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Handbuch
der
Naturgeschichte
Achte Auflage.

Göttingen,
1807
.
Bei Heinrich Dieterich.
[titlePage_verso]
Ex
Bibliotheca
Regia Acad.
Georgiæ
Aug:
Multa fiun eadem sed aliter.

(quintilian.)

Vorrede.

[[III]]

Ein bedeutender Kunstrichter seiner Zeit,
Gilles Menage, war des Glaubens, daß die
Güte eines Buchs mit der Zahl der Aus-
gaben desselben in Verhältniß stehe, und man
von einem bewährt brauchbaren deren achte
zählen müsse.

So wenig sich nun zwar absehen läßt, wie
der sonst scharfsinnige Mann auf einen im All-
gemeinen so höchst trüglichen ganz unzuverläs-
sigen Maaßstab verfallen konnte, so darf es
inzwischen doch der Verfasser eines wissenschaft-
lichen, besonders auch zur Grundlage bey aca-
demischen Vorlesungen bestimmten Handbuchs,
zumahl in einer Disciplin die deren schon
vorher gar manches zählte, für ein Zeichen
der Brauchbarkeit des seinigen ansehen, wenn
er die achte Ausgabe davon besorgen muß,
– fünf bis sechs Uebersetzungen desselben in
[Seite IV] fremde Sprachen ungerechnet, die zwischen-
durch davon erschienen sind*).

Das Buch sollte von der allgemeinen Na-
turgeschichte, gleichsam von ihrer Philosophie,
eine faßliche Uebersicht; und aus der unüber-
sehlichen Fülle der speciellern so viel des ge-
meinnützigsten und interessantesten in gedräng-
ter Kürze enthalten, als der zweckmäßige Zu-
schnitt eines, wie gesagt, auch als Leitfaden
bey academischen Vorlesungen brauchbaren
Handbuchs gestattet. Dabey ist unter an-
dern auch besonders darauf Rücksicht genom-
men, daß dasselbe zu einem nützlichen Hülfs-
mittel beym Lesen von Reisebeschreibun-
gen dienen möchte, und dazu war denn auch
das genaue Register erforderlich, das einige
tausend Nahmen von merkwürdigen Naturpro-
ducten enthält.

So wie jede neue Ausgabe des Buchs
ganz beträchtlichen Zuwachs von neuen Ent-
deckungen oder Berichtigungen in der Natur-
geschichte, auch von eignen Ansichten und Be-
merkungen des Verfassers erhalten hat, so auch
[Seite V] diese gegenwärtige, und zwar nach Verhält-
niß wohl mehr als eine der vorigen*).

Für correcten Druck ist auch dießmahl
möglichst Sorge getragen, und hoffentlich haben
sich nicht mehrere so unerträgliche Druckfehler
eingeschlichen, wie der S. 193 in der letzten
Zeile, wo Guinea statt Guiana steht.

Folgendes aus den Vorreden zu den letz-
tern Ausgaben mag auch in dieser hier seine
Stelle finden.


Ich habe in den mineralogischen Abschnit-
ten, so wie im ganzen Buche, von Geschlech-
tern und den darunter begriffenen Gattungen
gesprochen. Denn daß man in der Minera-
logie die Fossilien in genera und species ein-
theilt, und die genera auf deutsch Geschlech-
[Seite VI] ter, so wie die species Gattungen nennt,
darüber ist meines Wissens unter den gelehr-
ten und philosophischen Mineralogen Deutsch-
lands nur eine Stimme. Und so versteht
sichs wohl von selbst, daß wenn ich also in
einem Theile des Buchs die Benennungen
von Geschlecht und Gattung in diesem von je
(– und bis vor Kurzen allgemein –) ange-
nommenen Sinne brauchen mußte, ich nicht
in einem andern Theile das Wort Gattung
im verkehrten Sinne für genus brauchen durfte,
wie doch in der That neuerlich von gar man-
chen deutschen Schriftstellern in der Zoologie
und Botanik versucht worden.

Ich weiß nicht, wer der Reformator ist,
der diese Umkehrung der Begriffe und ihrer
bestimmten Zeichen zuerst unternommen haben
mag: – aber wohl weiß ich, was er mit
einem solchen versuchten Eingriffe in den
Sprachgebrauch

„quem penes arbitrium est, et ius, et
norma loquendi“

bey andern aufgeklärten Nationen riskirt hätte:
– daß es ihm hingegen in meinem theuern
Vaterlande deutscher Nation nicht an Nachah-
mern gefehlt hat, ist nichts weniger als uner-
wartet. – Genug indeß, daß so viele philo-
sophische Naturforscher und die größten unserer
naturkundigen Philosophen das verba valent
[Seite VII] sicut numi
besser befolgt, und sich also durch
diese sonderbare Umstempelung nicht irre führen
lassen. – Und warum auch ich für meine Person
es hierin lieber beym Alten lasse, als mich an
jene Nachahmer anschließe, dafür habe ich
folgende Gründe:

1) Hoffentlich weiß doch ein jeder, sei-
ner Sprache kundige, deutsche Naturforscher
(– und wer es nicht weiß, der kann es aus
Adelung's Wörterbuche lernen–), was die
erste und Fundamentalbedeutung des Wortes
Geschlecht ist:

‘„Die Aehnlichkeit der verschiedenen Gat-
tungen der Dinge.“’

Dieß ist der wahre eigentliche Sinn des
Wortes Geschlecht, wie wir ihn von Kindes-
beinen an, selbst aus des seiner Sprache höchst
kundigen Luther's Bibel-Uebersetzung lernen.

Dem zu Folge wissen wir also in Anwen-
dung auf Methodologie in der Naturgeschichte:

Die Gattungen schafft die Natur: der Sy-
stematiker bringt sie nach ihren gemeinschaft-
lichen Aehnlichkeiten unter Geschlechter.

2) Eben so ausgemacht und bekannt ist
aber auch, daß hingegen das Wort Gattung
[Seite VIII] von dem Zeitworte sich gatten, abstammt;
und da nun im freyen Naturzustande wohl nur
die Thiere von einer species sich mit einan-
der fruchtbar gatten, so versteht sich also von
selbst, daß das Wort species, in dem Sinne
wovon hier die Rede ist, durch kein anderes
deutsches Wort passender und bezeichnender
und bestimmter ausgedrückt werden konnte, als
durch Gattung.

3) Daß aber die Homonymie des deut-
schen Wortes Geschlecht, indem es sowohl
genus als sexus bedeutet, zu Irrung Anlaß
geben werde, ist wohl eben so wenig im Ernst
zu befürchten als bey dem lateinischen Worte
genus, das, wie wir in den Kinderjahren in
der Grammatik beym Unterschied der Worte
generis masculini oder foeminini lernen,
auch statt sexus gebraucht wird.

4) Und wenn aber auch obbesagter Refor-
mator im Ernste so etwas befürchten zu müssen
meinte, so hätte er immerhin mögen wer weiß
was für ein Wort von eigener Fabrik statt
des ihm bedenklichen Geschlechts vorschlagen;
aber nichts konnte ihn berechtigen, die Landes-
sprache – d.h. den bestimmten einmahl fest-
gesetzten Sinn der deutschen Worte – zu ver-
kehren! Denn, wie unser sel. Lichtenberg bey
einem ähnlichen Anlaß sich ausdrückt:

[Seite IX]

‘„Hypothesen zu machen, und sie als seine
Stimme der Welt vorzulegen, darf nie-
mand gewehrt seyn, sie gehören dem Ver-
fasser. Aber die Sprache gehört der
Nation, und mit dieser darf man
nicht umspringen, wie man will.“’

Die gleiche schuldige Achtung gegen dieses
der Nation gehörige Eigenthum, habe ich
auch bey den deutschen Nahmen der Naturalien
beobachtet, und mich daher immer der allge-
mein angenommenen und allgemein verständ-
lichen, nicht aber etwa der Solöcismen einer
einzelnen Provinz bedient. Darum brauche
ich z.B. nicht das hier zu Lande gewöhnliche
Wort Molle, sondern das allgemein angenom-
mene Molch: eben so nicht das im Erzgebirge
gebräuchliche Wort Kobelt, sondern das längst
allgemein adoptirte und selbst in andere le-
bende und todte Sprachen aufgenommene
Kobalt u.s.w.

Anders ist der Fall mit den in der Natur-
beschreibung von unsern neuen Systematikern
zur Bezeichnung der Geschlechter und ihrer
Gattungen selbsterfundenen Kunst- und
Trivial-Nahmen. So billig und vernünftig
es freylich ist, auch hierin so viel als möglich
die einmahl ziemlich allgemein angenommenen
Benennungen beyzubehalten, so können doch
[Seite X] Fälle eintreten, wo es noch billiger und ver-
nünftiger ist, einen vorher gewählten Nah-
men, wenn er einen durchaus irrigen Begriff
erweckt, gegen einen richtigern umzutauschen.
Und doch habe ich mich dieser an sich erlaub-
ten, aber auch heut zu Tage so oft gemiß-
brauchten und dann das Studium der Natur-
geschichte so äußerst erschwerenden Freyheit
nur in äußerst wenigen Fällen, wo es mir un-
vermeidlich schien, bedient. So habe ich z.B.
den Panzerthieren oder Armadillen ihren ein-
heimischen, allgemein bekannten und längst
von classischen Zoologen angenommenen Nah-
men, Tatu, restituirt; da man sonst diesen.
fast haarlosen Thieren durch einen seltsamen
Mißgriff den Nahmen, Rauchfuß, Dasy-
pus
, beygelegt hatte, womit die alten Grie-
chen, ganz passend und völlig nach der Natur,
das rauchfüßige Hasengeschlecht bezeichnet
haben. – Aus ähnlichen Gründen brauche
ich für den schönen neuseeländischen Nephrit
lieber seinen einheimischen Nahmen (Punam-
mustein), unter welchem er zuerst von unsern
Antipoden zu uns gebracht und bekannt wor-
den, als die ihm neuerlich beygelegte Benen-
nung Beilstein, da ich im hiesigen academi-
schen Museum, so wie in den in London be-
findlichen großen Sammlungen von südländi-
schen Merkwürdigkeiten, zwar wohl die Menge
von Hacken und andern Geräthen, so sich die
[Seite XI] Neuseeländer aus diesem Steine bereiten,
aber schlechterdings kein daraus verfertigtes
Beil aufgefunden habe. – Eben so habe ich
diejenige Gattung des Fledermausgeschlechts,
Vampyr oder Blutsauger genannt, die wirklich
schlafenden Säugethieren das Blut aussaugt;
da hingegen Linné diesen Nahmen dem fliegen-
den Hund beygelegt hatte, der wohl seit die
Welt steht, kein Blut gesogen hat, sondern
sich ganz allein von Früchten nährt. – Aber
viele andere, nur nicht gar zu unpassende Kunst-
nahmen der Art habe ich dennoch beybehalten,
um ja nicht die Nomenclatur und Synony-
mien ohne dringende Noth, zur großen Last
der Lernenden, zu häufen.

Daß aber manche bekannte Nahmen von
Naturalien hier doch anders geschrieben wer-
den, als es insgemein geschieht, hat auch
seinen guten Grund. So schreibe ich z.B.
Tofus und nicht Thopus, weil es kein grie-
chisches Wort ist; eben so Manacanit und
nicht Menacanit, weil der Fundort dieses
Fossils in seiner ersten Sylbe ein a hat, so gut
wie Hamburg oder Frankfurt.

Im Thierreiche habe ich immer den latei-
nischen Nahmen vorangesetzt, weil da hundert
exotische Geschöpfe vorkommen, die im Deut-
schen keinen bekannten verständlichen Nahmen
[Seite XII] haben. Im Mineralreiche hingegen ist der
Fall umgekehrt. Da sind gerade die deutschen
Benennungen die bekanntesten und selbst großen
Theils in andere Sprachen aufgenommen.

Beym Thierreiche ist denjenigen Gattun-
gen, die sich in Deutschland finden, wieder so,
wie in den vorigen Ausgaben, ein † vorgesetzt.
Im Mineralreich konnte dieß unterbleiben,
weil so ein Zeichen bey den allgemein verbrei-
teten Fossilien überflüssig, bey vielen von denen
aber, die in Deutschland selbst ein sehr einge-
schränktes Vaterland haben, wie der Bo-
racit etc. unzureichend gewesen wäre.

Die Abbildungen naturhistorischer Ge-
genstände
, die ich in der Verlagshandlung
dieses Handbuchs heftweise herausgebe, be-
ziehen sich auf die neuesten Ausgaben desselben
und dienen ihnen zu einer zweckmäßigen Er-
läuterung.

Göttingen,
den 23. März 1807.
J. F. Blumenbach.

Zusätze.

[Seite XIII]

Zu S. 235. §. 94. Anm. Ueber zwey räthsel-
hafte Eidechsenartige Geschöpfe, die Siren
lacertina in den Gewässern von Carolina,
und den Proteus anguinus aus dem unter-
irdischen Sittichersee in Crain, sind die
Meinungen noch getheilt, ob sie für schon
vollkommen ausgebildete Reptilien ihrer
Art, oder aber nach aller Analogie, unge-
achtet ihrer ansehnlichen Größe doch nur
für noch unreife Larven derselben anzusehen
seyen? –– Von der Sirene s. Ellis und
J. Hunter in den Philosophical Trans-
actions
vol. LVI. und vom Proteus Hrn.
Dr. Schreibers (dem ich selbst ein treff-
liches Exemplar des eben so wundersamen
als seltenen Thiers verdanke,) in eben diesen
Societätsschriften v. J. 1801.

Zu S. 424. Z. 5. J. Guill. Bruguiere his-
toire naturelle des vers
in der Encyclopé-
die méthodique.
Par. 1789. 4.

S. 545. S. 22. Zu Haüy etc. – übersetzt und
mit Anmerkungen versehen von D. L. G.
Karsten. Par. und Leipz. 1804. u.f. 8.


Verbesserungen.

[Seite XIV]

S. 163. Z. 12. Gooshawk.

– 178. Z. 15. Curucuru.

– 188. Z. 3. Chaffinch.

– 193. letzte Z. st. Guinea l. Guiana.

– 280. Z. 2. the Star-gazer.

– 424. Z. 12. l. wie ein schmaler Rieme.

– 517. Z. 7. v. u. fucus.

– 561. Z. 3. petrosilex, corneus.

– 565. Nr. 27. Häganit.

– 588. Nr. 22. zuzusetzen Agalmatolithe.


[Tab. I]
TAB. I.xxx
[interleaf]

Anweisung der Kupfertafeln.

[Seite XV]

Tab. I.

Fig. 1–6. die Intestinal-Würmer im mensch-
lichen Körper in natürlicher Größe.

  • Fig. 1. Ascaris vermicularis (S. 426).
  • – 2. Der Vordertheil von ascaris lumbricoi-
    des
    (Ebendaselbst).
  • – 3. Trichocephalus hominis (Ebendas.).
  • – 4. Das Kopfende der menschlichen Band-
    würmer (S. 428).
  • – 5. Vier Hinterglieder der taenia solium
    (S. 429).
  • – 6. Dreyzehn Hinterglieder der taenia vul-
    garis (S. 430).
  • – 7. Das Vorderstück vom Regenwurm
    (S. 427).
  • – 8. Ein Liebespfeil der gemeinen Wald-
    schnecke (S. 419) stark vergrößert.
  • – 9. Ein Stamm mit drey Federbusch-Po-
    lypen, tubularia sultana (S. 480)
    stark vergrößert.
  • Fig. 10. Ein Arm-Polype mit einem jungen,
    hydra viridis (S. 485) in natürli-
    cher Größe.
  • – 11. Ein Stamm mit zwölf Blumen-Poly-
    pen, brachionus anastatica (S. 486)
    stark vergrößert.
  • – 12. Das Räderthier, vorticella rotatoria
    (Ebendaselbst) stark vergrößert.
  • – 13. Ein menschliches Samenthierchen, chaos
    spermaticum (S. 489) noch weit stär-
    ker vergrößert.

Tab. II.

Die merkwürdigsten Crystallisationen der Fossilien.


[Tab. II]
TAB. II.xxx
[interleaf]

Erster Abschnitt.
Von Naturalien überhaupt
und

ihrer Eintheilung in drey Reiche.

[[1]]

§. 1.

Alle Körper, die sich auf, und in unserer
Erde finden, zeigen sich entweder in derselben
Gestalt und Beschaffenheit, die sie aus der
Hand des Schöpfers erhalten und durch die
Wirkung der sich selbst überlassenen Naturkräfte
angenommen haben; oder so, wie sie durch
Menschen und Thiere, zu bestimmten Absich-
ten, oder auch durch bloßen Zufall verändert
und gleichsam umgeschaffen worden sind.

Auf diese Verschiedenheit gründet sich die
bekannte Eintheilung derselben in natürliche
(naturalia), und durch Kunst verfertigte
(artefacta). Die erstern machen den Gegen-
stand der Naturgeschichte*) aus, und man
[Seite 2] pflegt alle Körper zu den Naturalien zu
rechnen, die nur noch keine wesentliche
Veränderung durch Menschen erlitten
haben. Artefacten werden sie dann ge-
nannt, wenn der Mensch*) absichtlich Ver-
änderungen mit ihnen vorgenommen.

Anm. 1. Daß übrigens jene Begriffe vom Wesentli-
chen und vom Absichtlichen im gegenwärtigen
Falle, bey so verschiedentlicher Rücksicht und Mo-
dification, nicht anders als relativ seyn können,
bedarf wohl keiner Erinnerung. Wie viel kommt
nicht z.B. bloß auf den Gesichtspunct des Samm-
lers an. So kann eine ägyptische Mumie sowohl
in eine Naturaliensammlung zur anthropologischen
Suite, als in eine Sammlung altägyptischer
Kunstwerke gehören.

Anm. 2. Zuweilen können Naturalien manchen Kunst-
producten so ähnlich seyn, daß sie schwer von
einander zu unterscheiden sind. Daher z.B. die
ehedem getheilten Meinungen, ob der Ueberzug
in der piscina mirabile bey Bajä ein von selbst
aus dem Wasser abgesetzter Rindenstein von Kalk-
sinter, oder aber ein absichtlich aufgetragener
künstlicher Mörtel sey. (– s. Götting. gel.
Anzeigen 1791. 188. St. –)

§. 2.

Alle und jede natürliche Körper zeigen,
1) in Rücksicht ihrer Entstehung, 2) ihres
Wachsthums, und 3) ihrer Structur,
eine doppelte Verschiedenheit.

[Seite 3]

Die einen nähmlich sind allemahl von an-
dern natürlichen Körpern derselben Gestalt und
Art hervor gebracht; so daß ihre Existenz in
einer ununterbrochenen Reihe bis zur ersten
Schöpfung*) hinauf immer andere dergleichen
Körper voraussetzt, denen sie ihr Daseyn zu
danken haben.

Zweytens nehmen sie allerhand fremde
Substanzen als Nahrungsmittel in ihren Kör-
per auf, assimiliren sie den Bestandtheilen
desselben, scheiden das Ueberflüssige wieder
aus, und befördern mittelst dieser beständi-
gen Erneuerung und Wechsel ihr Wachsthum
von innen (durch innige Aneignung, intus
susceptio, expansio
).

Diese beyden Eigenschaften setzen drittens
von selbst eine besondere Structur bey dieser
Art von natürlichen Körpern voraus. Sie
müssen nähmlich, wenn sie auf diese Weise
Nahrungsmittel zu sich nehmen und umwan-
deln, und mit der Zeit andere Geschöpfe ihrer
Art wieder hervor bringen sollen, mancherley
diesen Zwecken der Selbsterhaltung und Fort-
pflanzung entsprechende, deßhalb mit den so
[Seite 4] genannten Lebenskräften versehene, und zu
einem zweckmäßigen Ganzen unter einander
verbundene, Gefäße, Adern und andere Or-
gane in ihrem Körper haben, die zur Auf-
nahme bestimmter Säfte, zur Assimilation je-
ner Alimente, zur Erzeugung der Nachkom-
menschaft u.s.w. nothwendig sind.

Dieß alles fehlt bey den natürlichen Kör-
pern der andern Art, nähmlich den Minera-
lien. Beydes, sowohl ihre Entstehung, als
ihr Wachsthum (wenn man es gar nur Wachs-
thum nennen darf), wird keineswegs durch
Ernährung, sondern lediglich nach eigentlich so-
genannten bloß physischen (mechanischen und
chemischen), Gesetzen, durch Anhäufung oder
Ansatz homogener Theile von außen (aggre-
gatio, iuxta positio
) bewirkt; folglich ist
bey ihnen weder ursprüngliche Organisation
noch Lebenskraft zu erwarten.

Und eben deßhalb heißen sie unorgani-
sirte, und jene hingegen organisirte Körper.

§. 3.

Endlich sind nun aber auch jene organi-
sirten Körper selbst, besonders in der Art wie
sie ihre Nahrungsmittel zu sich nehmen, von
einer doppelten Verschiedenheit.

Die einen nähmlich saugen einen sehr ein-
fachen Nahrungssaft vorzüglich mittelst zahl-
[Seite 5] reicher Zasern, die sich am untern Ende ihres
Körpers befinden, ohne merkliche willkürliche
Bewegung in sich.

Da hingegen die andern eine meist einfache
Hauptöffnung am obern oder vordern Ende
ihres Körpers haben, die zu einem geräumi-
gen Schlauche führt, wohin sie vom innern
Gefühle des Hungers getrieben ihre Alimente,
die von sehr verschiedener Art sind, mittelst
willkürlicher Bewegung bringen.

Jenes sind die Pflanzen, dieses die
Thiere.

Anm. Hingegen gibt die Fähigkeit den Standort zu
verändern (locomotiuitas) kein hinreichendes Un-
terscheidungszeichen der Thiere von den Pflanzen,
ab. Denn viele Pflanzen, wie z.B. die gemeinen
Wasserlinsen, sind nicht festgewurzelt, sondern
können zu gewissen Jahrszeiten etc. ihren Aufent-
halt verändern, bald zu Boden sinken, bald wie-
der auf die Oberfläche des Wassers steigen u.s.w.
Und andererseits gibt es ganze Geschlechter von
Wasserthieren, zumahl unter den Conchylien, Co-
rallen etc. die ihren einmahl eingenommenen Platz
nie von selbst wieder verlassen können.

§. 4.

Diese sehr faßliche Eintheilung der natür-
lichen Körper in organisirte und unorganisirte
(§. 2.), und der organisirten wieder unter ein-
ander (§. 3.), ist nun der Grund der bekannten
drey Reiche, worunter man die Naturalien
sehr schicklich gebracht hat, und wovon das
[Seite 6] erste die Thiere, das zweyte die Pflanzen,
das dritte die Mineralien begreift.

Die Thiere sind demnach belebte und be-
seelte organisirte Körper, die sich ihre sehr
vielartige Nahrung mittelst willkürlicher Be-
wegung suchen, und selbige durch den Mund
in den Magen bringen.

Die Pflanzen sind zwar ebenfalls belebte
organisirte Körper, aber unbeseelt, so daß sie
ihren sehr homogenen Nahrungssaft ohne will-
kürliche Bewegung mittelst der Wurzeln ein-
saugen.

Die Mineralien endlich sind unbelebte
und unorganisirte Körper, die folglich ohne
Lebenskraft nach den bloß physischen (mechani-
schen und chemischen) Gesetzen von Anziehung,
Anhäufung, Bildungskraft etc. entstehen.

Anm. Gegen diese Eintheilung in drey Reiche, ist,
zumahl neuerlich, eine doppelte Einwendung ge-
macht worden.

Manche haben zwar die Kluft zwischen den
organisirten und unorganisirten Körpern aner-
kannt, aber nur keine bestimmten Gränzen zwi-
schen Thieren und Gewächsen zugeben wollen:

Andere hingegen haben die beliebten Meta-
phern von Stufenfolge der Geschöpfe geradezu
dahin gedeutet, als ob überhaupt keine bestimm-
baren Eintheilungen der Naturalien in Reiche
u.s.w. Statt fänden.

Was das erste betrifft, so sollte man zwar
überhaupt nicht vergessen, was so oft bey Gegen-
ständen der Erfahrung der Fall ist, daß man sie
[Seite 7] weit leichter für das was sie sind*) richtig aner-
kennen und von andern unterscheiden, als ihre
einzelnen unterscheidenden Merkzeichen ausfinden
und angeben kann**). – So sagte z.B. Linné:
‘„nullum characterem hactenus eruere potui,
vnde Homo a Simia internoscatur
.“’ Nun
glaube ich zwar in diesem Buche solche äußere
Charaktere der Humanität angegeben zu haben,
wodurch sich der Mensch von den noch so menschen-
ähnlichen Affen (wie man sie nennt), so wie über-
haupt von allen andern Säugethieren unverkenn-
bar auszeichnet. Aber auch ohne dieselben wird
doch hoffentlich nie ein Naturforscher in praxi in
Verlegenheit gekommen seyn, Menschen und Affen
etwa zu verwechseln. – Außerdem aber können
ferner Geschöpfe aus noch so verschiedenen Classen
manche theils auffallende und unerwartete Aehn-
lichkeit mit einander haben, ohne daß dadurch die
dessen ungeachtet unverkennbare Verschieden-
heit zwischen diesen Classen selbst wegfallen dürfte.
Man theilt z.B. die Thiere sehr natürlich in warm-
blütige und kaltblütige; und rechnet eben so na-
türlicher Weise die Säugethiere zu jenen und hin-
gegen die Insecten zu diesen; ohne je deßhalb irre
zu werden, daß die Bienen in ihrem Stocke so
ganz ohne Vergleich wärmer sind, als etwa ein
Igel während seines Winterschlafs. – So gibt es
in der Classe der Gewürme Geschlechter, wie z.B.
die Sepien, die sich von den übrigen Thieren die-
ser Classe sehr auszeichnen, und dagegen manche
auffallende Aehnlichkeit mit den Fischen haben.
Aber niemand wird meinen, deßhalb müsse nun
[Seite 8] die Scheidewand zwischen der Classe der Fische
und der Classe der Gewürme aufgehoben werden. –
Und eben so wenig wird jemand im Ernst in Versu-
chung gerathen, das Thier- und Pflanzenreich
deßhalb mit einander zu verbinden, weil man an
gewissen Pflanzen gewisse Aehnlichkeiten mit ge-
wissen Thieren bemerkt hat. Von der Art sind
z.B. die sonderbaren Bewegungen mancher Mi-
mosenarten, und des hedysarum gyrans etc.,
die, so merkwürdig sie auch an sich bleiben, doch
gar nicht einmahl in den oben angegebnen Cha-
rakter der Animalität eingreifen. So wenig als
hinwiederum diejenigen Aehnlichkeiten, so die Arm-
Polypen mit den Gewächsen haben, den oben be-
stimmten Charakter der Vegetabilität betreffen.
Sondern, die Arm-Polypen sind Thiere, die so
wie der Mensch und die Auster, vom Hunger ge-
trieben ihre Nahrung durch willkürliche Bewegung
in den Mund bringen, was hingegen bey keiner
Pflanze, in der bis jetzt bekannten Schöpfung,
der Fall ist.

Nun und so beantwortet sich die andere Ein-
wendung gegen die Naturreiche etc. die sich auf die
so gepriesene Metapher von Stufenfolge der Ge-
schöpfe gründet, eigentlich von selbst.

Alle die beliebten Bilder von Kette, von Leiter,
von Netz etc. in der Natur, haben zwar für die
Methodologie im Studium der Naturgeschichte in
so fern ihren unverkennbaren Nutzen, als sie den
Grund eines so genannten natürlichen Systems
abgeben, worin man die Geschöpfe nach ihren
meisten und auffallendsten Aehnlichkeiten, nach
ihrem Totalhabitus und der darauf gegründeten
so genannten Verwandtschaft untereinander, zu-
sammen ordnet.

Aber sie nun, wie doch so oft von wohlmeinen-
den Physicotheologen geschehen, dem Schöpfer in
den Plan seiner Schöpfung hinein legen, und die
Vollkommenheit und den Zusammenhang derselben
darin suchen zu wollen, daß die Natur (wie man
sich ausdrückt) keinen Sprung thue, weil die
Geschöpfe in Rücksicht ihrer äußern Form so
[Seite 9] sein stufenweise auf einander folgten, das wäre
doch schon an sich eine vermessene Schwachheit,
wenn sie auch nicht, wie doch der Fall ist, bey
ernsterer Prüfung sich selbst widerlegte.*)

Denn man braucht bloß die noch so kunstreich
und sorgfältig angelegten Entwürfe von solchen
Stufenfolgen in der Reihe der Geschöpfe näher zu
beleuchten, um einzusehen, wie sehr darin einer-
seits sich ganze Haufen von Geschöpfen ähnlicher
Bildung in Geschlechtern von fast unübersehlich
zahlreichen Gattungen (zumahl unter den Insecten
und Gewürmen, aber auch im Pflanzenreiche) zu-
sammen drängen, und andere dagegen gleichsam
isolirt stehen, weil sie wegen ihrer ausgezeichneten
ganz eigenen Bildung nicht ohne sichtlichen Zwang
in einer solchen Leiter der Natur irgendwo einge-
schoben und untergebracht werden können (wie z.B.
die ganze Classe der Vögel; die Schildkröten, die
schon gedachten Sepien u.a.m. – Ferner aber
finden sich Thiere, bey welchen, wie z.E. bey den
Schildläusen, Männchen und Weibchen eine so
durchaus ganz verschiedene Gestaltung haben, daß
man folglich in der gedachten Leiter die einen von
den andern trennen und nach dieser so sehr ver-
schiedenen Sexualform beyden auf weit von einan-
der entfernten Sprossen ihre verschiedenen Stellen
anweisen müßte. – Nun dann zeigen sich Lücken
in der Leiter, wo offenbar ohne einen sehr gewagten
Sprung gar nicht über zu kommen ist, wie zu
Einem Beyspiel statt aller, die zwischen den orga-
nisirten Körpern und den Mineralien u.s.w.

So mangelhaft aber überhaupt die bildlichen
Vorstellungen von Kette der Natur u.s.w. ge-
rathen müssen, so ganz grundlos ist nun vollends
gar die vermessene Behauptung mancher Physico-
theologen, als ob kein Glied aus dieser ihrer zu
Papier gebrachten Kette ausfallen dürfte, wenn nicht
die Schöpfung selbst stocken sollte u. dergl. m. –
[Seite 10] So gut einzelne Gattungen von Thieren aus gan-
zen großen Inseln, wie z.B. die Wölfe aus Groß-
britanien vertilgt sind, ohne daß die dasige
Schöpfung durch diese nunmehrige scheinbare Lücke
ihren sonstigen Zusammenhang verloren haben
sollte, so können andere Geschöpfe aus ganzen
Welttheilen und wohl von der ganzen Erde ver-
tilgt werden (wie dieß allem Anschein nach mit
manchen, z.B. mit dem Dudu wirklich geschehen),
ohne daß durch diesen merklichen hiatus, der da-
durch in der Kette der Physicotheologen entsteht,
der ewige stille Gang der Schöpfung selbst, im
mindesten gefährdet werden dürfte.

Einige Hauptquellen und andere Hülfsmittel
zur N. G. überhaupt.

  1. Aristoteles (lebte ungefähr 400 Jahr vor Christi Ge-
    burt.) Opera. gr. lat. ex. ed. Gu. du Val.
    Paris
    . 1654. IV. vol. fol. zumahl im II. B.
  2. C. Plinius Secundus († im J. 79. nach Chr. Geb.)
    Ej. historia mundi L. XXXVII – ein Paar sau-
    bere und correcte Handausgaben sind die Leidner,
    Elzevirische 1635. III. vol. 12. und die Zwey-
    brücker 1783. V. vol. 8.
  3. Conr. Gesner. (†. 1562.)
  4. Joh. Ray. (†. 1705.) Die hierher gehörigen Haupt-
    werke dieser beyden Männer werden anderwärts
    angeführt.
  5. C. v. Linné. (†. 1778.) Ej. systema naturae ed. 12.
    Holm. 1766. IV. vol. 8. und die dazu gehörigen
    beyden mantissae ib. 1767 sq. 8.
  6. ed. 13. aucta, reformata cura Jo. Fr. Gmelin. Lips.
    1788. IX. vol. 8.
  7. Und zum Verständniß der linnéischen Kunstsprache;
    Jo. Reinh. Forster enchiridion historiae na-
    turali inserviens
    . Hal
    . 1788. 8.
  8. J. R. W. Illiger's Versuch einer systematischen voll-
    ständigen Terminologie für das Thierreich u. Pflan-
    zenreich, Helmstädt. 1800. 8.
  9. G. L. le Clerc C. de Buffon. (†. 1788.) Ej. histoire
    naturelle
    . Die große Orig. Ausgabe, Paris, seit
    1749. XXXIII. vol. 4.

Miscellan-Werke.

[Seite 11]
  1. C. v. Linné amoenitates academicae. Holm. seit
    1749. IX. vol. 8.
  2. Oeuvres de Ch. Bonnet. Neuch. 1779. sq. 4. die
    ersten V. B.

Physicotheologische und ähnliche Werke.

  1. Jo. Ray's wisdom of God manifested in the works
    of the creation
    . ed. 12. Glasgow. 1750. 12.
  2. W. Derham's physicotheology. ed. 4. Lond. 1716. 8.
  3. Ch. Bonnet contemplation de la nature. (als IVter
    Band der gedachten Ausg. seiner Werke.)

Wörterbücher.

  1. Valm. de Bomare Dictionnaire d'histoire natu-
    relle
    . ed. 4. Lyon, 1791. VII. vol. 4.
  2. Nouveau Dictionnaire d'histoire naturelle appliquée
    aux arts
    etc. par une Société de naturalistes
    et d'agriculture.
    Par. 1804. XXIV. vol. 8.
  3. Ph. Andr. Nemnich allgemeines Polyglotten Lexi-
    con der Naturgeschichte
    . Hamb. 1793. IV B. 4.

Journale etc.

  1. Journal de physique. Paris seit 1773. 4.
  2. Magazin für das Neueste aus der Physik und Natur-
    geschichte, herausgegeben von L. C. Lichtenberg
    und J. H. Voigt. Gotha, 1781. bis 97. XII. B.
    8. und nun J. H. Voigts Magazin für den
    neuesten Zustand der Naturkunde. Jena seit
    1797. 8.
  3. Archiv für die systematische Naturgeschichte, heraus-
    gegeben von D. Fr. Weber und D. D. M. H.
    Mohr. Leipzig seit 1804. 8.

Zweyter Abschnitt.
Von den organisirten Körpern
überhaupt.

[Seite 12]

§. 5.

Jeder organisirte Körper (§. 2.) wird von
seines Gleichen erzeugt, dann durch eigne
Kraft lebenslang ernährt, und dadurch seine
Selbsterhaltung und Wachsthum, und wenn
er zu seiner Reife gelangt, auch seine Fort-
pflanzungsfähigkeit bewirkt.

§. 6.

Zu diesen großen Verrichtungen werden
die organisirten Körper eben durch die Orga-
nisation ihres Baues, und durch die mit
derselben verbundenen Lebenskräfte geschickt
gemacht. Denn durch diese letztern erhalten
die Organe sowohl ihre Empfänglichkeit für
reißende Eindrücke (stimuli) als ihr Bewe-
gungsvermögen, ohne welches beydes weder
Ernährung noch Wachsthum, noch wechsel-
seitige Einwirkung der Theile zur zweckmäßi-
gen Erhaltung des Ganzen, und umge-
kehrt*), denkbar seyn könnte.

§. 7.

[Seite 13]

Sich die Entstehung der organisirten
Körper zu erklären, hat man, zumahl neuer-
lich, die so genannte Evolutions-Hypothese
bequem gefunden, und gemeint, es werde gar
kein Mensch, und kein anderes Thier, und
keine Pflanze erzeugt, – sondern sie lägen
alle schon seit der ersten Schöpfung als völlig
präformirte Keime*) bey ihren Eltern und
Vorfahren längstens vorräthig: die verschie-
denen Generationen steckten, gleichsam wie
eingepackte Schachteln, in einander, und wür-
den nur nach und nach, so wie die Reihe an
sie käme, durch die Befruchtung entwickelt
und aus Licht gebracht. – Eine Meinung,
die doch schon sowohl durch den dabey erfor-
[Seite 14] derlichen Aufwand von übernatürlichen
(hyperphysischen) Anstalten*), als durch
die, allen Gesetzen einer philosophischen Na-
turforschung zuwiderlaufende unnütze Verviel-
fältigung der natürlichen [physischen]**)
Kräfte, und durch die unübersehliche Menge
von zwecklosen Schöpfungen aller der
zahllosen präformirten Keime, die nur nicht
zu ihrer Entwickelung gelangen konnten, aller
präjudizlosen Urtheilskraft widerstehen müßte,
wenn sie auch nicht durch die überwiegenden
gegenseitigen Erfahrungsgründe wider-
legt würde.

Anm. Nach der einstimmigen Behauptung der aller-
berühmtesten und allereifrigsten Verfechter der Evo-
lutionshypothese, sollen die präformirten Keime
bey der Mutter vorräthig liegen, und während der
Befruchtung durch die Kraft des hinzukommenden
männlichen Zeugungsstoffes erweckt und zur Ent-
wickelung angetrieben werden. Was man Empfäng-
niß nennt, sey folglich nichts als das Erwachen
des schlaftrunkenen Keimes durch den Reitz des
auf ihn wirkenden männlichen Samens.

Also bedarf es hier zuvörderst einer erwecken-
den Kraft.

Nun aber ähneln ja so oft Kinder zum Sprechen
bloß ihrem Vater; – Bätzen, die sich kurz
hintereinander mit mehreren männlichen Hunden
belaufen haben, werfen oft Junge, die diesen ver-
schiedenen Vätern ähneln; – zweyerley Men-
schenrassen, z.B. Negern und Weiße, zeugen
mit einander nothwendigen Mittelschlag, nähmlich
Mulatten; – und wenn nun vollends ungleiche
[Seite 15] Gattungen (verschiedene Species) von Thieren
oder Gewächsen einander befruchten, so entstehen
Bastarde, die eben so viel von der väterlichen als
von der mütterlichen Gestaltung an sich haben.

Ja das läßt sich freylich nicht wohl verkennen:
und dem zu Folge gestehen dann die Evolutionisten
dem männlichen Samen, außer seiner erwecken-
den, nun auch Nro. 2. in sofern eine bildende
Kraft zu, daß er den bey der Mutter präformirt
gelegenen Keim wohl in etwas zur väterlichen Ge-
staltung umzuformen vermöge.

Demnach wäre folglich zweyerley Kraft im
männlichen Samen; 1) die erweckende und
2) doch auch eine bildende –

Aber man kann ja mittelst einer, mehrere Ge-
nerationen hindurch immer wiederholten, künst-
lichen Bastardzeugung endlich die Eine Gattung
von organisirten Körpern gänzlich in die andere
umwandeln. – So hat man z.B. aus der künst-
lichen Befruchtung der Einen Pflanzengattung
mittelst des männlichen Staubes von einer andern,
Samen gezogen, welcher fecundabele Bastard-
pflanzen gegeben; d.h., die sich zur Blühezeit
abermahls mit männlichem Staub von jener an-
dern Gattung befruchten lassen, und wiederum
fecundabele Bastarde der zweyten Generation
hervorgebracht. Jene Bastarde von der ersten Ge-
neration hielten gleichsam das Mittel zwischen
beyden verschiedenen Stamm-Aeltern von väter-
licher und mütterlicher Seite. Die von der zwey-
ten hingegen ähnelten schon weit mehr der väter-
lichen, als der mütterlichen. Und nachdem die
gleiche künstliche Befruchtung noch fernerweit
durch zwey folgende Generationen eben so wieder-
hohlt worden, so entstanden endlich Pflanzen, an
welchen die ursprüngliche mütterliche Gestaltung
so zu sagen ganz verwischt, und in die väterliche
umgewandelt worden. (– s. Kölreuter's dritte
Fortsetzung der Nachricht von einigen das Ge-
schlecht der Pflanzen betreffenden Versuchen S. 51.
§. 24. mit der Ueberschrift: ‘„Gänzlich voll-
brachte Verwandlung Einer natürlichen
Pflanzengattung in die andere.“’ –)

[Seite 16]

Da hat denn folglich alle Präformation des
seit Erschaffung der Welt conservirten mütterli-
chen Keims am Ende zu nichts geholfen, sondern
hat der bildenden Kraft des männlichen Stoffes
(der eigentlich nach der Evolutionshypothese bloß
durch seine erweckende Kraft auf denselben hätte
wirken sollen,) gänzlich weichen müssen!

§. 8.

Und so bleibt es folglich im Ganzen unse-
rem Erkenntnißvermögen und selbst den Re-
geln aller philosophischen Nachforschung*)
weit angemessener, wenn man die Entstehung
der neuerzeugten organisirten Körper bloß
durch allmähliche Ausbildung (Epigenesis)
des an sich zwar ungeformten, aber unter den
dazu erforderlichen Umständen organisirbaren
Zeugungsstoffes, erklärt.

Nur kommt es bey der vielfachen Vorstel-
lungsart, die man sich von einer solchen all-
mählichen Bildung machen kann und gemacht
hat**), darauf an, sie so zu bestimmen, wie
[Seite 17] sie dem Begriff von organisirten Körpern, und
dann den Phänomenen, die uns die Beobach-
tung bey Entstehung derselben lehrt, am un-
gezwungensten entspricht.

§. 9.

Und dieß geschieht, wenn man annimmt,
daß der reise, vorher zwar umgeformte, aber
organisirbare Zeugungsstoff der Aeltern, wenn
er zu seiner Zeit, und unter den erforderlichen
Umständen an den Ort seiner Bestimmung ge-
langt, dann für eine in denselben nun zweck-
mäßig wirkende Lebenskraft, nähmlich den
Bildungstrieb (nisus formatiuus) zuerst
empfänglich wird; – für einen Trieb, der
sich von aller bloß mechanischen bildenden
Kraft [als welche auch im unorganischen
Reiche Crystallisationen*) u. dergl. hervor-
[Seite 18] bringt] dadurch auszeichnet, daß er nach der
endlos mannigfaltig verschiedenen Bestim-
mung der organisirten Körper und ihrer
Theile, die vielartig organisirbaren Zeu-
gungsstoffe auf eben so mannigfaltig aber
zweckmäßig modificirte Weise in bestimmte
Gestalten zu formen vermag – und so
[– durch die Verbindung des Mechanischen
mit dem zweckmäßig Modificirbaren in diesem
Triebe*) –] zuerst bey der Empfängniß
die allmähliche Ausbildung; dann aber auch
die lebenswierige Erhaltung dieser organischen
Bildung durch die Ernährung; und selbst
wenn dieselbe durch Zufall gelitten haben
sollte, so viel möglich die Wiederersetzung der-
selben durch die Reproduction, bewirkt
wird**).

Anm. 1. Diese allmähliche Ausbildung der neuen or-
ganisirten Körper ist am anschaulichsten an solchen
zu betrachten, die mit einer ganz ansehnlichen
[Seite 19] Größe ein schnelles (so zu sagen zusehends merk-
liches) Wachsthum, und eine so zarte halbdurch-
sichtige Textur verbinden, daß sie (zumahl im
sattsamen Lichte und unter mäßiger Vergrößerung)
aufs deutlichste, klarste durchschaut werden können.

So im Gewächsreiche an manchen einfachen
Wassermoosen, wie z.B. an der Brunnen-Con-
serve (Conserva fontinalis) die sich in den ersten
Frühlingstagen fortpflanzt. (– Abbild. n.h.
Gegenst. tab.
49.–)

Unter den blutlosen Thieren an den Arm-Polypen.

Und unter den warmblütigen an der ersten Er-
scheinung des Küchelchens im bebrüteten Eye und
seiner dann von Tag zu Tag fortrückenden Aus-
bildung.

Anm. 2. Hoffentlich ist für die mehrsten Leser die Er-
innerung überflüssig, daß das Wort Bildungs-
trieb selbst so gut wie die Benennungen aller an-
dern Arten von Lebenskräften an sich weiter nichts
erklären, sondern bloß eine besondre (das Mecha-
nische mit dem zweckmäßig Modificirbaren in sich
vereinende) Kraft unterscheidend bezeichnen soll,
deren constante Wirkung aus der Erfahrung aner-
kannt worden, deren Ursache aber so gut, wie
die Ursache aller andern noch so allgemein aner-
kannten Naturkräfte für uns hienieden im eigent-
lichen Wortverstande qualitas occulta bleibt†). –
Das hindert aber nicht, daß man nicht immer mehr
suchen sollte, ihre Wirkungen durch Beobachtung
weiter zu erforschen und zu verfolgen, und sie so
auf allgemeine Gesetze zurück zu bringen.

§. 10.

[Seite 20]

Durch die bestimmte zweckmäßige Wirk-
samkeit des Bildungstriebes in den bestimmten
dafür empfänglichen organisirbaren Stoffen,
wird nun die eben so bestimmte Form und der
Habitus aller einzelnen Gattungen (Species)
von organisirten Körpern erhalten; und bey
denen, wo es Statt findet, auch ihre Sexual-
Verschiedenheit, durch welche sich nähmlich die
männlichen Geschöpfe von den weiblichen in
derselben Gattung auszeichnen.

§. 11.

Aber freylich kann der Bildungstrieb auch
eben sowohl als jede andere in ihrer Thätigkeit
gestörte oder fremdartig modificirte Lebenskraft
auf mancherley Weise vor seiner eigentlichen
bestimmten Richtung abweichen.

So entstehen dann (– der bloß krank-
haften, nicht ins Gebiethe der Naturgeschichte
gehörigen Abweichungen, zu geschweigen –)
1) durch ganz gewaltsame Störungen desselben
ganz widernatürliche*) Formen der organisir-
ten Körper, nähmlich die Mißgeburten.

[Seite 21]

2) Dadurch, daß der zweyfache Sexual-
Charakter, der sonst in den beyden Geschlech-
tern getrennt seyn sollte, mehr oder weniger
in einem und eben demselben Individuum ver-
bunden ist, die Zwitter.

3) Dadurch, daß zwey Geschöpfe ganz
verschiedener Gattung (zweyerley Species) ein-
ander befruchten, die Bastarde.

Endlich 4) durch den Einfluß der man-
cherley Ursachen der allmählichen Ausartung,
die Rassen und Spielarten.

§. 12.

Unter Mißgeburt versteht man, nach
dem gemeinen Sprachgebrauche, eine wider-
natürliche, angebohrne, leicht in die Augen
fallende Verunstaltung in Bildung äußerer,
größerer Theile. So mannigfaltig aber diese
Mißgestalten seyn können, so lassen sie sich
doch alle auf folgende vier Hauptclassen zurück
bringen*):

1) M. G. mit widernatürlicher Bildung ein-
zelner Glieder. Fabrica aliena.

2) M. G. mit Versetzung oder widernatürlicher
Lage einzelner Glieder. Situs mutatus.
Die seltensten von allen (– nähmlich unter
[Seite 22] Mißgeburten in dem angegebnen Sinne.
Oft hat man hingegen bey Leichenöffnungen
wohlgebildeter Menschen manche ihrer Ein-
geweide in ganz verkehrter Lage gefun-
den –).

3) M. G. denen ganze Glieder mangeln.
Monstra per defectum. Unter diesen die
lehrreichsten.

4) M. G. mit überzähligen Gliedern. Mon-
stra per excessum
. Die gemeinsten (–
selbst nicht selten unter wilden Thieren
z.B. Hasen –). Theils gar erblich, wie
z.B. in den sechsfingrigen Familien, und
bey Hühnern mit fünf oder sechs Zehen.

Anm. Die auffallende Aehnlichkeit unter so vielen
Monstrositäten beweiset, daß auch selbst diese Ab-
weichungen des Bildungstriebes dennoch bestimm-
ten Gesetzen folgen müssen; so wie hingegen die
bekannte Erfahrung, daß die Hausthiere seit ihrer
Unterjochung und die cultivirten Gartenpflanzen
denselben weit mehr als in ihrem wilden Zustande
unterworfen sind (daß z.B. Mißgeburten unter
den Hausschweinen so häufig, unter den wilden
Schweinen hingegen fast unerhört sind), sich mit
der Lehre der Evolutionisten, daß die Keime die-
ser Mißgeburten ebenfalls seit der ersten Schöpfung
schon monströs präformirt eingeschachtelt ge-
legen, wohl schwerlich zusammen reimen läßt.

§. 13.

Zwitter nennt man zwar im engern Sinne
bloß solche einzelne Individua von organisirten
Körpern, bey welchen widernatürlicher Weise
[Seite 23] die Spuren der zweyfachen eigentlichen Sexual-
Organe mehr oder weniger verbunden sind,
die sonst, in den männlichen und weiblichen
Geschöpfen derselben Art, getrennt seyn sollten.
Dergleichen finden sich selbst zuweilen unter
den warmblütigen Thieren; zumahl unter dem
Rindvieh, Schafen und Ziegen.

Nächstdem aber verdient auch diejenige
Abweichung des Bildungstriebes hier einer
Erwähnung, wenn andere körperliche Functio-
nen oder Charaktere, die dem einen Geschlechte
eigen seyn sollten, sich bey Individuis des an-
dern äußern. Wenn z.B. Hirschkühe und
Rehe Geweihe aufsetzen; oder Fasan- und
Pfau-Hennen mit zunehmenden Jahren männ-
liches Gefieder kriegen; oder Mannspersonen
oder andere männliche Säugethiere Milch ge-
ben*) u.s.w.

Endlich aber zeigt sich auch zuweilen im
ganzen Verhältniß des Körperbaues einzelner,
übrigens noch so regelmäßig und schön gebil-
deter Geschöpfe des einen Geschlechts doch
mehr oder weniger vom Totalhabitus des an-
dern; z.B. weibliche Weichlichkeit in der To-
talform des männlichen.**)

§. 14.

[Seite 24]

Wenn ein weibliches Geschöpf der einen
Gattung von einem männlichen einer andern
Gattung befruchtet worden, so entstehen daraus
Bastarde, deren Bildung aus der beyderley
Aeltern ihrer gleichsam zusammengeschmolzen
ist. Da aber von der bestimmten Bildung
der organisirten Körper, besonders der Thiere,
die behörige und für den Gang der Schöpfung
so äußerst wichtige Vollziehung ihrer Geschäfte
abhängt, so ist es eine weise Einrichtung in
der Natur, daß erstens, wenigstens unter den
rothblütigen Thieren, in ihrem freyen Natur-
Zustande meines Wissens niemahls eine Paa-
rung und Vermischung unter zweyerley Gat-
tungen bemerkt worden; zweytens aber die
Bastarde überhaupt meistentheils unfruchtbar,
und nur sehr selten im Stande sind, ihr Ge-
schlecht weiter fortzupflanzen. Daher gehört
es zu den seltnern Ausnahmen, wenn Maul-
thiere, oder die Bastarde von Hänflingen
und Canarienvögeln zuweilen fruchtbar sind.
Bey den Pflanzen gelingt es leichter, daß
durch künstliche Befruchtung verschiedener Gat-
tungen Bastarde hervor gebracht werden kön-
nen, die fruchtbaren Samen tragen (– s.
oben S. 15. –). Hingegen bedürfen die
fabelhaften Sagen von vermeinten Bastarden
aus der Vermischung vom Rindvieh und
Pferden oder Eseln, und von Caninchen und
[Seite 25] Hühnern, oder vollends gar von Menschen
und Vieh, jetzt hoffentlich keiner weitern
Widerlegung.

Anm. Eben in der gedachten notorischen Erfahrung,
daß im freyen Natur-Zustande jener Geschöpfe
nur die von einer und eben derselben Species
sich mit einander gatten, liegt der natürliche
Grund, warum das Wort Species im Deutschen
am allernatürlichsten durch Gattung übersetzt wird.
(– davon mit mehreren in der Vorrede. –)

§. 15.

Rassen und Spielarten (varietates)
sind diejenigen Abweichungen von der ur-
sprünglichen specifiken Gestaltung der einzelnen
Gattungen organisirter Körper, so diese durch
die allmähliche Ausartung oder Degeneration
erlitten haben.

Rasse heißt aber im genauern Sinne ein
solcher durch Degeneration entstandener Cha-
racter, der durch die Fortpflanzung unaus-
bleiblich und nothwendig forterbt, wie z.B.
wenn Weiße mit den Negern Mulatten, oder
mit amerikanischen Indianern Mestissen zeu-
gen: welches hingegen bey den Spielarten
keine nothwendige Folge ist; wie z B. wenn
blauäugige Blonde mit braunäugigen Brünet-
ten Kinder zeugen*).

[Seite 26]

Anm. Wenn sich gewisse Ausartungen seit unabsehli-
chen Reiben von Generationen fortgepflanzt haben,
so hält es oft schwer zu bestimmen, ob das bloße
Rassen oder ursprünglich verschiedene Gattungen
(Species) sind? Wenigstens gibt es dann zur Ent-
scheidung in dergleichen Fällen keine andern in
praxi anwendbare Regeln, als die, so aus der
Analogie abstrahirt sind; da hingegen die, so Ray,
Büffon und andere angenommen haben, den
Charakter von Species darnach zu bestimmen, wenn
die Geschöpfe mit einander fruchtbare Nachkom-
menschaft zeugen, zu diesem Behuf sehr unzu-
länglich und schwankend ist.

Denn abgerechnet, daß die Anwendung dieser
Regel ohnehin bey den unzähligen Thieren und
Pflanzen wegfällt, die sich ohne Paarung fort-
pflanzen. (– s. unten §. 20. –), so findet sie auch
in unzähligen andern Fällen wegen unüberwind-
licher Schwierigkeiten nicht Statt, wie z.B. bey
Entscheidung der Frage, ob der asiatische und der
afrikanische Elephant zu einerley Species gehören
oder nicht? Und selbst da, wo die Erfahrung
Statt hat, wie z.B. bey der Vermischung von
Pferd und Esel, fragt sich wieder, soll da der
gewöhnliche oder aber der äußerst seltene Erfolg
als Regel angesehen werden. Denn gewöhnlich
sind die Maulthiere steril, und nur in äußerst sel-
tenen Fällen hat man sie zur Fortpflanzung fähig
befunden. Wollte man also diesen wunderseltenen
Fall als Regel gelten lassen, so müßte man Pferd
und Esel für Thiere derselben Species halten, un-
geachtet sie in ihrem ganzen Körperbau – zumahl
im Innern (und nahmentlich in der ganz auffallend
verschiedenen Einrichtung ihrer Stimmwerkzeuge),
wenigstens eben so specifisch von einander differiren
als Löwe und Katze. Da stimmt hingegen alle
Analogie dafür, sie als zwey ganz verschiedene Gat-
tungen anzuerkennen. Und eben diesem Grund-
satze der Analogie gemäß halte ich auch die ge-
dachten beyderley Elephanten für ganz verschiedene
Gattungen, weil ihr Gebiß eine so constante auf-
fallende Verschiedenheit zeigt, die sich unmöglich
als bloße Folge der Degeneration gedenken läßt.

§. 16.

[Seite 27]

Zu den mancherley Ursachen der Ausar-
tung gehören vorzüglichst der Einfluß des
Himmelsstrichs, der Nahrung, und bey Men-
schen und Thieren auch der Lebensart.

Kaltes Clima z.B. unterdrückt das Wachs-
thum der organisirten Körper, und darum sind
die Grönländer, Lappländer etc. so wie die
Thiere und Gewächse kalter Erdstriche, klein,
untersetzt. Eben so bringt dieses Clima weiße
Farbe an Thieren und Gewächsen hervor, und
darum sind die Nordländer von Natur von
weißer Haut etc. so wie viele warmblütige
Thiere der kältesten Gegenden anomalisch weiße
Haare und Federn, viele Pflanzen daselbst
anomalisch weiße Blüthen haben u.s.w. –
Dagegen tragen die Creolen (d.h. die in
Ost- und West-Indien von europäischen Ael-
tern gebornen Weißen) das unverkennbare,
meist wunderschöne Gepräge ihrer südlichen
Heimath an sich.

Wie sehr aber verschiedene Lebensart, Cul-
tur und Nahrungsmittel nach und nach die
Bildung, Farbe und ganze Constitution der
organisirten Körper umzuändern vermöge, da-
von sehen wir an unsern Hausthieren*), an
unserem Getreide, Obst, Küchen-Gewächsen,
[Seite 28] Blumen-Floren etc. – am allerauffallendsten
aber bey den Verschiedenheiten im Menschen-
Geschlechte selbst, die augenscheinlichsten Bey-
spiele.

Diese mancherley Ursachen der Degenera-
tion können nun aber nach Verschiedenheit der
Umstände einander entweder unterstützen, und
die Ausartung um so schneller und auffallender
machen, oder aber auch wieder gewisser Maßen
einander aufheben u.s.w.; daher man in dieser
Untersuchung bey der Anwendung auf einzelne
Fälle nie zu voreilig urtheilen darf.

Anm. 1. So gibt es z.B. selbst unter der Linie kalte
Erdstriche, wie im Innern von Sumatra etc. Hin-
gegen bringt Sibirien gar viele Gewächse der wär-
mern Gegenden hervor, die in weit südlichern Län-
dern von Europa nicht fortkommen.

Anm. 2. Sonderbar ist die individuelle Wirkung, die
einige Climate auf die organisirte Körper, zu-
mahl der Thierreichs, äußern. So, daß z.B.
in Syrien die Katzen, Kaninchen, Ziegen etc. so
auffallend langes und weißes Haar haben; auf
Corsica die Pferde, Hunde etc. so auszeichnend ge-
fleckt sind; auf Guinea Menschen, Hunde und
Hübner zu Negern in ihrer Art werden u.s.w.

§. 17.

Die Ernährung der organisirten Körper
geht auf verschiedene Weise vor sich. Den
Pflanzen wird ihre einfache Nahrung durch
Wurzeln, die sich außerhalb ihres Stammes
am einen Ende desselben befinden, zugeführt.
Die Thiere hingegen haben, wie sich Boer-
[Seite 29] haave ausdrückte, gleichsam ihre Wurzeln in-
nerhalb ihres Körpers, nähmlich im Magen
und Darmkanal, wo der nahrhafte Theil der
Alimente durch unzählige Gefäßchen, fast wie
bey den Pflanzen durch Wurzeln, eingesogen
und dem übrigen Körpers zugeführt wird.

Der brauchbare Theil der Nahrungsmittel
wird durch einen bewunderungswürdigen Pro-
ceß dem Stoff der organisirten Körper assi-
milirt; der überflüssige hingegen ausgedunstet;
und bey den Thieren, die keinen so einfachen
Nahrungssaft wie die Pflanzen zu sich neh-
men, auch durch andere Wege als Unrath
ausgeworfen.

§. 18.

Das Wachsthum der organisirten Körper
ist die Folge ihrer Ernährung. Die meisten
erreichen früh die bestimmte Größe ihres Kör-
pers. Von manchen Bäumen aber, wie z.B.
von der Norfolkinsel-Fichte (Columnia pini-
folia
), der Kohlpalme (Areca oleracea),
dem Baobab (Adansonia digitata) etc. auch
von einigen andern Gewächsen, z.B. vom
Rotang (Calamus rotang) und so auch von
manchen Thieren, wie z.B. von vielen Gat-
tungen der Bandwürmer und selbst von den
Crocodilen und großen Wasserschlangen läßt
sich schwerlich sagen, ob und wann in ihrem
Leben sie aufhören an Länge oder Dicke zu-
zunehmen.

§. 19.

[Seite 30]

Zum Wachsthum der organisirten Körper
gehört auch ihre Reproductions-Kraft, oder
die merkwürdige Eigenschaft, daß sich verstüm-
melte oder völlig verlorne Theile ihres Körpers
von selbst wieder ergänzen. Diese bewunderns-
werthe Einrichtungen in der organisirten Schöpfung
sichert die Thiere und die Pflanzen bey tausend
Gefahren, wo ihr Körper verletzt wird: und ist
folglich auch, nebst der Ernährung überhaupt,
einer der größten Vorzüge, wodurch die Ma-
schinen aus der Hand des Schöpfers bey wei-
ten über die größten Kunstwerke der Menschen
erhoben werden, als welchen ihre Verfertiger
keine Kraft mittheilen können, ihre Triebfe-
dern und Räder, wenn sie verbogen, verstüm-
melt und abgenutzt würden, von selbst wieder
herzustellen: eine Kraft, die hingegen der
Schöpfer jedem Thier und jeder Pflanze –
nur in verschiedenem Maße – beygelegt hat.

Viele organisirte Körper verlieren zu be-
stimmten Zeiten, gewisse Theile ihres Körpers
von freyen Stücken, die ihnen nachher wieder
reproducirt werden; wohin das Abwerfen der
Geweihe, das Mausern der Vögel, die Häu-
tung der Schlangen, der Raupen, das Schälen
der Krebse, das Entblättern der Gewächse
u.s.w. gehört. Man könnte dieß die ge-
wöhnliche Reproduction nennen.

[Seite 31]

Die andere hingegen ist die außerordent-
liche, von der hier eigentlich die Rede ist, da
nähmlich dem organisirten Körper, zumahl
den Thieren, Wunden, Beinbrüche etc. geheilt,
oder gar durch Unfall verstümmelte und verlo-
rene Theile wieder ersetzt werden. Der Mensch
und die ihm zunächst verwandten Thiere besitzen
eine freylich sehr eingeschränkte Reproductions-
kraft: die hingegen bey vielen kaltblütigen
Thieren, besonders bey den Wasser-Molchen,
Krebsen, Land-Schnecken, Regenwürmern,
See-Anemonen, See-Sternen, Arm-Poly-
pen etc. von einer ausnehmenden Stärke und
Vollkommenheit ist.

Anm. Manche Reproductionsversuche setzen eine schon
in dergleichen Arbeiten geübte Hand und viele
Vorsicht, auch vielleicht günstige Nebenumstände
voraus, wenn sie gelingen sollen: daher man sich
hüthen muß, aus dem etwa anfangs mißlungenen
Erfolge zu voreilig die ganze Sache bezweifeln
zu wollen. So ist es mir nach mehreren frucht-
losen Versuchen erst spät gelungen, daß der ganze
Kopf der gemeinen Waldschnecke (Helix pomatia)
mit seinen vier Hörnern binnen ungefähr 6 Mo-
nathen wieder reproducirt ward.

Vor mehreren Jahren habe ich einem Wasser-
molch der größern art (Lacerta lacustris), den ich
nun in Spiritus aufbewahre, fast das ganze Auge
exstirpirt; nähmlich alle Säfte auslaufen lassen
und dann 4/5 der ausgeleerten Häute rein ausge-
schnitten: – und doch hat sich hinnen zehn Mo-
nathen ein vollkommener neuer Augapfel mit neuer
Hornhaut, Augenstern, Crystall-Linse etc. reprodu-
cirt, der sich bloß dadurch vom andern gefunden
Auge auszeichnet, das er nur erst ungefähr halb so
groß ist. (s. – Götting. gel. Anz. 1785. 47. St. –)

§. 20.

[Seite 32]

Wenn die organisirten Körper durch Er-
nährung und Wachsthum zu ihrer vollen Reife
gelangen, so erhalten sie dann auch das Fort-
pflanzungsvermögen (§. 5.), das aber auf
eine sehr verschiedene Weise vollzogen wird.
Ueberhaupt nähmlich ist entweder schon jedes
Individuum für sich im Stande, sein Ge-
schlecht fortzupflanzen; oder aber es müssen sich
ihrer zwey mit einander paaren oder begatten,
wenn sie neue organisirte Körper ihrer Art her-
vor bringen sollen.

Die mannigfaltigen besondern Verschieden-
heiten in diesen beyderley Hauptweisen der Fort-
pflanzung lassen sich doch füglich unter folgende
vier Arten bringen:

1) Jedes Individuum vermehrt sich auf die
einfachste Weise, ohne vorher gegangene
Befruchtung: entweder durch Theilung, wie
manche Infusions-Thierchen*) und Blu-
men-Polypen**); oder wie bey der Brun-
nen-Conferve so, daß das alte fadenartige
Gewächs am einen Ende zu einem kuglichen
Knöpfchen anschwillt, das nachher abfällt
und wieder zu einem solchen Faden ausge-
[Seite 33] trieben und umgebildet wird (– Abbild.
n. h. Gegenst
. tab. 49 –); oder durch
Sprossen wie die Arm-Polypen und viele
Gewächse u.s.w.

2) Jedes Individuum ist zwar auch im Stande
sich fortzupflanzen, hat aber als ein wahrer
Zwitter beyderley Geschlechtstheile an sei-
nem Leibe, und muß vorher, wenn es Thier
ist, die bey sich habenden weiblichen Eyer-
chen mit männlichem Samen – und wenn
es Pflanze ist, seine weiblichen Samen-
körner mit männlichem Blumenstaub –
begießen und dadurch befruchten, ehe sich
ein Junges daraus bilden kann. Dieß ist
der Fall bey den mehresten Gewächsen, und
im Thierreich, wie es scheint, bey manchen
Muscheln.

3) Ebenfalls beide Geschlechter, wie bey den
Hermaphroditen der vorigen Classe, in
einem Individuo verknüpft; doch daß keines
sich selbst zu befruchten im Stande ist,
sondern immer ihrer zwey sich zusammen
paaren und wechselseitig einander befruchten
und befruchtet werden müssen. Diese son-
derbare Einrichtung findet sich nur bey
wenigen Thieren; beym Regenwurm, bey
manchen Land-Schnecken*) etc.

[Seite 34]

4) Die beiden Geschlechter in separaten In-
dividuis, von denen das eine die weiblichen
Theile oder Eyer, das andere den männ-
lichen befruchtenden Saft enthält. So alle
rothblütige und viele andere Thiere, und so
auch manche Pflanzen, wie die Palmen,
der Hopfen, die mehresten Moose etc.

Einige Thiere dieser Classe geben die
Eyer selbst von sich, in welchen sich erst
nachher das Junge vollends ausbildet.
Dieß sind die eyerlegenden Thiere (oui-
para
). Bey andern aber wird dieß Ey so
lange in der Bärmutter zurück behalten,
bis das Junge vollkommen ausgebildet wor-
den, und nun von seinen Hüllen befreyt
zur Welt kommen kann; lebendig gebärende
Thiere (viuipara).

Anm. Wie gering inzwischen der Unterschied zwischen
Eyer legen und lebendig gebären sey, erweisen
die Beyspiele der Blattläuse und Federbusch-Po-
lypen, die sich nach den verschiedenen Jahrszeiten
bald auf die eine, bald auf die andere Weise
fortpflanzen; und mancher Schlangen, die zwar
Eyer legen, in welchen aber schon das ganz aus-
gebildete Thier enthalten ist. Gewissermaßen
könnte man mit diesem letztern Falle diejenigen
Pflanzen vergleichen, in deren reifen Samenkör-
nern ein grüner Pflanzenkeim eingeschlossen liegt,
wie z.B. bey den so genannten ägyptischen Boh-
nen von der Nymphaea nelumbo.

§. 21.

Nachdem die organisirten Körper die Be-
stimmungen ihres Lebens erfüllt haben, so
[Seite 35] weicht endlich alle Lebenskraft von ihnen, und
sie sterben. Die wenigsten aber erreichen aber das
Ziel, das ihnen die Natur zum Laufe ihres
Lebens vorgesteckt hat, sondern tausenderley
Zufälle verkürzen ihnen diesen Weg, meist
lange vor der bestimmten Zeit. So rechnet
man z.B., daß von 1000 gebornen Men-
schen nur ungefähr 78 für Alter sterben; und
von den großen furchtbaren Amphibien, Cro-
codilen, Riesenschlangen etc. erreicht vielleicht
nicht das tausendste sein gesetztes Alter und
Größe. Nach dem Tode der Thiere und
Pflanzen wird ihr Körper durch Gährung,
Fäulniß oder Verbrennen, kurz durch die
chemische Zersetzung seiner Urstoffe allmählich
aufgelöset, mithin ihr Organismus zerstört,
und ihre Asche endlich mit der übrigen Erde
vermengt, die ihnen vorher Nahrung und
Aufenthalt gegeben hatte.


Dritter Abschnitt.
Von den Thieren überhaupt.

[Seite 36]

§. 22.

So endlos vielartig die Bildung und
der Bau der Thiere ist, so scheinen sie doch
sämmtlich (oder höchstens bis auf wenige Aus-
nahmen mancher so genannten Infusionsthier-
chen etc.) den Mund (§. 3.) mit einander ge-
mein zu haben, durch welchen sie dem Körper
seine Nahrung zuführen: und statt daß die
Pflanzen ihren sehr einfachen Nahrungssaft
aus Luft, Wasser und Erde einsaugen, so ist
hingegen der Thiere ihr Futter äußerst man-
nigfaltig; und wird beynahe ohne Ausnahme
aus den organisirten Reichen selbst entlehnt;
und sie müssen es, durch die peinlichen Ge-
fühle des Hungers getrieben, mittelst will-
kürlicher Bewegung zu sich nehmen, um
dadurch ihre Selbsterhaltung zu bewirken.

§. 23.

Bey den insgemein so genannten voll-
kommneren Thieren wird der abgesonderte
Nahrungssaft zuvor mit dem Blute, das in
seinen Adern circulirt, vermischt, und von da
erst in die übrigen Bestandtheile des Körpers
[Seite 37] abgesetzt. Dieses eigentlich so genannte Blut
ist von rother Farbe, aber in Rücksicht seiner
Wärme bey den verschiedenen Classen dieser
rothblütigen Thiere von doppelter Verschie-
denheit. Bey den einen (nähmlich bey den
Amphibien und Fischen) hält es meist unge-
fähr die Temperatur des Mediums, in wel-
chem sie sich befinden, daher sie kaltblütig
genannt werden. Bey den andern aber, die
deßhalb warmblütig heißen (den Säuge-
thieren und Vögeln), zeigt es in ihrem voll-
kommen belebten Zustande immer eine Wärme
von ungef. 100 Gr. Fahrenh. mehr oder we-
niger. Der Saft hingegen, welcher bey den
so genannten weißblütigen Thielen (nähm-
lich bey den Insecten und Gewürmen) die
Stelle des Bluts vertritt, unterscheidet sich
besonders durch den Mangel der rothen Kü-
gelchen, von jenem eigentlich so genannten
Blute.

§. 24.

Das Blut der Thiere mag nun aber weiß
oder roth, kalt oder warm seyn, so muß es
im gesunden Zustande immer mit frischen Por-
tionen eines zum Leben nothwendigen Stoffes
(– des so genannten Sauerstoffs oder Oxy-
gens –) aus der atmosphärischen Luft oder
aus dem Wasser geschwängert werden, woge-
gen es gleiche Portionen eines andern Stoffes
[Seite 38] (– des Kohlenstoffes oder Carbones –) aus
dem Körper wiederum fortschafft. Zu diesem
merkwürdigen lebenswierigen Proceß in dem
belebten thierischen Laboratorium dient vorzüg-
lichst das Athemhohlen; welches die roth-
blütigen Thiere entweder durch Lungen, oder
wie die Fische durch Kiemen; die weißblütigen
aber mittelst mancherley anderer analogen
Organe verrichten.

§. 25.

Nur diejenigen Thiere, die mit Lungen
versehen sind können auch Stimme (vox)
von sich geben. Der Mensch hat sich außer
der ihm angebornen Stimme auch noch die
Rede (loquela), erfunden.

§. 26.

Die Organe, wodurch die willkürlichen
Bewegungen unmittelbar vollzogen werden,
sind die Muskeln, die bey den rothblütigen
Thieren das eigentlich so genannte Fleisch aus-
machen. Nur bey einigen ganz einfach ge-
bauten Thieren, wie die Polypen, sind diese
Bewegungs-Organe von dem übrigen gallerti-
gen Stoffe nicht zu unterscheiden.

§. 27.

Außerdem finden sich aber auch einige we-
nige Muskeln, über welche der Wille nichts
vermag. So z.B. das Herz, als welches
[Seite 39] lebenslang unaufhörlich (– beym Menschen
ungefähr 4500 Mahl in jeder Stunde –)
und zwar ohne wie andere Muskeln zu ermü-
den, oder endlich zu schmerzen, als Haupt-
triebfeder des Blutumlaufs, in seiner schla-
genden Bewegung ist.

§. 28.

Beyde Arten von Muskeln aber, die un-
willkürlichen sowohl als die, so sich nach dem
Entschlusse des Willens bewegen, bedürfen zu
diesem ihren Bewegungsvermögen des Ein-
flusses der Nerven.

§. 29.

Diese Nerven entspringen aus dem Ge-
hirn und aus dem Rückenmark, und es
scheint, daß die Größe der beyden letztern in
Vergleichung zur Dicke der daraus entstehen-
den Nerven mit den Geisteskräften der Thiere
im umgekehrten Verhältniß stehe*), so daß
der Mensch von allen das größte Gehirn, in
Vergleichung seiner sehr dünnen Nerven, hat;
da hingegen einfältige Thiere, wie z.B. die
hieländischen Amphibien, dicke Nerven bey
einem sehr kleinen Gehirne haben.

§. 30.

[Seite 40]

Außer dem Einfluß, den die Nerven auf
die Muskelbewegung haben, ist ihr zweytes
Geschäft, auch der Seele die äußern Eindrücke
auf den thierischen Körper, durch die Sinne
mitzutheilen. Die Beschaffenheit der Sinn-
werkzeuge ist aber in den verschiedenen Thier-
Classen selbst sehr verschieden. So erhalten
z.B. viele Thiere offenbar allerhand sinnliche
Eindrücke, ohne daß wir doch die Sinnwerk-
zeuge an ihnen entdecken können, die bey an-
dern zu solchen Eindrücken nothwendig sind.
Die Schmeißfliege z.B. und viele andere In-
secten haben Geruch, ob wir gleich keine Nase
an ihnen wahrnehmen u. dergl. m.

Anm. Manche haben die Zahl der fünf Sinne über-
haupt auf wenigere einschränken, andere hingegen
dieselbe mit neuen vermehren wollen. Vanini
z.B. und viele nach ihm hielten das Gefühl bey
Befriedigung des Sexual-Triebes für einen sechsten
Sinn. Jul. Cäs. Scaliger das Gefühl beym
Kitzeln unter den Achseln für einen 7ten. So
hält 8tens Spallanzani das Gefühl, wodurch
sich die Fledermäuse bey ihrem Flattern im Fin-
stern für den Anstoß sichern; so wie 9tens Dar-
win das Gefühl für Wärme und Kälte für be-
sondere Sinne.

§. 31.

Durch den anhaltenden Gebrauch werden
Nerven und Muskeln ermüdet, und sie
brauchen von Zeit zu Zeit Ruhe zur Samm-
lung neuer Kräfte, die ihnen der Schlaf
[Seite 41] gewährt. Dem Menschen und den mehresten
von Gewächsen lebenden Thieren ist die Nacht
zu dieser Erhohlung angewiesen; doch halten
sich auch manche von diesen, wie z.B. der
Siebenschläfer etc., besonders aber viele Raub-
thiere, wohin zumahl die mehresten Fische
gehören, auch manche Insecten und Gewürme,
am Tage verborgen und gehen des Nachts
ihren Geschäften nach, weshalb sie animalia
nocturna
genannt werden.

§. 32.

Außer diesem Erhohlungsschlaf findet sich
in der Oeconomie vieler Thiere noch die sehr
bequeme Einrichtung, daß sie einen beträcht-
lichen Theil des Jahrs, und zwar gerade die
rauhesten Monathe, da es ihnen schwer wer-
den würde, für ihre Erhaltung zu sorgen*),
in einem tiefen Winterschlaf zubringen. Sie
verkriechen sich, wenn diese Zeit kommt, an
sichere, schaurige Orte; und fallen mit ein-
brechender Kälte in eine Art von Erstarrung,
aus der sie erst durch die erwärmende Früh-
lingssonne wieder erweckt werden. Diese Er-
starrung ist so stark, daß die warmblütigen
Thiere während dieses Todtenschlafs nur un-
merkliche Wärme übrig behalten (– s. oben
S. 7. –), und daß die Puppen vieler In-
[Seite 42] secten, die zu gleicher Zeit ihre Verwandlung
bestehen, im Winter oft so durchfroren sind,
daß sie, dem Leben des darin schlafenden Thie-
res unbeschadet, wie Eiszapfen oder Glas
klingen, wenn man sie auf die Erde fallen läßt.

So viel bekannt, hält doch kein einziger
Vogel, hingegen die mehresten Amphibien,
Winterschlaf.

§. 33.

Von den Seelenfähigkeiten sind manche
dem Menschen mit den mehresten übrigen
Thieren gemein, wie z.B. die Vorstel-
lungskraft, die Aufmerksamkeit, und so
auch die beiden so genannten innern Sinne,
Gedächtniß nähmlich und Einbildungs-
kraft.

§. 34.

Andere sind fast bloß den übrigen Thieren
eigen, so daß sich beym Menschen nur wenige
Spuren davon finden, nähmlich die so ge-
nannten Naturtriebe oder Instincte. Da-
gegen er hinwiederum im ausschließlichen Be-
sitz der Vernunft ist.

§. 35.

Der Instinct*) ist das Vermögen der
Thiere, aus einem angebornen, unwillkür-
[Seite 43] lichen, inneren Drange, ohne allen Unter-
richt, von freyen Stücken, sich zweckmäßigen,
und zu ihrer und ihres Geschlechts Erhaltung
abzielenden Handlungen zu unterziehen.

Daß diese wichtigen Handlungen wirklich
ganz unüberlegt, bloß nach ursprünglichen Ge-
setzen der Nothwendigkeit, und gleichsam ma-
schinenmäßig vollzogen werden, wird durch
zahlreiche Bemerkungen erweislich, wie z.B.,
daß die Hamster auch todten Vögeln doch
zuerst die Flügel zerbrechen, ehe sie weiter an-
beißen; daß junge Zugvögel, die man ganz
einsam im Zimmer erzogen hat, doch im
Herbst den innern Ruf zum Fortziehen fühlen,
und im Käfich bey allem guten Futter und
Pflege unruhig werden.

§. 36.

Unter den mancherley Arten dieser thieri-
schen Triebe sind besonders die so genannten
Kunsttriebe merkwürdig, da sich nähmlich so
viele warmblütige Thiere und Insecten ohne alle
Anweisung und ohne alle vorgängige Uebung*),
(als welche bey so vielen gar nicht Statt fin-
den kann; wie z.B. bey den Seidenwür-
mern etc., die nur Ein für alle Mahl in ihrem
Leben davon Gebrauch machen können, und
wo folglich schlechterdings erster Versuch und
Meisterstück eins seyn muß), so ungemein
[Seite 44] künstliche Wohnungen, Nester, Gewebe etc.
zu ihrem Aufenthalte, zur Sicherheit für ihre
Junge, zum Fang ihres Raubes, und zu viel-
fachen andern Zwecken zu verfertigen wissen.

§. 37.

Der Mensch zeigt außer den Sexualtrieben
wenig andere Spuren von Instinct: angeborne
Kunsttriebe aber hat er vollends ganz und gar
nicht. Was ihn hingegen für diesen scheinba-
ren Mangel entschädigt, ist der Gebrauch der
Vernunft.

Diese mag nun entweder eine ausschließ-
lich eigenthümliche Fähigkeit der menschlichen
Seele, oder aber ein unendlich stärkerer Grad
einer Fähigkeit seyn, wovon manche Thiere
auch einige schwache Spur hätten; oder eine
eigene Richtung der gesammten menschlichen
Seelenkräfte u.s.w. so liegt wenigstens der
gedachte auszeichnende Vorzug, den der
Mensch durch den Besitz derselben erhält, un-
widerredlich am Tage.

Denn da ihm die ganze bewohnbare Erde
zum Aufenthalt offen steht, und fast die ganze
organisirte Schöpfung zur Speise überlassen
ist, so erzeugt freylich eben die große Ver-
schiedenheit der Climate, die er bewohnen soll,
und der Nahrung, die ihm der Ort seines
Aufenthalts gestattet, eben so verschiedene Be-
dürfnisse, die er durch keinen einförmigen
[Seite 45] Kunsttrieb, aber wohl durch den Gebrauch
seiner sich nach den Umständen gleichsam ac-
commodirenden Vernunft auf eben so mannig-
faltige Weise zu stillen vermag.

§. 38.

Wie unendlich aber der Mensch schon
durch diesen einzigen Vorzug über die ganze
übrige thierische Schöpfung erhoben werde,
beweiset die unbeschränkte Herrschaft, womit
er über alle Triebe und über die Lebensart,
Haushaltung etc. mit einem Worte, über das
ganze Naturell dieser seiner Mitgeschöpfe
nach Willkür disponiren, die furchtbarsten
Thiere zähmen, ihre heftigsten Triebe dämpfen,
sie zu den kunstreichsten Handlungen abrich-
ten kann u.s.w.

Anm. Um sich überhaupt zu überzeugen, wie sehr der
cultivirte Mensch Herr der übrigen Schöpfung
auf dieser Erde ist, braucht man sich bloß an die
Umschaffung zu erinnern, die er seit Entdeckung
der neuen Welt mit ihr und der alten wechsel-
seitig vorgenommen hat! Was für Gewächse und
Thiere er aus dieser in jene übergepflanzt hat,
wie z.B. Reis, Caffee etc., Pferde, Rindvieh etc.
und was er v. v. von dorther nun wieder in sei-
nem Welttheile einheimisch gemacht, wie z.B.
Cartoffeln, Tabak, wälsche Hühner u.s.w.

§. 39.

Am auffallendsten erweist sich die allein
auf den Vorzug der Vernunft beruhende Herr-
schaft des Menschen über die übrige thierische
Schöpfung durch die so genannten Haus-
[Seite 46] thiere; worunter man in engerer Bedeutung
diejenigen warmblütigen Thiere versteht, so
der Mensch zu Befriedigung wichtiger Be-
dürfnisse und überhaupt zu beträchtlicher Be-
nutzung absichtlich ihrer Freyheit entzogen und
sich unterjocht hat. Im weitern Sinne kann
man aber auch die Bienen und Seidenwür-
mer, so wie die Cochenill-Insecten dahin
rechnen.

Anm. 1. Unter jenen Hausthieren im engern Sinne
ist eine dreifache Verschiedenheit zu bemerken.
Von manchen nähmlich bat der Mensch die ganze
Gattung ihrem freyen Naturzustande entzogen,
und sich unterwürfig gemacht, wie z.B. das Pferd.
Von andern, die er sich zwar auch ins Haus zieht,
existirt doch aber noch die ursprünglich wilde
Stammrasse wie vom Rindvieh, Schwein, Katze,
Renthier, den beyderley Cameelen der alten Welt,
und dem so genannten Meiergeflügel. Der Ele-
phant endlich pflanzt sich gar nicht in der Gefan-
genschaft fort, sondern jeder, der zum Dienst des
Menschen gebraucht werden soll, muß erst aus der
Wildheit eingefangen, gezähmt und abgerichtet
werden.

Anm. 2. Die eigentlich so genannten Hausthiere va-
riiren zwar häufig in der Farbe; und manche der
darunter gehörigen Säugethiere zeichnen sich auch
durch einen hängenden Schwanz und schlappe
Ohren aus, aber keins von beyden ist ein bestän-
diges Kennzeichen der Unterjochung. (– Ueber
die Hausthiere s. mit mehrern den gothaischen
Hof-Kalender vom Jahre 1796. –)

§. 40.

Das ganze Thierreich läßt sich füglich
nach dem Linnéischen System unter folgende
sechs Classen bringen:

[Seite 47]

I. Cl. Säugethiere (mammalia), Thiere
mit warmen rothen Blut, die ihre Junge
lebendig zur Welt bringen, und sie dann
einige Zeit lang mit Milch an Brüsten
säugen.

II. Cl. Vögel, Thiere mit warmen rothen
Blut, die aber Eyer legen, und Federn
haben.

III. Cl. Amphibien, Thiere mit kaltem
rothen Blut, die durch Lungen Athem
hohlen.

IV. Cl. Fische, Thiere mit kaltem rothen
Blut, die durch Kiefern, und nicht durch
Lungen, athmen.

V. Cl. Insecten, Thiere mit kaltem weißen
Blut, die Fühlhörner (antennas) am
Kopf, und eingelenkte (hornartige) Be-
wegungswerkzeuge haben.

VI. Cl. Gewürme (vermes), Thiere mit
kaltem weißen Blut, die keine Fühlhör-
ner, sondern meist Fühlfäden (tentacula)
und meines Wissens nie eingelenkte Be-
wegungswerkzeuge haben*).

* * *

Hauptquellen und andere Hülfsmittel zur
Thiergeschichte überhaupt.

[Seite 48]
  1. Aristoteles. – Histoire des animaux d'Aristote,
    avec des notes etc. par Camus. Par
    . 1783.
    II. vol. 4.
  2. Conr. Gesneri icones quadrupedum viuiparorum, it.
    anium et animalium aquatilium; cum nomen-
    claturis singulorum in linguis diuersis Europae.

    ed
    . 2. Tig. 1560. fol.
  3. Aldrovandus.
  4. Jo. Jonston historia naturalis de animalibus. Fran-
    cof
    . 1649-1653. fol.
  5. auch unter dem Titel H. Ruysch (Frid. fil.) thea-
    trum vniuersale omnium animalium
    . Amst
    . 1718.
    II. vol. fol.
  6. Ray.
  7. Buffon.
  8. G. Ad. Suckow Anfangsgründe der Naturgeschichte
    der Thiere. Leipz. seit 1979. 8.
  9. G. Cuvier tableau élémentaire de l'histoire natu-
    relle des animaux.
    Par
    . 1798. 8.
  10. Linnaei fauna Suecica ed. 2. Holm. 1761. 8.
  11. Th. Pennant's British Zoology. Lond. 1768-
    1777. IV. vol. 8.
  12. und Dess. großes Kupferwerk unter gleichem Titel
    ib. seit 1763. gr. Fol.
  13. C. P. Cl. Fleurieu histoire naturelle des Oiseaux,
    des Poissons, des Cetacées, des Amphibies etc.
    marins
    , im II. und III. Bande des voyage
    autour du monde par Et. Marchand
    . Par.
    1800. 4.
  14. A. M. Constant Duméril zoologie analytique.
    Par
    . 1806. 8.

Vierter Abschnitt.
Von den Säugethieren
.

[Seite 49]

§. 41.

Die Säugethiere haben das warme rothe
Blut mit den Vögeln gemein; aber sie ge-
bären lebendige Junge: und ihr Hauptcha-
rakter, der sie von allen übrigen Thieren un-
terscheidet, und von dem auch die Benennung
der ganzen Classe entlehnt ist, sind die
Brüste, wodurch die Weibchen ihre Junge
mit Milch ernähren. Die Anzahl und Lage
der Brüste ist verschieden. Meist sind ihrer
noch Ein Mahl so viel, als die Mutter ge-
wöhnlicher Weise Junge zur Welt bringt; und
sie sitzen entweder an der Brust, oder am
Bauche, oder zwischen den Hinterbeinen*).

§. 42.

[Seite 50]

Der Körper der allermehresten [wo nicht
aller*)] Säugethiere ist mit Haaren von
sehr verschiedener Stärke, Länge und Farbe
besetzt; die auch bey einigen als Wolle ge-
kräuselt, oder als Borsten straff und strup-
pig sind, oder gar wie beym Igel etc. steife
Stacheln bilden. Bey manchen sind die
Haare an besondern Stellen als Mähne oder
Bart verlängert; und bey einigen, wie bey
den Pferden, Hunden etc. stoßen sie an bestimm-
ten Stellen in entgegengesetzter Richtung an ein-
ander und machen so genannte Näthe (sutu-
ras
). Bey manchen, wie z.B. bey den
Seehunden etc. ändert sich die Farbe mit dem
Alter. Auch sind manche durch die Kälte
(§. 16.) bey uns im strengen Winter, im
Norden aber Jahr aus Jahr ein, entweder
grau, wie das Eichhörnchen (Grauwerk), oder
schneeweiß, wie das große Wiesel (Herme-
lin) etc. Wenn hingegen diese weiße Farbe
zugleich mit lichtscheuen Augen und rothen
Pupillen verbunden ist, wie bey den so ge-
[Seite 51] nannten Kackerlacken im Menschengeschlecht
und unter manchen anderen Gattungen von
warmblütigen Thieren, so ist es die Folge
einer wirklich kränklichen Schwäche.

§. 43.

Der Aufenthalt der Säugethiere ist sehr
verschieden. Die mehresten leben auf der
Erde; manche wie die Affen, Eichhörn-
chen etc., fast bloß auf Bäumen; einige, wie
der Maulwurf, als eigentliche animalia sub-
terranea
unter der Erde; andere bald auf
dem Lande bald im Wasser, wie die Biber,
Seebären; und noch andere endlich bloß im
Wasser, wie die Wallfische. – Hiernach
sind nun auch ihre Füße oder ähnliche Be-
wegungswerkzeuge verschieden. Die mehresten
haben vier Füße; der Mensch nur zwey, aber
auch zwey Hände; die Affen hingegen haben
vier Hände. Die Finger und Zehen derjeni-
gen Säugethiere, die im Wasser und auf
dem Lande zugleich leben, sind durch eine
Schwimmhaut verbunden. Bey den Fleder-
mäusen sind die an den Vorderfüßen ungemein
lang und dünne; und zwischen ihnen ist eine
zarte Haut ausgespannt, die zum Flattern
dient. Die Füße mancher Wasserthiere aus
dieser Classe sind zum Rudern eingerichtet,
und bey den Wallfischen ähneln sie gar einiger
Maßen den Flossen der Fische; doch daß die
[Seite 52] Hinterflossen ohne Knochen sind, und hori-
zontal, nicht wie ein Fischschwanz vertical,
liegen. Einige wenige Säugethiere (solidun-
gula
) haben Hufe; viele aber (bisulca) ge-
spaltene Klauen. Die mehresten gehen (zu-
mahl mit den Hinterfüßen) bloß auf den
Zehen; einige aber, wie der Mensch, und
gewisser Maßen auch die Affen, Bären, Ele-
phanten u.a.m. auf der ganzen Fußsohle
bis zur Ferse.

§. 44.

Die mehresten Ameisenbären, die Schup-
penthiere, und einige Wallfische ausgenom-
men, sind die übrigen Säugethiere mit Zäh-
nen versehen, die man in Vorderzähne*)
(primores s. incisores), Eckzähne oder
Spitzzähne (caninos s. laniaros), und
Backenzähne (molares), eintheilt. Die
letztern zumahl sind nach der verschiedenen
Nahrung dieser Thiere auch verschiedentlich
gebildet. Bey den fleischfressenden nähmlich
ist die Krone zackig und scharf; bey den gras-
[Seite 53] fressenden oben breit und eingefurcht; und bey
denen, die sich, so wie der Mensch, aus
beyden organisirten Reichen nähren, in der
Mitte eingedruckt, und an den Ecken abge-
rundet.

Manche Säugethiere, wie z.B. der Ele-
phant und der Narhwal, haben große promi-
nirende Stoßzähne (dentes exserti); andere,
wie z.B. das Wallroß, Hauzähne etc.

§. 45.

Bloß unter den Säugethieren, und zwar
nur unter den grasfressenden, gibt es wirklich
wiederkauende Gattungen, bey welchen
nähmlich das zuerst bloß flüchtig zerbissene und
geschluckte Futter bissenweise wieder durch den
Schlund zurück getrieben, und nun erst recht
durchkaut und dann zum zweyten Mahl ge-
schluckt wird.

Zu diesem Zweck haben die wiederkauenden
Thiere eine eigne Einrichtung des Gebisses;
indem ihre Backenzähne wie mit sägeförmigen
Queerfurchen ausgeschnitten sind, und die Kro-
nen derselben nicht horizontal liegen, sondern
schräg ausgeschlägelt sind, so daß an denen
im Oberkiefer die Außenseite, an denen im
untern aber die nach der Zunge hingerichtete
innere Seite die höchste ist. Dabey haben sie
einen schmalen Unterkiefer, der eine sehr freye
[Seite 54] Seitenbewegung gestattet, wodurch denn, wie
der Augenschein lehrt, der Mechanismus dieser
sonderbaren Verrichtung von dieser Seite be-
wirkt wird.

Anm. 1. Bey den ruminantibus, die zugleich
gespaltene Klauen haben (bisulca), kommt nun
außerdem noch der vierfache Magen hinzu,
dessen innerer Bau und Mechanismus überaus
merkwürdig ist. Das zum ersten Mahl geschluckte
noch bald rohe Futter gelangt nähmlich in den
ungeheuern ersten Magen (rumen, magnus ven-
ter
, franz. le double, l'herbier, la panse,
der Pansen, Wanst), als in ein Magazin, worin
es nur ein wenig durchweicht wird. Von da
wird eine kleine Portion dieses Futters nach der
andern mittelst des zweyten Magens (reticu-
lum
, franz. le bonnet, le reseau, die Haube,
Mütze, das Garn), der gleichsam nur ein An-
hang des ersten ist, aufgefaßt und wieder durch
den Schlund hinauf getrieben. Nun wird der
wiedergekaute, zum zweyten Mahl geschluckte
Bissen durch eine besondere Rinne, ohne wieder
durch die beyden ersten Mägen zu passiren, gleich
aus dem Schlunde in den dritten (echinus,
centipellio, omasus,
franz. le feuillet, le
pseautier,
das Buch, der Psalter, der Blätter-
magen) geleitet, wo er von da endlich zur völ-
ligen Verdauung in den vierten (abomasus,
franz. la caillette der Laab, die Ruthe, der
Fettmagen) gelangt, der dem Magen anderer
Säugethiere am nächsten kommt*).

Anm. 2. Der allgemeine, auf alle wiederkauende
Thiere überhaupt passende Haupt-Nutzen der
Rumination scheint mir noch gänzlich unbe-
kannt.

§. 46.

[Seite 55]

Außer den Klauen, Zähnen etc. sind viele
Säugethiere auch mit Hörnern als Waffen
versehen. Bey einigen Gattungen, wie beym
Hirsch, Reh etc. sind die Weibchen ungehörnt;
bey andern, wie beym Renthier und im Zie-
gengeschlecht, sind ihre Hörner doch kleiner als
der Männchen ihre. Anzahl, Form und Lage,
besonders aber die Textur der Hörner, ist sehr
verschieden. Beym Ochsen-Ziegen- und Ga-
zellengeschlecht sind sie hohl, und sitzen wie
eine Scheide über einem knöchernen Zapfen
oder Fortsatz des Stirnbeins. Die Hörner
der beyderley Rhinocer sind dicht, und bloß
mit der Haut auf der Nase verwachsen. Beym
Hirschgeschlecht hingegen sind sie zwar ebenfalls
solide, aber von mehr knochenartiger Textur,
und ästig. Sie heissen dann Geweihe, und
werden gewöhnlich alljährlich abgeworfen und
neue an ihrer Statt reproducirt.

§. 47.

Die Oeffnung des Afters wird bey den
mehresten Säugethieren durch den Schwanz
bedeckt, der eine Fortsetzung des Kuckucksbeins
(coccyx), und von mannigfaltiger Bildung
und Gebrauch ist. Er dient z.B. manchen
Thieren sich der stechenden Insecten zu erweh-
ren; vielen Meerkatzen und einigen andern
americanischen und Neu-holländischen Thieren
[Seite 56] statt einer Hand, um sich daran halten, oder
damit fassen zu können (cauda prehensilis,
Rollschwanz); den Springhasen zum Sprin-
gen (cauda saltatoria), dem Känguruh zum
Gleichgewicht bey seiner aufrechten Stellung
und zur Verteidigung etc.

§. 48.

Auch sind am Körper einiger Thiere
dieser Classe besondere Beutel von verschie-
dener Bestimmung zu merken. So haben
viele Affen, Paviane, Meerkatzen, auch der
Hamster u.a., die Backentaschen (thesauri,
Fr. salles), um Proviant darin einschleppen
zu können. Beym Weibchen der Beutelthiere
liegen die Zitzen in einer besondern Tasche am
Bauche, worein sich die saugenden Junge
verkriechen.

§. 49.

Manche Säugethiere, wie z.B. die meh-
resten größern grasfressenden, sind gewöhnlich
nur mit Einem Jungen auf einmahl trächtig;
andere hingen, wie z.B. die Raubthiere,
und die Schweine mit mehreren zugleich.

Die Leibesfrucht steht mit der Mutter
durch die so genannte Nachgeburt (secundi-
nae
) in Verbindung, welche aber von ver-
schiedener Gestaltung ist; da sie z.B. im
Menschengeschlecht einen einfachen größern
[Seite 57] Mutterkuchen (placenta) bildet, hinge-
gen bey den wiederkauenden Thieren mit ge-
spaltenen Klauen (bisulca) in mehrere,
theils sehr zahlreiche, zerstreute kleine solche
Verbindungsorgane (cotyledones) vertheilt
ist u.s.w.

§. 50.

Die Wichtigkeit der Thiere überhaupt
läßt sich hauptsächlich aus einem zweyfachen
Gesichtspuncte bestimmen; entweder nähmlich,
in so fern sie auf die Haushaltung der Natur
im Großen, auf den ganzen Gang der
Schöpfung Einfluß haben; oder in so fern sie
dem Menschen unmittelbar nutzbar werden.
Aus jener Rücksicht sind, wie wir unten sehen
werden, die Insecten und Gewürme die bey
weiten wichtigsten Geschöpfe; aus dieser hin-
gegen die Säugethiere. Die Verschiedenheit
in ihrer Bildung, ihre große Gelehrigkeit,
ihre Stärke u.s.w. machen sie für den Men-
schen auf die mannigfaltigste Weise brauchbar.
Aus keiner andern Classe von Thieren hat er
sich so treue, dienstfertige und arbeitsame Ge-
hülfen zu schaffen gewußt; keine ist ihm zu
seinem unmittelbaren Gebrauch und zu seiner
Selbsterhaltung so unentbehrlich als diese. –
Ganze Völker des Erdbodens können mit
einer einzigen Art von Säugethieren fast alle
ihre dringendsten Bedürfnisse befriedigen. So
[Seite 58] die Grönländer mit dem Seehund; die Lappen,
Tungusen etc. mit dem Renthier; die Aleuten
mit dem Wallfisch.

§. 51.

Die vielfache Brauchbarkeit der Säu-
gethiere fürs Menschengeschlecht reducirt sich
vorzüglich auf folgendes. Zum Reiten, zum
Zug, Ackerbau, Lasttragen u.s.w.:
Pferde, Maulthiere, Esel, Ochsen, Büffel,
Renthiere, Elephanten, Camele, Llamas,
Hunde. Zur Jagd, zum Bewachen etc.
Hunde. Zum Mausen und Vertilgen ande-
rer schädlichen Thiere: Katzen, Igel, Amei-
senbären etc. Zur Speise: das Fleisch vom
Rindvieh, Schafen, Ziegen, Schweinen,
vom Hirschgeschlecht, von Hasen, Kanin-
chen, u.s.w. Ferner Speck, Schmalz,
Blut, Milch, Butter, Käse. Zur Klei-
dung, zu Decken, Zelten etc. Pelzwerk,
Leder, Haare, Wolle etc. Zum Brennen:
Talg, Fischthran, Wallrath*). Zum
Schreiben, Bücherbinden etc. Perga-
ment, Leder. Für andere Künstler und zu
allerhand Gebrauch: Borsten, Haare
(zumahl Menschen- und Pferde Haar), Ge-
weihe Hörner, Klauen, Elfenbein u.a.
[Seite 59] Zähne, Fischbein, Knochen, Blasen. Därme,
Sehnen und Knochen zu Tischerleim.
Därme zu Saiten. Blut zu Berliner-
blau u.a. Farben. Knochn und Huf zu
Beinschwarz, Hornschwarz etc. Fett
und Mark zu Seife. Mist zum Dünger,
zur Feuerung, zu Salmiak etc. Endlich
zur Arzney: Bisam, Bibergeil, Hirsch-
horn, Milch etc.

§. 52.

Von der andern Seite sind aber freylich
mehrere Thiere dieser Classe dem Menschenge-
schlecht unmittelbar oder mittelbar nachthei-
lig. Manche reißende Thiere, besonders aus
dem Katzen-Geschlecht, fallen Menschen an.
Eben diese und noch manche andere, z.B.
die Wiesel, Marder, Iltisse, Vielfraße,
Fischottern, Wallfische etc. vertilgen viele nutz-
bare Thiere: – oder schaden den Ge-
wächsen, Bäumen, Gartenfrüchten,
dem Getreide u.s.w. wie die Feldmäuse,
Hamster, Leming, Hirsche, Hasen, Biber,
Affen, Elephanten, Rhinocer, Nilpferde etc.
oder gehen andern Eßwaaren nach; wie
Ratten, Mäuse, Fledermäuse usw. Gift
scheint kein einziges Thier dieser Classe zu
besitzen, außer in der Wuth und Wasserscheue,
der zumahl die aus dem Hundegeschlecht aus-
gesetzt sind.

§. 53.

[Seite 60]

Man hat verschiedene künstliche, d.h.
bloß von einzelnen zum Classificationsgrunde
gelegten Charaktern entlehnte Systeme (sy-
stemata artificialia
), nach welchen verdiente
Naturforscher die Säugethiere zu ordnen ver-
sucht haben. Aristotelis Eintheilung z.B.
ist auf die allgemeinste Verschiedenheit
der Zehen und Klauen gegründet, und die
haben auch Ray u.a. zum Grunde gelegt,
und nach der Zahl der Zehen etc. weiter be-
arbeitet. Aber hierbey müssen die verwandte-
sten und im Ganzen noch so ähnlichen Gattun-
gen von Ameisenbären, Faulthieren etc. ge-
trennt, und in ganz verschiedene Ordnungen
versetzt werden, bloß weil die eine mehr,
die andere weniger Zehen hat. Linné hat die
Zähne zum Classificationsgrund gewählt, ein
Weg, auf dem man aber nicht minder, bald auf
die unnatürlichsten Trennungen, bald auf
die sonderbarsten Verbindungen stößt*). Das
Geschlecht der der Fledermäuse muß nach des Rit-
ters Entwurf, wegen des verschiedenen Ge-
bisses bey einigen Gattungen, wenigstens in
drey verschiedene Ordnungen zerstückt werden;
so die beyderley Nashörner in zwey; – Da-
gegen kommt der Elephant mit den Panzer-
[Seite 61] thieren, und den formosanischen Teufelchen
in eine gemeinschaftliche Ordnung etc.

§. 54.

Ich habe daher ein im Ganzen natür-
licheres System der Säugethiere zu entwer-
fen getrachtet, wobey ich mehr auf den To-
talhabitus dieser Thiere gesehen, doch vor-
züglich die Bewegungswerkzeuge, weil sie am
leichtesten in die Augen fallen und dem Total-
habitus sehr angemessen sind, zum Grund der
Ordnungen gelegt, aber zweye derselben,
welche vielartige Geschöpfe begreifen, wieder
nach der Verschiedenheit ihres Gebisses in
einige Familien unterabgetheilt, und diese
mit den bekannten Nahmen einiger Linneischen
Ordnungen bezeichnet: und so die ganze Classe
folgender Maßen geordnet:

I. Ordn. Bimanus. Der Mensch mit zwey
Händen.

II. Quadrumana. Thiere mit vier Händen.
Affen, Paviane, Meerkatzen und Makis.

III. Chiroptera. Die Säugethiere deren
Vorderfüße Flatterhäute bilden (§. 43.).
Die Fledermäuse.

IV. Digitata. Säugethiere mit freyen Zehen
an allen vier Füßen. – Diese Ordnung
zerfällt nach der Verschiedenheit des Gebis-
ses in folgende drey Familien:

[Seite 62]

A) Glires. Mit mauseähnlichem Gebiß.
Eichhörnchen, Hasel- und andere
Mäuse, Murmelthiere, Meerschwein-
chen etc. Springmäuse, Hasen, Sta-
chelschweine.

B) Ferae. Die eigentlich so genannten
reißenden Thiere und einige andere Ge-
schlechter mit ähnlichem Gebiß. Igel,
Spitzmäuse, Maulwürfe, Beutelthiere,
Viverren, Wisel, Bären, Hunde etc.
Löwen etc.

C) Bruta. Ohne Gebiß, oder wenigstens
ohne Vorderzähne etc. Faulthiere, Amei-
senbären, Schuppenthiere, Panzerthiere.

V. Solidungula. Pferd etc.

VI. Bisulca. Die wiederkauenden Thiere
mit gespaltenen Klauen.

VII. Multungula. Meist sehr große, oder
unförmliche, borstige oder dünnbehaarte
Säugethiere mit mehr als zwey Klauen an
jedem Fuß. Schweine (denn auch diese
haben im Grunde vier Klauen) Tapir, Ele-
phanten, Nashörner, Nilpferd.

VIII. Palmata. Säugethiere mit Schwimm-
füßen. Wieder nach der Verschiedenheit
ihres Gebisses in obgedachte drey Familien
getheilt:

[Seite 63]

A) Glires. Biber.

B) Ferae. Seehunde etc. Ottern.

C) Bruta. Das Schnabelthier, Wallroß,
der Manate.

Letzterer macht von hier den schicklichsten
Uebergang zur letzten Ordnung,

IX. Cetacea. Wallfische, warmblütige Thiere,
die mit den kaltblütigen Fischen fast nichts
als den unschicklichen Nahmen gemein ha-
ben, und deren natürliche Verbindung mit
den übrigen Säugethieren schon Ray voll-
kommen richtig eingesehen hat*).

* * *

Zur N. G. der Säugethiere.

  1. Conr. Gesneri historiae animalium L. I. de qua-
    drupedibus viuiparis.
    Basil. 1551 fol.
  2. Ul. Aldrovandi de quadrupedibus digitatis viui-
    paris
    L. III. Bonon.
    1627. fol.
  3. Id. de quadrupedibus solidipedus ib. 1616. fol.
  4. Id. de quadrupedibus bisulcis ib. 1613. fol.
  5. Ej. de cetis L. I. (am Ende seines Werks de pisci-
    bus
    ) ib. eod. fol.
  6. Jo. Raii. synopsys animalium quadrupedum. Lond.
    1613. 8.
  7. Buffon.
  8. Th. Pennant's history of quadrupeds. Lond. 1781.
    II. vol. 4.
  9. Deutsch mit Zusätzen von D. M. Bechstein. Weimar
    1799. II. B. 4.
  10. Ej. arctic zoology vol. I. ib. 1784. 8.
  11. J. Ch. Dan. v. Schreber Säugethiere. Erlang. seit
    1774. 4.
  12. J. Chr. Pol. Erxleben systema mammalium Lips.
    1777. 8.
  13. E. A. W. v. Zimmermann geographische Geschichte
    des Menschen, und der allgemein verbreiteten
    vierfüßigen Thiere. Leipz. 1778. III. B. 8.
  14. J. M. Bechsteins gemeinnützige N. G. Deutschlands
    I. B. Leipz. 1789. 8.
  15. A general history of Quadrupeds. The figures
    engraved on wood by J. Bewick
    . Newcastle
    upon Tyne
    1790. 8.

I. BIMANVS.

[Seite 65]

1. Homo. Erectus, bimanus. Mentum
prominulum. Dentes aequaliter ap-
proximatis; incisoribus inferioribus erecti
.

1. Sapiens.

Zu den äußern Kennzeichen, wodurch der
Mensch selbst vom menschenähnlichsten Affen,
geschweige von den übrigen Thieren zu unter-
scheiden ist, gehört vorzüglich sein aufrechter
Gang (als wozu sein ganzer Wuchsund Bil-
dung, besonders aber seine beckenähnlichen Hüft-
knochen, das Verhältniß seiner Schenkel zu den
Armen und seine breiten Fußsohlen, eingerichtet
sind), dann der freyeste Gebrauch zweyer voll-
kommenen Hände; ferner sein prominiren-
des Kinn und die aufrechte Stellung seiner
untern Schneidezähne.

Das weibliche Geschlecht hat (außer der ihm
in der Blüthe des Lebens eigenen Form des Bu-
fens) noch ein Paar eigenthümliche Charaktere
die dem männlichen und allen übrigen Thieren
abgehen, nähmlich einen periodischen Blutver-
lust in einer bestimmten Reihe von Lebensjahren;
und dann einen besondern Theil an den Sexual-
Organen, dessen Mangel oder Zerstörung als
ein körperliches Kennzeichen der verletzten
jungfräulichen Integrität anzusehen und wenig-
stens in der Form und Lage noch bey keinem an-
dern weiblichen Thiere bemerkt ist.

Was aber die Seelenfähigkeiten des Menschen
betrifft, so hat er außer dem Begattungstriebe
wenig Spuren von Instinct (§. 34. u. f.),
Kunsttriebe aber (§. 36.) schlechterdings gar
[Seite 66] nicht. Dagegen ist er ausschließlich im Besitz
der Vernunft (§. 37.), und der dadurch von
ihm selbst erfundenen Rede oder Sprache (lo-
quela
), die nicht mit der bloß thierischen
Stimme (vox) verwechselt werden darf (§. 25.),
als welche auch den ganz jungen und selbst den
stummgebornen Kindern zukommt. Und so
folgt aus jenen beyden ausschließlichen Vorzü-
gen das große ausschließliche Eigenthum der
Menschenspecies, wodurch sie über die ganze
übrige thierische Schöpfung erhoben wird, das
Vermögen sich selbst zu vervollkommnen.

* * *

Der Mensch ist für sich ein wehrloses, hülfs-
bedürftiges Geschöpf. Kein anderes Thier
außer ihm bleibt so lange Kind, keins kriegt so
sehr spät erst sein Gebiß, lernt so sehr spät
erst auf seinen Füßen stehen, keins wird so sehr
spät mannbar u.s.w. Selbst eine großen
Vorzüge, Vernunft und Sprache, sind nur
Keime, die sich nicht von selbst, sondern erst
durch fremde Hülfe, durch Cultur und Erziehung ent-
wickeln können; daher denn bey dieser Hülfs-
bedürftigkeit und bey diesen zahllosen dringenden
Bedürfnissen die allgemeine natürliche Bestim-
mung des Menschen zur gesellschaftlichen Ver-
bindung. Nicht ganz so allgemein läßt sich
hingegen vor der Hand noch entscheiden, ob in
allen Welttheilen die Proportion in der Anzahl
der gebornen Knäbchen und Mädchen, und die
Dauer der Zeit und der Fortpflanzungsfähigkeit bey
beyden Geschlechtern so gleich sey, daß der
Mensch überall so wie in Europa zur Mono-
gamie bestimmt sey.

Sein Aufenthalt und seine Nahrung sind
beyde unbeschränkt; er bewohnt die ganze be-
[Seite 67] wohnbare Erde, und nährt sich beynahe aus der
ganzen organisirten Schöpfung. Und in Ver-
hältniß zu seiner mäßigen körperlichen Größe,
und in Vergleich mit andern Säugethieren er-
reicht er ein ausnehmend hohes Alter.

* * *

Es giebt nur eine Gattung (species) im
Menschengeschlecht; und alle und bekannten Völ-
ker aller Zeiten und aller Himmelsstriche können
von einer gemeinschaftlichen Stammrasse ab-
stammen*). Alle National-Verschiedenheiten in
Bildung und Farbe des menschlichen Körpers
sind um nichts auffallender oder unbegreiflicher
als die, worin so viele andere Gattungen von
organisirten Körpern, zumahl unter den Haus-
thieren, gleichsam unter unsern Augen ausarten.
Alle diese Verschiedenheiten fließen aber durch so
mancherley Abstufungen und Uebergänge so un-
vermerkt zusammen, daß sich daher auch keine
andere, als sehr willkürliche Gränzen zwischen
ihnen festsetzen lassen. Doch habe ich das ganze
Menschengeschlecht noch am füglichsten unter fol-
gende fünf Rassen zu bringen geglaubt:

1) Die caucasische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 3. und 51.

von mehr oder weniger weißer Farbe mit
rothen Wangen, langem, weichem, nuß-
braunem Haar (das aber einerseits ins
Blonde, anderseits ins Schwarze über-
geht); und der nach den europäischen Be-
griffen von Schönheit musterhaftesten Sche-
del- und Gesichts-Form. Es gehören dahin
[Seite 68] die Europäer mit Ausnahme der Lappen
und übrigen Finnen; dann die westlichern
Asiaten, dießseits des Ob, des caspischen
Meers und des Ganges; nebst den Nordafri-
canern; – also ungefähr die Bewohner der
den alten Griechen und Römern bekannten
Welt.

2) Die mongolische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. I.

meist waizengelb (theils wie gekochte Quitten,
oder wie getrocknete Citronschalen); mit we-
nigem, straffem, schwarzem Haar; engge-
schlitzten Augenliedern, plattem Gesicht; und
seitwärts eminirenden Backenknochen. Diese
Rasse begreift die übrigen Asiaten, mit Aus-
nahme der Malayen, dann die finnischen
Völker in Europa (Lappen etc.), und die Es-
kimos im nördlichen America von der Be-
ringsstraße bis Labrador.

3) Die äthiopische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 5.

mehr oder weniger schwarz; mit schwarzem,
krausem Haar; vorwärts prominirenden Kie-
fern, wulstigen Lippen und stumpfer Nase.
Dahin die übrigen Africaner, nahmentlich
die Neger, die sich dann durch die Fulahs in
die Mauren etc. verlieren, so wie jede andere
Menschen-Varietät mit ihren benachbarten
Völkerschaften gleichsam zusammen fließt.

4) Die americanische Rasse:

Abbild. n. h. gegenst. tab. 2.

Lohfarb oder zimmtbraun (theils wie Eisenrost
oder angelaufenes Kupfer); mit schlichtem,
straffem, schwarzem Haar, und breitem aber
nicht plattem Gesicht, sondern stark ausge-
[Seite 69] wirkten Zügen. Begreift die übrigen Ame-
ricaner außer den Eskimos.

5) Die malayische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 4.

von brauner Farbe (einerseits bis ins helle
Mahagoni anderseits bis ins dunkelste Nelken-
und Castanienbraun); mit dichtem schwarz-
lockigem Haarwuchs; breiter Nase; großem
Munde. Dahin gehören die Südsee-In-
sulaner oder die Bewohner des fünften Welt-
theils und der Marianen, Philippinen, Mo-
lucken, sundaischen Inseln etc. nebst den eigent-
lichen Malayen*).

Von diesen fünf Haupt-Rassen muß nach allen
physiologischen Gründen die caucasische als die
so genannte Stamm- oder Mittel-Rasse an-
genommen werden. Die beyden Extreme,
worin sie ausgeartet, ist einerseits die mongo-
lische, anderseits die äthiopische. Die andern
zwey Rassen machen die Uebergänge. Die
americanische den, zwischen der caucasischen
und mongolischen, so wie die malayische den,
[Seite 70] zwischen jener Mittel-Rasse und der äthio-
pischen*)

* * *

Alle den fabelhaften Wust herzuzählen, womit
die Menschen die N. G. ihres Geschlechts ver-
unreinigt haben, lohnt sich jetzt nicht der
Mühe; – doch nur Weniges von vielen.

Die vermeintlichen patagonischen Riesen z.B.
sind, von Magalhaens Zeiten bis auf die
unserigen, in den Erzählungen der Reisenden,
von zwölf Fuß zu siebentehalb eingekrochen,
[Seite 71] und bleiben also wenig größer als jeder an-
dere Mensch von guter Statur.

Und daß die noch neuerlich von Commerson für
ein Zwergvölkchen ausgegebenen Quimos auf
Madagascar nichts weiter sind als eine Art
Cretine, d.h. kleine Blödsinnige mit dicken
Köpfen und langen Annen (dergleichen sich
im Salzburgischen, so wie im Walliserlande,
zumahl aber im Piemontesischen in Menge
finden), wird bey pathologischer Prüfung
mehr als bloß wahrscheinlich.

Eben so sind die Kackerlacken, Blafards, Al-
binos, oder weiße Mohren*) nicht ein
Mahl eine Spielart, geschweige eine besondere
Gattung, sondern gleichfalls Patienten, deren
Geschichte mehr in die Pathologie als in die
Naturhistorie gehört.

Linnés Homo troglodytes ist ein unbegreifliches
Gemisch aus der Geschichte jener preßhaften
kränklichen weißen Mohren, und des Orang-
utangs: – sein Homo lar hingegen ein wah-
rer Affe.

Die in Wildniß unter Thieren erwachsenen Kin-
der sind klägliche sittliche Monstra, die man
eben so wenig, als andere durch Krankheit
oder Zufall entstellte Menschen, zum Mu-
ster des Meisterstücks der Schöpfung anfüh-
ren darf.

[Seite 72]

Geschwänzte Völker, von Natur geschürzte
Hottentottinnen, die vorgebliche natürliche
Bartlosigkeit der Americaner*) die Sirenen,
Centauren, und alle Fabeln von gleichem
Schrot und Korn, verzeihen wir der guther-
zigen Leichtgläubigkeit unserer lieben Alten.


II. QVADRVMANA.

Säugethiere mit vier Händen, wie es ihre
Lebensart und ihr Aufenthalt auf den Bäumen
erfordert. Sie sind ursprünglich wohl bloß
zwischen den Wendezirkeln zu Hause**).

2. Simia. Affe. Habitus plus minus an-
thropomorphus, auriculae et manus fere
humanae. Nares anteriores. Dentes

primores incisores, supra et infra 4.
laniarii solitarii, reliquis longiores.

Bloß in der alten Welt; zwar menschenähn-
licher als die Thiere der nächstfolgenden Ge-
schlechter, doch aber außer den schon beym
Menschengeschlecht angeführten Umständen, in
ihrer ganzen Bildung, besonders auch durch die
schmalen Hüften und platten Lenden, aufs auf-
fallend sichtlichste vom Menschen unterschieden.

a) Ungeschwänzte.
[Seite 73]

1. Satyrus. der Orangutang. S. subfusca, auri-
culis minoribus, pollice manuum posterio-
rum mutico, vngue destituto
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 12 unb 52.

Wie es scheint bloß auf Borneo; läßt sich,
wenn er ganz jung eingefangen worden, so wie
der Schimpansee und andere Affen auch, zu
allerhand künstlichen Handlungen abrichten, die
man aber von seinem natürlichen Betragen genau
unterscheiden muß.

Ist, wie Camper aus der Zergliederung eines
solchen Thiers gezeigt, weder einer menschlichen
Rede, noch eines natürlichen aufrechten Gan-
ges fähig.

2. Troglodytes. der Schimpansee, Pongo,
Jocko, Barris. S. nigra, macrocephala,
torosa, auriculis magnis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 11.

Im innern von Angola, Congo etc. und tiefer
landeinwärts; so wie der vorige ungefähr von
der Größe eines achtjährigen Buben.

3. Lar. der Gibbon, Golok. (Linnés Homo
lar.) S. brachiis longissimis, talos at-
tingentibus.

v. Schreber tab. 3.

Auf beyden indischen Halbinseln, auch auf
den Molucken; hat ein rundliches, ziemlich
menschenähnliches Gesicht und ungeheuer lange
Arme. Ist von schwärzlicher Farbe, und wird
gegen vier Fuß hoch.

[Seite 74]

4. Sylunanus. der gemeine türkische Affe.
S. brachiis corpore breuioribus, natibus
caluis, capite subrotundo.

v. Schreber tab. 4.

In Nordafrica, Ostindien etc. Unter den un-
geschwänzten Affen der gemeinste und dauerhaf-
teste; der auch leicht in Europa Junge heckt; ist
sehr gelehrig etc. Ihm ähnelt der inuus (cyno-
cephalus
, Büffons magot) der auch gleiches
Vaterland, mit ihm hat. Einer von beyden ist
auch auf Gibraltar verwildert, und hat sich da
im Freyen fortgepflanzt.

b) Geschwänzte.

5. Rostrata. der langnasige Affe, Kahau,
Bantagan (Fr. le nasique, la guenon à
long nez
). S. cauda mediocri, naso elon-
gato, rostrato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 13.

Auf den sundaischen Inseln. Eine simia die
nicht sima ist, sondern sich durch eine lange
rüsselförmige Nase auffallend auszeichnet.

6. Cynomolgus. der Macacco. die (insgemein
so genannte) Meerkatze. S. cauda longa,
arcuata, labio leporino.

v. Schreber tab. 12.

Auf Guinea, Angola etc. beynahe olivengrün.
Wird unter den geschwänzten wahren Affen am
häufigsten nach Europa gebracht.

3. Papio Pavian. (Fr. babouin. Engl.
baboon.) Facies prolongata, minus an-
thropomorpha, nasus vtrinque tubero-
[Seite 75] sus, nates nudae, coccineae, cauda ple-
risque*) abbreuiata. Dentes vt in simiis.

Auch bloß in der alten Welt. Ihr Kopf hat
wenig menschenähnliches, bey manchen eher
etwas vom Schwein, zumahl in der Schnauze.
Meist sind es unbändige, und äußerst geile
Thiere.

1. Mormon. der Choras. P. naso miniato
ad latera caerulescente.

v. Schreber tab. 8. A. 8. B.

Auf Ceilan etc. Wird gegen fünf Fuß hoch;
hat, zumahl wegen der hochfarbigen abstechen-
den Streifen auf und zu beyden Seiten der
Nase, ein auffallendes Ansehen.

2. Maimon. der Mandril. P. facie violacea
glabra, profunde sulcata.

v. Schreber tab. 7.

Auf Guinea, am Cap etc. wo oft ganze
Scharen Weinberge und Obstgärten plündern
sollen. Kleiner als der vorige.

4. Cercopithecvs. Meerkatze. Au-
riculae et manus minus humanae. Na-
tes laterales. Nates tectae. Dentes vt
in simiis.

Das ganze Geschlecht ist bloß im wärmern
Süd-America einheimisch, wo es den einheimi-
schen Indianern zu einem gemeinen Wildbret
dient.

[Seite 76]

a) Cauda prehensili, die Sapajous.

1. Paniscus. der Coaita, Beelzebub. C. ater,
palmis tetradactylis
absque pollice.

v. Schreber tab. 26. A. 26. B.

Hat ungemeines Geschick in seinem langen
Rollschwanze*).

b) Cauda non prehensili, die Sanguinchen.

2. Iacchus. der Uistiti. C. iuba pilosa alba
ad genas ante aures, cauda villosa annulata.

v. Schreber tab. 33.

Braun, und so klein, daß er in einer Cocos-
nuß-Schale Raum hat.

5. Lemvr. Maki. Nasus acutus, dentes
primores superiores 4. per paria remoti,
inferiores
4-6. porrecti, compressi,
incumbentes;
laniarii solitarii, ap-
proximati
**).

1. Tardigradus. der Loris. (cucang.) L.
ecaudatus.

v. Schreber tab. 38.

Auf Ceilan; hat die Größe und Farbe des
Eichhörnchens, schlanke dünne Beine etc. und so
wie die folgende Gattung am Zeigefinger der
Hinterfüße eine spitzige Kralle, an allen übrigen
Fingern aber platte Nägel.

[Seite 77]

2. Mongoz. der Mongus. L. facie nigra,
corpore et cauda griseis
.

v. Schreber tab. 39. A. 39. B.

So wie einige verwandte Gattungen auf
Madagascar und den benachbarten Inseln. Die
Hinterfüße sind viel länger als die vordern.
Sein Fell hat, wie bey manchen Affen, einen
specifiken Geruch, fast nach Ameisenhaufen.


III. CHIROPTERA.

Die Finger der Vorderfüße sind, den Dau-
men ausgenommen, länger als der ganze Kör-
per dieser Thiere; und zwischen denselben ist
die zarte Flatterhaut ausgespannt (§. 43.).
Daher können sie eben so wenig als die Affen
mit ihren Händen, oder die Faulthiere mit
ihren hakenförmigen Kletterkrallen etc. bequem
auf der Erde gehen.

6. Vespertilio. Fledermaus (Fr.
chauvesouris. Engl. bat.) Pollex palma-
rum et digiti plantarum breues, reliqui
longissimi, membranae expansili inter-
texti, pro volatu.

Ein weitläuftiges Geschlecht von animalibus
nocturnis
, dessen verschiedene Gattungen in
alle fünf Welttheile verbreitet sind.

a) Dentibus primorbius 4. vtrinque.

1. Spectrum. der Vampyr. V. ecaudatus, naso
infundibuliformi lanceolato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 31.

[Seite 78]

In Südamerica; der Körper von der Größe
des Eichhörnchen. Wird dadurch sehr lästig,
daß er nicht nur anderen größeren Säugethieren,
dem Rindvieh, Pferden etc. sondern auch schla-
fenden Menschen, bey welchen er sich vorzüglich
an die Fußzehen setzt, Blut aussaugt, woher
er denn auch den Nahmen des Vampyrs (Blut-
saugers) erhalten hat.

2. Caninus. der fliegende Hund. (Linnés
vampyrus. Büffon's roussette.) V. ecau-
datus, naso simplici, membrana inter fe-
mora diuisa.

v. Schreber tab. 44.

Weit größer als der Vampyr, so daß er mit
ausgespannten Flatterhäuten gegen 6 Fuß messen
soll, lebt aber bloß von Baumfrüchten und kann
also schlechterdings nicht Vampyr genannt wer-
den: findet sich scharenweise auf den Molucken
und andern ostindischen und Austral-Inseln; in
unzähliger Menge aber auf Neu-Holland.

b) dentibus primoribus supra 4. infra 6.

3. †. Auritus. (Büffon's oreillard.) V. cau-
datus, auriculis maximis.

So wie die folgende in den mildern Gegen-
der alten Welt. Ihre Ohren, die man insge-
mein, aber irrig, doppelt nennt, sind einfach,
nur alle Theile ungeheuer groß.

4. †. Murinus. die gemeine Fledermaus, Speck-
maus. (Engl. the rearmouse.) V. caudatus,
auriculis capite minoribus.

Hängt sich so wie auch die vorige Gattung zu
ihrem Winterschlaf in Höhlen an den Hinter-
füßen auf.

[Seite 79]

c) dentibus primoribus superioribus nullis.

5. †. Ferrum equinum. die Hufeisennase.
V. naso foliato ferti, equini aemulo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 42.

Im mittlern und südlichen Europa.


IV. DIGITATA. (Pododactyla)

Die Säugethiere mit freyen Zehen an allen
vier Füßen. Die zahlreichste Ordnung an,
Geschlechtern und Gattungen, daher jene füg-
lich nach der Verschiedenheit ihres Gebisses erst
wieder unter drey Familien gebracht werden.
A) Glires. B) Ferae. C) Bruta.

A) Glires. (Scalpris dentata Io.
Hunter
.)

Mit zwey zum Nagen bestimmten meißel-
artigen Vorderzähnen in jedem Kiefer, ohne
Eckzähne.

7. Scivrvs. Cauda pilosa, disticha.
Dentes
primores vtrinque 2; inferiores
subulati.

1. Volans. das fliegende Eichhörnchen.
(Büffon's polatouche.) S. duplicatura cutis
laterali a pedibus anterioribus ad posteriores.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 71.

In Liefland, Rußland und Sibirien. Von
der Farbe des petit gris. Das schlaffe Fell,
das von den Vorderfüßen nach den Hinter-
füßen zu auf der Seite wegläuft, dient ihm
[Seite 80] nur wie zu einem Fallschirm, um einen weitern
Sprung von der Höhe herab wagen zu dürfen.

2. †. Vulgaris. das Eichhörnchen. (Fr. l'ecu-
reil.
Engl. the squirrel.) S. auriculis apice
barbatis, cauda dorso concolori.

Wohl in ganz Europa, fast ganz Asien
Die nordischen, zumahl an den Ufern des Ob
und am Baikal-See, werden im Winter grau,
und geben dann das echte Grauwerk, (petit
gris
). Zuweilen finden sich auch hier zu Lande
schwarze Eichhörnchen; seltener schneeweiße mit
rosenrothen Augen; und noch seltener weiß- und
schwarzgefleckte.

Der virginische Sc. cinereus (Büffon's petit
gris
) ist größer und ohne Ohrpinsel. Thut
zumahl den Maisfeldern großen Schaden.

8. Glis. (Myoxus.) Cauda rotunda,
versus apicem crassior. Dentes vt in
sciuris.

1. †. Esculentus. der Siebenschläfer, Ratz,
Bilch, die Rellmaus (Fr. le loir Engl.
the rellmouse.) G. griseus, subtus albidus,
auriculis rotundatis, nudis
.

v. Schreber tab. 225.

So wie die folgende Gattung in den mildern
Erdstrichen der alten Welt. Es ist der wahre
glis der Alten, den sie verspeiseten*), und in
eigenen glirariis**) mästeten. Lebt in Eichen-
und Buchenwäldern, nistet in hohle Bäume; und
hält langen und sehr festen Winterschlaf.

[Seite 81]

2. †. Auellanarius. die kleine Haselmaus.
(Fr. le muscardin. Engl. the dormouse.)
G. rufus, pollice plantarum mutico, auri-
culis rotundatis.

v. Schreber tab. 227.

Kleiner am Leibe als die Hausmaus. Zu
ihrem Winterschlaf bereitet sie sich ein kugliches,
ziemlich festes Lager von Tangelnadeln, u.a.
kleinem Gestrüppe, worein sie sich vergräbt.

9. Mvs. Cauda gracilis, subnuda. Den-
tes vt in praecedentibus.

1. Oeconomus. die Wurzelmaus. M. cauda
subsesquiunciali, auriculis nudis vellere
molli latentibus, palmis subtetradactylis,
corpore fusco
.

v. Schreber tab. 190.

Durch Sibirien, bis nach Kamtschatka. Wird
theils durch die großen Wanderungen, die sie,
zumahl von Kamtschatka aus, in manchen Jah-
ren, fast wie der Lemming, anstellt, besonders
aber durch die Industrie merkwürdig, womit sie
eine große Menge meist eßbarer Wurzeln in ihre
unterirdischen Höhlen schleppt, denen die Tun-
gusen etc. (wie die Thüringer dem Hamster-Vor-
rath) nachgraben.

2. †. Syluaticus. die Waldmaus, große Feld-
maus. (Fr. le mulot. Engl. the field rat.)
M. cauda mediocri, pectore flauescente,
abdomine albido.

v. Schreber tab. 180.

Thut den Feldfrüchten und der Holzsaat
Schaden.

3. †. Amphibius. die Wasserratte, der Erd-
wolf. M. cauda longitudine dimidia cor-
[Seite 82] poris, auribus vix vellere prominulis, pe-
dibus subtetradactylis.

v. Schreber tab. 186.

Ist zumahl den Gärten nachtheilig, besonders
dem Wurzelwerk.

4. †. Arualis. die Feldmaus, Stoßmaus
(Fr. le campagnol. Engl. the field-mouse.)
M. cauda mediocri, dorso ferrugineo, ab-
domine cinereo.

v. Schreber tab. 191.

Vermehrt sich in manchen Jahren ungeheuer,
und thut zumahl der Wintersaat großen Schaden.

5. †. Musculus. die Hausmaus. (Fr. la souris.
Engl. the mouse.) M. cauda elongata, pal-
mis tetradactylis, pollice palmarum mutico.

In Europa und den gemäßigten Erdstrichen
von Asien und America. Hat sich dem Menschen
gewisser Maßen zum Hausthier aufgedrungen.

Die weißen Mäuse mit rothen Augen sind die
Kackerlacken in ihrer Art, und zuweilen so licht-
schen, daß sie in der Hellung die Augenlider fest
zuschließen, und für blind gehalten werden.

6. †. Rattus. die Ratte. (Fr. le rat. Engl.
the rat.) M. cauda elongata, palmis tetra-
dactylis cum vnguiculo pollicari.

Ist jetzt fast über alle fünf Welttheile verbrei-
tet; scheint aber ursprünglich im mittlern Europa
zu Hause. Aeußerst gefräßig. Frißt sogar
Scorpione, und zieht dem Menschen und seinen
Victualien überall nach. Den Bergleuten in die
tiefsten Schachte, so wie den Seefahrern auf die
Schiffe. Unter andern gehört diese Land- und
Hausplage zu den gefährlichsten Feinden der
Zuckerplantagen in West-Indien.

[Seite 83]

An vielen Orten wird sie allgemach durch die
Wanderratte (M. decumanus Fr. le surmulot)
verdrängt, die heller von Farbe und ihr Fell
mit vielen einzelnen langen Borstenhaaren
durchmengt ist.

10. Marmota. (Arctomys.) Auriculae
abbreuiatae, cauda breuis, aut nulla.
Dentes vt in praecedentibus.

1. Alpina das Murmelthier (Graubündnisch
murmont vom Lat. mus montanus. Fr. la
marmotte.
) M. corpore supra fusco, subtus
flauescente.

v. Schreber tab. 207.

In vielen der höhern Alpen von Europa und
Asien. Merkwürdig ist, daß man es auf der
allée blanche in Savoyen theils auf isolirten
Klippen findet, die wie Inseln aus diesem
Eismeer hervorragen, Stunden weit von allem
unbeeiseten Erdreich entfernt, und im gan-
zen Jahr nur etwa sechs Wochen lang vom
Schnee entblößt sind; so daß es scheint, die da-
sigen Murmelthiere durchschlafen wenigstens
zehn Monathe vom Jahre, und bringen nur einen
äußerst kleinen Theil ihrer Existenz wachend zu.

2. †. Cricetus. der Hamster, Kornferkel.
M. abdomine nigro.

F. G. Sulzers N. G. des Hamsters. Gött.
1774. 8. Taf. 1. 2.

Hin und wieder in Deutschland, Polen, Si-
birien etc. Lebt vorzüglich von Getreide, Boh-
nen etc., wovon er großen Vorrath in den Backen-
taschen zu seinen unterirdischen, wohl 7 Fuß tie-
fen, Höhlen schleppet. Eine Höhle hält wohl
manchmahl auf 60 Pfund solcher Victualien.
[Seite 84] Er vermehrt sich ausnehmend, und man hat
wohl eher im Gothaischen in einem Jahr über
27000 Hamster getödtet. Es gibt eine ganz
schwarze Spielart unter diesen Thieren, so wie
auch Kackerlacken mit rothen Pupillen.

3. Lemmus. der Lemming. M. capite acuto,
corpore nigro fuluoque irregulariter ma-
culato.

v. Schreber tab. 195. A. 195. B.

Häufig in Lappland und Sibirien. Zuweilen
emigriren ganze Legionen von einer Gegend in
die andere. Ihre unerwartete und unbemerkte
Ankunft, und dann auch der Fall, daß welche
von den Raubvögeln in die Luft gehoben und
sich doch noch los gearbeitet und herunter gefal-
len etc., mag zu der alten Sage Anlaß gegeben
haben, daß es mitunter Lemminge vom Him-
mel regne.

4. Typhlus. die Blindmaus, Slepez. M.
ecaudata, palmis pentadactylis, incisoribus
supra infraque latis, palpebrarum aperturis
auriculisque nullis.

v. Schreber tab. 206.

Im südlichen Rußland. Lebt mehrentheils
unter der Erde. Soll für seine kleinen ganz
deutlichen Augäpfel doch gar keine Oeffnung in
der Gegend der Augenlider haben, und folglich
gänzlich blind seyn.

11. Hyrax. (Daman) Dentes primores
superiores 2, distantes, inferiores 4
contigui, palmae digitis 4, plantae di-
gitis
3, cauda nulla.

[Seite 85]

1. Capensis. der Klipdas. (Büffon's mar-
motte du Cap
.) H. palmarum unguibus
planis, plantarum unico subulato
.

v. Schreber tab. 240.

Am Cap, ungefähr von der Größe des
Murmelthiers. Lagert sich auch so in Felsen-
höhlen, ist aber seinem eigenen anomalischen
Bau nach, zumahl wegen des Gebisses und
der Füße schwer zu classificiren.

12. Savia. Halbkanichen. Auriculae
rotundatae, paruae. Cauda nulla aut
breuis. Dentes
primores vtrinque 2.

Das ganze Geschlecht bloß im wärmern Süd-
america, zumahl in Brasilien.

1. Porcellus. das Meerschweinchen. (Fr. le
cochon d' Inde
. Engl. the Guinea-pig.) S.
ecaudata, corpore variegato
.

v. Schreber tab. 173.

Kommt auch in Europa leicht fort, variirt
in der Farbe, und ist wohl das fruchtbarste von
allen Säugethieren.

2. Aguti. (Piculi.) das Ferkelkaninchen. S.
caudata, corpore ex rufo fusco, abdomine
flauescente
.

v. Schreber tab. 172.

Größer als ein Kaninchen.

13. Lepvs. Dentes primores vtrinque 2;
superiores duplicati.

1. † Timidus. der Hase (Fr. le liévre. Engl.
the hare.) A. auriculis apice nigris, cor-
pore et pedibus posticis longioribus
.

[Seite 86]

Fast in der ganzen alten Welt, und auch in
Nord-America. Ist unter den Fußsohlen, und
sogar zum Theil im Munde, behaart. Beide,
Hase und Kaninchen, scheinen wieder zu kauen*).

Zuweilen gibt es schwarze Hasen, und in den
nördlichen und alpinischen Gegenden eine beson-
dere weiße Spielart, die eigentlich so genannten
Berghasen, die in manchen Gegenden, wie in
Grönland etc. Jahr aus Jahr ein, in andern
aber, wie in der Schweiz, nur im Winter weiß,
im Sommer aber von der gewöhnlichen Hasen-
Farbe sind.

Sonderbar ist, daß man schon so oft und in
ganz verschiedenen, Gegenden und Zeiten Hasen
will gefunden haben, aus deren Stirnknochen
ein Paar kleine Geweihe, völlig wie bey einem
Rehbock, nur weit kleiner, mit Krone und pro-
portionirten Enden gewachsen seyn sollen**).

2. † Cuniculus. das Kaninchen. (Fr. le la-
pin
. Engl. the rabbet.) L. auriculis nudatis,
corpore et pedibus posticis breuioribus
.

Ursprünglich in den wärmern Zonen der alten
Welt, aber nun auch in nordischen Gegenden
einheimisch. Sie vermehren sich so stark, daß
sie wohl eher [z.B. neuerlich ums Jahr 1736
auf der St. Peters Insel bey Sardinien***)]
[Seite 87] zur Landplage geworden sind*); und kommen
auch in ganz wüsten Gegenden, wie auf Volcano,
der sonst so öden liparischen Insel fort. Die
wilden sind grau. Die weißen mit rothen
Augen sind Kackerlacken in ihrer Art.

Die langhaarigen angorischen (S. 28. Anm. 2.)
oder so genannten englischen Seidenhasen kom-
men auch hier zu Lande gut fort.

14. Iacvlvs. (Dipus.) Pedes antici bre-
vissimi, postici elongati. Cauda salta-
toria, apice floccosa. Dentes
primores
vtrinque 2.

1. Jerboa. der Springhase, Erdhase, die
Springmaus, zweybeinige Bergmaus.
Palmis tridactylis, plantis tetradactylis.

v. Schreber tab. 228.

Zumahl in Nord-Africa, Arabien etc. Macht
sich Höhlen in die Erde. Springt mit der Leich-
tigkeit einer Heuschrecke, und wohl 7 bis 8 Fuß
weit.

15. Hystrix. Stachelschwein. (Fr.
porcepic. Engl. porcupine.) Corpus spinis
tectum. Dentes
primores vtrinque 2.

1. Dorsata. (Urson.) H. spinis breuibus sub
pilis occultis
.

v. Schreber tab. 169.

In Canada, auf Labrador, um die Hudsons-
bay etc. Thut zumahl im Winter den jungen
Baumstämmen großen Schaden.

[Seite 88]

2. Cristata. H. spinis longissimis, capite cri-
stato, cauda abbreuiata
.

v. Schreber tab. 167.

Ursprünglich im wärmern Asien und fast ganz
Africa; nährt sich zumahl von Baumrinden;
nistet in der Erde. Im Zorn rasselt es mit
seinen Stacheln, die ihm zuweilen, besonders
im Herbst, ausfallen; kann sie aber nicht ge-
gen seine Verfolger von sich schießen!*)

B) Ferae.

Mit spitzen oder zackigen Vorderzähnen, und
meist nur einem Eckzahn auf jeder Seite, der
aber bey den mehrsten von ansehnlicher Größe
und Stärke ist. – Die eigentlich so genannten
reißenden Thiere und einige andere Geschlechter
mit ähnlichem Gebiß.

16. Erinacevs. Corpus spinis tectum.
Dentes
primores vtrinque 6**); laniarii
supra 3; infra 1, molares 4.

1. † Europaeus. der Igel (Fr. le hérisson.
Engl. the hedge-hog.) E. auriculis rotun-
datis, naribus cristatis
.

Fast in der ganzen alten Welt. Ein animal
nocturnum
. Nährt sich aus beyden Reichen.
[Seite 89] Mauset wie eine Katze. Kann spanische Fliegen
in Menge fressen. Spießt allerdings (wie die
Alten sagen, von den Neuern hingegen ohne
allen Grund bezweifelt, mir aber nun schon
von drey ganz zuverlässigen Augenzeugen ver-
sichert worden) Früchte an seine Rücken-Sta-
cheln, um sie so in sein Lager zu tragen*).

17. Sorex. Nasus rostratus, auricu-
lae breues. Dentes
primores superio-
res
6**), bifidi; inferiores 2-4. inter-
mediis breuioribus
; laniarii vtrinque
plures
.

1. † Araneus. die Spitzmaus. (Fr. la mus-
araigne
. Engl. the shrew.) S. cauda me-
diocri, abdomine albido
.

v. Schreber tab. 160.

In Europa und Nord-Asien etc. Daß sie
giftig sey, oder den Pferden in den Leib
krieche etc. sind ungegründete Sagen. Selten
finden sich weiße Spitzmäuse.

2. † Fodiens. die Wasserspitzmaus. S. ab-
domine cinereo, digitis ciliatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 72.

An kleinen Gewässern. Statt einer Schwimm-
haut ist jede Zehe zu beyden Seiten mit steifen
Härchen besetzt, die die Füße zum Rudern un-
gemein geschickt machen. Die Oeffnung des
Gehörganges kann das Thier durch eine Klappe
zuschließen, so lange es unter Wasser ist.

[Seite 90]

3. Exilis. S. minimus, cauda crassissima
tereti
.

Am Jenisei und Ob. Das kleinste der bis
jetzt bekannten Säugethiere. Wiegt nur 1/2
Quentchen.

18. Talpa.*) Caput rostratum, pal-
mae fossoriae. Dentes
primores superio-
res
6, inferiores 8; laniarii maior 1,
minores 4.

1. † Europaea. der Maulwurf, die Scher-
maus. (Fr. la taupe. Engl. the mole)
T. cauda breuiore, auriculis nullis.

Fast in der ganzen alten Welt. Ist ein voll-
kommnes animal subterraneum, wozu ihm
außer andern Eigenheiten seines Körperbaues,
besonders die Schaufelpfoten zu Statten kom-
men. Er hat sehr kleine Augen, kann geschickt
schwimmen und bey Ueberschwemmung auf die
Bäume klettern. Es gibt auch weiße und
gefleckte Maulwürfe.

2. Versicolor. (s. aurata) T. ecaudata, pal-
mis tridactylis.

Vosmaer's monogr. 1787.

Bloß am Cap. Kann also nicht (nach Linné)
asiatica heißen. Ihr Haar schillert, zumahl
wenn es naß ist, mit farbigem Goldglanz.

[Seite 91]

19. Didelphis. (plerisque) hallux mu-
ticus. Feminis folliculus abdominalis
mammarum
.

Auch bey dieses Geschlechts so zahlreichen
und einander im Ganzen so verwandten Gat-
tungen variirt doch das Gebiß so mannigfaltig,
daß dieselben nach dem linnéischen System in
ganz verschiedene Geschlechter vertheilt werden müßten.

1. Marsupialis. das Beutelthier, Opossum.
D. albida, auriculis, antibrachiis et tibiis
nigris, cauda squamosa longitudine cor-
poris. Dentes
primores superiores 10, in-
feriores
8, laniarii elongati.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 54.

Zumahl im wärmern Nord-America*). Das
Weibchen von dieser und den mehresten übrigen
Gattungen dieses Geschlechts hat eine große
Tasche am Bauche, die durch besondre Muskeln
geschlossen und geöffnet werden kann; und in
deren Boden die Zitzen liegen. Die Jungen
werden ganz außer Verhältniß klein (gleichsam
nur als unreife Abortus) zur Welt gebracht,
dann aber erst lange Zeit in dieser Tasche ge-
tragen, wo sie sich ansaugen und von der Mut-
termilch nähren, bis sie reifer und vollkomme-
ner ausgebildet, gleichsam von neuen geboren
werden können.

[Seite 92]

2. Dorsigera. der surinamische Aeneas. D.
cauda basi pilosa, orbitarum margine fusco.
Dentes vt in priori
.

v. Schreber tab. 150.

In Süd-America. Das Weibchen, das bey
dieser Gattung keinen Zitzensack hat, soll seine
Junge, wenn sie noch klein sind, auf dem
Rücken tragen, und diese sich dabey mit ihren
Rollschwänzen an der Mutter ihrem anhalten.

3. Gigantea. das Känguruh. Cauda apice
attenuato, pedibus anticis breuissimis, po-
sticis longissimis. Palmis pentadactylis,
plantis subtetradactylis. Dentes
primores
superiores 6. inferiores 2. laniarii nulli.

v. Schreber tab. 154.

In Neu-Holland. Mausefahl. Ist, wenn es
aufrecht sitzt, wohl mannshoch, und 140 Pfund
schwer. Lebt in Herden von 50 und mehr
Stück. Ist bloß grasfressend. Springt in wei-
ten wohl zwey Klafter langen Sätzen. Das
Weibchen hat einen Zitzensack. Wirft nur Ein
Junges auf einmahl, das bey der Geburt kaum
halb so groß als eine Maus ist, dann aber
von der Mutter drey Vierteljahr lang in jenem
Sacke getragen wird, bis es wohl 14 Pfund
wiegt.

20. Viverra. Caput vulpinum. Cauda
plerisque felina. Dentes
primores vtrin-
que
6. intermediis breuioribus. Lingua
plerisque retrorsum aculeata. Vngues
exserti
.

1. Zibetha. die Zibethkatze (Hyaena odori-
fera
. Fr. la civette. Engl. the civet.) V.
[Seite 93] cauda annulata, dorso cinereo nigroque
vndatim striato
.

v. Schreber tab. 112.

Im südlichen Asien und nördlichen Africa.
Bey beyden Geschlechtern sammelt sich in einer
besondern Höhle, die zwischen dem After und
den Zeugungsgliedern liegt, das Zibeth, eine
schmierige, stark riechende Substanz.

2. Genetta. die Genettkatze. (Fr. la genette.
Engl. the genet.) V. cauda annulata, cor-
pore fuluo-nigricante maculato
.

v. Schreber tab. 113.

In der Levante. Wird seines Felles wegen
geschätzt.

3. Putorius. Das Stinkthier, Conepatl. (Fr.
la mouffette. Engl. the skunk, pol-cat.)
V. lineis quinque dorsalibus parallelis albis.

v. Schreber tab. 122.

In Virginien, Canada etc. Hat seinen Nah-
men von dem unerträglichen Gestank, den es,
so wie mehrere verwandte Gattungen seines
Geschlechts, im Zorne von sich gibt.

4. Ichneumon. die Pharaonsmaus, der
Mungo. (Büffon's mangouste.) V. cauda
basi incrassata sensim attenuata, pollicibus
remotiusculis
.

v. Schreber tab. 113. B.

Hat straffes, fast borstenartiges Haar, theils
weiß und graulichschwarz zart gesprenkelt. Ist
besonders häufig in Aegypten, wo es zumahl
den Crocodileneyern, so wie außer dem den
Schlangen, nachstellt; sich aber ausnehmend
kirre und häuslich machen läßt.

[Seite 94]

5. Aurita. das Großohr. (Fennet, Büf-
fon's animal anonyme.) V. auriculis am-
plissimis
.

Bruce's Reisen nach den Quellen des Nils,
V. B. tab. 22.

In der Barbarey, Nubien etc. Nistet auf den
Palmen, und lebt vorzüglich von Datteln.

21. Mvstela. Dentes primores supe-
riores
6, erecti, acutiores, distincti: in-
feriores
6, obtusiores, conferti; duo
interiores. Lingua laeuis
.

Die Gattungen dieses Geschlechts haben kurze
Füße, und einen lang gestreckten Körper, den
sie im Gehen bogenförmig krümmen. Sie sind
sehr flink, beissig und blutdürstig.

1. † Martes. der Baummarder, Edelmar-
der, Tannenmarder, Wildmarder, Feld-
marder. (Fr. la marte. Engl. the pine-
martin
.) M. corpore fuluo-nigricante,
gula flaua
.

v. Schreber tab. 130.

Zumahl im Schwarzholz der ganzen nörd-
lichen Erde. Sein schönes Fell kommt dem Zo-
bel am nächsten.

2. † Foina. der Hausmarder, Steinmarder.
(Fr. la fouine. Engl. the martin) M. cor-
pore fuluo-nigricante, gula alba
.

v. Schreber tab. 129.

Im mittlern und wärmern Europa und dem
benachbarten Asien.

3. †. Putorius. der Iltis, Ilk, Ratz, Stän-
kerratz. (Fr. le putois. Engl. the fitchet,
[Seite 95] polecat.) M. flauonigricans, ore et auri-
cularum apicibus albis
.

v. Schreber tab. 131.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem Haus-
marder. Auch in der Barbarey. Das ganze
Thier, und selbst sein abgezogenes Fell geben
einen sehr widrigen Geruch von sich.

Das Frettel (furo, Fr. le furet. Engl. the
ferret
) von gelblich weißer Farbe mit rothen Pu-
pillen, ist ein wahrer Kackerlacke in seiner Art,
folglich wohl sicher keine ursprüngliche eigene
Gattung, sondern eine Abart vom Iltis, mit
welchem es sich auch paart. Taugt gut zum
Ratten- und Caninchen-Fang.

4. Zibellina. der Zobel. (Fr. la zibeline.
Engl. the sable.) M. corpore fuluo-nigri-
cante, facie et gula cinereis
.

v. Schreber tab. 136.

Zumahl in Sibirien. Die schönsten mit recht
schwarzbraunem, dickhaarigen und glänzendem
Fell finden sich um Jakuzk.

5. † Erminea. das große Wiesel, Hermelin.
(Fr. le roselet, l'hermine. Engl. the stoat,
the ermine
.) M. caudae apice nigro.

v. Schreber tab. 137. A. 137. B.

In der nördlichen Erde, vorzüglich in Sibi-
rien. Größer als das gemeine Wiesel. Aendert
aber eben so wie dieses die Farbe, so daß es im
Sommer bräunlich, im Winter aber (als Her-
melin) weiß ist.

6. †. Vulgaris. das gemeine Wiesel. (Fr. la
belette
. Engl. the weesel) M. corpore ex
rufo fusco subtus albo
.

v. Schreber tab. 138.

[Seite 96]

Im Norden von Europa und Asien. Die
Mutter trägt oft ihre Junge im Maule umher
(daher die alte Fabel, als ob sie dieselben durch
diesen Weg zur Welt brächte).

22. Vrsvs. Dentes primores superio-
res
6, intus excauati alterni, inferio-
res
6, laterales 2 longiores lobati;
laniarii primarii solitarii (minimi 1-2
inter hos et primos molares), lingua
laeuis
.

1. † Arctos. der Bär. (Fr. l'ours. Engl. the
bear
.) V. fusco nigricans, cauda abrupta.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 32.

In der nördlichen Erde, doch auch in Ost-
Indien und Nord-Africa. In der Jugend lebt
er meist von Gewächsen; nach dem dritten Jahr
aber mehr vom Fleisch. Zum Gefecht bedient er
sich mehr seiner Vorderkatzen, als des Gebisses.

Zu den merkwürdigsten Spielarten unter den
Bären gehören: die großen schwarzen Ameisen-
bären; die kleinen hellbraunen Honigbären; und
die noch kleinern weißlichen Silberbären.

2. Maritimus (glacialis). der Eisbär, Polar-
bär. V. albus, collo et rostro elongatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 33

An den Küsten und beym Treibeis der nörd-
lichsten Erde. Darf nicht mit der weißen Spiel-
art des gemeinen Bären verwechselt werden.
Er wird bey zwölf Fuß lang, und auf 15
Centner schwer; schwimmt und taucht sehr ge-
schickt, und ist fast bloß fleischfressend*).

[Seite 97]

3. Gulo. der Vielfraß, Rosomack. (Fr. le
glouton
. Engl. the glutton.) M. corpore
rufofusco, medio dorsi nigro
.

Pallas Spicileg. zoologic. XIV. tab. 2.

In der nördlichen Erde, besonders in Sibi-
rien. Seine Freßgierde hat zu allerhand Fa-
beln Anlaß gegeben.

Das Wolverene oder Quickhatch (Ursus
luscus) auf Labrador und an der Hudsonsbay
scheint wenig von ihm verschieden zu seyn.

4. †. Taxus. der Dachs. (Fr. le blaireau.
Engl. the badger.) M. cauda concolore,
abdomine nigro
.

v. Schreber tab. 142.

In Europa und Asien bis gen Schina. Ein
animal omnivorum. Baut unter der Erde
einen tiefen Kessel, zu welchem verschiedene
Röhren oder Gänge führen. Verschläft den
größten Theil seines Lebens, und hält beson-
ders langen und festen Winterschlaf, wobey er
seine Schnauze in den Fettbeutel am Hinter-
leibe steckt.

5. Mellivorus. der Honig-Dachs, Rattel.
M. dorso cinereo, fascia laterali nigra, ab-
domine nigro
.

Sparrmann in den schwed. Abhandl.
1777. tab. 4. fig. 3.

Am Cap; lebt vom Honig und Wachs der
wilden Bienen, die in die Höhlen der Stachel-
schweine etc. nisten. Er gibt auf den Flug der
heim eilenden Bienen acht, oder folgt auch bloß
[Seite 98] der Anweisung des Honigkuckucks. Hat ein
zottiges Fell, und darunter eine ungemein starke
sehr bewegliche schiebbare Haut, wodurch er
einerseits vor den Bienenstichen, und anderseits
vor tiefen Bissen der Hunde etc. gesichert ist.

6. Lotor. der Waschbär, Rackun, Sjupp,
Coati. (Büffon's Raton.) M. cauda annu-
lata, fascia palpebrarum transuersali nigra
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 62

Ein animal nocturnum, im wärmern nord-
östlichen America etc. Frißt mancherley. Be-
dient sich der Vorderpfoten sehr geschickt zum
Fassen, auch zum Einweichen oder Ausfischen-
seines Futters*) etc. Wird überhaupt sehr
kirre.

23. Canis. Dentes primores superio-
res
6, laterales longiores distantes, in-
termedii lobati; inferiores
6, lobati
omnes
; laniarii solitarii, incuruati.

1. †. Familiaris. der Hund. (Fr. le chien.
Engl. the dog.) C. cauda recuruata; sub-
inde
digito spurio ad pedes posticos.

Dieser treue Gefährte des Menschen, der sich
besonders durch die ausnehmende Schärfe seiner
Sinne, verbunden mit seiner großen vielartigen
Gelehrigkeit (sogar zum Fischfang**)), aber
auch durch mancherley andere Brauchbarkeit
[Seite 99] empfiehlt, ist längst mit ihm über alle fünf
Welttheile verbreitet. Denn auch in America
scheinen wenigstens die Eskimos ihre Hunde
nicht erst von den Europäern bekommen zu
haben.

Ob alle die verschiedenen Hunde-Rassen als
bloße Varietäten einer und derselben Gattung
anzusehen sind, und ob diese selbst vom Wolf
oder Schakal abstamme, ist schwerlich zu ent-
scheiden. Mir scheinen manche Rassen, z.B.
der Dachshund, das Windspiel etc. viel Eige-
nes zu besondern Functionen Abzweckendes in
ihrer Bildung zu haben, so daß ich diese zweck-
mäßigen Eigenheiten nicht wohl für zufällige
Folge der bloßen Ausartung halten kann.

Zu den Hauptrassen gehören wohl

a) Fricator. der Mops. (Fr. le doguin.
Engl. pugdog) mit untersetztem, kurzem
Leibe, schwarzen Flecken an den Backen
und hängenden Ohren.

Den Uebergang von dieser zur nächstfol-
genden Rasse macht der eigentliche Bullen-
beißer, Wachthund, Bluthund, molos-
sus
. (Engl. the-bull-dog.), bey welchem
der Unterkiefer vor dem obern etwas her-
vortritt.

b) Mastiuus. die Englische Dogge. (Fr. le
dogue
. Engl. the mastiff) mit stumpfem
Kopfe, hängenden lappichten Oberlefzen
und glattem Haar. Bellt dumpfig und
kurz. – Ihm scheint der Metzgerhund
(Fr. le matin.) nahe verwandt.

c) Terrae nouae. der Neufundländer. (–
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 6. –) Zeich-
net sich durch seine ausnehmende Größe,
[Seite 100] langes seidenartiges Haar, langflockigen,
meist aufwärts gekrümmten Schwanz, be-
sonders aber durch die Art von Schwimm-
haut zwischen den Zehen aus, die bey ihm
ungleich größer ist, als bey andern Hunden.
Daher sein ausnehmendes Geschick zum
Schwimmen. Meist sind diese Hunde weiß
und schwarz; und ausnehmend gelehrig.

d) Sagax, venaticus. der Jagdhund. (Fr.
le chien-courant) mit langem, dickem
Körper, eingefurchtem Hinterkopfe, langen
hängenden Ohren. Das Haar bald schlicht,
bald zottig. – Hierher auch die Bracke,
(Engl. the Spanish pointer.) der Hüh-
nerhund, der Wachtelhund und die schön ge-
tigerten Corsicanerhunde.

e) Aquaticus. der Budel. (Fr. le barbet.
Engl. the water-dog) mit stumpfem
Kopfe, und wollichtem Haar.

f) Pastoralis, domesticus, villaticus. der
Schäferhund, Haushund. (Fr. le chien
de berger
, Engl. the cur) mit aufrechten
Ohren; der Schwanz auf der untern Seite
lang behaart. – Hierzu auch der islän-
dische Hund, und der Spitz oder Pom-
mer. (Fr. le chien-loup.) Auch der nun,
wie es scheint, ausgestorbene große St.
Bernhards-Hund. Und der kleinere, den
die Kamtschadalen etc. zum Zug in Schlitten
gebrauchen. – Auch die auf manchen
Insel-Gruppen der Südsee einheimischen
Hunde, die von den Einwohnern als Mast-
vieh gezogen werden, und bloß vegetabili-
sche Nahrung genießen, scheinen zu dieser
Rasse zu gehören.

[Seite 101]

g) Meliteus. das Bologneserhündchen.
(Fr. l'epagneul, le bichon, Engl. the lap-
dog, the shock
) mit sehr langem, seiden-
artigem Haar, zumahl im Gesichte.

h) Vertagus. der Dachshund. (Fr. le bas-
set
, Engl. the tumbler, the turnspit) mit
langer Schnautze, hängenden Ohren, lang
gestrecktem Körper, kurzen, krummen Vor-
derfüßen, und rothbraunen Flecken über
den Augen. – Ihm scheint der englische
Terrier (terrarius), mit borstigem Haar
und struppiger Schnautze, nahe verwandt.

i) Dingo. der neuholländische Hund. Aeh-
nelt, zumahl in der Bildung des Kopfs
und Schwanzes, mehr dem Fuchs.

k) Leporarius. das Windspiel. (Fr. le
levrier
, Engl. the grey-hound) mit lan-
gem, zugespitztem Kopfe, hängenden Ohren,
dicker Brust, sehr schlankem Leib und Beinen.

l) Graius*). der Spartanische Hund.
(canis laconicus); sehr groß; hält in der
Bildung das Mittel zwischen Jagdhund
und Windspiel.

Ihm ähnelt der große Dänische und
der nun ausgestorbene große Irländische
Hund.

m) Aegyptius. der guineische Hund. (Fr.
le chien-turc. Engl. the Indian dog, the
naked dog
) ähnelt dem Windspiel, hat
aber nur im Gesichte gekrullte Haare, der
übrige Körper ist meist kahl, und schwarz,
[Seite 102] oder rusigbraun, fast wie Negerhaut. (s.
S. 28. Anm. 2.)

Diese verschiedenen Haupt-Raffen paaren
und vermischen sich aber nicht nur unter ein-
ander, sondern auch mit Wölfen und Füchsen,
mit welchen sie sogar zuweilen fruchtbare
Bastarde erzeugen.

2. †. Lupus. der Wolf. (Fr. le loup. Engl.
the wolf) C. cauda incuruata.

v. Schreber tab. 88.

Fast in der ganzen alten Welt, ist aber in
einigen Ländern, wie z.B. in Groß-Britannien
und Irland, ausgerottet. Hat einen schlep-
penden doch dabey schnellen und nicht leicht zu
ermüdenden Gang. Aus Hunger fressen die
Wölfe sogar Schilf und Erde; graben auch
Leichen aus, und da mag etwa ihre nächtliche
Erscheinung auf Kirchhöfen etc. den Anlaß zu
der alten Sage von Währwölfen gegeben
haben.

3. Aureus. der Schakal, Thos. (Büffon's
Adive.) C. corpore fuluo, pedibus lon-
gioribus, caudae apice nigro
.

v. Schreber tab. 114.

In ganz Nordafrica und Orient, besonders
in Ratolien und Bengalen; zieht des Nachts
scharenweise umher; frißt Thiere, Lederwa-
ren etc.; gräbt Leichen aus. Manche Natur-
forscher haben den Schakal für den ursprünglich
wilden Hund, und manche Exegeten Simsons
Füchse für Schakale gehalten.

4. †. Vulpes der Fuchs, Birkfuchs. (Fr.
le renard. Engl. the fox) C. cauda recta,
apice discolore
.

v. Schreber tab. 90.

[Seite 103]

Zumahl in der nördlichern alten Welt. Frißt
unter andern Früchten nahmentlich sehr gern
Weintrauben.

Der Brandfuchs (alopex) ist wohl sicher
nur eine Abart davon.

Ob aber auch der wegen seines kostbaren
Felles berühmte schwarze Fuchs mit weißer
Schwanzspitze, der in Sibirien, aber auch in
Menge auf Labrador zu Hause ist [und der,
wenn seine Haare gleichsam silberweiße Spitzen
haben, Silberfuchs genannt wird*)], für
eine bloße Abart des gemeinen Fuchses oder
für eine besondere Gattung anzusehen sey, läßt
sich vor der Hand noch nicht mit Gewißheit
bestimmen.

5. Lagopus. der weiße Fuchs, Polarfuchs,
Steinfuchs, Eisfuchs. (Isatis. Engl. the
arctic fox
. Russ. Pesez) C. cauda recta,
apice concolore, palmis plantisque pilo-
sissimis
.

v. Schreber tab. 93. A. 93. B.

In den Polarländern, zumahl auf Spitzber-
gen, Neu-Zembla etc. – Die mehresten sind
weiß. Die so genannten blauen Füchse hin-
gegen bläulich-grau.

6. Hyaena. die Hyäne. C. villosus, nigri-
cans, facie nigra, iuba ceruicis dorsique,
pedibus tetradactylis
.

Der indianische Wolf, von J. El. Ridinger.

[Seite 104]

Hat meist einerley Vaterland mit dem Scha-
kal, dem sie auch in der Lebensart ähnelt. In
größter Menge in Habessinien. Hat ihr Ab-
lager unter der Erde oder in Felsenhöhlen und
Berg-Klüften. Macht in ihrem Körperbau
einen Uebergang zum folgenden Geschlecht.

24. Felis. Vngues retractiles, caput
rotundius, lingua aspera, Dentes
pri-
mores
6 acutiusculi, exterioribus maio-
ribus,
laniarii solitarii, supra a primo-
ribus, infra a molaribus remoti
.

1. Leo. der Löwe. (Fr le lion. Engl. the
lion
.) F. cauda elongata floccosa, corpore
fuluo
.

v. Schreber tab. 97. A. 97. B.

In den heissen Zonen der alten Welt, vor-
züglich in Africa. Der männliche Löwe zeichnet
sich durch die Mähne aus, die aber erst im
zweyten Lebensjahre ausbricht. Das Fleisch des
Löwen wird von den Hottentotten gegessen und
eine Horde Araber zwischen Tunis und Algier
soll sich fast bloß davon nähren.

2. Tigris. der Tiger. F. cauda elongata;
capite, corpore et cruribus nigro-virgatis
.

the Tiger, von G. Stubbs.

Bloß in Asien und vorzüglich von Bengalen
bis Schina, auch auf Sumatra etc. Ueberaus
regelmäßig gestreift. Läßt sich allerdings zäh-
men, und muß auch vor dem Elephanten
erliegen.

[Seite 105]

3. Pardus. der Panther, Parder*). F.
cauda subelongata, maculis obtuse angu-
latis, passim confluentibus et annulatis
.

v. Schreber tab. 99.

In Africa und Ostindien. Die Flecken seines
Fells sind hin und wieder wie zusammenge-
flossen, theils in Hufeisenform, oder gerin-
gelt u.s.w.

Leopard nennt man eine etwas kleinere Ab-
art, mit kleinern Flecken, deren meist drey bis
vier auf fast goldgelbem Grunde beysammen
stehen.

4. Panthera. der kleine Panther. (Büffon's
once.) F. cauda elongata, corpore albido,
maculis irregularibus nigris
.

v. Schreber tab. 100.

In der Barbarey und Ostindien. Weit klei-
ner als die vorige Gattung. Auch leicht zu
zähmen, und zur Jagd (der Rehe, Gazellen etc.)
abzurichten, wozu sie im Orient vorlängst, und
in den mittlern Zeiten auch in Italien und
Frankreich gebraucht worden.

5. Onça, der Jaguar, americanische Tiger.
F. cauda subelongata, corpore fusco lu-
tescente, maculis angulatis, ocellatis, me-
dio flauis
.

v. Schreber tab. 102.

In Südamerica. Größer als der Panther,
dem er sonst sehr ähnelt.

[Seite 106]

6. Concolor. der americanische Löwe, Puma,
Cuguar. F. cauda mediocri, corpore im-
maculato fuluo
.

v. Schreber tab. 104.

In Peru, Brasilien etc.; zeichnet sich durch
sein rothgelbes, ungeflecktes Fell (weßhalb er
mit dem Nahmen eines Löwen belegt worden)
und kleinen Kopf aus.

7. †. Lynx. der Luchs. (Fr. le loup-cervier.
Engl. the mountain cat) F. cauda abbre-
viata, apice atro, auriculis apice barbatis,
corpore maculato, plantis palmisque am-
plissimis
.

v. Schreber tab. 109.

In der nördlichen Erde; doch auch häufig
im Neapolitanischen; thut den Wildbahnen
größern Schaden als der Wolf.

8. † Catus. die Katze (Fr. le chat Engl.
the cat.) F. cauda elongata, striis dor-
salibus longitudinalibus, lateralibus spi-
ralibus
.

v. Schreber tab. 107. A. 107. B.

Fast in der ganzen alten Welt; ist aber erst
von da durch die Spanier nach America über-
bracht worden. Die wilde ist größer, als die
zahme, von grauröthlicher Farbe, mit schwar-
zen Lefzen und Fußsohlen. Die Hauskatze be-
gattet sich äußerst selten unter den Augen der
Menschen, und verwildert sehr leicht wieder,
wenn sie zufällig in Wildniß geräth. Zu den
Besonderheiten der Katzen gehört ihre starke
Electricität; das Leuchten ihrer Augen im Fin-
stern; ihre seltsame Gierde auf gewisse Pflan-
zen, wie z.B. auf die Nepeta cataria und
[Seite 107] aufs Teucrium marum etc.; ihr Schnurren oder
Spinnen, das durch ein Paar eigene zarte, ge-
spannte Häutchen in ihrem Kehlkopf bewirkt
wird; die ängstliche unüberwindliche Anti-
pathie vieler Menschen gegen dieselben etc. –
Zu den vorzüglichsten Spielarten gehört die
angorische oder persische Katze mit dem lan-
gen, seidenartigen Haar, die gewöhnlich schwer
hört; die bläulichgraue Carthäuser- oder Cy-
perkatze; und die spanische oder schildpattfar-
bige Katze (Tortoiseshellcat); unter welchen
letztern man häufig weibliche Katzen von drey
ganz verschiedenen Farben (z.B. schwarz,
weiß und gelb), aber kaum je einen der-
gleichen Kater, gefunden haben will.

C) Bruta.

Ohne Gebiß oder wenigstens ohne Vorder-
zähne.

25. Bradypus. Faulthier. (Ignauus. Fr.
paresseux, Engl. sloth) Caput rotun-
datum, crura antica longiora. Dentes

primores nulli vtrinque; laniarii (?)
obtusi, solitarii; molares cylindrici,
obtusi
.

1. Tridactylus. der Aï. B. pedibus tridacty-
lis, cauda breui.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 53.

In Guiana etc. Freylich ein äußerst langsa-
mes schwerfälliges, aber bey aller dieser Träg-
heit listiges und im Nothfall muthiges und
starkes Geschöpf; hat dabey ein äußerst zähes
Leben, und wenige Bedürfnisse. Frißt Laub,
säuft gar nicht etc.

[Seite 108]

26. Myrmecophaga. Ameisenbär.
(Fr. fourmiller, Engl. ant-eater.) Rostrum
productius, lingua lumbriciformis; den-
tes nulli.

1. Didactyla. der kleine Tamandua. M. pal-
mis didactylis, vngue exteriore maximo,
plantis tetradactylis; cauda
prehensili.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 22.

Ebenfalls in Südamerica; von der Größe
auch fast von der Farbe des Eichhörnchens.
Nährt sich von den dortigen großen Ameisen,
indem er mit den großen hakenförmigen Krallen
der Vorderfüße die mit einer festen Erdrinde be-
deckten Ameisenhaufen aufkratzt, und dann seine
vier Zoll lange klebrige Zunge hinein steckt.

27. Manis. Schuppenthier, formosa-
nisches Teufelchen. Corpus squamis
tectum; lingua teres; dentes nulli.

Die Bekleidung ausgenommen, haben die
Thiere dieses Geschlechts in ihrer Bildung, Le-
bensart etc. viel Aehnliches mit den Ameisenbä-
ren. Von vielen ältern Naturforschern werden
sie unter die Eidexen gezählt.

1. Tetradactyla. der Phatagin. M. cauda
longiore; vngulis
bifidis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 14.

Auf Formosa und dem benachbarten Asien.
Ungefähr von der Größe des obigen Ameisen-
bären. Sein castanienbraun geschuppter Kör-
per ähnelt einem Tannenzapfen.

[Seite 109]

28. Tatv. Armadill, Panzerthier, Gür-
telthier. (dasypus Linn.) Corpus testis
zonisque osseis
cataphractum; dentes pri-
mores
et laniarii nulli
.

1. Nouemcinctus. der Caschicame. Zonis dor-
salibus 9; palmis tetradactylis; plantis
pentadactylis.

v. Schreber tab. 74.

In Südamerica, bis an die magellanische
Straße. Baut unter die Erde, wird sehr kirre,
rollt sich bey Gefahr, so wie die Schuppen-
thiere und der Igel, kugelicht zusammen.


V. SOLIDVNGVLA.

Thiere mit Hufen. Ein einziges Ge-
schlecht von wenigen Gattungen.

29. Eqvvs. Pedes vngula indiuisa, cauda
setosa. Dentes
primores superiores 6.
obtuse truncati; inferiores 6. prominen-
tiores
: laniarii solitarii vtrinque remoti.

1. †. Caballus. das Pferd. (Fr. le cheval.
Engl. the horse.) E. cauda vndique setosa.

Ursprünglich wilde Pferde gibt es nicht
mehr, aber häufig und theils in großen Heerden
verwilderte; so z.B. in der Mongoley, vol-
lends aber in unermeßlicher Menge in Pa-
raguay, wohin die Pferde (so wie überhaupt
nach America) erst durch die Spanier überbracht
worden u.s.w. Unter den zahmen Pferde-
[Seite 110] Rassen zeichnen sich die Araber (zumahl die von
der Zucht der Annecy um Palmyra herum,
und vom Libanus bis gegen den Horeb etc.)
durch ihren wunderschönen Bau, so wie durch
äußerste Leichtigkeit und Dauerhaftigkeit aus.
Ihnen folgen die Persianer und Barben. Un-
ter den europäischen sind die spanischen (beson-
ders die aus Andalusien), die neapolitanischen
und englischen die vorzüglichsten. Die letztern
haben besonders den Vorzug der Schnelligkeit,
wodurch sie sich in den Wettrennen auszeich-
nen*). – Ganzer berittenen Nationen zu ge-
schweigen, wie z.B. die Cosacken, Tataren,
Calmücken, die Pferde-Tungusen, die Abipo-
ner etc. so ist auch für die cultivirtesten Völker
der Werth dieses Thiers für Landwirthschaft,
Cavallerie, Postwesen etc. unermeßlich. Manche
der gedachten berittenen Völker leben auch
großen Theils vom Fleisch und Milch der Pferde.
Die letztere gibt, wenn sie zusammen geronnen,
vollends aber wenn sie abgezogen worden, das
berauschende Kumiß der Mongolen.

2. † Asinus. der Esel. (Fr. l'âne. Engl. the
ass
.) E. cauda extremitate setosa, cruce
dorsali nigra
.

Der wilde Esel, von welchem das zahme
Hausthier abstammt, ist der wahre onager der
Alten; und findet sich jetzt zumahl in der Tata-,
[Seite 111] rey, unter dem Nahmen Kulan*), von da er
jährlich im Herbst in großen Herden südlich
nach Indien und Persien zu zieht und daselbst
überwintert. Er ist größer und schlanker als
der zahme Esel, und von ausnehmender Schnel-
ligkeit. – Ins nördlichste Europa ist der Esel
bis jetzt noch gar nicht verpflanzt. Auch artet
er wenig aus. Höchstens etwa in der Farbe,
da es z.B. weiße Esel gibt.

* * *

Pferd und Esel lassen sich zusammen begatten,
und geben zweyerley Bastarde, die von großer
Dauerhaftigkeit und Stärke, und zuweilen (aber
sehr selten) fruchtbar sind. Eins ist das ge-
meine Maulthier [mulus, Fr. le mulet**)],
das vom männlichen Esel gezeugt, und von der
Stute geworfen wird. Das andere ist der
Maulesel [hinnus, Fr. le bardeau***)], der
vom Hengste gezeugt, und von der Eselinn ge-
worfen ist. Dieser letztere ist seltner, und hat
Gelegenheit zur Sage von den fabelhaften Ju-
marn, oder vorgeblichen Bastarden vom Pferde-
und Ochsengeschlecht, gegeben.

3. Zebra. E. zonis fuscis et albidis, maxime
regularibus
.

The Sebra, von G. Stubbs, 1771.

Das Zebra (wovon es zwey ganz verschiedene
Gattungen gibt, deren eine man fälschlich für
die Weibchen der andern gehalten hat) ist im
[Seite 112] südlichen Africa zu Hause. Es lebt her-
denweis, ist ungemein schnell, aber wild und
unbändig*).


VI. BISVLCA (Pecora.)

Die wiederkauenden Thiere mit gespalte-
nen Klauen, unter welchen sich die wichtigsten
Hausthiere finden.

30. Camelvs. Cornua nulla, labium
leporinum,
pedes subbisulci**). Dentes
primores inferiores 6 spathiformes: su-
periores
2; laniarii distantes, superio-
res
3, inferiores 2.

1. Dromedarius. das gemeine Camel [Fr. le
dromadaire
.***)]. C. tofo dorsi vnico.

v. Schreber tab. 303.

Findet sich noch hin und wieder in Asien, zu-
mahl in den Wüsteneyen zwischen Schina und
Indien, wild, ist aber für den ganzen Orient
[Seite 113] und für das nördliche und mittlere Africa das
wichtigste Hausthier. (Das Schiff für die
Wüsten – nennen es die Araber.) Die ge-
wöhnliche Last der Carawanen Camele ist gegen
sechs Centner, und damit legen sie täglich ge-
gen vier deutsche Meilen zurück. Das nutzbare
Thier frißt dorniges Buschwerk, was in den
Wüsten in Menge wächst, und für kein anderes
Säugethier zur Nahrung taugt. Auch kann es,
wie versichert wird, den Durst mehrere Wochen
lang erdulden, säuft aber dafür ungeheuer viel
auf ein Mahl, da sich dieses Wasser lange Zeit
in seinem Magen ziemlich unverändert erhalten
soll. Beyde, sowohl diese, als die folgende
Gattung, haben eine große Schwiele vorn an
der Brust, vier kleine an den Vorderfüßen,
und zwey dergleichen an den Hinterfüßen, die
ihnen zum Aufstemmen dienen, wenn sie müde
sind, und sich niederlegen.

2. Bactrianus. das Trampelthier. (Fr. le
chameau
. Engl. the camel.) C. tofis dorsi
duobus
.

v. Schreber tab. 304.

Im mittlern Asien, bis gen Schina, zumahl
in ganzen großen Herden in Bessarabien etc.
wird daselbst seines schnellen Trabes und na-
türlichen Sattels wegen, mehr als die vorige
Gattung zum Zuge gebraucht.

3. Llama. das Liama, die Camelziege,
Guanaco. C. dorso laeui, tofo pectorali.

v. Schreber tab. 306.

So wie die folgende Gattung im südlichen
America, besonders dem gebirgigen Peru.
[Seite 114] Ward als Lastthier gebraucht, und kann bey
seiner mäßigen Größe doch bis anderthalb
Centner tragen.

4. Vicuña. das Schafcamel. (Fr. la vi-
gogne
.) C. tofis nullis, corpore lanato.

v. Schreber tab. 307.

Kleiner als das Liama. Läßt sich nicht zäh-
men, sondern wird wegen seines zimmtbraunen
Haares, das die bekannte Vigogne-Wolle gibt,
jährlich in großen Treibjagden haufenweis ge-
fangen. Auch soll der occidentalische Bezoar-
stein am öftersten in dieser Gattung gefunden
werden.

31. Capra. Cornua caua rugosa scabra.
Dentes
primores superiores nulli, infe-
riores
8; laniarii nulli.

1. †. Ouis. das Schaf. (Fr. le brebis. Engl.
the sheep.) C. mento imberbi, cornibus
compressis lunatis
.

Findet sich wohl nirgends mehr ursprünglich
wild; scheint auch nicht ein Mahl nur so wie
die Ziege wieder verwildern zu können: wird
aber fast in der ganzen alten Welt als eins der
allernutzbarsten Hausthiere gehalten, und ist
auch bald nach der Entdeckung von America
dorthin verpflanzt worden.

Unter den verschiedenen Rassen der Schafe
sind vor allen die tibetanischen, aus deren
feinster Wolle (so wie aus manchem zarten
Ziegenhaar) der Schaul verfertigt wird; die
spanischen, aus Segovien, und dann die
englischen ebenfalls wegen ihrer ausnehmenden
Wolle; die isländischen mit vier, sechs oder
[Seite 115] acht Hörnern; und die arabischen und ägypti-
schen mit dem großen und wohl 40 Pfund
schweren Fett-Schwanze, zu merken. Die
ostfrisischen Marsch-Schafe sind ungehörnt;
groß, wollreich, mit kahlen kurzen Schwän-
zen; die Lüneburger Heidschnucken hingegen
klein, und beyde Geschlechter gehörnt. Die
zwischen den Wendezirkeln haben mehrentheils
statt der krausen Wolle schlichtes Ziegenhaar;
und die in Südafrica noch überdieß lang herab
hängende Ohren.

2. Ammon. das Muffelthier, (mufimon Büf-
fon's mouflon.) C. cornibus arcuatis cir-
cumflexis subtus planiusculis, palearibus
laxis pilosis
.

v. Schreber tab. 268.

Auf Corsica und Sardinien, in Griechenland,
in der Barbarey; eine verwandte, weit größere
Art aber (das Argali) in Sibirien bis Kamt-
schatka und dann im nordwestlichen America.
Letzteres hat mächtig starke und schwere*)
Hörner, und wird von einigen Naturforschern
für das Stammthier zu unserm Schaf gehalten.

3. † Hircus. die Ziege. (Fr. la chevre. (Engl.
the goat.) C. mento barbato, cornibus ar-
cuatis, carinatis
.

Die Hausziege scheint von dem aegagrus ab-
zustammen, der im Caucasus und den daran
grenzenden östlichen Gebirgen lebt, und in dessen
Mägen (so wie bey manchen Gattungen von An-
tilopen) zuweilen der orientalische Bezoar-
[Seite 116] stein gefunden wird, daher das Thier selbst
mit dem Nahmen des Bezoarbocks belegt wor-
den*). – Die Hausziege (– das wichtige
Hausthier der alten Guanchen auf den Cana-
rischen Inseln –) verwildert leicht wieder, und
ist nun meist eben so weit als das Schaf auf
der Erde verbreitet. – Die angorische Ziege
oder das Kämmelthier hat langes seidenartiges
Haar und gibt das beste so genannte Camelgarn.

4. †. Ibex. der Steinbock. (capricornus. (Fr.
le bouquetin. Engl. the wild goat.) C.
mento barbato, cornibus lunatis maximis,
supra nodosis, in dorsum reclinatis
.

Conr. Gesner l. c. pag. 1099.

In den höchsten Schneegebirgen von Savoyen,
so wie in den sibirischen Alpen. Das Gehörn
eines bejahrten Steinbocks wiegt wohl 20 Pfund,
und hat meist eben so viel knorrige Ringe auf
jeder Seite.

32. Antilope. Cornua caua, teretia,
annulata, vel spiralia. Dentes vt in
capris
.

Ein weitläuftiges Geschlecht, wovon sich
zahlreiche Gattungen im mittlern und südlichern
Asien und Africa, zumahl aber am Cap finden.

1. †. Rupicapra. die Gemse (Fr. le chamois,
l'Izard
.) A. cornibus erectis vncinatis.

v. Schreber tab. 279.

In den alpinischen Gegenden des mildern
Europa und westlichen Asiens. Zahm gemachte
Gemsen sollen sich mit den Ziegen gepaart und
[Seite 117] Bastarde erzeugt haben. Von den unverdau-
lichen Zasern ihres Futters bilden sich in ihren
Mägen die ehedem berühmten so genannten
Gemsballen, (aegagropilae).

2. Dorcas. die Gazelle. C. cornibus tereti-
bus annulatis, medio flexis, apicibus lae-
vibus approximatis
.

v. Schreber tab. 269.

Im ganzen Orient und Nordafrica. Das
schlanke flinke Thier macht die Lieblingsjagd der
Morgenländer, und gibt ihrer Dichtersprache
das reizende Bild weiblicher Schönheit.

3. Pygarga. der Springbock, Prunkbock.
A. cornibus liratis, linea laterali faciei et
trunci fusca, clunibus albis
.

Vosmaer descr. de la Gazelle de parade.

Im Innern des südlichsten Africa, von wannen
er jährlich in Herden von vielen tausenden ge-
gen das Cap zu und nach einigen Monathen
wieder zurück zieht.

4. Oreas. das Cudu. A. cornibus subulatis
rectis carinato-contortis, corpore griseo.

Vosmaer descr. d'un animal appellé Canna.

In Südafrica und Ostindien. Die Form
und Länge seiner geraden Hörner ähnelt der von
dem fabelhaften Einhorn, wozu es vielleicht
den Anlaß gegeben.

33. Bos. Cornua concaua, lunata, lae-
via. Dentes vt in generibus praece-
dentibus
.

1. †. Taurus. der Ochse. (Fr. le boeuf. Engl.
the ox.) B. cornibus teretibus extrorsum
curuatis, palearibus laxis
.

[Seite 118]

Das Rindvieh stammt vom Auerochsen ab
(vrus, bonasus, und Bison der alten Welt;
denn diese dreyerley Nahmen scheinen sämmt-
lich die Stammrasse unseres Hornviehs zu be-
zeichnen), der in Polen, Litauen, Sibirien ge-
funden wird, und ehedem auch in Deutschland
war. – Zu den merkwürdigsten Varietäten des
Rindviehs gehört z.B. die halbwilde weiße
Rasse mit braunen oder schwarzen Ohren, auf
den Ladronen, und hin und wieder in Groß-
britannien: die mit den ausnehmend großen
Hörnern in Sicilien: die gänzlich ungehörnte
in einigen Provinzen von England etc.

Hingegen scheint mirs noch zweifelhaft, daß
auch die indische (von den Hindus heilig ver-
ehrte) Buckelkuh, der bos indicus, oder Zebu
(– v. Schreber tab. 298. –) eine bloße Va-
rietät dieser Gattung seyn solle.

In den Mägen des Rindviehs finden sich zu-
weilen Ballen aus Haaren, die sie sich abgeleckt
und eingeschluckt haben. Die ihnen eigene,
furchtbare, pestartige Viehseuche, hat zumahl
seit 1711. zuweilen lange und weit und breit
grassirt. Hingegen sind die Kuhpocken seit 1798
durch Dr. Jenner als wohlthätiges Sicherungs-
mittel für die Kinderblattern bewährt worden.

2. Buffelus. der Büffel. (Engl. the Buffalo.)
B. cornibus resupinatis intortis antice planis.

v. Schreber tab. 300.

Stammt wohl ursprünglich aus Tibet, ist nun
aber nach und nach durch den größten Theil von
Asien und Nordafrica verbreitet, und wird auch
hin und wieder in Europa, wie z.B. seit dem
siebenten Jahrhundert in Italien, in Ungarn,
und auch im Salzburgischen gezogen und zum
[Seite 119] Zuge gebraucht. Hat ein schwarzes, dünn be-
haartes Fell, das ausnehmend stark und vor-
züglich zu Schläuchen tauglich ist.

3. Grunniens. der Büffel mit dem Pferde-
schweif, Ziegenochse. B. cornibus tereti-
tibus, introrsum curuatis, vellere propen-
dente, cauda vndique iubata
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 23.

Ebenfalls in Tibet zu Hause, wird aber auch
in Hindostan als Hausthier gehalten. Kleiner
als unser Hornvieh, zeichnet sich auch außer-
dem durch seine grunzende Stimme, durch sein
zottiges Ziegenhaar, und durch einen büschligen
sehr langhaarigen Schwanz aus, der, wenn er
schön ist, in Indien hoch geschätzt und theuer
bezahlt wird.

4. Arni. Der Riesenbüffel. B. cornibus diua-
ricatis, lunatis, longissimis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 63.

In den gebirgichten Gegenden von Nord-
Hindostan. Ungeheuer groß, so daß ein junger
15 Centner gewogen.

5. Bison. der nordamericanische Bison. B.
cornibus diuaricatis breuibus, iuba longissi-
ma, dorso gibboso.

v. Schreber tab. 296.

Das größte Landthier der neuen Welt; lebt
herdenweise in den sumpfigen Wäldern des mil-
dern Nordamerica. Im Winter ist es über den
ganzen Körper behaart, im Frühjahr hingegen
wird es am Rücken und Hinterleibe kahl, und
behält bloß seine ungeheure Brust- und Nacken-
Mähne.

[Seite 120]

6. Moschatus. der Bisamstier (Fr. le boeuf
musqué
. Engl. the musk-ox) B. cornibus
deflexis, basibus latissimis complanatis ad
frontem contiguis; apicibus reflexis
.

v. Schreber tab. 302.

Sein Vaterland ist bloß aufs äußerste Nord-
america im Westen der Hudsonsbay vom 66
bis 73° der Breite eingeschränkt. Ein Paar
seiner Hörner soll zuweilen über einen halben
Centner wiegen.

34. Giraffa. Cornua simplicissima
pelle tecta, fasciculo pilorum nigro ter-
minata. Dentes
primores superiores
nulli; inferiores
8 spathulati, extimo
bilobo
; laniarii nulli.

1. Camelopardalis. die Giraffe.

Cptn. Carteret, in den philos. Transact.
Vol. LX. tab. I.

Im innern Africa. Sie hat, wegen ihres lan-
gen Halses, kurzen Körpers abhängigen Rückens,
und wegen ihres röthlichen, schön gefleckten Fel-
les, ein sehr auszeichnendes Ansehen; sie soll
im Schreiten, wie die Paßgänger, immer den
Vorder- und Hinterfuß der einen Seite zu-
gleich heben, und daher einen sonderbaren Gang
haben, von dem die Bewegung des Springers
im Schachspiel entlehnt worden; und ist, wenn
sie aufrecht steht, über sechzehn Fuß hoch.

35. Cervvs. Cornua solida multifida.
Dentes vt in generibus praecedentibus
(interdum tamen
laniarii solitarii supe-
riores
).

[Seite 121]

1. Alces. das Elennthier (Fr. l'elan. Engl.
the elk.) C. cornibus planis acaulibus,
palmatis
.

v. Schreber tab. 246.

In der ganzen nördlichen Erde (wenn anders
das nord-americanische Elenn, Fr. l'orignal,
Engl. the moose-deer*) keine eigene Gattung
macht), ist sehr hochbeinig; erreicht die Größe
vom Pferd, wiegt wohl über 1200 und sein
Gehörn über 50 Pfund; läßt sich zähmen und
herdenweise auf die Weide treiben. Die alten
Sagen, daß das Elennthier oft von Epilepsie
befallen werde etc. brauchen jetzt keiner weitern
Widerlegung.

2. †. Dama. der Damhirsch, Tannhirsch.
(Fr. le daim. Engl. the buck, the fallow-deer.)
Cornibus subramosis compressis, summitate
palmata
.

v. Schreber tab. 249. A. B.

Im mildern Europa. Kleiner als der ge-
meine Hirsch; variirt in der Farbe.

3. Tarandus. das Renthier. (rangifer. Fr.
le renne. Engl. the rein.) C. cornibus (in
vtroque sexu
) longis, simplicibus, tereti-
bus, summitatibus subpalmatis, iuba gu-
lari pendula
.

v. Schreber tab. 247. A. B. C.

In der ganzen nördlichen Erde. Theils, wie
in Kamtschatka in Herden von tausend und mehr
Stück; kann in wärmern Gegenden nicht aus-
dauern, lebt von dürrem Laub, und vorzüglich
von Renthier-Moos, das es unter dem Schnee
[Seite 122] hervor scharrt. Dient zumahl den Lappländern,
Samojeden, Tungusen und Koräken zur Be-
friedigung aller der dringendsten Bedürfnisse
des Lebens.

4. †. Elaphus. der Edel-Hirsch. (Fr. le cerf.
Engl. the stag.) C. cornibus ramosis totis
teretibus recuruatis apicibus multifidis
.

v. Schreber tab. 248. A. B. C. D. E.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem Elenn,
nur unter mehr südlicher Breite. Die Zahl der
Enden seines Geweihes richtet sich nicht genau
nach dem Alter des Thiers: nach dem achten
Jahre ist sie unbestimmt. Die größten natür-
lichschönen Geweihe sind höchst selten von mehr
als 24 wahren Enden. Der Hirsch wird
ungefähr 30 Jahre oder etwas darüber alt.

5. †. Capreolus. das Reh. (Fr. le chevreuil.
Engl. the roe) C. cornibus ramosis, tere-
tibus, erectis, summitate bifida
.

v. Schreber tab. 252. A. B.

In den mildern und wärmern Erdstrichen von
Europa und Asien. Das Gehörn des Rehbocks
ist öfter als bey andern Gattungen dieses Ge-
schlechts durch sonderbare Exostofen entstellt.

36. Moschvs. Cornua nulla. Dentes
primores vt in praecedentibus generi-
bus;
laniarii superiores solitarii exserti.

1. Moschifer. das Bisamthier. (Fr. le musc.
Engl. the musk.) M. folliculo vmbilicali.

v. Schreber tab. 242.

In den Schwarzwäldern und bergigen Gegen-
den von Tibet und dem südlichen Sibirien.
[Seite 123] Das Männchen hat in der Nabelgegend einen
Beutel fast von der Größe eines Hühnereyes,
worin sich der Bisam, dieses wichtige Arzney-
mittel, sammelt.

2. Pygmaeus. das kleine guineische Rehchen.
M. supra fusco-rufus, subtus albus, vngu-
lis succenturiatis nullis
.

Seba, thes. I. tab. 45. fig. 1.

In Ostindien und auf Guinea. Das kleinste
Thier dieser Ordnung. Seine ganzen Beine
sind nur Fingers lang, und haben ungefähr die
Dicke eines Pfeifenstiels.


VII. MVLTVNGVLA (Belluae.)

Meist sehr große, aber unförmliche, bor-
stige oder dünn behaarte Säugethiere, mit
mehr als zwey Klauen an jedem Fuß. Also
mit Inbegriff der Schweine, denn auch diese
haben im Grunde vier Klauen.

37. Svs. Rostrum truncatum, promi-
nens, mobile. Dentes
primores (ple-
risque
) superiores 4, conuergentes, in-
feriores
6, prominentes; laniarii su-
periores
2, inferiores 2, exserti.

1. † Scrofa. das Schwein. (Fr. das wilde
le sanglier, das zahme le cochon. Engl.
jenes the wild boar, dieses the hog.) S.
dorso setoso, cauda pilosa
.

Das wilde Schwein hat eine längere Schnauze
und überhaupt eine andere Form des Schädels,
[Seite 124] kürzere aufrechte Ohren, größere Fangzähne
als das Hausschwein, auch keinen Speck, und
niemahls Finnenwürmer, und ist fast immer
von schwarzgrauer Farbe.

Wenige Thiere sind so allgemein fast über
die ganze Erde verbreitet, als das Hausschwein.
Es hat einen ungemein scharfen Geruch, und
ist beynahe ein animal omniuorum. Das
Weibchen wirft nicht selten zwey Mahl im Jahr
und wohl ehr bis 20 Junge auf ein Mahl. –
In America, wohin die Schweine aus Europa
übergebracht worden, sind sie theils verwildert.
(Fr. cochons marons.) Auf Cuba wurden sie
mehr als noch ein Mahl so groß, als ihre
europäischen Stammältern; auf Cubagua ar-
teten sie in eine abentheuerliche Rasse aus mit
Klauen, die auf eine halbe Spanne lang wa-
ren etc. – Die schinesischen (Fr. cochons de
Siam
) haben kürzere Beine und einen ausge-
schweiften Rücken ohne Mähne. – In Schwe-
den und Ungarn findet sich nicht selten eine
Spielart mit ungespaltenen Klauen, die schon
den Alten bekannt war, so wie man auch welche
mit fünf Klauen gesehen, hat.

2. Aethiopicus. das Emgalo. (Büffon's san-
glier du cap verd
.) S. dentibus primoribus
nullis; laniariis superioribus lunatis extror-
sum curuatis; sacculis, verrucosis sub oculis.

Vosmaer description du sanglier d'Afrique.

Im Innern von Süd-Africa. Auch auf
Madagascar. Ein furchtbar wildes Thier, mit
einem mächtig großen Kopf, spannen-breiten
Rüssel, großen warzigen Fleischlappen unter
den Augen etc.

[Seite 125]

3. Tajassu. das Nabelschwein, Bisamschwein,
(Pecari, Pakira). S. cauda nulla, folliculo
moschifero ad extremum dorsi
.

v. Schreber tab. 325.

Herdenweise in den wärmsten Gegenden von
Südamerica. Wird höchstens nur 60 Pfund schwer.

4. Babirussa*). der Schweinhirsch, Hirsch-
eber. S. dentibus laniariis superioribus
maximis, parallelis retrorsum arcuatis
.

v. Schreber tab. 328.

Zumahl auf den moluckischen Inseln. Lebt
am Wasser, kann sehr geschickt selbst nach ziem-
lich entlegnen Inseln schwimmen. Es hält
schwer, zu bestimmen, wozu ihm die fast zirkel-
förmigen großen Eckzähne des Oberkiefers die-
nen mögen?

38. Tapir. Dentes primores vtrinque 10;
laniarii nulli; palmae vngulis 4, plan-
tae vngulis
3.

1. Americanus. der Tapir, Anta.

v. Schreber tab. 319.

Das größte Landthier in Süd-America, von
der Statur eines mittelmäßigen Ochsen. Kopf
und Schenkel sind ungefähr wie beym Schwein;
die Oberlippe zugespitzt und sehr beweglich.
Gewöhnlich setzt sichs auf die Hinterfüße wie
ein Hund. Geht gern ins Wasser, schwimmt
sehr gut etc.

39. Elephas. Elephant. Proboscis lon-
gissima, prehensilis; dentes
primores su-
periores exserti
.

[Seite 126]

1. Asiaticus. E. capite elongato, fronte con-
caua, auriculis minoribus, dentium molarium
corona lineis
vndulatis parallelis distincta.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 19. fig. B.

Im südlichen Asien, vorzüglich auf Ceilan.
Ist das größte von allen Landthieren, wird wohl
15 Fuß hoch und wiegt im zwanzigsten Jahre
auf 7000 Pfund. Seine auf dem Rücken fast
Daumens dicke Haut ist doch selbst gegen In-
sectenstiche empfindlich; gewöhnlich von grauer
Farbe. Das Hauptorgan des Elephanten ist
sein Rüssel, der ihm zum Athemhohlen, zum
äußerst feinen Geruch, zum Wasserschöpfen, sein
Futter damit zu fassen und ins Maul zu stecken,
und zu tausend künstlichen Verrichtungen, statt
der Hände dient. Er kann ihn drey Ellen lang
ausstrecken, und bis zu anderthalb Ellen wieder
einziehen. Am Ende ist derselbe, wie mit einem
biegsamen Haken versehen, und hiermit kann er
ungemein feine kunstreiche Handlungen verrich-
ten, z.B. Knoten aufknüpfen, Schnallen auflö-
sen, mehrere Stücken Geld mit Einem Mahl
aufheben u.s.w. Seine Nahrung besteht vor-
züglich aus Laub der Bäume, Reis und andern
Gräsern. Er schwimmt mit ungemeiner Leich-
tigkeit selbst durch schnelle Ströme. Bey der
Begattung soll er sich, wie die mehresten übri-
gen Säugethiere bespringen. Das neugeworfene
Junge saugt mit dem Maule (nicht mit dem
Rüssel, wie viele gemeint haben). Ungefähr
im dritten, vierten Jahre kommen bey beyden
Geschlechtern die zwey großen Stoßzähne zum
Ausbruch, die das Elfenbein geben. Sie wer-
den wohl 7 bis 8 Fuß lang und einer derselben
kann bis auf 200 Pfund wiegen. Wahrschein-
lich wird der Elephant auf 200 Jahre alt. Am
[Seite 127] häufigsten nutzt man ihn zum Lasttragen, da er
zum mindesten 20 Centner zu tragen, und die
größten Transporte Berge hinauf zu wälzen, im
Stande ist. Sein Gang ist gleichsam ein schnel-
les Schieben der Beine, und dabey so sicher,
daß er auch auf ungebahnten Wegen doch nicht
strauchelt.

2. Africanus. E. capite subrotundo, fronte
conuexa, auriculis amplissimis; dentium
molarium corona
rhombis distincta.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 19. fig. C.

Diese im mittlern und südlichern Africa ein-
heimische Gattung, wird nicht, wie die asiati-
sche, als Hausthier gehalten, sondern bloß des
Fleisches und vorzüglich des Elfenbeins*)
wegen gefangen und geschossen.

40. Rhinoceros. Nashorn. Cornu
solidum, conicum, naso insidens
.

1. Asiaticus. Rh. dentibus primoribus vtrin-
que quaternis, inferioribus conicis, supe-
rioribus sublobatis;
laniariis nullis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 7. fig. B.

In Ostindien. Das bey dieser Gattung meh-
rentheils einzelne Horn sitzt bey ihm so wie das
doppelte beym afrikanischen nicht am Knochen
fest, sondern ist bloß mit der Haut verwachsen.

[Seite 128]

2. Africanus. Rh. dentibus primoribus et
laniariis nullis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 7. fig. A.

In Süd-Africa, am Cap etc. Das zweyte
Horn ist kleiner, und sitzt hinter dem erstern.

41. Hippopotamus. Dentes primores
superiores remoti, inferiores procum-
bentes
; laniarii inferiores incuruati,
oblique truncati
.

1. Amphibius. das Nilpferd. (am Cap See-
kuh genannt)

Buffon. Supplement vol. III. tab. 62. 63.
vol. VI. tab. 4. 5.

Häufig im südlichen Africa, so wie ehedem im
Nil. Aeußerst plump, mit einem unförmlichen
großen Kopfe, ganz ungeheueren Rachen, dicken
Leibe, kurzen Beinen etc. Ein erwachsenes wiegt
wenigstens viertehalb tausend Pfund. Nährt
sich von Vegetabilien und Fischen.


VIII. PALMATA.

Säugethiere mit Schwimmfüßen, deren
Geschlechter wieder nach der Verschiedenheit
ihres Gebisses (so wie oben die Ferae) in
drey Familien zerfallen. A) Glires.
B) Ferae. C) Bruta.

A) Glires.

Mit meißelförmigen Nagezähnen.

42. Castor. Pedes postici palmati.
Dentes
primores vtrinque 2.

[Seite 129]

1. †. Fiber. der Biber. (Fr. le castor. Engl.
the. beaver.) C. cauda depressa, ouata,
squamosa
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 43.

In der nördlichern Erde, in einsamen Gegen,
den an Land-Seen und größern Flüssen. Er
wird wegen seiner feinen Haare für die Hand-
lung, und für die Arzneykunst wegen des so ge-
nannten Bibergeils wichtig, das sich den beyden
Geschlechtern in besondern Behältern am Ende
des Unterleibes findet. Am berühmtesten sind
aber diese Thiere durch die ausnehmende Kunst-
fertigkeit, mit welcher sie, da wo sie sich (wie im
Innern von Canada) noch in Menge beysammen
finden, ihre dauerhaften Wohnungen, besonders
aber, da wo sie es nöthig finden, die dazu ge-
hörigen bewundernswürdigen Dämme aufführen.
Denn, zugegeben, das freylich in den Erzäh-
lungen mancher Reisebeschreiber vom Bau der
Biber vieles verschönert und übertrieben worden,
so wissen sich doch diese Thiere, nach dem ein-
stimmigen Zeugniß der unverdächtigsten Beob-
achter aus ganz verschiedenen Welttheilen,
dabey so nach zufälligen Umständen zu bequemen,
daß sie sich dadurch weit über die einförmigen
Kunsttriebe andere Thiere erheben.

B) Ferae.

Mit dem Gebiß der reißenden Thiere.

43. Phoca. Pedes postici exporrecti, di-
giti coaliti. Dentes
primores superiores 6,
inferiores 4;
laniarii solitarii.

Nebst den Thieren des vorigen Geschlechts
gleichsam die Amphibien unter den Säugethie-
[Seite 130] ren, deren ganzer Körperbau darnach eingerichtet
ist, um in beyden Elementen leben zu können*).

1. Vitulina. der Seehund, die Robbe, das
Seekalb. (Fr. le veau marin. Engl. the
seal
.) P. capite laeui, auriculis nullis, cor-
pore griseo
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 73.

In den nördlichen Meeren. Ist für die finni-
schen Insulaner, so wie für die Kamtschadalen,
besonders aber für die Grönländer und für die
labradorischen Esquimos, ein äußerst wichtiges
[Seite 131] Geschöpf: die beyden letztern Völker zumahl,
nähren sich von seinem Fleisch, kleiden sich in
sein Fell, beziehen ihre Sommerhütten und
Fischerbothe damit etc. Sein Fang macht ihr
vorzüglichstes Geschäft, und die darin erworbene
Geschicklichkeit ihr Glück und ihren Stolz aus.

2. Vrsina. der Seebär. P. auriculata, collo
laeui
.

Buffon, Supplement vol. VI. tab. 47.

Im Sommer herdenweise auf den Inseln des
kamtschatkischen Inselmeers, überwintert oder
vermuthlich auf den benachbarten etwas süd-
lichern Inseln des stillen Oceans. Lebt in
Polygamie, so daß jedes Männchen wohl
dreyßig bis vierzig Weibchen hat, die es mit
vieler Eifersucht bewacht, und grimmig gegen
seine Nebenbuhler zu behaupten sucht*).

3. Iubata. der Stellersche Seelöwe. P. auricu-
lata, collo iubato
.

Buffon, Suplement vol. VI. tab. 48.

Im ganzen stillen Ocean. Die größte Gat-
tung dieses Geschlechts; hat den Nahmen von
der beym Männchen gewisser Maßen löwenar-
tigen Mähne.

4. Cristata. der ansonsche Seelöwe**). P.
capite antice cristato
.

Anson's voyage round tke world tab. 19.

Im atlantischen sowohl als im stillen Ocean.
Nur das Männchen hat den häutigen Kamm
auf der Nase.

[Seite 132]

44. Lvtra. Palmae plantaeque natato-
riae. Dentea
primores vtrinque 6 ; su-
periores distincti, inferiores conferti
.

1. †. Vulgaris. die Fischotter. (Fr. la loutre.
Engl. the otter.) M. plantis nudis, cauda
corpore dimidio breuiore
.

v. Schreber tab. 126. A. B.

In den mildern Gegenden der nördlichen
Erde. Die schönsten in Canada.

2. Marina. die Seeorter. (Fr. le castor marin.
Engl. the sea-otter.) L. plantis pilosis,
cauda corpore quadruplo breuiore
.

Cook's voyage to the northern hemisphere
vol. II. tab. 43.

Besonders um Kamtschatka und an der jensei-
tigen Küste vom nordwestlichen America bis
hinunter nach Nutka-Sund, dock auch um
Corea, und zumahl im gelben See. Ihr
schwarzes und silbergraues Fell ist für die
Schinesen das kostbarste aller Rauchwerke.

C) Brvta.

Ohne Gebiß, oder wenigstens ohne Vor-
derzähne.

45. Ornithornynchvs. Mandibu-
lae rostratae (anatinae). Dentes nulli
*).

[Seite 133]

1. Paradoxus. das Schnabelthier.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 41.

Dieses so ganz abenteuerliche Geschöpf zeich-
net sich von allen bisher bekannten Säugethie-
ren durch die beyspiellose Bildung seiner Kinn-
laden aus, die im äußern aufs vollkommenste
einem breiten planen Entenschnabel ähneln,
auch eben so mit einer weichen nervenreichen
zum Tasten bestimmten Haut überzogen, auch
an den Seiterändern gezähnelt sind. Beyder-
ley Füße sind mit einer Schwimmhaut ver-
sehen, die an den Vordern noch vor den Krallen
hervorragt, und sich mittelst derselben fächerar-
tig zusammenfalten oder ausbreiten läßt. Noch
hat man an keinem von beyden Geschlechtern
eine Spur von Zitzen gefunden. Dieses Wun-
derthier lebt in einem Landsee des an sonder-
baren Formen seiner Geschöpfe so reichen fünf-
ten Welttheils, unweit Botanybay.

46. Trichechvs. Pedes posteriores
compedes coadunati
.

1. Rosmarus. das Wallroß. (Fr. le morse.
Engl. the walrus.) T. dentibus laniariis
superioribus
exsertis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 15.

Bey dem Treibeis des Nordpols: oft zu hun-
derten beysammen. Nährt sich vom Seetang
und Schalthieren, die er mit seinen Hauzähnen
[Seite 134] loskratzt. Die alten Normanen machten ihre fast
unverwüstlichen Ankertaue von Wallroßriemen*).

2. Manatus. die Seekuh (Fr. le lamantin.)
T. dentibus laniariis inclusis.

v. Schreber tab. 80.

In den Meeren der wärmern Erde, auch
häufig im Orinoco. Scheint zu manchen der
Sagen von Sirenen und Meerjungfern Anlaß
gegeben zu haben**).


IX. CETACEA.

Die ehedem so ganz widersinnig zu den
Fischen gerechneten Säugethiere***).

47. Monodon. Dentes alteruter maxillae
superioris exsertus longissimus, rectus,
spiralis
.

1. Narhwal. das See-Einhorn.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 44.

Meist im nördlichen atlantischen Ocean. Das
Junge hat ursprünglich zwey Zähne (in jedem
[Seite 135] Oberkieferknochen Einen), die aber von unglei-
cher Größe sind, und beym Erwachsenen sehr
selten zusammen gefunden werden, sondern ge-
wöhnlich nur einer von beyden. Zuweilen so
lang, als der Körper des Thieres, d.h. wohl
18 Fuß und darüber.

48. Balaena. Dentes nulli. Laminae
loco superiorum corneae
.

1. Mysticetus. der Wallfisch. (Fr. la baleine.
Engl. the black whale.) B. dorso impinni.

Abbild. der Wallfische bey Homanns Erben,
in Landkarten-Format. fig. 1. 2.

Das größte aller bekannten Thiere*), das
über 100000 Pfund an Gewicht hält, ist theils
gegen den Nordpol, aber auch in südlichen Ge-
genden im atlantischen Ocean, und im stillen
Meere zu Hause. Die heutiges Tages gefangen
werden, sind selten über 60 bis 70 Fuß lang.
Der ungeheuere Kopf macht wohl ein Drittel des
ganzen Thieres aus. Die Haut ist meistens
schwarz oder mit weiß gemarmelt etc., hin und
wieder dünn behaart, und oft mit Muscheln
besetzt. Den kamtschadalischen Insulanern und
den nordwestlichen Americanern gibt dieses un-
geheuere Thier victus et amictus etc. Die Euro-
päer hingegen fangen den Wallfisch (wovon ein
großer 5000 Rthlr. werth seyn kann) des Fisch-
thrans und besonders der Barden wegen, deren
er 700 im Oberkiefer hat, die das Fischbein
geben, und von denen die mittelsten wohl
zwanzig Fuß lang werden.

[Seite 136]

2. Boops. (Fr. la jubarte) (einer der verschie-
denen Finnfische.) B. pectore sulcato, pinna
dorsali obtusa
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 74.

Die Haut an Hals und Brust und Vordertheil
des Bauchs, ist bey dieser und einigen andern
Gattungen dieses Geschlechts sehr regelmäßig
nach der Länge gefurcht*).

49. Physeter. Dentes in maxilla in-
feriore
.

1. Macrocephalus. der Caschelot, Pottfisch.
(Engl. the white whale.) P. dorso impinni,
dentibus inflexis, apice acutiusculo
.

Die homannische Abbild. fig. 4.

Meist in den südlichern Weltmeeren; zumahl
an den Küsten von Brasilien und von Neu-
Südwallis. Er erreicht die Größe des Wallfi-
sches, hat einen ungeheuren Rachen, und kann
Klafterlange Hayfische verschlingen. Sein
Oberkiefer ist sehr breit, der untere hingegen
überaus schmal. Er wird vorzüglich des Wall-
raths (sperma ceti) wegen aufgesucht, das in
Gestalt eines milchweißen Oels theils im
Körper des Thiers bey dem Thran, theils aber,
und zwar in größter Menge in besondern Be-
hältern am Kopfe desselben, zumahl vorn auf
[Seite 137] den Oberkiefern gefunden wird, und an der Luft
zu einem halb durchsichtigen Talg verhärtet.
Die köstliche wohlriechende graue Ambra ist
eine Stercorolverhärtung die sich zumahl im
dicken Darm mancher davon erkrankender Ca-
schelotte findet.

50. Delphinvs. Dentes in maxilla
vtraque
.

1. Phocaena. das Meerschwein, der Braun-
fisch. (tursio Plin. Engl. the porpoise.) D.
corpore subconiformi, dorso lato pinnato,
rostro subobtuso
.

v. Schreber tab. 342.

So wie die folgende Gattung in den europäi-
schen Meeren: wird 1 1/2 Klafter lang und ist
zumahl für die Lachse ein schädliches Raubthier.

2. Delphis. der Delphin, Tümmler. (Fr. le
dauphin
. Engl. the porpesse.) D. corpore
oblongo subtereti, dorso pinnato, rostro
attenuato, acuto
.

v. Schreber tab. 343.

Der eigentliche Delphin der Alten.

3. Orca. der Nordcaper, Speckhauer. (Engl.
the grampus.) D. pinna dorsi altissima;
dentibus subconicis, parum incuruis.

v. Schreber tab. 340.

Mehr im nördlichen Weltmeere, doch auch im
mittelländischen; wird 20 Fuß lang.


Fünfter Abschnitt.
Von den Vögeln
.

[Seite 138]

§. 55.

Die Säugethiere zeigen in ihrer Bildung,
mithin auch in ihrer Lebensart etc. so sehr viel
Verschiedenheit, daß sich nur wenig Allgemei-
nes von ihnen überhaupt sagen läßt, und man
sich folglich bey ihrer speciellen Geschichte desto
umständlicher zu seyn gedrungen sieht. Bey
den Vögeln ist der Fall anders. Beydes,
so wohl ihre Gestalt, als auch ihre Lebensart
hat im Ganzen genommen mehr Ueberein-
stimmendes, daher man sich bey der besondern
Geschichte ihrer einzelnen Geschlechter und
Gattungen schon kürzer fassen kann.

§. 56.

Alle Vögel kommen in Rücksicht ihrer
Bildung darin mit einander überein, daß sie
zwey Füße, zwey Flügel, einen hornigen
Schnabel, und einen mit Federn bedeck-
ten Körper haben. Sie zeichnen sich zu-
gleich durch diese vier Charactere von allen
andern Thieren aufs kenntlichste aus, und
machen eine gleichsam isolirte Classe von
[Seite 139] Geschöpfen aus, die mit keiner andern zu-
sammen fließt, und sich daher in die vermeinte
Kette oder Leiter der natürlichen Körper
(S. 9.) nicht ohne Zwang einpassen läßt.

§. 57.

Unter jenen Charaktern sind die Federn
den Vögeln ausschließlich eigen, die in regel-
mäßigen Reihen (in quincunce) in die
Haut verwachsen und mit vielem Fette durch-
zogen sind; aber in gewisser Jahreszeit, ge-
wöhnlich im Herbste, ausfallen und neue an
ihrer Statt regenerirt werden. Manche, wie
die Schneehühner etc. mausern sich gar zwey
Mahl im Jahr, im Frühling und Herbst.
Bey manchen Gattungen hat der junge Vogel,
zumahl vor der ersten Mause (als auis
hornotina
) andere Farben oder Zeichnungen
des Gefieders, als im reifern Alter. Bey
manchen herrscht auch hierin große Sexual-
verschiedenheit. Von den Haaren unterschei-
den sie sich besonders auch dadurch daß sie,
so viel bekannt, wenn sie beschnitten oder
sonst verstümmelt worden, alsdann nicht so
wie diese, wieder ergänzt werden.

§. 58.

Die stärksten Federn sind in den Fittigen
und im Schwanze. Jene heißen Schwung-
federn (remiges), diese Steuerfedern
[Seite 140] (rectrices). Die Schwungfedern bilden bey
ausgespannten Flügeln gleichsam breite Fächer,
womit sich die Vögel in die Luft heben und
fliegen können. Einige wenige Vögel (aues
impennes
), wie die Pinguine etc. haben gar
keine Schwungfedern, und sind daher zum
Fluge ungeschickt. So fehlen auch einigen
Vögeln, wie dem Casuar, den Taucherchen etc.
die Steuerfedern.

§. 59.

Im innern Körperbau*) zeichnen sich
die Vögel besonders durch die merkwürdigen
Luftbehälter aus, die in ihrem Körper ver-
theilt, und vorzüglich zum Fluge von äußer-
ster Wichtigkeit sind. Die mehresten stehen
mit den Lungen, andere aber bloß mit dem
Rachen in Verbindung, und der Vogel kann
sie nach Willkühr mit Luft laden oder aus-
leeren. Zu diesen Luftbehältern gehören vor-
züglich große aber zarte häutige Zellen, die
theils im Unterleibe, theils unter den Achseln
und sonst noch unter der Haut verbreitet sind,
und durchs Einathmen mittelst der Lungen
voll Luft gepumpt werden können. Außer-
[Seite 141] dem dienen den Vögeln auch gewisse mark-
leere hohle Knochen, wie die Schulter-
knocken im Flügel etc. und manchen selbst die
Hirnschale, zu ähnlichen Zwecken. Und end-
lich sind auch die ungeheuren Schnäbel der
Pfefferfraße, Nashornvögel etc. ebenfalls dahin
gehörig; und selbst die Federspulen stehen
mit dem obengedachten lockern Zellgewebe in
Verbindung, und können gleichfalls mit Luft
gefüllt oder ausgeleert werden.

§. 60.

Durch diese merkwürdigen Einrichtungen
werden die Vögel zum Flug geschickt, bey
welchem die Geschwindigkeit so wohl als die
lang anhaltende Dauer gleich merkwürdig sind.
Nur wenige Vögel, wie der Straus, der
Casuar, die Pinguine und andere aues im-
pennes
(§. 58.) können gar nicht fliegen.

§. 61.

Der Aufenthalt der Vögel ist beynahe
eben so verschieden als der Säugethiere ihrer.
Die mehresten leben auf Bäumen, andre auf
dem Wasser, sehr wenige bloß auf der Erde:
aber kein einziger Vogel (so wie der Maul-
wurf in der vorigen, und andere Geschöpfe
in den beyden letztern Thier-Classen) bloß
unter der Erde. Die Bildung der Füße ist
[Seite 142] auch bey den Vögeln, so wie bey den Säu-
gethieren, ihrem verschiedenen Aufenthalt an-
gemessen. Die mehresten haben freye, unver-
bundne Zehen (aues fissipedes) und zwar
gewöhnlich ihrer viere, wovon drey nach vorn,
und der vierte gleichsam als Daumen nach
hinten gekehrt ist (pedes ambulatorii). Oder
aber es sind nur zwey Zehen nach vorn, und
zweye nach hinten gekehrt (p. scansorii); oder
der Vogel kann willkürlich die eine Zehe bald
vorwärts zu den übrigen zweyen, bald rück-
wärts zum Daumen schlagen (digitus ver-
satilis
). Bey andern ist auch wohl die
mittlere Zehe an die eine Seitenzehe ange-
wachsen (pedes gressorii); oder die Hinter-
zehe fehlt ganz (p. cursorii). Bey denen
Vögeln, die keine freye Zehen haben, sind
die Zehen entweder nur an der Wurzel (p.
semipalmati
) – oder aber bis vorn an die
Spitze (p. palmati) – durch eine Schwimm-
haut verbunden; bey andern sind die einzelnen
Zehen mit einer lappichten schmalen Haut, die
entweder einen glatten (p. lobati), – oder
zackigen Rand (p. pinnati) hat, wie mit
Fransen eingefaßt.

§. 62.

Sehr viele Vögel verändern ihren
Wohnplatz zu gewissen Jahrszeiten die
meisten zwar bloß in so fern, daß sie nur
[Seite 143] wenige Meilen weit in die benachbarten
Gegenden streichen, und bald darauf in ihre
alte Heimath zurückkehren; andere aber wie
die Hausschwalben, die Kraniche, Störche etc.
so, daß sie im Herbst große Wallfahrten,
weit übers Meer und über einen beträchtlichen
Theil der Erdkugel weg, anstellen, und den
Winter bis zur Rückkehr im folgenden Frü-
jahre in wärmern Zonen zubringen.

§. 63.

Kein Vogel hat Zähne, sondern diese
Thiere müssen ihre Speise entweder mit dem
Schnabel zerbeißen, oder ganz schlucken. Bey-
denjenigen samenfressenden Vögeln, die ihre
Körner ganz, unzerbissen einschlucken, ge-
langen diese nicht sogleich in den Magen,
sondern werden vorher im drüsenreichen
Kropfe (ingluuies, prolobus) eingeweicht,
und von da nur allmählich an den Magen
überlassen: der bey diesen Thieren äußerst
musculös, und so stark ist, daß er sogar,
nach Reaumur's u.a. merkwürdigen Ver-
suchen, verschluckte Haselnüsse und Oliven-
kerne zu zerdrücken und Münzen so glatt wie
Papier abzuscheuern vermag. Sehr viele Vö-
gel verschlucken aber auch überdieß noch kleine
Kieselsteinchen, die ebenfalls die Zermalmung
und nachherige Verdauung der Speisen be-
[Seite 144] fördern*). Verschiedene fleischfressende Vö-
gel, wie die Falken, Eulen, Eisvögel etc.
können die Knochen, Haare und Gräten der
kleinen Thiere, die sie verzehrt haben, nicht
verdauen, sondern brechen sie, in eine runde
Kugel (das Gewölle) geballt, nach der
Mahlzeit wieder von sich**).

§. 64.

Zu den besondern Eigenheiten der Sinn-
werkzeuge der Vögel in Vergleichung zu den
Säugethieren, gehört unter andern der Man-
gel der knorpligen zur Auffassung des Schalls
dienenden äußern Ohren; der aber, zumahl
bey den nächtlichen Raubvögeln, durch die
äußerst regelmäßige zirkelförmige Stellung und
[Seite 145] bestimmte Richtung der Federchen in der Ge-
gend des Ohres und bey manchen derselben
auch noch überdieß durch eine bewegliche
Klappe am äußern Gehörgange ersetzt wird.

Anm. Nur sehr wenige Vögel, die Aenten nähmlich
u.a. verwandte Gattungen, scheinen den wirk-
lichen Sinn des Tastens (d.h. des Gefühls im
engern Verstande) zu besitzen; und das Organ
dazu ist wohl die weiche Bedeckung ihres Schna-
bels, die mit ausnehmend starken Hautnerven
versehen; und beym lebendigen Thier äußerst
empfindlich ist. Auch sieht man, wie die Enten
in den Pfützen, wo sie bey Aufsuchung des Fraßes
weder dem Gesichte, noch dem Geruche nachgehen
können, mit dem Schnabel wirklich sondiren.

§. 65.

Die Stimme ist zumahl bey den kleinen
so genannten Sangvögeln mannigfaltig und
anmuthig, doch darf man nicht sowohl sagen,
daß sie singen (– denn natürlicher Gesang
ist ein ausschließliches Vorrecht des Men-
schen –) als, daß sie pfeifen. Außer den
obgedachten Luftbehältern (§. 59.) kommt
ihnen dazu vorzüglich die Einrichtung ihres
Kehlkopfs (larynx) zu Statten, der bey den
Vögeln nicht bloß, so wie den Säugethieren
und Amphibien, am obern Ende, nähmlich
an der Zungenwurzel befindlich, sondern
gleichsam in zwey abgesonderte Hälften an die
beiden Enden der Luftröhre vertheilt ist.
Die Papageyen, Raben, Stahre, Dompfaf-
[Seite 146] fen etc. hat man die Menschenstimme nachahmen
und Worte aussprechen gelehrt: so wie auch
die Sangvögel im Käficht leicht fremden
Gesang annehmen, Lieder pfeifen lernen, und
sich sogar zum Accompagnement abrichten
lassen, so, daß man mit mehreren Dompfaffen
zugleich schon wirklich kleine Concerte hat geben
können. Ueberhaupt aber scheint auch der
Waldgesang der Sangvögel doch erst durch
Uebung und Nachahmung recht ausgebildet
zu werden.

§. 66.

Die mehresten Vögel begatten sich im
Frühjahr; manche aber, wie der Kreuzschna-
bel, in der kältesten Jahrszeit nach Weihnach-
ten. Das Hausgeflügel ist gar an keine be-
stimmte Zeit gebunden, sondern läßt sich
Jahr aus Jahr ein zu diesem Geschäft willig
finden. Manche halten sich nur zur Begat-
tungszeit, andere aber, wie die Tauben, für
immer paarweise zusammen: noch andere
aber leben, wie die Hühner, in Polygynie.

§. 67.

Das befruchtete Weibchen wird vom In-
stinct getrieben, für die Zukunft zu sorgen,
und zu nisten, wovon eigentlich vielleicht
bloß der Kuckuck völlig ausgenommen ist.
[Seite 147] Bey den polygamischen Vögeln, wie bey den
Hühnerarten, nimmt das Männchen gar
keinen Antheil an diesem Geschäfte; bey denen
aber, die sich paarweise zusammen halten,
zumahl unter den Sangvögeln, trägt es doch
Baumaterialien herbey, und verpflegt sein
Weibchen während ihrer Arbeit.

§. 68.

Die Auswahl des Ortes, an dem jede
Gattung ihr Nest anlegt, ist ihren Bedürfnis-
sen und ihrer ganzen Lebensart aufs genaueste
angemessen. Und eben so sorgfältig wählt
auch jede Gattung die Baumaterialien zu
ihrem Neste.

§. 69.

Die Form der Nester ist bald mehr bald
minder künstlich. Manche Vögel, wie die
Schnepfen, Trappen, Kibitze etc. machen sich
bloß ein dürres Lager von Reisholz, Stroh-
halmen etc. auf der platten Erde: andere tragen
sich nur ein weiches kunstloses Bett in Löcher
der Mauern, Felsenritzen und hohle Bäume;
so die Spechte, Heher, Dohlen, Sperlinge etc.
Sehr viele, zumahl unter den Hühnern,
Tauben und Sangvögeln, geben ihrem Neste
die Gestalt einer Halbkugel oder einer Schüs-
sel: andere, wie der Zaunkönig, ungefähr
die Form eines Backofens: noch andere, wie
[Seite 148] manche Meisen, Kernbeißer etc. die von einem
Beutel u.s.w.*)

§. 70.

Wenn endlich das Geschäft des Nester-
baues vollendet ist, so legt die Mutter ihre
Eyer hinein; deren Anzahl bey den verschie-
denen Gattungen der Vögel sehr verschieden
ist. Viele Wasservögel z.B. legen jedes
Mahl nur ein einziges Ey; die Taucherchen
und mehresten Tauben ihrer zwey; die Möven
drey; die Raben vier; die Finken fünf; die
Schwalben sechs bis acht; die Rebhühner
und Wachteln vierzehn; das Haushuhn
aber, besonders wenn man ihm die Eyer
nach und nach wegnimmt**), bis fünfzig und
drüber. Zuweilen geben auch manche Vögel,
ohne vorher gegangene Befruchtung, Eyer
von sich, die aber zum Bebrüten untauglich
sind und Windeyer (oua subuentanea,
cynosura, zephyria, hypenemia
) heißen.

§. 71.

Die Ausbildung des jungen Thieres, die
bey den Säugethieren noch im Mutterleibe
[Seite 149] vollzogen wird, muß hingegen bey den Vögeln
im schon gelegten Ey, mittelst des Brütens
bewirkt werden. Nur der Kuckuck brütet
seine Eyer nie selbst aus, sondern überläßt es
den Grasmücken oder Bachstelzen etc. in deren
Nest er sein Ey gelegt hat. Hingegen weiß
man, daß selbst Capaunen und Hunde, und
sogar Menschen Vogeleyer ausgebrütet
haben*). Auch bloß durch künstliche Wärme,
und erhitzten Mist**), und durch Lampen-
feuer in so genannten Brüt-Maschinen***)
und in Brutöfen, kann man leicht Hühnchen
auskriechen lassen. – Die Vögel werden
durchs anhaltende Brüten abgemattet, und
nur bey solchen, die sich paarweise zusammen
halten, wie bey den Tauben, Schwalben etc.
[Seite 150] nimmt auch das Männchen an diesem Ge-
schäfte Antheil. Die Hähne unter den Cana-
rienvögeln, Hänflingen, Stieglitzen etc. über-
lassen zwar das Brüten bloß ihren Weibchen,
versorgen sie doch aber während der Zeit
mit Futter und ätzen sie theils aus dem Kropfe.

§. 72.

Während des Brütens geht nun im Eye
selbst die große Veränderung vor, daß das
Küchelchen darin allmählig gebildet, und von
Tag zu Tag mehr zur Reise gebracht wird*).
Zu dieser Absicht ist nicht nur der Dotter
überhaupt specifisch leichter als das Eyweiß,
sondern auch wiederum diejenige Stelle auf
seiner Oberfläche (der so genannte Hahnen-
tritt, cicatricula), neben welcher das künftige
Hühnchen zu liegen kommt, selbst noch leichter
als die entgegen gesetzte Seite, so daß folglich
bey jeder Lage des Eyes doch immer jene
Stelle dem Leibe des bebrütenden Vogels
zugekehrt ist. Die erste Spur des neuen
Küchelchens zeiget sich immer erst eine geraume
Zeit nachdem das Brüten seinen Anfang
genommen. Beym Hühnerey z.B. kaum
vor Ende des ersten Tages: so wie am Ende
[Seite 151] des zweyten das berühmte Schauspiel der
ersten Bewegung des dann noch sehr unvoll-
kommnen Herzchens (das punctum saliens)
seinen Anfang nimmt. Zu Ende des fünften
Tages sieht man schon das ganze kleine
gallertartige Geschöpf sich bewegen. Am vier-
zehnten brechen die Federn aus; zu Anfang
des funfzehnten schnappt das Hühnchen schon
nach Luft; und ist am neunzehnten Tage im
Stande einen Laut von sich zu geben.

Anm. Beym Vogel im Ey ist die erste Gestalt, worin
er sich zeigt, unendlich mehr von seiner nachmah-
ligen Form, wenn er zum Auskriechen reif ist,
verschieden, als die früheste Gestalt des neu-
empfangenen Säugethiers von seiner nachherigen
Bildung. Man kann sagen, das Küchelchen im
Eye gelangt erst durch eine Art von Metamor-
phose zu seiner vollkommenen Gestalt, und das
sowohl in Rücksicht einzelner Eingeweide (z.B.
des Herzens) als in der Totalbildung. (– vergl.
die Abbild. n. h. Gegenst. tab. 64. –)

§. 73.

Unter den mancherley zur bewunderungs-
würdigen Oeconomie des bebrüteten Küchelchens
dienenden Organen, sind die beyden allerwich-
tigsten zwey sehr gefäßreiche Membranen, die
zumahl um die Mitte der Brützeit in ganz
ausnehmender Schönheit sich zeigen. –
Nämlich die Nabelhaut (chorion) die
dann unter der Eyerschaale ausgebreitet ist;
und die Dotterhaut (membrana valuulosa
vitelli
), die mit dem Dramcanal des zarten
[Seite 152] Geschöpfs zusammenhängt. – Jene dient
ihm statt der Lungen zum so genannten phlo-
gistischen Proceß (– S. 37 u.f. –) und
diese zur Ernährung mittelst des Dotters,
der allgemach durch das sich ihm beymischende
Eyweiß verdünnt wird. (– Abbild. n. h.
Gegenst.
tab. 34. –)

§. 74.

Jede Gattung Vögel hat zwar ihre be-
stimmte Brützeit von verschiedener Länge, die
aber doch nach Verschiedenheit des Clima und
der wärmern oder kältern Witterung verzögert
oder beschleunigt wird. Beym Huhn ist das
Küchelchen gewöhnlich zu Ende des ein und
zwanzigsten Tages zum Auskriechen aus
dem Eye reif.

§. 75.

Die jungen Vögel werden einige Zeit von
der Mutter, und bey denen, die in Monoga-
mie leben, auch vom Vater, mit vieler Zärt-
lichkeit gefüttert, und zumahl bey den
mehresten körnerfressenden aus dem Kropfe
geätzt, bis sie befiedert, und überhaupt für ihren
eignen Unterhalt zu sorgen im Stande sind.

§. 76.

Die Vögel erreichen, nach Verhältniß
ihrer körperlichen Größe, und in Vergleich
mit den Säugethieren, ein sehr hohes Alter,
und man weiß, daß selbst in der Gefangen-
[Seite 153] schaft Adler und Papageyen über hundert,
Stieglitze über 24 Jahre etc. leben können.

§. 77.

Die Vögel sind für die Haushaltung der
Natur im Großen ungemein wichtige Ge-
schöpfe, obgleich ihre unmittelbare Brauch-
barkeit fürs Menschengeschlecht ohne Ver-
gleich einfacher ist, als der Säugethiere ihre.
Sie vertilgen unzählige Insecten, und das
unbedingte Wegfangen mancher vermeintlich
schädlichen Vögel, der Sperlinge, Krähen etc.
in manchen Gegenden, hat meist eine un-
gleich schädlichere Vermehrung des Ungezie-
fers nach sich gezogen. Andere verzehren
größere Thiere, Feldmäuse, Schlangen,
Frösche, Eidexen etc. oder Aeser. Viele helfen
Unkraut ausrotten. Von der andern Seite
wird auch die Vermehrung und Fortpflan-
zung der Thiere so wohl, als der Gewächse,
durch Vögel befördert. So weiß man z.B.,
daß die wilden Enten bey ihren Zügen be-
fruchteten Fischrogen in entfernte Teiche über-
tragen, und sie dadurch zuweilen fischreich
machen. Sehr viele Vögel verschlucken Sa-
menkörner, die sie nachher wieder ganz von
sich geben, und dadurch die Verbreitung der-
selben befördern: so z.B. die Tauben auf
Banda die Muscatnüsse etc. Der Mist der
Seevögel düngt kahle Felsenklippen und
[Seite 154] Küsten, daß nachher nützliche Gewächse
da fortkommen können. Manche Falken-
gattungen lassen sich zur Jagd, so wie die
Scharben zum Fischfang, abrichten etc. So
sehr viele Vögel, ihre Eyer, ihr Fett etc.
dienen zur Speise. Die ganzen Felle der
Seevögel zur Kleidung mancher der nördlich-
sten Völker. Die Federn zum Füllen der
Betten, zum Schreiben, und zu mancher-
ley theils kostbaren Putz, so wie sie auch bey
vielen wilden Völkern, zumahl auf den Inseln
des stillen Oceans, einen beträchtlichen Handels-
artikel ausmachen.

§. 78.

Der Schade, den die Vögel stiften, läßt
sich fast gänzlich auf die Vertilgung nutz-
barer Thiere und Gewächse zurück bringen.
Der Condor, der Lämmergeyer u.a. Raub-
vögel tödten Kälber, Ziegen, Schafe etc.
Der Fischadler und so viele Wasservögel sind
den Fischen und ihrem Leich so wie die Ha-
bichte, Sperber, Aelstern etc. dem Hausge-
flügel gefährlich. Die Sperlinge und andere
kleine Sangvögel schaden der Saat, den
Weintrauben und Obstbäumen u.s.w. Und
endlich werden freylich nicht bloß brauchbare
Gewächse, sondern auch eben so wohl wuchern-
des Unkraut durch die Vögel verpflanzt.
Giftige Thiere finden sich aber in dieser Classe
von Thieren eben so wenig, als in der vorigen.

§. 79.

[Seite 155]

Da die Bildung der Vögel, im Ganzen
genommen, ziemlich einförmig ist, und gewisse
Theile ihres Körpers, wie der Schnabel und
die Füße, die sich auf ihre ganze Lebensart,
Nahrung etc. beziehen, schon an sich so viel von
ihrem Total-Habitus bestimmen; so haben die
mehresten Ornithologen auch ihre Classification
auf die Verschiedenheit des einen, oder des
andern von den genannten Theilen gegründet;
Klein z.B. auf die Bildung der Zehen,
Möhring auf die Bedeckung der Beine,
Brisson auf beydes in Verbindung mit der
Beschaffenheit des Schnabels u.s.w. Linné
nimmt in dem Plan seines Systems der Vögel
auch auf die Bildung mehrerer Theile zu-
gleich, und so ziemlich auf den ganzen Ha-
bitus, Rücksicht; nur scheint er sich in der
Ausführung zuweilen vergessen zu haben:
wenigstens begreift man nicht, wie Papa-
geyen, Colibrite und Krähen bey ihm in eine
Ordnung verbunden, hingegen Tauben und
Hühner in zwey Ordnungen von einander ge-
rissen, und mehr Verbindungen oder Trennun-
gen dieser Art zugelassen werden durften.

§. 80.

Ich habe mir also hier einige Abänderung
von dem Linnéischen System erlaubt, und die
ganze Classe in folgende neun Ordnungen
abzutheilen versucht.

A) Landvögel.

[Seite 156]

I. Accipitres. Die Raubvögel: mit krum-
men starken Schnäbeln, meist mit kurzen,
starken, knorrigen Füßen, und großen,
gebogenen, scharfen Klauen.

II. Leuirostres. Mit kurzen Füßen, und
meist sehr großen, dicken, aber mehrentheils
hohlen und daher sehr leichten Schnäbeln.
Papageyen, Tucane etc.

III. Pici. Mit kurzen Füßen, mittelmäßig
langen und schmalen Schnäbeln, und
theils wurmförmiger, theils fadenförmiger
Zunge. Wendehals, Spechte, Baum-
kletten, Colibrite etc.

IV. Coraces. Mit kurzen Füßen, mittelmäßig
langem, und ziemlich starkem, oben erha-
benem Schnabel. Raben, Krähen etc.

V. Passeres. Die so genannten Sangvögel
nebst den Schwalben etc. Sie haben kurze
Füße, und einen mehr oder weniger kegel-
förmigen, zugespitzten Schnabel, von ver-
schiedener Länge und Dicke.

VI. Gallinae. Vögel mit kurzen Füßen,
oben etwas erhabenem Schnabel, der an
der Wurzel mit einer fleischigen Haut be-
wachsen ist. Auch die Tauben habe ich
unter diese Ordnung gebracht, da sie bey
weitem mehr mit den Hühnern als mit den
[Seite 157] Sangvögeln, denen sie Linné zugesellte,
verwandt sind.

VII. Struthiones. Die großen, zum Flug
ungeschickten Landvögel. Der Straus,
Casuar und Dudu.

B) Wasservögel.

VIII. Grallae. Sumpfvögel, mit langen
Füßen, langem, fast walzenförmigem
Schnabel, und meistens langem Halse.

IX. Anseres. Schwimmvögel mit Ruder-
füßen, einem stumpfen, mit Haut über-
zogenen, am Rande meist gezähnelten
Schnabel, der sich an der Spitze des Ober-
kiefers mit einem Häkchen endigt.

* * *

Zur N. G. der Vögel.

  1. Conr. Gesneri historiae animalium L. III. qui est
    de auium natura
    . Tiguri. 1555. fol.
  2. Ulyss. Aldrovandi ornithologia. Bonon. 1599. sq.
    Vol
    . III. fol.
  3. F. Willughby ornithologiae L. III. ex ed. Raji.
    Lond
    . 1676. fol.
  4. Jo. Raji synopsis methodica auium. ib. 1713. 8.
  5. J. Edward's natural history of birds. Lond.
    1743. sq. Vol. IV. 4.
  6. Ej. gleanings of natural history. ib. 1758. sq. Vol. III. 4.
  7. Brisson ornithologie. Paris 1760. Vol. VI. 4.
  8. Buffon.
  9. Daubenton planches des oiseaux. Paris 1775. sq. fol.
    (1008 Bl.)
  10. Th. Pennant's genera of birds. Lond. 1781. 4.
  11. Ej. arctic zoology. II. Band. ib. 1784. 4.
  12. (Jo. Latham's) general synopsis of birds. ib. 1781.
    Vol. VI. 4. und das Supplement dazu. ib. 1787.
  13. F. M. Daudin Traité elementaire et complet d'or-
    nithologie
    . Par. 1800. Vol. II. 4.
* * *
  1. Joh. Leonh. Frisch. Vorstellung der Vögel in Deutsch-
    land. Berlin, 1733. bis 1763. Fol. (242 Taf.)
  2. J. M. Bechsteins gemeinnützige N. G. Deutschlands
    II-IV. B. Leipzig, 1791. 8.
  3. Dess. ornithologisches Taschenbuch von und für Deutsch-
    land. Leipz. 1802. kl. 8.
  4. J. Wolf u. J. Fr. Frauenholz Abbildungen u. Be-
    schreibungen der in Franken brütenden Vögel.

    Nürnb. seit 1799. Fol. und 4.
  5. Teutsche Ornithologie, herausgegeben von Bork-
    hausen, Lichthammer
    und Bekker
    dem
    jüng. Darmst. seit 1800. Fol.
  6. Corn. Nozemann Nederlandsche Vogelen, door
    Chr. Sepp en Zoon. Amst
    . 1770. sq. fol.
  7. Marc. Catesby's natural history of Carolina. Lond.
    1731. Vol. II. fol.
  8. Andr. Sparrmann museum Carlsoniarum. Holm.
    1786. Fasc. II. fol.

[Seite 159]

Erst also die Landvögel in VII. Ord-
nungen.

I. ACCIPITRES.

Fast alle mit kurzen, starken Füßen, großen,
scharfen Krallen und starkem, gekrümmtem
Schnabel, der meist oben auf der Seite in
zwey stumpfe, schneidende Spitzen ausläuft,
und an der Wurzel mehrentheils mit einer
fleischigen Haut (cera) bedeckt ist. Sie näh-
ren sich theils von Aas, theils vom Raube le-
bendiger Thiere, leben in Monogamie, nisten
an erhabenen Orten, und haben ein wil-
derndes, widerliches Fleisch.

1. Vultur. Geyer Rostrum rectum,
apice aduncum: plerisque caput et col-
lum impenne. Lingua bifida.

1. Gryphus der Condor, Cuntur. V. ca-
runcula verticali longitudine capitis.

Hauptsächlich im westlichen Südamerica.
Hält mit ausgespannten Flügeln auf 15 Fuß in
die Breite, und feine Schwungfedern sind am
Kiel wohl fingersdick. Er ist schwarz und weiß
von Farbe. Nistet zumahl an felsigen Ufern,
fliegt ausnehmend hoch, lebt meist vom Raube
unter den Viehherden, und von den todten
Fischen, die die See auswirft.

2. Papa. der Geyerkönig, Kuttengeyer, Son-
nengeyer. V. naribus carunculatis, vertice
colloque denudato
.

Buffon, oiseaux. Vol. I. tab. 6.

[Seite 160]

In Westindien und Südamerica. Nur von
der Größe eines welschen Huhns; zumahl am
Kopf von schönen gelben, rothen und schwarzen
Farben, mit langen, fleischigen Lappen über
dem Schnabel. Kann den nakten Hals ganz in
den dickgefiederten Schulterkragen einziehen.

3. †. Barbatus. der Lämmergeyer, Bart-
geyer, Goldgeyer. V. rostri dorso versus
apicem gibboso, mento barbato.

Anmerk. zu Jac. Bruce's Reisen, V. B.
S. 290. tab. 46.

In den Tyroler- und Schweizer-Alpen;
auch in Sibirien und Habessinien. Der größte
europäische Vogel, dessen ausgespannte Flügel
bey 10 Fuß messen, und der sich vorzüglich
durch seinen starkhaarigen Bart, und durch den
befiederten Kopf, besonders aber durch den ge-
wölbten Rücken vorn am Oberschnabel von
andern Geyern auszeichnet*).

4. Percnopterus. der Aasgeyer. V. remigi-
bus nigris, margine exteriore, praeter
extimas, canis.

Besonders häufig in Palästina, Arabien und
Aegypten. Verzehrt unzählige Feldmäuse, Am-
phibien etc. Die alten Aegyptier haben diesen
Vogel, so wie einige andere ihnen vorzüglich
nutzbare Thiere, heilig gehalten, und ihn häufig
in ihrer Bilderschrift auf Obelisken, Mumienbe-
kleidungen u.s.w. vorgestellt.

[Seite 161]

2. Falco. (Span. Açor.) Rostrum
aduncum, basi cera instructum; caput
pennis tectum; lingua bifida
.

1. Serpentarius. der Secretär. (sagittarius,
Fr. le messager.) F. cera alba, cruribus
longissimis, crista ceruicali pendula, rectri-
cibus intermediis elongatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 55.

Vom Cap landeinwärts, auch auf den Philip-
pinen. Mit langen Beinen, wie ein Sumpf-
vogel*).

2. †. Melanaëtus der schwarzbraune Adler.
(Büffon's aigle commun, Engl. the black
eagle
) F. cera lutea, pedibusque semila-
natis, corpore ferrugineo-nigricante, striis
flauis
.

Frisch tab. 69.

In Europa. Beträchtlich kleiner als der
folgende.

3. †. Chrysaëtos. der Goldadler, Steinadler.
(Büffon's grand aigle, Engl. the golden
eagle
.) F. cera lutea, pedibusque lanatis
luteo-ferrugineis, corpore fusco ferrugineo
vario, cauda nigra, basi cinereo vndulata.

Buffon Vol. I. tab. 1.

[Seite 162]

Im gebirgigen Europa. Nistet auf hohen
Felsen und versorgt seine Junge mit Wildpret
von Hasen, Gemsen etc.

4. †. Ossifragus. der Fischadler, der Bein-
brecher. (Fr. l'orfraie, Engl. the sea-
eagle, the osprey
.) F. cera lutea pedibusque
semilanatis, corpore ferrugineo, rectrici-
bus latere interiore albis
.

Buffon Vol. I. tab. 3.

An den europäischen Küsten, auch in Nord-
america und theils auf der Südsee. Fast von
der Größe des Goldadlers. Lebt fast bloß von
Fischen.

5. †. Haliaëtus. der Entenstößer, Moosweih.
(Fr. le balbuzard. Engl. the osprey.) F.
cera pedibusque caeruleis, corpore supra
fusco, subtus albo, capite albido.

Buffon Vol. I. tab. 2.

Mehr an den Ufern der Flüsse als an den
Seeküsten. Ist oft mit dem Fischadler ver-
mengt worden.

6. †. Milvus. die Weihe, der Gabelgeyer,
Milan, Scherschwanzel, Schwalben-
schwanz, Taubenfalke. (Fr. le milan, Engl.
the kite.) F. cera flaua, cauda forsicata,
corpore ferrugineo, capite albidiore
.

Frisch tab. 72.

Fast in der ganzen alten Welt.

7. Gentilis. der Edelfalke. (Fr. le faucon,
Engl. the falcon.) F. cera pedibusque flauis,
corpore cinereo maculis fuscis, cauda fasciis
quatuor nigricantibus
.

Frisch tab. 74.

[Seite 163]

In gebirgigen Gegenden der nördlichen Erde;
variirt in zahlreichen Spielarten, deren einige
auch von manchen für besondre Gattungen an-
genommen werden. Wird vorzüglich (so wie
freylich manchere andere verwandte Gattun-
gen dieses Geschlechts auch) zum Fang kleiner
Säugethiere und Vögel, nahmentlich in den
Morgenländern zur Gazellenjagd, und in
Europa zur Reiherbeitze abgerichtet.

8. †. Palumbarius. der Habicht, Tauben-
falke. (accipiter. Fr. l'autour, Engl. the
Gooshawk
.) F. cera nigra, margine pedi-
busque flauis, corpore fusco, rectricibus
fasciis pallidis, superciliis albis.

Frisch tab. 81. 82.

Hat meist gleiche Heimath mit der vorigen
Gattung.

9. †. Nisus. der Sperber, Vogelfalke. (Fr.
l'épervier, Engl. the sparrow hawk.) F.
cera viridi, pedibus flauis, abdomine albo
griseo vndulato, cauda fasciis nigricantibus
.

Frisch tab. 90. 91. 92.

In Europa.

3. Strix. Eule. Rostrum breue, adun-
cum, nudum absque cera; nares barba-
tae; caput grande; lingua bifida; pedes
digito versatili; remiges aliquot serratae
.

1. †. Bubo. der Uhu, Schubut, die Ohreule.
(Fr. le grand duc. Engl. the great horn-
owl, the eagle-owl
.) S. auribus pennatis,
iridibus croceis, corpore rufo
.

Frisch tab. 93.

[Seite 164]

Das größte Thier seines Geschlechts. Im
mildern Europa und westlichen Asien.

2. Nyctea. die Schnee-Eule. S. capite laeni,
corpore albido, maculis lunatis distanti-
bus fuscis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab.75.

In der nördlichsten Erde. Ein prachtvolles
Thier.

3. †. Flammea. Die Schleiereule, Kircheneule
Thurmeule (Fr. l'effrai.) S. corpore luteo
punctis albis, subtus albido punctis nigrican-
tibus
.

Frisch. tab. 97.

In den gemäsigtern Zonen der alten und
neuen Welt. Bey ausnehmend schönem und
sanftem Gefieder.

4. †. Passerina. das Käutzlein (Fr. la chevêche,
Engl. the little owl.) S. capite laeui, re-
migibus maculis albis quinque ordinum
.

Frisch tab. 100.

In Europa und Nordamerica.

4. Lanivs. Rostrum rectiusculum, dente
vtrinque versus apicem, basi nudum;
lingua lacera
.

1. †. Excubitor. der Würger, Bergälster.
(Fr. la pie-grieche grise, Engl. the great
shrike
.) L. cauda cuneiformi, lateribus alba,
dorso cano, alis nigris macula alba
.

Frisch tab. 59.

In Europa und Nordamerica. Ahmt, so wie
die folgende Gattung, anderer Vögel Stimme
sehr geschickt nach.

[Seite 165]

2. †. Collurio. der Neuntödter. (Fr. l'ecor-
cheur
, Engl. the red-backed shrike.) L.
cauda subcuneiformi, dorso griseo, rectri-
cibus quatuor intermediis vnicoloribus,
rostro plumbeo
.

Frisch tab. 60.

In Europa. Nährt sich hauptsächlich von
Insecten, zumahl Käfern, Grashüpfern etc. die
er zum Vorrath an Schwarzdorn und anderes
dorniges Gebüsche anspießt.


II. LEVIROSTRES.

Die Vögel dieser Ordnung sind fast bloß
den wärmsten Erdstrichen eigen, und werden
durch die theils sehr großen, dicken, aber in
Verhältniß meist sehr leichten Schnäbel, kennt-
lich, deren oben (§. 59.), bey Gelegenheit der
Luftbehälter gedacht worden.

5. Psittacvs. Papagey, Sittig.
(Fr. perroquet, Engl. parrot) Mandibula
superior adunca, cera instructa, lingua
carnosa, integra. Pedes scansorii
*).

Merkwürdig ist, daß manche einzelne Gat-
tungen dieses Geschlechts eine so überaus einge-
schränkte Heimath haben, daß sich, z.B. auf
den Philippinen, verschiedene derselben bloß
einzig und allein auf der einen oder andern Insel,
[Seite 166] und hingegen nie auf den noch so nahe liegen-
den, benachbarten finden. Ueberhaupt haben
die Papageyen viel Auszeichnendes, Eignes in
ihrem Betragen. Sie wissen sich z.B. ihrer
Füße fast wie Hände zu bedienen, bringen ihre
Speise damit zum Munde, krauen sich damit
hinter den Ohren, und wenn sie auf dem Boden
gehen, so treten sie, nicht wie andere Vögel
bloß mit den Krallen, sondern mit der ganzen
Ferse auf etc. Ihr hakenförmiger Oberschnabel
ist eingelenkt und sehr beweglich, und nutzt
ihnen zuweilen fast statt eines dritten Fußes
zum Klettern, Anhalten u.s.w. Beide Ge-
schlechter lernen leicht Worte nachsprechen, und
manche hat man, wenn gleich höchst selten,
sogar singen gelehrt.

1. Macao. der Aras, indianische Rabe.
(Aracanga). P. macrourus ruber, remi-
gibus supra caeruleis, subtus rufis, genis
nudis rugosis
.

Edwards's birds tab. 158.

In Südamerica.

2. Alexandri. P. macrourus viridis, collari
pectoreque rubro, gula nigra.

Edwards's l. c. tab. 292.

In Ostindien.

3. Cristatus. der Cacadu. P. brachyurus,
crista plicatili flaua.

Frisch tab. 50.

In Ostindien, zumahl auf den Molucken.

4. Erithacus. der Jaco, aschgraue Papagey.
P. brachyurus canus, temporibus nudis
albis, cauda coccinea
.

Frisch tab. 51.

Auf Guineea, Congo und Angola.

[Seite 167]

5. Ochrocephalus (Fr. l'amazone à tête jaune.)
P. viridis, vertice flauo, tectricibus alarum
puniceis, remigibus ex viridi, nigro, vio-
laceo et rubro variis, rectricibus duabus
extimis basi intus rubris
.

Daubenton Pl. 312.

In Westindien etc.

6. Pullarius. (Fr. l'inseparable.) P. brachyu-
rus viridis, fronte rubra, cauda fulua fascia
nigra, orbitis cinereis
.

Frisch tab. 54. fig. 1.

Auf Guinea und in Ostindien. Nicht viel
größer als ein Blutfink. Hat den französischen
Nahmen von der irrigen Sage als ob es immer
Paarweis gehalten werden müßte und keins
den Verlust seines Gatten überleben könnte.

6. Ramphastos. Tukan, Pfefferfras,
Rostrum maximum, inane, extrorsum
serratum, apice incuruatum. Pedes
scansorii plerisque
.

Der ungeheuere Schnabel, der alle Gattungen
dieses sonderbaren Geschlechts südamericanischer
Vögel auszeichnet, ist ausnehmend leicht, und
von ungemein weichem Horn. Ihre Zunge ist
eine halbe Spanne lang, wie von Fischbein, an
der Wurzel kaum eine Linie breit, und an den
Seiten vorwärts gezasert. Das Gefieder variirt
sehr, nach der Verschiedenheit der beyden Ge-
schlechter, auch nach dem Alter etc.

1. Tucanus. R. nigricans, rostro flauescente,
versus basin fascia nigra, fascia abdomi-
nali flaua
.

[Seite 168]

7. Bvceros. Der Nashornvogel, Ca-
lao. (hydrocorax) Rostrum maximum,
inane, ad basin versus frontem recur-
uatum; pedes gressorii
.

Die sämmtlichen Gattungen dieses ebenfalls
abentheuerlich gebildeten Geschlechts, sind in
Ostindien und Neu-Holland zu Hause.

1. Rhinoceros. B. processu rostri frontali re-
curuato
.

Abbild. n.h. Gegenst. tab. 24.


III. PICI.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze
Füße, und meist einen geraden, nicht dicken
Schnabel von mittelmäßiger Länge.

8. Picvs. Specht. (Fr. pic. Engl. wood-
pecker
.) Rostrum polyedrum, apice cu-
neato; lingua teres lumbriciformis, lon-
gissima, mucronata, apice retrorsum
aculeato; pedes scansorii
.

Die Spechte haben vorzüglich den sonderbaren
Bau der Zunge, daß sich das Zungenbein in
zwey lange grätenförmige Knorpel verläuft, die
von hinten nach vorn über den ganzen Hirn-
schädel unter der Haut liegen, und sich an der
Stirne nahe an der Schnabelwurzel endigen.
Diese Knorpel sind also gleichsam elastische Fe-
dern, mittelst welcher diese Vögel ihre wurm-
förmige Zunge desto leichter hervorschießen, und
an der hornigen Spitze derselben Insecten an-
spießen können.

[Seite 169]

1. †. Martius, der Schwarzspecht, gemeine
Specht, die Hohlkrähe. P. niger, vertice
coccineo
.

Frisch tab. 34. fig. 1.

Nebst den folgenden Gattungen im mildern
Europa und nördlichen Asien.

2. †. Viridis. der Grünsprecht, Grasspecht.
P. viridis, vertice coccineo.

Frisch tab. 35.

3. †. Maior. der große Bunt- oder Roth-
specht. P. albo nigroque varius, occipite
rubro
.

Frisch tab. 36.

4. †. Minor. der kleine Bunt- oder Roth-
specht. P. albo nigroque varius, vertice
rubro.

Frisch tab. 37.

9. Iynx. Rostrum teretiusculum, acu-
minatum; lingua lumbriciformis, lon-
gissima, mucronata; pedes scansorii
.

1. †. Torquilla. der Drehhals, Wendehals,
Natterwindel. (Fr. le torcol, Engl. the
wryneck
.) F. cauda explanata, fasciis fuscis
quatuor.

Frisch tab. 38.

Hat seinen Nahmen von der ungemeinen Ge-
lenksamkeit seines Halses, und meist die gleiche
Heimath wie die vorgedachten Spechte.

10. Sitta. Spechtmeise. Rostrum subu-
latum, teretiusculum, apice compresso,
mandibula superiore paullo longiore;
pedes ambulatorii
.

[Seite 170]

1. †. Europaea. der Blauspecht. (Fr. la sitelle,
le torchepot
, Engl. the nut-hatch, the wood-
cracker
.) S. rectricibus nigris, lateralibus
quatuor infra apicem albis
.

Frisch tab. 39.

In allen drey Welttheilen der nördlichen Erde.

11. Todvs. Rostrum subulatum, depres-
siusculum, obtusum, rectum, basi setis
patulis; pedes gressorii
.

1. Viridis. (Fr. le todier, Engl. the green
sparrow
.) T. viridis, pectore rubro.

Im mittlern America.

2. Paradisaeus. T. capite cristato nigro, cor-
pore albo, cauda cuneata, rectricibus inter-
mediis longissimis
.

In Südafrica, auf Madagascar etc.

12. Alcedo. Rostrum trigonum, cras-
sum, rectum, longum; digitus versatilis
.

1. †. Ispida. der Eisvogel. (Alcyon. Fr. le
martin pecheur
, Engl. the kingsfisher.) A.
supra cyanea, fascia temporali flaua, cauda
breui
.

Frisch tab. 223.

Fast in der ganzen alten Welt. Nährt sich
von Fischen. Vertrocknet (so wie auch der
Kreuzschnabel und vielleicht manche andere
Vögel mehr) nach dem Tode leicht, ohne in
Fäulniß überzugehen.

13. Merops. Rostrum curuatum compres-
sum, carinatum; pedes gressorii.

[Seite 171]

1. Apiaster. der Immenwolf, Bienenfresser.
(Fr. le guépier, Engl. the bee-eater.) M.
dorso ferrugineo, abdomine caudaque viridi
caerulescente, gula lutea, fascia tempo-
rali nigra
.

Frisch tab. 222.

Im südlichen Europa und mildern Asien.
Lebt von Insecten.

14. Upupa. Rostrum arcuatum, conue-
xum, subcompressum, obtusiusculum,
pedes ambulatoii.

1. †. Epops. der Wiedehopf, Rothhahn.
(Fr. la hupe, Engl. the hoopoe.) U. crista
variegata.

Frisch tab. 43.

In Europa und Ostindien. Nährt sich von
Regenwürmern und mancherley Insecten. Nistet
in hohle Bäume, und, wie schon Aristoteles
anmerkt, oft auf eine Grundlage von Men-
schenkoth*).

15. Certhia. Baumläufer. Rostrum
arcuatum, tenue, subtrigonum, acu-
tum; pedes ambulatorii
.

1. †. Familiaris. die Baumklette, der Grüper,
Grauspecht, Baumkleber. (Fr. le grim-
pereau
, Engl. the creeper.) C. grisea, subtus
alba, remigibus fuscis; rectricibus decem
.

Frisch tab. 39. fig. 1.

In Europa. Klettert fast wie die Spechte
an den Baumstämmen herum, um Insecten und
ihre Puppen zu suchen etc.

[Seite 172]

2. †. Muraria. der Mauerspecht. C. cinerea,
tectricibus roseis, remigibus rectricibusque
fuscis, maculis alarum fuluis niueisque
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 76.

Das ausnehmend schöne Thier hat Sperlings
Größe, und lebt einsam im wärmern Europa.
Nahmentlich im C. Bern. In Deutschland ists
äußerst selten. Nistet in altem Gemäuer, auf
Thürmen etc.

3. Coccinea. C. coccinea, rectricibus remigi-
busque nigris
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 16.

Auf den Sandwich-Inseln, deren kunstreiche
Einwohner mit den Federchen dieses kleine car-
moisinrothen Vogels mancherley prachtvollen
Putz und andre Kleidungsstücke, Helme etc.
sogar ganze Mäntel etc. überziehen.

4. Sannio. C. olinacea, vertice subuiolaceo,
remigibus caudaque subfurcata fuscis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 8.

Auf Neu-Seeland.

16. Trochilvs*). Colibri, Honigsau-
ger, Blumenspecht. (Fr. oiseau-mouche.
Engl. humming bird.) Rostrum subulato-
filiforme longum. Mandibula inferiore
tubulata, superiore vaginante inferio-
rem. Lingua filis duobus coalitis tubu-
losa; pedes ambulatorii,
breuissimi.

[Seite 173]

Das ganze Geschlecht ist, so viel man bis jetzt
weiß, allein in America zu Hause. Aber nicht
bloß im wärmern, sondern theils auch nördlich
bis Nutka-Sund und südlich bis zur Westküste
von Patagonien.

A) Curuirostres (eigentliche Colibris.)

1. Pella. (Fr. le colibri-topase.) Tr. ruber,
rectricibus intermediis longissimis, capite
fusco, gula aurata vropygioque viridi
.

Edwards tab. 32.

In Guiana. Wohl 6 Zoll lang.

B) Rectirostres (Fr. oiseaux-mouches.)

2. Minimus. T. rectirostris, corpore viridi
nitente, subtus albido; rectricibus laterali-
bus margine exteriore albis
.

Edwards tab. 105

Der allerkleinste bekannte Vogel, der aufge-
trocknet nur ungefähr 30 Gran wiegt. Sein
Nest ist von Baumwolle, und hat die Größe
einer Wallnuß; und seine zwey Eyer etwa die
von einer Zuckererbse.

3. Mosquitus. der Juwelen-Colibri. (Fr. le
Rubis-topase
.) T. viridescens vertice pur-
pureo aurato, gutture auroreo rutilo
.

Seba. thes. tab. 37. fig. 1.

Stirn und Scheitel des Männchens glänzen
mit rubinrothem Feuer, und seine Kehle wie
glühendes Gold.


IV. CORACES.

[Seite 174]

Die Vögel dieser Ordnung haben einen
starken, oben erhabenen Schnabel von mittel-
mäßiger Größe, und kurze Füße. Sie leben
theils von Getreide u.a. Pflanzensamen etc.
theils von Insecten, und auch von Aas; und
haben mehrentheils ein wilderndes, unschmack-
haftes Fleisch.

17. Buphaga. Rostrum rectum, subqua-
drangulare: mandibulis gibbis, integris,
extrorsum gibbosioribus. Pedes ambu-
latorii.

1. Africana (Fr. le pic boeuf. Engl. the
beefeater
.)

Latham Vol. I. P. I. tab. 12.

In Senegambien etc.

18. Crotophaga. Rostrum compres-
sum, semiouatum, arcuatum, dorsato-
carinatum. Mandibula superiore margine
vtrinque angulata. Nares peruiae
.

1. Ani. (Fr. le bout de petun. Engl. the ra-
zor-billed blackbird
.) C. pedibus scansoriis.

Latham l. c. tab. 13.

In Westindien. Lebt in gesellschaftlicher Ver-
bindung, und es sollen sogar mehrere Weibchen
sich zusammen halten und ein gemeinschaft-
liches Nest bauen, mit einander brüten etc.

[Seite 175]

19. Corvvs. Rostrum conuexum cultra-
tum, nares mystace tectae; pedes am-
bulatorii.

1. †. Corax. der Kolk-Rabe. (Fr. le corbeau.
Engl. the raven.) C. corpore atronitente,
rostri apice subincuruo, cauda semirhombea
.

Frisch tab. 63.

Wie die nächstfolgende Gattung fast durchge-
hends in beyden Welten. Hat einen überaus
scharfen Geruch, raubt Fische, Krebse, junge
Enten, selbst junge Hasen etc. schleppt auch an-
dere Sachen zu Neste, die er nicht fressen kann.

2. †. Corone. die Raben-Krähe. (Fr. la cor-
neille
, Engl. the carrion crow.) C. atro-
caerulescens totus, cauda rotundata: rectri-
cibus acutis
.

Buffon Vol. III. tab. 3.

3. †. Frugilegus. die Saatkrähe, der Ka-
rechel. (Fr. le freux, la frayonne. Engl.
the rook.) C. ater, fronte cinerascente,
cauda subrotunda
.

Frisch tab. 64.

In Europa. Vergütet den mäßigen Schaden
den sie der Saat thut durch die weit beträcht-
lichere Vertilgung unzähliger Feldmäuse, Enger-
linge, Grasraupen etc.

4. †. Cornix. die Krähe, Nebelkrähe, Hau-
benkrähe. (Fr. la corneille mantelée. Engl.
the hooded crow, royston crow.) C. cinera-
scens, capite iugullo alis caudaque nigris
.

Frisch tab. 65.

In der alten Welt. Wird ebenfalls durch die
Vertilgung unzähligen Ungeziefers nutzbar, thut
doch aber auch den Maisfeldern großen Schaden.

[Seite 176]

5. †. Monedula. die Dohle. (Fr. le choucas.
Engl. the jackdaw.) C. fuscus, occipite
incano, fronte alis caudaque nigris
.

Frisch tab. 67.

Im nordwestlichen Europa.

6. †. Glandarius. der Holzheher, Nußbeißer,
Marcolph, Hetzle, Herrenvogel. (Fr. le
geai
. Engl. the jay.) C. tectricibus alarum
caeruleis, lineis transuersis albis nigrisque,
corpore ferrugineo variegato.

Frisch tab. 55.

Im mildern Europa.

7. †. Caryocatactes. der Nußheher. (Fr. le
casse noix
. Engl. the nut cracker.) C. fuscus
alboque punctatus, alis caudaque nigris:
rectricibus apice albis: intermediis apice
detritis
.

Frisch tab. 56.

In der nördlichen Erde.

8. †. Pica. die Aelster, Atzel, Aegerste, Hei-
ster. (Fr. la pie. Engl. the magpie.) C.
albo nigroque varius, cauda cuneiformi
.

Frisch tab. 58.

In Europa und Nordamerica. Ein sehr schäd-
liches Thier für junges Meyergeflügel.

20. Coracias. Rostrum cultrarum,
apice incuruato, basi pennis denuda-
tum; pedes ambulatorii
.

1. †. Garrula. die Mandelkrähe, Racke, Blau-
racke, der Birkheher. (Fr. le rollier, Engl.
the roller.) C. caerulea, dorse rubro, re-
migibus nigris
.

Frisch tab. 57.

[Seite 177]

Im mildern Europa und in Nordafrica. Läßt
sich in der Erntezeit, wenn die Frucht in Man-
deln steht, haufenweise auf den Feldern sehen.

21. Gracvla. Rostrum conuexo-cultra-
tum, basi nudiusculum. Lingua integra,
acutiuscula, carnosa. Pedes ambulatorii
.

1. Religiosa. (Fr. le mainate, Engl. the minor
grakle
.) G. nigro violacea, macula alarum
alba, fascia occipitis nuda, flaua.

Buffon vol. III. tab. 25.

In Ostindien. Hat eine schöne Stimme und
lernt leicht Worte nachsprechen.

2. Quiscula. der Maisdieb. G. nigro-viola-
cea, cauda rotundata
.

Catesby vol. I. tab. 12.

In Nordamerica.

22. Paradisea*). Paradisvogel (ma-
nucodiatta
.) Rostrum basi plumis tomen-
tosis tectum. Pennae hypochondriorum
longiores. Rectrices duae superiores
singulares denudatae.

Das Ganze Geschlecht von zahlreichen Gattun-
gen hat ein überaus eingeschränktes Vaterland,
[Seite 178] da es wohl bloß auf Neu-Guinea zu Hause
ist, von da diese Thiere als Zugvögel nach den
Molucken u.a. benachbarten Inseln streichen.
Noch jetzt schneiden die Papus diesen Thieren,
die wegen ihres prachtvollen Gefieders in Indien
als Putz getragen werden, wenn sie sie zu dieser
Absicht verkaufen, die Füße ab, die daher die
leichtgläubigen Alten den Paradisvögeln über-
haupt abzusprechen wagten*).

1. Apoda. (Fr. l'Emeraude.) P. brunnea pen-
nis hypochondriis luteis corpore longiori-
bus, rectricibus duabus intermediis longis
setaceis.

Edwards tab. 110.

23. Trogon. Curucuru. Rostrum capite
breuius, cultratum, aduncum, margine
mandibularum serratum. Pedes scansorii
.

1. Viridis. T. viridi aureus, subtus luteus,
gula nigra
.

Edwards tab. 331.

In Guiana.

24. Bvcco Bartvogel. (Fr. barbu, Engl.
barbet.) Rostrum cultratum, lateraliter
compressum apice vtrinque emarginato,
incuruato, rictu infra oculos protenso
.

1. Atroflavus. B. niger, iugulo, pectore et
lineis supra-et infraorbitalibus luteis, ab-
domine griseo
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 65.

In Sierra Liona.

[Seite 179]

25. Cvcvlvs. Rostrum teretiusculum.
Nares margine prominulae, Pedes
scansorii
.

1. †. Canorus. der Kuckuck. (Fr. le coucou.
Engl. the cuckow.) C. cauda rotundata ni-
gricante albo-punctata
.

Frisch tab. 40. u.f.

In der nördlichen alten Welt; wo er aber
doch nur im Frühling und Sommer zu sehen ist.
Er bebrütet die zahlreichen Eyer, die er jedes
Frühjahr legt, nicht selbst, sondern legt sie
einzeln in die Nester der Grasmücken und
Bachstelzen etc. zwischen dieser ihre eigenen Eyer,
da sich dann diese kleinen Vögel an seiner Statt
dem Brüt-Geschäfte unterziehen. Merkwürdig
ist, daß seine Eyer nicht größer sind, als dieser
so weit kleinern Vögel ihre, und daß sie auch
nicht länger als diese bebrütet zu werden
brauchen. Der junge Kuckuck wächst aber
dagegen sehr schnell, und wirft die mit ihm zu-
gleich ausgebrüteten jungen Grasmücken aus
ihrem mütterlichen Nest. Sein Winteraufent-
halt ist noch nicht ganz zuverläßig bekannt.

2. Indicator. Der Honigkuckuck, Sengo, Mook.
C. cauda cuneiformi fusco- et albido-ma-
culata, alis fuscis maculis flauis, pedibus
nigris
.

Jo. Fr. Miller fasc. IV. tab. 24.

Im südlichern Africa vom Cap landeinwärts,
hat seinen Namen von der Fertigkeit, mit wel-
cher er, wie der Honig-Dachs, seine liebste
Nahrung, aus den wilden Bienennester auf-
zusuchen weiß.

[Seite 180]

26. Oriolvs. Rostrum conicum, con-
vexum, acutissimum, rectum: mandi-
bula superiore paulo longiore, obsolete
emarginata; pedes ambulatorii
.

1. †. Galbula. die Golddrossel, Goldamsel,
der Kirschvogel, Bülow, Pirol. (Fr. le
loriot.
) O. luteus, pedibus nigris, rectrici-
bus exterioribus postice flauis.

Frisch tab. 31.

Hin und wieder in der alten Welt. Das
Männchen goldgelb und schwarz, das Weibchen
olivengrün. Macht sich ein künstliches, napf-
förmiges, sehr dauerhaft zwischen zwey Aestchen
befestigtes Nest.

2. Phoeniceus. der Maisdieb. (Engl. the
black bird
.) O. niger, alarum tectricibus
coccineis
.

Catesby vol. I. tab. 13.

Im mildern Nordamerica. Hält sich gemei-
niglich zu dem obgedachten Maisdieb (Gracula
quiscula.)

3. Jupujuba. (Persicus Linn.) O. niger.
dorso postico maculaque tectricum alarum
basique rectricum luteis
.

Brisson vol. II. tab. 9. fig. 1.

In Brasilien etc. Baut sich, wie die vorige
und mehrere andere Gattungen dieses Geschlechts,
ein langes beutelförmiges Nest von Schilf und
Binsen*).

[Seite 181]

V. PASSERES.

Kleine Vögel, mit kurzen schlanken Füßen,
und kegelförmigem, scharf zugespitztem Schnabel
von verschiedner Größe und Bildung. Sie
leben in Monogamie, nähren sich von Insecten
und Pflanzen-Samen, haben ein zartes, schmack-
haftes Fleisch, und die meisten von ihnen singen.

27. Alavda. Rostrum cylindrico-subula-
tum, rectum, mandibulis aequalibus,
basi deorsum dehiscentibus. Vnguis po-
sticus rectior digito longior
.

1. †. Aruensis. die Feldlerche, Himmelslerche,
Bardale. (Fr. l'alouette. Engl. the field-
lark, sky-lark
.) A. rectricibus extimis
duabus extrorsum longitudinaliter albis:
intermediis inferiore latere ferrugineis
.

Frisch tab. 15. fig. 1.

Fast in der ganzen alten Welt. Badet sich
wie Hühner und viele andere deßhalb so genannte
Scharrvögel (aues pulueratrices) im Sande.

2. †. Cristata. Die Haubenlerche, Kobellerche,
Heidelerche. (Fr. le cochevis) A. rectrici-
bus nigris: extimis duabus margine exte-
riori albis, capite cristato.

Frisch tab. 15. fig. 2.

In Deutschland und den benachbarten Ländern.

28. Stvrnvs. Rostrum subulatum, an-
gulato-depressum, obtusiusculum: man-
dibula superiore integerrima, margini-
bus patentiusculis
.

[Seite 182]

1. †. Vulgaris der Staar, die Sprehe. (Fr.
l'etourneau. Engl. the stare, sterling.)
S. rostro flauescente, corpore nigro punctis
sagittatis albis
.

Frisch tab. 217.

Meist in der ganzen alten Welt. Ein nutzbares
Thier, das unzählige schädliche Insecten vertilgt.

29. Tvrdvs. Rostrum tereti-cultratum:
mandibula superiore apice deflexo, emar-
ginato
.

1. †. Visciuorus. Die Schnarre, Misteldros-
sel, der Ziemer, Mistler. (Fr. la draine.
Engl. the missel bird, shrite.) T. dorso
fusco, collo maculis albis, rostro flauescente
.

Frisch tab. 15.

Hin und wieder in der alten Welt. Nährt sich
von Mistelbeeren, die auch häufig durch sie fort-
gepflanzt werden.

2. †. Pilaris. Der Krammetsvogel. (Fr. la
litorne, tourdelle
. Engl. the fieldfare.)
T. rectricibus nigris: extimis margine in-
teriore apice albicantibus, capite vropy-
gioque cano
.

Frisch tab. 26.

Im nördlichen Europa, streicht aber ins süd-
liche. Nährt sich vorzüglich von Wachholder-
(Krammets-) Beeren.

3. †. Iliacus. Zipdrossel, Rothdrossel. (Fr.
le mauvis. Engl. the redwing.) T. alis
subtus ferrugineis, supercillis flauescentibus.

Frisch tab. 28.

Im mildern Europa. Glättet sein Nest mit
Letten und faulem Holze aus; und da letzteres
[Seite 183] theils im Finstern leuchtet, so könnte vielleicht
so ein qui pro quo den Anlaß zur Erzählung
der Alten, von einer aue hercynica noctu
lucente
gegeben haben.

4. †. Musicus. die Sangdrossel, Weindrossel,
Weißdrossel. (Fr. la grive. Engl. the throstle,
song thrush
.) T. remigibus basi interiore
ferrugineis.

Frisch tab. 27.

Hat ungefähr gleiches Vaterland mit der vo-
rigen. Zuweilen findet sich eine weißgraue
Spielart von ihr.

5. Polyglottus. die americanische Nachtigall,
Sinsonte. (Fr. le moqueur. Engl. the mock-
bird
.) T. fusco-cinereus, subtus albidus,
maculis verticis, alarum et caudae candidis
.

Catesby vol. I. tab. 27.

In Louisiana, Carolina, auch auf Jamaica etc.
Ahmt anderer Vögel Stimme leicht und täu-
schend nach.

6. Roseus. T. subincarnatus, capite, alis cau-
daque nigris, occipite cristato.

Edwards tab. 20.

Im mittlern Europa und Asien. Vertilgt
unzählige Zugheuschrecken.

7. †. Merula. die Amsel, Schwarzdrossel.
(Fr. le merle. Engl. the blackbird.) T.
ater, rostro palpebrisque flauis.

Frisch tab. 29.

Im mildern Europa. Lebt einsam, nährt
sich von Wachholderbeeren, hat ein vorzüglich
treues Gedächtniß.

[Seite 184]

30. Ampelis. Rostrum rectum, conue-
xum: mandibula superiore longiore, sub-
incuruata, vtrinque emarginata
.

1. Garrulus. der Seidenschwanz, Pfeffervo-
gel, Sterbevogel, Böhmer. (Fr. le jaseur
de Boheme
. Engl. the bohemian chatterer.)
A. occipite cristato: remigum secundario-
rum
apice coccineo lanceolato.

Frisch tab. 32.

Im nördlichsten Europa, kommt aber in man-
chen Jahren zur Herbstzeit häufig nach Deutsch-
land: zumahl auf den Harz.

31. Loxia. Rostrum conico-gibbum;
frontis basi rotundatum; mandibula in-
ferior margine laterali inflexa.

1. †. Curuirostris. der Kreuzschnabel, Krumm-
schnabel, Krünitz, Tannenpapagey. (Fr.
le bec croisé. Engl. the cross-bill, sheld-
apple
.) L. rostro forsicato.

Frisch tab. II. fig. 3. 4.

In den Schwarzwäldern der nördlichern Erde.
Brütet mitten im Winter zu Ende des Jänners.

2. †. Coccothraustes. der Kernbeißer, Kirsch-
fink. (Fr. le gros bec. Engl. the hawfinch.)
L. linea alarum alba, remigibus mediis
apice rhombeis, rectricibus latere tenuiore
baseos nigris
.

Frisch tab. 4. fig. 2. 3.

Hin und wieder in Europa.

3. †. Pyrrhula. der Dompfaff, Blutfink, Lie-
big, Gimpel. (rubicilla. Fr. le bouvreuil.
Engl. the bullfinch.) L. artubus nigris,
[Seite 185] tectricibus caudae remigumque posticarum
albis
.

Frisch tab. 2. fig. 1. 2.

In der nördlichern alten Welt. Beyde Ge-
schlechter lernen leicht Lieder pfeifen, selbst
einander accompagniren, und sogar Worte
aussprechen.

4. Gregaria. L. ex griseo flauescens, fronte
oliuacea, nucha, humeris, alis et cauda
fuscis
.

Paterson's journeys pag. 133.

Am Cap, wo Herden von mehreren hunder-
ten ihre Nester auf einem Baum dicht zusammen
bauen, und das wunderbare Gebäude mit einem
gemeinschaftlichen überhängenden Dache bedecken.

5. Pensilis. L. viridis, capite et gutture fla-
vis, fascia oculari viridi, abdomine griseo,
rostro, pedibus, cauda remigibusque nigris
.

Sonnerat voy. aux Indes T. II. tab. 112.

Ebenfalls am Cap. Bauet auch eins der wun-
dersamsten Nester, am Wasser, fast retortenför-
mig mit einer abwärts hängenden Nebenröhre
zum Ein- und Ausflug, deren Mündung nahe
über der Wasserfläche zu hängen kommt.

6. Cardinalis. der indianische Haubenfink,
die virginische Nachtigall. (Engl. the red-
bird
.) L. cristata rubra, capistro nigro,
rostro pedibusque sanguineis
.

Frisch tab. 4. fig. 1.

In Nordamerica, wird wegen seines rothen
Gefieders und seines Gesanges häufig nach
Europa gebracht.

7. †. Chloris. der Grünfink, Grünling,
Grünschwarz, die Zwuntsche. (anthus,
[Seite 186] florus.
Fr. le verdier. Engl. the greenfinch.)
L. flauicanti-virens, remigibus primoribus
antice luteis, rectricibus lateralibus quatuor
basi luteis
.

Frisch tab. 2. fig. 3. 4.

Hin und wieder in Europa.

32. Emberiza. Ammer. Rostrum coni-
cum, mandibulae basi deorsum a se in-
vicem discedentes: inferiore lateribus
inflexo-coarctata, superiore angustiore
.

1. Nivalis. die Schneeammer, der Schnee-
vogel. (Fr. l'ortolan de neige. Engl. the
snow bunting
.) E. remigibus albis, primo-
ribus extrorsum nigris: rectricibus nigris,
lateralibus tribus albis
.

Frisch tab. 6. fig. 1. 2.

In der nördlichsten Erde. Kommt nur zum
Ueberwintern nach Deutschland, wo er sich aber
zuweilen mit ein Mahl in unermeßlichen Zügen
sehen läßt.

2. †. Miliaria. die graue Ammer. (Fr. le
proyer
. Engl. the bunting.) E. grisea,
subtus nigro maculata, orbitis rufis
.

Frisch tab. 6. tab. 4.

Meist durch ganz Europa.

3. †. Hortulana. der Ortolan, Kornfink, die
Fettammer, windsche Goldammer. E.
remigibus nigris, primis tribus margine
albidis: rectricibus nigris, lateribus dua-
bus extrorsum nigris
.

Frisch tab. 5. fig. 3. 4.

In den wärmern Gegenden von Europa und
dem benachbarten Asien.

[Seite 187]

4. †. Citrinella. Die Goldammer, Gelbgans,
der Emmerling. (Fr. le bruant. Engl. the
yellow kammer
.) E. rectricibus nigrican-
tibus: extimis duabus latere interiore ma-
cula alba acuta
.

Frisch tab. 5. fig. 1. 2.

Meist durch ganz Europa.

5. Aureola. E. citrina, vertice, torque dorso-
que spadiceis, crisso albido, rectricibus
duabus vtrinque extimis fascia obliqua alba.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 56.

In Sibirien, bis Kamtschatka.

6. Paradisea. die Witwe. (Fr. la veuve à
collier d'or
. Engl. the whidah bird.) E.
fusca, pectore rubro, rectricibus interme-
diis quatuor elongatis acuminatis: duabus
longissimis, rostro rubro
.

Edwards tab. 86.

Hat den englischen, nachher in andern Spra-
chen aus Mißverstand verunstalteten Nahmen
von seiner Heimath, dem Königreich Whydah
(oder Judah) auf der guineischen Küste.

33. Tanagra. Rostrum conicum, acu-
minatum, emarginatum, basi subtrigo-
num, apice decliue
.

1. Jacapa. (Fr. le cardinal pourpré, le bec
d'argent
, Engl. the red-breasted blackbird.)
T. atra, fronte, iugulo pectoreque coccineis.

Edwards tab. 267.

In Westindien und dem benachbarten America.

34. Fringilla. Fink. Rostrum coni-
cum rectum acuminatum.

[Seite 188]

1. †. Caelebs. der Buchfink, Gartenfink,
Rothfink, Waldfink. (Fr. le pinçon. Engl.
the Chaffinch.) F. artubus nigris, remigibus
vtrinque albis, tribus primis immaculatis:
rectricibus duabus oblique albis.

Frisch tab. 1. fig. 1. 2.

In Europa und Africa; hat mannigfaltigen
Gesang, so daß oft die Finken in einem Revier
von sechs oder mehr Meilen in die Runde über-
ein, und in benachbarten Gegenden wieder an-
ders schlagen.

2. †. Montifringilla. der Bergfink, Tannen-
fink, Rothfink, Mistfink, Schneefink,
Winterfink, Quäkfink, Böheimer. (Fr.
le pinçon d'Ardennes. Engl. the bramble.)
F. alarum basi subtus flauissima.

Linné fauna suec. tab. 2. fig. 198.

Im nördlichen Europa. Kommt, wenn die
Buchmast gut gerathen, im Spätherbst zu vielen
Tausenden nach manchen Gegenden Deutschlands.

3. Niualis. der Schneefink. (Fr. la niverolle.)
F. fusca, subtus niuea, remigibus secunda-
riis tectricibusque albis.

Brisson vol. III. tab. 15. fig. 1.

Auf dem Caucasus, und in den europäischen
Alpen.

4. †. Carduelis. der Stieglitz, Distelfink. (Fr.
le chardonneret. Engl. the goldfinch, the
thistlefinch
.) F. fronte et gula coccineis,
remigibus antrorsum flauis: rectricibus dua-
bus extimis medio, reliquisque apice albis.

Frisch tab. 1. fig. 3. 4.

Fast durch ganz Europa und in den benachbar-
ten Ländern der übrigen alten Welt. Gibt mit
der Canarien-Sie schöne Bastarde*).

[Seite 189]

5. Amandaua. der Finke von Bengalen. (Fr.
le Bengali piqueté. Engl. the Amedabad
finch
.) F. fusca rufescensque albo punctata.

Buffon vol. IV. tab. 2. fig. 1.

In Ostindien. Daß seine Knochen, wie man
behauptet, gelb seyn sollen, habe ich bey denen,
die ich zu untersuchen Gelegenheit gehabt, nicht
bestätigt gefunden.

6. Canaria. der Canarienvogel, ehedem Zucker-
vöglein. (Fr. le serin de Canarie) F. rostro
albido, corpore subfusco, pectore flauescente,
rectricibus remigibusque virescentibus
.

Frisch tab. 12. fig. 1-4.

Scheint zu Anfang des sechszehnten Jahrhun-
derts aus den canarischen Inseln zuerst nach
Europa gebracht worden zu seyn; ist aber seit-
dem daselbst in mancherley Varietäten ausge-
artet. Die wilde Stamm-Rasse ist bräunlich-
grau mit gelber Brust. Unter den übrigen sind
besonders die mit der Holle oder Federbüschchen
auf dem Kopfe (so genannte Rapp-Vögel),
und die Kackerlacken mit rothen Augen zu merken.

7. †. Spinus. der Zeisig, Erlenfink. (liguri-
nus, acanthis.
Fr. le tarin. Engl. the
siskin
.) F. remigibus medio luteis: primis
quatuor immaculatis, rectricibus basi flauis,
apice nigris
.

Frisch tab. 11. fig. 1. 2.

Nistet in den Gipfeln der hohen Tannen und
Fichten in dichten Schwarzwäldern; daher sein
Nest selten gefunden wird*).

[Seite 190]

8. †. Cannabina. der Hänfling, Leinfink, die
Artsche. (Fr. la linotte. Engl. the greater
linnet
.) F. remigibus primoribus rectrici-
busque nigris, vtroque margine albis
.

Frisch tab. 9. fig. 1. 2.

In Europa und Nordamerica.

9. †. Linaria. das Citrinchen, der Flachs-
fink, Carminhänfling. (Fr. le sizerin.
Engl. the lesser linnet.) F. remigibus rectri-
cibusque fuscis, margine obsolete pallido,
litura alarum albida
.

Frisch tab. 10. fig. 3. 4.

In der ganzen nördlichen Erde.

10. †. Domestica. der Sperling, Spatz.
passer. (Fr. le moineau, Engl. the sparrow.)
F. remigibus rectricibusque fuscis, gula
nigra, temporibus ferrugineis
.

In ganz Europa und den benachbarten Län-
dern der übrigen alten Welt fast allgemein ver-
breitet. Doch, daß er sich in einzelnen Gegen-
den, wie z.B. an manchen Orten in Thüringen
(und zwar auch an solchen, wo es doch weder
an Laubholz noch Obststämmen etc. fehlt) nicht
findet. Er brütet vier Mahl im Jahre.
Freylich für Gärten und Feld in schädliches
Thier, das aber doch auch unzähliges Un-
geziefer vertilgt. Zuweilen finden sich ganz
weiße Sperlinge.

35. Mvscicapa (Fr. gobe mouche. Engl.
flycatcher.) Rostrum subtrigonum vtrin-
que emarginatum, apice incuruo;
vi-
brissae
patentes versus fauces.

[Seite 191]

1. †. Atricapilla. der Fliegenschnäpper. M.
nigra subtus frontisque macula alarumque
speculo albis, rectribus lateralibus extus
albis
.

Frisch tab. 24. fig. 1.

Hin und wieder in Europa.

36. Motacilla. Rostrum subulatum
rectum: mandibulis subaequalibus
.

1. †. Luscinia. Nachtigall. (Fr. le rossignol.
Engl. the nightingale.) M. rufo-cinerea,
armillis cinereis
.

Frisch tab. 21. fig. 1. 2.

In den mildern Erdstrichen von Europa und
Asien. Kommt im April in unsern Gegenden
an. Zu Ende des Augusts ziehen sie wieder von
uns, man weiß noch nicht gewiß, wohin; we-
nigstens, so viel bekannt, nicht nach Africa.

2. †. Curruca. die Grasmücke, der Hecken-
schmatzer, Weidenzeisig. (Fr. la sauvette.
Engl. the hedge sparrow.) M. supra fusca
subtus albida, rectricibus fuscis: extima
margine tenuiore alba
.

Frisch tab. 21 fig. 3.

Im mildern Europa.

3. †. Ficedula. die Beecafige. M. subfusca,
subtus alba, pettore cinereo maculato
.

Frisch tab 22 fig. 3. 4.

Im mildern und wärmern Europa, zumahl
auf Cyprus, von wannen sie wegen ihres
schmackhaften Fleisches weit verführt wird.

4. †. Alba. die weiße oder graue Bachstelze,
das Ackermännchen. (Fr. la lavandiere.
Engl. the white waterwagtail.) M. pectore
[Seite 192] nigro, rectricibus duabus lateralibus dimi-
diato-oblique albis
.

Frisch tab. 23. fig. 4.

Meist in der ganzen alten Welt.

5. Calliope. M. mustelina, oliuaceo-macu-
lata, subtus ex flauescente alba, gula
miniata, linea alba nigraque cincta, loris
nigris, superciliis albis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 45.

In Sibirien, bis Kamtschatka.

6. †. Atricapilla. der Klosterwenzel, Mönch.
(Fr. la fauvette à tête noire. Engl. the
black-cap
.) M. testacea, subtus cinerea,
pileo obscuro
.

Linné fauna suecica tab. 1. fig. 256.

Im mildern Europa.

7. †. Phoenicurus. das Schwarzkehlchen. (Fr.
le rossignol de muraille. Engl. the redstart.)
M. gula nigra, abdomine caudaque rufis.
capite dorsoque cano
.

Frisch tab. 19. fig. 1.

Hat meist gleiches Vaterland mit der Nach-
tigall; kommt und geht auch zu gleicher Zeit
mit ihr.

8. †. Rubecula. das Rothkehlchen, Roth-
brüstchen, der Rothbart. (erithacus Fr.
le rougegorge. Engl. the red breast.) M.
grisea, gula pectoreque ferrugineis
.

Frisch tab. 19. fig. 2.

Meist in ganz Europa. Bleibt auch über
Winter bey uns.

9. †. Troglodytes. der Zaunkönig, Zaun-
schlupfer, Schneekönig, Winterkönig.
[Seite 193] (Engl. the wren.) M. grisea, alis nigro
cinereoque vndulatis
.

Frisch tab. 24. fig. 3.

In der nördlichern Erde. Macht sich ein be-
decktes Nest, fast in Gestalt eines Backofens*),
und legt zahlreiche Eyer.

10. †. Regulus. das Goldhähnchen. (Fr. le
roitelet
.) M. remigibus secundariis exteriori
margine flauis, medio albis, crista verti-
cali crocea
.

Frisch tab. 24. fig. 4.

Ebenfalls in der nördlichern Erde. Der
kleinste europäische Vogel.

11. Sartoria. der Schneidervogel. M. tota
pallide lutea
.

J. R. Forsters Indische Zoologie tab. 8.

In Indien. Kleiner als der Zaunkönig. Hat
den Nahmen von der merkwürdigen Art, wie er
sein Nest aus Baumblättern verfertigt, da er
einige dürre Blätter an ein grünes am äußersten
Ende eines Zweiges gleichsam annähet, so daß
dadurch eine tutenförmige Höhlung gebildet
wird, die er mit Flaumen etc. ausfuttert.

37. Pipra. Manakin. Rostrum capite
breuius, basi subtrigonum integerrimum,
apice incuruum. Pedes gressorii
.

1. Rupicola. (Fr. le coq de roche.) P. crista
erecta margine purpurea, corpore croceo,
tectricibus rectricum truncatis
.

Edwards tab. 264.

In Guiana etc.

[Seite 194]

38. Parvs. Meise. (Fr. mesange, Engl.
titmouse.) Rostrum integerrimum, basi
setis tectum
.

1. †. Maior. die Kohlmeise, Brandmeise.
(Fr. la charbonniere, Engl. the great tit-
mouse
.) P. capite nigro, temporibus albis,
nucha lutea
.

Frisch tab. 13. fig. 1. 2.

Meist durch die ganze alte Welt. Ein mu-
thiges Thier, das weit größere Vögel anfällt,
andern kleinen Sangvögeln die Köpfe aufhackt etc.
Man hat bey dieser und andern über Winter
bey uns bleibenden Gattungen dieses Geschlechts
angemerkt, daß dann das Horn ihres Schnabels
weit härter wird als im Sommer, das ihnen
beym Auspicken ihres Futters aus dem gefror-
nen Erdreich zu passe kommt.

2. †. Caeruleus. die Blaumeise, Pimpelmeise,
Jungfernmeise, der Blaumüller. (Fr. la
mesange bleue
. Engl. the nun.) P. remigi-
bus caerulescentibus: primoribus margine
exteriore albis, fronte alba, vertice caeruleo
.

Frisch tab. 14. fig. 1.

Häufig in Europa. Vertilgt Jahr aus Jahr
ein unzählige Insecten.

3. †. Caudatus. die Schwanzmeise, Moor-
meise, Schneemeise. (Fr. la mesange à
longue queue
. Engl. the longtailed titmouse.)
P. vertice albo, cauda corpore longiore.

Frisch tab. 14. fig. 3.

In Europa und Westindien. Legt wohl 20 Eyer,
baut sich ein sackförmiges Nest*) von Moos,
[Seite 195] Wolle etc. und bekleidet es von außen mit den
nähmlichen Baumkrätzen u.a. Moosen, womit
der Baum, an dessen Stamm sie es angelegt,
bewachsen ist.

4. †. Biarmicus. das Bartmännchen, der
indianische Sperling. (Fr. le moustache.
Engl. the bearded titmouse.) P. vertice cano,
cauda corpore longiore, capite barbato
.

Frisch tab. 8. fig. 3.

Im nordwestlichen Europa, England etc.

5. Pendulinus. die Beutelmeise, Pendulin-
meise, der Remitz, Cottonvogel. (Fr. la
mesange de Pologne
.) P. capite subferrugi-
neo, fascia oculari nigra, remigibus rectri-
cibusque fuscis margine vtroque ferrugineo
.

J. D. Titii parus minimus Remiz de-
scriptus
. Lips. 1755. 4. tab. 1. 2.

Hin und wieder in Ober-Italien, Polen,
Sibirien etc. Baut sich ein beutelförmiges Nest
von Pappelwolle etc. das sie an einem dünnen
Aste aufhängt.

39. Hirvndo. Schwalbe. Rostrum
minimum incuruum, subulatum, basi
depressum
.

Die Schwalben zeichnen sich auch außer ihrer
Bildung durch ihre Lebensart etc. gar sehr von
den übrigen Thieren dieser Ordnung aus. Bey der
bekannten Streitfrage über den Winteraufenthalt
unserer hieländischen Schwalben, zumahl der
beiden ersten Gattungen, scheint doch nach allem,
was darüber geschrieben worden, noch manches
nicht vollkommen ins Reine. Schade, daß bey den
[Seite 196] für die eine*) oder für die andere**) Behaup-
tung angeführten Erfahrungen, die Gattungen,
an welchen sie gemacht worden, nicht bestimmt
genug angegeben sind. Im ganzen hat doch aber
immer das Wegziehen derselben nach wärmern
Gegenden bey weiten die größte Wahrschein-
lichkeit für sich.

1. †. Domestica. die Rauchschwalbe, Feuer-
schwalbe. (hirundo rustica Linn. Fr. l'hi-
rondelle de cheminée
. Engl. the house-swal-
low, chimney-swallow
.) H. rectricibus, ex-
ceptis duabus intermediis macula alba notatis
.

Frisch tab. 18. fig. 1.

Nebst der Uferschwalbe einer der weitverbreitet-
sten Vögel auf Erden. Die Benennungen dieser
und der folgenden Gattung sind bey den Syste-
matikern auf das seltsamste vermengt und verwech-
selt worden. Hier diese, mit den nackten unbefie-
derten Füßen und weißgefleckten Steuerfedern,
heißt füglich die Stadtschwalbe, da sie öfter
als die folgende in den Städten sich findet.
Sie baut ihr offenes Nest (– das oft von
Wanzen wimmelt –) an die Dachgiebel, Ställe,
Scheuern, und auf den Dörfern in den Hausären
und unter die Rauchfänge.

[Seite 197]

2. †. Agrestis. die Hausschwalbe, Fenster-
schwalbe, Mehlschwalbe, Spyrschwalbe.
(hirundo vrbica Linn. Fr. l'hirondelle de
muraille, le martinet à cul blanc
. Engl.
the martin.) H. pedibus hirsutis, rectrici-
bus immaculatis, dorso nigro caerulescente,
tota subtus alba
.

Frisch tab. 17. fig. 2.

Zumahl in der nördlichen Erde. Nistet meist
auf den Dörfern außerhalb der Häuser unterm
Dache, an den Kirchfenstern etc. Macht ihr Nest
aus Lehm-Klümpchen, oben zugewölbt.

3. †. Riparia. die Uferschwalbe, Erdschwalbe.
(Fr. l'hirondelle de rivage. Engl. the sand-
martin, shore bird
.) H. cinerea, gula ab-
domineque albis
.

Frisch tab. 18. fig. 2.

Baut in Fluß-Ufern, Lehmgruben, Sand-
hügeln etc.

4. Esculenta. die Salangane. H. rectricibus
omnibus macula alba notatis
.

Von der Größe eines Zaunkönigs. Auf den
sundaischen u.a. Inseln des indischen Archipe-
lagus bis Neu-Guinea etc. Baut da in die Ufer-
löcher und Berghöhlen die berufenen indiani-
schen oder Tunkinsuester, deren Stoff der Hau-
senblase ähnelt und vermuthlich aus halbver-
dauten, dadurch für Fäulung gesicherten und so
regurgitirten molluscis besteht. Man sammelt
jährlich wohl vier Millionen dieser Nestchen, die
größtentheils nach Schina verkauft werden.

5. †. Apus. die Mauerschwalbe, Stein-
schwalbe, Pierschwalbe, Thurmschwalbe.
(Fr. le martinet. Engl. the black martin,
[Seite 198] swift.) H. nigricans, gula alba, digitis
omnibus quatuor anticis
.

Frisch tab. 17. fig. 1.

In allen drey Welttheilen der nördlichen Erde.

40. Caprimvlgvs. Rostrum modice
incuruum, minimum, subulatum, basi
depressum; vibrissae ciliares. Rictus
amplissimus; vnguis intermedius intror-
sum ciliatus
.

1. †. Europaeus. die Nachtschwalbe, Hexe,
der Ziegenmelker, Ziegensauger, Nachtrabe,
Tagschläfer. (nycticorax. Fr. l'engoulevent.
Engl. the goatsucker, night-raven.) C. na-
rium tubis obsoletis
.

Frisch tab. 101.

In der alten Welt. Ein animal nocturnum,
das im Flug seine schnurrende Stimme hören
läßt. Es lebt von Insecten, besonders von
Nachtfaltern etc. und die alte Sage, daß es den
Ziegen die Milch aussauge, ist ungegründet.


VI. GALLINAE.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze
Füße und einen convexen Schnabel, der an
der Wurzel mit einer fleischigen Haut überzogen
ist, und dessen obere Hälfte zu beiden Seiten
über die untere tritt. Sie nähren sich meist
von Pflanzensamen, die sie im Kropfe ein-
weichen, leben in Polygamie, legen zahlreiche
Eyer, und geben das mehreste Hausgeflügel.

[Seite 199]

41. Columba. Taube. (Fr. und Engl.
pigeon.) Rostrum rectum versus apicem
descendens
.

a) Cauda aequali modica.

1. †. Oenas. die Haustaube, Feldtaube, Holz-
taube. (vinago, livia. Fr. le biset. Engl.
the stock dove.) C. caerulescens, cervice
viridi nitente, dorso postico albo, fascia
alarum apiceque caudae nigricante.

Die Holztaube ist meist in der ganzen alten
Welt zu Hause. Die in Norden ziehen im
Herbst nach etwas südlichern Gegenden. Die
in mildern Erdstrichen hingegen überwintern
scharenweise in Felsen-Klüften, kohlen Bäu-
men etc. Das wilde Weibchen brütet zwey
Mahl im Jahre, die Haustaube hingegen neun
bis zehn Mahl, so daß man von einem einzi-
gen Paar binnen vier Jahren 14762 Tauben
ziehen könnte. Die vorzüglichsten Abarten
(wovon doch manche für besondere Gattungen
angesehen werden) sind folgende:

a) dasypus, die Trommeltaube. (Fr. le pi-
geon pattu
, Engl. the rough-footed dove.)
mit langbefiederten Füßen. Frisch tab. 145.

b) gutturosa, die Kropftaube, der Kröpfer.
(Fr. le pigeon à grosse gorge, le grand-
gosier
, Engl. the cropper pigeon.) mit
theils ungeheuerem Kropfe. Frisch tab. 146.

c) turbita, das Möwchen. (Fr. le pigeon
cravate, à gorge frisée
. Engl. the turbit.)
mit krausen Brustfedern und ganz kurzem
Schnabel. Frisch tab. 147.

d) gyratrix, der Tümmler. (Fr. le pigeon
culbutant
, Engl. the tumbler.) mit glat-
[Seite 200] tem Kopf und einem kahlen rothen Augen-
ring: überschlägt sich im steigenden Fluge.
Frisch tab. 148.

e) cucullata, die Schleiertaube, Zopftaube.
(Fr. le pigeon nonain, Engl. the jacobine.)
mit vorwärts gerichtetem Kopf-Busche.
Frisch tab. 159.

f) laticauda, die Pfauentaube, der Hü-
nerschwanz. (Fr. le pigeon paon, Engl.
the shaker.) mit aufrechtem, ausgebreitetem
Schwanze. Frisch tab. 151.

g) tabellaria, die Posttaube, Brieftaube,
türkische Taube. (Fr. le pigeon messager,
Engl. the carrier pigeon.) mit rothen
Fleischwarzen um den Schnabel und die Au-
gen herum. Diese Taubenart hat ihren
Nahmen daher, weil man sich ihrer vorzüg-
lich ehedem in der Levante bediente, um
Briefe zu überschicken*).

2. Coronata. der Kronvogel. C. caerulescens,
supra cinerea, orbitis nigris, crista erecta,
humeris ferrugineis
.

Jo. Fr. Miller fasc. III. tab. 16.

Zumahl auf Neu-Guinea und den Mo-
lucken etc. Fast von der Größe des welschen Hahns.

3. †. Palumbus. die Ringtaube, große Holz-
taube, Schlagtaube, Plochtaube, Kohl-
taube, Holztaube. (Fr. le pigeon ramier,
Engl. the ring-dove.) C. rectricibus postice
atris, remigibus primoribus margine exte-
riore albidis collo vtrinque albo
.

Frisch tab. 138.

Meist in ganz Europa.

[Seite 201]

4. † Turtur. die Turteltaube. (Fr. la tour-
terelle
, Engl. the turtle-dove.) C. rectri-
cibus apice albis, dorso griseo, pectore
incarnato, macula laterali colli nigra lineo-
lis albis
.

Frisch tab. 140.

In den warmen und mildern Gegenden der
alten Welt. Von ihrer gepriesenen Keuschheit
und ehelichen Treue die fabelhaften Uebertrei-
bungen abgerechnet, haben sie darin nichts vor
andern Vögeln ähnlicher Lebensart voraus.

5. †. Risoria. die Lachtaube. (Fr. la tourterelle
à collier
, Engl. the indian turtle.) C. supra
lutescens lunula ceruicali nigra
.

Frisch tab. 141.

Im mildern Europa und in Ostindien.

b) Cauda longiore cuneata.

6. Migratoria. die Zugtaube. C. orbitis de-
nudatis sanguineis, pectore ruso
.

Frisch tab. 142.

Im nordöstlichen America. Macht zur Zeit
ihrer unermeßlichen Züge, eine Haupt-Nahrung
der dasigen Indianer aus, die auch Tausende
derselben räuchern und dörren.

42. Tetrao. (Engl. grous.) Macula prope
oculos nuda, papillosa
.

1. †. Coturnix. die Wachtel. (Fr. la caille,
Engl. the quail.) T. pedibus nudis, cor-
pore griseo maculato, superciliis albis,
rectricum margine lunulaque ferruginea
.

Frisch tab. 117.

Fast in der ganzen alten Welt; ein Zugvogel,
der sich im Zug zuweilen in zahlloser Menge
sehen läßt.

[Seite 202]

2. †. Perdix. das Rebhuhn, Feldhuhn. (Fr.
la perdrix grise. Engl. the partridge.) T.
pedibus nudis calcaratis, macula nuda coc-
cinea sub oculis, cauda ferruginea, pectore
subfusco.

Frisch tab. 114.

Im mittlern Europa und in den mildern Ge-
genden des asiatischen Rußlands.

3. †. Rufus. (Fr. la perdrix rouge, la barta-
velle
.) T. pedibus nudis calcaratis rostroque
sanguineis, gula alba cincta fascia nigra
albo punctata
.

Daubenton planch. enlum. 231.

Im südlichen Europa und Orient. Wird auf
den Inseln des Archipelagus als Meyergeflügel
gehalten.

4. †. Bonasia. das Haselhuhn. (Fr. la gelinote.)
T. pedibus hirsutis, rectricibus cinereis
punctis nigris fascia nigra: exceptis inter-
mediis duabus
.

Buffon vol. II. tab. 7.

Lebt einsam in den Haselgebüschen des mitt-
lern Europa.

5. †. Lagopus. das Schneehuhn, Rype. (Fr.
la gelinote blanche. Engl. the white game.)
T. pedibus lanatis, remigibus albis, rectri-
cibus nigris, apice albis: intermediis albis
.

Frisch tab. 110. 111.

In den alpinischen und nördlichsten Gegenden
der alten und neuen Welt. Ist im Sommer
von grauer Farbe. Nahmentlich ein überaus
wichtiges Thier für die europäischen Colonisten
in Labrador und Grönland.

[Seite 203]

6. †. Tetrix. der Birkhahn. (Fr. le petit te-
tras
, Engl. the black cock.) T. pedibus
hirsutis, cauda bifurcata, remigibus secun-
dariis basin versus albis.

Frisch tab. 109.

In der nördlichern alten Welt.

7. †. Vrogallus. der Auerhahn. (Fr. le coq
de bruyere, tetras
. Engl. the cock of the
wood
.) T. pedibus hirsutis, cauda rotun-
data, axillis albis
.

Frisch tab. 107. 108.

Im nördlichern Europa, hat ein äußerst
scharfes Gesicht und Gehör. Seine Zunge und
oberer Kehlkopf liegen tief unten im Halse.

43. Nvmida. Caput cornutum, collum
compressum coloratum: palearia carun-
culacea ad latera maxillae vtriusque
.

1. Meleagris. das Perlhuhn. (Fr. la peintade.
Engl. the guiney hen.) N. rostro cera in-
structo nares recipiente
.

Frisch tab. 126.

In Africa einheimisch, aber auch längst nach
Europa und viele Gegenden von America
verpflanzt.

44. Phasianvs. Genae cute nuda lae-
vigata
.

1. †. Gallus. der Haushahn. (Fr. le coq,
Engl. the cock.) Ph. caruncula compressa
verticis geminaque gulae, auribus nudis,
cauda compressa ascendente
.

Die vermuthliche wilde Stammrasse*) ist in
Hindustan zu Hause; von rothbrauner Farbe;
[Seite 204] und zeichnet sich durch flache hornichte Blättchen
an den Spitzen der Hals- und Flügelfedern
aus (die den zinnoberrothen Flügelblättchen des
Seidenschwanzes ähneln). Der Haushahn hin-
gegen ist meist über die ganze Erde verbreitet.
Doch ist er erst durch die Spanier nach America
gebracht: hingegen auf vielen Inseln der Südsee
bey ihrer Entdeckung von den Europäern schon
vorgefunden worden. Das Huhn ist bey der
Menge Eyer, die es legt, und seinem oftmah-
ligen Brüten eins der allernutzbarsten Thiere der
ganzen Classe. Und die Hahnen-Gefechte
längst und in mehreren Welttheilen ein beliebtes
Volksschauspiel.

Die Hühner sind, unter den Hausthieren dieser
Classe in die allermannigfaltigsten und auffallend-
sten Rassen und Spielarten degenerirt. Theils
in wahre zum erblichen Schlag gewordene Mon-
strositäten*); sowohl per defectum (– s. oben
S. 22 –), wie der ungeschwänzte Kluthahn;
als per excessum (– a. a. O. –), wie z.B.
mit 5 oder gar 6 Zehen**).

Unter den übrigen Abarten verdienen besonders
bemerkt zu werden:

[Seite 205]

a) der Paduanerhahn, wohl noch einmahl
so groß als der gemeine Haushahn.

b) Der Zwerghahn, Krup-Hahn, kaum
halb so groß als der gemeine.

c) Der Strupphahn krause Hahn, frieslän-
dische Hahn, mit krausen auswärts ge-
krümmten Federn.

d) Das Wollhuhn, aus Japan, Schina etc.
Seine Federn sind schlicht, fast wie Haare,
daher die Fabel von Bastarden, die von Ka-
ninchen und Hühnern erzeugt seyn sollten,
entstanden ist.

e) Das Negerhuhn, mit schwarzer Haut.
Vorzüglich auf St. Jago am grünen Vor-
gebirge, wo auch noch andere Vögelarten
diese Sonderbarkeit haben sollen.

2. Colchicus. der Fasan. (Fr. le faisan, Engl.
the pheasant.) Ph. rufus, variegatus, capite
viridi caerulescente, cauda cuneata, genis
papillosis
.

Frisch. tab. 123.

Hat den Nahmen vom Flusse Phasis in Min-
grelien, von da ihn die Argonauten zuerst nach
Europa gebracht haben sollen.

3. Argus. Ph. fusco-flavescens, nigro puncta-
tus et undulatus, remigum
11 interiorum
latere exteriore ocellato, genis nudis,
occipite nigro subcristato, rectricibus 2 in-
termediis longissimis
.

Philos. Transact. vol. LV. tab. 3.

In seiner Art wohl das wunderschönste pracht-
vollste Geschöpf in der Natur. Besonders sind
die großen Augen auf den innern Schwungfedern
unbeschreiblich schön schattirt, jedem gleichsam
[Seite 206] ein Lichtpunkt aufgesetzt etc; Mißt vom Schnabel
zur Schwanzspitze auf 9 Fuß, und ist nebst den
beyden folgender. Gattungen zumahl in Schina
zu Hause.

4. Pictus. der Goldfasan. Ph. crista flaua,
pectore coccineo, remigibus secundariis
caeruleis, cauda cuneata
.

Edwards tab. 68. 69.

Bey dieser und nächstfolgenden Gattung
zeichnen sich die erwachsenen Männchen durch
die ausnehmende Schönheit ihres Gefieders aus.

5. Nycthemerus. der Silberfasan. Ph. albus,
crista abdomineque nigris, cauda cuneata
.

Edwards tab. 66.

45. Crax. Rostrum basi cera obductum
in vtraque mandibula. Pennae caput
tegentes reuolutae
.

1. Alector. der Curasso. C. cera flaua, corpore
nigro, ventre albo
.

Buffon Vol. II. tab. 13.

In Guiana etc.

46. Meleagris. Caput carunculis spon-
giosis tectum, gula caruncula membra-
nacea longitudinali
.

1. Gallopavo. der Truthahn, Puter, wälsche
Hahn, Kalekuter, Kuhnhahn. (Fr. le dindon,
Engl. the turkey.) M. maris pectore barbato.

Im mittlern und nördlichern America, wo er
in großen Herden zu hunderten auf Bäumen
lebt, ward 1530 zuerst nach Deutschland ge-
bracht, wo er nun als Meyergeflügel gehalten
wird, und in mancherley Varietäten von weißer
u.a. Farben ausgeartet ist.

[Seite 207]

47. Pavo. Caput pennis reuolutis tectum,
pennae caudales elongatae, ocellatae
.

1. †. Cristatus. der Pfau. (Fr. le paon, Engl.
the peacock.) P. capite crista compressa, cal-
caribus solitariis
.

Ist wohl ursprünglich in Ostindien einheimisch,
und seit Alexanders des Großen Zeiten nach Eu-
ropa verpflanzt. Das Männchen zeichnet sich
vom dritten Jahre an durch die Pracht seiner
Schwanz- oder vielmehr Rücken-Federn aus.
Unter den Spielarten ist die weiße gewöhnlichste.

48. Otis. Rostrum mandibula superiore
fornicata: pedes cursorii
.

1. †. Tarda. der Trappe. (Fr. l'outarde,
Engl. the bustard.) O. maris capite iugu-
loque vtrinque cristato
.

Frisch tab. 106. u. f.

Dieser größte hieländische Vogel ist in der ge-
mäßigten alten Welt zu Hause. Das Männchen
wird wohl gegen 30 Pfund schwer, und hat vorn
am Halse einen weiten verborgenen Sack, der
sich unter der Zunge öffnet.


VII. STRVTHIONES.

Große Landvögel, mit freyen unverbunde-
nen Zehen, und kurzen zum Flug ungeschickten
Flügeln ohne Schwungfedern.

49. Strvthio. Rostrum subconicum,
pedes cursorii
.

[Seite 208]

1. Camelus. der Straus. (Fr. l'autruche,
Engl. the ostrich.) S. pedibus didactylis,
digito exteriore paruo mutico, spinis ala-
rum binis
.

Latham Vol. III. P. I. tab. 71.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 77.

Der allergrößte Vogel, der eine Höhe von
acht Fuß und darüber erreicht, und außer Africa
nur in Arabien zu Hause ist. Das Unvermö-
gen zum Flug wird bey ihm durch die aus-
nehmende Schnelligkeit seines Laufs vergütet*).
Vorzüglich wird er durch seine Federn schätzbar.

2. Casuarius. der Casuar, Emeu. S. pedi-
bus tridactylis, galea palearibusque nudis,
remigibus
spinosis.

Latham l. c. tab. 72.

In Ostindien. Hat große Stärke in seiner
mittlern Klaue. Seine Federn sind hornicht und
ähneln Pferdehaaren, und es entspringen immer
zwey und zwey Schafte aus einem gemeinschaft-
lichen Kiele.

Eine dem Casuar ähnliche Gattung, der so ge-
nannte amerikanische Straus (struthio rhea)
ist in Chili zu Hause: – und eine noch andere
neuerlich im fünften Welttheil auf Neu-Süd-
wallis entdeckt worden.

50. Didvs. Rostrum medio coarctatum
rugis duabus transuersis: vtraque man-
dibula inflexo apice; facies vltra ocu-
los nuda
.

[Seite 209]

1. Ineptus. der Dudu, Dronte, Walghvogel.
(Cygnus cucullatus.) D. pedibus ambula-
toriis, cauda breuissima, pennis incuruis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 35.

Ehedem auf Ile de France und Bourbon. –
Aber nach den Versicherungen des Hrn. Morel,
der deßhalb an Ort und Stelle Untersuchung
angestellt hat, existirt dieser Vogel jetzt nicht
mehr. Und das ist nicht unwahrscheinlich, da
er das schwerleibigste, langsamste Thier der
ganzen Classe, folglich leicht zu fangen, und
doch wegen seines widrigen Fleisches von wenig
Nutzen war*).


So weit die Landvögel. Nun die Was-
servögel in II. Ordnungen.

VIII. GRALLAE.

Diese, die Sumpfvögel, haben einen
walzenförmigen Schnabel von ungleicher Länge,
lange Füße, und auch mehrentheils seinen lan-
gen Hals, aber kurzen Schwanz. Sie halten
sich in sumpfigem, moorigem Boden auf, leben
meist von Amphibien, Fischen, Insecten und
Wasserpflanzen, die mehresten nisten auf der
Erde oder im Schilf, und werden großentheils
[Seite 210] durch ihr vorzüglich schmackhaftes Fleisch und
durch ihre Eyer nutzbar.

51. Phoenicoptervs. Rostrum de-
nudatum, infracto-incuruatum, denti-
culatum, pedes tetradactyli
.

1. Ruber. der Flamingo, Flamant, Korkorre.
P. ruber, remigibus nigris.

Catesby vol. I. tab. 73 sq.

In Seegegenden der wärmern Erdstriche bey-
der Welten. Wird bey einem mäßig großen
Körper, aber ganz auffallend langem Halse und
Beinen, wohl mannshoch.

52. Platalea. Rostrum planiusculum;
apice dilatato, orbiculato, plano. Pedes
tetradactyli, semipalmati
.

1. Leucorodia. die Löffelgans, der Löffel-
reiher. (Fr. la spatule, Engl. the spoon-
bill
.) P. corpore albo, gula nigra, occi-
pite subcristato
.

Frisch tab. 200. u. f.

Hin und wieder, zumahl in der westlichen
alten Welt.

53. Palamedea. Rostrum conicum,
mandibula superiore adunca. Pedes te-
tradactyli, fissi
.

1. Cornuta. (Kamichy, Kamoucle.) P. alulis
bispinosis, fronteque cornuta
.

Latham Vol. III. P. I. tab. 74.

In den Savannen des östlichen Süd-America.

[Seite 211]

54. Mycteria. Rostrum subadscen-
dens, acutum: mandibula superiore
triquetra; inferiore trigona acuminata
adscendente; frons calua: nares linea-
res: pedes tetradactyli
.

1. Americana. (Jabiru, Touyouyou. Fr. la
cicogne du Bresil
.)

Latham l. c. tab. 26.

Hat mit dem vorigen Vogel gleiches Vaterland.

55. Cancroma. Rostrum gibbosum:
mandibula superiore cymbae resupinatae
forma
.

1. Cochlearia. (Fr. la cuilliere. Engl. the boat-
bill
.) C. ventre rufescente.

Latham l. c. tab. 26.

Ebenfalls in Brasilien etc.

56. Ardea. Rostrum rectum, acutum,
longum, subcompressum; pedes tetra-
dactyli
.

1. †. Grus. der Kranich. (Fr. la grue. Engl.
the crane.) A. occipite nudo papilloso,
corpore cinereo, alis extus testaceis
.

Frisch tab. 194.

In der nördlichen alten Welt.

2. †. Ciconia. der Storch. (Fr. la cicogne,
Engl. the stork.) A. alba, orbitis nudis re-
migibusque nigris: rostro, pedibus cuteque
sanguineis
.

In den mildern Gegenden fast der ganzen
alten Welt. Nährt sich nicht bloß von Amphi-
bien, sondern frißt auch nutzbare Thiere, ganze
[Seite 212] Ketten junge Rebhühner u.s.w. schleppt auch
nicht selten Leinewand, Garn etc. ins Nest, um
es weich auszufuttern.

3. †. Maior. der Reiher, Fischreiher. (Fr.
und Engl. heron.) A. occipite crista nigra
dependente, corpore cinereo, collo subtus,
linea fasciaque pectorali nigris
.

Frisch tab. 199.

Fast durchgehends in beyden Welten. Schäd-
liche Thiere, die den Fischteichen und besonders
der jungen Brut nachtheilig werden. Sie nisten
auf hohen Bäumen, Eichen etc.*).

4. Garzetta. (Fr. l'aigrette.) A. occipite cri-
stato, corpore albo, rostro nigro, loris
pedibusque virescentibus
.

Buffon T. VII. tab. 20.

Zumahl in Persien etc. Mit den kostbaren
langen, silberweißen, seidenartigen Rückenfedern.

5. †. Stellaris. die Rohrdommel, der Iprump.
(Fr. le butor. Engl. the bittern.) A. capite
laeuiusculo, supra testacea, maculis transver-
sis, subtus pallidior, maculis oblongis fuscis
.

Frisch tab. 205.

In den mildern Gegenden der nördlichern Erde.

57. Tantalvs. Rostrum longum, subu-
latum, teretiusculum, subarcuatum. sa-
cies nuda vltra oculos: pedes tetra-
dactyli, basi palmati
.

[Seite 213]

1. Ibis. (Tantalus aethiopicus Latham. Nu-
menius
ibis Cuvier.) T. albus, remigum
apicibus, rostro et pedibus nigris, remigi-
bus secundariis elongatis nigro-violaceis
.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils,
im Anhang tab. 35.

Das berühmte, ehedem in Aeqypten, auf den
dasigen alten Denkmählern verewigte, und so
wie die damahligen menschlichen Leichen zu Mu-
mien bereitete*) und in besondern Gewölbern in
größter Menge beygesetzte, aber jetzt wenigstens
in Nieder-Aegypten ziemlich seltene Thier**).

Der schwarze kleinere Ibis scheint mit dem
auch in Europa und selbst im südlichen Deutsch-
land vorkommenden Tantalus falcinellus einer-
ley zu seyn.

58. Scolopax. Schnepse. Rostrum te-
retiusculum, obtusum, capite longius,
facies tecta, pedes tetradactyli, postico
pluribus articulis insistente
.

[Seite 214]

1. †. Rusticula. die Waldschnepfe. (Fr. la be-
casse
. Engl. the woodcock.) S. rostro basi
rufescente, pedibus cinereis, femoribus
tectis, fascia capitis nigra
.

Frisch tab. 226. u. f.

In den wärmern Gegenden der nördlichern
alten Welt.

2. †. Gallinago. die Heerschnepfe, Himmels-
ziege, der Haberbock, das Haberlämmchen.
(Fr. la becassine. Engl. the snipe.) S. rostro
recto, tuberculato, pedibus fuscis, frontis
lineis fuscis quaternis
.

Frisch tab. 229.

Fast durchgehends in der nördlichern Erde.

59. Tringa. Rostrum teretiusculum
longitudine capitis, digito postico vniar-
ticulato, a terra eleuato
.

1. †. Pugnax. der Kampfhahn, Renommist,
Hausteufel. (Fr. le combattant, paon de
mer
. Engl. the ruff.) T. rostro pedibus-
que rubris, rectricibus tribus lateralibus im-
maculatis, facie papillis granulatis carneis
.

Frisch tab. 232. u. f.

In der nördlichen alten Welt. Hat seinen
Nahmen von der Streitbarkeit, wir welcher die
Männchen zur Brunstzeit gegen einander kämpfen.

2. †. Vanellus. der Kybitz. (gavia. Fr. le
vanneau
. Engl. the lapwing.) T. pedibus
rubris, crista dependente, pectore nigro
.

Frisch tab. 213.

Ebenfalls in der nördlichern alten Welt.

[Seite 215]

60. Charadrivs. Regenpfeiffer. (Fr.
pluvier, Engl. plover.) Rostrum teretiuscu-
lum, obtusum. Nares lineares. Pedes
cursorii, tridactyli
.

1. †. Hiaticula. die Seelerche. (Fr. le pluvier
à collier
. Engl. the sea-lark.) C. pectore
nigro, fronte nigricante fasciola alba, ver-
tice fusco, pedibus luteis
.

Frisch tab. 214.

Hin und wieder an den Flüssen der nördlichen
Erde, nahmentlich auch auf den Sandwich-Inseln.

61. Recvrvirostra. Säbelschnäbler.
Rostrum depresso planum, subulatum,
recuruatum, acuminatum,
apice flexili.
Pedes palmati, tridactyli.

1. † Avosetta. R. albo nigroque varia.

Buffon vol. VIII. tab. 38.

In den mildern Gegenden der alten Welt etc.
nährt sich vorzüglich von Wasser-Insecten und
Gewürmen, die er mit seinem sonderbar aufwärts
gebognen Schnabel sehr geschickt zu fangen weiß.

62. Haematopvs. Rostrum compres-
sum, apice cuneo aequali: pedes cur-
sorii tridactyli
.

1. †. Ostralegus. der Austerdieb, Austermann,
die Meerälster. (Fr. l'huitrier. Engl. the
sea-pie, pied oyster-catcher
.) H. rostro
pedibusque rubris
.

Latham Vol. III. P. I. tab. 84.

Hin und wieder an den Seeufern aller Welt-
theile; nährt sich vorzüglich von Conchylien.

[Seite 216]

63. Fvlica. Wasserhuhn. Rostrum con-
vexum, mandibula superiore margine
supra inferiorem fornicata
; frons calua,
pedes tetradactyli, subpinnati.

1. †. Atra. das schwarze Blaßhuhn. (Fr. la
foulque, morelle
. Engl. the coot.) F. fronte
incarnata, armillis luteis, corpore nigricante
.

Frisch tab. 209.

In der mildern nördlichen Erde.

64. Parra. Rostrum teretiusculum, obtu-
siusculum. Nares ouatae in medio rostri.
Frons carunculata, carunculis lobatis.
Alulae spinosae
.

1. Jacana. (Fr. le chirurgien, chevalier.) P.
vnguibus posticis longissimis, pedibus viri-
descentibus
.

Buffon vol. VIII. tab. 16.

In Westindien, Brasilien etc.

65. Rallvs. Rostrum basi crassius, com-
pressum, dorso attenuatum apicem versus,
aequale, acutum, pedes tetradactyli, fissi
.

1. †. Crex. der Wachtelkönig, Schnerz, Wie-
senschnarcher, Schars. (ortygometra. Fr.
le râle de genet. Engl. the rail, daker-
hen
.) R. alis rufo-ferrugineis.

Frisch tab. 210.

In den mildern Gegenden der alten Welt.
Wachtelkönig heißt er von der alten irrigen Sage,
als ob er dieser Vögel Heerführer im Zug sey.

[Seite 217]

66. Psophia. Rostrum cylindrico-coni-
cum, conuexum, acutiusculum, mandi-
bula superiore longiore. Nares ouatae,
patulae. Pedes tetradactyli, fissi
.

1. Crepitans. die Trompete, der Agami,
Mackukawa. (Fr. l'oiseau trompette.) P.
nigra, pectore columbino
.

Latham Vol. II. P. II. tab. 68.

In Süd-America, vorzüglich häufig am
Amazonen-Strom. Wird ausnehmend kirre
und ihrem Herrn zugethan.


IX. ANSERES.

Die Vögel dieser Ordnung werden durch
ihre Schwimmfüße kenntlich, die ihnen mehr
nach hinten zu sitzen, und daher zum Rudern
sehr geschickt, aber desto unbequemer zum Gehen
sind. Ihr Oberschnabel endigt sich meist in
ein kurzes Häkchen, und ist wie der untere bey
den mehresten mit einer ausnehmend nerven-
reichen Haut überzogen. (– s. oben S. 145. –)
Sie haben eine fleischige Zunge, einen rauhen
stacheligen Gaumen, und bey vielen von ihnen
haben die Männchen vorn an der Luftröhre
eine besondere knorpelige oder knöcherne Kapsel.
Sie haben dichtes fettes Gefieder, das kein
Wasser annimmt, halten sich an den Ufern
des Meeres, der Seen, der Flüsse, auf In-
seln, Klippen, im Schilf etc. auf, und leben
[Seite 218] mehrentheils in Polygamie. Sie legen mei-
stens nur Ein oder wenige Eyer; sind aber,
besonders wegen ihres Fleisches, Fettes, Fe-
dern etc. von mannigfaltiger Nutzbarkeit.

67. Rhinchops. Rostrum rectum, man-
dibula superiore multo breuiore; infe-
riore apice truncata
.

1. Nigra. (Fr. le bec en ciseaux, Engl. the
sea-crow, cut-water
.) R. nigricans, sub-
tus alba, rostro basi rubro
.

Brisson T. VI. tab. 21. fig. 2.

In Nord-America. Der Oberschnabel ist kürzer
als der untere und dieser liegt in jenem, gleich-
sam wie ein eingeschlagenes Taschenmesser.

68. Sterna. Rostrum edentulum, su-
bulatum, subrectum, acutum, compres-
siusculum. Nares lineares, ad basin
rostri
.

1. Stolida. die Noddy. (Fr. le fou, diable.)
S. corpore nigro, fronte albicante, super-
ciliis atris
.

Brisson T. VI. tab. 18. fig. 2.

In allen Meeren zwischen den beyden Wende-
zirkeln.

2. Hirundo. die Seeschwalbe. (Engl. the sil-
ver-bird
.) S. cauda forficata: rectricibus
duabus extimis albo nigroque dimidiatis
.

Frisch tab. 119.

An der ganzen nördlichsten Erde.

[Seite 219]

69. Colymbvs. Taucher. Rostrum eden-
tulum, subulatum, rectum, acumina-
tum, pedes compedes
.

1. Grylle. die grönländische Taube. (Engl.
the sea-turtle.) C. pedibus palmatis tri-
dactylis, corpore atro, rectricibus alarum
albis
.

Frisch tab. 185.

Ebenfalls an der ganzen nördlichsten Erde.

2. †. Troile. die Lumer. (Fr. le Guillemot.)
C. pedibus palmatis tridactylis, corpore
fusco, pectore abdomineque niueo, remi-
gibus secundariis extremo apice albis
.

Frisch tab. 185.

An den Seeküsten der nördlichen Erde.

3. †. Vrinator. (Fr. la grébe.) C. capite laeui,
palpebra inferiore lutea, macula ala-
rum alba
.

Edwards tab. 360. fig. 2.

Im wärmern Europa. Sein Fell wird, so
wie das vom C. cristatus, zu Feder-Muffen etc.
verarbeitet.

70. Larvs. Möve. (Fr. mouette. Engl.
gull.) Rostrum edentulum, rectum, cul-
tratum, apice subadunco. Mandibula
inferior infra apicem gibba
.

Meist an den Küsten der nördlichen Erde,
doch finden sich auch welche auf der Südsee und
zwar theils in ungeheueren Scharen.

1. †. Tridactylus. (Engl. the tarrock.) L. al-
bicans, dorso canescente, rectricum apici
-
[Seite 220] bus, excepto extremo, nigris, pedibus
tridactylis
.

Brisson T. VI. tab. 17. fig. 2.

Am nördlichen Ocean.

71. Plotvs. Rostrum rectum, acumina-
tum, denticulatum. Facies tecta, pedes
palmati omnibus digitis connexis
.

1. Anhinga. P. ventre albo.

Willoughby tab. 72.

In Brasilien etc. Am Leibe von der Größe
einer Ente, aber mit einem sehr langen Halse,
den das Thier spiralförmig zusammen rollen und
so den Kopf gegen die Fische, die es erschnappen
will, los schnellen soll.

72. Phaëthon. Rostrum cultratum,
rectum, acuminatum, fauce pone ro-
strum hiante. Digitus posticus antror-
sum versus
.

1. Aethereus. der Tropikvogel. (Fr. la paille-
en-queue
. Engl. the tropic-bird.) P. rectri-
cibus duabus longissimis, rostro serrato, pe-
dibus aequilibribus: digito postico connexo
.

Brisson T. VI. tab. 42. fig. 1.

An der offenbaren See, zwischen den beyden
Wendezirkeln. Nährt sich meist von den fliegen-
den Fischen.

73. Procellaria. Rostrum edentu-
lum, subcompressum: mandibulis aequa-
libus; superiore apice adunco; inferiore
apice compresso-canaliculato. Pedes
vngue postico sessili absque digito
.

[Seite 221]

1. Pelagica. der Sturmvogel, Ungewitter-
vogel. (Fr. le petrel. Engl. the tempest-
bird, stormfinch, mother cary's chicken
.)
P. nigra, vropygio albo.

Linné fauna suecica. tab. 2. fig. 143.

Sowohl im nördlichen als südlichen Ocean.
Meist in offener freyer See fern vom Lande auf
Klippen, und die Schiffer sehen es gemeiniglich
als Zeichen eines bevorstehenden Sturms an,
wenn er sich von da nach den Schiffen flüchtet.
Die Einwohner der Färber bedienen sich seiner
statt Lampe, indem sie ihm bloß einen Docht
durch den Körper ziehen und anbrennen, da
dann die Flamme von dem vielen Fette, das
allmählich hinein zieht, lange Zeit unterhal-
ten wird.

74. Diomedea. Rostrum rectum: ma-
xilla superiore apice adunca; inferiore
truncata
.

1. Exulans. der Albatros. (Fr. le mouton
du cap
.) D. alis pennatis longissimis, pe-
dibus aequilibribus tridactylis
.

Edwards tab. 88.

Von der Größe eines Schwans, hält aber
mit ausgespannten Flügeln wohl 11 Fuß Breite,
fliegt auf 500 deutsche Meilen von irgend einem
Lande entfernt, aber selten höher als 10 bis 20
Fuß über der Meers-Fläche. Nährt sich großen-
theils von fliegenden Fischen*).

[Seite 222]

75. Pelecanvs. Rostrum rectum:
apice adunco, vnguiculato: pedes
aequilibres: digitis omnibus quatuor
simul palmatis
.

a) Rostro edentulo.

1. †. Onocrotalus. die Kropfgans, der Pelican.
(Fr. und Engl. pelican.) P. gula saccata.

Ein Blatt von J. E. Ridinger 1740.

In den wärmern Gegenden aller fünf Welt-
theile, (wenn anders die americanische Kropf-
gans nicht specifisch von der in der allen Welt
verschieden ist). Hat den griechischen Nahmen
von ihrer Eselsstimme, den deutschen aber von
dem ungeheuren beutelförmigen Kropfe, der ihr
am Unterschnabel hängt, und sich so ausdehnen
läßt, daß er wohl 20 Pfund Wasser fassen kann.

2. Aquilus. die Fregatte. (Fr. le tailleur. Engl.
the man of war bird.) P. alis amplissimis,
cauda forficata, corpore nigro, rostro
rubro, orbitis nigris
.

Edwards tab. 309.

Hat in der Bildung und Lebensart viel Aehn-
liches mit dem Albatros: nur noch längere Flü-
gel, die ausgespannt auf 14 Fuß klafftern,
und dem fliegenden Thier ein sonderbares An-
sehen geben.

3. Carbo. die Scharbe, der Seerabe. (Fr.
und Engl. cormoran.) P. cauda rotundata,
corpore nigro, rostro edentulo, capite
subcristato
.

Frisch tab. 187.

Meist in allen fünf Welttheilen. Eine ihr sehr
ähnliche Gattung (Pelecanus sinensis) wird in
[Seite 223] Schina zum Fischfang abgerichtet. (– Abbild.
n. h. Gegenst. tab. 25. –)

b) Rostro serrato.

4. Bassanus. die Rothgans. (Fr. le fou de
bassan
. Engl. the gannet, the soland goose.)
P. cauda cuneiformi, corpore albo, rostro
remigibusque primoribus nigris, facie
caerulea
.

Brisson T. VI. tab. 44.

Häufigst im Norden von Europa und America,
zumahl auf den schottischen Inseln, und nah-
mentlich auf Baß*), wovon diese Gans den
Nahmen führt.

76. Anas. Rostrum lamelloso-dentatum,
conuexum, obtusum; lingua ciliata,
obtusa
.

1. †. Olor. der Schwan, Elbsch. (Fr. le
cygne
. Engl. the swan, elk.) A. rostro se-
micylindrico atro, cera nigra, corpore albo
.

Frisch tab. 152.

In der nördlichen alten Welt: nährt sich von
Fröschen, Wasserpflanzen etc. Man muß diesen,
den so genannten stummen oder zahmen Schwan,
von dem so genannten wilden. A. cygnus (mit
gelber Haut an der Schnabelwurzel und weit
längerer krummlaufender Luftröhre), unterschei-
den. Dieser letztere gibt einen hellen weit schal-
lenden nicht unangenehmen Ton von sich.

2. Cygnoides. die spanische, türkische oder
schinesische Gans. (Fr. l'oye de Guinée. Engl.
the swan-goose, chinese goose.) A. rostro
semicylindrico: cera gibbosa, palpebris
tumidis
.

Frisch tab. 153. 154.

[Seite 224]

Auf Guinea, am Cap, dann in Sibirien und
Schina, und wie es scheint auch auf den Sand-
wich-Inseln des stillen Oceans. Man unter-
scheidet mehrere Varietäten.

3. †. Anser. die Gans. (Fr. l'oye. Engl. the
goose.
) A. rostro semicylindrico, corpore
supra cinereo, subtus pallidiore, collo striato
.

Meist in allen fünf Welttheilen wild. Unter
den zahmen soll es wohl häufig völlig schnee-
weiße Ganserte, aber nur selten eine ganz weiße
weibliche Gans geben.

4. Canadensis. die Hudsonsbay-Gans. (Engl.
the grey goose.) A. cinerea, capite collo-
que nigris, genis gulaque albis
.

Edwards tab. 151.

Im kältern Nordamerica. Ein wichtiger Han-
delsartikel wegen seiner ausnehmenden Flaumen
zu Betten. Gibt auch vorzügliche Schreibfedern.

5. Bernicla. die Baumgans, Rothgans, schot-
tische Gans. A. fusca, capite collo pecto-
reque nigris, collari albo
.

Frisch tab. 156.

In den kältesten Ländern der nördlichen Erde;
kommt bloß zum Ueberwintern nach Schottland
und andern mildern Gegenden, wo sie sich un-
ter andern von dem Thier der Entenmuschel
(Barnacle, Lepas anatifera) nährt, daher die
alte seltsame Fabel entstanden, daß dieser Vogel
nicht aus einem Ey, sondern aus einer Muschel
hervor komme u.s.w.*).

[Seite 225]

6. Mollissima. der Eidervogel. (Fr. l'oye à
duvet
. Engl. the eiderduck, cuthbert duck.)
A. rostro cylindrico, cera postice bifida,
rugosa
.

Brünnichs N. H. des Eidervogels. tab. 1. u. f.

In der nördlichen Erde, zumahl häufig auf
Island und in Grönland. Sein Fleisch und
Eyer sind sehr schmackhaft; noch wichtiger aber
ist sein Fell, womit man Kleider futtert, und
die Flaumfedern, die unter dem Nahmen der
Eiderdunen bekannt sind*).

7. †. Boschas. die Ente. (Fr. le canard. Engl.
the duck.) A. rectricibus intermediis (maris)
recuruatis, rostro recto.

Frisch tab. 158. u. f.

Die wilde Ente findet sich fast in der ganzen
nördlichen Erde, theils in ungemein schönen
Spielarten. Die zahmen (A. domestica) scheint
große Neigung zu unnatürliches Paarung zu
haben, so daß z.B. die Entriche auf Hühner
erpicht sind und v. v. Enten den wälschen Hah-
nen nachlaufen und sie zu reitzen suchen.

8. †. Clypeata. die Löffelente. (Fr. le souchet.
Engl. the shoveler.) A. rostri extremo di-
latato rotundato; vngue incuruo
.

Frisch tab. 161. u. f.

Hat meist gleiches Vaterland mit der vorigen.
Die Ränder des Schnabels sind nach innen mit
hornigen Borsten besetzt, fast wie kleine Wall-
fischbarden.

[Seite 226]

77. Mergvs. Taucher, Wasserhuhn.
Rostrum denticulatum, subulato-cylin-
dricum, apice adunco
.

1. †. Merganser. der Kneifer. (Fr. l'harle.
Engl. the goos-ander.) M. crista longitu-
dinali erectiuscula: pectore albido imma-
culato, rectricibus cinereis, scapo nigricante
.

Frisch tab. 190.

In der ganzen nördlichen Erde. So wie an-
dere Gattungen dieses Geschlechts ein schädliches
Thier für Fischteiche, zumahl zur Leichzeit.

78. Alca. (Engl. auk.) Rostrum edentu-
lum, breue, compressum, conuexum,
transuerse sulcatum: mandibula inferior
ante basin gibbosa
.

Das ganze Geschlecht an den Küsten und
Klippen der nördlichen Erde.

1. Arctica. der Papageytaucher. (Fr. le ma-
careux
. Engl. the puffin.) A. rostro com-
presso-ancipiti, sulcato sulcis
4. oculorum
orbita temporibusque albis, palpebra supe-
riore mucronata
.

Nistet in Erdhöhlen, oder wühlt sich auch
selbst so ein unterirdisches Lager.

79. Aptenodytes. Fettgans, Pinguin.
(Fr. manchot.) Rostrum compressiuscu-
lum, subcultratum, longitudinaliter
oblique sulcatum; mandibula interior
apice truncato: alae impennes, pinni-
formes
.

[Seite 227]

Ihr glattes glänzendes Gefieder, die gleich-
sam flossenähnlichen, schuppigen, kleinen Flügel,
und ihr gerader, fast aufrechter Gang geben
diesen Thieren ein sonderbares Ansehen, deren
verschiedne Arten an den südlichen Küsten und
Inseln von Africa und America, so wie andere
um Neu-Holland, Neu-Guinea, und Neu-See-
land zu Hause sind*). Finden sich theils in
zahlloser Menge beysammen.

1. Chrysocome. A. rostro rufo-fusco, pedibus
flauescentibus, crista frontali atra erecta,
auriculari deflexa flaua
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 46.

Auf den Falklands-Inseln, Neu-Holland etc.

2. Demersa. A. rostro pedibusque nigris, su-
perciliis fasciaque pectorali albis
.

Edwards tab. 94.

Häufig am Cap etc.


Sechster Abschnitt.
Von den Amphibien
.

[Seite 228]

§. 81.

Die Säugethiere und Vögel unterschei-
den sich beydes durch die Wärme ihres Bluts
(§. 23. und 40.) und durch die größere Menge
desselben von den Amphibien und Fischen.

§. 82.

Die Amphibien aber ähneln doch darin
noch den warmblütigen Thieren, und zeichnen
sich hingegen von den Fischen vorzüglich dadurch
aus, daß sie wie jene auch noch durch Lungen
Luft schöpfen; obgleich dieselben von weit locke-
rer Textur, und auch ihre Athemzüge weit un-
bestimmter, und so zu sagen unordentlicher sind
als bey den beyden Classen mit warmen Blute.
Auch können sie das Athemhohlen weit länger
entbehren als diese, weit länger im so genann-
ten luftleeren Raume, oder auch in eingesperr-
ter Luft (wie z.B. Kröten in einer engen
Höhle mitten in Baumstämmen oder Stein-
blöcken) und selbst geraume Zeit in einer
Atmosphäre von kohlengesäuerter oder fixer Luft
aushalten, und auffallende Extreme von Hitze
[Seite 229] und von Kälte ausdauern, so daß man z.B.
ungezweifelte Beyspiele von Wassermolchen
und Fröschen hat, die sowohl im Magen und
Darmcanal von Menschen gelebt haben, als
auch ihrem Leben unbeschadet in dichte Eis-
schollen eingefroren sind.

§. 83.

Und eben weil die Amphibien mit Lungen
versehen sind, so sind sie auch noch fähig
Stimme von sich zu geben: doch scheinen
einige (wie z.B. unter den hieländischen der
wahre Salamander, die grüne Eidexe, die
Blindschleiche etc.) gänzlich stumm zu seyn.

§. 84.

In Rücksicht der Bildung überhaupt
herrscht vorzüglich die doppelte Verschiedenheit
unter den Amphibien, daß sie entweder, wie
die Schildkröten, Frösche, Eidexen etc. mit vier
Füßen versehen sind; oder aber, als Schlangen
einen langgestreckten, cylindrischen Körper
ohne alle äußere Bewegungswerkzeuge haben.

§. 85.

Die äußern Bedeckungen sind bey den
Amphibien mannigfaltiger als bey den warm-
blütigen Thieren. Einige sind mit einer knochi-
gen Schale überzogen: andere mit hornartigen
Reifen, oder mit zahlreichen kleinen Schildchen,
[Seite 230] oder mit Schuppen bedeckt: und noch andere
haben eine nackte nur mit Schleim überzogene
Haut. Die mehresten häuten sich von Zeit
zu Zeit. Manche, wie z.B. der Laubfrosch
und verschiedene Eidexen, besonders der
Chamäleon, ändern auch zuweilen plötzlich
ihre Farbe.

§. 86.

Den mehresten Amphibien ist, wie schon
die Benennung der ganzen Classen andeutet,
Wasser und Land zum gemeinschaftlichen Auf-
enthalt angewiesen. Manche gehen willkür-
lich in beyden ihren Geschäften und ihrer
Nahrung nach. Andere hingegen bringen ent-
weder eine bestimmte Periode ihres Lebens,
oder gewisse Jahrszeiten bloß in einem von
beyden zu. Endlich sind aber auch manche ent-
weder bloß für das Land oder bloß für das
Wasser, und nicht für beydes zugleich bestimmt.

§. 87.

Manche Amphibien, zumahl unter den
Schildkröten und Schlangen, leben von sehr
gemischter Nahrung: andere hingegen, wie
der Laubfrosch, Chamäleon etc. sind sehr eigen
in der Wahl ihrer Speisen, gehen z.B. bloß
lebende Insecten von einigen wenigen bestimm-
ten Gattungen an. In der Gefangenschaft
nehmen viele gar keine Nahrung zu sich und
können dann zum Wunder lange fasten: ich
[Seite 231] selbst habe z.B. Salamander auf acht Monathe
lang ohne Speise und selbst ohne daß sie dabey
beträchtlich abgegezehrt wären, erhalten: und
von Schildkröten weiß man, daß sie gegen
anderthalb Jahre ohne alle Nahrung ausdauern
können.

§. 88.

Die bey vielen Amphibien so ganz ausneh-
mende Leichtigkeit und Stärke ihrer Repro-
ductionskraft (§. 19.), hat, wo ich nicht irre,
in der obgedachten Stärke ihrer Nerven und
hingegen respectiven Kleinheit ihres Gehirns
(§. 29.) einen Grund; da folglich die erstern von
letzterem minder abhängig sind; und überhaupt
die ganze Maschine zwar schwächere Mobili-
tät, weniger consensus zeigt, das ganze Leben
der Amphibien einfacher, und mehr bloß ve-
getativ scheint, als bey den warmblütigen
Thieren, – aber dagegen die Glieder mehr
mit eigenthümlicher independenter Lebenskraft
versehen sind. Und da folglich bey dieser mehr
eigenthümlichen Lebenskraft der einzelnen Theile,
nicht gleich jeder Stimulus, der auf Einen
Theil, oder auf Ein System wirkt, sogleich,
wie bey den warmblütigen Thieren, andere
in Consensus zieht, so erklärt sich auch wohl
überhaupt daher ihr zähes Leben, so daß
Frösche, denen das Herz ausgerissen ist,
doch noch umher hüpfen, und Schildkröten,
denen das Gehirn aus dem Kopfe genommen
[Seite 232] worden, noch Monathe lang leben können;
daher auch wohl die anhaltende Beweglichkeit
der den Amphibien abgeschnittenen Theile,
wie z.B. der Schwänze von Wassermolchen,
Blindschleichen etc.*)

§. 89.

Zu Waffen und Vertheidigungsmitteln
dient manchen Amphibien, zumahl unter den
Schlangen, ihr Gift; dem Salamander, der
Feuerkröte etc. ihr milchichter Hautschaum den
sie im Nothfall von sich geben: vielen auch
wohl der specifike Geruch, den sie verbreiten; so
zumahl manche Schlangen, Kröten, Eidexen etc.

§. 90.

Die äußern Sinne scheinen bey den mehre-
sten Amphibien von keiner sonderlichen Schärfe
zu seyn. – Unter den innern zeichnet sich doch
bey vielen das Gedächtniß aus, da man Bey-
spiele selbst von Crocodilen und Kröten hat,
die ihre Wohlthäter kennen gelernt und kirre
geworden, und vollends viele Schlangen be-
kanntlich sich zu allerhand Gaukeleyen abrichten
lassen. Hingegen finden sich bey den Thieren
dieser Classe nur sehr wenige Spuren von
wahren Kunsttrieben. (§. 36.)

§. 91.

[Seite 233]

Auch scheinen die wenigsten Amphibien einen
täglichen Erhohlungsschlaf zu halten. –
Dagegen aber wohl alle die kältern Winter-
monathe in Erstarrung zubringen. Und zwar
theils einzeln, theils wie unsere hieländischen
Frösche und Salamander in Haufen. Doch
können auch diese gar leicht des Winterschlafs
entbehren, und Jahr aus Jahr ein wachend
im Zimmer erhalten werden.

§. 92.

Das Fortpflanzungsgeschäfte der Amphi-
bien hat ungemein viel Sonderbares. Der
Paarungstrieb ist bey vielen so heftig, daß
man z.B. Frösche gesehen hat, die in Erman-
gelung eines Weibchens andere männliche
Frösche oder Kröten oder gar todte Weibchen
besprungen haben. Bey den mehresten Frö-
schen und See-Schildkröten dauert die Paarung
mehrere Tage, ja Wochen lang. Die Vipern
schlängeln sich in der Paarung mit dem Hin-
terleibe aufs innigste um einander, und zün-
geln dabey mit gebogenem Halse auf einander
los. Die Wassermolche hingegen umfassen
einander gar nicht, sondern das Männchen
schwimmt zur Brunstzeit bloß um sein
Weibchen herum und bespritzt die Eyerchen, so
wie es dieselben von sich gibt, von der Ferne.

§. 93.

[Seite 234]

Die Amphibien sind, bis auf sehr wenige
Ausnahmen, Eyerlegende Thiere. Aber
manche, zumahl unter den Schlangen etc. geben
die Eyer nicht eher von sich, als bis das
darin befindliche Junge schon meist seine
völlige Ausbildung erhalten hat. Die Pipa
heckt ihre Junge auf dem Rücken aus.

Anm. Ein Salamander, den ich wenigstens vom
Ende des Sommers an ganzer vier Monathe
lang-völlig isolirt in einem Glase gehalten, hat
hierauf um Neujahr herum ganz unerwartet bin-
nen wenigen Tagen 34 Junge geheckt, so daß
folglich hier eine ehemahlige Befruchtung, auf
eine noch weit längere Zeit hinaus als bey den
Hühnern, ihre Wirksamkeit erhalten muß.

§. 94.

Die Frösche und Eidexen, die im Wasser
jung werden, kommen nicht gleich in ihrer
vollkommnen Gestalt, sondern als so genannte
Larven zur Welt, und müssen sich erst noch
einer Art von Metamorphose unterziehen,
ehe sie die Ausbildung und den völligen Ge-
brauch aller ihrer Gliedmaßen erlangen. Die
kleinen Frösche z.B. (die so genannten
Kaulquappen, gyrini, Fr. tétards, Engl.
toadpoles) haben anfangs noch keine Füße,
sondern dafür einen langen Ruderschwanz;
auch, so wie die jungen Salamander,
eine Art von Fischkiemen (branchiae oder
Swammerdam's appendices fimbriatae)
[Seite 235] zu beiden Seiten des Halses; ferner zum
Theil eine kleine Saugeröhre an der Unterlefze
u. dergl. m. Lauter Theile, die nur für den
Larvenstand des zarten jungen Thieres bestimmt
sind und mit der zunehmenden Reife desselben
allgemach schwinden.

Anm. Ueber zwey räthsel-
hafte Eidechsenartige Geschöpfe, die Siren
lacertina in den Gewässern von Carolina,
und den Proteus anguinus aus dem unter-
irdischen Sittichersee in Crain, sind die
Meinungen noch getheilt, ob sie für schon
vollkommen ausgebildete Reptilien ihrer
Art, oder aber nach aller Analogie, unge-
achtet ihrer ansehnlichen Größe doch nur
für noch unreife Larven derselben anzusehen
seyen? –– Von der Sirene s. Ellis und
J. Hunter in den Philosophical Trans-
actions
vol. LVI. und vom Proteus Hrn.
Dr. Schreibers (dem ich selbst ein treff-
liches Exemplar des eben so wundersamen
als seltenen Thiers verdanke,) in eben diesen
Societätsschriften v. J. 1801.

§. 95.

Die Amphibien haben ein langsames
Wachsthum; so daß z.B. unsere hieländi-
schen Frösche meist erst im vierten Jahre
mannbar werden: und doch erreichen diese nur
ein, nach Verhältniß dieser späten Pubertät,
nicht beträchtliches Alter von 12 bis 16 Jahren.
Hingegen weiß man, daß Schildkröten selbst
in der Gefangenschaft über 100 Jahre gelebt
haben, so daß hiernach zu schließen, die
Crocodile und großen Schlangen etc. wohl zu
einem noch höhern Alter gelangen können.

§. 96.

Die Benutzung der Amphibien fürs
Menschengeschlecht ist ziemlich einfach; aber
für manche Gegenden theils äußerst beträcht-
lich. Zumahl der Genuß der Schildkröten
und ihrer Eyer, so wie auch verschiedener
Frösche und Eidexen etc. – auch von Schild-
kröten Thran; und Schildpatt zu Kunst-
arbeiten etc. –

§. 97.

[Seite 236]

Schädlich werden manche ungeheuere
Thiere dieser Classe, die Crocodile, Wasser-
schlangen etc. durch ihre Größe, und andere,
zumahl unter den Schlangen, durch ihr Gift,
das in keiner andern Thierclasse von einer so
gefahrvollen Heftigkeit ist.

§. 98.

Die ganze Classe zerfällt bloß in zwey
Ordnungen:

I. Reptiles. Die Amphibien mit vier
Füßen. (Die quadrupeda ouipara der
ältern Naturforscher) – Schildkröten,
Frösche, Eidexen. Und

II. Serpentes. Die Schlangen, ohne
alle äußere Bewegungswerkzeuge. (§. 84.)

* * *

Einige wenige Quellen zur N. G. dieser
Classe:

  1. Alb. Seba rerum naturalium thesaurus. Amst. 1734-
    1765. IV. vol. gr. Fol. (– hierher gehören bloß
    die beyden ersten Bände).
  2. Joh. Nic. Laurenti synopsis reptilium emendata.
    Vindob. 1786. 8.
  3. C. de la Cepede histoire naturelle des quadrupèdes
    ovipares et des serpens
    . Paris. 1785. II. vol. 4.
  4. Deutsch, mit Anmerk. und Zusätzen von J. M. Bech-
    stein. Weim. 1800. V. Th. 8.
  5. G. Ad. Suckow Anfangsgründe der N. G. der Thiere.
    III. Th. Leipz. 1798. 8.
  6. J. Gottl. Schneider historiae amphibiorum naturalis
    et literariae
    Fasc. I. II. Jen. 1799. 1801. 8.

I. REPTILES.

[Seite 237]

Alle Thiere dieser Ordnung sind (wenigstens
wenn sie ihre vollkommene Gestalt erlangt ha-
ben) mit vier Füßen versehen, die nach dem
verschiedenen Aufenthalt dieser Thiere entweder
freye (pedes digitati), oder durch eine
Schwimmhaut verbundene (palmati), oder
gar wie in eine Flosse verwachsene Zehen
(pinnati) haben.

1. Testvdo. Schildkröte. (Fr. tortue.
Engl. tortoise, die See-Schildkröten aber
turtle, Span. galápago). Corpus testa
obtectum, cauda
(plerisque) breuis,
os mandibulis nudis edentulis
*).

Die mehresten Schildkröten sind mit einer
knochigen sehr festen Schale bedeckt, deren Ober-
theil mit dem Rückgrath und den Rippen des
Thiers verwachsen, und mit den breiten hornigen
Schuppen belegt ist, die bey manchen Gattun-
gen so stark und schönfarbig sind, daß sie zu
Kunstsachen verarbeitet werden. Gewöhnlich
liegen 13 dergleichen Schuppen in der Mitte,
und 24 um den Rand herum. Der Untertheil
oder das Bauchschild ist etwas kleiner, als das
obere und mit Ausschnitten für Kopf, Schwanz
und Füße versehen. – Ueberhaupt aber dient
[Seite 238] die so ganz ausgezeichnete eigenthümliche Bil-
dung dieses dadurch gleichsam isolirten Ge-
schlechts zu einer bedeutenden Instanz gegen die
vermeinte Stufenfolge in der Natur.

1. Membranacea. T. pedibus palmatis, vn-
guiculis tribus, testa orbiculari ouata,
membranacea grisea, striata, scabra
.

Schneider l. c. tab. 1.

In Guiana.

2. Imbricata. die Carette. (Engl. the hawks-
bill turtle
.) T. pedibus pinniformibus,
testa cordata subcarinata, margine serrato:
scutellis imbricatis latiusculis, cauda squa-
mata
.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils,
im Anhang tab. 42.

In beyden Indien; auch im rothen Meere.
Gibt das beste Schildpatt*).

3. Mydas. die grüne oder Riesen-Schild-
kröte. (viridis Schneider. Fr. la tortue
franche
. Engl. the green turtle.) T. pedi-
bus pinniformibus, marginibus maxillarum
dentatis, testa ouata
.

Schöpff tab. 17. fig. 2.

Diese See-Schildkröte hält zuweilen 8 Cent-
ner am Gewicht. Sie hat ihren gewöhnlichern
Nahmen von ihrer blaß-olivengrünlichen Schale
und der auffallend grünen Farbe ihres schmack-
haften Fettes. Lebt bloß vom Seetang u. dergl.
Vegetabilien, daher ihr ausnehmend schmack-
haftes gar nicht thraniges Fleisch.

[Seite 239]

4. †. Orbicularis. die gemeine Flußschild-
kröte. (europaea Schneid.) T. pedibus
palmatis, testa orbiculata planiuscula
.

Im mildern Europa.

5. Graeca. T. pedibus subdigitatis, testa po-
stice gibba: margine laterali obtusissimo,
scutellis planiusculis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 66.

Im südlichen Europa und nördlichen Africa.

6. Geometrica. T. pedibus posticis palmatis,
testae scutellis eleuatis truncatis
.

Schöpff tab. 10.

In Ostindien, und am Cap. Ungefähr von
der Größe einer flachen Hand: hat wegen ihres
regelmäßigen schwarz und gelb gezeichneten,
hochgewölbten Rückenschildes ein artiges Ansehen.

2. Rana. Frosch (Fr. grenouille. Engl.
frog.) und Kröte (Fr. crapaud. Engl.
toad.) Corpus nudum pedibus qua-
tuor, posticis longioribus
*).

1. Pipa. R. corpore plano, rostro spathi-
formi, digitis anticis muticis quadridenta-
tis, posticis vnguiculatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 36.

In den Gewässern von Guiana. Wird durch
die überaus sonderbare und ganz anomalische
Weise, mit der die Mutter ihre Junge ausheckt,
merkwürdig. Das Männchen streicht nähmlich
den Leich, den das Weibchen vorher auf die ge-
[Seite 240] wöhnliche Art von sich gegeben, demselben auf
den Rücken, und befruchtet ihn hierauf mit seinem
Samen. Die Eyerchen verwachsen nachher
gleichsam in der Haut der Mutter, bis nach
Verlauf von beynahe drey Monathen die darin
befindlichen anfangs geschwänzten Kaulquap-
pen*) zum Ausbruch reif sind, und nachdem ihr
Schwanz allgemach verschwunden und sie da-
gegen ihre vier Füße erhalten, den Rücken ihrer
Mutter verlassen können.

2. Cornuta. R. palpebris conicis.

Seba vol. I. tab. 72. fig. 1. 2.

In Virginien; hat wegen seiner großen stieren
Augen, und der ungeheueren tutenförmigen obern
Augenlider ein abentheuerliches Ansehn.

3. Ocellata. (Engl. the bull-frog.) R. auri-
bus ocellatis, pedibus muticis
.

Catesby vol. II. tab. 72.

In Nord-America. Fast von der Größe eines
Kaninchens. Hat den englischen Nahmen von
seiner starken Stimme.

4. Paradoxa. (Rana piscis.) R. femoribus
postice oblique striatis
.

Seba vol. I. tab. 78.

Im südlichen America. Die Larve (§. 95.)
erreicht eine fast spannenlange Größe, häutet
sich während der Zeit verschiedentlich, und hat
in diesem Zustande zu einer alten Sage, von
Fröschen, die sich in Fische verwandelten, Anlaß
gegeben. Auch nachdem schon die vier Beine
ihre ganze Größe und Ausbildung erhalten ha-
ben, bleibt daß Thier doch noch geraume Zeit
geschwänzt.

[Seite 241]

5. †. Bufo. die Kröte. R. corpore ventri-
coso verrucoso lurido fuscoque
.

Rösel tab. 20. 21.

Daß ihr Harn ein heftiges Gift seyn soll, ist
ungegründet. Hingegen ist es unläugbar, daß
man verschiedentlich lebendige Kröten mitten
in durchsägten Baumstämmen, oder in Stein-
blöcken etc. angetroffen hat.

6. †. Bombina. die Feuerkröte. R. corpore
verrucoso, abdomine aurantio-caesio ma-
culato, pupilla triquetra
.

Rösel tab. 22.

Am Bauche schön blau und gelb gemarmelt,
hüpft fast wie ein Frosch.

7. †. Portentosa. die Haus-Unke. (Bufo ca-
lomita
, Laurent.) R. verrucosa, linea dor-
sali flaua, lateralibus rufescentibus
.

Rösel tab. 24.

In feuchten Kellern, Ufer-Höhlen etc. kommt
selten zum Vorschein; gibt aber einen eigenen
dumpfen Laut von sich, der allerhand abergläu-
bige Sagen veranlaßt hat.

8. †. Temporaria. der braune Grasfrosch.
R. subfusca dorso planiusculo subangulato.

Rösel tab. 1-8.

Im Gras und Gebüsch etc. von da die Jun-
ge nach warmen Sommer-Regen haufenweise
hervorkriechen, da dann ihre plötzliche Erschei-
nung wohl zu der alten Sage vom Froschregen
Anlaß gegeben haben mag.

9. † Esculenta. der grüne Wasserfrosch,
Röling, Marxgöker. R. viridis, corpore
[Seite 242] angulato, dorso transuerse gibbo, abdo-
mine marginato.

Rösel tab. 13-16.

In Teichen und Sümpfen. Die Männchen
quaken laut, zumahl des Abends bey schönem
Wetter, und treiben dabey zwey große Blasen
hinter den Maulwinkeln auf. Sie sind schlau
und muthig, verzehren Mäuse, Sperlinge, und
selbst junge Enten, Forellen etc. und können so-
gar über Hechte Herr werden. Zur Begat-
tungszeit bekommen die Männchen dieser und
der vorigen Gattung schwarze warzige Ballen
an den Daumen der Vorderfüße, womit sie
sich, äußerst fest um ihrer Weibchen Brust klam-
mern können.

10. †. Arborea. der Laubfrosch. (calamites,
hyla
. Fr. la raine, grenouille de St. Mar-
tin, le graisset.
) R. corpore laeui, subtus
granulato, pedibus fissis, apicibus digito-
rum lenticulatis
.

Rösel tab. 9-12.

Fast in ganz Europa (doch nicht in England),
auch in America etc. Der klebrige Schleim, wo-
mit er wie die Schnecken überzogen ist, dient
ihm bey seinem Aufenthalt am Laub der Bäume,
zur Haltung. Die erwachsenen Männchen, die
an ihrer braunen Kehle kenntlich sind, haben
eine laute Stimme, die sie, wenn das Wetter
sich ändern will, aber auch außerdem zur Paa-
rungszeit von sich geben. Sie blähen dabey
die Kehle zu einer großen Blase auf.

3. Draco. Corpus tetrapodum cauda-
tum, alatum
.

[Seite 243]

1. Volans. die fliegende Eidexe. D. brachiis
ab ala distinctis
.

Seba vol. II tab. 86. fig. 3.

In Ostindien und Africa.

4. Lacerta. Eidexe. (Fr. lezard. Engl.
lizard) Corpus elongatum, pedibus
quatuor aequalibus
.

1. Crocodilus. der (eigentliche) Crocodil. L.
mandibulis ellipticis, scuto supraorbitali

osseo, testa caluariae integra, cauda parte
anteriori et superna scutis vtrinque extan-
tibus serrata, pedibus posticis palmatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 26. 27.

Zumahl häufig in den größern Strömen von
Africa (nahmentlich im Ober-Nil und im Ni-
ger). Das größte Thier der süßen Wasser, das
wohl eine Länge von 30 Fuß erreichen soll*):
und doch haben seine Eyer kaum die Größe eines
Gänse-Eyes. Erwachsen fällt er Menschen und
andere große Thiere an. Jung gefangen aber
läßt er sich doch zähmen.

2. Alligator. der Kaiman. L. mandibulis
ellipticis, tegmine supraorbitali
coriaceo,
testa caluariae bifenestrata**), cauda parte
anteriori rotunda, pedibus posticis semi-
palmatis
.

Seba vol. I. tab. 106.

[Seite 244]

Im mittlern America. Weit rundlicher und
glatter am Leibe und Schwanz, als der eigent-
liche Crocodil, wird auch nicht so groß als die-
ser und legt kleinere Eyer. Hat übrigens eben
so wie jener fünf Zehen an den Vorderfüßen und
viere an den hintern, von welchen allen aber
nur die drey innern mit Krallen bewaffnet sind.

3. Gangetica. der Gavial. L. mandibulis
elongatis teretibus subcylindricis
.

Edwards in philos. Transact. Vol. XLIX.

Zumahl im Ganges.

4. Monitor. (Fr. la sauve-garde.) L. cauda
carinata, corpore mutico squamis margina-
tis, maculis ocellatis.

Seba vol. I. tab. 94. fig. 1. 2. 3.

In beyden Indien. Ueberaus sauber und
regelmäßig schwarz und weiß gefleckt; wird
über 3 Ellen lang; hat den Nahmen daher,
daß es sich, wie man sagt, meist in Gesellschaft
der Crocodile aufhalten, und durch einen pfeifen-
den Laut, den es von sich gibt, diese seine furcht-
baren Gefährten verrathen soll.

5. Iguana der Leguan. L. cauda tereti
longa, sutura dorsali dentata, crista gulae
denticulata
.

Seba vol. I. tab. 95. sqq. tab. 98. fig. 1.

In Westindien. Ein flinkes Thier. Hat ein
überaus schmackhaftes Fleisch und Eyer.

6. Chamaeleon. L. cauda prehensili, digitis
duobus tribusque coadunatis
.

Jo. Fr. Miller fascic. II. tab. II.

In Ostindien, Nord-Africa, und nun auch
theils in Spanien. Langsam, träge, lebt auf
[Seite 245] Bäumen und Hecken, nährt sich von Insecten,
dieses mit seiner langen vorn kolbigen ausge-
hölten klebrigen Zunge sehr behende zu fangen
versteht. Seine Lungen sind ausnehmend groß,
und das Thier kann sich damit nach Willkür
aufblähen oder dünner machen, daher vermuth-
lich die Sage der Alten entstanden seyn mag,
daß es bloß von Luft lebe. Seine Augen haben
die ganz eigene Einrichtung, daß jedes beson-
ders, oder auch beyde zugleich nach verschie-
denen Richtungen, eins z.B. aufwärts, das
andere hinterwärts u.s.w. und zwar schnell
bewegt werden können. Seine natürliche Farbe
ist grünlichgrau, es ändert dieselbe aber zuweilen,
zumahl wenn es zornig wird etc. Der zuweilen
bemerkte Wiederschein von benachbarten farbigen
Gegenständen auf die glänzenden Schuppen des
lebendigen Thiers hat Anlaß zu der Fabel gege-
ben, als ob sich seine Farbe überhaupt nach
denselben richte.

7. Gecko. (vermuthlich der wahre stellio oder
saurus der Alten.) L. cauda tereti medio-
cri, digitis muticis subtus lamellatis, cor-
pore verrucoso, auribus concauis
.

Seba vol. I. tab. 109.

In Aegypten, Ostindien, auch auf den Inseln
der Südsee und selbst hin und wieder im süd-
lichen Europa, z.B. im Neapolitanischen. Er
soll einen giftigen Saft zwischen seinen blättrich-
ten Fußzehen haben, und dieser sich den Eß-
waaren, wo das Thier drüber wegläuft, mittheilen.

8. Stincus. (crocodilus terrester.) L. cauda
tereti mediocri, apice compressa, digitis
muticis lobato squamosis marginatis
.

Im steinigen Arabien, Aegypten etc.

[Seite 246]

9. †. Agilis. die grüne Eidexe, Kupfer-
Eidexe. L cauda verticillata longiuscula,
squamis acutis, collari subtus squamis con-
stricto
.

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Im wärmern Europa, und, wie es scheint,
auch in beyden Indien und auf den Inseln der
Südsee. Ihre Eyer leuchten eine Zeitlang
im Finstern.

10. †. Lacustris. der Wasser-Molch, Was-
ser-Salamander. L. nigra, dorso lateri-
busque verrucosis, abdomine flauo, nigro-
maculato
.

Laurenti tab. 2. fig. 4.

Die Männchen haben im Frühjahr eine vom
Kopf bis zum Schwanz längs des Rückens hin-
laufende empor stehende ausgezackte Haut. Von
seiner ausnehmenden Reproductionskraft s. oben
S. 31.

11. †. Salamandra. der Salamander, Molch,
die Molle, Ulme. (Fr. le sourd, mouron.)
L. cauda tereti breui, pedibus muticis, cor-
pore flauo nigroqne vario nudo, poroso
.

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Schwarz und orangegelb gefleckt, spannenlang
und daumendick. Daß er giftig sey, im Feuer
leben könne etc. sind Fabeln.


II. SERPENTES.

[Seite 247]

Die Schlangen*) haben gar keine äußeren
Gliedmaßen, sondern bloß einen cylindrischen
lang gestreckten Körper, den sie wellenförmig
bewegen; und der mit Schuppen, Schildern,
oder Ringen bekleidet ist. Manche leben im
Wasser (da sie bey ihren ausnehmend langen
und theils blasenförmigen Lungen leicht schwim-
men können), andere auf der Erde, andere
meist auf Bäumen. Sie legen mehrentheils
an einander gekettete Eyer, und ihre Kinn-
laden sind nicht, wie bey andern Thieren, fest
eingelenkt, sondern zum Kauen ungeschickt, in-
dem sie sich weit von einander dehnen lassen,
so daß die Schlangen andere Thiere, die oft
weit dicker als sie selbst sind, ganz verschlingen
können. Manche sind mit heftigem Gift in
besondern Bläschen am vordern Rande des
Oberkiefers versehen**), das in eigenen Drü-
sen abgeschieden und durch besondere röhrenför-
[Seite 248] mige, einzeln stehende, gegen die Spitze zu
mit einer länglichen Oeffnung versehene, Gift-
zähne (– als durch einen Ausführungsgang –)
beym Biß in die Wunde geflößt wird. (– Ab-
bild. n. h. Gegenst
tab. 37. fig. 1. –)
Diese bloß am vordern Rande das zugleich
merklich starken Oberkiefers befindlichen Gift-
zähne geben auch den zuverlässigsten Character
ab um die giftigen Schlangen von den gift-
losen zu unterscheiden*), da bey den letztern
der ganze äußere Rand der obern Kinnlade
(bis hinten) mit Zähnen besetzt ist (– Ab-
bild. n. h. Gegenst
. a. a. O. fig. 2. –);
außerdem haben aber wohl alle Schlangen noch
eine doppelte Reihe kleiner Gaumen-Zähne
mit einander gemein.

5. Crotalvs. Klapperschlange. (Fr.
serpent à sonnettes. Engl. rattle-snake.)
Scuta abdominalia. Scuta squamae-
que subcaudales.
Crepitaculum termi-
nale caudae
.

1. Horridus.C. scutis 167. scutellis 23.

Seba vol. II. tab. 95. fig. 1.

[Seite 249]

Zumahl im wärmern Nordamerica: wird auf
6 Fuß lang und fast armsdick. Die Gattungen
dieses Geschlechts unterscheiden sich von allen
andern Schlangen, ja überhaupt von allen übri-
gen Thieren in der Schöpfung durch die räthsel-
hafte, hornartige, gegliederte Rassel am Ende
des Schwanzes. – Die Zahl der Glieder an
diesem so wunderbar gebauten und in seiner Art
so ganz einzigen Organ nimmt mit den Jahren
zu, und soll bey alten wohl auf 40 steigen.
Daß kleine Vögel, Eichhörnchen etc. im Gebüsch
der darunter liegenden Klapperschlange*) gleich-
sam von selbst in den Rachen fallen, wird von
gültigen Augenzeugen versickert; ist aber keine
ausschließliche Eigenheit dieses Geschlechts, da
man das nähmliche auch an mehrern andern
Schlangen der neuen und alten Welt bemerkt
[Seite 250] haben will. – Die Klapperschlangen selbst wer-
den häufigst von den Schweinen und Raubvö-
geln, verzehrt. Auch lassen sie sich überaus
kirre und zahm machen.

6. Boa. Scuta abdominalia et subcau-
dalia
.

1. Constrictor. die Riesenschlange, Abgotts-
schlange, Anaconda. B. scutis 240. scu-
tellis
60.

Merrem II. Heft tab. 1.

In Ostindien und Africa. Wird nach Adan-
son's Versicherung auf 40 bis 50 Fuß lang. Soll
lebendigen Rehen etc. die Rippen und andere
Knochen entzwey brechen, das Thier nachher
mit einem gallertartigen Geifer überziehen, und
so hinter würgen. Doch ist sie leicht kirre zu
machen und wird, wie die Brillenschlange, von
den ostindischen Gaucklern zu allerhand Kunst-
stücken abgerichtet. – Die Amaru-Schlange
in Süd-America, die von den Antis in Peru
angebetet ward, und auch auf 30 Fuß lang
wird, scheint wenig von dieser verschieden. –
Hingegen ist wohl die auf Guinea so heilig
verehrte so genannte Juda-Schlange von
einer andern Gattung.

7. Colvber. (Fr. couleuvre.) Scuta ab-
dominalia, squamae subcaudales
.

1. Vipera. ♂ C. scutis 118. squamis 22.

Es werden mehrere Schlangen mit dem Nah-
men der Viper belegt. Hier diese von Linné
so genannte, ist in Aegypten zu Hause.

[Seite 251]

2. Cerastes. die gehörnte Schlange. ♂ C.
tentaculis superciliaribus, scutis
145. squa-
mis
44.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils,
im Anhang tab. 40.

Diese von den beyden über den Augen stehen-
den Hörnchen benannte Schlange hat gleiches
Vaterland mit der vorigen, und ist allerdings
giftig.

3. †. Berus. die Otter, Viper. (Engl. the
adder.
) ♂ C. scutis 146. squamis 39.

Laurenti tab. 2. fig. 1.

Diese ehemahls officinelle Viper ist von bräun-
licher Farbe und in den wärmern Gegenden der
alten Welt, auch schon in Deutschland und in
der Schweiz zu Hause. Ihr Biß verursacht
zwar heftige Entzündung, wird doch aber nur
selten tödtlich. Es ist dieselbe Gattung, wo-
mit ehedem Redi und neuerlich Fontana so
viele merkwürdige Versuche angestellt haben.

4. † Natrix. die Ringel-Matter, Schnacke,
der Unk. C. scutis 170. squamis 60.

Stahlfarbig mit weißen Seiten-Flecken, zu-
mahl an den beyden Seiten des Halses. Man
hat selbst in Europa welche von 10 u. m. Fuß
gefunden, die dann wohl ehedem Anlaß zu den
abentheuerlichen Erzählungen von Lindwür-
mern etc. gegeben haben mögen.

5. Coccineus. die Carmoisin-Schlange. C.
scutis
175. squamis 35.

Voigts Magazin 5ten Bdes 1stes Stück.
tab. 1.

[Seite 252]

Diese ausnehmend schönfarbige und unschul-
dige Schlange ist in Florida und Neu-Spanien
zu Hause. Fingers dick und ungefähr 2 Fuß
lang. Längs dem Rücken laufen etliche und
zwanzig große und sehr regelmäßige carmoisin-
rothe Flecken, die mit schwarzen Rändern ein-
gefaßt, und diese wieder mit citrongelben
Querstreifen von einander abgesondert sind.
Die Mädchen in Florida sollen das schöne
Thier zum Putz als Halsband oder in die Haare
geflochten tragen etc.

6. Naja. die Brillenschlange. (Cobra de Ca-
belo
.) ♂ C. scutis 193. squamis 60.

Russell's Indian Serpents tab. 5. 6.

In Ostindien. Der Hals ist weit ausdehnbar,
und hinten mit einer brillenähnlichen Figur be-
zeichnet. Ist eine der giftigsten Schlangen,
wird aber häufig vom Ichneumon gefressen, und
ist auch leicht zu allerhand Gaukelkünsten
abzurichten.

8. Angvis. Squamae abdominales et
subcaudales.

1. †. Fragilis. die Blindschleiche, der Ha-
selwurm, Hartwurm. (Fr. l'orvet. Engl.
the blind-worm, slow-worm.) A. squ.
abd
. 135. totidemque subcaud.

In dumpfigen Gegenden, alten Gemäuer etc.
Bricht leicht entzwey, wenn man sie anfaßt,
und die Stücke bewegen sich doch noch Stunden
lang. Man findet von ihr mancherley theils
sauber gezeichnete Spielarten.

[Seite 253]

2. Platuros. ♂ A. cauda compressa obtusa.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 28.

Im indischen Ocean und der Südsee.

9. Amphisbaena. Annuli trunci cau-
daeque.

1. Fuliginosa. A. ann. tr. 200, caudae 30.

Seba vol. I. tab. 88. fig. 3. u.a.

In America. Schwarz und weiß gefleckt.

10. Caecilia. Runzelschlage. Rugae
trunci caudaeque. Labrum superius
tentaculis
2.

1. Tentaculata. C. rugis 135.

Seba vol. II. tab. 25. fig. 2.

Auch in America. Hat gar keine Schuppen,
sondern runzlige Ringe in der glatten Haut,
fast wie ein Regenwurm.


Siebenter Abschnitt.
Von den Fischen
.

[Seite 254]

§. 99.

Die Fische sind diejenigen mit rothen kal-
ten Blut versehenen Thiere, die sich mittelst
wahrer (mit Gräten oder knorplichen Faden ver-
sehenen) Flossen bewegen, und mittelst wahrer
lebenslang bleibender Kiemen Athem hohlen.

Anm. Wahre Kiemen und wahre Flossen – um sie
von den gewisser Maßen analogen Organen der
ganz jungen Frösche, Salamander etc. (§. 94.) zu
unterscheiden.

§. 100.

Diese Kiemen oder Kiefen (branchiae)
vertreten bey den Fischen fast vollkommen die
Stelle der Lungen. Sie liegen auf beyden
Seiten hinter dem Kopfe, meistens unter einer
oder mehreren großen halbmondförmigen
Schuppen, die deßhalb die Kiemen-Deckel
(opercula branchialia) heißen und bey den
mehresten mit der Kiemen-Haut (membrana
branchiostega
) verbunden sind. Die Kiemen
selbst sind mit unzähligen der zartesten Blut-
gefäße durchwebt, und auf jeder Seite meist
in vier Blätter vertheilt, die ungefähr der
[Seite 255] Fahne an einer Feder ähneln und die an ihrer
Basis durch eben so viele bogenförmige
Gräten unterstützt werden.

§. 101.

Das Athemhohlen, das die Fische eben
so wenig als die mit Lungen versehenen Thiere
lange entbehren können, geschieht bey ihnen,
indem sie die im Wasser aufgelösete Luft durch
den Mund in die Kiemen leiten, und dann
durch die Kiemenöffnung (apertura branchia-
lis
) wiederum von sich geben; folglich nicht wie
die mit Lungen versehenen Thiere durch den
gleichen Weg ein- und ausathmen.

§. 102.

Da sie keine Lungen haben, so versteht sich
folglich von selbst, daß ihnen auch keine wahre
Stimme zugeschrieben werden kann, obgleich
einige von ihnen, wie z.B. der Knurrhahn,
der Wetterfisch etc. einen Laut von sich geben
können.

§. 103.

Die Bildung des Körpers, überhaupt ge-
nommen, ist bey den Fischen ungleich mannig-
faltiger als bey den beyden vorigen Thierclassen.
Bey den mehresten hat doch der Körper eine
verticale Stellung, d.h. er ist auf beyden Sei-
ten zusammen gedrückt (corpus compressum
s. cathetoplateum
); bey einigen andern hin-
[Seite 256] gegen, wie bey dem Rochen, liegt er hori-
zontal, ist in die Breite platt gedrückt (corpus
depresum s. plagioplateum
); bey andern,
wie beym Aal etc. ist er mehr walzenförmig:
bey andern, wie bey den Panzerfischen, pris-
matisch oder vierkantig etc.

Bey allen aber stoßen Kopf und Rumpf
unmittelbar an einander, ohne durch einen
eigentlichen Hals von einander abgesondert
zu seyn.

§. 104.

Die Fische sind (bis auf wenige Ausnah-
men) mit Schuppen bekleidet; und zwar
die Grätenfische mit eigentlich sogenannten,
die von einer ganz eigenen Substanz, und bey
den verschiedenen Gattungen von der mannig-
faltigsten theils ausnehmend eleganten Bildung
und Zeichnung, und farbigen Gold- und Sil-
berglanze sind: die mehrsten Knorpelfische
hingegen mit mehr knochenartigen Schildern,
hakichten Stacheln, u. dergl. m.

Die Schuppen werden von außen noch
mit einem besondern Schleim überzogen,
der großen Theils aus kleinen Schleimhöhlen
abgeschieden zu werden scheint, die bey den
mehresten Fischen zu beyden Seiten des Kör-
pers in der so genannten Seiten-Linie liegen.

§. 105.

[Seite 257]

Die Bewegungswerkzeuge der Fische, die
Flossen (an welchen man neuerlich merkwürdige
Reproductionskraft wahrgenommen), bestehen
aus dünnen knochenartigen oder knorpeligen
Gräten, die durch eine besondere Haut mit
einander verbunden, an eignen Knochen be-
festigt, und durch bestimmte Muskeln bewegt
werden. Ihrer bestimmten Lage nach heißen
die obern, Rückenflossen (pinnae dorsales);
die seitwärts hinter den Kiemen befindlichen,
Brustflossen (pinnae pectorales); die am
Bauche vor der Oeffnung des Afters stehenden,
Bauchflossen (pinnae ventrales); die hinter
dieser Oeffnung, Steißflosse (pinna analis);
endlich am Schwanze, die Schwanzflosse
(pinna caudalis). Die letztere hat alle Mahl
eine verticale Lage, und vertritt besonders
auch die Stelle eines Steuerruders zum
Lenken etc.

Die so genannten fliegenden Fische haben
sehr lange und straffe Brustflossen, so daß sie
sich damit selbst über die Oberfläche des Was-
sers erheben und kleine Strecken weit fort-
fliegen können.

§. 106.

Ein anderes Hülfsmittel zur Bewegung
der Fische, besonders wohl zum Steigen und
Sinken (wie bey den so genannten cartesiani-
[Seite 258] schen Teufelchen), ist die Schwimmblase,
womit zumahl die Süß-Wasser-Fische ver-
sehen sind, und die mittelst eines eignen Ca-
nals (ductus pneumaticus) meist mit dem
Schlunde, seltener mit dem Magen in
Verbindung steht.

§. 107.

In Rücksicht ihres Aufenthalts theilt man
die Fische überhaupt in See- und Süß-Was-
ser-Fische. Einige können doch auch zuweilen
einige Zeit im Trocknen aushalten, wie der
Aal, die Muräne etc. Andere theils in war-
men mineralischen Quellen*).

§. 108.

Die mehresten Fische, zumahl die in der
See leben, sind animalia nocturna, die
nähmlich ihren Geschäften zur Nachtzeit nach-
gehen, am Tage hingegen sich mehr in der
Tiefe ruhig halten. Daher auch die von Fi-
schen lebenden Insulaner und Küsten-Bewoh-
ner meist des Nachts auf den Fang ausgehen.

§. 109.

Eine große Anzahl Gattungen von Fischen
verändern in gewissen Jahrszeiten ihren Auf-
[Seite 259] enthalt; so steigen viele Seefische um zu leichen
in die Buchten und Mündungen der Flüsse;
manche derselben aber, wie z.B. die Häringe
im nördlichen atlantischen Ocean, machen auch
noch außerdem anderweitige Züge zu be-
stimmten Jahrszeiten und in unermeßlichen
Schaaren zwischen den Küsten des westlichen
Europa und des nordöstlichen America**).

§. 110.

Die Fische sind größten Theils fleisch-
fressende Thiere, und da sie keine eigentliche
Füße haben ihre Beute damit zu fassen, mit
mancherley andern Mitteln ihrer Herr zu wer-
den, versehen. Theils nähmlich mit langen
Bartfasern (cirri) am Maule, um damit
andere kleine Wasserthiere, wie mit einem
Köder zu locken, und gleichsam zu angeln.
(So der Sternseher, der Froschfisch etc.) Andere,
wie der Chaetadon rostratus, mit einer
Spritzröhre, um dadurch die über dem Wasser
fliegenden Insecten gleichsam herab zu schießen.
Andere, wie drey Seefische, der Zitterrochen,
Tetrodon electricus und Trichiurus indicus
und die beyden Flußfische, der Zitteraal und
der Zitterwels, mit einer besondern erschüttern-
den und betäubenden Kraft u.s.w.

§. 111.

[Seite 260]

Was die äußern Sinne der Fische betrifft,
so muß der Geruch bey vielen überaus scharf
seyn, da sie den versteckten Köder in weiter
Entfernung auswittern. Auch ihr Gehör ist
scharf, und sie haben dazu ähnliche Organe, wie
die im innern Ohr anderer rothblütigen Thiere.
Besonders aber zeigen sich mancherley Son-
derbarkeiten im Baue ihres Auges, zahl-
reichere Häute, ausschließlich eigne andre Or-
gane u. dergl. m.*).

§. 112.

Ueber die Naturtriebe u.a. Seelenkräfte
der Fische läßt sich vor der Hand aus Mangel
an richtigen Beobachtungen wenig sagen.
Doch weiß man, daß manche, wie z.B. die
Forellen, überaus kirre werden**); andere
z.B. alte Karpfen, sehr listig und verschla-
gen sind u.s.w.

§. 113.

Von ihrem Schlafe gilt meist die gleiche
Anmerkung, die bey den Amphibien gemacht
worden ist (§. 91.), daß nähmlich vermuthlich
alle einem Winterschlaf ausgesetzt sind; aber
wohl nur sehr wenige einen bestimmten täg-
[Seite 261] lichen periodischen Erhohlungsschlaf haben:
wie es z.B. vom Goldbrachsen gesagt wird.

§. 114.

Außer den wenigen lebendig-gebährenden
Fischen, wohin der Aal und die so genannte
Aalmutter gehören, mögen sich wohl wenige
Fische wirklich mit einander paaren; sondern
bey den mehresten gibt das Weibchen den
Rogen noch unbefruchtet von sich, und das
Männchen kommt hierauf nach, um denselben
mir seiner Milch zu begießen.

Man hat diese Einrichtung für die Land-
wirthschaft benutzen gelernt, indem man auch
aus der künstlichen Vermischung von Eyern
und Samen der Lachs-Forellen etc. junge Fische
erzielen kann*).

Anm. Zu andern Merkwürdigkeiten im Zeugungsge-
schäfte der Fische gehört auch noch, daß man
einzeln unter denselben namentlich beym Karpfen
wirkliche Zwitter gefunden hat.

§. 115.

Die Vermehrung der meisten Fische ist
zum Wunder stark, so, daß ungeachtet die
Eyerchen der mehresten in Verhältniß zu ihrer
Statur ungleich kleiner sind, als in irgend
einer andern Thier-Classe; dennoch bey
manchen die Eyerstöcke größer sind, als ihr
[Seite 262] ganzer übriger Körper. Daher zählt man,
z.B. beym Häring, zwischen 20 und 37000,
beym Karpfen über 200000 bey der Schleihe
383000, beym Flinder über eine Million
Eyerchen etc.*)

§. 116.

Theils haben die jungen Fische, so wie sie
aus dem Eye kriechen, noch nicht ihre völlige
Gestalt; sondern müssen sich ebenfalls, so wie
viele Amphibien (§. 94.), erst einer Art von
Metamorphose unterziehen, wodurch ihre
Flossen u. dergl. m. allgemach vollends aus-
gebildet werden.

§. 117.

Die Fische gelangen, im Verhältniß zur
Größe ihres Körpers, zu einem hohen Alter.
Man weiß von Karpfen, Hechten etc. daß sie
anderthalb hundert Jahre erreichen können.
Doch werden einige kleine Fische, wie z.B.
der Stichling etc. nur wenige Jahre alt.

§. 118.

Die Brauchbarkeit der Fische für den
Menschen ist ziemlich einfach, meist bloß zur
Speise; aber eben von dieser Seite für einen
großen Theil des Menschengeschlechts, der
theils fast ganz von diesen Thieren lebt, von
[Seite 263] der äußersten Wichtigkeit. Selbst wilde
Völker wie z.B. die Kamtschadalen, Brasi-
lianer etc. wissen die Fische auf die mannig-
faltigste Weise, sogar zu einer Art Mehl, zu
Kuchen u.s.w. zu bereiten: und bey vielen,
wie z.B. unter den Insulanern des stillen
Oceans, macht der Fischfang ihr Hauptge-
schäft, – und in Rücksicht der überaus sinn-
reichen angemessenen Geräthschaften, die sie
sich dazu erfunden haben, wirklich eine Art
von nachdenkendem Studium aus. Aber auch
für einen großen Theil der cultivirten Erde
ist der Fang, z.B. des Härings, Kabeljaus,
Thunnfisches u. dergl. m. von äußerster Wich-
tigkeit – Der Thran von Hayen, Härin-
gen, Kabeljauen etc. wird häufigst in Lampen
gebrannt. – Die östlichsten Küstenbewohner
des mittlern Asien kleiden sich in gegerbte
Lachshäute. – Und manche Theile einiger
Fische werden zu technischen Gebrauch und
Kunstsachen benutzt; wie z.B. die Schup-
pen des Ukley zu Glasperlen; Fischhaut von
Rochen und Hayen etc.; Hausenblase etc.

§. 119.

Den mehresten Schaden thun die Raub-
fische; zumahl in den Weltmeeren die Haye;
und in den süßen Wassern die Hechte. –
Auch sind manche Fische wenigstens in ge-
wissen Gegenden giftig, so daß ihr Genuß
[Seite 264] tödtlich werden kann. So zumahl einige
Gattungen von Tetrodon.

§. 120.

Die systematische Classification der Fische
scheint noch mancher Verbesserung zu bedürfen.
Inzwischen bringt man sie vor der Hand
im Ganzen unter zwey Hauptabtheilungen:
nähmlich.

A) Knorpelfische (Pisces cartilaginei)
die keine wahren Gräten haben: und

B) mit Gräten versehene oder eigentlich
so genannte Fische (Pisces spinosi).

Die Knorpelfische sondert man in fol-
gende zwey Ordnungen, welche Hr. De la Cepede
nach dem Daseyn oder Mangel des Kiemen-
deckels bestimmt, und hiernach die darunter
gehörigen Geschlechter vertheilt: nähmlich:

I. Chondropterygii. Ohne Kiemendeckel.

II. Branchiostegi. Mit Kiemendeckel.

Die eigentlich so genannten Fische aber
hat Linné nach der Beschaffenheit und Lage der
Bauchflossen geordnet: nähmlich:

III. Apodes. Die gar keine Bauchflossen
haben.

IV. Iugulares. Die, deren Bauchflossen
vor den Brustflossen sitzen.

[Seite 265]

V. Thoracici. Die, wo die Bauchflossen
gerade unter den Brustflossen, und

VI. Abdominales. Wo sie hinter diesen
sitzen.

Zur N. G. der Fische.

  1. Guil. Rondelet de piscibus. Lugd. 1554. P. II. 1555. fol.
  2. Conr. Gesner de piscium et aquatilium animantium
    natura
    . Tig. 1558. fol.
  3. Steph. a. Schonevelde ichthyologia. etc. Hamburg.
    1624. 4.
  4. F. Willoughbeii historia piscium. ex ed. Raii.
    Oxon
    . 1686. fol.
  5. Jo. Raii synopsis methodica piscium. Lond. 1713. 8.
  6. Petr. Artedi ichthyologia. ex. ed. Linnaei. Lugd.
    Bat
    . 1738. 8.
  7. Laur. Theod. Gronovii Zoophylacium Gronovia-
    num
    . Lugd. Bat
    . 1781. P. I-III. fol.
  8. Ant. Gouan historia piscium. Argent. 1770. 4.
  9. Du Hamel et de Marre histoire des poissons (traité
    des pêches
    etc.) Par. 1770. sq. III. vol. fol.
  10. M. El. Bloch öconomische N. G. der Fische Deutsch-
    lands. Berl. 1782. III. B. 4.
  11. Dess N. G. ausländischer Fische. ib. 1785. IX. B. 4.
  12. Ej. Systema ichthyologiae, inchoatum absolvit Io.
    Gottl. Schneider
    . Berol
    . 1801. 8.
  13. de la Cépède histoire naturelle des poissons. Par.
    1798. III. vol. 4.
  14. G. Ad. Suckow Anfangsgr. der N. G. der Thiere,
    IV. Th. Leipz. 1799. 8.
* * *
  1. Al. Monro Vergleichung des Baues und der Physio-
    logie der Fische mit dem Bau des Menschen und
    der übrigen Thiere. – Mit vielen Zusätzen von
    P. Camper und J. G. Schneider. Leipz. 1787. 4.

I. CHONDROPTERYGII.

[Seite 266]

Die Knorpelfische dieser Ordnung haben
keine Kiemendeckel, und bey den mehresten ist
das Maul an der Unterseite des Kopfs be-
findlich.

1. Petromyzon. Spiracula branchia-
lia 7 ad latera colli. Fistula in ver-
tice. Pinnae pectorales aut ventrales
nullae
.

1. †. Marinus. die Lamprete. (Fr. la lam-
proye
. Engl. the lamprey.) P. ore intus
papilloso, pinna dorsali posteriori a cauda
distincta
.

Bloch tab. 77.

In der Nordsee so wie im mittländischen u.a.
Meeren. Steigt aber auch 20 und mehrere
Meilen weit in die Flüsse. Wird wohl auf
3 Fuß lang.

2. †. Fluuialitis. die Pricke, Neunauge. P.
pinna dorsali posteriore angulata
.

Bloch tab. 78.

In größern Flüssen. Nur halb so groß als
die vorige Gattung.

2. Gastrobranchvs. Bauchkieme.
Spiracula branchialia 2 ventralia. Fi-
stula in rostro. Pinnae pectorales aut
ventrales nullae
.

Dieses räthselhafte Geschlecht ward ehedem
unter dem Nahmen Myxine den Gewürmen
beygezählt.

[Seite 267]

1. Coecus. der Blindfisch, Schleimaal. (My-
xine
glutinosa Linn.)

Bloch tab. 413.

An den Küsten des nördlichen atlantischen
Oceans. Soll gar keine Augen haben!

3. Raia. Roche. (Fr. raie. Engl. ray.)
Spiracula branchialia 5 subtus ad col-
lum; corpus depressum; os sub capite
.

Ein seltsam gebildetes und theils gar wun-
derbar organisirtes Thiergeschlecht. Manche
Arten hat man ehedem durch allerhand Künsteley
zu vorgeblichen Basilisken etc. umgestaltet und
aufgetrocknet. Manche scheinen auch bey eini-
ger Aehnlichkeit, die der Untertheil ihres Kopfs
mit einem Menschengesichte hat, zu der Sage
von Sirenen etwas beygetragen zu haben*).
Ungeachtet sie nur ein Ey auf einmahl legen, so
vermehren sie sich doch so stark, daß der Ocean
in manchen Gegenden gleichsam davon wimmelt.
die Eyer haben eine hornige Schale mit vier
Spitzen, und heißen See-Mäuse.

1. Torpedo. der Zitterroche, Krampffisch.
(Fr. la torpille. Engl. the crampfish.)
R. tota laeuis maculis dorsalibus 5 orbi-
culatis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 57.

Besonders im mittländischen Meere. Der be-
kannteste von den so genannten elektrischen Fischen
(§. 110.) Wird an theils Orten gegessen.

[Seite 268]

2. †. Batis. der Glattroche, Baumroche,
Flete, Tepel. (Fr. la raie lisse. Engl. the
skate, flair
.) R. varia, dorso medio glabro,
cauda vnico aculeorum ordine
.

Bloch tab. 79.

In den europäischen Meeren. Wird auf zwey
Centner schwer. Hat ein vorzüglich schmack-
haftes Fleisch.

3. Pastinaca. der Stachelroche, Pfeilschwanz.
(Fr. la pastenaque, tareronde, raie baïo-
nette
. Engl. the sting-ray) R. corpore
glabro, aculeo longo anterius serrato in
cauda, et dorso apterygio
.

Bloch tab. 82.

In vielen Welt-Meeren. Sein Schwanz-
Stachel ist zwar nicht giftig; aber er dient dem
Thiere und auch wilden Völkern als Waffen.

4. Sqvalvs. Hay. (Fr. chien de mer.
Engl. shark.) Spiracula branchialia 5
ad latera colli. Corpus oblongum te-
retiusculum. Os in anteriore capitis
parte
.

1. Acanthias. der Dornhay. (Fr. l'aguillat.)
S. pinna anali nulla, dorsalibus spinosis,
corpore teretiusculo
.

Bloch tab. 85.

In den europäischen Meeren. Hat drey Reihen
Zähne in jedem Kiefer.

2. Zygaena. der Hammerfisch, Jochfisch.
S. capite latissimo transuerso malleiformi.

Bloch tab. 117.

In den mehresten Weltmeeren.

[Seite 269]

3. Carcharias. (lamia, tiburo. Fr. le requin.
Engl. the white shark.) S. dorso plano,
dentibus serratis
.

Bloch tab. 119.

Zumahl häufig im atlantischen Ocean. Wiegt
zuweilen auf zehntausend, Pfund, und in seinem
Magen hat man wohl eher ganze Pferde gefun-
den. Hat sechsfache Reihen Zähne in den Kie-
fern, die (wie überhaupt bey den mehresten
Hayen) nicht in die Kinnladen eingekeilt, son-
dern wie durch eine Art Gelenk mit denselben
verbunden sind. Die vordere Reihe dieser Zähne
macht das eigentliche Gebiß. Die hintern liegen
(wenigstens beym jungen Thier) rückwärts ge-
lehrt, gleichsam auf Reserve, damit zufälliger
Verlust derer in der vordern Reihe zu wieder-
holten Malen ersetzt werden kann.

4. Pristis. der Sägefisch, Schwertfisch.
(Fr. la scie de mer. Engl. the saw fish.)
S. pinna ani nulla, rostro ensiformi osseo
plano vtrinque dentato
.

Bloch tab. 120.

Unter andern im nördlichen atlantischen Ocean.
Das breite schwertförmige, oft mehrere Ellen
lange Gewehr, das dieses Thier vor dem Kopfe
führt, ist an beiden Seiten-Rändern mit 24
oder mehreren starken eingekeilten Zähnen besetzt.

5. Lophivs. Seeteufel (Fr. diable de
mer
. Engl. sea-devil.) Pinnae pecto-
rales brachiis insidentes. Spiracula so-
litaria pone brachia
.

[Seite 270]

1. †. Piscatorius. der Froschfisch. (rana pisca-
trix
. Fr. la grenouille pecheuse. Engl. the
frog-fish
.) L. depressus capite rotundato.

Bloch tab. 87.

An den europäischen Küsten. Der ungeheuere
Kopf, der die größere Hälfte des ganzen Thiers
ausmacht, und dann die fleischigen Angelfaden
am Maule (§. 110.) geben ihm ein auffallen-
des Ansehen.

6. Balistes. Hornfisch. Caput com-
pressum. Apertura supra pinnas pecto-
rales. Corpus compressum, squamis
corio coadunatis. Abdomen carina-
tum
.

1. Tomentosus. (Engl. the little old wife.)
B. pinna capitis biradiata, corpore poste-
rius subuilloso
.

Bloch tab. 148. fig. 1.

In beyden Indien.

7. Chimaera. Spiracula solitaria, qua-
dripartita, sub collo. Oris labium su-
perius quinquepartitum. Dentes pri-
mores incisores bini supra infraque
.

1. Monstrosa. C. rostro subtus plicis per-
tusis
.

Bloch tab. 124.

Im nördlichen atlantischen Ocean.

II. BRANCHIOSTEGI.

[Seite 271]

Die mit Kieferdeckeln versehenen Knor-
pelfische.

8. Acipenser. Spiracula lateralia so-
litaria, linearia. Os sub capite, re-
tractile, edentulum. Cirri quatuor
sub rostro ante os.

1. †. Sturio. der Stör. (Fr. l'esturgeon.
Engl. the sturgeon.) A. squamis dorsa-
libus
11.

Bloch tab. 88.

In allen europäischen Meeren, auch im caspi-
schen etc. in der Wolga, im Nil etc. Macht nebst
den übrigen Gattungen dieses Geschlechts so-
wohl wegen des Fleisches, als des aus dem
Rogen bereiteten Caviars, für viele Völker einen
wichtigen Fang aus, und kann gegen tausend
Pfund schwer werden. Oft ziehen ihrer eine
Menge in schmalen aber langen Zügen hinter
einander, und das soll Anlaß zu der fabelhaften
Sage von ungeheueren nordischen Seeschlangen
gegeben haben.

2. Ruthenus. der Sterlet. A. squamis dor-
salibus
15.

Bloch tab. 89.

Dieser vorzüglich schmackhafte Fisch findet sich
am häufigsten im caspischen Meer und in der
Wolga, aber selten über 30 Pfund schwer.

3. Huso. der Hausen, Beluga. A. squamis
dorsalibus
13. caudalibus 43.

Bloch tab. 129.

[Seite 272]

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen. Ist
vorzüglich wegen des Fischleims oder Hausen-
blase merkwürdig, die man besonders aus der
Schwimmblase desselben, doch auch aus dem
Stör und noch aus einer andern Gattung dieses
Geschlechts, nähmlich der Sewruge (Acipenser
stellatus.), die auch das beste Caviar gibt, ja
theils auch aus der Schwimmblase des Wels,
bereitet.

9. Ostracion. Panzerfisch (Fr. poisson
coffre.
) Corpus osse integro loricatum.
Pinnae ventrales nullae
.

1. Bicuspis. O. trigonus, spinis dorsalibus
duabus
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 58.

An den Küsten von Schina, und, wenn an-
ders der O. stellifer nicht eine eigene Galtung
ist, auch in America.

2. Triqueter. O. trigonus muticus.

Bloch tab. 130.

So wie der folgende in Ostindien.

3. Cornutus. O. tetragonus, spinis frontali-
bus subcaudalibusque binis
.

Bloch tab. 133.

In Ostindien. Ein niedliches kleines Thier,
dessen Panzer aufs regelmäßigste, meist mit
Sechsecken wie Bienenzellen, bezeichnet ist.

10. Tetrodon. Stachelbauch. Corpus
subtus muricatum. Pinnae ventrales
nullae
.

[Seite 273]

1. Lagocephalus. (Fr. le poisson souffleur.)
T. abdomine aculeato, corpore laeui, hu-
meris prominentibus
.

Bloch tab. 140.

Besonders häufig im Senegal. Und zwar sind
die, so man oben im Flusse landeinwärts fängt,
ein gesundes gutes Essen. Hingegen die nahe
an der See, in der Mündung des Stroms,
sehr giftig.

2. Electricus. T. corpore maculoso; pinnis
viridibus
.

Philos. Transact. Vol. LXXVI. P. II.
tab. 13.

Einer von den fünf bis jetzt bekannten elektri-
schen Fischen. (§. 110.) In Ostindien an der
St. Johanna-Insel.

3. Hispidus. der Kugelfisch. (orbis. Engl.
the moon-fish.) T. totus hispidus, papil-
lis setaceis
.

Bloch tab. 142.

Im rothen Meere etc. Aber auch in den süßen
Wassern der benachbarten Länder.

4. Mola. der Klumpfisch. (Fr. la lune de
mer
. Engl. the sun-fish.) T. laeuis com-
pressus, cauda truncata: pinna breuissima
dorsali analique annexa
.

Hamburg. Magaz. XVIII. B. tab. 1.

Häufig im mittländischen und atlantischen
Meere. Wiegt zuweilen auf fünf Centner. Hat
den deutschen Namen von seiner unförmlichen
Gestalt; den französischen und englischen aber
von dem starken phosphorischen Schein, womit
die Seiten und der Unterleib des lebendigen
Fisches leuchten.

[Seite 274]

11. Diodon. Corpus spinis acutis mo-
bilibus vndique adspersum. Pinnae
ventrales nullae
.

1. Hystrix. der Stachelfisch, Guara. (Engl.
the porcupine-fish.) D. oblongus, aculeis
teretibus
.

Bloch tab. 126.

Zumahl im atlantischen Ocean: nahmentlich
auch an den nordamericanischen Küsten.

12. Cycloptervs. Bauch-Sauger.
Caput obtusum. Pinnae ventrales in
orbiculum connatae
.

1. †. Lumpus. der See-Hase, Klebpfost,
Hafpadde. (Fr. le lievre de mer. Engl. the
lump-sucker
.) C. corpore squamis osseis
angulato
.

Bloch tab. 90.

In den nördlichen Meeren der alten Welt.
Hängt sich mit seinem gerippten flachen Brustschilde
aufs festeste an die Klippen, Schiffe u.s.w. an.

13. Centriscvs. Messer-Fisch. Caput
productum in rostrum angustissimum.
Abdomen carinatum. Pinnae ventrales
vnitae
.

1. Scolopax. die Meer-Schnepfe. C. corpore
squamoso scabro, cauda recta extensa
.

Bloch tab. 123 fig. 1.

Im mittländischen Meer etc.

[Seite 275]

14. Syngnathvs. Rostrum subcylin-
dricum, ore operculato, maxilla infe-
riore mobiliore. Corpus cataphractum.
Pinnae ventrales nullae
.

1. Acus. die Meer-Nadel, Sack-Nadel.
(Engl. the pipe.) S. pinnis caudae ani
pectoralibusque radiatis; corpore septem-
angulato
.

Bloch tab. 91. fig. 2.

In der Nord- und Ostsee etc.

2. Hippocampus. das See-Pferdchen, die
See-Raupe. (Fr. le cheval marin. Engl.
the sea-horse.) S. pinna caudae quadrangu-
lae nulla, corpore septemangulato tuber-
culato
.

Bloch tab. 116. fig. 3.

Einer der weitstverbreiteten Seefische. Hat
seine Nahmen, weil der Vordertheil einem Pfer-
dekopf und Hals, das hintere Ende aber einer
Raupe verglichen worden. Im Tode krümmt
er sich wie ein S, und ähnelt so dem Springer
im Schach.

15. Pegasvs. Os proboscide tetractili.
Rostrum ensiforme, lineare. Corpus
articulatum osseis incisuris, cataphra-
ctum. Pinnae ventrales abdominales
.

1. Draconis. der Seedrache. P. rostro conico.

Bloch tab. 109. fig. 1. 2.

In Ostindien. Die großen breiten Brustflossen
ähneln ausgespannten Flügeln, und mögen wohl
den Nahmen veranlaßt haben.

[Seite 276]

III. APODES.

Diese und die drey folgenden Ordnungen
begreifen nun die mit Gräten versehenen oder
eigentlich so genannten Fische. Und zwar
hier diese, die so gar keine Bauchflossen haben.

16. Mvraena. Caput laeue. Nares
tubulosae. Membr. branch. radiis 10,
corpus teretiusculum, lubricum. Pinna
caudalis coadunata dorsali anique. Spi-
racula pone caput vel pinnas pectorales
.

1. Helena. die Muräne. M. pinnis pectora-
libus nullis
.

Bloch tab. 153.

Ein sehr gefräßiger Raubfisch, in den wär-
mern Meeren beider Welten.

2. †. Anguilla. der Aal. (Fr. l'anguille, Engl.
the eel.) M. maxilla inferiore longiore, cor-
pore vnicolore
.

Bloch tab. 73.

In den Flüssen beider Welten. Geht zuwei-
len ans Land auf Wiesen, ins Getreide etc. Hat
ein zähes Leben, und das ihm ausgeschnittene
Herz behält wohl noch 40 Stunden lang seine
Reitzbarkeit. Nach den genauesten Beobachtun-
gen gebiert er sicher lebendige Junge.

17. Gymnotvs. Caput operculis laterali-
bus. Tentacula duo ad labium superius.
Membr. branch. radiis
5; corpus com-
pressum, subtus pinna carinatum
.

[Seite 277]

1. Electricus. der Zitteraal, Zitterfisch, Drill-
fisch (Fr. l'anguille electrique.) G. nudus,
dorso apterygio, pinna caudali obtusissima
anali connexa
.

Bloch tab. 156.

Besonders bey Surinam und Cayenne, wo ihn
van Berkel*) zuerst bekannt gemacht hat. Un-
gefähr mannslang.

18. Trichivrvs. Caput porrectum,
operculis lateralibus. Dentes ensifor-
mes, apice semisagittati: primores
maiores. Membr. branchiostega radiis
7.
Corpus compresso-ensiforme. Cauda
subulata, aptera
.

1. Lepturus. T. mandibula inferiore longiore.

Bloch tab. 158.

In beyden Indien.

2. Indicus. T. mandibulis aequalibus.

Willoughby App. tab. 3. fig. 3.

In Ostindien. Ebenfalls ein elektrischer Fisch.
(§. 110.)

19. Anarrhichas. Caput obtusiuscu-
lum. Dentes primores supra infraque
conici, diuergentes, sex pluresue,
molares inferiores palatique rotundati.
Membr. branch. radiis. 6. Corpus tere-
tiusculum, pinna caudae distincta
.

[Seite 278]

1. †. Lupus. der Klippfisch, Seewolf, Stein-
beißer. (Engl. the ravenous.) A. pinnis
pectoralibus amplis subrotundis
.

Bloch tab. 74.

An den Küsten des nördlichen Europa.

20. Ammodytes. Caput compressum.
Labium superius duplicatum, dentes
acerosi. Membr. branch. rad. 7. Corpus
teretiusculum, cauda distincta
.

1. †. Tobiannus der Sandfisch, Sandaal, To-
biasfisch. (Engl. the sand-launce) A.
maxilla inferiore longiore
.

Bloch tab. 75. fig. 2.

Ebenfalls am nördlichen Europa.

21. Ophidivm. Caput nudiusculum.
Dentes maxillis, palato, faucibus.
Membr. branch. radiis 7 patula. Cor-
pus ensiforme
.

1. Barbatum. (Fr. la donzelle.) O. maxilla
inferiore cirris
4.

Bloch tab. 159. fig. 1.

Am südlichen Europa.

22. Stromatevs. Caput compressum.
Dentes in maxillis, palato. Corpus oua-
tum, latum, lubricum. Cauda bifida
.

1. Paru. S. vnicolor.

Bloch tab. 160.

An America.

[Seite 279]

23. Xiphias. Caput maxilla superiore
terminatum rostro ensiformi. Os eden-
tulum. Membr. branch. rad. 8; corpus
teretiusculum
.

1. †. Gladius. der Schwertfisch, Hornfisch.
(Fr. l'épée de mer, l'empereur, l'espadon.
Engl. the sword-fish, whale-killer.) X.
mandibula inferiore acuta, triangulari
.

Bloch tab. 76.

In den nördlichen so wohl als südlichen Meeren.
Wird mit seinem Schwerte auf 18 Fuß lang,
und hält dann gegen 5 Centner an Gewicht.


IV. IVGVLARES.

Fische, deren Bauchfloßfedern vor den
Brustflossen sitzen.

24. Callionymvs. Caput labio su-
periore duplicato; oculi approximati.
Membr. branchiostega rad. 6.; apertura
nuchae foraminibus respirante. Oper-
cula clausa. Corpus nudum. Pinnae
ventrales remotissimae
.

1. Lyra. (Fr. le lacert Engl. the piper.) C.
dorsalis prioris radiis longitudine corporis
.

Bloch tab. 161.

Im atlantischen Ocean.

25. Vranoscopvs. Caput depressum,
scabrum, maius. Os simum, maxilla
superior breuior. Membr. branch. ra-
diis 5; anus in medio
.

[Seite 280]

1. Scaber. der Sternseher. (Fr. le boeuf. Engl.
the Star-gazer.) V. cirris multis in maxilla
inferiore
.

Bloch tab. 163.

Vorzüglich häufig im mittländischen Meere.

26. Trachinvs. Caput scabriusculum,
compressum. Membr. branch. rad. 6;
anus prope pectus
.

1. †. Draco das Petermännchen. (Fr. la vive.
Engl. the wever, stingfish) Trachinus.

Bloch tab. 61.

Im mittländischen Meere, in der Nordsee etc.

27. Gadvs. Corpus laeue. Membr.
branch. rad. 7 teretibus; pinnae cute
communi vestitae, pectorales acumi-
natae
.

1. †. Aeglefinus. der Schellfisch. (Engl. the
hadock
.) G. tripterygius cirratus albicans,
cauda biloba, maxilla superiore longiore
.

Bloch tab. 62.

Im ganzen nördlichen europäischen Ocean, vor-
züglichst aber an den englischen und schottischen
Küsten. – Viele Fische phosphoresciren unter ge-
wissen Umständen nach dem Tode: bey diesem
hier ist aber dieses Leuchten zuweilen von ganz
auffallender Stärke und langanhaltender Dauer.

2. Callarias. der Dorsch. G. tripterygius cir-
ratus varius, cauda integra, maxilla supe-
riore longiore
.

Bloch tab. 63.

Hat gleichen Aufenthalt mit dem vorigen.

[Seite 281]

3. †. Morrhua. der Kabeljau, Steinfisch.
Baccaljao. (Asellus. Fr. la morue. Engl.
the cod-fish.) G. tripterygius cirratus, cauda
subaequali, radio primo anali spinoso
.

Bloch tab. 64.

Es werden unter diesen gemeinschaftlichen Nah-
men mehrere verwandte Gattungen dieses Ge-
schlechts begriffen, die wegen der unsäglichen
Menge und wegen der mannigfaltigen Zuberei-
tung (als Stockfisch, als Laberdan, und als
Klippfisch) und langen Conservation etc. von der
äußersten Wichtigkeit sind. Sie finden sich
vorzüglichst in den nördlichen Gegenden, bey-
des des stillen und atlantischen Oceans, wo sie
besonders um Labrador, Neu-Fundland, auch
um Island und an den Nordküsten von Groß-
britannien den wichtigsten Fischfang ausmachen*).

4. †. Merlangus. der Witling, Gadde. (Fr.
le merlan. Engl. the whiting.) G. tripte-
rygius imberbis albus, maxilla superiore
longiore
.

Bloch tab. 65.

In den europäischen Meeren.

5. †. Lota. die Quappe, Drusche, Kutte,
Aalraupe, Aalputte. (Fr. la lote, Engl.
the burbot.) G. dipterygius cirratus, maxil-
lis aequalibus
.

Bloch tab. 70.

Vorzüglich in den Schweizer-Seen.

28. Blennivs. Schleimfisch Caput de-
cliue, tectum. Membr. branch. rad. 6.
corpus lanceolatum, pinna ani distincta
.

[Seite 282]

1. †. Viuiparus. die Aalmutter. B. ore ten-
taculis duobus
.

Bloch tab. 72.

Im mittländischen Meere, in der Nordsee etc.
Gebiert lebendige Junge.


V. THORACICI.

Fische, deren Bauchfloßfedern gerade unter
den Brustflossen sitzen.

29. Cepola. Caput subrotundum com-
pressum. Os simum, dentes curuati,
simplici ordine. Membr. branch. ra-
diis 6; corpus ensiforme, nudum, ab-
domine vix capitis longitudine.

1. Taenia. der Bandfisch. (Fr. le ruban) C.
pinna caudae attenuata, capite obtusissimo
.

Bloch tab. 170.

Im mittländischen Meere.

30. Echeneis. Caput depressum, supra
planum marginatum, transuerse sulca-
tum. Membr. branch. rad
. 10.

1. Remora. der Saugefisch. (Fr. le sucet.
Engl. the sucking-fisch.) L. cauda bifurca,
striis capitis
18.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 78.

In den mildern Weltmeeren. Das sonderbare
Thier kann sich mittelst des quergestreiften Hin-
terkopfs aufs festeste an Schiffe, Hayfische etc.
anhalten. Daher die alte Fabel, daß ein einziger
ein Schiff in vollem Lauf zu hemmen vermöge.

[Seite 283]

31. Coryphaena. Caput truncato-
decliue. Membr. branch. rad
. 5; pinna
dorsalis longitudine dorsi
.

1. Hippurus. der Goldkarpfe. (Fr. la dorade.
Engl. the dolphin.) C. cauda bifida, ra-
diis dorsalibus
60.

Bloch tab. 174.

Im atlantischen Meere. Ein prachtvolles
Thier, das besonders im Sterben in wunder-
schöne Farben (aus dem Gelben ins Blaue und
Purpurrothe etc.) spielt.

32. Gobivs. Caput poris 2 inter oculos
approximatos, altero anteriore. Membr.
branch. rad.
4; pinnae ventrales vnitae
in ouatam.

1. Niger. die Meergrundel. G. pinna dor-
sali secunda radiis
14.

Bloch tab. 38. fig. 1. 2. 5.

Im atlantischen und indischen Ocean.

33. Cottvs. Caput corpore latius, spi-
nosum. Membr. branch. rad
. 6.

1. †. Cataphractus. der Knurrhahn, Stein-
picker. (Engl. the pogge.) C. loricatus
rostro verrucis bifidis, capite subtus cirroso
.

Bloch tab. 38. fig. 3. 4.

An den nördlichen Küsten von Europa und
America.

2. †. Gobio. der Kaulkopf, Rotzkolbe,
Gropp, Kruppe. (Engl. the bull-head,
the miller's thumb
.) C. laeuis, capite
spinis duabus
.

Bloch tab. 38. fig. 1. 2.

[Seite 284]

Ein sehr gemeiner europäischer Flußfisch. Das
Weibchen scharrt sein Leich in eine Höhle am
Grund, und bewacht es bis die Jungen ausge-
krochen sind aufs sorgfältigste.

34. Scorpaena. Caput magnum, acu-
leatum. Oculi vicini. Dentes maxil-
lis, palato, faucibusque. Membr.
branch. radiis
7.

1. Horrida. S. tuberculis callosis adspersa.

Bloch tab. 183.

In Ostindien.

35. Zevs. Caput compressum, decliue.
Labium superius membrana transuersa
fornicatum. Lingua subulata. Membr.
branch. radiis 7 perpendicularibus: in-
fimo transuerso. Corpus compressum
.

1. Vomer. Z. cauda bifurca, spina ante pin-
nam analem dorsalemque recumbente
.

Bloch tab. 193.

2. Faber. (Engl. the doree, dory.) Z. cauda
rotundata; lateribus mediis ocello fusco;
pinnis analibus duabus
.

Bloch tab. 41.

Beyde im atlantischen Meer.

36. Plevronectes. Butte, Scholle,
Halbfisch. (Fr. sole. Engl. flounder.)
Oculis vtrisque in eodem latere fron-
tis. Membr. branch. rad.
4–7; cor-
pus compressum, latere altero dorsum,
altero abdomen referente
.

[Seite 285]

Die Schollen sind die einzigen Thiere in der
Natur, die ihre beyden Augen auf einer Seite
des Kopfs haben; manche Gattungen nähmlich
auf der rechten, andere auf der linken; sehr
selten finden sich Mißgeburten unter ihnen, die
anomalisch auf der unrechten Seite ihre Augen
haben. Auch beyde Nasenlöcher sitzen ebenfalls
so schief seitwärts. Sie schwimmen in einer
schrägen Lage, die Augenseite in die Höhe
gerichtet.

1. †. Platessa. die Scholle, Plateis, Gold-
butte. (passer. Fr. la plie. Engl. the plaise.)
P. oculis dextris, corpore glabro, tuber-
culis
6 capitis.

Bloch tab. 42.

Nebst den folgenden besonders in den nörd-
lichen Meeren.

2. †. Flesus. der Flünder. (Engl. the floun-
der
.) P. oculis dextris, linea laterali
aspera, spinulis ad pinnas
.

Bloch tab. 44.

3. †. Limanda. die Glahrke, Kliesche (Engl.
the dab.) P. oculis dextris, squamis cilia-
tis, spinulis ad radicem pinnarum dorsi
anique, dentibus obtusis
.

Bloch tab. 46

4. †. Hippoglossus. die Heiligbutte. (Fr. le
fletang
. Engl. the holibut.) P. oculis
dextris, corpore toto glabro
.

Bloch tab. 47.

Theils von vier Centnern an Gewicht: unter
andern in größter Menge im nördlichen stillen
Ocean.

[Seite 286]

5. †. Maximus. die Steinbutte (Fr. und
Engl. turbot.) P. oculis sinistris, corpore
aspero
.

Bloch tab. 49.

Doch weit kleiner als die vorige.

37. Chaetodon. Dentes (plurimis)
setacei, flexiles confertissimi, nume-
rosissimi. Membr. branch. radiis 6;
corpus pictum, pinna dorsi anique
carnosa squamosa
.

1. Rostratus. C. cauda integra, spinis pin-
nae dorsalis
9, maculaque ocellari; rostro
cylindrico
.

Bloch tab. 202.

In Ostindien. der Oberkiefer endigt sich in
eine Röhre, wodurch das Thier die Insecten,
die an allerhand Wasserpflanzen sitzen, bespritzt,
daß sie herabfallen und ihm zur Speise wer-
den müssen.

2. Macrolepidotus. C. cauda integra, spinis
dorsalibus
11, radio dorsali quarto fili-
formi longissimo
.

Bloch tab. 200.

In Ostindien.

38. Sparvs. Brachse. Dentes primores
robusti, molares obtusi, conferti. La-
bia simplicia. Membr. branch. rad. 5;
corpus compressum. Pinnae pectora-
les acuminatae
.

1. Aurata. der Goldbrachsen. S. lunula
aurea inter oculos
.

Bloch tab. 266.

[Seite 287]

Im mittländischen und atlantischen Meer. Hat
fast in allen Sprachen seinen Nahmen von dem
goldfarbigen halben Monde vor den Augen.

2. Sargus. der Geißbrachsen. S. ocello sub-
caudali, corpore fasciis nigris
.

Bloch tab. 264.

Im mittländischen Meer. Die Männchen sol-
len zur Begattungszeit sehr hitzig wie Säugethiere
oder Vögel um ihre Weibchen kämpfen.

3. Pagrus. der Seebrachse. S. rubescens,
cute ad radicem pinnarum dorsi et ani in
sinum producta
.

Bloch tab. 267.

Einer der allgemeinst verbreiteten Seefische.
Zuweilen giftig.

39. Labrvs. Lippfisch. Dentes acuti, la-
bia duplicata magna. Membr. branch.
rad.
6; pinnae dorsalis radii postice
ramento filiformi aucti. Pectorales
rotundatae
.

1. Iulis. der Meerjunker L. lateribus cae-
rulescentibus, vitta longitudinali fulua
vtrimque dentata
.

Bloch tab. 287.

Im mittländischen Meer. Nur Fingers lang,
von ausnehmend schönen Farben. Wird den
Badenden durch seinen Biß lästig, der wie
Mückenstiche schmerzt.

40. Sciaena. Caput totum squamis
obtectum. Membr. branch. rad.
6;
opercula squamosa. Corpus: fossula
dorsi pro pinna dorsali recondenda
.

[Seite 288]

1. Nigra. S. tota nigra, ventre fusco-al-
bescente
.

Bloch tab. 297.

Wie so viele andre Gattungen dieses Ge-
schlechts im rothen Meere.

41. Perca. Opercula spinosa, antror-
sum serrata. Membr. branch. rad. 7.
corpus pinnis spinosis
.

1. †. Fluuiatilis. der Barsch. (Fr. la perche.
Engl. the perch.) P. pinnis dorsalibus di-
stinctis, secunda radiis
16.

Bloch tab. 52.

In Europa und Nordasien.

2. †. Lucioperca. der Zander, Sandbarsch,
Schiel. P. pinnis dorsalibus distinctis, se-
cunda radiis
32.

Bloch tab. 51.

So wie der folgende im nördlichen Europa.

3. †. Cernua. der Kaulbarsch. (Engl. the
ruffe
.) P. pinnis dorsalibus vnitis radiis 27;
spinis 15; cauda bifida.

Bloch tab. 53. fig. 2.

42. Gasterostevs. Membr. branch.
rad.
2; corpus ad caudam vtrimque ca-
rinatum. Pinnae ventrales pone pecto-
rales, sed supra sternum
.

1. †. Aculeatus. der Stichling. (spinarella.
Engl. the stickleback.) G. spinis dorsalibus
tribus
.

Bloch tab. 53. fig. 3.

In Europa.

[Seite 289]

43. Scomber. Caput compressum, laeue.
Membr. branch. rad.
7; corpus laeue,
linea laterali postice carinatum. Pinnae
spuriae saepe versus caudam
.

1. †. Scomber. die Makrele. (Fr. le maque-
reau
. Engl. the mackrel.) S. pinnulis 5.

Bloch tab. 54.

Im nordischen und atlantischen Meer etc. Wie
der folgende ein gefräßiger aber vorzüglich
schmackhafter Raubfisch. Von beyden machten
die Alten ein vorzügliches Garum.

2. Pelamys. die Bonite. S. pinnulis infe-
rioribus
7; abdomine lineis vtrinque 4
nigris.

In allen wärmern Weltmeeren. Auch dieses
Thier phosphorescirt nach dem Tode zuweilen
sehr stark, und kann dann so wie manche an-
dere Fische und deren Thran etc. zum Leuchten
des Seewassers beytragen.

3. †. Thynnus. der Thunnfisch. (Fr. le thon.
Engl. the tunny.) S. pinnulis vtrimque 8.

Bloch tab. 55.

In der Nordsee, dem mittländischen Meer,
Ost- und Westindien etc. Wird über Manns
lang, und dann wohl gegen 5 Centner schwer.
Ist zuweilen giftig*).– Ihm ähnelt die zumahl
aus den Südsee-Reisen bekannte Albicore.

[Seite 290]

44. Mvllvs. Caput compressum, de-
cliue, squamis tectum. Membr. branch.
rad.
3; corpus squamis magnis facile
deciduis
.

1. Barbatus. der Rothbart, die Meerbarbe.
M. cirris geminis, corpore rubro.

Bloch tab. 348. fig. 2.

Ein schöner schmackhafter Fisch des mittländi-
schen Meers. Ungefähr fußlang.

45. Trigla. Caput loricatum lineis
scabris. Membr. branch. rad.
7; digiti
liberi ad pinnas pectorales
.

1. Volitans. T. digitis vicenis membrana
palmatis
.

Bloch tab. 351.

Einer der fliegenden Fische in den mildern
Weltmeeren.


VI. ABDOMINALES.

Fische, deren Bauchflossen hinter den
Brustfloßfedern sitzen. Die mehresten Süß-
wasser- Fische sind aus dieser Ordnung.

46. Cobitis. Oculi in suprema capitis
parte. Membr. branch. rad.
4–6; cauda
versus pinnam minus angustata
.

1. Anableps. C. cirris 2; capite depresso,
oculis prominulis
.

Bloch tab. 361.

[Seite 291]

Bey Surinam. Gebiert lebendige Junge, und
wird besonders durch den ganz einzigen Bau
seiner gleichsam in zwey Abschnitte halbirten
Hornhaut des Auges, und übrige Einrichtung
der Augäpfel, merkwürdig*).

2. †. Barbatula. der Schmerling, Grundel,
Bartgrundel. (Fr. la loche. Engl. the
loach
.) C. cirris 6, capite inermi compresso.

Bloch tab. 31. fig. 3.

In mehrern Spielarten, mit und ohne Bart-
fäden etc. Die größten finden sich in der Aar in
der Schweiz.

3. †. Fossilis. der Wetterfisch, Peizker,
Schlammbeisker, die Pipe, Steinpietsche,
Kurrpietsche. C. cirris 6, spina supra
oculos
.

Bloch tab. 31. fig. 1.

In Europa. Kann wie der Knurrhahn einen
Laut von sich geben. Wenn man ihn in Glä-
sern, mit Sand am Boden, erhält, so wird er
bey bevorstehender Wetterveränderung unruhig.

47. Silvrvs. Caput nudum. Os cir-
ris filiformibus tentaculatum. Membr.
branch. rad.
4-14; radius pinnarum
pectoralium aut dorsalis primus spi-
nosus, retrodentatus
.

1. † Glanis. der Wels, Schaidfisch. S. pinna
dorsali vnica mutica, cirris
6.

Bloch tab. 34.

In den mildern Strichen der alten Welt.
Der größte Süßwasser-Fisch, der wohl 3 Cent-
[Seite 292] ner am Gewicht hält, und wegen des unförm-
lich großen und breiten Kopfes und der langen
Bartfäden ein sonderbares Ansehen hat.

1. Cataphractus. S. pinna dorsali postica
vniradiata, squamis ordine simplici, cir-
ris 6, cauda integra
.

Catesby vol. III. tab. 19.

In Nordamerica.

3. Electricus. der Zitter-Wels, Raasch. (Fr.
le trembleur.) S. pinna dorsali vnica lum-
bari, remota absque radiis, cirris 6
.

Broussonet in den Mém. de l'ac. des sc.
de Paris
, 1782. tab. 20.

Ebenfalls ein elektrischer Fisch. (§. 110.).
Findet sich im Nil und mehrern andern africani-
schen Flüssen. Wird ungefähr 20 Zoll lang.
Ist eßbar.

48. Loricaria. (Fr. cuirassier.) Caput
laeue depressum. Os edentulum re-
tractile. Membr. branch. radiis 6;
corpus cataphractum
.

1. Plecostomus. L. pinnis dorsi duabus.

Bloch tab. 374.

In Südamerica.

49. Salmo. Caput laeue. Dentes in
maxillis, lingua. Membr. branch.
rad. 4–10; pinna dorsalis postica adi-
posa: pinnae ventrales multiradiatae
.

1. † Salar. der Lachs, Salm. (Fr. le sau-
mon
. Engl. the salmon.) S. rostro vltra
inferiorem maxillam prominente.

Bloch tab. 20. 98.

[Seite 293]

In den nordischen Meeren und Flüssen, theils
wie auf Labrador und im Amur Lande in unsäg-
licher Menge. Hält sich des Sommers in den
Flüssen, im Winter aber in der See auf. Nur
die Männchen haben einen gebogenen Unterkiefer.
Die Weiber der Orotchys-Tungusen wissen die
Lachshäute durch Gerben ausnehmend geschmeidig
zu machen um sich damit zu kleiden.

2. †. Trutta. die Lachs-Forelle. (Fr. la
truite saumonée
. Engl. the sea trout.)
S. ocellis nigris iridibus brunneis, pinna
pectorali punctis
6.

Bloch tab. 21.

An den Küsten und in den Flüssen von Europa.
Wird 8 bis 10 Pfund schwer.

3. †. Fario. die Forelle. (Fr. la truite. Engl.
the trout.) S. maculis rubris, maxilla in-
feriore sublongiore
.

Bloch tab. 22. 23.

In schattigen Waldbächen des gebirgichten mil-
dern Europa und Asien. Wird selten über 2 Pfund
schwer. Variirt sehr an Farbe und Geschmack.

4. †. Alpinus. die Alpenforelle, der Roth-
fisch. S. dorso nigro lateribus caeruleis,
ventre fuluo
.

Bloch tab. 104.

Im alpinischen und nördlichen Europa. Ein
wichtiges Thier für die Schwedischen Lappen,
deren beynahe einzige Nahrung es zu Zeiten aus-
macht; lebt größtentheils von Mücken (culex
pipiens).

1. †. Eperlanus. der große Stint, Alander.
(Engl. the smelt.) S. capite diaphano, radiis
pinnae ani
17.

Bloch tab. 28. fig. 2.

[Seite 294]

Im nördlichen Europa. Fast durchscheinend. –
Ihm ähnelt der so genannte grönländische Häring,
Angmarset (Salmo arcticus) den die Grönlän-
der nächst ihrer Hauptnahrung, dem Seehund-
fleische, in größter Menge gleichsam als Brod
oder Kuchen verzehren.

6. †. Lauaretus. der Schnepel, Weißfisch.
S. maxilla superiore longiore, radiis pinnae
dorsi
14.

Bloch tab. 25.

In der Nord- und Ostsee; auch in der Hud-
sonsbay. – Dahin gehören vermuthlich auch
die Felchen, und der Aalbock im Thuner-See,
der mit der Ferra des Genfer-Sees einerley
zu seyn scheint.

7. †. Thymallus. die Aesche. (Fr. l'ombre.)
S. maxilla superiore longiore, pinna dorsi
radiis
23.

Bloch tab. 24.

Im mittlern Europa und Sibirien.

50. Fistvlaria. Caput: rostrum cy-
lindricum, apice maxillosum. Membr.
branch. radiis
7; corpus....

1. Tabacaria. F. cauda bifida setifera.

Bloch tab. 387.

Das so gar sonderbar gebildete Thier mit
winzig-kleinem Maule an einer mächtig langen
Schnauze findet sich an den östlichen Küsten
vom wärmern America und an Neuholland.

51. Esox. Caput supra planiusculum;
mandibula superiore plana breuiore,
inferiore punctata: dentes in maxillis,
lingua. Membr. branch. rad.
7-12.

[Seite 295]

1. †. Ducius. der Hecht. (Fr. le brochet. Engl.
the pike.) Q. rostro depresso subaequali.

Bloch tab. 32.

In vielen Flüssen und Seen von Europa,
Asien und Nordamerica. Einer der gefräßigsten
Raubfische, der nicht nur andere Fische, son-
dern auch allerhand Amphibien, Kröten etc. viele
Wasservögel und kleine Säugethiere, auch zu-
weilen gar Krebse verschlingt.

2. †. Belone. der Hornfisch. (Fr. l'orphie.
Engl. the garpike.) L. rostro vtraque
maxilla subulato
.

Bloch tab. 33.

In den europäischen Meeren, theils in unsäg-
licher Menge. Seine Gräten sind grün, als
wenn sie mir Saftfarbe angestrichen wären.

52. Elops. Caput laeue. Dentium sca-
brities in maxillarum margine, palato.
Membr. branch. radiis
30; praeterea
exterius in medio armata dentibus
5.

1. Saurus. E. cauda supra infraque armata.

Bloch tab. 393.

Auf Jamaica.

53. Argentina. Dentes in maxillis,
lingua. Membr. branch. radiis
8. Cor-
pus ano caudae vicino. Pinnae ventra-
les multiradiatae
.

1. Carolina. A. pinna anali radiis 15.

Catesby vol. II. tab. 24.

Hat den Nahmen von ihrem Vaterlande.

[Seite 296]

54. Atherina. Caput maxilla superiore
planiuscula. Membr. branch. radiis
6.
Corpus fascia laterali argentea.

1. Hepsetus. A. pinna ani radiis fere 12.

Bloch tab. 393. fig. 3.

Im mittländischen Meere.

55. Mvgil. Caput; Labia membranacea:
inferius introrsum carinatum. Dentes
nulli. Denticulus inflexus supra sinus
oris. Membr. branch. rad.
7. curuis.
Opercula laeuia rotundata. Corpus
albicans
.

1. Cephalus. M. pinna dorsali anteriore quin-
queradiata
.

Bloch tab. 394.

Im mittländischen u.a. Meeren.

56. Exocoetvs. Caput squamosum.
Os edentulum, maxillis vtroque latere
connexis. Membr. branch. radiis 10.
Corpus albicans, abdomen angulatum,
pinnae pectorales maxime volatiles,
radiis antice carinatis
.

1. Volitans. der fliegende Häring. E. abdo-
mine vtrinque carinato
.

Gesner p. 653.

Der gemeinste aller fliegenden Fische. Findet
sich meist in allen wärmern Weltmeeren; theils
in großen Scharen.

[Seite 297]

57. Polynemvs. Caput compressum,
vndique squamosum; rostro obtusissimo
prominente. Membr. branch. rad.
5.
vel 7. Corpus digitis liberis ad pinnas
pectorales
.

1. Quinquarius P. digitis quinque corpore
longioribus
.

Seba vol. III. tab. 27. 90. fig. 2.

In Westindien.

58. Clvpea. Caput maxillarum supe-
riorum mystacibus serratis. Membr.
branch, rad.
8. Branchiae interne se-
taceae. Abdominis carina serrata. Pin-
nae ventrales saepe nouemradiatae
.

1. Harengus. der Häring, Strömling.
(membras? Fr. l'hareng. Engl. the herring.)
C. immaculata, maxilla inferiore longiore.

Bloch tab. 29.

Einer der wichtigsten Fische für die nördliche
Erde, der zwar von Menschen und sehr vielen
Thieren (zumahl vom Nordkaper, von manchen
Möven-Gattungen etc.) verfolgt wird, sich aber
auch dagegen zum bewundern stark vermehrt. Be-
sonders sind nun seit dem zwölften Jahrbundert
bey Gelegenheit ihrer großen äußerst bestimm-
ten, regelmäßigen Sommer-Reisen (– s. oben
§. 109. –) nach den europäischen Küsten, zu-
mahl nach den Orcaden, nach Norwegen etc. so
viele tausend Europäer mit ihrem Fang beschäftig.

2. †. Sprattus. die Sprotte, der Breitling.
(Fr. la sardine. Engl. the sprat.) C. pinna
dorsali radiis
13.

Bloch tab. 29. fig. 2.

[Seite 298]

Ebenfalls in den nördlichen Meeren, aber auch
im mittländischen. Ist von manchen Naturfor-
schern irrig für den jungen Häring gehalten worden.

3. †. Alosa. die Alse, der Mutterhäring, May-
fisch. (Fr. l'alose. Engl. the shad.) C. late-
ribus nigro maculatis, rostro nigro
.

Bloch tab. 30. fig. 1.

Vorzüglich häufig im mittländischen Meere.

4. †. Encrasicolus. die Sardelle, der Anscho-
vis. (Fr. l'anchois.) C. maxilla superiore
longiore
.

Bloch tab. 30. fig. 2.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem vorigen.
Wird vorzüglich häufig bey Gorgona unweit Li-
vorno gefangen.

59. Cyprinvs. Caput ore edentulo.
Os nasale bisulcum. Membr. branch.
rad.
3. Corpus laeue albens. Pinnae
ventrales saepe nouemradiatae
.

1. †. Barbus. die Barbe. C. pinna ani ra-
diis
7. cirris 7, pinnae dorsi radio secundo
vtrinque serrato
.

Bloch tab. 18.

Im mildern Europa und westlichen Asien.

2. †. Carpio. der Karpfe. (Fr. la carpe. Engl.
the carp.) C. pinna ani radiis 9, cirris 4,
pinnae dorsalis radio postice serrato.

Bloch tab. 16.

Jetzt nun meist in ganz Europa. Soll mit
verwandten Gattungen, zumahl mit der Karau-
sche, Bastarden geben. Auch finden sich unter
den Karpfen häufiger Mißgeburten als unter
[Seite 299] irgend einer andern bekannten Fischgattung. –
Die Spiegelkarpfen*), die sich besonders durch
die beständig von Schuppen entblößten Theile
des Körpers auszeichnen, scheinen doch keine
bloße Spielart, sondern eine besondre Gattung
dieses Geschlechts zu seyn.

3. †. Tinca. die Schleihe. (Fr. la tanche.
Engl. the tench.) C. pinna ani radiis 25,
cauda integra, corpore mucoso cirris 2.

Bloch tab. 19.

Einer der weitstverbreiteten Flußfische. Kann
mit den Kieferdeckeln einen Laut von sich geben.
Die Goldschleihe**) ist einer der schönsten deut-
schen Fische.

4. †. Carassus. die Karausche. (Fr. le carassin.
Engl. the crucian.) C. pinna ani radiis 10,
cauda integra, linea laterali recta.

Bloch tab. 11.

In Europa und Mittel-Asien.

5. Auratus. das schinesische Goldfischchen,
der Goldkarpfe, Kin-ju. (Fr. la dorée.
Engl. the goldfish.) C. pinna ani gemina,
caudae transuersa bifurca
.

Baster in Haarlem. Verhandel. VII. D.
1. St. mit illum. Fig.

In Japan und Schina, wo sie gleichsam als
Hausthiere gehalten werden, und in mancherley
wunderbare, theils fast monströse Varietäten,
der vortrefflichen Farben. Zahl und Bildung der
Flossen, Größe der Augen etc. ausgeartet sind.
Sie kommen auch im mildern Europa recht gut
fort. Können sogar Jahr und Tag im bloßen
[Seite 300] Wasser ohne alle weitere Nahrung leben, und
geben dabey doch von Zeit zu Zeit Unrath
von sich.

6. †. Phoxinus. die Elritze. (Fr. le vairon.
Engl. the minow.) C. pinna ani radiis 8,
macula fusca ad caudam, corpore pel-
lucido
.

Bloch tab. 8. fig. 5.

Häufig in der Weser.

7. †. Orfus. der Orf, Urf, Würfling, Elft.
C. pinna ani radiis 13.

Bloch tab. 96.

Zumahl im südlichen Deutschland. Schön
orangefarben.

8. †. Alburnus. der Ukley, Lauge, Weißfisch.
(Fr. l'able, ablette. Engl. the bleak.) C.
pinna ani rad
. 20.

Bloch. tab. 8. fig. 4.

So wie der folgende im mittlern Europa und
westlichen Asien. Seine Schuppen werden zur
Verfertigung der Glasperlen gebraucht*).

9. †. Brama. der Bley, Brachsen. C. pinna
ani rad
. 27. pinnis fuscis.

Bloch tab. 13.

Achter Abschnitt.
Von den Insecten
.

[Seite 301]

§. 121.

Die Thiere der beyden letzten Classen
(§. 40.), die Insecten und Gewürme, unter-
scheiden sich schon dadurch von den vorhergehen-
den, daß sie kein rothes Blut, sondern statt
dessen einen weißlichen Saft in ihrem Körper
führen: weßhalb sie (§. 23.) auch von den
Alten Blutlose Thiere (animalia exsanguia)
genannt wurden. So wie man sie neuerlich
darum weil die keine Rückenwirbel – so wie
überhaupt kein Gerippe – haben, auch
Wirbellose Thiere (Fr. animaux invertébrés)
genannt hat.

§. 122.

Die Insecten haben ihren Nahmen daher,
weil wenigstens im Zustande ihrer vollkom-
menen Ausbildung, Kopf, Brust und Hinter-
leib, wie durch Einschnitte von einander ab-
gesondert sind, ja bey vielen fast nur wie durch
einen Faden unter einander verbunden werden.
Außerdem zeichnen sie sich aber auch (bis auf
wenige Ausnahmen unter den Geschlechtern
der ungeflügelten Ordnung) durch besondere
[Seite 302] sehr empfindliche Organe aus, die sie in ihrem
vollkommnen Zustande am Kopfe tragen
(Antennae, Fühlhörner), und die alle
Mahl an der Wurzel eingelenkt, meist aber
auch noch außerdem gegliedert sind; und end-
lich durch die hornartigen, eingelenkten Füße,
und deren größere Anzahl, da die völlig aus-
gebildeten Insecten zum allermindesten ihrer
sechs, manche aber wohl auf anderthalb hun-
dert etc. haben.

§. 123.

Außer den angegebenen Merkzeichen, haben
die Insecten in ihrem Aeußern wenig, was
ihnen allen gemein wäre. Die ganz unermeß-
liche Anzahl der Gattungen, ihre so unendlich-
verschiedenen Bestimmungen, und dahin ab-
zweckende eben so verschiedene Lebensart, Be-
dürfnisse etc. erfordern eine äußerst vielartige
Bildung, in welcher sie, so wie in der unglei-
chen Größe ihres Köpers, ausnehmend von
einander abweichen.

§. 124.

Selbst die äußere Bedeckung ihres Kör-
pers ist mannigfaltiger als bey den übrigen
Thieren. Sehr viele sind wie mit einem horn-
artigen Panzer überzogen, der aus mehrern
Stücken besteht, die sich wie die Schienen eines
Blechhandschuhes über einander schieben lassen;
[Seite 303] und wodurch diese Thiere vor mancherley Un-
fällen gesichert, und für den Mangel der Knochen,
die bey andern Thieren zur Anlage der Mus-
keln etc. dienen, entschädigt werden. Manche
sind mit seinen Haaren besetzt, und bey den
Schmetterlingen etc. die Flügel mit so genannten
Federchen, oder vielmehr Schuppen bedeckt,
die zum Theil von den schönsten Farben sind:
so wie sich überhaupt unter den Insecten,
Thiere von unbeschreiblicher Schönheit finden.

§. 125.

Auch in der Einrichtung der Sinnwerk-
zeuge*), und also vermuthlich auch in der Art
der Empfindung, weichen die Insecten gat
sehr von den übrigen Thieren ab. So daß
ihnen sogar manche Naturforscher verschiedene
von unsern fünf äußern Sinnen, zumahl das
Gehör und den Geruch, ohne Grund haben
absprechen wollen; da man doch jenes bey vie-
len die einander zur Paarungszeit durch einen
besondern Laut locken, und diesen bey noch weit
mehrern, die ihren versteckten Fraß auswittern;
unverkennbar wahrnimmt.

§. 126.

[Seite 304]

Die Augen der Insecten sind vorzüglich-
merkwürdig, und zwar in Rücksicht ihres
Baues von zweyfacher Art. Die einen sind
große Halbkugeln, die aber meist aus taufen-
den von Facetten, bey einigen auch aus zahl-
reichen kegelförmigen Spitzen, bestehen, die
auf der innern Seite mit einem theils buntfar-
bigen oder glänzenden Anstrich überzogen sind.
Die mehresten geflügelten Insecten, aber auch
manche ungeflügelte, wie der Hummer etc. haben
dergleichen. Die Augen der andern Art
(stemmata, ocelli) sind einfach, klein, und
so wohl in Rücksicht ihrer Anzahl als Lage
verschieden. Die erstern scheinen mehr für die
Ferne, so wie die letztern für die Nähe be-
stimmt zu seyn; wenigstens reimt sich dieß da-
mit, daß die Schmetterlinge in ihrem geflü-
gelten, vollkommenen Zustande solche große
componirte telescopische Augen kriegen, da sie
vorher als Raupen nur myopische kleine Augen
hatten. Nur wenige Insecten, wie z.B. die
Krebse, können ihre Augen bewegen.

§. 127.

Die Fühlhörner*), die bey den verschie-
denen Gattungen, und bey manchen selbst nach
der Sexualdifferenz derselben, sehr vielartig
[Seite 305] gestaltet sind, und die manche Naturforscher
für Organe des Geruchs oder des Geschmacks etc.
angesehen haben, scheinen doch nichts weiter
zu seyn, als was ihr Nahme andeutet, –
Werkzeuge des Tastens, Sonden, Tangenten,
die ihnen bey ihrer harten unempfindlichen,
äußern Decke, und den mehrsten auch bey der
Unbeweglichkeit ihrer Augen doppelt wichtig
werden. Die Insecten scheinen das feinste
Gefühl in ihren Antennen, wie wir in den
Fingerspitzen, zu haben; und da sie großentheils
im Dunklen leben, dadurch, so wie Blinde,
den Mangel des Lichts durch feines Gefühl
zu ersetzen. – Hingegen ist der allgemeine
Hauptzweck der so genannten Freßspitzen
(palpi), die meist neben den Freßwerkzeugen
der Insecten sitzen, und nur wenigen gänzlich
zu fehlen scheinen, und die auch von manchen
für Sinnwerkzeuge dieser Thiere gehalten wor-
den, noch sehr räthselhaft.

§. 128.

Im innern Körperbau*) weichen die In-
secten gar sehr von den rothblütigen Thieren ab.

Was man z. E. bey den Raupen für ihr
Herz angesehen hat, das ist ein langer Canal
[Seite 306] von ungleicher Weite der längs des Rückens
liegt, aus welchem aber nicht eine einzige Ader
entspringt, so daß folglich auch die Ernährung
bey diesen Insekten auf eine eigene, von der
Nutrition der rothblütigen Thiere ganz ver-
schiedne Art vor sich gehen muß.

Hingegen sind sie mit unzähligen Luftröh-
ren vom erstaunenswürdigsten, feinsten Bau,
und mit äußerst zahlreichen Muskeln, die
aber auch so wohl in der Bildung als in
der Farbe von den Muskeln der rothblütigen
Thiere abweichen, versehen.

§. 129.

Ungeachtet die Insecten eben so wohl als
die rothblütigen Thiere, des Umsatzes von Koh-
lenstoff gegen Sauerstoff (§. 24.) zur Erhaltung
ihres Lebens bedürfen; so bemerkt man doch
nur bey wenigen (wie z.B. bey den Heu-
schrecken und manchen Cicaden und Käfern etc.)
eine dem Athemhohlen ähnliche Bewegung.
Ueberhaupt aber schöpft kein Insect seine
Luft durch den Mund sondern durch mancherley
andere spiracula*). Auch können die meisten
weit länger als jene rothblütigen Thiere im
so genannten luftleeren Raume aushalten;
und viele leben in der den so eben genannten
Thieren so schädlichen mephitischen Luft, worin
[Seite 307] animalische und vegetabilische Stoffe faulen
(– dem gekohlten Wasserstoffgas etc. –)
gleichsam als in ihrem Elemente.

§. 130.

Ueberhaupt ist der Aufenthalt der Insecten
auf und unter der Erde*) weit unbeschränkter,
als der von irgend einer andern Thierclasse.
Es sind fast auf allen warmblütiger Thieren
welche anzutreffen, und sogar größere In-
secten, wie z.B. Käfer, Bienen etc. haben
selbst wieder ihre besondere Milben und
Läuse. Auch sind wohl nur wenige Ge-
wächse (etwa der Taxus, der Sevenbaum,
und die mehrsten Laubmoose etc.) die gar keinen
bekannten Insecten zur Wohnung und Aufent-
halt dienen. Da hingegen manche, wie z.B.
die Eiche, von mehr als einem hundert ver-
schiedener Gattungen von Insecten bewohnt
und besucht werden. – So allgemein aber
die Insecten, im Ganzen genommen, über
die ganze Erde verbreitet sind, so streng ist
doch dagegen vielen einzelnen Gattungen ihr
ganz besonderer, eingeschränkter Aufenthalt
[Seite 308] auf bestimmten Thieren oder Pflanzen, und
deren einzelnen Theilen angewiesen.

§. 131.

Nur wenige Insecten leben in gesellschaft-
licher Verbindung, und leisten sich in
ihren. Geschäften wechselseitige Hülse. Die
allermeisten gehen einzeln und isolirt ihren
Verrichtungen nach und manche, die wie die
Spinnen in zahlreicher Gesellschaft jung wor-
den sind, zerstreuen sich bald nachher, und
leben einsiedlerisch, so daß viele außer der
Begattungszeit kein anderes Geschöpf ihrer
Art wieder zu sehen kriegen.

§. 132.

Der überaus merkwürdigen Gebäude,
Wohnungen etc. die sich so viele Insecten
zu verfertigen wissen, ist schon oben bey Anlaß
der Kunsttriebe (§. 36.) Erwähnung geschehen.
Es sind wenige Thiere dieser Classe, die nicht
wenigstens Ein Mahl, in einer gewissen Pe-
riode ihres Lebens Proben dieser natürlichen
Kunstfähigkeit ablegen sollten, indem sie ent-
weder wie die Kleidermotten und Frühlings-
fliegen in ihrer unvollendeten Gestalt, als
Larven, sich ein Gehäuse zum Aufenthalte und
zum Schutze verfertigen; oder sich, um die
Verwandlung und den langen Todesschlaf zu
bestehen, ein Lager bereiten, sich einspinnen etc.,
[Seite 309] oder die sich wie die Ameisenlöwen Fallen,
und wie die Spinnen Netze für ihren Raub
verfertigen; oder die wie manche Wasserkäfer
und Spinnen, zur Sicherheit für ihre Nach
kommenschaft, Säcke oder Nester zubereiten,
denen sie ihre Eyer anvertrauen können.
Manche von denen, die in gesellschaftlicher
Verbindung leben, bauen sich mit vereinten
Kräften, und nach den Gesetzen einer äußerst
regelmäßigen, ihnen angebornen Meßkunst,
gemeinschaftliche Wohnungen u.s.w.

§. 133.

Bey der Ernährungsart der Insecten
sieht man offenbar, daß dieselbe nicht, wie bey
den allermehrsten rothblütigen Thieren, bloß
auf ihre Selbsterhaltung, sondern hauptsäch-
lich darauf abzweckt, daß sie organisirte Ma-
terie consumiren sollen. Sie müssen essen,
nicht bloß um satt zu werden, sondern um
zugleich Aas zu verzehren, um selbst wieder
andre lebendige Insecten aufzureiben etc., um
Unkraut zu vertilgen u.s.w. – eine große
Bestimmung, zu deren Erfüllung außer der
fast zahllosen Menge der Gattungen überhaupt,
sehr vielen von diesen speciebus, theils
ihre äußerst starke Vermehrung, theils ihre
beyspiellos heftige Freßgierde und schnelle Ver-
dauung bey einem sehr kurzen Darmcanal zu
Statten kommt. Man weiß z.B., daß eine
[Seite 310] Raupe in 24 Stunden das Triplum ihres
eignen Gewichts verzehren kann. – Auch
sind die Freßwerkzeuge der Insekten viel-
artiger als in irgend einer andern Thierclasse:
da manche mit seitwärts beweglichen gezäh-
nelten Kinnladen und Freßzangen (maxillae);-
andere wie einem zugespitzten hornartigen
Bohrrüssel (rostrum); andre mit einem flei-
schigen Schlurfrüssel mit breiter Mündung (pro-
boscis
); manche mit einer spiralförmig auf-
gerollten (so genannten) Zunge etc. versehen sind.

§. 134.

Vor den Nachstellungen ihrer Feinde
sind einige Insecten, wie z.B. die Spann-
raupen durch ihre täuschende Gestalt; andere
dadurch daß sie einerley Farbe mit den Ge-
wächsen haben, worauf sie leben*), folglich
weniger darauf abstechen, und nicht so leicht
bemerkt werden können; andere auch wohl
durch den heftigen Geruch, den sie im Noth-
fall verbreiten können; andere durch die Macht
des gesellschaftlichen Lebens; noch andere durch
ihre bewundernswürdige Stärke etc. gesichert.
Und manche sind gar mit Waffen, z.B.
mit Hörnern wie Kneipzangen, oder mit
Stachel und Gift versehen.

§. 135.

[Seite 311]

Auch bey der Fortpflanzung der Insecten
zeigen sich ungemein viele eigene Sonderbar-
keiten. So z.B., daß oft in einer und eben
derselben Gattung die beyden Geschlechter ein-
ander so äußerst unähnlich gebildet sind, daß
man sie eher für ganz verschiedene Thierarten,
als für zusammen gehörige Gatten halten sollte:
oder daß unter den Bienen und andern ihnen
verwandten Insecten immer die größte Anzahl
gänzlich geschlechtlos ist; das heißt, daß sie
gezeugt und geboren werden, ohne doch nach
dem ordentlichen Laufe selbst die Bestimmung
zur Empfängniß oder zur Zeugung zu haben.

§. 136.

Ferner hat die Begattung bey verschiede-
nen Insecten sehr viel Eigenes. Bey nicht
wenigen Gattungen wird sie z.B. im Fluge
vollzogen, und manche derselben sind bloß für
diese kurze Paarungszeit geflügelt. – Ueber-
haupt aber leben die mehresten in so fern in
einer gezwungenen Monogamie, daß sie schlech-
terdings nicht mehr als ein einziges Mahl in
ihrem Leben sich paaren können: der Tod ist
bey ihnen eine so unausbleibliche Folge der
ersten Begattung, daß man sogar ihr Leben
durch verzögerte Paarung verlängern kann.

§. 137.

[Seite 312]

Zu andern Sonderbarkeiten beym Fort-
pflanzungsgeschäfte der Insecten gehört auch,
daß bey vielen, wie z.B. beym Cochenille-
Wurm, beym Sandfloh etc. das trächtige
Weibchen zu einer ganz ungeheuren Größe an
wächst: so daß man z.B. rechnet, daß bey der
weißen Ameise der Hinterleib der zum Gebäh-
ren reifen Mutter auf 2000 Mahl dicker und
größer ist als er vor der Befruchtung war.

§. 138.

Die mehresten Insecten legen Eyer, die
von den Müttern nach einem bewundernswür-
digen Instinct immer aufs genaueste an die
bestimmten der künftigen jungen Brut ange-
messensten Orte gelegt werden. Manche legen
z.B. ihre Eyer bloß in den Körper lebendiger
Insecten anderer Art, in Raupen; oder in
Puppen; oder gar in anderer Insecten ihre
Eyer! denn wirklich kriecht zuweilen aus den
Eyern der Ringelraupe statt der jungen Raupe
eine eigene Art keiner Mückchen aus.

Auch sind die Insecten-Eyer zum Theil,
zumahl bey den Schmetterlingen, von einer
überaus mannigfaltigen sonderbaren Bildung
und Zeichnung, und wenn sie von der Mutter
an die freye Luft gelegt werden, mit einer Art
Firniß überzogen, damit sie weder vom Regen
abgespült noch durch andern Zufall leicht zer-
[Seite 313] stört werden können. Einige wenige Insecten
gebären lebendige Junge, und manche, wie
die Blattläuse, pflanzen sich auf beyderley
Weise fort.

§. 139.

Ein äußerst merkwürdiges Phänomen, das
fast bloß dieser Thierclasse eigen, wenigstens
in den andern (§. 72. Anm. 94. 116.), bey wei-
ten nicht so auffallend wird, ist ihre Meta-
morphose. Es kommt nähmlich kein einziges
geflügeltes Insect unmittelbar aus dem Ey,
sondern diese alle müssen sich (– so wie auch
einige ungeflügelte –) erst in gewissen Lebens-
epochen einer Art von Verwandlung unter-
ziehen. Dabey wird nicht nur ihre äußere Ge-
staltung, sondern zugleich ihr ganzer innerer
Körperbau (gegen die gemeine Meinung) auf
eine Weise umgebildet*), die sich schwerlich
mit der vorgeblichen Präexistenz präformirter
Keime (§. 7.) zusammen reimen läßt**).

§. 140.

[Seite 314]

In der Gestalt, wie diese Insecten, die
sich einer Metamorphose unterziehen, zuerst
aus dem Ey kriechen, heißen sie Larven.
Meist kommen sie äußerst klein aus Licht, so
daß z.B. eine erwachsene Weidenraupe 72,000
Mahl schwerer wiegt als da sie eben ans dem
Ey gekrochen war. Dagegen wachsen sie aber
auch desto schneller, so daß z.B. die Maden
der blauen Schmeißfliege 24 Stunden nach
dem Auskriechen schon 155 Mahl schwerer sind
als da sie aus dem Ey kamen.

Theils haben diese Larven Füße, wie die
Raupen und Engerlinge: theils aber keine,
wie die Maden. Flügel haben sie gar noch
nicht. Auch sind sie in diesem Zustande zur
Fortpflanzung noch gänzlich unfähig: sie ernäh-
ren sich bloß, und wachsen, und häuten sich
mit unter einige Mahl.

§. 141.

In der Gestalt, worein die Larve umge-
bildet wird, heißt sie Nymphe. Manche kön-
nen sich während dieses Zustandes herum be-
wegen, auch Nahrungsmittel zu sich nehmen.
Andere hingegen verschließen sich als Puppe
(chrysalis, aurelia), und bringen diesen
Theil ihres Lebens in einem betäubenden Todes-
schlaf, ohne Nahrungsmittel, und ohne sich
von der Stelle zu bewegen, zu.

§. 142.

[Seite 315]

Allein während der Zeit, da das Geschöpf
so ganz fühllos und erstarrt in seiner Hülse
vergraben scheint, geht mit ihm selbst die große
Veränderung vor, daß es aus seinem Larven-
stand zum vollkommnen Insect (insectum
declaratum, imago
) umgebildet wird, und
zu bestimmter Zeit aus seinem Kerker hervor-
brechen kann. Manche Insecten absolviren diese
letzte Rolle ihres Lebens in einer sehr kurzen
Zeit. Verschiedne bringen, wenn sie aus
ihrer Hülfe kriechen, nicht ein Mahl einen
Mund mit zur Welt, sie fressen nicht mehr,
sie wachsen nicht weiter; jene beyden Bestim-
mungen eines organisirten Körpers hatten sie
schon als Larven erfüllt; jetzt ist ihnen nur noch
die dritte übrig: sie sollen ihr Geschlecht fort-
pflanzen, und dann der Nachkommenschaft
Platz machen, und sterben.

§. 143.

Die unmittelbare Brauchbarkeit der In-
secten ist ziemlich einfach: dagegen aber ist der
Antheil, den diese kleinen wenig bemerkten
Thiere an der großen Haushaltung der Natur
haben, desto mannigfaltiger und ganz uner-
meßlich. Sie sind es, die unzählige Arten
von Unkraut theils im Keim ersticken, theils,
wenn es auch ausgewachsen ist, vertilgen, und
seinem fernern Wucher vorbeugen. Einen an-
[Seite 316] deren ebenfalls äußerst wichtigen Nutzen leisten
so viele Insecten, die sich von Aas nähren,
im Miste leben u.s.w. und die dadurch, daß
sie diese widrigen animalischen Substanzen auf-
zehren, zerstreuen und durchwirken, von der
einen Seite der Infection der Luft vorbeugen,
und von der andern die allgemeine Düngung
des Erdreichs befördern. Aus jener Rücksicht
werden z.B. die Schmeißfliegen in den heißen
Erdstrichen so wohlthätig. Anderseits beför-
dern auch unzählige Insecten die Befruchtung
der Gewächse, auf überaus merkwürdige
Weise*), und eine Gattung von Gallwespen
benutzt man zur Zeitigung der Feigen. Man-
cherley Insecten werden von den Fisthern zu
Angelköder gebraucht. Manche Thiere dieser
Classe, wie die Krebse, und einige Gattungen
von Heuschrecken etc. sind eßbar. So der
Honig der Bienen, aus welchen auch in man-
chen Gegenden von Europa so wie im Innern
von Africa der Meth gewonnen wird. Die
Seide nutzt zur Kleidung und mancherley an-
derm Gebrauch. Verschiedne Insecten geben
treffliche Farben, wie die Cochenille den
Scharlach etc. Die Galläpfel werden zur Tinte,
und Wachs zu Kerzen und vielerley andern
Gebrauch benutzt. So das Lack, ein Pro-
[Seite 317] duct gewisser ostindischer Schildläuse, das zu
Firniß, zum Siegellack u.s.w. verbraucht
wird. Für die Arzney sind vorzüglich die
spanischen Fliegen, die Kelleresel und die
Ameisen von Belange, und neuerlich sind auch
die so genannten Maywürmer, vom neuen als
Hülfsmittel gegen den tollen Hundsbiß, so
wie manche andere Käfer gegen Zahnweh,
gepriesen worden.

§. 144.

So unermeßlich der Nutze der Insecten
ist, so ist aber auch anderseits der Schade
sehr erheblich, den viele Gattungen derselben
anrichten. Viele sind den Feldfrüchten
überhaupt gefährlich, verursachen Mißwachs,
und verheeren, wie die Zug-Heuschrecken,
junge Saat, und alles, wo sie auffallen.
Manche sind besonders dem Getreide nach-
theilig; andere, wie so viele Raupen, Erdflöhe,
Engerlinge etc. den Gartengewächsen; andere
Raupen und Käferlarven etc. den Obstbäu-
men; die Schildläuse besonders der Oran-
gerie; die Larven einiger Dermestes-Gattun-
gen und die Holzraupen den Holzungen;
die Ameisen, Grasraupen etc. den Wiesen;
die Brod-Schaben den Victualien; die
weißen Ameisen etc. dem Hausgeräthe etc.;
die Kleidermotten der Wolle, dem Pelz-
werk u.s.w. Die Larven vieler kleiner
[Seite 318] Käferchen den Büchern und Naturalien-
sammlungen. Endlich werden auch einige
Arten von so genanntem Ungeziefer dem Men-
schen selbst, so wie den Pferden, Schafen,
Hühnern und andern Hausthieren, ja sogar
verschiednen nutzbaren Insecten, den Bienen,
Seidenwürmern etc. auf unmittelbare Weise
lästig; und andere, wie manche Skorpione etc.
durch ihr Gift, furchtbar.

§. 145.

In der systematischen Anordnung folge
ich in dieser Classe ganz dem Entwurf des R. Linné,
wie es die Einrichtung eines solchen, besonders
auch zu halbjährigen Vorlesungen über die
ganze N. G. bestimmten, Handbuchs wohl
nicht anders gestattet.

I. Ordn. Coleoptera. Käfer. Meist mit
hornartigem Körper. Die Flügel falten
sich in der Ruhe zusammen, und sind mit
zwey hornartigen, Decken oder Schei-
den belegt, die sich in der Mitte in
gerader Linie an einander schließen.

II. Hemiptera. Mit vier entweder kreuz-
weis zusammen gelegten oder gerade aus-
gestreckten, meist zur Hälfte harten, fast
pergamentähnlichen Flügeln etc. Theils
haben sie Freßzangen, theils einen spitzi-
gen Bohr-Rüssel.

[Seite 319]

III. Lepidoptera. Schmetterlinge. Mit
weichem behaartem Körper, und vier
ausgespannten Flügeln, die mit bunten
Schuppen bedeckt sind.

IV. Neuroptera. Mit vier durchsichtigen,
netzförmigen oder gegitterten Flügeln.

V. Hymenoptera. Mit vier durchsichtigen
geaderten Flügeln.

VI. Diptera. Die Insecten mit zwey
(unbedeckten) Flügeln.

VII. Aptera. Die völlig ungeflügelten
Insecten.

* * *

Zur N. G. der Insecten.

  1. Th. Mouffet theatrum insectorum. Lond. 1634. Fol.
  2. Jo. Raii historia insectorum. Lond. 1710. 4.
  3. Jo. Swammerdam algemeene Verhandeling van de
    bloedeloose Dierkens
    . Utr. 1669. 4.
  4. Ej. biblia naturae. LB. 1737. Fol.
  5. Mar. Sib. Merian metamorphosis insectorum Suri-
    namensium
    . Amst. 1705. Fol. max.
  6. Jac. l'Admiral iun. gestaltverwisselende gekorvene
    Diertjes
    . Amst. 1740. Fol.
  7. Joh. Leonh. Frisch Beschreibung von allerhaud In-
    secten in Deutschland. Berl. 1720-38. XIII. Th. 4.
  8. G. W. Panzer's Insectenfaune Deutschlands seit
    1795. 12.
  9. Aug. Joh. Rösel monatliche Insecten-Belustigun-
    gen. Nürnb. 1746-61. IV. B. 4.
  10. Chr. Fr. C. Kleemann Beyträge dazu. Ebendas. seit
    1761. 4.
  11. v. Linné fundamenta entomologiae. Vps. 1767. 4.
    it. im VII. B. von Linné's amoenitatib. academic.
  12. I. H. Sulzers Kennzeichen der Insecten. Zürich
    1761. 4.
  13. Dess. abgekürzte Geschichte der Insecten. Winterthur
    1776. 4.
  14. Jac. Chr. Schaeffer elementa entomologica. Ratisb.
    1766. 4.
  15. Ej. icones insectorum Ratisbonensium. ib. 1767. 4.
  16. Jo. Ant. Scopoli entomologia Carniolica. Vindob.
    1763. 8.
  17. Jo. Chr. Fabricii philosophia entomologica. Ham-
    burg
    . 1778. 8.
  18. Ej. systema entomologiae. Flensb. 1775. 8.
  19. Ej. genera insectorum. Kilon. 1776. 8.
  20. Ej. species insectorum. Hamb. 1781. II. vol. 8.
  21. Ej. entomologia systematica. Hafn. 1793. V. vol. 8.
  22. de Reaumur histoire des insectes. Par. 1734-1742.
    VI. vol. 4.
  23. de Geer histoire des insectes. Stockh. 1752-1778.
    VII. vol. 4.
  24. Ej. genera et species insectorum; extraxit A. J.
    Retzius. Lips
    . 1783. 8.
  25. Geoffroy histoire des insectes des environs de Paris.
    Par. 1762. II. vol. 4.
* * *
  1. Lesser theologie des insectes (trad. de l'allemand)
    avec des remarques de P. Lyonet. à la Haye
    .
    1742. II. vol. 8.
* * *
  1. L. G. Scriba Beyträge zur Insectengeschichte. Frf.
    seit. 1790. 4.
* * *
[Seite 321]
  1. Magazin für Insectenkunde, herausgegebeb von
    K. Illiger. Braunschw. seit 1801. 8.
* * *
  1. Nic. Jos. Brahm. Insecten-Calender. Mainz 1790.
    II. Th. 8.
* * *

Anm. Manchem Insectensammler kann wohl die Nach-
richt interessant seyn, daß ein hiesiger geschickter
Nadelmacher, Hr. Fehler, nicht nur Insecten-
nadeln von vorzüglicher Güte verfertigt, sondern
auch mit Eifer und Kenntniß die Insecten der
hiesigen Gegend sammelt und Liebhabern gerne
mittheilt.

I. COLEOPTERA s. Vaginipennia.
(Eleutherata Fabr.)

[Seite 322]

Die Thiere dieser Ordnung*) werden über-
haupt Käfer genannt, ob man gleich diesen
Nahmen auch dem ersten Geschlechte ins beson-
dere beylegt. Die Larve hat Freßzangen,
und bey den mehresten Geschlechtern sechs Füße,
die an der Brust sitzen: bey einigen, wie
unter den Holzböcken ist sie ohne Füße (eine
Made). Sie verpuppt sich mehrentheils
unter der Erde in einer ausgehöhlten Erd-
Scholle: oder aber, wie bey den genannten
Holzböcken, im Holze. Das vollkommene
Insect kriecht zwar weich aus der Puppe;
seine Haut verhärtet aber in kurzer Zeit an
der Luft; es hat so wie die Larve Kinnladen
am Kopfe, und ist mit harten hornartigen
Flügeldecken (elytra) versehen.

1. Scarabaevs. Käfer. (Fr. hanneton.
Engl. beetle) Antennae clauatae capi-
tulo fissili. Tibiae anticae saepius dentatae
.

[Seite 323]

1. Hercules. (Geotrupes Hercules. F.) S. scu-
tellatus, thoracis cornu incuruo maximo;
subtus vnidentato, capitis recuruato; supra
multidentato
.

Rösel vol. IV. tab. 5. fig. 3.

In Brasilien. Die Larve einen starken Dau-
men dick. Der Käfer variirt in der Farbe,
meist schmutzig-grün etc.

2. Actaeon. (Geotrupes A. F.) S. scutellatus
thorace bicorni, capitis cornu vnidentato,
apice bifido.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. A. fig. 2.

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen.

3. †. Eunaris. (Copris L. F.) S. exscutellatus,
thorace tricorni: intermedio obtuso bifido,
capitis cornu erecto clypeo emarginato
.

Frisch P. IV. tab. 7.

Auf Wiesen und Viehweiden, vorzüglich im
Kuhmist, aus dem er, wie andere verwandte
Käfergattungen, hohle Kugeln formt, die er ein-
zeln unter die Erde verscharrt, an Graswurzeln
befestigt und in jede ein einziges Ey legt.

4. †. Nasicornis. (Geotrupes N. F.) der Nas-
hornkäfer. S. scutellatus, thorace promi-
nentia triplici, capitis cornu incuruato,
antennis heptaphyllis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 7. fig. 8. 10.

Der größte hieländische Käfer, fliegt selten;
als Engerling findet er sich häufig in Gerberlohe
und in hohlen Bäumen; und thut in manchen
Gegenden den Reden großen Schaden.

5. †. Sacer. (Ateuchus S. F.) S. exscutellatus,
clypeo sex-dentato, thorace inermi crenulato,
tibiis posticis ciliatis, vertice subbidentato
.

Sulzers Gesch. tab. 1. fig. 3.

[Seite 324]

Besonders häufig in Aegypten, wo er von
den alten Aegyptiern als Sinnbild des Sonnen-
wende heilig verehrt, und aus ihren Kunstwerken
vorgestellt worden. Besonders hat man ihn auf
die Rückseite der Aegyptischen und Etruskischen
geschnittenen Steine ausgeschnitzt, die deßhalb
Käferrücken oder Scarabäen genannt werden.

6. †. Fimetarius. (Aphodius F. F.) S. scutel-
latus, thorace inermi, capite tuberculato
elytris rubris, corpore higro
.

Frisch P. IV. tab. 19. fig 3.

Im Kuhmist.

7. †. Stercorarius. der Roßkäfer. (Engl. the
dung-beetle
.) S. scutellatus. muticus, ater,
glaber; elytris sulcatis; capite rhombeo
;
vertice prominulo; antennis rubris.

Frisch P. IV. tab. 6. fig. 3.

Besonders im Pferdemist: daher häufig auf
Fahrwegen. Wenn er an heitern Sommeraben-
den herum fliegt, so ist meist auch für den fol-
genden Tag gut Wetter zu erwarten.

8. †. Vernalis. des Mistkäfer. S. scutellatus
muticus, elytris glabris laeuissimis, capitis
clypeo rhombeo, vertice prominulo, an-
tennis nigris
.

Sulzer Gesch. tab. 1. fig. 6.

Häufig im Schafmist.

9. †. Horticola. (Melolontha H. F.) der Gar-
tenkäfer. S. scutellatus muticus, capite tho-
raceque caeruleo subpiloso, elytris griseis,
pedibus nigris
.

Frisch P. IV. tab. 14.

Zumahl an den Obstbäumen etc.

[Seite 325]

10. †. Melolontha. (Melolontha vulgaris F.)
der Maykäfer, Kreuzkäfer. (Engl. the
May-chaffer
) S. scutellatus muticus testa-
ceus, thorace villoso; cauda inflexa, inci-
suris abdominis albis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 1.

Eins der gemeinsten Insecten, das vier Jahre
lang als Engerling oder Glime unter der Erde
lebt, sich von Getreidewurzeln etc. nährt, und
zuweilen allgemeinen Mißwachs verursacht
hat*). Im sechsten Jahr kommt es endlich
als Maykäfer zum Vorschein, und schadet in
dieser Gestalt dem jungen Laub, besonders an
Obstbäumen.

11. †. Solstitialis. (Melolontha S. F.) der
Brachkäfer, Juniuskäfer, Johanniskäfer.
S. scutellatus muticus testaceus, thorace
villoso, elytris luteo-pallidis pellucidis;
lineis tribus albis parallelis
.

Frisch P. IX. tab. 15. fig. 3.

12. †. Auratus. (Cetonia aurata. F.) der
Goldkäfer, Rosenkäfer. S. scutellatus muti-
cus auratus, segmento abdominis primo
lateribus vnidentato, clypeo planiusculo
.

Frisch P. XII. tab. 3. fig. 1.

Die Larve und Puppe findet sich häufig in
Ameisenhaufen, und hohlen Baumstämmen. Der
[Seite 326] schöne Käfer selbst aber in Gärten etc. Man hat
Beyspiele, daß er sich über 8 Jahr lebendig er-
halten und mit angefeuchteten Brodrinden füt-
tern lassen.

2. Lvcanvs. Antennae clauatae; claua
compressa latere latiore pectinato fis-
sili. Maxillae porrectae, exsertae,
dentatae
.

1. †. Cervus. der Hornschröter, Wein-
schröter. (Fr. le cerf volant. Engl. the
stag beetle
.) L. scutellus; maxillis exser-
tis, apice bifurcatis, latere vnidentatis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 5.

Nächst den Krebsen das größte deutsche In-
sect, lebt vorzüglich in Eichenwäldern. Nur das
Männchen hat die Geweihen ähnelnden Kneip-
zangen am Kopfe.

3. Dermestes. Antennae clauatae;
capitulo perfoliato; articulis tribus

crassioribus. Thorax conuexus, vix
marginatus. Caput sub thorace in-
flexum latens
.

1. †. Lardarius. der Speckkäfer. D. niger
elytris antice cinereis, punctis nigris
.

Frisch P. V. tab. 9.

Larve und Käfer nähren sich von fetten, wei-
chen Theilen todter Thiere.

2. †. Pellio. D. niger coleoptris punctis-
albis binis
.

Zieht sich zumahl nach Pelzwerk, ausge-
stopften Thieren. u.s.w.

[Seite 327]

3. †. Typographus. (Bostrichus T. F.) der
Borkenkäfer, Fichtenkäfer, Fichtenkrebs,
Holzwurm. D. testaceus pilosus elytris
striatis retusis praemorso-dentatis
.

v. Trebra in den Schr. der Berl. Ges. Na-
turforsch. Freunde. IV. B. tab. 4.

Das den Fichtenwaldungen neuerlich aus dem
Harz und in mehrern, Gegenden Deutschlands so
furchtbar gewordene Thier; das im Splint der
Fichten (Pinus abies) theils in solcher Menge
hauset, daß man wohl in einem mäßigen Baume
über 80000 seiner Larven gezählt bat. Bey der
dadurch verursachten Wurmtrockniß stirbt der
Baum vom Wipfel herunter ab, seine Nadeln
werden roth, er verliert sein Harz, und taugt
dann nicht einmal so gut wie sonst zum Verkoh-
len, geschweige als Bau- oder Brennholz.

4. †. Piniperda. (Hylesinus P. F.) der Tannen-
käfer, schwarze fliegende Wurm. D. niger
subuillosus, elytris piceis integris, plan-
tis rusis
.

Kaum halb so groß als die vorige Gattung.

5. †. Paniceus. (Anobium P. F.) der Brod-
käfer. D. oblongus, ferrugineus, oculis rufis.

Frisch P. I. tab. 8.

Seine Larve verzehrt zumahl das Brod, wird
daher namentlich auf weiten Seereisen dem
Schiffszwiback sehr gefährlich, und ist auch
einer der schädlichsten Bücherwürmer.

4. Ptinvs. Kümmelkäfer. (Fr. pannache,
vrillette
.) Antennae filiformes; articulis
vltimis maioribus. Thorax subrotun-
dus, immarginatus, caput excipiens
.

[Seite 328]

1. †. Pertinax. (Anobium P. F) P. fuscus
vnicolor
.

Hat seinen Nahmen daher, weil er, sobald
man ihn berührt, die Füße anzieht, wie todt
liegt, und lange durch keinen Reitz von der
Stelle zu treiben ist.

2. †. Fur. P. testaceus, subapterus, thorace
quadridentato, elytris fasciis duabus albis
.

Sulzers Gesch. tab. 2. fig. 8.

Eins der furchtbarsten Thiere für Naturalien-
sammlungen, Hausgeräthe und Pelzwerk.

3. †. Fatidicus. (Anobium tesselatum. F.) die
Todtenuhr. (Engl. the death-watch.) P.
fuscus subpilosus griseo irregulariter macu-
losus
.

Philos. Transact. N. 271. 291.

Eine der sehr verschiedenen Insectenarten, die
durch den klopfenden Laut, womit die Gatten
einander zur Paarungszeit locken, zu mancherley
Volksaberglauben Anlaß gegeben haben.

5. Hister. Antennae capitatae capitulo
solidiusculo; infimo articulo com-
presso, decuruato. Caput intra corpus
retractile. Os forcipatum. Elytra cor-
pore breuiora. Tibiae anticae dentatae
.

1. †. Vnicolor. H. totus ater, elytris substriatis.

Sulzers Kennzeichen tab. 2. fig. 8. 9.

In sandigem Boden und auf Viehweiden.

6. Gyrinvs. Antennae clauatae, rigi-
dae, capite breuiores, oculi 4,
duobus
supra, duobus infra
.

[Seite 329]

1. †. Natator. der Schwimmkäfer. G. sub-
striatus
.

Sulzers Gesch. tab. 2. fig. 10.

Schwimmt mit großer Schnelligkeit auf der
Oberfläche des Wassers. Im Tauchen hat er
eine Luftblase am Hintern; gibt einen widrigen
Geruch von sich.

7. Byrrhvs. Antennae clauatae subso-
lidae, subcompressae
.

1. †. Museorum. (Anthenus M. F.) B. nebulo-
sus, elytris subnebulosis puncto albo
.

In Pelzwerk, ausgestopften Thieren etc.

8. Silpha. Antennae extrorsum crassio-
res. Elytra marginata. Caput promi-
nens. Thorax planiusculus, marginatus
.

1. †. Vespillo. (Necrophorus V. F.) der
Todtengräber. (Fr. le fossoyeur.) S. oblonga
atra, clypeo orbiculato inaequali, elytris
fascia duplici aurantia
.

Frisch P. XII. tab. 3. fig. 2.

Sie haben ihren Nahmen von der besondern
Geschicklichkeit, womit sie die Aeser von kleinen
Thieren, Maulwürfen, Fröschen etc. die sie von
weitem auswittern, unter die Erde zu vergraben,
und ihre Eyer dahinein zu legen verstehen. Ih-
rer sechse find wohl im Stande, einen todten
Maulwurf binnen vier Stunden, einen Fuß tief
in fetten Boden einzuscharren.

9. Cassida. Schildkäfer. Antennae sub-
filiformes, extrorsum crassiores. Elytra
marginata. Caput sub thoracis clypeo
plano reconditum
.

[Seite 330]

1. †. Viridis. C. viridis, corpore nigro.

Rösel vol. II. Erdkäf. III. tab. 6.

Auf Disteln, Feldmelde etc. Die Larve und
Puppe sind ganz flach und am Rande sonderbar
ausgezackt mit Spitzen versehen.

2. †. Murraea. C. nigra, clypeo rubro, ely-
tris sanguineis, punctis nigris sparsis
.

Besonders häufig am Alant.

10. Coccinella. Sonnenkäfer, Ma-
rienkuh, Sommerkind, Gotteslämm-
chen. (Fr. vache à Dieu, bête de la vierge.
Engl. Lady-cow, Lady-bird.) Antennae
subclauatae, truncatae. Palpi claua
semicordata. Corpus hemisphaericum,
thorace elytrisque marginatis, abdo-
mine plano.

1. †. 7-Punctata. C. coleoptris rubris;
punctis nigris septem
.

Frisch P. IV. tab. 1. fig. 4.

Ist neuerlich, so wie einige Rüsselkäfer und
Meloë Gattungen als wirksames Heilmittel bey
mancherley Zahnweh empfohlen worden.

2. †. Bipustulata. C. coleoptris nigris punctis
rubris duobus, abdomine sanguineo
.

Frisch P. IX. tab. 16. fig. 6.

11. Chrysomela. Blattkäfer. Anten-
nae moniliformes, extrorsum crassiores.
Thorax, nec elytra, marginatus
.

1. †. Goettingensis. (Chrys. Haemoptera. F.)
C. ouata atra pedibus violaceis
.

Panzer Faun. Cerm. Heft 44. t. 3.

Häufig an der Schafgarde.

[Seite 331]

2. †. Minutissima. C. ouata nigra opaca.

Eins der kleinsten Käferchen. Kaum den
dritten Theil so groß als ein Floh.

3. †. <