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Handbuch
der
Naturgeschichte

Multa fiunt eadem sed aliter.
(QVINTILIAN.)

Neunte Ausgabe.

Göttingen,
1814

Bei Heinrich Dieterich.
[titlePage_verso]
Ex
Bibliotheca
Regia Acad.
Georgiæ
Aug:

Vorrede
zur vorhergehenden achten Auflage.

[Seite III]

(Mit einigen Zusätzen.)

Ein bedeutender Kunstrichter seiner Zeit,
Gilles Menage, war des Glaubens, daß die
Güte eines Buchs mir der Zahl der Ausga-
ben desselben in Verhältniß stehe, und man
von einem bewährt brauchbaren deren achte
zählen müsse.

So wenig sich nun zwar absehen laßt, wie
der sonst scharfsinnige Mann aus einen so aben-
teuerlichen – im Allgemeinen so höchst trüg-
lichen ganz unzuverlässigen Maaßstab verfallen
konnte, so darf es inzwischen der Verfasser
eines wissenschaftlichen, besonders auch zur
Grundlage bey academischen Vorlesungen be-
stimmten Handbuchs, zumahl in einer Dis-
ciplin die deren schon vorher gar manches
[Seite IV] zählte, für ein Zeichen der Brauchbarkeit
des seinigen ansehen, wenn er die achte (–
und nun die neunte –) Ausgabe davon besor-
gen muß, – fünf bis sechs Uebersetzungen
desselben in fremde Sprachen ungerechnet, die
zwischendurch davon erschienen sind*).

Das Buch sollte von der allgemeinen Na-
turgeschichte, gleichsam von ihrer Philosophie,
eine faßliche Uebersicht; und aus der unüber-
sehlichen Fülle der speciellern so viel des ge-
meinnützigsten und interessantesten in gedräng-
ter Kürze enthalten, als der zweckmäßige Zu-
schnitt eines, wie gesagt, auch als Leitfaden
bey academischen Vorlesungen brauchbaren
Handbuchs gestattet. Dabey ist unter an-
dern auch besonders darauf Rücksicht genom-
men, daß dasselbe zu einem nützlichen Hülfs-
mittel zum Nachschlagen, und zwar nahment-
lich beym Lesen von Reisebeschreibungen
dienen möchte, und dazu war denn auch das
genaue Register erforderlich, das einige tau-
send Nahmen von merkwürdigen Naturpro-
ducten enthält.

So wie jede neue Ausgabe des Buchs ganz
beträchtlichen Zuwachs von neuen Entdeckun-
[Seite V] gen oder Berichtigungen in der Naturge-
schichte, auch von eignen Ansichten und Be-
merkungen des Verfassers erhalten hat, so auch
diese gegenwärtige, und zwar – wie schon
die Vergleichung des Registers zu derselben
ausweisen könnte – nach Verhältniß wohl
mehr als eine der vorigen.

Folgendes aus den Vorreden zu den letz-
tern Ausgaben mag auch in dieser hier seine
Stelle finden.


Ich habe in den mineralogischen Abschnit-
ten, so wie im ganzen Buche, von Geschlech-
tern und den darunter begriffenen Gattungen
gesprochen. Denn daß man in der Minera-
logie die Fossilien in genera und species ein-
theilt, und die genera auf deutsch Geschlech-
ter, so wie die species Gattungen nennt,
darüber ist meines Wissens unter den gelehr-
ten und philosophischen Mineralogen Deutsch-
lands nur eine Stimme. Und so versteht
sichs wohl von selbst, daß wenn ich also in
einem Theile des Buchs die Benennungen
von Geschlecht und Gattung in diesem von je
(– und bis vor Kurzem allgemein –) ange-
nommenen Sinne brauchen mußte, ich nicht
[Seite VI] in einem andern Theile das Wort Gattung
im verkehrten Sinne für genus brauchen durfte,
wie doch in der That neuerlich von gar man-
chen deutschen Schriftstellern in der Zoologie
und Botanik versucht worden.

Ich weiß nicht, wer der Reformator ist,
der diese Umkehrung der Begriffe und ihrer
bestimmten Zeichen zuerst unternommen haben
mag: – aber wohl weiß ich, was er mit
einem solchen versuchten Eingriffe in den
Sprachgebrauch

‘„quem penes arbitrium est, et ius, et
norma loquendi
”’.

bey andern aufgeklärten Nationen riskirt hätte:
– daß es ihm hingegen in meinem theuern
Vaterlande deutscher Nation nicht an Nachah-
mern gefehlt hat, ist nichts weniger als uner-
wartet. – Genug indeß, daß so viele philo-
sophische Naturforscher und die größten unserer
naturkundigen Philosophen das verba valent
sicut numi
besser befolgt, und sich also durch
diese sonderbare Umstempelung nicht irre füh-
ren lassen. – Und warum auch ich für meine
Person es hierin lieber beym Alten lasse, als
mich an jene Nachahmer anschließe, dafür habe
ich folgende Gründe:

1) Hoffentlich weiß doch ein jeder, sei-
ner Sprache kundige, deutsche Naturforscher
[Seite VII] (– und wer es nicht weiß, der kann es aus
Adelung's Wörterbuche lernen –), was die
erste und Fundamentalbedeutung des Wortes
Geschlecht ist:

‘„Die Aehnlichkeit der verschiedenen Gat-
tungen der Dinge:”’

Dieß ist der wahre eigentliche Sinne des
Wortes Geschlecht, wie wir ihn von Kindes-
beinen an, selbst aus des seiner Sprache höchst
kundigen Luther's Bibel-Uebersetzung lernen.

Dem zu Folge wissen wir also in Anwen-
dung auf Methodologie in der Naturgeschichte:

Die Gattungen schafft die Natur: der Sy-
stematiker bringt sie nach ihren gemeinschaft-
lichen Aehnlichkeiten unter Geschlechter.

2) Eben so ausgemacht und bekannt ist
aber auch, daß hingegen das Wort Gattung
von dem Zeitworte sich gatten, abstammt;
und da nun im freyen Naturzustande wohl nur
die Thiere von einer species sich mit einan-
der fruchtbar gatten, so versteht sich also von
selbst, daß das Wort species, in dem Sinne
wovon hier die Rede ist, durch kein anderes
deutsches Wort passender und bezeichnender
und bestimmter ausgedrückt werden konnte, als
durch Gattung.

[Seite VIII]

3) Daß aber die Homonymie des deutschen
Wortes Geschlecht, indem es sowohl genus
als sexus bedeutet, zu Irrung Anlaß geben
werde, ist wohl eben so wenig im Ernst zu be-
fürchten als bey dem lateinischen Worte genus,
das, wie wir in den Kinderjahren in der
Grammatik beym Unterschied der Worte ge-
neris masculini
oder foeminini lernen, auch
statt sexus gebraucht wird.

4) Und wenn aber auch obbesagter Refor-
mator im Ernste so etwas befürchten zu müssen
meinte, so hätte er immerhin mögen wer weiß
was für ein Wort von eigener Fabrik statt
des ihm bedenklichen Geschlechts vorschlagen;
aber nichts konnte ihn berechtigen, die Landes-
sprache – d.h. den bestimmten einmahl fest-
gesetzten Sinne der deutschen Worte – (da
man z.B. Menschengeschlecht etc. sagt so gut
wie genus humanum) zu verkehren! Denn,
wie unser sel. Lichtenberg bey einem ähnli-
chen Anlaß sich ausdrückt:

‘„Hypothesen zu machen, und sie als seine
Stimme der Welt vorzulegen, darf nie-
mand gewehrt seyn, sie gehören dem Ver-
fasser. Aber die Sprache gehört der
Nation, und mit dieser darf man
nicht umspringen, wie man will.”’

[Seite IX]

Die gleiche schuldige Achtung gegen dieses
der Nation gehörige Eigenthum, habe ich auch
bey den deutschen Nahmen der Naturalien
beobachtet, und mich daher immer der allge-
mein angenommenen und allgemein verständ-
lichen, nicht aber etwa der Solöcismen einer
einzelnen Provinz bedient. Darum brauche
ich z.B. nicht das Hier zu Lande gewöhnliche
Wort Molle, sondern das allgemein angenom-
mene Molch: eben so nicht das im Erzgebirge
gebräuchliche Wort Kobelt, sondern das längst
allgemein adoptirte und selbst in andere le-
bende und todte Sprachen aufgenommene
Kobalt u.s.w.

Anders ist der Fall mit den in der Natur-
beschreibung von unsern neuen Systematikern
zur Bezeichnung der Geschlechter und ihrer
Gattungen selbsterfundenen Kunst- und
Trivial-Nahmen. So billig und vernünftig
es freylich ist, auch hierin so viel als möglich
die einmahl ziemlich allgemein angenommenen
Benennungen beyzubehalten, so können doch
Fälle eintreten, wo es noch billiger und ver-
nünftiger ist, einen vorher gewählten Nah-
men, wenn er einen durchaus irrigen Begriff
erweckt, gegen einen richtigern umzutauschen.
Und doch habe ich mich dieser an sich erlaub-
ten, aber auch heut zu Tage so oft gemiß-
brauchten und dann das Studium der Natur-
[Seite X] schichte so äußerst erschwerenden Freyheit
nur in äußerst wenigen Fällen, wo es mir un-
vermeidlich schien, bedient. So habe ich z.B.
den Panzerthieren oder Armadillen ihren ein-
heimischen, allgemein bekannten und längst
von classischen Zoologen angenommenen Nah-
men, Tatu, restituirt; da man sonst diesen
fast haarlosen Thieren durch einen seltsamen
Mißgriff den Nahmen, Rauchfuß, Dasy-
pus
beygelegt hatte, womit die alten Grie-
chen, ganz passend und völlig nach der Natur,
das rauchfüßige Hasengeschlecht bezeichnet
haben. – Aus ähnlichen Gründen brauche
ich für den schönen neuseeländischen Nephrit
lieber seinen einheimischen Nahmen (Punam-
mustein), unter welchem er zuerst von unsern
Antipoden zu uns gebracht und bekannt wor-
den, als die ihm neuerlich beygelegte Benen-
nung Beilstein, da ich im hiesigen academi-
schen Museum, so wie in den in London be-
findlichen großen Sammlungen von südländi-
schen Merkwürdigkeiten, zwar wohl die Menge
von Hacken und andern Geräthen, so sich die
Neuseeländer aus diesem Steine bereiten, aber
schlechterdings kein daraus verfertigtes Beil
aufgefunden habe. – Eben so habe ich dieje-
nige Gattung des Fledermausgeschlechts, Vam-
pyr oder Blutsauger genannt, die wirklich
schlafenden Säugethieren das Blut aussaugt;
da hingegen Linné diesen Nahmen dem fliegen-
[Seite XI] den Hund beygelegt hatte, der wohl seit die
Welt steht, kein Blut gesogen hat, sondern
sich ganz allein von Früchten nährt. – Aber
viele andere, nur nicht gar zu unpassende Kunst-
nahmen der Art habe ich dennoch beybehalten,
um ja nicht die Nomenclatur und Synony-
mien ohne dringende Noth, zur großen Last
der Lernenden, zu häufen.

Daß aber manche bekannte Nahmen von
Naturalien hier doch anders geschrieben wer-
den, als es insgemein geschieht, hat auch seinen
guten Grund. So schreibe ich z.B. Tofus
und nicht Tophus, weil es kein griechisches
Wort ist; eben so Manacanit*) und nicht
Menacanit, weil der Fundort dieses Fossils in
seiner ersten Sylbe ein a hat, so gut wie Ham-
burg oder Frankfurt.

Im Thierreiche habe ich immer den latei-
nischen Nahmen vorausgesetzt, weil da hundert
exotische Geschöpfe vorkommen, die im Deut-
schen keinen bekannten verständlichen Nahmen
haben. Im Mineralreiche hingegen ist der
[Seite XII] Fall umgekehrt. Da sind gerade die deutschen
Benennungen die bekanntesten und selbst großen
Theils in andere Sprachen aufgenommen.

Beym Thierreiche ist denjenigen Gattungen,
die sich in Deutschland finden, wieder so, wie
in den vorigen Ausgaben, ein † vorgesetzt. Im
Mineralreich konnte dieß unterbleiben, weil so
ein Zeichen bey den allgemein verbreiteten Fos-
silien überflüssig, bey vielen von denen aber,
die in Deutschland selbst ein sehr eingeschränk-
tes Vaterland haben, wie der Boracit etc. un-
zureichend gewesen wäre.

Die Abbildungen naturhistorischer Ge-
genstände
, die ich in der Verlagshandlung
dieses Handbuchs heftweise herausgebe, be-
ziehen sich auf die neuesten Ausgaben desselben
und dienen ihnen zu einer zweckmäßigen Er-
läuterung.

Göttingen,
im September 1814.
J. F. Blumenbach.

Anweisung der Kupfertafeln.

[Seite XIII]

Tab. I

Fig. 1-6. die Intestinal-Würmer im menschli-
chen Körper in natürlicher Größe. –

  • Fig. 1. Ascaris vermicularis (S. 432).
  • – 2. Der Vordertheil von ascaris lumbri-
    coides
    . (Ebendaselbst).
  • – 3. Trichocephalus dispar (S. 433).
  • – 4. Das Kopfende der menschlichen Band-
    würmer (S. 435).
  • – 5. Vier Hinterglieder der taenia solium
    (S. 436).
  • – 6. Dreyzehn Hinterglieder der taenia vul-
    garis
    (Ebendas.)
  • – 7. Das Vorderstück vom Regenwurm
    (S. 433).
  • – 8. Ein Liebespfeil der gemeinen Wald-
    schnecke (S. 425) stark vergrößert.
  • – 9. Ein Stamm mit drey Federbusch-Po-
    lypen, tubularia sultana (S. 488)
    stark vergrößert.
  • Fig. 10. Ein Arm-Polype mit einem jungen,
    hydra viridis (S. 493) in natürli-
    cher Größe.
  • – 11. Ein Stamm mit zwölf Blumen-Poly-
    pen, brachionus anastatica (S. 494)
    stark vergrößert.
  • – 12. Das Räderthier, vorticella rotatoria
    (Ebendaselbst) stark vergrößert.
  • – 13. Ein menschliches Samenthierchen, chaos
    spermaticum (S. 497) noch weit stär-
    ker vergrößert.

Tab. II.

Die merkwürdigsten Crystallisationen der Fossilien.


Erster Abschnitt.
Von Naturalien überhaupt
und
ihrer Eintheilung in drey Reiche.

[Seite 1]

§. 1.

Alle Körper, die sich auf, und in unserer
Erde finden, zeigen sich entweder in derselben
Gestalt und Beschaffenheit, die sie aus der
Hand des Schöpfers erhalten und durch die
Wirkung der sich selbst überlassenen Naturkräfte
angenommen haben; oder so, wie sie durch
Menschen und Thiere, zu bestimmten Absich-
ten, oder auch durch bloßen Zufall verändert
und gleichsam umgeschaffen worden sind.

Auf diese Verschiedenheit gründet sich die
bekannte Eintheilung derselben in natürliche
(naturalia), und durch Kunst verfertigte
(artefacta). Die erstern machen den Gegen-
stand der Naturgeschichte*) aus, und man
[Seite 2] pflegt alle Körper zu den Naturalien zu rech-
nen, die nur noch keine wesentliche Ver-
änderung durch Menschen erlitten haben.
Artefacten werden sie dann genannt, wenn
der Mensch*) absichtlich Veränderungen mit
ihnen vorgenommen.

Anm. 1. Daß übrigens jene Begriffe vom Wesentli-
chen und vom Absichtlichen im gegenwärtigen
Falle, bey so verschiedentlicher Rücksicht und Mo-
dification, nicht anders als relativ seyn können,
bedarf wohl keiner Erinnerung. Wie viel kommt
nicht z.B. bloß auf den Gesichtspunct des Samm-
lers an. So kann eine ägyptische Mumie sowohl
in eine Naturaliensammlung zur anthropologischen
Seite, als in eine Sammlung altägyptischer
Kunstwerke gehören.

Anm. 2. Zuweilen können Naturalien manchen Kunst-
producten so ähnlich seyn, daß sie schwer von
einander zu unterscheiden sind. Daher z.B. die
ehedem getheilten Meynungen, ob der Ueberzug
in dem Wasser abgesetzter Rindenstein von Kalk-
sinter, oder aber ein absichtlich aufgetragener künst-
licher Mörtel sey. (– s. Götting. gel. Anzei-
gen 1791. 188 St. –)

§. 2.

Alle und jede natürliche Körper zeigen, 1) in
Rücksicht ihrer Entstehung, 2) ihres Wachs-
thums, und 3) ihrer Structur, eine dop-
pelte Verschiedenheit.

[Seite 3]

Die einen nähmlich sind allemahl von an-
dern natürlichen Körpern derselben Gestalt und
Art hervor gebracht; so daß ihre Existenz in
einer ununterbrochenen Reihe bis zur ersten
Schöpfung*) hinauf immer andere dergleichen
Körper voraussetzt, denen sie ihr Daseyn zu
danken haben.

Zweytens nehmen sie allerhand fremde Sub-
stanzen als Nahrungsmittel in ihren Körper
auf, assimiliren sie den Bestandtheilen dessel-
ben, scheiden das Ueberflüssige wieder aus, und
befördern mittelst dieser beständigen Erneuerung
und Wechsel ihr Wachsthum von innen
(durch innige Aneignung, intus susceptio,
expansio
).

Diese beyden Eigenschaften setzen drittens
von selbst eine besondere Structur bey dieser
Art von natürlichen Körpern voraus. Sie
müssen nähmlich, wenn sie auf diese Weise
Nahrungsmittel zu sich nehmen und umwan-
[Seite 4] deln, und mit der Zeit andere Geschöpfe ihrer
Art wieder hervor bringen sollen mancherley
diesen Zwecken der Selbsterhaltung und Fort-
planzung entsprechende, deßhalb mit den so
genannten Lebenskräften versehene und ei-
nem zweckmäßigen Ganzen unter einander ver-
bundene Gefäße, Adern und andere Organe
in ihrem Körper haben, die zur Aufnahme be-
stimmter Säfte zur Assimilation jener Alimente,
zur Erzeugung der Nachkommenschaft u.s.w.
nothwendig sind.

Dieß Alles fehlt bey den natürlichen Kör-
pern der andern Art, nähmlich den Minera-
lien. Beydes, sowohl ihre Entstehung, als
ihr Wachsthum (wenn man es gar nur Wachs-
thum nennen darf), wird keinesweges durch
Ernährung, sondern lediglich nach eigentlich so
genannten bloß physischen (mechanischen und
chemischen), Gesetzen, durch Anhäufung oder
Ansatz homogener Theile von außen (aggre-
gatio, iuxta positio
) bewirkt; folglich ist
bey ihnen weder ursprüngliche Organisation
noch Lebenskraft zu erwarten.

Und eben deßhalb heißen sie unorganisirte,
und jene hingegen organisirte Körper.

§. 3.

Endlich sind nun aber auch jene organisir-
ten Körper selbst, besonders in der Art wie sie
ihre Nahrungsmittel zu sich nehmen, von einer
doppelten Verschiedenheit.

[Seite 5]

Die einen nähmlich saugen einen sehr ein-
fachen Nahrungssaft vorzüglich mittelst zahl-
reicher Zasern, die sich am untern Ende ihres
Körpers befinden, ohne merkliche willkürliche
Bewegung in sich.

Da hingegen die andern eine meist einfache
Hauptöffnung am obern oder vordern Ende
ihres Körpers haben, die zu einem geräumi-
gen Schlauche führt, wohin sie vom innern
Gefühle des Hungers getrieben ihre Alimente,
die von sehr verschiedener Art sind, mittelst
willkürlicher Bewegung bringen.

Jenes sind die Pflanzen, dieses die Thiere.

Anm. Hingegen gibt die Fähigkeit den Standort zu
verändern (locomotiuitas) kein hinreichendes Un-
terscheidungszeichen der Thiere von den Pflanzen,
ab. Denn viele Pflanzen, wie z.B. die gemeinen
Wasserlinsen, sind nicht festgewurzelt sondern kön-
nen zu gewissen Jahrszeiten etc. ihren Aufenthalt
verändern, bald zu Boden sinken, bald wieder
auf die Oberfläche des Wassers steigen u.s.w. Und
andererseits gibt es ganze Geschlechter von Wasser-
thieren, zumahl unter den Conchylien, Corallen etc.
die ihren einmahl eingenommenen Platz nie von
selbst wieder verlassen können.

§. 4.

Diese sehr faßliche Eintheilung der natür-
lichen Körper in organisirte und unorganisirte
(§. 2.), und der organisirten wieder unter ein-
ander (§. 3.), ist nun der Grund der bekannten
drey Reiche, worunter man die Naturalien
sehr schicklich gebracht hat, und wovon
[Seite 6] das erste die Thiere, das zweyte die Pflanzen, das
dritte die Mineralien begreift.

Die Thiere sind demnach belebte und be-
seelte organisirte Körper, die sich ihre sehr viel-
artige Nahrung mittelst willkürlicher Bewe-
gung suchen, und selbige durch den Mund in
den Magen bringen.

Die Pflanzen sind zwar ebenfalls belebte
organisirte Körper, aber unbeseelt, so daß sie
ihren sehr homogenen Nahrungssaft ohne will-
kürliche Bewegung mittelst der Wurzeln ein-
saugen.

Die Mineralien endlich sind unbelebte und
unorganisirte Körper, die folglich ohne Lebens-
kraft nach den bloß physischen (mechanischen
und chemischen) Gesetzen von Anziehung, An-
häufung, Bildungskraft etc. entstehen.

Anm. Gegen diese Eintheilung in drey Reiche, ist,
zumahl neuerlich, eine doppelte Einwendung ge-
macht worden.

Manche haben zwar die Kluft zwischen den
organisirten und unorganisirten Körpern aner-
kannt, aber nur keine bestimmten Gränzen zwi-
schen Thieren und Gewächsen zugeben wollen:

andere hingegen haben die beliebten Meta-
phern von Stufenfolge der Geschöpfe geradezu
dahin gedeutet, als ob überhaupt keine bestimm-
baren Eintheilungen der Naturalien in Reiche
u.s.w. Statt fänden.

Was das erste betrifft, so sollte man zwar
überhaupt nicht vergessen, was so oft den Gegen-
ständen der Erfahrung der Fall ist, daß man sie
[Seite 7] weit leichter für das was sie sind*) richtig aner-
kennen und von andern unterscheiden, als ihre
einzelnen unterscheidenden Merkzeichen ausfinden
und angeben kann**). – So sagte z.B. Linné:
‘„nullum characterem hactenus eruere potui,
vnde Homo a Simia internoscatur
.”’ Nun
glaube ich zwar in diesem Buche solche äußere
Charaktere der Humanität angegeben zu haben,
wodurch sich der Mensch von den noch so menschen-
ähnlichen Affen (wie man sie nennt); so wie über-
haupt von allen andern Säugethieren unverkenn-
bar auszeichnet. Aber auch ohne dieselben wird
doch hoffentlich nie ein Naturforscher in praxi in
Verlegenheit gekommen seyn, Menschen und Affen
etwa zu verwechseln. – Außerdem aber können
ferner Geschöpfe aus noch so verschiedenen Classen
manche theils auffallende und unerwartete Aehn-
lichkeit mit einander haben, ohne daß dadurch die
dessen ohngeachtet unverkennbare Verschiedenheit
zwischen diesen Classen selbst wegfallen dürste.
Man theilt z.B. die Thiere sehr natürlich in warm-
blütige und kaltblütige; und rechnet eben so na-
türlicher Weise die Säugthiere zu jenen und hin-
gegen die Insecten zu diesen; ohne je deßhalb irre
zu werden, daß die Bienen in ihrem Stocke so
ganz ohne Vergleich wärmer sind, als etwa ein
Igel während seines Winterschlafs. – So gibt es
in der Classe der Gewürme Geschlechter, wie z.B.
[Seite 8] die Sepien, die sich von den übrigen Thieren die-
ser Classe sehr auszeichnen, und dagegen manche
auffallende Aehnlichkeit mit den Fischen haben.
Aber Niemand wird meinen, deßhalb müsse nun
die Scheidewand zwischen der Classe der Fische
und der Classe der Gewürme aufgehoben werden. –
Und eben so wenig wird jemand im Ernst in Ver-
suchung gerathen, das Thier- und Pflanzenreich
deßhalb mit einander zu verbinden, weil man an
gewissen Pflanzen gewisse Aehnlichkeiten mit ge-
wissen Thieren bemerkt hat. Von der Art sind
z.B. die sonderbaren Bewegungen mancher Mi-
mosenarten, und des hedysarum gyrans etc.,
die, so merkwürdig sie auch an sich bleiben, doch
gar nicht einmahl in den oben angegebenen Cha-
rakter der Animalität eingreifen. So wenig als
hinwiederum diejenigen Aehnlichkeiten, so die Arm-
Polypen mit den Gewächsen haben, den oben be-
stimmten Charakter der Vegetabilität betreffen.
Sondern, die Arm-Polypen sind Thiere, die, so
wie der Mensch und die Auster, vom Hunger ge-
trieben ihre Nahrung durch willkürliche Bewegung
in den Mund bringen, was hingegen bey keiner
Pflanze, in der bis jetzt bekannten Schöpfung,
der Fall ist.

Nun und so beantwortet sich die andere Ein-
wendung gegen die Naturreiche etc. die sich auf die
so gepriesene Metapher von Stufenfolge der Ge-
schöpfe gründet, eigentlich von selbst.

Alle die beliebten Bilder von Kette, von Leiter,
von Netz etc. in der Natur, haben zwar für die
Methodologie im Studium der Naturgeschichte in
so fern ihren unverkennbaren Nutzen, als sie den
Grund eines so genannten natürlichen Systems
abgeben, worin man die Geschöpfe nach ihren
meisten und auffallendsten Aehnlichkeiten, nach
ihrem Totalhabitus und der darauf gegründeten
so genannten Verwandtschaft untereinander, zu-
sammen ordnet.

Aber sie nun, wie doch so oft von wohlmei-
nenden Physicotheologen geschehen, dem Schöpfer
in den Plan seiner Schöpfung hinein legen, und
[Seite 9] die Vollkommenheit und den Zusammenbang der-
selben darin suchen zu wollen, daß die Natur (wie
man sich ausdrückt) keinen Sprung thue, weil
die Geschöpfe in Rücksicht ihrer äußern form
so sein stufenweise auf einander folgten, das wäre
doch schon an sich eine vermessene Schwachheit,
wenn sie auch nicht, wie doch der Fall ist, bey
ernsterer Prüfung sich selbst widerlegte.*)

Denn man braucht bloß die noch so kunstreich
und sorgfältig angelegten Entwürfe von solchen
Stufenfolgen in der Reihe der Geschöpfe näher zu
beleuchten, um einzusehen, wie sehr darin einer-
seits sich ganze Haufen von Geschöpfen ähnlicher
Bildung in Geschlechtern von fast unübersehlich
zahlreichen Gattungen (zumahl unter den Insecten
und Gewürmen, aber auch im Pflanzenreiche) zu-
sammen drängen, und andere dagegen gleichsam
isolirt stehen, weil sie wegen ihrer ausgezeichneten
ganz eignen Bildung nicht ohne sichtlichen Zwang
in einer solchen Leiter der Natur irgendwo einge-
schoben und untergebracht werden können (wie
z.B. die ganze Classe der Vögel; die Schildkröten,
die schon gedachten Sepien u.a.m) – Ferner aber
finden sich Thiere, bey welchen, wie z.B. bey den
Schildläusen, Männchen und Weibchen eine so
durchaus ganz verschieden Gestaltung haben, daß
man folglich in der gedachten Leiter die einen von
den andern trennen und nach dieser so sehr ver-
schiedenen Sexualform beyden auf weit von einan-
der entfernten Sprossen ihre verschiedenen Stellen
anweisen müßte. – Nun dann zeigen sich Lücken
in der Leiter, wo offenbar ohne einen sehr gewagten
Sprung gar nicht über zu kommen ist, wie zu
Einem Beyspiel statt aller, die zwischen den orga-
nisirten Körpern und den Mineralien u.s.w.

So mangelhaft aber überhaupt die bildlichen
Vorstellungen von Kette der Natur u. dergl. ge-
rathen müssen, so ganz grundlos ist nun vollends
gar die vermessene Behauptung mancher Physico-
[Seite 10] theologen, als ob kein Glied aus dieser ihrer zu
Papier gebrachten Kette ausfallen dürste, wenn
nicht die Schöpfung selbst stocken sollte u.s.w. –
So gut einzelne Gattungen von Thieren aus gan-
zen großen Inseln, wie z.B. die Wölfe aus Groß-
britannien vertilgt sind, ohne daß die dasige
Schöpfung durch diese nunmehrige scheinbare Lücke
ihren sonstigen Zusammenhang verloren haben
sollte, so können andere Geschöpfe aus ganzen
Welttheilen und wohl von der ganzen Erde ver-
tilgt werden (wie dieß allen Anschein nach mit
manchen, z.B. mit dem Dudu wirklich geschehen),
ohne daß durch diesen merklichen hiatus, der da-
durch in der Kette der Physicotheologen entsteht,
der ewige stille Gang der Schöpfung selbst, im
mindesten gefährdet werden dürfte.

Einige Hauptquellen und andere Hülfsmittel
zur N. G. überhaupt.

  1. Aristoteles (lebte ungefähr 400 Jahr vor Christi Ge-
    burt.) Ej. Opera. gr. lat. ex. ed. Gu. du Val.
    Paris. 1654. IV. vol. fol. zumahl im 11. B.
  2. C. Plinius secundus (†. im J. 79. nach Chr. Geb.)
    Ej. historia mundi l. xxxvii – Ein Paar sau-
    bere und correcte Handausgaben sind die Leidner,
    Elzevirische 1635. III. vol. 12. und die Zwey-
    brücker 1783. V. vol. 8.
  3. Conr. Gesner. (†. 1562.)
  4. Joh. Rav. (†. 1705.) Die hierher gehörigen Haupt-
    werke dieser beyden Männer werden anderwärts
    angeführt.
  5. C. v. Linné. (†. 1778.) Ej. systema naturae ed. 12.
    Holm. 1766. IV. vol. 8. und die dazu gehörigen
    beyden mantissae ib. 1767 sq. 8.
  6. ed. 13. aucta, reformata cura Jo. Fr. Gmelin. Lips.
    1788. IX. vol. 8.

Und zum Verständniß der linnéischen Kunstsprache:

  1. Jo. Reinh. Forster euchiridion historiae na-
    turali inservieus.
    Hal. 1788. 8.
  2. J. K. W. Illiger's Versuch einer systematischen voll-
    ständigen Terminologie für das Thierreich u. Pflan-
    zenreich. Helmstädt. 1800. 8.
  3. G. L. le Clerc C. de Buffon. (†. 1788.) Ej. histoire
    naturelle
    . Die Orig. Ausgabe, Paris, seit 17949.
    XXXIII. vol. 4. oder LXXII. vol. 12.

Miscellan-Werke.

  1. C. v. Linné amoenitates academicae.Holm. seit
    1749. IX. vol. 8.
  2. Oeuvres de Ch. Bonnet. Neuch. 1779. sq. 4. die
    ersten V. B.

Physicotheologische und ähnliche Werke.

  1. Jo. Ray's wisdom of God manifested in the works
    of the creation.
    ed
    . 12. Glasgow. 1750. 12.
  2. W. Derham's physicotheology. ed. 4. Lond. 1716. 8.
  3. Ch. Bonnet contemplation de la nature. (als IVter
    B. der gedachten Ausg. seiner Werke.)

Wörterbücher.

  1. Valm. de Bomare dictionnaire de l'histoire natu-
    relle.
    ed. 4. Lyon, 1791. VIII. vol. 4.
  2. Nouveau Dictionnaire d'histoire naturelle appliqués
    aux arts etc. par une Societé de naturalisistes
    et d'agriculture.
    Par. 1804. XXIV. vol. 8.
  3. Dictionnaire des sciences naturelles, par plusieurs
    Prof. du Museum National
    etc. Par
    . seit. 1804. 8.
  4. Ph. Andr. Nemnich allgemeines Polyglotten Lexi-
    con der Naturgeschichte.
    Hamb. 1793. IV B. 4.

Journale etc.

  1. Journal de physique. Paris seit 1773. 4.
  2. Magazin für das Neueste aus der Physik und Naturge-
    schichte, herausgegeben von L. C. Lichtenberg und
    J. H. Voigt. Gotha, 1781. bis 1797. XII. B. und
    J. H. Voigt's Magazin für den neuesten Zustand
    der Naturkunde. Jena seit 1797 bis 1806; ebenfalls
    XII. B. 8.

Zweyter Abschnitt.
Von den organisirten Körpern
überhaupt.

[Seite 12]

§. 5.

Jeder organisirte Körper (§. 2.) wird von
seines Gleichen erzeugt, dann durch eigene
Kraft lebenslang ernährt, und dadurch seine
Selbsterhaltung und Wachsthum, und wenn
er zu seiner Reise gelangt, auch seine Fort-
pflanzungsfähigkeit bewirkt.

§. 6.

Zu diesen großen Verrichtungen werden die
organisirten Körper durch die Organisa-
tion ihres Baues, und durch die mit dersel-
ben verbundenen Lebenskräfte geschickt ge-
macht. Denn durch diese letztern erhalten die
Organe ihre Empfänglichkeit für reitzende
Eindrücke (stimuli) und ihr Bewegungsver-
mögen, ohne welches beydes weder Ernährung
noch Wachsthum, noch wechselseitige Einwir-
kung der Theile zur zweckmäßigen Erhaltung
des Ganzen, und umgekehrt*), denkbar seyn
könnte.

§. 7.

[Seite 13]

Sich die Entstehung der organisirten Kör-
per zu erklären, hat man, zumahl neuerlich,
die so genannte Evolutions Hypothese be-
quem gefunden, und gemeint, es werde gar
kein Mensch, und kein andres Thier, und
keine Pflanze erzeugt, – sondern sie lägen
alle schon seit der ersten Schöpfung als völlig
präformirte Keime*) bey ihren Aeltern und
Vorfahren längstens vorräthig: die verschie-
denen Generationen steckten, gleichsam wie ein-
gepackte Schachteln, in einander; und wür-
den nur nach und nach, so wie die Reihe an
sie käme, durch die Befruchtung entwickelt
und aus Licht gebracht. – Eine Meinung,
die doch schon sowohl durch den dabey erfor-
[Seite 14] derlichen Aufwand von übernatürlichen (hy-
perphysischen) Anstalten*), als durch die,
allen Gesetzen einer philosophischen Naturfor-
schung zuwiderlaufende unnütze Vervielfälti-
gung der natürlichen [physischen]**) Kräfte,
und durch die unübersehliche Menge von zweck-
losen Schöpfungen aller der zahllosen prä-
formirten Keime, die nur nicht zu ihrer Ent-
wickelung gelangen konnten, aller präjudizlosen
Urtheilskraft widerstehen müßte, wenn sie auch
nicht durch die überwiegenden gegenseitigen
Erfahrungsgründe widerlegt wird.

Anm. Nach der einstimmigen Behauptung der allerbe-
rühmtesten und allereifrigsten Versechter der Evo-
lutionshypothese, sollen die präformirten Keime
den der Mutter vorräthig liegen, und während der
Befruchtung durch die Kraft des hinzukommenden
männlichen Zeugungsstoffes erweckt und zur Ent-
wickelung angetrieben werdet. Was man Empfäng-
niß nennt; sey folglich nichts als das Erwachen
des schlaftrunkenen Keims durch den Reitz des
auf ihn wirkenden männlichen Samens.

Also bedarf es hier zuvörderst einer erwecken-
den Kraft.

Nun aber ähneln ja so oft Kinder zum Sprechen
bloß ihrem Vater; – Bätzen, die sich kurz
hintereinander mit mehreren männlichen Hunden
belaufen haben, werfen oft Junge, die diesen ver-
schiedenen Vätern ähneln; – zweyerley Men-
schenrassen, z.B. Negern und Weiße, zeugen
mit einander nothwendigen Mittelschlag, nähmlich
Mulatten; – und wenn nun vollends ungleiche
Gattungen (verschiedene Species) von Thieren
[Seite 15] oder Gewächsen einander befruchten, so entstehen
Bastarde, die eben so viel von der väterlichen als
von der mütterlichen Gestaltung an sich haben.

Ja das läßt sich freylich nicht wohl verkennen:
und dem zufolge gestehen dann die Evolutionisten
dem männlichen Samen, außer seiner erwecken-
den, nun auch Nro. 2. in sofern eine bildende
Kraft zu, daß er den bey der Matter präformirt
gelegenen Keim, wohl in etwas zur väterlichen Ge-
staltung umzuformen vermöge.

Demnach wäre folglich zweyerley Kraft im
männlichen Samen; 1) die erweckende und
2) doch auch eine bildende –

Aber man kann ja mittelst einer, mehrere Ge-
nerationen hindurch immer wiederholten, künst-
lichen Bastardzeugung endlich die eine Gattung
von organisirten Körpern gänzlich in die andere
umwandeln. – So hat man z.B. aus der künst-
lichen Befruchtung der einen Pflanzengattung
mittelst des männlichen Staubes von eine andern,
Samen gezogen, welcher fecundable Bastard-
pflanzen gegeben; d.h. die sich zur Blühezeit
abermahls mit männlichem Staub von jener an-
dern Gattung befruchten lassen, und wiederum
fecundabele Bastarde der zweyten Generation
hervorgebracht. Jene Bastarde von der ersten Ge-
neration hielten gleichsam das Mittel zwischen
beyden verschiedenen Stamm-Aeltern von väter-
licher und mütterlicher Seite. Die von der zwey-
ten hingegen ähnelten schar weit mehr der väter-
lichen, als der mütterlichen. Und nachdem die
gleiche künstliche Befruchtung noch fernerweit
durch zwey folgende Generationen eben so wieder-
hohlt worden, so entstanden endlich Pflanzen, an
welchen die ursprüngliche mütterliche Gestaltung
so zu sagen ganz verwischt, und in die väterliche
umgewandelt worden. (– s. Kölreuter's dritte
Fortsetzung der Nachricht vor einigen das Ge-
schlecht der Pflanzen betreffender Versuchen S. 51.
§. 24. mit der Ueberschrift: ‘„Gänzlich voll-
brachte Verwandlung Einer natürlichen
Pflanzengattung in die andere.”’ –)

[Seite 16]

Da hat den folglich alle Präformation des
seit Erschaffung der Welt conservirten mütterli-
chen Keims am Ende in nichts geholfen, sondern
hat der bildenden Kraft des männlichen Stoffes
(der eigentlich nach der Evolutionshypothese bloß
durch seine erweckende Kraft auf denselben hätte
wirken sollen,) gänzlich weichen müssen!

§. 8.

Und so bleibt es folglich im Ganzen unserem
Erkenntnißvermögen und selbst den Regeln
aller philosophischen Nachforschung*) weit
angemessener, wenn man die Entstehung der
neuerzeugten organisirten Körper bloß durch
allmähliche Ausbildung (Epigenesis) des
an sich zwar ungeformten, aber unter den
dazu erforderlichen Umständen organisirbaren
Zeugungsstoffes, erklärt.

Nur kommt es bey der vielfachen Vorstel-
lungsart, die man sich von einer solchen all-
mählichen Bildung machen kann und gemacht
hat**), darauf an, sie so zu bestimmen, wie
[Seite 17] sie dem Begriff von organisirten Körpern, und
dann den Phänomenen, die uns die Beobach-
tung bey Entstehung derselben lehrt, am un-
gezwungensten entspricht.

§. 9.

Und dieß geschieht, wenn man annimmt,
daß der reise, vorher zwar umgeformte, aber
organisirbare Zeugungsstoff der Aeltern, wenn
er zu seiner Zeit, und unter den erforderlichen
Umständen an den Ort seiner Bestimmung ge-
langt, dann für eine in denselben nun zweck-
mäßig wirkende Lebenskraft, nähmlich den
Bildungstrieb (nisus formatiuus) zuerst
empfänglich wird; – für einen Trieb, der
sich von aller bloß mechanischen bildenden
Kraft [als welche auch im unorganischen Reiche
Crystallisationen*) u. dergl. hervorbringt]
[Seite 18] dadurch auszeichnet, daß er nach der endlos
mannichfaltig verschiedenen Bestimmung der
organisirten Körper und ihrer Theile, die viel-
artig organisirbaren Zeugungsstoffe auf eben so
mannichfaltig aber zweckmäßig modificirte Weise
in bestimmte Gestalten zu formen vermag –
und so (– durch die Verbindung des Mecha-
nischen mit dem zweckmäßig Modificirbaren in
diesem Triebe*) –] zuerst bey der Em-
pfängniß die allmähliche Ausbildung; dann
aber auch die lebenswierige Erhaltung dieser
organischen Bildung durch die Ernährung;
und selbst wenn dieselbe durch Zufall gelitten
haben sollte, so wie möglich die Wiederersetzung
derselben durch die Reproduction, bewirkt
wird**).

Anm. 1. Diese allmähliche Ausbildung der neuen or-
ganisirten Körper ist am anschaulichsten an solchen
zu betrachten, die mit einer ganz ansehnlichen
Größe ein schnelles (so zu sagen zusehends merk-
[Seite 19] liches) Wachsthum, und eine so zarte halbdurch-
sichtige Textur verbinden, daß sie (zumahl im
sattsamen Lichte und unter mäßiger Vergrößerung)
aufs deutlichste, klarste durchschaut werden können.

So im Gewächsreiche an manchen einfachen
Wassermoosen, wie z.B. an der Brunnen-Con-
ferve (Conferva fontinalis, Ceramium caesoi-
tosum Roth.) die sich in den ersten Frühlingstagen
fortpflanzt. (– Abbild. nat. hist. Gegenst.
tab. 49. –)

Unter den blutlosen Thieren an den Arm-
Polypen.

Und unter den warmblütigen an der ersten Er-
scheinung des Küchelchens im bebrüteten Eye und
seiner dann von Tag zu Tag fortrückenden Aus-
bildung.

Anm. 2. Hoffentlich ist für die mehresten Leser die Er-
innerung überflüssig, daß das Wort Bildungstrieb
selbst so gut wie die Benennungen aller andern
Arten von Lebenskräften an sich weiter nichts er-
klären, sondern bloß eine besondere (das Mecha-
nische mit dem zweckmäßig Modificirbaren in sich
vereinende) Kraft unterscheidend bezeichnen soll,
deren constante Wirkung aus der Erfahrung aner-
kannt worden, deren Ursache aber so gut, wie
die Ursache aller andern noch so allgemein aner-
kannten Naturkräfte für uns hienieden im eigentli-
chen Wortverstande qualitas occulta bleibt†). –
Das hindert aber nickt, daß man nicht immer mehr
suchen sollte, ihre Wirkungen durch Beobachtung
weiter zu erforschen und zu verfolgen, und sie so
auf allgemeine Gesetze zurück zu bringen.

§. 10.

[Seite 20]

Durch die bestimmte zweckmäßige Wirksam-
keit des Bildungstriebes in den bestimmten
dafür empfänglichen organisirbaren Stoffen,
wird nun die eben so bestimmte Form und der
Habitus aller einzelnen Gattungen (Species)
von organisirten Körpern erhalten; und bey
denen, wo es Statt findet auch ihre Sexual-
Verschiedenheit, durch welche sich nähmlich die
männlichen Geschöpfe von den weiblichen in
derselben Gattung auszeichnen.

§. 11.

Aber freylich kann der Bildungstrieb auch
eben sowohl als jede andere in ihrer Thätigkeit
gestörte oder fremdartig modificirte Lebenskraft
auf mancherley Weise vor seiner eigentlichen
bestimmten Richtung abweichen*).

So entstehen dann (– der bloß krankhaf-
ten, nicht ins Gebiete der Naturgeschichte
gehörigen Abweichungen, zu geschweigen –)
1) durch ganz gewaltsame Störungen desselben
ganz widernatürliche**) Formen der organisir-
ten Körper, nähmlich die Mißgeburten.

[Seite 21]

2) Dadurch, daß der zweyfache Sexual-
Charakter, der sonst in den beyden Geschlech-
tern getrennt seyn sollte, mehr oder weniger
in einem und eben demselben Individuum ver-
bunden ist, die Zwitter.

3) Dadurch, daß zwey Geschöpfe ganz ver-
schiedener Gattung (zweyerley Species) ein-
ander befruchten, die Bastarde.

Endlich 4) durch den Einfluß der mancher-
ley Ursachen der allmählichen, Ausartung, die
Rassen und Spielarten.

§. 12.

Unter Mißgeburt versieht man, nach dem
gemeinen Sprachgebrauche, eine widernatür-
liche, angebohrne, leicht in die Augen fallende
Verunstaltung in Bildung äußerer, größerer
Theile. So mannigfaltig aber diese Mißge-
stalten seyn können, so lassen sie sich doch
alle auf folgende vier Hauptclassen zurück
bringen*):

[Seite 22]

1) M. G. mit widernatürlicher Bildung ein-
zelner Glieder. Fabrica aliena.

2) M. G. mit Versetzung oder widernatürlicher
Lage einzelner Glieder. Situs mutatus.
Die seltensten von allen (– nähmlich unter
Mißgeburten in dem angegebenen Sinne.
Oft hat man hingegen bey Leichenöffnungen
wohlgebildeter Menschen manche ihrer Ein-
geweide in ganz verkehrter Lage gefun-
den –).

3) M. G. denen ganze Glieder mangeln.
Monstra per defectum. Unter diesen die
lehrreichsten.

4) M. G. mit überzähligen Gliedern. Mon-
stra per excessum
. Die gemeinsten (–
selbst nicht selten unter wilden Thieren.
z.B. Hasen –) Theils gar erblich, wie
z.B. in den sechsfingrigen Familien, und
bey Hühnern mit fünf oder sechs Zehen.

Anm. Die auffallende Aehnlichkeit unter so vielen
Monstrositäten beweiset, daß auch selbst diese Ab-
weichungen des Bildungstriebes dennoch bestimm-
ten Gesetzen folgen müssen; so wie hingegen die
bekannte Erfahrung, daß die Hausthiere seit ihrer
Unterjochung und die cultivirten Gartenpflanzen
denselben weit mehr als in ihrem wilden Zustande
unterworfen sind (daß z.B. Mißgeburten unter
den Hausschweinen so häufig, unter den wilden
Schweinen hingegen fast unerhört sind), sich mit
der Lehre der Evolutionisten, daß die Keime die-
ser Mißgeburten ebenfalls seit der ersten Schöpfung
schon monströs präformirt eingeschachtelt ge-
legen, wohl schwerlich zusammen reimen läßt.

§. 13.

[Seite 23]

Zwitter nennt man zwar im engern Sinne
bloß solche einzelne Individua von organisirten
Körpern, bey welchen widernatürlicher Weise
die Spuren der zweyfachen eigentlichen Sexual-
Organe mehr oder weniger verbunden sind,
die sonst, in den männlichen und weiblichen
Geschöpfen derselben Art, getrennt seyn sollten.
Dergleichen finden sich selbst zuweilen unter
den warmblütigen Thieren; zumahl unter dem
Rindvieh, Schafen und Ziegen.

Nächstdem aber verdient auch diejenige Ab-
weichung des Bildungstriebes hier einer Er-
wähnung, wenn andere körperliche Functionen
oder Charaktere, die dem einen Geschlechte
eigen seyn sollten, sich bey Individuis des an-
dern äußern. Wenn z.B. Hirschkühe und
Rehe Geweihe aufsetzen; oder Fasan- und
Pfau-Hennen mit zunehmenden Jahren männ-
liches Gefieder kriegen; oder Mannspersonen
oder andere männliche Säugethiere Milch ge-
ben*) u.s.w.

Endlich aber zeigt sich auch zuweilen im gan-
zen Verhältniß des Körperbaues einzelner,
übrigens noch so regelmäßig und schön gebilde-
ter Geschöpfe des einen Geschlechts doch mehr
oder weniger vom Totalhabitus des andern;
[Seite 24] z.B. weibliche Weichlichkeit in der Totalform
des männlichen*).

§. 14.

Wenn ein weibliches Geschöpf der einen Gat-
tung von einem männlichen einer andern Gat-
tung befruchtet worden, so entstehen daraus
Bastarde, deren Bildung aus der beyderley
Aeltern ihrer gleichsam zusammengeschmolzen
ist**). Da aber von der bestimmten Bil-
dung der organisirten Körper, besonders der
Thiere, die behörige und für den Gang der
Schöpfung so äußerst wichtige Vollziehung ih-
rer Geschäfte abhängt, so ist es eine weise Ein-
richtung in der Natur, daß erstens, wenigstens
unter den rothblütigen Thieren, in ihrem freyen
Natur-Zustande meines Wissens niemahls
eine Paarung und Vermischung unter zweyerley
Gattungen bemerkt worden; zweytens aber die
Bastarde überhaupt meistentheils unfruchtbar,
und nur sehr selten im Stande sind, ihr Ge-
[Seite 25] schlecht weiter fortzupflanzen. Daher gehört
es zu den seltnern Ausnahmen, wenn Maul-
thiere, oder die Bastarde von Hänflingen und
Canarienvögeln zuweilen fruchtbar sind. Bey
den Pflanzen gelingt es leichter, daß durch
künstliche Befruchtung verschiedener Gattungen
Bastarde hervor gebracht werden können, die
fruchtbaren Samen tragen (– s. oben Seite
15. –). Hingegen bedürfen die fabelhaften
Sagen von vermeinten Bastarden aus der Ver-
mischung vom Rindvieh und Pferden oder
Eseln, und von Caninchen und Hühnern, oder
vollends gar von Menschen und Vieh, jetzt
hoffentlich keiner weitern Widerlegung.

Anm. Eben in der gedachten notorischen Erfahrung,
daß im freyen Natur-Zustande jener Geschöpfe
nur die von einer und eben derselben Species sich
mit einander gatten, liegt der natürliche Grund,
warum das Wort Species im Deutschen am aller-
natürlichsten durch Gattung übersetzt wird. (–
davon mit mehreren in der Vorrede. –)

§. 15.

Rassen und Spielarten (varietates) sind
diejenigen Abweichungen von der ursprünglichen
specifiken Gestaltung der einzelnen Gattungen
organisirter Körper, so diese durch die allmähliche
Ausartung oder Degeneration erlitten haben.

Rasse heißt aber im genauem Sinne ein
solcher durch Degeneration entstandener Cha-
rakter, der durch die Fortpflanzung unaus-
bleiblich und nothwendig forterbt, wie z.B.
[Seite 26] wenn Weiße mir den Negern Mulatten, oder
mit amerikanischen Indianern Mestissen zeu-
gen: welches hingegen bey den Spielarten
keine nothwendige Folge ist; wie z B. wenn
blauäugige Blonde mit braunäugigen Brünet-
ten Kinder zeugen*).

Anm. Wenn sich gewisse Ausartungen seit unabsehli-
chen Reiben von Generationen fortgepflanzt haben,
so hält es oft schwer zu bestimmen, ob das bloße
Rassen oder ursprünglich verschiedene Gattungen
(Species) sind? Wenigstens gibt es dann zur Ent-
scheidung in dergleichen Fällen keine andern in
praxi anwendbare Regeln, als die, so aus der
Analogie abstrahirt sind; da hingegen die, so Ray,
Buffon und andere angenommen haben, den Cha-
rakter von Species darnach zu bestimmen, wenn
die Geschöpfe mit einander fruchtbare Nachkom-
menschaft zeugen, zu diesem Behuf sehr unzu-
länglich und schwankend ist.

Denn abgerechnet, daß die Anwendung dieser
Regel ohnehin bey den unzähligen Thieren und
Pflanzen wegfällt, die sich ohne Paarung fort-
pflanzen. (– s. unten §. 20. –), so findet sie auch
in unzähligen andern Fällen wegen unüberwindli-
cher Schwierigkeiten nicht Statt, wie z.B. bey
Entscheidung der Frage, ob der asiatische und der
afrikanische Elephant zu einerley Species gehören
oder nicht? Und selbst da, wo die Erfahrung
Statt hat, wie z.B. bey der Vermischung von
Pferd und Esel, fragt sich wieder, soll da der
gewöhnliche oder aber der äußerst seltene Erfolg
als Regel angesehn werden. Denn gewöhnlich
sind die Maulthiere steril, und nur in äußerst sel-
tenen Fällen hat man sie zur Fortpflanzung fähig
[Seite 27] befunden. Wollte man also diesen wunderseltenen
Fall als Regel gelten lassen, so müßte man Pferd
und Esel für Thiere derselben Species halten, un-
geachtet sie in ihrem ganzen Körperbau – zumahl
im Innern (und namentlich in der ganz auffallend
verschiedenen Einrichtung ihrer Stimmwerkzeuge),
wenigstens eben so specifisch von einander differiren
als Löwe und Katze. Da stimmt hingegen alle
Analogie dafür, sie als zwey ganz verschiedene Gat-
tungen anzuerkennen. Und eben diesem Grund-
satze der Analogie gemäß halte ich auch die ge-
dachten beyderley Elephanten für ganz verschiedene
Gattungen, weil ihr Gebiß eine so constante auf-
fallende Verschiedenheit zeigt, die sich unmöglich
als bloße Folge der Degeneration gedenken läßt.

§. 16.

Zu den mancherley Ursachen der Ausartung
gehören vorzüglichst der Einfluß des Himmels-
strichs, der Nahrung, und bey Menschen und
Thieren auch der Lebensart.

Kaltes Clima z.B. unterdrückt das Wachs-
thum der organisirten Körper, und darum sind
die Grönländer, Lappländer etc. so wie die
Thiere und Gewächse kalter Erdstriche, klein,
untersetzt. Eben so bringt dieses Clima weiße
Farbe an Thieren und Gewächsen hervor, und
darum sind die Nordländer von Natur von
weißer Haut etc. so wie viele warmblütige
Thiere der kältesten Gegenden anomalisch weiße
Haare und Federn, viele Pflanzen daselbst
anomalisch weiße Blüthen haben u.s.w. –
Dagegen tragen die Creolen (d.h. die in
Ost. und West-Indien von europäischen Ael-
tern gebornen Weißen) das unverkennbare,
[Seite 28] meist wunderschöne Gepräge ihrer südlichen
Heimath an sich.

Wie sehr aber verschiedene Lebensart, Cul-
tur und Nahrungsmittel nach und nach die
Bildung, Farbe und ganze Constitution der
organisirten Körper umzuändern vermöge, da-
von sehen wir an unsern Hausthieren*), an
unserem Getreide, Obst, Küchen-Gewächsen,
Blumen-Floren etc. – am allerauffallendsten
aber bey den Verschiedenheiten im Menschen-
Geschlechte selbst, die augenscheinlichsten Bey-
spiele.

Diese mancherley Ursachen der Degeneration
können nun aber nach Verschiedenheit der Um-
stände einander entweder unterstützen, und die
Ausartung um so schneller und ausfallender,
machen, oder aber auch wieder gewisser Maßen
einander aufheben u.s.w.; daher man in dieser
Untersuchung bey der Anwendung auf einzelne
Fälle nie zu voreilig urtheilen darf.

Anm. 1. So gibt es z.B. selbst unter der Linie kalte
Erdstriche, wie im Innern von Sumatra etc. Hin-
gegen dringt Sibirien gar viele Gewächse der wär-
mern Gegenden hervor, die in dem weit südlichern
Ländern von Europa nicht fortkommen.

Anm. 2. Sonderbar ist die individuelle Wirkung, die
einige Climate auf die organisirte Körper, zumahl
der Thierreichs, äußern. So, daß z.B. in Sy-
rien die Katzen, Kaninchen, Ziegen etc. so auffal-
lend langes und weißes Haar haben; auf Corsica
die Pferde, Hunde etc. so auszeichnend gefleckt
[Seite 29] sind; auf Guinea Menschen und Hunde und Hühner
zu Regern in ihrer Art werden u.s.w.

§. 17.

Die Ernährung der organisirten Körper
gehe auf verschiedene Weise vor sich. Den
Pflanzen wird ihre einfache Nahrung durch
Wurzeln, die sich außerhalb ihres Stammes
am einen Ende desselben befinden, zugeführt.
Die Thiere hingegen haben, wie sich Boer-
haave ausdrückte, gleichsam ihre Wurzeln in-
nerhalb ihres Körpers, nähmlich im Magen
und Darmcanal, wo der nahrhafte Theil der
Alimente durch unzählige Gefäschen, fast wie
bey den Pflanzen durch Wurzeln, eingesogen
und dem übrigen Körper zugeführt wird.

Der brauchbare Theil der Nahrungsmittel
wird durch einen bewunderungswürdigen Pro-
ceß dem Stoff der organisirten Körper assimi-
lirt; der überflüssige hingegen ausgedunstet;
und bey den Thieren, die keinen so einfachen
Nahrungssaft wie die Pflanzen zu sich neh-
men, auch durch andere Wege als Unrath
ausgeworfen.

§. 18.

Das Wachsthum der organisirten Körper
ist die Folge ihrer Ernährung. Die meisten
erreichen früh die bestimmte Größe ihres Kör-
pers. Von manchen Bäumen aber, wie z.B.
von der Norfolkinsel-Fichte (Columnia pini
[Seite 30] folia), der Kohlpalme (Areca oleracea),
dem Baobab (Adansonia digitata) etc. auch
von einigen andern Gewächsen, z.B. vom
Rotang (Calamus rotang) und so auch von
manchen Thieren, wie z.B. von vielen Gat-
tungen der Bandwürmer und selbst von den
Crocodilen und großen Wasserschlangen läßt
sich schwerlich sagen, ob und wann in ihrem
leben sie aufhören an Länge oder Dicke zu-
zunehmen.

§. 19.

Zum Wachsthum der organisirten Körper
gehört auch ihre Reproductions-Kraft, oder
die merkwürdige Eigenschaft, daß sich verstüm-
melte oder völlig verlorene Theile ihres Körpers
von selbst wieder ergänzen. Diese bewund-
dernswerthe Einrichtungen in der organisirten
Schöpfung sichert die Thiere und die Pflanzen
bey tausend Gefahren, wo ihr Körper verletzt
wird: sie ist folglich auch, nebst der Ernäh-
rung überhaupt, einer der größten Vorzüge,
wodurch die Maschinen aus der Hand des
Schöpfers bey weiten über die größten Kunst-
werke der Menschen erhoben werden, als wel-
chen ihre Verfertiger keine Kraft mittheilen
können, ihre Triebfedern und Räder, wenn sie
verbogen, verstümmelt und abgenutzt würden,
von selbst wieder herzustellen: eine Kraft,
die hingegen der Schöpfer jedem Thier und
[Seite 31] jeder Pflanze – nur in verschiedenem Maße –
beygelegt hat.

Viele organisirte Körper verlieren, zu be-
stimmten Zeiten, gewisse Theile ihres Körpers
von freyen Stücken, die ihnen nachher wieder
reproducirt werden; wohin das Abwerfen der
Geweihe, das Mausern der Vögel, die Häu-
tung der Schlangen, der Raupen, das Schälen
der Krebse, das Entblättern der Gewächse
u.s.w. gehört. Man könnte dieß die ge-
wöhnliche Reproduction nennen.

Die andere hingegen ist die außerordent-
liche, von der hier eigentlich die Rede ist, da
nähmlich dem organisirten Körper, zumahl
den Thieren, Wunden, Beinbrüche etc. geheilt,
oder gar durch Unfall verstümmelte und verlo-
rene Theile wieder ersetzt werden. Der Mensch
und die ihm zurächst verwandten Thiere besitzen
eine freylich sehr eingeschränkte Reproductions-
kraft: die hingegen bey vielen kaltblütigen
Thieren, besonders bey den Wasser-Molchen,
Krebsen, Land-Schnecken, Regenwürmern,
See-Anemonen, See-Sternen, Arm. Poly-
pen etc. von einer ausnehmenden Stärke und
Vollkommenheit ist.

Vor mehreren Jahren habe ich einem Wasser-
molch der größern art (lacerta lacustris), den
ich nun in Spiritus auf bewahre, fast das ganze
Auge exstirpirt; nähmlich alle Säfte auslaufen
lassen und dann 4/5 der ausgeleerten Häute rein
ausgeschnitten: – und doch hat sich hinnen zehn
[Seite 32] Monathen ein vollkommener neuer Augapfel mit
neuer Hornhaut, Augenstern, Crystall-Linse etc.
reproducirt, der sich bloß dadurch vom andern
gesunden Auge auszeichnet, das er nur erst un-
gefähr bald so groß ist. (– s. Götting. gel. Anz.
1785 47. St. –)

§. 20.

Wenn die organisirten Körper durch Ernäh-
rung und Wachsthum zu ihrer vollen Reife
gelangen, so erhalten sie dann auch das Fort-
pflanzungsvermögen (§. 5.), das aber auf
eine sehr verschiedene Weise vollzogen wird.
Ueberhaupt nähmlich ist entweder schon jedes
Individuum für sich im Stande, sein Ge-
schlecht fortzupflanzen; oder aber es müssen sich
ihrer zwey mit einander paaren oder begatten,
wenn sie neue organisirte Körper ihrer Art her-
vor bringen sollen.

Die mannigfaltigen besondern Verschieden-
heiten in diesen beyderley Hauptweisen der
Fortpflanzung lassen sich doch füglich unter
folgende vier Arten bringen:

1) Jedes Individuum vermehrt sich auf die
einfachste Weise, ohne vorher gegangene
Befruchtung: entweder durch Theilung, wie
manche Infusions-Thierchen*) und Blu-
men-Polypen**); oder wie bey der Brun-
[Seite 33] nen-Conferve so, daß das alte fadenartige
Gewächs am einen Ende zu einem kuglichen
Knöpfchen anschwillt, das nachher abfällt
und wieder zu einem solchen Faden ausge-
trieben und umgebildet wird (– Abbild.
n. h. Gegenst.
tab
. 49. –); oder durch
Sprossen wie die Arm-Polypen und viele
Gewächse u.s.w.

2) Jedes Individuum ist zwar auch im Stande
sich fortzupflanzen, hat aber als ein wahrer
Zwitter beyderley Geschlechtstheile an sei-
nem Leibe, und muß vorher, wenn es Thier
ist, die bey sich habenden weiblichen Eyer-
chen mit männlichem Samen – und wenn
es Pflanze ist, seine weiblichen Samen-
körner mit männlichem Blumenstaub –
begießen und dadurch befruchten, ehe sich
ein Junges daraus bilden kann. Dieß ist
der Fall bey den mehresten Gewächsen, und
im Thierreich, wie es scheint, bey manchen
Muscheln.

3) Ebenfalls Beyde Geschlechter, wie bey den
Hermaphroditen der vorigen Classe, in ei-
nem Individuo verknüpft; doch daß keines
sich selbst zu befruchten im Stande ist, son-
dern immer ihrer zwey sich zusammen paa-
ren und wechselseitig einander befruchten
und befruchtet werden müssen. Diese son-
derbare Einrichtung findet sich nur bey we-
[Seite 34] nigen Thieren; beym Regenwurm, bey
manchen Land-Schnecken*) etc.

4) Die beyden Geschlechter in separaten In-
dividuis, von denen das eine die weiblichen
Theile aber Eyer, das andere den männli-
chen befruchtenden Saft enthält. So alle
rothblütige und viele andere Thiere, und so
auch manche Pflanzen, wie die Palmen,
der Hopfen, die mehresten Moose etc.

Einige Thiere dieser Classe geben die Eyer
selbst von sich, in welchen sich erst nachher
das Junge vollends ausbildet. Dieß sind
die eyerlegenden Thiere (ouipara). Bey
andern aber wird dieß Ey so lange in der
Bärmutter zurück behalten, bis das Junge
vollkommen ausgebildet worden, und nun
von seinen Hülsen befreyt zur Welt kommen
kann: lebendig gebärende Thiere (viuipara).

Anm. Quae actu animel pariunt, viuipara dicun-
tur; quae
potentia, ouipara. Harvey.

Wie unwesentlich aber der Unterschied zwischen
Eyer legen und lebendig gebären sey, erweisen die
Beyspiele der Blattläuse und Federbusch-Poly-
pen, die sich nach den verschiedenen Jahrszelten
bald auf die eine, bald auf die andere Weise
fortpflanzen; und mancher Schlangen, die zwar
Eyer legen, in welchen aber das ganz aus-
gebildete Thier enthalten ist. Gewissermaßen
könnte man mit diesem letztern Falle diejenigen
Pflanzen vergleichen, in deren reifen Samenkör-
nern ein grüner Pflanzenkeim eingeschlossen liegt,
[Seite 35] wie z.B. bey den so genannten ägyptischen Boh-
nen von der Nymphaea nelumbo.

§. 21.

Nachdem die organisirten Körper die Be-
stimmungen ihres Lebens erfüllt haben, so weicht
endlich alle Lebenskraft von ihnen, und sie
sterben. Die wenigsten erreichen aber das
Ziel, das ihnen die Natur zum Laufe ihres Le-
bens vorgesteckt hat, sondern tausenderley Zu-
fälle verkürzen ihnen diesen Weg, meist lange
vor der bestimmten Zeit. So rechnet man
z.B., daß von 1000 gebornen Menschen nur
ungefähr 78 für Alter sterben; und von den
großen furchtbaren Amphibien, Crocodilen,
Riesenschlangen etc. erreicht vielleicht nicht das
tausendste sein gesetztes Alter und Größe. Nach
dem Tode der Thiere und Pflanzen wird ihr
Körper durch Gährung, Fäulniß oder Ver-
brennen, kurz die chemische Zersetzung
seiner Urstoffe allmählich aufgelöset, mithin
ihr Organismus zerstört, und ihre Asche end-
lich mit der übrigen Erde vermengt, die ihnen
vorher Nahrung und Aufenthalt gegeben hatte.


Dritter Abschnitt.
Von den Thieren überhaupt.

[Seite 36]

§. 22.

So endlos mannigfaltig die Bildung und der
Bau der Thiere ist, so scheinen sie doch sämmt-
lich (oder höchstens bis auf wenige Ausnahmen
mancher so genannten Infusionstierchen etc.)
den Mund (§. 3.) mit einander gemein zu
haben, durch welchen sie dem Körper seine
Nahrung zuführen: und statt daß die Pflanzen
ihren sehr einfachen Nahrungssaft aus Luft,
Wasser und Erde einsaugen, so ist hingegen
der Thiere ihr Futter äußerst mannigfaltig,
und wird beynahe ohne Ausnahme aus den or-
ganisirten Reichen selbst entlehnt; und sie müs-
sen es, durch die peinlichen Gefühle des Hun-
gers getrieben, mittelst willkürlicher Be-
wegung zu sich nehmen, um dadurch ihre
Selbsterhallung zu bewirken.

§. 23.

Bey den insgemein so genannten voll-
kommneren Thieren wird der abgesonderte
Nahrungssaft zuvor mit dem Blute, das in
seinen Adern circulirt, vermischt, und von da
[Seite 37] erst in die übrigen Bestandtheile des Körpers
abgesetzt. Dieses eigentlich so genannte Blut
ist von rother Farbe, aber in Rücksicht seiner
Wärme bey den verschiedenen Classen dieser
rothblütigen Thiere von doppelter Verschie-
denheit. Bey den einen (nähmlich bey den
Amphibien und Fischen) hält es meist unge-
fähr die Temperatur des Mediums, in wel-
chem sie sich befinden, daher sie kaltblütig
genannt werden. Bey den andern aber, die
deßhalb warmblütig heißen (den Säugethie-
ren und Vögeln), zeigt es in ihrem vollkom-
men belebten Zustande immer eine Wärme
von unges. 100 Gr. Fahrenh. mehr oder we-
niger. Der Saft hingegen, welcher bey den
so genannten weißblütigen Thielen (nähmlich
bey den Insecten und Gewürmen) die Stelle
des Bluts vertritt, unterscheidet sich besonders
durch den Mangel der rothen Kügelchen, von
jenem eigentlich so genannten Blute.

§. 24.

Das Blut der Thiere mag nun aber weiß
oder roth, kalt oder warm seyn, so muß es
im gesunden Zustande immer mit frischen Por-
tionen eines zum leben nothwendigen Stoffes
(– des so genannten Sauerstoffs –) aus der
atmosphärischen Luft oder aus dem Wasser ge-
schwängert werden, wogegen es gleiche Portio-
nen eines andern Stoffes (– des Kohlenstof-
[Seite 38] fes –) aus dem Körper wiederum fortschafft.
Zu diesem merkwürdigen lebenswierigen Pro-
ceß in dem belebten thierischen Laboratorium
dient vorzüglichst das Athemhohlen; welches
die rothblütigen Thiere entweder durch Lungen,
oder wie die Fische durch Kiemen; die weiß-
blütigen aber mittelst mancherley anderer ana-
logen Organe verrichten.

§. 25.

Nur diejenigen Thiere die mit Lungen ver-
sehen sind können auch Stimme (vox) von
sich geben. Der Mensch hat sich außer der
ihm angebornen Stimme auch noch die Rede
(loquela), erfunden.

§. 26.

Die Organe, wodurch die willkürlichen Be-
wegungen unmittelbar vollzogen werden, sind
die Muskeln, die bey den rothblütigen Thieren
das eigentlich so genannte Fleisch ausma-
chen. Nur bey einigen ganz einfach gebauten
Thieren, wie die Polypen, sind diese Bewe-
gungs-Organe von dem übrigen gallertigen
Stoffe nicht zu unterscheiden.

§. 27.

Außerdem finden sich aber auch einige wenige
Muskeln, über welche der Wille nichts vermag.
So z B. das Herz, als welches lebenslang
unaufhörlich (– beym Menschen ungefähr
[Seite 39] 4500 Mahl in jeder Stunde –) und zwar
ohne wie andere Muskeln zu ermüden, oder
endlich zu schmerzen, als Haupttriebfeder des
Blutumlaufs, in seiner schlagenden Bewe-
gung ist.

§. 28.

Beyde Arten von Muskeln aber, bis un-
willkürlichen sowohl als die, so sich nach dem
Entschlusse des Willens bewegen, bedürfen zu
diesem ihren Bewegungsvermögen des Einflus-
ses der Nerven.

§. 29.

Diese Nerven entspringen aus dem Gehirn
und aus dem Rückenmark, und es scheint,
daß die Größe der beyden letztern in Verglei-
chung zur Dicke der daraus entstehenden Ner-
ven mit den Geisteskräften der Thiere im
umgekehrten Verhältniß stehe*), so daß der
Mensch von allen das größte Gehirn, in Ver-
gleichung seiner sehr dünnen Nerven, hat; da
hingegen einfältige Thiere, wie z.B. die hie-
ländischen Amphibien, dicke Nerven bey ei-
nem sehr kleinen Gehirne haben.

§. 30.

[Seite 40]

Außer dem Einfluß, den die Nerven auf
die Muskelbewegung haben, ist ihr zweytes
Geschäft, auch der Seele die äußern Eindrücke
auf den thierischen Körper, durch die Sinne
mitzutheilen. Die Beschaffenheit der Sinn-
werkzeuge ist aber in den verschiedenen Thier-
Classen selbst sehr verschieden. So erhalten
z.B. viele Thiere offenbar allerhand sinnliche
Eindrücke, ohne daß wir doch die Sinnwerk-
zeuge an ihnen entdecken können, die bey an-
dern zu solchen Eindrücken nothwendig sind.
Die Schmeißfliege z.B. und viele andere In-
secten haben Geruch, ob wir gleich keine Nase
an ihnen wahrnehmen u. dergl. m.

Anm. Manche haben die Zahl der fünf Sinne über-
haupt auf wenigere einschränken, andere hingegen
dieselbe mit neuen vermehren wollen. Vanini
z.B. und viele nach ihm hielten das Gefühl bey
Befriedigung des Sexual Triebes für einen sechs-
ten Sinne. Jul. Cäs. Scaliger das Gefühl
beym Kitzeln unter den Achseln für einen sieben-
ten. So hielt achtens Spallanzani das Gefühl,
wodurch sich die Fledermäuse bey ihrem Flattern
im Finstern für den Anstoß sichern; so wie neun-
tens Darwin das Gefühl für Wärme und Kälte
für besondere Sinne.

§. 31.

Durch den anhaltenden Gebrauch werden
Nerven und Muskeln ermüdet, und sie brau-
chen von Zeit zu Zeit Ruhe zur Sammlung
neuer Kräfte, die ihnen der Schlaf gewährt.
[Seite 41] Dem Menschen und den mehresten von Ge-
wächsen lebenden Thieren ist die Nacht zu die-
ser Erhohlung angewiesen; doch halten sich
auch manche von diesen, wie z.B. der Sie-
benschläfer etc., besonders aber viele Raubthiere,
wohin zumahl die mehresten Fische gehören,
auch manche Insecten und Gewürme, am Tage
verborgen und gehen des Nachts ihren Ge-
schäften nach, weßhalb sie animalia nocturna
genannt werden.

§. 32.

Außer diesem Erhohlungsschlaf findet sich
in der Oeconomie vieler Thiere noch die sehr
bequeme Einrichtung, daß sie einen beträcht-
lichen Theil des Jahrs, und zwar gerade die
rauhesten Monathe, da es ihnen schwer wer-
den würde, für ihre Erhaltung zu sorgen*),
in einem tiefen Winterschlaf zubringen. Sie
verkriechen sich, wenn diese Zeit kommt, an
sichere, schaurige Orte; und fallen mit ein-
brechender Kälte in eine Art von Erstarrung,
aus der sie erst durch die erwärmende Früh-
lingssonne wieder erweckt werden. Diese Er-
starrung ist so stark, daß die warmblütigen
Thiere während dieses Todtenschlafs nur un-
merkliche Wärme übrig behalten (– s. oben
S. 7. –), und daß die Puppen vieler In-
[Seite 42] secten, die zu gleicher Zeit ihre Verwandlung
bestehen, im Winter oft so durchfroren sind,
daß sie, dem Leben des darin schlafenden Thie-
res unbeschadet, wie Eiszapfen oder Glas
klingen, wenn man sie auf die Erde fallen läßt.

So viel bekannt, hält doch kein einziger
Vogel, hingegen die mehresten Amphibien,
Winterschlaf.

§. 33.

Von den Seelenfähigkeiten sind manche
dem Menschen mit den mehresten übrigen
Thieren gemein, wie z.B. die Vorstellungs-
kraft, die Aufmerksamkeit, und so auch die
beyden so genannten innern Sinne, Gedächt-
niß nähmlich und Einbildungskraft.

§. 34.

Andere sind fast bloß den übrigen Thieren
eigen, so daß sich beym Menschen nur wenige
Spuren davon finden, nähmlich die so ge-
nannten Naturtriebe oder Instincte. Da-
gegen er hinwiederum im ausschließlichen Be-
sitze der Vernunft ist.

§. 35.

Der Instinct*) ist das Vermögen der
Thiere, aus einem angebornen, unwillkürli-
[Seite 43] chen, inneren Drange, ohne allen Unterricht,
von freyen Stücken, sich zweckmäßigen, und
zu ihrer und ihres Geschlechts Erhaltung ab-
zielenden Handlungen zu unterziehen.

Daß diese wichtigen Handlungen wirklich
ganz unüberlegt bloß nach ursprünglichen Ge-
setzen der Nothwendigkeit, und gleichsam ma-
schienmäßig vollzogen werden, wird durch
zahlreiche Bemerkungen erweislich, wie z.B.,
daß die Hamster auch todten Vögeln doch zu-
erst die Flügel zerbrechen, ehe sie weiter an-
beißen; daß junge Zugvögel, die man ganz
einsam im Zimmer erzogen hat, doch im Herbst
den innern Ruf zum Fortziehen fühlen, und
im Käfich bey allem guten Futter und Pflege
unruhig werden.

§. 36.

Unter den mancherley Arten dieser thieri-
schen Triebe sind besonders die so genannten
Kunsttriebe merkwürdig, da sich nähmlich so
viele warmblütige Thiere und Insecten ohne alle
Anweisung und ohne alle vorgängige Uebung*),
(als welche bey so vielen gar nicht Statt finden
kann; wie z.B. bey den Seidenwürmern etc.,
die nur Ein für alle Mahl in ihrem Leben da-
von Gebrauch machen können, und wo folglich
schlechterdings erster Versuch und Meisterstück
eines seyn muß), so ungemein künstliche Woh-
[Seite 44] nungen, Nester, Gewebe etc. zu ihrem Auf-
enthalte, zur Sicherheit für ihre Junge, zum
Fang ihres Raubes, und zu vielfachen andern
Zwecken zu verfertigen wissen.

§. 37.

Der Mensch zeigt außer den Sexualtrieben
wenig andere Spuren von Instinct: angeborne
Kunsttriebe aber hat er vollends ganz und gar
nicht. Was ihn hingegen für diesen scheinba-
ren Mangel entschädigt, ist der Gebrauch der
Vernunft.

Diese mag nun entweder eine ausschließlich
eigenthümliche Fähigkeit der menschlichen Seele,
oder aber ein unendlich stärkerer Grad einer
Fähigkeit seyn, wovon manche Thiere*) auch
einige schwache Spur hätten; oder eine eigene
Richtung der gesammten menschlichen Seelen-
kräfte u.s.w. so liegt wenigstens der hohe
Vorzug, den der Mensch durch den Besitz der-
selben erhält, das Vermögen sich selbst zu ver-
vollkommenen, unwiderredlich amTage.

Und da ihm die ganze bewohnbare Erde zum
Aufenthalt offen steht, und fast die ganze or-
ganisirte Schöpfung zur Speise überlassen ist,
so erzeugt freylich eben die große Verschieden-
heit der Climate, die er bewohnen soll, und
der Nahrung, die ihm der Ort seines Aufent-
[Seite 45] halts gestattet, eben so verschiedene Bedürf-
nisse, die er durch keinen einförmigen Kunst-
trieb, aber wohl durch den Gebrauch seiner
sich nach den Umständen gleichsam accommodi-
renden Vernunft auf eben so mannigfaltige
Weise zu stillen vermag.

§. 38.

Wie unendlich aber der Mensch schon durch
diesen einzigen Vorzug über die ganze übrige
thierische Schöpfung erhoben werde, beweiset
die unbeschränkte Herrschaft, womit er über
alle Triebe und über die Lebensart, Haushal-
tung etc. mit einem Worte, über das ganze
Naturell dieser seiner Mitgeschöpfe nach Will-
kür disponiren, die furchtbarsten Thiere zäh-
men, ihre heftigsten Triebe dämpfen, sie zu den
kunstreichsten Handlungen abrichten kann u.s.w.

Anm. Um sich überhaupt zu überzeugen, wie sehr der
cultivirte Mensch Herr der übrigen Schöpfung
auf dieser Erde ist, braucht man sich bloß an die
Umschaffung zu erinnern, die er seit Entdeckung
der neuen Welt mit ihr und der alten wechsel-
seitig vorgenommen hat! Was für Gewächse und
Thiere er aus dieser in jene übergepflanzt hat,
wie z.B. Reis, Caffee etc., Pferde, Rindvieh etc.
und was er v. v. von dorther nun wieder in sei-
nem Welttheil einheimisch gemacht, wie z.B.
Cartoffeln, Tabak, wälsche Hüner u.s.w.

§. 39.

Am auffallendsten erweist sich die allein auf
den Vorzug der Vernunft beruhende Herrschaft
des Menschen über die übrige thierische Schö-
[Seite 46] pfung durch die so genannten Hausthiere;
worunter man in engerer Bedeutung diejenigen
warmblütigen Thiere versteht, so der Mensch
zu Befriedigung wichtiger Bedürfnisse und
überhaupt zu beträchtlicher Benutzung absicht-
lich ihrer Freyheit entzogen und sich unterjocht
hat. Im weitern Sinne kann man aber auch
die Bienen und Seidenwürmer, so wie die
Coschenill-Insecten dahin rechnen.

Anm. 1. Unter jenen Hausthieren im engern Sinne
ist eine dreifache Verschiedenheit zu bemerken.
Von manchen nämlich bat der Mensch die ganze
Gattung ihrem freyen Naturzustande entzogen,
und sich unterwürfig gemacht, wie z.B. das Pferd.
Von andern, die er sich zwar auch ins Haus zieht,
existirt doch aber noch die ursprünglich wilde
Stammrasse wie vom Rindvieh, Schwein, Katze,
Renthier, den beyderley Cameelen der alten Welt,
und dem so genannten Meiergeflügel. Der Ele-
phant endlich pflanzt sich gar nicht in der Gefan-
genschaft fort, sondern jeder, der zum Dienst des
Menschen gebraucht werden soll, muß erst aus der
Wildheit eingefangen, gezähmt und abgerichtet
werden.

Anm. 2. Die eigentlich so genannten Hausthiere va-
riiren zwar häufig in der Farbe; und manche der
darunter gehörigen Säugethiere zeichnen sich auch
durch einen hängenden Schwanz und schlappe
Ohren aus, aber keins von beyden ist ein bestän-
diges Kennzeichen der Unterjochung. (– Ueber
die Hausthiere s. mit mehrern den gothaischen
Hof-Kalender vom Jahre 1796. –)

§. 40.

Nach dem Linnéischen System wird das
ganze Thierreich unter folgende sechs Classen
gebracht:

[Seite 47]

I. Cl. Säugethiere (mammalia), Thiere
mit warmen rothen Blut, die ihre Junge
lebendig zur Welt bringen, und sie dann
einige Zeit lang mit Milch an Brüsten
säugen.

II. Cl. Vögel, Thiere mit warmen rothen
Blut, die aber Eyer legen, und Gefieder
haben.

III. Cl. Amphibien, Thiere mit kaltem
rothen Blut, die durch Lungen Athem
hohlen.

IV. Cl. Fische, Thiere mit kaltem rothen
Blut, die durch Kiefern, und nicht durch
Lungen, athmen.

V. Cl. Insecten, Thiere mit kaltem weißen
Blut, die Fühlhörner (antennas) am
Kopf, und eingelenkte (hornartige) Bewe-
gungswerkzeuge haben.

VI. Cl. Gewürme (vermes), Thiere mit
kaltem weißen Blut, die keine Fühlhör-
ner, sondern meist Fühlfäden (tentacula)
und meines Wissens nie eingelenkte Be-
wegungswerkzeuge haben*).

* * *

Hauptquellen und andere Hülfsmittel zur
Thiergeschichte überhaupt.

[Seite 48]
  1. Aristoteles. – Histoire des animaux d'Aristote,
    avec des notes etc. par M. Camus. Par. 1783.
    II. vol. 4.
  2. Conr. Gesneri icones quadrupedum viuiparorum, it.
    anium et animalium aquatilium; cum nomen-
    claturis singulorum in linguis diuersis Europae.

    ed. 2. Tig. 1560. fol.
  3. Aldrovandus.
  4. Jo. Jonston historia naturalis de animalibus. Fran-
    cof
    . 1649-1653. fol.

auch unter dem Titel H. Ruysch (Frid. fil.) thea-
trum vniuersale omnium animalium.
Amst. 1718.
II. vol. fol.

  1. Ray.
  2. Buffon.
  3. G. Ad. Suckow Anfangsgründe der Naturgeschichte
    der Thiere. Leipz. seit 1797. 8.
  4. G. Cuvier tableau élementaire de l'histoire natu-
    relle des animaux.
    Par. 1798. 8.
  5. A. M. Constant Duméril zoologie analytique.
    Par.
    1806. 8.
  6. Deutschlands Fauna in Abbild. nach der Natur, mit
    Beschreibungen von Jac. Sturm. Nürnb. seit
    1790. 12.
  7. Linnaei fauna Suecica ed. 2. Holm. 1761. 8.
  8. Th. Pennant's British Zoology. Lond. 1768-1777.
    IV. vol. 8.

und Dess. großes Kupferwerk unter gleichem Titel
ib. seit 1763. gr. Fol.

  1. C. P. Cl. Fleurieu histoire naturelle des Oiseaux,
    des Poissons, des Cetacees, des Amphibies etc.
    marins
    , im II. und III. Bande des voyage
    autour du munde par Et. Marchand.
    Par
    .
    1800. 4.

Vierter Abschnitt.
Von den Säugethieren.

[Seite 49]

§. 41.

Die Säugethiere haben das warme rothe
Blut mit den Vögeln gemein; aber sie gebä-
ren lebendige Junge: und ihr Hauptcharakter,
der sie von allen übrigen Thieren unterscheidet,
und von dem auch die Benennung der ganzen
Classe entlehnt ist, sind die Brüste, wodurch
die Weibchen ihre Junge mit Milch ernähren.
Die Anzahl und Lage der Brüste ist verschie-
den. Meist sind ihrer noch Ein Mahl so viel,
als die Mutter gewöhnlicher Weise Junge zur
Welt bringt; und sie sitzen entweder an der
Brust, oder am Bauche, oder zwischen den
Hinterbeinen*).

§. 42.

[Seite 50]

Der Körper der allermehresten [wo nicht
aller*)] Säugethiere ist mit Haaren von sehr
verschiedener Stärke, Länge und Farbe besetzt;
die auch bey einigen als Wolle gekräuselt, oder
als Borsten straff und struppig sind, oder gar
wie beym Igel etc. steife Stacheln bilden.
Bey manchen sind die Haare an besondern
Stellen als Mähne oder Bart verlängert;
und bey einigen, wie bey den Pferden, Hun-
den etc. stoßen sie an bestimmten Stellen in ent-
gegengesetzter Richtung an einander und ma-
chen so genannte Näthe (suturas). Bey
manchen, wie z.B. bey den Seehunden etc.
ändert sich die Farbe mit dem Alter. Auch
sind manche durch die Kälte (§. 16.) bey uns
im strengen Winter, im Norden aber Jahr
aus Jahr ein, entweder grau, wie das Eich-
hörnchen (Grauwerk), oder schneeweiß, wie
das große Wiesel (Hermelin) etc. Wenn hin-
gegen diese weiße Farbe zugleich mit lichtscheuen
Augen und rothen Pupillen verbunden ist, wie
bey den so genannten Kackerlacken im Men-
schengeschlecht und unter manchen anderen Gat-
[Seite 51] tungen von warmblütigen Thieren, so ist es
die Folge einer wirklich kränklichen Schwäche.

§. 43.

Der Aufenthalt der Säugethiere ist sehr
verschieden. Die mehresten leben auf der Erde;
manche wie die Affen, Eichhörnchen etc., fast
bloß auf Bäumen; einige, wie der Maulwurf,
als eigentliche animalia subterranea unter
der Erde; andere bald auf dem Lande bald
im Wasser, wie die Bieber, Seebären; und
noch andere endlich bloß im Wasser, wie die
Wallfische. – Hiernach sind nun auch ihre
Füße oder ähnliche Bewegungswerkzeuge ver-
schieden. Die mehresten haben vier Füße;
der Mensch nur zweye, aber auch zwey Hände;
die Affen hingegen haben vier Hände. Die
Finger und Zehen derjenigen Säugethiere, die
im Wasser und auf dem Lande zugleich leben,
sind durch eine Schwimmhaut verbunden. Bey
den Fledermäusen sind die an den Vorderfüßen
ungemein lang und dünne; und zwischen ihnen
ist eine zarte Haut ausgespannt, die zum Flat-
tern dient. Die Füße mancher Wasserthiere
aus dieser Classe sind zum Rudern eingerichtet,
und bey den Wallfischen ähneln sie gar einiger
maßen den Flossen der Fische; doch daß die
Hinterflossen ohne Knochen sind, und horizon-
tal, nicht wie ein Fischschwanz vertical, liegen.
Einige wenige Säugethiere (solidungula)
[Seite 52] haben Hufe; viele aber (bisulca) gespaltene
Klauen. Die mehresten gehen (zumahl mit
den Hinterfüßen) bloß auf den Zehen; einige
aber, wie der Mensch, und gewisser Maßen
auch die Affen, Bären, Elephanten u.a.m.
auf der ganzen Fußsohle bis zur Ferse.

§. 44.

Die mehresten Ameisenbären, die Schup-
penthiere und einige Wallfische ausgenommen,
sind die übrigen Säugethiere mit Zähnen ver-
sehen, die man in Vorderzähne*) primores
s. incisores
, Eckzähne oder Spitzzähne (ca-
ninos s. laniaros
), und Backenzähne (mo-
lares
), eintheilt. Die letztern zumahl sind
nach der verschiedenen Nahrung dieser Thiere
auch verschiedentlich gebildet. Bey den fleisch-
fressenden nähmlich ist die Krone scharfkantig
fast schneidend bey den grasfressenden oben
breit und eingefurcht; und bey denen, die sich,
so wie der Mensch, aus beyden organisirten
Reichen nähren, in der Mitte eingedruckt, und
an den Ecken abgerundet.

[Seite 53]

Manche Säugethiere, wie z.B. der Ele-
phant und der Narwhal haben große promi-
nirende Stoßzähne (dentes exserti); andere,
wie z.B. das Wallroß, Hauzähne etc.

§. 45.

Bloß unter den Säugethieren, und zwar
nur unter den grasfressenden, gibt es wirklich
wiederkauende Gattungen, bey welchen
nähmlich das zuerst bloß flüchtig zerbissene und
geschluckte Futter bissenweise wieder durch den
Schlund zurück getrieben, und nun erst recht
durchkaut und dann zum zweyten Mahl ge-
schluckt wird.

Zu diesem Zweck haben die wiederkauenden
Thiere eine eigene Einrichtung des Gebisses;
indem ihre Backenzähne wie mit sägeförmigen
Queerfurchen ausgeschnitten sind, und die Kro-
nen derselben nicht horizontal liegen, sondern
schräg ausgeschlägelt sind, so daß an denen
im Oberkiefer die Außenseite, an denen im
untern aber die nach der Zunge hingerichtete
innere Seite die höchste ist. Dabey haben sie
einen schmalen Unterkiefer, der eine sehr freye
Seitenbewegung hat, wodurch denn, wie
der Augenschein lehrt, der Mechanismus die-
ser sonderbaren Verrichtung von dieser Seite
bewirkt wird.

Anm. 1. Bey den ruminantibus, die zugleich ge-
spaltene Klauen haben (bisulca), kommt nun
[Seite 54] außerdem noch der vierfache Magen hinzu,
dessen innerer Bau und Mechanismus überaus
merkwürdig ist. Das zum ersten Mahl geschluckte
noch bald rohe Futter gelangt nähmlich in den
ungeheuern ersten Magen (rumen, magnus ven-
ter
, franz. le double, l'herbier, la panse, der
Pansen, Wanst), als in ein Magazin, worin es
nur ein wenig durchweicht wird. Von da wird
eine kleine Portion dieses Futters nach der an-
dern mittelst des zweyten Magens (reticulum,
franz. le bonnet, le reseau, die Haube, Mütze,
das Garn), der gleichsam nur ein Anhang des
ersten ist, aufgefaßt und wieder durch den Schlund
hinauf getrieben. Nun wird der wiedergekaute,
zum zweyten Mahl geschluckte Bissen durch eine
besondere Rinne, ohne wieder durch die beyden
ersten Mägen zu passiren, gleich aus dem Schlunde
in den dritten (echinus, centipellio, omasus,
franz. le feuillet, le pseautier, das Buch, der
Psalter, der Blättermagen) geleitet, wo er von
da endlich zur völligen Verdauung in den vier-
ten (abomasus, franz. la eaillette der Laab,
die Ruthe, der Fettmagen) gelangt, der dem
Magen andrer Säugethiere am nächsten kommt*).

Anm. 2. Der allgemeine, auf alle wiederkauende
Thiere überhaupt passende Haupt-Nutzen der Ru-
mination scheint mir noch gänzlich unbekannt.

§. 46.

Außer den Klauen, Zähnen etc. sind viele
Säugethiere auch mit Hörnern als Waffen
versehen. Bey einigen Gattungen, wie beym
Hirsch, Reh etc. sind die Weibchen ungehörnt;
bey andern, wie beym Renthier und im Zie-
gengeschlecht, sind ihre Hörner doch kleiner als
der Männchen ihre. Anzahl, Form und Lage,
[Seite 55] besonders aber die Textur der Hörner, ist sehr
verschieden. Beym Ochsen-Ziegen- und Ga-
zellengeschlecht sind sie hohl, und sitzen wie
eine Scheide über einem knöchernen Zapfen
oder Fortsatz des Stirnbeins. Die Hörner
der beyderley Rhinocer sind dicht, und bloß
mit der Haut auf der Nase verwachsen. Beym
Hirschgeschlecht hingegen sind sie zwar ebenfalls
solide, aber von mehr knochenartiger Textur,
und ästig. Sie heißen dann Geweihe, und
werden gewöhnlich alljährlich abgeworfen und
neue an ihrer Statt reproducirt.

§. 47.

Die Oeffnung des Afters wird bey den meh-
resten Säugethieren durch den Schwanz
bedeckt, der eine Fortsetzung des Kuckucksbeins
(coccyx), und von mannigfaltiger Bildung
und Gebrauch ist. Er dient z.B. manchen
Thieren sich der stechenden Insecten zu erweh-
ren; vielen Meerkatzen und einigen andern
amerikanischen und neu holländischen Thie-
ren statt einer Hand, um sich daran halten,
oder damit fassen zu können (cauda prehensi-
lis
, Rollschwanz); den Springhasen zum
Springen (cauda saltatoria), dem Kängu-
ruh zum Gleichgewicht bey seiner aufrechten
Stellung und zur Verteidigung etc.

§. 48.

[Seite 56]

Auch sind am Körper einiger Thiere dieser
Classe besondere Beutel von verschiedener
Bestimmung zu merken. So haben viele Af-
fen, Paviane, Meerkatzen, auch der Hamster,
u.a., Backentaschen (thesauri, Fr. salles),
um Proviant darin einschleppen zu können.
Beym Weibchen der Beutelthiere liegen die
Zitzen in einer besondern Tasche am Bauche,
worein sich die saugenden Junge verkriechen.

§. 49.

Manche Säugethiere, wie z.B. die meh-
resten größern grasfressenden, sind gewöhnlich
nur mit Einem Jungen auf einmahl trächtig;
andere hingen, wie z.B. die Raubthiere,
und die Schweine mit mehreren zugleich.

Die Leibesfrucht steht mit der Mutter
durch die so genannte Nachgeburt (secundinae)
in Verbindung, welche aber von verschiedener
Gestaltung ist; da sie z.B. im Menschenge-
schlecht einen einfachen größeren Mutterkuchen
(placenta) bildet, hingegen bey den wieder-
kauenden Thieren mit gespaltenen Klauen (bi-
sculca
) in mehrere, theils sehr zahlreiche, zer-
streute kleine solche Verbindungsorgane (coty-
ledones
) vertheilt ist u.s.w.

§. 50.

[Seite 57]

Die Wichtigkeit der Thiere überhaupt läßt
sich hauptsächlich aus einem zweyfachen Ge-
sichtspuncte bestimmen; entweder nähmlich,
in so fern sie auf die Haushaltung der Natur
im Großen, auf den ganzen Gang der
Schöpfung Einfluß haben; oder in so fern sie
dem Menschen unmittelbar nutzbar werden.
Aus jener Rücksicht sind, wie wir unten sehen
werden, die Insecten und Gewürme die bey
weiten wichtigsten Geschöpfe; aus dieser hin-
gegen die Säugethiere; und zwar sowohl we-
gen der Größe als der Vielartigkeit ihrer
Benutzung. Die Verschiedenheit in ihrer
Bildung, ihre große Gelehrigkeit, ihre Stärke
u.s.w. machen sie für den Menschen auf die
mannigfaltigste Weise brauchbar*). Aus kei-
ner andern Classe von Thieren hat er sich so
treue, dienstfertige und arbeitsame Gehülfen
zu schaffen gewußt; keine ist ihm zu seinem
unmittelbaren Gebrauch und zu seiner Selbst-
erhaltung so unentbehrlich als diese. – Ganze
Völker des Erdbodens können mit einer ein-
zigen Art von Säugethieren fast alle ihre drin-
gendsten Bedürfnisse befriedigen. So die
[Seite 58] Grönländer mit dem Seehund; die Lappen,
Tungusen etc. mit dem Renthier; die Aleuten
mit dem Wallfisch.

§. 51.

Die vielfache Brauchbarkeit der Säuge-
thiere fürs Menschengeschlecht reducirt sich
vorzüglich auf folgendes. Zum Reiten, zum
Zug, Ackerbau, Lasttragen u.s.w.:
Pferde, Maulthiere, Esel, Ochsen, Büffel,
Renthiere, Elephanten, Camele, Llamas,
Hunde. Zur Jagd zum Bewachen etc.
Hunde. Zum Mausen und Vertilgen ande-
rer schädlichen Thiere: Katzen, Igel Amei-
senbären etc. Zur Speise: das Fleisch vom
Rindvieh, Schafen, Ziegen, Schweinen,
vom Hirschgeschlecht, von Hasen, Kaninchen,
u.s.w. Ferner Speck, Schmalz, Blut,
Milch, But- ter, Käse. Zur Kleidung, zu
Decken, Zelten etc. Pelzwerk, Leder, Haare,
Wolle etc. Zum Brennen: Talg, Fisch-
thran, Wallrath*). Zum Schreiben,
Bücherbinden etc. Pergament, Leder. Für
andere Künstler und zu allerhand Ge-
brauch: Borsten, Haare (zumahl Menschen-
und Pferde-Haar), Geweihe, Hörner,
[Seite 59] Klauen, Elfenbein u.a. Zähne, Fischbein,
Knochen, Blasen. Sehnen und
Knochen zu Tischerleim. Därme zu Sai-
ten. Blut zu Berlinerblau u.a. Farben.
Knochen und Huf zu Beinschwarz Horn-
schwarz ezc. Fett und Mark zu Seife.
Mist zum Dünger, zur Feuerung, zu Sal-
miak etc. Endlich zur Arzney: Bisam, Bi-
bergeil, Hirschhorn, Milch etc.

§. 52.

Von der andern Seite sind aber freylich
mehrere Thiere dieser Classe dem Menschenge-
schlecht unmittelbar oder mittelbar nachthei-
lig. Manche reißende Thiere, besonders aus
dem Katzen-Geschlecht, fallen Menschen an.
Eben diese und noch manche andere, z.B.
die Wiesel, Marder, Iltise, Vielfraße,
Fischottern, Wallfische etc. vertilgen viele nutz-
bare Thiere: – oder schaden den Ge-
wächsen, Bäumen, Gartenfrüchten,
dem Getreide u.s.w. wie die Feldmäuse,
Hamster, Leming, Hirsche, Hasen, Biber,
Affen, Elephanten, Rhinocer, Nilpferde etc.
oder gehen andern Eßwaaren nach; wie
Ratten, Mäuse, Fledermäuse, Murmelthiere u.s.w. Gift
scheint kein einziges Thier dieser Classe zu
besitzen, außer in der Wuth und Wasserscheue,
der zumahl die aus dem Hundegeschlecht aus-
gesetzt sind.

§. 53.

[Seite 60]

Man hat verschiedene künstliche, d.h.
bloß von einzelnen zum Classificationsgrunde
gelegten Charaktern entlehnte Systeme (sy-
stemata artificialia
), nach welchen verdiente
Naturforscher die Säugethiere zu ordnen ver-
sucht haben. Aristotelis Eintheilung z.B.
ist bloß auf die allgemeinste Verschiedenheit
der Zehen und Klauen gegründet, und die
haben auch Ray u.a. zum Grunde gelegt,
und nach der Zahl der Zehen etc weiter bear-
beitet. Aber hierbey müssen die verwandte-
sten und im Ganzen noch so ähnlichen Gattun-
gen von Ameisenbären, Faulthieren etc. ge-
trennt, und in ganz verschiedene Ordnungen
versetzt werden, bloß weil die eine mehr, die
andere weniger Zehen hat. Linné hat die
Zähne zum Classificationsgrund gewählt, ein
Weg, auf dem man aber nicht minder, bald
auf die unnatürlichsten Trennungen, bald auf
die sonderbarsten Verbindungen stößt*). Das
Geschlecht der der Fledermäuse muß nach des Rit-
ters Entwurf, wegen des verschiedenen Ge-
bisses bey einigen Gattungen, wenigstens in
drey verschiedene Ordnungen zerstückt werden;
so die beyderley Nashörner in zwey; – da-
gegen kommt der Elephant mit den Panzer-
[Seite 61] thieren, und den formosanischen Teufelchen
in eine gemeinschaftliche Ordnung etc.

§. 54.

Ich habe daher ein im Ganzen natürliche-
res System der Säugethiere zu entwerfen ge-
trachtet, wobey ich nicht auf Totalhab-
itus der Thiere gesehen, doch vorzüglich
die Bewegungswerkzeuge, weil sie am leichte-
sten in die Augen fallen und dem Totalhabitus
sehr angemessen sind, zum Grund der Ord-
nungen gelegt, aber zweye derselben, welche
vielartige Geschöpfe begreifen, wieder nach der
Verschiedenheit ihres Gebisses in einiger Fami-
lien unterabgetheilt, und diese mit den bekann-
ten Nahmen einiger Linneischen Ordnungen
bezeichnet: und so die ganze Classe folgender
Maßen geordnet:

I. Ordn. Bimanus. Der Mensch mit zwey
Händen.

II. Quadrumana. Thiere mit vier Händen.
Affen, Paviane, Meerkatzen und Makis.

III. Chiroptera. Die Säugethiere, deren
Vorderfüße Flatterhäute bilden (§. 43).
Die Fledermäuse.

IV. Digitata. Säugethiere mit freyen Zehen
an allen vier Füßen. – Diese Ordnung
zerfällt nach der Verschiedenheit des Gebis-
ses in folgende drey Familien:

[Seite 62]

A) Glires. Mit mauseähnlichem Gebiß.
Eichhörnchen, Hasel- und andere
Mäuse, Murmelthiere, Meerschwein-
chen etc. Springmäuse, Hasen, Sta-
chelschweine.

B) Ferae. Die eigentlich so genannten
reißenden Thiere und einige andere Ge-
schlechter mit ähnlichem Gebiß. Löwen etc.,
Hunde etc., Bären, Wiesel, Viverren,
Beutelthiere, Igel, Spitzmäuse, Maul-
würfe.

C) Bruta. Ohne Gebiß, oder wenigstens
ohne Vorderzähne etc. Faulthiere, Amei-
senbären, Schuppenthiere, Panzerthiere.

V. Solidungula. Pferd etc.

VI. Bisulca. Die wiederkäuenden Thiere
mit gespaltenen Klauen.

VII. Multungula. Meist sehr große, aber
unförmliche, borstige oder dünnbehaarte
Saugethiere mit mehr als zwey Klauen an
jedem Fuß. Schweine (denn auch diese
haben im Grunde vier Klauen) Tapir, Ele-
phanten, Nashörner, Nilpferd.

VIII. Palmata. Säugethiere mit Schwimm-
füßen. Wieder nach der Verschiedenheit
ihres Gebisses in obgedachte drey Familien
getheilt:

[Seite 63]

A) Glires. Biber.

B) Ferae. Seehunde etc. Ottern.

C) Bruta. Das Schnabelthier, Wallroß,
der Manate.

Letzterer macht von hier den schicklichsten
Uebergang zur letzten Ordnung.

IX. Cetacea. Wallfische. Warmblütige Thiere,
die mit den kaltblütigen Fischen fast nichts
als den unschicklichen Nahmen gemein ha-
ben, und deren natürliche Verbindung mit
den übrigen Säugethieren schon Ray voll-
kommen richtig eingesehen hat*).

* * *

Zur N. G. der Säugethiere.

  1. Conr. Gesneri historiae animalium L. I. de qua-
    drupedibus viuiparis.
    Basil. 1551 fol.
  2. Ul. Aldrovandi de quadrupedibus digitatis viui-
    paris
    L. III. Bonon. 1627. fol.
  3. Id. de quadrupedibus solidipedus ib. 1616. fol.
  4. Id. de quadrupedibus bisulcis ib. 1613. fol.
  5. Ei. de cetis L. I. (am Ende seines Werkes de pisci-
    bus) ib. eod. fol.
  6. Jo. Raii. synopsys animalium quadrupedum. Lond.
    1613. 8.
  7. Buffon.
  8. Th. Pennant's history of quadrupeds. Lond. 1781.
    II. vol. 4.
  9. Deutsch mit Zusätzen von D. M. Bechstein. Weimar
    1799. II. B. 4.
  10. Ei. arctic zoology vol. I. ib. 1784. 4.
  11. J. Ch. Dan. v. Schreber Säugethiere. Erlang. seit
    1774. 4.
  12. I. Chr. Pol. Erxleben systema mammalium Lips.
    1777. 8.
  13. E. A. W. v. Zimmermann geographische Geschichte
    des Menschen, und der allgemein verbreiteten
    vierfüßigen Thiere. Leipz. 1778. III. B. 8.
  14. J. M. Bechsteins gemeinnützige N. G. Deutschlands
    I. B. Leipz. 1789. 8.
  15. Marmad Tunstall's general history of Quadru-
    peds. The figures engraved on wood by J.

    Bewick.
    Newcastle upon Tyne 1790. 8.
  16. Fr. Tiedemanns Zoologie. I. B. Landshut. 1808. 8.

I. BIMANVS.

[Seite 65]

1. Homo. Erectus, bimanus. Mentum pro-
minulum. Dentibus aequaliter approxi-
mati; incisores inferiores erecti
.

1. Sapiens.

Zu den äußern Kennzeichen, wodurch der Mensch
selbst vom menschenähnlichsten Affen, geschweige
von den übrigen Thieren zu unterscheiden ist, ge-
hört vorzüglich sein aufrechter Gang (als wozu
sein ganzer Wuchs und Bildung besonders aber
seine beckenähnlichen Hüftknochen, das Verhältniß
seiner Schenkel zu den Armen und seine breiten
Fußsohlen, eingerichtet sind), dann der freyeste
Gebrauch zweyer vollkommenen Hände; fer-
ner sein prominirendes Kinn und die aufrechte
Stellung seiner untern Schneidezähne.

Das weibliche Geschlecht hat (außer der ihm
in der Blüthe des Lebens eigenen Form des Bu-
sens) noch ein Paar eigenthümliche Charaktere,
die dem männlichen und allen übrigen Thieren ab-
gehen, nähmlich einen periodischen Blutverlust
in einer bestimmten Reihe von Lebensjahren; und
dann einen besondern Theil an den Sexual-Orga-
nen, dessen Mangel oder Zerstörung als ein kör-
perliches Kennzeichen der verletzten jungfräu-
lichen Integrität anzusehen und wenigstens in
der Form und Lage noch bey keinem andern weib-
lichen Thiere bemerkt ist.

Was aber die Seelenfähigkeiten des Menschen
betrifft, so hat er außer dem Begattungstriebe
wenig Spuren von Instinct (§. 34. u. f.), Kunst-
triebe aber (§. 36.) schlechterdings gar nicht.
[Seite 66] Dagegen ist er ausschließlich im Besitz der Ver-
nunft (§. 37.), und der dadurch von ihm selbst
erfundenen Rede oder Sprache (loquela), die
nicht mit der bloß thierischen Stimme (vox) ver-
wechselt werden darf (§. 25.), als welche auch
den ganz jungen und selbst den stummgebornen
Kindern zukommt. Und so folgt aus jenen bey-
den ausschließlichen Vorzügen das große aus-
schließliche Eigenthum der Menschenspecies, wo-
durch sie über die ganze übrige thierische Schöpfung
erhoben wird, das Vermögen sich selbst zu ver-
vollkommnen.

* * *

Der Mensch ist für sich ein wehrloses, hülfs-
bedürftiges Geschöpf. Kein andres Thier außer
ihm bleibt so lange Kind, keins kriegt so sehr spät
erst sein Gebiß, lernt so sehr späht erst auf seinen
Füßen stehen, keins wird so sehr spät mannbar
u.s.w. Selbst eine großen Vorzüge, Vernunft
und Sprache, sind nur Keime, die sich nicht von
selbst, sondern erst durch fremde Hülfe, Cultur
und Erziehung entwickeln können; daher denn bey
dieser Hülfsbedürftigkeit und bey diesen zahl-
losen dringenden Bedürfnissen die allgemeine na-
türliche Bestimmung des Menschen zur gesell-
schaftlichen Verbindung. Nicht ganz so allge-
mein läßt sich hingegen vor der Hand noch ent-
scheiden, ob in allen Welttheilen die Proportion
in der Anzahl der gebornen Knäbchen und Mäd-
chen, und die Dauer der Zeit und der Fortpflanzungs-
fähigkeit bey beyden Geschlechtern so gleich sey,
daß der Mensch überall so wie in Europa zur
Monogamie bestimmt werde.

Sein Aufenthalt und seine Nahrung sind
Beyde unbeschränkt; er bewohnt die ganze be-
[Seite 67] wohnbare Erde, und nährt sich mit den vielartig-
sten Stoffen aus dem weitesten Umfang der orga-
nisirten Schöpfung. Und in Verhältniß zu sei-
ner mäßigen körperlichen Größe, und in Vergleich
mit andern Säugethieren erreicht er ein ausneh-
mend hohes Alter.

* * *

Es giebt nur eine Gattung (species) im Men-
schengeschlecht; und alle und bekannten Völker
aller Zeiten und aller Himmelsstriche können von
einer gemeinschaftlichen Stammrasse abstammen*).
Alle National-Verschiedenheiten in Bildung und
Farbe des menschlichen Körpers sind um nichts
auffallender oder unbegreiflicher als die, worin so
viele andere Gattungen von organisirten Körpern,
zumahl unter den Hausthieren, gleichsam unter
unseren Augen ausarten. Alle diese Verschieden-
heiten fließen aber durch so mancherley Abstufun-
gen und Uebergänge so unvermerkt zusammen,
daß sich daher auch keine andere, als sehr will-
kürliche Gränzen zwischen ihnen festsetzen lassen.
Doch habe ich das ganze Menschengeschlecht noch
am füglichsten unter folgende fünf Rassen zu
bringen geglaubt:

1) Die caucasische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 3 und 51.

von mehr oder weniger weißer Farbe mit ro-
then Wangen, langem weichem, nußbrau-
nem Haar (das aber einerseits ins Blonde,
anderseits ins Schwarze übergeht); und der
nach den europäischen Begriffen von Schönheit
[Seite 68] musterhaftesten Schedel- und Gesichts-Form.
Es gehören dahin die Europäer mit Aus-
nahme der Lappen; dann die westlichern
Asiaten, dies- seits des Obi, des caspischen
Meers und des Ganges; nebst den Nordafri-
canern; – also ungefähr die Bewohner der
den alten Griechen und Römern bekannten
Welt.

2) Die mongolische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 1.

meist waizengelb (theils wie gekochte Quitten,
oder wie getrocknete Citronschaalen); mit we-
nigem, straffem, schwarzem Haar; enggeschlitz-
ten aber gleichsam aufgedunsenen Augenliedern,
plattem Gesicht; und seitwärts eminirenden
Backenknochen. Diese Rasse begreift die übri-
gen Asiaten, mit Ausnahme der Malayen,
dann in Europa die Lappen, und im nördlichen
America von der Beringsstraße bis Labrador,
die Eskimos.

3) Die äthiopische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 5.

mehr oder weniger schwarz; mit schwarzem,
krausem Haar; vorwärts prominirenden Kie-
fern wulstigen Lippen und stumpfer Nase.
Dahin die übrigen Africaner, nahmentlich
die Neger, die sich dann durch die Fulahs in
die Mauren etc. verlieren, so wie jede andere
Menschen-Varietät mit ihren benachbarten
Völkerschaften gleichsam zusammen fließt.

4) Die americanische Rasse:

Abbild. n. h. gegenst. tab. 2.

Lohfarb oder zimmtbraun (theils wie Eisenrost
oder angelaufenes Kupfer); mit schlichtem,
straffem, schwarzem Haar, und breitem aber
[Seite 69] nicht plattem Gesicht, sondern stark ausge-
wirkten Zügen. Begreift die übrigen Ame-
ricaner außer den Eskimos.

5) Die malayische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 4.

von brauner Farbe (einerseits bis ins helle
Mahagoni anderseits bis ins dunkelste Nelken-
und Castanienbraun); mit dichtem schwarz-
lockigem Haarwuchs; breiter Nase; großem
Munde. Dahin gehören die Südsee-Insula-
ner oder die Bewohner des fünften Welttheils
und der Marianen, Philippinen, Molucken,
sundaischen Inseln etc. nebst den eigentlichen
Malayen*).

Von diesen fünf Haupt-Rassen muß nach allen
physiologischen Gründen die caucasische als die
so genannte Stamm- oder Mittel Rasse an-
genommen werden. Die beyden Extreme,
worin sie ausgeartet, ist einerseits die mongo-
lische, anderseits die äthiopische. Die andern
zwey Rassen machen die Uebergänge. Die
americanische den, zwischen der caucasischen
und mongolischen, so wie die malayische den,
[Seite 70] zwischen jener Mittel-Rasse und der äthio-
pischen*).

* * *

Alle den fabelhaften Wust herzuzählen, womit
die Menschen die N. G. ihres Geschlechts ver-
unreinigt haben, lohnt sich jetzt nicht der
Mühe; – doch nur Weniges von vielem.

Die vermeintlichen patagonischen Riesen z.B.
sind, von Magalhaens Zeiten bis auf die unsri-
gen, in den Erzählungen der Reisenden, von
zwölf Fuß zu siebentehalb eingekrochen, und
[Seite 71] bleiben also wenig größer als jeder andere
Mensch von guter Statur.

Und daß die noch neuerlich von Commerson für
ein Zwergvölkchen ausgegebnen Quimos auf
Madagascar nichts weiter sind als eine Art
Cretine, d.h. kleine Blödsinnige mit dicken
Köpfen und langen Annen (dergleichen sich im
Salzburgischen, so wie im Walliserlande, zu-
mahl aber im Piemontesichen in Menge fin-
den), wird bey pathologischer Prüfung mehr
als bloß wahrscheinlich.

Eben so sind die Kackerlacken, Blafards, Albi-
nos, oder weiße Mohren*) nicht ein Mahl
eine Spielart, geschweige eine besondere Gat-
tung, sondern gleichfalls Patienten, deren
Geschichte mehr in die Pathologie als in die
Naturhistorie gehört.

Linnés Homo troglodytes ist ein unbegreifliches
Gemische aus der Geschichte jener preßhaften
kränklichen weißen Mohren, und des Orang-
utangs: – sein Homo lar hingegen ein wah-
rer Affe.

Die in Wildniß unter Thieren erwachsenen Kin-
der**) sind klägliche sittliche Monstra, vie man
eben so wenig, als andere durch Krankheit
eder Zufall entstellte Menschen, zum Muster
des Meisterstücks der Schöpfung anführen darf.

[Seite 72]

Geschwänzte Völker, von Natur geschürzte
Hottentottinnen, die vorgebliche natürliche
Bartlosigkeit der Americaner*) die Sirenen,
Centauren, und alle Fabeln von gleichem
Schrot und Korn, verzeihen wir der gutherzi-
gen Leichtgläubigkeit unserer lieben Alten.


II. QVADRVMANA.

Säugethiere mit vier Händen, wie es ihre
Lebensart und ihr Aufenthalt auf den Bäumen
erfordert. Sie sind ursprünglich wohl bloß
zwischen den Wendezirkeln zu Hause**).

2. Simia. Affe. Habitus plus minus an-
thropomorphus, auriculae et manus fere
humanae. Nares anteriores. Dentes

primores incisores, supra et infra 4.
laniarii solitarii, reliquis longiores.

Bloß in der alten Welt; zwar menschenähn-
licher als die Thiere der nächstfolgenden Geschlech-
ter, doch aber außer dem schon beym Menschen-
geschlecht angeführten Umständen, in ihrer gan-
zen Bildung, besonders auch durch die schmalen
[Seite 73] Hüften und platten Lenden, auf das ausfallend
sichtlichste vom Menschen unterschieden.

a) Ungeschwänzte.

1. Satyrus. der Orangutang. S. rufa, pilis
longis raris, capite globoso, fronte tumida,
auriculis minoribus.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 12 und 52.

Wie es scheint bloß auf Borneo, und auch da
in geringer Anzahl*); läßt sich, wenn er ganz
jung eingefangen worden, so wie der Schimpan-
see und andere Affen auch, zu allerhand künstlichen
Handlungen abrichten, die man aber von seinem
natürlichen Betragen genau unterscheiden muß.

Ist, wie Camper aus der Zergliederung eines
solchen Thiers gezeigt, weder einer menschlichen
Rede, noch eines natürlichen aufrechten Gan-
ges fähig.

2. Troglodytes. der Schimpansee, Barris.
S. nigra, macrocephala, torosa, auriculis
magnis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. II.

Im innern von Angola, Congo etc. und tiefer
landeinwärts; so wie der vorige ungefähr von
der Größe eines dreyjährigen Buben.

3. Lar. der Gibbon oder Golok. (Linnés Homo
lar.) S. brachiis longissimis, talos attin-
gentibus.

v. Schreber tab. 3.

[Seite 74]

Auf beyden indischen Halbinseln, auch auf den
Molucken; hat ein rundliches, ziemlich menschen-
ähnliches Gesicht und ungeheuer lange Arme,
und ist von schwärzlicher Farbe.

4. Sylunanus. der gemeine türkische Affe. S.
brachiis corpore breuioribus, natibus caluis,
capite subrotundo.

v. Schreber tab. 4.

In Nordafrica, Ostindien etc. Unter den un-
geschwänzten Affen der gemeinste und dauerhaf-
teste; der auch leicht in Europa Junge heckt; ist
sehr gelehrig etc. Ihm ähnelt der inuus (cyno-
cephalus
, Buffons magot) der auch gleiches
Vaterland, mit ihm hat. Einer von beyden ist
auch auf Gibraltar verwildert, und hat sich da
im Freyen fortgepflanzt.

b) Geschwänzte.

5. Rostrata. der langnasige Bantagan Affe, Kahau,
Bantagan, Bantanian, (Fr. le nasique, la
guenon à long nez
). S. cauda mediocri,
naso elongato, rostrato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 13.

Auf den sundaischen Inseln. Eine simia die
nicht sima ist, sondern sich durch eine lange rüs-
selförmige Nase auffallend auszeichnet.

6. Silenus, der Bartaffe, Wanduru. S. cau-
data, barbata nigra, barba nigra prolixa
.

v. Schreber. tab. 11.

Auf Ceilan etc. Aeltere ganz kenntliche Abbil-
düngen*) dieses Affen sind durch Verschönerung
[Seite 75] von spätern Copisten*) zum vorgeblichen ge-
schwänzten Menschen umgestaltet worden.

7. Cynomolgus. der Macacco. die (insgemein
so genannte) Meerkatze. S. cauda longa,
arcuata, labio leporino.

v. Schreber tab. 12.

Auf Guinea, Angola etc. beynahe olivengrün.
Wird unter den geschwänzten wahren Affen am
häufigsten nach Europa gebracht.

3. Papio Pavian. (Fr. babouin. Engl.
baboon.) Facies prolongata, minus an-
thropomorpha, nasus vtrinque tubero-
sus, nates nudae, coccineae, cauda (
ple-
risque
**)) abbreuiata. Dentes vt in simiis.

Auch bloß in der alten Welt. Ihr Kopf hat
wenig menschenähnliches, bey manchen eher etwas
vom Schwein, zumahl in der Schnauze. Meist
sind es unbändige, und äußerst geile Thiere.

1. Mormon. der Choras. P. naso miniato, ad
latera caerulescente.

v. Schreber tab. 8. A. 8. B.

Auf Ceilan etc. Wird gegen fünf Fuß hoch;
hat zumahl wegen der hochfarbigen abstechenden
Streifen auf und zu beyden Seiten der Nase,
ein auffallendes Ansehen.

[Seite 76]

2. Maimon. der Mandril. P. facie violacea
glabra, profunde sulcata.

v. Schreber tab. 7.

Auf Guinea, am Cap etc. wo oft ganze Scha-
ren Weinberge und Obstgärten plündern sollen.
Kleiner als der vorige.

4. Cercopithecvs. Meerkatze. Au-
riculae et manus minus humanae. Na-
tes laterales. Nates tectae. Dentes vt
in simiis.

Das ganze Geschlecht ist bloß im wärmern
Süd-America einheimisch, wo es den einheimi-
schen Indianern zu einem gemeinen Wildbret dient.

a) Cauda prehensili, die Sapajus.

1. Seniculus. der rothe Brüllaffe (l'Alouate).
C. barbatus rufus, gutture tumido.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 91.

Schaarenweis in den großen Waldungen von
Guiana etc. wo er, so wie eine andre Gattung
(Cercop. Belzebul) zumahl bey Wetterverän-
derung ein beläubendes Geschrey hören läßt, das
durch eine sonderbare knöcherne Resonanzblase an
dem dadurch gleichsam tropfförmig aufgetriebnen
Kehlkopf, hervorgebracht wird.

2. Paniscus. der Coaita. C. ater, palmis te-
tradactylis
absque pollice.

v. Schreber tab. 26. A. 26. B.

Hat ungemeines Geschick in seinem langen Roll-
schwanze*).

[Seite 77]

b) Cauda non prehensili, die Sanguinchen.

3. Iacchus. der Uistiti. C. iuba pilosa alba ad
genas ante aures, cauda villosa annulata.

v. Schreber tab. 33.

Braun, und so klein, daß er in einer Cocosnuß-
Schale Raum hat.

5. Lemvr. Maki. Nasus acutus, den-
tes
primores superiores 4. per paria re-
moti, inferiores
4-6. porrecti, com-
pressi, incumbentes;
laniarii solitarii,
approximati
*).

1. Tardigradus. der Loxis. (cucang.) L.
ecaudatus.

v. Schreber tab. 38.

Auf Ceilan; hat die Größe und Farbe des
Eichhörnchens, schlanke dünne Beine etc. und so
wie die folgende Gattung am Zeigefinger der
Hinterfüße eine spitzige Kralle, an allen übrigen
Fingern aber platte Nägel.

2. Mongoz. der Mongus. L. facie nigra,
corpore et cauda griseis
.

v. Schreber tab. 39. A. 39. B.

So wie einige verwandte Gattungen auf Ma-
dagascar, und den benachbarten Inseln. Die Hin-
terfüße sind viel länger als die vordern. Sein
Fell hat, wie bey manchen Affen, einen specifi-
ken Geruch, fast nach Ameisenhaufen.

III. CHIROPTERA.

[Seite 78]

Die Finger der Vorderfüße sind, den Dau-
men ausgenommen, länger als der ganze Kör-
per dieser Thiere; und zwischen denselben ist
die florähnliche Flatterhaut ausgespannt (§. 43.).
Daher können sie eben so wenig als die Affen
mit ihren Händen, oder die Faulthiere mit
ihren hakenförmigen Kletterkrallen etc. bequem
auf der Erde gehn.

6. Vespertilio. Fledermaus (Fr.
chauvesouris. Engl. bat.) Pollex palma-
rum et digiti plantarum breues, reliqui
longissimi, membranae expansili inter-
texti, pro volatu.

Ein weitläuftiges Geschlecht von animalibus
nocturnis
, dessen verschiedene Gattungen in alle
fünf Welttheile verbreitet sind.

a) Dentibus primoribus 4. vtrinque.

1. Spectrum. der Vampyr. V. ecaudatus, naso,
infundibuliformi lanceolato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 31.

In Südamerica; der Körper von der Größe
des Eichhörnchen. Wird dadurch sehr lästig, daß
er nicht nur anderen größeren Säugethieren, dem
Rindvieh, Pferden etc. sondern auch schlafenden
Menschen, bey welchen er sich vorzüglich an die
Fußzehen setzt, Blut aussaugt, woher er denn
auch den Nahmen des Vampyrs (Blutsaugers)
erhalten hat.

[Seite 79]

2. Caninus. der fliegende Hund. (Linnés
vampyrus, Buffon's roussette.) V. ecau-
datus, naso simplici, membrana inter fe-
mora diuisa.

v. Schreber tab. 44.

Weit größer als der Vampyr, so daß er mit
ausgespannten Flatterhäuten gegen 6 Fuß messen
soll, lebt aber bloß von Baumfrüchten und kann
also schlechterdings nicht Vampyr genannt wer-
den: findet sich schaarenweise in Hindustan und
auf den ostindischen und Austral-Inseln; in un-
zähliger Menge aber auf Neu-Holland. Ist auf
den Pelew-Inseln das allereinzige Säugethier.

b) Dentibus primoribus supra 4. infra 6.

3. †. Auritius. (Buffon's oreillard.) V. cau-
datus, auriculis maximis.

So wie die folgende in den mildern Gegenden
der alten Welt. Ihre Ohren, die man insgemein,
aber irrig, doppelt nennt, sind einfach, nur
alle Theile ungeheuer groß.

4. †. Murinus. die gemeine Fledermaus, Speck-
maus (Engl. Rere-mouse.) V. caudatus,
auriculis capite minoribus.

Hängt sich so wie auch die vorige Gattung zu
ihrem Winterschlaf in Höhlen an den Hinterfüßen
auf. Vermehrt sich zuweilen in manchen Gegen-
den binnen kurzer Zeit in Unzahl.

c) Dentibus primoribus superioribus nullis.

5. †. Ferrum equinum. die Hufeisennase. V.
naso foliato ferri equini aemulo
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab 42.

Im Mittlern und südlichen Europa.

IV. DIGITATA. (Pododactyla).

[Seite 80]

Die Säugethiere mit freyen Zehen an allen
vier Füßen. Die zahlreichste Ordnung an Ge-
schlechtern und Gattungen, daher jene füglich
nach der Verschiedenheit ihres Gebisses erst
wieder unter drey Familien gebracht werden.
A) Glires. B) Ferae. C) Bruta.

A) Glires. Scalpris dentata Io. Hunter.)

Mit zwey zum Nagen bestimmten meißelartigen
Vorderzähnen in jedem Kiefer, ohne Eckzähne.

7. Scivrvs. Cauda pilosa, disticha.
Dentes
primores vtrinque 2; inferiores
subulati.

1. Volans. das fliegende Eichhörnchen. (Büf-
fon's polatouche.) S. duplicatura cutis late-
rali a pedibus anterioribus ad posteriores.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 71.

In Liefland, Rußland und Sibirien. Von
der Farbe des petit gris. Das schlaffe Fell, das
von den Vorderfüßen nach den Hinterfüßen zu auf
der Seite wegläuft, dient ihm nur wie zu einem
Fallschirm, um einen weitern Sprung von der
Höhe herab wagen zu dürfen.

2. †. Vulgaris. das Eichhörnchen. (Fr. l'ecu-
reil.
Engl. the squirrel.) S. auriculis apice
barbatis, cauda dorso concolori.

v. Wildnungen Taschenbusch für d. J. 1808.

Wohl in ganz Europa, fast ganz Asien.
Die nordischen, zumahl an den Ufern des Ob
[Seite 81] und am Baikal-See, werden im Winter grau,
und geben dann das bekannte Grauwerk (petit
gris
). Zuweilen finden sich auch hier zu Lande
schwarze Eichhörnchen; seltener schneeweiße mit
rosenrothen Augen; und noch seltener weiß- und
schwarzgefleckte.

Der virginische Sc. cinereus (Buffon's petit
gris
) ist größer und ohne Ohrpinsel. Thut zu-
mahl den Maisfeldern großen Schaden.

8. Glis. (Myoxus.) Cauda rotunda, ver-
sus apicem crassior. Dentes vt in sciuris.

1. †. Esculentus. der Siebenschläfer, Ratz,
Bilch, die Rellmaus (Fr. le loir Engl.
the rellmouse.) G. griseus, subtus albidus,
auriculis rotundatis, nudis
.

v. Schreber tab. 225.

So wie die folgende Gattung in den mildern
Erdstrichen der alten Welt. Es ist der wahre
glis der Alten, den sie verspeiseten*), und in
eigenen glirariis**) mästeten. Lebt in Eichen-
und Buchenwäldern, nistet in hohle Bäume und
hält langen und sehr festen Winterschaf.

2. †. Auellanarius. die kleine Haselmaus. (Fr.
le muscardin. Engl. the dormouse.) G. ru-
fus, pollice plantarum mutico, auriculis
rotundatis.

v. Schreber tab. 227.

Von der Größe der Hausmaus. Zu ih-
rem Winterschlaf bereitet sie sich ein kugliches,
ziemlich festes Lager von Tangelnadeln, u.a.
kleinem Gestrüppe, worein sie sich vergräbt.

[Seite 82]

9. Mvs. Cauda gracilis, subnuda. Den-
tes vt in praecedentibus.

1. Oeconomus. die Wurzelmaus. M. cauda
subsesquunciali, auriculis nudis vellere molli
latentibus, palmis subtetradactylis, corpore
fusco
.

v. Schreber tab. 190.

Durch Sibirien, bis nach Kamtschatka. Wird
theils durch die großen Wanderungen, die sie,
zumahl von Kamtschatka aus, in manchen Jah-
ren, fast wie der Lemming, anstellt, besonders
aber durch die Industrie merkwürdig, womit sie
eine große Menge meist eßbarer Wurzeln in ihre
unterirdischen Höhlen schleppt, denen die Tun-
gusen etc. (wie die Thüringer dem Hamster-Vor-
rath) nachgraben.

2. †. Syluaticus. die Waldmaus, große Feld-
maus. (Fr. le mulot. Engl. the field-rat.)
M. cauda mediocri, pectore flauescente,
abdomine albido.

v. Schreber tab. 180.

Thut den Feldfrüchteen und der Holzsaat
Schaden.

3. †. Amphibius. die Wasserratte, der Erd-
wolf. M. cauda longitudine dimidia cor-
poris, auribus vix vellere prominulis, pe-
dibus subtetradactylis.

v. Schreber tab. 186.

Ist zumahl den Gärten nachtheilig, besonders
dem Wurzelwerk.

4. †. Arualis. die Feldmaus, Stoßmaus
(Fr. le campagnol. Engl. the field-mouse.)
[Seite 83] M. cauda mediocri, dorso ferrugineo, ab-
domine cinereo.

v. Schreber tab. 191.

Vermehrt sich in manchen Jahren ungeheuer,
und thut zumahl der Wintersaat großen Schaden.
Das bewährteste Vertilgungsmittel ist wohl der
englische Erdbohrer.

5. †. Musculus. die Hausmaus. (Fr. la souris
Engl. the mouse.) M. caude elongata, pal-
mis tetradactylis pollice palmarum mutico.

In Europa und den gemäßigten Erdstrichen von
Asien und America. Hat sich dem Menschen ge-
wisser Maßen zum Hausthier aufgedrungen.

Die weißen Mäuse mit rothen Augen sind die
Kackerlacken in ihrer Art, und zuweilen so licht-
schen, daß sie in der Hellung die Augenlider fest
zuschließen, und für blind gehalten werden.

6. †. Rattus. die Ratte. (Fr. le rat. Engl. the
rat
.) M. cauda elongata, palmis tetradacty-
lis cum vnguiculo pollicari.

Ist jetzt fast über alle fünf Welttheile verbrei-
tet; scheint aber ursprünglich im mittlern Europa
zu Hause. Aeußerst gefräßig. Frißt sogar Scor-
pione, und zieht dem Menschen und seinen Victua-
lien überall nach. Den Bergleuten in die tiefsten
Schachte, so wie den Seefahrern auf die Schiffe.
Unter andern gehört diese Land- und Hausplage
zu den gefährlichsten Feinden der Zuckerplantagen
in West-Indien.

An vielen Orten wird sie allgemach durch die
ursprünglich wohl in Ostindien und Persien ein-
beimische Wanderratre (M. decumanus. Fr. le
surmulot
) verdrängt, die von röthlichgrauer
Farbe und ihr Fell mit vielen einzelnen langen
Borstenhaaren durchmengt ist.

[Seite 84]

10. Marmota. (Arctomys.) Auriculae
abbreuiatae, cauda breuis, aut nulla.
Dentes vt in praecedentibus.

1. Alpina. das Murmelthier. (Graubündnisch
murmont vom Lat. mus montanus. Fr. la
marmotte.
) M. corpore depresso, supra
fusco, subtus flauescente.

v. Wildungen Taschenbusch für d. J. 1812.

In vielen der höhern Alpen von Europa und
Asien. Merkwürdig ist, daß man es auf der
allée blanche in Savoyen theils auf isolirten Klip-
pen findet, die wie Inseln aus diesem Eismeer
hervorragen, etliche Stunden weit von allem unbeeise-
ten Erdreich entfernt, und im ganzen Jahr nur
etwa sechs Wochen lang vom Schnee entblößt
sind; so daß es scheint, die dasigen Murmel-
thiere durchschlafen wenigstens zehn Monathe vom
Jahr, und bringen nur einen äußerst kleinen
Theil ihrer Existenz wachend zu.

2. †. Cricetus. der Hamster, Kornferkel. M.
abdomine nigro.

F. G. Sulzers N. G. des Hamsters. Gött.
1774. 8. Taf. I. 2.

Hin und wieder in Deutschland, Polen, Sibi-
rien etc. lebt vorzüglich von Getreide, Bohnen
etc. wovon er großen Vorrath in den Backenta-
schen zu seinen unterirdischen, wohl 7 Fuß tiefen,
Höhlen schleppet. Eine Höhle hält wohl manch-
mahl auf 60 Pfund solcher Victualien. Er ver-
mehrt sich ausnehmend, und man hat wohl eher
im Gothaischen in einem Jahr über 27000 Ham-
ster getödtet. Es gibt eine ganz schwarze Spiel-
art unter diesen Thieren, so wie auch Kacker-
lacken mit rothen Pupillen.

[Seite 85]

3. Lemmus. der Lemming. M. capite acuto,
corpore nigro fuluoque irregulariter ma-
culato.

v. Schreber tab. 195. A. 195. B.

Häufig in Lappland und Sibirien. Zuweilen
emigriren ganze Legionen von einer Gegend in
die andere. Ihre unerwartete und unbemerkte
Ankunft, und dann auch der Fall, daß welche
von den Raubvögeln in die Luft gehoben und sich
doch noch los gearbeitet und herunter gefallen etc.,
mag zu der alten Sage Anlaß gegeben haben, daß
es mitunter Lemminge vom Himmel regne.

4. Typhlus. die Blindmaus, Slepez. M.
ecaudata, palmis pentadactylis, incisoribus
supra infraque latis, palpebrarum aperturis
auriculisque nullis.

v. Schreber tab. 206.

Im südlichen Rußland. Lebt mehrentheils
unter der Erde. Soll für seine kleinen ganz
deutlichen Augäpfel doch gar keine Oeffnung in
der Gegend der Augenlider haben, und folglich
gänzlich blind seyn!

11. Hyrax. (Daman) Dentes primores
superiores 2, distantes, inferiores 4
contigui, palmae digitis 4, plantae di-
gitis
3, cauda nulla.

1. Capensis. der Klipdas. (Buffon's mar-
motte du Cap.
) H. palmarum unguibus
planis, plantarum vnico subulato..

v. Schreber tab. 240.

Am Cap, fast von der Größe des Murmel-
thiers. Lagert sich auch so in Felsenhöhlen,
ist aber seinem eigenen anomalischeu Bau nach,
[Seite 86] zumahl wegen des Gebisses und der Füße schwer
zu classificiren.

12. Sçavia. Halbkanichen. Auriculae
rotundatae, paruae. Cauda nulla aut
breuis. Dentes
primores vtrinque 2.

Das ganze Geschlecht bloß im wärmern Süd-
america, zumahl in Brasilien.

1. Porcellus. das Meerschweinchen. Cobaya.
(Fr. le cochon d' Inde. Engl. the Guinea-pig.)
S. ecaudata, corpore variegato.

v. Schreber tab. 173.

Kommt auch in Europa leicht fort, variirt in
der Farbe, und ist wohl das fruchtbarste von
allen Säugethiere.

2. Aguti. (Piculi.) das Ferkelkaninchen. S.
caudata, corpore ex rufo fusco, abdomine
flauescente
.

v. Schreber tab. 172.

Größer als ein Kaninchen.

13. Lepvs. Dentes primores vtrinque 2;
superiores duplicati.

1. † Timidus. der Hase (Fr. le liévre. Engl.
the hare.) A. auriculis apice nigris, cor-
pore et pedibus posticis longioribus
.

v. Wildungen Taschenbusch f. d. J. 1798.

Fast in der ganzen alten Welt, und auch in
Nord-America. Ist unter den Fußsohlen, und
sogar zum Theil im Munde behaart. Beyde,
Hase und Kaninchen, scheinen wieder zu kauen*).

Sonderbar ist, die wundersame von so vielen
braven Naturforschern für wahr angenommene
[Seite 87] Sage, daß man schon oft und in ganz verschiede-
nen Gegenden und Zeiten einzelne gehörnte Hasen
mit kleinen Rehgeweihchen gefunden habe*).

Der Berghase (Lepus variabilis) in man-
chen nördlichen und alpinischen Gegenden, unter-
scheidet sich schon in der Bildung vom gemeinen
durch einen dickeren Kopf, kürzere Ohren, und
kürzern Schwanz, längere Hinterbeine mit auf-
fallend breiten Pfoten, paart sich auch nicht mit
jenem. Im äußersten Norden, wie in Grönland
etc. ist er Jahr aus Jahr ein, in den Schweizer-
und Tyroler Alpen etc. aber nur im Winter weiß**).

2. † Cuniculus. das Kaninchen. (Fr. le la-
pin
. Engl. the rabbit.) L. auriculis nudatis,
corpore et pedibus posticis breuioribus
.

von Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1799.

Ursprünglich in den wärmern Zonen der alten
Welt, aber nun auch in nordischen Gegenden ein-
heimisch. Sie vermehren sich so stark, daß sie
wohl eher [z.B. neuerlich ums Jahr 1736 auf
der St. Peters Insel bey Sardinien***)] zur
Landplage geworden sind†); und kommen auch
in ganz wüsten Gegenden, wie auf Volcano, der
sonst so öden liparischen Insel, fort. Die wilden
sind grau. Die weißen mit rothen Augen sind
Kackerlacken in ihrer Art.

[Seite 88]

Die langhaarigen angorischen (S. 28. Anm. 2.)
oder so genannten englischen Seidenhasen kom-
men auch hier zu Lande gut fort.

14. Iacvlvs. (Dipus.) Pedes antici bre-
vissimi, postici elongati. Cauda salta-
toria, apice floccosa. Dentes
primores
vtrinque 2.

1. Jerboa. der Springhase, Erdhase, die
Springmaus, zweybeinige Bergmaus.
Palmis tridactylis, plantis tetradactylis.

v. Schreber tab. 228.

Zumahl in Nord-Africa, Arabien etc. Macht
sich Höhlen in die Erde. Springt mit der Leich-
tigkeit einer Heuschrecke, und wohl 7 bis 8 Fuß
weit.

15. Hystrix. Stachelschwein. (Fr.
porcepic. Engl. porcupine.) Corpus spinis
tectum. Dentes
primores vtrinque 2.

1. Dorsata. (Urson.) H. spinis breuibus sub
pilis occultis
.

v. Schreber tab. 169.

In Canada, auf Labrador, um die Hudsons-
bay etc. Thut zumahl im Winter den jungen
Baumstämmen großen Schaden.

2. Cristata. H. spinis longissimis, capite cri-
stato, cauda abbreuiata
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 81.

Ursprünglich im wärmern Asien und fast ganz
Africa; nährt sich zumahl von Baumrinden; nistet
in die Erde. Im Zorn rasselt es mit seinen
Stacheln, die ihm zuweilen, besonders im Herbst,
[Seite 89] ausfallen; kann sie aber nicht gegen seine Ver-
folger von sich schießen!*)

B). Ferae.

Mit spitzen oder zackigen Vorderzähnen, und
meist nur einem Eckzahn auf jeder Seite, der
aber bey den mehrsten von ansehnlicher Größe
und Stärke ist. – Die eigentlich so genannten
reißende Thiere und einige andere Geschlechter
mit ähnlicher Gebiß.

16. Erinacevs. Corpus spinis tectum.
Dentes primores vtrinque 6**); laniarii
supra 3; infra 1, molares 4.

1. † Europaeus. der Igel (Fr. le hérisson
Engl. the hedge-hog.) E. auriculis rotun-
datis, naribus cristatis
.

Fast in der ganzen alten Welt. Ein animal
nocturnum
. Nährt sich aus beyden Reichen.
Maußt wie eine Katze. Kann spanische Fliegen
in Menge fressen. Spießt allerdings (wie die
Alten sagen, von den Neuern hingegen ohne
allen Grund bezweifelt, mir aber nun schon von
dreyen ganz zuverlässigen Augenzeugen versichert
[Seite 90] worden) Früchte an seine Rücken-Stacheln, um
sie so in sein Lager zu tragen*).

17. Sorex. Nasus rostratus, auriculae
breues. Dentes
primores superiores 6**),
bifidi; inferiores 2-4. intermediis bre-
vioribus;
laniarii vtrinque plures.

1. † Araneus. die Spitzmaus. (Fr. la mus-
araigne
. Engl. the shrew.) S. cauda me-
diocri, abdomine albido
.

v. Schreber tab. 160.

In Europa und Nord-Asien etc. Daß sie giftig
sey, oder den Pferden in den Leib krieche etc. sind
ungegründete Sagen. Selten, finden sich weiße
Spitzmäuse.

2. † Fodiens. die Wasserspitzmaus. S. abdo-
mine cinereo, digitis ciliatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 72.

An kleinen Gewässern. Statt einer Schwimm-
haut ist jede Zehe zu beyden Seiten mit steifen
Härchen besetzt, die die Füße zum Rudern un-
gemein geschickt machen. Die Oeffnung des Ge-
hörganges kann das Thier durch eine Klappe zu-
schließen, so lang es unter Wasser ist.

3. Exilis. S. minimus, cauda crassissima tereti.

Am Jenisei und Ob. Das kleinste der bis jetzt
bekannten Säugethiere. Wiegt nur ½ Quentchen.

18. Talpa. Caput rostratum, palmae fos-
soriae. Dentes
primores superiores 6, in
feriores
8. laniarii maior 1. minores 4.

[Seite 91]

1. † Europaea. der Maulwurf, die Scher-
maus. (Fr. la taupe. Engl. the mole) T.
cauda breuiore, auriculis nullis.

Fast in der ganzen alten Welt. Ist ein voll-
kommnes animal subterraneum, wozu ihm
außer andern Eigenheiten seines Körperbaues,
besonders die Schaufelpfoten zu Statten kom-
men. Er hat sehr kleine Augen, kann geschickt
schwimmen und bey Ueberschwemmung auf die
Bäume klettern. Eine erbsengelbe Spielart fin-
det sich mitunter in der hiesigen Gegend.

2. Versicolor. (s. aurata). T. ecaudata, pal-
mis tridactylis
.

Vosmaer's monogr. 1787.

Bloß am Cap. Kann also nicht (nach Linné)
asiatica heißen. Ihr Haar schillert, zumahl
wenn es naß ist, mit farbigem Goldglanz.

19. Didelphis. (plerisque) hallux mu-
ticus. Feminis folliculus abdominalis
mammarum
.

Auch bey dieses Geschlechts so zahlreichen und
einander im Ganzen so verwandten Gattungen
variirt doch das Gebiß so mannigfaltig, daß die-
selben nach dem linnéischen System in ganz ver-
schiedene Geschlechter vertheilt werden müßten.

1. Marsupialis. Das Beutelthier, Opossum.
D. albida, auriculis, antibrachiis et tibiis
nigris, cauda squamosa longitudine corpo-
ris. Dentes
primores superiores 10, infe-
riores 8.
laniarii elongati.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 54.

[Seite 92]

Zumahl im wärmern Nord-America*). Das
Weibchen von dieser und den mehresten übrigen
Gattungen dieses Geschlechts hat eine große Ta-
sche am Bauche, die durch besondere Muskeln
geschlossen und geöffnet werden kann; und in de-
ren Boden die Zitzen liegen. Die Junge wer-
den ganz außer Verhältniß klein (gleichsam nur
als unreife Abortus) zur Welt gebracht, dann
aber erst lange Zeit in dieser Tasche getragen, wo
sie sich ansaugen und von der Muttermilch nähren,
bis sie reifer und vollkommeuer ausgebildet,
gleichsam vom neuen geboren werden können.

2. Dorsigera. der surinamische Aeneas. D.
cauda basi pilosa, orbitarum margine fusco.
Dentes vt in priori
.

v. Schreber tab. 150.

In Süd-America. Das Weibchen, das bey
dieser Gattung keinen Zitzensack hat, soll seine
Junge, wenn sie noch klein sind, auf dem Rük-
ken tragen, und diese sich dabey mit ihren Roll-
schwänzen an der Mutter ihrem anhalten.

3. Gigantea. das Känguruh. Cauda apice
attenuato, pedibus anticis breuissimis, po-
sticis longissimis. Palmis pentadactylis,
plantis subtetradactylis. Dentes
primores
superiores 6. inferiores 2. laniarii nulli.

v. Schreber tab. 154.

In Neu-Holland. Mausefahl. Ist, wenn es
aufrecht sitzt, wohl mannshoch, und 140 Pfund
schwer. Lebt in Heerden von 50 und mehr Stück.
Ist bloß grasfressend. Springt in weiten wohl
[Seite 93] zwey Klafter langen Sätzen. Das Weibchen hat
einen Zitzensack. Wirft nur Ein Junges auf
einmahl, das bey der Geburt kaum halb so groß
als eine Maus ist, dann aber von der Mutter
drey Vierteljahr lang in jenem Sacke getragen
wird, bis es wohl 14 Pfund wiegt.

20. Viverra. Caput vulpinum. Cauda
plerisque felina. Dentes
primores vtrin-
que
6. intermediis breuioribus. Lingua
plerisque retrorsum aculeata. Vngues
exserti
.

1. Zibetha. die Zibethkatze (Hyaena odori-
fera
. Fr. la civette. Engl. the civet .) V.
cauda annulata, dorso cinereo nigroque
vndatim striato
.

v. Schreber tab. 112.

Im südlichen Asien und nördlichen Africa. Bey
beyden Geschlechtern sammelt sich in einer beson-
dern Höhle, die zwischen dem After und den
Zeugungsgliedern liegt, das Zibeth, eine schmie-
rige, wohlriechende Substanz.

2. Genetta. die Genettkatze. (Fr. la genette.
Engl. the genet .) V. cauda annulata, cor-
pore fuluo-nigricante maculato
.

v. Schreber tab. 113.

In der Levante. Wird seines Felles wegen
geschätzt.

3. Putorius. das Stinkthier, Coneparl. (Fr.
la moussette. Engl. the skunk, pol-cat.)
V. lineis quinque dorsalibus parallelis albis.

v. Schreber tab. 122.

In Virginien, Canada etc. Hat seinen Nah-
men von dem unerträglichen Gestank, den es,
[Seite 94] so wie mehrere verwandte Gattungen seines Ge-
schlechts, im Zorne von sich gibt.

4. Ichneumon. die Pharaonmaus, der
Mungo. (Buffon's große mangouste .)
V. cauda basi incrassata sensim attenuata, apice
floccosa.

v. Schreber tab. 45. B.

Hat straffes, fast borstenartiges Haar, mit
braunen breit geringelten Streifen. Ist häufig
in Aegypten, wo es zumahl den Crocodileneyern,
so wie außer dem den Schlangen, nachstellt; sich
aber ausnehmend kirre und häußlich machen läßt.

5. Aurita. das Großohr. (Fennec, Büf-
fon's animal anonyme.) V. auriculis am-
plissimis
.

Bruce's Reisen nach den Quellen des Nils,
V. B. tab. 22.

In der Barbarey, Nubien etc. Nistet auf den
Palmen, und lebt vorzüglich von Datteln.

21. Mvstela. Dentes primores supe-
riores
6. erecti, acutiores, distincti; in-
feriores
6, obtusiores, conferti; duo in-
teriores. Lingua laeuis
.

Die Gattungen dieses Geschlechts haben kurze
Füße, und einen lang gestreckten Körper, den
sie im Geben bogenförmig krümmen. Sie sind
sehr flink, beissig und blutdürstig.

1. † Martes. der Baummarder, Edelmar-
der, Tannenmarder, Wildmarder, Feld-
marder. (Fr. la marte. Engl. the pine-
martin
.) M. corpore fuluo-nigricante,
gula flaua
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

[Seite 95]

Zumahl im Schwarzholz der ganzen nördlichen
Erde. Sein schönes Fell kommt dem Zobel am
nächsten.

2. † Foina. der Hausmarder, Steinmarder.
(Fr. la fouine. Engl. the martin) M. cor-
pore fuluo-nigricante, gula alba
.

v. Wildungen a. a. O.

Im mittlern und wärmern Europa und dem
benachbarten Asien. Läßt sich jung eingefangen,
so wie auch die vorige Gattung, zum Wunder
zahm machen.

3. †. Putorius. der Iltis, Ilk, Ratz, Stän-
kerratz. (Fr. le putois. Engl. the fitchet, po-
lecat
.) M. flauonigricans, ore et auricula-
rum apicibus albis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1801.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem Haus-
marder. Auch in der Barbarey. Das ganze
Thier, und selbst sein abgezogenes Fell, geben
einen sehr widrigen Geruch von sich.

Das Frettel (furo, Fr. le furet. Engl. the
ferret
) von gelblich weißer Farbe mit rothen Pu-
pillen, ist ein wahrer Kackerlacke in seiner Art,
folglich wohl sicher keine ursprüngliche eigene Gat-
tung, sondern eine Abart vom Iltis, mit wel-
chem es sich auch paart. Taugt gut zum Ratten-
und Caninchen-Fang.

4. Zibellina. der Zobel. (Fr. la zibeline.
Engl. the sable .) M. corpore fuluo-nigri-
cante, facie et gula cinereis
.

v. Schreber tab. 136.

Zumahl in Sibirien. Die schönsten mit recht
schwarzbraunem, dickhaarigen und glänzendem
Fell finden sich um Jakuzk.

[Seite 96]

5. † Erminea. das große Wiesel, Hermelin.
(Fr. le roselet, Phermine. Engl. the stoat
the ermine
.) M. caudae apice nigro.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1802.

In der nördlichen Erde, vorzüglich in Sibirien.
Größer als das gemeine Wiesel. Aendert aber
eben so wie dieses die Farbe, so daß es im
Sommer bräunlich, im Winter aber (als Her-
melin) weiß ist.

6. †. Vulgaris. das gemeine Wiesel. (Fr. la
belette
. Engl. the weesel) M. corpore ex
rufo fusco subtus albo
.

v. Wildungen a. a. O.

Im Norden von Europa und Asien. Die Mut-
ter trägt oft ihre Junge im Maule umher (da-
her die alte Fabel, als ob sie dieselben durch
diesen Weg zur Welt brächte).

22. Vrsvs. Dentesprimores superiores
6, intus excauati alterni, inferiores 6,
laterales 2. longiores lobati; laniarii
primarii solitarii (minimi 1-2 inter hos
et primos molares
), lingua laeuis
.

1. † Arctos der Bär. (Fr. l'ours. Engl. the
bear
.) V. fusco nigricans, cauda abrupta.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 32.

In der nördlichen Erde, doch auch in Ost-In-
dien und Nord-Africa. In der Jugend lebt er
meist von Gewächsen; nach dem dritten Jahr
aber mehr vom Fleisch. Zum Gefechte bedient er
sich mehr seiner Vordertatzen, als des Gebisses.
Ein ausgewachsener kann wohl vier Centner und
darüber, am Gewicht halten.

[Seite 97]

Zu den merkwürdigsten Spielarten unter den
Bären gehören: die großen schwarzen Ameisen-
bären; die kleinen hellbraunen Honigbären; und
die noch kleinern weißlichen Silberbären; sämmt-
lich zottig, und zumahl unter dem Halse lan-
behaart.

Hingegen macht der nordamericanische Bär mit
schwarzem, schlichtem, atlasglänzendem Haar, und
flachern Kopf mit spitzerer Schnauze, wohl eine
eigene Gattung, die sich gewöhnlich von Früchten
und in manchen Jahrszeiten fast ausschließlich von
Ameisen nährt.

2. Maritimus (glacialis) der Eisbär, Polar-
bär. V. albus, collo et rostro elongatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 33

An den Küsten und beym Treibeis der nörd-
lichsten Erde. Darf nicht mit der weißen Spiel-
art des gemeinen Bären verwechselt werden. Er
wird bey zwölf Fuß lang, und über 15 Centner
schwer; schwimmt und taucht sehr geschickt, und
ist bloß fleischfressend*).

3. Gulo. der Vielfraß, Rosomack. (Fr. le
glouton
. Engl. the glutton.) V. corpore
rufofusco, medio dorsi nigro
.

Pallas Spicileg. zoologic. XIV. tab. 2.

In der nördlichen alten Welt, besonders in Sibi-
rien. Seine Freßgierde hat zu allerhand Fabeln
Anlaß gegeben.

[Seite 98]

Das Wolverene oder Quickhatch (Ursus
luscus) auf Labrador und an der Hudsonsbay
scheint wenig von ihm verschieden zu seyn.

4. †. Taxus. der Dachs. (Fr. le blaireau.
Engl. the badger.) M. cauda concolore,
abdomine nigro
.

v.Wildungen Taschenbuch für d. J. 1797.

In Europa und Asien bis gen Schina. Ein
animal omniuorum. Baut unter der Erde ei-
nen tiefen Kessel, zu welchem verschiedene Röh-
ren oder Gänge führen. Verschläft den größten
Theils seines Lebens, und hält besonders langen
und festen Winterschlaf, wobey er seine Schnauze
in den Fettbeutel am Hinterleibe steckt.

5. Melliuorus. der Honig-Dachs, Rattel.
V. dorso cinereo, fascia laterali nigra, ab-
domine nigro
.

Sparrmann in den schwed. Abhandl.
1777. tab. 4. fig. 3.

Am Cap; lebt vom Honig und Wachs der
wilden Bienen, die in die Höhlen der Stachel-
schweine etc. nisten. Er gibt auf den Flug der
heim eilenden Bienen acht, oder folgt auch bloß
der Anweisung des Honigkuckucks. Hat ein zotti-
ges Fell, mit einer ungemein starken sehr beweg-
lichen schiebbare Haut, wodurch er einerseits
vor den Bienenstichen und anderseits vor tiefen
Bissen der Hunde etc. gesichert ist.

6. Lotor. der Waschbär, Rackun, Sjupp,
Coati. (Buffon's Raton .) V. cauda annu-
lata, fascia palpebrarum transuersali nigra
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 12

Ein animal nocturnum, im wärmern nord-
östlichen America etc. Frißt mancherley. Bedient
sich der Vorderpfoten sehr geschickt zum Fassen,
[Seite 99] auch zum Einweichen oder Auffischen seines Fut-
ters*) etc. Wird überhaupt sehr kirre. Sein
Haar ist nächst des Bibers seinen, das vorzüglichste
für Hutmacher.

23. Canis. Dentes primores superior-
res
6. laterales longiores distantes, in-
termedii lobati; inferiores
6. Lobati
omnes;
laniarii solitarii, incuruati.

1. †. Familiaris. der Hund. (Fr. le chien.
Engl. the dog.) C. cauda recuruata; sub-
inde
digito spurio ad pedes posticos.

Dieser treue Gefährte des Menschen, der sich
besonders durch die ausnehmende Schärfe seiner
Sinne, verbunden mit seiner großen vielartigen
Gelehrigkeit sogar zum Fisch- und Robbenfang),
aber auch durch mancherley andere Brauchbarkeit
empfiehlt, ist längst mit ihm über alle fünf Welt-
theile verbreitet, und gibt den größten Beweis
von der Perfectibilität der Thiere, wenn der
Mensch ihre Anlagen durch lange Reihen von Ge-
nerationen ausbildet.

Ob alle die verschiedenen Hunde-Rassen als
bloße Varietäten einer und derselben Gattung
anzusehen sind, und ob diese selbst vom Wolf
oder Schakal abstamme, ist schwerlich zu entschei-
den. Mir scheinen manche Rassen, z.B. der
Dachshund, das Windspiel etc. viel Eigenes zu
[Seite 100] besondern Functionen Abzweckendes in ihrer Bil-
dung zu haben, so daß ich diese zweckmäßigen
Eigenheiten nicht wohl für zufällige Folge der
bloßen Ausartung halten kann.

Zu den Hauptrassen gehören wohl

a) Fricator. der Mops. (Fr. de doguin.
Engl. pugdog) mit untersetztem, kurzem
Leibe, schwarzen Flecken an den Backen, und
hängenden Ohren.

Den Uebergang von dieser zur nächstfol-
genden Rasse macht der eigentliche Bullen-
beißer, Wachthund, Bluthund, molos-
sus
(Engl. the bull-dog), bey welchem
der Unterkiefer vor dem obern etwas her-
vortritt.

b) Mastiuus. die Englische Dogge. (Fr. le
dogue
. Engl. the mastiff.) mit stumpfem
Kopfe, hängenden lappichten Oberlefzen,
und glattem Haar. Bellt dumpfig und
kurz – Ihm scheint der Metzgerhund
(Fr. le matin.) nahe verwandt.

c) Terrae nouae. der Neufundländer. (–
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 6. –) Zeich-
net sich durch seine ausnehmende Größe, lan-
ges seidenartiges Haar, langflockigen, meist
aufwärts gekrümmten Schwanz, besonders
aber durch die Art von Schwimmhaut zwi-
schen den Zehen ans, die bey ihm ungleich
größer ist als den andern Hunden. Da-
her sein ungemeines Geschick zum Schwim-
men. Meist sind diese Hunde weiß und
schwarz; und ausnehmend gelehrig.

d) Sagax, venaticus. der Jagdhund. (Fr.
le chien-courant) mit langem dickem, Kör-
[Seite 101] per, eingefurchtem Hinterkopfe, langen hän-
genden Ohren. Das Haar bald schlicht,
bald zottig. – Hierher auch die Bracke,
(Engl. the spanish pointer.) der Hühner-
hund, der Wachtelhund und die schön geti-
gerten Corsicanerhunde.

e) Aquaticus. der Budel. (Fr. le barbet.
Engl. the water-dog) mit stumpfem
Kopfe, und wollichtem Haar.

f) Pastoralis, domesticus, villaticus. der
Schäferhund, Haushund. (Fr. le chien
de berger
, Engl. the cur) mit aufrechten
Ohren; der Schwanz auf der untern Seite
lang behaart. – Hierzu auch der islän-
dische Hund, und der Spitz oder Pom-
mer. (Fr. le chien-loup.) Auch der nun,
wie es scheint, ausgestorbene große St.
Bernhards-Hund. Und der kleinere, den
Kamtschadalen etc. zum Zug in Schlitten
gebrauchen. – Auch die aus manchen In-
el-Gruppen der Südsee einheimischen Hunde,
die von den Einwohnern als Mastvieh ge-
zogen werden, und bloß vegetabilische Nah-
rung genießen, scheinen zu dieser Rasse zu
gehören.

g) Meliteus. das Bologneserhündchen. (Fr.
l'epagneul, le bichon, Engl. the lap-dog,
the shock) mit sehr langem, seidenartigem
Haar, zumahl im Gesichte.

h) Vertagus, der Dachshund. (Fr. le basset,
Engl. the tumbler, the turnspit) mit lan-
ger Schnauze, hängenden Ohren, lang ge-
strecktem Körper, kurzen, krummen Vor-
derfüßen, und rothbraunen Flecken über
den Augen. – Ihm scheint der englische
[Seite 102] Terrier (terrarius), mit borstigem Haar
und struppiger Schnauze, nahe verwandt.

i) Dingo. der neuholländische Hund, Aeh-
nelt, zumahl in der Bildung des Kopfs und
Schwanzes, mehr dem Fuchs.

k) Leporarius. das Windspiel. (Fr. le
levrier
, Engl. the grey-hound) mit lan-
gem, zugespitztem Kopfe, hängenden Ohren,
dicker Brust, sehr schlanken Leid und Beinen.

l) Graius*). der Spartanische Hund. (ca-
nis laconicus
); sehr groß; hält in der Bil-
dung das Mittel zwischen Jagdhund und
Windspiel.

Ihm ähnelt der große Dänische und der
nun ausgestorbene große Irländische Hund.

m) Aegyptius. der guineische Hund. (Fr.
le chien-turc, Engl. the Indian dog, the
naked dog
) ähnelt dem Windspiel, hat
aber nur im Gesichte gekrullte Haare, der
übrige Körper ist meist kahl, und schwarz,
fast wie Negerhaut. (s.
S. 28. Anm. 2.)

Diese verschiedenen Haupt-Raffen paaren und
vermischen sich aber nicht nur unter einan-
der, sondern auch mit Wölfen und Füchsen, mit
welchen sie sogar zuweilen fruchtbare Bastarde
erzeugen.

2. †. Lupus. der Wolf. (Fr. le loup. Engl.
the wolf) C. cauda incuruata.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795.

[Seite 103]

Fast in der ganzen alten Welt, ist aber in ei-
nigen Ländern, wie z.B. in Groß-Britannien
und Irland, ausgerottet. Hat einen schleppen-
den doch dabey schnellen und nicht leicht zu ermü-
denden Gang. Aus Hunger fressen die Wölfe
sogar Schilf und Erde; graben auch Leichen aus,
und da mag etwa ihre nächtliche Erscheinung auf
Kirchhöfen etc. den Anlaß zu der alten Sage von
Währwölfen gegeben haben.

3. Aureus. der Schakal, Thos. (Buffon's
Adive.) C. corpore fuluo, pedibus longio-
ribus, caudae apice nigro
.

v. Schreber tab. 94.

In ganz Nordafrica und Orient, besonders
in Natolien und Bengalen; zieht des Nachts
schaarenweise umher; frißt Thiere, Lederwaren
etc. gräbt Leichen aus. Manche Naturforscher
haben den Schakal für den ursprünglich wilden
Hund, und manche Exegeten Simsons Füchse für
Schakale gehalten.

4. †. Vulpes der Fuchs, Birkfuchs. (Fr.
le renard. Engl. the fox) C. cauda recta,
apice discolore
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Zumahl in der nördlichern alten Welt. In
Unzahl auf den ostlichen Aleuten, die davon den
Nahmen der Fuchinseln erhalten haben. Frißt
unter andern Früchten nahmentlich sehr gern
Weintrauben.

Der Brandfuchs (alopex) ist wohl sicher
nur eine Abart davon.

Ob aber auch der wegen seines kostbaren
Felles berühmte schwarze Fuchs mit weißer
Schwanzspitze, der in Sibirien, aber auch in
Menge auf Labrador zu Hause ist [und der,
[Seite 104] wenn seine Haare gleichsam silberweiße Spitzen
haben, Silberfuchs genannt wird*)], für eine
bloße Abart des gemeinen Fuchses oder für eine
besondere Gattung anzusehen sey, läßt sich vor
der Hand noch nicht mit Gewißheit bestimmen.

5. Lagopus. der weiße Fuchs, Polarfuchs,
Steinfuchs, Eisfuchs. (Isatis. Engl. the
arctic fox
. Russ. Pesez) C. cauda recta,
apice concolore, palmis plantisque pilosis-
simis
.

v. Schreber tab. 93. A. 93. B.

In den Polarländern, zumahl auf Spitzber-
gen, Neu-Zembla, Grönland etc. – Die meh-
resten sind weiß. Die so genannten blauen
Füchse hingegen bläulich-grau.

6. Hyaena. die Hyäne. C. nigricans, maculis
virgatis, facie nigra, iuba ceruicis dorsi-
que, pedibus tetradactylis.

Der indianische Wolf, von J. El. Ridinger.

Hat meist einerley Vaterland mit dem Schakal,
dem sie auch in der Lebensart ähnelt. Hat ihr
Ablager unter der Erde oder in Felsenhöhlen und
Berg-Klüften.

Die gefleckte Hyäne (Canis crocuta) ist viel
größer**) als jene gestreifte; findet sich zumahl
[Seite 105] in großer Menge in Habessinien und von da süd-
lich bis zum Cap.

Beyde machen in ihrem Körperbau einen Ue-
bergang zum folgenden Geschlecht.

24. Felis. Vngues retractiles, caput
rotundius, lingua aspera, Dentes
pri-
mores
6. acutiusculi, exterioribus maio-
ribus,
laniarii solitarii, supra a primo-
ribus, infra a molaribus remoti
.

1. Leo. der Löwe. (Fr le lion. Engl. the
lion
.) F. cauda elongata floccosa, corpore
fuluo
.

v. Schreber tab. 97. A. 97. B.

In den heißen Zonen der alten Welt, vorzüg-
lich in Africa; weiland aber auch in Pelopones
und Aetolien. Auch neulich haben Löwinnen in
Menagerieeu, in Deutschland und sonst im mil-
dern Europa Junge geworfen. Dem Männchen
bricht die Mähne erst im zweyten Lebensjahre
aus. Das Fleisch des Löwen wird von den Hot-
tentotten gegessen und eine Horde Araber zwischen
Tunis und Algier soll sich fast bloß davon nähren.

2. Tigris. das Tiger. F. cauda elongata: ca-
pite, corpore et cruribus nigro-virgatis
.

the Tiger, von G. Stubbs.

Bloß in Asien und vorzüglich von Bengalen
bis Schina, auch auf Sumatra etc. Ueberaus
regelmäßig gestreift. Läßt sich allerdings zähmen,
und muß auch vor dem Elephanten erliegen.

[Seite 106]

3. Pardus. der Parder*). F.
cauda subelongata, maculis obtuse angula-
tis, passim confluentibus et annulatis
.

v. Schreber tab. 99.

In Africa und Ostindien. Die Flecken seines
Fells sind hin und wieder wie zusammengeflossen,
bald in Hufeisenform, bald geringelt u.s.w.

Leopard nennt man eine etwas kleinere Abart,
mit kleinern Flecken, deren meist drey bis vier auf
fast goldgelbem Grunde beysammen stehen.

4. Panthera. das kleine Panther. (Buffon's
once.) F. cauda elongata, corpore albido,
maculis irregularibus nigris
.

v. Schreber tab. 100.

In der Barbarey und Ostindien. Weit kleiner
als die vorigen Gattungen. Auch leicht zu zähmen,
und zur Jagd der Rehe, Gazellen etc. abzurich-
ten, wozu sie in Orient vorlängst, und in den
mittlern Zeiten auch in Italien und Frankreich
gebraucht worden.

5. Onça, der Jaguar, americanische Tiger.
F. cauda subelongata, corpore fusco lu-
tescente, maculis angulatis, ocellatis, me-
dio flauis
.

v. Schreber tab. 102.

In Südamerica. Größer als der Panther,
dem er sonst sehr ähnelt.


[Seite 107]

6. Concolor. der americanische Löwe, Puma,
Cuguar. F. cauda mediocri, corpore im-
maculato fuluo
.

v. Schreber tab. 104.

In Peru, Brasilien etc. zeichnet sich durch sein
rothgelbes, ungeflecktes Fell (weßalb er mit
dem Nahmen eines Löwen belegt worden) und
kleinen Kopf aus.

7. †. Lynx. der Luchs. (Fr. le loup-cervier.
Engl. the mountain cat) F. cauda abbre-
viata, apice atro, auriculis apice barbatis,
corpore maculato, plantis palmisque am-
plissimis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

In der nördlichen Erde; doch auch häufig im
Neapolitanischen; thut den Wildbahnen größern
Schaden als der Wolf.

8. † Catus. die Katze (Fr. le chat Engl.
the cat.) F. cauda elongata, striis dorsali-
bus longitudinalibus, lateralibus spiralibus
.

Fast in der ganzen alten Welt; ist aber erst
von da durch die Spanier nach America über-
bracht worden. Die wilde*) ist größer, als die
zahme, von grauröthlicher Farbe, mit schwarzen
Lefzen und Fußsohlen. Die Hauskatze begattet
sich nur äußerst selten unter den Augen der Menschen,
und verwildert sehr leicht wieder, wenn sie zufäl-
lig in Wildniß geräth. Zu den Besonderheiten
der Katzen gehört ihre starke Electricität; das
Leuchten ihrer Augen im Finstern; ihre seltsame
Gierde auf gewisse Pflanzen, wie z.B. auf die
Nepeta cataria und aufs Teucrium marum etc.;
ihr Schnurren oder Spinnen, das durch ein Paar
[Seite 108] eigene zarte, gespannte Häutchen in ihrem Kehl-
kopf bewirkt wird; die ängstliche unüberwindliche
Antipathie vieler Menschen gegen dieselben etc. –
Zu den vorzüglichsten Spielarten gehört die an-
gorische oder persische Katze mit dem langen,
seidenartigen Haar, die gewöhnlich schwer hört;
die bläulichgraue Carthäuser- oder Cyperkatze;
und die spanische oder schildpattfarbige Katze
(Tortoiseshell-cat); unter welchen letztern man
häufig weibliche Katzen von drey ganz verschiede-
nen Farben (z.B. schwarz, weiß und gelb), aber
äußerst selten einen dergleichen Kater, findet.

C) Bruta.

Ohne Gebiß oder wenigstens ohne Vorderzähne.

25. Bradypus. Faulthier. (Ignauus. Fr.
paresseux. Engl. sloth.) Caput rotun-
datum, crura antica longiora. Dentes

primores nulli vtrinque; laniarii (?)
obtusi, solitarii; molares cylindrici,
obtusi
.

1. Tridactylus. der Aï. B. pedibus tridacty-
lis, cauda breui
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 53.

In Guiana etc. Freylich ein äußerst langsames
schwerfälliges, aber bey aller dieser Trägheit li-
stiges und im Nothfall muthiges und starkes Ge-
schöpf; hat dabey ein äußerst zähes Leben, und
wenige Bedürfnisse. Frißt Laub, säuft gar nicht etc.

26. Myrmecophaga. Ameisenbär.
(Fr. fourmiller. Engl. ant-eater.) Ro-
[Seite 109] strum productius, lingua lumbricifor-
mis; dentes nulli
.

1. Iubata. der große Tamandua. M. palmis
tetradactylis, cauda longa iubata
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 82.

Zumahl in Brasilien. Am Leibe so groß als
ein Fleischerhund, und lebt doch so wie die fol-
gende kleine Gattung in der Wildniß einzig von
den dortigen großen Ameisen.

2. Didactyla. der kleine Tamandua. M. palmis
didactylis, vngue exteriore maximo,
plantis tetradactylis; cauda prehensili
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 22.

Ebenfalls in Südamerica; von der Größe
und auch fast von der Farbe des Eichhörnchens.

27. Manis. Schuppenthier, formosa-
nisches Teufelchen. Corpus squamis
tectum; lingua teres; dentes nulli.

Die Bekleidung ausgenommen, haben die Thiere
dieses Geschlechts in ihrer Bildung, Lebensart etc.
viel Aehnliches mit den Ameisenbären. Von
vielen ältern Naturforschern wurden sie unter die
Eidexen gezählt.

1. Tetradactyla. der Phatagin. M. cauda
longiorre: vngulis
bifidis.

Auf Formosa und dem benachbarten Asien. Un-
gefähr von der Größe des eben gedachten kleinen
Ameisenbären. Sein castanienbraun geschuppter
Körper ähnelt einem Tannenzapfen.

28. Tatv. Armadill, Panzerthier, Gür-
telthier. (dasypus Linn.) Corpus testis
[Seite 110] zonisque osseis cataphractum; dentes pri-
mores
et laniarii nulli.

1. Nouemcinctus. der Caschicame. T. zonis
dorsalibus 9; palmis tetradactylis; plantis
pentadactylis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 83.

In Südamerica, bis an die magellanische
Straße. Baut unter die Erde, wird sehr kirre,
rollt sich bey Gefahr, so wie die Schuppenthiere
und der Igel, kugelicht zusammen.


V. SOLIDVNGVLA.

Thiere mit Hufen. Ein einziges Geschlecht
von wenigen Gattungen.

29. Eqvvs. Pedes vngula indiuisa, cauda
setosa. Dentes
primores superiores 6.
obtuse truncati; inferiores 6. prominen-
tiores:
laniarii solitarii vtrinque remoti.

1. †. Caballus. das Pferd. (Fr. le cheval.
Engl. the horse.) E. cauda vndique setosa.

Ursprünglich wilde Pferde gibt es schwerlich
mehr, aber häufig und theils in großen Heerden
verwilderte; so z.B. in der Mongoley, vollends
aber in unermeßlicher Menge in Paraguay, wo-
hin die Pferde (so wie überhaupt nach America)
erst durch die Spanier überbracht worden u.s.w.
Unter den zahmen Pferde-Rassen zeichnen sich
die Araber (zumahl die von der Zucht der Annecy
um Palmyra herum, und vom Libanus bis ge-
gen den Horeb etc.) durch ihren wunderschönen
[Seite 111] Baut, so wie durch äußerste Leichtigkeit und
Dauerhaftigkeit aus. Ihnen folgen die Persia-
ner und Barben. Unter den europäischen sind
die spanischen (besonders die aus Andalusien),
nie neapolitanischen und englischen die vorzüglich-
sten. Die letztern haben besonders den Vorzug
der Schnelligkeit, wodurch sie sich in den Wett-
rennen auszeichnen*). – Ganzer berittenen Na-
tionen zu geschweigen, wie z.B. die Casacken,
Tataren, Calmücken, die Pferde-Tungusen, die
Abiponer etc. so ist auch für die cultivirtesten
Völker der Werth dieses Thiers für Landwirth-
schaft, Cavallerie, Postwesen etc. unermeßlich.
Manche der gedachten berittenen Völker leben
auch großen Theils vom Fleisch und Milch der
Pferde. Die letztere gibt, wenn sie zusammen
geronnen, vollends aber wenn sie abgezogen wor-
den, das berauschende Kumiß der Mongolen.

2. † Asinus. der Esel. (Fr. l'âne. Engl. the
ass
.) E. cauda extremitate setosa, cruce
dorsali nigra
.

Der wilde Esel, von welchem das zahme
Hausthier abstammt, ist der wahre onager der
Alten; und findet sich jetzt zumahl in der Tartarey,
unter dem Nahmen Kulan**), von da er jähr-
lich im Herbst in großen Heerden südlich nach In-
dien und Persien zu zieht und daselbst überwintert.
[Seite 112] Er ist größer und schlanker als der zahme Esel,
und von ausnehmender Schnelligkeit. – Ins
nördlichste Europa ist der Esel bis jetzt noch gar
nicht verpflanzt. Auch artet er wenig aus. Höch-
stens etwa in der Farbe, da es z.B. weiße Esel gibt.

* * *

Pferd und Esel lassen sich zusammen begatten,
und geben zweyerley Bastarde, die von großer
Dauerhaftigkeit und Stärke, und zuweilen (aber
sehr selten) fruchtbar sind. Eins ist das gemeine
Maulthier [mulus, Fr. le mulet*)], das vom
männlichen Esel gezeugt, und von der Stute ge-
worfen wird. Das andere ist der Maulesel [hin-
nus
, Fr. le bardeau**)], der vom Hengste ge-
zeugt, und von der Eselinn geworfen ist. Die-
ser letztere ist seltener, und hat Gelegenheit zur
Sage von den fabelhaften Jumarn, oder vor-
geblichen Bastarden vom Pferde- und Ochsenge-
schlecht, gegeben.

3. Zebra. E. zonis fuscis et albidis, maxime
regularibus
.

The Sebra, von G. Stubbs, 1771.

Das Zebra (wovon es zwey ganz verschiedene
Gattungen gibt, deren eine man fälschlich für die
Weibchen der andern gehalten hat) ist im südli-
chen Africa zu Hause. Es lebt herdenweis, ist
ungemein schnell, aber wild und unbändig. Ge-
zähmt hat die Stute sowohl mit Esel- als Pferde-
hengsten Bastarde gezeugt.

VI. BISVLCA. (Pecora.)

[Seite 113]

Die wiederkauenden Thiere mit gespaltenen
Klauen, unter welchen sich die wichtigsten
Hausthiere finden.

30. Camelvs. Cornua nulla, labium
leporium,
pedes subbisulci*). Dentes
primores inferiores 6. spathiformes; su-
periores
2; laniarii distantes, superio-
res
3, inferiores 2.

1. Dromedarius. das gemeine Camel [Fr. le
dromadaire
.**) ] C. tofo dorsi vnico.

v. Schreber tab. 303.

Findet sich noch hin und wieder in Asien, zu-
mahl in den Wüsteneyen zwischen Schina und In-
dien, wild, ist aber für den ganzen Orient und
für das nordliche und mittlere Africa das wich-
tigste Hausthier. (Das Schiff für die Wüsten
– nennen es die Araber.) Die gewöhnliche Last
der Carawanen Camele ist gegen sechs Centner,
und damit legen sie täglich gegen vier deutsche
Meilen zurück. Das nutzbare Thier frißt dorni-
chtes Buschwerk, was in den Wüsten in Menge
wächst, und für kein anderes Säugethier zur
Nahrung taugt. Auch kann es, wie versichert
wird, den Durst mehrere Wochen lang erdulden,
säuft aber dafür ungeheuer viel auf ein Mahl, da
sich dieses Wasser lange Zeit in seinem Magen
[Seite 114] ziemlich unverändert erhalten soll. Beyde, so-
wohl diese, als die folgende Gattung, haben eine
große Schwiele vorn au der Brust, vier kleine
an den Vorderfüßen, und zwey dergleichen an
den Hinterfüßen, die ihnen zum Aufstemmen die-
nen, wenn sie müde sind, und sich niederlegen.

2. Bactrianus. das Trampelthier. (Fr. le
chameau
. Engl. the camel.) C. tofis dorsi
duobus
.

v. Schreber tab. 304.

Im mittlern Asien, bis gen Schina, zumahl
in ganzen großen Heerden in Bessarabien etc. wird
daselbst seines schnellen Trabes und natürlichen
Sattels wegen, mehr als die vorige Gattung
zum Zuge gebraucht.

3. Llama. das Ljama, die Camelziege, Gua-
naco. C. dorso laeui, tofo pectorali.

v. Schreber tab. 306.

So wie die folgende Gattung im südlichen Ame-
rica, besonders dem gebirgigen Peru. Wird als
Lastthier gebraucht, und trägt bey seiner mäßigen
Größe doch bis anderthalb Centner tragen.

4. Vicuña. das Schafcamel. (Fr. la vigogne.)
C. tofis nullis, corpore lanato.

v. Schreber tab. 307.

Kleiner als das Llama. Läßt sich nicht zäh-
men, sondern wird wegen seines zimmtbraunen
Haares, das die bekannte Vigogne-Wolle gibt,
jährlich in großen Treibjagden haufenweis gefan-
gen. Auch soll der occidentalische Bezoarstein
am öftersten in dieser Gattung gefunden werden.

31. Capra. Cornua caua rugosa scabra.
Dentes
primores superiores nulli, infe-
riores
8; laniarii nulli.

[Seite 115]

1. †. Ouis. das Schaf. (Fr. le brebis. Engl.
the sheep .) C. mento imberbi, cornibus
compressis lunatis
.

Findet sich wohl nirgends mehr ursprünglich
wild; scheint auch nicht ein Mahl nur so wie die
Ziege wieder verwildern zu können: wird aber
fast in der ganzen alten Welt als eins der aller-
nutzbarsten Hausthiere gehalten, und ist auch
bald nach der Entdeckung von America dorthin
verpflanzt worden.

Unter den verschiedenen Rassen der Schafe sind
vor allen die spanischen, aus deren Segovien, und
dann die englische wegen ihrer ausnehmenden
Wolle; die isländischen mit vier, sechs oder
acht Hörnern; und die arabischen und ägypti-
schen mit dem großen und wohl 40 Pfund schwe-
ren Fett-Schwanze, zu merken. Die ostfrisi-
schen Marsch-Schafe sind ungehörnt; groß,
wollrecih, mit kahlen kurzen Schwänzen; fie Lü-
neburger Heidschnuken hingegen klein, und
beyde Geschlechter gehörnt. Die zwischen den
Wendezirkeln haben mehrentheils statt der krau-
sen Wolle schlichtes Ziegenhaar; und die in Süd-
africa noch überdieß lang herab hängende Ohren.

2. Ammon. das Muffelthier, (musimon Büf-
fon's mouflon .) C. cornibus arcuatis cir-
cumflexis subtus planiusculis, palearibus
laxis pilosis
.

v. Schreber tab. 268.

Auf Corsica und Sardinien, in Griechenland,
in der Barbarey; eine verwandte, weit größere
Art aber (das Argali) in Sibirien bis Kamt-
schatka und dann im nordwestlichsten America. Letz-
teres ein sehr schmackhaftes Wildbret, hat mäch-
[Seite 116] tig starken und schwere*) Hörner, und wird
von einigen Naturforschern für das Stammthier zu
unserm Schaf gehalten.

3. † Hircus. die Ziege. (Fr. la chevre. (Engl.
the goat .) C. mento barbato, cornibus ar-
cuatis, carinatis
.

Die Hausziege scheint von dem aegagrus ab-
zustammen, der im Caucasus und den daran grän-
zenden östlichen Gebirgen lebt, und in dessen
Mägen (so wie bey manchen Gattungen von An-
tilopen) zuweilen der orientalische Bezoarstein ge-
funden wird, daher das Thier selbst mit dem
Nahmen des Bezoarbocks belegt worden**). –
Die Hausziege (das wichtige Hausthier der
alten Guanchen auf den Canarischen Inseln –)
verwildert leicht wieder, und ist nun meist eben
so weit als das Schaf auf der Erde verbreitet.
– Die angorische Ziege oder das Kämmelthier
hat langes seidenartiges Haar und gibt das beste
so genannte Camelgarn, so wie aus dem äußerst
feinem Wollhaar das die schönen kleinen geradhör-
nigen Bergziegen in Kashmir und Tibet unter ih-
rem gröbern, langen Haar tragen, die allerköst-
lichsten Shawls jenem paradiesischen Wunder-
lande gewebt werden***).

4. †. Ibex. der Steinbock, capricornus. (Fr.
le bouquetin. Engl. the wild goat .) C.
[Seite 117] mento barbato, cornibus lunatis maximis,
supra nodosis, in dorsum reclinatis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1803.

In den höchsten Schneegebirgen von Savoyen,
so wie in den, sibirischen Alpen. Das Gehörn
eines bejahrten Steinbocks wiegt wohl 8 Pfund,
und hat meist eben so viel knorrichte Ringe auf
jeder Seite.

32. Antilope. Cornua caua, teretia,
annulata, vel spiralia. Dentes vt in
capris
.

Ein weitläufiges Geschlecht, wovon sich zahl-
reiche Gattungen im mittlern und südlichern, Asien,
und in Africa, zumahl aber am Cap finden.

1. †. Rupicapra. die Gemse (Fr. le chamois,
l'Izard.) A. cornibus erectis vncinatis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1803.

In den alpinischen Gegenden des mildern Eu-
ropa und westlichen Asiens. Zahm gemachte Gem-
sen sollen sich mit den Ziegen gepaart und Bastarde
erzeugt haben. Von den unverdaulichen Zasern
ihres Futters bilden sich in ihren Mägen die ehe-
dem berühmten so genannten Gemsballen, (ae-
gagropilae
).

2. Dorcas. die Gazelle. C. cornibus tereti-
bus annulatis, medio flexis, apicibus lae-
uibus approximatis
.

v. Schreber tab. 269.

Im ganzen Orient und Nordafrica. Das
schlanke flinke Thier macht, die Lieblingsjagd der
Morgenländer, und gibt ihrer Dichtersprache
das reizende Bild weiblicher Schönheit.

[Seite 118]

3. Pygarga. der Springbock, Prunkbock.
A. cornibus liratis, linea laterali faciei et
trunci fusca, clunibus albis
.

Vosmaer descr. de la Gazelle de parade.

Im Innern des südlichsten Africa, von wannen
er jährlich in Heerden von vielen tausenden gegen
das Cap und nach einigen Monathen wieder
zurück zieht.

4. Oreas. das Cudu. A. cornibus subulatis
rectis carinato-contortis, corpore griseo
.

Vosmaer descr. d'un animal appellé Canna.

In Südafrica und Ostindien. Die Form und
Länge seiner geraden Hörner ähnelt der von dem
fabelhaften Einhorn, wozu es vielleicht den An-
laß gegeben.

33. Bos. Cornua concaua, lunata, lae-
uia. Dentes vt in generibus praece-
dentibus
.

1. †. Taurus. der Ochse. (Fr. le boeuf. Engl.
the ox .) B. cornibus teretibus extrorsum
cornatis, palearibus laxis
.

Der Auerochse (vrus, bonasus, und Bison
der alten Welt) wird noch in jetzt in Polen, Li-
tauen, Sibirien gefunden wird, und ehedem auch
in Deutschland einheimisch. – Daß er die wilde
Stammrasse von unserem gezähmten Hornvieh
sey, ist doch wegen bestimmter Eigenheiten in
seinem Bau, unwahrscheinlich. – Zu den merk-
würdigsten Varietäten des domisticirten Rindviehs
gehört die halbwilde weiße Rasse mit brau-
nen oder schwarzen Ohren, auf den Ladronen,
und hin und wieder in Großbritannien: die mit
den ausnehmend großen Hörnern in Sicilien: die
gänzlich ungehörnte in einigen Provinzen von
England etc.

[Seite 119]

Hingegen scheint noch zweifelhaft, daß auch
die indische (von den Hindus heilig verehrte)
Buckelkuh, der bos indicus, oder Zebu (– v.
Schreber tab. 298. –) eine bloße Varietät die-
ser Gattung seyn solle.

In den Mägen des Rindviehs finden sich zu-
weilen Ballen aus Haaren, die sie sich abgeleckt
und eingeschluckt haben. Die ihnen eigene, furcht-
bare, pestartige Viehseuche, hat zumahl seit
1711 zuweilen lange und weit und breit grassirt.

Hingegen sind die Kuhpocken seit 1798 durch Dr.
Jenner als wohlthätiges Sicherungsmittel für
die Kinderblattern bewährt worden.

2. Buffelus. der Büffel. (Engl. the buffalo.)
B. cornibus resupinatis intortis antice planis.

v. Schreber tab. 300.

Stammt wohl ursprünglich aus Tibet, ist nun
aber nach und nach durch den größten Theil von
Asien und Nordafrica verbreitet, und wird auch
hin und wieder in Europa, wie z.B. seit dem
siebenten Jahrhundert in Italien, in Ungarn,
und auch im Salzburgischen gezogen und zum
Zuge gebraucht. Hat ein schwarzes, dünn be-
haartes Fell, das ausnehmend stark und vor-
züglich zu Schläuchen tauglich ist.

3. Grunniens. der Büffel mit dem Pferde-
schweif, Ziegenochse. B. cornibus tereti-
tibus, introrsum curuatis, vellere propen-
dente, cauda vndique iubata
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 23.

Ebenfalls in Tibet zu Hause, wird aber auch
in Hindosten als Hausthier gehalten. Kleiner
als unser Hornvieh, zeichnet sich auch außerdem
durch seine grunzende Stimme, durch sein zottiges
Ziegenhaar, und durch einen büschligen sehr
[Seite 120] langhaarigen Schwanz aus, der, wenn er schön
ist, in Indien hoch geschätzt und theuer bezahlt
wird.

4. Arni. der Riesenbüssel. B. cornibus diua-
ricatis, lunatis, longissimis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 63.

In den gebirgichten Gegenden von Nord-Hind-
ostan. Ungeheuer groß, so daß ein junger 15
Centner gewogen.

5. Bison. der nordamericanische Bison. B.
cornibus diuaricatis breuibus, iuba longissi-
ma, dorso gibboso
.

v. Schreber tab. 296.

Das größte Landthier der neuen Welt; lebt
herdenweise in den sumpfigen Wäldern des mil-
dern Nordamerica. Im Winter ist es über den
ganzen Körper behaart, im Frühjahr hingegen
wird es am Rücken und Hinterleibe kahl, und
behält bloß seine ungeheure Brust- und Nacken-
Mähne.

6. Moschatus. der Bisamstier (Fr. le boeuf
musqué
. Engl. the musk-ox) B. cornua
deflexa, basibus latissimis complanatis ad
frontem contiguis; apicibus reflexis
.

v. Schreber tab. 302.

Sein Vaterland ist bloß aufs äußerste Nord-
america im Westen der Hudsonsbay vom 66 bis
73° der Breite eingeschränkt. Ein Paar seiner
Hörner soll zuweilen über einen halben Centner
wiegen.

34. Giraffa. Cornua simplicissima
pelle tecta, fasciculo pilorum nigro ter-
minata. Dentes
primores superiores
[Seite 121] nulli; inferiores 8 spathulati, extimo
bilobo;
laniarii nulli.

1. Camelopardalis. die Giraffe.

Cptn. Carteret, in den philos. Transact.
Vol. LX. tab. I.

Im innern Africa. Sie hat, wegen ihres lan-
gen Halses, kurzen Körpers, abhängigen Rük-
kens, und wegen ihres röthlichen, schön gefleckten
Fells, ein sehr auszeichnendes Ansehen; sie soll
im Schreiten, wie die Paßgänger, immer den
Vorder- und Hinterfuß der einen Seite zugleich
heben, und daher einen sonderbaren Gang haben,
von dem die Bewegung des Springers im Schach-
spiel entlehnt worden. Sie ist, wenn sie aufrecht
steht, über sechzehn Fuß hoch.

35. Cervus. Cornua solida multifida.
Dentes vt in generibus praecedentibus

(interdum tamen laniarii solitarii supe-
riores
).

1. Alces. das Elennthier (Fr. l'elan. Engl.
the elk .) C. cornibus planis acaulibus, pal-
matis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In der ganzen nördlichen Erde (wenn anders
das nord-americanische Elenn, Fr. l'orignal,
Engl. the moose-deer*) keine eigene Gattung
macht), ist sehr hochbeinig; erreicht die Größe
vom Pferd, wiegt wohl über 1200 und sein Ge-
hörn über 50 Pfund; läßt sich zähmen und herden-
weise auf die Weide treiben. Die alten Sagen,
daß das Elennthier oft von Epilepsie befallen
werde etc. brauchen jetzt keiner weitern Widerlegung.

[Seite 122]

2. †. Dama. der Damhirsch, Tannhirsch.
(Fr. le daim. Engl. the buck, the fallow-deer.)
Cornibus subramosis compressis, summitate
palmata
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Im mildern Europa. Kleiner als der gemei-
ne Hirsch; variirt in der Farbe.

3. Tarandus. das Renthier. (rangifer. Fr.
le renne. Engl. the rein.) C. cornibus (in
vtroque sexu) longis, simplicibus, tereti-
bus, summitatibus subpalmatis, iuba gulari
pendula
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In der ganzen nördlichen Erde. Theils, wie
in Kamtschatka in Heerden von tausend und mehr
Stück; kann in wärmern Gegenden nicht aus-
dauern, lebt von dürrem Land, und vorzüglich von
Renthier-Moos, das es unter dem Schnee her-
vor scharrt. Dient zumahl den Lappländern, Sa-
mojeden, Tungusen und Koräken zur Befriedigung
aller der dringendsten Bedürfnisse des Lebens.

4. †. Elaphus. der Edel-Hirsch. (Fr. le cerf.
Engl. the stag.) C. cornibus ramosis totis
teretibus recuruatis apicibus multifidis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1794.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem Elenn,
nur unter mehr südlicher Breite. Die Zahl der
Enden seines Geweihes richtet sich nicht genau
nach dem Alter des Thiers: nach dem achten Jah-
re ist sie unbestimmt. Die größten natürlichschö-
nen Geweihe sind höchst selten von mehr als 24
wahren Enden. Der Hirsch wird ungefähr 30
Jahre oder etwas darüber alt.

[Seite 123]

5. †. Capreolus. das Reh. (Fr. le chevreuil.
Engl. the roe) C. cornibus ramosis, tere-
tibus, erectis, summitate bifida
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

In den mildern und wärmern Erdstrichen von
Europa und Asien. Das Gehörn des Rehbocks
wird zumahl nach Castration, auffalender als bey
andern Gattungen dieses Geschlechts durch son-
derbare Exostofen entstellt.

36. Moschvs. Cornua nulla. Dentes
primores vt in praecedentibus generibus;
laniarii superiores solitarii exserti.

1. Moschifer. das Bisamthier. (Fr. le musc.
Engl. the musk .) M. folliculo vmbilicali.

v. Schreber tab. 242.

In den Schwarzwäldern und bergigen Gegen-
den von, Tibet und dem südlichen Sibirien. Das
Männchen hat in der Nabelgegend einen Beutel
von der Größe eines Hühnereyes, worin sich
der Bisam, dieses wichtige Arzneymittel, sammelt.

2. Pygmaeus. das kleine guineische Rehchen.
M. supra fusco-rufus, subtus albus, vngu-
lis succenturiatis nullis
.

Seba, thes. I. tab. 45. fig. 1.

In Ostindien und auf Guinea. Das kleinste
Thier dieser Ordnung. Seine ganzen Beine sind
nur Fingers lang, und haben ungefähr die Dicke
eines Pfeifenstiels.


VII. MVLTVNGVLA (Belluae.)

Meist sehr große, aber unförmliche, borstige
oder dünn behaarte Säugethiere, mit mehr
[Seite 124] als zwey Klauen an jedem Fuß. Also mit In-
begriff der Schweine, denn auch diese haben
im Grunde vier Klauen.

37. Svs. Rostrum truncatum, promi-
nens, mobile. Dentes
primores (pleris-
que) superiores
4. conuergentes, inferi-
ores
6. prominentes; laniarii superiores
2. inferiores 2. exserti.

1. † Scrofa. das Schwein. (Fr. das wilde le
sanglier
, das zahme le cochon. Engl. jenes
the wild boar, dieses the hog .) S. dorso
setoso, cauda pilosa
.

Das wilde Schwein*) hat eine längere
Schnauze und überhaupt eine andere Form des
Schädels, kürzere aufrechte Ohren, größere
Fangzähne als das Hausschwein, auch keinen
Speck, und niemahls Finnenwürmer, und ist
fast immer von schwarzgrauer Farbe.

Wenige Thiere sind so allgemein fast über die
ganze Erde verbreitet, als das Hausschwein.

Es hat einen ungemein scharfen Geruch, und ist
beynahe ein animal omniuorum. Das Weib-
chen wirft nicht selten zwei Mahl im Jahr und
wohl ehr bis 20 Junge auf ein Mahl. – In
America, wohin die Schweine aus Europa über-
gebracht worden, sind sie theils verwildert. (Fr.
cochons marons.) Auf Cuba wurden sie mehr
als noch Ein Mahl so groß, als ihre europäischen
Stammältern; auf Cubagua arteten sie in eine
abentheuerliche Rasse aus mit Klauen, die auf
eine halbe Spanne lang waren etc. – Die schi-
nesischen (Fr. cochons de Siam) haben kürzere
[Seite 125] Beine und einen ausgeschweiften Rücken ohne
Mähne. – In Schweden und Ungarn findet sich
nicht selten eine Spielart mit ungespaltenen
Klauen, die schon den Alten bekannt war, so wie
man auch welche mit drey Klauen gesehen hat.

2. Aethiopicus. das Emgalo. (Buffon's san-
glier du cap verd
.) S. dentibus primoribus
nullis; laniariis superioribus lunatis extror-
sum curuatis; sacculis verrucosis sub oculis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 92

Im Innern von Süd-Africa. Auch auf Ma-
dagascar. Ein furchtbar wildes Thier, mit einem mäch-
tig großen Kopf, spannen-breiten Rüssel, großen
warzigen Fleischlappen unter den Augen etc.

3. Tajassu. das Nabelschwein, Bisamschwein,
(Pecari, Pakira). S. cauda nulla, folliculo
moschifero ad extremum dorsi.

v. Schreber tab. 325.

Herdenweise in den wärmsten Gegenden von
Südamerica. Wird höchstens nur 60 Pfund
schwer.

4. Babirussa*) S. dentibus laniariis superio-
ribus maximis, parallelis retrorsum arcuatis
.

v. Schreber tab. 328.

Zumahl auf den moluckischen Inseln. Lebt am
Wasser, kann sehr geschickt selbst nach ziemlich
entlegnen Inseln schwimmen. Es hält schwer,
zu bestimmen, wozu ihm die fast zirkelförmigen
großen Eckzähne des Oberkiefers dienen mögen?
beym Weibchen sind sie weit kleiner.

[Seite 126]

38. Tapir. Dentes primores vtrinque 6;
laniarii 4; palmae vngulis 4, plantae
vngulis
3.

1. Americanus. der Tapir, Anta.

v. Schreber tab. 319.

Das größte Landthier in Süd-America, von
der Statur eines mittelmäßigen Ochsen. Kopf
und Schenkel sind ungefähr wie beym Schwein;
die Oberlippe zugespitzt und sehr beweglich. Ge-
wöhnlich setzt sichs auf die Hinterfüße wie ein
Hund. Geht gern ins Wasser, schwimmt sehr
gut etc.

39. Elephas. Elephant. Proboscis lon-
gissima, prehensilis: dentes
primores su-
periores exserti
.

1. Asiaticus. E.capite elongato, fronte con-
caua, auriculis minoribus, dentium molarium
corona lineis
vndulatis parallelis distincta.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 19. fig. B.

Im südlichen Asien, vorzüglich auf Ceilan.
Ist das größte von allen Landthieren, wird wohl
15 Fuß hoch und wiegt im zwanzigsten Jahre
auf 7000 Pfund. Seine auf dem Rücken fast
Daumens dicke Haut ist doch selbst gegen In-
sectenstiche empfindlich; gewöhnlich von grauer
Farbe. Das Hauptorgan des Elephanten ist
sein Rüssel, der ihm zum Athemhohlen, zum
äußerst feinen Geruch, zum Wasserschöpfen, sein
Futter damit zu fassen und ins Maul zu stecken,
und zu vielerley andern Verrichtungen, statt
der Hände dient. Er kann ihn drey Ellen lang
ausstrecken, und bis zu anderthalb Ellen wieder
einziehen. Am Ende ist derselbe, wie mit einem
[Seite 127] biegsamen Haken versehen, und hiermit kann er
ungemein feine kunstreiche Handlungen verrich-
ten, z.B. Knoten aufknüpfen, Schnallen auflö-
sen, mehrere Stücken Geld mit Einem Mahl
aufheben u.s.w. Seine Nahrung besteht vor-
züglich aus Laub der Bäume, Reis und andern
Gräsern. Er schwimmt mit ungemeiner Leich-
tigkeit selbst durch schnelle Ströme. Bey der
Begattung soll er sich, wie die mehrsten übri-
gen Säugethiere bespringen. Das neugeworfne
Junge saugt mit dem Maule (nicht mit dem
Rüssel, wie viele gemeint haben). Ungefähr
im dritten, vierten Jahre kommen bey beyden
Geschlechtern die zwey großen Stoßzähne zum
Ausbruch, die das Elfenbein geben. Sie wer-
den wohl 7 bis 8 Fuß lang und einer derselben
kann bis auf 200 Pfund wiegen. Wahrschein-
lich wird der Elephant auf 200 Jahre alt. Am
häufigsten nutzt man ihn zum Lasttragen, da er
zum mindesten 20 Centner zu tragen, und schwe-
re Ballen etc. Berge hinauf zu wälzen im
Stande ist. Sein Gang ist gleichsam ein schnel-
les Schieben der Beine, und dabey so sicher,
daß er auch auf ungebahnten Wegen doch nicht
strauchelt.

2. Africanus. E. capite subrotundo, fronte
conuexa, auriculis amplissimis; dentium
molarium corona
rhombis distincta.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 19. fig. C.

Diese im mittlern und südlichern Africa ein-
heimische Gattung, wird jetzt höchstens nur noch
im Innern dieses Erdtheil als Hausthier gehal-
ten, im übrigen aber bloß des Fleisches und vor-
züglich des Elfenbeins wegen gefangen und ge-
schossen.

[Seite 128]

40. Rhinoceros. Nashorn. Cornu
solidum, conicum, naso insidens
.

1. Asiaticus. Rh. dentibus primoribus vtrin-
que quaternis, inferioribus conicis, superi-
oribus sublobatis;
laniariis nullis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 7. fig. B.

In Ostindien. Das bey dieser Gattung meh-
rentheils einzelne Horn sitzt bey ihm so wie das
doppelte beym afrikanischen nicht am Knochen fest,
gewachsen, sondern bloß auf demselben aufsitzend.

2. Africanus. Rh. dentibus primoribus et
laniariis nullis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 7. fig. A.

In Süd-Africa, am Cap etc. Das zweyte
Horn ist kleiner, und sitzt hinter dem erstern.

41. Hippopotamvs. Dentes primores
superiores remoti, (inferiores procum-
bentes
); laniarii inferiores incuruati,
oblique truncati
.

1. Amphibius. das Nilpferd. (am Cap See-
kuh genannt).

Buffon. Supplement vol. III. tab. 62. 63.
vol. VI tab. 4. 5.

Häufig im südlichen Africa, so wie ehedem im
Nil. Aeußerst plump, mit einem unförmlichen
großen Kopfe, ganz ungeheueren Rachen, dicken
Leibe, kurzen Beinen etc. Ein erwachsenes wiegt
wenigstens viertehalb tausend Pfund. Nährt
sich von Vegetabilien und Fischen.

VIII. PALMATA.

[Seite 129]

Säugethiere mit Schwimmfüßen, deren
Geschlechter wieder nach der Verschiedenheit
ihres Gebisses (so wie oben die Digitata)
in drey Familien zerfallen. A) Glires.
B) Ferae. C) Bruta
.

A) Glires.

Mit meißelförmigen Nagezähnen.

42. Castor. Pedes postici palmati.
Dentes primores vtrinque 2.

1. †. Fiber, der Biber. (Fr. le castor. Engl.
the beaver.) C. cauda depressa, ouata, quasi
squamosa
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 43

In der nördlichern Erde, in einsamen Gegen-
den an Land-Seen und größern Flüssen. Er
wird wegen seiner feinen Haare für die Hand-
lung, und für die Arzneykunst wegen des so ge-
nannten Bibergeils wichtig, das sich bey beyden
Geschlechtern in besondern Behältern am Ende
des Unterleibes findet. Am berühmtesten sind
aber diese Thiere durch die ausnehmende Kunst-
fertigkeit, mit welcher sie, da wo sie sich (wie im
Innern von Canada) noch in Menge beysammen
finden, ihre dauerhaften Wohnungen, besonders
aber, da wo sie es nöthig finden, die dazu ge-
hörigen bewundernswürdigen Dämme aufführen.
Denn, zugegeben, daß freylich in den Erzäh-
lungen mancher Reisebeschreiber vom Bau der
Biber vieles verschönert und übertrieben worden,
so wissen sich doch diese Thiere, nach dem ein-
[Seite 130] stimmigen Zeugniß der unverdächtigsten Beob-
achter aus ganz verschiedenen Welttheilen, da-
bey so nach zufälligen Umständen zu bequemen,
daß sie sich dadurch weit über die einförmigen
Kunsttriebe anderer Thiere erheben.

B) Ferae.

Mit dem Gebiß der reißenden Thiere.

43. Phoca. Pedes postici exporrecti, di-
giti coaliti. Dentes
primores superiores 6,
inferiores
4; laniarii solitarii.

Nebst den Thieren des vorigen Geschlechts
gleichsam die Amphibien unter den Säugethieren,
deren ganzer Körperbau darnach eingerichtet ist,
um in beyden Elementen leben zu können*).

1. Vitulina. der Seehund, die Robbe, das
Seekalb. (Fr. le veau marin. Engl. the
sealt)
P. capite laeui, auriculis nullis, cor-
pore griseo
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 73.

In den nördlichen Meeren. Ist für die finni-
schen Insulaner, so wie für die Kamtschadalen,
besonders aber für die Grönländer und für die
labradorischen Esquimos, ein äußerst wichtiges
Geschöpf: die beyden letztern Völker zumahl,
nähren sich von seinem Fleisch, kleiden sich in
[Seite 131] sein Fell, beziehen ihre Somwerhütten und Fi-
scherbothe damit etc. Sein Fang macht ihr vor-
züglichstes Geschäft, und die darin erworbene
Geschicklichkeit ihr Glück uno ihren Stolz aus.

2. Vrsina. der Seebär. P. auriculata, collo
laeui.

Buffon, Supplement vol. VI. tab. 47.

Im Sommer herdeuweise auf den Inseln des
kamtschatkischen Inselmeers, überwintert aber
vermuthlich auf den benachbarten etwas südlichern
Inseln das stillen Oceans. Lebt in Polygamie,
so daß jedes Männchen wohl dreyßig bis vier-
zig Weibchen hat, die es mit vieler Eifersucht
bewacht, und grimmig gegen seine Nebenbuhler
zu behaupten sucht*).

3. Iubata. der stellersche Seelöwe. P. auricu-
lata, collo iubato
.

buffon, Supplement vol VI. tab. 48

Im ganzen stillen Ocean. Die größte Gat-
tung dieses Geschlechts; hat den Nahmen von
der beym Männchen gewisser Maßen löwenarti-
gen Mähne.

4. Cristata. der ansonsche Seelöwe**). P.
capite antice cristato
.

anson's voyage round the world. tab. 19.

Im atlantischen sowohl als im stillen Ocean.
Nur das Männchen hat den häutigen Kamm auf
der Nase.

[Seite 132]

44. Lvtra. Palmae plantaeque natato-
riae. Dentes
primores vtrinque 6; su-
periores distincti, inferiores conferti
.

1. †. Vulgaris. die Fischrotter. (Fr. la loutre.
Engl. the otter) M. plantis nudis, cauda
corpore dimidio breuiore
.

v. Schreber tab. 126. A. B.

In den milden Gegenden der nördlichen Erde.
Die schönsten in Canada.

2. Brasiliensis. die brasilische Flußotter, der
Wasserwolf. (le Saricovienne.) L. badia,
macula alba submentali, cauda corpore di-
midio breuiore
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 93.

Diese gemeiniglich mit der folgenden verwech-
selte Gattung lebt in den Flüssen und Landseen
des östlichen und innern Südamerica.

3. Marina. die Seeotter. (Fr. le castor marin.
Engl. the sea-otter.) L. nigra, plantis pi-
losis, cauda corpore quadruplo breuiore
.

Cook's voyage to the northern hemisphere
vol. II. tab. 43.

Besonders um Kamtschatka und an der jenseiti-
gen Küste vom nordwestlichen America bis hin-
unter nach Nutka-Sund, dech auch um Corea,
und zumahl im gelben See. Ihr schwarzes und
silbergraues Fell ist für die Schinesen das kost-
barste aller Rauhwerke.

C) Brvta.

Ohne Gebiß, oder wenigstens ohne Vorder-
zähne.

[Seite 133]

45. Ornithorhynchvs Mandibu-
lae rostratae (anatinae
). Dentes nulli*).

1. Paradoxus. das Schnabelthier. (Engl.
the duck-bill.)

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 41.

Dieses so ganz abenteuerliche Geschöpf zeichnet
sich von allen bisher bekannten Saugethieren
durch die beyspiellose Bildung seiner Kinnladen
aus, die im äußern aufs vollkommenste einen
breiten platten Aentenschnabel ähneln, auch eben
so mit einer weichen nervenreichen zum Tasten
bestimmten Haut überzogen, auch an den Seiten-
rändern gezähnelt sind. Beyderley Füße sind
mit einer Schwimmhaut versehen, die an den
Vordern noch vor den Krallen hervorragt, und
sich mittelst derselben fächerartig zusammenfalten
oder ausbreiten läßt. Noch hat man an keinem
von beyden Geschlechtern eine Spur von Zitzen
gefunden. Dieses Wunderthier lebt in Land-
seen des an sonderbaren Formen seiner Ge-
schöpfe so reichen fünften Welttheils, unweit
Botanybay.

46. Trichechvs. Pedes posteriores
compedes coadunati
.

[Seite 134]

1. Rosmarus. das Wallroß. (Fr. le morse.
Engl. the walrus.) T. dentibus laniariis
superioribus
exsertis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 15.

Beym Treibeis des Nordpols: oft zu hun-
derten beysammen. Nährt sich vom Seetang
und Schalthieren, die er mit seinen Hauzähnen
loskratzt. Die alten Normannen machten ihre fast
unverwüstlichen Ankertaue von Wallroßriemen*).

2. Manatus. die Seekuh (Fr. le lamantin.)
T. dentibus laniariis inclusis.

v. Schreber tab. 80.

In Flüssen und an den Seeküsten der wärmern
Erde, z.B. häufig im Oricono. Scheint zu man-
chen der Sagen von Sirenen und Meerjungfern
Anlaß gegeben zu haben**).


IX. CETACEA.

Die ehedem so ganz widersinnig zu den
Fischen gerechneten Säugethiere***).

47. Monodon. Dentes duo maxillae
superioris exsertus longissimus, rectus,
spiralis
.

[Seite 135]

1. Narhwal. das See-Einhorn.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 44.

Meist im nördlichen atlantischen Ocean. Das
Junge hat ursprünglich zwey Zähne (in jedem
Oberkieferknochen Einen), die aber von unglei-
cher Größe sind, und beym Erwachsenen sehr sel-
ten zusammen gefunden werden, sondern gewöhn-
lich nur einer von beyden. Zuweilen so lang,
als der Körper des Thieres, d.h. wohl 18
Fuß und darüber.

48. Balaena. Dentes nulli. Laminae
loco superiorum corneae.

1. Mysticetus. der Wallfisch. (Fr. la baleine.
Engl. the black whale.) B. dorso impinni.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 94.

Das größte aller bekannten Thiere*), das
über 100000 Pfund an Gewicht hält ist theils
gegen den Nordpol, aber auch in südlichen Ge-
genden im atlantischen Ocean, und im stillen
Meere zu Hause. Die heutiges Tages gefangen
werden, sind selten über 60 bis 70 Fuß lang.
Der ungeheuere Kopf macht wohl ein Drittel des
ganzen Thieres aus. Die Haut ist meistens
schwarz oder mit weiß gemarmelt etc., hin und
wieder dünn behaart, und oft mit Muscheln
besetzt. Den kamtschadalischen Insulanern und
den nordwestlichen Americanern gibt dieses un-
geheuere Thier victus et amictus etc. Die Euro-
päer hingegen fangen den Wallfisch (wovon ein
großer 5000 Rthl. werth seyn kann) des Fisch-
thrans und besonders der Barden wegen, deren er auf
700 im Oberkiefer hat, die das Fischbein geben,
[Seite 136] und von denen die mittelsten wohl zwanzig Fuß
lang werden.

2. Boops. einer der verschiedenen Finnfische.
(Fr. la jubarte) B. pectore sulcato, pinna
dorsali obtusa
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 74.

Die Haut an Hals und Brust und Vordertheil
des Bauchs, ist bey dieser und einigen andern
Gattungen dieses Geschlechts sehr regelmäßig
nach der Länge gefurcht*).

49. Physeter. Dentes in maxilla in-
feriore
.

1. Macrocephalus. der Caschelot, Pottfisch.
(Engl. the white whale.) P. dorso impinni,
dentibus inflexis, apice acutiusculo
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 84.

Meist in den südlichen Weltmeeren; zumahl
an den Küsten von Brasilien und von Neu-
Südwallis. Er erreicht die Größe des Wallfi-
sches, hat einen ungeheuern Rachen, und kann
Klafterlange Hayfische verschlingen. Sein Ober-
kiefer ist sehr breit, der untere hingegen über-
aus schmal. Er wird vorzüglich des Wallraths
(sperma ceti) wegen aufgesucht, das in Gestalt
eines milchweißen Oehls theils im Körper des
Thiers bey dem Thran, theils aber, und zwar
in größter Menge in besondern Behältern am
[Seite 137] am Kopfe desselben, zumahl vorn auf den Oberkie-
fern gefunden wird, und an der Luft zu einem
halb durchsichtigen Talg verhärtet. Die köstliche
wohlriechende graue Ambra ist eine Stercorol-
verhärtung die sich zumahl im dicken Darm man-
cher davon erkrankender Caschelotte findet.

50. Delphinvs. Dentes in maxilla
vtraque
.

1. Phocaena. das Meerschwein, der Braun-
fisch. (tursio Plin. Fr. le marsouin. Engl.
the porpoise) D. corpore subconiformi,
dorso lato pinnato, rostro subobtuso
.

v. Schreber tab. 342.

So wie die folgende Gattung in den europäi-
schen Meeren: wird 1 1/2 Klafter lang
und ist zumahl für die Lachse ein schädliches
Raubthier.

2. Delphis. der Delphin, Tümmler. (Fr. le
dauphin
. Engl. the porpesse) D. corpore
oblongo subtereti, dorso pinnato, rostro
attenuato, acuto
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 95.

Der eigentliche Delphin der Alten.

3. Orca. der Nordcaper, Speckhauer. (Fr.
l'epaulard. Engl. the grampus.) D. pin-
na dorsi altissima; dentibus subconicis, pa-
rum incuruis
.

v. Schreber tab. 340.

Mehr im nördlichen Weltmeere, doch auch im
mittelländischen; wird 20 Fuß lang.


Fünfter Abschnitt.
Von den Vögeln.

[Seite 138]

§. 55.

Die Säugethiere zeigen in ihrer Bildung,
mithin auch in ihrer Lebensart etc. so sehr viel
Verschiedenheit, daß sich nur wenig Allgemei-
nes von ihnen überhaupt sagen läßt, und man
sich folglich bey ihrer speciellen Geschichte desto
umständlicher zu seyn gedrungen sieht. Bey
den Vögeln ist der Fall anders. Beydes,
so wohl ihre Gestalt, als auch ihre Lebensart
hat im Ganzen genommen mehr Ueberein-
stimmendes, daher man sich bey der besondern
Geschichte ihrer einzelnen Geschlechter und
Gattungen schon kürzer fassen kann.

§. 56.

Alle Vögel kommen in Rücksicht ihrer
Bildung darin mit einander überein, daß sie
zwey Füße, zwey Flügel, einen ganz oder
doch zum Theil hornigen Schnabel, und
einen mit Federn bedeckten Körper haben.
Sie zeichnen sich zugleich durch diese vier Cha-
ractere von allen andern Thieren aufs kennt-
lichste aus, und machen eine gleichsam isolirte
[Seite 139] Classe von Geschöpfen aus, die mit keiner an-
dern zusammen fließt, und sich daher in die
vermeinte Kette oder Leiter der natürlichen Kör-
per (S. 9.) nicht ohne Zwang einpassen läßt.

§. 57.

Unter jenen Charactern sind die Federn
den Vögeln ausschließlich eigen, die in regel-
mäßigen Reihen (in quincunce) in die
Haut verwachsen und mit vielem Fette durch-
zogen sind; aber in gewisser Jahreszeit, ge-
wöhnlich im Herbste, ausfallen und neue an
ihrer Statt reproducirt werden. Viele, zumahl
die meisten Wasservögel, auch die Schneehüh-
ner etc. mausern sich gar zwey Mahl im Jahr,
im Frühling und Herbst. Bey manchen Gat--
tungen hat der junge Vogel, zumahl vor der
ersten Mause (als avis hornotina) andere
Farben oder Zeichnungen des Gefieders, als
im reisern Alter. Bey manchen herrscht auch
hierin große Sexualverschiedenheit. Von den
Haaren unterscheiden sie sich besonders auch da-
durch daß sie, so viel bekannt, wenn sie be-
schnitten oder sonst verstümmelt worden, alsdann
nicht so wie diese, wieder ergänzt werden.

§. 58.

Die stärksten Federn sind in den Fittigen
und im Schwanze. Jene heißen Schwung-
federn (remiges), diese Steuerfedern
[Seite 140] (rectrices). Die Schwungfedern bilden bey
ausgespannten Flügeln gleichsam breite Fächer,
womit sich die Vögel in die Luft heben und
fliegen können. Einige wenige Vögel (aues
impennes
), wie die Pinguine etc. haben gar
keine Schwungfedern, und sind daher zum
Fluge ungeschickt. So fehlen auch einigen
Vögeln, wie dem Casuar, den Taucherchen etc.
die Steuerfedern.

§. 59.

Im innern Körperbau*) zeichnen sich
die Vögel besonders durch die merkwürdigen
Luftbehälter aus, die in ihrem Körper ver-
theilt, und vorzüglich zum Fluge von äußer-
ster Wichtigkeit sind. Die mehresten stehen
mit den Lungen, andere aber bloß mit dem
Rachen in Verbindung, und der Vogel kann
sie nach Willkür mit Luft laben oder aus-
leeren. Zu diesen Luftbehältern gehören vor-
züglich große aber zarte häutige Zellen, die
theils im Unterleibe, theils unter den Achseln
und sonst noch unter der Haut verbreitet sind,
und durchs Einathmen mittelst der Lungen
voll Luft gepumpt werden können. Außer-
[Seite 141] dem dienen den Vögeln auch gewisse mark-
leere hohle Knochen, wie die Schulter-
knocken im Flügel etc. und manchen selbst die
Hirnschale, zu ähnliche Zwecken; und endlich
sind auch die ungeheuern Schnäbel der Pfef-
ferfraße, Nashornvögel etc. ebenfalls dahin
gehörig; und selbst die Federspulen stehen mit
dem obengedachten lockern Zellgewebe in Ver-
bindung, und können gleichfalls mit Luft gefüllt
oder ausgeleert werden.

§. 60.

Durch diese merkwürdigen Einrichtungen
werden die Vögel zum Flug geschickt, bey
welchem die Geschwindigkeit so wohl als die
lang anhaltende Dauer gleich merkwürdig sind.
Nur wenige Vögel, wie der Straus, der
Casuar, die Pinguine und andere aues im-
pennes
(§. 58.) können gar nicht fliegen.

§. 61.

Der Aufenthalt der Vögel ist beynahe
eben so verschieden als der Säugethiere ihrer.
Die mehresten leben auf Bäumen, andere auf
dem Wasser, sehr wenige bloß auf der Erde:
aber kein einziger Vogel (so wie der Maul-
wurf in der vorigen, und andere Geschöpfe
in den beyden letztern Thier-Classen) bloß
unter der Erde. Die Bildung der Füße ist
auch bey den Vögeln, so wie bei den Säu-
gethieren, ihrem verschiedenen Aufenthalt an-
gemessen*).

§. 62.

[Seite 142]

Sehr viele Vögel verändern ihren Wohn-
platz zu gewissen Jahrszeiten; die meisten
zwar bloß in so fern, daß sie nur wenige Mei-
len weit in die benachbarten Gegenden strei-
chen, und bald darauf in ihre alte Heimath
zurückkehren; andere aber wie die Hausschwal-
ben, die Kraniche, Störche etc. so, daß sie im
Herbst große Wallfahrten, weit übers Meer
und über einen beträchtlichen Theil der Erdku-
gel weg, anstellen, und den Winter bis zur
Rückkehr im folgenden Frühjahre in wärmern
Zonen zubringen.

§. 63.

Kein Vogel hat Zähne, sondern diese
Thiere müssen ihre Speise entweder mit dem
Schnabel zerbeissen, oder ganz schlucken. Bey
denjenigen samenfressenden Vögeln, die ihre
Körner ganz, unzerbissen einschlucken, ge-
langen diese nicht sogleich in den Magen,
sondern werden vorher im drüsenreichen Kro-
pfe (ingluuies, prolobus) eingeweicht, und
von da nur allmählich an den Magen überlas-
sen: der bey diesen Thieren äußerst musculös,
und so stark ist, daß er sogar, nach Reau-
mur's u.a. merkwürdigen Versuchen, ver-
[Seite 143] schluckte Haselnüsse und Olivenkerne zu zerdrük-
ken und Münzen so glatt wie Papier abzu-
scheuern vermag. Sehr viele Vögel verschlu-
cken aber auch überdem noch kleine Kieselstein-
chen, die ebenfalls die Zermalmung und nach-
herige Verdauung der Speisen befördern*).
Verschiedene fleischfressende Vögel, wie die
Falken, Eulen, Eisvögel etc. können die Kno-
chen, Haare und Gräten der kleinen Thiere,
die sie verzehrt haben, nicht verdauen, son-
dern brechen sie, in eine runde Kugel (das
Gewölle) geballt, nach der Mahlzeit wieder
von sich*).

§. 64.

Zu den besondern Eigenheiten der Sinn-
werkzeuge der Vögel in Vergleichung zu den
[Seite 144] Säugethieren, gehört unter andern der Man-
gel der knorpligen zur Auffassung des Schalls
dienenden äußern Ohren; der aber, zumahl
bey den nächtlichen Raubvögeln, durch die
äußerst regelmäßige zirkelförmige Stellung und
bestimmte Richtung der Federchen in der Ge-
gend des Ohres und bey manchen derselben
auch noch überdieß durch eine bewegliche Klappe
am äußern Gehörgange, ersetzt wird.

Anm. Nur sehr wenige Vögel, die Enten nähmlich
u.a. verwandte Gattungen, scheinen den wirk-
lichen Sinn des Tastens (d.h. des Gefühls im
engern Verstande) zu besitzen; und das Organ
dazu ist wohl die welche Bedeckung ihres Schna-
bels, die mit ausnehmend starken Hautnerven
versehen, und beym lebendigen Thier äußerst
empfindlich ist. Auch siebt man, wie die Enten
in den Pfützen, wo sie bey Aufsuchung des Fraßes
weder dem Gesichte, noch dem Geruche nachgeben
können, mit dem Schnabel wirklich sondiren.

§. 65.

Die Stimme ist zumahl bey den kleinen
so genannten Sangvögeln mannigfaltig und
anmuthig, doch darf man nicht sowohl sagen,
daß sie singen (– denn natürlicher Gesang
ist ein ausschließliches Vorrecht des Menschen
–) als, daß sie pfeifen. Außer den abge-
dachten Luftbehältern (§. 59.) kommt ihnen
dazu vorzüglich die Einrichtung ihres Kehl-
kopfs (larynx) zu Statten, der bey den
Vögeln nicht bloß, so wie den Säugethieren
und Amphibien, am obern Ende, nähmlich an
[Seite 145] der Zungenwurzel befindlich, sondern gleichsam
in zwey abgesonderte Hälften an die beyden En-
den der Luftröhre vertheilt ist. Die Papa-
geyen, Raben, Stahre, Dompfaffen etc. hat
man die Menschenstimme nachahmen und
Worte aussprechen gelehrt: so wie auch die
Sangvögel im Käficht leicht fremden Gesang
annehmen, Lieder pfeifen lernen, und sich sogar
zum Accompagnement abrichten lassen, so, daß
man mit mehreren Dompfaffen zugleich schon
wirklich kleine Concerte hat geben können. Ue-
berhaupt aber scheint auch der Waldgesang der
Sangvögel doch erst durch Uebung und Nach-
ahmung recht ausgebildet zu werden.

§. 66.

Die mehresten Vögel begatten sich im
Frühjahr; manche aber, wie der Kreuzschnabel
in der kältesten Jahrszeit nach Weihnachten.
Das Hausgeflügel ist gar an keine bestimmte
Zeit gebunden, sondern läßt sich Jahr aus
Jahr ein zu diesem Geschäft willig finden.
Manche halten sich nur zur Begattungszeit,
andere aber, wie die Tauben und Hausschwal-
ben, für immer paarweise zusammen: noch an-
dere aber leben, wie die Haushahn, und unter
den wilden Vögeln der Straus, in Polygamie.

§. 67.

Das befruchtete Weibchen wird vom In-
stinct getrieben, für die Zukunft zu sorgen,
[Seite 146] und zu nisten, wovon eigentlich vielleicht
außer dem Kuckuck wohl nur sehr wenige andre,
z.B. die Nachtschwalbe ausgenommen sind.
Bey den polygyniischen Vögeln, wie bey den
Hühnerarten, nimmt das Männchen gar kei-
nen Antheil an diesem Geschäfte; bey denen
aber, die sich paarweise zusammen halten, zu-
mahl unter den Sangvögeln, trägt es doch
Baumaterialien herbey, und verpflegt sein
Weibchen während ihrer Arbeit.

§. 68.

Die Auswahl des Ortes, an dem jede
Gattung ihr Nest anlegt, ist ihren Bedürfnis-
sen und ihrer ganzen Lebensart aufs genaueste
angemessen. Und eben so sorgfältig wählt auch
jede Gattung die Baumaterialien zu ihrem
Neste.

§. 69.

Die Form der Nester ist bald mehr bald
minder künstlich Manche Vögel, wie die
Schnepfen, Trappen, Kibitze etc. machen sich
bloß ein dürres Lager von Reisholz, Stroh-
halmen etc. auf der platten Erde: andere tragen
sich nur ein welches kunstloses Bett in Löcher
der Mauern, Felsenritzen und hohlen Bäume;
so die Spechte Heber, Dohlen, Sperlinge etc.
Sehr viele, zumahl unter den Hühnern, Tau-
ben und Sangvögeln, geben ihrem Neste die
Gestalt einer Halbkugel oder einer Schüssel:
[Seite 147] andere, wie der Zaunkönig, ungefähr die Form
eines Backofens: noch andere, wie manche
Meisen, Kernbeißer etc. die von einem Beutel
u.s.w.*)

§. 70.

Wenn endlich das Geschäft des Nester-
baues vollendet ist, so legt die Mutter ihre
Eyer hinein; deren Anzahl bey den verschie-
denen Gattungen der Vögel sehr verschie-
denen Gattungen der Vögel sehr verschieden
ist. Viele Wasservögel z.B. legen jedes
Mahl nur ein einziges Ey; die Taucherchen
und mehresten Tauben ihrer zwey; die Möven
dreye; die Raben viere; die Finken fünfe; die
Schwalben sechs bis acht; die Rebhühner
und Wachteln vierzehn; das Haushuhn aber,
besonders wenn man ihm die Eyer nach und
nach wegnimmt**), bis fünfzig und darüber.
Zuweilen geben auch manche Vögel, ohne vor-
her gegangene Befruchtung, Eyer von sich,
die aber zum Brüten untauglich sind und
Windeyer (oua subuentanea, cynosura,
zephyria, hypenemia
) heißen.

§. 71.

[Seite 148]

Die Ausbildung des jungen Thieres, die
bey den Säugethieren noch im Mutterleibe
vollzogen wird, muß hingegen bey den Vögeln
im schon gelegten Ey, mittelst des Brütens
bewirkt werden. Nur der Kuckuck brütet seine
Eyer nie selbst aus, sondern überläßt es den
Grasmücken oder Bachstelzen etc. in deren Nest
er sein Ey gelegt hat. Hingegen weiß man,
daß selbst Copaunen und Hunde, und sogar
Menschen Vogeleyer ausgebrütet haben*).
Auch bloß durch künstliche Wärme, und erhitz-
ten Mist**), und durch Lampenfeuer in so ge-
nannten Brt-Maschinen***) und in Brüt-
öfen, kann man leicht Hühnchen auskriechen las-
sen. – Die Vögel werden durchs anhaltende
[Seite 149] Brüten abgemattet, und nur bey solchen, die
sich paarweise zusammen halten, wie bey den
Tauben, Schwalben etc. nimmt auch das
Männchen an diesem Geschäfte Antheil. Die
Hähne unter den Canarienvögeln, Hänflingen,
Stieglitzen etc. überlassen zwar das Brüten bloß
ihren Weibchen, versorgen sie doch aber wäh-
rend der Zeit mit Futter und ätzen sie theils
aus dem Kropfe.

§. 72.

Während des Brütens geht nun im Eye
selbst die große Veränderung vor, daß das
Küchelchen darin allmählig gebildet, und von
Tag zu Tag mehr zur Reise gebracht wird*).
Zu dieser Absicht ist nicht nur der Dotter
überhaupt specifisch leichter als das Eyweiß,
sondern auch wiederum diejenige Stelle auf
seiner Oberfläche (der so genannte Hahnen-
tritt, cicatricula), neben welcher das künftige
Hühnchen zu liegen kommt, selbst noch leichter
als die entgegen gesetzte Seite, so daß folglich
bey jeder Lage des Eyes doch immer jene
Stelle dem Leibe des bebrütenden Vogels
zugekehrt ist. Die erste Spur des neuen
Küchelchens zeiget sich immer erst eine geraume
Zeit nachdem das Brüten seinen Anfang ge-
[Seite 150] nommen. Beym Hühnerey z.B. kaum vor
Ende des ersten Tages: so wie am Ende des
zweyten das berühmte Schauspiel der ersten
Bewegung des dann noch sehr unvollkommnen
Herzchens (das punctum saliens) seinen An-
fang nimmt. Zu Ende des fünften Tages
sieht man schon das ganze kleine gallertartige
Geschöpf sich bewegen. Am vierzehnten bre-
chen die Federn aus; zu Anfang des fünfzehn-
ten schnappt das Hühnchen schon nach Lust;
und ist am neunzehnten Tage im Stande einen
Laut von sich zu geben.

Anm. Beym Vogel im Ey ist die erste Gestalt, worin
er sich zeigt, unendlich mehr von seiner nachmah-
ligen Form, wenn er zum Auskriechen reif wird,
verschieden, als die früheste Gestalt des neu-
empfangenen Säugethiers von seiner nachherigen
Bildung. Man kann sagen, das Küchelchen
im Eye gelangt erst durch eine Art von Metamor-
phose zu seiner vollkommenen Gestalt, und das
sowohl in Rücksicht einzelner Eingeweide (z.B.
des Herzens) als in der Totalbildung.

§. 73.

Unter den mancherley zur bewunderungs-
würdigen Oeconomie des bebrüteten Küchelchens
dienenden Organen, sind die beyden allerwich-
tigsten zwey, sehr gefäßreiche Membranen, die
zumahl um die Mitte der Brützeit in ganz
ausnehmender Schönheit sich zeigen. –
Nämlich die Nabelhaut (chorion) die
dann unter der Eyerschale ausgebreitet ist;
[Seite 151] und die Dotterhaut (membrana valuulosa
vitelli
), die mit dem Darmcanal des zarten
Geschöpfs zusammenhängt. – Jene dient ihm
statt der Lungen zum so genannten phlogistischen
Proceß (– S. 37 u.f. –) und diese zur Er-
nährung mittelst des Dotters, der allgemach
durch das sich ihm beymischende Eyweiß ver-
dünnt wird. (– Abbild. n. h. Gegenst.
tab. 34. –)

§. 74.

Jede Gattung Vögel hat zwar ihre be-
stimmte Brütezeit von verschiedener Länge, die
aber doch nach Verschiedenheit des Clima und
der wärmern oder kältern Witterung verzögert
oder beschleunigt wird. Beym Huhn ist das
Küchelchen gewöhnlich zu Ende des ein und
zwanzigsten Tages zum Auskriechen aus dem
Eye reif.

§. 75.

Die jungen Vögel werden einige Zeit von
der Mutter, und bey denen, die in Monoga-
mie leben, auch vom Vater, mit vieler Zärt-
lichkeit gefüttert, und zumahl bey den mehre-
sten körnerfressenden aus dem Kropfe geätzt,
bis sie erwachsen, und für ihren eige-
nen Unterhalt zu sorgen im Stande sind.

§. 76.

Die Vögel erreichen, nach Verhältniß ih-
rer körperlichen Größe, und in Vergleich mit
[Seite 152] den Säugethieren, ein sehr hohes Alter, und
man weiß, daß selbst in der Gefangenschaft
Adler und Papageyen über hundert, Buchsin-
ken, Stieglitze über 24 Jahre etc. leben können.

§. 77.

Die Vögel sind für die Haushaltung der
Natur im Großen ungemein wichtige Geschö-
pfe, obgleich ihre unmittelbare Brauchbar-
keit fürs Menschengeschlecht ohne Vergleich
einfacher ist, als der Säugethiere ihre. Sie
vertilgen unzählige Insecten, und das un-
bedingte Wegfangen mancher vermeintlich schäd-
lichen Vögel, der Sperlinge, Krähen etc. in
manchen Gegenden, hat meist eine ungleich
schädlichere Vermehrung des Ungeziefers nach
sich gezogen. Andere verzehren größere
Thiere, Feldmäuse, Schlangen, Frösche,
Eidexen etc. oder Aeser. Viele helfen Unkraut
ausrotten. Von der andern Seite wird
auch die Vermehrung und Fortpflanzung
der Thiere so wohl, als der Gewächse, durch
Vögel befördert. So weiß man z.B., daß
die wilden Gänse bey ihren Zügen befruchteten
Fischrogen in entfernte Teiche übertragen, und
sie dadurch zuweilen fischreich machen. Sehr
viele Vögel verschlucken Samenkörner, die sie
nachher wieder ganz von sich geben, und da-
durch die Verbreitung derselben befördern: so
z.B. die Tauben auf Banda die Muscatnüsse etc.
[Seite 153] Der Mist der Seevögel düngt kahle Felsen-
klippen und Küsten, daß nachher nützliche Ge-
wächse da fortkommen können. Manche Fal-
kengattungen lassen sich zur Jagd, so wie die
Scharben zum Fischfang, abrichten etc. So
sehr viele Vögel, ihre Eyer, ihr Fett etc. dienen
zur Speise. Die ganzen Felle der Seevögel
zur Kleidung mancher der nördlichsten Völker.
Die Federn zum Füllen der Betten, zum
Schreiben, und zu mancherley theils kostbaren
Putz, so wie auch bey vielen wilden Völkern,
zumahl auf den Inseln des stillen Oceans, ei-
nen wichtigen Handelsartikel ausmachen.

§. 78.

Der Schade, den die Vögel stiften, läßt
sich fast gänzlich auf die Vertilgung nutzba-
rer Thiere und Gewächse zurück bringen.
Der Condor, der Lämmergeyer u.a. Raubvö-
gel tödten Kälber, Ziegen, Schafe etc. Der
Fischadler und so viele Wasservögel sind den
Fischen und ihrem Leich so wie die Habichte,
Sperber, Aelstern etc. dem Hausgeflügel ge-
fährlich. Die Sperlinge und andere kleine
Sangvögel schaden der Saat, den Weintrau-
ben und Obstbäumen u.s.w. Und endlich wer-
den freylich nicht bloß brauchbare Gewächse,
sondern auch eben so wohl wucherndes Unkraut
durch die Vogel verpflanzt. Giftige Thiere
finden sich aber in dieser Classe von Thieren
eben so wenig, als in der vorigen.

§. 79.

[Seite 154]

Da die Bildung der Vögel, im Ganzen
genommen, ziemlich einförmig ist, und gewisse
Theile ihres Körpers, wie der Schnabel und
die Füße, die sich auf ihre ganze Lebensart,
Nahrung etc. beziehen, schon an sich so viel von
ihrem Total-Habitus bestimmen; so haben die
mehresten Ornithologen auch ihre Classification
auf die Verschiedenheit des einen, oder des
andern von den genannten Theilen gegründet;
Klein z.B. auf die Bildung der Zehen,
Möhring auf die Bedeckung der Beine,
Brisson auf beydes in Verbindung mit der
Beschaffenheit des Schnabels u.s.w. Linné
nimmt in dem Plan seines Systems der Vögel
auch auf die Bildung mehrerer Theile zugleich
und so ziemlich auf den ganzen Habitus, Rück-
sicht; nur scheint er sich in der Ausführung
zuweilen vergessen zu haben: wenigstens be-
greift man nicht, wie Papageyen, Colibrite
und Krähen bey ihm in eine Ordnung ver-
bunden, hingegen Tauben und Hühner in zwey
Ordnungen von einander gerissen, und mehr
Verbindungen oder Trennungen dieser Art zu-
gelassen werden dursten.

§. 80.

Ich habe mir also hier einige Abänderung
von dem Linnéischen System erlaubt, und die
ganze Classe in folgende neun Ordnungen
abzutheilen versucht.

A) Landvögel.

[Seite 155]

I. Accipitres. Die Raubvögel: mit krum-
men starken Schnäbeln meist mit kurzen
starken, knorrigen Füßen, und großen,
gebogenen, scharfen Klauen.

II. Leuirostres. Mit kurzen Füßen, und
meist sehr großen, dicken, aber mehrentheils
hohlen und daher sehr leichten Schnäbeln,
Papageyen, Tucane etc.

III. Pici. Mit kurzen Füßen, mittelmäßig
langen und schmalen Schnäbeln, und theils
wurmförmiger, theils fadenförmiger Zunge.
Wendehals, Spechte, Baumkletten, Co-
librite etc.

IV. Coraces. Mit kurzen Füßen, mittelmäßig
langem, und ziemlich starkem, oben erha-
benem Schnabel. Raben, Krähen etc.

V. Passeres. Die so genannten Sangvögel
nebst den Schwalben etc. Sie haben kurze
Füße, und einen mehr oder weniger kegel-
förmigen, zugespitzten Schnabel, von ver-
schiedener Länge und Dicke.

VI. Gallinae. Vögel mit kurzen Füßen,
oben etwas erhabenem Schnabel, der an
der Wurzel mit einer fleischigen Haut be-
wachsen ist. Auch die Tauben habe ich
unter diese Ordnung gebracht, da sie bey
weiten mehr mit den Hühnern als mit den
Sangvögeln, denen sie Linné zugesellte,
verwandt sind.

[Seite 156]

VII. Struthiones. Die großen, zum Flug
ungeschickten Landvögel. Der Straus, Ca-
suar und Dudu.

B) Wasservögel.

VIII. Grallae. Sumpfvögel, mit langen
Füßen, langem, fast walzenförmigem
Schnabel, und meistens langem Halse.

IX. Anseres. Schwimmvögel mit Ruder-
süßen, einem stumpfen, mit Haut über-
zogenen, am Rande meist gezähnelten
Schnabel, der sich an der Spitze des Ober-
kiefers mit einem Häkchen endigt.

* * *

Zur N. G. der Vögel.

  1. Conr. Gesneri historiae animalium L. III. qui est
    de auium natura.
    Tiguri
    . 1555. fol.
  2. Ulyss. Aldrovandi ornithologia. Bonon. 1599. sq.
    Vol. III. fol.
  3. F. Willughby ornithologiae L. III. ex ed, Raji.
    Lond. 1676. fol.
  4. Jo. Raji synopsis methodica auium. ib. 1713. 8.
  5. J. Edward's natural history of birds. Lond.
    1743. sq. Vol. IV. 4.
  6. Ej. gleanings of natural history. ib. 1758. sq. Vol. III. 4
    Brisson ornithologie. Paris 1760. Vol. VI. 4.
  7. Buffon.
  8. Daubenton planches des oiseaux. Paris 1775. sq. fol.
    (1008 Bl.)
  9. Th. Pennant's genera of birds. Lond. 1781. 4.
  10. Ej. arctic zoology. II. Band. ib. 1784. 4.
  11. (Jo. Latham's) general synopsis of birds ib. 1781.
    Vol. VI. 4. und das Supplement dazu. ib. 1787.
  12. F. M. Daudin Traité elementaire et complet d'or-
    nithologie.
    Par. 1800. Vol. II. 4.
* * *
[Seite 157]
  1. Joh. Leonh. Frisch. Vorstellung der Vögel in Deutsch-
    land. Berlin, 1733. bis 1763. Fol. (242 Taf.)
  2. J. M. Becksteins gemeinnützige N. G. Deutschlands
    II. IV. B. Leipzig, 1791. 8.
  3. Dess. ornithologisches Taschenbuch von und für Deutsch-
    land. Leipz.. 1802. u. f. III. Th. kl. 8.
  4. J. P. A. Leislers Nachträge zu Bechsteins R. G.
    Deutschlands 1. H. Hanau. 1812. 8.
  5. J. Wolf u. J Fr. Frauenholz Abbildungen u. Be-
    schreibungen der in Franken brütenden Vögel.
    Nürnb. seit 1799. Fol. u. 4.
  6. Teutsche Ornithologie, herausgeg. von Borkhausen,
    Lichthammer und Becker dem Jüng. Darmst.
    seit 1800. Fol.
  7. Tasschenbuch der deutschen Vögel-Kunde, oder kurze
    Beschreibung aller Vögel Deutschlands, von
    Meyer u. Wolf. Frankf. a. M. 1810. II. B. 8.
  8. Corn. Nozemann Nederlandsche Vogelen, door
    Chr. Sepp en Zoon. Amst. 1770. sq. fol.
  9. Marc. Catesby natural history of Carolina. Lond.
    1731. Vol. II. fol.
  10. Andr. Sparrmann museum Carlsonianum. Holm.
    1786. Fasc. II. fol.

[Seite 158]

Erst also die Landvögel in VII. Ord-
nungen.

I. ACCIPITRES.

Fast alle mit kurzen, starken Füßen, großen,
scharfen Krallen und starkem, gekrümmtem
Schnabel, der meist oben auf der Seite in
zwey stumpfe, schneidende Spitzen ausläuft,
und an der Wurzel mehrentheils mit einer
fleischigen Haut (cera) bedeckt ist. Sie näh-
ren sich theils von Aas, theils vom Raube le-
bendiger Thiere, leben in Monogamie, nisten
an erhabenen Orten, und haben ein wildern-
des, widerliches Fleisch.

1. Vultur. Geyer Rostrum rectum,
apice aduncum: plerisque caput et col-
lum impenne. Lingua bifida.

1. Gryphus der Condor, Cuntur. V. ca-
runcula verticali longitudine capitis.

de Humboldt Recuiel d'observations de
Zoologie.
tab
. 8. 9.

Hauptsächlich im westlichen Südamerica. Hält
mit ausgespannten Flügeln auf 15 Fuß in die
Breite, und feine Schwungfedern sind am Kiel
wohl fingersdick. Er ist schwarzbraun von Farbe
mit einem weißen Halskragen. Nistet zumahl
an felsigen Ufern, fliegt ausnehmend hoch, lebt
meist vom Raube unter den Viehherden, und
von den todten Fischen, die die See auswirft.

[Seite 159]

2. Papa. der Geyerkönig, Ruttengeyer, Son-
nengeyer. V. naribus carunculatis, vertice
colloque denudato
.

Buffon, oiseaux. Vol. I. tab. 6.

In Westindien und Südamerica. Nur von
der Größe eines welschen Huhns; zumahl am
Kopf von schönen gelben, rothen und schwarzen
Farben, mit langen, fleischigen Lappen über
dem Schnabel. Kann den nakten Hals ganz in
den dickgefiederten Schulterkragen einziehen.

3. †. Barbatus. der Lämmergeyer, Bart-
geyer, Goldgeyer, Jochgeyer. V. rostri
dorso versus apicem gibboso, mento barbato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 85.

In den Tyroler- und Schweizer-Alpen; auch
in Sibirien und Habessinien. Der größte euro-
päische Vogel, dessen ausgespannte Flügel bey
10 Fuß messen, und der sich vorzüglich durch sei-
nen starkhaarigen Bart, und durch den befiederten
Kopf, besonders aber durch den gewölbten Rüc-
ken vorn am Oberschnabel von andern Geyern
auszeichnet*).

4. Percnopterus. der Aasgeyer. V. remigi-
bus nigris margine exteriore practer ex-
timas, canis.

Besonders häufig in Palästina, Arabien und
Aegypten. Verzehrt unzählige Feldmäuse, Am-
phibien etc. Die alten Aegyptier haben diesen
Vogel, so wie einige andere ihnen vorzüglich
nutzbare Thiere, heilig gehalten, und ihn häufig
[Seite 160] in ihrer Bilderschrift auf Obelisken, Mumienbe-
kleidungen u.s.w. vorgestellt.

2. Falco. (Span. Açor.) Rostrum
aduncum, basi cera instructum; caput
pennis tectum; lingua bifida
.

1. Serpentarius. der Secretär. (sagittarius,
Fr. le messager) F. cera alba, cruribus
longissimis, crista ceruicali pendula, rectri-
cibus intermediis elongatis
.

Abbild. n.h. Gegenst. tab. 55.

Vom Cap landeinwärts, auch auf den Philip-
pinen. Mit langen Beinen, wie ein Sumpf-
vogel*).

2. †. Melanaëtus der schwarzbraune Adler.
(Buffon's aigle commun , Engl. the black
eagle)
F. cera lutea, pedibusque semila-
natis, corpore ferrugineo-nigricante, striis
flauis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

In Europa. Beträchtlich kleiner als der
folgende.

3. †. Chrysaëtos. der Goldadler, Steinadler.
(Buffon's grand aigle, Engl. the golden
eagle
.) F. cera lutea, pedibus lanatis
luteo-ferrugineis, corpore fusco ferrugineo
vario, cauda nigra, basi cinereo vndulata.

Buffon Vol. I. tab I.

[Seite 161]

Im gebirgigen Europa. Nistet auf hohen
Felsen und versorgt seine Junge mit Wildpret
von Hasen, Gemsen etc.

4. †. Ossifragus. der Fischadler, der Bein-
brecher (Fr. l'orfraie, Engl. the sea-
eagle, the osprey
.) F. cera lutea pedibusque
semilanatis, corpore ferrugineo, rectrici-
bus latere interiore albis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1801.

An den europäischen Küsten, auch in Nordame-
rica und theils auf der Südsee. Fast von der
Größe des Goldadlers. Lebt fast bloß von
Fischen.

5. †. Haliaëtus. der Entenstößer, Moosweih.
(Fr. le balbuzard, Engl. the osprey .) F.
cera pedibusque caeruleis, corpore supra
fusco, subtus albo, capite albido.

Buffon Vol. I. tab. 2.

Mehr an den Ufern der Flüsse als an den See-
küsten. Ist oft mit dem Fischadler verwechselt
worden.

6. †. Milvus. die Weihe, der Gabelgeyer,
Milan, Scheerschwänzel, Schwalben-
schwanz, Taubenfalke. (Fr. le milan, Engl.
the kite.) F. cera flaua, cauda forsicata,
corpore ferrugineo, capite albidiore
.

Frisch tab. 72.

Fast in der ganzen alten Welt.

7. Gentilis. der Edelfalke. (Fr. le faucon,
Engl. the falcon .) F. cera pedibusque flauis,
corpore cinereo maculis fuscis, cauda fasciis
quatuor nigricantibus
.

Frisch tab. 74.

[Seite 162]

In gebirgigen Gegenden der nördlichen Erde;
variirt in zahlreichen Spielarten, deren einige
auch von manchen für besondere Gattungen an-
genommen werden. Wird vorzüglich (so wie
freylich die folgende und andere verwandte Gattungen
dieses Geschlechts auch) zum Fang kleiner Säu-
gethiere und Vögel, namentlich in den Mor-
genländern zur Gazellenjagd, und in Europa
zur Reiherbeitze abgerichtet.

8. †. Palumbarius. der Habicht, Tauben-
falke. (accipiter. Fr. l'autour, Engl. The
goosehawk
.) F. cera nigra, margine pedi-
busque flauis, corpore fusco, rectricibus
fasciis pallidis, superciliis albis.

Frisch tab. 81. 82.

Hat meist gleiche Heimath mit der vorigen
Gattung.

9. †. Nisus. der Sperber, Vogelfalke. (Fr.
l'épervier, Engl. the sparrow hawk .) F. cera
viridi, pedibus flauis, abdomine albo griseo
vndulato, cauda fasciis nigricantibus
.

Frisch tab. 90. 91. 92.

In Europa.

3. Strix. Eule. Rostrum breue, adun-
cum, nudum absque cera; nares barba-
tae; caput grande; lingua bifida; pedes
digito versatili; remiges aliquot serratae
.

1. †. Bubo. der Uhu, Schubut, die Ohreule.
(Fr. le grand duc. Engl. the great horn-
owl, the eagle-owl
.) S. auribus pennatis
iridibus croceis, corpore rufo
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795.

[Seite 163]

Das größte Thier seines Geschlechts. Im
mildern Europa und westlichen Asien.

2. Nictea. die Schnee-Eule, Harfang. S.
capite laeui, corpore albido, maculis luna-
tis distantibus fuscis.

Abbild. n.h. Gegenst. tab. 75.

In der nördlichsten Erde. Ein prachtvolles
Thier.

3. †. Flammea. die Schleiereule, Kircheneule,
Thurmeule. (Fr. l'effraie). S. corpora luteo
punctis albis, subtus albido punctis nigri-
cantibus.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In den gemäsigtern Zonen der alten und
neuen Welt. Von ausnehmend schönem und
sanftem Gefieder.

4. Passerina. das Käutzlein (Fr. la che-
vêche
, Engl. the little owl ) S. capite laeui,
remigibus maculis albis quinque ordinum
.

Frisch tab. 100.

In Europa und Nordamerica.

4. Lanivs. Rostrum rectiusculum, dente
vtrinque versus apicem, basi nudum;
lingua lacera
.

1. †. Excubitor. der Würger, Bergälster.
(Fr. la pie-grieche grise, Engl. the great
[Seite 164] shrike .) L. cauda cuneiformi, lateribus alba,
dorso cano, alis nigris macula alba
.

Frisch tab. 59.

In Europa und Nordamerica. Ahmt, so wie
die folgende Gattung, andrer Vögel Stimme
sehr geschickt nach.

2. †. Collurio. der Neuntödter. (Fr. l'ecor-
cheur
, Engl. the red-backed shrike .) L.
cauda subcuneiformi, dorso griseo, rectri-
cibus quatuor intermediis vnicoloribus, ro-
stro plumbeo
.

Frisch tab. 60.

In Europa Nährt sich hauptsächlich von In-
secten, zumahl Käfern, Grashüpfern etc. die er
zum Vorrath an Schwarzdorn und anderes dor-
niges Gebüsche anspießt.


II. LEVIROSTRES.

Die Vögel dieser Ordnung sind fast bloß
den wärmsten Erdstrichen eigen, und werden
durch die theils sehr großen, dicken, aber in
Verhältniß meist sehr leichten Schnäbel, kennt-
lich, deren oben (§. 59.), bey Gelegenheit der
Luftbehälter gedacht worden.

5. Psittacvs. Papagey, Sittig.
(Fr. perroquet, Engl. parrot) Mandibula
superior adunca, cera instructa; lingua
carnosa, integra. Pedes scansorii
*).

[Seite 165]

Merkwürdig ist, daß manche einzelne Gat-
tungen dieses Geschlechts eine so überaus einge-
schränkte Heimath haben, daß sich, z.B. auf
den Philippinen, verschiedene derselben bloß
einzig und allein auf der einen oder andern Insel,
und hingegen nie auf den noch so nahe liegenden,
benachbarten finden. Ueberhaupt haben die Pa-
pageyen viel auszeichnendes, Eigenes in ihrem
Betragen. Sie wissen sich z.B. ihrer Füße fast
wie Hände zu bedienen, bringen ihre Speise da-
mit zum Munde, krauen sich damit hinter den
Ohren, und wenn sie auf dem Boden gehen, so
treten sie, nicht wie andere Vögel bloß mit den
Krallen, sondern mit der ganzen Ferse auf etc.
Ihr bakenförmiger Oberschnabel ist eingelenkt und
sehr beweglich, und nutzt ihnen zuweilen fast
statt eines dritten Fußes zum Klettern, Anhal-
ten u.s.w. Beyde Geschlechter lernen leicht
Worte nachsprechen, und manche hat man, wenn
gleich höchst selten, sogar singen gelehrt.

1. Macao. der Aras, indianische Rabe.
(Aracanga ). P. macrourus ruber, remi-
gibus supra caeruleis, subtus rutis, genis
nudis rugosis
.

Edwards's birds tab. 158.

In Südamerica

2. Alexandri. P. macrourus viridis, collari
pectoreque rubro, gula nigra.

Edwards l. c. tab. 292.

In Ostindien.

3. Cristatus. der Cacadu. P. brachyurus,
crista plicatili flaua.

Frisch tab. 50.

In Ostindien, zumahl auf den Molucken.

[Seite 166]

4. Erithacus. der Jaco, aschgraue Papagey.
P. brachyurus canus, temporibus nudis
albis, cauda coccinea
.

Frisch tab. 51.

Auf Guineea, Congo und Angola.

5. Ochrocephalus (Fr. l'amazone à tête jaune.)
P. viridis, vertice flauo, tectricibus alarum
puniceis, remigibus ex viridi, nigro, vio-
laceo et rubro variis, rectricibus duabus
extimis basi intus rubris
.

Daubenton Pl. 312.

In Westindien etc.

6. Pullarius. (Fr. l'inseparable.) P. brachyu-
rus viridis, fronte rubra, cauda fulua fascia
nigra, orbitis cinereis
.

Frisch tab. 54. fig. 1.

Auf Guinea und in Ostindien. Nicht viel
größer als ein Blutfink. Hat den französischen
Nahmen von der irrigen Sage als ob er immer
Paarweis gehalten werden müßte weil keiner den
Verlust seines Gatten überleben könnte.

6. Ramphastos. Tukan, Pfefferfras.
Rostrum maximum, inane, extrorsum
serratum, apice incuruatum. Pedes
scansorii plerisque
.

Der ungeheuere Schnabel, der alle Gattungen
dieses sonderbaren Geschlechts südamericanischer
Vögel auszeichnet, ist ausnehmend leicht, und
von ungemein welchem Horn. Ihre Zunge ist
eine halbe Spanne lang, wie von Fischbein, an
der Wurzel kaum eine Linie breit, und an den
Seiten vorwärts gezasert. Das Gefieder variirt
sehr, nach der Verschiedenheit der beyden Ge-
schlechter, auch nach dem Alter etc.

[Seite 167]

1. Tucanus. R. nigricans, rostro flauescente,
versus basin fascia nigra, fascia abdominal flaua
.

7. Bvceros. Der Nashornvogel, Ca-
lao. (hydrocorax.) Rostrum maximum,
inane, ad basin versus frontem recurua-
tum; pedes gressorii
.

Die sämmtlichen Gattungen dieses ebenfalls
abentheuerlich gebildeten Geschlechts, sind in Ost-
indien und Neu-Holland zu Hause.

1. Rhinoceros. B. processu rostri frontali re-
curuato
.

Abbild. n.h. Gegenst. tab. 24.


III. PICI.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze
Füße, und meist einen geraden, nicht dicken
Schnabel von mittelmäßiger Länge.

8. Picvs. Specht (Fr. pic. Engl. wood-
pecker
.) Rostrum polyedrum, apice cu-
neato; lingua teres lumbriciformis, lon-
gissima, mucronata, apice retrorsum
aculeato; pedes scansorii
.

Die Spechte haben vorzüglich den sonderbaren
Bau der Zunge, daß sich das Zungenbein in
zwey lange grätenförmige Knorpel verläuft, die
von hinten nach vorn über den ganzen Hirnschä-
del unter der Haut liegen, und sich an der Stirne
nahe an der Schnabelwurzel endigen. Diese
Knorpel sind also gleichsam elastische Federn, mit-
[Seite 168] telst welcher diese Vögel ihre wurmförmige Zunge
desto leichter hervorschießen, und an der hornigen
Spitze derselben Insecten anspießen können.

1. †. Martius, der Schwarzspecht, gemeine
Specht, die Hohlkrähe. P. niger, vertice
coccineo
.

Frisch tab. 34. fig. 1.

Nebst den folgenden Gattungen im mildern Eu-
ropa und nördlichen Asien.

2. †. Viridis. der Grünsprecht, Grasspecht.
P. viridis, vertice coccineo.

Frisch tab. 35.

3. †. Maior. Der große Bunt- oder Roth-
specht. P. albo nigroque varius, occipite
rubro
.

Frisch tab. 36.

4. †. Minor. der kleine Bunt- oder Roth-
specht. P. albo nigroque varius, vertice
rubro.

Frisch tab. 37.

9. Iynx. Rostrum teretiusculum, acu-
minatum; lingua lumbriciformis, lon-
gissima, mucronata; pedes scansorii
.

1. †. Torquilla. der Drehhals, Wendehals,
Natterwindel. (Fr. le torcol, Engl. the
wryneck
.) F. cauda explanata, fasciis fuscis
quatuor.

Frisch tab. 38.

Hat seinen Nahmen von der ungemeinen Ge-
lenksamkeit seines Halses, und meist die gleiche
Heimath wie die vorgedachten Spechte.

10. Sitta. Spechtmeise. Rostrum subu-
latum, teretiusculum, apice compresso,

[Seite 169] mandibula superiore paullo longiore;
pedes ambulatorii
.

1. †. Europaea. der Blauspecht (Fr. la sitelle
le torchepot
, Engl. the nut-hatch, the wood-
cracker
.) S. rectribus nigris, lateralibus
quatuor infra apicem albis
.

Frisch tab. 39.

In allen drey Welttheilen der nördlichen Erde.

11. Todvs. Rostrum subulatum, depres-
siusculum, obtusum, rectum, basi setis
patulis; pedes gressorii
.

1. Viridis. (Fr. le todier, Engl. the green
sparrow
.) T. viridis, pectore rubro.

Im mittlern America.

2. Paradisaeus. T. capite cristato nigro, cor-
pore albo, cauda cuneata, rectricibus in-
termediis longissimis
.

In Südafrica, auf Madagascar etc.

12. Alcedo. Rostrum trigonum, cras-
sum, rectum, longum; pedes breues,
gressorii.

1. †. Ispida. der Eisvogel. (Alcyon. Fr. le
martin pecheur
, Engl. the kingsfisher.) A.
supra cyanea, fascia temporali flaua, cauda
breui
.

Frisch tab. 223.

Fast in der ganzen alten Welt. Nährt sich
von Fischen deren Gräten er dann als Gewölle
(§. 63.) ausbricht. Daß er nach dem Tode leicht
vertrocknet ohne in Fäulniß überzugehn, ist nicht
wie Paracelsus und so viele nach ihm meinten
eine Eigenheit dieses Vogels, sondern zeigt sich
[Seite 170] unter ähnlichen Umständen auch am Kreuzschnabel,
Canarienvogel u.a.

13. Merops. Rostrum curuatum compres-
sum, carinatum; pedes gressorii.

1. Apiaster. der Immenwolf, Bienenfresser.
(Fr. le guépier, Engl. the bee-eater.) M.
dorso ferrugineo, abdomine caudaque viridi
caerulescente, gula lutea, fascia temporali
nigra
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1808.

Im südlichen Europa und mildern Asien. Lebt
von Insecten.

14. Upupa. Rostrum arcuatum, conue-
xum, subcompressum, obtusiusculum,
pedes ambulatorii.

1. †. Epops. der Wiedehopf, Rothhahn.
(Fr. la hupe, Engl. the hoopoe.) U. crista
variegata.

Frisch tab. 43.

In Europa und Ostindien. Nährt sich von
Regenwürmern und mancherley Insecten. Nistet
in hohle Bäume, und, wie schon Aristoteles
anmerkt, oft auf eine Grundlage von Men-
schenkoth*).

15. Certhia. Baumläufer. Rostrum
arcuatum, tenue, subtrigonum, acu-
tum; pedes ambulatorii
.

1. †. Familiaris. die Baumklette, der Grüper,
Grauspecht, Baumkleber. (Fr. le grim-
[Seite 171] pereau, Engl. the creeper.) C. grisea. subtus
alba, remigibus fuscis; rectricibus decem
.

Frisch tab. 39. fig. 1.

In Europa. Klettert fast wie die Spechte an
den Baumstämmen herum, um Insecten und ihre
Puppen zu suchen etc.

2. †. Muraria. der Mauerspecht. C. cinerea,
rectricibus roseis, remigibus rectricibusque
fuscis, maculis alarum fuluis niueisque
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 76.

Das ausnehmend schöne Thier hat Sperlings
Größe, und lebt einsam im wärmern Europa.
Nahmentlich im C. Bern. In Deutschland ists
äußerst selten. Nistet in altem Gemäuer, auf
Thürmen etc.

3. Coccinea. C. coccinea, rectricibus remigi-
busque nigris
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 16.

Auf den Sandwich-Inseln, deren kunstreiche
Einwohner mit den Federchen dieses kleinen car-
moisinrothen Vogels mancherley prachtvollen Putz,
und andere Kleidungsstücke, Helme etc. sogar
ganze Mäntel etc. überziehen.

4. Sannio. C. oliuacea, vertice subuiolaceo,
remigibus caudaque subfurcata fuscis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 8.

Auf Neu-Seeland.

16. Trochilvs*). Colibri, Honigsau-
ger, Blumenspecht. (Fr. oiseau-mouche.
Engl. humming bird.) Rostrum subulato-
filiforme longum. Mandibula inferiore

[Seite 172] tubulata, superiore vaginante inferio-
rem. Lingua filis duobus coalitis tubu-
losa; pedes ambulatorii, breuissimi
.

Das ganze Geschlecht ist, soviel man bis jetzt
weiß, allein in America zu Hause. Aber nicht
bloß im wärmern, sondern theils auch nördlich
bis Nutka-Sund und südlich bis zur Westküste
von Patagonien.

A) Curuirostres (eigentliche Colibris.)

1. Pella. (Fr. le colibri-topase.) Tr. ruber,
rectricibus intermediis longissimis, capite
fusco, gula aurata vropygioque viridi
.

Edwards tab. 33.

In Guiana. Wohl 6 Zoll lang.

B) Rectirostres (Fr. oiseaux-mouches.)

2. Minimus. T. corpore viridi nitente, subtus
albido; rectricibus lateralibus margine ex-
teriore albis
.

Edwards tab. 105

Der allerkleinste bekannte Vogel, der aufge-
trocknet nur ungefähr 30 Gran wiegt. Sein Nest
ist von Baumwolle, und hat die Größe einer
Wallnuß; und seine zwey Eyer etwa die von ei-
ner Zuckererbse.

3. Mosquitus. der Juwelen-Colibrit. (Fr. le
Rubis-topase
.) T. viridescens vertice pur-
pureo aurato, gutture auroreo rutilo
.

Seba. thes. tab. 37. fig. 1.

Stirn und Scheitel des Männchens glänzen
mit rubinrothem Feuer, und seine Kehle wie
glühendes Gold.


IV. CORACES.

[Seite 173]

Die Vögel dieser Ordnung haben einen
starken, oben erhabnen Schnabel von mittel-
mäßiger Größe, und kurze Füße. Sie leben
theils von Getreide u.a. Pflanzensamen etc.
theils von Insecten, und auch von Aas; und
haben mehrentheils ein wilderndes, unschmack-
haftes Fleisch.

17. Buphaga. Rostrum rectum, subqua-
drangulare: mandibulis gibbis, integris,
extrorsum gibbosioribus. Pedes ambu-
latorii.

1. Africana (Fr. le pic boeuf. Engl. The
beefeater
.)

Latham Vol. I. P. I. tab. 12.

In Senegambien etc.

18. Crotophaga. Rostrum compres-
sum, semiouatum, arcuatum, dorsato
carinatum. Mandibula superiore margine
vtrinque angulata. Nares peruiae
.

1. Ani. (Fr. le bout de petun. Engl. the ra-
zor-billed blackbird
.) C. pedibus scansoriis.

Latham l. c. tab. 13.

In Westindien. Lebt in gesellschaftlicher Ver-
bindung, und es sollen sogar mehrere Weibchen
sich zusammen halten und sich ein gemeinschaftliches
Nest bauen, mit einander brüten etc.

[Seite 174]

19. Corvvs. Rostrum conuexum cultra-
tum, nares mystace tectae; pedes am-
bulatorii.

1. †. Corax. Der Kolk-Rabe. (Fr. le corbeau.
Engl. the raven.) C. corpora atronitente,
rostra apice subincuruo, cauda semirhombea

Frisch tab. 63.

Wie die nächstfolgende Gattung fast durchge-
hends in beyden Welten. Hat einen überaus
scharfen Geruch, raubt Fische, Krebse, junge
Enten, selbst junge Hasen etc. schleppt auch an-
dere Sachen zu Neste, die er nicht fressen kann.

2. †. Corone. die Raben-Krahe. (Fr. la cor-
neille
, Engl. the carrion crow.) C. atro-
caerulescens totus, cauda rotundata: rectri-
cibus acutis
.

Buffon Vol. III. tab. 3.

3. †. Frugilegus. die Saatkrähe, der Ka-
rechel. (Fr. le freux, la frayonne. Engl.
the rook.) C. ater, fronte cinerascente,
cauda subrotunda
.

Frisch tab. 64.

Meist im ganzen mildern Europa. Vergütet
den mäßigen Schaden den sie der Saat thut durch
die weit beträchtlichere Vertilgung unzähliger
Feldmäuse, Engerlinge, Grasraupen etc.

4. †. Cornix. die Krähe, Nebelkrähe, Hau-
benkrähe. (Fr. la corneille mantelée. Engl.
the hooded crow, royston crow.) C. cinera-
scens, capite iugullo alis caudaque nigris
.

Frisch tab. 65.

In den mildern Zonen der alten Welt. Hauße
in manchen Gegenden als Standvogel Jahr aus
Jahr ein, in andern läßt er sich bloß über Winter,
[Seite 175] nieder, ohne daß man noch recht weis wo er von
da im Frühjahr hinzieht. Wird ebenfalls durch
die Vertilgung unzähligen Ungeziefers nutzbar,
thut doch aber auch den Maisfeldern großen
Schaden.

5. †. Monedula. die Dohle. (Fr. le choucas.
Engl. the jackdaw.) C. fuscus, occipite
incano, fronte alis caudaque nigris
.

Frisch tab. 67.

Im nordwestlichen Europa.

6. †. Glandarius. der Holzheher, Nußbeißer,
Marcolph, Hetzle, Herrenvogel. (Fr. le
jeay
. Engl. the jay.) C. tectricibus alarum
caeruleis, lineis transuersis albis nigrisque,
corpore ferrugineo variegato.

Frisch tab. 55.

Im mildern Europa.

7. †. Caryocatactes. der Nußheher. (Fr. le
casse noix
. Engl. the nut cracker.) C. fuscus
alboque punctatus, alis caudaque nigris:
rectricibus apice albis: intermediis apice
detritis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In der nördlichen Erde.

8. †. Pica. die Aelster, Atzel, Aegerste, Hei-
ster. (Fr. la pie. Engl. the magpie.) C.
albo nigroque varius, cauda cuneiformi.

Frisch tab. 58.

In Europa und Nordamerica. Ein sehr schädliches
Thier für junges Meyergeflügel, aber für Felder
und Gärten sehr nützlich, das zahllose Raupen,
Schnecken etc. vertilgt. Zudem einer der unter-
haltendsten Stubenvögel.

[Seite 176]

20. Coracias. Rostrum cultrarum,
apice incuruato, basi pennis denudatum;
pedes ambulatorii
.

1. †. Garrula. die Mandelkrähe, Racke, Blau-
racke, der Birkheher. (Fr. le rollier, Engl.
the roller.) C. caerulea, dorso rubro, re-
migibus nigris
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1807.

Im mildern Europa und in Nordafrica. Läßt
sich in der Erntezeit, wenn die Frucht in Man-
deln steht, haufenweise auf den Feldern sehen.

21. Gracvla. Rostrum conuexo-cultra-
tum, basi nudiusculum. Lingua integra,
acutiuscula, carnosa. Pedes ambulatorii
.

1. Religiosa. (Fr. le mainate, Engl. the minor
grakle
.) G. nigro violacea, macula alarum
alba, fascia occipitis nuda, flaua.

Buffon Vol. III. tab. 25.

In Ostindien. Hat eine schöne Stimme und
lernt leicht Worte nachsprechen.

2. Quiscula. der Maisdieb. G. nigro-viola-
cea, cauda rotundata
.

Catesby vol. I. tab. 12.

In Nordamerica.

22. Paradisea*). Paradisvogel (ma-
nucodiatta
.) Rostrum basi plumis tomen-
[Seite 177] tosis tectum. Pennae hypochondriorum
longiores. Rectrices duae superiors
singulares denudatae.

Das Ganze Geschlecht von zahlreichen Gattun-
gen hat ein überaus eingeschränktes Vaterland,
da es wohl bloß auf Neu-Guinea zu Hause ist,
von da diese Thiere als Zugvögel nach den Mo-
lucken u.a. benachbarten Inseln streichen. Noch
jetzt schneiden die Papus diesen Thieren, die we-
gen ihres prachtvollen Gefieders in Indien als
Putz getragen werden, wenn sie sie zu dieser Ab-
sicht verkaufen, die Füße ab, die daher die leicht-
gläubigen Alten den Paradisvögeln überhaupt
abzusprechen wagten*).

1. Apoda. (Fr. l'Émeraude.) P. brunnea pen-
nis hypochondrias luteis corpore longiori-
bus, rectricibus duabus intermediis longis
setaceis.

Edwards tab. 110.

2. Alba. Der weiße Paradisvogel. (Fr. le ma-
nucode à
12 filets.) P. anterius nigra viola-
cea, posterius alba, humeribus viride virga-
tis, rectricibus
12 nigris.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 96.

Eine der schönsten und zugleich die seltenste Gat-
tung dieses Geschlechts, am Leibe ohngefähr von
der Größe einer Drossel.

[Seite 178]

23. Trogon. Curucuru. Rostrum capite
breuius, cultratum, aduncum, margine
mandibularum serratum. Pedes scansorii
.

1. Viridis. T. viridi aureus, subtus luteus,
gula nigra
.

Edwards tab. 331.

In Guiana.

24. Bvcco. (Fr. barbu, Engl.
barbet.) Rostrum cultratum, lateraliter
compressum apice vtrinque emarginato,
incuruato, rictu infra oculos protenso
.

1. Atroflavus. B. niger, iugulo, pectore et
lineis supra - et infraorbitalibus luteis, ab-
domine griseo
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 65.

In Sierra Liona.

25. Cvcvlvs. Rostrum teretiusculum
Nares margine prominulae, Pedes
scansorii
.

1. †. Canorus. der Kuckuck. (Fr. le coucou.
Engl. the cuckow .) C. cauda rotundata ni-
gricante albo-punctata
.

Frisch tab. 40. u.f.

In der nördlichen alten Welt; wo er aber
doch nur im Frühling und Sommer zu sehen ist.
Er bebrütet die zahlreichen Eyer, die er jedes
Frühjahr legt, nicht selbst, sondern legt
sie einzeln in die Nester der Grasmücken und
Bachstelzen etc. zwischen dieser ihre eignen Eyer,
da sich dann diese kleinen Vögel an seiner Statt
dem Brüt-Geschäfte unterziehen. Merkwürdig
ist, daß seine Eyer die doch un vieles größer sind,
[Seite 179] als dieser so weit kleinern Vögel ihre, dennoch
eben nicht länger als diese bebrütet zu werden
brauchen. Der junge Kukuk wächst aber dagegen
sehr schnell, und wirft die mit ihm zugleich aus-
gebrüteten jungen Grasmücken aus ihrem mütter-
lichen Nest. Sein Winteraufenthalt ist noch nicht
zuverlässig bekannt.

2. Indicator. Der Honigkukuk, Sengo, Mook.
C. cauda cuneiformi fusco-et albido-ma-
culata, alis fuscis maculis flauis, pedibus
nigris
.

Jo. Fr. Miller fasc. IV. tab. 24.

Im südlichern Africa vom Cap landeinwärts,
hat seinen Namen von der Fertigkeit, mit wel-
cher er, wie der Honig-Dachs, seine liebste
Nahrung, aus den wilden Bienennester, auf-
zusuchen weiß.

26. Oriolvs. Rostrum conicum, con-
vexum, acutissimum, rectum: mandi-
bula superiore paulo longiore, obsolete
emarginata; pedes ambulatorii
.

1. †. Galbula. die Golddrossel, Goldamsel,
der Kirschvogel, Bülow, Pirol. (Fr. le
loriot.
) O. luteus, pedibus nigris, rectrici-
bus exterioribus postice flauis.

Frisch tab. 31.

Hin und wieder in der alten Welt. Das
Männchen goldgelb und schwarz, das Weibchen
olivengrün. Macht sich ein künstliches, napf-
förmiges, sehr dauerhaft zwischen zwey Aestchen
befestigtes Nest.

[Seite 180]

2. Phoeniceus. der Maisdieb. (Engl. the
black bird
.) O. niger, alarum tectricibus
coccineis
.

Catesby vol. I. tab. 13.

Im mildern Nordamerica. Hält sich gemei-
niglich zu dem obgedachten Maisdieb (Gracula
quiscula.)

3. Jupujuba. (Persicus Linn.) O. niger,
dorso postico maculaque tectricum alarum
basique rectricum luteis.

Brisson vol. II. tab. 9. fig. 1.

In Brasilien etc. Baut sich, wie die vorige
und mehrere andere Gattungen dieses Geschlechts,
ein langes beutelförmiges Nest von Schilf und
Binsen*), deren man zuweilen mehrere Hundert
an Einem Baume hängen sieht.


V. PASSERES.

Kleine Vögel, mit kurzen schlanken Füßen,
und kegelförmigem, scharf zugespitztem Schnabel
von verschiedener Größe und Bildung. Sie
leben in Monogamie, nähren sich von Insecten
und Pflanzen-Samen, haben ein zartes, schmack-
haftes Fleisch, und die meisten von ihnen singen,
(wie mans insgemein nennt.)

27. Alavda. Rostrum cylindrico-subula-
tum, rectum, mandibulis aequalibus,
basi deorsum dehiscentibus. Vnguis po-
sticus rectior digito longior
.

[Seite 181]

1. †. Aruensis. die Feldlerche, Himmelslerche,
Bardale. (Fr. l'alouette. Engl. the field-
lark, sky-lark
.) A. rectricibus extimis
duabus extrorsum longitudinaliter albis:
intermediis inferiore latere ferrugineis
.

Frisch tab. 15. fig. 1.

Fast in der ganzen alten Welt. Badet sich so
wie der Straus, die Hühner und viele andere
deßhalb so genannte Scharrvögel (aues pulue-
ratrices
) im Sande.

2. †. Cristata. Die Haubenlerche, Kobellerche,
Heidelerche. (Fr. le cochevis) A. rectrici-
bus nigris: extimis duabus margine exte-
riori albis, capite cristato.

Frisch tab. 15. fig. 2.

In Deutschland und den benachbarten Ländern.

28. Stvrnvs. Rostrum subulatum, an-
gulato-depressum, obtusiusculum: man-
dibula superiore integerrima, margini-
bus patentiusculis
.

1. †. Vulgaris der Staar, die Sprehe. (Fr.
l'etourneau. Engl. the stare, starling.)
S. rostro flauescente, corpore nigro punctis
sagittatis albis
.

Frisch tab. 217.

Meist in der ganzen alten Welt. Ein nutz-
bares Thier, das unzählige schädliche Insecten
vertilgt.

29. Tvrdvs. Rostrum tereti cultratum:
mandibula superiore apice deflexo, e-
marginato.

[Seite 182]

1. †. Visciuorus. die Schnarre, Misteldrossel,
der Ziemer, Mistler. (Fr. la draine. Engl.
the missel bird, shrite.) T. dorso fusco,
collo maculis albis, rostro flauescente
.

Frisch tab. 15.

Hin und wieder in der alten Welt. Nährt sich
von Mistelbeeren, die auch häufig durch sie fort-
gepflanzt werden.

2. †. Pilaris. Der Krammetsvogel. (Fr. la
litorne, tourdelle
. Engl. the fieldsare.) T.
rectricibus nigris: extimis margine inte-
riore apice albicantibus, capite vropygio-
que cano
.

Frisch tab. 26.

Im nördlichen Europa, streicht aber ins süd-
liche. Nährt sich vorzüglich von Wachholder-
(Krammets-) Beeren.

3. †. Iliacus. Zipdrossel, Rothdrossel. (Fr.
le mauvis. Engl. the redwing.) T. alis
subtus ferrugineis, supercillis flanescentibus.

Frisch tab. 28.

Im mildern Europa. Glättet sein Nest mit
Letten und faulem Holze aus; und da letzteres
theils im Finstern leuchtet, so könnte vielleicht
so ein qui pro quo den Anlaß zur Erzählung
der Alten, von einer aue hercynica noctu lu-
cente
gegeben haben.

4. †. Musicus die Sangdrossel, Weindrossel,
Weißdrossel. (Fr. la grive. Engl. the throstle
song thrush
.) T. remigibus basi interior
ferrugineis.

Frisch tab. 27.

Hat ungefähr gleiches Vaterland mit der vo-
rigen. Zuweilen findet sich eine weißgraue
Spielart von ihr.

[Seite 183]

5. Polyglottus. Die americanische Nachtigall,
Sinsonte. (Fr. le moqueur. Engl. the mock
bird
.) T. fusco-cinereus, subtus albidus,
maculis verticis, alarum, et caudae candidis
.

Catesby Vol. I. tab. 27.

In Louisiana, Carolina, auch auf Jamaica etc.
Ahmt anderer Vögel Stimme leicht und täu-
schend nach.

6. Roseus. T. subincarnatus, capite, alis cau-
daque nigris, occipite cristato.

Edwards tab. 20.

Im mittlern Europa und Asien. Vertilgt un-
zählige Zugheuschrecken.

7. †. Merula. die Amsel, Schwarzdrossel.
(Fr. le merle. Engl. the blackbird) T.
ater, rostro palpebrisque flauis.

Frisch tab. 29.

Im mildern Europa. Lebt einsam, nährt sich
von Wachholderbeeren, hat ein vorzüglich treues
Gedächtniß.

30. Ampelis. Rostrum rectum, conue-
xum: mandibula superiore longiore, sub-
incuruata, vtrinque emarginata
.

1. Garrulus. der Seidenschwanz, Pfeffervo-
gel, Sterbevogel, Böhmer. (Fr. le jaseur
de Boheme
. Engl. the bohemian chatterer .)
A. occipite cristato; remigum secundario-
rum
apice coccineo lanceolato.

Frisch tab. 32.

Im nördlichsten Europa, kommt aber in man-
chen Jahren zur Herbstzeit häufig nach Deutsch-
land: zumahl auf den Harz.

[Seite 184]

31. Loxia. Rostrum conico-gibbum;
frontis basi rotundatum; mandibula in-
ferior margine laterali inflexa.

1. †. Curuirostris. der Kreuzschnabel, Krumm-
schnabel, Krünitz, Tannenpapagey. (Fr.
le bec croisé. Engl. the cross-bill, sheld-
apple
.) L. rostro forsicato.

Frisch tab. II. fig. 3. 4.

In den Schwarzwäldern der nördlichern Erde.
Brütet mitten im Winter zu Ende des Jänners.

2. †. Coccothraustes. der Kernbeißer, Kirsch-
fink. (Fr. le gros bec. Engl. the hawfinch.)
L. linea alarum alba, remigibus mediis
apice rhombeis, rectricibus latere tenuiore
baseos nigris
.

Frisch tab. 4. fig. 2. 3.

Hin und wieder in Europa.

3. †. Pyrrhula. der Dompfaff, Blutfink Lie-
big, Gimpel (rubicilla, Fr. le bouvreuil
Engl. the bullfinch.) L. artubus nigris,
rectricibus caudae remigumque posticarum
albis
.

Frisch tab. 2. fig. 1. 2.

In der nördlichern alten Welt, Beyde Ge-
schlechter lernen leicht Lieder pfeifen, selbst ein-
ander accompagniren, und sogar Worte nach-
sprechen.

4. Gregaria. L. ex griseo flauescens, fronte
oliuacea, nucha, humeris, alis et cauda
fuscis.

Paterson's journeys pag. 133.

Am Cap, wo Herden von mehreren hunderten
ihre Nester auf einem Baum dicht zusammen
[Seite 185] bauen, und das wunderbare Gebäude mit einem
gemeinschaftlichen überhängenden Dache bedecken.

5. Pensilis. L. viridis, capite et gutture fla-
vis, fascia oculari viridi, abdomine griseo,
rostro, pedibus, cauda remigibusque nigris.

Sonnerat voy. aux Indes T. II. tab. 112.

Ebenfalls am Cap, so wie auf Mabagascar.
Bauet auch eins der wundersamsten Nester,
am Wasser, fast retortenförmig mit abwärts hän-
genden Halse zum Ein- und Ausflug, so daß
die Mündung nahe über der Wasserfläche zu hän-
gen kommt.

6. Philippina. die Baya. L. fusca,. subtus al-
bido-flauicans, vertice pectoreque luteis
gula fusca
.

Daubenton Planches. tab. 135. fig. 2.

In Ostindien; sehr gelehrig, daher sie in der
indischen Halbinsel, zu mancherley kleinen Kün-
sten abgerichtet wird. Bauet gleichfalls ein sehr
kunstreiches hängendes Nest aus Binsen etc.

7. Cardinalis. der indianische Haubenfink,
die virginische Nachtigall. (Engl. the red
bird
.) L. cristata rubra, capistro nigro,
rostro pedibusque sanguineis
.

Frisch tab. 4. fig. 1.

In Nordamerica, und wegen seines rothen
Gefieders und seines Gesanges häufig nach Eu-
ropa gebracht.

8. †. Chloris. der Grünfink, Grünling,
Grünschwarz, die Zwuntsche. (anthus,
florus.
Fr. le verdier. Engl. the greenfinch.)
L. flauicanti-virens, remigibus primoribus
antice luteis, rectricibus lateralibus quatuor
basi luteis
.

Frisch tab. 2. fig. 3. 4.

[Seite 186]

Hin und wieder in Europa.

9. Orix. der Feuervogel. L. grisea, rostro,
fronte abdomineque nigris, collo vropygio-
que fuluis
.

Daubenton Planches. tab. 6. fig. 2. und
tab. 134. fig. I.

Am Cap etc. das Männchen im Frühling und
Sommer feuerroth und samtschwarz; im Herbst
und Winter hingegen von der graulichbraunen
Farbe des Weibchen.

32. Emberiza. Ammer. Rostrum coni-
cum, mandibulae basi deorsum a se in-
vicem discedentes: inferiore lateribus
inflexo-coarctata, superiore angustiore
.

1. Nivalis. die Schneeammer, der Schnee-
vogel. (Fr. l'ortolan de neige. Engl. the
snow bunting
.) E. remigibus albis, primo-
ribus extrorsum nigris: rectricibus nigris,
lateralibus tribus albis
.

Frisch tab. 6. fig. 1. 2.

In der nördlichsten Erde. Kommt nur zum
Ueberwintern nach Deutschland, wo er sich aber
zuweilen mit ein Mahl in unermeßlichen Zügen
sehen läßt.

2. †. Miliaria. Die graue Ammer. (Fr. le
proyer
. Engl. the bunting .) E. grisea,
subtus nigro maculata, orbitis rusis
.

Frisch tab. 6. tab. 4.

Meist durch ganz Europa.

3. †. Hortulana. der Ortolan, Kornfink, die
Fettammer, windsche Goldammer. E.
remigibus nigris, primis tribus margine
[Seite 187] albidis; rectricibus nigris, lateribus dua-
bus extrorsum nigris
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1803.

In den wärmern Gegenden von Europa und
dem benachbarten Asien.

4. †. Citrinella. Die Goldammer, Gelbgans,
der Emmerling. (Fr. le bruant. Engl. the
yellow hammer
.) E. rectricibus nigrican-
tibus; extimis duabus latere interiore ma-
cula alba acuta
.

Frisch tab. 5. fig. 1. 2.

Meist durch ganz Europa.

5. Aureola. E. citrina, vertice, torque dorso-
que spadiceis, crisso albido, rectricibus
duabus vtrinque extimis fascia obliqua alba
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 56.

In Sibirien, bis Kamtschatka.

6. Paradisea. die Witwe. (Fr. la veuve à
collier d'or
. Engl. the whidah bird.) E.
fusca, pectore rubro, rectricibus interme-
diis quatuor elongatis acuminatis: duabus
longissimis, rostro rubro
.

Edwards tab. 86.

Hat den englischen, nachher in andern Spra-
chen aus Mißverstand verunstalteten Nahmen
von seiner Heimath, dem Königreich Whydah
(oder Judah) auf der guineischen Küste.

33. Tanagra Rostrum conicum, acu-
minatum, emarginatum, basi subtrigo-
num, apice decliue
.

1. Jacapa. (Fr. le cardinal pourpré, le bec
d'argent
, Engl. the red-breasted blackbird.)
T. atra, fronte, iugulo pectoreque coccineis.

Edwards tab. 267.

[Seite 188]

In Westindien und dem benachbarten America.

34. Fringilla. Fink. Rostrum coni-
cum rectum acuminatum.

1. †. Caelebs. der Buchfink, Gartenfink,
Rothfink. Waldfink. (Fr. le pinçon. Engl.
the chassinch.) F. artubus nigris, remigibus
vtrinque albis, tribus primis immaculatis:
rectricibus duabus oblique albis.

Frisch tab. 1. fig. 1. 2.

In Europa und Africa; hat mannigfaltigen
Gesang, so daß oft die Finken in einem Revier
von sechs oder mehr Meilen in die Runde über-
ein, und in benachbarten Gegenden wieder an-
ders schlagen.

2. †. Montifringilla. der Bergfink, Tannen-
fink, Rothfink, Mistfink, Schneefink,
Winterfink, Quäkfink, Böheimer. (Fr.
le pinçon d'Ardennes. Engl. the bramble .)
F. alarum basi subtus flauissima.

Linné fauna suec. tab. 2. fig. 198.

Im nördlichen Europa. Kommt, wenn die
Buchmast gut gerathen, im Spätherbst zu vielen
Tausenden nach manchen Gegenden Deutschlands.

3. Niualis. der Schneefink. (Fr. la niverolle)
F. fusca, subtus niuea, remigibus secunda-
riis tectricibusque albis.

Brisson vol. III. tab. 15. fig. I.

Auf dem Caucasus, und in den europäischen
Alpen.

4. †. Carduelis. der Stieglitz, Distelfink. (Fr.
le chardonneret. Engl. the goldfinch, the
thistlefinch
.) F. fronte et gula coccineis,
remigibus antrorsum flauis: rectricibus dua-
bus extimis medio, reliquisque apice albis.

[Seite 189]

Frisch tab. 1. fig. 3. 4.

Fast durch ganz Europa und in den benachbar-
ten Ländern der übrigen alten Welt. Gibt mit
der Canarien-Sie schöne Bastarde*).

5. Amandaua. der Finke von Bengalen. (Fr.
le Bengali piqueté. Engl. the Amedabad
finch
.) F. fusca refescensque albo punctata.

Buffon vol. IV. tab. 2. fig. 1.

In Ostindien. Daß seine Knochen, wie man
behauptet, gelb seyn sollen, habe ich bey denen,
die ich zu untersuchen Gelegenheit gehabt, nicht
bestätigt gefunden.

6. Canaria. der Canarienvogel, ehedem Zucker-
vöglein. (Fr. le serin de Canarie) F. rostro
albido, corpore subfusco, pectore flauescente
rectricibus remigibusque virescentibus
.

Frisch tab. 12. fig. 1-4.

Scheint zu Anfang des sechszehnten Jahrhun-
derts aus den canarischen Inseln zuerst nach Eu-
ropa gebracht worden zu seyn; ist aber seitdem
daselbst in mancherley Varietäten ausgeartet.
Die wilde Stamm-Rasse ist bräunlichgrau mit
gelber Brust. Unter den übrigen sind besonders
die mit der Holle oder Federbüschchen auf dem
Kopfe (so genannte Rapp-Vögel), und die
Kackerlacken mit rothen Augen zu merken.

7. †. Spinus. der Zeisig, Erlenfink. (liguri-
nus, acanthis.
Fr. le tarin. Engl. the
siskin
.) F. remigibus medio luteis: primis
quatuor immaculatis, rectricibus basi flauis,
apice nigris
.

Frisch tab. 11. fig. 1. 2.

[Seite 190]

Nistet in den Gipfeln der hohen Tannen und
Fichten in dichten Schwarzwäldern; daher sein
Nest selten gefunden wird*).

8. †. Cannabina. der Hänfling, Leinfink, die
Artsche. (Fr. la linotte. Engl. the greater
linnet
.) F. remigibus primoribus rectrici-
busque nigris, vtroque margine albis
.

Frisch tab. 9. fig. 1. 2.

In Europa und Nordamerica.

9. †. Linaria. das Citrinchen, der Flachs-
fink, Carminhänfling. (Fr. le sizerin.
Engl. the lesser linnet.) F. remigibus rectri-
cibusque fuscis, margine obsolete pallido,
litura alarum albida
.

Frisch tab. 10. fig. 3. 4.

In der ganzen nördlichen Erde.

10. †. Domestica. der Sperling, Spatz.
passer. (Fr. le moineau, Engl. the sparrow.)
F. remigibus rectricibusque fuscis, gula
nigra, temporibus ferrugineis
.

In ganz Europa und den benachbarten Län-
dern der übrigen alten Welt fast allgemein ver-
breitet. Doch, daß er sich in einzelnen Gegen-
den, wie z.B. an manchen Orten in Thüringen
(und zwar auch an einigen, wo es doch weder
an Laubholz noch Obststämmen etc. fehlt) nicht
findet. Er brütet vier Mahl im Jahre. Frey-
lich für Gärten und Feld ein schädliches Thier,
das aber doch auch unzähliges Ungeziefer ver-
tilgt. Zuweilen finden sich ganz weiße Sperlinge.

35. Mvscicapa. Fliegenfänger. (Fr.
gobe mouche. Engl. flycatcher.) Rostrum
[Seite 191] subtrigonum vtrinque emarginatum, a-
pice incuruo;
vibrissae patentes versus
fauces
.

1. †. Atricapilla. der Fliegenschnäpper. M.
nigra subtus frontisque macula alarumque
speculo albis, rectribus lateralibus extus
albis
.

Frisch tab. 24. fig. 1.

Hin und wieder in Europa.

36. Motacilla. Rostrum subulatum
rectum: mandibulis subaequalibus.

1. †. Luscinia. Nachtigall. (Fr. le rossignol.
Engl. the nightingale.) M. rufo-cinerea,
armillis cinereis
.

Frisch tab. 21. fig. 1. 2.

In den mildern Erdstrichen von Europa und
Asien. Kommt im April in unsern Gegenden an,
und zieht zu Ende des Augusts wieder von dannen,
man weiß noch nicht gewiß, wohin; wenigstens,
so viel bekannt, nicht nach Africa.

2. †. Curruca. die Grasmücke, der Hecken-
schmatzer, Weidenzeisig. (Fr. la fauvette.
Engl. the hedge sparrow .) M. supra fusca,
subtus albida, rectricibus fuscis: extima
margine tenuiore alba
.

Frisch tab. 21 fig. 3.

Im mildern Europa.

3. †. Ficedula. die Beccafige. M. subfusca,
subtus alba, pectore cinereo maculato
.

Frisch tab. 22. fig. 3. 4.

Im mildern und wärmern Europa, zumahl auf
Cyprus, von wannen sie wegen ihres schmack-
haften Fleisches weit verführt wird.

[Seite 192]

4. †. Alba. die weiße oder graue Bachstelze.
das Ackermännchen. (Fr. la lavandiere.
Engl. the white waterwagtail.) M. pectore
nigro, rectricibus duabus lateralibus dimi-
diato-oblique albis
.

Frisch tab. 23. fig. 4.

Meist in der ganzen alten Welt.

5. Calliope. M. mustelina oliuaceo-macu-
lata, subtus ex flauescente alba, gula
miniata, linea alba nigraque cincta, loris
nigris, superciliis albis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 45.

In Sibirien, bis Kamtschatka.

6. †. Atricapilla. der Klosterwenzel, Mönch.
(Fr. la fauvette à tête noire. Engl. the
black-cap
.) M. testacea, subtus cinerea,
pileo obscuro
.

Linné fauna suecica tab. 1. fig. 256.

Im mildern Europa. Einer der lieblichsten
Sangvögel.

7. †. Phoenicurus. das Schwarzkehlchen. (Fr.
le rossignol de muraille. Engl. the redstart.)
M. gula nigra, abdomine caudaque rufis,
capite dorsoque cano
.

Frisch tab. 19. fig. 1.

Hat meist gleiches Vaterland mit der Nach-
tigall; kommt und geht auch zu gleicher Zeit
mit ihr.

8. †. Rubecula. das Rothkehlchen, Roth-
brüstchen, der Rothbart. (erithacus Fr.
le rougegorge. Engl. the robin-red breast.)
M. grisea, gula pectoreque ferrugineis.

Frisch tab. 19. fig. 2.

[Seite 193]

Meist in ganz Europa. Bleibt auch über
Winter bey uns, und wird durch Vertilgung un-
zähliger schädlicher Insecten sehr nutzbar.

9. †. Troglodytes. der Zaunkönig, Zaun-
schlupfer, Schneekönig, Winterkönig.
(Engl. the wren.) M. grisea, alis nigro
cinereoque vndulatis
.

Frisch tab. 24. fig. 3.

In der nördlichern Erde. Macht sich ein be-
decktes Nest, fast in Gestalt eines Backofens*),
und legt zahlreiche Eyer.

10. †. Regulus. das Goldhähnchen. (Fr. le
roitelet
.) M. remigibus secundariis exteriori
margine flauis, medio albis, crista verti-
cali crocea
.

Frisch tab. 24. fig. 4.

Ebenfalls in der nördlichern Erde. Der klein-
ste europäische Vogel.

11. Sartoria. der Schneidervogel. M. tota
pallide lutea
.

J. R. Forsters Indische Zoologie tab. 8.

In Indien. Kleiner als der Zaunkönig. Hat
den Nahmen von der merkwürdigen Art, wie er
sein Nest aus Baumblättern verfertigt, da er
einige dürre Blätter an ein grünes am äußersten
Ende eines Zweiges gleichsam annähet, so daß
dadurch eine tutenförmige Höhlung gebildet wird,
die er mit Flaumen etc. ausfuttert.

37. Pipra. Manakin. Rostrum capite
breuius, basi subtrigonum integerrimum,
apice incuruum. Pedes gressorii
.

[Seite 194]

1. Rupicola. (Fr. le coq de roche.) G. crista
erecta margine purpurea, corpore croceo,
tectricibus rectricum truncatis
.

Edwards tab. 264.

In Guiana etc.

38. Parvs. Meise. (Fr. mésange, Engl.
titmouse, Tom-tit.) Rostrum integerri-
mum, basi setis tectum
.

1. †. Maior. die Kohlmeise, Brandmeise.
(Fr. la charbonniere. Engl. the great tit-
mouse
.) P. capite nigro, temporibus albis,
nucha lutea
.

Frisch tab. 13. fig. 1. 2.

Meist durch die ganze alte Welt. Ein mu-
thiges Thier, das weit größere Vögel anfällt,
andern kleinen Sangvögeln die Köpfe aufhackt etc.
Man hat bey dieser und andern über Winter bey
uns bleibenden Gattungen dieses Geschlechts an-
gemerkt, daß dann das Horn ihres Schnabels
weit härter wird als im Sommer, das ihnen
beym Auspicken ihres Futters aus dem gefror-
nen Erdreich zu Statten kommt.

2. †. Caeruleus. die Blaumeise, Pimpelmeise,
Jungfernmeise, der Blaumüller. (Fr. la
mesange bleue
. Engl. the nun.) P. remigi-
bus caerulescentibus; primoribus margine
exteriore albis, fronte alba, vertice caeruleo
.

Frisch tab. 14. fig. 1.

Häufig in Europa. Vertilgt Jahr aus Jahr
ein unzählige Insecten.

3. †. Caudatus. die Schwanzmeise, Moor-
meise, Schneemeise. (Fr. la mesange à
longue queue
. Engl. the longtailed titmouse.)
P. vertice albo, cauda corpore longiore.

[Seite 195]

Frisch tab. 14. fig. 3.

In Europa und Westindien. Legt wohl 20 Eyer,
baut sich ein sackförmiges Nest*) von Moos,
Wolle etc. und bekleidet es von außen mit den
nähmlichen Baumkrätzen u.a. Moosen, womit
der Baum, an dessen Stamm sie es angelegt,
bewachsen ist.

4. †. Biarmicus. das Bartmännchen, der
indianische Sperling. (Fr. le moustache.
Engl. the bearded titmouse.) P. vertice cano,
cauda corpore longiore, capite barbato
.

Frisch tab. 8. fig. 3.

Im nordwestlichen Europa, England etc.

5. Pendulinus. die Beutelmeise, Pendulin-
meise, der Remitz, Cottonvogel. (Fr. la
mesange de Pologne
.) P. capite subferrugi-
neo, fascia oculari nigra, remigibus rectri-
cibusque fuscis margine vtroque ferrugineo
.

J. D. Titii parus minimus Remiz de-
scriptus.
Lips. 1755. 4. tab. 1. 2.

Hin und wieder in Ober-Italien, Polen,
Sibirien etc. baut sich ein beutelförmiges Nest
von Pappelwolle etc. das sie an einem dünnen
Aste aufhängt.

39. Hirvndo. Schwalbe. Rostrum
minimum incuruum, subulatum, basi
depressum
.

Die Schwalben zeichnen sich auch außer ihrer
Bildung durch ihre Lebensart etc. gar sehr von
den übrigen Thieren dieser Ordnung aus. Bey der
bekannten Streitfrage über den Winteraufenthalt
unserer hieländischen Schwalben, zumahl der bey-
[Seite 196] den ersten Gattungen, scheint doch nach allem, was
darüber geschrieben worden, noch manches nicht
vollkommen ins Reine. Schade, daß bey den für
die eine*) oder für die andere**) Behauptung
angeführten Erfahrungen, die Gattungen, an
welchen sie gemacht worden, nicht bestimmt ge-
nug angegeben sind. Im ganzen hat doch aber
immer das Wegziehen derselben nach wärmeren
Gegenden bey weiten die größte Wahrscheinlich-
keit für sich.

1. †. Domestica. die Rauchschwalbe, Feuer-
schwalbe. (hirundo rustica Linn. Fr. l'hi-
rondelle de cheminée
. Engl. the house-swal-
low, chimney-swallow
.) H. rectricibus, ex-
ceptis duabus intermediis, macula alba notatis,
fronte et gula spadiceis.

Frisch tab. 18. fig. 1.

Nebst der Uferschwalbe einer der weitverbreitet-
sten Vögel auf Erden. Die Benennungen dieser
und der folgenden Gattung sind bey den Syste-
matikern aufs seltsamste vermengt und verwech-
selt worden. Hier diese, mit den nackten unbefie-
derten Füßen und weißgefleckten Steuerfedern,
[Seite 197] baut ihr offenes Nest (das oft von Wan-
zen wimmelt) an die Dachgiebel, Ställe,
Scheuern, und auf den Dörfern in den Hausären
und unter die Rauchfänge.

2. †. Agrestis. die Hausschwalbe, Fenster-
schwalbe, Mehlschwalbe, Spyrschwalbe.
(hirundo vrbica Linn. Fr. l'hirondelle de
fenêtre ou de muraille, le martinet à cul blanc
.
Engl. the martin.) H. pedibus hirsutis,
rectricibus immaculatis, dorso nigro caeru-
lescente, tota subtus alba
.

Frisch tab. 17. fig. 2.

Zumahl in der nördlichen Erde. Nistet meist
auf den Dörfern außerhalb der Häuser unterm
Dache, an den Kirchfenstern etc. Macht ihr Nest
aus Lehm-Klümpchen, oben zugewölbt.

3. †. Riparia. die Uferschwalbe, Erdschwalbe.
(Fr. l'hirondelle de rivage. Engl. the sand-
martin, shore bird
.) H. cinerea, gula ab-
domineque albis
.

Frisch tab. 18. fig. 2.

Baut in Fluß-Ufern, Lehmgruben, Sand-
hügeln etc.

4. Esculenta. die Salangane. H. rectricibus
omnibus macula alba notatis
.

Von der Größe eines Zaunkönigs. Auf den
sundaischen u.a. Inseln des indischen Archipe-
lagus bis Neu-Guinea etc. Baut da in die Ufer-
löcher und Berghöhlen die berufnen indianischen
oder Tunkinsnester, deren Stoff der Hausenblase
ähnelt und vermuthlich aus halbverdauten, da-
durch für Fäulung gesicherten und so regurgitir-
ten molluscis besteht. Man sammelt jährlich
wohl vier Millionen dieser Nestchen, die größten-
theils nach Schina verkauft werden.

[Seite 198]

5. †. Apus. die Mauerschwalbe, Stein-
schwalbe, Pierschwalbe, Thurmschwalbe.
(Fr. le martinet. Engl. the black martin,
swift
.) H. nigricans, gula alba, digitis
omnibus quatuor anticis
.

Frisch tab. 17. fig. 1.

In allen drey Welttheilen der nördlichen Erde.

40. Caprimvlgvs. Rostrum modice
incuruum, minimum, subulatum, basi
depressum; vibrissae ciliares. Rictus
amplissimus; vnguis intermedius intror-
sum ciliatus
.

1. †. Europaeus. die Nachtschwalbe, Hexe,
der Ziegenmelker, Ziegensauger, Nacht-
rabe, Tagschläfer. (nycticorax. Fr. l'en-
goulevent, la tette-chevre.
Engl. the goat-
sucker, night-raven
.) C. narium tubis ob-
soletis
.

Frisch tab. 101.

In der alten Welt. Ein animal nocturnum,
das im Flug seine schnurrende Stimme hören
läßt. Es lebt von Insecten, besonders von
Nachtfaltern etc. und die alte Sage, daß es den
Ziegen die Milch aussauge, ist ungegründet.


VI. GALLINAE.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze Füße
und einen convexen Schnabel, der an der
Wurzel mit einer fleischigen Haut überzogen
ist, und dessen obere Hälfte zu beyden Seiten
über die untere tritt. Sie nähren sich meist
[Seite 199] von Pflanzensamen, die sie im Kropfe ein-
weichen; leben in Polygamie, legen zahlreiche
Eyer; und geben das mehreste Hausgeflügel.

41. Colvmba. Taube. (Fr. und Engl.
pigeon.) Rostrum rectum versus apicem
descendens
*).

a) Cauda aequali modica.

1. †. Oenas. die Haustaube, Feldtaube, Holz-
taube. (vinago, livia. Fr. le biset. Engl.
the stock dove.) C. caerulescens, ceruice vi-
ridi nitente, dorso postico albo, fascia ala-
rum apiceque caudae nigricante.

Die Holztaube ist meist in der ganzen alten
Welt zu Hause. Die in Norden ziehen im
Herbst nach etwas südlichern Gegenden. Die
in mildern Erdstrichen hingegen überwintern
scharenweise in Felsen-Klüften, kohlen Bäu-
men etc. Das wilde Weibchen brütet zwey Mahl
im Jahre, die Haustaube hingegen neun bis
zehn Mahl, so daß man von einem einzigen
Paar binnen vier Jahren 14762 Tauben ziehen
könnte. Die vorzüglichsten Abarten (wovon
doch manche für besondere Gattungen angesehen
werden) sind folgende:

a) dasypus, die Trommeltaube. (Fr. le pi-
geon pattu
, Engl. the rough-footed dove.)
mit langbefederten Füßen. Frisch tab. 145.

b) gutturosa, die Kropftaube, der Kröpfer.
(Fr. le pigeon à grosse gorge, le grand-
gosier
, Engl. the cropper pigeon.) mit
theils ungeheuerem Kropfe. Frisch tab. 146.

c) turbita, das Möwchen. (Fr. le pigeon
cravate, à gorge frisée
. Engl. the turbit.)
[Seite 200] mit krausen Brustfedern und ganz kurzem
Schnabel. Frisch tab. 147.

d) gyratrix, der Tümmler. (Fr. le pigeon
culbutant
, Engl. the tumbler.) mit glattem
Kopf und einem kahlen rothen Augenring:
überschlägt sich im steigenden Fluge. Frisch
tab. 148.

e) cucullata, die Schleiertaube, Zopftaube.
(Fr. le pigeon nonain, Engl. the jacobine.)
mit vorwärts gerichtetem Kopf-Busche.
Frisch tab. 150.

f) laticauda, die Pfauentaube, der Hüner-
schwanz. (Fr. le pigeon paon, Engl. the
shaker
.) mit aufrechtem, ausgebreitetem
Schwanze. Frisch tab. 151.

g) tabellaria. die Posttaube, Brieftaube,
türkische Taube. (Fr. le pigeon messager,
Engl. the carrier pigeon.) mit rothen Fleisch-
warzen um den Schnabel und die Augen
herum. Diese Taubenart hat ihren Nah-
men daher, weil man sich ihrer vorzüglich
ehedem in der Levante bediente, um Brief-
chen zu überschicken*).

2. Coronata. der Kronvogel. C. caerulescens,
supra cinerea, orbitis nigris, crista erecta,
humeris ferrugineis
.

Jo. Fr. Miller fasc. III. tab. 16.

Zumahl auf Neu-Guinea und den benachbarten Inseln.
Fast von der Größe des welschen Hahns.

3. †. Palumbus, die Ringtaube, große Holz-
taube, Schlagtaube, Plochtaube, Kohl-
taube, Holztaube. (Fr. le pigeon ramier,
Engl. the ring-dove.) C. rectricibus postice
[Seite 201] atris, remigibus primoribus margine exte-
riore albidis collo vtrinque albo
.

Frisch tab. 138.

Meist in ganz Europa.

4. † Turtur. die Turteltaube, (Fr. la tour-
terelle
, Engl. the turtle-dove.) C. rectri-
cibus apice albis, dorso griseo, pectore
incarnato, macula laterali colli nigra lineo-
lis albis
.

Frisch tab. 140.

In den warmen und mildern Gegenden der
alten Welt. Von ihrer gepriesenen Keuschheit
und ehelichen Treue die fabelhaften Uebertrei-
bungen abgerechnet, haben sie darin nichts vor
andern Vögeln ähnlicher Lebensart voraus.

5. †. Risoria. die Lachtaube. (Fr. la tourterelle
à collier
, Engl. the indian tourtle.) C. supra
lutescens lunula ceruicali nigra
.

Frisch tab. 141.

Im mildern Europa und in Ostindien.

b) Cauda longiore cuneata.

6. Migratoria. die Zugtaube. C. orbitis de-
nudatis sanguineis, pectore ruso
.

Frisch tab. 142.

Im nordöstlichen America. Macht zur Zeit
ihrer unermeßlichen Züge, eine Haupt-Nahrung
der dasigen Indianer aus, die auch Tausende
derselben räuchern und dörren.

42. Tetrao. (Engl. grous.) Macula prope
oculos nuda, papillosa
.

1. †. Coturnix. die Wachtel. (Fr. la caille,
Engl. the quail.) T. pedibus nudis, cor-
[Seite 202] pore griseo maculato, superciliis albis,
rectricibus margine lunulaque ferruginea
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1802.

Fast in der ganzen alten Welt; ein Zugvogel,
der sich im Zug zuweilen in zahlloser Menge
sehen läßt.

2. †. Perdix. das Rebhuhn, Feldhuhn. (Fr.
la perdrix grise. Engl. the partridge.) T.
pedibus nudis calcaratis, macula nuda coc-
cinea sub oculis, cauda ferruginea, pectore
subfusco.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1799.

Im mittlern Europa und in den mildern Ge-
genden des asiatischen Rußlands.

3. †. Rufus. (Fr. la perdrix rouge, la barta-
velle
.) T. pedibus nudis calcaratis rostroque
sanguineis, gula alba cincta fascia nigra albo
punctata
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

Im südlichen Europa und Orient. Wird auf
den Inseln des Archipelagus als Meyergeflügel
gehalten.

4. †. Bonasia. das Haselhuhn. (Fr. la gelinotte.)
T. pedibus hirsutis, rectricibus cinereis pun-
ctis nigris fascia nigra; exceptis interme-
diis duabus
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Lebt einsam in den Haselgebüschen des mitt-
lern Europa. Das Schwedische (Hiärpe) ist
wohl das schmackhafteste von allem wilden Ge-
flügel.

5. Lagopus. das Schneehuhn, Rype. (Fr.
la gelinotte blanche. Engl. the white game.)
[Seite 203] T. pedibus lanatis, remigibus albis, rectri-
cibus nigris, apice albis; intermediis albis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

In den alpinischen und nördlichsten Gegenden
der alten und neuen Welt. Ist im Sommer von
grauer Farbe. Nahmentlich ein überaus wichti-
ges Thier für die europäischen Colonisten in
Labrador und Grönland.

6. †. Tetrix. der Birkhahn. (Fr. le petit te-
tras
, Engl. the black cock.) T. pedibus
hirsutis, cauda bifurcata, remigibus secun-
dariis basin versus albis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795.

In der nördlichern alten Welt.

7. †. Vrogallus. der Auerhahn. (Fr. le coq
de bruyere, tetras
. Engl. the cock of the
wood
.) T. pedibus hirsutis, cauda rotun-
data, axillis albis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1794.

Im nördlichern Europa, hat ein äußerst schar-
fes Gesicht und Gehör. Seine Zunge und obe-
rer Kehlkopf liegen tief unten im Halse.

43 a). Nvmida. Caput cornutum, col-
lum compresso coloratum; palearia ca-
runculacea ad latera maxillae vtriusque
.

1. Meleagris. das Perlhuhn. (Fr. la peintade.
Engl. the guiney hen.) N. rostro cera in-
structo nares recipiente
.

Frisch tab. 126.

Das so zum wundern schön weißpunctirte Ge-
schöpf ist ursprünglich im nördlichen und westli-
chen Africa einheimisch, aber auch längst nach
Europa und viele Gegenden von America ver-
pflanzt.

[Seite 204]

43 b). Menvra. Cauda elongata, plana,
rectricibus 16. duabus intermediis angu-
stis, longioribus, duabus externis apice
dilatato exterius recuruo; reliquis laxis
.

1. Superba der Leyerschwanz, Schweifhahn.

Audebert et Vieillot oiseaux de Pa-
ris
tab
. 14. 15. 16.

Auf Neuholland. Das Männchen wegen sei-
nes mächtig großen wundersam gebildeten schön-
farbigen Schweifes eines der prachtvollsten Thiere
der ganzen Classe.

44. Phasianvs. Genae cute nuda lae-
vigata
.

1. †. Gallus. der Haushahn. (Fr. le coq,
Engl. the cock.) Ph. caruncula compressa
verticis geminaque gulae, auribus nudis,
cauda compressa ascendente
.

Die vermutliche wilde Stammraffe*) ist in
Hindustan zu Hause; von rothbrauner Farbe;
und zeichnet sich durch flache hornichte Blättchen
an den Spitzen der Hals- und Flügelfedern aus
(die den zinnoberrothen Flügelblättchen des Sei-
denschwanzes ähneln). Der Haushahn hingegen
ist meist über die ganze Erde verbreitet. Doch
ist er erst durch die Spanier nach America ge-
bracht: hingegen auf vielen Inseln der Südsee
bey ihrer Entdeckung von den Europäern schon
vorgefunden worden. Das Huhn ist bey der
Menge Eyer, die es legt, und seinem oftmah-
ligen Brüten eins der allernutzbarsten Thiere der
ganzen Classe. Und die Hahnen-Gefechte längst
und in mehreren Welttheilen ein beliebtes Volks-
schauspiel.

[Seite 205]

Die Hühner sind, unter den Hausthieren dieser
Classe in die allermannigfaltigsten und auffallend-
sten Rassen und Spielarten degenerirt. Theils
in wahre zum erblichen Schlag gewordene Mon-
strositäten*); sowohl per defectum (– s. oben
S. 22 –), wie der ungeschwänzte Bluthahn;
als per excessum (– a. a. O. –), wie z.B.
mit 5 oder gar 6 Zehen**).

Unter den übrigen Abarten verdienen besonders
bemerkt zu werden:

a) der Paduanerhahn, wohl noch einmahl
so groß als der gemeine Haushahn.

b) Der Zwerghahn, Krup-Hahn, kaum
halb so groß als der gemeine.

c) Der Strupphahn, krause Hahn, fries-
ländische Hahn, mit krausen auswärts ge-
krümmten Federn.

d) Das Wollhuhn, aus Japan, Schina etc.
Seine Federn sind schlicht, fast wie Haare,
daher die Fabel von Bastarden, die von Ka-
ninchen und Hühnern erzeugt seyn sollten,
entstanden ist.

[Seite 206]

e) Das Negerhuhn, mit schwarzer Haut.
Vorzüglich auf St. Jago am grünen Vor-
gebirge, wo auch noch andere Vögelarten
diese Sonderbarkeit haben sollen.

2. Colchicus. der Fasan. (Fr. le faisan, Engl.
the pheasant.) Ph. rufus, variegatus, capite
viridi caerulescente, cauda cuneata genis
papillosis
.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

Hat den Nahmen vom Flusse Phasis in Min-
grelien, von da ihn die Argonauten zuerst nach
Europa gebracht haben sollen.

3. Argus. Ph. fusco-flavescens, nigro puncta-
tus et undulatus, remigum II interiorum
latere exteriore ocellato, genis nudis,
occipite nigro subcristato, rectricibus 2 in-
termediis longissimis
.

Philos. Transact. vol. LV. tab. 3.

In seiner Art wohl das wunderschönste pracht-
vollste Geschöpf in der Natur. Besonders sind
die großen Augen auf den innern Schwungfedern
unbeschreiblich schön schattirt, jedem gleichsam
ein Lichtpunkt aufgesetzt etc.; mißt vom Schnabel
zur Schwanzspitze auf 9 Fuß, und ist nebst den
beyden folgenden Gattungen zumahl in Schina
zu Hause.

4. Pictus. der Goldfasan. Ph. crista flaua,
pectore coccineo, remigibus secundariis
caeruleis, cauda cuneata
.

Edwards tab. 68. 69.

Bey dieser und der nächstfolgenden Gattung
zeichnen sich die erwachsenen Männchen durch die
ausnehmende Schönheit ihres Gefieders aus.

[Seite 207]

5. Nycthemerus. der Silberfasan. Ph. albus,
crista abdomineque nigris, cauda cuneata
.

Edwards tab. 66.

45. Crax. Rostrum basi cera obductum
in vtraque mandibula. Pennae caput
tegentes reuolutae
.

1. Alector. der Curasso. C. cera flaua, corpore
nigro, ventre albo
.

Buffon Vol. II. tab. 13.

In Guiana etc.

46. Meleagris. Caput carunculis spon-
giosis tectum, gula caruncula membra-
nacea longitudinali
.

1. Gallopavo. der Truthahn, Puter, wälsche
Hahn, Kalekuter, Kuhnhahn. (Fr. le dindon,
Engl. the turkey.) M. maris pectore barbato.

Im mittlern und nördlichern America, wo er
in großen Herden zu hunderten auf Bäumen
lebt, ward 1530 zuerst nach Deutschland ge-
bracht, wo er nun als Meyergeflügel gehalten
wird, und in mancherley Varietäten von weißer
u.a. Farben ausgeartet ist.

47. Pavo. Caput pennis reuolutis tectum,
pennae caudales elongatae, ocellatae
.

1. †. Cristatus, der Pfau. (Fr. le paon, Engl.
the peacock.) P. capite crista compressa, cal-
caribus solitariis
.

Ist wohl ursprünglich in Ostindien einheimisch,
und seit Alexanders des Großen Zeiten nach Eu-
ropa verpflanzt. Das Männchen zeichnet sich
vom dritten Jahre an durch die Pracht seiner
[Seite 208] Schwanz-oder vielmehr Rücken-Federn aus.
Unter den Spielarten ist die weiße die auffalendste.

48. Otis. Rostrum mandibula superiore
fornicata: pedes cursorii
.

1. †. Tarda. der Trappe. (Fr. l'outarde,
Engl. the bustard.) O. maris capite iugu-
loque vtrinque cristato
.

Frisch tab. 106. u. f.

Dieser größte hieländische Vogel ist in der ge-
mäßigten alten Welt zu Hause. Das Männchen
wird wohl gegen 30 Pfund schwer, und hat vorn
am Halse einen weiten verborgenen Sack, der
sich unter der Zunge öffnet.


VII. STRVTHIONES.

Große Landvögel, mit freyen unverbunde-
nen Zehen, und kurzen zum Flug ungeschickten
Flügeln ohne Schwungfedern.

49. Strvthio. Rostrum subconicum,
pedes cursorii
.

1. Camelus. der Straus. (Fr. l'autruche,
Engl. the ostrich.) S. pedibus didactylis,
digito exteriore paruo mutico, spinis ala-
rum binis
.

Latham Vol. III. P. I. tab. 71.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 77.

Der allergrößte Vogel, der eine Höhe von
acht Fuß und darüber erreicht, und außer Africa
nur in Arabien zu Hause ist. Das Unvermö-
gen zum Flug wird bey ihm durch die ausneh-
[Seite 209] mende Schnelligkeit seines Laufs vergütet*).

Von seinen Eyern deren er wohl 30 legt, hält je-
des ohngefähr so viel als 24 Hünereyer. Vor-
züglich wird er durch seine Federn schätzbar.

Der americanische Straus (Str. rhea) ist zu-
mahl in Chili zu Hause.

2. Casuarius. der Casuar, Emeu. S. pedi-
bus tridactylis, galea palearibusque nudis,
remigibus
spinosis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 97.

In Ostindien. Hat große Stärke in seiner
mittlern Klaue. Seine Federn sind hornicht und
ähneln Pferdeharen, und es entspringen immer
zwey und zwey Schafte aus einem gemeinschaft-
lichen Kiele.

Eine eigene Gattung von Casuar ohne Helm
(Str. australis.) ist neuerlich im fünften Welttheil
auf Neu-Südwallis entdeckt worden.

50. Didvs. Rostrum medio coarctatum
rugis duabus transuersis; vtraque man-
dibula inflexo apice: facies vltra ocu-
los nuda
.

1. Ineptus. der Dudu, Dronte, Walghvogel.
(Cygnus cucullatus.) D. pedibus ambula-
toriis, cauda breuissima, pennis incuruis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 35.

Ehedem auf Ile de France und Bourbon. –
Aber nach den Versicherungen des Hrn. Morel,
der deßhalb an Ort und Stelle Untersuchung an-
gestellt hat, existirt dieser Vogel jetzt nicht mehr.
Und das ist nicht unwahrscheinlich, da er das
schwerleibigste, langsamste Thier der ganzen Classe,
[Seite 210] folglich leicht zu fangen, und doch wegen seines
widrigen Fleisches von wenig Nutzen war*).


So weit die Landvögel. Nun die Was-
servögel in II. Ordnungen.

VIII. GRALLAE.

Diese, die Sumpfvögel, haben einen
walzenförmigen Schnabel von ungleicher Länge,
hohe Stelzenartige Beine, und auch mehren-
theils einen langen Hals, aber kurzen Schwanz.
Sie halten sich in sumpfigem, moorigem Bo-
den auf, leben meist von Amphibien, Fischen,
Insecten und Wasserpflanzen, die mehresten ni-
sten auf der Erde oder im Schilf, und werden
meist durch ihr vorzüglich schmackhaftes
Fleisch und durch ihre Eyer nutzbar.

51. Phoenicoptervs. Rostrum de-
nudatum, infracto-incuruatum, denti-
culatum, pedes tetradactyli
.

1. Ruber. der Flamingo, Flamant, Korkorre.
P. ruber, remigibus nigris.

Catesby vol. I. tab. 73 sqq.

In Seegegenden der wärmern Erdstriche bey-
der Welten. Wird bey einem mäßig großen Kör-
[Seite 211] per, aber ganz auffallend langem Halse und Bei-
nen, wohl mannshoch.

52. Platalea. Rostrum planiusculum;
apice dilatato, orbiculato, plano. Pedes
tetradactyli, semipalmati
.

1. Leucorodia. die Löffelgans, der Löffel-
reiher. (Fr. la spatule, Engl. the spoon-
bill
.) P. corpore albo, gula nigra, occi-
pite subcristato
.

Frisch tab. 200. u. f.

Hin und wieder, zumahl in der westlichen al-
ten Welt.

53. Palamedea. Rostrum conicum,
mandibula superiore adunca. Pedes te-
tradactyli, fissi
.

1. Cornuta. (Kamichy, Kamoucle.) P. alulis
bispinosis, fronteque cornuta
.

Latham Vol. III. P. I. tab. 74.

In den Savannen des östlichen Süd-America.

54. Mycteria. Rostrum subadscen-
dens, acutum; mandibula superiore
triquetra: inferiore trigona acuminata
adscendente: frons calua; nares linea-
res; pedes tetradactyli
.

1. Americana. (Jabiru, Touyouyou. Fr. la
cicogne du Bresil
.)

Latham l. c. tab. 25.

Hat mit dem vorigen Vogel gleiches Va-
terland.

[Seite 212]

55. Cancroma. Rostrum gibbosum:
mandibula superiore cymbae resupinatae
forma
.

1. Cochlearia. (Fr. la cuilliere. Engl. the boat-
bill
.) C. ventre rufescente.

Latham l. c. tab. 26.

Ebenfalls in Brasilien etc.

56. Ardea. Rostrum rectum, acutum,
longum, subcompressum: pedes tetra-
dactyli
.

1. †. Grus. der Kranich. (Fr. la grue. Engl.
the crane.) A. occipite nudo papilloso,
corpore cinereo, alis extus testaceis
.

Frisch tab. 194.

In der nördlichen alten Welt.

2. †. Ciconia. der Storch. (Fr. la cicogne,
Engl. the stork.) A. alba, orbitis nudis re-
migibusque nigris; rostro, pedibus cuteque
sanguineis
.

In den mildern Gegenden fast der ganzen alten
Welt. Nährt sich nicht bloß von Amphibien,
sondern frißt auch nutzbare Thiere, ganze Ketten
junge Rebhühner u.s.w. schleppt auch nicht sel-
ten Leinewand, Garn etc. ins Nest, um es weich
auszufuttern*).

3. Maior. † der Reiher, Fischreiher. (Fr.
und Engl. heron.) A. occipite crista nigra
dependente, corpore cinereo, collo subtus
linea fasciaque pectorali nigris
.

Frisch tab. 199.

[Seite 213]

Fast durchgehends in beyden Welten. Schäd-
liche Thiere, die den Fischteichen und besonders
der jungen Brut nachtheilig werden. Sie nisten
auf hohen Bäumen, Eichen etc*).

4. Garzetta. (Fr. l'aigrette.) A. occipite cri-
stato, corpore albo, rostro nigro, loris
pedibusque virescentibus
.

Buffon T. VII. tab. 20.

Zumahl in Persien etc. Mit den kostbaren lan-
gen, silberweißen, seidenartige Rückenfedern.

5. †. Stellaris. die Rohrdommel, der Iprump.
(Fr. le butor. Engl. the bittern.) A. capite
laeuiusculo, supra testacea, maculis transuer-
sis, subtus pallidior, maculis oblongis fuscis
.

Frisch tab. 205.

In den mildern Gegenden der nördlichern Erde.

57. Tantalvs. Rostrum longum, subu-
latum, teretiusculum, subarcuatum. fa-
cies nuda vltra oculos: pedes tetradactyli,
basi palmati
.

1. Ibis. (Tantalus aethiopicus Latham. Nu-
menius
ibis Cuvier.) T. albus, remigum
apicibus, rostro et pedibus nigris, remigi-
bus secundariis elongatis nigro-violaceis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 86.

[Seite 214]

Das berühmte, von den alten Aeqypten, als
Symbol der Ueberschwemmung des Nils*),
auf ihren Denkmählern verewigte, und so wie
die damahligen menschlichen Leichen zu Mumien
bereitete**) und in besondern Gewölbern in größ-
ter Menge beygesetzte, aber jetzt wenigstens in
Nieder-Aegypten ziemlich seltene Thier***).

Ob der schwarze kleinere Ibis scheint mit dem
auch in Europa und selbst im südlichen Deutsch-
land vorkommenden Tantalus falcinellus einerley
zu seyn.

58. Scolopax. Schnepse. Rostrum te-
retiusculum, obtusum, capite longius,
facies tecta, pedes tetradactyli, postico
pluribus articulis insistente
.

1. †. Rusticula. die Waldschnepfe. (Fr. la be-
casse
. Engl. the woodcock.) S. rostro basi
rufescente, pedibus cinereis, femoribus
tectis, fascia capitis nigra
.

Frisch tab. 226. u. f.

[Seite 215]

In den wärmern Gegenden der nördlichern
alten Welt.

2. †. Gallinago. die Heerschnepfe, Himmels-
ziege, der Haberbock, das Haberlämmchen.
(Fr. la becassine. Engl. the snipe.) S. rostro
recto, tuberculato, pedibus fuscis, frontis
lineis fuscis quaternis
.

Frisch tab. 229.

Fast durchgehends in der nördlichern Erde.

59. Tringa. Rostrum teretiusculum
longitudine capitis, digito postico vni-
articulato, a terra eleuato
.

1. †. Pugnax. der Kampfhahn, Renommist,
Hausteufel. (Fr. le combattant, paon de
mer
. Engl. the ruff.) T. rostro pedibusque
rubris, rectricibus tribus lateralibus imma-
culatis, facie papillis granulatis carneis
.

Frisch tab. 232. u. f.

In der nördlichen alten Welt. Hat seinen
Nahmen von der Streitbarkeit, mit welcher die
Männchen zur Brunstzeit gegen einander kämpfen.

2. †. Vanellus. der Kybitz. (gavia. Fr. le van-
neau
. Engl. the bastard-plover, the lapwing,
pee-wit.
) T. pedibus rubris, crista depen-
dente, pectore nigro
.

Frisch tab. 213.

Ebenfalls in der nördlichern alten Welt.

60. Charadrivs. Regenpfeiffer. (Fr.
pluvier, Engl. plover.) Rostrum teretiuscu-
lum, obtusum. Nares lineares. Pedes
cursorii, tridactyli
.

[Seite 216]

1. †. Hiaticula. die Seelerche. (Fr. le pluvier
à collier
. Engl. the sea-lark.) C. pectore
nigro, fronte nigricante fasciola alba, ver-
tice fusco, pedibus luteis
.

Frisch tab. 214.

Hin und wieder an den Flüssen der nördlichen
Erde, nahmentlich auch auf den Sandwich-Inseln.

61. Recvrvirostra. Säbelschnäb-
ler. Rostrum depresso planum, subula-
tum, recuruatum, acuminatum
apici
flexili.
Pedes palmati, tridactyli
.

1. † Avosetta. R. albo nigroque varia.

Buffon vol. VIII. tab. 38.

In den mildern Gegenden der alten Welt etc.
nährt sich vorzüglich von Wasser-Insecten und
Gewürmen, die er mit feinem sonderbar aufwärts
gebognen Schnabel sehr geschickt zu fangen weiß.

62. Haematopvs. Rostrum compres-
sum, apice cuneo aequali: pedes cur-
sorii tridactyli
.

1. †. Ostralegus. der Austerdieb, Austermann,
die Meerälster. (Fr. l'hutrier. Engl. the
sea-pie, pied oyster-catcher
.) H. rostro
pedibusque rubris
.

Latham Vol. III. P. I. tab. 84.

Hin und wieder an den Seeufern aller Welt-
theile; nährt sich vorzüglich von Conchylien.

63. Fvlica. Wasserhuhn. Rostrum con-
vexum, mandibula superiore margine
supra inferiorem fornicata;
frons calua,
pedes tetradactyli, subpinnati.

[Seite 217]

1. Porphyrio. (Fr. la Poule Sultane. Engl.
the purple Water-hen.) F. Pedibus fissis,
fronte pedibusque rubris, corpore viridi sub-
tus violaceo
.

Buffon Vol. VIII. tab. 17.

Auf vielen Küsten und Inseln der wärmern Zo-
nen in allen fünf Welttheilen. Vom schönsten
schlanken Wuchs und prächtigen violet und grün
schillenden Gefieder. Wird leicht zahm.

2. †. Atra. das schwarze Bläßhuhn. (Fr. la
foulque, morelle
. Engl. the coot.) F. pedi-
bus pinnatis fronte incarnata, armillis luteis,
corpore nigricante
.

Frisch tab. 209.

In der mildern nördlichen Erde.

64. Parra. Rostrum teretiusculum, obtu-
siusculum. Nares ouatae in medio rostri.
Frons carunculata, carunculis lobatis.
Alulae spinosae
.

1. Jacana. (Fr. le chirurgien, chevalier.) P.
vnguibus posticis longissimis, pedibus viri-
descentibus
.

Buffon vol. VIII. tab. 16.

In Westindien, Brasilien etc.

65. Rallvs. Rostrum basi crassius, com-
pressum, dorso attenuatum apicem versus,
aequale, acutum. pedes tetradactyli, fissi
.

1. †. Crex. der Wachtelkönig, Schnerz, Wie-
senschnarcher, Schars. (ortygometra. Fr.
le râle de genet. Engl. the rail, daker-hen.)
R. alis rufo-ferrugineis.

Frisch tab. 210.

[Seite 218]

In den mildern Gegenden der alten Welt.
Wachtelkönig heißt er von der alten irrigen Sage,
als ob er dieser Vögel Heerführer im Zug sey.

66. Psophia. Rostrum cylindrico-coni-
cum, conuexum, acutiusculum, mandi-
bula superiore longiore. Nares ouatae,
patulae. Pedes tetradactyli, fissi
.

1. Crepitans. die Trompete, der Agami,
Mackukawa. (Fr. l'oiseau trompette.) P.
nigra, pectore columbino
.

Latham Vol. II. P. II. tab. 68.

In Süd-America, vorzüglich häufig am
Amazonen-Strom. Wird ausnehmend kirre
und seinem Herrn zugethan.


IX. ANSERES.

Die Vögel dieser Ordnung werden durch
ihre Schwimmfüße kenntlich, die ihnen mehr
nach hinten zu sitzen, und daher zum Rudern
sehr geschickt, aber desto unbequemer zum Gehen
sind. Ihr Oberschnabel endigt sich meist in
ein kurzes Häkchen, und ist wie der untere bey
den mehresten mit einer ausnehmend nerven-
reichen Hautüberzogen. (– s. oben S. 145. –)
Sie haben eine fleischige Zunge, einen rauhen
stacheligen Gaumen, und bey vielen von ihnen
haben die Männchen vorn an der Luftröhre
eine besondere knorplige oder knöcherne Kapsel.
Sie haben dichtes fettes Gefieder, das kein
[Seite 219] Wasser annimmt, halten sich an den Ufern
des Meeres, der Seen, der Flüsse, auf In-
seln, Klippen, im Schilf etc. auf, und leben
mehrentheils in Polygamie. Sie legen mei-
stens nur Ein oder wenige Eyer; sind aber,
besonders wegen ihres Fleisches, Fettes, Fe-
dern etc. von mannigfaltiger Nutzbarkeit.

67. Rhinchops. Rostrum rectum, man-
dibula superiore multo breuiore: infe-
riore apice truncata
.

1. Nigra. (Fr. le bec en ciseaux, Engl. the
sea-crow, cut-water
.) R. nigricans, sub-
tus alba, rostro basi rubro
.

Brisson T. VI. tab. 21. fig. 2.

In Nord-America. Der Oberschnabel ist kürzer
als der untere und dieser liegt in jenem, gleich-
sam wie ein eingeschlagnes Taschenmesser.

68. Sterna. Rostrum edentulum, su-
bulatum, subrectum, acutum, compres-
siusculum. Nares lineares, ad basin
rostri
.

1. Stolida. die Noddy. (Fr. le fou, diable.)
S. corpore nigro, fronte albicante, super-
ciliis atris
.

Brisson T. VI. tab. 18. fig. 2.

In allen Meeren zwischen den beyden Wende-
zirkeln.

2. Hirundo. die Seeschwalbe. (Engl. the sil-
ver-bird
.) S. cauda forficata; rectricibus
duabus extimis albo nigroque dimidiatis
.

Frisch tab. 119.

[Seite 220]

An der ganzen nördlichsten Erde.

69. Colymbvs. Taucher. Rostrum eden-
tulum, subulatum, rectum, acumina-
tum, pedes compedes
.

1. Grylle. die grönländische Taube. (Engl.
the sea-turtle.) C. pedibus palmatis tri-
dactylis, corpore atro, rectricibus alarum
albis
.

Frisch tab. 185.

Ebenfalls an der ganzen nördlichsten Erde.

2. †. Troile. die Lumer. (Fr. le guillemot.)
C. pedibus palmatis tridactylis, corpore
fusco, pectore abdomineque niueo, remi-
gibus secundariis extremo apice albis
.

Frisch tab. 185.

An den Seeküsten der nördlichen Erde.

3. †. Vrinator. (Fr. la grébe.) C. capite
laeui, palpebra inferiore lutea, macula ala-
rum alba
.

Edwards tab. 360. fig. 2.

Im wärmern Europa. Sein Fell wird, so
wie das vom C. cristatus, zu Feder-Muffen etc.
verarbeitet.

70. Larvs. Möve. (Fr. mouette. Engl.
gull.) Rostrum edentulum, rectum, cul-
tratum, apice subadunco. Mandibula
inferior infra apicem gibba
.

Meist an den Küsten der nördlichen Erde,
doch finden sich auch welche auf der Südsee und
zwar theils in ungeheueren Scharen.

1. †. Tridactylus. (Engl. the tarrock.) L. al-
bicans, dorso canescente, rectricum apici
-
[Seite 221] bus, excepto extremo, nigris, pedibus
tridactylis
.

Brisson T. VI. tab. 17. fig. 2.

Am nördlichen Ocean.

71. Plotvs. Rostrum rectum, acumina-
tum, denticulatum. Facies tecta, pedes
palmati omnibus digitis connexis
.

1. Anhinga. P. ventre albo.

Willoughby tab. 72.

In Brasilien etc. Am Leibe von der Größe
einer Ente, aber mit einem sehr langen Halse,
den das Thier spiralförmig zusammen rollen und
so den Kopf gegen die Fische, die es erschnappen
will, los schnellen soll.

72. Phaëthon. Rostrum cultratum.
rectum, acuminatum, fauce pone ro-
strum hiante. Digitus posticus antror-
sum versus
.

1. Aethereus. der Tropikvogel. (Fr. la paille
en cul
. Engl. the tropic-bird.) P. rectri-
cibus duabus longissimis, rostro serrato, pe-
dibus aequilibribus; digito postico connexo
.

Brisson T. VI. tab. 42. fig. 1.

An der offenbaren See, zwischen beyden
Wendezirkeln. Nährt sich meist von den fliegen-
den Fischen.

73. Procellaria. Rostrum edentu-
lum, subcompressum; mandibulis aequa-
libus: superiore apice adunco: inferiore
apice compresso-canaliculato. Pedes
vngue postico sessili absque digito
.

[Seite 222]

1. Pelagica. der Sturmvogel, Ungewitter-
vogel. (Fr. le petrel. Engl. the tempest-
bird, stormfinch, mother cary's chicken
.)
P. nigra, vropygio albo.

Linné fauna suecica. tab. 2. fig. 143.

Sowohl im nördlichen als südlichen Ocean.
Meist in offener freyer See fern vom Lande auf
Klippen, und die Schiffer sehen es gemeiniglich
als Zeichen eines bevorstehenden Sturms an,
wenn er sich von da nach den Schiffen flüchtet.
Die Einwohner der Färöer bedienen sich seiner
statt Lampe, indem sie ihm bloß einen Docht
durch den Körper ziehen und anbrennen, da
dann die Flamme von dem vielen Fette, das
allmählich hinein zieht, lange Zeit unterhal-
ten wird.

74. Diomedea. Rostrum rectum; ma-
xilla superiore apice adunca: inferiore
truncata
.

1. Exulans. der Albators. (Fr. le mouton
du cap
.) D. alis pennatis longissimis, pe-
dibus aequilibribus tridactylis
.

Edwards tab. 88.

Von der Größe eines Schwans, hält aber
mit ausgespannten Flügeln wohl 11 Fuß Breite,
fliegt wohl 500 deutsche Meilen von irgend einem
Lande entfernt, aber selten höher als 10 bis 20
Fuß über der Meers-Fläche. Nährt sich großen-
theils von fliegenden Fischen*).

[Seite 223]

75. Pelecanvs. Rostrum rectum:
apice adunco, vnguiculato; pedes ae-
quilibres: digitis omnibus quatuor simul
palmatis
.

a) Rostro edentulo.

1. †. Onocrotalus. die Kropfgans, der Pelican.
(Fr. und Engl. pelican.) P. gula saccata.

Ein Blatt von J. E. Ridinger. 1740.

In den wärmern Gegenden der alten Welt-
theile, (wenn anders die americaniche Kropf-
gans nicht specifisch von der in der alten Welt
verschieden ist). Hat den griechischen Nahmen
von ihrer Eselstimme, den deutschen aber von
dem ungeheueren beutelförmigen Kropfe, der ihr
am Unterschnabel hängt, und sich so ausdehnen
läßt, daß er wohl 30 Pfund Wasser fassen kann.

Die americanische Kropfgans scheint specifisch
von dieser verschieden zu seyn.

2. Aquilus. die Fregatte. (Fr. le tailleur. Engl.
the man of war bird.) P. alis amplissimis,
cauda forficata, corpore nigro, rostro ru-
bro, orbitis nigris
.

Edwards tab. 309.

Hat in der Bildung und Lebensart viel Aehn-
liches mit dem Albatros: nur noch längere Flü-
gel, die ausgespannt auf 14 Fuß klafftern, und
dem fliegenden Thier ein sonderbares Ansehen
geben.

3. Carbo. die Scharbe, der Seerabe. (Fr.
und Engl. cormoran.) P. cauda rotundata
corpore nigro, rostro edentulo, capite sub-
cristato
.

Frisch tab. 187.

Meist in allen fünf Welttheilen. Eine ihr sehr
ähnliche Gattung (Pelecanus sinensis) wird in
[Seite 224] Schina zum Fischfang abgerichtet. (– Abbild.
n. h. Gegenst.
tab
. 25. –)

b) Rostro serrato.

4. Bassanus. die Rothgans. (Fr. le fou de
bassan
. Engl. the gannet, the soland goose.)
P. cauda cuneiformi, corpore albo, rostro
remigibusque primoribus nigris, facie cae-
rulea
.

Brisson T. VI. tab. 44.

Häufigst im Norden von Europa und America,
zumahl auf den schottischen Inseln, und nahment-
lich auf Baß*), wovon diese Gans den Nah-
men führt. MAcht die Hauptnahrung der armen
Insulaner auf St. Kilda, deren Weiber auch
die abgestreifte Haut dieses Vogels start Schuhe
tragen, die zwar nur ohngefähr fünf Tage hal-
ten aber auch augenblicklich wieder durch neue
ersetzt sind.**).

76. Anas. Rostrum lamelloso-dentatum,
conuexum, obtusum; lingua ciliata,
obtusa
.

1. †. Olor. der Schwan, Elbsch. (Fr. le
cygne
. Engl. the swan, elk.) A. rostro se-
micylindrico atro, cera nigra, corpore albo
.

Frisch tab. 152.

In der nördlichen alten Welt: nährt sich von
Fröschen, Wasserpflanzen etc. Man muß diesen,
den so genannten stummen oder zahmen Schwan,
von dem so genannten wilden. A. cygnus (mit
gelber Haut an der Schnabelwurzel und weit
längerer krummlaufender Luftröhre), unterschei-
[Seite 225] den. Dieser letztere gibt einen hellen weit schal-
lenden nicht unangenehmen Ton von sich.

Der schwarze Schwan mit weißen Schwung-
federn (A. nigra) ist an den Küsten des fünften
Welttheils zu Hause. Bey Botanybay sowohl
als an der Westküste, wo das schöne Thier schon
1697 gefunden und beschrieben worden.*)

2. Cygnoides. die spanische, türkische oder
schinesische Gans. (Fr. l'oye de Guinée. Engl.
the swan-goose, chinese goose.) A. rostro
semicylindrico; cera gibbosa, palpebris
tumidis
.

Frisch tab. 153. 154.

Auf Guinea, am Cap, dann in Sibirien und
Schina, und wie es scheint auch auf den Sand-
wich-Inseln des stillen Oceans. Man unter-
scheidet mehrere Varietäten.

3. †. Anser. die Gans. (Fr. l'oye. Engl. the
goose)
A. rostro semicylindrico, corpore
supra cinereo, subtus pallidiore, collo striato
.

Meist in allen fünf Welttheilen wild. Unter
den zahmen soll es wohl häufig völlig schnee-
weiße Ganserte, aber nur selten eine ganz weiße
weibliche Gans geben.

4. Canadensis. die Hudsonsbay-Gans. (Engl.
the grey goose.) A. cinerea, capite collo-
que nigris, genis gulaque albis
.

Edwards tab. 151.

Im kältern Nordamerica. Sehr gesucht wegen
ihrer ausnehmende Flaumen zu Betten. Gibt
auch vorzügliche Schreibfedern.

[Seite 226]

5. Bernicla. die Baumgans, Rothgans, schot-
tische Gans. A. fusca, capite collo pecto-
reque nigris, collari albo
.

Frisch tab. 156.

In den kältesten Ländern der nördlichen Erde,
kommt bloß zum Ueberwintern nach Schottland
und andern mildern Gegenden, wo sie sich un-
ter andern von dem Thier der Entenmuschel
(Barnacle, Lepas anatifera) nährt, daher die
alte seltsame Fabel entstanden, daß dieser Vogel
nicht aus einem Ey, sondern aus einer Muschel
hervor komme u.s.w.*)

6. Mollissima. der Eidervogel. (Fr. l'oye à
duvet
. Engl. the eiderduck, cuthbert duck.)
A. rostro cylindrico, cera postice bifida,
rugosa
.

Brünnichs N. H. des Eidervogels. tab. 1. u. f.

In der nördlichen Erde, zumahl häufig auf
Island und in Grönland. Sein Fleisch und
Eyer sind sehr schmackhaft; noch wichtiger aber
ist sein Fell, womit man Kleider futtert, und
die Flaumfedern, die unter dem Nahmen der
Eiderdunen bekannt sind.

7. †. Boschas. die Ente. (Fr. le canard. Engl.
the duck, mallard.) A. rectricibus inter-
mediis (maris) recuruatis, rostro recto
.

Frisch tab. 158. u. f.

Die wilde Ente findet sich fast in in der ganzen
nördlichen Erde, theils in ungemein schönen
Spielarten. Die zahme (A. domestica) scheint
[Seite 227] große Neigung zu unnatürliches Paarung zu
haben, so daß z.B. die Aentriche aus Hühner
erpicht sind und v. v. Enten den wälschen Hah-
nen nachlaufen und sie zu reitzen suchen.

8. †. Clypeata. die Löffelänte. (Fr. le souchet.
Engl. the shoveler.) A. rostri extremo di-
latato rotundato; vngue incuruo
.

Frisch tab. 161. u. f.

Hat meist gleiches Vaterland mit der vorigen.
Die Ränder des Schnabels sind nach innen mit
hornigen Borsten besetzt, fast wie kleine Wall-
fischbarden.

77. Mergvs. Taucher, Wasserhuhn.
Rostrum denticulatum, subulato-cylin-
dricum, apice adunco
.

1. †. Merganser. der Kneifer (Fr. l'harle.
Engl. the goos-ander.) M. crista longitu-
dinali erectiuscula; pectore albido imma-
culato, rectricibus cinereis, scapo nigricante
.

Frisch tab. 190.

In der ganzen nördlichen Erde. So wie an-
dere Gattungen dieses Geschlechts ein schädliches
Thier für Fischteiche, zumahl zur Leichzeit.

78. Alca. (Engl. auk.) Rostrum edentu-
lum, breue, compressum, conuexum,
transuerse sulcatum; mandibula inferior
ante basin gibbosa
.

Das ganze Geschlecht an den Küsten und
Klippen der nördlichen Erde.

1. Arctica. der Papageytaucher. (Fr. le ma-
careux
. Engl. the puffin.) A. rostro com-
presso-ancipiti, sulcato sulcis
4, oculorum
[Seite 228] orbita temporibusque albis, palpebra supe-
riore mucronata
.

Nistet in Erdhöhlen, oder wühlt sich auch
selbst so ein unterirdisches Lager.

79. Aptenodytes. Fettgans, Pinguin.
(Fr. manchot) Rostrum compressiuscu-
lum, subcultratum, longitudinaliter
oblique sulcatum: mandibula inferior
apice truncato; alae impennes, pinni-
formes
.

Ihr glattes glänzendes Gefieder, die gleich-
sam flossenähnlichen, schuppigen, kleinen Flügel,
und ihr gerader, fast aufrechter Gang geben
diesen Thieren ein sonderbares Ansehen, deren
verschiedene Arten an den südlichen Küsten und
Inseln von Africa und America, so wie andere
um Neu-Holland, Neu-Guinea, und Neu-See-
land zu Hause sind*). Finden sich theils in
zahlloser Menge beysammen.

1. Chrysocome. A. rostro rufo-fusco, pedibus
flauescentibus, crista frontali atra erecta,
auriculari deflexa flaua
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 46.

Auf den Falklands-Inseln, Neu-Holland etc.

2. Demersa. A. rostro pedibusque nigris, su-
perciliis fasciaque pectorali albis
.

Edwards tab. 94.

Häufig am Cap etc.


Sechster Abschnitt.
Von den Amphibien.

[Seite 229]

§. 81.

Die Säugethiere und die Vögel unterscheiden
sich beydes durch die Wärme ihres Bluts
(§. 23. und 40.) und durch die größere Menge
desselben von den Amphibien und Fischen.

§. 82.

Die Amphibien aber ähneln doch darin
noch den warmblütigen Thieren, und zeichnen
sich hingegen von den Fischen vorzüglich da-
durch aus, daß sie wie jene auch noch durch
Lungen Luft schöpfen; obgleich dieselben von
weit lockerer Textur, und auch ihre Athemzüge
weit unbestimmter, und so zu sagen unordent-
licher sind als bey den beyden Classen mit war-
men Blute. Auch können sie das Athemhohlen
weit länger entbehren als diese, weit länger
im so genanten luftleeren Raume, oder auch
in eingesperrter Luft (wie z.B. Kröten in einer
engen Höhle mitten in Baumstämmen oder
Steinblöcken) und selbst geraume Zeit in einer
Atmosphäre von kohlengesäuerter Luft aus-
halten, und auffallende Extreme von Hitze
[Seite 230] und von Kälte ausdauern, so daß man z.B.
ungezweifelte Beyspiele von Wassermolchen und
Fröschen hat, die sowohl im Magen und
Darmcanal von Menschen gelebt haben, als
auch ihrem Leben unbeschadet in dichte Eis-
schollen eingefroren sind.

§. 83.

Und eben weil die Amphibien mit Lungen
versehen sind, so sind sie auch noch fähig
Stimme von sich zu geben: doch scheinen ei-
nige (wie z.B. unter den hieländischen der
wahre Salamander, die grüne Eidexe, die
Blindschleiche etc.) gänzlich stumm zu seyn.

§. 84.

In Rücksicht der Bildung überhaupt
herrsche vorzüglich die doppelte Verschieden-
heit unter den Amphibien, daß sie entweder,
wie die Schildkröten, Frösche, Eidexen etc.
mit vier Füßen versehen sind; oder aber, als
Schlangen einen langgestreckten, cylindrischen
Körper ohne alle äußere Bewegungswerk-
zeuge haben.

§. 85.

Die äußern Bedeckungen sind bey den
Amphibien mannigfaltiger als bey den warm-
blütigen Thieren. Einige sind mit einer
knochigen Schale überzogen: andere mit horn-
artigen Reifen, oder mit zahlreichen kleinen
[Seite 231] Schildchen, oder mit Schuppen bedeckt: und
noch andere haben eine nakte nur mit Schleim
überzogene Haut. Die mehresten häuten sich
von Zeit zu Zeit. Manche, wie z.B. der
Laubfrosch und verschiedene Eidexen, besonders
der Chamäleon, ändern auch zuweilen plötzlich
ihre Farbe.

§. 86.

Den mehresten Amphibien ist, wie schon
die Benennung der ganzen Classe andeutet,
Wasser und Land zum gemeinschaftlichen Auf-
enthalt angewiesen. Manche gehen willkür-
lich in beyden ihren Geschäften und ihrer Nah-
rung nach. Andere hingegen bringen entweder
eine bestimmte Periode ihres Lebens, oder ge-
wisse Jahrszeiten bloß in einem von beyden zu.
Endlich sind aber auch manche entweder bloß
für das Wasser, und nicht für beydes zugleich
bestimmt.

§. 87.

Manche Amphibien, zumahl unter den
Schildkröten und Schlangen, leben von sehr
gemischter Nahrung: andere hingegen, wie
der Laubfrosch, Chamäleon etc. sind sehr eigen
in der Wahl ihrer Speisen, gehen z.B. bloß
lebende Insecten von einigen wenigen bestimm-
ten Gattungen an. In der Gefangenschaft
nehmen viele gar keine Nahrung zu sich und
können dann zum Wunder lange fasten: ich
[Seite 232] selbst habe z.B. Salamander auf acht Monathe
lang ohne Speise und selbst ohne daß sie dabey
beträchtlich abgezehrt wären, erhalten: und
von Schildkröten weiß man, daß sie gegen
anderthalb Jahre ohne alle Nahrung ausdauern
können.

§. 88.

Die bey vielen Amphibien so ganz ausneh-
mende Leichtigkeit und Stärke ihrer Repro-
ductionskraft (§. 19.), hat, wo ich nicht
irre, in der obgedachten Stärke ihrer Nerven
und hingegen respectiven Kleinheit ihres Ge-
hirns (§. 29.) einen Grund; da folglich die
erstern von letzterem minder abhängig sind;
und überhaupt die ganze Maschine zwar schwä-
chere Mobilität, weniger consensus zeigt, das
ganze Leben der Amphibien einfacher, und mehr
bloß vegetativ scheint, als bey den warmblüti-
gen Thieren, – aber dagegen die Glieder mehr
mit eigenthümlicher independenter Lebenskraft
versehen sind. Und da folglich bey dieser mehr
eigenthümlichen Lebenskraft der einzelnen Theile,
nicht gleich jeder Stimulus, der auf Einen
Theil, oder auf Ein System wirkt, sogleich,
wie bey den warmblütigen Thieren, andere
in Consensus zieht so erklärt sich auch wohl
überhaupt daher ihr zähes Leben, so daß
Frösche, denen das Herz ausgerissen ist, doch
noch umher hüpfen, und Schildkröten, denen
das Gehirn aus dem Kopfe genommen wor-
[Seite 233] den, noch Monathe lang leben können; daher
auch wohl die anhaltende Beweglichkeit der
den Amphibien abgeschnittenen Theile, wie
z.B. der Schwänze von Wassermolchen,
Blindschleichen etc.*)

§. 89.

Zu Waffen und Vertheidigungsmitteln
dient manchen Amphibien, zumahl unter den
Schlangen, ihr Gift; dem Salamander, der
Feuerkröte etc. ihr milchichter Hautschaum den
sie im Nothfall von sich geben; vielen auch
wohl der specifike Geruch, den sie verbreiten; so
zumahl manche Schlangen, Kröten, Eidexen etc.

§. 90.

Die äußern Sinne scheinen bey den mehre-
sten Amphibien von keiner sonderlichen Schärfe
zu seyn. – Unter den innern zeichnet sich doch
bey vielen das Gedächtniß aus, da man Bey-
spiele selbst von Crocodilen und Kröten hat,
die ihre Wohlthäter kennen gelernt und kirre
geworden, und vollends viele Schlangen be-
kanntlich sich zu allerhand Gaukeleyen abrichten
lassen. Hingegen finden sich bey den Thieren
dieser Classe nur sehr wenige Spuren von
wahren Kunsttrieben. (§. 36.)

§. 91.

[Seite 234]

Auch scheinen die wenigsten Amphibien einen
täglichen Erhohlungsschlaf zu halten. –
Dagegen aber wohl alle die kältern Winter-
monathe in Erstarrung zubringen. Und zwar
theils einzeln, theils wie unsere hieländischen
Frösche und Salamander in Haufen. Doch
können auch diese gar leicht des Winterschlafs
entbehren, und Jahr aus Jahr ein wachend
im Zimmer erhalten werden.

§. 92.

Das Fortpflanzungsgeschäfte der Amphi-
bien hat ungemein viel Sonderbares. Der
Paarungstrieb ist bey vielen so heftig, daß
man z.B. Frösche gesehen hat, die in Erman-
gelung eines Weibchens andere männliche
Frösche oder Kröten oder gar todte Weibchen
besprungen haben. Bey den mehresten Frö-
schen und See-Schildkröten dauert die Paarung
mehrere Tage, ja Wochen lang. Die Vipern
schlängeln sich in der Paarung mit dem Hin-
terleibe aufs innigste um einander, und zün-
geln dabey mit gebogenem Halse auf einander
los. Die Wassermolche hingegen umfassen
einander gar nicht, sondern das Männchen
schwimmt zur Brustzeit bloß um sein
Weibchen herum und bespritzt die Eyerchen, so
wie sie dieselben von sich gibt, von der Ferne.

§. 93.

[Seite 235]

Die Amphibien sind, bis auf sehr wenige
Ausnahmen, Eyerlegende Thiere. Aber
manche, zumahl unter den Schlangen etc. geben
die Eyer nicht eher von sich, als bis das
darin befindliche Junge schon meist seine
völlige Ausbildung erhalten hat. Die Pipa
heckt ihre Junge aus dem Rücken aus.

Anm. Ein Salamander, den ich wenigstens vom
Ende des Sommers an ganzer vier Monathe
lang völlig isolirt in einem Glase gehalten, hat
hierauf um Neujahr herum ganz unerwartet bin-
nen wenigen Tagen 34 Junge geheckt, so daß
folglich hier eine ehemahlige Befruchtung, auf
eine noch weit längere Zeit hinaus als bey den
Hühnern, ihre Wirksamkeit erhalten muß.

§. 94.

Die Frösche und Eidexen, die im Wasser
jung werden, kommen nicht gleich in ihrer
vollkommenen Gestalt, sondern als so genannte
Larven zur Welt und müssen sich erst noch
einer Art von Metamorphose unterziehen,
ehe sie die Ausbildung und den völligen Ge-
brauch aller ihrer Gliedmaßen erlangen. Die
kleinen Frösche z.B. (die so genannten Kaul-
quappen, gyrini, Fr. tétards, Engl. toad-
poles
) haben Anfangs noch keine Füße, son-
dern dafür einen langen Ruderschwanz; auch,
so wie die neugebornen Salamander, eine Art von
Fischkiemen (branchiae oder Swammer-
dam's appendices fimbriatae) zu beyden
[Seite 236] Seiten des Halses; ferner zum Theil eine
kleine Saugeröhre an der Unterlefze u. dergl. m.
Lauter Theile, die nur für den Larvenstand des
zarten jungen Thieres bestimmt sind und mit
der zunehmenden Reife desselben allgemach
schwinden*).

§. 95.

Die Amphibien haben ein langsames
Wachsthum; so daß z.B. unsere hieländi-
schen Frösche meist erst im vierten Jahre
mannbar werden: und doch erreichen diese nur
ein, nach Verhältniß dieser späten Pubertät,
nicht beträchtliches Alter von 12 bis 16 Jahren.
Hingegen weiß man, daß Schildkröten selbst
in der Gefangenschaft über 100 Jahre gelebt
haben, so daß hiernach zu schließen, die
[Seite 237] Crocodile und großen Schlangen etc. wohl zu
einem noch höhern Alter gelangen können.

§. 96.

Die Benutzung der Amphibien fürs
Menschengeschlecht ist ziemlich einfach; aber
für manche Gegenden theils äußerst beträcht-
lich. Zumahl der Genuß der Schildkröten
und ihrer Eyer, so wie auch verschiedener
Frösche und Eidexen etc. – auch von Schild-
kröten Thran; und Schildpatt zu Kunst-
arbeiten etc. –

§. 97.

Schädlich werden manche ungeheuere
Thiere dieser Classe, die Crocodile, Wasser-
schlangen etc. durch ihre Größe, und andere,
zumahl unter den Schlangen, durch ihr Gift,
das in keiner andern Thierclasse von einer so
gefahrvollen Heftigkeit ist.

§. 98.

Die ganze Classe zerfällt bloß in zwey
Ordnungen:

I. Reptiles. Die Amphibien mit vier
Füßen. (Die quadrupeda ouipara der
ältern Naturforscher) – Schildkröten,
Frösche, Eidexen. Und

II. Serpentes. Die Schlangen, ohne alle
äußere Bewegungswerkzeuge. (§. 84.)

* * *

Einige wenige Quellen zur N. G. dieser
Classe:

[Seite 238]
  1. Alb. Seba rerum naturalium thesaurus. Amst. 1734.
    1765. IV. vol. gr. Fol. (– hierher gehören bloß
    die beyden ersten Bände).
  2. Joh. Nic. Laurenti synopsis reptilium emendata.
    Vindob. 1768. 8.
  3. C. de la Cepede histoire naturelle des quadrupèdes
    ovipares et des serpens.
    Par
    . 1788. II. vol. 4.
  4. Deutsch, mit Anmerk. und Zusätzen von J. M. Bech-
    stein. Weim. 1800. V. Th. 8.
  5. G. Ad. Suckow Anfangsgründe der N. G. der Thiere.
    III. Th. Leipz. 1798. 8.
  6. J. Gottl. Schneider historiae amphibiorum naturalis
    et literariae
    Fasc
    . I. II. Jen. 1799. 1801. 8.

I. REPTILES.

[Seite 239]

Alle Thiere dieser Ordnung sind (wenigstens
wenn sie ihre vollkommene Gestalt erlangt ha-
ben) mit vier Füßen versehen, die nach dem
verschiedenen Aufenthalt dieser Thiere entweder
freye, (pedes digitati) oder durch eine
Schwimmhaut verbundene (palmati), oder
gar wie in eine Flosse verwachsene Zehen
(pinnati) haben.

1. Testvdo. Schildkröte. (Fr. tortue.
Engl. tortoise, die See Schildkröten aber
turtle, Span. galápago). Corpus testa
obtectum, cauda (plerisque) breuis,
os mandibulis nudis edentulis
*).

Die mehresten Schildkröten sind mit einer
knochigen sehr festen Schale bedeckt, deren Ober-
theil mit dem Rückgrath und den Rippen des
Thiers verwachsen, und mit den breiten hornigen
Schuppen belegt ist, die bey manchen Gattun-
gen so stark und schönfarbig sind, daß sie zu
Kunstsachen verarbeitet werden. Gewöhnlich lie-
gen 13 dergleichen Schuppen in der Mitte, und
24 um den Rand herum. Der Untertheil oder
das Bauchschild ist etwas kleiner als das obere,
und mit Ausschnitten für Kopf, Schwanz und
Füße versehen. – Ueberhaipt aber dient die
so ganz ausgezeichnete eigenthümliche Bildund
[Seite 240] dieses dadurch gleichsam isolirten Geschlechts zu
einer bedeutenden Instanz gegen die vermeinte
Stufenfolge in der Natur.

1. Membranacea. T. pedibus palmatis, vn-
guiculis tribus, testa orbiculari ouata,
membranacea grisea, striata, scabra
.

Schneider l. c. tab. 1.

In Guiana.

2. Imbricata. die Carette. (Engl. the hawks-
bill turtle
.) T. pedibus pinniformibus, testa
cordata subcarinata, margine serrato; scu-
tellis imbricatis latiusculis, cauda squamata
.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils,
im Anhang tab. 42.

In beyden Indien; auch im rothen Meere.
Gibt das beste Schildpatt*).

3. Mydas. die grüne oder Riesen-Schild-
kröte. (viridis Schneider. Fr. la tortue
franche. Engl. the green turtle.) T. pedi-
bus pinniformibus, marginibus maxillarum
dentatis, testa ouata
.

Schöpff tab. 17. fig. 2.

Diese See-Schildkröte hält zuweilen 8 Cent-
ner am Gewicht. Sie hat ihren gewöhnlichern
Nahmen von ihrer blaß-olivengrünlichen Schale
und der auffallend grünen Farbe ihres schmack-
haften Fettes. Lebt bloß vom Seetang u. dergl.
Vegetabilien, daher ihr ausnehmend schmackhaf-
tes gar nicht thraniges Fleisch.

4. †. Orbicularis. die gemeine Flußschild-
kröte (europaea Schneid.) T. pedibus
palmatis, testa orbiculata planiuscula
.

[Seite 241]

Im mildern Europa.

5. Graeca. T. pedibus subdigitatis, testa po-
stice gibba; margine laterali obtusissimo,
scutellis planiusculis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 66.

Im südlichen Europa, und nördlichen Africa.

6. Geometrica. T. pedibus posticis palmatis,
testae scutellis eleuatis truncatis
.

Schöpff tab. 10.

In Ostindien, und am Cap. Ungefähr von
der Größe einer flachen Hand: hat wegen ihres
regelmäßigen schwarz und gelb gezeichneten hoch-
gewölbten Rückenschildes ein artiges Ansehen.

2. Rana. Frosch (Fr. grenouille. Engl.
frog.) und Kröte (Fr. crapaud. Engl.
toad.) Corpus nudum pedibus quatuor,
posticis longioribus
*).

1. Pipa. R. corpore plano, rostro spathiformi,
digitis anticis muticis quadridentatis, posti-
cis vnguiculatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 36.

In den Gewässern von Guiana. Wird durch
die überaus sonderbare und ganz anomalische
Weise, mit der die Mutter ihre Junge aus-
heckt, merkwürdig. Das Männchen streicht
nähmlich den Leich, den das Weibchen vorher
auf die gewöhnliche Art von sich gegeben, dem-
selben auf den Rücken, und befruchtet sie hier-
auf mit seinem Samen. Die Eyerchen verwach-
[Seite 242] sen nachher gleichsam in der Haut der Mutter,
bis nach Verlauf von beynahe drey Monathen
die darin befindlichen anfangs geschwänzten Kaul-
quappen*) zum Ausbruch reif sind, und nach-
dem ihr Schwanz allgemach verschwunden und sie
dagegen ihre vier Füße erhalten, den Rücken
ihrer Mutter verlassen können.

2. Cornuta. R. palpebris conicis.

Seba vol. I. tab. 72. fig. 1. 2.

In Virginien; hat wegen seiner großen stieren
Augen, und der ungeheueren tutenförmigen obern
Augenlider ein abentheuerliches Ansehen.

3. Ocellata. (Engl. the bull-frog.) R. auri-
bus ocellatis, pedibus muticis
.

Catesby vol. II. tab. 72.

In Nord-America. Fast von der Größe eines
Kaninchens. Hat den englischen Nahmen
von seiner starken Stimme.

4. Paradoxa. die Jackie. (Rana piscis.) R.
femoribus postice oblique striatis
.

Seba vol. I. tab. 78.

Im südlichen America. Die Larve (§. 95.)
erreicht eine fast spannenlange Größe, ist dann
viel größer als der ausgebildete, zu seiner Reife
gelangte Frosch, und hat in jenem Larvenzustande
zu einer alten Sage, von Fröschen, die sich in
Fische verwandelten, Anlaß gegeben. Auch nach-
dem schon die vier Beine ihre ganze Größe und
Ausbildung erhalten haben, bleibt das Thier
doch noch geraume Zeit geschwänzt.

5. †. Buso. die Kröte. R. corpore ventri-
coso verrucoso lurido fuscoque
.

[Seite 243]

Rösel tab. 20. 21.

Daß ihr Harn ein heftiges Gift seyn soll, ist
ungegründet. Hingegen ist es unlängbar, daß
man verschiedentlich lebendige Kröten mitten in
durchsägten Baumstämmen, oder in Steinblöcken etc.
angetroffen hat.

6. †. Bombina. die Feuerkröte. R. corpore
verrucoso, abdomine aurantio-caesio ma-
culato, pupilla triquetra
.

Rösel tab. 22.

Am Bauche schön blau und gelb gemarmelt,
hüpft fast wie ein Frosch.

7. †. Portentosa. die Haus-Unke. (Bufo ca-
lomita
, Laurent). R. verrucosa, linea dor-
sali flaua, lateralibus rufescentibus
.

Rösel tab. 24.

In feuchten Kellern, Ufer-Höhlen etc. kommt
selten zum Vorschein; gibt aber einen eigenen
dumpfen Laut von sich, der allerhand abergläu-
bige Sagen veranlaßt hat.

8. †. Temporaria. der braune Grasfrosch.
R. subfusca dorso planiusculo subangulato.

Rösel tab. 1-8.

Im Gras und Gebüsch etc. von da die Jungen
nach warmen Sommer-Regen haufenweise her-
vorkriechen, da dann ihre plötzliche Erscheinung
wohl zu der alten Sage vom Froschregen Anlaß
gegeben haben mag.

9. † Esculenta. der grüne Wasserfrosch, Rö-
ling, Marxgöker. R. viridis, corpore angu-
lato, dorso transuerse gibbo, abdomine
marginato.

Rösel tab. 13-16.

[Seite 244]

In Teichen und Sümpfen. Die Männchen
quaken laut, zumahl des Abends bey schönem
Wetter, und treiben dabey zwey große Blasen
hinter den Maulwinkeln auf. Sie sind schlau
und muthig, verzehren Mäuse, Sperlinge, und
selbst junge Aenten, Forellen etc. und können so-
gar über große Hechte Herr werden. Zur Begat-
tungszeit bekommen die Männchen dieser und
der vorigen Gattung schwarze warzige Ballen
an den Daumen der Vorderfüße, womit sie sich
äußerst fest um ihrer Weibchen Brust klammern
können.

10. †. Arborea. der Laubfrosch. (calamites.
hyla. Fr. la raine, grenouille de St. Mar-
tin, le graisset
). S. corpore laeui, subtus
granulato, pedibus fissis, apicibus digito-
rum senticulatis
.

Rösel tab. 9-12.

Fast in ganz Europa (doch nicht in England),
auch in America etc. Der klebrige Schleim, wo-
mit er wie die Schnecken überzogen ist, dient
ihm bey seinem Aufenthalt am Laub der Bäume,
zur Haltung. Die erwachsenen Männchen, die
an ihrer braunen Kehle kenntlich sind, haben
eine laute Stimme, die sie, wenn das Wetter
sich ändern will, aber auch außerdem zur Paar-
ungszeit von sich geben. Sie blähen dabey die
Kehle zu einer großen Blase auf.

3. Draco. Corpus tetrapodum cauda-
tum, alatum
.

1. Volans. die fliegende Eidexe. D. brachiis
ab ala distinctis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 98.

In Ostindien und Africa.

[Seite 245]

4. Lacerta. Eidexe. (Fr. lezard. Engl.
lizard) Corpus elongatum, pedibus
quatuor aequalibus
.

1. Crocodilus. der (eigentliche) Crocodil. (Cro-
codilus vulgaris Cuv.
) L. rostro aequali,
scutis nuchae 6, squamis dorsi quadratis.
sex-fariam positis, pedibus posticis palmatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 26. 27.

Zumahl häufig in den größern Strömen von
Africa (namentlich im Ober-Nil und im Niger).
Das größte Thier der süßen Wasser, das wohl
eine Länge von 30 Fuß erreichen soll*): und
doch haben seine Eyer kaum die Größe eines
Gänse-Eyes. Erwachsen fällt er Menschen und
andere große Thiere an. Jung gefangen aber
läßt er sich doch zähmen**).

2. Alligator. der Kaiman. (Crocodilus scler-
ops Cuv.
) L. porca transuersa inter orbi-
tas, nucha fasciis osseis 4 cataphracta, pedi-
bus posticis semipalmatis
.

Seba vol. I. tab. 104. fig. 10.

Im mittlern America. Weit rundlicher und
glatter am Leibe und Schwanz, als der eigent-
liche Crocodil, wird auch nicht so groß als die-
ser und legt kleinere Eyer. Hat übrigens eben
so wie jener fünf Zehen an den Vorderfüßen und
viere an den hintern, von welchen allen aber nur
die drey Innern mit Krallen bewaffnet sind.

[Seite 246]

3. Gangetica. der Gavial. L. mandibulis
elongatis teretibus subcylindricis, pedibus posticis
palmatis.

Edwards in philos. Transact. Vol. XLIX.

Zumahl im Ganges.

4. Monitor. (Fr. la sauve-garde.) L. cauda
carinata, corpore mutico squamis margina-
tis, maculis ocellatis.

Seba vol. I. tab. 94. fig. 1. 2. 3.

In beyden Indien. Ueberaus sauber und
regelmäßig schwarz und weiß gefleckt; wird über
3 Ellen lang; hat den Nahmen daher, daß es
sich, wie man sagt, meist in Gesellschaft der
Crocodile aufhalten, und durch einen pfeifenden
Laut, den es von sich gibt, diese seine furchtba-
re Gefährten verrathen soll.

5. Iguana der Leguan. L. cauda tereti
longa, sutura dorsali dentata, crista gulae
denticulata
.

Seba vol. I. tab. 95. sqq. tab. 98. fig. 1.

In Westindien. Ein flinkes Thier. Hat ein
überaus schmackhaftes Fleisch und Eyer.

6. Chamaeleon. L. cauda prehensili, digitis
duobus tribusque coadunatis
.

Jo. Fr. Miller fascic. II. tab. II.

In Ostindien, Nord-Africa, und nun auch
theils in Spanien. Langsam, träge, lebt auf
Bäumen und Hecken, währt sich von Insecten,
die es mit seiner langen vorn kolbigen ausge-
hölten klebrigen Zunge sehr behende zu fangen
versteht. Seine Lungen sind ausnehmend groß,
und das Thier kann sich damit nach Willkür auf-
blähen oder dünner machen, daher vermuthlich
die Sage der Alten entstanden seyn mag, daß
es bloß von Luft lebe. Seine Augen haben die
[Seite 247] ganz eigene Einrichtung, daß jedes besonders,
oder auch beyde zugleich nach verschiedenen Rich-
tungen, eins z.B. aufwärts, das andere hin-
terwärts u.s.w. und zwar schnell bewegt werden
können. Seine natürliche Farbe ist grünlichgrau,
es ändert dieselbe aber zuweilen, zumahl wenn
es zornig wird etc. Der zuweilen bemerkte Wie-
derschein von benachbarten farbigen Gegenständen
auf die glänzenden Schuppen des lebendigen
Thiers hat Anlaß zu der Fabel gegeben, als ob
sich seine Farbe überhaupt nach denselben richte.

7. Gecko. (vermuthlich der wahre stellio oder
saurus der Alten.) L. cauda tereti medio-
cri, digitis muticis subtus lamellatis, cor-
pore verrucoso, auribus concauis
.

Seba vol. I. tab. 109.

In Aegypten, Ostindien, auch auf den Inseln
der Südsee und selbst hin und wieder im süd-
lichen Europa, z.B. im Neapolitanischen. Er
soll einen giftigen Saft zwischen seinen blättrich-
ten Fußzehen haben, und dieser sich den Eßwaa-
ren, wo das Thier drüber wegläuft, mittheilen.

8. Stincus. (crocodilus terrester.) L. cauda
tereti mediocri, apice compressa, digitis
muticis lobato-squamosis marginatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 87.

Im steinigen Arabien, Aegypten etc.

9. †. Agilis. die grüne Eidexe, Kupfer-
Eidexe. L canda verticillata longiuscula,
squamis acutis. collari subtus squamis con-
stricto
.

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Im wärmern Europa, und wie es scheint,
auch in beyden Indien und auf den Inseln der
[Seite 248] Südsee. Ihre Eyer leuchten eine Zeitlang im
Finstern.

10. †. Lacustris. der Wasser-Molch, Was-
ser-Salamander. L. nigra, dorso lateri-
busque verrucosis, abdomine flauo, nigro-
maculato
.

Laurenti tab. 2. fig. 4.

Die Männchen haben im Frühjahr eine vom
Kopf bis zum Schwanz längs des Rückens hin-
laufende empor stehende ausgezackte Haut. Von
seiner ausnehmenden Reproductionskraft s. oben
S. 31.

11. †. Salamandra. der Salamander, Molch,
die Molle, Ulme. (Fr. le sourd, mouron.)
L. cauda tereti breui, pedibus muticis, cor-
pore flauo nigroqne vario nudo, poroso
.

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Schwarz und orangegelb gefleckt, spannenlang
und daumendick. Daß er giftig sey, im Feuer
leben könne etc. sind Fabeln.


II. SERPENTES.

[Seite 249]

Die Schlangen*) haben gar keine äußeren
Gliedmaßen, sondern bloß einen cylindrischen
lang gestreckten Körper, den sie wellenförmig
bewegen; und der mit Schuppen, Schildern,
oder Ringen bekleidet ist. Manche leben im
Wasser (da sie bey ihren ausnehmend langen
und theils blasenförmigen Lungen leicht schwim-
men können), andere auf der Erde, andere
meist auf Bäumen. Sie legen mehrentheils
an einander gekettete Eyer, und ihre Kinn-
laden sind nicht, wie bey andern Thieren, fest
eingelenkt, sondern zum Kauen ungeschickt, in-
dem sie sich weit von einander dehnen lassen,
so daß die Schlangen andere Thiere, die oft
weit dicker als sie selbst sind, ganz verschlingen
können. Manche sind mit heftigem Gift in
besondern Bläschen am vordern Rande des
Oberkiefers versehen**), das in eigenen Drü-
sen abgeschieden und durch besondere röhrenför-
[Seite 250] mige, einzeln stehende, gegen die Spitze zu
mit einer länglichen Oeffnung versehene, Gift-
zähne (– als durch einen Ausführungsgang –)
beym Biß in die Wunde geflößt wird. (– Ab-
bild. n. h. Gegenst
tab. 37. fig. 1. –)
Diese bloß am vordern Rande des zugleich
merklich starken Oberkiefers befindlichen Gift-
zähne, geben auch den zuverlässigsten Character
ab um die giftigen Schlangen von den gift-
losen zu unterscheiden**), da bey den letztern der
ganze äußere Rand der obern Kinnlade
(bis hinten) mit Zähnen besetzt ist (– Ab-
bild. n. h. Gegenst
. a. a. O. fig. 2. –);
außerdem haben aber wohl alle Schlangen noch
eine doppelte Reihe kleiner Gaumen-Zähne
mit einander gemein.

5. Crotalvs. Klapperschlange. (Fr.
serpent à sonnettes. Engl. rattle-snake.)
Scuta abdominalia. Scuta squamae-
que subcaudales.
Crepitaculum termi-
nale caudae
.

1. Horridus.C. scutis 167. scutellis 23.

Seba vol. II. tab. 95. fig. 1.

[Seite 251]

Zumahl im wärmern Nordamerica: wird auf
6 Fuß lang und fast armsdick. Die Gattungen
dieses Geschlechts unterscheiden sich von allen
andern Schlangen, ja überhaupt von allen übri-
gen Thieren in der Schöpfung durch die räthsel-
hafte, hornartige, gegliederte Rassel am Ende
des Schwanzes. – Die Zahl der Glieder an
diesem so wunderbar gebauten und in seiner Art
so ganz einzigen Organ nimmt mit den Jahren
zu und soll bey Alten wohl auf 40 steigen. Daß
kleine Vögel, Eichhörnchen etc. im Gebüsch der
darunter liegenden Klapperschlange*) gleichsam
von selbst in den Rachen fallen, wird von gülti-
gen Augenzeugen versickert; ist aber keine aus-
schließliche Eigenheit dieses Geschlechts, da man
das nähmliche auch an mehrern andern Schlan-
gen der neuen und alten Walt bemerkt haben
[Seite 252] will. – Die Klapperschlangen selbst werden
häufigst von den Schweinen und Raubvögeln,
verzehrt. Auch lassen sie sich überaus kirre
und zahm machen.

6. Boa. Scuta abdominalia et subcau-
dalia
.

1. Constrictor. die Riesenschlange, Abgotts-
schlange, Anaconda. (Fr. le devin.) B.
scutis 240. scutellis 60.

Merrem II. Heft tab. I.

In Ostindien und Africa. Wird nach Adan-
sons Versicherung auf 40 bis 50 Fuß lang. Soll
lebendigen Rehen etc. die Rippen und andere
Knochen entzwey brechen, das Thier nachher
mit einem gallertartigen Geifer überziehen, und
so hinterwürgen. Doch ist sie leicht kirre zu
machen und wird, wie die Brillenschlange, von
den ostindischen Gaucklern zu allerhand Kunst-
stücken abgerichtet. – Die Amaru-Schlange
in Süd-America, die von den Antis in Peru
angebetet ward, und auch auf 30 Fuß lang
wird, scheint wenig von dieser verschieden. –
Hingegen ist wohl die auf Guinea so heilig
verehrte so genannte Juda-Schlange von
einer andern Gattung.

7. Colvber. (Fr. couleuvre.) Scuta ab-
dominalia, squamae subcaudales
.

1. Vipera. C. scutis 118. squamis 22.

Es werden mehrere Schlangen mit dem Nah-
men der Viper belegt. Hier diese von Linné
so genannte, ist in Aegypten zu Hause.

[Seite 253]

2. Cerastes. die gehörnte Schlange. ♂ C.
tentaculis superciliaribus, scutis 145. squa-
mis
44.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils,
im Anhang tab. 40.

Diese von den beyden über den Augen stehen-
den Hörnchen benannte Schlange hat gleiches
Vaterland mit der vorigen, und ist allerdings
giftig.

3. †. Berus. die Otter, Viper. (Engl. the
adder
) ♂ C. scutis 146. squamis 39.

Laurenti tab. 2. fig. 1.

Diese ehemahls officinelle Viper ist von bräun-
licher Farbe und in den wärmern Gegenden der
alten Welt, auch schon in Deutschland und in
der Schweiz zu Hause. Ihr Biß verursacht
zwar heftige Entzündung, wird doch aber nur
selten tödtlich. Es ist dieselbe Gattung, womit
ehedem Redi und neuerlich Fontana so viele
merkwürdige Versuche angestellt haben.

4. † Natrix. die Ringel-Matter, Schnacke,
der Unk. (fr. la couleuvre à collier.) C.
scutis
170. squamis 60.

Stahlfarbig mit weißen Seiten-Flecken, zu-
mahl an den beyden Seiten des Halses. Man
hat selbst in Europa welche von 10 u. m. Fuß
gefunden, die dann wohl ehedem Anlaß zu den
abentheuerlichen Erzählungen von Lindwürmern etc.
gegeben haben mögen.

5. Coccineus. die Carmoisin-Schlange. C.
scutis 175. squamis 35.

Voigts Magazin 5ten B. 1stes Stück.
tab. 1.

[Seite 254]

Diese ausnehmend schönfarbige und unschul-
dige Schlange ist in Florida und Neu-Spanien
zu Hause. Fingers dick und ungefähr 2 Fuß
lang. Längs dem Rücken laufen etliche und
zwanzig große und sehr regelmäßige carmoisinro-
the Flecken, die mit schwarzen Rändern einge-
faßt, und diese wieder mit citrongelben Quer-
streifen von einander abgesondert sind. Die
Mädchen in Florida sollen das schöne Thier zum
Putz als Halsband oder in die Haare geflochten
tragen etc.

6. Naja. die Brillenschlange. (Cobra de Ca-
belo
.) ♂ C. scutis 193. squamis 60.

Russell's Indian Serpents tab. 5. 6.

In Ostindien. Der Hals ist weit ausdehnbar,
und hinten mit einer brillenähnlichen Figur be-
zeichnet. Ist eine der giftigsten Schlangen,
wird aber häufig vom Ichneumon gefressen, und
ist auch leicht zu allerhand Gaukelkünsten abzu-
richten.

8. Angvis. Squamae abdominales et
subcaudales.

1. †. Fragilis. die Blindschleiche, Bruch-
schlange, der Haselwurm, Hartwurm.
(Fr. l'orvet. Engl. the blind-worm, flow-
worm
.) A. squ. abd. 135. totidemque
subcand
.

In dumpfigen Gegenden, alten Gemäuer etc.
Bricht leicht entzwey, wenn man sie anfaßt,
und die Stücke bewegen sich doch noch Stunden
lang. Man findet von ihr mancherley theils
sauber gezeichnete Spielarten.

[Seite 255]

2. Platuros. ♂ A. cauda compressa obtusa.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 28.

Im indischen Ocean und der Südsee.

9. Amphisbaena. Annuli trunci cau-
daeque.

1. Fuliginosa. A. ann. tr. 200, caudae 30.

Seba vol. I. tab. 88. fig. 3. u.a.

In America. Schwarz und weiß gefleckt.

10. Caecilia. Kunzenschlange. Rugae
trunci caudaeque. Labrum superius
tentaculis
2.

1. Tentaculata. C. rugis 135.

Seba vol. II. tab. 25. fig. 2.

Auch in America. Hat gar keine Schuppen,
sondern runzlige Ringe in der glatten Haut,
fast wie ein Regenwurm.


Siebenter Abschnitt.
Von den Fischen.

[Seite 256]

§. 99.

Die Fische sind diejenigen mit rothen kal-
tem Blut versehenen Thiere, die sich mittelst
wahrer (mit Gräten oder knorplichen Faden ver-
sehenen) Flossen bewegen, und mittelst wahrer
immer zu beiden Seiten des Halses verwahrt
liegenden (nicht wie bey den Froschlarven außer-
halb desselben frey hervorragenden) Kiemen
Athem hohlen.

Anm. Wahre Kiemen und wahre Flossen – um sie
von den gewisser Maßen analogen Organen der
ganz jungen Frösche, Salamander etc. (§. 94.) zu
unterscheiden.

§. 100.

Diese Kiemen oder Kiefen (branchiae)
vertreten bey den Fischen fast vollkommen die
Stelle der Lungen. Sie liegen auf beyden
Seiten hinter dem Kopfe, meistens unter ei-
ner oder mehreren großen halbmondförmigen
Schuppen, die deßhalb die Kiefer-Deckel
(opercula branchialia) heißen und bey den
mehresten mit der Kiemen-Haut (membrana
branchiostega
) verbunden sind. Die Kiemen
[Seite 257] selbst sind mit unzähligen der zartesten Blut-
gefäße durchwebt, und auf jeder Seite meist
in vier Blätter vertheilt, die ungefähr der
Fahne an einer Feder ähneln und die an ihrer
Basis durch eben so viele bogenförmige Grä-
ten unterstützt werden.

§. 101.

Das Athemhohlen, das die Fische eben
so wenig als die mit Lungen versehenen Thiere
lange entbehren können, geschieht bey ihnen,
indem sie die im Wasser aufgelösete Luft durch
den Mund in die Kiemen leiten, und dann
durch die Kiemenöffnung (apertura branchia-
lis
) wiederum von sich geben; folglich nicht wie
die mit Lungen versehenen Thiere durch den
gleichen Weg ein- und ausathmen.

§. 102.

Da sie keine Lungen haben, so versteht sich
folglich von selbst, daß ihnen auch keine wahre
Stimme zugeschrieben werden kann, obgleich
einige von ihnen, wie z.B. der Knurrhahn,
der Wetterfisch etc. einen Laut von sich geben
können.

§. 103.

Die Bildung des Körpers, überhaupt ge-
nommen, ist bey den Fischen ungleich mannig-
faltiger als bey den beyden vorigen Thierclassen.
Bey den mehresten hat doch der Körper eine
[Seite 258] verticale Stellung d.h. er ist auf beyden Sei-
ten zusammen gedrückt (corpus compressum
s. cathetoplateum
); bey einigen andern hin-
gegen, wie bey dem Rochen, liegt er horizon-
tal, ist in die Breite platt gedrückt (corpus
depresum s. plagioplateum
); bey andern,
wie beym Aal etc. ist er mehr walzenförmig:
bey andern, wie bey den Panzerfischen, pris-
matisch oder vierkantig etc.

Bey allen aber stoßen Kopf und Rumpf
unmittelbar an einander, ohne durch einen
eigentlichen Hals von einander abgesondert
zu seyn.

§. 104.

Die Fische sind (bis auf sehr wenige Ausnah-
men) mit Schuppen bekleidet; und zwar die
Grätenfische mit eigentlich sogenannten, die
von einer ganz eigenen Substanz, und bey den
verschiedenen Gattungen von der mannigfal-
tigsten theils ausnehmend eleganten Bildung
und Zeichnung, und farbigen Gold- und Sil-
berglanze sind: die mehrsten Knorpelfische
hingegen mit mehr knochenartigen Schildern,
hakichten Stacheln, u. dergl. m.

Die Schuppen werden von außen noch mit
einem besondern Schleim überzogen, der
großen Theils aus kleinen Schleimhöhlen ab-
geschieden zu werden scheint, die bey den
mehresten Fischen zu beyden Seiten des Kör-
pers in der so genannten Seiten-Linie liegen.

§. 105.

[Seite 259]

Die Bewegungswerkzeuge der Fische*)
die Flossen (an welchen man neuerlich merk-
würdige Reproductionskraft wahrgenommen),
bestehen aus dünnen knochenartigen oder knor-
peligen Gräten, die durch eine besondere Haut
mit einander verbunden, an eigenen Knochen
befestigt, und durch bestimmte Muskeln be-
wegt werden. Ihrer bestimmten Lage nach
heißen die obern, Rückenflossen (pinnae dor-
sales
); die seitwärts hinter den Kiemen be-
findlichen, Brustflossen (pinnae pectorales);
die am Bauche vor der Oeffnung des Afters
stehenden, Bauchflossen (pinnae ventrales);
die hinter dieser Oeffnung, Steißflosse (pinna
analis
); endlich am Schwanze, die Schwanz-
flosse (pinna caudalis), die immer eine ver-
ticale Stellung hat.

Die so genannten fliegenden Fische haben
sehr lange und straffe Brustflossen, so daß sie
sich damit selbst über die Oberfläche des Was-
[Seite 260] sers erhehen und kleine Strecken weit fort-
fliegen können.

§. 106.

Ein anderes Hülfsmittel zur Bewegung
der Fische, besonders wohl zum Steigen und
Sinken (wie bey den so genannten cartesiani-
schen Teufelchen), ist die Schwimmblase,
womit zumahl die Süß-Wasser-Fische ver-
sehen sind, und die mittelst eines eigenen Ca-
nals (ductus pneumaticus) meist mit dem
Schlunde, seltene mit dem Magen in Ver-
bindung steht.

§. 107.

In Rücksicht ihres Aufenthalts theilt man
die Fische überhaupt in See- und Süß-Was-
ser-Fische. Einige können doch auch zuweilen
einige Zeit im Trocknen aushalten, wie der
Aal, die Muräne etc. Andere theils in war-
men mineralischen Quellen*).

§. 108.

Die mehresten Fische, zumahl die in der
See leben, sind animalia nocturna, die
nähmlich ihren Geschäften zur Nachtzeit nach-
gehen, am Tage hingegen sich mehr in der
Tiefe ruhig halten. Daher auch die von Fi-
[Seite 261] schen lebenden Insulaner und Küsten-Bewoh-
ner meist des Nachts auf den Fang ausgehen.

§. 109.

Eine große Anzahl Gattungen von Fischen
verändert in gewissen Jahrszeiten ihren Auf-
enthalt; so steigen viele Seefische um zu leichen
in die Buchten und Mündungen der Flüsse;
manche derselben aber, wie z.B. die Häringe
im nördlichen atlantischen Ocean, machen auch
noch außerdem anderweitige Züge zu be-
stimmten Jahrszeiten und in unermeßlichen
Scharen zwischen den Küsten des westlichen
Europa und des nordöstlichen America*).

§. 110.

Die Fische sind größten Theils fleischfres-
sende Thiere, und sind, da sie keine eigentliche
Füße haben ihre Beute damit zu fassen, mit
mancherley andern Mitteln ihrer Herr zu wer-
den, versehen. Theils nähmlich mit langen
Bartfasern (cirri) am Maule, um damit an-
dere kleine Wasserthiere, wie mit einem Köder
zu locken, und gleichsam zu angeln. (So der
Sternseher, der Froschfisch etc.) Andere, wie
der Chaetadon rostratus, mit einer Spritz-
röhre, um dadurch die über dem Wasser flie-
genden Insecten gleichsam herab zu schießen.
[Seite 262] Andere, wie drey Seefische, der Zitterrochen,
Tetrodon electricus und Trichiurus indicus
und die beyden Flußfische, der Zitteraal und
der Zitterwels, mit einer besondern erschüt-
ternden und betäubenden Kraft u.s.w.

§. 111.

Was die äußern Sinne der Fische betrifft,
so muß der Geruch bey vielen überaus scharf
seyn, da sie den versteckten Köder in weiter
Entfernung auswittern. Auch ihr Gehör ist
scharf, und sie haben dazu ähnliche Organe,
wie die im innern Ohr anderer rothblütigen
Thiere. Besonders aber zeigen sich mancherley
Sonderbarkeiten zeigen im Baue ihres Auges, zahl-
reichere Häute, ausschließlich eigne andre Or-
gane u. dergl. m.*)

§. 112.

Ueber die Naturtriebe u.a. Seelenkräfte
der Fische läßt sich vor der Hand aus Mangel
an richtigen Beobachtungen wenig sagen. Doch
weiß man, daß manche, wie z.B. die Fo-
rellen, überaus kirre werden**); andere, z.B.
alte Karpfen, sehr listig und verschlagen
sind u.s.w.

§. 113.

[Seite 263]

Von ihrem Schlafe gilt meist die gleiche
Anmerkung, die bey den Amphibien gemacht
worden ist (§. 91.), daß nähmlich vermuthlich
alle einem Winterschlaf ausgesetzt sind; aber
wohl nur sehr wenige einen bestimmten täg-
lichen periodischen Erhohlungsschlaf haben: wie
es z.B. vom Goldbrachsen gesagt wird.

§. 114.

Außer den wenigen lebendig-gebährenden
Fischen, wohin der Aal und die so genannte
Aalmutter gehören, mögen sich wohl wenige
Fische wirklich mit einander paaren; sondern
bey den mehresten gibt das Weibchen den
Rogen noch unbefruchtet von sich, und das
Männchen kommt hierauf nach, um denselben
mit seiner Milch zu begießen.

Man hat diese Einrichtung für die Land-
wirthschaft benutzen gelernt, indem man auch
aus der künstlichen Vermischung von Eyern
und Samen der Lachs-Forellen etc. junge Fische
erzielen kann*).

Anm. Zu andern Merkwürdigkeiten im Zeugungsge-
schäfte der Fische gehört auch noch, daß man
einzeln unter denselben, namentlich beym Karpfen
wirkliche Zwitter gefunden hat.

§. 115.

[Seite 264]

Die Vermehrung der meisten Fische ist
zum Wunder stark, so, daß ungeachtet die
Eyerchen der mehresten in Verhältniß zu ihrer
Statur ungleich kleiner sind, als in irgend
einer andern Thier-Classe; dennoch bey
manchen die Eyerstöcke größer sind, als ihr
ganzer übriger Körper. Daher zählt man,
z.B. beym Häring, zwischen 20 und 37000,
beym Karpfen über 200000, bey der Schleihe
383000, beym Flinder über eine Million
Eyerchen etc.*)

§. 116.

Theils haben die jungen Fische, so wie sie
aus dem Eye kriechen, noch nicht ihre völlige
Gestalt: sondern müssen sich ebenfalls, so wie
viele Amphibien (§. 94.), erst einer Art von
Metamorphose unterziehen, wodurch ihre
Flossen u. dergl. m. allgemach vollends aus-
gebildet werden.

§. 117.

Die Fische gelangen, im Verhältniß zur
Größe ihres Körpers, zu einem hohen Alter.
Man weiß von Karpfen, Hechten etc. daß sie
anderthalb hundert Jahre erreichen können.
Doch werden einige kleine Fische, wie z.B.
der Stichling etc. nur wenige Jahre alt.

§. 118.

[Seite 265]

Die Brauchbarkeit der Fische für den
Menschen ist ziemlich einfach, meist bloß zur
Speise; aber eben von dieser Seite für einen
großen Theil des Menschengeschlechts, der
theils fast ganz von diesen Thieren lebt, von
der äußersten Wichtigkeit. Selbst wilde
Völker, wie z.B. die Kamtschadalen, Brasi-
lianer etc. wissen die Fische auf die mannig-
faltigste Weise, sogar zu einer Art Mehl, zu
Kuchen u.s.w. zu bereiten: und bey vielen,
wie z.B. unter den Insulanern des stillen
Oceans, macht der Fischfang ihr Hauptge-
schäft, – und in Rücksicht der überaus sinn-
reichen angemessenen Geräthschaften, die sie
sich dazu erfunden haben wirklich eine Art
von nachdenkendem Studium aus. Aber auch
für einen großen Theil der cultivirten Erde
ist der Fang, z.B. des Härings, Kabeljaus,
Thunnfisches u. dergl. m. von äußerster Wich-
tigkeit – Der Thran von Hayen, Härin-
gen, Kabeljauen etc. wird häufigst in Lampen
gebrannt. – Die ostlichsten Küstenbewohner
des mitlern Asien kleiden sich in gegerbte
Lachshäute. – Und manche Theile einiger
Fische werden zu technischen Gebrauch und
Kunstsachen benutzt; wie z.B. die Schup-
pen des Ukley zu Glasperlen; Fischhaut von
Rochen und Hayen etc.; Hausenblase etc.

§. 119.

[Seite 266]

Den mehresten Schaden thun die Raub-
fische; zumahl in den Weltmeeren die Haye;
und in den süßen Wassern die Hechte. –
Auch sind manche Fische wenigstens in ge-
wissen Gegenden giftig, so daß ihr Genuß
tödtlich werden kann. So zumahl einige
Gattungen von Tetrodon.

§. 120.

Die systematische Classification der Fische
scheint noch mancher Verbesserung zu bedürfen.
Inzwischen bringt man sie vor der Hand
im Ganzen unter zwey Hauptabtheilungen:
nähmlich.

A) Knorpelfische (Pisces cartilaginei)
die keine wahren Gräten haben: und

B) mit Gräten versehene oder eigentlich
so genannte Fische (Pisces spinosi).

Die Knorpelfische sondert man in fol-
gende zwey Ordnungen, welche Hr. La Cepede
nach dem Daseyn oder Mangel des Kiemen-
deckels bestimmt, und hiernach die darunter
gehörigen Geschlechter vertheilt: nähmlich

I. Chondropterygii. Ohne Kiemendeckel.

II. Branchiostegi. Mit Kiemendeckel.

[Seite 267]

Die eigentlich so genannten Fische aber
hat Linné nach der Beschaffenheit und Lage der
Bauchflossen geordnet: nähmlich:

III. Apodes. Die gar keine Bauchflossen
haben.

IV. Iugulares. Die, deren Bauchflossen
vor den Brustflossen sitzen.

V. Thoracici. Die, wo die Bauchflossen
gerade unter den Brustflossen, und

VI. Abdominales. wo sie hinter diesen
sitzen.

Zur N. G. der Fische.

  1. Guil. Rondelet de piscibus. Lugd. 1554. P. II. 1555. fol.
  2. Conr. Gesner de piscium et aquatilium animantium
    natura.
    Tig
    . 1558. fol.
  3. Steph. a. Schonevelde ichthyologia. etc. Hamburg.
    1624. 4.
  4. F. Willoughbeii historia piscium, ex ed. Rail.
    Oxon. 1686. fol.
  5. Jo. Raii synopsis methodica piscium. Lond. 1713. 8.
  6. Petr. Artedi ichthyologia. ex. ed. Linnaei. Lugd.
    Bat
    . 1738. 8.
  7. Laur. Theod. Gronovii Zoophylacium Gronovia
    num
    . Lugd. Bat. 1781. P. I – III. fol.
  8. Ant. Gouan historia piscium. Argent. 1770. 4.
  9. Du Hamel et de Marre histoire des poissons (traité
    des pêches etc.
    ) Par. 1770. sq. III. vol. fol.
  10. M. El. Bloch öconomische N. G. der Fische Deutsch-
    lands. Berl. 1782. III. B. 4.
  11. Dess N. G. ausländischer Fische. ib. 1785. IX. B. 4.
  12. Ej. Systema ichthyologiae, incheatum absolvit Jo.
    Gottl. Schneider.
    Berol. 1801. 8.
  13. De La Cépède histoire naturelle des poissons, Par.
    1798. V. vol. 4.
  14. G. Ad. Suckow Anfangsgr. der N.G. der Thiere.
    IVter Th. Leipz. 1799. II. Bände. 8.
* * *
  1. Al. Monro Vergleichung des Baues und der Physio-
    logie der Fische mit dem Bau des Menschen und
    der übrigen Thiere. – Mit vielen Zusätzen von
    P. Camper und J. G. Schneider. Leipz. 1787. 4.

I. CHONDROPTERYGII.

[Seite 269]

Die Knorpelfische dieser Ordnung haben
keine Kieferdeckel, und bey den mehresten ist
das Maul an der Unterseite des Kopfs be-
findlich.

1. Petromyzon. Spiracula branchia-
lia 7 ad latera colli. Fistula in nucha.
Pinnae pectorales aut ventrales nullae
.

1. †. Marinus. die Lamprete. (Fr. la lam-
proye
. Engl. the lamprey.) P. ore intus
papilloso, pinna dorsali posteriori a cauda
distincta
.

Bloch tab. 77.

In der Nordsee so wie im mitländischen u.a.
Meeren. Steigt aber auch 20 und mehrere
Meilen weit in die Flüsse. Wird wohl auf 3
Fuß lang.

2. †. Fluuialitis. die Pricke, Neunauge. P.
pinna dorsali posteriore angulata.

Bloch tab. 78.

In größern Flüssen. Nur halb so groß als
die vorige Gattung.

2. Gastrobranchvs. Bauchkieme.
Spiracula branchialia 2 ventralia. Fi-
stula in rostro. Pinnae pectorales aut
ventrales nullae
.

Dieses räthselhafte Geschlecht ward ehedem
unter dem Nahmen Myxine den Gewürmen
beygezählt.

[Seite 270]

1. Coecus. der Blindfisch, Schleimaal. (My-
xine
glutinosa Linn.)

Bloch tab. 413.

An den Küsten des nördlichen atlantischen
Oceans. Soll gar keine Augen haben!

3. Raia. Roche. (Fr. raie. Engl. ray.)
Spiracula branchialia 5 subtus ad col-
lum; corpus depressum; os sub capite
.

Ein seltsam gebildetes und theils gar wun-
derbar organisirtes Thiergeschlecht. Manche Ar-
ten hat man ehedem durch allerhand Künsteley
zu vorgeblichen Basilisken etc. umgestaltet und
aufgetrocknet. Manche scheinen auch bey einiger
Aehnlichkeit, die der Untertheil ihres Kopfs
mit einem Menschengesichte hat, zu der Sage
von Sirenen etwas beygetragen zu haben*).
Ungeachtet sie nur ein Ey auf einmahl legen, so
vermehren sie sich doch so stark, daß der Ocean
in manchen Gegenden gleichsam davon wimmelt.
Die Eyer haben eine hornige Schale mit vier
Spitzen, und heißen See-Mäuse.

1. Torpedo. der Zitterroche, Krampfisch.
(Fr. la torpille. Engl. the crampfish.)
R. tota laeuis maculis dorsalibus 5 orbi-
culatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 57.

Besonders im mitländischen Meere. Der be-
kannteste von den so genannten elektrischen Fischen.
(§. 110.) Wird an theils Orten gegessen.

[Seite 271]

2. †. Batis. der Glattroche, Baumroche, Flete,
Tepel. (Fr. la raie lisse. Engl. the skate,
flair.) R. varia, dorso medio glabro, cauda
vnico aculeorum ordine
.

Bloch tab. 79.

In den europäischen Meeren. Wird auf zwey
Centner schwer. Hat ein vorzüglich schmack-
haftes Fleisch.

3. Pastinaca. der Stachelroche, Pfeilschwanz.
(Fr. la pastenaque, tareronde, raie baïo-
nette
.) Engl. the sting-ray) R. corpore
glabro, aculeo longo anterius serrato in
cauda, et dorso apterygio
.

Bloch tab. 82.

In vielen Welt-Meeren. Sein Schwanz-
Stachel ist zwar nicht giftig; aber er dient dem
Thiere und auch wilden Völkern als Waffen.

4. Sqvalvs. Hay. (Fr. chien de mer.
Engl. shark .) Spiracula branchialia 5
ad latera colli. Corpus oblongum te-
retiusculum. Os in anteriore capitis
parte
.

1. Acanthias. der Dornhay. (Fr. l'aguillat.)
S. pinna anali nulla, dorsalibus spinosis,
corpore teretiusculo
.

Bloch tab. 85.

In den europäischen Meeren. Hat drey Reihen
Zähne in jedem Kiefer.

2. Zygaena. der Hammerfisch, Jochfisch.
S. capite latissimo transuerso malleiformi.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 99.

In den mehresten Weltmeeren.

[Seite 272]

3. Carcharias. (lamia, tiburo. Fr. le requin.
Engl. the white shark.) S. dorso plano,
dentibus serratis
.

Bloch tab. 120.

Zumahl häufig im atlantischen Ocean. Wiegt
zuweilen auf zehntausend Pfund, und in seinem
Magen hat man wohl eher ganze Pferde gefun-
den. Hat sechsfache Reihen Zähne in den Kie-
fern, die (wie überhaupt bey den mehresten
Hayen) nicht in die Kinnladen eingekeilt, son-
dern wie durch eine Art Gelenk mit denselben
verbunden sind. Die vordere Reihe dieser Zähne
macht das eigentliche Gebiß. Die hintern liegen
(wenigstens beym jungen Thier) rückwärts ge-
lehrt, gleichsam auf Reserve, damit zufälliger
Verlust derer in der vordern Reihe zu wieder-
hohlten Malen ersetzt werden kann.

4. Pristis. der Sägefisch, Schwertfisch.
(Fr. la scie de mer. Engl. the saw fish.)
S. pinna ani nulla, rostro ensiformi osseo
plano vtrinque dentato
.

Bloch tab. 120.

Unter andern im nördlichen atlantischen Ocean.
Das breite schwertförmige, oft mehrere Ellen
lange Gewehr, das dieses Thier vor dem Kopfe
führt, ist an beyden Seiten-Rändern mit 24
oder mehreren starken eingekeilten Zähnen besetzt.

5. Lophivs. Seeteufel (Fr. baudroie,
diable de mer. Engl. sea-devil ) Pinnae
pectorales brachiis insidentes. Spira-
cula solitaria pone brachia
.

[Seite 273]

1. †. Piscatorius. der Froschfisch. (rana pisca-
trix
. Fr. la grenouille pecheuse. Engl. the
frog-filsh
.) L. depressus capite rotundato.

Bloch tab. 87.

An den europäischen Küsten. Der ungeheuere
Kopf, der die größere Hälfte des ganzen Thiers
ausmacht, und dann die fleischigen Angelfaden
am Maule (§. 110.) geben ihm ein auffallen-
des Ansehen.

6. Balistes. Hornfisch. Caput com-
pressum. Apertura supra pinnas pecto-
rales. Corpus compressum, squamis
corio coadunatis. Abdomen carina-
tum
.

1. Tomentosus. (Engl. the little old wife.)
B. pinna capitis biradiata, corpore poste-
rius subuilloso
.

Bloch tab. 148. fig. 1.

In beyden Indien.

7. Chimaera. Spiracula solitaria, qua-
dripartita, sub collo. Oris labium su-
perius quinquepartitum. Dentes pri-
mores incisores bini supra infraque
.

1. Monstrosa. C. rostro subtus plicis per-
tusis
.

Bloch tab. 124.

Im nördlichen atlantischen Ocean.

II. BRANCHIOSTEGI.

[Seite 274]

Die mit Kiemendeckeln versehenen Knor-
pelfische.

8. Acipenser. Spiracula lateralia so-
litaria, linearia. Os sub capite, re-
tractile, edentulum. Cirri quatuor
sub rostro ante os.

1. †. Sturio. der Stör. (Fr. l'esturgeon.
Engl. the sturgeon.) A. squamis dorsa-
libus
11.

Bloch tab. 88.

In allen europäischen Meeren, auch im caspi-
schen etc. in der Wolga, im Nil etc. Macht nebst
den übrigen Gattungen dieses Geschlechts so-
wohl wegen des Fleisches, als des aus dem
Rogen bereiteten Caviars, für viele Völker einen
wichtigen Fang aus, und kann gegen tausend
Pfund schwer werden. Oft ziehen ihrer eine
Menge in schmalen aber langen Zügen hinter
einander, und das soll Anlaß zu der fabelhaften
Sage von ungeheueren nordischen Seeschlangen
gegeben haben.

2. Ruthenus. der Sterlet. A. squamis dor-
salibus
15.

Bloch tab. 89.

Dieser vorzüglich schmackhafte Fisch findet sich
am häufigsten im caspischen Meer und in der
Wolga, aber selten über 30 Pfund schwer.

3. Huso. der Hausen, Beluga. (Antaceus).
A. squamis dorsalibus 13. caudalibus 43.

Bloch tab. 129.

[Seite 275]

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen. Ist
vorzüglich wegen des Fischleims oder der Hausen-
blase merkwürdig, die man besonders aus der
Schwimmblase desselben, doch auch aus dem
Stör und noch aus einer andern Gattung dieses
Geschlechts, nähmlich der Sewruge (Acipenser
stellatus
.), die auch das beste Caviar gibt, ja
theils auch aus der Schwimmblase des Wels,
bereitet.

9. Ostracion. Panzerfisch (Fr. poisson
coffre.
) Corpus osse integro loricatum.
Pinnae ventrales nullae
.

1. Bicuspis. O. trigonus, spinis dorsalibus
duabus
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 58.

An den Küsten von Schina, und, wenn an-
ders der O. stellifer nicht eine eigene Gattung
ist, auch in America.

2. Triqueter. O. trigonus muticus.

Bloch tab. 130.

So wie der folgende in Ostindien.

3. Cornutus. O. tetragonus, spinis frontali-
bus subcaudalibusque binis
.

Bloch tab. 133.

In Ostindien. Ein niedliches kleines Thier,
dessen Panzer aufs regelmäßigste, meist mit
Sechsecken wie Bienenzellen, bezeichnet ist.

10. Tetrodon. Stachelbauch. Corpus
subtus muricatum. Pinnae ventrales
nullae
.

[Seite 276]

1. Lagocephalus. (Fr. le poisson souffleur.)
T. abdomine aculeato, corpore laeui, hu-
meris prominentibus
.

Bloch tab. 140.

Besonders häufig im Senegal. Und zwar sind
die, so man oben im Flusse landeinwärts sängt,
ein gesundes gutes Essen. Hingegen die nahe
an der See, in der Mündung des Stroms,
sehr giftig.

2. Electricus. T. corpore maculoso; pinnis
viridibus
.

Philos. Transact. Vol. LXXVI. P. II.
tab. 13.

Einer von den fünf bis jetzt bekannten elektri-
schen Fischen. (§. 110.) In Ostindien an der
St. Johanna-Insel.

3. Hispidus. der Kugelfisch. (orbis. Engl.
the moon-fish.) T. totus hispidus, papil-
lissetaceis
.

Bloch tab. 142.

Im rothen Meere etc. Aber auch in den süßen
Wassern der benachbarten Länder.

4. Mola. der Klumpfisch. (Fr. la lune de mer.
Engl. the sun-fish.) T. laeuis com-
pressus, cauda truncata: pinna breuissima
dorsali analique annexa
.

Hamburg. Magaz. XVIII. B. tab. I.

Häufig im mittländischen und atlantischen
Meere. Wiegt zuweilen auf fünf Centner. Hat
den deutschen Namen von seiner unförmlichen
Gestalt; den französischen und englischen aber
von dem starken phosphorischen Schein, womit
die Seiten und der Unterleib des lebendigen
Fisches leuchten.

[Seite 277]

11. Diodon. Corpus spinis acutis mo-
bilibus vndique adspersum. Pinnae
ventrales nullae
.

1. Hystrix der Stachelfisch, Guara. (Engl.
the porcupine-fish.) D. oblongus, aculeis
teretibus
.

Bloch tab. 126.

Zumahl im atlantischen Ocean: nahmentlich
auch an den nordamericanischen Küsten.

12. Cycloptervs. Bauch-Sauger.
Caput obtusum. Pinnae ventrales in
orbiculum connatae
.

1. †. Lumpus. der See-Hase, Klebpfost,
Hafpadde. (Fr. le livre de mer. Engl. the
lumpsucker
.) C. corpore squamis osseis
angulato
.

Bloch tab. 90.

In den nördlichen Meeren der alten Welt.
Hängt sich mit seinem gerippten flachen Brustschilde
aufs festeste an die Klippen, Schiffe u.s.w. an.

13. Centriscvs. Messer-Fisch. Caput
productum in rostrum angustissimum.
Abdomen carinatum. Pinnae ventrales
vnitae
.

1. Scolopax. die Meer-Schnepfe. C. corpore
squamoso scabro, cauda recta extensa
.

Bloch tab. 123 fig. 1.

Im mitländischen Meer etc.

[Seite 278]

14. Syngnathvs. Rostrum subcylin-
dricum, ore operculato, maxilla infe-
riore mobiliore. Corpus cataphractum.
Pinnae ventrales nullae
.

1. Acus. die Meer-Nadel, Sack-Nadel.
(Engl. the pipe.) S. pinnis caudae ani
pectoralibusque radiatis; corpore septem-
angulato
.

Bloch tab. 91. fig. 2.

In der Nord- und Ostsee etc.

2. Hippocampus. das See-Pferdchen, die
See-Raupe. (Fr. le cheval marin. Engl.
the sea-horse.) S. pinna caudae quadrangu-
lae nulla, corpore septemangulato tuber-
culato
.

Bloch tab. 116. fig. 3.

Einer der weitstverbreiteten Seefische. Hat
seine Nahmen, weil der Vordertheil einem Pfer-
dekopf und Hals, das hintere Ende aber einer
Raupe verglichen worden. Im Tode krümmt
es sich wie ein S, und ähnelt so dem Springer
im Schach.

15. Pegasvs. Os proboscide retractili.
Rostrum ensiforme, lineare. Corpus
articulatum osseis incisuris, cataphra-
ctum. Pinnae ventrales abdominales
.

1. Draconis. der Seedrache. P. rostro conico.

Bloch tab. 109. fig. 1. 2.

In Ostindien. Die großen breiten Brustflossen
ähneln ausgespannten Flügeln, und mögen wohl
den Nahmen veranlaßt haben.

III. APODES.

[Seite 279]

Diese und die drey folgenden Ordnungen
begreifen nun die mit Gräten versehenen oder
eigentlich so genannten Fische. Und zwar
hier diese, die so gar keine Bauchflossen haben.

16. Mvraena. Caput laeue. Nares
tubulosae. Membr. branch. radiis 10,
corpus teretiusculum, lubricum. Pinna
caudalis coadunata dorsali anique. Spi-
racula pone caput vel pinnas pectorales
.

1. Helena, die Muräne. M. pinnis pectora-
libus nullis
.

Bloch tab. 153.

Ein sehr gefräßiger Raubfisch, in den wär-
mern Meeren beyder Welten.

2. †. Anguilla. der Aal. (Fr. l'anguille, Engl.
the eel.) M. maxilla inferiore longiore, cor-
pore vnicolore
.

Bloch tab. 73.

In den Flüssen beyder Welten. Geht zuwei-
len ans Land auf Wiesen, ins Getreide etc. Hat
ein zähes Leben, und das ihm ausgeschnittene
Herz behält wohl noch 40 Stunden lang seine
Reitzbarkeit. Nach den genauesten Beobachtun-
gen gebiert er wohl sicher lebendige Junge*).

17. Gymnotvs. Caput operculis late-
ralibus. Tentacula duo ad labium su-

[Seite 280] perius. Membr. branch. radiis 5;
corpus compressum, subtus pinna cari-
natum
.

1. Electricus. der Zitteraal, Zitterfisch, Drill-
fisch (Fr. l'anguille electrique.) G. nudus,
dorso apterygio, pinna caudali obtusissima
anali connexa
.

Bloch tab. 156.

Besonders bey Surinam und Cayenne, wo ihn
van Berkel*) zuerst bekannt gemacht hat. Un-
gefähr mannslang**).

18. Trichivrvs. Caput porrectum,
operculis lateralibus. Dentes ensifor-
mes, apice semisagittati: primores ma-
iores. Membr. branchiostega radiis
7.
Corpus compresso-ensiforme. Cauda
subulata, aptera
.

1. Lepturus. T. mandibula inferiore longiore.

Bloch tab. 158.

In beyden Indien.

2. Indicus. T. mandibulis aequalibus.

Willoughby App. tab. 3. fig. 3.

In Ostindien. Ebenfalls ein elektrischer Fisch.
(§. 110.)

[Seite 281]

19. Anarrhichas. Caput obtusiuscu-
lum. Dentes primores supra infraque
conici, diuergentes, sex pluresue, mo-
lares inferiores palatique rotundati.
Membr. branch. rad. 6. Corpus tere-
tiusculum, pinna caudae distincta
.

1. †. Lupus. der Klippfisch, Seewolf, Stein-
beißer. (Engl. the ravenous .) A. pinnis
pectoralibus amplis subrotundis
.

Bloch tab. 74.

An den Küsten des nördlichen Europa.

20. Ammodytes. Caput compressum.
Labium superius duplicatum, dentes
acerosi. Membr. branch. rad.
7. Corpus
teretiusculum, cauda distincta
.

1. †. Tobianus der Sandfisch, Sandaal, To-
biasfisch. (Engl. the sand-launce) A.
maxilla inferiore longiore
.

Bloch tab. 75. fig. 2.

Ebenfalls am nördlichen Europa. Mühlt sich
in den Küstensand, wo er in England und Hol-
land in Menge herausgestochen wird.

21. Ophidivm. Caput nudiusculum,
dentes maxillis, palato, faucibus.
Membr. branch. rad.
7 patula. Cor-
pus ensiforme
.

1. †. Imberbe. der Nugnoge, Fünffingerfisch.
O. maxillis imberibus, cauda obtusiuscula.
British Zoology. App. tab. 93.

[Seite 282]

Häufig an Austerbänken, da er der gefährlichste
Feind der Austern seyn soll. Wird nicht selten
in fest geschloßnen Austerschalen gefunden*).

22. Stromatevs. Caput compressum.
Dentes in maxillis, palato. Corpus oua-
tum, latum, lubricum. Cauda bifida
.

1. Paru. S. vnicolor.

Bloch tab. 160.

An America.

23. Xiphias. Caput maxilla superiore
terminatum rostro ensiformi. Os eden-
tulum. Membr. branch. rad.
8; corpus
teretiusculum
.

1. †. Gladius. der Schwertfisch, Hornfisch.
(Fr. l'épée de mer, l'empereur, l'espadon.
Engl. the sword-fish, whale-killer.) X.
mandibula inferiore acuta, triangulari
.

Bloch tab. 76.

In den nördlichen so wohl als südlichen Meeren.
Wird mit seinem Schwerte auf 18 Fuß lang, und
hält dann gegen 5 Centner an Gewicht. Hat ein
sehr schmackhaftes Fleisch und macht besonders
für die Calabrischen und Sicilianischen Fischer
einen wichtigen Fang**).

IV. IVGVLARES.

Fische, deren Bauchfloßfedern vor den
Brustflossen sitzen.

[Seite 283]

24. Callionymvs. Caput labio su-
periore duplicato; oculi approximati.
Membr. branchiostega rad. 6.; apertura
nuchae foraminibus respirante. Oper-
cula clausa. Corpus nudum. Pinnae
ventrales remotissimae
.

1. Lyra. (Fr. le lacert Engl. the piper.) C.
dorsalis prioris radiis longitudine corporis
.

Bloch tab. 161.

Im atlantischen Ocean.

25. Vranoscopvs. Caput depressum,
scabrum, maius. Os simum, maxilla
superior breuior. Membr. branch. ra-
diis 5; anus in medio
.

1. Scaber. der Sternseher. (Fr. le boeuf. Engl.
the-star gazer.) V. cirris multis in maxilia
inferiore
.

Bloch tab. 163.

Vorzüglich häufig im mitländischen Meere.

26. Trachinvs. Caput scabriusculum,
compressum. Membr. branch. rad. 6;
anus prope pectus
.

1. †. Draco das Petermännchen. (Fr. la vive.
Engl. the wever, stingfish.) Trachinus.

Bloch tab. 61.

Im mitländischen Meere, in der Nordsee etc.

27. Gadvs. Corpus laeue. Membr.
branch. rad.
7 teretibus; pinnae cute
communi vestitae, pectorales acumi-
natae
.

[Seite 284]

1. †. Aeglefinus. der Schellfisch. (Engl. the
hadock
.) G. tripterygius cirratus albicans,
cauda biloba, maxilla superiore longiore
.

Bloch tab. 62.

Im ganzen nördlichen europäischen Ocean, vor-
züglichst aber an den englischen und schottischen Kü-
sten – Viele Fische phosphoresciren unter
gewissen Umständen nach dem Tode: bey diesem
hier ist aber dieses Leuchten zuweilen von ganz auf-
fallender Stärke und langanhaltender Dauer*).

2. Callarias. der Dorsch. G. tripterygius cir-
ratus varius, cauda integra, maxilla supe-
riore longiore
.

Bloch tab. 63.

Hat meist gleichen Aufenthalt mit dem vorigen.

3. †. Morrhua. der Kabeljau, Steinfisch.
Baccaljao. (Asellus. Fr. la morue. Engl.
the cod-fish G. tripterygius cirratus, cauda
subaequali, radio primo anali spinoso
.

Bloch tab. 64.

Es werden unter diesen gemeinschaftlichen Nah-
men mehrere verwandte Gattungen dieses Ge-
schlechts begriffen, die wegen der unsäglichen
Menge und wegen der mannigfaltigen Zuberei-
tung (als Stockfisch, als Laberdan, und als
Klippfisch) und langen Conservation etc. von der
äußersten Wichtigkeit sind. Sie finden sich vor-
züglichst in den nördlichen Gegenden, beydes des
stillen und atlantischen Oceans, wo sie besonders
um Labrador, Neu-Fundland, auch um Island
und an den Nordküsten von Großbritannien den
wichtigsten Fischfang ausmachen**).

[Seite 285]

4. †. Merlangus. der Witling, Gadde. (Fr.
le merlan. Engl. the whiting.) G. tripte-
rygius imberbis albus, maxilla superiore
longiore
.

Bloch tab. 65.

In den europäischen Meeren.

5. †. Lota. die Quappe, Drusche, Kutte,
Aalraupe, Aalputte. (Fr. la lote, Engl.
the burbot .) G. dipterygius cirratus, maxil-
lis aequalibus
.

Bloch tab. 70.

Vorzüglich in den Schweizer-Seen. Einer der
schmackhaftesten deutschen Fische.

28. Blennivs. Schleimfisch Caput de-
cliue, rectum. Membr. branch. rad.
6;
corpus lanceolatum, pinna ani distincta.

1. †. Viuiparus. die Aalmutter. B. ore ten-
taculis duobus
.

Bloch tab. 72.

Im mitländischen Meere, in der Nordsee etc.
Gebiert lebendige Junge.

V. THORACICI.

Fische, deren Bauchfloßfedern gerade un-
ter den Brustflossen sitzen.

29. Cepola. Caput subrotundum com-
pressum. Os simum, dentes curuati,
simplici ordine. Membr. branch. ra-
diis
6; corpus ensiforme, nudum, ab-
domine vix capitis longitudine.

[Seite 286]

1. Taenia. der Bandfisch. (Fr. le ruban) C.
pinna caudae attenuata, capite obtusissimo.

Bloch tab. 170.

Im mitländischen Meere.

30. Echeneis. Caput depressum, supra
planum marginatum, transuerse sulca-
tum. Membr. branch. rad
. 10.

1. Remora. der Saugefisch. (Fr. le sucet.
Engl. the sucking-fisch.) L. cauda bifurca,
striis capitis
18.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 78.

In den mildern Weltmeeren. Das sonderbare
Thier kann sich mittelst des quergestreiften Hin-
terkopfs aufs festeste an Schiffe, Hayfische etc.
anhalten. Daher die alte Fabel, daß ein einziger
ein Schiff in vollem Lauf zu hemmen vermöge.

31. Coryphaena. Caput truncato-
decliue. Membr. branch. rad.
5; pinna
dorsalis longitudine dorsi
.

1. Hippurus. der Goldkarpfe. (Fr. la dorade.
Engl. the dolphin .) C. cauda bifida, ra-
diis dorsalibus
60.

Bloch tab. 174.

Im atlantischen Meere, Ein prachtvolles
Thier, das besonders im Sterben in wunder-
schöne Farben (aus dem Gelben ins Blaue und
Purpurrothe etc.) spielt.

32. Gobivs. Caput poris 2 inter oculos
approximatos, altero anteriore. Membr.
branch. radiis 4. Pinnae ventrales vnitae
in ouatam.

[Seite 287]

1. †. Niger. die Meergrundel, G. pinna dor-
sali secunda radiis
14.

Bloch tab. 38. fig. 1. 2. 5.

Im atlantischen und indischen Ocean.

33. Cottvs. Caput corpore latius, spi-
nosum. Membr. branch. rad
. 6.

1. †. Cataphractus. der Knurrhahn, Stein-
picker. (Engl. the pogge.) C. loricatus
rostro verrucis bifidis, capite subtus cirroso
.

Bloch tab. 38. fig. 3. 4.

An den nördlichen Küsten von Europa und
America.

2. †. Gobio. der Kaulkopf, Rotzkolbe,
Gropp, Kruppe. (Engl. the bull-head,
the miller's thumb
.) C. laeuis, capite
spinis duabus
.

Bloch tab. 38. fig. 1. 2.

Ein sehr gemeiner europäischer Flußfisch. Das
Weibchen scharrt sein Leich in eine Höhle am
Grund, und bewacht es bis die Jungen ausge-
krochen sind aufs sorgfältigste.

34. Scorpaena. Caput magnum, acu-
leatum. Oculi vicini. Dentes maxil-
lis, palato, faucibusque. Membr.
branch. radiis
7.

1. Horrida. S. tuberculis callosis adspersa.

Bloch tab. 183.

In Ostindien.

35. Zevs. Caput compressum, decliue.
Labium superius membrana transuersa
fornicatum. Lingua subulata. Membr.

[Seite 288] branch. radiis 7 perpendicularibus: in-
fimo transuerso. Corpus compressum
.

1. Vomer. Z. cauda bifurca, spina ante pin-
nam analem dorsalemque recumbente
.

Bloch tab. 193.

2. Faber. (Engl. the doree, dory.) Z. cauda
rotundata; lateribus mediis ocello fusco;
pinnis analibus duabus
.

Bloch tab. 41.

Beyde im atlantischen Meer.

36. Plevronectes. Butte, Scholle,
Halbfisch. (Fr. sole. Engl. flounder.)
Oculis vtrisque in eodem latere fron-
tis. Membr. branch. rad. 4 – 7; cor-
pus compressum, latere altero dorsum,
altero abdomen referente
.

Die Schollen sind die einzigen Thiere in der
Natur, die ihre beyden Augen auf einer Seite
des Kopfs haben; manche Gattungen nähmlich
auf der rechten, andere auf der linken; sehr
selten finden sich Mißgeburten unter ihnen, die
anomalisch auf der unrechten Seite ihre Augen
haben. Auch beide Nasenlöcher sitzen ebenfalls
so schief seitwärts. Sie schwimmen in einer
schrägen Lage, die Augenseite in die Höhe gerichtet.

1. †. Platessa. die Scholle, Plateis, Gold-
butte. (passer. Fr. la plie. Engl. the plaise.)
P. oculis dextris, corpore glabro, tubercu-
lis 6 capitis
.

Bloch tab. 42.

Nebst den folgenden besonders in den nörd-
lichen Meeren.

[Seite 289]

2. †. Flesus. der Flünder. (Engl. the floun-
der
.) P. oculis dextris, linea laterali
aspera, spinulis ad pinnas
.

Bloch tab. 44.

3. †. Limanda. die Glahrke, Kliesche (Engl.
the dab.) P. oculis dextris, squamis cilia-
tis, spinulis ad radicem pinnarum dorsi
anique, dentibus obtusis
.

Bloch tab. 46

4. †. Hippoglossus. die Heiligbutte. (Fr. le
fletang
. Engl. the holibut.) P. oculis
dextris, corpore toto glabro
.

Bloch tab. 47.

Theils von vier Centnern an Gewicht; unter
andern in größter Menge im nördlichen stillen
Ocean.

5. †. Maximus. die Steinbutte. (Fr. und
Engl. turbot.) P. oculis sinistris, corpore
aspero
.

Bloch tab. 49.

Doch weit kleiner als die vorige. Einer der
schmackhaftesten Fische.

37. Chaetodon. Dentes (plurimis)
setacei, flexiles confertissimi, nume-
rosissimi. Membr. branch. radiis 6;
corpus pictum, pinna dorsi anique
carnosa squamosa
.

1. Rostratus. C. cauda integra, spinis pin-
nae dorsalis 9., maculaque ocellari; rostro
cylindrico
.

Bloch tab. 202.

In Ostindien. Der Oberkiefer endigt sich in
eine Röhre, wodurch das Thier die Insecten,
[Seite 290] die an allerhand Wasserpflanzen sitzen, bespritzt,
daß sie herabfallen und ihm zur Speise wer-
den müssen.

2. Macrolepidotus. C. cauda integra, spinis
dorsalibus 11, radio dorsali quarto fili-
formi longissimo
.

Bloch tab. 200.

In Ostindien.

38. Sparvs. Brachse. Dentes primores
robusti, molares obtusi, conferti. La-
bia simplicia. Membr. branch. rad. 5;
corpus compressum. Pinnae pectora-
les acuminatae
.

1. Aurata. der Goldbrachsen. S. lunula
aurea inter oculos
.

Bloch tab. 266.

Im mitländischen und atlantischen Meer. Hat
fast in allen Sprachen seinen Nahmen von dem
goldfarbigen halben Monde vor den Augen.

2. Sargus. der Greißbrachsen. S. ocello sub-
caudali, corpore fasciis nigris
.

Bloch tab. 264.

Im mitländischen Meer. Die Männchen sol-
len zur Begattungszeit sehr hitzig wie Säugethiere
oder Vögel um ihre Weibchen kämpfen.

3. Pagrus. der Seebrachse. S. rubescens,
cute ad radicem pinnarum dorsi et ani in
sinum producta
.

Bloch tab. 267.

Einer der allgemeinst verbreiteten Seefische.
Zuweilen giftig.

[Seite 291]

39. Labrvs. Lippfisch. Dentes acuti, la-
bia duplicata magna. Membr. branch.
rad. 6; pinnae dorsalis radii postice
ramento filiformi aucti. Pectorales
rotundatae
.

1. Iulis. der Meerjunker L. lateribus cae-
rulescentibus, vitta longitudinali fulua
vtrimque dentata
.

Bloch tab. 287.

Im mitländischen Meer. Nur Fingers lang,
von ausnehmend schönen Farben. Wird den
Badenden durch seinen Biß lästig, der wie
Mückenstiche schmerzt.

40. Sciaena. Caput totum squamis
obtectum. Membr. branch. rad. 6;
opercula squamosa. Corpus: fossula
dorsi pro pinna dorsali recondenda
.

1. Nigra. S. tota nigra, ventre fusco-al-
bescente
.

Bloch tab. 297.

Wie so viele andere Gattungen dieses Ge-
schlechts im rothen Meere.

41. Perca. Opercula spinosa, antror-
sum serrata. Membr. branch. rad. 7;
corpus pinnis spinosis. Linea lateralis
cum dorso arcuata
.

1. †. Fluuiatilis. der Barsch. (Fr. la perche.
Engl. the perch.) P. pinnis dorsalibus di-
stinctis, secunda radiis
16.

Bloch tab. 52.

In Europa und Nordasien.

[Seite 292]

2. †. Lucioperca. der Zander, Sandbarsch,
Schiel. P. pinnis dorsalibus distinctis, se-
cunda radiis
32.

Bloch tab. 51.

So wie der folgende im nördlichen Europa.
Hier diese Gattung vorzüglich schmackhaft, vor
allen die im Plattensee in Ungarn. Von ansehn-
licher Größe in der Donau.

3. †. Cernua. der Kaulbarsch. (Engl. the
ruffe
.) P. pinnis dorsalibus vnitis radiis 27;
spinis 15; cauda bifida.

Bloch tab. 53. fig. 2.

42. Gasterostevs. Membr. branch.
rad. 3; corpus ad caudam vtrimque ca-
rinatum. Pinnae ventrales pone pecto-
rales, sed supra sternum
.

1. †. Aculeatus. Der Stichling. (spinarella.
Engl. the stickleback.) G. spinis dorsalibus
tribus
.

Bloch tab. 53. fig. 3.

In Europa. wird fast bloß zum Mästen der
Schweine und statt Dünger gebraucht.

2. Ductor. der Lootsmann. (Fr. le pilote.
Engl. the pilot-fish.) G. spinis dorsalibus
4, membrana branchiostega 7 - radiata
.

Der berühmte kleine Fisch der sich immer als
Begleiter oder Vorläufer beym furchtbaren Re-
quin (Squalus carcharias) findet. Einige
Uebertreibungen abgerechnet ist die Hauptsache
neuerlich durch treffliche Beobachter vollkomen
bestätigt*).

[Seite 293]

43. Scomber. Caput compressum, laeue.
Membr. branch. rad. 7; corpus laeue, li-
nea laterali postice carinatum. Pinnae
spuriae saepe versus caudam
.

1. †. Scomber. die Makrele. (Fr. le maque-
reau
. Engl. the mackrel.) S. pinnulis 5.

Bloch tab. 54.

Im nordischen und atlantischen Meer etc. Wie
der folgende ein gefräßiger aber vorzüglich
schmackhafter Raubfisch. Von beyden machten
die Alten ein vorzügliches Garum.

2. Pelamys. die Bonite. S. pinnulis infe-
rioribus 7; abdomine lineis vtrinque 4
nigris
.

In allen wärmern Weltmeeren. Auch dieses
Thier phosphorescirt nach dem Tode zuweilen
sehr stark, und kann dann so wie manche an-
dere Fische und deren Thran etc. zum Leuchten
des Seewassers beytragen.

3. †. Thynnus. der Thunnfisch. (Fr le thon.
Engl. the tunny.) S. pinnulis vtrimque 8.

Bloch tab. 55.

In der Nordsee, dem mitländischen Meer,
Ost- und Westindien etc. Wird über Manns
lang, und dann wohl gegen 5 Centner schwer.
Ist zuweilen giftig*). Ihm ähnelt die zumahl
aus den Südsee-Reisen bekannte Albicore.

44. Mvllvs. Caput compressum, de-
cliue, squamis tectum. Membr. branch.

[Seite 294] rad. 3; corpus squamis magnis facile
deciduis
.

1. Barbatus. der Rothbart, die Meerbarbe.
M. cirris geminis, corpore rubro.

Bloch tab. 328. fig. 2.

Ein schöner schmackhafter Fisch des mitländi-
schen Meers. Ungefähr fuß lang.

45. Trigla. Caput loricatum lineis
scabris. Membr. branch. rad. 7; digiti
liberi ad pinnas pectorales
.

1. Volitans. T. digitis vicenis membrana
palmatis
.

Bloch tab. 351.

Einer der fliegenden Fische in den mildern
Weltmeeren.

VI. ABDOMINALES.

Fische, deren Bauchflossen hinter den
Brustfloßfedern sitzen. Die mehresten Süß-
wasser-Fische sind aus dieser Ordnung.

46. Cobitis. Oculi in suprema capitis
parte. Membr. branch. rad. 4–6; cauda
versus pinnam minus angustata
.

1. Anableps. C. cirris 2; capite depresso,
oculis prominnlis
.

Bloch tab. 361.

Bey Surinam. Gebiert lebendige Junge, und
wird besonders durch den ganz einzigen Bau
seiner gleichsam in zwey Abschnitte halbirten
[Seite 295] Hornhaut des Auges, und übrige Einrichtung
der Augäpfel, merkwürdig*).

2. †. Barbatula. der Schmerling, Grundel,
Bartgrundel. (Fr. la loche. Engl. the
loach
.) C. cirris 6, capite inermi compresso.

Bloch tab. 31. fig. 3.

In mehreren Spielarten, mit und ohne Bart-
fäden etc. Die größten finden sich in der Aar in
der Schweiz.

3. †. Fossilis. der Wetterfisch, Peizker,
Schlammbeisker, die Pipe, Steinpietsche,
Kurrpietsche. C. cirris 6, spina supra
oculos
.

Bloch tab. 31. fig. 1.

In Europa. Kann wie der Knurrhahn einen
Laut von sich geben. Wenn man ihn in Glä-
sern, mit Sand am Boden, erhält, so wird er
bey bevorstehender Wetterveränderung unruhig.

47. Silvrvs. Caput nudum. Os cir-
ris filiformibus tentaculatum. Membr.
branch. rad. 4-14; radius pinnarum
pectoralium aut dorsalis primus spi-
nosus, retrodentatus
.

1. † Glanis. der Wels, Schaidfisch. S. pinna
dorsali vnica scapulari mutica, cirris 6.

Bloch tab. 34

In den mildern Strichen der alten Welt.
Der größte Süßwasser-Fisch, der wohl 3 Cent-
ner am Gewicht hält, und wegen des unförmlich
großen und breiten Kopfes und der langen Bart-
fäden ein sonderbares Ansehen hat.

[Seite 296]

2. Cataphractus. S. pinna dorsali postica
vniradiata, squamis ordine simpliei, cirris
6, cauda integra
.

Catesby vol. III tab. 19.

In Nordamerica.

3. Electricus. der Zitter-Wels, Raasch. (Fr.
le trembleur.) S. pinna dorsali vnica lumbari,
remota absque radiis, cirris 6
.

Broussonet in den Mém. de l'ac. des sc.
de Paris
, 1782. tab. 20.

Ebenfalls ein electrischer Fisch. (§. 110.) Fin-
det sich im Nil und mehreren andern africani-
schen Flüssen. Wird ungefähr 20 Zoll lang.
Ist doch eßbar.

48. Loricaria. (Fr. cuirassier .) Caput
laeue depressum. Os edentulum re-
tractile. Membr. branch. radiis 6;
corpus cataphractum
.

1. Plecostomus. L. pinnis dorsi duabus.

Bloch tab. 374.

In Südamerica.

49. Salmo. Caput laeue. Dentes in
maxillis, lingua. Membr. branch.
rad. 4–10; pinna dorsalis postica adi-
posa; pinnae ventrales multiradiatae
.

1. † Salar. der Lachs, Salm. (Fr. le sau-
mon
. Engl. the salmon.) S. rostro vltra in-
feriorem maxillam prominente.

Bloch tab. 20. 98.

In den nordischen Meeren und Flüssen, theils,
wie auf Labrador und im Amur Lande in unsäg-
licher Menge. Hält sich des Sommers in den
[Seite 297] Flüssen, im Winter aber in der See auf. Nur
die Männchen haben einen gebogenen Unterkiefer.
Die Weiber der Orotchys-Tungusen wissen die
Lachshäute durch gerben ausnehmend geschmeidig
zu machen um sich damit zu kleiden.

2. †. Trutta. die Lachs-Forelle. (Fr. la
truitte saumonée
. Engl. the sea trout.) S.
ocellis nigris iridibus brunneis, pinna pecto-
rali punctis
6.

Bloch tab. 21.

An den Küsten und in den Flüssen von Europa.
Wird 8 bis 10 Pfund schwer.

3. †. Fario. die Forelle. (Fr. la truite. Engl.
the trout.) S. maculis rubris, maxilla in-
feriore sublongiore
.

Bloch tab. 22. 23.

In schattigen Waldbächen des gebirgigen mil-
dern Europa und Asien. Wird selten über 2 Pfund
schwer. Variirt sehr an Farbe und Geschmack.

4. †. Alpinus. die Alpenforelle, der Roth-
fisch. S. dorso nigro lateribus caeruleis,
ventre fuluo
.

Bloch tab. 104.

Im alpinischen und nördlichen Europa. Ein
wichtiges Thier für die Schwedischen Lappen, de-
ren beynahe einzige Nahrung es zu Zeiten aus-
macht; lebt großentheils von Mücken (culex
pipiens).

5. †. Eperlanus. der große Stint, Alander.
(Engl. the smelt.) S. capite diaphano, radiis
pinnae ani 17.

Bloch tab. 28. fig. 2.

Im nördlichen Europa. Fast durchscheinend. –
Ihm ähnelt der so genannte grönländische Häring,
Angmarset (Salmo arcticus) den die Grönlän-
[Seite 298] der nächst ihrer Hauptnahrung, dem Seehund-
fleische, in größter Menge gleichsam als Brod
oder Kuchen verzehren.

6. †. Lauaretus. der Gangfisch, Schnepel,
Weißfisch. S. maxilla superiore longiore,
radiis pinnae dorsi
14.

Bloch tab. 25.

In der Nord- und Ostsee; auch in der Hud-
sonsbay. – Dahin gehören vermuthlich auch die
Felchen, und der Aalbock im Thuner-See, der
mit der Ferra des Genfer-Sees einerley zu
seyn scheint.

7. †. Thymallus. die Aesche. (Fr. l'ombre.)
S. maxilla superiore longiore, pinna dorsi
radiis
23.

Bloch tab. 24.

Im mittlern Europa und Sibirien.

50. Fistvlaria. Caput: rostrum cy-
lindricum, apice maxillosum. Membr
.
branch. radiis 7; corpus....

1. Tabacaria. F. cauda bifida setifera.

Bloch tab. 387.

Das so gar sonderbar gebildete Thier mit
winzig-kleinem Maule an einer mächtig langen
Schnauze findet sich an den ostlichen Küsten vom
wärmern America und an Neuholland.

51 a). Esox. Caput supra planiusculum;
mandibula superiore plana breuiore, in-
feriore punctata; dentes in maxillis,
lingua. Membr. branch. rad. 7-12.

1. †. Lucius. der Hecht. (Fr. le brochet. Engl.
the pike.) Q. rostro depresso subaequali.

Bloch tab. 32.

[Seite 299]

In vielen Flüssen und Seen von Europa, Asien
und Nordamerica. Einer der gefräßigsten Raub-
fische, der nicht nur andere Fische, sondern auch
allerhand Amphibien, Kröten etc. viele Wasser-
vögel und kleine Säugethiere, auch zuweilen gar
Krebse verschlingt.

2. †. Belone. der Hornfisch. (Fr. l'orphie.
Engl. the garpike.) L. rostro vtraque
maxilla subulato
.

Bloch tab. 33.

In den europäischen Meeren, theils in unsäg-
licher Menge. Seine Gräten sind grün, als
wenn sie mir Saftfarbe angestrichen wären.

51 b). Polyptervs. Membr. branch.
radio vnico. Spiracula vtrinque bina in
vertice. Pinnae dorsales numerosae
.

1. Bichir.

Geoffroy-Saint-Hilaire Mémoires
d'histoire naturelle
tab
. 5.

Im Nil. Ungefähr zwey Spanne lang, von
meergrüner Farbe, wie mit knöchernen Schuppen
gepanzert. Seine zahlreichen Rückenflossen (16
und darüber); und die gleichsam wie an Beinen
ansitzenden Brust- und Bauchflossen, so wie noch
mehrere auffallende Eigenheiten qualificiren dieses
sonderbare Thier zu einem eigenen Geschlechte.

52. Elops. Caput laeue. Dentium sca-
brities in maxillarum margine, palato.
Membr. branch. radiis
30; praeterea
exterius in medio armata dentibus
5.

1. Saurus. E. cauda supra infraque armata.

Bloch tab. 393.

Auf Jamaica.

[Seite 300]

53. Argentina. Dentes in maxillis,
lingua. Membr. branch. radiis
8. Cor-
pus ano caudae vicino. Pinnae ventra-
les multiradiatae
.

1. Carolina. A. pinna anali radiis 15.

Catesby vol. II. tab. 24.

Hat den Nahmen von seinem Vaterlande.

54. Atherina. Caput maxilla superiore
planiuscula. Membr. branch. radiis
6.
Corpus fascia laterali argentea.

1. Hepsetus. A. pinna ani radiis fere 12.

Bloch tab. 393. fig. 3.

Im mitländischen Meere.

55. Mvgil. Caput; Labia membranacea:
inferius introrsum carinatum. Dentes
nulli. Denticulus inflexus supra sinus
oris. Membr. branch. rad. 7. curuis.
Opercula laeuia rotundata. Corpus
albicans
.

1. Cephalus. M. pinna dorsali anteriore quin-
queradiata
.

Bloch tab. 394.

Im mitländischen u.a. Meeren.

56. Exocoetvs. Caput squamosum.
Os edentulum, maxillis vtroque latere
connexis. Membr. branch. rad. 10.
Corpus albicans, abdomen angulatum,
pinnae pectorales maxime volatiles,
radiis antice carinatis
.

[Seite 301]

1. Volitans. der fliegende Häring. E. abdo-
mine vtrinque carinato
.

Der gemeinste aller fliegenden Fische. Findet
sich meist in allen wärmern Weltmeeren; theils
in großen Scharen.

Die seltenste Gattung dieses Geschlechts, der
Exocoetus mesogaster (Abbild. n. h. Ge-
genst.
tab. 100. –) die zumahl im Westen
des atlantischen Oceans zu Hause ist, zeichnet
sich durch die Stellung der Bauchflossen an der
Mitte des Unterleibes, und dadurch aus, daß
die mittlern Strahlen in denselben die läng-
sten sind.

57. Polynemvs. Caput compressum,
vndique squamosum; rostro obtusissimo
prominente. Membr. branch. rad. 5.
vel. 7. Corpus digitis liberis ad pinnas
pectorales
.

1. Quinquarius P. digitis quinque corpore
longioribus
.

Seba vol. III. tab. 27. fig. 2.

In Westindien.

58. Clvpea. Caput maxillarum supe-
riorum mystacibus serratis. Membr.
branch. rad. 8. Branchiae interne se-
taceae. Abdominis carina serrata. Pin-
nae ventrales saepe nouemradiatae
.

1. Harengus. der Häring, Strömling.
(membras? Fr. l'hareng. Engl. the herring.)
C. immaculata, maxilla inferiore longiore.

Bloch tab. 29.

[Seite 302]

Einer der wichtigsten Fische für die nördliche
Erde, der zwar von Menschen und sehr vielen
Thieren (zumahl vom Nordkaper, von manchen
Möven-Gattungen etc.) verfolgt wird, sich aber
auch dagegen zum bewundern stark vermehrt. Be-
sonders sind nun seit dem zwölften Jahrhundert
bey Gelegenheit ihrer großen äußerst bestimm-
ten, regelmäßigen Sommer-Reisen (– s. oben
§. 109. –) nach den europäischen Küsten, zu-
mahl nach den Orcaden, nach Norwegen etc. so
viele tausend Europäer mit ihrem Fang beschäftig.

2. †. Sprattus. die Sprotte, der Breitling.
(Fr. la sardine. Engl. the sprat.) C. pinna
dorsali radiis
13.

Bloch tab. 29. fig. 2.

Ebenfalls in den nördlichen Meeren, aber auch
im mitländischen. Ist von manchen Naturfor-
schern irrig für den jungen Häring gehalten worden.

3. †. Alosa. die Alse, der Mutterhäring, May-
fisch. (Fr. l'alose. Engl. the shad.) C. late-
ribus nigro maculatis, rostro nigro
.

Bloch tab. 30. fig. 1.

Vorzüglich häufig im mitländischen Meere.

4. †. Encrasicolus. die Sardelle, der Anscho-
vis. (Fr. l'anchois.) C. maxilla superiore
longiore
.

Bloch tab. 30. fig. 2.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem vorigen.
Wird vorzüglich häufig an Gorgona im Golfo di
Livorno gefangen.

59. Cyprinvs. Caput ore edentulo. Os
nasale bisulcum. Membr. branch.

[Seite 303] rad. 3. Corpus laeue albens. Pinnae
ventrales saepe nouemradiatae
.

1. †. Barbus. die Barbe. C. pinna ani ra-
diis 7. cirris 7. pinnae dorsi radio secundo
vtrinque serrato
.

Bloch tab. 18.

Im mildern Europa und westlichen Asien.
Ihr Rogen ist giftig, so daß sein Genuß schon
oft sehr gefahrvolle Zufälle erregt hat*).

2. †. Carpio. der Karpfe. (Fr. la carpe.
Engl. the carp.) C. pinna ani radiis 9, cir-
ris 4, pinnae dorsalis radio secundo postice
serrato
.

Bloch tab. 16.

Jetzt nun meist in ganz Europa. Ins nörd-
lichere seit 300 J. allgemach durch die Kunst
verpflanzt. Soll mit verwandten Gattungen,
zumahl mit der Karausche, Bastarden geben.
Auch finden sich unter den Karpfen häufiger Miß-
geburten als unter irgend einer andern bekann-
ten Fischgattung. – Die Spiegelkarpfen**),
die sich besonders durch die beständig von Schup-
pen entblößten Theile des Körpers auszeichnen,
scheinen doch keine bloße Spielart, sondern eine
besondere Gattung dieses Geschlechts zu seyn.

3. †. Tinca. die Schleihe. (Fr. la tanche.
Engl. the tench.) C. pinna ani radiis 25,
cauda integra, corpore mucoso cirris 2
.

Bloch tab. 19.

Einer der weitstverbreiteten Flußfische. Kann
mit den Kieferdeckeln einen Laut von sich geben.
[Seite 304] Die Goldschleihe*) ist einer der schönsten deut-
schen Fische.

4. †. Carassus. die Karausche. (Fr. le carassin.
Engl. the crucian.) C. pinna ani radiis 10,
cauda integra, linea laterali recta
.

Bloch tab. 11.

In Europa und Mittel-Asien.

5. Auratus. das schinesische Goldfischchen,
der Goldkarpfe, Kin-ju. (Fr. la dorée.
Engl. the goldfish.) C. pinna ani gemina,
caudae trifida transuersa bifurca
.

Baster in Harlem. Verhandl. VII. D.
1. St. mit illum. Fig.

In Japan und Schina, wo sie gleichsam als
Hausthiere gehalten werden, und in mancherley
wunderbare, theils fast monströse Varietäten,
der vortrefflichsten Farben, Zahl und Bildung der
Flossen, Größe der Augen etc. ausgeartet sind.
Sie kommen auch im mildern Europa recht gut
fort. Können sogar Jahr und Tag im bloßen
Wasser ohne alle weitere Nahrung leben, und
geben dabey doch von Zeit zu Zeit Unrath
von sich.

6. †. Phoxinus. die Elritze. (Fr. le vairon.
Engl. the minow.) C. pinna ani radiis 8,
macula fusca ad caudam, corpore pel-
lucido
.

Bloch tab. 8. fig. 5.

Häufig in der Weser.

[Seite 305]

7. †. Orfus. der Orf, Urf, Würfling, Elft.
C. pinna ani radiis 13.

Bloch tab. 96.

Zumahl im südlichen Deutschland. Schön
Orangefarben.

8. †. Alburnus. der Ukley, Weißfisch. (Fr.
l'ablette. Engl. the bleak.) C.
pinna ani rad
. 20.

Bloch. tab. 8. fig. 4.

So wie der folgende im mittlern Europa und
westlichen Asien. Seine Schuppen werden
zur Verfertigung der Glasperlen gebraucht*).

9. †. Brama. der Bley, Brachsen. (Fr. la
brème
.) C. pinna ani rad. 27. pinnis fuscis.

Bloch tab. 13.


Achter Abschnitt.
Von den Insecten.

[Seite 306]

§. 121.

Die Thiere der beyden letzten Classen
(§. 40.), die Insecten und Gewürme, unter-
scheiden sich schon dadurch von den vorhergehen-
den, daß sie kein rothes Blut, sondern statt
dessen einen weißlichen Saft in ihrem Körper
führen: weßhalb sie (§. 23.) auch von den
Alten Blutlose Thiere (animalia exsanguia)
genannt wurden. So wie man sie neuerlich
darum weil sie keine Rückenwirbel – so wie
überhaupt kein Gerippe – haben, auch
Wirbellose Thiere (Fr. animaux invertébrés)
genannt hat.

§. 122.

Die Insecten haben ihren Nahmen daher,
weil wenigstens im Zustande ihrer vollkom-
menen Ausbildung, Kopf, Brust und Hinter-
leib, wie durch Einschnitte von einander ab-
gesondert sind, ja bey vielen fast nur wie durch
einen Faden unter einander verbunden werden.
Außerdem zeichnen sie sich aber auch (bis auf
wenige Ausnahmen unter den Geschlechtern
der ungeflügelten Ordnung) durch besondere
[Seite 307] theils sehr empfindliche Organe aus, die sie in
ihrem vollkommenen Zustande am Kopfe tragen
(Antennae, Fühlhörner), und die alle
Mahl an der Wurzel eingelenkt, meist aber
auch noch außerdem gegliedert sind; und end-
lich durch die hornartigen, eingelenkten Füße,
und deren größere Anzahl, da die völlig aus-
gebildeten Insecten zum allermindesten ihrer
sechs, manche aber wohl auf anderthalb hun-
dert etc. haben.

§. 123.

Außer den angegebenen Merkzeichen, haben
die Insecten in ihrem Aeußern wenig, was
ihnen allen gemein wäre. Die ganz unermeß-
liche Anzahl der Gattungen, ihre so unendlich
verschiedenen Bestimmungen, und dahin ab-
zweckende eben so verschiedene Lebensart, Be-
dürfnisse etc. erfordern eine äußerst vielartige
Bildung, in welcher sie, so wie in der unglei-
chen Größe ihres Körpers, ausnehmend von
einander abweichen.

§. 124.

Selbst die äußere Bedeckung ihres Kör-
pers ist mannigfaltiger als bey den übrigen
Thieren. Sehr viele sind wie mit einem horn-
artigen Panzer überzogen, der aus mehreren
Stücken besteht, die sich wie die Schienen eines
Blechhandschuhes über einander schieben lassen;
[Seite 308] und wodurch diese Thiere vor mancherley Un-
fällen gesichert, und für den Mangel der Knochen,
die bey andern Thieren zur Anlage der Mus-
keln etc. dienen, entschädigt werden. Manche
sind mit seinen Haaren besetzt, und bey den
Schmetterlingen etc. die Flügel mit so genannten
Federchen, oder vielmehr Schuppen bedeckt,
die zum Theil von den schönsten Farben sind:
so wie sich überhaupt unter den Insecten,
Thiere von unbeschreiblicher Schönheit finden.

§. 125.

Auch in der Einrichtung der Sinnwerk-
zeuge*), und also vermuthlich auch in der Art
der Empfindung, weichen die Insecten gar
sehr von den übrigen Thieren ab. So daß
ihnen sogar manche Naturforscher verschiedene
von unsern fünf äußern Sinnen, zumahl das
Gehör und den Geruch, ohne Grund haben
absprechen wollen; da man doch jenes bey vie-
len die einander zur Paarungszeit durch einen
besondern Laut locken, und diesen bey noch weit
mehreren, die ihren versteckten Fraß auswit-
tern, unverkennbar wahrnimmt.

§. 126.

[Seite 309]

Die Augen der Insecten sind vorzüglich
merkwürdig, und zwar in Rücksicht ihres
Baues von zweyfacher Art. Die einen sind
große Halbkugeln, die aber meist aus taufen-
den von Facetten, bey einigen auch aus zahl-
reichen kegelförmigen Spitzen, bestehen, die
auf der innern Seite mit einem theils buntfar-
bigen oder glänzenden Anstrich überzogen sind.
Die mehresten geflügelten Insecten, aber auch
manche ungeflügelte, wie der Flußkrebs, Hum-
mer etc. haben dergleichen. Die Augen der andern
Art (ocelli, stemmata) sind einfach, klein,
und so wohl in Rücksicht ihrer Anzahl als Lage
verschieden. Die erstern scheinen mehr für die
Ferne, so wie die letztern für die Nähe be-
stimmt zu seyn; wenigstens reimt sich dieß da-
mit, daß die Schmetterlinge in ihrem geflü-
gelten vollkommenen Zustande solche große
componirte telescopische Augen kriegen, da sie
vorher als Raupen nur myopische kleine Augen
hatten. Nur wenige Insecten, wie z.B. die
Krebse, können ihre Augen bewegen.

§. 127.

Die Fühlhörner*) die bey den verschie-
denen Gattungen, und bey manchen selbst nach
der Sexualdifferenz derselben, sehr vielartig
[Seite 310] gestaltet sind, und die manche Naturforscher
für Organe des Geruchs oder des Geschmacks etc.
angesehen haben, scheinen doch nichts weiter
zu seyn, als was ihr Nahme andeutet, –
Werkzeuge des Tastens, Sonden, Tangenten,
die ihnen bey ihrer harten unempfindlichen,
äußern Decke, und den mehrsten auch bey der
Unbeweglichkeit ihrer Augen doppelt wichtig
werden. Die Insecten scheinen das feinste
Gefühl in ihren Antennen, wie wir in den
Fingerspitzen, zu haben; und da sie großentheils
im Dunklen leben, dadurch, so wie Blinde,
den Mangel des Lichts durch feines Gefühl
zu ersetzen. – Hingegen ist der allgemeine
Hauptzweck der so genannten Freßspitzen
(palpi), die meist neben den Freßwerkzeugen
der Insecten sitzen, und nur wenigen gänzlich
zu fehlen scheinen, und die auch von manchen
für Sinnwerkzeuge dieser Thiere gehalten wor-
den, noch sehr räthselhaft.

§. 128.

Im innern Körperbau*) weichen die
Insecten gar sehr von den rothblütigen Thie-
ren ab.

Was man z.E. bey den Raupen für ihr
Herz angesehen hat, das ist ein langer Canal
[Seite 311] von ungleicher Weite der längs des Rückens
liegt, aus welchem aber nicht eine einzige Ader
entspringt, so daß folglich auch die Ernährung
bey diesen Insecten auf eine eigene, von der
Nutrition der rothblütigen Thiere ganz ver-
schiedene Art vor sich gehen muß.

Hingegen sind sie mit unzähligen Luftröhr-
en vom erstaunenswürdigsten feinsten Bau,
und mit äußerst zahlreichen Muskeln, die
aber auch so wohl in der Bildung als in
der Farbe von den Muskeln der rothblütigen
Thiere abweichen, versehen.

§. 129.

Ungeachtet die Insecten eben so wohl als
die rothblütigen Thiere, des Umsatzes von Koh-
lenstoff gegen Sauerstoff (§. 24.) zur Erhaltung
ihres Lebens bedürfen; so bemerkt man doch nur
bey wenigen (wie z.B. bey den Krebsen, Heu-
schrecken und manchen Cicaden und Käfern etc.)
eine dem Athemhohlen ähnliche Bewegung.
Ueberhaupt aber schöpft kein Insect seine
Luft durch den Mund sondern durch mancherley
andere spiracula*). Auch können die meisten
weit länger als jene rothblütigen Thiere im
so genannten luftleeren Raume aushalten;
und viele leben in der den so eben genannten
Thieren so schädlichen mephitischen Luft, worin
[Seite 312] animalische und vegetabilische Stoffe faulen
(– dem gekohlten Wasserstoffgas etc. –)
gleichsam als in ihrem Elemente.

§. 130.

Ueberhaupt ist der Aufenthalt der Insecten
auf und unter der Erde*) weit unbeschränkter,
als der von irgend einer andern Thierclasse.
Es sind fast auf allen warmblütigen Thieren
welche anzutreffen, und sogar größere In-
secten, wie z.B. Käfer, Bienen etc. haben
selbst wieder ihre besonderen Milben und
Läuse. Auch sind wohl nur wenige Ge-
wächse (etwa der Taxus, der Sevenbaum,
und die mehrsten Laubmoose etc.) die gar keinen
bekannten Insecten zur Wohnung und Aufent-
halt dienen. Da hingegen manche, wie z.B.
die Eiche, von mehr als einem hundert ver-
schiedener Gattungen von Insecten bewohnt
und besucht Werden. – So allgemein aber
die Insecten, im Ganzen genommen, über
die ganze Erde verbreitet sind, so streng ist
doch dagegen vielen einzelnen Gattungen ihr
ganz besonderer, eingeschränkter Aufenthalt
[Seite 313] auf bestimmten Thieren oder Pflanzen, und
deren einzelnen Theilen angewiesen.

§. 131.

Nur wenige Insecten leben in gesellschaft-
licher Verbindung, und leisten einander in
ihren Geschäften wechselseitige Hülse. Die
allermeisten gehen einzeln und isolirt ihren
Verrichtungen nach und manche, die wie die
Spinnen in zahlreicher Gesellschaft jung wor-
den sind, zerstreuen sich bald nachher, und
leben einsiedlerisch, so daß viele außer der
Begattungszeit kein anderes Geschöpf ihrer
Art wieder zu sehen kriegen.

§. 132.

Der überaus merkwürdigen Gebäude,
Wohnungen etc. die sich so viele Insecten
zu verfertigen wissen, ist schon oben den Anlaß
der Kunsttriebe (§. 36.) Erwähnung geschehen.
Es sind wenige Thiere dieser Classe, die nicht
wenigstens Ein Mahl, in einer gewissen Pe-
riode ihres Lebens Proben dieser natürlichen
Kunstfähigkeit ablegen sollten indem sie ent-
weder wie die Kleidermotten und Frühlings-
fliegen in ihrer unvollendeten Gestalt, als
Larven, sich ein Gehäuse zum Aufenthalte und
zum Schutze verfertigen; oder sich, um die
Verwandlung und den langen Todesschlaf zu
bestehen, ein Lager bereiten, sich einspinnen etc.,
[Seite 314] oder die sich wie die Ameisenlöwen Fallen,
und wie die Spinnen Netze für ihren Raub
verfertigen; oder die wie manche Wasserkäfer
und Spinnen, zur Sicherheit für ihre Nach-
kommenschaft, Säcke oder Nester zubereiten,
denen sie ihre Eyer anvertrauen können.
Manche von denen, die in gesellschaftlicher
Verbindung leben, bauen sich mit vereinten
Kräften, und nach den Gesetzen einer äußerst
regelmäßigen ihnen angebornen Meßkunst,
gemeinschaftliche Wohnungen u.s.w.

§. 133.

Bey der Ernährungsart der Insecten
sieht man offenbar, daß dieselbe nicht, wie bey
den allermehrsten rothblütigen Thieren, bloß
auf ihre Selbsterhaltung, sondern hauptsäch-
lich darauf abzweckt, daß sie organisirte Ma-
terie consumiren sollen. Sie müssen essen,
nicht bloß um satt zu werden, sondern um
zugleich Aas zu verzehren, um selbst wieder
andere lebendige Insecten aufzureiben etc., um
Unkraut zu vertilgen u.s.w. – eine große
Bestimmung, zu deren Erfüllung außer der
fast zahllosen Menge der Gattungen überhaupt,
sehr vielen von diesen speciebus, theils
ihre äußerst starke Vermehrung, theils ihre
beyspiellos heftige Freßgierde und schnelle Ver-
dauung bey einem sehr kurzen Darmcanal zu
Statten kommt. Man weiß z.B., daß eine
[Seite 315] Raupe in 24 Stunden das Triplum ihres
eigenen Gewichts verzehren kann. – Auch
sind die Freßwerkzeuge der Insecten viel-
artiger als in irgend einer andern Thierclasse:
da manche mit seitwärts beweglichen gezäh-
nelten Kinnladen und Freßzangen (maxillae);
andere wie einem zugespitzten hornartigen Bohr-
rüssel (rostrum); andere mit einem fleischigen
Schlurfrüssel mit breiter Mündung (proboscis);
manche mit einer spiralförmig aufgerollten (so
genannten) Zunge etc. versehen sind.

§. 134.

Vor den Nachstellungen ihrer Feinde
sind einige Insecten, wie z.B. die Spann-
raupen durch ihre täuschende Gestalt; andere
dadurch daß sie einerley Farbe mit den Ge-
wächsen haben, worauf sie leben*), folglich
weniger darauf abstechen, und nicht so leicht
bemerkt werden können; andere auch wohl
durch den heftigen Geruch, den sie im Noth-
fall verbreiten können; andere durch die Macht
des gesellschaftlichen Lebens; noch andere durch
ihre bewundernswürdige Stärke etc. gesichert.
Und manche sind gar mit Waffen, z.B.
mit Hörnern wie Kneipzangen, oder mit
Stachel und Gift versehen.

§. 135.

[Seite 316]

Auch bey der Fortpflanzung der Insecten
zeigen sich ungemein viele eigene Sonderbar-
keiten. So z.B., daß oft in einer und eben
derselben Gattung die beyden Geschlechter ein-
ander so äußerst unähnlich gebildet sind, daß
man sie eher für ganz verschiedene Thierarten,
als für zusammen gehörige Gatten halten
sollte: oder daß unter den Bienen und an-
dern ihnen verwandten Insecten immer die
größte Anzahl gänzlich geschlechtlos ist; das
heißt, daß sie gezeugt und geboren werden,
ohne doch nach dem ordentlichen Laufe selbst
die Bestimmung zur Empfängniß oder zur
Zeugung zu haben.

§. 136.

Ferner hat die Begattung bey verschiede-
nen Insecten sehr viel Eigenes. Bey nicht
wenigen Gattungen wird sie z.B. im Fluge
vollzogen, und manche derselben sind bloß für
diese kurze Paarungszeit geflügelt. – Ueber-
haupt aber leben die mehresten in so fern in
einer gezwungenen Monogamie, daß sie schlech-
terdings nicht mehr als ein einziges Mahl in
ihrem leben sich paaren können: der Tod ist
bey ihnen eine so unausbleibliche Folge der
ersten Begattung, daß man sogar ihr Leben
durch verzögerte Paarung verlängern kann.

§. 137.

[Seite 317]

Zu andern Sonderbarkeiten beym Fort-
pflanzungsgeschäfte der Insecten gehört auch,
daß bey vielen, wie z.B. beym Cochenille-
Wurm, beym Sandfloh etc. das trächtige
Weibchen zu einer ganz ungeheuren Größe an-
wächst: so daß man z.B. rechnet, daß bey der
weißen Ameise der Hinterleib der zum Gebäh-
ren reifen Mutter auf 2000 Mahl dicker und
größer ist als er vor der Befruchtung war.

§. 138.

Die mehresten Insecten legen Eyer, die
von den Müttern nach einem bewundernswür-
digen Instinct immer aufs genaueste an die
bestimmten der künftigen jungen Brut ange-
messensten Orte gebracht werden. Manche legen
z.B. ihre Eyer bloß in den Körper lebendiger
Insecten anderer Art, in Raupen; oder in
Puppen; oder gar in anderer Insecten ihre
Eyer! denn wirklich kriecht zuweilen aus den
Eyern der Ringelraupe statt der jungen Raupe
eine eigene Art kleiner Mückchen aus.

Auch sind die Insecten-Eyer zum Theil,
zumahl bey den Schmetterlingen, von einer
überaus mannigfaltigen sonderbaren Bildung
und Zeichnung, und wenn sie von der Mutter
an die freye Luft gelegt werden, mit einer Art
Firniß überzogen, damit sie weder vom Regen
abgespült noch durch andern Zufall leicht zer-
[Seite 318] stört werden können. Einige wenige Insecten
gebären lebendige Junge, und manche, wie
die Blattläuse, pflanzen sich auf beyderley
Weise fort.

§. 139.

Ein äußerst merkwürdiges Phänomen, das
fast bloß dieser Thierclasse eigen, wenigstens
in den andern (§. 72. Anm. 94. 116.), bey wei-
ten nicht so auffallend wird, ist ihre Meta-
morphose. Es kommt nähmlich kein einziges
geflügeltes Insect unmittelbar aus dem Ey,
sondern diese alle müssen sich (– so wie auch
einige ungeflügelte –) erst in gewissen Lebens-
epochen einer Art von Verwandlung unter-
ziehen. Dabey wird nicht nur ihre äußere Ge-
staltung, sondern zugleich ihr ganzer innerer
Körperbau (gegen die gemeine Meinung) auf
eine Weise umgebildet*), die sich schwerlich
mit der vorgeblichen Präexistenz präformirter
Keime (§. 7.) zusammen reimen läßt**).

§. 140.

[Seite 319]

In der Gestalt, wie diese Insecten, die
sich einer Metamorphose unterziehen, zuerst
aus dem Ey kriechen, heißen sie Larven.
Meist kommen sie äußerst klein aus Licht, so
daß z.B. eine erwachsene Weidenraupe 72000
Mahl schwerer wiegt als da sie eben aus dem
Ey gekrochen war. Dagegen wachsen sie aber
auch desto schneller, so daß z.B. die Maden
der blauen Schmeißfliege 24 Stunden nach
dem Auskriechen schon 155 Mahl schwerer sind
als da sie aus dem Ey kamen.

Theils haben diese Larven Füße, wie die
Raupen und Engerlinge: theils aber keine,
wie die Maden. Flügel haben sie gar noch
nicht. Auch sind sie in diesem Zustande zur
Fortpflanzung noch gänzlich unfähig: sie ernäh-
ren sich bloß, und wachsen, und häuten sich
mit unter einige Mahl.

§. 141.

In der Gestalt, worein die Larve umge-
bildet wird, heißt sie Nymphe. Manche kön-
nen sich während dieses Zustandes herum be-
wegen, auch Nahrungsmittel zu sich nehmen.
Andere hingegen verschließen sich als Puppe
(chrysalis, aurelia), und bringen diesen
Theil ihres Lebens in einem betäubenden Todes-
schlaf, ohne Nahrungsmittel, und ohne sich
von der Stelle zu bewegen, zu.

§. 142.

[Seite 320]

Allein während der Zeit, da das Geschöpf
so ganz fühllos und erstarrt in seiner Hülse
vergraben scheint, geht mit ihm selbst die
große Palingenesie vor, daß es aus sei-
nem Larvenstand zum vollkommenen Insect
(insectum declaratum, imago) umgebildet
wird, und nach bestimmter Zeit aus seinem
Kerker hervorbrechen kann. Manche Insecten
absolviren die letzte Rolle ihres Lebens in einer
sehr kurzen Zeit. Verschiedene bringen, wenn
sie aus ihrer Hülfe kriechen, nicht ein Mahl
einen Mund mit zur Welt, sie fressen nicht
mehr, sie wachsen nicht weiter; jene beyden Be-
stimmungen eines organisirten Körpers hatten
sie schon als Larven erfüllt; jetzt ist ihnen nur
noch die dritte übrig: sie sollen ihr Geschlecht
fortpflanzen, und dann der Nachkommen-
schaft Platz machen, und sterben.

§. 143.

Die unmittelbare Brauchbarkeit der In-
secten für den Menchen ist ziemlich einfach: dage-
gen aber ist der Antheil, den diese kleinen wenig
bemerkten Thiere an der großen Haushaltung der
Natur haben, desto mannigfaltiger und ganz
unermeßlich. Sie sind es, die unzählige Arten
von Unkraut theils im Keim ersticken, theils,
wenn es auch ausgewachsen ist, vertilgen, und
seinem fernern Wuchern vorbeugen. Einen an-
[Seite 321] dern ebenfalls äußerst wichtigen Nutzen leisten
so viele Insecten, die sich von Aas nähren,
im Miste leben u.s.w. und die dadurch, daß
sie diese widrigen animalischen Substanzen auf-
zehren, zerstreuen und durchwirken, von der
einen Seite der Infection der Luft vorbeugen,
und von der andern die allgemeine Düngung
des Erdreichs befördern. Aus jener Rücksicht
werden z.B. die Schmeißfliegen in den heißen
Erdstrichen so wohlthätig. Anderseits beför-
dern auch unzählige Insecten die Befruchtung
der Gewächse, auf überaus merkwürdige
Weise*). Manche Thiere dieser
Classe, wie die Krebse, und einige Gattungen
von Heuschrecken etc. sind eßbar. So der
Honig der Bienen, aus welchen auch in man-
chen Gegenden von Europa so wie im Innern
von Africa der Meth gewonnen wird. Die
Seide nutzt zur Kleidung und mancherley an-
derm Gebrauch. Verschiedene Insecten geben
treffliche Farben, wie die Cochenille den
Scharlach etc. Die Galläpfel werden zur Tinte,
und Wachs zu Kerzen und vielerley andern
[Seite 322] Gebrauch benutzt. So das Lack, ein Pro-
duct gewisser ostindischer Schildläuse, das zu
Firniß zum Siegellack u.s.w. verbraucht
wird. Für die Arzney sind vorzüglich die
spanischen Fliegen, die Kelleresel und die
Ameisen von Belange, und neuerlich sind auch
die so genannten Maywürmer, vom neuen als
Hülfsmittel gegen den tollen Hundsbiß, so
wie manche andere Käser gegen Zahnweh,
gepriesen worden.

§. 144.

So unermeßlich der Nutze der Insecten
ist, so ist aber auch anderseits der Schaden
sehr erheblich, den viele Gattungen derselben
anrichten. Viele sind den Feldfrüchten
überhaupt gefährlich, verursachen Mißwachs,
und verheeren, wie die Zug-Heuschrecken,
junge Saat, und alles, wo sie auffallen.
Manche sind besonders dem Getreide nach-
theilig; andere, wie so viele Raupen, Erdflöhe,
Engerlinge etc. den Gartengewächsen; andere
Raupen und Käferlarven etc. den Obstbäu-
men; die Schildläuse besonders der Orange-
rie; die Larven einiger Dermestes-Gattun-
gen und die Holzraupen den Holzungen; die
Ameisen, Grasraupen etc. den Wiesen; die
Brod-Schaben den Victualien; die weißen
Ameisen etc. dem Hausgeräthe etc.; die Klei-
dermotten der Wolle, dem Pelzwerk u.s.w.
[Seite 323] Die Larven vieler kleiner Käferchen den Bü-
chern und Naturaliensammlungen. End-
lich werden auch einige Arten von so genann-
tem Ungeziefer dem Menschen selbst, so wie
den Pferden, Schafen, Hühnern und andern
Hausthieren, ja sogar verschiedenen nutzbaren
Insecten, den Bienen, Seidenwürmern etc.
auf unmittelbare Weise lästig; und andere,
wie manche Skorpione etc. durch ihr Gift,
furchtbar.

§. 145.

In der systematischen Anordnung folge
ich in dieser Classe ganz dem Entwurf des R. Linné,
wie es die Einrichtung eines solchen, besonders
auch zu halbjährigen Vorlesungen über die
ganze N. G. bestimmten, Handbuchs wohl
nicht anders gestattet.

I. Ordn. Coleoptera. Käfer. Meist mit
hornartigem Körper. Die Flügel falten
sich in der Ruhe zusammen, und sind mit
zwey hornartigen Decken oder Schei-
den belegt die sich in der Mitte in
gerader Linie an einander schließen.

II. Hemiptera. Mit vier entweder kreuz-
weis zusammen gelegten oder gerade aus-
gestreckten, meist zur Hälfte harten, fast
pergamentähnlichen Flügeln etc. Theils
haben sie Freßzangen, theils einen spitzi-
gen Bohr-Rüssel.

[Seite 324]

III. Lepidoptera. Schmetterlinge. Mit
weichem behaarten Körper, und vier
ausgespannten Flügeln, die mit bunten
Schuppen bedeckt sind.

IV. Neuroptera. Mit vier durchsichtigen
netzförmigen oder gegitterten Flügeln.

V. Hymenoptera. Mit vier durchsichtigen
geaderten Flügeln.

VI. Diptera. Die Insecten mit zwey
(unbedeckten) Flügeln.

VII. Aptera. Die völlig ungeflügelten.

* * *

Zur N. G. der Insecten.

  1. Th. Mouffet theatrum insectorum. Lond. 1634. Fol.
  2. Jo. Raii historia insectorum. Lond. 1710. 4.
  3. Jo. Swammerdam algemeene Verhandeling van de
    bloedeloose Dierkens.
    Utr
    . 1669. 4.
  4. Ej. biblia naturae. lb. 1737. Fol.
  5. Mar. Sib. Merian metamorphosis insectorum Suri-
    namensium.
    Amst. 1705. Fol. max.
  6. Jac. l'Admiral iun. gestaltverwisselende gekorvene
    Diertjes.
    Amst
    . 1740. fol.
  7. Joh. Leonh. Frisch Beschreibung von allerhand In-
    secten in Deutschland. Berl. 1720-38. XIII. Th. 4.
  8. G. W. Panzer's Insectenfaune Deutschlands seit
    1795. 12.
  9. Index entomologicus in Panzeri faunam insectorum
    Germaniae
    P. I. 1813.
  10. Aug. Joh. Rösel monatliche Insecten-Belustigun-
    gen. Nürnb. 1746-61. IV. B. 4.
  11. Chr. Fr. C. Kleemann Beyträge dazu. Ebendas. seit
    1761. 4.
  12. v. Linné fundamenta entomologiae. Vps. 1767. 4.
    it. im VII. B. von Linné's amoenitatib. academic.
  13. J. H. Sulzers Kennzeichen der Insecten. Zürich
    1761. 4.
  14. Dess. abgekürzte Geschichte der Insecten. Winterthur
    1776. 4.
  15. Jac. Chr. Schaeffer elementa entomologica. Ratisb.
    1766. 4.
  16. Ej. icones insectorum Ratisbonensium. ib. 1767. 4.
  17. Jo. Ant. Scopoli entomologia Carniolica. Vindob.
    1763. 8.
  18. Jo. Chr. Fabricii philosophia entomologica. Ham-
    burg
    . 1778. 8.
  19. Ej. systema entomologiae. Flensb. 1775. 8.
  20. Ej. genera insectorum. Kilon. 1776. 8.
  21. Ej. species insectorum. Hamb. 1781. II. vol. 8.
  22. Ej. entomologia systematica. Hafn. 1793. V. vol. 8.
  23. P. A. Latreille histoire naturelle des insectes. Par.
    1804. XIV. vol. 8. (als Forts. der Sonnini-
    schen Ausg. von Buffon.)
  24. de Reaumur histoire des insectes. Par. 1734-1742.
    VI. vol. 4.
  25. de Geer histoire des insectes. Stockh. 1752-1778.
    VI. vol. 4.
  26. Ej. genera et species insectorum; extraxit A. J.
    Retzius. Lips. 1783. 8.
  27. Geoffroy histoire des insectes des environs de Paris.
    Par. 1762. II. vol. 4.
* * *
  1. Lesser theologie des insectes (trad. de l'allemand)
    avec des remarques de P. Lyonet. à la Haye.
    1742. II. vol. 8.
* * *
[Seite 326]
  1. L. G. Scriba Beyträge zur Insectengeschichte. Frkf.
    seit 1790. 4.
* * *
  1. Magazin für Insectenkunde, herausgegeben von
    K. Illiger. Brauschw. seit 1801. 8.
* * *
  1. Nic. Jof. Brahm Insecten-Calender. Mainz. 1790.
    II. Th. 8.
* * *

Anm. Manchem Insectensammler kann wohl die Nach-
richt interessant seyn, daß ein hiesiger geschickter
Nadelmacher, Hr. Fehler, nicht nur Insecten-
nadeln von vorzüglicher Güte verfertigt, sondern
auch mit Eifer und Kenntniß die Insecten der
hiesigen Gegend sammelt und Liebhabern gerne
mittheilt.


I. COLEOPTERA s. Vaginipennia.
(Eleutherata Fabr.)

[Seite 327]

Die Thiere dieser Ordnung*) werden über-
haupt Käfer genannt, ob man gleich diesen
Nahmen auch dem ersten Geschlechte ins be-
sondere beylegt. Die Larve hat Freßzangen,
und bey den mehresten Geschlechtern sechs Füße,
die an der Brust sitzen: bey einigen, wie
unter den Holzböcken ist sie ohne Füße (eine
Made). Sie verpuppt sich mehrentheils
unter der Erde in einer ausgehöhlten Erd-
Scholle: oder aber, wie bey den genannten
Holzböcken, im Holze. Das vollkommene
Insect kriecht zwar weich aus der Puppe;
seine Haut verhärtet aber in kurzer Zeit an
der Luft; es hat so wie die Larve Kinnladen
am Kopfe, und ist mit harten hornartigen
Flügeldecken (elytra) versehen.

1. Scarabaevs. Käfer. (Fr. hanneton.
Engl. beetle) Antennae clauatae capitulo
fissili. Tibiae anticae saepius dentatae
.

[Seite 328]

1. Hercules. (Geotrupes Hercules. F.) S. scu-
tellatus, thoracis cornu incuruo maximo;
subtus barbato vnidentato, capitis recuruato: supra
multidentato
.

Rösel vol. IV. tab. 5. fig. 3.

In Brasilien. Die Larve einen starken Dau-
men dick. Der Käfer variirt in der Farbe, meist
schmutzig-grün etc.

2. Actaeon. (Geotrupes A. F.) S. scutellatus
thorace bicorni, capitis cornu vnidentato,
apice bifido.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. A. fig. 2.

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen.

3. †. Lunaris. (Copris L. F.) S. exscutellatus,
thorace tricorni: intermedio obtuso bifido,
capitis cornu erecto clypeo emarginato
.

Frisch P. IV. tab. 7.

Auf Wiesen und Viehweiden, vorzüglich im
Kuhmist, aus dem er, wie andere verwandte
Käfergattungen, hohle Kugeln formt, die er ein-
zeln unter die Erde verscharrt, an Graswurzeln
befestigt und in jede ein einziges Ey legt.

4. †. Nasicornis. (Geotrupes N. F.) der Nas-
hornkäfer. S. scutellatus, thorace promi-
nentia triplici, capitis cornu incurnato,
antennis heptaphyllis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 7. fig. 8. 10.

Der größte hieländische Käfer; fliegt selten;
als Engerling findet er sich häufig in Gerberlohe
und in hohlen Bäumen; und thut in manchen
Gegenden den Reden großen Schaden.

5. †. Sacer. (Ateuchus S. F.) S. exscutellatus
clypeo sex-dentato, thorace inermi crenulato,
tibiis, posticis ciliatis, vertice subbidentato
.

Sulzers Gesch. tab. 1. fig. 3.

[Seite 329]

Namentlich häufig in Aegypten, wo er von
den alten Aegyptiern als das heiligste ihrer my-
thischen Symbole, als Sinnbild der Ober- und
Unterwelt verehrt, und auf ihren Obelisken,
Mumiensarcophagen und mancherley andern
Kunstwerken vorgestellt worden. Besonders hat
man ihn auf die Rückseite der Aegyptischen (und
auch der Etruskischen) geschnittenen Steine aus-
geschnitzt, die deßhalb Käferrücken oder Scara-
bäen genannt werden.

6. †. Fimetarius. (Aphodius F. F.) S. scutel-
latus, thorace inermi, capite tuberculato,
elytris rubris, corpore nigro
.

Frisch P. IV. tab. 19. fig 3.

Im Kuhmist.

7. †. Stercorarius. der Roßkäfer. (Engl. the
dung beetle
.) S. scutellatus. muticus, ater,
glaber: elytris sulcatis: capite rhombeo
;
vertice prominulo: antennis rubris.

Frisch P. IV. tab. 6. fig. 3.

Besonders im Pferdemist: daher häufig auf
Fahrwegen. Wenn er an heitern Sommeraben-
den herum fliegt so ist meist auch für den fol-
genden Tag gut Wetter zu erwarten.

8. †. Vernalis. des Mistkäfer. S. scutellatus
muticus, elytris glabris laeuissimis, capitis
clypeo rhombeo, vertice prominulo, an-
tennis nigris
.

Sulzer Gesch. tab. 1. fig. 6.

Häufig im Schafmist.

9. †. Horticola. (Melolontha H. F.) der Gar-
tenkäfer. S. scutellatus muticus, capite tho-
raceque caeruleo subpiloso, elytris griseis,
pedibus, nigris
.

[Seite 330]

Frisch P. IV. tab. 14.

Zumahl an den Obstbäumen etc.

10. †. Melolontha. (Melolontha vulgaris F.)
der Maykäfer, Kreuzkäfer. (Engl. the
May-chaffer, Cock chaffer
.) S. scutellatus
muticus testaceus, thorace villoso; cauda
inflexa, incisuris abdominis albis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 1.

Eins der gemeinsten Insecten, das vier Jahre
lang als Engerling oder Glime unter der Erde
lebt, sich von Getreidewurzeln etc. nährt, und zu-
weilen allgemeinen Mißwachs verursacht hat*).
Im sechsten Jahr kommt es endlich als Maykäfer
zum Vorschein, und schadet in dieser Gestalt dem
jungen Laub, besonders an Obstbäumen.

11. †. Solstitialis. (Melolontha S. F.) der
Brachkäfer, Juniuskäfer, Johanniskäfer.
S. scutellatus muticus testaceus, thorace
villoso, elytris luteo-pallidis pellucidis;
lineis tribus albis parallelis
.

Frisch P. IX. tab. 15. fig. 3.

Auch dieses Käfers Larve thut in manchen
Jahren der Saat großen Schaden.

12. †. Auratus. (Cetonia aurata. F.) der
Goldkäfer, Rosenkäfer. S. scutellatus muti-
cus auratus, segmento abdominis primo
lateribus vnidentato, clypeo planiusculo
.

Frisch P. XII. tab. 3. fig. 1.

[Seite 331]

Die Larve und Puppe findet sich häufig in
Ameisenhaufen und hohlen Baumstämmen. Der
schöne Käfer selbst aber in Gärten etc. Man hat
Beyspiele, daß er sich über 8 Jahr lebendig er-
halten und mit angefeuchteten Brodrinden füt-
tern lassen.

2. Lvcanvs. Antennae clauatae; claua
compressa latere latiore pectinato fissili
.
Maxillae porrectae, exsertae, dentatae.

1. †. Cervus. der Hornschröter, Wein-
schröter. (Fr. le cerf volant. Engl. the
flag beetle
.) L. scutellus: maxillis exser-
tis, apice bifurcatis, latere vnidentatis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 5.

Nächst den Krebsen das größte deutsche Insect,
lebt vorzüglich in Eichenwäldern. Nur das
Männchen hat die Geweihen ähnelnden Kneip-
zangen am Kopfe.

3. Dermestes. Antennae clauatae;
capitulo perfoliato; articulis tribus
crassioribus. Thorax conuexus, vix
marginatus. Caput sub thorace in-
flexum latens
.

1. †. Lardarius. der Speckkäfer. D. niger
elytris antice cinereis, punctis nigris
.

Frisch P. V. tab. 9.

Larve und Käfer nähren sich von fetten, wei-
chen Theilen todter Thiere.

2. †. Pellio. D. niger coleoptris punctis al-
bis binis
.

Zieht sich zumahl nach Pelzwerk, ausgestopften
Thieren. u.s.w.

[Seite 332]

3. †. Typographus. (Bostrichus T. F.) der
Borkenkäfer, Fichtenkäfer, Fichtenkrebs,
Holzwurm. D. testaceus pilosus elytris
striatis retusis praemorso-dentatis
.

v. Trebra in den Schr. der Berl. Ges. Na-
turforsch. Freunde. IV. B. tab. 4.

Das den Fichtenwaldungen neuerlich aus dem
Harz und in mehreren, Gegenden Deutschlands so
furchtbar gewordne Thier; das im Splint der
Fichten (Pinus abies) theils in solcher Menge
hauset, daß man wohl in einem mäßigen Baume
über 80000 seiner Larven gezählt bat. Bey der
dadurch verursachten Wurmtrockniß stirbt der
Baum vom Wipfel herunter ab, seine Nadeln
werden roth, er verliert sein Harz, und taugt
dann nicht einmal so gut wie sonst zum Verkoh-
len, geschweige als Bau- oder Brennholz.

4. †. Piniperda. (Hylesinus P. F.) der Tannen-
käfer, schwarze fliegende Wurm. D. ni-
ger subuillosus, elytris piceis integris, plan-
tis rusis
.

Kaum halb so groß als die vorige Gattung.

5. †. Paniceus. (Anobium P. F.) der Brod-
käfer. D. oblongus, ferrugineus, oculis rufis.

Frisch P. I. tab. 8.

Seine Larve verzehrt zumahl das Brod,
wird daher namentlich auf weilen Seereisen dem Schiffs-
zwieback sehr gefährlich, und ist auch einer der
schädlichsten Bücherwürmer.

4. Ptinvs. Kümmelkäfer. (Fr. pannache,
vrillette
.) Antennae filiformes; articulis
vltimis maioribus. Thorax subrotun-
dus, immarginatus, caput excipiens
.

[Seite 333]

1. †. Pertinax. (Anobium P. F.) P. fuscus
vnicolor
.

Hat seinen Nahmen daher, weil er, sobald
man ihn berührt, die Füße anzieht, wie todt
liegt, und lange durch keinen Reitz von der Stelle
zu treiben ist.

2. †. Fur. P. testaceus, subapterus, thorace
quadridentao, elytris fasciis duabus alpis
.

Sulzers Gesch. tab. 2. fig. 8.

Eins der furchtbarsten Thiere für Naturalien-
sammlungen, Hausgeräthe und Pelzwerk.

3. †. Fatidicus. (Anobium tessetatum. F.) die
Todtenuhr, der Klopfkäfer. (Engl. the
death-watch
.) P. fuscus subpilosus griseo
irregulariter maculosus
.

Philos. Transact. N. 271. 291.

Eine der sehr verschieden Insectenarten, die
durch den klopfenden Laut, womit die Gatten
einander zur Parungszeit locken, zu mancherley
Volksaberglauben Anlaß gegeben haben.

5. Hister. Antennae capitatae capitulo
solidiusculo; infimo articulo compresso,
decuruato. Caput intra corpus re-
tractile. Os forcipatum. Elytra cor-
pore breuiora. Tibiae anticae dentatae
.

1. †. Vnicolor. H. totus ater, elytris substriatis.

Sulzers Kennzeichen tab. 2. fig. 8. 9.

In sandigem Boden und auf Viehweiden.

6. Gyrinvs. Antennae clauatae, rigi-
dae, capite breuiores, oculi 4,
duobus
supra, duobus infra
.

[Seite 334]

1. †. Natator. der Schwimmkäfer. G. sub-
striatus
.

Sulzers Gesch. tab. 2. fig. 10.

Schwimmt mit großer Schnelligkeit auf der
Oberfläche des Wassers. Im Tauchen hat er
eine Luftblase am Hintern; gibt einen widrigen
Geruch von sich.

7. Byrrhvs. Antennae clauatae subso-
lidae, subcompressae
.

1. †. Museorum. (Anthenus M. F.) B. nebu-
losus, elytris subnebulosis puncto albo
.

In Pelzwerk, ausgestopften Thieren etc.

8. Silpha. Antennae extrorsum crassio-
res. Elytra marginata. Caput promi-
nens. Thorax planiusculus, marginatus
.

1. †. Vespillo. (Necrophorus V. F.) der
Todtengräber. (Fr. le fossoyeur.) S. oblonga
atra, clypeo orbiculato inaequali, elytris
fascia duplici aurantia
.

Frisch P. XII. tab. 3. fig. 2.

Sie haben ihren Nahmen von der besondern
Geschicklichkeit, womit sie die Aeser von kleinen
Thieren, Maulwürfen, Fröschen etc. die sie von
weitem auswittern, unter die Erde zu vergraben,
und ihre Eyer dahinein zu legen verstehen. Ih-
rer sechse find wohl im Stande, einen todten
Maulwurf binnen vier Stunden, einen Fuß tief
in fetten Boden einzuscharren.

9. Cassida. Schildkäfer. Antennae sub-
filiformes, extrorsum crassiores. Elytra
marginata. Caput sub thoracis clypeo
plano reconditum
.

[Seite 335]

1. †. Viridis. C. viridis, corpore nigro.

Rösel vol. II. Erdkäf. III. tab. 6.

Auf Disteln, Feldmelde etc. Die Larve und
Puppe sind ganz flach und am Rande sonderbar
ausgezackt mit Spitzen versehen.

2. †. Murraea. C. nigra, clypeo rubro, ely-
tris sanguineis, punctis nigris sparsis
.

Besonders häufig am Alant.

10. Coccinella. Sonnenkäfer, Ma-
rienkuh, Sommerkind, Gotteslämmchen.
(Fr. vache à Dieu, bête de la vierge.
Engl. Lady-cow, Lady-bird.) Antennae
subclauatae, truncatae. Palpi claua
semicordata. Corpus hemisphaericum,
thorace elytrisque marginatis, abdo-
mine plano.

1. †. 7-Punctata. C. coleoptris rubris;
punctis nigris septem
.

Frisch P. IV. tab. 1. fig. 4.

Ist neuerlich, so wie einige Rüsselkäfer und
Meloë Gattungen als wirksames Heilmittel bey
mancherley Zahnweh empfohlen worden.

2. †. Bipustulata. C. coleoptris nigris; punctis
rubris duobus, abdomine sanguineo
.

Frisch P. IX. tab. 16. fig. 6.

11. Chrysomela. Blattkäfer. Anten-
nae moniliformes, extrorsum crassiores
.
Thorax, nec elytra, marginatus.

1. †. Goettingensis. (Chryf. haemoptera. F.)
C. ouata atra pedibus violaceis.

Panzer Faun. Germ. Heft 44. t. 3

Häufig an der Schafgarbe.

[Seite 336]

2. †. Minutissima. C. ouata nigra opaca.

Eins der kleinsten Käferchen. Kaum den drit-
ten Theil so groß als ein Floh.

3. †. Cerealis. C. ouata aurata, thorace lineis
tribus, coleoptrisque quinque violaceis,
abdomine violaceo.

4. †. Oleracea. (Galleruca O. F.) C. saltatoria
(s. femoribus posticis crassissimis) virescenti-
caerulea
.

Ein schädliches kleines Thier, das so wie
mehrere verwandte Gattungen unter dem Nah-
men Erdflöhe oder Erdfliegen bekannt ist.

5. †. Merdigera. (Lema M. F.) der Lilienkä-
fer. C. oblonga rubra, thorace cylindrico
vtritique impresso
.

Sulzers Gesch. tab. 3. fig. 14.

In Lilien, Mayblumen etc. Die Larve, bedeckt
sich mit ihrem eigenen Unrath. Der kleine rothe
Käfer, worein sie sich verwandelt, gibt, wenn
man ihn in der hohlen Hand vors Ohr hält, mit
seinen Flügeldecken einen durchdringenden hellen
Laut von sich.

12. Hispa. Stachelkäfer. Antennae fu-
siformes, basi approximatae, inter oculos
sitae. Thorax elytraque aculeata saepius
.

1. †. Atra. H. corpore toto atro.
Unter der Erde an Graswurzeln.

13. Brvchvs. Antennae filiformes, sen-
sim crassiores
.

1. †. Pisi. der Erbsenkäfer. B. elytris albo
punctatis, podice albo maculis binis nigris
.

Thut zumahl in Nordamerica dem Mais großen
Schaden.

[Seite 337]

3. Nucleorum. B. cinereus, elytris striatis,
femoribus posticis ouatis, dentatis, tibiis
incuruis
.

Mém. de l'Ac. des Sc. de Paris 1771. tab. 2.

Im Mittlern America. Fast von der Größe
des Goldkäfers. Ist oft mit dem weit kleinern
Br. bactris verwechselt, und durchbohrt die stein-
harten, daumensdicken Nüsse der Cocos lapidea
woraus Knöpfe u. dergl gedreht werden.

14. Cvrcvlio. Rüsselkäfer. (Fr. charan-
son
.) Antennae subclauatae, rostro in-
sidentes. Rostrum corneum prominens
.

Sie haben meist einen kurzen rundlichen aber
überaus hart gepanzerten Körper, und einen
festen mehr oder weniger gebogenen Rüssel von
verschiedener Länge. Es sind nachtheilige Thiere,
von denen besonders die mit dem sehr langen
Rüssel den Bäumen, die übrigen aber den Feld-
früchten und Gartengewächsen Schaden thun.
Die Larven nennt man Pfeiffer.

1. Palmarum. (Calandra P. F.) der Palm-
bohrer. C. longiroster ater, thorace ouato
planiusculo, elytris abbreuiatis striatis
.

Sulzers Kennz. tab. 3. fig. 20.

In beyden Indien. Hat fast die Größe des
Hornschröters. Die Larve nährt sich vom Sa-
gumarke; wird aber selbst als ein schmackhaftes
Gericht gegessen.

2. †. Frumentarius. (Attelabus F. F.) der
schwarze oder rothe Kornwurm, Reiter,
Wippel. C. longiroster sanguineus.

Eine große Plage für die Kornböden. Er saugt
das Mehl aus dem Korn und läßt die Hülse lie-
gen. Das bewährteste Gegenmittel ist, die
[Seite 338] Fruchtböden und ihre Gebälke etc. mit scharfer
Seifensiederlauge besprengen und abfegen zu
lassen. – Nicht selten verbreitet er sich auch in
Wohnzimmer und Betten.

3. †. Granarius. (Calandra granaria F.) C.
longiroster piceus oblongus thorace pun-
ctato longitudine elytrorum
.

Auch auf Kornböden, in Mühlen etc.

4. †. Paraplecticus. (Lixus P. F.) C. longi-
roster cylindricus subcinereus, elytris mu-
cronatis.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 7.

Auf Wasserpflanzen. Die Beschuldigung, daß
er den Pferden Lähmung verursache, ist unge-
gründet, und trifft wohl die verdächtigen Pflan-
zen, aber nicht das darauf wohnende unschul-
dige Thier.

5. †. Bacchus. (Attelabus B. F.) der Reben-
sticher. C. longiroster aureus, rostro plan-
tisque nigris
.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 4.

An Apfelbäumen, Weinstöcken etc.

6. †. Pomorum. C. longirostris femoribus an-
ticis dentatis, corpore griseo nebuloso
.

Frisch P. I. tab. 8.

Zerstört in manchen Jahren fast alle Apfel-
knospen.

7. †. Nucum. (Rhynchaenus N. F.) C. longi-
roster, femoribus dentatis, corpore griseo
longitudine rostri
.

Rösel vol. III. Erdkäf. IV. tab. 67.

Macht die Haselnüsse wurmstichig.

8. Imperialis. der Juwelenkäfer. C. breui-
roster niger, elytris dentatis, sulcatis punctis

[Seite 339] excauatis, auro versicolore distinctis, ab-
domine aeneo viridi
.

In Brasilien. Eins der prachtvollsten Insecten.
Das gefärbte Gold in den unzähligen Grübchen,
die reihenweise auf den Flügeldecken eingegra-
ben sind, thut in hellem Lichte, zumahl unter
dem Vergrößerungsglase, eine unbeschreibliche
Wirkung.

15. Attelabvs. Caput postice atte-
nuatum inclinatum. Antennae apicem
versus crassiores
.

1. †. Coryli. A. niger, elytris rubris.

Sulzers Kennz. tab. 4. fig. 25.

2. †. Apiarius. (Trichodes A. F.) der Immen-
wolf. A. caerulescens, elytris rubris, fasciis
tribus nigris.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 4.

Ist häufig wo viel Bienenzucht ist, thut in
manchen Jahren den Stöcken großen Schaden.

16. Cerambyx. Bockkäfer, Holzbock.
(capricornus). Antennae attenuatae.
Thorax spinosus aut gibbus. Elytra
linearia
.

Manche Gattungen haben ungeheuer lange
Fühlhörner, einen ungemein starken Brustschild
und Flügeldecken, und ein überaus zähes Leben,
so daß man angespießte Holzböcke noch nach vier
Wochen lebendig gefunden hat. Meist leben sie
in Holz, und geben mittelst des Brustschildes,
den sie an den Flügeldecken reiben, einen knar-
renden Laut von sich.

[Seite 340]

1. Longimanus. C. thorace spinis mobilibus,
elytris basi vnidentatis apiceque bidentatis
antennis longis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. II. tab. 1. fig. a.

So wie die folgende Gattung in Südamerika.

2. Ceruicornis. (Prionus C. F.) C. thorace
marginato dentato, maxillis porrectis coni-
formibus vtrinque spinosis, antennis breuibus
.

Rösel a. a. O. fig. b.

Noch größer als der vorige. Ebenfalls schön
gezeichnet, mit Kinnzangen, fast wie am Horn-
schröter.

3. †. Moschatus. C. thorace spinoso, elytris
obtusis viridibus nitentibus, femoribus mu-
ticis, antennis mediocribus
.

Frisch P. XIII. tab. II.

Die Fühlhörner sind wohl sechs Mahl so lang
als das ganze Thier.

17. Leptvra. Antennae setaceae Ely-
tra apicem versus attenuata. Thorax
teretiusculus
.

1. †. Aquatica. (Donacia crassipes F.) L. deau-
rata, antennis nigris, femoribus posticis
dentatis
.

An allerhand Wasserpflanzen. Variirt in der
Farbe.

18. Necydalis. Afterholzbock. An-
tennae setaceae. Elytra alis minora.
Cauda simplex
.

[Seite 341]

1. †. Maior. (Molorchus abbreuiatus F.) N.
elytris abbreuiatis ferrugineis immaculatis,
antennis breuioribus
.

19. Lampyris. Johanniswürmchen,
(cicindela, nitedula. Fr. ver luisant. Engl.
glow-worm .) Antennae filiformes.
Elytra flexilia. Thorax planus, semior-
biculatus, caput subtus occultans cingens-
que. Abdominis latera plicato papillosa
.

Nur die Männchen sind geflügelt, und diese
haben zwey blaulich phosphorescirende lichte
Puncte unten am Bauche. Ihre ungeflügelten
Weibchen leuchten weit stärker als die Männ-
chen, besonders um die Begattungszeit, da ihr
Licht vermuthlich den Männchen zur Anzeige
dient, sie aufzufinden. Einige Zeit, nachdem
das Weibchen seine Eyer gelegt hat (die selbst
auch im Finstern leuchten), verliert sich der
Schein bey beyden Geschlechtern.

1. †. Noctiluca. L. oblonga fusca, clypeo
cinereo
.

Unter Wachholdersträuchen, Rosenbüschen etc.
Ein paar in ein Gläschen gethan, leuchten hell
genug, um dabey im Finstern lesen zu können.

20. Cantharis. Antennae setaceae.
Thorax marginatus capite breuior.
Elytra flexilia. Abdominis latera pli-
cato-papillosa
.

1. †. Fusca. C. thorace marginato rubro,
macula nigra, elytris fusceis
.

Die Larve dieses Thiers hält sich über Winter
in der Erde auf, und kommt dann zuweilen,
[Seite 342] wenn geschneyt hat, zu raufenden hervorge-
krochen, da ihre plötzliche Erscheinung auf dem
frischen Schnee zu allerhand fabelhaften Sagen
Anlaß gegeben.

21. Elater. Springkäfer, Schmid.
(Fr. taupin.) Antennae setaceae. Tho-
rax retrorsum angulatus. Mucro pecto-
ris e foramine abdominis resiliens
.

Diese Thiere sind wegen der sonderbaren Fer-
tigkeit merkwürdig, mit welcher sie, wenn sie
auf dem Rücken zu liegen kommen, sich in die
Höhe zu schnellen, und wieder auf die Beine
zu helfen wissen. Vorzüglich dient ihnen dazu
ein Stachel, der vorn an der Brust befestigt ist,
und in eine Rinne oben am Bauche paßt, aus
der er beym Aufschnellen mit Gewalt heraus
schnappt; und dann die Spitzen, die rückwärts
auf beyden Seiten des Brustschildes heraus
stehen, und mit den Flügeldecken auf eine ähn-
liche Weise eingelenkt sind.

1. Noctilucus. der Cucuyo. E. thoracis late-
ribus macula flaua glabra
.

Im mittlern America; wohl zwey Zoll lang.
Die beyden gelben runden Flecken gegen die Sei-
tenspitzen des Brustschildes leuchten stark im Fin-
stern, und die Caraiben bedienten sich ehedem
der Cucuyos und einiger anderer phosphoresci-
renden Insecten statt der Leuchten.

2. †. Niger. E. thorace laeui, elytris, pe-
dibus corporeque nigris
.

Häufig auf Viehweiden.

22. Cicindela. Sandkäfer. Anten-
nae setaceae. Maxillae prominentes

[Seite 343] denticulatae. Oculi prominuli. Tho-
rax rotundato-marginatus
.

Als Larven scharren sie sich in Sand, fast wie
der Ameisenlöwe, um andern Insecten aufzu-
lauern, und als Käfer wissen sie ihnen mit
ausnehmender Schnelligkeit im Lauf und Flug
nachzujagen.

1. †. Germanica. C. viridis, elytris puncto
lunulaque apicum albis
.

23. Bvprestis. Prachtkäfer. Antennae
setaceae, longitudine thoracis. Caput
dimidium intra thoracem retractum
.

1. Gigantea. B. elytris fastigiatis bidentatis
rugosis, thorace marginato laeui, corpore
inaurato
.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 38.

In beyden Indien. Wohl Fingers lang.

2. †. Chrysostigma. B. elytris serratis longi-
tudinaliter sulcatis, maculis duabus aureis
impressis, thorace punctato
.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 39.

3. Viridis. B. elytris integerrimis subli-
nearibus punctatis, thorace deflexo, viridi
elongato.

Von der Farbe der Spanischen Fliege, aber
nur ein Paar Linien lang. Die Larve richtete
vor einigen Jahren in hiesiger Gegend große Ver-
wüstung in jungen Rothbuchen-Stämmen an.
Tödtete sie durch Zerstörung des Splints, worin
sie geschlängelte Gänge fras.

24. Dytiscvs. Wasserkäfer, Fischkäfer
(hydrocantharus) Antennae setaceae
[Seite 344] aut clauato perfoliatae. Pedes postici
villosi, natatorii submutici
.

1. †. Piceus. (Hydrophilus P. F.) D. antennis
perfoliatis, corpore laeui, sterno carinato,
postice spinoso
.

Frisch P. II. tab. 6. fig. 1.

Eine der größten Gattungen. Wenn der
Käfer seine Eyer legen will, so bereitet er dazu
eine artige längliche Hülfe, die er mit einer
braunen Seide überzieht, und die mit den ein-
geschlossenen Eyern wie ein Schiffchen auf dem
Wasser schwimmt, bis die kleinen Larven aus-
gekrochen und im Stande sind, in ihr Element
über Bord zu springen.

2. †. Marginalis. D. niger, thoracis elytro-
rumque margine flavis (mas.
)

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 42.

Ist (so wie vermuthlich die mehresten Gat-
tungen dieses Geschlechts,) den Fischreichen ge-
fährlich. Beym Weibchen ist die vordere Hälfte
der Flügeldecken längs gefurcht.

25. Carabvs. Laufkäfer. Antennae se-
taceae. Thorax obcordatus apice trun-
catus marginatus. Elytra marginata
.

Raubthiere in ihrer Art. Viele geben, wenn
man sie anfaßt, einen widerlichen Saft von sich.
Die wenigsten können fliegen; laufen aber desto
schneller.

1. †. Coriaceus. C. apterus ater opacus, ely-
tris punctis intricatis subrugosis
.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 44.

2. †. Auratus. der Goldhahn. C. apterus,
elytris porcatis; striis sulcisque laeuibus
inauratis
.

[Seite 345]

Häufig auf Feldern, Wiesen etc.

3. †. Sycophanta. (Calosoma S. F.) C. aureo
nitens, thorace caeruleo, elytris aureo
viridibus striatis, abdomine subatro
.

Sulzers Gesch. tab. 7. fig. 1.

Der größte hieländische Laufkäfer.

4. †. Crepitans. (Brachinus C. F.) der Bom-
bardirkäfer. (Fr. le petard, Schwed. Styck-
junkare)
C. thorace capite pedibusque fer-
rugineis, elytris viridi nigricantibus
.

Schwedische Abhandl. 1750. tab. 7. fig. 2.

Ein kleines Käferchen. Wird besonders von
der vorigen Gattung verfolgt, und ist dabey
durch die von Dr. Rolander beschriebne ganz ei-
gene Art berühmt geworden, womit er sich gegen
den C. inquisitor u.a. seiner Feinde zu ver-
theidigen sucht; da er ihnen mit einem merk-
lich starken Laut einen blaulichen Dunst entge-
gen schießt etc.

5. †. Spinipes. der Saatfresser. (C. gibbus F.)
C. piceus, thorace linea excauata longitu-
dinali, manibus spinosis.

Olivier T. III. tab. 12. fig. 142.

Die unterirdische Larve verursacht in manchen
Jahren wie z.B. 1776 in der Lombardey und 1812
im Hallischen Saalkreise furchtbaren Mißwachs
der jungen Getraidesaat. Der Käfer hält sich
des Nachts in Menge auf den Aehren auf.

26. Tenebrio. Antennae monilifor-
mes articulo vltimo subrotundo. Tho-
rax plano-conuexus, marginatus. Ca-
put exsertum. Elytra rigidiuscula
.

1. †. Molitor. T. alatus niger totus, femori-
bus anticis crassioribus
.

[Seite 346]

Frisch P. III. tab. 1.

Die Larven halten sich im Mehl auf, finden
sich daher häufig in Mühlen und Beckerhäusern,
heißen Mehlwürmer, und geben das bekannte
Nachtigallenfutter ab.

2. †. Mortisagus. (Blaps mortisaga. F.) der
Todtenkäfer. T. apterus thorace aequali,
coleoptris laeuibus mucronatis
.

Frisch. P. XIII. tab. 25.

27. Meloë. Antennae moniliformes ar-
ticulo vltimo ouato. Thorax subrotun-
dus. Elytra mollia flexilia, caput in-
flexum gibbum
.

1. †. Proscarabeus. der Maywurm. (Fr. le
scarabé onctueux
. Engl. the oil-beetle.) M.
apterus, corpore violaceo.

Frisch P. VI. tab. 6. fig. 5.

Ein weiches Thier, das bey gewaltsamer Be-
rührung einen stinkenden Saft aus den Kniege-
lenken der Beine fließen läßt.

2. †. Vesicatorius. (Lytta vesicatoria F.) die
spanische Fliege. (cantharis offic.) M. ala-
tus viridissimus nitens, antennis nigris
.

Das wichtige heilsame Geschöpf, das zum
Blasenziehen gebraucht wird.

28. Mordella. Antennae filiformes
serratae. Caput deflexum sub collo (in
territo). Palpi compresso clauati, obli-
que truncati. Elytra deorsum curua
apicem versus. Ante femora lamina
lata ad basin abdominis
.

[Seite 347]

Kleine Käferchen. Das ganze Geschlecht be-
greift nur wenige Gattungen, die sich noch dazu
wenig zu vermehren scheinen.

1. †. Aculeata. M. atra, ano spina terminato.

Sulzers Kennz. tab. 7. fig. 46.

29. Staphylinvs*). Antennae mo-
niliformes. Elytra dimidiata. Alae
tectae. Cauda simplex exserens duas
vesiculas oblongas
.

Sind besonders wegen der kleinen Blasen
merkwürdig, die sie, so bald sie Gefahr merken,
aus dem Hinterleibe treiben; deren Nutzen aber
noch unbestimmt ist.

1. †. Maxillosus. S. pubescens niger, fasciis
cinereis, maxillis longitudine capitis
.

30. Forficvla. Antennae setaceae,
Elytra dimidiata. Alae tectae. Cauda
forcipata
.

1. †. Auricularia. der Ohrwurm, Oehrling,
Ohrhöhler. (Fr. le perce-oreille. Engl. the
ear-wig
.) F. elytris apice albis.

Frisch P. VIII. tab. 15. fig. 1. 2.

An der ungegründeten Sage, daß dieß Thier
gern den Menschen in die Ohren kröche, ist nur
so viel, daß sich irgend etwa ein Mahl eins dahin
so gut wie jedes andere Insect, verirren kann.
Aber dem jungen Gemüse, den Nelkenknospen etc.
sind sie nachtheilig, so wie da wo sie sich in Menge
vermehren dem Grundholz der Gebäude und den
Fensterfutterungen.

II. HEMIPTERA.

[Seite 348]

Bey den meisten Insecten dieser Ordnung
ist der Kopf nach der Brust niedergedrückt,
bey einigen mit Kinnladen, bey den mehresten
aber mit einem nach dem Unterleibe gebogenen
Saugerüssel versehen, weßhalb diese auch von
einigen Naturforschern Proboscidia genannt
werden. Meistens haben sie vier Flügel, von
welchen zumahl die obern an der Wurzel fester
und hornartiger, am äußern Ende aber dünner
und weicher sind. Bey einigen sind sie grade
ausgestreckt, bey andern übers Kreuz zusam-
mengefaltet. Theils sind sie auch mit einer
Art kleiner Flügeldecken belegt. Manche ha-
ben nur zwey Flügel, und bey verschiedenen
sind die Weibchen gänzlich ungeflügelt. Ihre
Verwandlung ist nicht sehr ausfallend: sondern
die Larven ähneln dem vollkommnern Insect
bis auf die Flügel, die erst nach und nach völ-
lig ausgebildet werden.

31. Blatta. Schabe. Caput inflexum.
Antennae setaceae. Elytra alaeque pla-
nae, subcoriaceae. Thorax planiuscu-
lus, orbiculatus, marginatus. Pedes
cursorii. Cornicula duo supra caudam
.

1. †. Orientalis. die Brotschabe, Küchen-
schabe, der Kakerlake, Tarokan. (Fr. le
[Seite 349] cancrelas, ravet
. Engl. the black beetle,
cockroach
.) B. ferrugineo-fusca elytris ab-
breuiatis sulco oblongo impresso
.

Frisch P. V. tab. 3.

Jetzt nun fast in allen Welttheilen. So wie
einige andre Gattungen dieses Geschlechts (z.B.
die Germanica, Americana etc.) für manche Ge-
genden, wo sie sich eingenistet und stark ver-
mehrt hat, eine der lästigsten Hausplagen. Ver-
zehrt vorzüglich mancherley Victualien, vor allen
aber Brot etc. Kann daher in Schiffen auf wei-
ten Seereisen schaudervolles Elend verursachen*).
Ist noch am ersten durch Arsenik, Dampf von
Schwefel und Assa foetida, kochend Wasser etc.
und wo nur wenige in einem Zimmer oder einer
Küche sind, dadurch zu vertilgen, daß man über
Nacht einen Igel oder eine Ente hinein sperrt.

2. Heteroclita. (B. Petiveriana F.) B. fusca,
elytris nigris,
sinistro integro 4-pustulato;
dextro ad marginem internum semipellu-
cido, 3 pustulato
.

Pallas spicileg. zoologic. IX. tab. 1. fig. 5.

In Tranquebar etc. Wegen der auffallenden
Ungleichheit in der Zeichnung der beyden Ober-
flügel werkwürdig.

3. †. Lapponica. B. flauescens, elytris nigro-
maculatis
.

Auch außer Lappland im mildern Europa.

32. Mantis. Caput nutans, maxillo-
sum, palpis instructum. Antennae

[Seite 350] setaceae. Alae 4 membranaceae, con-
volutae, inferiores plicatae. Pedes

antice compressi, subtus serrato-den-
ticulati, armati ungue solitario et
digito setaceo laterali articulato:
po-
stici
4. laeues, gressorii. Thorax li-
nearis elongatus angustatus.

Alle von einer ungewöhnlichen, lang gestreck-
ten, sonderbaren Bildung*). Auch ihr Gang, ihr
Betragen etc. hat was eigenes gleichsam Feyer-
liches, das wohl zu der abergläubischen Devotion
Anlaß gegeben hat, mit der mehrere Gattungen
dieses Geschlechts, zumahl im Oriente angesehen
werden.

1. Gigas. [Phasma G. F.**)] M. thorace tere-
tiusculo scabro, elytris breuissimis, pedibus
spinosis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 19. fig. 9. 10.

Auf Amboina. Spannenlang, und doch kaum
so dick als eine Gänse-Spuhle. Wird von den
Indianern gegessen.

2. Gongylodes. M. Thorace subciliato, femo-
ribus anticis spina terminatis, reliquis lobo.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 7. fig. 1.2.3.

Auf Guinea etc.

3. †. Religiosa. (M. oratoria var. β. F.) die
Gottesanbetherinn, das wandelnde Blatt,
der Weinhandel, Weinhasel. M. thorace
[Seite 351] laeui subcarinato elytrisque viridibus imma-
culatis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 1. 2.

Geht meist nur auf den vier Hinterfüßen, und
hält die vordern beyden in die Höhe. Man nennt
es das wandelnde Blatt, weil seine Oberflügel
an Gestalt und Farbe einem Weidenblatte ähneln.
Kann wohl zehn Jahre alt werden.

4. Precaria. (M. thorace subciliato, elytris
flauis ocello ferrugineis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 88.

Am Cap; wo sie von den Hotttetotten heilig
verehrt wird.

33. Gryllvs. Heuschrecke. (Fr. sauterelle.
Engl. grashopper.) Caput inflexum,
maxillosum, palpis instructum. Anten-
nae setaceae s. filiformes. Alae 4 deflexae,
conuolutae, inferiores plicatae. Pedes
postici saltatorii. Vngues vbique bini
.

Ein großes Geschlecht, dessen mehreste Gattun-
gen dem Wiesenwachs und Getreide gefährlich
sind. Bey manchen geben die Männchen entwe-
der zur Begattungszeit, oder bey einbrechender
Nacht, oder wenn sich das Wetter ändern will,
einen bekannten zirpenden Laut von sich, den sie
theils mit den Springfüßen, am meisten aber
mit den Flügeln hervorbringen.

1. †. Gryllotalpa. (Acheta G. F.) die Werre,
Maulwurfsgrille, der Riehwurm. Reit-
wurm, Schrotwurm, Ackerwerbel, Erd-
krebs. (Fr. la courtilière, Engl. the mole-
crick
). G. thorace rotundato, alis caudatis
elytro longioribus, pedibus anticis palma-
tis tomentosis
.

[Seite 352]

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 14. 15.

In Europa und Nordamerica: an theils Orten,
wie im Thüringischen etc. ausnehmend häufig.
Lebt meist unter der Erde, und thut zumahl
den Küchengewächsen und der Gerstensaat großen
Schaden.

2. †. Domesticus. (Acheta D. F.) die Grille,
Zirse, Heimchen. (Fr. le grillon. Engl.
the cricket.) G. thorace rotundato, alis
caudatis elytro longioribus, pedibus sim-
plicibus, corpore glauco.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 12.

3. †. Campestris. (Acheta C. F.) die Feld-
grille. G. thorace rotundato, cauda biseta
stylo lineari, alis elytro breuioribus, cor-
pore nigro.

Frisch P. I. tab. 1.

4. †. Viridissimus. (Locusta viridissima. F.)
der Baumhüpfer. G. thorace rotundato,
alis viridibus immaculatis, antennis setaceis
longissimis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 10. 11.

Von schöner grüner Farbe. Lebt meist aus
Gebüschen, springt vorzüglich weit.

5. †. Verruciuorus. (Locusta verruciuora. F.)
das Heupferd. G. thorace subquadrato laeui,
alis viridibus fusco maculatis, antennis se-
taceis longitudine corporis.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 8.

6. Cristatus. Kammheuschrecke. G. thorace
cristato, carina quadrifida
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 5.

In den Morgenländern, Aegypten etc.

7. †. Migratorius. die Zugheuschrecke, Strich-
heuschrecke, Heerheuschrecke. G. thorace
[Seite 353] subcarinato; segmento vnico, capite ob-
tuso, maxillis atris.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 29.

Das furchtbare Insect, das oft in unsäglichen
Zügen auch in Europa eingefallen ist, und allge-
meinen Mißwachs, Hungersnoth etc. verursacht
hat. Ursprünglich gehört es wohl in die asiati-
sche Tatarey zu Hause, doch findet es sich auch
einzeln in Deutschland, das doch seit 1750 mit
großen Invasionen desselben verschont geblie-
ben.*) Auch soll sich diese Heuschrecke (wenn
es anders die gleiche Gattung ist) in Nord- und
Süd-America finden. – Daß sie in Arabien
und dem nördlichen Africa noch jetzt, so wie in
den ältesten Zeiten, in Menge verspeiset wird,
ist eine ausgemachte Sache: und daß das einige
neuere Reisende in diese Länder für eine Fabel
erklärt haben, gibt ein lehrreiches Beyspiel
von voreilig dreistem Hyperscepticismus.

8. †. Stridulus. die Holzheuschrecke. G. tho-
race subcarinato, alis rubris extimo nigris
nebulosis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 21. fig. 1.

Lebt meist im Gehölze. Die Männchen geben
im Fluge einen lauten klappernden Ton von sich.

[Seite 354]

34. Fvlgora.*) Caput fronte pro-
ducta, inani. Antennae infra oculos,
articulis
2, exteriore globoso. Ro-
strum inflexum, pedes gressorii
.

Der sonderbare Charakter dieses Geschlechts
ist die hornige Blase vor der Stirne, die bey den
nachbenannten Gattungen im Leben und einige
Zeit nach dem Tode einen hellen Schein verbreitet.

1. Laternaria. der surinamische Laternträ-
ger, Leyermann. (Fr. la portelanterne.
Engl. the lanthorn-fly.) F. fronte ouali
recta, alis liuidis; posticis ocellatis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 28. 29.

Die größte Art; die leuchtende Blase ist fast so
größ als der ganze übrige Körper, und scheint so
hell, daß sich die Guianischen Wilden ihrer ehe-
dem statt Leuchten bedient haben sollen.

2. Candelaria. der schinesische Laternträger.
F. fronte rostrato-subulata adscendente,
elytris viridibus luteo-maculatis, alis fla-
vis; apice nigris
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 39.

35. Cicada. (Fr. cigale.) Rostrum in-
flexum. Antennae setaceae. Alae 4
membranaceae, deflexae. Pedes pleris-
que saltatorii
.

Die männlichen Cicaden geben wie die Heu-
schrecken einen Laut von sich, der durch besondere,
[Seite 355] mehr zusammengesetzte Werkzeuge an ihrem Un-
terleibe hervor gebracht wird.

Merkwürdig ist, daß einige Gattungen von
Keulenschwämmen (clauariae) besonders häufig
auf den Puppen von Cicaden, theils gar auf
dem lebendigen Leibe ihrer Larven, so wie andere
auf Raupen und Schmetterlings-Puppen, Lauf-
käfern etc. wachsen*).

1. Orni. (Tettigonia O. F.) C. nigra flauo-
maculata, alis hyalinis, basi flauis, maculis
nigris.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 25. fig. 3.

Im südlichen Europa und in Nordafrica. Die
bey den Alten so beliebte Cicade.

2. †. Spumaria. (Cercopus S. F.) der Schaum-
wurm, Gäschtwurm. C. fusca, elytris
maculis binis albis lateralibus; fascia du-
plici interrupta albida.

Frisch P. VIII. tab. 12.

Besonders häufig auf Weidenbäumen, denen
die Larve im Frühjahr den Saft aussaugt, und
ihn in Gestalt eines Schaums (des so genannten
Kuckuckspeichels), unter welchen sie oft versteckt
ist, wieder von sich gibt. Daher auch die Sage
von regnenden Weiden.

3. Lanata. (Lystra L. F.) C. alis deflexis
nigris: punctis caeruleis, fronte lateri-
busque rubris, ano lanato.

Stoll tab. 10 fig. 49. und D.

[Seite 356]

In Westindien. Hat den Beynahmen von den
räthselhaften, schneeweißen, aber im Wasser
gleichsam schmelzenden langen Flocken am Hin-
terleibe.*)

36. Notonecta. Wasserwanze. Ro-
strum inflexum. Antennae thorace bre-
viores. Alae 4 cruciato-complicatae,
antice coriaceae. Pedes posteriores pilosi
natatorii
.

1. † Glauca. N. grisea elytris griseis mar-
gine fusco punctatis apice bifidis
.

Frisch P. VI. tab. 13.

Schwimmt die mehrste Zeit auf dem Rücken:
weiß auch in dieser Lage kleine Mücken etc. von
denen sie sich nährt, mit vieler Geschwindigkeit zu
haschen.

37. Nepa. Wasserscorpion. Rostrum in-
flexum. Alae 4 cruciato-complicatae
antice coriaceae. Pedes anteriores che-
liformes; reliqui 4 ambulatorii
.

1. †. Cinerea. N. cinerea, thoraci inaequali,
corpore oblongo-ouato
.

Frisch P. VII. tab. 15.

Die Eyer dieses Thieres haben eine überaus
sonderbare Gestalt, an einem Ende mit Häkchen,
fast wie Samen von Kornblumen etc.

2. †. Cimicoides. (Naucoria C. F.) N. abdo-
minis margine serrato
.

Frisch P. VI. tab. 14.

[Seite 357]

3. Plana. (Nepa rustica. F.) N. subfusca:
oculis nigris, alis albidis, dorso plano
.

Eine gewisse Art Wassermilben legt diesem
Thier, das auf Tranquebar zu Hause ist, ihre
Eyer auf den Rücken.*)

38. Cimex. Wanze. Rostrum inflexum.
Alae 4 cruciato-complicatae, superiori-
bus antice coriaceis. Dorsum planum
thorace marginato. Pedes cursorii.

1. †. Lectularius. (Acanthia lectularia. F.) die
Bettwanze, Wandlaus. (Fr. la punaise.
Engl. the bug, the wall-louse.) C. flauescens,
alis nullis.

Sulzers Kennz. tab. 10. fig. 69.

Ueber die ursprüngliche Heimath und den Auf-
enthalt dieses ekelhaften, lichtscheuen Insects im
wilden Zustande weiß man wenig Zuverlässiges.
Jetzt findet sichs in den Wohnungen unreinlicher
oder sorgloser Menschen fast in allen Welttheilen
(nahmentlich in Sibirien, Ostindien, Nord- und
Süd-America etc.) So leicht Wanzen durch Zu-
fall in ein Haus kommen können, so leicht ist es,
sie bald anfangs durch sorgfältige wiederholte An-
wendung kräftiger Mittel**) auch wieder zu ver-
[Seite 358] treiben: was aber äußerst schwer hält, wo man
sie einmahl überhand nehmen und sich weit ver-
breiten lassen.

2. †. Corticalis. (Aradus C. F.) C. mem-
branaceus, abdominis margine imbricatim
secto, corpore nigricante
.

In Wäldern an Baumstämmen: ist wegen sei-
ner täuschenden, rindenartigen Gestalt und Farbe
schwer zu finden.

3. †. Baccarum. Qualster. C. ouatus gri-
seus, abdominis margine nigro maculato
.

In Gärten, zumahl an Johannisbeeren. Auch
diese Wanze stinkt fürchterlich: doch bloß wenn sie
berührt wird; da ihr der Gestank, wie manchen
andern Wanzen, zum Vertheidigungsmittel zu
dienen scheint.

4. †. Personatus. (Reduvius P. F.) C. rostro
arcuato, antennis apice capillaceis, corpore
oblongo subuilloso fusco
.

Frisch P. X. tab. 20.

Hält sich in Winkeln auf. Die Larve ist im-
mer wie mit Staub und Kehricht bedeckt.

[Seite 359]

39. Aphis. Blattlaus, Neffe, Mehltau.
(Fr. puceron. Engl. plant louse.) Ro-
strum inflexum. Antennae thorace lon-
giores. Alae 4 erectae aut nullae. Pe-
des ambulatorii. Abdomen postice sae-
pius bicorne
.

Es gibt oft in Einer Gattung, ja in Einer
und eben derselben Familie, geflügelte und un-
geflügelte Blattläuse, und das ohne alle Bezie-
hung auf den Sexualunterschied. Die Männchen
sind kleiner als ihre Weibchen, und werden auch
in weit minderer Anzahl jung. Sie erscheinen
nicht eher als in der letzten Generation jeden Som-
mers*): bey den mehresten Gattungen also erst
zu Ende desselben, und nur auf kurze Zeit, da sie
ihre Weibchen befruchten, die kurz darauf Eyer
oder vielmehr Hülsen von sich geben, in welchen
zwar die jungen Blattläuse schon völlig ausgebil-
det liegen, aber doch nicht eher als bis im fol-
genden Frühjahr hervor brechen, und zwar sind
alle diese nunmehr ausgekrochenen Blattläuse
durchgehends weiblichen Geschlechts, so daß bis
zu dem eben gedachten Termin der letzten Gene-
ration keine männliche Blattlaus zu sehen ist.
Und dessen ungeachtet sind doch alle jene jung-
fräulichen Blättläuse im Stande, ohne Zuthun,
eines Gatten ihr Geschlecht fortzupflanzen; so
daß jene einmahlige Begattung im Herbste, ihre
befruchtende Wirkung im folgenden Frühjahr und
Sommer bey vielen bis ins neunte Glied äußert.

1. †. Ribis. A. ribis rubri.

Frisch P. XI. tab. 14.

[Seite 360]

2. †. Vlmi. A. vlmi campestris.

3. †. Sambuci. A. sambuci nigrae.

Frisch P. XI. tab. 18.

4. †. Rosae. A. rosae.

Sulzers Kennz. tab. 12. fig. 79.

5. †. Bursaria. A. populi nigrae.

Swammerdam Biblia nat. tab. 45. fig.
22. u. f.

Auf der Schwarzpappel, da sie die sonderba-
ren Auswüchse verursachen, die man Pappel-
rosen, Alberknospen etc. heißt.

6. Pistaciae. A. nigra, alis albidis, tibiis lon-
gissimis, thorace verrucoso
.

An Pistacien, Mastix, Terpenthinbaum etc.,
wo sich die Blattläuse in einer spannenlangen,
schotenähnlichen Hülse aufhalten.

40. Chermes. Blattsauger. Rostrum
pectorale. Antennae thorace longiores
.
Alae 4 deflexae. Thorax gibbus, pedes
saltatorii
.

Haben in der Bildung viel Aehnliches mit den
geflügelten Blattläusen. Als Larven sehen sie
fast aus wie Cicaden, hüpfen auch so etc.

1. †. Buxi. C. buxi.

2. †. Alni. C. betulae alni.

Frisch P. VIII. tab. 13.

41. Coccus. Schildlaus. (fr. Gall-
insecte)
Rostrum pectorale. Abdomen
postice setosum. Alae 2 erectae mascu-
lis. Feminae apterae.

[Seite 361]

Bey keinen andern Thieren sehen die beyden
Geschlechter einander so auffallend ungleich, als
bey den Schildläusen. Das Männchen ähnelt
einer kleinen Mücke, das Weibchen hingegen ist
ungeflügelt, und sitzt, nachdem es sich gehäutet
hat, fast unbeweglich an den Gewächsen, und
könnte bey manchen Arten eher für eine Narbe
an der Pflanze, als für ein lebendiges Thier an-
gesehen werden. Das Männchen schwärmt in-
deß im Freyen umher, bis es, vom Begattungs-
trieb gereitzt, ein solches einsiedlerisches Weibchen
aufsucht und befruchtet.

1. Hesperidum. C. hybernaculorum.

Sulzers Kennz. tab. 12. fig. 81.

Das Weibchen hält sich vorzüglich an Oran-
genbäumen, auf der Rückseite der Blätter, auf.

2. Adonidum. C. rusa farinacea pilosa.

Wie die vorige in Gewächshäusern, besonders
an Caffeebäumen etc. Man vertreibt sie, wenn
man die Gewächse nach dem Begießen mit
Schwefelblumen bestreut.

3. Ilicis. Kermes. C. quercus cocciferae.

Im südlichen Europa, besonders in Languedoc
und Provence, an Stechpalmen etc. Die
beerenförmigen, gallapfelartigen Eyer-Nester
(Fr. le vermillon) dieser Thiere werden mit Es-
sig besprengt, und das Carmoisinroth daraus
verfertigt.

4. †. Polonicus. Deutsche Cochenille, Johan-
nisblut. C. radicis scleranthi perennis.

Frisch P. V. tab. 2.

Macht ebenfalls kermesartige Eyer-Nester an
den Wurzeln vom Weggras und andern Pflan-
zen; zumahl häufig in Polen und am Don, wo
sie gesammelt, und zur Farbe angewandt werden.

[Seite 362]

5. Cacti. der Scharlachwurm. (Fr. la coche-
nille
, Engl. the cochineal-fly.) C. cacti
coccinelliferi
.

Ellis in den philos. Transact. vol. LII.
P. II.

Ursprünglich in Mexico; findet sich auf meh-
reren Cactusarten, die deßhalb in großen Plan-
tagen gepflanzt, und die Cochenillwürmer fast
wie die Seidenwürmer darauf gezogen, und
jährlich zu dreyen Mahlen abgelesen werden.

6. Lacca. der Gummi-Lackwurm. C. ficus
indicae et religiosae
.

D. Roxburgh in Voigts Magazin VIII. B.
4. St. tab. 1.

Zumahl in den gebirgigen Gegenden von Hind-
ostan zu beyden Seiten des Ganges; von ihm
kommt das so genannte Gummilack.*)

42. Thrips. Rostrum obscurum. An-
tennae longitudine thoracis. Abdomen
sursum reflexile. Alae
4 rectae, dorso
incumbentes, longitudinales, angustae,
subcrucitae
.

Ueberaus kleine Insecten, die sich gesellschaft-
lich in den Blüthen mancher Gewächse aufhalten,
und meist nur durch ihre große Anzahl, oder
durch die Munterkeit, mit der sie umher hüpfen
und fliegen, bemerkbar werden.

[Seite 363]

1. †. Physapus. T. elytris glaucis, corpore atro.

De Geer in den schwed. Abhandl. v. J. 1744.
tab. 4. fig. 4.

Im Getreide, Bohnenblüthen etc.

III. LEPIDOPTERA. (Glossata Fabr.)*)

Die Schmetterlinge, eine weitläuftige
Ordnung, die sich durch vier ausgespannte,
mit bunten Schuppen befiederte Flügel, und
[Seite 364] einen behaarten Körper, auszeichnet. Als
Raupen haben sie Kinnladen, zwölf Augen
am Kopf, einen lang gestreckten cylindrischen
Körper von zwölf Abschnitten, mit neun Luft-
löchern auf jeder Seite, drey Paar hakenför-
migen Klauen an der Brust, und meist fünf
Paar runden fleischigen Füßen am Hinterleibe.
Die Raupe häutet sich verschiedentlich, wird
dann zur Puppe, die mehrentheils unbeweg-
lich, doch bey der Weidenraupe und einigen
andern sehr wenigen Gattungen sich von der
Stelle zu bewegen im Stande ist. Hieraus
kommt endlich nach einer bestimmten Zeit der
Schmetterling zum Vorschein, der lange
Fühlhörner, nur drey Paar Füße, statt der
Kinnladen eine spiralförmig aufgerollte (so ge-
nannte) Zunge, und statt jener zwölf kleinen
Augen, zwey große halbkuglige und drey
kleine (§. 126.) hat. Alle die zahlreichen
Gattungen hat Linné unter drey Geschlechter
gebracht.

43. Papilio. Tagvogel. (Engl. butter-
fly
.) Antennae apicem versus crassio-
res, saepius clauato-capitatae. Alae
erectae sursumque conniuentes
.

Die Raupe ist mehrentheils wie mit Dornen
besetzt, und häutet sich gewöhnlich vier Mahl.
Sie verpuppt sich ohne ein äußeres Gespinste:
die Puppe ist zackig, theils schön goldfarbig
(chrysalis, aurelia), und hängt sich mit dem
[Seite 365] hintern Ende auf. Der Schmetterling fliegt nur
am Tage umher, und hält im Sitzen seine vier
breiten ausgespannten Flügel in die Höhe, mit
der Oberseite (die bey vielen an Farbe und Zeich-
nung gar sehr von der Unterseite verschieden ist)
gegen einander gekehrt. Linné hat das ganze
Geschlecht, leichterer Faßlichkeit wegen, wieder
in fünf Familien (phalanges) abgetheilt.

a. Eqvites. Alis primoribus ab angulo po-
stico ad apicem longioribus, quam ad basin:
his saepe antennae filiformes
.

Tröes, ad pectus maculis sanguineis.
(saepius nigri.)

Achiui, pectore incruento, ocello ad
angulum ani
.

b. Heliconii. Alis angustis integerrimis,
saepe denudatis: primoribus oblongis; po-
sticis breuissimis
.

c. Danai. Alis integerrimis.

Candidi, alis albidis.

Festiui, alis variegatis.

d. Nymphales. Alis denticulatis.

Gemmati, alis ocellatis.

Pharelati, alis caecis absque ocellis.

e. Plebeii. Parui. Larua saepius contracta.

Rurales, alis maculis obscurioribus.

Vrbicolae, alis maculis pellucidis.

* * *

1. Priamus. P. E. T. alis denticulatis tomen-
tosis supra viridibus: instritis atris, posticis
maculis sex nigris.

Clerk tab. 17.

Auf Amboina etc. So wie der folgende ein
großes prächtiges Thier.

[Seite 366]

2. Vlysses. P. E. A. alis caudatis fuseis, disco
caeruleo splendente dentato. Posticis subtus
ocellis septem.

Clerk tab. 23. fig. 1.

Auch in Ostindien.

3. †. Machaon. der Schwalbenschwarz.
P. E. A. alis caudatis concoloribus flauis,
limbo fusco, lunulis flauis, angulo ani
fuluo.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. I.

4. †. Podalirius. der Segelvogel. P. E. A.
alis caudatis subconcoloribus flauescenti-
bus: fascils nigricantibus geminatis: po-
sticis subtus linea auratia
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 2.

5. †. Apollo. der rothe Augenspiegel. P. H.
alis oblongis integerrimis albis: posticis
ocellis supra
4: subtus 6, basique rubris.

Sulzers Kennz. tab. 13. fig. 41.

Im wärmern Europa.

6. †. Crataegi. der Lilienvogel, Baumweiß-
ling, Heckenweißling. P. H. alis integer-
rimis rotundatis albis: venis nigris
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 3.

Eine der schädlichsten Raupen für Obstbäume.
Die Junge halten sich gesellschaftlich in einem
Gespinste zusammen.

7. †. Brassicae. die Kohleule, der Kohlweiß-
ling, Buttervogel. P. D. C. alis integerri-
mis rotundatis albis: primoribus maculis
duabus apicibusque nigris, maior.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 4.

Nebst den beyden folgenden auf Kohl, Kraut
und Rübsaat. Buttervogel heißt der Schmetter-
[Seite 367] ling (so wie die Butterblume), von der gelben
Farbe der Unterflügel: ein Nahme, der aber
nachher auch den Papilionen überhaupt gegeben
worden ist.

8. †. Rapae. der Rübenweißling. P. D. C.
alis integerrimis rotundatis: primoribus ma-
culis duabus apicibusque nigris, minor
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 5.

9. †. Napi. P. D. C. alis integerrimis ro-
tundatis albis: subtus venis dilatato-vi-
rescentibus.

10. † Cardamines. der Auroravogel. P. D. C.
alis integerrimis rotundatis albis, primori-
bus medio fuluis, posticis subtus viridi-
nebulosis
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 8.

11. †. Rhamni. der Citronen-Papilion, das
fliegende Blatt. P. D. C. alis integerrimis
angulatis flauis: singulis puncto flauo, sub-
tus ferrugineo
.

Rösel vol. III. tab. 46.

12. †. Hyperantus. P. D. F. alis integerrimis
fuscis, subtus primoribus ocellis tribus:
posticis duobus tribusque
.

13. †. Io. das Pfauenauge, der Pfauenspiegel.
P. N. G. alis angulato dentatis-fuluis nigro-
maculatis: singulis subtus ocello caeruleo.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 3.

Die Puppe wie vergoldet.

14. †. Galatea. das Bretspiel. P. N. G. alis
dentatis albis nigroque variis, subtus pri-
moribus ocello vnico, posticis quinque ob-
soletis.

Rösel vol. III. tab. 37.

[Seite 368]

15. †. Cardui. der Distelvogel. P. N. G. alis
dentatis fuluis albo nigroque variegatis,
posticis vtrinque ocellis quatuor, saepius
coecis.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 10.

Die Puppe ebenfalls ganz goldglänzend. In
manchen Jahren unsäglich häufig.

16. †. Iris. der Schillervogel, Changeant.
P. N. G. alis subdentatis subtus griseis; fascia
vtrinque alba interrupta, posticis supra
vniocellatis
.

Rösel vol. III. tab. 42.

17. †. Antiopa. der Trauermantel. P. N. P.
alis angulatis nigris limbo albido.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. I.

18. †. Polychloros. der große Fuchs. P. N. P.
alis angulatis suluis, nigro maculatis; pri-
moribus supra punctis quatuor nigris.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 2.

Die Raupe gibt einen bisamähnlichen Geruch
von sich.

19. †. Vrticae. der kleine Fuchs, Nesselvogel.
P. N. P. alis angulatis fuluis nigro-macu-
latis: primoribus supra punctis tribus nigris.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 4.

20. †. C. album. der C-Vogel. P. N. P. alis
angulatis fuluis nigro maculatis, posticis
subtus C. albo notatis.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 5.

21. †. Atalanta. der Mars, 980-Vogel.
(Engl. the admirable.) P. N. P. alis dentatis
nigris albo maculatis: fascia communi pur-
purea, primoribus vtrinque, posticis mar-
ginali.

[Seite 369]

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 6.

Einer der schönsten deutschen Schmetterlinge.

22. †. Paphia. der Silberstrich. P. N. P. alis
dentatis luteis nigro-maculatis, subtus
lineis argenteis transuersis
.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 7.

Auch ein überaus schönes Thier von mittler
Größe.

23. †. Aglaia. der große Perlenmuttervogel,
Violenvogel. P. N. P. alis dentatis flauis
nigro-maculatis: subtus maculis
21 ar-
genteis.

24. †. Pruni. P. P. R: alis subcaudatis supra
fuscis: posticis subtus fascia margineli fulua
nigro-punctata.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 7.

Auf Zwetschenbäumen.

25. †. Argus. P. P. R. alis ecaudatis caeru-
leis: posticis subtus limbo ferrugineo: ocel-
lis caeruleo-argenteis
.

Kösel vol. I. Tagvögel II. tab. 37.

Auf Kreuzdorn etc.

26. †. Maluae. der Pappelvogel. P. P. V.
alis denticulatis diuaricatis nigris albo-ma-
culatis.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 10.

44. Sphinx. Abendvogel. Antennae
medio crassiores s. vtraque extremitate
attenuatae subprismaticae. Alae deflexae.

Die Raupen in diesem Geschlechte sind meh-
rentheils von vortrefflicher Farbe, mit einem
hakenförmigen Horn am Ende des Rückens, des-
sen Spur auch noch an der Puppe sichtbar ist.
[Seite 370] Sie verpuppen sich unter der Erde, ohne Ge-
spinnste. Die Abendvögel haben ihren Nahmen
daher, weil sie meist bloß in der Abenddämme-
rung umher fliegen. Die mehresten haben einen
langsamen schweren Flug. Linné hat das ganze
Geschlecht, das doch nicht gar zahlreich ist, auf
folgende Art unterabgetheilt:

a. Legitimae – alis angulatis.

Alis integris, ano simplici.

Alis integris, ano barbato.

b. Adscitae – habitu et larua diuersae.

* * *

1. †. Ocellata. das Abendpfauenauge. S. L.
alis repandis: posticis ocellatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. I.

2. †. Nerii. der Oleandervogel. S. L. alis
subangulatis, viridibus: fasciis variis palli-
dioribus saturatoribus flauescentibusque.

Rösel vol. III. tab. 16.

3. †. Conuoluuli. S. L. alis integris: posticis
nigro fasciatis margine postico albo-puncta-
tis, abdomine rubro cingulis atris.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 7.

4. †. Ligustri. S. L. alis integris: posticis
incarnatis fasciis nigris, abdomine rubro
cingulis nigris.

5. †. Atropos. der Todtenkopf. S. L. alis in-
tegris: posticis luteis fasciis, abdo-
mine luteo cingulis nigris.

Rösel vol. III. tab. 2.

Eins der schädlichsten Thiere für Bienenstöcke.
Die Raupe auf Jasmin, Kartoffelnkraut etc.

[Seite 371]

6. †. Celerio. der Phönix. S. L. alis integris
griseis lineola albo-nigra; inferioribus basi
rubris maculis sex.

Rösel vol. IV. tab. 8.

7. †. Elpenor. die Weinraupe, der große
Weinvogel. S. L. alis integris virescenti-
bus, fasciis purpureis variis, posticis rubris
basi atris.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 4.

8. †. Porcellus. die kleine Weinmotte. S. L.
alis integris margine rubris; posticis basi
fuscis.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 5.

9. †. Euphorbiae. die Wolfsmilchraupe. S. L.
alis integris fuscis vitta superioribus pallida,
inferioribus rubra.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 3.

10. †. Pinastri. der Fichtenschwärmer. S. L.
alis integris canis, margine postico albo
maculato, abdomine fusco cingulis albis.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 6.

In Kiefernwäldern, wo die Raupe, die sich
in den Gipfeln aufhält, zuweilen große Verhee-
rungen anrichtet.

11. †. Stellatarum. (Sesia St. F.) der Tauben-
schwanz, Karpfenkopf. S. L. abdomine
barbato lateribus albo nigroque variis, alis
posticis ferrugineis.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 8.

12. †. Filipendulae. (Zygaena F. F.) die
Zirkelmotte. S. A. alis superioribus cyaneis;
punctis sex rubris; inferioribus rubris
immaculatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 62.

[Seite 372]

13. †. Phegea. (Zygaena quercus F.) die
Ringelmotte. A. A. viridi-atra, alis punctis
fenestratis: superiorum sex, inferiorum
duobus, abdomine cingulo luteo.

45. Phalaena. Nachtvogel. (Engl.
Moth.) Antennae setaceae, a basi ad
apicem sensim attenuatae. Alae se-
dentis saepius deflexae.

Das weitläufigste Geschlecht unter den In-
secten. Die Raupen sind mehrentheils behaart:
und verpuppen sich meist innerhalb eines beson-
dern seidenartigen Gespinstes (folliculus), wo-
zu sie den klebrigen Stoff in zwey darmähnlichen
Schläuchen, die längs dem Rücken hinab neben
dem Magen liegen, führen; und ihn nachher,
mittelst einer besondern Röhre; die sich hinter
dem Munde dieser Raupen findet, zu äußerst
feinen Faden spinnen, die ihnen auch außerdem
zu andern Zwecken, sich z.B. daran herablassen
zu können etc. nutzen*). Diese Gehäuse werden
bey einigen wie bey dem Pfauvogel, wegen ih-
rer überaus künstlichen Einrichtung; bey einigen
Arten von Seidenwürmern aber durch ihre große
Nutzbarkeit merkwürdig. Die Phalänen selbst,
die meist des Nachts ihren Geschäften nachgehen,
hat Linné in folgende Familien abgetheilt:

a. Attaci – alis patulis inclinatis.

Pectinicornes.

Seticornes.

b. Bombyces – alis incumbentibus; an-
tennis pectinatis
.

[Seite 373]

Elingues absque lingua manifeste spirali .

Spirilingues lingua inuoluto – spirali .

c. Noctvae – alis incumbentibus. An-
tennis setaceis, nec pectinatis.

Elingues.

Spirilingues.

d. Geometrae – alis patentibus horizon-
talibus quiescentes
.

Pectinicornes.

Seticornes.

e. Tortrices – alis obtusissimis, vt fere
retusis, margine exteriore curuo
.

f. Pyralides – alis conniuentibus in
figuram deltoideam forficatam
.

g. Tineae – alis conuolutis, fere in cy-
lindrum, front prominula.

h. Alvcitae – alis digitatis fissis ad basin
vsque.

* * *

1. †. Atlas. (Bombyx A. F.) P. Att. pectinicor-
nis elinguis, alis falcatis concoloribus
luteo-variis, macula fenestrata, superiori-
bus sesquialtera
.

Merianae Surinam. tab. 32.

In beyden Indien. Die Flügel größer als an
einer hieländischen Fledermaus, aber mit auffal-
lend kleinem Leibe. Man macht aus dem Gespinste
dieser und anderer großen Phalänen in Schina
die so genannte wilde Seide.

2. †. Pavonia. (Bombyx P. F.) das Nacht-
pfauenauge. P. Att. pectinicornis elinguis,
alis rotundatis griseo-nebulosis subfasciatis:
ocello nictitante subfenestrato.

[Seite 374]

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 4. 5.

Das Puppengehäuse hat die Gestalt einer run-
den Flasche, mit einem, dem Anschein nach, of-
fenen abgestutzten Halse, dessen Eingang aber
doch inwendig auf eine überaus artige Weise,
mittelst elastischer convergirender Stacheln, die
in eine hervorstehende Spitze zusammen laufen,
so gut verwahrt ist, daß das vollkommne Thier
zu seiner Zeit füglich heraus, hingegen kein feind-
seliges Insect durch diesen Weg hinein dringen
kann*).

3. †. Quercifolia. (Bombyx Q. F.) das Eich-
blatt. P. B. elinguis, alis reuersis semitectis
dentatis ferrugineis margine postico nigris.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 41.

Im Sitzen hat die Phaläne eine sonderbare
bucklige Stellung.

4. †. Pini. (Bombyx P. F.) der Kiefern-
spinner, die Fichtenraupe, Föhrenraupe.
P. B. elinguis, alis reuersis griseis; strigis
duabus cinereis; puncto albo triangulari.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 59.

Einer der schädlichsten Raupen für die Kiefern-
waldungen.

5. †. Vinula. (Bombyx V. F.) der Gabel-
schwanz, Hermelinvogel. P. B. elinguis
albida nigro-punctata, alis subreuersis fusco
venosis striatisque.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 19.

[Seite 375]

Die Raupe bekommt durch ihren dicken abge-
stumpften Kopf, und die beyden Schwanzspitzen,
die ihr statt des letzten Paars Hinterfüße gege-
ben sind, ein sonderbares Ansehen. Sie vermag
einen scharfen Saft, durch eine Oeffnung unten
am Halse von sich zu spritzen, und sich damit im
Nothfall zu vertheidigen*).

6. † Fagi. (Bombyx F. F.) P. B. elinguis, alis
reuersis rufo-cinereis; fasciis duabus linea-
ribus luteis flexuosis
.

Rösel vol. III. tab. 12.

Auch dieser ihre Raupe ist ganz anomalisch
abenteuerlich gestaltet. Mit langen Vorderhei-
nen, zwey hornichten Schwanzspitzen etc.

7. Mori. (Bombyx M. F.) der Siedenwurm.
P. B. elinguis, alis reuersis pallidis; striis
tribus obsoletis fuscis maculaque lunari.

Rösel vol. III. tab. 7. 8.

Jac. l'Admiral tab. 9.

Der assyrische Bombyx beym Plinius etc. ist
wohl sicher unsere Seide; sie kam aber schon zu
Stoffen verarbeitet heraus; und ist der Wurm
selbst erst zu Justinians Zeiten in Europa gezo-
gen. Er bleibt 6 bis 7 Wochen lang Raupe;
spinnt sich hierauf, nachdem er sich vier Mahl ge-
häutet hat, in einen Coccon von weißer oder gel-
ber Farbe, der, wenn er drittehalb Gran am
Gewicht hält, aus einem 900 Fuß langen Faden
besteht (deren 180 dicht neben einander gelegt
erst die Breite von einer Linie ausmachen), und
kriecht endlich drey Wochen nachher als Schmet-
terling aus. Nach der Paarung legt das überaus
dicke Weibchen bey 500 Eyer, die im folgenden
[Seite 376] Frühjahr um die Zeit, wenn die weißen Maul-
beerbäume zu grünen anfangen, auskriechen.
Sie sind wohl ursprünglich in Schina*) zu
Hause, gewohnen aber auch unser Clima recht
gut, und man zieht sie nun auch in Nordamerica.

8. †. Neustria. (Bombyx N. F.) die Ringel-
raupe. P. B. elinguis, alis reuersis: fascia
sesquialtera; subtus vnica.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 6.

Nebst der folgenden eine sehr schädliche Raupe.
Die Phaläna legt ihre Eyer in einer Spirallinie
dicht an einander um ein Aestchen herum.

9. †. Pityocampa. (Bombyx P. F.) der Fich-
tenspinner. P. B. elinguis, alis griseis:
strigis tribus obscurioribus, posterioribus
pallidis; puncto anali fusco.

Richtet in Nadelhölzern große Verwüstung an.

10. †. Caia. (Bombyx C. F.) die schwarze
Bärenraupe. P. B. elinguis, alis deflexis
fuscis: riuulis albis, inferioribus purpureis
nigro punctatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. I.

11. †. Monacha. (Bombyx M. F.) die Nonne,
der Fichtenspinner. P. B. elinguis, alis
deflexis, superioribus albis atro-undatis,
abdominis incisuris sanguineis.

Jördens Geschichte der kleinen Fichtenraupe,
fig. 17-19.

[Seite 377]

Eins der fruchtbarsten Insecten für Fichten-
waldungen.

12. †. Dispar. (Bombyx D. F.) P. B. elin-
guis, alis deflexis: masculis griseo fuscoque
nebulosis; femineis albidis lituris nigris.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 3.

Hat ihren Nahmen von der ungleichen Bildung
und Größe der beyden Geschlechter.

13. †. Chrysorhoea. (Bombyx Ch. F.) die
schwarze Winterraupe. P. B. elinguis,
alia deflexis albidis, abdominis apice bar-
bato luteo.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 22.

Eine der schädlichsten Raupen für die Obst-
bäume, die im Herbst aus den Eyern kriecht,
und den Winter durch gesellschaftlich in zusammen
gesponnenem welken Laube an den Aesten zu-
bringt, ohne daß ihr selbst die strengste Kälte
schadet.

14. †. Antiqua. (Bombyx A. F.) P. B. elin-
guis, alis planiusculis: superioribus ferru-
gineis lunula alba anguli postici.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 39.

Das Weibchen ungeflügelt.

15. †. Caeruleocephala. (Bombyx C. F.) P. B.
elinguis cristata, alis deflexis griseis: stig-
matibus albidis coadunatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 16.

Ebenfalls eine den Obstbäumen sehr schädliche
Raupe.

16. †. Cossus. (Cossus ligniperda F.) die
Weidenraupe. P. B. elinguis, alis deflexis
nebulosis, thorace postice fascia atra, an-
tennis lamellatis.

[Seite 378]

Rösel vol. I. Nachtvogel II. tab. 18.

Dieselbe Raupe von der Lyonet die meisterhafte
Zergliederung geliefert hat. Sie hält sich in
Ulmen, Eichen etc. doch bey weitem am häufig-
sten an Weidenstämmen auf, die so von ihr durch-
fressen werden, daß sie leicht ausgehen oder bey
mäßigem Sturme umfallen. Der Schade, den
diese Raupe verursacht, wird dadurch vergrößert,
daß sie gegen das Beyspiel vielleicht aller übrigen
Raupen bey drey Jahr alt wird, ehe sie sich
verpuppt. Dabey hat sie ein so äußerst zähes
Leben, daß sie ohne Schaden etliche Stunden
lang im so genannten luftleeren Raume, und
mitten im Sommer fast drey Wochen lang unter
Wasser ausdauern kann. Eben so sonderbar ist,
daß die Puppe sich von der Stelle bewegen, und
wenn die Zeit des Auskriechens herbeynaht, aus
der Mitte des Stammes sich vom bis an die
Mündung in der Rinde hervor hohren kann.

17. †. Aesculi. (Cossus Ae F.) P. N. elinguis
laenis niuea, antennis thorace breuioribus,
alis punctis numerosis caeruleo-nigris,
thorace senis.

18. †. Humuli. (Hepialus H. F.) P. N. elin-
guis fulua, antennis thorace breuioribus,
maris alis niueis.

19. †. Pacta. (Noctua P. F.) P. N. spirilinguis
cristata, alis grisescentibus, inferioribus
rubris, fasciis duabus nigris, abdomine
supra rubro.

20. †. Meticulosa. (Noctua M. F.) P. N. spiri-
linguis cristata, alis erosis pallidis: supe-
rioribus basi incarnata, intra triangulum
fuscum.

[Seite 379]

An allerhand Küchengewächsen, auch an Erd-
beeren.

21. †. Piniaria. der Fichtenspinner. P. G.
pectinicornis, alis fuscis flauo-maculatis
subtus nebulosis: fasciis duabus fuscis.

Auch eins der schädlichsten Insecten für Fich-
tenholzungen.

22. †. Wavaria. P. G. pectinicornis, alis ci-
nereis: anticis fasciis
4 nigris abbreuiatis
inaequalibus.

Rösel vol. I. Nachtvögel III. tab. 4.

So wie die folgende auf Johannisbeeren, Sta-
chelbeeren.

23. †. Grossulariata. P. G. seticornis, alis
albidis, maculis rotundatis nigris: anticis
strigis luteis.

Rösel vol. I. Nachtvögel III. tab. 2.

24. †. Brumata der Frostschmetterling, Blü-
thenwickler. P. G. seticornis, alis griseo-
fuscis: striga nigra postice pallidioribus;
femina aptera
.

Reaumur T. II. tab. 30.

Eins der schädlichsten Insecten für Obstbäume.
Das ungeflügelte Weibchen legt seine Eyer in
die Blüthknofpen.

25. †. Viridana. (Pyralis V. F.) P. Ti. alis
rhombeis, superioribus viridibus imma-
culatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel IV. tab. 3.

26. †. Farinalis. (Pyralis F. F.) P. P. palpis
recuruatis, alis politis fuscescentibus: strigis
repandis albidis area interiecta glauca.

Clerk phal. tab. 2. fig. 14.

Im Mehl.

[Seite 380]

27. †. Hercyniana. P. P. alis superioribus fu-
scis, fascia et maculis niueis subinterruptis;
posticis cinereis.

J. v. Uslar Pyralis Hercyniana. Fig. a. b. c.

In Fichtenwaldungen an den Nadeln.

28. †. Pinetella. (Crambus pineti F.) P. Ti.
alis superioribus flauis, maculis duabus ar-
genteis, anteriore oblonga, posteriore ouata.

Clerk phal. tab. 4. fig. 15.

Ebenfalls in Fichtenwaldungen.

29. †. Pellionella. (Tinea P. F.) die Pelz-
motte. P. Ti. alis canis, medio puncto ni-
gro, capite subgriseo.

Rösel vol. I. Nachtvögel IV. tab. 17.

In Pelzwerk, ausgestopften Thieren etc.

30. †. Sarcitella. (Tinea S. F.) die Kleider-
motte. P. Ti. alis cinereis, thorace vtrinque
puncto albo.

Besonders in wollenen Kleidungstücken.

31. †. Mellonella. (Tinea M. F.) P. Ti. alis
canis postice purpurascentibus, striga alba,
scutello nigro apice candido.

Rösel vol. III. tab. 41.

Einer der gefährlichsten Bienenfeinde.

32. †. Granella. (Alucita G. F.) der Wolf,
weiße Kornwurm. P. Ti. alis albo nigroque
maculatis capite albo.

Rösel vol. I. Nachtvögel IV. tab. 11.

Auf Kornböden in der Frucht, die er benagt,
abhülset, zerschrotet, und sich daher leicht
verräth*).

[Seite 381]

33. †. Goedartella. (Tinea G. F.) P. Ti.
alis auratis: fasciis 2 argenteis: priore an-
trorsum, posteriore retrorsum arcuata.

Clerk phal. tab. 12. fig. 14.

34. †. Linneella. (Tinea L. F.) P. Ti. alis
fuscis, punctis tribus argenteis eleuatis.

Clerk phal. tab. II. fig. 8.

35. †. Hexadactyla. (Pterophorus hexadacty-
lus
F.) P. Al. alis patentibus fissis: singu-
lis sexpartitis cinereis.

Hat wie die übrigen Nachtvögel dieser Familie,
wegen der sonderbaren gespaltenen Flügel, ein
ungewöhnliches Ansehen.

IV. NEVROPTERA.

Eine kleine Ordnung, die sich durch vier
zarte netzförmige oder gegitterte Flügel aus-
zeichnet, die mehrentheils in allerhand Farben
schillern. Die Larve hat sechs Füße.

46. Libellvla. Wasserjungfer, Spin-
nejungfer, Teufelsnadel. (Fr. demoiselle.
Engl. dragon-fly .) Os maxillosum,
maxillis pluribus. Antennae thorace
breuiores. Alae extensae. Cauda ma-
ris hamoso-forcipata.

Als Larve leben diese Thiere im Wasser, und
haben eine sonderbar bewegliche Maske oder
Kappe vor dem Munde, womit sie ihre Beute
haschen. Die Paarung der vollkommen geflügel-
ten Wasserjungfern, die überhaupt gar viel
Sonderbares hat, wird im Fluge vollzogen.

[Seite 382]

1. †. Depressa. L. alis omnibus basi nigri-
cantibus. thorace lineis duabus flauis, ab-
domine lanceolato lateribus flanescente.

Rösel vol. II, Wasser-Ins. II. tab. 6. 7.
fig. 3.

Hat sich zu Zeiten (wie z.B. im Frühling
1806 und 1807 am Harz und in Thüringen etc.)
in mächtigen Zügen sehen lassen*).

2. †. Virgo. (Agrion V. F.) L. alis erectis
coloratis.

Rösel vol. II. Wasser-Ins. II. tab. 9.

3. †. Puella. (Agrion P. F.) L. alis erectis
hyalinis.

Rösel vol. II. Wasser-Ins. II. tab. 10. 11.

47. Ephemera. Uferaas, Hafft, Ge-
schwäder, Lorenzfliege, Rheinschnacke.
(hemerobius, diaria). Os edentulum
absque palpis. Ocelli 2 maximi supra
oculos. Alae erectae, posticis minimis.
Cauda setosa.

Das Uferaas lebt einige Jahre lang als Larve
im Wasser. Nach dieser Zeit kommen mitten im
Sommer binnen wenigen Tagen in manchen Ge-
genden Millionen der vollkommen ausgebildeten
Thiere mit einem Mahle aus dem Wasser
hervor geflogen, die sich auch alsdann, gegen die Weise
anderer Insecten, erst nochmahls häuten müs-
sen; überhaupt aber diesen ihren vollkommenern
Zustand meist nur sehr kurze Zeit, oft nur wenige
Stunden genießen.

1. †. Vulgata. E. cauda triseta, alis nebuloso-
maculatis
.

[Seite 383]

Sulzers Kennz. tab. 17. fig. 103.

P. Collinson in philos. Transact. N. 481.
tab. 2. fig. 2.3.4. p. 329 sq.

Das Weibchen legt ein eyförmiges Klümpchen,
das aus sehr vielen Eyerchen zusammen gesetzt ist.

2. †. Horaria. E. cauda biseta, alis albis
margine crassiore nigricantibus
.

Swammerdam Bibl. nat. tab. 13. fig. 15.

48. Phryganea. Frühlingsfliege. (Engl.
caddice, water-moth.) Os edentulum
palpis
4. Ocelli 3. Antennae thorace
longiores. Alae incumbentes, inferio-
ribus plicatis.

Die Larven, die sich ebenfalls im Wasser auf-
halten, werden besonders durch die theils sehr
künstlichen (meist cylindrischen theils aber auch
vierkantigen) Hülsen merkwürdig, die sie sich ver-
fertigen, und die sie, fast wie die Schnecken ihr
Haus, mit sich herum schleppen. Manche machen
diese Gehäuse aus Schilfstückchen, andere aus
Gras, aus Sandkörnchen, aus kleinen Steinchen,
andere aus lauter kleinen Flußschneckchen u.s.w.

1. †. Bicaudata. (Semblis B. F.) P. cauda
biseta, alis venosis reticulatis.

Sulzers Kennz. tab. 17. fig. 6.

2. †. Striata. P. nigra, alis testaceis, ner-
voso-striatis.

Frisch P. XIII. tab. 3.

3. †. Rhombica. P alis flauescentibus de-
flexo-compressis macula rhombea late-
rali alba.

Rösel vol. II Wasser-Ins. II. tab. 16.

[Seite 384]

49. Hemerobivs. Florfliege, Landli-
belle. Os dentibus 2: palpis 4. Ocelli
nulli. Alae deflexae (nec plicatae
).
Antennae thorace conuexo longiores,
setaceae porrectae
.

Die Larve lebt im Trocknen. Das vollkom-
mene Insect ähnelt dem vorigen.

1. †. Perla. H. luteo-viridis, alis hyali-
nis: vasis viridibus
.

Rösel vol. III. tab. 21. fig. 4.5.

Befestigt seine Eyer auf eine wundersame
Weise auf Baumblätter oder an Moos etc. mit-
telst eines aufrechtstehenden borstenähnlichen klei-
nen Stiels*).

2. †. Pulsatorius. (Psocus P. F.) die Papierlaus,
Holzlaus. (Fr. le pou de bois.) H. apterus,
ore rubro, oculis luteis
.

Sulzers Gesch. tab. 29. fig. 3.

In Büchern, alten Papieren, auch im Holz.
Ward sonst allgemein für ungeflügelt gehalten.
Auch sind die geflügelten Individua so äußerst
selten bemerkt worden, daß sie höchstens nur
auf sehr kurze Zeit mit Flügeln versehen seyn
müssen. (§. 136.)

50. Myrmeleon. Afterjungfer. Os
maxillosum: dentibus
2. Palpi 4 elon-
gati. Ocelli nulli. Cauda maris for-
cipe e filamentis duobus rectiusculis.
Antennae clauatae longitudine thora-
cis. Alae deflexae
.

[Seite 385]

1. †. Formicarius. der Ameisenlöwe. (Fr. le
fourmilion
.) M. alis macula alba margi-
nali postica.

Rösel vol. III. tab. 17. u. f.

Das merkwürdige berufene Geschöpf, das sich
als Larve eine trichterförmige Fallgrube in Sand-
boden wühlt, sich selbst unten bis an den Hals
hinein scharrt, und da die Ameisen u.a. kleine
Insecten empfängt und verzehrt, die unversehens
an den Rand dieser Grube kommen, und mit
dem lockern Sand hinab schurren.

51. Panorpa. Scorpionfliege. Rostrum
corneum cylindricum, palpis
2. Ocelli 3.
Antennae thorace longiores. Cauda
maris chelata
.

1. †. Communis. P. alis aequalibus nigro
maculatis.

Frisch P. IX. tab. 14. fig. 1.

52. Raphidia. Kamelhals. Os denti-
bus
2 in capite depresso corneo. Palpi 4.
Ocelli 3. Alae deflexae. Antennae
longitudine thoracis antice elongati
cylindrici. Cauda feminae seta re-
curua laxa.

1. †. Ophiopsis. R. thorace cylindrico.

Rösel vol. III. tab. 21. fig. 6. 7.


V. HYMENOPTERA.

[Seite 386]

Insecten mit vier häutigen Flügeln, die
mit wenigen aber starken Adern durchzogen,
auch meist kürzer und schmäler sind als bey den
Insecten der vorigen Ordnung. Bey den meh-
resten sind die Weibchen und geschlechtlosen
Thiere mit einem verletzenden Stachel am
Hinterleibe, theils auch mit Gift, das sie
beym Stich in die Wunde flößen, bewaffnet;
daher die ganze Ordnung auch von einigen
Entomologen Aculeata genannt worden. Die
Larven sind verschiedentlich gebildet: theils wie
Raupen mit zwanzig Füßen, theils wie Ma-
den ohne Füße etc.*).

53. Cynips. Gallwespe. Os maxillis
absque proboscide. Aculeus spiralis,
saepius reconditus.

Das Weibchen legt seine Eyer in besondere
Theile gewisser Pflanzen, die dadurch anschwel-
len, und theils sonderbare Auswüchse bilden, die
dann der Larve so lange zum Aufenthalte dienen,
bis sie ihre Verwandlung überstanden hat, und
nun als vollkommenes Insect aus ihrem Kerker
hervor brechen kann. Ganz sonderbar ist dabey,
daß jene Eyer selbst, nachdem sie von der Mutter
in das Gewächs gelegt werden, erst noch wachsen,
theils noch Ein Mahl so groß werden, bevor
die darin befindliche Larve auskriecht.

[Seite 387]

1. †. Rosae. C. nigra, abdomine ferrugineo
postice nigro, pedibus ferrugineis
.

Frisch P. VI. tab. 1.

An wilden Rosen, wo sie die moosartigen,
krausen Auswüchse verursacht, die unter dem
Nahmen Rosenschwämme oder Schlafäpfel
(spongia cynosbati, Bedeguar) ehedem offi-
cinell waren.

2. †. Quercus folii. C. nigra, thorace li-
neato, pedibus griseis, femoribus subtus
nigris.

Frisch P. II. tab. 3. fig. 5.

Am Eichenlaub, wo sie bekanntlich die Gall-
äpfel hervor bringt, die auch oft noch nachher,
wenn sie schon von der Nachkommenschaft ihrer
Urheberinn verlassen sind, kleinen Wespen ver-
schiedener Art zum Aufenthalt dienen.

3. Psenes. C. ficus Caricae.

Zumahl auf den Inseln des mittländischen
Meeres; in den wilden Feigen, die man deß-
halb zu den zahmen Feigen hängt, damit der
cynips von jenen, in diese übergehen mag, als
wodurch die Zeitigung und Größe derselben be-
fördert wird.

54. Tenthredo. Blattwespe. Os maxil-
lis absque proboscide. Alae planae
tumidae. Aculeus laminis duabus ser-
ratis, vix prominentibus. Scutellum
granis duobus impositis distantibus.

Die Larven haben Raupengestalt (daher sie
Reaumür fausses chenilles nennt), leben vom
Laub und finden sich besonders auf Rosenstöcken
und Weiden; verpuppen sich aber in der Erde.

[Seite 388]

1. †. Lutea. (Cimbex L. F.) T. antennis
clauatis luteis, abdominis segmentis ple-
risque flauis.

Frisch P. IV. tab. 24.

2. †. Capreae. T. salicis.

Frisch P. VI. tab. 4.

55. Sirex. Holzwespe, Sägenfliege. Os
maxillis
2 validis. Palpi 2 truncati:
Antennae filiformes, articulis vltra
24.
Aculeus exsertus rigens serratus. Ab-
domen sessile mucronatum. Alae lan-
ceolatae, planae omnibus.

Das Weibchen weiß mit seinem sägeförmigen
Legestachel sehr geschickt in weiches Holz zu
bohren, um seine Eyer da einzulegen. Die
Larve hält sich einige Jahre lang im Holze auf*).

1. †. Gigas. S. abdomine ferrugineo: segmen-
tis nigris, thorace villoso.

Rösel vol. II. Humm. und Wesp. tab. 9.

56. Ichnevmon. Schlupfwespe, Rau-
pentödter, Spinnenstecher. Os maxillis
absque lingua. Antennae articulis vl-
tra
30. Abdomen petiolatum plerisque.
Aculeus exsertus vagina cylindrica,
biualui
.

Zahlreiche Thiere, die sehr vieles zur Vertil-
gung der Raupen, Spinnen und anderer In-
secten beytragen. Sie legen ihre Eyer in leben-
dige Raupen, die davon erkranken, und vor
[Seite 389] oder nach ihrer Verpuppung absterben. Manche
sind auch an andere Gattungen ihres eigenen
Geschlechts gewiesen, denen sie als Larve ihre
Eyer in den Leib legen, so daß nach Rolanders
Bemerkung, von verschiedenen Gattungen die
eine bloß zur Vertilgung der andern geschaffen
zu seyn scheint.

1. †. Persuasorius. (Pimpla persuasoria. F.)
I. scutello albo, thorace maculato, abdo-
mine atro, segmentis omnibus vtrinque
punctis duobus albis
.

Sulzers Gesch. tab. 26. fig. 12. 13.

2. †. Comitator. I. ater totus, antennis fascia
alba.

Sulzers Gesch. tab. 26. fig. 14.

3. †. Luteus. (Ophion L. F.) I. luteus thorace
striato, abdomine falcato.

4. †. Glomeratus. (Cryptus G. F.) I. niger,
pedibus flauis
.

Reaumur vol. II. tab. 33.

Legt seine Eyer in die Raupen der Butter-
vögel, so wie der vorige in die von manchen
Phalänen.

57. Sphex. Raupentödter, Afterwespe.
Os maxillis absque lingua. Antennae
articulis
10. Alae plano incumbents
(nec plicatae) in omni sexu. Aculeus
punctorius reconditus
.

Die Weibchen verschiedener Gattungen dieses
Geschlechts graben sich Höhlen in sandigen Bo-
den, schleppen eine große Spinne oder Raupe
einer Phaläne hinein, die sie meist nur lahm
beißen, und legen sodann in jede Höhle ein Ey,
[Seite 390] da dann nachher die junge Larve dem großen
Thier, das die Mutter dahin begraben hatte,
den Saft zum Gespinste aussaugt, und sich selbst
ein Verwandlungsgehäuse daraus bereitet.

1. †. Sabulosa. S. nigra hirta, abdomine fuluo,
postice nigro, petiolo longissimo.

Frisch P. II. tab. I. fig. 6. 7.

2. †. Cribraria. (Crabro cribrarius F.) die
Sieb-Biene. S. nigra, abdomine fasciis
flauis, tibiis anticis clypeis concauis
fenestratis.

Goeze im Naturforscher II. St. tab. 2.

Man hat lange die Scheiben an den Vorder-
süßen des Männchen für durchlöchert gehalten,
und hat auch nicht ermangelt, diesen vermeinten
Sieben eine merkwürdige Bestimmung anzudich-
ten, und viel Schönes über die, weise Einrich-
tung eines gar nicht existirenden Theils zu sagen.

58. Chrysis. ( Fr. mouche dorée. Engl.
golden-fly.) Os maxillis absque pro-
boscide. Antennae filiformes: articulo

1 longiore, reliquis 11 breuioribus.
Abdomen subtus fornicatum, vtrin-
que squama laterali. Anus dentatus
aculeo subexserto. Alae planae. Cor-
pus auratum.

1. †. Ignita. C. glabra nitida, thorace viridi:
abdomine aureo: apice quadridentato
.

Frisch P. IX. tab. 10. fig. 1.

59. Vespa. Wespe. (Fr. guépe. Engl.
wasp.) Os maxillis absque proboscide.
[Seite 391] Alae superiores plicatae in omni sexu.
Aculeus punctorius reconditus. Oculi
lunares. Corpus glabrum
.

Die mehresten Gattungen dieses und des fol-
genden Geschlechts werden durch die strenge ge-
sellschaftliche Verbindung, in der sie theils zu
Tausenden beysammen leben, und durch die über-
aus kunstreichen Nester und gemeinschaftlichen
Wohnungen, die sie sich mit vereinten Kräften
aus so vielartigen Stoffen (– z.B. die Wespen
aus Holzzasern etc., die Immen aus Wachs, die
Maurer-Bienen aus Grant etc. –) zu verfer-
tigen wissen, merkwürdig.

1. †. Crabro. die Hornisse. (Engl. the hornet.)
V. thorace nigro antice ruso immaculato
abdominis incisuris puncto nigro duplici
contiguo
.

Frisch P. IX. tab. II. fig. 1.

2. †. Vulgaris. die Wespe. (Engl. the wasp.)
V. thorace vtrinque lineola interrupta, scu-
tello quadrimaculato, abdominis incisuris
punctis nigris distinctis.

Frisch P. IX. tab. 12. fig. 1.

3. Nidulans. (Fr. la guêpe cartonnière.) V.
nigra, thorace striga antica subscutelloque
albis, abdominis segmentis margine flauis
.

Reaumur vol. VI. tab. 20.

In Guiana. Die äußere Bekleidung ihres
kunstreichen Nestes ähnelt einer feinen, wie mit
Schreibpapier überzogenen Pappe.

60. Apis. Biene. (Fr. abeille. Engl. bee.)
Os maxillis atque proboscide inflexa
[Seite 392] vaginis duabus biualiubus. Alae planae
in omni sexu. Aculeus feminis et
neutris punctorius reconditus.

1. †. Mellifica. die Honigbiene, Imme. A.
pubescens thorace subgriseo, abdomine
fusco, tibiis posticis ciliatis, intus trans-
verse striatis
*).

Bekanntlich sind unter den Bienen, Wespen,
Ameisen und Termiten, die bey weiten zahlreich-
sten Individuen geschlechtlos, d.h. sie werden
von einem Vater erzeugt, und von einer dadurch
befruchteten Mutter geboren, ohne doch selbst
vollkommene Geschlechtsorgane zu haben. – Hier
bey der Imme hat das Weibchen, die so genannte
Königinn oder Mutterbiene, oder der Weißler,
einen schlanken schmalen Leib, länger als die
Dronen, kurze Flügel, einen behaarten Kopf,
ein zackiges Gebiß, braune Füße u.s.w. – Die
männlichen Bienen, oder Dronen (Deck- oder
Wasser- oder Holmbienen) sind groß und stark
von Leibe, mit langen Flügeln etc. – Die ge-
schlechtlosen, oder Werk- und Arbeits-Bienen
hingegen sind weit kleiner als jene beyden, von
mittler Taille, nach Verhältniß langen Flügeln,
glattem Gebiß, schwarzen Füßen und einer be-
sondern Grube am Hinterschenkel, die zum Ein-
tragen dient, u.s.w. Diese letztern, deren in
einem großen Stock wohl auf 10000 seyn können,
haben allein die mannigfaltigen Verrichtungen
[Seite 393] des Eintragens, Bauens und der Besorgung der
Brut. Die jüngern sammeln aus Blüthen den
Stoff zu Honig und Wachs, den sie als Höschen
zum Stocke tragen, wo es ihnen von den ältern
abgenommen, und das Wachs vom Honig geschie-
den wird. Sie füttern die Bienen-Larven mit
Blaumenstaub, halten den Stock rein, und schaffen
ihre Todten von da hinaus. Sie sind mit Stachel
als Waffen versehen, den sie aber wenn sie tief
stechen, leicht in der Wunde stecken lassen. – Die
männlichen Bienen (etwa 700 in einem großen
Stocke) haben keine andere Bestimmung, als
sich mit ihrer Königinn (– und zwar wie es scheint
im Fluge –) zu paaren. Manche sterben gleich
darauf, die übrigen müssen nachher verhungern,
oder werden von den Arbeitsbienen in der so ge-
nannten Dronenschlacht umgebracht. Die so reich-
lich befruchtete Königinn legt ihre Eyer in die
Zellen oder Mutterpfeiffen, von denen schon vor-
läufig die für die Dronen bestimmten größer als
die übrigen gebaut sind. Wenn die Nachkommen-
schaft nach etlichen und 20 Tagen zur Reife gekom-
men, so trennt sie sich als Colonie vom Stamm-
volke, sie schwärmt. – In der Wildniß bauen die
Bienen in hohle Bäume, oder unter die Erde etc.
Der Mensch hat sie aber sich zum Hausthier zu
machen, und durch mannigfaltige scharfsinnige Er-
findungen ihre Vermehrung und Benutzung zu be-
fördern gelernt. Obgleich einzelne Bienen so
wenig Wärme haben als andere kalkblütige Thiere;
so erhitzen sie doch im Stocke, zuweilen bis zur
Wärme des menschlichen Körpers*).

[Seite 394]

2. †. Centuncularis. (Anthophora C. F.)
die Rosenbiene. A. nigra, ventre lana fulua.

Frisch P. XI. tab. 2.

Lebt einsam unter der Erde, und verfertigt
sich eine überaus artige Hülse zur Wohnung von
Blättern der Rosenbüchse.

3. †. Violacea. (Xylocopa V. F.)
die Holzbiene. A. hirsuta atra, alis caerulescentibus.

Reaumur vol. VI. tab. 6. fig. 1. 2.

In alten Baumstämmen, wo sie sich ihre Woh-
nung der Lange nach aushöhlet, und die einzel-
nen Zellen durch dünne Holzscheibchen von einan-
der absondert.

4. †. Terrestris. (Bombus T. F.)
die Hummel. (bombylius. Engl. the humble-bee.) A. hir-
suta nigra thoracis cingulo flauo, ano albo.

Frisch P. IX. tab. 13. fig. 1.

Nistet tief unter der Erde.

5. †. Muscorum. (Bombus M. F.) die Moos-
biene. A. hirsuta fulna abdomine flauo.

Reaumur vol. VI. tab. 2. fig. 3. 4.

Bekleidet ihr Nest von außen mit Moos.

[Seite 395]

6. †. Caementaria. die Maurerbiene. A fulua
abdomine nigro (femina nigro-violacea pe-
dibus fuscis
).

Baut sich mit bewundernswürdiger Kunst und
Festigkeit ihr Nest aus Grant und Mörtel an alten
Mauern, die viel Sonne haben. Die eyförmi-
gen Zellen, deren etwa zehn in jedem solchen Ge-
bäude sind, werden mit Gespinste austapezirt,
und zuweilen auch vom Attelabus apiarius,
Schlupfwespen etc. bewohnt.

61. Formica.*) Ameise, Emse. (Fr.
fourmi. Engl. ant.) Petiolus abdominis
elongatus, nodulosus, aut munitus squa-
mula erecta. Aculeus feminis et neu-
tris reconditus. Alae maribus et femi-
nis, sed neutris nullae.

Die mehresten hiesigen Ameisen halten sich
vorzüglich in Wäldern und Wiesen, theils bey
vier- und mehreren taufenden in einem Haufen
auf. Die Emsigkeit dieses kleinen Volks, vorzüg-
lich die Sorgfalt, mit der sie ihre Puppen (die
fälschlich so genannten Ameisen-Eyer) warten
und pflegen, geht so weit, daß man gesehen,
wie eine Arbeitsameise, der man den Hinterleib
abgeschnitten, doch noch zehn Puppen vor ihrem
schmerzhaften Tode in Sicherheit gebracht hat etc.

1. †. Herculanea. die Roß-Ameise. F. nigra
abdomine ouato. femoribus ferrugineis.

Sulzers Kennz. tab. 19. fig. 125.

[Seite 396]

2. †. Rufa. F. thorace compresso toto fer-
rugineo, capite abdomineque nigris.

3. †. Rubra. F. testacea, oculis punctoque
sub abdomine nigris.

4. †. Nigra. (Lasius niger F.) F. tota nigra
nitida, tibiis cinerascentibus.

Diese Ameisen paaren sich zu Ende des Som-
mers im Schwärmen, da sie zuweilen in unzäh-
liger Menge und sonderbarer Gestalt der Schwär-
me als auf- und niederfahrende Säulen zum
Vorschein kommen, deren man zuweilen wohl 20
auf Ein Mahl sieht, die sich in der Ferne fast
wie ein Nordlicht ausnehmen*).

5. †. Caespitum. F. abdominis petiolo bino-
doso: priore subtus, thoraceque supra bi-
dentato.

Sulzers Gesch. tab. 27. fig. 20.

6. Cephalotes. (Atta C. F.) F. thorace quadric-
spinoso, capite didymo magno vtrinque
postice mucronato.

Merianae ins. Surinam. tab. 18.

In Westindien. Von der Größe einer Wespe.

62. Termes. Weiße Ameise, Holz-
Emse, Termite. (Fr. fourimi blanche,
poux de bois
. Eng. white ant, wood-ant,
wood louse
.) Squamula intergerina
nulla. Alae maribus et feminis tempo-
rariae; sed neutris plane nullae.

[Seite 397]

1. Fatalis. (bellicosus. Soland) T. corpore
fusco, alis fuscescentibus: costa ferruginea,
stemmatibus subsuperis oculo propinquis,
puncto centrali prominulo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 9.

Die Gebäude der guineischen Termiten. Eben
daselbst tab. 10.

Hier diese Gattung (denn es sind schon jetzt
wenigstens noch vier andere bekannt, die hin und
wieder zwischen beyden Wendezirkeln zumahl in
beyden Indien, im südwestlichen Africa und auf
Neuholland zu Hause sind) findet sich besonders
in Ostindien und Guinea, und führt aus Thon,
Letten etc. kegelförmige, meist mit mehreren
Spitzen besetzte, inwendig hoch ausgewölbte Ge-
bäude auf, die zuweilen wohl 10 bis 12 Fuß hoch
sind, und theils in solcher Menge beysammen ste-
hen, daß sie von Ferne das Ansehen eines Dorfs
kriegen. Mit den Jahren wird so ein hohler
Ameisenhaufen von außen ganz mit Gras über-
wachsen etc. und ist dabey so fest, daß er mehrere
Menschen zu tragen im Stande ist, ungeachtet
die Wände selbst mit großen weiten Gängen durch-
zogen sind, die theils über eine halbe Elle im
Durchmesser haben. Unaufhörlich wird in diesen
Stöcken gebaut, alte Zellen abgebrochen, neue
aufgeführt, andere erweitert u.s.w. Die Zellen
des Königs und der Königinn (als von welchen in
jedem Stocke nur Ein Paar befindlich ist) sind im
Innersten des Gebäudes verborgen. Zunächst
um dieselben herum wohnen die Arbeiter, hierauf
folgen die Eyerzellen für die junge Brut und dicht
bey diesen die Magazine. Diese Thiere zerbeißen
und verzehren Holzwerk, Geräthe, Hütten etc.
und können binnen wenigen Wochen mächtige
[Seite 398] Baumstämme gleichsam vernichten. Daß der Hin-
terleib der befruchteten Königin 2000 Mahl
dicker und größer wird als er vorher war, ist
schon oben erwähnt. Sie kann dann binnen
24 Stunden auf 80000 Eyer legen.

63. Mvtilla. Alae nullae in pleris-
que Corpus pubescens. Thorax po-
stice retusus. Aculeus reconditus pun-
ctorius.

1. Occidentalis. (M. coccinea F.) M. coccinea,
abdomine cingulo nigro.

In Nordamerica.

VI. DIPTERA*). (Antliata Fabr.)

Die Insecten mit zwey Flügeln und ein
Paar kleinen Knöpfchen oder so genannten
Flügelkölbchen oder Balancirstangen (halte-
res
); die hinter den Flügeln an der Brust
sitzen, und meist noch mit einer kleinen Schuppe
bedeckt sind; deren Nutzen aber noch unbe-
stimmt ist, und derentwegen einige Natur-
kündiger die ganze Ordnung Halterata benannt
haben. Die Larve ist meist eine Made**),
[Seite 399] die Puppe braun cylindrisch. Das vollkom-
mene Insect hat bey einigen Geschlechtern
einen spitzigen harten Saugestachel, bey andern
einen weichen Schlurfrüssel, bey noch andern
bloß eine einfache Mündung u.s.w. Einige
Gattungen gebähren lebendige Junge.

64. Oestrvs.*) Bremse. Os apertura
simplex. Palpi duo, biatriculati, apice
orbiculares in depressione oris vtrin-
que siti.

Bey den zunächst benannten Gattungen legt
das Weibchen seine Eyer in die Haut der leben-
digen Thiere, wodurch gleichsam eine Art von
Fontanell (die so genannte Dasselbeule) entsteht,
in welchem sich die Larve (der Engerling)
ernährt.

1. †. Bouis. die Ochsenbremse. (Engl. the
gad-fly, breeze.
) O. alis immaculatis
fuscis, abdomine fascia atra media: apice
pilis fuluo-flauis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 47. fig. 1. 2.

[Seite 400]

2. Tarandi. die Renthierbremse. O. alis
immaculatis, thorace flauo fascia nigra, ab-
domine fuluo apice flauo
.

3. †. Equi. die Pferdebremse. (Oestrus bouis
Linn) O. alis albidis, fascia media punctis-
que duobus nigris.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 47. fig. 3. 4. 5.

Legt seine Eyer den Pferden an die Schultern und
Vorderschenkel, wo die ausgekrochenen Larven von
denselben abgeleckt und hintergeschluckt werden;
da sich dann von dieser und der folgenden Gat-
tung, im Frühjahr fast allgemein und theils in
großer Anzahl im Magen der Pferde finden, wo
sie mit dem vordern spitzen Ende ihres an Größe
und Form ungefähr einem Dattelkern ähnelnden
Körpers (Engl. Botts) in der innern Haut des
Magens eingehackt festsitzen.

4. †. Haemorrhoidalis. die Pferdebremse. O.
alis immaculatis fuscescentibus, abdomine
atro, basi albo apiceque fuluo.

Clark l. c. fig. 12. 13.

Legt seine Eyer den Pferden gleich an die
Lippen.

5. †. Ouis. die Schafbremse. O. alis pelluci-
dis, basi punctatis, abdomine albo nigro-
que versicolore.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 27. fig.6. 7.

Die Larve findet sich in den Stirnhöhlen der
Hirsche, Rehe, Ziegen, und vorzüglich der Schafe.

65. Tipvla. Schnacke. (Engl. crane-fly.)
Os capitis elongati maxilla superiore
fornicata: palpi duo incurui capite
longiores. Proboscis recuruata bre-
vissima
.

[Seite 401]

Aeußerst dauerhafte Insecten, deren Larven
sogar in Schwefelwassern leben können, und die
Herr. Prof. de Lüc in einer Höhe von 1560 Toisen
über der Meeresfläche angetroffen.

1. †. Oleracea. T. alis patentibus hyalinis,
costa marginali fusca
.

Frisch P. IV. tab. 12.

Die Larve thut an den Pflanzenwurzeln, zu-
mahl am Gemüse viel Schaden.

2. †. Plumosa. (Chironomus plumosus F.)
T. alis incumbentibus, thorace virescente,
alis hyalinis puncto nigro
.

Frisch P. XI. tab. 3. 12.

Ihre bluthrothe Larve lebt im Wasser und ist
eine Speise der Armpolypen.

3. †. Phalaenoides. (Psychoda Ph. F.) T. alis
deflexis cinereis ouato-lanceolatis ciliatis
.

Frisch P. XI. tab. 3. 11.

Ein kleines Thier, daß meist an dumpfigen
Orten, Abtritten etc. lebt.

66. Mvsca. Fliege. (Fr. mouche. Engl.
fly.) Os proboscide carnosa: labiis 2
lateralibus: palpi nulli
.

1. †. Vomitoria. die Schmeißfliege. M. an-
tennis plumatis pilosa, thorace nigro, ab-
domine caeruleo nitente
.

2. †. Carnaria. M. antennis plumatis pilosa
nigra, thorace lineis pallidioribus, abdo-
mine nitidulo tesselato: oculis rubris
.

Frisch P. VII. tab. 14.

Gebiert lebendige Maden.

3. †. Domestica. die Stubenfliege. M. anten-
nis plumatis, pilosa nigra, thorace lineis 5

[Seite 402] obsoletis, abdomine nitidulo tesselato, ocu-
lis fuscis
.

(v. Gleichen) Gesch. der gemeinen Stuben-
fliege. (Nürnb.) 1784. 4.

Findet sich fast auf der ganzen Erde; und in
theils Gegenden, wie auf Utaheiti, Neuholland,
am Cap etc. in unsäglich lästiger Menge.*) Das
befruchtete Weibchen legt seine 80 oder mehr
Eyer in Ställe, Misthaufen. – Um ihre Pup-
penhülse aufzusprengen, kann die zum Auskrie-
chen reife Fliege ihre Stirne wie zu einer Blase
auftreiben.

4. †. Cellaris. (vinulus, conops) M. antennis
setariis pilosa nigra, alis neruosis, oculis
ferrugineis
.

Reaumur vol. V. tab. 8. fig. 7.

Sehr kleine Thierchen, in Weinkellern und
überhaupt auf süßlichen gährenden Früchten etc.

5. †. Meteorica. M. antennis setariis pilosa
nigra abdomine subcinereo, alis basi sub-
flauis, oculis brunneis
.

In Gärten und Wäldern, haben einen sonder-
baren, gleichsam hüpfenden Flug.

6. †. Putris. (Tephritis P. F.) M. antennis
setariis, subpilosa atra, alarum costa nigra,
oculis ferrugineis
.

Frisch P. I. tab. 7.

Die Made lebt im faulen Käse.

[Seite 403]

67. Tabanvs. Blinde Fliege, Breme.
(Fr. taon) Os proboscide carnosa, ter-
minata labiis duobus. Rostro palpis
duobus, subulatis, proboscidi laterali-
bus, parallelis
.

1. †. Bouinus. T. oculis virescentibus, ab-
dominis dorso maculis albis trigonis longi-
tudinalibus.

Reaumur vol. IV. tab. 17. fig. 8.

68. Culex. Os aculeis setaceis intra
vaginam flexilem
.

1. †. Pipiens. die Mücke, Schnake. (Fr. le
cousin
. Engl. the gnat. Portug. Mosquito.)
C. cinereus abdomine annulis fuscis 8.

Kleemanns Beytr. zu Rösel T. I. tab. 15. 16.

Das beschwerliche Thier hält sich zumahl häufig
am Wasser auf. In vielen Erdstrichen, zumahl
in heißen (wo ohnedieß alle Insectenstiche – wie
bey uns in brennenden Sommertagen – weit
heftigere Entzündung verursachen), sind diese
Thiere, die von den europäischen Seefahrern,
nach dem Portugisischen, Moskiten genannt
werden, in unsäglicher Menge, und werden oft
eine recht gefährliche Plage. Unkundige Rei-
sende belegen aber auch wohl überhaupt alle
mückenartige stechende Insecten mit dem gemein-
schaftlichen Namen von Moskiten.

2. Reptans. (Scatopse R. F.) die Beißfliege,
Columbachische Mücke, Colombatz. C. niger,
alis hyalinis, pedibus nigris annulo albo
.

Niemann's Taschenb. für Hausthierärzte. II.
tab. [...]fig. 1.

[Seite 404]

Im gebirgigen Lappland, im südlichen Sibi-
rien, vor allen aber im Bannat, wo sie zwey
Mahl im Jahre, im Frühjahr und Sommer,
in unermeßlichen Schaaren erscheint und den Pfer-
den u.a. Vieh zu allen Oeffnungen des Kör-
pers einkriecht, daß es oft d