzdorn.

26. †. Malvae. der Pappelvogel. P. P. V.
[Seite 305] alis denticulatis divaricatis nigris albo-macu-
latis
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 10.

44. Sphinx, Abendvogel. Antennae medio
crassiores s. utraque extremitate attenuatae sub-
prismaticae. Alae deflexae
.

Die Raupen in diesem Geschlechte sind mehren-
theils von vortrefflicher Farbe, mit einem haken-
förmigen Horn am Ende des Rückens, dessen Spur
auch noch an der Puppe sichtbar ist. Sie verpuppen
sich unter der Erde, ohne Gespinnste. Die Abend-
vögel haben ihren Nahmen daher, weil sie meist
bloß in der Abenddämmerung umher fliegen. Die
mehresten haben einen langsamen schweren Flug.
Linné hat das ganze Geschlecht, das doch nicht gar
zahlreich ist, auf folgende Art unterabgetheilt:

a. Legitimaealis angulatis.

Alis integris, ano simplici.

Alis integris, ano barbato.

b. Adscitaehabitu et larva diversae.

* * *

1. †. Ocellata, das Abendpfauenauge. S.
L. alis repandis: posticis ocellatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 1.

2. †. Nerii, der Oleandervogel. S. L. alis
subangulatis viridibus: fasciis variis pallidio-
ribus saturatioribus flavescentibusque
.

Rösel vol. III. tab. 16.

3. †. Convolvuli. S. L. alis integris: posticis ni-
gro fasciatis margine postico albo-punctatis,
abdomine rubro cingulis atris
.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 7.

4. †. Ligustri. S. L. alis integris: posticis in-
carnatis fasciis nigris, abdomine rubro cin-
gulis nigris
.

[Seite 306]

5. †. Atropos, der Todtenkopfs. S. L. alis
integris: posticis luteis fasciis fuscis, abdo-
mine luteo cingulis nigris
.

Rösel vol. III. tab. 2.

Eins der schädlichsten Thiere für Bienenstöcke.
Die Raupen auf Jasmin, Kartoffelkraut etc.

6. †. Celerio, der Phönix. S. L. alis integris
griseis lineola albo-nigra; inferioribus basi
rubris maculis sex
.

Rösel vol. IV. tab. 8.

7. †. Elpenor, die Weinraupe, der große
Weinvogel
S. L. alis integris virescentibus,
fasciis purpureis variis, posticis rubris basi
atris
.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 4.

8. †. Porcellus, die kleine Weinmotte. S.
L. alis integris margine rubris; posticis basi
fuscis
.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 5.

9. †. Euphorbiae, die Wolfsmilchraupe. S.
L. alis integris fuscis, vitta superioribus pal-
lida, inferioribus rubra
.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 3.

10. †. Pinastri, der Fichtenschwärmer. S.
L. alis integris canis, margine postico albo
maculato, abdomine fusco cingulis albis
.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 6.

In Kiefernwäldern, wo die Raupe, die sich in
den Gipfeln aufhält, zuweilen große Verheerungen
anrichtet.

11. †. Stellatarum, (Sesia St. F.) der Tauben-
schwanz, Karpfenkopf
. S. L. abdomine
barbato lateribus albo nigroque variis, alis
posticis ferrugineis
.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 8.

[Seite 307]

12. †. Filipendulae, (Zygaena F. F.) die Zir-
kelmotte
. S. A. alis superioribus cyaneis;
punct