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Handbuch der Naturgeschichte —

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Handbuch
der
Naturgeschichte

Multa fiunt eadem sed aliter.
(quintilian.)

Erste Abtheilung.
Allgemeine Naturgeschichte und Zoologie.

Neunte Ausgabe.

Göttingen,
1815
.
In allen guten Buchhandlungen.
[titlePage_verso]

Vorrede
zur vorhergehenden achten Auflage.
(Mit einigen Zusätzen.)

[[3]]

Ein bedeutender Kunstrichter seiner Zeit, Gil-
les Menage, war des Glaubens, daß die Güte
eines Buchs mit der Zahl der Ausgaben dessel-
ben im Verhältniß stehe, und man von einem be-
währt brauchbaren deren achte zählen müsse.

So wenig sich nun zwar absehen läßt, wie
der sonst scharssinnige Mann auf einen so aben-
teuerlichen – im Allgemeinen so höchst trüglichen,
ganz unzuverläßigen Maaßstab verfallen konnte,
so darf es inzwischen der Verfasser eines wissen-
schaftlichen, besonders auch zur Grundlage bey
academischen Vorlesungen bestimmten Handbuchs,
zumahl in einer Disciplin, die deren schon vorher
gar manches zählte, für ein Zeichen der Brauch-
barkeit des seinigen ansehen, wenn er die achte
(– und nun die neunte –) Ausgabe da-
von besorgen muß, – fünf bis sechs Uebersetzun-
[Seite 4] gen desselben in fremde Sprachen ungerechnet,
die zwischendurch davon erschienen sind*).

Das Buch sollte von der allgemeinen Na-
turgeschichte, gleichsam von ihrer Philosophie, eine
faßliche Uebersicht; und aus der unübersehlichen
Fülle der speciellern so viel des gemeinnützigsten
und interessantesten in gedrängter Kürze enthal-
ten, als der zweckmäßige Zuschnitt eines, wie ge-
sagt, auch als Leitfaden bey academischen Vorle-
sungen brauchbaren Handbuchs gestattet. Da-
bey ist unter andern auch besonders darauf Rück-
sicht genommen, daß dasselbe zu einem nützlichen
Hülfsmittel zum Nachschlagen, und zwar nah-
mentlich beym Lesen von Reisebeschreibun-
gen
dienen möchte; und dazu war denn auch
das genaue Register erforderlich, das einige tau-
send Nahmen von merkwürdigen Naturproducten
enthält.

So wie jede neue Ausgabe des Buchs ganz
beträchtlichen Zuwachs von neuen Entdeckungen
oder Berichtigungen in der Naturgeschichte, auch
von eignen Ansichten und Bemerkungen des Ver-
fassers erhalten hat, so auch diese gegenwärtige,
und zwar – wie schon die Vergleichung des Re-
gisters zu derselben ausweisen könnte – nach Ver-
hältniß wohl mehr als eine der vorigen.

[Seite 5]

Folgendes aus den Vorreden zu den letztern
Ausgaben mag auch in dieser hier seine Stelle
finden.


Ich habe in den mineralogischen Abschnit-
ten, so wie im ganzen Buche, von Geschlechtern,
und den darunter begriffenen Gattungen gesprochen.
Denn daß man in der Mineralogie die Fossilien
in genera und species eintheilt, und die gene-
ra
auf deutsch Geschlechter, so wie die species
Gattungen nennt, darüber ist meines Wissens
unter den gelehrten und philosophischen Minera-
logen Deutschlands nur eine Stimme. Und so
versteht sich wohl von selbst, daß, wenn ich also
in einem Theile des Buchs die Benennungen
von Geschlecht und Gattung in diesem von je (–
und bis vor Kurzem allgemein –) angenomme-
nen Sinne brauchen mußte, ich nicht in einem
andern Theile das Wort Gattung im verkehrten
Sinne für genus brauchen durfte, wie doch in
der That neuerlich von gar manchen deutschen
Schriftstellern in der Zoologie und Botanik ver-
sucht worden.

Ich weiß nicht, wer der Reformator ist, der
diese Umkehrung der Begriffe und ihrer bestimm-
ten Zeichen zuerst unternommen haben mag: –
aber wohl weiß ich, was er mit einem solchen
versuchten Eingriffe in den Sprachgebrauch

‘„quem penes arbitrium est, et ius, et
norma loquendi
"’

bey andern aufgeklärten Nationen riskirt hätte:
[Seite 6] – daß es ihm hingegen in meinem theuern Va-
terlande deutscher Nation nicht an Nachahmern
gefehlt hat, ist nichts weniger als unerwartet. –
Genug indeß, daß so viele philosophische Natur-
forscher und die größten unserer naturkundigen Phi-
losophen das verba valent sicut numi besser be-
folgt, und sich also durch diese sonderbare Um-
stempelung nicht irre führen lassen. – Und war-
um auch ich für meine Person es hierin lieber
beym Alten lasse, als mich an jene Nachahmer
anschließe, dafür habe ich folgende Gründe:

1) Hoffentlich weiß doch ein jeder, seiner
Sprache kundige, deutsche Naturforscher (– und
wer es nicht weiß, der kann es aus Adelung's
Wörterbuche lernen –), was die erste und Fun-
damentalbedeutung des Wortes Geschlecht ist:

‘„Die Aehnlichkeit der verschiedenen Gat-
tungen
der Dinge:’

Dieß ist der wahre eigentliche Sinn des Wor-
tes Geschlecht, wie wir ihn von Kindesbeinen an,
selbst aus des seiner Sprache höchst kundigen Lu-
ther's Bibel-Uebersetzung lernen.

Dem zu Folge wissen wir also in Anwen-
dung auf Methodologie in der Naturgeschichte:

Die Gattungen schafft die Natur: der Sy-
stematiker bringt sie nach ihren gemeinschaft-
lichen Aehnlichkeiten unter Geschlechter.

2) Eben so ausgemacht und bekannt ist aber
auch, daß hingegen das Wort Gattung von
[Seite 7] dem Zeitworte sich gatten, abstammt; und da
nun im freyen Naturzustande wohl nur die Thiere
von einer species sich mit einander fruchtbar
gatten, so versteht sich also von selbst, daß das
Wort species, in dem Sinne, wovon hier die
Rede ist, durch kein anderes deutsches Wort pas-
sender, bezeichnender und bestimmter ausgedrückt
werden konnte, als durch Gattung.

3) Daß aber die Homonymie des deutschen
Wortes Geschlecht, indem es sowohl genus als
sexus bedeutet, zu Irrung Anlaß geben werde,
ist wohl eben so wenig im Ernst zu befürchten,
als bey dem lateinischen Worte genus, das, wie
wir in den Kinderjahren in der Grammatik beym
Unterschied der Worte generis masculini oder
fœeminini lernen, auch statt sexus gebraucht wird.

4) Und wenn aber auch obbesagter Refor-
mator im Ernste so etwas befürchten zu müssen
meinte, so hätte er immerhin mögen wer weiß
was für ein Wort von eigener Fabrik statt des
ihm bedenklichen Geschlechts vorschlagen; aber
nichts konnte ihn berechtigen, die Landessprache
– d.h. den bestimmten einmahl festgesetzten Sinn
der deutschen Worte – (da man z.B. Men-
schengeschlecht etc. sagt so gut wie genus hu-
manum
) zu verkehren! Denn, wie unser seliger
Lichtenberg bey einem ähnlichen Anlaß sich
ausdrückt:

‘„Hypothesen zu machen, und sie als seine
Stimme der Welt vorzulegen, darf niemand
[Seite 8] gewehrt seyn, sie gehören dem Verfasser.
Aber die Sprache gehört der Nation,
und mit dieser darf man nicht
umspringen, wie man will
.“’

Die gleiche schuldige Achtung gegen dieses der
Nation gehörige Eigenthum habe ich auch bey
den deutschen Nahmen der Naturalien beobachtet,
und mich daher immer der allgemein angenomme-
nen und allgemein verständlichen, nicht aber et-
wa der Solöcismen einer einzelnen Provinz be-
dient. Darum brauche ich z.B. nicht das hier
zu Lande gewöhnliche Wort Molle, sondern das
allgemein angenommene Molch: eben so nicht das
im Erzgebirge gebräuchliche Wort Kobelt, son-
dorn das längst allgemein adoptirte, und selbst in
andere lebende und todte Sprachen aufgenomme-
ne Kobalt u.s.w.

Anders ist der Fall mit den in der Natur-
beschreibung von unsern neuen Systematikern zur
Bezeichnung der Geschlechter und ihrer Gattungen
selbsterfundenen Kunst- und Trivial-Nah-
men. So billig und vernünftig es freylich ist,
auch hierin, so viel als möglich die einmahl ziem-
lich allgemein angenommenen Benennungen bey-
zubehalten, so können doch Fälle eintreten, wo
es noch billiger und vernünftiger ist, einen vorher
gewählten Nahmen, wenn er einen durchaus irri-
gen Begriff erweckt, gegen einen richtigen umzu-
tauschen. Und doch habe ich mich dieser an sich
erlaubten, aber auch heut zu Tage so oft gemiß-
brauchten, und dann das Studium der Naturge-
[Seite 9] schichte so äußerst erschwerenden Freyheit nur in
äußerst wenigen Fällen, wo es mir unvermeidlich
schien, bedient. So habe ich z.B. den Pan-
zerthieren oder Armadillen ihren einheimischen, all-
gemein bekannten, und längst von elastischen Zoo-
logen angenommenen Nahmen, Tatu, restituirt;
da man sonst diesen fast haarlosen Thieren durch
einen seltsamen Mißgriff den Nahmen, Rauch-
fuß
, Dasypus, beygelegt hatte, womit die alten
Griechen, ganz passend und völlig nach der Na-
tur, das rauchfüßige Hasengeschlecht bezeich-
net haben. – Aus ähnlichen Gründen braucht
ich für den schönen neuseeländischen Nephrit lie-
ber seinen einheimischen Nahmen (Punammu-
stein
), unter welchem er zuerst von unsern An-
tipoden zu uns gebracht und bekannt worden, als
die ihm neuerlich beygelegte Benennung Beil-
stein
, da ich im hiesigen academischen Museum,
so wie in den in London befindlichen großen Samm-
lungen von südländischen Merkwürdigkeiten, zwar
wohl die Menge von Hacken und andern Gerä-
then, so sich die Neuseeländer aus diesem Steine
bereiten, aber schlechterdings kein daraus verfer-
tigtes Beil aufgefunden habe. – Eben so habe
ich diejenige Gattung des Fledermausgeschlechts,
Vampyr oder Blutsauger genannt, die wirklich
schlafenden Säugethieren das Blut aussaugt; da
hingegen Linné diesen Nahmen dem fliegenden
Hund beygelegt hatte, der wohl seit die Welt
steht, kein Blut gesogen hat, sondern sich ganz
allein von Früchten nährt. – Aber viele andere,
nur nicht gar zu unpassende Kunstnahmen der Art
habe ich dennoch beybehalten, um ja nicht die
[Seite 10] Nomenclatur und Synonymien ohne dringende
Noth, zur großen Last der Lernenden, zu häufen.

Daß aber manche bekannte Nahmen von Na-
turalien hier doch anders geschrieben werden, als
es insgemein geschieht, hat auch seinen guten
Grund. So schreibe ich z.B. Tofus und nicht
Tophus, weil es kein griechisches Wort ist; eben
so Manacanit*) und nicht Menacanit, weil
der Fundort dieses Fossils in seiner ersten Sylbe
ein a hat, so gut wie Hamburg oder Frankfurt.

Im Thierreiche habe ich immer den lateini-
schen Nahmen vorausgesetzt, weil da hundert exo-
tische Geschöpfe vorkommen, die im Deutschen
keinen bekannten verständlichen. Nahmen haben.
Im Mineralreiche hingegen ist der Fall umgekehrt.
Da sind gerade die deutschen Benennungen die
bekanntesten, und selbst großen Theils in andere
Sprachen aufgenommen.

Beym Thierreiche ist denjenigen Gattungen,
die sich in Deutschland finden, wieder so, wie
in den vorigen Ausgaben, ein † vorgesetzt. Im
Mineralreich konnte dieß unterbleiben, weil so ein
Zeichen bey den allgemein verbreiteten Fossilien
überflüssig, bey vielen von denen aber, die in
[Seite 11] Deutschland selbst ein sehr eingeschränktes Vater-
land haben, wie der Boracit etc. unzureichend ge-
wesen wäre.

Die Abbildungen naturhistorischer Ge-
genstände
, die ich in der Verlagshandlung die-
ses Handbuchs heftweise herausgebe, beziehen sich
auf die neuesten Ausgaben desselben, und dienen
ihnen zu einer zweckmäßigen Erläuterung.

Göttingen,
im September 1814.
J. F. Blumenbach.

[interleaf]

Erster Abschnitt.
Von Naturalien überhaupt,
und
ihrer Eintheilung in drey Reiche.

[Seite 13]

§. 1.

Alle Körper, die sich auf, und in unserer
Erde finden, zeigen sich entweder in derselben Ge-
stalt und Beschaffenheit, die sie aus der Hand
des Schöpfers erhalten, und durch die Wirkung
der sich selbst überlassenen Naturkräfte angenom-
men haben; oder so, wie sie durch Menschen und
Thiere, zu bestimmten Absichten, oder auch durch
bloßen Zufall verändert, und gleichsam umgeschaffen
worden sind.

Auf diese Verschiedenheit gründet sich die
bekannte Eintheilung derselben in natürliche
(naturalia), und durch Kunst verfertigte
(artefacta). Die erstern machen den Gegenstand
der Naturgeschichte*) aus, und man pflegt alle
[Seite 14] Köper zu den Naturalien zu rechnen, die
nur noch keine wesentliche Verände-
rung durch Menschen erlitten haben
.
Artefacten werden sie dann genannt, wenn
der Mensch*) absichtlich Veränderungen mit
ihnen vorgenommen.

Anm. 1. Daß übrigens jene Begriffe vom Wesent-
lichen
und vom Absichtlichen im gegenwär-
tigen Falle, bey so verschiedentlicher Rücksicht und
Modification, nicht anders als relativ seyn kön-
nen, bedarf wohl keiner Erinnerung. Wie viel
kommt nicht z.B. bloß auf den Gesichtspunct des
Sammlers an. So kann eine ägyptische Mumie
sowohl in eine Naturaliensammlung zur anthropo-
logischen Suite, als in eine Sammlung altägypti-
scher Kunstwerke gehören.

Anm. 2. Zuweilen können Naturalien manchen Kunst-
producten so ähnlich seyn, daß sie schwer von ein-
ander zu untrescheiden sind. Daher z.B. die ehe-
dem getheilten Meinungen, ob der Ueberzug in der
piscina mirabile bey Bajä ein von selbst aus dem
Wasser abgesetzter Rindenstein von Kalksinter, oder
aber ein absichtlich aufgetragener künstlicher Mörtel
sey. (– s. Götting. gel. Anzeigen 1791.
188. St. –)

§. 2.

Alle und jede natürliche Körper zeigen, 1.)
in Rücksicht ihrer Entstehung, 2) ihres Wachs-
thums
, und 3.) ihrer Structur, eine dop-
pelte
Verschiedenheit.

Die einen nähmlich sind allemahl von an-
dern natürlichen Körpern derselben Gestalt und
[Seite 15] Art hervorgebracht; so daß ihre Existenz in einer
ununterbrochenen Reihe bis zur ersten Schöpfung*)
hinauf immer andere dergleichen Körper voraus-
setzt, denen sie ihr Daseyn zu danken haben.

Zweytens, nehmen sie allerhand fremde Sub-
stanzen als Nahrungsmittel in ihren Körper auf,
assimiliren sie den Bestandtheilen desselben, schei-
den das Ueberflüssige wieder aus, und befördern
mittelst dieser beständigen Erneuerung und Wech-
sel ihr Wachsthum von innen (durch innige
Aneignung, intus susceptio, expansio.)

Diese beyden Eigenschaften setzen drittens von
selbst eine besondere Structur bey dieser Art von
natürlichen Körpern voraus. Sie müssen nähm-
lich, wenn sie auf diese Weise Nahrungsmittel
zu sich nehmen und umwandeln, und mit der
Zeit andere Geschöpfe ihrer Art wieder hervor
bringen sollen, mancherley diesen Zwecken der Selbst-
erhaltung und Fortpflanzung entsprechende, deß-
halb mit den so genannten Lebenskräften versehe-
ne, und zu einem zweckmäßigen Ganzen unter
einander verbundene, Gefäße, Adern und andere
Organe in ihrem Körper haben, die zur Auf-
nahme bestimmter Säfte, zur Assimilation jener
[Seite 16] Alimente, zur Erzeugung der Nachkommenschaft
u.s.w. nothwendig sind.

Dieß Alles fehlt bey den natürlichen Kör-
pern der andern Art, nähmlich den Minera-
lien
Beydes, sowohl ihre Entstehung, als ihr
Wachsthum (wenn man es gar nur Wachsthum
nennen darf), wird keinesweges durch Ernährung,
sondern lediglich nach eigentlich so genannten bloß
physischen (mechanischen und chemischen, Gesetzen,
durch Anhäufung oder Ansatz homogener Theile
von außen (aggregatio, iuxta positio) be-
wirkt; folglich ist bey ihnen weder ursprüngliche
Organisation noch Lebenskraft zu erwarten.

Und eben deßhalb heißen sie unorgani-
sirte
, und jene hingegen organisirte Körper.

§. 3.

Endlich sind nun aber auch jene organi-
sirten
Körper selbst, besonders in der Art, wie
sie ihre Nahrungsmittel zu sich nehmen, von ei-
ner doppelten Verschiedenheit.

Die einen nähmlich saugen einen sehr ein-
fachen Nahrungssaft, vorzüglich mittelst zahlrei-
cher Zasern, die sich am untern Ende ihres Kör-
pers befinden, ohne merkliche willkührliche Bewe-
gung in sich.

Da hingegen die andern eine meist einfache
Hauptöffnung am obern oder vordern Ende ihres
Körpers haben, die zu einem geräumigen Schlau-
che führt, wohin sie, vom innern Gefühle des
Hungers getrieben, ihre Alimente, die von sehr
verschiedener Art sind, mittelst willkürlicher Be-
wegung bringen.

[Seite 17]

Jenes sind die Pflanzen, dieses die Thiere.

Anm. Hingegen gibt die Fähigkeit den Standort zu ver-
ändern (locomotiuitas) kein hinreichen des Unterschei-
dungszeichen der Thiere von den Pflanzen, ab.
Denn viele Pflanzen, wie z.B. die gemeinen Was-
serlinsen, sind nicht festgewurzelt, sondern können
zu gewissen Jahrszeiten etc. ihren Aufenthalt verän-
dern, bald zu Boden sinken, bald wieder auf die
Oberfläche des Wassers steigen u.s.w. Und ander-
seits gibt es ganze Geschlechter von Wasserthieren,
zumahl unter der Conchylien, Corallen etc. die ih-
ren einmahl eingenommenen Platz nie von selbst
wieder verlassen können.

§. 4.

Diese sehr faßliche Eintheilung der natürli-
chen Körper in organisirte und unorganisirte (§. 2),
und der organisirten wieder unter einander (§. 3.),
ist nun der Grund der bekannten drey Reiche,
worunter man die Naturalien sehr schicklich ge-
bracht hat, und wovon das erste die Thiere, das
zweyte die Pflanzen, das dritte die Mineralien
begreift.

Die Thiere sind demnach belebte und be-
seelte organisirte Körper, die sich ihre sehr viel-
artige Nahrung mittelst willkürlicher Bewegung
suchen, und selbige durch den Mund in den Ma-
gen bringen.

Die Pflanzen sind zwar ebenfalls belebte
organisirte Körper, aber unbeseelt, so daß sie ih-
ren sehr homogenen Nahrungssaft ohne willkür-
liche Bewegung mittelst der Wurzeln einsaugen.

Die Mineralien endlich sind unbelebte
und unorganisirte Körper, die folglich ohne Le-
benskraft nach den bloß physischen (mechanischen
[Seite 18] und chemischen) Gesetzen von Anziehung, An-
häufung, Bildungskraft etc. entstehen.

Anm. Gegen diese Eintheilung in drey Reiche ist, zu-
mahl neuerlich, eine doppelte Einwendung gemacht
worden.

Manche haben zwar die Kluft zwischen den
organisirten und unorganisirten Körpern anerkannt,
aber nur keine bestimmten Gränzen zwischen Thie-
ren und Gewächsen zugeben wollen:

Andere hingegen haben die beliebten Meta-
phern von Stufenfolge der Geschöpfe geradezu da-
hin gedeutet, als ob überhaupt keine bestimmbaren
Eintheilungen der Naturalien in Reiche u.s.w.
Statt fänden.

Was das erste betrifft, so sollte man zwar
überhaupt nicht vergessen, was so oft bey Gegen-
ständen der Erfahrung der Fall ist, daß man sie
weit leichter für das was sie sind*) richtig aner-
kennen und von andern unterscheiden, als ihre ein-
zelnen unterscheidenden Merkzeichen ausfinden und
angeben kann**). – So sagte z.B. Linné:
‘„nullum characterem hactenus eruere potui, vnde
Homo a Simia internoscatur
.“’ Nun glaube ich
zwar in diesem Buche solche äußere Charactere der
Humanität angegeben zu haben, wodurch sich der
Mensch von den noch so menschenähnlichen Affen
(wie man sie nennt), so wie überhaupt von allen an-
dern Säugethieren unverkennbar auszeichnet. Aber
auch ohne dieselben wird doch hoffentlich nie
ein Naturforscher in praxi in Verlegenheit gekom-
men seyn, Menschen und Affen etwa zu verwech-
seln. – Außerdem aber können ferner Geschöpfe aus
[Seite 19] noch so verschiedenen Classen manche theils auffal-
lende und unerwartete Aehnlichkeit mit einander
haben, ohne daß dadurch die dessen ungeachtet un-
verkennbare Verschiedenheit zwischen diesen Classen
selbst wegfallen dürfte. Man theilt z.B. die Thie-
re sehr natürlich in warmblütige und kaltblütige;
und rechnet eben so natürlicher Weise die Säuge-
thiere zu jenen und hingegen die Insecten zu die-
sen; ohne je deßhalb irre zu werden, daß die Bie-
nen in ihrem Stocke so ganz ohne Vergleich wär-
mer sind, als etwa ein Igel während seines Win-
terschlafs. – So gibt es in der Classe der Gewür-
me Geschlechter, wie z.B. die Sepien, die sich
von den übrigen Thieren dieser Classe sehr auszeich-
nen, und dagegen manche auffallende Aehnlichkeit
mit den Fischen haben. Aber Niemand wird mei-
nen, deßhalb müsse nun die Scheidewand zwischen
der Classe der Fische und der Gewürme aufgehoben
werden. – Und eben so wenig wird Jemand im
Ernst in Versuchung gerathen, das Thier- und
Pflanzenreich deßhalb mit einander zu verbinden,
weil man an gewissen Pflanzen gewisse Aehnlichkei-
ten mit gewissen Thieren bemerkt hat. Von der Art
sind z.B. die sonderbaren Bewegungen mancher
Mimosenarten, und des hedysarum gyrans etc., die,
so merkwürdig sie auch an sich bleiben, doch gar
nicht einmahl in den oben angegebenen Character
der Animalität eingreifen. So wenig als hinwiede-
rum diejenigen, Aehnlichkeiten, so die Arm-Polypen
mit den Gewächsen haben, den oben bestimmten
Character der Vegetabilität betreffen. Sondern, die
Arm-Polypen sind Thiere, die so wie der Mensch
und die Auster, vom Hunger getrieben ihre Nah-
rung durch willkührliche Bewegung in den Mund
bringen, was hingegen bey keiner Pflanze, in der
bis jetzt bekannten Schöpfung, der Fall ist.

Nun und so beantwortet sich die andere Ein-
wendung gegen die Naturreiche etc. die sich auf die
so gepriesene Metapher von Stusenfolge der Ge-
schöpfe gründet, eigentlich von selbst.

Alle die beliebten Bilder von Kette, von Lei-
ter, von Netz etc. in der Natur, haben zwar für die
Methodologie im Studium der Naturgeschichte in
so fern ihren unverkennbaren Nutzen, als sie den
Grund eines so genannten natürlichen Sy-
stems
abgeben, worin man die Geschöpfe nach ih-
ren meisten und auffallendsten Aehnlichkeiten, nach
ihrem Totalhabitus, und der darauf gegründeten so
[Seite 20] genannten Verwandtschaft untereinander, zusam-
men ordnet.

Aber sie nun, wie doch so oft von wohlmeinen-
den Physicotheologen geschehen, dem Schöpfer in
den Plan seiner Schöpfung hinein legen, und die
Vollkommenheit und den Zusammenhang derselben
darin suchen zu wollen, daß die Natur (wie man
sich ausdrückt) keinen Sprung thue, weil
die Geschöpfe in Rücksicht ihrer äußern
Form
so fein stufenweise auf einander folgten,
das wäre doch schon an sich eine vermessene Schwach-
heit, wenn sie auch nicht, wie doch der Fall ist,
bey ernsterer Prüfung sich selbst widerlegte*).

Denn man braucht bloß die noch so kunstreich
und sorgfältig angelegten Entwürfe von solchen Stu-
fenfolgen in der Reihe der Geschöpfe näher zu be-
leuchten, um einzusehen, wie sehr darin einerseits
sich ganze Haufen von Geschöpfen ähnlicher Bildung
in Geschlechtern von fast unübersehlich zahlreichen
Gattungen (zumahl unter den Insecten und Ge-
würmen, aber auch im Pflanzenreiche) zusammen
drängen, und andere dagegen gleichsam isolirt ste-
hen, weil sie wegen ihrer ausgezeichneten ganz ei-
genen Bildung nicht ohne sichtlichen Zwang in ei-
ner solchen Leiter der Natur irgendwo eingeschoben
und untergebracht werden können, wie z.B. die
ganze Classe der Vögel; die Schildkröten, die schon
gedachten Sepien u.a.m.) – Ferner aber finden
sich Thiere, bey welchen, wie z.B. bey den Schild-
läufen, Männchen und Weibchen eine so durchaus
ganz verschiedene Gestaltung haben, daß man folg-
lich in der gedachten Leiter die einen von den an-
dern trennen und nach dieser so sehr verschiedenen
Sexualform beyden auf weit von einander entfern-
ten Sprossen ihre verschiedenen Stellen anweisen
müßte. – Und dann zeigen sich Lücken in der Lei-
ter, wo offenbar ohne einen sehr gewagten Sprung
gar nicht über zu kommen ist, wie zu Einem Bey-
spiel statt aller, die zwischen den organisirten Kör-
pern und den Mineralien u.s.w.

So mangelhaft aber überhaupt die bildlichen
Vorstellungen von Kette der Natur u. dergl. ge-
rathen müssen, so ganz grundlos ist nun vollends
[Seite 21] gar die vermessene Behauptung mancher Physico-
theologen, als ob kein Glied aus dieser ihrer zu
Papier gebrachten Kette ausfallen dürfte, wenn
nicht die Schöpfung selbst stocken sollte u.s.w. –
So gut einzelne Gattungen von Thieren aus ganzen
großen Inseln, wie z.B. die Wölfe aus Groß-
brittannien vertilgt sind, ohne daß die dasige
Schöpfung durch diese nunmehrige scheinbare Lücke
ihren sonstigen Zusammenhang verloren haben soll-
te, so können andere Geschöpfe aus ganzen Welt-
theilen und wohl von der ganzen Erde vertilgt wer-
den (wie dieß allem Anschein nach mit manchen,
z.B. mit dem Dudu wirklich geschehen), ohne daß
durch diesen merklichen hiatus, der dadurch in der
Kette der Physicotheologen entsteht, der ewige stille
Gang der Schöpfung selbst, im mindesten gefähr-
det werden dürfte.

Einige Hauptquellen und andere Hülfsmittel zur
N. G. überhaupt.

  1. Aristoteles (lebte ungefähr 400 Jahr vor Christi Ge-
    burt. Ej. opera, gr. lat. ex ed. Gu. du Val. Paris.
    1654. IV. vol. fol. zumahl im II. B.
  2. C. Plinius Secundus (†. im J. 79. nach Chr. Geb.)
    Ej. historia mundi l. xxxvii. – Ein Paar saubere
    und correcte Handausgaben sind die Leidner, Elze-
    virische 1635. III. vol. 12. und die Zweybrücker 1783.
    V. vol. 8.
  3. Conr. Gesner. († 1562.)
  4. Joh. Ray. (†. 1705.) Die hieher gehörigen Haupt-
    werke dieser beyden Männer werden anderwärts
    angeführt.
  5. C. v. Linné. (†. 1778.) Ej. systema naturae ed. 12.
    Holm. 1766. IV. vol. 8. und die dazu gehörigen
    beyden mantissae ib. 1767. sq. 8.
  6. ed. 13. aucta, reformata, cura Jo. Fr. Gmelin. Lips.
    1788. IX. vol. 8.
  7. Und zum Verständniß der linnéischen Kunstsprache; Jo.
    Reinh. Forster enchiridion historiae naturali in-
    serviens
    . Hal. 1788. 8.
  8. J. K. W. Illiger's Versuch einer systematischen voll-
    ständigen Terminologie für das Thierreich u. Pflan-
    zenreich. Helmstädt. 1800. 8.
  9. G. L. le Clerc C. de Buffon. (†. 1788.) Ej. histoire
    naturelle
    . Die Orig. Ausgabe, Paris, seit 1749.
    XXXIII. vol. 4. oder LXXII. vol. 12.

Misscellan-Werke.

[Seite 22]
  1. C. v. Linne' amoenitates academicae. Holm. seit 1749.
    IX. vol. 8.
  2. Oeuvres de Ch. Bonnet. Neuch. 1779. sq. 4. die ersten
    V. B.

Physicotheologische und ähnliche Werke.

  1. Jo. Ray's wisdom of God manifested in the works of
    the creation
    . ed. 12. Glasgow. 1750. 12.
  2. W. Derham's physicotheology. ed 4. Lond. 1716. 8.
  3. Ch. Bonnet contemplation de la nature. (als IVter
    Band der gedachten Ausg. seiner Werke.)

Wörterbücher.

  1. Valm. de Bomare Dictionnaire d'histoire naturelle. ed.
    4. Lyon, 1791. VII. vol. 4.
  2. Nouveau Dictionnaire d'histoire naturelle appliquée aux
    arts
    etc. par une Societé de naturalistes et d'agri-
    culture
    . Par. 1804. XXIV. vol. 8.
  3. Dictionnaire des sciences naturelles, par plusieurs Prof.
    du Museum National
    etc. Par. seit 1804. 8.
  4. Ph. Andr. Nemnich allgemeines Polyglotten Lexicon
    der Naturgeschichte.
    Hamb. 1793. IV. B. 4.

Journale etc.

  1. Journal de physique. Paris seit 1773. 4.
  2. Magazin für das Neueste aus der Physik und Natur-
    geschichte, herausgeg. von. L. C. Lichtenberg
    und J. H. Voigt. Gotha, 1781 bis 1797. XII.
    B., und J. H. Voigt's Magazin für den neue-
    sten Zustand der Naturkunde. Jena 1797 bis 1806;
    ebenfalls XII. B. 8.

Zweyter Abschnitt.
Von den organisirten Körpern
überhaupt
.

[Seite 23]

§. 5.

Jeder organisirte Körper (§. 2.) wird von
seines Gleichen erzeugt, dann durch eigene Kraft
lebenslang ernährt, und dadurch seine Selbst-
erhaltung und Wachsthum, und wenn er zu
seiner Reife gelangt, auch seine Fortpflanzungs-
fähigkeit
bewirkt.

§. 6.

Zu diesen großen Verrichtungen werden die
organisirten Körper eben durch die Organisa-
tion
ihres Baues, und durch die mit derselben
verbundenen Lebenskräfte geschickt gemacht.
Denn durch diese letztern erhalten die Organe
sowohl ihre Empfänglichkeit für reizende Eindrücke
(stimuli) als ihr Bewegungsvermögen, ohne wel-
ches beydes weder Ernährung noch Wachsthum,
noch wechselseitige Einwirkung der Theile zur zweck-
mäßigen Erhaltung des Ganzen, und umgekehrt*),
denkbar seyn könnte.

§. 7.

[Seite 24]

Sich die Entstehung der organisirten Kör-
per zu erklären, hat man, zumahl neuerlich, die
so genannte Evolutions-Hypothese bequem
gefunden, und gemeint, es werde gar kein Mensch,
und kein anderes Thier, und keine Pflanze er-
zeugt, – sondern sie lägen alle schon seit der
ersten Schöpfung als völlig präformirte
Keime
*) bey ihren Aeltern und Vorfahren
längstens vorräthig; die verschiedenen Generatio-
nen steckten, gleichsam wie eingepackte Schachteln,
in einander, und würden nur nach und nach, so
wie die Reihe an sie käme, durch die Befruch-
tung entwickelt, und ans Licht gebracht. – Eine
Meinung, die doch schon sowohl durch den da-
bey erforderlichen Aufwand von übernatürli-
chen
(hyperphysischen) Anstalten*), als
durch die, allen Gesetzen einer philosophischen
[Seite 25] Naturforschung zuwiderlaufende unnütze Verviel-
fältigung
der natürlichen (physischen)*)
Kräfte, und durch die unübersehliche Menge von
zwecklosen Schöpfungen aller der zahllo-
sen präformirten Keime, die nur nicht zu ihrer
Entwickelung gelangen konnten, aller präjudizlo-
sen Urtheilskraft widerstehen müßte, wenn sie auch
nicht durch die überwiegenden gegenseitigen
Erfahrungsgründe
widerlegt würde.

Anm. Nach der einstimmigen Behauptung der allerbe-
rühmtesten und allereifrigsten Verfechter der Evo-
lutionshypothese
, sollen die präformirten
Keime bey der Mutter vorräthig liegen, und wäh-
rend der Befruchtung durch die Kraft des hinzu-
kommenden männlichen Zeugungsstoffes erweckt und
zur Entwickelung angetrieben werden. Was man
Empfängniß nennt, sey folglich nichts als das Er-
wachen des schlaftrunkenen Keimes durch den Reiz
des auf ihn wirkenden männlichen Samens.

Also bedarf es hier zuvörderst einer erwecken-
den Kraft
.

Nun aber ähneln ja oft Kinder zum Sprechen
bloß ihrem Vater; – Bätzen, die sich kurz
hintereinander mit mehreren männlichen Hunden
belaufen haben, werfen oft Junge, die diesen ver-
schiedenen Vätern
ähneln; – zweyerley Men-
schenrassen
, z.B. Negern und Weiße, zeugen
mit einander nothwendigen Mittelschlag, nähmlich
Mulatten; – und wenn nun vollends ungleiche
Gattungen (verschiedene Species) von Thieren
oder Gewächsen einander befruchten, so entstehen
Bastarde, die eben so viel von der väterlichen
als von der mütterlichen Gestaltung an sich haben.

Ja das läßt sich freylich nicht wohl verkennen:
und dem zu Folge gestehen dann die Evolutionisten
dem männlichen Samen, außer seiner erweckenden,
nun auch Nro. 2. in sofern eine bildende Kraft
zu, daß er den bey der Mutter präformirt gelege-
[Seite 26] nen Keim wohl in etwas zur väterlichen Gestaltung
umzuformen vermöge.

Demnach wäre folglich zweyerley Kraft
im männlichen Samen; 1.) die erweckende und 2.)
doch auch eine bildende. –

Aber man kann ja mittelst einer, mehrere Ge-
nerationen hindurch immer wiederhohlten, künstlichen
Bastardzeugung endlich die Eine Gattung von or-
ganisirten Körpern gänzlich in die andere um-
wandeln. So hat man z.B. aus der künstlichen
Befruchtung der Einen Pflanzengattung mittelst
des männlichen Staubes von einer andern, Sa-
men gezogen, welcher fecundabele Bastard-
pflanzen gegeben; d.h., die sich zur Blühezeit aber-
mahls mit männlichem Staub von jener andern
Gattung befruchten lassen, und wiederum secun-
dabele
Bastarde der zweyten Generation hervor-
gebracht. Jene Bastarde von der ersten Generation
hielten gleichsam das Mittel zwischen beyden ver-
schiedenen Stamm-Aeltern von väterlicher und
mütterlicher Seite. Die von der zweyten hingegen
ähnelten schon weit mehr der väterlichen, als der
mütterlichen. Und nachdem die gleiche künstliche
Befruchtung noch fernerweit durch zwey folgende
Generationen eben so wiederhohlt worden, so ent-
standen endlich Pflanzen, an welchen die ursprüng-
liche mütterliche Gestaltung so zu sagen ganz
verwischt, und in die väterliche umgewandelt
worden. (– s. Kölreuter's dritte Fortsetzung
der Nachricht von einigen das Geschlecht der Pflan-
zen betreffenden Versuchen S. 51. §. 24. mit der
Ueberschrift: ‘„Gänzlich vollbrachte Ver-
wandlung Einer natürlichen Pflanzen-
gattung in die andere
.“’ –)

Da hat denn folglich alle Präformation des
seit Erschaffung der Welt conservirten mütterlichen
Keims am Ende zu nichts geholfen, sondern hat der
bildenden Kraft des männlichen Stoffes (der
eigentlich nach der Evolutionshypothese bloß durch
seine erweckende Kraft auf denselben hätte wir-
ken sollen,) gänzlich weichen müssen!

§. 8.

Und so bleibt es folglich im Ganzen unse-
rem Erkenntnißvermögen und selbst den Regeln
[Seite 27] aller philosophischen Naturforschung*) weit an-
gemessener, wenn man die Entstehung der neu-
erzeugten organisirten Körper bloß durch allmäh-
liche Ausbildung
(Epigenesis) des an sich
zwar ungeformten, aber unter den dazu erforder-
lichen Umständen organisirbaren Zeugungsstoffes,
erklärt.

Nur kommt es bey der vielfachen Vorstel-
lungsart, die man sich von einer solchen allmäh-
lichen Bildung machen kann und gemacht hat**),
darauf an, sie so zu bestimmen, wie sie dem
Begriff von organisirten Körpern, und dann den
Phänomenen, die uns die Beobachtung bey Ent-
stehung derselben lehrt, am ungezwungensten ent-
spricht.

§. 9.

Und dieß geschieht, wenn man annimmt,
daß der reife, vorher zwar ungeformte, aber or-
[Seite 28] ganisirbare Zeugungsstoff der Aeltern, wenn er
zu seiner Zeit, und unter den erforderlichen Um-
ständen an den Ort seiner Bestimmung gelangt,
dann für eine in denselben nun zweckmäßig wir-
kende Lebenskraft, nähmlich den Bildungs-
trieb
(nisus formtiuus) zuerst empfänglich
wird; – für einen Trieb, der sich von aller
bloß mechanischen bildenden Kraft (als welche
auch im unorganischen Reiche Crystallisationen*)
und dergl. hervorbringt) dadurch auszeichnet, daß
er nach der endlos mannigfaltig verschiedenen Be-
stimmung der organisirten Körper und ihrer Thei-
le, die vielartig organisirbaren Zeugungsstoffe auf
eben so mannigfaltig aber zweckmäßig modificirte
Weise in bestimmte Gestalten zu formen vermag
– und so (– durch die Verbindung des Me-
chanischen mit dem zweckmäßig Modificirbaren in
diesem Triebe**) –) zuerst bey der Empfäng-
[Seite 29] niß die allmähliche Ausbildung; dann aber auch
die lebenswierige Erhaltung dieser organischen
Bildung durch die Ernährung; und selbst
wenn dieselbe durch Zufall gelitten haben sollte,
so viel möglich die Wiederersetzung derselben durch
die Reproduction, bewirkt wird**).

Anm. 1. Diese allmähliche Ausbildung der neuen or-
ganisirten Körper ist am anschaulichsten an solchen
zu betrachten, die mit einer ganz ansehnlichen Größe
ein schnelles (so zu sagen zusehends merkliches)
Wachsthum, und eine so zarte halbdurchsichtige
Textur verbinden, daß sie (zumahl im sattsamen
Lichte und unter mäßiger Vergrößerung) aufs deut-
lichste, klarste durchschaut werden können.

So im Gewächsreiche an manchen einfachen
Wassermoosen, wie z.B. an der Brunnen-Con-
ferve (Conferva fontinalis, Ceramium caesottosum
Roth.) die sich in den ersten Frühlingstagen fort-
pflanzt. (– Abbild. nat. hist. Gegenst. tab. 49. –)

Unter den blutlosen Thieren an den Arm-
Polypen.

Und unter den warmblütigen an der ersten Er-
scheinung des Küchelchens im bebrüteten Eye, und
seiner dann von Tag zu Tag fortrückenden Aus-
bildung.

Anm. 2. Hoffentlich ist für die mehrsten Leser die Er-
innerung überflüssig, daß das Wort Bildungs-
trieb selbst, so gut wie die Benennungen aller an-
dern Arten von Lebenskräften an sich weiter nichts
erklären, sondern bloß eine besondre (das Mechani-
sche mit dem zweckmäßig Modificirbaren in sich ver-
einende) Kraft unterscheidend bezeichnen soll, deren
constante Wirkung aus der Erfahrung anerkannt
worden, deren Ursache aber so gut, wie die Ur-
sache aller andern noch so allgemein anerkannten
Naturkräfte für uns hienieden im eigentlichen Wort-
[Seite 30] [Text von nachfolgender Seite für logischen Anschluss vorgezogen]verstande qualitas occulta bleibt†). – Das hindert
aber nicht, daß man nicht immer mehr suchen soll-
te, ihre Wirkungen durch Beobachtung weiter zu
erforschen und zu verfolgen, und sie so auf allge-
meine Gesetze zurück zu bringen.

§. 10.

[Seite 30]

Durch die bestimmte zweckmäßige Wirksam-
keit des Bildungstriebes in den bestimmten dafür
empfänglichen organisirbaren Stoffen, wird nun
die eben so bestimmte Form und der Habitus al-
ler einzelnen Gattungen (Species) von organisir-
ten Körpern erhalten; und bey denen, wo es Statt
findet, auch ihre Sexual-Verschiedenheit, durch
welche sich nähmlich die männlichen Geschöpfe von
den weiblichen in derselben Gattung auszeichnen.

§. 11.

Aber freylich kann der Bildungstrieb auch
eben sowohl als jede andere in ihrer Thätigkeit
gestörte oder fremdartig modificirte Lebenskraft auf
mancherley Weise von seiner eigentlichen bestimm-
ten Richtung abweichen*).

So entstehen dann (– der bloß krankhaf-
ten
, nicht ins Gebiethe der Naturgeschichte ge-
[Seite 31] hörigen Abweichungen, zu geschweigen –) 1)
durch ganz gewaltsame Störungen desselben ganz
widernatürliche**) Formen der organisirten Kör-
per, nähmlich die Mißgeburten.

2) Dadurch, daß der zweyfache Sexual-Cha-
rakter, der sonst in den beyden Geschlechtern ge-
trennt seyn sollte, mehr oder weniger in einem
und eben demselben Individuum verbunden ist,
die Zwitter.

3) Dadurch, daß zwey Geschöpfe ganz ver-
schiedener Gattung (zweyerley Species) einander
befruchten, die Bastarde.

Endlich 4) durch den Einfluß der mancher-
ley Ursachen der allmählichen Ausartung, die Ras-
sen
und Spielarten.

§. 12.

Unter Mißgeburt versteht man, nach dem
gemeinen Sprachgebrauche, eine widernatürliche,
angebohrne, leicht in die Augen fallende Verun-
staltung in Bildung äußerer, größerer Theile. So
mannigfaltig aber diese Mißgestalten seyn können,
so lassen sie sich doch alle auf folgende vier Haut-
classen zurück bringen*):

[Seite 32]

1) M. G. mit widernatürlicher Bildung ein-
zelner Glieder. Fabrica aliena.

2) M. G. mit Versetzung oder widernatürlicher
Lage einzelner Glieder. Situs mutatus. Die
seltensten von allen (– nähmlich unter Miß-
geburten in dem angegebenen Sinne. Oft
hat man hingegen bey Leichenöffnungen wohl-
gebildeter Menschen manche ihrer Eingeweide
in ganz verkehrter Lage gefunden –).

3) M. G., denen ganze Glieder mangeln. Mon-
stra per defectum
. Unter diesen die lehr-
reichsten.

4) M. G. mit überzähligen Gliedern. Mon-
stra per excessum
. Die gemeinsten (– selbst
nicht selten unter wilden Thieren. z.B. Ha-
sen –). Theils gar erblich, wie z.B. in den
sechsfingrigen Familien, und bey Hühnern mit
fünf oder sechs Zehen.

Anm. Die auffallende Aehnlichkeit unter so vielen Mon-
strositäten beweiset, daß auch selbst diese Abweichun-
gen des Bildungstriebes dennoch bestimmten Ge-
setzen folgen müssen; so wie hingegen die bekannte
Erfahrung, daß die Hausthiere seit ihrer Unterjo-
chung und die cultivirten Gartenpflanzen denselben
weit mehr als in ihrem wilden Zustande unterwor-
fen sind (daß z.B. Mißgeburten unter den Haus-
schweinen so häufig, unter den wilden Schweinen
hingegen fast unerhört sind), sich mit der Lehre der
Evolutionisten, daß die Keime dieser Mißgeburten
ebenfalls seit der ersten Schöpfung schon monströs
präformirt
eingeschachtelt gelegen, wohl schwer-
lich zusammen reimen läßt.

§. 13.

[Seite 33]

Zwitter nennt man zwar im engern Sin-
ne bloß solche einzelne Individua von organisirten
Körpern, bey welchen widernatürlicher Weise die
Spuren der zweyfachen eigentlichen Sexual-Or-
gane mehr oder weniger verbunden sind, die sonst,
in den männlichen und weiblichen Geschöpfen der-
selben Art, getrennt seyn sollten. Dergleichen fin-
den sich selbst zuweilen unter den warmblütigen
Thieren; zumahl unter dem Rindvieh, Schafen
und Ziegen.

Nächstdem aber verdient auch diejenige Ab-
weichung des Bildungstriebes hier einer Erwäh-
nung, wenn andere körperliche Functionen oder
Charaktere, die dem einen Geschlechte eigen seyn
sollten, sich bey Individuis des andern äußern.
Wenn z.B. Hirschkühe und Rehe Geweihe auf-
setzen; oder Fasan- und Pfau-Hennen mit zu-
nehmenden Jahren männliches Gefieder kriegen;
oder Mannspersonen oder andere männliche Säu-
gethiere Milch geben*) u.s.w.

Endlich aber zeigt sich auch zuweilen im gan-
zen Verhältniß des Körperbaues einzelner, übri-
gens noch so regelmäßig und schön gebildeter Ge-
schöpfe des einen Geschlechts doch mehr oder we-
niger vom Totalhabitus des andern; z.B. weib-
[Seite 34] liche Weichlichkeit in der Totalform des männ-
lichen*).

§. 14.

Wenn ein weibliches Geschöpf der einen Gat-
tung von einem männlichen einer andern Gattung
befruchtet worden, so entstehen daraus Bastar-
de
, deren Bildung aus der beyderley Aeltern ih-
rer gleichsam zusammengeschmolzen ist**). Da aber
von der bestimmten Bildung der organisirten Kör-
per, besonders der Thiere, die gehörige und für
den Gang der Schöpfung so äußerst wichtige Voll-
ziehung ihrer Geschäfte abhängt, so ist es eine
weise Einrichtung in der Natur, daß erstens, we-
nigstens unter den rothblütigen Thieren, in ihrem
freyen Natur-Zustande meines Wissens niemahls
eine Paarung und Vermischung unter zweyerley
Gattungen bemerkt worden; zweytens aber die Ba-
starde überhaupt meistentheils unfruchtbar, und
nur sehr selten im Stande sind, ihr Geschlecht
weiter fortzupflanzen. Daher gehört es zu den
seltnern Ausnahmen, wenn Maulthiere, oder die
Bastarde von Hänflingen und Canarienvögeln zu-
weilen fruchtbar sind. Bey den Pflanzen gelingt
[Seite 35] es leichter, daß durch künstliche Befruchtung ver-
schiedener Gattungen Bastarde hervor gebracht wer-
den können, die fruchtbaren Samen tragen (–
s. oben Seite 26. –). Hingegen bedürfen die
fabelhaften Sagen von vermeinten Bastarden aus
der Vermischung vom Rindvieh und Pferden oder
Eseln, und von Kaninchen und Hühnern, oder
vollends gar von Menschen und Vieh, jetzt hof-
fentlich keiner weitern Widerlegung.

Anm. Eben in der gedachten notorischen Erfahrung,
daß im freyen Natur-Zustande jener Geschöpfe
nur die von einer und eben derselben Species sich
mit einander gatten, liegt der natürliche Grund,
warum das Wort Species im Deutschen am aller-
natürlichsten durch Gattung übersetzt wird. (–
davon mit mehrerem in der Vorrede –).

§. 15.

Rassen und Spielarten (varietates)
sind diejenigen Abweichungen von der ursprüngli-
chen specifiken Gestaltung der einzelnen Gattun-
gen organisirter Körper, so diese durch die all-
mähliche Ausartung oder Degeneration erlitten haben.

Rasse heißt aber im genauern Sinne ein sol-
cher durch Degeneration entstandener Charakter,
der sich durch die Fortpflanzung unausbleiblich und
nothwendig forterbt, wie z.B. wenn Weiße mit
den Negern Mulatten, oder mit amerikanischen In-
dianern Mestissen zeugen: welches hingegen bey
den Spielarten keine nothwendige Folge ist;
wie z.B. wenn blauäugige Blonde mit braun-
äugigen Brünetten Kinder zeugen*).

[Seite 36]

Anm. Wenn sich gewisse Ausartungen seit unabsehlichen
Reihen von Generationen fortgepflanzt haben, so
hält es oft schwer zu bestimmen, ob das bloße Ras-
sen oder ursprünglich verschiedene Gattungen (Spe-
cies
) sind? Wenigstens gibt es dann zur Entschei-
dung in dergleichen Fällen keine andern in praxi
anwendbaren Regeln, als die, so aus der Analogie
abstrahirt sind; da hingegen die, so Ray, Büf-
fon
und andere angenommen haben, den Charak-
ter von Species darnach zu bestimmen, wenn die
Geschöpfe mit einander fruchtbare Nachkommen-
schaft zeugen, zu diesem Behuf sehr unzulänglich
und schwankend ist.

Denn abgerechnet, daß die Anwendung dieser
Regel ohnehin bey den unzähligen Thieren und
Pflanzen wegfällt, die sich ohne Paarung fortpflan-
zen (– s. unten §. 20. –), so findet sie auch in
unzähligen andern Fällen wegen unüberwindlicher
Schwierigkeiten nicht Statt, wie z.B. bey Ent-
scheidung der Frage, ob der asiatische und der afri-
kanische Elephant zu einerley Species gehören oder
nicht? Und selbst da, wo die Erfahrung Statt hat.
wie z.B. bey der Vermischung von Pferd und Esel,
fragt sich wieder, soll da der gewöhnliche, oder aber
der äußerst seltene Erfolg als Regel angesehen wer-
den? Denn gewöhnlich sind die Maulthiere steril,
und nur in äußerst seltenen Fällen hat man sie zur
Fortpflanzung fähig befunden. Wollte man also
diesen wunderseltenen Fall als Regel gelten lassen,
so müßte man Pferd und Esel für Thiere derselben
Species halten, ungeachtet sie in ihrem ganzen Kör-
perbau – zumahl im Innern (und nahmentlich in
der ganz auffallend verschiedenen Einrichtung ihrer
Stimmwerkzeuge), wenigstens eben so specifisch von
einander differiren, als Löwe und Katze. Da stimmt
hingegen alle Analogie dafür, sie als zwey ganz
verschiedene Gattungen anzuerkennen. Und eben
diesem Grundsatze der Analogie gemäß halte ich
auch die gedachten beyderley Elephanten für ganz
verschiedene Gattungen, weil ihr Gebiß eine so con-
stante auffallende Verschiedenheit zeigt, die sich un-
möglich als bloße Folge der Degeneration gedenken
läßt.

§. 16.

[Seite 37]

Zu den mancherley Ursachen der Ausartung
gehören vorzüglichst der Einfluß des Himmels-
strichs, der Nahrung, und bey Menschen und
Thieren auch der Lebensart.

Kaltes Clima z.B. unterdrückt das Wachs-
thum der organisirten Körper, und darum sind
die Grönländer, Lappländer etc., so wie die Thie-
re und Gewächse kalter Erdstriche, klein, unter-
setzt. Eben so bringt dieses Clima weiße Farbe
an Thieren und Gewächsen hervor, und darum
sind die Nordländer von Natur von weißer Haut etc.
so wie viele warmblütige Thiere der kältesten Ge-
genden anomalisch weiße Haare und Federn, viele
Pflanzen daselbst anomalisch weiße Blüthen haben
u.s.w. – Dagegen tragen die Creolen (d.h.
die in Ost- und West-Indien von europäischen
Aeltern geborenen Weißen) das unverkennbare meist
wunderschöne Gepräge ihrer südlichen Heimath
an sich.

Wie sehr aber verschiedene Lebensart, Cul-
tur und Nahrungsmittel nach und nach die Bil-
dung, Farbe und ganze Constitution der organi-
sirten Körper umzuändern vermögen, davon sehen
wir an unsern Hausthieren*), an unserem Ge-
treide, Obst, Küchen-Gewächsen, Blumen-Flo-
ren etc. – am alleranffallendsten aber bey den Ver-
schiedenheiten im Menschengeschlechte selbst, die
augenscheinlichsten Beyspiele.

[Seite 38]

Diese mancherley Ursachen der Degeneration
können nun aber nach Verschiedenheit der Umstän-
de einander entweder unterstützen, und die Aus-
artung um so schneller und auffallender machen,
oder aber auch wieder gewisser Maßen einander
aufheben u.s.w.; daher man in dieser Unter-
suchung bey der Anwendung auf einzelne Fälle
nie zu voreilig urtheilen darf.

Anm. 1. So gibt es z.B. selbst unter der Linie
kalte Erdstriche, wie im Innern von Sumatra etc.
Hingegen bringt Sibirien gar viele Gewächse der
wärmern Gegenden hervor, die in weit südlichern
Ländern von Europa nicht fortkommen.

Anm. 2. Sonderbar ist die individuelle Wirkung, die
einige Climate auf die organisirten Körper, zumahl
des Thierreichs, äußern. So, daß z.B. in Sy-
rien die Katzen, Kaninchen, Ziegen etc. so auffal-
lend langes und weißes Haar haben; auf Corsica
die Pferde, Hunde etc. so auszeichnend gefleckt sind;
auf Guinea Menschen, Hunde und Hühner zu Ne-
gern in ihrer Art werden u.s.w.

§. 17.

Die Ernährung der organisirten Körper
geht auf verschiedene Weise vor sich. Den Pflan-
zen wird ihre einfache Nahrung durch Wurzeln,
die sich außerhalb ihres Stammes am einen
Ende desselben befinden, zugeführt. Die Thiere
hingegen haben, wie sich Boerhaave ausdrückte,
gleichsam ihre Wurzeln innerhalb ihres Kör-
pers, nähmlich im Magen und Darmkanal, wo
der nahrhafte Theil der Alimente durch unzählige
Gefäßchen, fast wie bey den Pflanzen durch Wur-
[Seite 39] zeln, eingesogen und dem übrigen Körper zuge-
führt wird.

Der brauchbare Theil der Nahrungsmittel
wird durch einen bewunderungswürdigen Proceß
dem Stoff der organisirten Körper assimilirt;
der überflüssige hingegen ausgedunstet; und bey
den Thieren, die keinen so einfachen Nahrungs-
saft wie die Pflanzen zu sich nehmen, auch durch
andere Wege als Unrath ausgeworfen.

§. 18.

Das Wachsthum der organisirten Körper
ist die Folge ihrer Ernährung. Die meisten er-
reichen früh die bestimmte Größe ihres Körpers.
Von manchen Bäumen aber, wie z.B. von der
Norfolkinsel-Fichte (Columnia pinifolia), der
Kohlpalme (Areca oleracea), dem Baobab (Adan-
sonia
digitata) etc., auch von einigen andern Ge-
wächsen, z.B. vom Rotang (Calamus rotang)
und so auch von manchen Thieren, wie z.B. von
vielen Gattungen der Bandwürmer, und selbst von
den Crocodilen und großen Wasserschlangen läßt
sich schwerlich sagen, ob und wann in ihrem Le-
ben sie aufhören, an Länge oder Dicke zuzunehmen.

§. 19.

Zum Wachsthum der organisirten Körper ge-
hört auch ihre Reproductions-Kraft, oder
die merkwürdige Eigenschaft, daß sich verstümmelte
oder völlig verlorne Theile ihres Körpers von selbst
[Seite 40] wieder ergänzen. Diese bewundernswerthe Ein-
richtung in der organisirten Schöpfung sichert die
Thiere und die Pflanzen bey tausend Gefahren,
wo ihr Körper verletzt wird: und ist folglich auch,
nebst der Ernährung überhaupt, einer der größten
Vorzüge, wodurch die Maschinen aus der Hand
des Schöpfers bey weitem über die größten Kunst-
werke der Menschen erhoben werden, als welchen
ihre Verfertiger keine Kraft mittheilen können,
ihre Triebfedern und Räder, wenn sie verbogen,
verstümmelt und abgenutzt werden, von selbst wie-
der herzustellen: eine Kraft, die hingegen der
Schöpfer jedem Thier und jeder Pflanze – nur
in verschiedenem Maße – beygelegt hat.

Viele organisirte Körper verlieren zu bestimm-
ten Zeiten gewisse Theile ihres Körpers von freyen
Stücken, die ihnen nachher wieder reproducirt wer-
den; wohin das Abwerfen der Geweihe, das
Mausern der Vögel, die Häutung der Schlan-
gen, der Raupen, das Schälen der Krebse, das
Entblättern der Gewächse u.s.w. gehört. Man
könnte dieß die gewöhnliche Reproduction
nennen.

Die andere hingegen ist die außerordent-
liche
, von der hier eigentlich die Rede ist, da
nähmlich dem organisirten Körper, zumahl den
Thieren, Wunden, Beinbrüche etc. geheilt, oder
gar durch Unfall verstümmelte und verlorene Theile
wieder ersetzt werden. Der Mensch und die ihm
zunächst verwandten Thiere besitzen eine freylich
sehr eingeschränkte Reproductionskraft: die hinge-
gen bey vielen kaltblütigen Thieren, besonders bey
[Seite 41] den Wasser-Molchen, Krebsen, Land-Schnecken,
Regenwürmern, See-Anemonen, See-Sternen,
Arm-Polypen etc. von einer ausnehmenden Stärke
und Vollkommenheit ist.

Anm. Vor mehreren Jahren habe ich einem Wassermolch
der größten Art (Lacerta lacustris), den ich nun in
Spiritus aufbewahre, fast das ganze Auge exstir-
pirt; nähmlich alle Säfte auslaufen lassen, und
dann 4∫5 der ausgeleerten Häute rein ausgeschnit-
ten: – und doch hat sich binnen zehn Monathen ein
vollkommener neuer Angapfel mit neuer Hornhaut,
Augenstern, Crystall-Linse etc. reproducirt, der sich
bloß dadurch vom andern gesunden Auge auszeich-
net, daß er nur erst ungefähr halb so groß ist. (s.
– Götting. gel. Anz. 1785. 47 St. –)

§. 20.

Wenn die organisirten Körper durch Ernäh-
rung und Wachsthum zu ihrer vollen Reife ge-
langen, so erhalten sie dann auch das Fort-
pflanzungsvermögen
(§. 5.), das aber auf
eine sehr verschiedene Weise vollzogen wird. Ueber-
haupt nähmlich ist entweder schon jedes Indivi-
duum für sich im Stande, sein Geschlecht fort-
zupflanzen; oder aber es müssen sich ihrer zwey
mit einander paaren oder begatten, wenn sie neue
organisirte Körper ihrer Art hervor bringen sollen.

Die mannigfaltigen besondern Verschiedenhei-
ten in diesen beyderley Hauptweisen der Fortpflan-
zung lassen sich doch füglich unter folgende vier
Arten bringen;

1) Jedes Individuum vermehrt sich auf die ein-
fachste Weise, ohne vorher gegangene Befrucht-
tung: entweder durch Theilung, wie manche
[Seite 42] Infusions-Thierchen*) und Blumen-Poly-
pen**); oder wie bey der Brunnen-Conferve
so, daß das alte fadenartige Gewächs am einen
Ende zu einem kuglichen Knöpfchen anschwillt,
das nachher abfällt, und wieder zu einem sol-
chen Faden ausgetrieben und umgebildet wird
(– Abbild. n. h. Gegenst. tab. 49. –);
oder durch Sprossen, wie die Arm-Polypen und
viele Gewächse u.s.w.

2) Jedes Individuum ist zwar auch im Stande
sich fortzupflanzen, hat aber als ein wahrer
Zwitter beyderley Geschlechtstheile an seinem
Leibe, und muß vorher, wenn es Thier ist,
die bey sich habenden weiblichen Eyerchen mit
männlichem Samen – und wenn es Pflanze
ist, seine weiblichen Samenkörner mit männ-
lichem Blumenstaub – begießen und dadurch
befruchten, ehe sich ein Junges daraus bilden
kann. Dieß ist der Fall bey den mehresten Ge-
wächsen, und im Thierreich, wie es scheint,
bey manchen Muscheln.

3) Ebenfalls beyde Geschlechter, wie bey den
Hermaphroditen der vorigen Classe, in einem
Individuo verknüpft; doch daß keines sich selbst
zu befruchten im Stande ist, sondern immer
ihrer zwey sich zusammen paaren und wech-
selseitig einander befruchten und befruchtet wer-
den müssen. Diese sonderbare Einrichtung fin-
[Seite 43] det sich nur bey wenigen Thieren; beym Re-
genwurm, bey manchen Land-Schnecken*) etc.

4) Die beyden Geschlechter in separaten In-
dividuis, von denen das eine die weiblichen
Theile oder Eyer, das andere den männlichen
befruchtenden Saft enthält. So alle rothblü-
tige, und viele andere Thiere, und so auch
manche Pflanzen, wie die Palmen, der Ho-
pfen, die mehresten Moose etc.

Einige Thiere dieser Classe geben die Eyer
selbst von sich, in welchen sich erst nachher das
Junge vollends ausbildet. Dieß sind die eyerle-
genden Thiere (ouipara). Bey andern aber wird
dieß Ey so lang in der Bärmutter zurück behal-
ten, bis das Junge vollkommen ausgebildet wor-
den, und nun von seinen Hüllen befreyt zur
Welt kommen kann; lebendig gebärende Thiere
(viuipara).

Anm. Quae actu animal pariunt, viuipara dicuntur;
quae potentia, ouipara. Harvey.

Wie unwesentlich aber der Unterschied zwischen
Eyer legen und lebendig gebären sey, erweisen die
Beyspiele der Blattläuse und Federbusch-Polypen,
die sich nach den verschiedenen Jahrszeiten bald auf
die eine, bald auf die andere Weise fortpflanzen; und
mancher Schlangen, die zwar Eyer legen, in wel-
chen aber schon das ganz ausgebildete Thier enthal-
ten ist. Gewissermaßen könnte man mit diesem letz-
tern Falle diejenigen Pflanzen vergleichen, in deren
reifen Samenkörnern ein grüner Pflanzenkeim ein-
geschlossen liegt, wie z.B. bey den so genannten
ägyptischen Bohnen von der Nymphaea nelumbo.

§. 21.

[Seite 44]

Nachdem die organisirten Körper die Be-
stimmungen ihres Lebens erfüllt haben, so weicht
endlich alle Lebenskraft von ihnen, und sie ster-
ben
. Die wenigsten erreichen aber das Ziel, das
ihnen die Natur zum Laufe ihres Lebens vorge-
steckt hat, sondern tausenderley Zufälle verkürzen
ihnen diesen Weg, meist lange vor der bestimm-
ten Zeit. So rechnet man z.B., daß von 1000
gebornen Menschen nur ungefähr 78 für Alter
sterben; und von den großen furchtbaren Amphi-
bien, Crocodilen, Riesenschlangen etc. erreicht viel-
leicht nicht das tausendste sein gesetztes Alter und
Größe. Nach dem Tode der Thiere und Pflan-
zen wird ihr Körper durch Gährung, Fäulniß
oder Verbrennen, kurz durch die chemische Zer-
setzung seiner Urstoffe allmählich aufgelöset, mit-
hin ihr Organismus zerstört, und ihre Asche end-
lich mit der übrigen Erde vermengt, die ihnen
vorher Nahrung und Aufenthalt gegeben hatte.


Dritter Abschnitt.
Von den Thieren überhaupt.

[Seite 45]

§. 22.

So endlos vielartig die Bildung und der
Bau der Thiere ist, so scheinen sie doch sämmt-
lich (oder höchstens bis auf wenige Ausnahmen
mancher so genannten Infusionsthierchen etc.) den
Mund (§. 3.) mit einander gemein zu haben,
durch welchen sie dem Körper seine Nahrung zu-
führen: und statt daß die Pflanzen ihren sehr ein-
fachen Nahrungssaft aus Luft, Wasser und Erde
einsaugen, so ist hingegen der Thiere ihr Futter
äußerst mannigfaltig, und wird beynahe ohne
Ausnahme aus den organisirten Reichen selbst ent-
lehnt; und sie müssen es, durch die peinlichen
Gefühle des Hungers getrieben, mittelst will-
kürlicher Bewegung
zu sich nehmen, um
dadurch ihre Selbsterhaltung zu bewirken.

§. 23.

Bey den insgemein so genannten vollkomm-
neren
Thieren wird der abgesonderte Nahrungs-
saft zuvor mit dem Blute, das in seinen Adern
[Seite 46] circulirt, vermischt, und von da erst in die übri-
gen Bestandtheile des Körpers angesetzt. Dieses
eigentlich so genannte Blut ist von rother Farbe,
aber in Rücksicht seiner Wärme bey den verschie-
denen Classen dieser rothblütigen Thiere von
doppelter Verschiedenheit. Bey den einen (nähm-
lich bey den Amphibien und Fischen) hält es
meist ungefähr die Temperatur des Mediums, in
welchem sie sich befinden, daher sie kaltblütig
genannt werden. Bey den andern aber, die deß-
halb warmblütig heißen (den Säugethieren
und Vögeln), zeigt es in ihrem vollkommen be-
lebten Zustande immer eine Wärme von unge-
fähr 100 Gr. Fahrenh. mehr oder weniger.
Der Saft hingegen, welcher bey den sogenann-
ten weißblütigen Thieren (nähmlich bey den
Insecten und Gewürmen) die Stelle des Bluts
vertritt, unterscheidet sich besonders durch den
Mangel der rothen Kügelchen, von jenem eigent-
lich sogenannten Blute.

§. 24.

Das Blut der Thiere mag nun aber weiß
oder roth, kalt oder warm seyn, so muß es im
gesunden Zustande immer mit frischen Portionen
eines zum Leben nothwendigen Stoffes (– des
sogenannten Sauerstoffs –) aus der atmosphä-
rischen Luft oder aus dem Wasser geschwängert
werden, wogegen es gleiche Portionen eines an-
dern Stoffes (– des Kohlenstoffes –) aus dem
Körper wiederum fortschafft. Zu diesem merkwür-
digen lebenswierigen Proceß in dem belebten thie-
[Seite 47] rischen Laboratorium dient vorzüglichst das Athem-
hohlen
; welches die rothblütigen Thiere entweder
durch Lungen, oder wie die Fische durch Kie-
men; die weißblütigen aber mittelst mancherley
anderer analogen Organe verrichten.

§. 25.

Nur diejenigen Thiere, die mit Lungen ver-
sehen sind, können auch Stimme (vox) von
sich geben. Der Mensch hat sich außer der ihm
angebornen Stimme noch die Rede (loquela)
erfunden.

§. 26.

Die Organe, wodurch die willkührlichen Be-
wegungen unmittelbar vollzogen werden, sind die
Muskeln, die bey den rothblütigen Thieren
das eigentlich sogenannte Fleisch ausmachen. Nur
bey einigen ganz einfach gebauten Thieren, wie
die Polypen, sind diese Bewegungs-Organe von
dem übrigen gallertigen Stoffe nicht zu unter-
scheiden.

§. 27.

Außerdem finden sich aber auch einige we-
nige Muskeln, über welche der Wille nichts ver-
mag. So z.B. das Herz, als welches lebens-
lang unaufhörlich (– beym Menschen ungefähr
4500 Mahl in jeder Stunde –), und zwar
ohne wie andere Muskeln zu ermüden, oder end-
lich zu schmerzen, als Haupttriebfeder des Blut-
umlaufs, in seiner schlagenden Bewegung ist.

§. 28.

[Seite 48]

Beyde Arten von Muskeln aber, dir un-
willkührlichen sowohl als die, so sich nach dem
Entschluße des Willens bewegen, bedürfen zu
diesem ihren Bewegungsvermögen des Einflußes
der Nerven.

§. 29.

Diese Nerven entspringen aus dem Gehirn
und aus dem Rückenmark, und es scheint, daß
die Größe der beyden letztern in Vergleichung
der Dicke der daraus entstehenden Nerven mit
den Geisteskräften der Thiere im umgekehrten
Verhältniß stehe*), so daß der Mensch von al-
len das größte Gehirn, in Vergleichung seiner
sehr dünnen Nerven, hat; da hingegen einfältige
Thiere, wie z.B. die hierländischen Amphibien,
dicke Nerven bey einem sehr kleinen Gehirne haben.

§. 30.

Außer dem Einfluß, den die Nerven auf
die Muskelbewegung haben, ist ihr zweytes Ge-
schäft, auch der Seele die äußern Eindrücke auf
den thierischen Körper, durch die Sinne mit-
zutheilen. Die Beschaffenheit der Sinnwerkzeuge
ist aber in den verschiedenen Thier-Classen selbst
sehr verschieden. So erhalten z.B. viele Thiere
offenbar allerhand sinnliche Eindrücke, ohne daß
wir doch die Sinnwerkzeuge an ihnen entdecken
[Seite 49] können, die bey andern zu solchen Eindrücken
nothwendig sind. Die Schmeißfliege z.B. und
viele andere Insecten haben Geruch, ob wir gleich
keine Nase an ihnen wahrnehmen u. dergl. m.

Anm. Manche haben die Zahl der fünf Sinne überhaupt
auf wenigere einschränken, andere hingegen diesel-
ben mit neuen vermehren wollen. Vanini z.B.
und viele nach ihm hielten das Gefühl bey Befrie-
digung des Sexual-Triebes für einen sechsten
Sinn. Jul. Cäs. Scaliger das Gefühl beym
Kitzeln unter den Achseln für einen siebenten. So
hielt achtens Spallanzani das Gefühl, wodurch
sich die Fledermäuse bey ihrem Flattern im Finstern
für den Anstoß sichern; so wie neuntens Darwin
das Gefühl für Wärme und Kälte für besondere
Sinne.

§. 31.

Durch den anhaltenden Gebrauch werden
Nerven und Muskeln ermüdet, und sie brauchen
von Zeit zu Zeit Ruhe zur Sammlung neuer
Kräfte, die ihnen der Schlaf gewährt. Dem
Menschen und den mehresten, von Gewächsen le-
benden Thieren ist die Nacht zu dieser Erhohlung
angewiesen; doch halten sich auch manche von
diesen, wie z.B. der Siebenschläfer etc., beson-
ders aber viele Raubthiere, wohin zumahl die
mehresten Fische gehören, auch manche Insecten
und Gewürme, am Tage verborgen, und gehen
des Nachts ihren Geschäften nach, weßhalb sie
animalia nocturna genannt werden.

§. 32.

Außer diesem Erhohlungsschlaf findet sich in
der Oeconomie vieler Thiere noch die sehr beque-
[Seite 50] me Einrichtung, daß sie einen beträchtlichen Theil
des Jahrs, und zwar gerade die rauhesten Mo-
nathe, da es ihnen schwer werden würde, für
ihre Erhaltung zu sorgen*), in einem tiefen
Winterschlaf zubringen. Sie verkriechen sich,
wenn diese Zeit kommt, an sichere, schaurige
Orte; und fallen mit einbrechender Kälte in eine
Art von Erstarrung, aus der sie erst durch die
erwärmende Frühlingssonne wieder erweckt werden.
Diese Erstarrung ist so stark, daß die warmblü-
tigen Thiere während dieses Todtenschlafs nur un-
merkliche Wärme übrig behalten (– s. oben
S. 19. –), und daß die Puppen vieler In-
secten, die zu gleicher Zeit ihre Verwandlung be-
stehen, im Winter oft so durchfroren sind, daß
sie, dem Leben des darin schlafenden Thieres un-
beschadet, wie Eiszapfen oder Glas klingen, wenn
man sie auf die Erde fallen läßt.

So viel bekannt, hält doch kein einziger
Vogel, hingegen die mehresten Amphibien, Win-
terschlaf.

§. 33.

Von den Seelenfähigkeiten sind man-
che dem Menschen mit den mehresten übrigen
Thieren gemein, wie z.B. die Vorstellungs-
kraft
, die Aufmerksamkeit, und so auch
die beyden sogenannten innern Sinne, Gedächt-
niß
nähmlich, und Einbildungskraft.

§. 34.

[Seite 51]

Andere sind fast bloß den übrigen Thieren
eigen, so daß sich beym Menschen nur wenige
Spuren davon finden, nähmlich die sogenannten
Naturtriebe oder Instincte. Dagegen er
hinwiederum im ausschließlichen Besitze der Ver-
nunft
ist.

§. 35.

Der Instinct*) ist das Vermögen der
Thiere, aus einem angebornen, unwillkührlichen,
inneren Drange, ohne allen Unterricht, von freyen
Stücken, sich zweckmäßigen, und zu ihrer und
ihres Geschlechts Erhaltung abzielenden Hand-
lungen zu unterziehen.

Daß diese wichtigen Handlungen wirklich
ganz unüberlegt, bloß nach ursprünglichen Ge-
setzen der Nothwendigkeit, und gleichsam maschi-
nenmäßig vollzogen werden, wird durch zahlrei-
che Bemerkungen erweislich, wie z.B., daß die
Hamster auch todten Vögeln doch zuerst die Flü-
gel zerbrechen, ehe sie weiter anbeißen; daß jun-
ge Zugvögel, die man ganz einsam im Zimmer
erzogen hat, doch im Herbst den innern Ruf
zum Fortziehen fühlen, und im Käfich bey allem
guten Futter und Pflege unruhig weiden.

§. 36.

[Seite 52]

Unter den mancherley Arten dieser thierischen
Triebe sind besonders die sogenannten Kunst-
triebe
merkwürdig, da sich nähmlich so viele
warmblütige Thiere und Insecten ohne alle An-
weisung, und ohne alle vorgängige Uebung*),
(als welche bey so vielen gar nicht Statt finden
kann; wie z.B. bey den Seidenwürmern etc.,
die nur ein für alle Mahl in ihrem Leben davon
Gebrauch machen können, und wo folglich schlech-
terdings erster Versuch und Meisterstück eines seyn
muß), so ungemein künstliche Wohnungen, Ne-
ster, Gewebe etc. zu ihrem Aufenthalte, zur Si-
cherheit für ihre Junge, zum Fang ihres Rau-
bes, und zu vielfachen andern Zwecken zu ver-
fertigen wissen.

§. 37.

Der Mensch zeigt außer den Sexualtrieben
wenig andere Spuren von Instinct: angeborne
Kunsttriebe aber hat er vollends ganz und gar
nicht. Was ihn hingegen für diesen scheinbaren
Mangel entschädigt, ist der Gebrauch der Ver-
nunft
.

Diese mag nun entweder eine ausschließlich
eigenthümliche Fähigkeit der menschlichen Seele,
oder aber ein unendlich stärkerer Grad einer Fä-
higkeit seyn, wovon manche Thiere**) auch eini-
ge schwache Spur hätten; oder eine eigene Rich-
[Seite 53] tung der gesammten menschlichen Seelenkräfte
u.s.w., so liegt wenigstens der hohe Vorzug,
den der Mensch durch den Besitz derselben erhält,
das Vermögen sich selbst zu vervollkommnen, un-
widerredlich am Tage.

Und da ihm die ganze bewohnbare Erde
zum Aufenthalt offen steht, und fast die ganze
organisirte Schöpfung zur Speise übellassen ist,
so erzeugt freylich eben die große Verschiedenheit
der Climate, die er bewohnen soll, und der Nah-
rung, die ihm der Ort seines Aufenthalts ge-
stattet, eben so verschiedene Bedürfnisse, die er
durch keinen einförmigen Kunsttrieb, aber wohl
durch den Gebrauch seiner sich nach den Um-
ständen gleichsam accommodirenden Vernunft auf
eben so mannigfaltige Weise zu stillen vermag.

§. 38.

Wie unendlich aber der Mensch schon durch
diesen einzigen Vorzug über die ganze übrige thie-
rische Schöpfung erhoben werde, beweiset die un-
beschränkte Herrschaft, womit er über alle Triebe
und über die Lebensart, Haushaltung etc., mit
einem Worte, über das ganze Naturell dieser
seiner Mitgeschöpfe nach Willkür disponiren, die
furchtbarsten Thiere zähmen, ihre heftigsten Trie-
be dämpfen, sie zu den kunstreichsten Handlun-
gen abrichten kann u.s.w.

Anm. Um sich überhaupt zu überzeugen, wie sehr der
cultivirte Mensch Herr der übrigen Schöpfung
auf dieser Erde ist, braucht man sich bloß an die
Umschaffung zu erinnern, die er seit Entdeckung
der neuen Welt mit ihr und der alten wechselseitig
vorgenommen hat! Was für Gewächse und Thiere
[Seite 54] er aus dieser in jene überpflanzt hat, wie z.B.
Reis, Caffee etc., Pferde, Rindvieh etc. und was
er v. v. von dorther nun wieder in seinem Welt-
theile einheimisch gemacht, wie z.B. Kartoffeln,
Tabak, wälsche Hühner u.s.w.

§. 39.

Am auffallendsten erweist sich die allein auf
dem Vorzug der Vernunft beruhende Herrschaft
der Menschen über die übrige thierische Schöpfung,
durch die sogenannten Hausthiere; worunter
man in engerer Bedeutung diejenigen warmblüti-
gen Thiere versteht, so der Mensch zu Befriedi-
gung wichtiger Bedürfnisse, und überhaupt zu be-
trächtlicher Benutzung absichtlich ihrer Freyheit
entzogen, und sich unterjocht hat. Im weitern
Sinne kann man aber auch die Bienen und Sei-
denwürmer, so wie die Cochenill-Insecten dahin
rechnen.

Anm. 1. Unter jenen Hausthieren im engern Sinne ist
eine dreyfache Verschiedenheit zu bemerken. Von
manchen nähmlich hat der Mensch die ganze Gat-
tung ihrem freyen Naturzustande entzogen, und sich
unterwürfig gemacht, wie z.B. das Pferd. Von
andern, die er sich zwar auch ins Haus zieht, exi-
stirt doch aber noch die ursprünglich wilde
Stammrasse, wie vom Rindvieh, Schwein, Katze,
Rennthier, den beyderley Cameelen der alten Welt,
und dem sogenannten Meiergeflügel. Der Elephant
endlich pflanzt sich gar nicht in der Gefangenschaft
fort, sondern jeder, der zum Dienst des Menschen
gebraucht werden soll, muß erst aus der Wildheit
eingefangen, gezähmt und abgerichtet werden.

Anm. 2. Die eigentlich sogenannten Hausthiere variiren
zwar häufig in der Farbe; und manche der darun-
ter gehörigen Säugethiere zeichnen sich auch durch
einen hängenden Schwanz und schlappe Ohren aus;
aber keines von beyden ist ein beständiges Kennzei-
chen der Unterjochung. (– Ueber die Hausthiere s.
mit mehrerm den gothaischen Hof-Kalender vom
Jahre 1796. –)

§. 40.

[Seite 55]

Nach dem Linne'ischen System wird das
ganze Thierreich unter folgende sechs Classen ge-
bracht:

I. Cl. Säugethiere (mammalia), Thiere
mit warmem rothen Blut, die ihre Junge le-
bendig zur Welt bringen, und sie dann einige
Zeit lang mit Milch an Brüsten säugen.

II. Cl. Vögel, Thiere mit warmem rochen Blut,
die aber Eyer legen, und Gefieder haben.

III. Cl. Amphibien, Thiere mit kaltem rothen
Blut, die durch Lungen Athem holen.

IV. Cl. Fische, Thiere mit kaltem rothen Blut,
die durch Kiemen, und nicht durch Lungen,
athmen.

V. Cl. Insecten, Thiere mit kaltem weißen
Blut, die Fühlhörner (antennas) am Kopf,
und eingelenkte (hornartige) Bewegungswerk-
zeuge haben.

VI. Cl. Gewürme (vermes), Thiere mit kal-
tem weißen Blut, die keine Fühlhörner, son-
dern meist Fühlfäden (tentacula) und meines
Wissens nie eingelenkte Bewegungswerkzeuge
haben*).

* * *

Hauptquellen und andere Hülfsmittel zur Thier-
geschichte überhaupt.

[Seite 56]
  1. Aristoteles. – Histoire des animaux d'Aristote,
    avec des notes etc. par Camus. Par. 1783. II. vol. 4.
  2. Conr. Gesneri icones quadrupedum viuiparorum, it.
    auium et animalium aquatilium; cum nomenclaturis
    singulorum in linguis diuersis Europae.
    ed. 2. Tig.
    1560. fol.
  3. Aldrovandus.
  4. Jo. Jonston historia naturalis de animalibus. Francof.
    1649–1653. fol.
  5. auch unter dem Titel: H. Ruysch (Frid. sil.) theatrum
    vniuersale omnium animalium
    . Amst. 1718. II. vol.
    fol
    .
  6. Ray.
  7. Buffon.
  8. G. Ad. Suckow Anfangsgründe der Naturgeschichte
    der Thiere. Leipz. seit 1797. 8.
  9. G. Cuvier tableau élémentaire de l'histoire naturelle
    des animaux
    . Par. 1798. 8.
  10. A. M. Constant Dume'ril zoologie analytique. Par.
    1806. 8.
  11. Deutschlands Fauna in Abbild. nach der Natur, mit
    Beschreibungen von Jac. Sturm Nürnb. seit
    1790. 12.
  12. Linnaei fauna Suecica. ed. 2. Holm. 1761. 8.
  13. Th. Pennant's British zoology. Lond. 1768–1777.
    IV. vol. 8.
  14. und Dess. großes Kupferwerk unter gleichem Titel,
    ib. seit 1763. gr. Fol.
  15. C. P. Cl. Fleurieu histoire naturelle des Oiseaux,
    des Poissons, des Cetacées, des Amphibies
    etc. ma-
    rins
    , im II. und III. Bande des voyage autour du
    monde par Et. Marchand
    . Par. 1800. 4.

Vierter Abschnitt.
Von den Säugethieren.

[Seite 57]

§. 41.

Die Säugethiere haben das warme rothe
Blut mit den Vögeln gemein; aber sie gebären
lebendige Junge: und ihr Hauptcharakter, der sie
von allen übrigen Thieren unterscheidet, und von
dem auch die Benennung der ganzen Classe ent-
lehnt ist, sind die Brüste, wodurch die Weib-
chen ihre Jungen mit Milch ernähren. Die An-
zahl und Lage der Brüste ist verschieden. Meist
sind ihrer noch ein Mahl so viel, als die Mut-
ter gewöhnlicher Weise Junge zur Welt bringt;
und sie sitzen entweder an der Brust, oder am
Bauche, oder zwischen den Hinterbeinen*).

§. 42.

[Seite 58]

Der Körper der allermehresten (wo nicht al-
ler*)) Säugethiere ist mit Haaren von sehr
verschiedener Stärke, Länge und Farbe besetzt;
die auch bey einigen als Wolle gekräuselt, oder
als Borsten straff und struppig sind, oder gar
wie beym Igel etc. steife Stacheln bilden. Bey
manchen sind die Haare an besondern Stellen als
Mähne oder Bart verlängert; und bey eini-
gen, wie bey den Pferden, Hunden etc. stoßen
sie an bestimmten Stellen in entgegengesetzter
Richtung an einander und machen sogenannte
Näthe (suturas). Bey manchen, wie z.B.
bey den Seehunden etc. ändert sich die Farbe mit
dem Alter. Auch sind manche durch die Kälte
(§. 16.) bey uns im strengen Winter, im Nor-
den aber Jahr aus Jahr ein, entweder grau,
wie das Eichhörnchen (Grauwerk), oder schnee-
weiß, wie das große Wiesel (Hermelin) etc. Wenn
hingegen diese weisse Farbe zugleich mit licht-
scheuen Augen und rothen Pupillen verbunden ist,
wie bey den sogenannten Kackerlacken im Men-
schengeschlecht, und unter manchen andern Gat-
tungen von warmblütigen Thieren, so ist es die
Folge einer wirklich kränklichen Schwäche.

§. 43.

[Seite 59]

Der Aufenthalt der Säugethiere ist sehr
verschieden. Die mehresten leben auf der Erde;
manche, wie die Affen, Eichhörnchen etc., fast
bloß auf Bäumen; einige, wie der Maulwurf,
als eigentliche animalia subterranea, unter der
Erde; andere halb auf dem Lande, bald im
Wasser, wie die Biber, Seebären; und noch an-
dere endlich bloß im Wasser, wie die Wallfische.
– Hiernach sind nun auch ihre Füße oder ähn-
liche Bewegungswerkzeuge verschieden. Die meh-
resten haben vier Füße; der Mensch nur zwey,
aber auch zwey Hände; die Affen hingegen haben
vier Hände. Die Finger und Zehen derjenigen
Säugethiere, die im Wasser und auf dem Lan-
de zugleich leben, sind durch eine Schwimmhaut
verbunden. Bey den Fledermäusen sind die an
den Vorderfüßen ungemein lang und dünne; und
zwischen ihnen ist eine zarte Haut ausgespannt,
die zum Flattern dient. Die Füße mancher Was-
serthiere aus dieser Classe sind zum Rudern ein-
gerichtet, und bey den Wallfischen ähneln sie gar
einiger Maßen den Flossen der Fische; doch daß
die Hinterflossen ohne Knochen sind, und hori-
zontal, nicht wie ein Fischschwanz vertical, lie-
gen. Einige wenige Säugethiere (solidungula)
haben Hufe; viele aber (bisulca) gespaltene Klauen.
Die mehresten gehen (zumahl mit den Hinterfü-
ßen) bloß auf den Zehen; einige aber, wie der
Mensch, und gewisser Maßen auch die Affen,
Bären, Elephanten u.a.m. auf der ganzen
Fußsohle bis zur Ferse.

§. 44.

[Seite 60]

Die mehresten Ameisenbären, die Schup-
penthiere, und einige Wallfische ausgenommen,
sind die übrigen Säugethiere mit Zähnen ver-
sehen, die man in Vorderzähne*) (primores s.
incisores
), Eckzähne oder Spitzzähne (caninos
s. laniarios
), und Backenzähne (molares), ein-
theilt. Die letztern zumahl sind nach der ver-
schiedenen Nahrung dieser Thiere auch verschie-
dentlich gebildet. Bey den fleischfressenden nähm-
lich ist die Krone scharfkantig, fast schneidend;
bey den grasfressenden oben breit und eingefurcht;
und bey denen, die sich, so wie der Mensch,
aus beyden organisirten Reichen nähren, in der
Mitte eingedruckt, und an den Ecken abgerundet.

Manche Säugethiere, wie z.B. der Ele-
phant und der Narhwal, haben große promini-
rende Stoßzähne (dentes exserti); andere, wie
z.B. das Wallroß, Hauzähne.

§. 45.

Bloß unter den Säugethieren, und zwar
nur unter den grasfressenden, gibt es wirklich
wiederkauende Gattungen, bey welchen nähm-
[Seite 61] lich das zuerst bloß obenhin zerbissene und ge-
schluckte Futter bissenweise wieder durch den Schlund
zurück getrieben, und nun erst recht durchkaut
und dann zum zweyten Mahl geschluckt wird.

Zu diesem Zweck haben die wiederkauenden
Thiere eine eigene Einrichtung des Gebisses: in-
dem ihre Backenzähne wie mit sägeförmigen Quer-
furchen ausgeschnitten sind, und die Kronen der-
selben nicht horizontal liegen, sondern schräg aus-
geschlägelt sind, so daß an denen im Oberkiefer
die Außenseite, an denen im untern aber die nach
der Zunge hingerichtete innere Seite die höchste
ist. Dabey haben sie einen schmalen Unterkiefer,
der eine sehr freye Seitenbewegung gestattet, wo-
durch denn, wie der Augenschein lehrt, der Me-
chanismus dieser sonderbaren Verrichtung von
dieser Seite bewirkt wird.

Anm. 1. Bey den ruminantibus, die zugleich gespaltene
Klauen haben (bisulca), kommt nun außerdem noch
der vierfache Magen hinzu, dessen innerer Bau
und Mechanismus überaus merkwürdig ist. Das
zum ersten Mahl geschluckte noch halb rohe Futter
gelangt nähmlich in den ungeheuern ersten Magen
(rumen, magnus venter, franz. le double, l'her-
bier, la panse
, der Pansen, Wanst), als in ein
Magazin, worin es nur ein wenig durchweicht wird.
Von da wird eine kleine Portion dieses Futters nach
der andern mittelst des zweyten Magens (reticu-
lum
, franz. le bonnet, le reseau, die Haube,
Mütze, das Garn), der gleichsam nur ein Anhang
des ersten ist, aufgefaßt und wieder durch den
Schlund hinauf getrieben. Nun wird der wieder-
gekaute, zum zweyten Mahl geschluckte Bissen
durch eine besondere Rinne, ohne wieder durch die
beyden ersten Mägen zu passiren, gleich aus dem
Schlunde in den dritten (echinus, centipellio,
omasus,
franz. le feuillet, le pseautier, das Buch,
der Psalter, der Blättermagen) geleitet, wo er
von da endlich zur völligen Verdauung in den vier-
[Seite 62] ten (abomasus, franz. la caillette, der Laab, die
Ruthe, der Fettmagen) gelangt, der dem Magen
anderer Säugethiere am nächsten kommt*).

Anm. 2. Der allgemeine, auf alle wiederkauende Thie-
re überhaupt passende Haupt-Nutzen der Rumina-
tion scheint mir noch gänzlich unbekannt.

§. 46.

Außer den Klauen, Zähnen etc. sind viele
Säugethiere auch mit Hörnern als Waffen
versehen. Bey einigen Gattungen, wie beym
Hirsch, Reh etc. sind die Weibchen ungehörnt; bey
andern, wie dem Rennthier und im Ziegengeschlecht,
sind ihre Hörner doch kleiner als der Männchen
ihre. Anzahl, Form und Lage, besonders aber
die Textur der Hörner, ist sehr verschieden. Beym
Ochsen-Ziegen- und Gazellengeschlecht sind sie
hohl, und sitzen wie eine Scheide über einem
knöchernen Zapfen oder Fortsatz des Stirnbeins.
Die Hörner der beyderley Rhinocer sind dicht,
und bloß mit der Haut auf der Nase verwachsen.
Beym Hirschgeschlecht hingegen sind sie zwar eben-
falls solide, aber von mehr knochenartiger Textur,
und ästig. Sie heißen dann Geweihe, und
werden gewöhnlich alljährlich abgeworfen und neue
an ihrer Statt reproducirt.

§. 47.

Die Oeffnung des Afters wird bey den meh-
resten Säugethieren durch den Schwanz bedeckt,
der eine Fortsetzung des Kuckucksbeins (coccyx),
und von mannigfaltiger Bildung und Gebrauch
[Seite 63] ist. El dient z.B. manchen Thieren sich der
stechenden Insecten zu erwehren; vielen Meerkatzen
und einigen andern americanischen und Neu-hol-
ländischen Thieren statt einer Hand, um sich da-
ran halten, oder damit fassen zu können (cauda
prehensilis
, Rollschwanz); den Springhasen zum
Springen (cauda saltatoria), dem Känguruh
zum Gleichgewicht bey seiner aufrechten Stellung
und zur Vertheidigung etc.

§. 48.

Auch sind am Körper einiger Thiere dieser
Classe besondere Beutel von verschiedener Be-
stimmung zu merken. So haben viele Affen,
Paviane, Meerkatzen, auch der Hamster u.a.,
Backentaschen (thesauri, Fr. salles), um Pro-
viant darin einschleppen zu können. Beym Weib-
chen der Beutelthiere liegen die Zitzen in einer be-
sondern Tasche am Bauche, worein sich die sau-
genden Jungen verkriechen.

§. 49.

Manche Säugethiere, wie z.B. die mehre-
sten größern grasfressenden, sind gewöhnlich nur
mit Einem Jungen auf einmahl trächtig; andere
hingegen, wie z.B. die Raubthiere, und die
Schweine mit mehreren zugleich.

Die Leibesfrucht steht mit der Mutter
durch die so genannte Nachgeburt (secundinae)
in Verbindung, welche aber von verschiedener Ge-
staltung ist; da sie z.B. im Menschengeschlecht
einen einfachen größern Mutterkuchen (placen-
[Seite 64] ta
) bildet, hingegen bey den wiederkauenden Thie-
ten mit gespaltenen Klauen (bisulca) in mehrere,
theils sehr zahlreiche, zerstreute, kleine solche Ver-
bindungsorgane (cotyledones) vertheilt ist u.s.w.

§. 50.

Die Wichtigkeit der Thiere überhaupt läßt
sich hauptsächlich aus einem zweyfachen Gesichts-
puncte bestimmen; entweder nähmlich, in so fern
sie auf dir Haushaltung der Natur im Großen,
auf den ganzen Gang der Schöpfung Einfluß ha-
ben; oder in so fern sie dem Menschen unmittel-
bar nutzbar werden. Aus jener Rücksicht sind, wie
wir unten sehen werden, die Insecten und Ge-
würme die bey weiten wichtigsten Geschöpfe; aus
dieser hingegen die Säugethiere; und zwar sowohl
wegen der Größe als der Vielartigkeit ihrer
Benutzung. Die Verschiedenheit in ihrer Bildung,
ihre große Gelehrigkeit, ihre Stärke u.s.w. ma-
chen sie für den Menschen auf die mannigfaltig-
ste Weise brauchbar*). Aus keiner andern Classe
von Thieren hat er sich so treue, dienstfertige und
arbeitsame Gehülfen zu schaffen gewußt; keine ist
ihm zu seinem unmittelbaren Gebrauch und zu
seiner Selbsterhaltung so unentbehrlich als diese.
– Ganze Völker des Erdbodens können mit einer
einzigen Art von Säugethieren fast alle ihre drin-
[Seite 65] gendsten Bedürfnisse befriedigen. So die Grönländer
mit dem Seehund; die Lappen, Tungusen etc. mit
dem Rennthier; die Aleuten mit dem Wallfisch.

§. 51.

Die vielfache Brauchbarkeit der Säu-
gethiere für das Menschengeschlecht reducirt sich
vorzüglich auf folgendes. Zum Reiten, zum
Zug, Ackerbau, Lasttragen u.s.w.: Pferde,
Maulthiere, Esel, Ochsen, Büffel, Rennthiere,
Elephanten, Camele, Llamas, Hunde. Zur
Jagd, zum Bewachen etc. Hunde. Zum Mau-
sen
und Vertilgen anderer schädlichen Thiere:
Katzen, Igel, Ameisenbären etc. Zur Speise:
das Fleisch vom Rindvieh, Schafen, Ziegen,
Schweinen, vom Hirschgeschlecht, von Hasen,
Kaninchen, u.s.w. Ferner Speck, Schmalz,
Blut, Milch, Butter, Käse. Zur Kleidung,
zu Decken, Zelten etc. Pelzwerk, Leder, Haa-
re, Wolle etc. Zum Brennen: Talg, Fisch-
thran, Wallrath*). Zum Schreiben, Bü-
cherbinden
etc: Pergament, Leder. Für andere
Künstler und zu allerhand Gebrauch:
Borsten, Haare (zumahl Menschen- und Pferde-
Haar), Geweihe, Hörner, Klauen, Elfenbein u.
a. Zähne, Fischbein, Knochen, Blasen. Därme,
Sehnen und Knochen zu Tischlerleim. Där-
me zu Saiten. Blut zu Berlinerblau u.a.
Farben. Knochen und Huf zu Beinschwarz,
[Seite 66] Hornschwarz etc. Fett und Mark zu Seife.
Mist zum Dünger, zur Feuerung, zu Sal-
miak
etc. Endlich zu Arzney: Bisam, Biber-
geil, Hirschhorn, Milch etc.

§. 52.

Von der andern Seite find aber freylich
mehrere Thiere dieser Classe dem Menschengeschlecht
unmittelbar oder mittelbar nachtheilig. Man-
che reißende Thiere, besonders aus dem Katzen-
Geschlecht, fallen Menschen an. Eben diese
und noch manche andere, z.B. die Wiesel, Mar-
der, Iltisse, Vielfraße, Fischottern, Wallfische etc.
vertilgen viele nutzbare Thiere: – oder scha-
den den Gewächsen, Bäumen, Garten-
früchten, dem Getreide
u.s.w. wie die
Feldmäuse, Hamster, Leming, Hirsche, Hasen,
Biber, Affen, Elephanten, Rhinocer, Nilpferde etc.
oder gehen andern Eßwaaren nach, wie Rat-
ten, Mäuse, Fledermäuse u.s.w. Gift scheint
kein einziges Thier dieser Classe zu besitzen, außer
in der Wuth und Wasserscheue, der zumahl die
aus dem Hundegeschlecht ausgesetzt sind.

§. 53.

Man hat verschiedene künstliche, d.h.
bloß von einzelnen zum Classificationsgrunde ge-
legten Charaktern entlehnte Systeme (systemata
artificialia
), nach welchen verdiente Naturforscher
die Säugethiere zu ordnen versucht haben. Ari-
stotelis
Eintheilung z.B. ist bloß auf die all-
gemeinste Verschiedenheit der Zehen und Klauen
[Seite 67] gegründet, und die haben auch Ray u.a. zum
Grunde gelegt, und nach der Zahl der Zehen etc.
weiter bearbeitet. Aber hierbey müssen die ver-
wandtesten, und im Ganzen noch so ähnlichen Gat-
tungen von Ameisenbären, Faulthieren etc. getrennt,
und in ganz verschiedene Ordnungen versetzt wer-
den, bloß weil die eine mehr, die andere weni-
ger Zehen hat. Linné hat die Zähne zum Clas-
sificationsgrund gewählt, ein Weg, auf dem man
aber nicht minder bald auf die unnatürlichsten
Trennungen, bald auf die sonderbarsten Verbin-
dungen stößt*). Das Geschlecht der Fledermäuse
muß nach des Ritters Entwurf, wegen des ver-
schiedenen Gebisses bey einigen Gattungen, we-
nigstens in drey verschiedene Ordnungen zerstückt
werden; so die beyderley Nashörner in zwey; –
dagegen kommt der Elephant mit den Panzerthie-
ren, und dem formosanischen Teufelchen in eine
gemeinschaftliche Ordnung etc.

§. 54.

Ich habe daher ein im Ganzen natürli-
cheres
System der Säugethiere zu entwerfen ge-
trachtet, wobey ich mehr auf den Totalhabi-
tus
dieser Thiere gesehen, doch vorzüglich die
Bewegungswerkzeuge, weil sie am leichtesten in
die Augen fallen, und dem Totalhabitus sehr an-
gemessen sind, zum Grund der Ordnungen ge-
legt, aber zweye derselben, welche vielartige Ge-
[Seite 68] schöpfe begreifen, wieder nach der Verschiedenheit
ihres Gebisses in einige Familien unterabgetheilt,
und diese mit den bekannten Nahmen einiger Linnei-
schen Ordnungen bezeichnet: und so die ganze
Classe folgender Maßen geordnet:

I. Ordn. Bimanus. Der Mensch mit zwey Hän-
den.

II. Quadrumana. Thiere mit vier Händen. Af-
fen, Paviane, Meerkatzen und Makis.

III. Chiroptera. Die Säugethiere, deren Vorder-
füße Flatterhäute bilden (§. 43). Die Fle-
dermäuse.

IV. Digitata. Säugethiere mit freyen Zehen an
allen vier Füßen. – Diese Ordnung zerfällt
nach der Verschiedenheit des Gebisses in fol-
gende drey Familien:

A) Glires. Mit mauseähnlichem Gebiß. Eich-
hörnchen, Hasel- und andere Mäuse, Mur-
melthiere, Meerschweinchen etc. Springmäu-
se, Hasen, Stachelschweine.

B) Ferae. Die eigentlich so genannten reißen-
den Thiere, und einige andere Geschlechter
mit ähnlichem Gebiß. Löwen etc., Hunde etc.,
Bären, Wiesel, Viverren, Beutelthiere,
Igel, Spitzmäuse, Maulwürfe.

C) Bruta. Ohne Gebiß, oder wenigstens
ohne Vorderzähne etc. Faulthiere, Ameisen-
bären, Schuppenthiere, Panzerthiere.

V. Solidungula. Pferd. etc.

[Seite 69]

VI. Bisulca. Die wiederkauenden Thiere mit ge-
spaltenen Klauen.

VII. Multungula. Meist sehr große, aber un-
förmliche, borstige oder dünnbehaarte Säuge-
thiere mit mehr als zwey Klauen an jedem Fuß.
Schweine (denn auch diese haben im Grunde
vier Klauen) Tapir, Elephanten, Nashörner,
Nilpferd.

VIII. Palmata. Säugethiere mit Schwimmfüßen.
Wieder nach der Verschiedenheit ihres Gebisses
in obgedachte drey Familien getheilt:

A) Glires. Biber.

B) Ferae. Seehunde etc. Ottern.

C) Bruta. Das Schnabelthier, Wallroß,
der Manate.

Letztere macht von hier den schicklichsten Ueber-
gang zur letzten Ordnung.

IX. Cetacea. Wallfische. Warmblütige Thiere,
die mit den kaltblütigen Fischen fast nichts als
den unschicklichen Nahmen gemein haben, und
deren natürliche Verbindung mit den übrigen
Säugethieren schon Ray vollkommen richtig
eingesehen hat*).

* * *

Zur N. G. der Säugethiere.

  1. Conr. Gesneri historiae animalium L. I. de quadrupe-
    dibus viuiparis
    . Basil. 1551. fol.
  2. Ul. Aldrovandi de quadrupedibus digitatis viuiparis.
    L. III. Bonon. 1627. fol.
  3. Id. de quadrupedibus solidipedibus. ib. 1616. fol.
  4. Id. de quadrupedibus bisulcis. ib. 1613. fol.
  5. EJ. de cetis L. I. (am Ende seines Werks de piscibus.)
    ib. eod. fol.
  6. Jo. Raii synopsis animalium quadrupedum. Lond. 1613. 8.
    Buffon.
  7. Th. Pennant's history of quadrupeds. Lond. 1781. II.
    vol. 4.
  8. Deutsch mit Zusätzen von D. M. Bechstein. Wei-
    mar 1799. II. B. 4.
  9. Ej. arctic zoology. vol. I. ib. 1784. 8.
  10. J. Ch. Dan. v. Schreber Säugethiere. Erlang. seit
    1774. 4.
  11. J. Chr. Pol. Èrxleben systema mammalium, Lips.
    1777. 8.
  12. E. A. W. v. Zimmermann geographische Geschichte
    des Menschen, und der allgemein verbreiteten vier-
    füßigen Thiere. Leipz. 1778. III. B. 8.
  13. J. M. Bechsteins gemeinnützige N. G. Deutschlands.
    I. B. Leipz. 1789. 8.
  14. Marmad. Tunstall's general history of Quadrupeds.
    The figures engraved on wood by
    J. Bewick. New-
    castle upon Tyne
    1790. 8.
  15. Fr. Tiedemanns Zoologie. I. B. Landshut. 1808. 8.

I. BIMANVS.

[Seite 71]

1. Homo. Erectus, bimanus. Mentum pro-
minulum. Dentes aequaliter approximati;
incisores inferiores erecti.

1. Sapiens.

Zu den äußern Kennzeichen, wodurch der Mensch
selbst vom menschenähnlichsten Affen, geschweige von
den übrigen Thieren zu unterscheiden ist, gehört vor-
züglich sein aufrechter Gang (als wozu sein
ganzer Wuchs und Bildung, besonders aber seine
beckenähnlichen Hüftknochen, das Verhältniß seiner
Schenkel zu den Armen und seine breiten Fußsoh-
len, eingerichtet sind), dann der freyeste Gebrauch
zweyer vollkommenen Hände; ferner sein
prominirendes Kinn und die aufrechte
Stellung seiner untern Schneidezähne
.

Das weibliche Geschlecht hat (außer der ihm in
der Blüthe des Lebens eigenen Form des Busens)
noch ein Paar eigenthümliche Charaktere, die dem
männlichen und allen übrigen Thieren abgehen,
nähmlich einen periodischen Blutverlust in einer
bestimmten Reihe von Lebensjahren; und dann einen
besondern Theil an den Sexual-Organen, dessen
Mangel oder Zerstörung als ein körperliches Kenn-
zeichen
der verletzten jungfräulichen Integri-
tät anzusehen, und wenigstens in der Form und La-
ge noch bey keinem andern weiblichen Thiere be-
merkt ist.

Was aber die Seelenfähigkeiten des Menschen be-
trifft, so hat er außer dem Begattungstriebe wenig
Spuren von Instinct (§. 34. u. f.), Kunsttrie-
be
aber (§. 36.) schlechterdings gar nicht. Da-
[Seite 72] gegen ist er ausschließlich im Besitz der Vernunft
(§. 37.), und der dadurch von ihm selbst erfunde-
nen Rede oder Sprache (loquela), die nicht mit
der bloß thierischen Stimme (vox) verwechselt
werden darf (§. 25.), als welche auch den ganz
jungen, und selbst den stummgebornen Kindern zu-
kommt. Und so folgt aus jenen beyden ausschließ-
lichen Vorzügen das große ausschließliche Eigen-
thum der Menschenspecies, wodurch sie über die
ganze übrige thierische Schöpfung erhoben wird,
das Vermögen sich selbst zu vervoll-
kommnen
.

* * *

Der Mensch ist für sich ein wehrloses, hülfs-
bedürftiges
Geschöpf. Kein anderes Thier außer
ihm bleibt so lange Kind, keins kriegt so sehr spät
erst sein Gebiß, lernt so sehr spät erst auf seinen
Füßen stehen, keins wird so sehr spät mannbar u.
s. w. Selbst seine großen Vorzüge, Vernunft und
Sprache, sind nur Keime, die sich nicht von selbst,
sondern erst durch fremde Hülfe, Cultur und Er-
ziehung entwickeln können; daher denn bey dieser
Hülfsbedürftigkeit, und bey diesen zahllosen dringen-
den Bedürfnissen, die allgemeine natürliche Bestim-
mung des Menschen zur gesellschaftlichen
Verbindung
. Nicht ganz so allgemein läßt sich
hingegen vor der Hand noch entscheiden, ob in allen
Welttheilen die Proportion in der Anzahl der ge-
bornen Knäbchen und Mädchen, und die Dauer
der Zeit der Fortpflanzungsfähigkeit bey beyden Ge-
schlechtern so gleich sey, daß der Mensch überall so
wie in Europa
zur Monogamie bestimmt
werde.

Sein Aufenthalt und seine Nahrung sind
beyde unbeschränkt; er bewohnt die ganze bewohn-
bare Erde, und nährt sich mit den vielartigsten Stof-
fen aus dem weitesten Umfang der organisirten Schö-
pfung. Und in Verhältniß zu seiner mäßigen kör-
perlichen Größe, und in Vergleich mit andern Säu-
gethieren erreicht er ein ausnehmend hohes Alter.

[Seite 73]

Es gibt nur eine Gattung (species) im Men-
schengeschlecht; und alle uns bekannte Völker aller
Zeiten und aller Himmelsstriche können von einer
gemeinschaftlichen Stammrasse abstammen*). Alle
National-Verschiedenheiten in Bildung und Farbe
des menschlichen Körpers sind um nichts auffallen-
der oder unbegreiflicher als die, worin so viele an-
dere Gattungen von organisirten Körpern, zumahl
unter den Hausthieren, gleichsam unter unsern Au-
gen ausarten. Alle diese Verschiedenheiten fließen
aber durch so mancherley Abstufungen und Ueber-
gänge so unvermerkt zusammen, daß sich daher auch
keine andere, als sehr willkürliche Gränzen zwischen
ihnen festsetzen lassen. Doch habe ich das ganze
Menschengeschlecht noch am füglichsten unter folgen-
de fünf Rassen zu bringen geglaubt:

1) Die caucasische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 3 und 51.

von mehr oder weniger weißer Farbe mit rothen
Wangen, langem, weichem, nußbraunem Haar
(das aber einerseits ins Blonde, anderseits ins
Schwarze übergeht); und der nach den europäi-
schen Begriffen von Schönheit musterhaften Sche-
del- und Gesichtsform. Es gehören dahin die
Europäer mit Ausnahme der Lappen; dann
die westlichen Asiaten, dießseits des Ob,
des caspischen Meeres, und des Ganges; nebst den
Nordafrikanern; – also ungefähr die
Bewohner der den alten Griechen und Römern
bekannten Welt.

2) Die mongolische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 1.

meist waizengelb (theils wie gekochte Quitten
oder wie getrocknete Citronenschalen); mit weni-
gem, straffem, schwarzem Haar; enggeschlitzten,
[Seite 74] aber gleichsam aufgedunsenen Augenliedern, plat-
tem Gesicht, und seitwärts eminirenden Backen-
knochen. Diese Rasse begreift die übrigen
Asiaten
, mit Ausnahme der Malayen; dann
in Europa die Lappen, und im nördlichen Ameri-
ka, von der Beringsstraße bis Labrador, die
Eskimos.

3) Die äthiopische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 5.

mehr oder weniger schwarz; mit schwarzem, krau-
sem Haar; vorwärts prominirenden Kiefern, wul-
stigen Lippen und stumpfer Nase. Dahin die
übrigen Afrikaner, nahmentlich die Neger,
die sich dann durch die Fulahs in die Mauren etc.
verlieren, so wie jede andere Menschen-Varietät
mit ihren benachbarten Völkerschaften gleichsam
zusammen fließt.

4) Die amerikanische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 2.

Lohfarb oder zimmtbraun (theils wie Eisenrost
oder angelaufenes Kupfer); mit schlichtem, straf-
fem, schwarzem Haar, und breitem, aber nicht
plattem Gesicht, sondern stark ausgewirkten Zü-
gen. Begreift die übrigen Amerikaner
außer den Eskimos.

5) Die malayische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 4.

von brauner Farbe (einerseits bis ins helle Maha-
goni, anderseits bis ins dunkelste Nelken- und Ca-
stanienbraun); mit dichtem schwarzlockigem Haar-
wuchs; breiter Nase; großem Mund. Dahin ge-
hören die Südsee-Insulaner, oder die Be-
wohner des fünften Welttheils, und der Maria-
nen, Philippinen, Molucken, sundaischen Inseln
etc., nebst den eigentlichen Malayen*).

[Seite 75]

Von diesen fünf Haupt-Rassen muß nach allen phy-
siologischen Gründen die caucasische als die so ge-
nannte Stamm- oder Mittel-Rasse ange-
nommen werden. Die beyden Extreme, wo-
rin sie ausgeartet, ist einerseits die mongolische,
andere des die die äthiopische. Die andern zwey
Rassen machen die Uebergänge. Die america-
nische den, zwischen der caucasischen und mongo-
lischen, so wie die malayische den, zwischen jener
Mittel-Rasse und der äthiopischen*).

* * *

Alle den fabelhaften Wust herzuzählen, womit die
Menschen die N. G. ihres Geschlechts verunreinigt
haben, lohnt sich jetzt nicht der Mühe; – doch
nur Weniges von vielem.

Die vermeintlichen patagonischen Riesenz. B.
sind, von Magalhaens Zeiten bis aus die
unfrigen, in den Erzählungen der Reisenden, von
zwölf Fuß zu siebentehalb eingekrochen, und blei-
ben also wenig größer als jeder andere Mensch
von guter Statur.

Und daß die noch neuerlich von Commerson für
ein Zwergvölkchen ausgegebenen Quimos auf
Madagascar nichts weiter sind als eine Art Cre-
tine, d.h. kleine Blödsinnige mit dicken Köpfen
[Seite 76] und langen Armen (dergleichen sich im Salzbur-
gischen, so wie im Walliserlande, zumahl aber
im Piemontesischen in Menge finden), wird bey
pathologischer Prüfung mehr als bloß wahr-
scheinlich.

Eben so sind die Kackerlacken, Blafards, Al-
binos, oder weiße Mohren*) nicht ein Mahl
eine Spielart, geschweige eine besondere Gattung,
sondern gleichfalls Patienten, deren Geschichte
mehr in die Pathologie, als in die Naturhistorie
gehört.

Linne's Homo troglodytes ist ein unbegreifliches
Gemisch aus der Geschichte jener preßhaften kränk-
lichen weißen Mohren, und des Orangutangs:
– sein Homo lar hingegen ein wahrer Affe.

[Seite 77]

Die in Wildniß unter Thieren erwachsenen Kin-
der*) sind klägliche sittliche Monstra, die man
eben so wenig, als andere durch Krankheit oder
Zufall entstellte Menschen, zum Muster des Mei-
sterstücks der Schöpfung anführen darf.

Geschwänzte Völker, von Natur geschürzte
Hottentottinnen
, die vorgebliche natür-
liche
Bartlosigkeit der Amerikaner**), die Si-
renen, Centauren
, und alle Fabeln von
gleichem Schrot und Korn, verzeihen wir der
gutherzigen Leichtgläubigkeit unserer lieben Alten.


II. QVADRVMANA.

Säugethiere mit vier Händen, wie es ihre
Lebensart und ihr Aufenthalt auf den Bäumen
erfordert. Sie sind ursprünglich wohl bloß zwi-
schen den Wendezirkeln zu Hause***).

2. Simia. Affe. Habitus plus minus anthro-
pomorphus, auriculae et manus fere huma-
nae. Nares anteriores. Dentes
primores in-
cisores, supra et infra
4 laniarii solita-
rii, reliquis longiores.

Bloß in der alten Welt; zwar menschenähnlicher
als die Thiere der nächstfolgenden Geschlechter, doch
[Seite 78] aber außer den schon beym Menschengeschlecht ange-
führten Umständen, in ihrer ganzen Bildung, be-
sonders auch durch die schmalen Hüften und platten
Lenden, auf das auffallend sichtlichste vom Menschen
unterschieden.

a) Ungeschwänzte.

1. Satyrus. der Orangutang. S. rufa, pilis
longis raris, capite globoso, fronte tumida,
auriculis minoribus.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 12. und 52.

Wie es scheint, bloß auf Borneo, und auch da in
geringer Anzahl*); läßt sich, wenn er ganz jung
eingefangen worden, so wie der Schimpansee und
andere Affen auch, zu allerhand künstlichen Hand-
lungen abrichten, die man aber von seinem natür-
lichen Betragen genau unterscheiden muß.

Ist, wie Camper aus der Zergliederung eines
solchen Thiers gezeigt, weder einer menschlichen Re-
de, noch eines natürlichen aufrechten Ganges fähig.

2. Troglodytes. der Schimpansee, Barris.
S. nigra, macrocephala, torosa, auriculis
magnis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 11.

Im Innern von Angola, Congo etc. und tiefer
landeinwärts; so wie der vorige ungefähr von der
Größe eines dreyjährigen Buben.

3. Lar. der Gibbon, Golok. (Linne's Ho-
mo
lar.) S. brachiis longissimis, talos attin-
gentibus
.

v. Schreber tab. 3.

Auf beyden indischen Halbinseln, auch auf den
Molucken; hat ein rundliches, ziemlich menschen-
ähnliches Gesicht, und ungeheuer lange Arme, und
ist von schwärzlicher Farbe.

[Seite 79]

4. Syluanus. der gemeine türkische Affe.
S. brachiis corpore breuioribus, natibus ca-
luis, capite subrotundo.

v. Schreber tab. 4.

In Nordafrica, Ostindien etc. Unter den unge-
schwänzten Affen der gemeinste und dauerhafteste;
der auch leicht in Europa Junge heckt; ist sehr ge-
lehrig etc. Ihm ähnelt der inuus (cynocephalus,
Büffons magot) der auch gleiches Vaterland mit
ihm hat. Einer von beyden ist auch auf Gibraltar
verwildert, und hat sich da im Freyen fortge-
pflanzt.

b) Geschwänzte.

5. Rostrata. der langnasige Affe, Kahau,
Bantagan-Affe, Bantanian, (Fr. le
nasique, la guenon à long nez
). S. cauda me-
diocri, naso elongato, rostrato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 13.

Auf den sundaischen Inseln. Eine simia, die nicht
sima ist, sondern sich durch eine lange rüsselförmige
Nase auffallend auszeichnet.

6. Silenus, der Bartaffe, Wanduru. S.
caudata, barbata nigra, barba nigra prolixa.

v. Schreber. tab. 11.

Auf Ceilan etc. Aeltere, ganz kenntliche Abbildun-
gen*) dieses Affen sind durch Verschönerung von
spätern Copisten**) zum vorgeblichen geschwänzten
Menschen umgestaltet worden.

7. Cynomolgus, der Macacco, die (insgemein so
genannte) Meerkatze. S. cauda longa, ar-
cuata, labio leporino.

v. Schreber tab. 12.

[Seite 80]

Auf Guinea, Angola etc. beynahe olivengrün. Wird
unter den geschwänzten wahren Affen am häufig-
sten nach Europa gebracht.

3. Papio. Pavian. (Fr. babouin. Engl. ba-
boon.
) Facies prolongata, minus anthropo-
morpha, nasus vtrinque tuberosus, nates
nudae, coccineae, cauda (
plerisque*)) ab-
breuiata. Dentes vt in simiis.

Auch bloß in der alten Welt. Ihr Kopf hat we-
nig menschenähnliches, bey manchen eher etwas
vom Schwein, zumahl in der Schnauze. Meist
sind es unbändige, und äußerst geile Thiere.

1. Mormon, der Choras. P. naso miniato ad
latera caerulescente.

v. Schreber tab. 8. A. 8. B.

Auf Ceilan etc. Wird gegen fünf Fuß hoch; hat,
zumahl wegen der hochfarbigen abstechenden Strei-
fen auf und zu beyden Seiten der Nase, ein auf-
fallendes Ansehen.

2. Maimon, der Mandril. P. facie violacea
glabra, profunde sulcata.

v. Schreber tab. 7.

Auf Guinea, am Cap etc. wo oft ganze Scharen
Weinberge und Obstgärten plündern sollen. Viel
kleiner als der vorige.

4. Cercopithecvs. Meerkatze. Auriculae
et manus minus humanae. Nares laterales.
Nates tectae. Dentes vt in simiis.

Das ganze Geschlecht ist bloß im wärmern Süd-
America einheimisch, wo es den einheimischen In-
dianern zu einem gemeinen Wildbret dient.

[Seite 81]

a) Cauda prehensili, die Sapajous.

1. Seniculus. der rothe Brüllaffe (l'Alouate.)
C. barbatus rufus, gutture tumido.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 91.

Schaarenweis in den großen Waldungen von
Guiana etc., wo er, so wie eine andere Gattung
(Cercop. Belzebul) zumahl bey Wetterveränderung
ein betäubendes Geschrey hören läßt, das durch
eine sonderbare knöcherne Resonanzblase an dem da-
durch gleichsam kropfförmig aufgetriebenen Kehl-
kopf, hervorgebracht wird.

2. Paniscus. der Coaita. C. ater, palmis tetra-
dactylis.
absque police.

v. Schreber tab. 26. A. 26. B.

Hat ungemeines Geschick in seinem langen Roll-
schwanze*).

b) Cauda non prehensili, die Sanguin-
chen
.

3. Iacchus. der Uistiti. C. iuba pilosa alba ad
genas ante aures, cauda villosa annulata.

v. Schreber tab. 33.

Braun, und so klein, daß er in einer Cocosnuß-
Schale Raum hat.

5. Lemvr. Maki. Nasus acutus, dentes
primores superiores 4. per paria remoti,
inferiores
4–6. porrecti, compressi, in-
cumbentes
; laniarii solitarii, approximati**).

[Seite 82]

1. Tardigradus. der Loris, (cucang.) L. ecau-
datus.

v. Schreber tab. 38.

Auf Ceilan; hat die Größe und Farbe des Eichhörn-
chens, schlanke dünne Beine etc. und so wie die
folgende Gattung am Zeigefinger der Hinterfüße
eine spitzige Kralle, an allen übrigen Fingern aber
platte Nägel.

2. Mongoz. der Mongus. L. facie nigra, cor-
pore et cauda griseis.

v. Schreber tab. 39. A. 39. B.

So wie einige verwandte Gattungen auf Mada-
gascar und den benachbarten Inseln. Die Hinter-
füße sind viel länger als die vordern. Sein Fell
hat, wie bey manchen Affen, einen specifiken Ge-
ruch, fast nach Ameisenhaufen.


III. CHIROPTERA.

Die Finger der Vorderfüße sind, den Dau-
men ausgenommen, länger als der ganze Körper
dieser Thiere; und zwischen denselben ist die zar-
te Flatterhaut ausgespannt (§. 43) Daher kön-
nen sie eben so wenig als die Affen mit ihren
Händen, oder die Faulthiere mit ihren hakenför-
migen Kletterkrallen etc. bequem auf der Erde gehen.

6. Vespertilio. Fledermaus. (Fr. chauve-
souris
. Engl. bat.) Pollex palmarum et di-
giti plantarum breues, reliqui longissimi,
membrana expansili intertexti, pro volatu.

Ein weitläuftiges Geschlecht von animalibus noc-
turnis
, dessen verschiedene Gattungen in alle fünf
Welttheile verbreitet sind.

[Seite 83]

a) Dentibus primoribus 4. vtrinque.

1. Spectrum. der Vampyr. V. ecaudatus, naso
infundibuliformi lanceolato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 31.

In Südamerica; der Körper von der Größe des
Eichhörnchens. Wird dadurch sehr lästig, daß er nicht
nur anderen größeren Säugethieren, dem Rindvieh,
Pferden etc. sondern auch schlafenden Menschen, bey
welchen er sich vorzüglich an die Fußzehen setzt,
Blut aussaugt, woher er denn auch den Nahmen
des Vampyrs (Blutsaugers) erhalten hat.

2. Caninus. der fliegende Hund. (Linne's
vampyrus, Büffon's roussette.) V. ecaudatus,
naso simplici, membrana inter femora diuisa.

v. Schreber tab. 44.

Welt größer als der Vampyr, so daß er mit
ausgespannten Flatterhäuten gegen 6 Fuß messen
soll, lebt aber bloß von Baumfrüchten, und kann
also schlechterdings nicht Vampyr genannt werden:
findet sich schaarenweise in Hindustan, und auf den
ostindischen und Austral-Inseln; in unzähliger Men-
ge aber auf Neu-Holland. Ist aus den Pelew-
Inseln das allereinzige Säugethier.

b) Dentibus primoribus supra 4. infra 6.

3. †. Auritus. (Büffon's oreillard.) V. caudatus,
auriculis maximis.

So wie die folgende in den mildern Gegenden
der alten Welt. Ihre Ohren, die man insgemein,
aber irrig, doppelt nennt, sind einfach, nur alle
Theile ungeheuer groß.

4. †. Murinus. die gemeine Fledermaus,
Speckmaus. (Engl. the rearmouse.) V. cau-
datus, auriculis capite minoribus.

Hängt sich so wie auch die vorige Gattung zu
ihrem Winterschlaf in Höhlen an den Hinterfüßen,
[Seite 84] auf. Vermehrt sich zuweilen in manchen Gegenden
binnen kurzer Zeit in Unzahl.

c) Dentibus primoribus superioribus nullis.

5. †. Ferrum equinum. die Hufeisennase. V.
naso foliato ferri equini aemulo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 42.

Im mittlern und südlichen Europa.


IV. DIGITATA. (Pododactyla.).

Die Säugethiere mit freyen Zehen an allen
vier Füßen. Die zahlreichste Ordnung an Ge-
schlechtern und Gattungen, daher jene füglich
nach der Verschiedenheit ihres Gebisses erst wie-
der unter drey Familien gebracht werden. A)
Glires. B) Ferae. C) Bruta
.

A) Glires. (Scalpris dentata Io. Hun-
ter
.)

Mit zwey zum Nagen bestimmten meißelartigen
Vorderzähnen in jedem Kiefer, ohne Eckzähne.

7. Scivrvs. Cauda pilosa, disticha. Den-
tes
primores vtrinque 2; inferiores su-
bulati
.

1. Volans. das fliegende Eichhörnchen.
(Büffon's polatouche.) S. duplicatura cutis
lateriali a pedibus anterioribus ad posteriores.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 71.

In Liefland, Rußland und Sibirien. Von der
Farbe des petit gris. Das schlaffe Fell, das von
den Vorderfüßen nach den Hinterfüßen zu auf der
Seite wegläuft, dient ihm nur wie zu einem Fall-
schirm, um einen weitern Sprung von der Höhe
herab wagen zu dürfen.

[Seite 85]

2. †. Vulgaris. das Eichhörnchen. (Fr. l'ecu-
reil
. Engl. the squirrel.) S. auriculis apice bar-
batis, cauda dorso concolori.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1808.

Wohl in ganz Europa, und fast ganz Asien.
Die nordischen, zumahl an den Ufern des Ob und
am Baikal-See, werden im Winter grau, und ge-
ben dann das echte Grauwerk, (petit gris). Zu-
weilen finden sich auch hier zu Lande schwarze Eich-
hörnchen; seltener schneeweisse mit rosenrothen Au-
gen; und noch seltener weiß- und schwarzgefleckte.

Der virginische Sc. cinereus (Büffon's petit
gris
) ist größer und ohne Ohrpinsel. Thut zumahl
den Maisfeldern großen Schaden.

8. Glis. (Myoxus.) Cauda rotunda, ver-
sus apicem crassior. Dentes vt in sciuris.

1. †. Esculentus. der Siebenschläfer, Ratz,
Bilch, die Rellmaus. (Fr. le loir. Engl.
the rellmouse.) G. griseus, subtus albidus, au-
riculis rotundatis, nudis.

v. Schreber tab. 225.

So wie die folgende Gattung in den mildern
Erdstrichen der alten Welt. Es ist der wahre glis
der Alten, den sie verspeiseten*), und in eigenen
glirariis**) mästeten. Lebt in Eichen- und Bu-
chenwäldern, nistet in hohlen Bäumen; und hält lan-
gen und sehr festen Winterschlaf.

2. †. Auellanarius. die kleine Haselmaus.
(Fr. le muscardin. Engl. the dormouse.) G.
rufus, pollice plantarum mutico, auriculis ro-
tundatis.

v. Schreber tab. 227.

Kleiner am Leibe als die Hausmaus. Zu ihrem
Winterschlaf bereitet sie sich ein kugliches, ziemlich
[Seite 86] festes Lager von Tangelnadeln, u.a. kleinem Ge-
strüppe, worein sie sich vergräbt.

9. Mvs. Cauda gracilis, subnuda. Dentes vt
in praecedentibus.

1. Oeconomus. die Wurzelmaus. M. cauda
subsesquiunciali, auriculis nudis vellere mol-
li latentibus, palmis subtetradactylis, corpore
fusco.

v. Schreber tab. 190.

Durch Sibirien, bis nach Kamtschatka. Wird
theils durch die großen Wanderungen, die sie, zu-
mahl von Kamtschatka aus, in manchen Jahren,
fast wie der Lemming, anstellt, besonders aber durch
die Industrie merkwürdig, womit sie eine große
Menge meist eßbarer Wurzeln in ihre unterirdischen
Höhlen schleppt, denen die Tungusen etc. (wie die
Thüringer dem Hamster-Vorrath) nachgraben.

2. †. Syluaticus die Waldmaus, große Feld-
maus
. (Fr. le mulot. Engl. the field rat.)
M. cauda mediocri, pectore flauescente, ab-
domine albido.

v. Schreber tab. 180.

Thut den Feldfrüchten und der Holzsaat Schaden.

3. †. Amphibius. die Wasserratte, der Erd-
wolf
. M. cauda longitudine dimidia corporis,
auribus vix vellere prominulis, pedibus sub-
tetradactylis.

v. Schreber tab. 186.

Ist zumahl den Gärten nachtheilig, besonders
dem Wurzelwerk.

4. †. Arualis. die Feldmaus, Stoßmaus.
(Fr. le campagnol. Engl. the field mouse.) M.
cauda mediocri, dorso ferrugineo, abdomine
cinereo.

v. Schreber tab. 101.

[Seite 87]

Vermehrt sich in manchen Jahren ungeheuer, und
thut zumahl der Wintersaat großen Schaden. Das
bewährteste Vertilgungsmittel ist wohl der englische
Erdbohrer.

5. †. Musculus. die Hausmaus. (Fr. la sou-
ris
. Engl. the mouse.) M. cauda elongata,
palmis tetradactylis, pollice palmarum mutico.

In Europa und den gemäßigten Erdstrichen von
Asien und Amerika. Hat sich dem Menschen gewisser
Maßen zum Hausthier aufgedrungen.

Die weißen Mäuse mit rothen Augen sind die
Kackerlacken in ihrer Art, und zuweilen so licht-
scheu, daß sie in der Hellung die Augenlieder fest
zuschließen, und für blind gehalten werden.

6. †. Rattus. die Ratte. (Fr. le rat. Engl.
the rat.) M. cauda elongata, palmis tetradac-
tylis cum vnguiculo pollicari.

Ist jetzt fast über alle fünf Welttheile verbreitet;
scheint aber ursprünglich im mittlern Europa zu
Hause. Aeußerst gefräßig. Frißt sogar Scorpione,
und zieht dem Menschen und seinen Victualien
überall nach. Den Bergleuten in die tiefsten Schach-
te, so wie den Seefahrern auf die Schiffe. Unter
andern gehört diese Land- und Hausplage zu den
gefährlichsten Feinden der Zuckerplantagen in West-
Indien.

An vielen Orten wird sie allgemach durch die ur-
sprünglich wohl in Ostindien und Persien einheimi-
sche Wanderratte (M. decumanus Fr. le sur-
mulot
) verdrängt, die von röthlichgrauer Farbe, und
ihr Fell mit vielen einzelnen langen Borstenhaaren
durchmengt ist.

10. Marmota. (Arctomys.) Auriculae ab-
breuiatae, cauda breuis, aut nulla. Dentes
vt in praecedentibus.

1. Alpina das Murmelthier (Graubünd-
nisch
murmont vom Lat. mus montanus. Fr.
[Seite 88] la marmotte.) M. corpore depresso, supra fus-
co, subtus flauescente.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1812.

In vielen der höhern Alpen von Europa und
Asien. Merkwürdig ist, daß man es auf der allée
blanche
in Savoyen theils auf isolirten Klippen
findet, die wie Inseln aus diesem Eismeer hervor-
lagen, Stunden weit von allem unbeeiseten Erd-
reich entfernt, und im ganzen Jahr nur etwa sechs
Wochen lang vom Schnee entblößt sind; so daß es
scheint, die dasigen Murmelthiere durchschlafen we-
nigstens zehn Monathe vom Jahre, und bringen
nur einen äußerst kleinen Theil ihrer Existenz wa-
chend zu.

2. †. Cricetus. der Hamster, Kornferkel.
M. abdomine nigro.

F. G. Sulzers N. G. des Hamsters. Gött.
1774. 8. Taf. 1. 2.

Hin und wieder in Deutschland, Polen, Sibi-
rien etc. Lebt vorzüglich von Getreide, Bohnen etc.,
wovon er großen Vorrath in den Backentaschen zu
seinen unterirdischen, wohl 7 Fuß tiefen, Höhlen
schleppet. Eine Höhle hält wohl manchmahl auf
60 Pfund solcher Victualien. Er vermehrt sich aus-
nehmend, und man hat wohl eher im Gothaischen
in einem Jahr über 27000, Hamster getödtet. Es
gibt eine ganz schwarze Spielart unter diesen Thie-
ren, so wie auch Kackerlacken mit rothen Pupillen.

3. Lemmus. der Lemming. M. capite acuto,
corpore nigro fuluoque irregulariter maculato.

v. Schreber tab. 195. A. 195. B.

Häufig in Lappland und Sibirien. Zuweilen emi-
griren ganze Legionen von einer Gegend in die an-
dere. Ihre unerwartete und unbemerkte Ankunft,
und dann auch der Fall, daß welche von den Raub-
vögeln in die Luft gehoben, und sich doch noch los
gearbeit und herunter gefallen etc., mag zu der al-
[Seite 89] ten Sage Anlaß gegeben haben, daß es mitunter
Lemminge vom Himmel regne.

4. Typhlus. die Blindmaus, Slepez. M.
ecaudata, palmis pentadactylis, incisoribus
supra infraque latis, palpebrarum aperturis
auriculisque nullis.

v. Schreber tab. 206.

Im südlichen Rußland. Lebt mehrentheils unter
der Erde. Soll für seine kleinen ganz deutlichen
Augäpfel doch gar keine Oeffnung in der Gegend
der Augenlieder haben, und folglich gänzlich blind
seyn.

11. Hyrax. (Daman.) Dentes primores su-
periores
2, distantes, inferiores 4 conti-
gui, palmae digitis
4, plantae digitis 3,
cauda nulla.

1. Capensis. der Klipdas. (Büffon's marmot-
te du Cap
.) H. palmarum unguibus planis,
plantarum vnico subulato.

v. Schreber tab. 240.

Am Cap, fast von der Größe des Murmelthiers.
Lagert sich auch so in Felsenhöhlen, ist aber sei-
nem eigenen anomalischen Bau nach, zumahl we-
gen des Gebisses und der Füße schwer zu classifi-
ciren.

12. Sçavia. Halbkaninchen. Auriculae
rotundatae, paruae. Cauda nulla autbreuis.
Dentes
primores vtrinque 2.

Das ganze Geschlecht bloß im wärmern Süd-
america, zumahl in Brasilien.

1. Porcellus. das Meerschweinchen. Cobaya.
(Fr. le cochon d'Inde. Engl. the Guinea-pig.)
S. ecaudata, corpore variegato.

v. Schreber tab. 173.

[Seite 90]

Kommt auch in Europa leicht fort, variirt in der
Farbe, und ist wohl das fruchtbarste von allen
Säugethieren.

2. Aguti. (Piculi.) das Ferkelkaninchen. S.
caudata, corpore ex rufo fusco, abdomine
flauescente.

v. Schreber tab. 172.

Größer als ein Kaninchen.

13. Lepvs. Dentes primores vtrinque 2;
superiores duplicati.

1. †. Timidus. der Hase. (Fr. le liévre. Engl.
the hare.) A. auriculis apice nigris, corpore
et pedibus posticis longioribus.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1798.

Fast in der ganzen alten Welt, und auch in
Nord-America. Ist unter den Fußsohlen, und so-
gar zum Theil im Munde, behaart. Beyde, Hase
und Kaninchen, scheinen wieder zu kauen*).

Sonderbar ist die wundersame, von so vielen
braven Naturforschern für wahr angenommene Sa-
ge, daß man schon oft, und in ganz verschiedenen
Gegenden und Zeiten einzelne gehörnte Hasen mit
kleinen Rehgeweihchen gefunden habe**).

Der Berghase (Lepus variabilis) in manchen
nördlichen und alpinischen Gegenden, unterscheidet
sich schon in der Bildung vom gemeinen durch ei-
nen dickeren Kopf, kürzere Ohren, und kürzern
Schwanz, längere Hinterbeine mit auffallend brei-
ten Pfoten, paart sich auch nicht mit jenem. Im
äußersten Norden, wie in Grönland etc. ist er Jahr
[Seite 91] aus Jahr ein, in den Schweizer- und Tyroler Al-
pen etc. aber nur im Winter weiß*).

2. †. Cuniculus. das Kaninchen. (Fr. le lapin.
(Engl. the rabbet.) L. auriculis nudatis, cor-
pore et pedibus posticis breuioribus.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1799.

Ursprünglich in den wärmern Zonen der alten
Welt, aber nun auch in nordischen Gegenden ein-
heimisch. Sie vermehren sich so stark, daß sie wohl
eher [z.B. neuerlich ums Jahr 1736 auf der
St. Peters Insel bey Sardinien**)] zur Landpla-
ge geworden sind***); und kommen auch in ganz
wüsten Gegenden, wie auf Volcano, der sonst so
öden liparischen Insel fort. Die wilden sind grau.
Die weissen mit rothen Augen sind Kackerla-
cken in ihrer Art.

Die langhaarigen angorischen (S. 38. Anm. 2.)
oder so genannten englischen Seidenhasen
kommen auch hier zu Lande gut fort.

14. Iacvlvs. (Dipus.) Pedes antici bre-
vissimi, postici elongati. Cauda saltatoria,
apice floccosa. Dentes
primores vtrinque 2.

1. Jerboa. der Springhase, Erdhase, die
Springmaus, zweybeinige Bergmaus
.
Palmis tridactylis, plantis tetradactylis.

v. Schreber tab. 228.

Zumahl in Nord-Africa, Arabien etc. Macht sich
Höhlen in die Erde. Springt mit der Leichtigkeit
einer Heuschrecke, und wohl 7 bis 8 Fuß weit.

[Seite 92]

15. Hystrix. Stachelschwein. (Fr.
porc epic. Engl. porcupine.) Corpus spinis
tectum. Dentes
primores vtrinque 2.

1. Dorsata. (Urson.) H. spinis breuibus sub pilis
occultis.

v. Schreber tab. 169.

In Canada, auf Labrador, um die Hudsonsbay etc.
Thut zumahl im Winter den jungen Baumstämmen
großen Schaden.

2. Cristata. H. spinis longissimis, capite crista-
to, cauda abbreuiata.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 81.

Ursprünglich im wärmern Asien und fast ganz
Africa; nährt sich zumahl von Baumrinden; nistet
in der Erde. Im Zorn rasselt es mit seinen Sta-
cheln, die ihm zuweilen, besonders im Herbst, aus-
fallen; kann sie aber nicht gegen seine Verfolger von
sich schießen*)!

B) Ferae.

Mit spitzen oder zackigen Vorderzähnen, und meist
nur einem Eckzahn auf jeder Seite, der aber bey
den mehrsten von ansehnlicher Größe und Stärke
ist. – Die eigentlich so genannten reißenden Thiere
und einige andere Geschlechter mit ähnlichem Gebiß.

16. Erinacevs. Corpus spinis tectum.
Dentes
primores vtrinque 6**); laniarii su-
pra
3, infra 1, molares 4.

[Seite 93]

1. †. Europaeus. der Igel. (Fr. le hêrisson.
Engl. the hedge-hog.) E. auriculis rotundatis,
naribus cristatis.

Fast in der ganzen alten Welt. Ein animal noc-
turnum
. Nährt sich aus beyden Reichen. Mauset
wie die Katze. Kann spanische Fliegen in Menge
fressen. Spießt allerdings (wie die Alten sagen, von
den Neuern hingegen ohne allen Grund bezweifelt,
mir aber nun schon von drey ganz zuverlässigen
Augenzeugen versichert worden) Früchte an seine
Rücken-Stacheln, um sie so in sein Lager zu
tragen*).

17. Sorex. Nasus rostratus, auriculae
breues. Dentes
primores superiores**), bi-
fidi; inferiores
2–4 intermediis brevio-
ribus
: laniarii vtrinque plures.

1. †. Araneus. die Spitzmaus. (Fr. la mus-
araigne
. Engl. the shrew.) S. cauda mediocri,
abdomine albido
.

v. Schreber tab. 160.

In Europa und Nord-Asien etc. Daß sie giftig
sey, oder den Pferden in den Leib krieche etc. sind
ungegründete Sagen. Selten finden sich weiße
Spitzmäuse.

2. †. Fodiens. die Wasserspitzmaus. S. ab-
domine cinereo, digitis ciliatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 72.

An kleinen Gewässern. Statt einer Schwimmhaut
ist jede Zehe zu beyden Seiten mit steifen Härchen
besetzt, die die Füße zum Rudern ungemein geschickt
machen. Die Oeffnung des Gehörganges kann das
[Seite 94] Thier durch eine Klappe zuschließen, so lange es
unter Wasser ist.

3. Exilis. S. minimus, cauda crassissima tereti.

Am Jenisei und Ob. Das kleinste der bis jetzt
bekannten Säugethiere. Wiegt nur 1/2 Quentchen.

18. Talpa. Caput rostratum, palmae fos-
soriae. Dentes
primores superiores 6, in-
feriores
8; laniarii maior 1, minores 4.

1. †. Europaea. der Maulwurf, die Scher-
maus
. (Fr. la taupe. Engl. the mole.) T.
cauda breuiore, auriculis nullis
.

Fast in der ganzen alten Welt. Ist ein voll-
kommenes animal subterraneum, wozu ihm außer
andern Eigenheiten seines Körperbaues, besonders
die Schaufelpfoten zu Statten kommen. Er hat sehr
kleine Augen, kann geschickt schwimmen, und bey
Ueberschwemmung auf die Bäume klettern. Eine
erbsengelbe Spielart findet sich mitunter in der hie-
sigen Gegend.

2. Versicolor. (s. aurata.). T. ecaudata, palmis
tridactylis.

Vosmaer's monogr. 1787.

Bloß am Cap. Kann also nicht (nach Linne')
asiatica heißen. Ihr Haar schillert, zumahl wenn
es naß ist, mit farbigem Goldglanz.

19. Didelphis. (plerisque) hallux muti-
cus. Feminis Folliculus abdominalis mam-
marum.

Auch bey dieses Geschlechts so zahlreichen, und
einander im Ganzen so verwandten Gattungen va-
riirt doch das Gebiß so mannigfaltig, daß dieselben
nach dem Linne'ischen System in ganz verschiedene
Geschlechter vertheilt werden müßten.

1. Marsupialis, das Beutelthier, Opossum.
D. albida, auriculis, antibrachiis et tibiis ni-
[Seite 95] gris, canda squamosa longitudine corporis.
Dentes
primores superiores 10, inferiores 8,
laniarii elongati.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 54.

Zumahl im wärmern Nord-America*). Das
Weibchen von dieser und den mehresten übrigen
Gattungen dieses Geschlechts hat eine große Tasche
am Bauche, die durch besondere Muskeln geschlos-
sen und geöfnet werden kann; und in deren Boden
die Zitzen liegen. Die Jungen werden ganz außer
Verhältniß klein (gleichsam nur als unreife Abortus)
zur Welt gebracht, dann aber erst lange Zeit in
dieser Tasche getragen, wo sie sich ansaugen und
von der Muttermilch nähren, bis sie reifer und voll-
kommener ausgebildet, gleichsam von neuem gebo-
ren werden können.

2. Dorsigera. der surinamische Aeneas. D.
cauda basi pilosa, orbitarum margine fusco.
Dentes vt in priori.

v. Schreber tab. 150.

In Süd-America. Das Weibchen, das bey die-
ser Gattung keinen Zitzensack hat, soll seine Jun-
gen, wenn sie noch klein sind, auf dem Rücken tra-
gen, und diese sich dabey mit ihren Rollschwänzen
an der Mutter ihrem anhalten.

3. Gigantea. das Känguruh. Cauda apice at-
tenuato, pedibus anticis breuissimis, posticis
longissimis. Palmis pentadactylis, plantis sub-
tetradactylis. Dentes
primores superiores 6.
inferiores 2. laniarii nulli.

v. Schreber tab. 154.

In Neu-Holland. Mausefahl. Ist, wenn es auf-
recht sitzt, wohl mannshoch, und 140 Pfund schwer.
Lebt in Herden von 50 und mehr Stück. Ist
[Seite 96] bloß grasfressend. Springt in weiten, wohl zwey
Klafter langen Sätzen. Das Weibchen hat einen
Zitzensack. Wirft nur ein Junges auf einmal, das
bey der Geburt kaum halb so groß als eine Maus
ist, dann aber von der Mutter drey Vierteljahr
lang in jenem Sacke getragen wird, bis es wohl
14 Pfund wiegt.

20. Viverra. Caput vulpinum. Cauda
plerisque felina. Dentes
primores vtrinque
6, intermediis breuioribus. Lingua pleris-
que retrorsum aculeata. Vngues exserti.

1. Zibetha. die Zibethkatze. (Hyaena odori-
fera.
Fr. la civette. Engl. the civet.) V. cau-
da annulata, dorso cinereo nigroque vnda-
tim striato.

v. Schreber tab. 112.

Im südlichen Asien und nördlichen Afrika. Bey
beyden Geschlechtern sammelt sich in einer besondern
Höhle, die zwischen dem After und den Zeugungs-
gliedern liegt, das Zibeth, eine schmierige, wohl-
riechende Substanz.

2. Genetta. die Genettkatze. (Fr. la genette.
Engl. the genet.) V. cauda annulata, corpo-
re fuluo-nigricante maculato.

v. Schreber tab. 113.

In der Levante. Wird seines Felles wegen ge-
schätzt.

3. Putorius. das Stinkthier, Conepatl.
(Fr. la mouffette. Engl. the skunk, pol-cat.)
V. lineis quinque dorsalibus parallelis albis.

v. Schreber tab. 122.

In Virginien, Canada etc. Hat seinen Nahmen
von dem unerträglichen Gestank, den es, so wie
mehrere verwandte Gattungen seines Geschlechts,
im Zorne von sich gibt.

[Seite 97]

4. Ichneumon. die Pharaonsmaus, der Mun
go
. (Büffon's große mangouste.) V. cauda
basi incrassata sensim attenuata apice floc-
cosa.

v. Schreber tab. 45. B.

Hat straffes, fast borstenartiges Haar, mit brau-
nen breit geringelten Streifen. Ist häufig in Ae-
gypten, wo es zumahl den Crocodileneyern, so wie
außer dem den Schlangen, nachstellt; sich aber
ausnehmend kirre und häuslich machen läßt.

5. Aurita. das Großohr. (Fennec, Büffon's
animal anonyme.) V. auriculis amplissimis.

Bruce's Reisen nach den Quellen des Nils,
V. B. tab. 22.

In der Barbarey, Nubien etc. Nistet auf den
Palmen, und lebt vorzüglich von Datteln.

21. Mvstela. Dentes primores superio-
res 6, erecti, acutiores, distincti; inferio-
res 6, obtusiores, conferti; duo interiores.
Lingua laeuis.

Die Gattungen dieses Geschlechts haben kurze
Füße, und einen lang gestreckten Körper, den sie
im Gehen bogenförmig krümmen. Sie sind sehr
flink, beissig und blutdürstig.

1. † Martes. der Baummarder, Edelmar-
ter, Tannenmarder, Wildmarder, Feld-
marder
, (Fr. la marte. Engl. the pinemar-
tin
.) M. corpore fuluo-nigricante, gula flaua.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

Zumahl im Schwarzholz der ganzen nördlichen
Erde. Sein schönes Fell kommt dem Zobel am
nächsten.

2. †. Foina. der Hausmarder, Steinmar-
der. (Fr. la fouine. Engl. the martin.) M.
corpore fuluo-nigricante, gula alba.

[Seite 98]

v. Wildungen a. a. O.

Im mittlern und wärmern Europa und dem be-
nachbarten Asien. Läßt sich, jung eingefangen, so wie
auch die vorige Gattung, zum Wunder zahm machen.

3. †. Putorius. der Iltis, Ilk, Ratz, Stän-
kerratz
. (Fr. le putois. Engl. the fitchet, po-
lecat
.) M. flauonigricans, ore et auricularum
apicibus albis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1801.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem Hausmar-
der. Auch in der Barbarey. Das ganze Thier, und
selbst sein abgezogenes Fell geben einen sehr widri-
gen Geruch von sich.

Das Frettel (furo, Fr. le furet. Engl.
the ferret) von gelblich weißer Farbe mit rothen
Pupillen, ist ein wahrer Kackerlacke in seiner Art,
folglich wohl sicher keine ursprüngliche eigene Gat-
tung, sondern eine Abart vom Iltis, mit welchem
es sich auch paart. Taugt gut zum Ratten- und
Caninchen-Fang.

4. Zibellina. der Zobel. (Fr. la zibeline. Engl.
the sable.) M. corpore fuluo-nigricante, facie
et gula cinereis.

v. Schreber tab. 136.

Zumahl in Sibirien. Die schönsten mit recht
schwarzbraunem, dickhaarigem und glänzendem Fell
finden sich um Jakuzk.

5. † Erminea. das große Wiesel, Herme-
lin
. (Fr. le roselet, l'hermine. Engl. the stoat,
the ermine.
) M. caudae apice nigro.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1802.

In der nördlichen Erde, vorzüglich in Sibirien.
Größer als das gemeine Wiesel. Aendert aber eben
so wie dieses die Farbe, so daß es im Sommer
mehr bräunlich, im Winter aber (als Hermelin)
weiß ist.

[Seite 99]

6. †. Vulgaris. das gemeine Wiesel. (Fr.
la belette. Engl. the weesel.) M. corpore ex
rufo fusco subtus albo.

v. Wildungen a. a. O.

Im Norden von Europa und Asien. Die Mutter
trägt oft ihre Junge im Maule umher (daher die
alte Fabel, als ob sie dieselben durch diesen Weg
zur Welt brächte.)

22. Vrsvs. Dentes primores superiores 6,
intus excauati alterni, inferiores 6, latera-
les 2, longiores lobati;
laniarii primarii
solitarii
(minimi 1–2 inter hos et pri-
mos molares
), lingua laeuis.

1. †. Arctos der Bär. (Fr. l'ours. Engl. the
bear
). V. fusco nigricans, cauda abrupta.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 32.

In der nördlichen Erde, doch auch in Ost-In-
dien und Nord-Africa. In der Jugend lebt er
meist von Gewächsen; nach dem dritten Jahr aber
mehr vom Fleisch. Zum Gefecht bedient er sich
mehr seiner Vordertatzen, als des Gebisses. Ein
ausgewachsener kann wohl vier Centner und darü-
ber, am Gewicht halten.

Zu den merkwürdigsten Spielarten unter den
Bären gehören: die großen schwarzen Ameisenbä-
ren; die kleinen hellbraunen Honigbären; und die
noch kleinern weißlichen Silberbären; sämmtlich
zottig, und zumahl unter dem Halse langbehaart.

Hingegen macht der nordamericanische Bär mit
schwarzem, schlichtem, atlasglänzendem Haar, und
flachern Kopf mit spitzerer Schnauze, wohl eine
eigene Gattung, die sich gewöhnlich von Früchten,
und in manchen Jahrszeiten fast ausschließlich von
Ameisen nährt.

2. Maritimus (glacialis). der Eisbär, Polar-
bär
. V. albus, collo et rostro elongatis.

[Seite 100]

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 33.

An den Küsten und beym Treibeis der nördlich-
sten Erde. Darf nicht mit der weißen Spielart des
gemeinen Bären verwechselt werden. Er wird bey
zwölf Fuß lang, und auf 15 Centner schwer;
schwimmt und taucht sehr geschickt, und ist fast
bloß fleischfressend*).

3. Gulo. der Vielfraß, Rosomack. (Fr. le
glouton
. Engl. the glutton.) V. corpore rufo-
fusco, medio dorsi nigro.

Pallas Spicileg. zoologic. XIV. tab. 2.

In der nördlichen Erde, besonders in Sibirien.
Seine Freßgierde hat zu allerhand Fabeln Anlaß
gegeben.

Das Wolverene oder Quickhatch (Ursus luscus)
auf Labrador und an der Hudsonsbay scheint we-
nig von ihm verschieden zu seyn.

4. † Taxus. der Dachs. (Fr. le blaireau. Engl.
the badger.) V. cauda concolore, abdomine
nigro.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

In Europa und Asien bis gen Schina. Ein ani-
mal omniuorum.
Baut unter der Erde einen tiefen
Kessel, zu welchem verschiedene Röhren oder Gän-
ge führen. Verschläft den größten Theil seines Le-
bens, und hält besonders langen und festen Win-
terschlaf, wobey er seine Schnauze in den Fettbeu-
tel am Hinterleibe steckt.

5. Melliuorus. der Honig-Dachs, Rattel.
V. dorso cinereo, fascia laterali nigra, ab-
domine nigro.

Sparrmann in den schwed. Abhandl.
1777. tab. 4. fig. 3.

[Seite 101]

Am Cap; lebt vom Honig und Wachs der wil-
den Bienen, die in den Höhlen der Stachelschwei-
ne etc. nisten. Er gibt auf den Flug der heim eilen-
den Bienen acht, oder folgt auch bloß der Anwei-
sung des Honigkuckuks. Hat ein zottiges Fell, mit
einer ungemein starken sehr beweglichen schiebbaren
Haut, wodurch er einerseits vor den Bienenstichen,
und anderseits vor tiefen Bissen der Hunde etc. ge-
sichert ist.

6. Lotor. der Waschbär, Rackun, Sjupp,
Coati. (Büffon's Raton.) V. cauda annu-
lata, fascia palpebrarum transuersali nigra.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 62.

Ein animal nocturnum, im wärmern nordöstli-
chen America etc. Frißt mancherley. Bedient sich
der Vorderpfoten sehr geschickt zum Fassen, auch
zum Einweichen oder Auffischen seines Futters*) etc.
Wird überhaupt sehr kirre. Sein Haar ist nächst
des Bibers seinen, das vorzüglichste für Hutmacher.

23. Canis. Dentes primores superiores 6,
laterales longiores distantes, intermedii lo-
bati; inferiores 6, lobati omnes;
laniarii
solitarii, incuruati.

1. † Familiaris, der Hund. (Fr. le chien. Engl.
the dog.) C. cauda recuruata; subinde digito
spurio ad pedes posticos.

Dieser treue Gefährte des Menschen, der sich be-
sonders durch die ausnehmende Schärfe seiner Sin-
ne, verbunden mit seiner großen vielartigen Ge-
lehrigkeit (sogar zum Fisch- und Robbenfang), aber
auch durch mancherley andere Brauchbarkeit em-
pfiehlt, ist längst mit ihm über alle fünf Weltthei-
le verbreitet, und gibt den größten Beweis von
[Seite 102] der Perfectibilität der Thiere, wenn der Mensch
ihre Anlagen durch lange Reihen von Generationen
ausbildet.

Ob alle die verschiedenen Hunde-Rassen als
bloße Varietäten einer und derselben Gattung an-
zusehen sind, und ob diese selbst vom Wolf oder
Schakal abstamme, ist schwerlich zu entscheiden.
Mir scheinen manche Rassen, z.B. der Dachs-
hund, das Windspiel etc. viel Eigenes zu besondern
Functionen Abzweckendes in ihrer Bildung zu ha-
ben, so daß ich diese zweckmäßigen Eigenheiten
nicht wohl für zufällige Folge der bloßen Ausar-
tung halten kann.

Zu den Hauptrassen gehören wohl

a) Fricator. der Mops. (Fr. le doguin. Engl.
the pugdog.) mit untersetztem, kurzem Leibe,
schwarzen Flecken an den Backen und hängen-
den Ohren.

Den Uebergang von dieser zur nächstfolgen-
den Rasse macht der eigentliche Bullenbei-
ßer, Wachthund, Bluthund
, mo-
lossus
(Engl. the bull-dog), bey welchem
der Unterkiefer vor dem obern etwas hervor-
tritt.

b) Mastiuus die englische Dogge. (Fr.
le dogue, Engl. the mastiff) mit stumpfem
Kopfe, hängenden lappichten Oberlefzen und
glattem Haar. Bellt, dumpsig und kurz. –
Ihm scheint der Metzgerhund (Fr. le mâ-
tin
.) nahe verwandt.

e) Terrae nouae, der Neufundländer. (–
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 6. –) Zeichnet sich
durch seine ausnehmende Größe, langes sei-
denartiges Haar, langflockigen, meist aufwärts
gekrümmten Schwanz, besonders aber durch
die Art von Schwimmhaut zwischen den Zehen
aus, die bey ihm ungleich größer ist, als bey
andern Hunden. Daher sein ungemeines Ge-
[Seite 103] schick zum Schwimmen. Meist sind diese Hun-
de weiß und schwarz; und ausnehmend gelehrig.

d) Sagax, venaticus. der Jagdhund. (Fr.
le chien-courant.) mit langem, dickem Körper,
eingefurchtem Hinterkopfe, langen hängenden
Ohren. Das Haar bald schlicht, bald zottig.
– Hierher auch die Bracke, (Engl. the
spanish pointer
.) der Hühnerhund, Wach-
telhund
, und die schön getigerten Corsi-
canerhunde
.

e) Aquaticus. der Budel. (Fr. le barbet. Engl.
the water-dog.) mit stumpfem Kopfe, und
wollichtem Haar.

f) Pastoralis, domesticus, villaticus. der
Schäferhund, Haushund
, (Fr. le
chien de berger
. Engl. the cur) mit aufrech-
ten Ohren; der Schwanz an der untern Seiten
lang behaart. – Hierzu auch der isländi-
sche Hund
, und der Spitz oder Pommer.
(Fr. le chien-loup). Auch der nun, wie es
scheint, ausgestorbene große St. Bernhards-
Hund
. Und der kleinere, den die Kamtscha-
dalen etc. zum Zug in Schlitten gebrauchen.
– Auch die auf manchen Insel-Gruppen der
Südsee einheimischen Hunde, die von den Ein-
wohnern als Mastvieh gezogen werden, und
bloß vegetabilische Nahrung genießen, scheinen
zu dieser Rasse zu gehören.

g) Meliteus. das Bologneserhündchen.
(Fr. l'epagneul, le bichon. Engl. the lap dog,
the shock
.) mit sehr langem, seidenartigem Haar,
zumahl im Gesichte.

h) Vertagus. der Dachshund. (Fr. le basset.
Engl. the tumbler, the turnspit.) mit langer
Schnautze, hängenden Ohren, lang gestrecktem
Körper, kurzen, krummen Vorderfüßen, und
rothbraunen Flecken über den Augen. – Ihm
scheint der englische Terrier (terrarius), mit
[Seite 104] borstigem Haar und struppiger Schnautze, nahe
verwandt.

i) Dingo. der neuholländische Hund.
Aehnelt, zumahl in der Bildung des Kopfs und
Schwanzes, mehr dem Fuchs.

k) Leporarius. das Windspiel. (Fr. le le-
vrier
. Engl. the grey-hound.) mit langem,
zugespitztem Kopfe, hängenden Ohren, dicker
Brust, sehr schlankem Leib und Beinen.

l) Graius*). der Spartanische Hund.
(canis laconicus); sehr groß; hält in der Bil-
dung das Mittel zwischen Jagdhund und Wind-
spiel.

Ihm ähnelt der große Dänische und der
nun ausgestorbene große Irländische Hund.

m) Aegyptius. der guineische Hund. (Fr.
le chien-turc. Engl. the Indian dog, the na-
ked dog
.
) ähnelt dem Windspiel, hat aber nur
im Gesichte gekrullte Haare, der übrige Körper
ist meist kahl, und schwarz, oder rusigbraun,
fast wie Negerhaut. (s. S. 38. Anm. 2.)

Diese verschiedenen Haupt-Rassen paaren und
vermischen sich aber nicht nur unter einander, son-
dern auch mit Wölfen und Füchsen, mit welchen
sie sogar zuweilen fruchtbare Bastarde erzeugen.

2. † Lupus. der Wolf. (Fr. le loup. Engl.
the wolf.) C. cauda incuruata.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795.

Fast in der ganzen alten Welt; ist aber in eini-
gen Ländern, wie z.B. in Groß-Brittannien und
Irland, ausgerottet. Hat einen schleppenden, doch
dabey schnellen und nicht leicht zu ermüdenden Gang.
Aus Hunger fressen die Wölfe sogar Schilf und
[Seite 105] Erde; graben auch Leichen aus, und da mag etwa
ihre nächtliche Erscheinung auf Kirchhöfen etc. den
Anlaß zu der alten Sage von Währwölfen
gegeben haben.

3. Aureus. der Schakal, Thos. (Büffon's
Adive.) C. corpore fuluo, pedibus longioribus,
caudae apice nigro.

v. Schreber tab. 94.

In ganz Nordafrica und Orient, besonders in
Natolien und Bengalen; zieht des Nachts schaaren-
weist umher; frißt Thiere, Lederwaren etc.; gräbt
Leichen aus. Manche Naturforscher haben den Scha-
kal für den ursprünglichen wilden Hund, und man-
che Exegeten Simsons Füchse für Schakale gehalten.

4. †. Vulpes. der Fuchs, Birkfuchs. (Fr.
le renard. Engl. the fox.) C. cauda recta, api-
ce discolore.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Zumahl in der nördlichern alten Welt. In Un-
zahl auf den östlichen Aleuten, die davon den
Nahmen der Fuchsinseln erhalten haben. Frißt un-
ter andern Früchten nahmentlich sehr gern Wein-
trauben.

Der Brandfuchs (alopex) ist wohl sicher nur
eine Abart davon.

Ob aber auch der wegen seines kostbaren Felles
berühmte schwarze Fuchs mit weißer Schwanz-
spritze, der in Sibirien, aber auch in Menge auf
Labrador zu Hause ist [und der, wenn seine Haa-
re gleichsam silberweiße Spitzen haben, Silber-
fuchs
genannt wird*)], für eine bloße Abart
des gemeinen Fuchses, oder für eine besondere Gat-
tung anzusehen sey, läßt sich vor der Hand noch
nicht mit Gewißheit bestimmen.

[Seite 106]

5. Lagopus. der weiße Fuchs. Polarfuchs,
Steinfuchs, Eisfuchs. (Isatis. Engl. the
arctic fox
. Russ. Pesez.) C. cauda recta, api-
ce concolore, palmis plantisque pilosissimis.

v. Schreber tab. 93. A. 93. B.

In den Polarländern, zumahl auf Spitzbergen,
Neu-Zembla, Grönland etc. – Die mehresten sind
weiß. Die so genannten blauen Füchse hinge-
gen bläulich-grau.

6. Hyaena. die Hyäne. C. nigricans, maculis
virgatis, facie nigra, iuba ceruicis dorsique,
pedibus tetradactylis.

Der indianische Wolf, von J. El. Ridinger.

Hat meist einerley Vaterland mit dem Schakal,
dem sie auch in der Lebensart ähnelt. Hat ihr Ab-
lager unter der Erde oder in Felsenhöhlen und Berg-
Klüften.

Die gesteckte Hyäne (Canis crocuta) ist viel grö-
ßer*) als jene gestreifte; findet sich zumahl in gro-
ßer Menge in Habessinien, und von da südlich bis
zum Cap.

Beyde machen in ihrem Körperbau einen Ueber-
gang zum folgenden Geschlecht.

24. Felis. Vngues retractiles, caput rotun-
dius, lingua aspera. Dentes
primores 6
acutiusculi, exterioribus maioribus,
laniarii
[Seite 107] solitarii, supra a primoribus, infra a mo-
laribus remoti
.

1. Leo. der Löwe. (Fr. le lion. Engl. the lion.)
F. cauda elongata floccosa, corpore fuluo.

v. Schreber tab. 97. A. 97. B.

In den heissen Zonen der alten Welt, vorzüglich
in Africa; weiland aber auch in Pelopones und
Aetolien. Auch neulich haben Löwinnen in Mena-
gerieen, in Deutschland und sonst im mildern Eu-
ropa Junge geworfen. Dem Männchen bricht die
Mähne erst im zweyten Lebensjahre aus. Das Fleisch
des Löwen wird von den Hottentotten gegessen, und
eine Horde Araber zwischen Tunis und Algier soll
sich fast bloß davon nähren.

2. Tigris. der Tiger. F. cauda elonagta; ca-
pite, corpore et cruribus nigro-virgatis.

the Tiger, von G. Stubbs.

Bloß in Asien, und vorzüglich von Bengalen bis
Schina, auch auf Sumatra etc. Ueberaus regelmä-
ßig gestreift. Läßt sich allerdings zähmen, und
muß auch vor dem Elephanten erliegen.

3. Pardus. der Panther, Parder*). F. cau-
da subelongata, maculis obtuse angulatis,
passim confluentibus et annulatis.

v. Schreber tab. 99.

In Africa und Ostindien. Die Flecken seines
Fells sind hin und wieder wie zusammengeflossen,
theils in Hufeisenform, oder geringelt u.s.w.

Leopard nennt man eine etwas kleinere Abart,
mit kleinern Flecken, deren meist drey bis vier auf
fast goldgelbem Grunde beysammen stehen.

[Seite 108]

4. Panthera. der kleine Panther. (Büffon's
once.) F. cauda elongata, corpore albido, ma-
culis irregularibus nigris.

v. Schreber tab. 100.

In der Barbarey und Ostindien. Weit kleiner
als die vorige Gattung. Auch leicht zu zähmen, und
zur Jagd (der Rehe, Gazellen etc.) abzurichten,
wozu sie im Orient vorlängst, und in den mittlern
Zeiten auch in Italien und Frankreich gebraucht
worden.

5. Onça. der Jaguar, americanische Ti-
ger
. F. cauda subelongata, corpore fusco lu-
tescente, maculis angulatis, ocellatis, medio
flauis.

v. Schreber tab. 102.

In Südamerica. Größer als der Panther, dem
er sonst sehr ähnelt.

6. Concolor. der americanische Löwe, Pu-
ma, Cuguar
. F. cauda mediocri, corpore
immaculato fuluo.

v. Schreber tab. 104.

In Peru, Brasilien etc.; zeichnet sich durch sein
rothgelbes, ungeflecktes Fell (weßhalb er mit dem
Nahmen eines Löwen belegt worden) und kleinen
Kopf aus.

7. †. Lynx. der Luchs. (Fr. le loup-cervier.
Engl. the mountain cat.) F. cauda abbreviata,
apice atro, auriculis apice barbatis, corpore
maculato, plantis palmisque amplissimis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

In der nördlichen Erde; doch auch häufig im
Neapolitanischen; thut den Wildbahnen großem
Schaden als der Wolf.

8. † Catus. die Katze. (Fr. le chat. Engl.
the cat.) F. cauda elongata, striis dorsalibus
longitudinalibus, lateralibus spiralibus.

[Seite 109]

Fast in der ganzen alten Welt; ist aber erst
von da durch die Spanier nach America überbracht
worden. Die wilde*) ist größer, als die zahme,
von grauröthlicher Farbe, mit schwarzen Lefzen und
Fußsohlen. Die Hauskatze begattet sich äußerst sel-
ten unter den Augen der Menschen, und verwildert
sehr leicht wieder, wenn sie zufällig in Wildniß ge-
räth. Zu den Besonderheiten der Katzen gehört ihre
starke Elektricität; das Leuchten ihrer Augen im
Dunkeln; ihre seltsame Gierde auf gewisse Pflan-
zen, wie z.B. auf die Nepeta cataria und aufs
Teucrium marum etc.; ihr Schnurren oder Spin-
nen, das durch ein Paar eigene zarte gespannte
Häutchen in ihrem Kehlkopf bewirkt wird; die ängst-
liche unüberwindliche Antipathie vieler Menschen
gegen dieselben etc. – Zu den vorzüglichsten Spiel-
arten gehört die angorische oder persische
Katze
mit dem langen, seidenartigen Haar, die
gewöhnlich schwer hört; die bläulichgraue Carthäu-
ser
- oder Cyperkatze; und die spanische
oder schildpattfarbige Katze (Tortoiseshell-
cat
); unter welchen letztern man häufig weibliche
Katzen von drey ganz verschiedenen Farben
(z.B. schwarz, weiß und gelb), aber äußerst sel-
ten einen dergleichen Kater, findet.

C) BRUTA.

Ohne Gebiß oder wenigstens ohne Vorderzähne.

25. Bradypus. Faulthier. (Ignauus Fr.
paresseux. Engl. sloth.) Caput rotunda-
tum, crura antica longiora. Dentes
primo-
res
nulli vtrinque; laniarii (?) obtusi,
solitarii;
molares cylindrici, obtusi.

1. Tridactylus. der Aï. B. pedibus tridactylis,
cauda breui.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 53.

[Seite 110]

In Guiana etc. Freylich ein äußerst langsames,
schwerfälliges, aber bey aller dieser Trägheit listi-
ges, und im Nothfall muthiges und starkes Geschöpf;
hat dabey ein äußerst zähes Leben, und wenige
Bedürfnisse. Frißt Laub, säuft gar nicht etc.

26. Myrmecophaga. Ameisenbär.
(Fr. fourmiller. Engl. ant-eater.) Rostrum
productius, lingua lumbriciformis; dentes
nulli.

1. Iubata. der große Tamandua. M. palmis
tetradactylis, cauda longa iubata.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 82.

Zumahl in Brasilien. Am Leibe so groß als ein
Fleischerhund, und lebt doch, so wie die folgende
kleine Gattung, in der Wildniß einzig von den dor-
tigen großen Ameisen.

2. Didactyla. der kleine Tamandua. M. pal-
mis didactylis, ungue exteriore maximo, plan-
tis tetradactylis; cauda
prehensili.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 22.

Ebenfalls in Südamerica; von der Größe, und
auch fast von der Farbe des Eichhörnchens.

27. Manis. Schuppenthier, formosa-
nisches Teufelchen
. Corpus squamis tec-
tum; lingua teres; dentes nulli.

Die Bekleidung ausgenommen, haben die Thiere
dieses Geschlechts in ihrer Bildung, Lebensart etc.
viel Aehnliches mit den Ameisenbären. Von vielen
ältern Naturforschern wurden sie unter die Eidexen
gezählt.

1. Tetradactyla. der Phatagin. M. cauda lon-
giore: vngulis
bifidis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 14.

Auf Formosa und dem benachbarten Asien. Un-
gefähr von der Größe des eben gedachten kleinen
[Seite 111] Ameisenbären. Sein castanienbraun geschuppter Kör-
per ähnelt einem Tannenzapfen.

28. Tatv. Armadill, Panzerthier,
Gürtelthier. (dasypus Linn.) Corpus
testis
zonisque osseis cataphractum; den-
tes primores et laniarii nulli.

1. Nouemcinctus. der Caschicame. T. zonis
dorsalibus
9; palmis tetradactylis; plantis pen-
tadactylis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 83.

In Südamerica, bis an die magellanische Stra-
ße. Baut unter die Erde, wird sehr kirre, rollt sich
bey Gefahr, so wie die Schuppenthiere und der
Igel, kugelicht zusammen.


V. SOLIDVNGVLA.

Thiere mit Hufen. Ein einziges Geschlecht
von wenigen Gattungen.

29. Eqvvs. Pedes vngula indiuisa, cauda
setosa. Dentes
primores superiores 6. ob-
tuse truncati; inferiores
6. prominentiores:
laniarii solitarii undique remoti.

1. †. Caballus. das Pferd. (Fr. le cheval. Engl.
the horse.) E. cauda vtrinque setosa.

Ursprünglich wilde Pferde gibt es schwer-
lich mehr, aber häufig und theils in großen Heer-
den verwilderte; so z.B. in der Mongoley,
vollends aber in unermeßlicher Menge in Paraguay,
wohin die Pferde (so wie überhaupt nach America)
erst durch die Spanier überbracht worden u.s.w.
Unter den zahmen Pferde-Rassen zeichnen sich die
Araber (zumahl die von der Zucht der Annecy um
Palmyra herum, und vom Libanus bis gegen den
[Seite 112] Horeb etc.) durch ihren wunderschönen Bau, so wie
durch äußerste Leichtigkeit und Dauerhaftigkeit aus.
Ihnen folgen die Persianer und Barben. Unter den
europäischen sind die spanischen (besonders die aus
Andalusien), die neapolitanischen und englischen die
vorzüglichsten. Die letztern haben besonders den
Vorzug der Schnelligkeit, wodurch sie sich in den
Wettrennen auszeichnen*). – Ganzer berittenen
Nationen zu geschweigen, wie z.B. die Cosacken,
Tataren, Calmücken, die Pferde-Tungusen, die
Abiponer etc. so ist auch für die cultivirtesten Völ-
ker der Werth dieses Thiers für Landwirthschaft,
Cavallerie, Postwesen etc. unermeßlich. Manche der
gedachten berittenen Völker leben auch großen Theils
vom Fleisch und Milch der Pferde. Die letztere gibt,
wenn sie zusammen geronnen, vollends aber wenn
sie abgezogen worden, das berauschende Kumiß der
Mongolen.

2. † Asinus. der Esel. (Fr. l'âne. Engl. the
ass.
) E. cauda extremitate setosa, cruce dor-
sali nigra.

Der wilde Esel, von welchem das zahme
Hausthier abstammt, ist der wahre onager der Al-
ten; und findet sich jetzt zumahl in der Tatarey,
unter dem Nahmen Kulan***), von da er jährlich
im Herbst in großen Heerden südlich nach Indien
und Persien zu zieht, und daselbst überwintert. Er
ist größer und schlanker als der zahme Esel, und
von ausnehmender Schnelligkeit. – Ins nördliche
Europa ist der Esel bis jetzt noch gar nicht ver-
[Seite 113] pflanzt. Auch artet er wenig aus. Höchstens etwa
in der Farbe, da es z.B. weiße Esel gibt.

* * *

Pferd und Esel lassen sich zusammen begatten,
und geben zweyerley Bastarde, die von großer
Dauerhaftigkeit und Stärke, und zuweilen (aber
sehr selten) fruchtbar sind. Eins ist das gemeine
Maulthier [mulus, Fr. le mulet*)], das vom
männlichen Esel gezeugt, und von der Stute ge-
worfen wird. Das andere ist der Maulesel
[hinnus, Fr. le bardot**)], der vom Hengste
gezeugt, und von der Eselinn geworfen ist. Dieser
letztere ist seltener, und hat Gelegenheit zur Sage
von den fabelhaften Iumarn, oder vorgeblichen
Bastarden vom Pferde- und Ochsengeschlecht, ge-
geben.

3. Zebra. E zonis fuscis et albidis, maxime re-
gularibus.

The Sebra, von G. Stubbs, 1771.

Das Zebra (wovon es zwey ganz verschiedene
Gattungen gibt, deren eine man fälschlich für die
Weibchen der andern gehalten hat) ist im südlichen
Africa zu Hause. Es lebt herdenweis, ist ungemein
schnell, aber wild und unbändig. Gezähmt hat die
Stute sowohl mit Esel- als Pferdehengsten Bastar-
de gezeugt.


VI. BISVLCA. (Pecora.)

Die wiederkäuenden Thiere mit gespaltenen
Klauen, unter welchen sich die wichtigsten Haus-
thiere finden.

[Seite 114]

30. Camelvs. Cornua nulla, labium lepo-
rinum,
pedes subbisulci*). Dentes primo-
res
inferiores 6 spathiformes; superiores 2;
laniarii distantes, superiores 3, inferiores 2.

1. Dromedarius, das gemeine Camel. (Fr. le
dromadaire
**). C. tofo dorsi vnico.

v. Schreber tab. 303.

Findet sich noch hin und wieder in Asien, zumahl
in den Wüsteneyen zwischen Schina und Indien,
wild, ist aber für den ganzen Orient und für das
nördliche und mittlere Africa das wichtigste Haus-
thier. (Das Schiff für die Wüsten – nennen es
die Araber.) Die gewöhnliche Last der Carawanen-
Camele ist gegen sechs Centner, und damit legen
sie täglich gegen vier deutsche Meilen zurück. Das
nutzbare Thier frißt dorniges Buschwerk, was in den
Wüsten in Menge wächst, und für kein anderes
Säugethier zur Nahrung taugt. Auch kann es,
wie versichert wird, den Durst mehrere Wochen lang
erdulden, säuft aber dafür ungeheuer viel auf ein
Mahl, da sich dieses Wasser lange Zeit in seinem
Magen ziemlich unverändert erhalten soll. Beyde,
sowohl diese, als die folgende Gattung, haben eine
große Schwiele vorn an der Brust, vier kleine an
den Vorderfüßen, und zwey dergleichen an den Hin-
terfüßen, die ihnen zum Aufstemmen dienen, wenn
sie müde sind, und sich niederlegen.

2. Bactrianus, das Trampelthier. (Fr. le
chameau
. (Engl. the camel.) C. tofis dorsi duo-
bus.

v. Schreber tab. 304.

Im mittlern Asien, bis gen Schina, zumahl in
ganzen großen Herden in Bessarabien etc. wird da-
[Seite 115] selbst seines schnellen Trabes und natürlichen Sat-
tels wegen, mehr als die vorige Gattung zum Zu-
ge gebraucht.

3. Llama, das Llama, die Camelziege,
Guanaco. C. dorso laeui, tofo pectorali.

v. Schreber tab. 306.

So wie die folgende Gattung im südlichen Ame-
rica, besonders dem gebirgigen Peru. Wird als
Lastthier gebraucht, und kann bey seiner mäßigen
Größe doch bis anderhalb Centner tragen.

4. Vicuña, das Schafcamel. (Fr. la vigogne.)
C. tofis nullis, corpore lanato.

v. Schreber tab. 307.

Kleiner als das Llama. Läßt sich nicht zähmen,
sondern wird wegen seines zimmtbraunnen Haares,
das die bekannte Vigogne-Wolle gibt, jährlich in
großen Treibjagden haufenweis gefangen. Auch soll
der occidentalische Bezoarstein am öfter-
sten in dieser Gattung gefunden werden.

31. Capra. Cornua caua rugosa scabra. Den-
tes
primores superiores nulli, inferiores 8,
laniarii nulli.

1. †. Ouis, das Schaf. (Fr. la brebis. Engl.
the sheep.) C. mento imberbi, cornibus com-
pressis lunatis.

Findet sich wohl nirgends mehr ursprünglich wild;
scheint auch nicht ein Mahl nur so wie die Ziege
wieder verwildern zu können: wird aber fast
in der ganzen alten Welt als eins der allernutzbar-
sten Hausthiere gehalten, und ist auch bald nach
der Entdeckung von America dorthin verpflanzt
worden.

Unter den verschiedenen Rassen der Schafe sind
vor allen die spanischen, aus Segovien, und
dann die englischen wegen ihrer ausnehmenden
Wolle; die isländischen mit vier, sechs oder
[Seite 116] acht Hörnern; und die arabischen und ägypti-
schen
mit dem großen, und wohl 40 Pfund schwe-
ren Fett-Schwanze, zu merken. Die ostfrisi-
schen
Marsch-Schafe sind ungehörnt; groß, woll-
reich, mit kahlen kurzen Schwänzen; die Lünebur-
ger Heidschnucken hingegen klein, und beyde
Geschlechter gehörnt. Die zwischen den Wendezir-
keln haben mehrentheils statt der krausen Wolle
schlichtes Ziegenhaar; und die in Südafrica noch
überdieß lang herab hängende Ohren.

2. Ammon, das Muffelthier, (musimon, Büf-
fon's
mouflon.) C. cornibus arcuatis circum-
flexis subtus planiusculis, palearibus laxis pilosis.

v. Schreber tab. 268.

Auf Corsica und Sardinien, in Griechenland,
in der Barbarey; eine verwandte, weit größere Art
aber (das Argali) in Sibirien bis Kamtschatka,
und dann im nordwestlichen America. Letzteres ein
sehr schmackhaftes Wildbret, hat mächtig starke und
schwere*) Hörner, und wird von einigen Naturfor-
schern für das Stammthier zu unserm Schaf ge-
halten.

3. †. Hircus, die Ziege. (Fr. la chevre. Engl.
the goat.) C. mento barbato, cornibus arcuatis
carinatis.

Die Hausziege scheint von dem aegagrus abzustam-
men, der im Caucasus und den daran glänzenden
östlichen Gebirgen lebt, und in dessen Magen (so
wie bey manchen Gattungen von Antilopen) zuwei-
len der orientalische Bezoarstein gefunden
wird, daher das Thier selbst mit dem Nahmen des
Bezoarbocks belegt worden**). – Die Hausziege
(– das wichtige Hausthier der alten Guanchen auf
[Seite 117] den Canarischen Inseln –) verwildert leicht wieder,
und ist nun meist eben so weit als das Schaf auf
der Erde verbreitet. – Die angorische Ziege oder
das Kämmelthier hat langes seidenartiges Haar, und
gibt das beste so genannte Camelgarn, so wie aus
dem äußerst feinem Wollhaar, das die schönen klei-
nern geradhörnigen Bergziegen in Kashmir und Ti-
bet unter ihrem gröbern, langen Haar tragen, die
allerköstlichsten Shawls in jenem paradiesischen
Wunderlande gewebt werden*).

4. †. Ibex. der Steinbock. (capricornus. Fr.
le bouquetin. Engl. the wild goat.) C. mento
barbato, cornibus lunatis maximis, supra no-
dosis, in dorsum reclinatis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1803.

In den höchsten Schneegebirgen von Savoyen,
so wie in den sibirischen Alpen. Das Gehörn eines
bejahrten Steinbocks wiegt wohl 8 Pfund, und hat
meist eben so viel knorrige Ringe auf jeder Seite.

32. Antilope. Cornua cana, teretia, an-
nulata, vel spiralia. Dentes vt in capris.

Ein weitläuftiges Geschlecht, wovon sich zahlreiche
Gattungen im mittlern und südlichen Asien und Africa,
zumahl aber am Cap finden.

1. †. Rupicapra, die Gemse. (Fr. le chamois,
l'Izard.
) A. cornibus erectis vncinatis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1803.

In den alpinischen Gegenden des mildern Europa
und westlichen Asiens. Zahm gemachte Gemsen sol-
len sich mit den Ziegen gepaart und Bastarde erzeugt
haben. Von den unverdaulichen Zasern ihres Fut-
ters, bilden sich in ihren Mägen die ehedem berühm-
ten so genannten Gemsballen, (aegagropilae).

[Seite 118]

2. Dorcas. die Gazelle. A. cornibus teretibus
annulatis, medio flexis, apicibus laevibus ap-
proximatis.

v. Schreber tab. 269.

Im ganzen Orient und Nordafrica. Das schlanke
flinke Thier macht die Lieblingsjagd der Morgenlän-
der, und gibt ihrer Dichtersprache das reizende Bild
weiblicher Schönheit.

3. Pygarga, der Springbock, Prunkbock. A. cor-
nibus liratis, linea laterali faciei et trunci
fusca, clunibus albis.

Vosmaer descr. de la Gazelle de parade.

Im Innern des südlichen Africa, von wannen er
jährlich in Herden von vielen tausenden gegen das
Cap zu, und nach einigen Monathen wieder zurück
zieht.

4. Oreas, das Cudu. A. cornibus subulatis rec-
tis carinato-contortis, corpore griseo.

Vosmaer descr. d'un animal appellé Canna.

In Südafrica und Ostindien. Die Form und
Länge seiner geraden Hörner ähnelt der von dem
fabelhaften Einhorn, wozu es vielleicht den Anlaß
gegeben.

33. Bos. Cornua concaua, lunata, laeevia.
Dentes vt in generibus praecedentibus.

1. †. Taurus, der Ochse. (Fr. le bœuf. Engl.
the ox.) B. cornibus teretibus extrorsum cur-
uatis, palearibus laxis.

Der Auerochse (vrus, bonasus und Bison der
alten Welt) wird noch jetzt in Polen, Litauen, Si-
birien gefunden, und war ehedem auch in Deutsch-
land einheimisch. Daß er die wilde Stammrasse
von unserem gezähmten Hornvieh sey, ist doch we-
gen bestimmter Eigenheiten in seinem Bau, unwahr-
scheinlich. – Zu den merkwürdigsten Varietäten des
domisticirten Rindviehs gehört die halbwilde weiße
[Seite 119] Rasse mit braunen oder schwarzen Ohren, auf den
Ladronen, und hin und wieder in Großbritannien:
die mit den ausnehmend großen Hörnern in Sici-
lien: die gänzlich ungehörnte in einigen Provinzen
von England u.a.m.

Hingegen scheints noch zweifelhaft, daß auch die
indische (von den Hindus heilig verehrte) Buckelkuh,
der bos indicus, oder Zebu (– v. Schreber tab.
298. –) eine bloße Varietät dieser Gattung seyn
solle.

In den Mägen des Rindviehs finden sich zuweilen
Ballen aus Haaren, die sie sich abgeleckt und ein-
geschluckt haben. Die ihnen eigene, furchtbare, pest-
artige Viehseuche, hat zumahl seit 1711 zuweilen
lange, und weit und breit grassirt. Hingegen sind
die Kuhpocken seit 1798 durch Dr. Jenner als wohl-
thätiges Sicherungsmittel für die Kinderblattern be-
währt worden.

2. Buffelus, der Büffel. (Engl. the Buffalo.) B.
cornibus resupinatis intortis antice planis.

v. Schreber tab. 300.

Stammt wohl ursprünglich aus Tibet, ist nun
aber nach und nach durch den größten Theil von
Asien und Nordafrica verbreitet, und wird auch hin
und wieder in Europa, wie z.B. seit dem sieben-
ten Jahrhundert in Italien, in Ungarn, und auch
im Salzburgischen gezogen, und zum Zuge gebraucht.
Hat ein schwarzes, dünn behaartes Fell, das aus-
nehmend stark, und vorzüglich zu Schläuchen taug-
lich ist.

3. Grunniens, der Büffel mit dem Pferde-
schweif, Ziegenochse
. B. cornibus tereti-
bus, introrsum curuatis, vellere propenden-
te, cauda vndique iubata.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 23.

Ebenfalls in Tibet zu Hause, wird aber auch in
Hindostan als Hausthier gehalten. Kleiner als un-
ser Hornvieh, zeichnet sich auch außerdem durch seine
[Seite 120] grunzende Stimme, durch sein zottiges Ziegenhaar,
und durch einen büschligen, sehr langhaarigen Schwanz
aus, der, wenn er schön ist, in Indien hoch ge-
schätzt und theuer bezahlt wird.

4. Arni, der Riesenbüffel. B. cornibus diua-
ricatis, lunatis, longissimis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 63.

In den gebirgichten Gegenden von Nord-Hindo-
stan. Ungeheuer groß, so daß ein junger 15 Cent-
ner gewogen.

5. Bison, der nordamericanische Bison. B.
cornibus diuaricatis breuibus, iuba longissima,
dorso gibboso.

v. Schreber tab. 296.

Das größte Landthier der neuen Welt; lebt her-
denweise in den sumpfigen Wäldern des mildern
Nordamerica. Im Winter ist es über den ganzen
Körper behaart, im Frühjahr hingegen wird es am
Rücken und Hinterleibe kahl, und behält bloß seine
ungeheure Brust- und Nacken-Mähne.

6. Moschatus, der Bisamstier. (Fr. le bœuf
musqué
. Engl. the musk ox.) B. cornibus de-
flexis, basibus latissimis complanatis ad fron-
tem contiguis; apicibus reflexis.

v. Schreber tab. 302.

Sein Vaterland ist bloß aufs äußerste Nordame-
rica im Westen der Hudsonsbay von 66 bis 73° der
Breite eingeschränkt. Ein Paar seiner Hörner soll
zuweilen über einen halben Centner wiegen.

34. Giraffa. Cornua simplicissima pelle
tecta, fasciculo pilorum nigro terminata.
Dentes
primores superiores nulli; inferiores
8 spathulati, extimo bilobo;
laniarii
nulli.

1. Camelopardalis. die Giraffe.

[Seite 121]

Cptn. Carteret in den philos. Transact.
vol. LX. tab. 1.

Im innern Africa. Sie hat, wegen ihres langen
Halses, kurzen Körpers, abhängigen Rückens, und
wegen ihres röthlichen, schön gefleckten Felles, ein
sehr auszeichnendes Ansehen; sie soll im Schreiten,
wie die Paßgänger, immer den Vorder- und Hin-
terfuß der einen Seite zugleich heben, und daher
einen sonderbaren Gang haben, von dem die Bewe-
gung des Springers im Schachspiel entlehnt wor-
den; und ist, wenn sie aufrecht steht, über sechszehn
Fuß hoch.

35. Cervvs. Cornua solida multifida. Den-
tes vt in generibus praecedentibus (interdum
tamen
laniarii solitarii superiores).

1. Alces, das Elennthier. (Fr. l'elan Engl.
the elk.) C. cornibus planis acaulibus, pal-
matis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In der ganzen nördlichen Erde (wenn anders das
nord-americanische Elenn, Fr. l'orignal, Engl.
the moose-deer*) keine eigene Gattung macht), ist
sehr hochbeinig; erreicht die Größe vom Pferd, wiegt
wohl über 1200, und sein Gehörn über 50 Pfund;
läßt sich zähmen und herdenweise auf die Weide
treiben. Die alten Sagen, daß das Elennthier oft
von der Epilepsie befallen werde etc. brauchen jetzt
keiner Widerlegung.

2. †. Dama, der Damhirsch, Tannhirsch.
(Fr. le daim. Engl. the buck, fallow-deer.)
Cornibus subramosis compressis, summitate
palmata.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Im mildern Europa. Kleiner als der gemeine
Hirsch; variirt in der Farbe.

[Seite 122]

3. Tarandus, das Rennthier. (rangifer. Fr. le
renne.
Engl. the rein.) C. cornibus (in vtro-
que sexu) longis, simplicibus, teretibus, sum-
mitatibus subpalmatis, iuba gulari pendula.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In der ganzen nördlichen Erde. Theils, wie in
Kamtschatka in Herden von tausend und mehr Stück;
kann in wärmern Gegenden nicht ausdauern, lebt
von dürrem Laub, und vorzüglich von Rennthier-
Moos, das es unter dem Schnee hervor scharrt.
Dient zumahl den Lappländern, Samojeden, Tun-
gusen und Koräken zur Befriedigung aller der drin-
gendsten Bedürfnisse des Lebens.

4. †. Elaphus, der Edel-Hirsch. (Fr. le cerf.
Engl. the stag.) C. cornibus ramosis totis te-
retibus, recuruatis apicibus multifidis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1794.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem Elenn,
nur unter mehr südlicher Breite. Die Zahl der En-
den seines Geweihes richtet sich nicht genau nach
dem Alter des Thiers: nach dem achten Jahre ist
sie unbestimmt. Die größten natürlichschönen Ge-
weihe sind höchst selten von mehr als 24 wahren
Enden
. Der Hirsch wird ungefähr 30 Jahre oder
etwas darüber alt.

5. †. Capreolus, das Reh. (Fr. le chevreuil. Engl.
the roe.) C. cornibus ramosis, teretibus, erec-
tis, summitate bifida.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

In den mildern und wärmern Erdstrichen von
Europa und Asien. Das Gehörn des Rehbocks wird
zumal nach Castration, auffallender als bey andern
Gattungen dieses Geschlechts durch sonderbare Exo-
stosen entstellt.

36. Moschvs. Cornua nulla. Dentes primo-
res
vt in praecedentibus generibus; laniarii
superiores solitarii exserti.

[Seite 123]

1. Moschifer, das Bisamthier (Fr. le musc.
Engl. the musk.) M. folliculo vmbilicali.

v. Schreber tab. 242.

In den Schwarzwäldern und bergigen Gegenden
von Tibet und dem südlichen Sibirien. Das Männ-
chen hat in der Nabelgegend einen Beutel fast von
der Größe eines Hühnereyes, worin sich der Bisam,
dieses wichtige Arzeneymittel, sammelt.

2. Pygmaeus, das kleine guineische Rehchen.
M. supra fusco rufus, subtus albus, vngulis
succenturiatis nullis.

Seba, thes. I. tab. 45. fig. 1.

In Ostindien und auf Guinea. Das kleinste Thier
dieser Ordnung. Seine ganzen Beine sind nur Fin-
gers lang, und haben ungefähr die Dicke eines Pfei-
fenstiels.


VII. MVLTVNGVLA (Belluae.)

Meist sehr große, aber unförmliche, borstige
oder dünn behaarte Säugethiere, mit mehr als
zwey Klauen an jedem Fuß. Also mit Inbegriff
der Schweine, denn auch diese haben im Grun-
de vier Klauen.

37. Svs. Rostrum truncatum, prominens,
mobile. Dentes
primores (plerisque) supe-
riores
4, conuergentes, inferiores 6, pro-
minentes;
laniarii superiores 2, inferiores
2, exserti.

1. †. Scrofa, das Schwein. (Fr. das wilde le
sanglier
, das zahme le cochon. Engl. jenes the
wild boar
, dieses the hog.) S. dorso setoso, cauda
pilosa.

[Seite 124]

Das wilde Schwein*) hat eine längere Schnauze,
und überhaupt eine andere Form des Schädels,
kürzere aufrechte Ohren, größere Fangzähne als das
Hausschwein, auch keinen Speck, und niemahls Fin-
nenwürmer, und ist fast immer von schwarzgrauer
Farbe.

Wenige Thiere sind so allgemein fast über die ganze
Erde verbreitet, als das Hausschwein. Es hat einen
ungemein scharfen Geruch, und ist beynahe ein ani-
mal omniuorum
. Das Weibchen wirft nicht selten
zwey Mahl im Jahr, und wohl ehr bis 20 Junge
auf ein Mahl. – In America, wohin die Schweine
aus Europa übergebracht worden, sind sie theils ver-
wildert. (Fr. cochons marons) Auf Cuba wurden sie
mehr als noch ein Mahl so groß, als ihre euro-
päischen Stammältern; auf Cubagua arteten sie in
eine abenteuerliche Rasse aus mit Klauen, die auf
eine halbe Spanne lang waren etc. – Die schinesi-
schen (Fr. cochons de Siam) haben kürzere Beine
und einen ausgeschweiften Rücken ohne Mähne. –
In Schweden und Ungarn findet sich nicht selten
eine Spielart mit ungespaltenen Klauen, die schon
den Alten bekannt war, so wie man auch welche
mit fünf Klauen gesehen hat.

2. Aethiopicus, das Emgalo. (Büffon's sang-
lier du Cap verd.
) S. dentibus primoribus nul-
lis; laniariis superioribus lunatis extrorsum
curuatis; sacculis verrucosis sub oculis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 92.

Im Innern von Süd-Africa. Auch auf Mada-
gascar. Ein furchtbar wildes Thier, mit mächtig
großem Kopf, spannen-breitem Rüssel, großen war-
zigen Fleischlappen unter den Augen etc.

3. Tajassu, das Nabelschwein, Bisam-
schwein
, (Pecari, Pakira). S. cauda nulla,
folliculo moschifero ad extremum dorsi.

v. Schreber tab. 325.

[Seite 125]

Herdenweise in den wärmern Gegenden von Süd-
america. Wird höchstens nur 60 Pfund schwer.

4. Babirussa*). S. dentibus laniariis superiori-
bus maximis, parallelis retrorsum arcuatis.

v. Schreber tab. 328.

Zumahl auf den moluckischen Inseln. Lebt am
Wasser, kann sehr geschickt selbst nach ziemlich ent-
legenen Inseln schwimmen. Es hält schwer, zu be-
stimmen, wozu ihm die fast zirkelförmigen großen
Eckzähne des Oberkiefers dienen mögen? beym Weib-
chen sind sie weit kleiner.

38. Tapir. Dentes primores vtrinque 6; la-
niarii
4; palmae vngulis 4, plantae vngu-
lis 3.

1. Americanus, der Tapir, Anta.

v. Schreber. tab. 319.

Das größte Landthier in Süd-America, von des
Statur eines mittelmäßigen Ochsen. Kopf und
Schenkel sind ungefähr wie beym Schwein; die
Oberlippe zugespitzt und sehr beweglich. Gewöhn-
lich setzt sich's auf die Hinterfüße wie ein Hund.
Geht gern ins Wasser, schwimmt sehr gut etc.

39. Elephas. Elephant. Proboscis longis-
sima, prehensilis; dentes
primores superio-
res exserti.

1. Asiaticus. E. capite elongato, fronte concaua,
auriculis minoribus, dentium molarium coro-
na lineis
vndulatis parallelis distincta.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 19. fig. B.

Im südlichen Asien, vorzüglich auf Ceilon. Ist
das größte von allen Landthieren, wird wohl 15
Fuß hoch, und wiegt im zwanzigsten Jahre auf 7000
[Seite 126] Pfund. Seine auf dem Rücken fast Daumens dicke
Haut ist doch selbst gegen Insectenstiche empfindlich;
gewöhnlich von grauer Farbe. Das Hauptorgan
des Elephanten ist sein Rüssel, der ihm zum Athem-
hohlen, zum äußerst feinen Geruch, zum Wasser-
schöpfen, sein Futter damit zu fassen und ins Maul
zu stecken, und zu vielerley andern Verrichtungen,
statt der Hände dient. Er kann ihn drey Ellen lang
ausstrecken, und bis zu anderthalb Ellen wieder ein-
ziehen. Am Ende ist derselbe, wie mit einem bieg-
samen Haken versehen, und hiermit kann er unge-
mein feine, kunstreiche Handlungen verrichten, z.B.
Knoten aufknüpfen, Schnallen auflösen, mehrere
Stücken Geld mit Einem Mahl aufheben u.s.w.
Seine Nahrung besteht vorzüglich aus Laub der
Bäume, Reis und andern Gräsern. Er schwimmt
mit ungemeiner Leichtigkeit selbst durch schnelle Strö-
me. Bey der Begattung soll er sich wie die mehr-
sten übrigen Säugethiere bespringen. Das neuge-
worfene Junge saugt mit dem Maule (nicht mit dem
Rüssel, wie viele gemeint haben). Ungefähr im
dritten, vierten Jahre kommen bey beyden Geschlech-
tern die zwey großen Stoßzähne zum Ausbruch, die
das Elfenbein geben. Sie werden wohl 7 bis 8
Fuß lang und einer derselben kann bis auf 200 Pfund
wiegen. Wahrscheinlich wird der Elephant auf 200
Jahre alt. Am häufigsten nutzt man ihn zum Last-
tragen, da er zum mindesten 20 Centner zu tragen,
und schwere Ballen etc. Berge hinauf zu wälzen im
Stande ist. Sein Gang ist gleichsam ein schnelles
Schieben der Beine, und dabey so sicher, daß er
auch auf ungebahnten Wegen doch nicht strauchelt.

2. Africanus. E. capite subrotundo, fronte con-
uexa, auriculis amplissimis; dentium molarium
corona
rhombis distincta.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 19. fig. C.

Diese im mittlern und südlichen Africa einheimi-
sche Gattung, wird jetzt höchstens nur noch im In-
nern dieses Erdtheils als Hausthier gehalten, im übri-
[Seite 127] gen aber bloß des Fleisches, und vorzüglich des El-
fenbeins wegen gefangen und geschossen.

40. Rhinoceros. Nashorn. Cornu soli-
dum, conicum, naso insidens.

1. Asiaticus. Rh. dentibus primoribus vtrinque
quaternis, inferioribus conicis, superioribus
sublobatis,
laniariis nullis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 7 fig. B.

In Ostindien. Das bey dieser Gattung mehren-
theils einzelne Horn ist bey ihm so, wie das doppelte
beym africanischen, nicht am Knochen fest gewachsen,
sondern bloß auf demselben aufsitzend.

2. Africanus, Rh. dentibus primoribus et laniariis
nullis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 7. fig. A.

In Süd-Africa, am Cap. etc. Das zweyte Horn
ist kleiner, und sitzt hinter dem erstern.

41. Hippopotamvs. Dentes primores supe-
riores remoti, (inferiores procumbentes);

laniarii inferiores incuruati, oblique trun-
cati.

1. Amphibius, das Nilpferd. (am Cap Seekuh
genannt).

Buffon. Supplement vol. III. tab. 62. 63 vol.
VI. tab. 4. 5.

Häufig im südlichen Africa, so wie ehedem im Nil.
Aeußerst plump, mit einem unförmlichen großen
Kopfe, ungeheuern Rachen, dicken Leibe, kurzen
Beinen etc. Ein erwachsenes wiegt wenigstens vier-
tehalb tausend Pfund. Nährt sich von Vegetabilien
und Fischen.

VIII. PALMATA.

[Seite 128]

Säugethiere mit Schwimmfüßen, deren Ge-
schlechter wieder nach der Verschiedenheit ihres
Gebisses (so wie oben die Digitata) in drey Fa-
milien zerfallen. A) (Glires. B) Ferae. C)
Bruta
.

A) Glires.

Mit meißelförmigen Nagezähnen.

42. Castor. Pedes postici palmati. Den-
tes
primores vtrinque 2.

1. †. Fiber, der Biber. (Fr. le castor. Engl.
the beaver.) C. cauda depressa, ouata, quasi
squamosa.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 43.

In der nördlichem Erde, in einsamen Gegenden
an Land-Seen und größern Flüssen. Er wird we-
gen seiner feinen Haare für die Handlung, und für
die Arzneykunst wegen des so genannten Bibergeils
wichtig, das sich bey beyden Geschlechtern in beson-
dern Behältern am Ende des Unterleibes findet.
Am berühmtesten sind aber diese Thiere durch die
ausnehmende Kunstfertigkeit, mit welcher sie, da
wo sie sich (wie im Innern von Canada) noch in
Menge beysammen finden, ihre dauerhaften Woh-
nungen, besonders aber, da wo sie es nöthig fin-
den, die dazu gehörigen bewundernswürdigen Däm-
me aufführen. Denn, zugegeben, daß freylich in
den Erzählungen mancher Reisebeschreiber vom Bau
der Biber vieles verschönert und übertrieben worden,
so wissen sich doch diese Thiere, nach dem einstim-
migen Zeugniß der unverdächtigsten Beobachter aus
ganz verschiedenen Welttheilen, dabey so nach zu-
fälligen Umständen zu bequemen, daß sie sich da-
durch weit über die einförmigen Kunsttriebe anderer
Thiere erheben.

B) Ferae.
[Seite 129]

Mit dem Gebiß der reißenden Thiere.

43. Phoca. Pedes postici exporrecti, digiti
coaliti. Dentes
primores superiores 6, in-
feriores
4; laniarii solitarii.

Nebst den Thieren des vorigen Geschlechts gleich-
sam die Amphibien unter den Säugethieren, deren
ganzer Körperbau darnach eingerichtet ist, um in
beyden Elementen leben zu können*).

1. Vitulina. der Seehund, die Robbe, das
Seekalb
. (Fr. le veau marin, Engl. the
seal.
) P. capite laeui, auriculis nullis, cor-
pore griseo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 73.

In den nördlichen Meeren. Ist für die finnischen
Insulaner, so wie für die Kamtschadalen, besonders
aber für die Grönländer und für die labradorischen
Esquimos, ein äußerst wichtiges Geschöpf: die bey-
den letztern Völker zumahl, nähren sich von seinem
Fleisch, kleiden sich in sein Fell, beziehen ihre Som-
merhütten und Fischerbothe damit etc. Sein Fang
macht ihr vorzüglichstes Geschäft, und die darin er-
worbene Geschicklichkeit ihr Glück und ihren Stolz
aus.

2. Vrsina. der Seebär. P. auriculata, collo
laeui.

Buffon, Supplement vol. VI. tab. 47.

[Seite 130]

Im Sommer herdenweise auf den Inseln des kamt-
schatkischen Inselmeers, überwintert aber vermuth-
lich auf den benachbarten etwas südlichern Inseln
des stillen Oceans. Lebt in Polygamie, so daß je-
des Männchen wohl dreyßig bis vierzig Weibchen
hat, die es mit vieler Eifersucht bewacht, und grim-
mig gegen seine Nebenbuhler zu behaupten sucht*).

3. Iubata. der stellersche Seelöwe. P. auri-
culata, collo iubato.

Buffon, Supplement vol. VI. tab. 48.

Im ganzen stillen Ocean, Die größte Gattung
dieses Geschlechts; hat den Nahmen von der beym
Männchen gewisser Maßen löwenartigen Mähne.

4. Cristata. der ansonsche Seelöwe**). P.
capite antice cristato.

Anson's voyage round the world tab. 19.

Im atlantischen sowohl als im stillen Ocean.
Nur das Männchen hat den häutigen Kamm auf
der Nase.

44. Lvtra. Palmae plantaeque natatoriae.
Dentes
primores vtrinque 6; superiores di-
stincti, inferiores conserti.

1. †. Vulgaris. die Fischotter. (Fr. la loutre.
Engl. the otter.) L. plantis nudis, cauda
corpore dimidio breuiore.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1798.

In den mildern Gegenden der nördlichen Erde.
Die schönsten in Canada.

[Seite 131]

2. Brasiliensis. die brasilische Flußotter,
der Wasserwolf. (la Saricovienne.) L. ba-
dia, macula alba submentali, cauda corpore
dimidio breuiore.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 93.

Diese gemeiniglich mit der folgenden verwechselte
Gattung lebt in den Flüssen und Landseen des öst-
lichen und innern Südamerica.

3. Marina. die Seeotter. (Fr. le castor marin.
Engl. the sea-otter.) L. nigra, plantis pilo-
sis, cauda corpore quadruplo breuiore.

Cook's voyage to the northern hemisphere vol.
II. tab. 43.

Besonders um Kamtschatka und an der jenseiti-
gen Küste vom nordwestlichen America bis hinunter
nach Nutka-Sund, doch auch um Corea, und
zumahl im gelben See. Ihr schwarzes und silber-
graues Fell ist für die Schinesen das kostbarste al-
ler Rauchwerke.

C) Brvta.

Ohne Gebiß, oder wenigstens ohne Vorderzähne.

45. Ornithorhynchvs. Mandibulae
rostratae (anatinae
). Dentes nulli*).

1. Paradoxus. das Schnabelthier. (Engl. the
duck bill.
)

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 41.

[Seite 132]

Dieses so ganz abenteuerliche Geschöpf zeichnet
sich von allen bisher bekannten Säugethieren durch
die beyspiellose Bildung seiner Kinnladen aus, die
im äußern aufs vollkommenste einem breiten platten
Entenschnabel ähneln, auch eben so mit einer weichen
nervenreichen zum Tasten bestimmten Haut überzo-
gen, auch an den Seitenrändern gezähnelt sind.
Beyderley Füße sind mit einer Schwimmhaut ver-
sehen, die an den Vordern noch vor den Krallen
hervorragt, und sich mittelst derselben fächerartig
zusammenfalten oder ausbreiten läßt. Noch hat man
an keinem von beyden Geschlechtern eine Spur von
Zitzen gefunden. Dieses Wunderthier lebt in Land-
seen des an sonderbaren Formen seiner Geschöpfe so
reichen fünften Welttheils, unweit Botanybay.

46. Trichechvs. Pedes posteriores compe-
des coadunati.

1. Rosmarus. das Wallroß. (Fr. le morse.
Engl. the walrus.) T. dentibus laniariis supe-
rioribus
exsertis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 15.

Bey dem Treibeis des Nordpols: oft zu hunder-
ten beysammen. Nährt sich vom Seetang und
Schalthieren, die er mit seinen Hauzähnen loskratzt.
Die alten Normannen machten ihre fast unverwüst-
lichen Ankertaue von Wallroßriemen*).

2. Manatus, die Seekuh. (Fr. le lamentin) T.
dentibus laniariis inclusis.

v. Schreber tab. 80.

In Flüssen, und an den Seeküsten der wärmern
Erde, z.B. häufig im Orinoco. Scheint zu man-
[Seite 133] chen der Sagen von Sirenen und Meerjungfern An-
laß gegeben zu haben*).


IX. CETACEA.

Die ehedem so ganz widersinnig zu den Fi-
schen gerechneten Säugethiere**).

47. Monodon. Dens alteruter maxillae
superioris exsertus longissimus, rectus, spi-
ralis.

1. Narhwal. das See-Einhorn.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 44.

Meist im nördlichen atlantischen Ocean. Das
Junge hat ursprünglich zwey Zähne (in jedem
Oberkieferknochen Einen), die aber von ungleicher
Größe sind, und beym Erwachsenen sehr selten zu-
sammen gefunden werden, sondern gewöhnlich nur
einer von beyden. Zuweilen so lang, als der Kör-
per des Thieres, d.h. wohl 18 Fuß und darüber.

48. Balaena. Dentes nulli. Laminae loco
superiorum corneae.

1. Mysticetus. der Wallfisch. (Fr. la baleine.
Engl. the black whale.) B. dorso impinni.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 94.

[Seite 134]

Das größte aller bekannten Thiere*), das über
100000 Pfund an Gewicht hält, ist theils gegen den
Nordpol, aber auch in südlichen Gegenden im at-
lantischen Ocean, und im stillen Meere zu Hause.
Die heutiges Tages gefangen werden, sind selten
über 60 bis 70 Fuß lang. Der ungeheure Kopf
macht wohl ein Drittel des ganzen Thiers aus. Die
Haut ist meistens schwarz oder mit weiß gemarmelt
etc., hin und wieder dünn behaart, und oft mit Mu-
scheln besetzt. Den kamtschadalischen Insulanern und
den nordwestlichen Americanern gibt dieses ungeheure
Thier victus et amictus. etc. Die Europäer hinge-
gen fangen den Wallfisch (wovon ein großer 5000
Rthlr. werth seyn kann) des Fischthrans und der
Barden wegen, deren er auf 700 im Oberkiefer hat,
die das Fischbein geben, und von denen die mittel-
sten wohl zwanzig Fuß lang werden.

2. Boops. einer der verschiedenen Finnfische.
(Fr. la jubarte). B. pectore sulcato, pinna
dorsali obtusa.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 74.

Die Haut an Hals und Brust und Vordertheil
des Bauchs, ist bey dieser und einigen andern Gat-
tungen dieses Geschlechts sehr regelmäßig nach der
Länge gefurcht**).

49. Physeter. Dentes in maxilla infe-
riore.

1. Macrocephalus. der Caschelot, Pottfisch.
(Engl. the white whale.) dorso impinni, den-
tibus inflexis, apice acutiusculo.

[Seite 135]

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 84.

Meist in den südlichen Weltmeeren; zumahl an
den Küsten von Brasilien und von Neu-Süd-
wallis. Er erreicht die Größe des Wallfisches, hat
einen ungeheuren Rachen, und kann klafterlange
Hayfische verschlingen. Sein Oberkiefer ist sehr
breit, der untere hingegen überaus schmal. Er
wird vorzüglich des Wallraths (sperma ceti) we-
gen aufgesucht, das in Gestalt eines milchweißen
Oehls theils im Körper des Thiers bey dem Thran,
theils aber, und zwar in größter Menge in beson-
dern Behältern am Kopfe desselben, zumahl vorn
auf den Oberkiefern gefunden wird, und an der
Luft zu einem halb durchsichtigen Talg verhärtet.
Die köstliche wohlriechende graue Ambra ist eine
Stercoralverhärtung, die sich zumahl im dicken Darm
mancher davon erkrankender Caschelotte findet.

50. Delphinvs. Dentes in maxilla
vtraqne.

1. Phocaena. das Meerschwein, der Braun-
fisch
. (tursio Plin. Fr. le marsouin, Engl.
the porpoise.) D. corpore subconiformi, dorso
lato pinnato, rostro subobtuso.

v. Schreber tab. 342.

So wie die folgende Gattung in den europäi-
schen Meeren: wird so wie diese 1 1/2 Klafter lang,
und ist zumahl für die Lachse ein schädliches
Raubthier.

2. Delphis. der Delphin, Tümmler. (Fr. le
dauphin
. Engl. the porpesse.) D. corpore ob-
longo subtereti, dorso pinnato, rostro at-
tenuato, acuto.

[Seite 136]

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 95.

Der eigentliche Delphin der Alten.

3. Orca, der Nordcaper, Speckhauer.
(Fr. l'epaulard. Engl. the grampus.) D. pin-
na dorsi altissima; dentibus subconicis, pa-
rum incuruis.

v. Schreber tab. 340.

Mehr im nördlichen Weltmeere, doch auch im
mittelländischen; wird 20 Fuß lang.


Fünfter Abschnitt.
Von den Vögeln.

[Seite 137]

§. 55.

Die Säugethiere zeigen in ihrer Bildung,
mithin auch in ihrer Lebensart etc. so sehr viel
Verschiedenheit, daß sich nur wenig Allgemeines
von ihnen überhaupt sagen läßt, und man sich
folglich bey ihrer speciellen Geschichte desto um-
ständlicher zu seyn gedrungen sieht. Bey den
Vögeln ist der Fall anders. Beydes, so wohl
ihre Gestalt, als auch ihre Lebensart hat im
Ganzen genommen mehr Uebereinstimmendes, da-
her man sich bey der besondern Geschichte ihrer
einzelnen Geschlechter und Gattungen schon kürzer.
fassen kann.

§. 56.

Alle Vögel kommen in Rücksicht ihrer Bil-
dung darin mit einander überein, daß sie zwey
Füße, zwey Flügel
, einen ganz, oder doch
zum Theil hornigen Schnabel, und einen mit
Federn bedeckten Körper haben. Sie
zeichnen sich zugleich durch diese vier Charactere
von allen andern Thielen aufs kenntlichste aus,
[Seite 138] und machen eine gleichsam isolirte Classe von
Geschöpfen aus, die mit keiner andern zusammen
fließt, und sich daher in die vermeinte Kette oder
Leiter der natürlichen Körper (S. 20.) nicht ohne
Zwang einpassen läßt.

§. 57.

Unter jenen Characteren sind die Federn
den Vögeln ausschließlich eigen, die in regelmäßi-
gen Reihen (in quincunce) in die Haut verwach-
sen und mit vielem Fette durchzogen sind; aber
in gewisser Jahrszeit, gewöhnlich im Herbste, aus-
fallen, und neue an ihrer Statt regenerirt werden.
Viele, zumahl die meisten Wasservögel, auch die
Schneehühner etc. mausern sich gar zwey Mahl im
Jahr, im Frühling und Herbst. Bey manchen
Gattungen hat der junge Vogel, zumahl vor der
ersten Mause (als auis hornotina) andere Far-
ben oder Zeichnungen des Gefieders, als im rei-
fern Alter. Bey manchen herrscht auch hierin
große Sexualverschiedenheit. Von den Haaren
unterscheiden sie sich besonders auch dadurch, daß
sie, so viel bekannt, wenn sie beschnitten oder
sonst verstümmelt worden, alsdann nicht so wie
diese, wieder ergänzt werden.

§. 58.

Die stärksten Federn sind in den Fittigen
und im Schwanze. Jene heißen Schwungfe-
dern
(remiges), diese Steuerfedern (rectri-
ces
). Die Schwungfedern bilden bey ausgespann-
ten Flügeln gleichsam breite Fächer, womit sich
die Vögel in die Luft heben und fliegen können.
[Seite 139] Einige wenige Vögel (aues impennes), wie die
Pinguine etc. haben gar keine Schwungfedern,
und sind daher zum Fluge ungeschickt. So feh-
len auch einigen Vögeln, wie dem Casuar, den
Taucherchen etc. die Steuerfedern.

§. 59.

Im innren Körperbau*) zeichnen sich
die Vögel besonders durch die merkwürdigen Luft-
behälter
aus, die in ihrem Körper vertheilt, und
vorzüglich zum Fluge von äußerster Wichtigkeit
sind. Die mehresten stehen mit den Lungen, an-
dere aber bloß mit dem Rachen in Verbindung,
und der Vogel kann sie nach Willkühr mit Luft
laden oder ausleeren. Zu diesen Luftbehältern
gehören vorzüglich große aber zarte häutige Zel-
len, die theils im Unterleibe, theils unter den
Achseln, und sonst noch unter der Haut verbreitet
sind, und durchs Einathmen mittelst der Lungen
voll Luft gepumpt werden können. Außerdem die-
nen den Vögeln auch gewisse markleere hohle
Knochen
, wie die Schulterknochen im Flügel etc.
und manchen selbst die Hirnschale, zu ähnlichen
Zwecken; und endlich sind auch die ungeheuern
Schnäbel der Pfefferfraße, Nashornvögel etc.
ebenfalls dahin gehörig.

§. 60.

[Seite 140]

Durch diese merkwürdigen Einrichtungen wer-
den die Vögel zum Flug geschickt, bey welchem
die Geschwindigkeit so wohl als die lang anhal-
tende Dauer gleich merkwürdig sind. Nur weni-
ge Vögel, wie der Straus, der Casuar, die Pin-
guine und andere aues impennes (§. 58.) kön-
nen gar nicht fliegen.

§. 61.

Der Aufenthalt der Vögel ist beynahe
eben so verschieden als der Säugethiere ihrer. Die
mehresten leben auf Bäumen, andere auf dem
Wasser, sehr wenige bloß auf der Erde: aber
kein einziger Vogel (so wie der Maulwurf in der
vorigen, und andere Geschöpfe in den beyden letz-
tern Thier-Classen) bloß unter der Erde. Die
Bildung der Füße ist auch bey den Vögeln,
so wie bey den Säugethieren, ihrem verschiedenen
Aufenthalt angemessen*).

§. 62.

Sehr viele Vögel verändern ihren Wohn-
platz
zu gewissen Jahrszeiten; die meisten zwar
bloß in so fern, daß sie nur wenige Meilen weit
in die benachbarten Gegenden streichen, und bald
darauf in ihre alte Heimath zurückkehren; andere
aber wie die Hausschwalben, die Kraniche, Stör-
[Seite 141] che etc. so, daß sie im Herbst große Wallfahrten,
weit übers Meer, und über einen beträchtlichen
Theil der Erdkugel weg, anstellen, und den Win-
ter bis zur Rückkehr im folgenden Frühjahre in
wärmern Zonen zubringen.

§. 63.

Kein Vogel hat Zähne, sondern diese Thiere
müssen ihre Speise entweder mit dem Schnabel
zerbeißen, oder ganz schlucken. Bey denjenigen
samenfressenden Vögeln, die ihre Körner ganz,
unzerbissen einschlucken, gelangen diese nicht so-
gleich in den Magen, sondern werden vorher im
drüsenreichen Kropfe (ingluuies, prolobus) ein-
geweicht, und von da nur allmählich an den
Magen überlassen: der bey diesen Thieren äußerst
musculös, und so stark ist, daß er sogar, nach
Reaumur's u.a. merkwürdigen Versuchen, ver-
schluckte Haselnüsse und Olivenkerne zu zerdrücken,
und Münzen so glatt wie Papier abzuscheuern
vermag. Sehr viele Vögel verschlucken aber auch
überdieß noch kleine Kieselsteinchen, die ebenfalls
die Zermalmung und nachherige Verdauung der
Speisen befördern*). Verschiedene fleischfressende
Vögel, wie die Falken, Eulen, Eisvögel etc. kön-
nen die Knochen, Haare und Gräten der kleinen
[Seite 142] Thiere, die sie verzehrt haben, nicht verdauen,
sondern brechen sie, in eine runde Kugel (das
Gewölle) geballt, nach der Mahlzeit wieder
von sich*).

§. 64.

Zu den besondern Eigenheiten der Sinn-
werkzeuge
der Vögel in Vergleichung zu den
Säugethieren, gehört unter andern der Mangel
der knorpligen, zur Auffassung des Schalls dienen-
den äußern Ohren; der aber, zumahl bey den
nächtlichen Raubvögeln, durch die äußerst regel-
mäßige zirkelförmige Stellung und bestimmte Rich-
tung der Federchen in der Gegend des Ohres, und
bey manchen derselben auch noch überdieß durch
eine bewegliche Klappe am äußern Gehörgange
vergütet wird.

Anm. Nur sehr wenige Vögel, die Enten nähmlich u.
a. verwandte Gattungen, scheinen den wirklichen
Sinn des Tastens (d.h. des Gefühls im en-
gern Verstande) zu besitzen; und das Organ dazu
ist wohl die weiche Bedeckung ihres Schnabels, die
mit ausnehmend starken Hautnerven versehen; und
beym lebendigen Thier äußerst empfindlich ist. Auch
sieht man, wie die Enten in den Pfützen, wo sie
bey Aufsuchungen des Fraßes weder dem Gesichte,
noch dem Geruche nachgehen können, mit dem Schna-
bel wirklich sondiren.

§. 65.

[Seite 143]

Die Stimme ist zumahl bey den kleinen so
genannten Sangvögeln mannigfaltig und anmu-
thig, doch darf man nicht sowohl sagen, daß sie
singen (– denn natürlicher Gesang ist ein aus-
schließliches Vorrecht des Menschen –) als, daß
sie pfeifen. Außer den obgedachten Luftbehäl-
tern (§. 59.) kommt ihnen dazu vorzüglich die
Einrichtung ihres Kehlkopfs (larynx) zu Stat-
ten, der bey den Vögeln nicht bloß, so wie bey den
Säugethieren und Amphibien, am obern Ende,
nähmlich an der Zungenwurzel befindlich, sondern
gleichsam in zwey abgesonderte Hälften an die
beyden Enden der Luftröhre vertheilt ist. Die
Papageyen, Raben, Stahre, Dompfaffen etc. hat
man die Menschenstimme nachahmen, und Worte
aussprechen gelehrt: so wie auch die Sangvögel
im Käficht leicht fremden Gesang annehmen, Lie-
der pfeifen lernen, und sich sogar zum Accom-
pagnement abrichten lassen, so, daß man mit
mehreren Dompfaffen zugleich schon wirklich kleine
Concerte hat geben können. Uberhaupt aber scheint
auch der Waldgesang der Sangvögel doch erst
durch Uebung und Nachahmung recht ausgebildet
zu werden.

§. 66.

Die mehresten Vögel begatten sich im Frü-
jahr; manche aber, wie der Kreuzschnabel in der
kältesten Jahrszeit nach Weihnachten. Das Haus-
geflügel ist gar an keine bestimmte Zeit gebunden,
sondern läßt sich Jahr aus Jahr ein zu diesem
[Seite 144] Geschäft willig finden. Manche halten sich nur
zur Begattungszeit, andere aber, wie die Tauben
und Hausschwalben, für immer paarweise zusam-
men: noch andere aber leben, wie der Haushahn,
und unter den wilden Vögeln der Straus, in
Polygynie.

§. 67.

Das befruchtete Weibchen wird vom Instinct
getrieben, für die Zukunft zu sorgen, und zu ni-
stern
, wovon eigentlich vielleicht außer dem Kuk-
kuck wohl nur sehr wenige andre, z.B. die Nacht-
schwalbe ausgenommen sind. Bey den polygyni-
schen Vögeln, wie bey den Hühnerarten, nimmt
das Männchen gar keinen Antheil an diesem Ge-
schäfte; bey denen aber, die sich paarweise zu-
sammen halten, zumahl unter den Sangvögeln,
trägt es doch Baumaterialien herbey, und verpflegt
sein Weibchen während ihrer Arbeit.

§. 68.

Die Auswahl des Ortes, an dem jede
Gattung ihr Nest anlegt, ist ihren Bedürfnissen
und ihrer ganzen Lebensart aufs genaueste ange-
messen. Und eben so sorgfältig wählt auch jede
Gattung die Baumaterialien zu ihrem Neste.

§. 69.

Die Form der Nester ist bald mehr bald
minder künstlich. Manche Vögel, wie die Schne-
pfen, Trappen, Kibitze etc. machen sich bloß ein
dürres Lager von Reisholz, Strohhalmen etc. auf
der platten Erde: andere tragen sich nur ein weiches
[Seite 145] kunstloses Bett in Löcher der Mauern, Felsen-
ritzen und hohle Bäume; so die Spechte, Heher,
Dohlen, Sperlinge etc. Sehr viele, zumahl unter
den Hühnern, Tauben und Sangvögeln, geben
ihrem Neste die Gestalt einer Halbkugel oder einer
Schüssel: andere, wie der Zaunkönig, ungefähr
die Form eines Backofens: noch andere, wie manche
Meisen, Kernbeißer etc., die von einem Beutel u.
s. w.*).

§. 70.

Wenn endlich das Geschäft des Nesterbaues
vollendet ist, so legt die Mutter ihre Eyer hin-
ein; deren Anzahl bey den verschiedenen Gattun-
gen der Vögel sehr verschieden ist. Viele Was-
servögel z.B. legen jedes Mahl nur ein einziges
Ey: die Taucherchen und mehresten Tauben ihrer
zwey; die Möven drey; die Raben vier; die Fin-
ken fünf; die Schwalben sechs bis acht; die Reb-
hühner und Wachteln vierzehn; das Haushuhn
aber, besonders wenn man ihm die Eyer nach
und nach wegnimmt**), bis fünfzig und darüber.
Zuweilen geben auch manche Vögel, ohne vorher
gegangene Befruchtung, Eyer von sich, die aber
zum Brüten untauglich sind und Windeyer (oua
subuentanea, cynosura, zephyria, hypenemia
)
heißen.

§. 71.

[Seite 146]

Die Ausbildung des jungen Thiers, die bey
den Säugethieren noch in Mutterleibe vollzogen
wild, muß hingegen bey den Vögeln im schon
gelegten Ey, mittelst des Brütens bewirkt wer-
den. Nur der Kuckuck brütet seine Eyer nie selbst
aus, sondern überläßt es den Grasmücken oder
Bachstelzen etc., in deren Nest er sein Ey gelegt
hat. Hingegen weiß man, daß selbst Capaunen
und Hunde, und sogar Menschen Vogeleyer aus-
gebrütet haben*). Auch bloß durch künstliche
Wärme, und erhitzten Mist**), und durch Lam-
penfeuer in so genannten Brüt-Maschinen***)
und in Brütöfen, kann man leicht Hühnchen
auskriechen lassen. – Die Vögel werden durchs
anhaltende Brüten abgemattet, und nur bey sol-
chen, die sich paarweise zusammen halten, wie
bey den Tauben, Schwalben etc., nimmt auch das
Männchen an diesem Geschäfte Antheil. Die
[Seite 147] Hähne unter den Canarienvögeln, Hänflingen,
Stieglitzen etc. überlassen zwar das Brüten bloß
ihren Weibchen, versorgen sie doch aber wäh-
rend der Zeit mit Futter, und ätzen sie theils aus
dem Kropfe.

§. 72.

Während des Brütens geht nun im Eye
selbst
die große Veränderung vor, daß das
Küchelchen darin allmählig gebildet, und von
Tag zu Tag mehr zur Reife gebracht wird*).
Zu dieser Absicht ist nicht nur der Dotter über-
haupt specifisch leichter als das Eyweiß, sondern
auch wiederum diejenige Stelle auf seiner Ober-
fläche (der so genannte Hahnentritt, cicatri-
cula
), neben welcher das künftige Hühnchen zu
liegen kommt, selbst noch leichter als die entge-
gen gesetzte Seite, so daß folglich bey jeder La-
ge des Eyes doch immer jene Stelle dem Leibe
des bebrütenden Vogels zugekehrt ist. Die erste
Spur des neuen Küchelchens zeiget sich immer
erst eine geraume Zeit, nachdem das Brüten sei-
nen Anfang genommen. Beym Hühnerey z.B.
kaum vor Ende des ersten Tages: so wie am
Ende des zweyten das berühmte Schauspiel der
ersten Bewegung des dann noch sehr unvollkomm-
nen Herzchens (das punctum saliens) seinen An-
fang nimmt. Zu Ende des fünften Tages sieht
man schon das ganze kleine gallertartige Geschöpf
[Seite 148] sich bewegen. Am vierzehnten brechen die Federn
aus; zu Anfang des fünfzehnten schnappt das
Hühnchen schon nach Luft; und ist am neun-
zehnten Tage im Stande einen Laut von sich zu
geben.

Anm. Beym Vogel im Ey ist die erste Gestalt, worin
er sich zeigt, noch weit mehr von seiner nachmah-
ligen Form, wenn er zum Auskriechen reif wird,
verschieden, als die früheste Gestalt des neuempfan-
genen Säugethiers von seiner nachherigen Bildung;
so daß man sagen kann, das Küchelchen im Eye
gelange erst durch eine Art von Metamorphose zu
seiner vollkommenen Gestalt, und das sowohl in
Rücksicht einzelner Eingeweide (z.B. des Herzens)
als in der Totalbildung. (– vergl. die Abbild. n.
h. Gegenst.
tab. 64. –)

§. 73.

Unter den mancherley zur bewunderungswür-
digen Oeconomie des bebrüteten Küchelchens die-
nenden Organen, sind die beyden allerwichtigsten
zwey sehr gefäßreiche Membranen, die zumahl
um die Mitte der Brütezeit in ganz ausnehmen-
der Schönheit sich zeigen. – Nähmlich die Na-
belhaut
(chorion) die dann unter der Eyer-
schale ausgebreitet ist; und die Dotterhaut
(membrana valuulosa vitelli), die mit dem
Darmcanal des zarten Geschöpfs zusammenhängt.
Jene dient ihm statt der Lungen zum so
genannten phlogistischen Proceß (– S. 46 u. f. –)
und diese zur Ernährung mittelst des Dotters,
der allgemach durch das sich ihm beymischende
Eyweiß verdünnt wird. (– Abbild. n. h. Gegenst.
tab. 34. –)

§. 74.

[Seite 149]

Jede Gattung Vögel hat zwar ihre bestimm-
te Blütezeit von verschiedener Länge, die aber
doch nach Verschiedenheit des Clima, und der
wärmern oder kältern Witterung verzögert oder
beschleunigt wird. Beym Huhn ist das Küchel-
chen gewöhnlich zu Ende des ein und zwanzig-
sten Tages zum Auskriechen aus dem Eye reif.

§. 75.

Die jungen Vögel werden einige Zeit von
der Mutter, und bey denen, die in Monogamie
leben, auch vom Vater, mit vieler Zärtlichkeit
gefüttert, und zumahl bey den mehresten körner-
fressenden aus dem Kropfe geätzt, bis sie besie-
dert, und überhaupt für ihren eigenen Unterhalt
zu sorgen im Stande sind.

§. 76.

Die Vögel erreichen, nach Verhältniß ihrer
körperlichen Größe, und in Vergleich mit den
Säugethieren, ein sehr hohes Alter, und man
weiß, daß selbst in der Gefangenschaft Adler
und Papageyen über hundert, Buchsinken, Stieg-
litze über 24 Jahre etc. leben können.

§. 77.

Die Vögel sind für die Haushaltung der
Natur im Großen ungemein wichtige Geschöpfe,
obgleich ihre unmittelbare Brauchbarkeit fürs
Menschengeschlecht ohne Vergleich einfacher ist,
[Seite 150] als der Säugethiere ihre. Sie vertilgen un-
zählige Insecten, und das unbedingte Weg-
fangen mancher vermeintlich schädlichen Vögel,
der Sperlinge, Krähen etc. in manchen Gegen-
den, hat meist eine ungleich schädlichere Vermeh-
rung des Ungeziefers nach sich gezogen. Andere
verzehren größere Thiere, Feldmäuse,
Schlangen, Frösche, Eidexen etc. oder Aeser.
Viele helfen Unkraut ausrotten. Von der
andern Seite wird auch die Vermehrung und
Fortpflanzung der Thiere so wohl, als der
Gewächse
, durch Vögel befördert. So weiß
man z.B., daß die wilden Enten bey ihren Zü-
gen befruchteten Fischrogen in entfernte Teiche
übertragen, und sie dadurch zuweilen fischreich
machen. Sehr viele Vögel verschlucken Samen-
körner, die sie nachher wieder ganz von sich ge-
ben, und dadurch die Verbreitung derselben be-
fördern: so z.B. die Tauben auf Banda die
Muscatnüsse etc. Der Mist der Seevögel düngt
kahle Felsenklippen und Küsten, daß nachher nütz-
liche Gewächse da fortkommen können. Manche
Falkengattungen lassen sich zur Jagd, so wie
die Scharben zum Fischfang, abrichten etc.
So sehr viele Vögel, ihre Eyer, ihr Fett etc. die-
nen zur Speise. Die ganzen Felle der Seevö-
gel zur Kleidung mancher der nördlichsten Völ-
ker. Die Federn zum Füllen der Betten, zum
Schreiben, und zu mancherley theils kostba-
ren Putz, so wie sie auch bey vielen wilden Völ-
kern, zumahl auf den Inseln des stillen Oceans,
einen beträchtlichen Handelsartikel ausmachen.

§. 78.

[Seite 151]

Der Schade, den die Vögel stiften, läßt
sich fast gänzlich auf die Vertilgung nutz-
barer Thiere und Gewächse
zurück brin-
gen. Der Condor, der Lämmergeyer u.a. Raub-
vögel tödten Kälber, Ziegen, Schafe etc. Der
Fischadler und so viele Wasservögel sind den Fi-
schen und ihrem Leich, so wie die Habichte, Sper-
ber, Aelstern etc. dem Hausgeflügel gefährlich.
Die Sperlinge und andere kleine Sangvögel
schaden der Saat, den Weintrauben und Obst-
bäumen u.s.w. Und endlich werden freylich
nicht bloß brauchbare Gewächse, sondern auch
eben so wohl wucherndes Unkraut durch die
Vögel verpflanzt. Giftige Thiere finden sich
aber in dieser Classe von Thieren eben so wenig,
als in der vorigen.

§. 79.

Da die Bildung der Vögel, im Ganzen
genommen, ziemlich einförmig ist, und gewisse
Theile ihres Körpers, wie der Schnabel und die
Füße, die sich auf ihre ganze Lebensart, Nah-
rung etc. beziehen, schon an sich so viel von ih-
rem Total-Habitus bestimmen; so haben die meh-
resten Ornithologen auch ihre Classification auf
die Verschiedenheit des einen oder des andern von
den genannten Theilen gegründet; Klein z.B.
auf die Bildung der Zehen, Möhring auf die
Bedeckung der Beine, Brisson auf beydes in
Verbindung mit der Beschaffenheit des Schnabels
u.s.w. Linné nimmt in dem Plan seines
[Seite 152] Systems der Vögel auch auf die Bildung meh-
rerer Theile zugleich, und so ziemlich auf den
ganzen Habitus, Rücksicht; nur scheint er sich in
der Ausführung zuweilen vergessen zu haben:
wenigstens begreift man nicht, wie Papageyen,
Colibrite und Krähen bey ihm in eine Ordnung
verbunden, hingegen Tauben und Hühner in zwey
Ordnungen von einander gerissen, und mehr Ver-
bindungen oder Trennungen dieser Art zugelassen
werden durften.

§. 80.

Ich habe mir also hier einige Abänderung
von dem Linne'ischen System erlaubt, und die
ganze Classe in folgende neun Ordnungen ab-
zutheilen versucht.

A) Landvögel.

I. Accipitres. Die Raubvögel: mit krummen
starken Schnäbeln, meist mit kurzen, starken,
knorrigen Füßen, und großen, gebogenen, schar-
fen Klauen.

II. Leuirostres. Mit kurzen Füßen, und meist
sehr großen, dicken, aber mehrentheils hohlen,
und daher sehr leichten Schnäbeln. Papageyen,
Tucane etc.

III Pici. Mit kurzen Füßen, mittelmäßig lan-
gen und schmalen Schnäbeln, und theils wurm-
förmiger, theils fadenförmiger Zunge. Wende-
hals, Spechte, Baumkletten, Colibrite etc.

[Seite 153]

IV. Coraces. Mit kurzen Füßen, mittelmäßig
langem, und ziemlich starkem, oben erhabenem
Schnabel. Raben, Krähen etc.

V. Passeres. Die so genannten Sangvögel nebst
den Schwalben etc. Sie haben kurze Füße, und
einen mehr oder weniger kegelförmigen, zuge-
spitzten Schnabel, von verschiedener Länge und
Dicke.

VI. Gallinae. Vögel mit kurzen Füßen, oben
etwas erhabenem Schnabel, der an der Wur-
zel mit einer fleischigen Haut bewachsen ist.
Auch die Tauben habe ich unter diese Ord-
nung gebracht, da sie bey weitem mehr mit
den Hühnern als mit den Sangvögeln, denen
sie Linne' zugesellete, verwandt sind.

VII. Struthiones. Die großen, zum Flug unge-
schickten Landvögel. Der Straus, Casuar und
Dudu.

B) Wasservögel.

VIII. Grallae. Sumpfvögel, mit langen Füßen,
langem, fast walzenförmigem Schnabel, und
meistens langem Halse.

IX. Anseres. Schwimmvögel mit Ruderfüßen,
einem stumpfen, mit Haut überzogenen, am
Rande meist gezähnelten Schnabel, der sich an
der Spitze des Oberkiefers mit einem Häkchen
endigt.

* * *

Zur N. G. der Vögel.

[Seite 154]
  1. Conr. Gesneri historiae animalium L. III. qui est de
    auium natura
    . Tiguri 1555. fol.
  2. Ulyss. Aldrovandi ornithologia. Bonon. 1599. sq.
    Vol
    . III. fol.
  3. F. Willughby ornithologiae L. III. ex ed. Raji. Lond.
    1676. fol.
  4. Jo. Raji synopsis methodica auium, ib. 1713. 8.
  5. J. Edwards's natural history of birds. Lond. 1743. sq.
    Vol
    . IV. 4.
  6. Ej. gleanings of natural history. ib. 1758 sq. Vol. III. 4.
  7. Brisson ornithologie. Paris 1760. Vol. VI. 4.
  8. Buffon.
  9. Daubenton planches des oiseaux. Paris 1775 sq. fol.
    (1008 Bl.)
  10. Th. Pennant's genera of birds. Lond. 1781. 4.
  11. Ej. arctic zoology. II. Band. ib. 1784. 4.
  12. (Jo. Latham's) general synopsis of birds. ib. 1781. Vol.
    VI. 4. und das Supplement dazu ib. 1787.
  13. F. M. Daudin Traité elementaire et complet d'ornitho-
    logie
    . Par. 1800. Vol. II. 4.
* * *
  1. Joh. Leonh. Frisch Vorstellung der Vögel in
    Deutschland. Berlin, 1733 bis 1763. Fol. (242. Taf.)
  2. J. M. Bechsteins gemeinnützige N. G. Deutschlands
    II. IV. B. Leipzig, 1791. 8.
  3. Dess. ornithologisches Taschenbuch von und für Deutsch-
    land. Leipz. 1802. u. f. III. Th. kl. 8.
  4. J. P. A. Leislers Nachträge zu Bechsteins. N. G.
    Deutschland. 1. H. Hanau. 1812. 8.
  5. J. Wolf u. J. Fr. Frauenholz Abbildungen und
    Beschreibungen der in Franken brütenden Vögel.
    Nürnb. seit 1799. Fol. u. 4.
  6. Teutsche Ornithologie, herausgegeben von Borkhau-
    sen, Lichthammer
    und Becker dem Jüng.
    Darmst. seit 1800. Fol.
  7. Taschenbuch der deutschen Vögel-Kunde, oder kurze
    Beschreibung aller Vögel Deutschlands, von Meyer
    u. Wolf. Frankf. a. M. 1810. II. B. 8.
  8. Corn. Nozemann Nederlandsche Vogelen, door Chr.
    Sepp
    en Zoon. Amst
    . 1770. sq. fol.
  9. Marc. Catesby's natural history of Carolina. Lond.
    1731. Vol. II. fol.
  10. Andr. Sparrmann museum Carlsoniarum. Holm. 1786.
    Fasc. II. fol.

Erst also die Landvögel in VII Ord-
nungen.

[Seite 155]

I. ACCIPITRES.

Fast alle mit kurzen, starken Füßen, großen,
scharfen Krallen, und starkem, gekrümmtem Schna-
bel, der meist oben auf der Seite in zwey stum-
pfe, schneidende Spitzen ausläuft, und an der
Wurzel mehrentheils mit einer fleischigen Haut
(cera) bedeckt ist. Sie nähren sich theils von
Aas, theils vom Raube lebendiger Thiere, leben
in Monogamie, nisten an erhabenen Orten, und
haben ein wilderndes, widerliches Fleisch.

1. Vultur. Geyer. Rostrum rectum,
apice aduncum; plerisque caput et collum
impenne. Lingua bifida.

1. Gryphus. der Condor. Cuntur. V. ca-
runcula verticali longitudine capitis.

de Humboldt Recueil d'observations de Zoo-
logie
. tab. 8. 9.

Hauptsächlich im westlichen Südamerica. Hält
mit ausgespannten Flügeln auf 12 Fuß in die
Breite, und seine Schwungfedern sind am Kiel
wohl fingerdick. Er ist schwarzbraun von Farbe mit
einem weißen Halskragen. Nistet zumahl an felsi-
gen Ufern, fliegt ausnehmend hoch, lebt meist vom
Raube unter den Viehherden, und von den todten
Fischen, die die See auswirft.

2. Papa. der Geyerkönig, Kuttengeyer,
Sonnengeyer. V. naribus carunculatis,
vertice colloque denudato
.

[Seite 156]

Buffon, oiseaux. Vol. I. tab. 6.

In Westindien und Südamerika. Nur von der
Größe eines welschen Huhns; zumahl am Kopf
von schönen gelben, rothen und schwarzen Farben,
mit langen, fleischigen Lappen über dem Schnabel.
Kann den nackten Hals ganz in den dickbefiederten
Schulterkragen einziehen.

3. †. Barbatus. der Lämmergeyer, Bark-
geyer, Goldgeyer, Jochgeyer
. V. ro-
stri dorso versus apicem gibboso, mento
barbato
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 85.

In den Tyroler- und Schweizer-Alpen; auch
in Sibirien und Habessinien. Der größte europäi-
sche Vogel, dessen ausgespannte Flügel bey 10 Fuß
messen, und der sich vorzüglich durch seinen stark-
haarigen Bart, und durch den befiederten Kopf,
besonders aber durch den gewölbten Rücken vorn
am Oberschnabel von andern Geyern auszeichnet*).

4. Percnopterus. der Aasgeyer. V. remigi-
bus nigris, margine exteriore, praeter exti-
mas canis
.

Besonders häufig in Palästina, Arabien und
Aegypten. Verzehrt unzählige Feldmäuse, Amphi-
bien etc. Die alten Aegyptier haben diesen Vogel,
so wie einige andere ihnen vorzüglich nutzbare Thie-
re, heilig gehalten, und ihn häufig in ihrer Bil-
derschrift aus Obelisken, Mumienbekleidungen u.s.w.
vorgestellt.

2. Falco. (Span. Açor.) Rostrum adun-
cum, basi cera instructum; caput pennis
tectum; lingua bifida
.

[Seite 157]

1. Serpentarius. der Secretär. (sagittarius,
Fr. le messager.) F. cera alba cruribus lon-
gissimis, crista ceruicali pendula, rectrici-
bus intermediis elongatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 55.

Vom Cap landeinwärts, auch auf den Philippi-
nen. Mit langen Beinen, wie ein Sumpfvogel*).

2. †. Melanaëtus. der schwarzbraune Ad-
ler
. (Büffon's aigle commun, Engl. the
black eagle
.) F. cera lutea, pedibusque semi-
lanatis, corpore ferrugineo-nigricante, striis
flauis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

In Europa. Beträchtlich kleiner als der folgende.

3. †. Chrysaëtos. der Goldadler, Steinad-
ler
. (Büffon's grand aigle. Engl. the gol-
den eagle
.) F. cera lutea, pedibusque lanatis
luteo ferrugineis, corpore fusco ferrugineo
vario, cauda nigra, basi cinereo vndulata.

Buffon Vol. I. tab. 1.

Im gebirgigen Europa. Nistet auf hohen Felsen,
und versorgt seine Junge mit Wildpret von Hasen,
Gemsen etc.

4. †. Ossifragus. der Fischadler, der Bein-
brecher
. (Fr. l'orfraie. Engl. the seaeagle,
the osprey
.) F. cera lutea pedibusque semila-
natis, corpore ferrugineo, rectricibus latere
interiore albis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1801.

[Seite 158]

An den europäischen Küsten, auch in Nordame-
rica, und theils auf der Südsee. Fast von der Grö-
ße des Goldadlers. Lebt fast bloß von Fischen.

5. †. Haliaëtus. der Entenstößer, Mooß-
weih
. (Fr. le balbuzard. Engl. the osprey.) F.
cera pedibusque caeruleis, corpore supra
fusco, subtus albo, capite albido
.

Buffon Vol. I. tab. 2.

Mehr an den Ufern der Flüsse als an den See-
küsten. Ist oft mit dem Fischadler verwechselt worden.

6. †. Milvus. die Weihe, der Gabelgeyer,
Milan, Scheerschwänzel, Schwalben-
schwarz, Taubenfalke
. (Fr. le milan.
Engl. the kite.) F. cera flaua, cauda forfi-
cata, corpore ferrugineo, capite albidiore
.

Frisch tab. 72.

Fast in der ganzen alten Welt.

7. Gentilis. der Edelfalke. (Fr. le faucon.
Engl. the falcon.) F. cera pedibusque flauis,
corpore cinereo maculis fuscis, cauda fasciis
quatuor nigricantibus.

Frisch tab. 74.

In gebirgigen Gegenden der nördlichen Erde;
variirt in zahlreichen Spielarten, deren einige auch
von manchen für besondere Gattungen angenommen
werden. Wird vorzüglich (so wie freylich manche
andere verwandte Gattungen dieses Geschlechts auch)
zum Fang kleiner Säugethiere und Vögel, nah-
mentlich in den Morgenländern zur Gazellenjagd,
und in Europa zur Reiherbeitze abgerichtet.

8. †. Palumbarius. der Habicht, Taubenfal-
ke
. (accipiter, Fr. l'autour, Engl. the goos-
hawk
.) F. cera nigra, margine pedibusque
flauis, corpore fusco, rectricibus fasciis pal-
lidis, superciliis albis.

Frisch tab. 81. 82.

[Seite 159]

Hat meist gleiche Heimath mit der vorigen Gattung.

9. †. Nisus. der Sperber, Vogelfalke. (Fr.
l'épervier, Engl. the sparrow hawk.) F. cera
viridi, pedibus flauis, abdomine albo griseo
vndulato, cauda fasciis nigricantibus
.

Frisch tab. 90. 91. 92.

In Europa.

3. Strix. Eule. Rostrum breue, aduncum,
nudum absque cera; nares barbatae; caput
grande, lingua bifida; pedes digito versa-
tili; remiges aliquot serratae
.

1. †. Bubo. der Uhu, Schubut, die Ohr-
eule
. (Fr. le grand duc. Engl. the great horn-
owl, the eagle-owl
.) S. auribus pennatis, iri-
dibus croceis, corpore rufo
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795.

Das größte Thier seines Geschlechts. Im mildern
Europa und westlichen Asien*).

2. Nyctea. die Schnee-Eule, Harfang.
S. capite laeui, corpore albido, maculis lu-
natis distantibus fuscis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 75.

In der nördlichsten Erde. Ein prachtvolles Thier.

3. †. Flammea. die Schleiereule. Kirchen-
eule
, Thurmeule. (Fr. l'effraie). S. cor-
pore luteo punctis albis, subtus albido punc-
tis nigricantibus.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

[Seite 160]

In den gemäßigtern Zonen der alten und neuen
Welt. Von ausnehmend schönem und sanftem Ge-
fieder.

4. †. Passerina. das Käutzlein. (Fr. la chevêche,
Engl. the little owl.) S. capite laeui, remi-
gibus maculis albis quinque ordinum.

Frisch tab. 100.

In Europa und Nordamerica.

4. Lanivs. Rostrum rectiusculum, dente
vtrinque versus apicem, basi nudum; lin-
gua lacera.

1. †. Excubitor. der Würger, Bergälster.
(Fr. la pie-grieche grise, Engl. the great
shrike.)
L. cauda cuneiformi, lateribus alba,
dorso cano, alis nigris macula alba
.

Frisch tab. 59.

In Europa und Nordamerica. Ahmt, so wie die
folgende Gattung, anderer Vögel Stimme sehr ge-
schickt nach.

2. †. Collurio. der Neuntödter. (Fr. l'ecor-
cheur
, Engl. the red-backed shrike.) L. cauda
subcuneiformi, dorso griseo, rectricibus qua-
tuor intermediis vnicoloribus, rostro plumbeo
.

Frisch tab. 60.

In Europa. Nährt sich hauptsächlich von Insec-
ten, zumahl Käfern, Grashüpfern etc. die er zum
Vorrath an Schwarzdorn und anderes dorniges
Gebüsche anspießt.


II. LEVIROSTRES.

Die Vögel dieser Ordnung sind fast bloß
den wärmsten Erdstrichen eigen, und werden durch
die theils sehr großen, dicken aber im Verhältniß
[Seite 161] meist sehr leichten Schnäbel, kenntlich, deren
oben (§. 59.) bey Gelegenheit der Luftbehälter
gedacht worden.

5. Psittacvs. Papagey, Sittig. (Fr.
perroquet, Engl. parrot) Mandibula su-
perior adunca, cera instructa, lingua car-
nosa, integra. Pedes scansorii
*).

Merkwürdig ist, daß manche einzelne Gattungen
dieses Geschlechts eine so überaus eingeschränkte
Heimath haben, daß sich, z.B. auf den Philippi-
nen, verschiedene derselben bloß einzig und allein
auf der einen oder andern Insel, und hingegen nie
auf den noch so nahe liegenden, benachbarten fin-
den. Ueberhaupt haben die Papageyen viel auszeich-
nendes Eigenes in ihrem Betragen. Sie wissen
sich z.B. ihrer Füße fast wie Hände zu bedienen,
bringen ihre Speise damit zum Schnabel, krauen
sich damit hinter den Ohren, und wenn sie auf dem
Boden gehen, so treten sie, nicht wie andere Vö-
gel, bloß mit den Krallen, sondern mit der ganzen
Ferse auf etc. Ihr hakenförmiger Oberschnabel ist
eingelenkt und sehr beweglich, und nutzt ihnen zu-
weilen fast statt eines dritten Fußes zum Klettern,
Anhalten u.s.w. Beyde Geschlechter lernen leicht
Worte nachsprechen, und manche hat man, wenn
gleich höchst selten, sogar singen gelehrt.

1. Macao. der Aras, indianische Rabe.
(Aracanga.) P. macrourus ruber, remigibus
supra caeruleis subtus rufis, genis nudis ru-
gosis
.

Edwards's birds tab. 158.

In Südamerika.

[Seite 162]

2. Alexandri. P. macrourus viridis, collari pec-
toreque rubro, gula nigra
.

Edwards l. c. tab. 292.

In Ostindien.

3. Cristatus. der Cacadu. P. brachyurus, cri-
sta plicatili flaua
.

Frisch tab. 50.

In Ostindien, zumahl auf den Molucken.

4. Erithacus. der Jaco, aschgraue Papagey.
P. brachyurus canus, temporibus nudis al-
bis, cauda coccinea
.

Frisch tab. 51.

Auf Guinea, Congo und Angola.

5. Ochrocephalus (Fr. l'amazone à tête jaune.) P.
viridis, vertice flauo, tectricibus alarum
puniceis, remigibus ex viridi, nigro, vio-
laceo et rubro variis, rectricibus duabus ex-
timis basi intus rubris.

Daubenton Pl. 312.

In Westindien etc.

6. Pullarius. (Fr. l'inséparable.) P. brachyurus
viridis, fronte rubra, cauda fulua fascia
nigra, orbitis cinereis
.

Frisch tab. 54. fig. 1.

Auf Guinea und in Ostindien. Nicht viel größer
als ein Blutfink. Hat den französischen Nahmen
von der irrigen Sage, als ob er immer Paarweis
gehalten werden müßte, weil keiner den Verlust
seines Gatten überleben könnte.

6. Ramphastos. Tukan, Pfefferfras.
Rostrum maximum, inane, extrorsum ser-
ratum, apice incuruatum. Pedes scansorii
plerisque.

[Seite 163]

Der ungeheuere Schnabel, der alle Gattungen
dieses sonderbaren Geschlechts südamericanischer Vö-
gel auszeichnet, ist ausnehmend leicht, und von
ungemein weichem Horn. Ihre Zunge ist eine halbe
Spanne lang, wie von Fischbein, an der Wurzel
kaum eine Linie breit, und an den Seiten vor-
wärts
gezasert. Das Gefieder variirt sehr, nach
der Verschiedenheit der beyden Geschlechter, auch
nach dem Alter etc.

1. Tucanus. R. nigricans, rostro flauescente
versus basin fascia nigra, fascia abdominali
flaua
.

7. Bvceros. der Nashornvogel, Ca-
lao
. (hydrocorax) Rostrum maximum, ina-
ne, ad basin versus frontem recuruatum;
pedes gressorii
.

Die sämmtlichen Gattungen dieses ebenfalls aben-
theuerlich gebildeten Geschlechts, sind in Ostindien
und Neu-Holland zu Hause.

1. Rhinoceros. B. processu rostri frontali recur-
uato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 24.


III. PICI.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze
Füße, und meist einen geraden, nicht dicken
Schnabel von mittelmäßiger Länge.

8. Picvs. Specht. (Fr. pic. Engl. wood-
pecker
.) Rostrum polyedrum, apice cunea-
to; lingua teres lumbriciformis, longissima,
mucronata, apice retrorsum aculeato: pe-
des scansorii
.

[Seite 164]

Die Spechte haben vorzüglich den sonderbaren
Bau der Zunge, daß sich das Zungenbein in zwey
lange grätenförmige Knorpel verläuft, die von hin-
ten nach vorn über den ganzen Hirnschädel unter
der Haut liegen, und sich an der Stirne nahe an
der Schnabelwurzel endigen. Diese Knorpel sind
also gleichsam elastische Federn, mittelst welcher
diese Vögel ihre wurmförmige Zunge desto leichter
hervorschießen, und an der hornigen Spitze dersel-
ben Insecten anspießen können.

1. †. Martius. der Schwarzspecht, gemei-
ne Specht, die Hohlkrähe
. P. niger, ver-
tice coccineo
.

Frisch tab. 34. fig. 1.

Nebst den folgenden Gattungen im mildern Eu-
ropa und nördlichen Asien.

2. †. Viridis. der Grünspecht, Grasspecht.
P. viridis, vertice coccineo.

Frisch tab. 35.

3. †. Maior. der große Bunt- oder Roth-
specht
. P. albo nigroque varius, occipite
rubro.

Frisch tab. 36.

4. †. Minor. der kleine Bunt- oder Roth-
specht
. P. albo nigroque varius vertice rubro.

Frisch tab. 37.

9. Iynx. Rostrum teretiusculum, acumina-
tum; lingua lumbriciformis, longissima,
mucronata; pedes scansorii
.

1. †. Torquilla, der Drehhals, Wendehals,
Natterwindel. (Fr. le torcol, Engl. the
wryneck
.) I. cauda explanata, fasciis fuscis
quatuor
.

Frisch tab. 38.

Hat seinen Nahmen von der ungemeinen Gelenk-
samkeit seines Halses, und meist die gleiche Hei-
math wie die vorgedachten Spechte.

[Seite 165]

10. Sitta. Spechtmeise. Rostrum subula-
tum, teretiusculum, apice compresso, man-
dibula superiore paullo longiore; pedes
ambulatorii
.

1. †. Europaea. der Blauspecht. (Fr. la sitelle,
le torchepot
, Engl. the nut-hatch, the wood-
cracker
.) S. rectricibus nigris, lateralibus qua-
tuor infra apicem albis
.

Frisch tab. 39.

In allen drey Welttheilen der nördlichen Erde.

11. Todvs. Rostrum subulatum, depres-
siusculum, obtusum, rectum, basi setis pa-
tulis; pedes gressorii
.

1. Viridis. (Fr. le todier, Engl. the green spar-
row
.) T. viridis, pectore rubro.

Im mittlern America.

2. Paradisaeus. T. capite cristato nigro, corpo-
re albo, cauda cuneata, rectricibus interme-
diis longissimis.

In Südafrica, auf Madagascar etc.

12. Alcedo. Rostrum trigonum, crassum,
rectum, longum; pedes breues, gressorii
.

1. †. Ispida. der Eisvogel. (Alcyon, Fr. le
martin pecheur
, Engl. the kingsfisher.) A. su-
pra cyanea, fascia temporali flaua, cauda
breui
.

Frisch tab. 223.

Fast in der ganzen alten Welt. Nährt sich von
Fischen, deren Gräten er dann als Gewölle (§. 63.)
ausbricht. Daß er nach dem Tode leicht vertrocknet
ohne in Fäulniß überzugehen, ist nicht, wie Para-
celsus, und so viele nach ihm meinten, eine Eigen-
heit dieses Vogels, sondern zeigt sich unter ähnli-
[Seite 166] chen Umständen auch am Kreuzschnabel, Canarien-
vogel u.a.

13. Merops. Rostrum curuatum compres-
sum, carinatum; pedes gressorii
.

1. Apiaster. der Immenwolf, Bienenfres-
ser
. (Fr. le guépier, Engl. the bee-eater.) M.
dorso ferrugineo, abdomine caudaque viridi
caerulescente, gula lutea, fascia temporali
nigra
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1808.

Im südlichen Europa und mildern Asien. Lebt
von Insecten.

14. Upupa. Rostrum arcuatum, conuexum,
subcompressum, obtusiusculum, pedes am-
bulatorii
.

1. †. Epops. der Wiedehopf, Kothhahn,
(Fr. la hupe, Engl. the hoopoe.) U. crista
variegata.

Frisch tab. 43.

In Europa und Ostindien. Nährt sich von Re-
genwürmern und mancherley Insecten. Nistet in
hohle Bäume, und, wie schon Aristoteles anmerkt,
oft auf eine Grundlage von Menschenkoth*).

15. Certhia. Baumläufer. Rostrum ar-
cuatum; pedes ambulatorii.

1. †. Familiaris. die Baumklette, der Grü-
per, Grauspecht, Baumkleber
. (Fr. le
grimpereau,
Engl. the creeper.) C. grisea, sub-
tus alba, remigibus fuscis; rectricibus decem
.

Frisch tab. 39. fig. 1.

[Seite 167]

In Europa. Klettert fast wie die Spechte an den
Baumstämmen herum, um Insecten und ihre Puppen
zu suchen etc.

2. †. Muraria. der Mauerspecht. C. cinerea,
rectricibus roseis, remigibus rectricibusque
fuscis, maculis alarum fuluis niueisque
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 76.

Das ausnehmend schöne Thier hat Sperlings
Größe, und lebt einsam im wärmern Europa. Nah-
mentlich im C. Bern. In Deutschland ists äußerst
selten. Nistet in altem Gemäuer, auf Thürmen etc.

3. Coccinea. C. coccinea, rectricibus remigibus-
que nigris.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 16.

Auf den Sandwich-Inseln, deren kunstreiche Ein-
wohner mit den Federchen dieses kleinen carmoisin-
rothen Vogels mancherley prachtvollen Putz und
andere Kleidungsstücke, Helme etc. sogar ganze
Mäntel etc. überziehen.

4. Sannio. C. oliuacea, vertice subuiolaceo, re-
migibus caudaque subfurcata fuscis
.

Ablild. n. h. Gegenst. tab. 8.

Auf Neu-Seeland.

16. Trochilvs*). Colibri, Honig-
sauger, Blumenspecht
. (Fr. oïseau-
mouche
. Engl. humming bird.) Rostrum
subulatofiliforme longum. Mandibula infe-
riore tubulata, superiore vaginante inferio-
rem. Lingua filis duobus coalitis tubulosa;
pedes ambulatorii
, breuissimi.

Das ganze Geschlecht ist, so viel man bis jetzt
weiß allein in America zu Hause. Aber nicht
[Seite 168] bloß im wärmern, sondern theils auch nördlich bis
Nutka-Sund, und südlich bis zur Westküste von
Patagonien.

A) Curuirostres (eigentliche Colibris.)

1. Pella. (Fr. le colibri-topase.) Tr. ruber, rec-
tricibus intermediis longissimis, capite fusco,
gula aurata vropygioque viridi
.

Edwards tab. 32.

In Guiana. Wohl 6 Zoll lang.

B) Rectirostres (Fr. oiseaux-mouches.)

2. Minimus. T. corpore viridi nitente, subtus
albido; rectricibus lateralibus margine ex-
teriore albis
.

Edwards tab. 105.

Der allerkleinste bekannte Vogel, der aufgetrock-
net nur ungefähr 30 Gran wiegt. Sein Nest ist
von Baumwolle, und hat die Größe einer Wall-
nuß; und seine zwey Eyer etwa die von einer Zu-
ckererbse.

3. Mosquitus. der Juwelen-Colibri. (Fr.
le Rubis topase.) T. viridescens vertice pur-
pureo aurato, gutture auroreo rutilo
.

Seba thes. tab. 37. fig. 1.

Stirn und Scheitel des Männchens glänzen mit
rubinrothem Feuer, und seine Kehle wie glühendes
Gold.


IV. CORACES.

Die Vögel dieser Ordnung haben einen star-
ken, oben erhabenen Schnabel von mittelmäßiger
Größe, und kurze Füße. Sie leben theils von
Getreide u.a. Pflanzensamen etc. theils von
[Seite 169] Insekten, und auch von Aas; und haben meh-
rentheils ein wilderndes, unschmackhaftes Fleisch.

17. Buphaga. Rostrum rectum, subqua-
drangulare: mandibulis gibbis, integris, ex-
trorsum gibbosioribus. Pedes ambulatorii
.

1. Africana. (Fr. le pic boeuf. Engl. the beefeater.)
Latham Vol. I. P. I. tab. 12.

In Senegambien etc.

18. Crotophaga. Rostrum compressum,
semiouatum, arcuatum, dorsatocarinatum.
Mandibula superiore margine vtrinque an-
gulata. Nares peruiae
.

1. Ani. (Fr. le bout de petun. Engl. the razor-
billed blackbird
.) C. pedibus scansoriis.

Latham l. c. tab. 13.

In Westindien. Lebt in gesellschaftlicher Verbin-
dung, und es sollen sogar mehrere Weibchen sich zu-
sammen halten und ein gemeinschaftliches Nest bauen,
mit einander brüten etc.

19. Corvvs. Rostrum conuexum cultra-
tum, nares mystace tectae; pedes ambula-
torii.

1. †. Corax. der Kolk-Rabe. (Fr. le corbeau
Engl. the raven.) C. corpore atronitente, ro-
stri apice subincuruo, cauda semirhombea
.

Frisch tab. 63.

Wie die nächstfolgende Gattung fast durchgehends
in beyden Welten. Hat einen überaus scharfen Ge-
ruch, raubt Fische, Krebse, junge Enten, selbst
junge Haasen etc. schleppt auch andere Sachen zu
Neste, die er nicht fressen kann.

2. †. Corone. die Raben-Krähe. (Fr. la cor-
neille
, Engl. the carrion crow.) C. atrocaeru-
[Seite 170] lescens totus, cauda rotundata: rectricibus
acutis.

Buffon Vol. III. tab. 3.

3. †. Frugilegus. die Saatkrähe, der Ka-
rechel
. (Fr. le freux, la frayonne, Engl. the
rook
.) C. ater, fronte cinerascente, caudae
subrotunda
.

Frisch tab. 64.

Meist im ganzen mildern Europa. Vergütet den
mäßigen Schaden, den sie der Saat thut, durch die
weit beträchtlichere Vertilgung unzähliger Feldmäu-
se, Engerlinge, Grasraupen etc.

4. †. Cornix. die Krähe, Nebelkrähe, Hau-
benkrähe
. (Fr. la corneille mantelée. Engl.
the hooded crow, royston crow.) C. cinerascens,
capite, iugulo, alis caudaque nigris.

Frisch tab. 65.

In den mildern Zonen der alten Welt. Haust
in manchen Gegenden als Standvogel Jahr aus
Jahr ein, in andern läßt er sich bloß über Winter
nieder, ohne daß man noch recht weiß, wo er von
da im Frühjahr hinzieht. Wird ebenfalls durch die
Vertilgung unzähligen Ungeziefers nutzbar, thut
doch aber auch den Maisfeldern großen Schaden.

5. †. Monedula. die Dohle. (Fr. le choucas.
Engl. the jackdaw.) C. fuscus, occipite in-
cauo, fronte alis caudaque nigris.

Frisch tab. 67.

Im nordwestlichen Europa.

6. †. Glandarius. der Holzheher, Nußbeißer,
Marcolph, Hetzle, Herrenvogel. (Fr.
le geai. Engl. the jay.) C. tectricibus alarum
caeruleis, lineis transuersis albis nigrisque,
corpore ferrugineo variegato
.

Frisch tab. 55.

Im mildern Europa.

[Seite 171]

7. †. Caryocatactes. der Nußheher. (Fr. le casse
noix
. Engl. the nut cracker.) C. fuscus albo-
que punctatus, alis caudaque nigris: rectri-
cibus apice albis: intermediis apice detritis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In der nördlichen Erde.

8. †. Pica. die Aelster, Atzel, Aegerste,
Heister. (Fr. la pie. Engl. the magpie.) C.
albo nigroque varius, cauda cuneiformi
.

Frisch tab. 58.

In Europa und Nordamerica. Ein schädliches
Thier für junges Meyergeflügel, aber für Felder
und Gärten sehr nützlich, das zahllose Raupen,
Schnecken etc. vertilgt. Zudem einer der unterhal-
tendsten Stubenvögel.

20. Coracias. Rostrum cultratum, apice
incuruato, basi pennis denudatum; pedes
breues ambulatorii
.

1. †. Garrula. die Mandelkrähe, Racke,
Blauracke, der Birkheher. (Fr. le rol-
lier
, Engl. the roller.) C. caerulea, dorso ru-
bro, remigibus nigris
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1807.

Im mildern Europa und in Nordafrica. Läßt
sich in der Erntezeit, wenn die Frucht in Mandeln
steht, haufenweise auf den Feldern sehen.

21. Gracvla. Rostrum conuexo-cul-
tratum, basi nudiusculum. Lingua integra,
acutiuscula, carnosa. Pedes ambulatorii
.

1. Religiosa. (Fr. le mainate, Engl. the minor
grakle
.) G. nigro violacea, macula alarum
alba, fascia occipitis nuda, flaua
.

Buffon Vol. III. tab. 25.

In Ostindien. Hat eine schöne Stimme, und lernt
leicht Worte nachsprechen.

[Seite 172]

2. Quiscula. der Maisdieb. G. nigro-viola-
cea, cauda rotundata
.

Catesby vol. I. tab. 12.

In Nordamerica.

22. Paradisea*). Paradisvogel. (ma-
nucodiatta
.) Rostrum basi plumis tomento-
sis tectum. Pennae hypochondriorum lon-
giores. Rectrices duae superiores singulares
denudataae.

Das ganze Geschlecht, von zahlreichen Gattungen
hat ein überaus eingeschränktes Vaterland, da es
wohl bloß auf Neu-Guinea zu Hause ist, von
da diese Thiere als Zugvögel nach den Molucken
u.a. benachbarten Inseln streichen. Noch jetzt schnei-
den die Papus diesen Thieren, die wegen ihres
prachtvollen Gefieders in Indien als Putz getragen
werden, wenn sie sie zu dieser Absicht verkaufen,
die Füße ab, die daher die leichtgläubigen Alten
den Paradisvögeln überhaupt abzusprechen wagten**).

1. Apoda. (Fr. l'E'meraude.) P. brunnea pennis
hypochondriis luteis corpore longioribus,
rectricibus duabus intermediis longis setaceis
.

Edwards tab. 110.

2. Alba. der weiße Paradisvogel. (Fr.
le manucode à 12 filets.) P. anterius nigra vio-
[Seite 173] lacea, posterius alba, humeribus viride vir-
gatis, rectricibus 12 nigris
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 96.

Eine der schönsten, und zugleich die seltenste Gat-
tung dieses Geschlechts, am Leibe ohngefähr von
der Größe einer Drossel.

23. Tbogon. Curucuru. Rostrum capi-
te breuius, cultratum, aduncum, margine
mandibularum serratum. Pedes scansorii
.

1. Viridis. T. viridi aureus, subtus luteus, gu-
la nigra
.

Edwards tab. 331.

In Guiana.

24. Bvcco. Bartvogel. (Fr. barbu, Engl.
barbet.) Rostrum cultratum, lateraliter com-
pressum apice vtrinque emarginato, incu-
ruato, rictu infra oculos protenso
.

1. Atroflavus. B. niger, iugulo, pectore et lineis
supra- et infraorbitalibus luteis, abdomine
griseo
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 65.

In Sierra Liona.

25. Cvcvlvs. Rostrum teretiusculum. Na-
res margine prominulae. Pedes scansorii
.

1. †. Canorus. der Kukuk. (Fr. le coucou, Engl.
the cuckow.) C. cauda rotundata nigricante
albo-punctata
.

Frisch tab. 40 u. f.

In der nördlichen alten Welt; wo er aber doch
nur im Frühling und Sommer zu sehen ist. Er
bebrütet das halbe dutzend Eyer, das er jedes Früh-
Jahr nach und nach legt, nicht selbst, sondern legt
sie einzeln in die Nester der Grasmücken und Bach-
[Seite 174] stelzen etc. zwischen dieser ihre eigenen Eyer, da sich
dann diese kleinen Vögel an seiner Statt dem Brüt-
Geschäfte unterziehen. Merkwürdig ist, daß seine
Eyer, die doch um vieles größer sind, als dieser so
weit kleinern Vögel ihre, dennoch eben nicht länger
als diese bebrütet zu werden brauchen. Der junge
Kukuk wächst aber dagegen sehr schnell, und wirft
die mit ihm zugleich ausgebrüteten jungen Gras-
mücken aus ihrem mütterlichen Nest. Sein Winter-
aufenthalt ist noch nicht zuverlässig bekannt.

2. Indicator. der Honigkukuk, Sengo,
Mock. C. cauda cuneiformi fusco- et albi-
do-maculala, alis fuscis maculis flauis, pe-
dibus nigris
.

Jo. Fr. Miller fasc. IV. tab. 24.

Im südlichen Africa vom Cap landeinwärts. Hat
seinen Nahmen von der Fertigkeit, mit welcher er,
wie der Honig-Dachs, seine liebste Nahrung aus
den wilden Bienennestern aufzusuchen weiß.

26. Oriolvs. Rostrum conicum, conve-
xum, acutissimum, rectum: mandibula su-
periore paulo longiore, obsolete emargi-
nata; pedes ambulatorii
.

1. †. Galbula. die Golddrossel, Goldam-
sel, der Kirschvogel, Bülow, Pirol
.
(Fr. le loriot.) O. luteus, pedibus nigris,
rectricibus exterioribus postice flauis
.

Frisch tab. 31.

Hin und wieder in der alten Welt. Das Männ-
chen goldgelb und schwarz, das Weibchen oliven-
grün. Macht sich ein künstliches, napfförmiges,
sehr dauerhaft zwischen zwey Aestchen befestigtes
Nest.

2. Phoeniceus. der Maisdieb. (Engl. the black
bird
.) O. niger, alarum tectricibus coccineis.

Catesby vol. I. tab. 13.

[Seite 175]

Im mildern Nordamerica. Hält sich gemeiniglich
zu dem obgedachten Maisdieb (Gracula quiscula.).

3. Jupujuba. (Persicus Linn.) O. niger, dorso po-
stico maculaque rectricum alarum basique
rectricum luteis.

Brisson vol. II. tab. 9. fig. 1.

In Brasilien etc. Baut sich, wie die vorige und
mehrere andere Gattungen dieses Geschlechts, ein
langes beutelförmiges Nest von Schilf und Binsen*),
deren man zuweilen mehrere Hundert an Einem
Baume hängen sieht.


V. PASSERES.

Kleine Vögel, mit kurzen schlanken Füßen,
und kegelförmigem, scharf zugespitztem Schnabel
von verschiedener Größe und Bildung. Sie leben
in Monogamie, nähren sich von Insecten und
Pflanzen-Samen, haben ein zartes, schmackhaf-
tes Fleisch, und die meisten von ihnen singen
(wie mans insgemein nennt.).

27. Alavda. Rostrum cylindrico-subula-
tum, rectum, mandibulis aequalibus, basi
deorsum dehiscentibus. Vnguis posticus rec-
tior digito longior
.

1. †. Aruensis. die Feldlerche, Himmels-
lerche
, Bardale. (Fr. l'alouette. Engl. the
fieldlark, sky-lark
.) A. rectricibus extimis
duabus extrorsum longitudinaliter albis: in-
termediis inferiore latere ferrugineis
.

Frisch tab. 15. fig. 1.

[Seite 176]

Fast in der ganzen alten Welt. Badet sich so wie
der Straus, die Hühner und viele andere deßhalb
so genannte Scharrvögel (aues pulueratrices)
im Sande.

2. †. Cristata. die Haubenlerche, Kobel-
lerche, Heidelerche
. (Fr. le cochevis.) A.
rectricibus nigris: extimis duabus margine
exteriore albis, capite cristato
.

Frisch tab. 15. fig. 2.

In Deutschland und den benachbarten Ländern.

28. Stvrnvs. Rostrum subulatum, angu-
lato-depressum, obtusiusculum: mandibula
superiore integerrima, marginibus paten-
tiusculis
.

1. †. Vulgaris. der Staar, die Sprehe. (Fr.
l'etourneau. Engl. the stare, starling.) S. ro-
stro flauescente, corpore nigro punctis sagit-
tatis albis
.

Frisch tab. 217.

Meist in der ganzen alten Welt. Ein nutzbares
Thier, das unzählige schädliche Insecten vertilgt.

29. Tvrdvs. Rostrum tereti-cultratum:
mandibula superiore apice deflexo, emar-
ginato
.

1. †. Visciuorus. die Schnarre, Misteldros-
sel, der Ziemer, Mistler
. (Fr. la draine.
Engl. the missel bird, shrite.) T. dorso fusco,
collo maculis albis, rostro flauescente
.

Frisch tab. 15.

Hin und wieder in der alten Welt. Nährt sich
von Mistelbeeren, die auch häufig durch sie fortge-
pflanzt werden.

2. †. Pilaris. der Krammetsvogel. (Fr. la
litorne, tourdelle
. Engl. the fieldfare.) T. rec.
[Seite 177] tricibus nigris: extimis margine interiore
apice albicantibus, capite vropygioque cano:

Frisch tab. 26.

Im nördlichen Europa, streicht aber ins südliche.
Nährt sich vorzüglich von Wachholder-(Krammets-)
Beeren.

3. †. Iliacus. Zipdrossel, Rothdrossel. (Fr.
le mauvis. Engl. the redwing.) T. alis subtus
ferrugineis, superciliis flauescentibus
.

Frisch tab. 28.

Im mildern Europa. Glättet sein Nest mit Let-
ten und faulem Holze aus; und da letzteres theils
im Finstern leuchtet, so könnte vielleicht so ein qui
pro quo
den Anlaß zur Erzählung der Alten, von
einer aue hercynica noctu lucente gegeben haben.

4. †. Musicus. die Sangdrossel, Wein-
drossel, Weißdrossel
. (Fr. la grive. Engl.
the throstle, song thrush.) T. remigibus basi
interiore ferrugineis
.

Frisch tab. 27.

Hat ungefähr gleiches Vaterland mit der vorigen.
Zuweilen findet sich eine weißgraue Spielart von ihr.

5. Polyglottus. die americanische Nachti-
gall, Sinsonte
. (Fr. le moqueur. Engl.
the mockbird.) T. fusco-cinereus, subtus al-
bidus, maculis verticis, alarum et caudae
candidis.

Catesby vol. I. tab. 27.

In Louisiana, Carolina, auch auf Jamaica etc.
Ahmt anderer Vögel Stimme leicht und täuschend
nach.

6. Roseus. T. subincarnatus, capite, alis cau-
daque nigris, occipite cristato.

Edwards tab. 20.

Im mittlern Europa und Asien. Vertilgt unzäh-
lige Zugheuschrecken.

[Seite 178]

7. †. Merula. die Amsel, Schwarzdrossel.
(Fr. le merle. Engl. the blackbird.) T. ater,
rostro palpebrisque flauis
.

Frisch tab. 29.

Im mildern Europa. Lebt einsam, nährt sich
von Wachholderbeeren, hat ein vorzüglich treues
Gedächtniß.

30. Ampelis. Rostrum rectum, conue-
xum: mandibula superiore longiore, sub-
incuruata, vtrinque emarginata.

1. Garrulus. der Seidenschwanz, Pfeffer-
vogel, Sterbevogel
, Böhmer. (Fr.
le jaseur de Boheme. Engl. the bohemian chat-
terer
.) A. occipite cristato: remigum secun-
dariorum
apice coccineo lanceolato.

Frisch tab. 32.

Im nördlichsten Europa, kommt aber in manchen
Jahren zur Herbstzeit häufig nach Deutschland: zu-
mahl auf den Harz.

31. Loxia. Rostrum conico-gibbum, fron-
tis basi rotundatum; mandibula inferior
margine laterali inflexa
.

1. †. Curuirostris. der Kreuzschnabel,
Krummschnabel, Krünitz, Tannenpa-
pagey
. (Fr. le bec croisé. Engl. the cross-
bill, sheldapple
.) L. rostro forficato.

Frisch tab. 11. fig. 3. 4.

In den Schwarzwäldern der nördlichern Erde.
Brütet mitten im Winter zu Ende des Jänners.

2. †. Coccothraustes. der Kernbeißer, Kirsch-
fink
. (Fr. le gros bec. Engl. the hawfinch.)
L. linea alarum alba, remigibus mediis apice
rhombeis, rectricibus latere tenuiore baseos
nigris
.

Frisch tab. 4. fig. 2. 3.

[Seite 179]

Hin und wieder in Europa.

3. †. Pyrrhula. der Dompfaff, Blutfink,
Liebig, Gimpel. (rubicilla. Fr. le bou-
vreuil
. Engl. the bullfinch.) L. artubus nigris,
tectricibus caudae remigumque posticarum
albis
.

Frisch tab. 2. fig. 1. 2.

In der nördlichern alten Welt. Beyde Geschlech-
ter lernen leicht Lieder pfeifen, selbst einander ac-
compagniren, und sogar Worte nachsprechen.

4. Gregaria. L. ex griseo flauescens, fronte
oliuacea, nucha, humeris, alis et cauda
fuscis.

Paterson's journeys pag. 133.

Am Cap, wo Herden von mehreren hunderten
ihre Nester auf einem Baum dicht zusammen bauen,
und das wunderbare Gebäude mit einem gemein-
schaftlichen überhängenden Dache bedecken.

5. Pensilis. L. viridis, capite et gutture flavis,
fascia oculari viridi, abdomine griseo, ro-
stro, pedibus, cauda remigibusque nigris
.

Sonnerat voy. aux Indes T. II. tab. 112.

Ebenfalls am Cap, so wie auf Madagascar. Bauet
auch eins der wundersamsten Nester, am Wasser,
fast retortenförmig mit abwärts hängenden Halse zum
Ein- und Ausflug, so daß die Mündung nahe über
der Wasserfläche zu hängen kommt.

6. Philippina. die Baya. L. fusca, subtus al-
bido flauicans, vertice pectoreque luteis, gu-
la fusca.

Daubenton Planches. tab. 135. fig. 2.

In Ostindien; sehr gelehrig, daher sie in der in-
dischen Halbinsel zu mancherley kleinen Künsten
abgerichtet wird. Bauet gleichfalls ein sehr kunst-
reiches hängendes Nest aus Binsen etc.

[Seite 180]

7. Cardinalis. der indianische Haubenfink,
die virginische Nachtigall. (Engl. the
redbird
.) L. cristata rubra, capistro nigro,
rostro pedibusque sanguineis
.

Frisch tab. 4. fig. 1.

In Nordamerica, wird wegen seines rothen Ge-
fieders und seines Gesanges häufig nach Europa
gebracht.

8. †. Chloris. der Grünfink, Grünling,
Grünschwanz, die Zwuntsche. (anthus,
florus. Fr. le verdier. Engl. the greenfinch.)
L. flauicanti-virens, remigibus primoribus
antice luteis, rectricibus lateralibus quatuor
basi luteis
.

Frisch tab. 2. fig. 3. 4.

Hin und wieder in Europa.

9. Orix. der Feuervogel. L. grisea, rostro,
fronte abdomineque nigris, collo vropygio-
que fuluis
.

Daubenton Planches. tab. 6. fig. 2. und
tab. 134. fig. 1.

Am Cap etc.; das Männchen im Frühling und
Sommer feuerroth und sammtschwarz; im Herbst und
Winter hingegen von der graulichbraunen Farbe
des Weibchens.

32. Emberiza. Ammer. Rostrum coni-
cum, mandibulae basi deorsum a se invi-
cem discendentes: inferiore lateribus infle-
xo-coarctata, superiore angustiore
.

1. Nivalis. die Schneeammer, der Schnee-
vogel
. (Fr. l'ortolan de neige. Engl. the snow
bunting
.) E. remigibus albis, primoribus ex-
trorsum nigris: rectricibus nigris, lateralibus
tribus albis.

Frisch tab. 6. fig. 1. 2.

[Seite 181]

In der nördlichsten Erde. Kommt nur zum Ueber-
wintern nach Deutschland, wo sie sich aber zuwei-
len mit ein Mahl in unermeßlichen Zügen sehen
läßt.

2. †. Miliaria. die graue Ammer. (Fr. le
Proycr
. Engl. the bunting.) E. grisea, subtus
nigro maculata, orbitis rufis
.

Frisch tab. 6. fig. 4.

Meist durch ganz Europa.

3. †. Hortulana. der Ortolan, Kornfink,
die Fettammer, windische Goldammer.
E. remigibus nigris, primis tribus margine
albidis: rectricibus nigris, lateralibus duabus
extrorsum nigris
.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1803.

In den wärmern Gegenden von Europa und dem
benachbarten Asien.

4. †. Citrinella. die Goldammer, Gelbgans,
der Emmerling. (Fr. le bruant. Engl. the
yellow hammer
.) E. rectricibus nigricantibus:
extimis duabus latere interiore macula alba
acuta
.

Frisch tab. 5. fig. 1. 2.

Meist durch ganz Europa.

5. Aureola. E. citrina, vertice, torque dorsó-
que spadiceis, crisso albido, rectricibus dua-
bus vtrinque extimis fascia obliqua alba
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 56.

In Sibirien, bis Kamtschatka.

6. Paradisea. die Witwe. (Fr. la veuve à col-
lier d'or
. Engl. the whidab bird.) E. fusca,
pectore rubro, rectricibus intermediis qua-
tuor elongatis acuminatis: duabus longissi-
mis, rostro rubro
.

Edwards tab. 86.

[Seite 182]

Hat den englischen, nachher in andern Sprachen
aus Mißverstand verunstalteten Nahmen von ihrer
Heimath, dem Königreich Whydah (oder Judah)
auf der guineischen Küste.

33. Tanagra. Rostrum conicum, acu-
minatum, emarginatum, basi subtrigonum,
apice decliue
.

1. Jacapa. (Fr. le cardinal pourpré, le bec d'ar-
gent
. Engl. the red-breasted blackbird.) T.
atra, fronte, iugulo pectoreque coccineis
.

Edwards tab. 267.

In Westindien und dem benachbarten America.

34. Fringilla. Fink. Rostrum coni-
cum rectum acuminatum
.

1. †. Caelebs. der Buchfink, Gartenfink,
Rothfink, Waldfink. (Fr. le pinçon.
Engl. the chaffinch.) F. artubus nigris, remi-
gibus vtrinque albis, tribus primis immacu-
latis: rectribus duabus oblique albis
.

Frisch tab. 1. fig. 1. 2.

In Europa und Africa: hat mannigfaltigen Ge-
fang, so daß oft die Finken in einem Revier von
sechs oder mehr Meilen in die Runde überein, und
in benachbarten Gegenden wieder anders schlagen.

2. †. Montifringilla. der Bergfink, Tannen-
fink, Rothfink, Mistfink
, Schneefink,
Winterfink, Quäkfink, Böheimer.
(Fr. le pinçon d'Ardennes. Engl. the bramble.)
F. alarum basi subtus flauissima.

Linne' fauna suec. tab. 2. fig. 198.

Im nördlichen Europa. Kommt, wenn die Buch-
mast gut gerathen, im Spätherbst zu vielen Tau-
senden nach manchen Gegenden Deutschlands.

[Seite 183]

3. Niualis. der Schneefink. (Fr. la niverolle.)
F. fusca, subtus niuea, remigibus secundariis
rectricibusque albis
.

Brisson vol. III. tab. 15. fig. 1.

Auf dem Caucasus, und in den europäischen
Alpen.

4. †. Carduelis. der Stieglitz, Distelfink.
(Fr. le chardonneret. Engl. the goldfinch, the
thistlefinch
.) F. fronte et gula coccineis, re-
migibus antrorsum flauis: rectricibus dua-
bus extimis medio, reliquisque apice albis
.

Frisch tab. 1. fig. 3. 4.

Fast durch ganz Europa und in den benachbarten
Ländern der übrigen alten Welt. Gibt mit der Ca-
narien-Sie schöne Bastarde*).

5. Amandaua. der Finke von Bengalen.
(Fr. le Bengali piqueté. Engl. the Amedabad
finch
.) F. fusca rufescensque albo punctata.

Buffon vol. IV. tab. 2. fig. 1.

In Ostindien. Daß seine Knochen, wie man
behauptet, gelb seyn sollen, habe ich bey denen,
die ich zu untersuchen Gelegenheit gehabt, nicht
bestätigt gefunden.

6. Canaria. der Canarienvogel, ehedem
Zuckervögelein
. (Fr. le serin de Canarie.)
F. rostro albido, corpore subfusco, pectore
flauescente, rectricibus remigibusque vires-
centibus
.

Frisch tab. 12. fig. 1–4.

Scheint zu Anfang des sechszehnten Jahrhunderts
aus den canarischen Inseln zuerst nach Europa ge-
bracht worden zu seyn: ist aber seitdem daselbst in
mancherley Varietäten ausgeartet. Die wilde
Stamm-Rasse ist bräunlichgrau mit gelber Brust.

[Seite 184]

Unter den übrigen sind besonders die mit der Holle
oder Federbüschchen auf dem Kopfe (so genannte
Kapp-Vögel), und die Kackerlacken mit rothen
Augen zu merken.

7. †. Spinus. der Zeisig, Erlenfink. (ligu-
rinus, acanthis
. Fr. le tarin. Engl. the
sisk n.
) F. remigibus medio luteis: primis
quatuor immaculatis, rectricibus basi flauis,
apice nigris
.

Frisch tab. 11. fig. 1. 2.

Nistet in den Gipfeln der hohen Tannen und
Fichten in dichten Schwarzwäldern; daher sein Nest
selten gefunden wird*).

8. †. Cannabina. der Hänfling, Leinfink,
die Artsche. (Fr. la linotte. Engl. the
greater linnet
.) F. remigibus primoribus rec-
tricibusque nigris, vtroque margine albis
.

Frisch tab. 9. fig. 1. 2.

In Europa und Nordamerica.

9. †. Linaria. das Citrinchen, der Flachs-
fink, Carminhäufling
. (Fr. le sizerin.
Engl. the lesser linnet.) F. remigibus rectri-
cibusque fuscis, margine obsolete pallido,
litura alarum albida
.

Frisch tab. 10. fig. 3. 4.

In der ganzen nördlichen Erde.

10. †. Domestica. der Sperling, Spatz.
passer. (Fr. le moineau Engl. the sparrow.)
F. remigibus rectribusque fuscis, gula nigra,
temporibus ferrugineis
.

In ganz Europa und den benachbarten Ländern
der übrigen alten Welt fast allgemein verbreitet.
Doch, daß er sich in einzelnen Gegenden, wie z.
[Seite 185] B. an manchen Orten in Thüringen (und zwar auch
an solchen, wo es doch weder an Laubholz noch
Obststämmen etc. fehlt) nicht findet. Er brütet vier
Mahl im Jahre. Freylich für Gärten und Feld
ein schädliches Thier, das aber doch auch unzähli-
ges Ungeziefer vertilgt. Zuweilen finden sich ganz
weiße Sperlinge.

35. Mvscicapa. Fliegenfänger. (Fr.
gobe mouche. (Engl. flycatcher.) Rostrum
subtrigonum vtrinque emarginatum, apice
incuruo; vibrissae patentes versus fauces
.

1. †. Atricapilla. der Fliegenschnäpper. M.
nigra, subtus, frontis macula alarumque
speculo albis, rectricibus lateralibus extus
albis
.

Frisch tab. 24. fig. 1.

Hin und wieder in Europa.

36. Motacilla. Rostrum subulatum rec-
tum: mandibulis subaequalibus
.

1. †. Luscinia. Nachtigall. (Fr. le rossignol.
Engl. the nightingale.) M. rufo-cinerea ar-
millis cinereis
.

Frisch tab. 21. fig. 1. 2.

In den mildern Erdstrichen von Europa und Asien.
Kommt im April in unsern Gegenden an, und zieht
zu Ende Augusts wieder von dannen, man weiß
noch nicht gewiß, wohin; wenigstens, so viel be-
kannt, nicht nach Africa.

2. †. Curruca. die Grasmücke, der Hek-
kenschmatzer, Weidenzeisig
. (Fr. la
fauvette
. Engl. the hedge sparrow.) M. supra
fusca subtus albida, rectricibus fuscis: ex-
tima margine tenuiore alba
.

Frisch tab. 21. fig. 3.

Im mildern Europa.

[Seite 186]

3. †. Ficedula. die Beccafige. M. subfusca,
subtus alba, pectore cinereo maculato
.

Frisch tab. 22. fig. 3. 4.

Im mildern und wärmern Europa, zumahl auf
Cyprus, von wannen sie wegen ihres schmackhaften
Fleisches weit verführt wird.

4. †. Alba. die weiße oder graue Bach-
stelze, das Ackermännchen
. (Fr. la la-
vandiere
. Engl. the white waterwagtail.) M.
pectore nigro, rectricibus duabus lateralibus
dimidiato-oblique albis
.

Frisch tab. 23. fig. 4.

Meist in der ganzen alten Welt.

5. Calliope. M. mustelina, oliuaceo-maculata
subtus ex flauescente alba, gula miniata,
linea alba nigraque cincta, loris nigris, su-
perciliis albis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 45.

In Sibirien, bis Kamtschatka.

6. †. Atricapilla. der Klosterwenzel, Mönch.
(Fr. la fauvette à tête noire. Engl. the black-
cap
.) M. testacea, subtus cinerea, pileo ob-
scuro
.

Linne' fauna suecica. tab. 1. fig. 256.

Im mildern Europa. Einer der lieblichsten Sang-
vögel.

7. †. Phoenicurus. das Schwarzkehlchen.
(Fr. le rossignol de muraille. Engl. the redstart.)
M. gula nigra, abdomine caudaque rufis, ca-
pite dorsoque cano
.

Frisch tab. 19. fig. 1.

Hat meist gleiches Vaterland mit der Nachtigall;
kommt und geht auch zu gleicher Zeit mit ihr.

8. †. Rubecula. das Rothkehlchen, Roth-
brüstchen, der Rothbart
. (erithacus.
[Seite 187] Fr. le rougegorge. Engl. the robin-redbreast.)
M. grisea, gula pectoreque ferrugineis.

Frisch tab. 19. fig. 2.

Meist in ganz Europa. Bleibt auch über Win-
ter bey uns, und wird durch Vertilgung unzähliger
schädlicher Insecten sehr nutzbar.

9. †. Troglodytes. der Zaunkönig, Zaun-
schlupfer, Schneekönig, Winterkönig
.
(Engl. the wren.) M. grisea, alis nigro cine-
reoque vndulatis
.

Frisch tab. 24. fig. 3.

In der nördlichern Erde. Macht sich ein bedeck-
tes Nest, fast in Gestalt eines Backofens*), und
legt zahlreiche Eyer.

10. †. Regulus. das Goldhähnchen. (Fr. le
roitelet.
) M. remigibus secundariis exteriori
margine flauis, medio albis, crista verticali
crocea
.

Frisch tab. 24. fig. 4.

Ebenfalls in der nördlichen Erde. Der kleinste
europäische Vogel.

11. Sartoria. der Schneidervogel. M. tota
pallide lutea.

J. R. Forsters Indische Zoologie tab. 8.

In Indien. Kleiner als der Zaunkönig. Hat den
Nahmen von der merkwürdigen Art, wie er sein
Nest aus Baumblättern verfertigt, da er einige dür-
re Blätter an ein grünes am äußersten Ende eines
Zweiges gleichsam annähet, so daß dadurch eine
tutenförmige Höhlung gebildet wird, die er mit
Flaumen etc. ausfuttert.

[Seite 188]

37. Pipra. Manakin. Rostrum capite
breuius, basi subtrigonum integerrimum,
apice incuruum. Pedes gressorii
.

1. Rupicola. (Fr. le coq de roche.) P. crista erec-
ta margine purpurea, corpore croceo, rectri-
cibus rectricum truncatis.

Edwards tab. 264.

In Guiana etc.

38. Parvs. Meise. (Fr. mèsange, Engl.
titmouse, Tom-tit) Rostrum integerri-
mum, basi setis tectum
.

1. †. Major. die Kohlmeise, Brandmeise.
(Fr. la charbonnière, Engl. the great titmou-
se
.) P. capite nigro, temporibus albis, nucha
lutea
.

Frisch tab. 13. fig. 1. 2.

Meist durch die ganze alte Welt. Ein muthiges
Thier, das weit größere Vögel anfällt, andern
kleinen Sangvögeln die Köpfe aufhackt etc. Man
hat bey dieser und andern über Winter bey uns
bleibenden Gattungen dieses Geschlechts angemerkt,
daß dann das Horn ihres Schnabels weit härter
wird als im Sommer, das ihnen bey Auspicken
ihres Futters aus dem gefrornen Erdreich zu Stat-
ten kommt.

2. †. Caeruleus. die Blaumeise, Pimpel-
meise, Jungfernmeise, der Blaumül-
ler
. (Fr. la mesange bleue. Engl. the nun.)
P. remigibus caerulescentibus: primoribus
margine exteriore albis, fronte alba, vertice
caeruleo
.

Frisch tab. 14. fig. 1.

Häufig in Europa. Vertilgt Jahr aus Jahr ein
unzählige Insecten.

[Seite 189]

3. †. Caudatus. die Schwanzmeise, Moor-
meise, Schneemeise
. (Fr. la mesange à
longue queue
. Engl. the longtailed titmouse.)
P. vertice albo, cauda corpore longiore.

Frisch tab. 14. fig. 3.

In Europa und Westindien. Legt wohl 20 Eyer,
baut sich ein sackförmiges Nest*) von Moos, Wol-
le etc. und bekleidet es von außen mit den nähmli-
chen Baumkrätzen u.a. Moosen, womit der Baum,
an dessen Stamm sie es angelegt, bewachsen ist.

4. †. Biarmicus. das Bartmännchen, der
indianische Sperling
. (Fr. le moustache.
Engl. the bearded titmouse.) P. vertice cano,
cauda corpore longiore, capite barbato
.

Frisch tab. 8. fig. 3.

Im nordwestlichen Europa, England etc.

5. Pendulinus. die Beutelmeise, Pendulin-
meise, der Remitz, Cottonvogel
. (Fr.
la mesange de Pologne.) P. capite subferrugi-
neo, fascia oculari nigra, remigibus rectri-
cibusque fuscis margine vtroque ferrugineo.

J. D. Titii parus minimus Remiz descriptus.
Lips. 1755. 4. tab. 1. 2.

Hin und wieder in Ober-Italien, Polen, Si-
birien etc. baut sich ein beutelförmiges Nest von
Pappelwolle etc., das sie an einem dünnen Aste auf-
hängt.

39. Hirvndo. Schwalbe. Rostrum mini-
mum incuruum, subulatum, basi depressum
.

Die Schwalben zeichnen sich auch außer ihrer
Bildung durch ihre Lebensart etc. gar sehr von den
übrigen Thieren dieser Ordnung aus. Bey der be-
kannten Streitfrage über den Winteraufenthalt un-
serer hierländischen Schwalben, zumahl der beyden
[Seite 190] ersten Gattungen, scheint doch nach allem, was da-
rüber geschrieben worden, noch manches nicht voll-
kommen ins Reine. Schade, daß bey den für die
eine*) oder für die andere**) Behauptung ange-
führten Erfahrungen, die Gattungen, an welchen
sie gemacht worden, nicht bestimmt genug angege-
ben sind. Im ganzen hat doch aber immer das
Wegziehen derselben nach wärmeren Gegenden bey
weiten die größte Wahrscheinlichkeit für sich.

1. †. Domestica. die Rauchschwalbe, Feuer-
schwalbe
. (hirundo rustica Linn. Fr. l'hiron-
delle de cheminée.
Engl. the house-swallow,
chimney-swallow
.) H. rectricibus, exceptis
duabus intermediis macula alba notatis, fron-
te et gula spadiceis.

Frisch tab. 18. fig. 1.

Nebst der Uferschwalbe einer der weitverbreitet-
sten Vögel auf Erden. Die Benennungen dieser
und der folgenden Gattung sind bey den Systema-
tikern auf das seltsamste vermengt und verwechselt
worden. Hier diese, mit den nackten unbefiederten
Füßen und weißgefleckten Steuerfedern, baut ihr
offenes Nest (das oft von Wanzen wimmelt) an
die Dachgiebel, Ställe, Scheuern, und auf den
Dörfern in den Hausären und unter die Rauchfänge.

2. †. Agrestis. die Hausschwalbe, Fenster-
schwalbe, Mehlschwalbe, Spyrschwal
-
[Seite 191] be. (hirundo vrbica Linn. Fr. l'hirondelle
de fenêtre ou de muraille, le martinet à cul
blanc
. Engl. the martin.) H. pedibus hirsu-
tis, rectricibus immaculatis, dorso nigro
caerulescente, tota subtus alba.

Frisch tab. 17. fig. 2.

Zumahl in der nördlichen Erde. Nistet meist auf
den Dörfern außerhalb der Häuser unterm Dache,
an den Kirchfenstern etc. Macht ihr Nest aus Lehm-
Klümpchen, oben zugewölbt.

3. †. Riparia. die Uferschwalbe, Erd-
schwalbe
. (Fr. l'hirondelle de rivage. Engl.
the sand-martin, shore bird.) H. cinerea, gula
abdomineque albis
.

Frisch tab. 18. fig. 2.

Baut in Fluß-Ufern, Lehmgruben, Sandhü-
geln etc.

4. †. Esculenta. die Salangane. H. rectrici-
bus omnibus macula alba notatis.

Von der Größe des Zaunkönigs. Auf den sun-
daischen u.a. Inseln des indischen Archipelagus bis
Neu-Guinea etc. Baut da in die Uferlöcher und
Berghöhlen die berufenen indianischen oder Tunkins-
nester, deren Stoff der Hausenblase ähnelt und ver-
muthlich aus halbverdauten, dadurch für Fäulung
gesicherten und so regurgitirten molluscis besteht.
Man sammelt jährlich wohl vier Millionen dieser
Nestchen, die größtentheils nach Schina verkauft
werden.

5. †. Apus. die Mauerschwalbe, Stein-
schwalbe, Pierschwalbe, Thurmschwal-
be
. (Fr. le martinet, Engl. the black martin,
swift
.) H. nigricans, gula alba, digitis omni-
bus quatuor anticis
.

Frisch tab. 17. fig. 1.

In allen drey Welttheilen der nördlichen Erde.

[Seite 192]

40. Caprimvlgvs. Rostrum modice in-
curuum, minimum, subulatum, basi de-
pressum; vibrissae ciliares. Rictus amplis-
simus; vnguis intermedius introrsum cilia-
tus
.

1. †. Europaeus. die Nachtschwalbe, Hexe,
der Ziegenmelker, Ziegensauger,
Nachtrabe, Tagschläfer. (nycticorax.
Fr. l'engoulevent, la tette-chevre. Engl. the
goatsucker, night-raven
.) C. narium tubis ob-
soletis
.

Frisch tab. 101.

In der alten Welt. Ein animal nocturnum,
das im Flug seine schnurrende Stimme hören läßt.
Es lebt von Insecten, besonders von Nachtfaltern etc.
und die alte Sage, daß es den Ziegen die Milch
aussauge, ist ungegründet.


VI. GALLINAE.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze Füße
und einen convexen Schnabel, der an der Wur-
zel mit einer fleischigen Haut überzogen ist, und
dessen obere Hälfte zu beyden Seiten über die un-
tere tritt. Sie nähren sich meist von Pflanzen-
samen, die sie im Kropfe einweichen, leben in
Polygamie, legen zahlreiche Eyer, und geben das
mehreste Hausgeflügel.

41. Columba. Taube. (Fr. und Engl.
pigeon). Rostrum rectum versus apicem
descendens
*).

[Seite 193]

a) Cauda aequali modica.

1. †. Oenas. die Haustaube, Feldtaube,
Holztaube. (vinago, livia. Fr. le biset.
Engl. the stock dove.) C. caerulescens, cerui-
ce viridi nitente, dorso postico albo, fascia
alarum apiceque caudae nigricante
.

Die Holztaube ist meist in der ganzen alten Welt
zu Hause. Die in Norden ziehen im Herbst nach
etwas südlichern Gegenden. Die in mildern Erd-
strichen hingegen überwintern scharenweise in Fel-
sen-Klüften, hohlen Bäumen etc. Das wilde Weib-
chen brütet zwey Mahl im Jahre, die Haustaube
hingegen neun bis zehn Mahl, so daß man von
einem einzigen Paar binnen vier Jahren 14762
Tauben ziehen könnte. Die vorzüglichsten Abarten
(wovon doch manche für besondere Gattungen an-
gesehen werden) sind folgende:

a) dasypus, die Trommeltaube. (Fr. le
pigeon pattu
. Engl. the rough-footed dove.)
mit langbefiederten Füßen. Frisch tab. 145.

b) gutturosa, die Kropftaube, der Kröpfer.
(Fr. le pigeon à grosse gorge, le grandgosier.
Engl. the cropper pigeon.) mit theils ungeheu-
rem Kropfe. Frisch tab. 146.

c) turbita, das Möwchen. (Fr. le pigeon
cravate, à gorge frisée
. Engl. the turbit.)
mit krausen Brustfedern und ganz kurzem Schna-
bel. Frisch tab. 147.

d) gyratrix, der Tümmler. (Fr. le pigeon
culbutant. Engl. the tumbler.) mit glattem
Kopf und einem kahlen rothen Augenring;
überschlägt sich im steigenden Fluge. Frisch
tab. 148.

e) cucullata, die Schleiertaube, Zopf-
taube
. (Fr. le pigeon nonain. Engl. the ja-
cobine
.) mit vorwärts gerichtetem Kopf-Bu-
sche. Frisch tab. 159.

[Seite 194]

f) laticauda, die Pfauentaube, der Hü-
nerschwanz
. (Fr. le pigeon paon, Engl.
the shaker.) mit aufrechtem, ausgebreitetem
Schwanze. Frisch tab. 151.

g) tabellaria, die Posttaube, Brieftau-
be, türkische Taube
. (Fr. le pigeon mes-
sager
. Engl. the carrier pigeon.) mit rothen
Fleischwarzen um den Schnabel und die Au-
gen herum. Diese Taubenart hat ihren Nah-
men daher, weil man sich ihrer vorzüglich ehe-
dem in der Levante bediente, um Briefchen zu
überschicken*).

2. Coronata. der Kronvogel. C. caerulescens,
supra cinerea, orbitis nigris, crista erecta,
humeris ferrugineis
.

Jo. Fr. Miller fasc. III. tab. 16.

Zumahl auf Neu-Guinea und den Molucken etc.
Fast von der Größe des welschen Hahns.

3. †. Palumbus. die Ringtaube, große Holz-
taube, Schlagtaube, Plochtaube, Kohl-
taube
, Holztaube. (Fr. le pigeon ramier.
Engl. the ring-dove.) C. rectricibus postice
atris, remigibus primoribus margine exterio-
re albidis, collo vtrinque albo
.

Frisch tab. 138.

Meist in ganz Europa.

4. †. Turtur. die Turteltaube. (Fr. la tour-
terelle.
Engl. the turtle-dove.) C. rectricibus
apice albis, dorso griseo, pectore incarnato,
macula laterali colli nigra lineolis albis
.

Frisch tab. 140.

In den warmen und mildern Gegenden der al-
ten Welt. Von ihrer gepriesenen Keuschheit und
ehelichen Treue die fabelhaften Uebertreibungen ab-
[Seite 195] gerechnet, haben sie darin nichts vor andern Vögeln
ähnlicher Lebensart voraus.

5. †. Risoria. die Lachtaube. (Fr. la tourte-
relle à collier
, Engl. the indian turtle.) C. su-
pra lutescens lunula ceruicali nigra
.

Frisch tab. 141.

Im mildern Europa und in Ostindien.

b) Cauda longiore cuneata.

6. Migratoria. die Zugtaube. C. orbitis de-
nudatis sanguineis, pectore rufo
.

Frisch tab. 142.

Im nordöstlichen America. Macht, zur Zeit ihrer
unermeßlichen Züge, eine Haupt-Nahrung der da-
sigen Indianer aus, die auch Tausende derselben
räuchern und dörren.

42. Tetrao. (Engl. grous.) Macula pro-
pe oculos nuda, papillosa
.

1. †. Coturnix. die Wachtel. (Fr. la caille.
Engl. the quail.) T. pedibus nudis, corpore
griseo maculato, superciliis albis, rectricum
margine lunulaque ferruginea
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1802.

Fast in der ganzen alten Welt; ein Zugvogel der
sich im Zug zuweilen in zahlloser Menge sehen läßt.

2. †. Perdix. das Rebhuhn, Feldhuhn.
(Fr. la perdrix grise. Engl. the partridge.) T.
pedibus nudis calcaratis, macula nuda coc-
cinea sub oculis, cauda ferruginea, pectore
subfusco
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1799.

Im mittlern Europa und in den mildern Ge-
genden des asiatischen Rußlands.

3. †. Rufus. (Fr. la perdrix rouge, la bartavelle.)
T. pedibus nudis calcaratis rostroque san-
[Seite 196] guineis, gula alba cincta fascia nigra albo
punctata
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

Im südlichen Europa und Orient. Wird auf den
Inseln des Archipelagus als Meyergeflügel gehalten.

4. †. Bonasia. das Haselhuhn. (Fr. la geli-
notte
.) T. pedibus hirsutis, rectricibus cine-
reis punctis nigris fascia nigra: exceptis in-
termediis duabus
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Lebt einsam in den Haselgebüschen des mittlern
Europa. Das Schwedische (Hiärpe) ist wohl das
schmackhafteste von allem wilden Geflügel.

5. †. Lagopus. das Schneehuhn, Rype. (Fr.
la gelinotte blanche. Engl. the white game.) T.
pedibus lanatis, remigibus albis, rectricibus
nigris, apice albis: intermediis albis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

In den alpinischen und nördlichsten Gegenden der
alten und neuen Welt. Ist im Sommer von grauer
Farbe. Nahmentlich ein überaus wichtiges Thier
für die europäischen Colonisten in Labrador und
Grönland.

6. †. Tetrix. der Birkhahn. (Fr. le petit te-
tras
. Engl. the black cock.) T. pedibus hir-
sutis, cauda bifurcata, remigibus secunda-
riis basin versus albis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795.

In der nördlichern alten Welt.

7. †. Vrogallus. der Auerhahn. (Fr. le coq
de bruyere, tetras
. Engl. the cock of the wood.)
T. pedibus hirsutis, cauda rotundata, axil-
lis albis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1794.

[Seite 197]

Im nördlichern Europa; hat ein äußerst scharfes
Gesicht und Gehör. Seine Zunge und oberer Kehl-
kopf liegen tief unten im Halse.

43 a). Nvmida. Caput cornutum, col-
lum compressum coloratum; palearia ca-
runculacea ad latera maxillae vtriusque
.

1. Meleagris, das Perlhuhn. (Fr. la peintade.
Engl. the guiney ben.) N. rostro cera instruc-
to nares recipiente.

Frisch tab. 126.

Das so zum wundern schön weißpunctirte Ge-
schöpf ist ursprünglich im nördlichen und westlichen
Africa einheimisch, aber auch längst nach Europa
und viele Gegenden von America verpflanzt.

43 b). Menvra. Cauda elongata, plana,
rectricibus
16. duabus intermediis angustis,
longioribus, duabus externis apice dilatato
exterius recuruo; reliquis laxis
.

1. Superba. der Leyerschwanz, Schweif-
hahn
.

Audebert et Vieillot oiseaux de Paradis
tab. 14. 15. 16.

Auf Neuholland. Das Männchen, wegen seines
mächtig großen wundersam gebildeten schönfarbigen
Schweifes eines der prachtvollsten Thiere der gan-
zen Classe.

44. Phasianvs. Genae cute nuda lae-
vigata
.

1. †. Gallus. der Haushahn. (Fr. le coq. Engl.
the cock.) Ph. caruncula compressa verticis
geminaque gulae, auribus nudis, cauda com-
pressa ascendente
.

[Seite 198]

Die vermuthliche wilde Stammrasse*) ist in
Hindustan zu Hause; von rothbrauner Farbe; und
zeichnet sich durch flache hornichte Blättchen an den
Spitzen der Hals- und Flügelfedern aus (die den
zinnoberrothen Flügelblättchen des Seidenschwanzes
ähneln). Der Haushahn hingegen ist meist über die
ganze Erde verbreitet. Doch ist er erst durch die
Spanier nach America gebracht: hingegen auf vie-
len Inseln der Südsee bey ihrer Endeckung von den
Europäern schon vorgefunden worden. Das Huhn
ist bey der Menge Eyer, die es legt, und seinem
oftmahligen Brüten eins der allernutzbarsten Thiere
der ganzen Classe, und die Hahnen-Gefechte längst
und in mehreren Welttheilen ein beliebtes Volks-
schauspiel.

Die Hühner sind unter den Hausthieren dieser
Classe in die allermannigfaltigsten und auffallend-
sten Rassen und Spielarten degenerirt. Theils in
wahre zum erblichen Schlag gewordene Monstrosi-
täten**); sowohl per defectum (– s. oben S.
32 –), wie der ungeschwänzte Kluthahn; als
per excessum (– a. a. O. –), wie z.B. mit
5 oder gar 6 Zehen***).

Unter den übrigen Abarten verdienen besonders
bemerkt zu werden:

[Seite 199]

a) der Paduanerhahn, wohl noch einmahl
so groß als der gemeine Haushahn.

b) Der Zwerghahn, Krup-Hahn, kaum
halb so groß als der gemeine.

c) Der Strupphahn, krause Hahn, fries-
ländische Hahn
, mit krausen auswärts
gekrümmten Federn.

d) Das Wollhuhn, aus Japan, Schina etc.
Seine Federn sind schlicht, fast wie Haare,
daher die Fabel von Bastarden, die von Ka-
ninchen und Hühnern erzeugt seyn sollten,
entstanden ist.

e) Das Negerhuhn, mit schwarzer Haut.
Vorzüglich auf St. Jago am grünen Vorge-
birge, wo auch noch andere Vögelarten diese
Sonderbarkeit haben sollen.

2. Colchicus. der Fasan. (Fr. le faisan. Engl.
the pheasant.) Ph. rufus, variegatus, capite
viridi caerulescente, cauda cuneata, genis
papillosis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

Hat den Nahmen vom Flusse Phasis in Mingre-
lien, von da ihn die Argonauten zuerst nach Euro-
pa gebracht haben sollen.

3. Argus. Ph. fusco-flavescens, nigro puncta-
tus et undulatus, remigum
11 interiorum
latere exteriore ocellato, genis nudis, occi-
pite nigro subcristato, rectricibus
2 interme-
diis longissimis
.

Philos. Transact. vol. LV. tab. 3.

In seiner Art wohl das wunderschönste prachtvoll-
ste Geschöpf in der Natur. Besonders sind die gro-
ßen Augen auf den innern Schwungfedern unbe-
schreiblich schön schattirt, jedem gleichsam ein Licht-
punct aufgesetzt etc.; mißt vom Schnabel zur Schwanz-
spitze auf 9 Fuß, und ist nebst den beyden folgen-
den Gattungen zumahl in Schina zu Hause.

[Seite 200]

4. Pictus. der Goldfasan. Ph. crista flaua,
pectore coccineo, remigibus secundariis cae-
ruleis, cauda cuneata
.

Edwards tab. 68. 69.

Bey dieser und der nächstfolgenden Gattung zeich-
nen sich die erwachsenen Männchen durch die aus-
nehmende Schönheit ihres Gefieders aus.

5. Nycthemerus. der Silberfasan. Ph. albus,
crista abdomineque nigris, cauda cuneata.

Edwards tab. 66.

45. Crax. Rostrum basi cera obductum in
vtraque mandibula. Pennae caput tegentes
reuolutae
.

1. Alector. der Curasso. C. cera flaua, cor-
pore nigro, ventre albo
.

Buffon Vol. II. tab. 13.

In Guinea etc.

46. Meleagris. Caput carunculis spon-
giosis tectum, gula caruncula membrana-
cea longitudinali
.

1. Gallopavo. der Truthahn, Puter, wäl-
sche Hahn, Kalekuter, Kuhnhahn
. (Fr.
le dindon. Engl. the turkey.) M. maris pec-
tore barbato
.

Im mittlern und nördlichern America, wo er in
großen Herden zu hunderten auf Bäumen lebt,
ward 1530 zuerst nach Deutschland gebracht, wo er
nun als Meyergeflügel gehalten wird, und in man-
cherley Varietäten von weißer u.a. Farben aus-
geartet ist.

47. Pavo. Caput pennis reuolutis tectum,
pennae caudales elongatae, ocellatae.

1. †. Cristatus. der Pfau. (Fr. le paon. Engl.
the peacock.) P. capite crista compressa, cal-
caribus solitariis
.

[Seite 201]

Ist wohl ursprünglich in Ostindien einheimisch,
und seit Alexanders des Großen Zeiten nach Eu-
ropa verpflanzt. Das Mannchen zeichnet sich vom
dritten Jahre an durch die Pracht seiner Schwanz-
oder vielmehr Rücken-Federn aus. Unter den Spiel-
arten ist die weiße die auffallendste.

48. Otis. Rostrum mandibula superiore for-
nicata; pedes cursorii
.

1. †. Tarda. der Trappe. (Fr. l'outarde. Engl.
the bustard.) O. maris capite iuguloque virin-
que cristato
.

Frisch tab. 106 u. f.

Dieser größte hieländische Vogel ist in der ge-
mäßigten alten Welt zu Hause. Das Männchen
wird wohl gegen 30 Pfund schwer, und hat vorn
am Halse einen weiten verborgenen Sack, der sich
unter der Zunge öffnet.


VII. STRVTHIONES.

Große Landvögel, mit freyen unverbunde-
nen Zehen, und kurzen zum Flug ungeschickten
Flügeln ohne Schwungfedern.

49. Strvthio. Rostrum subconicum, pe-
des cursorii
.

1. Camelus. der Straus. (Fr. l'autruche. Engl.
the ostrich.) S. pedibus didactylis, digito ex-
teriore paruo mutico, spinis alarum binis
.

Latham Vol. III. P. I. tab. 71.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 77.

Der allergrößte Vogel, der eine Höhe von acht
Fuß und darüber erreicht, und außer Africa nur
in Arabien zu Hause ist. Das Unvermögen zum
Flug wird bey ihm durch die ausnehmende Schnel-
[Seite 202] ligkeit seines Laufs vergütet*). Von seinen Eyern
deren er wohl 30 legt, hält jedes ohngefähr so viel
als 24 Hühnereyer. Vorzüglich wird er durch sei-
ne Federn schätzbar.

Der americanische Straus (Str. rhea)
ist zumahl in Chili zu Hause.

2. Casuarius. der Casuar, Emeu. S. pedibus
tridactylis, galea palearibusque nudis, re-
migibus
spinosis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 97.

In Ostindien. Hat große Stärke in seiner mit-
lern Klaue. Seine Federn sind hornicht und ähneln
Pferdehaaren, und es entspringen immer zwey und
zwey Schafte aus einem gemeinschaftlichen Kiele.

Eine eigene Gattung von Casuar ohne Helm
(Str. australis.) ist neuerlich im fünften Welttheil
auf Neu-Südwallis entdeckt worden.

50. Didvs. Rostrum medio coarctatum
rugis duabus transuersis: vtraque mandibu-
la inflexo apice; facies vltra oculos nuda.

1. Ineptus. der Dudu, Dronte, Walghvo-
gel
. (Cygnus cucullatus.) D. pedibus am-
bulatoriis, cauda breuissima, pennis incur-
uis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 35.

Ehedem auf Ile de France und Bourbon. –
Aber nach den Versicherungen des Hrn. Morel,
der deßhalb an Ort und Stelle Untersuchung an-
gestellt hat, existirt dieser Vogel jetzt nicht mehr.
Und das ist nicht unwahrscheinlich, da er das schwer-
leibigste, langsamste Thier der ganzen Classe, folg-
lich leicht zu fangen, und doch wegen seines widri-
gen Fleisches von wenig Nutzen war**).

[Seite 203]

So weit die Landvögel. Nun die Was-
servögel
in II Ordnungen.

VIII. GRALLAE.

Diese, die Sumpfvögel, haben einen
walzenförmigen Schnabel von ungleicher Länge,
hohe stelzenartige Beine, und auch mehrentheils
einen langen Hals, aber kurzen Schwanz. Sie
halten sich in sumpfigem, moorigem Boden auf,
leben meist von Amphibien, Fischen, Insecten
und Wasserpflanzen, die mehresten nisten auf der
Erde oder im Schilf, und weiden großentheils
durch ihr vorzüglich schmackhaftes Fleisch und
durch ihre Eyer nutzbar.

51. Phoenicoptervs. Rostrum denudatum,
infracto-incuruatum, denticulatum, pedes
tetradactyli
.

1. Ruber. der Flamingo, Flamant, Kor-
korre
. P. ruber, remigibus nigris.

Catesby vol. I. tab. 73. sq.

In Seegegenden der wärmern Erdstriche beyder
Welten. Wird bey einem mäßig großen Körper,
aber ganz auffallend langem Halse und Beinen,
wohl mannshoch.

52. Platalea. Rostrum planiusculum;
apice dilatato, orbiculato, plano. Pedes
tetradactyli, semipalmati
.

1. Leucorodia. die Löffelgans, der Löffel-
reiher
. (Fr. la spatule. Engl. the spoonbill.)
[Seite 204] P. corpore albo, gula nigra, occipite sub-
cristato
.

Frisch tab. 200. u. f.

Hin und wieder, zumahl in der westlichen alten
Welt.

53. Palamedea. Rostrum conicum, man-
dibula superiore adunca. Pedes tetradacty-
li, fissi
.

1. Cornuta. (Kamichy, Kamoucle.) P. alulis bi-
spinosis, fronteque cornuta
.

Latham Vol. III. P. I. tab. 74.

In den Savannen des östlichen Süd-America.

54. Mycteria. Rostrum subadscendens,
acutum: mandibula superiore triquetra: in-
feriore trigona acuminata adscendente:
frons calua: nares lineares: pedes tetra-
dactyli
.

1. Americana. (Jabiru, Touyouyou. Fr. la cicogne
du Bresil
.)

Latham l. c. tab. 26.

Hat mit dem vorigen Vogel gleiches Vaterland.

55. Cancroma. Rostrum gibbosum; man-
dibula superiore cymbae resupinatae forma
.

1. Cochlearia. Fr. la cuilliere. Engl. the boat-
bill
.) C. ventre rufescente.

Latham l. c. tab. 26.

Ebenfalls in Brasilien etc.

56. Ardea. Rostrum rectum, acutum, lon-
gum, subcompressum; pedes tetradactyli
.

1. †. Grus. der Kranich. (Fr. la grue. Engl.
the crane.) A. occipite nudo papilloso, cor-
pore cinereo, alis extus testaceis
.

[Seite 205]

Frisch tab. 194.

In der nördlichen alten Welt.

2. †. Ciconia. der Storch. (Fr. la cicogne,
Engl. the stork.) A. alba, orbitis nudis re-
migibusque nigris: rostro, pedibus cuteque
sanguineis
.

In den mildern Gegenden fast der ganzen alten
Welt. Nährt sich nicht bloß von Amphibien, son-
dern frißt auch nutzbare Thiere, ganze Ketten jun-
ge Rebhühner u.s.w., schleppt auch nicht selten
Leinewand, Garn etc. ins Nest, um es weich aus-
zufuttern*).

3. †. Maior. der Reiher, Fischreiher. (Fr.
und Engl. heron.) A. occipite crista nigra
dependente, corpore cinereo, collo subtus
linea fasciaque pectorali nigris
.

Frisch tab. 199.

Fast durchgehends in beyden Welten. Schädliche
Thiere, die den Fischteichen und besonders der jun-
gen Brut nachtheilig werden. Sie nisten auf hohen
Bäumen, Eichen etc.**).

4. Garzetta. (Fr. l'aigrette.) A. occipite crista-
to, corpore albo, rostro nigro, loris pedi-
busque virescentibus
.

Buffon T. VII. tab. 20.

Zumahl in Persien etc. Mit den kostbaren laugen,
silberweißen, seidenartigen Rückenfedern.

[Seite 206]

5. †. Stellaris. die Rohrdommel, der Ip-
rump
. (Fr. le butor. Engl. the bittern.) A.
capite laeuiusculo, supra testacea maculis
transuersis, subtus pallidior maculis oblon-
gis fuscis
.

Frisch tab. 205.

In den mildern Gegenden der nördlichern Erde.

57. Tantalvs. Rostrum longum, subu-
latum, teretiusculum, subarcuatum: facies
nuda vltra oculos: pedes tetradactyli, basi
palmati
.

1. Ibis. (Tantalus aethiopicus Latham. Nume-
nius
ibis Cuvier.) T. albus, remigum api-
cibus, rostro et pedibus nigris, remigibus
secundariis elongatis nigro-violaceis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 86.

Das berühmte, von den alten Aegyptern, als
Symbol der Ueberschwemmung des Nils*), auf
ihren Denkmählern verewigte, und so wie die da-
mahligen menschlichen Leichen zu Mumien bereite-
te**), und in besondern Gewölben in größter Men-
ge beygesetzte, aber jetzt wenigstens in Nieder-Ae-
gypten ziemlich seltene Thier***).

[Seite 207]

Der schwarze kleinere Ibis scheint mit dem
auch in Europa und selbst im südlichen Deutsch-
land vorkommenden Tantalus falcinellus einerley
zu seyn.

58. Scolopax. Schnepfe. Rostrum te-
retiusculum, obtusum, capite longius fa-
cies tecta, pedes tetradactyli, postico plu-
ribus articulis insistente
.

1. †. Rusticula. die Waldschnepfe. (Fr. la be-
casse
. Engl. the woodcock.) S. rostro basi ru-
fescente, pedibus cinereis, femoribus tectis,
fascia capitis nigra
.

Frisch tab. 226. u. f.

In den wärmern Gegenden der nördlichern alten
Welt.

2. †. Gallinago. die Heerschnepfe, Himmels-
ziege, der Haberbock, das Haberlämm-
chen
. (Fr. la becassine. Engl. the snipe.) S.
rostro recto, tuberculato, pedibus fuscis,
frontis lineis fuscis quaternis
.

Frisch tab. 229.

Fast durchgehends in der nördlichen Erde.

59. Tringa. Rostrum teretiusculum lon-
gitudine capitis, digito postico vniarticula-
to, a terra eleuato
.

1. †. Pugnax. der Kampfhahn, Renommist,
Hausteufel. (Fr. le combattant, paon de mer.
Engl. the ruff.) T. rostro pedibusque rubris,
rectricibus tribus lateralibus immaculatis, fa-
cie papillis granulatis carneis
.

Frisch tab. 232 u. f.

In der nördlichen alten Welt. Hat seinen Nah-
men von der Streitbarkeit, mit welcher die Männ-
chen zur Brunstzeit gegen einander kämpfen.

[Seite 208]

2. †. Vanellus. der Kybitz. ('gavia. Fr. le van-
neau
. Engl. the bastard-plover, lapwing, pee-
wit
.) T. pedibus rubris, crista dependente,
pectore nigro
.

Frisch tab. 233.

Ebenfalls in der nördlichem alten Welt.

60. Charadrivs. Regenpfeiffer. (Fr.
pluvier, Engl. plover.) Rostrum teretius-
culum, obtusum. Nares lineares. Pedes cur-
sorii, tridactyli
.

1. †. Hiaticula. die Seelerche. (Fr. le pluvier
à collier
. Engl. the sea-lark.) C. pectore ni-
gro, fronte nigricante fasciola alba, vertice
fusco, pedibus luteis
.

Frisch tab. 214.

Hin und wieder an den Flüssen der nördlichen
Erde, nahmentlich aus den Sandwich-Inseln.

61. Recvrvirostra. Säbelschnäb-
ler
. Rostrum depresso planum, subulatum,
recuruatum, acuminatum
, apice flexili. Pe-
des palmati, tridactyli
.

1. †. Avosetta. R. albo nigroque varia.

Buffon vol. VIII. tab. 38.

In den mildern Gegenden der alten Welt etc.,
nährt sich vorzüglich von Wasser-Insecten und Ge-
würmen, die er mit seinem sonderbar aufwärts ge-
bogenen Schnabel sehr geschickt zu fangen weiß.

62. Haematopvs. Rostrum compressum,
apice cuneo aequali; pedes cursorii tri-
dactyli
.

1. †. Ostralegus. der Austerdieb, Auster-
mann, die Meerälster
. (Fr. l'huitrier.
Engl. the sea-pie, pied oyster-catcher.) H. ro-
stro pedibusque rubris.

[Seite 209]

Latham Vol. III. P. I. tab. 84.

Hin und wieder an den Seeufern aller Weltthei-
le; nährt sich vorzüglich von Conchylien.

63. Fvlica. Wasserhuhn. Rostrum con-
vexum, mandibula superiore margine su-
pra inferiorem fornicata
; frons calua, pe-
des tetradactyli, subpinnati
.

1. Porphyrio. (Fr. la Poule Sultane. Engl. the pur-
ple Water-hen
.) F. Pedibus fissis, fronte pe-
dibusque rubris, corpore viridi subtus vio-
laceo.

Buffon Vol. VIII. tab. 17.

Auf vielen Küsten und Inseln der wärmern Zo-
nen in allen fünf Welttheilen. Vom schönsten schlan-
ken Wuchs und prächtigem violet und grün schil-
lenden Gefieder. Wird leicht zahm.

2. †. Atra. das schwarze Bläßhuhn. (Fr. la
foulque, morelle
. Engl. the coot.) F. pedibus
pinnatis fronte incarnata, armillis luteis, cor-
pore nigricante
.

Frisch tab. 209.

In der mildern nördlichen Erde.

64. Parra. Rostrum teretiusculum, ob-
tusiusculum. Nares ouatae in medio rostri.
Frons carunculata, carunculis lobatis. Alu-
lae spinosae
.

1. Jacana. (Fr. le chirurgien, chevalier.) P. vngui-
bus posticis longissimis, pedibus viridescen-
tibus
.

Buffon vol. VIII. tab. 16.

In Westindien, Brasilien etc.

65. Rallvs. Rostum basi crassius, com-
pressum, dorso attenuatum apicem ver
-
[Seite 210] sus, aequale, acutum; pedes tetradactyli,
fissi.

1. Crex. der Wachtelkönig, Schnerz,
Wiesenschnarrer, Schars. (ortygome-
tra
. Fr. le râle de genet. Engl. the rail, da-
ker-hen
) P. alis rufo-ferrugineis.

Frisch tab. 210.

In den mildern Gegenden der alten Welt. Wach-
telkönig heißt er von der alten irrigen Sage, als
ob er dieser Vögel Heerführer im Zug sey.

66. Psophia. Rostrum cylindrico-coni-
cum, conuexum, acutiusculum, mandibula
superiore longiore. Nares ouatae, patulae.
Pedes tetradactyli, fissi
.

1. Crepitans. die Trompete, der Agami,
Mackukawa. (Fr. l'oiseau trompette.) P. ni-
gra, pectore columbino
.

Latham Vol. II. P. II. tab. 68.

In Süd-America, vorzüglich häufig am Ama-
zonen-Strom. Wird ausnehmend kirre und ihrem
Herrn zugethan.


IX. ANSERES.

Die Vögel dieser Ordnung werden durch ihre
Schwimmfüße kenntlich, die ihnen mehr nach hin-
ten zu sitzen, und daher zum Rudern sehr ge-
schickt, aber desto unbequemer zum Gehen sind.
Ihr Oberschnabel endigt sich meist in ein kurzes
Häkchen, und ist wie der untere bey den mehre-
sten mit einer ausnehmend nervenreichen Haut
überzogen. (– s. oben S. 142. –) Sie haben
eine fleischige Zunge, einen rauhen stacheligen
[Seite 211] Gaumen, und bey vielen von ihnen haben die
Männchen vorn an der Luftröhre eine besondere
knorpelige oder knöcherne Kapsel. Sie haben dich-
tes fettes Gefieder, das kein Wasser annimmt,
halten sich an den Ufern des Meeres, der Seen,
der Flüsse, auf Inseln, Klippen, im Schilf etc.
auf und leben mehrentheils in Polygamie. Sie
legen meistens nur Ein oder wenige Eyer; sind
aber, besonders wegen ihres Fleisches, Fettes,
Federn etc. von mannigfaltiger Nutzbarkeit.

67. Rhinchops. Rostrum rectum, man-
dibula superiore multo breuiore; inferiore
apice truncata
.

1. Nigra. (Fr. le bec en ciseaux. Engl. the sea-
crow, cut-water.
) R. nigricans, subtus alba,
rostro basi rubro
.

Brisson T. VI. tab. 21. fig. 2.

In Nord-America. Der Oberschnabel ist kürzer
als der untere, und dieser liegt in jenem, gleichsam
wie ein eingeschlagenes Taschenmesser.

68. Sterna. Rostrum edentulum, subula-
tum, subrectum, acutum, compressiuscu-
lum. Nares lineares, ad basin rostri
.

1. Stolida. die Noddy. (Fr. le fou, diable.)
S. corpore nigro, fronte albicante, superci-
liis atris
.

Brisson T. VI. tab. 18. fig. 2.

In allen Meeren zwischen den beyden Wendezirkeln.

2. Hirundo. die Seeschwalbe. (Engl. the sil-
ver-bird
.) S. cauda forficata: rectricibus
duabus extimis albo nigroque dimidiatis
.

Frisch tab. 119.

[Seite 212]

An der ganzen nördlichsten Erde.

69. Colymbvs. Taucher. Rostrum eden-
tulum, subulatum, rectum, acuminatum,
pedes compedes
.

1. Grylle. die grönländische Taube. (Engl.
the sea-turtle.) C. pedibus palmatis tridac-
tylis corpore atro, rectricibus alarum albis
.

Frisch tab. 185.

Ebenfalls an der ganzen nördlichsten Erde.

2. †. Troile. die Lumer. (Fr. le guillemot.)
C. pedibus palmatis tridactylis, corpore fus-
co, pectore abdominineque niueo, remigibus
secundariis extremo apice albis
.

Frisch tab. 185.

An den Seeküsten der nördlichen Erde.

3. †. Vrinator. (Fr. la grébe.) C. capite laeui,
palpebra inferiore lutea, macula alarum alba
.

Edwards tab. 360 fig. 2.

Im wärmern Europa. Sein Fell wird, so wie
das vom C. cristatus, zu Feder-Muffen etc. verar-
beitet.

70. Larvs. Möve. (Fr. mouette. Engl.
gull.) Rostrum edentulum, rectum, cultra-
tum, apice subadunco. Mandibula inferior
infra apicem gibba
.

Meist an den Küsten der nördlichen Erde, doch
finden sich auch welche auf der Südsee, und zwar
theils in ungeheuren Schaaren.

1. †. Tridactylus. (Engl. the tarrock.) L. albicans,
dorso canescente, rectricum apicibus, excep-
to extremo, nigris, pedibus tridactylis
.

Brisson T. VI. tab. 17. fig. 2.

Am nördlichen Ocean.

[Seite 213]

71. Plotvs. Rostrum rectum, acumina-
tum, denticulatum. Facies tecta, pedes
palmati omnibus digitis connexis.

1. Anhinga. P. ventre albo.

Willoughby tab. 72.

In Brasilien etc. Am Leibe von der Größe einer
Ente, aber mit einem sehr langen Halse, den das
Thier spiralförmig zusammen rollen, und so den Kopf
gegen die Fische, die es erschnappen will, los schnel-
len soll.

72. Phaëthon. Rostrum cultratum, rec-
tum, acuminatum, fauce pone rostrum hian-
te. Digitus posticus antrorsum versus.

1. Aethereus. der Tropikvogel. (Fr. la pail-
le en-queue
. Engl. the tropic-bird.) P. rec-
tricibus aequilibribus: digito postico connexo
.

Brisson T. VI. tab. 42. fig. 1.

An der offenbaren See, zwischen den beyden
Wendezirkeln. Nährt sich meist von den fliegenden
Fischen.

73. Procellaria. Rostrum edentu-
lum; subcompressum: mandibulis aequali-
bus, superiore apice adunco; inferiore api-
ce compresso-canaliculato. Pedes vngue
postico sessili absque digito.

1. Pelagica. der Sturmvogel, Ungewit-
tervogel
. (Fr. le petrel. Engl. the tempest-
bird, stormfinch, mother cary's chicken
.) P. ni-
gra, vropygio albo
.

Linne' fauna suecica. tab. 2. fig. 143.

Sowohl im nördlichen als südlichen Ocean. Meist
in offener freyer See fern vom Lande auf Klippen,
und die Schiffer sehen es gemeiniglich als Zeichen
[Seite 214] eines bevorstehenden Sturms an, wenn er sich von
da nach den Schiffen flüchtet. Die Einwohner der
Färöer bedienen sich seiner statt Lampe, indem sie
ihm bloß einen Docht durch den Körper ziehen und
anbrennen, da dann die Flamme von dem vielen
Fette, das allmählich hinein zieht, lange Zeit un-
terhalten wird.

74. Diomedea. Rostrum rectum: maxil-
la superiore apice adunca; inferiore trun-
cata
.

1. Exulans. der Albatros. (Fr. le mouton du
cap
.) D. alis pennatis longissimis, pedibus
aequilibribus tridactylis
.

Edwards tab 88.

Von der Größe eines Schwans, hält aber mit
ausgespannten Flügeln wohl 11 Fuß Breite, fliegt
auf 500 deutsche Meilen von irgend einem Lande
entfernt, aber selten höher als 10 bis 20 Fuß über
der Meers-Fläche. Nährt sich großentheils von
fliegenden Fischen*).

75. Pelecanvs. Rostrum rectum: apice
adunco, vnguiculato: pedes aequilibres:
digitis omnibus quatuor simul palmatis
.

a) Rostro edentulo.

1. †. Onocrotalus. die Kropfgans, der Peli-
can
. (Fr. und Engl. pelican.) P. gula sac-
cata
.

Ein Blatt von J. E. Ridinger 1740.

In den wärmern Gegenden aller fünf Welttheile,
(wenn anders die americanische Kropfgans nicht
specifisch von der in der alten Welt verschieden ist).
Hat den griechischen Nahmen von ihrer Eselsstim-
me, den deutschen aber von dem ungeheuren beutel-
[Seite 215] förmigen Kropfe, der ihr am Unterschnabel hängt,
und sich so ausdehnen läßt, daß er wohl 20 Pfund
Wasser fassen kann.

2. Aquilus. die Fregatte. (Fr. le tailleur. Engl.
the man of war bird.) P. alis amplissimis,
cauda forficata, corpore nigro, rostro rubro,
orbitis nigris
.

Edwards tab. 309.

Hat in der Bildung und Lebensart viel Aehnli-
ches mit dem Albatros: nur noch längere Flügel,
die ausgespannt auf 14 Fuß klafftern, und dem flie-
genden Thier ein sonderbares Ansehen geben.

3. Carbo. die Scharbe, der Seerabe. (Fr.
und Engl. cormorán.) P. cauda rotundata,
corpore nigro, rostro edentulo, capite sub-
cristato
.

Frisch tab. 187.

Meist in allen fünf Welttheilen. Eine ihr sehr
ähnliche Gattung (Pelecanus sinensis) wird in Schi-
na zum Fischfang labgerichtet. (– Abbild. n. h.
Gegenst
. tab. 25. –)

b) Rostro serrato.

4. Bassanus. die Rothgans. (Fr. le fou de
bassan
. Engl. the gannet, the soland goose.)
P. cauda cuneiformi, corpore albo, rostro
remigibusque primoribus nigris, facie cae-
rulea
.

Brisson T. VI. tab. 44.

Häufigst im Norden von Europa und America,
zumahl auf den schottischen Inseln, und nahment-
lich auf Baß*), wovon diese Gans den Nahmen
führt. Macht die Hauptnahrung der armen Insu-
laner auf St. Kilda, deren Weiber auch die abge-
streifte Haut dieses Vogels statt Schuhe tragen,
[Seite 216] die zwar nur ohngefähr fünf Tage halten aber auch
augenblicklich wieder durch neue ersetzt sind*).

76. Anas. Rostrum lamelloso-dentatum,
conuexum, obtusum; lingua ciliata, ob-
tusa
.

1. †. Olor. der Schwan, Elbsch. (Fr. le
cygne
. Engl. the swan, elk.) A. rostro se-
micylindrico atro, cera nigra, corpore albo
.

Frisch tab. 152.

In der nördlichen alten Welt: nährt sich von
Fröschen, Wasserpflanzen etc. Man muß diesen,
den so genannten stummen oder zahmen Schwan,
von dem so genannten wilden, A. cygnus (mit gel-
ber Haut an der Schnabelwurzel und weit längerer
krummlaufender Luftröhre) unterscheiden. Dieser
letztere gibt einen hellen weit schallenden nicht un-
angenehmen Ton von sich.

Der schwarze Schwan mit weißen Schwung-
federn (A. nigra.) ist an den Küsten des fünften
Welttheils zu Hause. Bey Botanybay sowohl als
an der Westküste, wo das schöne Thier schon 1697
gefunden und beschrieben worden**).

2. Cygnoides. die spanische, türkische oder
schinesische Gans
. (Fr. l'oye de Guinée.
Engl. the swan-goose, chinese goose.) A. ro-
stro semicylindrico: cera gibbosa, palpebris
tumidis
.

Frisch tab. 153. 154.

Auf Guinea, am Cap, dann in Sibirien und
Schina, und wie es scheint auch auf den Sand-
[Seite 217] wich-Inseln des stillen Oceans. Man unterschei-
det mehrere Varietäten.

3. †. Anser. die Gans. (Fr. l'oye. Engl.
the goose.) A. rostro semicylindrico; corpore
supra cinereo, subtus pallidiore, collo striato
.

Meist in allen fünf Welttheilen wild. Unter den
zahmen soll es wohl häufig völlig schneeweiße Ganser-
te, aber nur selten eine ganz weiße weibliche Gans
geben.

4. Canadensis. die Hudsonsbay-Gans.
(Engl. the grey goose.) A. cinerea, capite
colloque nigris, genis gulaque albis
.

Edwards tab. 151.

Im kältern Nordamerica. Sehr gesucht wegen
ihrer ausnehmenden Flaumen zu Betten. Gibt auch
vorzügliche Schreibfedern.

5. Bernicla. die Baumgans, Rothgans,
schottische Gans. A. fusca, capite collo
pectoreque nigris, collari albo.

Frisch tab. 156.

In den kältesten Ländern der nördlichen Erde;
kommt bloß zum Ueberwintern nach Schottland und
andern mildern Gegenden, wo sie sich unter andern
von dem Thier der Entenmuschel (Barnacle, Lepas
anatifera) nährt, daher die alte seltsame Fabel ent-
standen, daß dieser Vogel nicht aus einem Ey, son-
dern aus einer Muschel hervor komme u.s.w.*).

6. Mollissima. der Eidervogel. (Fr. l'oye à
duvet.
Engl. the eiderduck, cuthbert duck.) A.
rostro cylindrico, cera postice bifida, rugosa
.

Brünnichs N. H. des Eidervogels tab.
1. u. f.

[Seite 218]

In der nördlichen Erde, zumahl häufig auf Is-
land und in Grönland. Sein Fleisch und Eyer
sind sehr schmackhaft; noch wichtiger aber ist sein
Fell, womit man Kleider futtert, und die Flaum-
federn, die unter dem Nahmen der Eiderdunen be-
kannt sind.

7. †. Boschas. die Ente. (Fr. le canard. Engl.
the duck, mallard.) A. rectricibus intermediis
(maris) recuruatis, rostro recto
.

Frisch tab. 158. u. f.

Die wilde Ente findet sich fast in der ganzen nörd-
lichen Erde, theils in ungemein schönen Spielarten.
Die zahme (A. domestica) scheint große Neigung
zu unnatürlicher Paarung zu haben, so daß z.B.
die Entriche auf Hühner erpicht sind und v. v. En-
ten den wälschen Hahnen nachlaufen, und sie zu
reitzen suchen.

8. †. Clypeata. die Löffelente (Fr. le souchet.
(Engl. the shoveler.) A. rostri extremo dilata-
to rotundato; vngue incuruo
.

Frisch tab. 161. u. f.

Hat meist gleiches Vaterland mit der vorigen.
Die Ränder des Schnabels sind nach innen mit
hornigen Borsten besetzt, fast wie kleine Wallfisch-
barden.

77. Mergvs. Taucher, Wasserhuhn.
Rostrum denticulatum, subulato-cylindri-
cum, apice adunco
.

1. †. Merganser. der Kneifer. (Fr. l'harle.
Engl. the goos-ander.) M. crista longitudinali
erectiuscula: pectore albido immaculato, rec-
tricibus cinereis, scapo nigricante
.

Frisch tab. 190.

[Seite 219]

In der ganzen nördlichen Erde. So wie andere
Gattungen dieses Geschlechts ein schädliches Thier
für Fischteiche, zumahl zur Leichzeit.

78. Alca. (Engl. auk.) Rostrum edentu-
lum, breue, compressum, conuexum, trans-
uerse sulcatum: mandibula inferior ante
basin gibbosa
.

Das ganze Geschlecht an den Küsten und Klippen
der nördlichen Erde.

1. Arctica. der Papageytaucher. (Fr. le
macareux
. Engl. the puffin.) A. rostro compresso-
ancipiti, sulcato sulcis
4, oculorum orbita
temporibusque albis, palpebra superiore mu-
cronata
.

Nistet in Erdhöhlen, oder wühlt sich auch selbst
so ein unterirdisches Lager.

79. Aptenodytes. Fettgans, Pin-
guin
. (Fr. manchot.) Rostrum compres-
siusculum, subcultratum, longitudinaliter
oblique sulcatum: mandibula inferior apice
truncato: alae impennes, pinniformes
.

Ihr glattes glänzendes Gefieder, die gleichsam
flossenähnlichen, schuppigen, kleinen Flügel, und
ihr gerader, fast aufrechter Gang geben diesen Thie-
ren ein sonderbares Ansehen, deren verschiedene Ar-
ten an den südlichen Küsten und Inseln von Africa
und America, so wie andere um Neu-Holland,
Neu-Guinea und Neu-Seeland zu Hause sind*).
Finden sich theils in zahlloser Menge beysammen.

1. Chrysocome. A. rostro rufo-fusco, pedibus
flauescentibus, crista frontali atra erecta,
auriculari deflexa flaua
.

[Seite 220]

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 46.

Auf den Falklands-Inseln, Neu-Holland etc.

2. Demersa. A. rostro pedibusque nigris, su-
perciliis fasciaque pectorali albis
.

Edwards tab. 94.

Häufig am Cap etc.


Sechsster Abschnitt.
Von den Amphibien.

[Seite 221]

§. 81.

Die Säugethiere und Vögel unterscheiden sich
beydes durch die Warme ihres Bluts (§. 23.
und 40.) und durch die größere Menge dessel-
ben von den Amphibien und Fischen.

§. 82.

Die Amphibien aber ähneln doch darin
noch den warmblütigen Thieren, und zeichnen
sich hingegen von den Fischen vorzüglich dadurch
aus, daß sie wie jene auch noch durch Lungen
Luft schöpfen; obgleich dieselben von weit lockerer
Textur, und auch ihre Athemzüge weit unbestimm-
ter, und so zu sagen unordentlicher sind, als bey
den beyden Classen mit warmem Blute. Auch
können sie das Athemhohlen weit länger entbeh-
ren als diese, weit länger im so genannten luft-
leeren Räume, oder auch in eingesperrter Luft
(wie z.B. Kröten in einer engen Höhle mitten
in Baumstämmen oder Steinblöcken) und selbst
geraume Zeit in einer Atmosphäre von kohlenge-
säuerter Luft aushalten, und auffallende Extreme
[Seite 222] von Hitze und von Kälte ausdauern, so daß man
z.B. ungezweifelte Beyspiele von Wassermolchen
und Fröschen hat, die sowohl im Magen und
Darmcanal von Menschen gelebt haben, als auch
ihrem Leben unbeschadet in dichte Eisschollen ein-
gefroren sind.

§. 83.

Und eben weil die Amphibien mit Lungen
versehen sind, so sind sie auch noch fähig Stim-
me
von sich zu geben: doch scheinen einige (z.B.
unter den hieländischen der wahre Salamander,
die grüne Eidexe, die Blindschleiche etc.) gänzlich
stumm zu seyn.

§. 84.

In Rücksicht der Bildung überhaupt herrscht
vorzüglich die doppelte Verschiedenheit unter den
Amphibien, daß sie entweder, wie die Schild-
kröten, Frösche, Eidexen etc. mit vier Füßen ver-
sehen sind; oder aber, als Schlangen einen lang-
gestreckten, cylindrischen Körper ohne alle äußere
Bewegungswerkzeuge haben.

§. 85.

Die äußern Bedeckungen sind bey den
Amphibien mannigfaltiger als bey den warmblü-
tigen Thieren. Einige sind mit einer knochigen
Schale überzogen: andere mit hornartigen Reifen,
oder mit zahlreichen kleinen Schildchen, oder mit
Schuppen bedeckt: und noch andere haben eine
nackte, nur mit Schleim überzogene Haut. Die
[Seite 223] mehresten häuten sich von Zeit zu Zeit. Man-
che, wie z.B. der Laubfrosch und verschiedene
Eidexen, besonders der Chamäleon, ändern auch
zuweilen plötzlich ihre Farbe.

§. 86.

Den mehresten Amphibien ist, wie schon die
Benennung der ganzen Classe andeutet, Wasser
und Land zum gemeinschaftlichen Aufenthalt
angewiesen. Manche gehen willkürlich in beyden
ihren Geschäften und ihrer Nahrung nach. An-
dere hingegen bringen entweder eine bestimmte
Periode ihres Lebens, oder gewisse Jahrszeiten
bloß in einem von beyden zu. Endlich sind aber
auch manche entweder bloß für das Wasser, und
nicht für beydes zugleich bestimmt.

§. 87.

Manche Amphibien, zumahl unter den
Schildkröten und Schlangen, leben von sehr ge-
mischter Nahrung: andere hingegen, wie der
Laubfrosch, Chamäleon etc. sind sehr eigen in der
Wahl ihrer Speisen, gehen z.B. bloß lebende
Insecten von einigen wenigen bestimmten Gattun-
gen an. In der Gefangenschaft nehmen viele
gar keine Nahrung zu sich, und können dann zum
Wunder lange fasten: ich selbst habe z.B. Sa-
lamander auf acht Monathe lang ohne Speise,
und selbst ohne daß sie dabey beträchtlich abge-
zehrt wären, erhalten: und von Schildkröten weiß
man, daß sie gegen anderthalb Jahre ohne alle
Nahrung ausdauern können.

§. 88.

[Seite 224]

Die bey vielen Amphibien so ganz ausneh-
mende Leichtigkeit und Stärke ihrer Reproduc-
tionskraft
(§. 19.), hat, wo ich nicht irre,
in der obgedachten Stärke ihrer Nerven und hin-
gegen respectiven Kleinheit ihres Gehirns (§. 29.)
einen Grund; da folglich die erstern von letzterem
minder abhängig sind; und überhaupt die ganze
Maschine zwar schwächere Mobilität, weniger con-
sensus
zeigt, das ganze Leben der Amphibien ein-
facher, und mehr bloß vegetativ scheint, als bey
den warmblütigen Thieren, – aber dagegen die
Glieder mehr mit eigenthümlicher, independenter
Lebenskraft versehen sind. Und da folglich bey
dieser mehr eigenthümlichen Lebenskraft der ein-
zelnen Theile, nicht gleich jeder Stimulus, der
auf Einen Theil, oder auf Ein System wirkt,
sogleich, wir bey den warmblütigen Thieren, an-
dere in Consensus zieht, so erklärt sich auch wohl
überhaupt daher ihr zähes Leben, so daß Frösche,
denen das Herz ausgerissen ist, doch noch umher
hüpfen, und Schildkröten, denen das Gehirn aus
dem Kopfe genommen worden, noch Monathe
lang leben können; daher auch wohl die anhal-
tende Beweglichkeit der den Amphibien abgeschnit-
tenen Theile, wie z.B. der Schwänze von Was-
sermolchen, Blindschleichen etc.*).

§. 89.

[Seite 225]

Zu Waffen und Vertheidigungsmit-
teln
dient manchen Amphibien, zumahl unter
den Schlangen, ihr Gift; dem Salamander, der
Feuerkröte etc. ihr milchichter Hautschaum, den sie
im Nothfall von sich geben: vielen auch wohl der
specifike Geruch, den sie verbreiten; so zumahl
manche Schlangen, Kröten, Eidexen etc.

§. 90.

Die äußern Sinne scheinen bey den mehre-
sten Amphibien von keiner sonderlichen Schärfe
zu seyn. – Unter den innern zeichnet sich doch
bey vielen das Gedächtniß aus, da man Bey-
spiele selbst von Crocodilen und Kröten hat, die
ihre Wohlthäter kennen gelernt und kirre gewor-
den, und vollends viele Schlangen bekanntlich
sich zu allerhand Gaukeleyen abrichten lassen. Hin-
gegen finden sich bey den Thielen dieser Classe
nur sehr wenige Spuren von wahren Kunst-
trieben
. (§. 36.)

§. 91.

Auch scheinen die wenigsten Amphibien einen
täglichen Erhohlungsschlaf zu halten. –
Dagegen aber wohl alle die kältern Wintermona-
the in Erstarrung zuzubringen. Und zwar theils
einzeln, theils, wie unsere hieländischen Frösche
und Salamander, in Hausen. Doch können auch,
diese gar leicht des Winterschlafs entbehren, und
Jahr aus Jahr ein wachend im Zimmer erhalten
werden.

§. 92.

[Seite 226]

Das Fortpflanzungsgeschäft der Am-
phibien hat ungemein viel Sonderbares. Der
Paarungstrieb ist bey vielen so heftig, daß man
z.B. Frösche gesehen hat, die in Ermangelung
eines Weibchens andere männliche Frösche oder
Kröten oder gar todte Weibchen besprungen haben.
Bey den mehresten Fröschen und See-Schildkrö-
ten dauert die Paarung mehrere Tage, ja Wochen
lang. Die Vipern schlängeln sich in der Paarung
mit dem Hinterleibe aufs innigste um einander,
und züngeln dabey mit gebogenem Halse auf ein-
ander los. Die Wassermolche hingegen umfassen
einander gar nicht, sondern das Männchen
schwimmt zur Brunstzeit bloß um sein Weibchen
herum und bespritzt die Eyerchen, so wie es die-
selben von sich gibt, von der Ferne.

§. 93.

Die Amphibien sind, bis auf sehr wenige
Ausnahmen, Eyerlegende Thiere. Aber man-
che, zumahl unter den Schlangen etc. geben die
Eyer nicht eher von sich, als bis das darin be-
findliche Junge schon meist seine völlige Ausbil-
dung erhalten hat. Die Pipa heckt ihre Jungen
auf dem Rücken aus.

Anm. Ein Salamander, den ich wenigstens vom Ende
des Sommers au ganzer vier Monathe lang völlig
isolirt in einem Glase gehalten, hat hierauf um
Neujahr herum ganz unerwartet binnen wenigen
Tagen 34 Junge geheckt, so daß folglich hier eine
ehemahlige Befruchtung, auf eine noch weit längere
Zeit hinaus als bey den Hühnern, ihre Wirksam-
leit erhalten muß.

§. 94.

[Seite 227]

Die Frösche und Eidexen, die im Wasser
jung werden, kommen nicht gleich in ihrer voll-
kommenen Gestalt, sondern als so genannte Lar-
ven
zur Welt, und müssen sich erst noch einer
Art von Metamorphose unterziehen, ehe sie
die Ausbildung und den völligen Gebrauch aller
ihrer Gliedmaßen erlangen. Die kleinen Frösche
z.B. (die so genannten Kaulquappen, gy-
rini
, Fr. tétards, Engl. toadpoles) haben an-
fangs noch keine Füße, sondern dafür einen lan-
gen Ruderschwanz; auch, so wie die jungen Sa-
lamander, eine Art von Fischkiemen (branchiae
oder Swammerdam's appendices fimbriatae)
zu beyden Seiten des Halses; ferner zum Theil
eine kleine Saugeröhre an der Unterlefze u. dergl.
m. Lauter Theile, die nur für den Larvenstand
des zarten jungen Thieres bestimmt sind, und mit
der zunehmenden Reife desselben allgemach schwin-
den*).

§. 95.

[Seite 228]

Die Amphibien haben ein langsames Wachs-
thum; so daß z.B. unsere hieländischen Frösche
meist erst im vierten Jahre mannbar werden: und
doch erreichen diese nur ein, nach Verhältniß
dieser späten Pubertät, nicht beträchtliches Alter
von 12 bis 16 Jahren. Hingegen weiß man,
daß Schildkröten selbst in der Gefangenschaft
über 100 Jahre gelebt haben, so daß, hiernach
zu schließen, die Crocodile und großen Schlan-
gen etc. wohl zu einem noch höhern Alter gelan-
gen können.

§. 96.

Die Benutzung der Amphibien fürs Men-
schengeschlecht ist ziemlich einfach; aber für manche
Gegenden theils äußerst beträchtlich. Zumahl der
Genuß der Schildkröten und ihrer Eyer, so wie
auch verschiedener Frösche und Eidexen etc. –
auch von Schildkröten Thran; und Schild-
patt zu Kunstarbeiten etc. –

§. 97.

Schädlich werden manche ungeheure Thie-
le dieser Classe, die Crocodile, Wasserschlangen etc.
durch ihre Größe, und andere, zumahl unter
den Schlangen, durch ihr Gift, das in keiner
andern Thierclasse von einer so gefahrvollen Hef-
tigkeit ist.

§. 98.

[Seite 229]

Die ganze Classe zerfällt bloß in zwey Ord-
nungen:

I. Reptiles. Die Amphibien mit vier Füßen.
(Die quadrupeda ouipara der ältern Na-
turforscher) – Schildkröten, Frösche, Eide-
xen. Und

II. Serpentes. Die Schlangen, ohne alle
äußere Bewegungswerkzeuge. (§. 84.)

* * *

Einige wenige Quellen zur N. G. dieser
Classe:

  1. Alb. Seba rerum naturalium thesaurus. Amst. 1734.
    1765. IV. vol. gr. Fol. (– hierher gehören bloß
    die beyden ersten Bände.)
  2. Joh. Nic. Laurenti synopsis reptilium emendata. Vin-
    dob
    . 1786. 8.
  3. C. De la cep'ede histoire naturelle des quadrupèdes
    ovipares et des serpens.
    Paris 1788. II. vol. 4.
  4. Deutsch, mit Anmerk. und Zusätzen von J. M. Bech-
    stein
    . Weim. 1800. V. Th. 8.
  5. G. Ad. Suckow. Anfangsgründe der N. G. der Thier-
    re. III. Th. Leipz. 1798. 8.
  6. J. Gottl. Schneider historiae amphibiorum naturalis
    et literariae Fasc
    . I. II. Jen. 1799. 1801. 8.

I. REPTILES.

[Seite 230]

Alle Thiere dieser Ordnung sind (wenigstens
wenn sie ihre vollkommene Gestalt erlangt haben)
mit vier Füßen versehen, die nach dem verschie-
denen Aufenthalt dieser Thiere entweder freye (pe-
des
digitati), oder durch eine Schwimmhaut
verbundene (palmati), oder gar wie in eine Flosse
verwachsene Zehen (pinnati) haben.

1. Testvdo. Schildkröte. (Fr. tortue.
Engl. tortoise, die See-Schildkröten aber
turtle, Span. galápago). Corpus testa
obtectum, cauda
(plerisque) breuis, os man-
dibulis nudis edentulis
*).

Die mehresten Schildkröten sind mit einer knochi-
gen, sehr festen Schale bedeckt, deren Obertheil mit
dem Rückgrath und den Rippen des Thiers verwach-
sen, und mit den breiten hornigen Schuppen belegt
ist, die bey manchen Gattungen so stark und schön-
farbig sind, daß sie zu Kunstsachen verarbeitet wer-
den. Gewöhnlich liegen 13 dergleichen Schuppen
in der Mitte, und 24 um den Rand herum. Der
Untertheil oder das Bauchschild ist etwas kleiner,
als das obere, und mit Ausschnitten für Kopf,
Schwanz und Füße versehen. – Ueberhaupt aber
dient die so ganz ausgezeichnete eigenthümliche Bil-
[Seite 231] dung dieses dadurch gleichsam isolirten Geschlechts
zu einer bedeutenden Instanz gegen die vermeinte
Stufenfolge in der Natur.

1. Membranacea. T. pedibus palmatis, vnguicu-
lis tribus, testa orbiculari ouata, membra-
nacea, grisea, striata, scabra.

Schneider l. c. tab. 1.

In Guiana.

2. Imbricata. die Carette. (Engl. the hawksbill
turtle
.) T. pedibus pinniformibus, testa cor-
data subcarinata, margine serrato: scutellis
imbricatis latiusculis, cauda squamata
.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils, im
Anhang tab. 42.

In beyden Indien; auch im rothen Meere. Gibt
das beste Schildpatt*).

3. Mydas. die grüne oder Riesen-Schild-
kröte
. (viridis Schneider. Fr. la tortue
franche
. Engl. the green turtle.) T. pedibus
pinniformibus, marginibus maxillarum den-
tatis, testa ouata
.

Schöpff tab. 17. fig. 2.

Diese See-Schildkröte hält zuweilen 8 Centner
am Gewicht. Sie hat ihren gewöhnlichen Nahmen
von ihrer blaß-olivengrünlichen Schale, und der
auffallend grünen Farbe ihres schmackhaften Fettes.
Lebt bloß vom Seetang u. dergl. Vegetabilien, da-
her ihr ausnehmend schmackhaftes, gar nicht thrani-
ges Fleisch.

4. †. Orbicularis. die gemeine Flußschild-
kröte
. (europaea Schneid.) T. pedibus pal-
matis, testa orbiculata planiuscula
.

[Seite 232]

Im mildern Europa.

5. Graeca. T. pedibus subdigitatis, testa postice-
gibba: margine laterali obtusissimo, scutellis
planiusculis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 66.

Im südlichen Europa und nördlichen Africa.

6. Geometrica. T. pedibus posticis palmatis, te-
stae scutel is eleuatis truncatis
.

Schöpff tab. 10.

In Ostindien, und am Cap. Ungefähr von der
Größe einer flachen Hand: hat wegen ihres regel-
mäßigen schwarz und gelb gezeichneten, hochgewölb-
ten Rückenschildes ein artiges Ansehen.

2. Rana. Frosch (Fr. grenouille. Engl.
frog.) und Kröte (Fr. crapaud. Engl.
toad.) Corpus nudum pedibus quatuor, po-
sticis longioribus
*).

1. Pipa. R. corpore plano, rostro spathiformi,
digitis anticis muticis quadridentatis, posti-
cis vnguiculatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 36.

In den Gewässern von Guiana. Wird durch die
überaus sonderbare und ganz anomalische Weise,
mit der die Mutter ihre Jungen ausheckt, merkwür-
dig. Das Männchen streicht nähmlich den Leich,
den das Weibchen vorher auf die gewöhnliche Art
von sich gegeben, demselben auf den Rücken, und
befruchtet ihn hierauf mit seinem Samen. Die
Eyerchen verwachsen nachher gleichsam in der Haut
der Mutter, bis nach Verlaus von beynahe drey
Monathen die darin befindlichen anfangs geschwänz-
[Seite 233] ten Kaulquappen*) zum Ausbruch reif sind, und
nachdem ihr Schwanz allgemach verschwunden, und
sie dagegen ihre vier Füße erhalten, den Rücken ih-
rer Mutter verlassen können.

2. Cornuta. T. palpebris conicis.

Seba vol. I. tab. 72. fig. 1. 2.

In Virginien; hat wegen seiner großen stieren
Augen, und der ungeheuren tutenförmigen obern
Augenlieder ein abenteuerliches Ansehen.

3. Ocellata. (Engl. the bull-frog.) R. auribus
ocellatis, pedibus muticis
.

Catesby vol. II. tab. 72.

In Nord-America. Fast von der Größe eines
Meerschweinchens. Hat den englischen Nahmen von
seiner starken Stimme.

4. Paradoxa. die Jackie. (Rana piscis.) R. fe-
moribus postice oblique striatis
.

Seba vol. I. tab. 78.

Im südlichen America. Die Larve (§. 95.) er-
reicht eine fast spannenlange Größe, ist dann viel
größer als der ausgebildete, zu seiner Reise gelangte
Frosch, und hat in jenem Larvenzustande zu einer
alten Sage von Fröschen, die sich in Fische ver-
wandelten, Anlaß gegeben. Auch nachdem schon
die vier Beine ihre ganze Größe und Ausbildung
erhalten haben, bleibt das Thier doch noch geraume
Zeit geschwänzt.

5. †. Bufo. die Kröte. R. corpore ventricoso
verrucoso lurido fuscoque
.

Rösel tab. 20. 21.

Daß ihr Harn ein heftiges Gift seyn soll, ist
ungegründet. Hingegen ist es unläugbar, daß man
verschiedentlich lebendige Kröten mitten in durchsäg-
[Seite 234] ten Baumstämmen, oder in Steinblöcken etc. ange-
troffen hat.

6. †. Bombina. die Feuerkröte. R. corpore
verrucoso, abdomine aurantio-caesio macu-
lato, pupilla triquetra
.

Rösel tab. 22.

Am Bauche schön blau und gelb gemarmelt,
hüpft fast wie ein Frosch.

7. †. Portentosa. die Haus-Unke. (Bufo
calamita. Laurent.) R. verrucosa, linea dor-
sali flaua, lateralibus rufescentibus
.

Rösel tab. 24.

In feuchten Kellern, Ufer-Höhlen etc. kommt
selten zum Vorschein; gibt aber einen eigenen dum-
pfen Laut von sich, der allerhand abergläubige Sa-
gen veranlaßt hat.

8. †. Temporaria. der braune Grasfrosch.
R. subfusca dorso planiusculo subangulato.

Rösel tab. 1–8.

Im Gras und Gebüsch etc. von da die Jungen
nach warmen Sommer-Regen haufenweise hervor-
kriechen, da dann ihre plötzliche Erscheinung wohl
zu der alten Sage vom Froschregen Anlaß gegeben
haben mag.

9. †. Esculenta. der grüne Wasserfrosch,
Röling, Marxgöker. R. viridis, corpo-
re angulato, dorso transuerse gibbo, abdo-
mine marginato
.

Rösel tab. 13–16.

In Teichen und Sümpfen. Die Männchen qua-
ken laut, zumahl des Abends bey schönem Wetter,
und treiben dabey zwey große Blasen hinter den
Maulwinkeln auf. Sie sind schlau und muthig,
verzehren Mause, Sperlinge, und selbst junge En-
ten, Forellen etc. und können sogar über Hechte
Herr werden. Zur Begattungszeit bekommen die
[Seite 235] Männchen dieser und der vorigen Gattung schwar-
ze warzige Ballen an den Daumen der Vorderfüße,
womit sie sich äußerst fest um ihrer Weibchen Brust
klammem können.

10. †. Arborea. der Laubfrosch. (calamites,
hyla. (Fr. la raine, grenouille de St. Martin,
le graisset
.) R. corpore laeui, subtus granu-
lato, pedibus fissis, apicibus digitorum len-
ticulatis
.

Rösel tab. 9–12.

Fast in ganz Europa (doch nicht in England),
auch in America etc. Der klebrige Schleim, womit
er wie die Schnecken überzogen ist, dient ihm bey
seinem Aufenthalt am Laub der Bäume, zur Hal-
tung. Die erwachsenen Männchen, die an ihrer
braunen Kehle kenntlich sind, haben eine laute
Stimme, die sie, wenn das Wetter sich ändern
will, aber auch außerdem zur Paarungszeit von sich
geben. Sie blähen dabey die Kehle zu einer großen
Blase auf.

3. Draco. Corpus tetrapodum caudatum,
alatum.

1. Volans. die fliegende Eidexe. D. brachiis
ab ala distinctis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 98.

In Ostindien und Africa.

4. Lacerta. Eidexe. (Fr. lezard. Engl.
lizard.) Corpus elongatum, pedibus qua-
tuor aequalibus
.

1. Crocodilus. der (eigentliche) Crocodil.
(Crocodilus vulgaris Cuv.) L. rostro aequa-
li, scutis nuchae
6, squamis dorsi qua-
dratis, sex – fariam positis, pedibus po-
sticis palmatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 26. 27.

[Seite 236]

Zumahl häufig in den größern Strömen von
Africa (nahmentlich im Ober-Nil und im Niger).
Das größte Thier der süßen Wasser, das wohl eine
Länge von 30 Fuß erreichen soll*): und doch ha-
ben seine Eyer kaum die Größe eines Gänse-Eyes.
Erwachsen fällt er Menschen und andere große Thiere
an. Jung gefangen aber läßt er sich doch zäh-
men**).

2. Alligator. der Kaiman. (Crocodilus sclerops
Cuv.) L. porca transuersa inter orbitas,
nucha fasciis osseis
4 cataphracta, pedibus
posticis semipalmatis
.

Seba vol. I. tab. 104. fig. 10.

Im mittlern America. Weit rundlicher und glat-
ter am Leibe und Schwanz, als der eigentliche
Crocodil, wird auch nicht so groß als dieser, und
legt kleinere Eyer. Hat übrigens eben so wie jener
fünf Zehen an den Vorderfüßen, und viere an den
hintern, von welchen allen aber nur die drey innern
mit Krallen bewaffnet sind.

3. Gangetica. der Gavial. L. mandibulis elon-
gatis subcylindricis, pedibus posticis pal-
matis
.

Edwards in philos. Transact. Vol. XLIX.
Zumahl im Ganges.

4. Monitor. (Fr. la sauve-garde.) L. cauda ca-
rinata, corpore mutico squamis marginatis,
maculis ocellatis.

Seba vol. I. tab. 94. fig. 1. 2. 3.

[Seite 237]

In beyden Indien. Ueberaus sauber und regel-
mäßig schwarz und weiß gefleckt; wird über 3 El-
len lang; hat den Nahmen daher, daß es sich wie
man sagt, meist in Gesellschaft der Crocodile auf-
halten, und durch einen pfeifenden Laut, den es
von sich gibt, diese seine furchtbaren Gefährten ver-
rathen soll.

5. Iguana. der Leguan. L. cauda tereti lon-
ga, sutura dorsali dentata, crista gulae den-
ticulata
.

Seba vol. I. tab. 95. sqq. tab. 98. fig. 1.

In Westindien. Ein flinkes Thier. Hat ein über-
aus schmackhaftes Fleisch und Eyer.

6. Chamaeleon. L. cauda prehensili, digitis duo-
bus tribusque coadunatis
.

Jo. Fr. Miller fascic. II. tab. 11.

In Ostindien, Nord-Africa, und nun auch theils
in Spanien. Langsam, träge, lebt auf Bäumen
und Hecken, nährt sich von Insecten, die es mit
seiner langen, vorn kolbigen ausgehölten klebrigen
Zunge sehr behende zu fangen versteht. Seine Lun-
gen sind ausnehmend groß, und das Thier kann
sich damit nach Willkür aufblähen oder dünner ma-
chen, daher vermuthlich die Sage der Alten ent-
standen seyn mag, daß es bloß von Luft lebe.
Seine Augen haben die ganz eigene Einrichtung,
daß jedes besonders, oder auch beyde zugleich nach
verschiedenen Richtungen, eines z.B. aufwärts
das andere hinterwärts u.s.w. und zwar schnell
bewegt werden können. Seine natürliche Farbe ist
grünlichtgrau, es ändert dieselbe aber zuweilen
zumahl wenn es zornig wird etc. Der zuweilen
bemerkte Widerschein von benachbarten farbigen
Gegenständen aus die glänzenden Schuppen des le-
bendigen Thiers hat Anlaß zu der Fabel gegeben,
als ob sich seine Farbe überhaupt nach denselben
richte.

[Seite 238]

7. Gecko. (vermuthlich der wahre stellio oder sau-
rus
der Alten.) L. cauda tereti mediocri,
digitis muticis subtus lamellatis, corpore
verrucoso, auribus concavis
.

Seba vol. I. tab. 109.

In Aegypten, Ostindien, auch auf den Inseln
der Südsee, und selbst hin und wieder im südlichen
Europa, z.B. im Neapolitanischen. Er soll einen
giftigen Saft zwischen seinen blättrichten Fußzehen
haben, und dieser sich den Eßwaaren, wo das Thier
drüber wegläuft, mittheilen.

8. Scincus. (crocodilus terrester.) L. cauda te-
reti mediocri, apice compressa, digitis muti-
cis lobato-squamosis marginatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 87.

Im steinigen Arabien, Aegypten etc.

9. †. Agilis. die grüne Eidexe, Kupfer-
Eidexe
. L. cauda verticillata longiuscula,
squamis acutis, collari subtus squamis con-
stricto
.

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Im wärmern Europa, und, wie es scheint, auch
in beyden Indien und auf den Inseln der Südsee.
Ihre Eyer leuchten eine Zeitlang im Finstern.

10. †. Lacustris. der Wasser-Molch, Was-
ser-Salamander
. L. nigra, dorso late-
ribusque verrucosis, abdomine flauo, nigro-
maculato
.

Laurenti tab. 2. fig. 4.

Die Männchen haben im Frühjahr eine vom Kopf
bis zum Schwanz längs des Rückens hinlaufende
empor stehende ausgezackte Haut. Von seiner aus-
nehmenden Reproductionskräft s. oben S. 41.

[Seite 239]

11. †. Salamandra. der Salamander, Molch,
die Molle, Ulme. (Fr. le sourd, mouron.)
L. cauda tereti breui, pedibus muticis cor-
pore flauo nigroque vario, nudo, poroso.

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Schwarz und citrongelb gefleckt, spannenlang und
daumendick. Daß er giftig sey, im Feuer leben
könne etc., sind Fabeln.


II. SERPENTES.

[Seite 240]

Die Schlangen*) haben gar keine äußeren
Gliedmaßen, sondern bloß einen cylindrischen lang
gestreckten Körper, den sie wellenförmig bewegen;
und der mit Schuppen, Schildern, oder Ringen
bekleidet ist. Manche leben im Wasser (da sie
bey ihrer ausnehmend langen und theils blasen-
förmigen Lunge leicht schwimmen können), ande-
re auf der Erde, andere meist auf Bäumen. Sie
legen mehrentheils an einander gekettete Eyer,
und ihre Kinnladen sind nicht, wie bey andern
Thieren, fest eingelenkt, sondern zum Kauen un-
geschickt, indem sie sich weit von einander dehnen
lassen, so daß die Schlagen andere Thiere, die
oft weit dicker als sie selbst sind, ganz verschlin-
gen können. Manche sind mit heftigem Gift in
besondern Bläschen am vordern Rande des Ober-
kiefers versehen**), das in eigenen Drüsen ab-
geschieden, und durch besondere röhrenförmige, ein-
zeln stehende, gegen die Spitze zu mit einer läng-
lichen Oeffnung versehene, Giftzähne (– als
[Seite 241] durch einen Ausführungsgang –) beym Biß in
dir Wunde geflößt wird. (– Abbild. n. h. Gegenst.
tab. 37. fig. 1. –) Diese bloß am vordern Rande
des zugleich merklich starken Oberkiefers befindli-
chen Giftzähne geben auch den zuverlässigsten
Character ab, um die giftigen Schlangen von
den giftlosen zu unterscheiden*), da bey den letz-
tern der ganze äußere Rand der obern Kinnlade
(bis hinten) mit Zähnen besetzt ist (– Abbild.
n. h. Gegenst
. a. a. O. fig. 2. –); außerdem
haben aber wohl alle Schlangen noch eine dop-
pelte Reihe kleiner Gaumen-Zähne mit einander
gemein.

5. Crotalvs. Klapperschlange. (Fr.
serpent à sonnettes. Engl. rattle-snake.)
Scuta abdominalia. Scuta squamaeque sub-
caudales.
Crepitaculum terminale caudae.

1. Horridus. ♂ C. scutis 167. scutellis 23.

Seba vol. II. tab. 95. fig. 1.

Zumahl im wärmern Nordamerica: wird auf 6
Fuß lang und fast armsdick. Die Gattungen die-
ses Geschlechts unterscheiden sich von allen andern
[Seite 242] Schlangen, ja überhaupt von allen übrigen Thieren
in der Schöpfung durch die räthselhafte, hornarti-
ge, gegliederte Rassel am Ende des Schwanzes. –
Die Zahl der Glieder an diesem so wunderbar ge-
bauten, und in seiner Art so ganz einzigen Organ
nimmt mit den Jahren zu, und soll bey alten wohl
auf 40 steigen. Daß kleine Vögel, Eichhörnchen etc.
im Gebüsch der darunter liegenden Klapperschlan-
ge*) gleichsam von selbst in den Rachen fallen,
wird von gültigen Augenzeugen versichert; ist aber
keine ausschließliche Eigenheit dieses Geschlechts, da
man das nähmliche auch an mehrern andern Schlan-
gen der neuen und alten Welt bemerkt haben will.
– Die Klapperschlangen selbst werden häufigst von
den Schweinen und Raubvögeln, verzehrt. Auch
lassen sie sich überaus kirre und zahm machen.

6. Boa. Scuta abdominalia et subcaudalia.

1. Constrictor. die Riesenschlange, Abgotts-
schlange, Anaconda
. (Fr. le devin.) B.
scutis
240. scutellis 60.

Merrem II. Heft. tab. 1.

[Seite 243]

In Ostindien und Africa. Wird nach Adanson's
Versicherung auf 40 bis 50 Fuß lang. Soll leben-
digen Rehen etc. die Rippen und andere Knochen ent-
zwey brechen, das Thier nachher mit einem gallert-
artigen Geifer überziehen, und so hinter würgen.
Doch ist sie leicht kirre zu machen, und wird, wie
die Brillenschlange, von den ostindischen Gaucklern
zu allerhand Kunststücken abgerichtet. – Die Ama-
ru-Schlange in Süd-America, die von den Antis
in Peru angebethet ward, und auch auf 30 Fuß
lang wird, scheint wenig von dieser verschieden. –
Hingegen ist wohl die auf Guinea so heilig verehr-
te, so genannte Juda-Schlange von einer an-
dern Gattung.

7. Colvber. (Fr. couleuvre.) Scuta abdo-
minalia, squamae subcaudales
.

1. Vipera. C. scutis 118. squamis 22.

Es werden mehrere Schlangen mit dem Nahmen
der Viper belegt. Hier diese von Linne' so genannte,
ist in Aegypten zu Hause.

2. Cerastes. die gehörnte Schlange. ♂ C.
tentaculis superciliaribus, scutis
145. squa-
mis
44.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils, im
Anhang tab. 40.

Diese von den beyden über den Augen stehenden
Hörnchen benannte Schlange hat gleiches Vaterland
mit der vorigen, und ist allerdings giftig.

3. †. Berus. die Otter, Viper. (Engl. the
adder
.) ♂ C. scutis 146. squamis 39.

Laurenti tab. 2. fig. 1.

Diese ehemahls officinelle Viper ist von bräunli-
cher Farbe, und in wärmern Gegenden der alten
Welt, auch schon in Deutschland und in der Schweiz
zu Hause. Ihr Biß verursacht zwar heftige Ent-
zündung, wird doch aber nur selten tödtlich. Es ist
[Seite 244] dieselbe Gattung, womit ehedem Redi, und neuer-
lich Fontana so viele merkwürdige Versuche
angestellt haben.

4. †. Natrix. die Ringel-Natter, Schna-
cke, der Unk
. (Fr. la couleuvre à collier.) C.
scutis
170. squamis 60.

Stahlfarbig mit weißen Seiten-Flecken, zu-
mahl an den beyden Seiten des Halses. Man hat
selbst in Europa welche von 10 u. m. Fuß ge-
funden, die dann wohl ehedem Anlaß zu den aben-
teuerlichen Erzählungen von Lindwürmern etc. ge-
geben haben mögen.

5. Coccineus. die Carmoisin-Schlange. C.
scutis
175. squamis 35.

Voigts Magazin 5ten Bdes 1stes Stück.
tab. 1.

Diese ausnehmend schönfarbige und unschuldige
Schlange ist in Florida und Neu-Spanien zu
Hause. Fingers dick und ungefähr 2 Fuß lang.
Längs dem Rücken laufen etliche und zwanzig gro-
ße und sehr regelmäßige carmoisinrothe Flecken, die
mit schwarzen Rändern eingefaßt, und diese wieder
mit citrongelben Querstreifen von einander abgeson-
dert sind. Die Mädchen in Florida sollen das schö-
ne Thier zum Putz als Halsband oder in die Haa-
re geflochten tragen etc.

6. Naja. die Brillenschlange. (Cobra de Ca-
belo
.) ♂ C. scutis 193. squamis 60.

Russell's Indian Serpents tab. 5. 6.

In Ostindien. Der Hals ist weit ausdehnbar,
und hinten mit einer brillenähnlichen Figur bezeich-
net. Ist eine der giftigsten Schlangen, wird aber
häufig vom Ichneumon gefressen, und ist auch leicht
zu allerhand Gaukelkünsten abzurichten.

8. Angvis. Squamae abdominales et sub-
caudales
.

[Seite 245]

1. †. Fragilis. die Blindschleiche, Bruch-
schlange, der Haselwurm, Hartwurm
.
(Fr. l'orvet. Engl. the blind-worm, slow-worm.)
A. squ. abd. 135. totidemque subcaud.

In dumpfigen Gegenden, altem Gemäuer etc.
Bricht leicht entzwey, wenn man sie anfaßt, und
die Stücken bewegen sich doch noch Stunden lang.
Man findet von ihr mancherley theils sauber ge-
zeichnete Spielarten.

2. Platuros. ♂ A. cauda compressa obtusa.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 28.

Im indischen Ocean und der Südsee.

9. Amphisbaena. Annuli trunci caudae-
que
.

1. Fuliginosa. A. ann. tr. 200, caudae 30.

Seba vol. I. tab. 88. fig. 3. u.a.

In America. Schwarz und weiß gefleckt.

10. Caecilia. Runzelschlange. Rugae
trunci caudaeque. Labrum superius tenta-
culis
2.

1. Tentaculata. C. rugis 135.

Seba vol. II. tab. 25. fig. 2.

Auch in America. Hat gar keine Schuppen, son-
dern runzelige Ringe in der glatten Haut, fast wie
ein Regenwurm.


Siebenter Abschnitt.
Von den Fischen.

[Seite 246]

§. 99.

Die Fische sind diejenigen mit rothem kal-
tem Blut versehenen Thiere, die sich mittelst
wahrer (mit Gräten oder knorplichen Faden ver-
sehenen) Flossen bewegen, und mittelst wah-
rer, immer zu beyden Seiten des Halses verwahrt
liegenden (nicht wie bey den Froschlarven außer-
halb deßselben frey hervorragenden) Kiemen
Athem hohlen.

Anm. Wahre Kiemen und wahre Flossen – um sie
von den gewisser Maßen analogen Organen der
ganz jungen Frösche, Salamander etc. (§. 94.) zu
unterscheiden.

§. 100.

Diese Kiemen oder Kiesen (branchiae)
vertreten bey den Fischen fast vollkommen die
Stelle der Lungen. Sie liegen auf den beyden
Seiten hinter dem Kopfe, meistens unter einer
oder mehreren großen halbmondförmigen Schup-
pen, die deßhalb die Kiemen-Deckel (opercula
branchialia
) heißen, und bey den mehresten mit
der Kiemen-Haut (membrana branchiostega)
[Seite 247] verbunden sind. Die Kiemen selbst sind mit un-
zähligen der zartesten Blutgefäße durchwebt, und
auf jeder Seite meist in vier Blätter vertheilt,
die ungefähr der Fahne an einer Feder ähneln,
und die an ihrer Basis durch eben so viele bo-
genförmige Gräten unterstützt werden.

§. 101.

Das Athemhohlen, das die Fische eben
so wenig als die mit Lungen versehenen Thiere
lange entbehren können, geschieht bey ihnen, in-
dem sie die im Wasser aufgelösete Luft
durch den Mund in die Kiemen leiten, und dann
durch die Kiemenöffnung (apertura branchialis)
wiederum von sich geben; folglich nicht wie die
mit Lungen versehenen Thiere durch den glei-
chen Weg
ein- und ausathmen.

§. 102.

Da sie keine Lungen haben, so versteht sich
folglich von selbst, daß ihnen auch keine wahre
Stimme zugeschrieben werden kann, obgleich ei-
nige von ihnen, wie z.B. der Knurrhahn, der
Wetterfisch etc. einen Laut von sich geben können.

§. 103.

Die Bildung des Körpers, überhaupt ge-
nommen, ist bey den Fischen ungleich mannig-
faltiger, als bey den beyden vorigen Thierclassen.
Bey den mehresten hat doch der Körper eine ver-
ticale Stellung, d.h. er ist auf beyden Seiten
zusammen gedrückt corpus compressum s. ca-
[Seite 248] thetoplateum): bey einigen andern hingegen, wie
bey den Rochen, liegt er horizontal, ist in die
Breite platt gedrückt (corpus depressum s. pla-
gioplateum
); bey andern, wie beym Aal etc. ist
er mehr walzenförmig: bey andern, wie bey den
Panzerfischen, prismatisch oder vierkantig etc.

Bey allen aber stoßen Kopf und Rumpf
unmittelbar an einander, ohne durch einen ei-
gentlichen Hals von einander abgesondert zu seyn.

§. 104.

Die Fische sind (bis auf wenige Ausnah-
men) mit Schuppen bekleidet; und zwar die
Grätenfische mit eigentlich sogenannten, die von
einer ganz eigenen Substanz, und bey den ver-
schiedenen Gattungen voll der mannigfaltigsten,
theils ausnehmend eleganten Bildung und Zeich-
nung, und farbigen Gold- und Silberglanze
sind: die mehrsten Knorpelfische hingegen mit mehr
knochenartigen Schildern, hakichten Stacheln,
u. dergl. m.

Die Schuppen werden von außen noch mit
einem besondern Schleim überzogen, der großen
Theils aus kleinen Schleimhöhlen abgeschieden zu
werden scheint, die bey den mehresten Fischen zu
beyden Seiten des Körpers in her so genannten
Seiten-Linie liegen.

§. 105.

[Seite 249]

Die Bewegungswerkzeuge der Fische*), die
Flossen (an welchen man neuerlich merkwür-
dige Reproductionskraft wahrgenommen), bestehen
aus dünnen knochenartigen oder knorpeligen Grä-
ten, die durch eine besondere Haut mit einander
verbunden, an eigenen Knochen befestigt, und
durch bestimmte Muskeln bewegt werden. Ihrer
bestimmten Lage nach heißen die obern, Rücken-
flössen (pinnae dorsales); die seitwärts hinter
den Kiemen befindlichen, Brustflossen (pinnae
pectorales
); die am Bauche vor der Oeffnung
des Afters stehenden, Bauchflossen (pinnae ven-
trales
); die hinter dieser Oeffnung, Steißflosse
(pinna analis); endlich am Schwanze, die
Schwanzflosse (pinna caudalis), die immer eine
verticale Stellung hat.

Die so genannten fliegenden Fische haben
sehr lange und straffe Brustflossen, so daß sie sich
damit selbst über die Oberfläche des Wassers er-
heben, und kleine Strecken weit fortfliegen können.

§. 106.

Ein anderes Hülfsmittel zur Bewegung der
Fische, besonders wohl zum Steigen und Sinken
(wie bey den so genannten cartesianischen Teufel-
[Seite 250] chen), ist die Schwimmblase, womit zumaht
die Süß-Wasser-Fische versehen sind, und die
mittelst eines eigenen Canals (ductus pneumati-
cus
) meist mit dem Magen in Verbindung steht.

§. 107.

In Rücksicht ihres Aufenthalts theilt
man die Fische überhaupt in See- und Süß-
Wasser-Fische. Einige können doch auch zuwei-
len einige Zeit im Trocknen aushalten, wie der
Aal, die Muräne etc. Andere theils in warmen
mineralischen Quellen*).

§. 108.

Die mehresten Fische, zumahl die in der See
leben, sind animalia nocturna, die nähmlich
ihren Geschäften zur Nachtzeit nachgehen, am
Tage hingegen sich mehr in der Tiefe ruhig hal-
ten. Daher auch die von Fischen lebenden In-
sulaner und Küsten-Bewohner meist des Nachts
auf den Fang ausgehen.

§. 109.

Eine große Anzahl Gattungen von Fischen
verändert in gewissen Jahrszeiten ihren Aufent-
halt; so steigen viele Seefische um zu leichen in
die Buchten und Mündungen der Flüsse; man-
che derselben aber, wir z.B. die Häringe im
nördlichen atlantischen Ocean, machen auch noch
[Seite 251] außerdem anderweitige Zuge zu bestimmten
Jahrszeiten und in unermeßlichen Scharen zwi-
schen den Küsten des westlichen Europa und des
nordöstlichen America*).

§. 110.

Die Fische sind größten Theils fleischfres-
sende
Thiere, und da sie keine eigentliche Füße
haben, ihre Beute damit zu fassen, mit
mancherley andern Mitteln ihrer Herr zu werden,
versehen. Theils nähmlich mit langen Bartfasern
(cirri) am Maule, um damit andere kleine Was-
serthiere, wie mit einem Köder zu locken, und
gleichsam zu angeln. (So der Sternseher, der
Froschfisch etc.) Andere, wie der Chaetodon ro-
stratus
, mit einer Spritzröhre, um dadurch die
über dem Wasser fliegenden Insecten, gleichsam
herab zu schießen. Andere, wie drey Seefische,
der Zitterrochen, Tetrodon electricus und Tri-
chiurus
indicus, und die beyden Flußfische,
der Zitteraal und der Zitterwels, mit einer be-
sondern erschütternden und betäubenden Kraft u.s.w.

§. 111.

Was die äußern Sinne der Fische betrifft,
so muß der Geruch bey vielen überaus scharf
seyn, da sie den versteckten Köder in weiter Ent-
fernung auswittern. Auch ihr Gehör ist scharf,
und sie haben dazu ähnliche Organe, wie die
im innern Ohr anderer rothblütigen Thiere. Be-
[Seite 252] sonders aber zeigen sich mancherley Sonderbarkei-
ten im Baue ihres Auges, zahlreichere Häute,
ausschließlich eigne andere Organe u. dergl. m.*).

§. 112.

Ueber die Naturtriebe u.a. Seelen-
kräfte
der Fische läßt sich vor der Hand aus
Mangel an richtigen Beobachtungen wenig sagen.
Doch weiß man, daß manche, w. z.B. die Fo-
rellen, überaus kirre werden**); andere z.B.
alte Karpfen, sehr listig und verschlagen sind
u.s.w.

§. 113.

Von ihrem Schlafe gilt meist die gleiche
Anmerkung, die bey den Amphibien gemacht wor-
den ist (§. 91.), daß nähmlich vermuthlich alle
einem Winterschlaf ausgesetzt sind; aber wohl
nur sehr wenige einen bestimmten täglichen perio-
dischen Erhohlungsschlaf haben: wie es z.B.
vom Goldbrachsen gesagt wird.

§. 114.

Außer den wenigen lebendig-gebährenden
Fischen, wohin der Aal und die so genannte Aal-
mutter gehören, mögen sich wohl wenige Fische
wirklich mit einander paaren; sondern bey den
mehresten gibt das Weibchen den Rogen noch un-
befruchtet von sich, und das Männchen kommt
[Seite 253] hierauf nach, um denselben mit seiner Milch zu
begießen.

Man hat diese Einrichtung für die Land-
wirthschaft benutzen gelernt, indem man auch
aus der künstlichen Vermischung von Eyern und
Samen der Lachs-Forellen etc. junge Fische er-
zielen kann*).

Anm. Zu andern Merkwürdigkeiten im Zeugungsge-
schäfte der Fische gehört auch noch, daß man ein-
zeln unter denselben, nahmentlich beym Karpfen,
wirkliche Zwitter gefunden hat.

§. 115.

Die Vermehrung der meisten Fische ist
zum Wunder stark, so, daß ungeachtet die Eyer-
chen der mehresten in Verhältniß zu ihrer Sta-
tur ungleich kleiner sind, als in irgend einer an-
dern Thier-Classe, dennoch bey manchen die
Eierstöcke größer sind, als ihr ganzer übriger
Körper. Daher zählt man, z.B. beym Häring,
zwischen 20 und 37000, beym Karpfen über
200000, bey der Schleihe 383000, beym Flin-
der über eine Million Eyerchen etc.**).

§. 116.

Theils haben die jungen Fische, st wie sie
aus dem Eye kriechen, noch nicht ihre völlige
Gestalt: sondern müssen sich ebenfalls, so wie
viele Amphibien (§. 94.), erst einer Art von
Metamorphose unterziehen, wodurch ihre
[Seite 254] Flossen u. dergl. m. allgemach vollends ausgebil-
det werden.

§. 117.

Die Fische gelangen, im Verhältnis zur
Größe ihres Körpers zu einem hohen Alter.
Man weiß von Karpfen, Hechten etc. daß sie an-
derthalb hundert Jahre erreichen können. Doch
werden einige kleine Fische, wie z.B. der Stich-
ling etc. nur wenige Jahre alt.

§. 118.

Die Brauchbarkeit der Fische für den
Menschen ist ziemlich einfach, meist bloß zur
Speise; aber eben von dieser Seite für einen
großen Theil des Menschengeschlechts, der theils
fast ganz von diesen Thieren lebt, von der äu-
ßersten Wichtigkeit. Selbst wilde Völker, wie
z.B. die Kamtschadalen, Brasilianer etc. wissen
die Fische auf die mannigfaltigste Weise, sogar
zu einer Art Mehl, zu Kuchen u.s.w. zu be-
reiten: und bey vielen, wie z.B. unter den In-
sulanern des stillen Oceans, macht der Fischfang
ihr Hauptgeschäft, – und in Rücksicht der über-
aus sinnreichen angemessenen Geräthschaften, die
sie sich dazu erfunden haben, wirklich eine Art
von nachdenkendem Studium aus. Aber auch
für einen großen Theil der cultivirten Erde ist
der Fang, z.B. des Härings, Kabeljaus, Thunn-
fisches u. dergl. m. von äußerster Wichtigkeit. –
Der Thran von Hayen, Häringen, Kabeljauen etc.
wird häufigst in Lampen gebrannt. – Die östlich-
[Seite 255] sten Küstenbewohner des mittlern Asiens kleiden
sich in gegerbte Lachshäute. – Und manche Thei-
le einiger Fische werden zu technischem Gebrauch
und Kunstfachen benutzt; wie z.B. die Schup-
pen des Ukley zu Glasperlen; Fischhaut von Ro-
chen und Hayen etc.; Hausenblase etc.

§. 119.

Den mehresten Schaden thun die Raub-
fische; zumahl in den Weltmeeren die Haye; und
in den süßen Wassern die Hechte. – Auch sind
manche Fische wenigstens in gewissen Gegenden
giftig, so daß ihr Genuß tödtlich werden kann.
So zumahl einige Gattungen von Tetrodon.

§. 120.

Die systematische Classification der Fische
scheint noch mancher Verbesserung zu bedürfen.
Inzwischen bringt man sie vor der Hand im Gan-
zen unter zwey Hauptabtheilungen, nähmlich:

A) Knorpelfische (Pisces cartilaginei)
die keine wahren Gräten haben: und

B) mit Gräten versehene oder eigentlich
so genannte
Fische (Pisces spinosi).

Die Knorpelfische sondert man in fol-
gende zwey Ordnungen, welche Hr. Gr. la Ce-
pede nach dem Daseyn oder Mangel des Keimen-
deckels bestimmt, und hiernach die darunter ge-
hörigen Geschlechter vertheilt, nähmlich:

I. Chondropterygii. Ohne Kiemendeckel.

[Seite 256]

II. Branchiostegi. Mit Kiemendeckel.

Die eigentlich so genannten Fische
aber hat Linne' nach der Beschaffenheit und La-
ge der Bauchflossen geordnet, nähmlich:

III. Apodes. Die gar keine Bauchflossen haben.

IV. Iugulares. Die, deren Bauchflossen vor
den Brustflossen sitzen.

V. Thoracici. Die, wo die Bauchflossen ge-
rade unter den Brustflossen, und

VI. Abdominales, wo sie hinter diesen
sitzen.

Zur N. G. der Fische.

  1. Guil. Rondelet de piscibus. Lugd. 1554. P. II. 1555.
    fol.
  2. Conr. Gesner de piscium et aquatilium animantium
    natura
    . Tig. 1558. fol.
  3. Steph. A schonevelde ichthyologia. etc. Hamburg.
    1624. 4.
  4. F. Willoughbeii historia piscium. ex ed. Raii. Oxon.
    1686. fol.
  5. Jo. Raii synopsis methodica piscium. Lond. 1713. 8.
  6. Petr. Artedi ichthyologia. ex ed. Linnaei. Lugd.
    Bat
    . 1738. 8.
  7. Laur. Theod. Gronovii Zoophylacium Gronovia-
    num
    . Lugd. Bat
    . 1781. P. I-III. fol.
  8. Ant. Gouan historia piscium. Argent. 1770. 4.
  9. Du Hamel et De Marre histoire des poissons (traité
    des pèches
    etc.) Par. 1770 sq. III. vol. fol.
  10. M. El. Bloch öconomische N. G. der Fische Deutsch-
    lands. Berl. 1782. III. B. 4.
  11. Dess. N. G. ausländischer Fische. ib. 1785. IX. B. 4.
  12. Ej. Systema ichthyologiae. inchoatum absolvit Io. Gottl.
    Schneider
    . Berol. 1801. 8.
  13. De La Cepède histoire naturelle des poissons. Par.
    1798. V. vol. 4.
  14. G. Ad. Suckow Anfangsgr. der N. G. der Thiere.
    IVter Th. Leipz. 1799. II. Bände. 8.
* * *
  1. Al. Monro Vergleichung des Baues und der Physio-
    logie der Fische mit dem Bau des Menschen und
    der übrigen Thiere. – Mit vielen Zusätzen von P.
    Camper und J. G. Schneider. Leipz. 1787.4.

I. CHONDROPTERYGII.

[Seite 258]

Die Knorpelfische dieser Ordnung haben kei-
ne Kiemendeckel, und bey den mehresten ist das
Maul an der Unterseite des Kopfs befindlich.

1. Petromyzon. Spiracula branchialia
7 ad latera colli. Fistula in nucha. Pinnae
pectorales aut ventrales nullae.

1. †. Marinus. die Lamprete. (Fr. la lamproye.
Engl. the lamprey.) P. ore intus papilloso,
pinna dorsali posteriore a cauda distincta
.

Bloch tab. 77.

In der Nordsee so wie im mittländischen u.a.
Meeren. Steigt aber auch 20 und mehrere Meilen
weit in die Flüsse. Wird wohl aus 3 Fuß lang.

2. †. Fluuiatilis. die Pricke, Neunauge. P.
pinna dorsali posteriore angulata
.

Bloch tab. 78.

In größern Flüssen. Nur halb so groß als die
vorige Gattung.

2. Gastrobranchvs. Bauchkieme.
Spiracula branchialia 2 ventralia. Fistula
in rostro. Pinnae pectorales aut ventrales
nullae
.

Dieses räthselhafte Geschlecht ward ehedem unter
dem Nahmen Myxine den Gewürmen beygezählt.

1. Coecus. der Blindfisch, Schleimaal.
(Myxine glutinosa. Linn.)

Bloch tab. 413.

[Seite 259]

An den Küsten des nördlichen atlantischen Oceans.
Soll gar keine Augen haben!

3. Raia. Roche (Fr. raie. Engl. ray.)
Spiracula branchialia 5 subtus ad collum;
corpus depressum; os sub capite
.

Ein seltsam gebildetes, und theils gar wunderbar
organisirtes Thiergeschlecht. Manche Arten hat man
ehedem durch allerhand Künsteley zu vorgeblichen
Basilisken etc. umgestaltet und aufgetrocknet. Manche
scheinen auch bey einiger Aehnlichkeit, die der Un-
tertheil ihres Kopfs mit einem Menschengesichte hat,
zu der Sage von Sirenen etwas beygetragen zu
haben*). Ungeachtet sie nur ein Ey auf einmahl
legen, so vermehren sie sich doch so stark, daß der
Ocean in manchen Gegenden gleichsam davon wim-
melt. Die Eyer haben eine hornige Schale mit vier
Spitzen, und heißen die See-Mäuse.

1. Torpedo. der Zitterroche, Krampffisch.
(Fr. la torpille. Engl. the crampfish.) R. tota
laeuis maculis dorsalibus 5 orbiculatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 57.

Besonders im mittländischen Meere. Der bekann-
teste von den so genannten elektrischen Fischen (§. 110.)
Wird an theils Orten gegessen.

2. †. Batis. der Glattroche, Baumroche,
Flete, Tepel. (Fr. la raie lisse. Engl. the
skate, flair
.) R. varia, dorso medio glabro,
cauda vnico aculeorum ordine
.

Bloch tab. 79.

In den europäischen Meeren. Wird auf zwey
Centner schwer. Hat ein vorzüglich schmackhaftes
Fleisch.

[Seite 260]

3. Pastinaca. der Stachelroche, Pfeilschwanz.
(Fr. la pastenaque, tareronde, raie baïonette.
Engl. the sting-ray.) R. corpore glabro, acu-
leo longo anterius serrato in cauda, et dor-
so apterygio
.

Bloch tab. 82.

In vielen Welt-Meeren. Sein Schwanz-Sta-
chel ist zwar nicht giftig; aber er dient dem Thiere
und auch wilden Völkern als Waffen.

4. Sqvalvs. Hay. (Fr. chien de mer.
Engl. shark.) Spiracula branchialia 5 ad
latera colli. Corpus oblongum teretiusculum
Os in inferiore capitis parte.

1. Acanthias. der Dornhay. (Fr. l'aguillat.)
S. pinna anali nulla, dorsahbus spinosis,
corpore teretiusculo
.

Bloch tab. 85.

In den europäischen Meeren. Hat drey Reihen
Zähne in jedem Kiefer.

2. Zygaena. der Hammerfisch, Jochfisch.
S. capite latissimo transuerso ma leiformi.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 99.

In den mehresten Weltmeeren.

3. Carcharias. (lamia, tiburo. Fr. le requin.
Engl. the white shark.) S. dorso plano, den-
tibus serratis
.

Bloch tab. 120.

Zumahl häufig im atlantischen Ocean. Wiegt
zuweilen auf zehntausend Pfund, und in seinem
Magen hat man wohl eher ganze Pferde gesunden.
Hat sechsfache Reihen Zahne in den Kiefern, die
(wie überhaupt bey den mehresten Hayen, nicht in
die Kinnladen eingekeilt, sondern wie durch eine
Art Gelenk mit denselben verbunden sind. Die vor-
dere Reihe dieser Zähne macht das eigentliche Ge-
[Seite 261] biß. Die hintern liegen (wenigstens beym jungen
Thier) rückwärts gekehrt, gleichsam aus Reserve,
damit zufälliger Verlust derer in der vordem Reihe
zu wiederhohlten Mahlen ersetzt werden kann.

4. Pristis. der Sägefisch, Schwertfisch.
(Fr. la scie de mer. Engl. the saw fish.) S.
pinna ani nulla, rostro ensiformi osseo pla-
no vtrinque dentato.

Bloch tab. 120.

Unter andern im nördlichen atlantischen Ocean.
Das breite schwertförmige, oft mehrere Ellen lange
Gewehr, das dieses Thier vor dem Kopfe führt, ist
an beyden Seiten-Rändern mit 24 oder mehreren
starken eingekeilten Zähnen besetzt.

5. Lophivs. Seeteufel. (Fr. baudroie,
diable de mer.
Engl. sea devil.) Pinnae
pectorales branchiis insidentes. Spiracula
solitaria pone brachia
.

1. †. Piscatorius. der Froschfisch. (rana pis-
catrix
. Fr. la grenouille pêcheuse. Engl. the
frog-fish
.) L. depressus capite rotundato.

Bloch tab. 87.

An den europäischen Küsten. Der ungeheure Kopf,
der die größere Hälfte des ganzen Thiers ausmacht,
und dann die fleischigen Angelfaden am Maule
(§. 110.) geben ihm ein auffallendes Ansehen.

6. Balistes. Hornfisch. Caput com-
pressum. Apertura supra pinnas pectorales.
Corpus compressum, squamis corio coa-
dunatis. Abdomen carinatum
.

1. Tomentosus. (Engl. the little old wife.) B. pin-
na capitis biradiata, corpore posterius sub-
uilloso
.

Bloch tab. 148. fig. 1.

In beyden Indien.

[Seite 262]

7. Chimaera. Spiracula solitaria, quadri-
partita, sub collo. Oris labium superius
quinquepartitum. Dentes primores incisores
bini supra infraque
.

1. Monstrosa. C. rostro subtus plicis pertusis.

Bloch tab. 124.

Im nördlichen atlantischen Ocean.


II. BRANCHIOSTEGI.

Die mit Kiemendeckeln versehenen Knorpelfische.

8. Acipenser. Spiracula lateralia solita-
ria, linearia. Os sub capite, retractile,
edentulum. Cirri quatuor sub rostro ante os
.

1. †. Sturio. der Stör. (Fr. l'esturgeon. Engl.
the sturgeon.) A. squamis dorsalibus 11.

Bloch tab. 88.

In allen europäischen Meeren, auch im caspi-
schen etc. in der Wolga, im Nil etc. Macht nebst
den übrigen Gattungen dieses Geschlechts sowohl
wegen des Fleisches, als des aus dem Rogen be-
reiteten Caviars, für viele Völker einen wichtigen
Fang aus, und kann gegen tausend Pfund schwer
werden. Oft ziehen ihrer eine Menge in schmalen
aber langen Zügen hinter einander, und das soll
Anlaß zu der fabelhaften Sage von ungeheuren
nordischen Seeschlangen gegeben haben.

2. Ruthenus. der Sterlet. A. squamis dorsa-
libus 15
.

Bloch tab. 89.

Dieser vorzüglich schmackhafte Fisch findet sich am
häufigsten im caspischen Meer und in der Wolga,
aber selten über 30 Pfund schwer.

[Seite 263]

3. Huso. der Hausen, Beluga. (Antacaeus.)
A. squamis dorsalibus 13. caudalibus 43.

Bloch tab. 129.

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen. Ist
vorzüglich wegen des Fischleims oder Hausenblase
merkwürdig, die man besonders aus der Schwimm-
blase desselben, doch auch aus dem Stör und noch
aus einer andern Gattung dieses Geschlechts, nähm-
lich der Sewruge (Acipenser stellatus), die
auch das beste Caviar gibt, ja theils auch aus der
Schwimmblase des Wels, bereitet.

9. Ostracion. Panzerfisch. (Fr. pois-
son coffre
.) Corpus osse integro loricatum.
Pinnae ventrales nullae
.

1. Bicuspis. O. trigonus, spinis dorsalibus dua-
bus
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 58.

An den Küsten von Schina, und, wenn anders
der O. stellifer nicht eine eigene Gattung ist, auch
in America.

2. Triqueter. O. trigonus muticus.

Bloch tab. 130.

So wie der folgende in Ostindien.

3. Cornutus. O. tetragonus, spinis frontalibus
subcaudalibusque binis
.

Bloch tab. 133.

In Ostindien. Ein niedliches kleines Thier, dessen
Panzer aufs regelmäßigste, meist mit Sechsecken
wie Bienenzellen, bezeichnet ist.

10. Tetrodon. Stachelbauch. Corpus
subtus muricatum. Pinnae ventrales nullae
.

1. Lagocephalus. (Fr. le poisson souffleur.) T. ab-
domine aculeato, corpore laeui, humeris
prominentibus
.

Bloch tab. 140.

[Seite 264]

Besonders häufig im Senegal. Und zwar sind
die, so man oben im Flusse landeinwärts fängt,
ein gesundes gutes Essen. Hingegen die nahe an
der See, in der Mündung des Stroms, sehr giftig.

2. Electricus. T. corpore maculoso; pinnis vi-
ridibus
.

Philos. Transact. Vol. LXXVI. P. II. tab. 13.

Einer von den fünf bis jetzt bekannten elektrischen
Fischen (§. 110.). In Ostindien an der St. Johan-
na-Insel.

3. Hispidus. der Kugelfisch. (orbis. Engl.
the moon-fish.) T. totus hispidus, papillis se-
taceis
.

Bloch tab. 142.

Im rothen Meere etc. Aber auch in den süßen
Wassern der benachbarten Länder.

4. Mola. der Klumpfisch. (Fr. la lune de mer.
Engl. the sun-fish.) T. laeuis compressus,
cauda truncata: pinna breuissima dorsali
analique annexa
.

Hamburg. Magaz. XVIII. B. tab. 1.

Häufig im mittländischen und atlantischen Meere.
Wiegt zuweilen auf fünf Centner. Hat den deut-
schen Nahmen von seiner unförmlichen Gestalt; den
französischen und englischen aber von dem starken
phosphorischen Schein, womit die Seiten und der
Unterleib des lebendigen Fisches leuchten.

11. Diodon. Corpus spinis acutis mobili-
bus vndique adspersum. Pinnae ventrales
nullae
.

1. Hystrix. der Stachelfisch, Guara. (Engl.
the porcupine-fish.) D. oblongus, aculeis te-
retibus.

Bloch tab. 126.

[Seite 265]

Zumahl im atlantischen Ocean: nahmentlich auch
an den nordamericanischen Küsten.

12. Cycloptervs. Bauch-Sauger.
Caput obtusum. Pinnae ventrales in orbi-
culum connatae
.

1. †. Lumpus. der See-Hase, Klebpfost,
Hofpadde. (Fr. le lièvre de mer. Engl. the
lump-sucker
.) C. corpore squamis osseis an-
gulato
.

Bloch tab. 90.

In den nördlichen Meeren der alten Welt. Hängt
sich mit seinem gerippten flachen Brustschilde aufs
festeste an die Klippen, Schiffe u.s.w. an.

13. Centriscvs. Messer-Fisch. Caput
productum in rostrum angustissimum. Ab-
domen carinatum. Pinnae ventrales vnitae
.

1. Scolapax. die Meer-Schnepfe. C. corpore
squamoso scabro, cauda recta extensa
.

Bloch tab. 123. fig. 1.

Im mittländischen Meer etc.

14. Syngnathvs. Rostrum subcylindri-
cum, ore operculato, maxilla inferiore mo-
biliore. Corpus cataphractum. Pinnae ven-
trales nullae
.

1. Acus. die Meer-Nadel, Sack-Nadel.
(Engl. the pipe.) S. pinnis caudae ani pecto-
ralibusque radiatis; corpore septemangulato
.

Bloch tab. 91. fig. 2.

In der Nord- und Ostsee etc.

2. Hippocampus. das See-Pferdchen, die
See-Raupe
. (Fr. le cheval marin. Engl.
[Seite 266] the sea-horse.) S. pinna caudae quadrangulae
nulla, corpore septemangulato tuberculato
.

Bloch tab. 116. fig. 3.

Einer der weitestverbreiteten Seefische. Hat seinen
Nahmen, weil der Vordertheil einem Pferdekopf
und Hals, das hintere Ende aber einer Raupe ver-
glichen worden. Im Tode krümmt er sich wie ein
S, und ähnelt so dem Springer im Schach.

15. Pegasvs. Os proboscide retractili. Ro-
strum ensiforme, lineare. Corpus articula-
tum osseis incisuris, cataphractum. Pinnae
ventrales abdominales
.

1. Draconis. der Seedrache. P. rostro conico.

Bloch tab. 109. fig. 1. 2.

In Ostindien. Die großen breiten Brustflossen
ähneln ausgespannten Flügeln, und mögen wohl
den Nahmen veranlaßt haben.


III. APODES.

Diese und die drey folgenden Ordnungen
begreifen nun die mit Gräten versehenen, oder ei-
gentlich so genannten
Fische. Und zwar
hier diese, die so gar keine Bauchflossen haben.

16. Mvraena. Caput laeue. Nares tubu-
losae. Membr. branch. radiis 10, corpus
teretiusculum, lubricum. Pinna caudalis
coadunata dorsali anique. Spiracula pone
caput vel pinnas pectorales
.

1. Helena. die Muräne. M. pinnis pectorali-
bus nullis
.

Bloch tab. 153.

[Seite 267]

Ein sehr gefräßiger Raubfisch, in den wärmern
Meeren beyder Welten.

2. †. Anguilla. der Aal. (Fr. l'anguille. Engl.
the eel). M. maxilla inferiore longiore, cor-
pore vnicolore
.

Bloch tab. 73.

In den Flüssen beyder Welten. Geht zuweilen
ans Land auf Wiesen, ins Getreide etc. Hat ein
zähes Leben, und das ihm ausgeschnittene Herz be-
hält wohl noch 40 Stunden lang seine Nutzbarkeit.
Nach den genauesten Beobachtungen gebiert er sicher
lebendige Junge*).

17. Gymnotvs. Caput operculis latera-
libus. Tentacula duo ad labium superius.
Membr. branch. radiis 5; corpus compres-
sum, subtus pinna carinatum
.

1. Electricus. der Zitteraal, Zitterfisch,
Drillfisch. (Fr. l'anguille electrique.) G. nu-
dus, dorso apterygio, pinaa caudali obtusis-
sima anali connexa
.

Bloch tab. 156.

Besonders bey Surinam und Cayenne, wo ihn
van Berkel**) zuerst bekannt gemacht hat. Un-
gefähr mannslang***).

[Seite 268]

18. Trichivrvs. Caput porrectum, oper-
culis lateralibus. Dentes ensiformes, apice
semisagittati: primores maiores. Membr.
branchiostega radiis 7. Corpus compresso-
ensiforme. Cauda subulata, aptera
.

1. Lepturus. T. mandibula inferiore longiore.

Bloch tab. 158.

In beyden Indien.

2. Indicus. T. mandibulis aequalibus.

Willoughby App. tab. 3. fig. 3.

In Ostindien. Ebenfalls ein elektrischer Fisch.
(§. 110.)

19. Anarrhicas. Caput obtusiusculum.
Dentes primores supra infraque conici,
diuergentes, sex pluresue, molares inferiores
palatique rotundati. Membr. branch. radiis
6. Corpus teretiusculum, pinna caudae di-
stincta
.

1. †. Lupus. der Klippfisch, Seewolf,
Steinbeißer. (Engl. the ravenous.) A. pin-
nis pectoralibus amplis subrotundis
.

Bloch tab. 74.

An den Küsten des nördlichen Europa.

20. Ammodytes. Caput compressum.
Labium superius duplicatum, dentes ace-
rosi. Membr. branch. rad 7. Corpus tere-
tiusculum, cauda distincta
.

1. †. Tobianus. der Sandfisch, Sandaal,
Tobias-Fisch. (Engl. the sand-launce.) A.
maxilla inferiore longiore
.

Bloch tab. 75. fig. 2.

Ebenfalls am nördlichen Europa. Wühlt sich in
den Küstensand, wo er in England und Holland in
Menge herausgestochen wird.

[Seite 269]

21. Ophidivm. Caput nudiusculum. Den-
tes maxillis, palato, faucibus. Membr.
branch. radiis 7 patula. Corpus ensiforme
.

1. †. Imberbe. der Nugnoge, Fünffinger-
fisch
. O. maxillis imberbibus, cauda obtu-
siuscula
.

British Zoology. App. tab. 93.

Häufig an Austerbänken, da er der gefährlichste
Feind der Austern seyn soll. Wird nicht selten in
fest geschloßnen Austerschalen gefunden*).

22. Stromatevs. Caput compressum.
Dentes in maxillis, palato. Corpus oua-
turn, latum, lubricum. Cauda bifida
.

1. Paru. S. vnicolor.

Bloch tab. 160.

In America.

23. Xiphias. Caput maxilla superiore ter-
minatum rostro ensiformi. Os edentulum.
Membr. branch. rad. 8; corpus teretiuscu-
lum
.

1. †. Gladius. der Schwertfisch, Hornfisch.
(Fr. l'épée de mer, l'empereur, l'espadon. Engl.
the sword-fish, whale killer.) X. mandibula in-
feriore acuta, triangulari
.

Bloch tab. 76.

In den nördlichen sowohl als südlichen Meeren.
Wird mit seinem Schwerte auf 18 Fuß lang, und
hält dann gegen 5 Centner an Gewicht. Hat ein
sehr schmackhaftes Fleisch, und macht besonders für
die Calabrischen und Sicilianischen Fischer einen
wichtigen Fang**).

IV. IVGVLARES.

[Seite 270]

Fische, deren Bauchfloßfedern vor den
Brustflossen sitzen.

24. Callionymvs. Caput labio superio-
re duplicato; oculi approximati. Membr.
branchiostega rad. 6; apertura nuchae fo-
raminibus respirante. Opercula clausa. Cor-
pus nudum. Pinnae ventrales remotissimae
.

1. Lyra. (Fr. le lacert. Engl. the piper.) C. dor-
salis prioris radiis longitudine corporis
.

Bloch tab. 161.

Im atlantischen Ocean.

25. Vranoscopvs. Caput depressum, sca-
brum, maius. Os simum, maxilla superior
breuior. Membr. branch. radiis 5; anus in
medio
.

1. Scaber. der Sternseher. (Fr. le boeuf.
Engl. the star-gazer.) V. cirris multis in
maxilla inferiore
.

Bloch tab. 163.

Vorzüglich häufig im mittländischen Meere.

26. Trachinvs. Caput scabriusculum, com-
pressum. Membr. branch. rad. 6; anus pro-
pe pectus.

1. †. Draco. das Petermännchen. (Fr. la
vive
. Engl. the wever, stingfish.) Trachinus.

Bloch tab. 61.

Im mittländischen Meere, in der Nordsee etc.

[Seite 271]

27. Gadvs. Corpus laeue. Membr. branch.
rad. 7 teretibus; pinnae cute communi ve-
stitae, pectorales acuminatae
.

1. †. Aeglefinus. der Schellfisch. (Engl. the
hadock
.) G. tripterygius cirratus albicans,
cauda biloba, maxilla superiore longiore.

Bloch tab. 62.

Im ganzen nördlichen europäischen Ocean, vor-
züglich aber an den englischen und schottischen Kü-
sten. – Viele Fische phosphoresciren unter gewissen
Umständen nach dem Tode: bey diesem hier ist aber
dieses Leuchten zuweilen von ganz auffallender Stär-
ke und langanhaltender Dauer*).

2. †. Callarias. der Dorsch. G. tripterygius cir-
ratus varius, cauda integra, maxilla supe-
riore longiore
.

Bloch tab. 63.

Hat meist gleichen Aufenthalt mit dem vorigen.

3. †. Morrhua. der Kabeljau, Steinfisch.
Baccaljao. (Asellus. Fr. la morue. Engl. the
cod-fish
.) G. tripterygius cirratus, cauda
subaequali, radio primo anali spinoso
.

Bloch tab. 64.

Es werden unter diesen gemeinschaftlichen Nah-
men mehrere verwandte Gattungen dieses Geschlechts
begriffen, die wegen der unsäglichen Menge, und
wegen der mannigfaltigen Zubereitung (als Stock-
fisch
, als Laberdan, und als Klippfisch) und lan-
gen Couservation etc. von der äußersten Wichtigkeit
sind. Sie finden sich vorzüglich in den nördlichen
Gegenden, beydes des stillen und atlantischen Oceans,
wo sie besonders um Labrador, Neu-Fundland,
[Seite 272] auch um Island und an den Nordküsten von Groß-
brittannien den wichtigsten Fischfang ausmachen*).

4. †. Merlangus. der Witling, Gadde. (Fr.
le merlan. Engl. the whiting.) G. tripterygius
imberbis albus, maxilla superiore longiore
.

Bloch tab. 65.

In den europäischen Meeren.

5. †. Lota. die Quappe, Drusche, Rutte,
Aalraupe, Aalputte. (Fr. la lote. Engl.
the burbot.) G. dipterygius cirratus, maxillis
aequalibus
.

Bloch tab. 70.

Vorzüglich in den Schweizer-Seen. Einer der
schmackhaftesten deutschen Fische.

28. Blennivs. Schleimfisch. Caput de-
cliue, tectum. Membr. branch. rad. 6; cor-
pus lanceolatum, pinna ani distincta
.

1. †. Viuiparus. die Aalmutter. B. ore ten-
taculis duobus
.

Bloch tab. 72.

Im mittländischen Meere, in der Nordsee etc. Ge-
biert lebendige Junge.


V. THORACICI.

Fische, deren Bauchfloßfedern gerade unter
den Brustflossen sitzen.

29. Cepola. Caput subrotundum com-
pressum. Os simum, dentes curuati, sim
-
[Seite 273] plici ordine. Membr. branch. radiis 6; cor-
pus ensiforme, nudum, abdomine vix ca-
pitis longitudine
.

1. Taenia. der Bandfisch. (Fr. le ruban.) C.
pinna caudae attenuata, capile obtusissimo
.

Bloch tab. 170.

Im mittländischen Meere.

30. Echeneis. Caput depressum, supra
planum marginatum, transuerse sulcatum.
Membr. branch. rad. 10
.

1. Remora. der Saugefisch. (Fr. le sucet.
Engl. the sucking fish. L. cauda bifurca, striis
capitis 18
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 78.

In den mildern Weltmeeren. Das sonderbare Thier
kann sich mittelst des quergestreiften Hinterkopfs
aufs festeste an Schiffe, Hayfische etc. anhalten
Daher die alte Fabel, daß ein einziger ein Schiff
im vollem Lauf zu hemmen vermöge.

31. Coryphaena. Caput truncatodecliue.
Membr. branch. rad. 5; pinna dorsalis lon-
gitudine dorsi
.

1. Hippurus. der Goldkarpse. (Fr. la dorade.
Engl. the dolphin.) C. cauda bifida, radiis
dorsalibus 60
.

Bloch tab. 174.

Im atlantischen Meere. Ein prachtvolles Thier,
das besonders im Sterben in wunderschöne Farben
(aus dem Gelben ins Blaue und Purpurrothe etc.)
spielt.

32. Gobivs. Caput poris 2 inter oculos ap-
proximatos, altero anteriore. Membr. branch.
rad. 3; pinnae ventrales vnitae in ouatam.

[Seite 274]

1. Niger. die Meergrundel. G. pinna dor-
sali secunda radiis 14
.

Bloch tab. 38. fig. 1. 2. 5.

Im atlantischen und indischen Ocean.

33. Cottvs. Caput corpore latius, spino-
sum. Membr, branch. rad. 6.

1. †. Cataphractus. der Knurrhahn, Stein-
picker
. (Engl. the pogge.) C. loricatus ro-
stro verrucis bifidis, capite subtus cirroso
.

Bloch tab. 38. fig. 3. 4.

An den nördlichen Küsten von Europa und Ame-
rica.

2. †. Gobio. der Kaulkopf, Rotzkolbe,
Gropp, Kruppe. (Engl. the bull head, the
miller's thumb
.) C. laeuis, capite spinis dua-
bus
.

Bloch tab. 38. fig. 1. 2.

Ein sehr gemeiner europäischer Flußfisch. Das
Weibchen scharrt sein Leich in eine Höhle am Grund,
und bewacht es bis die Jungen ausgekrochen sind
aufs sorgfältigste.

34. Scorpaena. Caput magnum, aculea-
tum. Oculi vicini. Dentes maxillis, pa-
lato, faucibusque. Membr. branch. ra-
diis 7
.

1. Horrida. S. tuberculis callosis adspersa.

Bloch tab. 183.

In Ostindien.

35. Zevs. Caput compressum, decliue. La-
bium superius membrana transuersa forni-
catum. Lingua subulata. Membr. branch
.
[Seite 275] radiis 7 perpendicularibus: infimo trans-
uerso. Corpus compressum
.

1. Vomer. Z. cauda bifurca, spina ante pinnam
analem dorsalemque recumbente
.

Bloch tab. 193.

2. Faber. (Engl. the doree, dory.) Z. cauda ro-
tundata; lateribus mediis ocello fusco; pin-
nis analibus duabus.

Bloch tab. 41.

Beyde im atlantischen Meer.

36. Plevronectes. Butte, Scholle,
Halbfisch. (Fr. sole. Engl. flounder.) Ocu-
lis vtrisque in eodem latere frontis. Membr.
branch. rad. 4-7; corpus compressum, la-
tere altero dorsum, altero abdomen refe-
rente.

Die Schollen sind die einzigen Thiere in der Na-
tur, die ihre beyden Augen auf einer Seite des
Kopfs haben; manche Gattungen nähmlich auf der
rechten, andere auf der linken; sehr selten finden sich
Mißgeburten unter ihnen, die anomalisch auf der un-
rechten Seite ihre Augen haben. Auch beyde Na-
senlöcher sitzen ebenfalls so schief seitwärts. Sie
schwimmen in einer schrägen Lage, die Augenseite
in die Höhe gerichtet.

1. †. Platessa. die Scholle, Plateis, Gold-
butte
(passer Fr. la plie. Engl. the plaise,)
P. oculis dextris, corpore glabro, tuberculis
6 capitis
.

Bloch tab. 42.

Nebst den folgenden besonders in den nördlichen
Meeren.

2. †. Flesus. der Flünder. (Engl. the floun-
der
.) P. oculis dextris, linea laterali aspera,
spinulis ad pinnas.

Bloch tab. 44.

[Seite 276]

3. †. Limanda. die Glahrke, Kliesche. (Engl.
the dab.) P. oculis dextris, squamis ciliatis,
spinulis ad radicem pinaarum dorsi anique
,
dentibus obtusis.

Bloch tab. 46.

4. †. Hippoglossus. die Heiligbutte. (Fr. le
fietang
. Engl. the holibut.) P. oculis dextris,
corpore toto glabro
.

Bloch tab. 47.

Theils von vier Centnern an Gewicht; unter an-
dern in größter Menge im nördlichen stillen Ocean.

5. †. Maximus. die Steinbutte. (Fr. und
Engl. turbot.) P. oculis sinistris, corpore
aspero
.

Bloch tab. 49.

Doch weit kleiner als die vorige. Einer der
schmackhaftesten Fische.

37. Chaetodon. Dentes (plurimis) se-
tacei, flexiles confertissimi, numerosissimi.
Membr. branch. radiis 6; corpus pictum,
pinna dorsi anique carnosa squamosa
.

1. Rostratus. C. cauda integra, spinis pinnae
dorsalis 9., maculaque ocellari; rostro cylin-
drico
.

Bloch tab. 202.

In Ostindien. Der Oberkiefer endigt sich in eine
Röhre, wodurch der Fisch die Insecten, die an al-
lerhand Wasserpflanzen sitzen, bespritzt, daß sie her-
abfallen, und ihm zur Speise werden müssen.

2. Macrolepidotus. C. cauda integra, spinis dor-
salibus 11. radio dorsali quarto filiformi lon-
gissimo
.

Bloch tab. 200.

[Seite 277]

In Ostindien.

38. Sparvs. Brachse. Dentes primores ro-
busti, molares obtusi, conferti. Labia sim-
plicia. Membr. branch. rad. 5; corpus
compressum. Pinnae pectorales acuminatae.

1. Aurata. der Goldbrachsen. S. lunula aurea
inter oculos
.

Bloch tab. 266.

Im mittländischen und atlantischen Meer. Hat
fast in allen Sprachen seinen Nahmen von dem gold-
farbigen halben Monde vor den Augen.

2. Sargus. der Greißbrachsen. S. ocello sub-
caudali, corpore fasciis nigris
.

Bloch tab. 264.

Im mittländischen Meer. Die Männchen sollen
zur Begattungszeit sehr hitzig wie Säugethiere oder
Vögel um ihre Weibchen kämpfen.

3. Pagrus. der Seebrachse. S. rubescens, cute
ad radicem pinnarum dorsi et ani in sinum
producta
.

Bloch tab. 267.

Einer der allgemeinst verbreiteten Seefische. Zu-
weilen giftig.

39. Labrvs. Lippfisch. Dentes acuti,
labia duplicata magna. Membr. branch.
rad. 6; pinnae dorsalis radii postice ramen-
to filiformi aucti. Pectorales rotundatae
.

1. Iulis. der Meerjunker. L. lateribus cae-
rulescentibus, vitta longitudinali fulua vtrim-
que dentala
.

Bloch tab. 287.

Im mittländischen Meer. Nur Fingers lang,
von ausnehmend schönen Farben. Wird den Ba-
[Seite 278] denden durch seinen Biß lästig, der wie Mücken-
stiche schmerzt.

40. Sciaena. Caput torum squamis ob-
tectum. Membr. branch. rad. 6.; opercu-
la squamosa. Corpus: fossula dorsi pro
pinna dorsali recondenda.

1. Nigra. S. tota nigra, ventre fusco albe-
scente
.

Bloch tab. 297.

Wie so viele andere Gattungen dieses Geschlechts
im rothen Meere.

41. Perca. Opercula spinosa, antrorsum
serrata. Membr. branch. rad. 7. corpus
pinnis spinosis. Linea lateralis cum dorso
arcuata
.

1. †. Fluuiatilis. der Barsch. (Fr. la perche.
Engl. the perch.) P. pinnis dorsalibus distinc-
tis, secunda radiis 16.

In Europa und Nordasien.

2. †. Lucioperca. der Zander, Sandbarsch,
Schiel. P. pinnis dorsalibus distinctis, se-
cunda radiis 32
.

Bloch tab. 51.

So wie der folgende im nördlichen Europa. Hier
diese Gattung vorzüglich schmackhaft, vor allen die
im Plattensee in Ungarn. Von ansehnlicher Größe
in der Donau.

3. †. Cernua. der Kaulbarsch. (Engl. the
ruffe
.) P. pinnis dorsalibus vnitis radiis 27;
spinis 15; cauda bifida
.

Bloch tab. 53. fig. 2.

[Seite 279]

42. Gasterostevs. Membr. branch.
rad. 3; corpus ad caudam vtrimque cari-
natum. Pinnae ventrales pone pectorales,
sed supra sternum
.

1. †. Aculeatus. der Stichling. (spinarella.
Engl. the stickleback.) G. spinis dorsalibus
tribus
.

Bloch tab. 53. fig. 3.

In Europa. Wird fast bloß zum Mästen der Schwei-
ne und statt Dünger gebraucht.

2. Ductor. der Lootsmann. (Fr. le pilote.
Engl. the pilot-fish.) G. spinis dorsalibus
4. membrana branchiostega 7-radiata
.

Der berühmte kleine Fisch, der sich immer als Be-
gleiter oder Vorläufer beym furchtbaren Requin
(Squales carcharias) findet. Einige Uebertreibungen
abgerechnet, ist die Hautsache neuerlich durch treffli-
che Beobachter vollkommen bestätigt*).

43. Scomber. Caput compressum, laeue.
Membr. branch. rad. 7; corpus laeue, li-
nea laterali postice carinatum. Pinnae spu-
riae saepe versus caudam
.

1. †. Scomber. die Makrele. (Fr. le maquereau.
Engl. the mackrel.) S. pinnulis 5.

Bloch tab. 54.

Im nordischen und atlantischen Meer etc. Wie der
folgende ein gefräßiger, aber vorzüglich schmackhaf-
ter Raubfisch. Von beyden machten die Alten ein
vorzügliches Garum.

[Seite 280]

2. Pelamys. die Bonite. S. pinnulis inferiori-
bus 7; abdomine lineis vtrinque 4 nigris
.

In allen wärmern Weltmeeren. Auch dieses Thier
phosphorescirt nach dem Tode zuweilen sehr stark,
und kann dann so, wie manche andere Fische und
deren Thran etc. zum Leuchten des Seewassers bey-
tragen.

3. †. Thynnus. der Thunnfisch. (Fr. le thon.
Engl. the tunny.) S. pinnulis vtrimque 8.

Bloch tab. 55.

In der Nordsee, dem mittländischen Meer, Ost-
und Westindien etc. Wird über Manns lang, und
dann wohl gegen 5 Centner schwer. Ist zuweilen
giftig*). – Ihm ähnelt die zumahl aus den Süd-
see-Reisen bekannte Albicore.

44. Mvllvs. Caput compressum, decliue,
squamis tectum. Membr. branch. rad. 3;
corpus squamis magnis facile deciduis.

1. Barbatus. der Rothbart, die Meerbarbe.
M. cirris geminis, corpore rubro.

Bloch tab. 328. fig. 2.

Ein schöner schmackhafter Fisch des mittländischen
Meers. Ungefähr fußlang.

45. Trigla. Caput loricatum lineis sca-
bris. Membr. branch. rad. 7; digiti liberi
ad pinnas pectorales.

1. Volitans. T. digitis vicenis membrana pal-
matis
.

Bloch tab. 351.

Einer der fliegenden Fische in den mildern Welt-
meeren.

VI. ABDOMINALES.

[Seite 281]

Fische, deren Bauchflossen hinter den Brust-
floßfedern sitzen. Die mehresten Süßwasser-Fische
sind aus dieser Ordnung.

46. Cobitis. Oculi in suprema capitis
parte. Membr. branch. rad. 4–6; cauda
versus pinnam minus angustata
.

1. Anahleps. C. cirris 2; capite depresso, oculis
prominulis
.

Bloch tab. 361.

Bey Surinam. Gebiert lebendige Junge, und
wird besonders durch den ganz einzigen Bau seiner
gleichsam in zwey Abschnitte halbirten Hornhaut des
Auges, und übrige Einrichtung der Augäpfel, merk-
würdig*).

2. †. Barbatula. der Schmerling, Grundel,
Bartgrundel. (Fr. la loche. Engl. the
loach
.) C. cirris 6. capite inermi compresso.

Bloch tab. 31. fig. 3.

In mehrern Spielarten, mit und ohne Bartfä-
den etc. Die größten finden sich in der Aar in der
Schweiz.

3. †. Fossilis. der Wetterfisch, Peitzker,
Schlammbeisker, die Pipe, Steinpiet-
sche, Kurrpietsche
. C. cirris 6, spina su-
pra oculos.

Bloch tab. 31. fig. 1.

In Europa. Kann wie der Knurrhahn einen Laut
von sich geben. Wenn man ihn in Gläsern, mit
Sand am Boden, erhält, so wird er bey bevorste-
hender Wetterveränderung unruhig.

[Seite 282]

47. Silvrvs. Caput nudum. Os cirris
filiformibus tentaculatum. Membr. branch.
rad.
4–14; radius pinnarum pectoralium
aut dorsalis primus spinosus, retrodentatus
.

1. †. Glanis. der Wels, Schaidfisch. S.
pinna dorsali vnica mutica, cirris 6
.

Bloch tab. 34.

In den mildern Strichen der alten Welt. Der
größte Süßwasser-Fisch, der wohl 3 Centner am
Gewicht hält, und wegen des unförmlich großen
und breiten Kopfes und der langen Bartfäden ein
sonderbares Ansehen hat.

2. Cataphractus. S. pinna dorsali postica vnira-
diata, squamis ordine simplici, cirris 6,
cauda integra
.

Catesby vol. III. tab. 19.

In Nordamerica.

3. Electricus. der Zitter-Wels, Raasch. (Fr.
le trembleur.) S. pinna dorsali vnica lumbari,
remota absque radiis, cirris 6
.

Broussonet in den Mém. de l'ac. des sc. de
Paris
. 1792. tab. 20.

Ebenfalls ein elektrischer Fisch (§. 110.). Findet
sich im Nil und mehrern andern afrikanischen Flüs-
sen. Wird ungefähr 20 Zoll lang. Ist eßbar.

48. Loricaria. (Fr. cuirassier.) Caput
laeue depressum. Os edentulum retractile.
Membr. branch. radiis 6; corpus cataphrac-
tum
.

1. Plecostomus. L. pinnis dorsi duabus.

Bloch tab. 374.

In Südamerica.

49. Salmo. Caput laeue. Dentes in ma-
xillis, lingua. Membr. branch. rad. 4–10;
[Seite 283] pinna dorsalis postica adiposa; pinnae ven-
trales multiradiatae
.

1. †. Salar. der Lachs, Salm. (Fr. le saumon
Engl. the salmon.) S. rostro vltra inferiorem
maxillam prominente
.

Bloch tab. 20. 98.

In den nordischen Meeren und Flüssen, theils,
wie aus Labrador und im Amur Lande, in unsägli-
cher Menge. Hält sich des Sommers in den Flüs-
sen, im Winter aber in der See auf. Nur die
Männchen haben einen gebogenen Unterkiefer. Die
Weiber der Orotchys-Tungusen wissen die Lachs-
häute durch Gerben ausnehmend geschmeidig zu ma-
chen, um sich damit zu kleiden.

2. †. Trutta. die Lachs-Forelle. (Fr. la
truite saumonée
. Engl. the sea trout.) S. ocel-
lis nigris iridibus brunneis, pinna pectorali
punctis 6
.

Bloch tab. 21.

An den Küsten und in den Flüssen von Europa.
Wird 8 bis 10 Pfund schwer.

3. †. Fario. die Forelle. (Fr. la truite. Engl.
the trout.) S. maculis rubris, maxilla infe-
riore sublongiore
.

Bloch tab. 22. 23.

In schattigen Waldbächen des gebirgigen, mildern
Europa und Asien. Wird selten über 2 Pfund schwer.
Variirt sehr an Farbe und Geschmack.

4. †. Alpinus. die Alpenforelle, der Roth-
fisch
. S. dorso nigro lateribus caeruleis, ven-
tre fuluo
.

Bloch tab. 104.

Im alpinischen und nördlichen Europa. Ein
wichtiges Thier für die Schwedischen Lappen, de-
ren beynahe einzige Nahrung es zu Zeiten aus-
[Seite 284] macht; lebt großentheils von Mücken (culex pi-
piens.
)

5. †. Eperlanus. der große Stint, Alander.
(Engl. the smelt.) S. capite diaphano, radiis
pinnae ani 17
.

Bloch tab. 28. fig. 2.

Im nördlichen Europa. Fast durchscheinend. –
Ihm ähnelt der so genannte grönländische Häring,
Angmarset (Salmo arcticus) den die Grönlän-
der nächst ihrer Hauptnahrung, dem Seehundflei-
sche, in größter Menge gleichsam als Brod oder
Kuchen verzehren.

6. †. Lauaretus. der Gangfisch, Schnepel,
Weißfisch. S. maxilla superiore longiore,
radiis pinnae dorsi 14.

Bloch tab. 25.

In der Nord- und Ostsee; auch in der Hudsons-
bey. – Dahin gehören vermutlich auch die Fel-
chen
, und der Aalbock im Thuner-See, der
mit der Ferra des Genfer-Sees einerley zu seyn
scheint.

7. †. Thymallus. die Aesche. (Fr. l'ombre.)
S. maxilla superiore longiore, pinna dorsi
radiis 23
.

Bloch tab. 24.

Im mittlern Europa und Sibirien.

50. Fistvlaria. Caput: rostrum cylin-
dricum, apice maxillosum. Membr. branch.
radiis 7; corpus
....

1. Tabacaria. F. cauda bifida setifera.

Bloch tab. 387.

Das so gar sonderbar gebildete Thier mit winzig-
kleinem Maule an einer mächtig langen Schnauze
findet sich an den östlichen Küsten vom wärmern
America und an Neuholland.

[Seite 285]

51 a). Esox. Caput supra planiusculum;
mandibula superiore plane breuiore, infe-
riore punctata: dentes in maxillis, lingua.
Membr. branch. rad. 7–12
.

1. †. Lucius. der Hecht. (Fr. le brochet. Engl.
the pike.) Q. rostro depresso subaequali.

Bloch tab. 32.

In vielen Flüssen und Seen von Europa, Asien
und Nordamerica. Einer der gefräßigsten Raubfi-
sche, der nicht nur andere Fische, sondern auch al-
lerhand Amphibien, Kröten etc. viele Wasservögel
und kleine Säugethiere, auch zuweilen gar Krebse
verschlingt.

2. †. Belone. der Hornfisch. (Fr. l'orphie.
Engl. the garpike.) L. rostro vtraque maxil-
la subulato
.

Bloch tab. 33.

In den europäischen Meeren, theils in unsägli-
cher Menge. Seine Gräten sind grün, als wenn
sie mit Saftfarbe angestrichen wären.

51 b). Polyptervs. Membr. branch.
radio vnico. Spiracula vtrinque bina in
vertice. Pinnae dorsales numerosae
.

1. Bichir.

Geoffroy-Saint-Hilaire Mémoires d'hi-
stoire naturelle
tab. 5.

Im Nil. Ungefähr zwey Spannenlang, von meer-
grüner Farbe, wie mit knöchernen Schuppen ge-
panzert. Seine zahlreichen Rückenflossen (16 und
darüber); und die gleichsam wie an Beinen ansitzen-
den Brust- und Bauchflossen, so wie noch mehrere
auffallende Eigenheiten qualificiren dieses sonderbare
Thier zu einem eigenen Geschlechte.

52. Elops. Caput laeue. Dentium sca-
brities in maxillarum margine, palato
.
[Seite 286] Membr. branch. radiis 30; praeterea exte-
rius in medio armata dentibus 5
.

1. Saurus. E. cauda supra infraque armata.

Bloch tab. 393.

Auf Jamaica.

53. Argentina. Dentes in maxillis,
lingua. Membr. branch. radiis 8. Corpus
ano caudae vicino. Pinnae ventrales mul-
tiradiatae
.

1. Carolina. A. pinna anali radiis 15.

Catesby vol. II. tab. 24.

Hat den Nahmen von ihrem Vaterlande.

54. Atherina. Caput maxilla superiore
planiuscula. Membr. brancb. radiis 6. Cor-
pus fascia laterali argentea
.

1. Hepsetus. A. pinna ani radiis fere 12.

Bloch tab. 393. fig. 3.

Im mittländischen Meere.

55. Mvgil. Caput: Labia membranacea:
inferius introrsum carinatum. Dentes nulli.
Denticulus inflexus supra sinus oris. Membr.
branch. rad. 7. curuis. Opercula laeuia-ro-
tundata. Corpus albicans
.

1. Cephalus. M. pinna dorsali anteriore quin-
que radiata
.

Bloch tab. 394.

Im mittländischen u.a. Meeren.

56. Exocoetvs. Caput squamosum. Os
edentulum, maxillis vtroque latere conne-
xis. Membr. branch. radiis 10. Corpus al-
[Seite 287] bicans, abdomen angulatum, pinnae pecto-
rales maxime volatiles, radiis antice cari-
natis
.

1. Volitans. der fliegende Häring. E. ab-
domine vtrinque carinato
.

Der gemeinste aller fliegenden Fische. Findet sich
meist in allen wärmern Weltmeeren; theils in großen
Scharen.

Die seltenste Gattung dieses Geschlechts, der
Exocoetus mesogaster (– Abbild. n. h. Gegenst.
tab. 100. –) die zumahl im Westen des atlanti-
schen Oceans zu Hause ist, zeichnet sich durch die
Stellung der Bauchflossen an der Mitte des Unter-
leibes, und dadurch aus, daß die mittlern Strah-
len in denselben die längsten sind.

57. Polynemvs. Caput compressum,
vndique squamosum: rostro obtusissimo
prominente. Membr. branch. rad. 5. vel
7. Corpus digitis liberis ad pinnas pecto-
rales
.

1. Quinquarius. P. digitis quinque corpore lon-
gioribus.

Seba vol. III. tab. 27. fig. 2.

In Westindien.

58. Clvpea. Caput maxillarum superio-
rum mystacibus serratis. Membr. branch.
rad. 8. Branchiae interne setaceae. Abdo-
minis carina serrata. Pinnae ventrales saepe
nouemradiatae
.

1. Harengus. der Häring, Strömling. mem-
bras
? (Fr. l'harneg. Engl. the herring.) C.
immaculata, maxilla inferiore longiore.

Bloch tab. 29.

[Seite 288]

Einer der wichtigsten Fische für die nördliche Er-
de, der zwar von Menschen und sehr vielen Thieren
(zumahl vom Nordkaper, von manchen Möven-
Gattungen etc.) verfolgt wird, sich aber auch dage-
gen zum bewundern stark vermehrt. Besonders sind
nun seit dem zwölften Jahrhundert bey Gelegenheit
ihrer großen äußerst bestimmten, regelmäßigen Som-
mer-Reisen (– s. oben §. 109. –) nach den euro-
päischen Küsten, zumahl nach den Orcaden, nach
Norwegen etc. so viele tausend Europäer mit ihrem
Fang beschäftigt.

2. †. Sprattus. die Sprotte, der Breitling.
(Fr. la sardine. Engl. the sprat.) C. pinna
dorsali radiis 13
.

Bloch tab. 29. fig. 2.

Ebenfalls in den nördlichen Meeren, aber auch
im mittländischen. Ist von manchen Naturforschern
irrig für den jungen Häring gehalten worden.

3. †. Alosa. die Alse, der Mutterhäring,
Mayfisch. (Fr. l'alose. Engl. the shad.) C.
lateribus nigro maculatis, rostro nigro
.

Bloch tab. 30. fig. 1.

Vorzüglich häufig im mittländischen Meere.

4. †. Encrasicolus. die Sardelle, der An-
schovis
. (Fr. l'anchois.) C. maxilla superiore
longiore
.

Bloch tab. 30. fig. 2.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem vorigen.
Wird vorzüglich häufig an Gorgona im Golfo di Li-
vorno gefangen.

59. Cyprinvs. Caput ore edentulo. Os
nasale bisulcum. Membr. branch. rad. 3.
Corpus laeue albens. Pinnae ventrales saepe
nouemradiatae.

[Seite 289]

1. †. Barbus. die Barbe. C. pinna ani radiis
7, cirris 7, pinnae dorsi radio secundo vtrin-
que serrato
.

Bloch tab. 18.

Im mildern Europa und westlichen Asien. Ihr
Rogen ist giftig, so daß sein Genuß schon oft sehr
gefahrvolle Zufälle erregt hat*).

2. †. Carpio. der Karpfe. (Fr. la carpe. Engl.
the carp.) C. pinna ani radiis 9, cirris 4,
pinnae dorsalis radio secundo postice serrato
.

Bloch tab. 16.

Jetzt nun meist in ganz Europa. Ins nödlichere
seit 300 J. allgemach durch die Kunst verpflanzt.
Soll mit verwandten Gattungen, zumahl mit der
Karausche, Bastarden geben. Auch finden sich un-
ter den Karpfen häufiger Mißgeburten als unter ir-
gend einer andern bekannten Fischgattung. – Die
Spiegelkarpfen**), die sich besonders durch
die beständig von Schuppen entblößten Theile des
Körpers auszeichnen, scheinen doch keine bloße Spiel-
art, sondern eine besondere Gattung dieses Geschlechts
zu seyn.

3. †. Tinca. die Schleihe. (Fr. la tanche.
Engl. the tench.) C. pinna ani radiis 25,
cauda integra, corpore mucoso cirris 2
.

Bloch tab. 19.

Einer der weitstverbreiteten Flußfische. Kann mit
den Kiemendeckeln einen Laut von sich geben. Die
Goldschleihe***) ist einer der schönsten deutschen
Fische.

[Seite 290]

4. †. Carassus. die Karausche. (Fr. le carassin.
Engl. the crucian.) C. pinna ani radiis 10, cau-
da integra, linea laterali recta
.

Bloch tab. 11.

In Europa und Mittel-Asien.

5. Auratus. das schinesiche Goldfischchen,
der Goldkarpfe, Kin-ju. (Fr. la dorée.
Engl. the goldfish.) C. pinna ani gemina,
caudae trifida transuersa bifurca.

Baster in Harlem. Verhandel. VII. D. 1. St.
mit illum. Fig.

In Japan und Schina, wo sie gleichsam als
Hausthiere gehalten werden, und in mancherley
wunderbare, theils fast monströse Varietäten, der
vortrefflichsten Farben, Zahl und Bildung der Flossen,
Größe der Augen etc. ausgeartet sind. Sie kommen
auch im mildern Europa recht gut fort. Können
sogar Jahr und Tag im bloßen Wasser ohne alle
weitre Nahrung leben, und geben dabey doch von
Zeit zu Zeit Unrath von sich.

6. †. Phoxinus. die Elritze. (Fr. le vairon.
Engl. the minow.) C. pinna ani radiis 8, ma-
cula fusca ad caudam, corpore pellucido
.

Bloch tab. 8. fig. 5.

Häufig in der Weser.

7. †. Orsus. der Orf, Urf, Würfling,
Elft. C. pinna ani radiis 13.

Bloch tab. 96.

Zumahl im südlichen Deutschland. Schön oran-
gefarben.

8. †. Alburnus. der Ukley, Lauge, Weiß-
fisch
. (Fr. l'able, ablette. Engl. the bleak.)
C. pinna ani rad. 20.

Bloch tab. 8. fig. 4.

[Seite 291]

So wie der folgende im mittlern Europa und
westlichen Asien. Seine Schuppen werden zur Ver-
fertigung der Glasperlen gebraucht*).

9. †. Brama. der Bley, Brachsen. (Fr. la
brème
.) C. pinna ani rad. 27, pinnis fuscis.

Bloch tab. 13.


Achter Abschnitt.
Von den Insecten.

[Seite 292]

§. 121.

Die Thiere der beyden letzten Classen (§. 40.),
die Insecten und Gewürme, unterscheiden sich
schon dadurch von den vorhergehenden, daß sie
kein rothes Blut, sondern statt dessen einen weiß-
lichen Saft in ihrem Körper führen: weßhalb sie
(§. 23.) auch von den Alten Blutlose Thiere
(animalia exsanguia) genannt wurden. So wie
man sie neuerlich darum, weil sie keine Rücken-
wirbel – so wie überhaupt kein Gerippe – ha-
ben, auch Wirbellose Thiere (Fr. animaux in-
vertébrés
) genannt hat.

§. 122.

Die Insecten haben ihren Nahmen daher,
weil wenigstens im Zustande ihrer vollkommenen
Ausbildung, Kopf, Brust und Hinterleib, wie
durch Einschnitte von einander abgesondert
sind, ja bey vielen fast nur wie durch einen Fa-
den unter einander verbunden werden. Außerdem
zeichnen sie sich aber auch (bis auf wenige Aus-
nahmen unter den Geschlechtern der ungeflügelten
[Seite 293] Ordnung) durch besondere theils sehr empfindliche
Organe aus, die sie in ihrem vollkommnen Zu-
stande am Kopfe tragen (Antennae, Fühlhör-
ner
), und die alle Mahl an der Wurzel einge-
lenkt, meist aber auch noch außerdem gegliedert
sind; und endlich durch die hornartigen, einge-
lenkten
Füße, und deren größere Anzahl, da
die völlig ausgebildeten Insecten zum allerminde-
sten ihrer sechs, manche aber wohl auf anderthalb
hundert etc. haben.

§. 123.

Außer den angegebenen Merkzeichen, haben
die Insecten in ihrem Aeußern wenig, was ihnen
allen gemein wäre. Die ganz unermeßliche An-
zahl der Gattungen, ihre so unendlich verschiede-
nen Bestimmungen, und dahin abzweckende eben
so verschiedene Lebensart, Bedürfnisse etc. erfordern
eine äußerst vielartige Bildung, in welcher sie,
so wie in der ungleichen Größe ihres Körpers,
ausnehmend von einander abweichen.

§. 124.

Selbst die äußere Bedeckung ihres Kör-
pers ist mannigfaltiger als bey den übrigen Thie-
len. Sehr viele sind wie mit einem hornartigen
Panzer überzogen, der aus mehrern Stücken
besteht, die sich wie die Schienen eines Blech-
handschuhes über einander schieben lassen: und
wodurch diese Thiere vor mancherley Unfällen ge-
sichert, und für den Mangel der Knochen, die
bey andern Thieren zur Anlage der Muskeln etc.
[Seite 294] dienen, entschädigt werden. Manche sind mit
feinen Haaren besetzt, und bey den Schmetterlin-
gen etc. die Flügel mit so genannten Federchen,
oder vielmehr Schuppen bedeckt, die zum Theil
von den schönsten Farben sind: so wie sich über-
haupt unter den Insecten, Thiere von unbeschreib-
licher Schönheit finden.

§. 125.

Auch in der Einrichtung der Sinnwerk-
zeuge
*), und also vermuthlich auch in der Art
der Empfindung, weichen die Insecten gar
sehr von den übrigen Thieren ab. So daß ihnen
sogar manche Naturforscher verschiedene von un-
sern fünf äußern Sinnen, zumahl das Gehör und
und den Geruch, ohne Grund haben absprechen
wollen; da man doch jenes bey vielen dir einan-
der zur Paarungszeit durch einen besondern Laut
locken, und diesen bey noch weit mehreren, die
ihren versteckten Fraß auswittern, unverkennbar
wahrnimmt.

§. 126.

Die Augen der Insecten sind vorzüglich
merkwürdig, und zwar in Rücksicht ihres Baues
von zweyfacher Art. Die einen sind große Halb-
kugeln, die aber meist aus lausenden von Facet-
ten, bey einigen auch aus zahlreichen kegelförmi-
[Seite 295] gen Spitzen, bestehen, die auf der innern Seite
mit einem theils buntfarbigen oder glanzenden
Anstrich überzogen sind: Die mehresten geflügel-
ten Insecten, aber auch manche ungeflügelte, wie
der Flußkrebs, Hummer etc. haben dergleichen. Die
Augen der andern Art (stemmata, ocelli) sind
einfach, klein, und so wohl in Rücksicht ihrer
Anzahl als Lage verschieden. Die erstern scheinen
mehr für die Ferne, so wie die letztern für die
Nähe bestimmt zu seyn; wenigstens reimt sich
dieß damit, daß die Schmetterlinge in ihrem ge-
flügelten, vollkommenen Zustande solche große
componirte telescopische Augen kriegen, da sie vor-
her als Raupen nur myopische kleine Augen hat-
ten. Nur wenige Insecten, wie z.B. die Kreb-
se, können ihre Augen bewegen.

§. 127.

Die Fühlhörner*), die bey den verschie-
denen Gattungen, und bey manchen selbst nach
der Sexualdifferenz derselben, sehr vielartig ge-
staltet sind, und die manche Naturforscher für Or-
gane des Geruchs oder des Geschmacks etc. ange-
sehen haben, scheinen doch nichts weiter zu seyn,
als was ihr Nahme andeutet, – Werkzeuge des
Tastens, Sonden, Tangenten, die ihnen bey
ihrer harten, unempfindlichen, äußern Decke, und
den mehrsten auch bey der Unbeweglichkeit ihrer
Augen doppelt wichtig werden. Die Insecten schei-
nen das feinste Gefühl in ihren Antennen, wie
[Seite 296] wir in den Fingerspitzen, zu haben; und da sie
großentheils im Dunkeln leben, dadurch, so wie
Blinde, den Mangel des Lichts durch feines Ge-
fühl zu ersetzen. – Hingegen ist der allgemeine
Hauptzweck der so genannten Freßspitzen (pal-
pi
), die meist neben den Freßwerkzeugen der In-
secten sitzen, und nur wenigen gänzlich zu fehlen
scheinen, und die auch von manchen für Sinn-
werkzeuge dieser Thiere gehalten worden, noch sehr
räthselhaft.

§. 128.

Im innern Körperbau*) weichen die
Insecten gar sehr von den rothblütigen Thie-
ren ab.

Was man z. E. bey den Raupen für ihr
Herz angesehen hat, das ist ein langer Canal
von ungleicher Weite, der längs des Rückens liegt,
aus welchem aber nicht eine einzige Ader ent-
springt, so daß folglich auch die Ernährung bey
diesen Insecten auf eine eigene, von der Nutri-
tion der rothblütigen Thiere ganz verschiedene Art
vor sich gehen muß.

Hingegen sind sie mit unzähligen Luftröh-
ren
vom erstaunenswürdigsten, feinsten Bau, und
mit äußerst zahlreichen Muskeln, die aber auch
so wohl in der Bildung als in der Farbe von
[Seite 297] den Muskeln der rothblütigen Thiere abweichen,
versehen.

§. 129.

Ungeachtet die Insecten eben so wohl als die
rothblütigen Thiere, des Umsatzes von Kohlen-
stoff gegen Sauerstoff (§. 24.) zur Erhaltung ih-
res Lebens bedürfen; so bemerkt man doch nur
bey wenigen (wie z.B. bey den Krebsen, Heu-
schrecken und manchen Cicaden und Käfern etc.)
eine dem Athemhohlen ähnliche Bewegung. Ueber-
haupt aber schöpft kein Insect seine Luft durch
den Mund sondern durch mancherley andere spi-
racula
*). Auch können die meisten weit länger
als jene rothblütigen Thiere im so genannten luft-
leeren Raume aushalten; und viele leben in der
den so eben genannten Thieren so schädlichen me-
phitischen Luft, worin animalische und vegetabili-
sche Stoffe faulen (– dem gekohlten Wasser-
stoffgas etc. –) gleichsam als in ihrem Elemente.

§. 130.

Ueberhaupt ist der Aufenthalt der In-
secten auf und unter der Erde**) weit unbe-
schränkter, als der von irgend einer andern Thier-
[Seite 298] classe. Es sind fast auf allen warmblütigen Thie-
ren welche anzutreffen, und sogar, größere Insec-
ten, wie z.B. Käfer, Bienen etc. haben selbst
wieder ihre besondern Milben und Läuse. Auch
sind wohl nur wenige Gewächse (etwa der Ta-
xus, der Sevenbaum, und die mehrsten Laub-
moose etc.) die gar keinen bekannten Insecten zur
Wohnung und Aufenthalt dienen. Da hingegen
manche, wie z.B. die Eiche, von mehr als einem
hundert verschiedener Gattungen von Insecten be-
wohnt und besucht werden. So allgemein aber
die Insecten, im Ganzen genommen, über die
ganze Erde verbreitet sind, so streng ist doch da-
gegen vielen einzelnen Gattungen ihr ganz beson-
derer, eingeschränckter Aufenthalt auf bestimmten
Thieren oder Pflanzen, und deren einzelnen Theiler
angewiesen.

§. 131.

Nur wenige Insecten leben in gesell-
schaftlicher
Verbindung, und leisten einander
in ihren Geschäften wechselseitige Hülfe. Die
allermeisten gehen einzeln und isolirt ihren Ver-
richtungen nach, und manche, die wie die Spin-
nen in zahlreicher Gesellschaft jung worden sind,
zerstreuen sich bald nachher, und leben einsiedle-
risch, so daß viele außer der Begattungszeit kein
anderes Geschöpf ihrer Art wieder zu sehen krie-
gen.

§. 132.

Der überaus merkwürdigen Gebäude, Woh-
nungen
etc. die sich so viele Insecten zu verfer-
[Seite 299] tigen wissen, ist schon oben bey Anlaß der Kunst-
triebe (§. 36.) Erwähnung geschehen. Es sind
wenige Thiere dieser Classe, die nicht wenigstens
Ein Mahl, in einer gewissen Periode ihres Le-
bens Proben dieser natürlichen Kunstfähigkeit ab-
legen sollten, indem sie entweder wie die Klei-
dermotten und Frühlingsfliegen in ihrer unvollen-
deten Gestalt, als Larven sich ein Gehäuse zum
Aufenthalte und zum Schuhe verfertigen; oder
sich, um die Verwandlung und den langen To-
desschlaf zu bestehen, ein Lager bereiten, sich ein-
spinnen etc., oder die sich wie die Ameisenlöwen
Fallen, und wie die Spinnen Netze für ihren
Raub verfertigen; oder die wie manche Wasser-
käfer und Spinnen, zur Sicherheit für ihre Nach-
kommenschaft, Säcke oder Nester zubereiten, de-
nen sie ihre Eyer anvertrauen können. Manche
von denen, die in gesellschaftlicher Verbindung
leben, bauen sich mit vereinten Kräften, und
nach den Gesetzen einer äußerst regelmäßigen,
ihnen angebornen Meßkunst, gemeinschaftliche Woh-
nungen u.s.w.

§. 133.

Bey der Ernährungsart der Insecten
steht man offenbar, daß dieselbe nicht wie bey
den allermeisten rothblütigen Thieren, bloß auf
ihre Selbsterhaltung, sondern hauptsächlich darauf
abzweckt, daß sie organisirte Materie consumi-
ren
sollen. Sie müssen essen, nicht bloß um
satt zu werden, sondern um zugleich Aas zu ver-
zehren, um selbst wieder andere lebendige Insec-
ten aufzureiben etc., um Unkraut zu vertilgen u.
[Seite 300] s. w. – eine große Bestimmung, zu deren Er-
füllung außer der fast zahllosen Menge der Gat-
tungen überhaupt, sehr vielen von diesen specie-
bus
, theils ihre äußerst starke Vermehrung, theils
ihre beyspiellos heftige Freßgierde und schnelle
Verdauung bey einem sehr kurzen Darmcanal zu
Statten kommt. Man weiß z.B., daß eine
Raupe in 24 Stunden das Triplum ihres eige-
nen Gewichts verzehren kann. – Auch sind die
Freßwerkzeuge der Insecten vielartiger als in
irgend einer andern Thierclasse; da manche mit
seitwärts beweglichen gezähnelten Kinnladen und
Freßzangen (maxillae); andere mit einem zuge-
spitzten hornartigen Bohrrüssel (rostrum); andere
mit einem fleischigen Schlurfrüssel mit breiter Mün-
düng (proboscis); manche mit einer spiralförmig
aufgerollten (so gennanten) Zunge etc. versehen
sind.

§. 134.

Von den Nachstellungen ihrer Fein-
de
sind einige Insecten, wie z.B. die Spann-
raupen durch ihre täuschende Gestalt; andere da-
durch daß sie einerley Farbe mit den Gewächsen
haben, worauf sie leben*), folglich weniger dar-
auf abstechen, und nicht so leicht bemerkt werden
können; andere auch wohl durch den heftigen Ge-
ruch, den sie im Nothfall verbreiren können; an-
dere durch die Macht des gesellschaftlichen Lebens;
[Seite 301] noch andere durch ihre bewundernswürdige Stär-
ke etc. gesichert. Und manche sind gar mit Waf-
fen
, z.B. mit Hörnern wie Kneipzangen, oder
mit Stachel und Gift versehen.

§. 135.

Auch bey der Fortpflanzung der Insec-
ten zeigen sich ungemein viele eigene Sonderbar-
keiten. So z.B., daß oft in einer und eben
derselben Gattung die beyden Geschlechter einan-
der so äußerst unähnlich gebildet sind, daß man
sie eher für ganz verschiedene Thierarten, als für
zusammen gehörige Gattung halten sollte: oder
daß unter den Bienen und andern ihnen ver-
wandten Insecten immer die größte Anzahl gänz-
lich geschlechtlos ist; das heißt, daß sie ge-
zeugt und geboren werden, ohne doch nach dem
ordentlichen Laufe selbst die Bestimmung zur Em-
pfängniß oder zur Zeugung zu haben.

§. 136.

Ferner hat die Begattung bey verschiede-
nen Insecten sehr viel Eigenes. Bey nicht we-
nigen Gattungen wird sie z.B. im Fluge voll-
zogen, und manche derselben sind bloß für diese
kurze Paarungszeit geflügelt. – Ueberhaupt aber
leben die mehresten in so fern in einer gezwun-
genen Monogamie, daß sie schlechterdings nicht
mehr als ein einziges Mahl in ihrem Leben sich
paaren können: der Tod ist bey ihnen eine so un-
ausbleibliche Folge der ersten Begattung, daß man
sogar ihr Leben durch verzögerte Paarung verlän-
gern kann.

§. 137.

[Seite 302]

Zu andern Sonderbarkeiten beym Fortpflan-
zungsgeschäfte der Insecten gehört auch, daß bey
vielen, wie z.B. beym Cochenille-Wurm, beym
Sandfloh etc. das trächtige Weibchen zu einer ganz
ungeheuren Größe anwächst: so daß man z.B.
rechnet, daß bey der weißen Ameise der Hinter-
leib der zum Gebären reifen Mutter auf 2000
Mahl dicker und größer ist als er vor der Be-
fruchtung war.

§. 138.

Die mehresten Insecten legen Eyer, die
von den Müttern nach einem bewundernswürdi-
gen Instinct immer aufs genaueste an die bestimm-
ten der künftigen jungen Brut angemessensten Orte
gebracht werden. Manche legen z.B. ihre Eyer
bloß in den Körper lebendiger Insecten anderer
Art, in Raupen; oder in Puppen; oder gar in
anderer Insecten ihre Eyer! denn wirklich kriecht
zuweilen aus den Eyern der Ringelraupe statt der
jungen Raupe eine eigene Art kleiner Mückchen aus.

Auch sind die Insecten-Eyer zum Theil,
zumahl bey den Schmetterlingen, von einer über-
aus mannigfaltigen sonderbaren Bildung und Zeich-
nung, und wenn sie von der Mutter an die freye
Luft gelegt werden, mit einer Art Firniß überzo-
gen, damit sie weder vom Regen abgespült, noch
durch andern Zufall leicht zerstört werden können.
Einige wenige Insecten gebären lebendige
Junge
, und manche, wie die Blattläuse, pflan-
zen sich auf beyderley Weise fort.

§. 139.

[Seite 303]

Ein äußerst merkwürdiges Phänomen, das
fast bloß dieser Thierclasse eigen, wenigstens in
den andern (§. 72. Anm. 94. 116.), bey weiten
nicht so auffallend wird, ist ihre Metamor-
phose
. Es kommt nähmlich kein einziges geflü-
geltes Insect unmittelbar aus dem Ey, sondern
diese alle müssen sich (– so wie auch einige un-
geflügelte –) erst in gewissen Lebensepochen einer
Art von Verwandlung unterziehen. Dabey wird
nicht nur ihre äußere Gestaltung, sondern zugleich
ihr ganzer innerer Körperbau (gegen die gemeine
Meinung) auf eine Weise umgebildet*), die
sich schwerlich mit der vorgeblichen Präexistenz
präformirter Keime (§. 7.) zusammen reimen
läßt**).

§. 140.

In der Gestalt, wie diese Insecten, die sich
einer Metamorphose unterziehen, zuerst aus dem
Ey kriechen, heißen sie Larven. Meist kommen
sie äußerst klein ans Licht, so daß z.B. eine er-
[Seite 304] wachsene Weidenraupe 72,000 Mahl schwerer
wiegt, als da sie eben aus dem Ey gekrochen war.
Dagegen wachsen sie aber auch desto schneller,
so daß z.B. die Maden der blauen Schmeiß-
fliege 24 Stunden nach dem Auskriechen schon
155 Mahl schwerer sind, als da sie aus dem Ey
kamen.

Theils haben diese Larven Füße, wie die
Raupen und Engerlinge: theils aber keine, wie
die Maden. Flügel haben sie gar noch nicht.
Auch sind sie in diesem Zustande zur Fortpflan-
zung noch gänzlich unfähig: sie ernähren sich
bloß, und wachsen, und häuten sich mit unter
einige Mahl.

§. 141.

In der Gestalt, worein die Larve umgebil-
det wird, heißt sie Nymphe. Manche können
sich während dieses Zustandes herum bewegen,
auch Nahrungsmittel zu sich nehmen. Andere
hingegen verschließen sich als Puppe (chrysalis,
aurelia), und bringen diesen Theil ihres Lebens
in einem betäubenden Todesschlaf, ohne Nahrungs-
mittel, und ohne sich von der Stelle zu bewe-
gen, zu.

§. 142.

Allein während der Zeit, da das Geschöpf
so ganz fühllos und erstarrt in seiner Hülse ver-
graben scheint, geht mit ihm selbst die große Pa-
lingenesie vor, daß es aus seinem Larvenstand
zum vollkommenen Insect (insectum de-
[Seite 305] claratum, imago
) umgebildet wird, und zu be-
stimmter Zeit aus seinem Kerker hervorbrechen
kann. Manche Insecten absolviren diese letzte Role
ihres Lebens in einer sehr kurzen Zeit. Verschie-
dene bringen, wenn sie aus ihrer Hülse kriechen,
nicht ein Mahl einen Mund mit zur Welt, sie
fressen nicht mehr, sie wachsen nicht weiter; jene
beyden Bestimmungen eines organisirten Körpers
hatten sie schon als Larven erfüllt; jetzt ist ihnen
nur noch die dritte übrig: sie sollen ihr Geschlecht
fortpflanzen, und dann der Nachkommenschaft
Platz machen, und sterben.

§. 143.

Die unmittelbare Brauchbarkeit der In-
secten für den Menschen ist ziemlich einfach: da-
gegen aber ist der Antheil, den diese kleinen we-
nig bemerkten Thiere an der großen Haushaltung
der Natur haben, desto mannigfaltiger und ganz
unermeßlich. Sie sind es, die unzählige Arten
von Unkraut theils im Keim ersticken, theils,
wenn es auch aufgewachsen ist, vertilgen, und
seinem fernern Wuchern vorbeugen. Einen an-
dern ebenfalls äußerst wichtigen Nutzen leisten so
viele Insecten, die sich von Aas nähren, im Mi-
ste leben u.s.w. und die dadurch, daß sie diese
widrigen animalischen Substanzen aufzehren, zer-
streuen und durchwirken, von der einen Seite der
Infection der Luft vorbeugen, und von der
andern die allgemeine Düngung des Erdreichs
befördern. Aus jener Rücksicht werden z.B. die
Schmeißfliegen in den heißen Erdstrichen so wohl-
thätig. Anderseits befördern auch unzählige In-
[Seite 306] secten die Befruchtung der Gewächse, auf über-
aus merkwürdige Weise*), und eine Gattung
von Gallwespen benutzt man zur Zeitigung der
Feigen. Verschiedenartige Insecten werden von
den Fischern zu Angelköder gebraucht. Manche
Thiere dieser Classe, wie die Krebse, und einige
Gattungen von Heuschrecken etc., sind eßbar. So
der Honig der Bienen, aus welchen auch in
manchen Gegenden von Europa so wie im Innern
von Africa der Meth gewonnen wird. Die
Seide nutzt zur Kleidung und mancherley an-
derm Gebrauch. Verschiedene Insecten geben treff-
liche Farben, wie die Cochenille den Scharlach
etc. Die Galläpfel werden zur Tinte, und Wachs
zu Kerzen und vielerley andern Gebrauch benutzt.
So das Lack, ein Product gewisser ostindischer
Schildläuse, das zu Firniß, zum Siegellack u.
s. w. verbraucht wird. Für die Arzney sind
vorzüglich dir spanischen Fliegen, die Kelleresel
und die Ameisen von Belange, und neuerlich sind
auch die so genannten Maywürmer, vom neuen
als Hülfsmittel gegen den tollen Hundsbiß, so
wie manche andere Käfer gegen Zahnweh, ge-
priesen worden.

§. 144.

So unermeßlich der Nutzen der Insecten
ist, so ist aber auch anderseits der Schaden
sehr erheblich, den viele Gattungen derselben an-
[Seite 307] richten. Viele sind den Feldfrüchten überhaupt
gefährlich, verursachen Mißwachs, und verhee-
ren, wie die Zug-Heuschrecken, junge Saat, und
alles, wo sie auffallen. Manche sind besonders
dem Getreide nachtheilig; andere, wie so viele
Raupen, Erdflöhe, Engerlinge etc., den Garten-
gewächsen
; andere Raupen und Käferlarven etc.
den Obstbäumen; die Schildläuse besonders
der Orangerie; die Larven einiger Dermestes-
Gattungen und die Holzraupen den Holzun-
gen
; die Ameisen, Grasraupen etc. den Wie-
sen
; die Brot-Schaben den Victualien; die
weißen Ameisen etc. dem Hausgeräthe etc.; die
Kleidermotten der Wolle, dem Pelzwerk
u.s.w. Die Larven vieler kleiner Käferchen den
Büchern und Naturaliensammlungen.
Endlich werden auch einige Arten von so genann-
tem Ungeziefer dem Menschen selbst, so wie
den Pferden, Schafen, Hühnern und andern
Hausthieren, ja sogar verschiedenen nutzbaren In-
secten, den Bienen, Seidenwürmern etc. auf un-
mittelbare Weise lästig; und andere, wie manche
Scorpione etc. durch ihr Gift furchtbar.

§. 145.

In der systematischen Anordnung
folge ich in dieser Classe dem Entwurf des R.
Linne', wie es die Einrichtung eines solchen, be-
sonders auch zu halbjährigen Vorlesungen über
die ganze N. G. bestimmten, Handbuchs wohl
nicht anders gestattet.

[Seite 308]

I. Ord. Coleoptera. Käfer. Meist mit horn-
artigem Körper. Die Flügel falten sich in
der Ruhe zusammen, und sind mit zwey
hornartigen Decken oder Scheiden be-
legt, die sich in der Mitte in gerader Linie
an einander schließen.

II. Hemiptera. Mit vier entweder kreuzweis
zusammen gelegten, oder gerade ausgestreckten,
meist zur Hälfte harten, fast pergamentähn-
lichen Flügeln etc. Theils haben sie Freß-
zangen, theils einen spitzigen Bohr-Rüssel.

III. Lepidoptera. Schmetterlinge. Mit
weichem behaarten Körper, und vier ausge-
spannten Flügeln, die mit bunten Schuppen
bedeckt sind.

IV. Neuroptera. Mit vier durchsichtigen, netz-
förmigen oder gegitterten Flügeln.

V. Hymenoptera. Mit vier durchsichtigen ge-
aderten
Flügeln.

VI. Diptera. Die Insecten mit zwey (unbe-
deckten) Flügeln.

VII. Aptera. Die völlig ungeflügelten.

Zur N. G. der Insecten.

  1. Th. Mouffet theatrum insectorum. Lond. 1634. Fol.
  2. Jo. Raii historia insectorum. Lond. 1710. 4.
  3. Jo. Swammerdam algemeene Verhandeling van de bloe-
    deloose Dierkens
    . Utr. 1669. 4.
  4. Ej. biblia naturae. Lb. 1737. Fol.
  5. Mar. Sib. Merian metamorphosis insectorum Surina-
    mensium
    . Amst. 1705. Fol. max.
  6. Jac. l'admiral iun. gestaltverwisselnde gekorvene
    Diertjes
    . Amst. 1740. Fol.
  7. Joh. Leonh. Frisch Beschreibung von allerhand In-
    secten in Deutschland. Berl. 1720–38. XIII. Thl. 4.
  8. G. W. Panzer's Insectenfaune Deutschlands seit 1795. 12.
  9. Index entomologicus in Panzeri faunam insectorum
    Germaniae P
    . I. 1813.
  10. Aug. Joh. Rösel monathliche Insecten-Belustigun-
    gen. Nürnb. 1746-61. IV. B. 4.
  11. Chr. Fr. C. Kleemann Beyträge dazu. Ebendas.
    seit 1761. 4.
  12. v. Linne' fundamenta entomologiae Vps. 1767. 4. it. im
    VII. B. von Linne's amoenitatib. academic.
  13. J. H. Sulzers Kennzeichen der Insecten. Zürich
    1761. 4.
  14. Dess. abgekürzte Geschichte der Insecten. Winterthur
    1776. 4.
  15. Jac. Chr. Schaeffer elementa entomologica. Ratisb.
    1766. 4.
  16. Ej. icones insectorum Ratisbonensium. ib. 1767. 4.
  17. Jo. Ant. Scopoli entomologia Carniolica. Vindob.
    1763. 8.
  18. Jo. Chr. Fabricii philosophia entomologica. Hamburg.
    1778. 8.
  19. Ej. systema entomologiae. Flensb. 1775. 8.
  20. Ej. genera insectorum. Kilon. 1776. 8.
  21. Ej. species insectorum. Hamb. 1781. II. vol. 8.
  22. Ej. entomologia systematica. Hafn. 1793. V. vol. 8.
  23. P. A. Latreille histoire naturelle des insectes. Par.
    1804. XIV. vol. 8. (als Fortf. der Sonnini-
    schen Ausg. von Büffon.)
  24. de Reaumur histoire des insectes. Par. 1734–1742.
    VI. vol. 4.
  25. de Geer histoire des insectes. Stockh. 1752–1778.
    VII. vol. 4.
  26. Ej. genera et species insectorum; extraxit A. J. Re-
    teius
    . Lips. 1783. 8.
  27. Geoffroy histoire des insectes des environs de Paris.
    Par. 1762. II. vol. 4.
* * *
  1. Leher theologie des insectes. (trad. de l'allemand)
    avec des remarques de P. Lyonet. à la Haye. 1742
    II. vol. 8.
* * *
  1. L. G. Scriba Beyträge zur Insectengeschichte. Frkf.
    seit 1790. 4.
* * *
  1. Magazin für Insectenkunde, herausgegeben von K. Illi-
    ger
    . Braunschw. seit 1801. 8.
* * *
  1. Nic. Jos. Brahm Insecten-Calender. Mainz. 1790.
    II. Th. 8.
* * *

Anm. Manchem Insectensammler kann wohl die Nach-
richt interessant seyn, daß ein hiesiger geschickter
Nadelmacher, Hr. Fehler, nicht nur Insecten-
nadeln von vorzüglicher Güte verfertigt, sondern
auch mit Eifer und Kenntnis die Insecten der hie-
sigen Gegend sammelt, und Liebhabern gerne mittheilt.


I. COLEOPTERA. s. Vaginipennia. (Eleu-
therata
Fabr.)

[Seite 311]

Die Thiere dieser Ordnung*) werden über-
haupt Käfer genannt, ob man gleich diesen
Nahmen auch dem ersten. Geschlechte ins beson-
dere beylegt. Die Larve hat Freßzangen, und
bey den mehresten Geschlechtern sechs Füße, die
an der Brust sitzen: bey einigen, wie unter den
Holzböcken ist sie ohne Füße (eine Made). Sie
verpuppt sich mehrentheils unter der Erde in
einer ausgehöhlten Erd-Scholle: oder aber, wie
bey den genannten Holzböcken, im Holze. Das
vollkommene Insect kriecht zwar weich aus
der Puppe; seine Haut verhärtet aber in kurzer
Zeit an der Luft; es hat so wie die Larve Kinn-
laden am Kopfe, und ist mit harten hornartigen
Flügeldecken (elytra) versehen.

1. Scarabaevs. Käfer. (Fr. hanneton.
Engl. beetle.) Antennae clauatae capitulo
fissili. Tibiae anticae saepius dentatae
.

[Seite 312]

1. Hercules (Geotrupes Hercules. F.) S. scutella-
tus, thoracis cornu incuruo maximo; subtus
vnidentato, capitis recuruato; supra multi-
dentato
.

Rösel vol. IV. tab. 5. fig. 3.

In Brasilien. Die Larve einen starken Daumen
dick. Der Käfer variirt in der Farbe, meist schmu-
tzig-grün etc.

2. Actaeon. (Geotrupes A. F.) S. scutellatus
thorace bicorni, capitis cornu vnidentato,
apice bifido
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. A. fig. 2.

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen.

3. †. Lunaris. (Copris L. F.) S. exscutellatus,
thorace tricorni; intermedio obtuso bifido,
capitis cornu erecto clypeo emarginato
.

Frisch P. IV. tab. 7.

Auf Wiesen und Viehweiden, vorzüglich im Kuh-
mist, aus dem er, wie andere verwandte Käfer-
gattungen, hohle Kugeln formt, die er einzeln un-
ter die Erde verscharrt, an Graswurzeln befestigt,
und in jede ein einziges Ey legt.

4. †. Nasicornis. (Geotrupes N. F.) der Nas-
hornkäfer
. S. scutellatus, thorace promi-
nentia triplici, capitis cornu incuruato, an-
tennis heptaphyllis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 7. fig. 8. 10.

Der größte hieländische Käfer, fliegt selten; als
Engerling findet er sich häufig in Gerberlohe und
in hohlen Bäumen; und thut in manchen Gegen-
den den Reben großen Schaden.

5. †. Sacer. (Ateuchus S. F.) S. exscutellatus,
clypeo sex-dentato, thorace inermi crenulato,
tibiis posticis ciliatis, vertice subbidentato
.

Sulzers Gesch. tab. I. fig. 3.

[Seite 313]

Nahmentlich häufig in Aegypten, wo er von den
alten Aegyptiern als das heiligste ihrer mythischen
Symbole, als Sinnbild der Ober- und Unterwelt
verehrt, und auf ihren Obelisken, Mumiensarco-
phagen und mancherley andern Kunstwerken vorge-
stellt worden. Besonders hat man ihn auf die Rück-
seite der Aegyptischen (und auch der Etruskischen)
geschnittenen Steine ausgeschnitzt, die deßhalb Kä-
ferrücken oder Scarabäen genannt werden.

6. †. Fimetarius. (Aphodius F. F.) S. scutella-
tus, thorace inermi, capite tuberculato, ely-
tris rubris, corpore nigro
.

Frisch P. IV. tab. 19. fig. 3.

Im Kuhmist.

7. †. Stercorarius. der Roßkäfer. (Engl. the
dung-beetle
.) S. scutellatus, muticus, ater,
glaber; elytris sulcatis; capite rhombeo; ver-
tice prominulo; antennis rubris
.

Frisch P. IV. tab. 6. fig. 3.

Besonders im Pferdemist: daher häufig auf Fahr-
wegen. Wenn er an heitern Sommerabenden herum
fliegt, so ist meist auch für den folgenden Tag gut
Wetter zu erwarten.

8. †. Vernalis. der Mistkäfer. S. scutellatus
muticus, elytris glabris laeuissimis, capitis
clypeo rhombeo, vertice prominulo, anten-
nis nigris
.

Sulzer Gesch. tab. 1. fig. 6.

Häufig im Schafmist.

9. †. Horticola. (Melolontha H. F.) der Gar-
tenkäfer
. S. scutellatus muticus, capite tho-
raceque caeruleo subpiloso, elytris griseis.
pedibus nigris
.

Frisch P. IV. tab. 14.

Zumahl an den Obstbäumen etc.

[Seite 314]

10. †. Melolontha. (Melolontha vulgaris F.) der
Maykäfer, Kreuzkäfer
. (Engl. the May-
chaffer
, Cock-chaffer.) S. scutellatus muticus
testaceus, thorace villoso; cauda inflexa,
incisuris abdominis albis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 1.

Eins der gemeinsten Insecten, das vier Jahre
lang als Engerling oder Glime unter der Erde
lebt, sich von Getreidewurzeln etc. nährt, und zu-
weilen allgemeinen Mißwachs verursacht hat*). Im
sechsten Jahr kommt es endlich als Maykäfer zum
Vorschein, und schadet in dieser Gestalt dem jun-
gen Laub, besonders an Obstbäumen.

11. †. Solstitialis. (Melolontha S. F.) der Brach-
käfer, Juniuskäfer, Johanniskäfer
.
S. scutellatus muticus testaceus, thorace vil-
loso, elytris luteo-pallidis pellucidis; lineis
tribus albis parallelis
.

Frisch P. IX. tab. 15. fig. 3.

Auch dieses Käfers Larve thut in manchen Jah-
ren der Saat großen Schaden.

12. †. Auratus. (Cetonia aurata. F.) der Gold-
käfer, Rosenkäfer
. S. scutellatus muticus
auratus, segmento abdominis primo latera-
ribus vnidentato, clypeo planiusculo
.

Frisch P. XII. tab. 3. fig. 1.

Die Larve und Puppe findet sich häufig in Amei-
senhaufen und hohlen Baumstämmen. Der schöne
Käfer selbst aber in Gärten etc. Man hat Beyspiele,
[Seite 315] daß er sich über 8 Jahr lebendig erhalten und mit
angefeuchteten Brodrinden füttern lassen.

2. Lvcanvs. Antennae clauatae; claua com-
pressa latere latiore pectinato fissili. Ma-
xillae porrectae, exsertae, dentatae
.

1. †. Cervus. der Hornschröter, Wein-
schröter
. (Fr. le cerf volant. Engl. the stag
beetle
.) L. scutellatus; maxillis exsertis, api-
ce bifurcatis, latere vnidentatis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 5.

Nächst den Krebsen das größte deutsche Insect,
lebt vorzüglich in Eichenwäldern. Nur das Männ-
chen hat die Geweihen ähnelnden Kneipzangen am
Kopfe.

3. Dermestes. Antennae clauatae; ca-
pitulo perfoliato; articulis tribus crassiori-
bus. Thorax conuexus, vix marginatus. Ca-
put sub thorace inflexum latens
.

1. †. Lardarius. der Speckkäfer. D. niger ely-
tris antice cinereis, punctis nigris
.

Frisch P. V. tab. 9.

Larve und Käfer nähren sich von fetten, weichen
Theilen todter Thiere.

2. †. Pellio. D. niger coleoptris punctis albis
binis
.

Zieht sich zumahl nach Pelzwerk, ausgestopften
Thieren u.s.w.

3. †. Typographus. (Bostrichus T. F.) der Bor-
kenkäfer, Fichtenkäfer, Lichtenkrebs
,
Holzwurm. D. testaceus pilosus elytris
striatis retusis praemorso-dentatis
.

v. Trebra in den Schr. der Berl. Ges. Na-
turforsch. Freunde. IV. B. tab. 4.

[Seite 316]

Das den Fichtenwaldungen neuerlich auf dem Harz
und in mehrern Gegenden Deutschlands so furcht-
bar gewordene Thier; das im Splint der Fichten
(Pinus abies) theils in solcher Menge hauset, daß
man wohl in einem mäßigen Baume über 80000
seiner Larven gezählt hat. Bey der dadurch verur-
sachten Wurmtrockniß stirbt der Baum vom Wipfel
herunter ab, seine Nadeln werden roth, er verliert
sein Harz, und taugt dann nicht einmahl so gut
wie sonst zum Verkohlen, geschweige als Bau-
oder Brennholz.

4. †. Piniperda. (Hylesinus P. F.) der Tannen-
käfer, schwarze fliegende Wurm
. D. ni-
ger subuillosus, elytris piceis integris, plan-
tis rufis
.

Kaum halb so groß als die vorige Gattung.

5. †. Paniceus. (Anobium P. F.) der Brodkä-
fer
. D. oblongus, ferrugineus, oculis rufis.

Frisch P. I. tab. 8.

Seine Larve verzehrt zumahl das Brod, wird
daher nahmentlich auf weiten Seereisen dem Schiffs-
zwieback sehr gefährlich, und ist auch einer der
schädlichsten Bücherwürmer.

4. Ptinvs. Kümmelkäfer. (Fr. panna-
che, vrillette
.) Antennae filiformes; articu-
lis vltimis maioribus. Thorax subrotundus,
immarginatus, caput excipiens
.

1. †. Pertinax. (Anobium P. F.) P. fuscus vni-
color
.

Hat seinen Nahmen daher, weil er, sobald man
ihn berührt, die Füße anzieht, wie todt liegt, und
lange durch keinen Reitz von der Stelle zu treiben ist.

2. †. Fur. P. testaceus, subapterus, thorace
quadridentato, elytris fasciis duabus albis
.

Sulzers. Gesch. tab. 2. fig. 8.

[Seite 317]

Eins der furchtbarsten Thiere für Naturalien-
sammlungen, Hausgeräthe und Pelzwerk.

3. †. Fatidicus. (Anobium tesselatum. F.) die
Todtenuhr, der Klopfkäfer
. (Engl. the
death-watch
.) P. fuscus subpilosus griseo ir-
regulariter maculosus
.

Philos. Transact. N. 271, 291.

Eine der sehr verschiedenen Insectenarten, die
durch den klopfenden Laut, womit die Gatten ein-
ander zur Paarungszeit locken, zu mancherley Volks-
aberglauben Anlaß gegeben haben.

5. Hister. Antennae capitatae capitulo
solidiusculo; infimo articulo compresso, de-
curuato. Caput intra corpus retractile. Os
forcipatum. Elytra corpore breuiora. Tibiae
anticae dentatae
.

1. †. Vnicolar. H. totus ater, elytris substriatis.

Sulzers Kennzeichen tab. 2. fig. 8. 9.

In sandigem Boden und auf Viehweiden.

6. Gyrinvs. Antennae clauatae, rigidae,
capite breuiores, oculi 4,
duobus supra,
duobus infra
.

1. †. Natator. der Schwimmkäfer. G. sub-
striatus
.

Sulzers Gesch. tab. 2. fig. 10.

Schwimmt mit großer Schnelligkeit auf der Ober-
fläche des Wassers. Im Tauchen hat er eine Luft-
blase am Hintern; gibt einen widrigen Geruch von
sich.

7. Byrrhvs. Antennae clauatae subsoli-
dae, subcompressae
.

1. †. Museorum. (Anthenus M. F.) B. nebulo-
sus, elytris subnebulosis puncto albo
.

[Seite 318]

In Pelzwerk, ausgestopften Thieren etc.

8. Silpha. Antennae extrorsum crassiores.
Elytra marginata. Caput prominens. Tho-
rax planiusculus, marginatus
.

1. †. Vespillo. (Necrophorus V. F.) der Todten-
gräber
. (Fr. le fossoyeur.) S. oblonga atra,
clypeo orbiculato inaequali, elytris fascia
duplici aurantia
.

Frisch P. XII. tab. 3. fig. 2.

Sie haben ihren Nahmen von der besondern Ge-
schicklichkeit, womit sie die Aeser von kleinen Thie-
ren, Maulwürfen, Fröschen etc. die sie von weiten
auswittern, unter die Erde zu vergraben, und ihre
Eyer dahinein zu legen verstehen. Ihrer sechse sind
wohl im Stande, einen tobten Maulwurf binnen
vier Stunden, einen Fuß tief in fetten Boden ein-
zuscharren.

9. Cassida. Schildkäfer. Antennae sub-
filiformes, extrorsum crassiores. Elytra mar-
ginata. Caput sub thoracis clypeo plano
reconditum
.

1. †. Viridis. C. viridis, corpore nigro.

Rösel vol. II. Erdkäf. III. tab. 6.

Auf Disteln, Feldmelde etc. Die Larve und Pup-
pe sind ganz flach, und am Rande sonderbar ausge-
zackt mit Spitzen versehen.

2. †. Murraea. C. nigra, clypeo rubro, elytris
sanguineis, punctis nigris sparsis
.

Besonders häufig am Alant.

10. Coccinella. Sonnenkäfer, Ma-
rienkuh, Sommerkind, Gotteslämm-
chen
. (Fr. vache à Dieu, bête de la vierge.
Engl. Lady-cow, Lady-bird.) Antennae
[Seite 319] subclauatae, truncatae. Palpi claua semi-
cordata. Corpus hemisphaericum, thorace
elytrisque marginatis, abdomine plano
.

1. †. 7-Punctata. C. coleopteris rubris; punc-
tis nigris septem.

Frisch P. IV. tab. 1. fig. 4.

Ist neuerlich, so wie einige Rüsselkäfer und Me-
loë
Gattungen als wirksames Heilmittel bey man-
cherley Zahnweh empfohlen worden.

2. †. Bipustulata. C. coleoptris nigris; punctis
rubris duobus, abdomine sanguineo.

Frisch P. IX. tab. 16. fig. 6.

11. Chrysomela. Blattkäfer. Anten-
nae moniliformes, extrorsum crassiores.
Thorax, nec elytra, marginatus
.

1. †. Goettingensis. (Chrys. haemoptera. F.) C.
ouata atra pedibus violaceis
.

Panzer Faun. Germ. Heft 44. t. 3.

Häufig an der Schafgarbe.

2. †. Minutissima. C. ouata nigra opaca.

Eins der kleinsten Käferchen. Kaum den dritten
Theil so groß als ein Floh.

3. †. Cerealis. C. ouata aurata, thorace lineis
tribus, coleoptrisque quinque violaceis, ab-
domine violaceo
.

4. †. Oleracea. (Galleruca O. F.) C. saltatoria
(s. femoribus posticis crassissimis) virescen-
ti caerulea
.

Ein schädliches kleines Thier, das so wie mehrere
verwandte Gattungen unter dem Nahmen Erd-
flöhe
oder Erdfliegen bekannt ist.

5. †. Merdigera. (Lema M. F.) der Lilienkä-
fer
. C. oblonga rubra, thorace cylindrico
vtrinque impresso
.

[Seite 320]

Sulzers Gesch. tab. 3. fig. 14.

In Lilien, Mayblumen etc. Die Larve bedeckt
sich mit ihrem eigenen Unrath. Der kleine rothe Kä-
fer, worein sie sich verwandelt, gibt, wenn man
ihn in der hohlen Hand vors Ohr hält, mit seinen
Flügeldecken einen durchdringenden hellen Laut von
sich.

12. Hispa. Stachelkäfer. Antennae fu-
siformes, basi approximatae, inter oculos
sitae. Thorax elytraque aculeata saepius.

1. †. Atra. H. corpore toto atro.

Unter der Erde an Graswurzeln.

13. Brvchvs. Antennae filiformes, sensim
crassiores
.

1. †. Pisi. der Erbsenkäfer. B. Elytris albo
punctatis, podice albo maculis binis nigris
.

Thut auch in Nordamerica dem Mais großen
Schaden.

2. Nucleorum. B. cinereus, elytris striatis, fe-
moribus posticis ouatis, dentatis, tibiis in-
curuis
.

Mém. de l'Ac. des Sc. de Paris 1771. tab. 2.

Im mittlern America. Fast von der Größe des
Goldkäfers. Ist oft mit dem weit kleinern Br. bac-
tris
verwechselt, und durchbohrt die steinharten,
daumensdicken Nüsse der Cocos lapidea, woraus
Knöpfe u. dergl. gedreht werden.

14. Cvrcvlio. Rüsselkäfer. (Fr. cha-
ranson
.) Antennae subclauatae, rostro insi-
dentes. Rostrum corneum prominens
.

Sie haben meist einen kurzen rundlichen, aber
überaus hart gepanzerten Körper, und einen festen
mehr oder weniger gebogenen Rüssel von verschie-
dener Länge. Es sind nachtheilige Thiere, von denen
[Seite 321] besonders die mit dem sehr langen Rüssel den Bäu-
men, die übrigen aber den Feldfrüchten und Gar-
tengewächsen Schaden thun. Die Larven mancher
Gattungen nennt man Pfeiffer.

1. Palmarum. (Calandra P. F.) der Palmboh-
rer
. C. longiroster ater, thorace ouato plani-
usculo, elytris abbreuiatis striatis
.

Sulzers Kennz. tab. 3 fig. 20.

In beyden Indien. Hat fast die Größe des Horn-
schröters. Die Larue nährt sich vom Sagumarke;
wird aber selbst als ein schmackhaftes Gericht ge-
gessen.

2. †. Frumentarius. (Attelabus F. F.) der schwar-
ze oder rothe Kornwurm, Reiter, Wip-
pel
. C. longiroster sanguineus.

Eine große Plage für die Kornböden. Er saugt
das Mehl aus dem Korn, und läßt die Hülse lie-
gen. Das bewährteste Gegenmittel ist, die Frucht-
böden und ihre Gebälke etc. mit scharfer Seifensie-
derlauge besprengen und abfegen zu lassen. – Nicht
selten verbreitet er sich auch in Wohnzimmer und
Betten.

3. †. Granarius. (Calandra granaria. F.) C. lon-
giroster piceus oblongus thorace punctato
longitudine elytrorum
.

Auch auf Kornböden, in Mühlen etc.

4. †. Paraplecticus. (Lixus P. F.) C. longiroster
cylindricus subcinereus, elytris mucronatis
.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 7.

Auf Wasserpflanzen. Die Beschuldigung, daß er
den Pferden Lähmung verursache, ist ungegründet,
und trifft wohl die verdächtigen Pflanzen, aber
nicht das darauf wohnende unschuldige Thier.

5. †. Bacchus. (Attelabus B. F.) der Reben-
sticher
. C. longiroster aureus, rostro plan-
tisque nigris
.

[Seite 322]

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 4.

An Apfelbäumen, Weinstöcken etc.

6. †. Pomorum. C. longirostris femoribus anti-
cis dentatis, corpore griseo nebuloso
.

Frisch P. I. tab. 8.

Zerstört in manchen Jahren fast alle Aepfelknospen.

7. †. Nucum. (Rhynchaenus N. F.) C. longiro-
ster, femoribus dentatis, corpore griseo lon-
gitudine rostri.

Rösel vol. III. Erdkäf. IV. tab. 67.

Macht die Haselnüsse wurmstichig.

8. Imperialis. der Juwelenkäfer. C. breuiro-
ster niger, elytris dentatis, sulcatis punctis
excauatis, auro versicolore distinctis, abdo-
mine aeneo viridi
.

In Brasilien. Eins der prachtvollsten Insecten.
Das gefärbte Gold in den unzähligen Grübchen,
die reihenweise auf den Flügeldecken eingegraben
sind, thut in hellem Lichte, zumahl unter dem Ver-
größerungsglase, eine unbeschreibliche Wirkung.

15. Attelabvs. Caput postice attenua-
tum inclinatum. Antennae apicem versus
crassiores
.

1. †. Coryli. A. niger, elytris rubris.

Sulzers Kennz. tab. 4. fig. 25.

2. †. Apiarius. (Trichodes A. F.) der Immen-
wolf
. A. caerulescens, elytris rubris, fasciis
tribus nigris
.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 4.

Ist häufig wo viel Bienenzucht ist, thut in man-
chen Jahren den Stöcken großen Schaden.

16. Cerambyx. Bockkäfer, Holzbock.
(capricornus). Antennae attenuatae. Thorax
spinosus aut gibbus. Elytra linearia.

[Seite 323]

Manche Gattungen haben ungeheuer lange Fühl-
hörner, einen ungemein starken Brustschild und
Flügeldecken, und ein überaus zähes Leben, so daß
man angespießte Holzböcke noch nach vier Wochen
lebendig gefunden hat. Meist leben sie in Holz, und
geben mittelst des Brustschildes, den sie an den
Flügeldecken reiben, einen knarrenden Laut von sich.

1. Longimanus. C. thorace spinis mobilibus, ely-
tris basi vnidentatis apiceque bidentatis, an-
tennis longis.

Rösel vol. II. Erdkäf. II. tab. 1. fig. a.

So wie die folgende Gattung in Südamerica.

2. Ceruicornis. (Prionus. C. F.) C. thorace mar-
ginato dentato, maxillis porrectis coniformi-
bus vtrinque spinosis, antennis breuibus
.

Rösel a. a. O. fig. b.

Noch größer als der vorige. Ebenfalls schön ge-
zeichnet, mit Kneipzangen, fast wie am Hornschröter.

3. †. Moschatus. C. thorace spinoso, elytris ob-
tusis viridibus nitentibus, femoribus muticis,
antennis mediocribus
.

Frisch P. XIII. tab. 11.

Gibt einen bisamähnlichen Geruch von sich.

4. †. Aedilis. (Lamia A. F.) C. thorace spinoso;
punctis
4. luteis, elytris obtusis nebulosis,
antennis longissimis
.

Frisch P. XIII. tab. 12.

Die Fühlhörner find wohl sechs Mahl so lang
als das ganze Thier.

17. Leptvra. Antennae setaceae. Elytra
apicem versus attenuata. Thorax teretius-
culus
.

1. †. Aquatica. (Donacia crassipes F.) L. deau-
rata, antennis nigris, femoribus posticis den-
tatis
.

[Seite 324]

An allerhand Wasserpflanzen. Variirt in der Farbe.

18. Necydalis. Afterholzbock. Anten-
nae setaceae. Elytra alis minora. Cauda
simplex
.

1. †. Maior. (Molorchus abbreuiatus F.) N. ely-
tris abbreuiatis ferrugineis immaculatis, an-
tennis breuioribus
.

19. Lampyris. Johanniswürmchen,
(cicindela, nitedula. Fr. ver luisant. Engl.
glow-worm.) Antennae filiformes Elytra
flexilia. Thorax planus, semiorbiculatus,
caput subtus occultans cingensque. Abdo-
minis latera plicato-papillosa.

Nur die Männchen sind geflügelt, und diese ha-
ben zwey blaulich phosphorescirende lichte Puncte
unten am Bauche. Ihre ungeflügelten Weibchen
leuchten weit stärker als die Männchen, besonders
um die Begattungszeit, da ihr Licht vermuthlich
den Männchen zur Anzeige dient, sie aufzufinden.
Einige Zeit, nachdem das Weibchen seine Eyer ge-
legt hat (die selbst auch im Finstern leuchten), ver-
liert sich der Schein bey beyden Geschlechtern.

1. †. Noctiluca. L. oblonga fusca, clypeo ci-
nereo
.

Unter Wachholdersträuchen, Rosenbüschen etc. Ein
paar in ein Gläschen gethan, leuchten hell genug,
um dabey im Finstern lesen zu können.

20. Cantharis. Antennae setaceae. Tho-
rax marginatus capite breuior. Elytra fle-
xilia. Abdominis latera plicato-papillosa
.

1. †. Fusca C. thorace marginato rubro, ma-
cula nigra, elytris fusceis.

Die Larve dieses Thiers hält sich über Winter
in der Erde auf, und kommt dann zuweilen, wenn
[Seite 325] es geschneyt hat, zu laufenden hervorgekrochen, da
ihre plötzliche Erscheinung auf dem frischen Schnee
zu allerhand fabelhaften Sagen Anlaß gegeben.

21. Elater. Springkäfer. Schmid.
(Fr. taupin.) Antennae setaceae. Thorax
retrorsum angulatus. Mucro pectoris e fo-
ramine abdominis resiliens.

Diese Thiere sind wegen der sonderbaren Fertig-
keit merkwürdig, mit welcher sie, wenn sie auf dem
Rücken zu liegen kommen, sich in die Höhe zu
schnellen, und wieder auf die Beine zu helfen wis-
sen. Vorzüglich dient ihnen dazu ein Stachel, der
vorn an der Brust befestigt ist, und in eine Rinne
oben am Bauche paßt, aus der er beym Aufschnel-
len mit Gewalt heraus schnappt; und dann die
Spitzen, die rückwärts auf beyden Seiten des Brust-
schildes heraus stehen, und mit den Flügeldecken
auf eine ähnliche Weise eingelenkt sind.

1. Noctilucus. der Cucuyo. E. thoracis lateri-
bus macula flaua glabra
.

Im mittlern America, wohl zwey Zoll lang. Die
beyden gelben runden Flecken gegen die Seitenspi-
tzen des Brustschildes leuchten stark im Finstern, und
die Caraiben bedienten sich ehedem der Cucuyos
und einiger anderer phosphorescirenden Insecten
statt der Leuchten.

2. †. Niger. E. thorace laeui, elytris, pedibus
corporeque nigris
.

Häufig auf Viehweiden.

22. Cicindela. Sandkäfer. Antennae
setaceae. Maxillae prominentes denticulatae.
Oculi prominuli. Thorax rotundato-mar-
ginatus
.

Als Larven scharren sie sich in Sand, fast wie
der Ameisenlöwe, um andern Insecten aufzulauern,
[Seite 326] und als Käfer missen sie ihnen mit ausnehmender
Schnelligkeit im Lauf und Flug nachzujagen.

1. †. Germanica. C. viridis, elytris puncto lu-
nulaque apicum albis
.

23. Bvprestes. Prachtkäfer. Antennae
setaceae, longitudine thoracis. Caput dimi-
dium intra thoracem retractum
.

1. Gigantea. B. elytris fastigiatis bidentatis ru-
gosis, thorace marginato laeui, corpore inau-
rato
.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 38.

In beyden Indien. Wohl Fingers lang.

2. †. Chrysostigma. B. elytris serratis longitudi-
naliter sulcatis, maculis duabus aureis im-
pressis, thorace punctato.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 39.

3. †. Viridis. B. elytris integerrimis sublineari-
bus punctatis, thorace deflexo, viridi elon-
gato
.

Von der Farbe der Spanischen Fliege, aber nur
ein Paar Linien lang. Die Larve richtete vor eini-
gen Jahren in hiesiger Gegend große Verwüstung
in jungen Rothbuchen-Stämmen an, tödtete sie
durch Zerstörung des Splints, worin sie geschlän-
gelte Gänge fras.

24. Dyticvs. Wasserkäfer, Fischkä-
fer
. (hydrocantharus.) Antennae setaceae
aut clauato-perfoliatae. Pedes postici vil-
losi, natatorii submutici
.

1. †. Piceus. (Hydrophilus P. F.) D. antennis
perfoliatis, corpore laeui, sterno carinato,
postice spinoso
.

Frisch P. II. tab. 6. fig. 1.

[Seite 327]

Eine der größten Gattungen. Wenn der Käfer
seine Eyer legen will, so bereitet er dazu eine arti-
ge längliche Hülse, die er mit einer braunen Seide
überzieht, und die mit den eingeschlossenen Eyern
wie ein Schiffchen auf dem Wasser schwimmt, bis
die kleinen Larven ausgebrochen und im Stande
sind, in ihr Element über Bord zu springen.

2. †. Marginalis. D. niger, thoracis elytrorum-
que margine flavis (mas)
.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 42.

Ist (so wie vermuthlich die mehresten Gattungen
dieses Geschlechts), den Fischleichen gefährlich.
Beym Weibchen ist die vordere Hälfte der Flügel-
decken längs gefurcht.

25. Carabvs. Laufkäfer. Antennae se-
taceae. Thorax obcordatus apice truncatus
marginatus. Elytra marginata
.

Raubthiere in ihrer Art. Viele geben, wenn man
sie anfaßt, einen widerlichen Saft von sich. Die
wenigsten können fliegen; laufen aber desto schneller.

1. †. Coriaceus. C. apterus ater opacus, elytris
punctis intricatis subrugosis
.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 44.

2. †. Auratus. der Goldhahn. C. apterus.
elytris porcatis; striis sulcisque laeuibus in-
auratis
.

Häufig auf Feldern, Wiesen etc.

3. †. Sycophanta. (Calosoma S. F.) C. aureo ni-
tens, thorace caeruleo, elytris aureo viridi-
bus striatis, abdomine subatro
.

Sulzers Gesch. tab. 7. fig. 1.

Der größte hieländische Laufkäfer.

4. †. Crepitans. (Brachinus C. F.) Bombar-
dirkäfer
. (Fr. le petard. Schwed. Styckjun-
[Seite 328] kare.) C. thorace capite pedibusque ferrugi-
neis, elytris viridi nigricantibus
.

Schwedische Abhandl. 1750. tab. 7. fig. 2.

Ein kleines Käferchen. Wird besonders von der
vorigen Gattung verfolgt, und ist dabey durch die
von Dr. Rolander beschriebne ganz eigene Art be-
kannt geworden, womit es sich gegen den C. inqui-
sitor
u.a. seiner Feinde zu vertheidigen sucht; da
es ihnen mit einem merklich starken Laut einen
blaulichen Dunst entgegen schießt etc.

5. †. Spinipes. der Saatfresser. (C. gibbus
F.) C. piceus, thorace linea excauata longi-
tudinali, manibus spinosis
.

Olivier T. III. tab. 12. fig. 142.

Die unterirdische Larve verursacht in manchen
Jahren wie z.B. 1776 in der Lombardey und 1812
im Hallischen Saalkreise furchtbaren Mißwachs der
jungen Getraidesaat. Der Käfer hält sich des Nachts
in Menge auf den Aehren auf.

26. Tenebrio. Antennae moniliformes
articulo vltimo subrotundo. Thorax plano-
conuexus, marginatus. Caput exsertum.
Elytra rigidiuscula
.

1. †. Molitor. T. alatus niger totus, femoribus
anticis crassioribus
.

Frisch P. III. tab. 1.

Die Larven halten sich im Mehl auf, finden sich
daher häufig in Mühlen und Beckerhäusern, heißen
Mehlwürmer, und geben das bekannte Nach-
tigallenfutter ab.

2. †. Mortisagus. (Blaps mortisaga. F.) der Tod-
tenkäfer
. T. apterus thorace aequali, co-
leoptris laeuibus mucronatis
.

Frisch P. XIII. tab. 25.

[Seite 329]

27. Meloë. Antennae moniliformes articu-
lo vltimo ouato. Thorax subrotundus. Ely-
tra mollia flexilia, caput inflexum gibbum.

1. †. Proscarabaeus. der Maywurm. (Fr. le
scarabé ouctueux
Engl. the oil-beetle.) M. ap-
terus, corpore violaceo
.

Frisch P. VI. tab. 6. fig. 5.

Ein weiches Thier, das bey gewaltsamer Be-
rührung einen stinkenden Saft aus den Kniegelen-
ken der Beine fließen läßt.

2. †. Vesicatorius. (Lytta vesicatoria F.) die
spanische Fliege
. (cantharis offic.) M. ala-
tus viridissimus nitens, antennis nigris
.

Das wichtige heilsame Geschöpf, das zum Bla-
senziehen gebraucht wird.

28. Mordella. Antennae filiformes
serratae. Caput deflexum sub collo (in
territo). Palpi compresso clauati, oblique
truncati. Elytra deorsum curua apicem ver-
sus. Ante femora lamina lata ad basin ab-
dominis
.

Kleine Käferchen. Das ganze Geschlecht begreift
nur wenige Gattungen, die sich noch dazu wenig
zu vermehren scheinen.

1. †. Aculeata. M. atra, ano spina terminato.

Sulzers Kennz. tab. 7. fig. 46.

29. Staphylinvs*). Antennae monili-
formes. Elytra dimidiata. Alae tectae. Cau-
da simplex exserens duas vesiculas oblon-
gas
.

[Seite 330]

Sind besonders wegen der kleinen Blasen merk-
würdig, die sie, sobald sie Gefahr merken, aus
dem Hinterleibe treiben; deren Nutzen aber noch
unbestimmt ist.

1. †. Maxillosus. S. pubescens niger, fasciis ci-
nereis, maxillis longitudine capitis
.

30. Forficvla. Antennae setaceae. Ely-
tra dimidiata. Alae tectae. Cauda forcipata
.

1. †. Auricularia. der Ohrwurm, Oehrling,
Ohrhöhler. (Fr. le perce-oreille. Engl. the
ear-wig
.) F. elytris apice albis.

Frisch P. VIII. tab. 15. fig. 1. 2.

An der ungegründeten Sage, daß dieß Thier
gern den Menschen in die Ohren kröche, ist nur so
viel, daß sich irgend etwa ein Mahl eins dahin so
gut wie jedes andere Insect, verirren kann. Aber
dem jungen Gemüse, den Nelkenknospen etc. sind sie
nachtheilig, so wie da, wo sie sich in Menge ver-
mehren, dem Grundholz der Gebäude, und den
Fensterfutterungen.


II. HEMIPTERA. (Ulonata und Rhyn-
gota
Fabr.)

Bey den meisten Insecten dieser Ordnung
ist der Kopf nach der Brust niedergedrückt, bey
einigen mit Kinnladen, bey den mehresten aber
mit einem nach dem Unterleibe gebogenen Sau-
gerüssel versehen, weßhalb diese auch von eini-
gen Naturforschern Proboscidea genannt werden.
Meistens haben sie vier Flügel, von welchen zu-
mahl die obern an der Wurzel fester und horn-
artiger, am äußern Ende aber dünner und wei-
[Seite 331] cher sind. Bey einigen sind sie gerade ausgestreckt,
bey andern übers Kreuz zusammengefaltet. Theils
sind sie auch mit einer Art kleiner Flügeldecken
belegt. Manche haben nur zwey Flügel, und bey
verschiedenen sind die Weibchen gänzlich ungeflü-
gelt. Ihre Verwandlung ist nicht sehr auffallend:
sondern die Larven ähneln dem vollkommnern In-
sect bis auf die Flügel, die erst nach und nach
völlig ausgebildet werden.

31. Blatta. Schabe. Caput inflexum.
Antennae setaceae. Elytra alaeque planae,
subcoriaceae. Thorax planiusculus, orbicu-
latus, marginatus. Pedes cursorii. Cornicu-
la duo supra caudam
.

1. †. Orientalis. die Brotschabe, Küchen-
schabe, der Kackerlake, Tarokan
. (Fr.
le cancrelus, ravet. Engl. the black beetle,
cockroach
.) B. ferrugineo-fusca elytris ab-
breuiatis sulco oblongo impresso
.

Frisch P. V. tab. 3.

Jetzt nun fast in allen Welltheilen. So wie eini-
ge andre Gattungen dieses Geschlechts (z.B. die
Germanica, Americana etc.) für manche Gegenden,
wo sie sich eingenistet und stark vermehrt hat, eine
der lästigsten Hausplagen. Verzehrt vorzüglich man-
cherley Victualien, vor allen aber Brot etc. Kann
daher in Schiffen auf weiten Seereisen schaudervol-
les Elend verursachen*). Ist noch am ersten durch
Arsenik, Dampf von Schwefel und Assa foetida,
kochend Wasser etc. und wo nur wenige in einem
Zimmer oder einer Küche sind, dadurch zu vertil-
[Seite 332] gen, daß man über Nacht einen Igel oder Ente
hinein sperrt.

2. Heteroclita. (B. Petiveriana F.) B. fusca, ely-
tris nigris,
sinistro integro 4-pustulato; dex-
tro
ad marginem internum semipellucido,
3-pustulato.

Pallas spicileg. zoologic. IX. tab. 1. fig. 5.

In Tranquebar etc. Wegen der auffallenden Un-
gleichheit in der Zeichnung der beyden Oberflügel
merkwürdig.

3. †. Lapponica. B. flauescens, elytris nigroma-
culatis
.

Auch außer Lappland im mildern Europa.

32. Mantis. Caput nutans, maxillosum,
palpis instructum. Antennae setaceae. Alae

4 membranaceae, convolutae, inferiores
plicatae. Pedes
antice compressi, subtus
serrato-denticulati, armati ungue solitario
et digito setaceo laterali articulato:
postici
4. laeues, gressorii. Thorax linearis elon-
gatus angustatus
.

Alle von einer ungewöhnlichen, lang gestreckten,
sonderbaren Bildung*). Auch ihr Gang, ihr Be-
tragen etc. hat was Eigenes gleichsam Feyerliches,
das wohl zu der abergläubischen Devotion Anlaß
gegeben hat, mit der mehrere Gattungen dieses
Geschlechts, zumahl im Oriente angesehen werden.

1. Gigas. [Phasma G. F.**)] M. thorace tere-
tiusculo scabro, elytris breuissimis, pedibus
spinosis
.

[Seite 333]

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 19. fig. 9. 10.

Aus Amboina. Spannenlang, und doch kaum so
dick als eine Gänse-Spuhle. Wird von den India-
nern gegessen.

2. Gongylodes. M. thorace subciliato, femoribus
anticis spina terminatis, reliquis lobo
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 7. fig. 1. 2. 3.
Aus Guinea etc.

3. †. Religiosa. (M. oratoria var. β. F.) die
Gottesanbetherinn, das wandelnde
Blatt, der Weinhandel, Weinhasel
.
M. thorace laeui subcarinato elytrisque viri-
dibus immaculatis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 1. 2.

Geht meist nur auf den vier Hinterfüßen, und
hält die vordern beyden in die Höhe. Man nennt
es das wandelnde Blatt, weil seine Oberflügel an
Gestalt und Farbe einem Weidenblatte ähneln. Kann
wohl zehn Jahre alt werden.

4. Precaria. M. thorace subciliato, elytris flauis
ocello ferrugineis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 88.

Am Cap; wo sie von den Hottentotten heilig
verehrt wird.

33. Gryllvs. Heuschrecke. (Fr. saute-
relle.
Engl. grashopper.) Caput inflexum,
maxillosum, palpis instructum. Antennae
setaceae s. filiformes. Alae 4 deflexae, con-
uolutae, inferiores plicatae. Pedes postici
saltatorii. Vngues vbique bini
.

Ein großes Geschlecht, dessen mehreste Gattungen
dem Wiesenwachs und Getreide gefährlich sind. Bey
manchen geben die Männchen entweder zur Begat-
tungszeit, oder bey einbrechender Nacht, oder wenn
[Seite 334] sich das Wetter ändern will, einen bekannten zir-
penden Laut von sich, den sie theils mit den Spring-
füßen, am meisten aber mit den Flügeln hervor-
bringen.

1. †. Gryllotalpa. (Acheta G. F.) die Werre,
Maulwurfsgrille, der Riehwurm,
Reitwurm, Schrotwurm, Ackerwer-
bel, Erdkrebs
. (Fr. la courtilière. Engl.
the molecrick.) G. thorace rotundato, alis cau-
datis elytro longioribus, pedibus anticis pal-
matis tomentosis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 14. 15.

In Europa und Nordamerica: an theils Orten,
wie im Thüringischen etc. ausnehmend häufig. Lebt
meist unter der Erde, und thut zumahl den Kü-
chengewächsen und der Gerstensaat großen Schaden.

2. †. Domesticus. (Acheta D. F.) die Grille,
Zirse, das Heimchen. (Fr. le grillon. Engl.
the cricket.) G. thorace rotundato, alis cau-
datis elytro longioribus, pedibus simplici-
bus, corpore glauco
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 12.

3. †. Campestris. (Acheta C. F.) die Feldgril-
le
. G. thorace rotundato, cauda biseta sty-
lo lineari, alis elytro breuioribus, corpore
nigro
.

Frisch P. I. tab. 1.

4. †. Viridissimus. (Locusta viridissima. F.) der
Baumhüpfer
. G. thorace rotundato, alis
viridibus immaculatis, antennis setaceis lon-
gissimis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 10. 11.

Von schöner grüner Farbe. Lebt meist auf Ge-
büschen, springt vorzüglich weit.

5. †. Verruciuorus. (Locusta verruciuora. F.) das
Heupferd
. G. thorace subquadrato laeui,
[Seite 335] alis viridibus fusco maculatis, antennis se-
taceis longitudine corporis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 8.

6. Cristatus. Kammheuschrecke. G. thorace
cristato, carina quadrifida
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 5.

In den Morgenländern, Aegypten etc.

7. Migratorius. die Zugheuschrecke, Strich-
heuschrecke, Heerheuschrecke
. G. thora-
ce subcarinato; segmento vnico, capite ob-
tuso, maxillis atris
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 29.

Das furchtbare Insect, das oft in unsäglichen
Zügen auch in Europa eingefallen ist, und allge-
meinen Mißwachs, Hungersnoth etc. verursacht hat.
Ursprünglich gehört es wohl in die asiatische Tata-
rey zu Hause, doch findet es sich auch einzeln in
Deutschland, das doch seit 1750 mit großen Inva-
sionen desselben verschont geblieben*). Auch soll
sich diese Heuschrecke (wenn es anders die gleiche
Gattung ist) in Nord- und Süd-America finden.
– Daß sie in Arabien und dem nördlichen Africa
noch jetzt, so wie in den ältesten Zeiten, in Menge
verspeiset wird, ist eine ausgemachte Sache: und
daß das einige neuere Reisende in diese Länder für
eine Fabel erklärt haben, gibt ein lehrreiches Bey-
spiel von voreilig dreistem Hyperscepticismus.

8. †. Stridulus. die Holzheuschrecke. G. tho-
race subcarinato, alis rubris extimo nigris
nebulosis
.

[Seite 336]

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 21. fig. 1.

Lebt meist im Gehölze. Die Männchen geben im
Fluge einen lauten klappernden Ton von sich.

34. Fvlgora*). Caput fronte producta,
inani. Antennae infra oculos, articulis
2,
exteriore globoso. Rostrum inflexum, pe-
des gressorii
.

Der sonderbare Character dieses Geschlechts ist
die hornige Blase vor der Stirne, die bey den
nachbenannten Gattungen im Leben, und einige Zeit
nach dem Tode einen hellen Schein verbreitet.

1. Laternaria. der surinamische Laternträ-
ger, Leyermann
.(Fr. la portelanterne. Engl.
the lanthorn-fly.) F. fronte ouali recta, alis
liuidis; posticis ocellatis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 28. 28.

Die größte Art; die leuchtende Blase ist fast
so groß als der ganze übrige Körper, und scheint
so hell, daß sich die Guianischen Wilden ihrer ehe-
dem statt Leuchten bedient haben sollen.

2. Candelaria. der schinesische Laternträ-
ger
. F. fronte rostrato-subulata adscenden-
te, elytris viridibus luteo-maculatis, alis
flavis; apice nigris
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 39.

35. Cicada. (Fr. cigale.) Rostrum infle-
xum. Antennae setaceae. Alae
4 membra-
naceae, deflexae. Pedes plerisque saltatorii.

[Seite 337]

Die männlichen Cicaden geben wie die Heuschre-
cken einen Laut von sich, der durch besondere, mehr
zusammengesetzte Werkzeuge an ihrem Unterleibe
hervor gebracht wird.

Merkwürdig ist, daß einige Gattungen von Keu-
lenschwämmen (clauariae) besonders häufig auf
den Puppen von Cicaden, theils gar auf dem le-
bendigen Leibe ihrer Larven, so wie andere auf
Raupen, Schmetterlings-Puppen, Laufkäfern etc.
wachsen*).

1. Orni. (Tettigonia O. F.) C. nigra flauomacu-
lata, alis hyalinis, basi flauis maculis nigris
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab 25. fig. 3.

Im südlichen Europa und in Nordafrica. Die bey
den Alten so beliebte Cicade.

2. †. Spumaria. (Cercopis S. F.) der Schaum-
wurm, Gaschtwurm
. C. fusca, elytris ma-
culis binis albis lateralibus; fascia duplici
interrupta albida
.

Frisch P. VIII. tab. 12.

Besonders häufig auf Weidenbäumen, denen die
Larve im Frühjahr den Saft aussaugt, und ihn
in Gestalt eines Schaums (des so genannten Ku-
ckucksspeichels), unter welchem sie oft versteckt ist,
wieder von sich gibt. Daher auch die Sage von
regnenden Weiden.

3. Lanata. (Lystra L. F.) C. alis deflexis ni-
gris: punctis caeruleis, fronte lateribusque
rubris, ano lanato
.

Stoll tab. 10. fig. 49. und D.

In Westindien. Hat den Beynahmen von den
rätselhaften, schneeweißen, aber im Wasser gleich-
[Seite 338] sam schmelzenden langen Flocken am Hinter-
leibe*).

36. Notonecta. Wasserwanze. Ro-
strum inflexum. Antennae thorace brevio-
res. Alae
4 cruciato-complicatae, antice
coriaceae. Pedes posteriores pilosi natatorii
.

1. †. Glauca. N. grisea elytris griseis margine
fusco punctatis apice bifidis.

Frisch P. VI. tab. 13.

Schwimmt die mehrste Zeit auf dem Rücken:
weiß auch in dieser Lage kleine Mücken etc., von
denen sie sich nährt, mit vieler Geschwindigkeit zu
haschen.

37. Nepa. Wasserscorpion. Rostrum in-
flexum. Alae
4 cruciato-complicatae anti-
cae coriaceae. Pedes anteriores chelifor-
mes; reliqui
4 ambulatorii.

1. †. Cinerea. N. cinerea, thorace inaequali,
corpore oblongo-ouato
.

Frisch P. VII. tab. 15.

Die Eyer dieses Thieres haben eine überaus son-
derbare Gestalt, an einem Ende mit Häkchen, fast
wie Samen von Kornblumen etc.

2. †. Cimicoides. (Naucoris C. F.) N. abdominis
margine serrato
.

Frisch P. VI. tab. 14.

3. Plana. (Nepa rustica. F.) N. subfusca: oculis
nigris, alis albidis, dorso plano
.

Eine gewisse Art Wassermilben legt diesem Thier,
das auf Tranquebar zu Hause ist, ihre Eyer auf
den Rücken**).

[Seite 339]

38. Cimex. Wanze. Rostrum inflexum,
Alae
4 cruciato-complicatae, superioribus
antice coriaceis. Dorsum planum thorace
marginato. Pedes cursorii
.

1. †. Lectularius. (Acanthia lectularia F.) die
Bettwanze, Wandlaus
. (Fr. la punaise.
Engl. the bug, wall-louse.) C. flauescens,
alis nullis.

Sulzers Kennz. tab. 10. fig. 69.

Ueber die ursprüngliche Heimath und den Auf-
enthalt dieses ekelhaften, lichtscheuen Insects im
wilden Zustande weiß man wenig Zuverlässiges.
Jetzt findet sichs in den Wohnungen unreinlicher oder
sorgloser Menschen fast in allen Welttheilen (nah-
mentlich in Sibirien, Ostindien, Nord- und Süd-
America etc.) So leicht Wanzen durch Zufall in ein
Haus kommen können, so leicht ist es, sie bald
anfangs durch sorgfältige wiederholte Anwendung
kräftiger Mittel*) auch wieder zu vertreiben: was
aber äußerst schwer hält, wo man sie einmahl über-
hand nehmen, und sich weit verbreiten lassen.

2. †. Corticalis. (Aradus C. F.) membranaceus,
abdominis margine imbricatim secto, corpo-
re nigricante
.

In Wäldern an Baumstämmen: ist wegen seiner
täuschenden, rindenartigen Gestalt und Farbe schwer
zu finden.

[Seite 340]

3. †. Baccarum. der Qualster. C. ouatus
griseus, abdominis margine nigro maculato
.

In Gärten, zumahl an Johannisbeeren. Auch
diese Wanze stinkt fürchterlich: doch bloß wenn sie
berührt wird; da ihr der Gestank, wie manchen an-
dern Wanzen, zum Vertheidigungsmittel zu dienen
scheint.

4. †. Personatus. (Reduvius P. F.) C. rostro ar-
cuato, antennis apice capillaceis, corpore
oblongo subuilloso fusco.

Frisch P. X. tab. 20.

Hält sich in Winkeln auf. Die Larve ist immer
wie mit Staub und Kehricht bedeckt.

39. Aphis. Blattlaus, Neffe, Mehl-
thau
. (Fr. puceron. Engl. plant-louse.)
Rostrum inflexum. Antennae thorace lon-
giores. Alae
4 erectae aut nullae. Pedes
ambulatorii. Abdomen postice saepius bi-
corne
.

Es gibt oft in Einer Gattung, ja in Einer und
eben derselben Familie, geflügelte und ungeflügelte
Blattläuse, und das ohne alle Beziehung auf den
Sexualunterschied. Die Männchen sind kleiner als
[Seite 341] ihre Weibchen, und werden auch in weit minderer
Anzahl jung. Sie erscheinen nicht eher als in der
letzten Generation jeden Sommers*); bey den meh-
resten Gattungen also erst zu Ende desselben, und
nur auf kurze Zeit, da sie ihre Weibchen befruch-
ten, die kurz darauf Eyer oder vielmehr Hülsen
von sich geben, in welchen zwar die jungen Blatt-
läuse schon völlig ausgebildet liegen, aber doch nicht
eher als bis im folgenden Frühjahr hervor brechen,
und zwar sind alle diese nunmehr ausgekrochenen
Blattläuse durchgehends weiblichen Geschlechts, so
daß bis zu dem eben gedachten Termin der letzten
Generation keine männliche Blattlaus zu sehen ist.
Und dessen ungeachtet sind doch alle jene jungfräu-
lichen Blättläuse im Stande, ohne Zuthun eines
Gatten ihr Geschlecht fortzupflanzen; so daß jene
einmahlige Begattung im Herbste, ihre befruchtende
Wirkung im folgenden Frühjahr und Sommer bey
vielen bis ins neunte Glied äußert.

1. †. Ribis. A. ribis rubri.

Frisch P. XI. tab. 14.

2. †. Vlmi. A. vlmi campestris.

3. †. Sambuci. A. sambuci nigrae.

Frisch P. XI. tab. 18.

4. †. Rosae. A. rosae.

Sulzers Kennz. tab. 12. fig. 79.

5. †. Bursaria. A. populi nigrae.

Swammerdam Biblia nat. tab. 45. fig. 22.
u. f.

Auf der Schwarzpappel, da sie die sonderbaren
Auswüchse verursachen, die man Pappelrosen,
Alberknospen etc. heißt.

6. Pistaciae. A. nigra, alis albidis, tibiis longis-
simis, thorace verrucoso
.

[Seite 342]

An Pistacien, Mastix, Terpenthinbaum etc., wo
sich die Blattläuse in einer spannenlangen, schoten-
ähnlichen Hülse aufhalten.

40. Chermes. Blattsauger. Rostrum
pectorale. Antennae thorace longiores.
Alae
4 deflexae. Thorax gibbus, pedes
saltatorii
.

Haben in der Bildung viel Aehnliches mit den
geflügelten Blattläusen. Als Larven sehen sie fast
aus wie Cicaden, hüpfen auch so etc.

1. †. Buxi. C. buxi.

2. †. Alni. C. betulae alni.

Frisch P. VIII. tab. 13.

41. Coccvs. Schildlaus. (Fr. Gall-
insecte
.) Rostrum pectorale. Abdomen
postice setosum. Alae
2 erectae masculis.
Feminae apterae
.

Bey keinen andern Thieren sehen die beyden Ge-
schlechter einander so auffallend ungleich, als bey
den Schildläusen. Das Männchen ähnelt einer klei-
nen Mücke, das Weibchen hingegen ist ungeflügelt,
und sitzt, nachdem es sich gehäutet hat, fast unbe-
weglich an den Gewächsen, und könnte bey man-
chen Arten eher für eine Narbe an der Pflanze,
als für ein lebendiges Thier angesehen werden. Das
Männchen schwärmt indeß im Freyen umher, bis
es, vom Begattungstrieb gereitzt, ein solches ein-
siedlerisches Weibchen aufsucht und befruchtet.

1. Hesperidum. C. hybernaculorum.

Sulzers Kennz. tab. 12. fig. 81.

Das Weibchen hält sich vorzüglich an Orangen-
bäumen, auf der Rückseite der Blätter, auf.

2. Adonidum. C. rufa farinacea pilosa.

Wie die vorige in Gewächshäusern, besonders an
Caffeebäumen etc. Man vertreibt sie, wenn man
[Seite 343] die Gewächse nach dem Begießen mit Schwefelblu-
men bestreut.

3. Ilicis. Kermes. C. quercus cocciferae.

Im südlichen Europa, besonders dem Languedoc
und in der Provence, an Stechpalmen etc. Die
beerenförmigen, gallapfelartigen Eyer-Nester (Fr.
le vermillon) dieser Thiere werden mit Essig be-
sprengt, und das Carmoisinroth daraus verfertigt.

4. †. Polonicus. Deutsche Cochenille, Jo-
hannisblut
. C. radicis scleranthi perennis.

Frisch P. V. tab. 2.

Macht ebenfalls kermesartige Eyer-Nester an den
Wurzeln vom Weggras und andern Pflanzen; zu-
mahl häufig in Polen und am Don, wo sie gesam-
melt, und zur Farbe angewandt werden.

5. Cacti. der Scharlachwurm. (Fr. la cochenille.
Engl. the cochineal-fly.) C. cacti coccinelli-
feri
.

Ellis in den philos. Transact. vol. LII. P.
II.

Ursprünglich in Mexico; findet sich auf mehreren
Cactusarten, die deßhalb in großen Plantagen ge-
pflanzt, und die Cochenillewürmer fast wie die Sei-
denwürmer darauf gezogen, und jährlich zu dreyen
Mahlen abgelesen werden.

6. Lacca. der Gummi-Lackwurm. C. ficus
indicae et religiosae
.

D. Roxburgh in Voigts Magazin VIII.
B. 4. St. tab. 1.

Zumahl in den gebirgigen Gegenden von Hind-
ostan zu beyden Seiten des Ganges; von ihm kommt
das so genannte Gummilack*).

[Seite 344]

42. Thrips. Rostrum obscurum. Anten-
nae longitudine thoracis. Abdomen sur-
sum reflexile. Alae
4 rectae, dorso incum-
bentes, longitudinales, angustae, subcru-
ciatae
.

Ueberaus kleine Insekten, die sich gesellschaftlich
in den Blüthen mancher Gewächse aufhalten, und
meist nur durch ihre große Anzahl, oder durch die
Munterkeit, mit der sie umher hüpfen und fliegen,
bemerkbar werden.

1. †. Physapus. T. elytris glaucis, corpore atro.

De Geer in den schwed. Abhandl. v. J. 1744.
tab. 4. fig. 4.

Im Getreide, Bohnenblüthen etc.


III. LEPIDOPTERA (Glossata Fabr.)*).

Die Schmetterlinge, eine weitläuftige
Ordnung, die sich durch vier ausgespannte, mit
bunten Schuppen befiederte Flügel, und einen
behaarten Körper auszeichnet. Als Raupen
[Seite 345] haben sie Kinnladen, zwölf Augen am Kopf,
einen lang gestreckten, cylindrischen Körper von
zwölf Abschnitten, mit neun Luftlöchern auf je-
der Seite, drey Paar hakenförmigen Klauen an
der Brust, und meist fünf Paar runden fleischi-
gen Füßen am Hinterleibe. Die Raupe häutet
sich verschiedentlich, wird dann zur Puppe, die
mehrentheils unbeweglich, doch bey der Weiden-
raupe und einigen andern sehr wenigen Gattun-
gen sich von der Stelle zu bewegen im Stande
ist. Hieraus kommt endlich nach einer bestimm-
ten Zeit der Schmetterling zum Vorschein,
der meist lange Fühlhörner, nur drey Paar Füße,
statt der Kinnladen eine spiralförmig aufgerollte
(so genannte) Zunge, und statt jener zwölf klei-
nen Augen, zwey große halbkugelichte und drey
kleine (§. 126.) hat. Alle die zahlreichen Gat-
tungen hat Linne' unter drey Geschlechter ge-
bracht.

[Seite 346]

43. Papilio. Tagvogel. (Engl. butter-
fly
.) Antennae apicem versus crassiores,
saepius clauato-capitatae. Alae erectae sur-
sumque conniuentes
.

Die Raupe ist mehrentheils wie mit Dornen be-
setzt, und häutet sich gewöhnlich viel Mahl. Sie
verpuppt sich ohne ein äußeres Gespinnste: die Pup-
pe ist zackig, theils schön goldfarbig (chrysalis,
aurelia
), und hängt sich mit dem hintern Ende auf.
Der Schmetterling fliegt nur am Tage umher, und
hält im Sitzen seine vier breiten ausgespannten Flü-
gel in die Höhe, mit der Oberseite (die bey vielen
an Farbe und Zeichnung gar sehr von der Unter-
seite verschieden ist) gegen einander gekehrt. Linne'
hat das ganze Geschlecht, leichter Faßlichkeit we-
gen, wieder in fünf Familien (phalanges) abge-
theilt.

a. Eqvites. Alis primoribus ab angulo postice
ad apicem longioribus, quam ad basin: his
saepe antennae filiformes
.

Troës, ad pectus maculis sanguineis. (sae-
pius nigri
.)

Achiui, pectore incruento, ocello ad angu-
lum ani.

b. Heligonii. Alis angustis integerrimis, saepe
denudatis: primoribus oblongis; posticis
breuissimis
.

c. Danai. Alis integerrimis.

Candidi, alis albidis.

Festiui, alis variegatis.

d. Nymphales. Alis denticulatis.

Gemmati, alis ocellatis.

Phalerati, alis caecis absque ocellis.

c. Plebeii. Parui. Larua saepius contracta.

[Seite 347]

Rurales, alis maculis obscurioribus.

Vrbicolae, alis maculis pellucidis.

* * *

1. Priamus. P. E. T. alis denticulatis tomento-
sis supra viridibus: institis atris, posticis ma-
culis sex nigris
.

Clerk tab. 17.

Auf Amboina etc. So wie der folgende ein großes
prächtiges Thier.

2. Vlysses. P. E. A. alis caudatis fuscis, disco
caeruleo splendente dentato. Posticis subtus
ocellis septem
.

Clerk tab. 23. fig. 1.

Auch in Ostindien.

3. †. Machaon. der Schwalbenschwanz. P.
E. A. alis caudatis concoloribus flauis, limbo
fusco, lunulis flauis, angulo ani fuluo
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 1.

4. †. Podalirius. der Segelvogel. P. E. A.
alis caudatis subconcoloribus flauescentibus:
fasciis nigricantibus geminatis: posticis sub-
tus linea aurantia
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 2.

5. †. Apollo. der rothe Augenspiegel. P.
H. alis oblongis integerrimis albis: posticis
ocellis supra 4: subtus 6, basique rubris
.

Sulzers Kennz. tab. 13. fig. 41.

Im wärmern Europa.

6. †. Crataegi. der Lilienvogel, Baum-
weißling, Heckenweißling
. P. H. alis
integerrimis rotundatis albis: venis nigris
.

Rösel. vol. I. Tagvögel. II. tab. 3.

[Seite 348]

Eine der schädlichsten Raupen für Obstbäume.
Die Jungen halten sich gesellschaftlich in einem Ge-
spinnste zusammen.

7. †. Brassicae. die Kohleule, der Kohlweiß-
ling, Buttervogel
. P. D. C. alis integer-
rimis rotundatis albis: primoribus maculis
duabus apicibusque nigris, maior
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 4.

Nebst den beyden folgenden auf Kohl, Kraut und
Rübsaat. Buttervogel heißt der Schmetterling (so
wie die Butterblume), von der gelben Farbe der
Unterflügel: ein Nahme, der aber nachher auch den
Papilionen überhaupt gegeben worden ist.

8. †. Rapae. der Rübenweißling. P. D. C.
alis integerrimis rotundatis: primoribus ma-
culis duabus apicibusque nigris, minor
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 5.

9. †. Napi. P. D. C. alis integerrimis rotunda-
tis albis: subtus venis dilatato-virescenti-
bus
.

10. †. Cardamines. der Auroravogel. P. D.
C. alis integerrimis rotundatis albis, primo-
ribus medio fuluis, posticis subtus viridine-
bulosis
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 8.

11. †. Rhamni. der Citronen-Papilion,
das fliegende Blatt. P. D. C. alis in-
tegerrimis angulatis flauis: singulis puncto
flauo, subtus ferrugineo
.

Rösel vol. III. tab. 46.

12. †. Hyperantus. P. D. F. alis integerrimis
fuscis, subtus primoribus ocellis tribus: po-
sticis duobus tribusque
.

13. †. Io. das Pfauenauge, der Pfauen-
spiegel
. P. N. G. alis angulato dentatis-
[Seite 349] fuluis nigromaculatis: singulis subtus ocello
caeruleo
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 3.

Die Puppe wie vergoldet.

14. †. Galatea. das Bretspiel. P. N. G. alis
dentatis albis nigroque variis, subtus primo-
ribus ocello vnico, posticis quinque obsole-
tis
.

Rösel vol. III. tab. 37.

15. †. Cardui. der Distelvogel. P. N. G. alis
dentatis fuluis albo nigroque variegatis, po-
sticis vtrinque ocellis quatuor, saepius cœcis
.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 10.

Die Puppe ebenfalls ganz goldglänzend. In man-
chen Jahren unsäglich häufig.

16. †. Iris. der Schillervogel, Changeant.
P. N. G. alis subdentatis subtus griseis; fas-
cia vtrinque alba interrupta, posticis supra
vniocellatis
.

Rösel vol. III. tab. 42.

17. †. Antiopa. der Trauermantel. P. N. P.
alis angulatis nigris limbo albido
.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. I.

18. †. Polychloros. der große Fuchs. P. N. P.
alis angulatis fuluis, nigro maculatis: pri-
moribus supra punctis quatuor nigris
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 2.

Die Raupe gibt einen bisamähnlichen Geruch
von sich.

19. †. Vrtica. der kleine Fuchs, Nessel-
vogel
. P. N. P. alis angulatis fuluis nigro-
maculatis; primoribus supra punctis tribus
nigris
.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 4.

[Seite 350]

20. †. C. album, der C-Vogel. P. N. P. alis an-
gulatis fuluis nigro maculatis, posticis sub-
tus C albo notatis.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 5.

21. †. Atalanta. der Mars, 980-Vogel.
(Engl. the admirable.) P. N. P. alis dentatis
nigris albo maculatis: fascia communi pur-
purea, primoribus vtrinque, posticis margi-
nali
.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 6.

Einer der schönsten deutschen Schmetterlinge.

22. †. Paphia. der Silberstrich. P. N. P. alis
dentatis luteis nigro-maculatis, subtus lineis
argeateis transuersis
.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 7.

Auch ein überaus schönes Thier von mittler
Größe.

23. †. Aglaia. der große Perlenmuttervo-
gel, Violenvogel
. P. N. P. alis denta-
tis flauis nigro maculatis: subtus maculis
21 argenteis
.

24. †. Pruni. P. P. R. alis subcaudatis supra
fuscis: posticis subtus fascia marginali fulua
nigro-punctata
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 7.

Auf Zwetschenbäumen.

25. †. Argus. P. P. R. alis ecaudatis caeruleis
posticis subtus limbo ferrugineo: ocellis cae-
ruleo-argenteis.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 37.

Auf Kreuzdorn etc.