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Handbuch
der
Naturgeschichte
Multa fiunt eadem sed aliter.
(QVINTILIAN.)
Titelblattillustrationxxx
Sechste Auflage.
Nebst zwey Kupfertafeln.

Göttingen,
1799
bey Johann Christian Dieterich.
[titlePage_verso]
Ex
Bibliotheca
Regia Acad.
Georgiæ
Aug:

Vorrede.

[Seite III]

Ungeachtet kaum zwey Jahre seit Er-
scheinung der fünften Ausgabe dieses
Handbuchs verflossen sind, so hat dasselbe
doch setzt in der wohl mehr an wich-
tigen Zuwachs von neuen Entdeckungen in
der Naturgeschichte, so wie an Berichtigun-
gen oder schärferer Bestimmung gewonnen,
als irgend eine der vorhergehenden.

Dagegen versteht es sich von selbst, daß,
um für diese Zusätze Raum zu erhalten,
ohne dadurch dem zweckmäßigen Zuschnitt
eines, besonders auch als Leitfaden bey Vor-
lesungen tauglichen Handbuchs zu schaden,
hin und wieder manches noch mehr als in den
vorigen Ausgaben, hat ins Kurze gefaßt wer-
den müssen.

[Seite IV]

Nur über zwey Gegenstände der allge-
meinen Naturgeschichte, die, wie ich gefun-
den, ohne nähere Auseinandersetzung von un-
kundigen Lesern leicht mißverstanden werden
könnten, habe ich mich deßhalb (so wie in
der vorigen Ausgabe) ausführlicher als es sonst
dieser Zuschnitt im übrigen erlaubt, auslassen
müssen. Nähmlich S. 8 u. f. über die ver-
meinte und so oft gepriesene Stufenfolge in
der Natur, und S. 13 u. f. über die Zeugung
der organisirten Körper, besonders über den
wahren Begriff vom Bildungstriebe, im Ge-
gensatz von der vis plastica der ehrlichen Alten.

Die ansehnlichsten Vermehrungen hat
aber der mineralogische Theil des Buchs er-
halten. Besonders habe ich die Uebersicht
der gemengten Gebirgsarten faßlicher, und den
Abschnitt von den Versteinerungen, interes-
santer und fruchtbarer darzustellen gesucht, als
es insgemein geschehen.

Auch ist nun bey Angabe des Gehalts der
Fossilien durchgehends der Gewährsmann da-
für genannt, was, bey den zum Theil auf-
fallenden Differenzen in den Resultaten der
von verschiedenen Chemikern neuerlich gelie-
ferten Analysen eines und eben desselben Fos-
sils, nothwendig wird.

[Seite V]

Die mit der systematischen Anordnung der
Steine und erdartigen Fossilien verbundenen
Schwierigkeiten sind im Buche S. 523 be-
rührt und selbst durch manche der neuesten, an
sich äußerst lehrreichen Entdeckungen über die
Bestandtheile einiger Steingattungen nur
noch vergrößert: so, daß sich nun diese Classe
des Mineralreichs weder bloß nach dem quan-
titativen Verhältniß der Bestandtheile der
Fossilien, noch auch bloß nach dem äußern
Habitus ordnen läßt. – Nach erstern nicht;
denn da jenes Verhältniß vieler, einander übri-
gens oryctognostisch noch so ähnlichen und
geognostisch noch so nah verwandten Fossilien
(wie z.B. der mancherley Unterarten von As-
best) theils gar auffallend variirt, so leuchtet
von selbst ein, wie schlechterdings zweckwidrig
und unbrauchbar ein System der Lithologie
ausfallen müßte, das streng nach dem Gehalt
der vorwaltenden Bestandtheile geordnet wer-
den sollte: aber eben so wenig würde der bloße
äußere Habitus zur systematischen Anordnung
der Steine hinreichen; denn dem zufolge setzte
man noch vor Kurzem den Saphir ins Kiesel-
geschlecht, der doch fast aus nichts als ver-
dichteter Thon-Erde, wenigstens ohne ein
Atom von Kiesel-Erde, besteht.

Zwar glaubte man ehedem sich hierbey
noch mit der spitzfindigen Distinction zwischen
[Seite VI] vorwaltendem und characterisirendem Be-
standtheil der Fossilien durchhelfen zu können:
allein auch diese Ausflucht ist nun durch
solche Analysen, wie die eben gedachte,
versperrt.

Es scheint also der einzige passende Aus-
weg der zu seyn, daß man, ohne sich streng
und ausschließlich an eins von diesen beiden
Classifications-Principien zu binden, in so
fern ein gemischtes System für diese Classe
von Fossilien zum Grunde legt, daß 1) frey-
lich diejenigen, die entweder ganz oder doch bey
weiten größtentheils aus einerley Erdart be-
stehen, nothwendig unter das nach dieser Erd-
art benannte Geschlecht kommen. Folglich
der Saphir durchaus ins Thongeschlecht; hin-
gegen der Opal, Tripel und Bimsstein ins
Kieselgeschlecht etc. – Daß aber 2) manche
andere Gattungen von Steinen, worin nur
keine so auffallend vorschlagende Menge eines
Bestandtheils vorwaltet, ohne ängstliche Rück-
sicht auf die pro Cente derselben, da einge-
schaltet werden, wo sie nach ihrem äußern
Totalhabitus und nach der Analogie am
schicklichsten hinpassen. So z.B. der Schil-
lerspath, ungeachtet er mehr Kiesel-Erde als
Thon-Erde enthält, den noch ins Thonge-
schlecht in die Nachbarschaft des Glimmers:
[Seite VII] so Meerschaum, Speckstein, Serpentinstein,
Olivin etc. ins Talkgeschlecht.

Ich habe hier, so wie im ganzen Buche,
von Geschlechtern und den darunter begriffe-
nen Gattungen gesprochen. Denn daß man
in der Mineralogie die Fossilien in genera und
species eintheilt, und die genera auf deutsch
Geschlechter, so wie die species Gattungen
nennt, darüber ist meines Wissens unter den
gelehrten und philosophischen Mineralogen
Deutschlands nur eine Stimme. Und so
versteht sichs wohl von selbst, daß wenn ich
also in einem Theile des Buchs die Benen-
nungen von Geschlecht und Gattung in diesem
von je (– und bis vor Kurzen allgemein –)
angenommenen Sinne brauchen mußte, ich
nicht in einem andern Theile das Wort Gat-
tung im verkehreen Sinne für genus brauchen
durfte, wie doch in der That neuerlich von
einigen deutschen Schriftstellern in der Zoolo-
gie und Botanik versucht worden.

Ich weiß nicht, wer der Reformator ist,
der diese Umkehrung der Begriffe und ihrer
bestimmten Zeichen zuerst unternommen haben
mag: – aber wohl weiß ich, was er mit
[Seite VIII] einem solchen versuchten Eingriffe in den
Sprachgebrauch

‘„ quem penes arbitrium est, et ius, et
norma loquendi
„’

bey andern aufgeklärten Nationen riskirt
hätte: – daß es ihm hingegen in meinem
theuern Vaterlande deutscher Nation nicht an
Nachahmern gefehlt hat ist nichts weniger als
unerwartet. – Genug indeß, daß so viele phi-
losophische Naturforscher und die größten un-
serer naturkundigen Philosophen das verba
valent sicut numi
besser befolgt, und sich
also durch diese sonderbare Umstämpelung nicht
irre führen lassen. – Und warum auch ich
für meine Person es hierin lieber beym Alten
lasse, als mich an jene Nachahmer anschließe,
dafür habe ich folgende Gründe:

1) Hoffentlich weiß doch ein jeder, seiner
Sprache kundige, deutsche Naturforscher
(– und wer es nicht weiß, der kann es aus
Adelungs Wörterbuche lernen –), was die
erste und Fundamentalbedeutung des Wortes
Geschlecht ist:

‘„Die Aehnlichkeit der verschiedenen Gat-
tungen der Dinge.„’

Dieß ist der wahre eigentliche Sinn des
Wortes Geschlecht, wie wir ihn von Kindes-
[Seite IX] beinen an, selbst aus des seiner Sprache höchst
kundigen Luthers Bibel-Uebersetzung lernen.

Dem zufolge wissen wir also in Anwen-
dung auf Methodologie in der Naturgeschichte:

Die Gattungen schafft die Natur: der
Systematiker bringt sie nach ihren ge-
meinschaftlichen Aehnlichkeiten unter Ge-
schlechter.

2) Eben so ausgemacht und bekannt ist
aber auch, daß hingegen das Wort Gattung
von dem Zeitworte sich gatten, abstammt;
und da nun im freyen Naturzustande nur die
Thiere von einer species sich mit einander
fruchtbar gatten so versteht sich also von selbst,
daß das Wort species, in dem Sinne wo-
von hier die Rede ist durch kein anderes deut-
sches Wort passender und bezeichnender und
bestimmter ausgedruckt werden konnte, als
durch Gattung.

3) Daß aber die Homonymie des deut-
schen Wortes Geschlecht, indem es sowohl
genus als sexus bedeutet, zu Irrung Anlaß
geben werde, ist wohl eben so wenig im Ernst
zu befürchten als bey dem lateinischen Worte
genus, das, wie wir in den Kinderjahren in
der Grammatik beym Unterschied der Worte
[Seite X] generis masculini oder foeminini lernen, auch
statt sexus gebraucht wird.

4) Und wenn aber auch obbesagter Refor-
mator im Ernste so was befürchten zu müssen
meinte, so hätte er immerhin mögen wer weiß
was für ein Wort von eigner Fabrik statt des
ihm bedenklichen Geschlechts vorschlagen;
aber nichts konnte ihn berechtigen, die Landes-
sprache – d.h. den bestimmten einmahl fest-
gesetzten Sinn der deutschen Worte – zu ver-
kehren! Denn, wie unser sel. Lichtenberg bey
einem ähnlichen Anlaß sich ausdrückt:

‘„Hypothesen zu machen, und sie als seine
Stimme der Welt vorzulegen, darf nie-
mand gewehrt seyn, sie gehören dem Ver-
fasser. Aber die Sprache gehört der
Nation , und mit dieser darf man nicht
umspringen, wie man will.„’

Die gleiche schuldige Achtung gegen dieses
der Nation gehörige Eigenthum, habe ich auch
bey den deutschen Nahmen der Naturalien
beobachtet, und mich daher immer der allge-
mein angenommenen und allgemein verständ-
lichen, nicht aber etwa der Solöcismen einer
einzelnen Provinz bedient. Darum brauche
ich z.B. nicht das hier zu Lande gewöhnliche
Wort Molle, sondern das allgemein ange-
[Seite XI] nommene Molch: eben so nicht das im Erz-
gebirge gebräuchliche Wort Kobelt, sondern
das längst allgemein adoptirte und selbst in
andere lebende und todte Sprachen aufgenom-
mene Kobalt u.s.w.

Anders ist der Fall mit den in der Natur-
beschreibung von unsern neuen Systematikern
zur Bezeichnung der Geschlechter und ihrer
Gattungen selbsterfundnen Kunst- und Tri-
vial-Nahmen. So billig und vernünftig es
freylich ist, auch hierin so viel als möglich die
einmahl ziemlich allgemein angenommenen
Benennungen beyzubehalten, so können doch
Fälle eintreten, wo es noch billiger und ver-
nünftiger ist, einen vorher gewählten Nah-
men, wenn er einen durchaus irrigen Begriff
erweckt, gegen einen richtigern umzutauschen.
Und doch habe ich mich dieser an sich erlaub-
ten, aber auch heut zu Tage so oft gemiß-
brauchten und dann das Studium der Na-
turgeschichte so äußerst erschwerenden Freyheit
nur in äußerst wenigen Fällen, wo es mir un-
vermeidlich schien, bedient. So habe ich z.B.
den Panzerthieren oder Armadillen ihren ein-
heimischen, allgemein bekannten und längst von
classischen Zoologen angenommenen Nahmen,
Tatu , restituirt; da hingegen Linné diesen fast
haarlosen Thieren durch einen seltsamen Miß-
griff den Nahmen, Rauchfuß, Dasypus, bey-
[Seite XII] gelegt hatte, womit die alten Griechen, ganz
passend und völlig nach der Natur, das rauch-
füßige Hasengeschlecht bezeichnet haben. –
Aus ähnlichen Gründen brauche ich für den
schönen neuseeländischen Nephrit lieber seinen
einheimischen Nahmen (Punammustein),
unter welchem er zuerst von unsern Antipoden
zu uns gebracht und bekannt worden, als die
ihm neuerlich beygelegte Benennung Beil-
stein, da ich im hiesigen academischen Mu-
seum, so wie in den in London befindlichen
großen Sammlungen von südländischen Merk-
würdigkeiten, zwar wohl die Menge von Hacken
und andern Geräthen, so sich die Neuseeländer
aus diesem Steine bereiten, aber schlechter-
dings kein daraus verfertigtes Beil aufgefun-
den habe. – Eben so habe ich diejenige Gat-
tung des Fledermausgeschlechts, vampyrus
(den Blutsauger) genannt, die wirklich schla-
fenden Säugethieren das Blut aussaugt; da
hingegen Linné diesen Nahmen dem fliegenden
Hund beygelegt hatte, der wohl seit die Welt
steht, kein Blut gesogen hat, sondern sich ganz
allem von Früchten nährt. – Aber viele an-
dere, nur nicht gar zu unpassende Kunstnah-
men der Art habe ich dennoch beybehalten,
um so nicht die Nomenclatur und Synony-
mieen ohne dringende Noth, zur großen Last
der Lernenden, zu häufen.

[Seite XIII]

Daß aber manche bekannte Nahmen von
Naturalien hier doch anders geschrieben wer-
den, als es insgemein geschieht, hat auch sei-
nen guten Grund. So schreibe ich z.B.
Tofus und nicht Tophus, weil es kein grie-
chisches Wort ist; eben so Manacanit und
nicht Menacanit, weil der Fundort dieses Fos-
sils in seiner ersten Sylbe ein a hat, so gut
wie Hamburg oder Frankfurt.

Im Thierreiche habe ich immer den latei-
nischen Nahmen vorangesetzt, weil da hun-
dert exotische Geschöpfe vorkommen, die im
Deutschen keinen bekannten verständlichen
Nahmen haben. Im Mineralreiche hingegen
ist der Fall umgekehrt. Da sind gerade sie
deutschen Benennungen die bekanntesten und
selbst großentheils in andere Sprachen auf-
genommen.

Beym Thierreich ist denjenigen Gattun-
gen, die sich in Deutschland finden, wieder so,
wie in den vorigen Ausgaben, ein † vorgesetzt.
Im Mineralreich konnte dieß unterbleiben,
weil so ein Zeichen bey den allgemein verbrei-
teten Fossilien überflüßig, bey vielen von
denen aber, die in Deutschland selbst ein sehr
eingeschränktes Vaterland haben, wie der
Boracit etc. unzureichend gewesen wäre.

[Seite XIV]

Die Abbildungen naturhistorischer Ge-
genstände
, die ich in der Verlagshandlung
dieses Handbuchs heftweise herausgebe, be-
ziehen sich auf die gegenwärtige sechste Aus-
gabe, und dienen also zu einer zweckmäßigen
Erläuterung derselben.

Göttingen,

den 20. März 1797.
und den 10. März 1799.
J. F. Blumenbach.

[interleaf] [Tab. I]
Tab. 1xxx
[Tab. II]
Tab. 2xxx
[interleaf]

Anweisung der Kupfertafeln.

[Seite XV]

Tab. I

Fig. 1-6. die Intestinal-Würmer im mensch-
lichen Körper in natürlicher Größe. –

  • Fig. 1. Ascaris vermicularis (S. 410).
  • – 2. Der Vordertheil von ascaris lumbricoi-
    des
    . (Ebendaselbst).
  • – 3. Trichocephalus hominis (S. 411).
  • – 4. Das Kopfende der menschlichen Band-
    würmer (S. 413).
  • – 5. Vier Hinterglieder der taenia vulgaris
    (S. 414).
  • – 6. Dreyzehn Hinterglieder der taenia lata
    (S. 415).
  • – 7. Das Vorderstück vom Regenwurm
    (S. 411).
  • – 8. Ein Liebespfeil der gemeinen Wald-
    schnecke (S. 404) stark vergrößert.
  • – 9. Ein Stamm mit drey Federbusch-Po-
    lypen, tubularia sultana (S. 465)
    stark vergrößert.
  • [Seite XVI] Fig. 10. Ein Arm-Polype mit einem jungen,
    hydra viridis (S. 470) in natürlicher
    Größe.
  • – 11. Ein Stamm mit zwölf Blumen-Poly-
    pen, brachionus anastatica (S. 471)
    stark vergrößert.
  • – 12. Das Räderthier, vorticella ratatoria
    (Ebendaselbst) stark vergrößert.
  • – 13. Ein menschliches Samenthierchen, chaos
    spermaticum
    (S. 473) noch weit stär-
    ker vergrößert.

Tab. II.

Die merkwürdigsten Crystallisationen der Fossilien.

Erster Abschnitt.
Von Naturalien überhaupt
und
ihrer Eintheilung in drey Reiche.

[Seite 1]

§. 1.

Alle Körper, die sich auf, und in unsrer
Erde finden, zeigen sich entweder in der-
selben Gestalt und Beschaffenheit, die sie aus der
Hand des Schöpfers erhalten und durch die
Wirkung der sich selbst überlassenen Naturkräfte
angenommen haben; oder so, wie sie durch Men-
schen und Thiere, zu bestimmten Absichten, oder
auch durch bloßen Zufall verändert und gleich-
sam umgeschaffen worden sind.

Auf diese Verschiedenheit gründet sich die
bekannte Eintheilung derselben in natürliche
(naturalia), und durch Kunst verfertigte (ar-
tefacta
). Die erstern machen den Gegenstand
der Naturgeschichte aus, und man pflegt alle
Körper zu den Naturalien zu rechnen, die
nur noch keine wesentliche Veränderung durch
[Seite 2] Menschen erlitten haben. Artefacten werden
sie dann genannt, wenn der Mensch*) ab-
sichtlich Veränderungen mit ihnen vorgenommen.

Anm. 1. Daß übrigens jene Begriffe vom Wesentlichen
und vom Absichtlichen im gegenwärtigen Falle,
bey so verschiedentlicher Rücksicht und Modifica-
tion, nicht anders als relativ seyn können, be-
darf wohl keiner Erinnerung. Wie viel kommt
nicht z.B. bloß auf den Gesichtspunct des Samm-
lers an. So kann eine ägyptische Mumie so-
wohl in eine Naturaliensammlung zur anthropolo-
gischen Seite, als in eine Sammlung altägypti-
scher Kunstwerke gehören.

Anm. 2. Zuweilen können Naturalien manchen Kunst-
producten so ähnlich seyn, daß sie schwer von
einander zu unterscheiden sind. Daher z.B. die
ehedem getheilten Meinungen, ob der Ueberzug in
dem Wasser abgesetzter Rindenstein von Kalksinter,
oder aber ein absichtlich aufgetragner künstlicher
Mörtel sey. (– s. Götting. gel. Anzeigen 1791.
188 St. –)

§. 2.

Alle und jede natürliche Körper zeigen, 1) in
Rücksicht ihrer Entstehung, 2) ihres Wachs-
thums, und 3) ihrer Structur, eine doppelte
Verschiedenheit.

Die einen nähmlich sind allemahl von andern
natürlichen Körpern derselben Gestalt und Art her-
[Seite 3] vor gebracht; so daß ihre Existenz in einer un-
unterbrochenen Reihe bis zur ersten Schöpfung*)
hinauf immer andere dergleichen Körper voraus-
setzt, denen sie ihr Daseyn zu danken haben.

Zweytens nehmen sie allerhand fremde Sub-
stanzen als Nahrungsmittel in ihren Körper auf,
assimiliren sie den Bestandtheilen desselben und
befördern dadurch ihr Wachsthum von innen
(mittelst inniger Aneignung, intus susceptio,
expansio
).

Diese beiden Eigenschaften setzen drittens von
selbst eine besondere Structur bey dieser Art von
natürlichen Körpern voraus. Sie müssen nähm-
lich, wenn sie auf diese Weise Nahrungsmittel
zu sich nehmen und mit der Zeit andere Geschöpfe
ihrer Art wieder hervor bringen sollen mancher-
ley diesen Zwecken entsprechende und deßhalb
mit den sogenannten Lebenskräften versehene und
dadurch belebte, Gefäße, Adern und andere
Organe in ihrem Körper haben, die zur Auf-
nahme bestimmter Säfte zur Assimilation je-
ner Alimente, zur Erzeugung der Nachkom-
menschaft u.s.w. nothwendig sind.

[Seite 4]

Dieß alles fehlt bey den natürlichen Kör-
pern der andern Art, nähmlich den Mineralien.
Beides, sowohl ihre Entstehung, als ihr Wachs-
thum (wenn man es gar nur Wachsthum nen-
nen darf), wird keineswegs durch Ernährung,
sondern lediglich nach eigentlich sogenannten bloß
physischen (mechanischen und chemischen), Ge-
setzen, durch Anhäufung oder Ansatz homogener
Theile von außen (aggregatio, iuxta positio)
bewirkt; folglich ist bey ihnen weder ursprüng-
liche Organisation noch Lebenskraft zu erwarten.

Und eben deßhalb heißen sie unorganisirte,
und jene hingegen organisirte Körper.

§. 3.

Endlich sind nun aber auch jene organisirten
Körper selbst, besonders in der Art wie sie ihre
Nahrungsmittel zu sich nehmen, von einer
doppelten Verschiedenheit.

Die einen nähmlich saugen einen sehr ein-
fachen Nahrungssaft vorzüglich mittelst zahl-
reicher Zasern, die sich am untern Ende ihres
Körpers befinden, ohne merkliche willkürliche
Bewegung in sich.

Da hingegen die Andern eine meist einfache
Oeffnung am obern oder vordern Ende ihres
Körpers haben, die zu einem geräumigen
Schlauche führt, wohin sie vom innern Gefühle
des Hungers getrieben ihre Alimente, die von
[Seite 5] sehr verschiedener Art sind, mittelst willkür-
licher Bewegung bringen.

Jenes sind die Pflanzen, dieses die Thiere.

Anm. Hingegen gibt die Fähigkeit den Standort
zu verändern (locomotiuitas) kein hinreichendes
Unterscheidungszeichen der Thiere von den Pflan-
zen, ab. Denn viele Pflanzen, wie z.B. die ge-
meinen Wasserlinsen, sind nicht festgewurzelt
sondern können zu gewissen Jahrszeiten etc. ihren
Aufenthalt verändern, bald zu Boden sinken,
bald wieder auf die Oberfläche des Wassers stei-
gen u.s.w. Und andererseits gibt es ganze Geschlech-
ter von Wasserthieren, zumahl unter den Conchy-
lien, Corallen etc. die ihren einmahl eingenomme-
nen Platz nie von selbst wieder verlassen können.

§. 4.

Diese sehr faßliche Eintheilung der natür-
lichen Körper in organisirte und unorganisirte
(§. 2.), und der organisirten wieder unter ein-
ander (§. 3.), ist nun der Grund der bekannten
drey Reiche, worunter man die Naturalien sehr
schicklich gebracht hat, und wovon das erste die
Thiere, das zweyte die Pflanzen, das dritte die
Mineralien begreift.

Die Thiere sind demnach belebte und beseelte
organisirte Körper, die sich ihre sehr vielartige
Nahrung mittelst willkürlicher Bewegung suchen,
und selbige durch den Mund in den Magen
bringen.

Die Pflanzen sind zwar ebenfalls belebte
organisirte Körper, aber unbeseelt, so daß sie
[Seite 6] ihren sehr homogenen Nahrungssaft ohne will-
kürliche Bewegung mittelst der Wurzeln ein-
saugen.

Die Mineralien endlich sind unbelebte und
unorganisirte Körper, die folglich ohne Lebens-
kraft nach den bloß physischen (mechanischen und
chemischen) Gesetzen von Anziehung, Anhäufung,
Bildungskraft etc. entstehen.

Anm. Gegen diese Eintheilung in drey Reiche, ist,
zumahl neuerlich, eine doppelte Einwendung ge-
macht worden.

Manche haben zwar die Kluft zwischen den
organisirten und unorganisirten Körpern aner-
kannt, aber nur keine bestimmten Grenzen zwischen
Thieren und Gewächsen zugeben wollen:

Andre hingegen haben die beliebten Meta-
phern von Stufenfolge der Geschöpfe geradezu
dahin gedeutet, als ob überhaupt keine bestimmba-
ren Eintheilungen der Naturalien in Reiche u.s.w.
Statt fänden.

Was das erste betrifft, so sollte man zwar
überhaupt nicht vergessen, was so oft den Gegen-
ständen der Erfahrung der Fall ist, daß man sie
weit leichter für das was sie sind*) richtig aner-
kennen und von andern unterscheiden, als ihre
einzelnen unterscheidenden Merkzeichen ausfinden
und angeben kann**). – So sagte z.B. Linné:
[Seite 7] ‘„nullum characterem hactenus eruere potui, vnde
Homo a Simia internoscatur
.”’ Nun glaube ich
zwar in diesem Buche solche äußere Charactere
der Humanität angegeben zu haben, wodurch
sich der Mensch von den noch so menschenähnlichen
Affen (wie man sie nennt); so wie überhaupt von
allen andern Säugethieren unverkennbar aus-
zeichnet. Aber auch ohne dieselben wird doch
hoffentlich nie ein Naturforscher in praxi in Ver-
legenheit gekommen seyn, Menschen und Affen
etwa zu verwechseln. – Außerdem aber können
ferner Geschöpfe aus noch so verschiedenen Classen
manche theils auffallende und unerwartete Aehn-
lichkeit mit einander haben, ohne daß dadurch
die deßen ohngeachtet unverkennbare Verschieden-
heit zwischen diesen Classen selbst wegfallen dürste.
Man theilt z.B. die Thiere sehr natürlich in
warmblütige und kaltblütige; und rechnet eben
so natürlicher Weise die Säugthiere zu jenen
und hingegen die Insecten zu diesen; ohne je
deßhalb irre zu werden, daß die Bienen in ih-
rem Stocke so ganz ohne Vergleich wärmer sind,
als etwa ein Igel während seines Winterschlafs. –
So gibt es in der Classe der Gewürme Geschlech-
ter, wie z.B. die Sepien, die sich von den
übrigen Thieren dieser Classe sehr auszeichnen,
und dagegen manche auffallende Aehnlichkeit mit
den Fischen haben. Aber niemand wird meinen,
deßhalb müsse nun die Scheidewand zwischen der
Classe der Fische und der Classe der Gewürme auf-
gehoben werden. – Und eben so wenig wird
jemand im Ernst in Versuchung gerathen, das
Thier- und Pflanzenreich deßhalb mit einander zu
verbinden, weil man an gewissen Pflanzen gewisse
Aehnlichkeiten mit gewissen Thieren bemerkt hat.
Von der Art sind z.B. die sonderbaren Bewe-
gungen mancher Mimosenarten, und des hedysa-
rum gyrans etc
., die, so merkwürdig sie auch an
sich bleiben, doch gar nicht einmahl in den oben
angegebnen Character der Animalität eingreifen.
So wenig als hinwiederum diejenigen Aehnlichkei-
ten, so die Arm-Polypen mit den Gewächsen haben,
den oben bestimmten Character der Vegetabilität
[Seite 8] betreffen. Sondern, die Arm-Polypen sind Thiere,
die, so wie der Mensch und die Auster, vom
Hunger getrieben ihre Nahrung durch willkür-
liche Bewegung in den Mund bringen, was hin-
gegen bey keiner Pflanze, in der bis jetzt bekannten
Schöpfung, der Fall ist.

Nun und so beantwortet sich die andre Ein-
wendung gegen die Naturreiche etc. die sich auf die
so gepriesene Metapher von Stufenfolge der Ge-
schöpfe gründet, eigentlich von selbst.

Alle die beliebten Bilder von Kette, von Leiter,
von Netz etc. in der Natur, haben zwar für die
Methodologie im Studium der Naturgeschichte
in so fern ihren unverkennbaren Nutzen, als sie
den Grund eines so genannten natürlichen Sy-
stems abgeben, worin man die Geschöpfe nach
ihren mehresten und auffallendsten Aehnlichkeiten,
nach ihrem Totalhabitus und der darauf gegrün-
deten so genannten Verwandtschaft untereinander,
zusammen ordnet.

Aber sie nun, wie doch so oft von wohlmei-
nenden Physicotheologen geschehen, dem Schöpfer
in den Plan seiner Schöpfung hinein legen, und
die Vollkommenheit und den Zusammenbang der-
selben darin suchen zu wollen, daß die Natur
(wie man sich ausdruckt) keinen Sprung thue,
weil die Geschöpfe in Rücksicht ihrer form so
sein stufenweise auf einander folgten, das wäre
doch schon an sich eine vermeßne Schwachheit,
wenn sie auch nicht, wie doch der Fall ist, bey
ernsterer Prüfung sich selbst widerlegte.

Denn man braucht bloß die noch so kunstreich
und sorgfältig angelegten Entwürfe von solchen
Stufenfolgen in der Reihe der Geschöpfe näher
zu beleuchten, um einzusehn, wie sehr darin einer-
seits sich ganze Haufen von Geschöpfen ähnlicher
Bildung in Geschlechtern von fast unübersehlich
zahlreichen Gattungen (zumahl unter den In-
secten und Gewürmen, aber auch im Pflanzen-
reiche) zusammen drängen, und andre dagegen
gleichsam isolirt sehn, weil sie wegen ihrer aus-
[Seite 9] gezeichneten ganz eignen Bildung nicht ohne sicht-
lichen Zwang in einer solchen Leiter der Natur
irgendwo eingeschoben und untergebracht werden
können (wie z.B. die ganze Classe der Vögel;
unter den Gewürmen das schon gedachte Geschlecht
der Sepien; unter den Säugthieren das Men-
schengeschlecht selbst! etc.) – Ferner aber finden
sich Thiere, bey welchen, wie z.B. bey den Schild-
läusen, Männchen und Weibchen eine so durchaus
ganz verschieden Gestaltung haben, daß man folg-
lich in der gedachten Leiter die einen von den an-
dern trennen und nach dieser so sehr verschiednen
Sexualform beiden auf weit von einander entfern-
ten Sprossen ihre verschiednen Stellen anweisen
müßte. – Nun dann zeigen sich Lücken in der
Leiter, wo offenbar ohne einen sehr gewagten
Sprung gar nicht über zu kommen ist, wie zu
Einem Beyspiel statt aller, die zwischen den orga-
nisirten Körpern und den Mineralien u.s.w.

So mangelhaft aber überhaupt die bildlichen
Vorstellungen von Kette der Natur u.s.w. gera-
then müssen, so ganz grundlos ist nun vollends
gar die vermeßne Behauptung mancher Physico-
theologen, als ob kein Glied aus dieser ihrer zu
Papier gebrachten Kette ausfallen dürste, wenn
nicht die Schöpfung selbst stocken sollte u. dergl. m.
– So gut einzelne Gattungen von Thieren aus
ganzen großen Inseln, wie z.B. die Wölfe aus
Großbritannien vertilgt sind, ohne daß die dasige
Schöpfung durch diese nunmehrige scheinbare Lücke
ihren sonstigen Zusammenhang verloren haben sollte,
so können andre Geschöpfe aus ganzen Welttheilen
und wohl von der ganzen Erde vertilgt werden
(wie dieß allen Anschein nach mit manchen, z.B.
mit dem Dudu wirklich geschehen), ohne daß durch
diesen merklichen hiatus, der dadurch in der Kette
der Physicotheologen entsteht, der ewige stille Gang
der Schöpfung selbst, im mindesten gefährdet wer-
den dürfte.

Einige Hauptquellen und andere Hülfsmittel
zur N. G. überhaupt.

[Seite 10]
  1. Aristoteles (lebte ungefähr 400 Jahr vor Christi
    Geburt.) Opera. gr. lat. ex . ed. Gu. du Val.
    Paris. 1654. IV. vol. fol. zumahl im 11. B.
  2. C. Plinivs secvndvs (†. im J. 79. nach Chr. Geb.)
    Ej. historia mundi L. xxxvii – ein paar saubere
    und correcte Handausgaben sind die Leidner, Elze-
    virische 1635. III. vol. 12. und die Zweybrücker
    1782. V. vol. 8.
  3. Conr. Gesner. (†. 1562.)
  4. Joh. Rav. (†. 1705.) Die hierher gehörigen Haupt-
    werke dieser beiden Männer werden anderwärts
    angeführt.
  5. C. v. Linné. (†. 1778.) Ej. systema naturae ed. 12.
    Holm. 1766. IV. vol. 8. und die dazu gehörigen
    beiden mantissae ib. 1767 sq. 8.
  6. ed. 13. aucta, reformata cura Jo. Fr. Gmelin. Lips.
    1788. IX. vol. 8.

Und zum Verständniß der linnéischen Kunstsprache:

  1. Jo. Reinh. Forster euchiridion bistoriae naturali
    inservieus
    . Hal. 1788. 8.
  2. G. L. le Clèrc C. de Buffon . (†. 1788.) Ej. histoiré
    naturelle
    . Die große Orig. Ausgabe, Paris, seit
    1740. XXXIII. vol. 4.

Miscellan-Werke.

  1. C. v. Linné amoenitates academicae . Holm. seit 1749.
    IX. vol. 8.
  2. Oeuvres de Ch. Bonnet. Neuch. 1779. sq. 4. die ersten
    V. B.

Physicotheologische und ähnliche Werke.

  1. Jo. Ray's wisdom of God manifested in the works of the
    creation
    . ed. 12. Glasgow. 1750. 12.
  2. W. Derham's physicotheology . ed. 4. Lond. 1716. 8.
  3. [Seite 11] Ch. Bonnet contemplation de la nature . (als IVter B.
    der gedachten Ausg. seiner Werke.)

Wörterbücher.

  1. Valm. de Bomare dictionnaire de l'histoire naturelle .
    ed. 4. Lyon, 1791. VIII. vol. 4.
  2. Neuer Schauplatz der Natur in alphabetischer Ordnung.
    Leipz. 1775. u. f. X. B. 8.
  3. Ph. Andr. Nemnich allgemeines Polyglotten Lexicon der
    Naturgeschichte
    . Hamb. 1793. IV B. 4.

Journale etc.

  1. Journal de physique . Paris seit 1773. 4.
  2. Magazin für das Neueste aus der Physik und Naturge-
    schichte, herausgegeben von L. C. Lichtenberg
    und J. H. Voigt. Gotha, 1781. bis 97. XI. B. 8.
    und nun J. H. Voigts Magazin für den neuesten
    Zustand der Naturkunde. Jena seit 1797. 8.

Zweyter Abschnitt.
Von den organisirten Körpern
überhaupt.

[Seite 12]

§. 5.

Jeder organisirte Körper (§. 2.) wird von sei-
nes Gleichen erzeugt, dann durch eigne Kraft
lebenslang ernährt, und dadurch seine Selbsterhal-
tung und Wachsthum, und wenn er zu seiner
Reise gelangt, auch seine Fortpflanzungsfähig-
keit bewirkt.

§. 6.

Zu diesen großen Verrichtungen werden die
organisirten Körper durch die Organisation
ihres Baues, und durch die mit derselben ver-
bundenen Lebenskräfte geschickt gemacht. Denn
durch diese letztern erhalten die Organe ihre
Empfänglichkeit für reißende Eindrücke (sti-
muli
) und ihr Bewegungsvermögen, ohne wel-
ches weder Ernährung noch Wachsthum, noch
wechselseitige Einwirkung der Theile zur zweck-
mäßigen Erhaltung des Ganzen, und umge-
kehrt*), denkbar seyn könnte.

§. 7.

[Seite 13]

Sich die Entstehung der organisirten Körper
zu erklären, hat man, zumahl neuerlich, die so
genannte Evolutions Hypothese bequem gefun-
den, und gemeint, es werde gar kein Mensch,
und kein andres Thier, und keine Pflanze er-
zeugt, – sondern sie lägen alle schon seit der ersten
Schöpfung als völlig präformirte Keime*)
bey ihren Eltern und Vorfahren längstens vor-
räthig: die verschiednen Generationen steckten,
gleichsam wie eingepackte Schachteln, in einan-
der; und würden nur nach und nach, so wie
die Reihe an sie käme, durch die Befruchtung
entwickelt und aus licht gebracht. – Eine Mei-
nung, die doch schon sowohl durch den dabey
erforderlichen Aufwand von übernatürlichen (hy-
perphysischen) Anstalten**), als durch die,
[Seite 14] allen Gesetzen einer philosophischen Naturfor-
schung zuwiderlaufende unnütze Vervielfältigung
der natürlichen [physischen]*) Kräfte, und
durch die unübersehliche Menge von zwecklosen
Schöpfungen aller der zahllosen präformirten
Keime, die nur nicht zu ihrer Entwickelung ge-
langen konnten, aller präjudizlosen Urtheilskraft
widerstehen müßte, wenn sie auch nicht durch
die überwiegenden gegenseitigen Erfahrungs-
gründe widerlegt wird.

Anm. Nach der einstimmigen Behauptung der aller-
berühmtesten und allereifrigsten Versechter der
Evolutionshypothese, sollen die präformirten
Keime den der Mutter vorräthig liegen, und wäh-
rend der Befruchtung durch die Kraft des hinzer-
kommenden männlichen Zeugungsstoffes erweckt
und zur Entwickelung angetrieben werdet. Was
man Empfängniß nennt; sey folglich nichts als das
Erwachen des schlaftrunkenen Keims durch den
Reitz des auf ihn wirkenden männlichen Samens.

Also bedarf es hier zuvörderst einer erwecken-
den Kraft.

Nun aber ähneln ja so oft Kinder zum Sprechen
bloß ihrem Vater; – Batzen, die sich kurz hin-
tereinander mit mehreren männlichen Hunden belau-
fen haben, werfen oft Junge, die diesen verschie-
denen Vätern ähneln; – zweyerley Menschen-
rassen, z.B. Negern und Weiße, zeugen mit ein-
ander nothwendigen Mittelschlug, nähmlich Mu-
latten; – und wenn nun vollends ungleiche Gat-
tungen (verschiedene Species) von Thieren oder
Gewächsen einander befruchten, so entstehen Ba-
starde, die eben so viel von der väterlichen als von
der mütterlichen Gestaltung an sich haben.

Ja das läßt sich freylich nicht wohl verkennen:
und dem zufolge gestehen dann die Evolutionisten
[Seite 15] dem männlichen Samen, auf er seiner erweckenden,
nun auch Nro. 2. in sofern eine bildende Kraft zu,
daß er den bey der Matter präformirt gelegenen
Keim, wohl in etwas zur väterlichen Gestaltung
umzuformen vermöge.

Demnach wäre folglich zweyerley Kraft im
männlichen Samen; 1) die erweckende und
2) doch auch eine bildende –

Aber man kann ja mittelst einer, mehrere Gene-
rationen hindurch immer wiederholten, künstlichen
Bastardzeugung endlich die eine Gattung von orga-
nisirten Körnern gänzlich in die andre umwan-
deln. – So hat man z.B. aus der künstlichen
Befruchtung der einen Pflanzengattung mittelst
des männlichen Standes von eine andern, Sa-
men gezogen, welcher fecundable Bastardpflan-
zen gegeben; d.h. die sich zur Blühtest aber-
mals mit männlichem Stand von jener andern Gat-
tung befruchten lassen, und wiederum fecundable
Bastarde der zweyten Generation hervorgebracht.
Jene Bastarde von der ersten Generation dielten
gleichsam das Mittel zwischen beiden verschiedenen
Stamm-Eitern von väterlicher und mütterlicher
Seite. Die von der zweyten hingegen ähnelten
schar weit mehr der väterlichen, als der mütterli-
chen und nachdem die gleiche künstliche Befruch-
tung noch fernerweit durch zwey folgende Genera-
tionen eben so wiederholt worden, so entstanden
endlich Pflanzen, an welchen die ursprüngliche
mütterliche Gestaltung so zu sagen ganz verwischt,
und in die väterliche umgewandelt worden. (–
s. Kölreuter's dritte Fortsetzung der Nachricht
vor einigen das Geschlecht der Pflanzen betreffen-
der Versuchen S. 51. §. 24. mit der Ueberschrift:
‘„Gänzlich vollbrachte Verwandlung einer natür-
lichen Pflanzengattung in die andre.”’ –)

Da hat den folglich alle Präformation des
seit Erschaffung der Welt conservirten mütterli-
chen Keims am Ende in nichts geholfen, sondern
hat der bildenden Kraft des männlichen Stoffes
(der eigentlich nach der Evolutionshypothese bloß
durch seine erweckende Kraft auf denselben hätte
wirken sollen,) gänzlich weichen müssen!

§. 8.

[Seite 16]

Und so bleibt es folglich im Ganzen unserem
Erkenntnißvermögen und selbst den Regeln aller
philosophischen Nachforschung*) weit angemeß-
ner, wenn man die Entstehung der neuerzeug-
ten organisirten Körper bloß durch allmähliche
Ausbildung (Epigenesis) des an sich zwar un-
geformten, aber unter den dazu erforderlichen Um-
ständen organisirbaren Zeugungsstoffes, erklärt.

Nur kommt es bey der vielfachen Vorstel-
lungsart, die man sich von einer solchen allmäh-
lichen Bildung machen kann und gemacht hat**),
darauf an, sie so zu bestimmen, wie sie dem
Begriff von organisirten Körpern, und dann
den Phänomenen, die uns die Beobachtung bey
[Seite 17] Entstehung derselben lehrt, am ungezwungensten
entspricht.

§. 9.

Und dieß geschieht, wenn man annimmt,
daß der reise, vorher zwar umgeformte, aber
organisirbare Zeugungsstoff der Eltern, wenn
er zu seiner Zeit, und unter den erforderlichen
Umständen an den Ort seiner Bestimmung ge-
langt, dann für eine in denselben nun zweck-
mäßig wirkende Lebenskraft, nähmlich den Bil-
dungstrieb (nisus formativus) zuerst empfäng-
lich wird; – für einen Trieb, der sich von aller
bloß mechanischen bildenden Kraft (als welche
auch im unorganischen Reiche Crystallisationen
u. dergl. hervorbringt) dadurch auszeichnet, daß er
nach der endlos mannichfaltig verschiedenen Be-
stimmung der organisirten Körper und ihrer
Theile, die vielartig organisirbaren Zeugungs-
stoffe auf eben so mannichfaltig aber durchge-
hends zweckmäßig modificirte Weise in be-
stimmte Gestalten zu formen vermag – und
so (– durch die Verbindung des bloß Mecha-
nischen mit dem zweckmäßig Modificirbaren in
diesem Triebe –) zuerst bey der Empfängniß
die allmählige Ausbildung; dann aber auch die
lebenswierige Erhaltung dieser organischen Bil-
dung durch die Ernährung; und selbst wenn die-
selbe durch Zufall gelitten haben sollte, so wie
[Seite 18] möglich die Wiederersetzung derselben durch die
Reproduction, bewirkt wird*).

Anm. 1. Diese allmählige Ausbildung der neuen orga-
sirten Körper ist am anschaulichsten an solchen zu
betrachten, die mit einer ganz ansehnlichen Größe
ein schnelles (so in sagen zusehends merkliches)
Wachsthum, und eine so zarte halbdurchsichtige
Textur verbinden, daß sie (zumahl im sattsamen
Lichte und unter mäßiger Vergrößerung) aufs deut-
lichste, klarste durchschaut werden können.

So im Gewächsreiche an manchen einfaches
Wassermoosen, wie z.B. an der Brunnen-Con-
ferve (Conferva fontinalis ) die sich in den ersten
Frühlingstagen fortpflanzt.

Unter den blutlosen Thieren an den Arm-Polypen.

Und unter den warmblütigen an der ersten Erschei-
nung des Küchelchens im bebrüteten Eye und seiner
dann von Tag zu Tag fortrückenden Ausbildung.

Anm. 2. Hoffentlich ist für die mehresten Leser die
Erinnerung überflüssig, daß das Wort Bildungs-
trieb selbst so gut wie die Benennungen aller
andern Arten von Lebenskräften an sich weiter
nichts erklären, sondern bloß eine besondre (das
Mechanische mit dem zweckmäßig Modificirbaren in
sich vereinende) Kraft unterscheidend bezeichnen
soll, deren constante Wirkung aus der Erfahrung
anerkannt worden, deren Ursache aber so gut
wie die Ursache aller andern noch so allgemein an-
erkannten Naturkräfte für uns hienieden im eigent-
lichen Wortverstande qualitas occulta bleibt†). –
Das hindert aber nickt, daß man nicht mehr
suchen sollte, ihre Wirkungen durch Beobachtung
weiter zu erforschen und zu verfolgen, und sie so
auf allgemeine Gesetze zurück zu bringen.

§. 10.

[Seite 19]

Durch die bestimmte zweckmäßige Wirk-
samkeit des Bildungstriebes in den bestimmten
dafür empfänglichen organisirbaren Stoffen, wird
nun die eben so bestimmte Form und der Habitus
aller einzelnen Gattungen (Species) von orga-
nisirten Körpern erhalten; und bey denen, wo es
Statt findet auch ihre Sexual-Verschiedenheit,
durch welche sich nähmlich die männlichen Ge-
schöpfe von den weiblichen in derselben Gattung
auszeichnen.

§. 11.

Aber freylich kann der Bildungstrieb auch
eben sowohl als jede andre in ihrer Thätigkeit
gestörte oder fremdartig modificirte Lebenskraft
auf mancherley Weise vor seiner eigentlichen be-
stimmten Richtung abweichen.

So entstehen dann (– der bloß krankhaf-
ten, nicht ins Gebiete der Naturgeschichte ge-
hörigen Abweichungen, zu geschweigen –)
1) durch ganz gewaltsame Störungen desselben
ganz widernatürliche Formen der organisirten
Körper, nähmlich die Mißgeburten.

2) Dadurch, daß der zweyfache Sexual-
Character, der sonst in den beiden Geschlechtern
getrennt seyn sollte, mehr oder weniger in einem
[Seite 20] und eben demselben Individuum verbunden ist,
die Zwitter.

3) Dadurch, daß zwey Geschöpfe ganz ver-
schiedner Gattung (zweyerley Species) einander
befruchten, die Bastarde.

Endlich 4) durch den Einfluß der mancher-
ley Ursachen der allmähligen, Ausartung, die
Rassen und Spielarten.

§. 12.

Unter Mißgeburt versieht man, nach dem
gemeinen Sprachgebrauche, eine widernatürliche,
angeborne, leicht in die Augen fallende Ver-
unstaltung in Bildung äußerer, größerer Theile.
So mannigfaltig aber diese Mißgestalten seyn
können, so lassen sie sich doch alle auf folgende
vier Hauptclassen zurück bringen:

1) M. G. mit widernatürlicher Bildung ein-
zelner Glieder. Fabrica aliena.

2) M. G. mit Versetzung oder widernatürlicher
Lage einzelner Glieder. Situs mutatus.
Die seltensten von allen (– nähmlich unter
Mißgeburten in dem angegebnen Sinne. Oft
hat man hingegen bey Leichenöffnungen wohl-
gebildeter Menschen manche ihrer Eingeweide
in ganz verkehrter Lage gefunden –).

3) M. G. denen ganze Glieder mangeln. Mon-
stra per defectum
. Unter diesen die lehr-
reichsten.

[Seite 21]

4) M. G. mit überzähligen Gliedern. Mon-
stra per excessum
. Die gemeinsten (–
selbst nicht selten unter wilden Thieren z.B.
Hasen –) Theils gar erblich, wie z.B. in
den sechsfingrigen Familien.

Anm. Die auffallende Aehnlichkeit unter so vielen Mon-
strositäten beweiset, daß auch selbst diese Abwei-
chungen des Bildungstriebes dennoch bestimmten
Gesetzen folgen müssen; so wie hingegen die be-
kannte Erfahrung, daß die Hausthiere seit ihrer
Unterjochung und die cultivirten Gartenpflanzen
denselben weit mehr als in ihrem wilden Zustand
unterworfen sind (daß z.B. Mißgeburten unter
den Hausschweinen so häufig, unter den wilden
Schweinen hingegen fast unerhört sind), sich mit
der Lehre der Evolutionisten, daß die Keime die-
ser Mißgeburten ebenfalls seit der ersten Schöpfung
schon monströs präformirt eingeschachtelt gele-
gen, wohl schwerlich zusammen reimen läßt.

§. 13.

Zwitter nennt man zwar im engern Sinn
bloß solche einzelne Individua von organisirten
Körpern, bey welchen widernatürlicher Weise
die Spuren der zweyfachen eigentlichen Sexual-
organe mehr oder weniger verbunden sind, die
sonst, in den männlichen und weiblichen Ge-
schöpfen derselben Art, getrennt seyn sollten.
Dergleichen finden sich selbst zuweilen unter den
warmblütigen Thieren; zumahl unter den Rind-
vieh, Schafen und Ziegen.

Nächstdem aber verdient auch diejenige Ab-
weichung des Bildungstriebes hier einer Erwäh-
nung, wenn andre körperliche Functionen oder
[Seite 22] Charactere, die dem einen Geschlechte eigen seyn
sollten, sich bey Individuis des andern äußern.
Wenn z.B. Hirschkühe und Rehe Geweihe auf-
setzen; oder Fasan- und Pfau-Hennen mit zu-
nehmenden Jahren männliches Gefieder kriegen;
oder Mannspersonen oder andre männliche Säu-
gethiere Milch geben u.s.w.

Endlich aber zeigt sich auch zuweilen im
ganzen Verhältniß des Körperbaues einzelner,
übrigens noch so regelmäßig und schön gebilde-
ter Geschöpfe des einen Geschlechts doch mehr
oder weniger vom Totalhabitus des andern;
z.B. weibliche Weichlichkeit in der Totalform
des männlichen.

§. 14.

Wenn ein weibliches Geschöpf der einen
Gattung von einem männlichen einer andern Gat-
tung befruchtet worden, so entstehen daraus
Bastarde, deren Bildung aus der beiderley
Eltern ihrer gleichsam zusammengeschmolzen ist,
Da aber von der bestimmten Bildung der orga-
nisirten Körper, besonders der Thiere, die be-
hörige und für den Gang der Schöpfung so äußerst
wichtige Vollziehung ihrer Geschäfte abhängt,
so ist es eine weise Einrichtung in der Natur,
daß erstens, wenigstens unter den rothblütigen
Thieren, in ihrem freyen Natur-Zustande mei-
nes Wissens niemahls eine Paarung und Ver-
mischung unter zweyerley Gattungen bemerkt
[Seite 23] worden; zweytens aber die Bastarde überhaupt
mehrentheils unfruchtbar, und nur sehr selten im
Stande sind, ihr Geschlecht weiter fortzupflanzen.
Daher gehört es zu den seltnern Ausnahmen,
wenn Maulthiere, oder die Bastarde von Hänf-
lingen und Canarienvögeln zuweilen fruchtbar
sind. Bey den Pflanzen gelingt es leichter, daß
durch künstliche Befruchtung verschiedner Gat-
tungen Bastarde hervor gebracht werden können,
die fruchtbaren Samen tragen (– s. oben
S. 15. –). Hingegen bedürfen die fabelhaften
Sagen von vermeinten Bastarden aus der Ver-
mischung vom Rindvieh und Pferden oder Eseln,
und von Caninchen und Hühnern, oder vollends
gar von Menschen und Vieh, jetzt hoffentlich
keiner weitern Widerlegung.

Anm. Eben in der gedachten notorischen Erfahrung,
daß im freyen Natur-Zustande jener Geschöpfe
nur die von einer und eben derselben Species
sich mit einander gatten, liegt der natürliche
Grund, warnen das Wort Species im Deutschen
am allernatürlichsten durch Gattung übersetzt
wird. (– davon mit mehreren in der Vorrede. –)

§. 15.

Rassen und Spielarten (varietates) sind
diejenigen Abweichungen von der ursprünglichen
specifiken Gestaltung der einzelnen Gattungen
organisirter Körper, so diese durch die allmählige
Ausartung oder Degeneration erlitten haben.

Rasse heißt aber im genauem Sinn ein
solcher durch Degeneration entstandener Character,
[Seite 24] der durch die Fortpflanzung unausbleiblich und
nothwendig forterbt, wie z.B. wenn Weiße
mir den Negern Mulatten, oder mit ameri-
canischen Indianern Mestißen zeugen: welches
hingegen bey den Spielarten keine nothwendige
Folge ist; wie z B. wenn blauäugige Blonde
mit braunäugigen Brünetten Kinder zeugen*).

Anm. Wenn sich gewisse Ausartungen seit unabsehli-
chen Reiben von Generationen fortgepflanzt haben,
so hält es oft schwer zu bestimmen, ob das bloße
Rassen oder ursprünglich verschiedene Gattungen
(Species) sind? Wenigstens gibt es dann zur
Entscheidung in dergleichen Fällen keine andern in
praxi anwendbare Regeln, als die, so aus des
Analogie abstrahirt sind; da hingegen die, so
Ray, Büffon und andre angenommen haben, den
Character von Species darnach zu bestimmen, wenn
die Geschöpfe mit einander fruchtbare Nachkommen-
schaft zeugen, zu diesem Behuf sehr unzulänglich
und schwankend ist.

Denn abgerechnet, daß die Anwendung dieser
Regel ohnehin bey den unzähligen Thieren und
Pflanzen wegfällt, die sich ohne Paarung fortpflan-
zen. (– s. unten §. 30. –), so findet sie auch in
unzähligen andern Fällen wegen unüberwindlicher
Schwierigkeiten nicht Statt, wie z.B. bey Ent-
scheidung der Frage, ob der asiatische und der
africanische Elephant zu einerley Species gehören
oder nicht? Und selbst da, wo die Erfahrung
Statt hat, wie z.B. bey der Vermischung von
Pferd und Esel, fragt sich wieder, soll da der
gewöhnliche oder aber der äußerst seltne Erfolg als
Regel angesehn werden. Denn gewöhnlich sind die
[Seite 25] Maulthiere steril, und nur in äußerst seltnen
Fällen hat man sie zur Fortpflanzung fähig be-
funden. Wollte man also diesen wunderseltnen
Fall als Regel gelten lassen, so müßte man Pferd
und Esel für Thiere derselben Species halten, un-
geachtet sie in ihrem ganzen Körperbau – zumal
im Innern (und namentlich in der ganz auffallend
verschiednen Einrichtung ihrer Stimmwerkzeuge!),
wenigstens eben so specifisch von einander differiren
als Löwe und Katze. Da stimmt hingegen alle
Analogie dafür, sie als zwey ganz verschiedne Gat-
tungen anzuerkennen. Und eben diesem Grundsatz
der Analogie gemäß halte ich auch die gedachten
beiderley Elephanten für ganz verschiedne Gattun-
gen, weil ihr Gebiß eine so constante auffallende
Verschiedenheit zeigt, die sich unmöglich als bloße
Folge der Degeneration gedenken läßt.

§. 16.

Zu den mancherley Ursachen der Ausartung
gehören vorzüglichst der Einfluß des Himmels-
strichs, der Nahrung, und bey Menschen und
Thieren auch der Lebensart.

Kaltes Clima z.B. unterdrückt das Wachs-
thum der organisirten Körper, und darum sind
die Grönländer, Lappländer etc. so wie die Thiere
und Gewächse kalter Erdstriche, klein, unter-
setzt. Eben so bringt dieses Clima weiße Farbe
an Thieren und Gewächsen hervor, und darum
sind die Nordländer von Natur von weißer
Haut etc. so wie viele warmblütige Thiere der
kältesten Gegenden anomalisch weiße Haare und
Federn, viele Pflanzen daselbst anomalisch weiße
Blüthen haben u.s.w. – Dagegen tragen
die Creolen (d.h. die in Ost. und West-Indien
von europäischen Eltern gebornen Weißen) das
[Seite 26] unverkennbare, meist wunderschöne Gepräge ihrer
südlichen Heimath an sich.

Wie sehr aber verschiedene Lebensart, Cultur
und Nahrungsmittel nach und nach die Bildung,
Farbe und ganze Constitution der organisirten
Körper umzuändern vermöge, davon sehen wir
an unsern Hausthieren*), an unserem Getreide,
Obst, Küchen-Gewächsen, Blumen-Floren etc. –
am allerauffallendsten aber bey den Verschieden-
heiten im Menschen Geschlechte selbst, die augen-
scheinlichsten Beyspiele.

Diese mancherley Ursachen der Degeneration
können nun aber nach Verschiedenheit der Um-
stände einander entweder unterstützen, und die
Ausartung um so schneller und ausfallender,
machen, oder aber auch wieder gewisser Maßen
einander aufheben u.s.w.; daher man in dieser
Untersuchung bey der Anwendung auf einzelne
Fälle nie zu voreilig urtheilen darf.

Anm. 1. So gibt es z.B. selbst unter der Linie kalte
Erdstriche, wie im Innern von Sumatra etc. Hin-
gegen dringt Sibirien gar viele Gewächse der wär-
mern Gegenden hervor, die in dem weit südlichern
Europa nicht fortkommen.

Anm. 2. Sonderbar ist die individuelle Wirkung, die
einige Climate auf die organisirte Körper, zumahl
der Thierreichs, äußern. So, daß z.B. in Syrien
die Katzen, Kaninchen, Ziegen etc. so auffallend
langes und weißes Haar haben; auf Corsica die
Pferde, Hunde etc. so auszeichnend gefleckt sind;
auf Guinea Menschen und Hunde und Hübner zu
Negern in ihrer Art werden u.s.w.

§. 17.

[Seite 27]

Die Ernährung der organisirten Körper gehe
auf verschiedene Weise vor sich. Den Pflanzen
wird ihre einfache Nahrung durch Wurzeln, die
sich außerhalb ihres Stammes am einen Ende
desselben befinden, zugeführt. Die Thiere hin-
gegen haben, wie sich Boerhaave ausdrückte,
gleichsam ihre Wurzeln innerhalb ihres Körpers,
nähmlich im Magen und Darmcanal, wo der
nahrhafte Theil der Alimente durch unzählige
Gefäschen, fast wie bey den Pflanzen durch
Wurzeln, eingesogen und den Theilen des Kör-
pers zugeführt wird.

Der brauchbare Theil der Nahrungsmittel
wird durch einen bewunderungswürdigen Proceß
dem Stoff der organisirten Körper assimilirt; der
überflüssige hingegen ausgedunstet; und bey den
Thieren, die keinen so einfachen Nahrungssaft
wie die Pflanzen zu sich nehmen, auch durch
andre Wege als Unrath ausgeworfen.

§. 18.

Das Wachsthum der organisirten Körper
ist die Folge ihrer Ernährung. Die mehresten
erreichen früh die bestimmte Größe ihres Kör-
pers. Von manchen Bäumen aber, wie z.B.
von der Arekpalme (Areca oleracea ), dem
Baobab (Adansonia digitata ) etc. auch von
einigen andern Gewächsen, z.B. vom Rotang
(Calamus rotang ) und so auch von manchen
[Seite 28] Thieren, wie z.B. von vielen Gattungen der
Bandwürmer und selbst von den Crocodilen und
großen Wasserschlangen läßt sich schwerlich sagen,
ob und wann in ihrem leben sie aufhören an
Länge oder Dicke zuzunehmen.

§. 19.

Zum Wachsthum der organisirten Körper
gehört auch ihre Reproductions-Kraft, oder
die merkwürdige Eigenschaft, daß sich verstüm-
melte oder völlig verlorne Theile ihres Körpers
von selbst wieder ergänzen. Sie gehört zu den
weisesten Einrichtungen in der Natur, und sichert
die Thiere und die Pflanzen bey tausend Gefah-
ren, wo ihr Körper verletzt wird: sie ist folglich
auch, nebst der Ernährung überhaupt, einer der
größten Vorzüge, wodurch die Maschinen aus
der Hand des Schöpfers bey weitem über die
größten Kunstwerke der Menschen erhoben wer-
den, als welchen ihre Verfertiger keine Kraft
mittheilen können, ihre Triebfedern und Räder,
wenn sie verbogen, verstümmelt und abgenutzt
würden, von selbst wieder herzustellen: eine Kraft,
die hingegen der Schöpfer jedem Thier und jeder
Pflanze – nur in verschiedenem Maße –
beygelegt hat.

Viele organisirte Körper verlieren, zu be-
stimmten Zeiten, gewisse Theile ihres Körpers
von freyen Stücken, die ihnen nachher wieder
reproducirt werden; wohin das Abwerfen der
[Seite 29] Geweihe, das Mausern der Vögel, die Häu-
tung der Schlangen, der Raupen, das Schälen
der Krebse, das Entblättern der Gewächse u.s.w.
gehört. Man könnte dieß die gewöhnliche Re-
production nennen.

Die andre hingegen ist die außerordent-
liche, von der hier eigentlich die Rede ist, da
nähmlich dem organisirten Körper, zumahl den
Thieren, Wunden, Beinbrüche etc. geheilt, oder
gar durch Unfall verstümmelte und verlorne
Theile wieder ersetzt werden. Der Mensch und
die ihm zurächst verwandten Thiere besitzen eine
freylich. sehr eingeschränkte Reproductionskraft:
die hingegen bey vielen kaltblütigen Thieren, be-
sonders bey den Wasser-Molchen, Krebsen, Land-
Schnecken, Regenwürmern, See-Anemonen,
See-Sternen, Arm. Polypen etc. von einer aus-
nehmenden Stärke und Vollkommenheit ist.

Anm. Manche Reproductionsversuche setzen eine schon
in dergleichen Arbeiten geübte Hand und viele
voraus, wenn sie gelingen sollen: daher man sich
hüten muß, aus dem etwa anfangs mißlungenen
Erfolg zu voreilig die ganze Sache bezweifeln zu
wollen. So ist es mir nach mehreren fruchtlosen
Versuchen erst spät gelungen, daß der ganze
Kopf der gemeinen Waldschnecke (helix pomatia )
mit seinen vier Hörnern binnen ungefähr 6 Mo-
nathen wieder reproducirt ward.

Vor mehreren Jahren habe ich einem Wasser-
molch der größern art (lacerta lacustris ), den ich
nun in Spiritus auf bewahre, fast das ganze Auge
exstirpirt; nähmlich alle Säfte auslausen lassen
und dann 4/5 der ausgeleerten Häute rein ausge-
schnitten: – und doch hat sich hinnen zehn Mona-
[Seite 30] ten ein vollkommener neuer Augapfel mit neuer
Hornhaut, Augenstern, Crystall-Linse etc. repro-
ducirt, der sich bloß dadurch vom andern gesun-
den Auge auszeichnet, das er nur erst ungefähr
bald so groß ist. (– s. Götting. gel. Anz. 1785
47. St. –)

§. 20.

Wenn die organisirten Körper durch Ernäh-
rung und Wachsthum zu ihrer vollen Reife ge-
langen, so erhalten sie dann auch das Fortpflan-
zungsvermögen (§. 5.), das aber auf eine sehr
verschiedene Weise vollzogen wird. Ueberhaupt
nähmlich ist entweder schon jedes Individuum für
sich im Stande, sein Geschlecht fortzupflanzen;
oder aber es müssen sich ihrer zwey mit einan-
der paaren oder begatten, wenn sie neue orga-
nisirte Körper ihrer Art hervor bringen sollen.

Die mannigfaltigen besondern Verschieden-
heiten in diesen beiderley Hauptweisen der Fort-
pflanzung lassen sich doch füglich unter folgende
vier Arten bringen:

1) Jedes Individuum vermehrt sich auf die ein-
fachste Weise, ohne vorher gegangene Befruch-
tung: entweder durch Theilung, wie manche
Infusions-Thierchen*) und Blumen-Po-
lypen**); oder wie bey der Brunnen-Con-
ferve so, daß das alte fadenartige Gewächs
am einen Ende zu einem dicken Knöpfchen
[Seite 31] anschwillt, das nachher abfällt und wieder zu
einem solchen Faden ausgetrieben und umge-
bildet wird*); oder durch Sprossen wie die
Arm Polypen und viele Gewächse u.s.w.

2) Jedes Individuum ist zwar auch im Stande
sich fortzupflanzen, hat aber als ein wahrer
Zwitter beiderley Geschlechtstheile an seinem
Leibe, und muß vorher, wenn es Thier ist,
die bey sich habenden weiblichen Eyerchen mit
männlichem Samen – und wenn es Pflanze
ist, seine weiblichen Samenkörner mit männ-
lichem Blumenstaub – begießen und dadurch
befruchten, ehe sich ein Junges daraus bilden
kann. Dieß ist der Fall bey den mehresten
Gewächsen, und im Thierreich, wie es scheint,
bey manchen Muscheln.

3) Ebenfalls beide Geschlechter, wie bey den
Hermaphroditen der vorigen Classe, in einem
Individuo verknüpft; doch daß keines sich
selbst zu befruchten im Stande ist, sondern
immer ihrer zwey sich zusammen paaren und
wechselseitig einander besuchten und befruch-
tet werden müssen. Diese sonderbare Ein-
richtung findet sich nur bey wenigen Thie-
ren; beym Regenwurm, bey manchen Land-
Schnecken**) etc.

4) Die beiden Geschlechter in separaten Indi-
viduis, von denen das eine die weiblichen
[Seite 32] Theile aber Eyer, das andre den männlichen
befruchtenden Saft enthält. So alle roth-
blütige und viele andere Thiere, und so auch
manche Pflanzen, wie die Weiden, der Hopfen,
die mehresten Moose etc.

Einige Thiere dieser Classe geben die Eyer
selbst von sich, in welchen sich erst nachher das
Junge vollends ausbildet. Dieß sind die eyer-
legenden Thiere (ouipara). Bey andern
aber wird dieß Ey so lange in der Bärmutter
zurück behalten, bis das Junge vollkommen
ausgebildet worden, und nun von seinen Hül-
sen befreyt zur Welt kommen kann: leben-
dig gebärende Thiere (viuipara).

Anm. Wie gering inzwischen der Unterschied zwischen
Eyer legen und lebendig gebären sey, erweisen
die Beyspiele der Blattläuse und Federbusch-Po-
lypen, die sich bald auf die eine, bald auf die an-
dre Weise fortpflanzen; und mancher Schlangen,
die zwar Eyer legen, in welchen aber das ganz
ausgebildete Thier enthalten ist. Gewissermaßen
könnte man mit diesem letztern Falle diejenigen Pflan-
zen vergleichen, in deren reifen Samenkörnern ein
grüner Pflanzenkeim eingeschlossen liegt, wie z.B.
bey den sogenannten ägyptischen Bohnen von der
Nymphaea nelumba .

§. 21.

Nachdem die organisirten Körper die Bestim-
mungen ihres Lebens erfüllt haben, so weicht
endlich alle Lebenskraft von ihnen, und sie ster-
ben. Die wenigsten aber erreichen das Ziel,
[Seite 33] das ihnen die Natur zum Laufe ihres Lebens vor-
gesteckt hat, sondern tausenderley Zufälle verkürzen
ihnen diesen Weg, meist lange vor der bestimm-
ten Zeit. So rechnet man z.B., daß von 1000
gebornen Menschen nur ungefähr 78 für Alter
sterben; und von den großen furchtbaren Wasser-
thieren, Crocodilen, Wasserschlangen etc. erreicht
vielleicht nicht das tausendste sein gesetztes Alter
und Größe. Nach dem Tode der Thiere und
Wanzen wird ihr Körper durch die chemische
Zersetzung seiner Urstoffe allmählich aufgelöset,
mithin ihr Organismus zerstört, und ihre Asche
endlich mit der übrigen Erde vermengt, die ihnen
vorher Nahrung und Aufenthalt gegeben hatte.


Dritter Abschnitt.
Von den Thieren überhaupt.

[Seite 34]

§. 22.

So endlos mannigfaltig die Bildung und der
Bau der Thiere ist, so scheinen sie doch sämmt-
lich (oder höchstens bis auf wenige Ausnahmen
mancher so genannten Infusionstierchen etc.) den
Mund (§. 3.) mit einander gemein zu haben,
durch welchen sie dem Körper seine Nahrung zu-
führen: und statt daß die Pflanzen ihren sehr
einfachen Nahrungssaft aus Luft, Wasser und
Erde einsaugen, so ist hingegen der Thiere ihr
Futter äußerst mannigfaltig, und wird beynahe
ohne Ausnahme aus den organisirten Reichen
selbst entlehnt; und sie müssen es, durch die pein-
lichen Gefühle des Hungers getrieben, mittelst
willkürlicher Bewegung zu sich nehmen, um
dadurch ihre Selbsterhallung zu bewirken.

§. 23.

Bey den insgemein so genannten vollkomm-
neren Thieren wird der abgesonderte Nahrungs-
saft zuvor mit dem Blute, das in seinen Adern
circulirt, vermischt, und von da erst in die übri-
gen Bestandtheile des Körpers abgesetzt. Die-
ses eigentlich so genannte Blut ist von rother
[Seite 35] Farbe, aber in Rücksicht seiner Wärme bey den
verschiednen Classen dieser rothblütigen Thiere
von doppelter Verschiedenheit. Bey den einen
(nähmlich bey den Amphibien und Fischen) hält
es meist ungefähr die Temperatur des Mediums,
in welchem sie sich befinden, daher sie kaltblütig
genannt werden. Bey den andern aber, die deß-
halb warmblütig heissen (den Säugethieren und
Vögeln), zeigt es in ihrem vollkommen belebten
Zustande immer eine Wärme von unges. 100 Gr.
Fahrenh. mehr oder weniger. Der Saft hin-
gegen, welcher bey den so genannten weißblüti-
gen Thielen (nähmlich bey den Insecten und
Gewürmen) die Stelle des Bluts vertritt, un-
terscheidet sich besonders durch den Mangel der
rothen Kügelchen, von jenem eigentlich so genann-
ten Blute.

§. 24.

Das Blut der Thiere mag nun aber weiß
oder roth, kalt oder warm seyn, so muß es im
gesunden Zustande immer mit frischen Portionen
eines zum leben nothwendigen Stoffes (– des
so genannten Sauerstoffs oder Oxygens –) aus
der atmosphärischen Luft oder aus dem Wasser
geschwängert werden, wogegen es gleiche Por-
tionen eines andern Stoffes (– des Kohlenstoffes
oder Carbones –) aus dem Körper wiederum
fortschafft. Zu diesem merkwürdigen lebens-
wierigen Proceß in dem belebten thierischen Labo-
ratorium dient vorzüglichst das Athemholen;
[Seite 36] welches die rothblütigen Thiere entweder durch
Lungen, oder wie die Fische durch Kiefern; die
weißblütigen aber mittelst mancherley anderer
analogen Organe verrichten.

§. 25.

Nur diejenigen Thiere die mit jungen ver-
sehen sind können auch Stimme (vox) von sich
geben. Der Mensch hat sich außer der ihm an-
gebornen Stimme auch noch die Rede (loquela),
erfunden.

§. 26.

Die Organe, wodurch die willkürlichen Be-
wegungen unmittelbar vollzogen werden, sind
die Muskeln, die bey den rothblütigen Thieren
das eigentlich so genannte Fleisch ausmachen.
Nur bey einigen ganz einfach gebauten Thieren,
wie die Polypen, sind diese Bewegungs-Organe
von dem übrigen gallertigen Stoffe nicht zu un-
terscheiden.

§. 27.

Außerdem finden sich aber auch einige wenige
Muskeln, über welche der Wille nichts vermag.
So z B. das Herz, als welches lebenslang un-
aufhörlich (– beym Menschen ungefähe 4500
Mahl in jeder Stunde –) und zwar ohne wie
andere Muskeln zu ermüden, oder endlich zu
schmerzen, als Haupttriebfeder des Blutumlaufs,
in seiner schlagenden Bewegung ist.

§. 28.

[Seite 37]

Beide Arten von Muskeln aber, bis un-
willkürlichen sowohl als die, so sich nach dem
Entschlusse des Willens bewegen, bedürfen zu
diesem ihren Bewegungsvermögen des Einflusses
der Nerven.

§. 29.

Diese Nerven entspringen aus dem Gehirn
und aus dem Rückenmark, und es scheint, daß
die Größe der beiden letztern in Vergleichung
zur Dicke der daraus entstehenden Nerven mit
den Geisteskräften der Thiere im umgekehrten
Verhältniß siehe*), so daß der Mensch von allen
das größte Gehirn, in Vergleichung seiner sehr
dünnen Nerven, hat; da hingegen einfältige
Thiere, wie z.B. die hieländischen Amphibien,
dicke Nerven bey einem sehr kleinen Gehirne haben.

§. 30.

Außer dem Einfluß, den die Nerven auf
die Muskelbewegung haben, ist ihr zweytes Ge-
schäft, auch der Seele die äußern Eindrücke auf
den thierischen Körper, durch die Sinne mit-
zutheilen. Die Beschaffenheit der Sinnwerk-
zeuge ist aber in den verschiednen Thier-Classen
selbst sehr verschieden. So erhalten z.B. viele
Thiere offenbar allerhand sinnliche Eindrücke,
ohne daß wir doch die Sinnwerkzeuge an ihnen
[Seite 38] entdecken können, die bey andern zu solchen Ein-
drücken nothwendig sind. Die Schmeißfliege
z.B. und viele andere Insecten haben Geruch,
ob wir gleich keine Nase an ihnen wahrnehmen
u. dergl. m.

Anm. Manche haben die Zahl der fünf Sinne über-
haupt auf wenigere einschränken, andere hingegen
dieselbe mit neuen vermehren wollen. Vanini z.B.
und viele nach ihm hielten das Gefühl bey Be-
friedigung des Sexual Triebes für einen sechsten
Sinn. Jul. Cäs. Scaliger das Gefühl beym
Kitzeln unter den Achseln für einen 7ten. So hält
8tens Hr. Spallanzani das Gefühl, wodurch sich
die Fledermäuse bey ihrem Flattern im Finstern für
den Anstoß sichern; so wie 9tens Hr. Darwin das
Gefühl für Wärme und Kälte für besondre Sinne.

§. 31.

Durch den anhaltenden Gebrauch werden
Nerven und Muskeln ermüdet, und sie brauchen
von Zeit zu Zeit Ruhe zur Sammlung neuer
Kräfte, die ihnen der Schlaf gewährt. Dem
Menschen und den mehresten von Gewächsen le-
benden Thieren ist die Nacht zu dieser Erhohlung
angewiesen; viele Raubthiere aber, wohin zumal
die mehresten Fische gehören, auch manche In-
secten und Gewürme, halten sich am Tage ver-
borgen und gehen des Nachts ihren Geschäften nach,
weshalb sie animalia nocturna genannt werden.

§. 32.

Außer diesem Erhohlungsschlaf findet sich
in der Oeconomie vieler Thiere noch die sehr be-
queme Einrichtung, daß sie einen beträchtlichen
[Seite 39] Theil des Jahrs, und zwar gerade die rauhesten
Monate, da es ihnen schwer werden würde, für
ihre Erhaltung zu sorgen*), in einem tiefen
Winterschlaf zubringen. Sie verkriechen sich,
wenn diese Zeit kommt an sichere, schaurige Orte;
und fallen mit einbrechender Kälte in eine Art
von Erstarrung, aus der sie erst durch die er-
wärmende Frühlingssonne wieder erweckt werden.
Diese Erstarrung ist so stark, daß die warm-
blütigen Thiere während dieses Todtenschlafs nur
unmerkliche Wärme übrig behalten (– s. oben
S. 7. –), und daß die Puppen vieler In-
secten, die zu gleicher Zeit ihre Verwandlung
bestehen, im Winter oft so durchfroren sind, daß
sie, dem Leben des darin schlafenden Thieres
unbeschadet, wie Eiszapfen oder Glas klingen,
wenn man sie auf die Erde fallen läßt.

So viel bekannt, hält doch kein einziger
Vogel, hingegen die mehresten Amphibien, Win-
terschlaf.

§. 33.

Von den Seelenfähigkeiten sind manche
dem Menschen mit den mehresten übrigen Thie-
ren gemein, wie z.B. die Vorstellungskraft,
die Aufmerksamkeit, und so auch die beiden so-
genannten innern Sinne, Gedächtniß nähm-
lich und Einbildungskraft.

§. 34.

[Seite 40]

Andre sind fast bloß den übrigen Thieren
eigen, so daß sich beym Menschen nur wenige
Spuren davon finden, nähmlich die so genannten
Naturtriebe oder Instincte. Dagegen er hin-
wiederum im ausschließlichen Besitz der Ver-
nunft ist.

§. 35.

Der Instinct*) ist das Vermögen der Thiere,
aus einem angebornen, unwillkürlichen, inne-
ren Drange, ohne allen Unterricht, von freyen
Stücken, sich zweckmäßigen, und zu ihrer und
ihres Geschlechts Erhaltung abzielenden Hand-
lungen zu unterziehen.

Daß diese wichtigen Handlungen wirklich
ganz unüberlegt bloß maschinenmäßig vollzogen
werden, wird durch zahlreiche Bemerkungen er-
weislich, wie z.B., daß die Hamster auch todten
Vögeln doch zuerst die Flügel zerbrechen, ehe
sie weiter anbeissen; daß junge Zugvögel, die
man ganz einsam im Zimmer erzogen hat,
doch im Herbst den innern Ruf zum Fortzie-
hen fühlen, und im Käfich bey allem guten
Futter und Pflege unruhig werden.

§. 36.

Unter den mancherley Arten dieser thierischen
Triebe sind besonders die so genannten Kunst-
[Seite 41] triebe merkwürdig, da sich nähmlich so viele
warmblütige Thiere und Insecten ohne alle An-
weisung und ohne alle vorgängige Uebung*),
(als welche bey so vielen gar nicht Statt finden kann;
wie z.B. bey den Raupen, die nur Ein für alle
Mahl in ihrem Leben davon Gebrauch machen
können, und wo folglich schlechterdings erster
Versuch und Meisterstück eins seyn muß), so un-
gemein künstliche Wohnungen, Nester, Ge-
webe etc. zu ihrem Aufenthalte, zur Sicherheit
für ihre Junge, zum Fang ihres Raubes, und
zu vielfachen andern Zwecken zu verfertigen wissen.

§. 37.

Der Mensch zeigt außer den Sexualtrieben
wenig andere Spuren von Instinct: angeborne
Kunsttriebe aber hat er vollends ganz und gar
nicht. Was ihn hingegen für diesen schein-
baren Mangel entschädigt, ist der Gebrauch der
Vernunft.

Diese mag nun entweder eine ausschließlich
eigenthümliche Fähigkeit der menschlichen Seele,
oder aber ein unendlich stärkerer Grad einer Fä-
higkeit seyn, wovon manche Thiere auch einige
schwache Spur hätten; oder eine eigne Richtung
der gesammten menschlichen Seelenkräfte u.s.w.
so liegt wenigstens der gedachte auszeichnende
Vorzug, den der Mensch durch den Besitz der-
selben erhält, unwiderredlich am Tage.

[Seite 42]

Denn da ihm die ganze bewohnbare Erde
zum Aufenthalt offen steht, und fast die ganze
organisirte Schöpfung zur Speise überlassen ist,
so erzeugt freylich eben die große Verschieden-
heit der Climate, die er bewohnen soll, und der
Nahrung, die ihm der Ort seines Aufenthalts
gestattet, eben so verschiedene Bedürfnisse, die er
durch keinen einförmigen Kunsttrieb, aber wohl
durch den Gebrauch seiner sich nach den Um-
ständen gleichsam accommodirenden Vernunft auf
eben so mannigfaltige Weise zu stillen vermag.

§. 38.

Wie unendlich aber der Mensch schon durch
diesen einzigen Vorzug über die ganze übrige
thierische Schöpfung erhoben werde, beweiset die
unbeschränkte Herrschaft, womit er über alle Triebe
und über die Lebensart, Haushaltung etc. mit
einem Worte, über das ganze Naturell dieser seiner
Mitgeschöpfe nach Willkür disponiren, die
furchtbarsten Thiere zähmen, ihre heftigsten
Triebe dämpfen, sie zu den kunstreichsten Hand-
lungen abrichten kann u.s.w.

Anm. Um sich überhaupt zu überzeugen, wie sehr der
cultivirte Mensch Herr der übrigen Schöpfung auf
dieser Erde ist, braucht man sich bloß an die Um-
schaffung zu erinnern, die er seit Entdeckung der
neuen Welt mit ihr und der alten wechselseitig vor-
genommen hat! Was für Gewächse und Thiere er
aus dieser in jene übergepflanzt hat, wie z.B. Reis,
Caffee etc., Pferde, Rindvieh etc. und was er v. v.
von dorther nun wieder in seinem Welttheil ein-
heimisch gemacht, wie z.B. Cartoffeln, Tabak,
wälsche Hüner u.s.w.

§. 39.

[Seite 43]

Am auffallendsten erweist sich die allein auf
den Vorzug der Vernunft beruhende Herrschaft
des Menschen über die übrige thierische Schöpfung
durch die so genannten Hausthiere; worunter
man in engerer Bedeutung diejenigen warmblü-
tigen Thiere versteht, so der Mensch zu Befrie-
digung wichtiger Bedürfnisse und überhaupt zu
beträchtlicher Benutzung absichtlich ihrer Freyheit
entzogen und sich unterjocht hat. Im weitern
Sinne kann man aber auch die Bienen und
Seidenwürmer, so wie die Coschenill-Insecten
dahin rechnen.

Anm. 1. Unter jenen Hausthieren im engern Sinn ist
eine dreifache Verschiedenheit zu bemerken. Von
manchen nämlich bat der Mensch die ganze Gattung
ihrem freyen Naturzustande entzogen, und sich un-
terwürfig gemacht, wie z.B. das Pferd. Von
andern, die er sich zwar auch ins Haus zieht, exi-
stirt doch aber noch die ursprünglich wilde Stamm-
rasse wie vom Rindvieh, Schwein, Katze, Ren-
thier, den beiderley Cameelen der alten Welt, und
dem so genannten Meiergeflügel. Der Elephant
endlich pflanzt sich gar nicht in der Gefangenschaft
fort, sondern jeder, der zum Dienst des Men-
schen gebraucht werden soll, muß erst aus der Wild-
heit eingefangen, gezähmt und abgerichtet werden.

Anm. 2. Die eigentlich so genannten Hausthiere varii-
ren zwar häufig in der Farbe; und manche der
darunter gehörigen Säugethiere zeichnen sich auch
durch einen hängenden Schwanz und schlappe
Ohren aus, aber keins von beiden ist ein beständi-
ges Kennzeichen der Unterjochung. (– Ueber die
Hausthiere s. mit mehrern den gothaischen Hof-
Kalender vom Jahre 1796. –)

§. 40.

[Seite 44]

Das ganze Thierreich läßt sich füglich nach
dem Linnéischen System unter folgende sechs
Classen bringen:

I. Cl. Säugethiere (mammalia), Thiere
mit warmen rothen Blut, die ihre Junge le-
bendig zur Welt bringen, und sie dann einige
Zeit lang mit Milch an Brüsten säugen.

II. Cl. Vögel, Thiere mit warmen rothen
Blut, die aber Eyer legen, und Federn
haben.

III. Cl. Amphibien, Thiere mit kaltem
rothen Blut, die durch Lungen Athem hohlen.

IV. Cl. Fische, Thiere mit kaltem rothen
Blut, die durch Kiefern, und nicht durch
Lungen, athmen.

V. Cl. Insecten, Thiere mit kaltem weißen
Blut, die Fühlhörner (antennas) am
Kopf, und eingelenkte (hornartige) Be-
wegungswerkzeuge haben.

VI. Cl. Gewürme (vermes), Thiere mit
kaltem weißen Blut, die keine Fühlhör-
ner, sondern meist Fühlfäden (tentacula)
und meines Wissens nie eingelenkte Be-
wegungswerkzeuge haben*).

* * *

Hauptquellen und andere Hülfsmittel zur
Thiergeschichte überhaupt.

[Seite 45]
  1. Aristoteles. – Histoire des animaux d'Aristote, avec
    des notes
    &c. par M. Camus. Par
    . 1783. II. vol. 4.
  2. Conr. Gesneri icones quadrupedum viuiparorum, it.
    anium et animalium aquatilium; cum nomenclaturis
    singulorum in linguis diuersis Europae.
    ed. 2. Tig.
    1560. fol.
  3. Aldrovandus .
  4. Jo. Jonston historia naturalis de animalibus. Frf. 1649-
    53. fol.

auch unter dem Titel H. Ruysch (Frid. fil.) theatrum
universal. omnium animalium
. Amst. 1718. II. vol. fol.

  1. Ray.
  2. Buffon.
  3. Linnaei fauna Suecica ed. 2. Holm. 1761. 8.
  4. Th. Pennant's British Zoology. Lond. 1768-1777.
    IV. vol. 8.

und Dess. großes Kupferwerk unter gleichem Titel ib.
seit 1763. gr. Fol.

  1. G. Cuvier tableau élémentaire de l'histoire naturelle des animaux. Par. 1798. 8.

Vierter Abschnitt.
Von den Säugethieren.

[Seite 46]

§. 41.

Die Säugethiere haben das warme rothe Blut
mit den Vögeln gemein; aber sie gebären leben-
dige Junge: und ihr Hauptcharakter, der sie von
allen übrigen Thieren unterscheidet, und von
dem auch die Benennung der ganzen Classe ent-
lehnt ist, sind die Brüste, wodurch die Weibchen
ihre Junge mit Milch ernähren. Die Anzahl
und Lage der Brüste ist verschieden. Meist sind
ihrer noch Ein Mahl so viel, als die Mutter
gewöhnlicher Weise Junge zur Welt bringt; und
sie sitzen entweder an der Brust, oder am Bauche,
oder zwischen den Hinterbeinen.

§. 42.

Der Körper der allermehresten [wo nicht
aller*)] Säugethiere ist mit Haaren von sehr
verschiedener Stärke, Länge und Farbe besetzt;
die auch bey einigen als Wolle gekräuselt, oder
als Borsten straff und struppig sind, oder gar
wie beym Igel etc. steife Stacheln bilden. Bey
[Seite 47] manchen sind die Haare an besondern Stel-
len als Mähne oder Bart verlängert; und
bey einigen, wie bey den Pferden, Hunden etc.
stehen sie an bestimmten Stellen in entgegen gesetz-
ter Richtung an einander und machen so genannte
Näthe (suturas). Bey manchen, wie z.B. bey
den Seehunden etc. ändert sich die Farbe mit dem
Alter. Auch sind manche durch die Kälte (§. 16.)
bey uns im strengen Winter, im Norden aber
Jahr aus Jahr ein, entweder grau, wie das
Eichhörnchen (Grauwerk), oder schneeweiß, wie
das große Wiesel (Hermelin) etc. Wenn hinge-
gen diese weiße Farbe zugleich mit lichtscheuen
Augen und rothen Pupillen verbunden ist, wie
bey den so genannten Kackerlacken im Menschen-
geschlecht und unter manchen anderen Gattungen
von warmblütigen Thieren, so ist es die Folge
einer wirklich kränklichen Schwäche.

§. 43.

Der Aufenthalt der Säugethiere ist sehr ver-
schieden. Die mehresten leben auf der Erde;
manche wie die Affen, Eichhörnchen etc., fast bloß
auf Bäumen; einige, wie der Maulwurf, als ei-
gentliche animalia subterranea unter der Erde;
andere bald auf dem Lande bald im Wasser, wie
die Bieber, Seebären; und noch andere endlich
bloß im Wasser, wie die Wallfische. – Hiernach
sind nun auch ihre Füße oder ähnliche Bewe-
gungswerkzeuge verschieden. Die mehresten
[Seite 48] haben vier Füße; der Mensch nur zweye, aber
auch zwey Hände; die Affen hingegen haben
vier Hände. Die Finger und Zehen derjenigen
Säugethiere, die im Wasser und auf dem Lande
zugleich leben, sind durch eine Schwimmhaut
verbunden. Bey den Fledermäusen sind die an
den Vorderfüßen ungemein lang und dünne; und
zwischen ihnen ist eine zarte Haut ausgespannt,
die zum Flattern dient. Die Füße mancher
Seethiere aus dieser Classe sind zum Rudern
eingerichtet, und bey den Wallfischen ähneln sie
gar einigermaßen den Flossen der Fische; doch
daß die Hinterflossen ohne Knochen sind, und
horizontal, nicht wie ein Fischschwanz vertical,
liegen. Einige wenige Säugethiere (solidun-
gula
) haben Hufe; viele aber (bisulca) gespal-
tene Klauen. Die mehresten gehen (zumahl
mit den Hinterfüßen) bloß auf den Zehen; einige
aber, wie der Mensch, und gewisser Maßen
auch die Affen, Bären, Elephanten u.a.m.
auf der ganzen Fußsohle bis zur Ferse.

§. 44.

Die mehresten Ameisenbären, die Schup-
penthiere und einige Wallfische ausgenommen,
sind die übrigen Säugethiere mit Zähnen versehen,
die man in Schneidezähne*) (incisores s.
[Seite 49] primores), Spitzzähne oder Eckzähne (caninos
s. laniaros
), und Backenzähne (molares), ab-
theilt. Die letztern zumahl sind nach der ver-
schiednen Nahrung dieser Thiere auch verschie-
dentlich gebildet. Bey den fleischfressenden nähm-
lich ist die Krone zackig und scharf; bey den
grasfressenden oben breit und eingefurcht; und
bey denen, die sich, so wie der Mensch, aus
beiden organisirten Reichen nähren, in der Mitte
eingedruckt, und an den Ecken abgerundet.

Manche Säugethiere, wie z.B. der Ele-
phant und der Narwhal haben große promini-
rende Stoßzähne (dentes exserti); andre, wie
z.B. das Wallroß, Hauzähne etc.

§. 45.

Bloß unter den Säugethieren, und zwar
nur unter den grasfressenden, gibt es wirklich
wiederkauende Gattungen, bey welchen nähm-
lich das zuerst bloß flüchtig zerbissene und ge-
schluckte Futter bissenweise wieder durch den
Schlund zurück getrieben, und nun erst recht
durchkaut und dann zum zweyten Mahl ge-
schluckt wird.

Zu diesem Zweck haben die wiederkauenden
Thiere eine eigne Einrichtung des Gebisses; indem
[Seite 50] ihre Backenzähne wie mit sägeförmigen Queer-
furchen ausgeschnitten sind, und die Kronen der-
selben nicht horizontal liegen, sondern schräg-
ausgeschlägelt sind, so daß an denen im Ober-
kiefer die Außenseite, an denen im untern aber die
nach der Zunge hingerichtete innere Seite die
höchste ist. Dabey haben sie einen schmalen
Unterkiefer, der eine sehr freye Seitenbewegung
hat, wodurch denn, wie der Augenschein lehrt,
der Mechanismus dieser sonderbaren Verrichtung
von dieser Seite bewirkt wird.

Anm. 1. Bey denjenigen ruminantibus, die zugleich
gespaltene Klauen haben (pecora), kommt nun
außerdem noch der vierfache Magen hinzu, dessen
innerer Bau und Mechanismus überaus merkwür-
dig ist. Das zum ersten Mahl geschluckte noch bald
rohe Futter gelangt nähmlich in den ungeheuern
ersten Magen (rumen, magnus venter, franz.
le double, l'herbier, la panse, der Pansen, Wanst),
als in ein Magazin, worin es nur ein wenig durch-
weicht wird. Von da wird eine kleine Portion
dieses Futters nach der andern mittelst des zweyten
Magens (reticulum, franz. le bonnet, le reseau,
die Haube, Mütze, das Garn), der gleichsam nur
ein Anhang des ersten ist, aufgefaßt und wieder
durch den Schlund hinauf getrieben. Nun wird
der wiedergekaute, zum zweyten Mahl geschluckte
Bissen durch eine besondere Rinne, ohne wieder
durch die beiden ersten Mägen zu passiren, gleich
aus dem Schlunde in den dritten (echinus, cen-
tipellio, omasus,
franz. le feuillet, le pseautier,
das Buch, der Psalter, der Blättermagen) gelei-
tet, wo er von da endlich zur völligen Verdauung in
den vierten (abomasus, franz. la eaillette der
Laab, die Ruthe, der Fettmagen) gelangt, der dem
Magen andrer Säugethiere am nächsten kommt.

Anm. 2. Der allgemeine, auf alle wiederkauende
Thiere überhaupt passende Haupt-Nutzen der
Rumination scheint mir noch gänzlich unbekannt. –

§. 46.

[Seite 51]

Außer den Klauen, Zähnen etc. sind viele
Säugethiere auch mit Hörnern als Waffen ver-
sehen. Bey einigen Gattungen, wie beym Hirsch,
Reh etc. sind die Weibchen ungehörnt; bey andern,
wie beym Renthier und im Ziegengeschlecht, sind
ihre Hörner doch kleiner als der Männchen ihre.
Anzahl, Form und Lage, besonders aber die Tex-
tur der Hörner, ist sehr verschieden. Beym Ochsen-
Ziegen- und Gazellengeschlecht sind sie hohl, und
sitzen wie eine Scheide über einem knöchernen
Zapfen oder Fortsatz des Stirnbeins. Die Hör-
ner der beiderley Rhinocer sind dicht, und bloß
mit der Haut auf der Nase verwachsen. Beym
Hirschgeschlecht hingegen sind sie zwar ebenfalls
solide, aber von mehr knochenartiger Textur, und
ästig. Sie heissen dann Geweihe, und werden
gewöhnlich alljährlich abgeworfen und neue an
ihrer Statt reproducirt.

§. 47.

Die Oeffnung des Afters wird bey den meh-
resten Säugethieren durch den Schwanz bedeckt,
der eine Fortsetzung des Kuckucksbeins (coccyx),
und von mannigfaltiger Bildung und Gebrauch
ist. Er dient z.B. manchen Thieren sich der
stechenden Insecten zu erwehren; vielen Meer-
katzen und einigen andern americanischen und
neu holländischen Thieren statt einer Hand,
um sich daran halten, oder damit fassen zu können
[Seite 52] (cauda prehensilis, Rollschwanz); den Jaculis
zum Springen (cauda saltatoria), dem Kän-
guruh zum Gleichgewicht bey seiner aufrechten
Stellung und zur Verteidigung etc.

§. 48.

Auch sind am Körper einiger Thiere dieser
Classe besondre Beutel von verschiedner Bestim-
mung zu merken. So haben viele Affen, Pa-
viane, Meerkatzen, auch der Hamster, die Zisel-
maus u.a., Backentaschen (thesauri, Fr.
salles ), um Proviant darin einschleppen zu
können. Beym Weibchen der Beutelthiere
liegen die Zitzen in einer besondern Tasche am
Bauche, worein sich die saugenden Junge
verkriechen.

§. 49.

Manche Säugethiere, wie z.B. die mehre-
sten größern Grasfressenden, sind gewöhnlich nur
mit Einem Jungen auf einmahl trächtig; andre
hingen, wie z.B. die Raubthiere, und die
Schweine mit mehreren zugleich.

Die Leibesfrucht steht mit der Mutter durch
die so genannte Nachgeburt (secundinae) in Ver-
bindung, welche aber von verschiedner Gestaltung
ist; da sie z.B. im Menschengeschlecht einen ein-
fachen größeren Mutterkuchen (placenta) bildet,
hingegen bey den wiederkauenden Thieren mit ge-
spaltnen Klauen (pecora) in mehrere, theils sehr
zahlreiche, zerstreute kleine solche Verbindungsor-
gane (cotyledones) vertheilt ist u.s.w.

§. 50.

[Seite 53]

Die Wichtigkeit der Thiere überhaupt läßt
sich hauptsächlich aus einem zweyfachen Gesichts-
puncte bestimmen; entweder nähmlich, in so fern
sie auf die Haushaltung der Natur im Großen,
auf den ganzen Gang der Schöpfung Einfluß
haben; oder in so fern sie dem Menschen unmit-
telbar nutzbar werden. Aus jener Rücksicht sind,
wie wir unten sehen werden, die Insecten und
Gewürme die bey weiten wichtigsten Geschöpfe;
aus dieser hingegen die Säugethiere. Die Ver-
schiedenheit in ihrer Bildung, ihre große Geleh-
rigkeit, ihre Stärke u.s.w. machen sie für den
Menschen auf die mannigfaltigste Weise brauch-
bar. Aus keiner andern Classe von Thieren hat
er sich so treue, dienstfertige und arbeitsame
Gehülfen zu schaffen gewußt; keine ist ihm
zu seinem unmittelbaren Gebrauch und zu seiner
Selbsterhaltung so unentbehrlich als diese. –
Ganze Völker des Erdbodens können mit einer
einzigen Art von Säugethieren fast alle ihre
dringendsten Bedürfnisse befriedigen. So die
Grönländer mit dem Seehund; die Lappen,
Tungusen etc. mit dem Renthier; die Aleuten
mit dem Wallfisch.

§. 51.

Die vielfache Brauchbarkeit der Säugethiere
fürs Menschengeschlecht reducirt sich vorzüglich
auf folgendes. Zum Reiten, zum Zug, Acker-
[Seite 54] bau, Lasttragen u.s.w.: Pferde, Maulthiere,
Esel, Ochsen, Büffel, Renthiere, Elephanten,
Camele, Llacmas, Hunde. Zur Jagd zum
Bewachen etc. Hunde. Zum Mausen und Ver-
tilgen anderer schädlichen Thiere: Katzen, Igel
Ameisenbären etc. Zur Speise: das Fleisch vom
Rindvieh, Schafen, Ziegen, Schweinen, vom
Hirschgeschlecht, von Hasen, Kaninchen, u.s.w.
Ferner Speck, Schmalz, Blut, Milch, But-
ter, Käse. Zur Kleidung, zu Decken, Zel-
ten etc. Pelzwerk, Leder, Haare, Wolle etc. Zum
Brennen: Talg, Fischthran, Wallrath. Zum
Schreiben, Bücherbinden etc. Pergament,
Leder. Für andere Künstler und zu allerhand
Gebrauch: Borsten, Haare (zumahl Pferde-
Haar), Geweihe Hörner, Klauen, Elfenbein u.a.
Zähne, Fischbein, Knochen, Blasen. Sehnen
und Knochen zu Tischerleim. Därme zu Sai-
ten. Blut zu Farbe. Mist zum Dünger, zur
Feuerung, zu Salmiak etc. Endlich zur Arz-
ney: Bisam, Bibergeil, Hirschhorn, Milch etc.

§. 52.

Von der andern Seite sind aber freylich
mehrere Thiere dieser Classe dem Menschenge-
schlecht unmittelbar oder mittelbar nachtheilig.
Manche reissende Thiere, besonders aus dem
Katzen-Geschlecht, fallen Menschen an. Eben
diese und noch manche andere, z.B. die Wiesel,
Marder, Iltise, Vielfraße, Fischottern, Wall-
[Seite 55] fische etc. vertilgen viele nutzbare Thiere: –
oder schaden den Gewächsen, Bäumen, Gar-
tenfrüchten, dem Getreide u.s.w. wie die Feld-
mäuse, Hamster, Leming, Hirsche, Hasen,
Biber, Affen, Elephanten, Rhinocer, Nil-
pferde etc. oder gehen andern Eßwaaren nach;
wie Ratten, Mäuse, Fledermäuse, Murmel-
thiere u.s.w. Gift scheint kein einziges Thier
dieser Classe zu besitzen, außer in der Wuth und
Wasserscheue, der zumahl die aus dem Hundege-
schlecht ausgesetzt sind.

§. 53.

Man hat verschiedene künstliche, d.h. bloß
von einzelnen zum Classificationsgrunde geleg-
ten Charactern entlehnte Systeme (systemata
artificialia
), nach welchen verdiente Naturfor-
scher die Säugethiere zu ordnen versucht haben.
Aristotelis Eintheilung z.B. ist auf die Verschie-
denheit der Zehen und Klauen gegründet, und
die haben auch Ray u.a. nach der Hand ange-
nommen und weiter bearbeitet. Aber hierbey
müssen die verwandtesten und im Ganzen noch so
ähnlichen Gattungen von Ameisenbären, Faul-
thieren etc. getrennt, und in ganz verschiedene
Ordnungen versetzt werden, bloß weil die eine
mehr, die andere weniger Zehen hat. Linné
hat die Zähne zum Classificationsgrund gewählt,
ein Weg, auf dem man aber nicht minder, bald
auf die unnatürlichsten Trennungen, bald auf die
[Seite 56] sonderbarsten Verbindungen stößt*). Das
Geschlecht der der Fledermäuse muß nach des Ritters
Entwurf, wegen des verschiedenen Gebisses bey
einigen Gattungen, wenigstens in drey verschiedene
Ordnungen zerstückt werden; so die beiderley
Nashörner in zwey; – so die verschiedenen Gat-
tungen des Schweinegeschlechts ebenfalls in zwey
verschiedene Ordnungen etc. Dagegen kommt der
Elephant mit den Panzerthieren, und den formo-
sanischen Teufelchen in eine gemeinschaftliche
Ordnung etc.

§. 54.

Ich habe daher, mit Beybehaltung einiger lin-
néischen Ordnungen, ein im Ganzen natürlicheres
System der Säugethiere zu entwerfen getrachtet,
wobey ich nicht auf einzelne abstrahirte, sondern auf
alle äußere Merkmahle zugleich, auf den ganzen
Habitus der Thiere gesehn habe**). So sind
[Seite 57] Thiere die in neunzehn Stücken einander ähnelten,
und nur im zwanzigsten differirten, doch zusammen
geordnet worden, dieses zwanzigste mochten nun
die Zähne oder die Klauen oder irgend ein andrer
Theil seyn; und so sind denn folgende zehn Ord-
nungen dieser ersten Classe entstanden:

I. Ordn. Bimanus. Der Mensch mit zwey
Händen.

II. Quadrumana. Thiere mit vier Händen.
Affen, Paviane, Meerkatzen und Makis.

III. Bradypoda. Säugethiere, deren gan-
zer Körperbau auf den ersten Blick Träg-
heit und Langsamkeit verräth. Faulthiere,
Ameisenbären u. dergl.

IV. Chiroptera. Die Säugethiere, deren
Vorderfüße Flatterhäute bilden (§. 43).
Die Fledermäuse.

V. Glires. Die nagenden Säugethiere.
Sie nähren sich bis auf sehr wenige Aus-
nahmen (– und im ganz wilden Zustande
vermuthlich alle –) von Vegetabilien,
zumahl von härtern, die sie benagen.
Dahin gehören Eichhörnchen, Mäuse,
Hasen, Biber etc.

[Seite 58]

VI. Ferae. Reissende oder doch sonst fleisch-
fressende Säugethiere, als wovon nur
einige wenige Gattungen ausgenommen
sind. Bären, Hunde, Katzen, Marder,
Ottern und mehr andere.

VII. Solidungula. Pferd etc.

VIII. Pecora. Die wiederkauenden Thiere
mit gespaltnen Klauen.

IX. Belluae. Meist sehr große, oder un-
förmliche, borstige oder dünn behaarte
Säugethiere. Schwein, Elephant, Nas-
horn, Nilpferd u. dergl.

Der Manate macht von hier den schick-
lichsten Uebergang zur

Xten O. Cetacea. Wallfische, warmblütige
Thiere, die mit den kaltblütigen Fischen
fast nichts als den unschicklichen Nahmen
gemein haben, und deren natürliche Ver-
bindung mit den übrigen Säugethieren
schon Ray vollkommen richtig einge-
sehen hat*).

* * *

Zur N. G. der Säugethiere.

[Seite 59]
  1. Conr. Gesneri historiae animalium L. I. de quadrupedi-
    bus viuiparis.
    Basil
    . 1551 fol.
  2. Ul. Aldrovandi de quadrupedibus digitatis viuiparis L. III.
    Bonon. 1627. fol.
  3. Id. de quadrupedibus solidipedus ib. 1616. fol.
  4. Id. de quadrupedibus bisulcis ib. 1613. fol.
  5. Ei. de cetis L. I. (am Ende seines Werkes de piscibus)
    ib. eod. fol.
  6. Io. Raii. synopsys animalium quadrupedum. Lond. 1613. 8.
    Buffon.
  7. Th. Pennant's history of quadrupeds. Lond. 1781.
    II. vol. 4.
  8. Ei. arctic zoology vol. I. ib. 1784. 4.
  9. J. Ch. Dan. v. Schreber Säugethiere. Erlang. seit
    1774. 4.
  10. I. Chr. Pol. Erxleben systema mammalium Lips. 1777. 8.
  11. E. A. W. v. Zimmermann geographische Geschichte des
    Menschen, und der allgemein verbreiteten vierfüßi-
    gen Thiere. Leipz. 1778. III. B. 8.
  12. J. M. Bechsteins gemeinnützige N. G. Deutschlands
    I. B. Leipz. 1789. 8.
  13. A general history of Quadrupeds. The figures engraved on
    wood by
    I. Bewick. Newcastle upon Tyne
    1790. 8.
  14. G. Ad. Suckow Anfangsgründe der N. G. der Thiere.
    1. Th. Leipz. 1797. 8.

I. Ordn. BIMANVS.

[Seite 60]

1. Geschl. Homo . Erectus, bimanus. Mento
prominulo. Dentibus aequaliter appro-
ximatis; incisoribus inferioribus erectis.

1. Gatt. sapiens. Zu den äußern Kennzeichen, wo-
durch der Mensch selbst vom menschenähnlichsten
Affen, geschweige von den übrigen Thieren zu
unterscheiden ist, gehört vorzüglich sein aufrech-
ter Gang (als wozu sein ganzer Wuchs und
Bildung besonders aber seine beckenähnlichen Hüft-
knochen, das Verhältniß seiner Schenkel zu den
Armen und seine breiten Fußsohlen, eingerichtet
sind), dann der freyeste Gebrauch zweyer voll-
kommnen Hände; ferner sein prominirendes
Kinn und die aufrechte Stellung seiner un-
tern Schneidezähne.

Das weibliche Geschlecht hat noch ein paar
eigenthümliche Charaktere, die dem männlichen
und allen übrigen Thieren abgehen, nähmlich
einen periodischen Blutverlust in einer bestimmten
Reihe von Lebensjahren; und dann einen beson-
dern Theil an den Sexual-Organen, dessen Man-
gel oder Zerstörung als ein körperliches Kenn-
zeichen der verletzten jungfräulichen Integrität
anzusehen ist.

Was aber die Seelenfähigkeiten des Menschen
betrifft, so hat er außer dem Begattungstriebe
wenig Spuren von Instinct (§. 34. u. f.), Kunst-
triebe aber (§. 36.) schlechterdings gar nicht.
Dagegen ist er ausschließlich im Besitz der Ver-
nunft (§. 37.), und der dadurch von ihm selbst
erfundenen Rede oder Sprache (loquela), die
nicht mit der bloß thierischen Stimme (vox) ver-
[Seite 61] wechselt werden darf (§. 25.), als welche auch den
ganz jungen und selbst den stummgebornen Kin-
dern zukommt.

* * *

Der Mensch ist für sich ein wehrloses, hülfs-
bedürftiges Geschöpf. Kein andres Thier außer
ihm bleibt so lange Kind, keins kriegt so sehr
späth erst sein Gebiß, lernt so sehr späht erst auf
seinen Füßen stehen, keins wird so sehr späth mann-
bar u.s.w. Selbst eine großen Vorzüge, Ver-
nunft und Sprache, sind nur Keime, die sich nicht
von selbst, sondern erst durch fremde Hülfe, durch
Cultur und Erziehung entwickeln können; daher
denn bey dieser Hülfsbedürftigkeit und bey diesen
zahllosen dringenden Bedürfnissen die allgemeine
natürliche Bestimmung des Menschen zur gesell-
schaftlichen Verbindung. Nicht ganz so allge-
mein läßt sich hingegen vor der Hand noch ent-
scheiden, ob in allen Welttheilen die Proportion in
der Anzahl der gebornen Knäbchen und Mädchen,
und die Dauer der Zeit und der Fortpflanzungsfähig-
keit bey beiden Geschlechtern so gleich sey, daß der
Mensch überall so wie in Europa zur Monoga-
mie bestimmt sey.

Sein Aufenthalt und seine Nahrung sind
beide unbeschränkt; er bewohnt die ganze bewohn-
bare Erde, und nährt sich beynahe aus der ganzen
organisirten Schöpfung. Und in Verhältniß zu
seiner mäßigen körperlichen Größe, und in Ver-
gleich mit andern Säugethieren erreicht er ein
ausnehmend hohes Alter.

* * *

Es giebt nur eine Gattung (species) im Men-
schengeschlecht; und alle und bekannten Völker aller
Zeiten und aller Himmelsstriche können von einer
[Seite 62] gemeinschaftlichen Stammrasse abstammen*). Alle
National-Verschiedenheiten in Bildung und Farbe
des menschlichen Körpers sind um nichts auf-
fallender oder unbegreiflicher als die, worin so
viele andere Gattungen von organisirten Körpern,
zumahl unter den Hausthieren, gleichsam unter
unseren Augen ausarten. Alle diese Verschieden-
heiten fließen aber durch so mancherley Abstufun-
gen und Uebergänge so unvermerkt zusammen,
daß sich daher auch keine andre, als sehr willkürliche
Grenzen zwischen ihnen festsetzen lassen. Doch habe
ich das ganze Menschengeschlecht noch am füglichsten
unter folgende fünf Rassen zu bringen geglaubt:

1) Die caucasische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 3.

von weißer Farbe mit rothen Wangen, langem
weichem, nußbraunem Haar (das aber einerseits
ins Blonde, anderseits ins Dunkelbraune über-
gebt); und der nach den europäischen Begriffen
von Schönheit musterhaftesten Schedel- und
Gesichts-Form. Es gehören dahin die Euro-
päer mit Ausnahme der Lappen und übrigen
Finnen; dann die westlichern Asiaten, dies-
seits des Obi, des caspischen Meers und des
Ganges; nebst den Nordafricanern; – also
ungefähr die Bewohner der den alten Griechen
und Römern bekannten Welt.

2) Die mongolische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. I.

meist waizengelb (theils wie gekochte Quitten,
oder wie getrocknete Citronschaalen); mit we-
nigem, straffem, schwarzem Haar; enggeschlitz-
[Seite 63] ten Augenliedern; plattem Gesicht; und seit-
wärts eminirenden Backenknochen. Diese Rasse
begreift die übrigen Asiaten, mit Ausnahme
der Malayen; dann die finnischen Völker in
Europa (Lappen etc.), und die Eskimos im
nördlichen America von der Beringsstraße bis
Labrador.

3) Die äthiopische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 5.

mehr oder weniger schwarz; mit schwarzem,
krausem Haar; vorwärts prominirenden Kiefern
wulstigen Lippen und stumpfer Nase. Dahin
die übrigen Afrikaner, nahmentlich die Neger,
die sich dann durch die Fulahs in die Mauren etc.
verlieren, so wie jede andre Menschen-Varietät
mit ihren benachbarten Völkerschaften gleichsam
zusammen fließt.

4) Die americanische Rasse:

Abbild. n. h. gegenst. tab. 2.

Lohfarb oder zimmtbraun (theils wie Eisenrost
oder angelaufnes Kupfer); mit schlichtem, straf-
fem, schwarzem Haar, und breitem aber nicht
plattem Gesicht, sondern stark ausgewirkten
Zügen. Begreift die übrigen Americaner
außer den Eskimos.

5) Die malayische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 4.

von brauner Farbe (einerseits bis ins helle Ma-
hagony anderseits bis ins dunkelste Nelken- und
Castanienbraun); mit dichtem schwarzlockigem
Haarwuchs; breiter Nase; großem Munde. Dahin
gehören die Südsee-Insulaner oder die Be-
wohner des fünften Welttheils und der Maria-
nen, Philippinen, Molucken, sundaischen In-
seln etc. nebst den eigentlichen Malayen.

[Seite 64]

Von diesen fünf Haupt-Rassen muß nach allen
physiologischen Gründen die caucasische als die
sogenannte Stamm- oder Mittel Rasse an-
genommen werden. Die beiden Extreme,
worin sie ausgeartet, ist einerseits die mongo-
lische, anderseits die äthiopische. Die andern zwey
Rassen machen die Uebergänge. Die america-
nische den, zwischen der caucasischen und mon-
golischen. Die malayische den, zwischen jener
Mittel-Rasse und der äthiopischen*).

* * *
[Seite 65]

Alle den fabelhaften Wust herzuzählen, womit
die Menschen die N. G. ihres Geschlechts ver-
unreinigt haben, lohnt sich jetzt nicht der
Mühe; – doch nur Weniges von vielen.

Die vermeintlichen patagonischen Riesen z.B.
sind, von Magalhaens Zeiten bis auf die unserigen,
in den Erzählungen der Reisenden, von zwölf
Fuß zu siebentehalb eingekrochen, und bleiben
also wenig größer als jeder andre Mensch von
guter Statur.

Und daß die noch neuerlich von Commerson für
ein Zwergvölkchen ausgegebnen Quimos auf
Madagascar nichts weiter sind als eine Art
Cretine, d.h. kleine Blödsinnige mit dicken
Köpfen und langen Annen (dergleichen sich
im Salzburgischen, so wie im Walliserlande,
zumal aber im Piemontesichen in Menge finden),
wird bey pathologischer Prüfung mehr als bloß
wahrscheinlich.

Eben so sind die Kackerlacken, Blafards, Albi-
nos, oder weiße Mohren*) nicht ein Mahl eine
Spielart, geschweige eine besondre Gattung,
sondern gleichfalls Patienten, deren Geschichte
mehr in die Pathologie als in die Naturhi-
storie gehört.

Linnés Homo troglodytes ist ein unbegreifliches
Gemische aus der Geschichte jener preßhaften
kränklichen weißen Mohren, und des Orang-
utangs: – sein Homo lar hingegen ein wah-
rer Affe.

[Seite 66]

Die in Wildniß unter Thieren erwachsenen Kin-
der sind klägliche sittliche Monstra, die man
eben so wenig, als andre durch Krankheit oder
Zufall entstellte Menschen, zum Muster des
Meisterstücks der Schöpfung anführen darf.

Geschwänzte Völker, von Natur geschürzte
Hottentottinnen, die vorgebliche natürliche
Bartlosigkeit der Americaner*) die Sirenen,
Centauren, und alle Fabeln von gleichem
Schrot und Korn, verzeihen wir der gutherzi-
gen Leichtgläubigkeit unsrer lieben Alten.


II. QVADRVMANA.

Säugethiere mit vier Händen, wie es ihre
Lebensart und ihr Aufenthalt auf den Bäumen
erfordert. Sie sind ursprünglich wohl bloß zwi-
schen den Wendezirkeln zu Hause**).

2. Simia . Affe. Habitus plus minus an-
thropomorphus, auriculae et manus fere
humanae. Dentes
primores incisores,
supra et infra 4.
laniarii solitarii, reli-
quis longiores
.

Bloß in der alten Welt; zwar menschenähn-
licher als die Thiere der nächstfolgenden Ge-
[Seite 67] schlechter*), doch aber außer dem schon beym
Menschengeschlecht angeführten Umständen, in ihrer
ganzen Bildung, besonders auch durch die schma-
len Hüften und platten Lenden, aufs ausfallend
sichtlichste vom Menschen unterschieden.

a) Ungeschwänzte.

1. Troglodytes . der africanische Waldmensch,
Schimpansee, Pongo, Jocko, Barris.
S. nigra, macrocephala, torosa, auriculis
magnis.
**)

Abbild. n. h. Gegenst. tab. II.

Im innern von Angola, Congo etc. und tiefer
landeinwärts; so wie der folgende eigentliche Oran-
utang ungefähr von der Größe eines achtjährigen
Buben.

[Seite 68]

2. Satyrus. der ostindische Waldmensch, ei-
genliche Orangutang. S. subfusca, auri-
culis minoribus, pollice manuum posterio-
rum mutico, vngue destituto.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 12.

Wie es scheint bloß auf Borneo; läßt sich, wenn
er ganz jung eingefangen worden, so wie der vor-
gedachte Schimpansee und andere Affen auch, zu
allerhand künstlichen Handlungen abrichten, die
man aber von seinem natürlichen Betragen genau
unterscheiden muß.

Ist, wie Camper aus der Zergliederung eines sol-
chen Thiers gezeigt, weder einer menschlichen Rede,
noch eines natürlichen aufrechten Ganges fähig.

3. Lar. der Gibbon oder Golok. (Linnés
Homo lar. ) S. brachiis longissimis, talos
attingentibus.

v. Schreber tab. 3.

Auf beiden indischen Halbinseln, auch auf den
Molucken; hat ein rundliches, ziemlich menschen-
ähnliches Gesicht und ungeheuer lange Arme.
Ist von schwärzlicher Farbe, und wird gegen
vier Fuß hoch.

4. Sylunanus. der gemeine türkische Affe.
S. brachiis corpore breuioribus, natibus
caluis, capite subrotundo.

v. Schreber tab. 4.

In Nordafrica, Ostindien etc. Unter den un-
geschwänzten Affen der gemeinste und dauerhaf-
teste; der auch leicht in Europa Junge heckt; ist
sehr gelehrig etc. Ihm ähnelt der inuus (cyno-
cephalus
, Büffons magot ) der auch gleiches
Vaterland, mit ihm hat. Einer von beiden ist
[Seite 69] auch auf Gibraltar verwildert, und hat sich da
im Freyen fortgepflanzt.

b) Geschwänzte.

5. Rostrata. der langnasige Affe, Kahau,
Bantagan (Fr. le nasique, la guenon à
long nez
). S. cauda mediocri, naso elon-
gato, rostrato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 13.

Auf den sundaischen Inseln. Eine simia. die
nicht sima ist, sondern sich durch eine lange rüssel-
förmige Nase auffallend auszeichnet.

6. Cynomolgus. der Macacco. die (insgemein
so genannte) Meerkatze. S. cauda longa,
arcuata, labio leporino.

v. Schreber tab. 12.

Auf Guinea, Angola etc. beynahe olivengrün. Wird
unter den geschwänzten wahren Affen am häu-
figsten nach Europa gebracht.

3. Papio Pavian. (Fr. babouin . Engl.
baboon. ) Facies prolongata, minus an-
thropomorpha, nasus vtrinque tuberosus,
nates nudae, coccineae, cauda abbre-
viata. Dentes vt in simiis.

Auch bloß in der alten Welt. Ihr Kopf hat
wenig menschenähnliches, bey manchen eher etwas
vom Schwein, zumahl in der Schnauze. Meist
sind es unbändige, und äußerst geile Thiere.

1. Mormon . der Choras. P. naso miniato,
ad latera caerulescente.

v. Schreber tab. 8. A. 8. B.

Auf Ceilan etc. Wird gegen fünf Fuß hoch; hat
zumahl wegen der hochfarbigen abstechenden Strei-
[Seite 70] fen auf und zu beiden Seiten der Nase, ein auf-
fallendes Ansehn.

2. Maimon. der Mandril. P. facie violacea
glabra, profunde sulcata.

v. Schreber tab. 7.

Auf Guinea, am Cap etc. wo oft ganze Scha-
ren des Nachts Weinberge und Obstgärten plün-
dern sollen. Kleiner als der vorige.

4. Cercopithecvs . Meerkatze. Au-
riculae et manus minus humanae. Nates
tectae. Dentes vt in simiis.

Das ganze Geschlecht ist bloß im wärmern Süd-
America einheimisch, wo es den einheimischen In-
dianern zu einem gemeinen Wildpret dient.

a) Cauda prehensili, die Sapajus.

1. Paniscus . der Coaita, Beelzebub. C. ater,
palmis tetradactylis absque pollice.

v. Schreber tab. 26. A. 26. B.

Hat ungemeines Geschick in seinem langen
Rollschwanze*).

b) Cauda non prehensili, die Sanguinchen.

2. Iacchus. der Uistiti. C. iuba pilosa alba
ad genas ante aures, cauda villosa annulata.

v. Schreber tab. 33.

Braun, und so klein, daß er in einer Cocosnuß-
Schale Raum hat.

[Seite 71]

5. Lemvr . Maki. Nasus acutus, dentes
primores superiores
4. inferiores 6. por-
recti, compressi, incumbentes;
laniarii
solitarii, approximati.

1. Tardigradus . der Loxis. ( cucang .) L.
ecaudatus.

v. Schreber tab. 38.

Auf Ceilan; hat die Größe und Farbe des Eich-
hörnchens, schlanke dünne Beine etc. und so wie
die folgende Gattung am Zeigefinger der Hinter-
füße eine spitzige Kralle, an allen übrigen Fingern
aber platte Nägel.

2. Mongoz. der Mongus. L. facie nigra,
corpore et cauda griseis
.

v. Schreber tab. 39. A. 39. B.

So wie einige verwandte Gattungen auf Ma-
dagascar, und den benachbarten Inseln. Die
Hinterfüße sind viel länger als die vordern.
Sein Fell hat, wie bey manchen Affen, einen
specifiken Geruch, fast nach Ameisenhaufen.


III. BRADYPODA. (Tardigrada Jo. R.
Forster .)

Der Bau der Füße und der ganze Habitus
dieser Thiere verräth ihren trägen langsamen
Gang. Meist haben sie wenige Zehen an den
Vorderfüßen, die aber mit großen krummen
Klauen versehen sind, und zum Klettern auf
Bäumen dienen. Andere graben in die Erde.

[Seite 72]

6. Bradypvs . Faulthier. (Ignauus. Fr.
paresseux , Engl. sloth) Caput rotun-
datum, crura antica longiora. Detnes
primores nulli vtrinque; laniarii (?) ob-
tusi, solitarii; molares cylindrici, obtusi.

1. Tridactylus . der Aï. B. pedibus tridacty-
lis, cauda breui.

v. Schreber tab. 64.

In Guiana etc. Freylich ein äußerst langsames
schwerfälliges, aber bey aller dieser Trägheit listi-
ges und im Nothfall muthiges und starkes Geschöpf;
hat dabey ein äußerst zähes Leben, und wenige
Bedürfnisse. Frißt Laub, säuft gar nicht etc.

7. Myrmecophaga . Ameisenbär. (Fr.
fourmiller , Engl. ant-eater. ) Rostrum
productius, lingua lumbriciformis; den-
tes nulli.

1. Didactyla . der kleine Tamandua. M. pal-
mis didactylis, vngue exteriore maximo,
plantis tetradactylis; cauda
prehensili .

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 22.

Ebenfalls in Südamerica; von der Größe und
auch fast von der Farbe des Eichhörnchens. Nährt
sich von den dortigen großen Ameisen, indem er
mit den großen hakenförmigen Krallen der Vorder-
füße die mit einer festen Erdrinde bedeckten Amei-
senhaufen aufkratzt, und dann seine vier Zoll lange
klebrige Zunge hinein steckt.

8. Manis . Schuppenthier, formosanisches
Teufelchen. Corpus squamis tectum; lin-
gua teres; dentes nulli.

[Seite 73]

Die Bekleidung ausgenommen, haben die Thiere
dieses Geschlechts in ihrer Bildung, Lebensart etc.
viel Aehnlichkeit mit den Ameisenbären. Von
vielen ältern Naturforschern werden sie unter die
Eideren gezählt.

1. Tetradactyla. der Phatagin. M. cauda lon-
giore; vngulis
bifidis .

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 14.

Auf Formosa und dem benachbarten Asien. Unge-
fähr von der Größe des obigen Ameisenbären. Sein
castanienbraun geschuppter Körper ähnelt einem
Tannenzapfen.

9. Tatv . Armadill, Panzerthier, Gürtelthier.
( dasypus Linn.) Corpus testis zonisque
osseis
cataphractum; dentes primores et
laniarii nulli
.

1. Nouemcinctus. der Caschicame. Zonis dor-
salibus
9; palmis tetradactylis; plantis pen-
tadactylis.

v. Schreber tab. 74.

In Südamerica, bis an die magellanische
Straße. Baut unter die Erde, wird sehr kirre,
rollt sich bey Gefahr, so wie die Schuppenthiere
und der Igel, kuglich zusammen.


IV. CHIROPTERA.

Die Finger der Vorderfüße sind, den Dau-
men ausgenommen, länger als der ganze Kör-
per dieser Thiere; und zwischen denselben ist die
florähnliche Flatterhaut ausgespannt (§. 43.).
Daher können sie eben so wenig als die Affen
mit ihren Händen, oder die Faulthiere mit ihren
hakenförmigen Kletterkrallen etc. bequem auf der
Erde gehn.

[Seite 74]

10. Vespertilio . Fledermaus (Fr. chau-
vesouris
. Engl. bat .) Pollex palmarum et
digiti plantarum breues, reliqui longis-
simi, membranae expansili intertexti,
pro volatu.

Ein weitläuftiges Geschlecht von animalibus
nocturnis
, dessen verschiedene Gattungen in alle
fünf Welttheile verbreitet sind.

a) Dentibus primorbius 4. vtrinque.

1. Spectrum . der Vampyr. V. ecaudatus, naso,
infundibuliformi lanceolato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 31.

In Südamerica; der Körper von der Größe
des Eichhörnchen. Wird dadurch sehr lästig, daß er
nicht nur anderen größeren Säugethieren, dem
Rindvieh, Pferden etc. sondern auch schlafenden
Menschen, bey welchen er sich vorzüglich an die
Fußzehen setzt, Blut aussaugt, woher er denn
auch den Nahmen des Vampyrs (Blutsaugers)
erhalten hat*).

2. Caninus . der fliegende Hund. (Linnés vam-
pyrus
, Büffon's roussette. ) V. ecaudatus,
naso simplici, membrana inter femora diuisa.

v. Schreber tab. 44.

Weit größer als der Vampyr, so daß er mit
ausgespannten Flatterhäuten gegen 6 Fuß messen
soll, lebt aber bloß von Baumfrüchten und kann
also schlechterdings nicht Vampyr genannt werden:
[Seite 75] findet sich scharenweise aus den Molucken und an-
dern ostindischen und Austral-Inseln; in unzäh-
liger Menge aber auf Neu-Holland.

b) dentibus primoribus supra 4. infra 6.

3. †. Auritius . (Büffon's oreillard .) V. cau-
datus, auriculis maximis.

So wie die folgende in den mildern Gegenden
der alten Welt. Ihre Ohren, die man insgemein,
aber irrig, doppelt nennt, sind einfach, nur
alle Theile ungeheuer groß.

4. †. Murinus . die gemeine Fledermaus, Speck-
maus (Engl. Rere-mouse .) V. caudatus,
auriculis capite minoribus.

Hängt sich so wie auch die vorige Gattung zu
ihrem Winterschlaf in Höhlen an den Hinter-
füßen auf.


V. GLIRES. (Scalpris dentata Jo.
Hunter )

Die weitläufige Ordnung von Säugethieren,
die sich größtentheils von härtern Vegetabilien
nähren, welche sie mit ihren, besonders dazu einge-
richteten, scharfen, einzeln stehenden Vorder-
zähnen benagen. Hingegen haben sie keine
Eckzähne.

11. Scivrvs . Cauda pilosa, disticha.
Dentes
primores vtrinque 2; inferiores
subulati.

[Seite 76]

1. Volans. das fliegende Eichhörnchen. (Büf-
fon's polatouche. ) S. duplicatura cutis laterali
a pedibus anterioribus ad posteriores.

v. Schreber tab. 223.

Fast auf der ganzen nördlichen Erde. Das schlaffe
Fell, das von den Vorderfüßen nach den Hinter-
füßen zu auf der Seite wegläuft, dient ihm nur
wie zu einem Fallschirm, um einen weitern Sprung
von der Höhe herab wagen zu dürfen.

2. †. Vulgaris . das Eichhörnchen. (Fr. l'ecu-
reil.
Engl. the squirrel .) S. auriculis apice
barbatis, cauda dorso concolori.

Wohl in ganz Europa, fast ganz Asien und im
nördlichen America. Lebt fast bloß auf den Bäu-
men, da ihm bey den schnellen weiten Sprüngen der
Schwanz ebenfalls statt Fallschirm, und die immer
stark dunstenden, feuchten und großen Fußsohlen zum
festem Tritt helfen. Macht sich in den Gipfeln
der Tannen und Eichen ein Nest aus Laub und
Moos, oder bezieht auch wohl verlaßne Nester
wilder Tauben und anderer Vögel.

Die nordischen, zumal an den Ufern des Obi
und am Baikal-See, werden im Winter grau,
und geben dann das bekannte Grauwerk ( petit
gris
); wovon der Bauch unter dem Nahmen von
Vebam zu Futtern verarbeitet wird. Zuweilen
finden sich auch schwarze Eichhörnchen; seltner
schneeweiße mit rosenrothen Augen; auch habe
ich ein weiß- und schwarz geflecktes aus dem Go-
thaischen gesehn.

12. Glis . (Myoxus.) Cauda rotunda, ver-
sus apicem crassior. Dentes vt in sciuris.

[Seite 77]

1. †. Esculentus. der Siebenschläfer, Ratz,
Bilch, die Rellmaus (Fr. le loir Engl. the
rellmouse.
) G. griseus, subtus albidus, auri-
culis rotundatis, nudis
.

v. Schreber tab. 225.

So wie die folgende Gattung in den mildern
Erdstrichen der alten Welt. Es ist der wahre
glis der Alten, den sie verspeiseten*), und in
eigenen glirariis **) mästeten. Lebt in Eichen-
und Buchenwäldern, nistet in hohle Bäume und
hält langen und sehr festen Winterschaf.

2. †. Auellanarius . die kleine Haselmaus.
(Fr. le muscardin . Engl. the dormouse .)
G. rufus, pollice plantarum mutico, auri-
culis rotundatis.

v. Schreber tab. 227.

Von der Größe der Hausmaus. Zu ihrem
Winterschlaf bereitet sie sich ein kugliches, ziemlich
festes Lager von Tangelnadeln, u.a. kleinem Ge-
strüppe, worein sie sich vergräbt.

13. Mvs . Cauda gracilis, subnuda. Den-
tes vt in praecedentibus.

1. Oeconomus . die Wurzelmaus. M. cauda
subsesquunciali, auriculis nudis vellere molli
latentibus, palmis subtetradactylis, cor-
pore fusco
.

v. Schreber tab. 190.

Durch Sibirien, bis nach Kamtschatka. Wird
theils durch die großen Wanderungen, die sie, zu-
mahl von Kamtschatka aus, in manchen Jahren,
fast wie der Lemming, anstellt, besonders aber
durch die Industrie merkwürdig, womit sie eine große
[Seite 78] Menge meist eßbarer Wurzeln in ihre unterirdi-
schen Höhlen schleppt, denen die Tungusen etc.
(wie die Thüringer dem Hamster-Vorrath)
nachgraben.

2. †. Syluaticus . die Waldmaus, große Feld-
maus. (Fr. le mulot. Engl. the field-rat .)
M. cauda mediocri, pectore flauescente, ab-
domine albido.

v. Schreber tab. 180.

Thut den Feldfrüchteen und der Holzsaat
Schaden.

3. †. Amphibius . die Wasserratte, der Erd-
wolf. M. cauda longitudine dimidia cor-
poris, auribus vix vellere prominulis, pe-
dibus subtetradactylis.

v. Schreber tab. 186.

Ist zumal den Gärten nachtheilig, besonders dem
Wurzelwerk.

4. †. Arualis . die Feldmaus, Stoßmaus
(Fr. le campagnol. Engl. the field-mouse.)
M. cauda mediocri, dorso ferrugineo, ab-
domine cinereo.

v. Schreber tab. 191.

Vermehrt sich in manchen Jahren ungeheuer,
und thut zumahl der Wintersaat großen Schaden.

5. †. Musculus. die Hausmaus. (Fr. la souris
Engl. the mouse.) M. caude elongata, pal-
mis tetradactylis pollice palmarum mutico.

In Europa und den gemäßigten Erdstrichen von
Asien und America. Hat sich dem Menschen ge-
wisser Maßen zum Hausthier aufgedrungen.

Die weißen Mäuse mit rothen Augen sind die
Kackerlacken in ihrer Art, und zuweilen so licht-
schen, daß sie in der Hellung die Augenlider fest
zuschließen, und für blind gehalten werden.

[Seite 97]

6. †. Rattus . die Ratte. (Fr. le rat. Engl.
the rat .) M. cauda elongata, palmis tetra-
dactylis cum vnguiculo pollicari.

Ist jetzt fast über alle fünf Welttheile verbreitet;
scheint aber ursprünglich im mittlern Europa zu
Hause. Aeußerst gefräßig. Frißt sogar Scor-
pione, und zieht dem Menschen und seinen Victua-
lien überall nach. Den Bergleuten in die tiefsten
Schachte, so wie den Seefahrern auf die Schiffe.
Unter andern gehört diese Land- und Hausplage
zu den gefährlichsten Feinden der Zuckerplantagen
in West-Indien.

Die Wanderratte (M. decumanus ) ist heller
von Farbe und ihr Fell mit vielen einzelnen langen
Borstenhaaren durchmengt.

14. Marmota . (Arctomys.) Auriculae
abbreuiatae, cauda breuis, aut nulla.
Dentes (plerisque) vt in praecedentibus.

1. Alpina . das Murmelthier. (Graubündnisch
murmont vom Lat. mus montanus . Fr. la
marmotte.
) M. corpore supra fusco, subtus
flauescente.

v. Schreber tab. 207.

In vielen der höhern Alpen von Europa und
Asien. Merkwürdig ist, daß man es auf der allée
blanche
in Savoyen theils auf isolirten Klippen
findet, die wie Inseln aus diesem Eismeer her-
vorragen, etliche Stunden weit von allem unbeei-
seten Erdreich entfernt, und im ganzen Jahr nur
etwa sechs Wochen lang vom Schnee entblößt sind;
so daß es scheint, die dasigen Murmelthiere durch-
schlafen wenigstens zehn Monate vom Jahr, und
bringen nur einen äußerst kleinen Theil ihrer
Existenz wachend zu.

[Seite 80]

2. †. Cricetus . der Hamster, Kornferkel. M.
abdomine nigro.

F. G. Sulzers N. G. des Hamsters. Gött.
1774. 8. Taf. I. 2.

Hin und wieder in Deutschland, Polen, Sibi-
rien etc. lebt vorzüglich von Getreide, Bohnen etc.
wovon er großen Vorrath in den Backentaschen zu
seinen unterirdischen, wohl 7 Fuß tiefen Höhlen
schleppet. Eine Höhle hält wohl manchmahl auf
60 Pfund solcher Victualien. Er vermehrt sich
ausnehmend, und man hat wohl eher im Gothai-
schen in einem Jahr über 27000 Hamster getödtet.
Es giebt eine ganz schwarze Spielart unter diesen
Thieren, so wie auch Kackerlacken mit rosen-
rothen Augen.

3. Lemmus. der Lemming. M. capite acuto,
corpore nigro fuluoque irregulariter ma-
culato.

v. Schreber tab. 195. A. 195. B.

Häufigst in Lappland und Sibirien. Zuweilen
emigriren ganze Legionen von einer Gegend in die
andere. Ihre unerwartete und unbemerkte An-
kunft, und dann auch der Fall, daß welche von
den Raubvögeln in die Luft gehoben und sich doch
noch los gearbeitet und herunter gefallen etc., mag
zu der alten Sage Anlaß gegeben haben, daß
es mitunter Lemminge vom Himmel regne.

4. Typhlus . die Blindmaus, Slepez. M.
ecaudata, palmis pentadactylis, incisoribus
supra infraque latis, palpebrarum aperturis
auriculisque nullis.

v. Schreber tab. 206.

Im südlichen Rußland. Lebt mehrentheils
unter der Erde. Soll für seine kleinen ganz deut-
lichen Augäpfel doch gar keine Oeffnung in der
[Seite 81] Gegend der Augenlider haben, und folglich gänz-
lich blind seyn!

5. Capensis . der Klipdas. (Hyrax, Büffon's
marmotte du Cap , Bruce's Ashkoko) M.
ecaudata, palmis tetradactylis, plantis tri-
dactylis
.

v. Schreber tab. 240.

Am Cap, in Habessinien, und wie es scheint
auch in Arabien und Syrien.

15. Sçavia . Halbkanichen. Auriculae
rotundatae, paruae. Cauda nulla aut
breuis. Dentes primores vtrinque
2.

Das ganze Geschlecht bloß im wärmern Süd-
america, und den west-indischen Inseln.

1. Porcellus . das Meerschweinchen. (Fr. le
cochon d' Inde
. Engl. the Guinea-pig .) C.
ecaudata, corpore variegato.

v. Schreber tab. 173.

Kommt auch in Europa leicht fort, variirt in
der Farbe, und ist überaus fruchtbar.

2. Aguti . ( Piculi .) das Ferkelkaninchen. C.
caudata, corpore ex rufo fusco, abdomine
flauescente
.

v. Schreber tab. 172.

Größer als ein Kaninchen. War beynahe das
einzige Landthier, dessen sich ehedem die nunmehr
fast ganz ausgestorbenen Caraiben zur Nahrung
bedienten.

16. Lepvs . Dentes primores vtrinque 2;
superiores duplicati.

1. † Timidus . der Hase (Fr. le liévre . Engl.
the hare .) A. auriculis apice nigris, cor-
pore et pedibus posticis longioribus
.

[Seite 82]

Fast in der ganzen alten Welt, und auch in
Nord-America. Ist unter den Fußsohlen, und
sogar zum Theil im Munde behaart. Beide, Hase
und Kaninchen, kauen wieder*).

Zuweilen giebt es schwarze Hasen, und in den
nördlichen und alpinischen Gegenden eine besondre
weiße Spielart, die eigentlich so genannten Berg-
hasen, die in manchen Gegenden, wie in Grön-
land etc. Jahr ans Jahr ein, in andern aber, wie
in der Schweiz, nur im Winter weiß, im Som-
mer aber von der gewöhnlichen Hasen-Farbe sind.

Merkwürdig ist, daß man schon so oft und in
ganz verschiednen, Gegenden und Zeiten Hasen will
gefunden haben, aus deren Stirnknochen ein Paar
kleine Geweihe, völlig wie bey einem Rehbock,
nur weit kleiner, mit Krone und proportionirten
Enden gewachsen seyn sollen**).

2. † Cuniculus . das Kaninchen. (Fr. le lapin .
Engl. the rabbit .) L. auriculis nudatis,
corpore et pedibus posticis breuioribus
.

Ursprünglich in den wärmern Zonen der alten
Welt, aber nun auch in nordischen Gegenden ein-
heimisch. Sie vermehren sich so stark, daß sie
wohl eher [z.B. neuerlich ums Jahr 1736. auf
der S. Peters Insel bey Sardinien***)] zur
Landplage geworden sind†); und kommen auch
[Seite 83] in ganz wüsten Gegenden, wie auf Volcano, der
sonst so öden liparischen Insel, fort. Die wilden
sind grau. Die weißen mit rothen Augen sind
Kackerlacken in ihrer Art.

Die langhaarigen angorischen (S. 26. Anm. 2.)
oder so genannten englischen Seidenhasen kom-
men auch hier zu Lande gut fort.

17. Iacvlvs . (Dipus.) Pedes antici bre-
vissimi, postici elongati. Cauda salta-
toria, apice floccosa. Dentes primores
vtrinque
2.

1. Jerboa . der Springhase, Erdhase, die
zweybeinige Bergmaus. Palmis tridactylis,
plantis tetradactylis
.

v. Schreber tab. 228.

Zumahl in Nord-Africa, Arabien etc. Ein
animal nocturnum. Macht sich Höhlen in die
Erde. Springt mit der Leichtigkeit einer Heu-
schrecke, und wohl 7 bis 8 Fuß weit.

18. Castor . Pedes postici palmati. Den-
tes primores vtrinque
2.

1. †. Fiber. der Biber. (Fr. le castor . Engl.
the beaver .) C. cauda depressa, ouata, squamosa.

v. Schreber tab. 175.

In der nordlichern Erde, in einsamen Gegen-
den an Land-Seen und größern Flüssen. Er wird
wegen seiner feinen Haare für die Handlung, und
für die Arzneykunst wegen des so genannten Biber-
geils wichtig, das sich bey beiden Geschlechtern in
besondern Behältern am Ende des Unterleibes
findet. Um berühmtesten sind diese Thiere durch
die ausnehmende Kunstfertigkeit, mit welcher sie,
da wo sie sich (wie im Innern von Canada)
[Seite 84] noch in Menge beysammen finden, ihre berühm-
ten Wohnungen, besonders aber, da wo sie es
nöthig finden, die dazu gehörigen bewundernswür-
digen Dämme aufführen. Denn, zugegeben, daß
freylich in den Erzählungen mancher Reisebeschrei-
ber vom Bau der Biber vieles verschönert und
übertrieben worden, so wissen sich doch diese Thiere,
nach dem einstimmigen Zeugniß der unverdäch-
tigsten Beobachter aus ganz verschieden Welt-
theilen, dabey so nach zufälligen Umständen zu
bequemen, daß sie sich dadurch weit über die
einförmigen Kunsttriebe anderer Thiere erheben.

19. Hystrix . Stachelschwein. (Fr. porc-
epic
. Engl. porcupine .) Corpus spinis
tectum. Dentes primores vtrinque
2.

1. Dorsata . ( Urson .) H. spinis breuibus sub
pilis occultis
.

v. Schreber tab. 169.

In Canada, auf Labrador, um die Hudsons-
bay etc. Thut zumahl im Winter den jungen
Baumstämmen großen Schaden.

2. Cristata . H. spinis longissimis, capite cri-
stato, cauda abbreuiata
.

v. Schreber tab. 167.

Ursprünglich im wärmern Asien und fast ganz
Africa; nährt sich zumahl von Baumrinden; nistet
in die Erde. Im Zorn rasselt es mit seinen Sta-
cheln, die ihm zuweilen, besonders im Herbst,
ausfallen; kann sie aber nicht gegen seine Verfol-
ger von sich schießen!*)

VI. FERAE.

[Seite 85]

Reissende oder doch sonst fleischfressende Säu-
gethiere: als wovon nur einige wenige Gattun-
gen ausgenommen sind.

20. Erinacevs . Corpus spinis tectum.
Dentes primores vtrinque 6*); laniarii
supra 3; infra 1, molares 4.

1. † Europaeus . der Igel (Fr. le hérisson
Engl. the hedge-hog .) E. auriculis rotun-
datis, naribus cristatis
.

Fast in der ganzen alten Welt. Ein animal
nocturnum
. Nährt sich aus beiden Reichen.
Maußt wie eine Katze. Kann spanische Fliegen
in Menge fressen. Spießt allerdings (wie die
Alten sagen, von den Neuern hingegen ohne allen
Grund bezweifelt, mir aber nun schon von dreyen
ganz zuverläßigen Augenzeugen versichert worden)
Früchte an seine Rücken-Stacheln, um sie so in
sein Lager zu tragen**).

21. Sorex . Nasus rostratus, auriculae
breues. Dentes primores superiores
2.
bifidi; inferiores 2-4. intermediis bre-
vioribus
; laniarii vtrinque plures.

[Seite 86]

1. † Araneus . die Spitzmaus. (Fr. la mus-
araigne
. Engl. the shrew .) S. cauda me-
diocri, abdomine albido
.

v. Schreber tab. 160.

In Europa und Nord-Asien etc. Daß sie giftig
sey, oder den Pferden in den Leib krieche etc. sind
ungegründete Sagen. Zuweilen, aber selten, finden
sich weiße Spitzmäuse.

2. † Fodiens . die Wasserspitzmaus. S. ab-
domine cinereo, digitis ciliatis
.

v. Schreber tab. 161.

An kleinen Gewässern. Statt einer Schwimm-
haut ist jede Zähe zu beiden Seiten mit kurzen
Härchen besetzt, die die Füße zum Rüdern unge-
mein geschickt machen. Die Oeffnung des Gehör-
ganges kann das Thier durch eine Klappe zu-
schließen, so lang es unter Wasser ist.

3. Moschatus . Die Bisamratze. ( Desman ) S.
pedibus palmatis cauda squamosa, com-
pressa, lanceolata
.

v. Schreber tab. 159

In Rußland und dem benachbarten Sibirien.
Hat eine Art Zibethbeutel beym After.

4. Exilis . S. minimus, cauda crassissima tereti.

Am Jenisei. Das kleinste der bis jetzt bekannten
Säugethiere.

22. Talpa . *) Caput rostratum, palmae
fossoriae. Dentes primores superiores
6,
inferiores 8. laniarii maior 1. minores 4.

[Seite 87]

1. † Europaea . der Maulwurf, die Scher-
maus. (Fr. la taupe . Engl. the mole ) T.
cauda breuiore, auriculis nullis.

Fast in der ganzen alten Welt. Ist ein voll-
kommnes animal subterraneum, wozu ihm außer
andern Eigenheiten seines Körperbaues, besonders
die Schaufelpfoten zu Statten kommen. Er hat
sehr kleine Augen, kann geschickt schwimmen und
bey Ueberschwemmung auf die Bäume klettern.
Es giebt auch weiße und gefleckte Maulwürfe.

23. Didelphis . Plerisque hallux mu-
ticus. Feminis folliculus abdominalis
mammarum
.

Auch bey dieses Geschlechts so zahlreichen und
einander im Ganzen so verwandten Gattungen
variirt doch das Gebiß so mannigfaltig, daß die-
selben nach dem linnéischen System in ganz ver-
schiedne Geschlechter vertheilt werden müßten.

1. Opossum . die Beutelratte, Philander. D.
cauda semipilosa, superciliorum regione pal-
lidiore. Dentes primores superiores
10, in-
feriores
8. laniarii elongati.

v. Schreber tab. 146. A. B.

Zumahl im wärmern Nord-America. Daß
Weibchen von dieser und den mehresten übrigen
Gattungen dieses Geschlechts hat eine große Tasche
am Bauche, die durch besondre Muskeln geschlossen
und geöffnet werden kann; und in deren Boden
die Zitzen liegen. Die Junge werden ganz außer
Verhältniß klein (gleichsam nur als unreife Abor-
tus) zur Welt geboren, dann aber erst lange
Zeit in dieser Tasche getragen, wo sie sich ansau-
gen und von der Muttermilch nähren, bis sie
[Seite 88] reifer und vollkommner ausgebildet, gleichsam vom
neuen geboren werden können.

2. Dorsigera . der surinamische Aeneas. D.
cauda basi pilosa, orbitarum margine fusco.
Dentes vt in priori
.

v. Schreber tab. 150.

In Süd-America. Das Weibchen, das bey
dieser Gattung keinen Zitzensack hat, soll seine
Junge, wenn sie noch klein sind, auf dem Rücken
tragen, und diese sich dabey mit ihren Rollschwän-
zen an der Mutter ihrem anhalten.

3. Gigantea . das Känguruh. Cauda apice at-
tenuato, pedibus anticis breuissimis, posti-
cis longissimis. Palmis pentadactylis, plan-
tis subtetradactylis: dentes
primores supe-
riores
6. inferiores 2. laniarii nulli.

v. Schreber tab. 154.

In Neu-Holland. Mausefahl. Ist, wenn es
aufrecht sitzt, wohl mannshoch, und 140 Pfund
schwer. Lebt in Heerden von 50 und mehr
Stück. Ist bloß grasfressend. Springt in wei-
ten wohl zwey Klafter langen Sätzen. Das Weib-
chen bat einen Zitzensack. Wirft nur Ein Junges auf
einmahl, das bey der Geburt kaum halb so groß als
eine Maus ist, dann aber von der Mutter drey
Vierteljahr lang in jenem Sacke getragen wird,
bis es wohl 14 Pfund wiegt.

24. Viverra . Caput vulpinum. Cauda
plerisque felina. Dentes
primores vtrin-
que
6. intermediis breuioribus. Lingua
plerisque retrorsum aculeata. Vngues
exserti
.

[Seite 89]

1. Zibetha . die Zibethkatze (hyaena odorifera.
Fr. la civette . Engl. the civet .) V. cauda
annulata, dorso cinereo nigroque vndatim
striato
.

v. Schreber tab. 112.

Im südlichen Asien und nordlichen Africa. Bey
beiden Geschlechtern sammelt sich in einer beson-
dern Höhle, die zwischen dem After und den Zeu-
gungsgliedern liegt, das Zibeth, eine schmierige,
stark riechende Substanz.

2. Genetta . die Genettkatze. (Fr. la genette .
Engl. the genet .) V. cauda annulata, cor-
pore fuluo-nigricante maculato
.

v. Schreber tab. 113.

In der Levante. Wird seines Felles wegen
geschätzt.

3. Putorius . Daß Stinkthier, Coneparl. (Fr.
la moussette . Engl. the skunk , pol-cat .) V.
lineis quinque dorsalibus parallelis albis.

v. Schreber tab. 122.

In Virginien, Canada etc. Hat seinen Nahmen
von dem unerträglichen Gestank, den es, so wie
mehrere verwandte Gattungen seines Geschlechts,
im Zorne von sich giebt, und der bey ihm von einem
besondern unter der Harnblase befindlichen Safte
herrühren soll.

4. Ichneumon . die Pharaonmaus, der Mungo.
(Büffon's mángouste .) V. cauda basi in-
crassata sensim attenuata, pollicibus re-
motiusculis
.

v. Schreber tab. 113. B.

Hat straffes, fast borstenartiges Haar, meist
weiß und graulichschwarz zart gesprenkelt. Ist
besonders häufig in Aegypten, wo es zumahl
[Seite 90] den Crocodileneyern, so wie außer dem den Schlan-
gen, nachstellt; sich aber ausnehmend kirre und
häußlich machen läßt.

5. Aurita. das Großohr. ( Fennec , Büf-
fon's animal anonyme .) V. auriculis am-
plissimis
.

Bruce's Reisen nach den Quellen des Nils,
V. B. tab. 22.

In der Barbarey, Nubien etc. Nistet auf den
Palmen, und lebt vorzüglich von Datteln*).

25. Mvstela . Dentes primores supe-
riores
6. erecti, acutiores, distincti;
inferiores 6, obtusiores, conferti: duo
interiores. Lingua laeuis
.

Die Gattungen dieses Geschlechts haben kurze
Füße, und einen lang gestreckten Körper, den sie
im Geben bogenförmig krümmen. Sie sind sehr
flink, beissig und blutdürstig.

1. † Martes . der Baummarder, Edelmar-
der, Tannenmarder, Wildmarder, Feld-
marder. (Fr. la marte . Engl. the pine-mar-
tin
.) M. corpore fuluo-nigricante, gula flaua.

v. Schreber tab. 130.

Zumahl im Schwarzholz der ganzen nordlichen
Erde. Sein schönes Fell kommt dem Zobel am
nächsten.

[Seite 91]

2. † Foina . der Hausmarder, Steinmarder.
(Fr. la fouine . Engl. the martin ) M. cor-
pore fuluo-nigricante, gula alba
.

v. Schreber tab. 129.

Im mittlern und wärmern Europa und dem
benachbarten Asien.

3. †. Putorius . der Iltis, Ilk, Ratz, Stän-
kerratz. (Fr. le putois . Engl. the fitchet , po-
lecat
.) M. flauonigricans, ore et auricula-
rum apicibus albis
.

v. Schreber tab. 131.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem Haus-
marder. Auch in der Barbarey. Das ganze
Thier, und selbst sein abgezogenes Fell, geben
einen sehr widrigen Geruch von sich.

Das Frettel ( furo , Fr. le furet . Engl. the
ferret
) von gelblich weißer Farbe mit rothen Pu-
pillen, ist ein wahrer Kackerlacke in seiner Art,
folglich wohl sicher keine ursprüngliche eigene Gat-
tung, sondern eine Abart vom Iltis, mit welchem
es sich auch paart. Taugt gut zum Ratten- und
Caninchen-Fang.

4. Zibellina . der Zobel. (Fr. la zibeline . Engl.
the sable .) M. corpore fuluo-nigricante,
facie et gula cinereis
.

v. Schreber tab. 136.

In dichten öden Wäldern der nordlichen Erde,
zumahl in Sibirien. Die schönsten mit recht schwarz-
braunem, dickhaarigen und glänzenden Fell finden
sich um Jakuzk.

5. † Erminea . das große Wiesel, Hermelin.
(Fr. le roselet , Phermine . Engl. the stoat
the ermine
.) M. caudae apice nigro.

v. Schreber tab. 137. A. 137. B.

[Seite 92]

In der nordlichen Erde, vorzüglich in Sibirien.
Größer als das gemeine Wiesel. Aendert aber
eben so wie dieses die Farbe, so daß es im Som-
mer bräunlich, im Winter aber (als Hermelin)
weiß ist.

6. †. Vulgaris . das gemeine Wiesel. (Fr. la
belette
. Engl. the weesel ) M. corpore ex
rufo fusco subtus albo
.

v. Schreber tab. 138.

Im Norden von Europa und Asien. Die Mut-
ter trägt oft ihre Junge im Maule umher (daher
die alte Fabel, als ob sie dieselben durch diesen
Weg zur Welt brächte).

26. Lvtra . Palmae plantaeque natato-
riae. Dentes primores vtrinque
6; su-
periores distincti, inferiores conferti
.

1. † Vulgaris . die Fischotter. (Fr. la loutre .
Engl. the otter ) M. plantis nudis, cauda
corpore dimidio breuiore
.

v. Schreber tab. 126. A. B.

In den mildern Gegenden der nordlichen Erde.
Die schönsten in Canada.

2. Marina . die Seeotter. (Fr. le castor marin .
Engl. the sea-otter .) L. plantis pilosis,
cauda corpore quadruplo breuiore
.

Cook's voyage to the northern hemisphere
vol. II. tab. 43.

Besonders um Kamtschatka und an der jenseiti-
gen Küste vom nordwestlichen America bis hinun-
ter nach Nutka-Sund, doch auch um Corea, und zu-
mahl im gelben See. Ihr schwarzes und silbergraues
Fell ist bey den Schinesen das kostbarste aller Rauh-
werke.

[Seite 93]

27. Phoca . Pedes postici exporrecti, di-
giti coaliti. Dentes primores superiores
6,
inferiores 4; laniarii solitarii .

Nebst den Thieren des vorigen Geschlechts
gleichsam die Amphibien unter den Säugethieren,
deren ganzer Körperbau darnach eingerichtet ist,
um in beiden Elementen leben zu können.*).

1. Vitulina . der Seehund, die Robbe, das
Seekalb. (Fr. le veau marin . Engl. the
seal
). P. capite laeui. auriculis nullis, cor-
pore griseo
.

v. Schreber tab. 84.

[Seite 94]

In den nordlichen Meeren. Ist für die finni-
schen Insulaner, so wie für die Kamtschadalen,
besonders aber für die Grönländer und für die
labradorischen Esquimos, ein äußerst wichtiges
Geschöpf: die beiden letztern Völker zumahl näh-
ren sich von seinem Fleisch, kleiden sich in sein
Fell, beziehen ihre Sommerhütten und Fischerbote
damit etc. Sein Fang macht ihr vorzüglichstes
Geschäft, und die darin erworbene Geschicklichkeit
ihr Glück und ihren Stolz aus.

2. Vrsina . der Seebär. P. auriculata, collo
laeui
.

Buffon , supplement vol. VI. tab. 47.

Im Sommer herdenweise auf den Inseln des
kamtschatkischen Inselmeers, überwindert aber
vermuthlich auf den benachbarten etwas südlichern
Inseln des stillen Oceans. Lebt in Polygamie, so
daß jedes Männchen wohl dreyßig bis vierzig
Weibchen hat, die es nur vieler Eifersucht bewacht,
und grimmig gegen seine Nebenbuhler zu be-
haupten sucht.*).

3. Iubata . der stellersche Seelöwe. P. auricu-
lata, collo iubato
.

Buffon, supplement vol. VI. tab. 48.

Im ganzen stillen Ocean. Die größte Gattung
dieses Geschlechts; hat den Nahmen von der beym
Männchen gewisser Maßen löwenartigen Mähne.

4. Cristata . der ansonsche Seelöwe.**) P.
capite antice cristato.

Anson's voyage round the world tab. 19.

[Seite 95]

Im atlantischen sowohl als im stillen Ocean.
Nur das Männchen hat den häutigen Kamm auf
der Nase.

28. Vrsvs . Dentes primores superiores 6,
intus excauati alterni, inferiores 6. late-
rales
2. longiores lobati; laniarii prima-
rii solitarii (
minimi plures inter hos et
primos molares
), lingua laeuis.

1. † Arctos der Bär. (Fr. l'ours . Engl. the
bear
.) V. fusco nigricans, cauda abrupta.

Abbild. n. h. Gegenst . tab. 32.

In der nordlichen Erde, doch auch in Ost-Indien
und Nord-Africa. In der Jugend lebt er meist
von Gewächsen; nach dem dritten Jahre aber
mehr vom Fleisch. Zum Gefechte bedient er sich
mehr seiner Vordertatzen, als des Gebisses.

Zu den vorzüglichen Spielarten unter den Bären
gehören: die großen schwarzen Ameisenbären; die
kleinen hellbraunen Honigbären; und die noch klei-
nern weißlichen Silberbären.

2. Maritimus ( glacialis ) der Eisbär, Po-
larbär. V. albus, collo et rostro elongatis.

Abbild. n. h. Gegenst . tab. 33

An den Küsten und beym Treibeis der nordlich-
sten Erde. Darf nicht mit der weißen Spielart
des gemeinen Bären verwechselt werden. Er
wird bey zwölf Fuß lang, und über 15 Centner
schwer; schwimmt und taucht sehr geschickt, und
ist bloß fleischfressend*).

[Seite 96]

3. Gulo . der Vielfraß, Rosomack. (Fr. le
glouton
. Engl. the glutton .) M. corpore
rufofusco, medio dorsi nigro
.

v. Schreber tab. 144.

In der nordlichen alten Welt, besonders in Si-
birien. Seine Freßgierde hat zu allerhand Fabeln
Anlaß gegeben.

4. †. Taxus . der Dachs. (Fr. le blaireau .
Engl. the badger .) M. cauda concolore,
abdomine nigro
.

v. Schreber tab. 142.

In Europa und Asien bis gen Schina. Baut
unter der Erde einen tiefen Kessel, zu welchem
verschiedne Röhren oder Gänge führen. Verschläft
den größten Theils seines Lebens, und hält beson-
ders langen und festen Winterschlaf, wobey er seine
Schnauze in den Fettbeutel am Hinterleibe steckt.

5. Melliuorus . der Honig-Dachs, Rattel. M.
dorso cinereo, fascia laterali nigra, abdo-
mine nigro
.

Sparrmann in den schwed. Abhandl.
1777. tab. 4. fig. 3.

Am Cap; lebt vom Honig und Wachs der
wilden Bienen, die in die Höhlen der Stachel-
schweine etc. nisten. Er giebt auf den Flug der
heim eilenden Bienen acht, oder folgt auch bloß
der Anweisung des Honigkuckucks. Hat ein zottiges
Fell, und darunter eine ungemein starke sehr be-
wegliche schiebbare Haut, wodurch er einerseits
vor den Bienenstichen und anderseits vor tiefen
Bissen der Hunde etc. gesichert ist.

[Seite 97]

6. Lotor . der Waschbär, Rackun, Schupp,
Coati. (Büffon's Raton .) M. cauda annu-
lata, fascia palpebrarum transuersali nigra
.

Mém. de l'ac. de Berlin 1756. tab. 12

Im wärmern nordostlichen America etc. Frißt
mancherley. Bedient sich der Vorderpfoten sehr
geschickt zum Fassen, zum Einweichen oder Ab-
waschen seines Futters*) etc. Wird überhaupt
sehr kirre.

29. Canis . Dentes primores superiores 6.
laterales longiores distantes, intermedii
lobati; inferiores
6. lobati omnes; lania-
rii
solitarii, incuruati.

1. †. Familiaris . der Hund. (Fr. le chien . Engl.
the dog .) C. cauda recuruata; subinde di-
gito spurio ad pedes posticos
.

Dieser treue Gefährte des Menschen, der sich
besonders durch die ausnehmende Schärfe seiner
Sinne, verbunden mit seiner großen vielartigen
Gelehrigkeit (sogar zum Fischfang**), aber auch
durch mancherley andre Brauchbarkeit empfiehlt, ist
längst mit ihm über alle fünf Welttheile verbrei-
tet. Denn auch in America scheinen wenigstens
die Eskimos ihre Hunde nicht erst von den Europäern
bekommen zu haben.

[Seite 98]

Ob alle die verschiednen Hunde-Rassen als bloße
Varietäten einer und derselben Gattung anzusehn
sind, und ob diese selbst vom Wolf oder Schakal
abstamme, ist schwerlich zu entscheiden. Mir
scheinen manche Rassen, z.B. der Dachshund,
das Windspiel etc. viel eignes zu besondern Functionen
abzweckendes in ihrer Bildung zu haben, so daß
ich diese zweckmäßigen Eigenheiten nicht wohl für
zufällige Folge der bloßen Ausartung halten kann.

Zu den Hauptrassen gehören wohl

a ) Fricator. der Mops. (Fr. de doguin . Engl.
pugdog ) mit untersetztem, kurzem Leibe,
schwarzen Flecken an den Backen, und hän-
genden Ohren.

b ) Molossus, mastiuus. der Bärenbeisser,
Bullenbeisser. (Fr. le dogue . Engl. the
bull-dog
, the mastiff ) mit stumpfem Kopfe,
hängenden lappichten Oberlefzen, und glat-
tem Haar. Bellt dumpfig und kurz –
Ihm scheint der Metzgerhund (Fr. le ma-
tin
.) nahe verwandt.

c ) Terrae nouae. der Neufundländer. (–
Abbild. n. h. Gegenst . tab. 6. –) Zeich-
net sich durch seine ausnehmende Größe, lan-
ges seidenartiges Haar, langflockigen, meist
aufwärts gekrümmten Schwanz, besonders
aber durch die Art von Schwimmhaut zwi-
schen den Zehen ans, die bey ihm ungleich
größer ist als den andern Hunden. Daher
sein ausnehmendes Geschick zum Schwim-
men. Meist sind diese Hunde weiß und
schwarz; und ausnehmend gelehrig.

d ) Sagax, venaticus. der Jagdhund. (Fr.
le chien-courant ) mit langem dickem, Kör-
per, eingefurchtem Hinterkopfe, langen hän-
[Seite 99] genden Ohren. Das Haar bald schlicht,
bald zottig. – Hierher auch die Bracke,
der Hühnerhund, der Wachtelhund und
die schön getigerten Corsicanerhunde.

e ) Aquaticus. der Budel. (Fr. le barbet .
Engl. the water-dog ) mit stumpfem Kopfe,
und wollichtem Haar.

f ) Pastoralis, domesticus, villaticus. der
Schäferhund, Haushund. (Fr. le chien
de berger
, Engl. the cur ) mit aufrechten
Ohren; der Schwanz auf der untern Seite
lang behaart. – Hierzu auch der isländi-
sche Hund, und der Spitz oder Pommer.
(Fr. le chien-loup .) So auch der, den die
Kamtschadalen etc. zum Zug in Schlitten ge-
brauchen. – Auch die aus manchen Insel-
Gruppen der Südsee einheimischen Hunde,
die von den Einwohnern als Mastvieh gezo-
gen werden, und bloß vegetabilische Nahrung
genießen, scheinen zu dieser Rasse zu ge-
hören.

g ) Melitens. das Bologneserhündchen. (Fr.
l'epagneul, le bichon , Engl. the lap-dog ,
the shock ) mit sehr langem, seidenartigem
Haar, zumahl im Gesichte.

h ) Vertagus, der Dachshund. (Fr. le basset ,
Engl. the tumbler, the turnspit ) mit lan-
ger Schnautze, hangenden Ohren, lang ge-
strecktem Körper, kurzen, krummen Vorder-
füßen, und rothbraunen Flecken über den
Augen. – Ihm scheint der englische Ter-
rier
(terrarius), mit borstigem Haar und
struppiger Schnauze, nahe verwandt.

[Seite 100]

i ) Dingo. der neuholländische Hund, Aeh-
nelt, zumal in der Bildung des Kopfs und
Schwanzes, mehr dem Fuchs.

k ) Leporarius.*) das Windspiel. (Fr. le
levrier
, Engl. the grey - hound ) mit lan-
gem, zugespitztem Kopfe, hängenden Ohren,
dicker Brust, schlanken Leid und Füßen.

l ) Aegyptius. der guineische Hund. (Fr.
le chien-turc , Engl. the Indian dog , the
naked dog
) ähnelt dem Windspiel, hat
aber nur im Gesichte Haare, der übrige Kör-
per ist meist kahl, und schwarz, fast wie Ne-
gerhaut. (s. S. 26. Anm. 2.)

Diese verschiednen Haupt-Raffen paaren und
vermischen sich aber nicht nur unter einander,
sondern auch mit Wölfen und Füchsen, mit
welchen sie sogar zuweilen fruchtbare Bastarde
erzeugen.

2. †. Lupus . der Wolf. (Fr. le loup . Engl.
the wolf ) C. cauda incuruata.

v. Schreber tab. 88.

Fast in der ganzen alten Welt, ist aber in eini-
gen Ländern, wie z.B. in Groß-Britannien und
Irland, ausgerottet. Hat einen schleppenden doch
dabey schnellen und nicht leicht zu ermüdenden
Gang. Aus Hunger fressen die Wölfe sogar
Schilf und Erde; graben auch Leichen aus, und
da mag etwa ihre nächtliche Erscheinung auf
Kirchhöfen etc. den Anlaß zu der alten Sage von
Währwölfen gegeben haben.

[Seite 101]

3. Aureus . der Schakal, Thos. (Büffon's
Adive .) C. corpore fuluo, pedibus lon-
gioribus, caudae apice nigro
.

v. Schreber tab. 114.

In ganz Nordafrica und Orient, besonders in
Natolien und Bengalen; zieht des Nachts scha-
renweise umher; frißt Thiere, Lederwaren etc.
gräbt Leichen aus. Manche Naturforscher haben
den Schakal für den ursprünglich wilden Hund,
und manche Exegeten Simsons Füchse für Scha-
kale gehalten.

4. †. Vulpes der Fuchs, Birkfuchs. (Fr.
le renard . Engl. the fox ) C. cauda recta,
apice discolore
.

v. Schreber tab. 90.

Zumahl in der nordlichern alten Welt. Frißt
unter andern Früchten nahmentlich sehr gern
Weintrauben.

Der Brandfuchs (alopex) ist wohl sicher
nur eine Abart davon.

Ob aber auch der wegen seines kostbaren Felles be-
rühmte schwarze Fuchs mit weißer Schwanzspitze,
der in Sibirien, aber auch in Menge ans Labrador
zu Hause ist [und der, wenn seine Haare gleichsam
silberweiße Spitzen haben, Silberfuchs genannt
wird*)], für eine bloße Abart des gemeinen
Fuchses oder für eine besondere Gattung anzuse-
hen sey, läßt sich vor der Hand noch nicht mit
Gewißheit bestimmen.

[Seite 102]

5. Lagopus . der weiße Fuchs, Polarfuchs,
Steinfuchs, Eisfuchs. (Isatis. Engl. the
arctic fox
. Russ. Pesez ) C. cauda recta, apice
concolore, palmis plantisque pilosissimis
.

v. Schreber tab. 93. A. 93. B.

In den Polarländern, zumahl auf Spitzbergen,
Neu-Zembla etc. – Die mehresten sind weiß.
Die so genannten blauen Füchse hingegen bläu-
lich-grau.

6. Hyaena . die Hyäne. C. villosus, nigri-
cans, facie nigra, iuba ceruicis dorsique
.

Der indianische Wolf, von J. El. Ridinger.

Hat meist einerley Vaterland mit dem Schakal,
dem sie auch in der Lebensart ähnelt. In der un-
säglichsten Menge in Habessinien. Bauet unter die
Erde oder nistet in Felsenhöhlen und Klüfte.

30. Felis . Vngues retractiles, caput ro-
tundius, lingua aspera, Dentes
primo-
res
6. acutiusculi, exterioribus maiori-
bus,
laniarii solitarii, supra a primori-
bus, infra a molaribus remoti
.

1. Leo . der Löwe. (Fr le lion . Engl. the lion .)
F. cauda elongata floccosa, corpore fuluo.

v. Schreber tab. 97. A. 97. B.

In den heissen Zonen der alten Welt, vorzüg-
lich in Africa. Der männliche Löwe zeichnet sich
durch die Mähne aus, die aber erst im zweyten
Lebensjahre ausbricht. Das Fleisch des Löwen
wird von den Hottentotten gegessen und eine
Horde Araber zwischen Tunis und Algier soll sich
fast bloß davon nähren.

[Seite 103]

2. Tigris . das Tigerthier. F. cauda elon-
gata: capite, corpore et cruribus nigro-
virgatis
.

the Tiger , von G. Stubbs.

Bloß in Asien und vorzüglich von Bengalen
bis Schina, auch auf Sumatra etc. Ueberaus
regelmäßig gestreift. Läßt sich allerdings zähmen,
und muß auch vor dem Elephanten erliegen.

3. Leopardus . der Leopard. F. cauda sub-
elongata, maculis numerosis, minoribus,
obtuse angulatis
.

Tygers at play von G. Stubbs.

In Africa. Sein Fell hat einen goldgelben
Grund mit kleinen schwarzen Flecken, die aber
dichter und regelmäßiger als beym Pantherthier,
und meist ihrer drey bis vier nahe beysammen stehn.

4. Pardus . das Pantherthier, der Parder*).
F. cauda subelongata, maculis maioribus,
irregularibus, passim confluentibus et an-
nulatis
.

v. Schreber tab. 99.

In Africa und Ostindien. Die Flecken seines Fells
sind größer als beym Leoparden, weniger regulär,
hin und wieder wie zusammengeflossen, bald in
Hufeisenform, bald geringelt u.s.w.

5. Panthera . das kleine Pantherthier. (Büf-
fon's once .) F. cauda elongata, corpore
albido, maculis irregularibus nigris
.

v. Schreber tab. 100.

In der Barbarey und Ostindien. Weit kleiner
als die vorigen Gattungen. Auch leicht zu zäh-
[Seite 104] men, und zur Jagd der Rehe, Gazellen etc. abzu-
richten, wozu sie in Orient vorlängst, und zu erstern
in den mittlern Zeiten auch in Italien und Frank-
reich gebraucht worden.

6. Onça , der Jaguar, americanische Tiger.
F. cauda subelongata, corpore fusco lu-
tescente, maculis angulatis, ocellatis, me-
dio flauis
.

v. Schreber tab. 102.

In Südamerica. Ebenfalls kleiner als die
drey vorletzten Thiere der alten Welt. Furcht-
samer, auch weit feiger, so daß er schon vor
mäßig großen Hunden flieht.

7. Concolor . der americanische Löwe, Puma,
Cuguar. F. cauda mediocri, corpore im-
maculato fuluo
.

v. Schreber tab. 104.

In Peru, Brasilien etc. zeichnet sich durch sein
rothgelbes, ungeflecktes Fell (weßalb er mit dem
Nahmen eines Löwen belegt worden) und kleinen
Kopf aus.

8. †. Lynx . der Luchs. (Fr. le loup-cervier .
Engl. the mountain cat ) F. cauda abbre-
viata, apice atro, auriculis apice barbatis, cor-
pore maculato, plantis palmisque amplissimis
.

v. Schreber tab. 109.

In der nordlichen Erde; doch auch häufig im
Neapolitanischen; thut den Wildbahnen größern
Schaden als der Wolf.

9. † Catus . die Katze (Fr. le chat Engl. the
cat
.) F. cauda elongata, striis dorsalibus
longitudinalibus, lateralibus spiralibus
.

v. Schreber tab. 107. A. 107. B.

[Seite 105]

Fast in der ganzen alten Welt; ist aber erst von
da durch die Spanier nach America überbracht
worden. Die wilde ist größer, als die zahme,
von grauröthlicher Farbe, mit schwarzen Lefzen
und Fußsohlen. Die Hauskatze begattet sich nur
äußerst selten unter den Augen der Menschen, und
verwildert sehr leicht wieder, wenn sie zufällig in
Wildniß geräth. Zu den Besonderheiten der Katzen
gehöre ihre starke Electricität; das Leuchten ihrer
Augen im Finstern; ihre seltsame Gierde auf ge-
wisse Pflanzen, wie z.B. auf die Nepeta cataria
und aufs Teucrium marum etc.; ihr Schnur-
ren oder Spinnen, das durch ein Paar eigne zarte,
gespannte Häutchen in ihrem Kehlkopf bewirkt
wird; die ängstliche unüberwindliche Antipathie
vieler Menschen gegen dieselben etc. – Zu den
vorzüglichsten Spielarten gehört die angorische
oder persische Katze mit dem langen, seidenartigen
Haar, die gewöhnlich schwer hört; die bläulich-
graue Carthäuser- oder Cyperkatze; und die
spanische oder schildpattfarbige Katze ( Tor-
toiseshell-cat
); unter welchen letztern man häu-
fig weibliche Katzen von drey ganz verschiednen
Farben (z.B. schwarz, weiß und gelb), aber kaum
je einen dergleichen Kater, gefunden haben will.


VII. SOLIDVNGVLA.

Thiere mit Hufen. Ein einziges Geschlecht
von wenigen Gattungen.

31. Eqvvs . Pedes vngula indiuisa, cauda
setosa. Dentes primores superiores
6.
obtuse truncati; inferiores 6. prominen-
tiores
: laniarii solitarii vtrinque remoti.

[Seite 106]

1. †. Caballus . das Pferd. (Fr. le cheval . Engl.
the horse .) E. cauda vndique setosa.

Ursprünglich wilde Pferde giebt es nicht mehr,
aber häufig und theils in großen Herden verwil-
derte; so z.B. in den polnischen Wäldern, in den
schottischen Hochländern, in der Tatarey, in
America (wo sie auch erst durch die Spanier hin-
gebracht worden) und zwar da in der unermeß-
lichsten Menge in Paraguay u.s.w. Unter den
zahmen Pferde-Rassen zeichnen sich die Araber
(zumahl die von der Zucht der Annecy um Pal-
myra herum, und vom Libanus bis gegen den
Horeb etc.) durch ihren wunderschönen Baut, so
wie durch äußerste Leichtigkeit und Dauerhaftigkeit
aus. Ihnen folgen die Persianer und Barben.
Unter den europäischen sind die spanischen (be-
sonders die aus Andalusien), nie neapolitanischen
und englischen die vorzüglichsten. Die letztern
haben besonders den Vorzug der Schnelligkeit,
wodurch sie sich in den Wettrennen auszeich-
nen*). – Ganzer berittenen Nationen zu ge-
schweigen, wie z.B. die Casacken, Tataren, Cal-
mücken, die Pferde-Tungusen, die Abiponer etc.
so ist auch für die cultivirtesten Völker der Werth
dieses Thiers für Landwirthschaft, Cavallerie,
Postwesen etc. unermeßlich. Manche der gedach-
ten berittenen Völker leben auch großen Theils
vom Fleisch und Milch der Pferde. Die letztre
giebt, wenn sie zusammen geronnen, vollends
[Seite 107] aber wenn sie abgezogen worden, das berauschende
Kumiß der Mongolen.

2. † Asinus . der Esel. (Fr. l'âne . Engl. the
ass
.) E. cauda extremitate setosa, cruce
dorsali nigra
.

Der wilde Esel, von welchem das zahme Haus-
thier abstammt, ist der wahre onager der Alten;
und findet sich jetzt zumahl in der Tartarey, unter
dem Nahmen Kulan*), von da er jährlich im
Herbst in großen Herden südlich nach Indien und
Persien zu zieht und daselbst überwintert. Er ist
größer und schlanker als der zahme Esel, und von
ausnehmender Schnelligkeit. – Ins nordlichste
Europa ist der Esel bis jetzt noch gar nicht ver-
pflanzt. Auch artet er wenig aus. Höchstens
etwa in der Farbe, da es z.B. weiße Esel giebt.

* * *

Pferd und Esel lassen sich zusammen begatten,
und geben zweyerley Bastarde, die von großer
Dauerhaftigkeit und Stärke, und zuweilen (aber
sehr selten) fruchtbar sind. Eins ist das gemeine
Maulthier [ mulus , Fr. le mulet **)], das vom
männlichen Esel gezeugt, und von der Stute ge-
worfen wird. Das andre ist der Maulesel [ hin-
nus
, Fr. le bardeau ***)], der vom Hengste ge-
zeugt, und von der Eseliun geworfen ist. Dieser
letztere ist seltner, und hat Gelegenheit zur Sage von
den fabelhaften Jumarn, oder vorgeblichen Bastar-
den vom Pferde- und Ochsengeschlecht, gegeben.

[Seite 108]

3. Zebra . E. zonis fuscis et albidis, maxime
regularibus
.

The Sebra , von G. Stubbs, 1771.

Das Zebra (wovon es zwey ganz verschiedne
Gattungen giebt, deren eine man fälschlich für die
Weibchen der andern gehalten hat) ist im süd-
lichen Africa zu Hause. Es lebt herdenweis, ist
ungemein schnell, aber wild und unbändig.


VIII. PECORA.

Die wiederkauenden Thiere mit gespaltnen
Klauen, unter welchen sich die wichtigsten Haus-
thiere finden.

32. Camelvs . Cornua nulla, labium le-
porium,
pedes subbisulci *). Dentes
primores inferiores
6. spathiformes; la-
niarii
distantes, superiores 3, inferiores 2.

1. Dromedarius . das gemeine Camel [Fr. le
dromadaire
.**) ] C. tofo dorfi vnico.

v. Schreber tab. 303.

Findet sich noch hin und wieder in Asien,
zumahl in den Wüsteneyen zwischen Schina und
Indien, wild, ist aber für den ganzen Orient und
für das nordliche und mittlere Africa das wichtigste
Hausthier. (Das Schiff für die Wüsten – nen-
[Seite 109] nen es die Araber.) Die gewöhnliche Last der
Carawanen Camele ist gegen sechs Centner, und
damit legen sie täglich gegen vier deutsche Meilen
zurück. Das nutzbare Thier frißt dornichtes
Buschwerk, was in den Wüsten in Menge wächst,
und für kein anderes Säugethier zur Nahrung taugt.
Auch kann es, wie versichert wird, den Durst meh-
rere Wochen lang erdulden, säuft aber dafür un-
geheuer viel auf ein Mahl, da sich dieses Wasser
lange Zelt in seinem Magen ziemlich unverändert
erhalten soll. Beide, sowohl diese, als die folgende
Gattung, haben eine große Schwiele vorn au der
Brust, vier kleine an den Vorderfüßen, und zwey
dergleichen an den Hinterfüßen, die ihnen zum
Aufstemmen dienen, wenn sie müde sind, und
sich niederlegen.

2. Bactrianus . das Trampelthier. (Fr. le cha-
meau
. Engl. the camel .) C. tofis dorsi
duobus
.

v. Schreber tab. 304.

Im mittlern Asien, bis gen Schina, zumahl
in ganzen großen Herden in Bessarabien etc. wird
daselbst seines schnellen Trabes und natürlichen
Sattels wegen, mehr als die vorige Gattung zum
Zuge gebraucht.

3. Llacma . die Camelziege, Guanaco. C.
dorso laeui, tofo pectorali
.

v. Schreber tab. 306.

So wie die folgende Gattung im südlichen
America, besonders dem gebirgigen Peru. Wird
als Lastthier gebraucht, und trägt bey seiner
mäßigen Größe doch bis anderthalb Centner.

4. Vicuna . das Schafcamel. (Fr. la vigogne .)
C. tofis nullis, corpore lanato.

v. Schreber tab. 307.

[Seite 110]

Kleiner als das Llacma. Läßt sich nicht zäh-
men, sondern wird wegen seines zimmtbraunen
Haares, das die bekannte Vicugna-Wolle giebt,
jährlich in großen Treibjagden haufenweis gefan-
gen. Auch der occidentalische Bezoarstein
kommt von diesem Thiele.

33. Capra . Cornua caua rugosa scabra.
Dentes primores superiores nulli, infe-
riores
8; laniarii nulli.

1. †. Ouis . das Schaf. (Fr. le brebis . Engl.
the sheep .) C. mento imberbi, cornibus
compressis lunatis
.

Findet sich wohl nirgends mehr ursprünglich
wild; scheint auch nicht ein Mahl nur so wie die
Ziege wieder verwildern zu können: wird aber
fast in der ganzen alten Welt als eins der aller-
nutzbarsten Hausthiere gehalten, und ist auch bald
nach der Entdeckung von America dorthin ver-
pflanzt worden.

Unter den verschiedenen Rassen der Schafe sind
vor allen die tibetanischen, aus deren feinster
Wolle (so wie aus manchem zarten Ziegen-
haar) der Schaul verfertigt wird; die spa-
nischen, aus Segovien, und dann die engli-
schen ebenfalls wegen ihrer ausnehmenden Wolle;
die isländischen mit vier, sechs oder acht Hör-
nern; und die arabischen und ägyptischen mit
dem großen und wohl 40 Pfund schweren Fett-
Schwanze, zu merken. Die zwischen den Wende-
zirkeln haben mehrentheils statt der krausen Wolle
schlichtes Ziegenhaar; und die in Südafrica noch
überdem lang herab hängende Ohren.

[Seite 111]

2. Ammon. das Muffelthier, Argali, (mufi-
mon
. Büffon's mouflon .) C. cornibus ar-
cuatis circumflexis subtus planiusculis, pa-
learibus laxis pilosis
.

v. Schreber tab. 268.

Auf Corsica und Sardinien, in Griechenland, in
der Barbarey; vorzüglich aber in Sibirien bis
Kamtschatka und dann im nordwestlichsten Ame-
rica. Das im nordlichen Asien ist groß, mit
mächtig starken und schweren*) Hörnern, und
wird von einigen Naturforschern für das Stamm-
thier zu unserem Schaf gehalten.

3. † Hircus . die Ziege. (Fr. la chevre . (Engl.
the goat .) C. mento barbato, cornibus ar-
cuatis, carinatis
.

Die Hausziege scheint von dem aegagrus ab-
zustammen, der im Caucasus und den daran
grenzenden östlichen Gebirgen lebt, und in dessen
Mägen (so wie bey manchen Gattungen von An-
tilopen) zuweilen der orientalische Bezoarstein
gefunden wird, daher das Thier selbst mit dem
Nahmen des Bezoarbocks belegt worden**). –
Die Hausziege verwildert leicht wieder, und ist
nun meist eben so weit als das Schaf auf der
Erde verbreitet. – Die angorische Ziege oder
das Kämmelthier hat langes seidenartiges Haar
und giebt das beste so genannte Camelgarn.

[Seite 112]

4. †. Ibex . der Steinbock, capricornus . (Fr. le bouquetin .
Engl. the wild goat .) C. mento barbato,
cornibus lunatis maximis, supra nodosis, in
dorsum reclinatis
.

Conr. Gesner l. c. pag. 1099.

In den höchsten Schneegebirgen von Savoyen,
so wie in den, sibirischen Alpen. Das Gehörn
eines bejahrten Steinbocks wiegt wohl 20 Pfund,
und hat meist eben so viel knorrichte Ringe auf
jeder Seite.

34. Antilope . Cornua caua, teretia, an-
nulata, vel spiralia. Dentes vt in capris
.

Ein weitläufiges Geschlecht, wovon sich zahl-
reiche Gattungen im mittlern und südlichen, Asien,
und in Africa, zumahl aber am Cap finden.

1. †. Rupicapra . die Gemse (Fr. le chamois ,
l'Izard .) A. cornibus erectis vncinatis.

v. Schreber tab. 279.

In den alpinischen Gegenden des mildern Eu-
ropa und westlichen Asiens. Zahm gemachte Gem-
sen sollen sich mit den Ziegen gepaart und Ba-
starde erzeugt haben. Von den unverdaulichen
Zasern ihres Futters bilden sich in ihren Mägen
die ehedem berühmten so genannten Gemsballen,
(aegagropilae).

2. Dorcas . die Gazelle. C. cornibus teretibus
annulatis, medio flexis, apicibus laeuibus
approximatis
.

v. Schreber tab. 269.

Im ganzen Orient und Nordafrica. Das
schlanke flinke Thier macht, die Lieblingsjagd der
Morgenländer, und giebt ihrer Dichtersprache das
reitzende Bild weiblicher Schönheit.

[Seite 113]

3. Pygarga . der Springbock, Prunkbock.
A. cornibus liratis, linea laterali faciei et
trunci fusca, clunibus albis
.

Vosmaer descr. de la Gazelle de parade .

Im Innern des südlichsten Africa, von wannen
er jährlich in Herden von mehreren tausenden
nach dem Cap und nach einigen Monaten wieder
zurück zieht.

35. Bos . Cornua concaua, lunata, laeuia.
Dentes vt in generibus praecedentibus.

1. †. Taurus . der Ochse. (Fr. le boeuf . Engl.
the ox .) B. cornibus teretibus extrorsum
cornatis, palearibus laxis
.

Das Rindvieh stammt vom Auerochsen ab (vrus,
bonasus
, und Bison der alten Welt; denn diese
dreyerley Nahmen scheinen sämmtlich die Stamm-
rasse unseres Hornviehs zu bezeichnen), der in
Polen, Litauen, Sibirien gefunden wird, und
ehedem auch in Deutschland war. – Zu den merk-
würdigsten Varietäten des Rindviehs gehört z.B.
die halbwilde weiße Rasse mit braunen oder
schwarzen Ohren, auf den Ladronea, und hin und
wieder in Großbritannien: die mit den ausneh-
mend großen Hörnern in Sicilien: die gänzlich
ungehörnte in einigen Provinzen von England etc.

Hingegen scheint mirs noch zweifelhaft, daß
auch die indische (von den Hindus heilig ver-
ehrte) Buckelkuh, der bos indicus , oder Zebu
(– v. Schreber tab. 298. –) eine bloße Varie-
tät dieser Gattung seyn solle.

In den Mägen des Rindviehs finden sich zu-
weilen Ballen aus Haaren, die sie sich abgeleckt
und eingeschluckt haben. Die ihnen eigene, furcht-
[Seite 114] bare, pestartige Viehseuche, hat zumahl seit 1711.
zuweilen lange und weit und breit grassirt.

2. Americanus . der nordamericanische Bison.
B. cornibus diuaricatis, iuba longissima,
dorso gibboso
.

v. Schreber tab. 296.

Das größte Landthier der neuen Welt; lebt
Herdenweise in den sumpfigen Wäldern des
mildern Nordamericas. Im Winter ist es über
den ganzen Körper behaart, im Frühjahr hinge-
gen wird es am Rücken und Hinterleibe kahl,
und behält bloß seine ungeheuere Brust- und Nacken-
Mähne.

3. Buffelus . der Büffel. (Engl. the buffalo .)
B. cornibus resupinatis intortis antice planis.

v. Schreber tab. 300.

Stammt wohl ursprünglich aus Tibet, ist nun
aber nach und nach durch den größten Theil von
Asien und Nordafrica verbreitet, und wird auch
hin und wieder in Europa, wie z.B. seit dem
siebenten Jahrhundert in Italien, in Ungarn, und
auch im Salzburgischen gezogen und zum Zuge
gebraucht. Hat ein schwarzes, dünn behaartes
Fell, das ausnehmend stark und vorzüglich zu
Schläuchen tauglich ist.

4. Grunniens . der Büffel mit dem Pferde-
schweif, Ziegenochse. B. cornibus tereti-
tibus, introrsum curuatis, vellere propen-
dente, cauda vndique iubata
.

Abbild. n. h. Gegenst . tab. 23.

Ebenfalls in Tibet zu Hause, wird aber auch in
Hindosten als Hausthier gehalten. Kleiner als
[Seite 115] unser Hornvieh, zeichnet sich auch außerdem durch
seine grunzende Stimme, durch sein zottiges Zie-
genhaar, und durch einen büschligen sehr lang-
haarigen Schwanz aus, der, wenn er schön ist,
in Indien hoch geschätzt und theuer bezahlt wird.

5. Moschatus . der Bisamstier (Fr. le boeuf
musqué
. Engl. the musk-ox ) B. cornua
deflexa, basibus latissimis complanatis ad
frontem contiguis; apicibus reflexis
.

v. Schreber tab. 302.

Sein Vaterland ist bloß aufs äußerste Nord-
america im Westen der Hudsonsbay vom 66 bis
73° der Breite eingeschränkt. Ein Paar seiner Hör-
ner soll zuweilen über einen halben Centner wiegen.

36. Giraffa . Cornua simplicissima pelle
tecta, fasciculo pilorum nigro terminata
.
Dentes primores superiores nulli; infe-
riores
8 spathulati, extimo bilobo; la-
niarii
nulli.

1. Camelopardalis . die Giraffe.

Cptn. Carteret , in den philos . Transact .
Vol. LX. tab. I.

Im innern Africa. Sie hat, wegen ihres lan-
gen Halses, kurzen Körpers, abhängigen Rückens,
und wegen ihres röthlichen, schön gefleckten Fells,
ein sehr auszeichnendes Ansehn. Sie soll im
Schreiten, wie die Paßgänger, immer den Vor-
der- und Hinterfuß der einen Seite zugleich heben,
und daher einen sonderbaren Gang haben, von
dem die Bewegung des Springers im Schachspiel
entlehnt worden. Sie ist, wenn sie aufrecht steht,
über sechzehn Fuß hoch.

[Seite 116]

37. Cervus . Cornua solida multifida.
Dentes vt in generibus praecedentibus
(interdum tamen
laniarii solitarii su-
periores
).

1. Alces . das Elennthier (Fr. l'elan . Engl.
the elk .) C. cornibus planis ecaulibus,
palmatis
.

v. Schreber tab. 246.

In der ganzen nordlichen Erde (wenn anders
das nord-americanische Elenn, Fr. l'orignal ,
Engl. the moose-deer *) keine eigne Gattung
ist), erreicht die Größe vom Pferd, wiegt wohl
über 1200 und sein Gehörn über 50 Pfund; läßt sich
zähmen und herdenweise auf die Weide treiben.
Die alten Sagen, daß das Elennthier oft von
Epilepsie befallen werde etc. brauchen jetzt keiner
weitern Widerlegung.

2. †. Dama . der Damhirsch, Tannhirsch.
(Fr. le daim . Engl. the fallow-deer .) Cor-
nibus subramosis compressis, summitate
palmata
.

v. Schreber tab. 249. A. B.

Im mildern Europa. Kleiner als der ge-
meine Hirsch; variirt in der Farbe.

3. Tarandus . das Renthier. ( rangifer . Fr.
le renne . Engl. the rein .) C. cornibus (in
vtroque sexu
) longis, simplicibus, tereti-
bus, summitatibus subpalmatis, iuba gulari
pendula
.

v. Schreber tab. 247. A. B. C.

[Seite 117]

In der ganzen nordlichen Erde. Theils, wie
in Kamtschatka in Herden von tausend und mehr
Stück; kann in wärmern Gegenden nicht ausdauern,
lebt von dürrem Land, und vorzüglich von Ren-
thier-Moos, das es unter dem Schnee hervor
scharrt. Dient zumal den Lappländern, Samoje-
den, Tungusen und Koräken zur Befriedigung al-
ler der dringendsten Bedürfnisse des Lebens.

4. †. Elaphus . der Hirsch. (Fr. le cerf . Engl.
the stag .) C. cornibus ramosis totis tereti-
bus recuruatis apicibus multifidis
.

v. Schreber tab. 248. A. B. C. D. E.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem Elenn,
nur unter mehr südlicher Breite. Die Zahl der
Enden seines Geweihes richtet sich nicht genau nach
dem Alter des Thiers: nach dem achten Jahre ist
sie unbestimmt. Die größten natürlich-schönen
Geweihe sind von 18 bis 24 wahren Enden.
Der Hirsch wird ungefähr 30 Jahre oder etwas
darüber alt.

5. †. Capreolus . das Reh. (Fr. le chevreuil .
Engl. the roe ) C. cornibus ramosis, tere-
tibus, erectis, summitate bifida
.

v. Schreber tab. 252. A. B.

In den mildern und wärmern Erdstrichen
von Europa und Asien. Das Gehörn des Reh-
bocks ist öfter als bey andern Gattungen dieses
Geschlechts durch sonderbare Exostofen entstellt.

38. Moschvs . Cornua nulla. Dentes
primores vt in praecedentibus generibus;
laniarii superiores solitarii exserti
.

[Seite 118]

1. Moschifer . das Bisamthier. (Fr. le musc .
Engl. the musk .) M. folliculo vmbilicali.

v. Schreber tab. 242.

In den Schwarzwäldern und bergigen Gegen-
den von, Tibet und dem südlichen Sibirien. Das
Männchen hat in der Nabelgegend einen Beutel
von der Größe eines Hühnereyes, worin sich der
Bisam, dieses wichtige Arzneymittel, sammelt.

2. Pygmaeus . das kleine guineische Rehchen.
M. supra fusco-rufus, subtus albus, vngu-
lis succenturiatis nullis
.

Seba, thes . I. tab. 45. fig. 1.

In Ostindien und auf Guinea. Das kleinste
Thier dieser Ordnung. Seine ganzen Beine sind
nur Fingers lang, und haben ungefähr die Dicke
eines Pfeifenstiels.


IX. BELLVAE.

Meist sehr große, aber unförmliche, bor-
stige oder dünn behaarte Säugethiere.

39. Svs . Rostrum truncatum, prominens,
mobile. Dentes
primores (plerisque)
superiores 4. conuergentes, inferiores 6.
prominentes (plerisque); laniarii supe-
riores
2. breuiores, inferiores 2. exserti.

1. † Scrofa . das Schwein. (Fr. das wilde
le sanglier , das zahme le cochon . Engl. jenes
the wild boar , dieses the hog .) S. dorso se-
toso, cauda pilosa
.

[Seite 119]

Das wilde Schwein hat eine längere Schnautze
und überhaupt eine andre Form des Schädels,
kürzere aufrechte Ohren, größere Fangzähne als
das Hausschwein, auch keinen Speck, und nie-
mahls Finnenwürmer, und ist fast immer von
schwarzgrauer Farbe. Wenige Thiere sind so all-
gemein fast über die ganze Erde verbreitet, als
das Hausschwein. Es hat einen ungemein schar-
fen Geruch, und ist beynahe ein animal omni-
vorum
. Das Weibchen wirft unter allen Thie-
ren mit gespaltnen Klauen die mehresten Junge. –
In America, wohin die Schweine aus Europa
übergebracht worden, sind sie theils verwildert.
(Fr. cochons marons .) Auf Cuba wurden sie
mehr als noch Ein Mahl so groß, als ihre euro-
päische Stammältern; auf Cubagua arteten sie in
eine abentheuerliche Rasse aus mit Klauen, die auf
eine halbe Spanne lang waren etc. – Die schi-
nesischen (Fr. cochons de Siam ) haben kürzere
Beine und einen ausgeschweiften Rücken ohne
Mähne. – In Schweden und Ungarn findet
sich nicht selten eine Spielart mit ungespaltenen
Klauen, die schon den Alten bekannt war, so wie
man auch welche mit drey Klauen gesehen hat.

2. Aethiopicus . das Emgalo. (Büffon's san-
glier du cap verd
.) S. incisoribus nullis, sac-
culis mollibus sub oculis
.

Vosmaer , description du sanglier
d'Afrique
.

Im Innern von Süd-Africa. Auch auf Ma-
dagascar. Ein furchtbar wildes Thier, mit einem
mächtig großen Kopf, spannen-breiten Rüssel,
großen warzigen Fleischlappen unter den Augen etc.

[Seite 120]

3. Tajassu . das Nabelschwein, Bisamschwein,
Pecari. S. cauda nulla, folliculo moschi-
fero ad coccygem
.

v. Schreber tab. 325.

Herdenweise in den wärmsten Gegenden von
Südamerica. Wird höchstens nur 60 Pfund schwer.

4. Babirussa *) der Schweinhirsch, Hirsch-
eber. S. dentibus laniariis superioribus
maximis, arcuatis
.

v. Schreber tab. 328.

Zumahl auf den moluckischen Inseln. Lebt am
Wasser, kann sehr geschickt selbst nach ziemlich
entlegnen Inseln schwimmen. Es hält schwer,
zu bestimmen, wozu ihm die fast zirkelförmigen
großen Eckzähne des Oberkiefers dienen mögen?

40. Tapir . Habitus suillus. Dentes pri-
mores
vtrinque 10; laniarii nulli: pal-
mae vngulis
4. plantae vngulis 3.

1. Suillus . der Tapir, Anta.

v. Schreber tab. 319.

Das größte Landthier in Süd-America, von
der Statur eines mittelmäßigen Ochsen. Kopf
und Schenkel sind ungefähr wie beym Schwein;
die Oberlippe zugespitzt und sehr beweglich. Ge-
wöhnlich setzt sichs auf die Hinterfüße wie ein Hund.
Geht gern ins Wasser, schwimmt sehr gut etc.

[Seite 121]

41. Elephas . Elephant. Proboscis lon-
gissima, prehensilis: dentes
primores nulli;
laniarii superiores exserti
.

1. Asiaticus . E. dentium molarium corona
lineis vndulatis distincta
*).

Abbild. n. h. Gegenst . tab. 19. fig. B.

Im südlichen Asien, vorzüglich auf Ceilan.
Ist das größte von allen Landthieren, wird wohl
15 Fuß hoch und wiegt im zwanzigsten Jahre auf
7000 Pfund. Seine auf dem Rücken fast Dau-
mens dicke Haut ist doch selbst gegen Insecten-
stiche empfindlich; gewöhnlich von grauer Farbe.
Das Hauptorgan des Elephanten ist sein Rüssel,
der ihm zum Athemhohlen, zum äußerst feinen
Geruch, zum Wasserschöpfen, sein Futter damit
zu fassen und ins Maul zu stecken, und zu tausend
künstlichen Verrichtungen, statt der Hände dient.
Er kann ihn drey Ellen lang ausstrecken, und bis
zu anderthalb Ellen wieder einziehen. Am Ende
ist derselbe, wie mit einem biegsamen Haken ver-
sehen, und hiermit kann er ungemein feine kunst-
reiche Handlungen verrichten, z.B. Knoten auf-
knüpfen, Schnallen auflösen, mehrere Stücken
Geld mit Einem Mahl aufheben u.s.w. Seine
[Seite 122] Nahrung besteht vorzüglich aus Laub der Bäume,
Reis und andern Gräsern. Er schwimmt mit
ungemeiner Leichtigkeit selbst durch schnelle Ströme.

Bey der Begattung soll er sich, wie die mehresten
übrigen Säugethiere bespringen. Das neuge-
worfne Junge saugt mit dem Maule (nicht mit
dem Rüssel, wie viele gemeint haben). Ungefähr
im dritten, vierten Jahre kommen bey beiden
Geschlechtern die zwey großen Stoßzähne zum
Ausbruch, die das Elfenbein geben. Sie werden
wohl 7 bis 8 Fuß lang und einer derselben kann
bis auf 200 Pfund wiegen. Wahrscheinlich wird
der Elephant auf 200 Jahre alt. Am häufigsten
nutzt man ihn zum Lasttragen, da er zum min-
desten 20 Centner zu tragen, und die größten
Transporte Berge hinauf zu wälzen, im Stande
ist. Sein Gang ist gleichsam ein schnelles Schie-
ben der Beine, und dabey so sicher, daß er auch
auf ungebahnten Wegen doch nicht strauchelt.

2. Africanus . E. dentium molarium corona
rhombis distincta
.

Abbild. n. h. Gegenst . tab. 19. fig. C.

Diese im mittlern und südlichern Africa einhei-
mische Gattung, wird nicht, wie die asiatische, als
Hausthier gehalten, sondern bloß des Fleisches
und vorzüglich des Elfenbeins*) wegen gefangen
und geschossen.

[Seite 123]

42. Rhinoceros . Nashorn. Cornu so-
lidum, conicum, naso insidens
.

1. Asiaticus . Rh. dentibus primoribus vtrin-
que quaternis, inferioribus conicis, superio-
ribus sublobatis; laniariis nullis
.

Abbild. n. h. Gegenst . tab. 7. fig. B.

In Ostindien. Das bey dieser Gattung meh-
rentheils einzelne Horn sitzt bey ihm so wie das
doppelte beym afrikanischen nicht am Knochen
fest, sondern ist bloß mit der Haut verwachsen.

2. Africanus . Rh. incisoribus et laniariis nullis.

Abbild. n. h. Gegenst . tab. 7. fig. A.

In Süd-Africa, am Cap etc. Das zweyte
Horn ist kleiner, und sitzt hinter dem erstern.

43. Hippopotamvs . Dentes primores
superiores remoti, inferiores procumben-
tes
; laniarii inferiores incuruati, obli-
que truncati
.

1. Amphibius . das Nilpferd. (am Cap See-
kuh genannt)

Buffon, supplement vol. III. tab. 62. 63.
vol. VI tab. 4. 5.

Häufig im südlichen Africa. Doch auch im Nil.
Aeußerst plump, mit einem unförmlichen großen
Kopfe, ganz ungeheueren Rachen, dicken Leibe,
kurzen Beinen etc. Ein erwachsenes wiegt wenig-
stens viertehalb tausend Pfund. Nährt sich von
Vegetabilien und Fischen.

[Seite 124]

44. Trichechvs . Pedes posteriores
compedes coadunati
.

1. Rosmarus . das Wallroß. (Fr. le morse .
Engl. the walrus .) T. dentibus laniariis
superioribus
exsertis .

Abbild. n. h. Gegenst . tab. 15.

Beym Treibeis des Nordpols: oft zu hunder-
ten beysammen. Nährt sich vom Seetang und
Schalthieren, die er mit seinen Hauzähnen los-
kratzt. Die alten Normannen machten ihre fast
unverwüstlichen Ankertaue von Wallroßriemen*).

2. Manatus . die Seekuh (Fr. le lamantin .)
T. dentibus laniariis inclusis.

v. Schreber tab. 80.

In den Meeren der wärmern Erde, auch häufig
im Oricono. Scheine zu manchen der Sagen
von Sirenen und Meerjungfern Anlaß gegeben
zu haben**).


X. CETACEA.

Die ehedem so ganz widersinnig zu den
Fischen gerechneten Säugethiere***).

45. Monodon . Dentes duo maxillae su-
perioris exserti longissimi, recti, spirales
.

[Seite 125]

1. Narhwal . das See-Einhorn.

Klein hist. piscium Miss. II. tab. 2. fig. C.
Miss. V. tab. 3. fig. a. b.

Meist im nordlichen atlantischen Ocean. Das
Junge hat ursprünglich zwey Zähne (in jedem
Oberkieferknochen Einen), die aber beym Erwach-
senen sehr selten zusammen gefunden werden, son-
dern gewöhnlich nur einer von beiden. Zuweilen
so lang, als der Körper des Thieres, d.h. wohl
18 Fuß und darüber.

46. Balaena . Laminae corneae loco
dentium superiorum
.

1. Mysticetus . der Wallfisch. (Fr. la baleine .
Engl. the black whale .) B. dorso impinni.

Abbild. der Wallfische bey Homanns Erben,
in Landkarten-Format, fig. 1. 2.

Das größte aller bekannten Thiere, das über
100000 Pfund an Gewicht hält ist theils gegen den
Nordpol, aber auch in südlichen Gegenden im at-
lantischen Ocean, und im stillen Meere zu Hause.
Die heutiges Tages gefangen werden, sind selten
über 60 bis 70 Fuß lang. Der ungeheuere Kopf
macht wohl ein Drittel des ganzen Thieres aus.
Die Haut ist meistens schwarz oder mit weiß ge-
marmelt etc., hin und wieder dünn behaart, und
oft mit Muscheln besetzt. Den kamtschadalischen
Insulanern und den nordwestlichen Americanern
giebt dieses ungeheuere Thier victus et amictus etc.
Die Europäer hingegen fangen den Wallfisch
(wovon ein großer 5000 Rthl. werth seyn kann)
des Fischthrans und besonders der Barden wegen,
[Seite 126] deren er 700 im Oberkiefer hat, die das Fischbein
geben, und von denen die mittelsten wohl zwanzig
Fuß lang werden.

2. Boops . (einer der verschiednen Finnfische.)
B. pectore sulcato, pinna dorsali obtusa.

Die Haut an Hals und Brust und Vordertheil
des Bauchs, ist bey dieser und einigen andern Gat-
tungen dieses Geschlechts sehr regelmäßig nach der
Länge gefurcht*).

47. Physeter . Dentes in maxilla in-
feriore
.

1. Macrocephalus . der Caschelot, Pottfisch.
(Engl. the white whale .) P. dorso impinni,
dentibus inflexis, apice acutiusculo
.

Die homannische Abbild. fig. 4.

Meist in den südlichen Weltmeeren; zumahl
an den Küsten von Brasilien und von Neu-Süd-
wallis. Er erreicht die Größe des Wallfisches,
hat einen ungeheuern Rachen, und kann Klafter-
lange Hayfische verschlingen. Sein Oberkiefer ist
sehr breit, der untere hingegen überaus schmal.
Er wird vorzüglich des Wallraths (sperma ceti)
wegen aufgesucht, das in Gestalt eines milchweißen
Oels theils im Körper des Thiers bey dem Thran,
theils aber, und zwar in größter Menge in beson-
dern Behältern am Kopfe desselben, zumahl vorn
[Seite 127] auf den Oberkiefern gefunden wird, und an der
Luft zu einem halb durchsichtigen Talg verhärtet.
In seinen Gedärmen und unter seinem Auswurf
findet sich zuweilen die wohlriechende graue Ambra.

48. Delphinvs . Dentes in maxilla
vtraque
.

1. Phocaena . das Meerschwein, der Braun-
fisch. ( tursio Plin . Engl. the porpoise ) D.
corpore subconiformi, dorso lato pinnato,
rostro subobtuso
.

v. Schreber tab. 342.

So wie die folgende Gattung in den europäi-
schen Meeren: wird 1 1/2 Klafter lang.

2. Delphis . der Delphin, Tümmler. (Fr. le
dauphin
. Engl. the porpesse ) D. corpore
oblongo subtereti, dorso pinnato, rostro
attenuato, acuto
.

v. Schreber tab. 343.

Der eigentliche Delphin der Alten.

3. Orca . der Nordcaper, Speckhauer. (Engl.
the grampus .) D. pinna dorsi altissima;
dentibus subconicis, parum incuruis.

v. Schreber tab. 340.

Mehr im nordlichen Weltmeere, doch auch im
mittelländischen; wird 20 Fuß lang.


Fünfter Abschnitt.
Von den Vögeln.

[Seite 128]

§. 55.

Die Säugethiere zeigen in ihrer Bildung,
mithin auch in ihrer Lebensart etc. so sehr viel
Verschiedenheit, daß sich nur wenig Allgemeines
von ihnen überhaupt sagen läßt, und man sich
folglich bey ihrer speciellen Geschichte desto um-
ständlicher zu seyn gedrungen sieht. Bey den
Vögeln ist der Fall anders. Beides, so wohl
ihre Gestalt, als auch ihre Lebensart hat im
Ganzen genommen mehr Uebereinstimmendes,
daher man sich bey der besondern Geschichte
ihrer einzelnen Geschlechter und Gattungen schon
kürzer fassen kann.

§. 56.

Alle Vögel kommen in Rücksicht ihrer Bil-
dung darin mit einander überein, daß sie zwey
Füße, zwey Flügel, einen hornigen Schna-
bel, und einen mit Federn bedeckten Körper
haben. Sie zeichnen sich zugleich durch diese
vier Charactere von allen andern Thieren aufs
kenntlichste aus, und machen eine gleichsam iso-
[Seite 129] lirte Classe von Geschöpfen aus, die mit keiner
andern zusammen fließt, und sich daher in
die vermeinte Kette oder Leiter der natürlichen
Körper (S. 9.) nicht ohne Zwang einpassen läßt.

§. 57.

Unter jenen Charactern sind die Federn den
Vögeln ausschließlich eigen, die in regelmäßigen
Reihen (in quincunce) in die Haut verwach-
sen und mit vielem Fette durchzogen sind; aber
in gewisser Jahreszeit, gewöhnlich im Herbste,
ausfallen und neue an ihrer Statt reproducirt
werden. Manche, wie die Wachteln, die
Schneehühner etc. mausern sich gar zwey Mahl
im Jahr, im Frühling und Herbst. Bey man-
chen Gattungen hat der junge Vogel, zumal vor
der ersten Mause (als avis hornotina) andre
Farben oder Zeichnungen des Gefieders, als im
reisern Alter. Bey manchen herrscht auch
hierin große Sexualverschiedenheit.

§. 58.

Die stärksten Federn sind in den Fittigen
und im Schwanze. Jene heißen Schwung-
federn (remiges), diese Steuerfedern (rectri-
ces
). Die Schwungfedern bilden bey ausge-
spannten Flügeln gleichsam breite Fächer, womit
sich die Vögel in die Luft heben und fliegen kön-
nen. Einige wenige Vögel (aves impennes),
[Seite 130] wie die Pinguine etc. haben gar keine Schwung-
federn, und sind daher zum Fluge ungeschickt.
So fehlen auch einigen Vögeln, wie dem Ca-
suar, den Taucherchen etc. die Steuerfedern.

§. 59.

Im innern Körperbau*) zeichnen sich die
Vögel besonders durch die merkwürdigen Luft-
behälter aus, die in ihrem Körper ver-
theilt, und vorzüglich zum Fluge von äußerster
Wichtigkeit sind. Die mehresten stehen mit den
Lungen, andere aber bloß mit dem Rachen in
Verbindung, und der Vogel kann sie nach Will-
kür mit Luft laben oder ausleeren. Zu diesen Luftbe-
hältern gehören vorzüglich große aber zarte häu-
tige Zellen, die theils im Unterleibe, theils un-
ter den Achseln und sonst noch unter der Haut
verbreitet sind, und durchs Einathmen mittelst
der Lungen voll Luft gepumpt werden können.
Außerdem dienen den Vögeln auch gewisse
markleere hohle Knochen, wie die Schulter-
knocken im Flügel etc. und manchen selbst die
Hirnschale, zu gleichen Zwecken. Und endlich
sind auch die ungeheuern Schnäbel der Pfeffer-
fraße, Nashornvögel etc. ebenfalls dahin ge-
[Seite 131] hörig; und selbst die Federspulen stehen mit
dem obengedachten lockern Zellgewebe in Ver-
bindung, und können gleichfalls mit Luft gefüllt
oder ausgeleert werden.

§. 60.

Durch diese merkwürdigen Einrichtungen
werden die Vögel zum Flug geschickt, bey welchem
die Geschwindigkeit so wohl als die lang anhal-
tende Dauer gleich merkwürdig sind. Nur we-
nige Vögel, wie der Straus, der Casuar, die
Pinguine und andre aves impennes (§. 58)
können gar nicht fliegen.

§. 61.

Der Aufenthalt der Vögel ist beynahe eben
so verschieden als der Säugethiere ihrer. Die
mehresten leben auf Bäumen, andre auf dem
Wasser, sehr wenige bloß auf der Erde: aber
kein einziger Vogel (so wie der Maulwurf in
der vorigen, und andre Geschöpfe in den beiden
letztern Thier-Classen) bloß unter der Erde. Die
Bildung der Füße ist auch bey den Vögeln, so
wie bei den Säugethieren, ihrem verschiednen
Aufenthalt angemessen. Die mehresten haben
freye, unverbundne Zehen (aves fissipedes) und
zwar gewöhnlich ihrer viere, wovon dreye nach
vorn, und der vierte gleichsam als Daumen nach
hinten gekehrt ist (pedes ambulatorii). Oder
aber es sind nur zwey Zehen nach vorn, und
[Seite 132] zweye nach hinten gekehrt (p. scansorii); oder
der Vogel kann willkürlich die eine Zehe bald
vorwärts zu den übrigen zweyen, bald rückwärts
zum Daumen schlagen (digitus versatilis). Bey
andern ist auch wohl die mittlere Zehe an die eine
Seitenzehe angewachsen (pedes gressorii); oder
die Hinterzehe fehlt ganz (p. cursorii). Bey
denen Vögeln, die keine freye Zehen haben, sind
die Zehen entweder nur an der Wurzel (p. se-
mipalmati
) – oder aber bis vorn an die
Spitze (p. palmati) – durch eine Schwimm-
haut verbunden; bey andern sind die einzelnen
Zehen mit einer lappichten schmalen Haut, die
entweder einen glatten (p. lobati), – oder
zackigen Rand (p. pinnati) hat, wie mit
Fransen eingefaßt.

§. 62.

Sehr viele Vögel verändern ihren Wohn-
platz zu gewissen Jahrszeiten; die meisten zwar
bloß in so fern, daß sie nur wenige Meilen weil
in die benachbarten Gegenden streichen, und bald
darauf in ihre alte Heimath zurückkehren; an-
dere aber wie die Hausschwalben, die Kraniche,
Störche etc. so, daß sie im Herbst große Wall-
fahrten, weit übers Meer und über einen be-
trächtlichen Theil der Erdkugel weg, anstellen,
und den Winter bis zur Rückkehr im folgenden
Frühjahre in wärmern Zonen zubringen.

Auch die Witwe (Emberiza para-
disea
) soll sich zweymahl im Jahr mausern. Hin-
gegen ist die doppelte Mause der Wachteln neuer-
lich bezweifelt worden.

§. 63.

[Seite 133]

Kein Vogel hat Zähne, sondern diese Thiere
müssen ihre Speise entweder mit dem Schnabel
zerbeissen, oder ganz schlucken. Bey denjenigen
samenfressenden Vögeln, die ihre Körner ganz,
unzerbissen einschlucken, gelangen diese nicht so-
gleich in den Magen, sondern werden vorher
im drüsenreichen Kropfe oder Vor-Magen
(ingluuies, prolobus) eingeweicht, und von
da nur allmählich an den Magen überlassen
der bey diesen Thieren äußerst musculös, und
so stark ist, daß er sogar, nach Reaumur's
u.a. merkwürdigen Versuchen, verschluckte Hasel-
nüsse und Olivenkerne zu zerdrücken und Münzen
so glatt wie Papier abzuscheuern vermag. Sehr
viele Vögel verschlucken aber auch überdem noch
kleine Kieselsteinchen, die ebenfalls die Zermal-
mung und nachherige Verdauung der Speisen
befördern*). Verschiedene fleischfressende Vögel,
wie die Falken, Eulen, Eisvögel etc. können die
Knochen, Haare und Gräten der kleinen Thiere,
die sie verzehrt haben, nicht verdauen, sondern
[Seite 134] brechen sie, in eine runde Kugel (das Gewölle)
geballt, nach der Mahlzeit wieder von sich*).

§. 64.

Zu den besondern Eigenheiten der Sinn-
werkzeuge der Vögel in Vergleichung zu den
Säugethieren, gehört unter andern der Mangel
der knorpligen zur Auffassung des Schalls dienen-
den äußern Ohren; der aber, zumahl bey den
nächtlichen Raubvögeln, durch die äußerst regel-
mäßige zirkelförmige Stellung und bestimmte
Richtung der Federchen in der Gegend des Ohres
und bey manchen derselben auch noch überdem
durch eine bewegliche Klappe am äußern Gehör-
gange, ersetzt wird.

Anm. Nur sehr wenige Vögel, die Enten nähmlich
u.a. verwandte Gattungen, scheinen den wirklichen
Sinn des Tastens (d.h. des Gefühle im engern
Verstande) zu besitzen; und das Organ dazu ist
wohl die welche Bedeckung ihres Schnabels, die
mit ausnehmend starken Hautnerven versehen, und
beym lebendigen Thier äußerst empfindlich ist.
Auch siebt man, wie die Enten in den Pfützen,
wo sie bey Aufsuchung des Fraßes weder dem
Gesichte, noch dem Geruche nachgeben können, mit
dem Schnabel wirklich sondiren.

§. 65.

[Seite 135]

Die Stimme ist zumahl bey den kleinen
so genannten Sangvögeln mannigfaltig und an-
muthig, doch darf man nicht sowohl sagen, daß
sie singen (– denn natürlicher Gesang ist ein
ausschließliches Vorrecht des Menschen –) als,
daß sie pfeifen. Außer den abgedachten Luftbe-
hältern (§. 59.) kommt ihnen dazu vorzüglich
die Einrichtung ihres Kehlkopfs (larynx) zu
Statten, der bey den Vögeln nicht bloß, so wie
den Säugethieren und Amphibien, am obern
Ende, nähmlich an der Zungenwurzel befind-
lich, sondern gleichsam in zwey abgesonderte
Hälften an die beiden Enden der Luftröhre ver-
theilt ist. Die Papageyen, Raben, Stahre,
Dompfaffen etc. hat man die Menschenstimme nach-
ahmen und Worte aussprechen gelehrt: so wie
auch die Sangvögel im Käficht leicht fremden
Gesang annehmen, Lieder pfeifen lernen, und
sich sogar zum Accompagnement abrichten lassen,
so, daß man mit mehreren Dompfaffen zugleich
schon wirklich kleine Concerte hat geben können.
Ueberhaupt aber scheint auch der Waldgesang
der Sangvögel doch erst durch Uebung und Nach-
ahmung recht ausgebildet zu werden.

§. 66.

Die mehresten Vögel begatten sich im Früh-
jahr; manche aber, wie der Kreuzschnabel, in
der kältesten Jahrszeit nach Weihnachten. Das
[Seite 136] Hausgeflügel ist gar an keine bestimmte Zeit
gebunden, sondern läßt sich Jahr aus Jahr ein
zu diesem Geschäft willig finden. Manche hallen
sich nur zur Begattungszeit, andere aber, wie
die Tauben, für immer paarweise zusammen:
noch andre aber leben, wie die Hühner, in Po-
lygamie.

§. 67.

Das befruchtete Weibchen wird vom In-
stinct getrieben, für die Zukunft zu sorgen, und
zu nisten, wovon eigentlich vielleicht bloß der
Kuckuck völlig ausgenommen ist. Bey den po-
lygamischen Vögeln, wie bey den Hühnerarten,
nimmt das Männchen gar keinen Antheil an die-
sem Geschäfte; bey denen aber, die sich paarweise
zusammen hallen, zumahl unter den Sangvö-
geln, trägt es doch Baumaterialien herbey, und
verpflegt sein Weibchen während ihrer Arbeit.

§. 68.

Die Auswahl des Ortes, an dem jede
Gattung ihr Nest anlegt, ist ihren Bedürfnissen
und ihrer ganzen Lebensart aufs genaueste ange-
messen. Und eben so sorgfältig wählt auch jede
Gattung die Baumaterialien zu ihrem Neste.

§. 69.

Die Form der Nester ist bald mehr bald
minder künstlich Manche Vögel, wie die
Schnepfen, Trappen, Kibitze etc. machen sich
[Seite 137] bloß ein dürres Lager von Reisholz, Strohhal-
men etc. auf der platten Erde: andere tragen sich
nur ein welches kunstloses Bett in Löcher der
Mauern, Felsenritzen und hohlen Bäume; so die
Spechte Heber, Dohlen, Sperlinge etc. Sehr
viele, zumahl unter den Hühnern, Tauben
und Sangvögeln, geben ihrem Neste die Ge-
stalt einer Halbkugel oder einer Schüssel: an-
dre, wie der Zaunkönig, ungefähr die Form
eines Backofens: noch andere, wie der Pen-
dulin, der Jupujuba etc. die von einem Beutel
u.s.w.*)

§. 70.

Wenn endlich das Geschäft des Nesterbaues
vollendet ist, so legt die Mutter ihre Eyer hin-
ein; deren Anzahl bey den verschiedenen Gattun-
gen der Vögel sehr verschieden ist. Viele Was-
servögel z.B. legen jedes Mahl nur ein einziges
Ey; die Taucherchen und mehresten Tauben ihrer
zweye; die Möven dreye; die Raben viere; die
Finken fünfe; die Schwalben sechs bis acht; die
Rebhühner und Wachteln vierzehn; das Haus-
huhn aber, besonders wenn man ihm die Eyer
nach und nach wegnimmt**), bis fünfzig und
[Seite 138] drüber. Zuweilen geben auch manche Vögel,
ohne vorher gegangene Befruchtung, Eyer von
sich, die aber zum Bebrüten untauglich sind und
Windeyer (oua subuentanea, cynosura,
zephyria, hypenemia
) heissen.

§. 71.

Die Ausbildung des jungen Thieres, die bey
den Säugethieren noch im Mutterleibe vollzogen
wird, muß hingegen bey den Vögeln im schon
gelegten Ey, mittelst des Brütens bewirkt wer-
den. Nur der Kuckuck brütet seine Eyer nie
selbst aus, sondern überläßt es den Grasmücken
oder Bachstelzen etc. in deren Nest er sein Ey
gelegt hat. Hingegen weiß man, daß selbst
Copaunen und Hunde, und sogar Menschen
Vogeleyer ausgebrütet haben*). Auch bloß
durch künstliche Wärme, und erhitzten Mist**),
und durch Lampenfeuer in so genannten Brüt
[Seite 139] Maschinen*) und in Brutöfen, kann man
leicht Hühnchen auskriechen lassen. – Die Vögel
werden durchs anhaltende Brüten abgemattet,
und nur bey solchen, die sich paarweise zusam-
men halten, wie bey den Tauben, Schwal-
ben etc. nimmt auch das Männchen an diesem
Geschäfte Antheil. Die Hähne unter den Cana-
rienvögeln, Hänflingen, Stieglitzen etc. überlassen
zwar das Brüten bloß ihren Weibchen, versor-
gen sie doch aber während der Zeit mit Futter
und ätzen sie theils aus dem Kropfe.

§. 72.

Während des Brütens geht nun im Eye
selbst die große Veränderung vor, daß das
Küchelchen darin allmählig gebildet, und von
Tag zu Tag mehr zur Reise gebracht wird. Zu
dieser Absicht ist nicht nur der Dotter überhaupt
specifisch leichter als das Eyweiß, sondern auch
wiederum diejenige Stelle auf seiner Oberfläche
(der so genannte Hahnentritt, cicatricula),
neben welcher das künftige Hühnchen zu liegen
kommt, selbst noch leichter als die entgegen ge-
setzte Seite, so daß folglich bey jeder Lage des
Eyes doch immer jene Stelle dem Leibe des be-
brütenden Vogels zugekehrt ist. Die erste
[Seite 140] Spur des neuen Küchelchens zeiget sich immer
erst eine geraume Zeit nachdem das Brüten sei-
nen Anfang genommen. Beym Hühnerey z.B.
kaum vor Ende des ersten Tages: so wie am
Ende des zweyten das berühmte Schauspiel der
ersten Bewegung des dann noch sehr unvollkomm-
nen Herzchens (das punctum saliens) seinen
Anfang nimmt. Zu Ende des fünften Tages
sieht man schon das ganze kleine gallertartige
Geschöpf sich bewegen. Am vierzehnten brechen
die Federn aus; zu Anfang des fünfzehnten
schnappt das Hühnchen schon nach Lust; und ist
am neunzehnten Tage im Stande einen Laut von
sich zu geben.

Anm. Beym Vogel im Ey ist die erste Gestalt, worin
er sich zeigt, unendlich mehr von seiner nachmah-
ligen Form, wenn er zum Auskriechen reif ist, ver-
schieden als die frühe sie Gestalt des neuempfange-
nen Säugethiers von seiner nachherigen Bildung.
Man kann sagen, das Küchelchen im Eye gelangt
erst durch eine Art von Metamorphose zu seiner
vollkommenen Gestalt, und das sowohl in Rücksicht
einzelner Eingeweide (z.B. des Herzens) als in
der Totalbildung.

§. 73.

Unter den mancherley zur bewundernswürdi-
gen Oeconomie des bebrüteten Küchelchens die-
nenden Organen, sind die beiden allerwichtigsten
zwey, sehr gefäßreiche Membranen, die zumahl
um die Mitte der Brützeit in ganz ausnehmen-
der Schönheit sich zeigen. – Nämlich die
[Seite 141] Nabelhaut (chorion) die dann unter der Eyer-
schaale ausgebreitet ist; und die Dotterhaut
(membrana valuulosa vitelli), die mit dem
Darmcanal des zarten Geschöpfs zusammenhängt.
– Jene dient ihm statt der Lungen zum so genann-
ten phlogistischen Proceß (– S. 35 u.f. –) und
diese zur Ernährung mittelst des Dotters, der
allgemach durch das sich ihm beymischende
Eyweiß verdünnt wird. (– Abbild. n. h.
Gegenst.
tab. 34. –)

§. 74.

Jede Gattung Vögel hat zwar ihre bestimmte
Brützeit von verschiedener Länge, die aber doch
nach Verschiedenheit des Clima und der wär-
mern oder kältern Witterung verzögert oder be-
schleunigt wird. Beym Huhn ist das Küchel-
chen gewöhnlich zu Ende des ein und zwanzig-
sten Tages zum Auskriechen aus dem Eye reif.

§. 75.

Die jungen Vögel werden einige Zeit von
der Mutter, und bey denen, die in Monogamie
leben, auch vom Vater, mit vieler Zärtlichkeit
gefüttert, und zumahl bey den körnerfressenden
aus dem Kropfe geätzt, bis sie erwachsen, und für
ihren eignen Unterhalt zu sorgen im Stande sind.

§. 76.

Die Vögel erreichen, nach Verhältniß ihrer
körperlichen Größe, und in Vergleich mit den
[Seite 142] Säugethieren, ein sehr hohes Alter, und man
weiß, daß selbst in der Gefangenschaft Adler
und Papageyen über hundert, Stieglitze über
24 Jahre etc. leben können.

§. 77.

Die Vögel sind für die Haushaltung der
Natur im Großen ungemein wichtige Geschöpfe,
obgleich ihre unmittelbare Brauchbarkeit fürs
Menschengeschlecht ohne Vergleich einfacher ist,
als der Säugethiere ihre. Sie vertilgen unzäh-
lige Insecten, und die gänzliche Ausrottung man-
cher vermeintlich schädlichen Vögel, der Sper-
linge, Krähen etc. in manchen Gegenden, hat meist
eine ungleich schädlichere Vermehrung des Unge-
ziefers nach sich gezogen. Andere verzehren
größere Thiere, Feldmäuse, Schlangen, Frösche,
Eidexen etc. oder Aeser. Viele helfen Unkraut
ausrotten. Von der andern Seite wird auch
die Vermehrung und Fortpflanzung der Thiere
so wohl, als der Gewächse, durch Vögel be-
fördert. So weiß man z.B., daß die wilden
Gänse bey ihren Zügen befruchteten Fischrogen
in entfernte Teiche übertragen, und sie dadurch
zuweilen fischreich machen. Sehr viele Vögel
verschlucken Samenkörner, die sie nachher wieder
ganz von sich geben, und dadurch die Verbrei-
tung derselben befördern: so z.B. die Tauben
auf Banda die Muscatnüsse etc. Der Mist der
Seevögel düngt kahle Felsenklippen und Küsten,
[Seite 143] daß nachher nützliche Gewächse da fortkommen
können. Manche Falkengattungen lassen sich
zur Jagd, so wie die Scharben zum Fisch-
fang, abrichten etc. So sehr viele Vögel, ihre
Eyer, ihr Fett etc. dienen zur Speise. Die
ganzen Felle der Seevögel zur Kleidung man-
cher der nördlichsten Völker. Die Federn zum
Füllen der Betten, zum Schreiben, und zu
mancherley Putz, weßwegen sie bey vielen wil-
den Völkern, zumahl auf den Inseln des stillen
Oceans, einen wichtigen Handelsartikel aus-
machen.

§. 78.

Der Schade, den die Vögel stiften, läßt
sich fast gänzlich auf die Vertilgung nutzbarer
Thiere und Gewächse zurück bringen. Der
Condor, der Lämmergeyer u.a. Raubvögel töd-
ten Kälber, Ziegen, Schafe etc. Der Fisch-
adler und so viele Wasservögel sind den Fischen
und ihrem Leich so wie die Habichte, Sperber,
Aelstern etc. dem Hausgeflügel gefährlich. Die
Sperlinge und andre kleine Sangvögel schaden
der Saat, den Weintrauben und Obstbäu-
men u.s.w. Und endlich werden freylich nicht
bloß brauchbare Gewächse, sondern auch eben
so wohl wucherndes Unkraut durch die Vogel
verpflanzt. Giftige Thiere finden sich aber
in dieser Classe von Thieren eben so wenig,
als in der vorigen.

§. 79.

[Seite 144]

Da die Bildung der Vögel, im Ganzen ge-
nommen, ziemlich einförmig ist, und gewisse
Theile ihres Körpers, wie der Schnabel und
die Füße, die sich auf ihre ganze Lebensart Roh-
rung etc. beziehen, schon an sich so viel von ihrem
Total. Habitus bestimmen; so haben die meh-
resten Ornithologen auch ihre Classification auf
die Verschiedenheit des einen, oder des andern
von den genannten Theilen gegründet; Klein
z.B. auf die Bildung der Zehen, Möhring auf
die Bedeckung der Beine, Brisson auf beides in
Verbindung mit der Beschaffenheit des Schna-
bels u.s.w. Linné nimmt in dem Plan seines
Systems der Vögel auch auf die Bildung meh-
rerer Theile zugleich und so ziemlich auf den
ganzen Habitus, Rücksicht; nur scheint er sich
in der Ausführung zuweilen vergessen zu haben:
wenigstens begreift man nicht, wie Papageyen,
Colibrite und Krähen bey ihm in eine Ordnung
verbunden, hingegen Tauben und Hühner in
zwey Ordnungen von einander gerissen, und mehr
Verbindungen oder Trennungen dieser Art zuge-
lassen werden dursten.

§. 80.

Ich habe mir also hier einige Abänderung
von dem linnéischen System erlaubt, und die
ganze Classe in folgende neun Ordnungen abzu-
theilen versucht.

A) Landvögel.

[Seite 145]

I. Accipitres. Die Raubvögel: mit krummen
starken Schnäbeln meist mit kurzen starken,
knorrigen Füßen, und großen, gebogenen,
scharfen Klauen.

II. Levirostres. Mit kurzen Füßen, und meist
sehr großen, dicken, aber mehrentheils hoh-
len und daher sehr leichten Schnäbeln,
Papageyen, Pfeffervögel.

III. Pici. Mit kurzen Füßen, mittelmäßig
langen und schmalen Schnäbeln, und
theils wurmförmiger, theils fadenför-
miger Zunge. Wendehals, Spechte,
Baumkletten, Colibrite etc.

IV. Coraces. Mit kurzen Füßen, mittel-
mäßig langem, und ziemlich starkem, oben
erhabenem Schnabel. Raben, Krähen etc.

V. Passeres. Die sogenannten Sangvögel
nebst den Schwalben etc. Sie haben
kurze Füße, und einen mehr oder weni-
ger kegelförmigen, zugespitzten Schnabel,
von verschiedner Länge und Dicke.

VI. Gallinae. Vögel mit kurzen Füßen, oben
etwas erhabenem Schnabel, der an der
Wurzel mit einer fleischigen Haut be-
wachsen ist. Auch die Tauben habe ich
unter diese Ordnung gebracht, da sie bey
[Seite 146] weitem mehr mit den Hühnern als mit den
Sangvögeln, denen sie Linné zugesellte, ver-
wandt sind.

VII. Struthiones. Die großen, zum Flug un-
geschickten Landvögel. Der Straus, Casuar
und Dudu.

B) Wasservögel.

VIII. Grallae. Sumpfvögel, mit langen
Füßen, langem, walzenförmigem Schnabel,
und meistens langem Halse.

IX. Anseres. Schwimmvögel mit Ruder-
süßen, einem stumpfen, mit Haut über-
zognen, am Rande meist gezähnelten
Schnabel, der sich an der Spitze des
Oberkiefers mit einem Häkchen endigt.

* * *

Zur N. G. der Vögel.

  1. Conr. Gesneri historiae animalium L. III. qui est de
    avium natura
    . Tiguri. 1555. fol.
  2. Ulyss. Aldrovandi ornithologia . Bonon. 1599. sq.
    Vol. III. fol.
  3. F. Willughby ornithologiae L. III. ex ed, Raji. Lond.
    1676. fol.
  4. Jo. Raji synopsis methodica avium . ib. 1713. 8.
  5. J. Edward's natural history of birds . Lond. 1743. sq.
    Vol. IV. 4.
  6. Ej. gleanings of natural history . ib. 1758. sq. Vol. III. 4
    Brisson ornithologie . Paris 1760. Vol. VI. 4.
  7. [Seite 147] Buffon .
  8. Daubenton planches des oiseaux . Paris 1775. sq. fol.
    (984 Bl.)
  9. Th. Pennant's genera of birds . Lond. 1781. 4.
  10. Ej . arctic zoology . II. Band. ib. 1784. 4.
  11. ( Jo. Latham's ) general synopsis of birds ib. 1781.
    Vol. VI. 4. und das Supplement dazu. ib. 1787.
  12. J. M. Bechsteins gemeinnützige N. G. Deutschlands
    II-IV. B. Leipzig, 1791. 8.
* * *
  1. Joh. Leonh. Frisch. Vorstellung der Vögel in Deutsch-
    land. Berlin, 1733. bis 1763. Fol. (242 Taf.)
  2. Corn. Nozemann Nederlandsche Vogelen , door Chr .
    Sepp en Zoon . Amst. 1770. sq. fol.
  3. Marc. Catesby natural history of Carolina . Lond. 1731.
    Vol. II. fol.
  4. Andr. Sparrmann museum Carlsonianum . Holm. 1786
    Fasc. II. fol.

[Seite 148]

Erst also die Landvögel in VII. Ord-
nungen.

I. ACCIPITRES.

Fast alle mit kurzen, starken Füßen, großen,
scharfen Krallen und starkem, gekrümmtem Schna-
bel, der meist oben auf der Seite in zwey stum-
pfe, schneidende Spitzen auslauft, und an der
Wurzel mehrentheils mit einer fleischigen Haut
(cera) bedeckt ist. Sie nähren sich theils von
Aas, theils vom Raube lebendiger Thiere, leben
in Monogamie, nisten an erhabenen Orten, und
haben ein wilderndes, widerliches Fleisch.

1. Vultur . Geyer Rostrum rectum,
apice aduncum: plerisque caput et col-
lum impenne. Lingua bifida.

1. Gryphus der Condor, Cuntur. V. carun-
cula verticali longitudine capitis.

Hauptsächlich im westlichen Südamerica. Hält
mit ausgespannten Flügeln auf 15 Fuß in die
Breite, und feine Schwungfedern sind am Kiel
wohl fingersdick. Er ist schwarz und weiß von
Farbe. Nistet zumahl an felsigen Ufern, fliegt
ausnehmend hoch, lebt meist vom Raube unter
den Viehherden, und von den todten Fischen, die
die See auswirft.

2. Papa . der Geyerkönig, Ruttengeyer, Son-
nengeyer. V. naribus carunculatis, vertice
colloque denudato
.

Buffon , oiseaux . Vol. I. tab. 6.

[Seite 149]

In Westindien und Südamerica. Nur von der
Größe eines welschen Huhns; zumal am Kopf
von schönen gelben, rothen und schwarzen Farben,
mit langen, fleischigen Lappen über dem Schna-
bel. Kann den nakten Hals ganz in den dick-
gefiederten Schulterkragen einziehen.

3. †. Barbatus . der Lämmergeyer, Bartgeyer,
Goldgeyer. V. rostri dorso versus apicem
gibboso, mento barbato.

(Andreä) Briefe aus der Schweiz, Taf. 12.

In den tyroler- und schweizer-Alpen; auch
in Sibirien und Habessinien. Der größte euro-
päische Vogel, dessen ausgespannte Flügel bey
10 Fuß messen, und der sich vorzüglich durch
seinen starkharigen Bart, und durch den befeder-
ten Kopf, besonders aber durch den gewölbten
Rücken vorn am Oberschnabel von andern Geyern
auszeichnet*).

4. Percnopterus . der Aasgeyer. V. remigi-
bus nigris margine exteriore practer exti-
mas, canis.

Besonders häufig in Palästina, Arabien und
Aegypten. Verzehrt unzählige Feldmäuse, Amphi-
bien etc. Die alten Aegyptier haben diesen Vogel,
so wie einige andere ihnen vorzüglich nutzbare
Thiere, heilig gehalten, und ihn häufig in ihrer
Bilderschrift auf Obelisken, Mumienbekleidun-
gen u.s.w. vorgestellt.

[Seite 150]

2. Falco . (Span. Açor.) Rostrum
aduncum, basi cera instructum; caput
pennis tectum; lingua bifida
.

1. Serpentarius . der Secretär. (sagittarius.)
F. cera alba, cruribus longissimis, crista
ceruicali pendula, rectricibus intermediis
elongatis
.

Jo. Fr. Miller Fasc. V. tab. 28.

Vom Cap landeinwärts, auch auf den Philip-
pinen. Mit langen Beinen, wie ein Sumpfvogel*).

2. †. Melanaëtus der schwarzbraune Adler.
(Büffon's aigle commun , Engl. the black
eagle
) F. cera lutea, pedibusque semila-
natis, corpore ferrugineo-nigricante, striis
flauis
.

Frisch tab. 69.

In Europa. Beträchtlich kleiner als der folgende.

3. †. Chrysaëtos. der Goldadler, Steinadler.
(Büffon's grand aigle , Engl. the golden
eagle
.) F. cera lutea, pedibus lanatis
luteo-ferrugineis, corpore fusco ferrugineo
vario, cauda nigra, basi cinereo vndulata.

Buffon Vol. I. tab I.

[Seite 151]

Im gebirgigen Europa. Nistet auf hohen Felsen
und versorgt seine Junge mit Wildpret von Ha-
sen, Gemsen etc.

4. †. Ossifragus . der Fischadler, der Beinbrecher
(Fr. l'orfraie , Engl. the sea-eagle, the
osprey
.) F. cera lutea pedibusque semila-
natis, corpore ferrugineo, rectricibus latere
interiore albis
.

Buffon Vol. I. tab. 3.

An den europäischen Küsten, auch in Nord-
america und theils auf der Südsee. Fast von der
Größe des Goldadlers. Lebt fast bloß von Fischen.

5. †. Haliaëtus. der Entenstößer, Moosweih.
(Fr. le balbuzard , Engl. the osprey .) F.
cera pedibusque caeruleis, corpore supra
fusco, subtus albo, capite albido.

Buffon Vol. I. tab. 2.

Mehr an den Ufern der Flüsse als an den See-
küsten. Ist oft mit dem Fischadler vermengt
worden.

6. †. Milvus . die Weihe, der Gabelgeyer, Mi-
lan, Scherschwänzel, Schwalbenschwanz,
Taubenfalke. (Fr. le milan, Engl. the kite.)
F. cera flaua, cauda forsicata, corpore fer-
rugineo, capite albidiore
.

Frisch tab. 72.

Fast in der ganzen alten Welt. Thut zwar
dem Hausgeflügel Schaden, wird aber von der
andern Seite dadurch nutzbar, daß sie eine Menge
Aas und Amphibien verzehrt; daher sie auch in
manchen Gegenden, wie der Aasgeyer in Aegypten,
gehegt wird und zu schießen verboten ist.

[Seite 152]

7. Gentilis . der Edelfalke. (Fr. le faucon ,
Engl. the falcon .) F. cera pedibusque flauis,
corpore cinereo maculis fuscis, cauda fasciis
quatuor nigricantibus
.

Frisch tab. 74.

In gebirgigen Gegenden der nordlichen Erde;
variirt in zahlreichen Spielarten, deren einige auch
von manchen für besondre Gattungen angenommen
werden. Wird vorzüglich (so wie freylich die fol-
gende und andere verwandte Gattungen dieses
Geschlechts auch) zum Fang kleiner Säugethiere
und Vögel, namentlich in den Morgenländern zur
Gazellenjagd, und in Europa zur Reiherbezitze
abgerichtet.

8. †. Palumbarius . der Habicht, Taubenfalke.
(accipiter. Fr. l'autour , Engl. the goose-
hawk
.) F. cera nigra, margine pedibusque
flauis, corpore fusco, rectricibus fasciis pal-
lidis, superciliis albis.

Frisch tab. 81. 82.

Hat meist gleiche Heimath mit der vorigen
Gattung.

9. †. Nisus . der Sperber, Vogelfalke. (Fr.
l'épervier , Engl. the sparrow hawk .) F.
cera viridi, pedibus flauis, abdomine albo
griseo vndulato, cauda fasciis nigricantibus
.

Frisch tab. 90. 91. 92.

In Europa.

[Seite 153]

3. Strix . Eule. Rostrum breue, adun-
cum, nudum absque cera; nares barba-
tae; caput grande; lingua bifida; pedes
digito versatili; remiges aliquot serratae
.

1. †. Bubo . der Uhu, Schubut, die Ohreule.
(Fr. le grand duc . Engl. the great horn-
owl, the eagle-owl
.) S. auribus pennatis
iridibus croceis, corpore rufo
.

Frisch tab. 93.

Das größte Thier seines Geschlechts. So wie
die folgende Gattung im wildern Europa und
westlichen Asien.

2. †. Ulula. der Steinkauz, die Steineule.
(Fr. la chouette , Engl. the brown owl .)
S. capite laeui, iridibus croceis, corpore
ferrugineo, remige tertio longiore.

Frisch tab. 98.

3. Passerina . das Käutzlein (Fr. la chevêche ,
Engl. the little owl ) S. capite laeui, re-
migibus maculis albis quinque ordinum
.

Frisch tab. 100.

In Europa und Nordamerica.

4. Lanivs . Rostrum rectiusculum, dente
vtrinque versus apicem, basi nudum;
lingua lacera
.

1. †. Excubitor . der Würger, Bergälster.
(Fr. la pie-grieche grise , Engl. the great
shrike
.) L. cauda cuneiformi, lateribus alba,
dorso cano, alis nigris macula alba
.

Frisch tab. 59.

[Seite 154]

In Europa und Nordamerica. Ahmt, so wie
die folgende Gattung, andrer Vögel Stimme sehr
geschickt nach.

2. †. Collurio . der Neuntödter. (Fr. l'ecor-
cheur
, Engl. the red-backed shrike .) L.
cauda subcuneiformi, dorso griseo, rectrici-
bus quatuor intermediis vnicoloribus, rostro
plumbeo
.

Frisch tab. 60.

In Europa Nährt sich hauptsächlich von In-
secten, zumahl Käfern, Schmeißfliegen etc. und
spießt sie zum Vorrath an Schwarzdorn und andres
dorniges Gebüsche.


II. LEVIROSTRES.

Die Vögel dieser Ordnung sind fast bloß den
wärmsten Erdstrichen eigen, und werden durch
die theils sehr großen, dicken, aber in Verhältniß
meist sehr leichten Schnäbel, kenntlich, deren
oben (§. 59.), bey Gelegenheit der Luftbehälter
gedacht worden.

5. Psittacvs . Papagey, Sittig. (Fr.
perroquet , Engl. parrot ) Mandibula su-
perior adunca, cera instructa; lingua
carnosa, integra. Pedes scansorii.

Merkwürdig ist, daß manche einzelne Gat-
tungen dieses Geschlechts eine so überaus einge-
schränkte Heimath haben, daß sich, z.B. auf den
Philippinen, verschiedne derselben bloß einzig und
[Seite 155] allein auf der einen oder andern Insel, und hin-
gegen nie auf den noch so nahe liegenden, benach-
barten finden. Ueberhaupt haben die Papageyen
viel Auszeichnendes, Eignes in ihrem Betragen.
Sie wissen sich z.B. ihrer Füße fast wie Hände
zu bedienen, bringen ihre Speise damit zum
Munde, krauen sich damit hinter den Ohren, und
wenn sie auf dem Boden gehen, so treten sie,
nicht wie andre Vögel bloß mit den Krallen,
sondern mit der ganzen Ferse auf etc. Ihr baken-
förmiger Oberschnabel ist eingelenkt und sehr be-
weglich, und nutzt ihnen zuweilen fast statt eines
dritten Fußes zum Klettern, Anhalten u.s.w.
Beide Geschlechter lernen mit ihrer dicken flei-
schigen Zunge und bey ihrer großen Gelehrigkeit
sehr leicht Worte nachsprechen.

1. Macao . der Aras, indianische Rabe ( Ara-
canga
). P. macrourus ruber, remigibus supra
caeruleis, subtus rutis, genis nudis rugosis
.

Edwards's birds tab. 158.

In Südamerica

2. Alexandri.
P. macrourus viridis, collari
pectoreque rubro, gula nigra.

Edwards l. c. tab. 292.

In Ostindien.

3. Rufirostris . ( Sincialo . Fr. la perruche ) P. macrourus viridis, mandibula superiore
rubra, inferiore nigra, rectricibus apice caeru-
lescentibus, margine palpebrarum aurantio
.

Edwards l. c. tab. 175.

In Westindien, Guiana etc.

[Seite 156]

4. Cristatus . der Cacadu. P. brachyurus, crista
plicatili flaua.

Frisch tab. 50.

In Ostindien, zumahl auf den Molucken.

5. Erithacus . der Jaco, aschgraue Papagey.
P. brachyurus canus, temporibus nudis albis,
cauda coccinea
.

Frisch tab. 51.

Auf Guineea, Congo und Angola.

6. Pullarius . (Fr. l'inseparable .) P. brachyu-
rus viridis, fronte rubra, cauda fulua fascia
nigra, orbitis cinereis
.

Frisch tab. 54. fig. 1.

Auf Guinea und in Ostindien. Nicht viel größer
als ein Blutfink. Hat den französischen Nahmen
von der Zärtlichkeit, womit die beiden Gatten ein-
ander zugethan sind.

6. Ramphastos . Pfefferfras. Rostrum
maximum, inane, extrorsum serratum,
apice incuruatum. Pedes scansorii ple-
risque
.

Der ungeheuere Schnabel, der alle Gattungen
dieses sonderbaren Geschlechts südamericanischer
Vögel auszeichnet, ist ausnehmend leicht, und
von ungemein welchem Horn. Ihre Zunge ist eine
halbe Spanne lang, wie von Fischbein, an der
Wurzel kaum eine Linie breit, und an den Seiten
vorwärts gezasert. Das Gefieder variirt sehr,
nach der Verschiedenheit der beiden Geschlechter,
auch nach dem Alter etc.

[Seite 157]

1. Tucanus . R. nigricans, rostro flauescente,
versus basin fascia nigra, fascia abdomi-
nali flaua
.

7. Bvceros . Der Nashornvogel, Calao.
(hydrocorax.) Rostrum maximum, inane,
ad basin versus frontem recuruatum;
pedes gressorii
.

Die sämmtlichen Gattungen dieses ebenfalls aben-
theuerlich gebildeten Geschlechts, sind in Ostindien
und Neu-Holland zu Hause.

1. Rhinoceros. B. processu rostri frontali re-
curuato
.

Abbild. n.h. Gegenst . tab. 24.


III. PICI.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze Füße,
und meist einen geraden, nicht dicken Schnabel
von mittelmäßiger Länge.

8. Picvs . Specht (Fr. pic . Engl. wood-
pecker
.) Rostrum polyedrum, apice cu-
neato; lingua teres lumbriciformis, lon-
gissima, mucronata, apice retrorsum acu-
leato; pedes scansorii
.

Die Spechte haben vorzüglich den sonderbaren
Bau der Zunge, daß sich das Zungenbein in zwey
lange grätenförmige Knorpel endigt, die von
hinten nach vorn über den ganzen Hirnschädel
unter der Haut weglausen, und sich an der Sterne
nahe an der Schnabelwurzel fest setzen. – Diese
Knorpel sind also gleichsam elastische Federn,
mittelst welcher diese Vögel ihre wurmförmige
[Seite 158] Zunge desto leichter hervorschießen, und an der
hornigen Spitze derselben Insecten anspießen
können.

1. †. Martius , der Schwarzspecht, gemeine
Specht, die Hohlkrähe. P. niger, vertice
coccineo
.

Frisch tab. 34. fig. 1.

Nebst den folgenden Gattungen im mildern
Europa und nordlichen Asien.

2. †. Viridis . der Grünsprecht, Grasspecht.
P. viridis, vertice coccineo.

Frisch tab. 35.

3. †. Maior . Der große Bunt- oder Roth-
specht. P. albo nigroque varius, occipite
rubro
.

Frisch tab. 36.

4. †. Minor. der kleine Bunt- oder Roth-
specht. P. albo nigroque varius, vertice
rubro.

Frisch tab. 37.

9. Iynx . Rostrum teretiusculum, acumi-
natum; lingua lumbriciformis, longissima,
mucronata; pedes scansorii
.

1. †. Torquilla . der Drehhals, Wendehals,
Natterwindel. (Fr. le torcol , Engl. the
wryneck
.) F. cauda explanata, fasciis fuscis
quatuor.

Frisch tab. 38.

Hat seinen Nahmen von der ungemeinen Ge-
lenksamkeit seines Halses, und meist die gleiche
Heimath wie die vorgedachten Spechte.

[Seite 159]

10. Sitta . Spechtmeise. Rostrum subu-
latum, teretiusculum, apice compresso,
mandibula superiore paullo longiore;
pedes ambulatorii
.

1. †. Europaea . der Blauspecht (Fr. la sitelle
le torchepot
, Engl. the nut-hatch, the wood-
cracker
.) S. rectribus nigris, lateralibus
quatuor infra apicem albis
.

Frisch tab. 39.

In allen drey Welttheilen der nordlichen Erde.

11. Todvs . Rostrum subulatum, depres-
siusculum, obtusum, rectum, basi setis
patulis; pedes gressorii
.

1. Viridis . (Fr. le todier , Engl. the green
sparrow
.) T. viridis, pectore rubro.

Im mittlern America.

12. Alcedo . Rostrum trigonum, crassum,
rectum, longum; digitus versatilis
.

1. †. Ispida . der Eisvogel. ( Alcyon . Fr. le
martin pécheur
, Engl. the kingsfisher. ) A.
supra cyanea, fascia temporali flaua, cauda
breui
.

Frisch tab. 223.

Fast in der ganzen alten Welt. Nährt sich von
Fischen. Vertrocknet (so wie auch der Kreuz-
schnabel und vielleicht manche andre Vögel mehr)
nach dem Tode leicht, ohne in Fäulniß überzugehn.

[Seite 160]

13. Merops . Rostrum curuatum compres-
sum, carinatum; pedes gressorii.

1. Apiaster . der Immenwolf, Bienenfresser.
(Fr. le guépier , Engl. the bee-eater .) M.
dorso ferrugineo, abdomine caudaque viridi
caerulescente, gula lutea, fascia tempo-
rali nigra
.

Frisch tab. 222.

Im südlichen Europa und mildern Asien. Lebt
von Insecten.

14. Upupa . Rostrum arcuatum, conue-
xum, subcompressum, obtusiusculum; pe-
des ambulatoii.

1. †. Epops . der Wiedehopf, Rothhahn. (Fr.
la hupe , Engl. the hoopoe. ) V. crista
variegata.

Frisch tab. 43.

In Europa und Ostindien. Nährt sich von Re-
genwürmern und mancherley Insecten. Nistet in
hohle Bäume, und, wie man versichert, oft auf
eine Grundlage von Menschenkoth*).

15. Certhia . Baumläufer. Rostrum
arcuatum, tenue, subtrigonum, acutum;
pedes ambulatorii
.

1. †. Familiaris . die Baumklette, der Grüper,
Grauspecht, Baumkleber. (Fr. le grim-
pereau
, Engl. the creeper. ) C. grisea. subtus
alba, remigibus fuscis; rectricibus decem
.

Frisch tab. 39. fig. 1.

[Seite 161]

In Europa. Klettert fast wie die Spechte an
den Baumstämmen herum, um Insecten und ihre
Puppen zu suchen etc.

2. †. Muraria . der Mauerspecht. C. cinerea,
macula alarum fulua
.

Im wärmern Europa. In altem Gemäuer,
auf Thürmen etc.

3. Coccinea . C. coccinea, rectricibus remigibus-
que nigris
.

Abbild. n. h. Gegenst . tab. 16.

Auf den Sandwich-Inseln, deren kunstreiche
Einwohner mit den Federchen dieses kleinen car-
moisinrothen Vogels mancherley prachtvollen Putz,
und andre Kleidungsstücke, Helme etc. sogar
ganze Mäntel etc. überziehen.

4. Sannio. C. oliuacea, vertice subuiolaceo,
remigibus caudaque subfurcata fuscis
.

Abbild. n. h. Gegenst . tab. 8.

Auf Neu-Seeland.

16. Trochilvs . Colibri, Honigsauger,
Blumenspecht. (Fr. oiseau-mouche . Engl.
humming bird .) Rostrum subulato-fili-
forme longum. Mandibula inferiore tu-
bulata, superiore vaginante inferiorem.
Lingua filis duobus coalitis tubulosa;
pedes ambulatorii
.

Das ganze Geschlecht ist, soviel man bis jetzt
weiß, allein in America zu Hause. Aber nicht
bloß im wärmern, sondern theils auch nordlich
[Seite 162] bis Nutka-Sund und südlich bis zur Westküste
von Patagonien. Die Bildung des Schnabels
differirt bey den verschiednen Gattungen. Er ist
entweder gerade, oder aufwärts, oder nieder-
wärts gebogen.

1. Minimus . T. rectirostris, corpore viridi
nitente, subtus albido; rectricibus laterali-
bus margine exteriore albis
.

Edwards tab. 105

Der allerkleinste bekannte Vogel, der aufge-
trocknet nur ungefähr 30 Gran wiegt. Sein
Nest ist von Baumwolle, und hat die Größe einer
Wallnuß; und seine zwey Eyer etwa die von einer
Zuckererbse.

2. Mosquitus . der Juwelen-Colibrit. (Fr. le
Rubis-topase
.) T. viridescens vertice pur-
pureo aurato, gutture auroreo rutilo
.

Seba . thes . tab. 37. fig. 1.

Stirn und Scheitel des Männchens glänzen
mit rubinrothem Feuer, und seine Kehle wie glü-
hendes Gold.


IV. CORACES.

Die Vögel dieser Ordnung haben einen star-
ken, oben erhabnen Schnabel von mittelmäßiger
Größe, und kurze Füße. Sie leben theils von
Getreide u.a. Pflanzen, Samen etc. theils von
Insecten, und auch von Aas; und haben mehren-
theils ein wilderndes, unschmackhaftes Fleisch.

[Seite 163]

17. Bvphaga . Rostrum rectum, subqua-
drangulare: mandibulis gibbis, integris,
extrorsum gibbosioribus. Pedes ambu-
latorii.

1. Africana (Fr. le pic boeuf . Engl. the beef-
eater
.)

Latham Vol. I. P. I. tab. 12.

In Senegambien etc.

18. Crotophaga . Rostrum compres-
sum, semiouatum, arcuatum, dorsato ca-
rinatum. Mandibula superiore margine
vtrinque angulata. Nares peruiae
.

1. Ani . (Fr. le bout de petun . Engl. the razor-
billed blackbird
.) C. pedibus scansoriis.

Latham l. c. tab. 13.

In Westindien. Lebt in gesellschaftlicher Ver-
bindung, und es sollen sogar mehrere Weibchen
sich zusammen halten und sich ein gemeinschaft-
liches Nest bauen, mit einander brüten etc.

19. Corvvs . Rostrum conuexum cultra-
tum, nares mystace tectae; pedes am-
bulatorii.

1. †. Corax . Der Kolk-Rabe. (Fr. le corbeau .
Engl. the raven .) C. ater dorso atro cae-
rulescente, cauda subrotunda
.

Frisch tab. 63.

Wie die nächstfolgende Gattung fast durchge-
hends in beiden Welten. Hat einen überaus scharfen
[Seite 164] Geruch, raubt Fische, Krebse, junge Enten, selbst
junge Hasen etc. schleppt auch andere Sachen zu
Neste, die er nicht fressen kann.

2. †. Corone . die Raben-Krähe. (Fr. la cor-
neille
, Engl. the carrion crow .) C. atro-
caerulescens totus, cauda rotundata: rectri-
cibus acutis
.

Buffon Vol. III. tab. 3.

3. †. Frugilegus . die Saatkrähe, der Ka-
rechel. (Fr. le freux , la frayonne . Engl.
the rook .) C. ater, fronte cinerascente,
cauda subrotunda
.

Frisch tab. 64.

In Europa. Ein überaus nützliches Thier, das
unzählige Feldmäuse, Engerlinge, Grasraupen etc.
verzehrt.

4. †. Cornix . die Krähe, Nebelkrähe, Hauben-
krähe. (Fr. la corneille mantelée . Engl. the
hooded crow
, royston crow .) C. cinera-
scens, capite iugullo alis caudaque nigris
.

Frisch tab. 65.

In der alten Welt. Wird ebenfalls durch die
Vertilgung unzähligen Ungeziefers nutzbar.

5. †. Monedula . die Dohle. (Fr. le choucas.
Engl. the jackdaw .) C. fuscus, occipite
incano, fronte alis caudaque nigris
.

Frisch tab. 67.

Im nordwestlichen Europa.

6. †. Glandarius . der Holzheher, Nußbeißer,
Marcolph, Hetzle, Herrenvogel. (Fr. le
jeay
. Engl. the jay .) C. tectricibus alarum
[Seite 165] caeruleis, lineis transuersis albis nigrisque,
corpore ferrugineo variegato.

Frisch tab. 55.

Im mildern Europa.

7. †. Caryocatactes . der Nußheher. (Fr. le
casse noix
. Engl. the nut cracker .) C. fuscus
alboque punctatus, alis caudaque nigris:
rectricibus apice albis: intermediis apice
detritis
.

Frisch tab. 56.

In der nordlichen Erde.

8. †. Pica . die Aelster, Atzel, Aegerste, Hei-
ster. (Fr. la pie . Engl. the magpie .) C.
albo nigroque varius, cauda cuneiformi.

Frisch tab. 58.

In Europa und Nordamerica. Ein sehr schäd-
liches Thier für junges Meyergeflügel.

20. Coracias . Rostrum cultrarum, apice
incuruato, basi pennis denudatum; pe-
des ambulatorii
.

1. †. Garrula . die Mandelkrähe, Racke, Blau-
racke, der Birkheher. (Fr. le rollier , Engl.
the roller .) C. caerulea, dorso rubro, re-
migibus nigris
.

Frisch tab. 57.

Im mildern Europa und in Nordafrica. Läßt
sich in der Erntezeit, wenn die Frucht in Man-
deln steht, haufenweise auf den Feldern sehen.

21. Gracvla . Rostrum conuexo-cultra-
tum, basi nudiusculum. Lingua integra,
acutiuscula, carnosa. Pedes ambulatorii
.

[Seite 166]

1. Religiosa . (Fr. le mainate , Engl. the minor
grakle
.) G. nigro violacea, macula alarum
alba, fascia occipitis nuda, flaua.

Buffon Vol. III. tab. 25.

In Ostindien. Hat eine schöne Stimme und
lernt leicht Worte nachsprechen.

2. Quiscula . der Maisdieb. G. nigro-viola-
cea, cauda rotundata
.

Catesby vol. I. tab. 12.

In Nordamerica.

22. Paradisea . Paradisvogel ( manuco-
diutta
.) Rostrum basi plumis tomentosis
tectum. Pennae hypochondriorum lon-
giores. Rectrices duae superiores singu-
lares denudatae.

Das Ganze Geschlecht von zahlreichen Gattun-
gen hat ein überaus eingeschränktes Vaterland, da
es wohl bloß auf Neu-Guinea zu Hause ist,
von da diese Thiere als Zugvögel nach den Mo-
lucken u.a. benachbarten Inseln streichen. Noch
jetzt schneiden die Papus diesen Thieren, die wegen
ihres prachtvollen Gefieders in Indien als Putz
getragen werden, wenn sie sie zu dieser Absicht
verkaufen, die Füße ab, die daher die leichtgläu-
bigen Alten den Paradisvögeln überhaupt abzu-
sprechen wagten*).

[Seite 167]

1. Apoda . P. brunnea pennis hypochondriis
luteis corpore longioribus, rectricibus dua-
bus intermediis longis setaceis.

Edwards tab. 110.

23. Trogon . Curucuru. Rostrum capite
breuius, cultratum, aduncum, margine
mandibularum serratum. Pedes scansorii
.

1. Viridis . T. viridi aureus, subtus luteus,
gula nigra
.

Edwards tab. 331.

In Guiana.

24. Bvcco . (Fr. barbu , Engl. barbet .) Ro-
strum cultratum, lateraliter compressum
apice vtrinque emarginato, incuruato,
rictu infra oculos protenso
.

1. Collarius . ( Capensis Linn. ) B. rufus, fascia
humerali fulua, pectorali nigra
.

Buffon vol. VII tab. 4.

Ebenfalls in Guiana; nicht am Cap.

25. Cvcvlvs . Rostrum teretiusculum
pedes scansorii
.

1. †. Canorus . der Kuckuck. (Fr. le coucou .
Engl. the cuckow .) C. cauda rotundata ni-
gricante albo-punctata
.

Frisch tab. 40. u.f.

In der nördlichen alten Welt; wo er aber doch
nur im Frühling und Sommer zu sehen ist. Er
bebrütet die zahlreichen Eyer, die er jedes
Frühjahr legt, nicht selbst, sondern legt sie ein-
[Seite 168] zeln in die Nester der Grasmücken und Bachstel-
zen etc. zwischen dieser ihre eignen Eyer, da sich
dann diese kleinen Vögel an seiner Statt dem
Brüt-Geschäfte unterziehen. Merkwürdig ist, daß
seine Eyer nicht größer sind, als dieser so weit
kleinern Vögel ihre, und daß sie auch nicht län-
ger als diese bebrütet zu werden brauchen. Der
junge Kuckuck wächst aber dagegen sehr schnell,
und wirft die mit ihm zugleich ausgebrüteten jun-
gen Grasmücken aus ihrem mütterlichen Nest.
Sein Winteraufenthalt ist noch nicht ganz zuver-
läßig bekannt.

2. Indicator . Der Honigkuckuck, Sengo, Mook.
C. cauda cuneiformi fusco-et albido-ma-
culata, alis fuscis maculis flauis, pedibus
nigris
.

Jo. Fr. Miller fasc. IV. tab. 24.

Im südlichern Africa vom Cap landeinwärts,
hat seinen Namen von der Fertigkeit, mit welcher
er, wie der Honig-Dachs (s. oben S. 96.) seine
liebste Nahrung, die wilden Bienennester, aufzu-
suchen weiß.

26. Oriolvs . Rostrum conicum, con-
vexum, acutissimum, rectum: mandibula
superiore paulo longiore, obsolete emar-
ginata; pedes ambulatorii
.

1. †. Galbula . die Golddrossel, Goldamsel, der
Kirschvogel, Bülow, Pirol. (Fr. le loriot. )
O. luteus, pedibus nigris, rectricibus ex-
terioribus postice flauis.

Frisch tab. 31.

[Seite 169]

Hin und wieder in der alten Welt. Das
Männchen goldgelb und schwarz, das Weibchen
olivengrün. Macht sich ein künstliches, napf-
förmiges, sehr dauerhaft zwischen zwey Aestchen
befestigtes Nest.

2. Phoeniceus. der Maisdieb. (Engl. the
black bird
.) O. niger, alarum tectricibus
coccineis
.

Catesby vol. I. tab. 13.

Im mildern Nordamerica. Hält sich gemeiniglich
zu dem abgedachten Maisdieb (Gracula quiscula .)

3. Jupujuba . ( Persicus Linn.) O. niger, dorso
postico maculaque tectricum alarum basique
rectricum luteis
.

Brisson Vol. II. tab. 9. fig. 1.

In Brasilien etc. Baut sich, wie die vorige
und mehrere andre Gattungen dieses Geschlechts,
ein langes beutelförmiges Nest von Schilf und
Binsen*).


V. PASSERES.

Kleine Vögel, mit kurzen schlanken Füßen,
und kegelförmigem, scharf zugespitztem Schnabel
von verschiedner Größe und Bildung. Sie leben
in Monogamie, nähren sich von Insecten und
Pflanzen-Samen, haben ein zartes, schmackhaf-
tes Fleisch, und die meisten von ihnen singen.

[Seite 170]

27. Alavda . Rostrum cylindrico-subula-
tum, rectum, mandibulis aequalibus,
basi deorsum dehiscentibus. Vnguis po-
sticus rectior digito longior
.

1. †. Aruensis . die Feldlerche, Himmelslerche,
Bardale. (Fr. l'alouette . Engl. the field-
lark
, sky-lark .) A. rectricibus extimis
duabus extrorsum longitudinaliter albis:
intermediis inferiore latere ferrugineis
.

Frisch tab. 15. fig. 1.

Fast in der ganzen alten Welt. Badet sich wie
Hühner und viele andre so genannte Scharrvögel
(aues pulueratrices) im Sande.

2. †. Cristata . Die Haubenlerche, Kobellerche,
Heidelerche. (Fr. le cochevis ) A. rectrici-
bus nigris: extimis duabus margine exte-
riori albis, capite cristato.

Frisch tab. 15. fig. 2.

In Deutschland und den benachbarten Ländern.

28. Stvrnvs . Rostrum subulatum, an-
gulato-depressum, obtusiusculum: man-
dibula superiore integerrima, margini-
bus patentiusculis
.

1. †. Vulgaris der Staar, die Sprehe. (Fr.
l'etourneau . Engl. the stare , sterling .)
S. rostro flauescente, corpore nigro punctis
sagittatis albis
.

Frisch tab. 217.

[Seite 171]

Meist in der ganzen alten Welt. Ein nutzbares
Thier, das unzählige schädliche Insecten vertilgt.

29. Tvrdvs . Rostrum tereti-cultratum:
mandibula superiore apice deflexo, emar-
ginato; faux ciliata
.

1. †. Visciuorus . Die Schnarre, Misteldros-
sel, der Ziemer, Mistler. (Fr. la draine .
Engl. the missel bird, shrite .) T.
dorso fusco, collo maculis albis, rostro
flauescente
.

Frisch tab. 15.

Hin und wieder in der alten Welt. Nährt sich
von Mistelbeeren, die auch häufig durch ihn fort-
gepflanzt werden.

2. †. Pilaris. Der Krammetsvogel. (Fr. la
litorne, tourdelle
. Engl. the fieldsare .)
T. rectricibus nigris: extimis margine inte-
riore apice albicantibus, capite vropygio-
que cano
.

Frisch tab. 26.

Im nördlichen Europa, streicht aber ins süd-
liche. Nährt sich vorzüglich von Wachholder-
(Krammets-) Beeren.

3. †. Iliacus . Zipdrossel, Rothdrossel. (Fr.
le mauvis . Engl. the redwing .) T. alis
subtus ferrugineis, supercillis flanescentibus.

Frisch tab. 28.

Im mildern Europa. Glättet sein Nest mit
Letten und faulem Holze aus; und da letzteres
theils im Finstern leuchtet, so könnte vielleicht so
[Seite 172] ein qui pro quo den Anlaß zur Erzählung der
Alten, von einer ave hercynica noctu lucente
gegeben haben.

4. †. Musicus die Sangdrossel, Weindrossel,
Weißdrossel. (Fr. la grive . Engl. the throstle
song thrush
.) T. remigibus basi inte-
riore ferrugineis.

Frisch tab. 27.

Hat ungefähr gleiches Vaterland mit der vori-
gen. Zuweilen findet sich eine weißgraue Spiel-
art von ihr.

5. Polyglottus . Die americanische Nachtigall,
Sinsonte. (Fr. le moqueur . Engl. the mock
bird.
) T. fusco-cinereus, subtus albidus,
maculis verticis, alarum, et caudae candidis
.

Catesby Vol. I. tab. 27.

In Louisiana, Carolina, auch auf Jamaica etc.
Ahmt andrer Vögel Stimme leicht und täu-
schend nach.

6. Roseus . T. subincarnatus, capite, alis cau-
daque nigris, occipite cristato.

Edwards tab. 20.

Im mittlern Europa und Asien. Vertilgt un-
zählige Zugheuschrecken.

7. †. Merula . die Amsel, Schwarzdrossel.
(Fr. le merle . Engl. the blackbird, amzell .)
T. ater, rostro palpebrisque flauis.

Frisch tab. 29.

Im mildern Europa. Lebt einsam, nährt sich
von Wachholderbeeren, hat ein vorzüglich treues
Gedächtniß.

[Seite 173]

30. Ampelis . Rostrum rectum, conue-
xum: mandibula superiore longiore, sub-
incuruata, vtrinque emarginata
.

1. Garrulus . der Seidenschwanz, Pfeffer-
vogel, Sterbevogel, Böhmer. (Fr. le jaseur
de Boheme
. Engl. the bohemian chatterer .)
A. occipite cristato; remigum secundario-
rum
apice coccineo lanceolato .

Frisch tab. 32.

Im nördlichsten Europa, kommt aber in manchen
Jahren zur Herbstzeit häufig nach Deutschland:
zumahl auf den Harz.

31. Loxia . Rostrum conico-gibbum;
frontis basi rotundatum; mandibula in-
ferior margine laterali inflexa.

1. †. Curuirostris . der Kreuzschnabel, Krumm-
schnabel, Krünitz, Tannenpapagey. (Fr.
le bec croisé . Engl. the cross-bill , sheld-
apple
.) L. rostro forsicato.

Frisch tab. II. fig. 3. 4.

In den Schwarzwäldern der nördlichem Erde.
Brütet mitten im Winter zu Ende des Jänners.

2. †. Coccothraustes . der Kernbeißer, Kirsch-
fink. (Fr. le gros bec . Engl. the hawfinch .)
L. linea alarum alba, remigibus mediis apice
rhombeis, rectricibus latere tenuiore baseos
nigris
.

Frisch tab. 4. fig. 2. 3.

Hin und wieder in Europa.

[Seite 174]

3. †. Pyrrhula . der Dompfaff, Blutfink Lie-
big, Gimpel (rubicilla, Fr. le bouvreuil
Engl. the bullfinch .) L. artubus nigris,
rectricibus caudae remigumque posticarum
albis
.

Frisch tab. 2. fig. 1. 2.

In der nördlichem alten Welt, Beide Ge-
schlechter lernen leicht Lieder pfeifen, selbst ein-
ander accompagniren, und sogar Worte aussprechen.

4. Cardinalis . der indianische Haubenfink,
die virginische Nachtigall. (Engl. the red
bird
.) L. cristata rubra, capistro nigro,
rostro pedibusque sanguineis
.

Frisch tab. 4. fig. 1.

In Nordamerica, und wegen seines rochen Ge-
fieders und seines Gesanges häufig nach Europa
gebracht.

5. Oryzivora . der Reisvogel, Padda. L. ci-
nerascens, temporibus albis, rostro rubro
.

Edwards tab. 41. u. f.

In Schina etc. auf den Reisfeldern.

6. †. Chloris . der Grünfink, Grünling, Grün-
schwarz, die Zwuntsche. (anthus, florus.
Fr. le verdier . Engl. the greenfinch .) L.
flauicanti-virens, remigibus primoribus an-
tice luteis, rectricibus lateralibus quatuor
basi luteis
.

Frisch tab. 2. fig. 3. 4.

Hin und wieder in Europa.

[Seite 175]

32. Emberiza . Ammer. Rostrum coni-
cum, mandibulae basi deorsum a se in-
vicem discedentes: inferiore lateribus
inflexo-coarctata, superiore angustiore
.

1. Nivalis . die Schneeammer, der Schnee-
vogel. (Fr. l'ortolan de neige . Engl. the
snow bunting
.) E. remigibus albis, primo-
ribus extrorsum nigris: rectricibus nigris,
lateralibus tribus albis
.

Frisch tab. 6. fig. 1. 2.

In der nördlichsten Erde. Kommt nur zum
Ueberwintern nach Deutschland, wo er sich aber
zuweilen mit ein Mahl in unermeßlichen Zügen
sehen läßt: wie im Febr. 1766. hier um Göttin-
gen herum.

2. †. Miliaria . Die graue Ammer. (Fr. le
proyer
. Engl. the bunting .) E. grisea, subtus
nigro maculata, orbitis rufis
.

Frisch tab. 6. tab. 4.

Meist durch ganz Europa.

3. †. Hortulana . der Ortolan, Kornfink, die
Fettammer, windsche Goldammer. E.
remigibus nigris, primis tribus margine
albidis; rectricibus nigris, lateribus dua-
bus extrorsum nigris
.

Frisch tab. 5. fig. 3. 4.

In den wärmern Gegenden von Europa und
dem benachbarten Asien.

4. †. Citrinella . Die Goldammer, Gelbgans,
der Emmerling. (Fr. le bruant . Engl. the
yellow kammer
.) E. rectricibus nigrican-
[Seite 176] tibus; extimis duabus latere interiore ma-
cula alba acuta
.

Frisch tab. 5. fig. 1. 2.

Meist durch ganz Europa.

5. Paradisea . die Witwe. (Fr. la veuve à
collier d'or
. Engl. the whidah bird .) E.
fusca, pectore rubro, rectricibus interme-
diis quatuor elongatis acuminatis: duabus
longissimis, rostro rubro
.

Edwards tab. 86.

Hat den englischen, nachher in andern Spra-
chen aus Misverstand verunstalteten Nahmen von
seiner Heimath, dem Königreich Whydah (oder
Judah) auf der guineischen Küste.

33. Tanagra Rostrum conicum, acumi-
natum, emarginatum, basi subtrigonum,
apice decliue
.

1. Iacapa. (Fr. le cardinal pourpré , le bec
d'argent
, Engl. the red-breasted blackbird .)
T. atra, fronte, iugulo pectoreque coccineis.

Edwards tab. 267.

In Westindien und dem benachbarten America.

34. Fringilla. Fink. Rostrum conicum
rectum acuminatum.

1. †. Caelebs . der Buchfink, Gartenfink, Roth-
fink. Waldfink. (Fr. le pinçon . Engl. the
chassinch.
) F. artubus nigris, remigibus
vtrinque albis, tribus primis immaculatis:
rectricibus duabus oblique albis.

Frisch tab. 1. fig. 1. 2.

[Seite 177]

In Europa und Africa; hat mannigfaltigen
Gesang, so daß oft die Finken in einem Revier von
sechs oder mehr Meilen in die Runde überein, und
in benachbarten Gegenden wieder anders schlagen.

2. †. Montifringilla . der Bergfink, Tannen-
fink, Rothfink, Mistfink, Schneefink,
Winterfink, Quäkfink. (Fr. le pinçon
d'Ardennes
. Engl. the bramble .) F. ala-
rum basi subtus flauissima
.

Linné fauna suec . tab. 2. fig. 198.

Im nordlichen Europa.

3. Niualis. der Schneefink. (Fr. la niverolle )
F. fusca, subtus niuea, remigibus secunda-
riis tectricibusque albis.

Brisson vol. III. tab. 15. fig. I.

Auf dem Caucasus, und in den europäischen
Alpen.

4. †. Carduelis . der Stieglitz, Distelfink. (Fr.
le chardonneret . Engl. the goldfinch , the
thistlefinch
.) F. fronte et gula coccineis,
remigibus antrorsum flauis: rectricibus dua-
bus extimis medio, reliquisque apice albis.

Frisch tab. 1. fig. 3. 4.

Fast durch ganz Europa und in den benachbar-
ten Ländern der übrigen alten Welt. Giebt mit
der Canarien-Sie schöne Bastarde*).

5. Amandaua . der Finke von Bengalen. (Fr.
le Bengali piqueté . Engl. the Amedabad finch .)
F. fusca refescensque albo punctata.

Buffon vol. IV. tab. 2. fig. 1.

[Seite 178]

In Ostindien. Daß seine Knochen, wie man
behauptet, gelb seyn sollen, habe ich bey denen,
die ich zu untersuchen Gelegenheit gehabt, nicht
bestätigt gefunden.

6. Canaria . der Canarienvogel, ehedem Zucker-
vöglein. (Fr. le serin de Canarie ) F. rostro
albido, corpore subfusco, pectore flauescente
rectricibus remigibusque virescentibus
.

Frisch tab. 12. fig. 1-4.

Scheint zu Anfang des sechszehnten Jahrhun-
derts aus den canarischen Inseln zuerst nach Eu-
ropa gebracht worden zu seyn; ist aber seitdem
daselbst in mancherley Varietäten ausgeartet. Die
wilde Stamm-Rasse ist bräunlich-grau mit gel-
ber Brust. Unter den übrigen sind besonders
die mit der Holle oder Federbüschchen auf dem
Kopfe (so genannte Rapp-Vögel), und die
Kackerlacken mit rothen Augen zu merken.

7. †. Spinus . der Zeisig, Erlenfink. (liguri-
nus, acanthis.
Fr. le tarin . Engl. the siskin .)
F. remigibus medio luteis: primis quatuor
immaculatis, rectricibus basi flauis, apice
nigris
.

Frisch tab. 11. fig. 1. 2.

Ursprünglich wohl im äußersten Norden: kommt
bloß zum Ueberwintern ins mildere Europa,
daher auch sein Nest hier zu Lande so selten ge-
funden wird*).

8. †. Cannabina . der Hänfling, Leinfink, die
Artsche. (Fr. la linotte . Engl. the greater
[Seite 179] linnet .) F. remigibus primoribus rectricibus-
que nigris, vtroque margine albis
.

Frisch tab. 9. fig. 1. 2.

In Europa und Nord-America.

9. †. Linaria . das Citrinchen, der Flachs-
fink, Carminhänfling. (Fr. le sizerin .
Engl. the lesser linnet .) F. remigibus rectri-
cibusque fuscis, margine obsolete pallido,
litura alarum albida
.

Frisch tab. 10. fig. 3. 4.

In der ganzen nördlichen Erde.

10. †. Domestica . der Sperling, der Spatz.
(Fr. le moineau , Engl. the sparrow .) F.
remigibus rectricibusque fuscis, gula nigra,
temporibus ferrugineis
.

In ganz Europa und den benachbarten Ländern
der übrigen alten Welt fast allgemein verbreitet.
Doch, daß er sich in einzelnen Gegenden, wie z.B.
an manchen Orten in Thüringen (und zwar auch
an einigen, wo es doch weder an Laubholz noch
Obststämmen etc. fehlt) nicht findet. Er ist sehr
wollüstig, und brütet vier Mahl im Jahre. Frey-
lich für Gärten und Feld ein schädliches Thier,
das aber doch auch unzähliges Ungeziefer vertilgt.
Zuweilen finden sich ganz weiße Sperlinge.

35. Mvscicapa (Fr. gobe mouche . Engl.
flycatcher .) Rostrum subtrigonum vtrin-
que emarginatum, apice incuruo;
vibrissae
patentes versus fauces.

1. †. Atricapilla . der Fliegenschnäpper. M.
nigra subtus frontisque macula alarumque
[Seite 180] speculo albis, rectribus lateralibus extus
albis
.

Frisch tab. 24. fig. 1.

Hin und wieder in Europa.

36. Motacilla . Rostrum subulatum
rectum: mandibulis subaequalibus.

1. †. Luscinia. die Nachtigall, Philomele. (Fr.
le rossignol . Engl. the nightingale .) M.
rufo-cinerea, armillis cinereis
.

Frisch tab. 21. fig. 1. 2.

In den mildern Erdstrichen von Europa und
Asien. Kommt im April in unsern Gegenden an.
Zu Ende des Augusts ziehen sie wieder von uns,
man weist noch nicht gewiß, wohin; wenigstens,
so viel bekannt, nicht nach Africa.

2. †. Curruca . die Grasmücke, der Hecken-
schmatzer, Weidenzeisig. (Fr. la sauvette .
Engl. the hedge sparrow .) M. supra fusca,
subtus albida, rectricibus fuscis: extima
margine tenuiore alba
.

Frisch tab. 21 fig. 3.

Im mildern Europa.

3. Alpina . die Flüe- (d.h. Felsen-) Lerche.
(Fr. la fauvette des alpes .) M. griseo-fer-
ruginea, gula alba maculis lunatis fuscis,
tectricibus alarum nigricantibus versus api-
cem linea punctata alba
.

Andreä Br. aus der Schweiz tab. 15.

In den gebirgigen Gegenden des mittlern Eu-
ropa, vorzüglich häufig auf den fetten Alpen-
Weiden.

[Seite 181]

4. †. Ficedula . die Beccafige. M. subfusca,
subtus alba, pectore cinereo maculato
.

Frisch tab. 22. fig. 3. 4.

Im mildern und wärmern Europa, zumahl auf
Cyprus, von wannen sie wegen ihres schmack-
haften Fleisches weit verführt wird.

5. †. Alba . das Ackermännchen, die weiße
oder graue Bachstelze. (Fr. la lavandiere .
Engl. the white waterwagtail .) M. pectore
nigro, rectricibus duabus lateralibus di-
midiato-oblique albis
.

Frisch tab. 23. fig. 4.

Meist in der ganzen alten Welt.

6. †. Atricapilla . der Klosterwenzel, Mönch.
(Fr. la fauvette à tête noire . Engl. the
black
- cap .) M. testacea, subtus cinerea,
pileo obscuro
.

Linné fauna suecica tab. 1. fig. 256.

Im mildern Europa.

7. †. Phoenicurus . das Schwarzkehlchen. (Fr.
le rossignol de muraille . Engl. the redstart .)
M. gula nigra, abdomine caudaque rufis,
capite dorsoque cano
.

Frisch tab. 19. fig. 1.

Hat meist gleiches Vaterland mit der Nachti-
gall; kommt und geht auch zu gleicher Zeit mit ihr.

8. †. Rubecula . das Rothkehlchen, Roth-
brüstchen, der Rothbart. (erithacus Fr.
le rougegorge . Engl. the red breast .) M.
grisea, gula pectoreque ferrugineis.

Frisch tab. 19. fig. 2.

[Seite 182]

Meist in ganz Europa. Bleibt auch über Win-
ter bey uns.

9. †. Troglodytes . der Zaunkönig, Zaun-
schlupfer, Schneekönig, Winterkönig.
(Engl. the wren .) M. grisea, alis nigro
cinereoque vndulatis
.

Frisch tab. 24. fig. 3.

In der nordlichern Erde. Macht sich ein be-
decktes Nest, fast in Gestalt eines Backofens*),
und legt zahlreiche Eyer.

10. †. Regulus . das Goldhähnchen. (Fr. le
roitelet
.) M. remigibus secundariis exteriori
margine flauis, medio albis, crista verti-
cali crocea
.

Frisch tab. 24. fig. 4.

Ebenfalls in der nordlichern Erde. Der kleinste
europäische Vogel.

11. Sartoria . der Schneidervogel. M. tota
pallide lutea
.

J. R. Forsters Indische Zoologie tab. 8.

In Indien. Kleiner als der Zaunkönig. Hat
den Nahmen von der merkwürdigen Art, wie er
sein Nest aus Baumblättern verfertigt, da er
einige dürre Blätter an ein grünes am äußersten
Ende eines Zweiges gleichsam annähet, so daß
dadurch eine tutenförmige Höhlung gebildet wird,
die er mit Flaumen etc. ausfuttert.

[Seite 183]

37. Pipra . Manakin. Rostrum capite
breuius, basi subtrigonum integerrimum,
apice incuruum. Pedes gressorii
.

1. Rupicola . (Fr. le coq de roche .) P. crista
erecta margine purpurea, corpore croceo,
tectricibus rectricum truncatis
.

Edwards tab. 264.

In Guinea etc.

38. Parvs . Meise. (Fr. mesange , Engl.
titmouse .) Rostrum integerrimum, basi
setis tectum
.

1. †. Maior . die Kohlmeise, Brandmeise.
(Fr. la charbonniere . Engl. the great tit-
mouse
.) P. capite nigro, temporibus albis,
nucha lutea
.

Frisch tab. 13. fig. 1. 2.

Meist durch die ganze alte Welt. Ein muthi-
ges Thier, das weit größere Vögel anfällt, an-
dern kleinen Sangvögeln die Köpfe aufhackt etc.
Man hat bey dieser und andern über Winter
bey uns bleibenden Gattungen dieses Geschlechts
angemerkt, daß dann das Horn ihres Schnabels
weit härter wird als im Sommer, das ihnen
beym Auspicken ihres Futters aus dem gefrornen
Erdreich zu passe kommt.

2. †. Caeruleus . die Blaumeise, Pimpelmeise,
Jungfernmeise, der Blaumüller. (Fr. la
mesange
bleue . Engl. the nun .) P. remigi-
bus caerulescentibus; primoribus margine
exteriore albis, fronte alba, vertice caeruleis
.

Frisch tab. 14. fig. 1.

[Seite 184]

Häufig in Europa. Vertilgt Jahr aus Jahr
ein unzählige Insecten.

3. †. Caudatus . die Schwanzmeise, Moor-
meise, Schneemeise. (Fr. la mesange à
longue queue
. Engl. the longtailed titmouse .)
P. vertice albo, cauda corpore longiore.

Frisch tab. 14. fig. 3.

In Europa und Westindien. Legt wohl 20 Eyer,
baut sich ein sackförmiges Nest*) von Moos,
Wolle etc. und bekleidet es von außen mit den
nähmlichen Baumkrätzen u.a. Moosen, womit
der Baum, an dessen Stamm sie es angelegt,
bewachsen ist.

4. †. Biarmicus . das Bartmännchen, der
indianische Sperling. (Fr. le moustache .
Engl. the bearded titmouse .) P. vertice cano,
cauda corpore longiore, capite barbato
.

Frisch tab. 8. fig. 3.

Im nordwestlichen Europa, England etc.

5. Pendulinus . die Beutelmeise, Pendulin-
meise, der Remitz, Cottonvogel. (Fr. la
mesange
de Pologne .) P. capite subferrugi-
neo, fascia oculari nigra, remigibus rectri-
cibusque fuscis margine vtroque ferrugineo
.

J. D. Titii parus minimus Remiz descri-
ptus
. Lips. 1755. 4. tab. 1. 2.

Hin und wieder in Ober-Italien, Polen, Si-
birien etc. Baut sich ein beutelförmiges Nest von
Pappelwolle etc. das sie an einem dünnen Aste
aufhängt.

[Seite 185]

39. Hirvndo . Schwalbe. Rostrum mi-
nimum incuruum, subulatum, basi de-
pressum
.

Die Schwalben zeichnen sich auch außer ihrer
Bildung durch ihre Lebensart etc. gar sehr von den
übrigen Thieren dieser Ordnung aus. Die
bekannte Streitfrage über den Winteraufenthalt
unsrer hieländischen Schwalben, zumahl der bei-
den ersten Gattungen, ist nach allem, was darüber
geschrieben worden, doch noch nicht vollkommen
ins Reine. Schade, daß bey den für die eine*)
oder für die andre**) Behauptung angeführten
Erfahrungen, die Gattungen, an welchen sie ge-
macht worden, nicht bestimmt genug angegeben
sind. In dubio doch aber immer das Weg-
ziehen derselben nach wärmern Gegenden bey
weiten die mehreste Wahrscheinlichkeit für sich.

1. †. Domestica . die Rauchschwalbe, Feuer-
schwalbe. (hirundo rustica Linn . Fr. l'hi-
rondelle de cheminée
. Engl. the house-swal-
low
, chimney-swallow .) H. rectricibus,
[Seite 186] exceptis duabus intermediis, macula alba
notatis
.

Frisch tab. 18. fig. 1.

Nebst der Uferschwalbe einer der weitverbreitet-
sten Vögel auf Erden. Die Benennungen dieser
und der folgenden Gattung sind bey den Syste-
matikern aufs seltsamste vermengt und verwechselt
worden. Hier diese, mit den nakten unbefiederten
Füßen und weißgefleckten Steuerfedern, heißt füg-
lich die Stadtschwalbe, da sie öfter als die fol-
gende in den Städten sich findet. Sie baut ihr
offenes Nest (– das oft von Wanzen wim-
melt –) an die Dachgiebel, Ställe, Scheuern,
und auf den Dörfern in den Hausären und unter
die Rauchfänge.

2. †. Agrestis . die Hausschwalbe, Fenster-
schwalbe, Mehlschwalbe, Sprrschwalbe.
(hirundo vrbica Linn . Fr. l'hirondelle de
muraille
, le martinet à cul blanc . Engl.
the martin .) H. pedibus hirsutis, rectrici-
bus immaculatis, dorso nigro caerulescente,
tota subtus alba
.

Frisch tab. 17. fig. 2.

Hat nebst der folgenden meist gleiches Vater-
land mit der vorigen. Nistet meist auf den Dörfern
außerhalb der Häuser unterm Dache, an den Kirch-
fenstern etc. Macht ihr Nest aus Lehm-Klümpchen,
oben zugewölbt.

3. †. Riparia . die Uferschwalbe, Erdschwalbe.
(Fr. l'hirondelle de rivage . Engl. the sand-
martin
, shore bird .) H. cinerea, gula ab-
domineque albis
.

Frisch tab. 18. fig. 2.

[Seite 187]

Baut in Fluß-Ufern, Lehmgruben, Sand-
hügeln etc.

4. Esculenta . die Salangane. H. rectricibus
omnibus macula alba notatis
.

Von der Größe eines Zaunkönigs. Auf den
sundaischen u.a. Inseln des indischen Archipe-
lagus bis Neu-Guinea etc. Baut da in die Ufer-
löcher und Berghöhlen die berufnen indianischen
oder Tunkinsnester, deren Stoff der Hausenblase
ähnelt und vermuthlich aus halbverdauten, da-
durch für Fäulung gesicherten und so regurgitirten
molluscis besteht. Man sammelt jährlich wohl
vier Millionen dieser Nestchen, die größtentheils
nach Schina verkauft werden.

5. †. Apus . die Mauerschwalbe, Steinschwalbe,
Thurmschwalbe. (Fr. le martinet . Engl. the
black martin
, swift .) H. nigricans, gula
alba
, digitis omnibus quatuor anticis .

Frisch tab. 17. fig. 1.

In allen drey Welttheilen der nordlichen Erde.

40. Caprimvlgvs . Rostrum modice
incuruum, minimum, subulatum, basi
depressum; vibrissae ciliares. Rictus am-
plissimus; vnguis intermedius introrsum
ciliatus
.

1. †. Europaeus . die Nachtschwalbe, Hexe,
der Ziegenmelker, Ziegensauger, Nachtrabe,
Tagschläfer. (nycticorax. Fr. l'engoulevent .
Engl. the goatsucker , night-raven .) C. na-
rium tubis obsoletis
.

Frisch tab. 101.

[Seite 188]

In der alten Welt. Ein animal nocturnum,
das im Flug seine schnurrende Stimme hören läßt.
Es lebt von Insecten, besonders von Nachtfal-
tern etc. und die alte Sage, daß es den Ziegen
die Milch aussauge, ist ungegründet.


VI. GALLINAE.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze Füße
und einen convexen Schnabel, der an der Wur-
zel mit einer fleischigen Haut überzogen ist, und
dessen obere Hälfte zu beiden Seiten über die
untere tritt. Sie nähren sich meist von Pflanzen-
Samen, die sie im Kropfe einweichen; leben in
Polygamie, legen zahlreiche Eyer; und geben
das mehreste Hausgeflügel.

41. Colvmba . Taube. (Fr. und Engl.
pigeon .) Rostrum rectum versus apicem
descendens
.

a) Cauda aequali modica.

1. †. Oenas . die Haustaube, Feldtaube, Holz-
taube. (vinago, livia. Fr. le biset . Engl. the
stock
dove .) C. caerulescens, ceruice viridi
nitente, dorso postico albo, fascia alarum
apiceque caudae nigricante.

Die Holztaube ist meist in der ganzen alten
Welt zu Hause. Die in Norden ziehen im Herbst
nach etwas südlichern Gegenden. Die in mildern
Erdstrichen hingegen überwintern scharenweise in
[Seite 189] Felsen-Klüften, kohlen Bäumen etc. Das wilde
Weibchen brütet zwey Mahl im Jahre, die Haus-
taube hingegen neun bis zehn Mahl, so daß
man von einem einzigen Paar binnen vier Jah-
ren 14762 Tauben ziehen könnte. Die vorzüglich-
sten Abarten (wovon doch manche für besondre
Gattungen angesehen werden) sind folgende:

a ) dasypus, die Trommeltaube. (Fr. le
pigeon pattu
, Engl. the rough-sooted
dove
.) mit langbefederten Füßen. Frisch
tab. 145.

b ) gutturosa, die Kropftaube, der Kröpfer.
(Fr. le pigeon à grosse gorge , le grand-
gosier
, Engl. the cropper pigeon .) mit
theils ungeheuerem Kropfe. Frisch tab. 146.

c ) turbita, das Möwchen. (Fr. le pigeon
cravate
, à gorge frisée . Engl. the turbit .)
mit krausen Brustfedern und ganz kurzem
Schnabel. Frisch tab. 147.

d ) gyratrix, der Tümmler. (Fr. le pigeon
culbutant
, Engl. the tumbler .) mit glat-
tem Kopf und einem kahlen rothen Augen-
ring: überschlägt sich im steigenden Fluge.
Frisch tab. 148.

e ) cucullata, die Schleiertaube, Zopftaube.
(Fr. le pigeon romain , Engl. the jacobine .)
mit vorwärts gerichtetem Kopf-Busche.
Frisch tab. 150.

f ) laticauda, die Pfauentaube, der Hüh-
nerschwanz. (Fr. le pigeon paon , Engl.
the shaker .) mit aufrechtem, ausgebreitetem
Schwanze. Frisch tab. 151.

g ) tabellaria. die Posttaube, Brieftaube,
türkische Taube. (Fr. le pigeon messager ,
[Seite 190] Engl. the carrier pigeon .) mit rothen
Fleischwarzen um den Schnabel und die Au-
gen herum. Diese Taubenart hat ihren Nah-
men daher, weil man sich ihrer vorzüglich
ehedem in der Levante bediente, um Briefe
zu überschicken*).

2. Coronata . der Kronvogel. C. caerulescens,
supra cinerea, orbitis nigris, crista erecta,
humeris ferrugineis
.

Jo. Fr. Miller fasc. III. tab. 16.

Auf Neu-Guinea und den benachbarten Inseln.
Fast von der Größe des welschen Hahns.

3. †. Palumbus , die Ringtaube, große Holz-
taube, Schlagtaube, Plochtaube, Kohl-
taube, Holztaube. (Fr. le pigeon ramier ,
Engl. the ring-dove .) C. rectricibus postice
atris, remigibus primoribus margine exte-
riore albidis collo vtrinque albo
.

Frisch tab. 138.

Meist in ganz Europa.

4. † Turtur . die Turteltaube, Wegetaube.
(Fr. la tourterelle , Engl. the turtle-dove .)
C. rectricibus apice albis, dorso griseo, pe-
ctore incarnato, macula laterali colli nigra
lineolis albis
.

Frisch tab. 140.

In den warmen und mildern Gegenden der
alten Welt. Von ihrer gepriesenen Keuschheit und
ehelichen Treue die fabelhaften Uebertreibungen
abgerechnet, haben sie darin nichts vor andern
Vögeln ähnlicher Lebensart voraus.

[Seite 191]

5. †. Risoria . die Lachtaube. (Fr. la tourterelle
à collier
, Engl. the indian tourtle .) C. supra
lutescens lunula ceruicali nigra
.

Frisch tab. 141.

Im mildern Europa und in Ostindien.

b) Cauda longiore cuneata.

6. Migratoria . die Zugtaube. C. orbitis de-
nudatis sanguineis, pectore ruso
.

Frisch tab. 142.

Im nordostlichen America. Macht, zur Zeit ih-
rer unermeßlichen Züge, eine Haupt-Nahrung der
dasigen Indianer aus, die auch Tausende der-
selben räuchern und dörren.

42. Tetrao . (Engl. grous .) Macula prope
oculos nuda, papillosa
.

1. †. Coturnix . die Wachtel. (Fr. la caille ,
Engl. the quail .) T. pedibus nudis, cor-
pore griseo maculato, superciliis albis, rectri-
cibus margine lunulaque ferruginea
.

Frisch tab. 117.

Fast in der ganzen alten Welt; ein Zugvogel,
der sich im Zug zuweilen in zahlloser Menge
sehen läßt. Die Männchen sind zumahl in
Italien ihres Schlags wegen beliebt, wo man
sie auch, so wie in Schina (wie Kampfhähne),
paarweise fechten läßt.

2. †. Perdix . das Rebhuhn, Feldhuhn. (Fr.
la perdrix grise . Engl. the partridge .) T.
pedibus nudis calcaratis, macula nuda coc-
[Seite 192] cinea sub oculis, cauda ferruginea, pectore
subfusco
.

Frisch tab. 114.

Im mittlern Europa und in den mildern Ge-
genden des asiatischen Rußlands.

3. †. Rufus . (Fr. la perdrix rouge , la barta-
velle
.) T. pedibus nudis calcaratis rostroque
sanguineis, gula alba cincta fascia nigra
albo punctata
.

Daubenton planch . enlum . 231.

Im südlichen Europa und Orient. Wird aus
den Inseln des Archipelagus als Meyergeflügel
gehalten.

4. †. Bonasia . das Haselhuhn. (Fr. la gelinole .)
T. pedibus hirsutis, rectricibus cinereis
punctis nigris fascia nigra; exceptis inter-
mediis duabus
.

Buffon vol. II. tab. 7.

Lebt einsam in den Haselgebüschen des mittlern
Europa.

5. Lagopus . das Schneehuhn, Rype. (Fr.
la gelinote blanche . Engl. the white game .)
T. pedibus lanatis, remigibus albis, rectri-
cibus nigris, apice albis; intermediis albis
.

Frisch tab. 110. 111.

In den alpinischen und nordlichsten Gegenden
der alten und neuen Welt. Ist im Sommer von
grauer Farbe. Nahmentlich ein überaus wichti-
ges Thier für die europäischen Colonisten in La-
brador und Grönland.

6. †. Tetrix . der Birkhahn. (Fr. le petit te-
tras
, Engl. the black cock .) T. pedibus hir-
[Seite 193] sutis, cauda bifurcata, remigibus secunda-
riis basin versus albis
.

Frisch tab. 109.

In der nordlichern alten Welt.

7. †. Vrogallus . der Auerhahn. (Fr. le coq
de bruyere
, tetras . Engl. the cock of the
wood
.) T. pedibus hirsutis, cauda rotun-
data, axillis albis
.

Frisch tab. 107. 108.

Im nordlichern Europa, hat ein äußerst schar-
fes Gesicht und Gehör. Seine Zunge und oberer
Kehlkopf liegen tief unten im Schlunde.

43. Nvmida . Caput collo compresso co-
lorato cornutum: palearia carunculacea
ad latera maxillae vtriusque
.

1. Meleagris . das Perlhuhn. (Fr. la peintade .
Engl. the guiney hen .) N. rostro cera in-
structo nares recipiente
.

Frisch tab. 126.

In Africa einheimisch, aber auch längst nach
Europa und viele Gegenden von America verflanzt.

44. Phasianvs . Genae cute nuda lae-
vigata
.

1. †. Gallus . der Haushahn. (Fr. le coq ,
Engl. the cock .) Ph. caruncula compressa
verticis geminaque gulae, auribus nudis,
cauda compressa ascendente
.

[Seite 194]

Die vermutliche wilde Stammraffe*) ist in
Hindustan zu Hause; von rothbrauner Farbe; und
zeichnet sich durch flache hornichte Blättchen an
den Spitzen der Hals- und Flügelfedern aus
(die den zinnoberrothen Flügelblättchen des Sei-
denschwanzes ähneln). Der Haushahn hingegen
ist meist über die ganze Erde verbreitet. Doch
ist er erst durch die Spanier nach America ge-
bracht: hingegen auf vielen Inseln der Südsee
bey ihrer Entdeckung von den Europäern schon
vorgefunden worden. Das Huhn ist bey der
Menge Eyer, die es legt, und seinem oftmahligen
Brüten eins der allernutzbarsten Thiere der gan-
zen Classe. Und die Hahnen-Gefechte längst
und in mehreren Welttheilen ein beliebtes Volks-
schauspiel.

Die Hühner sind, unter den Hausthieren dieser
Classe in die allermannigfaltigsten und auffallend-
sten Rassen und Spielarten degenerirt. Theils in
wahre zum erblichen Schlag gewordene Monstrosi-
täten**); sowohl per defectum (– s. oben S.
20 –), wie der ungeschwänzte Bluthahn; als
per excessum (– S. 21 –), wie z.B. mit 5
oder gar 6 Zehen***).

[Seite 195]

Unter den übrigen Abarten verdienen besonders
bemerkt zu werden:

a ) der Paduanerhahn, wohl noch einmal so
groß als der gemeine Haushahn.

b ) Der Zwerghahn, Krup-Hahn, kaum
halb so groß als der gemeine.

c ) Der krause Hahn, friesländische Hahn,
mit krausen lockigen Federn.

d ) Das Wollhuhn, aus Japan, Schina etc.
Seine Federn sind schlicht, fast wie Haare,
daher die Fabel von Bastarden, die von Ka-
ninchen und Hühnern erzeugt seyn sollten,
entstanden ist.

e ) Das Negerhuhn, mit schwarzer Haut.
Vorzüglich auf St. Jago am grünen Vor-
gebirge, wo auch noch andre Vögelarten diese
Sonderbarkeit haben sollen.

2. Colchicus . der Fasan. (Fr. le faisan , Engl.
the pheasant .) Ph. rufus, variegatus, capite
viridi caerulescente, cauda cuneata genis
papillosis
.

Frisch. tab. 123.

Hat den Nahmen vom Flusse Phasis in Min-
grelien, von da ihn die Argonauten zuerst nach
Europa gebracht haben sollen.

3. Argus . Ph. luteus, nigro punctatus, fa-
cie rubra, occipite cristato caeruleo
.

Philos . Transact . vol. LV. tab. 3.

Das prachtvolle, nebst den beiden folgenden Gat-
tungen zumahl in Schina einheimische Thier, mißt
vom Schnabel zur Schwanzspitze auf 9 Fuß.

[Seite 196]

4. Pictus . der Goldfasan. Ph. crista flaua,
pectore coccineo, remigibus secundariis
caeruleis, cauda cuneata
.

Edwards tab. 68. 69.

5. Nycthemerus . der Silberfasan. Ph. albus,
crista abdomineque nigris, cauda cuneata
.

Edwards tab. 66.

45. Crax . Rostrum basi cera obductum
in vtraque mandibula. Pennae caput
tegentes reuolutae
.

1. Alector . der Curasso. C. cera flaua, corpore
nigro, ventre albo
.

Buffon Vol. II. tab. 13.

In Guiana etc.

46. Meleagris . Caput carunculis spon-
giosis tectum, gula caruncula membra-
nacea longitudinali
.

1. Gallopavo . der Truthahn, Puter, wälsche
Hahn, Kalekuter, Kuhnhahn. (Fr. le din-
don
, Engl. the turkey .) M. maris pectore
barbato
.

Im mittlern und nordlichern America, wo er
in großen Herden zu hunderten auf Bäumen
lebt, ward 1530 zuerst nach Deutschland gebracht,
wo er nun als Meyergeflügel gehalten wird, und
in mancherley Varietäten von weißer u.a. Farben
ausgeartet ist.

47. Pavo . Caput pennis reuolutis tectum,
pennae caudales elongatae, ocellatae
.

[Seite 197]

1. †. Cristatus , der Pfau. (Fr. le paon , Engl.
the peacock .) P. capite crista compressa, cal-
caribus solitariis
.

Ist wohl ursprünglich in Ostindien einheimisch,
und seit Alexanders des Großen Zeiten nach Eu-
ropa verpflanzt. Das Männchen zeichnet sich vom
dritten Jahre an durch die Pracht seiner Schwanz-
oder vielmehr Rücken-Federn aus. Unter den
Spielarten ist die weiße am gemeinsten.

48. Otis . Rostrum mandibula superiore
fornicata: pedes cursorii
.

1. †. Tarda . der Trappe. (Fr. l'outarde ,
Engl. the bustard .) O. maris capite iugu-
loque vtrinque cristato
.

Frisch tab. 106. u. f.

Dieser größte hieländische Vogel ist in der ge-
mäßigten alten Welt zu Hause. Das Männchen
wird wohl gegen 30 Pfund schwer, und hat vorn
am Halse einen weiten verborgenen Sack, der
sich unter der Zunge öffnet.


VII. STRVTHIONES.

Große Landvögel, mit freyen unverbundenen
Zehen, und kurzen zum Flug ungeschickten Flü-
geln ohne Schwungfedern.

49. Strvthio . Rostrum subconicum,
pedes cursorii
.

[Seite 198]

1. Camelus . der Straus. (Fr. l'autruche , Engl.
the ostrich .) S. pedibus didactylis, digito
exteriore paruo mutico, spinis alarum binis
.

Latham Vol. III. P. I. tab. 71.

Der allergrößte Vogel, der eine Höhe von acht
Fuß und drüber erreicht, wohl drey Centner wiegt,
und in Africa zu Hause ist. Das Unvermögen
zum Flug wird bey ihm durch die ausnehmende
Schnelligkeit seines Laufs vergütet. Vorzüglich
wird er durch seine Federn schätzbar.

2. Casuarius . der Casuar, Emeu. S. pedi-
bus tridactylis, galea palearibusque nudis,
remigibus
spinosis .

Latham l. c. tab. 72.

In Ostindien. Hat große Stärke in seiner mitt-
lern Klaue. Seine Federn sind hornicht und ähneln
Pferdeharen, und es entspringen immer zwey und
zwey Schafte aus einem gemeinschaftlichen Kiele.

Eine dem Casuar ähnliche Gattung, der so ge-
nannte amerikanische Straus (struthio rhea ) ist
in Chili zu Hause: – und eine noch andre neuer-
lich im fünften Welttheil auf Neu-Südwallis ent-
deckt worden.

50. Didvs . Rostrum medio coarctatum
rugis duabus transuersis; vtraque man-
dibula inflexo apice: facies vltra ocu-
los nuda
.

1. Ineptus . der Dudu, Dronte, Walghvogel.
(Cygnus cucullatus.) D. pedibus ambula-
toriis, cauda breuissima, pennis incuruis
.

Abbild . n . h . Gegenst . tab. 35.

[Seite 199]

Ehedem auf Ile de France und Bourbon. – Aber
nach den Versicherungen des Hrn. Morel, der
deßhalb an Ort und Stelle Untersuchung angestellt
hat, existirt dieser Vogel jetzt nicht mehr. Und
das ist nicht unwahrscheinlich, da er das schwer-
leibigste, langsamste Thier der ganzen Classe,
folglich leicht zu fangen, und doch wegen seines
widrigen Fleisches von wenig Nutzen war*).


So weit die Landvögel. Nun die Was-
servögel in II. Ordnungen.

VIII. GRALLAE.

Diese, die Sumpfvögel, haben einen wal-
zenförmigen Schnabel von ungleicher Länge, lange
Füße, und auch mehrentheils seinen langen Hals,
aber kurzen Schwanz. Sie halten sich in sum-
pfigem, moorigem Boden auf, leben meist von
Amphibien, Fischen, Insecten und Wasserpflan-
zen, die mehresten nisten auf der Erde oder im
Schilf, und werden meist durch ihr vorzüglich
schmackhaftes Fleisch und durch ihre Eyer nutzbar.

51. Phoenicoptervs . Rostrum de-
nudatum, infracto-incuruatum, denti-
culatum, pedes tetradactyli
.

1. Ruber . der Flamingo, Flamant, Korkorre.
P. ruber, remigibus nigris.

Catesby vol. I. tab. 73 sqq.

[Seite 200]

In Seegegenden der wärmern Erdstriche beider
Welten. Wird bey einem mäßig großen Körper,
aber ganz auffallend langem Halse und Beinen,
wohl mannshoch.

52. Platalea . Rostrum planiusculum;
apice dilatato, orbiculato, plano. Pedes
tetradactyli, semipalmati
.

1. Leucorodia . die Löffelgans, der Löffelreiher.
(Fr. la spatule , Engl. the spoon-bill .) P.
corpore albo, gula nigra, occipite subcristato.

Frisch tab. 200. u. f.

Hin und wieder, zumahl in der westlichen alten
Welt.

53. Palamedea . Rostrum conicum,
mandibula superiore adunca. Pedes te-
tradactyli, fissi
.

1. Cornuta . ( Kamichy , Kamoucle .) P. alulis
bispinosis, fronteque cornuta
.

Latham Vol. III. P. I. tab. 74.

Im ostlichen Süd-America.

54. Mycteria . Rostrum subadscendens,
acutum; mandibula superiore triquetra
:
inferiore trigona acuminata adscendente:
frons calua; nares lineares; pedes te-
tradactyli
.

[Seite 201]

1. Americana . ( Jabiru , Touyouyou . Fr. la
cicogne du Bresil
.)

Latham l. c. tab. 25.

Hat mit dem vorigen Vogel gleiches Vaterland.

55. Cancroma . Rostrum gibbosum:
mandibula superiore cymbae resupinatae
forma
.

1. Cochlearia . (Fr. la cuilliere . Engl. the boat-
bill
.) C. ventre rufescente.

Latham l. c. tab. 26.

Ebenfalls in Brasilien etc.

56. Ardea . Rostrum rectum, acutum,
longum, subcompressum: pedes tetra-
dactyli
.

1. †. Grus . der Kranich. (Fr. la grue . Engl.
the crane .) A. occipite nudo papilloso, cor-
pore cinereo, alis extus testaceis
.

Frisch tab. 194.

In der nordlichen alten Welt.

2. †. Ciconia . der Storch. (Fr. la cicogne ,
Engl. the stork .) A. alba, orbitis nudis re-
migibusque nigris; rostro, pedibus cuteque
sanguineis
.

In den mildern Gegenden fast der ganzen alten
Welt. Nährt sich nicht bloß von Amphibien,
sondern frißt auch nutzbare Thiere, ganze Ketten
junge Rebhühner u.s.w. schleppt auch nicht selten
Leinewand, Garn etc. ins Nest, um es weich aus-
zufuttern.

[Seite 202]

3. †. Cinerea . der graue Reiher, Fischreiher.
(Fr. und Engl. heron .) A. occipite nigro
laeui, dorso caerulescente, subtus albido,
pectore maculis oblongis nigris
.

Frisch tab. 198.

Fast durchgehends in beiden Welten. Schäd-
liche Thiere, die den Fischteichen und besonders
der jungen Brut nachtheilig werden. Sie nisten
auf hohen Bäumen, Eichen etc.

4. Garzetta . (Fr. l'aigrette .) A. occipite cri-
stato, corpore albo, rostro nigro, loris pe-
dibusque virescentibus
.

Buffon T. VII. tab. 20.

Zumahl in Persien etc. Hat die langen, silber-
weißen, seidenartigen Rückenfedern, die in den
Morgenländern als kostbarer Putz getragen werden.

5. †. Stellaris . die Rohrdommel, der Iprump.
(Fr. le butor . Engl. the bittern .) A. capite
laeuiusculo, supra testacea, maculis trans-
versis, subtus pallidior, maculis oblongis
fuscis
.

Frisch tab. 205.

In den mildern Gegenden der nordlichern Erde.

57. Tantalvs . Rostrum longum, subu-
latum, teretiusculum, subarcuatum. sac-
cus iugularis nudus. pedes tetradactyli,
basi palmati
.

1. Ibis . T. facie rubra, rostro luteo, pedibus
griseis, remigibus nigris, corpore rufescente
albido
.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils, im
Anhang tab. 35.

[Seite 203]

Das berühmte, ehedem in Aeqypten, auf den
dasigen alten Denkmählern verewigte, und so
wie die damahligen menschlichen Leichen zu Mu-
mien bereitete*) und in besondern Gewölbern in
größter Menge beygesetzte, aber jetzt wenigstens
in Nieder-Aegypten ziemlich seltne Thier.

Ob der schwarze, etwas kleinere Ibis eine
besondre Gattung ausmacht, oder bloß etwa im
Alter vom weißen (der ungefähr die Größe vom
Storch hat) verschieden sey, ist noch mehr völlig
entschieden.

58. Scolopax . Schnepse. Rostrum te-
retiusculum, obtusum, capite longius, fa-
cies tecta, pedes tetradactyli, postico
pluribus articulis insistente
.

1. †. Rusticula . die Waldschnepfe. (Fr. la be-
casse
. Engl. the woodcock .) S. rostro basi
rufescente, pedibus cinereis, femoribus tectis,
fascia capitis nigra
.

Frisch tab. 226. u. f.

In den wärmern Gegenden der nordlichern
alten Welt.

2. †. Gallinago . die Heerschnepfe, Himmels-
ziege, der Haberbock, das Haberlämmchen.
(Fr. la becassine . Engl. the snipe .) S. rostro
recto, tuberculato, pedibus fuscis, frontis
lineis fuscis quaternis
.

Frisch tab. 229.

Fast durchgehends in der nordlichern Erde.

[Seite 204]

59. Tringa . Rostrum teretiusculum lon-
gitudine capitis, digito postico vniarti-
culato, a terra eleuato
.

1. †. Pugnax . der Kampfhahn, Renommist,
Hausteufel. (Fr. le combattant , paon de
mer
. Engl. the ruff .) T. rostro pedibus-
que rubris, rectricibus tribus lateralibus
immaculatis, facie papillis granulatis carneis
.

Frisch tab. 232. u. f.

In der nordlichen alten Welt. Hat seinen Nah-
men von der Streitbarkeit, wir welcher die Männ-
chen zur Brunstzeit gegen einander kämpfen.

2. †. Vanellus . der Kybitz. (gavia. Fr. le
vanneau
. Engl. the lapwing .) T. pedibus
rubris, crista dependente, pectore nigro
.

Frisch tab. 213.

Ebenfalls in der nordlichern alten Welt.

60. Charadrivs . Regenpfeiffer. (Fr.
pluvier , Engl. plover .) Rostrum teretiuscu-
lum, obtusum. Nares lineares. Pedes
cursorii, tridactyli
.

1. †. Hiaticula . die Seelerche. (Fr. le pluvier
à collier
. Engl. the sea-lark .) C. pectore
nigro, fronte nigricante fasciola alba, ver-
tice fusco, pedibus luteis
.

Frisch tab. 214.

Hin und wieder an den Flüssen der nordlichen
Erde, auch hier herum, und auf den Sandwich-
Inseln des stillen Oceans.

[Seite 205]

61. Recvrvirostra . Säbelschnäbler.
Rostrum depresso-planum, subulatum, re-
curuatum, acuminatum
apici flexili . Pe-
des palmati, tridactyli
.

1. † Avosetta . R. albo nigroque varia.

Buffon vol. VIII. tab. 38.

In den mildern Gegenden der alten Welt etc.
nährt sich vorzüglich von Wasser-Insecten und
Gewürmen, die er mit feinem sonderbar aufwärts
gebognen Schnabel sehr geschickt zu fangen weiß.

62. Haematopvs . Rostrum compres-
sum, apice cuneo aequali: pedes cur-
sorii tridactyli
.

1. †. Ostralegus . der Austerdieb, Austermann,
die Meerälster. (Fr. l'hutrier . Engl. the
sea-pie
, pied oyster-catcher .) H. rostro
pedibusque rubris
.

Latham Vol. III. P. I. tab. 84.

Hin und wieder an den Seeufern aller Welt-
theile; nährt sich vorzüglich von Conchylien.

63. Fvlica . Wasserhuhn. Rostrum con-
vexum, mandibula superiore margine
supra inferiorem fornicata
; frons calua ,
pedes tetradactyli, subpinnati.

1. †. Atra . das schwarze Blaßhuhn. (Fr. la
foulque
, morelle . Engl. the coot .) F.
[Seite 206] fronte incarnata, armillis luteis, corpore
nigricante
.

Frisch tab. 209.

In der mildern nordlichen Erde.

64. Parra . Rostrum teretiusculum, obtu-
siusculum. Nares ouatae in medio rostri
.
Frons carunculata, carunculis lobatis.
Alulae spinosae.

1. Iacana . (Fr. le chirurgien , chevalier .) P.
vnguibus posticis longissimis, pedibus viri-
descentibus
.

Buffon vol VIII. tab . 16.

In Westindien, Brasilien etc.

65. Rallvs . Rostrum basi crassius, com-
pressum, dorso attenuatum apicem versus,
aequale, acutum. pedes tetradactyli, fissi
.

1. †. Crex . der Wachtelkönig, Schnerz, Wie-
senschnarcher, Schars. (ortygometra. Fr.
le râle de genet . Engl. the rail , daker-
hen
.) R. alis rufo-ferrugineis.

Frisch tab. 210.

In den mildern Gegenden der alten Welt.
Wachtelkönig heißt er von der alten irrigen Sage,
als ob er dieser Vögel Heerführer im Zug sey.

66. Psophia . Rostrum cylindrico-coni-
cum, conuexum, acutiusculum, mandi-
bula superiore longiore. Nares ouatae,
patulae. Pedes tetradactyli, fissi
.

[Seite 207]

1. Crepitans . die Trompete, der Agami, Macku-
kawa. (Fr. l'oiseau trompette .) P. nigra,
pectore columbino
.

Latham Vol. II. P. II. tab. 68.

In Süd-America, vorzüglich häufig am Ama-
zonen-Strom. Wird ausnehmend kirre und seinem
Herrn zugethan.


IX. ANSERES.

Die Vögel dieser Ordnung werden durch ihre
Schwimmfüße kenntlich, die ihnen mehr nach
hinten zu sitzen, und daher zum Rudern sehr ge-
schickt, aber desto unbequemer zum Gehen sind.
Ihr Oberschnabel endigt sich meist in ein kurzes
Häkchen, und ist wie der untere bey den mehre-
sten mit einer ausnehmend nervenreichen Haut
überzogen. (– s. oben S. 134. –) Sie ha-
ben eine fleischige Zunge, einen rauhen stache-
ligen Gaumen, und bey vielen von ihnen haben
die Männchen vorn an der Luftröhre eine be-
sondre knorplige oder knöcherne Capsel. Sie
haben dichtes fettes Gefieder, das kein Wasser
annimmt, halten sich an den Ufern des Meeres,
der Seen, der Flüsse, auf Inseln, Klippen,
im Schilf etc. auf, und leben mehrentheils in
Polygamie. Sie legen meistens nur Ein oder
wenige Eyer; sind aber, besonders wegen ihres
Fleisches, Fettes, Federn etc. von mannigfaltiger
Nutzbarkeit.

[Seite 208]

67. Rhinchops . Rostrum rectum, man-
dibula superiore multo breuiore: infe-
riore apice truncata
.

1. Nigra . (Fr. le bec en ciseaux , Engl. the
sea-crow
, cut-water .) R. nigricans, sub-
tus alba, rostro basi rubro
.

Brisson T. VI. tab. 21. fig. 2.

In Nord-America. Der Oberschnabel ist kürzer
als der untere und dieser liegt in jenem, gleichsam
wie ein eingeschlagnes Taschenmesser.

68. Sterna . Rostrum edentulum, subu-
latum, subrectum, acutum, compressiuscu-
lum. Nares lineares, ad basin rostri
.

1. Stolida . die Noddy. (Fr. le fou , diable .)
S. corpore nigro, fronte albicante, super-
ciliis atris
.

Brisson T. VI. tab. 18. fig. 2.

In allen Meeren zwischen den beiden Wende-
zirkeln.

2. Hirundo . die Seeschwalbe. (Engl. the sil-
ver-bird
.) S. cauda forficata; rectricibus
duabus extimis albo nigroque dimidiatis
.

Frisch tab. 119.

An der ganzen nordlichsten Erde.

69. Colymbvs . Taucher. Rostrum eden-
tulum, subulatum, rectum, acumina-
tum, pedes compedes
.

[Seite 209]

1. Grylle . die grönländische Taube. (Engl.
the sea-turtle .) C. pedibus palmatis tridacty-
lis, corpore atro, rectricibus alarum albis
.

Frisch tab. 185.

Ebenfalls an der ganzen nordlichsten Erde.

2. †. Troile . die Lumer. (Fr. le Guillemot .)
C. pedibus palmatis tridactylis, corpore
fusco, pectore abdomineque niueo, remi-
gibus secundariis extremo apice albis
.

Frisch tab. 185.

An den Seeküsten der nordlichen Erde.

3. †. Vrinator . (Fr. la grébe .) C. capite
laeui, palpebra inferiore lutea, macula ala-
rum alba
.

Edwards tab. 360. fig. 2.

Im wärmern Europa. Sein Fell wird, so wie
das vom C. cristatus , zu Feder-Muffen etc. ver-
arbeitet.

70. Larvs . Möve. (Fr. mouette . Engl.
gull .) Rostrum edentulum, rectum, cul-
tratum, apice subadunco. Mandibula in-
ferior infra apicem gibba
.

Meist an den Küsten der nordlichen Erde, doch
finden sich auch welche auf der Südsee und zwar
in ungeheueren Scharen.

1. †. Tridactylus . (Engl. the tarrock .) L. al-
bicans, dorso canescente, rectricum apici
-
[Seite 210] bus, excepto extremo, nigris, pedibus tri-
dactylis
.

Brisson T. VI. tab. 17. fig. 2.

Am nordlichen Ocean.

71. Plotvs . Rostrum rectum, acumina-
tum, denticulatum. Facies tecta, pedes
palmati omnibus digitis connexis
.

1. Anhinga . P. ventre albo.

Willoughby tab. 72.

In Brasilien etc. Am Leibe von der Größe einer
Ente, aber mit einem sehr langen Halse, den das
Thier spiralförmig zusammen rollen und so den
Kopf gegen die Fische, die es erschnappen will,
los schnellen soll.

72. Phaëthon . Rostrum cultratum.
rectum, acuminatum, fauce pone ro-
strum hiante. Digitus posticus antror-
sum versus
.

1. Aethereus . der Tropikvogel. (Fr. la paille
en cul
. Engl. the tropic-bird .) P. rectrici-
bus duabus longissimis, rostro serrato, pe-
dibus aequilibribus; digito postico connexo
.

Brisson T. VI. tab. 42. fig. 1.

An der offenbaren See, zwischen beiden Wen-
bezirkeln. Nährt sich meist von den fliegenden
Fischen.

73. Procellaria . Rostrum edentu-
lum, subcompressum; mandibulis aequa-
libus: superiore apice adunco: inferiore
[Seite 211] apice compresso-canaliculato. Pedes vn-
gue postico sessili absque digito
.

1. Pelagica . der Sturmvogel, Ungewitter-
vogel. (Fr. le petrel . Engl. the storm-finch ,
mother cary's chicken .) P. nigra, vropygio albo.

Linné fauna suecica . tab. 2. fig. 143.

Sowohl im nordlichen als südlichen Ocean.

Meist in offner freyer See fern vom Lande auf
Klippen, und die Schiffer sehen es als Zeichen
eines bevorstehenden Sturms an, wenn er sich von
da nach den Schiffen flüchtet. Die Einwohner der
Färöer bedienen sich seiner statt Lampe, indem
sie ihm bloß einen Docht durch den Körper ziehen
und anbrennen, da dann die Flamme von dem
vielen Fette, das allmählig hinein zieht, lange
Zeit unterhalten wird.

74. Diomedea . Rostrum rectum; ma-
xilla superiore apice adunca: inferiore
truncata
.

1. Exulans . der Albators. D. alis pennatis lon-
gissimis, pedibus aequilibribus tridactylis
.

Edwards tab. 88.

Von der Größe eines Schwans, hält aber mit
ausgespannten Flügeln wohl 11 Fuß Breite, fliegt
wohl 500 deutsche Meilen von irgend einem Lande
entfernt, aber selten höher als 10 bis 20 Fuß über
der Meers-Fläche. Nährt sich großentheils von
fliegenden Fischen*).

[Seite 212]

75. Pelecanvs . Rostrum edentulum,
rectum; apice adunco, vnguiculato; pe-
des aequilibres; digitis omnibus quatuor
simul palmatis
.

1. †. Onocrotalus . die Kropfgans, der Pelican.
(Fr. und Engl. pelican .) P. gula saccata.

Ein Blatt von J. E. Ridinger. 1740.

In den wärmern Gegenden der alten Welt, aber
auch auf Neu-Holland: hat den griechischen Nah-
men von ihrer Eselstimme, den deutschen aber
von dem ungeheueren beutelförmigen Kropfe, der
ihr am Unterschnabel hängt, und sich so ausdehnen
läßt, daß er wohl 30 Pfund Wasser fassen kann.

Die americanische Kropfgans scheint specifisch
von dieser verschieden zu seyn.

2. Aquilus . die Fregatte. (Fr. le tailleur . Engl.
the man of war bird .) P. alis amplissimis,
cauda forficata, corpore nigro, rostro rubro,
orbitis nigris
.

Edwards tab. 309.

Hat in der Bildung und Lebensart viel Aehn-
liches mit dem Albatros: nur noch längere Flügel,
die ausgespannt auf 14 Fuß breit sind, und dem
fliegenden Thier ein sonderbares Ansehn geben.

3. Carbo . die Scharbe, der Seerabe. (Fr. und
Engl. cormoran .) P. cauda rotundata, cor-
pore nigro, rostro edentulo, capite sub-
cristato
.

Frisch tab. 187.

[Seite 213]

Meist in allen fünf Welttheilen. Eine ihr sehr
ähnliche Gattung (Pelecanus sinensis ) wird in
Schina zum Fischfang abgerichtet. (– Abbild .
n . h . Gegenst . tab. 25. –)

4. Bassanus . die Rothgans. (Fr. le fou de
bassan
. Engl. the gannet , the soland goose .)
P. cauda cuneiformi, corpore albo, rostro
serrato, remigibusque primoribus nigris,
facie caerulea
.

Brisson T. VI. tab. 44.

Häufigst im Norden von Europa und America,
zumahl auf den schottischen Inseln, und nahment-
lich auf Baß*), wovon diese Gans den Nahmen
führt. Hier lauert sie im Sommer auf die Züge
der Häringe, so wie hingegen im Winter um
Portugal herum und an der Barbarey etc. auf die
Sardellen. Auf jenen schottischen Inseln werden
die jungen Vögel und die Eyer in unermeßlicher
Menge aus den Nestern in den schroffen Felsen-
klippen ausgenommen**).

76. Anas . Rostrum lamelloso-dentatum,
conuexum, obtusum: lingua ciliata,
obtusa
.

1. †. Olor . der Schwan, Elbsch. (Fr. le
cygne
. Engl. the swan , elk .) A. rostro semi-
cylindrico atro, cera nigra, corpore albo
.

Frisch tab. 152.

[Seite 214]

In der nordlichen alten Welt: nährt sich von
Fröschen, Wasserpflanzen etc. Man muß diesen,
den so genannten stummen oder zahmen Schwan,
von dem so genannten wilden. A. cygnus (mit
gelber Haut an der Schnabelwurzel und weit
längerer krummlaufender Luftröhre), unterscheiden.
Dieser letztere giebt einen hellen weit schallenden
nicht unangenehmen Ton von sich.

2. Cygnoides . die spanische oder schinesi-
sche Gans. (Fr. l'oye de Guinée . Engl. the
swan-goose
, chinese goose .) A. rostro semi-
cylindrico; cera gibbosa, palpebris tumidis
.

Frisch tab. 153. 154.

Auf Guinea, am Cap, dann in Sibirien und
Schina, und wie es scheint auch auf den Sand-
wich-Inseln des stillen Oceans. Man unterschei-
det mehrere Varietäten.

3. †. Anser . die Gans. (Fr. l'oye . Engl. the
goose
) A. rostro semicylindrico, corpore
supra cinereo, subtus pallidiore, collo striato
.

Meist in allen fünf Welttheilen wild. Unter
den zahmen soll es wohl häufig völlig schneeweiße
Ganserte, aber nur selten eine ganz weiße weib-
liche Gans geben.

4. Canadensis . die Hudsonsbay-Gans. (Engl.
the grey goose .) A. cinerea, capite collo-
que nigris, genis gulaque albis
.

Edwards tab. 151.

Im kältern Nordamerica. Ein wichtiger Han-
delsartikel wegen seiner ausnehmenden Flaumen
zu Betten. Giebt auch vorzügliche Schreibfedern.

[Seite 215]

5. Bernicla . die Baumgans, Rothgans, schot-
tische Gans. A. fusca, capite collo pecto-
reque nigris, collari albo
.

Frisch tab. 156.

In den kältesten Ländern der nordlichen Erde,
kommt bloß zum Ueberwintern nach Schottland
und andern mildern Gegenden, wo sie sich un-
ter andern von dem Thier der Aentenmuschel ( Bar-
nacle
, Lepas anatifera ) nährt, daher die alte selt-
same Fabel entstanden, daß dieser Vogel nicht aus
einem Ey, sondern ans einer Muschel hervor
komme u.s.w.*)

6. Mollissima . der Eidervogel. (Fr. l'oye à
duvet
. Engl. the eiderduck , cuthbert duck .)
A. rostro cylindrico, cera postice bifida,
rugosa
.

Brünnichs N. H. des Eidervogels. tab. 1. u. f.

In der nordlichen Erde, zumahl häufig auf
Island und in Grönland. Sein Fleisch und Eyer
sind sehr schmackhaft; noch wichtiger aber ist sein
Fell, womit man Kleider futtert, und die Flaum-
federn, die unter dem Nahmen der Eiderdunen
bekannt sind**).

7. †. Boschas . die Aente. (Fr. le canard . Engl.
the duck .) A. rectricibus intermediis (maris)
recuruatis, rostro recto.

Frisch tab. 158. u. f.

[Seite 216]

Die wilde Aente findet sich fast in in der ganzen
nordlichen Erde, theils in ungemein schönen Spiel-
arten. Die zahmen Aenten scheinen große Neigung
zu unnatürliches Paarung zu haben, so daß z.B.
die Aentriche aus Hühner erpicht sind und v. v.
Aenten den wälschen Hahnen nachlaufen und sie
zu reitzen suchen.

8. †. Clypeata . die Löffelänte. (Fr. le souchet .
Engl. the shoveler .) A. rostri extremo di-
latato rotundato: vngue incuruo
.

Frisch tab. 161. u. f.

Hat meist gleiches Vaterland mit der vorigen.

77. Mergvs . Taucher, Wasserhuhn.
Rostrum denticulatum, subulato-cylin-
dricum, apice adunco
.

1. †. Merganser . der Kneifer (Fr. l'harle .
Engl. the goos-ander .) M. crista longitu-
dinali erectiuscula; pectore albido imma-
culato, rectricibus cinereis, scapo nigricante
.

Frisch tab. 190.

In der ganzen nordlichen Erde. So wie andere
Gattungen dieses Geschlechts ein schädliches Thier
für Fischteiche, zumahl zur Leichzeit.

78. Alca . (Engl. auk .) Rostrum edentu-
lum, breue, compressum, conuexum,
transuerse sulcatum; mandibula inferior
ante basin gibbosa
.

Das ganze Geschlecht an den Küsten und Klip-
pen der nordlichen Erde.

[Seite 217]

1. Arctica . der Papageytaucher. (Fr. le ma-
careux
. Engl. the puffin .) A. rostro com-
presso
-ancipiti, sulcato sulcis 4, oculorum
orbita temporibusque albis, palpebra supe-
riore mucronata
.

Nistet in Kaninchenhöhlen, oder wühlt sich auch
selbst so ein unterirdisches Lager.

79. Aptenodytes . Fettgans, Pinguin.
Rostrum compressiusculum, subcultra-
tum, longitudinaliter oblique sulcatum
:
mandibula inferior apice truncato; alae
impennes, pinniformes
.

Ihr glattes glänzendes Gefieder, die gleichsam
flossenähnlichen, schuppigen, kleinen Flügel, und ihr
gerader, fast aufrechter Gang geben diesen Thieren
ein sonderbares Ansehen, deren verschiedne Arten an
den südlichen Küsten und Inseln von Africa und Ame-
rica, so wie andre um Neu-Holland, Neu-Guinea,
und Neu-Seeland zu Hause sind*). Finden
sich theils in zahlloser Menge beysammen.

1. Chrysocome . A. rostro rufo-fusco, pedibus
flauescentibus, crista frontali atra erecta,
auriculari deflexa flaua
.

Forster l. c. tab. 1.

Auf den Falklands-Inseln, Neu-Holland etc.

2. Demersa . A. rostro pedibusque nigris, su-
perciliis fasciaque pectorali albis
.

Edwards tab. 94.

Häufig am Cap etc.


Sechster Abschnitt.
Von den Amphibien.

[Seite 218]

§. 81.

Die Säugethiere und die Vögel unterscheiden
sich beides durch die Wärme ihres Bluts (§. 23.
und 40.) und durch die größere Menge desselben
von den Amphibien und Fischen.

§. 82.

Die Amphibien aber ähneln doch darin noch
den warmblütigen Thieren, und zeichnen sich hin-
gegen von den Fischen vorzüglich dadurch aus,
daß sie wie jene auch noch durch Lungen Luft
schöpfen; obgleich dieselben von weit lockerer
Textur, und auch ihre Athemzüge weit unbe-
stimmter, und so zu sagen unordentlicher sind
als bey den beiden Classen mit warmen Blute.
Auch können sie das Athemhohlen weit länger
entbehren als diese, weit länger im so genanten
luftleeren Raume, oder auch in eingesperrter Luft
(wie z.B. Kröten in einer engen Höhle mitten
in Baumstämmen oder Steinblöcken) und selbst
geraume Zeit in einer Atmosphäre von Kohlen-
gesäuerter oder fixer Luft aushalten, und auf-
fallende Extreme von Hitze und von Kälte aus-
[Seite 219] dauern, so daß man z.B. ungezweifelte Bey-
spiele von Wassermolchen und Fröschen hat, die
sowohl im Magen und Darmcanal von Men-
schen gelebt haben, als auch ihrem Leben unbe-
schadet in dichte Eisschollen eingefroren sind.

§. 83.

Und eben weil die Amphibien mit Lungen ver-
sehen sind, so sind sie auch noch fähig Stimme
von sich zu geben: doch scheinen einige (wie
z.B. unter den hieländischen der wahre Sala-
mander, die grüne Eidexe, die Blindschleiche etc.)
gänzlich stumm zu seyn.

§. 84.

In Rücksicht der Bildung überhaupt herrsche
vorzüglich die doppelte Verschiedenheit unter den
Amphibien, daß sie entweder, wie die Schild-
kröten, Frösche, Eidexen etc. mit vier Füßen
versehen sind; oder aber, als Schlangen einen
langgestreckten, cylindrischen Körper ohne alle
äußere Bewegungswerkzeuge haben.

§. 85.

Die äußern Bedeckungen sind bey den Am-
phibien mannigfaltiger als bey den warmblüti-
gen Thieren. Einige sind mit einer knochigen
Schale überzogen: andre mit hornartigen Rei-
fen, oder mit zahlreichen kleinen Schildchen, oder
mit Schuppen bedeckt: und noch andre haben
[Seite 220] eine nakte nur mit Schleim überzogne Haut.
Die mehresten häuten sich von Zeit zu Zeit.
Manche, wie z.B. der Laubfrosch und verschiedne
Eidexen, besonders der Chamäleon, ändern auch
zuweilen plötzlich ihre Farbe.

§. 86.

Den mehresten Amphibien ist, wie schon die
Benennung der ganzen Classe andeutet, Wasser
und Land zum gemeinschaftlichen Aufenthalt an-
gewiesen. Manche gehen willkürlich in beiden
ihren Geschäften und ihrer Nahrung nach. An-
dre hingegen bringen entweder eine bestimmte
Periode ihres Lebens, oder gewisse Jahrszeiten
bloß in einem von beiden zu. Endlich sind aber
auch manche entweder bloß für das Land oder
bloß für das Wasser, und nicht für beides zu-
gleich bestimmt.

§. 87.

Manche Amphibien, zumahl unter den
Schildkröten und Schlangen, leben von sehr
gemischter Nahrung: andre hingegen, wie der
Laubfrosch, Chamäleon etc. sind sehr eigen in der
Wahl ihrer Speisen, gehen z.B. bloß lebende
Insecten von einigen wenigen bestimmten Gat-
tungen an. In der Gefangenschaft nehmen viele
gar keine Nahrung zu sich und können dann zum
Wunder lange fasten: ich selbst habe z.B.
Salamander auf acht Monate lang ohne Speise
[Seite 221] und selbst ohne daß sie dabey beträchtlich abge-
gezehrt wären, erhalten: und von Schildkröten
weiß man, daß sie gegen anderthalb Jahre ohne
alle Nahrung ausdauern können.

§. 88.

Die bey vielen Amphibien so ganz ausneh-
mende Leichtigkeit und Stärke ihrer Repro-
ductionskraft (§. 19.), hat, wo ich nicht irre,
in der obgedachten Stärke ihrer Nerven und
hingegen respectiven Kleinheit ihres Gehirns
(§. 29.) einen Grund; da folglich die erstern von
letzterem minder abhängig sind; und überhaupt
die ganze Maschine zwar schwächere Mobilität,
weniger consensus zeigt, das ganze Leben der
Amphibien einfacher, und mehr bloß vegetativ
scheint, als bey den warmblütigen Thieren, –
aber dagegen die Glieder mehr mit eigenthüm-
licher independenter Lebenskraft versehen sind.
Und da folglich bey dieser mehr eigenthümlichen
Lebenskraft der einzelnen Theile, nicht gleich je-
der Stimulus, der auf Einen Theil, oder auf
Ein System wirkt, sogleich, wie bey den warm-
blütigen Thieren, andere in Consensus zieht so
erklärt sich auch wohl überhaupt daher ihr zähes
Leben, so daß Frösche, denen das Herz ausge-
rissen worden, doch noch umher hüpfen, und
Schildkröten, denen das Gehirn aus dem Kopfe
genommen worden, noch Monate lang leben kön-
nen; daher auch wohl die anhaltende Beweglich-
[Seite 222] keit der den Amphibien abgeschnittenen Theile,
wie z.B. der Schwänze von Wassermolchen,
Blindschleichen etc.*)

§. 89.

Zu Waffen und Vertheidigungsmitteln
dient manchen Amphibien, zumahl unter den
Schlangen, ihr Gift; dem Salamander, der
Feuerkröte etc. ihr milchichter Hautschaum den sie
im Nothfall von sich geben; vielen auch wohl
der specifike Geruch, den sie verbreiten; so zu-
mahl manche Schlangen, Kröten, Eidexen etc.

§. 90.

Die äußern Sinne scheinen bey den mehre-
sten Amphibien von keiner sonderlichen Schärfe
zu seyn. – Unter den innern zeichnet sich doch
bey vielen das Gedächtniß aus, da man Bey-
spiele selbst von Crocodilen und Kröten hat, die
ihre Wohlthäter kennen gelernt und kirre gewor-
den, und vollends viele Schlangen bekanntlich
sich zu allerhand Gaukeleyen abrichten lassen.
Hingegen finden sich bey den Thieren dieser
Classe nur sehr wenige Spuren von wahren
Kunsttrieben. (§. 36.)

§. 91.

[Seite 223]

Auch scheinen die wenigsten Amphibien einen
täglichen Erhohlungsschlaf zu halten. – Da-
gegen aber wohl alle die kältern Wintermonate
in Erstarrung zubringen. Und zwar theils ein-
zeln, theils wie unsere hieländische Frösche und
Salamander in Haufen. Doch können auch
diese gar leicht des Winterschlafs entbehren, und
Jahr aus Jahr ein wachend im Zimmer erhal-
ten werden.

§. 92.

Das Fortpflanzungsgeschäfte der Amphi-
bien hat ungemein viel Sonderbares. Der Paa-
rungstrieb ist bey vielen so heftig, daß man z.B.
Frösche gesehen hat, die in Ermangelung eines
Weibchens andre männliche Frösche oder Kröten
oder gar todte Weibchen besprungen haben. Bey
den mehresten Fröschen und See-Schildkröten
dauert die Paarung mehrere Tage, ja Wochen
lang. Die Vipern schlängeln sich in der Paa-
rung mit dem Hinterleibe aufs innigste um ein-
ander, und züngeln dabey mit gebogenem Halse
auf einander los. Die Wassermolche hingegen
umfassen einander gar nicht, sondern das Männ-
chen schwimmt zur Brustzeit bloß um sein
Weibchen herum und bespritzt die Eyerchen, so
wie sie dieselben von sich giebt, von der Ferne.

§. 93.

[Seite 224]

Die Amphibien sind, bis auf sehr wenige
Ausnahmen, Eyerlegende Thiere. Aber manche,
zumahl unter den Schlangen etc. geben die
Eyer nicht eher von sich, als bis das darin
befindliche Junge schon meist seine völlige Aus-
bildung erhalten hat. Die Pipa heckt ihre Junge
aus dem Rücken aus.

Anm. Ein Salamander, den ich wenigstens vom
Ende des Sommers an ganzer vier Monate lang
völlig isolirt in einem Glase gehalten, hat hierauf
um Neujahr herum ganz unerwartet binnen weni-
gen Tagen 34 Junge geheckt, so daß folglich hier
eine ehemahlige Befruchtung, auf eine noch weit
längere Zeit hinaus als bey den Hühnern, ihre
Wirksamkeit erhalten muß.

§. 94.

Die Frösche und Eidexen, die im Wasser jung
werden, kommen nicht gleich in ihrer vollkomm-
nen Gestalt, sondern als sogenannte Larven zur
Welt und müssen sich erst noch einer Art von
Metamorphose unterziehen, ehe sie die Ausbil-
dung und den völligen Gebrauch aller ihrer Glied-
maßen erlangen. Die kleinen Frösche z.B.
(die so genannten Kaulquappen, gyrini, Fr.
tétards , Engl. toadpoles ) haben Anfangs noch
keine Füße, sondern dafür einen langen Ruder-
schwanz; auch, so wie die neugebornen Sala-
mander, eine Art von Fischkiefern (branchiae
oder Swammerdam's appendices fimbriatae)
zu beiden Seiten des Halses; ferner zum Theil
eine kleine Saugeröhre an der Unterlefze u. dgl. m.
[Seite 225] Lauter Theile, die nur für den Larvenstand des
zarten jungen Thieres bestimmt sind und mit
der zunehmenden Reife desselben allgemach
schwinden.

§. 95.

Die Amphibien haben ein langsames
Wachsthum; so daß z.B. unsere hieländischen
Frösche meist erst im vierten Jahre mannbar
werden: und doch erreichen diese nur ein, nach
Verhältniß dieser späten Pubertät, nicht beträcht-
liches Alter von 12 bis 16 Jahren. Hingegen
weiß man, daß Schildkröten selbst in der Gefan-
genschaft über 100 Jahre gelebt haben, so daß
hiernach zu schließen, die Crocodile und großen
Schlangen etc. wohl zu einem noch höhern Al-
ter gelangen können.

§. 96.

Die Benutzung der Amphibien fürs Men-
schengeschlecht ist ziemlich einfach; aber für
manche Gegenden theils äußerst beträchtlich.
Zumahl der Genuß der Schildkröten und ihrer
Eyer, so wie auch verschiedener Frösche und Ei-
dexen etc. – Schildpatt zu Kunstarbeiten etc. –
Eidexen, Vipern etc. als Arzney.

§. 97.

Schädlich werden manche ungeheuere Thiere
dieser Classe, die Crocodile, Wasserschlangen etc.
durch ihre Größe, und andere, zumahl unter den
Schlangen, durch ihr Gift, das in keiner andern
[Seite 226] Thierclasse von einer so gefahrvollen Heftig-
keit ist.

§. 98.

Die ganze Classe zerfällt bloß in zwey Ord-
nungen:

1. Reptiles. Die Amphibien mit vier Füßen.
(Die quadrupeda ouipara der ältern
Naturforscher) – Schildkröten, Frösche,
Eidexen. Und

2. Serpentes. Die Schlangen, ohne alle
äußere Bewegungswerkzeuge. (§. 84.)

* * *

Einige wenige Quellen zur N. G. dieser
Classe:

  1. Alb. Seba rerum naturalium thesaurus . Amst. 1734-65.
    IV. vol. gr. Fol. (– hierher gehören bloß die
    beiden ersten Bände –).
  2. Joh. Nic. Laurenti synopsis reptilium emendata . Vindob.
    1768. 8.
  3. C. de la Cepede histoire naturelle des quadrupèdes ovi-
    pares et des serpens
    . Par. 1785. II. vol. 4.
  4. E. Ad. Suckow Anfangsgründe der N. G. der Thiere.
    III. Th. Leipz. 1798. 8.

I. REPTILES.

[Seite 227]

Alle Thiere dieser Ordnung sind (wenigstens
wenn sie ihre vollkommene Gestalt erlangt haben)
mit vier Füßen versehen, die nach dem ver-
schiednen Aufenthalt dieser Thiere entweder freye,
(pedes digitati ) oder durch eine Schwimm-
haut verbundene ( palmati ), oder gar wie in
eine Flosse verwachsene Zehen ( pinnati ) haben.

1. Testvdo . Schildkröte. (Fr. tortue .
Engl. tortoise , die See Schildkröten aber
turtle .) Corpus testa obtectum, cauda
( plerisque ) breuis, os mandibulis nudis
edentulis
*).

Die mehresten Schildkröten sind mit einer kno-
chigen sehr festen Schale bedeckt, deren Obertheil
mit dem Rückgrat und den Rippen des Thiers
verwachsen, und mit den breiten hornigen Schup-
pen belegt ist, die bey manchen Gattungen so
stark und schönfarbig sind, daß sie zu Kunstsachen
verarbeitet werden. Gewöhnlich liegen 13 der-
gleichen Schuppen in der Mitte, und 24 um den
Rand herum. Der Untertheil oder das Bauch-
schild ist etwas kleiner als das obere, und mit
Ausschnitten für Kopf, Schwanz und Füße ver-
sehen.

[Seite 228]

1. Membranacea . T. pedibus palmatis, vn-
guiculis tribus, testa orbiculari ouata, mem-
branacea grisea, striata, scabra
.

Schneider l. c. tab. 1.

In Guiana.

2. Imbricata . die Carette. (Engl. the hawks-
bill turtle
.) T. pedibus pinniformibus, testa
cordata subcarinata, margine serrato; scu-
tellis imbricatis latiusculis, cauda squamata
.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils,
im Anhang tab. 42.

In beiden Indien; auch im rothen Meere. Giebt
das beste Schildpatt*).

3. Mydas . die grüne oder Riesen-Schild-
kröte. ( viridis Schneider . Fr. la tortue
franche. Engl. the green turtle .) T. pedi-
bus pinniformibus, marginibus maxillarum
dentatis, testa ouata
.

Schöpff tab. 17. fig. 2.

Diese See-Schildkröte hält zuweilen 8 Centner
am Gewicht. Sie hat ihren gewöhnlichern Nah-
men von ihrer blaß-olivengrünlichen Schale und
der auffallend grünen Farbe ihres schmackhaften
Fettes. Lebt bloß vom Seetang u. dergl. Vege-
tabilien, daher ihr ausnehmend schmackhaftes gar
nicht thraniges Fleisch.

4. †. Orbicularis . die gemeine Flußschildkröte
( europaea Schneid .) T. pedibus palmatis,
testa orbiculata planiuscula
.

Im mildern Europa.

[Seite 229]

5. Graeca . T. pedibus subdigitatis, testa po-
stice gibba; margine laterali obtusissimo,
scutellis planiusculis
.

Schöpff tab. 8. 9.

Im südlichen Europa, und nordlichen Africa.

6. Geometrica . T. pedibus posticis palmatis,
testae scutellis eleuatis truncatis
.

Schöpff tab. 10.

In Ostindien. Ungefähr von der Größe einer
flachen Hand: hat wegen seines regelmäßigen
schwarz und gelb gezeichneten hochgewölbten Rücken-
schildes ein artiges Ansehen.

2. Rana . Frosch (Fr. grenouille . Engl.
frog .) nud Kröte (Fr. crapaud . Engl. toad .)
Corpus nudum pedibus quatuor, posticis
longioribus
*).

1. Pipa . R. corpore plano, rostro spathiformi,
digitis anticis muticis quadridentatis, posti-
cis vnguiculatis
.

Abbild. n. h. Gegenst . tab. 36.

In den Gewässern von Guiana. Wird durch
die überaus sonderbare und ganz anomalische Weise,
mit der die Mutter ihre Junge ausheckt, merk-
würdig. Das Männchen streicht nähmlich den
Leich, den das Weibchen vorher auf die gewöhn-
liche Art von sich gegeben, demselben auf den
Rücken, und befruchtet sie hierauf mit seinem
Samen. Die Eyerchen verwachsen nachher gleichsam
in der Haut der Mutter, bis nach Verlauf von bey-
nahe drey Monaten die darin befindlichen anfangs
geschwänzten Kaulquappen**) zum Ausbruch reif
[Seite 230] sind, und nachdem ihr Schwanz allgemach ver-
schwunden und sie dagegen ihre vier Füße erhalten,
den Rücken ihrer Mutter verlassen können.

2. Cornuta . R. palpebris conicis.

Seba vol. I. tab. 72. fig. 1. 2.

In Virginien; hat wegen seiner großen stieren
Augen, und der ungeheueren tutenförmigen obern
Augenlider ein abentheuerliches Ansehn.

3. Ocellata . (Engl. the bull-frog .) R. auri-
bus ocellatis, pedibus muticis
.

Catesby vol. II. tab. 72.

In Nord-America. Fast von der Größe eines
Kaninchens. Hat den englischen Nahmen von
seiner starken Stimme. Ist die Hauptnahrung
der Klapperschlangen.

4. Paradoxa . (Rana piscis.) R. femoribus
postice oblique striatis
.

Seba vol. I. tab. 78.

Im südlichen America. Die Larve (§. 95.) er-
reicht eine fast spannenlange Größe, häutet
sich während der Zeit verschiedentlich, und hat
in diesem Zustande zu einer alten Sage, von Frö-
schen, die sich in Fische verwandelten, Anlaß ge-
geben. Auch nachdem schon die vier Beine ihre
ganze Größe und Ausbildung erhalten haben, bleibt
daß Thier doch noch geraume Zeit geschwänzt.

5. †. Buso . die Kröte. R. corpore ventricoso
verrucoso lurido fuscoque
.

Rösel tab. 20. 21.

Daß ihr Harn ein heftiges Gift seyn soll, ist
ungegründet. Hingegen ist es unlängbar, daß
man verschiedentlich lebendige Kröten mitten in
[Seite 231] durchsägten Baumstämmen, oder in Steinblöcken etc.
angetroffen hat.

6. †. Bombina . die Feuerkröte. R. corpore
verrucoso, abdomine aurantio-caesio macu-
lato, pupilla triquetra
.

Rösel tab. 22.

Am Bauche schön blau und gelb gemarmelt,
hüpft fast wie ein Frosch.

7. †. Portentosa . die Haus-Unke. (Bufo ca-
lomita
, Laurent). R. verrucosa, linea dor-
sali flaua, lateralibus rufescentibus
.

Rösel tab. 24.

In feuchten Kellern, Ufer-Höhlen etc. Kommt
selten zum Vorschein; giebt aber einen eignen dum-
pfen Laut von sich, der allerhand abergläubige
Sagen veranlaßt hat.

8. †. Temporaria . der braune Grasfrosch.
R. subfusca dorso planiusculo subangulato.

Rösel tab. 1-8.

Im Gras und Gebüsch etc. von da die Junge
nach warmen Sommer-Regen haufenweise hervor
kriechen, da dann ihre plötzliche Erscheinung wohl
zu der alten Sage vom Froschregen Anlaß gege-
ben haben mag.

9. † Esculenta . der grüne Wasserfrosch, Rö-
ling, Marxgöker. R. viridis, corpore angu-
lato, dorso transuerse gibbo, abdomine
marginato.

Rösel tab. 13-16.

In Teichen und Sümpfen. Die Männchen
quaken laut, zumahl des Abends bey schönem
[Seite 232] Wetter, und treiben dabey zwey große Blasen
hinter den Maulwinkeln auf. Sie sind schlau
und muthig, verzehren Mäuse, Sperlinge, und
selbst junge Aenten, Forellen etc. und können sogar
über große Hechte Herr werden. Zur Begattungs-
zeit bekommen die Männchen dieser und der vori-
gen Gattung schwarze warzige Ballen an den
Daumen der Vorderfüße, womit sie sich äußerst
fest um ihrer Weibchen Brust klammern können.

10. †. Arborea . der Laubfrosch. (calamites.
Fr. la raine, grenouille de St. Martin, le
graisset
). S. corpore laeui, subtus granu-
lato, pedibus fissis, apicibus digitorum len-
ticulatis
.

Rösel tab. 9 ad 12.

Fast in ganz Europa (doch nicht in England),
auch in America etc. Der klebrige Schleim, wo-
mit er wie die Schnecken überzogen ist, dient ihm
bey seinem Aufenthalt am Laub der Bäume, zur
Haltung. Die erwachsenen Männchen, die an
ihrer braunen Kehle kenntlich sind, haben eine
laute Stimme, die sie, wenn das Wetter sich
ändern will, aber auch außerdem zur Paarungs-
zeit von sich geben. Sie blähen dabey die Kehle
zu einer großen Blase auf.

3. Draco . Corpus tetrapodum cauda-
tum, alatum
.

1. Volans . die fliegende Eidexe. D. brachiis
ab ala distinctis
.

Seba vol. II tab. 86. fig. 3.

In Ostindien und Africa.

[Seite 233]

4. Lacerta . Eidexe. (Fr. lezard . Engl.
lizard ) Corpus elongatum, pedibus
quatuor aequalibus
.

1. Crocodilus . der (eigentliche) Crocodil. L.
mandibulis ellipticis, scuto supraorbitali osseo ,
testa caluariae integra, cauda parte anteriori
et superna scutis vtrinque extantibus serrata
.

Abbild . n . h . Gegenst . tab. 26. 27.

Zumahl häufig in den größern Strömen von
Africa (namentlich im Ober-Nil und im Niger).
Das größte Thier der süßen Wasser, das wohl
eine Länge von 30 Fuß erreichen soll*): und doch
haben seine Eyer kaum die Größe eines Gänse-Eyes.
Erwachsen fällt er Menschen und andre große Thiere
an. Jung gefangen aber läßt er sich doch zähmen.

2. Alligator . der Kaiman. L. mandibulis
ellipticis, tegmine supraorbitali
coriaceo ,
testa caluariae bifenestrata **) , cauda parte
anteriori rotunda
.

Seba vol. I. tab. 106.

Im mittlern America. Weit rundlicher und
glatter am Leibe und Schwanz, als der eigent-
liche Crocodil, wird auch nicht so groß als dieser
und legt kleinere Eyer. Hat übrigens eben so wie
jener fünf Zehen an den Vorderfüßen und viere
an den hintern, von welchen allen aber nur die
drey Innern mit Krallen bewaffnet sind.

[Seite 234]

3. Gangetica . der Gavial. L. mandibulis elon-
gatis teretibus subcylindricis
.

Edwards in philos . Transact . Vol. XLIX.

Zumahl im Ganges.

4. Monitor . (Fr. la sauve-garde .) L. cauda
carinata, corpore mutico maculis ocellatis.

Seba vol. I. tab. 94. fig. 1. 2. 3.

In beiden Indien. Ueberaus sauber und regel-
mäßig schwarz und weiß gefleckt; ungefähr an-
derthalb Ellen lang; hat den Namen daher, daß
es sich, wie man sagt, meist in Gesellschaft der
Crocodile aufhalten, und durch einen pfeifenden
Laut, den es von sich giebt, diese seine furchtbare
Gefährten verrathen soll.

5. Iguana der Leguan. L. cauda tereti longa,
sutura dorsali dentata, crista gulae denti-
culata
.

Seba vol. I. tab. 95. sqq. tab. 98. fig. 1.

In Westindien. Ein flinkes Thier. Hat ein
überaus schmackhaftes Fleisch und Eyer.

6. Chamaeleon . L. cauda prehensili, digitis
duobus tribusque coadunatis
.

Jo. Fr. Miller fascic. II. tab. II.

In Ostindien, Nord-Africa, und nun auch
theils in Spanien. Langsam, träge, lebt auf
Bäumen und Hecken, währt sich von Insecten,
dieses mit seiner langen klebrigen Zunge sehr be-
hende zu fangen versteht. Seine Lungen sind
ausnehmend groß, und das Thier kannsich damit
nach Willkür aufblasen oder dünner machen, da-
her vermuthlich die Sage der Alten entstanden
seyn mag, daß es bloß von Luft lebe. Seine
[Seite 235] Augen haben die ganz eigne Einrichtung, daß je-
des besonders, oder auch beide zugleich nach ver-
schiedenen Richtungen, eins z.B. aufwärts, das
andere hinterwärts u.s.w. und zwar schnell be-
wegt werden können. Seine natürliche Farbe ist
stahlgrau, es ändert dieselbe aber zuweilen, zu-
mahl wenn es zornig wird etc. Der zuweilen be-
merkte Wiederschein von benachbarten farbigen
Gegenständen auf die glänzenden Schuppen des
lebendigen Thiers hat Anlaß zu der Fabel gege-
ben, als ob sich seine Farbe überhaupt nach den-
selben richte.

7. Gecko . (vermuthlich der wahre stellio oder sau-
rus
der Alten.) L. cauda tereti mediocri,
digitis muticis subtus lamellatis, corpore
verrucoso, auribus concauis
.

Seba vol. I. tab. 109.

In Ostindien, auch auf den Inseln der Südsee
und selbst hin und wieder im südlichen Europa,
z.B. im Neapolitanischen. Am häufigsten aber
in Aegypten, wo er sich gern in die Häuser zieht
und gefährlich wird. Er soll nähmlich einen gifti-
gen Saft zwischen seinen blättrichten Fußzehen
haben, und dieser sich den Eßwaaren, wo das Thier
drüber wegläuft, mittheilen.

8. Stincus. (crocodilus terrester.) L. cauda te-
reti mediocri, apice compressa, digitis mu-
ticis lobato-squamosis marginatis
.

Im steinigen Arabien, Aegypten etc. War wei-
land als ein Stärkungsmittel besonderer Art be-
rufen; wird auch noch jetzt, in seiner Heimath,
zu dieser Absicht verbraucht.

[Seite 236]

9. †. Agilis. die grüne Eidexe, Kupfer-Eidexe.
L canda verticillata longiuscula, squamis
acutis. collari subtus squamis constricto
.

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Im wärmern Europa, und wie es scheint, auch
in beiden Indien und auf den Inseln der Südsee.
Ist eben so unschuldig als alle übrige deutsche
Eidexen. Ihre Eyer leuchten eine Zeitlang im
Finstern.

10. †. Lacustris . der Wasser-Molch, Wasser-
Salamander. L. nigra, dorso lateribusque
verrucosis, abdomine flauo, nigro-maculato
.

Laurenti tab. 2. fig. 4.

Die Männchen haben im Frühjahr eine vom
Kopf bis zum Schwanz längs des Rückens hin-
laufende empor stehende ausgezackte Haut. Von sei-
ner ausnehmenden Reproductionskraft s. oben S. 29.

11. †. Salamandra . der Salamander, Molch,
die Molle, Ulme. (Fr. le sourd, mouron .)
L. cauda tereti breui, pedibus muticis, cor-
pore flauo nigroqne vario nudo, poroso
.

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Schwarz und orangegelb gefleckt, spannenlang
und daumendick. Daß er giftig sey, im Feuer
leben könne etc. sind Fabeln.


II. SERPENTES.

Die Schlangen*) haben gar keine äußeren
Gliedmaßen, sondern bloß einen cylindrischen
[Seite 237] lang gestreckten Körper, den sie wellenförmig
bewegen; und der mit Schuppen, Schildern,
oder Ringen bekleidet ist. Manche leben im
Wasser (da sie bey ihren ausnehmend langen
und theils blasenförmigen Lungen leicht schwim-
men können), andre auf der Erde, andre meist
auf Bäumen. Sie legen mehrentheils an ein-
ander gekettete Eyer, und ihre Kinnladen sind
nicht, wie bey andern Thieren, fest eingelenkt,
sondern zum Kauen ungeschickt, indem sie sich
weit von einander dehnen lassen, so daß die
Schlangen andere Thiere, die oft weit dicker
als sie selbst sind, ganz verschlingen können.
Manche sind mit heftigem Gift in besondern
Bläschen am vordern Rande des Oberkiefers
versehen*), das in eignen Drüsen abgeschieden
und durch besondre röhrenförmige, einzeln ste-
hende, gegen die Spitze zu mit einer länglichen
Oeffnung versehene, Giftzähne (– als durch
einen Ausführungsgang –) beym Biß in die
Wunde geflößt wird. (– Abbild. n. h. Ge-
genst
tab. 37. fig. 1. –) Diese bloß am vor-
dern Rande des Oberkiefers befindlichen Gift-
zähne, geben auch den zuverläßigsten Character
ab um die giftigen Schlangen von den giftlo-
sen zu unterscheiden**), da bey den letztern der
[Seite 238] ganze äußere Rand der obern Kinnlade (bis hin-
ten) mit Zähnen besetzt ist (– Abbild . n. h.
Gegenst
. a. a. O. fig. 2. –) außerdem haben
aber wohl alle Schlangen noch eine doppelte
Reihe kleiner Gaumen-Zähne mit einander
gemein.

5. Crotalvs . Klapperschlange. (Fr. ser-
pent à sonnettes
. Engl. rattle-snake .) Scuta
abdominalia. Scuta squamaeque subcau-
dales. Crepitaculum terminale caudae
.

1. Horridus. C. scutis 167. scutellis 23.

Seba vol. II. tab. 95. fig. 1.

Zumahl im wärmern Nordamerica: wird auf
6 Fuß lang und fast armsdick. Die Gattungen
dieses Geschlechts unterscheiden sich von allen an-
dern Schlangen, ja überhaupt von allen übrigen
Thieren in der Schöpfung durch die räthselhafte,
hornartige, gegliederte Rassel am Ende des Schwan-
zes. – Die Zahl der Glieder an diesem so wun-
derbar gebauten und in seiner Art so ganz einzigen
Organ nimmt mit den Jahren zu und soll bey
Alten wohl auf 40 steigen. Daß kleine Vögel,
[Seite 239] Eichhörnchen etc. im Gebüsch der darunter liegen-
den Klapperschlange*) gleichsam von selbst in
den Rachen fallen, wird von gültigen Augenzeu-
gen versickert; ist aber keine ausschließliche Eigen-
heit dieses Geschlechts, da man das nähmliche
auch an mehrern andern Schlangen der neuen und
alten Welt bemerkt haben will. – Die Klapper-
schlangen selbst werden häufigst von den Schwei-
nen und Raubvögeln, auch von vielen Negern
in America, ohne Nachtheil gegessen. Auch lassen
sie sich überaus kirre und zahm machen.

6. Boa . Scuta abdominalia et subcaudalia.

1. Constrictor . die Riesenschlange, Abgotts-
schlange, Anaconda. B. scutis 240. scu-
tellis
60.

Merrem II. Heft tab. I.

[Seite 240]

In Ostindien und Africa. Wird nach Adam-
sons Versicherung auf 40 bis 50 Fuß lang. Soll
lebendigen Rehen etc. die Rippen und andere Kno-
chen entzwey brechen, das Thier nachher mit
einem gallertartigen Geifer überziehen, und so
hinterwürgen. Doch ist sie leicht kirre zu machen und
wird, wie die Brillenschlange, von den ostindischen
Gaucklern zu allerhand Kunststücken abgerichtet. –
die Amaru-Schlange in Süd-America, die von
den Antis in Peru angebetet ward, und auch
auf 30 Fuß lang wird, scheint wenig von dieser
verschieden. – Hingegen ist wohl die auf Guinea
so heilig verehrte so genannte Juda-Schlange
von einer andern Gattung.

7. Colvber . (Fr. couleuvre .) Scuta ab-
dominalia, squamae subcaudales
.

1. Vipera . ♂ C. scutis 118. squamis 22.

Es werden mehrere Schlangen mit dem Nahmen
der Viper belegt. Hier diese von Linné so ge-
nannte, ist in Aegypten zu Hause.

2. Cerastes . ♂ die gehörnte Schlange. C.
scutis 145. squamis 44.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils, im
Anhang tab. 40.

Hat gleiches Vaterland mit der vorigen, und
ist allerdings giftig.

3. †. Berus . die Otter, Viper. (Engl. the
adder
) ♂ C. scutis 146. squamis 39.

Laurenti tab. 2. fig. 1.

Diese ehemahls officinelle Viper ist von bräun-
licher Farbe und in den wärmern Gegenden der
[Seite 241] alten Welt, auch schon in Deutschland und in der
Schweiz zu Hause. Ihr Biß verursacht zwar
heftige Entzündung etc. wird doch aber nur selten
tödtlich. Auch wird sie ohne Schaden von den
Raubvögeln gefressen. Es ist dieselbe Gattung,
womit ehedem Redi und neuerlich Fontana so
viele merkwürdige Versuche angestellt haben.

4. † Natrix . die Ringel-Matter, Schnacke,
der Unk. C. scutis 170. squamis 60.

Stahlfarbig mit weißen Seiten-Flecken, zumahl
an den beiden Seiten des Halses. Man hat selbst
in Europa welche von 10 u. m. Fuß gefunden,
die dann wohl ehedem Anlaß zu den abentheuer-
lichen Erzählungen von Lindwürmern etc. gegeben
haben mögen.

5. Coccineus . die Carmoisin-Schlange. C.
scutis 175. squamis 35.

Voigts Magazin 5ten B. 1stes St. tab. 1.

Diese ausnehmend schönfarbige und unschuldige
Schlange ist in Florida und Neu-Spanien zu
Hause. Fingers dick und ungefähr 2 Fuß lang.
Längs dem Rücken laufen etliche und zwanzig
große und sehr regelmäßige carmoisinrothe Flecken,
die mit schwarzen Rändern eingefaßt, und diese
wieder mit citrongelben Queerstreifen von einander
abgesondert sind. Die Mädchen in Florida sollen
das schöne Thier zum Putz als Halsband oder in
die Haare geflochten tragen etc.

6. Naja . die Brillenschlange. ( Cobra de Ca-
belo
.) ♂ C. scutis 193. squamis 60.

Russell's Indian Serpents tab. 5. 6.

In Ostindien. Der Hals ist weit ausdehn-
bar, und bey beiden Geschlechtern hinten mit
[Seite 242] einer brillenähnlichen Figur bezeichnet. Ist eine
der giftigsten Schlangen, wird aber häufig vom
Ichneumon gefressen, und ist auch leicht zu aller-
hand Gaukelkünsten abzurichten.

8. Angvis . Squamae abdominales et
subcaudales.

1. †. Fragilis . die Blindschleiche, der Hasel-
wurm, Hartwurm. (Engl. the blind-worm ,
flow-worm .) A. squ. abd. 135. totidem-
que subcand
.

In dumpfigen Gegenden, alten Gemäuer etc.
Bricht leicht entzwey, wenn man sie anfaßt, und
die Stücke bewegen sich doch noch stundenlang.
Man findet von ihr mancherley theils sauber ge-
zeichnete Spielarten.

2. Platuros . ♂ A. cauda compressa obtusa.

Abbild. n. h. Gegenst . tab. 28.

Im indischen Ocean und der Südsee.

9. Amphisbaena . Annuli trunci cau-
daeque.

1. Fuliginosa . A. ann. tr. 200, caudae 30.

Seba vol. I. tab. 88. fig. 3. u.a.

In America. Schwarz und weiß gefleckt.

10. Caecilia . Rugae trunci caudaeque.
Labrum superius tentaculis
2.

1. Tentaculata . C. rugis 135.

Seba vol. II. tab. 25. fig. 2.

Auch in America. Hat gar keine Schuppen,
sondern runzlige Ringe in der glatten Haut, fast
wie ein Regenwurm.


Siebenter Abschnitt.
Von den Fischen.

[Seite 243]

§. 99.

Die Fische sind diejenigen mit rothen kalten
Blut versehenen Thiere, die sich mittelst wahrer
(mit Gräten oder knorplichen Faden versehenen)
Flossen bewegen, und mittelst wahrer lebenslang
bleibender Kiefern Athem hohlen.

Anm. Wahre Kiefer und wahre Flossen – um sie
von den gewisser Maßen analogen Organen der
ganz jungen Frösche, Salamander etc. (§. 94.) zu
unterscheiden.

§. 100.

Diese Kiefern oder Kiemen (branchiae)
vertreten bey den Fischen fast vollkommen die
Stelle der Lungen. Sie liegen auf beiden Sei-
ten hinter dem Kopfe, meistens unter einer oder
mehreren großen halbmondförmigen Schuppen,
die deßhalb die Kiefer-Deckel (opercula bran-
chialia
) heißen und bey den mehresten mit der
Kiefer-Haut (membrana branchiostega) ver-
bunden sind. Die Kiefern selbst sind mit unzäh-
ligen der zartesten Blutgefäße durchwebt, und
auf jeder Seite meist in vier Blätter vertheilt, die
ungefähr der Fahne an einer Feder ähneln und
[Seite 244] die an ihrer Basis durch eben so viele bogen-
förmige Gräten unterstützt werden.

§. 101.

Das Athemhohlen, das die Fische eben so
wenig als die mit Lungen versehenen Thiere lange
entbehren können, geschieht bey ihnen, indem sie
die im Wasser aufgelösete Luft durch den Mund
in die Kiefern leiten, und dann durch die Kiefer-
öffnung (apertura branchialis) wiederum von
sich geben; folglich nicht wie die mit Lungen
versehenen Thiere durch den gleichen Weg ein-
und ausathmen.

§. 102.

Da sie keine Lungen haben, so versteht sich
folglich von selbst, daß ihnen auch keine wahre
Stimme zugeschrieben werden kann, obgleich
einige von ihnen, wie z.B. der Knurrhahn, der
Wetterfisch etc. einen Laut von sich geben können.

§. 103.

Die Bildung des Körpers, überhaupt ge-
nommen, ist bey den Fischen ungleich mannig-
faltiger als bey den beiden vorigen Thierclassen.
Bey den mehresten hat doch der Körper eine
verticale Stellung d.h. er ist auf beiden Seiten
zusammen gedrückt (corpus compressum s. ca-
thetoplateum
); bey einigen andern hingegen,
wie bey dem Rochen, liegt er horizontal, ist in
die Breite platt gedrückt (corpus depresum s.
[Seite 245] plagioplateum); bey andern, wie beym Aal etc.
ist er mehr rundlich: bey andern, wie bey den
Panzerfischen, prismatisch oder vierkantig etc.

Bey allen aber stoßen Kopf und Rumpf
unmittelbar an einander, ohne durch einen eigent-
lichen Hals von einander abgesondert zu seyn.

§. 104.

Die Fische sind (höchstens bis auf sehr we-
nige Ausnahmen) mit Schuppen bekleidet; die
von einer ganz eignen Substanz, und bey den
verschiedenen Gattungen von der mannigfaltig-
sten theils ausnehmend eleganten Bildung und
Zeichnung, und farbigen Gold- und Silber-
glanze sind.

Sie werden von außen noch mit einem beson-
dern Schleim überzogen, der großen Theils aus
kleinen Schleimhöhlen abgeschieden zu werden
scheint, die bey den mehresten Fischen zu beiden
Seiten des Körpers in der so genannten Seiten-
Linie liegen.

Die mehrsten der so genannten Knorpelfische
sind mit schildförmigen Schuppen oder gar mit
einer festen knochigen Schale gepanzert.

§. 105.

Die Bewegungswerkzeuge der Fische, die
Flossen (an welchen man neuerlich merkwürdige
Reproductionskraft wahrgenommen), bestehen
aus dünnen knochenartigen oder knorpligen
[Seite 246] Gräten, die durch eine besondere Haut mit ein-
ander verbunden, an eignen Knochen befestigt,
und durch bestimmte Muskeln bewegt werden.
Ihrer bestimmten Lage nach heißen die obern,
Rückenflossen (pinnae dorsales); die seitwärts
hinter den Kiefern befindlichen, Brustflossen
(pinnae pectorales); die am Bauche vor der
Oeffnung des Afters stehenden, Bauchflossen
(pinnae ventrales); die hinter dieser Oeff-
nung, Steißflosse (pinna analis); endlich am
Schwanze, die Schwanzflosse (pinna caudalis).
Die letztere hat alle Mahl eine verticale Lage,
und vertritt völlig die Stelle eines Steuerruders
zum Lenken etc. So wie hingegen die Brustflossen
zum eigentlichen Fortrudern u.s.w. dienen.

Die so genannten fliegenden Fische haben sehr
lange und straffe Brustflossen, so daß sie sich da-
mit selbst über die Oberfläche des Wassers erhe-
hen und kleine Strecken weit fortfliegen können.

§. 106.

Ein anderes Hülfsmittel zur Bewegung der
Fische, besonders wohl zum Steigen und Sinken
(wie bey den so genannten cartesianischen Teu-
felchen), ist die Schwimmblase, womit zumahl
die Süß-Wasser-Fische versehen sind, und die
mittelst eines eignen Canals (ductus pneu-
maticus
) meist mit dem Magen oder Schlunde
in Verbindung steht.

§. 107.

[Seite 247]

In Rücksicht ihres Aufenthalts theilt man
die Fische überhaupt in See- und Süß-Wasser-
Fische. Einige können doch auch zuweilen einige
Zeit im Trocknen aushalten, wie der Aal, die
Muräne etc. Andere theils in warmen minera-
lischen Quellen*).

§. 108.

Die mehresten Fische, zumahl die in der
See leben, sind animalia nocturna, die nähm-
lich ihren Geschäften zur Nachtzeit nachgehen,
am Tage hingegen sich mehr in der Tiefe ruhig
halten. Daher auch die von Fischen lebenden
Insulaner und Küsten-Bewohner meist des
Nachts auf den Fang ausgehen.

§. 109.

Eine große Anzahl Gattungen von Fischen
verändern in gewissen Jahrszeiten ihren Auf-
enthalt; so steigen viele Seefische um zu leichen
in die Buchten und Mündungen der Flüsse;
manche derselben aber, wie z.B. die Häringe
im nordlichen atlantischen Ocean, machen auch
noch außerdem anderweitige Züge zu bestimm-
ten Jahrszeiten und in unermeßlichen Schaaren
zwischen den Küsten des westlichen Europa und
des nordostlichen America**).

§. 110.

[Seite 248]

Die Fische sind größten Theils fleischfressende
Thiere, und sind, da sie keine eigentliche Füße
haben ihre Beute damit zu fassen, mit mancher-
ley andern Mitteln ihrer Herr zu werden, ver-
sehen worden.

Theils nähmlich mit langen Bartfasern
(cirri) am Maule, um damit andere kleine Was-
serthiere, wie mit einem Köder zu locken, und
gleichsam zu angeln. (So der Sternseher, der
Froschfisch etc.)

Andere, wie der Chaetadon rostratus , mit
einer Spritzröhre, um dadurch die über dem
Wasser fliegenden Insecten gleichsam herab zu
schießen.

Andre, wie drey Seefische, der Zitterrochen,
Tetrodon electricus und Trichiurus indicus
und die beiden Flußfische, der Zitteraal und der
Zitterwels, mit einer besondern erschütternden
und betäubenden Kraft u.s.w.

§. 111.

Was die äußern Sinne der Fische betrifft,
so muß der Geruch bey vielen überaus scharf
seyn, da sie den versteckten Köder in weiter Ent-
fernung auswittern.

Ueber ihr Gehör ist man nun ziemlich ins
Reine, da man weiß, daß sie nicht nur den Sinn,
und zwar in auffallender Schärfe, – sondern
[Seite 249] auch selbst ähnliche Organe, wie die im innern
Ohr anderer rothblütigen Thiere, besitzen.

Die auffallendsten Sonderbarkeiten zeigen
sich aber im Baue des Auges der Fische*), das
sich z.B. durch den gänzlichen Mangel des so
genannten Strahlenbandes (corpus ciliare)
auszeichnet u. dergl. m.

§. 112.

Ueber die Naturtriebe u.a. Seelenkräfte
der Fische läßt sich vor der Hand aus Mangel
an richtigen Beobachtungen wenig sagen. Doch
weiß man, daß manche, wie z.B. die Forellen,
überaus kirre werden**); andere, z.B. alte
Karpfen, sehr listig und verschlagen sind u.s.w.

§. 113.

Von ihrem Schlafe gilt meist die gleiche
Anmerkung, die bey den Amphibien gemacht
worden ist (§. 91.), daß nähmlich vermuthlich alle
einem Winterschlaf ausgesetzt sind; aber wohl
nur sehr wenige einen bestimmten täglichen pe-
riodischen Erhohlungsschlaf haben: wie es z.B.
vom Goldbrachsen gesagt wird.

§. 114.

[Seite 250]

Außer den wenigen lebendig gebährenden
Fischen, wohin der Aal und die so genannte Aal-
mutter gehören, mögen sich wohl wenige Fische
wirklich mit einander paaren; sondern bey den
mehresten giebt das Weibchen den Rogen noch
unbefruchtet von sich, und das Männchen kommt
hierauf nach, um denselben mir seiner Milch zu
begießen.

Man hat diese Einrichtung für die Landwirth-
schaft benutzen gelernt, indem man auch aus der
künstlichen Vermischung von Eyern und Samen
der Forellen etc. junge Fische erzielen kann*).

Anm. Zu andern Merkwürdigkeiten im Zeugungsge-
schäfte der Fische gehört auch noch, daß man
einzeln unter denselben wirkliche Zwitter – und
anderseits auch völlig geschlechtlose**) Mißge-
burten gefunden haben will.

§. 115.

Die Vermehrung der meisten Fische ist
zum Wunder stark, so, daß ungeachtet die Eyer-
chen der mehresten in Verhältniß zu ihrer Sta-
tur ungleich kleiner sind, als in irgend einer an-
dern Thier-Classe; dennoch bey manchen die Eyer-
stöcke größer sind, als ihr ganzer übriger Körper.
Daher zählt man, z.B. beym Häring, zwischen
20 und 37000, beym Karpfen über 200000, bey
[Seite 251] der Schleihe 383000, beym Flinder über eine
Million Eyerchen etc.*)

§. 116.

Theils haben die jungen Fische, so wie sie aus
dem Eye kriechen, noch nicht ihre völlige Gestalt;
sondern müssen sich ebenfalls, so wie viele Am-
phibien (§. 94.), erst einer Art von Metamor-
phose unterziehen, wodurch erst nach und nach
ihre Flossen u. dergl. m. allgemach ausgebildet
werden.

§. 117.

Die Fische gelangen, im Verhältniß zur Größe
ihres Körpers, zu einem hohen Alter. Man weiß
von Karpfen, Hechten etc. daß sie anderthalb
hundert Jahre erreichen können. Doch werden
einige kleine Fische, wie z.B. der Stichling etc.
nur wenige Jahre alt.

§. 118.

Die Brauchbarkeit der Fische für den Men-
schen ist ziemlich einfach, meist bloß zur Speise;
aber eben von dieser Seite für einen großen Theil
des Menschengeschlechts, der theils fast ganz von
diesen Thieren lebt, von der äußersten Wichtig-
keit. Selbst wilde Völker, wie z.B. die Kamt-
schadalen, Brasilianer etc. wissen die Fische auf
die mannigfaltigste Weise, sogar zu einer Are
Mehl, zu Kuchen u.s.w. zu bereiten: und bey
vielen, wie z.B. unter den Insulanern des stil-
[Seite 252] len Oceans, macht der Fischfang ihr Haupt-
geschäft, – und in Rücksicht der überaus sinn-
reichen angemeßnen Geräthschaften, die sie sich
dazu erfunden haben wirklich eine Art von nach-
denkendem Studium aus. Aber auch für einen
großen Theil der cultivirten Erde ist der Fang,
z.B. des Härings, Kabeljaus, Thunnfisches
u. dergl. m. von äußerster Wichtigkeit – Der
Thran von Hayen, Häringen, Kabeljauen etc.
wird häufigst in Lampen gebrannt. – Die ostlich-
sten Küstenbewohner des mittlern Asien kleiden
sich in gegerbte Lachshäute. – Und manche
Theile einiger Fische werden zu technischen Ge-
brauch und Kunstsachen benutzt; wie z.B. die
Schuppen des Ukley zu Glasperlen; Fischhaut
von Rochen und Hayen etc.; Hausenblase etc.

§. 119.

Den mehresten Schaden thun die Raub-
fische; zumahl in den Weltmeeren die Haye; und
in den süßen Wassern die Hechte. – Auch sind
manche Fische wenigstens in gewissen Gegenden
giftig, so daß ihr Genuß tödtlich werden kann.
So zumahl einige Gattungen von Tetrodon.

§. 120.

Die systematische Classification der Fische
scheint noch mancher Verbesserung zu bedürfen.
Inzwischen bringt man sie vor der Hand im Gan-
zen unter zwey Hauptabtheilungen: nähmlich.

[Seite 253]

A) Knorpelfische (Pisces cartilaginei ) die
keine wahren Gräten haben: und

B) mit Gräten versehene oder eigentlich so
genannte Fische (Pisces spinosi ).

Die Knorpelfische sondert man in folgende
zwey Ordnungen, welche Hr. La Cepede nach dem
Daseyn oder Mangel des Kieferdeckels bestimmt,
und hiernach die darunter gehörigen Geschlechter
vertheilt: nähmlich

I. Chondropterygii. Ohne Kieferdeckel.

II. Branchiostegi. Mit Kieferdeckel.

Die eigentlich so genannten Fische aber
hat Linné nach der Beschaffenheit und Lage der
Bauchflossen geordnet: nähmlich:

III. Apodes. Die gar keine Bauchflossen
haben.

IV. Iugulares. Die, deren Bauchflossen vor
den Brustflossen sitzen.

V. Thoracici. Die, wo die Bauchflossen ge-
rade unter den Brustflossen, und

VI. Abdominales. Wo sie hinter diesen sitzen.

Zur N. G. der Fische.

[Seite 254]
  1. Guil. Rondelet de piscibus . Lugd. 1554. P. II. 1555. fol.
  2. Conr. Gesner de piscium et aquatilium animantium na-
    tura
    . Tig. 1558. fol.
  3. Steph. a. Schonevelde ichthyologia . etc. Hamburg.
    1624. 4.
  4. F. Willoughbeii historia piscium , ex ed. Rail. Oxon.
    1686. fol.
  5. Jo. Raii synopsis methodica piscium . Lond. 1713. 8.
  6. Petr. Artedi ichthyologia . ex. ed. Linnaei. Lugd. Bat.
    1738. 8.
  7. Laur. Theod. Gronovii Zoophylacium Gronovia
    num
    . Lugd. Bat
    . 1781. P. I – III. fol.
  8. Ant. Gouan historia piscium . Argent. 1770. 4.
  9. Du Hamel et de Marre histoire des poissons (traité
    des pêches etc.
    ) Par. 1770. sqq. III. vol. fol.
  10. M. El. Bloch ökonomische N. G. der Fische Deutsch-
    lands. Berl. 1782. III. B. 4.
  11. Dess N. G. ausländischer Fische. ib. 1785. IX. B. 4.
  12. La Cepède histoire naturelle des poissons , Par. seit 1798. 4.
* * *
  1. Al. Monro Vergleichung des Baues und der Physiolo-
    gie der Fische mit dem Bau des Menschen und
    der übrigen Thiere. – Mit vielen Zusätzen vor
    P. Camper und J. G. Schneider. Leipz. 1787. 4.

I. CHONDROPTERYGII.

[Seite 255]

Die Knorpelfische dieser Ordnung haben keine
Kieferdeckel, und bey den mehresten ist das
Maul an der Unterseite des Kopfs befindlich.

1. Petromyzon . Spiracula branchia-
lia 7 ad latera colli. Fistula in vertice.
Pinnae pectorales aut ventrales nullae
.

1. †. Marinus . die Lamprete. (Fr. la lamproye .
Engl. the lamprey .) P. ore intus papilloso,
pinna dorsali posteriori a cauda distincta
.

Bloch tab. 77.

In der Nordsee so wie im mitländischen u.a.
Meeren. Steigt aber auch 8 und mehrere Meilen
weit in die Flüsse. Wird wohl auf 3 Fuß lang.

2. †. Fluuialitis . die Pricke, Neunauge. P.
pinna dorsali posteriore angulata.

Bloch tab. 78.

In größern Flüssen. Nur halb so groß als die
vorige Gattung.

2. Gastrobranchvs . Bauchkieme. Spi-
racula branchialia 2 ventralia. Fistula
in rostro. Pinnae pectorales aut ventra-
les nullae
.

Dieses räthselhafte Geschlecht ward ehedem unter
dem Nahmen Myxine den Gewürmen beygezählt.

1. Coecus . der Blindfisch, Schleimaal. (My-
xine
glutinosa Linn .)

Bloch tab. 413.

[Seite 256]

An den Küsten des nordlichen atlantischen Oceans.
Soll gar keine Augen haben!

3. Raia . Roche. (Fr. raie . Engl. ray .)
Spiracula branchialia 5 subtus ad collum;
corpus depressum; os sub capite
.

Ein seltsam gebildetes und theils gar wunderbar
organisirtes Thiergeschlecht. Manche Arten hat
man ehedem durch allerhand Künsteley zu vorgeb-
lichen Basilisken etc. umgestaltet und aufgetrocknet.
Manche scheinen auch bey einiger Aehnlichkeit, die
der Untertheil ihres Kopfs mit einem Menschen-
gesichte hat, zu der Sage von Sirenen etwas
beygetragen zu haben*). Ungeachtet sie nur
ein Ey auf einmahl legen, so vermehren sie sich
doch so stark, daß der Ocean in manchen Gegen-
den gleichsam davon wimmelt. Die Eyer haben
eine hornige Schale mit vier Spitzen, und
heißen See-Mäuse.

1. Torpedo . der Zitterroche, Krampfisch. (Fr.
la torpille . Engl. the crampfish .) R. tot-
laeuis maculis dorsalibus
5 orbiculatis.

Philos. Transact . vol. LXIII. tab. 19 sqq.

Besonders im mitländischen Meere. Der bekann-
teste von den so genannten elektrischen Fischen.
(§. 110.) Wird an theils Orten gegessen.

2. †. Batis . der Glattroche, Baumroche, Flete,
Tepel. (Fr. la raie lisse . Engl. the skate ,
flair .) R. varia, dorso medio glabro, cauda
vnico aculeorum ordine
.

Bloch tab. 79.

[Seite 257]

In den europäischen Meeren. Wird auf zwey
Centner schwer. Hat ein vorzüglich schmackhaf-
tes Fleisch.

3. Pastinaca . der Stachelroche, Pfeilschwanz.
(Fr. la pastenaque, tareronde, raie ba ï onette .)
Engl. the sting-ray ) R. corpore glabro,
aculeo longo anterius serrato in cauda, et
dorso apterygio
.

Bloch tab. 82.

In vielen Welt- Meeren. Sein Schwanz-
Stachel ist zwar nicht giftig; aber er dient dem
Thiere und auch wilden Völkern als Waffen.

4. Sqvalvs. Hay. (Fr. chien de mer .
Engl. shark .) Spiracula branchialia 5 ad
latera colli. Corpus oblongum tere-
tiusculum. Osin anteriore capitis parte
.

1. Acanthias . der Dornhay. (Fr. l'aguillat .)
S. pinna anali nulla, dorsalibus spinosis,
corpore teretiusculo
.

Bloch tab. 85.

In den europäischen Meeren. Hat drey Reihen
Zähne in jedem Kiefer.

2. Zygaena . der Hammerfisch, Jochfisch. S.
capite latissimo transuerso malleiformi
.

Bloch tab. 117.

In den mehresten Weltmeeren.

3. Carcharias . (lamia, tiburo. Fr. le requin .
Engl. the white shark .) S. dorso plano,
dentibus serratis
.

Bloch tab. 119.

[Seite 258]

Zumahl häufig im atlantischen Ocean. Wiegt
zuweilen auf zehntausend Pfund, und in seinem
Magen hat man wohl eher ganze Pferde gefun-
den. Hat sechsfache Reihen Zähne in den Kie-
fern, die (wie überhaupt bey den mehresten Hayen)
nicht in die Kinnladen eingekeilt, sondern wie
durch eine Art Gelenk mit denselben verbunden
sind. Die vordere Reihe dieser Zähne macht das
eigentliche Gebiß. Die hintern liegen (wenigstens
beym jungen Thier) rückwärts gelehrt, gleichsam
auf Reserve, damit zufälliger Verlust derer in der
vordern Reihe zu wiederholten Malen ersetzt wer-
den kann.

4. Pristis . der Sägefisch, Schwertfisch. (Fr.
la scie de mer . Engl. the saw fish .) S. pinna
ani nulla, rostro ensiformi osseo plano vtrin-
que dentato
.

Bloch tab. 120.

Unter andern im nordlichen atlantischen Ocean.
Das breite schwertförmige, oft mehrere Ellen lange
Gewehr, das dieses Thier vor dem Kopfe führt,
ist an beiden Seiten-Rändern mit 24 oder meh-
reren starken eingekeilten Zähnen besetzt.

5. Lophivs . Seeteufel (Fr. diable de mer .
Engl. sea-devil ) Pinnae pectorales bra-
chiis insidentes. Spiracula solitaria pone
brachia
.

1. †. Piscatorius . der Froschfisch. (rana pisca-
trix
. Fr. la grenouille pecheuse . Engl. the
frog-filsh
.) L. depressus capite rotundato.

Bloch tab. 87.

An den europäischen Küsten. Der ungeheuere
Kopf, der die größere Hälfte des ganzen Thiers
[Seite 259] ausmacht, und dann die fleischigen Angelfaden
am Maule (§. 110.) geben ihm ein auffallendes
Ansehen.

6. Balistes. Hornfisch. Caput compres-
sum. Apertura supra pinnas pectora-
les. Corpus compressum, squamis corio
coadunatis. Abdomen carinatum
.

1. Tomentosus . (Engl. the little old wife .) B.
pinna capitis biradiata, corpore posterius
subuilloso
.

Bloch tab. 148. fig. 1.

In beiden Indien.

7. Chimaera . Spiracula solitaria, qua-
dripartita, sub collo. Oris labium su-
perius quinquepartitum. Dentes primo-
res incisores bini supra infraque
.

1. Monstrosa . C. rostro subtus plicis pertusis.

Bloch tab. 124.

Im nordlichen atlantischen Ocean.


II. BRANCHIOSTEGI.

Die mit Kieferdeckeln versehenen Knorpel-
fische.

8. Acipenser . Spiracula lateralia soli-
taria, linearia. Os sub capite, retractile,
edentulum. Cirri quatuor sub rostro
ante os.

[Seite 260]

1. †. Sturio . der Stör. (Fr. l'esturgeon . Engl.
the sturgeon .) A. squamis dorsalibus 11.

Bloch tab. 88.

In allen europäischen Meeren, auch im ca-
spischen etc. in der Wolga, im Nil etc. Macht
nebst den übrigen Gattungen dieses Geschlechts so
wohl wegen des Fleisches, als des aus dem Rogen
bereiteten Caviars, für viele Völker einen wich-
tigen Fang aus, und kann gegen tausend Pfund
schwer werden. Oft ziehen ihrer eine Menge in
schmalen aber langen Zügen hinter einander, und das
soll Anlaß zu der fabelhaften Sage von ungeheueren
nordischen Seeschlangen gegeben haben.

2. Ruthenus . der Sterlet. A. squamis dorsa-
libus
15.

Bloch tab. 89.

Dieser vorzüglich schmackhafte Fisch findet sich
am häufigsten im caspischen Meer und in der
Wolga, aber selten über 30 Pfund schwer.

3. Huso . der Hausen, Beluga. A. squamis
dorsalibus
13. caudalibus 43.

Bloch tab. 129.

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen. Ist
vorzüglich wegen des Fischleims oder der Hausen-
blase merkwürdig, die man besonders aus der
Schwimmblase desselben, doch auch aus dem Stör
und noch aus einer andern Gattung dieses Ge-
schlechts, nähmlich der Sewruge (Acipenser
stellatus
.), die auch das beste Caviar giebt; ja theils
auch aus der Schwimmblase des Wels, bereitet.

9. Ostracion . Panzerfisch (Fr. poisson
coffre
.
) Corpus osse integro loricatum.
Pinnae ventrales nullae
.

[Seite 261]

1. Triqueter . O. trigonus muticus.

Bloch tab. 130.

So wie der folgende in Ostindien.

2. Cornutus . O. tetragonus, spinis frontali-
bus subcaudalibusque binis
.

Bloch tab. 133.

In Ostindien. Ein niedliches kleines Thier,
dessen Panzer aufs regelmäßigste, meist mit
Sechsecken wie Bienenzellen, bezeichnet ist.

10. Tetrodon . Stachelbauch. Corpus
subtus muricatum. Pinnae ventrales
nullae
.

1. Lagocephalus . (Fr. le poisson souffleur .) T.
abdomine aculeato, corpore laeui, humeris
prominentibus
.

Bloch tab. 140.

Besonders häufig im Senegal. Und zwar sind
die, so man oben im Flusse landeinwärts fängt, ein
gesundes gutes Essen. Hingegen die nahe an der
See, in der Mündung des Stroms, sehr giftig.

2. Electricus . T. corpore maculoso; pinnis
viridibus
.

Philos. Transact . Vol. LXXVI. P. II.
tab. 13.

Einer von den fünf bis jetzt bekannten elektri-
schen Fischen. (§. 110.) In Ostindien an der
St. Johanna-Insel.

3. Hispidus . der Kugelfisch. (orbis. Engl. the
moon-fish.
) T. totus hispidus, papillissetaceis.

Bloch tab. 142.

[Seite 262]

Im rothen Meere etc. Aber auch in den süßen
Wassern der benachbarten Länder.

4. Mola. der Klumpfisch. (Fr. la lune de mer .
Engl. the sun-fish. ) T. laeuis compressus,
cauda truncata: pinna breuissima dorsali
analique annexa
.

Hamburg. Magaz. XVIII. B. tab. I.

Häufig im mitländischen und atlantischen
Meere. Wiegt zuweilen auf fünf Centner. Hat
den deutschen Namen von seiner unförmlichen
Gestalt; den französischen und englischen aber von
dem starken phosphorischen Schein, womit die
Seiten und der Unterleib des lebendigen Fisches
leuchten.

11. Diodon . Corpus spinis acutis mobi-
libus vndique adspersum. Pinnae ven-
trales nullae
.

1. Hystrix der Stachelfisch, Guara. (Engl.
the porcupine-fish .) D. oblongus, aculeis
teretibus
.

Bloch tab. 126.

Zumahl im atlantischen Ocean: nahmentlich auch
an den nordamericanischen Küsten.

12. Cycloptervs . Bauch-Sauger.
Caput obtusum. Pinnae ventrales in
orbiculum connatae
.

1. †. Lumpus . der See-Hase, Klebpfost, Haf-
padde. (Fr. le lievre de mer . Engl. the lump-
sucker
.) C. corpore squamis osseis angulato.

Bloch tab. 90.

[Seite 263]

In den nordlichen Meeren der alten Welt.
Hängt sich mit seinem gerippten flachen Brustschilde
aufs festeste an die Klippen, Schiffe u.s.w. an.

13. Centriscvs . Messer-Fisch. Caput
productum in rostrum angustissimum.
Abdomen carinatum. Pinnae ventrales
vnitae
.

1. Scolopax . die Meer-Schnepfe. C. corpore
squamoso scabro, cauda recta extensa
.

Bloch tab. 123 fig. 1.

Im mitländischen Meer etc.

14. Syngnathvs . Rostrum subcylin-
dricum, ore operculato, maxilla inferiore
mobiliore. Corpus cataphractum. Pinnae
ventrales nullae
.

1. Acus . die Meer-Nadel, Sack-Nadel.
(Engl. the pipe .) S. pinnis caudae ani
pectoralibusque radiatis; corpore septem-
angulato
.

Bloch tab. 91. fig. 2.

In der Nord- und Ostsee etc.

2. Hippocampus . das See-Pferdchen, die
See-Raupe. (Fr. le cheval marin . Engl.
the sea-horse .) S. pinna caudae quadrangu-
lae nulla, corpore septemangulato tuber-
culato
.

Bloch tab. 116. fig. 3.

Im mitländischen u.a. Meeren. Hat seine
Rahmen, weil der Vordertheil einem Pferdekopf
[Seite 264] und Hals, das hintere Ende aber einer Raupe
verglichen worden. Im Tode krümmt es sich wie
ein S, und ähnelt so dem Springer im Schach.

15. Pegasvs . Os proboscide tetractili.
Rostrum ensiforme, lineare. Corpus ar-
ticulatum osseis incisuris, cataphractum.
Pinnae ventrales abdominales
.

1. Draconis . der Seedrache. P. rostro conico.

Bloch tab. 109. fig. 1. 2.

In Ostindien. Die großen breiten Brustflossen
ähneln ausgespannten Flügeln, und mögen wohl
den Nahmen veranlaßt haben.


III. APODES.

Diese und die drey folgenden Ordnungen be-
greifen nun die mit Gräten versehenen oder ei-
gentlich so genannten Fische. Und zwar hier
diese, die so gar keine Bauchflossen haben.

16. Mvraena . Caput laeue. Nares tubu-
losae. Membr. branch. radiis 10, corpus
teretiusculum, lubricum. Pinna caudalis
coadunata dorsali anique. Spiracula pone
caput vel pinnas pectorales
.

1. Helena , die Muräne. M. pinnis pectorali-
bus nullis
.

Bloch tab. 153.

[Seite 265]

Ein sehr gefräßiger Raubfisch, in den wärmern
Meeren beider Welten.

2. †. Anguilla . der Aal. (Fr. l'anguille , Engl.
the eel .) M. maxilla inferiore longiore, cor-
pore vnicolore
.

Bloch tab. 73.

In den Flüssen beider Welten. Geht zuweilen
ans Land auf Wiesen, ins Getreide etc. Hat ein
zähes Leben, und das ihm ausgeschnittne Herz
behält wohl noch 40 Stunden lang seine Reitz-
barkeit. Nach den genauesten Beobachtungen ge-
biert er wohl sicher lebendige Junge.

17. Gymnotvs . Caput operculis laterali-
bus. Tentacula duo ad labium superius.
Membr. branch. radiis 5; corpus com-
pressum, subtus pinna carinatum
.

1. Electricus . der Zitteraal, Zitterfisch, Drill-
fisch (Fr. l'anguille electrique .) G. nudus,
dorso apterygio, pinna caudali obtusissima
anali connexa
.

Bloch tab. 156.

Besonders bey Surinam und Cayenne, wo ihn
van Berkel*) zuerst bekannt gemacht hat. Un-
gefähr mannslang.

18. Trichivrvs . Caput porrectum,
operculis lateralibus. Dentes ensiformes,
apice semisagittati: primores maiores.

[Seite 266] Membr. branchiostega radiis 7. Corpus
compresso-ensiforme. Cauda subulata,
aptera
.

1. Lepturus . T. mandibula inferiore longiore.

Bloch tab. 158.

In beiden Indien.

2. Indicus . T. mandibulis aequalibus.

Willoughby App. tab. 3. fig. 3.

In Ostindien. Ebenfalls ein elektrischer Fisch.
(§. 110.)

19. Anarrhichas . Caput obtusiuscu-
lum. Dentes primores supra infraque co-
nici, diuergentes, sex pluresue, molares
inferiores palatique rotundati. Membr.
branch. rad. 6. Corpus teretiusculum,
pinna caudae distincta
.

1. †. Lupus. der Klippfisch, Seewolf. (Engl.
the ravenous .) A. pinnis pectoralibus amplis
subrotundis
.

Bloch tab. 74.

An den Küsten des nördlichen Europa.

20. Ammodytes . Caput compressum.
Labium superius duplicatum, dentes ace-
rosi. Membr. branch. rad. 7 corpus tere-
tiusculum, cauda distincta
.

[Seite 267]

1. †. Tobiannus der Sandfisch, Sandaal, To-
biasfisch. (Engl. the sand-launce ) A.
maxilla inferiore longiore
.

Bloch tab. 75. fig. 2.

Ebenfalls am nordlichen Europa.

21. Ophidivm . Caput nudiusculum,
dentes maxillis, palato, faucibus. Membr.
branch. rad. 7 patula. Corpus ensiforme
.

1. Barbatum . (Fr. la donzelle .) O. maxilla
inferiore cirris
4.

Bloch tab. 159. fig. 1.

Am südlichen Europa.

22. Stromatevs . Caput compressum.
Dentes in maxillis, palato. Corpus oua-
tum, latum, lubricum. Cauda bifida
.

1. Paru . S. vnicolor.

Bloch tab. 160.

An America.

23. Xiphias . Caput maxilla superiore
terminatum rostro ensiformi. Os eden-
tulum. Membr. branch. rad. 8; corpus
teretiusculum
.

1. †. Gladius . der Schwertfisch, Hornfisch.
(Fr. l'épée de mer, empereur, espadon . Engl.
the sword-fish, whale-killer .) X. mandi-
bula inferiore acuta, triangulari
.

Bloch tab. 76.

[Seite 268]

In den nordlichen so wohl als südlichen Meeren.
Wird mit seinem Schwerte auf 18 Fuß lang, und
hält dann gegen 5 Centner an Gewicht.


IV. IVGVLARES.

Fische, deren Bauchfloßfedern vor den Brust-
flossen sitzen.

24. Callionymvs . Caput labio su-
periore duplicato; oculi approximati.
Membr. branchiostega rad. 6.; apertura
nuchae foraminibus respirante. Oper-
cula clausa. Corpus nudum. Pinnae
ventrales remotissimae
.

1. Lyra . (Fr. le lacert Engl. the piper .) C.
dorsalis prioris radiis longitudine corporis
.

Bloch tab. 161.

Im atlantischen Ocean.

25. Vranoscopvs . Caput depressum,
scabrum, maius. Os simum, maxilla su-
perior breuior. Membr. branch. rad. 5;
anus in medio
.

1. Scaber . der Sternseher. (Fr. le boeuf. Engl.
the-star gazer .) V. cirris multis in maxilia
inferiore
.

Bloch tab. 163.

Vorzüglich häufig im mitländischen Meere.

[Seite 269]

26. Trachinvs . Caput scabriusculum,
compressum. Membr. branch. rad. 6;
anus prope pectus
.

1. †. Draco das Petermännchen. (Fr. la vive .
Engl. the wever .) Trachinus .

Bloch tab. 61.

Im mitländischen Meere, in der Nordsee etc.

27. Gadvs. Corpus laeue. Membr.
branch. rad. 7 teretibus; pinnae cute
communi vestitae, pectorales acuminatae
.

1. †. Aeglefinus . der Schellfisch. (Engl. the
hadock
.) G. tripterygius cirratus albicans,
cauda biloba, maxilla superiore longiore
.

Bloch tab. 62.

Im ganzen nordlichen europäischen Ocean, vor-
züglichst aber an den englischen und schottischen
Küsten – viele Fische phosphoresciren unter ge-
wissen Umständen nach dem Tode: bey diesem
hier ist aber dieses Leuchten zuweilen von ganz
auffallender Stärke und langanhaltender Dauer.

2. Callarias . der Dorsch. G. tripterygius cir-
ratus varius, cauda integra, maxilla supe-
riore longiore
.

Bloch tab. 63.

Hat gleichen Aufenthalt mit dem vorigen.

3. †. Morrhua . der Kabeljau, Steinfisch.
Baccaljao . (Asellus. Fr. la morue . Engl.
the cod-fish ) G. tripterygius cirratus, cauda
subaequali, radio primo anali spinoso
.

Bloch tab. 64.

[Seite 270]

Es werden unter diesen gemeinschaftlichen Nah-
men mehrere verwandte Gattungen dieses Ge-
schlechts begriffen, die wegen der unsäglichen Menge
und wegen der mannigfaltigen Zubereitung (ge-
trocknet als Stockfisch, als Laberdan, und als
Klippfisch) und langen Conservation etc. von der
äußersten Wichtigkeit sind. Sie finden sich vorzüg-
lichst in den nordlichen Gegenden, beides des stillen
und atlantischen Oceans, wo sie besonders um Labra-
dor, Neu-Fundland, auch um Island und an
den Nordküsten von Großbritannien den wichtig-
sten Fischfang ausmachen*).

4. †. Merlangus. der Witling, Gadde. (Fr.
l e merlan . Engl. the whiting .) G. tripte-
rygius imberbis albus, maxilla superiore
longiore
.

Bloch tab. 65.

In den europäischen Meeren.

5. †. Lota . die Quappe, Drusche, Kutte,
Aalraupe, Aalputte. (Fr. la lote , Engl.
the burbot .) G. dipterygius cirratus, maxil-
lis aequalibus
.

Bloch tab. 70.

Vorzüglich in den Schweizer-Seen.

28. Blennivs . Schleimfisch Caput de-
cliue, rectum. Membr. branch. rad. 6.
corpus lanceolatum, pinna ani distincta
.

[Seite 271]

1. †. Viuiparus . die Aalmutter. B. ore ten-
taculis duobus
.

Bloch tab. 72.

Im mitländischen Meere, in der Nordsee etc.
Gebiert lebendige Junge.


V. THORACICI.

Fische, deren Bauchfloßfedern gerade unter
den Brustflossen sitzen.

29. Cepola . Caput subrotundum com-
pressum. Os simum, dentes curuati, sim-
plici ordine. Membr. branch. radiis 6.
Corpus ensiforme, nudum, abdomine vix
capitis longitudine.

1. Taenia . der Bandfisch. (Fr. le ruban ) C.
pinna caudae attenuata, capite obtusissimo.

Bloch tab. 170.

Im mitländischen Meere.

30. Echeneis . Caput depressum, supra
planum marginatum, transuerse sulca-
tum. Membr. branch. rad
. 10.

1. Remora . der Saugefisch. (Fr. le sucet . Engl.
the sucking-fisch. ) L. cauda bifurca, striis
capitis
18.

Bloch tab. 172.

In den mildern Weltmeeren. Das sonderbare
Thier kann sich mittelst des quergestreiften Hin-
[Seite 272] terkopfs aufs festeste an Schiffe, Hayfische etc.
anhalten. Daher die alte Fabel, daß ein einzi-
ger ein Schiff in vollem Lauf zu hemmen vermöge.

31. Coryphaena . Caput truncato-de-
cliue. Membr. branch. rad. 5; pinna dor-
salis longitudine dorsi
.

1. Hippurus . der Goldkarpfe. (Fr. la dorade .
Engl. the dolphin .) C. cauda bifida, ra-
diis dorsalibus
60.

Bloch tab. 174.

Im atlantischen Meere, Ein prachtvolles Thier,
das besonders im Sterben in wunderschöne Farben
(aus dem Gelben ins Blaue und Purpurrothe etc.)
spielt.

32. Gobivs . Caput poris 2 inter oculos
approximatos, altero anteriore. Membr.
branch. radiis 4. Pinnae ventrales vnitae
in ouatam
.

1. †. Niger . die Meergrundel, G. pinna dor-
sali secunda radiis
14.

Bloch tab. 38. fig. 1. 2. 5.

Im atlantischen und indischen Ocean.

33. Cottvs . Caput corpore latius, spi-
nosum. Membr. branch. rad
. 6.

1. †. Cataphractus . der Knurrhahn, Stein-
picker. (Engl. the pogge .) C. loricatus
rostro verrucis bifidis, capite subtus cirroso
.

Bloch tab. 38. fig. 3. 4.

[Seite 273]

An den nordlichen Küsten von Europa und
America.

2. †. Gobio . der Kaulkopf, Rotzkolbe, Gropp,
Kruppe. (Engl. the bull-head, the miller's
thumb
.) C. laeuis, capite spinis duabus.

Bloch tab. 38. fig. 1. 2.

Ein sehr gemeiner europäischer Flußfisch. Das
Weibchen scharrt sein Leich in eine Höhle am
Grund, und bewacht es bis die Jungen ausge-
krochen sind aufs sorgfältigste.

34. Scorpaena . Caput magnum, acu-
leatum. Oculi vicini. Dentes maxillis,
palato, faucibusque. Membr. branch.
radiis
7.

1. Horrida . S. tuberculis callosis adspersa.

Bloch tab. 183.

In Ostindien.

35. Zevs . Caput compressum, decliue.
Labium superius membrana transuersa
fornicatum. Lingua subulata. Membr.
branch. radiis 7 perpendicularibus: in-
fimo transuerso. Corpus compressum
.

1. Vomer . Z. cauda bifurca, spina ante pin-
nam analem dorsalemque recumbente
.

Bloch tab. 193.

2. Faber. (Engl. the doree, dory .) Z. cauda
rotundata; lateribus mediis ocello fusco;
pinnis analibus duabus
.

Bloch tab. 41.

Beide im atlantischen Meer.

[Seite 274]

36. Plevronectes . Butte, Scholle,
Halbfisch. (Fr. sole . Engl. flounder. ) Ocu-
lis vtrisque in eodem latere frontis.
Membr. branch. rad. 4 – 7. Corpus com-
pressum, latere altero dorsum, altero ab-
domen referente
.

Die Schollen sind die einzigen Thiere in der
Natur, die ihre beiden Augen auf einer Seite des
Kopfs haben; manche Gattungen nähmlich auf
der rechten, andere auf der linken: sehr selten
finden sich Mißgeburten unter ihnen, die anoma-
lisch auf der unrechten Seite ihre Augen haben.
Auch beide Nasenlöcher sitzen ebenfalls so schief
seitwärts. Sie schwimmen in einer schrägen Lage,
die Augenseite in die Höhe gerichtet.

1. †. Platessa. die Scholle, Plateis, Gold-
butte. (passer. Fr. la plie . Engl. the plaise .)
P. oculis dextris, corpore glabro, tubercu-
lis 6 capitis
.

Bloch tab. 42.

Nebst den folgenden besonders in den nordlichen
Meeren.

2. †. Flesus . der Flünder. (Engl. the flounder .)
P. oculis dextris, linea laterali aspera, spi-
nulis ad pinnas
.

Bloch tab. 44.

3. †. Limanda . die Glahrke, Kliesche (Engl.
the dab .) P. oculis dextris, squamis ciliatis,
spinulis ad radicem pinnarum dorsi anique,
dentibus obtusis
.

Bloch tab. 46

[Seite 275]

4. †. Hippoglossus . die Heiligbutte. (Fr. le
fletang
. Engl. the holibut .) P. oculis dextris,
corpore toto glabro
.

Bloch tab. 47.

Theils von vier Centnern an Gewicht: unter
andern in größter Menge im nordlichen stillen
Ocean.

5. †. Maximus. die Steinbutte (Fr. und Engl.
turbot .) P. oculis sinistris, corpore aspero.

Bloch tab. 49.

Doch weit kleiner als die vorige.

37. Chaetodon . Dentes ( plurimis ) se-
tacei, flexiles confertissimi, numerosissimi.
Membr. branch. rad. 6; corpus pictum,
pinna dorsi anique carnosa squamosa
.

1. Rostratus . C. cauda integra, spinis pinnae
dorsalis 9, maculaque ocellari; rostro cy-
lindrico
.

Bloch tab. 202.

In Ostindien. Der Oberkiefer endigt sich in
eine Röhre, wodurch das Thier die Insecten, die
an allerhand Wasserpflanzen sitzen, bespritzt, daß
sie herabfallen und ihm zur Speise werden müssen.

2. Macrolepidotus. C. cauda integra, spinis
dorsalibus 11, radio dorsali quarto filiformi
longissimo
.

Bloch tab. 200.

In Ostindien.

[Seite 276]

38. Sparvs . Brachse. Dentes primores
robusti, molares obtusi, conferti. Labia
simplicia. Membr. branch. rad. 5. cor-
pus compressum. Pinnae pectorales acu-
minatae
.

1. Aurata . der Goldbrachsen. S. lunula aurea
inter oculos
.

Bloch tab. 266.

Im mitländischen und atlantischen Meer. Hat
fast in allen Sprachen seinen Nahmen von dem
goldfarbigen halben Monde vor den Augen.

2. Sargus . der Geißbrachsen. S. ocello sub-
caudali, corpore fasciis nigris
.

Bloch tab. 264.

Im mitländischen Meer. Die Männchen
sollen zur Begattungszeit sehr hitzig wie Säuge-
thiere oder Vögel um ihre Weibchen kämpfen.

3. Pagrus . der Seebrachse. S. rubescens,
cute ad radicem pinnarum dorsi et ani in
sinum producta
.

Bloch tab. 267.

Einer der allgemeinst verbreiteten Seefische.
Zuweilen giftig.

39. Labrvs . Lippfisch. Dentes acuti, labia
duplicata magna. Membr. branch. rad. 6;
pinnae dorsalis radii postice ramento fili-
formi aucti. Pectorales rotundatae
.

[Seite 277]

1. Iulis . der Meerjunker L. lateribus cae-
rulescentibus, vitta longitudinali fulua vtrim-
que dentata
.

Bloch tab. 287.

Im mitländischen Meer. Nur Fingers lang,
von ausnehmend schönen Farben. Wird den Ba-
denden durch seinen Biß lästig, der wie Mücken-
stiche schmerzt.

40. Sciaena . Caput totum squamis ob-
tectum. Membr. branch. rad. 6; opercula
squamosa. Corpus: sossula dorsi pro
pinna dorsali recondenda
.

1. Nigra . S. tota nigra, ventre fusco-al-
bescente
.

Bloch tab. 297.

Wie so viele andre Gattungen dieses Geschlechts
im rothen Meere.

41. Perca . Opercula spinosa, antrorsum
serrata. Membr. branch. rad. 7. Corpus
pinnis spinosis
.

1. †. Fluuiatilis . der Barsch. (Fr. la perche.
Engl. the perch.) P. pinnis dorsalibus di-
stinctis, secunda radiis
16.

Bloch tab. 52.

In Europa und Nordasien.

2. †. Lucioperca. der Zander, Sandbarsch,
Schiel. P. pinnis dorsalibus distinctis, se-
cunda radiis
32.

Bloch tab. 51.

So wie der folgende im nordlichen Europa.

[Seite 278]

3. †. Cernua . der Kaulbarsch. (Engl. the
ruffe
.) P. pinnis dorsalibus vnitis radiis 27;
spinis 15; cauda bifida.

Bloch tab. 53. fig. 2.

42. Gasterostevs . Membr. branch.
rad. 3; corpus ad caudam vtrimque cari-
natum. Pinnae ventrales pone pectora-
les, sed supra sternum
.

1. †. Aculeatus . Der Stichling. ( spinarella .
Engl. the stickleback .) G. spinis dorsalibus
tribus
.

Bloch tab. 53. fig. 3.

In Europa.

43. Scomber . Caput compressum, laeue.
Membr. branch. rad. 7; corpus laeue, li-
nea laterali postice carinatum. Pinnae
spuriae saepe versus caudam
.

1. †. Scomber. die Makrele. (Fr. le marquereau .
Engl. the mackrel .) S. pinnulis 5.

Bloch tab. 54.

Im nordischen und atlantischen Meer etc. Wie
der folgende ein gefräßiger aber vorzüglich schmack-
hafter Raubfisch. Von beiden machten die Alten
ein vorzügliches Garum.

2. Pelamys . die Bonite. S. pinnulis inferio-
ribus 7; abdomine lineis vtrinque 4 nigris
.

In allen wärmern Weltmeeren. Auch dieses
Thier phosphorescirt nach dem Tode zuweilen sehr
[Seite 279] stark, und kann dann so wie manche andre
Fische und deren Thran etc. zum leuchten des
Seewassers beytragen.

3. †. Thynnus . der Thunnfisch. (Fr le thon .
Engl. the tunny .) S. pinnulis vtrimque 8.

Bloch tab. 55.

In der Nordsee, dem mitländischen Meer, Ost-
und Westindien etc. Wird über manus lang, und
dann wohl gegen 5 Centner schwer. Ist zuwei-
len giftig*).

44. Mvllvs . Caput compressum, decliue,
squamis tectum. Membr. branch. rad. 3.
Corpus squamis magnis facile deciduis
.

1. Barbatus . der Rothbart, die Meerbarbe.
M. cirris geminis, corpore rubro.

Bloch tab. 348. fig. 2.

Ein schöner schmackhafter Fisch des mitländi-
schen Meers. Ungefähr fuß lang.

45. Trigla . Caput loricatum lineis sca-
bris. Membr. branch. rad. 7. Digiti liberi
ad pinnas pectorales
.

1. Volitans . T. digitis vicenis membrana pal-
matis
.

Bloch tab. 351.

Einer der fliegenden Fische in den mildern
Weltmeeren.

VI. ABDOMINALES.

[Seite 280]

Fische, deren Bauchflossen hinter den Brust-
floßfedern sitzen. Sie leben größtentheils in süßen
Wassern.

46. Cobitis . Oculi in suprema capitis
parte. Membr. branch. rad. 4–6. Cauda
versus pinnam minus angustata
.

1. Anableps . C. cirris 2; capite depresso, oculis
prominnlis
.

Bloch tab. 361.

Bey Surinam. Gebiert lebendige Junge, und
wird besonders durch den ganz einzigen Bau seiner
gleichsam in zwey Abschnitte halbirten Hornhaut
des Auges, und übrige Einrichtung der Augäpfel,
merkwürdig*).

2. †. Barbatula . der Schmerling, Grundel,
Bartgrundel. (Fr. la loche . Engl. the loach .)
C. cirris 6, capite inermi compresso.

Bloch tab. 31. fig. 3.

In mehrern Spielarten, mit und ohne Bart-
fäden etc. Die größten finden sich in der Aar in
der Schweiz.

3. †. Fossilis . der Wetterfisch, Peizker,
Schlammbeisker, die Pipe, Steinpietsche,
Kurrpietsche. C. cirris 8, spina supra oculos.

Bloch tab. 31. fig. 1.

[Seite 281]

In Europa kann wie der Knurrhahn einen
Laut von sich geben. Wenn man ihn in Glä-
sern, mit Sand am Boden, erhält, so wird er bey
bevorstehender Wetterveränderung unruhig.

47. Silvrvs . Caput nudum. Os cir-
ris filiformibus tentaculatum. Membr
.
branch. rad. 4-14. Radius pinnarum
pectoralium aut dorsalis primus spino-
sus, retrodentatus
.

1. † Glanis . der Wels, Schaidfisch. S. pinna
dorsali vnica scapulari mutica, cirris 6.

Bloch tab. 34

In den mildern Strichen der alten Welt.
Der größte Süßwasserfisch, der wohl 3 Centner
am Gewicht hält, und wegen des unförmlich
großen und breiten Kopfes und der langen Bart-
fäden ein sonderbares Ansehen hat.

2. Cataphractus . S. pinna dorsali postica vni-
radiata, squamis ordine simpliei, cirris 6
cauda integra
.

Catesby vol. III tab. 19.

In Nordamerica.

3. Electricus . der Zitter-Wels, Raasch . (Fr.
le trembleur .) S. pinna dorsali vnica lum-
bari, remota absque radiis, cirris 6
.

Broussonet in den Mém. de l'ac. des sc.
de Paris
, 1782. tab. 20.

Ebenfalls ein electrischer Fisch. (§. 110.) Findet
sich im Nil und mehrern andern africanischen Flüs-
sen. Wild ungefähr 20 Zoll lang. Ist doch eßbar.

[Seite 282]

48. Loricaria . (Fr. cuirassier .) Caput
laeue depressum. Os edentulum re-
tractile. Membr. branch. radiis 6; cor-
pus cataphractum
.

1. Plecostomus . L. pinnis dorsi duabus.

Bloch tab. 374.

In Süd-America.

49. Salmo . Caput laeue. Dentes in
maxillis, lingua. Membr. branch. rad
.
4–10; pinna dorsalis postica adiposa;
pinnae ventrales multiradiatae.

1. † Salar . der Lachs, Salm. (Fr. le saumon .
Engl. the salmon .) S. rostro vltra inferio-
rem maxillam prominente.

Bloch tab. 20. 98.

In den nordischen Meeren und Flüssen, theils,
wie auf Labrador und im Amur Lande in unsäg-
licher Menge. Hält sich des Sommers in den Flüssen,
im Winter aber in der See auf. Nur die
Männchen haben einen gebogenen Unterkiefer.
Die Weiber der Orotchys-Tungusen wissen die
Lachshäute durch gerben ausnehmend geschmeidig
zu machen um sich damit zu kleiden.

2. †. Trutta . die Lachs-Forelle. (Fr. la truitte
saumonée
. Engl. the sea trout .) S. ocellis
nigris iridibus brunneis, pinna pectorali
punctis
6.

Bloch tab. 20.

An den Küsten und in den Flüssen von Eu-
ropa. Wird 8 bis 10 Pfund schwer.

[Seite 283]

3. †. Fario . die Forelle. (Fr. la truite . Engl.
the trout .) S. maculis rubris, maxilla in-
feriore sublongiore
.

Bloch tab. 22. 23.

In schattigen Waldbächen des gebirgichten mil-
dern Europa und Asien. Wird selten über 2 Pfund
schwer. Variirt sehr an Farbe und Geschmack.

4. †. Alpinus . die Alpenforelle, der Roth-
fisch. S. dorso nigro lateribus caeruleis,
ventre fuluo
.

Bloch tab. 104.

Im alpinischen und nordlichen Europa. Ein
wichtiges Thier für die Schwedischen Lappen,
deren beynahe einzige Nahrung es zu Zeiten aus-
macht; lebt großentheils von Mücken (culex
pipiens
).

5. †. Eperlanus . der große Stint, Alander.
(Engl. the smelt .) S. capite diaphano, radiis
pinnae ani 17.

Bloch tab. 28. fig. 2.

Im nordlichern Europa. Fast durchscheinend. –
Ihm ähnelt der so genannte grönländische Häring,
Angmarset (Salmo arcticus ) den die Grönlän-
der nächst ihrer Hauptnahrung, dem Seehund-
fleische, in größter Menge gleichsam als Brod
oder Kuchen verzehren.

6. †. Lauaretus . der Schnepel, Weißfisch.
S. maxilla superiore longiore, radiis pinnae
dorsi
14.

Bloch tab. 25.

[Seite 284]

In der Nord- und Ostsee; auch in der Hud-
sonsbay. – Dahin gehören vermuthlich auch
die Felchen, und der Aalbock im Thuner-See,
der mit der Ferra des Genfer-Sees einerlei
zu seyn scheint.

7. †. Thymallus . die Aesche. (Fr. l'ombre .)
S. maxilla superiore longiore, pinna dorsi
radiis
23.

Bloch tab. 24.

Im mittlern Europa und Sibirien.

50. Fistvlaria . Caput; rostrum cy-
lindricum, apice maxillosum. Membr
.
branch. radiis 7; corpus....

1. Tabacaria . F. cauda bifida setifera.

Bloch tab. 387.

Das so gar sonderbar gebildete Thier mit win-
zig-kleinem Maule an einer mächtig langen Schnauze
findet sich an den ostlichen Küsten vom wärmern Ame-
rica und an Neuholland.

51. Esox . Caput supra planiusculum;
mandibula superiore plana breuiore, in-
feriore punctata; dentes in maxillis,
lingua. Membr. branch. rad. 7-12.

1. †. Lucius . der Hecht. (Fr. le brochet . Engl.
the pike .) Q. rostro depresso subaequali.

Bloch tab. 32.

In vielen Flüssen und Seen von Europa,
Asien und Nordamerica. Einer der gefräßigsten
Raubfische, der nicht nur andere Fische, sondern
[Seite 285] auch allerhand Amphibien, Kröten etc. viele Was-
servögel und kleine Säugethiere, auch zuweilen
gar Krebse verschlingt.

2. †. Belone . der Hornfisch. (Fr. l'orphie .
Engl. the garpike .) L. rostro vtraque maxilla
subulato
.

Bloch tab. 33.

In den europäischen Meeren, theils in unsäg-
licher Menge. Seine Gräten sind grün, als wenn
sie mir Saftfarbe angestrichen wären.

52. Elops . Caput laeue. Dentium sca-
brities in maxillarum margine, palato
.
Membr. branch. radiis 30; praeterea
exterius in medio armata dentibus
5.

1. Saurus . E. cauda supra infraque armata.

Bloch tab. 393.

Auf Jamaica.

53. Argentina . Dentes in maxillis,
lingua. Membr. branch. radiis
8. Cor-
pus ano caudae vicino. Pinnae ventra-
les multiradiatae
.

1. Carolina . A. pinna anali radiis 15.

Catesby vol. II. tab. 24.

Hat den Nahmen von seinem Vaterlande.

54. Atherina . Caput maxilla superiore
planiuscula. Membr. branch. radiis
6.
Corpus fascia laterali argentea.

[Seite 286]

1. Hepsetus . A. pinna ani radiis fere 12.

Bloch tab. 393. fig. 3.

Im mitländischen Meere.

55. Mvgil . Caput; Labia membranacea:
inferius introrsum carinatum. Dentes
nulli. Denticulus inflexus supra sinus
oris. Membr. branch. rad. 7. curuis. Oper-
cula laeuia rotundata. Corpus albicans
.

1. Cephalus . M. pinna dorsali anteriore quin-
queradiata
.

Bloch tab. 394.

Im mitländischen u.a. Meeren.

56. Exocoetvs . Caput squamosum.
Os edentulum, maxillis vtroque latere
connexis. Membr. branch. rad. 10. Cor-
pus albicans, abdomen angulatum, pinnae
pectorales maxime volatiles, radiis an-
tice carinatis
.

1. Volitans . der fliegende Häring. E. abdo-
mine vtrinque carinato
.

Gesner pag. 653.

Der gemeinste aller fliegenden Fische. Findet
sich meist in allen wärmern Weltmeeren; theils
in großen Schaaren.

57. Polynemvs . Caput compressum,
vndique squamosum; rostro obtusissimo
prominente. Membr. branch. rad. 7. s. 5;
corpus digitis liberis ad pinnas pectorales
.

[Seite 287]

1. Quinquarius P. digitis quinque corpore
longioribus
.

Seba vol. III. tab. 27. 90. fig. 2.

In Westindien.

58. Clvpea . Caput maxillarum superio-
rum mystacibus serratis. Membr. branch
.
rad. 8. Branchiae interne setaceae. Ab-
dominis carina senata. Pinnae ventrales
saepe nouem radiatae
.

1. Harengus . der Häring, Strömling.
(membras? Fr. l'hareng . Engl. the herring .)
C. immaculata, maxilla inferiore longiore.

Bloch tab. 29.

Einer der wichtigsten Fische für die nordliche
Erde, der zwar von Menschen und sehr vielen
Thieren (zumahl vom Nordkaper, von manchen
Möven-Gattungen etc.) verfolgt wird, sich aber
auch dagegen zum bewundern stark vermehrt. Be-
sonders sind nun seit dem zwölften Jahrhundert
bey Gelegenheit ihrer großen äußerst bestimm-
ten, regelmäßigen Sommer-Reisen (– s. oben
§. 109. –) nach den europäischen Küsten, zumahl
nach den Orcaden, nach Norwegen etc. so viele tausend
Europäer mit ihrem Fang beschäftig. Wilhelm
Beukelszoon von Bierfliet in Flandern hat 1416
zuerst Häringe eingesalzen.

2. †. Sprattus . die Sprotte, der Breitling.
(Fr. la sardine . Engl. the sprat .) C. pinna
dorsali radiis
13.

Bloch tab. 29. fig. 2.

[Seite 288]

Ebenfalls in den nordlichen Meeren, aber auch
im mitländischen. Ist von manchen Naturfor-
schern irrig für den jungen Häring gehalten worden.

3. †. Alosa . die Alse, der Mutterhäring, May-
fisch. (Fr. l'alose . Engl. the shad .) C. late-
ribus nigro maculatis, rostro nigro
.

Bloch tab. 30. fig. 1.

Vorzüglich häufig im mitländischen Meere.

4. †. Encrasicolus . die Sardelle, der Anscho-
vis. (Fr. l'anchois .) C. maxilla superiore
longiore
.

Bloch tab. 30. fig. 2.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem vorigen.
Wird vorzüglich häufig bey Gorgona unweit Li-
vorno gefangen.

59. Cyprinvs . Caput ore edentulo. Os
nasale bisulcum. Membr. branch. rad. 3.
Corpus laeue albens. Pinnae ventrales
saepe nouemradiatae
.

1. †. Barbus . die Barbe. C. pinna ani ra-
diis 7. cirris 7. pinnae dorsi radio secundo
vtrinque serrato
.

Bloch tab. 18.

Im mildern Europa und westlichen Asien.

2. †. Carpio . der Karpfe. (Fr. la carpe . Engl.
the carp .) C. pinna ani radiis 9, cirris 4,
pinnae dorsalis radio postice serrato
.

Bloch tab. 16.

[Seite 289]

Jetzt nun meist in ganz Europa. Soll mit
verwandten Gattungen, zumahl mit der Karau-
sche, Bastarden geben. Auch finden sich unter
den Karpfen häufiger Mißgeburten als unter irgend
einer andern bekannten Fischgattung. – Die
Spiegelkarpfen*), die sich besonders durch die
beständig von Schuppen entblößten Theile des
Körpers auszeichnen, scheinen doch keine bloße
Spielart, sondern eine besondre Gattung dieses
Geschlechts zu seyn.

3. †. Tinca . die Schleihe. (Fr. la tanche .
Engl. the tench .) C. pinna ani radiis 25,
cauda integra, corpore mucoso cirris 2
.

Bloch tab. 19.

Einer der weitstverbreiteten Flußfische. Gibt
auch einen Laut wir den Kieferdeckeln von sich.
Die Goldschleihe**) ist einer der schönsten deut-
schen Fische.

4. †. Carassus . die Karausche. (Fr. le carassin .
Engl. the crucian .) C. pinna ani radiis 10,
cauda integra, linea laterali recta
.

Bloch tab. 11.

In Europa und Mittel-Asien.

5. Auratus . das schinesische Goldfischchen,
der Goldkarpfe, Kin-ju. (Fr. la dorée .
Engl. the goldfish .) C. pinna ani gemina,
caudae transuersa bifurca
.

Baster in Haarlem . Verhandl . VII. D.
1. St. mit illum. Fig.

In Japan und Schina, wo sie gleichsam als Haus-
thiere gehalten werden, und in mancherlei wunder-
[Seite 290] bare theils fast monstrose Varietäten, der vor-
trefflichen Farben, Zahl und Bildung der Flossen,
Größe der Augen etc. ausgeartet sind. Sie kommen
auch im mildern Europa recht gut fort. Kön-
nen sogar Jahr und Tag im bloßen Wasser ohne
alle weitere Nahrung leben, und geben dabey doch
von Zeit zu Zeit Unrath von sich.

6. †. Phoxinus . die Elritze. (Fr. le vairon .
Engl. the minow .) C. pinna ani radiis 8,
macula fusca ad caudam, corpore pellucido
.

Bloch tab. 8. fig. 5.

Häufig in der Weser.

7. †. Orfus . der Orf, Urf, Würfling, Elft.
C. pinna ani radiis 13.

Bloch tab. 96.

Zumahl im südlichen Deutschland. Schön
Orangefarben.

8. †. Alburnus . der Ukley, Weißfisch. (Fr.
l'ablette . Engl. the bleak .) C. pinna ani rad. 20.

Bloch. tab. 8. fig. 4.

So wie der folgende im mittlern Europa und
westlichen Asien. Seine Schuppen werden zur
Verfertigung der Glasperlen gebraucht*).

9. †. Brama . der Bley, Brachsen. C. pinna
ani rad
. 27. pinnis fuscis.

Bloch tab. 13.


Achter Abschnitt.
Von den Insecten.

[Seite 291]

§. 121.

Die Thiere der beiden letzten Classen (§. 40.),
die Insecten und Gewürme, unterscheiden sich
schon dadurch von den vorhergehenden, daß sie
kein rothes Blut, sondern statt dessen einen weiß-
lichen Saft in ihrem Körper führen: weßhalb sie
(§. 23.) auch von den Alten Blutlose Thiere
(animalia exsanguia) genannt wurden.

§. 122.

Die Insecten haben ihren Nahmen daher,
weil wenigstens im Zustande ihrer vollkommenen
Ausbildung, Kopf, Brust und Hinterleib, wie
durch Einschnitte von einander abgesondert sind,
ja bey vielen fast nur wie durch einen Faden un-
ter einander verbunden werden. Außerdem
zeichnen sie sich aber auch durch besondre sehr em-
pfindliche Organe aus, die sie in ihrem vollkomm-
nen Zustande am Kopfe tragen (Antennae,
Fühlhörner), und die alle Mahl an der Wur-
zel eingelenkt, meist aber auch noch außerdem ge-
gliedert sind; und endlich durch die hornartigen
[Seite 292] eingelenkten Füße, und deren größere Anzahl,
da die völlig ausgebildeten Insecten zum aller-
mindesten ihrer sechs, manche aber wohl auf
anderthalb hundert etc. haben.

§. 123.

Außer den angegebenen Merkzeichen, haben
die Insecten in ihrem Aeußern wenig, was ihnen
allen gemein wäre. Die ganz unermeßliche An-
zahl der Gattungen, ihre so unendlich verschiede-
nen Bestimmungen, und dahin abzweckende eben
so verschiedene Lebensart, Bedürfnisse etc. erfor-
dern eine äußerst vielartige Bildung, in welcher
sie, so wie in der ungleichen Größe ihres Kör-
pers, ausnehmend von einander abweichen.

§. 124.

Selbst die äußere Bedeckung ihres Körpers
ist mannigfaltiger als bey den übrigen Thie-
ren. Sehr viele sind wie mit einem hornartigen
Panzer überzogen, der aus mehrern Stücken
besteht, die sich wie die Schienen eines Blech-
Handschuhes über einander schieben lassen; und
wodurch diese Thiere vor mancherlei Unfällen
gesichert, und für den Mangel der Knochen, die
bey andern Thieren zur Anlage der Muskeln etc.
dienen, entschädigt werden. Manche sind mit
seinen Haaren besetzt, und bey den Schmetter-
lingen etc. die Flügel mit sogenannten Federchen,
oder vielmehr Schuppen bedeckt, die zum Theil
von den schönsten Farben sind: so wie sich über-
[Seite 293] haupt unter den Insecten, Thiere von unbe-
schreiblicher Schönheit finden.

§. 125.

Auch in der Einrichtung der Sinnwerk-
zeuge*), und also vermuthlich auch in der Art der
Empfindung, weichen die Insecten gar sehr von
den übrigen Thieren ab. So daß ihnen sogar
manche Naturforscher verschiedne von unsern fünf
äußern Sinnen, zumahl das Gehör und den Ge-
ruch, ohne Grund haben absprechen wollen; da
man doch jenes bey vielen die einander zur Paa-
rungszeit durch einen besondern Laut locken, und
diesen bey noch weit mehrern, die ihren versteck-
ten Fraß auswittern, unverkennbar wahrnimmt.

§. 126.

Die Augen der Insecten sind vorzüglich merk-
würdig, und zwar in Rücksicht ihres Baues von
zweyfacher Art. Die einen sind große Halbku-
geln, die aber meist aus taufenden von Facetten,
bey einigen auch aus zahlreichen kegelförmigen
Spitzen, bestehen, die auf der innern Seite
mit einem theils buntfarbigen oder glänzenden
Anstrich überzogen sind. Die mehresten geflü-
[Seite 294] gelten Insecten, aber auch manche ungeflügelte,
wie der Hummer etc. haben dergleichen. Die
Augen der andern Art (ocelli, stemmata)
sind einfach, klein, und so wohl in Rücksicht
ihrer Anzahl als Lage verschieden. Die erstern
scheinen mehr für die Ferne, so wie die letztern
für die Nähe bestimmt zu seyn; wenigstens reimt
sich dieß damit, daß die Schmetterlinge in ih-
rem geflügelten vollkommnen Zustande solche
große componirte telescopische Augen kriegen, da
sie vorher als Raupen nur myopische kleine Augen
hatten. Nur wenige Insecten, wie z.B. die
Krebse, können ihre Augen bewegen.

§. 127.

Die Fühlhörner (§. 122.) die bey den ver-
schiednen Gattungen, und bey manchen selbst
nach der Sexualdifferenz derselben, sehr vielar-
tig gestaltet sind, und die manche Naturforscher
für Organe des Geruchs oder des Geschmacks etc.
angesehen haben, scheinen doch nichts weiter zu
seyn, als was ihr Nahme andeutet, – Werk-
zeuge des Tastens, Sonden, Tangenten, die
ihnen bey ihrer harten unempfindlichen äußern
Decke, und den mehrsten auch bey der Unbe-
weglichkeit ihrer Augen doppelt wichtig werden.
Die Insecten scheinen das feinste Gefühl in ih-
ren Antennen, wie wir in den Fingerspitzen, zu
haben; und da sie großentheils im Dunklen le-
ben, dadurch, so wie Blinde, den Mangel des
[Seite 295] Lichts durch feines Gefühl zu ersetzen. – Hin-
gegen ist der allgemeine Hauptzweck der soge-
nannten Freßspitzen (palpi), die meist neben den
Freßwerkzeugen der Insecten sitzen und nur
wenigen gänzlich zu fehlen scheinen, und die auch
von manchen für Sinnwerkzeuge dieser Thiere
gehalten worden, noch sehr räthselhaft.

§. 128.

Im innern Körperbau*) weichen die In-
secten gar sehr von den rothblütigen Thieren ab.

Was man z.B. das Herz der Insecten
nennt, ist bey vielen, z.B. bey den Raupen ein
langer Canal von ungleicher Weite der längs des
Rückens liegt, aus welchem aber nicht eine ein-
zige Ader entspringt, so daß folglich auch die
Ernährung bey diesen Insekten auf eine eigne,
von der Nutrition der rothblütigen Thiere ganz
verschiedne Art vor sich gehen muß.

Hingegen sind sie mit unzähligen Luftröhren
vom erstaunenswürdigsten feinsten Bau, und
mit äußerst zahlreichen Muskeln, die aber auch
so wohl in der Bildung als in der Farbe von
den Muskeln der rothblütigen Thiere abweichen,
versehen.

§. 129.

Ungeachtet die Insecten eben so wohl als
die rothblütigen Thiere, des Umsatzes von Koh-
[Seite 296] lenstoff gegen Sauerstoff (§. 24.) zur Erhaltung
ihres Lebens bedürfen; so bemerkt man doch nur
bey wenigen (wie z.B. bey den Heuschrecken
und manchen Cicaden und Käfern etc.) eine dem
Athemhohlen ähnliche Bewegung. Auch kön-
nen die meisten weit länger als jene rothblüti-
gen Thiere im so genannten luftleeren Raume
aushalten; und viele leben in der den so eben
genannten Thieren so schädlichen mephitischen Luft
worin animalische und vegetabilische Stoffe faulen
(– dem gekohlten Wasserstoffgas etc. –) gleich-
sam als in ihrem Elemente.

§. 130.

Ueberhaupt ist der Aufenthalt der Insecten
auf und unter der Erde*) weit unbeschränkter,
als der von irgend einer andern Thierclasse.
Es sind fast auf allen Thieren ohne Ausnahme
welche anzutreffen, so daß sogar größere Insecten,
wie z.B. Käfer, Bienen etc. selbst wieder ihre
besondere Milben und Läuse haben. Eben so sind
auch wohl nur sehr wenige Gewächse (etwa der
Taxus, der Sevenbaum etc.) die gar keinen be-
kannten Insecten zur Wohnung und Aufenthalt
dienen. Da hingegen manche, wie z.B. die
[Seite 297] Eiche, von mehr als einem hundert verschiedener
Gattungen von Insecten bewohnt und besucht
Werden. – So allgemein aber die Insecten,
im Ganzen genommen, über die ganze Erde
verbreitet sind, so streng ist doch dagegen vielen
einzelnen Gattungen ihr ganz besonderer, einge-
schränkter Aufenthalt auf bestimmten Thieren oder
Pflanzen, und deren einzelnen Theilen angewiesen.

§. 131.

Nur wenige Insecten leben in gesellschaft-
licher Verbindung, und leisten sich in ihren
Geschäften wechselseitige Hülse. Die allermeisten
gehen einzeln und isolirt ihren Verrichtungen
nach und manche, die wie die Spinnen in zahl-
reicher Gesellschaft jung worden sind, zerstreuen
sich bald nachher, und leben einsiedlerisch, so
daß viele außer der Begattungszeit kein anderes
Geschöpf ihrer Art wieder zu sehen kriegen.

§. 132.

Der überaus merkwürdigen Gebäude, Woh-
nungen etc. die sich so viele Insecten zu verfer-
tigen wissen, ist schon oben den Anlaß der Kunst-
triebe (§. 36.) Erwähnung geschehen. Es sind
wenige Thiere dieser Classe, die nicht wenigstens
Ein Mahl, in einer gewissen Periode ihres Lebens
Proben dieser natürlichen Kunstfähigkeit ablegen
sollten indem sie entweder wie die Kleidermot-
ten und Frühlingsfliegen in ihrer unvollende-
[Seite 298] ten Gestalt, als Larven, sich ein Gehäuse zum
Aufenthalte und zum Schutze verfertigen; oder
sich, um die Verwandlung und den langen Todes-
schlaf zu bestehen, ein Lager bereiten, sich ein-
spinnen etc., oder die sich wie die Ameisenlöwen
Fallen, und wie die Spinnen Netze für ihren
Raub verfertigen; oder die wie manche Was-
serkäfer und Spinnen, zur Sicherheit für ihre
Nachkommenschaft, Säcke oder Nester zuberei-
ten, denen sie ihre Eyer anvertrauen können.
Manche von denen, die in gesellschaftlicher Ver-
bindung leben, bauen sich mit vereinten Kräften,
und nach den Gesetzen einer äußerst regelmäßigen
ihnen angebornen Meßkunst, gemeinschaftliche
Wohnungen u.s.w.

§. 133.

Bey der Ernährungsart der Insecten sieht
man offenbar, daß dieselbe nicht, wie bey den al-
lermehrsten rothblütigen Thieren, bloß auf ihre
Selbsterhaltung, sondern hauptsächlich darauf ab-
zweckt, daß sie organisirte Materie consumiren
sollen. Sie müssen essen, nicht bloß um satt zu
werden, sondern um zugleich Aas zu verzehren,
um selbst wieder andre lebendige Insecten aufzu-
reiben etc., um Unkraut zu vertilgen u.s.w. –
eine große Bestimmung, zu deren Erfüllung
vielen dieser kleinen Thierchen, theils ihre äußerst
starke Vermehrung, theils ihre beyspiellos hef-
tige Freßgierde und schnelle Verdauung bey einem
[Seite 299] sehr kurzen Darmcanal zu statten kommt. Man
weiß z.B., daß eine Raupe in 24 Stunden das
Triplum ihres eignen Gewichts verzehren kann.
– Auch sind die Freßwerkzeuge der Insekten
vielartiger als in irgend einer andern Thierclasse:
da manche mit seitwärts beweglichen gezähnelten
Kinnladen und Freßzangen (maxillae); andre
wie einem zugespitzten hornartigen Bohrrüssel
(rostrum); andre mit einem fleischigen Schlurf-
rüssel mit breiter Mündung (proboscis); manche
mit einer spiralförmig aufgerollten (sogenannten)
Zunge etc. versehen sind.

§. 134.

Vor den Nachstellungen ihrer Feinde sind
einige Insecten, wie z.B. die Spannraupen
durch ihre täuschende Gestalt; andere dadurch
daß sie einerley Farbe mit den Gewächsen haben,
worauf sie leben*), folglich weniger darauf ab-
stechen, und nicht so leicht bemerkt werden können;
andere auch wohl durch den heftigen Geruch,

den sie im Nothfall verbreiten können; andere
durch die Macht des gesellschaftlichen Lebens; noch
andere durch ihre bewundernswürdige Stärke etc.
gesichert. Und manche sind gar mit Waffen,
z.B. mit Hörnern wie Kneipzangen, oder mit
Stachel und Gift versehen.

§. 135.

[Seite 300]

Auch bey der Fortpflanzung der Insecten
zeigen sich ungemein viele eigene Sonderbar-
keiten. So z.B., daß oft in einer und eben der-
selben Gattung die beiden Geschlechter einander
so äußerst unähnlich gebildet sind, daß man sie
eher für ganz verschiedene Thierarten, als für
zusammen gehörige Gatten halten sollte: oder
daß unter den Bienen und andern ihnen ver-
wandten Insecten immer die größte Anzahl gänz-
lich geschlechtlos ist; das heißt, daß sie gezeugt
und geboren werden, ohne doch nach dem or-
dentlichen Laufe selbst die Bestimmung zur Em-
pfängniß oder zur Zeugung zu haben.

§. 136.

Ferner hat die Begattung bey verschiednen
Insecten seht viel eignes. Bey nicht wenigen
Gattungen wird sie z.B. im Fluge vollzogen,
und manche derselben sind bloß für diese kurze
Paarungszeit geflügelt. – Ueberhaupt aber
leben die mehresten in sofern in einer gezwunge-
nen Monogamie, daß sie schlechterdings nicht
mehr als ein einziges Mahl in ihrem leben sich
paaren können: der Tod ist bey ihnen eine so
unausbleibliche Folge der ersten Begattung, daß
man sogar ihr leben durch verzögerte Paarung
verlängern kann.

§. 137.

[Seite 301]

Zu andern Sonderbarkeiten beym Fortpflan-
zungsgeschäfte der Insecten gehört auch, daß bey
vielen, wie z.B. beym Cochenille-Wurm, beym
Sandfloh etc. das trächtige Weibchen zu einer
ganz ungeheuren Größe anwächst: so daß man
z.B. rechnet, daß bey der weißen Ameise der
Hinterleib der zum Gebühren reifen Mutter auf
2000 Mahl dicker und größer ist als er vor der
Befruchtung war.

§. 138.

Die mehresten Insecten legen Eyer, die von
den Müttern nach einem bewundernswürdigen
Instinct immer aufs genaueste an die bestimmten
der künftigen jungen Brut angemessensten Orte
gelegt werden. Manche legen z.B. ihre Eyer
bloß in den Körper lebendiger Insecten anderer
Art, in Raupen; oder in Puppen; oder gar in
andrer Insecten ihre Eyer! denn wirklich kriecht
zuweilen aus den Eyern der Ringelraupe statt
der jungen Raupe eine eigne Art kleiner Mück-
chen aus.

Auch sind die Insecten. Eyer zum Theil,
zumahl bey den Schmetterlingen, von einer über-
aus mannigfaltigen sonderbaren Bildung und
Zeichnung, und wenn sie von der Mutter an die
freye Luft gelegt werden, mit einer Art Firniß
überzogen, damit sie weder vom Regen abge-
spült noch durch andern Zufall leicht zerstört
[Seite 302] werden können. Einige wenige Insecten gebären
lebendige Junge, und manche, wie die Blatt-
läuse, pflanzen sich auf beyderley Weise fort.

§. 139.

Ein äußerst merkwürdiges Phänomen, das
fast bloß dieser Thierclasse eigen, wenigstens in
den andern (§. 72. Anm. 94. 116.), bey weitem
nicht so auffallend wird, ist ihre Metamorphose.
Es kommt nähmlich kein einziges geflügeltes In-
sect unmittelbar aus dem Ey, sondern diese alle
müssen sich (– so wie auch einige ungeflü-
gelte –) erst in gewissen Lebensepochen einer
Art von Verwandlung unterziehen. Dabey
wird nicht nur ihre äußere Gestaltung, sondern
zugleich ihr ganzer innerer Körperbau (gegen
die gemeine Meinung) auf eine Weise umge-
bildet*), die sich schwerlich mit der vorgeb-
lichen Präexistenz präformirter Keime (§. 7.)
zusammen reimen läßt**).

§. 140.

[Seite 303]

In der Gestalt, wie diese Insecten, die sich
einer Metamorphose unterziehen, zuerst aus dem
Ey kriechen, heißen sie Larven. Meist kom-
men sie äußerst klein aus Licht, so daß z.B. eine
erwachsene Weidenraupe 72,000 Mahl schwerer
wiegt als da sie eben ans dem Ey gekrochen war.
Dagegen wachsen sie aber auch desto schneller,
so daß z.B. die Maden der blauen Schmeiß-
fliege 24 Stunden nach dem Auskriechen schon
155 Mahl schwerer wiegen als da sie aus dem
Ey kamen.

Theils haben diese Larven Füße, wie die Rau-
pen und Engerlinge: theils aber keine, wie die
Maden. Flügel haben sie gar noch nicht. Auch
sind sie in diesem Zustande zur Fortpflanzung
Noch gänzlich unfähig: sie ernähren sich bloß, und
wachsen, und häuten sich mit unter einige Mahl.

§. 141.

In der Gestalt, worein die Larve umgebildet
wird, heißt sie Nymphe. Manche können sich
während dieses Zustandes herum bewegen, auch
Nahrungsmittel zu sich nehmen. Andere hin-
gegen verschließen sich als Puppe (chrysalis,
aurelia
), und bringen diesen Theil ihres Lebens
in einem betäubenden Todesschlaf, ohne Nah-
rungsmittel, und ohne sich von der Stelle zu
bewegen, zu.

§. 142.

[Seite 304]

Allein während der Zeit, da das Geschöpf
so ganz fühllos und erstarrt in seiner Hülse ver-
graben scheint, geht mit ihm selbst die große
Veränderung vor, daß es aus seinem Larven-
stand zum vollkommnen Insect (insectum
declaratum, imago
) umgebildet wird, und
nach bestimmter Zeit aus seinem Kerker hervor-
brechen kann. Manche Insecten absolviren die
letzte Rolle ihres Lebens in einer sehr kurzen Zeit.
Verschiedne bringen, wenn sie aus ihrer Hülfe
kriechen, nicht ein Mahl einen Mund mit zur
Welt, sie fressen nicht mehr, sie wachsen nicht
weiter; jene beiden Bestimmungen eines orga-
nisirten Körpers hatten sie schon als Larven er-
füllt; jetzt ist ihnen nur noch die dritte übrig:
sie sollen ihr Geschlecht fortpflanzen, und dann der
Nachkommenschaft Platz machen, und sterben.

§. 143.

Die unmittelbare Brauchbarkeit der In-
secten ist ziemlich einfach: dagegen aber ist der
Antheil, den diese kleinen wenig bemerkten Thiere
an der großen Haushaltung der Natur haben,
desto mannigfaltiger und ganz unermeßlich. Sie
sind es, die unzählige Arten von Unkraut
theils im Keim ersticken, theils, wenn es auch
ausgewachsen ist, vertilgen, und seinem fer-
nern Wucher vorbeugen. Einen andern eben-
falls äußerst wichtigen Nutzen leisten so viele
[Seite 305] Insecten, die sich von Aas nähren, im Miste
leben u.s.w. und die dadurch, daß sie diese widri-
gen animalischen Substanzen auszehren, zer-
streuen und durchwirken, von der einen Seite
der Infection der Luft vorbeugen, und von
der andern die allgemeine Düngung des Erd-
reichs befördern. Aus jener Rücksicht werden
z.B. die Schmeißfliegen in den heißen Erd-
strichen so wohlthätig. Anderseits befördern
auch unzählige Insecten die Befruchtung der
Gewächse, auf überaus merkwürdige Weise*).
Manche Thiere dieser Classe, wie die Krebse, und
einige Gattungen von Heuschrecken etc. sind eßbar.
So der Honig der Bienen, aus welchen auch
in manchen Gegenden von Europa so wie im
Innern von Africa der Meth gewonnen wird.
Die Seide nutzt zur Kleidung und mancherley
anderm Gebrauch. Verschiedne Insecten geben
treffliche Farben, wie die Cochenille den Schar-
lach etc. Die Galläpfel werden zur Dinte, und
Wachs zu Kerzen und vielerley andern Gebrauch
benutzt. So das Lack, ein Product gewisser
ostindischer Schildläuse, das zu Firniß zum
Siegellack u.s.w. verbraucht wird. Für die
Arzney sind vorzüglich die spanischen Flie-
gen, die Kelleresel und die Ameisen von Be-
lange, und neuerlich sind auch die so ge-
[Seite 306] nannten Maywürmer, vom neuen als Hülfs-
mittel gegen den tollen Hundsbiß, so wie manche
andere Käser gegen Zahnweh, gepriesen worden.

§. 144.

So unermeßlich der Nutze der Insecten ist,
so ist aber auch anderseits der Schade sehr erheb-
lich, den viele Gattungen derselben anrichten.
Viele sind den Feldfrüchten überhaupt gefähr-
lich, verursachen Mißwachs, und verheeren, wie
die Zug-Heuschrecken, junge Saat, und alles,
wo sie auffallen. Manche sind besonders dem Ge-
treide nachteilig; andere, wie so viele Raupen,
Erbflöhe, Engerlinge etc. den Gartengewäch-
sen; andere Räupen und Käferlarven etc. den
Obstbäumen; die Schildläuse besonders der
Orangerie; die Larven einiger Dermestes-
Gattungen und die Holzraupen den Holzungen;
die Ameisen, Grasraupen etc. den Wiesen; die
Brod-Schaben den Victualien; die weißen Amei-
sen etc. dem Hausgeräthe etc.; die Kleidermotten
der Wolle, dem Pelzwerk u.s.w. Die Lar-
ven vieler kleiner Käferchen den Büchern und Na-
turaliensammlungen. Endlich werden auch ei-
nige Arten von so genanntem Ungeziefer dem Men-
schen selbst, so wie den Pferden, Schafen, Hüh-
nern und andern Hausthieren, ja sogar ver-
schiednen nutzbaren Insecten, den Bienen, Sei-
denwürmern etc. auf unmittelbare Weise lästig;
[Seite 307] und andere, wie manche Skorpione etc. durch ihr
Gift, furchtbar.

§. 145.

In der systematischen Anordnung folge ich
in dieser Classe ganz dem Entwurf des R. Linné
Es versteht sich, daß die Charactere alle Mahl
vom vollkommnen Insect nach überstandener Ver-
wandlung etc. hergenommen sind.

I. Ordn. Coleoptera. Käfer. Meist mit
hornartigem Körper. Die Flügel falten sich
in der Ruhe zusammen, und sind mit zwey
hornartigen, Decken oder Scheiden belegt
die sich in der Mitte in gerader Linie an
einander schließen.

II. Hemiptera. Mit vier entweder kreuzweis
zusammen gelegten oder gerade ausgestreck-
ten, meist zur Hälfte harten, fast perga-
mentähnlichen Flügeln etc. Theils haben
sie Freßzangen, theils einen spitzigen Bohr-
Rüssel.

III. Lepidoptera. Schmetterlinge. Mit
weichem behaartem Körper, und vier aus-
gespannten Flügeln, die mit bunten Schup-
pen bedeckt sind.

IV. Neuroptera. Mit vier durchsichtigen
netzförmigen oder gegitterten Flügeln.

V. Hymenoptera. Mit vier durchsichtigen
geaderten Flügeln.

[Seite 308]

VI. Diptera. Die Insecten mit zwey (unbe-
deckten) Flügeln.

VII. Aptera. Die völlig ungeflügelten In-
secten.

* * *

Zur N. G. der Insecten.

  1. Th. Mouffet theatrum insectorum . Lond. 1634. fol.
  2. Jo. Raii historia insectorum . Lond. 1710. 4.
  3. Jo. Swammerdam algemeene Verhandeling van de bloede-
    loose Dierkens
    . Utr. 1669. 4.
  4. Ej . biblia naturae . LB. 1737. fol.
  5. Mar. Sib. Merian metamorphosis insectorum Surinamen-
    sium
    . Amst. 1705. fol. max.
  6. Jac. l'Admiral iun. gestaltverwisselende gekorvene Diert-
    jes
    . Amst. 1740. fol.
  7. Joh. Leonh. Frisch Beschreibung von allerhand In-
    secten in Deutschland. Berl. 1720-38. XIII. Th. 4.
  8. G. W. Panzer's Insectenfaune Deutschlands seit 1795. 12.
  9. Aug. Joh. Rösel monatliche Insecten-Belustigungen.
    Nürnb. 1746-61. IV. B. 4.
  10. Chr. Fr. C. Kleemann Beiträge dazu. Ebendas. seit
    1761. 4.
  11. v. Linné fundamenta entomologiae . Vps. 1767. 4. it.
    im VII. B. von Linne's amoenitatib. academic .
  12. Ej . entomologia speciebus nuper detectis locupletata , curante
    C. de Villers . Lugd. 1789. IV. vol. 8.
  13. I. H. Sulzers Kennzeichen der Insecten. Zürich 1761. 4.
    Dess. abgekürzte Geschichte der Insecten. Winterthur
    1776. 4.
  14. Jac. Chr. Schaeffer elementa entomologica . Ratisb.
    1766. 4.
  15. Ej. icones insectorum Ratisbonensium . ib. 1767. 4.
  16. [Seite 309] Jo. Ant. Scopoli entomologia Carniolica . Vindob.
    1763. 8.
  17. Jo. Chr. Fabricii philosophia emtomologica . Hamburg.
    1778. 8.
  18. Ej. systema entomologiae . Flensb. 1775. 8.
  19. Ej . genera insectorum . Kilon. 1776. 8.
  20. Ej . species insectorum . Hamb. 1781. II. vol. 8.
  21. Ej . entomologia systematica . Hafn. 1793. V. vol. 8.
  22. de Reaumur histoire des insectes . Par. 1734-1742.
    VI. vol. 4.
  23. de Geer histoire des insectes . Stockh. 1752-1777.
    VI. vol. 4.
  24. Ej . genera et species insectorum ; extraxit A. I. Retzius .
    Lips. 1783. 8.
  25. Geoffroy histoire des insectes des environs de Paris .
    Par. 1762. II. vol. 4.
* * *
  1. Lesser theologie des insectes (trad. de l'allemand) avec
    des remarques
    de P. Lyonet . à la Haye. 1742.
    II. vol. 8.

I. COLEOPTERA (s. Vaginipennia.)

[Seite 310]

Die Thiere dieser Ordnung*) werden über-
haupt Käfer genannt, ob man gleich diesen Nah-
men auch dem ersten Geschlechte insbesondere
beylegt. Die Larve hat Freßzangen, und bey
den mehresten Geschlechtern sechs Füße, die an
der Brust sitzen: bey einigen, wie unter den Holz-
bocken ist sie ohne Füße (eine Made). Sie
verpuppt sich mehrentheils unter der Erde in
einer ausgehöhlten Erd-Scholle: oder aber,
wie bey den genannten Holzböcken, im Holze.
Das vollkommene Insect kriecht zwar weich aus
der Puppe; seine Haut verhärtet aber in kurzer
Zeit an der Luft; es hat so wie die Larve Kinn-
laden am Kopfe, und ist mit harten hornartigen
Flügeldecken (elytra) versehen.

1. Scarabaevs . Käfer. (Fr. hanneton .
Engl. beetle ) Antennae clauatae capitulo
fissili. Tibiae anticae saepius dentatae
.

1. Hercules . S. scutellatus, thoracis cornu
incuruo maximo: subtus barbato vniden-
tato, capitis recurnato: supra multidentato
.

Rösel vol. IV. tab. 5. fig. 3.

In Brasilien. Die Larve einen starken Daumen
dick. Der Käfer variirt in der Farbe, schmutzig-grün etc.

[Seite 311]

2. Actaeon . (rhinoceros.) S. scutellatus tho-
race bicorni, capitis cornu vnidentato,
apice bifido.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. A. fig. 2.

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen.

3. †. Lunaris . S. exscutellatus. thorace bi-
corni: intermedio obtuso bifido, capitis
cornu erecto clypeo emarginato
.

Frisch P. IV. tab. 7.

Auf Wiesen und Viehweiden, vorzüglich im
Kuhmist, aus dem er, wie andere verwandte Kä-
fergattungen, hohle Kugeln formt, die er einzeln
unter die Erde verscharrt, an Graswurzeln be-
festigt und in jede ein einziges Ey legt.

4. †. Nasicornis . der Nashornkäfer. S. scu-
tellatus, thorace prominentia triplici, capi-
tis cornu incurnato, antennis heptaphyllis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 7. fig. 8. 10.

Der größte hieländische Käfer; fliegt selten; als
Engerling findet er sich häufig in Gerberlohe und
in hohlen Bäumen; und thut in manchen Gegen-
den den Reden großen Schaden.

5. †. Sacer . S. exscutellatus, clypeo sexden-
tato, thorace inermi crenulato, tibiis, posti-
cis ciliatis, vertice subbidentato
.

Sulzers Gesch. tab. 1. fig. 3.

Besonders häufig in Aegypten, wo er von den
alten Aegyptiern als Sinnbild des Sonnenlaufs
heilig verehrt, und aus ihren Kunstwerken vor-
gestellt worden. Besonders hat man ihn auf die
Rückseite der Aegyptischen und Etruskischen geschnit-
[Seite 312] tenen Steine ausgeschnitzt, die deshalb Käfer-
rücken oder Scarabäen genannt werden.

6. †. Fimetarius . S. scutellatus, thorace in-
ermi, capite tuberculato elytris rubris, cor-
pore higro
.

Frisch P. IV. tab. 19. fig 3.

Im Kuhmist.

7. †. Stercorarius . der Roßkäfer. (Engl. the
dung beetle
.) S. scutellatus. muticus, ater,
glaber: elytris sulcatis: capite rhombeo
;
vertice prominulo: antennis rubris.

Frisch P. IV. tab. 6. fig. 3.

Besonders im Pferdemist: daher häufig auf
Fahrwegen. Wenn er an heitern Sommeraben-
den herum fliegt so ist meist auch für den folgen-
den Tag gut Wetter zu erwarten.

8. †. Vernalis . des Mistkäfer. S. scutellatus
muticus, elytris glabris laeuissimis, capitis
clypeo rhombeo, vertice prominulo, an-
tennis nigris
.

Sulzer Gesch. tab. 1. fig. 6.

Häufig im Schafmist.

9. †. Horticola . der Gartenkäfer. S. scutella-
tus muticus, capite thoraceque caeruleo
subpiloso, elytris griseis, pedibus, nigris
.

Frisch P. IV. tab. 14.

Zumahl an den Obstbäumen etc.

10. †. Melolontha . der Maykäfer, Kreuzkäfer.
S. scutellatus muticus testaceus, thorace
[Seite 313] villoso, cauda inflexa, incisuris abdomi-
nis albis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 1.

Eins der gemeinsten Insecten, das vier Jahre
lang als Engerling unter der Erde lebt, sich von
Getreidewurzeln etc. nährt, und zuweilen allge-
meinen Mißwachs verursacht hat*). Im sechsten
Jahr kommt es endlich als Maykäfer zum Vor-
schein, und schadet in dieser Gestalt dem jungen
Laub, besonders an Obstbäumen.

11. †. Solstitialis . der Brachkäfer, Junius-
käfer, Johanniskäfer. S. scutellatus mu-
ticus testaceus, thorace villoso, elytris lu-
teo
-pallidis pellucidis: lineis tribus albis
parallelis
.

Frisch P. IX. tab. 15. fig. 3.

12. †. Auratus . der Goldkäfer, Rosenkäfer.
S. scutellatus muticus auratus, segmento
abdominis primo lateribus vnidentato, cly-
peo planiusculo
.

Frisch P. XII. tab. 3. fig. 1.

Die Larve und Puppe findet sich häufig in Amei-
senhaufen, und hohlen Baumstämmen. Der schöne
Käfer selbst aber in Gärten etc. Man hat Bey-
spiele, daß er sich über 8 Jahr lebendig erhalten
und mit angefeuchteten Brodrinden füttern lassen.

[Seite 314]

2. Lvcanvs . Antennae clauatae: claua
compressa latere latiore pectinato
-fissili.
Maxillae porrectae, exsertae, dentatae.

1. †. Cervus . der Hornschröter, Weinschröter.
(Fr. le cerf volant . Engl. the flag beetle .)
L. scutellus: maxillis exsertis, apice bifur-
catis, latere vnidentatis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 5.

Nächst den Krebsen das größte deutsche Insect,
lebt vorzüglich in Eichenwäldern. Nur das Männ-
chen hat die Geweihen ähnelnden Kneipzangen
am Kopfe.

3. Dermestes . Antennae clauatae: ca-
pitulo perfoliato: articulis tribus crassio-
ribus. Thorax conuexus, vix margina-
tus. Caput sub thorace inflexum latens
.

1. †. Lardarius . der Speckkäfer. D. niger
elytris antice cinereis, punctis nigris
.

Frisch P. V. tab. 9.

Larve und Käfer nähren sich von fetten weichen
Theilen todter Thiere.

2. †. Pellio . D. niger coleoptris punctis al-
bis binis
.

Zieht sich zumahl nach Pelzwerk, ausgestopften
Thieren. u.s.w.

3. †. Typographus . der Borkenkäfer, Fichten-
krebs, Holzwurm. D. testaceus pilosus
elytris striatis retusis praemorsodentatis
.

v. Trebra in den Schr. der Berl. Ges. Na-
turforsch. Freunde. IV. B. tab. 4.

[Seite 315]

Das den Fichtenwaldungen neuerlich aus dem
Harz und in mehrern, Gegenden Deutschlands so
furchtbar gewordne Thier; das im Splint der Fich-
ten (Pinus abies ) theils in solcher Menge hauset,
daß man wohl in einem mäßigen Baume über
80000 seiner Larven gezählt bat. Bey der dadurch
verursachten Wurmtrockniß stirbt der Baum vom
Wipfel herunter ab, seine Nadeln werden roth,
er verliert sein Harz, und taucht dann kaum recht
zum Verkohlen geschweige als Bau- oder Brennholz.

4. †. Piniperda . der Tannenkäfer, schwarze
fliegende Wurm. D. niger subuillosus, ely-
tris piceis integris, plantis rusis
.

Kaum halb so groß als die vorige Gattung.

4. Ptinvs . Kümmelkäfer. (Fr. pannache ,
vrillette .) Antennae filiformes: articulis
vltimis maioribus. Thorax subrotundus,
immarginatus, caput excipiens
.

1. †. Pertinax . P. fuscus vnicolor.

Hat seinen Nahmen daher, weil er, sobald man
ihn berührt, die Füße anzieht, wie todt liegt, und
lange durch keinen Reitz von der Stelle zu treiben ist.

2. †. Fur . P. testaceus, subapterus, thorace
quadridentao, elytris fasciis duabus alpis
.

Sulzers Gesch. tab. 2. fig. 8.

Eins der furchtbarsten Thiere für Naturalien-
sammlungen, Bibliotheken, Hausgeräthe und
Pelzwerk.

3. †. Fatidicus . die Todtenuhr. (Engl. the
death-watch
.) P. fuscus subpilosus griseo
irregulariter maculosus
.

Philos. Transact . N. 271. 291.

[Seite 316]

Eine der sehr verschieden Insectenarten, die
durch den klopfenden Laut, womit die Gatten ein-
ander zur Parungszeit locken, zu mancherley Volks-
aberglauben Anlaß gegeben haben.

5. Hister . Antennae capitatae capitulo
solidiusculo: infimo articulo compresso,
decuruato. Caput intra corpus retractile
.
Os forcipatum. Elytra corpore breuiora.
Tibiae anticae dentatae.

1. †. Vnicolor . H. totus ater, elytris sub-
striatis
.

Sulzers Kennzeichen tab. 2. fig. 8. 9.

In sandigem Boden und auf Viehweiden.

6. Gyrinvs . Antennae clauatae, rigi-
dae, capite breuiores, oculi 4, duobus

supra , duobus infra .

1. †. Natator . der Schwimmkäfer. G. sub-
striatus
.

Sulzers Gesch. tab. 2. fig. 10.

Schwimmt mit großer Schnelligkeit auf der
Oberfläche des Wassers. Im Tauchen hat er eine
Luftblase am Hintern; gibt einen widrigen Geruch
von sich.

7. Byrrhvs . Antennae clauatae subso-
lidae, subcompressae
.

1. †. Museorum . B. nebulosus, elytris sub-
nebulosis puncto albo
.

In Pelzwerk, ausgestopften Thieren etc.

[Seite 317]

8. Silpha . Antennae extrorsum crassio-
res. Elytra marginata. Caput promi-
nens. Thorax planiusculus, marginatus
.

1. †. Vespillo . der Todtengräber. (Fr. le sos-
soyeur
.) S. oblonga atra, clypeo orbiculato
inaequali, elytris fascia duplici aurantia
.

Frisch P. XII. tab. 3. fig. 2.

Sie haben ihren Nahmen von der besondern
Geschicklichkeit, womit sie die Aeser von kleinen
Thieren, Maulwürfen, Fröschen etc. die sie von
weitem auswittern, unter die Erde zu vergraben,
und ihre Eyer dahinein zu legen verstehen. Ihrer
sechse find wohl im Stande, einen todten Maul-
wurf binnen vier Stunden, einen Fuß tief in fetten
Boden einzuscharren.

9. Cassida . Schildkäfer. Antennae sub-
filiformes, extrorsum crassiores. Elytra
marginata. Caput sub thoracis clypeo
plano reconditum
.

1. †. Viridis . C. viridis, corpore nigro.

Rösel vol. II. Erdkäf. III. tab. 6.

Auf Disteln, Feldmelde etc. Die Larve und
Puppe sind ganz flach und am Rande sonderbar
ausgezackt mit Spitzen versehen.

2. †. Murraea . C. nigra, clypeo rubro, ely-
tris sanguineis, punctis nigris sparsis
.

Besonders häufig am Alant.

10. Coccinella . Sonnenkäfer, Ma-
rienkuh, Sommerkind, Gotteslämmchen.
(Fr. vache à Dieu , bête de la vierge .
[Seite 318] Engl. Lady-cow , Lady-bird .) Antennae
subclauatae, truncatae. Palpi claua semi-
cordata. Corpus hemisphaericum, thorace
elytrisque marginatis, abdomine plano.

1. †. 7- Punctata . C. coleoptris rubris: punctis
nigris septem
.

Frisch P. IV. tab. 1. fig. 4.

Ist neuerlich, so wie einige Rüsselkäfer als
wirksames Heilmittel bey mancherley Zahnweh
empfohlen worden.

2. †. Bipustulata . C. coleoptris nigris punctis
rubris duobus, abdomine sanguineo
.

Frisch P. IX. tab. 16. fig. 6.

11. Chrysomela . Blattkäfer. Anten-
nae moniliformes, extrorsum crassiores
.
Thorax, nec elytra, marginatus.

1. †. Goettingensis . C. ouata atra pedibus vio-
laceis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. III. tab. 5.

Häufig an der Schafgarbe.

2. †. Minutissima . C. ouata nigra opaca.

Eins der kleinsten Käferchen. Kaum den dritten
Theil so groß als ein Floh.

3. †. Cerealis . C. ouata aurata, thorace lineis
tribus, coleoptrisque quinque violaceis, ab-
domine violaceo.

4. †. Oleracea . C. saltatoria (s. femoribus po-
sticis crassissimis
) virescenti-caerulea.

Ein schädliches kleines Thier, das so wie meh-
rere verwandte Gattungen unter dem Nahmen
Erdflöhe oder Erdfliegen bekannt ist.

[Seite 319]

5. †. Merdigera . der Lilienkäfer. (Crioceris
rubra Geoffr
.) C. oblonga rubra, thorace
cylindrico vtritique impresso
.

Sulzers Gesch. tab. 3. fig. 14.

In Lilien, Mayblumen etc. Die Larve, bedeckt
sich mir ihrem eignen Unrath. Der kleine rothe
Käfer, worein sie sich verwandelt, giebt, wenn man
ihn anfaßt, mit seinen Flügeldecken einen durch-
dringenden hellen Laut von sich.

12. Hispa . Stachelkäfer. Antennae fusi-
formes, basi approximatae, inter oculos
sitae. Thorax elytraque aculeata saepius
.

1. †. Atra . H. corpore toto atro.
Unter der Erde an Graswurzeln.

13. Brvchvs . Antennae filiformes, sen-
sim crassiores
.

1. †. Pisi . der Erbsenkäfer. B. elytris albo
punctatis, podice albo maculis binis nigris
.

Thut zumahl in Nordamerica dem Mais
großen Schaden.

14. Cvrcvlio . Rüsselkäfer. (Fr. charan-
son
.) Antennae subclauatae, rostro in-
sidentes. Rostrum corneum prominens
.

Sie haben meist einen kurzen rundlichen aber
überaus hart gepanzerten Körper, und einen festen
mehr oder weniger gebognen Rüssel von verschied-
ner Länge. Es sind nachtheilige Thiere, von
denen besonders die mit dem sehr langen Rüssel
den Bäumen, die übrigen aber den Feldfrüchten
und Gartengewächsen Schaden thun. Die Larven
nennt man Pfeiffer.

[Seite 320]

1. Palmarum . der Palmbohrer. C. longiro-
ster ater, thorace ouato planiusculo, elytris
abbreuiatis striatis
.

Sulzers Kennz. tab. 3. fig. 20.

In beiden Indien. Hat fast die Größe des Horn-
schröters. Die Larve nährt sich vom Sagumarke;
wird aber selbst als ein schmackhaftes Gericht gegessen.

2. †. Frumentarius . der schwarze oder rothe
Kornwurm, Reiter, Wippel. C. longiro-
ster sanguineus.

Eine große Plage für die Kornböden. Er saugt
das Mehl aus dem Korn und läßt die Hülse liegen.
Das bewährteste Gegenmittel ist, die Fruchtböden
und ihre Gebälke etc. mit scharfer Seifensiederlauge
besprengen und abfegen zu lassen. – Nicht selten
verbreitet er sich auch in Wohnzimmer und Betten.

3. †. Granarius . C. longiroster piceus oblon-
gus thorace punctato longitudine elytrorum
.

Auch auf Kornböden, in Mühlen etc.

4. †. Paraplecticus . C. longiroster cylindricus
subcinereus, elytris mucronatis.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 7.

Auf Wasserpflanzen. Die Beschuldigung, daß
er den Pferden Lähmung verursache, ist unge-
gründet, und trifft wohl die verdächtigen Pflanzen,
aber nicht das darauf wohnende unschuldige Thier.

5. †. Bacchus . der Rebensticher. C. longi-
roster aureus, rostro plantisque nigris
.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 4.

An Apfelbäumen, Weinstöcken etc. – Larve
oder Käferchen von dieser und einigen andern Gat-
tungen an einen schmerzenden hohlen Zahn gerie-
ben, soll den Schmerz vertreiben.

[Seite 321]

6. Anchoraco . C. longiroster, femoribus den-
tatis, elytris flano striatis, thorace elongato
.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 6.

Die schmale Brust, und der Rüssel sind jedes
so lang als der ganze Hinterleib: dadurch be-
kommt das Thier ein sonderbares Ansehn.

7. †. Nucum . C. longiroster, femoribus den-
tatis, corpore griseo longitudine rostri
.

Rösel vol. III. Erdkäf. IV. tab. 67.

Macht die Haselnüsse wurmstichig.

8. Imperialis . der Juwelenkäfer. C. breui-
roster niger, elytris dentatis, sulcatis punctis
excauatis, auro versicolore distinctis, ab-
domine aeneo viridi
.

In Brasilien. Eins der prachtvollsten Insecten.
Das gefärbte Gold in den unzähligen Grübchen,
die reihenweise auf den Flügeldecken eingegraben
sind, thut in hellem Lichte, zumahl unter dem Ver-
größerungsglase, eine unbeschreibliche Wirkung.

15. Attelabvs . Caput postice attenua-
tum inclinatum. Antennae apicem ver-
sus crassiores
.

1. †. Coryli . A. niger, elytris rubris.

Sulzers Kennz. tab. 4. fig. 25.

2. †. Apiarius . der Immenwolf. A. caeru-
lescens, elytris rubris, fasciis tribus nigris.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 4.

Ist häufig wo viel Bienenzucht ist, thut in
manchen Jahren den Stöcken großen Schaden.

[Seite 322]

16. Cerambyx . Holzbock. (capricornus)
Antennae attenuatae. Thorax spinosus
aut gibbus. Elytra linearia
.

Manche Gattungen haben ungeheuer lange Fühl-
hörner, einen ungemein starken Brustschild und
Flügeldecken, und ein überaus zähes Leben, so
daß man angespießte Holzböcke noch nach vier
Wochen lebendig gefunden hat. Meist leben sie
in Holz, und geben mittelst des Brustschildes, den
sie an den Flügeldecken reiben, einen knarrenden
Laut von sich.

1. Longimanus . C. thorace spinis mobilibus,
elytris basi vnidentatis apiceque bidentatis
antennis longis
.

Rösel vol. II. Erdkäf, II. tab. 1. fig. 2.

So wie die folgende Gattung in Südamerika.

2. Ceruicornis . C. thorace marginato dentato,
maxillis porrectis coniformibus vtrinque spi-
nosis, antennis breuibus
.

Noch größer als der vorige. Ebenfalls schön
gezeichnet, mit Kinnzangen, fast wie am Horn-
schröter.

3. †. Moschatus . C. thorace spinoso, elytris
obtusis viridibus nitentibus, femoribus mu-
ticis, antennis mediocribus
.

Frisch P. XIII. tab. II.

Giebt einen bisamänlichen Geruch von sich.

4. †. Aedilis . C. thorace spinoso: punctis 4.
luteis, elytris obtusis nebulosis, antennis
longissimis
.

Frisch P. XIII. tab. 12.

[Seite 323]

Die Fühlhörner sind wohl sechs Mahl so lang
als das ganze Thier.

17. Leptvra . Antennae setaceae Ely-
tra apicem versus attenuata. Thorax
teretiusculus
.

1. †. Aquatica . L. deaurata, antennis nigris
femoribus posticis dentatis
.

An allerhand Wasserpflanzen. Variirt in der
Farbe.

18. Necydalis . Afterholzbock. Anten-
nae setaceae. Elytra alis minora. Cauda
simplex
.

1. †. Maior . N. elytris abbreuiatis ferrugi-
neis immaculatis, antennis breuioribus
.

19. Lampyris . Johanniswürmchen. (ci-
cindela, nitedula
. Fr. ver luisant . Engl.
glow-worm .) Antennae filiformes Ely-
tra flexilia. Thorax planus, semiorbi-
culatus, caput subtus occultans cingens-
que. Abdominis latera plicato papillosa
.

Nur die Männchen sind geflügelt, und diese
haben zwey bläulich phosphorescirende lichte Punkte
unten am Bauche. Ihre ungeflügelten Weibchen
leuchten weit stärker als die Männchen, besonders
um die Begattungszeit, da ihr Licht vermuthlich
den Männchen zur Anzeige dient, sie aufzufinden.
Einige Zeit, nachdem das Weibchen seine Eyer
gelegt hat (die selbst auch im Finstern leuchten),
verliert sich der Schein bey beiden Geschlechtern.

[Seite 324]

1. †. Noctiluca . L. oblonga fusca, clypeo
cinereo
.

Unter Wachholdersträuchen, Rosenbüschen etc.
Ein paar in ein Gläschen gethan, leuchten hell
genug, um dabey im Finstern lesen zu können.

20. Cantharis . Antennae setaceae.
Thorax marginatus capite breuior. Ely-
tra flexilia. Abdominis latera plicato-
papillosa
.

1. †. Fusca . C. thorace marginato rubro, ma-
cula nigra, elytris fuscis
.

Frisch P. XII. III. Pl. tab. 6. fig. 5.

Die Larve dieses Thiers hält sich über Winter
in der Erde auf, und kommt dann zuweilen, wenns
geschneyt hat, zu laufenden hervorgekrochen, da
ihre plötzliche Erscheinung auf dem frischen Schnee
zu allerhand fabelhaften Sagen Anlaß gegeben.

21. Elater . Springkäfer, Schmid. (Fr.
taupin .) Antennae setaceae. Thorax
retrorsum angulatus. Mucro pectoris e
foramine abdominis resiliens
.

Diese Thiere sind wegen der sonderbaren Fertig-
keit merkwürdig, mit welcher sie, wenn sie auf
dem Rücken zu liegen kommen, sich in die Höhe
zu schnellen, und wieder auf die Beine zu helfen
wissen. Vorzüglich hilft ihnen dazu ein Stachel,
der vorn an der Brust befestigt ist, und in eine
Rinne oben am Bauche paßt, aus der er beym
Aufschnellen mit Gewalt heraus schnappt; und
dann die Spitzen, die rückwärts auf beiden Seiten
des Brustschilds heraus stehen, und mit den Flü-
geldecken auf eine ähnliche Weise eingelenkt sind.

[Seite 325]

1. Noctilucus . der Cucuyo. E. thoracis late-
ribus macula flaua glabra
.

Im mittlern America; wohl zwey Zoll lang.
Die beiden gelben runden Flecken gegen die Sei-
tenspitzen des Brustschildes leuchten stark im Fin-
stern, und die Caraiben bedienten sich ehedem der
Cucuyos und einiger anderer phosphorescirenden
Insecten statt der Leuchten.

2. †. Niger . E. thorace laeui, elytris, pedibus
corporeque nigris
.

Häufig auf Viehweiden.

22. Cicindela . Sandlaufer. Antennae
setaceae. Maxillae prominentes denticu-
latae. Oculi prominuli. Thorax rotun-
dato-marginatus
.

Als Larven scharren sie sich in Sand, fast wie
der Ameisenlöwe, um andern Insecten aufzulauern,
und als Käfer wissen sie ihnen mit ausnehmender
Schnelligkeit im Lauf und Flug nachzujagen.

1. †. Germanica . C. viridis, elytris puncto
lunulaque apicum albis
.

23. Bvprestis . Prachtkäfer. Antennae
setaceae, longitudine thoracis. Caput
dimidium intra thoracem retractum
.

1. Gigantea . B. elytris fastigiatis bidentatis
rugosis, thorace marginato laeui, corpore
inaurato
.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 38.

In beiden Indien. Wohl fingerslang.

[Seite 326]

3. †. Chrysostigma . B. elytris serratis longi-
tudinaliter sulcatis, maculis duabus aureis
impressis, thorace punctato
.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 39.

24. Dytiscvs . Wasserkäfer, Fischkäfer
(hydrocantharus) Antennae setaceae
aut clauato perfoliatae. Pedes postici
villosi, natatorii submutici
.

1. †. Piceus . D. antennis perfoliatis, corpore
laeui, sterno carinato, postice spinoso
.

Frisch P. II. tab. 6. fig. 1.

Eine der größten Gattungen. Wenn der Käfer
seine Eyer legen will, so bereitet er dazu eine
artige längliche Hülfe, die er mit einer braunen
Seide überzieht, und die mit den eingeschloßnen
Eyern wie ein Schiffchen auf dem Wasser schwimmt,
bis die kleinen Larven ausgekrochen und im Stande
sind, in ihr Element über Bord zu springen.

2. †. Semistriatus . D. fuscus, elytris sulcis
dimidiatis decem villosis
.

Frisch P. II. tab. 7. fig. 4.

Ist (so wie vermuthlich die mehresten Gattun-
gen dieses Geschlechts,) den Fischreichen gefährlich.

25. Carabvs . Laufkäfer. Antennae seta-
ceae. Thorax obcordatus apice trunca-
tus marginatus. Elytra marginata
.

Raubthiere in ihrer Art. Viele geben, wenn
man sie anfaßt, einen widerlichen Saft von sich.
Die wenigsten können fliegen; laufen aber
desto schneller.

[Seite 327]

1. †. Coriaceus . C. apterus ater opacus, elytris
punctis intricatis subrugosis
.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 44.

2. †. Auratus . der Goldhahn. C. apterus,
elytris porcatis: striis sulcisque laeuibus
inauratis
.

Häufig auf Feldern, Wiesen etc.

3. †. Sycophanta . C. aureo nitens, thorace
caeruleo, elytris aureo viridibus striatis, ab-
domine subatro
.

Sulzers Gesch. tab. 7. fig. 1.

Der größte hieländische Laufkäfer.

4. †. Crepitans . der Bombardirkäfer. C. tho-
race capite pedibusque ferugineis, elytris
viridi nigricantibus
.

Schwedische Abhandl. 1750. tab. 7. fig. 2.

Ein kleines Käferchen. Wird besonders von
der vorigen Gattung verfolgt, und ist dabey durch
die von Dr. Rolander bemerkte ganz eigne Art
berühmt geworden, womit er sich gegen jenen u.a.
seiner Feinde zu vertheidigen sucht; da er ihnen
mit einem auffallend starken Laut einen bläulichen
Dunst entgegen schießt etc.

26. Tenebrio . Antennae moniliformes
articulo vltimo subrotundo. Thorax pla-
no
-conuexus, marginatus. Caput exser-
tum. Elytra rigidiuscula
.

1. †. Molitor . T. alatus niger totus, femori-
bus anticis crassioribus
.

Frisch P. III. tab. 1.

[Seite 328]

Die Larven halten sich im Mehl auf, finden
sich daher häufig in Mühlen und Beckerhäusern,
heißen Mehlwürmer, und geben das bekannte
Nachtigallenfutter ab.

2. †. Mortisagus . der Todtenkäfer. T. apte-
rus thorace aequali, coleoptris laeuibus mu-
cronatis
.

Frisch. P. XIII. tab. 25.

27. Meloë . Antennae moniliformes ar-
ticulo vltimo ouato. Thorax subrotun-
dus. Elytra mollia flexilia, caput in-
flexum gibbum
.

1. †. Proscarabeus. der Maywurm. (Fr. le
scarabé onctueux
. Engl. the oil-beetle .) M.
apterus, corpore violaceo.

Frisch P. VI. tab. 6. fig. 5.

Ein weiches Thier, das bey jeder Berührung
einen stinkenden Saft aus der Brust, da wo die
Füße eingelenkt sind, fließen läßt.

2. †. Vesicatorius . die spanische Fliege. (can-
tharis offic
.) M. alatus viridissimus nitens,
antennis nigris
.

Das wichtige heilsame Geschöpf, das zum Bla-
senziehen gebraucht wird.

28. Mordella . Antennae filiformes
serratae. Caput deflexum sub collo
(in
territo
). Palpi compresso clauati, oblique
truncati. Elytra deorsum curua apicem
versus. Ante femora lamina lata ad basin
abdominis
.

[Seite 329]

Kleine Käferchen. Das ganze Geschlecht be-
greift nur wenige Gattungen, die sich noch dazu
wenig zu vermehren scheinen.

1. †. Aculeata . M. atra, ano spina terminato.

Sulzers Kennz. tab. 7. fig. 46.

29. Staphylinvs . Antennae monili-
formes. Elytra dimidiata. Alae tectae
.
Cauda simplex exferens duas vesiculas
oblongas
.

Sind besonders wegen der kleinen Blasen merk-
würdig, die sie, so bald sie Gefahr merken, aus
dem Hinterleibe treiben; deren Nutzen aber noch
unbestimmt ist.

1. †. Maxillosus . S. pubescens niger, fasciis
cinereis, maxillis longitudine capitis
.

30. Forficvla . Antennae setaceae, Ely-
tra dimidiata. Alae tectae. Cauda for-
cipata
.

1. †. Auricularia. der Ohrwurm, Oehrling,
Ohrhöhler. (Fr. le perce-oreille . Engl. the
ear
-wig
.) F. elytris apice albis.

Frisch P. VIII. tab. 15. 1. 2.

Das bekannte Thier, von dem die ungegründete.
Sage erdichtet ist, daß es gern den Menschen
in die Ohren kröche, wohin sich irgend etwa ein
Mahl eins, so gut wie jedes andre Insect, ver-
irren kann. Aber den Gärten sind sie nachtheilig,
da sie junges Gemüse, die Augen an Orangerie,
Nelkenknospen etc. zerfressen.

II. HEMIPTERA.

[Seite 330]

Bey den meisten Insecten dieser Ordnung
ist der Kopf nach der Brust niedergedrückt,
bey einigen mit Kinnladen, bey den mehresten
aber mit einem nach dem Unterleibe gebogenen
Saugerüssel versehen, weßhalb diese auch von
einigen Naturforschern Proboscidia genannt wer-
den. Meistens haben sie vier Flügel, von wel-
chen zumahl die obern an der Wurzel fester und
hornartiger, am äußern Ende aber dünner und
weicher sind. Bey einigen sind sie gerade aus-
gestreckt, bey andern übers Kreuz zusammen-
gefaltet. Theils sind sie auch mit einer Art klei-
ner Flügeldecken belegt. Manche haben nur zwey
Flügel, und bey verschiedenen sind die Weibchen
gänzlich ungeflügelt. Ihre Verwandlung ist
nicht sehr ausfallend: sondern die Larven ähneln
dem vollkommnern Insect bis auf die Flügel, die
erst nach und nach völlig ausgebildet werden.

31. Blatta . Schabe. Caput inflexum.
Antennae setaceae. Elytra alaeque pla-
nae, subcoriaceae. Thorax planiuscu-
lus, orbiculatus, marginatus. Pedes cur-
sorii. Cornicula duo supra caudam
.

1. †. Orientalis . die Brotschabe, Küchen-
schabe, der Kakerlake, Tarokan. (Fr. le
cancrelas
, ravet . Engl. the black beetle ,
cockroach .) B. ferrugineo-fusca elytris ab-
breuiatis sulco oblongo impresso
.

Frisch P. V. tab. 3.

[Seite 331]

Jetzt nun fast in allen Welttheilen. Für man-
che Gegenden, wo sie sich eingenistet und stark
vermehrt hat, eine der lästigsten Hausplagen.
Verzehrt vorzüglich mancherley Victualien, vor
allen aber Brot etc. Kann daher in Schiffen
auf weiten Seereisen schaudervolles Elend verur-
sachen*). Ist noch am ersten durch Arsenik,
Dampf von Schwefel und assa foetida, kochend
Wasser etc. und wo nur wenige in einem Zim-
mer oder einer Küche sind, dadurch zu ver-
tilgen, daß man über Nacht einen Igel oder
eine Aente hinein sperrt.

2. Heteroclita . B. fusca, elytris nigris, sinistro
integro 4 pustulato; dextro ad marginem
internum semipellucido, 3 pustulato
.

Pallas spicileg. zoologic . IX. tab. 1. fig. 5.

In Tranquebar etc. Wegen der auffallenden
Ungleichheit in der Zeichnung der beiden Ober-
flügel werkwürdig.

3. †. Lapponica . B. flauescens, elytris nigro-
maculatis
.

Auch außer Lappland im mildern Europa.

32. Mantis . Caput nutans, maxillosum,
palpis instructum. Antennae setaceae
.
Alae 4 membranaceae, conuolutae, in-
feriores plicatae. Pedes
antici compresi,
subtus serrato-denticulati, armati ungue
solitario et digito setaceo laterali articu-
lato:
postici 4. laeues, gressorii. Thorax
linearis elongatus angustatus.

[Seite 332]

Alle von einer ungewöhnlichen, lang gestreckten,
sonderbaren Bildung. Auch ihr Gang, ihr Be-
tragen etc. hat was eignes gleichsam Feyerliches,
das wohl zu der abergläubischen Devotion Anlaß
gegeben hat, mit der mehrere Gattungen dieses
Geschlechts, zumahl im Oriente angesehen werden.

1. Gigas . M. thorace teretiusculo scabro, ely-
tris breuissimis, pedibus spinosis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 19. fig. 9. 10.

Auf Amboina. Spannenlang, und doch kaum
so dick als eine Gänse-Spuhle. Wird von den
Indianern gegessen.

2. Gongylodes . M. Thorace subciliato, femo-
ribus anticis spina terminatis, reliquis lobo.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 7. fig. 1.2.3.

Auf Guinea etc.

3. †. Religiosa . die Gottesanbeterinn, das
wandelnde Blatt, der Weinhandel, Wein-
hasel. M. thorace laeui subcarinato elytris-
que viridibus immaculatis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 1.2.

Geht meist nur auf den vier Hinterfüßen, und
hält die vordern beiden in die Höhe. Man nennt
es das wandelnde Blatt, weil seine Oberflügel
an Gestalt und Farbe einem Weidenblatte ähneln.
Kann wohl zehn Jahre alt werden.

33. Gryllvs. Heuschrecke. (Fr. sauterelle .
Engl. grashopper .) Caput inflexum, ma-
xillosum, palpis instructum. Antennae
setaceae s. filiformes. Alae 4 deflexae,
[Seite 333] conuolutae, inferiores plicatae. Pedes
postici saltatorii. Vngues vbique bini
.

Ein großes Geschlecht, dessen mehreste Gattun-
gen dem Wiesenwachs und Getreide gefährlich
sind. Bey manchen geben die Männchen entwe-
der zur Begattungszeit, oder bey einbrechender
Nacht, oder wenn sich das Wetter ändern will,
einen bekannten zirpenden Laut von sich, den sie
theils mit den Springfüßen, am meisten aber mit
den Flügeln hervorbringen.

1. †. Gryllotalpa . die Werre, Maulwurfs-
grille, der Riehwurm. Reitwurm, Schrot-
wurm, Ackerwerbel, Erdkrebs. G. tho-
race rotundato, alis caudatis elytro longio-
ribus, pedibus anticis palmatis tomentosis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 14. 15.

In Europa und Nordamerica: an theils Orten,
wie im Thüringischen etc. ausnehmend häufig. Lebt
meist unter der Erde, und thut zumahl den Küchen-
gewächsen und der Gerstensaat großen Schaden.

2. †. Domesticus . die Grille, Zirse, Heimchen.
(Fr. le grillon . Engl. the cricket .) G. tho-
race rotundato, alis caudatis elytro longio-
ribus, pedibus simplicibus, corpore glauco.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 12.

3. †. Campestris . die Feldgrille. G. thorace
rotundato, cauda biseta stylo lineari, alis
elytro breuioribus, corpore nigro.

Frisch P. I. tab. 1.

[Seite 334]

4. †. Viridissimus . der Baumhüpfer. G. tho-
race rotundato, alis viridibus immaculatis,
antennis setaceis longissimis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 10. 11.

Von schöner grüner Farbe. Lebt meist aus Ge-
büschen, springt vorzüglich weit.

5. †. Verruciuorus . das Heupferd. G. tho-
race subquadrato laeui, alis viridibus fusco
maculatis, antennis setaceis longitudine
corporis.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 8.

6. Cristatus . G. thorace cristato, carina qua-
drifida
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 5.

In den Morgenländern, Aegypten etc.

7. †. Migratorius . die Zugheuschrecke, Strich-
heuschrecke, Heerheuschrecke. G. thorace
subcarinato; segmento vnico, capite obtuso,
maxillis atris.

Abbild. n. h. Gegenst . tab. 29.

Das furchtbare Insect, das oft in unsäglichen
Zügen auch in Europa eingefallen ist, und allge-
meinen Mißwachs, Hungersnoth etc. verursacht hat.
Ursprünglich gehört es wohl in die asiatische Ta-
tarey zu Hause, doch findet es sich auch einzeln
in Deutschland, das doch seit 1750 mit großen
Invasionen desselben verschont geblieben.*) Auch
[Seite 335] soll sich diese Heuschrecke (wenn es anders die
gleiche Gattung ist) in Nord- und Süd-America
finden. – Daß sie in Arabien und dem nördli-
chen Africa noch jetzt, so wie in den ältesten Zeiten,
in Menge verspeißt wird, ist eine ausgemachte
Sache: und daß das einige neuere Reisende in diese
Länder für eine Fabel erklärt haben, gibt ein lehr-
reiches Beyspiel von unüberlegtem voreiligem
Scepticismus.

8. †. Stridulus . die Holzheuschrecke. G. tho-
race subcarinato, alis rubris extimo nigris
nebulosis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 21. fig. 1.

Leben meist im Gehölze. Die Männchen geben
im Fluge einen lauten klappernden Ton von sich.

34. Fvlgora .*) Caput fronte producta,
inani. Antennae infra oculos, articulis
2,
exteriore globoso. Rostrum inflexum,
pedes gressorii
.

Der sonderbare Character dieses Geschlechts ist
die hornige Blase vor der Stirne, die bey den
nachbenannten Gattungen im Leben und einige Zeit
nach dem Tode einen hellen Schein verbreitet.

1. Laternaria . der surinamische Laternträ-
ger, Leyermann. (Fr. la portelanterne .
Engl. the lanthorn-fly .) F. fronte ouali
recta, alis liuidis; posticis ocellatis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 28. 29.

[Seite 336]

Die größte Art; die leuchtende Blase ist größer
als der ganze übrige Körper, und scheint so hell,
daß sich die Guianischen Wilden ihrer ehedem
statt Leuchten bedient haben sollen.

2. Candelaria . der schinesische Laternträger.
F. fronte rostrato-subulata adscendente, ely-
tris viridibus luteo-maculatis, alis flauis;
apice nigris
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 30.

35. Cicada . (Fr. cigale .) Rostrum in-
flexum. Antennae setaceae. Alae 4
membranaceae, deflexae. Pedes pleris-
que saltatorii
.

Die männlichen Cicaden geben wie die Heu-
schrecken einen Laut von sich, der durch besondere,
mehr zusammengesetzte Werkzeuge an ihrem Un-
terleibe hervor gebracht wird.

Merkwürdig ist, daß einige Gattungen von Keu-
lenschwämmen (clauariae) besonders häufig aus
den Puppen von Cicaden, theils gar auf dem
lebendigen Leibe ihrer Larven, manche aber
freylich auch auf Raupen und Schmetterlings-
Puppen, wachsen*).

1. Orni . C. nigra flauo maculata, alis hyali-
nis, basi flauis, maculis nigris.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 25. fig. 3.

Im südlichen Europa und in Nordafrica. Die
bey den Alten so beliebte Cicade.

[Seite 337]

2. †. Spumaria . der Schaumwurm, Gäscht-
wurm. C. fusca, elytris maculis binis albis
lateralibus; fascia duplici interrupta albida.

Frisch P. VIII. tab. 12.

Besonders häufig auf Weidenbäumen, denen
die Larve im Frühjahr den Saft aussaugt, und
ihn in Gestalt eines Schaums (des so genannten
Kuckuckspeichels), unter welchen sie oft versteckt
ist, wieder von sich gibt. Daher auch die Sage
von regnenden Weiden.

3. Lanata . C. alis deflexis nigris: punctis
caeruleis, fronte lateribusque rubris, ano
lanato.

Stoll tab. 10 fig. 49. und D.

In Westindien. Hat den Beynahmen von den
räthselhaften, schneeweißen, aber im Wasser gleich-
sam schmelzenden langen Flocken am Hinterleibe.*)

36. Notonecta . Wasserwanze. Ro-
strum inflexum. Antennae thorace bre-
viores. Alae 4 cruciato-complicatae,
antice coriaceae. Pedes posteriores pilosi
natatorii
.

1. † Glauca . N. grisea elytris griseis mar-
gine fusco punctatis apice bifidis
.

Frisch P. VI. tab. 13.

Schwimmt die mehrste Zeit auf dem Rücken:
weiß auch in dieser Lage kleine Mücken etc. von
denen sie sich nährt, mit vieler Geschwindigkeit zu
haschen.

[Seite 338]

37. Nepa . Wasserscorpion. Rostrum in-
flexum. Alae 4 cruciato-complicatae an-
tice coriaceae. Pedes anteriores cheli-
formes; reliqui 4 ambulatorii
.

1. †. Cinerea . N. cinerea, thoraci inaequali,
corpore oblongo-ouato
.

Frisch P. VII. tab. 15.

Die Eyer dieses Thieres haben eine überaus
sonderbare Gestalt, an einem Ende mit Häkchen,
fast wie Samen von Kornblumen etc.

2. †. Cimicoides . N. abdominis margine serrato.

Frisch P. VI. tab. 14.

3. Plano . N. subfusca; oculis nigris, alis al-
bidis, dorso plano
.

Eine gewisse Art Wassermilben legt diesem Thier,
das auf Tranquebar zu Hause ist, ihre Eyer auf
den Rücken.*)

38. Cimex . Wanze. (Fr. punaise . Engl.
bug .) Rostrum inflexum. Alae 4 cru-
ciato-complicatae, superioribus antice
coriaceis. Dorsum planum thorace mar-
ginato. Pedes cursorii.

1. †. Lectularius . die Bettwanze, Wandlaus.
(Engl. the wall-louse .) C. flauescens,
alis nullis.

Sulzers Kennz. tab. 10. fig. 69.

[Seite 339]

Ueber die ursprüngliche Heimath und den Aufent-
halt dieses ekelhaften, lichtscheuen Insects im wil-
den Zustande weiß man wenig Zuverlässiges. Jetzt
findet sichs in den Wohnungen unreinlicher oder
sorgloser Menschen fast in allen Welttheilen (nah-
mentlich in Sibirien, Ostindien, Nord- und Süd-
America etc.) So leicht Wanzen durch Zufall in
ein Haus kommen können, so leicht ist es sie bald
anfangs durch sorgfältige wiederhohlte Anwendung
kräftiger Mittel*) auch wieder zu vertreiben:
was aber äußerst schwer hält, wo man sie einmahl
überhand nehmen und sich weit verbreiten lassen.

2. †. Corticalis . C. membranaceus, abdomi-
nis margine imbricatim secto, corpore ni-
gricante
.

In Wäldern an Baumstämmen: ist wegen seiner
täuschenden, rindenartigen Gestalt und Farbe schwer
zu finden.

[Seite 340]

3. †. Baccarum . Qualster. C. ouatus griseus;
abdominis margine nigro maculato
.

In Gärten, zumahl an Johannisbeeren. Auch
diese Wanze stinkt fürchterlich: doch bloß wenn sie
berührt wird; da ihr der Gestank, wie manchen
andern Wanzen, zum Vertheidigungsmittel zu
dienen scheint.

4. †. Personatus . C. rostro arcuato, antennis
apice capillaceis, corpore oblongo subuil-
loso fusco
.

Frisch P. X. tab. 20.

Hält sich in Winkeln auf. Die Larve ist immer
wie mit Staub und Kehricht bedeckt.

39. Aphis . Blattlaus, Neffe, Mehltau.
(Fr. puceron . Engl. plant louse .) Rostrum
inflexum. Antennae thorace longiores
.
Alae 4 erectae aut nullae. Pedes ambu-
latorii. Abdomen postice saepius bicorne
.

Es gibt oft in Einer Gattung, ja in Einer und
eben derselben Familie, geflügelte und ungeflügelte
Blattläuse, und das ohne alle Beziehung auf den
Sexualunterschied. Die Männchen sind kleiner
als ihre Weibchen, und werden auch in weit
minderer Anzahl jung. Sie erscheinen nicht eher
als im Herbste, und nur auf kurze Zeit, da sie
ihre Weibchen befruchten, die kurz darauf Eyer
oder vielmehr Hülsen von sich geben, in welchen
zwar die jungen Blattläuse schon völlig ausgebil-
det liegen, aber doch nicht eher als bis im fol-
genden Frühjahr hervor brechen, und zwar sind
alle diese nunmehr ausgekrochenen Blattläuse durch-
gehends weiblichen Geschlechts, so daß im Früh-
jahr und Sommer schlechterdings keine männliche
[Seite 341] Blattlaus zu sehen ist. Und dessen ungeachtet sind
doch alle jene jungfräulichen Blattläuse im Stande,
ohne Zuthun, eines Gatten ihr Geschlecht fortzu-
pflanzen; so daß jene einmahlige Begattung im
Herbste, ihre befruchtende Wirkung im folgenden
Frühjahr und Sommer bis ins neunte Glied äußert.

1. †. Ribis . A. ribis rubri.

Frisch P. XI. tab. 14.

2. †. Vlmi . A. vlmi campestris.

3. †. Sambuci . A. sambuci nigrae.

Frisch P. XI. tab. 18.

4. †. Rosae . A. rosae.

Sulzers Kennz. tab. 12. fig. 79.

5. †. Bursaria . A. populi nigrae.

Swammerdam Biblia nat . tab. 45. fig.
22. u. f.

Auf der Schwarzpappel, da sie die sonderbaren
Auswüchse verursachen, die man Pappelrosen,
Alberknospen etc. heißt.

6. Pistaciae . A. nigra, alis albidis, tibiis
longissimis, thorace verrucoso
.

An Pistacien, Mastix, Terpentinbaum etc. wo
sich die Blattläuse in einer spannenlangen, schoten-
ähnlichen Hülse aufhalten.

40. Chermes . Blattsauger. Rostrum pe-
ctorale. Antennae thorace longiores
.
Alae 4 deflexae. Thorax gibbus, pedes
saltatorii
.

Haben in der Bildung viel Aehnliches mit den
geflügelten Blattläusen. Als Larven sehen sie fast
aus wie Cicaden, hüpfen auch so etc.

[Seite 342]

1. †. Buxi . C. buxi.

2. †. Alni . C. betulae alni.

Frisch P. VIII. tab. 13.

41. Coccus . Schildlaus. Rostrum pe-
ctorale. Abdomen postice setosum. Alae
2 erectae masculis. Feminae apterae.

Bey keinen andern Thieren sehen die beiden Ge-
schlechter einander so auffallend ungleich, als bey
den Schildläusen. Das Männchen ähnelt einer
kleinen Mücke, das Weibchen hingegen ist unge-
flügelt, und sitzt, nachdem es sich gehäutet hat,
fast unbeweglich an den Gewächsen und könnte
bey manchen Arten eher für eine Narbe an der
Pflanze, als für ein lebendiges Thier angesehen
werden. Das Männchen schwärmt indeß im Freyen
umher, bis es, vom Begattungstrieb gereitzt, ein
solches einsiedlerisches Weibchen aussucht und be-
fruchtet.

1. Hesperidum . C. hybernaculorum.

Sulzers Kennz. tab. 12. fig. 81.

Das Weibchen hält sich vorzüglich an Orangen-
bäumen, auf der Rückseite der Blätter, auf.

2. Adonidum . C. rusa farinacea pilosa.

Wie die vorige in Gewächshäusern, besonders
an Caffeebäumen etc. Man verreibt sie, wenn man
die Gewächse nach dem Begießen mit Schwefel-
blumen bestreut.

3. Ilicis . Kermes. C. quercus cocciferae.

Im südlichen Europa, besonders in Languedoc
und Provence, an Stechpalmen etc. Die beeren-
förmigen, gallapfelartigen Eyer-Nester dieser
[Seite 343] Thiere werden mit Essig besprengt, und das Car-
moisinroth daraus verfertigt.

4. †. Polonicus . Deutsche Cochenille, Johan-
nisblut. C. radicis scleranthi perennis.

Frisch P. V. tab. 2.

Macht ebenfalls kermesartige Eyer-Nester an
den Wurzeln vom Weggras und andern Pflanzen;
zumahl häufig in Polen und am Don, wo sie
gesammelt, und zur Farbe angewandt werden.

5. Cacti . der Scharlachwurm. (Fr. la coche-
nille
, Engl. the cochineal-fly. ) C. cacti
coccinelliferi
.

Ellis in den philos . Transact . vol. LII. P. II.

Ursprünglich in Mexico; findet sich auf mehreren
Cactusarten, die deßhalb in großen Plantagen
gepflanzt, und die Cochenillwürmer fast wie die
Seidenwürmer darauf gezogen, und jährlich zu
dreyen Mahlen abgelesen werden.

6. Lacca . der Gummi-Lackwurm. C. ficus
indicae et religiosae
.

D. Roxburgh in Voigts Magazin VIII. B.
4. St. tab. 1.

Zumahl in den gebirgigen Gegenden von
Hindostan zu beiden Seiten des Ganges; von
ihm kommt das so genannte Gummilack.*)

[Seite 344]

42. Thrips . Rostrum obscurum. An-
tennae longitudine thoracis. Abdomen
sursum reflexile. Alae
4 rectae, dorso
incumbentes, longitudinales, angustae,
subcrucitae
.

Ueberaus kleine Insecten, die sich gesellschaft-
lich in den Blüthen mancher Gewächse aufhalten,
und meist nur durch ihre große Anzahl, oder durch
die Munterkeit, mit der sie umher hüpfen und
fliegen, bemerkbar werden.

1. †. Physapus . T. elytris glaucis, corpore atro.

De Geer in den schwed. Abhandl. v. J.
1744. tab. 4. fig. 4.

Im Getreide, Bohnenblüthen etc.


III. LEPIDOPTERA.*)

Die Schmetterlinge, eine weitläuftige
Ordnung, die sich durch vier ausgespannte, mit
bunten Schuppen befiederte Flügel, und einen
behaarten Körper, auszeichnet. Als Raupen
haben sie Kinnladen, zwölf Augen am Kopf,
einen lang gestreckten cylindrischen Körper von
zwölf Abschnitten, mit neun Luftlöchern auf je-
der Seite, drey Paar hakenförmigen Klauen an
[Seite 345] der Brust, und meist fünf Paar runden flei-
schigen Füßen am Hinterleibe. Die Raupe
häutet sich verschiedentlich, wird dann zur Puppe,
die mehrentheils unbeweglich, doch bey der Wei-
denraupe und einigen andern sehr wenigen Gat-
tungen sich von der Stelle zu bewegen im Stande
ist. Hieraus kommt endlich nach einer bestimm-
ten Zeit der Schmetterling zum Vorschein,
der lange Fühlhörner, nur drey Paar Füße,
statt der Kinnladen eine spiralförmig aufgerollte
(so genannte) Zunge, und statt jener zwölf klei-
nen Augen, zwey große halbkuglige und drey
kleine (§. 126.) hat. Alle die zahlreichen Gat-
tungen lassen sich doch füglich unter drey Ge-
schlechte bringen.

[Seite 346]

43. Papilio . Tagvogel. (Engl. butter-
fly
.) Antennae apicem versus crassiores,
saepius clauato-capitatae. Alae erectae
sursumque conniuentes
.

Die Raupe ist mehrentheils wie mit Dornen
besetzt, und häutet sich gewöhnlich vier Mahl.
Sie verpuppt sich ohne ein äußeres Gespinste:
die Puppe ist zackig, theils schön goldfarbig
(chrysalis, aurelia), und hängt sich mit dem hin-
tern Ende auf. Der Schmetterling fliegt nur am
Tage umher, und hält im Sitzen seine vier brei-
ten ausgespannten Flügel in die Höhe, mit der
Oberseite (die bey vielen an Farbe und Zeichnung
gar sehr von der Unterseite verschieden ist) gegen
einander gekehrt. Linné hat das ganze Geschlecht,
leichterer Faßlichkeit wegen, wieder in fünf Fa-
milien (phalanges) abgetheilt.

a. Eqvites : Alis primoribus ab angulo po-
stico ad apicem longioribus, quam ad basin;
his saepe antennae filiformes
.

Tröes , ad pectus maculis sanguineis, sae-
pius nigri
.

Achiui , pectore incruento, ocello ad
angulum ani
.

b. Heliconii . Alis angustis integerrimis, saepe
denudatis: primoribus oblongis; posticis
breuissimis
.

c. Danai . Alis integerrimis.

Candidi , alis albidis.

Festiui , alis variegatis.

d. Nymphales . Alis denticulatis.

Gemmati , alis ocellatis.

Pharelati , alis caecis absque ocellis.

[Seite 347]

e. Plebeii . Parni. Larua saepius contracta.

Rurales , alis maculis obscurioribus.

Vrbicolae , alis maculis pellucidis.

* * *

1. Priamus . P. E. T. alis denticulatis tomen-
tosis supra viridibus: instritis atris, posticis
maculis sex nigris.

Clerk tab. 17.

Auf Amboina etc. So wie der folgende ein
großes prächtiges Thier.

2. Vlysses . P. E. A. alis caudatis fuseis, disco
caeruleo splendente dentato. Posticis subtus
ocellis septem.

Clerk tab. 23. fig. 1.

Auch in Ostindien.

3. †. Machaon . der Schwalbenschwarz. P. E. A.
alis caudatis concoloribus flauris limbo fusco,
lunulis flauis, angulo ani fuluo.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. I.

4. †. Podalirius . der Segelvogel. P. E. A.
alis caudatis subconcoloribus flauescenti-
bus: fascils nigricantibus geminatis: posticis
subtus linea auratia
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 2.

5. †. Apollo . der rothe Augenspiegel. P. H.
alis oblongis integerrimis albis: posticis
ocellis supra
4: subtus 6, basique rubris.

Sulzers Kennz. tab. 13. fig. 41.

Im wärmern Europa.

[Seite 348]

6. †. Crataegi . der Lilienvogel, Baumweiß-
ling, Heckenweißling. P. H. alis integer-
rimis rotundatis albis: venis nigris
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 3.

Eine der schädlichsten Raupen für Obstbäume.
Die Junge halten sich gesellschaftlich in einem
Gespinnste zusammen.

7. †. Brassicae . die Kohleule, der Kohlweiß-
ling, Buttervogel. P. D. C. alis integerri-
mis rotundatis albis: primoribus maculis
duabus apicibusque nigris, maior.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 4.

Nebst den beiden folgenden auf Kohl, Kraut
und Rübsaat. Buttervogel heißt der Schmetter-
ling (so wie die Butterblume), von der gelben
Farbe der Unterflügel: ein Nahme, der aber
nachher auch den Papilionen überhaupt gegeben
worden ist.

8. †. Rapae . der Rübenweißling. P. D. C.
alis integerrimis rotundatis: primoribus ma-
culis duabus apicibusque nigris, minor
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 5.

9. †. Napi . P. D. C. alis integerrimis ro-
tundatis albis: subtus venis dilatato-vi-
rescentibus.

10. † Cardamines . der Auroravogel. P. D. C.
alis integerrimis rotundatis albis, primori-
bus medio fuluis, posticis subtus viridi-
nebulosis
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 8.

11. †. Rhamni . der Citronen-Papilion, das
fliegende Blatt. P. D. C. alis integerrimis
[Seite 349] angulatis flauis: singulis puncto flauo, sub-
tus ferrugineo
.

Rösel vol. III. tab. 46.

12. †. Hyperanthus . P. D. F. alis integerrimis
fuscis, subtus primoribus ocellis tribus:
posticis duobus tribusque
.

13. †. Io . das Pfauenauge, der Pfauenspiegel.
P. N. G. alis angulato dentatis-fuluis nigro-
maculatis: singulis subtus ocello caeruleo.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 3.

Die Puppe wie vergoldet.

14. †. Galathea . das Bretspiel. P. N. G. alis
dentatis albis nigroque variis, subtus pri-
moribus ocello vnico, posticis quinque ob-
soletis.

Rösel vol. III. tab. 37.

15. †. Cardui. der Distelvogel. P. N. G. alis
dentatis fuluis albo nigroque variegatis, po-
sticis vtrinque ocellis quatuor, saepius coecis.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 10.

Die Puppe ebenfalls ganz goldglänzend. In
manchen Jahren unsäglich häufig.

16. †. Iris . der Schillervogel, Changeant.
P. N. G. alis subdentatis subtus griseis; fascia
vtrinque alba interrupta, posticis supra vnio-
cellatis
.

Rösel vol. III. tab. 42.

17. †. Antiopa . der Trauermantel. P. N. P.
alis angulatis nigris limbo albido.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. I.

[Seite 350]

18. †. Polychloros . der große Fuchs. P. N. P.
alis angulatis suluis, nigro maculatis; pri-
moribus supra punctis quatuor nigris.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 2.

Die Raupe gibt einen bisamähnlichen Geruch
von sich.

19. †. Vrticae . der kleine Fuchs, Nesselvogel.
P. N. P. alis angulatis fuluis nigro-macu-
latis: primoribus supra punctis tribus nigris.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 4.

20. †. C. album . der C-Vogel. P. N. P. alis
angulatis fuluis nigro maculatis, posticis
subtus C. albo notatis.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 5.

21. †. Atalanta . der Mars, 980-Vogel.
P. N. P. alis dentatis nigris albo-maculatis:
fascia communi purpurea, primoribus vtrin-
que, posticis marginali.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 6.

Einer der schönsten deutschen Schmetterlinge.

22. †. Paphia . der Silberstrich. P. N. P. alis
dentatis luteis nigro-maculatis, subtus lineis
argenteis transuersis
.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 7.

Auch ein überaus schönes Thier von mittler
Größe.

23. †. Aglaia . der große Perlenmuttervogel,
Violenvogel. P. N. P. alis dentatis flauis
nigro-maculatis: subtus maculis
21 ar-
genteis.

[Seite 351]

24. †. Pruni . P. P. R: alis subcaudatis supra
fuscis: posticis subtus fascia margineli fulua
nigro-punctata.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 7.

Auf Zwetschenbäumen.

25. †. Maluae . der Pappelvogel. P. P. V.
alis denticulatis diuaricatis nigris albo-ma-
culatis.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 10.

44. Sphinx . Abendvogel. Antennae me-
dio crassiores s. vtraque extremitate at-
tenuatae subprismaticae. Alae deflexae.

Die Raupen in diesem Geschlechte sind mehren-
theils von vortrefflicher Farbe, mit einem haken-
förmigen Horn am Ende des Rückens, dessen
Spur auch noch an der Puppe sichtbar ist. Sie
verpuppen sich unter der Erde, ohne Gespinnste.
Die Abendvögel haben ihren Nahmen daher, weil
sie meist bloß in der Abenddämmerung umher
fliegen. Die mehresten haben einen langsamen
schweren Flug. Linné hat das ganze Geschlecht,
das doch nicht gar zahlreich ist, auf folgende Art
unterabgetheilt:

a. Legitimae – alis angulatis.

Alis integris, ano simplici.

Alis integris, ano barbato.

b. Adscitae habitu et larua diuersae.

* * *

1. †. Ocellata . das Abendpfauenauge. S. L.
alis repandis: posticis ocellatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. I.

[Seite 352]

2. †. Nerii . der Oleandervogel. S. L. alis
subangulatis, viridibus: fasciis variis palli-
dioribus saturatoribus flauescentibusque.

Rösel vol. III. tab. 16.

3. †. Conuoluuli . S. L. alis integris: posticis
nigro fasciatis margine postico albo-puncta-
tis, abdomine rubro cingulis atris.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 7.

4. †. Ligustri . S. L. alis integris: posticis
incarnatis fasciis nigris, abdomine rubro
cingulis nigris.

5. †. Atropos . der Todtenkopf. S. L. alis in-
tegris: posticis luteis fasciis, abdo-
mine luteo cingulis nigris.

Rösel vol. III. tab. 2.

Die Raupe auf Jasmin, Cartoffelkraut etc.

6. †. Celerio . der Phönix. S. L. alis integris
griseis lineola albo-nigra; inferioribus basi
rubris maculis sex.

Rösel vol. IV. tab. 8.

7. †. Elpenor . die Weinraupe, der große
Weinvogel. S. L. alis integris virescenti-
bus, fasciis purpureis variis, posticis rubris
basi atris.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 4.

8. †. Porcellus . die kleine Weinmotte. S. L.
alis integris margine rubris; posticis basi
fuscis.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 5.

[Seite 353]

9. †. Euphorbiae . die Wolfsmilchraupe. S. L.
alis integris fuscis vitta superioribus pallida,
inferioribus rubra.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 3.

10. †. Pinastri . der Fichtenschwärmer. S. L.
alis integris canis, margine postico albo ma-
culato, abdomine fusco cingulis albis.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 6.

In Kiefernwäldern, wo die Raupe, die sich in
den Gipfeln aufhält, zuweilen große Verheerun-
gen anrichtet.

11. †. Stellatarum . der Taubenschwanz, Kar-
pfenkopf. S. L. abdomine barbato lateribus
albo nigroque variis, alis posticis ferrugineis.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 8.

12. †. Filipendulae . die Cirkelmotte. S. A.
alis superioribus cyaneis; punctis sex rubris;
inferioribus rubris immaculatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 62.

13. †. Phegea . die Ringelmotte. A. A. viridi-
atra, alis punctis fenestratis: superiorum
sex, inferiorum duobus, abdomine cin-
gulo luteo.

45. Phalaena . Nachtvogel. (Engl. Moth .)
Antennae setaceae, a basi ad apicem sen-
sim attenuatae. Alae sedentis saepius
deflexae.

Das weitläufigste Geschecht unter den Insecten.
Die Raupen sind mehrentheils behaart: und ver-
puppen sich meist innerhalb eines besondern seiden-
artigen Gespinnstes (folliculus), wozu sie den kle-
[Seite 354] brigen Stoff in zwey darmähnlichen Schläuchen,
die längs dem Rücken hinab neben dem Magen
liegen, führen; und ihn nachher, mittelst einer
besondern Röhre; die sich hinter dem Munde dieser
Raupen findet, zu äußerst feinen Faden spinnen,
die ihnen auch außerdem zu andern Zwecken, sich
z.B. daran herablassen zu können etc. nutzen*).
Diese Gehäuse werden bey einigen wie bey dem
Pfauvogel, wegen ihrer überaus künstlichen Ein-
richtung; bey einigen Arten von Seidenwürmern
aber durch ihre große Nutzbarkeit merkwürdig.
Die Phalänen selbst, die meist des Nachts ihren
Geschäften nachgehen, hat Linné in folgende Fa-
milien abgetheilt:

a. Attaci – alis patulis inclinatis.

Pectinicornes.

Seticornes.

b. Bombyges – alis incumbentibus; an-
tennis pectinatis.

Elingues absque lingua manifeste spirali.

Spirilingues lingua inuoluto – spirali.

c. Noctvae alis incumbentibus. An-
tennis setaceis, nec pectinatis.

Elingues .

Spirilingues .

d. Geometrae – alis patentibus horizon-
talibus quiescentes.

Pecticornes.

Seticornes.

e. Tortrices – alis obtusissimis, vt fere
retusis, margine exteriore curuo.

[Seite 355]

f. Pyralides – alis conniuentibus in figu-
ram deltoideam forficatam.

g. Tineae – alis conuolutis, fere in cy-
lindrum, front prominula.

h. Alvcitae – alis digitatis fissis ad basin
vsque.

* * *

1. †. Atlas . P. Att. pectinicornis elinguis, alis
falcatis concoloribus luteo-variis, macula
fenestrata, superioribus sesquialtera
.

Merianae Surinam . tab. 32.

In beiden Indien. Größer als eine hielän-
dische Fledermaus. Man macht aus dem Ge-
spinste dieser und anderer großen Phalänen in
Schina die so genannte wilde Seide.

2. †. Pavonia . das Nachtpfauenauge. P.
Att. pectinicornis elinguis, alis rotundatis
griseo-nebulosis subfasciatis: ocello nicti-
tante subfenestrato.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 4. 5.

Das Puppengehäuse hat die Gestalt einer run-
den Flasche, mit einem, dem Anschein nach, offnen
abgesintzten Halse, dessen Eingang aber doch in-
wendig auf eine überaus artige Weise, mittelst
elastischer convergirender Stacheln, die in eine
hervorstehende Spitze zusammen laufen, so gut
verwahrt ist, daß das vollkommne Thier zu seiner
Zeit füglich heraus, hingegen kein feindseliges In-
sect in seine Hülse dringen kann. Das Ge-
spinnste der kleinern Arten dieses Schmetterlings
(ph. pavonia media und minor ) hat neuerlich
Hr. Heeger zu Berchtolsdorf bey Wien im
[Seite 356] Großen und fabrikenmäßig auf vielfache Weise
zu benutzen gesucht.

3. †. Quercifolia . das Eichblatt. P. B. elin-
guis, alis reuersis semitectis dentatis fer-
rugineis margine postico nigris.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 41.

Im Sitzen hat die Phaläne eine sonderbare
bucklige Stellung.

4. †. Pini . der Kiefernspinner. P. B. elinguis,
alis reuersis griseis; strigis duabus cinereis;
puncto albo triangulari.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 59.

Einer der schädlichsten Raupen für die Kiefernwaldungen.

5. †. Vinula . der Gabelschwanz, Hermelin-
vogel. P. B. elinguis albida nigro-punctata,
alis subreuersis fusco venosis striatisque.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 19.

Die Raupe bekommt durch ihren dicken abge-
stumpften Kopf, und die beiden Schwanzspitzen,
die ihr statt des letzten Paars Hinterfüße gege-
ben sind, ein sonderbares Ansehn. Sie vermag
einen scharfen Saft, durch den Mund von
sich zu spritzen, und sich damit im Nothfall
zu vertheidigen*).

6. Mori . der Siedenwurm. P. B. elinguis,
alis reuersis pallidis; striis tribus obsoletis
fuscis maculaque lunari.

Rösel vol. III. tab. 7. 8.

Jac. l'Admiral tab. 9.

[Seite 357]

Der assyrische bombyx beym Plinius etc. ist
wohl sicher unsere Seide; sie kam aber schon zu
Stoffen verarbeitet heraus; und ist der Wurm
selbst erst zu Iustinians Zeiten in Europa gezogen.
Er bleibt 6 bis 7 Wochen lang Raupe; spinnt
sich hierauf, nachdem er sich vier Mahl gehäutet
hat, in einen Coccon von weißer oder gelber Farbe,
der, wenn er drittehalb Gran am Gewicht hält,
aus einem 900 Fuß langen Faden besteht (deren
180 dicht neben einander gelegt erst die Breite
von einer Linie ausmachen), und kriecht endlich
drey Wochen nachher als Schmetterling aus. Nach
der Paarung legt das überaus dicke Weibchen
bey 500 Eyer, die im folgenden Frühjahr um die
Zeit, wenn die weißen Maulbeerbäume zu grünen
anfangen, auskriechen. Sie sind wohl ursprüng-
lich in Schina*) zu Hause, gewohnen aber auch
unser Clima recht gut, und man zieht sie nun
auch in Nordamerica.

7. †. Neustria . die Ringelraupe. P. B. elinguis,
alis reuersis: fascia sesquialtera; subtus vnica.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 6.

Nebst der folgenden eine sehr schädliche Raupe.
Die Phaläna legt ihre Eyer in einer Spirallinie
dicht an einander um ein Aestchen herum.

8. †. Pityocampa . der Fichtenspinner. P. B.
elinguis, alis griseis: strigis tribus obscurio-

[Seite 358] ribus, posterioribus pallidis: puncto anali
fusco.

Richtet in Nadelhölzern große Verwüstung an.

9. †. Caia . die schwarze Bärenraupe. P. B.
elinguis, alis deflexis fuscis: riuulis albis,
inferioribus purpureis nigro punctatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. I.

10. †. Monacha . die Nonne, der Fichtenspin-
ner. P. B. elinguis, alis deflexis, superio-
bus albis atro-undatis, abdominis incisuris
sanguineis.

Jördens Geschichte der kleinen Fichtenraupe.
fig. 17-19.

Eins der fruchtbarsten Insecten für Fichten-
waldungen.

11. †. Dispar . P. B. elinguis, alis deflexis:
masculis griseo fuscoque nebulosis; femi-
neis albidis lituris nigris.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 3.

Hat ihren Nahmen von der ungleichen Bildung
und Größe der beiden Geschlechter.

12. †. Chrysorhoea . die schwarze Winterraupe.
P. B. elinguis, alia deflexis albidis, abdo-
minis apice barbato luteo.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 22.

Eine der schädlichsten Raupen für die Obst-
bäume, die im Herbst aus den Eyern kriecht, und
den Winter durch gesellschaftlich in zusammen ge-
sponnenem welken Laube an den Testen zubringt,
ohne daß ihr selbst die strengste Kälte schadet.

[Seite 359]

13. †. Antiqua . P. B. elinguis, alis planiuscu-
lis: superioribus ferrugineis lunula alba
anguli postici.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 39.

Das Weibchen ungeflügelt.

14. †. Caeruleocephala . P. B. elinguis cristata,
alis deflexis griseis: stigmatibus albidis
coadunatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 16.

Ebenfalls eine den Obstbäumen sehr schädliche
Raupe.

15. †. Cossus . die Weidenraupe. P. B. elin-
guis, alis deflexis nebulosis, thorace postice
fascia atra, antennis lamellatis.

Rösel vol. I. Nachtvogel II. tab. 18.

Dieselbe Raupe von der Lyonet die meister-
hafte Zergliederung geliefert hat. Sie hält
sich in Ulmen, Eichen etc. doch bey weitem am
häufigsten an Weidenstämmen auf, die so von ihr
durchfressen werden, daß sie leicht ausgehen oder
bey mäßigem Sturme umfallen. Der Schade, den
diese Raupe verursacht, wird dadurch vergrößert,
daß sie gegen das Beyspiel vielleicht aller übrigen
Raupen bey drey Jahr alt wird, ehe sie sich ver-
puppt. Dabey hat sie ein so äußerst zähes Leben,
daß sie ohne Schaden etliche Stunden lang im so-
genannten luftleeren Raume, und mitten im Som-
mer fast drey Wochen lang unter Wasser aus-
dauern kann. Eben so sonderbar ist, daß die
Puppe sich von der Stelle bewegen, und wenn
die Zeit des Auskriechens herbeynaht, aus der
Mitte des Stammes sich vom bis an die Mün-
dung in der Rinde hervor hohren kann.

[Seite 360]

16. †. Aesculi . P. N. elinguis laenis niuea,
antennis thorace breuioribus, alis punctis
numerosis caeruleo-nigris, thorace senis.

17. †. Humuli . P. N. elinguis fulua, anten-
nis thorace breuioribus, maris alis niueis.

18. †. Pacta . P. N. spirilinguis cristata, alis
grisescentibus, inferioribus rubris, fasciis
duabus nigris, abdomine supra rubro.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 15.

19. †. Meticulosa . P. N. spirilinguis cristata,
alis erosis pallidis: superioribus basi incar-
nata, intra triangulum fuscum.

Rösel vol. IV. tab. 9.

An allerhand Küchengewächsen, auch an Erd-
beeren.

20. †. Piniaria . der Fichtenspinner. P. G.
pectinicornis, alis fuscis flauo-maculatis
subtus nebulosis: fasciis duabus fuscis.

Auch eins der schädlichsten Insecten für Fich-
tenholzungen.

21. †. Wavaria . P. G. pectinicornis, alis ci-
nereis: anticis fasciis
4 nigris abbreuiatis
inaequalibus.

Rösel vol. I. Nachtvögel III. tab. 4.

So wie die folgende auf Johannisbeeren, Sta-
chelbeeren.

22. †. Grossulariata . P. G. seticornis, alis
albidis, maculis rotundatis nigris: anticis
strigis luteis.

Rösel vol. I. Nachtvögel III. tab. 2.

[Seite 361]

23. †. Viridana . P. To. alis rhombeis, su-
perioribus viridibus immaculatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel IV. tab. 3.

24. †. Farinalis . P. P. palpis recuruatis, alis
politis fuscescentibus: strigis repandis albi-
dis area interiecta glauca.

Clerk phal . tab. 2. fig. 14.

Im Mehl.

25. †. Hercyniana . P. P. alis superioribus fu-
scis, fascia et maculis niueis subinterruptis;
posticis cinereis.

J. v. Uslar Pyralis Hercyniana . fig. a. b. c.

In Fichtenwaldungen an den Nadeln.

26. †. Pinetella . P. Ti. alis superioribus flauis,
maculis duabus argenteis, anteriore oblonga,
posteriore ouata.

Clerk phal . tab. 4. fig. 15.

Ebenfalls in Fichtenwaldungen.

27. †. Pellionella . die Pelzmotte. P. Ti. alis
canis, medio puncto nigro, capite sub-
griseo.

Rösel vol. I. Nachtvögel IV. tab. 17.

In Pelzwerk, ausgestopften Thieren etc.

28. †. Sarcitella . die Kleidermotte. P. Ti. alis
cinereis, thorace vtrinque puncto albo.

Besonders in wollenen Kleidungstücken.

29. †. Mellonella . P. Ti. alis canis postice
purpurascentibus, striga alba, scutello nigro
apice candido.

Rösel vol. III. tab. 41.

Einer der gefährlichsten Bienenfeinde.

[Seite 362]

30. †. Granella . der Wolf, weiße Korn-
wurm. P. Ti. alis albo nigroque maculatis
capite albo.

Rösel vol. I. Nachtvögel IV. tab. 11.

Auf Kornböden in der Frucht, die er benagt,
abhülset, zerschrotet, und sich daher leicht verräth.

31. †. Goedartella . P. Ti. alis auratis: fasciis 2
argenteis: priore antrorsum, posteriore re-
trorsum arcuata.

Clerk phal . tab. 12. fig. 14.

32. †. Linneella . P. Ti. alis fuscis, punctis
tribus argenteis eleuatis.

Clerk phal . tab. II. fig. 8.

33. †. Hexadactyla . P. Al. alis patentibus
fissis: singulis sexpartitis cinereis.

Hat wie die übrigen Nachtvögel dieser Familie,
wegen der sonderbaren gespaltenen Flügel, ein un-
gewöhnliches Ansehen.


IV. NEVROPTERA.

Eine kleine Ordnung, die sich durch vier zarte
netzförmige oder gegitterte Flügel auszeichnet, die
mehrentheils in allerhand Farben schillern. Die
Larve hat sechs Füße.

46. Libellvla . Wasserjungfer, Spinne-
jungfer, Teufelsnadel. (Fr. demoiselle .
Engl. dragon-fly .) Os maxillosum, maxil-
lis pluribus. Antennae thorace breuio-

[Seite 363] res. Alae extensae. Cauda maris ha-
moso-forcipata.

Als Larve leben diese Thiere im Wasser, und
haben eine sonderbar bewegliche Maske oder Kappe
vor dem Munde, womit sie ihre Beute haschen.
Die Paarung der vollkommen geflügelten Wasser-
jungfern, die überhaupt gar viel Sonderbares hat,
wird im Fluge vollzogen.

1. †. Depressa . L. alis omnibus basi nigri-
cantibus. thorace lineis duabus flauis, ab-
domine lanceolato lateribus flanescente.

Rösel vol. II, Wasser-Ins. II. tab. 6. 7.
fig. 3.

2. †. Virgo . L. alis erectis coloratis.

Rösel vol. II. Wasser-Ins. II. tab. 9.

3. †. Puella. L. alis erectis hyalinis.

Rösel vol. II. Wasser-Ins. II. tab. 10. 11.

47. Ephemera . Uferaas, Hafft, Ge-
schwäder (hemerobius, diaria). Os eden-
tulum absque palpis: Ocelli 2 maximi
supra oculos. Alae erectae, posticis mi-
nimis. Cauda setosa.

Das Uferaas lebt einige Jahre lang als Larve
im Wasser. Nach dieser Zeit kommen mitten im
Sommer binnen wenigen Tagen in manchen Ge-
genden Millionen der vollkommen ausgebildeten
Thiere mit einem Mahle aus dem Wasser hervor
geflogen, die sich auch alsdann, gegen die Weise
anderer Insecten, erst nochmahls häuten müssen;
überhaupt aber diesen ihren vollkommnern Zustand
nur sehr kurze Zeit, oft nur wenige Stunden
genießen.

[Seite 364]

1. †. Vulgata . E. cauda triseta, alis nebuloso-
maculatis
.

Sulzers Kennz. tab. 17. fig. 103.

P. Collinson in philos. Transact . N. 481.
tab. 2. fig. 2.3.4. p. 329 sqq.

Das Weibchen legt ein eyförmiges Klümpchen,
das aus sehr vielen Eyerchen zusammen gesetzt ist.

2. †. Horaria . E. cauda biseta, alis albis
margine crassiore nigricantibus
.

Swammerdam Bibl. nat . tab. 13. fig. 15.

48. Phryganea . Frühlingsfliege. (Engl.
caddice, water-moth .) Os edentulum
palpis
4. Ocelli 3. Antennae thorace
longiores. Alae incumbentes, inferiori-
bus plicatis.

Die Larven, die sich ebenfalls im Wasser auf-
halten, werden besonders durch die theils sehr
künstlichen meist cylindrischen Hülsen merkwürdig,
die sie sich verfertigen, und die sie, fast wie die
Schnecken ihr Haus, mit sich herum schleppen.
Manche machen diese Gehäuse aus Schilfstückchen,
andre aus Gras, aus Sandkörnchen, aus kleinen
Steinchen, andre aus lauter kleinen Flußschneck-
chen u.s.w.

1. †. Bicaudata . P. cauda biseta, alis venosis
reticulatis.

Sulzers Kennz. tab. 17. fig. 6.

2. †. Striata . P. nigra, alis testaceis, ner-
voso-striatis.

Frisch P. XIII. tab. 3.

[Seite 365]

3. †. Rhombica . P alis flauescentibus deflexo-
compressis macula rhombea laterali alba.

Rösel vol. II Wasser-Ins. II. tab. 16.

49. Hemerobivs . Florfliege, Landlibelle.
Os dentibus 2: palpis 4. Ocelli nulli.
Alae deflexae
(nec plicatae). Antennae
thorace conuexo longiores, setaceae por-
rectae
.

Die Larve lebt im Trocknen. Das vollkommne
Insect ähnelt dem vorigen.

1. †. Perla . H. luteo-viridis, alis hyalinis:
vasis viridibus.

Rösel vol. III. tab. 21. fig. 4.5.

2. †. Pulsatorius . die Papierlaus, Holzlaus.
(Fr. le pou de bois .) H. apterus, ore rubro,
oculis luteis
.

Sulzers Gesch. tab. 29. fig. 3.

In Büchern, alten Papieren, auch im Holz.
Ward sonst allgemein für ungeflügelt gehalten.
Auch sind die geflügelten Individua so äußerst selten
bemerkt worden, daß sie höchstens nur auf sehr
kurze Zeit mit Flügeln versehen seyn müssen. (§. 136.)

50. Myrmeleon . Afterjungfer. Os ma-
xillosum: dentibus
2. Palpi 4 elongati.
Ocelli nulli. Cauda maris forcipe e fila-
mentis duobus rectiusculis. Antennae
clauatae longitudine thoracis. Alae de-
flexae
.

[Seite 366]

1. †. Formicarius . der Ameisenlöwe. (Fr. le
fourmilion
.) M. alis macula alba margi-
nali postica.

Rösel vol. III. tab. 17. u. f.

Das merkwürdige berufene Geschöpf, das sich
als Larve eine trichterförmige Fallgrube in Sand-
boden wühlt, sich selbst unten bis an den Hals
hinein scharrt, und da die Ameisen u.a. kleine
Insecten empfängt und verzehrt, die unversehens
an den Rand dieser Grube kommen, und mit dem
lockern Sand hinab schurren.

51. Panorpa . Scorpionfliege. Rostrum
corneum cylindricum, palpis
2. Ocelli 3.
Antennae thorace longiores. Cauda ma-
ris chelata
.

1. †. Communis . P. alis aequalibus nigro ma-
culatis.

Frisch P. IX. tab. 14. fig. 1.

52. Raphidia . Kamelhals. Os denti-
bus
2 in capite depresso corneo. Palpi 4.
Ocelli 3. Alae deflexae. Antennae lon-
gitudine thoracis antice elongati cylin-
drici. Cauda feminae seta recurua laxa.

1. †. Ophiopsis . R. thorace cylindrico.

Rösel vol. III. tab. 21. fig. 6. 7.


V. HYMENOPTERA.

Insecten mit vier häutigen Flügeln, die mit
wenigen aber starken Adern durchzogen, auch
meist kürzer und schmaler sind als bey den In-
[Seite 367] secten der vorigen Ordnung. Bey den mehre-
sten sind die Weibchen und geschlechtlosen Thiere
mit einem verletzenden Stachel am Hinterleibe,
theils auch mit Gift, das sie beym Stich in
die Wunde flößen, bewaffnet; daher die ganze
Ordnung auch von einigen Entomologen Acu-
leata
genannt worden. Die Larven sind ver-
schiedentlich gebildet: theils wie Raupen mit
zwanzig Füßen, theils wie Maden ohne Füße etc.

53. Cynips . Gallwespe. Os maxillis
absque proboscide. Aculeus spiralis, sae-
pius reconditus.

Das Weibchen legt seine Eyer in besondere
Theile gewisser Pflanzen, die dadurch anschwellen,
und theils sonderbare Auswüchse bilden, die dann
der Larve so lange zum Aufenthalte dienen, bis
sie ihre Verwandlung überstanden hat, und nun
als vollkommnes Insect aus ihrem Kerker hervor
brechen kann. Ganz sonderbar ist dabey, daß
jene Eyer selbst, nachdem sie von der Mutter in
das Gewächs gelegt werden, erst noch wachsen,
theils noch Ein Mahl so groß werden, bevor die
darin befindliche Larve auskriecht.

1. †. Rosae . C. nigra, abdomine ferrugineo
postice nigro, pedibus ferrugineis
.

Frisch P. VI. tab. 1.

An wilden Rosen, wo sie die moosartigen,
krausen Auswüchse verursacht, die unter dem Nah-
men Rosenschwämme oder Schlafäpfel (spon-
gia cynosbati,
Bedeguar) ehedem officinell waren.

2. †. Quercus folii . C. nigra, thorace lineato,
pedibus griseis, femoribus subtus nigris.

Frisch P. II. tab. 3. fig. 5.

[Seite 368]

Am Eichenlaub, wo sie bekanntlich die Gall-
äpfel hervor bringt, die auch oft noch nachher,
wenn sie schon von der Nachkommenschaft ihrer
Urheberinn verlassen sind, kleinen Wespen verschied-
ner Art zum Aufenthalt dienen.

3. Psenes . C. ficus Caricae.

Zumahl auf den Inseln des mitländischen Meeres;
in den wilden Feigen, die man deßhalb zu den
zahmen Feigen hängt, damit der cynips von
jenen, in diese übergehen mag, als wodurch die
Zeitigung und Größe derselben befördert wird.

54. Tenthredo . Blattwespe. Os maxil-
lis absque proboscide. Alae planae tu-
midae. Aculeus laminis duabus serratis,
vix prominentibus. Scutellum granis
duobus impositis distantibus.

Die Larven haben Raupengestalt (daher sie
Reaumür fausses chenilles nennt), leben vom Laub
und finden sich besonders auf Rosenstöcken und
Weiden; verpuppen sich aber in der Erde.

1. †. Lutea . T. antennis clauatis luteis, ab-
dominis segmentis plerisque flauis.

Frisch P. IV. tab. 24.

2. †. Capreae . T. salicis.

Frisch P. VI. tab. 4.

55. Sirex . Holzwespe, Sägenfliege. Os
maxillis
2 validis. Palpi 2 truncati: An-
tennae filiformes, articulis vltra
24. Acu-
leus exsertus rigens serratus. Abdomen
sessile mucronatum. Alae lanceolatae,
planae omnibus.

[Seite 369]

Das Weibchen weiß mit seinem sägeförmigen
Legestachel sehr geschickt in weiches Holz zu boh-
ren, um seine Eyer da einzulegen. Die Larve
hält sich einige Jahre lang im Holze auf.

1. †. Gigas . S. abdomine serrugineo: segmen-
tis nigris, thorace villoso.

Rösel vol. II. Humm. und Wesp. tab. 9.

56. Ichnevmon . Schlupfwespe, Spin-
nenstecher. Os maxillis absque lingua.
Antennae articulis vltra
30. Abdomen
petiolatum plerisque. Aculeus exsertus
vagina cylindrica, biualui
.

Zahlreiche Thiere, die sehr vieles zur Vertil-
gung der Raupen, Spinnen und andrer Insecten
beytragen. Sie legen ihre Eyer in lebendige
Raupen, die davon erkranken, und vor oder nach
ihrer Verpuppung absterben. Manche sind auch
an andre Gattungen ihres eigenen Geschlechts ge-
wiesen, denen sie als Larven ihre Eyer in den
Leib legen, so daß nach Rolanders Bemerkung,
von verschiednen Gattungen die eine bloß zur Ver-
tilgung der andern geschaffen zu seyn scheint.

1. †. Persuasorius . I. scutello albo, thorace
maculato, abdomine atro, segmentis omni-
bus vtrinque punctis duobus albis
.

Sulzers Gesch. tab. 26. fig. 12. 13.

2. †. Comitator . I. ater totus, antennis fascia
alba.

Sulzers Gesch. tab. 26. fig. 14.

3. †. Luteus. I. luteus thorace striato, ab-
domine falcato.

[Seite 370]

4. †. Glomeratus . I. niger, pedibus flauis.

Reaumur vol. II. tab. 33.

Legt seine Eyer in die Raupen der Buttervögel,
so wie der vorige in die von manchen Phalänen.

57. Sphex . Raupentödter. Os maxillis
absque lingua. Antennae articulis
10.
Alae plano incumbentes (nec plicatae)
in omni sexu. Aculeus punctorius re-
conditus
.

Die Weibchen verschiedner Gattungen dieses
Geschlechts graben sich Höhlen in sandigen Bo-
den, schleppen eine große Spinne oder Raupe
einer Phaläne hinein, die sie meist nur lahm
beißen, und legen sodann in jede Höhle ein Ey,
da dann nachher die junge Larve dem großen Thier,
das die Mutter dahin begraben hatte, den Saft
zum Gespinste aussaugt, und sich selbst ein Ver-
wandlungsgehäuse daraus bereitet.

1. †. Sabulosa . S. nigra hirta, abdomine fuluo,
postice nigro, petiolo longissimo.

Frisch P. II. tab. I. fig. 6. 7.

2. †. Cribraria . die Sieb-Biene. S. nigra,
abdomine fasciis flauis, tibiis anticis clypeis
concauis fenestratis.

Goeze im Naturforscher II. St. tab. 2.

Man hat lange die Scheiben an den Vorder-
süßen für durchlöchert gehalten, und hat auch nicht
ermangelt, diesen vermeinten Sieben eine merk-
würdige Bestimmung anzudichten, und viel Schönes
über die, weise Einrichtung eines gar nicht existi-
renden Theils zu sagen.

[Seite 371]

58. Chrysis . ( Fr. mouche dorée . Engl.
golden-fly .) Os maxillis absque pro-
boscide. Antennae filiformes: articulo

1 longiore, reliquis 11 breuioribus. Ab-
domen subtus fornicatum, vtrinque squa-
ma laterali. Anus dentatus aculeo sub-
exserto. Alae planae. Corpus auratum.

1. †. Ignita . C. glabra nitida, thorace viridi:
abdomine aureo: apice quadridentato
.

Frisch P. IX. tab. 10. fig. 1.

59. Vespa . Wespe. (Fr. guépe . Engl. wasp .)
Os maxillis absque proboscide. Alae su-
periores plicatae in omni sexu. Aculeus
punctorius reconditus. Oculi lunares.
Corpus glabrum
.

Die mehresten Gattungen dieses und des fol-
genden Geschlechts werden durch die strenge gesell-
schaftliche Verbindung, in der sie theils zu tau-
senden beysammen leben, und durch die überaus
kunstreichen Nester und gemeinschaftlichen Wohnun-
gen, die sie sich mit vereinten Kräften aus so viel-
artigen Stoffen (– z.B. die Wespen aus Holzza-
sern etc., die Immen aus Wachs, die Maurer-Bienen
aus Grant etc. –) zu verfertigen wissen, merk-
würdig.

1. †. Crabro . die Horniße. (Engl. the hornet .)
V. thorace nigro antice ruso immaculato
abdominis incisuris puncto nigro duplici
contiguo
.

Frisch P. IX. tab. II. fig. 1.

2. †. Vulgaris . die Wespe. (Engl. the wasp .)
V. thorace vtrinque lineola interrupta, scu-
[Seite 372] tello quadrimaculato, abdominis incisuris
punctis nigris distinctis.

Frisch P. IX. tab. 12. fig. 1.

60. Apis . Biene. (Fr. abeille . Engl. bee .)
Os maxillis atque proboscide inflexa va-
ginis duabus biualiubus. Alae planae in
omni sexu. Aculeus feminis et neutris
punctorius reconditus.

1. †. Mellifica . die Honigbiene, Imme. A.
pubescens thorace subgriseo, abdomine fusco,
tibiis posticis ciliatis, intus transuerse striatis.

Bekanntlich sind unter den Bienen, Wespen,
Ameisen und Termiten, die bey weiten zahl-
reichsten Individuen geschlechtlos, d.h. sie
werden von einem Vater erzeugt, und von einer
dadurch befruchteten Mutter geboren, ohne doch
selbst vollkommne Geschlechtsorgane zu haben. –
Hier bey der Imme hat das Weibchen, die so
genannte Königinn oder Mutterbiene, oder der
Weißler, einen schlanken schmalen Leib, kurze
Flügel, einen behaarten Kopf, ein zackiges Ge-
biß, braune Füße u.s.w. – Die männlichen
Bienen, oder Dronen (Deck- oder Wasser- oder
Holmbienen) sind groß und stark von Leibe,
mit langen Flügeln etc. – Die geschlechtlosen,
oder Werk- und Arbeits-Bienen hingegen sind
weit kleiner als jene beiden, von mittler Taille,
nach Verhältniß langen Flügeln, glattem Gebiß,
schwarzen Füßen und einer besondern Grube am
Hinterschenkel, die zum Aufladen des Blumenstau-
bes dient, u.s.w. Diese letztern, deren in einem
großen Stock wohl auf 10000 seyn können, haben
allein die mannigfaltigen Verrichtungen des Ein-
tragens, Bauens und der Besorgung der Brut.
[Seite 373] Die jüngern sammeln Blumenstaub, den sie als
Höschen zum Stocke tragen, wo es ihnen von den
allein abgenommen, und zu Wachs verarbeitet
wird; ferner saugen sie theils den süßen Schweiß
vieler Baumblätter, vorzüglich aber den so ge-
nannten Nektar, einen süßlichen Saft der Blüthen,
den sie in einem besondern Eingeweide zu Honig
umarbeiten, und im Stocke wieder von sich ge-
ben. Sie füttern die Bienen-Larven, halten den
Stock rein, und schaffen ihre Todten von da
hinaus. Sie sind mit Gift und Stachel als
Waffen versehen, von dem sie aber meist nur
Ein Mahl in ihrem Leben Gebrauch machen kön-
nen, da sie gewöhnlich mit Verlust ihres Stachels
stechen, und ihn in der Wunde stecken lassen. –
Die männlichen Bienen (etwa 700 in einem großen
Stocke) haben keine andre Bestimmung, als sich
mit ihrer Königinn (– und zwar wie es scheint
im Fluge –) zu paaren. Manche sterben gleich
darauf, die übrigen müssen nachher verhungern,
oder werden von den Arbeitsbienen in der so ge-
nannten Dronenschlacht umgebracht. Die so reich-
lich befruchtete Königinn legt ihre Eyer in die
Zellen oder Mutterpfeiffen, von denen schon vor-
läufig die für die Dronen bestimmten größer als
die übrigen gebaut sind. Wenn die Nachkommen-
schaft nach etlichen und 20 Tagen zur Reife ge-
kommen, so trennt sie sich als Colonie vom
Stammvolke, sie schwärmt. – In der Wild-
niß bauen die Bienen in hohle Bäume, oder un-
ter die Erde etc. Der Mensch hat sie aber sich
zum Hausthier zu machen, und durch mannig-
faltige scharfsinnige Erfindungen ihre Vermehrung
und Benutzung zu befördern gelernt. Obgleich
einzelne Bienen so wenig Wärme haben als an-
dere kalkblütige Thiere; so erhitzen sie doch im
[Seite 374] Stocke, zuweilen bis zur Wärme des menschli-
chen Körpers*).

2. †. Centuncularis . die Rosenbiene. A. nigra,
ventre lana fulua.

Frisch P. XI. tab. 2.

Lebt einsam unter der Erde, und verfertigt sich
eine überaus artige Hülse zur Wohnung von Blät-
tern der Rosenbüchse.

3. †. Violacea . die Holzbiene. A. hirsuta atra,
alis caerulescentibus.

Reaumur vol. VI. tab. 6. fig. 1. 2.

In alten Baumstämmen, wo sie sich ihre Woh-
nung der Lange nach aushöhlet, und die einzel-
nen Zellen durch dünne Holzscheibchen von einan-
der absondert.

[Seite 375]

4. †. Terrestris . die Hummel. (bombylius.
Engl. the humble-bee .) A. hirsuta nigra
thoracis cingulo flauo, ano albo.

Frisch P. IX. tab. 13. fig. 1.

Nistet tief unter der Erde.

5. †. Muscorum . die Moosbiene. A. hirsuta
fulna abdomine flauo.

Reaumur vol. VI. tab. 2. fig. 3. 4.

Bekleidet ihr Nest von außen mit Moos.

6. †. Caementaria . die Maurerbiene. A fulua
abdomine nigro
(femina nigro-violacea pe-
dibus fuscis
).

Baut sich mit bewundernswürdiger Kunst und
Festigkeit ihr Nest aus Grant und Mörtel an alten
Mauern, die viel Sonne haben. Die eyförmigen
Zellen, deren etwa zehn in jedem solchen Gebäude
sind, werden mit Gespinste austapezirt, und zu-
weilen auch vom attelabus apiarius , Schlupf-
wespen etc. bewohnt.

61. Formica .*) Ameise, Emse. (Fr. fourmi .
Engl. ant .) Petiolus abdominis elonga-
tus, nodulosus, aut munitus squamula
erecta. Aculeus feminis et neutris re-
conditus. Alae maribus et feminis, sed
neutris nullae.

Die mehrsten hiesigen Ameisen halten sich vor-
züglich in Wäldern und Wiesen, theils bey vier-
und mehreren taufenden in einem Haufen auf; die
Emsigkeit dieses kleinen Volks, vorzüglich die
Sorgfalt, mit der sie ihre Puppen (die fälschlich
[Seite 376] so genannten Ameisen-Eyer) warten und pflegen,
geht so weit, daß man gesehen, wie eine Arbeits-
ameise, der man den Hinterleib abgeschnitten, doch
noch zehn Puppen vor ihrem schmerzhaften Tode
in Sicherheit gebracht hat etc.

1. †. Herculanea . die Roß-Ameise. F. nigra
abdomine ouato. femoribus ferrugineis.

Sulzers Kennz. tab. 19. fig. 125.

2. †. Rufa . F. thorace compresso toto fer-
rugineo, capite abdomineque nigris.

3. †. Rubra . F. testacea, oculis punctoque
sub abdomine nigris.

4. †. Nigra . F. tota nigra nitida, tibiis cine-
rascentibus.

Diese Ameisen paaren sich zu Ende des Som-
mers im Schwärmen, da sie zuweilen in unzäh-
liger Menge und sonderbarer Gestalt der Schwärme
als auf- und niederfahrende Säulen zum Vor-
schein kommen, deren man zuweilen wohl 20 auf
Ein Mahl sieht, die sich in der Ferne fast wie ein
Nordlicht ausnehmen.*)

5. †. Caespitum . F. abdominis petiolo bino-
doso: priore subtus, thoraceque supra bi-
dentato.

Sulzers Gesch. tab. 27. fig. 20.

6. Cephalotes . F. thorace quadrispinoso, capite
didymo magno vtrinque postice mucronato.

Merianae ins. Surinam . tab. 18.

In Westindien. Von der Größe einer Wespe.

[Seite 377]

62. Termes . Weiße Ameise, Holz-Emse,
Termite. (Fr. fourimi blanche, poux de bois .
Eng. white ant, wood-ant, wood louse .)
Squamula intergerina nulla. Alae ma-
ribus et feminis temporariae; sed neu-
tris plane nullae.

1. Fatalis . ( bellicosus . Soland ) T. corpore
fusco, alis fuscescentibus: costa ferruginea,
stemmatibus subsuperis oculo propinquis,
puncto centrali prominulo.

Abbild . n. h. Gegenst . tab. 9.

Die Gebäude der guineischen Termiten. Eben-
selbst tab. 10.

Hier diese Gattung (denn es sind schon jetzt
wenigstens noch vier andre bekannt, die hin und
wieder zwischen beiden Wendezirkeln zumahl in
beiden Indien, im südwestlichen Africa und auf
Neuholland zu Hause sind) findet sich besonders
in Ostindien und Guinea, und führt aus Thon,
Letten etc. kegelförmige, meist mit mehreren Spitzen
besetzte, inwendig hoch ausgewölbte Gebäude auf,
die zuweilen wohl 10 bis 12 Fuß lang sind, und
theils in solcher Menge beysammen stehen, daß
sie von Ferne das Ansehen eines Dorfs kriegen.
Mit den Jahren wird so ein hohler Ameisenhaufen
von außen ganz mit Gras überwachsen etc. und ist
dabey so fest, daß er mehrere Menschen zu tragen
im Stande ist, ungeachtet die Wände selbst mit
großen weiten Gängen durchzogen sind, die theils
über eine halbe Elle im Durchmesser haben. Unauf-
hörlich wird in diesen Stöcken gebaut, alte Zellen
abgebrochen, neue aufgeführt, andre erweitert
u.s.w. Die Zellen des Königs und der Königinn
(als von welchen in jedem Stocke nur Ein Paar
[Seite 378] befindlich ist) sind im Innersten des Gebäudes
verborgen. Zunächst um dieselben herum wohnen
die Arbeiter, hierauf folgen die Eyerzellen für die
junge Brut und dicht bey diesen die Magazine.
Diese Thiere zerbeißen und verzehren Holzwerk,
Geräthe, Hütten etc. und können binnen wenigen
Wochen mächtige Baumstämme gleichsam ver-
nichten. Daß der Hinterleib der befruchteten
Königin 2000 Mahl dicker und größer wird als
er vorher war, ist schon oben erwähnt. Sie
kann dann binnen 24 Stunden auf 80000 Eyer
legen.

63. Mvtilla . Alae nullae in plerisque
Corpus pubescens. Thorax postice retu-
sus. Aculeus reconditus punctorius.

1. Occidentalis . M. coccinea, abdomine cin-
gulo nigro.

In Nordamerica.


VI. DIPTERA.

Die Insecten mit zwey Flügeln und ein Paar
kleinen Knöpfchen oder so genannten Flügelkölb-
chen oder Balancirstangen (halteres). die hinter
den Flügeln an der Brust sitzen, und meist noch
mit einer kleinen Schuppe bedeckt sind; deren
Nutzen aber noch unbestimmt ist, und derent-
wegen einige Naturkündiger die ganze Ordnung
Halterata benannt haben. Die Larve ist meist
eine Made*), die Puppe braun cylindrisch.
[Seite 379] Das vollkommene Insect hat bey einigen Ge-
schlechtern einen spitzigen harten Saugestachel,
bey andern einen weichen Schlurfrüssel, bey
noch andern bloß eine einfache Mündung
u.s.w. Einige Gattungen gebähren leben-
dige Junge.

64. Oestrvs .*) Bremse. Os apertura
simplex. Palpi duo, biatriculati, apice
orbiculares in depressione oris vtrin-
que siti.

Bey den zunächst benannten Gattungen legt das
Weibchen seine Eyer in die Haut der lebendigen
Thiere, wodurch gleichsam eine Art von Fontanell
(die so genannte Dasselbeule) entsteht, in welchem
sich die Larve (der Engerling) ernährt.

1. †. Bouis . die Ochsenbremse. (Engl. the
gad-fly, breeze.
) O. alis immaculatis
fuscis, abdomine fascia atra media: apice
pilis fuluo-flauis.

Clark l. c. tab. 23. fig. 5. 6.

[Seite 380]

2. Tarandi . die Renthierbremse. O. alis
immaculatis, thorace flauo fascia nigra, ab-
domine fuluo apice flauo
.

3. †. Equi . die Pferdebremse. (Oestrus bouis
Linn ) O. alis albidis, fascia media pun-
ctisque duobus nigris.

Clark l. c. fig. 8. 9.

Legt seine Eyer den Pferden an die Schultern
und Kniee, wo sie von denselben abgeleckt und
hintergeschluckt werden; da sich dann die Larven
(Engl. Botts ) dieser und der folgenden Gattung,
im Frühjahr fast allgemein und theils in großer
Anzahl im Magen der Pferde finden, wo sie mit
dem vordern spitzen Ende ihres an Größe und
Form ungefähr einem Dattelkern ähnelnden Kör-
pers in der innern Haut des Magens einge-
hakt festsitzen.

4. †. Haemorrhoidalis . die Pferdebremse. O.
alis immaculatis fuscescentibus, abdomine
atro, basi albo apiceque fuluo.

Clark l. c. fig. 12. 13.

Legt seine Eyer den Pferden gleich an die
Lippen.

5. †. Ouis . die Schafbremse. O. alis pelluci-
dis, basi punctatis, abdomine albo nigro-
que versicolore.

Clark l. c. fig. 16. 17.

Die Larve findet sich in den Stirnhöhlen der
Hirsche, Rehe, Ziegen, und vorzüglich der Schafe.

65. Tipvla . Schnacke. (Engl. crane-fly .)
Os capitis elongati maxilla superiore
[Seite 381] fornicata: palpi duo incurui capite lon-
giores. Proboscis recuruata breuissima
.

Aeußerst dauerhafte Insecten, deren Larven sogar
in Schwefelwassern leben können, und die Herr
Prof. de Lüc in einer Höhe von 1560 Toisen über der
Meeresfläche angetroffen, wo sie folglich wohl
unter allen Thieren auf unsrer Erde am höch-
sten lebten.

1. †. Oleracea . T. alis patentibus hyalinis,
costa marginali fusca
.

Frisch P. IV. tab. 12.

Die Larve thut an den Pflanzenwurzeln, zumahl
am Gemüse viel Schaden.

2. †. Plumosa . T. alis incumbentibus, tho-
race virescente, alis hyalinis puncto nigro
.

Frisch P. XI. tab. 3. 12.

Ihre bluthrothe Larve lebt im Wasser und ist
eine Speise der Armpolypen.

3. †. Phalaenoldes . T. alis deflexis cinereis
ouato-lanceolatis ciliatis
.

Frisch P. X. tab. 3. 11.

Ein kleines Thier, daß meist an dumpfigen
Orten, Abtritten etc. lebt.

66. Mvsca . Fliege. (Fr. mouche . Engl. fly .)
Os proboscide carnosa: labiis 2 laterali-
bus: palpi nulli
.

1. †. Vomitoria . die Schmeißfliege. M. an-
tennis plumatis pilosa, thorace nigro, ab-
domine caeruleo nitente
.

[Seite 382]

2. †. Carnaria . M. antennis plumatis pilosa
nigra, thorace lineis pallidioribus, abdo-
mine nitidulo tesselato: oculis rubris
.

Frisch P. VII. tab. 14.

Gebiert lebendige Maden.

3. †. Domestica . die Stubenfliege. M. anten-
nis plumatis, pilosa nigra, thorace lineis 5
obsoletis, abdomine nitidulo tesselato, ocu-
lis fuscis
.

(v. Gleichen) Gesch. der gemeinen Stuben-
fliege. (Nürnb.) 1784. 4.

Findet sich fast auf der ganzen Erde: und in
theils Gegenden, wie auf Utaheiti, Neuholland,
am Cap etc. in unsäglich lästiger Menge.*) Das
befruchtete Weibchen legt seine 80 oder mehr Eyer
in Ställe, Misthaufen. – Um ihre Puppenhülse
aufzusprengen, kann die zum Auskriechen reife
Fliege ihre Stirne wie zu einer Blase auftreiben.

4. †. Cellaris . (vinulus, conops) M. antennis
setariis pilosa nigra, alis neruosis, oculis
ferrugineis
.

Reaumur vol. V. tab. 8. fig. 7.

Sehr kleine Thierchen, in Weinkellern und über-
haupt auf süßlichen gährenden Früchten etc.

5. †. Meteorica . M. antennis setariis pilosa
nigra abdomine subcinereo, alis basi sub-
flauis, oculis brunneis
.

[Seite 383]

In Gärten und Wäldern, haben einen sonder-
baren, gleichsam hüpfenden Flug.

6. †. Putris . M. antennis setariis, subpilosa
atra, alarum costa nigra, oculis ferrugineis
.

Frisch P. I. tab. 7.

Die Made lebt im faulen Käse.

67. Tabanvs . Blinde Fliege, Breme.
(Fr. taon ) Os proboscide carnosa, ter-
minata labiis duobus. Rostro palpis
duobus, subulatis, proboscidi laterali-
bus, parallelis
.

1. †. Bouinus . T. oculis virescentibus, ab-
dominis dorso maculis albis trigonis longi-
tudinalibus.

Reaumur vol. IV. tab. 17. fig. 8.

68. Culex . Os aculeis setaceis intra va-
ginam flexilem
.

1. †. Pipiens . die Mücke, Schnake. (Fr. le
cousin
. Engl. the gnat . Portug. Mosquito .)
C. cinereus abdomine annulis fuscis 8.

Kleemanns Beytr. zu Rösel T. I. tab. 15. 16.

Das beschwerliche Thier hält sich zumahl häufig
am Wasser auf. In vielen Erdstrichen, zumahl
in heißen (wo ohnedieß alle Insectenstiche – wie
bey uns in brennenden Sommertagen – weit hef-
tigere Entzündung verursachen), sind diese Thiere,
die von den europäischen Seefahrern, nach dem
Portugisischen, Moskiten genannt werden, in un-
säglicher Menge, und werden oft eine recht gefähr-
liche Plage. Unkundige Reisende belegen aber auch
wohl überhaupt alle mückenartige stechende Insecten
mit dem gemeinschaftlichen Namen von Moskiten.

[Seite 384]

2. Reptans . die Beißfliege, kolumbachische
Mücke. C. niger, alis hyalinis, pedibus
nigris annulo albo
.

Im gebirgigen Lappland, im südlichen Sibirien,
vor allen aber im Bannat, wo sie zwey Mahl im
Jahre, im Frühjahr und Sommer, in unermeß-
lichen Scharen erscheint und den Pferden u.a.
Vieh zu allen Oeffnungen des Körpers einkriecht,
daß es oft davon in wenigen Minuten sterben
muß. Auch den Menschen werden sie dann wenig-
stens äußerst lästig, wenn auch nicht so gefährlich.

69. Empis . Os rostro corneo, inflexo,
biualui, thorace longiore, valuulis ho-
rizontalibus
.

1. †. Pennipes . E. antennis filatis, nigra, pe-
dibus posticis longis: alterius sexus pennatis
.

Sulzers Kennz. tab. 21. fig. 137.

70. Conops . Stechfliege, Pferdestecher.
Os rostro porrecto geniculato.

1. †. Calcitrans . C. antennis subplumatis, ci-
nerea glabra ouata
.

Sulzers Kennz. tab. 21. fig. 138.

Hat ganz die Bildung der Stubenfliege, nur
statt des Schlurf-Rüssels den hervorragenden
Bohr-Stachel. Sie kommt nur wenn es regnen
will in Häuser, fliegt niedrig, und setzt sich auch
bloß an die Beine, so wie sie draußen auf der
Weide sich an die Füge des Viehes zu setzen ge-
wohnt ist, das daher so unruhig wird und aufstampft.

71. Asilvs . Raubfliege. Os rostro cor-
neo porrecto, recto biualui
.

[Seite 385]

1. †. Crabroniformis . A. abdomine tomentoso,
antice segmentis tribus nigris, postice flauo
inflexo
.

Frisch P. III. tab. 8.

72. Bombylivs . Schwebfliege (Fr. bour-
don
. Engl. buzz-fly.) Os rostro porrecto,
setaceo, longissimo, bivalui: valuulis
horizontalibus, intra quas aculei setacei
.

1. †. Maior . B. alis dimidiato-nigris.

Sulzers Kennz. tab. 28. fig. 22.

73. Hippobosca . (Fr. mouche-araignée .)
Os rostro biualui, cylindrico, obtuso,
nutante. Pedes unguibus pluribus
.

1. †. Equina . die Pferdelaus. (Engl. the horse-
leech
.) H. alis obtusis, thorace albo varie-
gato, pedibus tetradactylis
.

Sulzers Kennz. tab. 21. fig. 141.

Die trächtige Mutter wird ungeheuer dick, und
legt nur ein einziges Ey oder vielmehr eine Puppe,
in welcher sich in den ersten Wochen nichts als
ein weißer Saft zeigt, der nachher gleich zum
erwachsenen Thiere gebildet wird, das nach einiger
Zeit als vollkommen erwachsenes geflügeltes Insect
auskriecht.

2. †. Ouina . die Schaflaus. H. alis nullis.

Frisch P. V. tab. 18.

Ein ungeflügeltes Insect, das doch wegen seines
ganzen übrigen Habitus diese Stelle behauptet.

VII. APTERA.

[Seite 386]

Die gänzlich ungeflügelten Insecten. Sie
sind in Rücksicht der Größe, Bildung, Aufent-
halt, Nahrung, Freßwerkzeuge, Anzahl und
Länge der Füße, der Augen u.s.w. gar sehr ver-
schieden. Theils legen sie Eyer, theils gebären
sie lebendige Junge. Den Floh ausgenommen,
besteht wohl keins der übrigen eine eigentliche
Verwandlung.

74. Lepisma . Pedes 6 cursorii. Os pal-
pis
2 setaceis et 2 capitatis. Cauda se-
tosa setis extensis. Corpus squamis im-
bricatum
.

1. †. Saccharina . der Zuckergast, das Fisch-
chen. (forbicina) L. squamosa, cauda triplici.

Sulzers Kennz. tab. 22. fig. 142.

Ist eigentlich in America zu Hause, aber nun
schon fast in gang Europa einheimisch.

75. Podvra . (Engl. spring-tail .) Pedes 6
cursorii. Oculi 2 compositi ex octonis.
Cauda bifurca, saltatrix, inflexa. Anten-
nae setaceae elongatae
.

1. †. Fimetaria . P. terrestris alba.

Oft haufenweise unter Blumentöpfen.

76. Pedicvlvs . Laus. (Fr. pou . Engl.
louse .) Pedes 6 ambulatorii, oculi 2. Os
[Seite 387] aculeo exserendo. Antennae longitu-
dine thoracis. Abdomen depressum sub-
lobatum
.

Vielleicht eines der weitläuftigsten aller Thier-
geschlechter. Die mehresten Säugethiere und Vögel
mögen wohl ihre Läuse haben: und selbst Fische,
ja sogar manche Insecten, wie die Bienen etc. sind
damit geplagt.*)

1. †. Humanus . die Laus. P. humanus.

Swammerdam bibl. nat . tab. 1. fig. 3–6.

Ist, außer am Menschen, meines Wissens bloß
am Schimpansee (Simia troglodytes ) und am
Coaita (Cercopithecus paniscus ) gefunden wor-
den. Das ekelhafte Thier kann sich so schnell
und häufig vermehren, daß es dann nicht nur
der Reinlichkeit, sondern auch der Gesundheit selbst
äußerst nachtheilig wird. Ben den Mohren sind
die Läuse schwarz: daß sie sich aber, wie Oviedo u. a
behaupten auf den Schiffen verlören, wenn
diese die Linie passiren, ist leider eine Fabel.

2. †. Pubis . (morpio. Engl. the crab-louse .)
P. pubis.

Redi l. c. tab. 10. fig. 1.

Am Unterleibe unreinlicher Menschen.

77. Pvlex . Floh. (Fr. puce . Engl. flea .)
Pedes 6 saltatorii: oculi 2. Antennae
filiformes. Os rostro inflexo, setaceo,
aculeum recondente. Abdomen com-
pressum
.

[Seite 388]

1. †. Irritans . der Floh. P. proboscide cor-
pore breuiore
.

Rösel vol. II. Mücken etc. tab. 2. 3. 4.

Außer dem Menschen auch auf Hunden, Füchsen,
Katzen, Hasen, Eichhörnchen, Igeln etc. doch nicht
im äußerstem Nordamerica, und nur sehr einzeln
aus manchen westindischen Inseln (z.B. auf
Martinike) etc. Er kann wenigstens auf 6 Jahr
alt werden.

2. Penetrans . der Sandfloh, die Tschike, Nigua,
Ton, Attun. P. proboscide corporis lon-
gitudine
.

Catesby N. H. of Carolina . III . tab. 10.
fig. 3.

Ein äußerst lästiges Thier im mittlern America,
ähnelt dem gemeinen Floh in der Bildung und in
den Sprüngen, ist aber kleiner; hält sich beson-
ders im Staube auf, und legt seine Eyer den
Menschen unter die Nägel der Fußzehen, wodurch
heftige und zuweilen in Brand übergehende Ent-
zündungen entstehen.

78. Acarvs . Milbe. (Fr. tique . Engl. tick .)
Pedes 8. Oculi 2 ad latera capitis. Ten-
tacula 2 articulata, pediformia
.

Ein großes Geschlecht von zahlreichen Gattun-
gen, die sich auch zum Theil, wie die Läuse auf an-
dern Thieren finden.

1. †. Ricinus . der Holzbock. A. globoso-
ouatus: macula baseos rotunda: antennis
clauatis
.

Frisch P. V. tab. 19.

[Seite 389]

2. †. Siro . die Käsemilbe, Miete. (Fr. le
ciron, la mite
. Engl. the mite .) A. late-
ribus sublobatis, pedibus
4 posticis longissi-
mis, femoribus capiteque ferrugineis, ab-
domine setoso
.

In Mehl, Käserinden, rohen Schinken etc. Sie
wird nur mit drey Paar Füßen gebohren, und das
vierte wächst erst nachher dazu.

79. Hydrachna . Wasserspinne, Wasser-
milbe. Pedes 8. Palpi 2 articulati. Oculi
2, 4, 6. Caput, thorax, abdomenque vnita
.

1. †. Despiciens . (acarus aquaticus Linn. ) H.
rubra rotundata maculis pluribus; oculis
inferis
.

Frisch P. VIII. tab. 3.

Fast wie eine kleine blutrothe Spinne. Sehr
lebhaft in ihren Bewegungen.

80. Phalangivm . Pedes 8. Oculi ver-
ticis 2 contigui. Frons antennis pedi-
formibus. Abdomen rotundatum
.

1. †. Opilio . der Weberknecht, Schuster
Geist, Tod, die Holzspinne. (Fr. le faucheur .
Engl. the shepherd .) P. abdomine ouato;
subtus albo
.

Sulzers Kennz. tab. 22. fig. 140.

Ein animal nocturnum. Die ausgerißnen
Beine zeigen noch tagelang Lebenskraft und Be-
wegung. Die Augen sitzen dem Thiere zwischen
den Schultern.

[Seite 390]

2. †. Cancroides . der Bücherscorpion. (Fr. le
scorpion araignée
.) P. abdomine obouato
depresso, chelis laeuibus, digitis pilosis
.

Rösel vol. III. tab. 64.

In altem Papier etc. Sieht wegen des flachen
plattgedruckten Körpers und der langen Scheeren
sonderbar aus. Kriecht rücklings und vorwärts
wie ein Krebs.

3. Balaenarum . die Wallfischlaus. P. ab-
domine dilatato muricato, rostro subulato
.

Pennant's british zoology P. IV. tab. 18.

4. Araneoides . (Solpuga Lichtenst .) P. chelis
dentatis villosis, corpore oblongo
.

Pallas spicil . IX. tab. 3. fig. 7-9.

Hin und wieder in heißen Erdstrichen der kalten
Welt. Sein Biß verursacht heftige Entzündung,
zuweilen mit gefahrvollen Zufällen.

81. Aranea . Spinne, Kanker. (Fr. araignée .
Engl. spider .) Pedes 8. Oculi 8. (pleris-
que
). Os vnguibus s. retinaculis 2. Anus
papillis textoriis
.

Ein ansehnliches Geschlecht von zahlreichen Gat-
tungen*), die sich meines Wissens alle bloß von
lebendigen Thieren, zumahl Insecten, nähren;
auch einander selbst auffressen. Daß auch der Biß
von manchen hieländischen Spinnen zuweilen beym
Menschen sehr gefährliche Folgen haben könne, ist
neuerlich durch Erfahrung allerdings bestätigt.
Die mehresten Spinnen weben sich ein Gespinnst,
dessen regelmäßige Anlage sowohl als die Festig-
[Seite 391] keit, womit es Wind und Wetter aushält, bewun-
dernswürdig ist. Auch hat man mehrmahlen den
freylich seltsamen Einfall im Kleinen ausgeführt,
aus Spinnewebe, und besonders aus dem Eyer-
gespinnste der Kreuzspinnen, eine Art Seide zu ver-
arbeiten. – Der sogenannte fliegende Sommer
(Mädchen-Sommer, Mariengarn etc.) ist wenig-
stens größtentheils kleinen Spinnen zu zuschreiben,
die zumahl im Frühjahr häufig an Hecken und
Büschen umher weben.

1. †. Diadema . die Kreuzspinne. A. abdo-
mine subgloboso rubro-fusco; cruce alba
punctata
.

Rösel vol. IV. tab. 35-40.

H. Quatremere d' Isjonval erklärt diese Spinne
für den untrüglichsten Wetterpropheten.

2. †. Domestica . die Fensterspinne. A. abdo-
mine ouato fusco: maculis nigris 5 sub-
contiguis: anterioribus maioribus
.

Clerk tab. 2. fig. 9.

3. †. Scenica . (Fr. l'araignée sauteuse .) A.
saliens nigra: lineis semicircularibus 3 albis
transuersis
.

Clerk tab. 5. fig. 13.

Auf Dächern etc. Sie hüpfet: macht aber kein
Gespinnste.

4. †. Saccata . A. abdomine ouato ferrugi-
neo fusco
.

Frisch P. VIII. tab. 3.

Sie trägt ihre Eyer in einem Sacke am Hin-
terleibe mit sich umher, und wagt mit einer bey-
[Seite 392] spiellosen Beharrlichkeit ihr Leben, um ihn, wenn er
ihr mir Gewalt entrissen wird, zu retten*).

5. Auicularia . die Buschspinne. A. thorace
orbiculato conuexo: centro transuerso ex-
cuato
.

Kleemanns Beyträge zu Rösel Tom. I.
tab. 11. 12.

Zumahl in Westindien. Von der Größe einer
kleinen Kinderfaust. Die Fußsohlen schillern in
bunte Goldfarben. Sie soll Colibrite tödten, und die
Eyer derselben aussaugen. Ihr Biß kann auch bey
Menschen gefahrvolle Entzündung verursachen.

6. Spithamea . A. abdomine oblongo, pedi-
bus longissimis
.

Seba thesaur . vol. IV. tab. 90. fig. 9.?

In Ostindien. Mit ausgestreckten Beinen vom
Umfang einer ausgespannten Hand.

7. Tarantula . A. fusca, subtus atra, pedibus
subtus atro fasciatis
.

Abbild. n. h. Gegenst . tab. 38.

In Apulien. Die Fabeln von den unausbleib-
lichen Folgen ihres Bisses und den musicalischen
Heilungsmitteln dagegen, lösen sich dahin auf, daß
es theils Einbildungen hypochondrischer und hyste-
rischer Patienten; mehrentheils aber armselige Bet-
teleyen seyn mögen, womit sich leichtgläubige
Reisende haben hintergehen lassen. So viel ist
indeß richtig, daß diese Spinne, die sich auf dem
Felde in kleinen Erdhöhlen aufhält, den Schnit-
tern zur Erntezeit durch ihren Biß lästig wird:
und, so wie der Stich mancher andrer Insecten im
[Seite 393] brennenden Sommer gefährlich werden (zuweilen
wohl eine Art Veits-Tanz erregen) kann, so auch
freylich wohl der Tarantel-Biß.

82. Scorpio . Pedes 8. insuper chelae
2 frontales. Oculi 2 in tergo. Palpi 2
cheliformes. Cauda elongata articulata
terminata mucrone arcuato.
Pectines 2
subtus inter pectus et abdomen
.

Die Scorpione haben in der Bildung und Lebens-
art manches mit den Krebsen gemein, auch werfen
sie, so wie diese, jährlich ihre Schale ab. Der
Stich des kleinen europäischen ist, wenn nicht
grade schwüle Sonnenhitze u.a. dergl. Umstände
dazu kommen, nicht gefährlich.

1. Afer . S. pectinibus 13 dentatis, manibus
subcordatis pilosis.

Rösel vol. III. tab. 65.

2. †. Europaeus . S. pectinibus 18 dentatis,
manibus angulatis
.

Rösel vol. III. tab. 66. fig. 1. 2.

83. Cancer . Krebs. (Fr. cancre . Engl.
crab .) Pedes 8. insuper manus 2 chela-
tae. Oculi 2 distantes, plerisque pedun-
culati, elongati mobiles. Palpi 2 cheli-
feri. Cauda articulata inermis
.

Ein weitläuftiges Geschlecht, dessen Gattungen
nach der verschieden Länge und Bedeckung des
[Seite 394] Schwanzes, von Linné in folgende drey Familien
abgetheilt worden*):

A) Brachyuri . Krabben, Taschen-
krebse, Seespinnen.

1. Pinnotheres . C. brachyurus glaberrimus,
thorace laeui lateribus antice planato, cau-
dae medio noduloso-carinato
.

Die Sage, daß sich dieser Krebs innerhalb der
Steckmuschel aufhalte, um die Muschel bey An-
näherung der Blackfische zu warnen, ist irrig. Er
verwirrt sich wohl oft in den Bart dieser Muschel
so wie andere Krebse auch: aber die vorgegebne
Absicht fällt weg.

2. Ruricola . die schwarze Landkrabbe. C.
brachyurus, thorace laeui integerrimo, an-
tice retuso: pedum articulis vitimis penul-
timisque vndique spinosis
.

Catesby vol. II. tab. 32.

In Westindien und den benachbarten Land-
strichen. Lebt im Gebüsch in Erdhöhlen; zieht aber
im Frühjahr, theils in großen Schaaren nach den
Seeufern, um die Eyer in den Sand zu legen.

3. Vocans . die Sandkrabbe. (Engl. the sand-
krab
.) C. brachyurus, thorace quadrato
inermi, chela altera ingenti
.

Catesby vol. II. tab. 35.

Zumahl im wärmern Nordamerika. Das Männ-
chen wird durch die auffallende Ungleichheit seiner
beyden Scheeren merkwürdig, deren eine nicht viel
größer als ein Bein des Thieres, die andere hinge-
gen so schwerfällig ist, daß sie der Krebs, wenn
[Seite 395] er von der Stelle will, auf den Rücken legen,
und so forttragen muß.

4. †. Maenas . die Krabbe. C. brachyurus, tho-
race laeuiusculo, vtrinque quinquedentato,
carpis vnidentatis, pedibus ciliatis: posti-
cis subulatis
.

5. †. Pagurus . der Taschenkrebs, die Tasche.
(Engl. the punger.) C. brachyurus, tho-
race vtrinque obtuse nouem-plicato, ma-
nibus apice atris
.

B) Parasitici, cauda aphylla. Schnek-
kenkrebse.

6. Bernhardus . der Einsiedler. C. macrou-
rus parasiticus, chelis cordatis muricatis:
dextra maiore
.

Sulzers Gesch. tab. 31. fig. 5.

Bewohnt leere Schneckenhäuser: und zwar, wie
es scheint ohne Auswahl besondrer Geschlechter
oder Gattungen. Oft sind solche ausgestorbne
Schneckenhäuser inwendig von einem Einsiedler-
krebs bezogen, und von außen zugleich mit Alcyo-
nien u.a. dergl. Corallen besetzt.

C) Macrouri . Eigentlich so genannte
Krebse.

7. Gammarus . der Hummer. (Fr. l'homard .
Engl. the lobster .) C. macrourus, thorace
laeui, rostro lateribus dentato: basi supra
dente duplici
.

In den Meeren der nordlichen Erde: wo er,
wie manche Fische, zu gewissen Jahrszeiten hin
und her zieht.

[Seite 396]

8. †. Astacus . der Flußkrebs. (Fr. l'ecrevisse .
Engl. the craw-fish .) C. macrourus tho-
race laeui, rostro lateribus dentato: basi
vtrinque dente vnico
.

Rösel vol. III. tab. 54-61.

Dieses Thier (wovon es auch von Natur rothe,
und andre selbst beym Sieden schwarzbleibende
Spielarten gibt) erreicht ein zwanzigjähriges
Alter und wirft bekanntlich seine ganze Schale
alljährlich ab, wobey zugleich seine drey Zähne
und selbst sein Magen erneuert werden. Die zwey
kalkigen Steine die sich im Sommer zu beiden
Seiten seines Magens finden (die irrig so ge-
nannten Krebsaugen), sind doch wohl der vor-
züglichste Stoff, woraus die neue verjüngte Schale
verhärtet. Auch der zufällige Verlust von Füßen,
Scheeren etc. dieser u.a. Gattungen von Krebsen,
wird durch ihre starke Reproductionskraft leicht
wieder ersetzt. Sie schnellen so gar Füße und Schee-
len, wenn sie ihnen (nur nicht zu nahe am Leide)
gequetscht oder mit einem glühenden Eisen berührt
werden, von selbst von sich. (So wie es der
Hummer zuweilen bey heftigen Donnerschlägen
thun soll.)

9. †. Squilla . die See-Garneele. Granate.
Fr. la cheuvrette, crevette, salicoque, le barbot .
Engl. the shrimp .) C. macrourus, thorace
laeui, rostro supra serrato, subtus triden-
tato, manuum digitis aequalibus
.

Mém de l'ac. des sc. de Paris . 1772.
P. II. tab. 1. fig. 1. 2.

Ein Ungeziefer aus dem Oniscus-Geschlechte,
das sich unter den Rückenschild dieses schmack-
haften kleinen Krebses einnistelt, hat man ehedem
[Seite 397] für junge Brut von Schollen (pleuronectes) ge-
halten, daher dann ganz sonderbare Irrthümer
entstanden.*)

10. Mantis . C. macrourus articularis, mani-
bus adactylis compressis falcatis serrato-
dentatis
.

Sulzers Gesch. tab. 32. fig. 2.

Im mitländischen n. a. Meeren der wärmern
Erdstriche.

11. †. Pulex . die Fluß-Garneele. C. macrou-
rus articularis, manibus 4 adactylis, pe-