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Handbuch
der
Naturgeschichte

Multa fiunt eadem sed aliter.

(QUINTILIAN.)

Zehnte Ausgabe.

Göttingen,
in der Dieterichschen Buchhandlung.
1821
.
[titlePage_verso]
Ex
Bibliotheca
Regia Acad.
Georgiæ
Aug:

Vorrede.

[Seite III]

Man darf es wohl dem Verfasser nicht eben
zur Autoreitelkeit anrechnen, wenn er sich
freut, die zehnte Ausgabe dieses Handbuchs
auszufertigen, das (– drey Nachdrücke des-
selben ungerechnet –) auch in mancherley-
Sprachen übersetzt worden, kurz, wie man
spricht, sein Publicum gesunden hat.

Es sollte dasselbe von der allgemeinen Na-
turgeschichte, gleichsam von ihrer Philosophie,
eine faßliche Uebersicht; und aus der unüber-
sehlichen Fülle der speciellern so viel des ge-
meinnützigsten und interessantesten in gedräng-
ter Kürze enthalten, als der zweckmäßige Zu-
schnitt eines, wie gesagt, auch als Leitfaden
bey akademischen Vorlesungen brauchbaren
Handbuchs gestattet. Dabey ist unter an-
dern besonders darauf Rücksicht genommen,
[Seite IV] daß dasselbe zu einem nützlichen Hülfsmittel
zum Nachschlagen, und zwar namentlich beym
Lesen von Reisebeschreibungen dienen
möchte, und dazu war denn auch das genaue
Register erforderlich, das einige tausend
Namen von merkwürdigen Naturproducten
enthält.

So wie jede neue Ausgabe des Buchs ganz
beträchtlichen Zuwachs von neuen Entdeckun-
gen oder Berichtigungen in der Naturge-
schichte, auch von eignen Ansichten und Be-
merkungen des Verfassers erhalten hat, so
gleichfalls auch diese gegenwärtige, in welcher
Folgendes aus den Vorreden zu den letzten
Ausgaben auch in dieser hier seine Stelle
finden mag.


Ich habe in den mineralogischen Abschnit-
ten, so wie im ganzen Buche, von Geschlech-
tern und den darunter begriffenen Gattungen
gesprochen. Denn daß man in der Minera-
logie die Fossilien in genera und species
eintheilt, und die genera auf deutsch Ge-
schlechter, so wie die species Gattungen
nennt, darüber ist meines Wissens unter den
gelehrten und philosophischen Mineralogen
[Seite V] Deutschlands nur eine Stimme. Und so
versteht sichs wohl von selbst, daß wenn ich
also in einem Theile des Buchs die Be-
nennungen von Geschlecht und Gattung in
diesem von je angenommenen Sinne brauchen
mußte, ich nicht in einem andern Theile das
Wort Gattung im verkehrten Sinne für
genus brauchen durfte, wie doch in der
That neuerlich von gar manchen deutschen
Schriftstellern in der Zoologie und Botanik
versucht worden.

Ich weiß nicht, wer der Reformator ist,
der diese Umkehrung der Begriffe und ihrer
bestimmten Zeichen zuerst unternommen haben
mag: – aber wohl weiß ich, was er mit
einem solchen versuchten Eingriffe in den
Sprachgebrauch

‘“quem penes arbitrium est, et ius,
et norma loquendi
“’

bey andern aufgeklärten Nationen riskirt hätte:
– daß es ihm hingegen in Deutschland nicht
an Nachahmern gefehlt hat, ist nichts weniger
als unerwartet. – Genug indeß, daß so
viele philosophische Naturforscher und die größ-
ten unserer naturkundigen Philosophen das
verba valent sicut numi besser befolgt,
und sich also durch diese sonderbare Umstem-
pelung nicht irre führen lassen. – Und
[Seite VI] warum auch ich für meine Person es hierin
lieber beym Alten lasse, als mich an jene
Nachahmer anschließe, dafür habe ich fol-
gende Gründe:

1. Hoffentlich weiß doch ein jeder, seiner
Sprache kundige, deutsche Naturforscher
(– und wer es nicht weiß, der kann es aus
Adelung's Wörterbuche lernen –), was
die erste und Fundamentalbedeutung des
Wortes Geschlecht ist:

‘“Die Aehnlichkeit der verschiedenen
Gattungen der Dinge:“’

Dieß ist der wahre eigentliche Sinn des
Wortes Geschlecht, wie wir ihn von Kindes-
beinen an, selbst aus des seiner Sprache
höchst kundigen Luther's Bibel-Uebersetzung
lernen.

Dem zu Folge wissen wir also in Anwendung
auf Methodologie in der Naturgeschichte:

Die Gattungen schafft die Natur: der
Systematiker bringt sie nach ihren ge-
meinschaftlichen Aehnlichkeiten unter Ge-
schlechter.

2. Eben so ausgemacht und bekannt ist aber
auch, daß hingegen das Wort Gattung
von dem Zeitworte sich gatten, abstammt;
[Seite VII] und da nun im freyen Naturzustande wohl
nur die Thiere von einer species sich mit
einander fruchtbar gatten, so versteht sich also
von selbst, daß das Wort species, in dem
Sinne wovon hier die Rede ist, durch kein
anderes deutsches Wort passender und bezeich-
nender und bestimmter ausgedrückt werden
konnte, als durch Gattung.

3. Daß aber die Homonymie des deutschen
Wortes Geschlecht, indem es sowohl genus
als sexus bedeutet, zu Irrung Anlaß geben
werde, ist wohl eben so wenig im Ernst zu
befürchten als bey dem lateinischen Worte
genus, das, wie wir in den Kinderjahren
in der Grammatik beym Unterschied der Worte
generis masculini oder feminini lernen,
auch statt sexus gebraucht wird.

4. Und wenn aber auch obbesagter Refor-
mator im Ernste so etwas befürchten zu
müssen meinte, so hätte er immerhin mögen
wer weiß was für ein Wort von eigener
Fabrik statt des ihm bedenklichen Geschlechts
vorschlagen; aber nichts konnte ihn berechti-
gen, die Landessprache – d.h. den bestimm-
ten einmahl festgesetzten Sinn der deutschen
Worte – (da man z.B. Menschenge-
schlecht etc. sagt so gut wie genus humanum)
zu verkehren! Denn, wie unser sel. Lich-
[Seite VIII] tenberg bey einem ähnlichen Anlaß sich
ausdrückt:

‘“Hypothesen zu machen, und sie als
seine Stimme der Welt vorzulegen,
darf niemand gewehrt seyn, sie gehören
dem Verfasser. Aber die Sprache
gehört der Nation, und mit dieser
darf man nicht umspringen, wie
man will.“’

Die gleiche schuldige Achtung gegen dieses
der Nation gehörige Eigenthum, habe ich
auch bey den deutschen Namen der Natura-
lien beobachtet, und mich daher immer der
allgemein angenommenen und allgemein ver-
ständlichen, nicht aber etwa der Solöcismen
einer einzelnen Provinz bedient. Darum
brauche ich z.B. nicht das hier zu Lande
gewöhnliche Wort Molle, sondern das allge-
mein angenommene Molch: eben so nicht
das im Erzgebirge gebräuchliche Wort Ko-
belt, sondern das längst allgemein adoptirte
und selbst in andere lebende und todte Spra-
chen aufgenommene Kobalt u.s.w.

Anders ist der Fall mit den in der Natur-
beschreibung von unsern neuen Systematikern
zur Bezeichnung der Geschlechter und ihrer
Gattungen selbsterfundenen Kunst – und
[Seite IX] Trivial-Namen. So billig und vernünftig
es freylich ist, auch hierin so viel als möglich
die einmahl ziemlich allgemein angenommenen
Benennungen beyzubehalten, so können doch
Fälle eintreten, wo es noch billiger und ver-
nünftiger ist, einen vorher gewählten Namen,
wenn er einen durchaus irrigen Begriff er-
weckt, gegen einen richtigern umzutauschen.
Und doch habe ich mich dieser an sich er-
laubten, aber auch heut zu Tage so oft ge-
mißbrauchten und dann das Studium der
Naturgeschichte so äußerst erschwerenden Frey-
heit nur in äußerst wenigen Fallen, wo es
mir unvermeidlich schien, bedient. So habe
ich z.B. den Panzerthieren oder Armadillen
ihren einheimischen, allgemein bekannten und
längst von klassischen Zoologen angenomme-
nen Namen, Tatu, restituirt; da man sonst
diesen fast haarlosen Thieren durch einen
seltsamen Mißgriff den Namen, Rauchfuß,
Dasypus, beygelegt hatte, womit die alten
Griechen, ganz passend und völlig nach der
Natur, das rauchfüßige Hasengeschlecht
bezeichnet haben. – Aus ähnlichen Grün-
den brauche ich für den schönen neuseeländi-
schen Nephrit lieber seinen einheimischen
Namen (Punammustein), unter welchem
er zuerst von unsern Antipoden zu uns ge-
bracht und bekannt worden, als die ihm
[Seite X] neuerlich beygelegte Benennung Beilstein,
da ich im hiesigen academischen Museum, so
wie in den in London befindlichen großen
Sammlungen von südländischen Merkwürdig-
keiten, zwar wohl die Menge von Häcken
und andern Geräthen, so sich die Neusee-
länder aus diesem Steine bereiten, aber
schlechterdings kein daraus verfertigtes Beil
aufgefunden habe. – Eben so habe ich
diejenige Gattung des Fledermausgeschlechts,
Vampyr oder Blutsauger genannt, die wirk-
lich schlafenden Säugethieren das Blut aus-
saugt; da hingegen Linné diesen Namen dem
fliegenden Hund beygelegt hatte, der wohl
seit die Welt steht, kein Blut gesogen hat,
sondern sich ganz allein von Früchten nährt.
– Aber viele andere, nur nicht gar zu
unpassende Kunstnamen der Art habe ich
dennoch beybehalten, um ja nicht die
Nomenclatur und Synonymien ohne drin-
gende Noth, zur großen Last der Lernenden,
zu häufen.

Daß aber manche bekannte Namen von
Naturalien hier doch anders geschrieben wer
den, als es insgemein geschieht, hat auch
seinen guten Grund. So schreibe ich z.B.
Tofus und nicht Tophus, weil es kein
griechisches Wort ist; eben so Manaca-
[Seite XI] nit*) und nicht Menacanit, weil der Fund-
ort dieses Fossils in seiner ersten Sylbe ein
a hat, so gut wie Hamburg oder Frankfurt.

Im Thierreiche habe ich immer den latei-
nischen Namen vorausgesetzt, weil da hundert
erotische Geschöpfe vorkommen, die im Deut-
schen keinen bekannten verständlichen Namen
haben. Im Mineralreiche hingegen ist der
Fall umgekehrt. Da sind gerade die deut-
schen Benennungen die bekanntesten und selbst
großen Theils in andere Sprachen aufge-
nommen.

Beym Thierreiche ist denjenigen Gattun-
gen, die sich in Deutschland finden, wieder
so, wie in den vorigen Ausgaben, ein †
vorgesetzt. Im Mineralreich konnte dieß
unterbleiben, weil so ein Zeichen bey den
allgemein verbreiteten Fossilien überflüssig,
bey vielen von denen aber, die in Deutsch-
[Seite XII] land selbst ein sehr eingeschränktes Vaterland
haben, wie der Boracit etc. unzureichend ge-
wesen wäre.

Die Abbildungen naturhistorischer
Gegenstände
, die ich in der Verlagshand-
lung dieses Handbuchs heftweise herausgebe,
beziehen sich auf die neuesten Ausgaben des-
selben und dienen ihnen zu einer zweckmäßigen
Erläuterung.

Göttingen,
im August 1820.
J. F. Blumenbach.

[interleaf]

[Tab. I]
TAB. I.xxx

Anweisung der Kupfertafeln.

[Seite XIII]

Tab. I.

Fig. 1-6. Die Intestinal-Würmer im mensch-
lichen Körper in natürlicher Größe.

  • Fig. 1. Ascaris vermicularis (S. 439).
  • – 2. Der Vordertheil von ascaris lumbri-
    coides
    . (S. 440).
  • – 3. Trichocephalus dispar (Ebendaselbst).
  • – 4. Das Kopfende der menschlichen Band-
    würmer (S. 442).
  • – 5. Vier Hinterglieder der taenia solium
    (S. 443).
  • – 6. Dreyzehn Hinterglieder der taenia vul-
    garis
    (Ebendas.).
  • – 7. Das Vorderstück vom Regenwurm
    (S. 441).
  • – 8. Ein Liebespfeil der gemeinen Wald-
    schnecke (S. 432) stark vergrößert.
  • – 9. Ein Stamm mit drey Federbusch-Poly-
    pen, tubularia sultana (S. 497)
    stark vergrößert.
  • [Seite XIV] Fig. 10. Ein Arm-Polype mit einem jungen,
    hydra viridis (S. 502) in natür-
    licher Größe.
  • – 11. Ein Stamm mit zwölf Blumen-Poly-
    pen, brachionus anastatica (Eben-
    daselbst) stark vergrößert.
  • – 12. Das Räderthier, furcularia rotatoria
    (S. 503) stark vergrößert.
  • – 13. Ein menschliches Samenthierchen, chaos
    spermaticum
    (S. 506) noch weit
    stärker vergrößert.

Tab. II.

Zwanzig merkwürdige Krystallisationen der
Fossilien.

[Tab. II]
TAB. II.xxx
[interleaf]

Erster Abschnitt.
Von Naturalien überhaupt
und
ihrer Eintheilung in drey Reiche.

[Seite 1]

§. 1.

Alle Körper, die sich auf, und in unsrer
Erde finden, zeigen sich entweder in derselben
Gestalt und Beschaffenheit, die sie aus der
Hand des Schöpfers erhalten und durch die
Wirkung der sich selbst überlassenen Naturkräfte
angenommen haben; oder so, wie sie durch
Menschen und Thiere, zu bestimmten Absich-
ten, oder auch durch bloßen Zufall verändert
und gleichsam umgeschaffen worden sind.

Auf diese Verschiedenheit gründet sich die
bekannte Eintheilung derselben in natürliche
(naturalia), und durch Kunst verfertigte
(artefacta). Die erstern machen den Gegen-
stand der Naturgeschichte aus, und man pflegt
alle Körper zu den Naturalien zu rechnen,
die nur noch keine wesentliche Verände-
rung durch Menschen erlitten haben.
Artefacten werden sie dann genannt, wenn
[Seite 2] der Mensch*) absichtlich Veränderungen
mit ihnen vorgenommen.

Anm. 1. Daß übrigens jene Begriffe vom Wesentli-
chen und vom Absichtlichen im gegenwärtigen
Falle, bey so verschiedentlicher Rücksicht und Mo-
dification, nicht anders als relativ seyn können,
bedarf wohl keiner Erinnerung. – Denn so
könnte man ein Maulthier, oder einen Caraiben
mit seinem durch die Kunst gemodelten Schedel
und dergl. mehr, aus gewisser Rücksicht auch zu
dem Artefacten rechnen.

Anm. 2. Zuweilen können Naturalien manchen Kunst-
producten so ähnlich seyn, daß sie schwer von
einander zu unterscheiden sind. Daher z.B. die
ehedem getheilten Meinungen, ob der Ueberzug
in der pisscina mirabile bey Bajä ein von selbst
aus dem Wasser abgesetzter Rindenstein von Kalk-
sinter, oder aber ein absichtlich aufgetragner künst-
licher Mörtel sey. (– s. Götting. gel. Anzei-
gen 1791. 188 St. –)

§. 2.

Alle und jede natürliche Körper zeigen, 1) in
Rücksicht ihrer Entstehung, 2) ihres Wachs-
thums, und 3) ihrer Structur, eine dop-
pelte Verschiedenheit.

Die einen nähmlich sind allemahl von an-
dern natürlichen Körpern derselben Gestalt und
Art hervor gebracht; so daß ihre Existenz in
einer ununterbrochenen Reihe bis zur ersten
[Seite 3] Schöpfung*) hinauf immer andere dergleichen
Körper voraussetzt, denen sie ihr Daseyn zu
danken haben.

Zweytens nehmen sie allerhand fremde Sub-
stanzen als Nahrungsmittel in ihren Körper
auf, assimiliren sie den Bestandtheilen dessel-
ben, scheiden das Ueberflüssige wieder aus, und
befördern mittelst dieser beständigen Erneuerung
und Wechsel ihr Wachsthum von innen
(durch innige Aneignung, intus susceptio,
expansio
).

Diese beiden Eigenschaften setzen drittens
von selbst eine besondere Structur bey dieser
Art von natürlichen Körpern voraus. Sie
müssen nähmlich, wenn sie auf diese Weise
Nahrungsmittel zu sich nehmen und umwan-
deln und mit der Zeit andere Geschöpfe ihrer
Art wieder hervor bringen sollen, mancherley
diesen Zwecken der Selbsterhaltung und Fort-
pflanzung entsprechende, deßhalb mit den so
genannten Lebenskräften versehene und zu ei-
[Seite 4] nem zweckmäßigen Ganzen unter einander ver-
bundene, Gefäße, Adern und andere Organe
in ihrem Körper haben, die zur Aufnahme be-
stimmter Säfte, zur Assimilation jener Alimente,
zur Erzeugung der Nachkommenschaft u.s.w.
nothwendig sind.

Dieß Alles fehlt bey den natürlichen Kör-
pern der andern Art, nähmlich den Minera-
lien. Beides, sowohl ihre Entstehung, als
ihr Wachsthum (wenn man es gar nur Wachs-
thum nennen darf), wird keineswegs durch
Ernährung, sondern lediglich nach eigentlich so
genannten bloß physischen (mechanischen und
chemischen), Gesetzen, durch Anhäufung oder
Ansatz homogener Theile von außen (aggre-
gatio, iuxta positio
) bewirkt; folglich ist
bey ihnen weder ursprüngliche Organisation
noch Lebenskraft zu erwarten.

Und eben deßhalb heißen sie unorganisirte,
und jene hingegen organisirte Körper.

§. 3.

Endlich sind nun aber auch jene organisir-
ten Körper selbst, besonders in der Art, wie sie
ihre Nahrungsmittel zu sich nehmen, von einer
doppelten Verschiedenheit.

Die einen nähmlich saugen einen sehr ein-
fachen Nahrungssaft vorzüglich mittelst zahl-
reicher Zasern, die sich am untern Ende ihres
[Seite 5] Körpers befinden, ohne merkliche willkürliche
Bewegung in sich.

Da hingegen die andern eine meist einfache
Hauptöffnung am obern oder vordern Ende
ihres Körpers haben, die zu einem geräumi-
gen Schlauche führt, wohin sie vom innern
Gefühle des Hungers getrieben ihre Alimente,
die von sehr verschiedener Art sind, mittelst
willkürlicher Bewegung bringen.

Jenes sind die Pflanzen, dieses die Thiere.

Anm. Hingegen gibt die Fähigkeit den Standort zu
verändern (locomotivitas) kein hinreichendes Un-
terscheidungszeichen der Thiere von den Pflanzen,
ab. Denn viele Pflanzen, wie z.B. die gemeinen
Wasserlinsen, sind nicht festgewurzelt, sondern kön-
nen zu gewissen Jahrszeiten etc. ihren Aufenthalt
verändern, bald zu Boden sinken, bald wieder
auf die Oberfläche des Wassers steigen u.s.w. Und
andererseits gibt es ganze Geschlechter von Wasser-
thieren, zumahl unter den Conchylien, Corallen etc.
die ihren einmahl eingenommenen Platz nie von
selbst wieder verlassen können.

§. 4.

Diese sehr faßliche Eintheilung der natür-
lichen Körper in organisirte und unorganisirte
(§. 2.), und der organisirten wieder unter ein-
ander (§. 3.), ist nun der Grund der bekannten
drey Reiche, worunter man die Naturalien
sehr schicklich gebracht hat, und wovon das
erste die Thiere, das zweyte die Pflanzen, das
dritte die Mineralien begreift.

[Seite 6]

Die Thiere sind demnach belebte und be-
seelte organisirte Körper, die sich ihre sehr viel-
artige Nahrung mittelst willkürlicher Bewe-
gung suchen, und selbige durch den Mund in
den Magen bringen.

Die Pflanzen sind zwar ebenfalls belebte
organisirte Körper, aber unbeseelt, so daß sie
ihren sehr homogenen Nahrungssaft ohne will-
kürliche Bewegung mittelst der Wurzeln ein-
saugen.

Die Mineralien endlich sind unbelebte und
unorganisirte Körper, die folglich ohne Lebens-
kraft nach den bloß physischen (mechanischen
und chemischen) Gesetzen von Anziehung, An-
häufung, Bildungskraft etc. entstehen.

Anm. Gegen diese Eintheilung in drey Reiche, ist,
zumahl neuerlich, eine doppelte Einwendung ge-
macht worden.

Manche haben zwar die Kluft zwischen den
organisirten und unorganisirten Körpern aner-
kannt, aber nur keine bestimmten Gränzen zwi-
schen Thieren und Gewächsen zugeben wollen:

Andere hingegen haben die beliebten Meta-
phern von Stufenfolge der Geschöpfe geradezu
dahin gedeutet, als ob überhaupt keine bestimm-
baren Eintheilungen der Naturalien in Reiche
u.s.w. Statt fänden.

Was das erste betrifft, so sollte man zwar
überhaupt nicht vergessen, was so oft den Gegen-
ständen der Erfahrung der Fall ist, daß man sie
weit leichter für das was sie sind*) richtig aner-
[Seite 7] kennen und von andern unterscheiden, als ihre
einzelnen unterscheidenden Merkzeichen ausfinden
und angeben kann*). – So sagte z.B. Linné:
‘„nullum characterem hactenus eruere potui,
unde Homo a Simia internoscatur
.”’ Nun
glaube ich zwar in diesem Buche solche äußere
Charactere der Humanität angegeben zu haben,
wodurch sich der Mensch von den noch so menschen-
ähnlichen Affen (wie man sie nennt); so wie über-
haupt von allen andern Säugethieren unverkenn-
bar auszeichnet. Aber auch ohne dieselben wird
doch höffentlich nie ein Naturforscher in praxi in
Verlegenheit gekommen seyn, Menschen und Affen
etwa zu verwechseln. – Außerdem aber können
ferner Geschöpfe aus noch so verschiedenen Classen
manche theils auffallende und unerwartete Aehn-
lichkeit mit einander haben, ohne daß dadurch die
dessen ungeachtet unverkennbare Verschiedenheit
zwischen diesen Classen selbst wegfallen dürfte.
Man theilt z.B. die Thiere sehr natürlich in warm-
blütige und kaltblütige; und rechnet eben so na-
türlicher Weise die Säugthiere zu jenen und hin-
gegen die Insecten zu diesen; ohne je deßhalb irre
zu werden, daß die Bienen in ihrem Stocke so
ganz ohne Vergleich wärmer sind, als etwa ein
Igel während seines Winterschlafs. – So gibt es
in der Classe der Gewürme Geschlechter, wie z.B.
die Sepien, die sich von den übrigen Thieren die-
ser Classe sehr auszeichnen, und dagegen manche
auffallende Aehnlichkeit mit den Fischen haben.
Aber niemand wird meinen, deßhalb müsse nun
[Seite 8] die Scheidewand zwischen der Classe der Fische
und der Classe der Gewürme aufgehoben werden. –
Und eben so wenig wird Jemand im Ernst in Ver-
suchung gerathen, das Thier- und Pflanzenreich
deßhalb mit einander zu verbinden, weil man an
gewissen Pflanzen gewisse Aehnlichkeiten mit ge-
wissen Thieren bemerkt hat. Von der Art sind
z.B. die sonderbaren Bewegungen mancher Mi-
mosenarten, und des hedysarum gyrans etc.,
die, so merkwürdig sie auch an sich bleiben, doch
gar nicht einmahl in den oben angegebnen Cha-
rakter der Animalität eingreifen. So wenig als
hinwiederum diejenigen Aehnlichkeiten, so die Arm-
Polypen mit den Gewächsen haben, den oben be-
stimmten Character der Vegetabilität betreffen.
Sondern, die Arm-Polypen sind Thiere, die so
wie der Mensch und die Auster, vom Hunger ge-
trieben ihre Nahrung durch willkürliche Bewegung
in den Mund bringen, was hingegen bey keiner
Pflanze, in der bis jetzt bekannten Schöpfung,
der Fall ist.

Nun und so beantwortet sich die andere Ein-
wendung gegen die Naturreiche etc. die sich auf die
so gepriesene Metapher von Stufenfolge der Ge-
schöpfe gründet, eigentlich von selbst.

Alle die beliebten Bilder von Kette, von Leiter,
von Netz etc. in der Natur, haben zwar für die
Methodologie im Studium der Naturgeschichte in
sofern ihren unverkennbaren Nutzen, als sie den
Grund eines so genannten natürlichen Systems
abgeben, worin man die Geschöpfe nach ihren
meisten und auffallendsten Aehnlichkeiten, nach
ihrem Totalhabitus und der darauf gegründeten
so genannten Verwandtschaft untereinander, zu-
sammen ordnet.

Aber sie nun, wie doch so oft von wohlmei-
nenden Physicotheologen geschehen, dem Schöpfer
in den Plan seiner Schöpfung hinein legen, und
die Vollkommenheit und den Zusammenhang der-
selben darin suchen zu wollen, daß die Natur (wie
man sich ausdruckt) keinen Sprung thue, weil
die Geschöpfe in Rücksicht ihrer äußern form
so sein stufenweise auf einander folgten, das wäre
[Seite 9] doch schon an sich eine vermessene Schwachheit,
wenn sie auch nicht, wie doch der Fall ist, bey
ernsterer Prüfung sich selbst widerlegte*).

Denn man braucht bloß die noch so kunstreich
und sorgfältig angelegten Entwürfe von solchen
Stufenfolgen in der Reihe der Geschöpfe näher zu
beleuchten, um einzusehen, wie sehr darin einer-
seits sich ganze Haufen von Geschöpfen ähnlicher
Bildung in Geschlechtern von fast unübersehlich
zahlreichen Gattungen (zumahl unter den Insecten
und Gewürmen, aber auch im Pflanzenreiche) zu-
sammen drängen, und andere dagegen gleichsam
isolirt stehen, weil sie wegen ihrer ausgezeichneten
ganz eignen Bildung nicht ohne sichtlichen Zwang
in einer solchen Leiter der Natur irgendwo einge-
schoben und untergebracht werden können (wie
z.B. die ganze Classe der Vögel; die Schildkröten,
die schon gedachten Sepien u.a.m.) – Ferner aber
finden sich Thiere, bey welchen, wie z.B. bey den
Schildläusen, Männchen und Weibchen eine so
durchaus ganz verschieden Gestaltung haben, daß
man folglich in der gedachten Leiter die einen von
den andern trennen und nach dieser so sehr ver-
schiedenen Sexualform beiden auf weit von einan-
der entfernten Sprossen ihre verschiednen Stellen
anweisen müßte. – Nun dann zeigen sich Lücken
in der Leiter, wo offenbar ohne einen sehr gewagten
Sprung gar nicht über zu kommen ist, wie zu
Einem Beyspiel statt aller, die zwischen den orga-
nisirten Körpern und den Mineralien u.s.w.

So mangelhaft aber überhaupt die bildlichen
Vorstellungen von Kette der Natur u.s.w. ge-
rathen müssen, so ganz grundlos ist nun vollends
gar die vermessene Behauptung mancher Physico-
theologen, als ob kein Glied aus dieser ihrer zu
Papier gebrachten Kette ausfallen dürfte, wenn
nicht die Schöpfung selbst stocken sollte u.s.w. –
So gut einzelne Gattungen von Thieren aus gan-
zen großen Inseln, wie z.B. die Wölfe aus Groß-
[Seite 10] britannien vertilgt sind, ohne daß die dasige
Schöpfung durch diese nunmehrige scheinbare Lücke
ihren sonstigen Zusammenhang verloren haben
sollte, so können andre Geschöpfe aus ganzen
Welttheilen und wohl von der ganzen Erde ver-
tilgt werden (wie dieß allem Anschein nach mit
manchen, z.B. mit dem Dudu wirklich geschehen),
ohne daß durch diesen merklichen hiatus, der da-
durch in der Kette der Physicotheologen entsteht,
der ewige stille Gang der Schöpfung selbst, im
mindesten gefährdet werden dürfte.

Einige Hauptquellen und andere Hülfsmittel
zur N. G. überhaupt.

  1. Aristoteles (lebte ungefähr 400 Jahr vor Christi Ge-
    burt.). Ej. opera. gr. lat. ex. ed. Gu. du Val.
    Paris. 1654. IV. vol. fol. zumahl im II. B.
  2. C. Plinius secundus (†. im J. 79. nach Chr. Geb.)
    Ej. historia mundi l. xxxvii – Ein Paar sau-
    bere und correcte Handausgaben sind die Leidner,
    Elzevirische 1635. III. vol. 12. und die Zwey-
    brücker 1783. V. vol. 8.
  3. Conr. Gesner. (†. 1562.)
  4. Joh. Rav. (†. 1705.) Die hierher gehörigen Haupt-
    werke dieser beiden Männer werden anderwärts
    angeführt.
  5. C. v. Linné. (†. 1778.) Ej. systema naturae ed. 12.
    Holm. 1766. IV. vol. 8. und die dazu gehörigen
    beiden mantissae ib. 1767 sq. 8.
  6. ed. 13. aucta, reformata cura Jo. Fr. Gmelin. Lips.
    1788. IX. vol. 8.

Und zum Verständniß der linnéischen Kunstsprache:

  1. Jo. Reinh. Forster enchiridion historiae na-
    turali inserviens
    . Hal
    . 1788. 8.
  2. J. R. W. Illiger's Versuch einer systematischen voll-
    ständigen Terminologie für das Thierreich und
    Pflanzenreich. Helmstädt. 1800. 8.
  3. G. L. le Clerc C. de Buffon. (†. 1788.) Ej. histoire
    naturelle
    . Die Orig. Ausgabe, Paris, seit 1749.
    XXXIII. vol. 4 oder LXXII. vol. 12.

Zur allgemeinen N. G.

[Seite 11]
  1. F. S. Voigt's Grundzüge einer N. G. Frankf. 1817. 8.

Zur geographischen N. G.

  1. C. Ritter's Erkunde im Verhältniß zur Natur, Berl.
    seit 1817. 8.

Miscellan-Werke.

  1. C. v. Linné amoenitates academicae. Holm. seit
    1749. IX. vol. 8.
  2. Oeuvres de Ch. Bonnet. Neuch. 1779. sq. 4. die
    ersten V. B.

Physicotheologische und ähnliche Werke.

  1. Jo. Ray's wisdom of God manifested in the works
    of the creation
    . ed
    . 12. Glasgow. 1750. 12.
  2. W. Derham's physicotheology. ed. 4. Lond. 1716. 8.
  3. Ch. Bonnet contemplation de la nature. (als IVter
    Band der gedachten Ausg. seiner Werke.)

Wörterbücher.

  1. Valm. de Bomare Dictionnaire d'histoire natu-
    relle
    . ed
    . 4. Lyon, 1791. VIII. vol. 4.
  2. Nouveau Dictionnaire d'histoire naturelle apliquée
    aux arts
    etc. par une Societé de naturalistes
    et d'agriculture
    . Par
    . 1804. XXIV. vol. 8.
  3. Dictionnaire des sciences naturelles, par plusieurs
    Prof. du Jardin du Roi
    etc. Strasb
    . seit 1816. 8.
  4. Ph. Andr. Nemnich's allgemeines Polyglotten Lexi-
    con der Naturgeschichte
    . Hamb
    . 1793. IV B. 4.

Journale etc.

  1. Journal de physique. Paris seit 1773. 4.
  2. Magazin für das Neueste aus der Physik und Naturge-
    schichte, herausgeg. von L. C. Lichtenberg und
    J. H. Voigt. Gotha, 1781 bis 1797. XII. B. und
    J. H. Voigt's Magazin für den neuesten Zustand
    der Naturkunde. Jena 1797 bis 1806; ebenfalls
    XII. B. 8.

Zweyter Abschnitt.
Von den organisirten Körpern
überhaupt.

[Seite 12]

§. 5.

Im allgemeinen werden die organisirten Kör-
per (§. 2.) von ihres Gleichen*) erzeugt, dann
durch eigene Kraft lebenslang ernährt, und
dadurch ihre Selbsterhaltung und Wachs-
thum, und wenn er zu ihrer Reise gelangt,
auch seine Fortpflanzungsfähigkeit bewirkt.

§. 6.

Zu diesen großen Verrichtungen werden sie
eben durch die Organisation ihres Baues,
und durch die mit derselben verbundenen Le-
benskräfte geschickt gemacht. Denn durch
diese letztern erhalten die Organe sowohl ihre
Empfänglichkeit für reißende Eindrücke (sti-
muli
) und ihr Bewegungsvermögen, ohne
welches beydes weder Ernährung noch Wachs-
thum, noch wechselseitige Einwirkung der
Theile zur zweckmäßigen Erhaltung des Gan-
zen, und umgekehrt**), denkbar seyn könnte.

§. 7.

[Seite 13]

Sich die Entstehung der organisirten Kör-
per zu erklären, hat man, zumahl neuerlich,
die so genannte Evolutions-Hypothese be-
quem gefunden, und gemeint, es werde gar
kein Mensch, und kein anderes Thier, und
keine Pflanze erzeugt, – sondern sie lägen
alle schon seit der ersten Schöpfung als völlig
präformirte Keime*) bey ihren Aeltern und
Vorfahren längst vorräthig; die verschiede-
nen Generationen steckten, gleichsam wie ein-
gepackte Schachteln, in einander, und würden
nur nach und nach, so wie die Reihe an sie
käme, durch die Befruchtung entwickelt und
aus Licht gebracht. – Eine Meynung, die
doch schon sowohl durch den dabey erforder-
lichen Aufwand von übernatürlichen (hyper-
[Seite 14] physischen) Anstalten*), als durch die,
allen Gesetzen einer philosophischen Naturfor-
schung zuwiderlaufende unnütze Vervielfälti-
gung der natürlichen [physischen]**) Kräfte,
und durch die unübersehliche Menge von zweck-
losen Schöpfungen aller der zahllosen prä-
formirten Keime, die nur nicht zu ihrer Ent-
wickelung gelangen konnten, aller präjudizlosen
Urtheilskraft widerstehen müßte, wenn sie auch
nicht durch die überwiegenden gegenseitigen
Erfahrungsgründe widerlegt würde.

Anm. Nach der einstimmigen Behauptung der allerbe-
rühmtesten und allereifrigsten Verfechter der Evo-
lutionshypothese, sollen die präformirten Keime
bey der Mutter vorräthig liegen, und während der
Befruchtung durch die Kraft des hinzukommenden
männlichen Zeugungsstoffes erweckt und zur Ent-
wickelung angetrieben werdet. Was man Empfäng-
niß nennt; sey folglich nichts als das Erwachen
des schlaftrunkenen Keimes durch den Reitz des
auf ihn wirkenden männlichen Samens.

Also bedarf es hier zuvörderst einer erwecken-
den Kraft.

Nun aber ähneln ja so oft Kinder zum Sprechen
bloß ihrem Vater; – Bätzen, die sich kurz
hintereinander mit mehreren männlichen Hunden
belaufen haben, werfen oft Junge, die diesen ver-
schiedenen Vätern ähneln; – zweyerley Men-
schenrassen, z.B. Neger und Weiße, zeugen
mit einander nothwendigen Mittelschlag, nähmlich
Mulatten; – und wenn nun vollends ungleiche
Gattungen (verschiedene Species) von Thieren
oder Gewächsen einander befruchten, so entstehen
Bastarde, die eben so viel von der väterlichen als
von der mütterlichen Gestaltung an sich haben.

[Seite 15]

Ja das läßt sich freylich nicht wohl verkennen:
und dem zu Folge gestehen dann die Evolutionisten
dem männlichen Samen, außer seiner erwecken-
den, nun auch Nro. 2. in sofern eine bildende
Kraft zu, daß er den bey der Mutter präformirt
gelegenen Keim, wohl in etwas zur väterlichen
Gestaltung umzuformen vermöge.

Demnach wäre folglich zweyerley Kraft im
männlichen Samen; 1) die erweckende und
2) doch auch eine bildende –

Aber man kann ja mittelst einer, mehrere Ge-
nerationen hindurch immer wiederholten, künst-
lichen Bastardzeugung endlich die Eine Gattung
von organisirten Körpern gänzlich in die andere
umwandeln. So hat man z.B. aus der künst-
lichen Befruchtung der Einen Pflanzengattung
mittelst des männlichen Staubes von einer andern,
Samen gezogen, welcher fecundabele Bastard-
pflanzen gegeben; d.h., die sich zur Blühezeit
abermals mit männlichem Staub von jener an-
dern Gattung befruchten lassen, und wiederum
fecundabele Bastarde der zweyten Generation
hervorgebracht. Jene Bastarde von der ersten
Generation dielten gleichsam das Mittel zwischen
beyden verschiedenen Stamm-Aeltern von väter-
licher und mütterlicher Seite. Die von der zwey-
ten hingegen ähnelten schon weit mehr der väter-
lichen, als der mütterlichen. Und nachdem die
gleiche künstliche Befruchtung noch fernerweit
durch zwey folgende Generationen eben so wieder-
hohlt worden, so entstanden endlich Pflanzen, an
welchen die ursprüngliche mütterliche Gestaltung
so zu sagen ganz verwischt, und in die väterliche
umgewandelt worden. (– s. Kölreuter's dritte
Fortsetzung der Nachricht von einigen das Ge-
schlecht der Pflanzen betreffenden Versuchen S. 51.
§. 24. mit der Ueberschrift: ‘„Gänzlich voll-
brachte Verwandlung Einer natürlichen
Pflanzengattung in die andere.”’ –)

Da hat den folglich alle Präformation des
seit Erschaffung der Welt conservirten mütterlichen
Keims am Ende zu nichts geholfen, sondern hat
der bildenden Kraft des männlichen Stoffes (der
[Seite 16] eigentlich nach der Evolutionshypothese bloß durch
seine erweckende Kraft auf denselben hätte wir-
ken sollen,) gänzlich weichen müssen!

§. 8.

Und so bleibt es folglich im Ganzen unserem
Erkenntnißvermögen und selbst den Regeln
aller philosophischen Nachforschung*) weit
angemessner, wenn man die Entstehung der
neuerzeugten organisirten Körper bloß durch
allmähliche Ausbildung (Epigenesis) des
an sich zwar ungeformten, aber unter den
dazu erforderlichen Umständen organisirbaren,
Zeugungsstoffes, erklärt.

Nur kommt es bey der vielfachen Vorstel-
lungsart, die man sich von einer solchen all-
mählichen Bildung machen kann und gemacht
hat**), darauf an, sie so zu bestimmen, wie
[Seite 17] sie dem Begriff von organisirten Körpern, und
dann den Phänomenen, die uns die Beobach-
tung bey Entstehung derselben lehrt, am un-
gezwungensten entspricht.

§. 9.

Und dieß geschieht, wenn man annimmt,
daß der reise, vorher zwar umgeformte, aber
organisirbare Zeugungsstoff der Aeltern, wenn
er zu seiner Zeit, und unter den erforderlichen
Umständen an den Ort seiner Bestimmung ge-
langt, dann für eine in denselben nun zweck-
mäßig wirkende Lebenskraft, nähmlich den
Bildungstrieb (nisus formativus) zuerst
empfänglich wird; – für einen Trieb, der
sich von aller bloß mechanischen bildenden
Kraft [als welche auch im unorganischen Reiche
Crystallisationen*) und dergl. hervorbringt]
dadurch auszeichnet, daß er nach der endlos
mannigfaltig verschiedenen Bestimmung der
organisirten Körper und ihrer Theile, die viel-
[Seite 18] artig organisirbaren Zeugungsstoffe auf eben so
mannigfaltig aber zweckmäßig modificirte Weise
in bestimmte Gestalten zu formen vermag –
und so [– durch die Verbindung des Mecha-
nischen mit dem zweckmäßig Modificirbaren in
diesem Triebe*) –] zuerst bey der Em-
pfängniß die allmähliche Ausbildung; dann
aber auch die lebenswierige Erhaltung dieser
organischen Bildung durch die Ernährung;
und selbst wenn dieselbe durch Zufall gelitten
haben sollte, so viel möglich die Wiederersetzung
derselben durch die Reproduction, bewirkt
wird**).

Anm. 1. Diese allmähliche Ausbildung der neuen or-
ganisirten Körper ist am anschaulichsten an solchen
zu betrachten, die mit einer ganz ansehnlichen
Größe ein schnelles (so in sagen zusehends merk-
liches) Wachsthum, und eine so zarte halbdurch-
sichtige Textur verbinden, daß sie (zumahl im
sattsamen Lichte und unter mäßiger Vergröße-
rung) aufs deutlichste, klarste durchschaut werden
können.

[Seite 19]

So im Gewächsreiche an manchen einfaches Was-
sermoosen, wie z.B. an der Brunnen-Conferve
(Conferva fontinalis, Ceramium caespitosum
Roth
.) die sich in den ersten Frühlingstagen fort-
pflanzt. (– Abbild. nat. hist. Gegenst. tab. 49. –)

Unter den blutlosen Thieren an den Arm-Polypen.

Und unter den warmblütigen an der ersten Er-
scheinung des Küchelchens im bebrüteten Eye und
seiner dann von Tag zu Tag fortrückenden Aus-
bildung.

Anm. 2. Hoffentlich ist für die mehresten Leser die Er-
innerung überflüssig, daß das Wort Bildungstrieb
selbst so gut wie die Benennungen aller andern
Arten von Lebenskräften an sich weiter nichts er-
klären, sondern bloß eine besondre (das Mecha-
nische mit dem zweckmäßig Modificirbaren in sich
vereinende) Kraft unterscheidend bezeichnen soll,
deren constante Wirkung aus der Erfahrung aner-
kannt worden, deren Ursache aber so gut, wie
die Ursache aller andern noch so allgemein aner-
kannten Naturkräfte für uns hienieden im eigentli-
chen Wortverstande qualitas occulta bleibt†). –
Das hindert aber nicht, daß man nicht immer mehr
suchen sollte, ihre Wirkungen durch Beobachtung
weiter zu erforschen und zu verfolgen, und sie so
auf allgemeine Gesetze zurück zu bringen.

§. 10.

Durch die bestimmte zweckmäßige Wirksam-
keit des Bildungstriebes in den bestimmten
dafür empfänglichen organisirbaren Stoffen,
[Seite 20] wird nun die eben so bestimmte Form und der
Habitus aller einzelnen Gattungen (Species)
von organisirten Körpern erhalten; und bey
denen, wo es Statt findet, auch ihre Sexual-
Verschiedenheit, durch welche sich nähmlich die
männlichen Geschöpfe von den weiblichen in
derselben Gattung auszeichnen.

§. 11.

Aber freylich kann der Bildungstrieb auch
eben sowohl als jede andere in ihrer Thätigkeit
gestörte oder fremdartig modificirte Lebenskraft
auf mancherley Weise vor seiner eigentlichen
bestimmten Richtung abweichen.*)

So entstehen dann (– der bloß krankhaf-
ten, nicht ins Gebiethe der Naturgeschichte
gehörigen Abweichungen, zu geschweigen –)
1) durch ganz gewaltsame Störungen desselben
ganz widernatürliche**) Formen der organisir-
ten Körper, nähmlich die Mißgeburten.

[Seite 21]

2) Dadurch, daß der zweyfache Sexual-
Charakter, der sonst in den beiden Geschlech-
tern getrennt seyn sollte, mehr oder weniger
in einem und eben demselben Individuum
verbunden ist, die Zwitter.

3) Dadurch, daß zwey Geschöpfe ganz
verschiedener Gattung (zweyerley Species)
einander befruchten, die Bastarde.

Endlich 4) durch den Einfluß der mancher-
ley Ursachen der allmählichen, Ausartung, die
Rassen und Spielarten.

§. 12.

Unter Mißgeburt versieht man, nach dem
gemeinen Sprachgebrauche, eine widernatür-
liche, angebohrne, leicht in die Augen fallende
Verunstaltung in Bildung äußerer, größerer
Theile. So mannigfaltig aber diese Mißge-
stalten seyn können, so lassen sie sich doch
alle auf folgende vier Hauptclassen zurück
bringen*):

1) M. G. mit widernatürlicher Bildung ein-
zelner Glieder. Fabrica aliena.

2) M. G. mit Versetzung oder widernatürlicher
Lage einzelner Glieder. Situs mutatus.
Die seltensten von allen (– nähmlich unter
[Seite 22] Mißgeburten in dem angegebnen Sinne.
Oft hat man hingegen bey Leichenöffnungen
wohlgebildeter Menschen manche ihrer Ein-
geweide in ganz verkehrter Lage gefun-
den –).

3) M. G. denen ganze Glieder mangeln.
Monstra per defectum. Unter diesen die
lehrreichsten.

4) M. G. mit überzähligen Gliedern. Mon-
stra per excessum
. Die gemeinsten (–
selbst nicht selten unter wilden Thieren
z.B. Hasen –). Theils gar erblich, wie
z.B. in den sechsfingrigen Familien, und
bey Hühnern mit fünf oder sechs Zehen.

Anm. Die auffallende Aehnlichkeit unter so vielen
Monstrositäten beweiset, daß auch selbst diese Ab-
weichungen des Bildungstriebes dennoch bestimm-
ten Gesetzen folgen müssen; so wie hingegen die
bekannte Erfahrung, daß die Hausthiere seit ihrer
Unterjochung und die cultivirten Gartenpflanzen
denselben weit mehr als in ihrem wilden Zustande
unterworfen sind (daß z.B. Mißgeburten unter
den Hausschweinen so häufig, unter den wilden
Schweinen hingegen fast unerhört sind), sich mit
der Lehre der Evolutionisten, daß die Keime die-
ser Mißgeburten ebenfalls seit der ersten Schöpfung
schon monströs präformirt eingeschachtelt ge-
legen, wohl schwerlich zusammen reimen läßt.

§. 13.

Zwitter nennt man zwar im engern Sinne
bloß solche einzelne Individua von organisirten
Körpern, bey welchen widernatürlicher Weise
die Spuren der zweyfachen eigentlichen Sexual-
[Seite 23] Organe mehr oder weniger verbunden sind,
die sonst, in den männlichen und weiblichen
Geschöpfen derselben Art, getrennt seyn sollten.
Dergleichen finden sich selbst zuweilen unter
den warmblütigen Thieren; zumahl unter dem
Rindvieh, Schafen und Ziegen.

Nächstdem aber verdient auch diejenige Ab-
weichung des Bildungstriebes hier einer Er-
wähnung, wenn andre körperliche Functionen
oder Charaktere, die dem einen Geschlechte
eigen seyn sollten, sich bey Individuis des an-
dern äußern. Wenn z.B. Hirschkühe und
Rehe Geweihe aufsetzen; oder Fasan- und
Pfau-Hennen mit zunehmenden Jahren männ-
liches Gefieder kriegen; oder Mannspersonen
oder andere männliche Säugethiere Milch
geben*) u.s.w.

Endlich aber zeigt sich auch zuweilen im
ganzen Verhältniß des Körperbaues einzelner,
übrigens noch so regelmäßig und schön gebilde-
ter Geschöpfe des einen Geschlechts doch mehr
oder weniger vom Totalhabitus des andern;
z.B. weibliche Weichlichkeit in der Totalform
des männlichen**).

§. 14.

[Seite 24]

Wenn ein weibliches Geschöpf der einen
Gattung von einem männlichen einer andern
Gattung befruchtet worden, so entstehen daraus
Bastarde, deren Bildung aus der beiderley
Aeltern ihrer gleichsam zusammengeschmolzen
ist*). Da aber von der bestimmten Bildung
der organisirten Körper, besonders der Thiere,
die behörige und für den Gang der Schöpfung
so äußerst wichtige Vollziehung ihrer Geschäfte
abhängt, so ist es eine weise Einrichtung in
der Natur, daß erstens, wenigstens unter den
rothblütigen Thieren, in ihrem freyen Natur-
Zustande meines Wissens niemahls eine Paa-
rung und Vermischung unter zweyerley Gattun-
gen bemerkt worden; zweytens aber die Bastarde
überhaupt meistentheils unfruchtbar, und nur
sehr selten im Stande sind, ihr Geschlecht wei-
ter fortzupflanzen. Daher gehört es zu den
seltnern Ausnahmen, wenn Maulthiere, oder
die Bastarde von Hänflingen und Canarien-
vögeln zuweilen fruchtbar sind. Bey den Pflan-
zen gelingt es leichter, daß durch künstliche
Befruchtung verschiedner Gattungen Bastarde
[Seite 25] hervor gebracht werden können, die fruchtbaren
Samen tragen (– s. oben Seite 15. –).
Hingegen bedürfen die fabelhaften Sagen von
vermeinten Bastarden aus der Vermischung
vom Rindvieh und Pferden oder Eseln, und
von Caninchen und Hühnern, oder vollends
gar von Menschen und Vieh, jetzt hoffentlich
keiner weitern Widerlegung.

Anm. Eben in der gedachten notorischen Erfahrung,
daß im freyen Natur-Zustande jener Geschöpfe
nur die von einer und eben derselben Species sich
mit einander gatten, liegt der natürliche Grund,
warum das Wort Species im Deutschen am aller-
natürlichsten durch Gattung übersetzt wird. (–
davon mit mehreren in der Vorrede. –)

§. 15.

Rassen und Spielarten (varietates) sind
diejenigen Abweichungen von der ursprünglichen
specifiken Gestaltung der einzelnen Gattungen
organisirter Körper, so diese durch die allmähliche
Ausartung oder Degeneration erlitten haben.

Rasse heißt aber im genauern Sinne ein
solcher durch Degeneration entstandener Cha-
racter, der durch die Fortpflanzung unaus-
bleiblich und nothwendig forterbt, wie z.B.
wenn Weiße mir den Negern Mulatten, oder
mit americanischen Indianern Mestissen zeugen:
welches hingegen bey den Spielarten keine
nothwendige Folge ist; wie z B. wenn blau-
[Seite 26] äugige Blonde mit braunäugigen Brünetten
Kinder zeugen*).

Anm. Wenn sich gewisse Ausartungen seit unabsehli-
chen Reihen von Generationen fortgepflanzt haben,
so hält es oft schwer zu bestimmen, ob das bloße
Rassen oder ursprünglich verschiedene Gattungen
(Species) sind? Wenigstens gibt es dann zur Ent-
scheidung in dergleichen Fällen keine andern in
praxi
anwendbare Regeln, als die, so aus der
Analogie abstrahirt sind; da hingegen die, so Ray,
Büffon und andere angenommen haben, den Cha-
racter von Species darnach zu bestimmen, wenn
die Geschöpfe mit einander fruchtbare Nachkom-
menschaft zeugen, zu diesem Behuf sehr unzu-
länglich und schwankend ist.

Denn abgerechnet, daß die Anwendung die-
ser Regel ohnehin bey allen den Thieren und
Pflanzen wegfällt, die sich ohne Paarung fort-
pflanzen. (– s. unten §. 20. –), so findet sie auch
in unzähligen andern Fällen wegen unüberwindli-
cher Schwierigkeiten nicht Statt, wie z.B. bey
Entscheidung der Frage, ob der asiatische und der
africanische Elephant zu einerley Species gehören
oder nicht? Und selbst da, wo die Erfahrung
Statt hat, wie z.B. bey der Vermischung von
Pferd und Esel, fragt sich wieder, soll da der
gewöhnliche oder aber der äußerst seltene Erfolg
als Regel angesehn werden. Denn gewöhnlich
sind die Maulthiere steril, und nur in äußerst sel-
tenen Fällen hat man sie zur Fortpflanzung fähig
befunden. Wollte man also diesen wunderseltnen
Fall als Regel gelten lassen, so müßte man Pferd
und Esel für Thiere derselben Species halten, un-
geachtet sie in ihrem ganzen Körperbau – zumal
im Innern (und namentlich in der ganz auffallend
verschiednen Einrichtung ihrer Stimmwerkzeuge!),
[Seite 27] wenigstens eben so specifisch von einander differiren
als Löwe und Katze. Da stimmt hingegen alle
Analogie dafür, sie als zwey ganz verschiedene Gat-
tungen anzuerkennen. Und eben diesem Grund-
satz der Analogie gemäß halte ich auch die ge-
dachten beiderley Elephanten für ganz verschiedene
Gattungen, weil ihr Gebiß eine so constante auf-
fallende Verschiedenheit zeigt, die sich unmöglich
als bloße Folge der Degeneration gedenken läßt.

§. 16.

Zu den mancherley Ursachen der Ausartung
gehören vorzüglichst der Einfluß des Himmels-
strichs, der Nahrung, und bey Menschen und
Thieren auch der Lebensart.

Kaltes Clima z.B. unterdrückt das Wachs-
thum der organisirten Körper, und darum sind
die Grönländer, Lappländer etc. so wie die
Thiere und Gewächse kalter Erdstriche, klein,
untersetzt. Eben so bringt dieses Clima weiße
Farbe an Thieren und Gewächsen hervor, und
darum sind die Nordländer von Natur von
weißer Haut etc. so wie viele warmblütige
Thiere der kältesten Gegenden anomalisch weiße
Haare und Federn, viele Pflanzen daselbst
anomalisch weiße Blüthen haben u.s.w. –
Dagegen tragen die Creolen (d.h. die in
Ost- und West-Indien von europäischen Ael-
tern geborenen Weißen) das unverkennbare
meist wunderschöne Gepräge ihrer südlichen
Heimath an sich.

Wie sehr aber verschiedene Lebensart, Cul-
tur und Nahrungsmittel nach und nach die
[Seite 28] Bildung, Farbe und ganze Constitution der
organisirten Körper umzuändern vermöge, da-
von sehen wir an unsern Hausthieren*), an
unserem Getreide, Obst, Küchen-Gewächsen,
Blumen-Floren etc. – am allerauffallendsten
aber bey den Verschiedenheiten im Menschen-
Geschlechte selbst, die augenscheinlichsten Bey-
spiele.

Diese mancherley Ursachen der Degeneration
können nun aber nach Verschiedenheit der Um-
stände einander entweder unterstützen, und die
Ausartung um so schneller und ausfallender,
machen, oder aber auch wieder gewisser Maßen
einander aufheben u.s.w.; daher man in dieser
Untersuchung bey der Anwendung auf einzelne
Fälle nie zu einseitig urtheilen darf.

Anm. 1. So gibt es z.B. selbst unter der Linie kalte
Erdstriche, wie im Innern von Sumatra etc. Hin-
gegen dringt Sibirien gar viele Gewächse der wär-
mern Gegenden hervor, die in weit südlichern
Ländern von Europa nicht fortkommen.

Anm. 2. Sonderbar ist die eigenthümliche Wirkung, die
einige Climate auf die organisirte Körper, zumahl
der Thierreichs, äußern. So, daß z.B. in Sy-
rien die Katzen, Kaninchen, Ziegen etc. so auffal-
lend langes und weißes Haar haben; auf Corsica
die Pferde, Hunde etc. so auszeichnend gefleckt
sind; auf Guinea Menschen und Hunde und Hübner
zu Negern in ihrer Art werden u.s.w.

§. 17.

[Seite 29]

Die Ernährung der organisirten Körper
geht auf verschiedene Weise vor sich. Den
Pflanzen wird ihre einfache Nahrung durch
Wurzeln, die sich außerhalb ihres Stammes
am einen Ende desselben befinden, zugeführt.
Die Thiere hingegen haben, wie sich Boer-
haave ausdrückte, gleichsam ihre Wurzeln in-
nerhalb ihres Körpers, nähmlich im Magen
und Darmkanal, wo der nahrhafte Theil der
Alimente durch unzählige Gefäßchen, fast wie
bey den Pflanzen durch Wurzeln, eingesogen
und dem übrigen Körper zugeführt wird.

Der brauchbare Theil der Nahrungsmittel
wird durch einen bewunderungswürdigen Pro-
ceß dem Stoff der organisirten Körper assimi-
lirt; der überflüssige hingegen ausgedunstet;
und bey den Thieren, die keinen so einfachen
Nahrungssaft wie die Pflanzen zu sich neh-
men, auch durch andere Wege als Unrath
ausgeworfen.

§. 18.

Das Wachsthum der organisirten Körper
ist die Folge ihrer Ernährung. Die meisten
erreichen früh die bestimmte Größe ihres Kör-
pers. Von manchen Bäumen aber, wie z.B.
von der Norfolkinsel-Fichte (Columnia pini-
folia
oder Araucaria excelsa), der Kohlpalme
(Areca oleracea), dem Baobab (Adansonia
[Seite 30] digitata) etc., auch von einigen andern Ge-
wächsen, z.B. vom Rotang (Calamus rotang)
und so auch von manchen Thieren, wie z.B.
von vielen Gattungen der Bandwürmer und
selbst von den Crocodilen und großen Wasser-
schlangen läßt sich schwerlich sagen, ob und
wann in ihrem Leben sie aufhören an Länge
oder Dicke zuzunehmen.

§. 19.

Zum Wachsthum der organisirten Körper
gehört auch ihre Reproductions-Kraft, oder
die merkwürdige Eigenschaft, daß sich verstüm-
melte oder völlig verlorne Theile ihres Körpers
von selbst wieder ergänzen. Diese bewun-
dernswerthe Einrichtung in der organisirten
Schöpfung sichert die Thiere und die Pflanzen
bey tausend Gefahren, wo ihr Körper verletzt
wird: sie ist folglich auch, nebst der Ernäh-
rung überhaupt, einer der größten Vorzüge,
wodurch die Maschinen aus der Hand des
Schöpfers bey weiten über die größten Kunst-
werke der Menschen erhoben werden, als wel-
chen ihre Verfertiger keine Kraft mittheilen
können, ihre Triebfedern und Räder, wenn sie
verbogen, verstümmelt und abgenutzt würden,
von selbst wieder herzustellen: eine Kraft, die
hingegen der Schöpfer jedem Thier und jeder
Pflanze – nur in verschiedenem Maße –
beygelegt hat.

[Seite 31]

Viele organisirte Körper verlieren, zu be-
stimmten Zeiten, gewisse Theile ihres Körpers
von freyen Stücken, die ihnen nachher wieder
reproducirt werden; wohin das Abwerfen der
Geweihe, das Mausern der Vögel, die Häutung
der Schlangen, der Raupen, das Schälen der
Krebse, das Entblättern der Gewächse u.s.w.
gehört. Man könnte dieß die gewöhnliche
Reproduction nennen.

Die andere hingegen ist die außerordent-
liche, von der hier eigentlich die Rede ist, da
nähmlich dem organisirten Körper, zumahl
den Thieren, Wunden, Beinbrüche etc. geheilt,
oder gar durch Unfall verstümmelte und verlo-
rene Theile wieder ersetzt werden. Der Mensch
und die ihm zurächst verwandten Thiere be-
sitzen eine freylich sehr eingeschränkte Repro-
ductionskraft: die hingegen bey vielen kalt-
blütigen Thieren, besonders bey den Wasser-
Molchen, Krebsen, Land-Schnecken, Regen-
würmern, See-Anemonen, See-Sternen,
Arm-Polypen etc. von einer ausnehmenden
Stärke und Vollkommenheit ist.

Anm. Vor mehreren Jahren habe ich einem Wasser-
molch der größern Art (Lacerta lacustris), den
ich nun in Spiritus aufbewahre, fast das ganze
Auge exstirpirt; nähmlich alle Säfte auslausen
lassen und dann 4/5 der ausgeleerten Häute rein
ausgeschnitten; – und doch hat sich hinnen zehn
Monaten ein vollkommener neuer Augapfel mit
neuer Hornhaut, Augenstern, Crystall-Linse etc.
reproducirt, der sich bloß dadurch vom andern
gesunden Auge auszeichnet, das er nur erst un-
[Seite 32] gefähr hald so groß ist. (s. – Götting. gel. Anz.
1785. 47. St. –)

§. 20.

Wenn die organisirten Körper durch Ernäh-
rung und Wachsthum zu ihrer vollen Reife
gelangen, so erhalten sie dann auch das Fort-
pflanzungsvermögen (§. 5.), das aber auf
eine sehr verschiedene Weise vollzogen wird.
Ueberhaupt nähmlich ist entweder schon jedes
Individuum für sich im Stande, sein Ge-
schlecht fortzupflanzen; oder aber es müssen sich
ihrer zwey mit einander paaren oder begatten,
wenn sie neue organisirte Körper ihrer Art
hervor bringen sollen.

Die mannigfaltigen besondern Verschieden-
heiten in diesen beiderley Hauptweisen der
Fortpflanzung lassen sich doch füglich unter
folgende vier Arten bringen:

1) Jedes Individuum vermehrt sich auf die
einfachste Weise, ohne vorher gegangene
Befruchtung: entweder durch Theilung, wie
manche Infusions-Thierchen*) und Blu-
men-Polypen**); oder wie bey der Brun-
nen-Conferve so, daß das alte fadenartige
Gewächs am einen Ende zu einem kuglichen
Knöpfchen anschwillt, das nachher abfällt
[Seite 33] und wieder zu einem solchen Faden ausge-
trieben und umgebildet wird (– Abbild. nat.
hist. Gegenst. tab. 49. –); oder durch
Sprossen wie die Arm-Polypen und viele
Gewächse u.s.w.

2) Jedes Individuum ist zwar auch im Stande
sich fortzupflanzen, hat aber als ein wahrer
Zwitter beiderley Geschlechtstheile an seinem
Leibe, und muß vorher, wenn es Thier ist,
die bey sich habenden weiblichen Eyerchen
mit männlichem Samen – und wenn es
Pflanze ist, seine weiblichen Samenkörner
mit männlichem Blumenstaub – begießen
und dadurch befruchten, ehe sich ein Junges
daraus bilden kann. Dieß ist der Fall bey
den mehresten Gewächsen, und im Thier-
reich, wie es scheint, bey manchen Muscheln.

3) Ebenfalls beide Geschlechter, wie bey den
Hermaphroditen der vorigen Classe, in ei-
nem Individuo verknüpft; doch daß keines
sich selbst zu befruchten im Stande ist, son-
dern immer ihrer zwey sich zusammen paa-
ren und wechselseitig einander befruchten und
befruchtet werden müssen. Diese sonderbare
Einrichtung findet sich nur bey wenigen
Thieren; beym Regenwurm, bey manchen
Land-Schnecken*) etc.

[Seite 34]

4) Die beiden Geschlechter in separaten In-
dividuis, von denen das eine die weiblichen
Theile oder Eyer, das andere den männ-
lichen befruchtenden Saft enthält. So alle
rothblütige und viele andere Thiere, und so
auch manche Pflanzen, wie die Palmen,
der Hopfen, die mehresten Moose etc.

Einige Thiere dieser Classe geben die Eyer
selbst von sich, in welchen sich erst nachher
das Junge vollends ausbildet. Dieß sind
die eyerlegenden Thiere (ovipara). Bey
andern aber wird dieß Ey so lange in der
Bärmutter zurück behalten, bis das Junge
vollkommen ausgebildet worden, und nun
von seinen Hüllen befreyt zur Welt kommen
kann; lebendig gebärende Thiere (vivipara).

Anm. Quae actu animal pariunt, vivipara dicun-
tur: quae potentia, ovipara. Harvey
.
Wie unwesentlich aber der Unterschied zwischen
Eyer legen und lebendig gebären sey, erweisen die
Beyspiele der Blattläufe und Federbusch-Poly-
pen, die sich nach den verschiedenen Jahrszeiten
bald auf die eine, bald auf die andere Weise
fortpflanzen; und mancher Schlangen, die zwar
Eyer legen, in welchen aber schon das ganz aus-
gebildete Thier enthalten ist. Gewissermaßen
könnte man mit diesem letztern Falle diejenigen
Pflanzen vergleichen, in deren reifen Samenkör-
nern ein grüner Pflanzenkeim eingeschlossen liegt,
wie z.B. bey den so genannten ägyptischen Boh-
nen von der Nymphaea nelumbo.

§. 21.

Nachdem die organisirten Körper die Be-
stimmungen ihres Lebens erfüllt haben, so
[Seite 35] weicht endlich alle Lebenskraft von ihnen, und
sie sterben. Die wenigsten erreichen aber das
Ziel, das ihnen die Natur zum Laufe ihres
Lebens vorgesteckt hat, sondern tausenderley Zu-
fälle verkürzen ihnen diesen Weg, meist lange
vor der bestimmten Zeit. So rechnet man
z.B., daß von 1000 gebornen Menschen nur
ungefähr 78 für Alter sterben; und von den
großen furchtbaren Amphibien, Crocodilen,
Riesenschlangen etc. erreicht vielleicht nicht das
tausendste sein gesetztes Alter und Größe. Nach
dem Tode der Thiere und Pflanzen wird ihr
Körper durch Gährung, Fäulniß oder Ver-
brennen, kurz durch die chemische Zersetzung
seiner Urstoffe allmählich aufgelöset, mithin
ihr Organismus zerstört, und ihre Asche
endlich mit der übrigen Erde vermengt, die
ihnen vorher Nahrung und Aufenthalt gege-
ben hatte.

Zur N. G. der organisirten Körper überhaupt.

  1. Ch. Bonnet Considérations sur les corps organisés
    (im IIIten B. der Oeuvres).
  2. G. R. Treviranus Biologie etc. Göttingen seit 1802. 8.

Dritter Abschnitt.
Von den Thieren überhaupt.

[Seite 36]

§. 22.

So endlos vielartig die Bildung und der
Bau der Thiere ist, so scheinen sie doch sämmt-
lich (oder höchstens bis auf wenige Ausnahmen
mancher so genannten Infusionstierchen etc.)
den Mund (§. 3.) mit einander gemein zu
haben, durch welchen sie dem Körper seine
Nahrung zuführen: und statt daß die Pflanzen
ihren sehr einfachen Nahrungssaft aus Luft,
Wasser und Erde einsaugen, so ist hingegen
der Thiere ihr Futter äußerst mannigfaltig,
und wird beynahe ohne Ausnahme aus den
organisirten Reichen selbst entlehnt; und sie
müssen es, durch die peinlichen Gefühle des
Hungers getrieben, mittelst willkürlicher
Bewegung zu sich nehmen, um dadurch ihre
Selbsterhallung zu bewirken.

§. 23.

Bey den insgemein so genannten voll-
kommneren Thieren wird der abgesonderte
Nahrungssaft zuvor mit dem Blute, das in
seinen Adern circulirt, vermischt, und von da
[Seite 37] erst in die übrigen Bestandtheile des Körpers
abgesetzt. Dieses eigentlich so genannte Blut
ist von rother Farbe, aber in Rücksicht seiner
Wärme bey den verschiednen Classen dieser
rothblütigen Thiere von doppelter Verschie-
denheit. Bey den einen (nähmlich bey den
Amphibien und Fischen) hält es meist unge-
fähr die Temperatur des Mediums, in wel-
chem sie sich befinden, daher sie kaltblütig
genannt werden. Bey den andern aber, die
deßhalb warmblütig heißen (den Säugethie-
ren und Vögeln), zeigt es in ihrem vollkom-
men belebten Zustande immer eine Wärme
von ungef. 100 Gr. Fahrenh. mehr oder we-
niger. Der Saft hingegen, welcher bey den
so genannten weißblütigen Thieren (nähmlich
bey den Insecten und Gewürmen) die Stelle
des Bluts vertritt, unterscheidet sich besonders
durch den Mangel der rothen Kügelchen, von
jenem eigentlich so genannten Blute.

§. 24.

Das Blut der Thiere mag nun aber weiß
oder roth, kalt oder warm seyn, so muß es
im gesunden Zustande immer mit frischen Por-
tionen eines zum Leben nothwendigen Stoffes
(– des so genannten Sauerstoffs –) aus der
atmosphärischen Luft oder aus dem Wasser ge-
schwängert werden, wogegen es gleiche Portio-
nen eines andern Stoffes (– des Kohlenstof-
[Seite 38] fes –) aus dem Körper wiederum fortschafft.
Zu diesem merkwürdigen lebenswierigen Pro-
ceß in dem belebten thierischen Laboratorium
dient vorzüglichst das Athemhohlen; welches
die rothblütigen Thiere entweder durch Lungen,
oder wie die Fische durch Kiemen; die weiß-
blütigen aber mittelst mancherley anderer ana-
logen Organe verrichten.

§. 25.

Nur diejenigen Thiere die mit Lungen ver-
sehen sind, können auch Stimme (vox) von
sich geben. Der Mensch hat sich außer der
ihm angebornen Stimme auch noch die Rede
(loquela), erfunden.

§. 26.

Die Organe, wodurch die willkürlichen Be-
wegungen unmittelbar vollzogen werden, sind
die Muskeln, die bey den rothblütigen Thie-
ren das eigentlich so genannte Fleisch ausma-
chen. Nur bey einigen ganz einfach gebauten
Thieren, wie die Polypen, sind diese Bewe-
gungs-Organe von dem übrigen gallertigen
Stoffe nicht zu unterscheiden.

§. 27.

Außerdem finden sich aber auch einige wenige
Muskeln, über welche der Wille nichts vermag.
So z B. das Herz, als welches lebenslang
unaufhörlich (– beym Menschen ungefähr
[Seite 39] 4500 Mahl in jeder Stunde –), und zwar
ohne wie andere Muskeln zu ermüden, oder
endlich zu schmerzen, als Haupttriebfeder des
Blutumlaufs, in seiner schlagenden Bewe-
gung ist.

§. 28.

Beide Arten von Muskeln aber, bis un-
willkürlichen sowohl als die, so sich nach dem
Entschlusse des Willens bewegen, bedürfen zu
diesem ihren Bewegungsvermögen des Ein-
flusses der Nerven.

§. 29.

Diese Nerven entspringen aus dem Gehirn
und aus dem Rückenmark, und es scheint,
daß die Größe der beiden letztern in Verglei-
chung zur Dicke der daraus entstehenden Ner-
ven mit den Geisteskräften der Thiere im
umgekehrten Verhältniß stehe*), so daß der
Mensch von allen das größte Gehirn, in Ver-
gleichung seiner sehr dünnen Nerven, hat; da
hingegen einfältige Thiere, wie z.B. die hie-
ländischen Amphibien, dicke Nerven bey einem
sehr kleinen Gehirne haben.

§. 30.

Außer dem Einfluß, den die Nerven auf
die Muskelbewegung haben, ist ihr zweytes
[Seite 40] Geschäft, auch der Seele die äußern Eindrücke
auf den thierischen Körper, durch die Sinne
mitzutheilen. Die Beschaffenheit der Sinn-
werkzeuge ist aber in den verschiednen Thier-
Classen selbst sehr verschieden. So erhalten
z.B. viele Thiere offenbar allerhand sinnliche
Eindrücke, ohne daß wir doch die Sinnwerk-
zeuge an ihnen entdecken können, die bey an-
dern zu solchen Eindrücken nothwendig sind.
Die Schmeißfliege z.B. und viele andere In-
secten haben Geruch, ob wir gleich keine Nase
an ihnen wahrnehmen u. dergl. m.

Anm. Manche haben die Zahl der fünf Sinne über-
haupt auf wenigere einschränken, andere hingegen
dieselbe mit neuen vermehren wollen. Vanini
z.B. und viele nach ihm hielten das Gefühl bey
Befriedigung des Sexual-Triebes für einen sechs-
ten Sinn. Jul. Cäs. Scaliger das Gefühl
beym Kitzeln unter den Achseln für einen sieben-
ten. So hielt achtens Spallanzani das Gefühl,
wodurch sich die Fledermäuse bey ihrem Flattern
im Finstern für den Anstoß sichern; so wie nenn-
tens Darwin das Gefühl für Wärme und Kälte
für besondere Sinne.

§. 31.

Durch den anhaltenden Gebrauch werden
Nerven und Muskeln ermüdet, und sie brau-
chen von Zeit zu Zeit Ruhe zur Sammlung
neuer Kräfte, die ihnen der Schlaf gewährt.
Dem Menschen und den mehresten von Ge-
wächsen lebenden Thieren ist die Nacht zu die-
ser Erhohlung angewiesen; doch halten sich
[Seite 41] auch manche von diesen, wie z.B. der Sieben-
schläfer etc., besonders aber viele Raubthiere,
wohin zumahl die mehresten Fische gehören,
auch manche Insecten und Gewürme, am Tage
verborgen und gehen des Nachts ihren Ge-
schäften nach, weshalb sie animalia nocturna
genannt werden.

§. 32.

Außer diesem Erhohlungsschlaf findet sich
in der Oeconomie vieler Thiere noch die sehr
bequeme Einrichtung, daß sie einen beträcht-
lichen Theil des Jahrs, und zwar gerade die
rauhesten Monate, da es ihnen schwer wer-
den würde, für ihre Erhaltung zu sorgen*),
in einem tiefen Winterschlaf zubringen. Sie
verkriechen sich, wenn diese Zeit kommt an
sichere, schaurige Orte; und fallen mit ein-
brechender Kälte in eine Art von Erstarrung,
aus der sie erst durch die erwärmende Früh-
lingssonne wieder erweckt werden. Diese Er-
starrung ist so stark, daß die warmblütigen
Thiere während dieses Todtenschlafs nur un-
merkliche Wärme übrig behalten (– s. oben
S. 7. –), und daß die Puppen vieler In-
secten, die zu gleicher Zeit ihre Verwandlung
bestehen, im Winter oft so durchfroren sind,
daß sie, dem Leben des darin schlafenden Thie-
[Seite 42] res unbeschadet, wie Eiszapfen oder Glas
klingen, wenn man sie auf die Erde fallen läßt.

So viel bekannt, hält doch kein einziger
Vogel, hingegen die mehresten Amphibien,
Winterschlaf.

§. 33.

Von den Seelenfähigkeiten sind manche
dem Menschen mit den mehresten übrigen
Thieren gemein, wie z.B. die Vorstellungs-
kraft, die Aufmerksamkeit, und so auch die
beiden so genannten innern Sinne, Gedächt-
niß nähmlich und Einbildungskraft.

§. 34.

Andere sind fast bloß den übrigen Thieren
eigen, so daß sich beym Menschen nur wenige
Spuren davon finden, nähmlich die so ge-
nannten Naturtriebe oder Instincte. Da-
gegen er hinwiederum im ausschließlichen Be-
sitze der Vernunft ist.

§. 35.

Der Instinct*) ist das Vermögen der
Thiere, aus einem angebornen, unwillkürli-
chen, inneren Drange, ohne allen Unterricht,
von freyen Stücken, sich zweckmäßigen, und
[Seite 43] zu ihrer und ihres Geschlechts Erhaltung ab-
zielenden Handlungen zu unterziehen.

Daß diese wichtigen Handlungen wirklich
ganz unüberlegt, bloß nach ursprünglichen Ge-
setzen der Nothwendigkeit, und gleichsam ma-
schinenmäßig vollzogen werden, wird durch
zahlreiche Bemerkungen erweislich, wie z.B.,
daß die Hamster auch todten Vögeln doch zu-
erst die Flügel zerbrechen, ehe sie weiter an-
beißen; daß junge Zugvögel, die man ganz
einsam im Zimmer erzogen hat, doch im Herbst
den innern Ruf zum Fortziehen fühlen, und
im Käfich bey allem guten Futter und Pflege
unruhig werden.

§. 36.

Unter den mancherley Arten dieser thieri-
schen Triebe sind besonders die so genannten
Kunsttriebe merkwürdig, da sich nähmlich so
viele warmblütige Thiere und Insecten ohne alle
Anweisung und ohne alle vorgängige Uebung*),
(als welche bey so vielen gar nicht Statt finden
kann; wie z.B. bey den Seidenwürmern etc.,
die nur Ein für alle Mahl in ihrem Leben da-
von Gebrauch machen können, und wo folglich
schlechterdings erster Versuch und Meisterstück
Eins seyn muß), so ungemein künstliche Woh-
nungen, Nester, Gewebe etc. zu ihrem Auf-
enthalte, zur Sicherheit für ihre Junge, zum
[Seite 44] Fang ihres Raubes, und zu vielfachen andern
Zwecken zu verfertigen wissen.

§. 37.

Der Mensch zeigt außer den Sexualtrieben
wenig andere Spuren von Instinct: angeborne
Kunsttriebe aber hat er vollends ganz und gar
nicht. Was ihn hingegen für diesen scheinba-
ren Mangel entschädigt, ist der Gebrauch der
Vernunft.

Diese mag nun entweder eine ausschließlich
eigenthümliche Fähigkeit der menschlichen Seele,
oder aber ein unendlich stärkerer Grad einer
Fähigkeit seyn, wovon manche Thiere*) auch
einige schwache Spur hätten; oder eine eigene
Richtung der gesammten menschlichen Seelen-
kräfte u.s.w., so liegt wenigstens der hohe
Vorzug, den der Mensch durch den Besitz der-
selben erhält, das Vermögen sich selbst zu ver-
vollkommnen, unwiderredlich am Tage.

Und da ihm die ganze bewohnbare Erde zum
Aufenthalt offen steht, und fast die ganze or-
ganisirte Schöpfung zur Speise überlassen ist,
so erzeugt freylich eben die große Verschieden-
heit der Climate, die er bewohnen soll, und
der Nahrung, die ihm der Ort seines Aufent-
halts gestattet, eben so verschiedene Bedürf-
nisse, die er durch keinen einförmigen Kunst-
[Seite 45] trieb, aber wohl durch den Gebrauch seiner
sich nach den Umständen gleichsam accommodi-
renden Vernunft auf eben so mannigfaltige
Weise zu stillen vermag.

§. 38.

Wie unendlich aber der Mensch schon durch
diesen einzigen Vorzug über die ganze übrige
thierische Schöpfung erhoben werde, beweiset
die unbeschränkte Herrschaft, womit er über
alle Triebe und über die Lebensart, Haushal-
tung etc. mit einem Worte, über das ganze
Naturell dieser seiner Mitgeschöpfe nach Will-
kür disponiren, die furchtbarsten Thiere zäh-
men, ihre heftigsten Triebe dämpfen, sie zu den
kunstreichsten Handlungen abrichten kann u.s.w.

Anm. Um sich überhaupt zu überzeugen, wie sehr der
cultivirte Mensch Herr der übrigen Schöpfung
auf dieser Erde ist, braucht man sich bloß an die
Umschaffung zu erinnern, die er seit Entdeckung
der neuen Welt mit ihr und der alten wechsel-
seitig vorgenommen hat! Was für Gewächse und
Thiere er aus dieser in jene übergepflanzt hat,
wie z.B. Reis, Caffee etc., Pferde, Rindvieh etc.
und was er v. v. von dorther nun wieder in sei-
nem Welttheile einheimisch gemacht, wie z.B.
Cartoffeln, Tabak, wälsche Hüner u.s.w.

§. 39.

Am auffallendsten erweist sich die allein auf
den Vorzug der Vernunft beruhende Herrschaft
des Menschen über die übrige thierische Schö-
pfung durch die so genannten Hausthiere;
worunter man in engerer Bedeutung diejenigen
[Seite 46] warmblütigen Thiere versteht, so der Mensch
zu Befriedigung wichtiger Bedürfnisse und
überhaupt zu beträchtlicher Benutzung absicht-
lich ihrer Freyheit entzogen und sich unterjocht
hat. Im weitern Sinne kann man aber auch
die Bienen und Seidenwürmer, so wie die
Cochenill-Insecten dahin rechnen.

Anm. 1. Unter jenen Hausthieren im engern Sinn
ist eine dreyfache Verschiedenheit zu bemerken.
Von manchen nämlich hat der Mensch die ganze
Gattung ihrem freyen Naturzustande entzogen,
und sich unterwürfig gemacht, wie z.B. das Pferd.
Von andern, die er sich zwar auch ins Haus zieht,
existirt doch aber noch die ursprünglich wilde
Stammrasse, wie vom Rindvieh, Schwein, Katze,
Renthier, den beiderley Cameelen der alten Welt,
und dem so genannten Meiergeflügel. Der Ele-
phant endlich pflanzt sich gar nicht in der Gefan-
genschaft fort, sondern jeder, der zum Dienst des
Menschen gebraucht werden soll, muß erst aus der
Wildheit eingefangen, gezähmt und abgerichtet
werden.

Anm. 2. Die eigentlich so genannten Hausthiere va-
riiren zwar häufig in der Farbe; und manche der
darunter gehörigen Säugethiere zeichnen sich auch
durch einen hängenden Schwanz und schlappe
Ohren aus, aber keins von beiden ist ein bestän-
diges Kennzeichen der Unterjochung. (– Ueber
die Hausthiere s. mit mehrern den Gothaischen
Hof-Kalender vom Jahre 1796. –)

§. 40.

Nach dem Linnéischen System wird das
ganze Thierreich unter folgende sechs Classen
gebracht:

I. Cl. Säugethiere (mammalia), Thiere
mit warmen rothen Blut, die ihre Junge
[Seite 47] lebendig zur Welt bringen, und sie dann
einige Zeit lang mit Milch an Brüsten säugen.

II. Cl. Vögel, Thiere mit warmen rothen
Blut, die aber Eyer legen, und Gefieder haben.

III. Cl. Amphibien, Thiere mit kaltem
rothen Blut, die durch Lungen Athem hohlen.

IV. Cl. Fische, Thiere mit kaltem rothen
Blut, die durch Kiemen, und nicht durch
Lungen, athmen.

V. Cl. Insecten, Thiere mit kaltem weißen
Blut, die Fühlhörner (antennas) am
Kopf, und eingelenkte (hornartige) Bewe-
gungswerkzeuge haben.

VI. Cl. Gewürme (vermes), Thiere mit
kaltem weißen Blut, die keine Fühlhör-
ner, sondern meist Fühlfäden (tentacula)
und meines Wissens nie eingelenkte Be-
wegungswerkzeuge haben*).

* * *

Hauptquellen und andere Hülfsmittel zur
Thiergeschichte überhaupt.

  1. Aristoteles. – Histoire des animaux d'Aristote,
    avec des notes etc. par Camus. Par. 1793.
    II. vol. 4.
  2. Conr. Gesneri icones quadrupedum viviparorum, it.
    avium et animalium aquatilium; cum nomen-
    [Seite 48] claturis singulorum in linguis diversis Europae
    .
    ed
    . 2. Tig. 1560. fol.
  3. Aldrovandus.
  4. Jo. Jonston historia naturalis de animalibus. Fran-
    cof
    . 1649-1653. fol.

auch unter dem Titel H. Ruysch (Frid. fil.) thea-
trum universale omnium animalium
. Amst
. 1718.
II. vol. fol.

  1. Ray.
  2. Buffon.
  3. G. Ad. Suckow Anfangsgründe der Naturgeschichte
    der Thiere. Leipz. seit 1797. 8.
  4. G. Cuvier tableau élémentaire de l'histoire natu-
    relle des animaux
    . Par
    . 1798. 8.
  5. und Dess. Règne animal, distribué d'après son
    organisation
    . Par
    . 1817. IV. vol. 8.
  6. A. M. Constant Duméril Zoologie analytique.
    Par. 1806. 8.
  7. Gottl. Fischer zoognosia etc. Mosq. 1813. III. vol.
    4. und 8.
  8. Lor. Oken's Lehrbuch der N. G. IIIter Th. Leipzig
    1816. II. B. 8.
  9. Deutschlands Fauna in Abbild. nach der Natur, mit
    Beschreibungen von Jac. Sturm. Nürnb. seit
    1790. 12.
  10. Linnaei fauna Suecica ed. 2. Holm. 1761. 8.
  11. Th. Pennant's British zoology. Lond. 1768-1777.
    IV. vol. 8.

und Dess. großes Kupferwerk unter gleichem Titel
ib. seit 1763. gr. Fol.

  1. C. P. Cl. Fieurieu histoire naturelle des Oiseaux,
    des Poissons, des Cetacèes, des Amphibies
    etc
    .
    marins, im IIten und IIIten Bande des voyage
    autour du monde par Et. Marchand
    . Par
    .
    1800. 4.
* * *
  1. W. Elf. Leach's Zoological Miscellany. Lond.
    seit 1814. 8.

Vierter Abschnitt.
Von den Säugethieren.

[Seite 49]

§. 41.

Die Säugethiere haben das warme rothe
Blut mit den Vögeln gemein; aber sie gebä-
ren lebendige Junge: und ihr Hauptcharakter,
der sie von allen übrigen Thieren unterscheidet,
und von dem auch die Benennung der ganzen
Classe entlehnt ist, sind die Brüste, wodurch
die Weibchen ihre Junge mit Milch ernähren.
Die Anzahl und Lage der Brüste ist verschie-
den. Meist sind ihrer noch Ein Mahl so viel,
als die Mutter gewöhnlicher Weise Junge zur
Welt bringt; und sie sitzen entweder an der
Brust, oder am Bauche, oder zwischen den
Hinterbeinen*).

§. 42.

[Seite 50]

Der Körper der allermehresten [wo nicht
aller*)] Säugethiere ist mit Haaren von sehr
verschiedener Stärke, Länge und Farbe besetzt;
die auch bey einigen als Wolle gekräuselt, oder
als Borsten straff und struppig sind, oder gar
wie beym Igel etc. steife Stacheln bilden.
Bey manchen sind die Haare an besondern
Stellen als Mähne oder Bart verlängert;
und bey einigen, wie bey den Pferden, Hun-
den etc. stoßen sie an bestimmten Stellen in ent-
gegengesetzter Richtung an einander und ma-
chen so genannte Näthe (suturas). Bey
manchen, wie z.B. bey den Seehunden etc.
ändert sich die Farbe mit dem Alter. Auch
sind manche durch die Kälte (§. 16.) bey uns
im strengen Winter, im Norden aber Jahr
aus Jahr ein, entweder grau, wie das Eich-
hörnchen (Grauwerk), oder schneeweiß, wie
das große Wiesel (Hermelin) etc. Wenn hin-
gegen diese weiße Farbe zugleich mit lichtscheuen
Augen und rothen Pupillen verbunden ist, wie
bey den so genannten Kackerlacken im Men-
schengeschlecht und unter manchen andern Gat-
[Seite 51] tungen von warmblütigen Thieren, so ist es
die Folge einer wirklich kränklichen Schwäche.

§. 43.

Der Aufenthalt der Säugethiere ist sehr
verschieden. Die mehresten leben auf der Erde;
manche, wie die Affen, Eichhörnchen etc., fast
bloß auf Bäumen; einige, wie der Maulwurf,
als eigentliche animalia subterranea, unter
der Erde; andere bald auf dem Lande, bald
im Wasser, wie die Biber, Seebären; und
noch andere endlich bloß im Wasser, wie die
Wallfische. – Hiernach sind nun auch ihre
Füße oder ähnliche Bewegungswerkzeuge ver-
schieden. Die mehresten haben vier Füße;
der Mensch nur zwey, aber auch zwey Hände;
die Affen hingegen vier Hände. Die Fin-
ger und Zehen derjenigen Säugethiere, die
im Wasser und auf dem Lande zugleich leben,
sind durch eine Schwimmhaut verbunden. Bey
den Fledermäusen sind die an den Vorderfüßen
ungemein lang und dünne; und zwischen ihnen
ist eine zarte Haut ausgespannt, die zum Flat-
tern dient. Die Füße mancher Wasserthiere
aus dieser Classe sind zum Rudern eingerichtet,
und bey den Wallfischen ähneln sie gar einiger
Maßen den Flossen der Fische; doch daß die
Hinterflossen ohne Knochen sind, und horizon-
tal, nicht wie ein Fischschwanz vertical, liegen.
Einige wenige Säugethiere (solidungula)
[Seite 52] haben Hufe; viele aber (bisulca) gespaltene
Klauen. Die mehresten gehen (zumahl mit
den Hinterfüßen) bloß auf den Zehen; einige
aber, wie der Mensch, und gewisser Maßen
auch die Affen, Bären, Elephanten u.a.m.
auf der ganzen Fußsohle bis zur Ferse.

§. 44.

Die mahren Ameisenbären, die Schuppen-
thiere und einige Wallfische ausgenommen,
sind die übrigen Säugethiere mit Zähnen ver-
sehen, die man in Schneidezähne*) (primores
s. incisores
), Eckzähne oder Spitzzähne (ca-
ninos s. laniarios
), und Backenzähne (mo-
lares
), eintheilt. Die letztern zumahl sind
nach der verschiedenen Nahrung dieser Thiere
auch verschiedentlich gebildet. Bey den fleisch-
fressenden nähmlich ist die Krone scharfkantig
fast schneidend; bey den grasfressenden oben
breit und eingefurcht; und bey denen, die sich,
so wie der Mensch, aus beiden organisirten
Reichen nähren, in der Mitte eingedruckt,
und an den Ecken abgerundet.

[Seite 53]

Manche Säugethiere, wie z.B. der Ele-
phant und der Narhwal, haben große promi-
nirende Stoßzähne (dentes exserti); andere,
wie z.B. das Wallroß, Hauzähne.

§. 45.

Bloß unter den Säugethieren, und zwar
nur unter den grasfressenden, gibt es wirklich
wiederkauende Gattungen, bey welchen
nähmlich das zuerst bloß obenhin zerbissene und
geschluckte Futter bissenweise wieder durch den
Schlund zurück getrieben, und nun erst recht
durchkaut und dann zum zweyten Mahl ge-
schluckt wird.

Zu diesem Zweck haben die wiederkauenden
Thiere eine eigne Einrichtung des Gebisses;
indem ihre Backenzähne wie mit sägeförmigen
Queerfurchen ausgeschnitten sind, und die Kro-
nen derselben nicht horizontal liegen, sondern
schräg ausgeschlägelt sind, so daß an denen
im Oberkiefer die Außenseite, an denen im
untern aber die nach der Zunge hingerichtete
innere Seite die höchste ist. Dabey haben sie
einen schmalen Unterkiefer, der eine sehr freye
Seitenbewegung gestattet, wodurch denn, wie
der Augenschein lehrt, der Mechanismus die-
ser sonderbaren Verrichtung von dieser Seite
bewirkt wird.

Anm. 1. Bey den ruminantibus, die zugleich ge-
spaltene Klauen haben (bisulca), kommt nun
[Seite 54] außerdem noch der vierfache Magen hinzu,
dessen innerer Bau und Mechanismus überaus
merkwürdig ist. Das zum ersten Mahl geschluckte
noch bald rohe Futter gelangt nähmlich in den
ungeheuern ersten Magen (rumen, magnus ven-
ter
, franz. le double, l'herbier, la panse, der
Pansen, Wanst), als in ein Magazin, worin es
nur ein wenig durchweicht wird. Von da wird
eine kleine Portion dieses Futters nach der an-
dern mittelst des zweyten Magens (reticulum,
franz. le bonnet, le reseau, die Haube, Mütze,
das Garn), der gleichsam nur ein Anhang des
ersten ist, aufgefaßt und wieder durch den Schlund
hinauf getrieben. Nun wird der wiedergekaute,
zum zweyten Mahl geschluckte Bissen durch eine
besondere Rinne, ohne wieder durch die beiden
ersten Mägen zu passiren, gleich aus dem Schlunde
in den dritten (echinus, centipellio, omasus,
franz. le feuillet, le pseautier, das Buch, der
Psalter, der Blättermagen) geleitet, wo er von
da endlich zur völligen Verdauung in den vier-
ten (abomasus, franz. la caillette der Laab,
die Ruthe, der Fettmagen) gelangt, der dem Ma-
gen anderer Säugethiere am nächsten kommt*).

Anm. 2. Der allgemeine, auf alle wiederkauende
Thiere überhaupt passende Haupt-Nutzen der Ru-
mination scheint mir noch gänzlich unbekannt.

§. 46.

Außer den Klauen, Zähnen etc. sind viele
Säugethiere auch mit Hörnern als Waffen
versehen. Bey einigen Gattungen, wie beym
Hirsch, Reh etc. sind die Weibchen ungehörnt;
bey andern, wie beym Renthier und im Zie-
gengeschlecht, sind ihre Hörner doch kleiner als
[Seite 55] der Männchen ihre. Anzahl, Form und Lage,
besonders aber die Textur der Hörner, ist sehr
verschieden. Beym Ochsen-, Ziegen- und Ga-
zellengeschlecht sind sie hohl, und sitzen wie eine
Scheide über einem knöchernen Zapfen oder
Fortsatz des Stirnbeins. Die Hörner der bei-
derley Rhinocer sind dicht, und bloß mit der
Haut auf der Nase verwachsen. Beym Hirsch-
geschlecht hingegen sind sie zwar ebenfalls solide,
aber von mehr knochenartiger Textur, und ästig.
Sie heißen dann Geweihe, und werden ge-
wöhnlich alljährlich abgeworfen und neue an
ihrer Statt reproducirt.

§. 47.

Die Oeffnung des Afters wird bey den meh-
resten Säugethieren durch den Schwanz
bedeckt, der eine Fortsetzung des Kuckucksbeins
(coccyx), und von mannigfaltiger Bildung
und Gebrauch ist. Er dient z.B. manchen
Thieren sich der stechenden Insecten zu erweh-
ren; vielen Meerkatzen und einigen andern ame-
ricanischen und Neu-holländischen Thieren statt
einer Hand, um sich daran halten, oder damit
fassen zu können (cauda prehensilis, Roll-
schwanz); den Jaculis zum Springen
(cauda saltatoria), dem Känguruh zum Gleich-
gewicht bey seinem aufrechten Stellung und zur
Verteidigung etc.

§. 48.

[Seite 56]

Auch sind am Körper einiger Thiere dieser
Classe besondre Beutel von verschiedener
Bestimmung zu merken. So haben viele Af-
fen, Paviane, Meerkatzen, auch der Hamster
u.a., Backentaschen (thesauros, Fr. salles),
um Proviant darin einschleppen zu können.
Beym Weibchen der Beutelthiere liegen die
Zitzen in einer besondern Tasche am Bauche,
worein sich die saugenden Jungen verkriechen.

§. 49.

Manche Säugethiere, wie z.B. die meh-
resten größern grasfressenden, sind gewöhnlich
nur mit Einem Jungen auf einmahl trächtig;
andere hingen, wie z.B. die Raubthiere,
und die Schweine mit mehreren zugleich.

Die Leibesfrucht steht mit der Mutter
durch die so genannte Nachgeburt (secundinae)
in Verbindung, welche aber von verschiedener
Gestaltung ist; da sie z.B. im Menschenge-
schlecht einen einfachen größeren Mutterkuchen
(placenta) bildet, hingegen bey den wieder-
kauenden Thieren mit gespaltenen Klauen (bi-
sulca
) in mehrere, theils sehr zahlreiche, zer-
streute kleine solche Verbindungsorgane (coty-
ledones
) vertheilt ist u.s.w.

§. 50.

Die Wichtigkeit der Thiere überhaupt läßt
sich hauptsächlich aus einem zweyfachen Ge-
[Seite 57] sichtspuncte bestimmen; entweder nähmlich,
in so fern sie auf die Haushaltung der Natur
im Großen, auf den ganzen Gang der
Schöpfung Einfluß haben; oder in sofern sie
dem Menschen unmittelbar nutzbar werden.
Aus jener Rücksicht sind, wie wir unten sehen
werden, die Insecten und Gewürme die bey
weiten wichtigsten Geschöpfe; aus dieser hin-
gegen die Säugethiere; und zwar sowohl me-
gen der Größe als der Vielartigkeit ihrer
Benutzung. Die Verschiedenheit in ihrer
Bildung, ihre große Gelehrigkeit, ihre Stärke
u.s.w. machen sie für den Menschen auf die
mannigfaltigste Weise brauchbar*). Aus kei-
ner andern Classe von Thieren hat er sich so
treue, dienstfertige und arbeitsame Gehülfen
zu schaffen gewußt; keine ist ihm zu seinem
unmittelbaren Gebrauch und zu seiner Selbst-
erhaltung so unentbehrlich als diese. – Ganze
Völker des Erdbodens können mit einer ein-
zigen Art von Säugethieren fast alle ihre drin-
gendsten Bedürfnisse befriedigen. So die
Grönländer mit dem Seehund; die Lappen,
Tungusen etc. mit dem Renthier; die Aleuten
mit dem Wallfisch.

§. 51.

[Seite 58]

Die vielfache Brauchbarkeit der Säuge-
thiere für das Menschengeschlecht reducirt sich
vorzüglich auf folgendes. Zum Reiten, zum
Zug, Ackerbau, Lasttragen u.s.w.; Pferde,
Maulthiere, Esel, Ochsen, Büffel, Ren-
thiere, Elephanten, Camele, Llamas, Hunde.
Zur Jagd zum Bewachen etc. Hunde. Zum
Mausen und Vertilgen anderer schädlichen
Thiere: Katzen, Igel, Ameisenbären etc. Zur
Speise: das Fleisch vom Rindvieh, Schafen,
Ziegen, Schweinen, vom Hirschgeschlecht,
von Hasen, Kaninchen, u.s.w. Ferner
Speck, Schmalz, Blut, Milch, Butter,
Käse. Zur Kleidung, zu Decken, Zelten etc.
Pelzwerk, Leder, Haare, Wolle etc. Zum
Brennen: Talg, Thran, Wallrath*). Zum
Schreiben, Bücherbinden etc. Pergament,
Leder. Für andere Künstler und zu aller-
hand Gebrauch: Borsten, Haare, Geweihe,
Hörner, Klauen, Elfenbein u.a. Zähne, Fisch-
bein, Knochen, Blasen. Därme, Sehnen und
Knochen zu Tischerleim. Därme zu Sai-
ten. Blut zu Berlinerblau u.a. Farben.
Knochen und Huf zu Beinschwarz, Hörn-
[Seite 59] schwarz etc. Fett und Mark zu Seife.
Mist zum Dünger, zur Feuerung, zu Sal-
miak etc. Endlich zur Arzney: Bisam, Bi-
bergeil, Hirschhorn, Milch etc.

§. 52.

Von der andern Seite sind aber freylich
mehrere Thiere dieser Classe dem Menschenge-
schlecht unmittelbar oder mittelbar nachthei-
lig. Manche reissende Thiere, besonders aus
dem Katzen-Geschlecht, fallen Menschen an.
Eben diese und noch manche andere, z.B.
die Wiesel, Marder, Iltisse, Vielfraße,
Fischottern, Wallfische etc. vertilgen viele nutz-
bare Thiere: – oder schaden den Ge-
wächsen, Bäumen, Gartenfrüchten,
dem Getreide u.s.w. wie die Feldmäuse,
Hamster, Leming, Hirsche, Hasen, Biber,
Affen, Elephanten, Rhinocer, Nilpferde etc.
oder gehen andern Eßwaaren nach, wie
Ratten, Mäuse, Fledermäuse u.s.w. Gift
scheint (außer etwa dem männlichen Schnabel-
thier dessen Sporn am Hinterfuße für giftig
gehalten worden) kein anderes Thier dieser
Classe im gesunden Zustande zu besitzen.

§. 53.

Man hat verschiedene künstliche, d.h.
bloß von einzelnen zum Classificationsgrunde
[Seite 60] gelegten Charaktern entlehnte Systeme (sy-
stemata artificialia
), nach welchen verdiente
Naturforscher die Säugethiere zu ordnen ver-
sucht haben. Aristotelis Eintheilung z.B.
ist bloß auf die allgemeinste Verschiedenheit
der Zehen und Klauen gegründet, und die
haben auch Ray u.a. zum Grunde gelegt,
und nach der Zahl der Zehen etc. weiter bear-
beitet. Aber hierbey müssen die verwandte-
sten und im Ganzen noch so ähnlichen Gattun-
gen von Ameisenbären, Faulthieren etc. ge-
trennt, und in ganz verschiedene Ordnungen
versetzt werden, bloß weil die eine mehr, die
andere weniger Zehen hat. Linné hat die
Zähne zum Classificationsgrund gewählt, ein
Weg, auf dem man aber nicht minder, bald
auf die unnatürlichsten Trennungen, bald auf
die sonderbarsten Verbindungen stößt*). Das
Geschlecht der der Fledermäuse muß nach sei-
nem Entwurf, wegen des verschiedenen Ge-
bisses bey einigen Gattungen, wenigstens in
drey verschiedene Ordnungen zerstückt werden;
so die beiderley Nashörner in zwey; – da-
gegen kommt der Elephant mit den Panzer-
thieren, und dem formosanischen Teufelchen
in eine gemeinschaftliche Ordnung etc.

§. 54.

[Seite 61]

Ich habe daher ein im Ganzen natürliche-
res System der Säugethiere zu entwerfen ge-
trachtet, wobey ich mehr auf den Totalha-
bitus dieser Thiere gesehen, doch vorzüglich
die Bewegungswerkzeuge, weil sie am leichte-
sten in die Augen fallen und dem Totalhabitus
sehr angemessen sind, zum Grund der Ord-
nungen gelegt, aber zweye derselben, welche
vielartige Geschöpfe begreifen, wieder nach der
Verschiedenheit ihres Gebisses in einige Fami-
lien unterabgetheilt, und diese mit den be-
kannten Namen einiger Linnéischen Ordnungen
bezeichnet: und so die ganze Classe folgender
Maßen geordnet:

I. Ordn. Bimanus. Der Mensch mit zwey
Händen.

II. Quadrumana. Thiere mit vier Händen.
Affen, Paviane, Meerkatzen und Makis.

III. Chiroptera. Die Säugethiere deren
Vorderfüße Flatterhäute bilden (§. 43.).
Die Fledermäuse.

IV. Digitata. Säugethiere mit freyen Zehen
an allen vier Füßen. – Diese Ordnung
zerfällt nach der Verschiedenheit des Ge-
bisses in folgende drey Familien:

A) Glires. Mit mauseähnlichem Gebiß.
Eichhörnchen, Hasel- und andere Mäuse,
[Seite 62] Murmelthiere, Meerschweinchen u.s.w.
Springmäuse, Hasen, Stachelschweine.

B) Ferae. Die eigentlich so genannten
reißenden Thiere und einige andere Ge-
schlechter mit ähnlichem Gebiß. Löwen etc.,
Hunde etc., Bären, Wiesel, Viverren,
Beutelthiere, Igel, Spitzmäuse, Maul-
würfe.

C) Bruta. Ohne Gebiß, oder wenigstens
ohne Vorderzähne etc. Faulthiere, Amei-
senbären, Schuppenthiere, Panzerthiere.

V. Solidungula. Pferd etc.

VI. Bisulca. Die wiederkauenden Thiere mit
gespaltnen Klauen.

VII. Multungula. Meist sehr große, aber
unförmliche, borstige oder dünnbehaarte
Säugethiere mit mehr als zwey Klauen an
jedem Fuß. Schweine (denn auch diese
haben im Grunde vier Klauen) Tapir,
Elephanten, Nashörner, Nilpferd.

VIII. Palmata. Säugethiere mit Schwimm-
füßen. Wieder nach der Verschiedenheit
ihres Gebisses in obgedachte drey Familien
getheilt:

A) Glires. Biber.

B) Ferae. Seehunde etc. Ottern.

[Seite 63]

C) Bruta. Das Schnabelthier, Wallroß,
der Manate.

Letzterer macht von hier den schicklichsten
Uebergang zur letzten Ordnung.

IX. Cetacea. Wallfische. Warmblütige Thiere,
die mit den kaltblütigen Fischen fast nichts
als den unschicklichen Namen gemein ha-
ben, und deren natürliche Verbindung mit
den übrigen Säugethieren schon Ray voll-
kommen richtig eingesehen hat*).

* * *

Zur N. G. der Säugethiere.

  1. Conr. Gesneri historiae animalium L. I. de qua-
    drupedibus viviparis.
    Basil
    . 1551 fol.
  2. Ul. Aldrovandi de quadrupedibus digitatis vivi-
    paris
    L
    . III. Bonon. 1627. fol.
  3. Id. de quadrupedibus solidipedibus ib. 1616. fol.
  4. Id. de quadrupedibus bisulcis ib. 1613. fol.
  5. Ej. de cetis L. I. (am Ende seines Werks de pisci-
    bus
    ) ib. eod. fol.
  6. Jo. Raii. synopsis animalium quadrupedum. Lond.
    1613. 8.
  7. Buffon.
  8. Th. Pennant's history of quadrupeds. Lond. 1781.
    II. vol. 4.
  9. Deutsch (mit Zusätzen von J. M. Bechstein). Weimar
    1799. II. B. 4.
  10. Ej. arctic zoology vol. I. ib. 1784. 4.
  11. J. Ch. Dan. v. Schreber Säugethiere. Erlang. seit
    1774. 4.
  12. I. Chr. Pol. Erxleben systema mammalium Lips.
    1777. 8.
  13. E. A. W. v. Zimmermann geographische Geschichte
    des Menschen, und der allgemein verbreiteten
    vierfüßigen Thiere. Leipz. 1778. III. B. 8.
  14. J. M. Bechstein's gemeinnützige N. G. Deutschlands
    I. B. Leipz. 1789. 8.
  15. Marmad. Tunstall's general history of Quadru-
    peds. The figures engraved an wood by
    J
    .
    Bewick. Newcastle upon Tyne 1790. 8.
  16. Fr. Tiedemann's Zoologie. I. B. Landshut. 1808. 8.
  17. Histoire naturelle des mammifères, par Geoffroy
    St. Hilaire
    et Fr. Cuvier, publiée par C.
    de Lasteyrie
    . Par
    . seit 1819. gr. Fol.

I. BIMANUS.

[Seite 65]

1. Homo. Erectus, bimanus. Mentum pro-
minulum. Dentibus aequaliter approxi-
matis; incisoribus inferioribus erectis
.

1. †. Sapiens*).

Zu den äußern Kennzeichen, wodurch der
Mensch selbst vom menschenähnlichsten Affen,
geschweige von den übrigen Thieren zu unterschei-
den ist, gehört vorzüglich sein aufrechter Gang
(als wozu sein ganzer Wuchs und Bildung, be-
sonders aber seine beckenähnlichen Hüftknochen,
das Verhältniß seiner Schenkel zu den Armen
und seine breiten Fußsohlen, eingerichtet sind),
dann der freyeste Gebrauch zweyer vollkomme-
nen Hände; ferner sein prominirendes Kinn
und die aufrechte Stellung seiner untern
Schneidezähne.

Das weibliche Geschlecht hat (außer der ihm
in der Blüthe des Lebens eigenen Form des Bu-
sens) noch ein Paar eigenthümliche Charaktere,
die dem männlichen und allen übrigen Thieren
abgehen, nähmlich einen periodischen Blutver-
lust in einer bestimmten Reihe von Lebensjahren;
und dann einen besondern Theil an den Sexual-
Organen, dessen Mangel oder Zerstörung als
ein körperliches Kennzeichen der verletzten
jungfräulichen Integrität anzusehen und wenig-
stens in der Form und Lage noch bey keinem
andern weiblichen Thiere bemerkt ist.

[Seite 66]

Was aber die Seelenfähigkeiten des Menschen
betrifft, so hat er außer dem Begattungstriebe
wenig Spuren von Instinct (§. 34. u. f.),
Kunsttriebe aber (§. 36.) schlechterdings gar
nicht. Dagegen ist er ausschließlich im Besitz
der Vernunft (§. 37.), und der dadurch von ihm
selbst erfundenen Rede oder Sprache (loquela),
die nicht mit der bloß thierischen Stimme (vox)
verwechselt werden darf (§. 25.), als welche auch
den ganz jungen und selbst den stummgebornen
Kindern zukommt. Und so folgt aus jenen bei-
den ausschließlichen Vorzügen das große aus-
schließliche Eigenthum der Menschenspecies, wo-
durch sie über die ganze übrige thierische Schö-
pfung erhoben wird, das Vermögen sich selbst
zu vervollkommnen. (§. 37.)

* * *

Der Mensch ist für sich ein wehrloses, hülfs-
bedürftiges Geschöpf. Kein anderes Thier außer
ihm bleibt so lange Kind, keins kriegt so sehr spät
erst sein Gebiß, lernt so sehr spät erst auf seinen
Füßen stehen, keins wird so sehr spät mannbar
u.s.w. Selbst seine großen Vorzüge, Vernunft
und Sprache, sind nur Keime, die sich nicht von
selbst, sondern erst durch fremde Hülfe, Cultur
und Erziehung entwickeln können; daher denn
bey dieser Hülfsbedürftigkeit und bey diesen zahl-
losen dringenden Bedürfnissen die allgemeine na-
türliche Bestimmung des Menschen zur gesell-
schaftlichen Verbindung. Nicht ganz so allge-
mein läßt sich hingegen vor der Hand noch ent-
scheiden, ob in allen Welttheilen die Proportion
in der Anzahl der gebornen Knäbchen und Mäd-
chen, und die Dauer der Zeit der Fortpflanzungs-
fähigkeit bey beiden Geschlechtern so gleich sey,
[Seite 67] daß der Mensch überall so wie in Europa zur
Monogamie bestimmt werde.

Sein Aufenthalt und seine Nahrung sind
beide unbeschränkt; er bewohnt die ganze be-
wohnbare Erde, und nährt sich mit den vielartig-
sten Stoffen aus dem weitesten Umfang der orga-
nisirten Schöpfung. Und in Verhältniß zu sei-
ner mäßigen körperlichen Größe, und in Vergleich
mit andern Säugethieren erreicht er ein ausneh-
mend hohes Alter.

* * *

Es gibt nur eine Gattung (species) im Men-
schengeschlecht; und alle und bekannten Völker
aller Zeiten und aller Himmelsstriche können von
einer gemeinschaftlichen Stammrasse abstammen*).
Alle National-Verschiedenheiten in Bildung und
Farbe des menschlichen Körpers sind um nichts
auffallender oder unbegreiflicher als die, worin so
viele andere Gattungen von organisirten Körpern,
zumahl unter den Hausthieren, gleichsam unter
unsern Augen ausarten. Alle diese Verschieden-
heiten fließen aber durch so mancherley Abstufun-
gen und Uebergänge so unvermerkt zusammen,
daß sich daher auch keine andere, als sehr will-
kürliche Grenzen zwischen ihnen festsetzen lassen.
Doch habe ich das ganze Menschengeschlecht noch
am füglichsten unter folgende fünf Rassen**)
zu bringen geglaubt:

[Seite 68]

1) Die caucasische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 3. und 51.

von mehr oder weniger weißer Farbe mit ro-
then Wangen, langem, weichem, nußbrau-
nem Haar (das aber einerseits ins Blonde,
anderseits ins Schwarze übergeht); und der
nach den europäischen Begriffen von Schönheit
musterhaftesten Schedel- und Gesichts-Form.
Es gehören dahin die Europäer mit Aus-
nahme der Lappen; dann die westlichern
Asiaten, dießseits des Ob, des caspischen
Meers und des Ganges; nebst den Nordafri-
canern; – also ungefähr die Bewohner der
den alten Griechen und Römern bekannten
Welt.

2) Die mongolische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. I.

meist waizengelb (theils wie gekochte Quitten,
oder wie getrocknete Citronenschalen); mit we-
nigem, straffem, schwarzem Haar; enggeschlitz-
ten aber gleichsam aufgedunsenen Augenliedern,
plattem Gesicht; und seitwärts eminirenden
Backenknochen. Diese Rasse begreift die übri-
gen Asiaten, mit Ausnahme der Malayen,
dann in Europa die Lappen, und im nördlichen
America von der Beringsstraße bis Labrador,
die Eskimos.

3) Die äthiopische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 5.

mehr oder weniger schwarz; mit schwarzem,
krausem Haar; vorwärts prominirenden Kie-
fern, wulstigen Lippen und stumpfer Nase.
Dahin die übrigen Afrikaner, namentlich
die Neger, die sich dann durch die Fulahs in
die Mauren etc. verlieren, so wie jede andere
[Seite 69] Menschen-Varietät mit ihren benachbarten
Völkerschaften gleichsam zusammen fließt.

4) Die americanische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 2.

meist lohfarb oder zimmtbraun (theils wie
Eisenrost oder angelaufnes Kupfer); mit
schlichtem, straffem, schwarzem Haar, und
breitem aber nicht plattem Gesicht, sondern
stark ausgewirkten Zügen. Begreift die übri-
gen Americaner außer den Eskimos.

5) Die malayische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 4.

von brauner Farbe (einerseits bis ins helle
Mahagoni anderseits bis ins dunkelste Nelken-
und Castanienbraun); mit dichtem schwarz-
lockigem Haarwuchs; breiter Nase; großem
Munde. Dahin gehören die Südsee-Insula-
ner oder die Bewohner des fünften Welttheils
und der Marianen, Philippinen, Molucken,
sundaischen Inseln etc., nebst den eigentlichen
Malayen*).

[Seite 70]

Von diesen fünf Haupt-Rassen muß nach allen
physiologischen Gründen die caucasische als die
sogenannte Stamm- oder Mittel-Rasse
angenommen werden. Die beiden Extreme,
worin sie ausgeartet, ist einerseits die mongo-
lische, anderseits die äthiopische. Die andern
zwey Rassen machen die Uebergänge. Die
americanische den, zwischen der caucasischen
und mongolischen, so wie die malayische den,
zwischen jener Mittel-Rasse und der äthio-
pischen*).

* * *
[Seite 71]

Alle den fabelhaften Wust herzuzählen, womit
die Menschen die N. G. ihres Geschlechts
verunreinigt haben, lohnt sich jetzt nicht der
Mühe; – doch nur Weniges von vielem.

Die vermeintlichen patagonischen Riesen
z.B. sind, von Magalhaens Zeiten bis auf
die unserigen, in den Erzählungen der Reisen-
den, von zwölf Fuß zu siebentehalb eingekro-
chen, und bleiben also wenig größer als jeder
andere Mensch von guter Statur.

Und daß die noch neuerlich von Commerson für
ein Zwergvölkchen ausgegebnen Quimos auf
Madagascar nichts weiter sind als eine Art
Cretine, d.h. kleine Blödsinnige mit dicken
Köpfen und langen Armen (dergleichen sich im
Salzburgischen, so wie im Walliserlande, zu-
mahl aber im Piemontesischen in Menge fin-
den), wird bey pathologischer Prüfung mehr
als bloß wahrscheinlich.

Eben so sind die Kackerlacken, Blafards, Albi-
nos, oder weißen Mohren*) nicht ein Mahl
eine Spielart, geschweige eine besondre Gat-
tung, sondern gleichfalls Patienten, deren
Geschichte mehr in die Pathologie als in die
Naturhistorie gehört.

Linnés Homo troglodytes ist ein unbegreifliches
Gemische aus der Geschichte jener preßhaften
kränklichen weißen Mohren, und des Orang-
[Seite 72] utangs: – sein Homo lar hingegen ein wah-
rer Affe.

Die in Wildniß unter Thieren erwachsenen Kin-
der*) sind klägliche sittliche Monstra, die man
eben so wenig, als andere durch Krankheit
oder Zufall entstellte Menschen, zum Muster
des Meisterstücks der Schöpfung anführen darf.

Geschwänzte Völker, von Natur geschürzte
Hottentottinnen, die vorgebliche natürliche
Bartlosigkeit der Americaner**), die Sirenen,
Centauren, und alle Fabeln von gleichem
Schrot und Korn, verzeihen wir der gutherzi-
gen Leichtgläubigkeit unserer lieben Alten.


II. QUADRUMANA.

Säugethiere mit vier Händen, wie es ihre
Lebensart und ihr Aufenthalt auf den Bäumen
erfordert. Sie sind ursprünglich wohl bloß
zwischen den Wendezirkeln zu Hause***).

2. Simia. Affe. Habitus plus minus an-
thropomorphus, auriculae et manus fere

[Seite 73] humanae. Nares anteriores. Dentes
primores incisores, supra et infra 4.
laniarii solitarii, reliquis longiores
.

Bloß in der alten Welt; zwar menschenähn-
licher als die Thiere der nächstfolgenden Geschlech-
ter, doch aber außer dem schon beym Menschen-
geschlecht angeführten Umständen, in ihrer gan-
zen Bildung, besonders auch durch die schmalen
Hüften und platten Lenden, auf das ausfallend
sichtlichste vom Menschen unterschieden.

a) Ungeschwänzte.

1. Satyrus. der Orangutang. S. rusa, pilis
longis raris, capite globoso, fronte tu-
mida, auriculis minoribus.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 12 und 52.

Wie es scheint bloß auf Borneo, und auch da
in geringer Anzahl*); läßt sich, wenn er ganz
jung eingefangen worden, so wie der Schimpan-
see und andere Affen auch, zu allerhand künstlichen
Handlungen abrichten, die man aber von seinem
natürlichen Betragen genau unterscheiden muß.

Ist, wie Camper aus der Zergliederung eines
solchen Thiers gezeigt, weder einer menschlichen
Rede, noch eines natürlichen aufrechten Gan-
ges fähig.

2. Troglodytes. der Schimpansee, Barris.
S. nigra, macrocephala, torosa, auriculis
magnis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. II.

[Seite 74]

Im innern von Angola, Congo etc. und tiefer
landeinwärts; so wie der vorige ungefähr von
der Größe eines dreyjährigen Buben.

3. Lar. der Gibbon, Golok. (Linnés Homo
lar.
) S. brachiis longissimis, talos attin-
gentibus.

v. Schreber tab. 3.

Auf beiden indischen Halbinseln, auch auf den
Molucken; hat ein rundliches, ziemlich menschen-
ähnliches Gesicht und ungeheuer lange Arme,
und ist von schwärzlicher Farbe.

4. Sylvanus. der gemeine türkische Affe. S.
brachiis corpore brevioribus, natibus caluis,
capite subrotundo.

v. Schreber tab. 4.

In Nordafrica, Ostindien etc. Unter den un-
geschwänzten Affen der gemeinste und dauerhaf-
teste; der auch leicht in Europa Junge heckt;
ist sehr gelehrig etc. Wohl kaum von inuus
(Büffons magot) verschieden. Ist auch auf
Gibraltar verwildert, und hat sich da im Freyen
fortgepflanzt.

b) Geschwänzte.

5. Rostrata. der langnasige Affe, Kahau,
Bantagan-Affe, Bantanian, (Fr. le nasi-
que, la guenon à long nez
). S. cauda
mediocri, naso elongato, rostrato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 13.

Auf den sundaischen Inseln. Eine simia. die
nicht sima ist, sondern sich durch eine lange rüs-
selförmige Nase auffallend auszeichnet.

[Seite 75]

6. Silenus. der Bartaffe, Wanduru. S. cau-
data, barbata nigra, barba incana prolixa.

v. Schreber tab. 11.

Auf Ceilan etc. Aeltere ganz kenntliche Abbil-
dungen*) dieses Affen sind durch Verschönerung
von spätern Copisten**) zum vorgeblichen ge-
schwänzten Menschen umgestaltet worden.

7. Cynomolgus der Macacco, die (insgemein
so genannte) Meerkatze. S. cauda longa,
arcuata, naribus bifidis elastis.

v. Schreber tab. 12.

Auf Guinea, Angola etc. beynahe olivengrün.
Wird unter den geschwänzten wahren Affen am
häufigsten nach Europa gebracht.

3. Papio Pavian. (Fr. babouin. Engl.
baboon.) Facies prolongata, minus an-
thropomorpha, nasus utrinque tubero-
sus, nates nudae, coccineae, cauda

(plerisque***)) abbreviata. Dentes ut
in simiis.

Auch bloß in der alten Welt. Ihr Kopf hat
wenig menschenähnliches, bey manchen eher etwas
vom Schwein, zumahl in der Schnauze. Meist
sind es unbändige, und äußerst geile Thiere.

[Seite 76]

1. Hamadryas. der Hundskopf. (Cynocepha-
lus
. Fr. le Tartarin). P. cinereus, auri-
bus comosis, unguibus acutiusculis.

v. Schreber tab. 10.

In Aegypten etc. bis zum Cap. Kommt so
oft in der Bilderschrift auf den Altägyptischen
Kunstwerken vor*).

2. Mormon. der Choras. P. naso miniato ad
latera caerulescente.

v. Schreber tab. 8. A. 8. B.

Auf Ceilan etc. Wird gegen fünf Fuß hoch;
hat, zumahl wegen der hochfarbigen abstechenden
Streifen auf und zu beiden Seiten der Nase,
ein auffallendes Ansehen.

3. Maimon. der Mandril. P. facie violacea
glabra, profunde sulcata.

v. Schreber tab. 7.

Auf Guinea, am Cap etc. wo oft ganze Scha-
ren Weinberge und Obstgärten plündern sollen.
Viel kleiner als der vorige.

4. Cercopithecus. Meerkatze. Au-
riculae et manus minus humanae. Na-
res laterales. Nates tectae. Dentes ut
in simiis.

Das ganze Geschlecht ist bloß im wärmern
Süd-America einheimisch, wo es den Indianern
zu einem gemeinen Wildbret dient.

[Seite 77]

a) Cauda prehensili, die Sapajous.

1. Seniculus. der rothe Brüllaffe (l'Alouate).
C. barbatus rufus, gutture tumido.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 91.

Scharenweis in den großen Waldungen von
Guiana etc., wo er, so wie eine andre Gattung
(Cercop. Belzebut) zumahl bey Wetterverän-
derung ein betäubendes Geschrey hören läßt, das
durch eine sonderbare knöcherne Resonanzblase
am Kehlkopfe (zwischen den mächtig großen Sei-
tenflügeln des Unterkiefers) hervorgebracht wird.

2. Paniscus. der Coaita. C. ater, palmis te-
tradactylis absque pollice.

v. Schreber tab. 26. A. 26. B.

Hat ungemeines Geschick in seinem langen
Rollschwanze*).

b) Cauda non prehensili, die Sanguinchen.

3. Iacchus. der Uistiti. C. iuba pilosa alba ad
genas ante aures, cauda villosa annulata.

v. Schreber tab. 33.

Braun, und so klein, daß er in einer Cocosnuß-
Schale Raum hat.

5. Lemur. Maki. Nasus acutus, den-
tes primores superiores
4. per paria re-
moti, inferiores
4-6. porrecti, com-
[Seite 78] pressi, incumbentes; laniarii solitarii,
approximati
*).

1. Tardigradus. der Loris. (cucang.) L.
ecaudatus.

v. Schreber tab. 38.

Auf Ceilan; hat die Größe und Farbe des
Eichhörnchens, schlanke dünne Beine etc. und so
wie die folgende Gattung am Zeigefinger der
Hinterfüße eine spitzige Kralle, an allen übrigen
Fingern aber platte Nägel.

2. Mongoz. der Mongus. L. facie nigra,
corpore et cauda griseis
.

v. Schreber tab. 39. A. 39. B.

So wie einige verwandte Gattungen auf Ma-
dagascar, und den benachbarten Inseln. Die Hin-
terfüße sind viel länger als die vordern. Sein
Fell hat, wie bey manchen Affen, einen specifi-
ken Geruch, fast nach Ameisenhaufen.


III. CHIROPTERA.

Die Finger der Vorderfüße sind, den Dau-
men ausgenommen, länger als der ganze Kör-
per dieser Thiere; und zwischen denselben ist
die zarte Flatterhaut ausgespannt (§. 43.).
Daher können sie eben so wenig als die Affen
mit ihren Händen, oder die Faulthiere mit
[Seite 79] ihren hakenförmigen Kletterkrallen etc. bequem
auf der Erde gehen.

6. Vespertilio. Fledermaus (Fr.
chauve-souris. Engl. bat.) Pollex palma-
rum et digiti plantarum breves, reliqui
longissimi, membranae expansili inter-
texti, pro volatu.

Ein weitläuftiges Geschlecht von animalibus
nocturnis
, dessen verschiedene Gattungen in alle
fünf Welttheile verbreitet sind.

a) Dentibus primorbius 4. vtrinque.

1. Spectrum. der Vampyr. V. ecaudatus, naso,
infundibuliformi lanceolato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 31.

In Südamerica; der Körper von der Größe
des Eichhörnchen. Wird dadurch sehr lästig, daß
er nicht nur anderen größeren Säugethieren, dem
Rindvieh, Pferden etc. sondern auch schlafenden
Menschen, bey welchen er sich vorzüglich an die
Fußzehen setzt, Blut aussaugt, woher er denn
auch den Nahmen des Vampyrs (Blutsaugers)
erhalten hat.

2. Caninus. der fliegende Hund. (Linnés
vampyrus, Büffon's roussette.) V. ecau-
datus, naso simplici, membrana inter fe-
mora divisa.

v. Schreber tab. 44.

Weit größer als der Vampyr, so daß er mit
ausgespannten Flatterhäuten gegen 6 Fuß messen
soll, lebt aber bloß von Baumfrüchten und kann
also schlechterdings nicht Vampyr genannt wer-
den: findet sich scharenweise in Hindustan und
[Seite 80] auf den ostindischen und Austral-Inseln; in un-
zähliger Menge aber auf Neu-Holland. Ist auf
den Pelew-Inseln das allereinzige Säugethier.

b) Dentibus primoribus supra 4. infra 6.

3. †. Auritius. (Büffon's oreillard.) V. cau-
datus, auriculis maximis.

So wie die folgende in den mildern Gegenden
der alten Welt. Ihre Ohren, die man insgemein,
aber irrig, doppelt nennt, sind einfach, nur
alle Theile ungeheuer groß.

4. †. Murinus. die gemeine Fledermaus,
Speckmaus (Engl. the rearmouse.) V. cau-
datus, auriculis capite minoribus.

Hängt sich so wie auch die vorige Gattung zu
ihrem Winterschlaf in Höhlen an den Hinterfüßen
auf. Vermehrt sich zuweilen in manchen Gegen-
den binnen kurzer Zeit in Unzahl.

c) Dentibus primoribus superioribus nullis.

5. †. Ferrum equinum. die Hufeisennase. V.
naso foliato ferri equini aemulo
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 42.

Im mittlern und südlichen Europa.


IV. DIGITATA. (Pododactyla.)

Die Säugethiere mit freyen Zehen an allen
vier Füßen. Die zahlreichste Ordnung an Ge-
schlechtern und Gattungen, daher jene füglich
nach der Verschiedenheit ihres Gebisses erst
wieder unter drey Familien gebracht werden.
A) Glires. B) Ferae. C) Bruta.

A). Glires. (Scalpris dentata Io.
Hunter.)
[Seite 81]

Mit zwey zum Nagen bestimmten meißenlartigen
Vorderzähnen in jedem Kiefer, ohne Eckzähne.

7. Sciurus. Cauda pilosa, disticha.
Dentes primores utrinque 2; inferiores
subulati.

1. Volans. das fliegende Eichhörnchen. (Büf-
fon's polatouche.) S. duplicatura cutis late-
rali a pedibus anterioribus ad pofteriores
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 71.

In Liefland, Rußland und Sibirien. Von der
Farbe des petit gris. Das schlaffe Fell, das
von den Vorderfüßen nach den Hinterfüßen zu
auf der Seite wegläuft, dient ihm nur wie zu
einem Fallschirm, um einen weitern Sprung
von der Höhe herab wagen zu dürfen.

2. †. Vulgaris. das Eichhörnchen. (Fr. l'ecu-
reil
. Engl. the squirrel.) S. auriculis apice
barbatis, cauda dorso concolori
.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1808.

Wohl in ganz Europa, und fast ganz Asien.
Die nordischen, zumahl an den Ufern des Ob
und am Baikal-See, werden im Winter grau,
und geben dann das echte Grauwerk, (petit
gris
). Zuweilen finden sich auch hier zu Lande
schwarze Eichhörnchen; seltener schneeweiße mit
rosenrothen Augen; und noch seltener weiß- und
schwarzgefleckte.

Der virginische Sc. cinereus (Büffon's petit
gris
) ist größer und ohne Ohrpinsel. Thut zu-
mahl den Maisfeldern großen Schaden.

[Seite 82]

8. Glis. (Myoxus.) Cauda rotunda, ver-
sus apicem crassior. Dentes ut in sciuris.

1. †. Esculentus. der Siebenschläfer, Ratz,
Bilch, die Rellmaus (Fr. le loir Engl.
the rellmouse.) G.. griseus, subtus albidus,
auriculis rotundatis, nudis
.

v. Schreber tab. 225.

So wie die folgende Gattung in den mildern
Erdstrichen der alten Welt. Es ist der wahre
glis der Alten, den sie verspeiseten*), und in
eigenen glirariis**) mästeten. Lebt in Eichen-
und Buchenwäldern, nistet in hohle Bäume und
hält langen und sehr festen Winterschlaf.

2. †. Avellanarius. die kleine Haselmaus. (Fr.
le muscardin. Engl. the dormouse.) G.. ru-
fus, pollice plantarum mutico, auriculis
rotundatis.

v. Schreber tab. 227.

Kleiner am Leibe als die Hausmaus. Zu ih-
rem Winterschlaf bereitet sie sich ein kugliches,
ziemlich festes Lager von Tangelnadeln, u.a.
kleinem Gestrüppe, worein sie sich vergräbt.

9. Mus. Cauda gracilis, subnuda. Den-
tes ut in praecedentibus.

1. Oeconomus. die Wurzelmaus. M. cauda
subsesquiunciali, auriculis nudis vellere
molli latentibus, palmis subtetradactylis,
corpore fusco
.

v. Schreber tab. 190.

Durch Sibirien, bis nach Kamtschatka. Wird
theils durch die großen Wanderungen, die sie,
[Seite 83] zumahl von Kamtschatka aus, in manchen Jah-
ren, fast wie der Lemming, anstellt, besonders
aber durch die Industrie merkwürdig, womit sie
eine große Menge meist eßbarer Wurzeln in ihre
unterirdischen Höhlen schleppt, denen die Tun-
gusen etc. (wie die Thüringer dem Hamster-Vor-
rath), nachgraben.

2. †. Sylvaticus. die Waldmaus, große Feld-
maus. (Fr. le mulot. Engl. the field rat)
M. cauda mediocri, pectore flavescente,
abdomine albido.

v. Schreber tab. 180.

Thut den Feldfrüchten und der Holzsaat
Schaden.

3. †. Amphibius. die Wasserratte, der Erd-
wolf. M. cauda longitudine dimidia cor-
poris, auribus vix vellere prominulis, pal-
mis subtetradactylis.

v. Schreber tab. 186.

In der ganzen nördlichen Erde. Ist zumal
den Gärten nachtheilig, besonders dem Wurzel-
werk.*)

4. †. Arvalis. die Feldmaus, Stoßmaus.
(Fr. le campagnol. Engl. the field mouse.)
M. cauda mediocri, dorso ferrugineo, ab-
domine cinereo.

v. Schreber tab. 191.

Vermehrt sich in manchen Jahren ungeheuer,
und thut zumahl der Wintersaat großen Schaden.
Das bewährteste Vertilgungsmittel ist wohl der
[Seite 84] englische Erdbohrer. Auch unter diefer Gattung
finden sich hier herum wie unter der folgenden,
Kackerlacken.

5. †. Musculus. die Hausmaus. (Fr. la souris
Engl. the mouse.) M. caude elongata, palmis
tetradactylis, pollice palmarum mutico.

In Europa und den gemäßigten Erdstrichen von
Asien und America. Hat sich dem Menschen ge-
wisser Maßen zum Hausthier aufgedrungen.

Die weißen Mäuse mit rothen Augen (die
Kackerlacken in ihrer Art, und zuweilen so licht-
schen, daß sie in der Hellung die Augenlider fest
zuschließen, und für blind gehalten werden.

6. †. Rattus. die Ratte. (Fr. le rat. Engl. the
rat
.) M. cauda elongata, palmis tetra-
dactylis cum unguiculo pollicari.

Ist jetzt fast über alle fünf Welttheile verbrei-
tet; scheint aber ursprünglich im mittlern Europa
zu Hause. Aeußerst gefräßig. Frißt sogar Scor-
pione, und zieht dem Menschen und seinen Victua-
lien überall nach. Den Bergleuten in die tiefsten
Schachte, so wie den Seefahrern auf die Schiffe.
Unter andern gehört diese Land- und Hausplage
zu den gefährlichsten Feinden der Zuckerplantagen
in West-Indien.

An vielen Orten wird sie allgemach durch die
ursprünglich wohl in Ostindien und Persien ein-
heimische Wanderratte (M. decumanus. Fr. le
surmulot
. Engl. the Norway rat) verdrängt,
die von röthlichgrauer Farbe und ihr Fell mit
vielen einzelnen langen Borstenhaaren durch-
mengt ist.

[Seite 85]

10. Marmota. (Arctomys.) Auriculae
abbreviatae, cauda brevis, aut nulla.
Dentes ut in praecedentibus.

1. Alpina. das Murmelthier. (Graubündnisch
murmont vom Lat, mus montanus. Fr. la
marmotte.
) M. corpore depresso, supra
fusco, subtus flavescente.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1812.

In vielen der höhern Alpen von Europa und
Asien. Merkwürdig ist, daß man es auf der
allée blanche in Savoyen theils auf isolirten Klip-
pen findet, die wie Inseln aus diesem Eismeer
hervorragen, Stundenweit von allem unbeeise-
ten Erdreich entfernt, und im ganzen Jahr nur
etwa sechs Wochen lang vom Schnee entblößt
sind; so daß es scheint, die dasigen Murmel-
thiere durchschlafen wenigstens zehn Monate vom
Jahre, und bringen nur einen äußerst kleinen
Theil ihrer Existenz wachend zu.

2. Citellus. das Erdzeiselchen, Suslick. (Mus
ponticus
). M. auriculis minimis, cauda
villosa, corpore vario
.

v. Schreber tab. 211.

Häufigst in Ungarn, Polen und Sibirien.
Hat die Größe vom Hamster; auch so wie dieser
Backentaschen.

3. †. Cricetus. der Hamster, Kornferkel. M.
abdomine nigro.

F. G. Sulzers N. G. des Hamsters. Gött.
1774. 8. Taf. 1. 2.

Hin und wieder in Deutschland, Polen, Sibi-
rien etc. lebt vorzüglich von Getreide, Bohnen
etc., wovon er großen Vorrath in den Backenta-
schen zu seinen unterirdischen, wohl 7 Fuß tiefen,
[Seite 86] Höhlen schleppet. Eine Höhle hält manch-
mahl auf 60 Pfund solcher Victualien. Er ver-
mehrt sich ausnehmend, und man hat wohl eher
nur allein in der Gothaischen Stadtflur in Ei-
nem Sommer auf 90000 Hamster getödtet. Es
gibt eine ganz schwarze Spielart unter diesen
Thieren, so wie auch Kackerlacken mit rothen
Pupillen.

4. Lemmus. der Lemming. M. capite acuto,
corpore nigro fulvoque irregulariter ma-
culato.

v. Schreber tab. 195. A. 195. B.

Häufig in Lappland und Sibirien. Zuweilen
emigriren ganze Legionen von einer Gegend in
die andere. Ihre unerwartete und unbemerkte
Ankunft, und dann auch der Fall, daß welche
von den Raubvögeln in die Luft gehoben und sich
doch noch los gearbeitet und herunter gefallen etc.,
mag zu der alten Sage Anlaß gegeben haben, daß
es mitunter Lemminge vom Himmel regne.

5. Typhlus. die Blindmaus, Slepez. M.
ecaudata, palmis pentadactylis, incisoribus
supra infraque latis, palpebrarum aperturis
auriculisque nullis.

v. Schreber tab. 206.

Im südlichen Rußland. Lebt mehrentheils
unter der Erde. Soll für seine kleinen ganz
deutlichen Augäpfel doch gar keine Oeffnung in
der Gegend der Augenlider haben, und folglich
gänzlich blind seyn.

11. Hyrax. (Daman.) Dentes primores
superiores
2, distantes, inferiores 4
contigui, palmae digitis 4, plantae di-
gitis
3, cauda nulla.

[Seite 87]

1. Capensis. der Klipdas. (Büffon's mar-
motte du Cap
.) H. palmarum unguibus
planis, plantarum unico subulato
.

v. Schreber tab. 240.

Am Cap, fast von der Größe des Murmel-
thiers. Lagert sich auch so in Felsenhöhlen,
ist aber seinem eigenen anomalischen Bau nach,
zumahl wegen des Gebisses und der Füße schwer
zu classificiren.

12. Savia. Halbkanichen. Auriculae
rotundatae, parvae. Cauda nulla aut
brevis. Dentes primores utrinque
2.

Das ganze Geschlecht bloß im wärmern Süd-
america, zumahl in Brasilien.

1. Porcellus. das Meerschweinchen. Cobaya.
(Fr. le cochon d'Inde. Engl. the Guinea-pig.)
S. ecaudata, corpore variegato.

v. Schreber tab. 173.

Kommt auch in Europa leicht fort, variirt in
der Farbe, und ist wohl das fruchtbarste von
allen Säugethieren. Soll jetzt kaum mehr wild
gefunden werden.

2. Aguti. (Piculi.) das Ferkelkaninchen. S.
caudata, corpore ex rufo fusco, abdomine
flavescente
.

v. Schreber tab. 172.

Größer als ein Kaninchen.

13. Lepus. Dentes primores utrinque 2;
superiores duplicati.

1. †. Timidus. der Hase (Fr. le liévre. Engl.
the hare.) L. auriculis apice nigris, cor-
pore et pedibus posticis longioribus
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1798.

[Seite 88]

Fast in der ganzen alten Welt, und auch in
Nord-America. Ist unter den Fußsohlen, und
sogar zum Theil im Munde behaart. Beide,
Hase und Kaninchen, scheinen wieder zu kauen*).

Sonderbar ist die wundersame von so vielen
braven Naturforschern für wahr angenommene
Sage, daß man schon oft und in ganz verschiede-
nen Gegenden und Zeiten einzelne gehörnte Hasen
mit kleinen Rehgeweihchen gefunden habe**).

Der Berghase (Lepus variabilis) in manchen
nördlichen und alpinischen Gegenden, unterschei-
det sich schon in der Bildung vom gemeinen durch
einen dickeren Kopf, kürzere Ohren, und kürzern
Schwanz, längere Hinterbeine mit auffallend
breiten Pfoten; paart sich auch nicht mit jenem.
Im äußersten Norden, wie in Grönland etc. ist
er Jahr aus Jahr ein, in den Schweizer- und
Tyroler Alpen etc. aber nur im Winter weiß***).

2. †. Cuniculus. das Kaninchen. (Fr. le la-
pin
. Engl. the rabbit.) L. auriculis nudatis,
corpore et pedibus posticis brevioribus
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1799.

Ursprünglich in den wärmern Zonen der alten
Welt, aber nun auch in nordischen Gegenden
einheimisch. Sie vermehren sich so stark, daß
sie wohl eher [z.B. ums Jahr 1736. auf
der S. Peters Insel bey Sardinien†)] zur
[Seite 89] Landplage geworden sind*); und kommen auch
in ganz wüsten Gegenden, wie auf Volcano, der
sonst so öden liparischen Insel fort. Die wilden
sind grau; und die weißen mit rothen Augen
die gemeinsten Kackerlacken.

Die langhaarigen angorischen (S. 28. Anm. 2.)
oder so genannten englischen Seidenhasen kom-
men auch hier zu Lande gut fort.

14. Iaculus. (Dipus.) Pedes antici bre-
vissimi, postici elongati. Cauda salta-
toria, apice floccosa. Dentes primores
utrinque
2.

1. Ierboa. der Springhase, Erdhase, die
Springmaus, zweybeinige Bergmaus.
Palmis tridactylis, plantis tetradactylis.

v. Schreber tab. 228.

Zumahl in Nord-Africa, Arabien etc. Macht
sich Höhlen in die Erde. Springt mit der Leich-
tigkeit einer Heuschrecke, und wohl 7 bis 8 Fuß
weit.

15. Hystrix. Stachelschwein. (Fr.
porceptic. Engl. porcupine.) Corpus spi-
nis tectum. Dentes primores utrinque
2.

1. Cristata. H. spinis longissimis, capite cri-
stato, cauda abbreviata.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 81.

Ursprünglich im wärmern Asien und fast ganz
Africa; nährt sich zumahl von Baumrinden;
[Seite 90] nistet in der Erde. Im Zorn rasselt es mit
seinen Stacheln, die ihm zuweilen, besonders
im Herdst, ausfallen; kann sie aber nicht gegen
seine Verfolger von sich schießen!*)

2. Dorsata. (Urson.) H. spinis brevibus sub
pilis occultis
.

v. Schreber tab. 169.

In Canada, auf Labrador, um die Hudsons-
bay etc. Thut zumahl im Winter den jungen
Baumstämmen großen Schaden.

B) Ferae.

Mit spitzen oder zackigen Vorderzähnen, und
meist nur einem Eckzahn auf jeder Seite, der
aber bey den mehrsten von ansehnlicher Größe
und Stärke ist. – Die eigentlich so genannten
reißenden Thiere und einige andere Geschlechter
mit ähnlichem Gebiß.

16. Erinaceus. Corpus spinis tectum.
Dentes primores utrinque 6**); laniarii
supra
3; infra 1, molares 4.

1. †. Europaeus. der Igel (Fr. le hérisson
Engl. the hedge-hog.) E. auriculis rotun-
datis, naribus cristatis
.

[Seite 91]

Fast in der ganzen alten Welt. Ein animal
nocturnum
. Nährt sich aus beiden Reichen.
Mauset wie eine Katze. Kann spanische Fliegen
in Menge fressen. Spießt allerdings (wie die
Alten sagen, von den Neuern hingegen ohne
allen Grund bezweifelt, mir aber nun schon von
drey ganz zuverlässigen Augenzeugen versichert
worden) Früchte an seine Rücken-Stacheln, um
sie so in sein Lager zu tragen*).

17. Sorex. Nasus rostratus, auriculae
breves. Dentes primores superiores
6**),
bifidi; inferiores 2-4. intermediis bre-
vioribus
; laniarii utrinque plures.

1. †. Araneus. die Spitzmaus. (Fr. la mus-
araigne
. Engl. the shrew.) S. cauda me-
diocri, abdomine albido
.

v. Schreber tab. 160.

In Europa und Nord-Asien etc. Daß sie gif-
tig sey, oder den Pferden in den Leib krieche etc.
sind ungegründete Sagen. Selten finden sich
weiße Spitzmäuse.

2. †. Fodiens. die Wasserspitzmaus. S. abdo-
mine cinereo, digitis ciliatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 72.

An kleinen Gewässern. Statt einer Schwimm-
haut ist jede Zehe zu beiden Seiten mit steifen
Härchen besetzt, die die Füße zum Rudern un-
gemein geschickt machen. Die Oeffnung des
Gehörganges kann das Thier durch eine Klappe
zuschließen, so lang es unter Wasser ist.

[Seite 92]

3. Exilis. S. minimus, cauda crassissima tereti.

Am Jenisei und Ob. Das kleinste der bis jetzt
bekannten Säugethiere. Wiegt nur ½ Quentchen.

18. Talpa. Caput rostratum, palmae
fossoriae. Dentes primores superiores
6,
inferiores 8. laniarii maior 1. mino-
res
4.

1. †. Europaea. der Maulwurf, die Scher-
maus. (Fr. la taupe. Engl. the mole.) T.
cauda breviore, auriculis nullis.

Fast in der ganzen alten Welt. Ist ein voll-
kommnes animal subterraneum, wozu ihm
außer andern Eigenheiten seines Körperbaues,
besonders die Schaufelpfoten zu Statten kom-
men. Er hat sehr kleine Augen, kann geschickt
schwimmen und bey Ueberschwemmung auf die
Bäume klettern. Eine erbsengelbe Spielart
findet sich mitunter in der hiesigen Gegend.

2. Versicolor. (s. aurata.) T. ecaudata, pal-
mis tridactylis
.

Vosmaer's monogr. 1787.

Bloß am Cap. Kann also nicht (nach Linné)
asiatica heißen. Ihr Haar schillert, zumahl
wenn es naß ist, mit farbigem Goldglanz.

19. Didelphis. (plerisque) hallux mu-
ticus. Feminis folliculus abdominalis
mammarum
.

Auch bey dieses Geschlechts so zahlreichen und
einander im Ganzen so verwandten Gattungen
variirt doch das Gebiß so mannigfaltig, daß die-
selben nach dem linnéischen System in ganz ver-
schiedene Geschlechter vertheilt werden müßten.

[Seite 93]

1. Marsupialis. das Beutelthier, Opossum,
D. albida, auriculis, antibrachiis et tibiis
nigris, cauda squamosa longitudine corpo-
ris. Dentes primores superiores
10, infe-
riores
8. laniarii elongati.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 54.

Zumahl im wärmern Nord-America*). Das
Weibchen von dieser und andern Gattungen die-
ses Geschlechts hat eine große Tasche am Bauche,
die durch besondere Muskeln geschlossen und ge-
öffnet werden kann; und in deren Boden die
Zitzen liegen. Die Jungen werden ganz außer
Verhältniß klein (gleichsam nur als unreife Ab-
ortus) zur Welt gebracht, dann aber erst lange
Zeit in dieser Tasche getragen, wo sie sich ansau-
gen und von der Muttermilch nähren, bis sie
reifer und vollkommener ausgebildet, gleichsam
von neuem geboren werden können.

2. Gigantea. das Känguruh. D. grisea,
cauda longa crassa, pedibus anticis brevissi-
mis, posticis longissimis. Palmis penta-
dactylis, plantis subtetradactylis. Dentes
primores superiores
6. inferiores 2. laniarii
nulli
.

v. Schreber tab. 154.

In Neu-Holland. Mausefahl. Ist, wenn es
aufrecht sitzt, wohl mannshoch, und 140 Pfund
schwer. Lebt in Herden von 50 und mehr Stück.
Ist bloß grasfressend. Springt in weiten wohl
zwey Klafter langen Sätzen. Das Weibchen hat
einen Zitzensack. Wirft nur Ein Junges auf
einmahl, das bey der Geburt kaum halb so groß
[Seite 94] als eine Maus ist, dann aber von der Mutter
drey Vierteljahr lang in jenem Sacke getragen
wird, bis es wohl 14 Pfund wiegt.

3. Wombat. (Phascolamys). D. subfusca,
cauda brevissima. Dentes primores utrin-
que
2 cylindrici, obtusi. laniarii nulli.
molares
5.

Leach vol. II. tab. 96.

Ebenfalls im fünften Welttheile. Von der
Größe des Dachses. Wie es scheint auch so ein
animal nocturnum, das in der Erde wühlt.

20. Viverra. Caput vulpinum. Cauda
plerisque felina. Dentes primores utrin-
que
6, intermediis brevioribus. Lingua
plerisque retrorsum aculeata. Ungues
exserti
.

1. Zibetha. die Zibethkatze (Hyaena odori-
fera
. Fr. la civette. Engl. the civet.) V.
cauda annulata, dorso cinereo nigroque
undatim striato
.

v. Schreber tab. 112.

Im südlichen Asien und nördlichen Africa. Bey
beiden Geschlechtern sammelt sich in einer beson-
dern Höhle, die zwischen dem After und den
Zeugungsgliedern liegt, das Zibeth, eine schmie-
rige, wohlriechende Substanz.

2. Genetta. die Genettkatze. (Fr. la genette.
Engl. the genet.) V. cauda annulata, cor-
pore fulvo-nigricante maculato
.

v. Schreber tab. 113.

In der Levante. Wird seines Felles wegen
geschätzt.

[Seite 95]

3. Putorius. das Stinkthier, Coneparl. (Fr.
la mouffette. Engl. the skunk, pol-cat.)
V. lineis quinque dorsalibus parallelis albis.

v. Schreber tab. 122.

In Virginien, Canada etc. Hat seinen Na-
men von dem unerträglichen Gestank, den es,
so wie mehrere verwandte Gattungen seines
Geschlechts, im Zorne von sich gibt.

4. Ichneumon. die Pharaonmaus, der
Mungo. (Büffon's große mangouste .) V.
cauda basi incrassata sensim attenuata apice
floccosa
.

v. Schreber tab. 45. B.

Hat straffes, fast borstenartiges Haar, mit
braunen breit geringelten Streifen. Ist häufig
in Aegypten, wo es zumahl den Crocodileyern,
so wie außer dem den Schlangen, nachstellt; sich
aber ausnehmend kirre und häuslich machen läßt.

5. Aurita. das Großohr. (Fennec. Büf-
fon's animal anonyme.) V. auriculis am-
plissimis
.

Bruce's Reisen nach den Quellen des Nils,
V. B. tab. 22.

In der Barbarey, Nubien etc. Nistet auf den
Palmen, und lebt vorzüglich von Datteln.

21. Mustela. Dentes primores supe-
riores
6. erecti, acutiores, distincti;
inferiores 6, obtusiores, conferti; duo
interiores. Lingua laevis
.

Die Gattungen dieses Geschlechts haben kurze
Füße, und einen lang gestreckten Körper, den
sie im Geben bogenförmig krümmen. Sie sind
sehr flink, beissig und blutdürstig.

[Seite 96]

1. †. Martes. der Baummarder, Edelmar-
der, Tannenmarder, Wildmarder, Feld-
marder. (Fr. la marte. Engl. the pine-
martin
.) M. corpore fulvo-nigricante,
gula flava
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

Zumahl im Schwarzholz der ganzen nördlichen
Erde. Sein schönes Fell kommt dem Zobel am
nächsten.

2. †. Foina. der Hausmarder, Steinmarder.
(Fr. la fouine. Engl. the martin) M. cor-
pore fulvo-nigricante, gula alba
.

v. Wildungen a. a. O.

Im mittlern und wärmern Europa und dem
benachbarten Asien. Läßt sich jung eingefangen,
so wie auch die vorige Gattung, zum Wunder
zahm machen.

3. †. Putorius. der Iltis, Ilk, Ratz, Stän-
kerratz. (Fr. le putois. Engl. the fitchet, po-
lecat
.) M. flavonigricans, ore et auricula-
larum apicibus albis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1801.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem Haus-
marder. Auch in der Barbarey. Das ganze
Thier, und selbst sein abgezogenes Fell geben
einen sehr widrigen Geruch von sich.

Das Frettel (furo, Fr. le furet. Engl. the
ferret
) von gelblich weißer Farbe mit rothen
Pupillen, ist ein wahrer Kackerlacke in seiner
Art, folglich wohl sicher keine ursprüngliche ei-
gene Gattung, sondern eine Abart vom Iltis,
mit welchem es sich auch paart. Taugt gut
zum Ratten- und Caninchen-Fang.

[Seite 97]

4. Zibellina. der Zobel. (Fr. la zibeline.
Engl. the sable .) M. corpore fulvo-nigri-
cante, facie et gula cinereis
.

v. Schreber tab. 136.

Zumahl in Sibirien. Die schönsten mit recht
schwarzbraunem, dickhaarigen und glänzenden
Fell finden sich um Jakuzk.

5. †. Erminea. das große Wiesel, Hermelin.
(Fr. le roselet, l'hermine. Engl. the stoat,
the ermine
.) M. caudae apice nigro.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1802.

In der nördlichen Erde, vorzüglich in Sibirien.
Größer als das gemeine Wiesel. Aendert aber
eben so wie dieses die Farbe, so daß es im
Sommer bräunlich, im Winter aber (als Her-
melin) weiß ist.

6. †. Vulgaris. das gemeine Wiesel. (Fr. la
belette
. Engl. the weesel) M. corpore ex
rufo fusco subtus albo
.

v. Wildungen a. a. O.

Im Norden von Europa und Asien. Die
Mutter trägt oft ihre Junge im Maule umher
(daher die alte Fabel, als ob sie dieselben
durch diesen Weg zur Welt brächte).

22. Ursus. Dentes primores superiores
6, intus excavati alterni, inferiores 6,
laterales 2, longiores lobati; laniarii
primarii solitarii (minimi
1-2 inter hos
et primos molares
), lingua laevis.

1. †. Arctos. der Bär. (Fr. l'ours. Engl. the
bear
.) U. fusco nigricans, cauda abrupta.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 32.

[Seite 98]

In der nördlichen Erde, doch auch in Ost-In-
dien und Nord-Africa. In der Jugend lebt er
meist von Gewächsen; nach dem dritten Jahr
aber mehr vom Fleisch. Zum Gefecht bedient er
sich mehr seiner Vordertatzen, als des Gebisses.
Ein ausgewachsener kann wohl vier Centner und
darüber, am Gewicht, halten.

Zu den merkwürdigsten Spielarten unter den
Bären gehören: die großen schwarzen Ameisen-
bären; die kleinen hellbraunen Honigbären;
und die noch kleinern weißlichen Silberbären;
sämmtlich zottig, und zumahl unter dem Halse
langbehaart.

Hingegen macht der nordamericanische Bär
mit schwarzem, schlichtem, atlasglänzendem Haar,
und flacherm Kopf mit spitzerer Schnauze, wohl
eine eigene Gattung, die sich gewöhnlich von
Früchten und in manchen Jahrszeiten fast aus-
schließlich von Ameisen nährt.

2. Maritimus (glacialis) der Eisbär, Polar-
bär. U. albus, collo et rostro elongatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 33

An den Küsten und beym Treibeis der nörd-
lichsten Erde. Darf nicht mit der weißen Spiel-
art des gemeinen Bären verwechselt werden.
Er wird bey 12 Fuß lang, und auf 15 Centner
schwer; schwimmt und taucht sehr geschickt, und
ist fast bloß fleischfressend*).

[Seite 99]

3. Gulo. der Vielfraß, Rosomack. (Fr. le
glouton
. Engl. the glutton.) U. corpore
rufofusco, medio dorsi nigro
.

Pallas Spicileg. zoologic. XIV. tab. 2.

In der nördlichen Erde, besonders in Sibi-
rien. Seine Freßgierde hat zu allerhand Fabeln
Anlaß gegeben.

Das Wolverene oder Quickhatch (Ursus
luscus
) auf Labrador und an der Hudsonsbay
scheint wenig von ihm verschieden zu seyn.

4. †. Taxus. der Dachs. (Fr. le blaireau.
Engl. the badger.) U. cauda concolore,
abdomine nigro
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

In Europa und Asien bis gen Schina. Ein
animal omnivorum. Baut unter der Erde
einen tiefen Kessel, zu welchem verschiedne Röh-
ren oder Gänge führen. Verschläft den größten
Theils seines Lebens, und hält besonders langen
und festen Winterschlaf, wobey er seine Schnauze
in den Fettbeutel am Hinterleibe steckt.

5. Mellivorus. der Honig-Dachs, Rattel.
U. dorso cinereo, fascia laterali nigra, ab-
domine nigro
.

Sparrmann in den schwed. Abhandl.
1777. tab. 4. fig. 3.

Am Cap; lebt vom Honig und Wachs der
wilden Bienen, die in die Höhlen der Stachel-
schweine etc. nisten. Er gibt auf den Flug der
heim eilenden Bienen acht, oder folgt auch bloß
der Anweisung des Honigkuckuks. Hat ein zotti-
ges Fell, mit einer ungemein starken sehr beweg-
lichen schiebbaren Haut, wodurch er einerseits
vor den Bienenstichen und anderseits vor tiefen
Bissen der Hunde etc. gesichert ist.

[Seite 100]

6. Lotor. der Waschbär, Rackun, Sjupp,
Coati. (Büffon's Raton.) U. cauda annu-
lata, fascia palpebrarum transversali nigra
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 62.

Ein animal nocturnum, im wärmern nord-
östlichen America etc. Frißt mancherley. Bedient
sich der Vorderpfoten sehr geschickt zum Fassen,
auch zum Einweichen oder Auffischen seines Fut-
ters*) etc. Wird überhaupt sehr kirre. Sein
Haar ist nächst des Bibers seinem, das vor-
züglichste für Hutmacher.

23. Canis. Dentes primores superio-
res
6, laterales longiores distantes, in-
termedii lobati; inferiores
6, lobati
omnes
; laniarii solitarii, incurvati.

1. †. Familiaris. der Hund. (Fr. le chien.
Engl. the dog.) C. cauda recurvata; sub-
inde
digito spurio ad pedes posticos
.

Dieser treue Gefährte des Menschen, der sich
besonders durch die ausnehmende Schärfe seiner
Sinne, verbunden mit seiner großen vielartigen
Gelehrigkeit (sogar zum Fisch- und Robbenfang),
aber auch durch mancherley andere Brauchbarkeit
empfiehlt, ist längst mit ihm über alle fünf Welt-
theile verbreitet, und gibt den größten Beweis
von der Perfectibilität der Thiere, wenn der
Mensch ihre Anlagen durch lange Reihen von
Generationen ausbildet.

Ob alle die verschiedenen Hunde-Rassen als
bloße Varietäten einer und derselben Gattung
[Seite 101] anzusehen sind, und ob diese selbst vom Wolf
oder Schakal abstamme, ist schwerlich zu ent-
scheiden. Mir scheinen manche Rassen, z.B.
der Dachshund, das Windspiel etc. viel Eigenes
zu besondern Functionen Abzweckendes in ihrer
Bildung zu haben, so daß ich diese zweckmäßi-
gen Eigenheiten nicht wohl für zufällige Folge
der bloßen Ausartung halten kann.

Zu den Hauptrassen gehören wohl

a) Fricator. der Mops. (Fr. le doguin.
Engl. the pugdog) mit untersetztem,
kurzem Leibe, schwarzen Flecken an den
Backen, und hängenden Ohren.

Den Uebergang von dieser zur nächstfol-
genden Rasse nacht der eigentliche Bullen-
beißer, Wachthund, Bluthund, mo-
lossus
(Engl. the bull-dog.) bey wel-
chem der Unterkiefer vor dem obern etwas
herwortritt.

b) Mastivus. die Englische Dogge. (Fr. le
dogue
. Engl. the mastiff.) mit stumpfem
Kopfe, hängenden lappichten Oberlefzen
und glattem Haar. Bellt dumpfig und
kurz. – Ihm scheint der Metzgerhund
(Fr. le matin.) nahe verwandt.

c) Terrae novae. der Neufundländer.
(– Abbild. n. h. Gegenst. tab. 6. –)
Zeichnet sich durch seine ausnehmende Größe,
langes seidenartiges Haar, langflockigen,
meist aufwärts gekrümmten Schwanz, be-
sonders aber durch die Art von Schwimm-
haut zwischen den Zehen aus, die bey ihm
ungleich-größer ist, als bey andern Hunden.
Daher sein ungemeines Geschick zum Schwim-
[Seite 102] men. Meist sind diese Hunde weiß und
schwarz; und ausnehmend gelehrig.

d) Sagax, venaticus. der Jagdhund. (Fr.
le chien-courant.) mit langem dickem, Kör-
per, eingefurchtem Hinterkopfe, langen hän-
genden Ohren. Das Haar bald schlicht,
bald zottig. – Hierher auch die Bracke,
(Engl. the spanish pointer.)der Hühner-
hund, Wachtelhund und die schön ge-
tigerten Corsicanerhunde.

e) Aquaticus. der Budel. (Fr. le barbet.
Engl. the water-dog) mit stumpfem
Kopfe, und wollichtem Haar.

f) Pastoralis, domesticus, villaticus. der
Schäferhund, Haushund. (Fr. le chien
de berger
, Engl. the cur.) mit aufrechten
Ohren; der Schwanz auf der untern Seite
lang behaart. – Hierzu auch der islän-
dische Hund, und der Spitz oder Pom-
mer. (Fr. le chien-loup.). Auch der große
St. Bernhards-Hund. Und der kleinere,
den die Kamtschadalen etc. zum Zug in
Schlitten gebrauchen. – Auch die auf
manchen Insel-Gruppen der Südsee ein-
heimischen Hunde, die von den Einwoh-
nern als Mastvieh gezogen werden, und
bloß vegetabilische Nahrung genießen,
scheinen zu dieser Rasse zu gehören.

g) Meliteus. das Bologneserhündchen.
(Fr. l'epagneul, le bichon. Engl. the lap-
dog, the shock.
) mit sehr langem, seiden-
artigem Haar, zumahl im Gesichte.

h) Vertagus. der Dachshund. (Fr. le
basset
. Engl. the tumbler, the turnspit.)
mit langer Schnautze, hängenden Ohren,
[Seite 103] lang gestrecktem Körper, kurzen, krummen
Vorderfüßen, und rothbraunen Flecken
über den Augen. – Ihm scheint der eng-
lische Terrier (terrarius), mit borstigem
Haar und struppiger Schnauze, nahe
verwandt.

i) Dingo. der neuholländische Hund, Aeh-
nelt, zumal in der Bildung des Kopfs
und Schwanzes, mehr dem Fuchs.

k) Leporarius. das Windspiel. (Fr. le
levrier
, Engl. the grey-hound) mit lan-
gem, zugespitztem Kopfe, hängenden Ohren,
dicker Brust, sehr schlanken Leid und Beinen.

l) Graius*). Der Spartanische Hund.
(canis laconicus); sehr groß; hält in der
Bildung das Mittel zwischen Jagdhund und
Windspiel.

Ihm ähnelt der große Dänische und der
nun ausgestorbene große Irländische Hund.

m) Aegyptius. der guineische Hund. (Fr.
le chien-turc. Engl. the Indian dog, the
naked dog
.) ähnelt dem Windspiel, hat
aber nur im Gesichte gekrullte Haare, der
übrige Körper ist meist kahl, und schwarz,
oder rusigbraun, fast wie Negerhaut. (s.
S. 28. Anm. 2.)

Diese verschiednen Haupt-Raffen paaren und
vermischen sich aber nicht nur unter einander,
sondern auch mit Wölfen und Füchsen, mit
welchen sie sogar zuweilen fruchtbare Bastarde
erzeugen.

[Seite 104]

2. †. Lupus. der Wolf. (Fr. le loup. Engl.
the wolf.) C. cauda incurvata.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795.

Fast in der ganzen alten Welt, ist aber in
einigen Ländern, wie z.B. in Groß-Britannien
und Irland, ausgerottet. Hat einen schleppen-
den doch dabey schnellen und nicht leicht zu
ermüdenden Gang. Aus Hunger fressen die
Wölfe sogar Schilf und Erde; graben auch
Leichen aus, und da mag etwa ihre nächtliche
Erscheinung auf Kirchhöfen etc. den Anlaß zu der
alten Sage von Währwölfen gegeben haben.

3. Aureus. der Schakal, Thos. (Büffon's
Adive.) C. corpore fulvo, pedibus longio-
ribus, caudae apice nigro
.

v. Schreber tab. 94.

In ganz Nordafrica und Orient, besonders
in Natolien und Bengalen; zieht des Nachts
scharenweise umher; frißt Thiere, Lederwaren
etc.; gräbt Leichen aus. Manche Naturforscher
haben den Schakal für den ursprünglich wilden
Hund, und manche Exegeten Simsons Füchse
für Schakale gehalten.

4. †. Vulpes. der Fuchs, Birkfuchs. (Fr.
le renard. Engl. the fox) C. cauda recta,
apice discolore
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Zumahl in der nördlichern alten Welt. In
Unzahl auf den ostlichen Aleuten, die davon den
Namen der Fuchsinseln erhalten haben. Frißt
unter andern Früchten nahmentlich sehr gern
Weintrauben.

Der Brandfuchs (alopex) ist wohl sicher
nur eine Abart davon.

[Seite 105]

Ob aber auch der wegen seines kostbaren
Felles berühmte schwarze Fuchs mit weißer
Schwanzspitze, der in Sibirien, aber auch in
Menge auf Labrador zu Hause ist [und der,
wenn seine Haare gleichsam silberweiße Spitzen
haben, Silberfuchs genannt wird*)], für eine
bloße Abart des gemeinen Fuchses oder für eine
besondere Gattung anzusehen sey, läßt sich vor
der Hand noch nicht mit Gewißheit bestimmen.

5. Lagopus. der weiße Fuchs, Polarfuchs,
Steinfuchs, Eisfuchs. (Isatis. Engl. the
arctic fox
. Russ. Pesez.) C. cauda recta,
apice concolore, palmis plantisque pilo-
sissimis
.

v. Schreber tab. 93. A. 93. B.

In den Polarländern, zumahl auf Spitzber-
gen, Neu-Zembla, Grönland etc. – Die
mehresten sind weiß. Die so genannten blauen
Füchse hingegen bläulich-grau.

6. Hyaena. die Hyäne. C. nigricans, maculis
virgatis, facie nigra, iuba cervicis dorsi-
que, pedibus tetradactylis.

Der indianische Wolf, von J. El. Ridinger.

Hat meist einerley Vaterland mit dem Schakal,
dem sie auch in der Lebensart ähnelt. Hat ihr
Ablager unter der Erde oder in Felsenhöhlen
und Berg-Klüften.

Die gefleckte Hyäne (Canis crocuta) ist viel
größer**) als jene gestreifte; findet sich zumahl
[Seite 106] in großer Menge in Habessinien und von da
südlich bis zum Cap.

Beide machen in ihrem Körperbau einen Ue-
bergang zum folgenden Geschlecht.

24. Felis. Ungues retractiles, caput
rotundius, lingua aspera. Dentes pri-
mores
6 acutiusculi, exterioribus maio-
ribus, laniarii solitarii, supra a primo-
ribus, infra a molaribus remoti
.

1. Leo. der Löwe. (Fr le lion. Engl. the
lion
.) F. cauda elongata floccosa*), cor-
pore fulvo
.

v. Schreber tab. 97. A. 97. B.

In den heissen Zonen der alten Welt, vorzüg-
lich in Africa; weiland aber auch in Peloponues
und Aetolien. Auch neulich haben Löwinnen in
Menagerieen, in Deutschland und sonst im mil-
dern Europa Junge geworfen. Dem Männchen
bricht die Mähne erst im zweyten Lebensjahre
aus. Das Fleisch des Löwen wird von den Hot-
[Seite 107] tentotten gegessen und eine Horde Araber zwi-
schen Tunis und Algier soll sich fast bloß davon
nähren.

2. Tigris. der Tiger. F. cauda elongata; ca-
pite, corpore et cruribus nigro-virgatis
.

the Tiger, von G. Stubbs.

Bloß in Asien und vorzüglich von Bengalen
bis Schina, auch auf Sumatra etc. Ueberaus
regelmäßig gestreift. Läßt sich allerdings zäh-
men, und muß auch vor dem Elephanten erliegen.

3. Pardus. das Panther, Parder*). F.
cauda subelongata, maculis obtuse angula-
tis, passim confluentibus et annulatis
.

v. Schreber tab. 99.

In Africa und Ostindien. Die Flecken seines
Fells sind hin und wieder wie zusammengeflossen,
theils in Hufeisenform, oder geringelt u.s.w.

Leopard nennt man eine etwas kleinere Abart,
mit kleineren Flecken, deren meist drey bis vier
auf fast goldgelbem Grunde beysammen stehen.

4. Panthera. der kleine Panther. (Büffon's
once). F. cauda elongata, corpore albido,
maculis irregularibus nigris
.

v. Schreber tab. 100.

In der Barbarey und Ostindien. Weit kleiner
als die vorigen Gattungen. Auch leicht zu zähmen,
und zur Jagd (der Rehe, Gazellen etc.) abzurich-
ten, wozu sie in Orient vorlängst, und in den
mittlern Zeiten auch in Italien und Frankreich
gebraucht worden.

[Seite 108]

5. Onça, der Jaguar, americanische Tiger.
F. cauda subelongata, corpore fusco lu-
tescente, maculis angulatis, ocellatis, me-
dio flavis
.

v. Schreber tab. 102.

In Südamerica. Größer als der Panther,
dem er sonst sehr ähnelt.

6. Concolor. der americanische Löwe, Puma,
Cuguar. F. cauda mediocri, corpore im-
maculato fulvo
.

v. Schreber tab. 104.

In Peru, Brasilien etc. zeichnet sich durch
sein rothgelbes, ungeflecktes Fell (weßalb er
mit dem Nahmen eines Löwen belegt worden)
und kleinen Kopf aus.

7. †. Lynx. der Luchs. (Fr. le loup-cervier.
Engl. the mountain cat.) F. cauda abbre-
viata, apice atro, auriculis apice barbatis,
corpore maculato, plantis palmisque am-
plissimis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

In der nördlichen Erde; doch auch häufig im
Neapolitanischen; thut den Wildbahnen größern
Schaden als der Wolf.

8. †. Catus. die Katze (Fr. le chat Engl.
the cat.) F. cauda elongata, striis dorsali-
bus longitudinalibus, lateralibus spiralibus
.

Fast in der ganzen alten Welt; ist aber erst
von da durch die Spanier nach America über-
bracht worden. Die wilde*) ist größer, als die
zahne, von grauröthlicher Farbe, mit schwarzen
Lefzen und Fußsohlen. Die Hauskatze begattet
[Seite 109] sich äußerst selten unter den Augen der Mensche,
und verwildert sehr leicht wieder, wenn sie zu-
fällig in Wildniß geräth. Zu den Besonderheiten
der Katzen gehört ihre starke Elektricität; das
Leuchten ihrer Augen im Dunkeln; ihre seltsame
Gierde auf gewisse Pflanzen, wie z.B. auf die
Nepeta cataria und aufs Teucrium marum etc.;
ihr Schnurren oder Spinnen; die ängstliche un-
überwindliche Antipathie vieler Menschen gegen
dieselben etc. – Zu den vorzüglichsten Spielar-
ten gehört die angorische oder persische Katze
mit dem langen, seidenartigen Haar, die ge-
wöhnlich schwer hört; die bläulichgraue Carthäu-
ser- oder Cyperkatze; und die spanische oder
schildpattfarbige Katze (Tortoiseshellcat); un-
ter welchen letztern man häufig weibliche Katzen
von drey ganz verschiedenen Farben (z.B.
schwarz, weiß und gelbbraun) in großen Flecken
gleich vertheilt, aber äußerst selten einen der-
gleichen Kater, findet.

C) Bruta.

Ohne Gebiß oder wenigstens ohne Vorder-
zähne.

25. Bradypus. Faulthier. (Ignavus
Fr. paresseux. Engl. floth.) Caput
rotundatum, crura antica longiora
.
Dentes primores nulli utrinque; lania-
rii
(?) obtusi, solitarii; molares cylin-
drici, obtusi
.

1. Tridactylus. der Aï. B. pedibus tridacty-
lis, cauda brevi
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 53.

[Seite 110]

In Guiana etc. Freylich ein äußerst langsames
schwerfälliges, aber bey aller dieser Trägheit
listiges und im Nothfall muthiges und starkes
Geschöpf; hat dabey ein äußerst zähes Leben,
und wenige Bedürfnisse. Frißt Laub, säuft
gar nicht etc.

26. Orycteropus. Caput productum
rostratum. Cauda elongata conica
.
Palmae tetradactylae, plantae penta-
dactylae. Dentes primores et laniarii
nulli
; molares infra 4, supra 5.

1. Capensis. das Erdschwein.

Buffon Supplement vol. VI. tab. 31.

Am Cap. Vordem irrig zu den Ameisenbären
gerechnet. Ein großes animal nocturnum,
das mit seinen mächtig starken Krallen in der
Erde gräbt.

27. Myrmecophaga. Ameisenbär.
(Fr. fourmiller. Engl. ant-eater.) Ro-
strum productius, lingua lumbricifor-
mis: dentes nulli
.

1. Iubata der große Tamandua. M. palmis
tetradactylis, cauda longa iubata
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 82.

Zumahl in Brasilien. Am Leibe so groß, als
ein Fleischerhund, und lebt doch so wie die fol-
gende kleine Gattung in der Wildniß einzig von
den dortigen großen Ameisen.

2. Didactyla. der kleine Tamandua. M. pal-
mis didactylis, ungue exteriore maximo,
plantis tetradactylis: cauda prehensili
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 22.

[Seite 111]

Ebenfalls in Südamerica; von der Größe
und auch fast von der Farbe des Eichhörnchens.

28. Manis. Schuppenthier, formo-
sanisches Teufelchen. Corpus squamis
tectum: lingua teres: dentes nulli
.

Die Bekleidung ausgenommen, haben die
Thiere dieses Geschlechts in ihrer Bildung,
Lebensart etc. viel Aehnliches mit den Ameisen-
bären. Von vielen ältern Naturforschern wur-
den sie unter die Eidexen gezählt.

1. Tetradactyla. der Phatagin. M. cauda
longiore; ungulis bifidis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 14.

Auf Formosa und dem benachbarten Asien.
Ungefähr von der Größe des eben gedachten
kleinen Ameisenbären. Sein castanienbraun ge-
schuppter Körper ähnelt einem Tannenzapfen.

29. Tatu. Armadill, Panzerthier,
Gürtelthier. (dasypus Linn.) Corpus
testis zonisque osseis cataphractum; den-
tes primores et laniarii nulli
.

1. Novemcinctus. der Caschicame. T. zonis
dorsalibus
9; palmis tetradactylis: plantis
pentadactylis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 83.

In Südamerica, bis an die magellanische
Straße. Baut unter die Erde, wird sehr kirre,
rollt sich bey Gefahr, so wie die Schuppenthiere
und der Igel, kugelicht zusammen.


V. SOLIDUNGULA.

[Seite 112]

Thiere mit Hufen. Ein einziges Geschlecht
von wenigen Gattungen.

30. Equus. Pedes ungula indivisa, cauda
setosa. Dentes primores superiores
6.
obtuse truncati; inferiores 6. prominen-
tiores
: laniarii solitarii utrinque remoti.

1. †. Caballus. das Pferd. (Fr. le cheval.
Engl. the horse.) E. cauda undique setosa.

Ursprünglich wilde Pferde gibt es schwerlich,
mehr, aber häufig und theils in großen Heerden
verwilderte; so z.B. in der Mongoley, vollends
aber in unermeßlicher Menge in Paraguay, wo-
hin die Pferde (so wie überhaupt nach America)
erst durch die Spanier überbracht worden u.s.w.
Unter den zahnem Pferde-Rassen zeichnen sich
die Araber (zumahl die von der Zucht der Annecy
um Palmyra herum, und vom Libanus bis ge-
gen den Horeb etc.) durch ihren wunderschönen
Bau, so wie durch äußerste Leichtigkeit und
Dauerhaftigkeit aus. Ihnen folgen die Persia-
ner und Barben. Unter den europäischen sind
die spanischen (besonders die aus Andalusien),
die neapolitanischen und englischen die vorzüglich-
sten. Die letztern haben besonders den Vorzug
der Schnelligkeit, wodurch sie sich in den Wett-
rennen auszeichnen*). – Ganzer berittenen
[Seite 113] Nationen zu geschweigen, wie z.B. die Cosacken,
Tataren, Calmücken, die Pferde-Tungusen, die
Abiponer etc. so ist auch für die cultivirtesten
Völker der Werth dieses Thiers für Landwirth-
schaft, Cavallerie, Postwesen etc. unermeßlich.
Manche der gedachten berittenen Völker leben
auch großen Theils vom Fleisch und Milch der
Pferde. Die letztre gibt, wenn sie zusammen
geronnen, vollends aber wenn sie abgezogen wor-
den, das berauschende Kumiß der Mongolen.

2. †. Asinus. der Esel. (Fr. l'âne. Engl. the
ass
.) E. cauda extremitate setosa, cruce
dorsali nigra
.

Der wilde Esel, von welchem das zahme
Hausthier abstammt, ist der wahre onager der
Alten; und findet sich jetzt zumahl in der Tata-
rey, unter dem Nahmen Kulan*), von da er
jährlich im Herbst in großen Herden südlich nach
Indien und Persien zu zieht und daselbst über-
wintert. Er ist größer und schlanker als der
zahme Esel, und von ausnehmender Schnellig-
keit. – Ins nördlichste Europa ist der Esel
bis jetzt noch gar nicht verpflanzt. Auch artet
er wenig aus. Höchstens etwa in der Farbe,
da es z.B. weiße Esel gibt.

* * *

Pferd und Esel lassen sich zusammen begatten,
und geben zweyerley Bastarde, die von großer
Dauerhaftigkeit und Stärke, und zuweilen (aber
[Seite 114] sehr selten) fruchtbar sind. Eins ist das gemeine
Maulthier [mulus. Fr. le mulet*)], das vom
männlichen Esel gezeugt, und von der Stute
geworfen wird. Das andre ist der Maulesel
[hinnus, Fr. le bardeau**)], der vom Hengste
gezeugt, und von der Eselinn geworfen ist. Die-
ser letztere ist seltner, und hat Gelegenheit zur
Sage von den fabelhaften Jumarn, oder vor-
geblichen Bastarden vom Pferde- und Ochsenge-
schlecht, gegeben.

3. Zebra. E. zonis fuscis et albidis, maxime
regularibus
.

The Sebra, von G. Stubbs, 1771.

Das Zebra (wovon es zwey ganz verschiedene
Gattungen gibt, deren eine man fälschlich für die
Weibchen der andern gehalten hat) ist im süd-
lichen Africa zu Hause. Es lebt herdenweis, ist
ungemein schnell, aber wild und unbändig.
Gezähmt hat die Stute sowohl mit Esel- als
Pferdehengsten Bastarde gezeugt***).


VI. BISULCA. (Pecora.)

Die wiederkauenden Thiere mit gespaltenen
Klauen, unter welchen sich die wichtigsten
Hausthiere finden.

31. Camelus. Cornua nulla, labium
leporium, pedes subbisulci
†). Den-
[Seite 115] tes primores inferiores
6. spathiformes;
superiores
2; laniarii distantes, supe-
riores
3, inferiores 2.

1. Dromedarius. das gemeine Camel [Fr. le
dromadaire
.*) ] C. tofo dorsi unico.

v. Schreber tab. 303.

Findet sich noch hin und wieder in Asien, zu-
mahl in den Wüsteneyen zwischen Schina und
Indien, wild, ist aber für den ganzen Orient
und für das nördliche und mittlere Africa das
wichtigste Hausthier. (Das Schiff für die Wü-
sten – nennen es die Araber.) Die gewöhnliche
Last der Carawanen-Camele ist gegen sechs Cent-
ner, und damit legen sie täglich gegen vier
deutsche Meilen zurück. Das nutzbare Thier
frißt dornichtes Buschwerk, was in den Wüsten
in Menge wächst, und für kein anderes Säuge-
thier zur Nahrung taugt. Auch kann es, wie
versichert wird, den Durst mehrere Wochen lang
erdulden, säuft aber dafür ungeheuer viel auf
ein Mahl. Beide, sowohl diese, als die fol-
gende Gattung, haben eine große Schwiele vorn
an der Brust, vier kleine an den Vorderfüßen,
und zwey dergleichen an den Hinterfüßen, die
ihnen zum Aufstemmen dienen, wenn sie müde
sind, und sich niederlegen.

2. Bactrianus. das Trampelthier. (Fr. le
chameau
. Engl. the camel.) C. tofis dorsi
duobus
.

v. Schreber tab. 304.

[Seite 116]

Im mittlern Asien, bis gen Schina, zumahl
in ganzen großen Herden in Bessarabien etc. wird
daselbst seines schnellen Trabes und natürlichen
Sattels wegen, mehr als die vorige Gattung
zum Zuge gebraucht.

3. Llama. das Liama, die Camelziege, Gua-
naco. C. dorso laevi, tofo pectorali.

v. Schreber tab. 306.

So wie die folgende Gattung im südlichen
America, besonders dem gebirgigen Peru.
Ward als Lastthier gebraucht, und kann bey
seiner mäßigen Größe doch bis anderthalb Cent-
ner tragen.

4. Vicuña. das Schafcamel. (Fr. la vigogne.)
C. tofis nullis, corpore lanato.

v. Schreber tab. 307.

Kleiner als das Liama. Läßt sich nicht zäh-
men, sondern wird wegen seines zimmtbraunen
Haares, das die bekannte Vigogne-Wolle gibt,
jährlich in großen Treibjagden haufenweis gefan-
gen. Auch der occidentalische Bezoarstein
am öftersten in dieser Gattung gefunden werden.

32. Capra. Cornua cava rugosa scabra.
Dentes primores superiores nulli, infe-
riores
8; laniarii nulli.

1. †. Ovis. das Schaf. (Fr. le brebis. Engl.
the sheep .) C. mento imberbi, cornibus
compressis lunatis
.

Findet sich wohl nirgends mehr ursprünglich
wild; scheint auch nicht ein Mahl nur so wie die
Ziege wieder verwildern zu können: wird aber
fast in der ganzen alten Welt als eins der aller-
nutzbarsten Hausthiere gehalten, und ist auch
[Seite 117] bald nach der Entdeckung von America dorthin
verpflanzt worden.

Unter den verschiedenen Rassen der Schafe sind
vor allen die spanischen, aus Segovien, und
dann die englischen wegen ihrer ausnehmenden
Wolle; die isländischen mit vier, sechs oder
acht Hörnern; und die arabischen und ägypti-
schen mit dem großen und wohl 40 Pfund schwe-
ren Fett-Schwanze, zu merken. Die ostfrist-
schen Marsch-Schafe sind ungehörnt; groß,
wollreich, mit kahlen kurzen Schwänzen; die
Lüneburger Heidschnucken hingegen klein, und
beide Geschlechter gehörnt. Die zwischen den
Wendezirkeln haben mehrentheils statt der krau-
sen Wolle schlichtes Ziegenhaar; und die in Süd-
africa noch überdieß lang herab hängende Ohren.

2. Ammon. das Muffelthier, (musimon Büf-
fon's mouflon.) C. cornibus arcuatis cir-
cumflexis subtus planiusculis, palearibus
laxis pilosis
.

v. Schreber tab. 268.

Auf Corsica und Sardinien, in Griechenland,
in der Barbarey; eine verwandte, weit größere
Art aber (das Argali) in Sibirien bis Kamt-
schatka und dann im nordwestlichsten America.
Letzteres ein sehr schmackhaftes Wildbret, hat
mächtig starken und schweren*) Hörnern, und wird
von einigen Naturforschern für das Stammthier
zu unserem Schaf gehalten.

3. †. Hircus. die Ziege. (Fr. la chevre. (Engl.
the goat .) C. mento barbato, cornibus
arcuatis carinatis
.

[Seite 118]

Die Hausziege scheint von dem aegagrus ab-
zustammen, der im Caucasus und den daran
gränzenden östlichen Gebirgen lebt, und in
dessen Pansen (so wie bey manchen Gattungen
von Antilopen) zuweilen der orientalische Be-
zoarstein gefunden wird, daher das Thier selbst
mit dem Nahmen des Bezoarbocks belegt wor-
den*). – Die Hausziege (– das wichtige
Hausthier der alten Guanchen auf den Canari-
schen Inseln –) verwildert leicht wieder, und
ist nun meist eben so weit als das Schaf auf
der Erde verbreitet. – Die angorische Ziege
oder das Kämmelthier hat langes seidenartiges
Haar und gibt das beste so genannte Camelgarn,
so wie aus dem äußerst feinen Wollhaar das
die schönen kleinen geradhörnigen Bergziegen in
Kashmir und Tibet unter ihrem gröbern, lan-
gen Haar tragen, die allerköstlichsten Shawls
in jenem paradiesischen Wunderlande gewebt
werden**).

4. †. Ibex. der Steinbock. (capricornus. Fr.
le bouquetin. Engl. the wild goat.) C.
mento barbato, cornibus lunatis maximis,
supra nodosis, in dorsum reclinatis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1803.

Meisner's Museum der N. G. Helve-
tiens Nro 1. und 5.

In den höchsten Schneegebirgen von Savoyen,
so wie in den sibirischen Alpen. Das Gehörn
eines bejahrten Steinbocks wiegt wohl 20 Pfund,
[Seite 119] und hat meist eben so viel knorrichte Ringe auf
jeder Seite.

33. Antilope. Cornua cava, teretia,
annulata, vel spiralia. Dentes ut in
capris
.

Ein weitläufiges Geschlecht, wovon sich
zahlreiche Gattungen im mittlern und südlichern
Asien und Africa, zumahl aber am Cap finden.

1. †. Rupicapra. die Gemse (Fr. le chamois,
l'Izard
.) A. cornibus erectis uncinatis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1803.

In den alpinischen Gegenden des mildern
Europa und westlichen Asiens. Zahm gemachte
Gemsen sollen sich mit den Ziegen gepaart und
Bastarde erzeugt haben. Von den unverdau-
lichen Zasern ihres Futters, bilden sich in ihrem
Pansen die ehedem berühmten so genannten
Gemsballen, (aegagropilae).

2. Dorcas. die Gazelle. C. cornibus tereti-
bus annulatis, medio flexis, apicibus lae-
vibus approximatis
.

v. Schreber tab. 269.

Im ganzen Orient und Nordafrica. Das
schlanke flinke Thier macht, die Lieblingsjagd der
Morgenländer, und gibt ihrer Dichtersprache
das reizende Bild weiblicher Schönheit.

3. Pygarga. der Springbock, Prunkbock.
A. cornibus liratis, linea laterali faciei et
trunci fusca, clunibus albis
.

Vosmaer descr. de la Gazelle de parade.

Im Innern des südlichsten Africa, von wannen
er jährlich in Herden von vielen tausenden ge-
gen das Cap und nach einigen Monathen
wieder zurück zieht.

[Seite 120]

4. Oreas. das Cudu. A. cornibus subulatis
rectis carinato-contortis, corpore griseo.

Vosmaer descr. d'un animal appellé
Canna.

In Südafrica und Ostindien. Die Form und
Länge seiner geraden Hörner ähnelt der von dem
fabelhaften Einhorn, wozu es vielleicht den
Anlaß gegeben.

34. Bos. Cornua concava, lunata, lae-
via. Dentes ut in generibus praece-
dentibus
.

1. †. Taurus. der Ochse. (Fr. le boeuf.
Engl. the ox.) B. cornibus teretibus ex-
trorsum curvatis, palearibus laxis
.

Das Auerochse (urus, bonasus und Bison
der alten Welt) wird noch jetzt in Polen, Li-
tauen, Sibirien gefunden, und war ehedem auch
in Deutschland einheimisch. Daß er die wilde
Stammrasse von unserem gezähmten Hornvieh
sey, ist doch wegen bestimmter Eigenheiten in
seinem Bau, unwahrscheinlich. – Zu den merk-
würdigsten Varietäten des domesticirten Rind-
viehs gehört die halbwilde weiße Rasse mit brau-
nen oder schwarzen Ohren, auf den Ladronen,
und hin und wieder in Großbritannien: die mit
den ausnehmend großen Hörnern in Sicilien:
die gänzlich ungehörnte in einigen Provinzen von
England u.a.m.

Hingegen scheints noch zweifelhaft, daß auch
die indische (von den Hindus heilig verehrte)
Buckelkuh, der bos indicus, oder Zebu (–
v. Schreber tab. 298. –) eine bloße Varietät
dieser Gattung seyn solle.

[Seite 121]

Im Pausen des Rindviehs finden sich zu-
weilen Ballen aus Haaren, die sie sich abgeleckt
und eingeschluckt haben. Die ihnen eigene,
furchtbare, pestartige Viehseuche, hat zumahl seit
1711 zuweilen lange und weit und breit grassirt.
Hingegen sind die Kuhpocken seit 1798 durch Dr.
Jenner als wohlthätiges Sicherungsmittel für
die Kinderblattern bewährt worden.

2. Buffelus. der Büffel. (Engl. the Buffalo.)
B. cornibus resupinatis intortis antice planis.

v. Schreber tab. 300.

Stammt wohl ursprünglich aus Tibet, ist nun
aber nach und nach durch den größten Theil von
Asien und Nordafrica verbreitet, und wird auch
hin und wieder in Europa, wie z.B. seit dem
siebenten Jahrhundert in Italien, in Ungarn,
und auch im Salzburgischen gezogen und zum
Zuge gebraucht. Hat ein schwarzes, dünn be-
haartes Fell, das ausnehmend stark und vor-
züglich zu Schläuchen tauglich ist.

3. Grunniens. der Büffel mit dem Pferde-
schweif, Ziegenochse. B. cornibus tereti-
bus, introrsum curvatis, vellere propen-
dente, cauda undique iubata
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 23.

Ebenfalls in Tibet zu Hause, wird aber auch
in Hindostan als Hausthier gehalten. Kleiner
als unser Hornvieh, zeichnet sich auch außerdem
durch seine grunzende Stimme, durch sein zotti-
ges Ziegenhaar, und durch einen büschligen sehr
langhaarigen Schwanz aus, der, wenn er
schön ist, in Indien hoch geschätzt und theuer
bezahlt wird.

[Seite 122]

4. Arni. der Riesenbüffel. B. cornibus diva-
ricatis, lunatis, longissimis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 63.

In den gebirgichten Gegenden von Nord-
Hindostan. Ungeheuer groß, so daß ein junger
15 Centner gewogen.

5. Bison. der nordamericanische Bison. B.
cornibus divaricatis brevibus, iuba longis-
sima, dorso gibboso.

v. Schreber tab. 296.

Das größte Landthier der neuen Welt; lebt
herdenweise in den sumpfigen Wäldern des mil-
dern Nordamerica. Im Winter ist es über den
ganzen Körper behaart, im Frühjahr hingegen
wird es am Rücken und Hinterleibe kahl, und
behält bloß seine große Brust- und Nachen-
Mähne.

6. Moschatus. der Bisamstier (Fr. le boeuf
musqué
. Engl. the musk ox.) B. cornibus
deflexis, basibus latissimis complanatis ad
frontem contiguis; apicibus reflexis
.

v. Schreber tab. 302.

Sein Vaterland ist bloß aufs äußerste Nord-
america im Westen der Hudsonsbay vom 66 bis
73° der Breite eingeschränkt. Ein Paar seiner
Hörner soll zuweilen über einen halben Centner
wiegen.

35. Giraffa. Cornua simplicissima
pelle tecta, fasciculo pilorum nigro
terminata. Dentes primores superiores
nulli; inferiores
8 spathulati, extimo
bilobo
; laniarii nulli.

[Seite 123]

1. Camelopardalis. die Giraffe. (Nabis.)

Cptn. Carteret, in den philos. Transact.
Vol. LX. tab. I.

Im innern Africa. Sie hat, wegen ihres
langen Halses, kurzen Körpers, abhängigen
Rückens, und wegen ihres röthlichen, schön ge-
fleckten Felles, ein sehr auszeichnendes Ansehen;
sie soll im Schreiten, wie die Paßgänger, immer
den Vorder- und Hinterfuß der einen Seite zu-
gleich heben, und daher einen sonderbaren Gang
haben, von dem die Bewegung des Springers
im Schachspiel entlehnt worden; und ist, wenn
sie aufrecht steht, über 16 Fuß hoch.

36. Cervus. Cornua solida multifida.
Dentes ut in generibus praecedentibus
(interdum tamen laniarii solitarii su-
periores
).

1. Alces. das Elennthier, Elch. (Fr. l'elan.
Engl. the elk.) C. cornibus planis acauli-
bus, palmatis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In der ganzen nördlichen Erde (wenn anders
das nord-americanische Elenn, Fr. l'orignal,
Engl. the moose-deer*) keine eigne Gattung
macht), ist sehr hochbeinig; erreicht die Größe
vom Pferd, wiegt wohl über 1200 und sein
Gehörn über 50 Pfund; läßt sich zähmen und
herdenweise auf die Weide treiben. Die alten
Sagen, daß das Elennthier oft von Epilepsie
befallen werde etc. brauchen jetzt keiner Wider-
legung.

[Seite 124]

2. †. Dama. der Damhirsch, Tannhirsch.
(Fr. le daim. Engl. the buck, fallow-deer.)
Cornibus subramosis compressis, summitate
palmata
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Im mildern Europa. Kleiner als der gemeine
Hirsch; variirt in der Farbe.

3. Tarandus. das Renthier. (rangifer. Fr.
le renne. Engl. the rein.) C. cornibus (in
utroque sexu
) longis, simplicibus, tereti-
bus, summitatibus subpalmatis, iuba gulari
pendula
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In der ganzen nördlichen Erde. Theils, wie
in Kamtschatka in Herden von tausend und mehr
Stück; kann in wärmern Gegenden nicht aus-
dauern, lebt von dürrem Land, und vorzüglich
von Renthier-Moos, das es unter dem Schnee
hervor scharrt. Dient zumal den Lapplän-
dern, Samojeden, Tungusen und Koräken zur
Befriedigung aller der dringendsten Bedürfnisse
des Lebens.

4. †. Elaphus. der Edel-Hirsch. (Fr. le cerf.
Engl. the stag.) C. cornibus ramosis totis
teretibus, recurvatis apicibus multifidis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1794.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem Elenn,
nur unter mehr südlicher Breite. Die Zahl der
Enden seines Geweihes richtet sich nicht genau
nach dem Alter des Thiers: nach dem achten
Jahre ist sie unbestimmt. Die größten natür-
lichschönen Geweihe sind höchst selten von mehr
als 24 wahren Enden. Der Hirsch wird
ungefähr 30 Jahre oder etwas darüber alt.

[Seite 125]

5. †. Capreolus. das Reh. (Fr. le chevreuil.
Engl. the roe) C. cornibus ramosis, tere-
tibus, erectis, summitate bifida
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

In den mildern und wärmern Erdstrichen von
Europa und Asien. Das Gehörn des Rehbocks
wird zumal nach Castration, auffallender als
bey andern Gattungen dieses Geschlechts durch
sonderbare Exostofen entstellt.

37. Moschus. Cornua nulla. Dentes
primores ut in praecedentibus generi-
bus; laniarii superiores solitarii exserti
.

1. Moschifer. das Bisamthier. (Fr. le musc.
Engl. the musk.) M. folliculo umbilicali.

v. Schreber tab. 242.

In den Schwarzwäldern und bergigen Ge-
genden von, Tibet und dem südlichen Sibirien.
Das Männchen hat in der Nabelgegend einen
Beutel fast von der Größe eines Hühnereyes,
worin sich der Bisam, dieses wichtige Arzney-
mittel, sammelt.

2. Pygmaeus. das kleine guineische Rehchen.
(Fr. le chevrotain.) M. supra fusco-rufus,
subtus albus, ungulis succenturiatis nullis
.

Seba, thes. I. tab. 45. fig. 1.

In Ostindien und auf Guinea. Das kleinste
Thier dieser Ordnung. Seine ganzen Beine sind
nur Fingers lang, und haben ungefähr die Dicke
eines Pfeifenstiels.

VII. MULTUNGULA (Belluae.)

[Seite 126]

Meist sehr große, aber unförmliche, borstige
oder dünn behaarte Säugethiere, mit mehr
als zwey Klauen an jedem Fuß. Also mit
Inbegriff der Schweine, denn auch diese
haben im Grunde vier Klauen.

38. Sus. Rostrum truncatum, promi-
nens, mobile. Dentes primores
(ple-
risque
) superiores 4, convergentes, in-
feriores
6, prominentes; laniarii supe-
riores
2, inferiores 2, exserti.

1. †. Scrofa. das Schwein. (Fr. das wilde le
sanglier
, das zahme le cochon. Engl. jenes
the wild boar, dieses the hog.) S. dorso
setoso, cauda pilosa
.

Das wilde Schwein*) hat eine längere
Schnauze und überhaupt eine andere Form des
Schädels, kürzere aufrechte Ohren, größere Fang-
zähne als das Hausschwein, niemahls Finnen-
würmer, und ist fast immer von schwarzgrauer
Farbe.

Wenige Thiere sind so allgemein fast über die
ganze Erde verbreitet, als das Hausschwein.
Es hat einen ungemein scharfen Geruch, und ist
beynahe ein animal omnivorum. Das Weib-
chen wirft nicht selten zwey Mahl im Jahr und
wohl ehr bis 20 Junge auf ein Mahl. – In
America, wohin die Schweine aus Europa über-
gebracht worden, sind sie theils verwildert. (Fr.
[Seite 127] cochons marons.) Auf Cuba wurden sie mehr
als noch ein Mahl so groß, als ihre europäischen
Stammältern; auf Cubagua arteten sie in eine
abenteuerliche Rasse aus mit Klauen, die auf
eine halbe Spanne lang waren etc. – Die
schinesischen (Fr. cochons de Siam) haben kürzere
Beine und einen ausgeschweiften Rücken ohne
Mähne. – In Schweden und Ungarn findet sich
nicht selten eine Spielart mit ungespaltenen
Klauen, die schon den Alten bekannt war, so wie
man auch welche mit fünf Klauen gesehen hat.

2. Aethiopicus. das Emgalo. (Büffon's
sanglier du Cap verd.) S. dentibus primo-
ribus nullis, laniariis superioribus lunatis
extrorsum curvatis; sacculis verrucosis sub
oculis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 92.

Im Innern von Süd-Africa. Auch auf Ma-
dagascar. Ein furchtbar wildes Thier, mit mäch-
tig großem Kopf, spannen-breiten Rüssel, großen
warzigen Fleischlappen unter den Augen etc.

3. Tajassu. das Bisamschwein, Nabelschwein,
(Pecari, Pakira). S. cauda nulla, folliculo
moschifero ad extremum dorsi
.

v. Schreber tab. 325.

Herdenweise in den wärmsten Gegenden von
Südamerica. Wird höchstens nur 60 Pfund
schwer.

4. Babirussa*). S. dentibus laniariis superio-
ribus maximis, parallelis retrorsum arcuatis
.

v. Schreber tab. 328.

[Seite 128]

Zumahl auf den moluckischen Inseln. Lebt am
Wasser, kann sehr geschickt selbst nach ziemlich
entlegnen Inseln schwimmen. Es hält schwer,
zu bestimmen, wozu ihm die fast zirkelförmigen
großen Eckzähne des Oberkiefers dienen mögen?
beym Weibchen sind sie weit kleiner.

39. Tapir. Dentes primores utrinque 6;
laniarii 4; palmae ungulis 4, plantae
ungulis
3.

1. Americanus. der Tapir, Anta.

v. Schreber tab. 319.

Das größte Landthier in Süd-America, von
der Statur eines mittelmäßigen Ochsen. Kopf
und Schenkel sind ungefähr wie beym Schwein;
die Oberlippe zugespitzt und sehr beweglich. Ge-
wöhnlich setzt sich's auf die Hinterfüße wie ein
Hund. Geht gern ins Wasser, schwimmt sehr
gut etc.

40. Elephas. Elephant. Proboscis lon-
gissima, prehensilis: dentes primores
superiores exserti
.

1. Asiaticus. E. capite elongato, fronte con-
cava, auriculis minoribus angulosis; den-
tium molarium corona lineis undulatis pa-
rallelis
distincta
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 19. fig. B.

Im südlichen Asien, vorzüglich auf Ceilon.
Ist das größte von allen Landthieren, wird wohl
15 Fuß hoch und wiegt im zwanzigsten Jahre
auf 7000 Pfund. Seine auf dem Rücken fast
Daumens dicke Haut ist doch selbst gegen In-
sectenstiche empfindlich; gewöhnlich von grauer
Farbe. Das Hauptorgan des Elephanten ist
[Seite 129] sein Rüssel, der ihm zum Athemhohlen, zum
äußerst feinen Geruch, zum Wasserschöpfen, sein
Futter damit zu fassen und ins Maul zu stecken,
und zu vielerley andern Verrichtungen, statt
der Hände dient. Er kann ihn drey Ellen lang
ausstrecken, und bis zu anderthalb Ellen wieder
einziehen. Am Ende ist derselbe, wie mit einem
biegsamen Haken versehen, und hiermit kann er
ungemein feine kunstreiche Handlungen verrich-
ten, z.B. Knoten aufknüpfen, Schnallen auflö-
sen, mehrere Stücken Geld mit Einem Mahl
aufheben u.s.w. Seine Nahrung besteht vor-
züglich aus Laub der Bäume, Reis und andern
Gräsern. Er schwimmt mit ungemeiner Leich-
tigkeit selbst durch schnelle Ströme. Bey der
Begattung soll er sich wie die mehresten vierfüßi-
gen Säugethiere bespringen. Das neugeworfene
Junge saugt mit dem Maule (nicht mit dem
Rüssel, wie viele gemeint haben). Ungefähr
im dritten, vierten Jahre kommen bey beiden
Geschlechtern die zwey großen Stoßzähne zum
Ausbruch, die das Elfenbein geben. Sie wer-
den wohl 7 bis 8 Fuß lang und einer derselben
kann bis auf 200 Pfund wiegen. Wahrschein-
lich wird der Elephant auf 200 Jahre alt. Am
häufigsten nutzt man ihn zum Lasttragen, da er
zum mindesten 20 Centner zu tragen, und schwere
Ballen etc. Berge hinauf zu wälzen, im Stande
ist. Sein Gang ist gleichsam ein schnelles Schie-
ben der Beine, und dabey so sicher, daß er auch
auf ungebahnten Wegen doch nicht strauchelt.

2. Africanus. E. capite subrotundo, fronte
convexa, auriculis amplissimis, rotundatis;
dentium molarium corona rhombis distincta
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 19. fig. C.

[Seite 130]

Diese im mittlern und südlichern Africa ein-
heimische Gattung, wird jetzt höchstens nur noch
im Innern dieses Erdtheils als Hausthier gehal-
ten, im übrigen aber bloß des Fleisches und vor-
züglich des Elfenbeins wegen gefangen und ge-
schossen.

41. Rhinoceros. Nashorn. (Abada.)
Cornu solidum, conicum, naso insidens.

1. Asiaticus. Rh. dentibus primoribus, utrin-
que quaternis, inferioribus conicis, supe-
rioribus sublobatis; laniariis nullis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 7. fig. B.

In Ostindien. Das bey dieser Gattung meh-
rentheils einzelne Horn ist bey ihm, so wie das
doppelte beym afrikanischen, nicht am Knochen fest
gewachsen, sondern bloß auf demselben aufsitzend.

2. Africanus. Rh. dentibus primoribus et
laniariis nullis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 7. fig. A.

In Süd-Africa, am Cap etc. Meist mit dop-
peltem Horn; das zweyte ist kleiner, und sitzt
hinter dem erstern.

42. Hippopotamus. Dentes primores
superiores remoti, (inferiores procum-
bentes)
; laniarii inferiores incurvati,
oblique truncati
.

1. Amphibius. das Nilpferd. (am Cap See-
kuh genannt.)

Buffon, Supplement vol. III. tab. 62.
63. vol. VI tab. 4. 5.

Häufig im südlichen Africa, so wie ehedem im
Nil. Aeußerst plump, mit einem unförmlichen
[Seite 131] großen Kopfe, ganz ungeheueren Rachen, dicken Leibe,
kurzen Beinen etc. Ein erwachsenes wiegt wenig-
stens viertehalb tausend Pfund. Nährt sich von
Vegetabilien und Fischen.


VIII. PALMATA.

Säugethiere mit Schwimmfüßen, deren
Geschlechter wieder nach der Verschiedenheit
ihres Gebisses (so wie oben die Digitata)
in drey Familien zerfallen. A) Glires.
B) Ferae. C) Bruta.

A) Glires.

Mit meißelförmigen Nagezähnen.

43. Castor. Pedes postici palmati.
Dentes primores utrinque
2.

1. †. Fiber. der Biber. (Fr. le castor. Engl.
the beaver.) C. cauda depressa, ovata,
quasi squamosa
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 43.

In der nördlichern Erde, in einsamen Gegen-
den an Land-Seen und größern Flüssen. Er
wird wegen seiner feinen Haare für die Hand-
lung, und für die Arzneykunst wegen des so
genannten Bibergeils wichtig, das sich bey beiden
Geschlechtern in besondern Behältern am Ende
des Unterleibes findet. Am berühmtesten sind
aber diese Thiere durch die ausnehmende Kunst-
fertigkeit, mit welcher sie, da wo sie sich (wie im
Innern von Canada) noch in Menge beysammen
[Seite 132] finden, ihre dauerhaften Wohnungen, besonders
aber, da wo sie es nöthig finden, die dazu ge-
hörigen bewunderuswürdigen Dämme aufführen.
Denn, zugegeben, daß freylich in den Erzäh-
lungen mancher Reisebeschreiber vom Bau der
Biber vieles verschönert und übertrieben worden,
so wissen sich doch diese Thiere, nach dem ein-
stimmigen Zeugniß der unverdächtigsten Beob-
achter aus ganz verschiedenen Welttheilen, da-
bey so nach zufälligen Umständen zu bequemen,
daß sie sich dadurch weit über die einförmigen
Kunsttriebe anderer Thiere erheben.

B) Ferae.

Mit dem Gebiß der reißenden Thiere.

44. Phoca. Pedes postici exporrecti,
digiti coaliti. Dentes primores superio-
res
6, inferiores 4; laniarii solitarii.

Nebst den Thieren des vorigen Geschlechts
gleichsam die Amphibien unter den Säugethieren,
deren ganzer Körperbau darnach eingerichtet ist,
um in beiden Elementen leben zu können*).

1. †. Vitulina. der Seehund, die Robbe, das
Seekalb. (Fr. le veau marin. Engl. the
seal
.) P. capite laevi, auriculis nullis,
corpore griseo
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 73.

[Seite 133]

In den nördlichen Meeren. Ist für die finni-
schen Insulaner, so wie für die Kamtschadalen,
besonders aber für die Grönländer und für die
labradorischen Esquimds, ein äußerst wichtiges
Geschöpf: die beiden letztern Völker zumahl,
nähren sich von seinem Fleisch, kleiden sich in
sein Fell, beziehen ihre Sommerhütten und Leder-
bothe damit etc. Sein Fang macht ihr vorzüg-
lichstes Geschäft, und die darin erworbene Ge-
schicklichkeit ihr Glück und ihren Stolz aus.

2. Monachus. die Mönchsrobbe. (Fr. les
Phoques à ventre blanc
.) P. inauriculata,
dentibus incisoribus utrinque
4; palmis in-
divisis, plantis exunguiculatis
.

Buffon, Supplem. vol. VI. tab. 44.

Zumahl im mittländischen Meere. Sehr ge-
lehrig. Auch auffallend wegen der unruhigen
Veränderlichkeit ihrer ganzen Gesichtsbildung.

3. Ursina. der Seebär. P. auriculata, collo
laevi
.

Buffon, Supplem. vol. VI. tab. 47.

Im Sommer herdenweise auf den Inseln des
kamtschatkischen Inselmeers, überwintert aber
vermuthlich auf den benachbarten etwas südlichern
Inseln des stillen Oceans. Lebt in Polygamie,
so daß jedes Männchen wohl dreyßig bis vier-
zig Weibchen hat, die es mit vieler Eifersucht
bewacht, und grimmig gegen seine Nebenbuhler
zu behaupten sucht*).

4. Iubata. der stellersche Seelöwe. P. auri-
culata, collo iubato
.

Buffon, Supplem. vol. VI. tab. 48.

[Seite 134]

Im ganzen stillen Ocean. Die größte Gat-
tung dieses Geschlechts; hat den Namen von
der beym Männchen gewisser Maßen löwen-
artigen Mähne.

5. Proboscidea (cristata Linn.) der ansonsche
Seelöwe. (Engl. the Sea-Elephant.) P.
naso proboscideo retractili.

Péron voy. aux terres australes tab. 32.

An den südlichern Inseln im atlantischen und
stillen Ocean. Wird auf 30 Fuß lang. Nur
das Männchen hat die sonderbare rüsselförmige
Nase.

45. Lutra. Palmae plantaeque natato-
riae. Dentes primores utrinque
6; su-
periores distincti, inferiores conferti.

1. †. Vulgaris. die Fischotter. (Fr. la loutre.
Engl. the otter.) L. plantis nudis, cauda
corpore dimidio breviore.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1798.

In den mildern Gegenden der nördlichen
Erde. Die schöpften in Canava.

2. Brasiliensis. die brasilische Flußotter, der
Wasserwolf. (la saricovienne.) L. badia,
macula alba submentali, cauda corpore di-
midio breviore
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 93.

Diese gemeiniglich mit der folgenden verwech-
selte Gattung lebt in den Flüssen und Landseen
des östlichen und innern Südamerika.

3. Marina. die Seeotter. (Fr. le castor marin.
Engl. the sea-otter.) L. nigra, plantis pilo-
sis, cauda corpore quadruplo breviore.

Cook's voyage to the northern hemisphere
vol
. II. tab. 43.

[Seite 135]

Besonders um Kamtschatka und an der jensei-
tigen Küste vom nordwestlichen America bis hin-
unter nach Nutka-Sund, doch auch um Corea,
und zumahl im gelben See. Ihr schwarzes und
silbergraues Fell ist für die Schinesen das kost-
barste aller Rauchwerke.

C) Bruta.

Ohne Gebiß, oder wenigstens ohne Vorder-
zähne.

46. Ornithorhynchus. Mandibu-
lae rostratae
(anatinae). Dentes nulli*).

1. Paradoxus. das Schnabelthier. (Engl.
the duck-bill.)

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 41.

Dieses so ganz abenteuerliche Geschöpf zeich-
net sich von allen bisher bekannten Säugethieren
durch die beyspiellose Bildung seiner Kinnladen
aus, die im äußern aufs vollkommenste einem
breiten platten Entenschnabel ähneln, auch eben
so mit einer weichen nervenreichen zum Tasten
bestimmten Haut überzogen, auch an den Seiten-
rändern gezähnelt sind. Beiderley Füße sind
mit einer Schwimmhaut versehen, die an den
Vordern noch vor den Krallen hervorragt, und
[Seite 136] sich mittelst derselben fächerartig zusammenfalten
oder ausbreiten läßt. Noch hat man au keinem
von beiden Geschlechtern eine Spur von Zitzen
gefunden. Dieses Wunderthier lebt in Land-
seen des an sonderbaren Formen seiner Ge-
schöpfe so reichen fünften Welttheils, unweit
Botanybay.

47. Trichechus. Pedes posteriores
compedes coadunati
.

1. Rosmarus. das Wallroß. (Fr. le morse.
Engl. the walrus.) T. dentibus laniariis
superioribus exsertis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 15.

Bey dem Treibeis des Nordpols: oft zu hun-
derten beysammen. Nährt sich vom Seetang und
Schalthieren, die er mit seinen Hauzähnen los-
kratzt. Die alten Normannen machten ihre fast
unverwüstlichen Ankertaue von Wallroßriemen*).

2. Manatus. die Seekuh (Fr. le lamantin.)
T. dentibus laniariis inclusis.

v. Schreber tab. 80.

In Flüssen und an den Seeküsten der wärmern
Erde, z.B. häufig im Oricono. Scheint zu
manchen der Sagen von Sirenen und Meer-
jungfern Anlaß gegeben zu haben**).

IX. CETACEA.

[Seite 137]

Die ehedem so ganz widersinnig zu den
Fischen gerechneten Säugethiere*).

48. Monodon. Dens alteruter maxillae
superioris exsertus longissimus, rectus,
spiralis
.

1. Narhwal. das See-Einhorn.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 44.

Meist im nördlichen atlantischen Ocean. Das
Junge hat ursprünglich zwey Zähne (in jedem
Oberkieferknochen Einen), die aber von un-
gleicher Größe sind, und beym Erwachsenen sehr
selten zusammen gefunden werden, sondern ge-
wöhnlich nur einer von beiden. Zuweilen so
lang, als der Körper des Thieres, d.h. wohl
18 Fuß und darüber.

49. Balaena. Dentes nulli. Laminae
loco superiorum corneae
.

1. Mysticetus. der Wallfisch. (Fr. la baleine.
Engl. the black whale.) B. dorso impinni.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 94.

Das größte aller bekannten Thiere**), das
über 100000 Pfund an Gewicht hält, ist theils
[Seite 138] gegen den Nordpol, aber auch in südlichen Ge-
genden im atlantischen Ocean, und im stillen
Meere zu Hause. Die heutiges Tages gefangen
werden, sind selten über 60 bis 70 Fuß lang.
Der ungeheuere Kopf macht wohl ein Drittel des
ganzen Thiers aus. Die Haut ist meistens
schwarz oder mit weiß gemarmelt etc., hin und
wieder dünn behaart, und oft mit Muscheln
besetzt. Den kamtschadalischen Insulanern und
den nordwestlichen Americanern gibt dieses un-
geheuere Thier victus et amictus etc. Die Euro-
päer hingegen fangen den Wallfisch (wovon ein
großer 5000 Rthlr. werth seyn kann) des Fisch-
thrans und der Barden wegen, deren er auf
700 im Oberkiefer hat, die das Fischbein geben,
und von denen die mittelsten wohl 20 Fuß
lang werden.

2. Rostrata. einer der verschiednen Finnfische.
B. pectore sulcato, pinna dorsali obtusa.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 74.

Die Haut an Hals und Brust und Vordertheil
des Bauchs, ist bey dieser und einigen andern
Gattungen dieses Geschlechts sehr regelmäßig
nach der Länge gefurcht*).

50. Physeter. Dentes in maxilla in-
feriore
.

[Seite 139]

1. Macrocephalus. der Caschelot, Pottfisch.
(Engl. the white whale.) P. dorso impinni,
dentibus inflexis, apice acutiusculo
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 84.

Meist in den südlichen Weltmeeren; zumahl
an den Küsten von Brasilien und von Neu-
Südwallis. Er erreicht die Größe des Wallfi-
sches, hat einen ungeheuern Rachen, und kann
Klafterlange Hayfische verschlingen. Sein Ober-
kiefer ist sehr breit, der untere hingegen über-
aus schmal. Er wird vorzüglich des Wallraths
(sperma ceti) wegen aufgesucht, das in Gestalt
eines milchweißen Oels theils im Körper des
Thiers bey dem Thran, theils aber, und zwar
in größter Menge in besondern Behältern am
Kopfe desselben, zumahl vorn auf den Oberkie-
fern gefunden wird, und an der Luft zu einem
halb durchsichtigen Talg verhärtet. Die köstliche
wohlriechende graue Ambra ist eine Stercorolver-
härtung, die sich zumahl im dicken Darm mancher
davon erkrankender Caschelotte findet.

51. Delphinus. Dentes in maxilla
utraque
.

1. Phocaena. das Meerschwein, der Braun-
fisch. (tursio Plin. Fr. le marsouin. Engl.
the porpoise) D. corpore subconiformi,
dorso lato pinnato, rostro subobtuso
.

v. Schreber tab. 342.

So wie die folgende Gattung in den euro-
päischen Meeren: wird 1½ Klafter
lang und ist zumahl für die Lachse ein schäd-
liches Raubthier.

[Seite 140]

2. Delphis. der Delphin, Tümmler. (Fr. le
dauphin
. Engl. the porpesse) D. corpore
oblongo subtereti, dorso pinnato, rostro
attenuato, acuto
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 95.

Der eigentliche Delphin der Alten.

3. Orca. der Nordcaper, Speckhauer. (Fr.
l'epaulard. Engl. the grampus.) D. pinna
dorsi altissima: dentibus subconicis, parum
incurvis
.

v. Schreber tab. 340.

Mehr im nördlichen Weltmeere, doch auch
im mittelländischen; wird 20 Fuß lang.


Fünfter Abschnitt.
Von den Vögeln.

[Seite 141]

§. 55.

Die Säugethiere zeigen in ihrer Bildung,
mithin auch in ihrer Lebensart etc. so sehr viel
Verschiedenheit, daß sich nur wenig Allgemei-
nes von ihnen überhaupt sagen läßt, und man
sich folglich bey ihrer speciellen Geschichte desto
umständlicher zu seyn gedrungen sieht. Bey
den Vögeln ist der Fall anders. Beides,
so wohl ihre Gestalt, als auch ihre Lebensart
hat im Ganzen genommen mehr Ueberein-
stimmendes, daher man sich bey der besondern
Geschichte ihrer einzelnen Geschlechter und
Gattungen schon kürzer fassen kann.

§. 56.

Alle Vögel kommen in Rücksicht ihrer
Bildung darin mit einander überein, daß sie
zwey Füße, zwey Flügel, einen ganz oder
doch zum Theil hornigen Schnabel, und
einen mit Federn bedeckten Körper haben.
Sie zeichnen sich zugleich durch diese vier
Charactere von allen andern Thieren aufs
kenntlichste aus, und machen eine gleichsam
[Seite 142] isolirte Classe von Geschöpfen aus, die mit
keiner andern zusammen fließt, und sich daher
in die vermeinte Kette oder Leiter der natür-
lichen Körper (S. 9.) nicht ohne Zwang ein-
passen läßt.

§. 57.

Unter jenen Charactern sind die Federn
den Vögeln ausschließlich eigen, die in regel-
mäßigen Reihen (in quincunce) in die Haut
verwachsen und mit vielem Fette durchzogen
sind; aber in gewisser Jahreszeit, gewöhnlich
im Herbste, ausfallen und neue an ihrer Statt
regenerirt werden. Viele, zumahl die meisten
Wasservögel, auch die Schneehühner etc. mau-
sern sich gar zwey Mahl im Jahr, im Früh-
ling und Herbst. Bey manchen Gattungen
hat der junge Vogel, zumal vor der ersten
Mause (als avis hornotina) andre Farben
oder Zeichnungen des Gefieders, als im rei-
sern Alter. Bey manchen herrscht auch hierin
große Sexualverschiedenheit. Von den Haaren
unterscheiden sie sich besonders auch dadurch,
daß sie, so viel bekannt, wenn sie beschnitten
oder sonst verstümmelt worden, alsdann nicht
so wie diese, wieder ergänzt werden.

§. 58.

Die stärksten Federn sind in den Fittigen
und im Schwanze. Jene heißen Schwung-
federn (remiges), diese Steuerfedern
[Seite 143] (rectrices). Die Schwungfedern bilden bey
ausgespannten Flügeln gleichsam breite Fächer,
womit sich die Vögel in die Luft heben und
fliegen können. Einige wenige Vögel (aves
impennes
), wie die Pinguine etc. haben gar
keine Schwungfedern, und sind daher zum
Fluge ungeschickt. So fehlen auch einigen
Vögeln, wie dem Casuar, den Taucherchen etc.
die Steuerfedern.

§. 59.

Im innern Körperbau*) zeichnen sich
die Vögel besonders durch die merkwürdigen
Luftbehälter aus, die in ihrem Körper ver-
theilt, und vorzüglich zum Fluge von äußer-
ster Wichtigkeit sind. Die mehresten stehen
mit den Lungen, andere aber bloß mit dem
Rachen in Verbindung, und der Vogel kann
sie nach Willkür mit Luft laben oder aus-
leeren. Zu diesen Luftbehältern gehören vor-
züglich große aber zarte häutige Zellen, die
theils im Unterleibe, theils unter den Achseln
und sonst noch unter der Haut verbreitet sind,
und durchs Einathmen mittelst der Lungen
voll Luft gepumpt werden können. Außer-
[Seite 144] dem dienen den Vögeln auch gewisse markleere
hohle Knochen, wie die Schulterknocken
im Flügel etc. und manchen selbst die Hirnschale,
zu ähnlichen Zwecken; und endlich sind auch die
ungeheuern Schnäbel der Pfefferfraße, Nas-
hornvögel etc. ebenfalls dahin gehörig.

§. 60.

Durch diese merkwürdigen Einrichtungen
werden die Vögel zum Flug geschickt, bey
welchem die Geschwindigkeit so wohl als die
lang anhaltende Dauer gleich merkwürdig sind.
Nur wenige Vögel, wie der Straus, der
Casuar, die Pinguine und andre aves impen-
nes
(§. 58) können gar nicht fliegen.

§. 61.

Der Aufenthalt der Vögel ist beynahe
eben so verschieden als der Säugethiere ihrer.
Die mehresten leben auf Bäumen, andre auf
dem Wasser, sehr wenige bloß auf der Erde:
aber kein einziger Vogel (so wie der Maul-
wurf in der vorigen, und andre Geschöpfe
in den beiden letztern Thier-Classen) bloß
unter der Erde. Die Bildung der Füße ist
auch bey den Vögeln, so wie bei den Säu-
gethieren, ihrem verschiedenen Aufenthalt an-
gemessen*).

§. 62.

[Seite 145]

Sehr viele Vögel verändern ihren Wohn-
platz zu gewissen Jahrszeiten; die meisten
zwar bloß in sofern, daß sie nur wenige Mei-
len weit in die benachbarten Gegenden streichen,
und bald darauf in ihre alte Heimath zurück-
kehren; andere aber wie die Hausschwalben,
die Kraniche, Störche etc. so, daß sie im Herbst
große Wallfahrten, weit übers Meer und
über einen beträchtlichen Theil der Erdkugel
weg, anstellen, und den Winter bis zur
Rückkehr im folgenden Frühjahre in wärmern
Zonen zubringen.

§. 63.

Kein Vogel hat Zähne, sondern diese
Thiere müssen ihre Speise entweder mit dem
Schnabel zerbeißen, oder ganz schlucken. Bey
denjenigen samenfressenden Vögeln, die ihre
Körner ganz, unzerbissen einschlucken, gelan-
gen diese nicht sogleich in den Magen, sondern
werden vorher im drüsenreichen Kropfe (in-
gluvies, prolobus
) eingeweicht, und von da
nur allmählich an den Magen überlassen: der
bey diesen Thieren äußerst musculös, und so
stark ist, daß er sogar, nach Reaumur's u.a.
merkwürdigen Versuchen, verschluckte Hasel-
nüsse und Olivenkerne zu zerdrücken und Mün-
[Seite 146] zen so glatt wie Papier abzuscheuern vermag.
Sehr viele Vögel verschlucken aber auch über-
dieß noch kleine Kieselsteinchen, die ebenfalls
die Zermalmung und nachherige Verdanung
der Speisen befördern*). Verschiedene fleisch-
fressende Vögel, wie die Falken, Eulen, Eis-
vögel etc. können die Knochen, Haare und
Gräten der kleinen Thiere, die sie verzehrt
haben, nicht verdauen, sondern brechen sie,
in eine runde Kugel (das Gewölle) geballt,
nach der Mahlzeit wieder von sich**).

§. 64.

Zu den besondern Eigenheiten der Sinn-
werkzeuge der Vögel in Vergleichung zu den
Säugethieren, gehört unter andern der Man-
[Seite 147] gel der knorpligen zur Auffassung des Schalls
dienenden äußern Ohren; der aber, zumahl
bey den nächtlichen Raubvögeln, durch die
äußerst regelmäßige zirkelförmige Stellung und
bestimmte Richtung der Federchen in der Ge-
gend des Ohres und bey manchen derselben
auch noch überdieß durch eine bewegliche Klappe
am äußern Gehörgange vergütet wird.

Anm. Nur sehr wenige Vögel, die Enten nähmlich
u.a. verwandte Gattungen, scheinen den wirk-
lichen Sinn des Tastens (d.h. des Gefühls im
engern Verstande) zu besitzen; und das Organ
dazu ist wohl die welche Bedeckung ihres Schna-
bels, die mit ausnehmend starken Hautnerven
versehen, und beym lebendigen Thier äußerst
empfindlich ist. Auch siebt man, wie die Enten
in den Pfützen, wo sie bey Aufsuchung des Fraßes
weder dem Gesichte, noch dem Geruche nachgeben
können, mit dem Schnabel wirklich sondiren.

§. 65.

Die Stimme ist zumahl bey den kleinen
so genannten Sangvögeln mannigfaltig und
anmuthig, doch darf man nicht sowohl sagen,
daß sie singen (– denn natürlicher Gesang ist
ein ausschließliches Vorrecht des Menschen –)
als, daß sie pfeifen. Außer den abgedachten
Luftbehältern (§. 59.) kommt ihnen dazu vor-
züglich die Einrichtung ihres Kehlkopfs (la-
rynx
) zu Statten, der bey den Vögeln nicht
bloß, so wie den Säugethieren und Amphi-
bien, am obern Ende, nähmlich an der Zun-
genwurzel befindlich, sondern gleichsam in zwey
[Seite 148] abgesonderte Hälften an die beiden Enden der
Luftröhre vertheilt ist. Die Papageyen, Ra-
ben, Stahre, Dompfaffen etc. hat man die
Menschenstimme nachahmen und Worte aus-
sprechen gelehrt: so wie auch die Sangvögel
im Käficht leicht fremden Gesang annehmen,
Lieder pfeifen lernen, und sich sogar zum Ac-
compagnement abrichten lassen, so, daß man
mit mehreren Dompfaffen zugleich schon wirk-
lich kleine Concerte hat geben können. Ueber-
haupt aber scheint auch der Waldgesang der
Sangvögel doch erst durch Uebung und Nach-
ahmung recht ausgebildet zu werden.

§. 66.

Die mehresten Vögel begatten sich im
Frühjahr; manche aber, wie der Kreuzschna-
bel, in der kältesten Jahrszeit nach Weihnach-
ten. Das Hausgeflügel ist gar an keine be-
stimmte Zeit gebunden, sondern läßt sich Jahr
aus Jahr ein zu diesem Geschäft willig fin-
den. Manche halten sich nur zur Begat-
tungszeit, andere aber, wie die Tauben und
Hausschwalben, für immer paarweise zusam-
men: noch andre aber leben, wie die Haus-
hahn, und unter den wilden Vögeln der
Straus, in Polygamie.

§. 67.

Das befruchtete Weibchen wird vom In-
stinct getrieben, für die Zukunft zu sorgen,
[Seite 149] und zu nisten, wovon eigentlich vielleicht außer
dem Kuckuck wohl nur sehr wenige andre,
z.B. die Nachtschwalbe ausgenommen sind.
Bey den polygynischen Vögeln, wie bey den
Hühnerarten, nimmt das Männchen gar kei-
nen Antheil an diesem Geschäfte; bey denen
aber, die sich paarweise zusammen halten, zu-
mahl unter den Sangvögeln, trägt es doch
Baumaterialien herbey, und verpflegt sein
Weibchen während ihrer Arbeit.

§. 68.

Die Auswahl des Ortes, an dem jede
Gattung ihr Nest anlegt, ist ihren Bedürfnis-
sen und ihrer ganzen Lebensart aufs genaueste
angemessen. Und eben so sorgfältig wählt auch
jede Gattung die Baumaterialien zu ihrem
Neste.

§. 69.

Die Form der Nester ist bald mehr bald
minder künstlich Manche Vögel, wie die
Schnepfen, Trappen, Kibitze etc. machen sich
bloß ein dürres Lager von Reisholz, Stroh-
halmen etc. auf der platten Erde: andere tragen
sich nur ein welches kunstloses Bett in Löcher
der Mauern, Felsenritzen und hohlen Bäume;
so die Spechte Heber, Dohlen, Sperlinge etc.
Sehr viele, zumahl unter den Hühnern, Tau-
ben und Sangvögeln, geben ihrem Neste die
Gestalt einer Halbkugel oder einer Schüssel:
[Seite 150] andere, wie der Zaunkönig, ungefähr die Form
eines Backofens: noch andere, wie manche
Meisen, Kernbeißer etc. die von einem Beutel
u.s.w.*)

§. 70.

Wenn endlich das Geschäft des Nester-
baues vollendet ist, so legt die Mutter ihre
Eyer hinein; deren Anzahl bey den verschie-
denen Gattungen der Vögel sehr verschieden
ist. Viele Wasservögel z.B. legen jedes
Mahl nur ein einziges Ey; die Taucherchen
und mehresten Tauben ihrer zwey; die Möven
drey; die Raben vier; die Finken fünf; die
Schwalben sechs bis acht; die Rebhühner
und Wachteln vierzehn; das Haushuhn aber,
besonders wenn man ihm die Eyer nach und
nach wegnimmt**), bis fünfzig und drüber.
Zuweilen geben auch manche Vögel, ohne vor-
her gegangene Befruchtung, Eyer von sich,
die aber zum Brüten untauglich sind und
Windeyer (ova subventanea, cynosura,
zephyria, hypenemia
) heissen.

§. 71.

[Seite 151]

Die Ausbildung des jungen Thiers, die
bey den Säugethieren noch im Mutterleibe
vollzogen wird, muß hingegen bey den Vögeln
im schon gelegten Ey, mittelst des Brütens
bewirkt werden. Nur der Kuckuck brütet seine
Eyer nie selbst aus, sondern überläßt es den
Grasmücken oder Bachstelzen etc. in deren Nest
er sein Ey gelegt hat. Hingegen weiß man,
daß selbst Copaunen und Hunde, und sogar
Menschen Vogeleyer ausgebrütet haben*).
Auch bloß durch künstliche Wärme, und erhitz-
ten Mist**), und durch Lampenfeuer in so ge-
nannten Brüt-Maschinen***) und in Brut-
öfen, kann man leicht Hühnchen auskriechen las-
sen. – Die Vögel werden durchs anhaltende
[Seite 152] Brüten abgemattet, und nur bey solchen, die
sich paarweise zusammen halten, wie bey den
Tauben, Schwalben etc. nimmt auch das
Männchen an diesem Geschäfte Antheil. Die
Hähne unter den Canarienvögeln, Hänflingen,
Stieglitzen etc. überlassen zwar das Brüten bloß
ihren Weibchen, versorgen sie doch aber wäh-
rend der Zeit mit Futter und ätzen sie theils
aus dem Kropfe.

§. 72.

Während des Brütens geht nun im Eye
selbst die große Veränderung vor, daß das
Küchelchen darin allmählig gebildet, und von
Tag zu Tag mehr zur Reise gebracht wird*).
Zu dieser Absicht ist nicht nur der Dotter
überhaupt specifisch leichter als das Eyweiß,
sondern auch wiederum diejenige Stelle auf
seiner Oberfläche (der so genannte Hahnen-
tritt, cicatricula), neben welcher das künftige
Hühnchen zu liegen kommt, selbst noch leichter
als die entgegen gesetzte Seite, so daß folglich
bey jeder Lage des Eyes doch immer jene
Stelle dem Leibe des brütenden Vogels zu-
gekehrt ist. Die erste Spur des neuen
Küchelchens zeiget sich immer erst eine geraume
Zeit nachdem das Brüten seinen Anfang ge-
[Seite 153] nommen. Beym Hühnerey z.B. kaum vor
Ende des ersten Tages: so wie am Ende des
zweyten das berühmte Schauspiel der ersten
Bewegung des dann noch sehr unvollkommnen
Herzchens (das punctum saliens) seinen An-
fang nimmt. Zu Ende des fünften Tages
sieht man schon das ganze kleine gallertartige
Geschöpf sich bewegen. Am vierzehnten brechen
die Federn aus; zu Anfang des fünfzehnten
schnappt das Hühnchen schon nach Lust; und
ist am neunzehnten Tage im Stande einen
Laut von sich zu geben.

Anm. Beym Vogel im Ey ist die erste Gestalt, worin
er sich zeigt, noch weit mehr von seiner nachmah-
ligen Form, wenn er zum Auskriechen reif wird,
verschieden als die früheste Gestalt des neu-
empfangenen Säugethiers von seiner nachherigen
Bildung; so daß man sagen kann, das Küchelchen
im Eye gelange erst durch eine wahre Metamor-
phose zu seiner vollkommenen Gestalt, und das
sowohl in Rücksicht einzelner Eingeweide (z.B.
des Herzens) als in der Totalbildung. (– vergl.
die Abbild. n. h. Gegenst. tab. 64. –)

§. 73.

Unter den mancherley zur bewunderungs-
würdigen Oeconomie des bebrüteten Küchelchens
dienenden Organen, sind die beiden allerwich-
tigsten zwey sehr gefäßreiche Membranen, die
zumahl um die Mitte der Brütezeit in ganz
ausnehmender Schönheit sich zeigen. –
Nähmlich die Nabelhaut (chorion) die dann
unter der Eyerschale ausgebreitet ist; und die
[Seite 154] Dotterhaut (membrana valvulosa vitelli),
die mit dem Darmcanal des zarten Geschöpfs
zusammenhängt. – Jene dient ihm statt der
Lungen zum so genannten phlogistischen Proceß
(– S. 37 u. f. –) und diese zur Ernährung
mittelst des Dotters, der allgemach durch das
sich ihm beymischende Eyweiß verdünnt wird.
(– Abbild. n. h. Gegenst. tab. 34. –)

§. 74.

Jede Gattung Vögel hat zwar ihre bestimmte
Brütezeit von verschiedener Länge, die aber doch
nach Verschiedenheit des Climas und der wär-
mern oder kältern Witterung verzögert oder be-
schleunigt wird. Beym Huhn ist das Küchelchen
gewöhnlich zu Ende des ein und zwanzigsten
Tages zum Auskriechen aus dem Eye reif.

§. 75.

Die jungen Vögel werden einige Zeit von
der Mutter, und bey denen, die in Monoga-
mie leben, auch vom Vater, mit vieler Zärt-
lichkeit gefüttert, und zumahl bey den mehre-
sten körnerfressenden aus dem Kropfe geätzt, bis
sie befiedert, und überhaupt für ihren eignen
Unterhalt zu sorgen im Stande sind.

§. 76.

Die Vögel erreichen, nach Verhältniß ihrer
körperlichen Größe, und in Vergleich mit den
Säugethieren, ein sehr hohes Alter, und man
[Seite 155] weiß, daß selbst in der Gefangenschaft Adler
und Papageyen über hundert, Buchsinken,
Stieglitze über 24 Jahre etc. leben können.

§. 77.

Die Vögel sind für die Haushaltung der
Natur im Großen ungemein wichtige Geschöpfe,
obgleich ihre unmittelbare Brauchbarkeit
fürs Menschengeschlecht ohne Vergleich ein-
facher ist, als der Säugethiere ihre. Sie ver-
tilgen unzählige Insecten, und das unbeding-
te Wegsangen einiger vermeintlich schädlichen
Vögel, der Sperlinge, Krähen etc. in manchen
Gegenden, hat meist eine ungleich schädlichere
Vermehrung des Ungeziefers nach sich gezogen.
Andere verzehren größere Thiere, Feld-
mäuse, Schlangen, Frösche, Eidexen etc. oder
Aeser. Viele helfen Unkraut ausrotten.
Von der andern Seite wird auch die Vermeh-
rung und Fortpflanzung der Thiere so
wohl, als der Gewächse, durch Vögel be-
fördert. So weiß man z.B., daß die wilden
Enten bey ihren Zügen befruchteten Fischrogen
in entfernte Teiche übertragen, und sie dadurch
zuweilen fischreich machen. Sehr viele Vögel
verschlucken Samenkörner, die sie nachher wie-
der ganz von sich geben, und dadurch die Ver-
breitung derselben befördern: so z.B. die Tau-
ben auf Banda die Muscatnüsse etc. Der Mist
der Seevögel düngt kahle Felsenklippen und
[Seite 156] Küsten, daß nachher nützliche Gewächse da
fortkommen können. Manche Falkengattungen
lassen sich zur Jagd, so wie die Scharben zum
Fischfang, abrichten etc. So sehr viele Vö-
gel, ihre Eyer, ihr Fett etc. dienen zur Speise.
Die ganzen Felle der Seevögel zur Kleidung
mancher der nördlichsten Völker. Die Federn
zum Füllen der Betten, zum Schreiben,
und zu mancherley theils kostbaren Putz, so
wie sie auch bey vielen wilden Völkern, zumahl
auf den Inseln des stillen Oceans, einen be-
trächtlichen Handelsartikel ausmachen.

§. 78.

Der Schade, den die Vögel stiften, läßt
sich fast gänzlich auf die Vertilgung nutzba-
rer Thiere und Gewächse zurück bringen.
Der Condor, der Lämmergeyer u.a. Raubvö-
gel tödten Kälber, Ziegen, Schafe etc. Der
Fischadler und so viele Wasservögel sind den
Fischen und ihrem Leich so wie die Habichte,
Sperber, Aelstern etc. dem Hausgeflügel ge-
fährlich. Die Sperlinge und andre kleine
Sangvögel schaden der Saat, den Weintrau-
ben und Obstbäumen etc. Und endlich werden
freylich nicht bloß brauchbare Gewächse, sondern
auch eben so wohl wucherndes Unkraut durch
die Vogel verpflanzt. Wirklich giftige Thiere
finden sich aber in dieser Classe eben so wenig,
als in der vorigen.

§. 79.

[Seite 157]

Da die Bildung der Vögel, im Ganzen ge-
nommen, ziemlich einförmig ist, und gewisse
Theile ihres Körpers, wie der Schnabel und
die Füße, die sich auf ihre ganze Lebensart,
Nahrung etc. beziehen, schon an sich so viel von
ihrem Total-Habitus bestimmen; so haben die
mehresten Ornithologen auch ihre Classification
auf die Verschiedenheit des einen oder des andern
von den genannten Theilen gegründet; Klein
z.B. auf die Bildung der Zehen, Möhring
auf die Bedeckung der Beine, Brisson auf
beides in Verbindung mit der Beschaffenheit
des Schnabels etc. Linné nimmt in dem
Plan seines Systems der Vögel auch auf die
Bildung mehrerer Theile zugleich, und so ziem-
lich auf den ganzen Habitus, Rücksicht; nur
scheint er sich in der Ausführung zuweilen
vergessen zu haben: wenigstens begreift man
nicht, wie Papageyen, Colibrite und Krähen
bey ihm in eine Ordnung verbunden, hingegen
Tauben und Hühner in zwey Ordnungen von
einander gerissen, und mehr Verbindungen
oder Trennungen dieser Art zugelassen werden
dursten.

§. 80.

Ich habe mir also hier einige Abänderung
von dem Linnéischen System erlaubt, und die
ganze Classe in folgende neun Ordnungen
abzutheilen versucht.

A) Landvögel.

[Seite 158]

I. Accipitres. Die Raubvögel: mit krum-
men starken Schnäbeln, meist mit kurzen,
starken, knorrigen Füßen, und großen, ge-
bogenen, scharfen Klauen.

II. Levirostres. Mit kurzen Füßen, und
meist sehr großen, dicken, aber mehrentheils
hohlen und daher sehr leichten Schnäbeln.
Papageyen, Tucane etc.

III. Pici. Mit kurzen Füßen, mittelmäßig
langen und schmalen Schnäbeln, und theils
wurmförmiger, theils fadenförmiger Zunge.
Wendehals, Spechte, Baumkletten, Co-
librite etc.

IV. Coraces. Mit kurzen Füßen, mittelmäßig
langem, und ziemlich starkem, oben erha-
benem Schnabel. Raben, Krähen etc.

V. Passeres. Die sogenannten Sangvögel
nebst den Schwalben etc. Sie haben kurze
Füße, und einen mehr oder weniger kegel-
förmigen, zugespitzten Schnabel, von ver-
schiedner Länge und Dicke.

VI. Gallinae. Vögel mit kurzen Füßen, oben
etwas erhabenem Schnabel, der an der Wur-
zel mit einer fleischigen Haut bewachsen ist.
Auch die Tauben habe ich unter diese Ord-
nung gebracht, da sie bey weitem mehr mit
den Hühnern als mit den Sangvögeln,
denen sie Linné zugesellte, verwandt sind.

[Seite 159]

VII. Struthiones. Die großen, zum Flug
ungeschickten Landvögel. Der Straus,
Casuar und Dudu.

B) Wasservögel.

VIII. Grallae. Sumpfvögel, mit langen
Füßen, langem, fast walzenförmigem
Schnabel, und meistens langem Halse.

IX. Anseres. Schwimmvögel mit Ruder-
süßen, einem stumpfen, mit Haut über-
zognen, am Rande meist gezähnelten
Schnabel, der sich an der Spitze des Ober-
kiefers mit einem Häkchen endigt.

* * *

Zur N. G. der Vögel.

  1. Conr. Gesneri historiae animalium L. III. qui est
    de avium natura
    . Tiguri
    . 1555. fol.
  2. Ulyss. Aldrovandi ornithologia. Bonon. 1599. sq.
    Vol. III. fol.
  3. F. Willughby ornithologiae L. III. ex ed, Raji.
    Lond. 1676. fol.
  4. Jo. Raji synopsis methodica avium. ib. 1713. 8.
  5. J. Edward's natural history of birds. Lond.
    1743. sq. Vol. IV. 4.
  6. Ej. gleanings of natural history. ib. 1758. sq. Vol.
    III. 4.
  7. Brisson ornithologie. Paris 1760. Vol. VI. 4.
  8. Buffon.
  9. Daubenton planches des oiseaux. Paris 1775. sq. fol.
    (1008 Bl.)
  10. Th. Pennant's genera of birds. Lond. 1781. 4.
  11. Ej. arctic zoology. II. Band. ib. 1784. 4.
  12. (Jo. Latham's) general synopsis of birds. ib. 1781.
  13. Vol. VI. 4. und das Supplement dazu. ib. 1787.
  14. F. M. Daudin Traité elementaire et complet d'or-
    nithologie
    . Par.
    1800. Vol. II. 4.
* * *
  1. C. J. Temminck Tableau systematique des oiseaux
    qui se trouvent en Europe
    . Amst
    1815. 8.
  2. Joh. Leonh. Frisch. Vorstellung der Vögel in Deutsch-
    land. Berlin, 1733 bis 1763. Fol. (242 Taf.)
  3. J. M. Bechsteins gemeinnützige N. G. Deutschlands
    II-IV. B. Leipz. 1791. 8.
  4. Dess. ornithologisches Taschenbuch von und für Deutsch-
    land. Leipz. 1802 u. f. III. Th. kl. 8.
  5. J. P. A. Leislers Nachträge zu Bechsteins N. G.
    Deutschlands. 1. H. Hanau, 1812. 8.
  6. J. Wolf u. J. Fr. Frauenholz Abbildungen u. Be-
    schreibungen der in Franken brütenden Vögel.
    Nürnb. seit 1799. Fol. und 4.
  7. Teutsche Ornithologie, herausgeg. von Borkhausen,
    Lichthammer und Becker dem Jüng. Darmst.
    seit 1800. Fol.
  8. Taschenbuch der deutschen Vögel-Kunde, oder kurze
    Beschreibung aller Vögel Deutschlands, von
    Meyer u. Wolf. Frankf. a. M. 1810. II. B. 8.
  9. Corn. Nozemann Nederlandsche Vogelen, door
    Chr. Sepp en Zoon. Amst
    . 1770. sq. fol.
  10. a History of British Birds; the figures engraved
    on wood by
    T. Bewick. Newcastle upon
    Tyne 1797-1803.
    II. vol. 8.
  11. Marc. Catesby's natural history of Carolina. Lond.
    1731. Vol. II. fol.
  12. Andr. Sparrmann museum Carlsonianum. Holm.
    1786. Fasc. II. fol.
* * *

Zur Physiologie dieser Thier-Classe.

  1. Fr. Tiedemann's Zoologie. IIr u. IIIr Bd. Heidelb.
    1810-14. 8.

[Seite 161]

Erst also die Landvögel in VII. Ord-
nungen.

I. ACCIPITRES.

Fast alle mit kurzen, starken Füßen, großen,
scharfen Krallen und starkem, gekrümmtem
Schnabel, der meist oben auf der Seite in
zwey stumpfe, schneidende Spitzen ausläuft,
und an der Wurzel mehrentheils mit einer
fleischigen Haut (cera) bedeckt ist. Sie näh-
ren sich theils von Aas, theils vom Raube
lebendiger Thiere, leben in Monogamie, nisten
an erhabenen Orten, und haben ein wildern-
des, widerliches Fleisch.

1. Vultur. Geyer Rostrum rectum,
apice aduncum; plerisque caput et col-
lum impenne. Lingua bifida.

1. Gryphus der Condor, Cuntur. V. ca-
runcula verticali longitudine capitis.

de Humboldt Recueil d'observations de
Zoologie
. tab
. 8. 9.

Hauptsächlich im westlichen Südamerica. Hält
mit ausgespannten Flügeln auf 12 Fuß in die
Breite, und seine Schwungfedern sind am Kiel
wohl fingersdick. Er ist schwarzbraun von Farbe
mit einem weißen Halskragen. Nistet zumahl
an felsigen Ufern, fliegt ausnehmend hoch, lebt
meist vom Raube unter den Viehherden, und von
den todten Fischen, die die See auswirft.

[Seite 162]

2. Papa. der Geyerkönig, Ruttengeyer, Son-
nengeyer. V. naribus carunculatis, vertice
colloque denudato
.

Buffon, oiseaux. Vol. I. tab. 6.

In Westindien und Südamerica. Nur von
der Größe eines welschen Huhns; zumal am
Kopf von schönen gelben, rothen und schwarzen
Farben, mit langen, fleischigen Lappen über
dem Schnabel. Kann den nackten Hals ganz in
den dickgefiederten Schulterkragen einziehen.

3. †. Barbatus. der Lämmergeyer, Bart-
geyer, Goldgeyer, Jochgeyer. V. rostri
dorso versus apicem gibboso, mento barbato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 85.

In den Tyroler- und Schweizer-Alpen; auch
in Sibirien und Habessinien. Der größte euro-
päische Vogel, dessen ausgespannte Flügel bey
10 Fuß messen, und der sich vorzüglich durch sei-
nen starkharigen Bart, und durch den befiederten
Kopf, besonders aber durch den gewölbten Rük-
ken vorn am Oberschnabel von andern Geyern
auszeichnet*).

4. Percnopterus. der Aasgeyer. V. remigi-
bus nigris, margine exteriore, praeter ex-
timas, canis.

Besonders häufig in Palästina, Arabien und
Aegypten. Verzehrt unzählige Feldmäuse, Am-
phibien etc. Die alten Aegyptier haben diesen
Vogel, so wie einige andere ihnen vorzüglich
nutzbare Thiere, heilig gehalten, und ihn häufig
[Seite 163] in ihrer Bilderschrift auf Obelisken, Mumien-
bekleidungen etc. vorgestellt.

2. Falco. (Span. Açor.) Rostrum
aduncum, basi cera instructum; caput
pennis tectum; lingua bifida
.

1. Serpentarius. der Secretär. (sagittarius,
Fr. le messager.) F. cera alba, cruribus
longissimis, crista cervicali pendula, rectri-
cibus intermediis elongatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 55.

Vom Cap landeinwärts, auch auf den Philip-
pinen. Mit langen Beinen, wie ein Sumpf-
vogel*).

2. †. Melanaëtus. der schwarzbraune Adler.
(Büffon's aigle commun, Engl. the black
eagle
.) F. cera lutea, pedibusque semila-
natis, corpore ferrugineo, nigricante, striis
flavis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. 1800.

In Europa. Beträchtlich kleiner als der
folgende.

3. †. Chrysaëtos. der Goldadler, Steinadler.
(Büffon's grand aigle, Engl. the golden
eagle
.) F. cera lutea, pedibusque lanatis
luteo-ferrugineis, corpore fusco ferrugineo
vario, cauda nigra, basi cinereo undulata.

Buffon vol. I. tab I.

[Seite 164]

Im gebirgigen Europa. Nistet auf hohen
Felsen und versorgt seine Junge mit Wildpret
von Hasen, Gemsen etc.

4. †. Ossifragus. der Seeadier, Fischadler,
Beinbrecher. (Fr. l'orfraie. Engl. the sea-
eagle, osprey
.) F. cera lutea pedibus-
que semilanatis, corpore ferrugineo, rectri-
cibus latere interiore albis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1801.

An den europäischen Küsten, auch in Nord-
america und theils auf der Südsee. Fast von
der Größe des Goldadlers. Lebt fast bloß von
Fischen.

5. †. Haliaëtus. der Entenstößer, Moosweih.
(Fr. le balbuzard. Engl. the osprey.) F.
cera pedibusque caeruleis, corpore supra
fusco, subtus albo, capite albido.

Buffon vol. I. tab. 2.

Mehr an den Ufern der Flüsse als an den
Seeküsten. Ist oft mit dem Fischadler ver-
wechselt worden.

6. †. Milvus. die Weihe, der Gabelgeyer,
Milan, Scherschwänzel, Schwalben-
schwanz, Taubenfalke. (Fr. le milan. Engl.
the kite.) F. cera flava, cauda forficata,
corpore ferrugineo, capite albidiore
.

Frisch tab. 72.

Fast in der ganzen alten Welt.

7. Gentilis. der Edelfalke. (Fr. le faucon.
Engl. the falcon .) F. cera pedibusque fla-
vis, corpore cinereo maculis fuscis, cauda
fasciis quatuor nigricantibus
.

Frisch tab. 74.

[Seite 165]

In gebirgigen Gegenden der nördlichen Erde;
variirt in zahlreichen Spielarten, deren einige
auch von manchen für besondre Gattungen an-
genommen werden. Wird vorzüglich (so wie
freylich manche andere verwandte Gattungen
dieses Geschlechts auch) zum Fang kleiner Säu-
gethiere und Vögel, namentlich in den Mor-
genländern zur Gazellenjagd, und in Europa
zur Reiherbezitze abgerichtet.

8. †. Palumbarius. der Habicht, Tauben-
falke. (accipiter. Fr. l'autour, Engl. the
gooshawk
.) F. cera nigra, margine pedi-
busque flavis, corpore fusco, rectricibus
fasciis pallidis, superciliis albis.

Frisch tab. 81. 82.

Hat meist gleiche Heimath mit der vorigen
Gattung.

9. †. Nisus. der Sperber, Vogelfalke. (Fr.
l'épervier. Engl. the sparrow hawk.) F. cera
viridi, pedibus flavis, abdomine albo griseo
undulato, cauda fasciis nigricantibus
.

Frisch tab. 90. 91. 92.

In Europa.

3. Strix. Eule. Rostrum breue, adun-
cum, nudum absque cera; nares barba-
tae; caput grande; lingua bifida; pedes
digito versatili; remiges aliquot serratae
.

1. †. Bubo. der Uhu, Schubut, die Ohreule.
(Fr. le grand duc. Engl. the great horn-
owl, the eagle-owl
.) S. auribus pennatis,
iridibus croceis, corpore rufo
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795.

[Seite 166]

Das größte Thier seines Geschlechts. Im
mildern Europa und westlichen Asien*).

2. Nyctea. die Schnee-Eule, Harfang. S.
capite laevi, corpore albido, maculis luna-
tis distantibus fuscis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 75.

In der nördlichsten Erde. Ein prachtvolles
Thier.

3. †. Flammea. die Schleiereule, Perleule,
Kircheneule, Thurmeule. (Fr. l'effraie.)
S. corpore luteo punctis albis, subtus albido
punctis nigricantibus.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In den gemäßigtern Zonen der alten und
neuen Welt. Von ausnehmend schönem und
sanftem Gefieder.

4. Passerina. das Käutzchen (Fr. la che-
vêche
. Engl. the little owl, screechowl.)
S. capite laevi, remigibus maculis albis
quinque ordinum
.

Frisch tab. 100.

In Europa und Nordamerica.

4. Lanius. Rostrum rectiusculum, dente
utrinque versus apicem, basi nudum;
lingua lacera
.

1. †. Excubitor. der Würger, Bergälster.
(Fr. la pie-grieche grise. Engl. the great
[Seite 167] shrike .) L. cauda cuneiformi, lateribus
alba, dorso, cano, alis nigris macula alba
.

Frisch tab. 59.

In Europa und Nordamerica. Ahmt, so wie
die folgende Gattung, andrer Vögel Stimme
sehr geschickt nach.

2. †. Collurio. der Neuntödter. (Fr. l'ecor-
cheur.
Engl. the red-backed shrike.) L.
cauda subcuneiformi, dorso griseo, rectri-
cibus quatuor intermediis unicoloribus, ro-
stro plumbeo
.

Frisch tab. 60.

In Europa. Nährt sich hauptsächlich von
Insecten, zumahl Käfern, Grashüpfern etc. die
er zum Vorrath an Schwarzdorn und andres
dorniges Gebüsche anspießt.


II. LEVIROSTRES.

Die Vögel dieser Ordnung sind fast bloß
den wärmsten Erdstrichen eigen, und werden
durch die theils sehr großen, dicken, aber in
Verhältniß meist sehr leichten Schnäbel, kennt-
lich, deren oben (§. 59.), bey Gelegenheit der
Luftbehälter gedacht worden.

5. Psittacus. Papagey, Sittig. (Fr.
perroquet, Engl. parrot.) Mandibula
superior adunca, cera instructa; lingua
carnosa, integra. Pedes scansorii*).

[Seite 168]

Merkwürdig ist, daß manche einzelne Gattun-
gen dieses (– weitläufigen, daher von den
Ornithologen in mancherley Familien eingetheil-
ten –) Geschlechts eine so überaus eingeschränkte
Heimath haben, daß sich, z.B. auf den Philip-
pinen, verschiedne derselben bloß einzig und
allein auf der einen oder andern Insel, und
hingegen nie auf den noch so nahe liegenden,
benachbarten finden. Ueberhaupt haben die Pa-
pageyen viel auszeichnendes, Eignes in ihrem
Betragen. Sie wissen sich z.B. ihrer Füße fast
wie Hände zu bedienen, bringen ihre Speise da-
mit zum Schnabel, krauen sich damit hinter den
Ohren, und wenn sie auf dem Boden gehen, so
treten sie, nicht wie andre Vögel bloß mit den
Krallen, sondern mit der ganzen Ferse auf etc.
Ihr hakenförmiger Oberschnabel ist eingelenkt und
sehr beweglich, und nutzt ihnen zuweilen fast
statt eines dritten Fußes zum Klettern, An-
halten etc. Beide Geschlechter lernen leicht
Worte nachsprechen, und manche hat man, wenn
gleich höchst selten, sogar singen gelehrt.

1. Macao. der Aras, indianische Rabe,
(Aracanga). P. macrourus ruber, remi-
gibus supra caeruleis, subtus rutis, genis
nudis rugosis
.

Edwards's birds tab. 158.

In Südamerica.

2. Alexandri. P. macrourus viridis, collari
pectoreque rubro, gula nigra.

Edwards l. c. tab. 292.

In Ostindien.

3. Cristatus. der Cacadu. P. brachyurus,
crista plicatili flava.

Frisch tab. 50.

In Ostindien, zumahl auf den Molucken.

[Seite 169]

4. Erithacus. der Jaco, aschgraue Papagey.
P. brachyurus canus, temporibus nudis al-
bis, cauda coccinea
.

Frisch tab. 51.

Auf Guineea, Congo und Angola.

5. Ochrocephalus. (Fr. l'amayone à tête jaune.)
P. viridis, vertice flavo, tectricibus alarum
puniceis, remigibus ex viridi, nigro, vio-
laceo et rubro variis, rectricibus duabus
extimis basi intus rubris.

Daubenton Pl. 312.

In Westindien etc.

6. Pullarius. (Fr. l'inseparable.) P. brachyu-
rus viridis, fronte rubra, cauda fulva fascia
nigra, orbitis cinereis
.

Frisch tab. 54. fig. 1.

Auf Guinea und in Ostindien. Nicht viel
größer als ein Blutfink. Hat den französischen
Namen von der irrigen Sage als ob er immer
Paarweis gehalten werden müßte weil keiner den
Verlust seines Gatten überleben könnte.

6. Ramphastos. Tukan, Pfefferfras.
Rostrum maximum, inane, extrorsum
serratum, apice incurvatum. Pedes
scansorii plerisque
.

Der ungeheuere Schnabel, der die zahlreichen
Gattungen dieses sonderbaren Geschlechts süd-
americanischer Vögel auszeichnet, ist ausnehmend
leicht, und von ungemein welchem Horn. Ihre
Zunge ist eine halbe Spanne lang, wie von Fisch-
bein, an der Wurzel kaum eine Linie breit, und
an den Seiten vorwärts gezasert. Das Gefie-
der variirt sehr, nach der Verschiedenheit der
beiden Geschlechter, auch nach dem Alter etc.

[Seite 170]

1. Tucanus. R. nigricans, rostro flavescente,
versus basin fascia nigra, fascia abdominali
flava
.

7. Buceros. Der Nashornvogel, Ca-
lao. (hydrocorax.) Rostrum maximum,
inane, ad basin versus frontem recur-
vatum; pedes gressorii
.

Die sämmtlichen Gattungen dieses ebenfalls
abenteuerlich gebildeten Geschlechts, sind in Ost-
indien und Neu-Holland zu Hause.

1. Rhinoceros. B. processu rostri frontali re-
curvato
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 24.


III. PICI.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze
Füße, und meist einen geraden, nicht dicken
Schnabel von mittelmäßiger Länge.

8. Picus. Specht (Fr. pic. Engl. wood-
pecker
.) Rostrum polyedrum, apice cu-
neato; lingua teres lumbriciformis, lon-
gissima, mucronata, apice retrorsum
aculeato; pedes scansorii
.

Die Spechte haben vorzüglich den sonderbaren
Bau der Zunge, daß sich das Zungenbein in
zwey lange grätenförmige Knorpel verläuft, die
von hinten nach vorn über den ganzen Hirnschä-
del unter der Haut liegen, und sich an der Stirne
nahe an der Schnabelwurzel endigen. Diese
Knorpel sind also gleichsam elastische Federn, mit-
[Seite 171] telst welcher diese Vögel ihre wurmförmige Zunge
desto leichter hervorschießen, und an der hornigen
Spitze derselben Insecten anspießen können.

1. †. Martius. der Schwarzspecht, gemeine
Specht, die Hohlkrähe. P. niger, vertice
coccineo
.

Frisch tab. 34. fig. 1.

Nebst den folgenden Gattungen im mildern
Europa und nördlichen Asien.

2. †. Viridis. der Grünsprecht, Grasspecht.
P. viridis, vertice coccineo.

Frisch tab. 35.

3. †. Maior. Der große Bunt- oder Roth-
specht. P. albo nigroque varius, occipite
rubro
.

Frisch tab. 36.

4. †. Minor. der kleine Bunt- oder Roth-
specht. P. albo nigroque varius, vertice
rubro.

Frisch tab. 37.

9. Iynx. Rostrum teretiusculum, acu-
minatum; lingua lumbriciformis, lon-
gissima, mucronata; pedes scansorii
.

1. †. Torquilla. der Drehhals, Wendehals,
Natterwindel. (Fr. le torcol. Engl. the
wryneck
.) F. cauda explanata, fasciis fuscis
quatuor.

Frisch tab. 38.

Hat seinen Nahmen von der ungemeinen Ge-
lenksamkeit seines Halses, und meist die gleiche
Heimath wie die vorgedachten Spechte.

10. Sitta. Spechtmeise. Rostrum subu-
latum, teretiusculum, apice compresso,
[Seite 172] mandibula superiore paullo longiore;
pedes ambulatorii
.

1. †. Europaea. der Blauspecht (Fr. la sitelle,
le torchepot
. Engl. the nut-hatch, the wood-
cracker
.) S. rectribus nigris, lateralibus
quatuor infra apicem albis
.

Frisch tab. 39.

In allen drey Welttheilen der nördlichen Erde.

11. Todus. Rostrum subulatum, depres-
siusculum, obtusum, rectum, basi setis
patulis; pedes gressorii
.

1. Viridis. (Fr. le todier. Engl. the green
sparrow
.) T. viridis, pectore rubro
.

Im mittlern America.

2. Paradisaeus. T. capite cristato nigro, cor-
pore albo, cauda cuneata, rectricibus in-
termediis longissimis.

In Südafrica, auf Madagascar etc.

12. Alcedo. Rostrum trigonum, cras-
sum, rectum, longum; pedes breves,
gressorii.

1. †. Ispida. der Eisvogel. (Alcvon, Fr. le
martin pecheur
. Engl. the kingsfisher.) A.
supra cyanea, fascia temporali flava, cauda
brevi
.

Frisch tab. 223.

Fast in der ganzen alten Welt. Nährt sich
von Fischen, deren Gräten er dann als Gewölle
(§. 63.) ausbricht. Daß er nach dem Tode leicht
vertrocknet ohne in Fäulniß überzugehn, ist nicht
wie Paracelsus und so viele nach ihm meinten
eine Eigenheit dieses Vogels, soudern zeigt sich
[Seite 173] unter ähnlichen Umständen auch am Kreuzschna-
bel, Canarienvogel u.a.

13. Merops. Rostrum curuatum com-
pressum, carinatum; pedes gressorii.

1. Apiaster. der Immenwolf, Bienenfresser.
(Fr. le guépier. Engl. the bee-eater.) M.
dorso ferrugineo, abdomine caudaque vi-
ridi caerulescente, gula lutea, fascia tem-
porali nigra
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1808.

Im südlichen Europa und mildern Asien. Lebt
von Insecten.

14. Upupa. Rostrum arcuatum, con-
vexum, subcompressum, obtusiusculum,
pedes ambulatoii.

1. †. Epops. der Wiedehopf, Rothhahn.
(Fr. la hupe. Engl. the hoopoe.) U. crista
variegata.

Frisch tab. 43.

In Europa und Ostindien. Nährt sich von
Regenwürmern und mancherley Insecten. Nistet
in hohle Bäume, und, wie schon Aristoteles
anmerkt, oft auf eine Grundlage von Men-
schenkoth*).

15. Certhia. Baumläufer. Rostrum
arcuatum, tenue, subtrigonum, acu-
tum; pedes ambulatorii
.

1. †. Familiaris. die Baumklette, der Grüper,
Grauspecht, Baumkleber. (Fr. le grim-
[Seite 174] pereau
. Engl. the creeper.) C. grisea. subtus
alba, remigibus fuscis; rectricibus decem
.

Frisch tab. 39. fig. 1.

In Europa. Klettert fast wie die Spechte an
den Baumstämmen herum, um Insecten und ihre
Puppen zu suchen etc.

2. †. Muraria. der Mauerspecht. C. cinerea,
rectricibus roseis, remigibus rectricibusque
fuscis, maculis alarum fulvis niveisque
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 76.

Das ausnehmend schöne Thier hat Sperlings
Größe, und lebt einsam im wärmern Europa.
Namentlich im C. Bern. In Deutschland ists
äußerst selten. Nistet in altem Gemäuer, auf
Thürmen etc.

3. Coccinea. (vestiaria.) C. coccinea, rectri-
cibus remigibusque nigris
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 16.

Auf den Sandwich-Inseln, deren kunstreiche
Einwohner mit den Federchen dieses kleinen car-
moisinrothen Vogels mancherley prachtvollen Putz
und andre Kleidungsstücke, Helme etc. sogar
ganze Mäntel etc. überziehen.

4. Sannio. C. olivacea, vertice subviolaceo,
remigibus caudaque subfurcata fuscis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 8.

Auf Neu-Seeland.

16. Trochilus*). Colibri, Honigsau-
ger, Blumenspecht. (Fr. oiseau-mouche.
Engl. humming bird.) Rostrum subulato-
filiforme longum. Mandibula inferiore
[Seite 175] tubulata, superiore vaginante inferio-
rem. Lingua filis duobus coalitis tubu-
losa; pedes ambulatorii, brevissimi
.

Das ganze Geschlecht ist, so viel man bis jetzt
weiß, allein in America zu Hause. Aber nicht
bloß im wärmern, sondern theils auch nördlich
bis Nutka-Sund und südlich bis zur Westküste
von Patagonien.

A) Curvirostres (eigentliche Colibris.)

1. Pella. (Fr. le colibri-topase.) Tr. ruber,
rectricibus intermediis longissimis, capite
fusco, gula aurata vropygioque viridi.

Edwards tab. 32.

In Guiana. Wohl 6 Zoll lang.

B) Rectirostres (Fr. oiseaux-mouches.)

2. Minimus. T. corpore viridi nitente, fubtus
albido; rectricibus lateralibus margine ex-
teriore albis.

Edwards tab. 105.

Der allerkleinste bekannte Vogel, der aufge-
trocknet nur ungefähr 30 Gran wiegt. Sein
Nest ist von Baumwolle, und hat die Größe
einer Wallnuß; und seine zwey Eyer etwa die
von einer Zuckererbse.

3. Mosquitus. der Juwelen-Colibri. (Fr. le
Rubis-topase
.) T. viridescens vertice pur-
pureo aurato, gutture auroreo rutilo
.

Seba thes. tab. 37. fig. 1.

Stirn und Scheitel des Männchens glänzen
mit rubinrothem Feuer, und seine Kehle wie
glühendes Gold.


IV. CORACES.

[Seite 176]

Die Vögel dieser Ordnung haben einen
starken, oben erhabnen Schnabel von mittel-
mäßiger Größe, und kurze Füße. Sie leben
theils von Getreide u.a. Pflanzensamen etc.
theils von Insecten, und auch von Aas; und
haben mehrentheils ein wilderndes, unschmack-
haftes Fleisch.

17. Buphaga. Rostrum rectum, sub-
quadrangulare: mandibulis gibbis, in-
tegris, extrorsum gibbosioribus. Pedes
ambulatorii.

1. Africana (Fr. le pic boeuf. Engl. the
beefeater
.)

Latham Vol. I. P. I. tab. 12.

In Senegambien etc.

18. Crotophaga. Rostrum compres-
sum, semiovatum, arcuatum, dorsato-
carinatum. Mandibula superiore margine
utrinque angulata. Nares perviae
.

1. Ani. der Madenfresser. (Fr. le bout de
petun
. Engl. the razor-billed blackbird.)
C. pedibus scansoriis.

Latham l. c. tab. 13.

In Westindien. Lebt in gesellschaftlicher Ver-
bindung, und es sollen sogar mehrere Weibchen
sich zusammen halten und sich ein gemeinschaftliches
Nest bauen, mit einander brüten etc.

[Seite 177]

19. Corvus. Rostrum convexum cultra-
tum, nares mystace tectae; pedes am-
bulatorii.

1. †. Corax. Der Kolk-Rabe. (Fr. le corbeau.
Engl. the raven.) C. corpore atronitente,
rostri apice subincurvo, cauda semirhombea
.

Frisch tab. 63.

Wie die nächstfolgende Gattung fast durchge-
hends in beiden Welten. Hat einen überaus
scharfen Geruch, raubt Fische, Krebse, junge
Enten, selbst junge Hasen etc. schleppt auch an-
dere Sachen zu Neste, die er nicht fressen kann.

2. †. Corone. die Raben-Krähe. (Fr. la cor-
neille
, Engl. the carrion crow.) C. atro-
caerulescens totus, cauda rotundata: rectri-
cibus acutis
.

Buffon vol. III. tab. 3.

3. †. Frugilegus. die Saatkrähe, der Ka-
rechel. (Fr. le freux, la frayonne. Engl.
the rook.) C. ater, fronte cinerascente,
cauda subrotunda
.

Frisch tab. 64.

Meist im ganzen mildern Europa. Vergütet
den mäßigen Schaden, den sie der Saat thut, durch
die weit beträchtlichere Vertilgung unzähliger
Feldmäuse, Engerlinge, Grasraupen etc.

4. †. Cornix. die Krähe, Nebelkrähe, Hau-
benkrähe. (Fr. la corneille mantelée. Engl.
the hooded crow, royston crow.) C. cinera-
scens, capite iugulo alis caudaque nigris
.

Frisch tab. 65.

In den mildern Zonen der alten Welt. Hauset
in manchen Gegenden als Standvogel Jahr aus
[Seite 178] Jahr ein, in andern läßt er sich bloß über Winter
nieder, ohne daß man noch recht weiß wo er
von da im Frühjahr hinzieht. Wird ebenfalls
durch die Vertilgung unzähligen Ungeziefers
nutzbar, thut doch aber auch den Maisfeldern
großen Schaden.

5. †. Monedula. die Dohle. (Fr. le choucas.
Engl. the jackdaw.) C. fuscus, occipite
incano, fronte alis caudaque nigris
.

Frisch tab. 67.

Im nordwestlichen Europa.

6. †. Glandarius. der Holzheher, Nußbeißer,
Marcolph, Hetzle, Herrenvogel. (Fr. le
geai
. Engl. the jay.) C. tectricibus alarum
caeruleis, lineis transversis albis nigrisque,
corpore ferrugineo variegato.

Frisch tab. 55.

Im mildern Europa.

7. †. Caryocatactes. der Nußheher. (Fr. le
casse noix
. Engl. the nut cracker.) C. fuscus
alboque punctatus, alis caudaque nigris:
rectricibus apice albis: intermediis apice
detritis
.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1805.

In der nördlichen Erde.

8. †. Pica. die Aelster, Atzel, Aegerste, Hei-
ster. (Fr. la pie. Engl. the magpie.) C.
albo nigroque varius, cauda cuneiformi
.

Frisch tab. 58.

In Europa und Nordamerica. Ein schädliches
Thier für junges Meyergeflügel, und mitunter
wohl für die Saat-Felder, das aber auch zahl-
lose Raupen, Schnecken etc. vertilgt.

[Seite 179]

20. Coracias. Rostrum cultratum,
apice incurvato, basi pennis denuda-
tum; pedes breves ambulatorii
.

1. †. Garrula. die Mandelkrähe, Racke,
Blauracke, der Birkheher. (Fr. le rollier,
Engl. the roller.) C. caerulea, dorso ru-
bro, remigibus nigris
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1807.

Im mildern Europa und in Nordafrica. Läßt
sich in der Erntezeit, wenn die Frucht in Man-
deln steht, haufenweise auf den Feldern sehen.

21. Gracula. Rostrum convexo-cul-
tratum, basi nudiusculum. Lingua in-
tegra, acutiuscula, carnosa. Pedes am-
bulatorii
.

1. Religiosa. (Fr. le mainate, Engl. the minor
grakle
.) G. nigro violacea, macula alarum
alba, fascia occipitis nuda, flava.

Buffon vol. III. tab. 25.

In Ostindien. Hat eine schöne Stimme und
lernt leicht Worte nachsprechen.

2. Quiscula. der Maisdieb. G. nigro-viola-
cea, cauda rotundata
.

Catesby vol. I. tab. 12.

In Nordamerica.

22. Paradisea*). Paradisvogel (ma-
nucodiatta
.) Rostrum basi plumis to-
[Seite 180] mentosis tectum. Pennae hypochon-
driorum longiores. Rectrices duae su-
periores singulares denudatae.

Das Ganze Geschlecht von zahlreichen Gattun-
gen hat ein überaus eingeschränktes Vaterland,
da es wohl bloß auf Neu-Guinea zu Hause ist,
von da diese Thiere als Zugvögel nach den Mo-
lucken u.a. benachbarten Inseln streichen. Noch
jetzt schneiden die Papus diesen Thieren, die
wegen ihres prachtvollen Gefieders in Indien als
Putz getragen werden, wenn sie sie zu dieser Ab-
sicht verkaufen, die Füße ab, die daher die
leichtgläubigen Alten den Paradisvögeln über-
haupt abzusprechen wagten*).

1. Apoda. (Fr. l'Emeraude.) P. brunnea pen-
nis hypochondriis luteis corpore longiori-
bus, rectricibus duabus intermediis longis
setaceis.

Edwards tab. 110.

2. Alba. der weiße Paradisvogel. (Fr. le
manucode à
12 filets. P. anterius nigra
violacea, posterius alba, humeribus viride
virgatis, rectricibus
12 nigris.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 96.

Eine der schönsten und zugleich die seltenste
Gattung dieses Geschlechts, am Leibe ohngefähr
von der Größe einer Drossel.

[Seite 181]

23. Trogon. Curucuru. Rostrum capite
brevius, cultratum, aduncum, margine
mandibularum serratum. Pedes scansorii
.

1. Viridis. T. viridi aureus, subtus luteus,
gula nigra
.

Edwards tab. 331.

In Guiana.

24. Bucco. Bartvogel. (Fr. barbu.
Engl. barbet .) Rostrum cultratum, la-
teraliter compressum apice utrinque
emarginato, incurvato; rictu infra ocu-
los protenso
.

1. Atroflavus. B. niger, iugulo, pectore et
lineis supra-et infraorbitalibus luteis, ab-
domine griseo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 65.

In Sierra Liona.

25. Cuculus. Rostrum teretiusculum.
Nares margine prominulae. Pedes
scansorii
.

1. †. Canorus. der Kuckuck. (Fr. le coucou.
Engl. the cuckow .) C. cauda rotundata
nigricante albo-punctata
.

Frisch tab. 40. u. f.

In der nördlichen alten Welt; wo er aber
doch nur im Frühling und Sommer zu sehen ist.
Er bebrütet das halbe dutzend Eyer, das er jedes
Frühjahr nach und nach legt, nicht selbst, sondern
legt sie einzeln in die Nester der Grasmücken und
Bachstelzen etc.* ) zwischen dieser ihre eignen
[Seite 182] Eyer, da sich dann diese kleinen Vögel an seiner
Statt dem Brüt-Geschäfte unterziehen. Merk-
würdig ist, daß seine Eyer die doch um vieles
größer sind, als dieser so weit kleinern Vögel
ihre, dennoch eben nicht länger als diese bebrütet
zu werden brauchen. Der junge Kuckuck wächst
aber dagegen sehr schnell, und drängt wohl ehr
die mit ihm zugleich ausgebrüteten jungen Gras-
mücken aus ihrem mütterlichen Nest. Sein Winter-
aufenthalt ist noch nicht ganz zuverlässig bekannt.

2. Indicator. Der Honigkukuk, Sengo, Mook.
C. cauda cuneiformi fusco et albido-ma-
culata, alis fuscis maculis flavis, pedibus
nigris
.

Jo. Fr. Miller fasc. IV. tab. 24.

Im südlichern Africa vom Cap landeinwärts.
Hat seinen Namen von der Fertigkeit, mit
welcher er, wie der Honig-Dachs, seine liebste
Nahrung, aus den wilden Bienennestern auf-
zusuchen weiß.

3. Persa. der Turaco. C. capite cristato,
corpore viridi-caerulescente, remigibus
sanguineis, cauda aequali.

Buffon vol. VI. tab. 15.

In Süd-Africa. Das sehr schöne Thier
zeichnet sich außer anderm besonders durch die
doppelte apfelgrüne Holle mit weißen Endspitzen
von den übrigen Gattungen dieses Geschlechts
auffallend aus.

26. Oriolus. Rostrum conicum, con-
vexum, acutissimum, rectum: mandi-
bula superiore paulo longiore, obsolete
emarginata; pedes ambulatorii
.

[Seite 183]

1. †. Galbula. die Golddrossel, Goldamsel
der Kirschvogel, Bülow, Pirol. (Fr. le
loriot.
) O. luteus, pedibus nigris, rectri-
cibus exterioribus postice flavis.

Frisch tab. 31.

Hin und wieder in der alten Welt. Soll in
Bigamie leben. Das Männchen goldgelb und
schwarz, das Weibchen olivengrün. Macht sich
ein künstliches, napfförmiges, sehr dauerhaft
zwischen zwey Aestchen befestigtes Nest.

2. Phoeniceus. der Maisdieb. (Engl. the
black bird
.) O. niger, alarum tectricibus
coccineis
.

Catesby vol. I. tab. 13.

Im mildern Nordamerica. Hält sich gemei
niglich zu dem obgedachten Maisdieb (Gracula
quiscula
.)

3. Jupujuba. ( Persicus Linn.) O. niger,
dorso postico maculaque tectricum alarum
basique rectricum luteis.

Brisson vol. II. tab. 9. fig. 1.

In Brasilien etc. Baut sich, wie die vorige
und mehrere andre Gattungen dieses Geschlechts,
ein langes beutelförmiges Nest von Schilf und
Binsen*), deren man zuweilen mehrere Hundert
an Einem Baume hängen sieht.


V. PASSERES.

Kleine Vögel, mit kurzen schlanken Füßen,
und kegelförmigem, scharf zugespitztem Schna-
[Seite 184] bel von verschiedner Größe und Bildung. Sie
leben in Monogamie, nähren sich von In-
secten und Pflanzen-Samen, haben ein zartes,
schmackhaftes Fleisch, und die meisten von ih-
nen singen, (wie mans insgemein nennt.)

27. Alauda. Rostrum cylindrico-subu-
latum, rectum, mandibulis aequalibus,
basi deorsum dehiscentibus. Unguis
posticus rectior digito longior
.

1. †. Arvensis. die Feldlerche, Himmelslerche,
Bardale. (Fr. l'alouette. Engl. the field-
lark, sky-lark
.) A. rectricibus extimis
duabus extrorsum longitudinaliter albis:
intermediis inferiore latere ferrugineis
.

Frisch tab. 15. fig. 1.

Fast in der ganzen alten Welt. Badet sich so
wie der Straus, die Hühner und viele andere
deßhalb so genannte Scharrvögel (aves pul-
veratrices
) im Sande.

2. †. Cristata. Die Haubenlerche, Kobellerche,
Heidelerche. (Fr. le cochevis) A. rectrici-
bus nigris: extimis duabus margine exte-
riori albis, capite cristato.

Frisch tab. 15. fig. 2.

In Deutschland und den benachbarten Ländern.

28. Sturnus. Rostrum subulatum, an-
gulato-depressum, obtusiusculum: man-
dibula superiore integerrima, margini-
bus patentiusculis
.

1. †. Vulgaris der Staar, die Sprehe. (Fr.
l'etourneau. Engl. the stare, sterling.) S.
[Seite 185] rostro flavescente, corpore nigro punctis
sagittatis albis
.

Frisch tab. 217.

Meist in der ganzen alten Welt. Ein nutz-
bares Thier, das unzählige schädliche Insecten
vertilgt.

29. Turdus. Rostrum tereti-cultra-
tum: mandibula superiore apice deflexo,
emarginato
.

1. †. Viscivorus. die Schnarre, Misteldrossel,
der Ziemer, Mistler. (Fr. la draine. Engl.
the missel bird, shrite.) T. dorso fusco,
collo maculis albis, rostro flavescente
.

Frisch tab. 15.

Hin und wieder in der alten Welt. Nährt
sich von Mistelbeeren, die auch häufig durch sie
fortgepflanzt werden.

2. †. Pilaris. Der Krammetsvogel. (Fr. la
litorne, tourdelle
. Engl. the fieldfare.) T.
rectricibus nigris; extimis margine inte-
riore apice albicantibus, capite vropygio-
que cano
.

Frisch tab. 26.

Im nördlichen Europa, streicht aber ins süd-
liche. Nährt sich vorzüglich von Wachholder-
(Krammets-) Beeren.

3. †. Iliacus. Weindrossel, Rothdrossel. (Fr.
le mauvis. Engl. the redwing.) T. alis sub-
tus ferrugineis, supercillis flavescentibus.

Frisch tab. 28.

Im nördlichen Europa. Glättet sein Nest mit
Letten und faulem Holze aus; und da letzteres
theils im Finstern leuchtet, so könnte vielleicht
so ein qui pro quo den Anlaß zur Erzählung
[Seite 186] der Alten, von einer ave hercynica noctu lu-
cente
gegeben haben.

4. †. Musicus. die Sangdrossel, Zipdrossel,
Weißdrossel. (Fr. la grive. Engl. the
throstle, song thrush
.) T. remigibus basi
interiore ferrugineis.

Frisch tab. 27.

Mehr südlich verbreitet als die vorige. Zu-
weilen findet sich eine weißgraue Spielart von ihr.

5. Polyglottus. die americanische Nachti-
gall, Sinsonte. (Fr. le moqueur. Engl. the
mockbird
.) T. fusco-cinereus, subtus
albidus, maculis verticis, alarum, et caudae
candidis
.

Catesby vol. I. tab. 27.

In Louisiana, Carolina, auch auf Jamaica etc.
Ahmt andrer Vögel Stimme leicht und täu-
schend nach.

6. Roseus. T. subincarnatus, capite, alis
caudaque nigris, occipite cristato.

Edwards tab. 20.

Im mittlern Europa und Asien. Vertilgt
unzählige Zugheuschrecken.

7. †. Merula. die Amsel, Schwarzdrossel.
(Fr. le merle. Engl. the blackbird.) T.
ater, rostro palpebrisque flavis.

Frisch tab. 29.

Im mildern Europa. Lebt einsam, nährt sich
von Wachholderbeeren, hat ein vorzüglich treues
Gedächtniß.

30. Ampelis. Rostrum rectum, con-
vexum: mandibula superiore longiore,
subincurvata, utrinque emarginata
.

[Seite 187]

1. Garrulus. der Seidenschwanz, Pfeffervo-
gel, Sterbevogel, Böhmer. (Fr. le jaseur
de Boheme
. Engl. the bohemian chatterer .)
A. occipite cristato; remigum secundario-
rum apice coccineo lanceolato
.

Frisch tab. 32.

Im nördlichsten Europa, kommt aber in man-
chen Jahren zur Herbstzeit häufig nach Deutsch-
land: zumahl auf den Harz.

31. Loxia. Rostrum conico-gibbum;
frontis basi rotundatum; mandibula in-
ferior margine laterali inflexa.

1. †. Curvirostris. der Kreuzschnabel, Krumm-
schnabel, Krünitz, Tannenpapagey. (Fr.
le bec croisé. Engl. the cross-bill, sheld-
apple
.) L. rostro forsicato.

Frisch tab. II. fig. 3. 4.

In den Schwarzwäldern der nördlichem Erde.
Brütet mitten im Winter zu Ende des Jänners.

2. †. Coccothraustes. der Kernbeißer, Kirsch-
fink. (Fr. le gros bec. Engl. the hawfinch .)
L. linea alarum alba, remigibus mediis apice
rhombeis, rectricibus latere basis tenuiore
nigris
.

Frisch tab. 4. fig. 2. 3.

Hin und wieder in Europa.

3. †. Pyrrhula. der Dompfaff, Blutfink, Lie-
big, Gimpel (rubicilla, Fr. le bouvreuil.
Engl. the bullfinch.) L. artubus nigris,
tectricibus caudae remigumque posticarum
albis
.

Frisch tab. 2. fig. 1. 2.

In der nördlichem alten Welt. Beide Ge-
schlechter lernen leicht Lieder pfeifen, selbst ein-
[Seite 188] ander accompagniren, und sogar Worte nach-
sprechen.

4. Gregaria. L. ex griseo flavescens, fronte
olivacea, nucha, humeris, alis et cauda
fuscis.

Paterson's journeys pag. 133.

Am Cap, wo Herden von mehreren Hunderten
ihre Nester auf einem Baum dicht zusammen
bauen, und das wunderbare Gebäude mit einem
gemeinschaftlichen überhängenden Dache bedecken.

5. Pensilis. L. viridis, capite et gutture flavis,
fascia oculari viridi, abdomine griseo, ro-
stro, pedibus, cauda remigibusque nigris.

Sonnerat voy. aux Indes T. II. tab. 112.

Ebenfalls am Cap, so wie auf Madagascar.
Bauet auch eins der wundersamsten Nester, am
Wasser, fast retortenförmig mit abwärts hän-
gendem Halse zum Ein- und Ausflug, so daß
die Mündung nahe über der Wasserfläche zu.
hängen kommt.

6. Philippina. die Baya. L. fusca, subtus
albido-flavicans, vertice pectoreque luteis,
gula fusca.

Daubenton Planches. tab. 135. fig. 2.

In Ostindien; sehr gelehrig, daher sie in der
indischen Halbinsel, zu mancherley kleinen Kün-
sten abgerichtet wird. Bauet gleichfalls ein sehr
kunstreiches hängendes Nest aus Binsen etc.

7. Cardinalis. der indianische Haubenfink,
die virginische Nachtigall. (Engl. the red-
bird
.) L. cristata rubra, capistro nigro,
rostro pedibusque sanguineis
.

Frisch tab. 4. fig. 1.

[Seite 189]

In Nordamerica, wird wegen seines rothen
Gefieders und seines Gesanges häufig nach Eu-
ropa gebracht.

8. †. Chloris. der Grünfink, Grünling,
Grünschwarz, die Zwuntsche. (anthus,
florus.
Fr. le verdier. Engl. the greenfinch.)
L. flavicanti-virens, remigibus primoribus
antice luteis, rectricibus lateralibus qua-
tuor basi luteis
.

Frisch tab. 2. fig. 3. 4.

Hin und wieder in Europa.

9. Oryx. der Feuervogel. L. grisea, rostro,
fronte abdomineque nigris, collo vropy-
gioque fulvis
.

Daubenton Planches. tab. 6. fig. 2. und
tab. 134. fig. 1.

Am Cap etc. das Männchen im Frühling und
Sommer feuerroth und samtschwarz; im Herbst
und Winter hingegen von der graulichbraunen
Farbe des Weibchen.

32. Emberiza. Ammer. Rostrum
conicum, mandibulae basi deorsum a
se invicem discedentes: inferiore late
ribus inflexo-coarctata, superiore an-
gustiore
.

1. Nivalis. die Schneeammer, der Schnee-
vogel. (Fr. l'ortolan de neige. Engl. the
snow bunting
.) E. remigibus albis, primo-
ribus extrorsum nigris: rectricibus nigris,
lateralibus tribus albis
.

Frisch tab. 6. fig. 1. 2.

[Seite 190]

In der nördlichsten Erde*). Kommt nur
zum Ueberwintern nach Deutschland, wo sie
sich aber zuweilen mit ein Mahl in unermeß-
lichen Zügen sehen läßt.

2. †. Miliaria. die graue Ammer. (Fr. le
proyer
. Engl. the bunting .) E. grisea,
subtus nigro maculata, orbitis rufis
.

Frisch tab. 6. fig. 4.

Meist durch ganz Europa.

3. †. Hortulana. der Ortolan, Kornfink, die
Fettammer, windsche Goldammer. E.
remigibus nigris, primis tribus margine
albidis: rectricibus nigris, lateralibus dua-
bus extrorsum nigris
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1803

In den wärmern Gegenden von Europa und
dem benachbarten Asien.

4. †. Citrinella. die Goldammer, Gelbgans,
der Emmerling. (Fr. le bruant. Engl. the
yellow hammer
.) E. rectricibus nigrican-
tibus: extimis duabus latere interiore ma-
cula alba acuta
.

Frisch tab. 5. fig. 1. 2.

Meist durch ganz Europa.

5. Aureola. E. citrina, vertice, torque dor-
soque spadiceis, crisso albido, rectricibus
duabus utrinque extimis fascia obliqua alba.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 56.

In Sibirien, bis Kamtschatka.

5. Paradisea. die Witwe. (Fr. la veuve à
collier d'or
. Engl. the whidah bird.) E.
[Seite 191] fusca, pectore rubro, rectricibus interme-
diis quatuor elongatis acuminatis: duabus
longissimis, rostro rubro
.

Edwards tab. 86.

Hat den englischen, nachher in andern Spra-
chen aus Mißverstand verunstalteten Namen von
seiner Heimath, dem Königreich Whydah (oder
Judah) auf der guineischen Küste.

33. Tanagra. Rostrum conicum acu-
minatum, emarginatum, basi subtrigo-
num, apice declive
.

1. Jacapa. (Fr. le cardinal pourpré, le bec
d'argent
. Engl. the red-breasted black-
bird
.) T. atra, fronte, iugulo pectoreque
coccineis.

Edwards tab. 267.

In Westindien und dem benachbarten America.

34. Fringilla. Fink. Rostrum coni-
cum rectum acuminatum.

1. †. Caelebs. der Buchfink, Gartenfink,
Rothfink. Waldfink. (Fr. le pinçon. Engl.
the chaffinch.) F. artubus nigris, remigibus
utrinque albis, tribus primis immaculatis:
rectricibus duabus oblique albis.

Frisch tab. 1. fig. 1. 2.

In Europa und Africa: hat mannigfaltigen
Gesang, so daß oft die Finken in einem Revier
von sechs oder mehr Meilen in die Runde über-
ein, und in benachbarten Gegenden wieder an-
ders schlagen.

2. †. Montifringilla. der Bergfink, Tannen-
fink, Rothfink, Mistfink, Schneefink,
Winterfink, Quäkfink, Böheimer. (Fr.
[Seite 192] le pinçon d'Ardennes. Engl. the bramble.)
F. alarum basi subtus flavissima
.

Linné fauna suec. tab. 2. fig. 198.

Im nördlichen Europa. Kommt, wenn die
Buchmast gut gerathen, im Spätherbst zu vielen
Tausenden nach manchen Gegenden Deutschlands.

3. Nivalis. der Schneefink. (Fr. la niverolle)
F. fusca, subtus nivea, remigibus secunda-
riis tectricibusque albis.

Brisson vol. III. tab. 15. fig. I.

Auf dem Caucasus, und in den europäischen
Alpen.

4. †. Carduelis. der Stieglitz, Distelfink. (Fr.
le chardonneret. Engl. the goldfinch, the
thistlefinch
.) F. fronte et gula coccineis,
remigibus antrorsum flavis: rectricibus
duabus extimis medio, reliquisque apice
albis.

Frisch tab. 1. fig. 3. 4.

Fast durch ganz Europa und in den benachbar-
ten Ländern der übrigen alten Welt. Gibt mit
der Canarien-Sie schöne Bastarde*).

5. Amandava. der Fink von Bengalen. (Fr.
le Bengali piqueté. Engl. the Ahmedabad
finch
.) F. fusca rufescensque albo punctata.

Buffon vol. IV. tab. 2. fig. 1.

In Ostindien. Daß seine Knochen, wie man
behauptet, gelb seyn sollen, habe ich bey denen,
die ich zu untersuchen Gelegenheit gehabt, nicht
bestätigt gefunden.

6. Canaria. der Canarienvogel, ehedem Zuk-
kervöglein. (Fr. le serin de Canarie) F.
rostro albido, corpore subfusco, pectore
[Seite 193] flavescente rectricibus remigibusque vires-
centibus
.

Frisch tab. 12. fig. 1-4.

Scheint zu Anfang des sechszehnten Jahrhun-
derts aus den canarischen Inseln zuerst nach Eu-
ropa gebracht worden zu seyn: ist aber seitdem
daselbst in mancherley Varietäten ausgeartet.
Die wilde Stamm-Rasse ist bräunlichgrau mit
gelber Brust. Unter den übrigen sind besonders
die mit der Holle oder Federbüschchen auf dem
Kopfe (so genannte Rapp-Vögel), und die
Kackerlacken mit rothen Augen zu merken.

7. †. Spinus. der Zeisig, Erlenfink. (liguri-
nus, acanthis.
Fr. le tarin. Engl. the
siskin
.) F. remigibus medio luteis: primis
quatuor immaculatis, rectricibus basi flavis,
apice nigris
.

Frisch tab. 11. fig. 1. 2.

Nistet in den Gipfeln der hohen Tannen und
Fichten in dichten Schwarzwäldern; daher sein
Nest selten gefunden wird*).

8. †. Cannabina. der Hänfling, Leinfink, die
Artsche. (Fr. la linotte. Engl. the greater
linnet
.) F. remigibus primoribus rectrici-
busque nigris, utroque margine albis
.

Frisch tab. 9. fig. 1. 2.

In Europa und Nordamerica.

9. †. Linaria. das Citrinchen, der Flachs-
fink, Carminhänfling. (Fr. le sizerin.
Engl. the lesser linnet.) F. remigibus rectri-
cibusque fuscis, margine obsolete pallido,
litura alarum albida
.

[Seite 194]

Frisch tab. 10. fig. 3. 4.

In der ganzen nördlichen Erde.

10. †. Domestica. der Sperling, Spatz.
passer. (Fr. le moineau, Engl. the sparrow.)
F. remigibus rectricibusque fuscis, gula
nigra, temporibus ferrugineis
.

In ganz Europa und den benachbarten Län-
dern der übrigen alten Welt fast allgemein ver-
breitet. Doch, daß er sich in einzelnen Gegen-
den, wie z.B. an manchen Orten in Thüringen
(und zwar auch an solchen, wo es doch weder
an Laubholz noch Obststämmen etc. fehlt) nicht
findet. Er brütet vier Mahl im Jahre. Frey-
lich für Gärten und Feld ein schädliches Thier,
das aber doch auch unzähliges Ungeziefer vertilgt.
Zuweilen finden sich ganz weiße Sperlinge.

35. Muscicapa. Fliegenfänger. (Fr.
gobe mouche. Engl. flycatcher.) Ro-
strum subtrigonum utrinque emargina-
tum, apice incurvo; vibrissae patentes
versus fauces
.

1. †. Atricapilla. der Fliegenschnäpper. M.
nigra, subtus, frontis macula alarumque
speculo albis, rectricibus lateralibus extus
albis
.

Frisch tab. 24. fig. 1.

Hin und wieder in Europa.

36. Motacilla. Rostrum subulatum
rectum: mandibulis subaequalibus.

1. †. Luscinia. die Nachtigall. (Fr. le rossignol.
Engl. the nightingale.) M. rufo-cinerea,
armillis cinereis
.

Frisch tab. 21. fig. 1. 2.

[Seite 195]

In den mildern Erdstrichen von Europa und
Asien. Kommt im April in unsern Gegenden an,
und zieht zu Ende Augusts wieder von dannen,
man weiß noch nicht gewiß, wohin; wenigstens,
so viel bekannt, nicht nach Africa.

2. †. Curruca. die Grasmücke, der Hecken-
schmatzer, Weidenzeisig. (Fr. la fauvette.
Engl. the hedge sparrow .) M. supra fusca,
subtus albida, rectricibus fuscis: extima
margine tenuiore alba
.

Frisch tab. 21. fig. 3.

Im mildern Europa.

3. †. Ficedula. die Beccafige. (im alten Fr.
l' oyselet de Chypre.) M. subfusca, subtue
alba, pectore cinereo maculato.

Frisch tab. 22. fig. 3. 4.

In mildern und wärmern Europa, zumahl auf
Cyprus, von wannen sie wegen ihres schmack-
halten Fleisches weit verführt wird.

4. †. Alba. die weiße oder graue Bachstelze,
das Ackermännchen. (Fr. la lavandiere.
Engl. the white waterwagtail.) M. pectore
nigro, rectricibus duabus lateralibus dimi-
diato-oblique albis.

Frisch tab. 23. fig. 4.

Meist in der ganzen alten Welt.

5. Calliope. M. mustelina, olivaceo-macu-
lata, subtus ex flavescente alba, gula
miniata, linea alba nigraque cincta, loris
nigris, superciliis albis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 45.

In Sibirien, bis Kamtschatka.

6. †. Atricapilla. der Klosterwenzel, Mönch.
(Fr. la fauvette à tête noire. Engl. the
[Seite 196] black
-cap.) M. testacea, subtus cinerea,
pileo obscuro
.

Linné fauna suecica tab. 1. fig. 256.

Im mildern Europa. Einer der lieblichsten
Sangvögel.

7. †. Phoenicurus. das Rothschwänzchen,
Schwarzkehlchen. (Fr. le rossignol de
muraille
. Engl. the redstart.) M. gula
nigra, abdomine caudaque rufis, capite
dorsoque cano
.

Frisch tab. 19. fig. 1.

Hat meist gleiches Vaterland mit der Nach-
tigall; kommt und geht auch zu gleicher Zeit
mit ihr.

8. †. Rubecula. das Rothkehlchen, Roth-
brüstchen, der Rothbart. (erithacus Fr.
le rougegorge. Engl. the robin-redbreast.)
M. grisea, gula pectoreque ferrugineis.

Frisch tab. 19. fig. 2.

Meist in ganz Europa. Bleibt auch über
Winter bey uns, und wird durch Vertilgung
unzähliger schädlicher Insecten sehr nutzbar.

9. †. Suecica. das Blaukehlchen, die Schild-
Nachtigall. M. pectore ferrugineo fascia
caerulea, rectricibus fuscis versus basin fer-
rugineis.

Frisch tab. 19. fig. 2. a. b.

Zumahl am Wasser in den gebirgigen Ge-
genden der mildern alten Welt.

10. †. Troglodytes. der Zaunkönig, Zaun-
schlupfer, Schneekönig, Winterkönig.
(Engl. the wren.) M. grisea, alis nigro
cinereoque undulatis
.

Frisch tab. 24. fig. 3.

[Seite 197]

In der nördlichern Erde. Macht sich ein be-
decktes Nest, fast in Gestalt eines Backofens*),
und legt zahlreiche Eyer.

11. †. Regulus. das Goldhähnchen. (Fr. le
roitelet
.) M. remigibus secundariis exteriori
margine flavis, medio albis, crista verti-
cali crocea
.

Frisch tab. 24. fig. 4.

Ebenfalls in der nördlichern Erde. Der
kleinste europäische Vogel.

12. Sartoria. der Schneidervogel. M. tota
pallide lutea
.

J. R. Forsters Indische Zoologie tab. 8.

In Indien. Kleiner als der Zaunkönig. Hat
den Namen von der merkwürdigen Art, wie er
sein Nest aus Baumblättern verfertigt, da er
einige dürre Blätter an ein grünes am äußersten
Ende eines Zweiges gleichsam annähet, so daß
dadurch eine tutenförmige Höhlung gebildet wird,
die er mit Flaumen etc. ausfuttert.

37. Pipra. Manakin. Rostrum capite
brevius, basi subtrigonum integerrimum,
apice incurvum. Pedes gressorii
.

1. Rupicola. (Fr. le coq de roche.) P. crista
erecta margine purpurea, corpore croceo,
tectricibus rectricum truncatis
.

Edwards tab. 264.

In Guiana etc.

38. Parus. Meise. (Fr. mésange, Engl.
titmouse, Tom-tit.) Rostrum integer-
rimum, basi setis tectum
.

[Seite 198]

1. †. Maior. die Kohlmeise, Brandmeise.
(Fr. la charbonnière. Engl. the great tit-
mouse
.) P. capite nigro, temporibus albis,
nucha lutea
.

Frisch tab. 13. fig. 1. 2.

Meist durch die ganze alte Welt. Ein muthi-
ges Thier, das weit größere Vögel anfällt, an-
dern kleinen Sangvögeln die Köpfe aufhackt etc.
Man hat bey dieser und andern über Winter bey
uns bleibenden Gattungen dieses Geschlechts
angemerkt, daß dann das Horn ihres Schnabels
weit härter wird als im Sommer, das ihnen
beym Auspicken ihres Futters aus dem gefror-
nen Erdreich zu Statten kommt.

2. †. Caeruleus. die Blaumeise, Pimpelmeise,
Jungfernmeise, der Blaumüller. (Fr. la
mesange bleue
. Engl. the nun.) P. remigi-
bus caerulescentibus: primoribus margine
exteriore albis, fronte alba, vertice caeruleo
.

Frisch tab. 14. fig. 1.

Häufig in Europa. Vertilgt Jahr aus Jahr
ein unzählige Insecten.

3. †. Caudatus. die Schwanzmeise, Moor-
meise, Schneemeise. (Fr. la mesange à
longue queue
. Engl. the longtailed titmouse.)
P. vertice albo, cauda corpore longiore.

Frisch tab. 14. fig. 3.

In Europa und Westindien. Legt wohl 20
Eyer, baut sich ein sackförmiges Nest*) von
Moos, Wolle etc. und bekleidet es von außen
mit den nämlichen Baumkrätzen u.a. Moosen,
womit der Baum, an dessen Stamm sie es an-
gelegt, bewachsen ist.

[Seite 199]

4. †. Biarmicus. das Bartmännchen, der
indianische Sperling. (Fr. le moustache.
Engl. the bearded titmouse.) P. vertice cano,
cauda corpore longiore, capite barbato
.

Frisch tab. 8. fig. 3.

Im nordwestlichen Europa, England etc.

5. Pendulinus. die Beutelmeise, Pendu-
linmeise, der Remitz, Cottonvogel. (Fr.
la mesange de Pologne.) P. capite subfer-
rugineo, fascia oculari nigra, remigibus
rectricibusque fuscis margine utroque fer-
rugineo
.

J. D. Titii parus minimus Remiz de-
scriptus
. Lips
. 1755. 4. tab. 1. 2.

Hin und wieder in Oesterreich, Ober-Ita-
lien, Polen, Sibirien etc. baut sich ein beutel-
förmiges Nest von Pappelwolle etc., das sie an
einem dünnen Aste aufhängt.

39. Hirundo. Schwalbe. Rostrum
minimum incurvum, subulatum, basi
depressum
.

Die Schwalben zeichnen sich auch außer ihrer
Bildung durch ihre Lebensart etc. gar sehr von
den übrigen Thieren dieser Ordnung aus. Bey
der bekannten Streitfrage über den Winterauf-
enthalt unserer hieländischen Schwalben, zumahl
der beiden ersten Gattungen, scheint doch nach
allem, was darüber geschrieben worden, noch
manches nicht vollkommen ins Reine. Schade,
daß bey den für die eine*) oder für die an-
[Seite 200] dere*) Behauptung angeführten Erfahrungen,
die Gattungen, an welchen sie gemacht worden,
nicht bestimmt genug angegeben sind. Im gan-
zen hat doch aber immer das Wegziehen dersel-
ben nach wärmeren Gegenden bey weiten die
größte Wahrscheinlichkeit für sich.

1. †. Domestica. die Rauchschwalbe, Feuer-
schwalbe. (hirundo rustica Linn. Fr. l'hi-
rondelle de cheminée
. Engl. the house-swal-
low, chimney-swallow
.) H. rectricibus, ex-
ceptis duabus intermediis macula alba notatis,
fronte et gula spadiceis.

Frisch tab. 18. fig. 1.

Nebst der Uferschwalbe einer der weitverbreitet-
sten Vögel auf Erden. Die Benennungen dieser
und der folgenden Gattung sind bey den Syste-
matikern auf das seltsamste vermengt und verwech-
selt worden. Hier diese, mit den nackten unbefie-
derten Füßen und weißgefleckten Steuerfedern,
baut ihr offenes Nest (das oft von Wan-
zen wimmelt) an die Dachgiebel, Ställe,
Scheuern, und auf den Dörfern in den Hausären
und unter die Rauchfänge.

2. †. Agrestis. die Hausschwalbe, Fenster-
schwalbe, Mehlschwalbe, Spyrschwalbe.
(hirundo urbica Linn. Fr. l'hirondelle de
fenêtre ou de muraille, le martinet à cul blanc
.
Engl. the martin, martlet.) H. pedibus
[Seite 201] hirsutis, rectricibus immaculatis, dorso
nigro caerulescente, tota subtus alba
.

Frisch tab. 17. fig. 2.

Zumahl in der nördlichen Erde. Nistet meist
auf den Dörfern außerhalb der Häuser unterm
Dache, an den Kirchfenstern etc. Macht ihr Nest
aus Lehm-Klümpchen, oben zugewölbt.

3. †. Riparia. die Uferschwalbe, Erdschwalbe.
(Fr. l'hirondelle de rivage. Engl. the sand-
martin, shore bird
.) H. cinerea, gula ab-
domineque albis
.

Frisch tab. 18. fig. 2.

Baut in Fluß-Ufern, Lehmgruben, Sand-
hügeln etc.

4. Esculenta. die Salangane. H. rectricibus
omnibus macula alba notatis
.

Von der Größe eines Zaunkönigs. Auf den
sundaischen u.a. Inseln des indischen Archipe-
lagus bis Neu-Guinea etc. Baut da in die Ufer-
löcher und Berghöhlen die berufnen indianischen
oder Tunkinsnester, deren Stoff der Hausen-
blase ähnelt. Man sammelt jährlich wohl vier
Millionen dieser Nestchen, die größtentheils
nach Schina verkauft werden.

5. †. Apus. die Mauerschwalbe, Stein-
schwalbe, Pierschwalbe, Thurmschwalbe.
(Fr. le martinet. Engl. the black martin,
swift
.) H. nigricans, gula alba, digitis
omnibus quatuor anticis
.

Frisch tab. 17. fig. 1.

In allen drey Welttheilen der nördlichen Erde.

40. Caprimulgus. Rostrum modice
incurvum, minimum, subulatum, basi
depressum; vibrissae ciliares. Rictus
[Seite 202] amplissimus; unguis intermedius intror-
sum ciliatus
.

1. †. Europaeus. die Nachtschwalbe, Hexe,
der Ziegenmelker, Ziegensauger, Nacht-
rabe, Tagschläfer. (nycticorax. Fr. l'en-
goulevent, la tette-chevre.
Engl. the goat-
sucker, night-raven
.) C. narium tubis
obsoletis
.

Frisch tab. 101.

In der alten Welt. Ein animal nocturnum,
das im Flug seine schnurrende Stimme hören
läßt. Es lebt von Insecten, besonders von
Nachtfaltern etc. und die alte Sage, daß es den
Ziegen die Milch aussauge, ist ungegründet.


VI. GALLINAE.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze Füße
und einen convexen Schnabel, der an der
Wurzel mit einer fleischigen Haut überzogen
ist, und dessen obere Hälfte zu beiden Seiten
über die untere tritt. Sie nähren sich meist
von Pflanzensamen, die sie im Kropfe ein-
weichen, legen zahlreiche Eyer; und geben das
mehreste Hausgeflügel.

41. Columba. Taube. (Fr. und Engl.
pigeon.) Rostrum rectum versus apicem
descendens
.*)

a) Cauda aequali modica.
[Seite 203]

1. †. Oenas. die Haustaube, Feldtaube, Holz-
taube. (vinago, livia. Fr. le biset. Engl.
the stock dove.) C. caerulescens, cervice vi-
ridi nitente, dorso postico albo, fascia ala-
rum apiceque caudae nigricante.

Sylvan, v. Laurop und Fischer für d. J.
1815.

Die Holztaube ist meist in der ganzen alten
Welt zu Hause. Die in Norden ziehen im
Herbst nach etwas südlichern Gegenden. Die
in mildern Erdstrichen hingegen überwintern
scharenweise in Felsen-Klüften, kohlen Bäu-
men etc. Das wilde Weibchen brütet zwey Mahl
im Jahre, die Haustaube hingegen neun bis
zehn Mahl, so daß man von einem einzigen
Paar binnen vier Jahren 14762 Tauben ziehen
könnte. Die vorzüglichsten Abarten (wovon
doch manche für besondere Gattungen angesehen
werden) sind folgende:

a) dasypus, die Trommeltaube. (Fr. le pi-
geon pattu
. Engl. the rough-footed dove.)
mit langbefiederten Füßen. Frisch tab. 145.

b) gutturosa, die Kropftaube, der Kröpfer.
(Fr. le pigeon à grosse gorge, le grand-
gosier
, Engl. the cropper pigeon.) mit
theils ungeheuerem Kropfe. Frisch tab. 146.

c) turbita, das Möwchen. (Fr. le pigeon
cravate, à gorge frisée
. Engl. the turbit.)
mit krausen Brustfedern und ganz kurzem
Schnabel. Frisch tab. 147.

d) gyratrix, der Tümmler. (Fr. le pigeon
culbutant
, Engl. the tumbler.) mit glattem
Kopf und einem kahlen rothen Augenring:
[Seite 204] überschlägt sich im steigenden Fluge. Frisch
tab. 148.

e) cucullata, die Schleiertaube, Zopftaube.
(Fr. le pigeon nonain. Engl. the jacobine.)
mit vorwärts gerichtetem Kopf-Busche.
Frisch tab. 159.

f) laticauda, die Pfauentaube, der Hüner-
schwanz. (Fr. le pigeon paon, Engl. the
shaker
) mit aufrechtem, ausgebreitetem
Schwanze. Frisch tab. 151.

g) tabellaria. die Posttaube, Brieftaube,
türkische Taube. (Fr. le pigeon messager,
Engl. the carrier pigeon.) mit rothen
Fleischwarzen um den Schnabel und die
Augen herum. Diese Taubenart hat ihren
Namen daher, weil man sich ihrer vorzüg-
lich ehedem in der Levante bediente, um
Briefe zu überschicken*).

2. Coronata. der Kronvogel. C. caerulescens,
supra cinerea, orbitis nigris, crista erecta,
humeris ferrugineis
.

Jo. Fr. Miller fasc. III. tab. 16.

Zumahl auf Neu-Guinea und den Molucken etc.
Fast von der Größe des welschen Hahns.

3. †. Palumbus, die Ringtaube, große Holz-
taube, Schlagtaube, Plochtaube, Kohl-
taube, Holztaube. (Fr. le pigeon ramier,
Engl. the ring-dove.) C. rectricibus postice
atris, remigibus primoribus margine exte-
riore albidis collo utrinque albo
.

Sylvan, v. Laurop und Fischer für d.J.
1815.

Meist in ganz Europa.

[Seite 205]

4. †. Turtur. die Turteltaube. (Fr. la tour-
terelle
. Engl. the turtle-dove.) C. rectri-
cibus apice albis, dorso griseo, pectore
incarnato, macula laterali colli nigra lineo-
lis albis
.

Sylvan, v. Laurop und Fischer für d.J.
1815.

In den warmen und mildern Gegenden der
alten Welt. Von ihrer gepriesenen Keuschheit
und ehelichen Treue, die fabelhaften Uebertrei-
bungen abgerechnet, haben sie darin nichts vor
andern Vögeln ähnlicher Lebensart voraus.

5. †. Risoria. die Lachtaube. (Fr. la tourterelle
à collier
, Engl. the indian tourtle.) C. supra
lutescens lunula cervicali nigra
.

Frisch tab. 141.

Im mildern Europa und in Ostindien.

b) Cauda longiore cuneata.

6. Migratoria. die Zugtaube. C. orbitis de-
nudatis sanguineis, pectore rufo
.

Frisch tab. 142.

Im nordöstlichen America. Macht zur Zeit
ihrer unermeßlichen Züge, eine Haupt-Nahrung
der dasigen Indianer aus, die auch Tausende
derselben räuchern und dörren.

42. Tetrao. (Engl. grouse.) Macula
prope oculos nuda, papillosa
.

1. †. Coturnix. die Wachtel. (Fr. la caille,
Engl. the quail.) T. pedibus nudis, cor-
pore griseo maculato, superciliis albis,
rectricum margine lunulaque ferruginea
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d.J. 1802.

[Seite 206]

Fast in der ganzen alten Welt; ein Zugvogel,
der sich im Zug zuweilen in zahlloser Menge
sehen läßt.

2. †. Perdix. das Rebhuhn, Feldhuhn. (Fr.
la perdrix grise. Engl. the partridge.) T.
pedibus nudis calcaratis, macula nuda coc-
cinea sub oculis, cauda ferruginea, pectore
subfusco.

v. Wildungen Taschenbuch f. d.J. 1799.

Im mittlern Europa und in den mildern Ge-
genden des asiatischen Rußlands.

3. †. Rufus. (Fr. la perdrix rouge, la barta-
velle
.) T. pedibus nudis calcaratis rostroque
sanguineis, gula alba cincta fascia nigra
albo punctata
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d.J. 1797.

Im südlichen Europa und Orient. Wird auf
den Inseln des Archipelagus als Meyergeflügel
gehalten.

4. †. Bonasia. das Haselhuhn. (Fr. la geli-
notte
. Engl. the grous.) T. pedibus hirsu-
tis, rectricibus cinereis punctis, nigris
fascia nigra: exceptis intermediis duabus
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d.J. 1796.

Lebt einsam in den Haselgebüschen des mitt-
lern Europa. Das Schwedische (Hiärpe) ist
wohl das schmackhafteste von allem wilden Ge-
flügel.

5. †. Lagopus. das Schneehuhn, Rype. (Fr.
la gelinotte blanche. Engl. the white game.)
T. pedibus lanatis, remigibus albis, rectri-
cibus nigris, apice albis: intermediis albis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d.J. 1800.

[Seite 207]

In den alpinischen und nördlichsten Gegenden
der alten und neuen Welt. Ist im Sommer
von grauer Farbe. Namentlich ein überaus
wichtiges Thier für die europäischen Cölonisten
in Labrador und Grönland.

6. †. Tetrix. der Birkhahn. (Fr. le petit
tetras.
Engl. the black cock.) T. pedibus
hirsutis, cauda bifurcata, remigibus secun-
dariis basin versus albis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d.J. 1795.

In der nördlichern alten Welt.

7. †. Urogallus. der Auerhahn. (Fr. le coq
de bruyere, tetras
. Engl. the cock of the
wood
.) T. pedibus hirsutis, cauda rotun-
data, axillis albis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d.J. 1794.

Im nördlichern Europa; hat ein äußerst schar-
fes Gesicht und Gehör. Seine Zunge und
oberer Kehlkopf liegen tief unten im Halfe.

43. Numida. Caput cornutum, collum
compressum coloratum; palearia carun-
culacea ad latera maxillae utriusque
.

1. Meleagris. das Perlhuhn. (Fr. la peintade.
Engl. the guiney hen.) N. rostro cera in-
structo nares recipiente
.

Frisch tab. 126.

Das so wunderschön weißpunctirte Geschöpf
ist ursprünglich im nördlichen und westlichen
Africa einheimisch, aber auch längst nach Eu-
ropa und viele Gegenden von America ver-
pflanzt.

[Seite 208]

44. Menura. Cauda elongata, plana,
rectricibus 16. duabus intermediis angu-
stis, longioribus, duabus externis apice
dilatato exterius recurvo; reliquis laxis.

1. Superba. der Leyerschwanz, Schweifhahn.

Audebert et Vieillot oiseaux de Pa-
radis
tab.
14. 15. 16.

Auf Neuholland. Das Männchen wegen sei-
nes großen wundersam gebildeten schönfarbigen
Schweifes eines der prachtvollsten Thiere der
ganzen Classe.

45. Phasianus. Genae cute nuda
laevigata
.

1. †. Gallus. der Haushahn. (Fr. le coq,
Engl. the cock.) Ph. caruncula compressa
verticis geminaque gulae, auribus nudis,
cauda compressa ascendente
.

Die vermuthliche wilde Stammrasse*) ist in
Hindustan zu Hause; von rothbrauner Farbe;
und zeichnet sich durch flache hornichte Blättchen
an den Spitzen der Hals- und Flügelfedern aus
(die den zinnoberrothen Flügelblättchen des Sei-
denschwanzes ähneln). Der Haushahn hingegen
ist meist über die ganze Erde verbreitet. Doch
ist er erst durch die Spanier nach America ge-
bracht: hingegen auf vielen Inseln der Südsee
bey ihrer Entdeckung von den Europäern schon
vorgefunden worden. Das Huhn ist bey der
Menge Eyer, die es legt, und seinem oftmah-
ligen Brüten eins der allernutzbarsten Thiere der
ganzen Classe. Und die Hahnen-Gefechte längst
[Seite 209] und in mehreren Welttheilen ein beliebtes Volks-
schauspiel.

Die Hühner sind, unter den Hausthieren dieser
Classe in die allermannigfaltigsten und auffallend-
sten Rassen und Spielarten degenerirt. Theils
in wahre zum erblichen Schlag gewordene Mon-
strositäten*); sowohl per defectum (– s. oben
S. 22. –), wie der ungeschwänzte Bluthahn;
als per excessum (– a.a.O. –), wie z.B.
mit fünf oder gar sechs Zehen**).

Unter den übrigen Abarten verdienen beson-
ders bemerkt zu werden:

a) der Paduanerhahn, wohl noch einmahl
so groß als der gemeine Haushahn.

b) Der Zwerghahn, Krup-Hahn, kaum
halb so groß als der gemeine.

c) Der Strupphahn, krause Hahn, fries-
ländische Hahn, mit krausen auswärts ge-
krümmten Federn.

d) Das Wollhuhn, aus Japan, Schina etc.
Seine Federn sind schlicht, fast wie Haare,
[Seite 210] daher die Fabel von Bastarden, die von
Kaninchen und Hühnern erzeugt seyn sollten,
entstanden ist.

e) Das Negerhuhn, mit schwarzer Haut.
Vorzüglich auf St. Jago am grünen Vor-
gebirge, wo auch noch andre Vögelarten
diese Sonderbarkeit haben sollen.

2. Colchicus. der Fasan. (Fr. le faisan, Engl.
the pheasant.) Ph. rufus, variegatus, capite
viridi caerulescente, cauda cuneata genis
papillosis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d.J. 1797.

Hat den Namen vom Flusse Phasis in Min-
grelien, von da ihn die Argonauten zuerst nach
Europa gebracht haben sollen.

3. Argus. Ph. fusco-flavescens, nigro puncta-
tus et undulatus, remigum II interiorum
latere exteriore ocellato, genis nudis, oc-
cipite nigro subcristato, rectricibus 2 in-
termediis longissimis
.

Philos. Transact. vol. LV. tab. 3.

In seiner Art wohl das wunderschönste pracht-
vollste Geschöpf in der Natur. Besonders sind
die großen Augen auf den innern Schwungfedern
unbeschreiblich schön schattirt, jedem gleichsam
ein Lichtpunkt aufgesetzt etc.; mißt vom Schnabel
zur Schwanzspitze auf 9 Fuß, und ist nebst den
beiden folgenden Gattungen zumahl in Schina
zu Hause.

4. Pictus. der Goldfasan. Ph. crista flava,
pectore coccineo, remigibus secundariis
caeruleis, cauda cuneata
.

Edwards tab. 68. 69.

[Seite 211]

Bey dieser und der folgenden Gattung zeich-
nen sich die erwachsenen Männchen durch die
ausnehmende Schönheit ihres Gefieders aus.

5. Nycthemerus. der Silberfasan. Ph. albus,
crista abdomineque nigris, cauda cuneata
.

Edwards tab. 66.

46. Crax. Rostrum basi cera obductum
in utraque mandibula. Pennae caput
tegentes revolutae
.

1. Alector. der Curasso, Hocco. C. cera
flava, corpore nigro, ventre albo
.

Buffon vol. II. tab. 13.

In Guiana etc.

47. Meleagris. Caput carunculis
spongiosis tectum, gula caruncula mem-
branacea longitudinali
.

1. Gallopavo. der Truthahn, Puter, wälsche
Hahn, Kalekuter, Kuhnhahn. (Fr. le
dindon
. Engl. the turkey.) M. maris pectore
barbato
.

Im mittlern und nördlichern America, wo er
in großen Herden zu hunderten auf Bäumen
lebt, ward 1530 zuerst nach Deutschland ge-
bracht, wo er nun als Meyergeflügel gehalten
wird, und in mancherley Varietäten von weißer
u.a. Farben ausgeartet ist.

48. Pavo. Caput pennis revolutis tectum,
pennae caudales elongatae, ocellatae
.

1. †. Cristatus, der Pfau. (Fr. le paon.
Engl. the peacock.) P. capite crista com-
pressa, calcaribus solitariis
.

[Seite 212]

Ist wohl ursprünglich in Ostindien einheimisch,
und seit Alexanders des Großen Zeiten nach
Europa verpflanzt. Das Männchen zeichnet sich
vom dritten Jahre an durch die Pracht seiner
Schwanz- oder vielmehr Rücken-Federn aus. Un-
ter den Spielarten ist die weiße die auffallendste.

49. Otis. Rostrum mandibula superiore
fornicata; pedes cursorii
.

1. †. Tarda. der Trappe. (Fr. l'outarde,
Engl. the bustard.) O. maris capite iugu-
loque utrinque cristato
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d.J. 1796.

Dieser größte hieländische Vogel ist in der ge-
mäßigten alten Welt zu Hause. Das Männchen
wird wohl gegen 30 Pfund schwer, und hat vorn
am Halse einen weiten verborgenen Sack, der
sich unter der Zunge öffnet.


VII. STRUTHIONES.

Große Landvögel, mit freyen unverbunde-
nen Zehen, und kurzen zum Flug ungeschickten
Flügeln ohne Schwungfedern.

50. Struthio. Rostrum subconicum,
pedes cursorii
.

1. Camelus. der Straus. (Fr. l'autruche,
Engl. the ostrich.) S. pedibus didactylis,
digito exteriore parvo mutico, spinis ala-
rum binis
.

Latham vol. III. P. I. tab. 71.

Abbild. n.h. Gegenst. tab. 77.

[Seite 213]

Der allergrößte Vogel, der eine Höhe von
8 Fuß und darüber erreicht, und außer Africa
nur in Arabien zu Hause ist. Das Unvermö-
gen zum Flug wird bey ihm durch die ausneh-
mende Schnelligkeit seines Laufs vergütet.*)
Von seinen Eyern deren er wohl 30 legt, hält
jedes ohngefähr so viel als 24 Hünereyer. Vor-
züglich wird er durch seine Federn schätzbar.

Der americanische Straus (Str. rhea) ist
zumahl in Chili zu Hause.

2. Casuarius. der Casuar, Emeu. S. pedi-
bus tridactylis, galea palearibusque nudis,
remigibus spinosis
.

Abbild. n.h. Gegenst. tab. 97.

In Ostindien. Hat große Stärke in seiner
mittlern Klaue. Seine Federn sind hornicht und
ähneln Pferdehaaren, und es entspringen immer
zwey und zwey Schafte aus einem gemeinschaft-
lichen Kiele.

Eine eigene Gattung von Casuar ohne Helm
(Str. australis) ist neuerlich im fünften Welttheil
auf Neu-Südwallis entdeckt worden.

51. Didus. Rostrum medio coarctatum
rugis duabus transversis: utraque man-
dibula inflexo apice; facies ultra ocu-
los nuda
.

1. Ineptus. der Dudu, Dronte, Walghvogel.
(Cygnus cucullatus.) D. pedibus ambula-
toriis, cauda brevissima, pennis incurvis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 35.

Ehedem auf Ile de France und Bourbon. –
Aber nach den Versicherungen des Hrn. Morel, der
[Seite 214] deßhalb an Ort und Stelle Untersuchung ange-
stellt hat, existirt dieser Vogel jetzt nicht mehr.
Und das ist nicht unwahrscheinlich, da er das
schwerleibigste, langsamste Thier der ganzen Classe,
folglich leicht zu fangen, und doch wegen seines
widrigen Fleisches von wenig Nutzen war*).


So weit die Landvögel. Nun die
Wasservögel in II. Ordnungen.

VIII. GRALLAE.

Diese, die Sumpfvögel, haben einen
walzenförmigen Schnabel von ungleicher Länge,
hohe Stelzenartige Beine, und auch mehren-
theils einen langen Hals, aber kurzen Schwanz.
Sie halten sich in sumpfigem, moorigem Boden
auf, leben meist von Amphibien, Fischen,
Insecten und Wasserpflanzen, die mehresten
nisten auf der Erde oder im Schilf, und werden
großentheils durch ihr vorzüglich schmackhaftes
Fleisch und durch ihre Eyer nutzbar.

52. Phoenicopterus. Rostrum de-
nudatum, infracto-incurvatum, denti-
culatum, pedes tetradactyli
.

[Seite 215]

1. Ruber. der Flamingo, Flamant, Korkorre.
P. ruber, remigibus nigris.

Sylvan, v. Laurop und Fischer für d.J.
1814.

In Seegegenden der wärmern Erdstriche beider
Welten. Wird bey einem mäßig großen Körper,
aber ganz auffallend langem Halse und Beinen,
wohl mannshoch.

53. Platalea. Rostrum planiusculum;
apice dilatato, orbiculato, plano. Pedes
tetradactyli, semipalmati
.

1. Leucorodia. die Löffelgans, der Löffel-
reiher. (Fr. la spatule, Engl. the spoon-
bill
.) P. corpore albo, gula nigra, occi-
pite subcristato
.

Frisch tab. 200. u. f.

Hin und wieder, zumahl in der westlichen
alten Welt.

54. Palamedea. Rostrum conicum,
mandibula superiore adunca. Pedes
tetradactyli, fissi
.

1. Cornuta. (Kamichy, Kamoucle.) P. alulis
bispinosis, fronteque cornuta
.

Latham vol. III. P. I. tab. 74.

In den Savannen des östlichen Süd-America.

55. Mycteria. Rostrum subadscen-
dens, acutum: mandibula superiore
triquetra; inferiore trigona acuminata
adscendente; frons calua: nares linea-
res; pedes tetradactyli
.

[Seite 216]

1. Americana. (Jabiru, Touyou. Fr. la
cicogne du Bresil
.)

Latham l. c. tab. 26.

Hat mit dem vorigen Vogel gleiches Vaterland.

56. Cancroma. Rostrum gibbosum;
mandibula superiore cymbae resupinatae
forma
.

1. Cochlearia. (Fr. la cuilliere. Engl. the
boatbill
.) C. ventre rufescente.

Latham l. c. tab. 26.

Ebenfalls in Brasilien etc.

57. Ardea. Rostrum rectum, acutum,
longum, subcompressum; pedes tetra-
dactyli
.

1. Pavonina. der Kron-Branich. (Fr. l'oiseau
royal
.) A. crista setosa erecta, tempori-
bus palearibusque binis nudis.

Buffon vol. VII. tab. II.

Im südlichern Africa. Die Federn in seiner
schönen Krone sind sonderbar spiralförmig ge-
wunden.

2. †. Grus. der Kranich. (Fr. la grue. Engl.
the crane.) A. occipite nudo papilloso,
corpore cinereo, alis extus testaceis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

In der nördlichen alten Welt.

3. †. Ciconia. der Storch. (Fr. la cicogne,
Engl. the stork.) A. alba, orbitis nudis
remigibusque nigris: rostro, pedibus cute-
que sanguineis
.

In den mildern Gegenden fast der ganzen alten
Welt. Nährt sich nicht bloß von Amphibien,
[Seite 217] sondern frißt auch nutzbare Thiere, ganze Ketten
junge Rebhühner u.s.w. schleppt auch nicht sel-
ten Leinewand, Garn etc. ins Nest, um es weich
auszufuttern*).

4. †. Maior. der Reiher, Fischreiher. (Fr.
und Engl. heron.) A. occipite crista nigra
dependente, corpore cinereo, collo subtus
linea fasciaque pectoralis nigris
.

Frisch tab. 199.

Fast durchgehends in beiden Welten. Schäd-
liche Thiere, die den Fischteichen und besonders
der jungen Brut nachtheilig werden. Sie nisten
auf hohen Bäumen, Eichen etc**).

5. Garzetta. (Fr. l'aigrette.) A. occipite
cristato, corpore albo, rostro nigro, loris
pedibusque virescentibus
.

Buffon T. VII. tab. 20.

Zumahl in Persien etc. Mit den kostbaren lan-
gen, silberweißen, seidenartigen Rückenfedern.

6. †. Stellaris. die Rohrdommel, der Iprump.
(Fr. le butor. Engl. the bittern.) A. capite
laeviusculo, supra testacea, maculis trans-
versis, subtus pallidior maculis oblongis
fuscis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1808.

In den mildern Gegenden der nördlichern Erde.

[Seite 218]

58. Tantalus. Rostrum longum,
subulatum, teretiusculum, subarcua-
tum: facies nuda ultra oculos: pedes
tetradactyli, basi palmati
.

1. Ibis. (Tantalus aethiopicus Latham. Nu-
menius ibis Cuvier
.) T. albus, remigum
apicibus, rostro et pedibus nigris, remigi-
bus secundariis elongatis nigro-violaceis
.

Abbild. n.h. Gegenst. tab. 86.

Das berühmte, von den alten Aegyptern, als
Symbol der Ueberschwemmung des Nils*),
auf ihren Denkmählern verewigte, und so wie
die damahligen menschlichen Leichen zu Mumien
bereitete**) und in besondern Gewölben in größ-
ter Menge beygesetzte, aber jetzt wenigstens in
Nieder-Aegypten ziemlich seltene Thier***).

Der schwarze kleinere Ibis scheint mit dem
auch in Europa und selbst im südlichen Deutsch-
land vorkommenden Tantalus falcinellus einer-
ley zu seyn.

[Seite 219]

59. Scolopax. Schnepse. Rostrum
teretiusculum, obtusum, capite longius,
facies tecta, pedes tetradactyli, postico
pluribus articulis insistente
.

1. †. Arquata. die Brachschnepfe, das
Brachhuhn. (Numenius. Fr. le courlis.
Engl. the curlew.) S. rostro arcuato, pedi-
bus caerulescentibus, alis nigris maculis
niveis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1809.

Weit verbreitet, zumahl an den Küsten und
Ufern der nördlichen Erde.

2. †. Rusticula. die Waldschnepfe. (Fr. la
becasse
. Engl. the woodcock.) S. rostro
basi rufescente, pedibus cinereis, femori-
bus tectis, fascia capitis nigra
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1801.

In den wärmern Gegenden der nördlichern
alten Welt.

3. †. Gallinago. die Heerschnepfe, Himmels-
ziege, der Haberbock, das Haberlämmchen.
(Fr. la becassine. Engl. the snipe.) S. rostro
recto, tuberculato, pedibus fuscis, frontis
lineis fuscis quaternis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1803.

Fast durchgehends in der nördlichern Erde.

60. Tringa. Rostrum teretiusculum
longitudine capitis, digito postico uni-
articulato, a terra elevato
.

1. †. Pugnax. der Kampfhahn, Renommist,
Hausteufel. (Fr. le combattant, paon de
mer
. Engl. the ruff.) T. rostro pedibusque
[Seite 220] rubris, rectricibus tribus lateralibus imma-
culatis, facie papillis granulatis carneis
.

Frisch tab. 232. u. f.

In der nördlichen alten Welt. Hat seinen
Namen von der Streitbarkeit, mit welcher
die Männchen zur Brunstzeit gegen einander
kämpfen.

2. †. Vanellus. der Kybitz. (gavia. Fr. le van-
neau
. Engl. the bastard-plover, lapwing,
pee-wit.
) T. pedibus rubris, crista depen-
dente, pectore nigro
.

Frisch tab. 213.

Ebenfalls in der nördlichern alten Welt.

61. Charadrius. Regenpfeiffer. (Fr.
pluvier, Engl. plover.) Rostrum te-
retiusculum, obtusum. Nares lineares.
Pedes cursorii, tridactyli
.

1. †. Hiaticula. die Seelerche, der Brach-
vogel. (Fr. le pluvier à collier. Engl. the
sea-lark
.) C. pectore nigro, fronte nigri-
cante fasciola alba, vertice fusco, pedibus
luteis
.

Frisch tab. 214.

Hin und wieder an den Flüssen der nördlichen
Erde, namentlich auch auf den Sandwich-Inseln.

62. Recurvirostra. Säbelschnäb-
ler. Rostrum depresso planum, subula-
tum, recurvatum, acuminatum, apice
flexili
. Pedes palmati, tridactyli
.

1. †. Avosetta. R. albo nigroque varia.

Buffon vol. VIII. tab. 38.

[Seite 221]

In den mildern Gegenden der alten Welt etc.
nährt sich vorzüglich von Wasser-Insecten und
Gewürmen, die er mit seinem sonderbar aufwärts
gebogenen Schnabel sehr geschickt zu fangen weiß.

63. Haematopus. Rostrum compres-
sum, apice cuneo aequali; pedes
cursorii tridactyli
.

1. †. Ostralegus. der Austerdieb, Austermann,
die Meerälster. (Fr. l'huitrier. Engl. the
sea-pie, oyster-catcher
.) H. rostro pedi-
busque rubris
.

Latham vol. III. P. I. tab. 84.

Hin und wieder an den Seeufern aller Welt-
theile; nährt sich vorzüglich von Muschelthieren.

64. Fulica. Wasserhuhn. Rostrum
convexum, mandibula superiore mar-
gine supra inferiorem fornicata
; frons
calua
, pedes tetradactyli, subpinnati
.

1. Porphyrio. (Fr. la Poule Sultane. Engl.
the purple Water-hen.) F. Pedibus fissis.
fronte pedibusque rubris, corpore viridi
subtus violaceo.

Buffon vol. III. tab. 17.

Auf vielen Küsten und Inseln der wärmern
Zonen in allen fünf Welttheilen. Vom schönsten
schlanken Wuchs und prächtigen violet und grün
schillenden Gesieder. Wird leicht zahm.

2. †. Atra. das schwarze Bläßhuhn. (Fr. la
foulque, morelle
. Engl. the coot.) F. pedi-
bus pinnatis fronte incarnata, armillis
luteis, corpore nigricante
.

Frisch tab. 209.

In der mildern nördlichen Erde.

[Seite 222]

65. Parra. Rostrum teretiusculum, ob-
tusiusculum. Nares ovatae in medio
rostri. Frons carunculata, carunculis
lobatis. Alulae spinosae
.

1. Jacana. (Fr. le chirurgien, chevalier.) P.
unguibus posticis longissimis, pedibus viri-
descentibus
.

Buffon vol VIII. tab. 16.

In Westindien, Brasilien etc.

66. Rallus. Rostrum basi crassius,
compressum, dorso attenuatum apicem
versus, aequale, acutum; pedes tetra-
dactyli, fissi
.

1. †. Crex. der Wachtelkönig, Schnerz,
Wiesenschnarrer, Schars. (ortygometra.
Fr. le râle de genet. Engl. the rail, daker-
hen
.) R. alis rufo-ferrugineis.

Frisch tab. 210.

In den mildern Gegenden der alten Welt.
Wachtelkönig heißt er von der alten irrigen Sage,
als ob er dieser Vögel Heerführer im Zug sey.

67. Psophia. Rostrum cylindrico-coni-
cum, convexum, acutiusculum, mandi-
bula superiore longiore. Nares ovatae,
patulae. Pedes tetradactyli, fissi
.

1. Crepitans. die Trompete, der Agami,
Mackukawa. (Fr. l'oiseau trompette.) P.
nigra, pectore columbino
.

Latham vol. II. P. II. tab. 68.

In Süd-America, vorzüglich häufig am
Amazonen-Strom. Wird ausnehmend kirre
und ihrem Herrn zugethan.

[Seite 223]

IX. ANSERES.

Die Vögel dieser Ordnung werden durch
ihre Schwimmfüße kenntlich, die ihnen mehr
nach hinten zu sitzen, und daher zum Rudern
sehr geschickt, aber desto unbequemer zum Gehen
sind. Ihr Oberschnabel endigt sich meist in
ein kurzes Häkchen, und ist wie der untere bey
den mehresten mit einer ausnehmend nerven-
reichen Haut überzogen. (– s. oben S. 147. –)
Sie haben eine fleischige Zunge, einen rauhen
stacheligen Gaumen, und bey vielen von ihnen
haben die Männchen vorn an der Luftröhre
eine besondere knorplige oder knöcherne Kapsel.
Sie haben dichtes fettes Gefieder, das kein
Wasser annimmt, halten sich an den Ufern
des Meeres, der Seen, der Flüsse, auf
Inseln, Klippen, im Schilf etc. auf, und leben
mehrentheils in Polygamie. Sie legen mei-
stens nur Ein oder wenige Eyer; sind aber,
besonders wegen ihres Fleisches, Fettes,
Federn etc. von mannigfaltiger Nutzbarkeit.

68. Rhinchops. Rostrum rectum,
mandibula superiore multo breviore;
inferiore apice truncata
.

1. Nigra. (Fr. le bec en ciseaux, Engl. the
sea-crow, cut-water
.) R. nigricans, sub-
tus alba, rostro basi rubro
.

Brisson T. VI. tab. 21. fig. 2.

[Seite 224]

In Nord-America. Der Oberschnabel ist
kürzer als der untere und dieser liegt in jenem,
gleichsam wie ein eingeschlagenes Taschenmesser.

69. Sterna. Rostrum edentulum, subu-
latum, subrectum, acutum, compressius-
culum. Nares lineares, ad basin rostri
.

1. Stolida. die Noddy. (Fr. le fou, diable.)
S. corpore nigro, fronte albicante, super-
ciliis atris
.

Brisson T. VI. tab. 18. fig. 2.

In allen Meeren zwischen den beiden Wende-
zirkeln.

2. Hirundo. die Seeschwalbe. (Engl. the
silver-bird
.) S. cauda forficata. rectricibus
duabus extimis albo nigroque dimidiatis
.

Frisch tab. 119.

An der ganzen nördlichsten Erde.

70. Colymbus. Taucher. Rostrum
edentulum, subulatum, rectum, acumi-
natum, pedes compedes
.

1. Grylle. die grönländische Taube. (Engl.
the sea-turtle.) C. pedibus palmatis tri-
dactylis, corpore atro, rectricibus alarum
albis
.

Frisch tab. 185.

Ebenfalls an der ganzen nördlichsten Erde.

2. †. Troile. die Lumer. (Fr. le guillemot.)
C. pedibus palmatis tridactylis, corpore
fusco, pectore abdomineque niveo, remi-
gibus secundariis extremo apice albis
.

Frisch tab. 185.

An den Seeküsten der nördlichen Erde.

[Seite 225]

3. †. Urinator. (Fr. la grébe.) C. capite
laevi, palpebra inferiore lutea, macula
alarum alba
.

Edwards tab. 306. fig. 2.

Im wärmern Europa. Sein am Unterleibe
silberweißes Fell wird, so wie das vom C.
cristatus, zu Feder-Muffen, Verbrämungen etc.
verarbeitet.

71. Larus. Möve. (Fr. mouette. Engl.
gull.) Rostrum edentulum, rectum,
cultratum, apice subadunco. Mandi-
bula inferior infra apicem gibba
.

Meist an den Küsten der nördlichen Erde,
doch finden sich auch welche auf der Südsee und
zwar theils in ungeheuren Scharen.

1. †. Tridactylus. (Engl. the tarrock.) L.
albicans, dorso canescente, rectricum apici-
bus, excepto extremo, nigris, pedibus
tridactylis
.

Brisson T. VI. tab. 17. fig. 2.

Am nördlichen Ocean.

72. Plotus. Rostrum rectum, acumi-
natum, denticulatum. Facies tecta,
pedes palmati omnibus digitis connexis
.

1. Anhinga. P. ventre albo.

Willoughby tab. 72.

In Brasilien etc. Am Leibe von der Größe
einer Ente, aber mit einem sehr langen Halse,
den das Thier spiralförmig zusammen rollen und
so den Kopf gegen die Fische, die es erschnappen
will, los schnellen soll.

[Seite 226]

73. Phaëthon. Rostrum cultratum.
rectum, acuminatum, fauce pone ro-
strum hiante. Digitus posticus antror-
sum versus
.

1. Aethereus. der Tropikvogel. (Fr. la paille-
en-queue
. Engl. the tropic-bird.) P. rectri-
cibus duabus longissimis, rostro serrato,
pedibus aequilibribus: digito postico con-
nexo
.

Brisson T. VI. tab. 42. fig. 1.

An der offenbaren See, zwischen beiden
Wendezirkeln. Nährt sich meist von den fliegen-
den Fischen.

74. Procellaria. Rostrum edentu-
lum, subcompressum: mandibulis aequa-
libus: superiore apice adunco; inferiore
apice compresso-canaliculato. Pedes
ungue postico sessili absque digito
.

1. Pelagica. der Sturmvogel, Ungewitter-
vogel. (Fr. le petrel. Engl. the tempest-
bird, stormfinch, mother cary's chicken
.)
P. nigra, vropygio albo.

Linné fauna suecica. tab. 2. fig. 143.

Sowohl im nördlichen als südlichen Ocean.
Meist in offener freyer See fern vom Lande auf
Klippen, und die Schiffer sehen es gemeiniglich
als Zeichen eines bevorstehenden Sturms an,
wenn er sich von da nach den Schiffen flüchtet.
Die Einwohner der Färöer bedienen sich seiner
statt Lampe, indem sie ihm bloß einen Docht
durch den Körper ziehen und anbrennen, da dann
die Flamme von dem vielen Fette, das allmäh-
lich hinein zieht, lange Zeit unterhalten wird.

[Seite 227]

75. Diomedea. Rostrum rectum: ma-
xilla superiore apice adunca; inferiore
truncata
.

1. Exulans. der Albatros. (Fr. le mouton
du cap
) D. alis pennatis longissimis, pe-
dibus aequilibribus tridactylis
.

Edwards tab. 88.

Von der Größe eines Schwans, hält aber
mit ausgespannten Flügeln wohl 11 Fuß Breite,
fliegt auf 500 deutsche Meilen von irgend einem
Lande entfernt, aber selten höher als 10 bis 20
Fuß über der Meeres-Fläche. Nährt sich großen-
theils von fliegenden Fischen*).

76. Pelecanus. Rostrum rectum:
apice adunco, unguiculato: pedes ae-
quilibres: digitis omnibus quatuor simul
palmatis
.

a) Rostro edentulo.

1. †. Onocrotalus. die Kropfgans, der Peli-
can. (Fr. und Engl. pelican.) P. gula
saccata
.

Ein Blatt von J. E. Ridinger. 1740.

In den wärmern Gegenden aller fünf Welt-
theile, (wenn anders die americanische Kropf-
gans nicht specifisch von der in der alten Welt
verschieden ist). Hat den griechischen Namen
von ihrer Eselstimme, den deutschen aber von
dem ungeheueren beutelförmigen Kropfe, der ihr
am Unterschnabel hängt, und sich so ausdehnen
läßt, daß er wohl 20 Pfund Wasser fassen kann.

[Seite 228]

2. Aquilus. die Fregatte. (Fr. le tailleur.
Engl. the man of war bird.) P. alis amplissi-
mis, cauda forficata, corpore nigro, rostro
rubro, orbitis nigris
.

Edwards tab. 309.

Hat in der Bildung und Lebensart viel Aehn-
liches mit dem Albatros: nur noch längere Flü-
gel, die ausgespannt auf 14 Fuß klafftern, und
dem fliegenden Thier ein sonderbares Ansehn
geben.

3. Carbo. die Scharbe, der Seerabe. (Fr.
und Engl. cormoran.) P. cauda rotundata,
corpore nigro, rostro edentulo, capite
subcristato
.

Frisch tab. 187.

Meist in allen fünf Welttheilen. Den Fischen
sehr nachtheilig. Vermehrt sich zuweilen an
Küsten, wo er sonst unbekannt war, binnen
wenigen Jahren zu vielen Tausenden.

Eine ihr sehr ähnliche Gattung (Pelecanus
sinensis
) wird in Schina zum Fischfang abge-
richtet. (– Abbild. n. h. Gegenst. tab. 25. –)

b) Rostro serrato.

4. Bassanus. die Rothgans. (Fr. le fou de
bassan
. Engl. the gannet, the soland goose.)
P. cauda cuneiformi, corpore albo, ro-
stro remigibusque primoribus nigris, facie
caerulea
.

Brisson T. VI. tab. 44.

Häufigst im Norden von Europa und America,
zumahl auf den schottischen Inseln, und nament-
lich auf Baß*), wovon diese Gans den Namen
führt. Macht die Hauptnahrung der armen
[Seite 229] Insulaner auf St. Kilda, deren Weiber auch
die abgestreifte Haut dieses Vogels statt Schuhe
tragen, die zwar nur ohngefähr fünf Tage
halten aber auch augenblicklich wieder durch
neue ersetzt sind.*)

77. Anas. Rostrum lamelloso-dentatum,
conuexum, obtusum: lingua ciliata,
obtusa
.

1. †. Olor. der Schwan, Elbsch. (Fr. le
cygne
. Engl. the swan, elk.) A. rostro
semicylindrico atro, cera nigra, corpore
albo
.

Frisch tab. 152.

In der nördlichen alten Welt: nährt sich von
Fröschen, Wasserpflanzen etc. Man muß diesen,
den so genannten stummen oder zahmen Schwan,
von dem so genannten wilden. A. cygnus (mit
gelber Haut an der Schnabelwurzel und weit
längerer krummlaufender Luftröhre), unter-
scheiden. Dieser letztere gibt einen hellen weit
schallenden nicht unangenehmen Ton von sich.

Der schwarze Schwan mit weißen Schwung-
federn (A. nigra) ist an den Küsten des fünften
Welttheils zu Hause. Bey Botanybay sowohl
als an der Westküste, wo das schöne Thier schon
1697 gefunden und beschrieben worden**).

2. Cygnoides. die spanische, türkische oder
schinesische Gans. (Fr. l'oye de Guinée.
Engl. the swan-goose, chinese goose.) A.
[Seite 230] rostro semicylindrico: cera gibbosa palpe-
bris tumidis
.

Frisch tab. 153. 154.

Auf Guinea, am Cap, dann in Sibirien und
Schina, und wie es scheint auch auf den Sand-
wich-Inseln des stillen Oceans. Man unter-
scheidet mehrere Varietäten.

3. †. Anser. die Gans. (Fr. l'oye. Engl. the
goose
) A. rostro semicylindrico, corpore
supra cinereo, subtus pallidiore, collo
striato
.

Meist in allen fünf Welttheilen wild. Hat un-
ter den warmblütigen Thieren wohl das schnellste
Wachsthum. Unter den zahmen soll es wohl
häufig völlig schneeweiße Ganserte, aber nur
selten eine ganz weiße weibliche Gans geben.

4. Canadensis. die Hudsonsbay-Gans. (Engl.
the grey goose.) A. cinerea, capite collo-
que nigris, genis gulaque albis
.

Edwards tab. 151.

Im kältern Nordamerica. Sehr gesucht wegen
ihrer ausnehmenden Flaumen zu Betten. Gibt
auch vorzügliche Schreibfedern.

5. Bernicla. die Baumgans, Rothgans, schot-
tische Gans. A. fusca, capite collo pecto-
reque nigris, collari albo
.

Frisch tab. 156.

In den kältesten Ländern der nördlichen Erde;
kommt bloß zum Ueberwintern nach Schottland
und andern mildern Gegenden, wo sie sich un-
ter andern von dem Thier der Entenmuschel
(Barnacle, Lepas anatisera) nährt, daher die
alte seltsame Fabel entstanden, daß dieser Vogel
[Seite 231] nicht aus einem Ey, sondern aus einer Muschel
hervor komme u.s.w.*)

6. Mollissima. der Eidervogel. (Fr. l'oye à
duvet
. Engl. the eiderduck, cuthbert duck.)
A. rostro cylindrico, cera postice bifida,
rugosa
.

Brünnichs N. H. des Eidervogels. tab. 1. u. f.

In der nördlichen Erde, zumahl häufig auf
Island und in Grönland. Sein Fleisch und
Eyer sind sehr schmackhaft; noch wichtiger aber
ist sein Fell, womit man Kleider futtert, und
die Flaumfedern, die unter dem Namen der
Eiderdunen bekannt sind.

7. †. Boschas. die Ente. (Fr. le canard. Engl.
the duck, mallard.) A. rectricibus inter-
mediis
(maris) recurvatis, rostro recto.

Frisch tab. 158. u. f.

Die wilde Ente findet sich fast in in der ganzen
nördlichen Erde, theils in ungemein schönen
Spielarten. Die zahme (A. domestica) scheint
große Neigung zu unnatürlicher Paarung zu
haben, so daß z.B. die Entriche aus Hühner
erpicht sind und v. v. Enten den wälschen Hah-
nen nachlaufen und sie zu reitzen suchen.

8. †. Clypeata. die Löffelente. (Fr. le souchet.
Engl. the shoveler.) A. rostro extremo
dilatato rotundato; ungue incurvo
.

Frisch tab. 161. u. f.

[Seite 232]

Hat meist gleiches Vaterland mit der vorigen.
Die Ränder des Schnabels sind nach innen
mit hornigen Borsten besetzt, fast wie kleine
Wallfischbarden.

78. Mergus. Taucher, Wasserhuhn.
Rostrum denticulatum, subulato-cylin-
dricum, apice adunco
.

1. †. Merganser. der Kneifer (Fr. l'harle.
Engl. the goos-ander.) M. crista lon-
gitudinali erectiuscula: pectore albido
immaculato, rectricibus cinereis scapo
nigricante
.

Frisch tab. 190.

In der ganzen nördlichen Erde. So wie an-
dere Gattungen dieses Geschlechts ein schädliches
Thier für Fischteiche, zumahl zur Leichzeit.

79. Alca. (Engl. auk.) Rostrum edentu-
lum, breve, compressum, convexum,
transverse sulcatum: mandibula inferior
ante basin gibba
.

Das ganze Geschlecht an den Küsten und
Klippen der nördlichen Erde.

1. Arctica. der Papageytaucher. (Fr. le ma-
careux
. Engl. the puffin.) A. rostro com-
presso-ancipiti, sulcato sulcis
4, oculorum
orbita temporibusque albis, palbebra supe-
riore mucronata
.

Nistet in Erdhöhlen, oder wühlt sich auch
selbst so ein unterirdisches Lager.

80. Aptenodytes. Fettgans, Pinguin.
(Fr. manchot.) Rostrum compressiuscu-
[Seite 233] lum, subcultratum, longitudinaliter
oblique sulcatum; mandibula inferior
apice truncato: alae impennes, pinni-
formes
.

Ihr glattes glänzendes Gefieder, die gleich-
sam flossenähnlichen, schuppigen, kleinen Flügel,
und ihr gerader, fast aufrechter Gang geben
diesen Thieren ein sonderbares Ansehen, deren
verschiedne Arten an den südlichen Küsten und
Inseln von Africa und America, so wie andere
um Neu-Holland, Neu-Guinea, und Neu-See-
land zu Hause sind*). Finden sich theils in
zahlloser Menge beysammen.

1. Chrysocome. A. rostro rufo-fusco, pedibus
flavescentibus, crista frontali atra erecta,
auriculari deflexa flava
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 46.

Auf den Falklands-Inseln, Neu-Holland etc.

2. Demersa. A. rostro pedibusque nigris,
superciliis fasciaque pectorali albis
.

Edwards tab. 94.

Häufig am Cap etc.


Sechster Abschnitt.
Von den Amphibien.

[Seite 234]

§. 81.

Die Säugethiere und die Vögel unterscheiden
sich beides durch die Wärme ihres Bluts
(§. 23. und 40.) und durch die größere Menge
desselben von den Amphibien und Fischen.

§. 82.

Die Amphibien aber ähneln doch darin
noch den warmblütigen Thieren, und zeichnen
sich hingegen von den Fischen vorzüglich da-
durch aus, daß sie wie jene auch noch durch
Lungen Luft schöpfen; obgleich dieselben von
weit lockerer Textur, und auch ihre Athemzüge
weit unbestimmter, und so zu sagen unordent-
licher sind als bey den beiden Classen mit war-
mem Blute. Auch können sie das Athemhohlen
weit länger entbehren als diese, weit länger
im so genannten luftleeren Raume, oder auch
in eingesperrter Luft (wie z.B. Kröten in einer
engen Höhle mitten in Baumstämmen oder
Steinblöcken) und selbst geraume Zeit in einer
Atmosphäre von kohlengesäuerter Luft aus-
halten, und auffallende Extreme von Hitze
[Seite 235] und von Kälte ausdauern, so daß man z.B.
ungezweifelte Beyspiele von Wassermolchen und
Fröschen hat, die sowohl im Magen und
Darmcanal von Menschen gelebt haben, als
auch ihrem Leben unbeschadet in dichte Eis-
schollen eingefroren sind.

§. 83.

Und eben weil die Amphibien mit Lungen
versehen sind, so sind sie auch noch fähig
Stimme von sich zu geben: doch scheinen
einige (wie z.B. unter den hieländischen der
wahre Salamander, die grüne Eidexe, die
Blindschleiche etc.) gänzlich stumm zu seyn.

§. 84.

In Rücksicht der Bildung überhaupt
herrscht vorzüglich die doppelte Verschieden-
heit unter den Amphibien, daß sie entweder,
wie die Schildkröten, Frösche, Eidexen etc.
mit vier Füßen versehen sind; oder aber, als
Schlangen einen langgestreckten, cylindrischen
Körper ohne alle äußere Bewegungswerk-
zeuge haben.

§. 85.

Die äußern Bedeckungen sind bey den
Amphibien mannigfaltiger als bey den warm-
blütigen Thieren. Einige sind mit einer
knochigen Schale überzogen: andre mit horn-
artigen Reifen, oder mit zahlreichen kleinen
[Seite 236] Schildchen, oder mit Schuppen bedeckt: und
noch andre haben eine nackte nur mit Schleim
überzogene Haut. Die mehresten häuten sich
von Zeit zu Zeit. Manche, wie z.B. der
Laubfrosch und verschiedene Eidexen, besonders
der Chamäleon, ändern auch zuweilen plötzlich
ihre Farbe.

§. 86.

Den mehresten Amphibien ist, wie schon
die Benennung der ganzen Classe andeutet,
Wasser und Land zum gemeinschaftlichen Auf-
enthalt angewiesen. Manche gehen willkür-
lich in beiden ihren Geschäften und ihrer Nah-
rung nach. Andre hingegen bringen entweder
eine bestimmte Periode ihres Lebens, oder ge-
wisse Jahrszeiten bloß in einem von beiden zu.
Endlich sind aber auch manche entweder bloß
für das Wasser, und nicht für beides zugleich
bestimmt.

§. 87.

Manche Amphibien, zumahl unter den
Schildkröten und Schlangen, leben von sehr
gemischter Nahrung: andre hingegen, wie
der Laubfrosch, Chamäleon etc. sind sehr eigen
in der Wahl ihrer Speisen, gehen z.B. bloß
lebende Insecten von einigen wenigen bestimm-
ten Gattungen an. In der Gefangenschaft
nehmen viele gar keine Nahrung zu sich und
können dann zum Wunder lange fasten: ich
[Seite 237] selbst habe z.B. Salamander auf acht Monathe
lang ohne Speise und selbst ohne daß sie dabey
beträchtlich abgezehrt wären, erhalten: und
von Schildkröten weiß man, daß sie gegen
anderthalb Jahre ohne alle Nahrung ausdauern
können.

§. 88.

Die bey vielen Amphibien so ganz ausneh-
mende Leichtigkeit und Stärke ihrer Repro-
ductionskraft (§. 19.), hat, wo ich nicht
irre, in der obgedachten Stärke ihrer Nerven
und hingegen respectiven Kleinheit ihres Ge-
hirns (§. 29.) einen Grund; da folglich die
erstern von letzterem minder abhängig sind;
und überhaupt die ganze Maschine zwar schwä-
chere Mobilität, weniger consensus zeigt, das
ganze Leben der Amphibien einfacher, und mehr
bloß vegetativ scheint, als bey den warmblüti-
gen Thieren, – aber dagegen die Glieder mehr
mit eigenthümlicher, independenter Lebenskraft
versehen sind. Und da folglich bey dieser mehr
eigenthümlichen Lebenskraft der einzelnen Theile,
nicht gleich jeder Stimulus, der auf Einen
Theil, oder auf Ein System wirkt, sogleich,
wie bey den warmblütigen Thieren, andere
in Consensus zieht, so erklärt sich auch wohl
überhaupt daher ihr zähes Leben, so daß
Frösche, denen das Herz ausgerissen ist, doch
noch umher hüpfen, und Schildkröten, denen
das Gehirn aus dem Kopfe genommen wor-
[Seite 238] den, noch Monathe lang leben können; daher
auch wohl die anhaltende Beweglichkeit der
den Amphibien abgeschnittenen Theile, wie
z.B. der Schwänze von Wassermolchen,
Blindschleichen etc.*)

§. 89.

Zu Waffen und Vertheidigungsmitteln
dient manchen Amphibien, zumahl unter den
Schlangen, ihr Gift; dem Salamander, der
Feuerkröte etc. ihr milchichter Hautschaum den
sie im Nothfall von sich geben; vielen auch wohl
der specifike Geruch, den sie verbreiten; so zu-
mahl manche Schlangen, Kröten, Eidexen etc.

§. 90.

Die äußern Sinne scheinen bey den mehre-
sten Amphibien von keiner sonderlichen Schärfe
zu seyn. – Unter den innern zeichnet sich doch
bey vielen das Gedächtniß aus, da man Bey-
spiele selbst von Crocodilen und Kröten hat,
die ihre Wohlthäter kennen gelernt und kirre
geworden, und vollends viele Schlangen be-
kanntlich sich zu allerhand Gaukeleyen abrichten
lassen. Hingegen finden sich bey den Thieren
dieser Classe nur sehr wenige Spuren von
wahren Kunsttrieben. (§. 36.)

§. 91.

[Seite 239]

Auch scheinen die wenigsten Amphibien einen
täglichen Erhohlungsschlaf zu halten; –
dagegen aber wohl alle die kältern Wintermo-
nathe in Erstarrung zuzubringen; und das zwar
theils einzeln, theils wie unsere hieländischen
Frösche und Salamander, in Haufen. Doch
können auch diese gar leicht des Winterschlafs
entbehren, und Jahr aus Jahr ein wachend
im Zimmer erhalten werden.

§. 92.

Das Fortpflanzungsgeschäft der Am-
phibien hat ungemein viel Sonderbares. Der
Paarungstrieb ist bey vielen so heftig, daß man
z.B. Frösche gesehen hat, die in Ermangelung
eines Weibchens andre männliche Frösche oder
Kröten oder gar todte Weibchen besprungen
haben. Bey den mehresten Fröschen und See-
Schildkröten dauert die Paarung mehrere Tage,
ja Wochen lang. Die Vipern schlängeln sich
in der Paarung mit dem Hinterleibe aufs in-
nigste um einander, und züngeln dabey mit
gebogenem Halse auf einander los. Die Was-
sermolche hingegen umfassen einander gar nicht,
sondern das Männchen schwimmt zur Brunst-
zeit bloß um sein Weibchen herum und be-
spritzt die Eyerchen, so wie es dieselben von
sich gibt, von der Ferne.

§. 93.

[Seite 240]

Die Amphibien sind, bis auf sehr wenige
Ausnahmen, Eyerlegende Thiere. Aber
manche, zumahl unter den Schlangen etc. geben
die Eyer nicht eher von sich, als bis das
darin befindliche Junge schon meist seine völlige
Ausbildung erhalten hat. Die Pipa heckt
ihre Junge auf dem Rücken aus.

Anm. Ein Salamander, den ich wenigstens vom
Ende des Sommers an ganzer vier Monathe
lang völlig isolirt in einem Glase gehalten, hat
hierauf um Neujahr herum ganz unerwartet bin-
nen wenigen Tagen 34 Junge geheckt, so daß
folglich hier eine ehemahlige Befruchtung, auf
eine noch weit längere Zeit hinaus als bey den
Hühnern, ihre Wirksamkeit erhalten muß.

§. 94.

Die Frösche und Eidexen, die im Wasser
jung werden, kommen nicht gleich in ihrer
vollkommenen Gestalt, sondern als so genannte
Larven zur Welt, und müssen sich erst noch
einer Art von Metamorphose unterziehen,
ehe sie die Ausbildung und den völligen Ge-
brauch aller ihrer Gliedmaßen erlangen. Die
kleinen Frösche z.B. (die so genannten Kaul-
quappen, gyrini, Fr. tétards, Engl. toad-
poles
) haben anfangs noch keine Füße, son-
dern dafür einen langen Ruderschwanz: auch,
so wie die jungen Salamander, eine Art von
Fischkiemen (branchiae oder Swammer-
dam's appendices fimbriatae) zu beiden
[Seite 241] Seiten des Halses; ferner zum Theil eine
kleine Saugeröhre an der Unterlefze u. dergl. m.
Lauter Theile, die nur für den Larvenstand des
zarten jungen Thieres bestimmt sind und mit
der zunehmenden Reife desselben allgemach
schwinden*).

§. 95.

Die Amphibien haben ein langsames
Wachsthum; so daß z.B. unsere hieländi-
schen Frösche meist erst im vierten Jahre
mannbar werden: und doch erreichen diese nur
ein, nach Verhältniß dieser späten Pubertät,
nicht beträchtliches Alter von 12 bis 16 Jahren.
Hingegen weiß man, daß Schildkröten selbst
in der Gefangenschaft über 100 Jahre gelebt
haben, so daß hiernach zu schließen, die
[Seite 242] Crocodile und großen Schlangen etc. wohl zu
einem noch höhern Alter gelangen können.

§. 96.

Die Benutzung der Amphibien fürs
Menschengeschlecht ist ziemlich einfach; aber
für manche Gegenden theils äußerst beträcht-
lich. Zumahl der Genuß der Schildkröten
und ihrer Eyer, so wie auch verschiedener
Frösche und Eidexen etc. – auch von Schild-
kröten Thran; Schildpatt zu Kunstarbei-
ten; gegerbte Alligatorshäute zu schönen Sat-
teln etc. –

§. 97.

Schädlich werden manche ungeheuere
Thiere dieser Classe, die Crocodile, Wasser-
schlangen etc. durch ihre Größe, und andere,
zumahl unter den Schlangen, durch ihr Gift,
das in keiner andern Thierclasse von einer so
gefahrvollen Heftigkeit ist.

§. 98.

Die ganze Classe zerfällt bloß in zwey
Ordnungen:

I. Reptiles. Die Amphibien mit vier
Füßen. (Die quadrupeda ovipara der
[Seite 243] ältern Naturforscher) – Schildkröten,
Frösche, Eidechsen. Und

II. Serpentes. Die Schlangen, ohne alle
äußere Bewegungswerkzeuge. (§. 84.)

* * *

Einige wenige Quellen zur N. G. dieser
Classe:

  1. Alb. Seba rerum naturalium thesaurus. Amst. 1734.
    1765. IV. vol. gr. Fol. (– hierher gehören bloß
    die beiden ersten Bände.)
  2. Joh. Nic. Laurenti synopsis reptilium emendata.
    Vindob
    . 1786. 8.
  3. C. de la Cepède histoire naturelle des quadrupèdes
    ovipares et des serpens
    . Paris
    . 1788. II. vol. 4.
  4. Deutsch, mit Anmerk. und Zusätzen von J. M. Bech-
    stein. Weim. 1800. V. Th. 8.
  5. G. Ad. Suckow Anfangsgründe der N. G. der Thiere.
    III. Th. Leipzig 1798. 8.
  6. J. Gottl. Schneider historiae amphibiorum naturalis
    et literariae
    Fasc.
    I. II. Jen. 1799. 1801. 8.
  7. Fr. Tiedemann, M. Oppel und Jos. Liboschitz N. G.
    der Amphibien. Heidelb. seit 1817. Fol.

I. REPTILES.

[Seite 244]

Alle Thiere dieser Ordnung sind (wenigstens
wenn sie ihre vollkommene Gestalt erlangt ha-
ben) mit vier Füßen versehen, die nach dem
verschiednen Aufenthalt dieser Thiere entweder
freye (pedes digitati), oder durch eine
Schwimmhaut verbundene (palmati), oder
gar wie in eine Flosse verwachsene Zehen
(pinnati) haben.

1. Testudo. Schildkröte. (Fr. tortue.
Engl. tortoise, die See-Schildkröten aber
turtle, Span. galápago) Corpus testa
obtectum, cauda
(plerisque) brevis,
os mandibulis nudis edentulis
*).

Die mehresten Schildkröten sind mit einer
knochigen sehr festen Schale bedeckt, deren Ober-
theil mit dem Rückgrath und den Rippen des
Thiers verwachsen, und mit den breiten hornigen
Schuppen belegt ist, die bey manchen Gattun-
gen so stark und schönfarbig sind, daß sie zu
Kunstsachen verarbeitet werden. Gewöhnlich lie-
gen 13 dergleichen Schuppen in der Mitte, und
24 um den Rand herum. Der Untertheil oder
das Bauchschild ist etwas kleiner, als das obere,
und mit Ausschnitten für Kopf, Schwanz und
Füße versehen. – Ueberhaupt aber dient die
so ganz ausgezeichnete eigenthümliche Bildung
[Seite 245] dieses dadurch gleichsam isolirten Geschlechts zu
einer bedeutenden Instanz gegen die vermeinte
Stufenfolge in der Natur.

1. Membranacea. T. pedibus palmatis, un-
guiculis tribus, testa orbiculari ovata, mem-
branacea, grisea, striata, scabra
.

Schneider l. c. tab. 1.

In Guiana.

2. Imbricata. die Carette. (Engl. the hawks-
bill turtle
.) T. pedibus pinniformibus, testa
cordata subcarinata, margine serrato: scutel-
lis imbricatis latiusculis, cauda squamata
.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils,
im Anhang tab. 42.

In beiden Indien; auch im rothen Meere.
Gibt das beste Schildpatt*).

3. Mydas. die grüne oder Riesen-Schild-
kröte. (viridis Schneider. Fr. la tortue
franche
. Engl. the green turtle.) T. pedi-
bus pinniformibus, marginibus maxillarum
dentatis, testa ovata
.

Schöpff tab. 17. fig. 2.

Diese See-Schildkröte hält zuweilen 8 Cent-
ner am Gewicht. Sie hat ihren gewöhnlichern
Namen von ihrer blaß-olivengrünlichen Schale
und der auffallend grünen Farbe ihres schmack-
haften Fettes. Lebt bloß vom Seetang u. dergl.
Vegetabilien, daher ihr ausnehmend schmack-
haftes gar nicht thraniges Fleisch.

4. †. Orbicularis. die gemeine Flußschild-
kröte (europaea Schneid.) T. pedibus
palmatis, testa orbiculata planiuscula
.

[Seite 246]

Im mildern Europa.

5. Graeca. T. pedibus subdigitatis, testa
postice gibba: margine laterali obtusissimo,
scutellis planiusculis
.

Abbild. n.h. Gegenst. tab. 66.

Im südlichen Europa und nördlichen Africa.

6. Geometrica. T. pedibus posticis palmatis,
testae scutellis elevatis truncatis
.

Schöpff tab. 10.

In Ostindien, und am Cap. Ungefähr von
der Größe einer flachen Hand: hat wegen ihres
regelmäßigen schwarz und gelb gezeichneten, hoch-
gewölbten Rückenschildes ein artiges Ansehen.

2. Rana. Frosch (Fr. grenouille. Engl.
frog.) nud Kröte (Fr. crapaud. Engl.
toad.) Corpus nudum pedibus quatuor
posticis longioribus
*).

1. Pipa. R. corpore plano, rostro spathi-
formi, digitis anticis muticis quadridentatis,
posticis unguiculatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 36.

In den Gewässern von Guiana. Wird durch
die überaus sonderbare und ganz anomalische
Weise, mit der die Mutter ihre Junge aus-
heckt, merkwürdig. Das Männchen streicht
nämlich den Leich, den das Weibchen vorher
auf die gewöhnliche Art von sich gegeben, dem-
selben auf den Rücken, und befruchtet sie hier-
auf mit seinem Samen. Die Eyerchen verwach-
[Seite 247] sen nachher gleichsam in der Haut der Mutter,
bis nach Verlauf von beynahe drey Monathen
die darin befindlichen anfangs geschwänzten Kaul-
quappen*) zum Ausbruch reif sind, und nach-
dem ihr Schwanz allgemach verschwunden und sie
dagegen ihre vier Füße erhalten, den Rücken
ihrer Mutter verlassen können.

2. Cornuta. R. palpebris conicis.

Seba vol. I. tab. 72. fig. 1. 2.

In Virginien; hat wegen seiner großen stieren
Augen, und der ungeheueren tutenförmigen obern
Augenlider ein abenteuerliches Ansehen.

3. Ocellata. (Engl. the bull-frog.) R. auri-
bus ocellatis, pedibus muticis
.

Catesby vol. II. tab. 72.

In Nord-America. Fast von der Größe eines
Meerschweinchens. Hat den englischen Namen
von seiner starken Stimme.

4. Paradoxa. die Jackie. (Rana piscis.) R.
femoribus postice oblique striatis
.

Seba vol. I. tab. 78.

Im südlichen America. Die Larve (§. 95.)
erreicht eine fast spannenlange Größe, ist dann
viel größer als der ausgebildete, zu seiner Reise
gelangte Frosch, und hat in jenem Larvenzustande
zu einer alten Sage, von Fröschen, die sich in
Fische verwandelten, Anlaß gegeben. Auch nach-
dem schon die vier Beine ihre ganze Größe und
Ausbildung erhalten haben, bleibt das Thier
doch noch geraume Zeit geschwänzt.

5. †. Bufo. die Kröte. R. corpore ventri-
coso verrucoso lurido fuscoque
.

[Seite 248]

Rösel tab. 20. 21.

Daß ihr Harn ein heftiges Gift seyn soll, ist
ungegründet. Hingegen ist es unläugbar, daß
man verschiedentlich lebendige Kröten mitten
in durchsägten Baumstämmen, oder in Stein-
blöcken etc. angetroffen hat.

6. †. Bombina. die Feuerkröte. R. corpore
verrucoso, abdomine aurantio-caesio ma-
culato, pupilla triquetra
.

Rösel tab. 22.

Am Bauche schön blau und gelb gemarmelt,
hüpft fast wie ein Frosch.

7. †. Portentosa. die Haus-Unke. (Bufo
calamita , Laurent
). R. verrucosa, linea
dorsali flava, lateralibus rufescentibus.

Rösel tab. 24.

In feuchten Kellern, Ufer-Höhlen etc. kommt
selten zum Vorschein: gibt aber einen eignen
dumpfen Laut von sich, der allerhand aber-
gläubige Sagen veranlaßt hat.

8. †. Temporaria. der braune Grasfrosch.
R. subfusca dorso planiusculo subangulato.

Rösel tab. 1-8.

Im Gras und Gebüsch etc. von da die Jungen
nach warmen Sommer-Regen haufenweise her-
vorkriechen, da dann ihre plötzliche Erscheinung
wohl zu der alten Sage vom Froschregen Anlaß
gegeben haben mag.

9. †. Esculenta. der grüne Wasserfrosch, Rö-
ling, Marxgöker. R. viridis, corpore an-
gulato, dorso transverse gibbo, abdomine
marginato.

Rösel tab. 13-16.

In Teichen und Sümpfen. Die Männchen
quaken laut, zumahl des Abends bey schönem
[Seite 249] Wetter, und treiben dabey zwey große Blasen
hinter den Maulwinkeln auf. Sie sind schlau und
muthig, verzehren Mäuse, Sperlinge, und selbst
junge Enten, Forellen etc. und können sogar über
große Hechte Herr werden. Zur Begattungszeit be-
kommen die Männchen dieser und der vorigen
Gattung schwarze warzige Ballen an den Dau-
men der Vorderfüße, womit sie sich äußerst fest
um ihrer Weibchen Brust klammern können.

10. †. Arborea. der Laubfrosch. (calamites,
hyla.
Fr. la raine, grenouille de St. Mar-
tin, le graisset
). R. corpore laeui, subtus
granulato, pedibus fissis, apicibus digito-
rum lenticulatis
.

Rösel tab. 9-12.

Fast in ganz Europa (doch nicht in England),
auch in America etc. Der klebrige Schleim, wo-
mit er wie die Schnecken überzogen ist, dient
ihm bey seinem Aufenthalt am Laub der Bäume,
zur Haltung. Die erwachsenen Männchen, die
an ihrer braunen Kehle kenntlich sind, haben
eine laute Stimme, die sie, wenn das Wetter
sich ändern will, aber auch außerdem zur Paa-
rungszeit von sich geben. Sie blähen dabey die
Kehle zu einer großen Blase auf.

3. Draco*). Corpus tetrapodum cau-
datum, alatum
.

1. Volans. die fliegende Eidechse. D. brachiis
ab ala distinctis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 98.

In Ostindien und Africa.

[Seite 250]

4. Lacerta. Eidechse. (Fr. lezard.
Engl. lizard) Corpus elongatum, pe-
dibus quatuor aequalibus
.

1. Crocodilus. der (eigentliche) Crocodil.
(Crocodilus vulgaris Cuv.) L. rostro ae-
quali, scutis nuchae 6. squamis dorsi qua-
dratis, sex-fariam positis, pedibus posticis
palmatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 26. 27.

Zumahl häufig in den größern Strömen von
Africa (namentlich im Ober-Nil und im Niger).
Das größte Thier der süßen Wasser, das wohl
eine Länge von 30 Fuß erreichen soll*): und
doch haben seine Eyer kaum die Größe eines
Gänse-Eyes. Erwachsen fällt er Menschen und
andre große Thiere an. Jung gefangen aber
läßt er sich doch zähmen**).

2. Alligator. der Kaiman. (Crocodilus scler-
ops Cuv
.) L. porca transversa inter orbi-
tas, nucha fasciis offeis 4 cataphracta, pe-
dibus posticis semipalmatis
.

Seba vol. I. tab. 104. fig. 10.

Im mittlern America. Weit rundlicher und
glatter am Leibe und Schwanz, als der eigent-
liche Crocodil, wird auch nicht so groß als die-
ser und legt kleinere Eyer. Hat übrigens eben
so wie jener fünf Zehen an den Vorderfüßen und
viere an den hintern, von welchen allen aber nur
[Seite 251] die drey innern mit Krallen bewaffnet sind. Die
Felle dieser Gattung werden jetzt in Brasilien
trefflich gegerbt.

3. Gangetica. der Gavial. L. mandibulis
elongatis subcylindricis, pedibus posticis
palmatis.

Edwards in philos. Transact. vol. XLIX.

Zumahl im Ganges.

4. Monitor. (Fr. la sauve-garde.) L. cauda
carinata, corpore mutico squamis margi-
natis, maculis ocellatis.

Seba vol. I. tab. 94. fig. 1. 2. 3.

In beiden Indien. Ueberaus sauber und regel-
mäßig schwarz und weiß gefleckt; wird über 3
Ellen lang; hat den Namen daher, daß es sich,
wie man sagt, meist in Gesellschaft der Crocodile
aufhalten, und durch einen pfeifenden Laut, den
es von sich gibt, diese seine furchtbaren Ge-
fährten verrathen soll.

5. Iguana. der Leguan. L. cauda tereti
longa, sutura dorsali dentata, crista gulae
denticulata
.

Seba vol. I. tab. 95. sq. tab. 98. fig. 1.

In Westindien. Ein flinkes Thier. Hat ein
überaus schmackhaftes Fleisch und Eyer.

6. Chamaeleon. L. cauda prehensili, digitis
duobus tribusque coadunatis
.

Jo. Fr. Miller fasc. II. tab. II.

In Ostindien, Nord-Africa, und nun auch
theils in Spanien. Langsam, träge, lebt auf
Bäumen und Hecken, währt sich von Insecten,
die es mit seiner langen vorn kolbigen ausge-
hölten klebrigen Zunge sehr behende zu fangen
versteht. Seine Lungen sind ausnehmend groß,
und das Thier kann sich damit nach Willkür auf-
[Seite 252] blähen oder dünner machen, daher vermuthlich
die Sage der Alten entstanden seyn mag, daß
es bloß von Luft lebe. Seine Augen haben die
ganz eigne Einrichtung, daß jedes besonders,
oder auch beide zugleich nach verschiedenen Rich-
tungen, eins z.B. aufwärts, das andere hin-
terwärts etc. und zwar schnell bewegt werden kön-
nen. Seine natürliche Farbe ist grünlichgrau,
es ändert dieselbe aber zuweilen, zumahl wenn
es zornig wird etc. Der zuweilen bemerkte Wie-
derschein von benachbarten farbigen Gegenständen
auf die glänzenden Schuppen des lebendigen Thiers
hat Anlaß zu der Fabel gegeben, als ob sich
seine Farbe überhaupt nach denselben richte.

7. Gecko. (vermuthlich der wahre stellio*) oder
saurus der Alten.) L. cauda tereti mediocri,
digitis muticis subtus lamellatis, corpore
verrucoso, auribus concavis
.

Seba vol. I. tab. 109.

In Aegypten, in Ostindien, auch auf den Inseln
der Südsee und selbst hin und wieder im südlichen
Europa, z.B. im Neapolitanischen. Er soll einen
giftigen Saft zwischen seinen blätterichten Fuß-
zehen haben, und dieser sich den Eßwaaren, wo
das Thier drüber wegläuft, mittheilen.

8. Scincus. (crocodilus terrester.) L. cauda
tereti mediocri, apice compressa, digitis
muticis lobato-squamosis marginatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 87.

Im steinigen Arabien, Aegypten etc.

9. †. Agilis. die grüne Eidechse, Kupfer-
Eidechse. L cauda verticillata longiuscula,
[Seite 253] squamis acutis, collari subtus squamis con-
stricto
.

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Im wärmern Europa, und wie es scheint,
auch in beiden Indien und auf den Inseln der
Südsee. Ihre Eyer leuchten eine Zeitlang im
Finstern.

10. †. Lacustris. der Wasser-Molch, Was-
ser-Salamander. L. nigra, dorso lateri-
busque verrucosis, abdomine flavo, nigro-
maculato
.

Laurenti tab. 2. fig. 4.

Die Männchen haben im Frühjahr eine vom
Kopf bis zum Schwanz längs des Rückens hin-
laufende empor stehende ausgezackte Haut. Von
seiner ausnehmenden Reproductionskraft s. oben
S. 31.

11. †. Salamandra. der Salamander, Molch,
die Molle, Ulme. (Fr. le sourd, mouron.)
L. cauda tereti brevi, pedibus muticis,
corpore flavo nigroque vario, nudo,
poroso
.

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Schwarz und citrongelb gefleckt, spannenlang
und daumendick. Daß er giftig sey, im Feuer
leben könne etc. sind Fabeln.


II. SERPENTES.

[Seite 254]

Die Schlangen*) haben gar keine äußeren
Gliedmaßen, sondern bloß einen cylindrischen
lang gestreckten Körper, den sie wellenförmig
bewegen; und der mit Schuppen, Schildern,
oder Ringen bekleidet ist. Manche leben im
Wasser (da sie bey ihren ausnehmend langen
und theils blasenförmigen Lungen leicht schwim-
men können), andere auf der Erde, andre
meist auf Bäumen. Sie legen mehrentheils
an einander gekettete Eyer, und ihre Kinn-
laden sind nicht, wie bey andern Thieren, fest
eingelenkt, sondern zum Kauen ungeschickt, in-
dem sie sich weit von einander dehnen lassen,
so daß die Schlangen andere Thiere, die oft
weit dicker als sie selbst sind, ganz verschlingen
können. Ihre meist gespaltne sehr schlanke
Zunge dient ihnen zum Tasten**). Manche
sind mit heftigem Gift in besondern Bläschen
am vordern Rande des Oberkiefers versehen†),
[Seite 255] das in eignen Drüsen abgeschieden und durch
besondere röhrenförmige, einzeln stehende, ge-
gen die Spitze zu mit einer länglichen Oeffnung
versehene, Giftzähne (– als durch einen Aus-
führungsgang –) beym Biß in die Wunde
geflößt wird. (– Abbild. n. h. Gegenst.
tab
. 37. fig. 1. –) Diese bloß am vordern
Rande des zugleich merklich starken Oberkie-
fers befindlichen Giftzähne geben auch den zu-
verlässigsten Character ab, um die giftigen
Schlangen von den giftlosen zu unterscheiden*),
da bey den letztern der ganze äußere Rand der
obern Kinnlade (bis hinten) mit Zähnen be-
setzt ist (– Abbild. n. h. Gegenst. a. a. O.
fig. 2. –); außerdem haben aber wohl alle
Schlangen noch eine doppelte Reihe kleiner
Gaumen-Zähne mit einander gemein.

5. Crotalus. Klapperschlange. (Fr.
serpent à sonnettes. Engl. rattle-snake.)
Scuta abdominalia. Scuta squamaeque
subcaudales. Crepitaculum terminale
caudae
.

[Seite 256]

1. Horridus.C. scutis 167. scutellis 23.

Seba vol. II. tab. 95. fig. 1.

Zumahl im wärmern Nordamerica: wird auf
6 Fuß lang und fast armsdick. Die Gattungen
dieses Geschlechts unterscheiden sich von allen
andern Schlangen, ja überhaupt von allen übri-
gen Thieren in der Schöpfung durch die räthsel-
hafte, hornartige, gegliederte Rassel am Ende
des Schwanzes. – Die Zahl der Glieder an
diesem so wunderbar gebauten und in seiner Art
so ganz einzigen Organ nimmt mit den Jahren
zu, und soll bey alten wohl auf 40 steigen. Daß
kleine Vögel, Eichhörnchen etc. im Gebüsch der
darunter liegenden Klapperschlange*) gleichsam
von selbst in den Rachen fallen, wird von gülti-
gen Augenzeugen versichert; ist aber keine aus-
schließliche Eigenheit dieses Geschlechts da man
[Seite 257] das nähmliche auch an mehreren andern Schlan-
gen der neuen und alten Welt bemerkt haben
will. – Die Klapperschlangen selbst werden
häufigst von den Schweinen und Raubvögeln
verzehrt. Auch lassen sie sich überaus kirre
und zahm machen.

6. Boa. Scuta abdominalia et subcau-
dalia
.

1. Constrictor. die Riesenschlange, Abgotts-
schlange, Anaconda. (Fr. le devin.) B.
scutis
240. scutellis 60.

Merrem II. Heft tab. I.

In Ostindien und Africa. Wird nach Adan-
son's Versicherung auf 40 bis 50 Fuß lang. Soll
lebendigen Antilopen etc. die Rippen und andere
Knochen entzwey brechen, das Thier nachher
mit einem gallertartigen Geifer überziehen, und
so hinter würgen. Doch ist sie leicht kirre zu
machen und wird, wie die Brillenschlange, von
den ostindischen Gauklern zu allerhand Kunst-
stücken abgerichtet. – die Amaru-Schlange
in Süd-America, die von den Antis in Peru
angebetet ward, und auch auf 30 Fuß lang
wird, scheint wenig von dieser verschieden. –
Hingegen ist wohl die auf Guinea so heilig
verehrte so genannte Juda-Schlange von
einer andern Gattung.

7. Coluber. (Fr. couleuvre.) Scuta
abdominalia, squamae subcaudales
.

1. Vipera. C. scutis 118. squamis 22.

Es werden mehrere Schlangen mit dem Na-
men der Viper belegt. Hier diese von Linné
so genannte ist in Aegypten zu Hause und
giftlos.

[Seite 258]

2. Cerastes. die gehörnte Schlange. ♂ C.
tentaculis superciliaribus, scutis 145. squa-
mis
44.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils,
im Anhang tab. 40.

Diese von den beiden über den Augen stehen-
den Hörnchen benannte Schlange hat gleiches
Vaterland mit der vorigen, und ist allerdings
giftig.

3. †. Berus. die Otter, Viper. (Engl. the
adder
) ♂ C. scutis 146. squamis 39.

Laurenti tab. 2. fig. 1.

Diese ehemahls officinelle Viper ist von bräun-
licher Farbe und in den wärmern Gegenden der
alten Welt, auch schon in Deutschland und in
der Schweiz zu Hause. Ihr Biß verursacht
zwar heftige Entzündung, wird doch aber nur
selten tödtlich. Es ist dieselbe Gattung, womit
ehedem Redi und neuerlich Fontana so viele
merkwürdige Versuche angestellt haben.

4. †. Natrix. die Ringel-Natter, Schnake,
der Unk. (Fr. la couleuvre à collier.) C.
scutis
170. squamis 60.

Stahlfarbig mit weißen Seiten-Flecken, zu-
mahl an den beiden Seiten des Halses. Man
hat selbst in Europa welche von 10 u. m. Fuß
gefunden, die dann wohl ehedem Anlaß zu den
abenteuerlichen Erzählungen von Lindwürmern etc.
gegeben haben mögen.

5. Coccineus. die Carmoisin-Schlange. C.
scutis 175. squamis 35.

Voigts Magazin 5ten Bdes 1stes Stück.
tab. 1.

[Seite 259]

Diese ausnehmend schönfarbige und unschul-
dige Schlange ist in Florida und Neu-Spanien
zu Hause. Fingers dick und ungefähr 2 Fuß
lang. Längs dem Rücken laufen etliche und
zwanzig große und sehr regelmäßige carmoisin-
rothe Flecken, die mit schwarzen Rändern ein-
gefaßt, und diese wieder mit citrongelben
Queerstreifen von einander abgesondert sind.
Die Mädchen in Florida sollen das schöne Thier
zum Putz als Halsband oder in die Haare
geflochten tragen etc.

6. Naja. die Brillenschlange. (Cobra de
Cabelo
.) ♂ C. scutis 193. squamis 60.

Russell's Indian Serpents tab. 5. 6.

In Ostindien. Der Hals ist weit ausdehnbar,
und hinten mit einer brillenähnlichen Figur be-
zeichnet. Ist eine der giftigsten Schlangen,
wird aber häufig vom Ichneumon gefressen, und
ist auch leicht zu allerhand Gaukelkünsten abzu-
richten.

8. Anguis. Squamae abdominales et
subcaudales.

1. †. Fragilis. die Blindschleiche, Bruch-
schlange, der Haselwurm, Hartwurm.
(Fr. l'orvet. Engl. the blind-worm, flow-
worm
.) A. squ. abd. 135. totidemque
subcaud
.

In dumpfigen Gegenden, alten Gemäuer etc.
Bricht leicht entzwey, wenn man sie anfaßt,
und die Stücke bewegen sich doch noch Stunden
lang. Man findet von ihr mancherley theils
sauber gezeichnete Spielarten.

[Seite 260]

2. Platuros. ♂ A. cauda compressa obtusa.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 28.

Im indischen Ocean und der Südsee.

9. Amphisbaena. Annuli trunci cau-
daeque.

1. Fuliginosa. A. ann. tr. 200, caudae 30.

Seba vol. I. tab. 88. fig. 3. u.a.

In America. Schwarz und weiß gefleckt.

10. Caecilia. Runzelschlange. Rugae
trunci caudaeque. Labrum superius
tentaculis
2.

1. Tentaculata. C. rugis 135.

Seba vol. II. tab. 25. fig. 2.

Auch in America. Hat gar keine Schuppen,
sondern runzlige Ringe in der glatten Haut,
fast wie ein Regenwurm.


Siebenter Abschnitt.
Von den Fischen.

[Seite 261]

§. 99.

Die Fische sind diejenigen mit rothem kal-
tem Blut versehenen Thiere, die sich mittelst
wahrer (mit Gräten oder knorplichen Faden
versehenen) Flossen bewegen, und mittelst
wahrer immer zu beiden Seiten des Halses
verwahrt liegenden (nicht wie an den Frosch-
larven etc. außerhalb desselben frey hervorragen-
den) Kiemen Athem hohlen.

Anm. Wahre Kiemen und wahre Flossen – um sie
von den gewisser Maßen analogen Organen der
ganz jungen Frösche, Salamander etc. (§. 94.) zu
unterscheiden.

§. 100.

Diese Kiemen oder Kiefen (branchiae)
vertreten bey den Fischen fast vollkommen die
Stelle der Lungen. Sie liegen auf beiden
Seiten hinter dem Kopfe, meistens unter ei-
ner oder mehreren großen halbmondförmigen
Schuppen, die deßhalb die Kiemen-Deckel
(opercula branchialia) heißen und bey den
mehresten mit der Kiemen-Haut (membrana
branchiostega
) verbunden sind. Die Kiemen
selbst sind mit unzähligen der zartesten Blut-
[Seite 262] gefäße durchwebt, und auf jeder Seite meist
in vier Blätter vertheilt, die ungefähr der
Fahne an einer Feder ähneln und die an ihrer
Basis durch eben so viele bogenförmige Grä-
ten unterstützt werden.

§. 101.

Das Athemhohlen, das die Fische eben
so wenig als die mit Lungen versehenen Thiere
lange entbehren können, geschieht bey ihnen, in-
dem sie die im Wasser aufgelösete Luft durch
den Mund in die Kiemen leiten, und dann
durch die Kiemenöffnung (apertura branchia-
lis
) wiederum von sich geben; folglich nicht wie
die mit Lungen versehenen Thiere durch den
gleichen Weg ein- und ausathmen.

§. 102.

Da sie keine Lungen haben, so versteht sich
folglich von selbst, daß ihnen auch keine wahre
Stimme zugeschrieben werden kann, obgleich
einige von ihnen, wie z.B. der Knurrhahn, der
Wetterfisch etc. einen Laut von sich geben
können.

§. 103.

Die Bildung des Körpers, überhaupt ge-
nommen, ist bey den Fischen ungleich mannig-
faltiger als bey den beiden vorigen Thierclassen.
Bey den mehresten hat doch der Körper eine
verticale Stellung, d.h. er ist auf beiden Sei-
[Seite 263] ten zusammen gedrückt (corpus compressum
s. cathetoplateum
); bey einigen andern hin-
gegen, wie bey dem Rochen, liegt er horizon-
tal, ist in die Breite platt gedrückt (corpus
depresum s. plagioplateum
); bey andern,
wie beym Aal etc. ist er mehr walzenförmig:
bey andern, wie bey den Panzerfischen, pris-
matisch oder vierkantig etc.

Bey allen aber stoßen Kopf und Rumpf
unmittelbar an einander, ohne durch einen
eigentlichen Hals von einander abgesondert zu
seyn.

§. 104.

Die Fische sind (bis auf wenige Ausnah-
men) mit Schuppen bekleidet; und zwar die
Grätenfische mit eigentlich so genannten, die
von einer ganz eignen Substanz, und bey den
verschiedenen Gattungen von der mannigfal-
tigsten theils ausnehmend eleganten Bildung
und Zeichnung, und farbigen Gold- und
Silberglanze sind: die mehrsten Knorpelfische
hingegen mit mehr knochenartigen Schildern,
hakichten Stacheln, u. dergl. m.

Die Schuppen werden von außen noch mit
einem besondern Schleim überzogen, der großen
Theils aus kleinen Schleimhöhlen abgeschieden
zu werden scheint, die bey den mehresten
Fischen zu beiden Seiten des Körpers in der
so genannten Seiten-Linie liegen.

§. 105.

[Seite 264]

Die Bewegungswerkzeuge der Fische*),
die Flossen (an welchen man neuerlich merk-
würdige Reproductionskraft wahrgenommen),
bestehen aus dünnen knochenartigen oder knor-
peligen Gräten, die durch eine besondere Haut
mit einander verbunden, an eignen Knochen
befestigt, und durch bestimmte Muskeln be-
wegt werden. Ihrer bestimmten Lage nach
heißen die obern, Rückenflossen (pinnae dor-
sales
); die seitwärts hinter den Kiemen be-
findlichen, Brustflossen (pinnae pectorales);
die am Bauche vor der Oeffnung des Afters
stehenden, Bauchflossen (pinnae ventrales);
die hinter dieser Oeffnung, Steißflosse (pinna
analis
); endlich am Schwanze, die Schwanz-
flosse (pinna caudalis), die immer eine ver-
ticale Stellung hat.

Die so genannten fliegenden Fische haben
sehr lange und straffe Brustflossen, so daß sie
sich damit selbst über die Oberfläche des Was-
[Seite 265] sers erheben und kleine Strecken weit fort-
fliegen können.

§. 106.

Ein anderes Hülfsmittel zur Bewegung
der Fische, besonders wohl zum Steigen und
Sinken (wie bey den so genannten cartesiani-
schen Teufelchen), ist die Schwimmblase,
womit zumahl die Süß-Wasser-Fische ver-
sehen sind, und die mittelst eines eignen Ca-
nals (ductus pneumaticus) meist mit dem
Schlunde, seltener mit dem Magen in Ver-
bindung steht.

§. 107.

In Rücksicht ihres Aufenthalts theilt man
die Fische überhaupt in See- und Süß-Was-
ser-Fische. Manche können doch auch zuweilen
einige Zeit im Trocknen aushalten, wie der
Aal, die Muräne etc. Andere theils in war-
men mineralischen Quellen*).

§. 108.

Die mehresten Fische, zumahl die in der
See leben, sind animalia nocturna, die
nämlich ihren Geschäften zur Nachtzeit nach-
gehen, am Tage hingegen sich mehr in der
Tiefe ruhig halten. Daher auch die von Fi-
[Seite 266] schen lebenden Insulaner und Küsten-Bewohner
meist des Nachts auf den Fang ausgehen.

§. 109.

Eine große Anzahl Gattungen von Fischen
verändern in gewissen Jahrszeiten ihren Auf-
enthalt; so steigen viele Seefische um zu leichen
in die Buchten und Mündungen der Flüsse;
manche derselben aber, wie z.B. die Häringe
im nördlichen atlantischen Ocean, machen auch
noch außerdem anderweitige Züge zu be-
stimmten Jahrszeiten und in unermeßlichen
Scharen zwischen den Küsten des westlichen
Europa und des nordöstlichen America**).

§. 110.

Die Fische sind größten Theils fleischfres-
sende Thiere, und da sie keine eigentliche
Füße haben ihre Beute damit zu fassen, mit
mancherley andern Mitteln ihrer Herr zu wer-
den, versehen. Theils nämlich mit langen
Bartfasern (cirri) am Maule, um damit an-
dere kleine Wasserthiere, wie mit einem Köder
zu locken, und gleichsam zu angeln. (So der
Sternseher, der Froschfisch etc.) Andere, wie
der Chaetodon rostratus, mit einer Spritz-
röhre, um dadurch die über dem Wasser flie-
genden Insecten gleichsam herab zu schießen.

[Seite 267]

Andere, wie drey Seefische, der Zitterroche,
Tetrodon electricus und Trichiurus indicus
und die beiden Flußfische, der Zitteraal und
der Zitterwels, mit einer besondern erschüt-
ternden und betäubenden Kraft etc.

§. 111.

Was die äußern Sinne der Fische betrifft,
so muß der Geruch bey vielen überaus scharf
seyn, da sie den versteckten Köder in weiter
Entfernung auswittern. Auch ihr Gehör ist
scharf, und sie haben dazu ähnliche Organe,
wie die im innern Ohr anderer rothblütigen
Thiere. Besonders aber zeigen sich mancherley
Sonderbarkeiten im Baue ihres Auges, zahl-
reichere Häute, ausschließlich eigne andre
Organe u. dergl. m.*)

§. 112.

Ueber die Naturtriebe u.a. Seelenkräfte
der Fische läßt sich vor der Hand aus Mangel
an richtigen Beobachtungen wenig sagen.
Doch weiß man, daß manche, wie z.B. die
Forellen, überaus kirre werden**); andere
z.B. alte Karpfen, sehr listig und verschla-
gen sind etc.

§. 113.

[Seite 268]

Von ihrem Schlafe gilt meist die gleiche
Anmerkung, die bey den Amphibien gemacht
worden ist (§. 91.), daß nämlich vermuthlich
alle einem Winterschlaf ausgesetzt sind; aber
wohl nur sehr wenige einen bestimmten täg-
lichen periodischen Erhohlungsschlaf haben:
wie es z.B. vom Goldbrachsen gesagt wird.

§. 114.

Außer den wenigen lebendig-gebährenden
Fischen, wohin der Aal und die so genannte
Aalmutter gehören, mögen sich wohl wenige
Fische wirklich mit einander paaren; sondern
bey den mehresten gibt das Weibchen den
Rogen noch unbefruchtet von sich, und das
Männchen kommt hierauf nach, um denselben
mir seiner Milch zu begießen.

Man hat diese Einrichtung für die Land-
wirthschaft benutzen gelernt, indem man auch
aus der künstlichen Vermischung von Eyern
und Samen der Lachs-Forellen etc. junge Fische
erzielen kann*).

Anm. Zu andern Merkwürdigkeiten im Zeugungsge-
schäfte der Fische gehört auch noch, daß manche,
wie die Lamprete, durchgehends beiderley Sexual-
organe haben, so wie man hingegen bey andern,
wie namentlich beym Karpfen, anomalisch einzeln,
wirkliche Zwitter gefunden hat.

§. 115.

[Seite 269]

Die Vermehrung der meisten Fische ist
zum Wunder stark, so, daß ungeachtet die
Eyerchen der mehresten in Verhältniß zu ihrer
Statur ungleich kleiner sind, als in irgend
einer andern Thier-Classe; dennoch bey
manchen die Eyerstöcke größer sind, als ihr
ganzer übriger Körper. Daher zählt man,
z.E. beym Häring, zwischen 20 und 37000,
beym Karpfen über 200000 bey der Schleihe
383000, beym Flinder über eine Million
Eyerchen etc.*)

§. 116.

Theils haben die jungen Fische, so wie sie
aus dem Eye kriechen, noch nicht ihre völlige
Gestalt: sondern müssen sich ebenfalls, so wie
viele Amphibien (§. 94.), erst einer Art von
Metamorphose unterziehen, wodurch ihre
Flossen u. dergl. m. allgemachs vollends aus-
gebildet werden.

§. 117.

Die Fische gelangen, im Verhältniß zur
Größe ihres Körpers zu einem hohen Alter.
Man weiß von Karpfen, Hechten etc. daß sie
anderthalb hundert Jahre erreichen können.
Doch werden einige kleine Fische, wie z.B.
der Stichling etc. nur wenige Jahre alt.

§. 118.

[Seite 270]

Die Brauchbarkeit der Fische für den
Menschen ist ziemlich einfach, meist bloß zur
Speise; aber eben von dieser Seite für einen
großen Theil des Menschengeschlechts, der
theils fast ganz von diesen Thieren lebt, von
der äußersten Wichtigkeit. Selbst wilde
Völker, wie z.B. die Kamtschadalen, Brasi-
lianer etc. wissen die Fische auf die mannig-
faltigste Weise, sogar zu einer Art Mehl, zu
Kuchen u.s.w. zu bereiten: und bey vielen,
wie z.B. unter den Insulanern des stillen
Oceans, macht der Fischfang ihr Hauptge-
schäft, – und in Rücksicht der überaus sinn-
reichen angemessnen Geräthschaften, die sie
sich dazu erfunden haben, wirklich eine Art
von nachdenkendem Studium aus. Aber
auch für einen großen Theil der cultivirten
Erde ist der Fang, z.B. des Härings,
Kabeljaus, Thunnfisches u. dergl. m. von
großer Wichtigkeit. – Der Thran von
Hayen, Häringen, Kabeljauen etc. wird häu-
figst in Lampen gebrannt. – Die östlichsten
Küstenbewohner des mittlern Asien kleiden
sich in gegerbte Lachshäute. – Und manche
Theile einiger Fische werden zu technischem
Gebrauch und Kunstsachen benutzt; wie
z.B. die Schuppen des Ukley zu Glasperlen;
und Fischhaut von Rochen und Hayen etc.;
Hausenblase etc.

§. 119.

[Seite 271]

Den mehresten Schaden thun die Raub-
fische; zumahl in den Weltmeeren die Haye;
und in den süßen Wassern die Hechte. –
Auch sind manche Fische wenigstens in ge-
wissen Gegenden giftig, so daß ihr Genuß
tödtlich werden kann. So zumahl einige
Gattungen von Tetrodon.

§. 120.

Die systematische Classification der Fische
scheint noch mancher Verbesserung zu bedürfen.
Inzwischen bringt man sie vor der Hand im
Ganzen unter zwey Hauptabtheilungen:
nämlich.

A) Knorpelfische (Pisces cartilaginei)
die keine wahren Gräten haben: und

B) mit Gräten versehene oder eigentlich
so genannte Fische (Pisces spinosi).

Die Knorpelfische sondert man in
folgende zwey Ordnungen, welche Herr Gr.
la Cepede nach dem Daseyn oder Mangel
des Kiemendeckels bestimmt, und hiernach
die darunter gehörigen Geschlechter vertheilt:
nämlich

I. Chondropterygii. Ohne Kiemendeckel.

II. Branchiostegi. Mit Kiemendeckel.

[Seite 272]

Die eigentlich so genannten Fische aber
hat Linné nach der Beschaffenheit und Lage der
Bauchflossen geordnet: nämlich:

III. Apodes. Die gar keine Bauchflossen
haben.

IV. Iugulares. Die, deren Bauchflossen
vor den Brustflossen sitzen.

V. Thoracici. Die, wo die Bauchflossen
gerade unter den Brustflossen, und

VI. Abdominales, wo sie hinter diesen
sitzen.

Zur N. G. der Fische.

  1. Guil. Rondelet de piscibus. Lugd. 1554. P. II. 1555. fol.
  2. Conr. Gesner de piscium et aquatilium animantium
    natura
    . Tig
    . 1558. fol.
  3. Steph. a. Schonevelde ichthyologia. etc. Hamburg.
    1624. 4.
  4. F. Willoughbeii historia piscium, ex ed. Raii
    Oxon. 1686. fol.
  5. Jo. Raii synopsis methodica piscium. Lond. 1713. 8.
    Bat. 1738. 8.
  6. Laur. Theod. Gronovii Zoophylacium Gronovia
    num
    . Lugd. Bat.
    1781. P. I – III. fol.
  7. Ant. Gouan historia piscium. Argent. 1770. 4.
  8. Du Hamel et de Marre histoire des poissons (traité
    des pêches etc.
    ) Par. 1770. sq. III. vol. fol.
  9. M. El. Bloch ökonomische N. G. der Fische Deutsch-
    lands. Berl. 1782. III. B. 4.
  10. Dess. N. G. ausländischer Fische. ib. 1785. IX. B. 4.
  11. Ej. Systema ichthyologiae, inchoatum absolvit Io.
    Gottl. Schneider. Berol.
    1801. 8.
  12. de La Cépède histoire naturelle des poissons. Par.
    1798. V. vol. 4.
  13. G. Ad. Suckow Anfangsgr. der N. G. der Thiere.
    IVter Th. Leipz. 1799. II. Bände. 8.
* * *
  1. Patr. Russell's Descriptions and Figures of 200
    Fishes of the coast of Coromandel. Lond.
    1803. II. vol. fol.
* * *
  1. Al. Monro Vergleichung des Baues und der Physio-
    logie der Fische mit dem Bau des Menschen
    und der übrigen Thiere. – Mit vielen Zusätzen
    vor P. Camper und J. G. Schneider. Leip-
    zig. 1787. 4.

I. CHONDROPTERYGII.

[Seite 274]

Die Knorpelfische dieser Ordnung haben
keine Kiemendeckel, und bey den mehresten ist
das Maul an der Unterseite des Kopfs be-
findlich.

1. Petromyzon. Spiracula branchia-
lia 7 ad latera colli. Fistula in nucha.
Pinnae pectorales aut ventrales nullae
.

1. †. Marinus. die Lamprete. (Fr. la lam-
proye
. Engl. the lamprey.) P. ore intus
papilloso, pinna dorsali posteriori a cauda
distincta
.

Bloch tab. 77.

In der Nordsee so wie im mittländischen u.a.
Meeren. Steigt aber auch 20 und mehrere
Meilen weit in die Flüsse. Wird wohl auf 3
Fuß lang.

2. †. Fluviatilis. die Pricke, Neunauge. P.
pinna dorsali posteriore angulata.

Bloch tab. 78.

In größern Flüssen. Nur halb so groß als
die vorige Gattung.

2. Gastrobranchus. Bauchkieme.
Spiracula branchialia 2 ventralia. Fi-
stula in rostro. Pinnae pectorales aut
ventrales nullae
.

Dieses räthselhafte Geschlecht ward ehedem
unter dem Namen Myxine den Gewürmen bey-
gezählt.

[Seite 275]

1. Coecus. der Blindfisch, Schleimaal. (My-
xine glutinosa Linn
.)

Bloch tab. 413.

An den Küsten des nördlichen atlantischen
Oceans. Soll gar keine Augen haben!

3. Raia. Roche*). (Fr. raie. Engl. ray.)
Spiracula branchialia 5 subtus ad collum;
corpus depressum; os sub capite
.

Ein seltsam gebildetes und theils gar wun-
derbar organisirtes Thiergeschlecht. Manche Ar-
ten hat man ehedem durch allerhand Künsteley
zu vorgeblichen Basilisken etc. umgestaltet und
aufgetrocknet. Manche scheinen auch bey einiger
Aehnlichkeit, die der Untertheil ihres Kopfs mit
einem Menschengesichte hat, zu der Sage von
Sirenen etwas beygetragen zu haben**). Un-
geachtet sie nur ein Ey auf einmahl legen, so
vermehren sie sich doch so stark, daß der Ocean
in manchen Gegenden gleichsam davon wimmelt.
Die Eyer haben eine hornige Schale mit vier
Spitzen, und heißen See-Mäuse.

1. Torpedo. der Zitterroche, Krampffisch.
(Fr. la torpille. Engl. the crampfish.) R.
tota laevis maculis dorsalibus
5 orbiculatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 57.

Besonders im mittländischen Meere. Der be-
kannteste von den so genannten elektrischen Fischen.
(§. 110.) Wird an theils Orten gegessen.

[Seite 276]

2. †. Batis. der Glattroche, Baumroche,
Flete, Tepel. (Fr. la raie lisse. Engl. the
skate, flair
.) R. varia, dorso medio gla-
bro, cauda unico aculeorum ordine
.

Bloch tab. 79.

In den europäischen Meeren. Wird auf zwey
Centner schwer. Hat ein vorzüglich schmackhaf-
tes Fleisch.

3. Pastinaca. der Stachelroche, Pfeilschwanz.
(Fr. la pastenaque, tareronde, raie baïo-
nette
.) Engl. the sting-ray) R. corpore
glabro, aculeo longo anterius serrato in
cauda, et dorso apterygio
.

Bloch tab. 82.

In vielen Welt-Meeren. Sein Schwanz-
Stachel ist zwar nicht giftig; aber er dient dem
Thiere und auch wilden Völkern als Waffen.

4. Squalus. Hay. (Fr. chien de mer.
Engl. shark .) Spiracula branchialia 5
ad latera colli. Corpus oblongum te-
retiusculum. Os in inferiore capitis
parte
.

1. Acanthias. der Dornhay. (Fr. l'aguillat.)
S. pinna anali nulla, dorsalibus spinosis,
corpore teretiusculo
.

Bloch tab. 85.

In den europäischen Meeren. Hat drey Reihen
Zähne in jedem Kiefer.

2. Zygaena. der Hammerfisch, Jochfisch.
(Fr. le marteau.) S. capite latissimo trans-
verso malleiformi
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 99.

In den mehresten Welt-Meeren.

[Seite 277]

3. Carcharias. (lamia, tiburo. Fr. le requin.
Engl. the white shark.) S. dorso plano,
dentibus serratis
.

Bloch tab. 120.

Zumahl häufig im atlantischen Ocean. Wiegt
zuweilen auf zehntausend Pfund, und in seinem
Magen hat man wohl eher ganze Pferde gefun-
den. Hat sechsfache Reihen Zähne in den Kie-
fern, die (wie überhaupt bey den mehresten
Hayen) nicht in die Kinnladen eingekeilt, son-
dern wie durch eine Art Gelenk mit denselben
verbunden sind. Die vordere Reihe dieser Zähne
macht das eigentliche Gebiß. Die hintern liegen
(wenigstens beym jungen Thier) rückwärts ge-
lehrt, gleichsam auf Reserve, damit zufälliger
Verlust derer in der vordern Reihe zu wieder-
hohlten Mahlen ersetzt werden kann.

4. Pristis. der Sägefisch, Schwertfisch.
(Fr. la scie de mer. Engl. the saw fish.)
S. pinna ani nulla, rostro ensiformi osseo
plano utrinque dentato
.

Bloch tab. 120.

Unter andern im nördlichen atlantischen Ocean.
Das breite schwertförmige, oft mehrere Ellen
lange Gewehr, das dieses Thier vor dem
Kopfe führt, ist an beiden Seiten-Rändern
mit 24 oder mehreren starken eingekeilten Zäh
nen besetzt.

5. Lophius. Seeteufel (Fr. baudroie,
diable de mer
. Engl. sea-devil ) Pin-
nae pectorales branchiis insidentes.
Spiracula solitaria pone brachia
.

[Seite 278]

1. †. Piscatorius. der Froschfisch. (rana pisca-
trix
. Fr. la grenouille pecheuse. Engl. the
frog-fish
.) L. depressus capite rotundato.

Bloch tab. 87.

An den europäischen Küsten. Der ungeheuere
Kopf, der die größere Hälfte des ganzen Thiers
ausmacht, und dann die fleischigen Angelfaden
am Maule (§. 110.) geben ihm ein auffallendes
Ansehen.

6. Balistes. Hornfisch. Caput com-
pressum. Apertura supra pinnas pecto-
rales. Corpus compressum, squamis
corio coadunatis. Abdomen carinatum
.

1. Tomentosus. (Engl. the little old wife.)
B. pinna capitis biradiata, corpore poste-
rius subvilloso
.

Bloch tab. 148. fig. 1.

In beiden Indien.

7. Chimaera. Spiracula solitaria, qua-
dripartita, sub collo. Oris labium su-
perius quinquepartitum. Dentes pri-
mores incisores bini supra infraque
.

1. Monstrosa. C. rostro subtus plicis per-
tusis
.

Bloch tab. 124.

Im nördlichen atlantischen Ocean.



II. BRANCHIOSTEGI.

[Seite 279]

Die mit Kieferdeckeln versehenen Knor-
pelfische.

8. Acipenser. Spiracula lateralia so-
litaria, linearia. Os sub capite, re-
tractile, edentulum. Cirri quatuor
sub rostro ante os.

1. †. Sturio. der Stör. (Fr. l'esturgeon.
Engl. the sturgeon.) A. squamis dor-
salibus
11.

Bloch tab. 88.

In allen europäischen Meeren, auch im caspi-
schen etc. in der Wolga, im Nil etc. Macht nebst
den übrigen Gattungen dieses Geschlechts so-
wohl wegen des Fleisches, als des aus dem
Rogen bereiteten Caviars, für viele Völker einen
wichtigen Fang aus, und kann gegen tausend
Pfund schwer werden. Oft ziehen ihrer eine
Menge in schmalen aber langen Zügen hinter
einander, und das soll Anlaß zu der fabelhaften
Sage von ungeheueren nordischen Seeschlangen
gegeben haben.

2. Ruthenus. der Sterlet. A. squamis dor-
salibus
15.

Bloch tab. 89.

Dieser vorzüglich schmackhafte Fisch findet sich
am häufigsten im caspischen Meer und in der
Wolga, aber selten über 30 Pfund schwer.

3. Huso. der Hausen, Beluga. (Antacaeus.)
A. squamis dorsalibus 13. caudalibus 43.

Bloch tab. 129.

[Seite 280]

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen. Ist
nebst dem Wels wohl der größte Süß-Wasser-
fisch, und vorzüglich wegen des Fischleims oder
der Hausenblase merkwürdig, die man besonders
aus der Schwimmblase desselben, doch auch aus
dem Stör und noch aus einer andern Gattung
dieses Geschlechts, nähmlich der Sewruge
(Acipenser stellatus.), die auch das beste Caviar
gibt, ja theils auch aus der Schwimmblase des
Wels u.a. bereitet.

9. Ostracion. Panzerfisch (Fr.
poisson coffre. ) Corpus osse integro
loricatum. Pinnae ventrales nullae
.

1. Bicuspis. O. trigonus, spinis dorsalibus
duabus
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 58.

An den Küsten von Schina, und, wenn an-
ders der O. stellifer nicht eine eigene Gattung
ist, auch in America.

2. Triqueter. O. trigonus, muticus.

Bloch tab. 130.

So wie der folgende in Ostindien.

3. Cornutus. O. tetragonus, spinis frontali-
bus subcaudalibus binis
.

Bloch tab. 133.

In Ostindien. Ein niedliches kleines Thier,
dessen Panzer aufs regelmäßigste, meist mit
Sechsecken wie Bienenzellen, bezeichnet ist.

10. Tetrodon. Stachelbauch. Corpus
subtus muricatum. Pinnae ventrales
nullae
.

[Seite 281]

1. Lagocephalus. (Fr. le poisson souffleur.)
T. abdomine aculeato, corpore laevi, hu-
meris prominentibus
.

Bloch tab. 140.

Besonders häufig im Senegal. Und zwar sind
die, so man oben im Flusse landeinwärts fängt,
ein gesundes gutes Essen. Hingegen die nahe
an der See, in der Mündung des Stroms,
sehr giftig.

2. Electricus. T. corpore maculoso; pinnis
viridibus
.

Philos. Transact. Vol. LXXVI. P. II.
tab. 13.

Einer von den fünf bis jetzt bekannten elektri-
schen Fischen. (§. 110.) In Ostindien an der
St. Johanna-Insel.

3. Hispidus. der Kugelfisch. (orbis. Engl.
the moon-fish.) T. totus hispidus, papil-
lis setaceis
.

Bloch tab. 142.

Im rothen Meere etc. Aber auch in den süßen
Wassern der benachbarten Länder.

4. Mola. der Klumpfisch. (luna. Fr. la lune
de mer
. Engl. the sun-fish.) T. laevis
compressus, cauda truncata: pinna bre-
vissima dorsali analique annexa
.

Hamburg. Magaz. XVIII. B. tab. I.

Häufig im mitländischen und atlantischen
Meere. Wiegt zuweilen auf fünf Centner. Hat
den deutschen Namen von seiner unförmlichen
Gestalt; den französischen und englischen aber
von dem starken phosphorischen Schein, womit
die Seiten und der Unterleib des lebendigen
Fisches leuchten.

[Seite 282]

11. Diodon. Corpus spinis acutis mo-
bilibus undique adspersum. Pinnae
ventrales nullae
.

1. Hystrix der Stachelfisch, Guara. (Engl.
the porcupine-fish.) D. oblongus, aculeis
teretibus
.

Bloch tab. 126.

Zumahl im atlantischen Ocean: nahmentlich
auch an den nordamericanischen Küsten.

12. Cyclopterus. Bauch-Sauger.
Caput obtusum. Pinnae ventrales in
orbiculum connatae
.

1. †. Lumpus. der See-Hase, Klebpfost,
Hafpadde. (Fr. le lievre de mer. Engl. the
lump-sucker
.) C. corpore squamis osseis
angulato
.

Bloch tab. 90.

In den nördlichen Meeren der alten Welt.
Hängt sich mit seinem gerippten flachen Brust-
schilde aufs festeste an die Klippen, Schiffe
u.s.w. an.

13. Centriscus. Messer-Fisch. Caput
productum in rostrum angustissimum.
Abdomen carinatum. Pinnae ventrales
unitae
.

1. Scolopax. die Meer-Schnepfe. C. corpore
squamoso scabro, cauda recta extensa
.

Bloch tab. 123 fig. 1.

Im mittländischen Meer etc.

[Seite 283]

14. Syngnathus. Rostrum subcylin-
dricum, ore operculato, maxilla infe-
riore mobiliore. Corpus cataphractum.
Pinnae ventrales nullae
.

1. Acus. die Meer-Nadel, Sack-Nadel.
(Engl. the pipe.) S. pinnis caudae ani
pectoralibusque radiatis; corpore septem-
angulato
.

Bloch tab. 91. fig. 2.

In der Nord- und Ostsee etc.

2. Hippocampus. das See-Pferdchen, die
See-Raupe. (Fr. le cheval marin. Engl.
the sea-horse.) S. pinna caudae quadran-
gulae nulla, corpore septemangulato tu-
berculato
.

Bloch tab. 116. fig. 3.

Einer der weitstverbreiteten Seefische. Hat
seinen Namen, weil der Vordertheil einem
Pferdekopf und Hals, das Hintere Ende aber
einer Raupe verglichen worden. Im Tode
krümmt er sich wie ein S, und ähnelt so dem
Springer im Schach.

15. Pegasus. Os proboscide retractili.
Rostrum ensiforme, lineare. Corpus
articulatum osseis incisuris, cataphra-
ctum. Pinnae ventrales abdominales
.

1. Draconis. der Seedrache. P. rostro conico.

Bloch tab. 109. fig. 1. 2.

In Ostindien. Die großen breiten Brust-
flossen ähneln ausgespannten Flügeln, und
mögen wohl den Nahmen veranlaßt haben.


III. APODES.

[Seite 284]

Diese und die drey folgenden Ordnungen
begreifen nun die mit Gräten versehenen oder
eigentlich so genannten Fische. Und zwar
hier diese, die so gar keine Bauchflossen haben.

16. Muraena. Caput laeve. Nares
tubulosae. Membr. branch. radiis
10,
corpus teretiusculum, lubricum. Pinna
caudalis coadunata dorsali anique. Spi-
racula pone caput vel pinnas pectorales
.

1. Helena. die Muräne. M. pinnis pectora-
libus nullis
.

Bloch tab. 153.

Ein sehr gefräßiger Raubfisch, in den wär-
mern Meeren beider Welten.

2. †. Anguilla. der Aal. (Fr. l'anguille, Engl.
the eel.) M. maxilla inferiore longiore,
corpore unicolore
.

Bloch tab. 73.

Einer der allgemeinst verbreiteten Flußfische
beider Welten. Geht zuweilen ans Land auf
Wiesen, ins Getreide etc. Hat ein zähes Leben,
und das ihm ausgeschnittene Herz behält
wohl noch 40 Stunden lang seine Reißbarkeit.
Nach den genauesten Beobachtungen gebiert er
sicher lebendige Junge*).

17. Gymnotus. Caput operculis late-
ralibus. Tentacula duo ad labium su-
[Seite 285] perius. Membr. branch. radiis
5;
corpus compressum, subtus pinna cari-
natum
.

1. Electricus, der Zitteraal, Zitterfisch, Drill-
fisch (Fr. l'anguille electrique.) G. nudus,
dorso apterygio, pinna caudali obtusissima
anali connexa
.

Bloch tab. 156.

Besonders bey Surinam und Cayenne, wo
ihn van Berkel*) zuerst bekannt gemacht hat.
Ungefähr mannslang**).

18. Trichiurus. Caput porrectum,
operculis lateralibus. Dentes ensifor-
mes, apice semisagittati: primores ma-
iores. Membr. branchiostega radiis
7.
Corpus compresso-ensiforme. Cauda
subulata, aptera
.

1. Lepturus. T. mandibula inferiore longiore.

Bloch tab. 158.

In beiden Indien.

2. Indicus. T. mandibulis aequalibus.

Willoughby App. tab. 3. fig. 3.

In Ostindien. Ebenfalls ein elektrischer Fisch.
(§. 110.)

[Seite 286]

19. Anarrhichas. Caput obtusiuscu-
lum. Dentes primores supra infraque
conici, divergentes, sex pluresve, mo-
lares inferiores palatique rotundati.
Membr. branch. radiis
6. Corpus tere-
tiusculum, pinna caudae distincta
.

1. †. Lupus. der Klippfisch, Seewolf, Stein-
beißer. (Engl. the ravenous .) A. pinnis
pectoralibus amplis subrotundis
.

Bloch tab. 74.

An den Küsten des nördlichen Europa.

20. Ammodytes. Caput compressum.
Labium superius duplicatum, dentes
acerosi. Membr. branch. rad
. 7. Corpus
teretiusculum, cauda distincta
.

1. †. Tobianus. der Sandfisch, Sandaal, To-
biasfisch, Sandspier. (Engl. the sand-
launce
) A. maxilla inferiore longiore.

Bloch tab. 75. fig. 2.

Ebenfalls am nördlichen Europa. Wühlt sich
in den Küstensand, wo er in England und Hol-
land in Menge herausgestochen wird.

21. Ophidium. Caput nudiusculum.
Dentes maxillis, palato, faucibus.
Membr. branch. radiis
7 patula. Cor-
pus ensiforme
.

1. †. Imberbe. der Nugnoge, Fünffingerfisch.
O. maxillis imberbibus, cauda obtusiuscula.
British Zoology. App. tab.
93.

[Seite 287]

Häufig an Austerbänken, da er der gefährlichste
Feind der Austern seyn soll. Wird nicht selten
in fest geschloßnen Austerschalen gefunden*).

22. Stromateus. Caput compressum.
Dentes in maxillis, palato. Corpus ova-
tum, latum, lubricum. Cauda bifida
.

1. Paru. S. unicolor.

Bloch tab. 160.

An America.

23. Xiphias. Caput maxilla superiore
terminatum rostro ensiformi. Os eden-
tulum. Membr. branch. rad.
8; corpus
teretiusculum
.

1. †. Gladius. der Schwertfisch, Hornfisch.
(Fr. l'épée de mer, l'empereur, l'espadon.
Engl. the sword-fish, whale-killer.) X.
mandibula inferiore acuta, triangulari
.

Bloch tab. 76.

In den nördlichen sowohl als südlichen Meeren.
Wird mit seinem Schwerte auf 18 Fuß lang, und
hält dann gegen 5 Centner an Gewicht. Hat ein
sehr schmackhaftes Fleisch und macht besonders
für die Calabrischen und Sicilianischen Fischer
einen wichtigen Fang**).

24. Leptocephalus. Caput exile.
Corpus elongatum, tenuissime compres-
sum. Pinnae pectorales minutae
.

[Seite 288]

1. Morrisii.

Leach's zoolog. miscell. vol. III. tab. 126.

An den englischen Küsten, wie ein schmaler
hell durchscheinender Rieme*).


IV. IUGULARES.

Fische, deren Bauchfloßfedern vor den
Brustflossen sitzen.

25. Callionymus. Caput labio su-
periore duplicato; oculi approximati.
Membr. branchiostega rad.
6.; apertura
nuchae foraminibus respirante. Oper-
cula clausa. Corpus nudum. Pinnae
ventrales remotissimae
.

1. Lyra. (Fr. le lacert Engl. the piper.) C.
dorsalis prioris radiis longitudine corporis
.

Bloch tab. 161.

Im atlantischen Ocean.

26. Uranoscopus. Caput depressum,
scabrum, maius. Os simum, maxilla
superior brevior. Membr. branch. ra-
diis
5; anus in medio.

1. Scaber. der Sternseher. (Fr. le boeuf.
Engl. the star-gazer.) U. cirris multis in
maxilla inferiore
.

Bloch tab. 163.

Vorzüglich häufig im mitländischen Meere.

[Seite 289]

27. Trachinus. Caput scabriusculum,
compressum. Membr. branch. rad.
6;
anus prope pectus.

1. †. Draco. das Petermännchen. (Fr. la vive.
Engl. the wever, flingfish) Trachinus.

Bloch tab. 61.

Im mittländischen Meere, in der Nordsee etc.

28. Gadus. Corpus laeve. Membr.
branch. rad.
7 teretibus; pinnae cute
communi vestitae, pectorales acumi-
natae
.

1. †. Aeglefinus. der Schellfisch. (Engl. the
hadock
.) G. tripterygius cirratus albicans,
cauda biloba, maxilla superiore longiore
.

Bloch tab. 62.

Im ganzen nördlichen europäischen Ocean, vor-
züglich aber an den englischen und schottischen
Küsten. – viele Fische phosphoresciren unter
gewissen Umständen nach dem Tode: bey diesem
hier ist aber dieses Leuchten zuweilen von ganz auf-
fallender Stärke und langanhaltender Dauer*).

2. †. Callarias. der Dorsch. G. tripterygius
cirratus varius, cauda integra, maxilla
superiore longiore
.

Bloch tab. 63.

Hat meist gleichen Aufenthalt mit dem vorigen.

3. †. Morrhua. der Kabeljau, Steinfisch.
Baccaljao. (Asellus. Fr. la morue. Engl.
the cod-fish.) G. tripterygius cirratus, cauda
subaequali, radio primo anali spinoso
.

Bloch tab. 64.

[Seite 290]

Es werden unter diesen gemeinschaftlichen
Nahmen mehrere verwandte Gattungen dieses
Geschlechts begriffen, die wegen der unsäglichen
Menge und wegen der mannigfaltigen Zuberei-
tung (als Stockfisch, als Laberdan, und als
Klippfisch) und langen Conservation etc. von der
äußersten Wichtigkeit sind. Sie finden sich vor-
züglichst in den nördlichen Gegenden, beides des
stillen und atlantischen Oceans, wo sie besonders
um Labrador, Neu-Fundland, auch um Island
und an den Nordküsten von Großbritannien den
wichtigsten Fischfang ausmachen*).

4. †. Merlangus. der Witling, Gadde. (Fr.
le merlan. Engl. the whiting.) G. tripte-
rygius imberbis albus, maxilla superiore
longiore
.

Bloch tab. 65.

In den europäischen Meeren.

5. †. Lota. die Quappe, Drusche, Kutte,
Aalraupe, Aalputte. (Fr. la lote. Engl.
the burbot.) G. dipterygius cirratus, ma-
xillis aequalibus
.

Bloch tab. 70.

Vorzüglich in den Schweizer-Seen. Einer
der schmackhaftesten deutschen Fische.

29. Blennius. Schleimfisch Caput
declive, tectum. Membr. branch. rad.
6;
corpus lanceolatum, pinna ani distincta.

1. †. Viviparus. die Aalmutter. B. ore ten-
taculis duobus
.

Bloch tab. 72.

Im mittländischen Meere, in der Nordsee etc.
Gebiert lebendige Junge.


V. THORACICI.

[Seite 291]

Fische, deren Bauchfloßfedern gerade unter
den Brustflossen sitzen.

30. Cepola. Caput subrotundum com-
pressum. Os simum, dentes curvati,
simplici ordine. Membr. branch. radiis

6; corpus ensiforme, nudum, abdomine
vix capitis longitudine.

1. Taenia. der Bandfisch. (Fr. le ruban) C.
pinna caudae attenuata, capite obtusissimo.

Bloch tab. 170.

Im mittländischen Meere.

31. Echeneis. Caput depressum, supra
planum marginatum, transverse sulca-
tum. Membr. branch. rad
. 10.

1. Remora. der Saugefisch. (Fr. le sucet.
Engl. the sucking-fish.) E. cauda bifurca,
striis capitis
18.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 78.

In den mildern Weltmeeren. Das sonderbare
Thier kann sich mittelst des quergestreiften Hin-
terkopfs aufs festeste an Schiffe, Hayfische etc.
anhalten. Daher die alte Fabel, daß ein einziger
ein Schiff in vollen Lauf zu hemmen vermöge.

32. Coryphaena. Caput truncato-
declive. Membr. branch. rad.
5; pinna
dorsalis longitudine dorsi
.

[Seite 292]

1. Hippurus der Goldkarpfe. (Fr. la dorade.
Engl. the dolphin.) C. cauda bifida, ra-
diis dorsalibus
60.

Bloch tab. 174.

Im atlantischen Meere. Ein prachtvolles
Thier, das besonders im Sterben in wunder-
schöne Farben (aus dem Gelben ins Blaue und
Purpurrothe etc.) spielt.

33. Gobius. Caput poris 2 inter oculos
approximatos, altero anteriore. Membr
.
branch. rad. 4; pinnae ventrales unitae
in ovatam
.

1. Niger. die Meergrundel. G. pinna dor-
sali secunda radiis
14.

Bloch tab. 38. fig. 1. 2. 5.

Im atlantischen und indischen Ocean.

34. Cottus. Caput corpore latius,
spinosum. Membr. branch. rad
. 6.

1. †. Cataphractus. der Knurrhahn, Stein-
picker. (Engl. the pogge.) C. loricatus
rostro verrucis bifidis, capite subtus cirroso
.

Bloch tab. 38. fig. 3. 4.

An den nördlichen Küsten von Europa und
America.

2. †. Gobio. der Raulkopf, Rotzkolbe,
Gropp, Kruppe. (Fr. le Chabot. Engl.
the bull-head, the miller's thumb.) C. lae-
vis, capite spinis duabus
.

Bloch tab. 38. fig. 1. 2.

Ein sehr gemeiner europäischer Flußfisch. Das
Weibchen scharrt sein Leich in eine Höhle am
Grund, und bewacht es bis die Jungen aus-
gekrochen sind aufs sorgfältigste.

[Seite 293]

35. Scorpaena. Caput magnum, acu-
leatum. Oculi vicini. Dentes maxil-
lis, palato, faucibusque. Membr.
branch. radiis
7.

1. Horrida. S. tuberculis callosis adspersa.

Bloch tab. 183.

In Ostindien.

36. Zeus. Caput compressum, declive.
Labium superius membrana transversa
fornicatum. Lingua subulata. Membr.
branch. radiis
7 perpendicularibus: in-
fimo transverso. Corpus compressum
.

1. Vomer. Z. cauda bifurca, spina ante pin-
nam analem dorsalemque recumbente
.

Bloch tab. 139.

2. Faber. (Engl. the doree, dory.) Z. cauda
rotundata; lateribus mediis ocello fusco;
pinnis analibus duabus
.

Bloch tab. 41.

Beide im atlantischen Meer.

37. Pleuronectes. Butte, Scholle,
Halbfisch. (Fr. sole. Engl. flounder.)
Oculis utrisque in eodem latere fron-
tis. Membr. branch. rad.
4-7; cor-
pus compressum, latere altero dorsum,
altero abdomen referente
.

Die Schollen sind die einzigen Thiere in der
Natur, die ihre beiden Augen auf einer Seite
des Kopfs haben; manche Gattungen nähmlich
auf der rechten, andere auf der linken; sehr
selten finden sich Mißgeburten unter ihnen, die
[Seite 294] anomalisch auf der unrechten Seite ihre Augen
haben. Auch beide Nasenlöcher sitzen ebenfalls so
schief seitwärts. Sie schwimmen in einer schrä-
gen Lage, die Augenseite in die Höhe gerichtet.

1. †. Platessa. die Scholle, Plateis, Gold-
butte. (passer. Fr. la plie. Engl. the plaise.)
P. oculis dextris, corpore glabro, tuber-
culis
6 capitis.

Bloch tab. 42.

Nebst den folgenden besonders in den nörd-
lichen Meeren.

2. †. Flesus. der Flünder. (Engl. the floun-
der
.) P. oculis dextris, linea laterali
aspera, spinulis ad pinnas
.

Bloch tab. 44.

3. †. Limanda. die Glahrke, Kliesche (Engl.
the dab.) P. oculis dextris, squamis cilia-
tis, spinulis ad radicem pinnarum dorsi
anique, dentibus obtusis
.

Bloch tab. 46

4. †. Hippoglossus. die Heiligbutte. (Fr. le
fletang
. Engl. the holibut.) P. oculis dex-
tris, corpore toto glabro
.

Bloch tab. 47.

Theils von vier Centnern an Gewicht; unter
andern in größter Menge im nördlichen stillen
Ocean.

5. †. Maximus. die Steinbutte (Fr. und
Engl. turbot.) P. oculis sinistris, corpore
aspero
.

Bloch tab. 49.

Doch weit kleiner als die vorige. Einer der
schmackhaftesten Fische.

[Seite 295]

38. Chaetodon. Dentes (plurimis)
setacei, flexiles confertissimi, nume-
rosissimi. Membr. branch. radiis
6;
corpus pictum, pinna dorsi anique
carnosa squamosa
.

1. Rostratus. C. cauda integra, spinis pin-
nae dorsalis
9, maculaque ocellari; rostro
cylindrico
.

Bloch tab. 202.

In Ostindien. Der Oberkiefer endigt sich in
eine Röhre, wodurch der Fisch die Insecten,
die an allerhand Wasserpflanzen sitzen, bespritzt,
daß sie herabfallen und ihm zur Speise wer-
den müssen.

2. Macrolepidotus. C. cauda integra, spinis
dorsalibus
11, radio dorsali quarto filiformi
longissimo
.

Bloch tab. 200.

In Ostindien.

39. Sparus. Brachse. Dentes pri-
mores robusti, molares obtusi, conferti.
Labia simplicia. Membr. branch. rad.
5;
corpus compressum. Pinnae pectorales
acuminatae
.

1. Aurata. der Goldbrachsen. S. lunula
aurea inter oculos
.

Bloch tab. 266.

Im mittländischen und atlantischen Meer. Hat
fast in allen Sprachen seinen Nahmen von dem
goldfarbigen halben Monde vor den Augen.

2. Sargus. der Geißbrachsen. S. ocello
subcaudali, corpore fasciis nigris
.

Bloch tab. 264.

[Seite 296]

Im mittländischen Meer. Die Männchen sol-
len zur Begattungszeit sehr hitzig wie Säugethiere
oder Vögel um ihre Weibchen kämpfen.

3. Pagrus. der Seebrachse. S. rubescens,
cute ad radicem pinnarum dorsi et ani in
sinum producta
.

Bloch tab. 267.

Einer der allgemeinst verbreiteten Seefische.
Zuweilen giftig.

40. Labrus. Lippfisch. Dentes acuti,
labia duplicata magna. Membr. branch.
rad.
6; pinnae dorsalis radii postice
ramento filiformi aucti. Pectorales
rotundatae
.

1. Iulis. der Meerjunker L. lateribus cae-
rulescentibus, vitta longitudinali fulva
utrimque dentata
.

Bloch tab. 287.

Im mittländischen Meer. Nur Fingers lang,
von ausnehmend schönen Farben. Wird den
Badenden durch seinen Biß lästig.

41. Sciaena. Caput totum squamis
obtectum. Membr. branch. rad.
6;
opercula squamosa. Corpus: fossula
dorsi pro pinna dorsali recondenda
.

1. Nigra. S. tota nigra, ventre fusco-al-
bescente
.

Bloch tab. 297.

Wie so viele andere Gattungen dieses Ge-
schlechts im rothen Meere.

[Seite 297]

42. Perca. Opercula spinosa, antror-
sum serrata. Membr. branch. rad.
7;
corpus pinnis spinosis. Linea lateralis
cum dorso arcuata
.

1. †. Fluviatilis. der Barsch. (Fr. la perche.
Engl. the perch.) P. pinnis dorsalibus di-
stinctis, secunda radiis
16.

Bloch tab. 52.

In Europa und Nordasien.

2. †. Lucioperca. der Zander, Sandbarsch,
Schiel. P. pinnis dorsalibus distinctis, se-
cunda radiis
23.

Bloch tab. 51.

So wie der folgende im nördlichen Europa.
Hier diese Gattung vorzüglich schmackhaft, vor
allen die im Plattensee in Ungarn. Von an-
sehnlicher Größe in der Donau.

3. †. Cernua. der Kaulbarsch. (Engl. the
ruffe
.) P. pinnis dorsalibus unitis radiis 27;
spinis 15; cauda bifida.

Bloch tab. 53. fig. 2.

43. Gasterosteus. Membr. branch.
rad.
3; corpus ad caudam utrimque ca-
rinatum. Pinnae ventrales pone pecto-
rales, sed supra sternum
.

1. †. Aculeatus. Der Stichling. (spinarella.
Engl. the stickleback.) G. spinis dorsalibus
tribus
.

Bloch tab. 53. fig. 3.

In Europa; wird fast bloß zum Mästen der
Schweine und statt Dünger gebraucht.

[Seite 298]

2. Ductor. der Lootemann. (Fr. le pilote.
Engl. the pilot-fish.) G. spinis dorsalibus
4, membrana branchiostega 7-radiata.

Der berühmte kleine Fisch der sich immer als
Begleiter oder Vorläufer beym furchtbaren Re-
quin (Squalus carcharias) findet. Einige Ue-
bertreibungen abgerechnet ist bis Hauptsache
neuerlich durch treffliche Beobachter vollkommen
bestätigt*).

44. Scomber. Caput compressum, laeve.
Membr. branch. rad.
7; corpus laeve,
linea laterali postice carinatum. Pinnae
spuriae saepe versus caudam
.

1. †. Scomber. die Makrele. (Fr. le maque-
reau
. Engl. the mackrel.) S. pinnulis 5.

Bloch tab. 54.

Im nordischen und atlantischen Meer etc. Wie
der folgende ein gefräßiger aber sehr schmackhaf-
ter Raubfisch. Von beiden machten die Alten
ein vorzügliches Garum.

2. Pelamys. die Bonite. S. pinnulis in-
ferioribus
7; abdomine lineis utrimque 4
nigris.

In allen wärmern Welt-Meeren. Auch dieses
Thier phosphorescirt nach dem Tode zuweilen
sehr stark, und kann dann so wie manche an-
dere Fische und deren Thran etc. zum Leuchten
des Seewassers beytragen.

3. †. Thynnus. der Thunnfisch. (Fr le thon.
Engl. the tunny.) S. pinnulis utrimque 8.

Bloch tab. 55.

[Seite 299]

In der Nordsee, dem mittländischen Meer,
Ost- und Westindien etc. Wird über Manns
lang, und dann wohl gegen 5 Centner schwer.
Ist zuweilen giftig*). – Ihm ähnelt die zumahl
aus den Südsee-Reisen bekannte Albicore.

45. Mullus. Caput compressum, de-
clive, squamis tectum. Membr. branch.
rad.
3; corpus squamis magnis facile
deciduis
.

1. Barbatus. der Rothbarbe, Meerbarbe.
trigla. Fr. le surmulet) M. cirris geminis,
corpore rubro
.

Bloch tab. 348. fig. 2.

Zumahl im mittländischen Meere. Ungefähr fuß-
lang. Berühmt wegen des Luxus, den weiland die
römischen Schwelger damit getrieben, so wie
wegen des physiologisch merkwürdigen wunder-
samen Farbenspiels, das dieser Fisch (so wie
der Goldkarpfe – S. 292 – u. einige andere)
im sterben zeigt**).

Der M. surmuletus (Bloch tab. 47.) scheint
mir nach genauer Vergleichung gar nicht speci-
fisch von dieser Gattung verschieden.

46. Trigla. Caput loricatum lineis
scabris. Membr. branch. rad.
7; digiti
liberi ad pinnas pectorales
.

1. Volitans. T. digitis vicenis membrana
palmatis
.

Bloch tab. 351.

Einer der fliegenden Fische in den mildern
Welt-Meeren.


VI. ABDOMINALES.

[Seite 300]

Fische, deren Bauchflossen hinter den Brust-
floßfedern sitzen. Die mehresten Süßwasser-
Fische sind aus dieser Ordnung.

47. Cobitis. Oculi in suprema capitis
parte. Membr. branch. rad.
4-6; cauda
versus pinnam minus angustata
.

1. Anableps. C. cirris 2; capite depresso,
oculis prominulis
.

Bloch tab. 361.

Bey Surinam. Gebiert lebendige Junge, und
wird besonders durch den ganz einzigen Bau
seiner gleichsam in zwey Abschnitte halbirten
Hornhaut des Auges, und übrige Einrichtung
der Augäpfel, merkwürdig*).

2. †. Barbatula. der Schmerling, Grundel,
Bartgrundel. (Fr. la loche. Engl. the
loach
.) C. cirris 6, capite inermi compresso.

Bloch tab. 31. fig. 3.

In mehrern Spielarten, mit und ohne Bart-
fäden etc. Die größten finden sich in der Aar in
der Schweiz.

3. †. Fossilis. der Wetterfisch, Peizker,
Schlammbeisker, die Pipe, Steinpietsche,
Kurrpietsche. C. cirris 6, spina supra
oculos
.

Bloch tab. 31. fig. 1.

[Seite 301]

In Europa kann wie der Knurrhahn einen
Laut von sich geben. Wenn man ihn in
Gläsern, mit Sand am Boden, erhält, so
wird er bey bevorstehender Wetterveränderung
unruhig*).

48. Silurus. Caput nudum. Os cir-
ris filiformibus tentaculatum. Membr
.
branch. rad. 4-14; radius pinnarum
pectoralium aut dorsalis primus spi-
nosus, retrodentatus
.

1. †. Glanis. der Wels, Schaidfisch. S. pinna
dorsali unica mutica, cirris
6.

Bloch tab. 34.

In den mildern Strichen der alten Welt.
Nebst dem Hausen der größte Süßwasser-Fisch,
der wohl 3 Centner am Gewicht hält, und wegen
des unförmlich großen und breiten Kopfes und der
langen Bartfäden ein sonderbares Ansehen hat.

2. Cataphractus. S. pinna dorsali postica
uniradiata, squamis ordine simplici, cirris

6 cauda integra.

Catesby vol. III tab. 19.

In Nordamerica.

3. Electricus. der Zitter-Wels, Raasch. (Fr.
le trembleur.) S. pinna dorsali unica lumbari,
remota absque radiis, cirris
6.

Broussonet in den Mém. de l'ac. des sc.
de Paris
, 1782. tab. 20.

Ebenfalls ein electrischer Fisch. (§. 110.) Fin-
det sich im Nil und mehrern andern africani-
[Seite 302] schen Flüssen. Wild ungefähr 20 Zoll lang.
Ist eßbar.

49. Loricaria. (Fr. cuirassier .) Caput
laeve depressum. Os edentulum re-
tractile. Membr. branch. radiis
6;
corpus cataphractum.

1. Plecostomus. L. pinnis dorsi duabus.

Bloch tab. 374.

In Südamerica.

50. Salmo. Caput laeve. Dentes in
maxillis, lingua. Membr. branch.
rad
. 4-10; pinna dorsalis postica adi-
posa: pinnae ventrales multiradiatae
.

1. †. Salar. der Lachs, Salm. (Fr. le sau-
mon
. Engl. the salmon.) S. rostro ultra
inferiorem maxillam prominente.

Bloch tab. 20. 98.

In den nordischen Meeren und Flüssen, theils,
wie auf Labrador und im Amur-Lande in unsäg-
licher Menge. Hält sich des Sommers in den
Flüssen, im Winter aber in der See auf. Nur
die Männchen haben einen gebogenen Unterkiefer.
Die Weiber der Orotchys-Tungusen wissen die
Lachshäute durch Gerben ausnehmend geschmeidig
zu machen, um sich damit zu kleiden.

2. †. Trutta. die Lachs-Forelle. (Fr. la
truitte saumonée
. Engl. the sea trout.) S.
ocellis nigris iridibus brunneis, pinna
pectorali punctis
6.

Bloch tab. 21.

[Seite 303]

An den Küsten und in den Flüssen von Europa.
Wird 8 bis 10 Pfund schwer.

3. †. Fario. die Forelle. (Fr. la truite. Engl.
the trout.) S. maculis rubris, maxilla in-
feriore sublongiore
.

Bloch tab. 22. 23.

In schattigen Waldbächen des gebirgigen mil-
dern Europa und Asien. Wird selten über 2 Pfund
schwer. Variirt sehr an Farbe und Geschmack.

4. †. Alpinus. die Alpenforelle, der Roth-
fisch. S. dorso nigro lateribus caeruleis,
ventre fulvo
.

Bloch tab. 104.

Im alpinischen und nördlichen Europa. Ein
wichtiges Thier für die Schwedischen Lappen,
deren beynahe einzige Nahrung es zu Zeiten
ausmacht; lebt großentheils von Mücken (cu-
lex pipiens
).

5. †. Eperlanus. der große Stint, Alander.
(Engl. the smelt.) S. capite diaphano, radiis
pinnae ani
17.

Bloch tab. 28. fig. 2.

Im nördlichen Europa. Fast durchscheinend. –
Ihm ähnelt der so genannte grönländische Häring.
Angmarset (Salmo arcticus) den die Grönlän-
der nächst ihrer Hauptnahrung, dem Seehund-
fleische, in größter Menge gleichsam statt Brot
oder Kuchen verzehren.

6. †. Lavaretus. der Gangfisch, Schnepel,
Weißfisch. S. maxilla superiore longiore,
radiis pinnae dorsi
14.

Bloch tab. 25.

In der Nord- und Ostsee; auch in der Hud-
sonsbay. – Dahin gehören vermuthlich auch die
Felchen, und der Aalbock im Thuner-See, der
[Seite 304] mit der Ferra des Genfer-Sees einerley zu
seyn scheint.

7. †. Thymallus. die Aesche. (Fr. l'ombre.)
S. maxilla superiore longiore, pinna dorsi
radiis
23.

Bloch tab. 24.

Im mittlern Europa und Sibirien.

51. Fistularia. Caput: rostrum cy-
lindricum, apice maxillosum. Membr
.
branch. radiis 7; corpus. ...

1. Tabacaria. F. cauda bifida setifera.

Bloch tab. 387.

Das so gar sonderbar gebildete Thier mit
winzig-kleinem Maule an einer mächtig langen
Schnauze findet sich an den östlichen Küsten vom
wärmern America und an Neuholland.

52. Esox. Caput supra planiusculum;
mandibula superiore plana breviore, in-
feriore punctata; dentes in maxillis,
lingua. Membr. branch. rad.
7-12.

1. †. Lucius. der Hecht. (Fr. le brochet. Engl.
the pike.) E. rostro depresso subaequali.

Bloch tab. 32.

In vielen Flüssen und Seen von Europa, Asien,
und Nordamerica. Einer der gefräßigsten Raub-
fische, der nicht nur andere Fische, sondern auch
allerhand Amphibien, Kröten etc. viele Wasser-
vögel und kleine Säugethiere, auch zuweilen gar
Krebse verschlingt.

2. †. Belone. der Hornfisch. (Fr. l'orphie.
Engl. the garpike.) E. rostro utraque
maxilla subulato
.

Bloch tab. 33.

[Seite 305]

In den europäischen Meeren, theils in unsäg-
licher Menge.

53. Polypterus. Membr. branch.
radio unico. Spiracula utrinque bina in
vertice. Pinnae dorsales numerosae
.

1. Bichir.

Geoffroy-Saint-Hilaire Mémoires
d'histoire naturelle
tab
. 5.

Im Nil. Ungefähr zwey Spannen lang, von
meergrüner Farbe, wie mit knöchernen Schuppen
gepanzert. Seine zahlreichen Rückenflossen (16
und darüber); und die gleichsam wie an Beinen
ansitzenden Brust- und Bauchflossen, so wie noch
mehrere auffallende Eigenheiten zeichnen dieses
sonderbare Thier zu einem eigenen Geschlechte
aus.

54. Elops. Caput laeve. Dentium sca-
brities in maxillarum margine, palato.
Membr. branch. radiis
30; praeterea
exterius in medio armata dentibus
5.

1. Saurus. E. cauda supra infraque armata.

Bloch tab. 393.

Auf Jamaica.

55. Argentina. Dentes in maxillis,
lingua. Membr. branch. radiis
8. Cor-
pus ano caudae vicino. Pinnae ventra-
les multiradiatae
.

1. Carolina. A. pinna anali radiis 15.

Catesby vol. II. tab. 24.

Hat den Namen von seinem Vaterlande.

[Seite 306]

56. Atherina. Caput maxilla superiore
planiuscula. Membr. branch. radiis
6.
Corpus fascia laterali argentea.

1. Hepsetus. A. pinna ani radiis fere 12.

Bloch tab. 393. fig. 3.

Im mittländischen Meere.

57. Mugil. Caput; Labia membranacea:
inferius introrsum carinatum. Dentes
nulli. Denticulus inflexus supra sinus
oris. Membr. branch. rad.
7. curvis.
Opercula laevia rotundata. Corpus
albicans
.

1. Cephalus. M. pinna dorsali anteriore quin-
queardiata
.

Bloch tab. 394.

Im mittländischen u.a. Meeren.

58. Exocoetus. Caput squamosum.
Os edentulum, maxillis utroque latere
connexis. Membr. branch. radiis
10.
Corpus albicans, abdomen angulatum,
pinnae pectorales maxime volatiles,
radiis antice carinatis
.

1. Volitans. der fliegende Häring. E. abdo-
mine utrinque carinato
.

Der gemeinste aller fliegenden Fische. Findet
sich meist in allen wärmern Weltmeeren; theils
in großen Scharen.

Die seltenste Gattung dieses Geschlechts, der
Exocoetus mesogaster (– Abbild. n. h. Ge-
genst
. tab
. 100. –) die zumahl im Westen des
[Seite 307] atlantischen Oceans zu Hause ist, zeichnet sich
durch die Stellung der Bauchflossen an der
Mitte des Unterleibes, und dadurch aus, daß
die mittlern Strahlen in denselben die läng-
sten sind.

59. Polynemus. Caput compressum,
undique squamosum; rostro obtusissimo
prominente. Membr. branch. rad.
5.
vel. 7. Corpus digitis liberis ad pin-
nas pectorales
.

1. Quinquarius P. digitis quinque corpore
longioribus
.

Seba vol. III. tab. 27. fig. 2.

In Westindien.

60. Clupea. Caput maxillarum supe-
riorum mystacibus serratis. Membr.
branch. rad.
8. Branchiae interne se-
taceae. Abdominis carina serrata. Pin-
nae ventrales saepe novemradiatae
.

1. Harengus. der Häring, Strömling.
(membras? Fr. l'hareng. Engl. the herr-
ing
.) C. immaculata, maxilla inferiore
longiore
.

Bloch tab. 29.

Einer der wichtigsten Fische für die nördliche
Erde, der zwar von Menschen und sehr vielen
Thieren (zumahl vom Nordkaper, von manchen
Möven-Gattungen etc.) verfolgt wird, sich
aber auch dagegen zum bewundern stark ver-
mehrt. Besonders sind nun seit dem zwölften
Jahrhundert bey Gelegenheit ihrer großen äußerst
[Seite 308] bestimmten, regelmäßigen Sommer-Reisen
(– s. oben §. 109. –) nach den europäischen
Küsten, zumahl nach den Orcaden, nach Nor-
wegen etc. so viele tausend Europäer mit ihrem
Fang beschäftig.

2. †. Sprattus. die Sprotte, der Breitling.
(Fr. la sardine. Engl. the sprat.) C. pinna
dorsali radiis
13.

Bloch tab. 29. fig. 2.

Ebenfalls in den nördlichen Meeren, aber
auch im mittländischen. Ist von manchen Na-
turforschern irrig für den jungen Häring gehal-
ten worden.

3. †. Alosa. die Alse, der Mutterhäring,
Mayfisch. (Fr. l'alose. Engl. the shad.) C.
lateribus nigro maculatis, rostro nigro
.

Bloch tab. 30. fig. 1.

Vorzüglich häufig im mittländischen Meere;
aber auch in der Nord- und Ostsee etc.

4. †. Encrasicolus. die Sardelle, der Anscho-
vis. (Fr. l'anchois.) C. maxilla superiore
longiore
.

Bloch tab. 30. fig. 2.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem vorigen.
Wird vorzüglich häufig an Gorgona im Golfo
di Livorno gefangen.

61. Cyprinus. Caput ore edentulo.
Os nasale bisulcum. Membr. branch.
rad.
3. Corpus laeve albens. Pinnae
ventrales saepe novemradiatae
.

[Seite 309]

1. †. Barbus. die Flußbarbe. C. pinna ani
radiis
7, cirris 7, pinnae dorsi radio secundo
utrinque serrato
.

Bloch tab. 18.

Im mildern Europa und westlichen Asien.
Ihr Rogen ist giftig, so daß sein Genuß schon
oft sehr gefahrvolle Zufälle erregt hat*).

2. †. Carpio. der Karpfe. (Fr. la carpe.
Engl. the carp.) C. pinna ani radiis 9,
cirris 4, pinnae dorsalis radio secundo po-
stice serrato
.

Bloch tab. 16.

Jetzt nun meist in ganz Europa. Ins nörd-
lichere seit 300 J. allgemach durch die Kunst
verpflanzt. Soll mit verwandten Gattungen,
zumahl mit der Karausche, Bastarden geben.
Auch finden sich unter den Karpfen häufiger Miß-
geburten als unter irgend einer andern bekannten
Fischgattung. – Die Spiegelkarpfen**), die
sich besonders durch die beständig von Schuppen
entblößten Theile des Körpers auszeichnen, schei-
nen doch keine bloße Spielart, sondern eine be-
sondere Gattung dieses Geschlechts zu seyn.

3. †. Tinca. die Schleihe. (Fr. la tanche.
Engl. the tench.) C. pinna ani radiis 25,
cauda integra, corpore mucoso cirris 2.

Bloch tab. 19.

Einer der weitstverbreiteten Flußfische. Kann
mit den Kiemendeckeln einen Laut von sich geben.
[Seite 310] Die Goldschleihe*) ist einer der schönsten deut-
schen Fische.

4. †. Carassus. die Karausche. (Fr. le carassin.
Engl. the crucian.) C. pinna ani radiis 10,
cauda integra, linea laterali recta.

Bloch tab. 11.

In Europa und Mittel-Asien.

5. Auratus. das schinesiche Goldfischchen,
der Goldkarpfe, Kin-ju. (Fr. la dorée.
Engl. the goldfish.) C. pinna ani gemina,
caudae trifida transversa bifurca
.

Baster in Haarlem. Verhandl. VII. D.
1. St. mit illum. Fig.

In Japan und Schina, wo sie gleichsam als
Hausthiere gehalten werden, und in mancherley
wunderbare, theils fast monströse Varietäten,
der vortrefflichen Farben, Zahl und Bildung der
Flossen, Größe der Augen etc. ausgeartet sind.
Sie kommen auch im mildern Europa recht gut
fort. Können sogar Jahr und Tag im bloßen
Wasser ohne alle weitre Nahrung leben, und
geben dabey doch von Zeit zu Zeit Unrath
von sich.

6. †. Phoxinus. die Elritze. (Fr. le vairon.
Engl. the minow.) C. pinna ani radiis 8,
macula fusca ad caudam, corpore pel-
lucido
.

Bloch tab. 8. fig. 5.

Häufig in der Weser.

[Seite 311]

7. †. Orfus. der Orf, Urf, Würfling, Elft.
C. pinna ani radiis 13.

Bloch tab. 96.

Zumahl im südlichen Deutschland. Schön
orangefarben.

8. †. Alburnus. der Ukley, Lauge, Weißfisch,
Schneiderfischchen. (Fr. l'able, ablette.
Engl. the bleak.) C. pinna ani rad. 20.

Bloch. tab. 8. fig. 4.

So wie der folgende im mittlern Europa und
westlichen Asien. Meist nur fingerslang. Seine
Schuppen werden zur Verfertigung der Glas-
perlen gebraucht*).

9. †. Brama. der Bley, Brachsen. (Fr. la
brème
.) C. pinna ani rad. 27, pinnis fuscis.

Bloch tab. 13.


Achter Abschnitt.
Von den Insecten.

[Seite 312]

§. 121.

Die Thiere der beiden letzten Classen
(§. 40.), die Insecten und Gewürme, unter-
scheiden sich schon dadurch von den vorhergehen-
den, daß sie kein rothes Blut, sondern statt
dessen einen weißlichen Saft in ihrem Körper
führen: weßhalb sie (§. 23.) auch von den
Alten Blutlose Thiere (animalia exsanguia)
genannt wurden. So wie man sie neuerlich
darum, weil sie keine Rückenwirbel – so wie
überhaupt kein Gerippe – haben, auch
Wirbellose Thiere (Fr. animaux invertébrés)
genannt hat.

§. 122.

Die Insecten haben ihren Nahmen daher,
weil wenigstens im Zustande ihrer vollkom-
menen Ausbildung, Kopf, Brust und Hinter-
leib, wie durch Einschnitte von einander ab-
gesondert sind, ja bey vielen fast nur wie durch
einen Faden unter einander verbunden werden.
Außerdem zeichnen sie sich aber auch (bis auf
wenige Ausnahmen unter den Geschlechtern
der ungeflügelten Ordnung)durch besondere
[Seite 313] theils sehr empfindliche Organe aus, die sie in
ihrem vollkommnen Zustande am Kopfe tragen
(Antennae, Fühlhörner), und die alle
Mahl an der Wurzel eingelenkt, meist aber
auch noch außerdem gegliedert sind; und end-
lich durch die hornartigen, eingelenkten Füße,
und deren größere Anzahl, da die völlig aus-
gebildeten Insecten zum allermindesten ihrer
sechs, manche aber wohl auf anderthalb hun-
dert etc. haben.

§. 123.

Außer den angegebenen Merkzeichen, haben
die Insecten in ihrem Aeußern wenig, was
ihnen allen gemein wäre. Die ganz unermeß-
liche Anzahl der Gattungen, ihre so unendlich
verschiedenen Bestimmungen, und dahin ab-
zweckende eben so verschiedene Lebensart, Be-
dürfnisse etc. erfordern eine äußerst vielartige
Bildung, in welcher sie, so wie in der unglei-
chen Größe ihres Körpers, ausnehmend von
einander abweichen.

§. 124.

Selbst die äußere Bedeckung ihres Kör-
pers ist mannigfaltiger als bey den übrigen
Thieren. Sehr viele sind wie mit einem horn-
artigen Panzer überzogen, der aus mehrern
Stücken besteht, die sich wie die Schienen eines
Blechhandschuhes über einander schieben lassen;
[Seite 314] und wodurch diese Thiere vor mancherley Un-
fällen gesichert, und für den Mangel der
Knochen, die bey andern Thieren zur Anlage
der Muskeln etc. dienen, entschädigt werden.
Manche sind mit seinen Haaren besetzt,
und bey den Schmetterlingen etc. die Flügel
mit so genannten Federchen, oder vielmehr
Schuppen bedeckt, die zum Theil von den
schönsten Farben sind: so wie sich überhaupt
unter den Insecten Thiere von unbeschreib-
licher Schönheit finden.

§. 125.

Auch in der Einrichtung der Sinnwerk-
zeuge*), und also vermuthlich auch in der Art
der Empfindung, weichen die Insecten gar
sehr von den übrigen Thieren ab, so daß
ihnen sogar manche Naturforscher verschiedne
von unsern fünf äußern Sinnen, zumahl
das Gehör und den Geruch, ohne Grund
haben absprechen wollen; da man doch jenes
bey vielen die einander zur Paarungszeit durch
einen besondern Laut locken, und diesen bey
noch weit mehreren, die ihren versteckten
Fraß auswittern, unverkennbar wahrnimmt.

§. 126.

[Seite 315]

Die Augen der Insecten sind vorzüglich
merkwürdig, und zwar in Rücksicht ihres
Baues von zweyfacher Art. Die einen sind
große Halbkugeln, die aber meist aus taufen-
den von Facetten, bey einigen auch aus zahl-
reichen kegelförmigen Spitzen, bestehen, die
auf der innern Seite mit einem theils buntfar-
bigen oder glänzenden Anstrich überzogen sind.
Die mehresten geflügelten Insecten, aber auch
manche ungeflügelte, wie der Flußkrebs, Hum-
mer etc. haben dergleichen. Die Augen der
andern Art (stemmata, ocelli) sind einfach,
klein, und so wohl in Rücksicht ihrer Anzahl
als Lage verschieden. Die erstern scheinen
mehr für die Ferne, so wie die letztern für
die Nähe bestimmt zu seyn; wenigstens reimt
sich dieß damit, daß die Schmetterlinge in
ihrem geflügelten vollkommnen Zustande
solche große componirte telescopische Augen
kriegen, da sie vorher als Raupen nur myo-
pische kleine Augen hatten. Nur wenige In-
secten, wie z.B. die Krebse, können ihre Augen
bewegen.

§. 127.

Die Fühlhörner*), die bey den verschie-
denen Gattungen, und bey manchen selbst nach
der Sexualdifferenz derselben, sehr vielartig
[Seite 316] gestaltet sind, und die manche Naturforscher
für Organe des Geruchs oder des Geschmacks etc.
angesehen haben, scheinen doch nichts weiter
zu seyn, als was ihr Nahme andeutet, –
Werkzeuge des Tastens, Sonden, Tangenten,
die ihnen bey ihrer harten unempfindlichen,
äußern Decke, und den mehrsten auch bey der
Unbeweglichkeit ihrer Augen doppelt wichtig
werden. Die Insecten scheinen das feinste
Gefühl in ihren Antennen, wie wir in den
Fingerspitzen, zu haben; und da sie großentheils
im Dunkeln leben, dadurch, so wie Blinde,
den Mangel des Lichts durch feines Gefühl
zu ersetzen. – Hingegen ist der allgemeine
Hauptzweck der so genannten Freßspitzen
(palpi), die meist neben den Freßwerkzeugen
der Insecten sitzen, und nur wenigen gänzlich
zu fehlen scheinen, und die auch von manchen
für Sinnwerkzeuge dieser Thiere gehalten wor-
den, noch sehr räthselhaft.

§. 128.

Im innern Körperbau*) weichen die
Insecten gar sehr von den rothblütigen Thie-
ren ab.

Was man z.E. bey den Raupen für ihr
Herz angesehen hat, das ist ein langer Canal
[Seite 317] von ungleicher Weite der längs des Rückens
liegt, aus welchem aber nicht eine einzige Ader
entspringt, so daß folglich auch die Ernährung
bey diesen Insecten auf eine eigene, von der
Nutrition der rothblütigen Thiere ganz ver-
schiedene Art vor sich gehen muß.

Hingegen sind sie mit unzähligen Luftröh-
ren vom erstaunenswürdigsten, feinsten Bau,
und mit äußerst zahlreichen Muskeln, die
aber auch so wohl in der Bildung als in
der Farbe von den Muskeln der rothblütigen
Thiere abweichen, versehen.

§. 129.

Ungeachtet die Insecten eben so wohl als
die rothblütigen Thiere, des Umsatzes von Koh-
lenstoff gegen Sauerstoff (§. 24.) zur Erhaltung
ihres Lebens bedürfen; so bemerkt man doch nur
bey wenigen (wie z.B. bey den Krebsen, Heu-
schrecken und manchen Cicaden und Käfern etc.)
eine dem Athemhohlen ähnliche Bewegung.
Ueberhaupt aber schöpft kein Insect seine
Luft durch den Mund sondern durch mancherley
andere spiracula*). Auch können die meisten
weit länger als jene rothblütigen Thiere im
so genannten luftleeren Raume aushalten;
und viele leben in der den so eben genannten
Thieren so schädlichen mephitischen Luft, worin
[Seite 318] animalische und vegetabilische Stoffe faulen
(– dem gekohlten Wasserstoffgas etc. –)
gleichsam als in ihrem Elemente.

§. 130.

Ueberhaupt ist der Aufenthalt der Insecten
auf und unter der Erde*) weit unbeschränkter,
als der von irgend einer andern Thierclasse.
Es sind fast auf allen warmblütigen Thieren
welche anzutreffen, und sogar größere In-
secten, wie z.B. Käfer, Bienen etc. haben
selbst wieder ihre besonderen Milben und
Läuse. Auch sind wohl nur wenige Ge-
wächse (etwa der Taxus, der Sevenbaum,
und die mehrsten Laubmoose etc.) die gar keinen
bekannten Insecten zur Wohnung und Aufent-
halt dienen. Da hingegen manche, wie z.B.
die Eiche, von mehr als einem hundert ver-
schiedener Gattungen von Insecten bewohnt
und besucht werden. – So allgemein aber
die Insecten, im Ganzen genommen, über
die ganze Erde verbreitet sind, so streng ist
doch dagegen vielen einzelnen Gattungen ihr
ganz besonderer, eingeschränkter Aufenthalt
[Seite 319] auf bestimmten Thieren oder Pflanzen, und
deren einzelnen Theilen angewiesen.

§. 131.

Nur wenige Insecten leben in gesellschaft-
licher Verbindung, und leisten einander in
ihren Geschäften wechselseitige Hülse. Die
allermeisten gehen einzeln und isolirt ihren
Verrichtungen nach und manche, die wie die
Spinnen in zahlreicher Gesellschaft jung wor-
den sind, zerstreuen sich bald nachher, und
leben einsiedlerisch, so daß viele außer der
Begattungszeit kein anderes Geschöpf ihrer
Art wieder zu sehen kriegen.

§. 132.

Der überaus merkwürdigen Gebäude, Woh-
nungen etc. die sich so viele Insecten zu ver-
fertigen wissen, ist schon oben den Anlaß der
Kunsttriebe (§. 36.) Erwähnung geschehen.
Es sind wenige Thiere dieser Classe, die nicht
wenigstens Ein Mahl, in einer gewissen Pe-
riode ihres Lebens Proben dieser natürlichen
Kunstfähigkeit ablegen sollten, indem sie ent-
weder wie die Kleidermotten und Frühlings-
fliegen in ihrer unvollendeten Gestalt, als
Larven sich ein Gehäuse zum Aufenthalte und
zum Schutze verfertigen; oder sich, um die
Verwandlung und den langen Todesschlaf zu
bestehen, ein Lager bereiten, sich einspinnen etc.,
[Seite 320] oder die sich wie die Ameisenlöwen Fallgruben
graben, und wie die Spinnen Netze für ihren
Raub weben; oder die wie manche Wasser-
käfer und Spinnen, zur Sicherheit für ihre
Nachkommenschaft, Säcke oder Nester zube-
reiten, denen sie ihre Eyer anvertrauen können.
Manche von denen, die in gesellschaftlicher
Verbindung leben, bauen sich mit vereinten
Kräften, und nach den Gesetzen einer äußerst
regelmäßigen, ihnen angebornen Meßkunst,
gemeinschaftliche Wohnungen u.s.w.

§. 133.

Bey der Ernährungsart der Insecten
sieht man offenbar, daß dieselbe nicht, wie bey
den allermehrsten rothblütigen Thieren, bloß
auf ihre Selbsterhaltung, sondern hauptsäch-
lich darauf abzweckt, daß sie organisirte Ma-
terie consumiren sollen. Sie müssen essen,
nicht bloß um satt zu werden, sondern um
zugleich Aas zu verzehren, um selbst wieder
andere lebendige Insecten aufzureiben etc., um
Unkraut zu vertilgen etc. – eine große Be-
stimmung, zu deren Erfüllung außer der fast
zahllosen Menge der Gattungen überhaupt,
sehr vielen von diesen speciebus, theils ihre
äußerst starke Vermehrung, theils ihre bey-
spiellos heftige Freßgierde und schnelle Ver-
dauung bey einem sehr kurzen Darmcanal zu
Statten kommt. Man weiß z.B., daß eine
[Seite 321] Raupe in 24 Stunden das Triplum ihres
eigenen Gewichts verzehren kann. – Auch
sind die Freßwerkzeuge der Insecten vielarti-
ger als in irgend einer andern Thierclasse: da
manche mit seitwärts beweglichen gezähnelten
Kinnladen und Freßzangen (maxillae); an-
dere mit einem zugespitzten hornartigen Bohr-
rüssel (rostrum); andere mit einem fleischigen
Schlurfrüssel mit breiter Mündung (proboscis);
manche mit einer spiralförmig aufgerollten (so
genannten) Zunge etc. versehen sind.

§. 134.

Vor den Nachstellungen ihrer Feinde
sind einige Insecten, wie z.B. die Spann-
raupen durch ihre täuschende Gestalt; andere
dadurch daß sie einerley Farbe mit den Ge-
wächsen haben, worauf sie leben*), folglich
weniger darauf abstechen, und nicht so leicht
bemerkt werden können; andere auch wohl
durch den heftigen Geruch, den sie im Nothfall
verbreiten können; andere durch die Macht
des gesellschaftlichen Lebens; noch andere durch
ihre bewundernswürdige Stärke etc. gesichert.
Und manche sind gar mit Waffen, z.B.
mit Hörnern wie Kneipzangen, oder mit
Stachel und Gift versehen.

§. 135.

[Seite 322]

Auch bey der Fortpflanzung der Insecten
zeigen sich ungemein viele eigene Sonderbar-
keiten. So z.B., daß oft in einer und eben
derselben Gattung die beiden Geschlechter ein-
ander so äußerst unähnlich gebildet sind, daß
man sie eher für ganz verschiedene Thierarten,
als für zusammen gehörige Gatten halten
sollte: oder daß unter den Bienen und an-
dern ihnen verwandten Insecten immer die
größte Anzahl gänzlich geschlechtlos ist; das
heißt, daß sie gezeugt und gebohren werden,
ohne doch nach dem ordentlichen Laufe selbst
die Bestimmung zur Empfängniß oder zur
Zeugung zu haben.

§. 136.

Ferner hat die Begattung bey verschiede-
nen Insecten seht viel Eigenes. Bey nicht
wenigen Gattungen wird sie z.B. im Fluge
vollzogen, und manche derselben sind bloß für
diese kurze Paarungszeit geflügelt. – Ueber-
haupt aber leben die mehresten in sofern in ei-
ner gezwungenen Monogamie, daß sie schlech-
terdings nicht mehr als ein einziges Mahl in
ihrem Leben sich paaren können: der Tod ist
bey ihnen eine so unausbleibliche Folge der
ersten Begattung, daß man sogar ihr Leben
durch verzögerte Paarung verlängern kann.

§. 137.

[Seite 323]

Zu andern Sonderbarkeiten beym Fortpflan-
zungsgeschäfte der Insecten gehört auch, daß
bey vielen, wie z.B. beym Cochenille-Wurm,
beym Sandfloh etc. das trächtige Weibchen zu
einer ganz ungeheuren Größe anwächst: so daß
man z.B. rechnet, daß bey der weißen Ameise
der Hinterleib der zum Gebühren reifen Mutter
auf 2000 Mahl dicker und größer ist als er
vor der Befruchtung war.

§. 138.

Die mehresten Insecten legen Eyer, die
von den Müttern nach einem bewundernswür-
digen Instinct immer aufs genaueste an die
bestimmten der künftigen jungen Brut ange-
messensten Orte gebracht werden. Manche legen
z.B. ihre Eyer bloß in den Körper lebendiger
Insecten anderer Art, in Raupen; oder in
Puppen; oder gar in anderer Insecten ihre
Eyer; denn wirklich kriecht zuweilen aus den
Eyern der Ringelraupe statt der jungen Raupe
eine eigene Art kleiner Mückchen aus.

Auch sind die Insecten-Eyer zum Theil,
zumahl bey den Schmetterlingen, von einer
überaus mannigfaltigen sonderbaren Bildung
und Zeichnung, und wenn sie von der Mutter
an die freye Luft gelegt werden, mit einer Art
Firniß überzogen, damit sie weder vom Regen
abgespült noch durch andern Zufall leicht zer-
[Seite 324] stört werden können. Einige wenige Insecten
gebähren lebendige Junge, und manche,
wie die Blattläuse, pflanzen sich auf beiderley
Weise fort.

§. 139.

Ein äußerst merkwürdiges Phänomen, das
fast bloß dieser Thierclasse eigen, wenigstens
in den andern (§. 72. Anm. 94. 116.), bey
weiten nicht so auffallend wird, ist ihre Meta-
morphose. Es kommt nähmlich kein ein-
ziges geflügeltes Insect unmittelbar aus dem
Ey, sondern diese alle müssen sich (– so wie
auch einige ungeflügelte –) erst in gewissen
Lebensepochen einer Art von Verwandlung
unterziehen. Dabey wird nicht nur ihre äußere
Gestaltung, sondern zugleich ihr innerer Kör-
perbau (gegen die gemeine Meynung) auf eine
Weise umgebildet*), die sich schwerlich mit
der vorgeblichen Präexistenz präformirter
Keime (§. 7.) zusammen reimen läßt**).

§. 140.

[Seite 325]

In der Gestalt, wie diese Insecten, die sich
einer Metamorphose unterziehen, zuerst aus
dem Ey kriechen, heißen sie Larven. Meist
kommen sie äußerst klein aus Licht, so daß
z.B. eine erwachsene Weidenraupe 72,000
Mahl schwerer wiegt als da sie eben aus dem
Ey gekrochen war. Dagegen wachsen sie aber
auch desto schneller, so daß z.B. die Maden
der blauen Schmeißfliege 24 Stunden nach
dem Auskriechen schon 155. Mahl schwerer sind
als da sie aus dem Ey kamen.

Theils haben diese Larven Füße, wie die
Raupen und Engerlinge: theils aber keine,
wie die Maden. Flügel haben sie gar noch
nicht. Auch sind sie in diesem Zustande zur
Fortpflanzung noch gänzlich unfähig: sie er-
nähren sich bloß, und wachsen, und häuten
sich mit unter einige Mahl.

§. 141.

In der Gestalt, worein die Larve umgebil-
det wird, heißt sie Nymphe. Manche kön-
nen sich während dieses Zustandes herum be-
wegen, auch Nahrungsmittel zu sich nehmen.
Andere hingegen verschließen sich als Puppe
[Seite 326] (chrysalis, aurelia), und bringen diesen Theil
ihres Lebens in einem betäubenden Todesschlaf,
ohne Nahrungsmittel, und ohne sich von der
Stelle zu bewegen, zu.

§. 142.

Allein während der Zeit, da das Geschöpf
so ganz fühllos und erstarrt in seiner Hülse
vergraben scheint, geht mit ihm selbst die
große Palingenesie vor, daß es aus seinem
Larvenstand zum vollkommenen Insect (in-
sectum declaratum, imago
) umgebildet wird,
und zu bestimmter Zeit aus seinem Kerker
hervorbrechen kann. Manche Insecten absol-
viren diese letzte Role ihres Lebens in einer sehr
kurzen Zeit. Verschiedene bringen, wenn sie
aus ihrer Hülfe kriechen, nicht ein Mahl einen
Mund mit zur Welt, sie fressen nicht mehr,
sie wachsen nicht weiter; jene beiden Bestim-
mungen eines organisirten Körpers hatten sie
schon als Larven erfüllt; jetzt ist ihnen nur
noch die dritte übrig: sie sollen ihr Geschlecht
fortpflanzen, und dann der Nachkommenschaft
Platz machen, und sterben.

§. 143.

Die unmittelbare Brauchbarkeit*) der
Insecten für den Menschen ist ziemlich einfach:
dagegen aber ist der Antheil, den diese kleinen
[Seite 327] wenig bemerkten Thiere an der großen Haus-
haltung der Natur haben, desto mannigfalti-
ger und ganz unermeßlich. Sie sind es, die
unzählige Arten von Unkraut theils im Keim
ersticken, theils, wenn es auch aufgewachsen
ist, vertilgen, und seinem fernern Wuchern
vorbeugen. Einen andern ebenfalls äußerst
wichtigen Nutzen leisten so viele Insecten, die
sich von Aas nähren, im Miste leben u.s.w.
und die dadurch, daß sie diese widrigen ani-
malischen Substanzen aufzehren, zerstreuen
und durchwirken, von der einen Seite der
Infection der Luft vorbeugen, und von
der andern die allgemeine Düngung des
Erdreichs befördern. Aus jener Rücksicht
werden z.B. die Schmeißfliegen in den heißen
Erdstrichen so wohlthätig. Anderseits beför-
dern auch unzählige Insecten die Befruchtung
der Gewächse, auf überaus merkwürdige
Weise*), und eine Gattung von Gallwespen
benutzt man zur Zeitigung der Feigen. Ver-
schiedenartige Insecten werden von den Fischern
zu Angelköder gebraucht. Manche Thiere
dieser Classe, wie die Krebse, und einige
Gattungen von Heuschrecken etc. sind eßbar.
So der Honig der Bienen, aus welchen auch
in manchen Gegenden von Europa so wie im
[Seite 328] Innern von Africa der Meth gewonnen wird.
Die Seide nutzt zur Kleidung und mancherley
anderm Gebrauch. Verschiedene Insecten
geben treffliche Farben, wie die Cochenille
den Scharlach etc. Die Galläpfel werden zur
Tinte, und Wachs zu Kerzen und vielerley
andern Gebrauch benutzt. So das Lack,
ein Product gewisser ostindischer Schildläuse,
das zu Firniß, zum Siegellack u.s.w. ver-
braucht wird. Für die Arzney sind vorzüg-
lich die spanischen Fliegen, die Kelleresel und
die Ameisen von Belange, und neuerlich sind
auch die so genannten Maywürmer, vom
neuen als Hülfsmittel gegen die Wasserscheue,
so wie manche andere Käser gegen Zahnweh,
gepriesen worden.

§. 144.

So unermeßlich der Nutze der Insecten
ist, so ist aber auch anderseits der Schaden*)
sehr erheblich, den viele Gattungen derselben
anrichten. Viele sind den Feldfrüchten
überhaupt gefährlich, verursachen Mißwachs,
und verheeren, wie die Zug-Heuschrecken,
junge Saat, und alles, wo sie auffallen.
Manche sind besonders dem Getreide nach-
theilig; andere, wie so viele Raupen, Erd-
flöhe, Engerlinge etc. den Gartengewächsen;
andere Raupen und Käferlarven etc. den Obst-
[Seite 329] bäumen; die Schildläuse besonders der
Orangerie; die Larven einiger Dermestes-
Gattungen und die Holzraupen den Hol-
zungen; die Ameisen, Grasraupen etc. den
Wiesen; die Brod-Schaben den Victualien;
die weißen Ameisen etc. dem Hausgeräthe etc.;
die Kleidermotten der Wolle, dem Pelz-
werk u.s.w. Die Larven vieler kleiner
Käferchen den Büchern und Naturalien-
sammlungen. Endlich werden auch einige
Arten von so genanntem Ungeziefer dem
Menschen selbst, so wie den Pferden, Schafen,
Hühnern und andern Hausthieren, ja sogar
verschiedenen nutzbaren Insecten, den Bienen,
Seidenwürmern etc. auf unmittelbare Weise
lästig; und andere, wie manche Skorpione etc.
durch ihr Gift, furchtbar.

§. 145.

In der systematischen Anordnung folge
ich in dieser Classe dem Entwurf des R. Linné
wie es die Einrichtung eines solchen, besonders
auch zu halbjährigen Vorlesungen über die
ganze N. G. bestimmten, Handbuchs wohl
nicht anders gestattet.

I. Ordn. Coleoptera. Käfer. Meist mit
hornartigem Körper. Die Flügel falten
sich in der Ruhe zusammen, und sind mit
zwey hornartigen, Decken oder Schei-
[Seite 330] den belegt, die sich in der Mitte in
gerader Linie an einander schließen.

II. Hemiptera. Mit vier entweder kreuz-
weis zusammen gelegten oder gerade aus-
gestreckten, meist zur Hälfte harten, fast
pergamentähnlichen Flügeln etc. Theils
haben sie Freßzangen, theils einen spitzi-
gen Bohr-Rüssel.

III. Lepidoptera. Schmetterlinge. Mit
weichem behaartem Körper, und vier
ausgespannten Flügeln, die mit bunten
Schuppen bedeckt sind.

IV. Neuroptera. Mit vier durchsichtigen
netzförmigen oder gegitterten Flügeln.

V. Hymenoptera. Mit vier durchsichtigen
geaderten Flügeln.

VI. Diptera. Die Insecten mit zwey
(unbedeckten) Flügeln.

VII. Aptera. Die völlig ungeflügelten.

* * *

Zur N. G. der Insecten.

  1. Th. Mouffet theatrum insectorum. Lond. 1634. Fol.
  2. Jo. Raii historia insectorum. Lond. 1710. 4.
  3. Jo. Swammerdam algemesne Verhandeling van de
    bloedeloose Dierkens
    . Utr
    . 1669. 4.
  4. Ej. biblia naturae. LB. 1737. Fol.
  5. Mar. Sib. Merian metamorphosis insectorum Suri-
    namensium
    . Amst
    . 1705. Fol. max.
  6. Jac. l'Admiral iun. gestaltverwisselnde gekorvene
    Diertjes
    . Amst
    . 1740. Fol.
  7. Joh. Leonh. Frisch Beschreibung von allerhand In-
    secten in Deutschland. Berl. 1720-38. XIII. Th. 4.
  8. G. W. Panzer's Insectenfaune Deutschlands seit
    1795. 12.
  9. Aug. Joh. Rösel monatliche Insecten-Belustigun-
    gen. Nürnb. 1746-61. IV. B. 4.
  10. Chr. Fr. C. Kleemann Beyträge dazu. Ebendas. seit
    1761. 4.
  11. v. Linné fundamenta entomologiae. Ups. 1767. 4.
    it. im VII. B. von Linnés amoenitatib. academic.
  12. I. H. Sulzers Kennzeichen der Insecten. Zürich
    1761. 4.
  13. Dess. abgekürzte Geschichte der Insecten. Winterthur
    1766. 4.
  14. Jac. Chr. Schaeffer elementa entomologica. Ratisb.
    1766. 4.
  15. Ej. icones insectorum Ratisbonensium. ib. 1767. 4.
  16. Jo. Ant. Scopoli entomologia Carniolica. Vindob.
    1763. 8.
  17. Jo. Chr. Fabricii philosophia entomologica. Ham-
    burg
    . 1778. 8.
  18. Ej. systema entomologiae. Flensb. 1775. 8.
  19. Ej. genera insectorum. Kilon. 1776. 8.
  20. Ej. species insectorum. Hamb. 1781. II. vol. 8.
  21. Ej. entomologia systematica. Hafn. 1793. V. vol. 8.
  22. de Reaumur histoire des insectes. Par. 1734-1742.
    VI. vol. 4.
  23. de Geer histoire des insectes. Stockh. 1752-1778.
    VII. vol. 4.
  24. Ej. genera et species insectorum; extraxit A. J.
    Retzius. Lips. 1783. 8.
  25. Geoffroy histoire des insectes des environs de Paris.
    Par. 1762. II. vol. 4.
* * *
  1. Lesser theologie des insectes (trad. de l'allemand)
    avec des remarques de P. Lyonet. à la Haye.
    1742. II. vol. 8.
  2. W. Kirby's and W. Spenge's Introduction to En-
    tomology
    . ed
    . 2. Lond. 1818. II. vol. 8.
* * *
  1. L. G. Scriba Beyträge zur Insectengeschichte. Frkf.
    seit 1790. 4.
* * *
  1. Magazin für Insectenkunde, herausgegeben von K.
    Illiger. Braunschw. 1801-07. VI. Th. 8.
  2. E. F. Germar's Magaz. der Entomologie. Halle seit
    1813. 8.
* * *
  1. Nic. Jos. Brahm Insecten-Calender. Mainz 1790.
    II. Th. 8.
* * *
  1. Anm. Manchem Insectensammler kann wohl die Nach-
    licht interessant seyn, daß ein hiesiger geschickter
    Nadelmacher, Hr. Fehler, nicht nur Insecten-
    nadeln von vorzüglicher Güte verfertigt, sondern
    auch mit Eifer und Kenntniß die Insecten der
    hiesigen Gegend sammelt und Liebhabern gerne
    mittheilt.

I. COLEOPTERA s. Vaginipennia.
(Eleutherata Fabr.)

[Seite 333]

Die Thiere dieser Ordnung*) werden über-
haupt Käfer genannt, ob man gleich diesen
Namen auch dem ersten Geschlechte ins beson-
dere beylegt. Die Larve hat Freßzangen, und
bey den mehresten Geschlechtern sechs Füße,
die an der Brust sitzen: bey einigen, wie
unter den Holzbocken ist sie ohne Füße (eine
Made). Sie verpuppt sich mehrentheils
unter der Erde in einer ausgehöhlten Erd-
Scholle: oder aber, wie bey den genannten
Holzböcken, im Holze. Das vollkommene
Insect kriecht zwar weich aus der Puppe;
seine Haut verhärtet aber in kurzer Zeit an
der Luft; es hat so wie die Larve Kinnladen
am Kopfe, und ist mit harten hornartigen
Flügeldecken (elytra) versehen.

1. Scarabaeus. Käfer. (Fr. hanneton.
Engl. beetle.) Antennae clavatae capitulo
fissili. Tibiae anticae saepius dentatae
.

[Seite 334]

1. Hercules. (Geotrupes Hercules. F.) S. scu-
tellatus, thoracis cornu incurvo maximo;
subtus unidentato, capitis recurvato; supra
multidentato
.

Rösel vol. IV. tab. 5. fig. 3.

In Brasilien. Die Larve einen starken Dau-
men dick. Der Käfer variirt in der Farbe, meist
schmutzig-grün etc.

2. Actaeon. (Geotrupes A. F.) S. scutellatus
thorace bicorni, capitis cornu unidentato,
apice bifido.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. A. fig. 2.

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen.

3. †. Lunaris. (Copris L. F.) S. exscutellatus,
thorace tricorni; intermedio obtuso bifido,
capitis cornu erecto clypeo emarginato
.

Frisch P. IV. tab. 7.

Auf Wiesen und Viehweiden, vorzüglich im
Kuhmist, aus dem er, wie andere verwandte
Käfergattungen, hohle Kugeln formt, die er ein-
zeln unter die Erde verscharrt, an Graswurzeln
befestigt und in jede ein einziges Ey legt.

4. †. Nasicornis. (Geotrupes N. F.) der Nas-
hornkäfer. S. scutellatus, thorace promi-
nentia triplici, capitis cornu incurvato,
antennis heptaphyllis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 7. fig. 8. 10.

Der größte hieländische Käfer; fliegt selten;
als Engerling findet er sich häufig in Gerberlohe
und in hohlen Bäumen; und thut in manchen
Gegenden den Reben großen Schaden.

5. †. Sacer. (Ateuchus S. F.) S. exscutellatus,
clypeo sex-dentato, thorace inermi crenulato,
tibiis posticis ciliatis, vertice subbidentato
.

Sulzers Gesch. tab. I. fig. 3.

[Seite 335]

Namentlich häufig in Aegypten, wo er von
den alten Aegyptiern als das heiligste ihrer my-
tischen Symbole, als Sinnbild der Ober- und
Unterwelt verehrt, und auf ihren Obelisken,
Mumiensarcophagen und mancherley andern
Kunstwerken vorgestellt worden*). Besonders
hat man ihn auf die Rückseite der Aegyptischen
(und auch der Etruskischen) geschnittenen Steine
ausgeschnitzt, die deßhalb Käferrücken oder
Scarabäen genannt werden.

6. †. Fimetarius. (Aphodius F. F.) S. scutel-
latus, thorace inermi, capite tuberculato,
elytris rubris, corpore nigro
.

Frisch P. IV. tab. 19. fig 3.

Im Kuhmist.

7. †. Stercorarius. der Roßkäfer. (Engl. the
dung-beetle
.) S. scutellatus, muticus, ater,
glaber; elytris sulcatis; capite rhombeo
;
vertice prominulo; antennis rubris.

Frisch P. IV. tab. 6. fig. 3.

Besonders im Pferdemist: daher häufig auf
Fahrwegen. Wenn er an heitern Sommeraben-
den herum fliegt, so ist meist auch für den fol-
genden Tag gut Wetter zu erwarten.

8. †. Vernalis. des Mistkäfer. S. scutellatus
muticus, elytris glabris laevissimis, capitis
clypeo rhombeo, vertice prominulo, an-
tennis nigris
.

Sulzer Gesch. tab. 1. fig. 6.

Häufig im Schafmist.

9. †. Horticola. (Melolontha H. F.) der
Gartenkäfer. S. scutellatus muticus, capite
[Seite 336] thoraceque caeruleo subpiloso, elytris gri-
seis, pedibus, nigris
.

Frisch P. IV. tab. 14.

Zumahl an den Obstbäumen etc.

10. †. Melolontha. (Melolontha vulgaris F.)
der Maykäfer, Kreuzkäfer. (Engl. the
May-chaffer, Cock chaffer
.) S. scutellatus
muticus testaceus, thorace villoso; cauda
inflexa, incisuris abdominis albis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 1.

Eins der gemeinsten Insecten, das vier Jahre
lang als Engerling oder Glime unter der Erde
lebt, sich von Getreidewurzeln etc. nährt, und zu-
weilen allgemeinen Mißwachs verursacht hat*).
Nach der Verpuppung kommt es endlich als May-
käfer zum Vorschein, und schadet in dieser Gestalt
dem jungen Laub, besonders an Obstbäumen.

11. †. Solstitialis. (Melolontha S. F.) der
Brachkäfer, Juniuskäfer, Johanniskäfer.
S. scutellatus muticus testaceus, thorace
villoso, elytris luteo-pallidis pellucidis;
lineis tribus albis parallelis
.

Frisch P. IX. tab. 15. fig. 3.

Auch dieses Käfers Larve thut in manchen
Jahren der Saat großen Schaden.

12. †. Auratus. (Cetonia aurata. F.) der
Goldkäfer, Rosenkäfer. S. scutellatus muti-
[Seite 337] cus auratus, segmento abdominis primo
lateribus unidentato, clypeo planiusculo
.

Frisch P. XII. tab. 3. fig. 1.

Die Larve und Puppe findet sich häufig in
Ameisenhaufen, und hohlen Baumstämmen. Der
schöne Käfer selbst aber in Gärten etc. Man hat
Beyspiele, daß er mit angefeuchteten Brot-
rinden gefüttert, über 8 Jahre lebendig erhal-
ten worden.

2. Lucanus. Antennae clavatae; clava
compressa latere latiore pectinato fissili
.
Maxillae porrectae, exsertae, dentatae.

1. †. Cervus. der Hirschkäfer, Hornschröter,
Weinschröter. (Fr. le cerf volant. Engl.
the flag beetle.) L. scutellatus; maxillis
exsertis, apice bifurcatis, latere uniden-
tatis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 5.

Nächst den Krebsen das größte deutsche Insect,
lebt vorzüglich in Eichenwäldern. Nur das
Männchen hat die Geweihen ähnelnden Kneip-
zangen am Kopfe.

3. Dermestes. Antennae clavatae;
capitulo perfoliato; articulis tribus
crassioribus. Thorax convexus, vix
marginatus. Caput sub thorace in-
flexum latens
.

1. †. Lardarius. der Speckkäfer. D. niger
elytris antice cinereis, punctis nigris
.

Frisch P. V. tab. 9.

Larve und Käfer nähren sich von fetten,
weichen Theilen todter Thiere.

[Seite 338]

2. †. Pellio. D. niger coleoptris punctis
albis binis
.

Zieht sich zumahl nach Pelzwerk, ausgestopf-
ten Thieren etc.

3. †. Typographus. (Bostrichus T. F.) der
Borkenkäfer, Fichtenkäfer, Fichtenkrebs,
Holzwurm. D. testaceus pilosus elytris
striatis retusis praemorso-dentatis
.

v. Trebra in den Schr. der Berl. Ges.
Naturforsch. Freunde. IV. B. tab. 4.

Das den Fichtenwaldungen neuerlich aus dem
Harz und in mehrern Gegenden Deutschlands so
furchtbar gewordene Thier; das im Splint der
Fichten (Pinus abies) theils in solcher Menge
hauset, daß man wohl in einem mäßigen Baume
über 80000 seiner Larven gezählt bat. Bey der
dadurch verursachten Wurmtrockniß stirbt der
Baum vom Wipfel herunter ab, seine Nadeln
werden roth, er verliert sein Harz, und taugt
dann nicht einmal so gut wie sonst zum Ver-
kohlen, geschweige als Bau- oder Brennholz.

4. †. Piniperda. (Hylesinus P. F.) der Tan-
nenkäfer, schwarze fliegende Wurm. D.
niger subvillosus, elytris piceis integris,
plantis rufis
.

Kaum halb so groß als die vorige Gattung.

5. †. Paniceus. (Anobium P. F.) der Brot-
käfer. D. oblongus, serrugineus, oculis
rufis
.

Frisch P. I. tab. 8.

Seine Larve verzehrt zumahl das Brot, wird
daher namentlich auf weiten Seereisen dem
Schiffszwieback sehr gefährlich, und ist auch einer
der schädlichsten Bücherwürmer.

[Seite 339]

4. Ptinus. Kümmelkäfer. (Fr. pan-
nache, vrillette
.) Antennae filiformes;
articulis ultimis maioribus. Thorax
subrotundus, immarginatus, caput ex-
cipiens
.

1. †. Pertinax. (Anobium P. F.) P. fuscus
unicolor
.

Hat seinen Nahmen daher, weil er, sobald
man ihn berührt, die Füße anzieht, wie todt
liegt, und lange durch keinen Reitz von der
Stelle zu treiben ist.

2. †. Fur. P. testaceus, subopterus, thorace
quadridentao, elytris fasciis duabus alpis
.

Sulzers Gesch. tab. 2. fig. 8.

Eins der furchtbarsten Thiere für Naturalien-
sammlungen, Hausgeräthe und Pelzwerk.

3. †. Fatidicus. (Anobium tesselatum F.) die
Todtenuhr, der Klopfkäfer. (Engl. the
death-watch
.) P. fuscus subpilosus griseo
irregulariter maculosus
.

Philos. Transact. N. 271. 291.

Eine der sehr verschiedenen Insectenarten,
die durch den klopfenden Laut, womit die Gatten
einander zur Parungszeit locken, zu mancherley
Volksaberglauben Anlaß gegeben haben.

5. Hister. Antennae capitatae capitulo
solidiusculo; infimo articulo compresso,
decurvato. Caput intra corpus retra-
ctile. Os forcipatum. Elytra corpore
breviora. Tibiae anticae dentatae
.

1. †. Unicolor. H. totus ater, elytris substriatis.

Sulzers Kennzeichen tab. 2. fig. 8. 9.

In sandigem Boden und auf Viehweiden.

[Seite 340]

6. Gyrinus. Antennae clavatae, rigi-
dae, capite breviores, oculi 4, duobus
supra, duobus infra
.

1. †. Natator. der Schwimmkäfer. G. sub-
striatus
.

Sulzers Gesch. tab. 2. fig. 10.

Schwimmt mit großer Schnelligkeit auf der
Oberfläche des Wassers. Im Tauchen hat er
eine Luftblase am Hintern; gibt einen widrigen
Geruch von sich.

7. Byrrhus. Antennae clavatae sub-
solidae, subcompressae
.

1. †. Museorum. (Anthenus M. F.) B. nebu-
losus, elytris subnebulosis puncto albo
.

In Pelzwerk, ausgestopften Thieren etc.

8. Silpha. Antennae extrorsum crassio-
res. Elytra marginata. Caput prominens.
Thorax planiusculus, marginatus
.

1. †. Vespillo. (Necrophorus V. F.) der Tod-
tengräber. (Fr. le sossoyeur.) S. oblonga
atra, clypeo orbiculato inaequali, elytris
fascia duplici aurantia
.

Frisch P. XII. tab. 3. fig. 2.

Sie haben ihren Namen von der besondern
Geschicklichkeit, womit sie die Aeser von kleinen
Thieren, Maulwürfen, Fröschen etc. die sie von
weiten auswittern, unter die Erde zu vergraben,
und ihre Eyer dahinein zu legen verstehen. Ihrer
sechse find wohl im Stande, einen todten Maul-
wurf binnen vier Stunden, einen Fuß tief in
fetten Boden einzuscharren.

[Seite 341]

9. Cassida. Schildkäfer. Antennae
subfiliformes, extrorsum crassiores. Ely-
tra marginata. Caput sub thoracis
clypeo plano reconditum
.

1. †. Viridis. C. viridis, corpore nigro.

Rösel vol. II. Erdkäf. III. tab. 6.

Auf Disteln, Feldmelde etc. Die Larve und
Puppe sind ganz flach und am Rande sonderbar
ausgezackt mit Spitzen versehen.

2. †. Murraea. C. nigra, clypeo rubro, ely-
tris sanguineis, punctis nigris sparsis
.

Besonders häufig am Alant.

10. Coccinella. Sonnenkäfer, Ma-
rienkuh, Sommerkind, Gotteslämm-
chen. (Fr. vache à Dieu, bête de la
vierge
. Engl. Lady-cow, Lady-bird.)
Antennae subclavatae, truncatae. Palpi
clava semicordata. Corpus hemisphae-
ricum, thorace elytrisque marginatis,
abdomine plano.

1. †. 7-Punctata. C. coleopteris rubris;
punctis nigris septem
.

Frisch P. IV. tab. 1. fig. 4.

Ist neuerlich, so wie einige Rüsselkäfer und
Meloë Gattungen als wirksames Heilmittel bey
mancherley Zahnweh empfohlen werden.

2. †. Bipustulata. C. coleoptris nigris; punctis
rubris duobus, abdomine sanguineo
.

Frisch P. IX. tab. 16. fig. 6.

11. Chrysomela. Blattkäfer. Anten-
nae moniliformes, extrorsum crassiores
.
Thorax, nec elytra, marginatus.

[Seite 342]

1. †. Goettingensis. (Chrys. haemoptera. F.)
C. ovata atra pedibus violaceis.

Panzer Faun Germ. Heft 44. t. 3.

Häufig an der Schafgarbe*).

2. †. Minutissima. C. ovata nigra opaca.

Eins der kleinsten Käferchen. Kaum den drit-
ten Theil so groß als ein Floh.

3. †. Cerealis. C. ovata aurata, thorace lineis
tribus, coleoptrisque quinque violaceis,
abdomine violaceo.

4. †. Oleracea. (Galleruca O. F.) C. saltatoria
(s. femoribus posticis crassissimis) virescenti-
caerulea
.

Ein schädliches kleines Thier, das so wie
mehrere verwandte Gattungen unter dem Namen
Erdflöhe oder Erdfliegen bekannt ist.

5. †. Merdigera. (Lema M. F.) der Lilien-
kafer. C. oblonga rubra, thorace cylin-
drico utrinque impresso
.

Sulzers Gesch. tab. 3. fig. 14.

In Lilien, Mayblumen etc. Die Larve, bedeckt
sich mir ihrem eignen Unrath. Der kleine rothe
Käfer, worein sie sich verwandelt, giebt, wenn
man ihn in der hohlen Hand vors Ohr hält, mit
seinen Flügeldecken einen durchdringenden hellen
Laut von sich.

12. Hispa. Stachelkäfer. Antennae
fusiformes, basi approximatae, inter
oculos sitae. Thorax elytraque aculeata
saepius
.

[Seite 343]

1. †. Atra. H. corpore toto atro.
Unter der Erde an Graswurzeln.

13. Bruchus. Antennae filiformes,
sensim crassiores
.

1. †. Pisi. der Erbsenkäfer. B. elytris albo
punctatis, podice albo maculis binis nigris
.

Thut zumahl in Nordamerica dem Mais großen
Schaden.

2. Nucleorum. B. cinereus, elytris striatis,
femoribus posticis ovatis, dentatis, tibiis
incurvis
.

Mém. de l'Ac. des Sc. de Paris 1771. tab. 2.

Im mittlern America. Fast von der Größe
des Goldkäfers. Ist oft mit dem weit kleinern
Br. bactris verwechselt, und durchbohrt die stein-
harten, daumensdicken. Nußschalen der Cocos
lapidea
woraus Knöpfe u. dergl. gedreht werden.

14. Curculio. Rüsselkäfer. (Fr. cha-
ranson
.) Antennae subclavatae, rostro
insidentes. Rostrum corneum pro-
minens
.

Sie haben meist einen kurzen rundlichen aber
überaus hart gepanzerten Körper, und einen
festen mehr oder weniger gebognen Rüssel von
verschiedener Länge. Es sind nachtheilige Thiere,
von denen besonders die mit dem sehr langen
Rüssel den Bäumen, die übrigen aber den
Feldfrüchten und Gartengewächsen Schaden
thun. Die Larven mancher Gattungen nennt
man Pfeiffer.

1. Palmarum. (Calandra P. F.) der Palm-
bohrer. C. longiroster ater, thorace ovato
planiusculo, elytris abbreviatis striatis
.

[Seite 344]

Sulzers Kennz. tab. 3. fig. 20.

Zumahl in Süd-Indien. Hat fast die Größe
des Hornschröters. Die Larve nährt sich vom
Sagumarke; wird aber selbst als ein schmack-
haftes Gericht gegessen.

2. †. Frumentarius. (Attelabus F. F.) der
schwarze oder rothe Kornwurm, Reiter,
Wippel. C. longiroster sanguineus.

Eine große Plage für die Kornböden. Er saugt
das Mehl aus dem Korn und läßt die Hülse
liegen. Das bewährteste Gegenmittel ist, die
Fruchtböden und ihre Gebälke etc. mit scharfer
Seifensiederlauge besprengen und abfegen zu
lassen. – Nicht selten verbreitet er sich auch in
Wohnzimmer und Betten.

3. †. Granarius. (Calandra granaria. F.) C.
longiroster piceus oblongus thorace pun-
ctato longitudine elytrorum
.

Auch auf Kornböden, in Mühlen etc.

4. †. Paraplecticus. (Lixus P. F.) C. longi-
roster cylindricus subcinereus, elytris mu-
cronatis.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 7.

Auf Wasserpflanzen. Die Beschuldigung, daß
er den Pferden Lähmung verursache, ist unge-
gründet, und trifft wohl die verdächtigen Pflan-
zen, aber nicht das darauf wohnende unschul-
dige Thier.

5. †. Bacchus. (Attelabus B. F.) der Reben-
sticher. C. longiroster aureus, rostro plan-
tisque nigris
.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 4.

An Apfelbäumen, Weinstöcken etc.

[Seite 345]

6. †. Pomorum. C. longirostris femoribus an-
ticis dentatis, corpore griseo nebuloso
.

Frisch P. I. tab. 8.

Zerstört in manchen Jahren die mehresten
Apfelknospen.

7. †. Nucum. (Rhynchaenus N. F.) C. longi-
roster, femoribus dentatis, corpore griseo
longitudine rostri
.

Rösel vol. III. Erdkäf. IV. tab. 67.

Macht die Haselnüsse wurmstichig.

8. Imperialis. der Juwelenkäfer. (Engl. the
Diamond Beetle
.) C. breviroster niger,
elytris dentatis, sulcatis punctis excavatis,
auro versicolore distinctis, abdomine aeneo
viridi
.

In Brasilien. Eins der prachtvollsten Insecten.
Das gefärbte Gold in den unzähligen Grübchen,
die reihenweise auf den Flügeldecken eingegra-
ben sind, thut in hellem Lichte, zumahl unter
dem Vergrößerungsglase, eine unbeschreibliche
Wirkung.

15. Attelabus. Caput postice atte-
nuatum inclinatum. Antennae apicem
versus crassiores
.

1. †. Coryli. A. niger, elytris rubris.

Sulzers Kennz. tab. 4. fig. 25.

2. †. Apiarius. (Trichodes A. F.) der Immen-
wolf. A. caerulescens, elytris rubris, fasciis
tribus nigris.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 4.

Ist häufig wo viel Bienenzucht ist, thut in
manchen Jahren den Stöcken großen Schaden.

[Seite 346]

16. Cerambyx. Bockkäfer, Holzbock.
(capricornus). Antennae attenuatae.
Thorax spinosus aut gibbus. Elytra
linearia
.

Manche Gattungen haben auffallend lange
Fühlhörner, einen ungemein starken Brustschild
und Flügeldecken, und ein überaus zähes Leben,
so daß man angespießte Holzböcke noch nach vier
Wochen lebendig gefunden hat. Meist leben sie
in Holz, und geben mittelst des Brustschildes,
den sie an den Flügeldecken reiben, einen knar-
renden Laut von sich.

1. Longimanus. C. thorace spinis mobilibus,
elytris basi unidentatis apiceque bidentatis,
antennis longis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. II. tab. 1. fig. 2.

So wie die folgende Gattung in Südamerika.

2. Cervicornis. (Prionus C. F.) C. thorace
marginato dentato, maxillis porrectis coni-
formibus utrinque spinosis, antennis brevibus
.

Noch größer als der vorige. Ebenfalls schön
gezeichnet, mit Kneipzangen, fast wie am Horn-
schröter.

3. †. Moschatus. C. thorace spinoso, elytris
obtusis viridibus nitentibus, femoribus mu-
ticis, antennis mediocribus
.

Frisch P. XIII. tab. II.

Giebt einen bisamähnlichen Geruch von sich.

4. †. Aedilis. (Lamia A. F.) C. thorace
spinoso; punctis
4. luteis, elytris obtusis
nebulosis, antennis longissimis
.

Frisch P. XIII. tab. 12.

Die Fühlhörner sind wohl sechs Mahl so lang
als das ganze Thier.

[Seite 347]

17. Leptura. Antennae setaceae. Ely-
tra apicem versus attenuata. Thorax
teretiusculus
.

1. †. Aquatica. (Donacia crassipes F.) L. deau-
rata, antennis nigris, femoribus posticis
dentatis
.

An allerhand Wasserpflanzen. Variirt in
der Farbe.

18. Necydalis. Afterholzbock. An-
tennae setaceae. Elytra alis minora.
Cauda simplex
.

1. †. Maior. (Molorchus abbreviatus F.)
N. elytris abbreviatis ferrugineis immacu-
latis, antennis brevioribus
.

19. Lampyris. Johanniswürmchen.
(cicindela, nitedula. Fr. ver luisant.
Engl. glow-worm.) Antennae filifor-
mes. Elytra flexilia. Thorax planus,
semiorbiculatus, caput subtus occultans
cingensque. Abdominis latera plicato-
papillosa
.

Nur die Männchen sind geflügelt, und diese
haben zwey blaulich phosphorescirende lichte
Puncte unten am Bauche. Ihre ungeflügelten
Weibchen leuchten weit stärker als die Männ-
chen, besonders um die Begattungszeit, da ihr
Licht vermuthlich den Männchen zur Anzeige
dient, sie aufzufinden. Einige Zeit, nachdem
das Weibchen seine Eyer gelegt hat (die selbst
auch im Finstern leuchten), verliert sich der
Schein bey beiden Geschlechtern.

1. †. Noctiluca. L. oblonga fusca, clypeo
cinereo
.

[Seite 348]

Unter Wachholdersträuchen, Rosenbüschen etc.
Ein paar in ein Gläschen gethan, leuchten hell
genug, um dabey im Finstern lesen zu können.

20. Cantharis. Antennae setaceae.
Thorax marginatus capite brevior.
Elytra flexilia. Abdominis latera pli-
cato-papillosa
.

1. †. Fusca. C. thorace marginato rubro,
macula nigra, elytris fuscis
.

Die Larve dieses Thiers hält sich über Winter
in der Erde auf, und kommt dann zuweilen,
wenn es geschneyt hat, zu tausenden hervorge-
krochen, da ihre plötzliche Erscheinung auf dem
frischen Schnee zu allerhand fabelhaften Sagen
Anlaß gegeben.

21. Elater. Springkäfer, Schmid.
(Fr. taupin.) Antennae setaceae. Tho-
rax retrorsum angulatus. Mucro pecto-
ris e foramine abdominis resiliens
.

Diese Thiere sind wegen der sonderbaren Fer-
tigkeit merkwürdig, mit welcher sie, wenn sie
auf dem Rücken zu liegen kommen, sich in die
Höhe zu schnellen, und wieder auf die Beine
zu helfen wissen. Vorzüglich dient ihnen dazu
ein Stachel, der vorn an der Brust befestigt ist,
und in eine Rinne oben am Bauche paßt, aus
der er beym Aufschnellen mit Gewalt heraus
schnappt; und dann die Spitzen, die rückwärts
auf beiden Seiten des Brustschilds heraus
stehen, und mit den Flügeldecken auf eine ähn-
liche Weise eingelenkt sind.

1. Noctilucus. Der Cucuyo. E. thoracis late-
ribus macula flava glabra
.

[Seite 349]

Im mittlern America; wohl zwey Zoll lang.
Die beiden gelben runden Flecken gegen die Sei-
tenspitzen des Brustschildes leuchten stark im Fin-
stern, und die Caraiben bedienten sich ehedem
der Cucuyos und einiger anderer phosphores-
cirenden Insecten statt der Leuchten.

2. †. Niger. E. thorace laevi, elytris, pe-
dibus corporeque nigris
.

Häufig auf Viehweiden.

22. Cicindela. Sandkäfer. Anten-
nae setaceae. Maxillae prominentes
denticulatae. Oculi prominuli. Tho-
rax rotundato-marginatus
.

Als Larven scharren sie sich in Sand, fast wie
der Ameisenlöwe, um andern Insecten aufzu-
lauern, und als Käfer wissen sie ihnen mit
ausnehmender Schnelligkeit im Lauf und Flug
nachzujagen.

1. †. Germanica. C. viridis, elytris puncto
lunulaque apicum albis
.

23. Buprestis. Prachtkäfer. Antennae
setaceae, longitudine thoracis. Caput
dimidium intra thoracem retractum
.

1. Gigantea. B. elytris fastigiatis bidentatis
rugosis, thorace marginato laevi, corpore
inaurato
.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 38.

In beiden Indien. Wohl Fingers lang.

2. †. Chrysostigma. B. elytris serratis longi-
tudinaliter sulcatis, maculis duabus aureis
impressis, thorace punctato
.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 39.

3. †. Viridis. B. elytris integerrimis subli-
nearibus punctatis, thorace deflexo, viridi
elongato
.

[Seite 350]

Von der Farbe der Spanischen Fliege, aber
nur ein Paar Linien lang. Die Larve richtete
vor einigen Jahren in hiesiger Gegend große Ver-
wüstung in jungen Rothbuchen-Stämmen an.
Tödtete sie durch Zerstörung des Splints, worin
sie geschlängelte Gänge fras.

24. Dytiscus. Wasserkäfer, Fischkäfer.
(hydrocantharus) Antennae setaceae
aut clavato-perfoliatae. Pedes postici
villosi, natatorii submutici
.

1. †. Piceus. (Hydrophilus P. F.) D. anten-
nis perfoliatis, corpore laevi, sterno cari-
nato, postice spinoso
.

Frisch P. II. tab. 6. fig. 1.

Eine der größten Gattungen. Wenn der
Käfer seine Eyer legen will, so bereitet er dazu
eine artige längliche Hülfe, die er mit einer
braunen Seide überzieht, und die mit den ein-
geschlossenen Eyern wie ein Schiffchen auf dem
Wasser schwimmt, bis die kleinen Larven aus-
gekrochen und im Stande sind, in ihr Element
über Bord zu springen.

2. †. Marginalis. D. niger, thoracis elytro-
rumque margine flavis
(mas.).

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 42.

Ist (so wie vermuthlich die mehresten Gat-
tungen dieses Geschlechts,) den Fischreichen ge-
fährlich. Beym Weibchen ist die vordere Hälfte
der Flügeldecken längs gefurcht.

25. Carabus. Laufkäfer. Antennae se-
taceae. Thorax obcordatus apice trun-
catus marginatus. Elytra marginata
.

Raubthiere in ihrer Art. Viele geben, wenn
man sie anfaßt, einen widerlichen Saft von sich.
[Seite 351] Die wenigsten können fliegen; laufen aber desto
schneller.

1. †. Coriaceus. C. apterus ater opacus, ely-
tris punctis intricatis subrugosis
.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 44.

2. †. Auratus. der Goldhahn. C. apterus,
elytris porcatis; striis sulcisque laevibus
inauratis
.

Häufig auf Feldern, Wiesen etc.

3. †. Sycophanta. (Calosoma S. F.) C. aureo
nitens, thorace caeruleo, elytris aureo
viridibus striatis, abdomine subatro
.

Sulzers Gesch. tab. 7. fig. 1.

Der größte hieländische Laufkäfer.

4. †. Crepitans. (Brachinus C. F.) der Bom-
bardirkäfer. C. thorace capite pedibusque fer-
ugineis, elytris viridi nigricantibus
.

Schwedische Abhandl. 1750. tab. 7. fig. 2.

Ein kleines Käferchen. Wird besonders von
der vorigen Gattung verfolgt, und ist dabey
durch die von Dr. Rolander beschriebne ganz
eigene Art bekannt geworden, womit er sich
gegen den C. inquisitor u.a. seiner Feinde zu
vertheidigen sucht; da er ihnen mit einem
merklich starken Laut einen blaulichen Dunst ent-
gegen schießt etc.

5. †. Spinipes. der Saatfresser. (C. gibbus F.)
C. piceus, thorace linea excavata longitu-
dinali, manibus spinosis
.

Olivier T. III. tab. 12. fig. 142.

Die unterirdische Larve verursacht in manchen
Jahren wie z.B. 1776 in der Lombardey und 1812
im Halltschen Saalkreise furchtbaren Mißwach-
[Seite 352] der jungen Getreidesaat. Der Käfer hält sich
des Nachts in Menge auf den Aehren auf.

26. Tenebrio. Antennae monilifor-
mes articulo ultimo subrotundo. Tho-
rax plano-convexus, marginatus. Ca-
put exsertum. Elytra rigidiuscula
.

1. †. Molitor. T. alatus niger totus, femori-
bus anticis crassioribus
.

Frisch P. III. tab. 1.

Die Larven halten sich im Mehl auf, finden
sich daher häufig in Mühlen und Beckerhäusern,
heißen Mehlwürmer, und geben das bekannte
Nachtigallenfutter ab.

2. †. Mortisagus. (Blaps mortisaga. F.) der
Todtenkäfer. T. apterus thorace aequali,
coleoptris laevibus mucronatis
.

Frisch P. XIII. tab. 25.

27. Meloë. Antennae moniliformes
articulo ultimo ovato. Thorax subro-
tundus. Elytra mollia flexilia, caput
inflexum gibbum
.

1. †. Proscarabeus. der Maywurm. (Fr. le
scarabè onctueux
. Engl. the oil-beetle.) M.
apterus, corpore violaceo.

Frisch P. VI. tab. 6. fig. 5.

Ein weiches Thier, das bey gewaltsamer
Berührung einen stinkenden Saft aus den Knie-
gelenkten der Beine fließen läßt.

2. †. Vesicatorius. (Lytta vesicatoria F.) die
spanische Fliege. (cantharis offic.) M. ala-
tus viridissimus nitens, antennis nigris
.

Das wichtige heilsame Geschöpf, das zum
Blasenziehen gebraucht wird.

[Seite 353]

28. Mordella. Antennae filiformes
serratae. Caput deflexum sub collo
(in
territo
). Palpi compresso clavati, obli-
que truncati. Elytra deorsum curva
apicem versus. Ante femora lamina
lata ad basin abdominis
.

Kleine Käferchen. Das ganze Geschlecht be-
greift nur wenige Gattungen, die sich noch dazu
wenig zu vermehren scheinen.

1. †. Aculeata. M. atra, ano spina terminato.

Sulzers Kennz. tab. 7. fig. 46.

29. Staphylinus*). Antennae mo-
niliformes. Elytra dimidiata. Alae
tectae. Cauda simplex exferens duas
vesiculas oblongas
.

Sind besonders wegen der kleinen Blasen
merkwürdig, die sie, so bald sie Gefahr merken,
aus dem Hinterleibe treiben; deren Nutzen aber
noch unbestimmt ist.

1. †. Maxillosus. S. pubescens niger, fasciis
cinereis, maxillis longitudine capitis
.

30. Forficula. Antennae setaceae.
Elytra dimidiata. Alae tectae. Cauda
forcipata
.

1. †. Auricularia. der Ohrwurm, Oehrling,
Ohrhöhler. (Fr. le perce-oreille. Engl. the
ear-wig
.) F. elytris apice albis.

Frisch P. VIII. tab. 15. fig. 1. 2.

[Seite 354]

An der ungegründeten Sage, daß dieß Thier
gern den Menschen in die Ohren kröche, ist nur
so viel, daß sich irgend etwa ein Mahl eins dahin
so gut wie jedes andere Insect, verirren kann.
Aber dem jungen Gemüse, den Nelkenknospen etc.
sind sie nachtheilig, so wie da wo sie sich in Menge
vermehren dem Grundholz der Gebäude und den
Fensterfutterungen.


II. HEMIPTERA. (Ulonata und
Rhyngota Fabr
.)

Bey den meisten Insecten dieser Ordnung
ist der Kopf nach der Brust niedergedrückt,
bey einigen mit Kinnladen, bey den mehresten
aber mit einem nach dem Unterleibe gebogenen
Saugerüssel versehen, weßhalb diese auch von
einigen Naturforschern Proboscidia genannt
werden. Meistens haben sie vier Flügel, von
welchen zumahl die obern an der Wurzel fester
und hornartiger, am äußern Ende aber dünner
und weicher sind. Bey einigen sind sie grade
ausgestreckt, bey andern übers Kreuz zusam-
mengefaltet. Theils sind sie auch mit einer
Art kleiner Flügeldecken belegt. Manche haben
nur zwey Flügel, und bey verschiedenen sind
die Weibchen gänzlich ungeflügelt. Ihre Ver-
wandlung ist nicht sehr ausfallend: sondern
die Larven ähneln dem vollkommnern Insect
bis auf die Flügel, die erst nach und nach
völlig ausgebildet werden.

[Seite 355]

31. Blatta. Schabe. Caput inflexum.
Antennae setaceae. Elytra alaeque pla-
nae, subcoriaceae. Thorax planiusculus,
orbiculatus, marginatus. Pedes cursorii.
Cornicula duo supra caudam
.

1. †. Orientalis. die Brotschabe, Küchen-
schabe, der Kakerlake, Tarokan. (Fr. le
cancrelas, ravet
. Engl. the black beetle,
cockroach
.) B. ferrugineo-fusca elytris
abbreviatis sulco oblongo impresso
.

Frisch P. V. tab. 3.

Jetzt nun fast in allen Welttheilen. So wie
einige andre Gattungen dieses Geschlechts (z.B.
die ich weiß nicht warum so genannte Germa-
nica
, die Americana etc.) für manche Ge-
genden, wo sie sich eingenistet und stark ver-
mehrt hat, eine der lästigsten Hausplagen. Ver-
zehrt vorzüglich mancherley Victualien, vor allen
aber Brot etc. Kann daher in Schiffen auf
weiten Seereisen schaudervolles Elend verur-
sachen*). Ist noch am ersten durch Arsenik,
Dampf von Schwefel und Assa foetida, kochend
Wasser etc. und wo nur wenige in einem Zimmer
oder einer Küche sind, dadurch zu vertilgen,
daß man über Nacht einen Igel oder eine Ente
hinein sperrt.

2. Heteroclita. B. fusca, elytris nigris, sinistro
integro
4-pustulato; dextro ad marginem
internum semipellucido,
3-pustulato.

Pallas spicileg. zoologic. IX. tab. 1. fig. 5.

[Seite 356]

In Tranquebar etc. Wegen der auffallenden
Ungleichheit in der Zeichnung der beiden Ober-
flügel merkwürdig.

3. †. Lapponica. B. flavescens, elytris nigro-
maculatis
.

Auch außer Lappland im mildern Europa.

32. Mantis. Caput nutans, maxillo-
sum, palpis instructum. Antennae
setaceae. Alae 4 membranaceae, con-
volutae, inferiores plicatae. Pedes
antici compresi, subtus serrato-den-
ticulati, armati ungue solitario et
digito setaceo laterali articulato: po-
stici
4. laeves, gressorii. Thorax linea-
ris elongatus angustatus.

Alle von einer ungewöhnlichen, lang gestreck-
ten, sonderbaren Bildung*). Auch ihr Gang, ihr
Betragen etc. hat was Eigenes gleichsam Feyer-
liches, das wohl zu der abergläubischen Devotion
Anlaß gegeben hat, mit der mehrere Gattungen
dieses Geschlechts, zumahl im Oriente angesehen
werden.

1. Gigas. [Phasma G. F.**)] M. thorace tere-
tiusculo scabro, elytris brevissimis, pedibus
spinosis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 19. fig. 9. 10.

[Seite 357]

Auf Amboina. Spannenlang, und doch kaum
so dick als eine Gänse-Spuhle. Wird von den
Indianern gegessen.

2. Gongylodes. M. Thorace subciliato, femo-
ribus anticis spina terminatis, reliquis lobo.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 7. fig. 1. 2. 3.

Auf Guinea etc.

3. †. Religiosa. (M. oratoria var. β. F.) die
Gottesanbetherin, das wandelnde Blatt,
der Weinhandel, Weinhasel. M. thorace
laevi subcarinato elytrisque viridibus im-
maculatis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 1. 2.

Geht meist nur auf den vier Hinterfüßen, und
hält die vordern beiden in die Höhe. Man nennt
es das wandelnde Blatt, weil seine Oberflügel
an Gestalt und Farbe einem Weidenblatte ähneln.
Kann wohl zehn Jahre alt werden.

4. †. Prècaria. M. thorace subciliato, elytris
flavis ocello ferrugineis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 88.

Am Cap; wo sie von den Hottentotten heilig
verehrt wird.

33. Gryllus. Heuschrecke. (Fr. saute-
relle
. Engl. grashopper.) Caput in-
flexum, maxillosum, palpis instructum.
Antennae setaceae s. filiformes. Alae
4 deflexae, convolutae, inferiores pli-
catae. Pedes postici saltatorii. Ungues
ubique bini
.

Ein großes Geschlecht, dessen mehreste Gat-
tungen dem Wiesenwachs und Getreide gefährlich
sind. Bey manchen geben die Männchen entwe-
[Seite 358] der zur Begattungszeit, oder bey einbrechender
Nacht, oder wenn sich das Wetter ändern will,
einen bekannten zirpenden Laut von sich, den sie
theils mit den Springfüßen, am meisten aber
mit den Flügeln hervorbringen.

1. †. Gryllotalpa. (Acheta G. F.) die Werre,
Maulwurfsgrille, der Riehwurm, Reit-
wurm, Schrotwurm, Ackerwerbel, Erd-
krebs. (Fr. la courtilière. Engl. the mole-
crick
). G. thorace rotundato, alis caudatis
elytro longioribus, pedibus anticis palma-
tis tomentosis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 14. 15.

In Europa und Nordamerica: an theils Or-
ten, wie im Thüringischen etc. ausnehmend häufig.
Lebt meist unter der Erde, und thut zumahl
den Küchengewächsen und der Gerstensaat großen
Schaden.

2. †. Domesticus. (Acheta D. F.) die Grille,
Zirse, Heimchen. (Fr. le grillon. Engl.
the cricket.) G. thorace rotundato, alis
caudatis elytro longioribus, pedibus sim-
plicibus, corpore glauco.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 12.

3. †. Campestris. (Acheta C. F.) die Feld-
grille. G. thorace rotundato, cauda biseta
stylo lineari, alis elytro breuioribus, cor-
pore nigro.

Frisch P. I. tab. 1.

4. †. Viridissimus. (Locusta viridissima. F.)
der Baumhüpfer. G. thorace rotundato,
alis viridibus immaculatis, antennis seta-
ceis longissimis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 10. 11.

[Seite 359]

Von schöner grüner Farbe. Lebt meist auf
Gebüschen, springt vorzüglich weit.

5. †. Verrucivorus. (Locusta verrucivora. F.)
das Heupferd. G. thorace subquadrato laevi,
alis viridibus fusco maculatis, antennis se-
taceis longitudine corporis.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 8.

6. Cristatus. die Kammheuschrecke. G. thorace
cristato, carina quadrifida
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 5.

In den Morgenländern, Aegypten etc.

7. †. Migratorius. die Zugheuschrecke, Strich-
heuschrecke, Heerheuschrecke. G. thorace
subcarinato; segmento unico, capite ob-
tuso, maxillis atris.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 29.

Das furchtbare Insect, das oft in unsäglichen
Zügen auch in Europa eingefallen ist, und allge-
meinen Mißwachs, Hungersnoth etc. verursacht
hat. Ursprünglich gehört es wohl in die asiati-
sche Tatarey zu Hause, doch findet es sich auch
einzeln in Deutschland, das doch seit 1750 mit
großen Invasionen desselben verschont geblie-
ben.*) Auch soll sich diese Heuschrecke (wenn
es anders die gleiche Gattung ist) in Nord- und
Süd-America finden. – Daß sie in Arabien
und dem nördlichen Africa noch jetzt, so wie in
den ältesten Zeiten, in Menge verspeiset wird,
[Seite 360] ist eine ausgemachte Sache: und daß das einige
neuere Reisende in diese Länder für eine Fabel
erklärt haben, gibt ein lehrreiches Beyspiel von
voreilig dreistem Hyperscepticismus.

8. †. Stridulus. die Holzheuschrecke. G. tho-
race subcarinato, alis rubris extimo nigris
nebulosis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 21. fig. 1.

Lebt meist im Gehölze. Die Männchen geben
im Fluge einen lauten klappernden Ton von sich.

34. Fulgora.*) Caput fronte pro-
ducta, inani. Antennae infra oculos,
articulis
2, exteriore globoso. Rostrum
inflexum, pedes gressorii
.

Der sonderbare Character dieses Geschlechts
ist die hornige Blase vor der Stirne, die bey
den nachbenannten Gattungen im Leben und
einige Zeit nach dem Tode einen hellen Schein
verbreitet.

1. Laternaria. der surinamische Laternträ-
ger, Leyermann. (Fr. la portelanterne.
Engl. the lanthorn-fly.) F. fronte ovali
recta, alis lividis; posticis ocellatis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 28. 29.

Die größte Art; die leuchtende Blase ist fast
so groß als der ganze übrige Körper, und scheint
so hell, daß sich die Guianischen Wilden ihrer
ehedem statt Leuchten bedient haben sollen.

[Seite 361]

2. Candelaria. der schinesische Laternträger.
F. fronte rostrato-subulata adscendente,
elytris viridibus luteo-maculatis, alis fla-
vis; apice nigris
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 30.

35. Cicada. (Fr. cigale.) Rostrum
inflexum. Antennae setaceae. Alae 4
membranaceae, deflexae. Pedes ple-
risque saltatorii
.

Die männlichen Cicaden geben wie die Heu-
schrecken einen Laut von sich, der durch beson-
dere, mehr zusammengesetzte Werkzeuge an ihrem
Unterleibe hervor gebracht wird.

Merkwürdig ist, daß einige Gattungen von
Keulenschwämmen (clavariae) besonders häufig
auf den Puppen von Cicaden, theils gar auf
dem lebendigen Leibe ihrer Larven, so wie andere
auf Raupen, Schmetterlings-Puppen, Lauf-
käfern etc. wachsen*).

1. Orni. die Manna-Cicade – (Tettigonia
O. F
.) C. nigra flavo-maculata, alis hyali-
nis, basi flavis, maculis nigris.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 25. fig. 1. 2.

Im südlichen Europa und in Nordafrica an
einigen Gattungen von Eschen, wo sie durch
ihren Stich das ausschwitzen der Manna verur-
sachen soll. Wird insgemein nebst der fast noch
[Seite 362] ein Mahl so großen C. plebeia (Rösel fig. 3.)
für die bey den Alten so beliebten Cicaden ge-
halten*).

2. †. Spumaria. (Cercopis S. F.) der Schaum-
wurm, Gäschtwurm. C. fusca, elytris
maculis binis albis lateralibus; fascia du-
plici interrupta albida.

Frisch P. VIII. tab. 12.

Besonders häufig auf Weidenbäumen, denen
die Larve im Frühjahr den Saft aussaugt, und
ihn in Gestalt eines Schaums (des so genannten
Kuckuckspeichels), unter welchen sie oft versteckt
ist, wieder von sich gibt. Daher auch die Sage
von regnenden Weiden.

3. Lanata. (Lystra L. F.) C. alis deflexis
nigris: punctis caeruleis, fronte lateribus-
que rubris, ano lanato.

Stoll tab. 10 fig. 49. und D.

In Westindien. Hat den Beynamen von den
räthselhaften, schneeweißen, aber im Wasser
gleichsam schmelzenden langen Flocken am Hin-
terleibe.**)

36. Notonecta. Wasserwanze. Ro-
strum inflexum. Antennae thorace bre-
viores. Alae
4 cruciato-complicatae,
[Seite 363] antice coriaceae. Pedes posteriores pi-
losi natatorii
.

1. †. Glauca. N. grisea elytris griseis mar-
gine fusco punctatis apice bifidis
.

Frisch P. VI. tab. 13.

Schwimmt die mehrste Zeit auf dem Rücken:
weiß auch in dieser Lage kleine Mücken etc., von
denen sie sich nährt, mit vieler Geschwindigkeit
zu haschen.

37. Nepa. Wasserscorpion. Rostrum
inflexum. Alae
4 cruciato-complicatae
anticae coriaceae. Pedes anteriores che-
liformes; reliqui
4 ambulatorii.

1. †. Cinerea. N. cinerea, thorace inaequali,
corpore oblongo-ovato
.

Frisch P. VII. tab. 15.

Die Eyer dieses Thieres haben eine überaus
sonderbare Gestalt, an einem Ende mit Häkchen,
fast wie Samen von Kornblumen etc.

2. †. Cimicoides. (Naucoris C. F.) N. abdo-
minis margine serrato
.

Frisch P. VI. tab. 14.

3. Plana. (Nepa rustica F.) N. subfusca:
oculis nigris, alis albidis, dorso plano
.

Eine gewisse Art Wassermilben legt diesem
Thier, das auf Tranquebar zu Hause ist, ihre
Eyer auf den Rücken.*)

[Seite 364]

38. Cimex. Wanze. Rostrum inflexum.
Alae
4 cruciato-complicatae, superiori-
bus antice coriaceis. Dorsum planum
thorace marginato. Pedes cursorii.

1. †. Lectularius. (Acanthia lectularia F.) die
Bettwanze, Wandlaus. (Fr. la punaise,
Engl. the bug, wall-louse.) C. flavescens,
alis nullis.

Sulzers Kennz. tab. 10. fig. 69.

Ueber die ursprüngliche Heimath und den Auf-
enthalt dieses ekelhaften, lichtscheuen Insects im
wilden Zustande weiß man wenig Zuverlässiges.
Jetzt findet sichs in den Wohnungen unreinlicher
oder sorgloser Menschen fast in allen Welttheilen
(nahmentlich in Sibirien, Ostindien, Nord- und
Süd-America etc.) So leicht Wanzen durch Zu-
fall in ein Haus kommen können, so leicht ist es,
sie bald anfangs durch sorgfältige wiederhohlte An-
wendung kräftiger Mittel*) auch wieder zu ver-
[Seite 365] treiben: was aber äußerst schwer hält, wo man
sie einmahl überhand nehmen und sich weit ver-
breiten lassen.

2. †. Corticalis. (Aradus C. F.) C. membra-
naceus, abdominis margine imbricatim secto,
corpore nigricante
.

In Wäldern an Baumstämmen: ist wegen sei-
ner täuschenden, rindenartigen Gestalt und Farbe
schwer zu finden.

3. †. Baccarum. der Qualster. C. ovatus gri-
seus, abdominis margine nigro maculato
.

In Gärten, zumahl an Johannisbeeren. Auch
diese Wanze stinkt fürchterlich: doch bloß wenn sie
berührt wird; da ihr der Gestank, wie manchen
andern Wanzen, zum Vertheidigungsmittel zu
dienen scheint.

4. †. Personatus. (Reduvius P. F.) C. rostro
arcuato, antennis apice capillaceis, cor-
pore oblongo subvilloso fusco
.

Frisch P. X. tab. 20.

Hält sich in Winkeln auf. Die Larve ist im-
mer wie mit Staub und Kehricht bedeckt.

39. Aphis. Blattlaus, Neffe, Mehl-
tau. (Fr. puceron. Engl. plant-louse.)
Rostrum inflexum. Antennae thorace
longiores. Alae
4 erectae aut nullae.
Pedes ambulatorii. Abdomen postice
saepius bicorne
.

Es gibt oft in Einer Gattung, ja in Einer
und eben derselben Familie, geflügelte und un-
geflügelte Blattläuse, und das ohne alle Bezie-
hung auf den Sexualunterschied. Die Männchen
sind kleiner als ihre Weibchen, und werden auch
[Seite 366] in weit minderer Anzahl jung. Sie erscheinen
nicht eher als in der letzten Generation jeden
Sommers*); bey den mehresten Gattungen also
erst zu Ende desselben, und nur auf kurze Zeit,
da sie ihre Weibchen befruchten, die kurz darauf
Eyer oder vielmehr Hülsen von sich geben, in
welchen zwar die jungen Blattläuse schon völlig
ausgebildet liegen, aber doch nicht eher als bis
im folgenden Frühjahr hervor brechen, und zwar
sind alle diese nunmehr ausgekrochenen Blatt-
läuse durchgehende weiblichen Geschlechts, so
daß bis zu dem eben gedachten Termin der
letzten Generation keine männliche Blattlaus zu
sehen ist. Und dessen ungeachtet sind doch alle
jene jungfräulichen Blattläuse im Stande, ohne
Zuthun eines Gatten ihr Geschlecht fortzu-
pflanzen; so daß jene einmahlige Begattung im
Herbste, ihre befruchtende Wirkung im folgen-
den Frühjahr und Sommer bey vielen bis ins
neunte Glied äußert.

1. †. Ribis. A. ribis rubri.

Frisch P. XI. tab. 14.

2. †. Ulmi. A. ulmi campestris.

3. †. Sambuci. A. sambuci nigrae.

Frisch P. XI. tab. 18.

4. †. Rosae. A. rosae.

Sulzers Kennz. tab. 12. fig. 79.

5. †. Bursaria. A. populi nigrae.

Swammerdam Biblia nat. tab. 45. fig.
22. u. f.

[Seite 367]

Auf der Schwarzpappel, da sie die sonderba-
ren Auswüchse verursachen, die man Pappel-
rosen, Alberknospen etc. heißt.

6. Pistaciae. A. nigra, alis albidis, tibiis
longissimis, thorace verrucoso
.

An Pistacien, Mastix, Terpentinbaum etc.,
wo sich die Blattläuse in einer spannenlangen,
schotenähnlichen Hülse aufhalten.

40. Chermes. Blattsauger. Rostrum
pectorale. Antennae thorace longiores
.
Alae 4 deflexae. Thorax gibbus, pedes
saltatorii
.

Haben in der Bildung viel Aehnliches mit den
geflügelten Blattläusen. Als Larven sehen sie
fast aus wie Cicaden, hüpfen auch so etc.

1. †. Buxi. C. buxi.

2. †. Alni. C. betulae alni.

Frisch P. VIII. tab. 13.

41. Coccus. Schildlaus. (Fr. Gall-
insecte
) Rostrum pectorale. Abdomen
postice setosum. Alae
2 erectae mascu-
lis. Feminae apterae.

Bey keinen andern Thieren sehen die beiden
Geschlechter einander so auffallend ungleich, als
bey den Schildläusen. Das Männchen ähnelt
einer kleinen Mücke, das Weibchen hingegen ist
ungeflügelt, und sitzt, nachdem es sich gehäutet
hat, fast unbeweglich an den Gewächsen, und
könnte bey manchen Arten eher für eine Narbe
an der Pflanze, als für ein lebendiges Thier an-
gesehen werden. Das Männchen schwärmt in-
deß im Freyen umher, bis es, vom Begattungs-
[Seite 368] trieb gereizt, ein solches einsiedlerisches Weibchen
aussucht und befruchtet.

1. Hesperidum. C. hybernaculorum.

Sulzers Kennz. tab. 12. fig. 81.

Das Weibchen hält sich vorzüglich an Oran-
genbäumen, auf der Rückseite der Blätter, auf.

2. Adonidum. C. rusa farinacea pilosa.

Wie die vorige in Gewächshäusern, besonders
an Caffeebäumen etc. Man vertreibt sie, wenn
man die Gewächse nach dem Begießen mit
Schwefelblumen bestreut.

3. Ilicis. Kermes. C. quercus cocciferae.

Im südlichen Europa, besonders in Griechen-
land, in der Provence etc. an Stechpalmen etc. Die
beerenförmigen, gallapfelartigen Eyer-Nester
(Fr. le vermillon) dieser Thiere werden mit
Essig besprengt, und das Carmoisinroth daraus
verfertigt.

4. †. Polonicus. Deutsche Cochenille, Johan-
nisblut. C. radicis scleranthi perennis.

Frisch P. V. tab. 2.

Macht ebenfalls kermesartige Eyer-Nester an
den Wurzeln vom Weggras und andern Pflan-
zen; zumahl häufig in Polen und am Don, wo
sie gesammelt, und zur Farbe angewandt werden.

5. Cacti. der Scharlachwurm. (Fr. la coche-
nille
. Engl. the cochineal-fly.) C. cacti
coccinelliferi
.

Ellis in den philos. Transact. vol. LII.
P. II.

Ursprünglich in Mexico; findet sich auf meh-
reren Cactusarten, die deßhalb in großen Plan-
tagen gepflanzt, und die Cochenillwürmer fast
[Seite 369] wie die Seidenwürmer darauf gezogen, und
jährlich zu dreyen Mahlen abgelesen werden.

6. Lacca. der Gummi-Lackwurm. C. ficus
indicae et religiosae
.

D. Roxburgh in Voigts Magazin VIII. B.
4. St. tab. 1.

Zumahl in den gebirgigen Gegenden von Hind-
ostan zu beiden Seiten des Ganges; von ihm
kommt das so genannte Gummilack.*)

42. Thrips. Rostrum obscurum. An-
tennae longitudine thoracis. Abdomen
sursum reflexile. Alae
4 rectae, dorso
incumbentes, longitudinales, angustae,
subcruciatae
.

Ueberaus kleine Insecten, die sich gesellschaft-
lich in den Blüthen mancher Gewächse aufhalten,
und meist nur durch ihre große Anzahl, oder
durch die Munterkeit, mit der sie umher hüpfen
und fliegen, bemerkbar werden.

1. †. Physapus. T. elytris glaucis, corpore
atro
.

De Geer in den schwed. Abhandl. v. J. 1744.
tab. 4. fig. 4.

Im Getreide, Bohnenblüthen etc.



III. LEPIDOPTERA. (Glossata Fabr.)*)

[Seite 370]

Die Schmetterlinge, eine weitläuftige
Ordnung, die sich durch vier ausgespannte,
mit bunten Schuppen befiederte Flügel, und
einen behaarten Körper, auszeichnet. Als
[Seite 371] Raupen haben sie Kinnladen, zwölf Augen
am Kopf, einen lang gestreckten, cylindrischen
Körper von zwölf Abschnitten, mit neun Luft-
löchern auf jeder Seite, drey Paar hakenför-
miger Klauen an der Brust, und meist fünf
Paar runder fleischiger Füßen am Hinterleibe.
Die Raupe häutet sich verschiedentlich, wird
dann zur Puppe, die mehrentheils unbeweg-
lich, doch bey der Weidenraupe und einigen
andern sehr wenigen Gattungen sich von der
Stelle zu bewegen im Stande ist. Hieraus
kommt endlich nach einer bestimmten Zeit der
Schmetterling zum Vorschein, der meist lange
Fühlhörner, nur drey Paar Füße, statt der
Kinnladen eine spiralförmig aufgerollte (so ge-
nannte) Zunge, und statt jener zwölf kleinen
Augen, zwey große halbkugelichte und drey
kleine (§. 126.) hat. Alle die zahlreichen
Gattungen hat Linné unter drey Geschlechter
gebracht.

43. Papilio. Tagvogel. (Engl. butter-
fly
.) Antennae apicem versus crassio-
res, saepius clavato-capitatae. Alae
erectae sursumque conniventes
.

Die Raupe ist mehrentheils wie mit Dornen
besetzt, und häutet sich gewöhnlich vier Mahl.
Sie verpuppt sich ohne ein äußeres Gespinste:
die Puppe ist zackig, theils schön goldfarbig
(chrysalis, aurelia), und hängt sich mit dem
hintern Ende auf. Der Schmetterling fliegt nur
am Tage umher, und hält im Sitzen seine vier
[Seite 372] breiten ausgespannten Flügel in die Höhe, mit
der Oberseite (die bey vielen an Farbe und Zeich-
nung gar sehr von der Unterseite verschieden ist)
gegen einander gekehrt. Linné hat das ganze
Geschlecht, leichter Faßlichkeit wegen, wieder
in fünf Familien (phalanges) abgetheilt.

a. Equites: Alis primoribus ab angulo po-
stico ad apicem longioribus, quam ad basin
:
his saepe antennae filiformes.

Tröes, ad pectus maculis sanguineis.
(saepius nigri.)

Achivi, pectore incruento, ocello ad
angulum ani
.

b. Heliconii. Alis angustis integerrimis,
saepe denudatis: primoribus oblongis;
posticis brevissimis
.

c. Danai. Alis integerrimis.

Candidi, alis albidis.

Festivi, alis variegatis.

d. Nymphales. Alis denticulatis.

Gemmati, alis ocellatis.

Pharelati, alis caecis absque ocellis.

e. Plebeii. Parvi. Larva saepius contracta.

Rurales, alis maculis obscurioribus.

Urbicolae, alis maculis pellucidis.

* * *

1. Priamus. P. E. T. alis denticulatis tomen-
tosis supra viridibus: instritis atris, posticis
maculis sex nigris.

Clerk tab. 17.

Auf Amboina etc. So wie der folgende ein
größes prächtiges Thier.

[Seite 373]

2. Ulysses. P. E. A. alis caudatis fuscis,
disco caeruleo splendente dentato. Posti-
cis subtus ocellis septem.

Clerk tab. 23. fig. 1.

Auch in Ostindien.

3. †. Machaon. der Schwalbenschwarz.
P. E. A. alis caudatis concoloribus flavis,
limbo fusco, lunulis flavis, angulo ani
fulvo.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 1.

4. †. Podalirius. der Segelvogel. P. E. A.
alis caudatis subconcoloribus flavescentibus:
fasciis nigricantibus geminatis: posticis
subtus linea auratia
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 2.

5. †. Apollo. der rothe Augenspiegel. P. H.
alis oblongis integerrimis albis: posticis
ocellis supra
4: subtus 6, basique rubris.

Sulzers Kennz. tab. 13. fig. 41.

Im wärmern Europa.

6. †. Crataegi. der Lilienvogel, Baumweiß-
ling, Heckenweißling. P. H. alis integer-
rimis rotundatis albis: venis nigris
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 3.

Eine der schädlichsten Raupen für Obstbäume.
Die Junge halten sich gesellschaftlich in einem
Gespinnste zusammen.

7. †. Brassicae. die Kohleule, der Kohlweiß-
ling, Buttervogel. P. D. C. alis integerri-
mis rotundatis albis: primoribus maculis
duabus apicibusque nigris, maior.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 4.

Nebst den beiden folgenden auf Kohl, Kraut
und Rübsaat. Buttervogel heißt der Schmetter-
[Seite 374] ling (so wie die Butterblume), von der gelben
Farbe der Unterflügel: ein Name, der aber
nachher auch den Papilionen überhaupt gegeben
worden ist.

8. †. Rapae. der Rübenweißling. P. D. C.
alis integerrimis rotundatis: primoribus ma-
culis duabus apicibusque nigris, minor
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 45.

9. †. Napi. P. D. C. alis integerrimis ro-
tundatis albis: subtus venis dilatato-vi-
rescentibus.

10. †. Cardamines. der Auroravogel. P. D. C.
alis integerrimis rotundatis albis, primori-
bus medio fulvis, posticis subtus viridi-
nebulosis
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 8.

11. †. Rhamni. der Citronen-Papilion, das
fliegende Blatt. P. D. C. alis integerrimis
angulatis flavis: singulis puncto flavo, sub-
tus ferrugineo
.

Rösel vol. III. tab. 46.

12. †. Hyperanthus. P. D. F. alis integerrimis
fuscis, subtus primoribus ocellis tribus:
posticis duobus tribusque
.

13. †. Io. das Pfauenauge, der Pfauenspiegel.
P. N. G. alis angulato dentatis-fulvis nigro-
maculatis: singulis subtus ocello caeruleo.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 3.

Die Puppe wie vergoldet.

14. †. Galatea. das Bretspiel. P. N. G. alis
dentatis albis nigroque variis, subtus pri-
moribus ocello unico, posticis quinque ob-
soletis.

Rösel vol. III. tab. 37.

[Seite 375]

15. †. Cardui. der Distelvogel. P. N. G. alis
dentatis fulvis albo nigroque variegatis,
posticis utrinque ocellis quatuor, saepius
coecis.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 10.

Die Puppe ebenfalls ganz goldglänzend. In
manchen Jahren unsäglich häufig.

16. †. Iris. der Schillervogel, Changeant.
P. N. G. alis subdentatis subtus griseis;
fascia utrinque alba interrupta, posticis su-
pra uniocellatis
.

Rösel vol. III. tab. 42.

17. †. Antiopa. der Trauermantel. P. N. P.
alis angulatis nigris limbo albido.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 1.

18. †. Polychloros. der große Fuchs. P. N. P.
alis angulatis fulvis, nigro maculatis: pri-
moribus supra punctis quatuor nigris.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 2.

Die Raupe gibt einen bisamähnlichen Geruch
von sich.

19. †. Urtica. der kleine Fuchs, Nesselvogel.
P. N. P. alis angulatis fulvis nigro-macu-
latis; primoribus supra punctis tribus nigris.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 4.

20. †. C. album. der C-Vogel. P. N. P. alis
angulatis fulvis nigro maculatis, posticis
subtus C. albo notatis.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 5.

21. †. Atalanta. der Mars, 980-Vogel.
(Engl. the admirable.) P. N. P. alis dentatis
nigris albo-maculatis: fascia communi pur-
purea, primoribus utrinque, posticis mar-
ginali.

[Seite 376]

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 6.

Einer der schönsten deutschen Schmetterlinge.

22. †. Paphia. der Silberstrich. P. N. P. alis
dentatis luteis nigro-maculatis, subtus
lineis argenteis transversis
.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 7.

Auch ein überaus schönes Thier von mittler
Größe.

23. †. Aglaia. der große Perlenmuttervogel,
Violenvogel. P. N. P. alis dentatis flavis
nigro maculatis: subtus maculis
21 ar-
genteis.

24. †. Pruni. P. P. R. alis subcaudatis supra
fuscis: posticis subtus fascia marginali fulva
nigro-punctata.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 7.

Auf Zwetschenbäumen.

25. †. Argus. P. P. R. alis ecaudatis cae-
ruleis: posticis subtus limbo ferrugineo;
ocellis caeruleo-argenteis.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 37.

Auf Kreuzdorn etc.

26. †. Malvae. der Pappelvogel. P. P. V.
alis denticulatis divaricatis nigris albo-ma-
culatis.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 10.

44. Sphinx. Abendvogel. Antennae
medio crassiores s. utraque extremitate
attenuatae subprismaticae. Alae deflexae.

Die Raupen in diesem Geschlechte sind meh-
rentheils von vortrefflicher Farbe, mit einem
hakenförmigen Horn am Ende des Rückens,
dessen Spur auch noch an der Puppe sichtbar ist.
[Seite 377] Sie verpuppen sich unter der Erde, ohne Ge-
spinnste. Die Abendvögel haben ihren Namen
daher, weil sie meist bloß in der Abenddämme-
rung umher fliegen. Die mehresten haben einen
langsamen schweren Flug. Linné hat das ganze
Geschlecht, das doch nicht gar zahlreich ist, auf
folgende Art unterabgetheilt:

a. Legitimae alis angulatis.

Alis integris, ano simplici.

Alis integris, ano barbato.

b. Adscitaehabitu et larva diversae.

* * *

1. †. Ocellata. das Abendpfauenauge. S. L.
alis repandis: posticis ocellatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 1.

2. †. Nerii. der Oleandervogel. S. L. alis
subangulatis viridibus: fasciis variis palli-
dioribus saturatioribus flavescentibusque.

Rösel vol. III. tab. 16.

3. †. Convolvuli. S. L. alis integris: posticis
nigro fasciatis margine postico albo-puncta-
tis, abdomine rubro cingulis atris.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 7.

4. †. Ligustri. S. L. alis integris: posticis
incarnatis fasciis nigris, abdomine rubro
cingulis nigris.

5. †. Atropos. der Todtenkopf. S. L. alis in-
tegris: posticis luteis fasciis fuscis, abdo-
mine luteo cingulis nigris.

Rösel vol. III. tab. 2.

Eins der schädlichsten Thiere für Bienenstöcke.
Die Raupen auf Jasmin, Kartoffelkraut etc.

[Seite 378]

6. †. Celerio. der Phönix. S. L. alis integris
griseis lineola albo-nigra; inferioribus basi
rubris maculis sex.

Rösel vol. IV. tab. 8.

7. †. Elpenor. die Weinraupe, der große
Weinvogel. S. L. alis integris virescenti-
bus, fasciis purpureis variis, posticis rubris
basi atris.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 4.

8. †. Porcellus. die kleine Weinmotte. S. L.
alis integris margine rubris; posticis basi
fuscis.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 5.

9. †. Euphorbiae. die Wolfsmilchraupe. S. L.
alis integris fuscis, vitta superioribus pallida,
inferioribus rubra.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 3.

10. †. Pinastri. der Fichtenschwärmer. S. L.
alis integris canis, margine postico albo
maculato, abdomine fusco cingulis albis.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 6.

In Kiefernwäldern, wo die Raupe, die sich
in den Gipfeln aufhält, zuweilen große Verhee-
rungen anrichtet.

11. †. Stellatarum. (Sesia St. F.) der Tauben-
schwanz, Karpfenkopf. S. L. abdomine
barbato lateribus albo nigroque variis, alis
posticis ferrugineis.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 8.

12. †. Filipendulae. (Zygaena F. F.) die
Zirkelmotte. S. A. alis superioribus cyaneis;
punctis sex rubris; inferioribus rubris
immaculatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 62.

[Seite 379]

13. †. Phegea. (Zygaena quercus F.) die
Ringelmotte. S. A. viridi-atra, alis punctis
fenestratis: superiorum sex, inferiorum
duobus, abdomine cingulo luteo.

45. Phalaena. Nachtvogel. (Engl.
Moth.) Antennae setaceae, a basi ad
apicem sensim attenuatae. Alae se-
dentis saepius deflexae.

Das weitläufigste Geschlecht unter den Ins-
ecten. Die Raupen sind mehrentheils behaart;
und verpuppen sich meist innerhalb eines beson-
dern seidenartigen Gespinstes (folliculus), wo-
zu sie den klebrigen Stoff in zwey darmähnlichen
Schläuchen, die längs dem Rücken hinab neben
dem Magen liegen, führen; und ihn nachher,
mittelst einer besondern Röhre, die sich hinter
dem Munde dieser Raupen findet, zu äußerst
feinen Faden spinnen, die ihnen auch außerdem
zu andern Zwecken, sich z.B. daran herablassen
zu können etc. nutzen*). Diese Gehäuse werden
bey einigen, wie bey dem Pfauvogel, wegen
ihrer überaus künstlichen Einrichtung; bey einigen
Arten von Seidenwürmern aber durch ihre große
Nutzbarkeit merkwürdig. Die Phalänen selbst,
die meist des Nachts ihren Geschäften nachgehen,
hat Linné in folgende Familien abgetheilt:

a. Attaci alis patulis inclinatis.

Pectinicornes.

Seticornes.

b. Bombyges alis incumbentibus; an-
tennis pectinatis
.

[Seite 380]

Elingues absque lingua manifeste spirali.

Spirilingues lingua involuto-spirali.

c. Noctuaealis incumbentibus. An-
tennis setaceis, nec pectinatis.

Elingues.

Spirilingues.

d. Geometrae alis patentibus horizon-
tatibus quiescentes
.

Pectinicornes.

Seticornes.

e. Tortrices alis obtusissimis, ut fere
retusis, margine exteriore curvo
.

f. Pyralides alis conniventibus in
figuram deltoideam forficatam
.

g. Tineae alis convolutis, fere in cy-
lindrum, fronte prominula
.

h. Alucitae alis digitatis fissis ad basin
usque
.

* * *

1. †. Atlas. (Bombyx A. F.) P. Att. pectini-
cornis elinguis, alis falcatis concoloribus
luteo-variis, macula fenestrata, superiori-
bus sesquialtera
.

Merianae Surinam. tab. 32.

In beiden Indien. Die Flügel größer als an
einer hieländischen Fledermaus, aber mit auffal-
lend kleinem Leibe. Man macht aus dem Gespinste
dieser und anderer großen Phalänen in Schina
die sogenannte wilde Seide.

2. †. Pavonia. (Bombyx P. F.) das Nacht-
pfauenauge. P. Att. pectinicornis elinguis,
alis rotundatis griseo-nebulosis subfasciatis:
ocello nictitante subfenestrato.

[Seite 381]

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 4. 5.

Das Puppengehäuse hat die Gestalt einer run-
den Flasche, mit einem, dem Anschein nach,
offenen abgestutzten Halse, dessen Eingang aber
doch inwendig auf eine überaus artige Weise,
mittelst elastischer convergirender Stacheln, die
in eine hervorstehende Spitze zusammen laufen,
so gut verwahrt ist, daß das vollkommne Thier
zu seiner Zeit füglich heraus, hingegen kein feind-
seliges Insect durch diesen Weg hinein dringen
kann*).

3. †. Quercifolia. (Bombyx Q. F.) das Eich-
blatt. P. B. elinguis, alis reversis semitectis
dentatis ferrugineis margine postico nigris.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 41.

Im Sitzen hat die Phaläne eine sonderbare
bucklige Stellung.

4. †. Pini. (Bombyx P. F.) der Kiefern-
spinner, die Fichtenraupe, Föhrenraupe.
P. B. elinguis, alis reversis griseis; strigis
duabus cinereis; puncto albo triangulari.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 59.

Einer der schädlichsten Raupen für die Kiefern-
waldungen.

5. †. Vinula. (Bombyx V. F.) der Gabel-
schwanz, Hermelinvogel. P. B. elinguis
albida nigro-punctata, alis subreversis fusco
venosis striatisque.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 19.

[Seite 382]

Die Raupe bekommt durch ihren dicken abge-
stumpften Kopf, und die beiden Schwanzspitzen,
die ihr statt des letzten Paars Hinterfüße gege-
ben sind, ein sonderbares Ansehen. Sie vermag
einen scharfen Saft, durch eine Oeffnung unten
am Halse von sich zu spritzen, und sich damit im
Nothfall zu vertheidigen*).

6. †. Fagi. (Bombyx F. F.) P. B. elinguis,
alis reversis rufo-cinereis; fasciis duabus
lineatibus luteis flexuosis.

Rösel vol. III. tab. 12.

Auch dieser ihre Raupe ist ganz anomalisch
abenteuerlich gestaltet. Mit langen Vorderbei-
nen, zwey hornichten Schwanzspitzen etc.

7. Mori. (Bombyx M. F.) der Seidenwurm.
P. B. elinguis, alis reversis pallidis; striis
tribus obsoletis fuscis maculaque lunari.

Rösel vol. III. tab. 7. 8.

Jac. l'Admiral tab. 9.

Der assyrische Bombyx beym Plinius etc. ist
wohl sicher unsere Seide; sie kam aber schon zu
Stoffen verarbeitet heraus; und ist der Wurm
selbst erst zu Justinians Zeiten in Europa gezo-
gen. Er bleibt 6 bis 7 Wochen lang Raupe;
spinnt sich hierauf, nachdem er sich vier Mahl ge-
häutet hat, in einen Coccon von weißer oder gel-
ber Farbe, der, wenn er drittehalb Gran am
Gewicht hält, aus einem 900 Fuß langen Faden
besteht (deren 180 dicht neben einander gelegt
erst die Breite von einer Linie ausmachen), und
kriecht endlich drey Wochen nachher als Schmet-
terling aus. Nach der Paarung legt das überaus
dicke Weibchen bey 500 Eyer, die im folgenden
[Seite 383] Frühjahr um die Zeit, wenn die weißen Maul-
beerbäume zu grünen anfangen, auskriechen.
Sie sind wohl ursprünglich in Schina*) zu
Hause, gewohnen aber auch unser Clima recht
gut, und man zieht sie nun auch in Nordamerica.

8. †. Neustria. (Bombyx N. F.) die Ringel-
raupe. P. B. elinguis, alis reversis: fascia
sesquialtera; subtus unica.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 6.

Nebst der folgenden eine sehr schädliche Raupe.
Die Phaläne legt ihre Eyer in einer Spirallinie
dicht an einander um ein Aestchen herum.

9. †. Pityocampa. (Bombyx P. F.) der Fich-
tenspinner. P. B. elinguis, alis griseis:
strigis tribus obscurioribus, posterioribus
pallidis: puncto anali fusco.

Richtet in Nadelhölzern große Verwüstung an.

10. †. Caia. (Bombyx C. F.) die schwarze
Bärenraupe. P. B. elinguis, alis deflexis
fuscis: rivulis albis, inferioribus purpureis
nigro punctatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. I.

11. †. Monacha. (Bombyx M. F.) die Nonne,
der Fichtenspinner. P. B. elinguis, alis
deflexis, superiobus albis atro-undatis,
abdominis incisuris sanguineis.

Jördens Geschichte der kleinen Fichtenraupe,
fig. 17-19.

[Seite 384]

Eins der fruchtbarsten Insecten für Fichten-
waldungen.

12. †. Dispar. (Bombyx D. F.) P. B. elin-
guis, alis deflexis: masculis griseo fuscoque
nebulosis: femineis albidis lituris nigris.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 3.

Hat ihren Namen von der ungleichen Bildung
und Größe der beiden Geschlechter.

13. †. Chrysorhoea. (Bombyx Ch. F.) die
schwarze Winterraupe. P. B. elinguis,
alia deflexis albidis, abdominis apice bar-
bato luteo.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 22.

Eine der schädlichsten Raupen für die Obst-
bäume, die im Herbst aus den Eyern kriecht,
und den Winter durch gesellschaftlich in zusammen
gesponnenem welken Laube an den Aesten zu-
bringt, ohne daß ihr selbst die strengste Kälte
schadet.

14. †. Antiqua. (Bombyx A. F.) P. B. elin-
guis, alis planiusculis: superioribus ferru-
gineis lunula alba anguli postici.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 39.

Das Weibchen ungeflügelt.

15. †. Caeruleocephala. (Bombyx C. F.) P. B.
elinguis cristata, alis deflexis griseis: stig-
matibus albidis coadunatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 16.

Ebenfalls eine den Obstbäumen sehr schädliche
Raupe.

16. †. Cossus. (Cossus ligniperda F.) die
Weidenraupe. P. B. elinguis, alis deflexis
nebulosis, thorace postice fascia atra, an-
tennis lamellatis.

[Seite 385]

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 18.

Dieselbe Raupe von der Lyonet die meisterhafte
Zergliederung geliefert hat. Sie hält sich in
Ulmen, Eichen etc., doch bey weitem am häufig-
sten an Weidenstämmen auf, die so von ihr durch-
fressen werden, daß sie leicht ausgehen oder bey
mäßigem Sturme umfallen. Der Schade, den
diese Raupe verursacht, wird dadurch vergrößert,
daß sie gegen das Beyspiel vielleicht aller übrigen
Raupen bey drey Jahr alt wird, ehe sie sich
verpuppt. Dabey hat sie ein so äußerst zähes
Leben, daß sie ohne Schaden etliche Stunden
lang im so genannten luftleeren Raume, und
mitten im Sommer fast drey Wochen lang unter
Wasser ausdauern kann. Eben so sonderbar ist,
daß die Puppe sich von der Stelle bewegen, und
wenn die Zeit des Auskriechens herbeynaht, aus
der Mitte des Stammes sich vorn bis an die
Mündung in der Rinde hervor bohren kann.

17. †. Graminis. die Grasraupe. (Cossus Gr.
F
.) P. B. spirilinguis, alis depressis grieseis:
linea trifurca, punctoque albidis.

Schwed. Abh. 1742. tab. 2.

In manchen Jahren für die Wiesen furcht-
bar verheerend.

18. †. Aesculi. (Cossus Ae. F.) P. N. elinguis
leavis nivea, antennis thorace brevioribus,
alis punctis numerosis caeruleo-nigris,
thorace senis
.

19. †. Humuli. (Hepialus H. F.) P. N. elin-
guis fulva, antennis thorace brevioribus,
maris alis niveis.

20. †. Pacta. (Noctua P. F.) P. N. spirilinguis
cristata, alis grisescentibus, inferioribus
[Seite 386] rubris, fasciis duabus nigris, abdomine
supra rubro.

21. †. Meticulosa. (Noctua M. F.) P. N. spiri-
linguis cristata, alis erosis pallidis: supe-
rioribus basi incarnata, intra triangulum
fuscum.

An allerhand Küchengewächsen, auch an Erd-
beeren.

22. †. Piniaria. der Fichtenspinner. P. G.
pectinicornis, alis fuscis flavo-maculatis
subtus nebulosis: fasciis duabus fuscis.

Auch eins der schädlichsten Insecten für Fich-
tenholzungen.

23. †. Wavaria. P. G. pectinicornis, alis ci-
nereis: anticis fasciis
4 nigris abbreviatis
inaequalibus.

Rösel vol. I. Nachtvögel III. tab. 4.

So wie die folgende auf Johannisbeeren,
Stachelbeeren.

24. †. Grossulariata. P. G. seticornis, alis
albidis, maculis rotundatis nigris: anticis
strigis luteis.

Rösel vol. I. Nachtvögel III. tab. 2.

25. †. Brumata. der Frostschmetterling,
Blüthenwickler. P. G. seticornis, alis
griseo-fuscis: striga nigra postice pallidio-
ribus; femina aptera

Reaumur T. II. tab. 30.

Eins der schädlichsten Insecten für Obstbäume.
Das ungeflügelte Weibchen legt seine Eyer in
die Blüthknospen.

26. †. Viridana. (Pyralis V. F.) P. Ti. alis
rhombeis, superioribus viridibus imma-
culatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel IV. tab. 3.

[Seite 387]

27. †. Farinalis. (Pyralis F. F.) P. P. palpis
recurvatis, alis politis fuscescentibus: strigis
repandis albidis area interiecta glauca.

Clerck phal. tab. 2. fig. 14.

Im Mehl.

28. †. Hercyniana. P. P. alis superioribus
fuscis, fascia et maculis niveis subinter-
ruptis; posticis cinereis.

J. v. Uslar Pyralis Hercyniana. fig. a. b. c.

In Fichtenwaldungen an den Nadeln.

29. †. Pinetella. (Crambus pineti. F.) P. Ti.
alis superioribus flavis, maculis duabus ar-
genteis, anteriore oblonga, posteriore ovata.

Clerck phal. tab. 4. fig. 15.

Ebenfalls in Fichtenwaldungen.

30. †. Pellionella. (Tinea P. F.) die Pelz-
motte. P. Ti. alis canis, medio puncto
nigro, capite subgriseo.

Rösel vol. I. Nachtvögel IV. tab. 17.

In Pelzwerk, ausgestopften Thieren etc.

31. †. Sarcitella. (Tinea S. F.) die Kleider-
motte. P. Ti. alis cinereis, thorace utrinque
puncto albo.

Besonders in wollenen Kleidungstücken.

32. †. Mellonella. (Tinea M. F.) P. Ti. alis
canis postice purpurascentibus, striga alba,
scutello nigro, apice candido.

Rösel vol. III. tab. 41.

Einer der gefährlichsten Bienenfeinde.

33. †. Granella. (Alucita G. F.) der Wolf,
weiße Kornwurm. P. Ti. alis albo nigroque
maculatis capite albo.

Rösel vol. I. Nachtvögel IV. tab. 11.

[Seite 388]

Auf Kornböden in der Frucht, die er benagt,
abhülset, zerschrotet, und sich daher leicht ver-
räth*).

34. †. Goedartella. (Tinea G. F.) P. Ti.
alis auratis: fasciis
2 argenteis: priore an-
trorsum, posteriore retrorsum arcuata.

Clerck phal. tab. 12. fig. 14.

35. †. Linneella. (Tinea L. F.) P. Ti. alis
fuscis, punctis tribus argenteis elevatis.

Clerck phal. tab. II. fig. 8.

36. †. Pentadactyla. (Pterophorus pentada-
ctylus
F
.) die Fünffeder. P. Al. alis paten-
tibus fissis quinquepartitis niveis: digito
quinto distincto.

Hat wie die übrigen Nachtvögel dieser Familie,
wegen der sonderbaren gespaltenen Flügel, ein
ungewöhnliches Ansehen.


IV. NEUROPTERA.

Eine kleine Ordnung, die sich durch vier
zarte netzförmige oder gegitterte Flügel aus-
zeichnet, die mehrentheils in allerhand Farben
schillern. Die Larve hat sechs Füße.

46. Libellula. Wasserjungfer, Spin-
nejungfer, Teufelsnadel. (Fr. demoi-
selle
. Engl. dragon-fly .) Os maxillo-
sum, maxillis pluribus. Antennae tho-
[Seite 389] race breviores. Alae extensae. Cauda
maris hamoso-forcipata.

Als Larve leben diese Thiere im Wasser, und
haben gleichsam eine bewegliche Maske oder
Kappe vor dem Munde, womit sie ihre Beute
haschen. Die Paarung der vollkommen geflü-
gelten Wasserjungfern, die überhaupt gar viel
Sonderbares hat, wird im Fluge vollzogen.

1. †. Depressa. L. alis omnibus basi nigri-
cantibus, thorace lineis duabus flavis, ab-
domine lanceolato lateribus flavescente.

Rösel vol. II. Wasser-Ins. II. tab. 6. 7.
fig. 3.

Hat sich zu Zeiten (wie z.B. im Frühling
1806 und 07 am Harz und in Thüringen etc.)
im mächtigen Zügen sehen lassen*).

2. †. Virgo. (Agrion V. F.) L. alis erectis
coloratis.

Rösel vol. II. Wasser-Ins. II. tab. 9.

3. †. Puella. (Agrion P. F.) L. alis erectis
hyalinis.

Rösel vol. II. Wasser-Ins. II. tab. 10. 11.

47. Ephemera. Uferaas, Hafft, Ge-
schwäder, Lorenzfliege, Rheinschnake.
(hemerobius, diaria). Os edentulum
absque palpis: Ocelli
2 maximi supra
oculos. Alae erectae, posticis minimis.
Cauda setosa.

Das Uferaas lebt einige Jahre lang als Larve
im Wasser. Nach dieser Zeit kommen mitten im
Sommer binnen wenigen Tagen in manchen Ge-
[Seite 390] genden Millionen der vollkommen ausgebildeten
Thiere mit einem Mahl aus dem Wasser hervor
geflogen, die sich auch alsdann, gegen die Weise
anderer Insecten, erst nochmahls häuten müs-
sen; überhaupt aber diesen ihren vollkommenern
Zustand meist nur kurze Zeit, oft nur wenige
Stunden genießen.

1. †. Vulgata. E. cauda triseta, alis nebu-
loso-maculatis
.

Sulzers Kennz. tab. 17. fig. 103.

P. Collinson in philos. Transact. N. 481.
tab. 2. fig. 2. 3. 4. p. 329. sq.

Das Weibchen legt ein eyförmiges Klümpchen,
das aus sehr vielen Eyerchen zusammen gesetzt ist.

2. †. Horaria. E. cauda biseta, alis albis
margine crassiore nigricantibus
.

Swammerdam Bibl. nat. tab. 13. fig. 13.

48. Phryganea. Frühlingsfliege. (Engl.
caddice, water-moth.) Os edentulum
palpis
4. Ocelli 3. Antennae thorace
longiores. Alae incumbentes, inferio-
ribus plicatis.

Die Larven, die sich ebenfalls im Wasser auf-
halten, werden besonders durch die theils sehr
künstlichen (meist cylindrischen theils aber auch
vierkantigen) Hülsen merkwürdig, die sie sich ver-
fertigen, und die sie, fast wie die Schnecken ihr
Haus, mit sich herum schleppen. Manche machen
diese Gehäuse aus Schilfstückchen, andere aus
Gras, aus Sandkörnchen, aus kleinen Steinchen,
andere aus kleinen Flußschneckchen u.s.w.

1. †. Bicaudata. (Semblis B. F.) P. cauda
biseta, alis venosis reticulatis.

Sulzers Kennz. tab. 17. fig. 6.

[Seite 391]

2. †. Striata. P. nigra, alis testaceis, ner-
voso-striatis.

Frisch P. XIII. tab. 3.

3. †. Rhombica. P. alis flavescentibus de-
flexo compressis macula rhombea laterali
alba.

Rösel vol. II. Wasser-Ins. II. tab. 16.

49. Hemerobius. Florfliege, Land-
libelle. Os dentibus 2: palpis 4. Ocelli
nulli. Alae deflexae
(nec plicatae).
Antennae thorace convexo longiores,
setaceae porrectae
.

Die Larve lebt im Trockenen. Das vollkom-
mene Insect ähnelt dem vorigen.

1. †. Perla. H. luteo-viridis, alis hyali-
nis; vasis viridibus
.

Rösel vol. III. tab. 21. fig. 4. 5.

Befestigt seine Eyer auf eine wundersame
Weife auf Baumblätter oder an Moos etc. mit-
telst eines aufrechtstehenden borstenähnlichen klei-
nen Stiels*).

2. †. Pulsatorius. (Pfocus P. F.) die Papier-
laus, Holzlaus. (Fr. le pou de bois.) H.
apterus, ore rubro, oculis luteis
.

Sulzers Gesch. tab. 29. fig. 3.

In Büchern, alten Papieren, auch im Holz.
Ward sonst allgemein für ungeflügelt gehalten.
Auch sind die geflügelten Individua so äußerst
selten bemerkt worden, daß sie höchstens nur
auf sehr kurze Zeit mit Flügeln versehen seyn
müssen. (§. 136.)

[Seite 392]

50. Myrmeleon. Afterjungfer. Os
maxillosum: dentibus
2. Palpi 4 elon-
gati. Ocelli nulli. Cauda maris for-
cipe e filamentis duobus rectiusculis.
Antennae clavatae longitudine thora-
cis. Alae deflexae
.

1. †. Formicarius. der Ameisenlöwe. (Fr. le
fourmilion
.) M. alis macula alba margi-
nali postica.

Rösel vol. III. tab. 17. u. f.

Das merkwürdige berufene Geschöpf, das sich
als Larve eine trichterförmige Fallgrube in Sand-
boden wühlt, sich selbst unten bis an den Hals
hinein scharrt, und da die Ameisen u.a. kleine
Insecten empfängt und verzehrt, die unversehens
an den Rand dieser Grube kommen, und mit
dem lockern Sand hinab schurren.

51. Panorpa. Scorpionfliege. Rostrum
corneum cylindricum. Palpi
2. Ocelli 3.
Antennae thorace longiores. Cauda
maris chelata
.

1. †. Communis. P. alis aequalibus nigro-
maculatis.

Frisch P. IX. tab. 14. fig. 1.

52. Raphidia. Kamelhals. Os denti-
bus
2 in capite depresso corneo. Palpi 4.
Ocelli 3. Alae deflexae. Antennae
longitudine thoracis antice elongati
cylindrici. Cauda feminae seta re-
curva laxa.

1. †. Ophiopsis. R. thorace cylindrico.

Rösel vol. III. tab. 21. fig. 6. 7.


V. HYMENOPTERA. (Piezata Fabr.)

[Seite 393]

Insecten mit vier häutigen Flügeln, die
mit wenigen aber starken Adern durchzogen,
auch meist kürzer und schmäler sind als bey den
Insecten der vorigen Ordnung. Bey den meh-
resten sind die Weibchen und geschlechtlosen
Thiere mit einem verletzenden Stachel am
Hinterleibe, theils auch mit Gift, das sie
beym Stich in die Wunde flößen, bewaffnet;
daher die ganze Ordnung auch von einigen
Entomologen Aculeata genannt worden. Die
Larven sind verschiedentlich gebildet: theils wie
Raupen mit zwanzig Füßen, theils wie Ma-
den ohne Füße etc*)..

53. Cynips. Gallwespe. Os maxillis
absque proboscide. Aculeus spiralis,
saepius reconditus.

Das Weibchen legt seine Eyer in besondere
Theile gewisser Pflanzen, die dadurch anschwel-
len, und theils sonderbare Auswüchse bilden, die
dann der Larve so lange zum Aufenthalte dienen,
bis sie ihre Verwandlung überstanden hat, und
nun als vollkommnes Insect aus ihrem Kerker
hervor brechen kann. Ganz sonderbar ist dabey,
daß jene Eyer selbst, nachdem sie von der Mutter
in das Gewächs gelegt werden, erst noch wachsen,
[Seite 394] theils noch Ein Mahl so groß werden, bevor
die darin befindliche Larve auskriecht.

1. †. Rosae. C. nigra, abdomine ferrugineo
postice nigro, pedibus ferrugineis
.

Frisch P. VI. tab. 1.

An wilden Rosen, wo sie die moosartigen,
krausen Auswüchse verursacht, die unter dem
Namen Rosenschwämme oder Schlafäpfel
(spongia cynosbati, Bedeguar) ehedem offici-
nell waren.

2. †. Quercus folii. C. nigra, thorace li-
neato, pedibus griseis, femoribus subtus
nigris.

Frisch P. II. tab. 3. fig. 5.

Am Eichenlaub, wo sie bekanntlich die Gall-
äpfel hervor bringt, die auch oft noch nachher,
wenn sie schon von der Nachkommenschaft ihrer
Urheberinn verlassen sind, kleinen Wespen ver-
schiedener Art zum Aufenthalt dienen.

3. Psenes. C. ficus Caricae.

Zumahl auf den Inseln des mittländischen
Meeres; in den wilden Feigen, die man deß-
halb zu den zahmen Feigen hängt, damit der
cynips von jenen in diese übergehen mag, als
wodurch die Zeitigung und Größe derselben be-
fördert wird.

54. Tenthredo. Blattwespe. Os
maxillis absque proboscide. Alae planae
tumidae. Aculeis laminis duabus ser-
ratis, vix prominentibus. Scutellum
granis duobus impositis distantibus.

Die Larven haben Raupengestalt (daher sie
Reaumür fausses chenilles nennt), leben vom
[Seite 395] Laub und finden sich besonders auf Rosenstöcken
und Weiden; verpuppen sich aber in der Erde.

1. †. Lutea. (Cimbex L. F.) T. antennis
clavatis luteis, abdominis segmentis ple-
risque flavis.

Frisch P. IV. tab. 24.

2. †. Capreae. T. salicis.

Frisch P. VI. tab. 4.

55. Sirex. Holzwespe, Sägenfliege. Os
maxillis
2 validis. Palpi 2 truncati:
Antennae filiformes, articulis ultra
24.
Aculeus exsertus rigens serratus. Ab-
domen sessile mucronatum. Alae lan-
ceolatae, planae omnibus.

Das Weibchen weiß mit seinem sägeförmigen
Legestachel sehr geschickt in weiches Holz zu
bohren, um seine Eyer da einzulegen. Die
Larve hält sich einige Jahre lang im Holze auf*).

1. †. Gigas. S. abdomine serrugineo: seg-
mentis nigris, thorace villoso.

Rösel vol. II. Humm. und Wesp. tab. 9.

56. Ichneumon. Schlupfwespe, Rau-
pentödter, Spinnenstecher. Os maxillis
absque lingua. Antennae articulis ultra

30. Abdomen petiolatum plerisque.
Aculeus exsertus vagina cylindrica,
bivalvi
.

Zahlreiche Thiere, die sehr vieles zur Ver-
tilgung der Raupen, Spinnen und anderer In-
[Seite 396] secten beytragen. Sie legen ihre Eyer in leben-
dige Raupen, die davon erkranken, und vor
oder nach ihrer Verpuppung absterben. Manche
sind auch an andere Gattungen ihres eigenen
Geschlechts gewiesen, denen sie als Larve ihre
Eyer in den Leib legen, so daß nach Rolanders
Bemerkung, von verschiedenen Gattungen die
eine bloß zur Vertilgung der andern geschaffen
zu seyn scheint.

1. †. Luteus. (Ophion L. F.) I. luteus thorace
striato, abdomine falcato.

2. †. Glomeratus. (Cryptus G. F.) I. niger
pedibus flavis
.

Reaumur vol. II. tab. 33.

Legt seine Eyer in die Raupen der Butter-
vögel, so wie der vorige in die von manchen
Phalänen.

3. †. Globatus. (Cryptus G. F.) I. niger
pedibus ferrugineis
.

Frisch P. VI. tab. 10.

An Grashalmen. Merkwürdig wegen des
äußerst zarten baumwolleähnlichen Gespinnstes,
von der Größe eines Taubeneyes, worin die
zahlreichen kleinen Puppen ihre Verwandlung
zusammen bestehn.

57. Sphex. Raupentödter, Afterwespe.
Os maxillis absque lingua. Antennae
articulis
10. Alae plano-incumbentes
(nec plicatae) in omni sexu. Aculeus
punctorius reconditus
.

Die Weibchen verschiedener Gattungen dieses
Geschlechts graben sich Höhlen in sandigen Bo-
[Seite 397] den, schleppen eine große Spinne oder Raupe
einer Phaläne hinein, die sie meist nur lahm
beißen, und legen sodann in jede Höhle ein Ey,
da dann nachher die junge Larve dem großen
Thier, das die Mutter dahin begraben hatte, den
Saft zum Gespinste aussaugt, und sich selbst
ein Verwandlungsgehäuse daraus bereitet.

1. †. Sabulosa. S. nigra hirta, abdomine fulvo,
postice nigro, petiolo longissimo.

Frisch P. II. tab. I. fig. 6. 7.

2. †. Cribraria. (Crabro cribrarius F.) die
Sieb-Biene. S. nigra, abdomine fasciis
flavis, tibiis anticis clypeis concavis
fenestratis.

Goeze im Naturforscher II. St. tab. 2.

Man hat lange die Scheiben an den Vorder-
süßen des Männchen für durchlöchert gehalten,
und hat auch nicht ermangelt, diesen vermeinten
Sieben eine merkwürdige Bestimmung anzudich-
ten, und viel Schönes über die weise Einrichtung
eines gar nicht existirenden Theils zu sagen.

58. Chrysis. (Fr. mouche dorée. Engl.
golden-fly.) Os maxillis absque pro-
boscide. Antennae filiformes: articulo

1 longiore, reliquis 11 brevioribus.
Abdomen subtus fornicatum, utrinque
squama laterali. Anus dentatus aculeo
subexserto. Alae planae. Corpus au-
ratum.

1. †. Ignita. C. glabra nitida, thorace viridi:
abdomine aureo: apice quadridentato
.

Frisch P. IX. tab. 10. fig. 1.

[Seite 398]

59. Vespa. Wespe. (Fr. guèpe. Engl.
wasp.) Os maxillis absque proboscide.
Alae superiores plicatae in omni sexu.
Aculeus punctorius reconditus. Oculi
lunares. Corpus glabrum
.

Die mehresten Gattungen dieses und des fol-
genden Geschlechts werden durch die strenge ge-
sellschaftliche Verbindung, in der sie theils zu
Tausenden beysammen leben, und durch die über-
aus kunstreichen Nester und gemeinschaftlichen
Wohnungen, die sie sich mit vereinten Kräften
aus so vielartigen Stoffen (– z.B. die Wespen
aus Holzzasern etc., die Immen aus Wachs, die
Maurer-Bienen aus Grant etc. –) zu verfer-
tigen wissen, merkwürdig.

1. †. Crabro. die Hornisse. (Engl. the hornet.)
V. thorace nigro antice ruso immaculato
abdominis incisuris puncto nigro duplici
contiguo
.

Frisch P. IX. tab. 11. fig. 1.

2. †. Vulgaris. die Wespe. (Engl. the wasp.)
V. thorace utrinque lineola interrupta, scu-
tello quadrimaculato, abdominis incisuris
punctis nigris distinctis.

Frisch P. IX. tab. 12. fig. 1.

3. †. Nidulans. (Fr. la guêpe cartonnière.) V.
nigra, thorace striga antica subscutelloque
albis, abdominis segmentis margine flavis.

Reaumur vol. VI. tab. 20.

In Guiana. Die äußere Bekleidung ihres
kunstreichen Nestes ähnelt einer feinen, wie mit
Schreibpapier überzogenen Pappe.

60. Apis. Biene. (Fr. abeille. Engl. bee.)
Os maxillis atque proboscide inflexa
[Seite 399] vaginis duabus bivalvibus. Alae planae
in omni sexu. Aculeus feminis et
neutris punctorius reconditus.

1. †. Mellifica. die Honigbiene, Imme. A.
pubescens thorace subgriseo, abdomine
fusco, tibiis posticis ciliatis, intus trans-
verse striatis
*).

Bekänntlich sind unter den Bienen, Wespen,
Ameisen und Termiten, die bey weiten zahlreich-
sten Individuen geschlechtlos, d.h. sie werden
von einem Vater erzeugt, und von einer dadurch
befruchteten Mutter geboren, ohne doch selbst
vollkommne Geschlechtsorgane zu haben. – Hier
bey der Imme hat das Weibchen, die so genannte
Königinn oder Mutterbiene, oder der Weißler,
einen schlanken schmalen Leib, länger als die
Dronen, kurze Flügel, einen behaarten Kopf,
ein zackiges Gebiß, braune Füße u.s.w. – Die
männlichen Bienen, oder Dronen (Deck- oder
Wasser- oder Holmbienen) sind groß und stark
von Leibe, mit langen Flügeln etc. – Die ge-
schlechtlosen, oder Werk- und Arbeits-Bienen
hingegen sind weit kleiner als jene beiden, von
mittlern Wuchs, nach Verhältniß langen Flügeln,
glattem Gebiß, schwarzen Füßen und einer be-
sondern Grube am Hinterschenkel, die zum Ein-
tragen dient, u.s.w. Diese letztern, deren in
einem großen Stock wohl auf 10000 seyn können,
haben allein die mannigfaltigen Verrichtungen
[Seite 400] des Eintragens, Bauens und der Besorgung der
Brut. Die jüngern sammeln aus Blüthen den
Stoff zu Honig und Wachs, den sie als Höschen
zum Stocke tragen, wo er ihnen von den ältern
abgenommen, und das Wachs vom Honig geschie-
den wird. Sie füttern die Bienen-Larven mit
Blumenstaub, halten den Stock rein, und schaffen
ihre Todten von da hinaus. Sie sind mit Stachel
als Waffen versehen, den sie aber wenn sie tief
stechen, leicht in der Wunde stecken lassen. – Die
männlichen Bienen (etwa 700 in einem großen
Stocke) haben keine andere Bestimmung, als
sich mit ihrer Königinn (– und zwar wie es scheint
im Fluge –) zu paaren. Manche sterben gleich
darauf, die übrigen müssen nachher verhungern,
oder werden von den Arbeitsbienen in der so ge-
nannten Dronenschlacht umgebracht. Die so reich-
lich befruchtete Mutterbiene legt ihre Eyer in die
Zellen oder Mutterpfeiffen, von denen schon vor-
läufig die für die Dronen bestimmten größer als
die übrigen gebaut sind. Wenn die Nachkommen-
schaft nach etlichen und 20 Tagen zur Reife gekom-
men, so trennt sie sich als Colonie vom Stamm-
volke, sie schwärmt. – In der Wildniß bauen die
Bienen in hohle Bäume, oder unter die Erde etc.
Der Mensch hat sie aber sich zum Hausthier zu
machen, und durch mannigfaltige scharfsinnige
Erfindungen ihre Vermehrung und Benutzung zu
befördern gelernt. – Obgleich einzelne Bienen
so wenig Wärme haben als andere kalkblütige
Thiere; so erhitzen sie doch im Stocke, zuweilen
bis zur Wärme des menschlichen Körpers*).

[Seite 401]

2. †. Centuncularis. (Anthophora C. F.) die
Rosenbiene. A. nigra, ventre lana fulva.

Frisch P. XI. tab. 2.

Lebt einsam unter der Erde, und verfertigt
sich eine überaus artige Hülse zur Wohnung von
Blättern der Rosenbüsche.

3. †. Violacea. (Xylocopa V. F.) die Holz-
biene. A. hirsuta atra, alis caerulescentibus.

Reaumur vol. VI. tab. 6. fig. 1. 2.

In alten Baumstämmen, wo sie sich ihre Woh-
nung der Länge nach aushöhlet, und die einzel-
nen Zellen durch dünne Holzscheibchen von ein-
ander absondert.

4. †. Terrestris. (Bombus T. F.) die Hummel.
(bombylius. Engl. the humble-bee.) A. hir-
suta nigra thoracis cingulo flavo, ano albo.

Frisch P. IX. tab. 13. fig. 1.

Nistet tief unter der Erde.

5. †. Muscorum. (Bombus M. F.) die Moos-
biene. A. hirsuta fulva abdomine flavo.

[Seite 402]

Reaumur vol. VI. tab. 2. fig. 3. 4.

Bekleidet ihr Nest von außen mit Moos.

6. †. Caementaria. die Maurerbiene. A fulva
abdomine nigro
(femina nigro-violacea
pedibus fuscis
).

Baut sich mit bewundernswürdiger Kunst und
Festigkeit ihr Nest aus Grant und Mörtel an
alten Mauern, die viel Sonne haben. Die ey-
förmigen Zellen, deren etwa zehn in jedem solchen
Gebäude sind, werden mit Gespinste austape-
zirt, und zuweilen auch vom Attelabus apiarius,
Schlupfwespen etc. bewohnt.

61. Formica*). Ameise, Emse. (Fr.
fourmi. Engl. ant.) Petiolus abdominis
elongatus, nodulosus, aut munitus squa-
mula erecta. Aculeus feminis et neutris
reconditus. Alae maribus et feminis,
sed neutris nullae.

Die mehresten hiesigen Ameisen halten sich
vorzüglich in Wäldern und Wiesen, theils bey
vier- und mehreren taufenden in einem Haufen
auf. Die Emsigkeit dieses kleinen Volks, vorzüg-
lich die Sorgfalt, mit der sie ihre Puppen (die
fälschlich so genannten Ameisen-Eyer) warten
und pflegen, geht so weit, daß man gesehen,
wie eine Arbeitsameise, der man den Hinterleib
abgeschnitten, doch noch zehn Puppen vor ihrem
schmerzhaften Tode in Sicherheit gebracht hat etc.

[Seite 403]

1. †. Herculanea. die Roß-Ameise. F. nigra
abdomine ovato, femoribus ferrugineis.

Sulzers Kennz. tab. 19. fig. 125.

2. †. Rufa. F. thorace compresso toto fer-
rugineo, capite abdomineque nigris.

3. †. Rubra. F. testacea, oculis punctoque
sub abdomine nigris.

4. †. Nigra. (Lasius niger F.) F. tota nigra
nitida, tibiis cinerascentibus.

Diese Ameisen paaren sich zu Ende des Som-
mers im Schwärmen, da sie zuweilen in unzähli-
ger Menge und sonderbarer Gestalt der Schwärme
als auf- und niederfahrende Säulen zum Vor-
schein kommen, deren man zuweilen wohl 20 auf
Ein Mahl sieht, die sich in der Ferne fast wie
ein Nordlicht ausnehmen*).

5. †. Caespitum. F. abdominis petiolo bino-
doso: priore subtus, thoraceque supra
bidentato.

Sulzers Gesch. tab. 27. fig. 20.

6. Cephalotes. (Atta C. F.) F. thorace quadri-
spinoso, capite didymo magno utrinque
postice mucronato.

Merianae ins. Surinam. tab. 18.

In Westindien. Von der Größe einer Wespe.

62. Termes. Weiße Ameise, Holz-
Emse, Termite. (Fr. fourmi blanche,
poux de bois
. Engl. white ant, wood-ant,
wood louse
.) Squamula intergerina
nulla. Alae maribus et feminis tem-
porariae; sed neutris plane nullae.

[Seite 404]

1. Fatalis. (bellicosus. Soland) T. corpore
fusco, alis fuscescentibus: costa ferruginea,
stemmatibus subsuperis oculo propinquis,
puncto centrali prominulo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 9.

Die Gebäude der guineischen Termiten.
Ebenselbst tab. 10.

Hier diese Gattung (denn es sind schon jetzt
wenigstens noch vier andere bekannt, die hin und
wieder zwischen beiden Wendezirkeln zumahl in bei-
den Indien, im südwestlichen Africa und auf
Neuholland zu Hause sind) findet sich besonders
in Ostindien und Guinea, und führt aus Thon,
Letten etc. kegelförmige, meist mit mehreren
Spitzen besetzte, inwendig hoch ausgewölbte Ge-
bäude auf, die zuweilen wohl 10 bis 12 Fuß hoch
sind, und theils in solcher Menge beysammen ste-
hen, daß sie von Ferne das Ansehen eines Dorfs
kriegen. Mit den Jahren wird so ein hohler
Ameisenhaufen von außen ganz mit Gras über-
wachsen etc. und ist dabey so fest, daß er mehrere
Menschen zu tragen im Stande ist, ungeachtet
die Wände selbst mit großen weiten Gängen durch-
zogen sind, die theils über eine halbe Elle im
Durchmesser haben. Unaufhörlich wird in diesen
Stöcken gebaut, alte Zellen abgebrochen, neue
aufgeführt, andere erweitert u.s.w. Die Zellen
des Königs und der Königinn (als von welchen in
jedem Stocke nur Ein Paar befindlich ist) sind im
Innersten des Gebäudes verborgen. Zunächst
um dieselben herum wohnen die Arbeiter, hierauf
folgen die Eyerzellen für die junge Brut und dicht
bey diesen die Magazine. Diese Thiere zerbeißen
und verzehren Holzwerk, Geräthe, Hütten etc.
und können binnen wenigen Wochen mächtige
Baumstämme gleichsam vernichten. Daß der Hin-
[Seite 405] terleib der befruchteten Königin 2000 Mahl
dicker, und größer wird als er vorher war, ist
schon oben erwähnt. Sie kann dann binnen
24 Stunden auf 80000 Eyer legen.

63. Mutilla. Alae nullae in pleris-
que. Corpus pubescens. Thorax po-
stice retusus. Aculeus reconditus pun-
ctorius.

1. Occidentalis. (M. coccinea F.) M. coccinea,
abdomine cingulo nigro.

In Nordamerica.


VI. DIPTERA*). (Antliata Fabr.)

Die Insecten mit zwey Flügeln und einem
Paar kleinen Knöpfchen oder so genannter
Flügelkölbchen oder Balancirstangen (halte-
res
), die hinter den Flügeln an der Brust
sitzen, und meist noch mit einer kleinen Schuppe
bedeckt sind; deren Nutzen aber noch unbe-
stimmt ist, und derentwegen einige Natur-
kündige die ganze Ordnung Halterata benannt
haben. Die Larve ist meist eine Made**),
[Seite 406] die Puppe braun, cylindrisch. Das vollkom-
mene Insect hat bey einigen Geschlechtern
einen spitzigen harten Saugestachel, bey andern
einen weichen Schlurfrüssel, bey noch andern
bloß eine einfache Mündung u.s.w. Einige,
Gattungen gebähren lebendige Junge.

64. Oestrus*). Bremse. Os apertura
simplex. Palpi duo, biatriculati, apice
orbiculares in depressione oris utrin-
que siti.

Bey den zunächst benannten Gattungen legt
das Weibchen seine Eyer in die Haut der leben-
digen Thiere, wodurch gleichsam eine Art von Fon-
tanell (die so genannte Dasselbeule) entsteht, in
welchem sich die Larve (der Engerling) ernährt.

1. †. Bovis. die Ochsenbremse. (Engl. the
gad-fly, breeze.
) O. alis immaculatis
fuscis, abdomine fascia atra media: apice
pilis fulvo-flavis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 47. fig. 1. 2.

[Seite 407]

2. Tarandi. die Renthierbremse. O. alis
immaculatis, thorace flavo fascia nigra,
abdomine fulvo apice flavo
.

3. †. Equi. die Pferdebremse. (Engl. the
horse-bee
. Oestrus bovis Linn
) O. alis
albidis, fascia media punctisque duobus
nigris.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 47. fig. 3. 4. 5.

Legt seine Eyer den Pferden an die Schultern
und Vorderschenkel, wo die ausgekrochenen Lar-
ven von denselben abgeleckt und hinuntergeschluckt
werden; die sich dann von dieser und de