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Handbuch
der
Naturgeschichte
Abbildung Titelseitexxx
Zwölfte rechtmäßige Ausgabe.

Göttingen,
1830.

In der Dieterich'schen Buchhandlung.
[titlePage_verso]
Ex
Bibliotheca
Regia Acad.
Georgiæ
Aug:
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Handbuch
der
Naturgeschichte
.
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Vorrede.

[[III]]

So gebe ich denn die zwölfte rechtmäßige Auf-
lage dieses Handbuchs ans Licht, das, mehrere Nach-
drücke desselben ungerechnet, auch in mancherlei
Sprachen (– ins Englische, Französische, Italiänische,
Holländische, Danische und Russische –) übersetzt
worden, kurz, wie man spricht, sein Publicum ge-
funden hat.

Es bedarf dabei nicht erst der Versicherung,
daß diese abermalige Ausgabe mit ganz bedeuten-
dem Zuwachs und Berichtigungen ausgestattet wor-
den, wovon ich namentlich im mineralogischen Theile
Vieles der Güte meiner theuren Freunde und Col-
legen, der Herrn Hofräthe Stromeyer und Haus-
mann
verdanke.

Nachstehendes aus der Vorrede zu den vorigen
Ausgaben mag auch in dieser seine Stelle finden.

Ich habe eben in jenen mineralogischen Ab-
schnitten, so wie im ganzen Buche, von Geschlech-
tern und den darunter begriffenen Gattungen ge-
[Seite IV] sprochen. Denn, daß man in der Mineralogie
die Fossilien in genera, und species eintheilt, und
genera auf deutsch Geschlechter, so wie die spe-
cies
Gattungen nennt, darüber ist meines Wissens
unter den gelehrten und philosophischen Mineralogen
Deutschlands nur eine Stimme. Und so versteht
sichs wohl von selbst, daß wenn ich also in einem
Theile des Buchs die Benennungen von Geschlecht
und Gattung in diesem von jeher angenommenen Sinne
brauchen mußte, ich nicht in einem andern Theile
das Wort Gattung im verkehrten Sinne für genus
brauchen durfte, wie doch in der That neuerlich von
gar manchen deutschen Schriftstellern in der Zoologie
und Botanik beliebt ist.

Ich weiß nicht, wer der Reformator ist, der
diese Umkehrung der Begriffe und ihrer bestimmten
Zeichen zuerst unternommen haben mag: – aber
wohl weiß ich, was er mit einem solchen versuchten
Eingriffe in den Sprachgebrauch

‘„quem penes arbitrium est, et jus, et
norma loquendi
“ ’

bei andern aufgeklarten Nationen riskirt hatte: –
daß es ihm hingegen in Deutschland nicht an Nach-
ahmern gefehlt hat, ist eben nicht unerwartet. –
Genug indeß, daß so viele philosophische Naturforscher
und die größten unserer naturkundigen Philosophen das
verba valent sicut numi besser befolgt, und sich
[Seite V] also durch diese sonderbare Umstempelung nicht irre
führen lassen. – Und warum auch ich für meine
Person es hierin lieber beim Alten lasse, als mich
an jene Nachahmer anschließe, dafür habe ich fol-
gende Gründe:

1. Hoffentlich weiß doch ein jeder, seiner Sprache
kundige, deutsche Naturforscher (– und wer es
nicht weiß, der kann es aus Adelung's Wörter-
buch lernen –) was die ersts und Fundamental-
bedeutung des Wortes Geschlecht ist:

„Die Aehnlichkeit der verschiedenen Gat-
tungen
der Dinge:"’

Dieß ist der wahre eigentliche Sinn des Wor-
tes Geschlecht, wie wir ihn von Kindesbeinen an,
selbst aus des seiner Sprache höchst kundigen Lu-
ther's Bibel-Uebersetzung lernen.

Dem zu Folge wissen wir also in Anwendung
auf Methodologie in der Naturgeschichte:

Die Gattungen schafft die Natur: der Sy-
stematiker bringt sie nach ihren gemeinschaft-
lichen Aehnlichkeiten unter Geschlechter.

2. Eben so ausgemacht und bekannt ist aber
auch, daß hingegen das Wort Gattung von dem
Zeitworte sich gatten, abstammt; und da nun
im freien Naturzustande wohl nur die Thiere von
einer specie, sich mit einander fruchtbar gatten,
[Seite VI] so versteht sich also von selbst, daß das Wort spe-
cies
, in dem Sinne, wovon hier die Rede ist,
durch kein anderes deutsches Wort passender und
bezeichnender und bestimmter ausgedrückt werden
konnte, als durch Gattung.

3. Daß aber die Homonymie des deutschen Wor-
tes Geschlecht, indem es sowohl genus als sexus
bedeutet, zu Irrung Anlaß geben werde, ist wohl
eben so wenig im Ernst zu befürchten, als bei dem
lateinischen Worte genus, das, wie wir in den
Knabenjahren in der Grammatik beim Unterschied
der Worte generis masculini oder femini lernen,
auch statt sexus gebraucht wird.

4. Und wenn aber auch obbesagter Reformator
im Ernste so etwas befürchten zu müssen meinte,
so hatte er immerhin mögen wer weiß was für
ein Wort von eigener Fabrik statt des ihm bedenk-
lichen Geschlechts vorschlagen; aber nichts konnte
ihn berechtigen, die Landessprache – d.h. den be-
stimmten einmal festgesetzten Sinn der deutschen
Worte – (da man z.B. Menschen geschlecht etc.
sagt so gut wie genus humanum) zu verkehren!
Denn, wie unser sel. Lichtenberg bei einem ähn-
lichen Anlaß sich ausdrückt:

‘„Hypothesen zu machen, und sie als seine
Stimme der Welt vorzulegen, darf niemand
[Seite VII] gewehrt seyn, sie gehören dem Verfasser.
Aber die Sprache gehört der Nation,
und mit dieser darf man nicht um-
springen, wie man will
.“ ’

Die gleiche schuldige Achtung gegen dieses der
Nation gehörige Eigenthum, habe ich auch bei den
deutschen Namen der Naturalien beobachtet, und
mich daher immer der allgemein angenommenen und
allgemein verständlichen, nicht aber etwa der Solö-
cismen einer einzelnen Provinz bedient. Darum
brauche ich z.B. nicht das hier zu Lande gewöh-
nliche Wort Molle, sondern das allgemein angenom-
mene Molch: eben so nicht das im Erzgebirge ge-
bräuchliche Wort Kobelt, sondern das längst allge-
mein adoptirte und selbst in andere lebende und todte
Sprachen aufgenommene Kobalt u.s.w.

Anders ist der Fall mit den in der Naturbe-
schreibung von unsern neuen Systematikern zur Be-
zeichnung der Geschlechter und ihrer Gattungen
selbsterfundenen Kunst- und Trivial-Namen.
So billig und vernünftig es freilich ist, auch hierin
so viel als möglich die einmal ziemlich allgemein
angenommenen Benennungen beizubehalten, so kön-
nen doch Fälle eintreten, wo es noch billiger und
vernünftiger ist, einen vorher gewählten Namen,
wenn er einen durchaus irrigen Begriff erweckt, ge-
gen einen richtigern umzutauschen. Und doch habe
[Seite VIII] ich mich dieser an sich erlaubten, aber auch heut zu
Tage so oft gemißbrauchten und dann das Studium
der Naturgeschichte so äußerst erschwerenden Frei-
heit nur in sehr wenigen Fällen, wo es mir un-
vermeidlich schien, bedient. So habe ich z.B.
den Panzerthieren oder Armadillen ihren einheimi-
schen, allgemein bekannten und längst von classischen
Zoologen angenommenen Namen, Tatu, restituirt;
da man sonst diesen fast haarlosen Thieren durch
einen seltsamen Mißgriff den Namen, Rauchfuß,
Dasypus, beigelegt hatte, womit die alten Griechen,
ganz passend und völlig nach der Natur, das
rauchfüßige Hasengeschlecht bezeichnet haben. –
Aus ähnlichen Gründen brauche ich für den schönen
neuseeländischen Nephrit lieber seinen einheimi-
schen Namen (Punammustein), unter welchem
er zuerst von unsern Antipoden zu uns gebracht
und bekannt worden, als die ihm neuerlich beige-
legte Benennung Beilstein, da ich im hiesigen
akademischen Museum, so wie in den in London be-
findlichen großen Sammlungen von südländischen
Merkwürdigkeiten, zwar wohl die Menge von Hacken
und andern Geräthen, so sich die Neuseeländer aus
diesem Steine bereiten, aber schlechterdings kein
daraus verfertigtes Beil aufgefunden habe. – Eben
so habe ich diejenige Gattung des Fledermausgeschlechts,
Wampyr oder Blutsauger genannt, die wirklich schla-
fenden Säugethieren das Blut aussaugt: da hinge-
[Seite IX] gen Linné diesen Namen dem fliegenden Hund bei-
gelegt hatte, der wohl seit die Welt steht, kein
Blut gesogen hat, sondern sich ganz allein von
Früchten nährt. – Aber viele andere, nur nicht gar
zu unpassende Kunstnamen der Art habe ich den-
noch beibehalten, um ja nicht die Nomenclatur und
Synonymien ohne dringende Noth, zur großen Last
der Lernenden, zu häufen.

Daß aber manche bekannte Namen von Na-
turalien hier doch anders geschrieben werden, als es
insgemein geschieht, hat auch seinen guten Grund.
So schreibe ich z.B. Tofus und nicht Tophus,
weil es kein griechisches Wort ist; eben so Manaca-
nit
*) und nicht Menacanit, weil der Fundort die-
ses Fossils in seiner ersten Sylbe ein a hat, so gut
wie Hamburg oder Frankfurt.

Im Thierreiche habe ich immer den lateinischen
Namen vorausgesetzt, weil da hundert exotische Ge-
schöpfe vorkommen, die im Deutschen keinen bekann-
ten verständlichen Namen haben. Im Mineral-
reiche hingegen ist der Fall umgekehrt. Da sind
[Seite X] gerade die deutschen Benennungen die bekanntesten
und selbst großen Theils in andere Sprachen auf-
genommen.

Beim Thierreiche ist denjenigen Gattungen, die
sich in Deutschland finden, wieder so, wie in den
vorigen Ausgaben, ein † vorgesetzt. Im Mineral-
reich konnte dieß unterbleiben, weil so ein Zeichen
bei den allgemein verbreiteten Fossilien überflüssig,
bei vielen von denen aber, die in Deutschland selbst
ein sehr eingeschränktes Vaterland haben, wie der
Boracit etc. unzureichend gewesen wäre.

Die Abbildungen naturhistorischer Gegen-
stände
, die in der Verlagshandlung dieses Hand-
buchs heftweise herauskommen, (– und von welchen
schon mehrere Hefte [namentlich I. II. V. VI.] in
neuen verbesserten Auflagen erschienen sind –) beziehen
sich auf die neuesten Ausgaben desselben und dienen
ihm zu einer zweckmäßigen Erläuterung.

Göttingen,
im Januar 1831.
J. F. Blumenbach.

Anweisung der Kupfertafeln.

[Seite XI]

Tab. I.

Fig. 1-6. Die Intestinal-Würmer im menschlichen Kör-
per in natürlicher Größe (theils nach Bremser).

  • Fig. 1. Ascaris vermicularis (S. 364).
  • – 2. Der Vordertheil von Ascaris lumbricoides. (Eben-
    daselbst).
  • – 3. Der männliche spiralförmige Trichocephalus
    dispar (S. 365).
  • – 4. Das Kopfende der menschlichen Bandwürmer
    (S. 366).
  • – 5. Fünf Hinterglieder der Taenia solium (S. 367).
  • – 6. Drey und zwanzig Hinterglieder der Taenia vul-
    garis
    (Ebendas.)
  • – 7. Das Vorderstück vom Regenwurm (S. 365).
  • – 8. Ein Liebespfeil der gemeinen Waldschnecke (S. 357)
    stark vergrößert.
  • – 9. Ein Stamm mit drey Federbusch-Polypen, Tu-
    bularia sultana
    (S. 413) stark vergrößert.
  • – 10. Ein Arm-Polype mit einem jungen, hydra vi-
    ridis
    (S. 417) in natürlicher Größe.
  • – 11. Ein Stamm mit zwölf Blumen-Polypen, Bra-
    chionus anastatica
    (S. 418) stark vergrößert.
  • – 12. Das Räderthier, Furcularia ratatoria (S. 419)
    stark vergrößert.
  • – 13. Ein menschliches Samenthierchen, Chaos sperma-
    ticum
    (S. 420) noch weit stärker vergrößert.

Tab. II.

Zwanzig merkwürdigsten Krystallisationen der Fossilien.


Zusätze.

[[XII]]

S. 41 Z. 20 J. B. Wilbrand Handbuch der Natur-
geschichte des Thierreichs. Gießen 1829. 8.

– 187 Z. 26 Diesel letztere findet sich auch in Nord-
america und gibt

– 326 zu Z. 12 *)

*) J. L. C. Gravenhorst Ichneumono-
logia europaea
. Vratisl. 1829. II vol. 8.

Und zum Register: Cercaria. 420. Cipollino. 526.
Crocuta. 87.


Verbesserungen.

S. 119. N. **) l. for 1824. P. I. pag. II. S. 231 Z. 4.
Scolopax. S. 255. Z. 8. Carassius.


Erster Abschnitt.
Von Naturalien überhaupt
und
ihrer Eintheilung in drey Reiche.

[Seite 1]

§. 1.

Alle Körper, die sich auf, und in unserer Erde
finden, zeigen sich entweder in derselben Gestalt und
Beschaffenheit, die sie aus der Hand des Schöpfers
erhalten und durch die Wirkung der sich selbst über-
lassenen Naturkräfte angenommen haben; oder so,
wie sie durch Menschen und Thiere, zu bestimmten
Absichten, oder auch durch bloßen Zufall verändert
und gleichsam umgeschaffen worden sind.

Auf diese Verschiedenheit gründet sich die be-
kannte Eintheilung derselben in natürliche (natu-
ralia
), und durch Kunst verfertigte (artefacta).
Die erstern machen den Gegenstand der Naturge-
schichte aus, und man pflegt alle Körper zu den
Naturalien zu rechnen, die nur noch keine
wesentliche Veränderung durch Menschen
erlitten haben. Artefacten werden sie dann
[Seite 2] genannt, wenn der Mensch*) absichtlich Verän-
derungen mit ihnen vorgenommen.

Anm. 1. Daß übrigens jene Begriffe vom Wesent-
lichen
und vom Absichtlichen im gegenwärtigen Falle,
bey so verschiedentlicher Rücksicht und Modification, nicht
anders als relativ seyn können, bedarf wohl keiner Erin-
nerung. – Denn so könnte man ein Maulthier, oder einen
Caraiben mit seinem durch die Kunst gemodelten Schedel
und dergl. mehr, aus gewisser Rücksicht auch zu den Ar-
tefacten rechnen.

Anm. 2. Zuweilen können Naturalien manchen Kunst-
producten so ähnlich seyn, daß sie schwer von einander zu
unterscheiden sind. Daher z.B. die ehedem getheilten
Meinungen, ob der Ueberzug in der piscina mirabile
bei Bajä ein von selbst aus dem Wasser abgesetzter Rin-
denstein von Kalksinter, oder aber ein absichtlich aufgetra-
gener künstlicher Mörtel sey. (– s. Götting. gel. An-
zeigen
1791. 188 St. –)

§. 2.

Alle und jede natürliche Körper zeigen, 1) in
Rücksicht ihrer Entstehung, 2) ihres Wachs-
thums
, und 3) ihrer Structur, eine doppelte
Verschiedenheit.

Die einen nähmlich sind allemahl von andern na-
türlichen Körpern derselben Gestalt und Art her-
vor gebracht; so daß ihre Existenz in einer ununter-
brochenen Reihe bis zur ersten Schöpfung**) hinauf
[Seite 3] immer andere dergleichen Körper voraussetzt, denen
sie ihr Daseyn zu danken haben.

Zweytens nehmen sie allerhand fremde Substan-
zen als Nahrungsmittel in ihren Körper auf, assi-
miliren sie den Bestandtheilen desselben, scheiden das
Ueberflüssige wieder aus, und befördern mittelst
dieser beständigen Erneuerung und Wechsel ihr Wachs-
thum von innen (durch innige Aneignung, intus
susceptio, expansio
).

Diese beiden Eigenschaften setzen drittens von
selbst eine besondere Structur bey dieser Art von na-
türlichen Körpern voraus. Sie müssen nähmlich,
wenn sie auf diese Weise Nahrungsmittel zu sich
nehmen und umwandeln und mit der Zeit andere
Geschöpfe ihrer Art wieder hervorbringen sollen,
mancherlei diesen Zwecken der Selbsterhaltung und
Fortpflanzung entsprechende, deßhalb mit den so ge-
nannten Lebenskräften versehene, und zu einem zweck-
mäßigen Ganzen unter einander verbundene, Ge-
fäße, Adern und andere Organe in ihrem Körper
haben, die zur Aufnahme bestimmter Säfte, zur
Assimilation jener Alimente, zur Erzeugung der Nach-
kommenschaft u.s.w. nothwendig sind.

Dies Alles fehlt bey den natürlichen Körpern
der andern Art, nähmlich den Mineralien. Bei-
des, sowohl ihre Entstehung, als ihr Wachsthum
(wenn man es gar nur Wachsthum nennen darf),
wird keineswegs durch Ernährung, sondern lediglich
nach eigentlich so genannten bloß physischen (mecha-
nischen und chemischen), Gesetzen durch Anhäufung
[Seite 4] oder Ansatz homogener Theile von außen (aggre-
gatio, juxta positio
) bewirkt; folglich ist bey ihnen
weder ursprüngliche Organisation noch Lebenskraft zu
erwarten*).

Und eben deßhalb heißen sie unorganisirte,
und jene hingegen organisirte Körper.

§. 3.

Endlich sind nun aber auch jene organisirten
Körper selbst, besonders in der Art, wie sie ihre
Nahrungsmittel zu sich nehmen, von einer doppelten
Verschiedenheit.

Die einen nähmlich saugen einen sehr einfachen
Nahrungssaft, vorzüglich mittelst zahlreicher Fasern,
die sich am untern Ende ihres Körpers befinden,
ohne merkliche willkürliche Bewegung in sich.

Da hingegen die andern eine meist einfache Haupt-
öffnung am obern oder vordern Ende ihres Körpers
haben, die zu einem geräumigen Schlauche führt,
wohin sie, vom innern Gefühle des Hungers getrie-
ben, ihre Alimente, die von sehr verschiedener Art
sind, mittelst willkürlicher Bewegung bringen.

Jenes sind die Pflanzen, dieses die Thiere.

Anm. Hingegen gibt die Fähigkeit den Standort zu
verändern (locomotivitas) kein hinreichendes Unterschei-
dungszeichen der Thiere von den Pflanzen, ab. Denn
viele Pflanzen, wie z.B. die gemeinen Wasserlinsen, sind
nicht festgewurzelt, sondern können zu gewissen Jahrszei-
ten etc. ihren Aufenthalt verändern, bald zu Boden sinken,
bald wieder auf die Oberfläche des Wassers steigen u.s.w.
Und andererseits gibt es ganze Geschlechter von Wasserthie-
ren, zumahl unter den Conchylien, Corallen etc. die ihren
[Seite 5] einmahl eingenommenen Platz nie von selbst wieder ver-
lassen können.

§. 4.

Diese sehr faßliche Eintheilung der natürlichen
Körper in organisirte und unorganisirte (§. 2.), und
der organisirten wieder unter einander (§. 3.), ist
nun der Grund der bekannten drey Reiche,
worunter man die Naturalien sehr schicklich gebracht
hat, und wovon das erste die Thiere, das zweyte
die Pflanzen, das dritte die Mineralien begreift.

Die Thiere sind demnach belebte und beseelte
organisirte Körper, die sich ihre sehr vielartige Nah-
rung mittelst willkürlicher Bewegung suchen, und
selbige durch den Mund in den Magen bringen.

Die Pflanzen sind zwar ebenfalls belebte or-
ganisirte Körper, aber unbeseelt, so daß sie ihren
sehr homogenen Nahrungssaft ohne willkürliche Be-
wegung mittelst der Wurzeln einsaugen.

Die Mineralien endlich sind unbelebte und
unorganisirte Körper, die folglich ohne Lebenskraft
nach den physischen (mechanischen und chemischen)
Gesetzen von Anziehung, Anhäufung, Bildungs-
kraft etc. entstehen.

Anm. Gegen diese Eintheilung in drey Reiche, ist,
zumahl neuerlich, eine doppelte Einwendung gemacht worden.

Manche haben zwar die Kluft zwischen den organisir-
ten und unorganisirten Körpern anerkannt, aber nur keine
bestimmten Gränzen zwischen Thieren und Gewächsen zu-
geben wollen:

Andere hingegen haben die beliebten Metaphern
von Stufenfolge der Geschöpfe geradezu dahin gedeutet,
als ob überhaupt keine bestimmbaren Eintheilungen der
Naturalien in Reiche u.s.w. Statt fänden.

Was das erste betrifft, so sollte man zwar überhaupt
nicht vergessen, was so oft den Gegenständen der Erfah-
[Seite 6] rung der Fall ist, daß man sie weit leichter für das, was
sie sind, richtig anerkennen und von andern unterschei-
den, als ihre einzelnen unterscheidenden Merkzeichen aus-
finden und angeben kann*). – So sagte z.B. Linné:
‘„nullum characterem hactenus eruere potui, unde
Homo a Simia internoscatur
.“ ’ Nun glaube ich zwar
in diesem Buche solche äußere Charaktere der Humanität
angegeben zu haben, wodurch sich der Mensch von den
noch so menschenähnlichen Affen (wie man sie nennt), so
wie überhaupt von allen andern Säugethieren unverkenn-
bar auszeichnet. Aber auch ohne dieselben wird doch hof-
fentlich nie ein Naturforscher in praxi in Verlegenheit
gekommen seyn, Menschen und Affen etwa zu verwechseln. –
Außerdem aber können ferner Geschöpfe aus noch so ver-
schiedenen Classen manche theils auffallende und unerwar-
tete Aehnlichkeit mit einander haben, ohne daß dadurch die
dessen ungeachtet unverkennbare Verschiedenheit zwischen
diesen Classen selbst wegfallen dürfte. Man theilt z.B.
die Thiere sehr natürlich in warmblütige und kaltblütige;
und rechnet eben so natürlicher Weise die Säugethiere zu
jenen und hingegen die Insecten zu diesen; ohne je deß-
halb irre zu werden, daß die Bienen in ihrem Stocke so
ganz ohne Vergleich wärmer sind, als etwa ein Igel
während seines Winterschlafs. – So gibt es unter den
Molusken Geschlechter, wie z.B. die Sepien, die sich
von den übrigen Thieren dieser Classe sehr auszeichnen,
und dagegen manche auffallende Aehnlichkeit mit den Fi-
schen haben. Aber niemand wird meinen, deßhalb müsse
nun die Scheidewand zwischen diesen beiden Classen
aufgehoben werden. – Und eben so wenig wird Jemand
im Ernst in Versuchung gerathen, das Thier- und Pflan-
zenreich deßhalb mit einander zu verbinden, weil man an
gewissen Pflanzen gewisse Aehnlichkeiten mit gewissen
Thieren bemerkt hat. Von der Art sind z.B. die son-
derbaren Bewegungen mancher Mimosenarten, und des
hedysarum gyrans etc., die, so merkwürdig sie auch an
sich bleiben, doch gar nicht einmahl in den oben angegebe-
[Seite 7] nen Charakter der Animalität eingreifen. So wenig als
hinwiederum diejenigen Aehnlichkeiten, so die Arm-Poly-
pen mit den Gewächsen haben, den oben bestimmten Cha-
rakter der Vegetabilität betreffen. Sondern, die Arm-
Polypen sind Thiere, die so wie der Mensch und die Au-
ster, vom Hunger getrieben ihre Nahrung durch willkür-
liche Bewegung in den Mund bringen, was hingegen bey
keiner Pflanze, in der bis jetzt bekannten Schöpfung, der
Fall ist.

Nun und so beantwortet sich die andere Einwendung
gegen die Naturreiche etc., die sich auf die so geprie-
sene Metapher von Stufenfolge der Geschöpfe gründet,
eigentlich von selbst.

Alle die beliebten Bilder von Kette, von Leiter, von
Netz etc. in der Natur, haben zwar für die Methodologie
im Studium der Naturgeschichte in sofern ihren unver-
kennbaren Nutzen zum regulativen Gebrauch, als sie den
Grund eines so genannten natürlichen Systems ab-
geben, worin man die Geschöpfe nach ihren meisten und
auffallendsten Aehnlichkeiten, nach ihrem Totalhabitus und
der darauf gegründeten so genannten Verwandtschaft unter-
einander zusammen ordnet.

Aber sie nun, wie doch so oft von wohlmeinenden
Physicotheologen geschehen, dem Schöpfer in den Plan
seiner Schöpfung hinein legen, und die Vollkommenheit
und den Zusammenbang derselben darin suchen zu wollen,
daß die Natur (wie man sich ausdrückt) keinen Sprung
thue, weil die Geschöpfe in Rücksicht ihrer
äußern Form so fein stufenweise auf einander folgten,
das wäre doch schon an sich eine vermessene Schwachheit,
wenn sie auch nicht, wie doch der Fall ist, bey ernsterer
Prüfung sich selbst widerlegte*).

Denn man braucht bloß die noch so kunstreich und sorg-
fältig angelegten Entwürfe von solchen Stufenfolgen in
der Reihe der Geschöpfe näher zu beleuchten, um einzu-
sehen, wie sehr darin einerseits sich ganze Haufen von
Geschöpfen ähnlicher Bildung in Geschlechtern von fast un-
übersehlich zahlreichen Gattungen (zumahl unter den In-
[Seite 8] secten und Gewürmen, aber auch im Pflanzenreiche) zu-
sammen drängen, und andere dagegen gleichsam isolirt ste-
hen, weil sie wegen ihrer ausgezeichneten ganz eigenen
Bildung nicht ohne sichtlichen Zwang in einer solchen Lei-
ter der Natur irgendwo eingeschoben und untergebracht
werden können (wie z.B. die ganze Classe der Vögel;
die Schildkröten, die schon gedachte Sepien u.a.m.). –
Ferner aber finden sich Thiere, bey welchen, wie z.B.
bey den Schildläusen, Männchen und Weibchen eine so
durchaus ganz verschiedene Gestaltung haben, daß man
folglich in der gedachten Leiter die einen von den andern
trennen und nach dieser so sehr verschiedenen Sexualform
beiden auf weit von einander entfernten Sprossen ihre
verschiedenen Stellen anweisen müßte. – Nun dann zei-
gen sich Lücken in der Leiter, wo offenbar ohne einen sehr
gewagten Sprung gar nicht über zu kommen ist, wie zu
Einem Beyspiel statt aller, die zwischen den organisirten
Körpern und den Mineralien u.s.w.

So mangelhaft aber überhaupt die bildlichen Vorstel-
lungen von Kette der Natur u.s.w. gerathen müssen,
so ganz grundlos ist nun vollends gar die vermessene Be-
hauptung mancher Physicotheologen, als ob kein Glied
aus dieser ihrer zu Papier gebrachten Kette ausfallen
dürste, wenn nicht die Schöpfung selbst stocken sollte
u.s.w. – So gut einzelne Gattungen von Thieren aus
ganzen großen Inseln, wie z.B. die Wölfe aus Groß-
britannien vertilgt sind, ohne daß die dasige Schöpfung
durch diese nunmehrige scheinbare Lücke ihren sonstigen Zu-
sammenhang verloren haben sollte, so können andere Ge-
schöpfe aus ganzen Welttheilen und wohl von der ganzen
Erde vertilgt werden (wie dieß allen Anschein nach mit
manchen, z.B. mit dem Dudu wirklich geschehen), ohne
daß durch diesen merklichen hiatus, der dadurch in der
Kette der Physicotheologen entsteht, der ewige stille Gang
der Schöpfung selbst, im mindesten gefährdet werden
dürfte.

Einige Hauptquellen und andere Hülfsmittel zur
N. G. überhaupt.

  1. Aristoteles (lebte ungefähr 400 Jahr vor Christi Geburt.) Ej.
    opera. gr. lat. ex. ed. Gu. du Val. Paris. 1654. IV. vol.
    fol
    . zumahl im 11. B.
  2. C. Plinius secundus (†. im J. 79. nach Chr. Geb.) Ej. histo-
    ria mundi
    l
    . xxxvii – Ein Paar saubere und correcte
    Handausgaben sind die Leidner, Elzevirische 1635. III. vol. 12.
    und die Zweybrücker 1782. V. vol. 8.
  3. Conr. Gesner. (†. 1562.)
  4. Joh. Ray (†. 1705.) Die hierher gehörigen Hauptwerke dieser
    beiden Männer werden anderwärts angeführt.
  5. C. v. Linné. (†. 1778.) Ej. systema naturae ed. 12. Holm.
    1766. IV. vol. 8. und die dazu gehörigen beiden mantissae
    ib
    . 1767 sq. 8.
  6. ed. 13. aucta, reformata cura Jo. Fr. Gmelin. Lips. 1788.
    IX. vol. 8.
  7. Und zum Verständniß der linnéischen Kunstsprache: Jo. Reinh.
    Forster enchiridion historiae naturali inserviens. Hal.
    1788. 8.
  8. J. K. W. Illiger's Versuch einer systematischen vollständigen
    Terminologie für das Thierreich und Pflanzenreich. Helm-
    städt. 1800. 8.
  9. G. L. le Clerc C. de Buffon. (†. 1788.) Ej. histoire naturelle.
    Die Orig. Ausgabe, Paris, seit 1749. XXXIII. vol. 4. oder
    LXXII. vol. 12.

Zur allgemeinen N. G.

  1. F. S. Voigt's Grundzüge einer N. G. Frankf. 1817. 8.
  2. Dess. System der Natur und ihre Geschichte. Jena. 1823. 8.
* * *
  1. H. F. Link's Urwelt und das Alterthum, erläutert durch die
    Naturkunde. Berl. 1821 u. f. II. Th. 8.

Zur geographischen N. G.

  1. C. Ritter's Erdkunde im Verhältniß zur Natur, Berl. seit
    1817. 8.

Miscellan-Werke.

  1. G. v. Linné amoenitates academicae. Holm. seit 1749. IX. vol. 8.
  2. Oeuvres de Ch. Bonnet. Neuch. 1779. sq. 4. die ersten V. B.

Physicotheologische und ähnliche Werke.

  1. Jo. Ray's wisdom of God manifested in the works of the crea-
    tion
    . ed. 12. Glasgow. 1750. 12.
  2. W. Derham's physicotheology. ed. 4. Lond. 1716. 8.
  3. Ch. Bonnet contemplation de la nature. (als IVter Band der
    gedachten Ausg. seiner Werke.)
  4. W. Paley's natural Theology. ed. 16. Lond. 1819. 8.
  5. Holländ. mit gehaltreichen Zusätzen und Anm. von J. Clarisse.
    Amst. 1810. 8.

Wörterbücher.

  1. Valm. de Bomare Dictionnaire d'histoire naturelle. ed. 4. Lyon,
    1791. VII. vol. 4.
  2. Nouveau Dictionnaire d'histoire naturelle appliquée aux arts etc.
    par une Société de naturalistes et d'agriculture.
    Par
    . 1804.
    XXIV. vol. 8.
  3. Dictionnaire des sciences naturelles, par plusieurs Prof. du Jar-
    din du Roi
    etc
    . Strasb. seit 1816. 8.
  4. Ph. Andr. Nemnich's allgemeines Polyglotten Lexicon der Na-
    turgeschichte
    . Hamb. 1793. IV B. 8.

Journale etc.

  1. Journal de physique. Paris seit 1773 bis 1823. XCVI B. 4.
  2. Annales des sciences naturelles. par Audouin, Ad. Brogniart
    et Dumas. Paris seit 1824. 8.
* * *
  1. Zur Naturwissenschaft überhaupt – und zur Morphologie. Von
    Goethe. Stuttg. u. Tübingen seit 1817. 8.

Zweyter Abschnitt.
Von den
organisirten Körpern überhaupt.

[Seite 11]

§. 5.

Im allgemeinen werden die organisirte Körper
(§. 2.) von ihres Gleichen*) erzeugt, dann durch
eigene Kraft lebenslang ernährt, und dadurch ihre
Selbsterhaltung und Wachsthum, und wenn sie
zu ihrer Reife gelangt, auch ihre Fortpflanzungs-
fähigkeit
bewirkt.

§. 6.

Zu diesen großen Verrichtungen werden sie eben
durch die Organisation ihres Baues, und durch
die mit derselben verbundenen Lebenskräfte ge-
schickt gemacht. Denn durch diese letztern erhalten
die Organe sowohl ihre Empfänglichkeit für reitzende
Eindrücke (stimuli) und ihr Bewegungsvermögen,
ohne welches beides, weder Ernährung noch Wachs-
thum, noch wechselseitige Einwirkung der Theile zur
zweckmäßigen Erhaltung des Ganzen, und umge-
kehrt**), denkbar seyn könnte.

§. 7.

Sich die Entstehung der organisirten Körper
zu erklären, hat man, zumahl neuerlich, die so ge-
nannte Evolutions-Hypothese bequem gefunden,
[Seite 12] und gemeint, es werde gar kein Mensch, und kein
anderes Thier, und keine Pflanze erzeugt, – son-
dern sie lägen alle schon seit der ersten Schöpfung
als völlig präformirte Keime*) bey ihren
Aeltern und Vorfahren längst vorräthig; die ver-
schiedenen Generationen steckten, gleichsam wie ein-
gepackte Schachteln, in einander; und würden nur
nach und nach, so wie die Reihe an sie käme, durch
die Befruchtung entwickelt und ans Licht gebracht. –
Eine Meinung, die doch schon sowohl durch den
dabei erforderlichen Aufwand von übernatürlichen
(hyperphysischen) Anstalten**), als durch die,
allen Gesetzen einer philosophischen Naturforschung
zuwiderlaufende unnütze Vervielfältigung der
natürlichen [physischen]***) Kräfte, und durch die
unübersehliche Menge von zwecklosen Schöpfun-
gen
aller der zahllosen präformirten Keime, die
nur nicht zu ihrer Entwickelung gelangen konnten,
aller präjudizlosen Urtheilskraft widerstehen müßte,
wenn sie auch nicht durch die überwiegenden gegen-
seitigen Erfahrungsgründe
widerlegt würde.

[Seite 13]

Anm. Nach der einstimmigen Behauptung der aller-
berühmtesten und allereifrigsten Versechter der Evolu-
tionshypothese
, sollen die präformirten Keime bei der
Mutter vorräthig liegen, und während der Befruchtung
durch die Kraft des hinzukommenden männlichen Zeugungs-
stoffes erweckt und zur Entwickelung angetrieben werden.
Was man Empfängniß nennt; sey folglich nichts als das
Erwachen des schlaftrunkenen Keimes durch den Reitz des
auf ihn wirkenden männlichen Samens.

Also bedarf es hier zuvörderst einer erweckenden
Kraft.

Nun aber ähneln ja so oft Kinder zum Sprechen bloß
ihrem Vater; – Batzen, die sich kurz hintereinander
mit mehreren männlichen Hunden belaufen haben, werfen
oft Junge, die diesen verschiedenen Vätern äh-
neln; – zweyerlei Menschenrassen, z.B. Neger
und Weiße, zeugen mit einander nothwendigen Mittel-
schlag, nähmlich Mulatten; – und wenn nun vollends
ungleiche Gattungen (verschiedene Species) von Thie-
ren oder Gewächsen einander befruchten, so entstehen
Bastarde, die eben so viel von der väterlichen als von
der mütterlichen Gestaltung an sich haben.

Ja das läßt sich freilich nicht wohl verkennen: und
dem zu Folge gestehen dann die Evolutionisten dem männ-
lichen Samen, außer seiner erweckenden, nun auch Nro. 2.
in sofern eine bildende Kraft zu, daß er den bei der
Mutter präformirt gelegenen Keim, wohl in etwas zur vä-
terlichen Gestaltung umzuformen vermöge.

Demnach wäre folglich zweyerlei Kraft im männ-
lichen Samen; 1) die erweckende und 2) doch auch eine
bildende –

Aber man kann ja mittelst einer, mehrere Generatio-
nen hindurch immer wiederholten, künstlichen Bastardzeu-
gung endlich die Eine Gattung von organisirten Körpern
gänzlich in die andere umwandeln. – So hat man z.B.
aus der künstlichen Befruchtung der Einen Pflanzengat-
tung mittelst des männlichen Staubes von eine andern,
Samen gezogen, welcher fecundable Bastardpflanzen
gegeben; d.h. die sich zur Blühezeit abermahls mit
männlichem Stand von jener andern Gattung befruchten
lassen, und wiederum fecundable Bastarde der zwey-
ten Generation hervorgebracht. Jene Bastarde von der
ersten Generation hielten gleichsam das Mittel zwischen
[Seite 14] beiden verschiedenen Stamm-Aeltern von väterlicher
und mütterlicher Seite. Die von der zweyten hingegen
ähnelten schar weit mehr der väterlichen, als der mütter-
lichen und nachdem die gleiche künstliche Befruchtung
noch fernerweit durch zwey folgende Generationen eben so
wiederholt worden, so entstanden endlich Pflanzen, an
welchen die ursprüngliche mütterliche Gestaltung so zu
sagen ganz verwischt, und in die väterliche umgewan-
delt worden. (– s. Kölreuter's dritte Fortsetzung der
Nachricht vor einigen das Geschlecht der Pflanzen betref-
fender Versuchen S. 51. §. 24. mit der Ueberschrift:
‘„Gänzlich vollbrachte Verwandlung Einer na-
türlichen Pflanzengattung in die andere
.“ ’ –)

Da hat den folglich alle Präformation des seit Er-
schaffung der Welt conservirten mütterlichen Keims am
Ende zu nichts geholfen, sondern hat der bildenden
Kraft des männlichen Stoffes (der eigentlich nach der
Evolutionshypothese bloß durch seine erweckende Kraft
auf denselben hätte wirken sollen,) gänzlich weichen müssen.

§. 8.

Und so bleibt es folglich im Ganzen unserem
Erkenntnißvermögen und selbst den Regeln aller phi-
losophischen Nachforschung*) weit angemessener,
wenn man die Entstehung der neuerzeugten organi-
sirten Körper bloß durch allmähliche Ausbil-
dung
(Epigenesis) des an sich zwar ungeformten,
aber unter den dazu erforderlichen Umständen orga-
nisirbaren Zeugungsstoffes, erklärt.

Nur kommt es bei der vielfachen Vorstellungs-
art, die man sich von einer solchen allmählichen Bil-
dung machen kann und gemacht hat**), darauf an,
[Seite 15] sie so zu bestimmen, wie sie dem Begriff von orga-
nisirten Körpern, und dann den Phänomenen, die
uns die Beobachtung bei Entstehung derselben lehrt,
am ungezwungensten entspricht.

§. 9.

Und dieß geschieht, wenn man annimmt, daß
der reife, vorher zwar umgeformte, aber organisir-
bare Zeugungsstoff der Aeltern, wenn er zu seiner
Zeit, und unter den erforderlichen Umständen an
den Ort seiner Bestimmung gelangt, dann für eine
in demselben nun zweckmäßig wirkende Lebenskraft,
nähmlich den Bildungstrieb (nisus formativus),
zuerst empfänglich wird; – für einen Trieb, der
sich von aller bloß mechanischen bildenden Kraft [als
welche auch im unorganischen Reiche Krystallisatio-
nen*) u. dergl. hervorbringt] dadurch auszeichnet,
daß er nach der endlos mannichfaltig verschiedenen
Bestimmung der organisirten Körper und ihrer
Theile, die vielartig organisirbaren Zeugungsstoffe
auf eben so mannichfaltig aber zweckmäßig modifi-
cirte Weise in bestimmte Gestalten zu formen ver-
mag – und so [– durch die Verbindung des me-
[Seite 16] chanischen mit dem zweckmäßig Modificirbaren in
diesem Triebe*) –] zuerst bei der Empfängniß
die allmähliche Ausbildung; dann aber auch die le-
benswierige Erhaltung dieser organischen Bildung
durch die Ernährung; und selbst wenn dieselbe
durch Zufall gelitten haben sollte, so viel möglich
die Wiederersetzung derselben durch die Repro-
duction
, bewirkt wird**).

Anm. 1. Diese allmähliche Ausbildung der neuen or-
ganisirten Körper ist am anschaulichsten an solchen zu be-
trachten, die mit einer ganz ansehnlichen Größe ein
schnelles (so in sagen zusehends merkliches) Wachsthum,
und eine so zarte halbdurchsichtige Textur verbinden, daß
sie (zumahl im sattsamen Lichte und unter mäßiger Ver-
größerung) aufs deutlichste, klarste durchschaut werden
können.

So im Gewächsreiche an manchen einfaches Wasser-
moosen, wie z.B. an der Brunnen-Conferve (Conferva
fontinalis, Ceramium caespitosum Roth.) die sich in
den ersten Frühlingstagen fortpflanzt. (– Abbild. nat.
hist. Gegenst.
tab.
49.)

Unter den blutlosen Thieren an den Arm-Polypen.

Und unter den warmblütigen an der ersten Erschei-
nung des Küchelchens im bebrüteten Eye und seiner dann
von Tag zu Tag fortrückenden Ausbildung.

Anm. 2. Hoffentlich ist für die mehrsten Leser die
Erinnerung überflüssig, daß das Wort Bildungstrieb
selbst, so gut wie die Benennungen aller andern Arten
von Lebenskräften an sich weiter nichts erklären, sondern
[Seite 17] bloß eine besondre (das Mechanische mit dem zweckmäßig
Modificirbaren in sich vereinende) Kraft unterscheidend
bezeichnen soll, deren constante Wirkung aus der Erfah-
rung anerkannt worden, deren Ursache aber so gut, wie
die Ursache aller andern noch so allgemein anerkannten
Naturkräfte für uns hienieden im eigentlichen Wortver-
stande qualitas occulta bleibt. Das hindert aber
nicht, daß man nicht immer mehr suchen sollte, ihre Wir-
kungen durch Beobachtung weiter zu erforschen und zu ver-
folgen, und sie so auf allgemeine Gesetze zurück zu bringen.

§. 10.

Durch die bestimmte zweckmäßige Wirksamkeit
des Bildungstriebes in den bestimmten dafür
empfänglichen organisirbaren Stoffen, wird nun die
eben so bestimmte Form und der Habitus aller
einzelnen Gattungen (Species) von organisirten Kör-
pern erhalten; und bei denen, wo es Statt findet,
auch ihre Sexual-Verschiedenheit, durch welche sich
nähmlich die männlichen Geschöpfe von den weib-
lichen in derselben Gattung auszeichnen.

§. 11.

Aber freilich kann der Bildungstrieb auch eben
sowohl als jede andere in ihrer Thätigkeit gestörte
oder fremdartig modificirte Lebenskraft auf mancher-
lei Weise vor seiner eigentlichen bestimmten Rich-
tung abweichen*).

So entstehen dann (– der bloß krankhaften,
nicht ins Gebiete der Naturgeschichte gehörigen,
Abweichungen, zu geschweigen –) 1) durch ganz ge-
[Seite 18] waltsame Störungen desselben ganz widernatürliche*)
Formen der organisirten Körper, nähmlich die
Mißgeburten.

2) Dadurch, daß der zweyfache Sexual-Cha-
racter, der sonst in den beiden Geschlechtern ge-
trennt seyn sollte, mehr oder weniger in einem
und eben demselben Individuum verbunden ist, die
Zwitter.

3) Dadurch, daß zwey Geschöpfe ganz verschie-
dener Gattung (zweyerlei Species) einander befruch-
ten, die Bastarde.

Endlich 4) durch den Einfluß der mancherlei
Ursachen der allmählichen, Ausartung, die Rassen
und Spielarten.

§. 12.

Unter Mißgeburt versteht man, nach dem
gemeinen Sprachgebrauche, eine widernatürliche, an-
gebohrne, leicht in die Augen fallende Verunstal-
tung in Bildung äußerer, größerer Theile. So
mannigfaltig aber diese Mißgestalten seyn können,
so lassen sie sich doch alle auf folgende vier Haupt-
classen zurückbringen**);

1) M. G. mit widernatürlicher Bildung einzelner
Glieder. Fabrica aliena.

[Seite 19]

2) M. G. mit Versetzung oder widernatürlicher Lage
einzelner Glieder. Situs mutatus. Die seltensten
von allen (– nähmlich unter Mißgeburten in
dem angegebenen Sinne. Oft hat man hingegen
bey Leichenöffnungen wohlgebildeter Menschen manche
ihrer Eingeweide in ganz verkehrter Lage ge-
funden –).

3) M. G. denen ganze Glieder mangeln. Mon-
stra per defectum
. Unter diesen die lehrreichsten.

4) M. G. mit überzähligen Gliedern. Monstra
per excessum
. Die gemeinsten (– selbst nicht
selten unter wilden Thieren, z.B. Hasen –);
theils gar erblich, wie z.B. in den sechsfingri-
gen Familien, und bei Hühnern mit fünf oder
sechs Zehen.

Anm. Die auffallende Aehnlichkeit unter so vielen
Monstrositäten beweiset, daß auch selbst diese Abweichun-
gen des Bildungstriebes dennoch bestimmten Gesetzen fol-
gen müssen; so wie hingegen die bekannte Erfahrung, daß
die Hausthiere seit ihrer Unterjochung und die cultivirten
Gartenpflanzen denselben weit mehr als in ihrem wilden
Zustand unterworfen sind (daß z.B. Mißgeburten unter
den Hausschweinen so häufig, unter den wilden Schweinen
hingegen fast unerhört sind), sich mit der Lehre der
Evolutionisten, daß die Keime dieser Mißgeburten ebenfalls
seit der ersten Schöpfung schon monströs präformirt
eingeschachtelt gelegen, wohl schwerlich zusammen reimen läßt.

§. 13.

Zwitter nennt man zwar im engern Sinne
bloß solche einzelne Individua von organisirten Kör-
pern, bey welchen widernatürlicher Weise die Spu-
ren der zweyfachen eigentlichen Sexual-Organe mehr
oder weniger verbunden sind, die sonst, in den männ-
lichen und weiblichen Geschöpfen derselben Art, ge-
[Seite 20] trennt seyn sollten. Dergleichen finden sich selbst
zuweilen unter den warmblütigen Thieren; zumahl
unter den Rindvieh, Schafen und Ziegen, aber im
Menschengeschlechte sind sie noch unerwiesen.

Nächstdem aber verdient auch diejenige Ab-
weichung des Bildungstriebes hier einer Erwähnung,
wenn andere körperliche Functionen oder Charaktere,
die dem einen Geschlechte eigen seyn sollten, sich bei
Individuis des andern äußern. Wenn z.B. Hirsch-
kühe und Reh-Geißen Geweihe aufsetzen; oder Fasan-
und Pfau-Hennen mit zunehmenden Jahren männ-
liches Gefieder kriegen; oder Mannspersonen oder an-
dere männliche Säugethiere Milch geben*) u.s.w.

Endlich aber zeigt sich auch zuweilen im ganzen
Verhältniß des Körperbaues einzelner, übrigens noch
so regelmäßig und schön gebildeter Geschöpfe des
einen Geschlechts doch mehr oder weniger vom To-
talhabitus des andern; z.B. weibliche Weichlichkeit
in der Totalform des männlichen**).

§. 14.

Wenn ein weibliches Geschöpf der einen Gat-
tung von einem männlichen einer andern Gattung be-
fruchtet worden, so entstehen daraus Bastarde,
deren Bildung aus der beiderlei Aeltern ihrer gleich-
sam zusammengeschmolzen ist***). Da aber von der
[Seite 21] bestimmten Bildung der organisirten Körper, be-
sonders der Thiere, die behörige und für den Gang
der Schöpfung so äußerst wichtige Vollziehung ihrer
Geschäfte abhängt, so ist es eine weise Einrichtung
in der Natur, daß erstens, wenigstens unter den
rothblütigen Thieren, in ihrem freien Natur-Zu-
stande meines Wissens niemals eine Paarung und
Vermischung unter zweyerlei Gattungen bemerkt
worden; zweytens aber die Bastarde überhaupt mei-
stentheils unfruchtbar, und nur sehr selten im Stande
sind, ihr Geschlecht weiter fortzupflanzen. Daher
gehört es zu den seltnern Ausnahmen, wenn Maul-
thiere, oder die Bastarde von Hänflingen und Ca-
narienvögeln zuweilen fruchtbar sind. Bei den
Pflanzen gelingt es leichter, daß durch künstliche
Befruchtung verschiedener Gattungen Bastarde her-
vorgebracht werden können, die fruchtbaren Samen
tragen (– s. oben Seite 13. –). Hingegen be-
dürfen die fabelhaften Sagen von vermeinten Ba-
starden aus der Vermischung vom Rindvieh und
Pferden oder Eseln, und von Caninchen und Hüh-
nern, oder vollends gar von Menschen und Vieh,
jetzt hoffentlich keiner weitern Widerlegung.

Anm. Eben in der gedachten notorischen Erfahrung,
daß im freien Natur-Zustande jener Geschöpfe nur die
von einer und eben derselben Species sich mit einander
gatten, liegt der natürliche Grund, warnen das Wort
Species im Deutschen am allernatürlichsten durch Gat-
tung übersetzt wird. (– davon mit mehren in der Vor-
rede. –)

§. 15.

Rassen und Spielarten (varietates) sind
diejenigen Abweichungen von der ursprünglichen spe-
[Seite 22] cifiken Gestaltung der einzelnen Gattungen organi-
sirter Körper, so diese durch die allmähliche Ausar-
tung oder Degeneration erlitten haben.

Rasse heißt aber im genauem Sinne ein
solcher durch Degeneration entstandener Charakter,
der durch die Fortpflanzung unausbleiblich und noth-
wendig forterbt, wie z.B. wenn Weiße mit den
Negern Mulatten, oder mit amerikanischen India-
nern Mestissen zeugen: welches hingegen bei den
Spielarten keine nothwendige Folge ist; wie
z B. wenn blauäugige Blonde mit braunäugigen
Brünetten Kinder zeugen*).

Anm. Wenn sich gewisse Ausartungen seit unabseh-
lichen Reihen von Generationen fortgepflanzt haben, so
hält es oft schwer zu bestimmen, ob das bloße Rassen
oder ursprünglich verschiedene Gattungen (Species) sind?
Wenigstens gibt es dann zur Entscheidung in dergleichen
Fällen keine andern in praxi anwendbare Regeln, als
die, so aus des Analogie abstrahirt sind; da hingegen
die, so Ray, Büffon und andere angenommen haben,
den Charakter von Species darnach zu bestimmen, wenn
die Geschöpfe mit einander fruchtbare Nachkommen-
schaft zeugen, zu diesem Behuf sehr unzulänglich und
schwankend ist.

Denn abgerechnet, daß die Anwendung dieser Regel
ohnehin bei den unzähligen Thieren und Pflanzen wegfällt, die
sich ohne Paarung fortpflanzen. (– s. unten §. 20. –),
so findet sie auch in unzähligen andern Fällen wegen un-
überwindlicher Schwierigkeiten nicht Statt, wie z.B. bei
Entscheidung der Frage, ob der asiatische und der afrika-
nische Elephant zu einerlei Species gehören oder nicht?
Und selbst da, wo die Erfahrung Statt hat, wie z. E. bei
der Vermischung von Pferd und Esel, fragt sich wieder,
soll da der gewöhnliche oder aber der äußerst seltene Er-
[Seite 23] folg als Regel angesehen werden. Denn gewöhnlich sind
die Maulthiere steril, und nur in äußerst seltenen Fällen
hat man sie zur Fortpflanzung fähig befunden. Wollte
man also diesen wunderseltenen Fall als Regel gelten lassen,
so müßte man Pferd und Esel für Thiere derselben Spe-
cies
halten, ungeachtet sie in ihrem ganzen Körperbau –
zumahl im Innern (und namentlich in der ganz auffallend
verschiedenen Einrichtung ihrer Stimmwerkzeuge), wenig-
stens eben so specifisch von einander differiren als Löwe
und Katze. Da stimmt hingegen alle Analogie dafür, sie
als zwey ganz verschiedene Gattungen anzuerkennen. Und
eben diesem Grundsatze der Analogie gemäß halte ich auch
die gedachten beiderlei Elephanten für ganz verschiedene
Gattungen, weil ihr Gebiß, äußeres Ohr etc. eine so con-
stante auffallende Verschiedenheit zeigt, die sich unmöglich
als bloße Folge der Degeneration gedenken läßt.

§. 16.

Zu den mancherlei Ursachen der Ausartung ge-
hören vorzüglichst der Einfluß des Himmelstrichs,
der Nahrung, und bei Menschen und Thieren auch
der Lebensart.

Kaltes Clima z.B. unterdrückt das Wachsthum
der organisirten Körper, und darum sind die Grön-
länder, Lappländer etc. so wie die Thiere und Ge-
wächse kalter Erdstriche, klein, untersetzt. Eben so
bringt dieses Clima weiße Farbe an Thieren und
Gewächsen hervor, und darum sind die Nordländer
von Natur von weißer Haut etc. so wie viele warm-
blütige Thiere der kältesten Gegenden anomalisch
weiße Haare und Federn, viele Pflanzen daselbst
anomalisch weiße Blüthen haben u.s.w. – Dage-
gen tragen die Creolen (d.h. die in Ost- und
West-Indien von europäischen Aeltern gebohrenen
Weißen) meist das unverkennbare Gepräge ihrer
südlichen Heimath an sich.

Wie sehr aber verschiedene Lebensart, Cultur
und Nahrungsmittel nach und nach die Bildung,
[Seite 24] Farbe und ganze Constitution der organisirten Kör-
per umzuändern vermöge, davon sehen wir an un-
sern Hausthieren*), an unserem Getreide, Obst,
Küchen-Gewächsen, Blumen-Floren etc. – am aller-
auffallendsten aber bei den Verschiedenheiten im
Menschen-Geschlechte selbst, die augenscheinlichsten
Beispiele.

Diese mancherlei Ursachen der Degeneration kön-
nen nun aber nach Verschiedenheit der Umstände
einander entweder unterstützen, und die Ausartung
um so schneller und ausfallender machen, oder aber
auch wieder gewisser Maaßen einander aufheben u.s.w.;
daher man in dieser Untersuchung bei der Anwen-
dung auf einzelne Fälle nie zu einseitig urtheilen darf.

Anm. 1. So gibt es z.B. selbst unter der Linie
kalte Erdstriche, wie im Innern von Sumatra etc. Hin-
gegen dringt Sibirien gar viele Gewächse der wärmern
Gegenden hervor, die in weit südlichern Ländern von Eu-
ropa nicht fortkommen.

Anm. 2. Sonderbar ist die eigenthümliche Wirkung,
die einige Climate auf die organisirte Körper, zumahl
der Thierreichs, äußern. So, daß z.B. in Syrien die
Katzen, Kaninchen, Ziegen etc. so auffallend langes und
weißes Haar haben; auf Corsica die Pferde, Hunde etc.
so auszeichnend gefleckt sind; auf Guinea Menschen,
Hunde und Hühner zu Negern in ihrer Art werden u.s.w.

§. 17.

Die Ernährung der organisirten Körper geht
auf verschiedene Weise vor sich. Den Pflanzen wird
ihre einfache Nahrung durch Wurzeln, die sich
außerhalb ihres Stammes am einen Ende des-
selben befinden, zugeführt. Die Thiere hingegen
haben, wie sich Boerhaave ausdrückte, gleichsam
[Seite 25] ihre Wurzeln innerhalb ihres Körpers, nähmlich
im Magen und Darmkanal, wo der nahrhafte Theil
der Alimente durch unzählige Gefäßchen, fast wie
bei den Pflanzen durch Wurzeln, eingesogen und
dem übrigen Körper zugeführt wird.

Der brauchbare Theil der Nahrungsmittel wird
durch einen bewundrungswürdigen Proceß dem Stoff
der organisirten Körper assimilirt; der überflüs-
sige hingegen ausgedunstet; und bei den Thieren,
die keinen so einfachen Nahrungssaft wie die Pflan-
zen zu sich nehmen, auch durch andere Wege als
Unrath ausgeworfen.

§. 18.

Das Wachsthum der organisirten Körper ist
die Folge ihrer Ernährung. Die meisten erreichen
früh die bestimmte Größe ihres Körpers. Von
manchen Bäumen aber, wie z.B. von der Nor-
folkinsel-Fichte (Columnia pinifolia oder Arauca-
ria excelsa
), der Kohlpalme (Areca oleracea),
dem Baobab (Adansonia digitata) etc., auch von
einigen andern Gewächsen, z.B. vom Rotang (Ca-
lamus rotang
) und so auch von manchen Thieren,
wie z.B. von vielen Gattungen der Bandwürmer
und selbst von den Crocodilen und großen Wasser-
schlangen läßt sich schwerlich sagen, ob und wann
in ihrem Leben sie aufhören an Länge oder Dicke zu-
zunehmen.

§. 19.

Zum Wachsthum der organisirten Körper gehört
auch ihre Reproductions-Kraft, oder die
merkwürdige Eigenschaft, daß sich verstümmelte oder
völlig verlorne Theile ihres Körpers von selbst wie-
der ergänzen. Diese bewundernswerthe Einrichtung
[Seite 26] in der organisirten Schöpfung sichert die Thiere und
die Pflanzen bei tausend Gefahren, wo ihr Körper
verletzt wird: und ist folglich auch, nebst der Ernäh-
rung überhaupt, einer der größten Vorzüge, wo-
durch die Maschinen aus der Hand des Schöpfers
bei weitem über die größten Kunstwerke der Men-
schen erhoben werden, als welchen ihre Verfertiger
keine Kraft mittheilen können, ihre Triebfedern und
Räder, wenn sie verbogen, verstümmelt und abge-
nutzt würden, von selbst wieder herzustellen: eine
Kraft, die hingegen der Schöpfer jedem Thier und
jeder Pflanze – nur in verschiedenem Maße –
beigelegt hat.

Viele organisirte Körper verlieren zu bestimmten
Zeiten gewisse Theile ihres Körpers von freien
Stücken, die ihnen nachher wieder reproducirt wer-
den; wohin das Abwerfen der Geweihe, das Mau-
sern der Vögel, die Häutung der Schlangen, der
Raupen, das Schälen der Krebse, das Entblättern
der Gewächse u.s.w. gehört. Man könnte dies
die gewöhnliche Reproduction nennen.

Die andere hingegen ist die außerordent-
liche
, von der hier eigentlich die Rede ist, da
nähmlich dem organisirten Körper, zumahl den Thie-
ren, Wunden, Beinbrüche etc. geheilt, oder gar
durch Unfall verstümmelte und verlorene Theile wie-
der ersetzt werden. Der Mensch und die ihm zu-
nächst verwandten Thiere besitzen eine freilich sehr
eingeschränkte Reproductionskraft: die hingegen bei
vielen kaltblütigen Thieren, besonders bei den Was-
ser-Molchen, Krebsen, Land-Schnecken, Regen-
würmern, See-Anemonen, See-Sternen, Arm-
Polypen etc. von einer ausnehmenden Stärke und
Vollkommenheit ist.

[Seite 27]

Anm.Vor mehreren Jahren habe ich einem Wasser-
molch der größern Art (Lacerta lacustris), den ich nun
in Spiritus aufbewahre, fast das ganze Auge exstirpirt;
nähmlich alle Säfte auslaufen lassen und dann 4/5 der aus-
geleerten Häute rein ausgeschnitten; – und doch hat sich
hinnen zehn Monaten ein vollkommener neuer Augapfel
mit neuer Hornhaut, Augenstern, Crystall-Linse etc. re-
producirt, der sich bloß dadurch vom andern gesunden
Auge auszeichnet, das er nur erst ungefähr bald so groß
ist. (– s. Götting. gel. Anz. 1785. 47. St. –)

§. 20.

Wenn die organisirten Körper durch Ernährung
und Wachsthum zu ihrer vollen Reife gelangen, so
erhalten sie dann auch das Fortpflanzungsver-
mögen
(§. 5.), das aber auf eine sehr verschiedene
Weise vollzogen wird. Ueberhaupt nähmlich ist ent-
weder schon jedes Individuum für sich im Stande,
sein Geschlecht fortzupflanzen; oder aber es müssen
sich ihrer zwey mit einander paaren oder begatten,
wenn sie neue organisirte Körper ihrer Art hervor-
bringen sollen.

Die mannigfaltigen besondern Verschiedenheiten
in diesen beiderlei Hauptweisen der Fortpflanzung
lassen sich doch füglich unter folgende vier Arten
bringen:

1) Jedes Individuum vermehrt sich auf die ein-
fachste Weise, ohne vorhergegangene Befruch-
tung: entweder durch Theilung, wie manche In-
fusions-Thierchen*) und Blumen-Polypen**);
oder wie bei der Brunnen-Conferve so, daß das
[Seite 28] alte fadenartige Gewächs am einen Ende zu
einem kuglichen Knöpfchen anschwillt, das nach-
her abfällt und wieder zu einem solchen Faden
ausgetrieben und umgebildet wird (– Abbild.
nat. hist. Gegenst
. tab. 49 –); oder durch
Sprossen, wie die Arm Polypen und viele Ge-
wächse u.s.w.

2) Jedes Individuum ist zwar auch im Stande sich
fortzupflanzen, hat aber als ein wahrer Zwitter
beiderlei Geschlechtstheile an seinem Leibe, und
muß vorher, wenn es Thier ist, die bei sich ha-
benden weiblichen Eierchen mit männlichem Sa-
men – und wenn es Pflanze ist, seine weiblichen
Samenkörner mit männlichem Blumenstaub –
befruchten, ehe sich ein Junges daraus bilden
kann. Dies ist der Fall bei den mehresten
Gewächsen, und im Thierreich, wie es scheint, bei
manchen Muscheln.

3) Ebenfalls beide Geschlechter, wie bei den Herm-
aphroditen der vorigen Classe, in einem Indi-
viduo verknüpft; doch daß keines sich selbst zu
befruchten im Stande ist, sondern immer ihrer
zweye sich zusammen paaren und wechselseitig ein-
ander befruchtet und befruchtet werden müssen.
Diese sonderbare Einrichtung findet sich nur bei
wenigen Thieren; beim Regenwurm, bei manchen
Land-Schnecken*) etc.

4) Die beiden Geschlechter in separaten Indivi-
duis, von denen das eine die weiblichen Theile
oder Eier, das andere den männlichen befruchten-
den Saft enthält. So alle rothblütige und viele
[Seite 29] andere Thiere, und so auch manche Pflanzen, wie
die Palmen, der Hopfen, die mehresten Moose etc.

Einige Thiere dieser Classe geben die Eyer selbst
von sich, in welchen sich erst nachher das Junge
vollends ausbildet. Dies sind die eierlegenden
Thiere (ovipara). Bei andern aber wird dies
Ei so lange in der Bärmutter zurück behalten,
bis das Junge vollkommen ausgebildet worden,
und nun von seinen Hülsen befreit zur Welt kom-
men kann; lebendig gebärende Thiere (vivipara).

Anm. Quae actu animal pariunt, vivipara di-
cuntur: quae potentia, ovipara. Harvey
.

Wie unwesentlich aber der Unterschied zwischen Eier-
legen und lebendig gebären sei, erweisen die Beispiele
der Blattläuse und Federbusch-Polypen, die sich nach
den verschiedenen Jahrszeiten bald auf die eine, bald auf
die andere Weise fortpflanzen; und mancher Schlangen,
die zwar Eier legen, in welchen aber schon das ganz aus-
gebildete Thier enthalten ist. Gewissermassen könnte man
mit diesem letztern Falle diejenigen Pflanzen vergleichen,
in deren reifen Samenkörnern ein grüner Pflanzenkeim
eingeschlossen liegt, wie z.B. bei den so genannten ägyp-
tischen Bohnen von der Nymphaea nelumbo.

§. 21.

Nachdem die organisirten Körper die Bestim-
mungen ihres Lebens erfüllt haben, so weicht endlich
alle Lebenskraft von ihnen, und sie sterben. Die
wenigsten aber erreichen das Ziel, das ihnen die Na-
tur zum Laufe ihres Lebens vorgesteckt hat, sondern
tausenderlei Zufälle verkürzen ihnen diesen Weg,
meist lange vor der bestimmten Zeit. So rechnet
man z.B., daß von 1000 in Europa gebohrnen Men-
schen nur ungefähr 78 für Alter sterben; und von den
großen furchtbaren Amphibien, Crocodilen, Riesen-
[Seite 30] schlangen etc. erreicht vielleicht nicht das tausendste sein
gesetztes Alter und Größe. Nach dem Tode der Thiere
und Pflanzen wird ihr Körper durch Gährung, Fäul-
niß oder Verbrennen, kurz durch die chemische Zer-
setzung seiner Urstoffe allmählich aufgelöset, mithin
ihr Organismus zerstört, und ihre Asche endlich mit
der übrigen Erde vermengt, die ihnen vorher Nah-
rung und Aufenthalt gegeben hatte.

* * *

Zur N. G. der organischen Körper überhaupt:

  1. Ch. Bonnet Considérations sur les corps organisés (im IIIten B).
    der Oeuvres).
  2. G. R. Treviranns Biologie etc. Göttingen seit 1802. 8.
* * *
  1. Gemälde der organischen Natur in ihrer Verbreitung auf der
    Erde. von J. B. Wilbrand und F. Aug. Ritgen.
    Gießen 1821. mit einer großen ausgemalten Charte und der
    Erklärung. 8.
  2. Dazu Wilbrand's Darstellung der gesammten Organisation.
    Das. 1809. II. B. 8.

Dritter Abschnitt.
Von den Thieren überhaupt.

[Seite 31]

§. 22.

So endlos vielartig die Bildung und der
Bau der Thiere ist, so scheinen sie doch sämmtlich
(oder höchstens bis auf wenige Ausnahmen mancher
so genannten Infusionstierchen etc.) den Mund
(§. 3.) mit einander gemein zu haben, durch welchen
sie dem Körper seine Nahrung zuführen: und statt
daß die Pflanzen ihren sehr einfachen Nahrungssaft
aus Luft, Wasser und Erde einsaugen, so ist hinge-
gen der Thiere ihr Futter äußerst mannigfaltig,
und wird beinahe ohne Ausnahme aus den organi-
sirten Reichen selbst entlehnt; und sie müssen es,
durch die peinlichen Gefühle des Hungers getrie-
ben, mittelst willkürlicher Bewegung zu sich
nehmen, um dadurch ihre Selbsterhaltung zu be-
wirken.

§. 23.

Bei den insgemein so genannten vollkomm-
neren
Thieren wird der abgesonderte Nahrungssaft
zuvor mit dem Blute, das in seinen Adern circu-
lirt, vermischt, und von da erst in die übrigen Be-
standtheile des Körpers abgesetzt. Dieses eigentlich so
genannte Blut ist von rother Farbe, aber in Rück-
sicht seiner Wärme bey den verschiedenen Classen
dieser rothblütigen Thiere von doppelter Verschie-
denheit. Bei den einen (nähmlich bey den Am-
phibien und Fischen) hält es meist ungefähr die
Temperatur des Mediums, in welchem sie sich be-
[Seite 32] finden, daher sie kaltblütig genannt werden.
Bei den andern aber, die deßhalb warmblütig
heißen (den Säugethieren und Vögeln), zeigt es in
ihrem vollkommen belebten Zustande immer eine
Wärme von unges. 100 Gr. Fahrenh. mehr oder
weniger. Der Saft hingegen, welcher bei den so
genannten weißblütigen Thielen die Stelle des
Bluts vertritt, unterscheidet sich besonders durch den
Mangel der rothen Kügelchen von jenem eigentlich
so genannten Blute.

§. 24.

Das Blut der Thiere mag nun aber weiß oder
roth, kalt oder warm seyn, so muß es im gesunden
Zustande immer mit frischen Portionen eines zum
Leben nothwendigen Stoffes (– des so genannten
Sauerstoffs) aus der atmosphärischen Luft oder
aus dem Wasser geschwängert werden, wogegen es
gleiche Portionen eines andern Stoffes (– des Koh-
lenstoffes –) aus dem Körper wiederum fortschafft.
Zu diesem merkwürdigen lebenswierigen Proceß in
dem belebten thierischen Laboratorium dient vorzüg-
lichst das Athemholen; welches die rothblütigen
Thiere entweder durch Lungen, oder wie die Fische
durch Kiemen; die weißblütigen aber mittelst mancher-
lei anderer analogen Organe verrichten.

§. 25.

Nur diejenigen Thiere, die mit Lungen versehen
sind, können auch Stimme (vox) von sich geben.
Der Mensch hat sich außer der ihm angebohrnen
Stimme auch noch die Rede (loquela) erfunden.

§. 26.

Die Organe, wodurch die willkürlichen Bewe-
gungen unmittelbar vollzogen werden, sind die Mus-
[Seite 33] keln, die bei den rothblütigen Thieren das eigent-
lich so genannte Fleisch ausmachen. Nur bei einigen
ganz einfach gebauten Thieren, wie die Polypen, sind
diese Bewegungs-Organe von dem übrigen gallerti-
gen Stoffe nicht zu unterscheiden.

§. 27.

Außerdem finden sich aber auch einige wenige
Muskeln, über welche der Wille nichts vermag.
So z.B. das Herz, als welches lebenslang un-
aufhörlich (– beim Menschen ungefähr 4500 Mahl
in jeder Stunde –), und zwar ohne wie andere
Muskeln zu ermüden, oder endlich zu schmerzen,
als Haupttriebfeder des Blutumlaufs, in seiner
schlagenden Bewegung ist.

§. 28.

Beide Arten von Muskeln aber, bis unwill-
kürlichen sowohl als die, so sich nach dem Ent-
schlusse des Willens bewegen, bedürfen zu diesem
ihren Bewegungsvermögen des Einflusses der
Nerven.

§. 29.

Diese Nerven entspringen aus dem Gehirn
und aus dem Rückenmark, und es scheint, daß die
Größe der beiden letztern in Vergleichung zur Dicke
der daraus entstehenden Nerven mit den Geistes-
kräften der Thiere im umgekehrten Verhältniß stehe*),
so daß der Mensch von allen das größte Gehirn, in
Vergleichung seiner sehr dünnen Nerven, hat; da
hingegen einfältige Thiere, wie z.B. die hieländi-
[Seite 34] schen Amphibien, dicke Nerven bei einem sehr klei-
nen Gehirne haben.

§. 30.

Außer dem Einfluß, den die Nerven auf die
Muskelbewegung haben, ist ihr zweytes Geschäft,
auch der Seele die äußern Eindrücke auf den thie-
rischen Körper, durch die Sinne mitzutheilen.
Die Beschaffenheit der Sinnwerkzeuge ist aber in
den verschiednen Thier-Classen selbst sehr verschie-
den. So erhalten z.B. viele Thiere offenbar aller-
hand sinnliche Eindrücke, ohne daß wir doch die
Sinnwerkzeuge an ihnen entdecken können, die bei
andern zu solchen Eindrücken nothwendig sind. Die
Schmeißfliege z.B. und viele andere Insecten haben
Geruch, ob wir gleich keine Nase an ihnen wahr-
nehmen u. dergl. m.

Anm. Manche haben die Zahl der fünf Sinne über-
haupt auf wenigere einschränken, andere hingegen dieselben
mit neuen vermehren wollen. Vanini z.B. und viele
nach ihm hielten das Gefühl bei Befriedigung des Sexual-
Triebes für einen sechsten Sinn. Jul. Cäs. Scaliger
das Gefühl beim Kitzeln unter den Achseln für einen
siebenten. So hielt achtens Spallanzani das Gefühl,
wodurch sich die Fledermäuse bei ihrem Flattern im Fin-
stern für den Anstoß sichern; so wie neuntens Darwin
das Gefühl für Wärme und Kälte für besondre Sinne.

§. 31.

Durch den anhaltenden Gebrauch werden Nerven
und Muskeln ermüdet, und sie brauchen von Zeit
zu Zeit Ruhe zur Sammlung neuer Kräfte, die
ihnen der Schlaf gewährt. Dem Menschen und
den mehresten von Gewächsen lebenden Thieren ist
die Nacht zu dieser Erholung angewiesen; doch
halten sich auch manche von diesen, wie z.B. der
Siebenschläfer etc., besonders aber viele Raubthiere,
[Seite 35] wohin zumal die mehresten Fische gehören, auch
manche Insecten und Gewürme, am Tage verbor-
gen und gehen des Nachts ihren Geschäften nach,
weßhalb sie animalia nocturna genannt werden.

§. 32.

Außer diesem Erholungsschlaf findet sich in der
Oekonomie vieler Thiere noch die sehr bequeme Ein-
richtung, daß sie einen beträchtlichen Theil des Jahrs,
und zwar gerade die rauhesten Monathe, da es ihnen
schwer werden würde, für ihre Erhaltung zu sor-
gen*), in einem tiefen Winterschlaf zubringen.
Sie verkriechen sich, wenn diese Zeit kommt, an
sichere, schaurige Orte; und fallen mit einbrechender
Kälte in eine Art von Erstarrung, aus der sie erst
durch die erwärmende Frühlingssonne wieder erweckt
werden. Diese Erstarrung ist so stark, daß die
warmblütigen Thiere während dieses Todtenschlafs
nur unmerkliche Wärme übrig behalten (– s. oben
S. 32. –), und daß die Puppen vieler Insecten,
die zu gleicher Zeit ihre Verwandlung bestehen, im
Winter oft so durchfroren sind, daß sie, dem Leben
des darin schlafenden Thieres unbeschadet, wie Eis-
zapfen oder Glas klingen, wenn man sie auf die
Erde fallen läßt.

So viel bekannt, hält doch kein einziger Vogel,
hingegen die mehresten Amphibien, Winterschlaf.

§. 33.

Von den Seelenfähigkeiten sind manche
dem Menschen mit den mehresten übrigen Thieren
gemein, wie z.B. die Vorstellungskraft, die
[Seite 36] Aufmerksamkeit, und so auch die beiden so
genannten innern Sinne, Gedächtniß nähmlich
und Einbildungskraft.

§. 34.

Andere sind fast bloß den übrigen Thieren eigen,
so daß sich beim Menschen nur wenige Spuren da-
von finden, nähmlich die so genannten Naturtriebe
oder Instincte. Dagegen er hinwiederum im
ausschließlichen Besitze der Vernunft ist.

§. 35.

Der Instinct*) ist das Vermögen der Thiere,
aus einem angebohrnen, unwillkürlichen, inneren
Drange, ohne allen Unterricht, von freien Stücken,
sich zweckmäßigen, und zu ihrer und ihres Geschlechts
Erhaltung abzielenden Handlungen zu unterziehen.

Daß diese wichtigen Handlungen wirklich ganz
unüberlegt, bloß nach ursprünglichen Gesetzen der
Nothwendigkeit, und gleichsam maschinenmäßig voll-
zogen werden, wird durch zahlreiche Bemerkungen
erweislich, wie z.B., daß die Hamster auch todten
Vögeln doch zuerst die Flügel zerbrechen, ehe sie
weiter anbeißen; daß junge Zugvögel, die man ganz
einsam im Zimmer erzogen hat, doch im Herbst den
innern Ruf zum Fortziehen fühlen, und im Käfich
bei allem guten Futter und Pflege unruhig werden.

§. 36.

[Seite 37]

Unter den mancherlei Arten dieser thierischen
Triebe sind besonders die so genannten Kunst-
triebe
merkwürdig, da sich nähmlich so viele warm-
blütige Thiere und Insecten ohne alle Anweisung
und ohne alle vorgängige Uebung*), (als welche bei
so vielen gar nicht Statt finden kann; wie z.B.
bei den Seidenwürmern etc., die nur Ein für alle
Mahl in ihrem Leben davon Gebrauch machen kön-
nen, und wo folglich schlechterdings erster Versuch
und Meisterstück Eins seyn muß), so ungemein künst-
liche Wohnungen, Nester, Gewebe etc. zu ihrem
Aufenthalte, zur Sicherheit für ihre Junge, zum
Fang ihres Raubes, und zu vielfachen andern Zwecken
zu verfertigen wissen.

§. 37.

Der Mensch zeigt außer den Sexualtrieben we-
nig andere Spuren von Instinct: angeborne Kunst-
triebe aber hat er vollends ganz und gar nicht.
Was ihn hingegen für diesen scheinbaren Mangel
entschädigt, ist der Gebrauch der Vernunft.

Diese mag nun entweder eine ausschließlich ei-
genthümliche Fähigkeit der menschlichen Seele, oder
aber ein unendlich stärkerer Grad einer Fähigkeit
seyn, wovon manche Thiere**) auch einige schwache
Spur hätten; oder eine eigne Richtung der ge-
sammten menschlichen Seelenkräfte u.s.w., so liegt
wenigstens der hohe Vorzug, den der Mensch durch
den Besitz derselben erhält, das Vermögen sich selbst
zu vervollkommnen, unwiderredlich am Tage.

[Seite 38]

Und da ihm die ganze bewohnbare Erde zum
Aufenthalt offen steht, und fast die ganze organi-
sirte Schöpfung zur Speise überlassen ist, so erzeugt
freilich eben die große Verschiedenheit der Climate,
die er bewohnen soll, und der Nahrung, die ihm
der Ort seines Aufenthalts gestattet, eben so ver-
schiedene Bedürfnisse, die er durch keinen einförmi-
gen Kunsttrieb, aber wohl durch den Gebrauch sei-
ner sich nach den Umständen gleichsam accommodi-
renden Vernunft auf eben so mannichfaltige Weise
zu stillen vermag.

§. 38.

Wie unendlich aber der Mensch schon durch die-
sen einzigen Vorzug über die ganze übrige thierische
Schöpfung erhoben werde, beweiset die unbeschränkte
Herrschaft, womit er über alle Triebe und über die
Lebensart, Haushaltung etc., mit einem Worte, über
das ganze Naturell dieser seiner Mitgeschöpfe
nach Willkür disponiren, die furchtbarsten Thiere
zähmen, ihre heftigsten Triebe dämpfen, sie zu den
kunstreichsten Handlungen abrichten kann u.s.w.

Anm. Um sich überhaupt zu überzeugen, wie sehr
der cultivirte Mensch Herr der übrigen Schöpfung auf
dieser Erde ist, braucht man sich bloß an die Umschaffung
zu erinnern, die er seit Entdeckung der neuen Welt mit
ihr und der alten wechselseitig vorgenommen hat! Was
für Gewächse und Thiere er aus dieser in jene überge-
pflanzt hat, wie z.B. Reis, Caffee etc., Pferde, Rind-
vieh etc. und was er v. v. von dorther nun wieder in sei-
nem Welttheile einheimisch gemacht, wie z.B. Cartoffeln,
Taback, wälsche Hühner u.s.w.

§. 39.

Am auffallendsten erweist sich die allein auf dem
Vorzug der Vernunft beruhende Herrschaft des Men-
schen über die übrige thierische Schöpfung durch die
[Seite 39] so genannten Hausthiere; worunter man in en-
gerer Bedeutung diejenigen warmblütigen Thiere ver-
steht, so der Mensch zu Befriedigung wichtiger Be-
dürfnisse und überhaupt zu beträchtlicher Benutzung
absichtlich ihrer Freiheit entzogen und sich unterjocht
hat. Im weitern Sinne kann man aber auch die
Bienen und Seidenwürmer, so wie die Cochenill-
Insecten dahin rechnen.

Anm. 1. Unter jenen Hausthieren im engern Sinne
ist eine dreyfache Verschiedenheit zu bemerken. Von man-
chen nähmlich hat der Mensch die ganze Gattung ihrem
freien Naturzustande entzogen, und sich unterwürfig ge-
macht, wie z.B. das Pferd. Von andern, die er sich
zwar auch ins Haus zieht, existirt doch aber noch die
ursprünglich wilde Stammrasse, wie vom Schwein,
Katze, Renthier, den beiderlei Camelen der alten Welt,
und dem so genannten Meiergeflügel. Der Elephant
endlich pflanzt sich gar nicht in der Gefangenschaft fort,
sondern jeder, der zum Dienst des Menschen gebraucht
werden soll, muß erst aus der Wildheit eingefangen,
gezähmt und abgerichtet werden.

Anm. 2. Die eigentlich so genannten Hausthiere va-
riiren zwar häufig in der Farbe; und manche der darunter
gehörigen Säugethiere zeichnen sich auch durch einen hän-
genden Schwanz und schlappe Ohren aus, aber keins von
beiden ist ein beständiges Kennzeichen der Unterjochung.
(– Ueber die Hausthiere s. mit mehreren den Gothai-
schen Hof-Kalender vom Jahre 1796. –)

§. 40.

Die zoologischen Systeme haben sich nach dem
Linnéischen vielartig gemehrt*). Nach diesem
wird das ganze Thierreich unter folgende sechs Clas-
sen gebracht:

[Seite 40]

I. Cl. Säugethiere (mammalia), Thiere mit
warmen rothen Blut, die ihre Junge lebendig
zur Welt bringen, und sie dann einige Zeit lang
mit Milch an Brüsten säugen.

II. Cl. Vögel, Thiere mit warmen rothen Blut,
die aber Eier legen, und Federn haben.

III. Cl. Amphibien, Thiere mit kaltem rothen
Blut, die durch Lungen Athem holen.

IV. Cl. Fische, Thiere mit kaltem rothen Blut,
die durch Kiemen, und nicht durch Lungen, athmen.

V. Cl. Insecten, Thiere mit kaltem weißen
Blut, die Fühlhörner (antennas) am Kopf und
eingelenkte (hornartige) Bewegungswerkzeuge haben.

VI. Cl. Gewürme (vermes), Thiere mit kaltem
weißen Blut, die keine Fühlhörner, sondern meist
Fühlfäden (tentacula) und wohl nie eingelenkte
Bewegungswerkzeuge haben.

* * *

Die beiden letztern Classen sind aber neuerlich, zumahl von
französischen Zoologen, und vor allen von Hrn. Bar. Cüvier
naturgemäßer in mehrere vertheilt und geordnet worden, wovon
weiter unten behörigen Ortes die Rede seyn wird.

* * *

Hauptquellen und andere Hülfsmittel zur Thierge-
schichte überhaupt.

  1. Aristoteles. – Histoire des animaux, avec des notes etc. par
    Camus. Par. 1793. II. vol. 4.
  2. Aristoteles N. G. der Thiere, mit Anm. von Fr. Strack.
    Frankf. 1816. 8.
  3. Conr. Gesneri icones quadrupedum viviparorum, it. avium et
    animalium aquatilium; cum nomenclaturis singulorum in
    linguis diversis Europae.
    ed
    . 2. Tig. 1560. fol.
  4. Aldrovandus.
  5. Jo. Jonston historia naturalis de animalibus. Francof. 1649–
    1653. fol.
  6. auch unter dem Titel: H. Ruysch (Frid. fil.) theatrum univer-
    sale omnium animalium
    . Amst. 1718. II. vol. fol.
  7. Ray.
  8. Buffon.
  9. G. Ad. Suckow Anfangsgründe der Naturgeschichte der (roth-
    blütigen) Thiere. Leipz. seit 1797. 8.
  10. G. Cuvier. tableau élémentaire de l'histoire naturelle des ani-
    maux.
    Par
    . 1798. 8.
  11. und Dess. Règne animal, distribué d'après son organisation.
    Par. 1817. IV. vol. 8.
  12. A. M. Const. Duméril zoologie analytique. Par. 1806. 8.
  13. Gotth. Fischer zoognosia etc. Mosq. 1813. III. vol. 4. und 8.
  14. Lor. Oken's Lehrbuch der N. G. IIIter Th. Leipz. 1816. Il. B. 8.
  15. G. Aug. Goldfuß, Handbuch der Zoologie. Nürnberg.
    1820. II. B. 8.
  16. P. A. Latreille Familles naturelles du règne animal. Par.
    1825. 8. überf. mit Anmerk. von Dr. Berthold. Weimar.
    1827. 8.
  17. J. B. Wilbrand Handbuch der Natur-
    geschichte des Thierreichs. Gießen 1829. 8.
* * *
  1. Deutschlands Fauna in Abbild. nach der Natur, mit Beschrei-
    bungen von Jac. Sturm. Nürnb. seit 1790. 12.
  2. Linnaei fauna Suecica ed. 2. Holm. 1761. 8.
  3. Th. Pennant's British zoology. Lond. 1768–1777. IV. vol. 8.
  4. und Dess. großes Kupferwerk unter gleichem Titel, ib. seit
    1763. gr. Fol.
  5. C. P. Cl. Fleurieu histoire naturelle des Oiseaux, des Pois-
    sons, des Cetacées, des Amphibies
    etc. marins,
    im IIten und
    IIIten Bande des voyage autour du monde par Et. Mar-
    chand.
    Par
    . 1800. 4.
* * *
  1. I. F. Brandt und I. T. C. Ratzeburg Darstellung und Be-
    schreibung der Thiere, die in der Arzneymittellehre in Betracht
    kommen. Berl. seit 1827. gr. 4.
* * *
  1. W. Elf. Leach's Zoological Miscellany. Lond. seit 1814. 8.
  2. The Zoological Journal by Th. Bell, Sowerby and N. A.
    Vigors. Lond
    . seit 1824. 8.

Vierter Abschnitt.
Von den Säugethieren.

[Seite 42]

§. 41.

Die Säugethiere haben das warme rothe Blut
mit den Vögeln gemein; aber sie gebären lebendige
Junge: und ihr Hauptcharakter, der sie von allen
übrigen Thieren unterscheidet, und von dem auch die
Benennung der ganzen Classe entlehnt ist, sind die
Brüste, wodurch die Weibchen ihre Junge mit
Milch ernähren. Die Anzahl und Lage der Brüste
ist verschieden. Meist sind ihrer noch Ein Mahl
so viel, als die Mutter gewöhnlicher Weise Junge
zur Welt bringt; und sie sitzen entweder an der
Brust, oder am Bauche, oder zwischen den Hin-
terbeinen.*)

§. 42.

Der Körper der allermehresten [wo nicht aller**)]
Säugethiere ist mit Haaren von sehr verschiede-
ner Stärke, Länge und Farbe besetzt; die auch bei
[Seite 43] einigen als Wolle gekräuselt, oder als Borsten
straff und struppig sind, oder gar wie beim Igel etc.
steife Stacheln bilden. Bei manchen sind die
Haare an besondern Stellen als Mähne oder Bart
verlängert; und bei einigen, wie bei den Pferden,
Hunden etc. stoßen sie an bestimmten Stellen in ent-
gegengesetzter Richtung an einander und machen so
genannte Nähte (suturas). Bei andern, wie
z.B. bei den Seehunden etc. ändert sich die Farbe
mit dem Alter. Auch sind manche durch die Kälte
(§. 16.) bei uns im strengen Winter, im Norden
aber Jahr aus Jahr ein, entweder grau, wie das
Eichhörnchen (Grauwerk), oder schneeweiß, wie das
große Wiesel (Hermelin) etc. Wenn hingegen diese
weiße Farbe zugleich mit lichtscheuen Augen und ro-
then Pupillen verbunden ist, wie bei den so genann-
ten Kackerlacken im Menschengeschlecht und unter
manchen anderen Gattungen von warmblütigen Thie-
ren, so ist es die Folge einer wirklich kränklichen
Schwäche.

§. 43.

Der Aufenthalt der Säugethiere ist sehr ver-
schieden. Die mehresten leben auf der Erde;
manche, wie die Affen, Eichhörnchen etc., fast bloß
auf Bäumen; einige, wie der Maulwurf, als ei-
gentliche animalia subterranea, unter der Erde;
andere bald auf dem Lande, bald im Wasser, wie
die Biber, Seebären; und noch andere endlich bloß
im Wasser, wie die Wallfische. – Hiernach sind
nun auch ihre Füße oder ähnliche Bewegungswerk-
zeuge verschieden. Die mehresten haben vier Füße;
der Mensch nur zwei, aber auch zwei Hände; die
Affen hingegen vier Hände. Die Finger und Zehen
derjenigen Säugethiere, die im Wasser und auf dem
Lande zugleich leben, sind durch eine Schwimmhaut
[Seite 44] verbunden. Bei den Fledermäusen sind sie an den
Vorderfüßen ungemein lang und dünne; und zwischen
ihnen ist eine zarte Haut ausgespannt, die zum Flat-
tern dient. Die Füße mancher Wasserthiere aus die-
ser Classe sind zum Rudern eingerichtet, und bei
den Wallfischen ähneln sie gar einiger Maaßen den
Flossen der Fische; doch daß die Hinterflossen ohne
Knochen sind, und horizontal, nicht wie ein Fisch-
schwanz vertikal, liegen. Einige wenige Säuge-
thiere (solidungula) haben Hufe; viele aber (bisulca)
gespaltene Klauen. Die mehresten gehen (zumahl
mit den Hinterfüßen) bloß auf den Zehen; einige
aber, wie der Mensch, und gewisser Maaßen auch
die Affen, Bären, Elephanten u.a.m. auf der gan-
zen Fußsohle bis zur Ferse.

§. 44.

Die wahren Ameisenbären, die Schuppenthiere,
und einige Wallfische ausgenommen, sind die übri-
gen Säugethiere mit Zähnen versehen, die man
in Vorderzähne*) (primores s. incisores.), Eckzähne
oder Spitzzähne (caninos s. laniaros), und Backen-
zähne (molares) eintheilt. Die letztern zumahl sind
nach der verschiedenen Nahrung dieser Thiere auch
verschiedentlich gebildet. Bei den fleischfressenden
nähmlich ist die Krone scharfkantig, fast schneidend;
bei den grasfressenden oben breit und eingefurcht;
und bei denen, die sich, so wie der Mensch, aus
[Seite 45] beiden organisirten Reichen nähren, in der Mitte ein-
gedruckt, und an den Ecken abgerundet.

Manche Säugethiere, wie z.B. der Elephant
und der Narhwal, haben große prominirende Stoß-
zähne (dentes exserti); andere, wie z.B. das
Wallroß, Hauzähne.

§. 45.

Bloß unter den Säugethieren, und zwar nur
unter den grasfressenden, gibt es wirklich wieder-
kauende
Gattungen, bei welchen nähmlich das zu-
erst bloß obenhin zerbissene und geschluckte Futter bis-
senweise wieder durch den Schlund zurückgetrieben,
und nun erst recht durchkaut und dann zum zweyten
Mahl geschluckt wird.

Zu diesem Zweck haben die wiederkauenden Thiere
eine eigene Einrichtung des Gebisses; indem ihre
Backenzähne wie mit sägeförmigen Querfurchen aus-
geschnitten sind, und die Kronen derselben nicht ho-
rizontal liegen, sondern schräg ausgeschlägelt sind,
so daß an denen im Oberkiefer die Außenseite, an
denen im untern aber die nach der Zunge hin gerich-
tete innere Seite die höchste ist. Dabei haben sie
einen schmalen Unterkiefer, der eine sehr freie Sei-
tenbewegung gestattet, wodurch denn, wie der Au-
genschein lehrt, der Mechanismus dieser sonderbaren
Verrichtung von dieser Seite bewirkt wird.

Anm. 1. Bei den ruminantibus, die zugleich ge-
spaltene Klauen haben (bisulca), kommt nun außerdem
noch der vierfache Magen hinzu, dessen innerer Bau
und Mechanismus überaus merkwürdig ist. Das zum
ersten Mahl geschluckte noch halb rohe Futter gelangt
nähmlich in den ungeheuern ersten Magen (rumen,
magnus venter
, franz. le double, l'herbe, la panse,
der Pansen, Wanst), als in ein Magazin, worin es nur
ein wenig durchweicht wird. Von da wird eine kleine
[Seite 46] Portion dieses Futters nach der andern mittelst des
zweyten Magens (reticulum, franz. le bonnet, le
reseau,
die Haube, Mütze, das Garn), der gleichsam
nur ein Anhang des ersten ist, aufgefaßt und wieder durch
den Schlund hinauf getrieben. Nun wird der wiederge-
kaute, zum zweyten Mahl geschluckte Bissen durch eine
besondere Rinne, ohne wieder durch die beiden ersten Mä-
gen zu passiren, gleich aus dem Schlunde in den drit-
ten
(echinus, centipellio, omasus, franz. le feuillet,
le pseautier
, das Buch, der Psalter, der Blättermagen)
geleitet, wo er von da endlich zur völligen Verdauung
in den vierten (abomasus, franz. la caillette, der
Laab, die Ruthe, der Fettmagen) gelangt, der dem Ma-
gen anderer Säugethiere am nächsten kommt.*)

Anm. 2. Der allgemeine, auf alle wiederkauende
Thiere überhaupt passende Haupt-Nutzen der Rumination
scheint mir noch unbekannt.

§. 46.

Außer den Klauen, Zähnen etc. sind viele Säu-
gethiere auch mit Hörnern als Waffen versehen.
Bei einigen Gattungen, wie beim Hirsch, Reh etc.
sind die Weibchen ungehörnt; bei andern, wie beim
Renthier und im Ziegengeschlecht, sind ihre Hörner
doch kleiner als der Männchen ihre. Anzahl, Form
und Lage, besonders aber die Textur der Hörner,
ist sehr verschieden. Beim Ochsen-, Ziegen- und
Gazellengeschlecht sind sie hohl, und sitzen wie eine
Scheide über einem knöchernen Zapfen oder Fort-
satz des Stirnbeins. Die Hörner der beiderlei Rhi-
nocer sind dicht, und bloß mit der Haut auf der
Nase verwachsen. Beim Hirschgeschlecht hingegen
sind sie zwar ebenfalls solide, aber von mehr knochen-
artiger Textur, und ästig. Sie heißen dann Ge-
weihe
, und werden gewöhnlich alljährlich abgeworfen
und neue an ihrer Statt reproducirt.

[Seite 47]

§. 47.

Die Oeffnung des Afters wird bei den mehresten
Säugethieren durch den Schwanz bedeckt, der eine
Fortsetzung des Kuckucksbeins (coccyx), und von
mannichfaltiger Bildung und Gebrauch ist. Er dient
z.B. manchen Thieren sich der stechenden Insecten
zu erwehren; vielen Meerkatzen und einigen andern
americanischen und Neu-holländischen Thieren statt
einer Hand, um sich daran halten, oder damit fassen
zu können (cauda prehensilis, Rollschwanz); den
Springhasen zum Springen (cauda saltatoria); dem
Kängaruh zum Gleichgewicht bei seinem aufrechten
Sitzen und zur Vertheidigung etc.

§. 48.

Auch sind am Körper einiger Thiere dieser Classe
besondere Beutel von verschiedener Bestimmung
zu merken. So haben viele Affen, Paviane, Meer-
katzen, auch der Hamster u.a., Backentaschen (the-
sauros
), um Proviant darin einschleppen zu können.
Beim Weibchen der Beutelthiere liegen die Zitzen
in einer besondern Tasche am Bauche, worein sich
die saugenden Jungen verkriechen.

§. 49.

Manche Säugethiere, wie z.B. die mehresten
größern grasfressenden, sind gewöhnlich nur mit Einem
Jungen auf einmahl trächtig; andere hingegen,
wie z.B. die Raubthiere, und die Schweine mit
mehreren zugleich.

Die Leibesfrucht steht mit der Mutter durch
die so genannte Nachgeburt (secundinae) in Ver-
bindung, welche aber von verschiedener Gestaltung
ist; da sie z.B. im Menschengeschlecht einen ein-
fachen größern Mutterkuchen (placenta) bildet,
[Seite 48] hingegen bei den wiederkauenden Thieren mit gespal-
tenen Klauen (bisulca) in mehrere, theils sehr zahl-
reiche, zerstreute kleine solche Verbindungsorgane.
(cotyledones) vertheilt ist u.s.w.

§. 50.

Die Wichtigkeit der Thiere überhaupt läßt
sich hauptsächlich aus einem zweyfachen Gesichts-
puncte bestimmen; entweder nähmlich, in sofern sie
auf die Haushaltung der Natur im Großen, auf
den ganzen Gang der Schöpfung Einfluß haben;
oder in sofern sie dem Menschen unmittelbar nutzbar
werden. Aus jener Rücksicht sind, wie wir unten
sehen werden, die Insecten und Gewürme die bei
weiten wichtigsten Geschöpfe; aus dieser hingegen die
Säugethiere; und zwar sowohl wegen der Größe
als der Vielartigkeit ihrer Benutzung. Die Ver-
schiedenheit in ihrer Bildung, ihre große Gelehrig-
keit, ihre Stärke u.s.w. machen sie für den Men-
schen auf die mannichfaltigste Weise brauchbar*).
Aus keiner andern Classe von Thieren hat er sich
so treue, dienstfertige und arbeitsame Gehülfen zu
schaffen gewußt; keine ist ihm zu seinem unmittel-
baren Gebrauch und zu seiner Selbsterhaltung so
unentbehrlich als diese. – Ganze Völker des Erd-
bodens können mit einer einzigen Art von Säuge-
thieren fast alle ihre dringendsten Bedürfnisse be-
friedigen. So die Grönländer mit dem Seehund;
die Lappen, Tungusen etc. mit dem Renthier; die
Aleuten mit dem Wallfisch.

§. 51.

[Seite 49]

Die vielfache Brauchbarkeit der Säugethiere
fürs das Menschengeschlecht reducirt sich vorzüglich
auf folgendes. Zum Reiten, zum Zug, Acker-
bau, Lasttragen
u.s.w.: Pferde, Maulthiere,
Esel, Ochsen, Büffel, Renthiere, Elephanten, Ca-
mele, Llamas, Hunde. Zur Jagd zum Be-
wachen
etc.: Hunde. Zum Mausen und Vertilgen
anderer schädlichen Thiere: Katzen, Igel, Ameisen-
bären etc. Zur Speise: das Fleisch vom Rind-
vieh, Schafen, Ziegen, Schweinen, vom Hirschge-
schlecht, von Hasen, Kaninchen u.s.w. Ferner
Speck, Schmalz, Blut, Milch, Butter, Käse.
Zur Kleidung, zu Decken, Zelten etc. Pelz-
werk, Leder, Haare, Wolle etc. Zum Brennen:
Talg, Thran, Wallrath. Zum Schreiben,
Bücherbinden etc.: Pergament, Leder. Für an-
dere Künstler und zu allerhand Gebrauch:
Borsten, Haar, Geweihe, Hörner, Klauen, Elfen-
bein u.a. Zähne, Fischbein, Knochen, Blasen,
Därme, Sehnen und Knochen zu Tischerleim.
Därme zu Saiten. Blut zu Berlinerblau u.a.
Farben. Knochen und Huf Mark zu Seife.
Mist zum Dünger, zur Feuerung, zu Sal-
miak
etc. Endlich zur Arznei: Bisam, Bibergeil,
Hirschhorn, Milch etc.

§. 52.

Von der andern Seite sind aber freilich meh-
rere Thiere dieser Classe dem Menschengeschlecht un-
mittelbar oder mittelbar nachtheilig. Manche
reißende Thiere, besonders aus dem Katzen-Ge-
schlecht, fallen Menschen an. Eben diese und
noch manche andere, z.B. die Wiesel, Marder,
[Seite 50] Iltisse, Vielfraße, Fischottern, Wallfische etc. vertil-
gen viele nutzbare Thiere: – oder schaden den
Gewächsen, Bäumen, Gartenfrüchten, dem
Getreide u.s.w. wie die Feldmäuse, Hamster,
Lemming, Hirsche, Hasen, Biber, Affen, Elephan-
ten, Rhinocer, Nilpferde etc. oder gehen andern
Eßwaren nach; wie Ratten, Mäuse, Fleder-
mäuse u.s.w. Gift scheint (außer etwa dem männ-
lichen Schnabelthier, dessen Sporn am Hinterfuße für
giftig gehalten worden) kein anderes Thier dieser
Classe im gefunden Zustande zu besitzen.

§. 53.

Man hat verschiedene künstliche, d.h. bloß
von einzelnen zum Classificationsgrunde gelegten Cha-
raktern entlehnte Systeme (systemata artificialia),
nach welchen verdiente Naturforscher die Säugethiere
zu ordnen versucht haben. Aristotelis Einthei-
lung z.B. ist bloß auf die allgemeinste Verschieden-
heit der Zehen und Klauen gegründet, und die haben
auch Ray u.a. zum Grunde gelegt, und nach der
Zahl der Zehen etc. weiter bearbeitet. Aber hierbei
müssen die verwandtesten und im Ganzen noch so
ähnlichen Gattungen von Ameisenbären, Faulthie-
ren etc. getrennt, und in ganz verschiedene Ordnun-
gen versetzt werden, bloß weil die eine mehr, die
andere weniger Zehen hat. Linné hat die Zähne
zum Classificationsgrund gewählt, ein Weg, auf
dem man aber nicht minder, bald auf die unnatür-
lichsten Trennungen, bald auf die sonderbarsten Ver-
bindungen stößt*). Das Geschlecht der Fledermäuse
muß nach seinem Entwurf, wegen des verschiedenen
[Seite 51] Gebisses bei einigen Gattungen, wenigstens in drey
verschiedene Ordnungen zerstückt werden; so die bei-
derlei Nashörner in zwey; – dagegen kommt der
Elephant mit den Panzerthieren, und dem formosa-
nischen Teufelchen in eine gemeinschaftliche Ordnung etc.

§. 54.

Ich habe daher ein im Ganzen natürlicheres
System der Säugethiere zu entwerfen getrachtet,
wobei ich mehr auf den Totalhabitus dieser
Thiere gesehen, doch vorzüglich die Bewegungswerk-
zeuge, weil sie am leichtesten in die Augen fallen
und dem Totalhabitus sehr angemessen sind, zum
Grund der Ordnungen gelegt, aber zwey derselben,
welche vielartige Geschöpfe begreifen, wieder nach
der Verschiedenheit ihres Gebisses in einige Familien
unterabgetheilt, und diese mit den bekannten Namen
einiger Linnéischen Ordnungen bezeichnet: und so die
ganze Classe folgende Maaßen geordnet.

I. Ordn. Bimanus. Der Mensch mit zwey Händen.

II. Quadrumana. Thiere mit vier Händen. Affen,
Paviane, Meerkatzen und Makis.

III. Chiroptera. Die Säugethiere, deren Vorderfüße
Flatterhäute bilden (§. 43.). Die Fledermäuse.

IV. Digitata. Säugethiere mit freien Zehen an
allen vier Füßen. – Diese Ordnung zerfällt nach
der Verschiedenheit des Gebisses in folgende drey
Familien:

A) Glires. Mit mauseähnlichem Gebiß. Eich-
hörnchen, Hasel- und andere Mäuse, Murmel-
thiere, Meerschweinchen u.s.w. Springmäuse,
Hasen, Stachelschweine.

B) Ferae. Die eigentlich so genannten reißenden
Thiere und einige andere Geschlechter mit ähn-
[Seite 52] lichem Gebiß. Löwen etc., Hunde etc., Bären,
Wiesel, Viverren, Beutelthiere, Igel, Spitz-
mäuse, Maulwürfe.

C) Bruta. Ohne Gebiß, oder wenigstens ohne
Vorderzähne etc. Faulthiere, Ameisenbären,
Schuppenthiere, Panzerthiere.

V. Solidungula. Pferd etc.

VI. Bisulca. Die wiederkauenden Thiere mit ge-
spaltenen Klauen.

VII. Multungula. Meist sehr große, aber un-
förmliche, borstige oder dünnbehaarte Säugethiere
mit mehr als zwey Klauen an jedem Fuß.
Schweine (denn auch diese haben im Grunde vier
Klauen), Tapir, Elephanten, Nashörner, Nilpferd.

VIII. Palmata. Säugethiere mit Schwimmfüßen.
Wieder nach der Verschiedenheit ihres Gebisses in
obgedachte drey Familien getheilt.

A) Glires. Biber.

B) Ferae. Seehunde etc., Ottern.

C) Bruta. Das Schnabelthier, Wallroß, der
Manate.

Letzterer macht von hier den schicklichten Ueber-
gang zur letzten Ordnung.

IX. Cetacea. Wallfische. Warmblütige Thiere,
die mit den kaltblütigen Fischen fast nichts als
den unschicklichen Namen gemein haben, und de-
ren natürliche Verbindung mit den übrigen Säu-
gethieren schon Ray vollkommen richtig einge-
sehen hat*).

* * *

Zur N. G. der Säugethiere.

[Seite 53]
  1. Conr. Gesneri historiae animalium L. I. de quadrupedibus vi-
    viparis.
    Basil
    . 1551. fol.
  2. Ul. Aldrovandi de quadrupedibus digitatis viviparis L. III.
    Bouon. 1627. fol.
  3. Id. de quadrupedibus solidipedibus. ib. 1616. fol.
  4. Id. de quadrupedibus bisulcis. ib. 1613. fol.
  5. Ej. de cetis L. I. (am Ende seines Werks de piscibus). ib.
    eod. fol.
  6. Jo. Raii synopsis animalium quadrupedum. Lond. 1693. 8.
  7. Buffon.
  8. Th. Pennant's history of quadrupeds. Lond. 1781. II. vol. 4.
  9. Deutsch (mit Zusätzen von I. M. Bechstein). Weimar.
    1799. II. B. 4.
  10. Ej. arctic zoology vol. I. ib. 1784. 8.
  11. J. Ch. Dan. v. Schreber Säugethiere. Erlang. seit 1774. 4.
  12. J. Chr. Pol. Erxleben systema mammalium. Lips. 1777. 8.
  13. E. A. W. v. Zimmermann geographische Geschichte des Men-
    schen, und der allgemein verbreiteten vierfüßigen Thiere.
    Leipz. 1778. III. B. 8.
  14. J. M. Bechstein's gemeinnützige N. G. Deutschlands. I. B.
    Leipz. 1789. 8.
  15. A general history of Quadrupeds. The figures engraved on
    wood by
    Th. Bewick. Newcastle upon Tyne
    1790. 8.
  16. Fr. Tiedemann's Zoologie. I. B. Landshut. 1808. 8.
  17. C. Illigeri prodromus systematis mammalium et avium. Berol.
    1811. 8.
  18. J. Bapt. Fischer. synopsis mammalium. Stuttg. 1829. 8.
  19. Histoire naturelle des mammifères, par Geoffroy St. Hilaire
    et Fr. Cuvier, publiée par C. de Lasteyrie. Par. seit
    1819. gr. Fol.
  20. J. C. Temminck monographies de mammalogie. Par. seit 1824. 4.

I. BIMANUS.

[Seite 54]

1. Homo. Erectus, bimanus. Mentum promi-
nulum. Dentes aequaliter approximati; inci-
sores inferiores erecti.

1. †. Sapiens*).

Zu den äußern Kennzeichen, wodurch der Mensch
selbst vom menschenähnlichsten Affen, geschweige von
den übrigen Thieren zu unterscheiden ist, gehört vorzüg-
lich sein aufrechter Gang (als wozu sein ganzer
Wuchs und Bildung, besonders aber seine beckenähn-
lichen Hüftknochen, das Verhältniß seiner Schenkel zu
den Armen und seine breiten Fußsohlen, eingerichtet
sind), dann der freieste Gebrauch zweyer vollkom-
menen Hände
; ferner sein prominirendes Kinn
und die aufrechte Stellung seiner untern
Schneidezähne.

Das weibliche Geschlecht hat (außer der ihm in der
Blüthe des Lebens eigenen Form des Busens) noch
ein Paar eigenthümliche Charaktere, die dem männ-
lichen und allen übrigen Thieren abgehen, nähmlich ei-
nen periodischen Blutverlust in einer bestimmten
Reihe von Lebensjahren; und dann einen besondern
Theil an den Sexual-Organen, dessen Mangel oder
Zerstörung als ein körperliches Kennzeichen der ver-
letzten jungfräulichen Integrität anzusehen, und in
der Form und Lage bei andern weiblichen Thieren nicht
gefunden ist.

Was aber die Seelenfähigkeiten des Menschen be-
trifft, so hat er außer dem Begattungstriebe wenig
Spuren von Instinct (§. 34. u. f.), Kunsttriebe
aber (§. 36.) schlechterdings gar nicht. Dagegen ist
er ausschließlich im Besitz der Vernunft (§. 37.),
und der dadurch von ihm selbst erfundenen Rede oder
Sprache (loquela), die nicht mit der bloß thierischen
[Seite 55] Stimme (vox) verwechselt werden darf (§. 25.), als
welche auch den ganz jungen und selbst den stummge-
bornen Kindern zukommt. Und so folgt aus jenen bei-
den ausschließlichen Vorzügen das große ausschließliche
Eigenthum der Menschenspecies, wodurch sie über die
ganze übrige thierische Schöpfung erhoben wird, das
Vermögen sich selbst zu vervollkommnen
(§. 37.)

* * *

Der Mensch ist für sich ein wehrloses, hülfsbe-
dürftiges
Geschöpf. Kein anderes Thier außer ihm
bleibt so lange Kind, keins kriegt so sehr spät erst sein
Gebiß, lernt so sehr spät erst auf seinen Füßen stehen,
keins wird so sehr spät mannbar u.s.w. Selbst
eine großen Vorzüge, Vernunft und Sprache, sind nur
Keime, die sich nicht von selbst, sondern erst durch
fremde Hülfe, Cultur und Erziehung entwickeln können;
daher denn bei dieser Hülfsbedürftigkeit und bei die-
sen zahllosen dringenden Bedürfnissen die allgemeine na-
türliche Bestimmung des Menschen zur gesellschaft-
lichen Verbindung
. – Nicht ganz so allgemein läßt
sich hingegen vor der Hand noch entscheiden, ob in
allen Welttheilen die Proportion in der Anzahl der ge-
bornen Knäbchen und Mädchen, und die Dauer der
Zeit der Fortpflanzungsfähigkeit bei beiden Geschlechtern
so gleich sei, daß der Mensch überall so wie in Eu-
ropa
zur Monogamie bestimmt werde*).

Sein Aufenthalt und seine Nahrung sind beide
unbeschränkt; er bewohnt die ganze bewohnbare Erde,
und nährt sich mit den vielartigsten Stoffen aus dem
weitesten Umfang der organisirten Schöpfung. Und in
Verhältniß zu seiner mäßigen körperlichen Größe, und
in Vergleich mit andern Säugethieren erreicht er ein
ausnehmend hohes Alter.

* * *

Es gibt nur eine Gattung (species) im Menschenge-
schlecht; und alle uns bekannten Völker aller Zeiten und
aller Himmelsstriche können von einer gemeinschaftlichen
Stammrasse abstammen**). Alle National-Verschieden-
[Seite 56] heiten in Bildung und Farbe des menschlichen Körpers
sind um nichts auffallender oder unbegreiflicher als die,
worin so viele andere Gattungen von organisirten Kör-
pern, zumahl unter den Hausthieren, gleichsam unter
unsern Augen ausarten. Alle diese Verschiedenheiten
fließen aber durch so mancherlei Abstufungen und Ueber-
gänge so unvermerkt zusammen, daß sich daher auch
keine andre, als sehr willkürliche Gränzen zwischen ih-
nen festsetzen lassen. Doch habe ich das ganze Men-
schengeschlecht noch am füglichsten unter folgende fünf
Rassen*) zu bringen geglaubt:

1) Die caucasische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 3. und 51.

von mehr oder weniger weißer Farbe mit rothen Wan-
gen, langem, weichem, nußbraunem Haar (das aber
einerseits ins Blonde, anderseits ins Schwarze über-
geht); und der nach den europäischen Begriffen von
Schönheit musterhaftesten Schedel- und Gesichts-
Form. Es gehören dahin die Europäer mit Aus-
nahme der Lappen; dann die westlichern Asia-
ten
, dießseits des Ob, des caspischen Meers und
des Ganges; nebst den Nordafricanern; – also
ungefähr die Bewohner der den alten Griechen und
Römern bekannten Welt.

2) Die mongolische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 1.

meist waizengelb (theils wie gekochte Quitten, oder
wie getrocknete Citronenschalen); mit wenigem, straf-
fem, schwarzem Haar; enggeschlitzten aber gleichsam
aufgedunsenen Augenliedern; plattem Gesicht; und
seitwärts eminirenden Backenknochen. Diese Rasse
begreift die übrigen Asiaten, mit Ausnahme der
Malayen; dann in Europa die Lappen, und im
nördlichen America, von der Beringsstraße bis La-
brador, die Eskimos.

3) Die äthiopische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 5.

[Seite 57]

mehr oder weniger schwarz; mit schwarzem, krausem
Haar; vorwärts prominirenden Kiefern, wulstigen
Lippen und stumpfer Nase. Dahin die übrigen
Africaner, namentlich die Neger, die sich dann
durch die Fulahs in die Mauren etc. verlieren, so wie
jede andere Menschen-Varietät mit ihren benachbarten
Völkerschaften gleichsam zusammen fließt.

4) Die americanische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 2.

meist lohfarb oder zimmtbraun (theils wie Eisenrost
oder angelaufenes Kupfer); mit schlichtem, straffem,
schwarzem Haar, und breitem aber nicht plattem Ge-
sicht, sondern stark ausgewirkten Zügen. Begreift die
übrigen Americaner außer den Eskimos.

5) Die malayische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 4.

von brauner Farbe (einerseits bis ins helle Maha-
goni, anderseits bis ins dunkelste Nelken- und Ca-
stanienbraun); mit dichtem, schwarzlockigem Haarwuchs;
breiter Nase; großem Mund. Dahin gehören die
Südsee-Insulaner oder die Bewohner des fünf-
ten Welttheils und der Marianen, Philippinen, Mo-
lucken, sundaischen Inseln etc., nebst den eigent-
lichen Malayen
*).

Von diesen fünf Haupt-Rassen muß nach allen physio-
logischen Gründen die caucasische als die so genannte
Stamm- oder Mittel-Rasse angenommen wer-
den. Die beiden Extreme, worin sie ausgeartet,
ist einerseits die mongolische, anderseits die äthio-
[Seite 58] pische. Die andern zwey Rassen machen die Ueber-
gänge
. Die americanische den, zwischen der cauca-
sischen und mongolischen, so wie die malayische den,
zwischen jener Mittel-Rasse und der äthiopischen*).

* * *

Alle den fabelhaften Wust herzuzählen, womit die Men-
schen die N. G. ihres Geschlechts verunreinigt haben,
lohnt sich jetzt nicht der Mühe; – doch nur Weni-
ges von vielem.

Die vermeintlichen patagonischen Riesen z.B.
sind, von Magellan's Zeiten bis auf die unfri-
gen, in den Erzählungen der Reisenden, von zwölf
Fuß zu siebentehalb eingekrochen, und bleiben also
wenig größer als jeder andere Mensch von guter
Statur.

Und daß die noch neuerlich von Commerson für ein
Zwergvölkchen ausgegebenen Quimos auf Mada-
gascar nichts weiter sind als eine Art Cretine, d.h.
kleine Blödsinnige mit dicken Köpfen und langen Ar-
men (dergleichen sich im Salzburgischen, so wie im
Walliserlande, zumahl aber im Piemontesischen in
Menge finden), wird bei pathologischer Prüfung
mehr als bloß wahrscheinlich.

[Seite 59]

Eben so sind die Kackerlacken, Blafards, Albinos,
oder weißen Mohren*) nicht ein Mahl eine Spiel-
art, geschweige eine besondere Gattung, sondern
gleichfalls Patienten, deren Geschichte mehr in die
Pathologie als in die Naturhistorie gehört.

Linné's Homo troglodytes ist ein unbegreifliches Ge-
misch aus der Geschichte jener preßhaften kränklichen
weißen Mohren, und des Orang utangs: – sein
Homo lar hingegen ein wahrer Affe.

Die in Wildniß unter Thieren erwachsenen Kinder**)
sind klägliche sittliche Monstra, die man eben so we-
nig, als andere durch Krankheit oder Zufall entstellte
Menschen, zum Muster des Meisterstücks der Schö-
pfung anführen darf.

Geschwänzte Völker, von Natur geschürzte Hot-
tentottinnen, die vorgebliche natürliche Bart-
losigkeit der Americaner***), die Sirenen, Cen-
tauren, und alle Fabeln von gleichem Schrot und
Korn, verzeihen wir der gutherzigen Leichtgläubig-
keit unserer lieben Alten.


[Seite 60]

II. QUADRUMANA.

Säugethiere mit vier Händen, wie es ihre Le-
bensart und ihr Aufenthalt auf den Bäumen erfor-
dert. Sie sind ursprünglich wohl bloß zwischen den
Wendezirkeln zu Hause*).

2. Simia. Affe. Habitus plus minus anthro-
pomorphus, auriculae et manus fere humanae.
Nares anteriores. Dentes
primores incisores,
supra et infra
4. laniarii solitarii, reliquis
longiores
.

Bloß in der alten Welt, zwar menschenähnlicher als
die Thiere der nächstfolgenden Geschlechter, doch aber
außer dem schon beim Menschengeschlecht angeführten
Umständen, in ihrer ganzen Bildung, besonders auch
durch die schmalen Hüften und platten Lenden, aufs das
auffallend-sichtlichste vom Menschen unterschieden.

a) Ungeschwänzte.

1. Satyrus, der Orang utan, Pongo**). S.
rufa, pilis longis raris, capite globoso, fronte
tumida, auriculis minoribus.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 12 und 52.

[Seite 61]

Wie es scheint bloß auf Borneo und Sumatra, und
auch da in geringer Anzahl*); läßt sich, wenn er
ganz jung eingefangen worden, so wie der Schimpansee
und andere Affen auch, zu allerhand künstlichen Hand-
lungen abrichten, die man aber von seinem natürlichen
Betragen genau unterscheiden muß.

Ist, wie Camper aus der Zergliederung eines solchen
Thiers gezeigt, weder einer menschlichen Rede, noch
eines natürlichen aufrechten Ganges fähig.

2. Troglodytes. der Schimpansee, Barris. S.
nigra, macrocephala, torosa, auriculis magnis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 11.

Im Innern von Angola, Congo etc. und tiefer land-
einwärts; ungefähr von der Größe eines dreyjährigen
Buben.

3. Lar. der Gibbon, Golok, Wouwou. (Lin-
né's
Homo lar). S. brachiis longissimis, talos
attingentibus.

Schreber. tab. 3.

Auf beiden indischen Halbinseln, auch auf den Mo-
lucken; hat ein rundliches, ziemlich menschenähnliches
Gesicht, aber ganz auffallend lange Arme, und ist von
schwärzlicher Farbe.

4. Sylvanus. der gemeine türkische Affe. S.
brachiis corpore brevioribus, natibus calvis, ca-
pite subrotundo.

Schreber. tab. 4.

In Nordafrica, Ostindien etc. Unter den ungeschwänz-
ten Affen der gemeinste und dauerhafteste; der auch
leicht in Europa Junge heckt; ist sehr gelehrig etc. Wohl
kaum vom inuus (Büffon's magot) verschieden. Ist auch
[Seite 62] auf Gibraltar verwildert, und hat sich da im Freien
fortgepflanzt.

b) Geschwänzte.

5. Rostrata. der langnasige Affe, Kahau,
Bantagan-Affe, Bantanian, (Fr. le na-
sique, la guenon à long nez
. Engl. the Pro-
boscis Monkey
). S. cauda mediocri, naso elon-
gato, rostrato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 13.

Auf den sundaischen Inseln. Eine simia. die nicht
sima ist, sondern sich durch eine lange rüsselförmige
Nase auffallend auszeichnet.

6. Silenus. der Bartaffe, Wanduru. S. caudata,
barbata nigra, barba incana prolixa.

Schreber. tab. 11.

Auf Ceilon etc. Aeltere ganz kenntliche Abbildun-
gen*) dieses Affen sind durch Verschönerung von spä-
tern Copisten**) zum vorgeblichen geschwänzten Menschen
umgestaltet worden.

7. Cynomulgus. der Macacco, die (insgemein so
genannte) Meerkatze. S. cauda longa, arcuata,
naribus bifidis elatis.

Schreber. tab. 12.

Auf Guinea, Angola etc. beinahe olivengrün. Wird
unter den geschwänzten wahren Affen am häufigsten
nach Europa gebracht.

3. Papio. Pavian. (Fr. babouin. Engl. ba-
boon
). Facies prolongata, minus anthropomor-
pha, nasus utrinque tuberosus, nates nudae,
coccineae, cauda
(plerisque) abbreviata. Den-
tes ut in simiis.

[Seite 63]

Auch bloß in der alten Welt. Ihr Kopf hat we-
nig menschenähnliches, bei manchen eher etwas vom
Schwein, zumahl in der Schnauze. Meist sind es un-
bändige, und äußerst geile Thiere.

1. Hamadryas. der Hundskopf. (Cynocephalus.
Fr. le Tartarin). P. cinereus, auribus comosis,
unguibus acutiusculis.

Schreber. tab. 10.

In Aegypten etc. bis zum Cap. Kommt so oft in der
Bilderschrift auf den altägyptischen Kunstwerken vor*).

2. Maimon. der Mandril. P. facie violacea gla-
bra, profunde sulcata.

Schreber. tab. 7.

Auf Guinea, am Cap etc., wo oft ganze Scharen
Weinberge und Obstgärten plündern sollen.

Eine größere Gattung oder Varietät davon (S. mor-
mon
, der Choras) ist in Ceilon zu Hause.

4. Cercopithecus. Meerkatze. Auriculae et
manus minus humanae. Nares laterales.
Nates tectae. Dentes ut in simiis.

Das ganze Geschlecht ist bloß im wärmern Süd-
America einheimisch, wo es den Indianern zu einem
gemeinen Wildbret dient.

a) Cauda prehensili, die Sapajous.

1. Seniculus. der rothe Brüllaffe (l'Alouate).
C. barbatus rufus, gutture tumido.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 91.

Scharenweis in den großen Waldungen von Guia-
na etc., wo er, so wie eine andre Gattung (Cercop.
Belzebul) zumahl bei Wetterveränderung ein betäu-
bendes Geschrei hören läßt, das durch eine sonderbare
knöcherne Resonanzblase am Kehlkopfe (zwischen den
mächtig großen Seitenflügeln des Unterkiefers) hervor-
gebracht wird.

[Seite 64]

2. Paniscus. der Coaita. C. ater, palmis tetra-
dactylis
absque pollice.

Schreber. tab. 26. A. 26. B.

Hat ungemeines Geschick in seinem langen Roll-
schwanze*).

b) Cauda non prehensili, die Sanguin-
chen
, (eigentlich Sahuichen).

3. Jacchus. der Uistiti, (eigentlich Titi). der
Nachtigallaffe, Bisamaffe. C. fuscus, juba
pilosa alba ad genas ante aures, cauda villosa
annulata.

Das flinke, in der Gefangenschaft gar zuthuliche
Thierchen erreicht nicht die Größe unsrer Eichhörnchen;
daher es in einer Cocosnuß-Schale Raum hat.

5. Lemur. Maki. Nasus acutus, dentes pri-
mores
superiores
4. per paria remoti, infe-
riores
4–6. porrecti, compressi, incumbentes;
laniarii solitarii, approximati**).

1. Tardigradus. der Loris. (cucang). L. ecaudatus.

Schreber. tab. 38.

Zumahl auf Ceilon; hat die Größe und Farbe des
Eichhörnchens, schlanke dünne Beine etc. und so wie die
folgende Gattung am Zeigefinger der Hinterfüße eine
spitzige Kralle, an allen übrigen Fingern aber platte
Nägel.

2. Mongoz. der Mongus. L. facie nigra, corpore
et cauda griseis
.

Schreber. tab. 39. A. 39. B.

So wie einige verwandte Gattungen auf Madagascar
und den benachbarten Inseln. Die Hinterfüße sind viel
länger als die vordern. Sein Fell hat, wie bei
manchen Affen, einen specifiken Geruch, fast nach Amei-
senhaufen.


III. CHIROPTERA.

[Seite 65]

Die Finger der Vorderfüße sind, den Dau-
men ausgenommen, länger als der ganze Körper
dieser Thiere; und zwischen denselben ist die zarte
Flatterhaut ausgespannt (§. 43.). Daher können
sie eben so wenig als die Affen mit ihren Händen,
oder die Faulthiere mit ihren hakenförmigen Kletter-
krallen etc. bequem auf der Erde gehen.

6. Vespertilio. Fledermaus (Fr. chauve-sou-
ris
. Engl. bat). Pollex palmarum et digiti plan-
tarum breves, reliqui longissimi, membranae
expansili intertexti, pro volatu.

Ein weitläufiges Geschlecht von animalibus noctur-
nis
, dessen verschiedene Gattungen in alle fünf Welt-
theile verbreitet sind.

a) Dentibus primoribus 4. utrinque.

1. Spectrum. der Vampyr. V. ecaudatus, naso in-
fundibiliformi lanceolato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 31.

In Südamerica; der Körper von der Größe des Eich-
hörnchen. Wird dadurch sehr lästig, daß er nicht nur
anderen größeren Säugethieren, dem Rindvieh, Pfer-
den etc., sondern auch schlafenden Menschen, bei welchen
er sich vorzüglich an die Fußzehen setzt, Blut aussaugt,
woher er denn auch den Namen des Vampyrs (Blut-
saugers) erhalten hat.

2. Caninus. der fliegende Hund. (Linné's
vampyrus, Büffon's roussette). V. ecaudatus,
naso simplici, membrana inter femora divisa.

Schreber. tab. 44.

Weit größer als der Vampyr, so daß er mit aus-
gespannten Flatterhäuten gegen 6 Fuß messen soll,
lebt aber bloß von Baumfrüchten und kann also schlech-
terdings nicht Vampyr genannt werden: findet sich schaa-
renweise in Hindustan und auf den ostindischen und Au-
[Seite 66] stral-Inseln; in größter Menge aber auf Neu-Hol-
land. Ist auf den Pelew-Inseln das allereinzige Säu-
gethier.

b) Dentibus primoribus supra 4. infra 6.

3. †. Auritus. (Büffon's oreillard). V. caudatus,
auriculis maximis.

So wie die folgende in den mildern Gegenden der
alten Welt. Ihre Ohren, die man insgemein, aber
irrig, doppelt nennt, sind einfach, nur alle Theile
auffallend groß.

4. †. Murinus. die gemeine Fledermaus,
Speckmaus. (Engl. the rearmouse). V. cau-
datus, auriculis capite minoribus.

Hängt sich so wie auch die vorige Gattung zu ihrem
Winterschlaf in Höhlen an den Hinterfüßen auf. Ver-
mehrt sich zuweilen in manchen Gegenden binnen kurzer
Zeit in Unzahl

c) Dentibus primoribus superioribus nullis.

5. †. Ferrum equinum. die Hufeisennase. V.
naso foliato ferri equini aemulo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 42.

Im mittlern und südlichen Europa.


IV. DIGITATA. (Pododactyla).

Die Säugethiere mit freien Zehen an allen vier
Füßen. Die zahlreichste Ordnung an Geschlechtern
und Gattungen, daher jene füglich nach der Verschie-
denheit ihres Gebisses erst wieder unter drei Fa-
milien gebracht werden. A) Glires. B) Ferae.
C
) Bruta.

A) Glires. (Rodentia, Scalpris dentata, Jo.
Hunter.)

Mit zwei zum Nagen bestimmten meißelartigen Vor-
derzähnen in jedem Kiefer, ohne Eckzähne.

7. Sciurus. Cauda pilosa, disticha. Dentes pri-
mores
utrinque
2; inferiores subulati.

[Seite 67]

1. Volans. das fliegende Eichhörnchen. (Büf-
fon's
polatouche). S. duplicatura cutis laterali
a pedibus anterioribus ad posteriores.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 71.

In Liefland, Rußland und Sibirien. Von der Farbe
des petit-gris. Das schlaffe Fell, das von den Vor-
derfüßen nach den Hinterfüßen zu auf der Seite weg-
läuft, dient ihm nur wie zu einem Fallschirm, um einen
weitern Sprung von der Höhe herab wagen zu dürfen.

2. †. Vulgaris. das Eichhörnchen. (Fr. l'écureil.
Engl. the squirrel). S. auriculis apice barbatis,
cauda dorso concolori.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1808.

Wohl in ganz Europa, und fast ganz Asien. Die nor-
dischen, zumahl an den Ufern des Ob und am Baikal-
See, werden im Winter grau, und geben dann das
ächte Grauwerk, (petit-gris). Zuweilen finden sich
auch hier zu Lande schwarze Eichhörnchen; seltener schnee-
weiße mit rosenrothen Augen; und noch seltener weiß-
und schwarzgefleckte.

Der virginische Sc. cinereus (Büffon's petit-gris)
ist größer und ohne Ohrpinsel. Thut zumahl den Mais-
feldern großen Schaden.

8. Glis. (Myoxus). Cauda rotunda, versus api-
cem crassior. Dentes ut in sciuris.

1. †. Esculentus. der Siebenschläfer, Ratz,
Bilch, die Rellmaus. (Fr. le loir. Engl.
the rellmouse). G. griseus, subtus albidus, auri-
culis rotundatis, nudis
.

Schreber. tab. 225.

So wie die folgende Gattung in den mildern Erdstri-
chen der alten Welt. Es ist der wahre glis der Alten,
den sie verspeiseten*), und in eigenen glirariis**) mä-
steten. Lebt in Eichen- und Buchenwäldern, nistet in
hohlen Bäumen; und hält langen und sehr festen Winter-
schlaf.

[Seite 68]

2. †. Avellanarius. die kleine Haselmaus. (Fr.
le muscardin. Engl. the dormouse). G. rufus,
pollice plantarum mutico, auriculis rotundatis.

Schreber. tab. 227.

Kleiner am Leibe als der Hausmaus. Zu ihrem Win-
terschlaf bereitet sie sich ein kugliches, ziemlich festes La-
ger von Tangelnadeln, u.a. kleinem Gestrüppe, worein
sie sich vergräbt.

9. Mus. Cauda gracilis, subnuda. Dentes ut in
praecedentibus.

1. Oeconomus. die Wurzelmaus. M. cauda sub-
sesquiunciali, auriculis nudis vellere molli laten-
tibus, palmis subtetradactylis, corpore fusco
.

Schreber. tab. 190.

Durch Sibirien, bis nach Kamtschatka. Wird theils
durch die großen Wanderungen, die sie, zumahl von
Kamtschatka aus, in manchen Jahren, fast wie der Lem-
ming, anstellt, besonders aber durch die Industrie merk-
würdig, womit sie eine große Menge meist eßbarer Wur-
zeln in ihre unterirdischen Höhlen schleppt, denen die
Tungusen etc. (wie die Thüringer dem Hamster-Vorrath)
nachgraben.

2. †. Sylvaticus. die Waldmaus, große Feld-
maus
. (Fr. le mulot. Engl. the field rat). M.
cauda mediocri, pectore flavescente, abdomine
albido
*).

Schreber. tab. 180.

Thut den Feldfrüchten und der Holzsaat Schaden.

3. †. Amphibius. die Wasserratte, der Erd-
wolf
. M. cauda longitudine dimidia corporis,
auribus vix vellere prominulis, palmis subtetra-
dactylis.

Schreber. tab. 186.

[Seite 69]

In der ganzen nördlichen Erde. Ist zumahl den Gär-
ten nachtheilig, besonders dem Wurzelwerk*).

4. †. Arvalis. die Feldmaus, Stoßmaus. (Fr.
le campagnol. Engl. the field mouse). M. cauda
mediocri, dorso ferrugineo, abdomine cinereo.

Schreber. tab. 191.

Vermehrt sich in manchen Jahren ungeheuer, und
thut zumahl der Wintersaat großen Schaden. Das be-
währteste Vertilgungsmittel ist wohl der englische Erd-
bohrer. Auch unter dieser Gattung finden sich hier
herum, wie unter der folgenden, Kackerlacken.

5. †. Musculus. die Hausmaus. (Fr. la souris.
Engl. the mouse). M. caude elongata, palmis te-
tradactylis, pollice palmarum mutico.

In Europa und den gemäßigten Erdstrichen von
Asien und America. Hat sich dem Menschen gewisser
Maßen zum Hausthier aufgedrungen.

Die weißen Mäuse mit rothen Augen (die Kacker-
lacken in ihrer Art), sind zuweilen so lichtscheu, daß
sie in der Hellung die Augenlieder fest zuschließen, und
für blind gehalten werden.

6. †. Rattus. die Ratte. (Fr. le rat. Engl. the
rat
). M. cauda elongata, palmis tetradactylis cum
unguiculo pollicari.

Ist jetzt fast über alle fünf Welttheile verbreitet;
scheint aber ursprünglich im mittlern Europa zu Hause**).
Aeußerst gefräßig. Frißt sogar Scorpione, und zieht
dem Menschen und seinen Victualien überall nach; den
Bergleuten in die tiefsten Schachte, so wie den See-
[Seite 70] fahrern auf die Schiffe. Unter andern gehört diese
Land- und Hausplage zu den gefährlichsten Feinden der
Zuckerplantagen in Westindien.

An vielen Orten wird sie allgemach durch die ur-
sprünglich wohl in Ostindien und Persien einheimische
Wanderratte (M. decumanus. Fr. le surmulot.
Engl. the Norway rat) verdrängt, die von röthlich-
grauer Farbe und ihr Fell mit vielen einzelnen langen
Borstenhaaren durchmengt ist.

7. Lemmus. der Lemming. M. capite acuto, cauda
brevicula, corpore nigro fulvoque irregulariter
maculato.

Schreber. tab. 195. A. 195. B.

Häufig in Lappland und Sibirien. Zuweilen emi-
griren ganze Legionen von einer Gegend in die andere.
Ihre unerwartete und unbemerkte Ankunft, und dann
auch der Fall, daß welche von den Raubvögeln in die
Luft gehoben und sich doch noch los gearbeitet und her-
unter gefallen etc., mag zu der alten Sage Anlaß ge-
geben haben, daß es mitunter Lemminge vom Himmel
regne.

8. Typhlus. die Blindmaus, Slepez. M. ecau-
datus, palmis pentadactylis, incisoribus supra in-
fraque latis, palpebrarum aperturis auriculisque
nullis.

Schreber. tab. 206.

Im südlichen Rußland. Lebt mehrentheils unter der
Erde. Soll für seine kleinen ganz deutlichen Augäpfel
doch gar keine Oeffnung in der Gegend der Augenlie-
der haben, und folglich gänzlich blind seyn.

10. Marmota. (Arctomys). Auriculae abbrevia-
tae, cauda brevis, aut nulla. Dentes ut in
praecedentibus.

1. Alpina. das Murmelthier. (Graubündnisch
murmont vom Lat. mus montanus. Fr. la mar-
motte
). M. corpore depresso, supra fusco, sub-
tus flavescente.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1812.

[Seite 71]

In vielen der höhern Alpen von Europa und Asien.
Merkwürdig ist, daß man es auf der allée blanche
in Savoyen theils auf isolirten Klippen findet, die wie
Inseln aus diesem Eismeer hervorragen, Stundenweit
von allem unbeeiseten Erdreich entfernt, und im ganzen
Jahr nur etwa sechs Wochen lang vom Schnee ent-
blößt sind; so daß es scheint, die dasigen Murmelthiere
durchschlafen wenigstens zehn Monathe vom Jahre,
und bringen nur einen äußerst kleinen Theil ihrer Exi-
stenz wachend zu.

2. Citellus. das Erdzeiselchen, Suslick. (Mus
ponticus
). M. auriculis minibus, cauda villosa,
corpore vario.

Schreber. tab. 211.

Häufigst in Ungarn, Polen und Sibirien. Hat die
Größe vom Hamster; auch so wie dieser Backentaschen.

3. †. Cricetus. der Hamster, Kornferkel. M.
abdomine nigro.

F. G. Sulzer's N. G. des Hamsters. Götting.
1774. 8. Taf. 1. 2.

Hin und wieder in Deutschland, Polen, Sibirien etc.
Lebt vorzüglich von Getreide, Bohnen etc., wovon er
großen Vorrath in den Backentaschen zu seinen unter-
irdischen, wohl 7 Fuß tiefen, Höhlen schleppet. Eine
Höhle hält manchmal auf 60 Pfund solcher Victualien.
Er vermehrt sich ausnehmend, und man hat wohl eher
nur allein in der Gothaischen Stadtflur in Einem Som-
mer auf 90000 Hamster getödtet. Es gibt eine ganz
schwarze Spielart unter diesen Thieren, so wie auch
Kackerlacken mit rothen Pupillen.

11. Hyrax. (Daman.) Dentes primores superio-
res
2, distantes, inferiores 4 contigui, pal-
mae digitis
4, plantae digitis 3, cauda nulla.

1. Capensis. der Klipdas. (Büffon's marmotte
du Cap.
) H. palmarum unguibus planis, plan-
tarum unico subulato.

Schreber. tab. 240.

[Seite 72]

Am Cap, fast von der Größe des Murmelthiers.
Lagert sich auch so in Felsenhöhlen, ist aber seinem ei-
genen anomalischen Bau nach, zumahl wegen des Ge-
bisses und der Füße, schwer zu classificiren..

12. Savia. Halbkaninchen. Auriculae rotunda-
tae, parvae. Cauda nulla aut brevis. Den-
tes primores utrinque
2.

Das ganze Geschlecht bloß im wärmern Südamerica,
zumahl in Brasilien.

1. Porcellus. das Meerschweinchen. Cobaya.
(Fr. le cochon d' Inde. Engl. the Guinea-pig).
S. ecaudata, corpore variegato*).

Schreber. tab. 173.

Kommt auch in Europa leicht fort, variirt in der
Farbe, und ist wohl das fruchtbarste von allen Säuge-
thieren. Soll jetzt kaum mehr wild gefunden werden.

2. Aguti. (Piculi). das Ferkelkaninchen. S. cau-
data, corpore ex rufo fusco, abdomine flave-
scente
.

Ménag. du Mus. nation. L. V. tab. 3.

Größer als ein Kaninchen.

13. Lepus. Dentes primores utrinque 2; supe-
riores duplicati
.

1. †. Timidus. der Hase. (Fr. le lièvre. Engl.
the hare). L. auriculis apice nigris, corpore et
pedibus posticis longioribus
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1798.

Fast in der ganzen alten Welt. Ist unter den Fuß-
sohlen, und sogar zum Theil im Munde, behaart.
Beide, Hase und Kaninchen, scheinen wiederzukauen**).

[Seite 73]

Sonderbar ist die wundersame, von so vielen braven
Naturforschern für wahr angenommene Sage, daß man
schon oft und in ganz verschiedenen Gegenden und Zei-
ten einzelne gehörnte Hasen mit kleinen Rehgeweihchen
gefunden habe*).

Der Berghase (Lepus variabilis) in manchen
nördlichen und alpinischen Gegenden, unterscheidet sich
schon in der Bildung vom gemeinen durch einen dicke-
ren Kopf, kürzere Ohren, und kürzern Schwanz, län-
gere Hinterbeine mit auffallend breiten Pfoten; paart
sich auch nicht mit jenem. Im äußersten Norden, wie
in Grönland etc. ist er Jahr aus Jahr ein, in den
Schweizer- und Tyroler-Alpen etc. aber nur im Winter
weiß**).

2. †. Cuniculus. das Kaninchen. (Fr. le lapin.
Engl. the rabbit). L. auriculis nudatis, corpore
et pedibus posticis brevioribus
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1799.

Ursprünglich in den wärmern Zonen der alten Welt,
aber nun auch in nordischen Gegenden einheimisch, und auf
manche Südsee-Inseln verpflanzt. Sie vermehrten
sich so stark, daß sie wohl eher [z.B. ums Jahr 1736.
auf der St. Peters-Insel bei Sardinien***)] zur Land-
plage geworden sind†); und kommen auch in ganz
wüsten Gegenden, wie auf Volcano, der sonst so öden
liparischen Insel, fort. Die wilden sind grau; und die
weißen mit rothen Augen die gemeinsten Kacker-
lacken.

Die langhaarigen angorischen (S. 24. Anm. 2.) oder
so genannten englischen Seidenhasen kommen
auch hier zu Lande gut fort.

[Seite 74]

14. Jaculus. (Dipus). Pedes antici brevissimi,
postici elongati. Cauda saltatoria, apice floc-
cosa. Dentes primores utrinque
2.

1. Jerboa. der Springhase, Erdhase, die
Springmaus, zweybeinige Bergmaus. Pal-
mis tridactylis, plantis tetradactylis
.

Schreber. tab. 228.

Zumahl in Nordafrica, Arabien etc. Macht sich Höh-
len in die Erde. Springt mit der Leichtigkeit einer
Heuschrecke, und wohl 7 bis 8 Fuß weit.

15. Hystrix. Stachelschwein. (Fr. porcepic.
Engl. porcupine). Corpus spinis tectum.
Dentes primores utrinque
2.

1. Cristata. H. spinis longissimis, capite cristato,
cauda abbreviata
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 81.

Ursprünglich im wärmern Asien und fast ganz Africa;
nährt sich zumahl von Baumrinden; nistet in der Erde.
Im Zorn rasselt es mit seinen Stacheln, die ihm zu-
weilen, besonders im Herbst, ausfallen; kann sie aber
nicht gegen seine Verfolger von sich schießen!*)

2. Dorsata. (Urson). H. spinis brevibus sub pilis
occultis
.

Schreber. tab. 169.

In Canada, auf Labrador, um die Hudsonsbay etc.
Thut zumahl im Winter den jungen Baumstämmen
großen Schaden.

B) Ferae.

Mit spitzen oder zackigen Vorderzähnen, und meist nur
einem Eckzahn auf jeder Seite, der aber bei den mehr-
sten von ansehnlicher Größe und Stärke ist. – Die
eigentlich so genannten reißenden Thiere und einige an-
dere Geschlechter mit ähnlichem Gebiß.

[Seite 75]

16. Erinaceus. Corpus spinis tectum. Dentes
primores utrinque
6*); laniarii supra 3, in-
fra
1, molares 4.

1. Europaeus. der Igel (Fr. le hérisson.
Engl. the hedge-hog). E. auriculis rotundatis,
naribus cristatis
**).

Fast in der ganzen alten Welt. Ein animal noctur-
num
. Nährt sich aus beiden Reichen. Mauset wie eine
Katze. Kann spanische Fliegen in Menge fressen. Spießt
allerdings (wie die Alten sagen, von den Neuern hin-
gegen ohne allen Grund bezweifelt, mir aber nun schon
von drey ganz zuverlässigen Augenzeugen versichert wor-
den) Früchte an seine Rücken-Stacheln, um sie so in
sein Lager zu tragen***).

17. Sorex. Nasus rostratus, auriculae breves.
Dentes primores superiores
6†), bifidi; infe-
riores
2–4 intermediis brevioribus; laniarii
utrinque plures.

1. †. Araneus. die Spitzmaus. (Fr. la mus-
araigne
. Engl. the shrew). S. cauda mediocri,
abdomine albido
.

Schreber. tab. 160.

In Europa und Nordasien. Daß sie giftig sey,
oder den Pferden in den Leib krieche etc. sind ungegrün-
dete Sagen. Selten finden sich gefleckte oder ganz
weiße Spitzmäuse.

[Seite 76]

2. †. Fodiens. die Wasserspitzmaus. S. abdo-
mine cinereo, digitis ciliatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 72.

An kleinen Gewässern. Statt einer Schwimmhaut ist
jede Zehe zu beiden Seiten mit steifen Härchen besetzt,
die die Füße zum Rudern ungemein geschickt machen.
Die Oeffnung des Gehörganges kann das Thier wie durch
eine Klappe zuschließen, so lange es unter Wasser ist.

3. Exilis. S. minimus, cauda crassissima tereti.

Am Jenisei und Ob. Das kleinste der bis jetzt be-
kannten Säugethiere. Wiegt nur 1/2 Quentchen.

18. Talpa. Caput rostratum, palmae fossoriae.
Dentes primores superiores
6. inferiores 8;
laniarii major 1, minores 4.

1. †. Europaea. der Maulwurf, die Scher-
maus
. (Fr. la taupe. Engl. the mole). T.
cauda breviore, auriculis nullis.

Fast in der ganzen alten Welt. Ist ein vollkommenes
animal subterraneum, wozu ihm außer andern Eigenhei-
ten seines Körperbaues, besonders die Schaufelpfoten zu
Statten kommen. Er hat sehr kleine Augen, kann ge-
schickt schwimmen und bei Ueberschwemmung auf die
Bäume klettern. Eine erbsengelbe Spielart findet sich
mitunter in der hiesigen Gegend.

2. Versicolor. (s. aurata). T. ecaudata, palmis
tridactylis.

Vosmaer's monogr. 1787.

Bloß am Cap. Kann also nicht (nach Linné) asia-
tica
heißen. Ihr Haar schillert, zumahl wenn es naß
ist, mit farbigem Goldglanz.

19. Didelphys. (Plerisque) hallux muticus. Fe-
minis folliculus abdominalis mammarum
.

Auch bei dieses Geschlechts so zahlreichen und einan-
der im Ganzen so verwandten Gattungen variirt doch
das Gebiß so mannichfaltig, daß dieselben nach dem lin-
néischen System in ganz verschiedene Geschlechter ver-
theilt werden müßten.

[Seite 77]

1. Marsupialis. das Beutelthier, Opossum.
D. albida, auriculis, antibrachiis et tibiis nigris,
cauda squamosa longitudine corporis. Dentes pri-
mores
superiores
10, inferiores 8, laniarii
elongati
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 54.

Zumahl im wärmern Nordamerica*). Daß Weib-
chen von dieser und andern Gattungen dieses Geschlechts
hat eine große Tasche am Bauche, die durch besondere
Muskeln geschlossen und geöffnet werden kann; und in
deren Boden die Zitzen liegen. Die Jungen werden
ganz außer Verhältniß klein (gleichsam nur als unreife
Abortus) zur Welt gebracht, dann aber erst lange Zeit
in dieser Tasche getragen, wo sie sich ansaugen und von
der Muttermilch nähren, bis sie reifer und vollkomme-
ner ausgebildet, gleichsam vom neuem geboren werden
können.

2. Gigantea. das Kängaruh. D. grisea, cauda
longa crassa, pedibus anticis brevissimis, posticis
longissimis. Palmis pentadactylis, plantis subte-
tradactylis. Dentes primores superiores
6. infe-
riores
2. laniarii nulli.

Hawkesworth T. III. pag. 157.

In Neu-Holland. Mausefahl. Ist, wenn es auf-
recht sitzt, wohl mannshoch, und gegen 200 Pfund
schwer. Lebt in Heerden von 50 und mehr Stück. Ist
bloß grasfressend. Springt in weiten wohl zwey Klafter
langen Sätzen. wobei ihm sein mächtig starker Schwanz
zum Springstock, so wie beim Aufrechtfitzen zur Stütze,
und gegen den Angriff als kräftige Vertheidigungswaffe
dient. Das Weibchen wirft nur ein Junges auf ein-
mahl, das bei der Geburt kaum halb so groß als eine
Maus ist, dann aber von der Mutter drey Vierteljahr
lang in jenem Sacke getragen wird, bis es wohl 14
Pfund wiegt.

3. Wombat. (Phascolamys). D. subfusca, cauda
brevissima. Dentes primores utrinque
2 cylin-
drici, obtusi. laniarii nulli. molares
5.

Leach vol. II. tab. 96.

[Seite 78]

Ebenfalls im fünften Welttheile. Von der Größe des
Dachses. Wie es scheint, auch so ein animal noctur-
num,
das in der Erde wühlt.

20. Viverra. Caput vulpinum. Cauda pleris-
que felina. Dentes primores utrinque
6, in-
termediis brevioribus. Lingua plerisque retror-
sum aculeata. Ungues exserti
.

1. Zibetha. die Zibethkatze. (Hyaena odorifera.
Fr. la civette. Engl. the civet). V. cauda
annulata, dorso jubato cinereo nigroque undatim
striato
.

Ménagerie du Muséum national. Livrn IV.
tab. 1.

Im südlichen Asien und nördlichen Africa. Bei bei-
den Geschlechtern sammelt sich in einer besondern Höhle,
die zwischen dem After und den Zeugungsgliedern liegt,
das Zibeth, eine schmierige, wohlriechende Substanz.

2. Genetta. die Genettkatze. (Fr. la genette.
Engl. the genet). V. cauda annulata, corpore
fulvo-nigricante maculato
.

H. n. des mammifères XVII. tab. 3.

In der Levante. Wird seines Felles wegen geschätzt.

3. Nasua. Coatimondi. V. rufa, cauda albo an-
nulata
.

Schreber. tab. 218.

In Südamerica. Mit einer rüffelförmigen sehr be-
weglichen Nase.

4. Putorius. das Stinkthier, Conepatl. (Fr.
la moussette. Engl. the skunk, pol-cat). V. li-
neis dorsalibus albis, per caudam productis.

Schreber. tab. 122.

In Virginien, Canada etc. Hat seinen Namen von
dem unerträglichen Gestank, den es, so wie mehrere
verwandte Gattungen seines Geschlechts, im Zorne von
sich gibt.

[Seite 79]

5. Ichneumon. die Pharaonsmaus, der Mungo.
(Büffon's große mangouste). V. cauda basi
incrassata sensim attenuata apice floccosa
.

Ménag. du Mus. nation. L. VI. tab. 4.

Hat straffes, fast borstenartiges Haar, mit braunen
breit geringelten Streifen. Ist häufig in Aegypten, wo
es zumahl den Crocodileneiern, so wie außerdem den
Schlangen, nachstellt; sich aber ausnehmend kirre und
häuslich machen läßt.

21. Mustela. Dentes primores superiores 6,
erecti, acutiores, distincti: inferiores 6, ob-
tusiores, conferti; duo interiores. Lingua
laevis
.

Die Gattungen dieses Geschlechts haben kurze Füße,
und einen lang gestreckten Körper, den sie im Gehen
bogenförmig krümmen. Sie sind sehr flink, beissig und
blutdürstig.

1. †. Martes. der Baummarder, Edelmarder,
Tannenmarder, Wildmarder, Feldmarder.
(Fr. la marte. Engl. the pinemartin). M. cor-
pore fulvo-nigricante, gula flava
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

Zumahl im Schwarzholz der ganzen nördlichen Erde.
Sein schönes Fell kommt dem Zobel am nächsten.

2. †. Foina. der Hausmarder, Steinmarder.
(Fr. la fouine. Engl. the martin). M. corpore
fulvo-nigricante, gula alba
.

v. Wildungen a. a. O.

Im mittlern und wärmern Europa und dem benach-
barten Asien. Läßt sich jung eingefangen, so wie auch
die vorige Gattung, zum Wunder zahm machen.

3. †. Putorius. der Iltis, Ilk, Ratz, Stän-
kerratz
. (Fr. le putois. Engl. the fitchet, po-
lecat
). M. flavonigricans, ore et auricularum
apicibus albis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1801.

[Seite 80]

Hat meist gleiches Vaterland mit dem Hausmarder.
Auch in der Barbarei. Das ganze Thier, und selbst
sein abgezogenes Fell geben einen sehr widrigen Geruch
von sich.

Das Frettel (furo, Fr. le furet. Engl. the
ferret
) von gelblich weißer Farbe mit rothen Pupillen,
ist ein wahrer Kackerlacke in seiner Art, folglich wohl
keine ursprüngliche eigene Gattung, sondern eine Abart
vom Iltis, mit welchem es sich auch paart. Taugt
gut zum Ratten- und Caninchen-Fang.

4. Zibellina. der Zobel. (Fr. la zibeline. Engl.
the sable). M. corpore fulvo-nigricante, facie
et gula cinereis
.

Schreber. tab. 136.

Zumahl in Sibirien. Die schönsten mit recht schwarz-
braunem, dickhaarigem und glänzendem Fell finden sich
um Jakuzk.

5. †. Erminea. das große Wiesel, Hermelin.
(Fr. le roselet, l'hermine. Engl. the stoat, the
ermine
). M. caudae apice nigro.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1802.

In der nördlichen Erde, vorzüglich in Sibirien.
Größer als das gemeine Wiesel. Aendert aber eben
so wie dieses die Farbe, so daß es im Sommer bräun-
lich, im Winter aber (als Hermelin) weiß ist.

6. †. Vulgaris. das gemeine Wiesel. (Fr. la
belette
. Engl. the weesel). M. corpore ex rufo
fusco subtus albo
.

v. Wildungen a. a. O.

Im Norden von Europa und Asien. Die Mutter
trägt oft ihre Junge im Maule umher (daher die alte
Fabel, als ob sie dieselben durch diesen Weg zur Welt
brächte).

22. Ursus. Dentes primores superiores 6, intus
excavati alterni, inferiores
6, laterales 2, lon-
giores lobati; laniarii primarii solitarii
(mi-
nimi
1–2 inter hos et primos molares), lin-
gua laevis.

[Seite 81]

1. †. Arctos. der Bär. (Fr. l'ours. Engl. the
bear
). U. fusco nigricans, cauda abrupta.

Ménag. du Mus. nat. III. tab. 3.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 32.

In der nördlichen Erde, doch auch in Ostindien
und Nordafrica. In der Jugend lebt er meist von
Gewächsen; nach dem dritten Jahr aber mehr vom
Fleisch. Zum Gefecht bedient er sich mehr seiner Vor-
dertatzen, als des Gebisses. Ein ausgewachsener kann
wohl vier Centner und darüber am Gewicht halten.

Zu den merkwürdigsten Spielarten unter den Bären
gehören: die großen schwarzen Ameisenbären; die klei-
nen hellbraunen Honigbären; und die noch kleinern
weißlichen Silberbären; sämmtlich zottig, und zumahl
unter dem Halse langbehaart.

Hingegen macht der nordamericanische Bär mit schwar-
zem, schlichtem, atlasglänzendem Haar, und flacherm
Kopf mit spitzerer Schnauze, wohl eine eigene Gattung
aus, die sich gewöhnlich von Früchten und in manchen
Jahrszeiten fast ausschließlich von Ameisen nährt.

2. Maritimus (glacialis). der Eisbär, Polarbär.
U. albus, collo et rostro elongatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 33.

An den Küsten und beim Treibeis der nördlichsten
Erde. Darf nicht mit der weißen Spielart des gemeinen
Bären verwechselt werden. Er wird bei 10 Fuß lang,
und auf 15 Centner schwer; schwimmt und taucht sehr
geschickt, und ist fast bloß fleischfressend*).

3. Longirostris. (Engl. the Petre Bear). niger,
villosus, labiis protensilibus, colli macula alba.

Catton's Animals in aquatinta 1788. tab. 20.

Tiedemann über das vermeintliche Bärenartige
Faulthier 1820. 4.

[Seite 82]

In Bengalen, wo er in die Erde gräbt. Auch dort
selten (S. 61. N.*). Von der Mittelgröße des Bären*).

4. Gulo. der Vielfraß, Rosomack. (Fr. le
glouton
. Engl. the glutton). U. corpore rufo-
fusco, medio dorsi nigro
.

Pallas Spicileg. zoologic. XIV. tab. 2.

In der nördlichen Erde, besonders in Sibirien. Seine
Freßgierde hat zu allerhand Fabeln Anlaß gegeben.

Das Wolverene oder Quickhatch (Ursus luscus)
auf Labrador und an der Hudsonsbay scheint wenig von
ihm verschieden zu seyn.

5. †. Taxus. der Dachs. Meles. (Fr. le blaireau.
Engl. the badger). U. cauda concolore, abdo-
mine nigro
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

In Europa und Asien bis gen Schina. Ein animal
omnivorum
. Baut unter der Erde einen tiefen Kessel,
zu welchem verschiedene Röhren oder Gänge führen.
Verschläft den größten Theil seines Lebens, und hält
besonders langen und festen Winterschlaf, wobei er seine
Schnauze in den Fettbeutel am Hinterleibe steckt.

6. Mellivorus. der Honig-Dachs, Rattel. U.
dorso cinereo, fascia laterali nigra, abdomine
nigro
.

Sparrmann in den schwed. Abhandl. 1777.
tab. 4. fig. 3.

Am Cap; lebt vom Honig und Wachs der wilden
Bienen, die in die Höhlen der Stachelschweine etc. nisten.
Er gibt auf den Flug der heimeilenden Bienen acht, oder
folgt auch bloß der Anweisung des Honigkukuks. Hat
ein zottiges Fell, mit einer ungemein starken sehr be-
weglichen schiebbaren Haut, wodurch er einerseits vor
den Bienenstichen, und anderseits vor tiefen Bissen der
Hunde etc. gesichert ist.

7. Lotor. der Waschbär, Rackun, Sjupp,
Coati. (Büffon's Raton). U. cauda annulata,
fascia palpebrarum transversali nigra
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 62.

[Seite 83]

Ein animal nocturnum, im wärmern nordöstlichen
America etc. Frißt mancherlei. Bedient sich der Vor-
derpfoten sehr geschickt zum Fassen, auch zum Einweichen
oder Auffischen seines Futters etc. Wird überhaupt sehr
kirre. Sein Haar ist nächst des Bibers seinem, das
vorzüglichste für Hutmacher.

23. Canis. Dentes primores superiores 6, late-
rales longiores distantes, intermedii lobati, in-
feriores
6, lobati omnes, laniarii solitarii,
incurvati
.

1. †. Familiaris. der Hund. (Fr. le chien. Engl.
the dog). C. cauda recurvata; subinde digito
spurio ad pedes posticos
.

Dieser treue Gefährte des Menschen, der sich beson-
ders durch die ausnehmende Schärfe seiner Sinne, ver-
bunden mit seiner großen vielartigen Gelehrigkeit (sogar
zum Fisch- und Robbenfang), aber auch durch mancher-
lei andere Brauchbarkeit empfiehlt, ist längst mit ihm
über alle fünf Welttheile verbreitet, und gibt den größ-
ten Beweis von der Perfectibilität der Thiere, wenn
der Mensch ihre Anlagen durch lange Reihen von Ge-
nerationen ausbildet.

Ob alle die verschiedenen Hunde-Rassen als bloße
Varietäten einer und derselben Gattung anzusehen sind,
und ob diese selbst vom Wolf oder Schakal abstamme,
ist schwerlich zu entscheiden. Doch scheinen manche Rassen,
z.B. der Dachshund, das Windspiel etc. viel Eigenes,
zu besondern Functionen Abzweckendes in ihrer Bildung
zu haben, so daß man diese zweckmäßigen Eigenheiten nicht
wohl für zufällige Folge der bloßen Ausartung halten
kann.

Zu den Hauptrassen gehören wohl

a) Fricator. der Mops. (Fr. le doguin. Engl.
the pug-dog). Mit untersetztem, kurzem Leibe,
schwarzen Flecken an den Backen und hängenden
Ohren.

Den Uebergang von dieser zur nächstfolgenden
Rasse macht der eigentliche Bullenbeißer,
[Seite 84] Wachthund, Bluthund, molossus (Engl.
the bull-dog), bei welchem der Unterkiefer vor
dem obern etwas hervortritt.

b) Mastivus. die Englische Dogge. (Fr. le
dogue
. Engl. the mastiff). Mit stumpfem Kopfe,
hängenden lappichten Oberlefzen und glattem Haar.
Bellt dumpfig und kurz. – Ihm scheint der
Metzgerhund (Fr. le matin) nahe verwandt.

c) Terrae novae. der Neufundländer. (– Ab-
bild. n. h. Gegenst
. tab. 6. –) Zeichnet sich
durch seine ausnehmende Größe, langes seidenarti-
ges Haar, langflockigen, meist aufwärts gekrümm-
ten Schwanz, besonders aber durch die Art von
Schwimmhaut zwischen den Zehen aus, die bei ihm
ungleich größer ist, als bei andern Hunden. Da-
her sein ungemeines Geschick zum Schwimmen.
Meist sind diese Hunde weiß und schwarz; und
ausnehmend gelehrig*).

d) Sagax, venaticus. der Jagdhund. (Fr.
le chien courant). Mit langem, dickem Körper,
eingefurchtem Hinterkopfe, langen hängenden Ohren.
Das Haar bald schlicht, bald zottig. – Hierher
auch die Bracke (Engl. the spanish pointer),
der Hühnerhund, Wachtelhund und die
schön getigerten Corsicanerhunde.

e) Aquaticus. der Pudel. (Fr. le barbet. Engl.
the water-dog). Mit stumpfem Kopfe, und wol-
lichtem Haar.

f) Pastoralis, domesticus, villaticus. der Schä-
ferhund, Haushund
. (Fr. le chien de ber-
ger
. Engl. the cur). mit aufrechten Ohren; der
Schwanz an der untern Seite lang behaart. –
Hierzu auch der isländische Hund, und der
Spitz oder Pommer. (Fr. le chien loup).
Auch der große St. Bernhards-Hund; und
der kleinere, den die Kamtschadalen etc. zum Zug
in Schlitten gebrauchen. – Auch die auf manchen
Insel-Gruppen der Südsee einheimischen Hunde,
die von den Einwohnern als Mastvieh gezogen wer-
[Seite 85] den, und bloß vegetabilische Nahrung genießen,
scheinen zu dieser Rasse zu gehören.

g) Meliteus. das Bologneserhündchen. (Fr.
l'epagneul, le bichon, Engl. the lapdog,
the shock). Mit sehr langem, seidenartigem Haar,
zumahl im Gesichte.

h) Vertagus, der Dachshund. (Fr. le basset.
Engl. the tumbler, the turnspit). Mit langer
Schnauze, hängenden Ohren, lang gestrecktem Kör-
per, kurzen, krummen Vorderfüßen, und rothbrau-
nen Flecken über den Augen. – Ihm scheint der
englische Terrier (terrarius), mit borstigem Haar
und struppiger Schnauze, nahe verwandt.

i) Dingo. der neuholländische Hund. Aeh-
nelt, zumahl in der Bildung des Kopfs und Schwan-
zes, mehr dem Fuchs.

k) Leporarius. das Windspiel. (Fr. le levrier.
Engl. the grey-hound). Mit langem, zugespitz-
tem Kopfe, hängenden Ohren, dicker Brust, sehr
schlankem Leib und Beinen.

l) Graius*). der spartanische Hund. (canis
laconicus
). Sehr groß; hält in der Bildung das
Mittel zwischen Jagdhund und Windspiel.

Ihm ähnelt der große dänische und der nun
ausgestorbene große irländische Hund.

m) Aegyptius. der guineische Hund. (Fr.
le chien-turc. Engl. the Indian dog, the na-
ked dog
). Aehnelt dem Windspiel, hat aber nur
im Gesichte gekrullte Haare, der übrige Körper ist
meist kahl, und schwarz, oder rusigbraun, fast wie
Negerhaut. (s. S. 24. Anm. 2.)

Diese verschiedenen Haupt-Rassen paaren und ver-
mischen sich aber nicht nur unter einander, sondern
auch mit Wölfen und Füchsen, mit welchen sie sogar
zuweilen fruchtbare Bastarde erzeugen.

[Seite 86]

2. †. Lupus. der Wolf. (Fr. le loup. Engl.
the wolf). C. cauda incurvata.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795.

Fast in der ganzen alten Welt, ist aber in einigen
Ländern, wie z.B. in Groß-Britannien und Irland,
ausgerottet. Hat einen schleppenden doch dabei schnellen
und nicht leicht zu ermüdenden Gang. Aus Hunger
fressen die Wölfe sogar Schilf und Erde; graben auch
Leichen aus, und da mag etwa ihre nächtliche Erschei-
nung auf Kirchhöfen etc. den Anlaß zu der alten Sage
von Währwölfen gegeben haben.

3. Aureus. der Schakal, Thos. (Büffon's
Adive). C. corpore fulvo, pedibus longioribus,
caudae apice nigro
.

Schreber tab. 94.

In ganz Nordafrica und Orient, besonders in Nato-
lien und Bengalen; zieht des Nachts scharenweise um-
her; frißt Thiere, Lederwaren etc.; gräbt Leichen aus.
Manche Naturforscher haben den Schakal für den ur-
sprünglich wilden Hund, und manche Exegeten Simson's
Füchse für Schakale gehalten.

4. †. Vulpes. der Fuchs, Birkfuchs. (Fr. le
renard
. Engl. the fox). C. cauda recta, apice
discolore
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Zumahl in der nördlichern alten Welt. In Unzahl
auf den östlichen Aleuten, die davon den Namen der
Fuchsinseln erhalten haben. Frißt unter andern Früch-
ten namentlich sehr gern Weintrauben.

Der Brandfuchs (alopex) ist wohl sicher nur eine
Abart davon.

Ob aber auch der wegen seines kostbaren Felles be-
rühmte schwarze Fuchs mit weißer Schwanzspitze, der
in Sibirien, aber auch in Menge auf Labrador zu
Hause ist [und der, wenn seine Haare gleichsam silber-
weiße Spitzen haben, Silberfuchs genannt wird*)],
für eine bloße Abart des gemeinen Fuchses oder für eine
[Seite 87] besondere Gattung anzusehen sei, läßt sich vor der
Hand noch nicht mit Gewißheit bestimmen.

5. Lagopus. der weiße Fuchs, Polarfuchs,
Steinfuchs, Eisfuchs. Isatis. (Engl. the
arctic fox
. Russ. Pesez). C. cauda recta, apice
concolore, palmis plantisque pilosissimis
.

Schreber. tab. 93. A. 93. B.

In den Polarländern, zumahl auf Spitzbergen, Neu-
Zembla, Grönland etc. – Die mehresten sind weiß.
Die so genannten blauen Füchse hingegen bläulich-
grau.

6. Hyaena. die Hyäne. C. nigricans, maculis vir-
gatis, facie nigra, juba cervicis dorsique, pedibus
tetradactylis.

Der indianische Wolf, von J. El. Ridinger.

Hat meist einerlei Vaterland mit dem Schakal, dem
sie auch in der Lebensart ähnelt. Hat ihr Ablager un-
ter der Erde oder in Felsenhöhlen und Berg-Klüften.

Die gefleckte Hyäne (Canis crocuta) ist viel
größer*) als jene gestreifte; findet sich zumahl in
großer Menge in Habessinien und von da südlich bis
zum Cap.

24. Felis. Ungues retractiles, caput rotundius,
lingua aspera. Dentes
primores 6 acutius-
culi, exterioribus majoribus, laniarii solitarii,
supra a primoribus, infra a molaribus remoti
.

[Seite 88]

1. Leo. der Löwe. (Fr le lion. Engl. the lion).
F. cauda elongata floccosa*), corpore fulvo.

Ménag. du Mus. national. VI. tab. 2. und II.
tab. 1.

In den heißen Zonen der alten Welt, vorzüglich in
Africa; weiland aber auch in Peloponnes und Aetolien.
Auch neulich haben Löwinnen in Menagerieen, in Deutsch-
land und sonst im mildern Europa Junge geworfen.
Dem Männchen bricht die Mähne erst im zweyten Le-
bensjahre aus. Das Fleisch des Löwen wird von den
Hottentotten gegessen und eine Horde Araber zwischen
Tunis und Algier soll sich fast bloß davon nähren.

2. Tigris. der Tiger. F. cauda elongata, capite,
corpore et cruribus nigro-virgatis
.

the Tiger, von G. Stubbs.

Bloß in Asien und vorzüglich von Bengalen bis
Schina, auch auf Sumatra etc. Ueberaus regelmäßig
gestreift. Läßt sich allerdings zähmen, und muß auch
vor dem Elephanten erliegen.

3. Pardus. der Panther, Parder**). F. cauda
subelongata, maculis obtuse angulatis, passim con-
fluentibus et annulatis.

Ménag. du Mus. nat. III tab. 1.

In Africa und Ostindien. Die Flecken seines Fells
sind hin und wieder wie zusammengeflossen, theils in
Hufeisenform, oder geringelt u.s.w.

Leopard nennt man eine etwas kleinere Abart, mit
kleineren Flecken, deren meist drey bis vier auf fast
goldgelbem Grunde beisammen stehen.

4. Panthera. der kleine Panther. (Büffon's
once). F. cauda elongata, corpore albido, macu-
lis irregularibus nigris
.

Schreber. tab. 100.

[Seite 89]

In der Barbarei und Ostindien. Weit kleiner, als
die vorige Gattung. Auch leicht zu zähmen, und zur
Jagd (der Rehe, Gazellen etc.) abzurichten, wozu sie im
Orient vorlängst, und in den mittlern Zeiten auch in
Italien und Frankreich gebraucht worden.

5. Onça. der Jaguar, americanische Tiger.
F. cauda subelongata, corpore fusco lutescente,
maculis angulatis, ocellatis, medio flavis
.

Hist. nlle des Mammifères XVII. tab. 1.

In Südamerica. Größer als der Panther, dem er
sonst sehr ähnelt.

6. Concolor. der americanische Löwe, Puma,
Cuguar. F. cauda mediocri, corpore immacu-
lato fulvo
.

Schreber. tab. 104.

In Peru, Brasilien etc.; zeichnet sich durch sein
rothgelbes, ungeflecktes Fell (weßhalb er mit dem Namen
eines Löwen belegt worden) und kleinen Kopf aus.

7. †. Lynx. der Luchs. (Fr. le loup-cervier.
Engl. the mountain cat). F. cauda abbreviata,
apice atro, auriculis apice barbatis, corpore ma-
culato, plantis palmisque amplissimis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

In der nördlichen Erde; doch auch häufig im Neapo-
litanischen; thut den Wildbahnen größern Schaden als
der Wolf.

8. †. Catus. die Katze. (Fr. le chat. Engl. the
cat
). F. cauda elongata, striis dorsalibus longi-
tudinalibus, lateralibus spiralibus
.

Fast in der ganzen alten Welt; ist aber erst von da
durch die Spanier nach America überbracht worden. Die
wilde*) ist größer, als die zahme, von grauröthlicher
Farbe, mit schwarzen Lefzen und Fußsohlen. Die Haus-
katze begattet sich äußerst selten unter den Augen der
Menschen, und verwildert sehr leicht wieder, wenn sie
zufällig in Wildniß geräth. Zu den Besonderheiten der
[Seite 90] Katzen gehört ihre starke Elektricität; das Leuchten ihrer
Augen im Dunkeln; ihre seltsame Gierde auf gewisse
Pflanzen, wie z.B. auf die Nepeta cataria und aufs
Teucrium marum etc.; ihr Schnurren oder Spinnen;
die ängstliche unüberwindliche Antipathie vieler Menschen
gegen dieselben etc. – Zu den vorzüglichsten Spielarten
gehört die angorische oder persische Katze mit
dem langen, seidenartigen Haar, die gewöhnlich schwer
hört; die bläulichgraue Carthäuser- oder Cyper-
katze
; und die spanische oder schildpattfarbige
Katze (Tortoiseshell-cat); unter welchen letztern man
häufig weibliche Katzen von drey ganz verschiedenen
Farben (z.B. schwarz, weiß und gelbbraun), in großen
Flecken gleich vertheilt, aber äußerst selten einen
dergleichen Kater, findet.

C) Bruta.

Ohne Gebiß oder wenigstens ohne Vorderzähne.

25. Bradypus. Faulthier. (Ignavus. Fr. pares-
seux
. Engl. sloth). Caput rotundatum, crura
antica longiora. Dentes primores nulli utrin-
que; laniarii
(?) obtusi, solitarii; molares cy-
lindrici, obtusi
.

1. Tridactylus. der Aï. B. pedibus tridactylis,
cauda brevi
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 53.

In Guiana etc. Freilich ein äußerst langsames schwer-
fälliges, aber bei aller dieser Trägheit listiges und im
Nothfall muthiges und starkes Geschöpf; hat dabei ein
äußerst zähes Leben, und wenige Bedürfnisse. Frißt
Laub, säuft gar nicht etc.

26. Orycteropus. Caput productum rostratum.
Cauda elongata conica. Palmae tetradactylae,
plantae pentadactylae. Dentes primores et
laniarii nulli; molares infra
4, supra 5.

1. Capensis. das Erdschwein.

Buffon Supplément vol. VI. tab. 31.

[Seite 91]

Am Cap. Vordem irrig zu den Ameisenbären ge-
rechnet. Ein großes animal nocturnum, das mit sei-
nen mächtig starken Krallen in der Erde gräbt, und
fast einzig von Termiten lebt.

27. Myrmecophaga. Ameisenbär. (Fr. four-
miller
. Engl. ant-eater). Rostrum productius,
lingua lumbriciformis; dentes nulli.

1. Jubata. der große Tamandua. M. palmis
tetradactylis, cauda longa jubata.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 82.

Zumahl in Brasilien. Am Leibe so groß, als ein
Fleischerhund, und lebt doch so wie die folgende kleine
Gattung in der Wildniß einzig von den dortigen großen
Ameisen.

2. Didactyla. der kleine Tamandua. M. pal-
mis didactylis, ungue exteriore maximo, plantis
tetradactylis; cauda
prehensili.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 22.

Ebenfalls in Südamerica; von der Größe und auch
fast von der Farbe des Eichhörnchens.

28. Echidna. (Tachyglossus). Corpus spinis pilis-
que tectum; rostrum elongatum, teretiusculum;
lingua lumbriciformis; dentes nulli.

1. Hystrix. E. spinis albido annulatis.

Leach's Miscellany vol. II. tab. 91.

Home in den philos. Transact. 1802. tab. 10.

So wie eine verwandte Gattung (E. setosa) in
Neu-Holland. Beide haben im innern Bau vieles, von
andern Mammalien Abweichendes, mit dem Schnabel-
thiere gemein.

29. Manis. Schuppenthier, formosanisches
Teufelchen. Corpus squamis tectum; lingua
teres; dentes nulli
.

Die Bekleidung ausgenommen, haben die Thiere die-
ses Geschlechts in ihrer Bildung, Lebensart etc. viel
[Seite 92] Aehnliches mit den Ameisenbären. Von vielen ältern
Naturforschern wurden sie unter die Eidexen gezählt.

1. Tetradactyla. der Phatagin. M. cauda lon-
giore: ungulis
bifidis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 14.

Auf Formosa und dem benachbarten Asien. Ungefähr
von der Größe des eben gedachten kleinen Ameisenbären.
Sein castanienbraun geschuppter Körper ähnelt einem
Tannenzapfen.

30. Tatu. Armadill, Panzerthier, Gür-
telthier
. (dasypus Linn). Corpus testis zo-
nisque osseis
cataphractum: dentes primores
et laniarii nulli
.

1. Novemcinctus. der Caschicame. T. zonis dor-
salibus
9; palmis tetradactylis; plantis penta-
dactylis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 83.

In Südamerica, bis an die magellanische Straße.
Baut unter die Erde, wird sehr kirre, rollt sich bei
Gefahr, so wie die Schuppenthiere und der Igel, kuge-
licht zusammen.


V. SOLIDUNGULA.

Thiere mit Hufen. Ein einziges Geschlecht von
wenigen Gattungen.

31. Equus. Pedes ungula indivisa, cauda setosa,
Dentes primores superiores
6 obtuse truncati;
inferiores
6 prominentiores; laniarii solitarii
utrinque remoti
.

1. †. Caballus. das Pferd. (Fr. le cheval. Engl.
the horse). E. cauda undique setosa.

Ursprünglich wilde Pferde gibt es schwerlich
mehr, aber häufig und theils in großen Heerden ver-
wilderte
, so z.B. in der Mongolei, und in Paraguay,
[Seite 93] wohin die Pferde (so wie überhaupt nach America)
erst durch die Spanier überbracht worden u.s.w. Un-
ter den zahmen Pferde-Rassen*) zeichnen sich die Ara-
ber (zumahl die von der Zucht der Annecy um Palmyra
herum, und vom Libanus bis gegen den Horeb etc.)
durch ihren wunderschönen Bau, so wie durch äußerste
Leichtigkeit und Dauerhaftigkeit aus. Ihnen folgen
die Persianer und Barben. Unter den europäischen
sind die spanischen (besonders die aus Andalusien), die
neapolitanischen und englischen die vorzüglichsten. Die
letztern haben besonders den Vorzug der Schnelligkeit,
wodurch sie sich in den Wettrennen auszeichnen**). –
Ganzer berittenen Nationen zu geschweigen, wie z.B.
die Kosaken, Tataren, Calmücken, die Pferde-Tungu-
sen, die Abiponer etc., so ist auch für die cultivirtesten
Völker der Werth dieses Thiers für Landwirthschaft,
Cavallerie, Postwesen etc. unermeßlich. Manche der ge-
dachten berittenen Völker leben auch großen Theils vom
Fleisch und Milch der Pferde. Die letztere gibt, wenn
sie zusammen geronnen, vollends aber wenn sie abgezo-
gen worden, das berauschende Kumiß der Mongolen.

2. †. Asinus. der Esel. (Fr. l'âne. Engl. the
ass
). E. cauda extremitate setosa, cruce dorsali
nigra
.

Der wilde Esel, von welchem das zahme Haus-
thier abstammt, ist der wahre onager der Alten; und
findet sich jetzt zumahl in der Tatarei, unter dem Na-
men Kulan***), von da er jährlich im Herbst in großen
Heerden südlich nach Indien und Persien zu zieht und
daselbst überwintert. Er ist größer und schlanker als
der zahme Esel, und von ausnehmender Schnelligkeit. –
Ins nördlichste Europa ist der Esel bis jetzt noch gar
nicht verpflanzt. Auch artet er wenig aus. Höchstens
etwa in der Farbe, da es z.B. weiße Esel gibt.

* * *
[Seite 94]

Pferd und Esel lassen sich zusammen begatten, und
geben zweyerlei Bastarde, die von großer Dauerhaftig-
keit und Stärke, und zuweilen (aber sehr selten) frucht-
bar sind. Eins ist das gemeine Maulthier [mulus,
Fr. le mulet*)], das vom männlichen Esel erzeugt,
und von der Stute geworfen wird. Das andere ist der
Maulesel [hinnus, Fr. le bardeau**)], der vom
Hengste gezeugt, und von der Eselinn geworfen ist.
Dieser letztere ist seltener, und hat Gelegenheit zur
Sage von den fabelhaften Jumarn, oder vorgeblichen
Bastarden vom Pferde- und Ochsengeschlecht, gegeben.

3. Zebra. E. zonis fuscis et albidis, maxime re-
gularibus
.

The Sebra, von G. Stubbs, 1771.

Das Zebra (wovon es zwey ganz verschiedene Gat-
tungen gibt, deren eine, das Guagga***), man irrig
für die Weibchen der andern gehalten hat) ist im süd-
lichen Africa zu Hause. Es lebt heerdenweis, ist unge-
mein schnell, aber wild und unbändig. Gezähmt haben
beide sowohl mit Eseln als Pferden Bastarde gezeugt†).


VI. BISULCA. (Pecora.)

Die wiederkauenden Thiere mit gespaltenen Klauen,
unter welchen sich die wichtigsten Hausthiere finden.

32. Camelus. Cornua nulla, labium leporinum,
pedes subbisulci††). Dentes primores infe-
riores
6 spathiformes: superiores 2; laniarii
distantes, superiores 3, inferiores 2.

[Seite 95]

1. Dromedarius. das gemeine Camel. [Fr. le
dromadaire
*)]. C. tofo dorsi unico.

Ménag. du Mus. nat. II. tab. 4.

Findet sich noch hin und wieder in Asien, zumahl in
den Wüsteneien zwischen Schina und Indien, wild, ist
aber für den ganzen Orient und für das nördliche und
mittlere Africa das wichtigste Hausthier. (Das Schiff
für die Wüsten – nennen es die Araber). Die ge-
wöhnliche Last der Carawanen-Camele ist gegen sechs
Centner, und damit legen sie täglich gegen vier deutsche
Meilen (– die Courier-Camele oder Heiries aber
zwey Meilen in einer Stunde –) zurück. Das nutzbare
Thier frißt dorniges Buschwerk, was in den Wüsten in
Menge wächst, und für kein anderes Säugethier zur
Nahrung taugt. Auch kann es, wie versichert wird, den
Durst mehrere Wochen lang erdulden, säuft aber dafür
ungeheuer viel auf ein Mahl. Beide, sowohl diese, als
die folgende Gattung, haben eine große Schwiele vorn
an der Brust, vier kleine an den Vorderfüßen, und
zwey dergleichen an den Hinterfüßen, die ihnen zum
Aufstemmen dienen, wenn sie müde sind, und sich nie-
derlegen.

2. Bactrianus. das Trampelthier. (Fr. le
chaineau
. Engl. the camel). C. tofis dorsi
duobus
.

Ménag. du Mus. nat. I. tab. 1.

Im mittlern Asien, bis gen Schina, zumahl in gan-
zen großen Heerden in Bessarabien etc. wird daselbst
seines schnellen Trabes und natürlichen Sattels wegen,
mehr als die vorige Gattung zum Zuge gebraucht.

3. Llama. das Liama, die Camelziege, Gua-
naco
. C. dorso laevi, tofo pectorali.

Schreber. tab. 306.

So wie die folgende Gattung im südlichen America,
besonders dem gebirgigen Peru. Ward als Lastthier ge-
braucht, und kann bei seiner mäßigen Größe doch bis
anderthalb Centner tragen.

[Seite 96]

4. Vicuña. das Schafcamel. (Fr. la vigogne).
C. tofis nullis, corpore lanato.

Schreber. tab. 307.

Kleiner als das Liama. Läßt sich nicht zähmen, son-
dern wird wegen seines zimmtbraunen Haares, das die
bekannte Vigogne-Wolle gibt, jährlich in großen Treib-
jagden haufenweis gefangen. Auch soll der occiden-
talische Bezoarstein
am öftersten in dieser Gattung
gefunden werden.

33. Capra. Cornua cava rugosa scabra. Den-
tes primores superiores nulli, inferiores 8,
laniarii nulli.

1. †. Ovis. das Schaf. (Fr. la brebis. Engl.
the sheep). C. mento imberbi, cornibus com-
pressis lunatis
.

Findet sich wohl nirgends mehr ursprünglich wild;
scheint auch weit seltner als die Ziege wieder
verwildern zu können: wird aber fast in der ganzen
alten Welt als eins der allernutzbarsten Hausthiere ge-
halten, und ist auch bald nach der Entdeckung von
America dorthin verpflanzt worden.

Unter den verschiedenen Rassen der Schafe sind vor
allen die spanischen, aus Segovien, und die engli-
schen
und deren treffliche Abkömmlinge auf Neu-Süd-
Wallis wegen ihrer ausnehmenden Wolle; die isländi-
schen
mit vier, sechs oder acht Hörnern; und die
arabischen und ägyptischen mit dem großen und
wohl 40 Pfund schweren Fett-Schwanze, zu merken.
Die ostfrisischen Marsch-Schafe sind ungehörnt;
groß, wollreich, mit kahlen kurzen Schwänzen; die lü-
neburger Heidschnucken hingegen klein, und beide
Geschlechter gehörnt. Die zwischen den Wendezirkeln
haben mehrentheils statt der krausen Wolle schlichtes Zie-
genhaar; und die in Südafrica noch überdies lang
herabhängende Ohren.

2. Ammon. das Muffelthier. (musimon. Büf-
fon's
mouflon). C. cornibus arcuatis circum-
flexis subtus planiusculis, palearibus laxis pilosis
.

Brandt u. Ratzeburg. l. t. 9.

[Seite 97]

Auf Corsica und Sardinien, in Griechenland, in der
Barbarei; eine verwandte, weit größere Art aber
(das Argali) in Sibirien bis Kamtschatka und dann
im nordwestlichen America. Letzteres ein sehr schmack-
haftes Wildbret, hat mächtig starke und schwere*) Hör-
ner, und wird von einigen Naturforschern für das
Stammthier zu unserm Schaf gehalten.

3. †. Hircus. die Ziege. (Fr. la chèvre. Engl.
the goat.) C. mento barbato, cornibus arcuatis
carinatis
.

Die Hausziege scheint von dem aegagrus abzustam-
men, der im Caucasus und den daran gränzenden öst-
lichen Gebirgen lebt, und in dessen Pansen (so wie bei
manchen Gattungen von Antilopen) zuweilen der orien-
talische
Bezoarstein gefunden wird, daher das Thier
selbst mit dem Namen des Bezoarbocks belegt wor-
den**). – Die Hausziege (– das wichtige Haus-
thier der alten Guanchen auf den Canarischen In-
seln –) verwildert leicht wieder, und ist nun meist
eben so weit als das Schaf auf der Erde verbreitet. –
Die angorische Ziege oder das Kämmelthier hat langes
seidenartiges Haar und gibt das beste so genannte Ca-
melgarn, so wie aus dem äußerst seinen Wollhaar, das
die schönen kleinen geradhörnigen Bergziegen in Kash-
mir und Tibet unter ihrem gröbern, langen Haar tra-
gen, die allerköstlichsten Shawls in jenem paradiesischen
Wunderlande gewebt werden***).

4. †. Ibex. der Steinbock. (capricornus. Fr. le
bouquetin
. Engl. the wild goat.) C. mento bar-
bato, cornibus lunatis maximis, supra nodosis, in
dorsum reclinatis
.

Meisner's Museum der N. G. Helvetiens
Nro. 1 und 6.

[Seite 98]

In den höchsten Schneegebirgen von Savoyen, so
wie in den sibirischen Alpen. Das Gehörn eines be-
jahrten Steinbocks wiegt wohl 8 Pfund, und hat meist
eben so viel knorrige Ringe auf jeder Seite.

34. Antilope. Cornua cava, teretia, annulata,
vel spiralia. Dentes ut in capris
.

Ein weitläuftiges Geschlecht, wovon sich zahlreiche
Gattungen im mittlern und südlichern Asien und Africa,
zumahl aber am Cap finden*).

1. †. Rupicapra. die Gemse. (Fr. le chamois,
l'Izard). A. cornibus erectis uncinatis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1803.

In den alpinischen Gegenden des mildern Europa
und westlichen Asiens. Zahm gemachte Gemsen sollen
sich mit den Ziegen gepaart und Bastarde erzeugt ha-
ben. Von den unverdaulichen Zasern ihres Futters
bilden sich in ihrem Pansen die ehedem berühmten so
genannten Gemsballen (aegagropilae).

2. Dorcas. die Gazelle. A. cornibus teretibus
annulatis, medio flexis, apicibus laevibus approxi-
matis
.

Schreber. tab. 269.

Im ganzen Orient und Nordafrica. Das schlanke
flinke Thier macht die Lieblingsjagd der Morgenländer,
und gibt ihrer Dichtersprache das reizende Bild weib-
licher Schönheit.

3. Oreotragus. der Klippspringer. A. cornibus
rectis subulatis, capite rufo, corpore ex flavo
virescente, cauda brevissima.

Schreber. tab. 259.

In Südafrica.

4. Pygarga. der Springbock, Prunkbock. A.
cornibus liratis, linea laterali faciei et trunci
fusca, clunibus albis
.

Vosmaer descr. de la Gazelle de parade.

[Seite 99]

Im Innern des südlichen Africa, von wannen er
jährlich in Heerden von vielen tausenden gegen das Cap
zu und nach einigen Monathen wieder zurück zieht.

5. Leucophaea. der große blaue Bock. A. cor-
nibus recurvatis teretiusculis annulatis, corpore
caerulescente.

Schreber. tab. 278.

Nur noch im Caffetlande; übrigens aber ausgerottet.

6. Oreas. das Cudu. A. cornibus subulatis rectis
carinato-contortis, corpore griseo.

Vosmaer descr. d'un animal appellé Canna.

In Südafrica und Ostindien. Die Form und Länge
seiner geraden Hörner ähnelt der von dem fabelhaften
Einhorn, wozu es vielleicht den Anlaß gegeben.

7. Pieta. das Nylghau. A. cornibus antrorsum
incurvis, cervice colloque jubatis, cauda longa
floccosa, pedibus albo nigroque annulatis.

W. Hunter in philos. Transact. vol. LXI.
tab. 5.

In Bengalen etc.

8. Gnu. A. cornibus antrorsum directis, apicibus
reflexis; mento barbato: juba cervicali et pectorali.

Vosmaer descr. du Gnou.

In öden Gegenden vom Cap landeinwärts. Fast
von der Größe eines Pferdes; und an Gebilde manches
Ochsenähnlich.

35. Bos. Cornua concava, lunata, laevia. Den-
tes ut in generibus praecedentibus
.

1. †. Taurus. der Ochse. (Fr. le boeuf. Engl. the
ox.
) B. cornibus teretibus extrorsum curvatis,
palearibus laxis
.

Der Auerochse (urus, bonasus und Bison der al-
ten Welt) wird noch jetzt in Polen, Litauen, Sibirien
gefunden, und war ehedem auch in Deutschland einhei-
misch. Ob er die wilde Stammrasse von unserem ge-
zähmten Hornvieh sei, ist neuerlich bezweifelt worden.

[Seite 100]

Zu den merkwürdigsten Varietäten des domesticirten
Rindviehs gehört die halbwilde weiße Rasse mit brau-
nen oder schwarzen Ohren, auf den Ladronen, und hin
und wieder in Großbritannien: die mit den ausnehmend
großen Hörnern in Sicilien: die gänzlich ungehörnte in
einigen Provinzen von England u.a.m.

Dagegen scheint's noch zweifelhaft, daß auch die in-
dische (von den Hindus heilig verehrte) Buckelkuh, der
bos indicus, oder Zebu*)eine bloße Varietät dieser
Gattung seyn solle.

Im Pansen des Rindviehs finden sich zuweilen Bal-
len aus Haaren, die sie sich abgeleckt und eingeschluckt
haben. Die ihnen eigene, furchtbare, pestartige Vieh-
seuche, hat zumahl seit 1711 zuweilen lange und weit
und breit grassirt. Hingegen sind die Kuhpocken seit
1798 durch Dr. Jenner als wohlthätiges Sicherungs-
mittel für die Kinderblattern bewährt worden.

2. Buffelus. der Büffel. (Engl. the Buffalo).
B. cornibus resupinatis intortis antice planis.

Brandt u. Ratzeburg. l. t. 10.

Stammt wohl ursprünglich aus Tibet, ist nun aber
nach und nach durch den größten Theil von Asien und
Nordafrica verbreitet, und wird auch hin und wieder
in Europa, wie z.B. seit dem siebenten Jahrhundert
in Italien, in Ungarn, und auch im Salzburgischen
gezogen und zum Zuge gebraucht. Hat ein schwarzes
dünn behaartes Fell, das ausnehmend stark und vor-
züglich zu Schläuchen tauglich ist.

3. Arni. der Riesenbüffel. B. cornibus divari-
catis, lunatis, longissimis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 63.

In den gebirgichten Gegenden von Nord-Hindostan.
Ungeheuer groß, so daß ein junger 15 Centner gewogen.

4. Grunniens. der Büffel mit dem Pferde-
schweif, Ziegenochse
. B. cornibus teretibus,
introrsum curvatis, vellere propendente, cauda
undique jubata
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 23.

[Seite 101]

In Tibet zu Hause, wird aber auch in Hindostan
als Hausthier gehalten. Kleiner als unser Hornvieh,
zeichnet sich auch außerdem durch seine grunzende
Stimme, durch sein zottiges Ziegenhaar, und durch
einen büschligen sehr langhaarigen Schwanz aus, der,
wenn er schön ist, in Indien hoch geschätzt und theuer
bezahlt wird.

5. Bison. der nordamericanishe Bison. B.
cornibus divaricatis brevibus, juba longissima,
dorso gibboso.

Schreber. tab. 296.

Das größte Landthier der neuen Welt; lebt heerden-
weise in den sumpfigen Wäldern des mildern Nordame-
rica. Im Winter ist es über den ganzen Körper be-
haart, im Frühjahr hingegen wird es am Rücken und
Hinterleibe kahl, und behält bloß seine große Brust-
und Nacken-Mähne.

6. Moschatus. der Bisamstier. (Fr. le boeuf mus-
qué
. Engl. the musk ox). B. cornibus deflexis,
basibus latissimis complanatis ad frontem conti-
guis; apicibus reflexis
.

Cptn. Parry's 1st voyage tab. 17.

Sein Vaterland ist bloß aufs äußerste Nordamerica
im Westen der Hudsonsbay vom 66 bis 73° der Breite
eingeschränkt. Ein Paar seiner Hörner soll zuweilen
über einen halben Centner wiegen.

36. Giraffa. Cornua simplicissima pelle tecta,
fasciculo pilorum nigro terminata. Dentes pri-
mores
superiores nulli; inferiores
8 spathulati,
extimo bilobo; laniarii nulli.

1. Camelopardalis. die Giraffe.(Nabis).

Cptn. Carteret in den philos. Transact.
Vol. LX. tab. 1.

Im innern Africa. Sie hat, wegen ihres langen
Halses, kurzen Körpers, abhängigen Rückens, und we-
gen ihres röthlichen, schön gefleckten Felles, ein sehr
auszeichnendes Ansehen; sie soll im Schreiten, wie ein
Paßgänger, immer den Vorder- und Hinterfuß der ei-
nen Seite zugleich heben, und daher einen sonderbaren
[Seite 102] Gang haben, von dem die Bewegung des Springers
im Schachspiel entlehnt worden; und ist, wenn sie auf-
recht steht, über 16 Fuß hoch.

37. Cervus. Cornua solida multifida. Dentes ut
in generibus praecedentibus
(interdum tamen
laniarii solitarii superiores
).

1. Alces. das Elennthier, Elch. (Fr. l'élan.
Engl. the elk). C. cornibus planis acaulibus,
palmatis
.

Brandt u. Ratzeburg l. t. 5.

In der ganzen nördlichen Erde (wenn anders das
nord-americanische Elenn, Fr. l'orignal, Engl. the
moose-deer
*) keine eigene Gattung macht), ist sehr
hochbeinig; erreicht die Größe vom Pferd, wiegt wohl
über 600 und sein Gehörn 30 Pfund; läßt sich
zähmen und heerdenweise auf die Weide treiben. Die
alten Sagen, daß das Elennthier oft von Epilepsie be-
fallen werde etc. brauchen jetzt keiner Widerlegung.

2. †. Dama. der Damhirsch, Tannhirsch. (Fr.
le daim. Engl. the buck, the fallow-deer). Corni-
bus subramosis compressis, summitate palmata
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Im mildern Europa. Kleiner als der gemeine
Hirsch; variirt in der Farbe.

3. Tarandus. das Renthier. (rangifer. Fr. le
renne
. Engl. the rein). C. cornibus (in utro-
que sexu
) longis, simplicibus, teretibus, summi-
tatibus subpalmatis, juba gulari pendula
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In der ganzen nördlichen Erde; theils in mäch-
tigen Heerden; kann in wärmern Zonen nicht aus-
dauern, lebt von dürrem Laub, und vorzüglich von
Renthier-Moos, das es unter dem Schnee hervorscharrt.
Dient zumahl den Lappländern, Samojeden, Tungusen
und Koräken zur Befriedigung der dringendsten Bedürf-
nisse des Lebens.

[Seite 103]

4. Elaphus. der Edel-Hirsch. (Fr. le cerf.
Engl. the stag). C. cornibus ramosis totis tere-
tibus, recurvatis apicibus multifidis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1794.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem Elenn, nur
unter mehr südlicher Breite. Die Zahl der Enden sei-
nes Geweihes richtet sich nicht genau nach dem Alter
des Thiers: nach dem achten Jahre ist sie unbestimmt.
Die größten natürlichschönen Geweihe sind höchst selten
von mehr als 24 wahren Enden. Der Hirsch wird
ungefähr 30 Jahre oder etwas darüber alt.

5. †. Capreolus. das Reh. (Fr. le chevreuil. Engl.
the roe). C. cornibus ramosis, teretibus, erectis,
summitate bifida
.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1797.

In den mildern und wärmern Erdstrichen von Europa
und Asien. Das Gehörn des Rehbocks wird zumal nach
Castration, auffallender als bei andern Gattungen die-
ses Geschlechts durch sonderbare Exostosen entstellt.

38. Moschus. Cornua nulla. Dentes primores
ut in praecedentibus generibus; laniarii supe-
riores solitarii exserti
.

1. Moschifer. das Bisamthier. (Fr. le musc.
Engl. the musk). M. folliculo umbilicali.

Brandt u. Ratzeburg l. t. 7.

In den Schwarzwäldern und bergigen Gegenden von
Tibet und dem südlichen Sibirien. Das Männchen hat
in der Nabelgegend einen Beutel fast von der Größe
eines Hühnereies, worin sich der Bisam, dieses wichtige
Arzneimittel, sammelt.

2. Pygmaeus. das kleine guineische Rehchen.
(Fr. le chevrotain). M. supra fusco-rufus, sub-
tus albus, ungulis succenturiatis nullis
.

Seba, thes. I. tab. 45. fig. 1.

In Ostindien und auf Guinea. Das kleinste Thier
dieser Ordnung. Seine ganzen Beine sind nur Fingers
lang, und haben ungefähr die Dicke eines Pfeifenstiels.


VII. MULTUNGULA. (Belluae,
die mehresten Pachydermata Cuv.)

[Seite 104]

Meist sehr große, aber unförmliche, borstige oder
dünn behaarte Säugethiere, mit mehr als zwey
Klauen an jedem Fuß. Also mit Inbegriff der
Schweine, denn auch diese haben im Grunde vier
Klauen.

39. Sus. Rostrum truncatum, prominens, mo-
bile. Dentes
primores (plerisque) superiores
4, convergentes, inferiores 6, prominentes;
laniarii superiores 2, inferiores 2, exserti.

1. †. Scrofa. das Schwein. (Fr. das wilde le
sanglier
, das zahme le cochon. Engl. jenes the wild
boar
, dieses the hog). S. dorso setoso, cauda pilosa.

Das wilde Schwein hat eine längere Schnauze und
überhaupt eine andere Form des Schädels, kürzere
aufrechte Ohren, größere Fangzähne als das Haus-
schwein, und ist fast immer von schwarzgrauer Farbe.

Wenige Thiere sind so allgemein fast über die ganze
Erde verbreitet, als das Hausschwein. Es hat einen
ungemein scharfen Geruch, und ist beinahe ein animal
omnivorum
. Das Weibchen wirft nicht selten zwey
Mahl im Jahr und wohl ehr bis 20 Junge auf ein
Mahl. – In America, wohin diese Schweine aus
Europa übergebracht worden, sind sie theils verwildert.
(Fr. cochons marons). Auf Cuba wurden sie mehr
als noch ein Mahl so groß, als ihre europäischen
Stammältern; auf Cubagua arteten sie in eine aben-
teuerliche Rasse aus mit Klauen, die auf eine halbe
Spanne lang waren etc. – Die schinesischen (Fr. co-
chons de Siam
) haben kürzere Beine und einen aus-
geschweiften Rücken ohne Mähne. – In Schweden
und Ungarn findet sich nicht selten eine Spielart mit
ungespaltenen Klauen, die schon den Alten bekannt war,
so wie man auch welche mit fünf Klauen gesehen hat.

[Seite 105]

2. Aethiopicus. das Emgalo. (Büffon's sang-
lier du Cap verd
). S. dentibus primoribus nul-
lis; laniariis superioribus lunatis extrorsum cur-
vatis; sacculis verrucosis sub oculis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 92.

Im Innern von Südafrica. Auch auf Madagascar.
Ein furchtbar wildes Thier, mit mächtig großem Kopf,
spannen-breitem Rüssel, großen warzigen Fleischlappen
unter den Augen etc.

3. Tajassu. das Bisamschwein, Nabelschwein,
(Pecari, Pakira). S. cauda nulla, folliculo mo-
schifero ad extremum dorsi
.

Schreber. tab. 325.

Heerdenweise in den wärmern Gegenden von Süd-
america. Wird höchstens nur 60 Pfund schwer.

4. Babirussa*). S. dentibus laniariis superioribus
maximis, parallelis retrorsum arcuatis
.

Schreber. tab. 328.

Zumal auf den moluckischen Inseln. Lebt am Was-
ser, kann sehr geschickt selbst nach ziemlich entlegenen
Inseln schwimmen. Es hält schwer, zu bestimmen, wozu
ihm die fast zirkelförmigen großen Eckzähne des Ober-
kiefers dienen mögen? beim Weibchen sind sie weit
kleiner.

40. Tapir. Dentes primores utrinque 6; lania-
rii
4; palmae ungulis 4, plantae ungulis 3.

1. Americanus. der Tapir, Anta.

Schreber. tab. 319.

Das größte Landthier in Südamerica, von der Sta-
tur eines mittelmäßigen Ochsen. Kopf und Schenkel
sind ungefähr wie beim Schwein; die Oberlippe zuge-
spitzt und sehr beweglich. Gewöhnlich setzt sich's auf die
Hinterfüße wie ein Hund. Geht gern ins Wasser,
schwimmt sehr gut etc. – Ein sehr ähnliches Thier, das
[Seite 106] Maïta findet sich in Ostindien auf Malacca und Su-
matra*).

41. Elephas. Elephant. Proboscis longissima,
prehensilis; dentes superiores eburnei exserti
.

1. Asiaticus. E. capite elongato, fronte concava,
auriculis minoribus angulosis; dentium molarium
corona lineis undulatis parallelis distincta
.

Ménag. du Mus. nat. II. tab. 2. VII. tab. 3.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 19. fig. B.

Im südlichen Asien, vorzüglich auf Ceilon. Ist das
größte von allen Landthieren, wird wohl 15 Fuß hoch
und wiegt im zwanzigsten Jahre auf 7000 Pfund. Seine
auf dem Rücken fast Daumens dicke Haut ist doch selbst
gegen Insectenstiche empfindlich; gewöhnlich von grauer
Farbe. Das Hauptorgan des Elephanten ist sein Rüs-
sel, der ihm zum Athemhohlen, zum äußerst feinen Ge-
ruch, zum Wasserschöpfen, sein Futter damit zu fassen
und ins Maul zu stecken, und zu vielerlei andern Ver-
richtungen, statt der Hände dient. Er kann ihn drey
Ellen lang ausstrecken, und bis zu anderthalb Ellen wie-
der einziehen. Am Ende ist derselbe, wie mit einem
biegsamen Haken versehen, und hiermit kann er unge-
mein feine kunstreiche Handlungen verrichten, z.B.
Knoten aufknüpfen, Schnallen auflösen, mehrere Stücken
Geld mit Einem Mahl aufheben u.s.w. Seine Nah-
rung besteht vorzüglich aus Laub der Bäume, Reis und
andern Gräsern. Er schwimmt mit ungemeiner Leichtig-
keit selbst durch schnelle Ströme. Bei der Begattung
soll er sich wie die mehrsten vierfüßigen Säugethiere be-
springen. Das neugeworfene Junge saugt mit dem
Maule (nicht mit dem Rüssel, wie viele gemeint haben).
Ungefähr im dritten, vierten Jahre kommen bei beiden
Geschlechtern die zwey großen Stoßzähne zum Ausbruch,
die das Elfenbein geben. Sie werden wohl 7 bis
8 Fuß lang und einer derselben kann bis auf 200 Pfund
wiegen. Wahrscheinlich wird der Elephant auf 200 Jahre
alt. Am häufigsten nutzt man ihn zum Lasttragen, da
[Seite 107] er zum mindesten 20 Centner zu tragen, und schwere
Ballen etc. Berge hinauf zu wälzen im Stande ist.
Sein Gang ist gleichsam ein schnelles Schieben der Beine,
und dabei so sicher, daß er auf auch ungebahnten We-
gen doch nicht strauchelt.

2. Africanus. E. capite subrotundo, fronte con-
vexa, auriculis amplissimis, rotundatis; dentium
molarium corona rhombis distincta
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 32. fig. C.

Diese im mittlern und südlichern Africa einheimische
Gattung wird jetzt höchstens nur noch im Innern dieses
Erdtheils als Hausthier gehalten, im übrigen aber bloß
des Fleisches und vorzüglich des Elfenbeins wegen ge-
fangen und geschossen.

42. Rhinoceros. Nashorn. (Abada). Cornu
solidum, conicum, naso insidens
.

1. Asiaticus. Rh. dentibus primoribus, utrinque
quaternis, inferioribus conicis, superioribus sub-
lobatis; laniaris nullis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 7. fig. B.

In Ostindien. Das bei dieser Gattung mehrentheils
einzelne Horn ist bei ihm, so wie das doppelte beim
africanischen, nicht am Knochen fest gewachsen, sondern
bloß auf demselben aufsitzend.

2. Africanus. Rh. dentibus primoribus et laniariis
nullis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 7. fig. A.

In Südafrica, am Cap etc. Meist mit doppeltem
Horn; das zweyte ist kleiner, und sitzt hinter dem
erstern.

43. Hippopotamus. Dentes primores superiores
remoti
, (inferiores procumbentes); laniarii in-
feriores incurvati, oblique truncati
.*)

[Seite 108]

1. Amphibius. das Nilpferd. (am Cap Seekuh
genannt).

Buffon, Supplément vol. III. tab. 62. 63.
vol. VI. tab. 4. 5.

Häufig im südlichen Africa, so wie ehedem im Nil.
Aeußerst plump, mit einem unförmlichen großen Kopfe,
ungeheuern Rachen, dicken Leibe, kurzen Beinen etc.
Ein erwachsenes wiegt wenigstens viertehalb tausend
Pfund. Nährt sich von Vegetabilien und Fischen.


VIII. PALMATA.

Säugethiere mit Schwimmfüßen, deren Geschlech-
ter wieder nach der Verschiedenheit ihres Gebisses
(so wie oben die Digitata) in drey Familien zerfal-
len. A) Glires. B) Ferae. C) Bruta.

A) Glires.

Mit meißelförmigen Nagezähnen.

44. Castor. Pedes postici palmati. Dentes pri-
mores
utrinque
2.

1. †. Fiber. der Biber. (Fr. le castor. Engl.
the beaver). C. cauda depressa, ovata, quasi
squamosa
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 43.

In der nördlichern Erde, in einsamen Gegenden an
Land-Seen und größern Flüssen. Er wird wegen sei-
ner feinen Haare für die Handlung, und für die Arz-
neikunst wegen des so genannten Bibergeils wichtig,
das sich bei beiden Geschlechtern in besondern Behäl-
tern am Ende des Unterleibes findet. Am berühmtesten
sind aber diese Thiere durch die ausnehmende Kunstfer-
tigkeit, mit welcher sie, da wo sie sich (wie im Innern
von Canada) noch in Menge beisammen finden, ihre
dauerhaften Wohnungen, besonders aber, da wo sie es
nöthig finden, die dazu gehörigen bewundernswürdigen
Dämme aufführen. Denn, zugegeben, daß freilich in
den Erzählungen mancher Reisebeschreiber vom Bau der
[Seite 109] Biberhütten vieles verschönert und übertrieben worden,
so wissen sich doch diese Thiere, nach dem einstimmigen
Zeugniß der unverdächtigsten Beobachter aus ganz ver-
schiedenen Welttheilen, dabei so nach zufälligen Umstän-
den zu bequemen, daß sie sich dadurch weit über die
einförmigen Kunsttriebe anderer Thiere erheben.

B) Ferae.

Mit dem Gebiß der reißenden Thiere.

45. Phoca. Pedes postici exporrecti, digiti coa-
liti. Dentes primores superiores
6, inferio-
res
4; laniarii solitarii.

Nebst den Thieren des vorigen Geschlechts gleichsam
die Amphibien unter den Säugethieren, deren ganzer
Körperbau darnach eingerichtet ist, um in beiden Ele-
menten leben zu können*).

1. Vitulina. der Seehund, die Robbe, das
Seekalb. (Fr. le veau marin. Engl. the seal).
P. capite laevi, auriculis nullis, corpore griseo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 73.

In den nördlichen Meeren; auch im schwarzen, Cas-
pischen, und mehrern Sibirischen Seen. Ist für die
finnischen Insulaner, so wie für die Kamtschadalen, be-
sonders aber für die Grönländer und für die labradori-
schen Esquimos, ein äußerst wichtiges Geschöpf: die bei-
den letztern Völker zumal, nähren sich von seinem Fleisch,
kleiden sich in sein Fell, beziehen ihre Sommerhütten und
Lederbothe damit etc. Sein Fang macht ihr vorzüglichstes
Geschäft, und die darin erworbene Geschicklichkeit ihr
Glück und ihren Stolz aus. Kann wie die nächstfol-
gende Gattung leicht kirre und zuthuig werden.

[Seite 110]

2. Monachus. die Mönchsrobbe. (Fr. le pho-
que à ventre blanc
). P. inauriculata, dentibus
incisoribus utrinque
4; palmis indivisis, plantis
exunguiculatis
.

Buffon, Supplém. vol. VI. tab. 44.

Zumahl im mittländischen Meere. Sehr gelehrig.
Auch auffallend wegen der unruhigen Veränderlichkeit
ihrer ganzen Gesichtsbildung.

3. Ursina. der Seebär. P. auriculata, collo laevi.

Buffon, Supplém. vol. VI. tab. 47.

Im Sommer heerdenweise auf den Inseln des kamt-
schatkischen Meers, überwintert aber vermuthlich auf
den benachbarten etwas südlichern Inseln des stillen
Oceans. Lebt in Polygamie, so daß jedes Männchen
wohl dreyßig bis vierzig Weibchen hat, die es mit vie-
ler Eifersucht bewacht, und gegen seine Nebenbuhler zu
behaupten sucht*).

4. Jubata. der stellersche Seelöwe. P. auricu-
lata, collo jubato
.

Buffon, Supplém. vol. VI. tab. 48.

Im ganzen stillen Ocean. Die größte Gattung dieses
Geschlechts; hat den Namen von der beim Männchen
gewisser Maßen löwenartigen Mähne.

5. Proboscidea (cristata Linn.). der ansonsche See-
löwe
. (Engl. the Sea-Elephant). P. naso pro-
boscideo retractili
.

Péron voy. aux terres australes. tab. 32.

An den südlichern Inseln im atlantischen und stillen
Ocean. Wird auf 30 Fuß lang. Nur das Männchen
hat die sonderbare rüsselförmige Nase.

46. Lutra. Palmae plantaeque natatoriae. Den-
tes primores utrinque
6; superiores distincti,
inferiores conferti
.

[Seite 111]

1. Vulgaris. die Fischotter. (Fr. la loutre.
Engl. the otter.) L. plantis nudis, cauda cor-
pore dimidio breviore
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1798.

In den mildern Gegenden der nördlichen Erde. Die
schönsten in Canada.

2. Brasiliensis. die brasilische Flußotter, der
Wasserwolf. (la saricovienne.) L. badia, ma-
cula alba submentali, cauda corpore dimidio bre-
viore
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 93.

Diese gemeiniglich mit der folgenden verwechselte
Gattung lebt in den Flüssen und Landseen des östlichen
und innern Südamerica.

3. Marina. die Seeotter. (Fr. le castor marin.
Engl. the sea-otter.) L. nigra, plantis pilosis,
cauda corpore quadruplo breviore
.

Cook's voyage to the northern hemisphere
vol. II. tab.43.

Besonders um Kamtschatka und an der jenseitigen Küste
vom nordwestlichen America bis hinunter nach Nutka-
Sund, doch auch um Corea, und zumal im gelben See.
Ihr schwarzes und silbergraues Fell ist für die Schinesen
das kostbarste aller Rauchwerke.

C) Bruta.

Ohne Gebiß, oder wenigstens ohne Vorderzähne.

47. Ornithorhynchus. Mandibulae rostratae
(anatinae). Dentes nulli*).

[Seite 112]

1. Paradoxus. das Schanabelthier. (Engl. the
duck-bill
).

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 41.

Dieses so ganz abenteuerliche Geschöpf zeichnet sich
von allen bisher bekannten Säugethieren durch die bei-
spiellose Bildung seiner Kinnladen aus, die im äußern
aufs vollkommenste einem breiten platten Entenschnabel
ähneln, auch eben so mit einer weichen nervenreichen
zum Tasten bestimmten Haut überzogen, auch an den
Seitenrändern gezähnelt sind. Beiderlei Füße sind mit
einer Schwimmhaut versehen, die an den Vordern noch
vor den Krallen hervorragt, und sich mittelst derselben
fächerartig zusammenfalten oder ausbreiten läßt. Dieses
Wunderthier lebt in Landseen des an sonderbaren For-
men seiner Geschöpfe so reichen Australiens, unweit Bo-
tanybay.

48. Trichechus. Pedes posteriores compedes
coadunati
.

1. Rosmarus. das Wallroß. (Fr. le morse.
Engl. the walrus). T. dentibus laniariis supe-
rioribus
exsertis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 15.

Bei dem Treibeis des Nordpols: oft zu hunderten
beisammen. Nährt sich vom Seetang und Schalthieren,
die er mit seinen Hauzähnen loskratzt. Die alten
Normannen machten ihre fast unverwüstlichen Ankertaue
von Wallroßriemen*).

Eine verwandte Gattung, der Dugong, ist in Süd-
indien, zumal an den Sundischen und Moluckischen
Inseln zu Hause**).

2. Manatus. die Seekuh. (Fr. le lamantin).
T. dentibus laniariis inclusis.

Albers icones ad illustr. anat. compar. Fasc. II.
tab. 4.

[Seite 113]

In Flüssen und an den Seeküsten der wärmern Erde,
z.B. häufig im Orinoco. Scheine zu manchen der Sa-
gen von Meerjungfern (oder Sirenen der neuern) An-
laß gegeben zu haben*).


IX. CETACEA**).

49. Monodon. Dens alteruter maxillae superio-
ris exsertus longissimus, rectus, spiralis
.

1. Narhwal. das See-Einhorn.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 44.

Meist im nördlichen atlantischen Ocean. Das Junge
hat ursprünglich zwey Zähne (in jedem Oberkieferkno-
chen Einen), die aber von ungleicher Größe sind, und
beim Erwachsenen sehr selten zusammen gefunden wer-
den, sondern gewöhnlich nur einer von beiden. Zuwei-
len so lang als der Körper des Thieres, d.h. wohl
18 Fuß und darüber.

50. Balaena. Dentes nulli. Laminae loco su-
periorum corneae
.

1. Mysticetus. der Wallfisch. (Fr. la baleine.
Engl. the black whale). B. dorso impinni.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 94.

Das größte aller bekannten Thiere***), das über
100000 Pfund an Gewicht hält, ist theils gegen den
[Seite 114] Nordpol, aber auch in südlichen Gegenden im atlanti-
schen Ocean, und im stillen Meere zu Hause. Die heu-
tiges Tages gefangen werden, sind selten über 60 bis 70
Fuß lang. Der ungeheure Kopf macht wohl ein Drit-
tel des ganzen Thiers aus. Die Haut ist meistens
schwarz oder mit weiß gemarmelt etc., hin und wieder
dünn behaart, und oft mit Muscheln besetzt. Den kamt-
schadalischen Insulanern und den nordwestlichen Ameri-
canern gibt dieses ungeheure Thier victus et amictus etc.
Die Europäer hingegen fangen den Wallfisch (wovon
ein großer 5000 Rthlr. werth seyn kann) des Fisch-
thrans und der Barden wegen, deren er auf 700 im
Oberkiefer hat, die das (zuweilen weißstreifige) Fischbein
geben, und von denen die mittelsten wohl 20 Fuß
lang werden.

2. Rostrata. einer der verschiedenen Finnfische.
B. pectore sulcato, pinna dorsali obtusa.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 74.

Die Haut an Hals und Brust und Vordertheil des
Bauchs ist bei dieser und einigen andern Gattungen
dieses Geschlechts sehr regelmäßig nach der Länge ge-
furcht*).

51. Physeter. Dentes in maxilla inferiore.

1. Macrocephalus. der Caschelot, Pottfisch.
(Engl. the white whale). P. dorso impinni,
dentibus inflexis, apice acutiusculo
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 84.

Meist in den südlichen Weltmeeren; zumal an den
Küsten von Brasilien und von Neu-Südwallis. Er er-
reicht die Größe des Wallfisches, hat einen ungeheuren
Rachen, und kann Klafterlange Hayfische verschlingen.
Sein Oberkiefer ist sehr breit, der untere hingegen
überaus schmal. Er wird vorzüglich des Wallraths
(sperma ceti) wegen aufgesucht, das in Gestalt eines
[Seite 115] milchweißen Oehls theils im Körper des Thiers bei dem
Thran, theils aber, und zwar in größter Menge in be-
sondern Behältern am Kopfe desselben, zumal vorn auf
den Oberkiefern gefunden wird, und an der Luft zu ei-
nem halb durchsichtigen Talg verhärtet. – Die köstliche
wohlriechende graue Ambra ist eine Stercoralverhärtung,
die sich zumal im dicken Darm mancher davon erkran-
kender Caschelotte findet.

52. Delphinus. Dentes in maxilla utraque.

1. Phocaena. das Meerschwein, der Braun-
fisch
. (tursio Plin. Fr. le marsouin. Engl.
the porpoise). D. corpore subconiformi, dorso
lato pinnato, rostro subobtuso
.

Ménag. du Mus. nat. VII. tab. 4.

So wie die folgende Gattung in den europäischen
Meeren: wird so wie diese 1 1/2 Klafter lang und ist zu-
mal für die Lachse ein schädliches Raubthier.

2. Delphis. der Delphin, Tümmler. (Fr. le
dauphin
. Engl. the porpesse). D. corpore ob-
longo subtereti, dorso pinnato, rostro attenuato,
acuto
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 95.

Der eigentliche Delphin der Alten.

3. Orca. der Nordcaper, Speckhauer. (Fr.
l'épaulard. Engl. the grampus). D. pinna dorsi
altissima: dentibus subconicis, parum incurvis
.

Schreber. tab. 340.

Mehr im nördlichen Weltmeere, doch auch im mittel-
ländischen; wird 20 Fuß lang.


Fünfter Abschnitt.
Von den Vögeln.

[Seite 116]

§. 55.

Die Säugethiere zeigen in ihrer Bildung, mit-
hin auch in ihrer Lebensart etc. so sehr viel Verschie-
denheit, daß sich nur wenig Allgemeines von ihnen
überhaupt sagen läßt, und man sich folglich bei ih-
rer speciellen Geschichte desto umständlicher zu seyn
gedrungen sieht. Bei den Vögeln ist der Fall an-
ders. Beides, so wohl ihre Gestalt, als auch ihre
Lebensart hat im Ganzen genommen mehr Ueberein-
stimmendes, daher man sich bei der besondern Ge-
schichte ihrer einzelnen Geschlechter und Gattungen
schon kürzer fassen kann.

§. 56.

Alle Vögel kommen in Rücksicht ihrer Bildung
darin mit einander überein, daß sie zwey Füße,
zwey Flügel, einen ganz oder doch zum Theil
hornichten Schnabel, und einen mit Federn be-
deckten Körper
haben. Sie zeichnen sich zu-
gleich durch diese vier Charaktere von allen andern
Thieren aufs kenntlichste aus, und machen eine gleich-
sam isolirte Classe von Geschöpfen aus, die mit kei-
ner andern zusammen fließt, und sich daher in die
vermeinte Kette oder Leiter der natürlichen Körper
(S. 8.) nicht ohne Zwang einpassen läßt.

§. 57.

Unter jenen Charakteren sind die Federn den
Vögeln ausschließlich eigen, die in regelmäßigen Rei-
[Seite 117] hen (in quincunce) in die Haut verwachsen und mit
vielem Fette durchzogen sind; aber in gewisser Jahrs-
zeit, gewöhnlich im Herbste, ausfallen und neue an
ihrer Statt regenerirt werden. Viele, zumal die
meisten Wasservögel, auch die Schneehühner etc.
mausern sich gar zwey Mahl im Jahr, im Früh-
ling und Herbst. Bei manchen Gattungen hat der
junge Vogel, zumal vor der ersten Mause (als avis
hornotina
) andere Farben oder Zeichnungen des Ge-
fieders, als im reisern Alter. Bei manchen herrscht
auch hierin große Sexualverschiedenheit. Von den
Haaren unterscheiden sie sich besonders auch dadurch,
daß sie, so viel bekannt, wenn sie beschnitten oder
sonst verstümmelt worden, alsdann nicht so wie diese,
wieder ergänzt werden.

§. 58.

Die stärksten Federn sind in den Fittigen und
im Schwanze. Jene heißen Schwungfedern
(remiges), diese Steuerfedern (rectrices). Die
Schwungfedern bilden bei ausgespannten Flügeln
gleichsam breite Fächer, womit sich die Vögel in die
Luft heben und fliegen können. Einige wenige Vö-
gel (aves impennes), wie die Pinguine etc. haben
gar keine Schwungfedern, und sind daher zum Fluge
ungeschickt. So fehlen auch einigen Vögeln, wie
dem Casuar, den Taucherchen etc. die Steuerfedern.

§. 59.

Im innern Körperbau*) zeichnen sich die
Vögel besonders durch die merkwürdigen Luftbe-
[Seite 118] hälter aus, die in ihrem Körper vertheilt, und
vorzüglich zum Fluge von äußerster Wichtigkeit sind.
Die mehresten stehen mit den Lungen, andere aber
bloß mit dem Rachen in Verbindung, und der Vo-
gel kann sie nach Willkür mit Luft laden oder aus-
leeren. Zu diesen Luftbehältern gehören vorzüglich
große aber zarte häutige Zellen, die theils im Un-
terleibe, theils unter den Achseln und sonst noch un-
ter der Haut verbreitet sind, und durchs Einathmen
mittelst der Lungen voll Luft gepumpt werden können.
Außerdem dienen den Vögeln auch gewisse markleere
hohle Knochen, wie die Schulterknocken im Flü-
gel etc. und manchen selbst die Hirnschale, zu ähn-
lichen Zwecken; und endlich sind auch die ungeheuern
Schnäbel der Pfefferfraße, Nashornvögel etc. eben-
falls dahin gehörig.

§. 60.

Durch diese merkwürdigen Einrichtungen werden
die Vögel zum Flug geschickt, bei welchem die Ge-
schwindigkeit sowohl als die lang anhaltende Dauer
gleich merkwürdig sind. Nur wenige Vögel, wie der
Straus, der Casuar, die Pinguine und andre aves
impennes
(§. 58.) können gar nicht fliegen.

§. 61.

Der Aufenthalt der Vögel ist beinahe eben
so verschieden als der Säugethiere ihrer. Die meh-
resten leben auf Bäumen, andere auf dem Wasser,
sehr wenige bloß auf der Erde: aber kein einziger
Vogel (so wie der Maulwurf in der vorigen, und
andere Geschöpfe in den beiden letztern Thier-
Classen) bloß unter der Erde. Die Bildung der
Füße ist auch bei den Vögeln, so wie bei den
[Seite 119] Säugethieren, ihrem verschiedenen Aufenthalt ange-
messen*).

§. 62.

Sehr viele Vögel verändern ihren Wohn-
platz
zu gewissen Jahrszeiten; die meisten zwar
bloß in sofern, daß sie nur wenige Meilen weit in
die benachbarten Gegenden streichen, und bald darauf
in ihre alte Heimath zurückkehren; andere aber, wie
die Hausschwalben, die Kraniche, Störche etc. so,
daß sie im Herbst große Wallfahrten, weit übers
Meer und über einen beträchtlichen Theil der Erdku-
gel weg, anstellen, und den Winter bis zur Rück-
kehr im folgenden Frühjahre in wärmern Zonen zu-
bringen**).

§. 63.

Kein Vogel hat wahre Zähne, sondern diese Thiere
müssen ihre Speise entweder mit dem Schnabel zer-
beißen, oder ganz schlucken. Bei denjenigen samen-
fressenden Vögeln, die ihre Körner ganz, unzerbissen
einschlucken, gelangen diese nicht sogleich in den Ma-
gen, sondern werden vorher im drüsenreichen Kropfe
(ingluvies, prolobus) eingeweicht, und von da nur
allmählich an den Magen überlassen, der bei diesen
Thieren äußerst musculös, und so stark ist, daß er
sogar, nach Reaumur's u.a. merkwürdigen Ver-
suchen, verschluckte Haselnüsse und Olivenkerne zu
zerdrücken und Münzen so glatt wie Papier abzu-
scheuern vermag. Sehr viele Vögel verschlucken aber
auch überdieß noch kleine Kieselsteinchen, die eben-
[Seite 120] falls die Zermalmung und nachherige Verdauung
der Speisen befördern*). Verschiedene fleischfres-
sende Vögel, wie die Falken, Eulen, Eisvögel etc.
können die Knochen, Haare und Gräten der kleinen
Thiere, die sie verzehrt haben, nicht verdauen, son-
dern brechen sie, in eine Kugel (das Gewölle)
geballt, nach der Mahlzeit wieder von sich**).

§. 64.

Zu den besondern Eigenheiten der Sinnwerk-
zeuge
der Vögel in Vergleichung zu den Säuge-
thieren, gehört unter andern der Mangel der knorp-
ligen zur Auffassung des Schalls dienenden äußern
Ohren; der aber, zumal bei den nächtlichen Raub-
vögeln, durch die äußerst regelmäßige zirkelförmige
Stellung und bestimmte Richtung der Federchen in
der Gegend des Ohres und bei manchen derselben
auch noch überdieß durch eine bewegliche Klappe am
äußern Gehörgange vergütet wird.

Anm. Nur sehr wenige Vögel, die Enten nähmlich
u.a. verwandte Gattungen scheinen den wirklichen Sinn
des Tastens (d.h. des Gefühls im engern Verstande)
zu besitzen; und das Organ dazu ist wohl die weiche Be-
deckung ihres Schnabels, die mit ausnehmend starken
Hautnerven versehen, und beim lebendigen Thier äußerst
empfindlich ist. Auch sieht man, wie die Enten in den
[Seite 121] Pfützen, wo sie bei Aufsuchung des Fraßes weder dem
Gesichte, noch dem Geruche nachgeben können, mit dem
Schnabel wirklich sondiren.

§. 65.

Die Stimme ist zumal bei den kleinen so
genannten Sangvögeln mannichfaltig und anmuthig,
doch darf man nicht sowohl sagen, daß sie singen,
(– denn natürlicher Gesang ist ein ausschließliches Vor-
recht des Menschen –) als, daß sie pfeifen. Außer
den obgedachten Luftbehältern (§. 59.) kommt ihnen da-
zu vorzüglich die Einrichtung ihres Kehlkopfs (larynx)
zu Statten, der bei den Vögeln nicht bloß, so wie
den Säugethieren und Amphibien, am obern Ende,
nähmlich an der Zungenwurzel befindlich, sondern
gleichsam in zwei abgesonderte Hälften an die bei-
den Enden der Luftröhre vertheilt ist. Die Papa-
geien, Raben, Stahre, Dompfaffen etc. hat man
die Menschenstimme nachahmen und Worte aussprechen
gelehrt: so wie auch die Sangvögel im Käficht leicht
fremden Gesang annehmen, Lieder pfeifen lernen,
und sich sogar zum Accompagnement abrichten lassen,
so, daß man mit mehreren Dompfaffen zugleich
schon wirklich kleine Concerte hat geben können.
Ueberhaupt aber scheint auch der Waldgesang der
Sangvögel doch erst durch Uebung und Nachahmung
recht ausgebildet zu werden.

§. 66.

Die mehresten Vögel begatten sich im Früh-
jahr; manche aber, wie der Kreuzschnabel in der
kältesten Jahrszeit nach Weihnachten. Das Haus-
geflügel ist gar an keine bestimmte Zeit gebunden,
sondern läßt sich Jahr aus Jahr ein zu diesem Ge-
schäft willig finden. Manche halten sich nur zur
[Seite 122] Begattungszeit, andere aber, wie die Tauben und
Hausschwalben, für immer paarweise zusammen:
noch andere aber leben, wie die Haushahn, und un-
ter den wilden Vögeln der Straus, in Polygynie.

§. 67.

Das befruchtete Weibchen wird vom Instinct
getrieben, für die Zukunft zu sorgen, und zu nisten,
wovon eigentlich vielleicht außer dem Kukkuk wohl
nur sehr wenige andre, z.B. die Nachtschwalbe aus-
genommen sind. Bei den polygynischen Vögeln,
wie bei den Hühnerarten, nimmt das Männchen gar
keinen Antheil an diesem Geschäfte; bei denen aber,
die sich paarweise zusammen halten, zumal unter
den Sangvögeln, trägt es doch Baumaterialien her-
bei, und verpflegt sein Weibchen während ihrer Arbeit.

§. 68.

Die Auswahl des Ortes, an dem jede Gat-
tung ihr Nest anlegt, ist ihren Bedürfnissen und ih-
rer ganzen Lebensart aufs genaueste angemessen. Und
eben so sorgfältig wählt auch jede Gattung die Bau-
materialien
zu ihrem Neste.

§. 69.

Die Form der Nester ist bald mehr bald min-
der künstlich. Manche Vögel, wie die Schnepfen,
Trappen, Kibitze etc. machen sich bloß ein dürres La-
ger von Reisholz, Strohhalmen etc. auf der platten
Erde: andere tragen sich nur ein weiches kunstloses
Bett in Löcher der Mauern, Felsenritzen und hohle
Bäume; so die Spechte, Heher, Dohlen, Sper-
linge etc. Sehr viele, zumal unter den Hühnern,
Tauben und Sangvögeln, geben ihrem Neste die
Gestalt einer Halbkugel oder einer Schüssel: andere,
[Seite 123] wie der Zaunkönig, ungefähr die Form eines Backo-
fens: noch andere, wie manche Meisen, Kernbeißer etc.
die von einem Beutel u.s.w.*).

§. 70.

Wenn endlich das Geschäft des Nesterbaues voll-
endet ist, so legt die Mutter ihre Eier hinein; de-
ren Anzahl bei den verschiedenen Gattungen der
Vögel sehr verschieden ist. Viele Wasservögel z.B.
legen jedes Mahl nur ein einziges Ei; die Taucher-
chen und mehresten Tauben ihrer zwey; die Möven
drey; die Raben vier; die Finken fünf; die Schwal-
ben sechs bis acht; die Rebhühner und Wachteln
vierzehn; das Haushuhn aber, besonders wenn man
ihm die Eier nach und nach wegnimmt**), bis
funfzig und darüber. Zuweilen geben auch manche
Vögel, ohne vorher gegangene Befruchtung, Eier
von sich, die aber zum Brüten untauglich sind und
Windeier (ova subventanea, cynosura, zephy-
ria, hypenemia
) heißen.

§. 71.

Die Ausbildung des jungen Thiers, die bei den
Säugethieren noch im Mutterleibe vollzogen wird,
muß hingegen bei den Vögeln im schon gelegten Ei,
mittelst des Brütens bewirkt werden. Nur der
Kukkuk brütet seine Eier nicht selbst aus, sondern
überläßt es den Grasmücken oder Bachstelzen etc.,
in deren Nest er sein Ei gelegt hat. Hingegen
weiß man, daß selbst Capaunen und Hunde, und so-
[Seite 124] gar Menschen Vogeleier ausgebrütet haben*). Auch
bloß durch künstliche Wärme, und erhitzten Mist**),
und durch Lampenfeuer in so genannten Brüt-Ma-
schinen***) und in Brütöfen, kann man leicht
Hühnchen auskriechen lassen. – Die Vögel werden
durchs anhaltende Brüten abgemattet, und nur bei
solchen, die sich paarweise zusammen halten, wie bei
den Tauben, Schwalben etc. nimmt auch das Männ-
chen an diesem Geschäfte Antheil. Die Hähne unter
den Canarienvögeln, Hänflingen, Stieglitzen etc. über-
lassen zwar das Brüten bloß ihren Weibchen, ver-
sorgen sie doch aber während der Zeit mit Futter und
ätzen sie theils aus dem Kropfe.

§. 72.

Während des Brütens geht nun im Eie selbst
die große Veränderung vor, daß das Küchelchen
darin allmählich gebildet, und von Tag zu Tag mehr
zur Reise gebracht wird†). Zu dieser Absicht ist
nicht nur der Dotter überhaupt specifisch leichter als
[Seite 125] das Eiweiß, sondern auch wiederum diejenige Stelle
auf seiner Oberfläche (der so genannte Hahnentritt,
cicatricula), neben welcher das künftige Hühnchen zu
liegen kommt, selbst noch leichter als die entgegen
gesetzte Seite, so daß folglich bei jeder Lage des Eies
doch immer jene Stelle dem Leibe des brütenden
Vogels zugekehrt ist. Die erste Spur des neuen
Küchelchens zeiget sich immer erst eine geraume Zeit,
nachdem das Brüten seinen Anfang genommen; beim
Hühnerei z.B. kaum vor Ende des ersten Tages:
so wie am Ende des zweyten das berühmte Schauspiel
der ersten Bewegung des dann noch sehr unvollkomm-
nen Herzchens (das punctum saliens) seinen Anfang
nimmt. Zu Ende des fünften Tages sieht man schon
das ganze kleine gallertartige Geschöpf sich bewegen.
Am vierzehnten brechen die Federn aus; zu Anfang
des fünfzehnten schnappt das Hühnchen schon nach
Luft; und ist am neunzehnten Tage im Stande einen
Laut von sich zu geben.

Anm. Beim Vogel im Ei ist die erste Gestalt, wor-
in er sich zeigt, noch weit mehr von seiner nachmahligen
Form, wenn er zum Auskriechen reif wird, verschieden, als
die früheste Gestalt des neuempfangenen Säugethiers von
seiner nachherigen Bildung; so daß man sagen kann, das
Küchelchen im Eie gelange erst durch eine wahre Metamor-
phose zu seiner vollkommenen Gestalt, und das sowohl in
Rücksicht einzelner Eingeweide (z.B. des Herzens) als in
der Totalbildung.(– vergl. die Abbild n. h. Gegenst.
tab. 64. –)

§. 73.

Unter den mancherlei zur bewunderungswürdigen
Oekonomie des bebrüteten Küchelchens dienenden Or-
ganen, sind die beiden allerwichtigsten zwey sehr ge-
fäßreiche Membranen, die zumal um die Mitte der
Brütezeit in ganz ausnehmender Schönheit sich zei-
gen. – Nähmlich die Nabelhaut (chorion), die
[Seite 126] dann unter der Eierschale ausgebreitet ist; und die
Dotterhaut (membrana valvulosa vitelli), die
mit dem Darmcanal des zarten Geschöpfs zusammen-
hängt. – Jene dient ihm statt der Lungen zum so
genannten phlogistischen Proceß (– S. 32 u. f. –)
und diese zur Ernährung mittelst des Dotters, der
allgemach durch das sich ihm beimischende Eiweiß
verdünnt wird. (– Abbild. n. h. Gegenst.
tab. 34. –)

§. 74.

Jede Gattung Vögel hat zwar ihre bestimmte
Brütezeit von verschiedener Länge, die aber doch nach
Verschiedenheit des Climas und der wärmern oder
kältern Witterung verzögert oder beschleunigt wird.
Beim Huhn ist das Küchelchen gewöhnlich zu Ende
des ein und zwanzigsten Tages zum Auskriechen
aus dem Eie reif.

§. 75.

Die jungen Vögel werden einige Zeit von der
Mutter, und bei denen, die in Monogamie leben,
auch vom Vater, mit vieler Zärtlichkeit gefüttert,
und zumal bei den mehresten körnerfressenden aus
dem Kropfe geätzt, bis sie befiedert, und überhaupt
für ihren eigenen Unterhalt zu sorgen im Stande sind.

§. 76.

Die Vögel erreichen, nach Verhältniß ihrer kör-
perlichen Größe, und in Vergleich mit den Säugethie-
ren, ein sehr hohes Alter, und man weiß, daß selbst
in der Gefangenschaft Adler und Papageien über hun-
dert, Buchfinken, Stieglitze über 24 Jahre etc. leben
können.

§. 77.

Die Vögel sind für die Haushaltung der Natur
im Großen ungemein wichtige Geschöpfe, obgleich
[Seite 127] ihre unmittelbare Brauchbarkeit fürs Menschen-
geschlecht ohne Vergleich einfacher ist, als der Säu-
gethiere ihre. Sie vertilgen unzählige Insecten,
und das unbedingte Wegfangen einiger vermeintlich
schädlichen Vögel, der Sperlinge, Krähen etc. in
manchen Gegenden, hat meist eine ungleich schäd-
lichere Vermehrung des Ungeziefers nach sich gezogen.
Andere verzehren größere Thiere, Feldmäuse,
Schlangen, Frösche, Eidexen etc. oder Aeser. Viele
helfen Unkraut ausrotten. Von der andern
Seite wird auch die Vermehrung und Fort-
pflanzung
der Thiere sowohl, als der Gewächse,
durch Vögel befördert. So weiß man z.B., daß
die wilden Enten bei ihren Zügen befruchteten Fisch-
rogen in entfernte Teiche übertragen, und sie dadurch
zuweilen fischreich machen. Sehr viele Vögel ver-
schlucken Samenkörner, die sie nachher wieder ganz
von sich geben, und dadurch die Verbreitung dersel-
ben befördern: so z.B. die Tauben auf Banda die
Muscatnüsse etc. Der Mist der Seevögel düngt
kahle Felsenklippen und Küsten, daß nachher nützliche
Gewächse da fortkommen können. Manche Falken-
gattungen lassen sich zur Jagd, so wie die Scharben
zum Fischfang, abrichten etc. So sehr viele Vö-
gel, ihre Eier, ihr Fett etc. dienen zur Speise;
die ganzen Felle der Seevögel zur Kleidung man-
cher Polar-Völker; die Federn zum Füllen
der Betten, zum Schreiben, und zu mancher-
lei theils kostbaren Putz, so wie sie auch bei vielen
wilden Völkern, zumal auf den Inseln des stillen
Oceans, einen beträchtlichen Handelsartikel aus-
machen.

§. 78.

Der Schade, den die Vögel stiften, läßt sich
fast gänzlich auf die Vertilgung nutzbarer
[Seite 128] Thiere und Gewächse zurückbringen. Der Con-
dor, der Lämmergeier u.a. Raubvögel tödten Käl-
ber, Ziegen, Schafe etc. Der Fischadler und so viele
Wasservögel sind den Fischen und ihrem Leich, so wie
die Habichte, Sperber, Aelstern etc. dem Hausgeflügel
gefährlich. Die Sperlinge und andere kleine Sang-
vögel schaden der Saat, den Weintrauben und Obst-
bäumen etc. Und endlich werden freilich nicht bloß
brauchbare Gewächse, sondern auch eben so wohl wu-
cherndes Unkraut durch die Vögel verpflanzt. Wirk-
lich giftige Thiere finden sich aber in dieser Classe
eben so wenig, als in der vorigen.

§. 79.

Da die Bildung der Vögel, im Ganzen genom-
men, ziemlich einförmig ist, und gewisse Theile ihres
Körpers, wie der Schnabel und die Füße, die sich
auf ihre ganze Lebensart, Nahrung etc. beziehen, schon
an sich so viel von ihrem Total-Habitus bestimmen;
so haben die mehresten Ornithologen auch ihre Classi-
fication auf die Verschiedenheit des einen oder des
andern von den genannten Theilen gegründet; Klein
z.B. auf die Bildung der Zehen; Möhring auf
die Bedeckung der Beine, Brisson auf beides in
Verbindung mit der Beschaffenheit des Schnabels etc.
Linné nimmt in dem Plan seines Systems der Vö-
gel auch auf die Bildung mehrerer Theile zugleich,
und so ziemlich auf den ganzen Habitus, Rücksicht;
nur scheint er sich in der Ausführung zuweilen
vergessen zu haben: wenigstens begreift man nicht, wie
Papageien, Colibrite und Krähen bei ihm in eine
Ordnung verbunden, hingegen Tauben und Hühner in
zwey Ordnungen von einander gerissen, und mehr
Verbindungen oder Trennungen dieser Art zugelassen
werden dursten.

§. 80.

[Seite 129]

Ich habe mir also hier einige Abänderung von
dem Linnéischen System erlaubt, und die ganze Classe
in folgende neun Ordnungen abzutheilen versucht.

A) Landvögel.

I. Accipitres. Die Raubvögel: mit krummen star-
ken Schnäbeln, meist mit kurzen, starken, knor-
rigen Füßen, und großen, gebogenen, scharfen
Klauen.

II. Levirostres. Mit kurzen Füßen, und meist sehr
großen, dicken, aber mehrentheils hohlen und da-
her sehr leichten Schnäbeln. Papageien, Tu-
cane etc.

III. Pici. Mit kurzen Füßen, mittelmäßig langen
und schmalen Schnäbeln, und theils wurmförmi-
ger, theils fadenförmiger Zunge. Wendehals,
Spechte, Baumkletten, Colibrite etc.

IV. Coraces. Mit kurzen Füßen, mittelmäßig lan-
gem, und ziemlich starkem, oben erhabenem Schna-
bel. Raben, Krähen etc.

V. Passeres. Die so genannten Sangvögel nebst
den Schwalben etc. Sie haben kurze Füße, und
einen mehr oder weniger kegelförmigen, zugespitz-
ten Schnabel, von verschiedener Länge und Dicke.

VI. Gallinae. Vögel mit kurzen Füßen, oben
etwas erhabenem Schnabel, der an der Wurzel
mit einer fleischigen Haut bewachsen ist. Auch die
Tauben habe ich unter diese Ordnung gebracht,
da sie bei weitem mehr mit den Hühnern als mit
den Sangvögeln, denen sie Linné zugesellete, ver-
wandt sind.

[Seite 130]

VII. Struthiones. Die großen, zum Flug unge-
schickten Landvögel. Der Straus, Casuar und
Dudu.

B) Wasservögel.

VIII. Grallae. Sumpfvögel, mit langen Füßen,
langem, fast walzenförmigem Schnabel, und mei-
stens langem Halse.

IX. Anseres. Schwimmvögel mit Ruderfüßen,
einem stumpfen, mit Haut überzogenen, am Rande
meist gezähnelten Schnabel, der sich an der Spitze
des Oberkiefers mit einem Häkchen endigt.

* * *

Zur N. G. der Vögel.

  1. Conr. Gesneri historiae animalium L. III. qui est de avium
    natura
    . Tiguri. 1555. fol.
  2. Ulyss. Aldrovandi ornithologia. Bonon. 1599. sq. Vol. III. fol.
  3. F. Willughby ornithologiae L. III. ex ed. Raji. Lond. 1676. fol.
  4. Jo. Raji synopsis methodica avium. ib. 1713. 8.
  5. J. Edward's natural history of birds. Lond. 1743. sq. Vol. IV. 4.
  6. Ej. gleanings of natural history. ib. 1758 sq. Vol. III. 4.
  7. Brisson ornithologie. Paris 1760. Vol. VI. 4.
  8. Buffon.
  9. Daubenton jun. planches des oiseaux. Paris 1775 sq. fol.
    (1008 Bl.)
  10. C. J. Temminck et Meiffr. Laugier nouveau Recueil de Plan-
    ches color. des oiseaux.
    ib. 1820 sq. fol.
  11. (Jo. Latham's) general synopsis of birds. ib. 1781. Vol. VI. 4.
    und das Supplement dazu. ib. 1787.
  12. F. M. Daudin Traité élémentaire et complet d'ornithologie. Par.
    1800. Vol. II. 4.
* * *
  1. C. J. Temminck Tableau systématique des oiseaux qui se trou-
    vent en Europe
    . ed. 2. Par. 1820. II vol. 8.
  2. Deutsch mit vielen Zusätzen v. C. L. Nitzsch. Halle 1822.
    2 Bände. 8.
  3. Joh. Leonh. Frisch Vorstellung der Vögel in Deutschland.
    Berlin, 1733 bis 1763. Fol. (242 Taf.)
  4. J. M. Bechstein's gemeinnützige N. G. Deutschlands II-IV. B.
    Leipz. 1791. 8.
  5. Dess. ornithologisches Taschenbuch von und für Deutschland.
    Leipz. 1802 u. f. III. Th. kl. 8.
  6. J. P. A. Leisler's Nachträge zu Bechstein's N. G. Deutsch-
    lands. 1. H. Hanau, 1812. 8.
  7. J. Wolf u. J. Fr. Frauenholz Abbildungen und Beschrei-
    bungen der in Franken brütenden Vögel. Nürnb. seit 1799.
    Fol. und 4.
  8. Teutsche Ornithologie, herausgeg. von Borkhausen, Licht-
    hammer
    und Becker dem Jüng. Darmst. seit 1800. Fol.
  9. Taschenbuch der deutschen Vögel-Kunde, oder kurze Beschreibung
    aller Vögel Deutschlands, von Meyer und Wolf. Frankf.
    a. M. 1810. II. B. 8.
  10. J. A. und J. Fr. Naumann N. G. der Vögel Deutschlands.
    Leipz. seit 1820. 8.
  11. Chr. L. Brehm Beiträge zur (Deutschen) Vögelkunde. Neu-
    stadt an der Orla, seit 1820. 8.
  12. Corn. Nozemann Nederlandsche Vogelen, door Chr. Sepp en
    Zoon. Amst. 1770 sq. fol.
  13. History of British Birds; the figures engraved on wood by T.
    Bewick. Newcastle upon Tyne. ed. 3. 1816. II. vol. 8.
  14. Pennant's arctic zoology. IIr Band.
  15. Fr. Levaillant hist. naturelle des oiseaux d'Afrique. Paris.
    1796 sq. 4.
  16. Marc. Catesby's natural history of Carolina. Lond. 1731.
    Vol. II. fol.
  17. Alex. Wilson's American ornithology. Philad. 1808 sq. vol. I–
    VIII. gr. 4. dazu vol. IX. von G. Ord. und Forts. von
    Ch. Lucian Bonaparte. in III. vol.
  18. Andr. Sparrmann museum Carlsonianum. Holm. 1786. Fasc. II.
    fol.
* * *

Zur Physiologie dieser Thier-Classe.

  1. Fr. Tiedemann's Zoologie. IIr und IIIr Band. Heidelberg.
    1810–14. 8.

[Seite 132]

Erst also die Landvögel in VII. Ordnungen.

I. ACCIPITRES.

Fast alle mit kurzen, starken Füßen, großen schar-
fen Krallen und starkem, gekrümmtem Schnabel, der
meist oben auf der Seite in zwey stumpfe, schnei-
dende Spitzen ausläuft, und an der Wurzel mehren-
theils mit einer fleischigen Haut (cera) bedeckt ist.
Sie nähren sich theils von Aas, theils vom Raube
lebendiger Thiere, leben in Monogamie, nisten an
erhabenen Orten, und haben ein wilderndes, wider-
liches Fleisch.

1. Vultur. Geier Rostrum rectum, apice
aduncum; plerisque caput et collum impenne.
Lingua bifida.

1. Gryphus. der Condor, Cuntur. V. carun-
cula verticali longitudine capitis.

de Humboldt Recueil d'observations de Zoo-
logie.
tab. 8. 9.

Hauptsächlich im westlichen Südamerica. Hält mit
ausgespannten Flügeln auf 12 Fuß in die Breite, und
seine Schwungfedern sind am Kiel wohl fingersdick. Er
ist schwarzbraun von Farbe mit einem weißen Halskra-
gen. Nistet zumal an felsigen Ufern, fliegt ausneh-
mend hoch, lebt meist vom Raube unter den Viehheer-
den, und von den todten Fischen, welche die See aus-
wirft.

2. Papa. der Geierkönig, Kuttengeier, Son-
nengeier
. V. naribus carunculatis, vertice col-
loque denudato
.

Buffon oiseaux vol. I. tab. 6.

In Westindien und Südamerica. Nur von der Größe
eines welschen Huhns; zumal am Kopf von schönen gel-
ben, rothen und schwarzen Farben, mit langen, fleischi-
[Seite 133] gen Lappen über dem Schnabel. Kann den nackten Hals
ganz in den dickbefiederten Schulterkragen einziehen.

3. †. Barbatus. der Lämmergeier, Bartgeier,
Goldgeier, Jochgeier. V. rostri dorso ver-
sus apicem gibboso, mente barbato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 85.

In den Tyroler- und Schweizer-Alpen; auch in Si-
birien und Habessinien. Der größte europäische Raub-
vogel, dessen ausgespannte Flügel bei 10 Fuß messen,
und der sich vorzüglich durch seinen starkhaarigen Bart,
und durch den befiederten Kopf, besonders aber durch
den gewölbten Rücken vorn am Oberschnabel von andern
Geiern auszeichnet.

4. Percnopterus. der Aasgeier. V. remigibus
nigris, margine exteriore, praeter extimas, canis.

Besonders häufig in Palästina, Arabien und Aegyp-
ten. Verzehrt unzählige Feldmäuse, Amphibien etc. Die
alten Aegyptier haben diesen Vogel, so wie einige an-
dere ihnen vorzüglich nutzbare Thiere, heilig gehalten,
und ihn häufig in ihrer Bilderschrift auf Obelisken,
Mumienbekleidungen etc. vorgestellt.

2. Falco. (Span. Açor). Rostrum aduncum,
basi cera instructum; caput pennis tectum;
lingua bifida
.

1. Serpentarius. der Secretär. (sagittarius. Fr.
le messager). F. cera alba, cruribus longissimis,
crista cervicali pendula, rectricibus intermediis
elongatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 55.

Vom Cap landeinwärts, auch auf den Philippinen.
Mit langen Beinen, wie ein Sumpfvogel.

2. †. Melanaëtus. der schwarzbraune Adler.
(Büffon's aigle commun, Engl. the black eagle).
F. cera lutea, pedibusque semilanatis, corpore fer-
rugineo, nigricante, striis flavis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

In Europa. Beträchtlich kleiner als der folgende.

[Seite 134]

3. †. Chrysaëtos. der Goldadler, Steinadler.
(Büffon's grand aigle, Engl. the golden eagle.)
F. cera lutea, pedibusque lanatis luteo-ferrugi-
neis, corpore fusco ferrugineo vario, cauda nigra,
basi cinereo undulata.

Buffon vol. I. tab. 1.

Im gebirgigen Europa. Nistet auf hohen Felsen und
versorgt seine Junge mit Wildpret von Hasen, Gemsen etc.

4. †. Ossifragus. der Seeadler, Fischadler,
Beinbrecher. (Fr. l'orfraie. Engl. the sea-
eagle, osprey
). F. cera lutea pedibusque semi-
lanatis, corpore ferrugineo, rectricibus latere in-
teriore albis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1801.

An den europäischen Küsten, auch in Nordamerica
und theils auf der Südsee. Fast von der Größe des
Goldadlers. Lebt fast bloß von Fischen.

5. †. Haliaëtus. der Entenstößer, Moosweih.
(Fr. le balbuzard. Engl. the osprey). F. cera
pedibusque caeruleis, corpore supra fusco, subtus
albo, capite albido.

Buffon vol. I. tab. 2.

Mehr an den Ufern der Flüsse als an den Seeküsten.
Ist oft mit dem Fischadler vermengt worden.

6. †. Milvus. die Weihe, der Gabelgeier, Mi-
lan, Scheerschwänzel, Schwalbenschwanz
,
Taubenfalke. (Fr. le milan. Engl. the kite).
F. cera flava, cauda forficata, corpore ferrugineo,
capite albidiore
.

Frisch tab. 72.

Fast in der ganzen alten Welt.

7. Gentilis. der Edelfalke. (Fr. le faucon. Engl.
the falcon). F. cera pedibusque flavis, corpore
cinereo maculis fuscis, cauda fasciis quatuor ni-
gricantibus
.

Frisch tab. 74.

In gebirgigen Gegenden der nördlichen Erde; variirt
in zahlreichen Spielarten, deren einige auch von man-
chen für besondere Gattungen angenommen werden. Wird
vorzüglich (so wie freilich manche andere verwandte Gat-
[Seite 135] tungen dieses Geschlechts auch) zum Fang kleiner Säu-
gethiere und Vögel, namentlich in den Morgenländern
zur Gazellenjagd, und in Europa zur Reiherbeitze ab-
gerichtet.

8. †. Palumbarius. der Habicht, Taubenfalke.
(accipiter, Fr. l'autour. Engl. the gooshawk).
F. cera nigra, margine pedibusque flavis, corpore
fusco, rectricibus fasciis pallidis, superciliis albis.

Frisch tab. 81. 82.

Hat meist gleiche Heimath mit der vorigen Gattung.

9. †. Nisus. der Sperber, Vogelfalke. (Fr.
l'épervier. Engl. the sparrow hawk). F. cera
viridi, pedibus flavis, abdomine albo griseo un-
dulato, cauda fasciis nigricantibus
.

Frisch tab. 90. 91. 92.

In einem großen Theile der alten Welt.

3. Strix. Eule. (Noctua). Rostrum breve, adun-
cum, nudum absque cera; nares barbatae;
caput grande; lingua bifida; pedes digito ver-
satili; remiges aliquot serratae
.

1. †. Bubo. der Uhu, Schubut, die Ohreule.
(Fr. le grand duc. Engl. the great horn owl,
the eagle-owl
). S. auribus pennatis, iridibus cro-
ceis, corpore rufo
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795.

Das größte Thier seines Geschlechts. Im mildern
Europa und westlichen Asien*).

2. Nyctea. die Schnee-Eule, Harfang. S. ca-
pile laevi, corpore albido, maculis lunatis distan-
tibus fuscis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 75.

In der nördlichsten Erde. Ein prachtvolles Thier.

[Seite 136]

3. †. Flammea. die Schleiereule, Perleule,
Kircheneule, Thurmeule. (Fr. l'effraie). S.
capite laevi, corpore luteo punctis albis, subtus
albido punctis nigricantibus
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In den gemäßigtern Zonen der alten und neuen Welt.
Von ausnehmend schönem und sanftem Gefieder.

4. †. Passerina. das Käuzchen. (Fr. la chevêche.
Engl. the little owl, screechowl). S. capite laevi,
remigibus maculis albis quinque ordinum
.

Frisch tab. 100.

In Europa und Nordamerica.

4. Lanius. Rostrum rectiusculum, dente utrin-
que versus apicem, basi nudum; lingua lacera
.

1. †. Excubitor. der Würger, Bergälster. (Fr.
la pie-grièche grise. Engl. the great shrike).
L. cauda cuneiformi, lateribus alba, dorso cano,
alis nigris macula alba
.

Frisch tab. 59.

In Europa und Nordamerica. Ahmt, so wie die fol-
gende Gattung, anderer Vögel Stimme sehr geschickt nach.

2. †. Collurio. der Neuntödter. (Fr. l'écorcheur.
Engl. the red-backed shrike). L. cauda subcu-
neiformi, dorso griseo, rectricibus quatuor inter-
mediis unicoloribus, rostro plumbeo
.

Frisch tab. 60.

In Europa. Nährt sich hauptsächlich von Insecten, zu-
mal Käfern, Grashüpfern etc., die er zum Vorrath an
Schwarzdorn und anderes dorniges Gebüsche anspießt.


II. LEVIROSTRES.

Die Vögel dieser Ordnung sind fast bloß den
wärmsten Erdstrichen eigen, und werden durch die
theils sehr großen, dicken, aber in Verhältniß meist
[Seite 137] sehr leichten Schnäbel, kenntlich, deren oben (§. 59.)
bei Gelegenheit der Luftbehälter gedacht worden.

5. Psittacus. Papagei, Sittig. (Fr. perro-
quet
. Engl. parrot). Mandibula superior
adunca, cera instructa, lingua carnosa, in-
tegra. Pedes scansorii
*).

Merkwürdig ist, daß manche einzelne Gattungen die-
ses (– weitläufigen, daher von den Ornithologen in
mancherlei Familien eingetheilten –) Geschlechts eine
so überaus eingeschränkte Heimath haben, daß sich, z.B.
auf den Philippinen, verschiedene derselben bloß einzig
und allein auf der einen oder andern Insel, und hinge-
gen nie auf den noch so nahe liegenden, benachbarten
finden. Ueberhaupt haben die Papageien viel Auszeich-
nendes, Eignes in ihrem Betragen. Sie wissen sich
z.B. ihrer Füße fast wie Hände zu bedienen, bringen
ihre Speise damit zum Schnabel, krauen sich damit hin-
ter den Ohren, und wenn sie auf dem Boden gehen, so
treten sie, nicht wie andere Vögel bloß mit den Krallen,
sondern mit der ganzen Ferse auf etc. Ihr hakenförmi-
ger Oberschnabel ist eingelenkt und sehr beweglich, und
nutzt ihnen zuweilen statt eines dritten Fußes zum
Klettern, Anhalten etc. Beide Geschlechter lernen leicht
Worte nachsprechen, und manche hat man, wenn gleich
höchst selten, sogar singen gelehrt.

1. Macao. der Aras, indianische Rabe. (Ara-
canga
). P. macrourus ruber, remigibus supra
caeruleis, subtus rufis, genis nudis rugosis
.

Edwards's birds tab. 158.

In Südamerica

2. Alexandri. P. macrourus viridis, collari pecto-
reque rubro, gula nigra.

Edwards l. c. tab. 292.

In Ostindien.

[Seite 138]

3. Cristatus. der Cacadu. P. brachyurus, crista
plicatili flava.

Frisch tab. 50.

In Ostindien, zumal auf den Molucken.

4. Erithacus. der Jaco, aschgraue Papagei.
P. brachyurus canus, temporibus nudis albis,
cauda coccinea
.

Frisch tab. 51.

Auf Guineea, Congo und Angola.

5. Ochrocephalus. (Fr. l'amazone à tête jaune). P.
viridis, vertice flavo, tectricibus alarum puniceis,
remigibus ex viridi, nigro, violaceo et rubro va-
riis, rectricibus duabus extimis basi intus rubris
.

Daubenton Pl. 312.

In Westindien etc.

6. Pullarius. (Fr. l'inséparable). P. brachyurus
viridis, fronte rubra, cauda fulva fascia nigra,
orbitis cinereis
.

Frisch tab. 54. fig. 1.

Auf Guinea und in Ostindien. Nicht viel größer als
ein Blutfink. Hat den französischen Namen von der
irrigen Sage, als ob er immer Paarweis gehalten wer-
den müßte, weil keiner den Verlust seines Gatten über-
leben könnte.

6. Ramphastos. Tukan, Pfefferfras. Ro-
strum maximum, inane, extrorsum serratum,
apice incurvatum. Pedes scansorii plerisque
.

Der ungeheuere Schnabel, der die zahlreichen Gat-
tungen dieses sonderbaren Geschlechts südamericanischer
Vögel auszeichnet, ist ausnehmend leicht, und von un-
gemein weichem Horn. Ihre Zunge ist eine halbe
Spanne lang, wie von Fischbein, an der Wurzel kaum
eine Linie breit, und an den Seiten vorwärts geza-
sert. Das Gefieder variirt sehr, nach der Verschieden-
heit der beiden Geschlechter, auch nach dem Alter etc.

1. Tucanus. R. nigricans, rostro flavescente versus
basin fascia nigra, fascia abdominali flava
.

[Seite 139]

7. Buceros. Der Nashornvogel, Calao.
(hydrocorax). Rostrum maximum, inane, ad
basin versus frontem recurvatum; pedes gressorii
.

Die sämmtlichen Gattungen dieses ebenfalls abenteuer-
lich gebildeten Geschlechts sind in Ostindien und Neu-
Holland zu Hause.

1. Rhinoceros. B. processu rostri frontali recurvato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 24.


III. PICI.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze Füße,
und meist einen geraden, nicht dicken Schnabel von
mittelmäßiger Länge.

8. Picus. Specht. (Fr. pic. Engl. woodpecker).
Rostrum polyedrum, apice cuneato; lingua
brevissima, retrorsum aculeata; vagina ossis
linguae teres lumbriciformes, longissima; pe-
des scansorii
.

Die Spechte haben vorzüglich den sonderbaren Bau,
daß sich ihr Zungenbein in zwey lange grätenförmige
Knorpel verläuft, die von hinten nach vorn über den
ganzen Hirnschädel unter der Haut liegen, und sich an
der Stirne nahe an der Schnabelwurzel endigen. Diese
Knorpel sind also gleichsam elastische Federn, mittelst
welcher diese Vögel das wurmförmige Vorderende desto
leichter hervorschießen, und an der hornigen kleinen
Zunge Insecten anspießen können*).

1. Martius. der Schwarzspecht, gemeine
Specht, die Hohlkrähe. P. niger, vertice coc-
cineo
.

Frisch tab. 34. fig. 1.

Nebst den folgenden Gattungen im mildern Europa
und nördlichen Asien.

[Seite 140]

2. †. Viridis. der Grünspecht, Grasspecht. P.
viridis, vertice coccineo.

Frisch tab. 35.

3. †. Major. der große Bunt- oder Rothspecht.
P. albo nigroque varius, occipite rubro.

Frisch tab. 36.

4. †. Minor. der kleine Bunt- oder Rothspecht.
P. albo nigroque varius, vertice rubro.

Frisch tab. 37.

9. Iynx. Rostrum teretiusculum, acuminatum;
lingua ut in picis mucronata; pedes scansorii
.

1. †. Torquilla. der Drehhals, Wendehals,
Natterwindel. (Fr. le torcol. Engl. the wry-
neck
). F. cauda explanata, fasciis fuscis quatuor.

Frisch tab. 38.

Hat seinen Namen von der ungemeinen Gelenksam-
keit seines Halses, und meist die gleiche Heimath wie
die vorgedachten Spechte.

10. Sitta. Spechtmeise. Rostrum subulatum,
teretiusculum, apice compresso, mandibula su-
periore paullo longiore; pedes ambulatorii
.

1. †. Europaea. der Blauspecht. (Fr. la sitelle,
le torchepot
. Engl. the nut-hatch, the wood-
cracker
). S. rectricibus nigris, lateralibus qua-
tuor infra apicem albis
.

Frisch tab. 39.

In allen drey Welttheilen der nördlichen Erde.

11. Todus. Rostrum subulatum, depressiuscu-
lum, obtusum, rectum, basi setis patulis;
pedes gressorii
.

1. Viridis. (Fr. le todier. Engl. the green spar-
row
). T. viridis, pectore rubro.

Im mittlern America.

[Seite 141]

2. Paradisaeus. T. capite cristato nigro, corpore
albo, cauda cuneata, rectricibus intermediis lon-
gissimis
.

In Südafrica, auf Madagascar etc.

12. Alcedo. Rostrum trigonum, crassum, rectum,
longum; pedes breves, gressorii
.

1. †. Ispida. der Eisvogel. (Alcyon, Fr. le martin
pêcheur
. Engl. the kingsfisher). A. supra cya-
nea, fascia temporali flava, cauda brevi
.

Frisch tab. 223.

Fast in der ganzen alten Welt. Nährt sich von Fischen,
deren Gräten er dann als Gewölle (§. 63.) ausbricht.
Daß er nach dem Tode leicht vertrocknet ohne in Fäul-
niß überzugehn, ist nicht, wie Paracelsus und so viele
nach ihm meinten, eine Eigenheit dieses Vogels, son-
dern zeigt sich unter ähnlichen Umständen auch am Kreuz-
schnabel, Canarienvogel u.a.

13. Merops. Rostrum curvatum compressum,
carinatum; pedes gressorii.

1. Apiaster. der Immenwolf, Bienenfresser.
(Fr. le guépier. Engl. the bee-eater). M. dorso
ferrugineo, abdomine caudaque viridi caerule-
scente, gula lutea, fascia temporali nigra
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1808.

Im südlichen Europa und mildern Asien. Lebt von
Insecten.

14. Upupa. Rostrum arcuatum, convexum, sub-
compressum, obtusiusculum, pedes ambulatorii.

1. Epops. der Wiedehopf, Kothhahn. (Fr.
la hupe. Engl. the hoopoe). U. crista variegata.

Frisch tab. 43.

In Europa und Ostindien. Nährt sich von Regen-
würmern und mancherlei Insecten. Nistet in hohle
Bäume, und, wie schon Aristoteles anmerkt, oft auf
eine Grundlage von Menschenkoth*).

[Seite 142]

15. Certhia. Baumläufer. Rostrum arcua-
tum, tenue, subtrigonum, acutum; pedes
ambulatorii
.

1. †. Familiaris. die Baumklette, der Grüper,
Grauspecht, Baumkleber. (Fr. le grimpereau.
Engl. the creeper). C. grisea, subtus alba, remi-
gibus fuscis; rectricibus decem
.

Frisch tab. 39. fig. 1.

In Europa. Klettert fast wie die Spechte an den
Baumstämmen herum, um Insecten und ihre Puppen
zu suchen etc.

2. †. Muraria. der Mauerspecht. C. cinerea,
rectricibus roseis, remigibus rectricibusque fuscis,
maculis alarum fulvis niveisque
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 76.

Das ausnehmend schöne Thier hat Sperlings Größe,
und lebt einsam im wärmern Europa. Namentlich im
C. Bern. In Deutschland ist's äußerst selten. Nistet
in altem Gemäuer, auf Thürmen etc.

3. Coccinea. (vestiaria). C. coccinea, rectricibus
remigibusque nigris
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 16.

Auf den Sandwich-Inseln, deren kunstreiche Einwoh-
ner mit den Federchen dieses kleinen carmoisinrothen
Vogels mancherlei prachtvollen Putz und andere Klei-
dungsstücke, Helme etc. sogar ganze Mäntel etc. überziehen.

4. Sannio. C. olivacea, vertice subviolaceo, remi-
gibus caudaque subfurcata fuscis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 8.

Auf Neu-Seeland.

16. Trochilus*). Colibri, Honigsauger,
Blumenspecht. (Fr. oiseau-mouche. Engl.
humming bird). Rostrum subulato-filiforme
longum. Mandibula inferiore tubulata, supe-
[Seite 143] riore vaginante inferiorem. Lingua filis duo-
bus coalitis tubulosa; pedes ambulatorii, bre-
vissimi
.

Das ganze Geschlecht ist, so viel man bis jetzt weiß,
allein in America zu Hause. Aber nicht bloß im wär-
mern, sondern theils auch nördlich bis Nutka-Sund
und südlich bis zur Westküste von Patagonien.

A) Curvirostres (eigentliche Colibris).

1. Pella. (Fr. le colibri-topase). Tr. ruber, rectri-
cibus intermediis longissimis, capite fusco, gula
aurata uropygioque viridi
.

Edwards tab. 32.

In Guiana. Wohl 6 Zoll lang.

B) Rectirostres (Fr. oiseaux-mouches).

2. Minimus. T. corpore viridi nitente, subtus al-
bido; rectricibus lateralibus margine exteriore albis
.

Edwards tab. 105

Der allerkleinste bekannte Vogel, der aufgetrocknet nur
ungefähr 30 Gran wiegt. Sein Nest ist von Baum-
wolle, und hat die Größe einer Wallnuß; und seine
zwey Eier etwa die von einer Zuckererbse.

3. Mosquitus. der Juwelen-Colibri. (Fr. le
Rubis-topase
). T. viridescens vertice purpureo
aurato, gutture auroreo rutilo
.

Seba. thes. tab. 37. fig. 1.

Stirn und Scheitel des Männchens glänzen mit ru-
binrothem Feuer, und seine Kehle wie glühendes Gold.


IV. CORACES.

Die Vögel dieser Ordnung haben einen starken,
oben erhabenen Schnabel von mittelmäßiger Größe,
und kurze Füße. Sie leben theils von Getreide u.a.
[Seite 144] Pflanzensamen etc. theils von Insecten, und auch von
Aas; und haben mehrentheils ein wilderndes, un-
schmackhaftes Fleisch.

17. Buphaga. Rostrum rectum, subquadrangu-
lare: mandibulis gibbis, integris, extrorsum
gibbosioribus. Pedes ambulatorii.

1. Africana (Fr. le pic boeuf. Engl. the beef-
eater
).

Latham Vol. I. P. I. tab. 12.

In Senegambien etc.

18. Crotophaga. Rostrum compressum, semio-
vatum, arcuatum, dorsato-carinatum. Man-
dibula superiore margine utrinque angulata.
Nares perviae
.

1. Ani. der Madenfresser. (Fr. le bout de petun.
Engl. the razor-billed blackbird). C. pedibus
scansoriis
.

Latham l. c. tab. 13.

In Westindien. Lebt in gesellschaftlicher Verbindung,
und es sollen sogar mehrere Weibchen sich zusammen
halten und ein gemeinschaftliches Nest bauen, mit ein-
ander brüten etc.

19. Corvus. Rostrum convexum cultratum, na-
res mystace tectae; pedes ambulatorii.

1. †. Corax. der Kolk-Rabe. (Fr. le corbeau.
Engl. the raven). C. corpore atronitente, rostri
apice subincurvo, cauda semirhombea
.

Frisch tab. 63.

Wie die nächstfolgende Gattung fast durchgehends in
beiden Welten. Hat einen überaus scharfen Geruch,
raubt Fische, Krebse, junge Enten, selbst junge Haa-
sen etc., schleppt auch andere Sachen zu Neste, die er
nicht fressen kann.

2. †. Corone. die Raben-Krähe. (Fr. la cor-
neille
. Engl. the carrion crow). C. atrocaeru-
lescens totus, cauda rotundata: rectricibus acutis
.

Buffon vol. III. tab. 3.

[Seite 145]

3. †. Frugilegus. die Saatkrähe, der Karechel.
(Fr. le freux, la frayonne. Engl. the rook).
C. ater, fronte cinerascente, cauda subrotunda.

Frisch tab. 64.

Meist im ganzen mildern Europa. Vergütet den
mäßigen Schaden, den sie der Saat thut, durch die
weit beträchtlichere Vertilgung unzähliger Feldmäuse,
Engerlinge, Grasraupen etc.

4. †. Cornix. die Krähe, Nebelkrähe, Hau-
benkrähe
. (Fr. la corneille mantelée. Engl.
the hooded crow, royston crow). C. cinerascens,
capite jugulo alis caudaque nigris
.

Frisch tab. 65.

In den mildern Zonen der alten Welt. Hauset in
manchen Gegenden als Standvogel Jahr aus Jahr ein,
in andern läßt sie sich bloß über Winter nieder, ohne
daß man noch recht weiß, wo sie von da im Frühjahr
hinzieht. Wird ebenfalls durch die Vertilgung unzähli-
gen Ungeziefers nutzbar, thut doch aber auch den Mais-
feldern großen Schaden.

5. †. Monedula. die Dohle. (Fr. le choucas.
Engl. the jackdaw). C. fuscus, occipite incano,
fronte alis caudaque nigris
.

Frisch tab. 67.

Im nordwestlichen Europa.

6. †. Glandarius. der Holzheher, Nußbeißer,
Marcolph, Hetzle, Herrenvogel. (Fr. le
geai
. Engl. the jay). C. tectricibus alarum cae-
ruleis, lineis transversis albis nigrisque, corpore
ferrugineo variegato.

Frisch tab. 55.

Im mildern Europa.

7. †. Caryocatactes. der Nußheher. (Fr. le casse-
noix
. Engl. the nutcracker). C. fuscus alboque
punctatus, alis caudaque nigris: rectricibus apice
albis: intermediis apice detritis
.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1805.

In der nördlichen Erde.

[Seite 146]

8. †. Pica. die Aelster, Atzel, Aegerste, Hei-
ster
. (Fr. la pie. Engl. the magpie). C. albo
nigroque varius, cauda cuneiformi
.

Frisch tab. 58.

In Europa und Nordamerica. Ein schädliches Thier
für junges Meiergeflügel, und mitunter wohl für die
Saalfelder, das aber auch zahllose Raupen, Schnek-
ken etc. vertilgt.

20. Coracias. Rostrum cultratum, apice in-
curvato, basi pennis denudatum; pedes breves
ambulatorii
.

1. †. Garrula. die Mandelkrähe, Racke, Blau-
racke, der Birkheher
. (Fr. le rollier. Engl.
the roller). C. caerulea, dorso rubro, remigibus
nigris
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1807.

Im mildern Europa und in Nordafrica. Läßt sich in
der Erntezeit, wenn die Frucht in Mandeln steht, hau-
fenweise auf den Feldern sehen.

21. Gracula. Rostrum convexo-cultratum,
basi nudiusculum. Lingua integra, acutiu-
scula, carnosa. Pedes ambulatorii
.

1. Religiosa. (Fr. le mainate. Engl. the minor
grakle
). G. nigro violacea, macula alarum alba,
fascia occipitis nuda, flava.

Buffon vol. III. tab. 25.

In Ostindien. Hat eine schöne Stimme und lernt
leicht Worte nachsprechen.

2. Quiscula. der Maisdieb. G. nigro-violacea,
cauda rotundata
.

Catesby vol. I. tab. 12.

In Nordamerica.

[Seite 147]

22. Paradisea*). Paradisvogel. (manuco-
diatta
). Rostrum basi plumis tomentosis tec-
tum. Pennae hypochondriorum longiores.
Rectrices duae superiores singulares denudatae.

Das Ganze Geschlecht von zahlreichen Gattungen hat
ein überaus eingeschränktes Vaterland, da es wohl bloß
auf Neu-Guinea zu Hause ist, von da diese Thiere
als Zugvögel nach den Molucken u.a. benachbarten In-
seln streichen. Noch jetzt schneiden die Papus diesen Thie-
ren, die wegen ihres prachtvollen Gefieders in Indien
als Putz getragen werden, wenn sie sie zu dieser Absicht
verkaufen, die Füße ab, die daher die leichtgläubigen
Alten den Paradisvögeln überhaupt abzusprechen wag-
ten**).

1. Apoda. (Fr. l'émeraude). P. brunnea pennis
hypochondriis luteis corpore longioribus, rectri-
cibus duabus intermediis longis setaceis.

Edwards tab. 110.

2. Alba. der weiße Paradisvogel. (Fr. le
manucode à 12 filets
). P. anterius nigra vio-
lacea, posterius alba, humeris viride virgatis
,
rectricibus 12 nigris.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 96.

Eine der schönsten und sonst seltensten Gattungen
dieses Geschlechts, am Leibe ohngefähr von der Größe
einer Drossel.

23. Trogon. Curucuru. Rostrum capite brevius,
cultratum, aduncum, margine mandibularum
serratum. Pedes scansorii
.

[Seite 148]

1. Viridis. T. viridi aureus, subtus luteus, gula
nigra
.

Edwards tab. 331.

In Guiana.

24. Bucco. Bartvogel. (Fr. barbu. Engl.
barbet). Rostrum cultratum, lateraliter com-
pressum apice utrinque emarginato, incurvato;
rictu infra oculos protenso
.

1. Atroflavus. B. niger, jugulo, pectore et lineis
supra et infraorbitalibus luteis, abdomine griseo
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 65.

In Sierra Liona.

25. Cuculus. Rostrum teretiusculum. Nares
margine prominulae. Pedes scansorii
.

1. †. Canorus. der Kukuk. (Fr. le coucou.
Engl. the cuckow). C. cauda rotundata nigri-
cante albo-punctata
.

Frisch tab. 40. u. f.

In der nördlichen alten Welt, wo er aber doch nur
im Frühling und Sommer zu sehen ist. Er bebrütet
das halbe dutzend Eier, das er jedes Frühjahr nach und
nach legt, nicht selbst, sondern legt sie einzeln in die
Nester der Grasmücken und Bachstelzen etc.*) zwischen
dieser ihre eigenen Eier, da sich dann diese kleinen Vö-
gel an seiner Statt dem Brüt-Geschäfte unterziehen.
Merkwürdig ist, daß seine Eier, die doch um Vieles größer
sind, als dieser so weit kleinern Vögel ihre, dennoch
eben nicht länger als diese bebrütet zu werden brauchen.
Der junge Kukuk wächst aber dagegen sehr schnell, und
drängt wohl eher die mit ihm zugleich ausgebrüteten jun-
gen Grasmücken aus ihrem mütterlichen Neste**). Sein
Winteraufenthalt ist noch nicht zuverlässig bekannt.

[Seite 149]

2. Indicator. der Honigkukuk, Sengo, Mook.
C. cauda cuneiformi fusco et albido maculata, alis
fuscis maculis flavis, pedibus nigris
.

Jo. Fr. Miller fasc. IV. tab. 24.

Im südlichern Africa vom Cap landeinwärts. Hat
seinen Namen von der Fertigkeit, mit welcher er, wie
der Honig-Dachs, seine liebste Nahrung, aus den wil-
den Bienennester aufzusuchen weiß.

3. Persa. der Turaco. C. capite cristato, cor-
pore viridi-caerulescente, remigibus sanguineis
,
cauda aequali.

Buffon vol. VI. tab. 15.

In Südafrica. Das sehr schöne Thier zeichnet sich
außer andern besonders durch die doppelte apfelgrüne
Holle mit weißen Endspitzen von den übrigen Gattungen
dieses Geschlechts auffallend aus.

26. Oriolus. Rostrum conicum, convexum, acu-
tissimum, rectum: mandibula superiore paulo
longiore, obsolete emarginata; pedes ambulatorii
.

1. †. Galbula. die Golddrossel, Goldamsel,
der Kirschvogel, Bülow, Pirol. (Fr. le
loriot
). O. luteus, pedibus nigris, rectricibus
exterioribus postice flavis.

Frisch tab. 31.

Hin und wieder in der alten Welt. Soll in Bigamie
leben. Das Männchen goldgelb und schwarz, das Weib-
chen olivengrün. Macht sich ein künstliches, napfförmi-
ges, sehr daauerhaft zwischen zwey Aestchen befestigtes Nest.

2. Phoeniceus. der Maisdieb. (Engl. the black
bird
). O. niger, alarum tectricibus coccineis.

Catesby vol. I. tab. 13.

Im mildern Nordamerica. Hält sich gemeiniglich zu
dem abgedachten Maisdieb (Gracula quiscula).

3. Jupujuba. (Persicus Linn.) O. niger, dorso
postico maculaque tectricum alarum basique
rectricum luteis
.

Brisson vol. II. tab. 9. fig. 1.

[Seite 150]

In Brasilien etc. Baut sich, wie die vorige und
mehrere andere Gattungen dieses Geschlechts, ein langes
beutelförmiges Nest von Schilf und Binsen*), deren
man zuweilen mehrere Hundert an einem Baume hän-
gen sieht.


V. PASSERES.

Kleine Vögel, mit kurzen schlanken Füßen, und
kegelförmigem, scharf zugespitztem Schnabel von ver-
schiedener Größe und Bildung. Sie leben in Mo-
nogamie, nähren sich von Insecten und Pflanzen-
Samen, haben ein zartes, schmackhaftes Fleisch, und
die meisten von ihnen singen (wie man's insgemein
nennt).

27. Alauda. Rostrum cylindrico-subulatum,
rectum, mandibulis aequalibus, basi deorsum
dehiscentibus. Unguis posticus rectior digito
longior
.

1. †. Arvensis. die Feldlerche, Himmelslerche,
Bardale. (Fr. l'alouette. Engl. the field-lark,
sky-lark). A. rectricibus extimis duabus extror-
sum longitudinaliter albis: intermediis inferiore
latere ferrugineis
.

Frisch tab. 15. fig. 1.

Fast in der ganzen alten Welt. Badet sich, so wie
der Straus, die Hühner und viele andere deßhalb so
genannte Scharrvögel (aves pulveratrices), im
Sande.

2. †. Cristata. die Haubenlerche, Kobellerche,
Heidelerche. (Fr. le cochevis). A. rectricibus
nigris: extimis duabus margine exteriore albis,
capite cristato.

Frisch tab. 15. fig. 2.

In Deutschland und den benachbarten Ländern.

[Seite 151]

28. Sturnus. Rostrum subulatum, angulato-
depressum, obtusiusculum: mandibula supe-
riore integerrima, marginibus patentiusculis
.

1. †. Vulgaris. der Staar, die Sprehe. (Fr.
l'étourneau. Engl. the stare, starling). S. rostro
flavescente, corpore nigro punctis sagittatis albis
.

Frisch tab. 217.

Meist in der ganzen alten Welt. Ein nutzbares Thier,
das unzählige schädliche Insecten vertilgt.

29. Turdus. Rostrum tereti-cultratum: man-
dibula superiore apice deflexo, emarginato
.

1. †. Viscivorus. die Schnarre, Misteldrossel,
der Ziemer, Mistler. (Fr. la draine. Engl.
the missel bird, shrite). T. dorso fusco collo
maculis albis, rostro flavescente
.

Frisch tab. 15.

Hin und wieder in der alten Welt. Nährt sich von
Mistelbeeren, die auch häufig durch ihn fortgepflanzt
werden.

2. †. Pilaris. der Krammetsvogel. (Fr. la li-
torne, tourdelle
. Engl. the fieldfare). T. rectri-
cibus nigris; extimis margine interiore apice al-
bicantibus, capite vropygioque cano
.

Frisch tab. 26.

Im nördlichen Europa, streicht aber ins südliche.
Nährt sich vorzüglich von Wachholder- (Krammets-)
Beeren.

3. †. Iliacus. Weindrossel, Rothdrossel. (Fr.
le mauvis. Engl. the redwing). T. alis subtus
ferrugineis, superciliis flavescentibus.

Frisch tab. 28.

Im nördlichen Europa. Glättet ihr Nest mit Letten
und faulem Holze aus; und da letzteres theils im Fin-
stern leuchtet, so könnte vielleicht so ein qui pro quo
den Anlaß zur Erzählung der Alten, von einer ave
hercynica
noctu lucente gegeben haben.

[Seite 152]

4. †. Musicus. die Sangdrossel, Zipdrossel,
Weißdrossel. (Fr. la grive. Engl. the throstle,
song thrush
). T. remigibus basi interiore ferru-
gineis.

Frisch tab. 27.

Mehr südlich verbreitet als die vorige. Zuweilen fin-
det sich eine weißgraue Spielart von ihr.

5. Polyglottus. die americanische Nachtigall,
Sinsonte. (Fr. le moqueur. Engl. the mock-
bird
). T. fusco-cinereus, subtus albidus, maculis
verticis, alarum et caudae candidis
.

Catesby vol. I. tab. 27.

In Louisiana, Carolina, auch auf Jamaica. Ahmt
anderer Vögel Stimme leicht und täuschend nach.

6. Roseus. T. subincarnatus, capite, alis caudaque
nigris, occipite cristato.

Edwards vol. I. tab. 20.

Im mittlern Europa und Asien. Vertilgt unzählige
Zugheuschrecken.

7. †. Merula. die Amsel, Schwarzdrossel. (Fr.
le merle. Engl. the blackbird, ouzel). T. ater,
rostro palpebrisque flavis.

Frisch tab. 29.

Im mildern Europa. Lebt einsam, nährt sich von
Wachholderbeeren; hat ein vorzüglich treues Gedächtniß.

8. Cyanus. die Blauamsel. (Solitarius. Fr. le
merle bleu
). T. nigro-caeruleus, remigibus re-
ctricibusque fuscis
.

Edwards vol. I. tab. 18.

Einsam auf den Inseln und an den Küsten des
Archipelagus; ein lieblicher Sangvogel.

30. Ampelis. Rostrum rectum, convexum: man-
dibula superiore longiore, subincurvata, utrin-
que emarginata
.

1. Garrulus. der Seidenschwanz, Pfeffervo-
gel, Sterbevogel, Böhmer
. (Fr. le jaseur de
[Seite 153] Bohème
. Engl. the bohemian chatterer). A.
occipite cristato: remigum secundariorum
apice
coccineo lanceolato
.

Frisch tab. 32.

Im nördlichsten Europa, kommt aber in manchen
Jahren zur Herbstzeit häufig nach Deutschland: zumal
auf den Harz.

31. Loxia. Rostrum conico-gibbum, frontis
basi rotundatum; mandibula inferior margine
laterali inflexa.

1. †. Curvirostris. der Kreuzschnabel, Krumm-
schnabel, Krünitz, Tannenpapagei
. (Fr. le
bec croisé
). Engl. (the cross-bill, sheldaple).
L. rostro forficato.

Frisch tab. 11. fig. 3. 4.

In den Schwarzwäldern der nördlichern Erde. Brü-
tet mitten im Winter zu Ende des Jänners.

2. †. Coccothraustes. der Kernbeißer, Kirsch-
fink
. (Fr. le gros bec. Engl. the hawfinch). L.
linea alarum alba, remigibus mediis apice rhom-
beis, rectricibus latere basis tenuiore nigris
.

Frisch tab. 4. fig. 2. 3.

Hin und wieder in Europa.

3. †. Pyrrhula. der Dompfaffe, Blutfink, Lie-
big, Gimpel
. (rubicilla. Fr. le bouvreuil.
Engl. the bullfinch). L. artubus nigris, tectri-
cibus caudae remigumque posticarum albis
.

Frisch tab. 2. fig. 1. 2.

In der nördlichern alten Welt, Beide Geschlechter
lernen leicht Lieder pfeifen, selbst einander accompagni-
ren, und sogar Worte nachsprechen.

4. Gregaria. L. ex griseo flavescens, fronte oliva-
cea, nucha, humeris, alia et cauda fuscis
.

Paterson's journeys pag. 133.

Am Cap, wo Heerden von mehreren Hunderten ihre
Nester auf einem Baum dicht zusammen bauen, und
[Seite 154] das wunderbare Gebäude mit einem gemeinschaftlichen
überhängenden Dache bedecken.

5. Pensilis. L. viridis, capite et gutture flavis,
fascia oculari viridi, abdomine griseo, rostro, pe-
dibus, cauda remigibusque nigris
.

Sonnerat voy. aux Indes. T. II. tab. 112.

Ebenfalls am Cap, so wie auf Madagascar. Bauet
auch eins der wundersamsten Nester, am Wasser, fast
retortenförmig mit abwärts hängendem Halse zum Ein-
und Ausflug, so daß die Mündung nahe über der
Wasserfläche zu hängen kommt.

6. Philippina. die Baya. L. fusca, subtus albido-
flavicans, vertice pectoreque luteis, gula fusca
.

Daubenton Planches. tab. 135. fig. 2.

In Ostindien; sehr gelehrig, daher sie in der indischen
Halbinsel, zu mancherlei kleinen Künsten abgerichtet wird.
Bauet gleichfalls ein sehr kunstreiches hängendes Nest
aus Binsen etc.

7. Cardinalis. der indianische Haubenfink, die
virginische Nachtigall. (Engl. the redbird).
L. cristata rubra, capistro nigro, rostro pedibus-
que sanguineis
.

Frisch tab. 4. fig. 1.

In Nordamerica, wird wegen seines rothen Gefieders
und seines Gesanges häufig nach Europa gebracht.

8. †. Chloris. der Grünfink, Grünling, Grün-
schwanz, die Zwuntsche
. (anthus, florus. Fr.
le verdier. Engl. the greenfinch). L. flavicanti-
virens, remigibus primoribus antice luteis, rectri-
cibus lateralibus quatuor basi luteis
.

Frisch tab. 2. fig. 3. 4.

Hin und wieder in Europa.

9. Oryx. der Feuervogel. L. grisea, rostro, fronte
abdomineque nigris, collo uropygioque fulvis
.

Daubenton Planches. tab. 6. fig. 2. und tab.
134. fig. 1.

Am Cap etc.; das Männchen im Frühling und Sommer
feuerroth und sammetschwarz; im Herbst und Winter hin-
gegen von der graulichbraunen Farbe des Weibchens.

[Seite 155]

32. Emberiza. Ammer. Rostrum conicum, man-
dibulae basi deorsum a se invicem disceden-
tes: inferiore lateribus inflexo-coarctata, su-
periore angustiore
.

1. Nivalis. die Schneeammer, der Schneevo-
gel
. (Fr. l'ortolan de neige. Engl. the snow
bunting
). E. remigibus albis, primoribus ex-
trorsum nigris: rectricibus nigris: lateralibus
tribus albis
.

Frisch tab. 6. fig. 1. 2.

In der nördlichsten Erde*). Kommt nur zum Ueber-
wintern nach Deutschland, wo er sich aber zuweilen mit
ein Mal in unermeßlichen Zügen sehen läßt.

2. Miliaria. die graue Ammer. (Fr. le proyer.
Engl. the bunting). E. grisea, subtus nigro ma-
culata, orbitis rufis
.

Frisch tab. 6. fig. 4.

Meist durch ganz Europa.

3. †. Hortulana. der Ortolan, Kornfink, die
Fettammer, windsche Goldammer. E. remi-
gibus nigris, primis tribus margine albidis: rectri-
cibus nigris, lateralibus duabus extrorsum nigris
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1803.

In den wärmern Gegenden von Europa und dem
benachbarten Asien.

4. †. Citrinella. die Goldammer, Gelbgans,
der Emmerling. (Fr. le bruant. Engl. the
yellow hammer
). E. rectricibus nigricantibus: ex-
timis duabus latere interiore macula alba acuta
.

Frisch tab. 5. fig. 1. 2.

Meist durch ganz Europa.

[Seite 156]

5. Aureola. E. citrina, vertice, torque dorsoque
spadiceis, crisso albido, rectricibus duabus utrin-
que extimis fascia obliqua alba
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 56.

In Sibirien, bis Kamtschatka.

6. Paradisea. die Witwe. (Fr. la veuve à col-
lier d'or
. Engl. the whidah bird). E. fusca, pe-
ctore rubro, rectricibus intermediis quatuor elonga-
tis acuminatis: duabus longissimis, rostro rubro
.

Edwards tab. 86.

Hat den englischen, nachher in andern Sprachen aus
Mißverstand verunstalteten Nahmen von ihrer Heimath,
dem Königreich Whydah (oder Judah) auf der guinei-
schen Küste.

33. Tanagra. Rostrum conicum acuminatum,
emarginatum, basi subtrigonum, apice declive
.

1. Jacapa. (Fr. le cardinal pourpré, le bec d'ar-
gent
. Engl. the red-breasted blackbird). T.
atra, fronte, iuguto pectoreque coccineis.

Edwards tab. 267.

So wie mehrere verwandte Gattungen in Westindien
und dem benachbarten America.

34. Fringilla. Fink. Rostrum conicum rectum
acuminatum.

1. †. Caelebs*). der Buchfink, Gartenfink, Roth-
fink, Waldfink
. (Fr. le pinçon. Engl. the
chaffinch
). F. artubus nigris, remigibus utrinque
albis, tribus primis immaculatis: rectricibus dua-
bus oblique albis.

Frisch tab. 1. fig. 1. 2.

In Europa und Africa: hat mannigfaltigen Gesang,
so daß oft die Finken in einem Revier von sechs oder
mehr Meilen in die Runde überein, und in benachbar-
ten Gegenden wieder anders schlagen.

2. †. Montifringilla. der Bergfink, Tannen-
fink, Rothfink, Mistfink, Schneefink, Win-
terfink, Quäkfink, Böheimer
. (Fr. le pinçon
[Seite 157] d'Ardennes. Engl. the bramble). F. alarum
basi subtus flavissima
.

Linné fauna suec. tab. 2. fig. 198.

Im nördlichen Europa. Kommt, wenn die Buchmast
gut gerathen, im Spätherbst zu vielen Tausenden nach
manchen Gegenden Deutschlands.

3. Nivalis. der Schneefink. (Fr. la niverolle).
F. fusca, subtus nivea, remigibus secundariis
rectricibusque albis.

Brisson vol. III. tab. 15. fig. 1.

Auf dem Caucasus, und in den europäischen Alpen.

4. †. Carduelis. der Stieglitz, Distelfink. (Fr.
le chardonneret. Engl. the goldfinch, the thist-
lefinch
). F. fronte et gula coccineis, remigibus
antrorsum flavis: rectricibus duabus extimis me-
dio, reliquisque apice albis.

Frisch tab. 1. fig. 3. 4.

Fast durch ganz Europa und in den benachbarten
Ländern der übrigen alten Welt. Gibt mit der Canarien-
Sie schöne Bastarde*).

5. Amandava. der Finke von Bengalen. (Fr.
le Bengali piqueté. Engl. the Ahmedabad finch).
F. fusca rufescensque albo punctata.

Buffon vol. IV. tab. 2. fig. 1.

In Ostindien. Daß seine Knochen, wie man behaup-
tet, gelb seyn sollen, habe ich bei denen, die ich zu
untersuchen Gelegenheit gehabt, nicht bestätigt gefunden.

6. Canaria. der Canarienvogel, ehedem Zuk-
kervögelein
. (Fr. le serin de Canarie). F.
rostro albido, corpore subfusco, pectore flave-
scente, rectricibus remigibusque virescentibus
.

Frisch tab. 12. fig. 1-4.

Scheint zu Anfang des sechszehnten Jahrhunderts aus
den canarischen Inseln zuerst nach Europa gebracht wor-
den zu seyn: ist aber seitdem daselbst in mancherlei
Varietäten ausgeartet. Die wilde Stamm-Rasse ist
[Seite 158] bräunlichgrau mit gelber Brust. Unter den übrigen sind
besonders die mit der Holle oder Federbüschchen auf dem
Kopfe (so genannte Kapp-Vögel), und die Kacker-
lacken mit rothen Augen zu merken.

7. †. Spinus. der Zeisig, Erlenfink. (ligurinus,
acanthis.
Fr. le tarin. Engl. the siskin). F.
remigibus medio luteis: primis quatuor immacu-
latis, rectricibus basi flavis, apice nigris
.

Frisch tab. 11. fig. 1. 2.

Nistet in den Gipfeln der hohen Tannen und Fichten
in dichten Schwarzwäldern; daher sein Nest selten ge-
funden wird*).

8. †. Cannabina. der Hänfling, Leinfink, die
Artsche. (Fr. la linotte. Engl. the greater
linnet
). F. remigibus primoribus rectricibusque
nigris, utroque margine albis
.

Frisch tab. 9. fig. 1. 2.

In Europa und Nordamerica.

9. †. Linaria. das Citrinchen, der Flachsfink,
Bluthänfling. (Fr. le sizerin. Engl. the
lesser linnet
). F. remigibus rectricibusque fuscis,
margine obsolete pallido, litura alarum albida
.
(Mas pectore et vertice sanguineis.)

Frisch tab. 10. fig. 3. 4.

In der ganzen nördlichen Erde.

10. †. Domestica. der Sperling, Spatz. (passer.
Fr. le moineau. Engl. the sparrow). F. remi-
gibus rectricibusque fuscis, gula nigra, tempori-
bus ferrugineis
.

In ganz Europa und den benachbarten Ländern der
übrigen alten Welt fast allgemein verbreitet. Doch,
daß er sich in einzelnen Gegenden, wie z.B. an man-
chen Orten in Thüringen (und zwar auch an solchen,
wo es doch weder an Laubholz noch Obststämmen etc.
fehlt) nicht findet. Er brütet vier Mal im Jahre. Frei-
lich für Gärten und Feld ein schädliches Thier, das
[Seite 159] aber doch auch unzähliges Ungeziefer vertilgt. Zuweilen
finden sich ganz weiße Sperlinge.

35. Muscicapa. Fliegenfänger. (Fr. gobe-mou-
che
. Engl. flycatcher). Rostrum subtrigonum
utrinque emarginatum, apice incurvo;
vibris-
sae
patentes versus fauces.

1. †. Atricapilla. der Fliegenschnäpper. M.
nigra, subtus, frontis macula alarumque speculo
albis, rectricibus lateralibus extus albis
.

Frisch tab. 24. fig. 1.

Hin und wieder in Europa.

36. Motacilla. Rostrum subulatum rectum:
mandibulis subaequalibus
.

1. †. Luscinia. die Nachtigall. (Fr. le rossignol.
Engl. the nightingale). M. rufo-cinerea armil-
lis cinereis
.

Frisch tab. 21. fig. 1. 2.

In den mildern Erdstrichen von Europa und Asien.
Kommt im April in unsern Gegenden an, und zieht zu
Ende Augusts wieder von dannen, man weiß noch nicht
gewiß, wohin; wenigstens, so viel bekannt, nicht nach
Africa.

2. †. Curruca. die Grasmücke, der Hecken-
schmatzer, Weidenzeisig
. (Fr. la fauvette.
Engl. the hedge sparrow). M. supra fusca, sub-
tus albida, rectricibus fuscis: extima margine te-
nuiore alba
.

Frisch tab. 21 fig. 3.

Im mildern Europa.

3. †. Ficedula. die Beccafige. (im alten Fr.
l'oyselet de Chypre). M. subfusca, subtus alba,
pectore cinereo maculato
.

Frisch tab. 22. fig. 3. 4.

Im mildern und wärmern Europa, zumal auf Cy-
prus, von wannen sie wegen ihres schmackhaften Flei-
sches weit verführt wird.

[Seite 160]

4. †. Alba. die weiße oder graue Bachstelze,
das Ackermännchen. (Fr. la lavandière. Engl.
the white waterwagtail). M. pectore nigro, re-
ctricibus duabus lateralibus dimidiato-oblique albis
.

Frisch tab. 23. fig. 4.

Meist in der ganzen alten Welt.

5. Calliope. M. mustelina, olivaceo-maculata, sub-
tus ex flavescente alba, gula miniata, linea alba
nigraque cincta, loris nigris, superciliis albis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 45.

In Sibirien, bis Kamtschatka.

6. †. Atricapilla. der Klosterwenzel, Mönch.
(Fr. la fauvette à tête noire. Engl. the black-
cap
). M. testacea, subtus cinerea, pileo obscuro.

Linné fauna suecica. tab. 1. fig. 256.

Im mildern Europa. Einer der lieblichsten Sang-
vögel.

7. †. Phoenicurus. das Rothschwänzchen,
Schwarzkehlchen. (Fr. le rossignol de muraille.
Engl. the redstart). M. gula nigra, abdomine
caudaque rufis, capite dorsoque cano
.

Frisch tab. 19. fig. 1.

Hat meist gleiches Vaterland mit der Nachtigall;
kommt und geht auch zu gleicher Zeit mit ihr.

8. †. Rubecula. das Rothkehlchen, Rothbrüst-
chen, der Rothbart
. (erithacus. Fr. le rouge-
gorge
. Engl. the robin redbreast, ruddock). M.
grisea, gula pectoreque ferrugineis.

Frisch tab. 19. fig. 2.

Meist in ganz Europa. In England der Lieblings-
vogel des Volks. Das muntere beliebte Geschöpf wird
durch Vertilgung unzähliger schädlicher Insecten sehr
nutzbar.

9. †. Suecica. das Blaukehlchen, die Schild-
Nachtigall
. M. pectore ferrugineo fascia cae-
rulea, rectricibus fuscis versus basin ferrugineis
.

Frisch tab. 19. fig. 2. a. b.

Zumal am Wasser in den gebirgigen Gegenden der
mildern alten Welt.

[Seite 161]

10. †. Troglodytes. der Zaunkönig, Zaun-
schlupfer, Schneekönig, Winterkönig
. (Engl.
the wren). M. grisea, alis nigro cinereoque un-
dulatis
.

Frisch tab. 24. fig. 3.

In der nördlichern Erde. Macht sich ein bedecktes
Nest, fast in Gestalt eines Backofens*), und legt zahl-
reiche Eier.

11. †. Regulus. das Goldhähnchen. (Fr. le roi-
telet
). M. remigibus secundariis exteriori mar-
gine flavis, medio albis, crista verticali crocea
.

Frisch tab. 24. fig. 4.

Ebenfalls in der nördlichern Erde. Der kleinste eu-
ropäische Vogel.

12. Sartoria. der Schneidervogel. M. tota pal-
lide lutea
.

J. R. Forster's Indische Zoologie tab. 8.

In Indien. Kleiner als der Zaunkönig. Hat den
Namen von der merkwürdigen Art, wie er sein Nest
aus Baumblättern verfertigt, da er einige dürre Blät-
ter an ein grünes am äußersten Ende eines Zweiges
gleichsam annähet, so daß dadurch eine tutenförmige Höh-
lung gebildet wird, die er mit Flaumen etc. ausfuttert.

37. Pipra. Manakin. Rostrum capite brevius,
basi subtrigonum integerrimum, apice incur-
vum. Pedes gressorii
.

1. Rupicola. (Fr. le coq de roche). P. crista erecta
margine purpurea, corpore croceo, tectricibus
rectricum truncatis
.

Edwards tab. 264.

In Guinea etc.

38. Parus. Meise. (Fr. mésange. Engl. tit-
mouse
). Rostrum integerrimum, basi setis
tectum
.

[Seite 162]

1. †. Maior. die Kohlmeise, Brandmeise. (Fr.
la charbonnière. Engl. the great titmouse). P.
capite nigro, temporibus albis, nucha lutea
.

Frisch tab. 13. fig. 1. 2.

Meist durch die ganze alte Welt. Ein muthiges Thier,
das weit größere Vögel anfällt, andern kleinen Sang-
vögeln die Köpfe aufhackt etc. Man hat bei dieser und
andern über Winter bei uns bleibenden Gattungen die-
ses Geschlechts angemerkt, daß dann das Horn ihres
Schnabels weit härter wird als im Sommer, das ihnen
beim Auspicken ihres Futters aus dem gefrornen Erd-
reich zu Statten kommt.

2. †. Caeruleus. die Blaumeise, Pimpelmeise,
Jungfernmeise, der Blaumüller. (Fr. la
mésange bleue
. Engl. the nun). P. remigibus
caerulescentibus: primoribus margine exteriore
albis, fronte alba, vertice caeruleo
.

Frisch tab. 14. fig. 1.

Häufig in Europa. Vertilgt Jahr aus Jahr ein
unzählige Insecten.

3. †. Caudatus. die Schwanzmeise, Moormeise,
Schneemeise. (Fr. la mésange à longue queue.
Engl. the longtailed titmouse). P. vertice albo,
cauda corpore longiore
.

Frisch tab. 14. fig. 3.

In Europa und Westindien. Legt wohl 20 Eier,
baut sich ein sackförmiges Nest*) von Moos, Wolle etc.
und bekleidet es von außen mit den nähmlichen Baum-
krätzen u.a. Moosen, womit der Baum, an dessen
Stamm sie es angelegt, bewachsen ist.

4. †. Biarmicus. das Bartmännchen, der in-
dianische Sperling
. (Fr. le moustache. Engl.
the bearded titmouse). P. vertice cano, cauda
corpore longiore, capite barbato
.

Frisch tab. 8. fig. 3.

Im nordwestlichen Europa, England etc.

[Seite 163]

5. †. Pendulinus. die Beutelmeise, Pendulin-
meise, der Remitz, Cottonvogel
. (Fr. la me-
sange de Pologne
). P. capite subferrugineo, fascia
oculari nigra, remigibus rectricibusque fuscis mar-
gine utroque ferrugineo
.

J. D. Titii parus minimus Remiz descriptus.
Lips. 1755. 4. tab. 1. 2.

Hin und wieder in Oesterreich, Ober-Italien, Polen,
Sibirien etc. baut sich ein beutelförmiges Nest von Pap-
pelwolle etc., das sie an einem dünnen Aste aufhängt.

39. Hirundo. Schwalbe. Rostrum minimum
incurvum, subulatum, basi depressum
.

Die Schwalben zeichnen sich auch außer ihrer Bildung
durch ihre Lebensart etc. gar sehr von den übrigen Thie-
ren dieser Ordnung aus. Bei der bekannte Streit-
frage über den Winteraufenthalt unserer hieländischen
Schwalben, zumal der beiden ersten Gattungen, scheint
doch nach allem, was darüber geschrieben worden, noch
manches nicht vollkommen ins Reine. Schade, daß bei
den für die eine*) oder für die andere**) Behauptung
angeführten Erfahrungen, die Gattungen, an welchen
sie gemacht worden, nicht bestimmt genug angegeben sind.
Im ganzen hat doch aber immer das Wegziehen dersel-
ben nach wärmeren Gegenden bei weiten die größte
Wahrscheinlichkeit für sich.

1. †. Domestica. die Rauchschwalbe, Feuer-
schwalbe
. (hirundo rustica Linn. Fr. l'hiron-
delle de cheminée
. Engl. the house-swallow,
chimney-swallow). H. rectricibus, exceptis dua-
[Seite 164] bus intermediis macula alba notatis, fronte et
gula spadiceis
.

Frisch tab. 18. fig. 1.

Nebst der Uferschwalbe einer der weitverbreitetsten
Vögel auf Erden. Die Benennungen dieser und der
folgenden Gattung sind bei den Systematikern auf das
seltsamste vermengt und verwechselt worden. Hier diese,
mit den nackten unbefiederten Füßen und weißgefleckten
Steuerfedern, baut ihr offenes Nest (das oft von
Wanzen wimmelt) an die Dachgiebel, Ställe, Scheuern,
und auf den Dörfern in der Hausflur und unter die
Rauchfänge.

2. †. Agrestis. die Hausschwalbe, Fenster-
schwalbe, Mehlschwalbe, Spyrschwalbe
.
(hirundo urbica Linn. Fr. l'hirondelle de fenêtre
ou de muraille, le martinet à cul blanc
. Engl.
the martin, martlet). H. pedibus hirsutis, re-
ctricibus immaculatis, dorso nigro caerulescente,
tota subtus alba
.

Frisch tab. 17. fig. 2.

Zumal in der nördlichen Erde. Nistet meist auf den
Dörfern außerhalb der Häuser unterm Dache, an den
Kirchfenstern etc. Macht ihr Nest aus Lehm-Klümpchen,
oben zugewölbt.

3. †. Riparia. die Uferschwalbe, Erdschwalbe.
(Fr. l'hirondelle de rivage. Engl. the sandmar-
tin, shore bird
). H. cinerea, gula abdomineque
albis
.

Frisch tab. 18. fig. 2.

Baut in Fluß-Ufern, Lehmgruben, Sandhügeln etc.

4. Esculenta. die Salangane. H. rectricibus
omnibus macula alba notatis
.

Von der Größe des Zaunkönigs. Auf den sundai-
schen u.a. Inseln des indischen Archipelagus bis Neu-
Guinea etc. Baut da in die Uferlöcher und Berghöhlen
die berufenen indianischen oder Tunkinsnester, deren
Stoff der Hausenblase ähnelt. Man sammelt jährlich
wohl vier Millionen dieser Nestchen, die größtentheils
nach Schina verkauft werden.

[Seite 165]

5. †. Apus. die Mauerschwalbe, Steinschwal-
be, Pierschwalbe, Thurmschwalbe
. (Fr. le
martinet
. Engl. the black martin, swift). H.
nigricans, gula alba
, digitis omnibus quatuor
anticis
.

Frisch tab. 17. fig. 1.

In allen drey Welttheilen der nördlichen Erde.

40. Caprimulgus. Rostrum modice incurvum,
minimum, subulatum, basi depressum; vibris-
sae ciliares. Rictus amplissimus; unguis in-
termedius introrsum ciliatus
.

1. †. Europaeus. die Nachtschwalbe, Hexe, der
Ziegenmelker, Ziegensauger, Nachtrabe,
Tagschläfer. (nycticorax. Fr. l'engoulevent, la
tette-chèvre
. Engl. the goatsucker, night-ra-
ven
). C. narium tubis obsoletis.

Frisch tab. 101.

In der alten Welt. Ein animal nocturnum, das
im Flug seine schnurrende Stimme hören läßt. Es lebt
von Insecten, besonders von Nachtfaltern etc. und die
alte Sage, daß es den Ziegen die Milch aussauge, ist
ungegründet.


VI. GALLINAE.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze Füße
und einen convexen Schnabel, der an der Wurzel
mit einer fleischigen Haut überzogen ist, und dessen
obere Hälfte zu beiden Seiten über die untere tritt.
Sie nähren sich meist von Pflanzensamen, die sie im
Kropfe einweichen, legen zahlreiche Eier, und geben
das mehreste Hausgeflügel.

41. Columba. Taube*). (Fr. und Engl. pigeon).
Rostrum rectum versus apicem descendens.

[Seite 166]

a) Cauda aequali modica.

1. †. Oenas. die Haustaube, Feldtaube, Holz-
taube
. (vinago, livia. Fr. le biset. Engl. the
stock dove
). C. caerulescens, cervice viridi ni-
tente, dorso postico albo, fascia alarum apiceque
caudae nigricante.

Sylvan, v. Laurop und Fischer für d. J. 1815.

Die Holztaube ist meist in der ganzen alten Welt zu
Hause. Die in Norden ziehen im Herbst nach etwas
südlichern Gegenden. Die in mildern Erdstrichen hin-
gegen überwintern scharenweise in Felsen-Klüften, hoh-
len Bäumen etc. Das wilde Weibchen brütet zwey Mal
im Jahre, die Haustaube hingegen neun bis zehn
Mal, so daß man von einem einzigen Paar binnen
vier Jahren 14762 Tauben ziehen könnte. Die vorzüg-
lichsten Abarten (wovon doch manche für besondere Gat-
tungen angesehen werden) sind folgende:

a) dasypus, die Trommeltaube. (Fr. le pigeon
pattu
. Engl. the rough-footed dove). Mit lang-
befiederten Füßen. Frisch tab. 145.

b) gutturosa, die Kropftaube, der Kröpfer.
(Fr. le pigeon à grosse gorge, le grandgosier.
Engl. the cropper pigeon). Mit theils ungeheu-
rem Kropfe. Frisch tab. 146.

c) turbita, das Möwchen. (Fr. le pigeon cravate,
à gorge frisée
. Engl. the turbit). Mit krausen
Brustfedern und ganz kurzem Schnabel. Frisch
tab. 147.

d) gyratrix, der Tümmler. (Fr. le pigeon culbu-
tant
. Engl. the tumbler). Mit glattem Kopf und
einem kahlen rothen Augenring: überschlägt sich im
steigenden Fluge. Frisch tab. 148.

e) cucullata, die Schleiertaube, Zopftaube.
(Fr. le pigeon nonain. Engl. the jacobine).
mit vorwärts gerichtetem Kopf-Busche. Frisch
tab. 159.

f) laticauda, die Pfauentaube, der Hühner-
schwanz
. (Fr. le pigeon paon. Engl. the
shaker
). Mit aufrechtem, ausgebreitetem Schwanze.
Frisch tab. 151.

[Seite 167]

g) tabellaria. die Posttaube, Brieftaube, tür-
kische Taube
. (Fr. le pigeon messager. Engl.
the carrier pigeon). Mit rothen Fleischwarzen um
den Schnabel und die Augen herum. Diese Tau-
benart hat ihren Namen daher, weil man sich ihrer
vorzüglich ehedem in der Levante bediente, um
Briefchen zu überschicken*).

2. Coronata. der Kronvogel. C. caerulescens,
supra cinerea, orbitis nigris, crista erecta, hu-
meris ferrugineis
.

Jo. Fr. Miller fasc. III. tab. 16.

Zumal auf Neu-Guinea und den Molucken etc. Fast
von der Größe des welschen Hahns.

3. †. Palumbus. die Ringtaube, große Holz-
taube, Schlagtaube, Plochtaube, Kohl-
taube, Holztaube
. (Fr. le pigeon ramier. Engl.
the ring-dove). C. rectricibus postice atris, re-
migibus primoribus margine exteriore albidis,
collo utrinque albo
.

Sylvan, v. Laurop u. Fischer für d. J. 1815.

Meist in ganz Europa.

4. †. Turtur. die Turteltaube. (Fr. la tourterelle.
Engl. the turtle-dove). C. rectricibus apice al-
bis, dorso griseo, pectore incarnato, macula la-
terali colli nigra lineolis albis
.

Sylvan, v. Laurop u. Fischer für d. J. 1815.

In den warmen und mildern Gegenden der alten
Welt. Von ihrer gepriesenen Keuschheit und ehelichen
Treue die fabelhaften Uebertreibungen abgerechnet, ha-
ben sie darin nichts vor andern Vögeln ähnlicher Le-
bensart voraus.

5. †. Risoria. die Lachtaube. (Fr. la tourterelle
à collier
. Engl. the indian turtle). C. supra
lutescens lunula cervicali nigra
.

Frisch tab. 141.

Im mildern Europa und in Ostindien.

[Seite 168]

b) Cauda longiore cuneata.

6. Migratoria. die Zugtaube. C. orbitis denuda-
tis sanguineis, pectore rufo
.

Frisch tab. 142.

Im nordöstlichen America. Macht zur Zeit ihrer un-
ermeßlichen Züge, eine Haupt-Nahrung der dasigen
Indianer aus, die auch Tausende derselben räuchern und
dörren.

42. Tetrao. (Engl. grouse). Macula prope ocu-
los nuda, papillosa
.

1. †. Coturnix. die Wachtel. (Fr. la caille,
Engl. the quail). T. pedibus nudis, corpore
griseo maculato, superciliis albis, rectricum mar-
gine lunulaque ferruginea
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1802.

Fast in der ganzen alten Welt; ein Zugvogel, der
sich im Zug zuweilen in zahlloser Menge sehen läßt.

2. †. Perdix. das Rebhuhn, Feldhuhn. (Fr.
la perdrix grise. Engl. the partridge). T. pe-
dibus nudis calcaratis, macula nuda coccinea sub
oculis, cauda ferruginea, pectore subfusco.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1799.

Im mittlern Europa und in den mildern Gegenden
des asiatischen Rußlands.

3. †. Rufus. (Fr. la perdrix rouge, la bartavelle.)
T. pedibus nudis calcaratis rostroque sanguineis,
gula alba cincta fascia nigra albo punctata
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

Im südlichen Europa und Orient. Wird auf den
Inseln des Archipelagus als Meiergeflügel gehalten.

4. †. Bonasia. das Haselhuhn. (Fr. la geli-
notte
. Engl. the grouse). T. pedibus hirsutis,
rectricibus cinereis punctis nigris fascia nigra:
exceptis intermediis duabus
.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1796.

Lebt einsam in den Haselgebüschen des mittlern Eu-
ropa. Das schwedische (Hiärpe) ist wohl das schmack-
hafteste von allem wilden Geflügel.

[Seite 169]

5. †. Lagopus. das Schneehuhn, Rype. (Fr.
la gelinotte blanche. Engl. the white grouse,
ptarmigan
). T. pedibus lanatis, remigibus albis,
rectricibus nigris apice albis, intermediis albis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

In den alpinischen und nördlichsten Gegenden der
alten und neuen Welt. Ist im Sommer von grauer
Farbe. Namentlich ein überaus wichtiges Thier für die
europäischen Colonisten in Labrador und Grönland.

Eine dieser verwandte Art ist der J. Scoticus
(Engl. the red grouse, moor cock), zumal in den
schottischen Hochländern.

6. †. Tetrix. der Birkhahn, der die Kurre. (Fr.
le petit tetras. Engl. the black cock). T. pedi-
bus hirsutis, cauda bifurcata, remigibus secunda-
riis basin versus albis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795.

In der nördlichern alten Welt.

7. †. Urogallus. der Auerhahn. (Fr. le coq de
bruyère, tetras
. Engl. the capercaile, cock of
the wood
). T. pedibus hirsutis, cauda rotundata,
axillis albis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1794.

Im nördlichern Europa, hat ein äußerst scharfes Ge-
sicht und Gehör. Seine Zunge und oberer Kehlkopf
liegen tief unten im Halse.

43. Numida. Caput cornutum, collum compres-
sum coloratum; palearia carunculacea ad la-
tera maxillae utriusque
.

1. Meleagris. das Perlhuhn. (Fr. la peintade.
Engl. the guiney hen). N. rostro cera instructo
nares recipiente
.

Frisch tab. 126.

Das so wunderschön weißpunctirte Geschöpf ist ur-
sprünglich im nördlichen und westlichen Africa einhei-
misch, aber auch längst nach Europa und vielen Gegen-
den von America verpflanzt.

44. Menura. Cauda elongata, plana, rectrici-
bus
16. duabus intermediis angustis, longiori-
[Seite 170] bus, duabus externis apice dilatato exterius
recurvo; reliquis laxis
.

1. Superba. der Leierschwanz, Schweifhahn.

Audebert et Vieillot oiseaux de Paradis
tab. 14. 15. 16.

Auf Neuholland. Das Männchen wegen seines großen
wundersam gebildeten schönfarbigen Schweifes eines der
sonderbarsten Thiere der ganzen Classe.

45. Phasianus. Genae cute nuda laevigata.

1. †. Gallus. der Haushahn. (Fr. le coq. Engl.
the cock). Ph. caruncula compressa verticis ge-
minaque gulae, auribus nudis, cauda compressa
ascendente
.

Die vermuthliche wilde Stammrasse*) ist in Hin-
dustan zu Hause; von rothbrauner Farbe; und zeichnet
sich durch flache hornichte Blättchen an den Spitzen der
Hals- und Flügelfedern aus (die den zinnoberrothen
Flügelblättchen des Seidenschwanzes ähneln). Der Haus-
hahn hingegen ist meist über die ganze Erde verbreitet.
Doch ist er erst durch die Spanier nach America ge-
bracht: hingegen auf vielen Inseln der Südsee bei ihrer
Entdeckung von den Europäern schon vorgefunden wor-
den. Das Huhn ist bei der Menge Eier, die es legt,
und seinem oftmaligen Brüten eins der allernutzbarsten
Thiere der ganzen Classe. Und die Hahnen-Gefechte
längst und in mehreren Welttheilen ein beliebtes Volks-
schauspiel.

Die Hühner sind unter den Hausthieren dieser Classe
in die allermannigfaltigsten und auffallendsten Rassen
und Spielarten degenerirt; theils in wahre zum erb-
lichen Schlag gewordene Monstrositäten**); sowohl per
[Seite 171] defectum (– s. oben S. 19. –), wie der unge-
schwänzte Kluthahn; als per excessum (– a. a. O. –),
wie z.B. mit fünf oder gar sechs Zehen*).

Unter den übrigen Abarten verdienen besonders be-
merkt zu werden:

a) der Paduanerhahn, wohl noch einmal so
groß als der gemeine Haushahn.

b) Der Zwerghahn, Krup-Hahn, kaum halb
so groß als der gemeine.

c) Der Strupphahn, krause Hahn, fries-
ländische Hahn
, mit krausen auswärts ge-
krümmten Federn.

d) Das Wollhuhn, aus Japan, Schina etc. Seine
Federn sind schlicht, fast wie Haare, daher die
Fabel von Bastarden, die von Kaninchen und Hüh-
nern erzeugt seyn sollten, entstanden ist.

e) Das Negerhuhn, mit schwarzer Haut. Vor-
züglich auf St. Jago am grünen Vorgebirge, wo
auch noch andere Vögelarten diese Sonderbarkeit
haben sollen.

2. Colchicus. der Fasan. (Fr. le faisan. Engl.
the pheasant). P. rufus, variegatus, capite viridi
caerulescente, cauda cuneata, genis papillosis
.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1797.

Hat den Namen vom Flusse Phasis in Mingrelien,
von wo ihn die Argonauten zuerst nach Europa gebracht
haben sollen.

3. Argus. Ph. fusco-flavescens, nigro punctatus et
undulatus, remigum
11 interiorum latere exteriore
ocellato, genis nudis, occipite nigro subcristato
,
rectricibus 2 intermediis longissimis.

Philos. Transact. vol. LV. tab. 3.

In seiner Art wohl das wunderschönste prachtvollste
Geschöpf in der Natur. Besonders sind die großen Au-
[Seite 172] gen auf den innern Schwungfedern unbeschreiblich schön
schattirt, jedem gleichsam ein Lichtpunkt aufgesetzt etc.;
mißt vom Schnabel zur Schwanzspitze auf 9 Fuß, und
ist nebst den beiden folgenden Gattungen zumal in
Schina zu Hause.

4. Pictus. der Goldfasan. Ph. crista flava, pe-
ctore coccineo, remigibus secundariis caeruleis,
cauda cuneata
.

Edwards tab. 68. 69.

Bei dieser und der folgenden Gattung zeichnen sich
die erwachsenen Männchen durch die ausnehmende
Schönheit ihres Gefieders aus.

5. Nycthemerus. der Silberfasan. Ph. albus,
crista abdomineque nigris, cauda cuneata
.

Edwards tab. 66.

46. Crax. Rostrum basi cera obductum in utra-
que mandibula. Pennae caput tegentes re-
volutae
.

1. Alector. der Curasso, Hocco. C. cera flava,
corpore nigro, ventre albo
.

Buffon vol. II. tab. 13.

In Guiana etc.

47. Meleagris. Caput carunculis spongiosis
tectum, gula caruncula membranacea longitu-
dinali
.

1. Gallopavo. der Truthahn, Puter, wälsche
Hahn, Kalekuter, Kuhnhahn. (Fr. le dindon.
Engl. the turkey). M. maris pectore barbato.

Im mittlern und nördlichern America, wo er in
großen Heerden auf Bäumen lebt; ward 1530 zuerst
nach Deutschland gebracht, wo er nun als Meiergeflügel
gehalten wird, und in mancherlei Varietäten von weißer
u.a. Farben ausgeartet ist.

48. Pavo. Caput pennis revolutis tectum, pen-
nae caudales elongatae, ocellatae
.

[Seite 173]

1. Cristatus. der Pfau. (Fr. le paon. Engl.
the peacock). P. capite crista compressa, calca-
ribus solitariis
.

Ist wohl ursprünglich in Ostindien einheimisch, und
seit Alexanders des Großen Zeiten nach Europa ver-
pflanzt. Das Männchen zeichnet sich vom dritten Jahre
an durch die Pracht seiner Schwanz- oder vielmehr
Rücken-Federn aus. Unter den Spielarten ist die
weiße die auffallendste.

49. Otis. Rostrum mandibula superiore forni-
cata; pedes cursorii
.

1. †. Tarda. der Trappe. (Fr. l'outarde. Engl.
the bustard). O. maris capite inguloque utrin-
que cristato
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Dieser größte hieländische Vogel ist in der gemäßigten
alten Welt zu Hause. Das Männchen wird wohl gegen
30 Pfund schwer, und hat vorn am Halse einen weiten
verborgenen Sack, der sich unter der Zunge öffnet.


VII. STRUTHIONES.

Große Landvögel, mit freien unverbundenen Ze-
hen, und kurzen zum Flug ungeschickten Flügeln ohne
Schwungfedern.

50. Struthio. Rostrum subconicum: pedes
cursorii
.

1. Camelus. der Straus. (Fr. l'autruche. Engl.
the ostrich). S. pedibus didactylis, digito exte-
riore parvo mutico, spinis alarum binis
.

Ménag. du Mus. nat. I. tab. 3.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 77.

Der allergrößte Vogel, der eine Höhe von 8 Fuß
und darüber erreicht, und außer Africa nur in Arabien
zu Hause ist. Das Unvermögen zum Flug wird bei
[Seite 174] ihm durch die ausnehmende Schnelligkeit seines Laufs
vergütet*). Von seinen Eiern, deren er wohl 30 legt,
hält jedes ungefähr so viel als 24 Hühnereier. Vor-
züglich wird er durch seine Federn schätzbar.

Der americanische Straus (Str. rhea) ist zu-
mal in Chili zu Hause.

2. Casuarius. der Casuar, Emeu. S. pedibus
tridactylis, galea palearibusque nudis, remigibus

spinosis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 97.

In Ostindien. Hat große Stärke in seiner mittlern
Klaue. Seine Federn sind hornicht und ähneln Pferde-
haaren, und es entspringen immer zwey und zwey
Schafte aus einem gemeinschaftlichen Kiele.

Eine eigene Gattung von Casuar ohne Helm (Str.
australis) ist neuerlich im fünften Welttheil auf Neu-
Südwallis entdeckt worden.

51. Didus. Rostrum medio coarctatum rugis dua-
bus transversis: utraque mandibula inflexo
apice; facies ultra oculos nuda
.

1. Ineptus. der Dudu, Dronte, Walghvogel.
(Cygnus cucullatus). D. pedibus ambulatoriis,
cauda brevissima, pennis incurvis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 35.

Ehedem auf Ile de France und Bourbon. – Aber
nach den Versicherungen von Morel, der deßhalb an
Ort und Stelle Untersuchung angestellt hat, existirt
dieser Vogel jetzt nicht mehr. Und das ist nicht un-
wahrscheinlich, da er das schwerleibigste, langsamste
Thier der ganzen Classe, folglich leicht zu fangen, und
doch wegen seines widrigen Fleisches von wenig Nutzen
war**).


[Seite 175]

So weit die Landvögel. Nun die Wasser-
vögel
in II. Ordnungen.

VIII. GRALLAE.

Diese, die Sumpfvögel, haben einen wal-
zenförmigen Schnabel von ungleicher Länge, hohe
stelzenartige Beine, und auch mehrentheils einen
langen Hals, aber kurzen Schwanz. Sie halten sich
in sumpfigem, moorigem Boden auf, leben meist von
Amphibien, Fischen, Insecten und Wasserpflanzen,
die mehresten nisten auf der Erde oder im Schilf,
und werden großentheils durch ihr vorzüglich schmack-
haftes Fleisch und durch ihre Eier nutzbar.

52. Phoenicopterus. Rostrum denudatum, in-
fracto-incurvatum, denticulatum, pedes te-
tradactyli
.

1. Ruber. der Flamingo, Flamant, Korkorre.
P. ruber, remigibus nigris.

Sylvan, v. Laurop u. Fischer für d. J. 1814.

In Seegegenden der wärmern Erdstriche beider Wel-
ten. Wird bei einem mäßig großen Körper, aber ganz
auffallend langem Halse und Beinen, wohl mannshoch.

53. Platalea. Rostrum planiusculum: apice di-
latato, orbiculato, plano. Pedes tetradactyli,
semipalmati
.

1. Leucorodia. die Löffelgans, der Löffel-
reiher
. (Fr. la spatule. Engl. the spoonbill).
P. corpore albo, gula nigra, occipite subcristato.

Frisch tab. 200. u. f.

Hin und wieder, zumal in der westlichen alten Welt.

54. Palamedea. Rostrum conicum, mandibula
superiore adunca. Pedes tetradactyli, fissi
.

[Seite 176]

1. Cornuta. (Kamichy, Kamoucle). P. alulis bi-
spinosis, fronteque cornuta
.

Latham vol. III. P. I. tab. 74.

In den Savannen des östlichen Südamerica.

55. Mycteria. Rostrum subadscendens, acu-
tum: mandibula superiore triquetra; inferiore
trigona acuminata adscendente; frons calva:
nares lineares: pedes tetradactyli
.

1. Americana. (Jabiru, Touyou. Fr. la cigogne du
Brésil
).

Latham l. c. tab. 26.

Hat mit dem vorigen Vogel gleiches Vaterland.

56. Cancroma. Rostrum gibbosum: mandibula
superiore cymbae resupinatae forma
.

1. Cochlearia. (Fr. le cuiller. Engl. the boatbill).
C. ventre rufescente.

Latham l. c. tab. 26.

Ebenfalls in Brasilien etc.

57. Ardea. Rostrum rectum, acutum, longum,
subcompressum; pedes tetradactyli
.

1. Pavonina. der Kron-Kranich. (Fr. l'oiseau
royal
). A. crista setosa erecta, temporibus pa-
learibusque binis nudis
.

Buffon vol. VII. tab. 11.

Im südlichern Africa. Die Federn in seiner schönen
Krone sind sonderbar spiralförmig gewunden.

2. †. Grus. der Kranich. (Fr. la grue. Engl. the
crane
). A. occipite nudo papilloso, corpore ci-
nereo, alis extus testaceis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

In der nördlichen alten Welt.

3. †. Ciconia. der Storch. (Fr. la cigogne.
Engl. the stork). A. alba, orbitis nudis re-
[Seite 177] migibusque nigris: rostro, pedibus cuteque san-
guineis
.

In den mildern Gegenden fast der ganzen alten Welt.
Nährt sich nicht bloß von Amphibien, sondern frißt auch
nutzbare Thiere, ganze Ketten junge Rebhühner u.s.w.;
schleppt auch nicht selten Leinewand, Garn etc. ins Nest,
um es weich auszufuttern*).

4. †. Maior. der Reiher, Fischreiher. (Fr. héron.
Engl. heron). A. occipite crista nigra depen-
dente, corpore cinereo, collo subtus linea fascia-
que pectorali nigris
.

Frisch tab. 199.

Fast durchgehends in beiden Welten. Schädliche
Thiere, die den Fischteichen und besonders der jungen
Brut nachtheilig werden. Sie nisten auf hohen Bäu-
men, Eichen etc.**).

5. Garzetta. (Fr. l'aigrette). A. occipite cristato,
corpore albo, rostro nigro, loris pedibusque vi-
rescentibus
.

Buffon T. VII. tab. 20.

Zumal in Persien etc. Mit den kostbaren langen,
silberweißen, seidenartigen Rückenfedern.

6. †. Stellaris. die Rohrdommel, der Iprump.
(Fr. le butor. Engl. the bittern). A. capite lae-
viusculo, supra testacea maculis transversis, subtus
pallidior maculis oblongis fuscis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1808.

In den mildern Gegenden der nördlichen Erde.

[Seite 178]

58. Tantalus. Rostrum longum, subulatum, te-
retiusculum, subarcuatum. facies nuda ultra
oculos: pedes tetradactyli, basi palmati
.

1. Ibis. [Tantalus aethiopicus. Latham. Nume-
nius
ibis Cuvier*)]. T. albus, remigum apici-
bus, rostro et pedibus nigris, remigibus secun-
dariis elongatis nigro-violaceis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 86.

Das berühmte, von den alten Aegyptern, als Sym-
bol der Ueberschwemmung des Nils**), auf ihren Denk-
mälern verewigte, und so wie die damaligen mensch-
lichen Leichen und manche Thiere (wie z.B. verschie-
denartige Raubvögel, Falken sowohl als Sperber), zu
Mumien bereitete***) und in besondern Gewölben in
größter Menge beigesetzte, aber jetzt so wie das Nil-
pferd, der Nilcrocodil etc. in Nieder-Aegypten selten
gewordne Thier†).

Der schwarze kleinere Ibis scheint mit dem auch in
Europa und selbst im südlichen Deutschland vorkommen-
den Tantalus falcinellus einerlei zu seyn.

59. Scolopax. Schnepfe. Rostrum teretiuscu-
lum, obtusum, capite longius, facies tecta, pe-

[Seite 179] des tetradactyli, postico pluribus articulis in-
sistente
.

1. †. Arquata. die Brachschnepfe, das Brach-
huhn
. (Numenius. Fr. le courlis. Engl. the
curlew
). S. rostro arcuato: pedibus caerulescen-
tibus, alis nigris maculis niveis
.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1809.

Weit verbreitet, zumal an den Küsten und Ufern
der nördlichern Erde.

2. †. Rusticula. die Waldschnepfe. (Fr. la bé-
casse
. Engl. the woodcock). S. rostro basi ru-
fescente, pedibus cinereis, femoribus tectis, fascia
capitis nigra
.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1801.

In den wärmern Gegenden der nördlichern alten
Welt.

3. †. Gallinago. die Heerschnepfe, Himmels-
ziege, der Haberbock, das Haberlämmchen
.
(Fr. la bécassine. Engl. the snipe). S. rostro
recto, tuberculato, pedibus fuscis frontis lineis
fuscis quaternis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1803.

Fast durchgehends in der nördlichern Erde.

60. Tringa. Rostrum teretiusculum longitu-
dine capitis, digito postico uniarticulato, a
terra elevato
.

1. †. Pugnax. der Kampfhahn, Renommist,
Hausteufel. (Fr. le combattant, paon de mer.
Engl. the ruff). T. rostro pedibusque rubris,
rectricibus tribus lateralibus immaculatis, facie
papillis granulatis carneis
.

Frisch tab. 232. u. f.

In der nördlichen alten Welt. Hat seinen Namen
von der Streitbarkeit, wir welcher die Männchen zur
Brunstzeit gegen einander kämpfen.

[Seite 180]

2. †. Vanellus. der Kiebitz. (gavia. Fr. le van-
neau
. Engl. the bastard-plover, lapwing,
pee-wit). T. pedibus rubris, crista dependente,
pectore nigro
.

Frisch tab. 213.

Ebenfalls in der nördlichern alten Welt.

61. Charadrius. Regenpfeiffer. (Fr. pluvier.
Engl. plover). Rostrum teretiusculum, ob-
tusum. Nares lineares. Pedes cursorii, tri-
dactyli
.

1. †. Hiaticula. die Seelerche, der Brachvo-
gel
. (Fr. le pluvier à collier. Engl. the sea-
lark
). C. pectore nigro, fronte nigricante fas-
ciola alba, vertice fusco, pedibus luteis
.

Frisch tab. 214.

Hin und wieder an den Flüssen der nördlichen Erde,
namentlich auch auf den Sandwich-Inseln.

62. Recurvirostra. Säbelschnäbler. Rostrum
depresso-planum, subulatum, recurvatum,
acuminatum,
apice flexili. Pedes palmati,
tridactyli
.

1. †. Avosetta. R. albo nigroque varia.

Buffon vol. VIII. tab. 38.

In den mildern Gegenden der alten Welt etc.; nährt
sich vorzüglich von Wasser-Insecten und Gewürmen,
die er mit seinem sonderbar aufwärts gebogenen Schna-
bel sehr geschickt zu fangen weiß.

63. Haematopus. Rostrum compressum, apice
cuneo aequali; pedes cursorii tridactyli
.

1. †. Ostralegus. der Austerdieb, Austermann,
die Meerälster. (Fr. l'huitrier. Engl. the sea-
pie, oyster-catcher
). H. rostro pedibusque rubris.

Latham vol. III. P. I. tab. 84.

Hin und wieder an den Seeufern aller Welttheile;
nährt sich vorzüglich von Muschelthieren.

[Seite 181]

64. Fulica. Wasserhuhn. Rostrum convexum,
mandibula superiore margine supra inferio-
rem fornicata
; frons calva, pedes tetra-
dactyli, subpinnati
.

1. Porphyrio. (Fr. la poule Sultane. Engl. the
purple water-hen
). F. pedibus fissis, fronte
pedibusque rubris, corpore viridi subtus vio-
laceo
.

Buffon vol. III. tab. 17.

Auf vielen Küsten und Inseln der wärmern Zonen in
allen fünf Welttheilen. Vom schönsten schlanken Wuchs
und prächtigen violet und grün schillenden Gefieder.
Wird leicht zahm.

2. †. Atra. das schwarze Bläßhuhn. (Fr. la
foulque, morelle
. Engl. the coot). F. pedibus
pinnatis fronte incarnata, armillis luteis, corpore
nigricante
.

Frisch tab. 209.

In der mildern nördlichen Erde.

65. Parra. Rostrum teretiusculum, obtusius-
culum. Nares ovatae in medio rostri. Frons
carunculata, carunculis lobatis. Alulae spi-
nosae
.

1. Jacana. (Fr. le chirurgien, chevalier). P. un-
guibus posticis longissimis, pedibus viridescentibus
.

Buffon vol. VIII. tab. 16.

In Westindien, Brasilien etc.

66. Rallus. Rostrum basi crassius, compres-
sum, dorso attenuatum apicem versus, aequale,
acutum; pedes tetradactyli, fissi
.

1. †. Crex. der Wachtelkönig, Schnerz, Wie-
senschnarrer, Schars
. (ortygometra. Fr. le
râle de genet
. Engl. the rail, dakerhen). R.
alis rufo-ferrugineis
.

Frisch tab. 210.

[Seite 182]

In den mildern Gegenden der alten Welt. Wach-
telkönig heißt er von der alten irrigen Sage, als ob
er dieser Vögel Heerführer im Zug sey.

67. Psophia. Rostrum cylindrico-conicum,
convexum, acutiusculum, mandibula superiore
longiore. Nares ovatae, patulae. Pedes te-
tradactyli, fissi
.

1. Crepitans. die Trompete, der Agami,
Mackukawa. (Fr. l'oiseau trompette). P. ni-
gra, pectore columbino
.

Latham vol. II. P. II. tab. 68.

In Südamerica, vorzüglich häufig am Amazonen-
Strom. Wird ausnehmend kirre und ihrem Herrn zu-
gethan.


IX. ANSERES.

Die Vögel dieser Ordnung werden durch ihre
Schwimmfüße kenntlich, die ihnen mehr nach hinten
zu sitzen, und daher zum Rudern sehr geschickt, aber
desto unbequemer zum Gehen sind. Ihr Oberschna-
bel endigt sich meist in ein kurzes Häkchen, und ist
wie der untere bei den mehresten mit einer ausneh-
mend nervenreichen Haut überzogen (– s. oben S.
120). Sie haben eine fleischige Zunge, einen rau-
hen stacheligen Gaumen, und bei vielen von ihnen
haben die Männchen vorn an der Luftröhre eine be-
sondere knorpelige oder knöcherne Kapsel. Sie haben
dichtes fettes Gefieder, das kein Wasser annimmt,
halten sich an den Ufern des Meeres, der Seen, der
Flüsse, auf Inseln, Klippen, im Schilfe etc. auf, und
leben mehrentheils in Polygamie. Sie legen mei-
stens nur Ein oder wenige Eier; sind aber, beson-
ders wegen ihres Fleisches, Fettes, Federn etc. von
mannichfaltiger Nutzbarkeit.

[Seite 183]

68. Rhinchops. Rostrum rectum, mandibula
superiore multo breviore; inferiore apice
truncata
.

1. Nigra. (Fr. le bec en ciseaux. Engl. the sea-
crow, cut-water
). R. nigricans, subtus alba,
rostro basi rubro
.

Brisson T. VI. tab. 21. fig. 2.

In Nord-America. Der Oberschnabel ist kürzer als
der untere und dieser liegt in jenem, gleichsam wie ein
eingeschlagnes Taschenmesser.

69. Sterna. Rostrum edentulum, subulatum,
subrectum, acutum, compressiusculum. Nares
lineares, ad basin rostri
.

1. Stolida. die Noddy. (Fr. le fou, diable).
S. corpore nigro, fronte albicante, superciliis
atris
.

Brisson T. VI. tab. 18. fig. 2.

In allen Meeren zwischen den beiden Wendezirkeln.

2. Hirundo. die Seeschwalbe. (Engl. the silver-
bird
). S. cauda forsicata: rectricibus duabus ex-
timis albo nigroque dimidiatis
.

Frisch tab. 119.

An der ganzen nördlichsten Erde.

70. Colymbus. Taucher. Rostrum edentulum,
subulatum, rectum, acuminatum, pedes com-
pedes
.

1. Grylle. die grönländische Taube. (Engl. the
sea-turtle
). C. pedibus palmatis tridactylis,
corpore atro, rectricibus alarum albis
.

Frisch tab. 185.

Ebenfalls an der ganzen nördlichsten Erde.

2. †. Troile. die Lumer. (Fr. le guillemot). C.
pedibus palmatis tridactylis, corpore fusco, pec-
tore abdomineque niveo, remigibus secundariis
extremo apice albis
.

Frisch tab. 185.

[Seite 184]

An den Seeküsten der nördlichen Erde.

3. †. Urinator. (Fr. le grèbe). C. capite laevi,
palpebra inferiore lutea, macula alarum alba
.

Edwards tab. 306. fig. 2.

Im wärmern Europa. Sein am Unterleibe silber-
weißes Fell wird, so wie das vom C. cristatus, zu
Feder-Muffen, Verbrämungen etc. verarbeitet.

71. Larus. Möve. (Fr. mouette. Engl. gull).
Rostrum edentulum, rectum, cultratum, apice
subadunco. Mandibula inferior infra apicem
gibba
.

Meist an den Küsten der nördlichen Erde, doch finden
sich auch welche auf der Südsee und zwar in un-
geheueren Scharen.

1. †. Tridactylus. (Engl. the tarrock). L. albicans,
dorso canescente, rectricum apicibus, excepto
extremo, nigris, pedibus tridactylis
.

Brisson T. VI. tab. 17. fig. 2.

Am nördlichen Ocean.

72. Plotus. Rostrum rectum, acuminatum,
denticulatum. Facies tecta, pedes palmati
omnibus digitis connexis
.

1. Anhinga. P. ventre albo.

Willoughby tab. 72.

In Brasilien etc. Am Leibe von der Größe einer
Ente, aber mit einem sehr langen Halse, den das Thier
spiralförmig zusammenrollen und so den Kopf gegen die
Fische, die es erschnappen will, los schnellen soll.

73. Phaëthon. Rostrum cultratum, rectum,
acuminatum, fauce pone rostrum hiante. Di-
gitus posticus antrorsum versus
.

1. Aethereus. der Tropikvogel. (Fr. la paille-
en-queue
. Engl. the tropic-bird). P. rectri-
[Seite 185] cibus duabus longissimis, rostro serrato, pedibus
aequilibribus: digito postico connexo
.

Brisson T. VI. tab. 42. fig. 1.

An der offenbaren See, zwischen beiden Wende-
zirkeln. Nährt sich meist von fliegenden Fischen.

74. Procellaria. Rostrum edentulum, sub-
compressum: mandibulis aequalibus, superiore
apice adunco; inferiore apice compresso-ca-
naliculato. Pedes ungue postico sessili abs-
que digito
.

1. Pelagica. der Sturmvogel, Ungewitter-
vogel
. (Fr. le petrel. Engl. the tempestbird,
stormfinch, mother cary's chicken
). P. nigra,
uropygio albo
.

Linné fauna suecica. tab. 2. fig. 143.

Sowohl im nördlichen als südlichen Ocean. Meist in
offener freier See fern vom Lande auf Klippen,
und die Schiffer sehen es gemeiniglich als Zeichen eines
bevorstehenden Sturms an, wenn er sich von da nach
den Schiffen flüchtet. Die Einwohner der Färöer be-
dienen sich seiner statt Lampe, indem sie ihm bloß einen
Docht durch den Körper ziehen und anbrennen, da dann
die Flamme von dem vielen Fette, das allmählich hin-
eindringt, lange Zeit unterhalten wird.

75. Diomedea. Rostrum rectum; maxilla supe-
riore apice adunca; inferiore truncata
.

1. Exulans. der Albatros. (Fr. le mouton du
cap
). D. alis pennatis longissimis, pedibus
aequilibribus tridactylis
.

Edwards tab. 88.

Von der Größe eines Schwans, hält aber mit aus-
gespannten Flügeln über 10 Fuß Breite, fliegt auf
500 deutsche Meilen von irgend einem Lande entfernt,
aber selten höher als 10 bis 20 Fuß über der Meeres-
fläche. Nährt sich großentheils von fliegenden Fischen*).

[Seite 186]

76. Pelecanus. Rostrum rectum: apice adunco,
unguiculato: pedes aequilibres: digitis omni-
bus quatuor simul palmatis
.

a) Rostro edentulo.

1. †. Onocrotalus. die Kropfgans, der Peli-
can
. (Fr. pélican. Engl. pelican). P. gula saccata.

Ein Blatt von J. E. Ridinger. 1740.

In den wärmern Gegenden aller fünf Welttheile,
(wenn anders die americanische Kropfganz nicht speci-
fisch von der in der alten Welt verschieden ist). Hat
den griechischen Namen von ihrer Eselsstimme, den
deutschen aber von dem ungeheuren beutelförmigen Kropfe,
der ihr am Unterschnabel hängt, und sich so ausdehnen
läßt, daß er wohl 20 Pfund Wasser fassen kann.

2. Aquilus. die Fregatte. (Fr. le tailleur. Engl.
the man of war bird). P. alis amplissimis,
cauda forficata, corpore nigro, rostro rubro, or-
bitis nigris
.

Edwards tab. 309.

Hat in der Bildung und Lebensart viel Aehnliches
mit dem Albatros: nur noch längere Flügel, die aus-
gespannt auf 14 Fuß klaftern, und dem fliegenden
Thiere ein sonderbares Ansehen geben.

3. †. Carbo. die Scharbe, der Seerabe. (Fr. und
Engl. cormoran). P. cauda rotundata, corpore
nigro, rostro edentulo, capite subcristato
.

Frisch tab. 187.

Meist in allen fünf Welttheilen. Den Fischen sehr
nachtheilig. Vermehrt sich zuweilen an Küsten, wo er
sonst unbekannt war, binnen wenigen Jahren zu vielen
Tausenden*).

Eine ihr sehr ähnliche Gattung (Pelecanus sinensis)
wird in Schina zum Fischfang abgerichtet. (– Abbild.
n. h. Gegenst. tab. 25. –)

[Seite 187]

b) Rostro serrato.

4. Bassanus. die Rothgans. (Fr. le fou de bas-
san
. Engl. the gannet, the soland goose). P.
cauda cuneiformi, corpore albo, rostro remigi-
busque primoribus nigris, facie caerulea
.

Brisson T. VI. tab. 44.

Häufigst im Norden von Europa und America, zu-
mal auf den schottischen Inseln, und namentlich auf
Baß*), wovon diese Gans den Namen führt. Macht
die Hauptnahrung der Insulaner auf St. Kilda, deren
Weiber auch die abgestreifte Haut dieses Vogels statt
Schuhe tragen, die zwar nur ungefähr fünf Tage
halten, aber auch augenblicklich wieder durch neue er-
setzt sind**).

77. Anas. Rostrum lamelloso-dentatum, con-
vexum, obtusum; lingua ciliata, obtusa
.

1. †. Olor. der Schwan, Elbsch. (Fr. le cygne.
Engl. the swan, elk). A. rostro semicylindrico
atro, cera nigra, corpore albo
.

Frisch tab. 152.

In der nördlichen alten Welt: nährt sich von Fröschen,
Wasserpflanzen etc. Man muß diesen, den so genannten
stummen oder zahmen Schwan, von dem so genannten
wilden, A. cygnus (mit gelber Haut an der Schna-
belwurzel und weit längerer krummlaufender Luftröhre),
unterscheiden. Dieser letztere findet sich auch in Nord-
america und gibt einen hellen weit
schallenden nicht unangenehmen Ton von sich.

Der schwarze Schwan mit weißen Schwungfedern
(A. nigra) ist an den Küsten von Australien zu
Hause. Bei Botanybay sowohl als an der West-
küste, wo das schöne Thier schon 1697 gefunden und
beschrieben worden***).

2. Cygnoides. die spanische, türkische oder
schinesische Gans. (Fr. l'oie de Guinée. Engl.
[Seite 188] the swan-goose, chinese goose). A. rostro se-
micylindrico: cera gibbosa palpebris tumidis
.

Frisch tab. 153. 154.

Auf Guinea, am Cap, dann in Sibirien und Schina,
und wie es scheint auch auf den Sandwich-Inseln des
stillen Oceans. Man unterscheidet mehrere Varietäten.

3. †. Anser. die Gans. (Fr. l'oie. Engl. the
goose
). A. rostro semicylindrico, corpore supra
cinereo, subtus pallidiore, collo striato
.

Meist in allen fünf Welttheilen wild. Hat unter den
warmblütigen Thieren wohl das schnellste Wachsthum.
Unter den zahmen soll es wohl häufig völlig schneeweiße
Ganserte, aber nur selten eine ganz weiße weibliche
Gans geben.

4. Aegyptiaca (chenalopex). A. rostro subcylin-
drico, corpore undulato, vertice albo, speculo
alari candido fascia nigra
.

Ménag. du Mus. nat. V. tab. 4.

Zumal in Aegypten, auf dessen alten Kunstwerken
sie häufig als Symbol der Kinderliebe vorkommt.

5. Canadensis. die Hudsonsbay-Gans. (Engl.
the grey goose). A. cinerea, capite colloque ni-
gris, genis gulaque albis
.

Edwards tab. 151.

Im kältern Nordamerica. Sehr gesucht wegen ihrer
ausnehmenden Flaumen zu Betten. Gibt auch vorzüg-
liche Schreibfedern.

6. Bernicla. die Baumgans, Rothgans, schot-
tische Gans
. A. fusca, capite, collo pectoreque
nigris, collari albo
.

Frisch tab. 156.

In den kältesten Ländern der nördlichen Erde; kommt
bloß zum Ueberwintern nach Schotland und andern
mildern Gegenden, wo sie sich unter andern von dem
Thiere der Entenmuschel (Barnacle, Lepas anatifera)
nährt, daher die alte seltsame Fabel entstanden, daß
[Seite 189] dieser Vogel nicht aus einem Ei, sondern aus einer
Muschel hervorkomme u.s.w.*)

7. Mollissima. der Eidervogel. (Fr. l'oie à
duvet
. Engl. the eiderduck, cuthbert duck). A.
rostro cylindrico, cera postice bifida, rugosa
.

Brünnich's N. G. des Eidervogels. tab. 1. u. f.

In der nördlichen Erde, zumal häufig auf Island
und in Grönland. Sein Fleisch und Eier sind sehr
schmackhaft; noch wichtiger aber ist sein Fell, womit
man Kleider futtert, und die Flaumfedern, die unter
dem Namen der Eiderdunen bekannt sind.

8. †. Boschas. die Ente. (Fr. le canard. Engl. the
duck, mallard
). A. rectricibus intermediis (maris)
recurvatis, rostro recto.

Frisch tab. 158 u. f.

Die wilde Ente findet sich fast in der ganzen nörd-
lichen Erde, theils in ungemein schönen Spielarten.
Die zahme (A. domestica) scheint große Neigung zu
unnatürliches Paarung zu haben, so daß z.B. die En-
triche auf Hühner erpicht sind und sie zu reitzen suchen.

9. †. Clypeata. die Löffelente. (Fr. le souchet.
Engl. the shoveler). A. rostro extremo dilatato
rotundato; ungue incurvo
.

Frisch tab. 161. u. f.

Hat meist gleiches Vaterland mit der vorigen. Die
Ränder des Schnabels sind nach innen mit hornigen
Borsten besetzt, fast wie kleine Wallfischbarden.

78. Mergus. Taucher, Wasserhuhn. Rostrum
denticulatum, subulato-cylindricum, apice
adunco
.

[Seite 190]

1. Merganser. der Kneifer. (Fr. l'harle. Engl.
the goos-ander). M. crista longitudinali ere-
ctiuscula: pectore albido immaculato, rectricibus
cinereis scapo nigricante
.

Frisch tab. 190.

In der ganzen nördlichen Erde. So wie andere
Gattungen dieses Geschlechts ein schädliches Thier für
Fischteiche, zumal zur Leichzeit.

79. Alca. (Engl. auk). Rostrum edentulum,
breve, compressum, convexum, transverse
sulcatum: mandibula inferior ante basin gibba
.

Das ganze Geschlecht an den Küsten und Klippen
der nördlichen Erde.

1. Arctica. der Papageitaucher. (Fr. le ma-
careux
. Engl. the puffin). A. rostro compresso-
ancipiti, sulcato sulcis
4, oculorum orbita tempo-
ribusque albis, palpebra superiore mucronata
.

Nistet in Erdhöhlen, oder wühlt sich auch selbst so
ein unterirdisches Lager.

80. Aptenodytes. Fettgans, Pinguin. (Fr.
manchot). Rostrum compressiusculum, sub-
cultratum, longitudinaliter oblique sulcatum
:
mandibula inferior apice truncato: alae im-
pennes, pinniformes
.

Ihr glattes glänzendes Gefieder, die gleichsam flos-
senähnlichen, schuppigen, kleinen Flügel, und ihr gera-
der, fast aufrechter Gang geben diesen Thieren ein son-
derbares Ansehen, deren verschiedene Arten an den süd-
lichen Küsten und Inseln von Africa und America, so
wie andere um Neu-Holland, Neu-Guinea und Neu-
Seeland zu Hause sind*). Finden sich theils in zahl-
loser Menge beisammen.

[Seite 191]

1. Chrysocome. A. rostro rufo-fusco, pedibus fla-
vescentibus, crista frontali atra erecta, auricu-
lari deflexa flava
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 46.

Auf den Falklands-Inseln, Neu-Holland etc.

2. Patagonica. A. rostro pedibusque nigris, ma-
cula ad aures aurea
.

Forster l. c. tab. 2.

In der gleichen Heimath, die größte Gattung ihres
Geschlechts. Und von Farbe und Zeichnung des Gefie-
ders, zumal am Halse, die schönste.

3. Demersa. A. rostro pedibusque nigris, super-
ciliis fasciaque pectorali albis
.

Edwards tab. 94.

Häufig am Cap etc.


Sechster Abschnitt.
Von den Amphibien.

[Seite 192]

§. 81.

Die Säugethiere und Vögel unterscheiden sich
beides durch die Wärme ihres Bluts (§. 23 und 40.)
und durch die größere Menge desselben von den
Amphibien und Fischen.

§. 82.

Die Amphibien aber ähneln doch darin noch
den warmblütigen Thieren, und zeichnen sich hinge-
gen von den Fischen vorzüglich dadurch aus, daß sie
wie jene auch noch durch Lungen Luft schöpfen; ob-
gleich dieselben von weit lockerer Textur, und auch
ihre Athemzüge weit unbestimmter, und so zu sagen
unordentlicher sind, als bei den beiden Classen mit
warmen Blute. Auch können sie das Athemhohlen
weit länger entbehren als diese, weit länger im so
genanten luftleeren Raume, oder auch in einge-
sperrter Luft (wie z.B. Kröten in einer engen
Höhle mitten in Baumstämmen oder Steinblöcken)
und selbst geraume Zeit in einer Atmosphäre von
kohlenstoffsaurem Gas aushalten, und auffallende Ex-
treme von Hitze und von Kälte ausdauern, so daß
man z.B. ungezweifelte Beispiele von Wassermolchen
und Fröschen hat, die sowohl im Magen und
Darmcanal von Menschen gelebt haben, als auch
ihrem Leben unbeschadet in dichte Eisschollen einge-
froren sind.

§. 83.

[Seite 193]

Und eben weil die Amphibien mit Lungen ver-
sehen sind, so sind sie auch noch fähig Stimme
von sich zu geben: doch scheinen einige (wie z.B.
unter den hieländischen der wahre Salamander, die
grüne Eidexe, die Blindschleiche etc.) gänzlich stumm
zu seyn.

§. 84.

In Rücksicht der Bildung überhaupt herrscht
vorzüglich die doppelte Verschiedenheit unter den
Amphibien, daß sie entweder, wie die Schildkröten,
Frösche, Eidexen etc. mit Füßen versehen sind; oder
aber, als Schlangen einen langgestreckten, cylin-
drischen Körper ohne alle äußere Bewegungswerk-
zeuge haben.

§. 85.

Die äußern Bedeckungen sind bei den Am-
phibien mannichfaltiger als bei den warmblütigen
Thieren. Einige sind mit einer knochigen Schale
überzogen: andere mit hornartigen Reifen, oder mit
zahlreichen kleinen Schildchen, oder mit Schuppen
bedeckt: und noch andere haben eine nackte, nur mit
Schleim überzogne Haut. Die mehresten häuten
sich von Zeit zu Zeit. Manche, wie z.B. der Laub-
frosch und verschiedene Eidexen, besonders der Cha-
mäleon, ändern auch zuweilen plötzlich ihre Farbe.

§. 86.

Den mehresten Amphibien ist, wie schon die
Benennung der ganzen Classe andeutet, Wasser und
Land zum gemeinschaftlichen Aufenthalt angewie-
sen. Manche gehen willkürlich in beiden ihren Ge-
schäften und ihrer Nahrung nach. Andere hingegen
[Seite 194] bringen entweder eine bestimmte Periode ihres Le-
bens, oder gewisse Jahrszeiten bloß in einem von
beiden zu. Endlich sind aber auch manche entweder
bloß für das Land, oder bloß für das Wasser, und
nicht für beides zugleich bestimmt.

§. 87.

Manche Amphibien, zumal unter den Schild-
kröten und Schlangen, leben von sehr gemischter
Nahrung: andere hingegen, wie der Laubfrosch,
Chamäleon etc. sind sehr eigen in der Wahl ihrer
Speisen, gehen z.B. bloß lebende Insecten von ei-
nigen wenigen bestimmten Gattungen an. In der
Gefangenschaft nehmen viele gar keine Nahrung zu
sich und können dann zum Wunder lange fasten: ich
selbst habe z.B. Salamander auf acht Monathe
lang ohne Speise und selbst ohne daß sie dabei be-
trächtlich abgezehrt wären, erhalten: und von Schild-
kröten weiß man, daß sie gegen anderthalb Jahre
ohne alle Nahrung ausdauern können.

§. 88.

Die bei vielen Amphibien so ganz ausnehmende
Leichtigkeit und Stärke ihrer Reproductionskraft
(§. 19.), hat, wo ich nicht irre, in der obgedachten
Stärke ihrer Nerven und hingegen respectiven Klein-
heit ihres Gehirns (§. 29.) einen Grund: da folg-
lich die erstern von letzterem minder abhängig sind;
und überhaupt die ganze Maschine zwar schwächere
Mobilität, weniger consensus zeigt, das ganze Le-
ben der Amphibien einfacher, und mehr bloß vege-
tativ scheint, als bei den warmblütigen Thieren, –
aber dagegen die Glieder mehr mit eigenthümlicher,
independenter Lebenskraft versehen sind. Und da
folglich bei dieser mehr eigenthümlichen Lebenskraft
der einzelnen Theile, nicht gleich jeder Stimulus,
[Seite 195] der auf Einen Theil, oder auf Ein System wirkt,
sogleich, wie bei den warmblütigen Thieren, andere
in Consensus zieht, so erklärt sich auch wohl über-
haupt daher ihr zähes Leben, so daß Frösche, denen
das Herz ausgerissen ist, doch noch umher hüpfen,
und Schildkröten, denen das Gehirn aus dem Kopfe
genommen worden, noch Monathe lang leben kön-
nen; daher auch wohl die anhaltende Beweglich-
keit der den Amphibien abgeschnittenen Theile, wie
z.B. der Schwänze von Wassermolchen, Blind-
schleichen etc.*)

§. 89.

Zu Waffen und Vertheidigungsmitteln
dient manchen Amphibien, zumal unter den Schlan-
gen, ihr Gift; dem Salamander, der Feuerkröte etc.
ihr milchichter Hautschaum, den sie im Nothfall von
sich geben: vielen auch wohl der specifike Geruch,
den sie verbreiten; so zumal manche Schlangen,
Kröten, Eidexen etc.

§. 90.

Die äußern Sinne scheinen bei den mehresten
Amphibien von keiner sonderlichen Schärfe zu seyn. –
Unter den innern zeichnet sich doch bei vielen das
Gedächtniß aus, da man Beispiele selbst von Cro-
codilen und Kröten hat, die ihre Wohlthäter kennen
gelernt und kirre geworden, und vollends viele
Schlangen bekanntlich sich zu allerhand Gaukeleien
abrichten lassen. Hingegen finden sich bei den Thie-
ren dieser Classe nur sehr wenige Spuren von wah-
ren Kunsttrieben (§. 36.).

§. 91.

[Seite 196]

Auch scheinen die wenigsten Amphibien einen
täglichen Erholungsschlaf zu halten; – dage-
gen aber wohl alle die kältern Wintermonathe in Er-
starrung zubringen; und das zwar theils einzeln,
theils, wie unsere hieländischen Frösche und Sala-
mander, in Haufen. Doch können auch diese gar
leicht des Winterschlafs entbehren, und Jahr aus
Jahr ein wachend im Zimmer erhalten werden.

§. 92.

Das Fortpflanzungsgeschäft der Amphi-
bien hat ungemein viel Sonderbares. Der Paa-
rungstrieb ist bei vielen so heftig, daß man z.B.
Frösche gesehen hat, die in Ermangelung eines Weib-
chens andere männliche Frösche oder Kröten oder gar
todte Weibchen besprungen haben. Bei den mehre-
sten Fröschen und See-Schildkröten dauert die Paa-
rung mehrere Tage, ja Wochen lang. Die Vipern
schlängeln sich in der Paarung mit dem Hinterleibe
aufs innigste um einander, und züngeln dabei mit
gebogenem Halse auf einander los. Die Wasser-
molche hingegen umfassen einander gar nicht, sondern
das Männchen schwimmt zur Brustzeit bloß um sein
Weibchen herum und bespritzt die Eierchen, so wie es
dieselben von sich gibt, von der Ferne.

§. 93.

Die Amphibien sind, bis auf sehr wenige Aus-
nahmen, eierlegende Thiere. Aber manche, zu-
mal unter den Schlangen etc., geben die Eier nicht
eher von sich, als bis das darin befindliche Junge
schon meist seine völlige Ausbildung erhalten hat. Die
Pipa heckt ihre Junge aus dem Rücken aus.

Anm. Ein Salamander, den ich wenigstens vom
Ende des Sommers an ganzer vier Monathe lang völlig
[Seite 197] isolirt in einem Glase gehalten, hat hierauf um Neujahr
herum ganz unerwartet binnen wenigen Tagen 34 Junge
geheckt, so daß folglich hier eine ehemalige Befruchtung,
auf eine noch weit längere Zeit hinaus, als bei den Hüh-
nern, ihre Wirksamkeit erhalten muß.

§. 94.

Die Frösche und Eidexen, die im Wasser jung
werden, kommen nicht gleich in ihrer vollkommenen
Gestalt, sondern als so genannte Larven zur Welt,
und müssen sich erst noch einer Art von Metamor-
phose
unterziehen, ehe sie die Ausbildung und den
völligen Gebrauch aller ihrer Gliedmaßen erlangen.
Die kleinen Frösche z.B. (die so genannten Kaul-
quappen
, gyrini, cordyli, Fr. tétards, Engl.
toadpoles) haben anfangs noch keine Füße, sondern
dafür einen langen Ruderschwanz: auch, so wie die
jungen Salamander*), eine Art von Fischkiemen
(branchiac oder Swammerdam's appendices fim-
briatae
) zu beiden Seiten des Halses; ferner zum
Theil eine kleine Saugeröhre an der Unterlefze u.
dgl. m. Lauter Theile, die nur für den Larvenstand
des zarten jungen Thieres bestimmt sind und mit der
zunehmenden Reife desselben allgemach schwinden.

§. 95.

Die Amphibien haben ein langsames Wachs-
thum
; so daß z.B. unsere hieländischen Frösche
meist erst im vierten Jahre mannbar werden: und
doch erreichen diese nur ein, nach Verhältniß dieser
späten Pubertät, nicht beträchtliches Alter von 12
bis 16 Jahren. Hingegen weiß man, daß Schild-
kröten selbst in der Gefangenschaft über 100 Jahre
[Seite 198] gelebt haben, so daß, hiernach zu schließen, die Cro-
codile und großen Schlangen etc. wohl zu einem
noch höhern Alter gelangen können.

§. 96.

Die Benutzung der Amphibien für's Men-
schengeschlecht ist ziemlich einfach; aber für manche
Gegenden theils äußerst beträchtlich. Zumal der
Genuß der Schildkröten und ihrer Eier, so wie
auch verschiedener Frösche und Eidechsen etc. – auch
von Schildkröten Thran; Schildpatt zu Kunst-
arbeiten
; gegerbte Alligatorshäute zu schönen
Sätteln etc. –

§. 97.

Schädlich werden manche ungeheure Thiere
dieser Classe, die Crocodile, Wasserschlangen etc.
durch ihre Größe, und andere, zumal unter den
Schlangen, durch ihr Gift, das in keiner andern
Thierclasse von einer so gefahrvollen Heftigkeit ist.

§. 98.

Die ganze Classe zerfällt in zwey Haupt-Ord-
nungen:

I. Reptiles. Die Amphibien mit vier Füßen.
(Die quadrupeda ovipara der ältern Natur-
forscher.) – Schildkröten, Frösche, Eidechsen.
Und

II. Serpentes. Die Schlangen, ohne alle
äußere Bewegungswerkzeuge (§. 84.).

* * *

Einige wenige Quellen zur N. G. dieser Classe:

[Seite 199]
  1. Alb. Seba rerum naturalium thesaurus. Amst. 1734. 1765. IV.
    vol. gr. Fol. (– hierher gehören bloß die beiden ersten Bände.)
  2. Jo. Nic. Laurenti synopsis reptilium emendata. Vindob.
    1786. 8.
  3. C. de la Cepède histoire naturelle des quadrupèdes ovipares
    et des serpens
    . Paris 1788. II. vol. 4.
  4. Deutsch, mit Anmerk. und Zusätzen von J. M. Bechstein.
    Weim. 1800. V. Th. 8.
  5. G. Ad. Suckow Anfangsgründe der N. G. der Thiere. III. Th.
    Leipzig 1798. 8.
  6. J. Gottl. Schneider historiae amphibiorum naturalis et lite-
    rariae
    Fasc. I. II. Jen. 1799. 1801. 8.
  7. Fr. Tiedemann, M. Oppel und Jos. Liboschitz N. G.
    der Amphibien. Heidelb. seit 1817. Fol.
  8. Blas. Merrem tentamen systematis amphibiorum. Marburg.
    1820. 8.

I. REPTILES*).

[Seite 200]

Alle Thiere dieser Ordnung sind (wenigstens
wenn sie ihre vollkommene Gestalt erlangt haben)
mit vier Füßen versehen, die nach dem verschiede-
nen Aufenthalt dieser Thiere entweder freie (pedes
digitati), oder durch eine Schwimmhaut verbundene
(palmati), oder gar wie in eine Flosse verwachsene
Zehen (pinnati) haben.

1. Testudo**). Schildkröte. (Fr. tortue. Engl.
tortoise, die See-Schildkröten aber turtle.
Span. galápago). Corpus testa obtectum,
cauda
(plerisque) brevis, os mandibulis nudis
edentulis
***).

Die mehresten Schildkröten sind mit einer knochigen
sehr festen Schale bedeckt, deren Obertheil mit dem
Rückgrath und den Rippen des Thiers verwachsen, und
mit den breiten hornigen Schuppen belegt ist, die bei
manchen Gattungen so stark und schönfarbig sind, daß
sie zu Kunstsachen verarbeitet werden. Gewöhnlich lie-
gen 13 dergleichen Schuppen in der Mitte, und 24 um
den Rand herum. Der Untertheil oder das Bauchschild
ist etwas kleiner, als das obere, und mit Ausschnitten
für Kopf, Schwanz und Füße versehen. – Ueberhaupt
aber dient die so ganz ausgezeichnete eigenthümliche Bil-
dung dieses dadurch gleichsam isolirten Geschlechts zu
einer bedeutenden Instanz gegen die vermeinte Stufen-
folge in der Natur.

[Seite 201]

1. Membranacea. T. pedibus palmatis, unguiculis
tribus, testa orbiculari orvata, membranacea, gri-
sea, striata, scabra
.

Schneider l. c. tab. 1.

In Guiana.

2. Imbricata. die Carette. (Engl. the hawks-
bill turtle
). T. pedibus pinniformibus, testa
cordata subcarinata, margine serrato: scutellis
imbricatis latiusculis, cauda squamata
.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils, im An-
hang tab. 42.

In beiden Indien; auch im rothen Meere. Gibt
das beste Schildpatt*).

3. Mydas. die grüne oder Riesen-Schild-
kröte
. (viridis Schneider. Fr. la tortue
franche
. Engl. the green turtle). T. pedibus
pinniformibus, marginibus maxillarum dentatis,
testa ovata
.

Brandt u. Ratzeburg l. t. 22.

Diese See-Schildkröte hält zuweilen 8 Centner am
Gewicht. Sie hat ihren gewöhnlichern Namen von ih-
rer blaß-olivengrünlichen Schale und der auffallend
grünen Farbe ihres Fettes. Lebt bloß vom Seetang
u. dergl. Vegetabilien, daher ihr ausnehmend schmack-
haftes gar nicht thraniges Fleisch.

4. †. Orbicularis. die gemeine Flußschildkröte
(Emys Aristot.) T. pedibus palmatis, testa
orbiculata planiuscula
.

Im mildern Europa.

5. Graeca. T. pedibus subdigitatis, testa postice
gibba: margine laterali obtusissimo, scutellis pla-
niusculis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 66.

Im südlichen Europa und nördlichen Africa.

[Seite 202]

6. Geometrica. T. pedibus posticis palmatis, te-
stae scutellis elevatis truncatis
.

Schöpff tab. 10.

In Ostindien, und am Cap. Ungefähr von der
Größe einer flachen Hand: hat wegen ihres regelmäßi-
gen schwarz und gelb gezeichneten, hochgewölbten Rücken-
schildes ein artiges Ansehen.

2. Rana*). Frosch (Fr. grenouille. Engl.
frog.) und Kröte (Fr. crapaud. Engl. toad).
Corpus nudum pedibus quatuor, posticis lon-
gioribus
**).

1. Pipa. R. corpore plano, rostro spathiformi,
digitis anticis muticis quadridentatis, posticis un-
guiculatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 36.

In den Gewässern von Guiana. Wird durch die
überaus sonderbare und ganz anomalische Weise, mit der
die Mutter ihre Junge ausheckt, merkwürdig. Das
Männchen streicht nämlich den Leich, den das Weib-
chen vorher auf die gewöhnliche Art von sich gegeben,
demselben auf den Rücken, und befruchtet ihn hierauf
mit seinem Samen. Die Eierchen verwachsen nachher
gleichsam in der Haut der Mutter, bis nach Verlauf
von beinahe drei Monathen die darin befindlichen an-
fangs geschwänzten Kaulquappen***) zum Ausbruch reif
sind, und nachdem ihr Schwanz allgemach verschwunden
und sie dagegen ihre vier Füße erhalten, den Rücken
ihrer Mutter verlassen können.

2. Cornuta. R. palpebris conicis.

Seba vol. I. tab. 72. fig. 1. 2.

[Seite 203]

In Virginien; hat wegen seiner großen stieren Au-
gen, und der ungeheueren tutenförmigen obern Augen-
lieder ein abenteuerliches Ansehen.

3. Ocellata. (Engl. the bull-frog). R. auribus
ocellatis, pedibus muticis
.

Catesby vol. II. tab. 72.

In Nordamerica. Fast von der Größe eines
Meerschweinchens. Hat den englischen Namen von
seiner starken Stimme.

4. Paradoxa. die Jackie. (Rana piscis). R. fe-
moribus postice oblique striatis
.

Seba vol. I. tab. 78.

Im südlichen America. Die Larve (§. 95.) erreicht
eine fast spannenlange Größe, ist dann viel größer, als
der ausgebildete, zu seiner Reife gelangte Frosch, und
hat in jenem Larvenzustande zu einer alten Sage, von
Fröschen, die sich in Fische verwandelten, Anlaß gege-
ben. Auch nachdem schon die vier Beine ihre ganze
Größe und Ausbildung erhalten haben, bleibt das Thier
doch noch geraume Zeit geschwänzt.

5. †. Bufo. die Kröte. R. corpore ventricoso
verrucoso lurido fuscoque
.

Rösel tab. 20. 21.

Daß ihr sogenannter Harn ein heftiges Gift seyn soll,
ist ungegründet. Hingegen ist es unläugbar, daß man
verschiedentlich lebendige Kröten mitten in durchsägten
Baumstämmen, oder in Steinblöcken etc. angetroffen hat.

6. †. Bombina. die Feuerkröte. R. corpore
verrucoso, abdomine aurantio-caesio maculato,
pupilla triquetra
.

Rösel tab. 22.

Am Bauche schön blau und gelb gemarmelt, hüpft
fast wie ein Frosch.

7. †. Portentosa. die Haus-Unke. (Bufo cala-
mita
Laurent.). R. verrucosa, linea dorsali
flava, lateralibus rufescentibus
.

Rösel tab. 24.

In feuchten Kellern, Ufer-Höhlen etc. kommt selten
zum Vorschein; gibt aber einen eigenen dumpfen Laut
[Seite 204] von sich, der allerhand abergläubige Sagen veran-
laßt hat.

8. †. Temporaria. der braune Grasfrosch. R.
subfusca dorso planiusculo subangulato
.

Rösel tab. 1–8.

Im Gras und Gebüsch etc., von da die Jungen nach
warmen Sommer-Regen haufenweise hervorkriechen, da
dann ihre plötzliche Erscheinung wohl zu der alten Sage
vom Froschregen Anlaß gegeben haben mag.

9. †. Esculenta. der grüne Wasserfrosch, Rö-
ling, Marxgöker
. (Engl. the gibbous frog).
R. viridis, corpore angulato, dorso transverse
gibbo, abdomine marginato.

Rösel tab. 13–16.

In Teichen und Sümpfen. Die Männchen quaken
laut, zumal des Abends bei schönem Wetter, und
treiben dabei zwey große Blasen hinter den Maulwin-
keln auf. Sie sind schlau und muthig, verzehren Mäuse,
Sperlinge, und selbst junge Enten, Forellen etc. und
können sogar über Hechte Herr werden. Zur Begat-
tungszeit bekommen die Männchen dieser und der vo-
rigen Gattung schwarze warzige Ballen an den Dau-
men der Vorderfüße, womit sie sich äußerst fest um
ihrer Weibchen Brust klammern können.

10. †. Arborea. der Laubfrosch. (calamites, hyla.
Fr. la rainette, grenouille de St. Martin, le
graisset
). R. corpore laevi, subtus granulato,
pedibus fissis, apicibus digitorum lenticulatis
.

Rösel tab. 912.

Fast in ganz Europa (doch nicht in England), auch
in America etc. Der klebrige Schleim, womit er wie
die Schnecken überzogen ist, dient ihm bei seinem
Aufenthalt am Laub der Bäume, zur Haltung. Die
erwachsenen Männchen, die an ihrer braunen Kehle
kenntlich sind, haben eine laute Stimme, die sie, wenn
das Wetter sich ändern will, aber auch außerdem zur
Paarungszeit von sich geben. Sie blähen dabei die
Kehle zu einer großen Blase auf.

[Seite 205]

3. Draco*). Corpus tetrapodum caudatum,
alatum
.

1. Volans. die fliegende Eidechse. D. brachiis
ab ala distinctis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 98.

In Ostindien und Africa.

4. Lacerta**). Eidechse. (Fr. lézard. Engl.
lizard). Corpus elongatum, pedibus quatuor
aequalibus
.

1. Crocodilus. der (eigentliche) Crocodil. (Cro-
codilus
vulgaris Cuv.) L. rostro aequali, scutis
nuchae
6, squamìs dorsi quadratis, sex-fariam
positis, pedibus posticis palmatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 26. 27.

Zumal häufig in den größern Strömen von Africa
(namentlich im Ober-Nil und im Niger). Das größte
Thier der süßen Wasser, das wohl eine Länge von
30 Fuß erreichen soll***): und doch haben seine Eier
kaum die Größe eines Gänse-Eies. Erwachsen fällt er
Menschen und andere große Thiere an. Jung gefan-
gen aber läßt er sich doch zähmen†).

2. Alligator. der Kaiman. (Crocodilus sclerops
Cuv.) L. porca transversa inter orbitas, nucha
fasciis osseis
4 cataphracta, pedibus posticis se-
mi-palmatis
.

Seba vol. I. tab. 104. fig. 10.

Im mittlern America. Weit rundlicher und glatter
am Leibe und Schwanz, als der eigentliche Crocodil,
[Seite 206] wird auch nicht so groß als dieser und legt kleinere
Eier. Hat übrigens eben so wie jener fünf Zehen an
den Vorderfüßen und viere an den hintern, von wel-
chen allen aber nur die drey innern mit Krallen be-
waffnet sind. Die Felle dieser Gattung werden jetzt in
Brasilien trefflich gegerbt.

3. Gangetica. der Gavial. L. mandibulis elon-
gatis subcylindricis, pedibus posticis palmatis
.

Edwards in philos. Transact. vol. XLIX.

Zumal im Ganges.

4. Monitor. (Fr. la sauve-garde). L. cauda ca-
rinata, corpore mutico squamis marginatis, ma-
culis ocellatis.

Seba vol. I. tab. 94. fig. 1. 2. 3.

In beiden Indien. Ueberaus sauber und regelmäßig
schwarz und weiß gefleckt; wird über 3 Ellen lang; hat
den Namen daher, daß es sich, wie man sagt, meist
in Gesellschaft der Crocodile aufhalten, und durch einen
pfeifenden Laut, den es von sich gibt, diese seine furcht-
baren Gefährten verrathen soll.

5. Iguana. der Leguan. L. cauda tereti longa,
sutura dorsali dentata, crista gulae denticulata
.

Seba vol. I. tab. 95. sq. tab. 98. fig. 1.

In Westindien. Ein flinkes Thier. Hat ein über-
aus schmackhaftes Fleisch und Eier.

6. Chamaeleon. L. cauda prehensili, digitis duo-
bus tribusque coadunatis
.

Jo. Fr. Miller fasc. II. tab. 11.

In Ostindien, Nordafrica, und nun auch theils in
Spanien. Langsam, träge, lebt auf Bäumen und Hecken,
nährt sich von Insecten, die er mit seiner langen vorn
kolbigen ausgehöhlten klebrigen Zunge sehr behende zu
fangen versteht. Seine Lungen sind ausnehmend groß,
und das Thier kann sich damit nach Willkür aufblähen
oder dünner machen, daher vermuthlich die Sage der
Alten entstanden seyn mag, daß es bloß von Luft lebe.
Seine Augen haben die ganz eigene Einrichtung, daß
jedes besonders, oder auch beide zugleich nach verschie-
[Seite 207] denen Richtungen, eines z.B. aufwärts, das andere
hinterwärts u.s.w. und zwar schnell bewegt werden können.
Seine natürliche Farbe ist grünlichgrau, es ändert die-
selbe aber zuweilen, zumal wenn es gereizt wird etc.
Der zuweilen bemerkte Wiederschein von benachbarten
farbigen Gegenständen auf die glänzenden Schuppen des
lebendigen Thiers hat Anlaß zu der Fabel gegeben,
als ob sich seine Farbe überhaupt nach denselben richte.

7. Gecko. (vermuthlich der wahre stellio*) oder sau-
rus
der Alten). L. cauda tereti mediocri, digitis
muticis subtus lamellatis, corpore verrucoso, au-
ribus concavis
.

Seba vol. I. tab. 109.

In Aegypten, Ostindien, auch auf den Inseln der
Südsee und selbst hin und wieder im südlichen Europa,
z.B. im Neapolitanischen. Er soll einen giftigen Saft
zwischen seinen blätterichten Fußzehen haben, und dieser
sich den Eßwaaren, wo das Thier drüber wegläuft,
mittheilen.

8. Scincus. (crocodilus terrester). L. cauda tereti
mediocri, apice compressa, digitis muticis lobato-
squamosis marginatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 87.

Im steinigen Arabien, Aegypten etc.

9. †. Agilis. die grüne Eidechse, Kupfer-Ei-
dechse
. L cauda verticillata longiuscula, squamis
acutis, collari subtus squamis constricto
.

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Im wärmern Europa, und, wie es scheint, auch in
beiden Indien und auf den Inseln der Südsee. Ihre
Eier leuchten eine Zeitlang im Finstern.

10. †. Lacustris. der Wasser-Molch, Wasser-
Salamander
. L. nigra, dorso lateribusque ver-
rucosis, abdomine flavo, nigro-maculato
.

Laurenti tab. 2. fig. 4.

[Seite 208]

Die Männchen haben im Frühjahr eine vom Kopf
bis zum Schwanz längs des Rückens hinlaufende empor-
stehende ausgezackte Haut. Von seiner ausnehmenden
Reproductionskraft s. oben S. 27.

11. †. Salamandra. der Salamander, Molch,
die Molle, Ulme. (Fr. le sourd, mouron).
L. cauda tereti brevi, pedibus muticis, corpore
flavo nigroque vario, nudo, poroso
.

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Schwarz und citrongelb gefleckt, spannenlang und
daumendick. Daß er giftig sey, im Feuer leben könne etc.,
sind Fabeln.

* * *

Interimistisch mögen hier ein Paar anomalische
Amphibien ihre Stelle finden, deren sonderbarer
Bau – zumal ihre ansehnlichen frei ausstehenden
Kiemen – immer noch räthselhaft scheint.

A. Proteus. Pedes antici digitis 3; postici binis.
Palpebrae indivisae.

1. †. anguinus.

von Schreibers in den philos. Transact.
for 1801*).

Im unterirdischen Sitticher See in Krain. Höchst
lichtscheu.

B. Siren. Pedes tantum antici: digitis 4.

1. lacertina.

Ellis uni J. Hunter in den philos. Trans-
act.
vol. LVI.

In den Gewässern von Carolina.


II. SERPENTES*).

[Seite 209]

Die Schlangen**) haben gar keine äußere
Gliedmaßen, sondern bloß einen cylindrischen lang
gestreckten Körper, den sie wellenförmig bewegen;
und der mit Schuppen, Schildern, oder Ringen
bekleidet ist. Manche leben im Wasser (da sie bei
ihrer ausnehmend langen und theils blasenförmigen
Lunge leicht schwimmen können), andere auf der
Erde, andere meist auf Bäumen. Sie legen meh-
rentheils an einander gekettete Eier, und ihre Kinn-
laden sind nicht, wie bei andern Thieren, fest ein-
gelenkt, sondern zum Kauen ungeschickt, indem sie
sich weit von einander dehnen lassen, so daß die
Schlangen andere Thiere, die oft weit dicker als
sie selbst sind, ganz verschlingen können. Ihre meist
gespaltene sehr schlanke Zunge dient ihnen zum Ta-
sten***). Manche sind mit heftigem Gift in beson-
dern Bläschen am vordern Rande des Oberkiefers
versehen†), das in eigenen Drüsen abgeschieden
und durch besondere röhrenförmige, einzeln stehende,
gegen die Spitze zu mit einer länglichen Oeffnung
versehene, Giftzähne (– als durch einen Ausfüh-
rungsgang –) beim Biß in die Wunde geflößt
wird. (– Abbild. n. h. Gegenst tab. 37. fig. 1. –)
[Seite 210] Diese bloß am vordern Rande des zugleich merklich
starken Oberkiefers befindlichen Giftzähne geben auch
den zuverlässigsten Character ab, um die giftigen
Schlangen von den giftlosen zu unterscheiden*), da
bei den letztern der ganze äußere Rand der obern
Kinnlade (bis hinten) mit Zähnen besetzt ist (–
Abbild. n. h. Gegenst. a. a. O. fig. 2. –); außer-
dem haben aber wohl alle Schlangen noch eine dop-
pelte Reihe kleiner Gaumen-Zähne mit einander
gemein.

5. Crotalus. Klapperschlange. (Fr. serpent
à sonnettes
. Engl. rattle-snake). Scuta ab-
dominalia. Scuta squamaeque subcaudales.

Crepitaculum terminale caudae.

1. Horridus.C. scutis 167. scutellis 23.

Seba vol. II. tab. 95. fig. 1.

Zumal im wärmern Nordamerica: wird auf 6 Fuß
lang und fast armsdick. Die Gattungen dieses Ge-
schlechts unterscheiden sich von allen andern Schlangen,
ja überhaupt von allen übrigen Thieren in der Schöpfung
durch die räthselhafte, hornartige, gegliederte Rassel
am Ende des Schwanzes. – Die Zahl der Glieder
an diesem so wunderbar gebauten und in seiner Art so
ganz einzigen Organ nimmt mit den Jahren zu, und
soll bei alten wohl auf 40 steigen. Daß kleine Vögel,
Eichhörnchen etc. im Gebüsch der darunter liegenden
Klapperschlange**) von selbst in den Rachen fallen,
[Seite 211] wird von gültigen Augenzeugen versichert; ist aber keine
ausschließliche Eigenheit dieses Geschlechts, da man das
Nämliche auch an mehreren andern Schlangen der neuen
und alten Welt bemerkt haben will. – Die Klapper-
schlangen selbst werden häufigst von den Schweinen und
Raubvögeln verzehrt. Auch lassen sie sich überaus kirre
und zahm machen.

6. Boa. Scuta abdominalia et subcaudalia. Cal-
caria analia bina
.

1. Constrictor. die Riesenschlange, Abgotts-
schlange, Anaconda
. (Fr. le devin). B. scu-
tis
240. scutellis 60.

Merrem II. Heft. tab. 1.

In Ostindien, Africa und Brasilien**). Wird nach
Adanson's Versicherung auf 40 bis 50 Fuß lang. Soll
lebendigen Antilopen etc. die Rippen und andere Kno-
chen entzwei brechen, das Thier nachher mit einem
gallertartigen Geifer überziehen, und so hinterwürgen.
Doch ist sie leicht kirre zu machen und wird, wie die
Brillenschlange, von den ostindischen Gauklern zu aller-
hand Kunststücken abgerichtet. – Die Amaru-Schlange
in Südamerica, die von den Antis in Peru angebe-
tet ward, und auch auf 30 Fuß lang wird, scheint we-
nig von dieser verschieden. – Hingegen ist wohl die
auf Guinea so heilig verehrte so genannte Juda-
Schlange
von einer andern Gattung.

[Seite 212]

7. Coluber. (Fr. couleuvre). Scuta abdomi-
nalia. Squamae subcaudales
.

1. Vipera. C. scutis 118. squamis 22.

Es werden mehrere Schlangen mit dem Namen der
Viper belegt. Hier diese von Linné so genannte ist in
Aegypten zu Hause und giftlos.

2. Cerastes. die gehörnte Schlange. ♂ C. ten-
taculis superciliaribus, scutis
145. squamis 44.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils, im
Anhang tab. 40.

Diese von den beiden über den Augen stehenden
Hörnchen benannte Schlange hat gleiches Vaterland
mit der vorigen, und ist allerdings giftig.

3. †. Berus. die Otter, Viper. (Engl. the ad-
der
). ♂ C. scutis 146. squamis 39.

Brandt u. Ratzeburg l. t. 20.

Diese ehemals officinelle Viper ist von bräunlicher
Farbe und in den wärmern Gegenden der alten Welt, auch
schon in Deutschland und in der Schweiz zu Hause.
Ihr Biß verursacht zwar heftige Entzündung, wird doch
aber nur selten tödtlich. Es ist dieselbe Gattung, wo-
mit ehedem Redi und nachher Fontana so viele
merkwürdige Versuche angestellt haben.

4. † Natrix. die Ringel-Natter, Schnacke,
der Unk. (Fr. la couleuvre à collier). C. scu-
tis
170. squamis 60.

Stahlfarbig mit weißen Seitenflecken, zumal an
den beiden Seiten des Halses. Man hat selbst in Eu-
ropa welche von 10 u. m. Fuß gefunden, die dann
wohl ehedem Anlaß zu den abenteuerlichen Erzählungen
von Lindwürmern etc. gegeben haben mögen.

5. Coccineus. die Carmoisin-Schlange. C. scu-
tis
175. squamis 35.

Voigt's Magazin 5ten Bdes 1stes Stück. tab. 1.

Diese ausnehmend schönfarbige und unschuldige Schlange
ist in Florida und Neu-Spanien zu Hause. Fingers
dick und ungefähr 2 Fuß lang. Längs dem Rücken
laufen etliche und zwanzig große und sehr regelmäßige
carmoisinrothe Flecken, die mit schwarzen Rändern ein-
[Seite 213] gefaßt, und diese wieder mit citrongelben Queerstreifen
von einander abgesondert sind. Die Mädchen in Flo-
rida sollen das schöne Thier zum Putz als Halsband
oder in die Haare geflochten tragen etc.

6. Naja. die Brillenschlange. (Cobra de Ca-
belo
). ♂ C. scutis 193. squamis 60.

Russell's Indian Serpents tab. 5. 6.

In Ostindien. Der Hals ist weit ausdehnbar, und
hinten mit einer brillenähnlichen Figur bezeichnet. Ist
eine der giftigsten Schlangen, wird aber häufig vom
Ichneumon gefressen, und ist auch leicht zu allerhand
Gaukelkünsten abzurichten.

8. Anguis. Squamae abdominales et subcaudales.

1. Fragilis. die Blindschleiche, Bruch-
schlange, der Haselwurm, Hartwurm
. (Fr.
l'orvet. Engl. the blind-worm, slowworm).
A. squ. abd. 135. totidemque subcaud.

In dumpfigen Gegenden, alten Gemäuer etc. Bricht
leicht entzwei, wenn man sie anfaßt, und die Stücken
bewegen sich doch noch Stunden lang. Man findet von
ihr mancherlei theils sauber gezeichnete Spielarten.

2. Platuros. ♂ A. cauda compressa obtusa.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 28.

Im indischen Ocean und der Südsee.

9. Amphisbaena. Annuli trunci caudaeque.

1. Fuliginosa. A. ann. tr. 200, caudae 30.

Seba vol. I. tab. 88. fig. 3. u.a.

In America. Schwarz und weiß gefleckt.

10. Caecilia. Runzelschlange. Rugae trunci
caudaeque. Labrum superius tentaculis
2.

1. Tentaculata. C. rugis 135.

Seba vol. II. tab. 25. fig. 2.

Auch in America. Hat gar keine Schuppen, sondern run-
zelige Ringe in der glatten Haut, fast wie ein Regenwurm.


Siebenter Abschnitt.
Von den Fischen.

[Seite 214]

§. 99.

Die Fische sind diejenigen mit rothem kaltem
Blut versehenen Thiere, die sich mittelst wahrer
(mit Gräten oder knorpligen Faden versehenen)
Flossen bewegen, und mittelst wahrer immer zu
beiden Seiten des Halses verwahrt liegenden (nicht
wie an den Froschlarven etc. außerhalb desselben frei
hervorragenden) Kiemen Athem holen.

Anm. Wahre Kiemen und wahre Flossen – um
sie von den gewisser Maßen analogen Organen der ganz
jungen Frösche, Salamander etc. (§. 94.) zu unterscheiden.

§. 100.

Diese Kiemen oder Kiefen (branchiae) ver-
treten bei den Fischen fast vollkommen die Stelle
der Lungen. Sie liegen auf beiden Seiten hinter
dem Kopfe, meistens unter einer oder mehreren
großen halbmondförmigen Schuppen, die deßhalb die
Kiemen-Deckel (opercula branchialia) heißen und
bei den mehresten mit der Kiefer-Haut (mem-
brana branchiostega
) verbunden sind. Die Kie-
men selbst sind mit unzähligen der zartesten Blutge-
fäße durchwebt, und auf jeder Seite meist in vier
Blätter vertheilt, die ungefähr der Fahne an einer
Feder ähneln und die an ihrer Basis durch eben so
viele bogenförmige Gräten unterstützt werden.

§. 101.

Das Athemholen, das die Fische eben so
wenig als die mit Lungen versehenen Thiere lange
[Seite 215] entbehren können, geschieht bei ihnen, indem sie die
im Wasser aufgelösete Luft durch den Mund
in die Kiemen leiten, und dann durch die Kiemen-
öffnung (apertura branchialis) wiederum von sich
geben; folglich nicht wie die mit Lungen versehenen
Thiere durch den gleichen Weg ein- und aus-
athmen.

§. 102.

Da sie keine Lungen haben, so versteht sich folg-
lich von selbst, daß ihnen auch keine wahre Stimme
zugeschrieben werden kann, obgleich einige von ihnen,
wie z.B. der Knurrhahn, der Wetterfisch etc. einen
Laut von sich geben können.

§. 103.

Die Bildung des Körpers, überhaupt genom-
men, ist bei den Fischen ungleich mannichfaltiger als
bei den beiden vorigen Thierclassen. Bei den meh-
resten hat doch der Körper eine verticale Stellung,
d.h. er ist auf beiden Seiten zusammen gedrückt
(corpus compressum s. cathetoplateum); bei ei-
nigen andern hingegen, wie bei dem Rochen, liegt
er horizontal, ist in die Breite platt gedrückt (cor-
pus depressum s. plagioplateum
); bei andern, wie
beim Aal etc., ist er mehr walzenförmig: bei andern,
wie bei den Panzerfischen, prismatisch oder vier-
kantig etc.

Bei allen aber stoßen Kopf und Rumpf unmit-
telbar an einander, ohne durch einen eigentlichen
Hals von einander abgesondert zu seyn.

§. 104.

Die Fische sind (bis auf wenige Ausnahmen) mit
Schuppen bekleidet; und zwar die Grätenfische mit
eigentlich so genannten, die von einer ganz eigenen
[Seite 216] Substanz, und bei den verschiedenen Gattungen
von der mannichfaltigsten theils ausnehmend elegan-
ten Bildung und Zeichnung, und farbigen Gold-
und Silberglanze sind: die mehrsten Knorpelfische
hingegen mit mehr knochenartigen Schildern, hakich-
ten Stacheln, u. dergl. m.

Die Schuppen werden von außen noch mit ei-
nem besondern Schleim überzogen, der großen
Theils aus kleinen Schleimhöhlen abgeschieden zu
werden scheint, die bei den mehresten Fischen zu
beiden Seiten des Körpers in der so genannten
Seiten-Linie liegen.

§. 105.

Die Bewegungswerkzeuge der Fische*), die
Flossen (an welchen man neuerlich merkwürdige
Reproductionskraft wahrgenommen), bestehen aus
dünnen knochenartigen oder knorpligen Gräten, die
durch eine besondere Haut mit einander verbunden,
an eigenen Knochen befestigt, und durch bestimmte
Muskeln bewegt werden. Ihrer bestimmten Lage
nach heißen die obern, Rückenflossen (pinnae dor-
sales
); die seitwärts hinter den Kiemen befindlichen,
Brustflossen (pinnae pectorales); die am Bauche
vor der Oeffnung des Afters stehenden, Bauchflossen
(pinnae ventrales); die hinter dieser Oeffnung,
Steißflosse (pinna analis); endlich am Schwanze,
die Schwanzflosse (pinna caudalis), die immer eine
verticale Stellung hat.

[Seite 217]

Die so genannten fliegenden Fische haben sehr
lange und straffe Brustflossen, so daß sie sich damit
selbst über die Oberfläche des Wassers erheben und
kleine Strecken weit fortfliegen können.

§. 106.

Ein anderes Hülfsmittel zur Bewegung der Fische,
besonders wohl zum Steigen und Sinken (wie bei
den so genannten cartesianischen Teufelchen), ist
die Schwimmblase, womit zumal die Süß-
Wasser-Fische versehen sind, und die mittelst eines
eigenen Canals (ductus pneumaticus) meist mit
dem Schlunde, seltener mit dem Magen in Verbin-
dung steht.

§. 107.

In Rücksicht ihres Aufenthalts theilt man
die Fische überhaupt in See- und Süß-Wasser-Fische.
Manche können doch auch zuweilen einige Zeit im
Trocknen aushalten, wie der Aal, die Muräne etc.
Andere theils in warmen mineralischen Quellen*).

§. 108.

Die mehresten Fische, zumal die in der See
leben, sind animalia nocturna, die nämlich ihren
Geschäften zur Nachtzeit nachgehen, am Tage hin-
gegen sich mehr in der Tiefe ruhig halten. Daher
auch die von Fischen lebenden Insulaner und Kü-
sten-Bewohner meist des Nachts auf den Fang
ausgehen.

§. 109.

Eine große Anzahl Gattungen von Fischen ver-
ändert in gewissen Jahrszeiten ihren Aufenthalt; so
[Seite 218] steigen viele Seefische um zu leichen in die Buchten
und Mündungen der Flüsse; manche derselben aber,
wie z.B. die Häringe im nördlichen atlantischen
Ocean, machen auch noch außerdem anderweitige
Züge zu bestimmten Jahrszeiten und in unermeß-
lichen Scharen zwischen den Küsten des westlichen
Europa und des nordöstlichen America*).

§. 110.

Die Fische sind größten Theils fleischfres-
sende
Thiere, und da sie keine eigentliche Füße ha-
ben ihre Beute damit zu fassen, mit mancherlei an-
dern Mitteln ihrer Herr zu werden versehen. Theils
nämlich mit langen Bartfasern (cirri) am Maule,
um damit andere kleine Wasserthiere, wie mit einem
Köder zu locken, und gleichsam zu angeln. (So der
Sternseher, der Froschfisch etc.) Andere, wie der
Chaetodon rostratus, mit einer Spritzröhre, um
dadurch die über dem Wasser fliegenden Insecten
gleichsam herab zu schießen. Andere, wie drey See-
fische
, der Zitterochse, Tetrodon electricus und
Trichiurus indicus und die beiden Flußfische,
der Zitteraal und der Zitterwels, mit einer besondern
erschütternden und betäubenden Kraft etc.

§. 111.

Was die äußern Sinne der Fische betrifft, so
muß der Geruch bei vielen überaus scharf seyn, da
sie den versteckten Köder in weiter Entfernung aus-
wittern. Auch ihr Gehör ist scharf, und sie haben
dazu ähnliche Organe, wie die im innern Ohr ande-
rer rothblütigen Thiere. Besonders aber zeigen sich
mancherlei Sonderbarkeiten im Baue ihres Auges,
[Seite 219] zahlreichere Häute, ausschließlich eigne andre Organe
u. dergl. m.*).

§. 112.

Ueber die Naturtriebe u.a. Seelenkräfte
der Fische läßt sich vor der Hand aus Mangel an
richtigen Beobachtungen wenig sagen. Doch weiß
man, daß manche, wie z.B. die Forellen, überaus
kirre werden**); andere z.B. alte Karpfen, sehr
listig und verschlagen sind etc.

§. 113.

Von ihrem Schlafe gilt meist die gleiche An-
merkung, die bei den Amphibien gemacht worden ist
(§. 91.), daß nämlich wenigstens die mehresten ei-
nem Winterschlaf ausgesetzt sind; aber wohl nur
sehr wenige einen bestimmten täglichen periodischen
Erholungsschlaf haben: wie es z.B. vom Gold-
brachsen gesagt wird.

§. 114.

Außer den wenigen lebendig-gebährenden Fischen,
wohin der Aal und die so genannte Aalmutter gehö-
ren, mögen sich wohl wenige Fische wirklich mit ein-
ander paaren; sondern bei den mehresten gibt das
Weibchen den Rogen noch unbefruchtet von sich, und
das Männchen kommt hierauf nach, um denselben
mit seiner Milch zu begießen.

Man hat diese Einrichtung für die Landwirth-
schaft benutzen gelernt, indem man auch aus der
künstlichen Vermischung von Eiern und Samen der
Lachs-Forellen etc. junge Fische erzielen kann***).

[Seite 220]

Anm. Zu andern Merkwürdigkeiten im Zeugungsgeschäfte
der Fische gehört auch noch, daß manche, wie die Lamprete,
durchgehends beiderlei Sexualorgane haben, so wie man
hingegen bei andern, wie namentlich beim Karpfen, ano-
malisch einzeln, wirkliche Zwitter gefunden hat.

§. 115.

Die Vermehrung der meisten Fische ist zum
Wunder stark, so, daß ungeachtet die Eierchen der
mehresten in Verhältniß zu ihrer Statur ungleich
kleiner sind, als in irgend einer andern Thier-Classe,
dennoch bei manchen die Eierstöcke größer sind, als
ihr ganzer übriger Körper. Daher zählt man, z.B.
beim Häring, zwischen 20 und 37000, beim Kar-
pfen über 200000, bei der Schleihe 383000, beim
Flinder über eine Million Eierchen etc.*).

§. 116.

Theils haben die jungen Fische, so wie sie aus
dem Eie kriechen, noch nicht ihre völlige Gestalt:
sondern müssen sich ebenfalls, so wie viele Amphi-
bien (§. 94.), erst einer Art von Metamorphose
unterziehen, wodurch ihre Flossen u. dergl. m. allge-
mach vollends ausgebildet werden.

§. 117.

Die Fische gelangen, im Verhältniß zur Größe
ihres Körpers, zu einem hohen Alter. Man weiß
von Karpfen, Hechten etc., daß sie anderthalb hun-
dert Jahre erreichen können. Doch werden einige
kleine Fische, wie z.B. der Stichling etc., nur wenige
Jahre alt.

§. 118.

Die Brauchbarkeit der Fische für den Men-
schen ist ziemlich einfach, meist bloß zur Speise;
[Seite 221] aber eben von dieser Seite für einen großen Theil
des Menschengeschlechts, der theils fast ganz von die-
sen Thieren lebt, von der äußersten Wichtigkeit.
Selbst wilde Völker, wie z.B. die Kamtschadalen,
Brasilianer etc., wissen die Fische auf die mannichfal-
tigste Weise, sogar zu einer Art Mehl, zu Kuchen
u.s.w. zu bereiten: und bei vielen, wie z.B. un-
ter den Insulanern des stillen Oceans, macht der
Fischfang ihr Hauptgeschäft, – und in Rücksicht
der überaus sinnreichen angemessenen Geräthschaften,
die sie sich dazu erfunden haben, wirklich eine Art
von nachdenkendem Studium aus. Aber auch für
einen großen Theil der cultivirten Erde ist der Fang,
z.B. des Härings, Kabeljaus, Thunfisches u. dergl. m.
von großer Wichtigkeit – Der Thran von Hayen,
Häringen, Kabeljauen etc. wird häufigst in Lampen
gebrannt: der Leberthran von letztern nun auch als
Arzneimittel. – Die östlichsten Küstenbewohner des
mittlern Asien kleiden sich in gegerbte Lachs-
häute. – Und manche Theile einiger Fische werden
zu technischen Gebrauch und Kunstsachen benutzt;
wie z.B. die Schuppen des Ukley zu Glasperlen;
und Fischhaut von Rochen und Hayen etc.; Hau-
senblase etc.

§. 119.

Den mehresten Schaden thun die Raubfische;
zumal in den Weltmeeren die Haye; und in den
süßen Wassern die Hechte. – Auch sind manche
Fische wenigstens in gewissen Gegenden giftig, so
daß ihr Genuß tödtlich werden kann. So zumal
einige Gattungen von Tetrodon.

§. 120.

Die systematische Classification der Fische scheint
noch mancher Verbesserung zu bedürfen. Inzwischen
[Seite 222] bringt man sie vor der Hand im Ganzen unter zwey
Hauptabtheilungen, nämlich.

A) Knorpelfische (Pisces cartilaginei) die
keine wahre Gräten haben: und

B) mit Gräten versehene oder eigentlich so
genannte Fische (Pisces spinosi).

Die Knorpelfische sondert man in folgende
zwey Ordnungen, welche la Cepede nach dem Da-
seyn oder Mangel des Kiemendeckels bestimmt, und
hiernach die darunter gehörigen Geschlechter vertheilt
hat: nämlich:

I. Chondropterygii. Ohne Kiemendeckel.

II. Branchiostegi. Mit Kiemendeckel.

Die eigentlich so genannten Fische aber
hat Linné nach der Beschaffenheit und Lage der
Bauchflossen geordnet: nämlich:

III. Apodes. Die gar keine Bauchflossen haben.

IV. Iugulares. Die, deren Bauchflossen vor
den Brustflossen sitzen.

V. Thoracici. Die, wo die Bauchflossen gerade
unter den Brustflossen, und

VI. Abdominales, wo sie hinter diesen sitzen.

Zur N. G. der Fische.

  1. Guil. Rondelet de piscibus. Lugd. 1554. P. II. 1555. fol.
  2. Conr. Gesner de piscium et aquatilium animantium natura.
    Tig. 1558. fol.
  3. Steph. a. Schonevelde ichthyologia. etc. Hamburg. 1624. 4.
  4. F. Willoughbeii historia piscium. ex ed. Raii. Oxon. 1686. fol.
  5. Jo. Raii synopsis methodica piscium. Lond. 1713. 8.
  6. Petr. Artedi ichthyologia. ex. ed. Linnaei. Lugd. Bat. 1738. 8.
  7. Laur. Theod. Gronovii Zoophylacium Gronovianum.
    Lugd. Bat. 1781. P. I–III. fol.
  8. Ant. Gouan historia piscium. Argent. 1770. 4.
  9. Du Hamel et de Marre histoire des poissons (traité des péches
    etc.) Par. 1770. sq. III. vol. fol.
  10. M. El. Bloch öconomische N. G. der Fische Deutschlands.
    Berl. 1782. III. B. 4.
  11. Dess N. G. ausländischer Fische. ib. 1785. IX. B. 4.
  12. Ej. Systema ichthyologiae, inchoatum absolvit Jo. Gottl.
    Schneider. Berol. 1801. 8.
  13. de la Cépède histoire naturelle des poissons. Par. 1798. V.
    vol. 4.
  14. Histoire naturelle des poissons, par le B. Cuvier et M.
    Valenciennes. Par. seit 1828. 8. und Planches, fol.
* * *
  1. Patr. Russell's Descriptions and Figures of 200 Fishes of the
    coast of Coromandel
    . Lond. 1803. II. vol. fol.
* * *
  1. Al. Monro Vergleichung des Baues und der Physiologie der
    Fische mit dem Bau des Menschen und der übrigen Thiere. –
    Mit vielen Zusätzen vor P. Camper und J. G. Schneider.
    Leipzig 1787. 4.

I. CHONDROPTERYGII.

[Seite 224]

Die Knorpelfische dieser Ordnung haben keine
Kiemendeckel, und bei den mehresten ist das Maul
an der Unterseite des Kopfs befindlich.

1. Petromyzon. Spiracula branchialia 7 ad la-
tera colli. Fistula in nucha. Pinnae pecto-
rales aut ventrales nullae
.

1. †. Marinus. die Lamprete. (Fr. la lam-
proie
. Engl. the lamprey). P. ore intus papil-
loso, pinna dorsali posteriore a cauda distincta
.

Bloch tab. 77.

In der Nordsee so wie im mittelländischen u.a. Mee-
ren. Steigt aber auch 20 und mehrere Meilen weit
in die Flüsse. Wird wohl auf 3 Fuß lang.

2. †. Fluviatilis. die Pricke, Neunauge. P.
pinna dorsali posteriore angulata.

Bloch tab. 78.

In größern Flüssen. Nur halb so groß als die vo-
rige Gattung.

2. Gastrobranchus. Bauchkieme. Spiracula
branchialia
2 ventralia. Fistula in rostro.
Pinnae pectorales aut ventrales nullae
.

Dieses räthselhafte Geschlecht ward ehedem unter dem
Namen Myxine den Gewürmen beigezählt.

1. Coecus. der Blindfisch, Schleimaal. (Myxine
glutinosa Linn.)

Bloch tab. 413.

An den Küsten des nördlichen atlantischen Oceans.
Soll gar keine Augen haben.

[Seite 225]

3. Raia. Roche*). (Fr. raie. Engl. ray). Spi-
racula branchialia
5 subtus ad collum; corpus
depressum, os sub capite
.

Ein seltsam gebildetes und theils gar wunderbar or-
ganisirtes Thiergeschlecht. Manche Arten hat man ehe-
dem durch allerhand Künstelei zu vorgeblichen Basilis-
ken etc. umgestaltet und aufgetrocknet. Manche scheinen
auch bei einiger Aehnlichkeit, die der Untertheil ihres
Kopfs mit einem Menschengesichte hat, zu der Sage
von Meerjungfern etwas beigetragen zu haben**).
Ungeachtet sie nur ein Ei auf einmal legen, so vermeh-
ren sie sich doch so stark, daß der Ocean in manchen
Gegenden gleichsam davon wimmelt. Die Eier haben
eine hornige Schale mit vier Spitzen, und heißen See-
Mäuse
.

1. Torpedo. der Zitterroche, Krampffisch. (Fr.
la torpille. Engl. the crampfish). R. tota lae-
vis maculis dorsalibus
5 orbiculatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 57.

Besonders im mittelländischen Meere. Der bekannteste
von den so genannten elektrischen Fischen (§. 110.).
Wird an theils Orten gegessen.

2. †. Batis. der Glattroche, Baumroche,
Flete, Tepel. (Fr. la raie lisse. Engl. the
skate, flair
). R. varia, dorso medio glabro,
cauda unico aculeorum ordine
.

Bloch tab. 79.

In den europäischen Meeren. Wird auf zwey Cent-
ner schwer. Hat ein vorzüglich schmackhaftes Fleisch.

3. Pastinaca. der Stachelroche, Pfeilschwanz.
(Fr. la pastenaque, tareronde, raie baïonnette.
Engl. the sting-ray). R. corpore glabro, aculeo
longo anterius serrato in cauda, et dorso apterygio
.

Bloch tab. 82.

[Seite 226]

In vielen Welt-Meeren. Sein Schwanz-Stachel
ist zwar nicht giftig; aber er dient dem Thiere und
auch wilden Völkern als Waffen.

4. Squalus. Hay. (Fr. chien de mer. Engl.
shark). Spiracula branchialia 5 ad latera
colli. Corpus oblongum teretiusculum. Os in
inferiore capitis parte
.

1. Acanthias. der Dornhay. (Fr. l'aguillat).
S. pinna anali nulla, dorsalibus spinosis, corpore
teretiusculo
.

Bloch tab. 85.

In den europäischen Meeren. Hat drey Reihen
Zähne in jedem Kiefer.

2. Zygaena. der Hammerfisch, Jochfisch. (Fr.
le marteau). S. capite latissimo transverso mal-
leiformi
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 99.

In den mehresten Welt-Meeren.

3. Carcharias. (lamia, tiburo. Fr. le requin. Engl.
the white shark). S. dorso plano, dentibus ser-
ratis
.

Bloch tab. 120.

Einer der weitest verbreiteten Fische. Zumal häufig
im atlantischen Ocean. Wiegt zuweilen auf zehntausend
Pfund, und in seinem Magen hat man wohl eher ganze
Pferde gefunden. Hat sechsfache Reihen Zähne in den
Kiefern, die (wie überhaupt bei den mehresten Hayen)
nicht in die Kinnladen eingekeilt, sondern wie durch
eine Art Gelenk mit denselben verbunden sind. Die
vordere Reihe dieser Zähne macht das eigentliche Gebiß.
Die hintern liegen (wenigstens beim jungen Thier)
rückwärts gekehrt, gleichsam auf Reserve, damit zufälli-
ger Verlust derer in der vordern Reihe zu wieder-
holten Malen ersetzt werden kann.

4. Pristis. der Sägefisch, Schwertfisch. (Fr.
la scie de mer. Engl. the saw fish). S. pinna
ani nulla, rostro ensiformi osseo plano utrinque
dentato
.

Bloch tab. 120.

[Seite 227]

Unter andern im nördlichen atlantischen Ocean. Das
breite schwertförmige, oft mehrere Ellen lange Gewehr,
das dieses Thier vor dem Kopfe führt, ist an beiden
Seiten-Rändern mit 24 oder mehreren starken einge-
keilten Zähnen besetzt.

5. Lophius. Seeteufel. (Fr. baudroie, diable
de mer
. Engl. sea-devil). Pinnae pectorales
branchiis insidentes. Spiracula solitaria pone
brachia
.

1. †. Piscatorius. der Froschfisch. (rana pisca-
trix
. Fr. la grenouille pêcheuse. Engl. the
frog-fish
). L. depressus capite rotundato.

Bloch tab. 87.

An den europäischen Küsten. Der ungeheure Kopf,
der die größere Hälfte des ganzen Thiers ausmacht,
und dann die fleischigen Angelfaden am Maule (§. 110.)
geben ihm ein auffallendes Ansehen.

6. Balistes. Hornfisch. Caput compressum.
Apertura supra pinnas pectorales. Corpus
compressum, squamis corio coadunatis. Ab-
domen carinatum
.

1. Tomentosus. (Engl. the little old wife). B.
pinna capitis biradiata, corpore posterius sub-
villoso
.

Bloch tab. 148. fig. 1.

In beiden Indien.

7. Chimaera. Spiracula solitaria, quadripar-
tita, sub collo. Oris labium superius quin-
quepartitum. Dentes primores incisores bini
supra infraque
.

1. Monstrosa. C. rostro subtus plicis pertusis.

Bloch tab. 124.

Im nördlichen atlantischen Ocean.


II. BRANCHIOSTEGI.

[Seite 228]

Die mit Kiemendeckeln versehenen Knorpelfische.

8. Acipenser. Spiracula lateralia solitaria, li-
nearia. Os sub capite, retractile, edentulum.
Cirri quatuor sub rostro ante os.

1. †. Sturio. der Stör. (Fr. l'esturgeon. Engl.
the sturgeon). A. squamis dorsalibus 11.

Bloch tab. 88.

In allen europäischen Meeren, auch im caspischen etc.,
in der Wolga, im Nil etc. Macht nebst den übrigen
Gattungen dieses Geschlechts sowohl wegen des Flei-
sches, als des aus dem Rogen bereiteten Caviars, für
viele Völker einen wichtigen Fang aus, und kann ge-
gen tausend Pfund schwer werden. Oft ziehen ihrer
eine Menge in schmalen aber langen Zügen hinter ein-
ander, und das soll Anlaß zu der fabelhaften Sage von
ungeheueren nordischen Seeschlangen gegeben haben.

2. Ruthenus. der Sterlet. A. squamis dorsa-
libus
15.

Bloch tab. 89.

Dieser vorzüglich schmackhafte Fisch findet sich am
häufigsten im caspischen Meer und in der Wolga, aber
selten über 30 Pfund schwer.

3. Huso. der Hausen, Beluga. (Antacaeus.)
A. squamis dorsalibus 13. caudalibus 43.

Bloch tab. 129.

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen. Ist nebst
dem Wels wohl der größte Süß-Wasserfisch, und vor-
züglich wegen des Fischleims oder Hausenblase merkwür-
dig, die man besonders aus der Schwimmblase dessel-
ben, doch auch aus dem Stör und noch aus einer an-
dern Gattung dieses Geschlechts, nämlich der Sewruge
(Acipenser stellatus), die auch das beste Caviar
gibt, ja theils auch aus der Schwimmblase des Wels
u.a. bereitet.

[Seite 229]

9. Ostracion. Panzerfisch. (Fr. poisson
coffre
). Corpus osse integro loricatum. Pin-
nae ventrales nullae
.

1. Bicuspis. O. trigonus, spinis dorsalibus duabus.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 58.

An den Küsten von Schina, und, wenn anders der
O. stellifer nicht eine eigene Gattung ist, auch in
America.

2. Triqueter. O. trigonus muticus.

Bloch tab. 130.

So wie der folgende in Ostindien.

3. Cornutus. O. tetragonus, spinis frontalibus sub-
caudalibus binis
.

Bloch tab. 133.

In Ostindien. Ein niedliches kleines Thier, dessen
Panzer aufs regelmäßigste, meist mit Sechsecken wie
Bienenzellen, bezeichnet ist.

10. Tetrodon. Stachelbauch. Corpus sub-
tus muricatum. Pinnae ventrales nullae
.

1. Lagocephalus. (Fr. le poisson souffleur). T.
abdomine aculeato, corpore laevi, humeris pro-
minentibus
.

Bloch tab. 140.

Besonders häufig im Senegal. Und zwar sind die,
so man oben im Flusse landeinwärts fängt, ein gesun-
des gutes Essen. Hingegen die nahe an der See, in
der Mündung des Stroms, sehr giftig.

2. Electricus. T. corpore maculoso; pinnis viri-
dibus
.

Philos. Transact. Vol. LXXVI. P. II. tab. 13.

Einer von den bis jetzt bekannten elektrischen Fi-
schen (§. 110.). In Ostindien an der St. Johanna-
Insel.

[Seite 230]

3. Hispidus. der Kugelfisch. (orbis. Engl. the
moon-fish
). T. totus hispidus, papillis setaceis.

Bloch tab. 142.

Im rothen Meere etc. Aber auch in den süßen Was-
sern der benachbarten Länder.

4. Mola. der Klumpfisch. (luna. Fr. la lune
de mer
. Engl. the sun-fish). T. laevis com-
pressus, cauda truncata: pinna brevissima dorsali
analique annexa
.

Hamburg. Magaz. XVIII. B. tab. 1.

Häufig im mittelländischen und atlantischen Meere.
Wiegt zuweilen auf fünf Centner. Hat den deutschen
Namen von seiner unförmlichen Gestalt; den französi-
schen und englischen aber von dem starken phosphorischen
Schein, womit die Seiten und der Unterleib des leben-
digen Fisches leuchten.

11. Diodon. Corpus spinis acutis mobilibus un-
dique adspersum. Pinnae ventrales nullae
.

1. Hystrix. der Stachelfisch, Guara. (Engl.
the porcupine-fish). D. oblongus, aculeis tere-
tibus
.

Bloch tab. 126.

Zumal im atlantischen Ocean: namentlich auch an
den nordamericanischen Küsten.

12. Cyclopterus. Bauch-Sauger. Caput
obtusum. Pinnae ventrales in orbiculum con-
natae
.

1. †. Lumpus. der See-Hase, Klebpfost, Haf-
padde
. (Fr. le lièvre de mer. Engl. the lump-
sucker
). C. corpore squamis osseis angulato.

Bloch tab. 90.

In den nördlichen Meeren der alten Welt. Hängt
sich mit seinem gerippten flachen Brustschilde aufs festeste
an die Klippen, Schiffe u.s.w. an.

[Seite 231]

13. Centriscus. Messer-Fisch. Caput pro-
ductum in rostrum angustissimum. Abdomen
carinatum. Pinnae ventrales unitae
.

1. Scolopax. die Meer-Schnepfe. C. corpore
squamoso scabro, cauda recta extensa
.

Bloch tab. 123 fig. 1.

Im mittelländischen Meer etc.

14. Syngnathus. Rostrum subcylindricum, ore
operculato, maxilla inferiore mobiliore. Cor-
pus cataphractum. Pinnae ventrales nullae
.

1. Acus. die Meer-Nadel, Sack-Nadel. (Engl.
the pipe). S. pinnis caudae ani pectoralibusque
radiatis; corpore septem-angulato
.

Bloch tab. 91. fig. 2.

In der Nord- und Ostsee etc.

2. Hippocampus. das See-Pferdchen, die See-
Raupe
. (Fr. le cheval marin. Engl. the sea-
horse
). S. pinna caudae quadrangulae nulla, cor-
pore septemangulato tuberculato
.

Bloch tab. 116. fig. 3.

Einer der weitest verbreiteten Seefische. Hat seinen
Namen, weil der Vordertheil einem Pferdekopf und
Hals, das hintere Ende aber einer Raupe verglichen
worden. Im Tode krümmt er sich wie ein S, und
ähnelt so dem Springer im Schach.

15. Pegasus. Os proboscide retractili. Rostrum
ensiforme, lineare. Corpus articulatum osseis
incisuris, cataphractum. Pinnae ventrales ab-
dominales
.

1. Draconis. der Seedrache. P. rostro conico.

Bloch tab. 109. fig. 1. 2.

In Ostindien. Die großen breiten Brustflossen ähneln
ausgespannten Flügeln, und mögen wohl den Namen
veranlaßt haben.


III. APODES.

[Seite 232]

Diese und die drey folgenden Ordnungen begrei-
fen nun die mit Gräten versehenen oder eigentlich
so genannten Fische. Und zwar hier diese, die
sogar keine Bauchflossen haben.

16. Muraena. Caput laeve. Nares tubulosae.
Membr. branch. radiis
10, corpus teretiuscu-
lum, lubricum. Pinna caudalis coadunata
dorsali anique. Spiracula pone caput vel
pinnas pectorales
.

1. Helena. die Muräne. M. pinnis pectoralibus
nullis
.

Bloch tab. 153.

Ein sehr gefräßiger Raubfisch, in den wärmern Mee-
ren beider Welten.

2. †. Anguilla. der Aal. (Fr. l'anguille. Engl.
the eel). M. maxilla inferiore longiore, corpore
unicolore
.

Bloch tab. 73.

Einer der allgemeinst verbreiteten Flußfische beider
Welten. Geht zuweilen ans Land auf Wiesen, ins Ge-
treide etc. Hat ein zähes Leben, und das ihm ausge-
schnittene Herz behält wohl noch 40 Stunden lang seine
Reitzbarkeit. Nach den genauesten Beobachtungen ge-
biert er sicher lebendige Junge*).

17. Gymnotus. Caput operculis lateralibus.
Tentacula duo ad labium superius. Membr.
branch. radiis
5; corpus compressum, subtus
pinna carinatum
.

1. Electricus. der Zitteraal, Zitterfisch, Drill-
fisch
. (Fr. l'anguille électrique). G. nudus,
[Seite 233] dorso apterygio, pinna caudali obtusissima anali
connexa
.

Bloch tab. 156.

Besonders bei Surinam und Cayenne, wo ihn van
Berkel*) 1695 zuerst bekannt gemacht hat. Unge-
fähr Mannslang**).

18. Trichiurus. Caput porrectum, operculis la-
teralibus. Dentes ensiformes, apice semisa-
gittati: primores maiores. Membr. branchio-
stega radiis
7. Corpus compresso-ensiforme.
Cauda subulata, aptera
.

1. Lepturus. T. mandibula inferiore longiore.

Bloch tab. 158.

In beiden Indien.

2. Indicus. T. mandibulis aequalibus.

Willoughby App. tab. 3. fig. 3.

In Ostindien. Ebenfalls ein elektrischer Fisch (§. 110.).

19. Anarrhichas. Caput obtusiusculum. Den-
tes primores supra infraque conici, divergen-
tes, sex pluresve, molares inferiores palatique
rotundati. Membr. branch. radiis
6. Corpus
teretiusculum, pinna caudae distincta
.

1. †. Lupus. der Klippfisch, Seewolf, Stein-
beißer
. (Engl. the ravenous). A. pinnis pecto-
ralibus amplis subrotundis
.

Bloch tab. 74.

An den Küsten des nördlichen Europa.

[Seite 234]

20. Ammodytes. Caput compressum. Labium
superius duplicatum, dentes acerosi. Membr.
branch. rad.
7. Corpus teretiusculum, cauda
distincta.

1. †. Tobianus. der Sandfisch, Sandaal, To-
biasfisch, Sandspier
. (Engl. the sandlaunce).
A. maxilla inferiore longiore.

Bloch tab. 75. fig. 2.

Ebenfalls am nördlichen Europa. Wühlt sich in den
Küstensand, wo er in England und Holland in Menge
herausgestochen wird.

21. Ophidium. Caput nudiusculum. Dentes
maxillis, palato, faucibus. Membr. branch.
radiis
7 patula. Corpus ensiforme.

1. †. Imberbe. der Nugnoge, Fünffingerfisch.
O. maxillis imberbibus, cauda obtusiuscula.

British Zoology. App. tab. 93.

Häufig an Austerbänken, da er der gefährlichste Feind
der Austern seyn soll. Wird nicht selten in fest ge-
schloßnen Austerschalen gefunden*).

22. Stromateus. Caput compressum. Dentes
in maxillis, palato. Corpus ovatum, latum,
lubricum. Cauda bifida
.

1. Paru. S. unicolor.

Bloch tab. 160.

An America.

23. Xiphias. Caput maxilla superiore termina-
tum rostro ensiformi. Os edentulum. Membr.
branch. rad.
8; corpus teretiusculum, alepi-
dotum.

1. †. Gladius. der Schwertfisch, Hornfisch.
(Fr. l'épée de mer, l'empéreur, l'espadon. Engl.
[Seite 235] the sword-fish, whale-killer). X. mandibula in-
feriore acuta, triangulari
.

Bloch tab. 76.

In den nördlichen sowohl als südlichen Meeren. Wird
mit seinem Schwerte auf 18 Fuß lang, und hält dann
gegen 5 Centner an Gewicht. Hat ein sehr schmackhaf-
tes Fleisch und macht besonders für die calabrischen und
sicilianischen Fischer einen wichtigen Fang*).

24. Leptocephalus. Caput exile. Corpus
elongatum, tenuissime compressum. Pinnae
pectorales minutae
.

1. Morrisii.

Leach's zoolog. miscell. vol. III. tab. 126.

An den englischen Küsten, wie ein schmaler hell
durchscheinender Rieme**).


IV. IUGULARES.

[Seite 236]

Fische, deren Bauchfloßfedern vor den Brust-
flossen sitzen.

25. Callionymus. Caput labio superiore dupli-
cato; oculi approximati. Membr. branchio-
stega rad.
6; apertura nuchae foraminibus
respirante. Opercula clausa. Corpus nudum.
Pinnae ventrales remotissimae
.

1. Lyra. (Fr. le lacert. Engl. the piper). C.
dorsalis prioris radiis longitudine corporis
.

Bloch tab. 161.

Im atlantischen Ocean.

26. Uranoscopus. Caput depressum, scabrum,
maius. Os simum, maxilla superior brevior.
Membr. branch. radiis
5; anus in medio.

1. Scaber. der Sternseher. (Fr. le boeuf.
Engl. the-star gazer). U. cirris multis in
maxilla inferiore
.

Bloch tab. 163.

Vorzüglich häufig im mittelländischen Meere.

27. Trachinus. Caput scabriusculum, com-
pressum. Membr. branch. rad.
6; anus prope
pectus
.

1. †. Draco das Petermännchen. (Fr. la vive.
Engl. the wever, stingfish). Trachinus.

Bloch tab. 61.

Im mittelländischen Meere, in der Nordsee etc.

28. Gadus. Corpus laeve. Membr. branch.
rad.
7 teretibus; pinnae cute communi vesti-
tae, pectorales acuminatae
.

[Seite 237]

1. †. Aeglefinus. der Schellfisch. (Engl. the had-
dock
). G. tripterygius cirratus albicans, cauda
biloba, maxilla superiore longiore
.

Bloch tab. 62.

Im ganzen nördlichen europäischen Ocean, vorzüglich
aber an den englischen und schottischen Küsten – Viele
Fische phosphoresciren unter gewissen Umständen nach
dem Tode: bei diesem hier ist aber dieses Leuchten zu-
weilen von ganz auffallender Stärke und langanhalten-
der Dauer*).

2. †. Callarias. der Dorsch. G. tripterygius cir-
ratus varius, cauda integra, maxilla superiore
longiore
.

Bloch tab. 63.

Hat meist gleichen Aufenthalt mit dem vorigen.

3. †. Morrhua. der Kabeljau, Steinfisch.
Baccaljao. (Asellus. Fr. la morue. Engl. the cod-
fish
). G. tripterygius cirratus, cauda subaequali,
radio primo anali spinoso
.

Bloch tab. 64.

Es werden unter diesen gemeinschaftlichen Namen
mehrere verwandte Gattungen dieses Geschlechts begrif-
fen, die wegen der unsäglichen Menge und wegen der
mannichfaltigen Zubereitung (als Stockfisch, als La-
berdan, und als Klippfisch) und langen Conservation etc.
von der äußersten Wichtigkeit sind. Sie finden sich vor-
züglich in den nördlichen Gegenden, beides des stillen und
atlantischen Oceans, wo sie besonders um Labrador, Neu-
Fundland, auch um Island und an den Nordküsten von
Großbritannien den wichtigsten Fischfang ausmachen**).

4. †. Merlangus. der Witling, Gadde. (Fr.
le merlan. Engl. the whiting). G. tripterygius
imberbis albus, maxilla superiore longiore
.

Bloch tab. 65.

In den europäischen Meeren.

[Seite 238]

5. †. Lota. die Quappe, Drusche, Rutte, Aal-
raupe, Aalputte
. (Fr. la lote, Engl. the
burbot
). G. dipterygius cirratus, maxillis aequa-
libus
.

Bloch tab. 70.

Vorzüglich in den Schweizer-Seen. Einer der schmack-
haftesten deutschen Fische.

29. Blennius. Schleimfisch Caput declive,
tectum. Membr. branch. rad.
6; corpus lan-
ceolatum, pinna ani distincta
.

1. †. Viviparus. die Aalmutter. B. ore ten-
taculis duobus
.

Bloch tab. 72.

Im mittelländischen Meere, in der Nordsee etc. Ge-
biert lebendige Junge.


V. THORACICI.

[Seite 239]

Fische, deren Bauchfloßfedern gerade unter den
Brustflossen sitzen.

30. Cepola. Caput subrotundum compressum.
Os simum, dentes curvati, simplici ordine.
Membr. branch. radiis
6, corpus ensiforme,
nudum, abdomine vix capitis longitudine.

1. Taenia. der Bandfisch. (Fr. le ruban). C.
pinna caudae attenuata, capite obtusissimo.

Bloch tab. 170.

Im mittelländischen Meere.

31. Echeneis. Caput depressum, supra planum
marginatum, transverse sulcatum. Membr.
branch. rad
. 10.

1. Remora. der Saugefisch. (Fr. le sucet. Engl.
the sucking-fish). L. cauda bifurca, striis ca-
pitis
18.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 78.

In den mildern Weltmeeren. Das sonderbare Thier
kann sich mittelst des quergestreiften Hinterkopfs aufs
festeste an Schiffe, Hayfische etc. anhalten. Daher die
alte Fabel, daß ein einziger ein Schiff in vollem Lauf
zu hemmen vermöge.

32. Coryphaena. Caput truncato-declive.
Membr. branch. rad.
5; pinna dorsalis longi-
tudine dorsi.

1. Hippurus. der Goldkarpfe. (Fr. la dorade.
Engl. the dolphin). C. cauda bifida, radiis dor-
salibus
60.

Bloch tab. 174.

Im atlantischen Meere. Ein prachtvolles Thier, das
besonders im Sterben in wunderschöne Farben (aus dem
Gelben ins Blaue und Purpurrothe etc.) spielt.

[Seite 240]

33. Gobius. Caput poris 2 inter oculos approxi-
matos, altero anteriore. Membr. branch. rad.

4.; pinnae ventrales unitae in ovatam.

1. †. Niger. die Meergrundel. G. pinna dorsali
secunda radiis
14.

Bloch tab. 38. fig. 1. 2. 5.

Im atlantischen und indischen Ocean.

34. Cottus. Caput corpore latius, spinosum.
Membr. branch. rad
. 6.

1. †. Cataphractus. der Knurrhahn, Stein-
picker
. (Engl. the pogge). C. loricatus rostro
verrucis bifidis, capite subtus cirroso
.

Bloch tab. 38. fig. 3. 4.

An den nördlichen Küsten von Europa und America.

2. †. Gobio. der Kaulkopf, Rotzkolbe, Gropp,
Kruppe. (Fr. le chabot. Engl. the bull-head,
the miller's thumb
). C. laevis, capite spinis duabus.

Bloch tab. 38. fig. 1. 2.

Ein sehr gemeiner europäischer Flußfisch. Das Weib-
chen scharrt sein Leich in eine Höhle am Grund, und
bewacht es bis die Jungen ausgekrochen sind, aufs sorg-
fältigste.

35. Scorpaena. Caput magnum, aculeatum.
Oculi vicini. Dentes maxillis, palato, fauci-
bus. Membr. branch. radiis
7.

1. Horrida. S. tuberculis callosis adspersa.

Bloch tab. 183.

In Ostindien.

36. Zeus. Caput compressum, declive. Labium
superius membrana transversa fornicatum.
Lingua subulata. Membr. branch. radiis
7
perpendicularibus: infimo transverso. Corpus
compressum
.

[Seite 241]

1. Vomer. (Engl. the silvery dory). Z. cauda
bifurca, spina ante pinnam analem dorsalemque
recumbente
.

Bloch tab. 139.

2. Faber. (Engl. the doree, dory). Z. cauda ro-
tundata; lateribus mediis ocello fusco; pinnis
analibus duabus
.

Bloch tab. 41.

Beide im atlantischen Meer.

37. Pleuronectes. Butte, Scholle, Halb-
fisch
. (Fr. sole. Engl. flounder). Oculis
utrisque in eodem latere frontis. Membr.
branch. rad.
4–7; corpus compressum, latere
altero dorsum, altero abdomen referente
.

Die Schollen sind die einzigen Thiere die ihre bei-
den Augen auf einer Seite des Kopfs haben; manche
Gattungen nämlich auf der rechten, andere auf der
linken; sehr selten finden sich Mißgeburten unter
ihnen, die anomalisch auf der unrechten Seite ihre Au-
gen haben. Auch beide Nasenlöcher sitzen ebenfalls so
schief seitwärts. Sie schwimmen in einer schrägen Lage,
die Augenseite in die Höhe gerichtet.

1. †. Platessa. die Scholle, Plateis, Gold-
butte
. (passer. Fr. la plie. Engl. the plaise).
P. oculis dextris, corpore glabro, tuberculis 6
capitis.

Bloch tab. 42.

Nebst den folgenden besonders in den nördlichen
Meeren.

2. †. Flesus. der Flünder. (Engl. the floun-
der
). P. oculis dextris, linea laterali aspera,
spinulis ad pinnas
.

Bloch tab. 44.

3. †. Limanda. die Glahrke, Kliesche (Engl.
the dab). P. oculis dextris, squamis ciliatis,
spinulis ad radicem pinnarum dorsi anique, den-
tibus obtusis
.

Bloch tab. 46.

[Seite 242]

4. †. Hippoglossus. die Heiligbutte. (Fr. le
fletang
. Engl. the holibut.) P. oculis dextris,
corpore toto glabro
.

Bloch tab. 47.

Theils von vier Centnern an Gewicht; unter andern
in größter Menge im nördlichen stillen Ocean.

5. †. Maximus. die Steinbutte (Fr. und
Engl. turbot). P. oculis sinistris, corpore aspero.

Bloch tab. 49.

Doch weit kleiner als die vorige. Einer der schmack-
haftesten Fische.

38. Chaetodon. Dentes (plurimis) setacei,
flexiles confertissimi, numerosissimi. Membr.
branch. radiis
6; corpus pictum, pinna dorsi
anique carnosa squamosa
.

1. Rostratus. C. cauda integra, spinis pinnae dor-
salis
9, maculaque ocellari; rostro cylindrico.

Bloch tab. 202.

In Ostindien. Der Oberkiefer endigt sich in eine
Röhre, wodurch der Fisch die Insecten, die an aller-
hand Wasserpflanzen sitzen, bespritzt, daß sie herabfallen
und ihm zur Speise werden müssen.

2. Macrolepidotus. C. cauda integra, spinis dorsa-
libus
11, radio dorsali quarto filiformi longissimo.

Bloch tab. 200.

In Ostindien.

39. Sparus. Brachse. Dentes primores robusti,
molares obtusi, conferti. Labia simplicia.
Membr. branch. rad.
5; corpus compressum.
Pinnae pectorales acuminatae
.

1. Aurata. der Goldbrachsen. S. lunula aurea
inter oculos
.

Bloch tab. 266.

[Seite 243]

Im mittelländischen und atlantischen Meer. Hat fast
in allen Sprachen seinen Namen von dem goldfarbigen
halben Monde vor den Augen.

2. Sargus. der Greißbrachsen. S. ocello sub-
caudali, corpore fasciis nigris
.

Bloch tab. 264.

Im mittelländischen Meer. Die Männchen sollen zur
Begattungszeit sehr hitzig wie Säugethiere oder Vö-
gel um ihre Weibchen kämpfen.

3. Pagrus. der Seebrachsen. S. rubescens, cute
ad radicem pinnarum dorsi et ani in sinum pro-
ducta
.

Bloch tab. 267.

Einer der allgemeinst verbreiteten Seefische. Zuwei-
len giftig.

40. Labrus. Lippfisch. Dentes acuti, labia
duplicata magna. Membr. branch. rad.
6;
pinnae dorsalis radii postice ramento filiformi
aucti. Pectorales rotundatae
.

1. Iulis. der Meerjunker. L. lateribus caeru-
lescentibus, vitta longitudinali fulva utrimque
dentata
.

Bloch tab. 287.

Im mittelländischen Meer. Nur Fingers lang, von
ausnehmend schönen Farben. Wird den Badenden durch
seinen Biß lästig.

41. Sciaena. Caput totum squamis obtectum.
Membr. branch. rad.
6; opercula squamosa.
Corpus: fossula dorsi pro pinna dorsali recon-
denda
.

1. Nigra. S. tota nigra, ventre fusco-albescente.

Bloch tab. 297.

Wie viele andere Gattungen dieses Geschlechts im
rothen Meere.

[Seite 244]

42. Perca. Opercula spinosa, antrorsum ser-
rata. Membr. branch. rad
. 7; corpus pinnis
spinosis. Linea lateralis cum dorso arcuata
.

1. †. Fluviatilis. der Barsch. (Fr. la perche.
Engl. the perch). P. pinnis dorsalibus distinctis,
secunda radiis
16.

Bloch tab. 52.

In Europa und Nordasien.

2. †. Lucioperca. der Zander, Sandbarsch,
Schiel. P. pinnis dorsalibus distinctis, secunda
radiis
23.

Bloch tab. 51.

So wie der folgende im nördlichen Europa. Hier
diese Gattung vorzüglich schmackhaft, vor allen die im
Plattensee in Ungarn. Von ansehnlicher Größe in der
Donau.

3. †. Cernua. der Kaulbarsch. (Engl. the ruffe).
P. pinnis dorsalibus unitis radiis 27; spinis 15;
cauda bifida.

Bloch tab. 53. fig. 2.

43. Gasterosteus. Membr. branch. rad. 3; cor-
pus ad caudam utrimque carinatum. Pinnae
ventrales pone pectorales, sed supra sternum
.

1. †. Aculeatus. der Stichling. (spinarella. Engl.
the stickleback). G. spinis dorsalibus tribus.

Bloch tab. 53. fig. 3.

In Europa; wird fast bloß zum Mästen der Schweine,
zu Thran, und statt Dünger gebraucht.

2. Ductor. der Lootsmann. (Fr. le pilote.
Engl. the pilot-fish). G. spinis dorsalibus 4
membrana branchiostega 7-radiata.

Der berühmte kleine Fisch der sich immer als Beglei-
ter oder Vorläufer beim furchtbaren Requin (Squalus
carcharias) findet. Einige Uebertreibungen abgerechnet
[Seite 245] ist die Hauptsache neuerlich durch treffliche Beobachter
vollkommen bestätigt*).

44. Scomber. Caput compressum, laeve. Membr.
branch. rad.
7; corpus laeve, linea laterali
postice carinatum. Pinnae spuriae saepe ver-
sus caudam
.

1. †. Scomber. die Makrele. (Fr. le maque-
reau
. Engl. the mackrel). S. pinnulis 5.

Bloch tab. 54.

Im nordischen und atlantischen Meer etc. Wie der
folgende ein gefräßiger aber sehr schmackhafter Raubfisch.
Von beiden machten die Alten ein vorzügliches Garum.

2. Pelamys. die Bonite. S. pinnulis inferiori-
bus
7; abdomine lineis utrimque 4 nigris.

In allen wärmern Welt-Meeren. Auch dieses Thier
phosphorescirt nach dem Tode zuweilen sehr stark, und
kann dann so wie manche andere Fische und deren Thran etc.
zum Leuchten des Seewassers beitragen.

3. †. Thynnus. der Thunnfisch. (Fr le thon.
Engl. the tunny). S. pinnulis utrimque 8.

Bloch tab. 55.

In der Nordsee, dem mittelländischen Meer, Ost- und
Westindien etc. Wird über Manns lang, und dann
wohl gegen 5 Centner schwer. Ist zuweilen giftig**). –
Ihm ähnelt die zumal aus den Südsee-Reifen bekannte
Albicore.

45. Mullus. Caput compressum, declive, squa-
mis tectum. Membr. branch. rad.
3; corpus
squamis magnis facile deciduis
.

1. Barbatus. die Rothbarbe, Meerbarbe.
(trigla. Fr. le surmulet). M. cirris geminis, cor-
pore rubro
.

Bloch tab. 348. fig. 2.

[Seite 246]

Zumal im mittelländischen Meere. Ungefähr fußlang.
Berühmt wegen des Luxus, den weiland die römischen
Schwelger damit getrieben, so wie wegen des physiolo-
gisch merkwürdigen wundersamen Farbenspiels, das die-
ser Fisch (so wie der Goldkarpfe – S. 239 – u. ei-
nige andere) im Sterben zeigt*).

Der M. surmuletus (Bloch tab. 47.) scheint mir
nach genauer Vergleichung gar nicht specifisch von dieser
Gattung verschieden.

46. Trigla. Seehahn. Caput loricatum lineis
scabris. Membr. branch. rad.
7; digiti liberi
ad pinnas pectorales
.

1. Volitans. T. digitis vicenis membrana palmatis.

Bloch tab. 351.

Einer der fliegenden Fische in den mildern Welt-
Meeren.


VI. ABDOMINALES.

[Seite 247]

Die, deren Bauchflossen hinter den Brustfloß-
federn sitzen. Die mehresten Süßwasserfische sind
aus dieser Ordnung.

47. Cobitis. Oculi in suprema capitis parte
Membr. branch. rad
. 4–6; cauda versus pin-
nam minus angustata
.

1. Anableps. C. cirris 2; capite depresso, oculis
prominulis
.

Bloch tab. 361.

Bei Surinam. Gebiert lebendige Junge, und wird
besonders durch den ganz einzigen Bau seiner gleichsam
in zwey Abschnitte halbirten Hornhaut des Auges, und
übrige Einrichtung der Augäpfel, merkwürdig*).

2. †. Barbatula. der Schmerling, Grundel,
Bartgrundel. (Fr. la loche. Engl. the lo-
ach
). C. cirris 6, capite intermi compresso.

Bloch tab. 31. fig. 3.

In mehrern Spielarten, mit und ohne Bartfäden etc.
Die größten finden sich in der Aar in der Schweiz.

3. †. Fossilis. der Wetterfisch, Peizker,
Schlammpeizker, die Pipe, Steinpietsche,
Kurrpietsche. C. cirris 6, spina supra oculos.

Bloch tab. 31. fig. 1.

In Europa. Kann wie der Knurrhahn einen Laut
von sich geben. Wenn man ihn in Gläsern, mit Sand
am Boden, erhält, so wird er bei bevorstehender Wet-
terveränderung unruhig**).

[Seite 248]

48. Silurus. Caput nudum. Os cirris filiformi-
bus tentaculatum. Membr. branch. rad.
4–14;
radius pinnarum pectoralium aut dorsalis pri-
mus spinosus, retrodentatus
.

1. †. Glanis. der Wels, Schaidfisch. S. pinna
dorsali unica mutica, cirris
6.

Bloch tab. 34

In den mildern Strichen der alten Welt. Nebst dem
Hausen der größte Süßwasser-Fisch, der wohl 3 Cent-
ner am Gewicht hält, und wegen des unförmlich großen
und breiten Kopfes und der langen Bartfäden ein son-
derbares Ansehen hat.

2. Cataphractus. S. pinna dorsali postica unira-
diata, squamis ordine simplici, cirris
6, cauda
integra
.

Catesby vol. III tab. 19.

In Nordamerica.

3. Electricus. der Zitter-Wels, Raasch. (Fr. le
trembleur
). S. pinna dorsali unica lumbari, re-
mota absque radiis, cirris
6.

Broussonet in den Mém. de l'ac. des sc. de
Paris
. 1792. tab. 20.

Ebenfalls ein elektrischer Fisch (§. 110). Findet sich
im Nil und mehrern andern africanischen Flüssen. Wird
ungefähr 20 Zoll lang. Ist eßbar.

49. Loricaria. (Fr. cuirassier). Caput laeve
depressum. Os edentulum retractile. Membr.
branch. radiis
6; corpus cataphractum.

1. Plecostomus. L. pinnis dorsi duabus.

Bloch tab. 374.

In Südamerica.

50. Salmo. Caput laeve. Dentes in maxillis,
lingua. Membr. branch. rad
. 4–10; pinna
dorsalis postica adiposa: pinnae ventrales mul-
tiradiatae
.

[Seite 249]

1. †. Salar. der Lachs, Salm. (Fr. le saumon.
Engl. the salmon). S. rostro ultra inferiorem
maxillam prominente.

Bloch tab. 20. 98.

In den nordischen Meeren und Flüssen, theils wie
auf Labrador und im Amur-Lande in unsäglicher Menge.
Hält sich des Sommers in den Flüssen, im Winter
aber in der See auf. Wächst wohl unter den Fischen
am schnellsten. Nur die Männchen haben einen gebo-
genen Unterkiefer. Die Weiber der Orotchys-Tun-
gusen wissen die Lachshäute durch Gerben ausnehmend
geschmeidig zu machen, um sich damit zu kleiden.

2. †. Trutta. die Lachs-Forelle. (Fr. la truite
saumonée
. Engl. the sea trout). S. ocellis ni-
gris iridibus brunneis, pinna pectorali punctis
6.

Bloch tab. 21.

An den Küsten und in den Flüssen von Europa.
Wird 8 bis 10 Pfund schwer.

3. †. Fario. die Forelle. (Fr. la truite. Engl.
the trout). S. maculis rubris, maxilla inferiore
sublongiore
.

Bloch tab. 22. 23.

In schattigen Waldbächen des gebirgigen mildern
Europa und Asien. Wird selten über 2 Pfund schwer.
Variirt sehr an Farbe und Geschmack.

4. †. Alpinus. die Alpenforelle, der Roth-
fisch
. S. dorso nigro lateribus caeruleis, ventre
fulvo
.

Bloch tab. 104.

Im alpinischen und nördlichen Europa. Ein wichti-
ges Thier für die Schwedischen Lappen, deren beinahe
einzige Nahrung es zu Zeiten ausmacht; lebt großen-
theils von Mücken (culex pipiens).

5. †. Eperlanus. der große Stint, Alander.
(Engl. the smelt). S. capite diaphano, radiis
pinnae ani
17.

Bloch tab. 28. fig. 2.

Im nördlichen Europa. Fast durchscheinend. – Ihm
ähnelt der so genannte grönländische Häring, Angmar-
[Seite 250] set
(Salmo arcticus) den die Grönländer nächst ih-
rer Hauptnahrung, dem Seehundfleische, in größter
Menge gleichsam als Brot oder Kuchen verzehren.

6. †. Lavaretus. der Gangfisch, Schnepel,
Weißfisch. S. maxilla superiore longiore, radiis
pinnae dorsi
14.

Bloch tab. 25.

In der Nord- und Ostsee; auch in der Hudsons-
bay. – Dahin gehören vermuthlich auch die Felchen,
und der Aalbock im Thuner-See, der mit der Ferra
des Genfer-Sees einerlei zu seyn scheint.

7. †. Thymallus. die Aesche. (Fr. l'ombre). S.
maxilla superiore longiore, pinna dorsi radiis
23.

Bloch tab. 24.

Im mittlern Europa und Sibirien.

51. Fistularia. Caput: rostrum cylindricum,
apice maxillosum. Membr. branch. radiis
7;
corpus....

1. Tabacaria. F. cauda bifida setifera.

Bloch tab. 387.

Das so gar sonderbar gebildete Thier mit winzig-
kleinem Maule an einer mächtig langen Schnauze fin-
det sich an den östlichen Küsten vom wärmern America
und an Neuholland.

52. Esox. Caput supra planiusculum: mandi-
bula superiore plana breviore, inferiore
punctata: dentes in maxillis, lingua. Membr.
branch. rad.
7–12.

1. †. Lucius. der Hecht. (Fr. le brochet. Engl.
the pike). E. rostro depresso subaequali.

Bloch tab. 32.

In vielen Flüssen und Seen von Europa, Asien,
und Nordamerica. Einer der gefräßigsten Raubfische,
der nicht nur andere Fische, sondern auch allerhand Am-
phibien, Kröten etc. viele Wasservögel und kleine Säu-
gethiere, auch zuweilen gar Krebse verschlingt.

[Seite 251]

2. †. Belone. der Hornfisch. (Fr. l'orphie.
Engl. the garpike). E. rostro utraque maxilla
subulato
.

Bloch tab. 33.

In den europäischen Meeren, theils in unsäglicher
Menge. Hat grünliche Gräten, die durchs Sieden
grasgrün werden.

53. Polypterus. Membr. branch. radio unico.
Spiracula utrinque bina in vertice. Pinnae
dorsales numerosae
.

1. Bichir.

Geoffroy-Saint-Hilaire Mémoires d'hi-
stoire naturelle
tab. 5.

Im Nil. Ungefähr zwey Spannen lang, von meer-
grüner Farbe, wie mit knöchernen Schuppen gepanzert.
Seine zahlreichen Rückenflossen (16 und darüber); und
die gleichsam wie an Beinen ansitzenden Brust- und
Bauchflossen, so wie noch mehrere auffallende Eigenhei-
ten zeichnen dieses sonderbare Thier zu einem eigenen
Geschlechte aus.

54. Elops. Caput laeve. Dentium scabrities
in maxillarum margine, palato. Membr.
branch. radiis
30; praeterea exterius in me-
dio armata dentibus
5.

1. Saurus. E. cauda supra infraque armata.

Bloch tab. 393.

Auf Jamaica.

55. Argentina. Dentes in maxillis, lingua.
Membr. branch. radiis
8. Corpus ano cau-
dae vicino. Pinnae ventrales multiradiatae
.

1. Carolina. A. pinna anali radiis 15.

Catesby vol. II. tab. 24.

Hat den Namen von seinem Vaterlande.

[Seite 252]

56. Atherina. Caput maxilla superiore pla-
niuscula. Membr. branch. radiis
6. Corpus
fascia laterali argentea
.

1. Hepsetus. A. pinna ani radiis fere 12.

Bloch tab. 393. fig. 3.

Im mittelländischen Meere.

57. Mugil. Caput: Labia membranacea; infe-
rius introrsum carinatum. Dentes nulli. Den-
ticulus inflexus supra sinus oris. Membr.
branch. rad.
7. curvis. Opercula laevia ro-
tundata. Corpus albicans
.

1. Cephalus. M. pinna dorsali anteriore quinque-
radiata
.

Bloch tab. 394.

Im mittelländischen u.a. Meeren.

58. Exocoetus. Caput squamosum, maxillis
utroque latere connexis. Membr. branch. ra-
diis
10. Corpus albicans, abdomen angula-
tum, pinnae pectorales maxime volatiles, ra-
diis antice carinatis
.

1. Volitans. der fliegende Häring. E. abdo-
mine utrinque carinato
.

Der gemeinste aller fliegenden Fische. Ist zahnlos.
Findet sich meist in allen wärmern Weltmeeren; theils
in großen Scharen.

Die seltenste Gattung dieses Geschlechts, der Exocoe-
tus
mesogaster (– Abbild. n. h. Gegenst. tab.
100. –) die zumal im Westen des atlantischen Oceans
zu Hause ist, zeichnet sich außer den gezähnelten Kiefern,
auch durch die Stellung der Bauchflossen an der Mitte
des Unterleibes, und dadurch aus, daß die mittlern
Strahlen in denselben die längsten sind.

59. Polynemus. Caput compressum, undique
squamosum: rostro obtusissimo prominente.
[Seite 253] Membr. branch. rad.
5. vel. 7. Corpus digi-
tis liberis ad pinnas pectorales
.

1. Quinquarius P. digitis quinque corpore lon-
gioribus
.

Seba vol. III. tab. 27. fig. 2.

In Westindien.

60. Clupea. Caput maxillarum superiorum my-
stacibus serratis. Membr. branch. rad.
8. Bran-
chiae interne setaceae. Abdominis carina ser-
rata. Pinnae ventrales saepe novemradiatae
.

1. Harengus. der Häring, Strömling. (mem-
bras
? Fr. l'hareng. Engl. the herring). C.
immaculata, maxilla inferiore longiore
.

Bloch tab. 29.

Einer der wichtigsten Fische für die nördliche Erde,
der zwar von Menschen und sehr vielen Thieren (zu-
mal vom Nordkaper, von manchen Möven-Gattun-
gen etc.) verfolgt wird, sich aber auch dagegen zum be-
wundern stark vermehrt. Besonders sind nun seit dem
zwölften Jahrhundert bei Gelegenheit ihrer großen äußerst
bestimmten, regelmäßigen Sommer-Reisen (– s. oben
§. 109. –) nach den europäischen Küsten, zumal nach
den Orcaden, nach Norwegen etc. tausende von Euro-
päern mit ihrem Fang beschäftig.

2. †. Sprattus. die Sprotte, der Breitling.
(Fr. la sardine. Engl. the sprat). C. pinna
dorsali radiis
13.

Bloch tab. 29. fig. 2.

Ebenfalls in den nördlichen Meeren, aber auch im
mittelländischen. Ist von manchen Naturforschern irrig
für den jungen Häring gehalten worden.

3. †. Alosa. die Alse, der Mutterhäring,
Maifisch. (Fr. l'alose. Engl. the shad). C.
lateribus nigro maculatis, rostro nigro
.

Bloch tab. 30. fig. 1.

[Seite 254]

Vorzüglich häufig im mittelländischen Meere; aber
auch in der Nord- und Ostsee etc.

4. †. Encrasicolus. die Sardelle, der Anscho-
vis
. (Fr. l'anchois). C. maxilla superiore lon-
giore
.

Bloch tab. 30. fig. 2.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem vorigen. Wird
vorzüglich häufig an Gorgona im Golfo di Livorno ge-
fangen.

61. Cyprinus. Caput ore edentulo. Os nasale
bisulcum. Membr. branch. rad.
3. Corpus
laeve albens. Pinnae ventrales saepe novem-
radiatae
.

1. †. Barbus. die Flußbarbe. C. pinna ani ra-
diis
7, cirris 7, pinnae dorsi radio secundo
utrinque serrato
.

Bloch tab. 18.

Im mildern Europa und westlichen Asien. Ihr Ro-
gen ist giftig, so daß sein Genuß schon oft sehr gefahr-
volle Zufälle erregt hat*).

2. †. Carpio. der Karpfe. (Fr. la carpe. Engl.
the carp). C. pinna ani radiis 9, cirris 4, pin-
nae dorsalis radio secundo postice serrato
.

Bloch tab. 16.

Jetzt nun meist in ganz Europa. Ins nördlichere seit
300 J. allgemach durch die Kunst verpflanzt. Soll mit
verwandten Gattungen, zumal mit der Karausche, Ba-
starden geben. Auch finden sich unter den Karpfen häu-
figer Mißgeburten als unter irgend einer andern bekann-
ten Fischgattung. – Die Spiegelkarpfen**), die
sich besonders durch die beständig von Schuppen ent-
blößten Theile des Körpers auszeichnen, scheinen doch
keine bloße Spielart, sondern eine besondere Gattung
dieses Geschlechts zu seyn.

[Seite 255]

3. †. Tinca. die Schleihe. (Fr. la tanche. Engl.
the tench). C. pinna ani radiis 25, cauda in-
tegra, corpore mucoso cirris
2.

Bloch tab. 19.

Einer der weitstverbreiteten Flußfische. Kann mit den
Kiemendeckeln einen Laut von sich geben. Die Gold-
schleihe
*) ist einer der schönsten deutschen Fische.

4. †. Carassius. die Karausche. (Fr. le carassin.
Engl. the crucian). C. pinna ani radiis 10,
cauda integra, linea laterali recta.

Bloch tab. 11.

In Europa und Mittel-Asien.

5. Auratus. das schinesische Goldfischchen, der
Goldkarpfe, Kin-ju. (Fr. la dorée. Engl.
the goldfish). C. pinna ani gemina, caudae tri-
fida transversa bifurca
.

Baster in Haarlem. Verhandel. VII. D. 1. St.
mit illum. Fig.

In Japan und Schina, wo sie gleichsam als Haus-
thiere gehalten werden, und in mancherlei wunderbare,
theils fast monströse Varietäten, der vortrefflichen Far-
ben, Zahl und Bildung der Flossen, Größe der Au-
gen etc. ausgeartet sind. Sie kommen auch im mildern
Europa recht gut fort. Können sogar Jahr und Tag im
bloßen Wasser ohne alle weitere Nahrung leben, und ge-
ben dabei doch von Zeit zu Zeit Unrath von sich.

6. †. Phoxinus. die Elritze. (Fr. le vairon.
Engl. the minow). C. pinna ani radiis 8, ma-
cula fusca ad caudam, corpore pellucido
.

Bloch tab. 8. fig. 5.

Häufig in der Weser.

7. †. Orfus. der Orf, Urf, Würfling, Elft.
C. pinna ani radiis 13.

Bloch tab. 96.

Zumal im südlichen Deutschland. Schön orange-
farben.

[Seite 256]

8. †. Alburnus. der Ukley, Lauge, Weißfisch,
Schneiderfischchen. (Fr. l'able, ablette. Engl.
the bleak). C. pinna ani rad. 20.

Bloch. tab. 8. fig. 4.

So wie der folgende im mittlern Europa und west-
lichen Asien. Meist nur fingerslang. Seine Schuppen
werden zur Verfertigung der Glasperlen gebraucht*).

9. †. Brama. der Bley, Brachsen. (Fr. la
brème
). C. pinna ani rad. 27, pinnis fuscis.

Bloch tab. 13.


Achter Abschnitt.
Von den Insecten.

[Seite 257]

§. 121.

Die Thiere der beiden letzten Classen (§. 40.),
die Insecten und Gewürme, unterscheiden sich schon
dadurch von den vorhergehenden, daß sie kein rothes
Blut, sondern statt dessen einen weißlichen Saft in
ihrem Körper führen: weßhalb sie (§. 23) auch von
den Alten blutlose Thiere (animalia exsanguia)
genannt wurden. So wie man sie neuerlich darum,
weil sie keine Rückenwirbel – so wie überhaupt kein
Gerippe – haben, auch wirbellose Thiere (Fr.
animaux invertébrés) genannt hat.

§. 122.

Die Insecten haben ihren Namen daher, daß,
wenigstens im Zustande ihrer vollkommenen Ausbil-
dung, Kopf, Brust und Hinterleib, wie durch Ein-
schnitte
von einander abgesondert sind, ja bei vie-
len fast nur wie durch einen Faden unter einander
verbunden werden. Außerdem zeichnen sie sich aber
auch (bis auf wenige Ausnahmen unter den Ge-
schlechtern der ungeflügelten Ordnung) durch beson-
dere theils sehr empfindliche Organe aus, die sie in
ihrem vollkommnen Zustande am Kopfe tragen (An-
tennae
, Fühlhörner), und die alle Mal an der
Wurzel eingelenkt, meist aber auch noch außerdem
gegliedert sind; und endlich durch die hornartigen,
eingelenkten Füße, und deren größere Anzahl,
da die völlig ausgebildeten Insecten zum allermin-
[Seite 258] desten ihrer sechs, manche aber wohl auf anderthalb
hundert etc. haben.

§. 123.

Außer den angegebenen Merkzeichen, haben die
Insecten in ihrem Aeußern wenig, was ihnen allen
gemein wäre. Die ganz unermeßliche Anzahl der
Gattungen, ihre so unendlich verschiedenen Bestim-
mungen, und dahin abzweckende eben so verschiedene
Lebensart, Bedürfnisse etc. erfordern eine äußerst viel-
artige Bildung, in welcher sie, so wie in der un-
gleichen Größe ihres Körpers, ausnehmend von ein-
ander abweichen.

§. 124.

Selbst die äußere Bedeckung ihres Körpers
ist mannigfaltiger als bei den übrigen Thieren.
Sehr viele sind wie mit einem hornartigen Panzer
überzogen, der aus mehrern Stücken besteht, die sich
wie die Schienen eines Blechhandschuhes über ein-
ander schieben lassen; und wodurch diese Thiere vor
mancherlei Unfällen gesichert, und für den Mangel
der Knochen, die bei andern Thieren zur Anlage
der Muskeln etc. dienen, entschädigt werden. Manche
sind mit seinen Haaren besetzt, und bei den Schmet-
terlingen etc. die Flügel mit so genannten Federchen,
oder vielmehr Schuppen bedeckt, die zum Theil
von den schönsten Farben sind: so wie sich überhaupt
unter den Insecten Thiere von unbeschreiblicher
Schönheit finden.

§. 125.

Auch in der Einrichtung der Sinnwerk-
zeuge
*), und also vermuthlich auch in der Art
[Seite 259] der Empfindung, weichen die Insecten gar sehr
von den übrigen Thieren ab, so daß ihnen sogar
manche Naturforscher verschiedene von unsern fünf,
äußern Sinnen, zumal das Gehör und den Geruch,
ohne Grund haben absprechen wollen; da man doch
jenes bei vielen, die einander zur Paarungszeit durch
einen besondern Laut locken, und diesen bei noch weit
mehreren, die ihren versteckten Fraß auswittern, un-
verkennbar wahrnimmt.

§. 126.

Die Augen der Insecten sind vorzüglich merk-
würdig, und zwar in Rücksicht ihres Baues von
zweyfacher Art. Die einen sind große Halbkugeln,
die aber meist aus tausenden von Facetten, bei eini-
gen auch aus zahlreichen kegelförmigen Spitzen, be-
stehen, die auf der innern Seite mit einem theils
buntfarbigen oder glänzenden Anstrich überzogen sind.
Die mehresten geflügelten Insecten, aber auch manche
ungeflügelte, wie der Flußkrebs, Hummer etc. haben
dergleichen. Die Augen der andern Art (stemmata,
ocelli
) sind einfach, klein, und so wohl in Rücksicht
ihrer Anzahl als Lage verschieden. Die erstern schei-
nen mehr für die Ferne, so wie die letztern für die
Nähe bestimmt zu seyn, wenigstens reimt sich dieß
damit, daß die Schmetterlinge in ihrem geflügelten,
vollkommenen Zustande solche große componirte tele-
scopische Augen kriegen, da sie vorher als Raupen
nur myopische kleine Augen hatten. Nur wenige
Insecten, wie z.B. die Krebse, können ihre Augen
bewegen.

§. 127.

Die Fühlhörner*) [Seite 259] die bei den verschiede-
nen Gattungen, und bei manchen selbst nach der
[Seite 260] Sexualdifferenz derselben, sehr vielartig gestaltet sind,
und die manche Naturforscher für Organe des Ge-
ruchs oder des Geschmacks etc. angesehen haben, schei-
nen doch nichts weiter zu seyn, als was ihr Name
andeutet, – Werkzeuge des Tastens, Sonden,
Tangenten, die ihnen bei ihrer harten, unempfind-
lichen, äußern Decke, und den mehrsten auch bei
der Unbeweglichkeit ihrer Augen doppelt wichtig
werden. Die Insecten scheinen das feinste Gefühl
in ihren Antennen, wie wir in den Fingerspitzen, zu
haben; und da sie großentheils im Dunklen leben,
dadurch, so wie Blinde, den Mangel des Lichts
durch feines Gefühl zu ersetzen. – Hingegen ist der
allgemeine Hauptzweck der so genannten Freß-
spitzen
(palpi), die meist neben den Freßwerkzeu-
gen der Insecten sitzen, und nur wenigen gänzlich
zu fehlen scheinen, und die auch von manchen für
Sinnwerkzeuge dieser Thiere gehalten worden, noch
sehr räthselhaft.

§. 128.

Im innern Körperbau**) weichen die In-
secten gar sehr von den rothblütigen Thieren ab.

Was man z. E. bei den Raupen für ihr Herz
angesehen hat, das ist ein langer Canal von un-
gleicher Weite der längs des Rückens liegt, aus
welchem aber nicht eine einzige Ader entspringt, so
daß folglich auch die Ernährung bei diesen Insecten
[Seite 261] auf eine eigene, von der Nutrition der rothblütigen
Thiere ganz verschiedene Art vor sich gehen muß.

Hingegen sind sie mit unzähligen Luftröhren
vom erstaunenswürdigsten, feinsten Bau, und mit
äußerst zahlreichen Muskeln, die aber auch so
wohl in der Bildung als in der Farbe von den
Muskeln der rothblütigen Thiere abweichen, versehen.

§. 129.

Ungeachtet die Insecten eben so wohl als die
rothblütigen Thiere, des Umsatzes von Kohlenstoff
gegen Sauerstoff (§. 24.) zur Erhaltung ihres Lebens
bedürfen; so bemerkt man doch nur bei wenigen (wie
z.B. bei den Krebsen, Heuschrecken und manchen
Cicaden und Käfern etc.) eine dem Athemholen ähn-
liche Bewegung. Ueberhaupt aber schöpft kein In-
sect seine Luft durch den Mund, sondern durch man-
cherlei andere spiracula*). Auch können die mei-
sten weit länger als jene rothblütigen Thiere im so
genannten luftleeren Raume aushalten; und viele le-
ben in der den so eben genannten Thieren so schäd-
lichen mephitischen Luft, worin animalische und vege-
tabilische Stoffe faulen (– dem gekohlten Wasser-
stoffgas etc. –) gleichsam als in ihrem Elemente.

§. 130.

Ueberhaupt ist der Aufenthalt der Insecten
auf und unter der Erde**) weit unbeschränkter, als
[Seite 262] der von irgend einer andern Thierclasse. Es sind
fast auf allen warmblütigen Thieren welche anzu-
treffen, und sogar größere Insecten, wie z.B. Kä-
fer, Bienen etc. haben selbst wieder ihre besonderen
Milben und Läuse. Auch sind wohl nur wenige Ge-
wächse (etwa der Taxus, der Sevenbaum, und die
mehrsten Laubmoose etc.) die gar keinen bekannten In-
secten zur Wohnung und Aufenthalt dienen. Da
hingegen manche, wie z.B. die Eiche, von mehr
als einem hundert verschiedener Gattungen von In-
secten bewohnt und besucht werden. – So allgemein
aber die Insecten, im Ganzen genommen, über die
ganze Erde verbreitet sind, so streng ist doch dage-
gen vielen einzelnen Gattungen ihr ganz besonderer,
eingeschränkter Aufenthalt auf bestimmten Thieren
oder Pflanzen, und deren einzelnen Theilen angewiesen.

§. 131.

Nur wenige Insecten leben in gesellschaft-
licher Verbindung
, und leisten sich in ihren
Geschäften wechselseitige Hülse. Die allermeisten ge-
hen einzeln und isolirt ihren Verrichtungen nach und
manche, die wie die Spinnen in zahlreicher Gesell-
schaft jung worden sind, zerstreuen sich bald nachher,
und leben einsiedlerisch, so daß viele außer der Be-
gattungszeit kein anderes Geschöpf ihrer Art wieder
zu sehen kriegen.

§. 132.

Der überaus merkwürdigen Gebäude, Wohnun-
gen
etc. die sich so viele Insecten zu verfertigen wis-
sen, ist schon oben bei Anlaß der Kunsttriebe (§. 36.)
Erwähnung geschehen. Es sind wenige Thiere dieser
Classe, die nicht wenigstens Ein Mal, in einer ge-
wissen Periode ihres Lebens Proben dieser natürlichen
Kunstfähigkeit ablegen sollten, indem sie entweder
[Seite 263] wie die Kleidermotten und Frühlingsfliegen in ihrer
unvollendeten Gestalt als Larven sich ein Gehäuse
zum Aufenthalte und zum Schutze verfertigen; oder
sich um die Verwandlung und den langen Todes-
schlaf zu bestehen, ein Lager bereiten, sich einspin-
nen etc., oder die sich wie die Ameisenlöwen Fall-
gruben graben, und wie die Spinnen Netze für ihren
Raub weben: oder die, wie manche Wasserkäfer
und Spinnen, zur Sicherheit für ihre Nachkommen-
schaft, Säcke oder Nester zubereiten, denen sie ihre
Eier anvertrauen können. Manche von denen, die
in gesellschaftlicher Verbindung leben, bauen sich mit
vereinten Kräften, und nach den Gesetzen einer
äußerst regelmäßigen, ihnen angebornen Meßkunst,
gemeinschaftliche Wohnungen u.s.w.

§. 133.

Bei der Ernährungsart der Insecten sieht
man offenbar, daß dieselbe nicht, wie bei den aller-
mehrsten rothblütigen Thieren, bloß auf ihre Selbst-
erhaltung, sondern hauptsächlich darauf abzweckt,
daß sie organisirte Materie consumiren sollen.
Sie müssen essen, nicht bloß um satt zu werden,
sondern um zugleich Aas zu verzehren, um selbst
wieder andere lebendige Insecten aufzureiben etc.,
um Unkraut zu vertilgen etc. – eine große Bestim-
mung, zu deren Erfüllung außer der fast zahllosen
Menge der Gattung überhaupt, sehr vielen von
diesen speciebus, theils ihre äußerst starke Ver-
mehrung, theils ihre beispiellos heftige Freßgierde
und schnelle Verdauung bei einem sehr kurzen Darm-
canal zu Statten kommt. Man weiß z.B., daß
eine Raupe in 24 Stunden das Triplum ihres eige-
nen Gewichts verzehren kann. – Auch sind die
Freßwerkzeuge der Insecten vielartiger als in
irgend einer andern Thierclasse: da manche mit seit-
[Seite 264] wärts beweglichen gezähnelten Kinnladen und Freß-
zangen (maxillae); andere wie einem zugespitzten,
hornartigen Bohrrüssel (rostrum); andere mit einem
fleischigen Schlurfrüssel mit breiter Mündung (pro-
boscis
); manche mit einer spiralförmig aufgerollten
(so genannten) Zunge etc. versehen sind.

§. 134.

Vor den Nachstellungen ihrer Feinde
sind einige Insecten, wie z.B. die Spannraupen
durch ihre täuschende Gestalt; andere dadurch daß sie
einerlei Farbe mit den Gewächsen haben, worauf sie
leben*), folglich weniger darauf abstechen, und
nicht so leicht bemerkt werden können; andere auch
wohl durch den heftigen Geruch, den sie im Nothfall
verbreiten können; andere durch die Macht des ge-
sellschaftlichen Lebens; noch andere durch ihre be-
wundernswürdige Stärke etc. gesichert. Und manche
sind gar mit Waffen, z.B. mit Hörnern wie
Kneipzangen, oder mit Stachel und Gift versehen.

§. 135.

Auch bei der Fortpflanzung der Insecten
zeigen sich ungemein viele eigene Sonderbarkeiten.
So z.B., daß oft in einer und eben derselben Gat-
tung die beiden Geschlechter einander so äußerst un-
ähnlich gebildet sind, daß man sie eher für ganz ver-
schiedene Thierarten, als für zusammen gehörige Gat-
ten halten sollte: oder daß unter den Bienen und
andern ihnen verwandten Insecten immer die größte
Anzahl gänzlich geschlechtslos ist; das heißt, daß
sie gezeugt und geboren werden, ohne doch nach
dem ordentlichen Laufe selbst die Bestimmung zur
Empfängniß oder zur Zeugung zu haben.

§. 136.

[Seite 265]

Ferner hat die Begattung bei verschiedenen
Insecten sehr viel Eigenes. Bei nicht wenigen
Gattungen wird sie z.B. im Fluge vollzogen, und
manche derselben sind bloß für diese kurze Paarungs-
zeit geflügelt. – Ueberhaupt aber leben die mehresten
in sofern in einer gezwungenen Monogamie, daß
sie schlechterdings nicht mehr als ein einziges Mal
in ihrem Leben sich paaren können: der Tod ist bei
ihnen eine so unausbleibliche Folge der ersten Be-
gattung, daß man sogar ihr Leben durch verzögerte
Paarung verlängern kann.

§. 137.

Zu andern Sonderbarkeiten beim Fortpflanzungs-
geschäfte der Insecten gehört auch, daß bei vielen,
wie z.B. beim Cochenille-Wurm, beim Sandfloh etc.
das trächtige Weibchen zu einer ungeheuren Größe
anwächst: so daß man z.B. rechnet, daß bei der
weißen Ameise der Hinterleib der zum Gebähren rei-
fen Mutter auf 2000 Mal dicker und größer ist als
er vor der Befruchtung war.

§. 138.

Die mehresten Insecten legen Eier, die von
den Müttern nach einem bewundernswürdigen In-
stinct immer aufs genaueste an die bestimmten, der
künftigen jungen Brut angemessensten Orte gebracht
werden. Manche legen z.B. ihre Eier bloß in den
Körper lebendiger Insecten anderer Art, in Raupen;
oder in Puppen; oder gar in anderer Insecten ihre
Eier; denn wirklich kriecht zuweilen aus den Eiern
der Ringelraupe statt der jungen Raupe eine eigene
Art kleiner Mückchen aus.

Auch sind die Insecten-Eier zum Theil, zumal
bei den Schmetterlingen, von einer überaus man-
[Seite 266] nigfaltigen sonderbaren Bildung und Zeichnung, und
wenn sie von der Mutter an die freie Luft gelegt
werden, mit einer Art Firniß überzogen, damit sie
weder vom Regen abgespült, noch durch andern Zu-
fall leicht zerstört werden können. Einige wenige
Insecten gebären lebendige Junge, und manche,
wie die Blattläuse, pflanzen sich auf beiderlei
Weise fort.

§. 139.

Ein äußerst merkwürdiges Phänomen, das fast
bloß dieser Thierclasse eigen, wenigstens in den an-
dern (§. 72. Anm. 94. 116.), bei weiten nicht so
auffallend wird, ist ihre Metamorphose. Es
kommt nämlich kein einziges geflügeltes Insect un-
mittelbar aus dem Ei, sondern diese alle müssen
sich (– so wie auch einige ungeflügelte –) erst in
gewissen Lebensepochen einer Art von Verwandlung
unterziehen. Dabei wird nicht nur ihre äußere Ge-
staltung, sondern zugleich ihr innerer Körperbau (ge-
gen die gemeine Meinung) auf eine Weise umge-
bildet*), die sich schwerlich mit der vorgeblichen
Präexistenz präformirter Keime (§. 7.) zusam-
men reimen läßt**).

§. 140.

[Seite 267]

In der Gestalt, wie diese Insecten, die sich einer
Metamorphose unterziehen, zuerst aus dem Ei krie-
chen, heißen sie Larven. Meist kommen sie äußerst
klein aus Licht, so daß z.B. eine erwachsene Wei-
denraupe 72,000 Mal schwerer wiegt als da sie
eben ans dem Ei gekrochen war. Dagegen wachsen
sie aber auch desto schneller, so daß z.B. die Maden
der blauen Schmeißfliege 24 Stunden nach dem Aus-
kriechen schon 155 Mahl schwerer wiegen als da sie
aus dem Ei kamen.

Theils haben diese Larven Füße, wie die Rau-
pen und Engerlinge: theils aber keine, wie die Ma-
den. Flügel haben sie gar noch nicht. Auch sind
sie in diesem Zustande zur Fortpflanzung noch gänz-
lich unfähig: sie ernähren sich bloß, und wachsen,
und häuten sich mit unter einige Mal.

§. 141.

In der Gestalt, worein die Larve umgebildet
wird, heißt sie Nymphe. Manche können sich
während dieses Zustandes herum bewegen, auch Nah-
rungsmittel zu sich nehmen. Andere hingegen ver-
schließen sich als Puppe (chrysalis, aurelia), und
bringen diesen Theil ihres Lebens in einem betäuben-
den Todesschlaf, ohne Nahrungsmittel, und ohne
sich von der Stelle zu bewegen, zu.

§. 142.

Allein während der Zeit, da das Geschöpf so
ganz fühllos und erstarrt in seiner Hülse vergraben
scheint, geht mit ihm selbst die große Palingenesie
vor, daß es aus seinem Larvenstand zum vollkom-
menen Insect
(insectum declaratum, imago)
umgebildet wird, und zu bestimmter Zeit aus seinem
[Seite 268] Kerker hervorbrechen kann. Manche Insecten absol-
viren diese letzte Rolle ihres Lebens in einer sehr
kurzen Zeit. Verschiedene bringen, wenn sie aus
ihrer Hülse kriechen, nicht ein Mal einen Mund
mit zur Welt, sie fressen nicht mehr, sie wachsen
nicht weiter; jene beiden Bestimmungen eines orga-
nisirten Körpers hatten sie schon als Larven erfüllt;
jetzt ist ihnen nur noch die dritte übrig: sie sollen
ihr Geschlecht fortpflanzen, und dann der Nachkom-
menschaft Platz machen, und sterben.

§. 143.

Die unmittelbare Brauchbarkeit*) der In-
secten für den Menschen ist ziemlich einfach: dagegen
aber ist der Antheil, den diese kleinen wenig bemerk-
ten Thiere an der großen Haushaltung der Natur
haben, desto mannichfaltiger und ganz unermeßlich.
Sie sind es, die unzählige Arten von Unkraut theils
im Keim ersticken, theils, wenn es auch aufgewachsen
ist, vertilgen, und seinem fernern Wuchern vor-
beugen. Einen andern ebenfalls äußerst wichtigen
Nutzen leisten so viele Insecten, die sich von Aas
nähren, im Miste leben u.s.w. und die dadurch,
daß sie diese widrigen animalischen Substanzen auf-
zehren, zerstreuen und durchwirken, von der einen
Seite der Infection der Luft vorbeugen, und
von der andern die allgemeine Düngung des Erd-
reichs befördern. Aus jener Rücksicht werden z.B.
die Schmeißfliegen in den heißen Erdstrichen so wohl-
thätig. Anderseits befördern auch unzählige Insecten
die Befruchtung der Gewächse, auf überaus merkwür-
dige Weise**), und eine Gattung von Gallwespen
[Seite 269] benutzt man zur Zeitigung der Feigen. Verschie-
denartige Insecten werden von den Fischern zu
Angelköder gebraucht. Manche Thiere dieser
Classe, wie die Krebse, und einige Gattungen von
Heuschrecken etc. sind eßbar. So der Honig der
Bienen, aus welchen auch in manchen Gegenden von
Europa so wie im Innern von Africa der Meth
gewonnen wird. Die Seide nutzt zur Kleidung
und mancherlei anderm Gebrauch. Verschiedene In-
secten geben treffliche Farben, wie die Cochenille
den Scharlach etc. Die Galläpfel werden zur Tinte,
und Wachs zu Kerzen und vielerlei andern Ge-
brauch benutzt. So das Lack, ein Product gewisser
ostindischer Schildläuse, das zu Firniß, zum Sie-
gellack u.s.w. verbraucht wird. Für die Arznei
sind vorzüglich die spanischen Fliegen, die Kelleresel
und die Ameisen von Belange, und neuerlich sind
auch die so genannten Maiwürmer, vom neuen als
Hülfsmittel gegen die Wasserscheue, so wie manche
andere Käfer gegen Zahnweh, gepriesen worden.

§. 144.

So unermeßlich der Nutzen der Insecten ist,
so ist aber auch anderseits der Schade*) sehr
erheblich, den viele Gattungen derselben anrichten.
Viele sind den Feldfrüchten überhaupt gefährlich,
verursachen Mißwachs, und verheeren, wie die
Zug-Heuschrecken, junge Saat, und alles, wo sie
auffallen. Manche sind besonders dem Getreide
nachtheilig; andere, wie so viele Raupen, Erdflöhe,
Engerlinge etc. den Gartengewächsen; andere
Raupen und Käferlarven etc. den Obstbäumen; die
Schildläuse besonders der Orangerie; die Larven
einiger Dermestes-Gattungen und die Holzraupen
[Seite 270] den Holzungen; die Ameisen, Grasraupen etc. den
Wiesen; die Brot-Schaben den Victualien; die
weißen Ameisen etc. dem Hausgeräthe etc.; die
Kleidermotten der Wolle, dem Pelzwerk u.s.w.
Die Larven vieler kleiner Käferchen den Büchern und
Naturaliensammlungen. Endlich werden auch
einige Arten von so genanntem Ungeziefer dem
Menschen selbst, so wie den Pferden, Schafen, Hüh-
nern und andern Hausthieren, ja sogar verschiedenen
nutzbaren Insecten, den Bienen, Seidenwürmern etc.
auf unmittelbare Weise lästig; und andere, wie
manche Scorpione etc. durch ihr Gift, furchtbar.

§. 145.

In der systematischen Anordnung folge ich
auch hier überhaupt dem Linnéischen Systeme, doch
daß in der letzten Ordnung, nach dem Vorgange von
De Lamarck u.a. neuern französischen Entomolo-
gen die Spinnen, Scorpione, Krebse etc. (die Arach-
niden und Crustaceen) von den eigentlichen Insecten
ganz abgesondert, den Beschluß machen.

I. Ordn. Coleoptera. Käfer. Meist mit horn-
artigem Körper. Die Flügel falten sich in der
Ruhe zusammen, und sind mit zwey hornar-
tigen Decken
oder Scheiden belegt, die
sich in der Mitte in gerader Linie an einander
schließen.

II. Hemiptera. Mit vier entweder kreuzweis zu-
sammen gelegten oder gerade ausgestreckten, meist
zur Hälfte harten, fast pergamentähnlichen Flü-
geln etc. Theils haben sie Freßzangen, theils
einen spitzigen Bohr-Rüssel.

III. Lepidoptera. Schmetterlinge. Mit wei-
chem behaartem Körper, und vier ausgespann-
[Seite 271] ten Flügeln, die mit bunten Schuppen bedeckt
sind.

IV. Neuroptera. Mit vier durchsichtigen netzför-
migen oder gegitterten Flügeln.

V. Hymenoptera. Mit vier durchsichtigen ge-
aderten
Flügeln.

VI. Diptera. Die Insecten mit zwey (unbedeck-
ten) Flügeln.

VII. Aptera. Die völlig ungeflügelten.

* * *

Zur N. G. der Insecten. Nur wenige von vielen.

  1. Th. Mouffet theatrum insectorum. Lond. 1634. Fol.
  2. Jo. Raii historia insectorum. Lond. 1710. 4.
  3. Jo. Swammerdam algemeene Verhandeling van de bloedeloose
    Dierkens
    . Utr. 1669. 4.
  4. Ej. biblia naturae. LB. 1737. Fol.
  5. Mar. Sib. Merian metamorphosis insectorum Surinamensium.
    Amst. 1705. Fol. max.
  6. Jac. l'Admiral iun. gestaltverwisselnde gekorvene Diertjes.
    Amst. 1740. Fol.
  7. Joh. Leonh. Frisch Beschreibung von allerhand Insecten in
    Deutschland. Berl. 1720–38. XIII. Th. 4.
  8. G. W. Panzer's Insectenfaune Deutschlands. Nürnb. seit 1795. 12.
  9. Index entomologicus in Panzeri faunam insectorum Germaniae.
    P. I. 1813.
  10. Aug. Joh. Rösel monatliche Insecten-Belustigungen. Nürnb.
    1746–61. IV. B. 4.
  11. Chr. Fr. C. Kleemann Beiträge dazu. Ebendas. seit 1761. 4.
  12. v. Linné fundamenta entomologiae. Ups. 1767. 4. it. im VII. B.
    seiner amoenitat. academic.
  13. J. H. Sulzer's Kennzeichen der Insecten. Zürich 1761. 4.
  14. Dess. abgekürzte Geschichte der Insecten. Winterthur 1766. 4.
  15. Jo. Chr. Fabricii philosophia entomologica. Hamburg. 1778. 8.
  16. Ej. systema entomologiae. Flensb. 1775. 8.
  17. Ej. genera insectorum. Kilon. 1776. 8.
  18. Ej. species insectorum. Hamb. 1781. II. vol. 8.
  19. Ej. entomologia systematica. Hafn. 1793. V. vol. 8.
  20. P. A. Latreille histoire naturelle des insectes. Par. 1804. XIV.
    vol. 8. (als Forts. der Sonninischen Ausg. von Büffon.)
  21. De Lamarck (s. beim folgenden Abschn.)
  22. A. M. C. Duméril considérations générales sur la classe des
    Insectes
    . Par. 1823. 8.
  23. de Reaumur histoire des insectes. Par. 1734–1742. VI. vol. 4.
  24. de Geer histoire des insectes. Stockh. 1752–1778. VII. vol. 4.
  25. Ej. genera et species insectorum; extraxit A. J. Retzius. Lips.
    1783. 8.
  26. Geoffroy histoire des insectes des environs de Paris. Par. 1762.
    II. vol. 4.
* * *
  1. Lesser théologie des insectes. (trad. de l'allemand) avec des re-
    marques de
    P. Lyonet. à la Haye. 1742. II. vol. 8.
  2. W. Kirby's and W. Spence's Introduction to Entomology. ed. 2.
    Lond. 1818–26. IV. vol. 8.
* * *
  1. L. G. Scriba Beiträge zur Insectengeschichte. Frkf. seit 1790. 4.
* * *
  1. Magazin für Insectenkunde, herausgegeben von K. Illiger.
    Braunschw. 1801–07. VI. Th. 8.
  2. C. F. Germar's Magaz. der Entomologie. Halle seit 1813. 8.
* * *
  1. Nic. Jos. Brahm Insecten-Calender. Mainz 1790. II. Th. 8.
* * *

Anm. Manchem Insectensammler kann wohl die Nach-
richt interessant seyn, daß ein hiesiger geschickter Nadel-
macher, Hr. Fehler, nicht nur Insectennadeln von vor-
züglicher Güte verfertigt, sondern auch mit Eifer und
Kenntniß die Insecten der hiesigen Gegend sammelt und
Liebhabern gerne mittheilt.


I. COLEOPTERA s. Vaginipennia.
(Eleutherata Fabr.)

[Seite 273]

Die Insecten dieser Ordnung*) werden überhaupt
Käfer genannt, ob man gleich diesen Namen auch
dem ersten Geschlechte insbesondere beilegt. Die
Larve hat Freßzangen, und bei den mehresten Ge-
schlechtern sechs Füße, die an der Brust sitzen: bei
einigen, wie unter den Holzböcken, ist sie ohne Füße
(eine Made). Sie verpuppt sich mehrentheils un-
ter der Erde in einer ausgehöhlten Erd-Scholle:
oder aber, wie bei den genannten Holzböcken, im
Holze. Das vollkommene Insect kriecht zwar
weich aus der Puppe; seine Haut verhärtet aber in
kurzer Zeit an der Luft; es hat so wie die Larve
Kinnladen am Kopfe, und ist mit harten hornartigen
Flügeldecken (elytra) versehen.

1. Scarabaeus. Käfer. (Fr. hanneton. Engl.
beetle). Antennae clavatae capitulo fissili.
Tibiae anticae saepius dentatae
.

1. Hercules. (Geotrupes Hercules. F.) S. scu-
tellatus, thoracis cornu incurvo maximo; subtus
unidentato, capitis recurvo; supra multidentato
.

Rösel vol. IV. tab. 5. fig. 3.

In Brasilien. Die Larve einen starken Daumen dick.
Der Käfer variirt in der Farbe, meist schmutzig-grün etc.

2. Actaeon. (Geotrupes A. F.) S. scutellatus tho-
race bicorni, capitis cornu unidentato, apice bifido.

[Seite 274]

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. A. fig. 2.

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen.

3. †. Lunaris. (Copris L. F.) S. exscutellatus,
thorace tricorni; intermedio obtuso bifido, capi-
tis cornu erecto, clypeo emarginato
.

Frisch P. IV. tab. 7.

Auf Wiesen und Viehweiden, vorzüglich im Kuhmist,
aus dem er, wie andere verwandte Käfergattungen,
hohle Kugeln formt, die er einzeln unter die Erde ver-
scharrt, an Graswurzeln befestigt und in jede ein ein-
ziges Ei legt.

4. †. Nasicornis. (Geotrupes N. F.) der Nashorn-
käfer
. S. scutellatus, thorace prominentia tri-
plici, capitis cornu incurvato, antennis hepta-
phyllis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 7. fig. 8. 10.

Der größte hieländische Käfer; fliegt selten; als En-
gerling findet er sich häufig in Gerberlohe und in hoh-
len Bäumen; und thut in manchen Gegenden den Re-
den großen Schaden.

5. †. Sacer. (Ateuchus S. F.) S. exscutellatus,
clypeo sex-dentato, thorace inermi crenulato,
tibiis, posticis ciliatis, vertice subbidentato
.

Sulzer's Gesch. tab. 1. fig. 3.

Namentlich häufig in Aegypten, wo er von den alten
Aegyptiern als Sinnbild der Ober- und Unterwelt ver-
ehrt, und auf ihren Obelisken, Mumiensarcophagen und
mancherlei andern Kunstwerken, theils in coloßaler
Größe, vorgestellt worden*). Besonders hat man ihn
auf die Rückseite der Aegyptischen (und auch der Etrus-
kischen) geschnittenen Steine ausgeschnitzt, die deßhalb
Käferrücken oder Scarabäen genannt werden.

6. †. Fimetarius. (Aphodius F. F.) S. scutella-
tus, thorace inermi, capite tuberculato, elytris
rubris, corpore nigro
.

Frisch P. IV. tab. 19. fig. 3.

Im Kuhmist.

[Seite 275]

7. †. Stercorarius. der Roßkäfer. (Engl. the
dung-beetle
). S. scutellatus, muticus, ater, gla-
ber; elytris sulcatis; capite rhombeo: vertice pro-
minulo: antennis rubris
.

Frisch P. IV. tab. 6. fig. 3.

Besonders im Pferdemist: daher häufig auf Fahrwe-
gen. Wenn er an heitern Sommerabenden herum
fliegt, so ist meist auch für den folgenden Tag gut
Wetter zu erwarten.

8. †. Vernalis. der Mistkäfer. S. scutellatus mu-
ticus, elytris glabris laevissimis, capitis clypeo
rhombeo, vertice prominulo, antennis nigris
.

Sulzer Gesch. tab. 1. fig. 6.

Häufig im Schafmist.

9. †. Horticola. (Melolontha H. F.) der Gar-
tenkäfer
. S. scutellatus muticus, capite thora-
ceque caeruleo subpiloso, elytris griseis, pedibus
nigris
.

Frisch P. IV. tab. 14.

Zumal an den Obstbäumen etc.

10. †. Melolontha. (Melolontha vulgaris. F.) der
Maykäfer, Kreuzkäfer. (Engl. the May-
chaffer, cockchaffer
). S. scutellatus muticus
testaceus, thorace villoso; cauda inflexa, incisu-
ris abdominis albis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 1.

Eins der gemeinsten Insecten, das vier Jahre lang
als Engerling oder Glime unter der Erde lebt, sich von
Getreidewurzeln etc. nährt, und zuweilen allgemeinen
Mißwachs verursacht hat*). Nach der Verpuppung
kommt es endlich als Maikäfer zum Vorschein, und
schadet in dieser Gestalt dem jungen Laube, besonders
an Obstbäumen.

[Seite 276]

11. †. Solstitialis. (Melolontha S. F.) der Brach-
käfer, Juniuskäfer
, Johanniskäfer. S.
scutellatus muticus testaceus, thorace villoso, ely-
tris luteo-pallidis pellucidis; lineis tribus albis
parallelis
.

Frisch P. IX. tab. 15. fig. 3.

Auch dieses Käfers Larve thut in manchen Jahren
der Saat großen Schaden.

12. †. Auratus. (Cetonia aurata. F:) der Gold-
käfer, Rosenkäfer
. S. scutellatus muticus au-
ratus, segmento abdominis primo lateribus uni-
dentato, clypeo planiusculo
.

Frisch P. XII. tab. 3. fig. 1.

Die Larve und Puppe findet sich häufig in Ameisen-
haufen und hohlen Baumstämmen. Der schöne Käfer
selbst aber in Gärten etc. Man hat Beispiele, daß er
mit angefeuchteten Brotrinden gefüttert lassen, über 8 Jahre
lebendig erhalten worden.

2. Lucanus. Antennae clavatae; clava compressa
latere latiore pectinato fissili. Maxillae por-
rectae, exsertae, dentatae
.

1. †. Cervus. der Hirschkäfer, Hornschröter,
Weinschröter. (Fr. le cerf volant. Engl. the
stag beetle
). L. scutellatus; maxillis exsertis,
apice bifurcatis, latere unidentatis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 5.

Vorzüglich in Eichenwäldern. Nur das Männchen
hat die Geweihen ähnelnden Kneipzangen am Kopfe.

3. Dermestes. Antennae clavatae; capitulo per-
foliato; articulis tribus crassioribus. Thorax
convexus, vix marginatus. Caput sub tho-
race inflexum latens
.

1. †. Lardarius. der Speckkäfer. D. niger ely-
tris antice cinereis, punctis nigris
.

Frisch P. V. tab. 9.

[Seite 277]

Larve und Käfer nähren sich von fetten, weichen
Theilen todter Thiere.

2. †. Pellio. D. niger coleoptris punctis albis binis.

Zieht sich zumal nach Pelzwerk, ausgestopften Thie-
ren etc.

3. †. Typographus. (Bostrichus T. F.) der Bor-
kenkäfer, Fichtenkäfer
, Fichtenkrebs, Holz-
wurm
. D. testaceus pilosus elytris striatis re-
tusis praemorso-dentatis
.

v. Trebra in den Schr. der Berl. Ges. Natur-
forsch. Freunde. IV. B. tab. 4.

Das den Fichtenwaldungen neuerlich auf dem Harz
und in mehrern Gegenden Deutschlands so furchtbar ge-
wordene Thier; das im Splint der Fichten (Pinis
abies) theils in solcher Menge hauset, daß man wohl
in einem mäßigen Baume über 80000 seiner Larven
gezählt hat. Bei der dadurch verursachten Wurmtrock-
niß stirbt der Baum vom Wipfel herunter ab, seine
Nadeln werden roth, er verliert sein Harz, und taugt
dann nicht einmal so gut wie sonst zum Verkohlen, ge-
schweige als Bau- oder Brennholz.

4. †. Piniperda. (Hylesinus P. F.) der Tannen-
käfer, schwarze fliegende Wurm
. D. niger
subvillosus, elytris piceis integris, plantis rufis
.

Kaum halb so groß als die vorige Gattung.

5. †. Paniceus. (Anobium P. F.) der Brotkäfer.
D. oblongus, ferrugineus, oculis rufis.

Frisch P. I. tab. 8.

Seine Larve verzehrt zumal das Brot, wird daher
namentlich auf weiten Seereisen dem Schiffszwieback
sehr gefährlich, und ist auch einer der schädlichsten
Bücherwürmer.

4. Ptinus. Kümmelkäfer. (Fr. pannache,
vrillette). Antennae filiformes; articulis ulti-
mis maioribus. Thorax subrotundus, immar-
ginatus, caput excipiens
.

[Seite 278]

1. †. Pertinax. (Anobium P. F.) P. fuscus uni-
color
.

Hat seinen Namen daher, weil er, sobald man ihn
berührt, die Füße anzieht, wie todt liegt, und lange
durch keinen Reiz von der Stelle zu treiben ist.

2. †. Fur. P. testaceus, subapterus, thorace qua-
dridentato, elytris fasciis duabus albis
.

Sulzer's Gesch. tab. 2. fig. 8.

Eins der furchtbarsten Thiere für Naturaliensammlun-
gen, Hausgeräthe und Pelzwerk.

3. †. Fatidicus. (Anobium tesselatum. F.) die
Todtenuhr, der Klopfkäfer. (Engl. the
death-watch
). P. fuscus subpilosus griseo irre-
gulariter maculosus
.

Philos. Transact. N. 271. 291.

Eine der sehr verschiedenen Insectenarten, die durch
den klopfenden Laut, womit die Gatten einander zur
Paarungszeit locken, zu mancherlei Volksaberglauben
Anlaß gegeben haben.

5. Hister. Antennae capitatae capitulo soli-
diusculo; infimo articulo compresso, decur-
vato. Caput intra corpus retractile. Os for-
cipatum. Elytra corpore breviora. Tibiae
anticae dentatae
.

1. †. Unicolor. H. totus ater, elytris substriatis.

Sulzer's Kennzeichen tab. 2. fig. 8. 9.

In sandigem Boden und auf Viehweiden.

6. Gyrinus. Antennae clavatae, rigidae, ca-
pite breviores, oculi
4, duobus supra, duo-
bus infra
.

1. †. Natator. der Schwimmkäfer. G. sub-
striatus
.

Sulzer's Gesch. tab. 2. fig. 10.

[Seite 279]

Schwimmt mit großer Schnelligkeit auf der Oberfläche
des Wassers. Im Tauchen hat er eine Luftblase am
Hintern; gibt einen widrigen Geruch von sich.

7. Byrrhus. Antennae clavatae subsolidae,
subcompressae
.

1. †. Museorum. (Anthenus M. F.) B. nebulosus,
elytris subnebulosis puncto albo
.

In Pelzwerk, ausgestopften Thieren etc.

8. Silpha. Antennae extrorsum crassiores. Ely-
tra marginata. Caput prominens. Thorax
planiusculus, marginatus
.

1. †. Vespillo. (Necrophorus V. F.) der Tod-
tengräber
. (Fr. le fossoyeur). S. oblonga
atra clypeo orbiculato inaequali, elytris fascia
duplici aurantia
.

Frisch P. XII. tab. 3. fig. 2.

Sie haben ihren Namen von der besondern Geschick-
lichkeit, womit sie die Aeser von kleinen Thieren, Maul-
würfen, Fröschen etc. die sie von weitem auswittern, un-
ter die Erde zu vergraben, und ihre Eier dahinein zu
legen verstehen. Ihrer sechse find wohl im Stande,
einen todten Maulwurf binnen vier Stunden, einen
Fuß tief in fetten Boden einzuscharren.

9. Cassida. Schildkäfer. Antennae subfili-
formes, extrorsum crassiores. Elytra margi-
nata. Caput sub thoracis clypeo plano re-
conditum
.

1. †. Viridis. C. viridis, corpore nigro.

Rösel vol. II. Erdkäf. III. tab. 6.

Auf Disteln, Feldmelde etc. Die Larve und Puppe
sind ganz flach und am Rande sonderbar ausgezackt mit
Spitzen versehen.

2. †. Murraea. C. nigra, clypeo rubro, elytris
sanguineis, punctis nigris sparsis
.

Besonders häufig am Alant.

[Seite 280]

10. Coccinella. Sonnenkäfer, Marienkuh,
Sommerkind, Gotteslämmchen. (Fr. vache
à Dieu, bête de la vierge
. Engl. Lady-
cow, Lady-bird
). Antennae subclavatae,
truncatae. Palpi clava semicordata. Corpus
hemisphaericum, thorace elytrisque margina-
tis, abdomine plano.

1. †. 7-Punctata. C. coleopteris rubris; punctis
nigris septem
.

Frisch P. IV. tab. 1. fig. 4.

Ist neuerlich, so wie einige Rüsselkäfer und Meloë-
Gattungen als wirksames Heilmittel bei mancherlei
Zahnweh empfohlen worden.

2. †. Bipustulata. C. coleoptris nigris; punctis
rubris duobus, abdomine sanguineo
.

Frisch P. IX. tab. 16. fig. 6.

11. Chrysomela. Blattkäfer. Antennae mo-
niliformes, extrorsum crassiores. Thorax, nec
elytra, marginatus
.

1. †. Goettingensis. (Chrys. haemoptera F.) C.
ovata atra pedibus violaceis
.

Panzer Faun. Germ. Heft 44. t. 3.

Häufig an der Schafgarbe*).

2. †. Minutissima. C. ovata nigra opaca.

Eins der kleinsten Käferchen. Kaum den dritten
Theil so groß als ein Floh.

3. †. Cerealis. C. ovata aurata, thorace lineis tri-
bus, coleoptrisque quinque violaceis, abdomine
violaceo.

[Seite 281]

4. †. Oleracea. (Galleruca O. F.) C. saltatoria
(s. femoribus posticis crassissimis) virescenticae-
rulea
.

Ein, namentlich der Rübsaat, gar schädliches kleines
Thier, das so wie mehrere verwandte Gattungen un-
ter dem Namen Erdflöhe oder Erdfliegen be-
kannt ist*).

5. †. Merdigera. (Lema M. F.) er Lilienkäfer.
C. oblonga rubra, thorace cylindrico utrinque
impresso
.

Sulzer's Gesch. tab. 3. fig. 14.

In Lilien, Maiblumen etc. Die Larve, bedeckt sich mit
ihrem eigenen Unrath. Der kleine rothe Käfer, worein
sie sich verwandelt, gibt, wenn man ihn in der hohlen
Hand vors Ohr hält, mit seinen Flügeldecken einen
durchdringenden hellen Laut von sich.

12. Hispa. Stachelkäfer. Antennae fusifor-
mes, basi approximatae, inter oculos sitae.
Thorax elytraque aculeata saepius
.

1. †. Atra. H. corpore toto atro.

Unter der Erde an Graswurzeln.

13. Bruchus. Antennae filiformes, sensim cras-
siores
.

1. †. Pisi. der Erbsenkäfer. B. elytris albo
punctatis, podice albo maculis binis nigris
.

Thut auch in Nordamerica dem Mais großen Schaden.

2. Nucleorum. B. cinereus, elytris striatis, femo-
ribus posticis ovatis, dentatis, tibiis incurvis
.

Mém. de l'ac. des Sc. de Paris 1771. tab. 2.

Im mittlern America. Fast von der Größe des
Goldkäfers. Ist oft mit dem weit kleinern Br. bactris
verwechselt, und durchbohrt die steinharten, daumens-
[Seite 282] dicken Nußschalen der Cocos lapidea woraus Knöpfe
u. dergl. gedreht werden.

14. Curculio. Rüsselkäfer. (Fr. charanson).
Antennae subclavatae, rostro insidentes. Ro-
strum corneum prominens
.

Sie haben meist einen kurzen rundlichen aber überaus
hart gepanzerten Körper, und einen festen mehr oder
weniger gebogenen Rüssel von verschiedener Länge. Es
sind nachtheilige Thiere, von denen besonders die mit
dem sehr langen Rüssel den Bäumen, die übrigen aber
den Feldfrüchten und Gartengewächsen Schaden thun.
Die Larven mancher Gattungen nennt man Pfeiffer.

1. Palmarum. (Calandra P. F.) der Palmbohrer.
C. longiroster ater, thorace ovato planiusculo,
elytris abbreviatis striatis
.

Sulzer's Kennz. tab. 3. fig. 20.

Zumal in Süd-Indien. Hat fast die Größe des
Hornschröters. Die Larve nährt sich vom Sagumarke;
wird aber selbst als ein schmackhaftes Gericht gegessen.

2. †. Frumentarius. (Attelabus F. F.) der rothe
Kornwurm, Reiter, Wippel. C. longiroster
sanguineus.

So wie der folgende eine große Plage für die Korn-
böden. Er saugt das Mehl aus dem Korn und läßt
die Hülse liegen. Das bewährteste Gegenmittel ist, die
Fruchtböden und ihre Gebälke etc. mit scharfer Seifen-
fiederlauge besprengen und abfegen zu lassen. – Nicht
selten verbreitet er sich auch in Wohnzimmer und Betten.

3. †. Granarius. der schwarze Kornwurm. (Ca-
landra
granaria. F.) C. longiroster piceus ob-
longus thorace punctato longitudine elytrorum
.

4. †. Paraplecticus. (Lixus P. F.) C. longiroster
cylindricus subcinereus, elytris mucronatis.

Sulzer's Gesch. tab. 4. fig. 7.

Auf Wasserpflanzen. Die Beschuldigung, daß er den
Pferden Lähmung verursache, ist ungegründet, und
trifft wohl die verdächtigen Pflanzen, aber nicht das
darauf wohnende unschuldige Thier.

[Seite 283]

5. †. Bacchus. (Attelabus B. F.) der Reben-
sticher
. C. longiroster aureus, rostro plantisque
nigris
.

Sulzer's Gesch. tab. 4. fig. 4.

An Apfelbäumen, Weinstöcken etc.

6. †. Pomorum. C. longiroster, femoribus anticis
dentatis, corpore griseo nebuloso
.

Frisch P. I. tab. 8.

Zerstört in manchen Jahren die mehresten Apfelknospen.

7. †. Nucum. (Rhynchaenus N. F.) C. longiroster,
femoribus dentatis, corpore griseo longitudine rostri
.

Rösel vol. III. Erdkäf. IV. tab. 67.

Macht die Haselnüsse wurmstichig.

8. Imperialis. der Juwelenkäfer. (Engl. the
Diamond Beetle
.) C. breviroster niger, elytris
dentatis, sulcatis punctis excavatis, auro versico-
lore distinctis, abdomine aeneo viridi
.

In Brasilien. Eins der prachtvollsten Insecten. Das
gefärbte Gold in den unzähligen Grübchen, die reihen-
weise auf den Flügeldecken eingegraben sind, thut in
hellem Lichte, zumal unter dem Vergrößerungsglase,
eine ausnehmende Wirkung.

15. Attelabus. Caput postice attenuatum incli-
natum. Antennae apicem versus crassiores
.

1. †. Coryli. A. niger, elytris rubris.

Sulzer's Kennz. tab. 4. fig. 25.

2. †. Apiarius. (Trichodes A. F.) der Immen-
wolf
. A. caerulescens, elytris rubris, fasciis
tribus nigris.

Sulzer's Gesch. tab. 4. fig. 4.

Ist häufig wo viele Bienenzucht ist; thut in manchen
Jahren den Stöcken großen Schaden.

16. Cerambyx. Bockkäfer, Holzbock. (capri-
cornus
). Antennae attenuatae. Thorax spi-
nosus aut gibbus. Elytra linearia
.

[Seite 284]

Manche Gattungen haben auffallend lange Fühlhör-
ner, einen ungemein starken Brustschild und ein überaus
zähes Leben, so daß man angespießte Holzböcke noch
nach vier Wochen lebendig gefunden hat. Meist leben
sie in Holz, und geben mittelst des Brustschildes, den
sie an den Flügeldecken reiben, einen knarrenden Laut
von sich.

1. Longimanus. C. thorace spinis mobilibus, ely-
tris basi unidentatis apiceque bidentatis, antennis
longis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. II. tab. 1. fig. a.

So wie die folgende Gattung in Südamerica.

2. Cervicornis. (Prionus C. F.) C. thorace mar-
ginato dentato, maxillis porrectis coniformibus
utrinque spinosis, antennis brevibus
.

Rösel a. a. O. fig. b.

Noch größer als der vorige. Ebenfalls schön gezeich-
net, mit Kneipzangen, fast wie am Hornschröter.

3. †. Moschatus. C. thorace spinoso, elytris ob-
tusis viridibus nitentibus, femoribus muticis, an-
tennis mediocribus
.

Frisch P. XIII. tab. 11.

Gibt einen bisamähnlichen Geruch von sich.

4. †. Aedilis. (Lamia A. F.) C. thorace spinoso;
punctis
4. luteis, elytris obtusis nebulosis, anten-
nis longissimis
.

Frisch P. XIII. tab. 12.

Die Fühlhörner sind wohl sechs Mal so lang als
das ganze Thier.

17. Leptura. Antennae setaceae. Elytra api-
cem versus attenuata. Thorax teretiusculus
.

1. †. Aquatica. (Donacia crassipes F.) L. deau-
rata, antennis nigris, femoribus posticis dentatis
.

An allerhand Wasserpflanzen. Variirt in der Farbe.

18. Necydalis. Afterholzbock. Antennae se-
taceae. Elytra alis minora. Cauda simplex
.

[Seite 285]

1. †. Maior. (Molorchus abbreviatus F.) N. ely-
tris abbreviatis ferrugineis immaculatis, antennis
brevioribus
.

19. Lampyris. Johanniswürmchen. (cicindela,
nitedula
. Fr. ver luisant. Engl. glow-worm).
Antennae filiformes. Elytra flexilia. Thorax
planus, semiorbiculatus, caput subtus occultans
cingensque. Abdominis latera plicatopapillosa
.

Nur die Männchen sind geflügelt, und diese haben
zwey blaulich phosphorescirende lichte Puncte unten am
Bauche. Ihre ungeflügelten Weibchen leuchten weit
stärker als die Männchen, besonders um die Begat-
tungszeit, da ihr Licht vermuthlich den Männchen zur
Anzeige dient, sie aufzufinden. Einige Zeit, nachdem
das Weibchen seine Eier gelegt hat (die selbst auch im
Finstern leuchten), verliert sich der Schein bei beiden
Geschlechtern.

1. †. Noctiluca. L. oblonga fusca, clypeo cinereo.

Unter Wachholdersträuchen, Rosenbüschen etc. Ein
Paar in ein Gläschen gethan, leuchten hell genug, um
dabei im Finstern lesen zu können.

20. Cantharis. Antennae setaceae. Thorax
marginatus capite brevior. Elytra flexilia.
Abdominis latera plicato-papillosa
.

1. †. Fusca. C. thorace marginato rubro, macula
nigra, elytris fuscis
.

Die Larve dieses Thiers hält sich über Winter in
der Erde auf, und kommt dann zuweilen, wenn es ge-
schneit hat, zu tausenden hervorgekrochen, da ihre plötz-
liche Erscheinung auf dem frischen Schnee zu allerhand
fabelhaften Sagen Anlaß gegeben.

21. Elater. Springkäfer, Schmid. (Fr.
taupin). Antennae setaceae. Thorax retror-
sum angulatus. Mucro pectoris e foramine
abdominis resiliens
.

[Seite 286]

Diese Thiere sind wegen der sonderbaren Fertigkeit
merkwürdig, mit welcher sie, wenn sie auf dem Rücken
zu liegen kommen, sich in die Höhe zu schnellen, und
wieder auf die Beine zu helfen wissen. Vorzüglich dient
ihnen dazu ein Stachel, der vorn an der Brust befe-
stigt ist, und in eine Rinne oben am Bauche paßt, aus
der er beim Aufschnellen mit Gewalt heraus schnappt;
und dann die Spitzen, die rückwärts auf beiden Seiten
des Brustschilds heraus stehen, und mit den Flügel-
decken auf eine ähnliche Weise eingelenkt sind.

1. Noctilucus. der Cucuyo. E. thoracis lateribus
macula flava glabra
.

Im mittlern America; wohl zwey Zoll lang. Die
beiden gelben runden Flecken gegen die Seitenspitzen
des Brustschildes leuchten stark im Finstern, und die
Caraiben bedienten sich ehedem der Cucuyos und einiger
anderer phosphorescirenden Insecten statt der Leuchten.

2. †. Niger. E. thorace laevi, elytris, pedibus
corporeque nigris
.

Häufig auf Viehweiden.

22. Cicindela. Sandkäfer. Antennae setaceae.
Maxillae prominentes denticulatae. Oculi pro-
minuli. Thorax rotundato-marginatus
.

Als Larven scharren sie sich in Sand, fast wie der
Ameisenlöwe, um andern Insecten aufzulauern, und
als Käfer wissen sie ihnen mit ausnehmender Schnellig-
keit im Lauf und Flug nachzujagen.

1. †. Germanica. O. viridis, elytris puncto lunu-
laque apicum albis
.

23. Buprestis. Prachtkäfer. Antennae seta-
ceae, longitudine thoracis. Caput dimidium
intra thoracem retractum
.

1. Gigantea. B. elytris fastigiatis bidentatis rugo-
sis, thorace marginato laevi, corpore inaurato
.

Sulzer's Kennz. tab. 6. fig. 38.

In beiden Indien. Klein Fingers lang.

[Seite 287]

2. †. Chrysostigma. B. elytris serratis longitudi-
naliter sulcatis, maculis duabus aureis impressis,
thorace punctato
.

Sulzer's Kennz. tab. 6. fig. 39.

3. †. Viridis. B. elytris integerrimis sublinearibus
punctatis, thorace deflexo, viridi elongato
.

Von der Farbe der Spanischen Fliege, aber nur ein
Paar Linien lang. Die Larve richtete vor einigen Jah-
ren in hiesiger Gegend große Verwüstung in jungen
Rothbuchen-Stämmen an. Tödtete sie durch Zerstörung
des Splints, worin sie geschlängelte Gänge fraß.

24. Dyticus. Wasserkäfer, Fischkäfer. (hy-
drocantharus
). Antennae setaceae aut clavato-
perfoliatae. Pedes postici villosi, natatorii
submutici
.

1. †. Piceus. (Hydrophilus P. F.) D. antennis
perfoliatis, corpore laevi, sterno carinato, postice
spinoso
.

Frisch P. II. tab. 6. fig. 1.

Eine der größten Gattungen. Wenn der Käfer seine
Eier legen will, so bereitet er dazu eine artige längliche
Hülse, die er mit einer braunen Seide überzieht, und
die mit den eingeschlossenen Eiern wie ein Schiffchen
auf dem Wasser schwimmt, bis die kleinen Larven aus-
gekrochen und im Stande sind, in ihr Element über
Bord zu springen.

2. †. Marginalis. D. niger, thoracis elytrorum-
que margine flavis
(mas).

Sulzer's Kennz. tab. 6. fig. 42.

Ist (so wie vermuthlich die mehresten Gattungen
dieses Geschlechts), den Fischteichen gefährlich. Beim
Weibchen ist die vordere Hälfte der Flügeldecken längs
gefurcht.

25. Carabus. Laufkäfer. Antennae setaceae.
Thorax obcordatus apice truncatus margina-
tus. Elytra marginata
.

[Seite 288]

Raubthiere in ihrer Art. Viele geben, wenn man
sie anfaßt, einen widerlichen Saft von sich. Die we-
nigsten können fliegen, laufen aber desto schneller.

1. †. Coriaceus. C. apterus ater opacus, elytris
punctis intricatis subrugosis
.

Sulzer's Kennz. tab. 6. fig. 44.

2. †. Auratus. der Goldhahn. C. apterus, ely-
tris porcatis; striis sulcisque laevibus inauratis
.

Häufig auf Feldern, Wiesen etc.

3. †. Sycophanta. (Calosoma S. F.) C. aureo ni-
tens, thorace caeruleo, elytris aureo viridibus
striatis, abdomine subatro
.

Sulzer's Gesch. tab. 7. fig. 1.

Der größte hieländische Laufkäfer.

4. †. Crepitans. (Brachinus C. F.) der Bombar-
dirkäfer
. (Fr. le pétard). C. thorace capite
pedibusque ferugineis, elytris viridi nigrican-
tibus
.

Schwedische Abhandl. 1750. tab. 7. fig. 2.

Ein kleines Käferchen. Wird besonders von der vo-
rigen Gattung verfolgt, und ist dabei durch die von
Dr. Rolander beschriebene ganz eigene Art bekannt
geworden, womit er sich gegen den C. inquisitor u.a.
seiner Feinde zu vertheidigen sucht; da es ihnen mit
einem merklich starken Laut einen blaulichen Dunst ent-
gegen schießt etc.

5. †. Spinipes. der Saatfresser. (C. gibbus F.)
C. piceus, thorace linea excavata longitudinali
manibus spinosis
.

Olivier T. III. tab. 12. fig. 142.

Die unterirdische Larve verursacht in manchen Jahren
(wie z.B. 1776 in der Lombardey und 1812 im Halli-
schen Saalkreise) furchtbaren Mißwachs der jungen Ge-
treidesaat. Der Käfer halt sich des Nachts in Menge
auf den Aehren auf.

[Seite 289]

26. Tenebrio. Antennae moniliformes articulo
ultimo subrotundo. Thorax plano-convexus
,
marginatus. Caput exsertum. Elytra rigi-
diuscula
.

1. †. Molitor. T. alatus niger totus, femoribus
anticis crassioribus
.

Frisch P. III. tab. 1.

Die Larven halten sich im Mehl auf, finden sich da-
her häufig in Mühlen und Bäckerhäusern, heißen Mehl-
würmer
, und geben das bekannte Nachtigallenfutter ab.

2. †. Mortisagus. (Blaps mortisaga. F.) der
Todtenkäfer. T. apterus thorace aequali, co-
leoptris laevibus mucronatis
.

Frisch P. XIII. tab. 25.

27. Meloë. Antennae moniliformes articulo ul-
timo ovato. Thorax subrotundus. Elytra
mollia flexilia, caput inflexum gibbum
.

1. †. Proscarabeus. der Maiwurm. (Fr. le
scarabé onctueux
. Engl. the oil-beetle). M.
apterus, corpore violaceo.

Frisch P. VI. tab. 6. fig. 5.

Ein weiches Thier, das bei gewaltsamer Berührung
einen stinkenden Saft aus den Kniegelenken der Beine
ausfließen läßt.

2. †. Vesicatorius. (Lytta vesicatoria F.) die
spanische Fliege. (cantharis offic.) M. alatus
viridissimus nitens, antennis nigris
.

Das wichtige heilsame Geschöpf, das (so wie in Ben-
galen die M. trianthemae*)) zum Blasenziehen ge-
braucht wird.

28. Mordella. Antennae filiformes serratae.
Caput deflexum sub collo
(in territo). Palpi
[Seite 290] compresso-clavati, oblique truncati. Elytra
deorsum curva apicem versus. Ante femora
lamina lata ad basin abdominis
.

Kleine Käferchen. Das ganze Geschlecht begreift nur
wenige Gattungen, die sich noch dazu wenig zu ver-
mehren scheinen.

1. †. Aculeata. M. atra, ano spina terminato.

Sulzer's Kennz. tab. 7. fig. 46.

29. Staphylinus*). Antennae moniliformes.
Elytra dimidiata. Alae tectae. Cauda sim-
plex exserens duas vesiculas oblongas
.

Sind besonders wegen der kleinen Blasen merkwür-
dig, die sie, sobald sie Gefahr merken, aus dem Hin-
terleibe treiben; deren Nutzen aber noch unbestimmt ist.

1. †. Maxillosus. S. pubescens niger, fasciis ci-
nereis, maxillis longitudine capitis
.

30. Forficula. Antennae setaceae. Elytra di-
midiata. Alae tectae. Cauda forcipata
.

1. †. Auricularia. der Ohrwurm, Oehrling,
Ohrhöhler. (Fr. le perce-oreille. Engl. the
ear-wig
). F. elytris apice albis.

Frisch P. VIII. tab. 15. fig. 1. 2.

An der ungegründeten Sage, daß dies Thier gern
den Menschen in die Ohren kröche, ist nur so viel, daß
sich irgend etwa ein Mal eins dahin so gut, wie irgend
ein andres Insect, verirren kann. Aber dem jungen
Gemüse, den Nelkenknospen etc. sind sie nachtheilig, so
wie da wo sie sich in Menge vermehren dem Grundholz
der Gebäude und den Fensterfutterungen.


II. HEMIPTERA. (Ulonata und
Rhyngota Fabr.)

[Seite 291]

Bei den meisten Insecten dieser Ordnung ist
der Kopf nach der Brust niedergedrückt, bei einigen
mit Kinnladen, bei den mehresten aber mit einem
nach dem Unterleibe gebogenen Saugerüssel versehen,
weßhalb diese auch von einigen Naturforschern Pro-
boscidea
genannt werden. Meistens haben sie vier
Flügel, von welchen zumal die obern an der Wur-
zel fester und hornartiger, am äußern Ende aber
dünner und weicher sind. Bei einigen sind sie gerade
ausgestreckt, bei andern übers Kreuz zusammenge-
faltet. Theils sind sie auch mit einer Art kleiner
Flügeldecken belegt. Manche haben nur zwey Flü-
gel, und bei verschiedenen sind die Weibchen gänz-
lich ungeflügelt. Ihre Verwandlung ist nicht sehr
auffallend: sondern die Larven ähneln dem vollkomm-
nern Insect bis auf die Flügel, die erst nach und
nach völlig ausgebildet werden*).

31. Blatta. Schabe. Caput inflexum. Anten-
nae setaceae. Elytra alaeque planae, subcoria-
ceae. Thorax planiusculus orbiculatus, margina-
tus. Pedes cursorii. Cornicula duo supra caudam
.

1. †. Orientalis. die Brotschabe, Küchen-
schabe, der Kakerlake, Tarokan
. (Fr. le
cancrelas, ravet
. Engl. the black beetle, cock-
roach
). B. ferrugineo-fusca elytris abbreviatis
sulco oblongo impresso
.

Frisch P. V. tab. 3.

Jetzt nun fast in allen Welttheilen. So wie einige
andre Gattungen dieses Geschlechts (z.B. die, ich weiß
nicht warum, sogenannte Germanica, die Americana
etc.) für manche Gegenden, wo sie sich eingenistet und
[Seite 292] stark vermehrt hat, eine der lästigsten Hausplagen.
Verzehrt vorzüglich mancherlei Victualien, vor allen aber
Brot etc. Kann daher in Schiffen auf weiten Seereisen
schaudervolles Elend verursachen*). Ist noch am ersten
durch Arsenik, Dampf von Schwefel und Asa foetida,
kochend Wasser etc. und wo nur wenige in einem Zimmer
oder einer Küche sind, dadurch zu vertilgen, daß man
über Nacht einen Igel oder eine Ente hineinsperrt.

2. Heteroclita. B. fusca, elytris nigris, sinistro in-
tegro
4-pustulato; dextro ad marginem inter-
num semipellucido,
3-pustulato.

Pallas spicileg. zoologic. IX. tab. 1. fig. 5.

In Tranquebar etc. Wegen der auffallenden Ungleich-
heit in der Zeichnung der beiden Oberflügel merk-
würdig.

3. †. Lapponica. B. flavescens, elytris nigroma-
culatis
.

Auch außer Lappland im mildern Europa.

32. Mantis. Caput nutans, maxillosum, palpis
instructum. Antennae setaceae. Alae
4 mem-
branaceae, convolutae, inferiores plicatae.
Pedes
antici compressi, subtus serrato-den-
ticulati, armati ungue solitario et digito seta-
ceo laterali articulato:
postici 4. laeves, gres-
sorii. Thorax linearis elongatus angustatus.

Alle von einer ungewöhnlichen, lang gestreckten, son-
derbaren Bildung**). Auch ihr Gang, ihr Betragen etc.
hat was Eignes gleichsam Feierliches, das wohl zu
der abergläubischen Devotion Anlaß gegeben hat, mit
der mehrere Gattungen dieses Geschlechts, zumal im
Oriente, angesehen werden.

1. Gigas. [Phasma G. F.***)] M. thorace teretius-
culo scabro, elytris brevissimis, pedibus spinosis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 19. fig. 9. 10.

[Seite 293]

Auf Amboina. Spannenlang, und doch kaum so
dick als eine Gänse-Spuhle. Wird von den Indianern
gegessen.

2. Gongylodes. M. thorace subciliato, femoribus
anticis spina terminatis, reliquis lobo.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 7. fig. 1. 2. 3.

Auf Guinea etc.

3. †. Religiosa. (M. oratoria var. β. F.) die
Gottesanbetherin, das wandelnde Blatt,
der Weinhandel, Weinhasel. M. thorace
laevi subcarinato elytrisque viridibus immaculatis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 1. 2.

Geht meist nur auf den vier Hinterfüßen, und hält
die vordern beiden in die Höhe. Man nennt es das
wandelnde Blatt, weil seine Oberflügel an Gestalt und
Farbe einem Weidenblatte ähneln. Kann wohl zehn
Jahre alt werden.

4. Precaria. M. thorace subciliato, elytris flavis
ocello ferrugineo
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 88.

Am Cap; wo sie von den Hottentotten heilig ver-
ehrt wird.

33. Gryllus. Heuschrecke. (Fr. sauterelle.
Engl. grashopper). Caput inflexum, maxil-
losum, palpis instructum. Antennae setaceae
s. filiformes. Alae
4 deflexae, convolutae,
inferiores plicatae. Pedes postici saltatorii.
Ungues ubique bini
.

Ein großes Geschlecht, dessen mehreste Gattungen
dem Wiesenwachs und Getreide gefährlich sind. Bei
manchen geben die Männchen entweder zur Begattungs-
zeit, oder wenn sich das Wetter ändern will, einen be-
kannten zirpenden Laut von sich, den sie theils mit den
Springfüßen, am meisten aber mit den Flügeln her-
vorbringen.

[Seite 294]

1. †. Gryllotalpa. (Acheta G. F.) die Werre,
Maulwurfsgrille, der Riehwurm, Reit-
wurm, Schrotwurm, Ackerwerbel, Erd-
krebs
. (Fr. la courtilière. Engl. the mole-
cricket
). G. thorace rotundato, alis caudatis elytro
longioribus, pedibus anticis palmatis tomentosis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 14. 15.

In Europa und Nordamerica: theils an Orten wie
im Thüringischen etc. ausnehmend häufig. Lebt meist un-
ter der Erde, und thut zumal den Küchengewächsen
und der Gerstensaat großen Schaden.

2. †. Domesticus. (Acheta D. F.) die Grille,
Zirse, Heimchen. (Fr. le grillon. Engl. the
cricket
). G. thorace rotundato, alis caudatis ely-
tro longioribus, pedibus simplicibus, corpore
glauco.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 12.

3. †. Campestris. (Acheta C. F.) die Feld-
grille
. G. thorace rotundato, cauda biseta stylo
lineari, alis elytro brevioribus, corpore nigro.

Frisch P. I. tab. 1.

4. †. Viridissimus. (Locusta viridissima. F.) der
Baumhüpfer. G. thorace rotundato, alis viri-
dibus immaculatis, antennis setaceis longissimis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 10. 11.

Von schöner grüner Farbe. Lebt meist auf Gebüschen,
springt vorzüglich weit.

5. †. Verrucivorus. (Locusta verrucivora. F.) das
Heupferd. G. thorace subquadrato laevi, alis
viridibus fusco maculatis, antennis setaceis lon-
gitudine corporis.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 8.

6. Cristatus. die Kammheuschrecke. G. thorace
cristato, carina quadrifida
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 5.

In den Morgenländern, Aegypten etc.

7. †. Migratorius. die Zugheuschrecke, Strich-
heuschrecke, Heerheuschrecke
. G. thorace
[Seite 295] subcarinato; segmento unico, capite obtuso,
maxillis atris.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 29.

Das furchtbare Insect, das oft in unsäglichen Zügen
auch in Europa eingefallen ist, und allgemeinen Miß-
wachs, Hungersnoth etc. verursacht hat. Ursprünglich ge-
hört es wohl (so wie der ihm ähnliche, sich auch zu
Zeiten in Unzahl vermehrende Gr. tataricus), in die
asiatische Tatarei zu Hause, doch findet es sich auch
einzeln in Deutschland, das doch seit 1750 mit großen
Invasionen desselben verschont geblieben*). Auch soll
sich diese Heuschrecke (wenn es anders die gleiche Gat-
tung ist) in Nord- und Süd-America finden. – Daß
sie in Arabien und dem nördlichen Africa noch jetzt,
so wie in den ältesten Zeiten, in Menge verspeiset wird,
ist eine ausgemachte Sache: und daß das einige neuere
Reisende in diese Länder für eine Fabel erklärt haben,
gibt ein lehrreiches Beispiel von voreilig dreistem Hy-
perscepticismus.

8. †. Stridulus. die Holzheuschrecke. G. tho-
race subcarinato, alis rubris extimo nigris ne-
bulosis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 21. fig. 1.

Leben meist im Gehölze. Die Männchen geben im
Fluge einen lauten klappernden Ton von sich.

34. Fulgora**). Caput fronte producta, inani.
Antennae infra oculos, articulis
2, exteriore
globoso. Rostrum inflexum, pedes gressorii
.

[Seite 296]

Der sonderbare Charakter dieses Geschlechts ist die
hornige Blase vor der Stirne, die bei den nachbenann-
ten Gattungen im Leben und einige Zeit nach dem
Tode einen Schein verbreitet.

1. Laternaria. der surinamische Laternträ-
ger, Leiermann
. (Fr. la porte-lanterne. Engl.
the lanthorn-fly). F. fronte ovali recta, alis
lividis; posticis ocellatis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 28. 29.

Die größte Art; die leuchtende Blase ist fast so
groß als der ganze übrige Körper, und scheint so hell,
daß sich die Guianischen Wilden ihrer ehedem statt
Leuchten bedient haben sollen.

2. Candelaria. der schinesische Laternträger.
F. fronte rostrato-subulata adscendente, elytris
viridibus luteo-maculatis, alis flavis: apice nigris
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 39.

35. Cicada. (Fr. cigale). Rostrum inflexum.
Antennae setaceae. Alae
4 membranaceae,
deflexae. Pedes plerisque saltatorii
.

Die männlichen Cicaden geben wie die Heuschrecken
einen Laut von sich, der durch besondere, mehr zu-
sammengesetzte Werkzeuge an ihrem Unterleibe hervor-
gebracht wird.

Merkwürdig ist, daß einige Gattungen von Keulen-
schwämmen (clavariae) besonders häufig auf den Pup-
pen von Cicaden, theils gar auf dem lebendigen Leibe
ihrer Larven, so wie andere auf Raupen, Schmetter-
lings-Puppen, Laufkäfern etc. wachsen*).

1. Orni. die Manna-Cicade – (Tettigonia O.
F.) C. nigra flavo-maculata, alis hyalinis, basi
flavis maculis nigris.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 25. fig. 1. 2.

[Seite 297]

Im südlichen Europa und in Nordafrica an einigen
Gattungen von Eschen, wo sie durch ihren Stich das
Ausschwitzen der Manna (so wie in Arabien eine Gat-
tung von Schildläusen an einer Tamariske) verursachen
soll. Wird insgemein nebst der fast noch ein Mal so
großen C. plebeia (Rösel fig. 4.) für die bei den
Alten so beliebten Cicaden gehalten*).

2. †. Spumaria. (Cercopis S. F.) der Schaum-
wurm, Gäschtwurm
. C. fusca, elytris maculis
binis albis lateralibus, fascia duplici interrupta
albida.

Frisch P. VIII. tab. 12.

Besonders häufig auf Weidenbäumen, denen die
Larve im Frühjahr den Saft aussaugt, und ihn in Ge-
stalt eines Schaums (des so genannten Kuckuckspeichels),
unter welchen sie oft versteckt ist, wieder von sich gibt.
Daher auch die Sage von regnenden Weiden.

3. Lanata. (Lystra L. F.) C. alis deflexis ni-
gris: punctis caeruleis, fronte lateribusque rubris,
ano lanato.

Stoll tab. 10. fig. 49. und D.

In Westindien. Hat den Beinamen von den räth-
selhaften, schneeweißen, aber im Wasser gleichsam
schmelzenden langen Flocken am Hinterleibe**).

36. Notonecta. Wasserwanze. Rostrum in-
flexum. Antennae thorace breviores. Alae

4 cruciato-complicatae, antice coriaceae. Pe-
des posteriores pilosi natatorii
.

1. †. Glauca. N. grisea elytris griseis margine
fusco punctatis apice bifidis
.

Frisch P. VI. tab. 13.

[Seite 298]

Schwimmt die mehrste Zeit auf dem Rücken: weiß
auch in dieser Lage kleine Mücken etc., von denen sie
sich nährt, mit vieler Geschwindigkeit zu haschen.

37. Nepa. Wasserscorpion. Rostrum in-
flexum. Alae
4 cruciato-complicatae anticae
coriaceae. Pedes anteriores cheliformes; re-
liqui
4 ambulatorii.

1. †. Cinerea. N. cinerea, thorace inaequali, cor-
pore oblongo-ovato
.

Frisch P. VII. tab. 15.

Die Eier dieses Thieres haben eine überaus sonder-
bare Gestalt, an einem Ende mit Häkchen, fast wie
Samen von Kornblumen etc.

2. †. Cimicoides. (Naucoris C. F.) N. abdominis
margine serrato
.

Frisch P. VI. tab. 14.

3. Plana. (Nepa rustica F.) N. subfusca: ocu-
lis nigris, alis albidis, dorso plano
.

Eine gewisse Art Wassermilben legt diesem Thier, das
namentlich auf Trankebar zu Hause ist, ihre Eier
auf den Rücken.*)

38. Cimex. Wanze. Rostrum inflexum. Alae
4 cruciato-complicatae, superioribus antice
coriaceis. Dorsum planum thorace marginato.
Pedes cursorii
**).

1. †. Lectularius. (Acanthia lectularia F.) die
Bettwanze, Wandlaus. (Fr. la punaise.
[Seite 299] Engl. the bug, wall-louse). C. flavescens,
alis nullis.

Sulzer's Kennz. tab. 10. fig. 69.

Ueber die ursprüngliche Heimath und den Aufenthalt
dieses ekelhaften, lichtscheuen Insects im wilden Zu-
stande weiß man wenig Zuverlässiges. Jetzt findet sichs
fast in allen Welttheilen (namentlich in Sibirien, Ostin-
dien, Nord- und Süd-America etc.) So leicht Wan-
zen durch Zufall in ein Haus kommen können, so leicht
ist es, sie bald anfangs durch sorgfältige wiederholte
Anwendung kräftiger Mittel*) auch wieder zu vertrei-
ben: was aber äußerst schwer hält, wo man sie einmal
überhand nehmen und sich weit verbreiten lassen.

2. †. Corticalis. (Aradus C. F.) C. membrana-
ceus, abdominis margine imbricatim secto, cor-
pore nigricante
.

In Wäldern an Baumstämmen: ist wegen seiner
täuschenden, rindenartigen Gestalt und Farbe schwer zu
finden.

3. †. Baccarum. der Qualster. C. ovatus gri-
seus, abdominis margine nigro maculato
.

In Gärten, zumal an Johannisbeeren. Auch diese
Wanze stinkt heftig: doch bloß wenn sie berührt wird;
da ihr der Gestank, wie manchen andern Wanzen,
zum Vertheidigungsmittel zu dienen scheint.

[Seite 300]

4. †. Personatus. (Reduvius P. F.) C. rostro
arcuato, antennis apice capillaceis, corpore ob-
longo subvilloso fusco
.

Frisch P. X. tab. 20.

Hält sich in Winkeln auf. Die Larve ist immer wie
mit Staub und Kehricht bedeckt.

5. †. Apterus. (Lygaeus A. F.) C. ovatus, ru-
bro nigroque varius, elytris rubris, punctis duo-
bus nigris
.

Stoll tab. 15. fig. 103.

Mitunter doch auch geflügelt. Ueberwintert klum-
penweiß an Baumwurzeln etc.*)

39. Aphis. Blattlaus, Neffe, (vulgo sogenann-
ter Mehlthau). (Fr. puceron. Engl. plant-
louse
). Rostrum inflexum. Antennae thorace
longiores. Alae
4 erectae aut nullae. Pedes
ambulatorii. Abdomen postice saepius bicorne
.

Es gibt oft in Einer Gattung, ja in Einer und
eben derselben Familie, geflügelte und ungeflügelte
Blattläuse, und das ohne alle Beziehung auf den
Sexualunterschied. Die Männchen sind kleiner als ihre
Weibchen: und werden auch in weit minderer Anzahl
jung. Sie erscheinen nicht eher als in der letzten Ge-
neration jeden Sommers**); bei den mehresten Gat-
tungen also erst zu Ende desselben, und nur auf kurze
Zeit, da sie ihre Weibchen befruchten, die kurz darauf
Eier oder vielmehr Hülsen von sich geben, in welchen
zwar die jungen Blattläuse schon völlig ausgebildet lie-
gen, aber doch nicht eher als bis im folgenden Frühjahr
hervorbrechen, und zwar sind alle diese nunmehr aus-
gekrochenen Blattläuse durchgehends weiblichen Geschlechts,
so daß bis zu dem ebengedachten Termin der letzten
Generation keine männliche Blattlaus zu sehen ist.
Und dessen ungeachtet sind doch alle jene jungfräulichen
Blattläuse im Stande, ohne Zuthun eines Gatten
[Seite 301] ihr Geschlecht fortzupflanzen; so daß jene einmalige
Begattung im Herbste, ihre befruchtende Wirkung im
folgenden Frühjahr und Sommer bei vielen bis ins
neunte Glied äußert.

1. †. Ribis. A. ribis rubri.

Frisch P. XI. tab. 14.

2. †. Ulmi. A. ulmi campestris.

3. †. Sambuci. A. sambuci nigrae.

Frisch P. XI. tab. 18.

4. †. Rosae. A. rosae.

Sulzer's Kennz. tab. 12. fig. 79.

5. †. Bursaria. A. populi nigrae.

Swammerdam Bibl. nat. tab. 45. fig. 22. u. f.

Auf der Schwarzpappel, da sie die sonderbaren Aus-
wüchse verursachen, die man Pappelrosen, Alber-
knospen
etc. heißt.

6. Pistaciae. A. nigra, alis albidis, tibiis longis-
simis, thorace verrucoso
.

An Pistacien, Mastix, Terpenthinbaum etc., wo sich
die Blattläuse in einer spannenlangen, schotenähnlichen
Hülse aufhalten.

40. Chermes. Blattsauger. Rostrum pectorale.
Antennae thorace longiores. Alae
4 deflexae.
Thorax gibbus, pedes saltatorii
.

Haben in der Bildung viel Aehnliches mit den ge-
flügelten Blattläusen. Als Larven sehen sie fast aus
wie Cicaden, hüpfen auch so etc.

1. †. Buxi. C. buxi.

2. †. Alni. C. betulae alni.

Frisch P. VIII. tab. 13.

41. Coccus. Schildlaus. (Fr. Gallinsecte).
Rostrum pectorale. Abdomen postice seto-
[Seite 302] sum. Alae
2 erectae masculis. Feminae
apterae.

Bei keinen andern Thieren sehen die beiden Ge-
schlechter einander so auffallend ungleich, als bei den
Schildläusen. Das Männchen ähnelt einer kleinen Mücke,
das Weibchen hingegen ist ungeflügelt, und sitzt, nach-
dem es sich gehäutet hat, fast unbeweglich an den Ge-
wächsen, und könnte bei manchen Arten eher für eine
Narbe an der Pflanze, als für ein lebendiges Thier an-
gesehen werden. Das Männchen schwärmt indeß im
Freien umher, bis es, vom Begattungstrieb gereizt,
ein solches einsiedlerisches Weibchen aufsucht und be-
fruchtet.

1. Hesperidum. C. hybernaculorum.

Sulzer's Kennz. tab. 12. fig. 81.

Das Weibchen hält sich vorzüglich an Orangenbäu-
men, auf der Rückseite der Blätter, auf.

2. Adonidum. C. rufa farinacea pilosa.

Wie die vorige in Gewächshäusern, besonders an
Caffeebäumen etc. Man vertreibt sie, wenn man die
Gewächse nach dem Begießen mit Schwefelblumen be-
streut.

3. Ilicis. Kermes. C. quercus cocciferae.

Im südlichen Europa, besonders in Griechenland, in
der Provence etc. an Stechpalmen etc. Die beerenförmi-
gen, gallapfelartigen Eier-Nester (Fr. le vermillon)
dieser Thiere werden mit Essig besprengt, und das Car-
moisinroth daraus verfertigt.

4. †. Polonicus. deutsche Cochenille, Johan-
nisblut
. C. radicis scleranthi perennis.

Frisch P. V. tab. 2.

Macht ebenfalls kermesartige Eier-Nester an den
Wurzeln des Scleranthus perennis und einiger andern
Pflanzen; zumal häufig in Polen und am Don, wo
sie gesammelt, und zur Farbe angewandt werden.

5. Cacti. der Scharlachwurm. (Fr. la cochenille.
Engl. the cochineal-fly). C. cacti coccinelliferi.

Ellis in den philos. Transact. vol. LII. P. II.

[Seite 303]

Ursprünglich in Mexico; findet sich auf mehreren
Cactusarten, die deßhalb in großen Plantagen gepflanzt,
und die Cochenillewürmer fast wie die Seidenwürmer
darauf gezogen, und jährlich zu dreyen Mahlen abge-
lesen werden.

6. Lacca. der Gummi-Lackwurm. C. ficus in-
dicae et religiosae
.

D. Roxburgh in Voigt's Magazin VIII. B.
4. St. tab. 1.

Zumal in den gebirgigen Gegenden von Hindostan
zu beiden Seiten des Ganges; von ihm kommt das so
genannte Gummilack.*)

42. Thrips. Rostrum obscurum. Antennae
longitudine thoracis. Abdomen sursum re-
flexile. Alae
4 rectae, dorso incumbentes,
longitudinales, angustae, subcruciatae
.

Ueberaus kleine Insecten, die sich gesellschaftlich in
den Blüthen mancher Gewächse aufhalten, und meist
nur durch die Munterkeit, mit der sie umher hüpfen
und fliegen, bemerkbar werden.

1. †. Physapus. T. elytris glaucis, corpore atro.

De Geer in den schwed. Abhandl. v. J. 1744.
tab. 4. fig. 4.

Im Getreide, Bohnenblüthen etc.


III. LEPIDOPTERA. (Glossata
Fabr.)*).

[Seite 304]

Die Schmetterlinge, eine weitläuftige Ord-
nung, die sich durch vier ausgespannte, mit bun-
ten Schuppen befiederte Flügel, und einen behaar-
ten Körper, auszeichnet. Als Raupen haben sie
Kinnladen, zwölf Augen am Kopf, einen lang ge-
streckten, cylindrischen Körper von zwölf Abschnit-
ten, mit neun Luftlöchern auf jeder Seite, drey
Paar hakenförmigen Klauen an der Brust, und
meist fünf Paar runden fleischiger Füßen am Hinter-
leibe. Die Raupe häutet sich verschiedentlich, wird
[Seite 305] dann zur Puppe, die mehrentheils unbeweglich, doch
bei der Weidenraupe und einigen andern sehr weni-
gen Gattungen sich von der Stelle zu bewegen im
Stande ist. Hieraus kommt endlich nach einer be-
stimmten Zeit der Schmetterling zum Vorschein,
der meist lange Fühlhörner, nur drey Paar Füße,
statt der Kinnladen eine spiralförmig aufgerollte (so
genannte) Zunge, und statt jener zwölf kleinen Au-
gen, zwey große halbkugelichte und drey kleine
(§. 126.) hat. Alle die zahlreichen Gattungen hat
Linné unter drey Geschlechter gebracht.

43. Papilio. Tagvogel. (Engl. butterfly).
Antennae apicem versus crassiores, saepius
clavato-capitatae. Alae erectae sursumque
conniventes
.

Die Raupe ist mehrentheils wie mit Dornen besetzt,
und häutet sich gewöhnlich vier Mal. Sie verpuppt
sich ohne ein äußeres Gespinnste: die Puppe ist zackig,
theils schön goldfarbig (chrysalis, aurelia), und hängt
sich mit dem hintern Ende auf. Der Schmetterling
fliegt nur am Tage umher, und hält im Sitzen seine
vier breiten ausgespannten Flügel in die Höhe, mit der
Oberseite (die bei vielen an Farbe und Zeichnung gar
sehr von der Unterseite verschieden ist) gegen einander
gekehrt. Linné hat das ganze Geschlecht, leichter Faß-
lichkeit wegen, wieder in fünf Familien (phalanges)
abgetheilt.

a. Equites. Alis primoribus ab angulo postico
ad apicem longioribus, quam ad basin: his
saepe antennae filiformes
.

Tröes, ad pectus maculis sanguineis. (saepius
nigris
).

Achivi, pectore incruento, ocello ad angulum ani.

b. Heliconii. Alis angustis integerrimis, saepe
denudatis; primoribus oblongis; posticis bre-
vissimis
.

[Seite 306]

c. Danai. Alis integerrimis.

Candidi, alis albidis.

Festivi, alis variegatis.

d. Nymphales. Alis denticulatis.

Gemmati, alis ocellatis.

Phalerati, alis caecis absque ocellis.

e. Plebeii. Parvi. Larva saepius contracta.

Rurales, alis maculis obscurioribus.

Urbicolae, alis maculis pellucidis.

* * *

1. Priamus. P. E. T. alis denticulatis tomentosis
supra viridibus: institis atris, posticis maculis sex
nigris.

Clerk tab. 17.

Auf Amboina etc. So wie der folgende ein großes
prächtiges Thier.

2. Ulysses. P. E. A. alis caudatis fuscis, disco
caeruleo splendente dentato. Posticis subtus ocel-
lis septem.

Clerk tab. 23. fig. 1.

Auch in Ostindien.

3. †. Machaon. der Schwalbenschwarz. P. E.
A. alis caudatis concoloribus flavis, limbo fusco,
lunulis flavis, angulo ani fulvo.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 1.

4. †. Podalirius. der Segelvogel. P. E. A.
alis caudatis subconcoloribus flavescentibus: fasciis
nigricantibus geminatis: posticis subtus linea au-
rantia
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 2.

5. †. Apollo. der rothe Augenspiegel. P. H.
alis oblongis integerrimis albis: posticis ocellis
supra
4: subtus 6, basique rubris.

Sulzer's Kennz. tab. 13. fig. 41.

Im wärmern Europa.

[Seite 307]