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Handbuch
der
Naturgeschichte.

Multa fiunt eadem sed aliter.

(qvintilian.)

Fünfte Auflage.
Nebst zwey Kupfertafeln.

Göttingen,
bey Johann Christian Dieterich,
1797
.
[titlePage_verso]
Ex
Bibliotheca
Regia Acad.
Georgiæ
Aug:

Vorrede.

[[III]]

Daß ich auch bey dieser fünften Auflage
meinen möglichsten Fleiß angewandt
haben werde, die Mängel der vorigen zu
verbessern, und das wichtigste von dem Zu-
wachs, den die Naturgeschichte, und beson-
ders die Mineralogie in den letztern Jahren
erhalten, nachzutragen, das können die Leser
von selbst fordern und erwarten. So wie es
sich auch von selbst versteht, daß ich mich
dagegen, um doch immer den zweckmäßigen
Zuschnitt eines besonders auch zum Leitfaden
bey Vorlesungen tauglichen Handbuchs zu
erhalten, hin und wieder (zumahl beym
Thierreich) noch mehr als in den vorigen
Ausgaben habe ins Kurze fassen müssen.

Nur über zwey Gegenstände der allge-
meinen Naturgeschichte, die, wie ich gefun-
den, ohne nähere Auseinandersetzung von
unkundigen Lesern leicht mißverstanden werden
könnten, habe ich mich deshalb ausführlicher
[Seite IV] als es sonst dieser Zuschnitt im übrigen er-
laubt, auslassen müssen. Nähmlich S. 6 u. f.
über die vermeinte und so oft gepriesene Stu-
senfolge in der Natur, und S. 13 u. f.
über die Zeugung der organisirten Körper,
besonders über den wahren Begriff von Bil-
dungstrieb, im Gegensatz von der vis plastica
der ehrlichen Alten.

Um außerdem nur einige von den be-
trächtlichern Verbesserungen anzuführen, wo-
durch sich diese Ausgabe von den vorigen
auszeichnet, so rechne ich dahin z.B. den
S. 7 und 59 angegebnen körperlichen Cha-
racter der Humanität; das S. 43.293 und
400 bestimmte Unterscheidungszeichen zwischen
den beiden Classen der so genannten weißblü-
tigen Thiere, der Insecten und der Würmer;
die S. 124 von einander unterschiednen bei-
den Gattungen des Elephantengeschlechts etc.

Die ansehnlichsten Vermehrungen hat
aber der mineralogische Theil des Buchs er-
halten. Besonders hoffe ich die Uebersicht
der gemengten Gebirgsarten, und den Ab-
schnitt von den Versteinerungen, zur leichtern
Uebersicht faßlicher und zugleich fruchtbarer
dargestellt zu haben.

Uebrigens ist die Ordnung im Ganzen
unverändert geblieben. Im Thierreich sind
[Seite V] bloß die natürlichen Ordnungen der Säuge-
thiere, die wie ich mit Vergnügen sehe, von
unsern philosophischen Naturforschern immer
mehr angenommen werden, noch in etwas
verbessert: und im Mineralreich habe ich die
systematische Vertheilung der Gattungen von
Erden und Steinen unter ihre Geschlechter,
so viel mir nach einer langen und sorgfältigen
Prüfung möglich gewesen, sowohl der Natur
als der leichten Faßlichkeit möglichst ange-
messen zu machen gesucht. – Die mit der
systematischen Anordnung dieses Theils der
Oryctognosie verbundenen Schwierigkeiten
sind im Buche S. 521 u. f. berührt und
liegen ohnehin am Tage. Und sie sind durch
die neuesten an sich äußerst lehrreichen Ent-
deckungen über die Bestandtheile einiger
Steingattungen nur noch vergrößert worden:
so, daß sich nun diese Classe des Mineral-
reichs weder bloß nach dem quantitativen
Verhältniß der Bestandtheile der Foßilien,
noch auch bloß nach dem äußern Habitus
ordnen läßt. – Nach erstern nicht; denn
da manche der einander übrigens noch so
ähnlichen Fossilien, wie z.B. die verschied-
nen Abarten des Specksteins, in diesem Ver-
hältniß so sehr von einander differiren, daß
sie dem zufolge in einem solchen System
weit von einander versetzt werden müßten, so
leuchtet von selbst ein, zu was für einem un-
[Seite VI] brauchbaren Chaos dasselbe durch eine solche
Anordnung verunstaltet werden müßte. –
Nach letztern (– nähmlich dem bloßen
äußern Habitus –) aber eben so wenig;
denn dem zufolge setzte man bisher den Sa-
phir ins Kieselgeschlecht, der doch fast aus
nichts als verdichteter Thon-Erde, wenigstens
ohne einen Atom von Kiesel-Erde, besteht.

Ehedem glaubte man sich freylich noch
mit der spitzfindigen Distinction zwischen vor-
waltendem und characterisirendem Bestand-
theil der Fossilien durchheisen zu können:
allein auch diese Ausflucht ist nun durch solche
Analysen, wie die eben gedachte, versperrt.

Es scheint also der einzige passende Aus-
weg der zu seyn, daß man, ohne sich streng
und ausschließlich an eins von diesen beiden
Classifications-Principien zu binden, in so
fern ein gemischtes System für diese Classe
von Fossilien zum Grunde legt, daß 1) frey-
lich diejenigen, die entweder ganz oder doch
bey weiten größtentheils aus einerley Erdart
bestehen, nothwendig unter das nach dieser
Erdart benannte Geschlecht kommen. Folg-
lich der Saphir durchaus ins Thongeschlecht;
hingegen der Opal, Tripel und Bims-
stein ins Kieselgeschlecht etc. – Daß aber
2) manche andere Gattungen von Steinen,
[Seite VII] worin keine so auffallend vorschlagende Menge
eines Bestandteils vorwaltet, ohne ängst-
liche Rücksicht auf die pro Cente derselben,
da eingeschaltet werden, wo sie nach ihrem
äußern Totalhabitus und nach der Ana-
logie am schicklichsten hinpassen. So z.B.
der Schillerspath, ungeachtet er mehr Kiesel-
Erde als Tkon-Erde enthält, dennoch ins
Thongeschlecht zwischen Hornblende und
Glimmer: so der Talk ins Talkgeschlecht,
der Kreuzstein ins Barytgeschlecht etc.

Und so habe ich denn bey Befolgung
dieser zweyfachen Regel die zahlreichen Gat-
tungen der Erd- und Stein-Geschlechter in
eine Ordnung zu bringen gesucht, die wie
ich nun durch die Erfahrung bey meinen
Vorlesungen gefunden, für das Gedächtniß
der Zuhörer ausnehmend faßlich und be-
quem ist.

Ich habe hier, so wie im ganzen Buche,
von Geschlechtern und den darunter begriffe-
nen Gattungen gesprochen. Denn daß man
in der Mineralogie die Fossilien in genera
und species eintheilt, und die genera auf
deutsch Geschlechter, so wie die species
Gattungen nennt, darüber ist meines Wis-
sens unter den gelehrten und philosophischen
[Seite VIII] Mineralogen nur eine Stimme. Und so
versteht sichs wohl von selbst, daß wenn ich
also in einem Theile des Buchs die Benen-
nungen von Geschlecht und Gattung in die-
sem von je (– und bis vor Kurzen allge-
mein –) angenommenen Sinne brauchen
mußte, ich nicht in einem andern Theile das
Wort Gattung im verkehrten Sinne für
genus brauchen durfte, wie doch in der
That neuerlich von einigen deutschen Schrift-
stellern in der Zoologie und Botanik ver-
sucht worden.

Ich weiß nicht wer der Reformator ist,
der diese Umkehrung der Begriffe und ihrer
bestimmten Zeichen zuerst unternommen haben
mag: – aber wohl weiß ich was er mit
einem solchen versuchten Eingriffe in den
Sprachgebrauch

‘"quem penes arbitrium est, et ius, et
norma loquendi
"’

bey andern aufgeklärten Nationen riskirt
hätte: – daß es ihm hingegen in meinem
theuern Vaterlande deutscher Nation nicht
an Nachahmern gefehlt hat, ist nichts weniger
als unerwartet. – Genug indeß, daß so
viele philosophische Naturforscher und die
größten unserer naturkundigen Philosophen
das verba valent sicut numi besser befolgt,
[Seite IX] und sich also durch diese sonderbare Um-
stämpelung nicht irre führen lassen. – Und
warum auch ich für meine Person es hierin
lieber beym Alten lasse als mich an jene
Nachahmer anschließe, dafür habe ich fol-
gende Gründe:

1) Hoffentlich weiß doch ein jeder sei-
ner Sprache kundige deutsche Naturforscher
(– und weres nicht weiß, der kann es aus
Adelungs Wörterbuche lernen –), was die
erste und Fundamentalbedeutung des Wortes
Geschlecht ist:

„Die Aehnlichkeit der verschiednen Gat-
„tungen der Dinge.“

Dieß ist der wahre eigentliche Sinn des
Wortes Geschlechts, wie wir ihn von Kindes-
beinen an, selbst aus des seiner Sprache
höchst kundigen Luthers Bibel-Uebersetzung
lernen.

Dem zufolge wissen wir also in An-
wendung auf Methodologie in der Natur-
geschichte:

Die Gattungen schafft die Natur: der
Systematiker bringt sie nach ihren ge-
meinschaftlichen Aehnlichkeiten unter Ge-
schlechter.

[Seite X]

2) Eben so ausgemacht und bekannt ist
aber auch, daß hingegen das Wort Gat-
tung von dem Zeitworte sich garten, ab-
stammt; und da nun im freyen Naturzu-
stände nur die Thiere von einer species
sich mit einander fruchtbar gatten, so versteht
sich also von selbst, daß das Wort species,
in dem Sinne wovon hier die Rede ist, durch
kein andres deutsches Wort passender und
bezeichnender und bestimmter ausgedruckt
werden konnte, als durch Gattung.

3) Daß aber die Homonymie des deut-
schen Worts Geschlecht, indem es sowohl
genus als sexus bedeutet, zu Irrung Anlaß
geben werde, ist wohl eben so wenig im Ernst
zu befürchten als bey dem lateinischen Worte
genus, das, wie wir in den Kinderjahren
in der Grammatik beym Unterschied der
Worte generis masculini oder foeminini
lernen, auch statt sexus gebraucht wird.

4) Und wenn aber auch obbesagter Re-
formator im Ernste so was befürchten zu
müssen meinte, so hätte er immerhin mögen
wer weiß was für ein Wort von eigner
Fabrik statt des ihm bedenklichen Geschlechts
vorschlagen; aber nichts konnte ihn berech-
tigen, die Landessprache – d.h. den be-
[Seite XI] stimmten einmahl festgesetzten Sinn der deut-
schen Worte – zu verkehren! Denn, wie
Herr Hofr. Lichtenberg bey einem ähnlichen
Anlaß sich ausdrückt:

„Hypothesen zu machen, und sie als seine
„Stimme der Welt vorzulegen, darf nie-
„mand gewehrt seyn, sie gehören dem
„Verfasser. Aber die Sprache gehört
„der Nation, und mit dieser darf man
„nicht umspringen wie man will.“

Die gleiche schuldige Achtung gegen dieses
der Nation gehörige Eigenthum, habe ich
auch bey den deutschen Nahmen der Natu-
ralien beobachtet, und mich daher immer der
allgemein angenommenen und allgemein ver-
ständlichen, nicht aber etwa der Solöcismen
einer einzelnen Provinz bedient. Darum
brauche ich z.B. nicht das hier zu Lande
gewöhnliche Wort Molle, sondern das all-
gemein angenommene Molch: eben so nicht
das im Erzgebirge gebräuchliche Wort Ko-
belt, sondern das längst allgemein adoptirte
und selbst in andere lebende und todte Spra-
chen aufgenommene Kobalt u.s.w.

Anders ist der Fall mit den in der Na-
turbeschreibung von unsern neuen Systema-
tikern zur Bezeichnung der Geschlechter und
[Seite XII] ihrer Gattungen selbsterfundnen Kunst- und
Trivial-Nahmen. Go billig und vernünftig
es freylich ist, auch hierin so viel als möglich
die einmahl ziemlich allgemein angenomme-
nen Benennungen beyzubehalten, so können
doch Fälle eintreten, wo es noch billiger und
vernünftiger ist, einen vorher gewählten Nah-
men, wenn er einen durchaus irrigen Begriff
erweckt, gegen einen richtigern umzutauschen.
Und doch habe ich mich dieser an sich erlaub-
ten, aber auch heut zu Tage so oft gemiß-
brauchten und dann das Studium der Na-
turgeschichte so äußerst erschwerenden Frey-
heit nur in äußerst wenigen Fällen, wo es
mir unvermeidlich schien, bedient. So habe
ich z.B. den Panzerthieren oder Armadillen
ihren einheimischen allgemein bekannten und
längst von classischen Zoologen angenomme-
nen Nahmen Tatu restituirt; da hingegen
Linné diesen fast haarlosen Thieren durch einen
seltsamen Mißgriff den Nahmen Rauchfuß,
Dasypus, beygelegt hatte, womit die alten
Griechen ganz passend und völlig nach der
Natur das rauchfüßige Hasengeschlecht be-
zeichnet haben. – So habe ich diejenige
Gattung des Fledermausgeschlechts, vampyrus
(den Blutsauger) genannt, die wirklich schla-
fenden Säugethieren das Blut aussaugt; da
hingegen Linné diesen Nahmen dem fliegen-
den Hund beygelegt halte, der wohl seit die
[Seite XIII] Welt steht kein Blut gesogen hat, sondern
sich ganz allein von Früchten nährt. – Aber
viele andere nur nicht gar zu widersinnige
Kunstnahmen der Art habe ich dennoch bey-
behalten, um ja nicht die Nomenclatur und
Synonymieen ohne dringende Roth, zur
großen Last der Lernenden, zu häufen.

Hingegen bitte ich auch manches nicht
etwa ohne weitere Prüfung voreilig, für eine
Neuerung anzusehen, was es in der That
nicht ist, wie z.B. wenn ich den Titansand
nach seinem Fundorte Manacanit nenne und
nicht Menacanit.

Im Thierreiche habe ich immer den la-
leinischen Nahmen vorangesetzt, weil da hun-
dert exotische Geschöpfe vorkommen, die im
Deutschen keinen bekannten verständlichen
Nahmen haben. Im Mineralreiche hingegen
ist der Fall umgekehrt. Da sind gerade die
deutschen Benennungen die bekanntesten und
selbst großentheils in andere Sprachen auf-
genommen.

Beym Thierreich ist denjenigen Gattun-
gen, die sich in Deutschland finden, wieder so
wie in den vorigen Ausgaben ein † vorgesetzt.
Im Mineralreich konnte dieß unterbleiben,
weil so ein Zeichen bey den allgemein ver-
breiteten Fossilien überflüßig, bey vielen von
[Seite XIV] denen aber die in Deutschland selbst ein
sehr eingeschränktes Vaterland haben, wie
der Boracit etc. unzureichend gewesen wäre.

Die Abbildungen naturhistorischer Ge-
genstände
, die ich in der Verlagshandlung
dieses Handbuchs heftweise herausgebe, be-
ziehen sich auf die gegenwärtige fünfte Aus-
gabe, und dienen also zu einer zweckmäßigen
Erläuterung derselben.

Ich schließe diese Vorrede mit der Er-
innerung, daß wer dieses Buch mit Nutzen
zu brauchen gedenkt, sich nicht die kleine
Mühe von wenigen Minuten muß verdrießen
lassen, die hier nach verzeichneten nicht häu-
figen Verbesserungen und Zusätze vorher
nachzutragen.

Göttingen,
den 20. März 1797.
J. F. Blumenbach.

Verbesserungen und Zusätze.

[Seite XV]

S. 21. Z. 9. nach selbst setze zuweilen.

S. 23. zur Note *) am Ende der Seite, setze:
s. hiervon ausführlich Hrn. Geh. Hoft. Gir-
tanner über das Kantische Princip für die
Naturgeschichte. Göttingen, 1796. 8.

S. 35. zum Schluß des §. 26. setze: Bey einigen
ganz einfach gebaueten Thieren, wie die Po-
lypen, sind diese Bewegungs-Organe von
dem übrigen gallertigen Stoffe nicht zu unter-
scheiden.

S. 42. Anm. 2. Z. 8. st. v. d. J. setze v. J. 1796.

S. 92. Z. 13 v. unten st. folgenden setze vorigen.

S. 128. Z. 5 v. unten st. 6000 setze 5000.

S. 153. Z. 10. st. Füßen setze Beinen.

S. 171. muß die Z. 6 so heißen: nur im Frühling
und Sommer.

S. 283. Z. 2 v. unten ließ trembleur

S. 291. Z. 3. ließ carassin

— Z. 8 v. unten ließ vairon

S. 309 nach Z. 17 setze: EJ. entomologia syste-
matica
. Hafn. 1793. IV vol. 8.

[Seite XVI]

S. 366. Z. 5 u. folg. ließ: Bey den mehresten sind
die Weibchen und geschlechtlosen Thiere mit
einem verletzenden Stachel u. s. w.

S. 394. Z. 5. setze: das Männchen wird durch u. s. w.

S. 400. Z.9 v. unten st. Nereiden setze: Am-
phitriten

In den ersten Bögen der Mineralogie ist zuweilen
aus Versehen das Kupfer mit den wichtigsten
Crystallisationsgestalten als tab. III. statt II.
citirt.

S. 543. Z. 1. nach cubisch etc. setze: theils nadel-
förmig, theils faserig (Haarzeolith)

S. 582. Z. 22. st. Nadelkopfspath setze Nagel-
kopfspath

S. 623. Z. 13. st. 3 setze 4.

S. 669. Z. 7. st. Eisen-Erz setze Linsen-Erz

S. 671. Z. 9 nach verglast setze: und von allen
Säuren aufgelöst, die davon einen süßlichen
Geschmack erhalten.


Anweisung der Kupfertafeln.

[Seite XVII]

Tab. I.

Fig. 1-7 die verschiednen Würmer im mensch-
lichen Körper in natürlicher Größe. – Sie sind
alle nach der Natur gezeichnet nur den Blasenwurm
fig. 7 ausgenommen, den ich noch nicht selbst ge-
sehen, und daher aus Werners Schrift entlehnt habe.

  • Fig. 1. Ascaris vermicularis (S. 411).
  • – 2. Der Vordertheil von ascaris lumbricoi-
    des
    . (Ebendaselbst.)
  • – 3. Trichocephalus hominis (S. 412).
  • – 4. Das Kopfende der menschlichen Band-
    würmer (S. 414).
  • – 5. Vier Hinterglieder der taenia solium.
    (Ebendaselbst.)
  • – 6. Achtzehn Hinterglieder der taenia lata
    (S. 415).
  • – 7. Hydatis humana. (Ebendas.)
  • – 8. Ein Liebespfeil der gemeinen Wald-
    schnecke (S. 405) stark vergrößert.
  • – 9. Ein Stamm mit drey Federbusch-Po-
    lypen, tubularia sultana (S. 467)
    stark vergrößert.
  • [Seite XVIII] Fig. 10. Ein Arm-Polype mit einem Jungen,
    hydra viridis (S. 472) in natürlicher
    Größe.
  • – 11. Ein Stamm mit zwölf Blumen-Poly-
    pen, brachionus anastatica (S. 473)
    stark vergrößert.
  • – 12. Das Räderthier, vorticella rotatoria
    (S. 474) stark vergrößert.
  • – 13. Ein menschliches Saamenthierchen, chaos
    spermaticum (S. 475) noch weit stärker
    vergrößert.

Tab. II.

Die merkwürdigsten Crystallisationen der Fossilien.


Erster Abschnitt.
Von Naturalien überhaupt
und
ihrer Eintheilung in drey Reiche.

[Seite 1]

§. 1.

Alle Körper, die sich auf, und in unsrer
Erde finden, zeigen sich entweder in der-
selben Gestalt und Beschaffenheit, die sie aus der
Hand des Schöpfers erhalten und durch die
Wirkung der sich selbst überlassenen Naturkräfte
angenommen haben; oder so, wie sie durch Men-
schen und Thiere, zu bestimmten Absichten, oder
auch durch bloßen Zufall verändert und gleich-
sam umgeschaffen worden sind.

Auf diese Verschiedenheit gründet sich die
bekannte Eintheilung derselben in natürliche
(naturalia), und durch Kunst verfertigte (ar-
tefacta
). Die erstern machen den Gegenstand
der Naturgeschichte aus, und man pflegt alle
Körper zu den Naturalien zu rechnen, die
nur noch keine wesentliche Veränderung durch
[Seite 2] Menschen erlitten haben. Artefacten werden
sie dann genannt, wenn der Mensch*) ab-
sichtlich Veränderungen mit ihnen vorgenommen.

Anm. 1. Daß übrigens jene Begriffe vom Wesentlichen
und vom absichtlichen im gegenwärtigen Falle,
bey so verschiedentlicher Rücksicht und Modifica-
tion, nicht anders als relativ seyn können, be-
darf wohl keiner Erinnerung. Wie viel kommt
nicht z.B. bloß auf den Gesichtspunct des Samm-
lers an. So kann eine Aegyptische Mumie so-
wohl in eine Naturaliensammlung zur Suite der
verschiednen Rassen im Menschengeschlecht, als
in eine Sammlung altägyptischer Kunstwerke ge-
hören.

Anm. 2. Zuweilen können Naturalien manchen Kunst-
producten so ähnlich seyn, daß sie schwer zu
unterscheiden sind. Daher z.B. die ehedem ge-
theilten Meinungen, ob der Ueberzug in der piscina
mirabile
bey Bajä ein von selbst aus dem Wasser
abgesetzter Rindenstein von Kalksinter, oder aber
ein absichtlich aufgetragner künstlicher Mörtel sey.
(– s. Götting. gel. Anzeigen 1791. 188 St. –)

§. 2.

Alle und jede natürliche Körper zeigen, 1) in
Rücksicht ihrer Entstehung, 2) ihres Wachs-
thums, und 3) ihrer Structur, eine doppelte
Verschiedenheit.

Die einen nähmlich sind allemahl von andern
natürlichen Körpern derselben Gestalt und Art her-
[Seite 3] vor gebracht; so daß ihre Existenz in einer un-
unterbrochenen Reihe bis zur ersten Schöpfung*)
hinauf immer andere dergleichen Körper voraus-
setzt, denen sie ihr Daseyn zu danken haben.

Zweytens nehmen sie allerhand fremde Sub-
stanzen als Nahrungsmittel in ihren Körper auf,
assimiliren sie den Bestandtheilen desselben und
befördern dadurch ihr Wachsthum von innen
(mittelst inniger Aneignung, intus susceptio,
expansio
).

Diese beiden Eigenschaften setzen drittens von
selbst eine besondere Structur bey dieser Art von
natürlichen Körpern voraus. Sie müssen nähm-
lich, wenn sie auf diese Weise Nahrungsmittel
zu sich nehmen und mit der Zeit andere Geschöpfe
ihrer Art wieder hervor bringen sollen mancher-
ley diesen Zwecken entsprechende**) Gefäße,
Adern und andere Organe in ihrem Körper haben,
die zur Aufnahme bestimmter Säfte, zur Assi-
milation dieser Alimente, zur Erzeugung ihrer
Nachkommenschaft u.s.w. nothwendig sind: und
diese Organe müssen mit den ihnen eigenthüm-
[Seite 4] lichen (von allen bloß physischen und chemischen
(Kräften verschiednen) Lebenskräften versehen
seyn, und dadurch zu Vollziehung ihrer Ver-
richtungen geschickt werden.

Dieß alles fehlt bey den natürlichen Kör-
pern der andern Art, nähmlich den Mineralien.
Beides, sowohl ihre Entstehung, als ihr Wachs-
thum (wenn man es gar nur Wachsthum nen-
nen darf,) wird keineswegs durch Ernährung,
sondern lediglich nach eigentlich sogenannten phy-
sischen und chemischen Gesetzen, durch Anhäu-
fung oder Ansatz homogener Theile von außen
(aggregatio, iuxta positio) bewirkt; folglich
ist bey ihnen weder ursprüngliche Organisation
noch Lebenskraft zu erwarten.

Und eben deßhalb heißen sie unorganisirte,
und jene hingegen organisirte Körper.

§. 3.

Endlich sind nun aber auch jene organisirten
Körper selbst, in der Art wie sie ihre Nahrungs-
mittel zu sich nehmen, von einer doppelten Ver-
schiedenheit.

Die einen nähmlich saugen einen sehr ein-
fachen Nahrungssaft durch zahlreiche kleine Oeff-
nungen, die sich am einen Ende ihres Körpers
befinden, ohne merkliche willkürliche Bewegung
in sich.

Da hingegen die Andern eine einfache, aber
nach Verhältniß ungleich grössere Oeffnung an
[Seite 5] sich haben, die zu einem geräumigen Schlauche
führt, wohin sie vom innern Gefühle des Hun-
gers getrieben ihre Alimente, die von sehr ver-
schiedener Art sind, mittelst willkürlicher Be-
wegung, bringen.

Jenes sind die Pflanzen, dieses die Thiere.

Anm. Hingegen gibt die Fähigkeit den Standort
zu verändern (locomotiuitas) kein hinreichendes
Unterscheidungszeichen der Thiere von den Pflan-
zen, ab. Denn viele Pflanzen, wie z.B. die ge-
meinen Wasserlinsen, sind nicht festgewurzelt
sondern können zu gewissen Jahrszeiten etc. ihren
Aufenthalt verändern, bald zu Boden sinken,
bald wieder auf die Oberfläche des Wassers stei-
gen u.s.w. Und hingegen gibt es ganze Geschlech-
ter von Wasserthieren, zumahl unter den Conchy-
lien, Corallen etc. die ihren einmahl eingenomme-
nen Platz nie von selbst wieder verlassen können.

§. 4.

Diese sehr faßliche Eintheilung der natür-
lichen Körper in organisirte und unorganisirte
(§. 2.), und der organisirten wieder unter ein-
ander (§. 3.), ist nun der Grund der bekannten
drey Reiche, worunter man die Naturalien sehr
schicklich gebracht hat, und wovon das erste die
Thiere, das zweyte die Pflanzen, das dritte die
Mineralien begreift.

Die Thiere sind demnach belebte und beseelte
organisirte Körper, die sich ihre Nahrung mit-
telst willkürlicher Bewegung suchen, und selbige
durch den Mund in den Magen bringen.

[Seite 6]

Die Pflanzen sind zwar ebenfalls organi-
sirte Körper, aber bloß belebt, so daß sie ihren
Nahrungssaft ohne mittelst der Wurzeln ohne will-
kührliche Bewegung einsaugen.

Die Mineralien endlich sind unbelebte und
unorganisirte Körper, die folglich ohne Lebens-
kraft nach den bloß physischen und chemischen
Gesetzen von Anziehung, Anhäufung, etc. entstehen.

Anm. Gegen diese Eintheilung in drey Reiche, ist,
zumahl neuerlich, eine doppelte Einwendung ge-
macht worden.

Manche haben zwar die Kluft zwischen den
organisirten und unorganisirten Körpern aner-
kannt, aber nur keine bestimmten Grenzen zwischen
Thieren und Gewächsen zugeben wollen:

Andre hingegen haben die beliebten Meta-
phern von Stufenfolge der Geschöpfe geradezu
dahin gedeutet, als ob überhaupt keine bestimmba-
ren Eintheilungen der Naturalien in Reiche u.s.w.
statt fänden.

Was das erste betrifft, so sollte man zwar
überhaupt nicht vergessen, was so oft bey Gegen-
ständen der Erfahrung der Fall ist, daß man sie
weit leichter für das was sie sind*) richtig aner-
kennen und von andern unterscheiden, als ihre
einzelnen unterscheidenden Merkzeichen ausfinden
und angeben kann**). – So sagte z.B. Linné:
[Seite 7] ‘„nullum characterem hactenus eruere potui, vnde
Homo a Simia internoscatur
.“’ Ich glaube in
gegenwärtiger neuen Ausgabe dieses Buchs außer
andern mehrern noch eine neuen, vom Gebisse
hergenommenen Character der Humanität angege-
ben zu haben, wodurch sich der Mensch von den
noch so menschenähnlichen Affen (wie man sie
nennt) so wie überhaupt von allen andern Säu-
gethieren auszeichnet. Aber auch ohne denselben
wird doch hoffentlich nie ein Naturforscher in
praxi
in Verlegenheit gekommen seyn, Menschen
und Affen etwa zu verwechseln. – Außerdem
aber können ferner Geschöpfe aus noch so ver-
schiedenen Classen manche theils auffallende und
unerwartete Aehnlichkeit mit einander haben,
ohne daß dadurch die demohngeachtet unverkenn-
bare Verschiedenheit zwischen diesen Classen selbst
wegfallen dürfte. Man theilt die Thiere sehr
natürlich in warmblütige und kaltblütige; und
rechnet eben so natürlicher Weise die Säugethiere
zu jenen und hingegen die Insecten zu diesen;
ohne je deßhalb irre zu werden, daß die Bienen
in ihrem Stocke so ganz ohne Vergleich wärmer
sind, als etwa ein Igel während seines Winter-
schlafs. – In der Classe der Gewürme gibt es
Geschlechter, wie z.B. die Sepien, die sich von
den übrigen Thieren dieser Classe sehr auszeichnen,
und dagegen manche auffallende Aehnlichkeit mit
den Fischen haben. Aber niemand wird meynen,
deßhalb müsse nun die Scheidewand zwischen der
Classe der Fische und der Classe der Gewürme auf-
gehoben werden. – Und eben so wenig wird
jemand im Ernst in Versuchung gerathen, das
Thier- und Pflanzenreich deßhalb mit einander zu
verbinden, weil man an gewissen Pflanzen gewisse
Aehnlichkeiten mit gewissen Thieren bemerkt hat.
Von der Art sind z.B. die sonderbaren Bewe-
gungen mancher Mimosenarten, und des hedysa-
rum gyrans etc.
, die, so merkwürdig sie auch an
sich bleiben, doch gar nicht einmahl in den oben
angegebnen Character der Animalität eingreifen.
So wenig als hinwiederum diejenigen Aehnlichkei-
ten, so die Arm-Polypen mit den Gewächsen haben,
[Seite 8] den oben bestimmten Character der Vegetabilität
betreffen. Sondern, die Arm-Polypen sind Thiere,
die, so wie der Mensch und die Auster, vom
Hunger getrieben ihre Nahrung durch willkür-
liche Bewegung in den Mund bringen, was hin-
gegen bey keiner Pflanze, in der bis jetzt bekannten
Schöpfung, der Fall ist.

Nun und so beantwortet sich die andre Ein-
wendung gegen die Naturreiche etc. die sich auf die
so gepriesene Metapher von Stufenfolge der Ge-
schöpfe gründet, eigentlich von selbst.

Alle die beliebten Bilder von Kette, von Leiter,
von Netz etc. in der Natur, haben zwar für die
Methodologie im Studium der Naturgeschichte
in so fern ihren unverkennbaren Nutzen, als sie
den Grund eines so genannten natürlichen Sy-
stems abgeben, worin man die Geschöpfe nach
ihren mehresten und auffallendsten Aehnlichkeiten,
nach ihrem Totalhabitus und der darauf gegrün-
deten so genannten Verwandtschaft untereinander,
zusammen ordnet.

Aber sie nun, wie doch so oft von wohlmey-
nenden Physicotheologen geschehen, dem Schöpfer
in den Plan seiner Schöpfung hinein legen, und
die Vollkommenheit und den Zusammenhang der-
selben darin suchen zu wollen, daß die Natur
(wie man sich ausdrückt) keinen Sprung thue,
weil die Geschöpfe in Rücksicht ihrer Form so
sein Stufenweise auf einander folgten, das wäre
doch schon an sich eine vermeßne Schwachheit,
wenn sie auch nicht, wie doch der Fall ist, bey
ernsterer Prüfung sich selbst widerlegte.

Denn man braucht bloß die noch so kunstreich
und sorgfältig angelegten Entwürfe von solchen
Stufenfolgen in der Reihe der Geschöpfe näher
zu beleuchten, um einzusehn, wie sehr darin einer-
seits sich ganze Haufen von Geschöpfen ähnlicher
Bildung in Geschlechtern von fast unübersehlich
zahlreichen Gattungen (zumahl unter den In-
secten und Gewürmen, aber auch im Pflanzen-
[Seite 9] reiche) zusammen drängen, und andre dagegen
gleichsam isolirt sehn, weil sie wegen ihrer aus-
gezeichneten ganz eignen Bildung nicht ohne sicht-
lichen Zwang in einer solchen Leiter der Natur
irgendwo eingeschoben und untergebracht werden
können; (wie z.B. die ganze Classe der Vögel;
unter den Gewürmen das schongedachte Geschlecht
der Sepien; unter den Säugthieren das Men-
schengeschlecht selbst! etc.) – Ferner aber finden
sich Thiere, bey welchen, wie z.B. bey den Schild-
läusen, Männchen und Weibchen eine so durchaus
ganz verschieden Gestaltung haben, daß man folg-
lich in der gedachten Leiter die einen von den an-
dern trennen und nach dieser so sehr verschiednen
Sexualform beiden auf weit von einander entfern-
ten Sprossen ihre verschiednen Stellen anweisen
müßte. – Nun dann zeigen sich Lücken in der
Leiter, wo offenbar ohne einen sehr gewagten
Sprung gar nicht über zu kommen ist, wie zu
einem Beyspiel statt aller, die zwischen den orga-
nisirten Körpern und den Mineralien u.s.w.

So mangelhaft aber überhaupt die bildlichen
Vorstellungen von Kette der Natur u.s.w. gera-
then müssen, so ganz grundlos ist nun vollends
gar die vermeßne Behauptung mancher Physico-
theologen, als ob kein Glied aus dieser ihrer zu
Papier gebrachten Kette ausfallen dürfte, wenn
nicht die Schöpfung selbst stocken sollte u. dergl. m.
– So gut einzelne Gattungen von Thieren aus
ganzen großen Inseln, wie z.B. die Wölfe aus
Großbritannien vertilgt sind, ohne daß die dasige
Schöpfung durch diese nunmehrige scheinbare Lücke
ihren sonstigen Zusammenhang verloren haben sollte,
so können andre Geschöpfe aus ganzen Welttheilen
und wohl von der ganzen Erde vertilgt werden
(wie dieß allen Anschein nach mit manchen, z.B.
mit dem Dudu wirklich geschehen), ohne daß durch
diesen merklichen hiatus der dadurch in der Kette
der Physicotheologen entsteht, der ewige stille Gang
der Schöpfung selbst, im mindesten gefährdet wer-
den dürfte.

Einige Hauptquellen zur N. G. überhaupt.

[Seite 10]
  1. Aristoteles (lebte ungefähr 400 Jahr vor Christi
    Geburt.) Ej. opera, gr. lat. ex. ed. Gu. du Val.
    Paris
    . 1654. IV. vol. fol. zumahl im IIten B.
  2. C. Plinivs secvndvs. (†. im J. 79. nach Chr. Geb.)
    Ej. historia mundi L. XXXVII – ein paar saubere
    und correcte Handausgaben sind die Leidner, Elze-
    vitische 1635. III. vol. 12. und die Zweybrücker
    1783. V. vol. 8.
  3. Conr. Gesner. (†. 1562.)
  4. Joh. Rav. (†. 1705.) Die hierher gehörigen Haupt-
    werke dieser beiden Männer werden anderwärts
    angeführt.
  5. C. v. Linné. (†. 1778.) Ej. systema naturae ed. 12.
    Holm. 1766. IV. vol. 8. und die dazu gehörigen
    beiden mantissae ib. 1767. sq. 8.
  6. ed. 13. aucta, reformata cura Jo. Fr. Gmelin. Lips.
    1788. IX. vol. 8.
  7. Und zum Verständniß der Linnéischen Kunstsprache:
    Jo. Reinh. Forster enchiridion historiae naturali
    inserviens
    . Hal. 1788. 8.
  8. G. L. le Clèrc C. de Buffon. (†. 1788.) Ej. histoire
    naturelle
    . Die große Orig. Ausgabe, Paris, seit
    1740. XXXIII. vol. 4.

Miscellan-Werke.

  1. C. v. Linné amoenitates academicae. Holm. seit 1749.
    IX. vol. 8.
  2. Oeuvres de Ch. Bonnet. Neuch. 1779. sq. 4. die ersten
    V. B.

Physicotheologische und ähnliche Werke.

  1. Jo. Ray's wisdom of God manifested in the works of the
    creation
    . ed. 12. Glasgow. 1750. 12.
  2. W. Derham's physicotheology. ed. 4. Lond. 1716. 8.
  3. Ch. Bonnet contemplation de la nature. (als IVter B.
    der gedachten Ausg. seiner Werke.)

Wörterbücher.

  1. Valm. de Bomare dictionnaire de l'histoire naturelle.
    ed. 4. Lyon, 1791. VIII. vol. 4.
  2. Neuer Schauplatz der Natur in alphabetischer Ordnung.
    Leipz. 1775. u. f. X. B. 8.

Journale etc.

  1. Journal de physique. Paris seit 1773. 4.
  2. Magazin für das neueste aus der Physik und Naturge-
    schichte, herausgegeben von L. C. Lichtenberg
    und J. H. Voigt. Gotha, seit 1781. 8.

Zweyter Abschnitt.
Von den organisirten Körpern
überhaupt.

[Seite 12]

§. 5.

Jeder organisirte Körper (§. 2.) wird erzeugt,
dann lebenslang ernährt, und dadurch seine Selbst-
erhaltung und Wachsthum, und wenn er zu
seiner Reise gelangt, auch seine Fortpflanzungs-
fähigkeit bewirkt.

§. 6.

Zu diesen großen Verrichtungen werden die
organisirten Körper durch die Organisation
ihres Baues, und durch die mit derselben ver-
bundenen Lebenskräfte geschickt gemacht. Denn
durch diese letztern erhalten die Organe ihre
Empfänglichkeit gegen reizende Eindrücke (sti-
muli
), und ihr Bewegungsvermögen, ohne wel-
ches weder Ernährung noch Wachsthum u.s.w.
denkbar seyn könnte.

§. 7.

Sich die Entstehung der organisirten Körper
zu erklären, hat man zumahl neuerlich die so
genannte Evolutions-Hypothese bequem gefun-
[Seite 13] den, und gemeynt, es werde gar kein Mensch,
und kein andres Thier, und keine Pflanze er-
zeugt, – sondern sie lägen alle schon seit der ersten
Schöpfung als völlig präformirte Keime*)
bey ihren Eltern und Vorfahren längstens vor-
räthig: die verschiednen Generationen steckten,
gleichsam wie eingepackte Schachteln, in einan-
der; und würden nur nach und nach, so wie
die Reihe an sie käme, durch die Befruchtung
entwickelt und aus Licht gebracht. – Eine Mey-
nung, die doch schon sowohl durch den dabey
erforderlichen Aufwand von übernatürlichen (hy-
perphysischen) Anstalten**), als durch die,
allen Gesetzen einer philosophischen Naturfor-
schung zuwiderlaufende unnütze Vervielfältigung
[Seite 14] der natürlichen [physischen*)] Kräfte, und
durch die unübersehliche Menge von zwecklosen
Schöpfungen aller der zahllosen präformirten
Keime, die nur nicht zu ihrer Entwickelung ge-
langen konnten, aller präjudizlosen Urtheilskraft
widerstehen müßte, wenn sie auch nicht durch
die überwiegenden gegenseitigen Erfahrungs-
gründe widerlegt würde.

Anm. Nach der einstimmigen Behauptung der aller-
berühmtesten und allereifrigsten Versechter der
Evolutionshypothese, sollen die präformirten
Keime den der Mutter vorräthig liegen, und wäh-
rend der Befruchtung durch die Kraft des hinzu-
kommenden männlichen Zeugungsstoffes erweckt
und zur Entwickelung angetrieben werdet. Was
man Empfängniß nennt, sey folglich nichts als das
Erwachen des schlaftrunkenen Keims durch den
Reitz des auf ihn wirkenden männlichen Samens.

Also bedarf es hier zuvörderst einer erwecken-
den Kraft.

Nun aber ähneln ja so oft Kinder zum Sprechen
bloß ihrem Vater; – Bätzen die sich kurz hin-
tereinander mit mehreren männlichen Hunden belau-
fen haben, werfen oft Junge, die diesen verschie-
denen Vätern ähneln; – zweyerley Menschen-
rassen, z.B. Negern und Weiße, zeugen mit ein-
ander nothwendigen Mittelschlag, nähmlich Mu-
latten; – und wenn nun vollends ungleiche Gat-
tungen (verschiedene Species) von Thieren oder
Gewächsen einander befruchten, so entstehen Ba-
starde die eben so viel von der väterlichen als von
der mütterlichen Gestaltung an sich haben.

Ja das läßt sich freylich nicht wohl verkennen:
und dem zufolge gestehen dann die Evolutionisten
dem männlichen Samen außer seiner erweckenden nun
[Seite 15] auch Nro. 2. in sofern eine bildende Kraft zu,
daß er den bey der Mutter präformirt gelegenen
Keim wohl in etwas zur väterlichen Gestaltung
umzuformen vermöge.

Demnach wäre folglich zweyerley Kraft im
männlichen Samen. 1) Die erweckende: und
2) doch auch eine bildende. –

Aber man kann ja mittelst einer, mehrere Gene-
rationen hindurch immer wiederholten künstlichen
Bastardzeugung endlich die eine Gattung von orga-
nisirten Körpern gänzlich in die andre umwan-
deln. – So hat man z.B. aus der künstlichen
Befruchtung der einen Pflanzengattung mittelst
des männlichen Staubes von eine andern, Sa-
men gezogen, welcher fecundable Bastardpflan-
zen gegeben; d.h. die sich zur Blühzeit aber-
mals mit männlichem Stand von jener andern Gat-
tung befruchten lassen, und wiederum fecundable
Bastarde der zweyten Generation hervorgebracht.
Jene Bastarde von der ersten Generation hielten
gleichsam das Mittel zwischen beiden verschiedenen
Stamm-Eltern von väterlicher und mütterlicher
Seite. Die von der zweyten hingegen ähnelten
schar weit mehr der väterlichen, als der mütterli-
chen. Und nachdem die gleiche künstliche Befruch-
tung noch fernerweit durch zwey folgende Genera-
tionen eben so wiederholt worden, so entstanden
endlich Pflanzen, an welchen die ursprüngliche
mütterliche Gestaltung so zu sagen ganz verwischt,
und in die väterliche umgewandelt worden. (–
s. Kölreuter's dritte Fortsetzung der Nachricht
vor einigen das Geschlecht der Pflanzen betreffen-
der Versuchen S. 51. §. 24. mit der Ueberschrift:
‘„gänzlich vollbrachte Verwandlung einer natür-
lichen Pflanzengattung in die andre.“’ –)

Da hat den folglich alle Präformation des
seit Erschaffung der Welt conservirten mütterli-
chen Keims am Ende in nichts geholfen, sondern
hat der bildenden Kraft des männlichen Stoffes
(der eigentlich nach der Evolutionshypothese bloß
durch seine erweckende Kraft auf denselben hätte
wirken sollen,) gänzlich weichen müssen!

§. 8.

[Seite 16]

Und so bleibt es folglich im Ganzen unserem
Erkenntnißvermögen und selbst den Regeln aller
philosophischen Nachforschung*) weit angemeß-
ner, wenn man die Entstehung der neuerzeug-
ten organisirten Körper bloß durch allmähliche
Ausbildung (Epigenesis) des an sich zwar un-
geformten, aber unter den dazu erforderlichen Um-
ständen organisirbaren Zeugungsstoffes, erklärt.

Nur kommt es bey der vielfachen Vorstel-
lungsart, die man sich von einer solchen allmäh-
lichen Bildung machen kann und gemacht hat**),
darauf an, sie so zu bestimmen, wie sie dem
Begriff von organisirten Körpern, und dann
den Phänomenen, die uns die Beobachtung bey
Entstehung derselben lehrt, am ungezwungensten
entspricht.

§. 9.

[Seite 17]

Und dieß geschieht dann, wenn man an-
nimmt, daß der reise, vorher zwar ungeformte,
aber organisirbare Zeugungsstoff der Eltern,
wenn er zu seiner Zeit, und unter den erforder-
lichen Umständen an den Ort seiner Bestimmung
gelangt, dann für eine in demselben nun zweck-
mäßig wirkende Lebenskraft, nähmlich den Bil-
dungstrieb (nisus formativus) zuerst empfäng-
lich wird; Kraft dessen bey der Empfängniß
die allmählige Ausbildung erfolgt; der aber
auch die lebenswierige Erhaltung dieser zweck-
mäßigen Bildung durch die Ernährung; und
selbst wenn dieselbe durch Zufall gelitten haben
sollte, so viel möglich die Wiederersetzung der-
selben durch die Reproduction, bewirkt*).

Anm. 1. Diese allmählige Ausbildung der neuen orga-
sirten Körper ist am anschaulichsten an solchen zu
betrachten, die mit einer ganz ansehnlichen Größe
ein schnelles (so zu sagen zusehends merkliches)
Wachsthum, und eine so zarte halbdurchsichtige
Textur verbinden, daß sie (zumahl im sattsamen
Lichte und unter mäßiger Vergrößerung) aufs deut-
lichste, klarste, durchschaut werden können.

So im Gewächsreiche an manchen einfachen
Wassermooßen, wie z.B. an der Brunnen-Con-
ferve (Conferva fontinalis) die sich in den ersten
Frühlingstagen fortpflanzt.

[Seite 18]

Unter den blutlosen Thieren an den Arm-
Polypen.

Und unter den warmblütigen an der ersten
Erscheinung des Küchelchens im bebrüteten Eye
und seiner dann von Tag zu Tag fortrückenden
Ausbildung.

Anm. 2. Hoffentlich ist für die mehresten Leser die
Erinnerung überflüssig, daß das Wort Bildungs-
trieb selbst so gut wie die Benennungen aller
andern Arten von Lebenskräften an sich weiter
nichts erklären, sondern bloß eine besondre Kraft
unterscheidend bezeichnen soll, deren constante Wir-
kung aus der Erfahrung anerkannt worden, deren
Ursache aber so gut wie die Ursache aller andern
noch so allgemein anerkannten Naturkräfte, für
uns hienieden im eigentlichen Wortverstande qua-
litas occulta
bleibt†). – Das hindert aber nicht,
daß man nicht mehr suchen sollte, ihre Wir-
kungen durch Beobachtung weiter zu erforschen
und zu verfolgen, und sie so auf allgemeine Gesetze
zurück zu bringen.

§. 10.

Durch die bestimmte zweckmäßige Wirk-
samkeit des Bildungstriebes in den bestimmten
dafür empfänglichen organisirbaren Stoffen, wird
nun die eben so bestimmte Form und der Habitus
aller einzelnen Gattungen (Species) von orga-
nisirten Körpern erhalten; und bey denen, wo es
statt findet auch ihre Sexual-Verschiedenheit,
durch welche sich nähmlich die männlichen Ge-
[Seite 19] schöpfe von den weiblichen in derselben Gattung
auszeichnen.

§. 11.

Aber freylich kann der Bildungstrieb auch
eben sowohl als jede andre in ihrer Thätigkeit
gestörte oder anders modificirte Lebenskraft auf
mancherley Weise vor seiner eigentlichen be-
stimmten Richtung abweichen.

So entstehen dann (– der bloß krankhaf-
ten, nicht ins Gebiete der Naturgeschichte ge-
hörigen Abweichungen, zu geschweigen –)
1) durch ganz gewaltsame Störungen desselben,
ganz widernatürliche Formen der organisirten
Körper, nähmlich die Mißgeburten.

2) Dadurch, daß der zweyfache Sexual-
Character, der sonst in den beiden Geschlechtern
getrennt seyn sollte, mehr oder weniger in einem
und eben demselben Individuum verbunden ist,
die Zwitter.

3) Dadurch, daß zwey Geschöpfe ganz ver-
schiedner Gattung (zweyerley Species) einander
befruchten, die Bastarde.

Endlich 4) durch den Einfluß der mancher-
ley Ursachen der allmähligen, Ausartung, die
Rassen und Spielarten.

§. 12.

Unter Mißgeburt versteht man nach dem
gemeinen Sprachgebrauche, eine widernatürliche,
angeborne, leicht in die Augen fallende Ver-
[Seite 20] unstaltung in Bildung äußerer, größerer Theile.
So mannigfaltig aber diese Mißgestalten seyn
können, so lassen sie sich doch alle auf folgende
vier Hauptclassen zurück bringen:

1) M. G. mit widernatürlicher Bildung ein-
zelner Glieder. Fabrica aliena.

2) M. G. mit Versetzung oder widernatürlicher
Lage einzelner Glieder. Situs mutatus.
Die seltensten von allen (– nähmlich unter
Mißgeburten in dem angegebnen Sinne. Oft
hat man hingegen bey Leichenöffnungen wohl-
gebildeter Menschen manche ihrer Eingeweide
in ganz verkehrter Lage gefunden –).

3) M. G. denen ganze Glieder mangeln. Mon-
stra per defectum
. Unter diesen die lehr-
reichsten.

4) M. G. mit überzähligen Gliedern. Mon-
stra per excessum
. Die gemeinsten. –
Theils gar erblich, wie z.B. in den sechs-
fingrigen Familien.

Anm. Die auffallende Aehnlichkeit unter so vielen Mon-
strositäten, beweiset, daß auch selbst diese Abwei-
chungen des Bildungstriebes dennoch bestimmten
Gesetzen folgen müssen; so wie hingegen die be-
kannte Erfahrung, daß die Hausthiere seit ihrer
Unterjochung denselben weit mehr als in ihrem
wilden Zustand unterworfen sind, (daß z.B. Miß-
geburten unter den Hausschweinen so häufig, unter
den wilden Schweinen hingegen fast unerhört sind)
sich mit der Lehre der Evolutionisten, daß die
Keime dieser Mißgeburten ebenfalls seit der ersten
Schöpfung schon monströs präformirt eingeschach-
telt gelegen, wohl schwerlich zusammen reimen läßt.

§. 13.

[Seite 21]

Zwitter nennt man zwar im engern Sinn
bloß solche einzelne Individua von organisirten
Körpern, bey welchen widernatürlicher Weise
die Spuren der zweyfachen eigentlichen Sexual-
organe mehr oder weniger verbunden sind, die
sonst, in den männlichen und weiblichen Ge-
schöpfen derselben Art, getrennt seyn sollten.
Dergleichen finden sich selbst zuweilen unter den warm-
blütigen Thieren; zumahl unter den Rindvieh,
Schafen und Ziegen.

Nächstdem aber verdient auch diejenige Ab-
weichung des Bildungstriebes hier einer Erwäh-
nung, wenn andre körperliche Functionen oder
Charactere, die dem einen Geschlechte eigen seyn
sollten, sich bey Individuis des andern äußern.
Wenn z.B. Hirschkühe und Rehe Geweihe auf-
setzen; oder Fasan- und Pfau-Hennen mit zu-
nehmenden Jahren männliches Gefieder kriegen;
oder Mannspersonen oder andre männliche Säu-
gethiere Milch geben u.s.w.

Endlich aber zeigt sich auch zuweilen im
ganzen Verhältniß des Körperbaues, einzelner,
übrigens noch so regelmäßig und schön gebilde-
ten Geschöpfe des einen Geschlechts doch mehr
oder weniger vom Totalhabitus des andern;
z.B. weibliche Weichlichkeit in der Totalform
des männlichen.

§. 14.

[Seite 22]

Wenn ein weibliches Geschöpf der einen
Gattung von einem männlichen einer andern Gat-
tung befruchtet worden, so entstehen daraus
Bastarde, deren Bildung aus der beiderley
Eltern ihrer gleichsam zusammengeschmolzen ist.
Da aber von der bestimmten Bildung der orga-
nisirten Körper, besonders der Thiere, die be-
hörige und für den Gang der Schöpfung so
äußerst wichtige Vollziehung ihrer Geschäfte ab-
hängt, so ist es eine weise Einrichtung in der
Natur, daß erstens, wenigstens unter den roth-
blütigen Thieren, in ihrem wilden Zustande mei-
nes Wissens niemahls eine Paarung und Ver-
mischung unter zweyerley Gattungen bemerkt
worden; zweytens aber die Bastarde überhaupt
mehrentheils unfruchtbar, und nur sehr selten im
Stande sind, ihr Geschlecht weiter fortzupflanzen.
Daher gehört es zu den seltnern Ausnahmen,
wenn Maulthiere, oder die Bastarde von Hänf-
lingen und Canarienvögeln zuweilen fruchtbar
sind. Bey den Pflanzen gelingt es leichter, daß
durch künstliche Befruchtung verschiedner Gat-
tungen Bastarde hervor gebracht werden können,
die fruchtbaren Samen tragen (– s. oben
S. 15. –). Hingegen bedürfen die fabelhaften
Sagen von vermeinten Bastarden aus der Ver-
mischung vom Rindvieh und Pferden oder Eseln,
und von Caninchen und Hühnern, oder vollends
gar von Menschen und Vieh, jetzt hoffentlich
keiner weitern Widerlegung.

[Seite 23]

Anm. Eben in der gedachten notorischen Erfahrung,
daß im natürlicher Zustande nur Geschöpfe von
einer und eben derselben Species sich mit einander
gatten, liegt der natürliche Grund, warum das
Wort Species im Deutschen am allernatürlichsten
durch Gattung übersetzt wird. (– davon mit
mehreren in der Vorrede. –)

§. 15.

Rassen und Spielarten (varietates) sind
diejenigen Abweichungen von der ursprünglichen
specifiken Gestaltung der einzelnen Gattungen
organisirter Körper, so diese durch die allmählige
Ausartung oder Degeneration erlitten haben.

Rasse heißt aber im genauern Sinn ein
solcher durch Degeneration entstandner Character,
der durch die Fortpflanzung unausbleiblich und
nothwendig forterbt, wie z.B. wenn Weiße
mit den Negern Mulatten, oder mit ameri-
canischen Indianern Mestißen zeugen: welches
hingegen bey den Spielarten keine nothwendige
Folge ist; wie z.B. wenn blauäugige Blonde
mit braunäugigen Brünetten Kinder zeugen*).

Anm. Wenn sich gewisse Ausartungen seit unabsehli-
chen Reiben von Generationen fortgepflanzt haben,
so können sie endlich so constant einwurzeln, daß
man am Ende zweifelhaft werden kann, ob das bloße
Rassen oder ursprünglich verschiedene Gattungen
(Species) sind? Auch gibt es zur Entscheidung
in dergleichen Fällen keine andern in praxi anwend-
bare Regeln, als die, so aus der Analogie abstra-
[Seite 24] hirt sind; worüber ich in der dritten Ausgabe der
Schrift de generis humani varietate nativa S. 67 u. f.
ausführlicher gehandelt habe.

§. 16.

Zu den mancherley Ursachen der Ausartung
gehören vorzüglichst der Einfluß des Himmels-
strichs, der Nahrung, und bey Menschen und
Thieren auch der Lebensart.

Kaltes Clima z.B. unterdrückt das Wachs-
thum der organisirten Körper, und bringt auch
weiße Farbe an ihnen hervor. Darum sind die
Grönländer, Lappländer etc. so wie die Thiere
und Gewächse kalter Erdstriche, klein, unter-
setzt; die Nordländer von Natur von weißer
Haut etc.; so wie viele warmblütige Thiere der
kältesten Gegenden anomalisch weiße Haare und
Federn, viele Pflanzen daselbst anomalisch weiße
Blüthen haben u.s.w. – Dagegen tragen
die Creolen (d.h. die in Ost- und West-Indien
von europäischen Eltern gebornen Weißen) das
unverkennbare, meist wunderschöne Gepräge ihrer
südlichen Heimath an sich.

Wie sehr aber verschiedene Lebensart, Cultur
und Nahrungsmittel nach und nach die Bildung,
Farbe und ganze Constitution der organisirten
Körper umzuändern vermöge, davon sehen wir
an unsern Hausthieren*), an unserem Getreide,
Obst, Küchen-Gewächsen, Blumen-Floren etc. –
[Seite 25] am allerauffallendsten aber bey den Verschieden-
heiten im Menschen-Geschlechte selbst, die augen-
scheinlichsten Beyspiele.

Diese mancherley Ursachen der Degeneration
können nun aber nach Verschiedenheit der Um-
stände einander entweder unterstützen, und die
Ausartung um so schneller und ausfallender,
machen, oder aber auch wieder gewisser Maßen
einander aufheben u.s.w.; daher man in dieser
Untersuchung bey der Anwendung auf einzelne
Fälle nie zu voreilig urtheilen darf.

Anm. 1. So gibt es z.B. selbst unter der Linie kalte
Erdstriche, wie im Innern von Sumatra etc. Hin-
gegen dringt Sibirien gar viele Gewächse der wär-
mern Gegenden hervor, die in dem weit südlichern
Europa nicht fortkommen.

Anm. 2. Sonderbar ist die individuelle Wirkung, die
einige Climate auf die organisirte Körper, zumahl
der Thierreichs, äußern. So daß z.B. in Syrien
die Katzen, Kaninchen, Ziegen etc. so auffallend
langes und weißes Haar haben; auf Corsica die
Pferde, Hunde etc. so auszeichnend gefleckt sind;
auf Guinea Menschen und Hunde und Hübner zu
Negern in ihrer Art werden u.s.w.

Anm. 3. Es fragt sich ob nicht wohl selbst Künste-
leyen am Körper, wenn sie durch lange Reihen
von Generationen wiederhohlt werden, mit der Zeit
so gut wie auffallende Familien-Physioanomien und
organische Fehler (z.B. in der Aussprache) an-
geboren werden könnten? – Wenigstens ist es bey
Völkern die ihre Knäbchen beschneiden, nichts selt-
nes, daß auch welche mit kurzer Vorhaut gleich-
sam beschnitten geboren werden. – Büffon hat
Hunde gesehen, denen so wie ihren Vorfahren die
Ohren und der Schwanz gestutzt worden, und die
nun eben so verstümmelte Junge warfen. (– Vergl.
Voigts Magazin a. a. O. S. 13 u. f. und im
4. St. des VI. B. S. 40 u. f. –).

§. 17.

[Seite 26]

Die Ernährung der organisirten Körper geht
auf verschiedene Weise vor sich. Den Pflanzen
wird ihre einfache Nahrung durch Wurzeln, die
sich außerhalb ihres Stammes am einen Ende
desselben befinden, zugeführt. Die Thiere hin-
gegen haben, wie sich Boerhaave ausdrückte,
gleichsam ihre Wurzeln innerhalb ihres Körpers,
nähmlich im Magen und Darmcanal, wo der
nahrhafte Theil der Alimente durch unzählige
Gefäschen, fast wie bey den Pflanzen durch
Wurzeln, eingesogen und den Theilen des Kör-
pers zugeführt wird.

Der brauchbare Theil der Nahrungsmittel
wird durch einen bewunderungswürdigen Proceß
dem Stoff der organisirten Körper assimilirt; der
überflüssige hingegen ausgedunstet; und bey den
Thieren, die keinen so einfachen Nahrungssaft
wie die Pflanzen zu sich nehmen, auch durch
andre Wege als Unrath ausgeworfen.

§. 18.

Das Wachsthum der organisirten Körper
ist die Folge ihrer Ernährung. Die mehresten
erreichen früh die bestimmte Größe ihres Kör-
pers; und dann ist ferneres Wachsthum bloßer
Ersatz dessen, was nach und nach durch die Be-
wegung der festen Theile und durch den Umlauf
der flüssigen, von der Maschine abgenutzt wird.
Von manchen Bäumen aber, wie z.B. von der
[Seite 27] Arekpalme (Areca oleracea), dem Baobab
(Adansonia digitata) etc. auch von einigen an-
dern Gewächsen z.B. vom Rotang (Calamus
rotang) und so auch von manchen Thieren, wie
z.B. von vielen Gattungen der Bandwürmer
und selbst von den Crocodilen und großen Was-
serschlangen läßt sich schwerlich sagen, ob und
wann in ihrem Leben sie aufhören an Länge oder
Dicke zuzunehmen.

§. 19.

Zum Wachsthum der organisirten Körper
gehört auch ihre Reproductions-Kraft, oder
die merkwürdige Eigenschaft, daß sich verstüm-
melte oder völlig verlorne Theile ihres Körpers
von selbst wieder ergänzen. Sie gehört zu den
weisesten Einrichtungen in der Natur, und sichert
die Thiere und die Pflanzen bey tausend Gefah-
ren, wo ihr Körper verletzt wird: sie ist folglich
auch nebst der Ernährung überhaupt, einer der
größten Vorzüge, wodurch die Maschinen aus
der Hand des Schöpfers bey weitem über die
größten Kunstwerke der Menschen erhoben wer-
den, als welchen ihre Verfertiger keine Kraft
mittheilen können, ihre Triebfedern und Räder,
wenn sie verbogen, verstümmelt und abgenutzt
würden, von selbst wieder herzustellen: eine Kraft,
die hingegen der Schöpfer jedem Thier und jeder
Pflanze – nur in verschiedenem Maße –
beygelegt hat.

[Seite 28]

Viele organisirte Körper verlieren, zu be-
stimmten Zeiten, gewisse Theile ihres Körpers
von freyen Stücken, die ihnen nachher wieder
reproducirt werden; wohin das Abwerfen der
Geweihe, das Mausern der Vögel, die Häu-
tung der Schlangen, der Raupen, das Schälen
der Krebse, das Entblättern der Gewächse u.s.w.
gehört. Man könnte dieß die gewöhnliche Re-
production nennen.

Die andre hingegen ist die außerordent-
liche, von der hier eigentlich die Rede ist, da
nähmlich dem organisirten Körper, zumahl den
Thieren, Wunden, Beinbrüche etc. geheilt, oder
gar durch Unfall verstümmelte und verlorne
Theile wieder ersetzt werden. Der Mensch, und
die ihm zurächst verwandten Thiere besitzen eine
minder vollkommene, und meist nur auf Knochen,
Nägel, Haare und Schleimgewebe (tela cel-
lulosa) eingeschränkte Reproductionskraft: die
hingegen bey vielen kaltblütigen Thieren, beson-
ders bey den Wasser-Molchen, Krebsen, Land-
Schnecken, Regenwürmern, See-Anemonen,
See-Sternen, Arm-Polypen etc. von einer aus-
nehmenden Stärke und Vollkommenheit ist.

Anm. Manche dieser so äußerst merkwürdigen Repro-
ductionsversuche setzen eine schon in dergleichen
Arbeiten geübte Hand und viele Vorsicht, wenn
sie gelingen sollen: daher man sich hüten muß, aus
dem etwa anfangs mißlungenen Erfolg zu vorei-
lig die ganze Sache bezweifeln zu wollen. Mir
selbst ist es nach mehrern fruchtlosen Versuchen erst
[Seite 29] spät gelungen, daß der ganze Kopf der gemeinen
Waldschnecke (helix pomatia) mit seinen vier Hör-
nern binnen ungefähr 6 Monathen wieder repro-
ducirt ward.

Vor mehreren Jahren habe ich einem Wasser-
molch der größern Art (lacerta lacustris) den ich
nun in Spiritus auf bewahre, fast das ganze Auge
exstirpirt; nähmlich alle Säfte auslausen lassen
und dann 4/5 der ausgeleerten Häute rein ausge-
schnitten: – und doch hat sich binnen zehn Mona-
ten ein vollkommener neuer Augapfel mit neuer
Hornhaut, Augenstern, Crystall-Linse etc. repro-
ducirt, der sich bloß dadurch vom andern gesun-
den Auge auszeichnet, das er nur erst ungefähr
bald so groß ist. (– s. Götting. gel. Anz. 1785.
47. St. –)

§. 20.

Wenn die organisirten Körper durch Ernäh-
rung und Wachsthum zu ihrer vollen Reife ge-
langen, so erhalten sie dann auch das Fortpflan-
zungsvermögen (§. 5.), das aber auf eine sehr
verschiedene Weise vollzogen wird. Ueberhaupt
nähmlich ist entweder schon jedes Individuum für
sich im Stande, sein Geschlecht fortzupflanzen;
oder aber es müssen sich ihrer zwey mit einan-
der paaren oder begatten, wenn sie neue orga-
nisirte Körper ihrer Art hervor bringen sollen.

Die mannigfaltigen besondern Verschieden-
heiten in diesen beiderley Hauptweisen der Fort-
pflanzungsweise lassen sich doch füglich unter fol-
gende vier Arten bringen:

1) Jedes Individuum vermehrt sich auf die ein-
fachste Weise, ohne vorher gegangene Befruch-
tung: entweder durch Theilung, wie manche
[Seite 30] Infusions-Thierchen*) und Blumen-Po-
lypen**); oder wie bey der Brunnen-Con-
ferve so, daß das alte fadenartige Gewächs
am einen Ende zu einem dicken Knöpfchen
anschwillt, das nachher abfällt und wieder zu
einem solchen Faden ausgetrieben und umge-
bildet wird***); oder durch Sprossen wie die
Arm-Polypen und viele Gewächse u.s.w.

2) Jedes Individuum ist zwar auch im Stande
sich fortzupflanzen, hat aber als ein wahrer
Zwitter beiderley Geschlechtstheile an seinem
Leibe, und muß vorher, wenn es Thier ist,
die bey sich habenden weiblichen Eyerchen mit
männlichem Samen – und wenn es Pflanze
ist, seine weiblichen Samenkörner mit männ-
lichem Blumenstaub – begießen und dadurch
befruchten, ehe sich ein Junges daraus bilden
kann. Dieß ist der Fall bey den mehresten
Gewächsen, und im Thierreich wie es scheint,
bey manchen Muscheln.

3) Ebenfalls beide Geschlechter, wie bey den
Hermaphroditen der vorigen Classe, in einem
Individuo verknüpft; doch daß keines sich
selbst zu befruchten im Stande ist, sondern
immer ihrer zwey sich zusammen paaren und
[Seite 31] wechselseitig einander befruchten und befruch-
tet werden müssen. Diese sonderbare Ein-
richtung findet sich nur bey wenigen Thie-
ren; beym Regenwurm, bey manchen Land-
Schnecken*) etc.

4) Die beiden Geschlechter in separaten Indi-
viduis, von denen das eine die weiblichen
Theile aber Eyer, das andre den männlichen
befruchtenden Saft enthält. So alle roth-
blütige und viele andere Thiere, und so auch
manche Pflanzen, wie die Weiden, der Hopfen,
die mehresten Moose etc.

Einige Thiere dieser Classe geben die Eyer
selbst von sich, in welchen sich erst nachher das
Junge vollends ausbildet. Dieß sind die Eyer
legenden Thiere (ouipara). Bey andern
aber wird dieß Ey so lange in der Bärmutter
zurück behalten, bis das Junge vollkommen
ausgebildet worden, und nun von seinen Hül-
sen befreyt, zur Welt kommen kann; leben-
dig gebärende Thiere (viuipara).

Anm. Wie gering inzwischen der Unterschied zwischen
Eyer legen und lebendig gebären sey, erweisen
die Beyspiele der Blattläuse und Federbusch-Po-
lypen, die sich bald auf die eine, bald auf die an-
dre Weise fortpflanzen; und mancher Schlangen,
die zwar Eyer legen, in welchen aber das ganz
ausgebildete Thier enthalten ist. Gewissermaßen
könnte man mit diesem letztern Falle diejenigen Pflan-
zen vergleichen, in deren reifen Samenkörnern ein
[Seite 32] grüner Pflanzenkeim eingeschlossen liegt, wie z.B.
bey den sogenannten Aegyptischen Bohnen von der
Nymphaea nelumbo.

§. 21.

Nachdem die organisirten Körper die Bestim-
mungen ihres Lebens erfüllt haben, so weicht
endlich alle Lebenskraft von ihnen, und sie ster-
ben. Die wenigsten aber erreichen das Ziel,
das ihnen die Natur zum Laufe ihres Lebens vor-
gesteckt hat, sondern tausenderley Zufälle verkürzen
ihnen diesen Weg, meist lange vor der bestimm-
ten Zeit. So rechnet man z.B. daß von 1000
gebornen Menschen nur ohngefähr 78 für Alter
sterben; und von den großen furchtbaren Wasser-
thieren, Crocodilen, Wasserschlangen etc. erreicht
vielleicht nicht das tausendste sein gesetztes Alter
und Größe. Nach dem Tode der Thiere und
Pflanzen wird ihr Körper durch die chemische
Zersetzung seiner Urstoffe allmählich aufgelöset,
mithin ihr Organismus zerstört, und ihre Asche
endlich mit der übrigen Erde vermengt, die ihnen
vorher Nahrung und Aufenthalt gegeben hatte.


Dritter Abschnitt.
Von den Thieren überhaupt.

[Seite 33]

§. 22.

So endlos mannigfaltig die Bildung und der
Bau der Thiere ist, so scheinen sie doch sämmt-
lich (oder höchstens bis auf wenige Ausnahmen
mancher so genannten Infusionstierchen etc.) einen
Mund mit einander gemein zu haben, durch
welchen sie dem Körper seine Nahrung zuführen:
und statt daß die Pflanzen ihren sehr einfachen
Nahrungssaft aus Luft, Wasser und Erde ein-
saugen, so ist hingegen der Thiere ihr Futter
äußerst mannigfaltig, und wird beynahe ohne
Ausnahme aus den organisirten Reichen selbst
entlehnt; und sie müssen es durch die peinlichen
Gefühle des Hungers getrieben, mittelst will-
kürlicher Bewegung zu sich nehmen, um
dadurch ihre Selbsterhallung zu bewirken.

§. 23.

Bey den insgemein so genannten vollkomm-
neren Thieren wird der abgesonderte Nahrungs-
saft zuvor mit dem Blute, das in seinen Adern
circulirt, vermischt, und von da erst in die übri-
gen Bestandtheile des Körpers abgesetzt. Die-
ses eigentlich so genannte Blut ist von rother
[Seite 34] Farbe, aber in Rücksicht seiner Wärme bey den
verschiednen Classen dieser rothblütigen Thiere
von doppelter Verschiedenheit. Bey den einen
(nähmlich bey den Amphibien und Fischen) hält
es meist ungefähr die Temperatur des Mediums,
in welchem sie sich befinden, daher sie kaltblütig
genannt werden. Bey den andern aber, die deß-
halb warmblütig heissen, (den Säugethieren und
Vögeln) zeigt es in ihrem vollkommen belebten
Zustande immer eine Wärme von unges. 100 Gr.
Fahrenh. mehr oder weniger. Der Saft hin-
gegen, welcher bey den so genannten weißblüti-
gen Thieren (nähmlich bey den Insecten und
Gewürmen) die Stelle des Bluts vertritt, un-
terscheidet sich besonders durch den Mangel der
rothen Kügelchen, von jenem eigentlich so genann-
ten Blute.

§. 24.

Das Blut der Thiere mag nun aber weiß
oder roth, kalt oder warm seyn, so muß es im
gesunden Zustande immer mit frischen Portionen
eines zum Leben nothwendigen Stoffes (– des
so genannten Sauerstoffs oder Oxygens –) aus
der atmosphärischen Luft oder aus dem Wasser
geschwängert werden, wogegen es gleiche Por-
tionen eines andern Stoffes (– des Kohlenstoffes
oder Carbonnes –) aus dem Körper wiederum
fortschafft. Zu diesem merkwürdigen lebens-
wierigen Proceß in dem belebten thierischen Labo-
ratorium dient vorzüglichst das Athemholen;
[Seite 35] welches die rothblütigen Thiere entweder durch
Lungen, oder wie die Fische durch Kiefern; die
weißblütigen aber mittelst mancherley anderer
analogen Organe verrichten.

§. 25.

Nur diejenigen Thiere die mit Lungen ver-
sehen sind können auch Stimme (vox) von sich
geben. Der Mensch hat sich außer der ihm an-
gebornen Stimme auch noch die Rede (loquela),
erfunden.

§. 26.

Die Organe, wodurch die willkürlichen Be-
wegungen unmittelbar vollzogen werden, sind
die Muskeln, die bey den rothblütigen Thieren
das eigentlich so genannte Fleisch ausmachen. Bey einigen
ganz einfach gebaueten Thieren, wie die Po-
lypen, sind diese Bewegungs-Organe von
dem übrigen gallertigen Stoffe nicht zu unter-
scheiden.

§. 27.

Außerdem finden sich aber auch einige wenige
Muskeln, über welche der Wille nichts vermag.
So z.B. das Herz, als welches lebenslang un-
aufhörlich (– beym Menschen ohngefähr 4500
Mahl in jeder Stunde –) und zwar ohne wie
andere Muskeln zu ermüden, oder endlich zu
schmerzen, als Haupttriebfeder des Blutumlaufs,
in seiner schlagenden Bewegung ist.

§. 28.

Beide Arten von Muskeln aber, bis un-
willkürlichen sowohl als die so sich nach dem
Entschlusse des Willens bewegen, bedürfen zu
[Seite 36] diesem ihren Bewegungsvermögen des Einflusses
der Nerven.

§. 29.

Diese Nerven entspringen aus dem Gehirn
und aus dem Rückenmark, und es scheint, daß
die Größe der beiden letztern in Vergleichung
zur Dicke der daraus entstehenden Nerven mit
den Geisteskräften der Thiere im umgekehrten
Verhältniß stehe*), so daß der Mensch von allen
das größte Gehirn, in Vergleichung seiner sehr
dünnen Nerven, hat; da hingegen einfältige
Thiere, wie z.B. die hieländischen Amphibien,
dicke Nerven bey einem sehr kleinen Gehirne haben.

§. 30.

Außer dem Einfluß, den die Nerven auf
die Muskelbewegung haben, ist ihr zweytes Ge-
schäft, auch die äußern Eindrücke auf den thie-
rischen Körper, der Seele durch die Sinne mit-
zutheilen. Die Beschaffenheit der Sinnwerk-
zeuge ist aber in den verschiednen Thier-Classen
selbst sehr verschieden. So erhalten z.B. viele
Thiere offenbar allerhand sinnliche Eindrücke,
ohne daß wir doch die Sinnwerkzeuge an ihnen
entdecken können, die bey andern zu solchen Ein-
drücken nothwendig sind. Die Schmeißfliege
z.B. und viele andere Insecten haben Geruch,
[Seite 37] ob wir gleich keine Nase an ihnen wahrnehmen
u. dergl. m.

Anm. Manche haben die Zahl der fünf Sinne über-
haupt auf wenigere einschränken; andere hingegen
dieselbe mit neuen vermehren wollen. Vanini z.B.
und viele nach ihm hielten das Gefühl bey Be-
friedigung des Sexual-Triebes für einen sechsten
Sinn. Jul. Cäs. Scaliger das Gefühl beym
Kitzeln unter den Achseln für einen 7ten. So hält
8tens Hr. Spallanzani das Gefühl, wodurch sich
die Fledermäuse bey ihrem Flattern im Finstern für
den Anstoß sichern; so wie 9tens Hr. Darwin das
Gefühl für Wärme und Kälte für besondre Sinne.

§. 31.

Durch den anhaltenden Gebrauch werden
Nerven und Muskeln ermüdet, und sie brauchen
von Zeit zu Zeit Ruhe zur Sammlung neuer
Kräfte, die ihnen der Schlaf gewährt. Dem
Menschen und den mehresten Grasfressenden
Thieren ist die Nacht zu dieser Erhohlung ange-
wiesen; viele Raubthiere aber, wohin zumal die
mehresten Fische gehören, auch manche Insecten
und Gewürme, halten sich am Tage verborgen
und gehen des Nachts ihren Geschäften nach,
weshalb sie animalia nocturna genannt werden.

§. 32.

Außer diesem Erhohlungsschlaf findet sich
in der Oeconomie vieler Thiere noch die sehr be-
queme Einrichtung, daß sie einen beträchtlichen
Theil des Jahrs, und zwar gerade die rauhesten
Monate, da es ihnen schwer werden würde, für
[Seite 38] ihre Erhaltung zu sorgen*), in einem tiefen
Winterschlaf zubringen. Sie verkriechen sich,
wenn diese Zeit kommt, an sichre, schaurige Orte;
und fallen mit einbrechender Kälte in eine Art
von Erstarrung, aus der sie erst durch die er-
wärmende Frühlingssonne wieder erweckt werden.
Diese Erstarrung ist so stark, daß die warm-
blütigen Thiere während dieses Todtenschlafs nur
unmerkliche Wärme übrig behalten (– s. oben
S. 7. –), und daß die Puppen vieler In-
secten, die zu gleicher Zeit ihre Verwandlung
bestehen, im Winter oft so durchfroren sind, daß
sie, dem Leben des darin schlafenden Thieres
unbeschadet, wie Eiszapfen oder Glas klingen,
wenn man sie auf die Erde fallen läßt.

So viel bekannt, hält doch kein einziger
Vogel, hingegen die mehresten Amphibien, Win-
terschlaf.

§. 33.

Von den Seelenfähigkeiten sind manche
dem Menschen mit den mehresten übrigen Thie-
ren gemein, wie z.B. die Vorstellungskraft,
die Aufmerksamkeit, und so auch die beiden so-
genannten innern Sinne, Gedächtniß nähm-
lich und Einbildungskraft.

§. 34.

Andre sind fast bloß den übrigen Thieren
eigen, so daß sich beym Menschen nur wenige
[Seite 39] Spuren davon finden, nähmlich die so genannten
Naturtriebe oder Instincte. Dagegen er hin-
wiederum im ausschließlichen Besitz der Ver-
nunft ist.

§. 35.

Der Instinct*) ist das Vermögen der Thiere,
aus einem angebornen, unwillkürlichen, inne-
ren Drange, ohne allen Unterricht, von freyen
Stücken, sich zweckmäßigen, und zu ihrer und
ihres Geschlechts Erhaltung abzielenden Hand-
lungen zu unterziehen.

Daß diese wichtigen Handlungen wirklich
ganz unüberlegt bloß maschinenmäßig vollzogen
werden, wird durch tausend Bemerkungen offen-
bar erweislich, z.B. dadurch, daß die Hamster
auch todten Vögeln doch zuerst die Flügel zer-
brechen, ehe sie weiter anbeissen; daß junge Zug-
vögel, die man ganz einsam im Zimmer erzo-
gen hat, doch im Herbst den innern Ruf zum
Fortziehen fühlen, und im Käficht bey allem
guten Futter und Pflege unruhig werden.

§. 36.

Unter den mancherley Arten dieser thierischen
Triebe sind besonders die so genannten Kunst-
triebe merkwürdig, da sich nähmlich so viele
warmblütige Thiere und Insecten ohne alle An-
weisung und ohne alle vorgängige Uebung**),
[Seite 40] (als welche bey so vielen z.B. bey den Raupen
die nur Ein für alle Mahl in ihrem Leben davon
Gebrauch machen können, und wo folglich
schlechterdings erster Versuch und Meisterstück
eins seyn muß, durchaus nicht statt finden kann),
so ungemein künstliche Wohnungen, Nester, Ge-
webe etc. zu ihrem Aufenthalte, zur Sicherheit
für ihre Junge, zum Fang ihres Raubes, und
zu vielfachen andern Zwecken zu verfertigen wissen.

§. 37.

Der Mensch zeigt außer den Sexualtrieben
wenig andere Spuren von Instinct: angeborne
Kunsttriebe aber hat er vollends ganz und gar
nicht. Was ihn hingegen für diesen schein-
baren Mangel entschädigt, ist der Gebrauch der
Vernunft.

Diese mag nun entweder eine ausschließliche
eigenthümliche Fähigkeit der menschlichen Seele,
oder aber ein unendlich stärkerer Grad einer Fä-
higkeit seyn, wovon manche Thiere auch einige
schwache Spur hätten; oder eine eigne Richtung
der gesammten menschlichen Seelenkräfte u.s.w.
so liegt wenigstens der gedachte auszeichnende
Vorzug, den der Mensch durch den Besitz der-
selben erhält, unwiderredlich am Tage.

Denn da ihm die ganze bewohnbare Erde
zum Aufenthalt offen steht, und fast die ganze
organisirte Schöpfung zur Speise überlassen ist,
so erzeugt freylich eben die große Verschieden-
[Seite 41] heit der Climate die er bewohnen soll, und der
Nahrung die ihm der Ort seines Aufenthalts
gestattet, eben so verschiedene Bedürfnisse, die er
durch keinen einförmigen Kunsttrieb, aber wohl
durch den Gebrauch seiner sich nach den Um-
ständen gleichsam accommodirenden Vernunft auf
eben so mannigfaltige Weise zu stillen vermag.

§. 38.

Wie unendlich aber der Mensch schon durch
diesen einzigen Vorzug über die ganze übrige
thierische Schöpfung erhoben werde, beweiset die
unbeschränkte Herrschaft, womit er über alle Triebe
und über die Lebensart, Haushaltung etc. mit
einem Wort über das ganze Naturell dieser seiner
Mitgeschöpfe nach Willkür disponiren, die
furchtbarsten Thiere zähmen, ihre heftigsten
Triebe dämpfen, sie zu den kunstreichsten Hand-
lungen abrichten kann u.s.w.

Anm. Um sich überhaupt zu überzeugen, wie sehr der
cultivirte Mensch Herr der übrigen Schöpfung auf
dieser Erde ist, braucht man sich bloß an die Um-
schaffung zu erinnern, die er seit Entdeckung der
neuen Welt mit ihr und der alten wechselseitig vor-
genommen hat! Was für Gewächse und Thiere er
aus dieser in jene übergepflanzt hat, wie z.B. Reis,
Caffee etc., Pferde, Rindvieh etc. und was er v. v.
von dorther nun wieder in seinem Welttheil ein-
heimisch gemacht, wie z.B. Cartoffeln, Tabak,
wälsche Hüner u.s.w.

§. 39.

Am auffallendsten erweißt sich die allein auf
den Vorzug der Vernunft beruhende Herrschaft
[Seite 42] des Menschen über die übrige thierische Schöpfung
durch die so genannten Hausthiere; worunter
man in engerer Bedeutung diejenigen warmblü-
tigen Thiere versteht, so der Mensch zu Befrie-
digung wichtiger Bedürfnisse und überhaupt zu
beträchtlicher Benutzung absichtlich ihrer Freyheit
entzogen und sich unterjocht hat. Im weitern
Sinne kann man aber auch die Bienen und
Seidenwürmer, so wie die Coschenill-Insecten
dahin rechnen.

Anm. 1. Unter jenen Hausthieren im engern Sinn ist
eine dreifache Verschiedenheit zu bemerken. Von
manchen nemlich hat der Mensch die ganze Gattung
ihrem freyen Naturzustande entzogen, und sich un-
terwürfig gemacht, wie z.B. das Pferd. Von
andern, die er sich zwar auch ins Haus zieht, exi-
stirt doch aber noch die ursprünglich wilde Stamm-
rasse wie vom Rindvieh, Schwein, Katze, Ren-
thier, den beiderley Cameelen der alten Welt, und
dem so genannten Meiergeflügel. Der Elephant
endlich pflanzt sich gar nicht in der Gefangenschaft
fort, sondern jeder der zum Dienst des Men-
schen gebraucht werden soll, muß erst aus der Wild-
heit eingefangen, gezähmt und abgerichtet werden.

Anm. 2. Die eigentlich so genannten Hausthiere varii-
ren zwar häufig in der Farbe; und manche der
darunter gehörigen Säugethiere zeichnen sich auch
durch einen hängenden Schwanz und schlappe
Ohren aus, aber keins von beiden ist ein beständi-
ges Kennzeichen der Unterjochung. (– Ueber die
Hausthiere s. mit mehrern den Gothaischen Hof-
Kalender v. J. 1796. –)

§. 40.

Das ganze Thierreich läßt sich füglich nach
dem Linnéischen System unter folgende sechs
Classen bringen:

[Seite 43]

I. Cl. Säugethiere (mammalia), Thiere
mit warmen rothen Blut, die ihre Junge
lebendig zur Welt bringen, und sie dann
einige Zeit lang mit Milch an Brüsten
säugen.

II. Cl. Vögel (aues), Thiere mit warmen
rothen Blut, die aber Eyer legen, und
Federn haben.

III. Cl. Amphibien, Thiere mit kaltem
rothen Blut, die durch Lungen Athem hohlen.

IV. Cl. Fische (pisces), Thiere mit kaltem
rothen Blut, die durch Kiefern, und nicht
durch Lungen, athmen.

V. Cl. Insecten, Thiere mit kaltem weißen
Blut, die Fühlhörner (antennas) am
Kopf, und eingelenkte (hornartige) Be-
wegungswerkzeuge haben.

VI. Cl. Gewürme (vermes), Thiere mit
kaltem weißen Blut, die keine Fühlhör-
ner, sondern meist Fühlfäden (tentacula)
und meines Wissens nie eingelenkte Be-
wegungswerkzeuge haben*).

* * *

Hauptquellen zur Thiergeschichte überhaupt.

[Seite 44]
  1. Aristoteles. – Histoire des animaux d'Aristote, avec
    des notes
    etc. par M. Camus. Par. 1783. II. vol. 4.
  2. Conr. Gesneri icones quadrupedum viuiparorum, it.
    anium et animalium aquatilium; cum nomenclaturis
    singulorum in linguis diuersis Europae.
    ed. 2. Tig.
    1560. fol.
  3. Aldrovandus.
  4. Jo. Jonston historia naturalis de animalibus. Frf. 1649-
    53. fol.

auch unter dem Titel H. Ruysch (Frid. fil.) theatrum
universale omnium animalium
. Amst. 1718. II. vol. fol.

  1. Ray.
  2. Buffon.
  3. Linnaei fauna Suecica ed. 2. Holm. 1761. 8.
  4. Th. Pennant's British Zoology. Lond. 1768-1777.
    IV. vol. 8.

und Dess. großes Kupferwerk unter gleichem Titel ib.
seit 1763. gr. Fol.


Vierter Abschnitt.
Von den Säugethieren.

[Seite 45]

§. 41.

Die Säugethiere haben das warme rothe Blut
mit den Vögeln gemein; aber sie gebären leben-
dige Junge: und ihr Hauptcharakter, der sie von
allen übrigen Thieren unterscheidet, und von
dem auch die Benennung der ganzen Classe ent-
lehnt ist, sind die Brüste, wodurch die Weibchen
ihre Junge mit Milch ernähren. Die Anzahl
und Lage der Brüste ist verschieden. Meist sind
ihrer noch Ein Mahl so viel, als die Mutter
gewöhnlicher Weise Junge zur Welt bringt; und
sie sitzen entweder an der Brust, oder am Bauche,
oder zwischen den Hinterfüßen.

§. 42.

Der Körper der allermehresten [wo nicht
aller*)] Säugethiere ist mit Haaren von sehr
verschiedener Stärke, Länge und Farbe bedecket;
die auch bey einigen als Wolle gekräuselt, oder
als Borsten straff und struppicht sind, oder gar
wie beym Igel etc. steife Stacheln bilden. Bey
[Seite 46] manchen sind die Haare an besondern Stel-
len als Mähne oder Bart verlängert; und
bey einigen, wie bey den Pferden, Hunden etc.
stehen sie an bestimmten Stellen in entgegen gesetz-
ter Richtung an einander und machen so genannte
Näthe (suturas). Bey manchen wie z.B. bey
den Seehunden etc. ändert sich die Farbe mit dem
Alter. Auch sind manche durch die Kälte (§. 16.)
bey uns im strengen Winter, im Norden aber
Jahr aus Jahr ein, entweder grau, wie das
Eichhörnchen (Grauwerk), oder schneeweiß, wie
das große Wiesel (Hermelin) etc. Wenn hinge-
gen diese weiße Farbe zugleich mit lichtscheuen
Augen und rothen Pupillen verbunden ist, wie
bey den so genannten Kackerlacken im Menschen-
geschlecht und unter manchen anderen Gattungen
von warmblütigen Thieren, so ist es die Folge
einer wirklich kränklichen Schwäche.

§. 43.

Der Aufenthalt der Säugethiere ist sehr ver-
schieden. Die mehresten leben auf der Erde;
manche wie die Affen, Eichhörnchen etc., fast bloß
auf Bäumen; einige, wie der Maulwurf, als ei-
gentliche animalia subterranea unter der Erde;
andere bald auf dem Lande bald im Wasser, wie
die Bieber, Seebären; und noch andere endlich
bloß im Wasser, wie die Wallfische. – Hiernach
sind nun auch ihre Füße oder ähnliche Bewe-
gungswerkzeuge verschieden. Die mehresten
[Seite 47] haben vier Füße; der Mensch nur zwey, aber
auch zwey Hände: die Affen hingegen haben
vier Hände. Die Finger und Zehen derjenigen
Säugethiere, die im Wasser und auf dem Lande
zugleich leben, sind durch eine Schwimmhaut
verbunden. Bey den Fledermäusen sind die an
den Vorderfüßen ungemein lang und dünne; und
zwischen ihnen ist eine zarte Haut ausgespannt,
die zum Flattern dient. Die Füße mancher
Seethiere aus dieser Classe sind zum rudern
eingerichtet, und bey den Wallfischen ähneln sie
gar einiger Maßen den Flossen der Fische; doch
daß die Hinterflossen ohne Knochen sind, und
horizontal, nicht wie ein Fischschwanz vertical,
liegen. Einige wenige Säugethiere (solidun-
gula
) haben Hufe; viele aber (bisulca) gespal-
tene Klauen. Die mehresten gehen (zumahl
mit den Hinterfüßen) bloß auf den Zehen; einige
aber, wie der Mensch, und gewisser Maßen
auch die Affen, Bären, Elephanten u.a.m.
auf der ganzen Fußsohle bis zur Ferse.

§. 44.

Die mehresten Ameisenbären, die Schup-
penthiere, und einige Wallfische ausgenommen,
sind die übrigen Säugethiere mit Zähnen versehen,
die man in Schneidezähne (incisores s. primo-
res
), Spitzzähne oder Eckzähne (caninos s.
laniaros
), und Backenzähne (molares), ab-
theilt. Die letztern zumahl sind nach der ver-
[Seite 48] schiednen Nahrung dieser Thiere auch verschie-
dentlich gebildet. Bey den fleischfressenden nähm-
lich ist die Krone zackig und scharf; bey den
grasfressenden oben breit und eingefurcht; und
bey denen, die sich, so wie der Mensch, aus
beiden organisirten Reichen nähren, in der Mitte
eingedruckt, und an den Ecken abgerundet.

Manche Säugethiere, wie z.B. der Ele-
phant und der Narwhal haben große promini-
rende Stoßzähne (dentes exserti); andre wie
z.B. das Wallroß, Hauzähne etc.

§. 45.

Bloß unter den Säugethieren, und zwar
nur unter den grasfressenden, gibt es wirklich
wiederkauende Gattungen, bey welchen nähm-
lich das zuerst bloß flüchtig zerbißne und ge-
schluckte Futter bissen-weise wieder durch den
Schlund zurück getrieben, und nun erst recht
durchkaut und dann zum zweyten Mahl ge-
schluckt wird.

Zu diesem Zweck haben die wiederkauenden
Thiere eine eigne Einrichtung des Gebisses; indem
ihre Backenzähne wie mit sägeförmigen Queer-
furchen ausgeschnitten sind, und die Kronen der-
selben nicht horizontal liegen, sondern schräg-
ausgeschlägelt sind, so daß an denen im Ober-
kiefer die Außenseite, an denen im untern aber die
nach der Zunge hin gerichtete innere Seite, die
höchste ist. Dabey haben sie einen schmalen
[Seite 49] Unterkiefer, der eine sehr freye Seitenbewegung
hat, wodurch denn, wie der Augenschein lehrt,
der Mechanismus dieser sonderbaren Verrichtung
von dieser Seite bewirkt wird.

Anm. 1. Bey denjenigen ruminantibus, die zugleich
gespaltene Klauen haben (pecora), kommt nun
außerdem noch der vierfache Magen hinzu, dessen
innerer Bau und Mechanismus überaus merkwür-
dig ist. Das zum ersten Mahl geschluckte noch bald
rohe Futter gelangt nähmlich in den ungeheuern
ersten Magen, (rumen, magnus venter, franz.
le double, l'herbier, la panse, der Pansen, Wanst),
als in ein Magazin, worin es nur ein wenig durch-
weicht wird. Von da wird eine kleine Portion
dieses Futters nach der andern mittelst des zweyten
Magens (reticulum, franz. le bonnet, le reseau,
die Haube, Mütze, das Garn) der gleichsam nur
ein Anhang des ersten ist, aufgefaßt und wieder
durch den Schlund hinauf getrieben. Nun wird
der wiedergekaute zum zweyten Mahl geschluckte
Bissen durch eine besondere Rinne, ohne wieder
durch die beiden ersten Mägen zu passiren, gleich
aus dem Schlunde in den dritten (echinus, cen-
tipellio, omasus,
franz. le feuillet, le pseautier,
das Buch, der Psalter, der Blättermagen) gelei-
tet, wo er sich wohl bey der geringen Weise des-
selben nicht lange aufhalten kann, sondern von da
endlich zur völligen Verdauung in den vierten
(abomasus, franz. la caillette, der Laab, die Ruthe,
der Fettmagen) gelangt, der dem Magen andrer
Säugethiere am nächsten kommt.

Anm. 2. Der allgemeine Haupt-Nutzen der Rumination
scheint noch unbekannt. – Vielen kleinen, schüch-
ternen, unbewaffneten, wiederkauenden Thieren
und denen noch dazu von reissenden Thieren so
sehr nachgestellt wird, kommt sie in sofern zu
passe, daß sie ihr Futter auf der offnen Weide
geschwind abgrasen und dann im Dickicht in Ruhe
und Sicherheit gemächlich ruminiren können etc.

§. 46.

[Seite 50]

Außer den Klauen, Zähnen etc. sind viele
Säugethiere auch mit Hörnern als Waffen ver-
sehen. Bey einigen Gattungen, wie beym Hirsch,
Reh etc. sind die Weibchen ungehörnt; bey andern,
wie beym Renthier und im Ziegengeschlecht, sind
ihre Hörner doch kleiner als der Männchen ihre.
Anzahl, Form und Lage, besonders aber die Tex-
tur der Hörner ist sehr verschieden. Beym Ochsen-
Ziegen- und Gazellengeschlecht sind sie hohl, und
sitzen wie eine Scheide über einem knöchernen
Zapfen oder Fortsatz des Stirnbeins. Die Hör-
ner der beiderley Rhinocer sind dichte, und bloß
mit der Haut auf der Nase verwachsen. Beym
Hirschgeschlecht hingegen, sind sie zwar ebenfalls
solide, aber von mehr knochenartiger Textur, und
ästig. Sie heissen dann Geweihe, und werden
gewöhnlich alljährlich abgeworfen und neue an
ihrer Statt reproducirt.

§. 47.

Die Oeffnung des Afters wird bey den meh-
resten Säugethieren durch den Schwanz bedeckt,
der eine Fortsetzung des Kuckucksbeins (coccyx),
und von mannigfaltiger Bildung und Gebrauch
ist. Er dient z.B. manchen Thieren sich der
stechenden Insecten zu erwehren; vielen Meer-
katzen und einigen andern Americanischen und
Neu-Holländischen Thieren statt einer Hand,
um sich daran halten, oder damit fassen zu können
(cauda prehensilis, Rollschwanz); den Jaculis
[Seite 51] zum Springen (cauda saltatoria), dem Kän-
guruh zum Gleichgewicht bey seiner aufrechten
Stellung und zur Verteidigung etc.

§. 48.

Auch sind am Körper einiger Thiere dieser
Classe besondere Beutel von verschiedner Bestim-
mung zu merken. So haben viele Affen, Pa-
viane, Meerkatzen, auch der Hamster, die Zisel-
maus u.a., Backentaschen (thesauri, Fr.
salles), um Proviant darin einschleppen zu
können. Beym Weibchen der Beutelthiere
liegen die Zitzen in einer besondern Tasche am
Bauche, worein sich die saugenden Junge
verkriechen.

§. 49.

Manche Säugethiere, wie z.B. die mehre-
sten größern Grasfressenden, sind gewöhnlich nur
mit einem Jungen auf einmahl trächtig; andre
hingen, wie z.B. die Raubthiere, und die
Schweine mit mehrern zugleich.

Die Leibesfrucht steht mit der Mutter durch
die so genannte Nachgeburt (secundinae) in Ver-
bindung, welche aber von verschiedner Gestaltung
ist; da sie z.B. im Menschengeschlecht einen ein-
fachen größeren Mutterkuchen (placenta) bildet,
hingegen bey den wiederkauenden Thieren mit ge-
spaltnen Klauen (pecora) in mehrere, theils sehr
zahlreiche, zerstreute kleine solche Verbindungsor-
gane (cotyledones) vertheilt ist u.s.w.

§. 50.

[Seite 52]

Die Wichtigkeit der Thiere überhaupt läßt
sich hauptsächlich aus einem zweyfachen Gesichts-
puncte bestimmen; entweder nähmlich, in so fern
sie auf die Haushaltung der Natur im Großen,
auf den ganzen Gang der Schöpfung Einfluß
haben; oder in so fern sie dem Menschen unmit-
telbar nutzbar werden. Aus jener Rücksicht sind,
wie wir unten sehen werden, die Insecten und
Gewürme die bey weiten wichtigsten Geschöpfe;
aus dieser hingegen die Säugethiere. Die Ver-
schiedenheit in ihrer Bildung, ihre große Geleh-
rigkeit, ihre Stärke u.s.w. machen sie für den
Menschen auf die mannigfaltigste Weise brauch-
bar. Aus keiner andern Classe von Thieren hat
er sich so treue, dienstfertige und arbeitsame
Gehülfen zu schaffen gewußt; keine ist ihm
zu seinem unmittelbaren Gebrauch und zu seiner
Selbsterhaltung so unentbehrlich als diese. –
Ganze Völker des Erdbodens können mit einer
einzigen Art von Säugethieren fast alle ihre
dringendsten Bedürfnisse befriedigen. So die
Grönländer mit dem Seehund; die Lappen,
Tungusen etc. mit dem Renthier; die Aleuten
mit dem Wallfisch.

§. 51.

Die vielfache Brauchbarkeit der Säugethiere
fürs Menschengeschlecht reducirt sich vorzüglich
auf folgendes. Zum Reiten, zum Zug, Acker-
[Seite 53] bau, Lasttragen u.s.w.: Pferde, Maulthiere,
Esel, Ochsen, Büffel, Renthiere, Elephanten,
Camele, Llacmas, Hunde. Zur Jagd, zum
Bewachen etc. Hunde. Zum Mausen und Ver-
tilgen anderer schädlichen Thiere: Katzen, Igel
Ameisenbären etc. Zur Speise: das Fleisch von
Rindvieh, Schafen, Ziegen, Schweinen, vom
Hirschgeschlecht, von Hasen, Kaninchen, u.s.w.
Ferner Speck, Schmalz, Blut, Milch, But-
ter, Käse. Zur Kleidung, zu Decken, Zel-
ten etc. Pelzwerk, Leder, Haare, Wolle etc. Zum
Brennen: Talg, Fischthran, Wallrath. Zum
Schreiben, Bücherbinden etc. Pergament,
Leder. Für andere Künstler und zu gemischten
Gebrauch: Borsten, Haare, (zumahl Pferde-
Haar) Geweihe, Hörner, Klauen, Elfenbein u.a.
Zähne, Fischbein, Knochen, Blasen. Sehnen
und Knochen zu Tischerleim. Därme zu Sai-
ten. Blut zu Farbe. Mist zum Dünger, zur
Feuerung, zu Salmiak etc. Endlich zur Arz-
ney: Bisam, Bibergeil, Hirschhorn, Milch etc.

§. 52.

Von der andern Seite sind aber freylich
mehrere Thiere dieser Classe dem Menschenge-
schlecht unmittelbar oder mittelbar nachtheilig.
Manche reissende Thiere, besonders aus dem
Katzen-Geschlecht, fallen Menschen an. Eben
diese und noch manche andere, z.B. die Wiesel,
Marder, Iltise, Vielfraße, Fischottern, Wall-
[Seite 54] fische etc. vertilgen viele nutzbare Thiere: –
oder schaden den Gewächsen, Bäumen, Gar-
tenfrüchten, dem Getreide u.s.w. wie die Feld-
mäuse, Hamster, Leming, Hirsche, Hasen,
Biber, Affen, Elephanten, Rhinocer, Nil-
pferde etc. oder gehen andern Eßwaaren nach;
wie Ratten, Mäuse, Fledermäuse, Murmel-
thiere u.s.w. Gift scheint kein einziges Thier
dieser Classe zu besitzen, außer in der Wuth und
Wasserscheue, der zumahl die aus dem Hundege-
schlecht ausgesetzt sind.

§. 53.

Man hat verschiedene künstliche, d.h. bloß
von einzelnen zum Classificationsgrunde geleg-
ten Charactern entlehnte. Systeme (systemata
artificialia
), nach welchen verdiente Naturfor-
scher die Säugethiere zu ordnen versucht haben.
Aristotelis Eintheilung z.B. ist auf die Verschie-
denheit der Zehen und Klauen gegründet, und
die haben auch Ray u.a. nach der Hand ange-
nommen und weiter bearbeitet. Aber hierbey
müssen die verwandtesten und im Ganzen noch so
ähnlichen Gattungen von Ameisenbären, Faul-
thieren etc. getrennt, und in ganz verschiedene
Ordnungen versetzt werden, bloß weil die eine
mehr, die andere weniger Zehen hat. Linné
hat die Zähne zum Classificationsgrund gewählt,
ein Weg, auf dem man aber nicht minder, bald
auf die unnatürlichsten Trennungen, bald auf die
[Seite 55] sonderbarsten Verbindungen stößt*). Das
Geschlecht der der Fledermäuse muß nach des Ritters
Entwurf, wegen des verschiedenen Gebisses bey
einigen Gattungen wenigstens in drey verschiedene
Ordnungen zerstückt werden; so die beiderley
Nashörner in zwey; – so die verschiedenen Gat-
tungen des Schweinegeschlechts ebenfalls in zwey
verschiedene Ordnungen etc. Dagegen kommt der
Elephant mit den Panzerthieren, und den formo-
sanischen Teufelchen in eine gemeinschaftliche
Ordnung etc.

§. 54.

Ich habe daher diesen Mängeln abzuhelfen,
und ein natürliches System der Säugethiere zu
entwerfen getrachtet, wobey ich nicht auf ein-
zelne abstrahirte, sondern auf alle äußere Merk-
mahle zugleich, auf den ganzen Habitus der
Thiere gesehn habe**). So sind Thiere die in
[Seite 56] neunzehn Stücken einander ähnelten, und nur im
zwanzigsten differirten, doch zusammen geordnet
worden, dieses zwanzigste mochten nun die Zähne
oder die Klauen oder irgend ein andrer Theil
seyn; und so sind denn folgende zehn Ordnun-
gen dieser ersten Classe entstanden:

I. Ordn. Bimanus. Der Mensch mit zwey
Händen.

II. Quadrumana. Thiere mit vier Händen.
Affen, Paviane, Meerkatzen, und Makis.

III. Bradypoda. Säugethiere, deren gan-
zer Körperbau auf den ersten Blick Träg-
heit und Langsamkeit verräth. Faulthiere,
Ameisenbären u. dergl.

IV. Chiroptera. Die Säugethiere, deren
Vorderfüße Flatterhäute bilden (§. 43).
Die Fledermäuse.

V. Glires. Die nagenden Säugethiere.
Sie nähren sich bis auf sehr wenige Aus-
nahmen (– und im ganz wilden Zustande
vermuthlich alle –) von Vegetabilien,
zumahl von härtern, die sie benagen.
Dahin gehören Eichhörnchen, Mäuse,
Hasen, Biber etc.

[Seite 57]

VI. Ferae. Reissende oder doch sonst Fleisch-
fressende Säugethiere, als wovon nur
einige wenige Gattungen ausgenommen
sind. Bären, Hunde, Katzen, Marder,
Ottern und mehr andere.

VII. Solidungula. Pferd etc.

VIII. Pecora. Die wiederkauenden Thiere
mit gespaltnen Klauen.

IX. Belluae. Meist sehr große, oder un-
förmliche, borstige oder dünn behaarte
Säugethiere. Schwein, Elephant, Nas-
horn, Nilpferd u. dergl.

Der Manate macht von hier den schick-
lichsten Uebergang zur

Xten O. Cetacea. Wallfische, warmblütige
Thiere, die mit den kaltblütigen Fischen
fast nichts als den unschicklichen Nahmen
gemein haben, und deren natürliche Ver-
bindung mit den übrigen Säugethieren
schon Ray vollkommen richtig einge-
sehen hat*).

* * *

Zur N. G. der Säugethiere.

[Seite 58]
  1. Conr. Gesneri historiae animalium L. I. de quadrupedi-
    bus viuiparis.
    Basil. 1551. fol.
  2. Ul. Aldrovandi de quadrupedibus digitatis viuiparis L. III.
    Bonon. 1627. fol.
  3. Id. de quadrupedibus solidipedibus ib. 1616. fol.
  4. Id. de quadrupedibus bisulcis ib. 1613. fol.
  5. Ei. de cetis L. I. (am Ende seines Werkes de piscibus)
    ib. eod. fol.
  6. Io. Raii. synopsys animalium quadrupedum. Lond. 1613. 8.
    Buffon.
  7. Th. Pennant's history of quadrupeds. Lond. 1781.
    II. vol. 4.
  8. Ei. arctic zoology. vol. I. ib. 1784. 4.
  9. J. Ch. Dan. v. Schrebers Säugethiere. Erlang. seit
    1774. 4.
  10. I. Chr. Pol. Erxleben systema mammalium. Lips. 1777. 8.
  11. E. A. W. Zimmermanns geographische Geschichte des
    Menschen, und der allgemein verbreiteten vierfüßi-
    gen Thiere. Leipz. 1778. III. B. 8.
  12. J. M. Bechsteins gemeinnützige N. G. Deutschlands
    I. B. Leipz. 1789. 8.
  13. A general history of Quadrupeds. The figures engraved on
    wood by
    I. Bewick. Newcastle upon Tyne 1790. 8.

I. Ordn. BIMANVS.

[Seite 59]

1. Geschl. Homo. Erectus, bimanus. Mento
prominulo. Dentibus aequaliter appro-
ximatis
; incisoribus inferioribus erectis.

1. Gatt. sapiens. Zu den äußern Kennzeichen, wo-
durch der Mensch selbst vom Menschenähnlichsten
Affen, geschweige von den übrigen Thieren zu
unterscheiden ist, gehört vorzüglich sein aufrech-
ter Gang, (als wozu sein ganzer Wuchs und
Bildung besonders aber seine beckenähnlichen Hüft-
knochen, das Verhältniß seiner Schenkel zu den
Armen und seine breiten Fußsohlen, eingerichtet
sind), dann der freyeste Gebrauch zweyer voll-
kommnen Hände; ferner die aufrechte Stellung
seiner untern Schneidezähne, und (was dieser
Stellung entspricht) sein prominirendes Kinn.

Das weibliche Geschlecht hat noch ein paar
eigenthümliche Charaktere, die dem männlichen
und allen übrigen Thieren abgehen, nähmlich
einen periodischen Blutverlust in einer bestimmten
Reihe von Lebensjahren; und dann einen beson-
dern Theil an den Sexual-Organen, dessen Man-
gel oder Zerstörung als ein körperliches Kenn-
zeichen der verletzten jungfräulichen Integrität
anzusehen ist.

Was aber die Seelenfähigkeiten des Menschen
betrifft, so hat er außer dem Begattungstrieb
wenig Spuren von Instinct (§. 34. u. f.), Kunst-
triebe aber (§. 36.), schlechterdings gar nicht.
Dagegen ist er ausschließlich im Besitz der Ver-
nunft (§. 37.), und der dadurch von ihm selbst
erfundenen Rede oder Sprache (loquela), die
nicht mit der bloß thierischen Stimme (vox) als
[Seite 60] welche auch den ganz jungen und selbst den stumm-
gebornen Kindern zukommt, verwechselt werden
darf (§. 25.).

* * *

Der Mensch ist für sich ein wehrloses hülfs-
bedürftiges Geschöpf. Kein andres Thier außer
ihm bleibt so lange Kind, keins kriegt so sehr
späthe erst sein Gebiß, lernt so sehr späht erst auf
seinen Füßen stehn, keins wird so sehr späth mann-
bar u.s.w. Selbst seine großen Vorzüge, Ver-
nunft und Sprache, sind nur Keime, die sich nicht
von selbst, sondern erst durch fremde Hülfe, durch
Cultur und Erziehung entwickeln können; daher
denn bey dieser Hülfsbedürftigkeit und bey diesen
zahllosen dringenden Bedürfnissen die allgemeine
natürliche Bestimmung des Menschen zum gesel-
ligen Umgang. Nicht ganz so allgemein läßt
sich hingegen vor der Hand noch entscheiden, ob
in allen Welttheilen die Proportion in der Anzahl
der gebornen Knäbchen und Mädchen, und die
Dauer der Zeit der Fortpflanzungsfähigkeit bey
beiden Geschlechtern so gleich sey, daß der Mensch
überall so wie in Europa zur Monogamie
bestimmt sey.

Sein Aufenthalt und seine Nahrung sind
beide unbeschränkt; er bewohnt die ganze bewohn-
bare Erde, und nährt sich beynahe aus der ganzen
organisirten Schöpfung. Und in Verhältniß zu
seiner mäßigen körperlichen Größe, und in Ver-
gleich mit andern Säugethieren erreicht er ein
ausnehmend hohes Alter.

* * *

Es giebt nur eine Gattung (species) im Men-
schengeschlecht; und alle und bekannten Völker aller
Zeiten und aller Himmelsstriche können von einer
[Seite 61] gemeinschaftlichen Stammrasse abstammen*). Alle
National-Verschiedenheiten in Bildung und Farbe
des menschlichen Körpers sind um nichts auf-
fallender oder unbegreiflicher als die, worin so
viele andere Gattungen von organisirten Körpern,
zumahl unter den Hausthieren, gleichsam unter
unseren Augen ausarten. Alle diese Verschieden-
heiten fließen aber durch so mancherley Abstufun-
gen und Uebergänge so unvermerkt zusammen,
daß sich keine andre, als sehr willkürliche Grenzen
zwischen ihnen festsetzen lassen. Doch habe ich
das ganze Menschengeschlecht noch am füglichsten
unter folgende fünf Rassen zu bringen geglaubt:

1) Die Caucasische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 3.

von weißer Farbe mit rothen Wangen, langen,
weichem, nußbraunen Haar (das aber einerseits
ins Blonde anderseits ins Dunkelbraune über-
geht); und der nach den Europäischen Begriffen
von Schönheit musterhaftesten Schedel- und
Gesichts-Form. Es gehören dahin die Euro-
päer mit Ausnahme der Lappen und übrigen
Finnen; dann die westlichern Asiaten, dies-
seits des Obi, des Caspischen Meers und des
Ganges; nebst den Nordafricanern; – also
ungefähr die Bewohner der den alten Griechen
und Römern bekannten Welt.

2) Die Mongolische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 1.

meist waizengelb (theils wie gekochte Quitten,
oder wie getrocknete Citronschaalen); mit we-
nigem, straffem, schwarzem Haar; enggeschlitz-
[Seite 62] ten Augenliedern; plattem Gesicht; und seit-
wärts eminirenden Backenknochen. Diese Rasse
begreift die übrigen Asiaten, mit Ausnahme
der Malayen; dann die Finnischen Völker in
Europa (Lappen etc.), und die Eskimos im
nördlichsten America von der Beringsstraße bis
Labrador.

3) Die Aethiopische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 5.

mehr oder weniger schwarz; mit schwarzem
krausem Haar; vorwärts prominirenden Kiefern,
wulstigen Lippen, und stumpfer Nase. Dahin
die übrigen Afrikaner, nahmentlich die Neger,
die sich dann in die Habessinier, Mauren etc.
verlieren, so wie jede andre Menschen-Varietät
mit ihren benachbarten Völkerschaften gleichsam
zusammen fließt.

4) Die Americanische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 2.

Lohfarb oder zimmtbraun (theils wie Eisenrost
oder angelaufnes Kupfer); mit schlichtem straf-
fem schwarzem Haar, und breitem aber nicht
plattem Gesicht, sondern stark ausgewirkten
Zügen. Begreift die übrigen Americaner
außer den Eskimos.

5) Die Malayische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 4.

von brauner Farbe (einerseits bis ins helle Ma-
hagony anderseits bis ins dunkelste Nelken- und
Castanienbraun); mit dichtem schwarzlockigem
Haarwuchs; breiter Nase; großen Mund. Dahin
gehören die Südsee-Insulaner oder die Be-
wohner des fünften Welttheils und der Maria-
nen, Philippinen, Molucken, Sundaischen In-
seln etc. nebst den eigentlichen Malayen.

[Seite 63]

Von diesen fünf Haupt-Rassen muß nach allen
physiologischen Gründen die Caucasische als die
mittlere oder Stamm-Rasse angenommen wer-
den. Die beiden Extreme, worin sie ausgeartet,
ist einerseits die Mongolische, anderseits die
Aethiopische. Die übrigen beiden machen die
Uebergänge. Die Americanische den, zwischen
der Caucasischen und Mongolischen. Die Ma-
layische den, zwischen jener Mittel-Rasse und
der Aethiopischen.

* * *

Alle den fabelhaften Wust herzuzählen, womit
die Menschen die N. G. ihres Geschlechts ver-
unreinigt haben, lohnt sich kaum mehr der
Mühe: die vermeintlichen Patagonischen Riesen
z.B. sind, von Magalhaens Zeiten bis auf
die unsrigen, in den Erzählungen der Reisen-
den, von zwölf Fuß zu siebentehalb eingekrochen,
und bleiben also wenig größer als jeder andre
Mensch von guter Statur.

Und daß die noch neuerlich von Commerson für
ein Zwergvölkchen ausgegebnen Quimos auf
Madagascar nichts weiter sind als eine Art
Cretine d.h. kleine Blödsinnige mit dicken
Köpfen und langen Armen, (dergleichen sich
im Salzburgischen, so wie im Walliserlande,
zumal aber im Piemontesischen in Menge finden)
wird bey pathologischer Prüfung mehr als bloß
wahrscheinlich.

Eben so sind die Kackerlacken, Blafards, Albi-
nos, oder weiße Mohren nicht ein Mahl eine
Spielart, geschweige eine besondre Gattung,
sondern gleichfalls Patienten, deren Geschichte
mehr in die Pathologie als in die Naturhi-
storie gehört.

[Seite 64]

Linnés Homo troglodytes ist ein unbegreifliches
Gemische aus der Geschichte jener preßhaften
kränklichen weißen Mohren, und des Orang-
utangs: – sein Homo lar hingegen ein wah-
rer Affe.

Die in Wildniß unter Thieren erwachsenen Kin-
der sind klägliche sittliche Monstra, die man
eben so wenig, als andre durch Krankheit oder
Zufall entstellte Menschen, zum Muster des
Meisterstücks der Schöpfung anführen darf.

Geschwänzte Völker, von Natur geschürzte
Hottentottinnen, die vorgebliche natürliche
Bartlosigkeit der Americaner, die Sirenen,
Centauren, und alle Fabeln von gleichem
Schrot und Korn, verzeihen wir der gutherzi-
gen Leichtgläubigkeit unsrer lieben Alten.


II. QVADRVMANA.

Säugethiere mit vier Händen, wie es ihre
Lebensart und ihr Aufenthalt auf den Bäumen
erfordert. Sie sind ursprünglich wohl bloß zwi-
schen den Wendezirkeln zu Hause.

2. Simia. Affe. Habitus plus minus an-
thropomorphus, auriculae et manus fere
humanae. Dentes
primores incisores,
supra et infra 4.
laniarii solitarii, reli-
quis longiores
.

Bloß in der alten Welt; zwar menschenähn-
licher als die Thiere der nächstfolgenden Ge-
[Seite 65] schlechter*), doch aber außer dem schon beym
Menschengeschlecht angeführten Umständen, in ihrer
ganzen Bildung, besonders auch durch die schma-
len Hüften und platten Lenden, aufs ausfallend
sichtlichste vom Menschen unterschieden.

a) Ungeschwänzte.

1. Troglodytes. der Africanische Waldmensch,
Schimpansee, Pongo, Jocko, Barris.
S. nigra, macrocephala, torosa, auriculis
magnis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 11.

Im innern von Angola, Congo etc. und tiefer
landeinwärts; hat doch ein etwas mehr menschen-
ähnliches Ansehen als der folgende eigentliche
Orangutang, mit welchem er insgemein verwechselt
worden**), scheint auch mehr untersetzt, stämmig;
[Seite 66] ungefähr aber mit ihm von gleicher Größe, etwa
wie ein achtjähriger Bube.

2. Satyrus. der Ostindische Waldmensch, ei-
gentliche Orangutang. S. subfusca, auri-
culis minoribus pollice manuum posterio-
rum mutico, vngue destituto.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 12.

Wie es scheint bloß auf Borneo; läßt sich, wenn
er ganz jung eingefangen worden, so wie der vor-
gedachte Schimpansee und andere Affen auch, zu
allerhand künstlichen Handlungen abrichten, die
man aber von seinem natürlichen Betragen genau
unterscheiden muß.

Camper hat aus der Zergliederung eines sol-
chen Thiers die physische Unmöglichkeit erwiesen,
daß es je einer menschlichen Rede, oder eines na-
türlichen aufrechten Ganges etc. fähig seyn könnte.

3. Lar. der Gibbon oder Golok. (Linnés
Homo lar.) S. brachiis longissimis, talos
attingentibus.

Schreber tab. 3.

Auf beiden Indischen Halbinseln, auch auf den
Molucken; hat ein rundliches ziemlich menschen-
ähnliches Gesicht und ungeheuer lange Arme.
Ist von schwärzlicher Farbe, und wird gegen
vier Fuß hoch.

4. Syluanus. der gemeine Türkische Affe.
S. brachiis corpore breuioribus, natibus
caluis, capite subrotundo.

Schreber tab. 4.

Der allgemeinste und dauerhafteste Affen, der
auch oft in Europa Junge heckt; ist leicht zu
zähmen, und sehr gelehrig; lebt scharenweise in
[Seite 67] Nordafrica, Ostindien etc. Ihm ähnelt der inuus
(cynocephalus, Büffons magot) der auch glei-
ches Vaterland mit ihm hat. Einer von beiden
ist auch auf Gibraltar verwildert, und hat sich da
im Freyen fortgepflanzt.

b) Geschwänzte.

5. Rostrata. der langnasige Affe, Kahau,
Bantagan, (Fr. le nasique, la guenon à
long nez
). S. cauda mediocri, naso elon-
gato, rostrato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 13.

Auf den Sundaischen Inseln. Eine simia die
nicht sima ist, sondern sich durch eine lange rüssel-
förmige Nase auffallend auszeichnet.

6. Cynomolgus. der Macacco. die (insgemein
so genannte) Meerkatze. S. cauda longa,
arcuata, labio leporino.

Schreber tab. 13.

Auf Guinea, Angola etc. beynahe olivengrün.
Ueberaus lebhaft und dauerhaft, daher er häufig
nach Europa gebracht wird.

7. Aygula (Büffon's aigrette). S. subimber-
bis grisea, eminentia pilosa verticis reuersa
longitudinali
.

Schreber tab. 22.

In Ostindien. Graugelblich. Von der Größe
einer Katze.

3. Papio Pavian. (Fr. babouin. Engl.
baboon.) Facies prolongata, minus an-
thropomorpha, nasus vtrinque tuberosus,
nates nudae, coccineae, cauda abbre-
viata. Dentes vt in simiis.

[Seite 68]

Auch bloß in der alten Welt. Ihr Kopf hat
wenig menschenähnliches, bey manchen eher etwas
vom Schwein, zumahl in der breiten Schnauze.
Meist sind es unbändige, und äußerst geile Thiere.

1. Mormon. der Choras. P. naso miniato,
ad latera caerulescente.

Schreber tab. 8. A. 8. B.

Auf Ceilan etc. Wird gegen fünf Fuß hoch; hat
zumahl wegen der hochfarbigen Streifen auf und
zu beiden Seiten der Nase, ein auffallendes Ansehn.

2. Maimon. (Mandril.) P. facie violacea
glabra, profunde sulcata.

Schreber tab. 7.

Auf Guinea, am Cap etc. wo oft ganze Scha-
ren des Nachts Weinberge und Obstgärten plün-
dern sollen. Kleiner als der vorige.

4. Cercopithecvs. Meerkatze. Au-
riculae et manus minus humanae. Nates
tectae. Dentes vt in simiis.

Das ganze Geschlecht ist bloß im wärmern Süd-
America einheimisch, wo es den einheimischen In-
dianern zu einem gemeinen Wildpret dient.

a) Cauda prehensili, die Sapajus.

1. Paniscus. der Coaita, Beelzebub. C. ater,
palmis tetradactylis
absque pollice.

Schreber tab. 26. A. 26. B.

Hat ungemeines Geschick in seinem langen
Rollschwanz*).

[Seite 69]

b) Cauda non prehensili, die Sanguinchen.

2. Iacchus. der Uistiti. C. iuba pilosa alba
ad genas ante aures, cauda villosa annulata.

Schreber tab. 33.

Braun, und so klein, daß er in einer Cocosnuß-
Schale Raum hat.

5. Lemvr. Maki. Nasus acutus, dentes
primores superiores 4. inferiores 6. por-
recti, compressi, incumbentes;
laniarii
solitarii, approximati.

1. Tardigradus. der Loris. (cucang.) L.
ecaudatus.

Schreber tab. 38.

Auf Ceilan; hat die Größe und Farbe des Eich-
hörnchens, schlanke dünne Beine etc. und so wie
die folgende Gattung am Zeigefinger der Hinter-
füße eine spitzige Kralle, an allen übrigen Fingern
aber platte Nägel.

2. Mongoz. der Mongus. L. facie nigra,
corpore et cauda griseis
.

Schreber tab. 39. A. 39. B.

So wie einige verwandte Gattungen auf Ma-
dagascar, und den benachbarten Inseln. Hat einen
langen fast wolligen Schwarz, den er im Sitzen
um den Hals schlägt. Die Hinterfüße sind viel
länger als die vordern. Sein Fell hat, wie bey
manchen Affen, einen specifiken Geruch, fast nach
Ameisenhaufen.

III. BRADYPODA. (Tardigrada Jo. R.
Forster.)

[Seite 70]

Der Bau der Füße und der ganze Habitus
dieser Thiere verräth ihren trägen langsamen
Gang. Meist haben sie wenige Zehen an den
Vorderfüßen, die aber mit großen krummen
Klauen versehen sind, und zum Klettern auf
Bäumen dienen. Andere graben in die Erde.

6. Bradypvs. Faulthier. Ignauus. (Fr.
paresseux, Engl. sloth.) Caput rotun-
datum, crura antica longiora. Detnes

primores nulli vtrinque; laniarii (?) ob-
tusi, solitarii
; molares cylindrici, obtusi.

1. Tridactylus. der Aï. B. pedibus tridacty-
lis, cauda breui.

Schreber tab. 64.

In Guiana etc. Freylich ein äußerst langsames
schwerfälliges, aber bey aller dieser Trägheit listi-
ges und im Nothfall muthiges und starkes Geschöpf;
hat dabey ein äußerst zähes Leben, und wenige
Bedürfnisse. Frißt Laub, säuft gar nicht etc.

7. Myrmecophaga. Ameisenbär. (Fr.
fourmiller, Engl. ant-eater.) Rostrum
productius, lingua lumbriciformis; den-
tes nulli.

1. Didactyla. der kleine Tamandua. M. pal-
mis didactylis, vngue exteriore maximo,
plantis tetradactylis; cauda prehensili
.

Schreber tab. 66.

Ebenfalls in Südamerica; von der Größe und
auch fast von der Farbe des Eichhörnchens. Nährt
[Seite 71] sich von den dortigen großen Ameisen, indem er
mit den großen hakenförmigen Krallen der Vorder-
füße die mit einer festen Erdrinde bedeckten Amei-
senhaufen aufkratzt, und dann seine vier Zoll lange
klebrige Zunge hinein steckt.

8. Manis. Schuppenthier, Formosanisches
Teufelchen. Corpus squamis tectum; lin-
gua teres; dentes nulli.

Die Bekleidung ausgenommen, haben die Thiere
dieses Geschlechts, in ihrer Bildung, Lebensart etc.
viel Aehnlichkeit mit den Ameisenbären. Von
vielen ältern Naturforschern werden sie unter die
Eideren gezählt.

1. Tetradactyla. der Phatagin. M. cauda lon-
giore
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 14.

Auf Formosa und dem benachbarten Asien. Von
der Größe des obigen Ameisenbären. Sein ca-
stanienbraun geschuppter Körper ähnelt einem Tan-
nenzapfen.

9. Tatv. Armadill, Panzerthier, Gürtelthier.
(dasypus Linn.) Corpus testis zonisque
osseis
cataphractum; dentes primores et
laniarii nulli.

1. Nouemcinctus. der Caschicame. Zonis dor-
salibus
9. palmis tetradactylis; plantis pen-
tadactylis.

Schreber tab. 74.

In Südamerica, bis an die Magellanische
Straße. Baut unter die Erde, wird sehr kirre,
rollt sich bey Gefahr, so wie die Schuppenthiere
und der Igel kuglich zusammen.

IV. CHIROPTERA.

[Seite 72]

Die Finger der Vorderfüße sind, den Dau-
men ausgenommen, länger als der ganze Kör-
per dieser Thiere; und zwischen denselben ist die
florähnliche Flatterhaut ausgespannt (§. 43.).
Daher können sie eben so wenig als die Affen
mit ihren Händen, oder die Faulthiere mit ihren
hakenförmigen Kletterkrallen etc. bequem auf der
Erde gehn.

10. Vespertilio. Fledermaus. (Fr. chau-
vesouris
. Engl. bat.) Pollex palmarum et
digiti plantarum breues, reliqui longis-
simi, membranae expansili intertexti,
pro volatu.

Ein weitläuftiges Geschlecht von animalibus
nocturnis
, dessen verschiedene Gattungen in alle
fünf Welttheile verbreitet sind.

a) Dentibus primorbius 4. vtrinque.

1. Spectrum. der Vampyr. V. ecaudatus, naso
infundibiliformi lanceolato.

Schreber tab. 45.

In Südamerica; der Körper von der Größe
des Eichhorns. Wird dadurch sehr lästig, daß er
nicht nur anderen größeren Säugethieren, dem
Rindvieh, Pferden etc. sondern auch schlafenden
Menschen, bey welchen er sich vorzüglich an die
Fußzehen setzt, Blut aussaugt, woher er denn
auch den Nahmen des Vampyrs (Blutsaugers)
erhalten hat*).

[Seite 73]

2. Caninus. der fliegende Hund. (Linnés vam-
pyrus
, Büffon's roussette.) V. ecaudatus,
naso simplici, membrana inter femora diuisa.

Schreber tab. 44.

Weit größer als der Vampyr, so daß er mit
ausgespannten Flatterhäuten gegen 6 Fuß messen
soll, lebt aber bloß von Baumfrüchten und kann
also schlechterdings nicht Vampyr genannt werden:
findet sich scharenweise aus den Molucken und an-
dern Ostindischen- und Austral-Inseln; in unzäh-
liger Menge aber auf Neu-Holland.

b) dentibus primoribus supra 4. infra 6.

3. †. Auritius. (Büffon's oreillard.) V. cau-
datus, auriculis maximis.

Schreber tab. 50.

So wie die folgende in den mildern Gegenden
der alten Welt. Ihre Ohren, die man insgemein,
aber fälschlich, doppelt nennt, sind einfach, nur
alle Theile ungeheuer groß.

4. †. Murinus. die gemeine Fledermaus, Speck-
maus. (Engl. Rere-mouse.) V. caudatus,
auriculis capite minoribus.

Hängt sich so wie auch die vorige Gattung zu
ihrem Winterschlaf in Höhlen an den Hinter-
füßen auf.

V. GLIRES. (Scalpris dentata Jo.
Hunter.)

[Seite 74]

Die weitläufige Ordnung von Säugethieren,
die sich größtentheils von härtern Vegetabilien
nähren, die sie mit ihren, besonders dazu einge-
richteten, scharfen, einzeln stehenden Vorder-
zähnen benagen. Hingegen haben sie keine
Eckzähne.

11. Scivrvs. Cauda pilosa, disticha.
Dentes
primores vtrinque 2; inferiores
subulati.

1. Volans. das fliegende Eichhörnchen, der
Polatusche. S. duplicatura cutis laterali a
pedibus anterioribus ad posteriores.

Schreber tab. 223.

Fast auf der ganzen nördlichen Erde. Das schlaffe
Fell, das von den Vorderfüßen nach den Hinter-
füßen zu auf der Seite wegläuft, dient ihm nur
wie zu einem Fallschirm, um einen weitern Sprung
von der Höhe herab wagen zu dürfen.

2. †. Vulgaris. das Eichhörnchen. (Fr. l'ecu-
reil.
Engl. the squirrel.) S. auriculis apice
barbatis, cauda dorso concolori.

Wohl in ganz Europa, fast ganz Asien und im
nördlichen America. Lebt fast bloß auf den Bäu-
men, da ihm bey den schnellen weiten Sprüngen der
Schwanz ebenfalls statt Fallschirm, und die immer
stark dunstenden, feuchten und großen Fußsohlen zum
festern Tritt helfen. Macht sich in den Gipfeln
der Tannen und Eichen ein Nest aus Laub und
Moos, oder bezieht auch wohl verlaßne Nester
wilder Tauben und anderer Vögel.

[Seite 75]

Die nordischen, zumal an den Ufern des Obi
und am Baikal-See, werden im Winter grau,
und geben dann das bekannte Grauwerk (petit
gris
); wovon der Bauch unter dem Nahmen von
Vebam zu Futtern verarbeitet wird. Zuweilen
finden sich auch schwarze Eichhörnchen; seltner
schneeweiße mit rosenrothen Augen; auch habe
ich ein weiß- und schwarz geflecktes aus dem Go-
thaischen gesehn.

12. Glis. (Myoxus.) Cauda rotunda, ver-
sus apicem crassior. Dentes vt in sciuris.

1. †. Esculentus. der Siebenschläfer, Ratz,
Bilch, die Kellmaus (Fr. le loir. Engl. the
rellmouse.
) G. griseus, subtus albidus auri-
culis rotundatis, nudis
.

Schreber tab. 225.

So wie die folgende Gattung in den gemäßig-
ten Erdstrichen der alten Welt. Es ist der wahre
glis der Alten, den sie als Delicatesse verspeise-
ten*), und in eigenen glirariis**) mästeten.
Lebt in Eichen- und Buchenwäldern, nistet in
hohle Bäume; und hält langen und sehr festen
Winterschlaf.

2. †. Auellanarius. die kleine Haselmaus.
(Fr. le muscardin. Engl. the dormouse.)
G. rufus, pollice plantarum mutico, auri-
culis rotundatis.

Schreber tab. 227.

Von der Größe der Hausmaus. Zu ihrem
Winterschlaf bereitet sie sich ein kugliches, ziemlich
festes Lager von Tangelnadeln, u.a. kleinem Ge-
strüppe, worein sie sich vergräbt.

[Seite 76]

13. Mvs. Cauda gracilis, subnuda. Den-
tes vt in praecedentibus.

1. Oeconomus. die Wurzelmaus. M. cauda
subsesquunciali, auriculis nudis vellere molli
latentibus, palmis subtetradactylis, cor-
pore fusco
.

Schreber tab. 190.

Durch Sibirien, bis nach Kamtschatka. Wird
theils durch die großen Wanderungen, die sie, zumahl
von Kamtschatka aus, in manchen Jahren in un-
fäglicher Menge und unermeßlichen Zügen, fast wie
der Lemming, anstellt, besonders aber durch die
Industrie merkwürdig, womit dieses kleine Thier
eine große Menge meist eßbarer Wurzeln in seine
unterirdischen Höhlen schleppt, denen die Tungu-
sen u.a. Sibirische Völker (wie die Thüringer etc.
den Hamster-Höhlen) nachgraben, und diesen
Wurzelvorrath zu ihrem eignen Gebrauch ernten.

2. †. Siluaticus. die Waldmaus, große Feld-
maus. (Fr. le mulot. Engl. the field-rat.)
M. cauda mediocri, pectore flauescente, ab-
domine albido.

Schreber tab. 180.

In den Europäischen Wäldern; ist zumahl den
Holzungen sehr schädlich.

3. †. Terrester. die Feldmaus, Stoßmaus.
(Fr. le campagnol. Engl. the field-mouse.)
M. cauda mediocri, dorso ferrugineo, ab-
domine cinereo.

Schreber tab. 191.

Meist in ganz Europa. Vermehrt sich in man-
chen Jahren ungeheuer, und thut zumahl der
jungen Saat großen Schaden.

[Seite 77]

4. †. Musculus. die Hausmaus. (Fr. le souris.
Engl. the mouse.) M. cauda elongata. pal-
mis tetradactylis, pollice palmarum mutico
.

In Europa und den gemäßigten Erdstrichen von
Asien und America. Hat sich dem Menschen ge-
wisser Maßen zum Hausthier aufgedrungen.

Die weißen Mäuse mit rothen Augen sind die
Kackerlacken in ihrer Art, und zuweilen so licht-
schem, daß sie in der Hellung die Augenlider fest
zuschließen, und für blind gehalten werden könnten.

5. †. Rattus. die Ratte. (Fr. le rat. Engl.
the rat.) M. cauda elongata, palmis tetra-
dactylis cum vnguiculo pollicari.

Ist jetzt fast über alle fünf Welttheile verbreitet;
scheint aber ursprünglich im mittlern Europa zu
Hause. Aeußerst gefräßig. Frißt sogar Scor-
pione, und zieht dem Menschen und seinen Victua-
lien überall nach. Den Bergleuten in die tiefsten
Schachte, so wie den Seefahrern auf die Schiffe.
Unter andern gehört diese Land- und Hausplage
zu den gefährlichsten Feinden der Zuckerplantagen
in West-Indien.

Die Wanderratte (M. decumanus) ist heller
von Farbe und ihr Fell mit vielen einzelnen langen
Borstenhaaren durchmengt.

14. Marmota. (Arctomys.) Auriculae
abbreuiatae, cauda breuis, aut nulla.
Dentes (plerisque) vt in praecedentibus.

1. Alpina. das Murmelthier. (Graubündnisch
murmont vom Lat. mus montanus. Fr. la
marmotte.
) M. corpore supra fusco, subtus
flauescente.

Schreber tab. 207.

[Seite 78]

In vielen der höhern Alpen von Europa und
Asien. Merkwürdig ist, daß man es auf der allée
blanche
in Savoyen theils auf isolirten Klippen
findet, die wie Inseln aus diesem Eismeer her-
vorragen, etliche Stunden weit von allem unbeei-
seten Erdreich entfernt, und im ganzen Jahr nur
etwa sechs Wochen lang vom Schnee entblößt sind;
so daß es scheint, die dasigen Murmelthiere durch-
schlafen wenigstens zehn Monate vom Jahr, und
bringen nur einen äußerst kleinen Theil ihrer
Existenz wachend zu.

2. Citellus. das Erdzeiselchen, Suslik. (mus
noricus
.) M. corpore longiore, capite paruo,
pedibus breuibus pentadactylis
.

Schreber tab. 211. A. 211. B.

Häufigst in Ungarn, Polen und Sibirien. Hat
die Größe vom Hamster, auch so wie dieser Backen-
taschen etc.

3. †. Cricetus. der Hamster, Kornferkel. M.
abdomine nigro.

F. G. Sulzers N. G. des Hamsters. Gött.
1774. 8. Taf. 1. 2.

Hin und wieder in Deutschland, Polen, Sibi-
rien etc. lebt vorzuglich von Getreide, Bohnen etc.
wovon er großen Vorrath in den Backentaschen zu
seinen unterirdischen, wohl 7 Fuß tiefen Höhlen
schleppet. Eine Höhle hält wohl manchmahl auf
60 Pfund solcher Victualien. Er vermehrt sich
ausnehmend, und man hat wohl eher im Gothai-
schen in einem Jahr über 27000 Hamster getödtet.
Es giebt eine ganz schwarze Spielart unter diesen
Thieren, so wie auch Kackerlacken mit rosen-
rothen Augen.

[Seite 79]

4. Lemmus. der Lemming. M. capite acuto,
corpore nigro fuluoque irregulariter ma-
culato.

Schreber tab. 195. A. 195. B.

Häufigst in Lappland und Sibirien. Zuweilen
emigriren ganze Legionen wie Zugheuschrecken von
einer Gegend in die andere. Sie sollen sodann in
gerader Linie, bis zum Ort wo sie sich nieder-
lassen wollen, ziehen. Ihre unerwartete und un-
bemerkte Ankunft daselbst, und dann auch der
Fall, daß welche von den Raubvögeln in die Luft
gehoben worden und sich doch noch los gearbeitet
und herunter gefallen etc., mag zu der wunder-
lichen Sage Anlaß gegeben haben, daß es mit-
unter Lemminge vom Himmel regne.

5. Typhlus. die Blindmaus, Slepez. M.
ecaudata, palmis pentadactylis, incisoribus
supra infraque latis, palpebrarum aperturis
auriculisque nullis.

Schreber tab. 206.

Im südlichen Rußland. Lebt mehrentheils
unter der Erde. Soll für seine kleinen ganz deut-
lichen Augäpfel doch gar keine Oeffnung in der
Gegend der Augenlider haben, und folglich gänz-
lich blind seyn!

6. Capensis. der Klipdas. (Hyrax, Büffon's
marmotte du Cap, Bruce's Ashkoko) M.
ecaudata, palmis tetradactylis, plantis tri-
dactylis
.

Schreber tab. 240.

Am Cap, in Habessinien, und wie es scheint
auch in Arabien und Syrien.

[Seite 80]

15. Sçavia. Halbkaninchen. Auriculae
rotundatae, paruae. Cauda nulla aut
breuis. Dentes
primores vtrinque 2.

Das ganze Geschlecht bloß im wärmern Süd-
america, und den West-Indischen Inseln.

1. Porcellus. das Meerschweinchen. (Fr. le
cochon d' Inde
. Engl. the Guinea-pig.) C.
ecaudata, corpore variegato
.

Schreber tab. 173.

Kommt auch in Europa leicht fort, variirt in
der Farbe, und ist überaus fruchtbar.

2. Aguti. (Piculi.) das Ferkelkaninchen. C.
caudata, corpore ex rufo fusco, abdomine
flauescente
.

Schreber tab. 172.

Größer als ein Kaninchen. War beynahe das
einzige Landthier, dessen sich ehedem die nunmehr
fast ganz ausgestorbenen Caraiben zur Nahrung
bedienten.

16. Lepvs. Dentes primores vtrinque 2;
superiores duplicati.

1. † Timidus. der Hase (Fr. le liévre. Engl.
the hare.) A. auriculis apice nigris, cor-
pore et pedibus posticis longioribus
.

Fast in der ganzen alten Welt, und auch in
Nord-America. Ist unter den Fußsohlen, und
sogar zum Theil im Munde behaart. Beide, Hase
und Kaninchen, kauen wieder*).

Zuweilen gibt es schwarze Hasen, und in den
nördlichen und Alpinischen Gegenden eine besondre
[Seite 81] weiße Spielart, die eigentlich so genannten Berg-
hasen, die in manchen Gegenden, wie in Grön-
land etc. Jahr aus Jahr ein, in andern aber, wie
in der Schweiz, nur im Winter weiß, im Som-
mer aber von der gewöhnlichen Hasen-Farbe sind.

Merkwürdig ist, daß man schon so oft und in
ganz verschiednen, Gegenden und Zeiten Hasen will
gefunden haben, aus deren Stirnknochen ein Paar
kleine Geweihe, völlig wie bey einem Rehbock,
nur weit kleiner, mit Krone und proportionirten
Enden gewachsen seyn sollen*).

2. † Cuniculus. das Kaninchen. (Fr. le lapin.
Engl. the rabbet.) L. auriculis nudatis,
corpore et pedibus posticis breuioribus
.

Ursprünglich in den wärmern Zonen der alten
Welt, aber nun auch in nordischen Gegenden ein-
heimisch. Sie vermehren sich so stark, daß sie
wohl eher [z.B. neuerlich ums Jahr 1736. auf
der S. Peters Insel bey Sardinien**)] zur
Landplage geworden sind***); und kommen auch
in ganz wüsten Gegenden, wie auf Volcano, der
sonst so öden Liparischen Insel, fort. Die wilden
sind grau. Die weißen mit rothen Augen sind
Kackerlacken in ihrer Art.

[Seite 82]

Die langhaarigen Angorischen (§. 16. Anm. 2.)
oder so genannten englischen Seidenhasen kom-
men auch hier zu Lande gut fort.

17. Iacvlvs. (Dipus.) Pedes antici bre-
vissimi, postici elongati. Cauda salta-
toria, apice floccosa. Dentes primores
vtrinque
2.

1. Ierboa. der Springhase, Erdhase, die
zweybeinige Bergmaus. Palmis tridactylis,
plantis tetradactylis
.

Schreber tab. 228.

Zumahl in Nord-Africa, Arabien etc. Ein
animal nocturnum. Macht sich Höhlen in die
Erde. Kann sich ziemlich lange auf den Hinter-
beinen aufrecht erhalten, wobey ihm sein langer
ausgestreckter Schwanz gleichsam zum Gegenge-
wicht dient. Springt mit der Leichtigkeit einer
Heuschrecke, und wohl 7 bis 8 Fuß weit.

18. Castor. Pedes postici palmati. Den-
tes
primores vtrinque 2.

1. †. Fiber. der Biber. (Fr. le castor. Engl.
the beaver.) C. cauda depressa, ouata, squa-
mosa
.

Schreber tab. 175.

In der nordlichern Erde, in einsamen Gegen-
den an Land-Seen und größern Flüssen. Er wird
wegen seiner feinen Haare für die Handlung, und
für die Arzneykunst wegen des so genannten Biber-
geils wichtig, das sich bey beiden Geschlechtern in
besondern Behältern unterm Schwanze findet. Am
berühmtesten sind diese Thiere durch die bewun-
[Seite 83] dernswürdige Kunstfertigkeit, mit welcher sie, da
wo sie sich (wie im Innern von Canada), noch
in Menge beysammen finden, ihre berühmten Ge-
bäude aufführen. Denn, zugegeben, daß freylich
in den Erzählungen mancher Reisebeschreiber vom
Bau der Biber vieles verschönert und übertrieben
worden, so wissen sich doch diese Thiere, nach
dem einstimmigen Zeugniß der unverdächtigsten
Beobachter aus ganz verschieden Welttheilen,
dabey so nach zufälligen Umständen zu bequemen,
daß sie sich dadurch weit über die einförmigen
Kunsttriebe anderer Thiere erheben.

19. Hystrix. Stachelschwein. (Fr. porc-
epic
. Engl. porcupine.) Corpus spinis
tectum. Dentes primores vtrinque
2.

1. Cristata. H. spinis longissimis, capite cri-
stato, cauda abbreuiata
.

Schreber tab. 167.

Im wärmern Asien und fast ganz Africa; nährt
sich zumahl von Baumrinden; nistet in die Erde.
Im Zorn rasselt es mit seinen Stacheln, die ihm
zuweilen, besonders im Herbst, ausfallen; kann sie
aber nicht gegen seine Verfolger von sich schießen!

2. Dorsata. (Vrson.) H. spinis breuibus sub
pilis occultis
.

Schreber tab. 169.

In Canada, auf Labrador, um die Hudsons-
bay etc. Thut zumahl im Winter den jungen
Baumstämmen großen Schaden.

VI. FERAE.

[Seite 84]

Reissende oder doch sonst fleischfressende Säu-
gethiere: als wovon nur einige wenige Gattun-
gen ausgenommen sind.

20. Erinacevs. Corpus spinis tectum.
Dentes
primores vtrinque 6*); laniarii
supra 3; infra 1, molares 4.

1. † Europaeus. der Igel (Fr. le hérisson.
Engl. the hedge-hog.) E. auriculis rotun-
datis, naribus cristatis
.

Fast in der ganzen alten Welt. Ein animal
nocturnum
. Nährt sich aus beiden Reichen.
Maußt wie eine Katze. Kann Spanische Fliegen
in Menge fressen. Spießt allerdings (wie die
Alten sagen, von den Neuern hingegen ohne allen
Grund bezweifelt, mir aber nun schon von dreyen
ganz zuverläßigen Augenzeugen versichert worden)
Früchte an seine Rücken-Stacheln, um sie so in
sein Lager zu tragen**).

2. Malaccensis. E. auriculis pendulis. Seba
thesaur.
I. tab. 51. fig. 1.

In Ostindien. In ihm soll man zuweilen den
weiland als Panazee berufnen Gallenstein (piedra
del porco
) finden.

[Seite 85]

21. Sorex. Nasus rostratus, auriculae
breues. Dentes
primores superiores 2.
bifidi; inferiores 2-4. intermediis bre-
vioribus
; laniarii vtrinque plures.

1. † Araneus. die Spitzmaus. (Fr. la mus-
araigne
. Engl. the shrew.) S. cauda me-
diocri, abdomine albido
.

Schreber tab. 160.

In Europa und Nord-Asien etc. Daß sie giftig
sey, oder den Pferden in den Leib krieche etc. sind
ungegründete Sagen. Zuweilen, aber selten, finden
sich weiße Spitzmäuse.

2. † Fodiens. die Wasserspitzmaus. S. ab-
domine cinereo, digitis ciliatis
.

Daubenton in den Mém. de l'Acad. de
Paris, 1759. tab.
I. fig. 2.

An kleinen Gewässern. Statt einer Schwimm-
haut ist jede Zähe zu beiden Seiten mit kurzen
Härchen besetzt, die die Füße zum Rudern unge-
mein geschickt machen. Die Oeffnung des Gehör-
ganges kann das Thier durch eine Klappe zu-
schließen, so lang es unter Wasser ist.

3. Moschatus. Die Bisamratze. (Desman) S.
pedibus palmatis cauda squamosa, com-
pressa lanceolata
.

Schreber tab. 159.

In Rußland und dem benachbarten Sibirien.
Hat eine Art Zibethbeutel beym After.

4. Exilis. S. minimus, cauda crassissima tereti.

Am Jenisei. Das kleinste der bis jetzt bekannten
Säugethiere, wiegt nicht über ein halb Quentchen.

[Seite 86]

22. Talpa.*) Caput rostratum, palmae
fossoriae. Dentes
primores superiores 6,
inferiores 8. laniarii maior 1. minores 4.

1. † Europaea. der Maulwurf, die Scher-
maus. (Fr. la taupe. Engl. the mole) T.
cauda breuiore, auriculis nullis
.

Fast in der ganzen alten Welt. Ist ein voll-
kommnes animal subterraneum, wozu ihm außer
andern Eigenheiten seines Körperbaues, besonders
die Schaufelpfoten zu statten kommen. Er hat
sehr kleine Augen, kann geschickt schwimmen und
bey Ueberschwemmung auf die Bäume klettern.
Es gibt auch weiße und gefleckte Maulwürfe.

2. Versicolor. (s. aurata). T. ecaudata, pal-
mis tridactylis.

Seba thesaur. I. tab. XXXII. fig. 4. 5.

Bloß am Cap. Kann also nicht (nach Linné)
asiatica heißen. Das Haar schillert, zumahl
wenn es naß ist, mit farbigem Goldglanz.

23. Didelphis. Plerisque hallux mu-
ticus. Feminis folliculus abdominalis
mammarum
.

Auch bey dieses Geschlechts so zahlreichen und
einander im Ganzen so verwandten Gattungen
variirt doch das Gebiß so mannigfaltig, daß die-
selben nach dem Linnéischen System in ganz ver-
schiedne Geschlechter vertheilt werden müßten.

[Seite 87]

1. Opossum. die Beutelratte, Philander. D.
cauda semipilosa, superciliorum regione pal-
lidiore. Dentes
primores superiores 10, in-
feriores
8. laniarii elongati.

Schreber tab. 146. A. B.

Zumahl im wärmern Nord-America. Das
Weibchen von dieser und den mehresten übrigen
Gattungen dieses Geschlechts hat eine große Tasche
am Bauche, die durch besondre Muskeln geschlossen
und geöffnet werden kann; und in deren Boden
die Zitzen liegen. Die Junge werden ganz außer
Verhältniß klein (gleichsam nur als unreife Abor-
tus) zur Welt geboren, dann aber erst lange
Zeit in dieser Tasche getragen, wo sie sich ansau-
gen und von der Muttermilch nähren, bis sie
reifer und vollkommner ausgebildet, gleichsam vom
neuen geboren werden können.

2. Dorsigera. der Surinamische Aeneas. D.
cauda basi pilosa, orbitarum margine fusco.
Dentes vt in priori
.

Schreber tab. 150.

In Süd-America. Das Weibchen das bey
dieser Gattung keinen Zitzensack hat, soll seine
Junge, wenn sie noch klein sind, auf dem Rücken
tragen, und diese sich dabey mit ihren Rollschwän-
zen an der Mutter ihrem anhalten.

3. Gigantea. das Känguruh. Cauda apice at-
tenuato, pedibus anticis breuissimis, posti-
cis longissimis. Palmis pentadactylis, plan-
tis subtetradactylis: dentes
primores supe-
riores
6. inferiores 2. laniarii nulli.

Schreber tab. 154.

Auf Botannbay und dem übrigen Neu-Süd-
wallis. Mausefahl. Wenn es aufrecht sitzt wohl
[Seite 88] Mannshoch, und 140 Pfund schwer. Lebt in
Heerden von 50 und mehr Stück, ist bloß Gras-
fressend. Springt in weiten wohl zwey Klafter
langen Sätzen. Das Weibchen bat einen Zitzensack.
Wirft nur ein Junges auf einmahl das bey der
Geburt kaum halb so groß als eine Maus ist, dann
aber von der Mutter drey Vierteljahr lang in jenem
Sacke getragen wird bis es wohl 14 Pfund wiegt.

24. Viverra. Caput vulpinum. Cauda
plerisque felina. Dentes
primores vtrin-
que
6. intermediis breuioribus. Lingua
plerisque retrorsum aculeata. Vngues
exserti
.

1. Zibetha. die Zibetkatze hyaena odorifera.
(Fr. la civette. Engl. the civet.) V. cauda
annulata, dorso cinereo nigroque vndatim
striato
.

Schreber tab. 112.

Im südlichen Asien und nördlichen Africa. Bey
beiden Geschlechtern sammelt sich in einer beson-
dern Höhle, die zwischen dem After und den Zeu-
gungsgliedern liegt, das Zibet, eine schmierige,
stark riechende Substanz.

2. Genetta. die Genettkatze. (Fr. la genette.
Engl. the genet.) V. cauda annulata, cor-
pore fuluo-nigricante maculato
.

Schreber tab. 113.

In der Levante. Wird seines Felles wegen
geschätzt.

3. Putorius. das Stinkthier, Conepatl. (Fr.
la mouffette. Engl. the pol-cat.) V. lineis
quinque dorsalibus parallelis albis
.

Schreber tab. 122.

[Seite 89]

In Virginien, Canada etc. hat seinen Nahmen
von dem unerträglichen Gestank, den es, so wie
mehrere verwandte Gattungen seines Geschlechts,
im Zorne von sich gibt, und der bey ihm von einem
besondern unter der Harnblase befindlichen Safte
herrühren soll.

4. Ichneumon. die Pharaonsmaus, der Mungo.
(Büffon's mangouste.) V. caudae basi in-
crassata sensim attenuata, pollicibus re-
motiusculis
.

Schreber tab. 115. B. 116. A. 116. B.

Häufig in Aegypten, wo es zumahl den Cro-
codileyern nachstellt.

5. Aurita. das Großohr. (Fennec, Büf-
fon's animal anonyme.) V. auriculis am-
plissimis
.

Bruce's Reisen nach den Quellen des Nils,
V. B. tab. 22.

In der Barbarey, Nubien etc. Nistet auf den
Palmen, und lebt vorzüglich von Datteln*).

25. Mvstela. Dentes primores supe-
riores
6. erecti, acutiores, distincti;
inferiores 6, obtusiores, conferti; duo
interiores. Lingua laeuis
.

[Seite 90]

Die Gattungen dieses Geschlechts haben kurze
Füße, und einen lang gestreckten Körper, den sie
im Gehen bogenförmig krümmen. Sie sind sehr
flink, heissig und blutdürstig.

1. † Martes. der Baummarder, Edelmar-
der, Tannenmarder, Wildmarder, Feld-
marder. (Fr. la marte. Engl. the pine-mar-
tin
.) M. corpore fuluo-nigricante, gula flaua.

Schreber tab. 130.

Zumahl im Schwarzholz der ganzen nordlichen
Erde. Sein schönes Fell kommt dem Zobel am
nächsten.

2. † Foina. der Hausmarder, Steinmarder.
(Fr. la fouine. Engl. the martin) M. cor-
pore fuluo-nigricante, gula alba
.

Schreber tab. 129.

Im mittlern und wärmern Europa und dem
benachbarten Asien.

3. †. Putorius. der Iltis, Ilk, Ratz, Stän-
kerratz. (Fr. le putois. Engl. the fitchet, po-
lecat
.) M. flauonigricans, ore et auricula-
rum apicibus albis
.

Schreber tab. 131.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem Haus-
marder. Auch in der Barbarey. Das ganze
Thier, und selbst sein abgezogenes Fell, geben
einen sehr widrigen Geruch von sich.

Das Frettel (furo, Fr. le furet. Engl. the
ferret
) von gelblich weißer Farbe mit rothen Pu-
pillen, ist ein wahrer Kackerlacke in seiner Art,
folglich wohl sicher keine ursprüngliche eigene Gat-
tung, sondern eine Abart vom Iltis, mit welchem
[Seite 91] es sich auch paart. Taugt gut zum Ratten- und
Caninchen-Fang.

4. Zibellina. der Zobel. (Fr. la zibeline. Engl.
the sable.) M. corpore fuluo nigricante,
facie et gula cinereis
.

Schreber tab. 136.

In dichten öden Wäldern der nordlichen Erde,
zumahl in Sibirien. Die schönsten mit recht schwarz-
braunem, dickhaarigen und glänzenden Fell finden
sich um Jakuzk.

5. † Erminea. das große Wiesel, Hermelin.
(Fr. le roselet, l'hermine. Engl. the stoat,
the ermine
.) M. caudae apice nigro.

Schreber tab. 137. A. 137. B.

In der nordlichen Erde, vorzüglich in Sibirien.
Größer als das gemeine Wiesel. Aendert aber
eben so wie dieses die Farbe, so daß es im Som-
mer bräunlich, im Winter aber (als Hermelin)
weiß ist.

6. †. Vulgaris. das gemeine Wiesel. (Fr. la
belette
. Engl. the weesel) M. corpore ex
rufo fusco subtus albo
.

Schreber tab. 138.

Im Norden von Europa und Asien. Die Mut-
ter trägt oft ihre Junge im Maule umher (daher
die alte Fabel, als ob sie dieselben durch diesen
Weg zur Welt brächte).

26. Lvtra. Palmae plantaeque natato-
riae. Dentes
primores vtrinque 6; su-
periores distincti, inferiores conferti
.

[Seite 92]

1. † Vulgaris. die Fischotter. (Fr. la loutre.
Engl. the otter) M. plantis nudis, cauda
corpore dimidio breuiore
.

Schreber tab. 126. A. B.

In den mildern Gegenden der nordlichen Erde.
Die schönsten in Canada.

2. Marina. die Seeotter. (Fr. le castor marin.
Engl. the sea-otter.) L. plantis pilosis,
cauda corpore quadruplo breuiore
.

Cook's voyage to the northern hemisphere
vol. II. tab. 43.

Besonders um Kamtschatka und an der jenseiti-
gen Küste vom nordwestlichen America bis hinun-
ter nach Nutka-Sund, doch auch um Corea, und
zumahl im gelben See. Ihr schwarzes und silber-
graues Fell ist das kostbarste aller Rauhwerke.

27. Phoca. Pedes postici exporrecti, di-
giti coaliti. Dentes
primores superiores 6,
inferiores 4; laniarii solitarii.

Nebst den Thieren des vorigen Geschlechts
gleichsam die Amphibien unter den Säugethieren,
deren ganzer Körperbau darnach eingerichtet ist,
um in beiden Elementen leben zu können.*).

[Seite 93]

1. Vitulina. der Seehund, die Robbe, das
Seekalb. (Fr. le veau marin. Engl. the
seal
). P. capite laeui, auriculis nullis, cor-
pore griseo
.

Schreber tab. 84.

In den nordlichen Meeren. Ist für die Finni-
schen Insulaner, so wie für die Kamtschadalen,
besonders aber für die Grönländer und für die
Labradorischen Esquimos, ein äußerst wichtiges
Geschöpf: die beiden letztern Völker zumahl näh-
ren sich von seinem Fleisch, kleiden sich in sein
Fell, beziehen ihre Sommerhütten und Fischerbote
damit etc. Sein Fang macht ihr vorzüglichstes
Geschäft, und die darin erworbene Geschicklichkeit
ihr Glück und ihren Stolz aus.

2. Vrsina. der Seebär. P. auriculata, collo
laeui
.

Buffon, supplement vol. VI. tab. 47.

[Seite 94]

Im Sommer herdenweise auf den Inseln des
Kamtschatkischen Inselmeers, überwintert aber
vermuthlich auf den benachbarten etwas südlichern
Inseln des stillen Meers. Lebt in Polygamie, so
daß jedes Männchen wohl dreyßig bis vierzig
Weibchen hat, die es mit vieler Eifersucht bewacht,
und grimmig gegen seine Nebenbuhler zu be-
haupten sucht.*).

3. Iubata. der Stellersche Seelöwe. P. auricu-
lata, collo iubato
.

Buffon, supplement vol. VI. tab. 48.

Im ganzen stillen Meer. Die größte Gattung
dieses Geschlechts hat den Nahmen von der beym
Männchen gewisser Maßen löwenartigen Mähne.

4. Cristata. der Ansonsche Seelöwe.**) P.
capite antice cristato
.

Anson's voyage round the world tab. 19.

Im Atlantischen sowohl als im stillen Ocean.
Nur das Männchen hat den häutigen Kamm auf
der Nase.

28. Vrsvs. Dentes primores superiores 6,
intus excauati alterni, inferiores 6. late-
rales
2. longiores lobati; laniarii prima-
rii solitarii (
minimi plures inter hos et
primos molares
), lingua laeuis.

[Seite 95]

1. † Arctos der Bär. (Fr. l'ours. Engl. the
bear
.) V. fusco nigricans, cauda abrupta.

Schreber tab. 139. 140.

In der nordlichen Erde, doch auch in Ost-Indien
und Nord-Africa. In der Jugend lebt er meist
von Gewächsen; nach dem dritten Jahre aber
mehr vom Fleisch. Zum Gefechte bedient er sich
mehr seiner Vordertatzen, als des Gebisses.

Zu den vorzüglichen Spielarten unter den Bären
gehören: die großen schwarzen Ameisenbären; die
kleinen hellbraunen Honigbären; und die noch klei-
nern weißlichen Silberbären.

2. Maritimus (glacialis) der Eisbär, Po-
larbär. V. albus, collo et rostro elongatis.

Cptn. Cook's voyage to the northern he-
misphere
. vol. III. tab. 73.

An den Küsten und beym Treibeis der nordlich-
sten Erde. Darf ja nicht mit der weißen Spielart
des gemeinen Bären verwechselt werden. Er
wird bey zwölf Fuß lang, und über 15 Centner
schwer; schwimmt und taucht sehr geschickt, und
ist bloß Fleischfressend*).

3. Gulo. der Vielfraß, Rosomack. (Fr. le
glouton
. Engl. the glutton.) M. corpore
rufofusco, medio dorsi nigro
.

Schreber tab. 144.

In der nordlichen alten Welt, besonders in Si-
birien. Seine Freßgierde hat zu allerhand Fabeln
[Seite 96] Anlaß gegeben. Er ist so stark, daß er selbst Ren-
thiere überwältigen kann. Sein Fell gibt ein
gutes Pelzwerk.

4. †. Taxus. der Dachs. (Fr. le blaireau.
Engl. the badger.) M. cauda concolore,
abdomine nigro
.

Schreber tab. 142.

In Europa und Asien bis gen Schina. Baut
unter der Erde einen tiefen Kessel, zu welchem
verschiedne Röhren oder Gänge führen. Verschläft
den größten Theils seines Lebens, und hält beson-
ders langen und festen Winterschlaf, wobey er seine
Schnauze in den Fettbeutel am Hinterleibe steckt.

5. Melliuorus. der Honig-Dachs, Rattel. M.
dorso cinereo, fascia laterali nigra, abdo-
mine nigro
.

Sparrmann in den Schwed. Abhandl.
1777. tab. 4. fig. 3.

Am Cap; lebt vom Honig und Wachs der
wilden Bienen, die in die Höhlen der Stachel-
schweine etc. nisten. Er gibt auf den Flug der
heim eilenden Bienen acht, oder folgt auch bloß
der Anweisung des Honigkuckucks. Hat ein zottiges
Fell, und darunter eine ungemein starke sehr be-
wegliche schiebbare Haut, wodurch er einerseits
vor den Bienenstichen und anderseits vor tiefen
Bissen der Hunde etc. gesichert ist.

6. Lotor. der Rackun, Coati. (Büffon's Raton.)
M. cauda annulata, fascia per oculos trans-
versali nigra
.

Mém. de l'ac. de Berlin 1756. tab. 12

Im wärmern Nordostlichen America etc. Frißt
mancherley. Bedient sich der Vorderpfoten sehr
[Seite 97] geschickt zum Fassen, zum einweichen oder ab-
waschen seines Futters*) etc. Wird überhaupt
sehr kirre.

29. Canis. Dentes primores superiores 6.
laterales longiores distantes, intermedii
lobati; inferiores
6. lobati omnes; lania-
rii
solitarii, incuruati.

1. †. Familiaris. der Hund. (Fr. le chien. Engl.
the dog.) C. cauda recuruata; subinde di-
gito spurio ad pedes posticos
.

Dieser treue Gefährte des Menschen, der sich
besonders durch die ausnehmende Schärfe seiner
Sinne, verbunden mit seiner großen Gelehrigkeit,
aber auch durch vielseitige andre Brauchbarkeit
empfiehlt, ist längst mit ihm über alle fünf Welt-
theile verbreitet. Denn auch in America scheinen
wenigstens die Eskimos ihre Hunde nicht von den
Europäern bekommen zu haben.

Ob alle die verschiednen Hunde-Rassen als bloße
Varietäten einer und derselben Gattung anzusehn
sind, und ob diese selbst vom Wolf oder Schakal
abstamme, ist schwerlich zu entscheiden. Mir
scheinen manche Rassen, z.B. der Dachshund,
das Windspiel etc. viel eignes zu besondern Func-
tionen abzweckendes in ihrer Bildung zu haben, daß
ich diese zweckmäßigen Eigenheiten nicht wohl für
zufällige Folge der bloßen Ausartung halten kann.

[Seite 98]

Zu den Hauptrassen gehört wohl

a) Fricator. der Mops. (Fr. le doguin. Engl.
pugdog) mit glatten, gelblichgrauen Haa-
ren, untersetztem kurzem Leib, rundem Kopf,
ganz stumpfer schwarzer Schnautze, schwarzen
Flecken an den Backen und hängenden Ohren.

b) Molossus, mastiuus. der Bärenbeisser,
Bullenbeisser. (Fr. le dogue. Engl. the
bull-dog, the mastiff
) groß, starkleibig,
mit stumpfem Kopf, hängenden lappichten
Oberlefzen, und glattem Haar. Bellt dum-
pfig und kurz.

Ihm scheint der Metzgerhund (Fr. le matin.)
nahe verwandt.

c) Terrae nouae. der Neufundländer. (–
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 6. –) Zeich-
net sich durch seine ausnehmende Größe, lan-
ges seidenartiges Haar, langflockigen, meist
in die Höhe stehenden Schwanz, besonders
aber durch die Art von Schwimmhaut zwi-
schen den Zehen aus, die bey ihm ungleich
größer ist als bey andern Hunden. Daher
sein ausnehmendes Geschick zum Schwim-
men. Meist sind diese Hunde weiß und
schwarz; und ausnehmend gelehrig.

d) Sagax, venaticus. der Jagdhund. (Fr.
le chien-courant) mit langem dickem Kör-
per, eingefurchtem Hinterkopfe, langen hän-
genden Ohren. Das Haar bald schlicht,
bald zottig.

Die Bracke, der Hühnerhund, und der
Wachtelhund haben kürzere Ohren, auch
einen kürzern Schwanz.

[Seite 99]

Die Corsicanerhunde sind schön getigert, haben
aber übrigens die Bildung der glatten Hüh-
nerhunde.

e) Aquaticus. der Budel. (Fr. le barbet.
Engl. the water-dog) mit stumpfem Kopfe,
dickem Leibe, und wollichtem Haar.

f) Pastoralis, domesticus, villaticus. der
Schäferhund, Haushund. (Fr. le chien
de berger.
Engl. the cur) mit aufrechten
Ohren; der Schwanz auf der untern Seite
lang behaart.

Hierzu gehört auch der Isländische Hund, und
der Spitz oder Pommer. (Fr. le chien-loup.)
So auch der, den die Kamtschadalen und
Eskimos zum Zug in Schlitten gebrauchen.

Auch die auf manchen Insel-Gruppen der Süd-
see einheimischen Hunde, die von den Ein-
wohnern als Mastvieh gezogen werden, und
bloß vegetabilische Nahrung genießen, schei-
nen zu dieser Rasse zu gehören.

Der auf Neu-Holland hat mehr einen Fuchs-
schwanz.

g) Meliteus. das Bologneserhündchen. (Fr.
l'epagneul, le bichon, Engl. the lap-dog,
the shock
) von ungemein kleiner Statur,
mit sehr langen zottigen Haaren, zumahl
im Gesichte.

h) Vertagus. der Dachshund. (Fr. le basset,
Engl. the tumbler, the turnspit) mit lan-
ger Schnautze, hangenden Ohren, lang ge-
strecktem Körper, kurzen, krummen Vorder-
füßen, und rothbraunen Flecken über den
Augen; ihm scheint der englische Terrier
(terrarius), mit borstigem Haar und strup-
piger Schnauze, nahe verwandt.

[Seite 100]

i) Leporarius.*) das Windspiel. (Fr. le
levrier
, Engl. the grey-hound) mit lan-
gem zugespitztem Kopf, hängenden Ohren,
dicker Brust, schlankem Leib und Füßen.
Bald zottig, bald schlicht.

k) Aegyptius. der Aegyptische Hund. (Fr.
le chien-turc, Engl. the Indian dog, the
naked dog
) ähnelt dem Windspiel, hat
aber nur im Gesichte Haare, der übrige Kör-
per ist schwarz und kahl, fast wie Neger-
haut. (s. S. 25. Anm. 2.)

Diese verschiednen Haupt-Rassen paaren und
vermischen sich aber nicht nur unter einander,
sondern auch mit Wölfen und Füchsen, mit
welchen sie sogar zuweilen fruchtbare Bastarde
erzeugen.

2. †. Lupus. der Wolf. (Fr. le loup. Engl.
the wolf) C. cauda incuruata.

Schreber tab. 88.

Fast in der ganzen alten Welt, ist aber in ei-
nigen Ländern, wie z.B. in Groß-Britannien
und Irland ausgerottet. In Ländern wo er sich
zugleich mit dem Bären findet, herrscht dieser doch
mehr im Sommer; der Wolf mehr im Winter.
Er hat einen schleppenden doch dabey schnellen und
nicht leicht zu ermüdenden Gang und große Stärke,
zumahl im Nacken. Aus Hunger fressen die Wölfe
sogar Schilf und Erde; graben auch Leichen aus,
und da mag etwa ihre nächtliche Erscheinung auf
Kirchhöfen etc. den Anlaß zu der alten Sage von
Währwölfen gegeben haben.

[Seite 101]

3. Aureus. der Schakal, Schnellwolf, Thos.
(Büffon's Adive.) C. corpore fuluo, pe-
dibus longioribus, caudae apice nigro
.

Schreber tab. 114.

In ganz Nordafrica und Orient, besonders in
Natolien und Bengalen, zieht des Nachts scha-
renweise umher; frißt Thiere, Lederwaren etc. gräbt
Leichen aus, und soll auch lebendige Kinder raa-
ben*). Manche Naturforscher haben den Scha-
kal für den ursprünglich wilden Hund, und manche
Exegeten Simsons Füchse für Schakale gehalten:
oft ist dieses Thier auch mit der Hyäne vermengt
worden.

4. Lycaon. der schwarze Fuchs. C. cauda
recta, corpore toto nigro.

Jo. Fr. Miller fasc. IV. tab. 19. fig. 2.

Dieses wegen seines kostbaren Felles berühmte
Thier ist in der nordlichsten Erde zu Hause, und
hält so wohl in der Statur als in der Bildung
ungefähr das Mittel zwischen Wolf und Fuchs.

Der so genannte Silberfuchs ist eine Spielart
davon mit silberfarbnen Spitzen der Haare**).

5. †. Vulpes. der Fuchs, Birkfuchs. (Fr.
le renard. Engl. the fox.) C. cauda recta,
apice albo
.

Schreber tab. 90.

[Seite 102]

In der nordlichen alten Welt. Nährt sich aus
beiden Reichen und frißt unter andern Früchten
nahmentlich sehr gern Weintrauben.

6. Alopex. der Brandfuchs. (Fr. le renard
charbonier.
) C. cauda recta, apice nigro.

Schreber tab. 91.

Hat mit dem vorigen gleiches Vaterland.

7. Lagopus. der Polarfuchs, Steinfuchs.
(Isatis. Engl. the arctic fox. Russ. Pesez.)
C. cauda recta, apice concolore, palmis
plantisque pilosissimis
.

Schreber tab. 93. A. 93. B.

In den Polarländern, zumahl auf Spitzbergen,
Neu-Zembla etc. wo sie meist mit dem Eis-Bär
alterniren: d.h. sie kommen daselbst erst im No-
vember zum Vorschein, wenn nun die Sonne un-
sichtbar wird und zugleich jene Bären sich verlieren.
Ihr Fleisch ist schmackhaft, und ihr Fell bey vie-
lerley Vorzügen doch in einem mäßigen Preise.

Die mehresten sind weiß. Die so genannten
blauen Füchse hingegen bläulich-grau. Und der
Kreuzfuchs hat ein schwarzes Kreuz über Schul-
lern und Rücken.

8. Hyaena. das Grabthier, der Abendwolf.
C. villosus, nigricans, facie nigra, iuba
ceruicis dorsique
.

Der Indianische Wolf, von J. El. Ridinger.

Hat einerley Vaterland mit dem Schakal, dem
sie auch in der Lebensart ähnelt. In der unsäg-
lichsten Menge in Habessinien. Ein äußerst bos-
haftes, unbändig zorniges Thier, das sich sogar
gegen den Löwen muthig vertheidigt. Bauet unter
die Erde oder nistet in Felsenhöhlen und Klüfte.

[Seite 103]

30. Felis. Vngues retractiles, caput ro-
tundius, lingua aspera. Dentes
primo-
res
6. acutiusculi, exterioribus maioribus.
laniarii solitarii, supra a primoribus, in-
fra a molaribus remoti
.

1. Leo. der Löwe. (Fr le lion. Engl. the lion.)
F. cauda elongata floccosa, corpore fuluo.

Schreber tab. 97. A. 97. B.

In den heissesten Zonen der alten Welt, vor-
züglich in den Wüsten des innern Africa. Der
männliche Löwe zeichnet sich durch die Mähne aus,
die aber erst im zweyten Lebensjahre ausbricht.
Das Weibchen wirft drey bis vier Junge, von
denen aber meist nur eins erwachsen und die
andern am Zahnen sterben sollen. Das Fleisch
des Löwen ist eßbar und eine Horde Araber zwi-
schen Tunis und Algier lebt fast bloß davon.

2. Tigris. das Tigerthier. F. cauda elon-
gata; capite, corpore et cruribus nigro-
virgatis
.

the Tiger, von G. Stubbs, in schwarzer
Kunst.

Bloß in Asien und vorzüglich von Bengalen
bis Schina, auch auf Sumatra etc. Ueberaus
regelmäßig gestreift. Grimmig und blutdürstig.
Doch muß er vor dem Elephanten erliegen. Auch
soll er sich nicht an den Indischen wilden Büffel
wagen.

3. Leopardus. der Leopard. F. cauda sub-
elongata, maculis numerosis, minoribus,
obtuse angulatis
.

Tygers at play von G. Stubbs.

[Seite 104]

In Africa. Sein Fell hat einen goldgelben
Grund mit kleinen schwarzen Flecken, die aber
dichter und regelmäßiger als beym Pantherthier,
und meist ihrer drey bis vier nahe beysammen stehn.

4. Pardus. das Pantherthier, der Parder*).
F. cauda subelongata, maculis maioribus,
irregularibus, passim confluentibus et an-
nulatis
.

Schreber tab. 99.

Ebenfalls in Africa. Die Flecken seines Fells
sind größer als beym Leoparden, weniger regulär,
hin und wieder wie zusammen geflossen, bald in
Hufeisenform, bald geringelt u.s.w.

5. Panthera. das kleine Pantherthier. (Büf-
fon's once.) F. cauda elongata, corpore
albido, maculis irregularibus nigris
.

Schreber tab. 100.

In der Barbarey und Ostindien. Weit kleiner
als die vorigen Gattungen. Auch leicht zu zäh-
men, und zur Jagd der Rehe, Gazellen etc. abzu-
richten, wozu sie in Orient vorlängst, und in den
mittlern Zeiten auch in Italien und Frankreich
gebraucht worden.


6. Onça. der Jaguar, Americanische Tiger.
F. cauda subelongata, corpore fusco lu-
tescente, maculis angulatis, ocellatis, me-
dio flauis
.

Schreber tab. 102.

In Südamerica. Ebenfalls kleiner als die
drey vorletzten Thiere der alten Welt. Furcht-
[Seite 105] samer, auch weit feiger, so daß er schon vor
mäßig großen Hunden flieht.

7. Concolor. der Americanische Löwe, Puma,
Cuguar. F. cauda mediocri, corpore im-
maculato fuluo
.

Schreber tab. 104.

In Peru, Brasilien etc. zeichnet sich durch sein
rothgelbes ungeflecktes Fell (weßhalb er mit dem
Nahmen eines Löwen belegt worden) und kleinen
Kopf aus.

8. †. Lynx. der Luchs. (Fr. le loup-cervier.
Engl. the mountain cat.) F. cauda abbreuiata,
apice atro, auriculis apice barbatis, corpore
maculato, plantis palmisque amplissimis
.

Schreber tab. 109.

In der nordlichen Erde; doch auch häufig im
Neapolitanischen; thut den Wildbahnen größern
Schaden als der Wolf.

9. † Catus. die Katze (Fr. le chat Engl. the
cat
.) F. cauda elongata, striis dorsalibus
longitudinalibus, lateralibus spiralibus
.

Schreber tab. 107. A. 107. B.

Fast in der ganzen alten Welt; ist aber erst von
da durch die Spanier nach America überbracht
worden. Die wilde ist größer, als die zahme,
von grauröthlicher Farbe, mit schwarzen Lefzen
und Fußsohlen. Die Hauskatze begattet sich nur
äußerst selten unter den Augen der Menschen, und
verwildert sehr leicht wieder, wenn sie zufällig in
Wildniß geräth. Zu den Besonderheiten der Katzen
gehört ihre starke Electricität; das Leuchten ihrer
Augen im Finstern; ihre seltsame Gierde auf ge-
wisse Pflanzen, wie z.B. auf die Nepeta cataria
[Seite 106] und aufs Teucrium marum etc.; ihr Schnur-
ren oder Spinnen, das durch ein Paar eigne zarte
gespannte Häutchen in ihrem Kehlkopf bewirkt
wird; die ängstliche unüberwindliche Antipathie
vieler Menschen gegen dieselben etc.

Zu den vorzüglichsten Spielarten gehört die An-
gorische oder Persische Katze mit dem langen
seidenartigen Haar, die gewöhnlich schwer hört;
die bläulich-graue Cartheuser- oder Cyperkatze;
und die Spanische oder Schildpattfärbige Katze
(Tortoises hell-cat); unter welchen letztern man
häufig weibliche Katzen von drey ganz verschied-
nen Farben (z.B. schwarz, weiß und gelb), aber
keine dergleichen Kater gefunden haben will.


VII. SOLIDVNGVLA.

Thiere mit Hufen. Ein einziges Geschlecht
von wenigen Gattungen.

31. Eqvvs. Pedes vngula indiuisa, cauda
setosa. Dentes
primores superiores 6.
obtuse truncati; inferiores 6. prominen-
tiores
: laniarii solitarii vtrinque remoti.

1. †. Caballus. das Pferd. (Fr. le cheval. Engl.
the horse.) E. cauda vndique setosa.

Ursprünglich wilde Pferde gibt es nicht mehr,
aber häufig und theils in großen Herden verwil-
derte; so z.B. in den Polnischen Wäldern, in den
Schottischen Hochländern, in der Tatarey, in
America (wo sie auch erst durch die Spanier hin-
gebracht worden) und zwar da in der unermeß-
[Seite 107] lichsten Menge in Paraguay u.s.w. Diese ver-
wilderten Pferde sind meist klein, struppig, dick-
köpfig, häßlich und dabey ganz unbändig; da sich
hingegen die zahmen Pferde-Rassen durch so viel-
seitige Talente auszeichnen. Die Araber z.B.
(zumahl die von der Zucht der Annecy um Pal-
myra herum, und vom Libanus bis gegen den
Horeb etc.) durch ihre äußerste Leichtigkeit und
Dauerhaftigkeit. Die Persianer und Barben durch
ihren ausnehmend schönen Bau u.s.w. Unter
den Europäischen sind die Spanischen (besonders
die aus Andalusien), die Neapolitanischen und
Englischen die vorzüglichsten. Die letztern haben
besonders den Vorzug der Schnelligkeit, wodurch
sie sich hauptsächlich in den Wettrennen, einem
auch schon bey den Alten und noch jetzt bey den
Tataren, Türken, in Italien und anderwärts
gebräuchlichen Zeitvertreib, auszeichnen*).

Ganzer berittenen Nationen zu geschweigen, wie
z.B. die Cosacken, Tataren, Calmücken, die
Pferde-Tungusen, die Abiponer etc. so ist auch für
die cultivirtesten Völker der Werth dieses Thiers
für Landwirthschaft, Cavallerie, Postwesen etc.
unermeßlich. Manche der gedachten berittenen
Völker leben auch großen Theils vom Fleisch und
Milch der Pferde. Die letztre gibt, wenn sie zu-
sammen geronnen, vollends aber wenn sie ab-
gezogen worden, das berauschende Kumiß der
Mongolen.

[Seite 108]

2. † Asinus. der Esel. (Fr. l'âne. Engl. the
ass
.) E. cauda extremitate setosa, cruce
dorsali nigra
.

Der wilde Esel von welchem das zahme Haus-
thier abstammt, ist der wahre onager der Alten;
und findet sich jetzt zumahl in der Tartarey, unter
dem Nahmen Kulan*), von da er jährlich im
Herbst in großen Herden südlich nach Indien und
Persien zu zieht und daselbst überwintert. Er ist
größer und schlanker als der zahme Esel, und von
ausnehmender Schnelligkeit.**)

Auch der zahme Esel ist ein wichtiges bey den
Alten***) und noch jetzt im Morgenland und
im südlichen Europa sehr geschätztes Thier. Daß
er in die südliche Erde zu Hause gehöre, wird
durch die Homenymie seines Nahmens in den
nordlichen Sprachen erweislich. Sonst hatte
Aegypten†) die besten Esel; jetzt finden sich die
schönsten und zur Maulthierzucht vorzüglichsten
in Spanien. Ins nordlichste Europa ist der Esel
bis jetzt noch gar nicht verpflanzt. Auch artet er
wenig aus. Höchstens etwa in der Farbe, da
es z.B. weiße Esel gibt.

* * *
[Seite 109]

Pferd und Esel lassen sich zusammen begatten,
und geben zweyerley Bastarde, die von großer
Dauerhaftigkeit und Stärke, und zuweilen (aber
sehr selten) fruchtbar sind.

Eins ist das gemeine Maulthier [mulus, Fr.
le mulet*)], das vom männlichen Esel gezeugt,
und von der Stute geworfen wird.

Das andre ist der Maulesel [hinnus, Fr. le
bardeau
**)], der vom Hengste gezeugt, und von
der Eselin geworfen ist.

Dieser letztere ist seltner, und hat Gelegenheit
zur Sage von den fabelhaften Jumarn, oder vor-
geblichen Bastarden vom Pferde- und Ochsenge-
schlecht, gegeben.

3. Zebra. E. zonis fuscis et albidis, maxime
regularibus
.

The Sebra or wild Ass, von G. Stubbs,
1771.

Das Zebra (wovon es zwey ganz verschiedne
Gattungen gibt, deren eine man fälschlich für die
Weibchen der andern gehalten hat) ist im süd-
lichen Africa zu Hause. Es lebt herdenweis, ist
ungemein schnell, aber wild und unbändig***).

VIII. PECORA.

[Seite 110]

Die wiederkauenden Thiere mit gespaltnen
Klauen, unter welchen sich die wichtigsten Haus-
thiere finden.

32. Camelvs. Cornua nulla, labium le-
porinum,
pedes subbisulci*). Dentes
primores inferiores 6. spathiformes; la-
niarii
distantes, superiores 3, inferiores 2.

1. Dromedarius. das gemeine Camel [Fr. le
dromadaire
.**) ] C. tofo dorsi vnico.

Schreber tab. 303.

Findet sich noch hin und wieder in Asien,
zumahl in den Wüsteneyen zwischen Schina und
Indien, wild, ist aber für den ganzen Orient und
für das nordliche und mittlere Africa das wichtigste
Hausthier. (Das Schiff für die Wüsten – nen-
nen es die Araber.) Auch in Europa hat man
es fortzubringen versucht, wo z.B. das Camel-
gestüte zu Pisa recht gut einschlägt; besser als auf
Jamaica. Seine gewöhnliche Last ist gegen acht
Centner, und damit kann es zwölf Meilen in
einem Tage zurücklegen. Es kann lange hun-
gern, und frißt dornichtes Buschwerk, was in
den Wüsten in Menge wächst, und für kein an-
deres Säugethier zur Nahrung taugt. Auch den
Durst kann dieses Thier, wie man versichert, meh-
rere Wochen lang erdulden, säuft aber dafür un-
geheuer viel auf ein Mahl, da sich dieses Wasser
[Seite 111] lange Zeit in seinem Magen ziemlich unverän-
dert erhält. Beide, sowohl diese, als die folgende
Gattung, haben eine große Schwiele vorn an der
Brust, vier kleine an den Vorderfüßen, und zwey
dergleichen an den Hinterfüßen, die ihnen zum
Aufstemmen dienen, wenn sie müde sind, und
sich niederlegen.

2. Bactrianus. das Trampelthier. (Fr. le cha-
meau
. Engl. the camel.) C. tofis dorsi
duobus
.

Schreber tab. 304.

Im mittlern Asien, bis gen Schina, zumahl
in ganzen großen Herden in Bessarabien etc. wird
seines sehr schnellen Trabes und natürlichen Sat-
tels wegen, mehr als die vorige Gattung zum
Zug gebraucht.

3. Llacma. die Camelziege, Guanaco. C.
dorso laeui, tofo pectorali
.

Schreber tab. 306.

So wie die folgende Gattung im südlichen
America, besonders dem gebirgigen Peru. Sie
ähneln den Camelen der alten Welt in ihrer Le-
bensart, nur sind sie weit kleiner, und haben in
der Bildung viel von der Ziege. Das Llacma
war nebst dem ihm verwandten Pacos das ein-
zige Geschöpfe das die Americaner schon vor An-
kunft der Spanier als Hausthier hielten. Es
trägt bey seiner mäßigen Größe doch bis andert-
halb Centner, und ward ehedem vorzüglich zum
Transport der Silber-Barren aus den Bergwer-
ken von Potosi gebraucht.

4. Vicuña. das Schafcamel. (Fr. la vigogne.)
C. tofis nullis, corpore lanato.

Schreber tab. 307.

[Seite 112]

Kleiner als das Llacma. Läßt sich nicht zäh-
men, sondern wird seines rothbraunen Haares
wegen, das die bekannte Vicugna-Wolle gibt,
jährlich in großen Treibjagden haufenweis gefan-
gen. Auch der Occidentalische Bezoarstein
kommt von diesem Thier.

33. Capra. Cornua caua rugosa scabra.
Dentes
primores superiores nulli, infe-
riores
8; laniarii nulli.

1. †. Ouis. das Schaf. (Fr. le brebis. Engl.
the sheep.) C. mento imberbi, cornibus
compressis lunatis
.

Diese Gattung findet sich wohl nirgends mehr
ursprünglich wild; scheint auch nicht ein Mahl
nur wieder verwildern zu können: wird aber fast
in der ganzen alten Welt als eins der allernutz-
barsten Hausthiere gehalten, und ist auch bald
nach der Entdeckung von America dorthin ver-
pflanzt worden. Eine Folge dieser gänzlichen Un-
terjochung und dadurch eben so gänzlich umgeschaf-
fenen Lebensart des Thiers ist es aber auch wohl,
daß wenige andere Thiere so vielen Krankheiten
unterworfen, und von so vielerley Ungeziefer
geplagt sind.

Unter den verschiedenen Rassen der Schafe sind
vor allen die Tibetanischen, aus deren feinster
Wolle (so wie aus manchem zarten Ziegen-
haar) der Schaul verfertigt wird; die Spa-
nischen, aus Segovien, und dann die Engli-
schen ebenfalls wegen ihrer ausnehmenden Wolle;
die Isländischen mit vier, sechs oder acht Hör-
nern; und die Arabischen und Aegyptischen mit
dem großen und wohl 40 Pfund schweren Fett-
Schwanze, zu merken. Die zwischen den Wende-
[Seite 113] zirkeln haben mehrentheils statt der krausen Wolle
schlichtes Ziegenhaar; und die in Südafrica noch
überdem lange herab hängende Ohren.

2. Ammon. das Muffelthier, Argali, (mufi-
mon
. Büffon's mouflon.) C. cornibus ar-
cuatis circumflexis subtus planiusculis, pa-
learibus laxis pilosis
.

Schreber tab. 268.

Hin und wieder in der nordlichen Erde, z.B.
auf Corsica und Sardinien, in Griechenland, in
der Barbarey; vorzüglich aber in Sibirien bis
Kamtschatka und dann im nordwestlichsten Ame-
rica. Das im nordlichen Asien ist groß, mit
mächtig starken und schweren*) Hörnern, und
wird von einigen Naturforschern für das Stamm-
thier zu unserem Schaf gehalten.

3. † Hircus. die Ziege. (Fr. la chevre. (Engl.
the goat.) C. mento barbato, cornibus ar-
cuatis, carinatis
.

Unsere Hausziege scheint von dem so genannten
aegagrus einem wilden Thiere dieses Geschlechts
abzustammen, das in den wildesten Gegenden
des Caucasus und der daran grenzenden östlichen
Gebirgen lebt, und in dessen Mägen (so wie bey
manchen Gattungen von Antilopen) zuweilen der
orientalische Bezoarstein gefunden wird, daher
das Thier selbst mit dem Nahmen des Bezoar-
bocks belegt worden**).

[Seite 114]

Die Hausziege verwildert leicht wieder*), und
ist nun meist eben so weit als das Schaf auf der
Erde verbreitet.

Die Angorische Ziege oder das Kämmel-
thier hat langes seidenartiges Haar und gibt das
beste so genannte Camelgarn, das dem von den
Haaren des wahren Camels bey weiten vorzu-
ziehen ist.

4. †. Ibex. der Steinbock. (Fr. le bouquetin.
Engl. the wild goat.) C. mento barbato,
cornibus lunatis maximis, supra nodosis, in
dorsum reclinatis
.

Conr. Gesner l. c. pag. 1099.

In den höchsten Schneegebirgen von Tyrol und
Savoyen so wie auf Candia und in den Sibiri-
schen Alpen. Das Gehörn eines bejahrten Stein-
bocks wiegt wohl 20 Pfund, und hat meist eben
so viel knorrichte Ringe auf jeder Seite.

34. Antilope. Cornua caua, teretia, an-
nulata, vel spiralia. Dentes vt in capris
.

Ein weitläufiges Geschlecht, wovon sich zahl-
reiche Gattungen im mittlern und südlichern Asien,
und in Africa, zumahl aber am Cap finden.

1. †. Rupicapra. die Gemse (Fr. le chamois,
l'Izard
.) A. cornibus erectis vncinatis.

Schreber tab. 279.

[Seite 115]

In den alpinischen Gegenden des mildern Eu-
ropa und westlichen Asiens. Zahm gemachte Gem-
sen sollen sich mit den Ziegen gepaart und Ba-
starde erzeugt haben. Von den unverdaulichen
Zasern ihres Futters bilden sich in ihren Mägen
die ehedem berühmten so genannten Gemsballen,
(aegagropilae).

2. Dorcas. die Gazelle. C. cornibus teretibus
annulatis, medio flexis, apicibus laeuibus
approximatis
.

Schreber tab. 269.

Im ganzen Orient und Nordafrica. Es wird
oft im hohen Lied erwähnt, und ist noch jetzt in
der Orientalischen Dichtersprache das gewöhnliche
Bild, womit schöne Mädchen verglichen werden.

3. Pygarga. der Springbock, Prunkbock.
A. cornibus lyratis, linea laterali faciei et
trunci fusca, clunibus albis
.

Vosmaer descr. de la Gazelle de parade.

Im Innern des südlichsten Africa, von wannen
er jährlich in Herden von mehreren tausenden
nach dem Cap und nach einigen Monaten wieder
zurück zieht.

4. Gnu. das Gnu-Thier. A. cornibus an-
trorsum directis, apicibus reflexis: mento
barbato: iuba ceruicali et pectorali.

Schreber tab. 280.

In öden Gegenden vom Cap landeinwärts. Fast
von der Größe eines Pferdes: und von einer auf-
fallenden Bildung die meist völlig das Mittel
zwischen dem Antilopen- und Ochsen-Geschlecht
hält, zu welchem letztem es daher auch Herr
Dr. Forster rechnet und es bos poephagus nennt.

[Seite 116]

35. Bos. Cornua concaua, lunata, laeuia.
Dentes vt in generibus praecedentibus
.

1. †. Taurus. der Ochse. (Fr. le boeuf. Engl.
the ox.) B. cornibus teretibus extrorsum
cornatis, palearibus laxis
.

Das Rindvieh stammt vom Auerochsen ab (vrus,
bonasus
, und Bison der alten Welt; denn diese
dreyerley Nahmen scheinen sämmtlich die Stamm-
rasse unseres Hornviehs zu bezeichnen), der in
Polen, Litauen, Sibirien gefunden wird, und
ehedem auch in Deutschland war. Zu den merk-
würdigsten Varietäten des Rindviehs gehört z.B.
die halbwilde weiße Rasse mit braunen oder
schwarzen Ohren, auf den Ladronen, und hin und
wieder in Großbritannien: die mit den ausneh-
mend großen Hörnern in Sicilien: die gänzlich
ungehörnte in einigen Provinzen von England etc.

Hingegen scheint mirs noch zweifelhaft, daß
auch die Indische (von den Hindoos heilig ver-
ehrte) Buckelkuh, der bos indicus, oder Zebu
(– Schreber tab. 298. –) eine bloße Varietät
dieser Gattung seyn solle.

In den Mägen des Rindviehs finden sich zu-
weilen Ballen aus Haaren, die sie sich abgeleckt
und eingeschluckt haben. Die ihnen eigene, furcht-
bare, pestartige Viehseuche, hat zumahl seit 1711.
zuweilen lange und weit und breit grassirt.

2. Americanus. der Nordamericanische Bison.
B. cornibus diuaricatis, iuba longissima,
dorso gibboso
.

Schreber tab. 296.

Das größte Landthier der neuen Welt; lebt
herdenweise in den sumpfigen Wäldern des ge-
[Seite 117] mäßigtern Nordamericas. Im Winter ist es über
den ganzen Körper behaart, im Frühjahr hinge-
gen wird es am Rücken und Hinterleibe kahl,
und behält bloß seine ungeheuere Brust- und Nacken-
Mähne.

3. Buffelus. der Büffel. (Engl. the buffalo.)
B. cornibus resupinatis intortis antice planis.

Schreber tab. 300.

Stammt wohl ursprünglich aus Tibet, ist nun
aber nach und nach durch den größten Theil von
Asien und Nordafrica verbreitet, und wird auch
hin und wieder in Europa, wie z.B. seit dem
siebenten Jahrhundert in Italien, in Ungarn, und
auch selbst im Salzburgischen gezogen und zum
Zuge gebraucht. Sie haben ein schwarzes dünn
behaartes Fell, das ausnehmend stark und vor-
züglich zu Schläuchen tauglich ist. Ihre Milch
und die daraus gemachten Käse und Butter und
selbst ihr Fleisch ist ungleich schmackhafter als vom
gemeinen Hornvieh.

4. Grunniens. der Büffel mit dem Pferde-
schweif, Ziegenochse. B. cornibus tereti-
tibus, introrsum curuatis, vellere propen-
dente, cauda vndique iubata
.

Schreber tab. 299. A. B.

Ebenfalls in Tibet zu Hause, wird aber auch in
Indien etc. als Hausthier gehalten. Kleiner als
unser Hornvieh, zeichnet sich auch außerdem durch
seine grunzende Stimme, durch sein zottiges Zie-
genhaar, und durch einen büschligen sehr lang-
haarigen Schwanz aus, der, wenn er schön ist,
in Indien hoch geschätzt und theuer bezahlt wird.

[Seite 118]

5. Moschatus. der Bisamstier (Fr. le boeuf
musqué
. Engl. the musk-ox) B. cornua
deflexa, basibus latissimis complanatis ad
frontem contiguis; apicibus reflexis
.

Schreber tab. 302.

Sein Vaterland ist bloß aufs äußerste Nord-
america im Westen der Hudsonsbay vom 66 bis
73° der Breite eingeschränkt. Ein Paar seiner Hör-
ner soll zuweilen über einen halben Centner wiegen.

36. Giraffa. Cornua simplicissima pelle
tecta, fasciculo pilorum nigro terminata.
Dentes
primores superiores nulli; infe-
riores
8. spatulati, extimo bilobo; la-
niarii
nulli.

1. Camelopardalis. die Giraffe.

Cptn. Carteret, in den philos. Transact.
Vol. LX. tab. I.

Im innern Africa. Sie hat, wegen ihres lan-
gen Halses, kurzen Körpers, abhängigen Rückens,
und wegen ihres röthlichen, schön gefleckten Fells,
ein sehr auszeichnendes Ansehn. Sie soll im
Schreiten, wie die Paßgänger, immer den Vor-
der- und Hinterfuß der einen Seite zugleich heben,
und daher einen sonderbaren Gang haben, von
dem die Bewegung des Springers im Schachspiel
entlehnt worden. Sie ist, wenn sie aufrecht steht,
über sechzehn Fuß hoch.

37. Cervus. Cornua solida multifida.
Dentes vt in generibus praecedentibus
(interdum tamen
laniarii solitarii su-
perius
).

[Seite 119]

1. Alces. das Elennthier (Fr. l'elan. Engl.
the elk.) C. cornibus planis acaulibus,
palmatis
.

Schreber tab. 246.

In der ganzen nordlichen Erde, (wenn anders
das Nord-Americanische Elenn, Fr. l'orignal,
Engl. the moose-deer*) keine eigne Gattung
ist), erreicht die Größe vom Pferd, wiegt wohl
über 1200 und sein Gehörn auf 56 Pfund; läßt sich
zähmen und herdenweise auf die Weide treiben.
Die alten Sagen, daß das Elennthier oft von
Epilepsie befallen werde, und daß die Ringe und
Halsbänder von Elennsklauen gegen diese u.a.
Krankheiten helfen sollten etc. brauchen jetzt keiner
weitern Widerlegung.

2. †. Dama. der Damhirsch, Tannhirsch.
(Fr. le daim. Engl. the fallow-deer.) Cor-
nibus subramosis compressis, summitate
palmata
.

Schreber tab. 249. A. B.

Im gemäßigtern Europa. Kleiner als der ge-
meine Hirsch; variirt in der Farbe.

3. Tarandus. das Renthier. (rangifer. Fr.
le renne. Engl. the rein.) C. cornibus (in
vtroque sexu
) longis, simplicibus, tereti-
bus, summitatibus subpalmatis, iuba gulari
pendula
.

Schreber tab. 247. A. B. C.

In der ganzen nordlichen Erde. Theils, wie
in Kamtschatka in Herden von tausend und mehr
[Seite 120] Stück; kann in wärmern Gegenden nicht ausdauern,
lebt von dürrem Laub, und vorzüglich von Ren-
thier-Moos, das es unter dem Schnee hervor
scharrt. Dient den Lappländern, Korälen, Tun-
gusen und Samojeden zur Befriedigung aller der
dringendsten Bedürfnisse des Lebens.

4. †. Elaphus. der Hirsch. (Fr. le cerf. Engl.
the stag.) C. cornibus ramosis totis tereti-
bus recuruatis apicibus multifidis
.

Schreber tab. 248. A. B. C. D. E.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem Elenn,
nur unter mehr südlicher Breite. Die Zahl der
Enden seines Geweihes richtet sich nicht genau nach
dem Alter des Thiers: nach dem achten Jahre ist
sie unbestimmt. Die größten natürlich-schönen
Geweihe sind von 18 bis 24 wahren Enden.
Der Hirsch wird ungefähr 30 Jahre oder etwas
darüber alt.

5. †. Capreolus. das Reh. (Fr. le chevreuil.
Engl. the roe) C. cornibus ramosis, tere-
tibus, erectis, summitate bifida
.

Schreber tab. 252. A. B.

In den gemäßigtern und wärmern Erdstrichen
von Europa und Asien. Das Gehörn des Reh-
bocks ist öfter als bey andern Gattungen dieses
Geschlechts durch sonderbare Exostofen entstellt.

38. Moschvs. Cornua nulla. Dentes
primores vt in praecedentibus generibus;
laniarii superiores solitarii exserti.

1. Moschifer. das Bisamthier. (Fr. le musc.
Engl. the musk.) M. folliculo vmbicilicali.

Schreber tab. 242.

[Seite 121]

In den Schwarzwäldern und bergigen Gegen-
den von Tibet und dem südlichen Sibirien. Das
Männchen hat in der Nabelgegend einen Beutel
von der Größe eines Hühnereyes, worin sich der
Bisam, dieses wichtige Arzneymittel, sammelt.

2. Pygmaeus. das kleine Guineische Rehchen.
M. supra fusco-rufus, subtus albus, vngu-
lis succenturiatis nullis
.

Seba, thes. I. tab. 45. fig. 1.

In Ostindien und auf Guinea. Das kleinste
Thier dieser Ordnung. Seine ganzen Beine sind
kaum einen Finger lang, und haben ungefähr die
Dicke eines Pfeifenstiels.


IX. BELLVAE.

Meist sehr große, aber unförmliche, bor-
stige oder dünn behaarte Säugethiere.

39. Svs. Rostrum truncatum, prominens,
mobile. Dentes
primores (plerisque)
superiores 4. conuergentes, inferiores 6.
prominentes (plerisque); laniarii supe-
riores
2. breuiores, inferiores 2. exserti.

1. † Scrofa. das Schwein. (Fr. das wilde
le sanglier, das zahme le cochon. Engl. jenes
the wild boar, dieses the hog.) S. dorso se-
toso, cauda pilosa
.

Das wilde Schwein hat eine längere Schnautze
und überhaupt eine andre Form des Schädels,
kürzere aufrechte Ohren, größere Fangzähne als
das Hausschwein, auch keinen Speck, und nie-
[Seite 122] mahls Finnenwürmer, und ist fast immer von
schwarzgrauer Farbe.

Wenige Thiere sind so allgemein fast über die
ganze Erde verbreitet, als das Hausschwein, des-
sen Fleisch vor den übrigen den großen Vorzug
hat, daß es sich durch Räuchern und Einsalzen
lange erhalten läßt. Das Schwein hat einen un-
gemein scharfen Geruch, und ist beynahe ein ani-
mal omniuorum
. Das Weibchen wirft unter
allen Thieren mit gespaltnen Klauen die mehre-
sten Junge.

In America, wohin die Schweine aus Europa
übergebracht worden, sind sie theils verwildert.
(Fr. cochons marons.) Auf Cuba wurden sie
mehr als noch Ein Mahl so groß, als ihre Euro-
päische Stammältern; auf Cubagua arteten sie in
eine abentheuerliche Rasse aus mit Klauen, die auf
eine halbe Spanne lang waren etc. – Die Schi-
nesischen (Fr. cochons de Siam) haben kürzere
Beine und einen ausgeschweiften Rücken ohne
Mähne. – In Schweden und Ungarn findet
sich nicht selten eine Spielart mit ungespaltenen
Klauen, die schon den Alten bekannt war, so wie
man auch welche mit drey Klauen gesehen hat.

2. Aethiopicus. das Emgalo. (Büffon's san-
glier du cap vert
.) S. incisoribus nullis, sac-
culis mollibus sub oculis
.

Vosmaer, description du sanglier
d'Afrique
.

Im Innern von Süd-Africa. Auch auf Ma-
dagascar. Ein furchtbar wildes Thier, mit einem
mächtig großen Kopf, spannen-breiten Rüssel,
großen warzichten Fleischlappen unter den Augen etc.

[Seite 123]

3. Taiassu. das Nabelschwein, Bisamschwein,
Pecari. S. cauda nulla, folliculo moschi-
fero ad coccygem
.

Schreber tab. 325.

Herdenweise in den wärmsten Gegenden von
Südamerica. Wird höchstens nur 60 Pfund schwer.

4. Babirussa*) der Schweinhirsch, Hirsch-
eber. S. dentibus laniariis superioribus
maximis, arcuatis
.

Schreber tab. 328.

Zumahl auf den Moluckischen Inseln. Lebt am
Wasser, kann sehr geschickt selbst nach ziemlich
entlegnen Inseln schwimmen. Es hält schwer,
zu bestimmen, wozu ihm die fast zirkelförmigen
großen Eckzähne des Oberkiefers dienen mögen?

40. Tapir. Habitus suillus. Dentes pri-
mores
vtrinque 10; laniarii nulli: pal-
mae vngulis
4. plantae vngulis 3.

1. Suillus. der Tapir, Anta.

Schreber tab. 319.

Das größte Landthier in Süd-America, von
der Statur eines mittelmäßigen Ochsen. Kopf
und Schenkel sind ungefähr wie beym Schwein;
die Oberlippe zugespitzt, sehr beweglich und zu
allerhand künstlichen Handlungen geschickt. Ge-
wöhnlich setzt sichs auf die Hinterfüße wie ein Hund.
Geht gern ins Wasser, schwimmt sehr gut etc.

[Seite 124]

41. Elephas. Elephant. Proboscis lon-
gissima, prehensilis: dentes
primores nulli;
laniarii superiores exserti.

1. Asiaticus. E. dentium molarium corona
lineis
vndulatis distincta*).

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 19. fig. B.

Im südlichen Asien, vorzüglich auf Ceilan.
Ist das größte von allen Landthieren, wird wohl
15 Fuß hoch und wiegt im zwanzigsten Jahre auf
7000 Pfund. Seine auf dem Rücken fast Dau-
mens dicke Haut ist doch selbst gegen Insecten-
stiche empfindlich; gewöhnlich von grauer Farbe.
Das Hauptorgan des Elephanten ist sein Rüssel,
der ihm zum Athemhohlen, zum äußerst feinen
Geruch, zum Wasserschöpfen, sein Futter damit
zu fassen und ins Maul zu stecken, und zu tausend
künstlichen Verrichtungen, statt der Hände dient.
Er kann ihn drey Ellen lang ausstrecken, und bis
zu anderthalb Ellen wieder einziehen. Am Ende
ist derselbe, wie mit einem biegsamen Haken ver-
sehen, und hiermit kann er ungemein feine kunst-
reiche Handlungen verrichten, z.B. Knoten auf-
knüpfen, Schnallen auflösen, mehrere Stücken
Geld mit Einem Mahl aufheben u.s.w. Seine
[Seite 125] Nahrung besteht vorzüglich aus Laub der Bäume,
Reis und andern Gräsern. Er schwimmt mit
ungemeiner Leichtigkeit selbst durch schnelle Ströme;
bey der Begattung soll er sich, wie die mehresten
übrigen Säugethiere bespringen. Das neuge-
worfne Junge saugt mit dem Maule (nicht mit
dem Rüssel, wie viele gemeint haben). Ungefähr
im dritten, vierten Jahre kommen bey beiden
Geschlechtern die zwey großen Stoßzähne zum
Ausbruch, die das Elfenbein geben. Sie werden
wohl 7 bis 8 Fuß lang und einer derselben kann
bis auf 200 Pfund wiegen. Wahrscheinlich wird
der Elephant auf 200 Jahre alt. Am häufigsten
nutzt man ihn zum Lasttragen, da er zum min-
desten 20 Centner zu tragen, und die größten
Transporte Berge hinauf zu wälzen, im Stande
ist. Sein Gang ist gleichsam ein schnelles Schie-
ben der Beine, und dabey so sicher, daß er auch
auf ungebahnten Wegen doch nicht strauchelt.

2. Africanus. E. dentium molarium corona
rhombis distincta.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 19. fig. C.

Diese im mittlern und südlichern Africa einhei-
mische Gattung, wird nicht wie die Asiatische, als
Hausthier gehalten, sondern bloß des Fleisches
und vorzüglich des Elfenbeins*) wegen gefangen
und geschossen.

[Seite 126]

42. Rhinoceros. Nashorn. Cornu so-
lidum, conicum, naso insidens
.

1. Asiaticus. Rh. dentibus primoribus vtrin-
que quaternis, inferioribus conicis, superio-
ribus sublobatis;
laniariis nullis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 7. fig. B.

In Ostindien. Das bey dieser Gattung meh-
rentheils einzelne Horn sitzt bey ihm so wie das
doppelte beym Africanischen nicht am Knochen
fest, sondern ist bloß mit der Haut verwachsen.

2. Africanus. Rh. incisoribus et laniariis nullis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 7. fig. A.

In Süd-Africa, am Cap etc. Das zweyte
Horn ist kleiner, und sitzt hinter dem erstern.

43. Hippopotamvs. Dentes primores
superiores remoti, inferiores procumben-
tes
; laniarii inferiores incuruati, obli-
que truncati
.

1. Amphibius. das Nilpferd. (am Cap See-
kuh genannt)

Buffon, supplement vol. III. tab. 62. 63.
vol. VI tab. 4. 5.

Häufig im südlichen Africa. Doch auch im Nil.
Aeußerst plump, mit einem unförmlichen großen
Kopfe, ganz ungeheueren Rachen, dicken Leibe,
kurzen Beinen etc. Ein erwachsenes wiegt wenig-
stens viertehalb tausend Pfund. Nährt sich von
Vegetabilien und Fischen.

[Seite 127]

44. Trichechvs. Pedes posteriores
compedes coadunati
.

1. Rosmarus. das Wallroß. (Fr. le morse.
Engl. the walrus.) T. dentibus laniariis
superioribus
exsertis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 15.

Beym Treibeis des Nordpols: oft zu hunder-
ten beysammen. Sie nähren sich vom Seetang
und Schalthieren, die er mit ihren Hauzähnen
loskratzen.

2. Manatus. die Seekuh. (Fr. le lamantin.)
T. dentibus laniariis inclusis.

Schreber tab. 80.

In den Meeren der wärmern Erde, auch häufig
im Orinoco. Scheint zu manchen der Sagen
von Sirenen und Meerjungfern Anlaß gegeben
zu haben**).


X. CETACEA.

Die ehedem so ganz widersinnig zu den
Fischen gerechneten Säugethiere***).

45. Monodon. Dentes duo maxillae su-
perioris exserti longissimi, recti, spirales
.

[Seite 128]

1. Narhwal. das See-Einhorn. D. fistulis
respiratoriis duabus, confluentibus.

Klein hist. piscium. Miss. II. tab. 2. fig. C.
Miss.
V. tab. 3. fig. a. b.

Im nordlichen atlantischen Ocean. Hat ur-
sprünglich allerdings zwey lange parallele Zähne,
die aber selten zusammen gefunden werden, son-
dern gewöhnlich nur einer von beiden. Zuweilen
so lang, als der Körper des Thiers, d.h. wohl
18 Fuß und darüber.

46. Balaena. Laminae corneae loco
dentium superiorum
.

1. Mysticetus. der Wallfisch. (Fr. la baleine.
Engl. the whale.) B. dorso impinni.

Abbild. der Wallfische bey Homanns Erben,
in Landkarten-Format, fig. 1. 2.

Das größte aller bekannten Thiere, das über
100000 Pfund am Gewicht hält, ist theils gegen
den Nordpol, aber auch in südlichen Gegenden im
Atlantischen Ocean, und im stillen Meere zu Hause.
Die heutiges Tages gefangen werden, sind selten
über 60 bis 70 Fuß lang. Der ungeheuere Kopf
macht beynahe die Hälfte des ganzen Thieres aus.
Die Haut ist meistens schwarz oder mit weiß ge-
marmelt etc., hin und wieder dünn behaart, und
oft mit Muscheln besetzt. Den Kamtschadalischen
Insulanern und den nordwestlichen Americanern
gibt dieses ungeheuere Thier victus et amictus etc.
Die Europäer hingegen fangen den Wallfisch
(wovon ein großer 5000 Rthl. werth seyn kann)
des Fischthrans und besonders der Barden wegen,
deren er 700 im Oberkiefer hat, die das Fischbein
geben, und von denen die mittelsten wohl zwanzig
Fuß lang werden.

[Seite 129]

2. Boops. (einer der verschiednen Finnfische.)
B. pectore sulcato, pinna dorsali obtusa.

Die Haut an Hals und Brust und Vordertheil
des Bauchs, ist bey dieser und einigen andern Gat-
tungen dieses Geschlechts sehr regelmäßig nach der
Länge gefurcht*).

47. Physeter. Dentes in maxilla in-
feriore
.

1. Macrocephalus. der Caschelot, Pottfisch.
P. dorso impinni, dentibus inflexis, apice
acutiusculo
.

Die Homannische Abbild. fig. 4.

Meist in den südlichen Weltmeeren; zumahl
an den Küsten von Brasilien und von Neu-Süd-
wallis. Er erreicht die Größe des Wallfisches,
hat einen ungeheuern Rachen, und kann Klafter-
lange Hayfische verschlingen. Sein Oberkiefer ist
sehr breit, der untere hingegen überaus schmal.
Er wird vorzüglich des Wallraths (sperma ceti)
wegen aufgesucht, das in Gestalt eines milchweißen
Oels theils im Körper des Thiers bey dem Thran,
theils aber, und zwar in größter Menge in beson-
dern Canälen, im Kopfe desselben gefunden wird,
und an der Luft zu einem halb durchsichtigen Talk
[Seite 130] verhärtet. In seinen Gedärmen und unter sei-
nem Auswurf findet sich zuweilen die wohlriechende
graue Ambra.

48. Delphinvs. Dentes in maxilla
vtraque
.

1. Phocaena. das Meerschwein, der Braun-
fisch. (tursio Plin. Engl. the porpoise.) D.
corpore subconiformi, dorso lato pinnato,
rostro subobtuso
.

Schreber tab. 342.

So wie die folgende Gattung in den Europäi-
schen Meeren: wird 1 1/2 Klafter lang.

2. Delphis. der Delphin, Tümmler. (Fr. le
dauphin
. Engl. the porpesse.) D. corpore
oblongo subtereti, dorso pinnato, rostro
attenuato, acuto
.

Schreber tab. 343.

Der eigentliche Delphin der Alten.

3. Orca. der Nordcaper, Butzkopf. (Engl.
the grampus.) D. pinna dorsi altissima;
dentibus subconicis, parum incuruis.

Schreber tab. 340.

Mehr im nordlichen Weltmeere, doch auch im
Mittelländischen, wird 20 Fuß lang.


Fünfter Abschnitt.
Von den Vögeln.

[Seite 131]

§. 55.

Die Säugethiere zeigen in ihrer Bildung,
mithin auch in ihrer Lebensart etc. so sehr viel
Verschiedenheit, daß sich nur wenig Allgemeines
von ihnen überhaupt sagen läßt, und man sich
folglich bey ihrer speciellen Geschichte desto um-
ständlicher zu seyn gedrungen sieht. Schon bey
den Vögeln, noch mehr aber bey den folgenden
Thierclassen ist der Fall anders. Beides, so
wohl ihre Gestalt, als auch ihre Lebensart hat
im Ganzen genommen mehr Uebereinstimmendes,
daher man sich bey der besondern Geschichte
ihrer einzelnen Geschlechter und Gattungen schon
kürzer fassen kann.

§. 56.

Alle Vögel kommen in Rücksicht ihrer Bil-
dung darin mit einander überein, daß sie zwey
Füße, zwey Flügel, einen hornichten Schna-
bel, und einen mit Federn bedeckten Körper
haben. Sie zeichnen sich zugleich durch diese
vier Charactere von allen andern Thieren aufs
kenntlichste aus, und machen eine gleichsam iso-
[Seite 132] lirte Classe von Geschöpfen aus, die mit keiner
andern zusammen fließt, und sich daher in
die vermeinte Kette oder Leiter der natürlichen
Körper (S. 9.) nicht ohne Zwang einpassen läßt.

§. 57.

Der ganze Körperbau der allermehresten
Vögel ist ihrer Bestimmung zum Fluge ange-
messen. Einen vorzüglichen Antheil an ihrer
geschickten und leichten Bewegung haben die
Federn, die in regelmäßigen Reihen (in quinc-
unce
) in die Haut verwachsen und mit vielem
Fette durchzogen sind; aber in gewisser Jahres-
zeit, gewöhnlich im Herbste, ausfallen und neue
an ihre Statt reproducirt werden. Manche,
wie die Wachteln, die Schneehühner etc. mau-
sern sich gar zwey Mahl im Jahr, im Frühling
und Herbst. Die neuen Federn haben bey jungen
Vögeln oft ganz andere Farbe als die ausge-
fallnen; daher man bey Bestimmung der Gat-
tungen auf das Alter dieser Thiere und auf die
davon abhängende Verschiedenheit in der Farbe,
Rücksicht nehmen muß. In der Kunstsprache
heißt ein einjähriger Vogel, der sich nähmlich
noch nie gemausert hat, avis hornotina; wann
er aber Federn gewechselt hat, avis adulta.

§. 58.

Die stärksten Federn sind in den Fittigen
und im Schwanze. Jene heißen Schwung-
[Seite 133] federn (remiges), diese Steuerfedern (rectri-
ces
). Die Schwungfedern sind von unbestimm-
ter Anzahl, und bilden gleichsam breite Fächer,
womit sich die Vögel in die Luft heben und flie-
gen können. Einige wenige Vögel (aves im-
pennes
) wie die Pinguine etc. haben gar keine
Schwungfedern, und sind daher zum Fluge un-
geschickt. So fehlen auch einigen Vögeln, wie
dem Casuar, den Taucherchen etc. die Steuer-
federn.

§. 59.

Die Raubvögel ausgenommen so sind fast
bey allen übrigen die Männchen schöner befiedert
als die Weibchen, und im Ganzen auch in dieser
Classe, so wie überhaupt in beiden organisirten
Reichen, die bey weitem allerprachtvollsten Ge-
schöpfe den heissen Erdstrichen eigen.

§. 60.

Im innern Körperbau*) zeichnen sich die
Vögel besonders durch die merkwürdigen Luft-
behälter aus, die in ihrem ganzen Körper ver-
theilt, und vorzüglich zum Fluge von äußerster
Wichtigkeit sind. Die mehresten stehen mit den
Lungen, andere aber bloß mit dem Rachen in
[Seite 134] Verbindung, und der Vogel kann sie nach Will-
kühr mit Luft laden oder ausleeren, je nachdem
er seinen Körper leichter oder schwerer machen
will. Zu diesen Luftbehältern gehören vorzüg-
lich große aber zarte häutige Zellen, die theils
im Unterleibe, theils unter den Achseln und sonst
noch unter der Haut verbreitet sind, und durchs
Einathmen mittelst der Lungen voll Luft gepumpt
werden können. Außerdem dienen den Vögeln
auch gewisse markleere hohle Knochen, wie die
Schulterknocken im Flügel etc. und manchen selbst
die Hirnschale, zu gleichen Zwecken. Und endlich
sind auch die ungeheuern Schnäbel der Pfeffer-
fraße, Nashornvögel, Papageyen etc. ebenfalls
dahin gehörig; und selbst die Federspulen stehen
mit dem obgedachten lockern Zellgewebe in Ver-
bindung, und können gleichfalls mit Luft gefüllt
oder ausgeleert werden.

§. 61.

Durch diese merkwürdigen Luftbehälter, in
Verbindung mit den obgedachten Einrichtungen
im Körperbau der Vögel überhaupt, werden
diese Thiere zum Flug geschickt, bey welchem die
Geschwindigkeit so wohl als die lang anhaltende
Dauer gleich merkwürdig sind. Nur wenige
Vögel, wie der Straus, der Casuar, die Pin-
guins und andre aves impennes (§. 58.) können
gar nicht fliegen.

§. 62.

[Seite 135]

Der Aufenthalt der Vögel ist beynahe eben
so verschieden als der Säugethiere ihrer. Die
mehresten leben auf Bäumen, andre in Wassern,
sehr wenige bloß auf der Erde: aber kein einzi-
ger Vogel (so wie der Maulwurf in der vorigen,
und andre Geschöpfe in den beiden letztern Thier-
Classen,) bloß unter der Erde. Die Bildung der
Füße ist auch bey den Vögeln, so wie bey den
Säugethieren, ihrem verschiednen Aufenthalt an-
gemessen. Die mehresten haben freye, unver-
bundne Zehen (aves fissipedes) und zwar ge-
wöhnlich ihrer viere, wovon dreye nach vorn,
und der vierte gleichsam als Daumen nach
hinten gekehrt ist (pedes ambulatorii). Oder
aber es sind nur zwey Zehen nach vorn, und
zweye nach hinten gekehrt (pedes scansorii);
oder der Vogel kann willkürlich die eine Zehe
bald vorwärts zu den übrigen zweyen, bald rück-
wärts zum Daumen schlagen (digitus versati-
lis
). Bey andern ist auch wohl die mittlere
Zehe an die eine Seitenzehe angewachsen (pe-
des gressorii
); oder die Hinterzehe fehlt ganz
(pedes cursorii). Bey denen Vögeln, die
keine freye Zehen haben, sind die Zehen entweder
nur an der Wurzel (pedes semipalmati) –
oder aber bis vorn an die Spitze (pedes pal-
mati
) – durch eine Schwimmhaut verbunden;
bey andern sind die einzelnen Zehen mit einer
lappichten schmalen Haut, die entweder einen
[Seite 136] glatten (pedes lobati) – oder zackichten
Rand (pedes pinnati) hat, wie mit Fransen
eingefaßt.

§. 63.

Sehr viele Vögel verändern ihren Wohn-
platz zu gewissen Jahrszeiten; die meisten zwar
bloß in so fern, daß sie nur wenige Meilen weil
in die benachbarten Gegenden streichen, und bald
darauf in ihre alte Heimath zurückkehren; an-
dere aber wie die Hausschwalben, die Kraniche,
Störche etc. so, daß sie im Herbst große Wall-
fahrten, weit übers Meer und über einen be-
trächtlichen Theil der Erdkugel weg, anstellen,
und den Winter bis zur Rückkehr im folgenden
Frühjahr in wärmern Zonen zubringen.

§. 64.

Kein einziger Vogel hat Zähne, sondern
diese Thiere müssen ihre Speise entweder mit
dem Schnabel zerbeissen, oder ganz schlucken.
Bey denjenigen samenfressenden Vögeln, die ihre
Körner ganz, unzerbissen einschlucken, gelangen
diese nicht sogleich in den Magen, sondern werden
vorher im Kropfe oder Vor-Magen (inglu-
vies s. prolobus
) d.h. in einem besondern drü-
senreichen Behälter eingeweicht, und von da nur
allmählich an den Magen überlassen: der bey
diesen Thieren äußerst musculös, und so stark
ist, daß er sogar nach Reaumur's u.a. merk-
würdigen Versuchen verschluckte Haselnüsse und
[Seite 137] Olivenkerne zu zerdrücken und Münzen so glatt
wie Papier abzuscheuern vermag. Sehr viele
Vögel verschlucken aber auch überdem noch kleine
Kieselsteinchen, die ebenfalls die Zermalmung
und nachherige Verdauung der Speisen befördern.
Verschiedne fleischfressende Vögel, wie die Eulen,
Eisvögel etc. können die Knochen, Haare und Grä-
ten der kleinen Thiere, die sie verzehrt haben,
nicht verdauen, sondern brechen sie, in eine runde
Kugel geballt, nach der Mahlzeit wieder von sich.

§. 65.

Die Augen haben bey dieser ganzen Thier-
Classe einen sonderbaren schwarzen Fächer (pecten
plicatum
, Fr. bourse) im Augapfel, der aus
dem Ende des Sehenerven entspringt und in
die gläserne Feuchtigkeit (corpus vitreum)
hinein dringt.

Die innern Gehörwerkzeuge hingegen sind
bey den Vögeln einfacher als bey den Säuge-
thieren gebildet, und der ganzen Classe fehlen
auch die äußern Ohren; ein Mangel, der aber
zumahl bey den nächtlichen Raubvögeln durch
die äußerst regelmäßige zirkelförmige Stellung
und bestimmte Richtung der Federchen in der
Gegend des Ohres ersetzt wird.

Anm. Nur sehr wenige Vögel, die Enten nähmlich
u.a. verwandte Gattungen, scheinen den wirklichen
Sinn des Tastens (d.h. des Gefühls im engern
Verstande) zu besitzen; und das Organ dazu ist
wohl die welche Bedeckung ihres Schnabels, die
mit ausnehmend starken Hautnerven versehen, und
[Seite 138] beym lebendigen Thier äußerst empfindlich ist.
Auch sieht man, wie die Enten in den Pfützen,
wo sie bey Aufsuchung des Fraßes weder dem
Gesichte, noch dem Geruche nachgehen können, mit
dem Schnabel wirklich sondiren.

§. 66.

Die Stimme ist zumahl bey den kleinen
so genannten Sangvögeln überaus mannigfaltig
und anmuthig, doch darf man nicht so wohl
sagen, daß sie singen, (– denn natürlicher Ge-
sang ist wohl ein ausschließliches Vorrecht des
Menschen –) als, daß sie pfeifen. Außer den
abgedachten Luftbehältern (§. 60.) kommt ihnen
dazu vorzüglich die Einrichtung ihres Kehlkopfs
(Larynx) zu statten, der bey den Vögeln nicht
bloß so wie bey den Säugethieren und Amphi-
bien am obern Ende, nähmlich an der Zungen-
wurzel befindlich, sondern gleichsam in zwey ab-
gesonderte Hälften an die beiden Enden der Luft-
röhre vertheilt ist. Die Papageyen, Raben,
Stare, Dompfaffen etc. hat man die Menschen-
stimme nachahmen und Worte aussprechen ge-
lehrt: so wie auch die Sangvögel im Käfig leicht
fremden Gesang annehmen, Lieder pfeifen lernen,
und sich sogar zum Accompagnement abrichten
lassen, so, daß man mit mehreren Dompfaffen
zugleich schon wirklich kleine Concerte hat geben
können. Ueberhaupt aber scheint auch der Wald-
gesang der Sangvögel doch erst durch Uebung
und Nachahmung recht ausgebildet zu werden.

§. 67.

[Seite 139]

Die mehresten Vögel begatten sich im Früh-
jahr; manche aber, wie der Kreuzschnabel, in
der kältesten Jahrszeit nach Weihnachten. Das
Hausgeflügel ist an gar keine bestimmte Zeit
gebunden, sondern läßt sich Jahr aus Jahr ein
zu diesem Geschäft willig finden. Manche halten
sich nur zur Begattungszeit, andere aber, wie
die Tauben, für immer paarweise zusammen:
noch andre aber leben, wie die Hühner, in Po-
lygamie.

§. 68.

Das befruchtete Weibchen wird vom In-
stinct getrieben; für die Zukunft zu sorgen, und
zu nisten, wovon eigentlich vielleicht bloß der
Kuckuck völlig ausgenommen ist. Bey den po-
lygamischen Vögeln, wie bey den Hühnerarten,
nimmt das Männchen gar keinen Antheil an die-
sem Geschäfte; bey denen aber die sich paarweise
zusammen hallen, zumahl unter den Sangvö-
geln, trägt es doch Baumaterialien herbey, und
verpflegt sein Weibchen während ihrer Arbeit.

§. 69.

Die Auswahl des Ortes, an dem jede
Gattung ihr Nest anlegt, ist ihren Bedürfnissen
und ihrer ganzen Lebensart aufs genaueste ange-
messen. Und eben so sorgfältig wählt auch jede
Gattung die Baumaterialien zu ihrem Neste.

§. 70.

[Seite 140]

Die Form der Nester ist bald mehr bald
minder künstlich. Manche Vögel, wie die
Schnepfen, Trappen, Kibitze etc. machen sich
bloß ein dürres Lager von Reisholz und Stroh-
halmen auf der platten Erde: andere tragen sich
nur ein weiches kunstloses Bett in Löcher der
Mauern, Felsenritzen und hohle Bäume; so die
Spechte, Heher, Dohlen, Wiedehopfe, Sper-
linge etc. Sehr viele, zumahl unter den Hüh-
nern, Tauben und Sangvögeln geben ihrem
Neste die Gestalt einer Halbkugel oder einer
Schüssel: andere, wie der Zaunkönig, die Form
eines Backofens: noch andere, wie der Pendu-
lin, der Jupujuba etc. die von einem Beutel
u.s.w.*)

§. 71.

Wenn endlich das Geschäft des Nesterbaues
vollendet ist, so legt die Mutter ihre Eyer hin-
ein; deren Anzahl bey den verschiedenen Gattun-
gen der Vögel sehr verschieden ist. Viele Was-
servögel z.B. legen jedes Mahl nur ein einziges
Ey; die Taucherchen und mehresten Tauben ihrer
zweye; die Möven dreye; die Raben viere; die
Finken fünfe; die Schwalben sechs bis acht; die
Rebhühner und Wachteln vierzehn; das Haus-
huhn aber, besonders wenn man ihm die Eyer
[Seite 141] nach und nach wegnimmt*), bis fünfzig und
drüber. Zuweilen geben auch manche Vögel,
ohne vorher gegangene Befruchtung, Eyer von
sich, die aber zum Bebrüten untauglich sind und
Windeyer (oua subuentanea, zephyria, hy-
penemia
) heissen.

§. 72.

Die Ausbildung des jungen Thieres, die bey
den Säugethieren noch im Mutterleibe vollzogen
wird, muß hingegen bey den Vögeln im schon
gelegten Ey, mittelst des Brütens bewirkt wer-
den. Nur der Kuckuck brütet seine Eyer nie
selbst aus, sondern überläßt es den Grasmücken
oder Bachstelzen etc. in deren Nest er sein Ey
gelegt hat. Hingegen weiß man, daß selbst
Copaunen und Hunde, und sogar Menschen
Vogeleyer ausgebrütet haben**). Auch bloß
durch künstliche Wärme, und erhitzten Mist***),
[Seite 142] und durch Lampenfeuer in so genannten Brüt-
Maschinen*) und in Brutöfen, kann man
leicht Hühnchen auskriechen lassen. Die Vögel
werden durchs anhaltende Brüten abgemattet,
und nur bey solchen, die sich paarweise zusam-
men halten, wie bey den Tauben, Schwalben,
Rothschwänzen etc. nimmt auch das Männchen
an diesem Geschäfte Antheil. Die Hähne unter
den Canarienvögeln, Hänflingen, Stiglitzen etc.
überlassen zwar das Brüten bloß ihren Weibchen,
versorgen sie doch aber während der Zeit mit Fut-
ter und ätzen sie theils aus dem Kropfe.

§. 73.

Während des Brütens geht nun im Eye
selbst die große Veränderung vor, daß das
Küchelchen darin allmählich gebildet, und von
Tag zu Tag mehr zur Reise gebracht wird. Zu
dieser Absicht ist nicht nur der Dotter überhaupt
specifisch leichter als das Eyweis, sondern auch
wiederum diejenige Stelle auf seiner Oberfläche
an welcher das künftige Hühnchen zu liegen
kommt, selbst noch leichter als die entgegen ge-
setzte Seite, so daß folglich bey jeder Lage des
Eyes doch immer jene Stelle dem Leibe des be-
brütenden Vogels am nächsten ist. Die erste
[Seite 143] Spur des neuen Küchelchens zeigt sich, immer
erst eine geraume Zeit nachdem das Brüten sei-
nen Anfang genommen. Beym Hühnerey z.B.
kaum vor Ende des ersten Tages: so wie am
Ende des zweyten das berühmte Schauspiel der
ersten Bewegung des dann noch sehr unvollkomm-
nen Herzchens (das punctum saliens) seinen
Anfang nimmt. Zu Ende des fünften Tages
sieht man schon das ganze kleine gallertartige
Geschöpf sich bewegen. Am vierzehnten brechen
die Federn aus; zu Anfang des funfzehnten
schnappt das Hühnchen schon nach Lust; und ist
am neunzehnten Tage im Stande einen Laut von
sich zu geben.

Anm. Beym Vogel im Ey ist die erste Gestalt, worin
er sich zeigt, unendlich mehr von seiner nachmah-
ligen Form, wenn er zum Auskriechen reif ist, ver-
schieden, als die früheste Gestalt des neuempfange-
nen Säugethiers von seiner nachherigen Bildung.
Man kann sagen, das Küchelchen im Eye gelangt
erst durch eine Art von Metamorphose zu seiner
vollkommenen Gestalt, und das sowohl in Rücksicht
einzelner Eingeweide (z.B. des Herzens) als in
der Totalbildung.

§. 74.

Jede Gattung Vögel hat zwar ihre bestimmte
Brützeit von verschiedener Länge, die aber doch
nach Verschiedenheit des Clima und der wär-
mern oder kältern Witterung verzögert oder be-
schleunigt wird. Beym Huhn ist das Küchel-
chen gewöhnlich zu Ende des ein und zwanzig-
stell Tages zum Auskriechen aus dem Eye reif;
[Seite 144] in welchem es die drey Wochen über vom Dot-
ter, welcher allgemach durch das sich ihm bey-
mischende Eyweis verdünnt wird, – ernährt
worden.

§. 75.

Die jungen Vögel werden einige Zeit von
der Mutter, und bey denen, die in Monogamie
leben, auch vom Vater, mit vieler Zärtlichkeit
gefüttert, und zumahl bey den Körnerfressenden
aus dem Kropfe geätzt, bis sie erwachsen, und für
ihren eignen Unterhalt zu sorgen im Stande sind.

§. 76.

Die Vögel erreichen, nach Verhältniß ihrer
körperlichen Größe, und in Vergleich mit den
Säugethieren, ein sehr hohes Alter, und man
weiß, daß selbst in der Gefangenschaft, Adler
und Papageyen über hundert, Stieglitze über
24 Jahre etc. leben können.

§. 77.

Die Vögel sind für die Haushaltung der
Natur im Ganzen, ungemein wichtige Geschöpfe,
obgleich ihre unmittelbare Brauchbarkeit fürs
Menschengeschlecht nicht so mannigfaltig ist, als
der Säugethiere ihre. Sie vertilgen unzählige
Insecten, und die gänzliche Ausrottung man-
cher vermeintlich schädlichen Vögel, der Sper-
linge, Krähen etc. in manchen Gegenden, hat
eine ungleich schädlichere Vermehrung des Unge-
ziefers, und ähnliche nachtheilige Folgen nach
[Seite 145] sich gezogen. Andere verzehren größere Thiere,
Feldmäuse, Schlangen, Frösche, Eidexen etc.
oder Aeser, und beugen dadurch sowohl dem
Mißwachs als der Infection der Luft vor. Eben
so haben unzählige Vögel die große Bestimmung,
so mancherley Unkraut auszurotten, und seinen
Wucher zu verhindern. Von der andern Seite
wird auch die Vermehrung und Fortpflanzung
der Thiere so wohl, als der Gewächse, durch
Vögel befördert. So weiß man z.B. daß die
wilden Gänse bey ihren Zügen befruchteten Fisch-
rogen in entfernte Teiche übertragen, und sie
dadurch zuweilen fischreich machen. Sehr viele
Vögel verschlucken Samenkörner, die sie nachher
wieder ganz von sich geben, und dadurch die
Verbreitung derselben befördern: so z.B. die
Tauben, die auf den Gewürz-Inseln auf diese
Weise die Muscatnüsse fortpflanzen etc. Der
Mist der Seevögel düngt kahle Felsenklippen
und Küsten, daß nachher nützliche Gewächse da
fortkommen können. Die Falken und verschiedne
Wasservögel lassen sich zur Jagd andrer Thiere
abrichten etc. So sehr viele Vögel, ihre Eyer,
ihr Fett etc. dienen zur Speise. Die ganzen
Felle der Seevögel zur Kleidung mancher der
nördlichsten Völker. Die Federn zum Füllen
der Betten, zum Schreiben, und vorzüglich zu
mancherley Putz, weßwegen sie bey vielen wil-
len Völkern, zumahl auf den Inseln des stil-
len Oceans einen wichtigen Handelsartikel aus-
[Seite 146] machen. Für die Arzney ist hingegen kein be-
nächtlicher Nutze aus dieser Classe von Thieren
zu ziehen.

§. 78.

Der Schade, den die Vögel stiften, läßt
sich fast gänzlich auf die Vertilgung nutzbarer
Thiere und Gewächse zurück bringen. Der
Condor, der Lämmergeyer u.a. Raubvögel töd-
ten Fohlen, Kälber, Ziegen, Schafe etc. Der
Fischadler und so viele Wasservögel sind den Fischen
und ihrem Leich; so wie die Falken, Habichte,
Sperber, Neuntödter, Aelstern etc. dem Haus-
geflügel gefährlich. Die Sperlinge und andre
kleine Sangvögel schaden der Saat, den Wein-
trauben, den Obstbäumen u.s.w. Und endlich
werden freylich nicht bloß brauchbare Gewächse,
sondern auch eben so wohl wucherndes Unkraut,
durch die Vögel verpflanzt. Giftige Thiere
finden sich aber in dieser Classe von Thieren eben
so wenig, als in der vorigen.

§. 79.

Die Classification der Vögel ist weniger
Schwierigkeiten unterworfen, als der Säuge-
thiere ihre. Ihre Bildung ist, im Ganzen ge-
nommen, nicht so mannigfaltig, sondern ein-
facher: und gewisse Theile ihres Körpers, wie der
Schnabel und die Füße, die sich auf ihre ganze
Lebensart, Nahrung etc. beziehen, bestimmen schon
an sich so viel vom ganzen Habitus der Vögel,
[Seite 147] daß man, dem natürlichen System unbeschadet,
schon davon die Charactere der Ordnungen und
Geschlechter entlehnen kann. Die mehresten
Ornithologen haben daher auch ihre Classification
auf die Verschiedenheit des einen oder des an-
dern von den genannten Theilen gegründet; Klein
z.B. auf die Bildung der Zehen, Möhring aus
die Bedeckung der Füße, Brisson auf beides in
Verbindung mit der Beschaffenheit des Schna-
bels u.s.w. Linné nimmt in dem Plan seines
Systems der Vögel auch auf die Bildung meh-
rerer Theile zugleich, und so ziemlich auf den
ganzen Habitus, Rücksicht; nur scheint er sich
in der Ausführung zuweilen vergessen zu haben:
wenigstens begreift man nicht, wie Papageyen,
Colibrite und Krähen bey ihm in eine Ordnung
verbunden, hingegen der Dudu und Casuar in
zwey Ordnungen von einander gerissen, und mehr
Verbindungen oder Trennungen dieser Art zuge-
lassen werden durften.

§. 80.

Ich habe mir also hier einige Abänderung
von dem Linnéischen System erlaubt, und die
ganze Classe in folgende neun Ordnungen abzu-
theilen versucht.

A) Landvögel.

I. Accipitres. Die Raubvögel: mit krummen
starken Schnäbeln, meist mit kurzen starken
[Seite 148] knorrichten Füßen, und großen, gebogenen,
scharfen Klauen. Geyer, Adler, Falken,
Eulen, Neuntödter etc.

II. Levirostres. Vögel der heißesten Erd-
striche, mit kurzen Füßen, und meist sehr
großen dicken, aber mehrentheils hohlen
und daher sehr leichten Schnäbeln. Papa-
geyen, Pfeffervögel, Nashornvögel.

III. Pici. Vögel mit kurzen Füßen, mittel-
mäßig langen und schmalen Schnäbeln,
und theils wurmförmiger, theils faden-
förmiger Zunge. Wendehals, Spechte,
Baumkletten, Colibrite etc.

IV. Coraces. Vögel mit kurzen Füßen, mit-
telmäßig langem, und ziemlich starkem oben
erhabnem Schnabel. Raben, Krähen etc.

V. Passeres. Die Sangvögel nebst den
Schwalben etc. Sie haben kurze Füße, und
einen mehr oder weniger kegelförmigen, zu-
gespitzten Schnabel, von verschiedner Länge
und Dicke.

VI. Gallinae. Vögel mit kurzen Füßen, oben
etwas erhabnem Schnabel, der an der
Wurzel mit einer fleischigen Haut be-
wachsen ist. Der Trappe, Pfau, Truthahn,
Haushahn, Auerhahn, die Wachtel etc.
Auch die Tauben habe ich unter diese Ord-
nung gebracht, da sie bey weitem mehr
[Seite 149] mit den Hühnern als mit den Sangvögeln,
denen sie Linné zugesellte, verwandt sind.

VII. Struthiones. Die großen zum Flug un-
geschickten Landvögel. Der Straus, Casuar
und Dudu.

B) Wasservögel.

VIII. Grallae. Sumpfvögel, mit langen
Füßen, langem walzenförmigem Schnabel,
und meistens langem Hals. Reiher,
Störche, Schnepfen, Wasserhühner etc.

IX. Anseres. Schwimmvögel mit Ruder-
süßen, einem stumpfen, mit Haut über-
zognen, am Rande meist gezähnelten
Schnabel, der sich an der Spitze des
Oberkiefers mit einem Häkchen endigt.

* * *

Zur N. G. der Vögel.

  1. Conr. Gesneri historiae animalium. L. III. qui est de
    avium natura
    . Tiguri. 1555. fol.
  2. Ulyss. Aldrovandi ornithologia. Bonon. 1599. sq.
    Vol
    . III. fol.
  3. F. Willughby ornithologiae L. III. ex ed. Raji. Lond.
    1676. fol.
  4. Jo. Raji synopsis methodica avium. ib. 1713. 8.
  5. J. Edward's natural history of birds. Lond. 1743. sq.
    Vol
    . IV. 4.
  6. Ej. gleanings of natural history. ib. 1758. sq. Vol. III. 4
  7. Brisson ornithologie. Paris 1760. Vol. VI. 4.
  8. Buffon.
  9. Daubenton planches des oiseaux. Paris 1775. sq. fol.
    (984 Bl.)
  10. Th. Pennant's genera of birds. Lond. 1781. 4.
  11. Ej. arctic zoology. II. Band. ib. 1784. 4.
  12. (Jo. Latham's) general synopsis of birds. ib. 1781.
    Vol. VI. 4. und das Supplement dazu. ib. 1787.
  13. J. M. Bechsteins gemeinnützige N. G. Deutschlands
    II-IV. B. Leipzig, 1791. 8.
* * *
  1. Joh. Leonh. Frisch. Vorstellung der Vögel in Deutsch-
    land. Berlin, 1733. bis 1763. Fol. (242 Taf.)
  2. Corn. Nozemann Nederlandsche Vogelen, door Chr.
    Sepp et Zoon. Amst
    . 1770. sq. fol.
  3. Marc. Catesby natural history of Carolina. Lond. 1731.
    Vol. II. fol.

[Seite 151]

Erst also die Landvögel in VII. Ord-
nungen.

I. ACCIPITRES.

Fast alle mit kurzen starken Füßen, großen
scharfen Krallen und starkem gekrümmtem Schna-
bel, der meist oben auf der Seite in zwey stum-
pfe schneidende Spitzen ausläuft, und an der
Wurzel mehrentheils mit einer fleischichten Haut
(cera) bedeckt ist. Sie nähren sich theils von
Aas, theils vom Raube lebendiger Thiere, leben
in Monogamie, nisten an erhabenen Orten, und
haben ein wilderndes widerliches Fleisch.

1. Vultur. Geyer. Rostrum rectum,
apice aduncum; plerisque caput et col-
lum impenne. Lingua bifida.

1. Gryphus. der Condor, Cuntur, Greif-
geyer. V. caruncula verticali longitudine
capitis.

Hauptsächlich im westlichen Südamerica. Hält
mit ausgespannten Flügeln auf 15 Fuß in die
Breite, und seine Schwungfedern sind am Kiel
wohl Fingersdick. Er ist schwarz und weiß von
Farbe. Nistet zumahl an felsigen Ufern, fliegt
ausnehmend hoch, lebt meist vom Raube unter
den Viehherden, und von den todten Fischen, die
die See auswirft.

2. Papa. der Geyerkönig, Ruttengeyer, Son-
nengeyer. V. naribus carunculatis, vertice
colloque denudato
.

Buffon, oiseaux. Vol. I. tab. 6.

[Seite 152]

In Westindien und Südamerica. Nur von der
Größe eines welschen Huhns; zumal am Kopf
von schönen gelben rothen und schwarzen Farben,
mit langen fleischichten Lappen über dem Schna-
bel. Kann den nakten Hals ganz in den dick-
gefiederten Schulterkragen einziehen.

3. †. Barbatus. der Lämmergeyer, Bartgeyer,
Goldgeyer. V. rostri dorso versus apicem
gibboso, mento barbato.

(Andreä) Briefe aus der Schweiz, Taf. 12.

In den Tyroler- und Schweizer-Alpen; auch
in Sibirien und Habessinien. Der größte Euro-
päische Vogel, dessen ausgespannte Flügel bey
10 Fuß messen, und der sich vorzüglich durch
seinen starkharigen Bart, und durch den befeder-
ten Kopf, besonders aber durch den gewölbten
Rücken vorn am Oberschnabel von andern Geyern
auszeichnet*).

4. Percnopterus. der Aasgeyer. V. remigi-
bus nigris margine exteriore, praeter exti-
mas, canis.

Im südlichen Europa, mehr aber in Palästina,
Arabien und Aegypten. Verzehrt unzählige Feld-
mäuse, Amphibien etc. Die alten Aegyptier haben
diesen Vogel, so wie einige andere ihnen vorzüg-
lich nutzbare Thiere, heilig gehalten, und ihn
häufig in ihrer Bilderschrift auf Obelisken, Mu-
mienbekleidungen u.s.w. vorgestellt.

[Seite 153]

2. Falco. Rostrum aduncum, basi cera
instructum; caput pennis tectum; lingua
bifida
.

1. Serpentarius. der Secretär. (sagittarius.)
F. cera alba, cruribus longissimis, crista
ceruicali pendula, rectricibus intermediis
elongatis
.

Jo. Fr. Miller Fasc. V. tab. 28.

Vom Cap landeinwärts, auch auf den Philip-
pinen. Mit langen Beinen wie ein Sumpfvogel*).

2. †. Melanaëtus. der schwarzbraune Adler.
(Büffon's aigle commun, Engl. the black
eagle.
) F. cera lutea, pedibusque semila-
natis, corpore ferrugineo-nigricante, striis
flauis
.

Frisch tab. 69.

In Europa. Beträchtlich kleiner als der folgende.

3. †. Chrysaëtos. der Goldadler, Steinadler.
(Büffon's grand aigle, Engl. the golden
eagle
.) F. cera lutea, pedibusque lanatis
luteo-ferrugineis, corpore fusco ferrugineo
vario, cauda nigra, basi cinereo vndulata.

Buffon Vol. I. tab. 1.

[Seite 154]

Im gebirgigen Europa. Nistet auf hohen Felsen,
und versorgt seine Junge mit dem besten Wildpret
von Hasen, Gemsen etc.

4. †. Ossifragus. der Fischadler, der Beinbrecher.
(Fr. l'orfraie, Engl. the sea-eagle, the
osprey
.) F. cera lutea pedibusque semila-
natis, corpore ferrugineo, rectricibus latere
interiore albis
.

Buffon Vol. I. tab. 3.

An den Europäischen Küsten, auch in Nord-
america und theils auf der Südsee. Erreicht wohl
die Größe des Goldadlers. Lebt fast bloß von
Fischen.

5. †. Haliaëtus. der Entenstößer, Moosweih.
(Fr. le balbuzard, Engl. the osprey.) F.
cera pedibusque caeruleis, corpore supra
fusco, subtus albo, capite albido.

Buffon Vol. I. tab. 2.

Mehr an den Ufern der Flüsse als an den See-
küsten. Ist oft mit dem Fischadler vermengt
worden.

6. †. Milvus. die Weihe, der Gabelgeyer, Mi-
lan, Scherschwänzel, Schwalbenschwanz,
Taubenfalke. (Fr. le milan, Engl. the kite.)
F. cera flaua, cauda forficata, corpore fer-
rugineo, capite albidiore
.

Frisch tab. 72.

Fast in der ganzen alten Welt. Thut zwar
dem Hausgeflügel Schaden, wird aber von der
andern Seite dadurch nutzbar, daß sie eine Menge
Aas und Amphibien verzehrt; daher sie auch in
manchen Gegenden, wie der Aasgeyer in Aegypten,
gehegt wird und zu schießen verboten ist.

[Seite 155]

7. †. Gentilis. der Edelfalke. (Fr. le faucon,
Engl. the falcon.) F. cera pedibusque flauis
corpore cinereo maculis fuscis, cauda fasciis
quatuor nigricantibus
.

Frisch tab. 74.

Buffon Vol. I. tab. 15. 16.

In gebirgigen Gegenden der nordlichen Erde;
variirt in zahlreichen Spielarten, deren einige auch
von manchen für besondre Gattungen angenommen
werden. Wird vorzüglich (so wie freylich die fol-
gende und andere verwandte Gattungen dieses
Geschlechts auch) zum Fang kleiner Säugethiere
und Vögel, und besonders zur Reiherbeitze etc.
abgerichtet. Im Orient hat man diese Jagd (be-
sonders auf die Gazellen,) schon in den ältesten
Zeiten getrieben, in Europa ist sie aber erst seit
Ende des zwölften Jahrhunderts allgemein be-
kannt worden.

8. †. Palumbarius. der Habicht, Taubenfalke.
(Accipiter, Fr. l'autour, Engl. the goose-
hawk
.) F. cera nigra, margine pedibusque
flauis, corpore fusco, rectricibus fasciis pal-
lidis, superciliis albis.

Frisch tab. 81. 82.

Hat meist gleiche Heimath mit der vorigen
Gattung.

9. †. Nisus. der Sperber, Vogelfalke. (Fr.
l'epervier, Engl. the sparrow hawk.) F.
cera viridi, pedibus flauis, abdomine albo
griseo vndulato, cauda fasciis nigricantibus
.

Frisch tab. 90. 91. 92.

In Europa.

[Seite 156]

3. Strix. Eule. Rostrum breue, adun-
cum, nudum absque cera; nares barba-
tae; caput grande; lingua bifida; pedes
digito versatili; remiges aliquot serratae
.

1. †. Bubo. der Uhu, Schubut, die Ohreule.
(Fr. le grand duc. Engl. the great horn-
owl, the eagle-owl
.) S. auribus pennatis
iridibus croceis, corpore rufo
.

Frisch tab. 93.

Das größte Thier seines Geschlechts. So wie
die folgende Gattung im gemäßigtern Europa und
westlichen Asien.

2. †. Ulula. der Steinkautz, die Steineule.
(Fr. la chouette, Engl. the brown owl.)
S. capite laeui, iridibus croceis, corpore
ferrugineo, remige tertio longiore.

Frisch tab. 98.

3. Passerina. das Käutzlein (Fr. la chevêche,
Engl. the little owl.) S. capite laeui, re-
migibus maculis albis quinque ordinum
.

Frisch tab. 100.

In Europa und Nordamerica.

4. Lanivs. Rostrum rectiusculum, dente
vtrinque versus apicem, basi nudum;
lingua lacera
.

1. †. Excubitor. der Würger, Bergälster.
(Fr. la pie-grieche grise, Engl. the great
shrike
.) L. cauda cuneiformi, lateribus alba,
dorso cano, alis nigris macula alba
.

Frisch tab. 59.

[Seite 157]

In Europa und Nordamerica. Ahmt so wie
die folgende Gattung andrer Vögel Stimme sehr
geschickt nach.

2. †. Collurio. der Neuntödter. (Fr. l'ecor-
cheur
, Engl. the red-backed shrike.) L.
cauda subcuneiformi, dorso griseo, rectrici-
bus quatuor intermediis vnicoloribus, rostro
plumbeo
.

Frisch tab. 60.

In Europa Nährt sich hauptsächlich von In-
secten, zumahl Käfern, Schmeißfliegen etc. und
spießt sie zum Vorrath an Schwarzdorn und andres
dorniges Gebüsche.


II. LEVIROSTRES.

Die Vögel dieser Ordnung sind fast bloß den
wärmsten Erdstrichen eigen, und werden durch
die theils sehr großen, dicken, aber in Verhältniß
meist sehr leichten Schnäbel, kenntlich, deren
oben (§. 60.), bey Gelegenheit der Luftbehälter
gedacht worden.

5. Psittacvs. Papagey, Sittig. (Fr.
perroquet, Engl. parrot.) Mandibula su-
perior adunca, cera instructa; lingua
carnosa, integra. Pedes scansorii.

Merkwürdig ist, daß manche einzelne Gat-
tungen dieses Geschlechts eine so überaus einge-
schränkte Heimath haben, daß sich z.B. auf den
Philippinen verschiedne derselben bloß einzig und
[Seite 158] allein auf der einen oder andern Insel, und hin-
gegen nie auf den noch so nahe liegenden benach-
barten, finden. Ueberhaupt haben die Papageyen
viel auszeichnendes, eignes, in ihrem Betragen.
Sie wissen sich z.B. ihrer Füße fast wie Hände
zu bedienen, bringen ihre Speise damit zum
Munde, krauen sich damit hinter den Ohren, und
wenn sie auf dem Boden gehen, so treten sie
nicht wie andre Vögel bloß mit den Krallen
sondern mit der ganzen Ferse auf etc. Ihr haken-
förmiger Oberschnabel ist eingelenkt und sehr be-
weglich, und nutzt ihnen zuweilen fast statt eines
dritten Fußes zum Klettern, Anhalten u.s.w.
Sie können nießen, sich räuspern, gähnen etc.
und beide Geschlechter lernen mit ihrer dicken flei-
schigen Zunge und bey ihrer großen Gelehrigkeit
sehr leicht Worte nachsprechen.

1. Macao. der Aras, Indianische Rabe (Ara-
canga
). P. macrourus ruber, remigibus supra
caeruleis, subtus rufis, genis nudis rugosis
.

Edwards's birds tab. 158.

In Südamerica

2. Alexandri. P. macrourus viridis, collari
pectoreque rubro, gula nigra.

Edwards l. c. tab. 292.

In Ostindien. Der erste der, durch Alexander
des Großen Indische Züge, nach Europa gebracht
worden.

3. Cristatus. der Cacadu. P. brachyurus, crista
plicatili flaua.

Frisch tab. 50.

In Ostindien, zumahl auf den Molucken.

[Seite 159]

4. Erithacus. der Jaco, aschgraue Papagey.
P. brachyurus canus, temporibus nudis albis,
cauda coccinea
.

Frisch tab. 51.

Auf Guineea, Congo und Angola.

5. Aestivus. der Amazonen-Papagey. (Aju-
rucuraou
) P. brachyurus viridis, luteo-
submaculatus, fronte caerulea, humeris san-
guineis, orbitis incarnatis
.

Edwards tab. 162.

In Brasilien.

6. Pullarius. (Fr. l'inseparable.) P. brachyu-
rus viridis, fronte rubra, cauda fulua fascia
nigra, orbitis cinereis
.

Frisch tab. 54. fig. 1.

Auf Guinea und in Ostindien. Nicht viel größer
als ein Blutfink. Hat den französischen Nahmen
von der Zärtlichkeit womit die beiden Gatten ein-
ander zugethan sind.

6. Ramphastos. Pfefferfras. Rostrum
maximum, inane, extrorsum serratum,
apice incuruatum. Pedes scansorii ple-
risque
.

Der ungeheuere Schnabel, der alle Gattungen
dieses sonderbaren Geschlechts Südamericanischer
Vögel auszeichnet, ist ausnehmend leicht, und
von ungemein welchem Horn. Ihre Zunge ist eine
halbe Spanne lang, wie von Fischbein, an der
Wurzel kaum eine Linie breit, und an den Seiten
vorwärts gezasert. Das Gefieder variirt sehr
nach der Verschiedenheit der beiden Geschlechter,
auch nach dem Alter etc.

[Seite 160]

1. Tucanus. R. nigricans, rostro flauescente,
versus basin fascia nigra, fascia abdomi-
nali flaua
.

7. Bvceros. Der Nashornvogel. (hydro-
corax
.) Rostrum maximum, inane, ad
basin versus frontem recuruatum, pedes
gressorii
.

Die sämmtlichen Gattungen dieses ebenfalls aben-
theuerlich gebildeten Geschlechts, sind in Ostindien
und Neu-Holland zu Hause.

1. Rhinoceros. B. processu rostri frontali re-
curuato
.


III. PICI.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze Füße,
und meist einen geraden, nicht dicken Schnabel
von mittelmäßiger Länge.

8. Picvs. Specht (Fr. pic. Engl. wood-
pecker
.) Rostrum polyedrum, apice cu-
neato; lingua teres lumbriciformis, lon-
gissima, mucronata, apice retrorsum acu-
leato; pedes scansorii
.

Die Spechte haben vorzüglich den sonderbaren
Bau der Zunge, daß sich das Zungenbein in zwey
lange gratenförmige Knorpel endigt, die von
hinten nach vorn über den ganzen Hirnschädel
unter der Haut weglaufen, und sich an der Stirne
nahe an der Schnabelwurzel fest setzen. Diese
Knorpel sind also gleichsam elastische Federn,
mittelst welcher diese Vögel ihre fadenförmige
[Seite 161] Zunge desto leichter hervorschießen, und Insecten
damit fangen können.

1. †. Martius. der Schwarzspecht, gemeine
Specht, die Hohlkrähe. P. niger, vertice
coccineo
.

Frisch tab. 34. fig. 1.

Nebst den folgenden Gattungen im mildern
Europa und nordlichen Asien.

2. †. Viridis. der Grünspecht, Grasspecht.
P. viridis, vertice coccineo.

Frisch tab. 35.

3. †. Maior. Der große Bunt- oder Roth-
specht. P. albo nigroque varius, occipite
rubro
.

Frisch tab. 36.

4. †. Minor. der kleine Bunt- oder Roth-
specht. P. albo nigroque varius, vertice
rubro.

Frisch tab. 37.

9. Iynx. Rostrum teretiusculum, acumi-
natum; lingua lumbriciformis, longissima,
mucronata; pedes scansorii
.

1. †. Torquilla. der Drehhals, Wendehals,
Natterwindel. (Fr. le torcol, Engl. the
wryneck
.) F. cauda explanata, fasciis fuscis
quatuor.

Frisch tab. 38.

Hat seinen Nahmen von der ungemeinen Ge-
lenksamkeit seines Halses, und meist die gleiche
Heimat wie die vorgedachten Spechte.

[Seite 162]

10. Sitta. Spechtmeise. Rostrum subu-
latum, teretiusculum, apice compresso,
mandibula superiore paullo longiore;
pedes ambulatorii
.

1. †. Europaea. der Blauspecht. (Fr. la sitelle,
le torchepot
, Engl. the nut-hatch, the wood-
cracker
.) S. rectribus nigris, lateralibus
quatuor infra apicem albis
.

Frisch tab. 39.

In allen drey Welttheilen der nordlichen Erde.

11. Todvs. Rostrum subulatum, depres-
siusculum, obtusum, rectum, basi setis
patulis; pedes gressorii
.

1. Viridis. (Fr. le todier, Engl. the green
sparrow
.) T. viridis, pectore rubro.

Im mittlern America.

12. Alcedo. Rostrum trigonum, crassum,
rectum, longum; digitus versatilis
.

1. †. Ispida. der Eisvogel. (Alcyon, Fr. le
martin pécheur
, Engl. the kingsfisher.) A.
supra cyanea, fascia temporali flaua, cauda
breui
.

Frisch tab. 223.

Fast in der ganzen alten Welt. Sowohl an
der See, als auch bey Teichen und Flüssen; nährt
sich von Fischen. Vertrocknet nach dem Tode
leicht ohne in Fäulung überzugehn.

[Seite 163]

13. Merops. Rostrum curuatum compres-
sum, carinatum; pedes gressorii.

1. Apiaster. der Immenwolf, Bienenfresser.
(Fr. le guépier, Engl. the bee-eater.) M.
dorso ferrugineo, abdomine caudaque viridi
coerulescente, gula lutea, fascia tempo-
rali nigra
.

Frisch tab. 222.

Im südlichen Europa und mildern Asien. Lebt
von Insecten.

14. Upupa. Rostrum arcuatum, conue-
xum, subcompressum obtusiusculum; pe-
des ambulatoii.

1. †. Epops. der Wiedehopf, Rothhahn, Dreck-
krämer. (Fr. la hupe, Engl. the hoopoe.)
V. crista variegata.

Frisch tab. 43.

In Europa und Ostindien. Nährt sich von Re-
genwürmern und mancherley Insecten. Nistet in
hohle Bäume, und wie man versichert oft auf
eine Grundlage von Menschenkoth*).

15. Certhia. Baumläufer. Rostrum
arcuatum, tenue, subtrigonum, acutum;
pedes ambulatorii
.

1. †. Familiaris. die Baumklette, der Grüper,
Grauspecht, Baumkleber. (Fr. le grim-
pereau
, Engl. the creeper.) C. grisea, subtus
alba, remigibus fuscis; rectricibus decem
.

Frisch tab. 39. fig. 1.

[Seite 164]

In Europa. Klettert fast wie die Spechte an
den Baumstämmen herum, um Insecten und ihre
Puppen zu suchen etc.

2. †. Muraria. der Mauerspecht. C. cinerea,
macula alarum fulua
.

Im wärmern Europa. In altem Gemäuer,
auf Thürmen etc.

3. Coccinea. C. rectricibus remigibusque nigris,
reliquo corpore coccineo
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 16.

Auf den für Cptn Cook unglücklichen Sandwich-
Inseln, deren kunstreiche Einwohner mit den Fe-
derchen dieses kleinen carmoisinrothen Vogels
mancherley in der That prachtvollen Putz, und
andre Kleidungsstücke, Helme etc. sogar ganze
Mäntel etc. überziehen.

4. Sannio. C. oliuacea, vertice subuiolaceo,
remigibus caudaque subfurcata fuscis
.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 8.

Auf Neu-Seeland.

16. Trochilvs. Colibri, Honigsauger,
Blumenspecht. (Fr. oiseau-mouche. Engl.
humming bird.) Rostrum subulato-fili-
forme longum. Mandibula inferiore tu-
bulata, superiore vaginante inferiorem.
Lingua filis duobus coalitis tubulosa;
pedes ambulatorii
.

Das ganze Geschlecht ist soviel man bis jetzt
weiß, allein in America zu Hause. Aber nicht
bloß im wärmern, sondern theils auch nordlich
[Seite 165] bis Nutka-Sund und südlich bis zur Westküste
von Patagonien. Die Bildung des Schnabels
differirt bey den verschiednen Gattungen. Er ist
entweder gerade, oder aufwärts, oder nieder-
wärts gebogen.

1. Minimus. T. rectirostris, corpore viridi
nitente, subtus albido; rectricibus laterali-
bus margine exteriore albis
.

Edwards tab. 105.

Der allerkleinste bekannte Vogel, der aufge-
trocknet nur ungefähr 30 Gran wiegt. Sein
Nest ist von Baumwolle, und hat die Größe einer
Wallnuß; und seine zwey Eyer etwa die von einer
Zuckererbse.

2. Mosquitus. der Juwelen-Colibrit. (Fr. le
Rubis-topase
.) T. viridescens vertice pur-
pureo aurato, gutture auroreo rutilo
.

Seba. thes. tab. 37. fig. 1.

Stirn und Scheitel glänzen mit rubinrothem
Feuer, und seine Kehle wie glühendes Gold.


IV. CORACES.

Die Vögel dieser Ordnung haben einen star-
ken oben erhabnen Schnabel von mittelmäßiger
Größe, und kurze Füße. Sie leben theils von
Getreide u.a. Pflanzen, Samen etc. theils von
Insecten, und auch von Aas; und haben mehren-
theils ein wilderndes unschmackhaftes Fleisch.

[Seite 166]

17. Bvphaga. Rostrum rectum, subqua-
drangulare: mandibulis gibbis, integris,
extrorsum gibbosioribus. Pedes ambu-
latorii.

1. Africana. (Fr. le pic boeuf. Engl. the beef-
eater
.)

Latham Vol. I. P. I. tab. 12.

Auf Senegal etc.

18. Crotophaga. Rostrum compres-
sum, semiouatum, arcuatum, dorsato-ca-
rinatum. Mandibula superiore margine
vtrinque angulata. Nares peruiae
.

1. Ani. (Fr. le bout de petun. Engl. the razor-
billed blackbird
.) C. pedibus scansoriis.

Latham l. c. tab. 13.

In Westindien. Lebt in gesellschaftlicher Ver-
bindung, und es sollen sogar mehrere Weibchen
sich zusammen halten und sich ein gemeinschaft-
liches Nest bauen, mit einander brüten, die Jun-
gen gemeinschaftlich füttern u.s.w.

19. Corvvs. Rostrum conuexum cultra-
tum, nares mystace tectae; pedes am-
bulatorii.

1. †. Corax. Der Kolk-Rabe. (Fr. le corbeau.
Engl. the raven.) C. ater dorso atro cae-
rulescente, cauda subrotunda
.

Frisch tab. 63.

Wie die nächstfolgende Gattung fast durchge-
hends in beiden Welten. Hat einen überaus scharfen
[Seite 167] Geruch, raubt Fische, Krebse, junge Enten, selbst
junge Hasen etc. schleppt auch andere Sachen zu
Neste, die er nicht fressen kann.

2. †. Corone. die Raben-Krähe. (Fr. la cor-
neille
, Engl. the carrion crow.) C. atro-
caerulescens totus, cauda rotundata: rectri-
cibus acutis
.

Buffon Vol. III. tab. 3.

3. †. Frugilegus. die Saatkrähe, der Ka-
rechel. (Fr. le freux, la frayonne. Engl.
the rook.) C. ater, fronte cinerascente,
cauda subrotunda
.

Frisch tab. 64.

In Europa. Ein überaus nützliches Thier, das
unzählige Feldmäuse, Engerlinge, Grasraupen etc.
verzehrt.

4. †. Cornix. die Krähe, Nebelkrähe. (Fr. la
corneille mantelée
. Engl. the royston crow.)
C. cinerascens, capite iugullo alis cauda-
que nigris
.

Frisch tab. 65.

In der alten Welt. Wird ebenfalls durch die
Vertilgung unzähligen Ungeziefers nutzbar.

5. †. Monedula. die Dohle. (Fr. le choucas.
Engl. the jackdaw.) C. fuscus, occipite
incano, fronte alis caudaque nigris
.

Frisch tab. 67.

Im nordwestlichen Europa.

6. †. Glandarius. der Holzheher, Nußbeißer,
Marcolph, Hetzle, Herrenvogel. (Fr. le
jeay
. Engl. the jay.) C. tectricibus alarum
[Seite 168] caeruleis, lineis transuersis albis nigrisque,
corpore ferrugineo variegato.

Frisch tab. 55.

Im gemäßigten Europa.

7. †. Caryocatactes. der Nußheher. (Fr. le
casse noix
. Engl. the nut cracker.) C. fuscus
alboque punctatus, alis caudaque nigris:
rectricibus apice albis: intermediis apice
detritis
.

Frisch tab. 56.

In der nordlichen Erde.

8. †. Pica. die Aelster, Atzel, Aegerste, Hei-
ster. (Fr. la pie. Engl. the magpye.) C.
albo nigroque varius, cauda cuneiformi
.

Frisch tab. 58.

In Europa und Nordamerica. Ein sehr schäd-
liches Thier für junges Meyergeflügel.

20. Coracias. Rostrum cultrarum, apice
incuruato, basi pennis denudatum; pe-
des ambulatorii
.

1. †. Garrula. die Mandelkrähe, Racke, Blau-
racke, der Birkheher. (Fr. le rollier, Engl.
the roller.) C. caerulea, dorso rubro, re-
migibus nigris
.

Frisch tab. 57.

Im mildern Europa und in Nordafrica. Läßt
sich in der Erntezeit, wenn die Frucht in Man-
deln steht, haufenweise auf den Feldern sehen.

21. Gracvla. Rostrum conuexo-cultra-
tum, basi nudiusculum. Lingua integra,
acutiuscula, carnosa. Pedes ambulatorii
.

[Seite 169]

1. Religiosa. (Fr. le mainate, Engl. the minor
grakle
.) G. nigro violacea, macula alarum
alba, fascia occipitis nuda, flaua.

Buffon Vol. III. tab. 25.

In Ostindien. Hat eine schöne Stimme und
lernt auch leicht Worte sprechen.

2. Quiscula. der Maisdieb. G. nigro-viola-
cea, cauda rotundata
.

Catesby vol. I. tab. 12.

In Nordamerica: wo er den Schaden den er
freylich dem Mais thut, durch die Vertilgung
unzähliger schädlicher Insecten, zumahl des Erb-
senkäfers etc. reichlich vergütet. Daher war es
unüberlegt, daß man vor 40 Jahren in Pennsyl-
vanien so lange kleine Preise auf die eingelieferten
Köpfe dieses Vogels gesetzt hatte, bis er beynahe
vertilgt war. Denn von der Zeit an nahm das
Ungeziefer so furchtbar überhand, daß man froh
war wie der Vogel sich allgemach wieder ver-
mehrte.

22. Paradisea. Paradisvogel (manuco-
diatta
.) Rostrum basi plumis tomentosis
tectum, pennae hypochondriorum lon-
giores. Rectrices duae superiores singu-
lares denudatae.

Das Ganze Geschlecht von zahlreichen Gattun-
gen hat ein überaus eingeschränktes Vaterland, da
es wohl bloß auf Neu-Guinea zu Hause ist,
von da diese Thiere als Zugvögel nach den Mo-
lucken u.a. benachbarten Inseln streichen. Noch
jetzt schneiden die Papus diesen Thieren, die wegen
ihres prachtvollen Gefieders in Indien als Putz
[Seite 170] getragen werden, wenn sie sie zu dieser Absicht
verkaufen, die Füße ab, die daher die leichtgläu-
bigen Alten den Paradisvögeln überhaupt abzu-
sprechen wagten*).

1. Apoda. P. brunnea pennis hypochondriis
luteis corpore longioribus, rectricibus dua-
bus intermediis longis setaceis.

Edwards tab. 110.

23. Trogon. Curucuru. Rostrum capite
breuius, cultratum, aduncum, margine
mandibularum serratum. Pedes scansorii
.

1. Viridis. T. viridi aureus, subtus luteus,
gula nigra
.

Edwards tab. 331.

In Guiana.

24. Bvcco. (Fr. barbu, Engl. barbet.) Ro-
strum cultratum, lateraliter compressum
apice vtrinque emarginato, incuruato,
rictu infra oculos protenso
.

1. Collarius. (Capensis Linn.) B. rufus, fascia
humerali fulua, pectorali nigra
.

Buffon vol. VII tab. 4.

Ebenfalls in Guiana; nicht am Cap.

25. Cvcvlvs. Rostrum teretiusculum
pedes scansorii
.

[Seite 171]

1. †. Canorus. der Kuckuck. (Fr. le coucou.
Engl. the cuckow.) C. cauda rotundata ni-
gricante albo-punctata
.

Frisch tab. 40. u.f.

In der nördlichen alten Welt; wo er aber doch
nur im Frühling und Sommer
zu sehen ist. Er bebrütet die zahlreichen Eyer,
die er jedes Frühjahr legt, nicht selbst, sondern
legt sie einzeln in die Nester der Grasmücken und
Bachstelzen etc. zwischen dieser ihre eignen Eyer,
da sich dann diese kleinen Vögel an seiner Statt
dem Brüt-Geschäft unterziehen. Merkwürdig ist,
daß seine Eyer nicht größer sind, als dieser so
weit kleinern Vögel ihre, und daß sie auch nicht
länger als diese bebrütet zu werden brauchen.
Der junge Kuckuck wächst aber dagegen sehr schnell,
und wirft die mit ihm zugleich ausgebrüteten jun-
gen Grasmücken aus ihrem mütterlichen Nest.
Sein Winteraufenthalt ist noch nicht ganz zuver-
läßig bekannt.

2. Indicator. der Honigkuckuck, Sengo, Mook.
C. cauda cuneiformi fusco- et albido-ma-
culata, alis fuscis maculis flauis, pedibus
nigris
.

Jo. Fr. Miller fasc. IV. tab. 24.

Im südlichern Africa vom Cap landeinwärts,
hat seinen Namen von der Fertigkeit, mit welcher
er wie der Honig-Dachs (s. oben S. 96.) seine
liebste Nahrung, die wilden Bienennester, aufzu-
suchen weiß.

26. Oriolvs. Rostrum conicum, con-
vexum, acutissimum, rectum: mandibula

[Seite 172] superiore paulo longiore, obsolete emar-
ginata; pedes ambulatorii
.

1. †. Die Golddrossel, Goldamsel, der Kirsch-
vogel, Bülow, Wiedewall, Pirol, Pfingst-
vogel, Weihrauch, Bieresel. (Fr. le loriot.)
O. luteus, pedibus nigris, rectricibus ex-
terioribus postice flauis.

Frisch tab. 31.

Hin und wieder in der alten Welt. Das
Männchen goldgelb und schwarz, das Weibchen
olivengrün. Macht sich ein künstliches napf-
förmiges sehr dauerhaft zwischen zwey Aestchen
befestigtes Nest.

2. Phoeniceus. O. niger, alarum tectricibus
fuluis
.

Catesby vol. I. tab. 13.

Im mildern Nordamerica.

3. Iupuiuba. (Persicus Linn.) O. niger, dorso
postico maculaque tectricum alarum basique
rectricum luteis
.

Brisson vol. II. tab. 9. fig. 1.

In Brasilien etc. Baut sich, wie die vorige
und mehrere andre Gattungen dieses Geschlechts,
ein langes beutelförmiges Nest von Schilf und
Binsen*).

V. PASSERES.

[Seite 173]

Kleine Vögel, mit kurzen schlanken Füßen,
und kegelförmigem scharf zugespitztem Schnabel
von verschiedner Größe und Bildung. Sie leben
in Monogamie, nähren sich von Insecten und
Pflanzen-Samen, haben ein zartes, schmackhaf-
tes Fleisch, und die meisten von ihnen singen.

27. Alavda. Rostrum cylindrico-subula-
tum, rectum, mandibulis aequalibus,
basi deorsum dehiscentibus. Vnguis po-
sticus rectior digito longior
.

1. †. Aruensis. die Feldlerche, Himmelslerche,
Bardale. (Fr. l'alouette. Engl. the field-
lark, sky-lark
.) A. rectricibus extimis
duabus extrorsum longitudinaliter albis:
intermediis inferiore latere ferrugineis
.

Frisch tab. 15. fig. 1.

Fast in der ganzen alten Welt. Badet sich wie
Hühner und viele andre so genannte Scharrvögel
(Aues pulueratrices) im Sande.

2. †. Cristata. die Haubenlerche, Kobellerche,
Heidelerche, der Rothmönch. (Fr. le coche-
vis
) A. rectricibus nigris: extimis duabus
margine exteriori albis, capite cristato.

Frisch tab. 15. fig. 2.

In Deutschland und den benachbarten Ländern.

28. Stvrnvs. Rostrum subulatum, an-
gulato-depressum, obtusiusculum: man-
dibula superiore integerrima, margini-
bus patentiusculis
.

[Seite 174]

1. †. Vulgaris der Staar, die Sprehe. (Fr.
l'etourneau. Engl. the stare, sterling.)
S. rostro flauescente, corpore nigro punctis
sagittatis albis
.

Frisch tab. 217.

Meist in der ganzen alten Welt. Ein nutzbares
Thier, das unzählige schädliche Insecten vertilgt.

29. Tvrdvs. Rostrum tereti-cultratum:
mandibula superiore apice deflexo, emar-
ginato; faux ciliata
.

1. †. Visciuorus. die Schnarre, Misteldros-
sel, der Ziemer, Mistler, Zaritzer. (Fr. la
draine
. Engl. the missel bird, the shrite.)
T. dorso fusco, collo maculis albis, rostro
flauescente
.

Frisch tab. 25.

Hin und wieder in der alten Welt. Nährt sich
von Mistelbeeren, die auch häufig durch ihn fort-
gepflanzt werden.

2. †. Pilaris. Der Krammetsvogel. (Fr. la
litorne, la tourdelle
. Engl. the fieldfare.)
T. rectricibus nigris: extimis margine inte-
riore apice albicantibus, capite vropygio-
que cano
.

Frisch tab. 26.

Im nordlichen Europa, streicht aber ins süd-
liche. Nährt sich vorzüglich von Wachholder-
(Krammets-) Beeren.

3. †. Iliacus. Zipdrossel, Rothdrossel, Zippe.
(Fr. le mauvis. Engl. the redwing.) T. alis
subtus ferrugineis, supercillis flauescentibus.

Frisch tab. 28.

[Seite 175]

Im mildern Europa. Glättet sein Nest mit
Letten und faulem Holze aus; und da letzteres
theils im Finstern leuchtet, so könnte vielleicht so
ein qui pro quo den Anlaß zur Erzählung der
Alten, von einer Ave hercynica noctu lucente
gegeben haben.

4. †. Musicus die Sangdrossel, Weindrossel,
Weißdrossel. (Fr. la grive. Engl. the throstle,
the song thrush
.) T. remigibus basi inte-
riore ferrugineis.

Frisch tab. 27.

Hat ungefähr gleiches Vaterland mit der vori-
gen. Zuweilen findet sich eine weißgraue Spiel-
art von ihr.

5. Polyglottus. die Americanische Nachtigall,
Sinsonte. (Fr. le moqueur. Engl. the mock
bird
.) T. fusco-cinereus, subtus albidus,
maculis verticis, alarum, et caudae candidis
.

Catesby Vol. I. tab. 27.

In Louisiana, Carolina, auch auf Jamaica etc.
Er soll keinen eigenthümlichen Gesang haben, aber
andrer Vögel Stimme, auch Lachen und Weinen
der Menschen täuschend nachahmen.

6. Roseus. T. subincarnatus, capite, alis cau-
daque nigris, occipite cristato.

Edwards tab. 20.

Im mittlern Europa und Asien. Vertilgt un-
zählige Zugheuschrecken.

7. †. Merula. die Amsel, Schwarzdrossel.
(Fr. le merle. Engl. the blackbird, amzell.)
T. ater, rostro palpebrisque flauis.

Frisch tab. 29.

[Seite 176]

Im mildern Europa. Lebt einsam, nährt sich
von Wachholderbeeren, hat ein vorzüglich treues
Gedächtniß.

30. Ampelis. Rostrum rectum, conue-
xum: mandibula superiore longiore, sub-
incuruata, vtrinque emarginata
.

1. Garrulus. der Seidenschwanz, Pfeffer-
vogel, Sterbevogel, Böhmer. (Fr. le jaseur
de Boheme
. Engl. the bohemian chatterer.)
A. occipite cristato; remigum secundario-
rum
apice coccineo lanceolato.

Frisch tab. 32.

Im nördlichsten Europa, kommt aber in manchen
Jahren zur Herbstzeit (vermuthlich wenns in seiner
Heimath strenger Winter werden will) häufig nach
Deutschland: zumahl auch auf den Harz.

31. Loxia. Rostrum conico-gibbum;
frontis basi rotundatum; mandibula in-
ferior margine laterali inflexa.

1. †. Curuirostris. der Kreuzschnabel, Krumm-
schnabel, Krünitz, Tannenpapagey. (Fr.
le bec croisé. Engl. the cross-bill, the sheld-
apple
.) L. rostro forsicato.

Frisch tab. II. fig. 3. 4.

In den Schwarzwäldern der nördlichem Erde.
Zeigt in seinem Betragen manche Aehnlichkeit mit
den Papageyen. Brütet mitten im Winter zu
Ende des Jänners.

2. †. Coccothraustes. der Kernbeißer, Kirsch-
fink, Kirschknäpper. (Fr. le gros bec. Engl.
[Seite 177] the hawfinck.) L. linea alarum alba, remi-
gibus mediis apice rhombeis, rectricibus
latere tenuiore baseos nigris
.

Frisch tab. 4. fig. 2. 3.

Hin und wieder in Europa. Vermag mit sei-
nem starken Schnabel Kirschkerne und Wallnüsse
aufzubeissen, und sich gegen Hunde und Katzen
zu wehren.

3. †. Pyrrhula. der Dompfaff, Blutfink, Lie-
big, Gimpel, Rothfink, Gieker, Goll.
(rubicilla. Fr. le bouvreuil. Engl. the bull-
finch
.) L. artubus nigris, rectricibus caudae
remigumque posticarum albis
.

Frisch tab. 2. fig. 1. 2.

In der nördlichem alten Welt. Beide Ge-
schlechter lernen leicht Lieder pfeifen, selbst ein-
ander accompagniren, und sogar Worte aussprechen.

4. Cardinalis. der Indianische Haubenfink,
die Virginische Nachtigall. (Engl. the red
bird
.) L. cristata rubra, capistro nigro,
rostro pedibusque sanguineis
.

Frisch tab. 4. fig. 1.

In Nordamerica, ist wegen seines rochen Ge-
fieders und seines Gesanges geschätzt.

5. Oryzivora. der Reisvogel, Padda. L. ci-
nerascens, temporibus albis, rostro rubro
.

Edwards tab. 41. u. f.

In Schina etc. auf den Reisfeldern.

6. †. Chloris. der Grünfink, Grünling, Grün-
schwanz, die Zwuntsche. (anthus, florus.
Fr. le verdier. Engl. the greenfinch.) L.
[Seite 178] flauicanti-virens, remigibus primoribus an-
tice luteis, rectricibus lateralibus quatuor
basi luteis
.

Frisch tab. 2. fig. 3. 4.

Hin und wieder in Europa.

32. Emberiza. Ammer. Rostrum coni-
cum, mandibulae basi deorsum a se in-
vicem discedentes: inferiore lateribus
inflexo-coarctata, superiore angustiore
.

1. Nivalis. die Schneeammer, der Schnee-
vogel. (Fr. l'ortolan de neige. Engl. the
snow bunting
.) E. remigibus albis, primo-
ribus extrorsum nigris: rectricibus nigris,
lateralibus tribus albis
.

Frisch tab. 6. fig. 1. 2.

In der nördlichsten Erde. Kommt nur zum
Ueberwintern nach Deutschland, wo er sich aber
zuweilen mit ein Mahl in unermeßlichen Zügen
sehen läßt: wie im Febr. 1766. hier um Göttin-
gen herum.

2. †. Miliaria. die graue Ammer. (Fr. le
proyer
. Engl. the bunting.) E. grisea, subtus
nigro maculata, orbitis rufis
.

Frisch tab. 6. fig. 4.

Meist durch ganz Europa.

3. †. Hortulana. der Ortolan, Kornfink, die
Fettammer, Windsche Goldammer. E.
remigibus nigris, primis tribus margine
albidis: rectricibus nigris, lateralibus dua-
bus extrorsum nigris
.

Frisch tab. 5. fig. 3. 4.

[Seite 179]

In den wärmern Gegenden von Europa und
dem benachbarten Asien.

4. †. Citrinella. Die Goldammer, Gelbgans,
der Emmerling. (Fr. le bruant. Engl. the
yellow kammer
.) E. rectricibus nigrican-
tibus: extimis duabus latere interiore ma-
cula alba acuta
.

Frisch tab. 5. fig. 1. 2.

Meist durch ganz Europa.

5. Paradisaea. die Witwe. (Fr. la veuve à
collier d'or
. E. fusca, pectore rubro, rectri-
cibus intermediis quatuor elongatis acumi-
natis: duabus longissimis, rostro rubro
.

Edwards tab. 86.

Auf Angola etc. Ein muntrer Vogel der auch
unser Clima gut verträgt.

33. Tanagra Rostrum conicum, acumi-
natum, emarginatum, basi subtrigonum,
apice decliue
.

1. Iacapa. (Fr. le cardinal pourpré, le bec
d'argent
, Engl. the red-breasted blackbird.)
T. atra, fronte, iugulo pectoreque coccineis.

Edwards tab. 267.

In Westindien und dem benachbarten America.

34. Fringilla. Fink. Rostrum conicum
rectum acuminatum.

1. †. Caelebs. der Buchfink, Gartenfink, Roth-
fink. Waldfink. (Fr. le pinçon. Engl. the
chaffinch.
) F. artubus nigris, remigibus
[Seite 180] vtrinque albis, tribus primis immaculatis:
rectricibus duabus oblique albis.

Frisch tab. 1. fig. 1. 2.

In Europa und Africa; hat mannigfaltigen
Gesang, so daß oft die Finken in einem Revier von
sechs oder mehr Meilen in die Runde überein, und
in benachbarten Gegenden wieder anders schlagen.

2. †. Montifringilla. der Bergfink, Tannen-
fink, Rothfink, Mistfink, Rowert, Schnee-
fink, Winterfink, Quäkfink, Nikawitz, Zet-
scher, Gegler. (Fr. le pinçon d'Ardennes.
Engl. the bramble .) F. alarum basi subtus
flauissima
.

Frisch tab. 3. fig. 1. 2.

Linné fauna suec. tab. 2. fig. 198.

Im nordlichen Europa.

3. Niualis. der Schneefink. (Fr. la niverolle)
F. fusca, subtus niuea, remigibus secunda-
riis tectricibusque albis.

Brisson vol. III. tab. 15. fig. 1.

Auf dem Caucasus, und in den Europäischen
Alpen.

4. †. Carduelis. der Stieglitz, Distelfink. (Fr.
le chardonneret. Engl. the goldfinch, the
thistlefinch
.) F. fronte et gula coccineis,
remigibus antrorsum flauis: rectricibus dua-
bus extimis medio, reliquisque apice albis.

Frisch tab. 1. fig. 3. 4.

Fast durch ganz Europa und in den benachbar-
ten Ländern der übrigen alten Welt. Gibt mit
der Canarien-Sie schöne Bastarden*).

[Seite 181]

5. Amandaua. der Finke von Bengalen. (Fr.
le Bengali piqueté) F. fusca rufescensque
albo punctata
.

Buffon vol. IV. tab. 2. fig. 1.

In Ostindien. Daß seine Knochen wie man
behauptet gelb seyn sollen, habe ich bey denen,
die ich zu untersuchen Gelegenheit gehabt, nicht
bestätigt gefunden.

6. Canaria. der Canarienvogel, ehedem Zucker-
vöglein. (Fr. le serin de Canarie) F. rostro
corporeque albo flauescente, rectricibus re-
migibusque virescentibus
.

Frisch tab. 12. fig. 1-4.

Scheint zu Anfang des sechszehnten Jahrhun-
derts aus den Canarischen Inseln zuerst nach Eu-
ropa gebracht worden zu seyn; ist aber seitdem
daselbst in mancherley Varietäten ausgeartet. Die
Stamm-Rasse scheint bräunlich-grüne zu
seyn. Unter den übrigen sind besonders die mit
der Holle oder Federbüschchen auf dem Kopfe (so
genannte Kapp-Vögel), und die Kackerlacken
mit rothen Augen zu merken.

7. †. Spinus. der Zeisig, Erlenfink. (liguri-
nus, acanthis
. Fr. le tarin. Engl. the siskin.)
F. remigibus medio luteis: primis quatuor
immaculatis, rectricibus basi flauis, apice
nigris
.

Frisch tab. 11. fig. 1. 2.

Ursprünglich wohl im äußersten Norden: kommt
bloß zum Ueberwintern ins gemäßigte Europa,
daher auch sein Nest hier zu Lande so selten ge-
funden wird*).

[Seite 182]

8. †. Cannabina. der Hänfling, Leinfink, die
Artsche. (Fr. la linotte. Engl. the greater
linnet
.) F. remigibus primoribus rectricibus-
que nigris, vtroque margine albis
.

Frisch tab. 9. fig. 1. 2.

In Europa und Nord-America.

9. †. Linaria. das Citrinchen, Gräslein, Stein-
schößlein, der Bergzeisig, Meerzeisig, Flachs-
fink, Carminhänfling. (Fr. le sizerin. Engl.
the lesser linnet.) F. remigibus rectricibus-
que fuscis, margine obsolete pallido, litura
alarum albida
.

Frisch tab. 10. fig. 3. 4.

In der ganzen nördlichen Erde.

10. †. Domestica. der Sperling, der Spatz, Lü-
ning. (Fr. le moineau, Engl. the sparrow.)
F. remigibus rectricibusque fuscis, gula
nigra, temporibus ferrugineis
.

In ganz Europa und den benachbarten Ländern
der übrigen alten Welt fast allgemein verbreitet.
Doch daß er sich in einzelnen Gegenden, wie z.B.
an manchen Orten in Thüringen (und zwar auch
an einigen wo es doch weder an Laubholz noch
Obststämmen etc. fehlt) nicht findet. Er ist sehr
wollüstig, und brütet vier Mahl im Jahre. Frey-
lich für Gärten und Feld ein schädliches Thier,
das aber doch auch unzähliges Ungeziefer vertilgt.
Zuweilen finden sich ganz weiße Sperlinge.

35. Mvscicapa (Fr. gobe mouche. Engl.
flycatcher.) Rostrum subtrigonum vtrin-
que emarginatum, apice incuruo;
vibrissae
patentes versus fauces.

[Seite 183]

1. †. Atricapilla. der Fliegenschnäpper. M.
nigra subtus frontisque macula alarumque
speculo albis, rectribus lateralibus extus
albis
.

Frisch tab. 24. fig. 1.

Hin und wieder in Europa.

36. Motacilla. Rostrum subulatum
rectum: mandibulis subaequalibus
.

1. †. Luscinia. die Nachtigall, Philomele. (Fr.
le rossignol. Engl. the Nightingale.) M.
rufo-cinerea, armillis cinereis
.

Frisch tab. 21. fig. 1. 2.

In den mildern Erdstrichen von Europa und
Asien. Kommt im April in unsern Gegenden an.
Zu Ende des Augusts ziehen sie wieder von uns,
man weiß noch nicht gewiß, wohin; wenigstens,
so viel bekannt, nicht nach Africa.

2. †. Curruca. die Grasmücke, der Hecken-
schmatzer, Weidenzeisig. (Fr. la fauvette.
Engl. the hedge sparrow.) M. supra fusca,
subtus albida, rectricibus fuscis: extima
margine tenuiore alba
.

Frisch tab. 21 fig. 3.

Im mildern Europa.

3. Alpina. die Flüe- (d.h. Felsen-) Lerche.
(Fr. la fauvette des alpes .) M. griseo-fer-
ruginea, gula alba maculis lunatis fuscis,
rectricibus alarum nigricantibus versus api-
cem linea punctata alba
.

Andreä Br. aus der Schweiz tab. 13.

[Seite 184]

In den gebirgigen Gegenden des mittlern Eu-
ropa, vorzüglich häufig auf den fetten Alpen-
Weiden.

4. †. Ficedula. die Beccafige. M. subfusca,
subtus alba, pectore cinereo maculato
.

Frisch tab. 22. fig. 3. 4.

Im mildern und wärmern Europa, zumahl auf
Cyprus, von wannen sie wegen ihres schmack-
haften Fleisches weit verführt wird.

5. †. Alba. das Ackermännchen, die weiße
oder graue Bachstelze. (Fr. la lavandiere.
Engl. the white waterwagtail.) M. pectore
nigro, rectricibus duabus lateralibus di-
midiato-oblique albis
.

Frisch tab. 23. fig. 4.

Meist in der ganzen alten Welt.

6. †. Atricapilla. der Klosterwenzel, Mönch.
(Fr. la fauvette à tête noire. Engl. the
black-cap
.) M. testacea, subtus cinerea,
pileo obscuro
.

Frisch tab. 23. fig. 1.

Linné fauna suecica tab. 1. fig. 256.

Im mildern Europa.

7. †. Phoenicurus. das Schwarzkehlchen. (Fr.
le rossignol de muraille. Engl. the redstart.)
M. gula nigra, abdomine caudaque rufis,
capite dorsoque cano
.

Frisch tab. 19. fig. 1.

Hat meist gleiches Vaterland mit der Nachti-
gall; kommt und geht auch zu gleicher Zeit mit ihr.

[Seite 185]

8. †. Rubecula. das Rothkehlchen, Roth-
brüstchen, der Rothbart. (erithacus Fr.
le rougegorge. Engl. the red breast.) M.
grisea, gula pectoreque ferrugineis
.

Frisch tab. 19. fig. 2.

Meist in ganz Europa. Bleibt auch über Win-
ter bey uns.

9. †. Troglodytes. der Zaunkönig, Zaun-
schlupfer, Schneekönig, Winterkönig.
(Engl. the wren.) M. grisea, alis nigro
cinereoque vndulatis
.

Frisch tab. 24. fig. 3.

In der nordlichern Erde. Macht sich ein war-
mes, weiches, bedecktes Nest, fast in Gestalt
eines Backofen*), und legt zahlreiche Eyer.

10. †. Regulus. das Goldhähnchen. (Fr. le
roitelet
.) M. remigibus secundariis exteriori
margine flauis, medio albis, crista verti-
cali crocea
.

Frisch tab. 24. fig. 4.

Ebenfalls in der nordlichern Erde. Der kleinste
europäische Vogel.

11. Sartoria. der Schneidervogel. M. tota
pallide lutea
.

Pennant's Indian Zoology tab. 8.

In Indien. Kleiner als der Zaunkönig. Hat
den Nahmen von der merkwürdigen Art, wie er
sein Nest aus zwey Baumblättern verfertigt, da
er ein dürres Blatt an ein grünes am äußersten
[Seite 186] Ende eines Zweiges gleichsam annähet, so daß
beide zusammen eine tutenförmige Höhlung bilden,
die er mit seinen Flammen ausfüttert.

37. Pipra. Manakin. Rostrum capite
breuius, basi subtrigonum integerrimum,
apice incuruum. Pedes gressorii
.

1. Rupicola. (Fr. le coq de roche.) P. crista
erecta margine purpurea, corpore croceo,
rectricibus rectricum truncatis
.

Edwards tab. 264.

In Guiana etc.

38. Parvs. Meise. (Fr. mesange. Engl.
tit nouse.) Rostrum integerrimum, basi
setis tectum
.

1. †. Maior. die Kohlmeise, Brandmeise,
Siegelmeise, Pickmeise, Finkmeise. (Fr. la
charbonniere
. Engl. the great titmouse.) P.
capite nigro, temporibus albis, nucha lutea
.

Frisch tab. 13. fig. 1. 2.

Meist durch die ganze alte Welt. Ein muthi-
ges Thier, das weit größere Vögel anfällt, an-
dern kleinen Sangvögeln die Köpfe aufpickt, und
auch wohl schlafenden Kindern nach den Augen
hackt. Man hat bey dieser und andern über
Winter bey uns bleibenden Gattungen dieses Ge-
schlechts angemerkt, daß dann das Horn ihres
Schnabels weit härter wird als im Sommer, das
ihnen beym Auspicken ihres Futters aus dem ge-
frornen Erdreich zu passe kommt.

2. †. Caeruleus. die Blaumeise, Pimpelmeise,
Jungfernmeise, der Blaumüller. (Fr. la
[Seite 187] mesange bleue
. Engl. the nun.) P. remigi-
bus caerulescentibus: primoribus margine
exteriore albis, fronte alba, vertice caeruleo
.

Frisch tab. 14. fig. 1.

Häufig in Europa. Ein vorzüglich nutzbares
kleines Thier, das Jahr aus Jahr ein unzählige
Insecten und deren Eyer vertilgt.

3. †. Caudatus. die Schwanzmeise, Moor-
meise, Schneemeise, Zagelmeise, der Back-
ofendrescher, Pfannenstiel. (Fr. la mesange
à longue queue
. Engl. the longtailed tit-
mouse
.) P. vertice albo, cauda corpore
longiore
.

Frisch tab. 14. fig. 3.

In Europa und Westindien. Legt wohl 20 Eyer,
baut sich ein sackförmiges Nest*) von Moos,
Wolle etc. und bekleidet es, um es zu verbergen,
von außen mit den nähmlichen Baumkrätzen u.a.
Moosen, womit der Baum, an dessen Stamm sie
es angelegt, bewachsen ist.

4. †. Biarmicus. das Bartmännchen, der
Indianische Sperling. (Fr. le moustache.
Engl. the bearded titmouse.) P. vertice cano,
cauda corpore longiore, capite barbato
.

Frisch tab. 8. fig. 3.

Im nordwestlichen Europa, England etc.

5. Pendulinus. die Beutelmeise, Pendulin-
meise, der Remitz, Cottonvogel. (Fr. la
mesange de Pologne
.) P. capite subferrugi-
neo, fascia oculari nigra, remigibus rectri-
cibusque fuscis margine vtroque ferrugineo
.

[Seite 188]

Buffon vol. III. tab. 29. fig. 2.

J. D. Titii parus minimus Remiz descri-
ptus
. Lips. 1755. 4. tab. 1. 2.

Hin und wieder in Ober-Italien, Polen, Si-
birien etc. Baut sich ein beutelförmiges Nest von
Pappelwolle etc. das sie an einem dünnen Aste
aufhängt.

39. Hirvndo. Schwalbe. Rostrum mi-
nimum incuruum, subulatum, basi de-
pressum
.

Die Schwalben zeichnen sich auch außer ihrer
Bildung durch ihre Lebensart etc. gar sehr von den
übrigen Thieren dieser Ordnung aus. Sie gehen
fast nie, sondern verrichten ihre Geschäfte meist
fliegend oder sitzend. Haben einen weiten Rachen,
und wissen damit sehr geschickt die Insecten aus
der Luft oder über dem Wasser im Flug wegzu-
schnappen. Die bekannte Streitfrage über den
Winteraufenthalt unsrer hieländischen Schwalben,
zumahl der beiden ersten Gattungen, ist nach allem
was darüber geschrieben worden, doch noch nicht
vollkommen ins Reine. Schade, daß bey den
für die eine*) oder für die andre**) Behauptung
[Seite 189] angeführten Erfahrungen, die Gattungen, an wel-
chen sie gemacht worden, nicht bestimmt genug
angegeben sind. In dubio scheint doch aber immer
das Wegziehen derselben nach wärmern Gegen-
den bey weiten die mehreste Wahrscheinlichkeit für
sich zu haben.

1. †. Domestica. die Rauchschwalbe, Feuer-
schwalbe. (hirundo rustica Linn. Fr. l'hi-
rondelle de cheminée
. Engl. the house-swal-
low, the chimney-swallow
.) H. rectricibus,
exceptis duabus intermediis, macula alba
notatis
.

Frisch tab. 18. fig. 1.

In der ganzen nordlichen Erde. Die Benen-
nungen dieser und der folgenden Gattung sind bey
den Systematikern aufs seltsamste vermengt und
verwechselt worden. Hier diese mit den nakten
unbefiederten Füßen und weißgefleckten Schwanz-
federn heißt füglich die Stadtschwalbe, da sie
öfter als die folgende in den Städten sich findet.
Sie baut ihr offenes Nest (– das oft von Wan-
zen wimmelt –) an die Dachgiebel, Ställe,
Scheuern, und auf den Dörfern in den Hausären
und unter die Rauchfänge.

2. †. Agrestis. die Hausschwalbe, Fenster-
schwalbe, Mehlschwalbe, Spyrschwalbe.
(hirundo vrbica Linn. Fr. l'hirondelle de
muraille, le martinet à cul blanc
. Engl.
the martin.) H. pedibus hirsutis, rectrici-
bus immaculatis, dorso nigro caerulescente,
tota subtus alba
.

Frisch tab. 17. fig. 2.

Hat nebst der folgenden meist gleiches Vater-
land mit der vorigen. Nistet meist auf den Dörfern
[Seite 190] außerhalb der Häuser unterm Dache, an den Kirch-
fenstern etc. Macht ihr Nest aus Lehm-Klümpchen,
oben zugewölbt.

3. †. Riparia. die Uferschwalbe, Erdschwalbe.
(Fr. l'hirondelle de de ripage. Engl. the
sand martin, the shore bird
.) H. cinerea,
gula abdomineque albis
.

Frisch tab. 18. fig. 2.

Baut in Fluß-Ufern, Leimgruben, Sand-
hügeln etc.

4. Esculenta. die Salangane. H. rectricibus
omnibus macula alba notatis
.

Von der Größe eines Zaunkönigs. Auf den
Sundaischen u.a. Inseln des Indischen Archipe-
lagus bis Neu-Guinea etc. Baut da in die Ufer-
löcher und Berghöhlen die berufnen Indianischen-
oder Tunkinsnester, deren Stoff der Hausenblase
ähnelt, aber noch weiter nicht genau bekannt ist.
Man sammelt jährlich wohl vier Millionen dieser
Nestchen, die größtentheils nach Schina verkauft
werden.

5. †. Apus. die Mauerschwalbe, Steinschwalbe,
Thurmschwalbe. (Fr. le martinet. Engl. the
black martin, the swift
.) H. nigricans, gula
alba
, digitis omnibus quatuor anticis.

Frisch tab. 17. fig. 1.

In allen drey Welttheilen der nordlichen Erde.

40. Caprimvlgvs. Rostrum modice
incuruum, minimum, subulatum, basi
depressum; vibrissae ciliares. Rictus am-
plissimus; vnguis intermedius introrsum
ciliatus
.

[Seite 191]

1. †. Europaeus. die Nachtschwalbe, Hexe,
der Ziegenmelker, Ziegensauger, Nachtrabe,
Tagschläfer (nycticorax. Fr. l'engoulevent.
Engl. the goatsucker, night-raven.) C. na-
rium tubis obsoletis
.

Frisch tab. 101.

In der alten Welt. Ein animal nocturnum,
das im Flug seine schnurrende Stimme hören läßt.
Es lebt von Insecten, besonders von Nachtfal-
tern etc. und die alte Sage, daß es den Ziegen
die Milch aussauge, ist ungegründet.


VI. GALLINAE.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze Füße
und einen convexen Schnabel, der an der Wur-
zel mit einer fleischigen Haut überzogen ist, und
dessen obere Hälfte zu beiden Seiten über die
untere tritt. Sie nähren sich meist von Pflanzen-
Samen, die sie im Kropfe (§. 64.) einweichen;
leben in Polygamie, legen zahlreiche Eyer; und
geben das mehreste Hausgeflügel.

41. Colvmba. Taube. (Fr. und Engl.
pigeon.) Rostrum rectum versus apicem
descendens
.

a) Cauda aequali modica.

1. †. Oenas. die Haustaube, Feldtaube, Holz-
taube. (vinago, livia. Fr. le biset. Engl. the
stock dove
.) C. coerulescens, ceruice viridi
nitente, dorso postico albo, fascia alarum
apiceque caudae nigricante.

[Seite 192]

Die Holztaube ist meist in der ganzen alten
Welt zu Hause. Die in Norden ziehen im Herbst
nach etwas südlichern Gegenden. Die in gemäßig-
tern Erdstrichen hingegen überwintern scharenweise
in Felsen-Klüften, hohlen Bäumen etc. Das
wilde Weibchen brütet zwey Mahl im Jahre, die
Haustaube hingegen wohl neun bis zehn Mahl,
so daß man von einem einzigen Paar binnen vier
Jahren 14762 Tauben ziehen könnte. Die vorzüg-
lichsten Abartungen (wovon doch manche für be-
sondre Gattungen angesehen werden) sind folgende:

a) dasypus, die Trommeltaube. (Fr. le
pigeon pattu
, Engl. the rough-footed
dove
.) mit langbefederten Füßen. Frisch
tab. 145.

b) gutturosa, die Kropftaube, der Kröpfer.
(Fr. le pigeon à grosse gorge, le grand
gosier
, Engl. the cropper pigeon.) mit
theils ungeheueren Kropfe. Frisch tab. 146.

c) turbita, das Möwchen. (Fr. le pigeon
cravate, à gorge frisée
. Engl. the turbit.)
mit krausen Brustfedern und ganz kurzem
Schnabel. Frisch tab. 147.

d) gyratrix, der Tümler. (Fr. le pigeon
culbutant
, Engl. the tumbler.) mit glat-
tem Kopf und einem kahlen rothen Augen-
ring: überschlagen sich im schnellen Flug.
Frisch tab. 148.

e) cucullata, die Schleiertaube, Zopftaube.
(Fr. le pigeon romain, Engl. the jacobine.)
mit vorwärts gerichtetem Kopf-Busche.
Frisch tab. 150.

f) laticauda, die Pfauentaube, der Hüh-
nerschwanz. (Fr. le pigeon paon, Engl.
[Seite 193] the shaker.) mit aufrechtem ausgebreitetem
Schwanze. Frisch tab. 151.

g) tabellaria, die Posttaube, Brieftaube,
türkische Taube. (Fr. le pigeon messager,
Engl. the carrier pigeon.) mit rothen
Fleischwarzen um den Schnabel und die Au-
gen herum. Hat ihren Nahmen daher, weil
man sich ihrer zumahl ehedem in der Levante
bediente, um Briefe zu überschicken*).

2. Coronata. der Kronvogel. C. caerulescens,
supra cinerea, orbitis nigris, crista erecta,
humeris ferrugineis
.

Jo. Fr. Miller fasc. III. tab. 16.

Auf Neu-Guinea und den benachbarten Inseln.
Fast von der Größe des welschen Hahns.

3. †. Palumbus, die Ringtaube, große Holz-
taube, Schlagtaube, Plochtaube, Kohl-
taube, Holztaube. (Fr. le pigeon ramier,
Engl. the ring-dove.) C. rectricibus postice
atris, remigibus primoribus margine exte-
riore albidis collo vtrinque albo
.

Frisch tab. 138.

Meist in ganz Europa.

4. † Turtur. die Turteltaube, Wegetaube.
(Fr. la tourterelle, Engl. the turtle-dove.)
C. rectricibus apice albis, dorso griseo pe-
ctore incarnato, macula laterali colli nigra
lineolis albis
.

Frisch tab. 140.

[Seite 194]

In den warmen und gemäßigten Gegenden der
alten Welt. Von ihrer gepriesenen Keuschheit und
ehelichen Treue die fabelhaften Uebertreibungen
abgerechnet, haben sie darin nichts vor andern
Vögeln ähnlicher Lebensart voraus.

5. †. Risoria. die Lachtaube. (Fr. la tourterelle
à collier
, Engl. the indian turtle.) C. supra
lutescens lunula ceruicali nigra
.

Frisch tab. 141.

Im mildern Europa und in Ostindien.

b) Cauda longiore cuneata.

6. Migratoria. C. orbitis denudatis sanguineis,
pectore rufo
.

Frisch tab. 142.

Im nordostlichen America. Ein Zugvogel, dessen
unermeßliche Züge im wörtlichen Verstande zuwei-
len den Tag verdunkeln sollen. Sie fallen dann in
so dichten Scharen auf die Bäume, daß oft sehr
starke Aeste davon brechen; werden dann aber auch
zu vielen tausenden von den Indianern gefangen
und frisch oder geräuchert und getrocknet gegessen.

42. Tetrao. (Engl. grous.) Macula prope
oculos nuda, papillosa
.

1. †. Coturnix. die Wachtel. (Fr. la caille,
Engl. the quail.) T. pedibus nudis, cor-
pore griseo maculato, superciliis albis, rectri-
cibus margine lunulaque ferruginea
.

Frisch tab. 117.

In der ganzen alten Welt; von Lappland bis
zum Cap. Ein Zugvogel, der sich im Zug, zumahl
auf den Inseln des mittländischen Meers und im
[Seite 195] benachbarten festen Lande*), zuweilen in uner-
meßlichen Scharen sehen läßt. Die Männchen
sind zumahl in Italien ihres Schlags wegen be-
liebt, wo man sie auch so wie in Schina (wie
Kampfhähne) paarweise fechten läßt.

2. †. Perdix. das Rebhuhn, Feldhuhn. (Fr.
la perdrix grise. Engl. the partridge.) T.
pedibus nudis calcaratis, macula nuda coc-
cinea sub oculis, cauda ferruginea, pectore
brunneo.

Frisch tab. 114.

Im mittlern Europa und in den mildern Ge-
genden des asiatischen Rußlands.

3. †. Rufus. (Fr. la perdrix rouge, la barta-
velle
.) T. pedibus nudis calcaratis rostroque
sanguineis, gula alba cincta fascia nigra
albo punctata
.

Daubenton planch. enlum. 231.

Im südlichen Europa und Orient. Wird auf
den Inseln des Archipelagus als Meyergeflügel
gehalten.

4. †. Bonasia. das Haselhuhn. (Fr. la gelinote.)
T. pedibus hirsutis, rectricibus cinereis
punctis nigris fascia nigra: exceptis inter-
mediis duabus
.

Buffon vol. II. tab. 7.

Lebt einsam in den Haselgebüschen des mittlern
Europa.

5. Lagopus. das Schneehuhn, Rypen. (Fr.
la gelinote blanche. Engl. the white game.)
[Seite 196] T. pedibus lanatis, remigibus albis, rectri-
cibus nigris, apice albis: intermediis albis
.

Frisch tab. 110. 111.

Auf den Schweizer- und Savoyschen-Alpen,
und in den nördlichsten Erdstrichen; ist im Som-
mer von grauer, im Winter aber von weißer Farbe.

6. †. Tetrix. der Birkhahn, deutsche Fasan.
(Fr. le petit tetras, Engl. the black cock.)
T. pedibus hirsutis, cauda bifurcata, re-
migibus secundariis basin versus albis.

Frisch tab. 109.

In der nordlichern alten Welt.

7. †. Vrogallus. der Auerhahn. (Fr. le coq
de bruyere, le tetras
. Engl. the cock of the
wood
.) T. pedibus hirsutis, cauda rotun-
data, axillis albis
.

Frisch tab. 107. 108.

Im nordlichern Europa, hat ein äußerst schar-
fes Gesicht und Gehör. Seine Zunge und oberer
Kehlkopf liegen tief unten im Schlunde.

43. Nvmida. Caput collo compresso co-
lorato cornutum; palearia carunculacea
ad latera maxillae vtriusque
.

1. Meleagris. das Perlhuhn. (Fr. la peintade.
Engl. the guiney hen.) N. rostro cera in-
structo nares recipiente
.

Frisch tab. 126.

In Africa einheimisch, aber nun fast in ganz
Europa und vielen Gegenden von America fort-
gepflanzt.

[Seite 197]

44. Phasianvs. Genae cute nuda lae-
vigata
.

1. †. Gallus. der Haushahn. (Fr. le coq,
Engl. the cock.) P. caruncula compressa
verticis geminaque gulae, auribus nudis,
cauda compressa ascendente
.

Der wilde Stammhahn*) ist in Indien zu
Hause; von rothbrauner Farbe, und zeichnet sich
durch flache hornichte Blättchen an den Spitzen
der Hals- und Flügelfedern aus (die den zinno-
berrothen Flügelblättchen des Seidenschwanzes
ähneln). Der Haushahn hingegen ist meist über
die ganze Erde verbreitet. Doch ist er erst durch
die Spanier nach America gebracht: hingegen auf
vielen Inseln der Südsee bey ihrer Entdeckung
von den Europäern schon vorgefunden worden.
Das Huhn ist bey der Menge Eyer die es legt,
und seinem oftmahligen Brüten eins der allernutz-
barsten Thiere der ganzen Classe. Und die Hahnen-
Gefechte längst und in mehrern Welttheilen ein
beliebtes Volksschauspiel.

Die Hühner sind, wie andre Hausthiere, nach
und nach mannigfaltig ausgeartet. Daher vor-
züglich folgende Spielarten zu merken sind:

a) Der Englische Hahn, mit einem dichten
Federbusch auf dem Kopf. Frisch tab.
129. 130.

b) Der Kluthahn, ohne Schwanz. Frisch
tab. 131. 132.

c) Der krause Hahn, Friesländische Hahn,
mit krausen lockigen Federn. Frisch tab. 135.

[Seite 198]

d) Das Wollhuhn, aus Japan, Schina etc.
Seine Federn sind schlicht, fast wie Haare,
daher die Fabel von Bastarden die von Ka-
ninchen und Hühnern erzeugt seyn sollten,
entstanden ist.

e) Das Negerhuhn, mit schwarzer Haut.
Vorzüglich auf St. Jago am grünen Vor-
gebirge, wo auch noch andre Vögelarten diese
Sonderbarkeit haben sollen.

2. Colchicus. der Fasan. (Fr. le faisan, Engl.
the pheasant.) P. rufus, variegatus, capite
viridi caerulescente, cauda cuneata genis
papillosis
.

Frisch tab. 123.

Hat den Nahmen vom Flusse Phasis in Min-
grelien von da ihn die Argonauten zuerst nach
Europa gebracht haben sollen.

3. Pictus. der Schinesische Goldfasan. P. crista
flaua, pectore coccinea, remigibus secun-
dariis caeruleis, cauda cuneata
.

Edwards tab. 68. 69.

4. Nycthemerus. der Schinesische Silberfasan.
P. albus, crista abdomineque nigris, cauda
cuneata
.

Edwards tab. 66.

45. Crax. Rostrum basi cera obductum
in vtraque mandibula. Pennae caput
tegentes reuolutae
.

1. Alector. der Curasso. C. cera flaua, corpore
nigro, ventre albo
.

Buffon vol. II. tab. 13.

In Guiana etc.

[Seite 199]

46. Meleagris. Caput carunculis spon-
giosis tectum, gula caruncula membra-
nacea longitudinali
.

1. Gallopavo. der Truthahn, Puter, Wälsche
Hahn, Kalekuter, Kuhnhahn. (Fr. le din-
don
, Engl. the turkey.) M. maris pectore
barbato
.

Im mittlern und nordlichern America, wo er
in großen Herden zu hunderten auf Bäumen
lebt, ward 1530 zuerst nach Deutschland gebracht,
wo er nun als Meyergeflügel gehalten wird, und
in mancherley Varietäten von weißer u.a. Farben
ausgeartet ist.

47. Pavo. Caput pennis reuolutis tectum,
pennae caudales elongatae, ocellatae
.

1. †. Cristatus. der Pfau, Pageluhn. (Fr. le
paon
, Engl. the peacock.) P. capite crista
compressa, calcaribus solitariis
.

Ist wohl ursprünglich in Ostindien einheimisch,
und seit Alexanders des Großen Zeiten nach Eu-
ropa verpflanzt. Das Männchen zeichnet sich vom
dritten Jahre an durch die Pracht seiner Schwanz-
oder vielmehr Rücken-Federn aus. Unter den
Spielarten ist die weiße am gemeinsten*).

48. Otis. Rostrum mandibula superiore
fornicata; pedes cursorii
.

1. †. Tarda. der Trappe. (Fr. l'outarde,
Engl. the bustard.) O. maris capite iugu-
loque vtrinque cristato
.

Frisch tab. 106. u. f.

[Seite 200]

Dieser größte hieländische Vogel ist in der ge-
mäßigten alten Welt zu Hause. Das Männchen
wird wohl gegen 30 Pfund schwer, und hat vorn
am Halse einen weiten verborgenen Sack, der
sich unter der Zunge öffnet.


VII. STRVTHIONES.

Große Landvögel, mit freyen unverbundenen
Zehen, und kurzen zum Flug ungeschickten Flü-
geln ohne Schwungfedern.

49. Strvthio. Rostrum subconicum,
pedes cursorii
.

1. Camelus. der Straus. (Fr. l'autruche, Engl.
the ostrich.) S. pedibus didactylis, digito
exteriore paruo mutico, spinis alarum binis
.

Latham Vol. III. P. I. tab. 71.

Der allergrößte Vogel, der eine Höhe von acht
bis zehn Fuß erreicht, wohl drey Centner wiegt,
und in Africa zu Hause ist. Das Unvermögen
zum Flug wird bey ihm durch die ausnehmende
Schnelligkeit seines Laufs vergütet. Vorzüglich
wird er durch seine Federn schätzbar.

2. Casuarius. der Casuar, Emeu. S. pedi-
bus tridactylis, galea palearibusque nudis,
remigibus
spinosis.

Latham l. c. tab. 72.

In Ostindien. Hat große Stärke in seiner mitt-
lern Klaue. Seine Federn sind hornicht und ähneln
Pferdeharen, und es entspringen immer zwey und
zwey Schafte aus einem gemeinschaftlichen Kiele.

[Seite 201]

Der so genannte Amerikanische Straus,
(Suri, Tuju, struthio rhea) der in Chili zu
Hause ist, hat viel Aehnliches mit ihm.

50. Didvs. Rostrum medio coarctatum
rugis duabus transuersis: vtraque man-
dibula inflexo apice; facies vltra ocu-
los nuda
.

1. Ineptus. der Dudu, Dronte, Walghvogel.
(Cygnus cucullatus.) D. pedibus ambula-
toriis, cauda breuissima, pennis incuruis
.

Latham l. c. tab. 70.

Ehedem auf Ile de France und Bourbon, aber
nach den Versicherungen des Hrn. Morel, der
deßhalb an Ort und Stelle Untersuchung angestellt
hat, existirt dieser Vogel jetzt nicht mehr. Und
das ist nicht unwahrscheinlich, da er das schwer-
leibigste, langsamste Thier der ganzen Classe,
folglich leicht zu fangen, und doch wegen seines
widrigen Fleisches von wenig Nutzen war*).


So weit die Landvögel. Nun die Was-
servögel in II. Ordnungen.

VIII. GRALLAE.

Diese, die Sumpfvögel, haben einen wal-
zenförmigen Schnabel von ungleicher Länge, lange
Füße, und mehrentheils auch einen langen Hals,
[Seite 202] aber kurzen Schwanz. Sie halten sich in sum-
pfigem moorigem Boden auf, leben meist von
Amphibien, Fischen, Insecten und Wasserpflan-
zen, die mehresten nisten auf der Erde oder im
Schiff, und werden meist durch ihr vorzüglich
schmackhaftes Fleisch und durch ihre Eyer nutzbar.

51. Phoenicoptervs. Rostrum de-
nudatum, infracto-incuruatum, denti-
culatum, pedes tetradactyli
.

1. Ruber. der Flamingo, Flamant, Schar-
tenschnäbler, Korkorre. P. ruber, remigi-
bus nigris
.

Catesby vol. I. tab. 73 sqq.

In Seegegenden der wärmern Erdstriche beider
Welten. Wird bey einem mäßig großen Körper
aber ganz auffallend langen Hals und Beinen
wohl Mannshoch, und ist über und über Car-
mosinroth.

52. Platalea. Rostrum planiusculum;
apice dilatato, orbiculato, plano. Pedes
tetradactyli, semipalmati
.

1. Leucorodia. die Löffelgans, der Löffelreiher.
(Fr. la spatule, Engl. the spoon-bill.) P.
corpore albo gula nigra, occipite subcristato
.

Frisch tab. 200. u. f.

Hin und wieder zumahl in der westlichen alten
Welt.

53. Palamedea. Rostrum conicum,
mandibula superiore adunca. Pedes te-
tradactyli, fissi
.

[Seite 203]

1. Cornuta. (kamichy, camoucle.) P. alulis
bispinosis, fronteque cornuta
.

Latham Vol. III. P. I. tab. 74.

Im ostlichen Süd-America.

54. Mycteria. Rostrum subadscendens,
acutum: mandibula superiore triquetra
:
inferiore trigona acuminata adscendente:
frons calua: nares lineares: pedes te-
tradactyli
.

1. Americana. (Iabiru, Touyouyou. Fr. la
cicogne du Bresil
.)

Latham l. c. tab. 25.

Hat mit dem vorigen Vogel gleiches Vaterland.

55. Cancroma. Rostrum gibbosum:
mandibula superiore cymbae resupinatae
forma
.

1. Cochlearia. (Fr. la cuilliere. Engl. the boat-
bill
.) C. ventre rufescente.

Latham l. c. tab. 26.

Ebenfalls in Brasilien etc.

56. Ardea. Rostrum rectum, acutum,
longum, subcompressum; pedes tetra-
dactyli
.

1. †. Grus. der Kranich. (Fr. la grue. Engl.
the crane.) A. occipite nudo papilloso, cor-
pore cinereo, alis extus testaceis
.

Frisch tab. 194.

In der nordlichen alten Welt.

[Seite 204]

2. †. Ciconia. der Storch, Hennotter, Aeh-
bähr. (Fr. la cicogne, Engl. the stork.) A.
alba, orbitis nudis remigibusque nigris:
rostro, pedibus cuteque sanguineis
.

In den mildern Gegenden fast der ganzen alten
Welt. Nährt sich nicht bloß von Amphibien,
sondern frißt auch nutzbare Thiere, ganze Ketten
junge Rebhühner u.s.w. schleppt auch nicht selten
Leinewand, Garn etc. ins Nest um es weich aus-
zufuttern.

3. †. Cinerea. der graue Reiher, Fischreiher.
(Fr. und Engl. heron.) A. occipite nigro
laeui, dorso caerulescente, subtus albido,
pectore maculis oblongis nigris
.

Frisch tab. 198.

Fast durchgehends in beiden Welten. Schäd-
liche Thiere, die den Fischteichen und besonders
der jungen Brut nachtheilig werden. Sie nisten
auf hohen Bäumen, Eichen etc.

4. Garzetta. (Fr. l'aigrette.) A. occipite cri-
stato, corpore albo, rostro nigro, loris pe-
dibusque virescentibus
.

Buffon T. VII. tab. 20.

Zumahl in Persien etc. Hat die langen, silber-
weißen, seidenartigen Rückenfedern, die in den
Morgenländern als kostbarer Putz getragen werden.

5. †. Stellaris. die Rohrdommel, der Iprump.
(Fr. le butor. Engl. the bittern.) A. capite
laeuiusculo, supra testacea maculis trans-
versis, subtus pallidior, maculis oblongis
fuscis
.

Frisch tab. 205.

In den mildern Gegenden der nordlichern Erde.

[Seite 205]

57. Tantalvs. Rostrum longum subu-
latum teretiusculum subarcuatum, sac-
cus iugularis nudus, pedes tetradactyli,
basi palmati
.

1. Ibis. T. facie rubra, rostro luteo, pedibus
griseis, remigibus nigris, corpore rufescente
albido
.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils, im
Anhang tab. 35.

Das berühmte, ehedem in Aeqypten, auf den
dasigen alten Denkmählern verewigte*), und so
wie die damahligen menschlichen Leichen zu Mu-
mien bereitete**) und in besondern Gewölbern in
größter Menge beygesetzte, aber jetzt wenigstens
in Nieder-Aegypten ziemlich seltne Thier.

Ob der schwarze etwas kleinere Ibis eine
besondre Gattung ausmacht, oder bloß etwa im
Alter vom weißen (der ungefähr die Größe vom
Storch hat) verschieden sey, ist noch mehr völlig
entschieden.

58. Scolopax. Schnepse. Rostrum te-
retiusculum obtusum, capite longius, fa-
cies tecta, pedes tetradactyli, postico
pluribus articulis insistente
.

1. †. Rusticula. die Waldschnepfe. (Fr. la be-
casse
. Engl. the woodcock.) S. rostro basi
[Seite 206] rufescente, pedibus cinereis, femoribus tectis,
fascia capitis nigra
.

Frisch tab. 226. u. f.

In den wärmern Gegenden der nordlichen
alten Welt.

2. †. Gallinago. die Heerschnepfe, Himmels-
ziege, der Haberbock, das Haberlämmchen.
(Fr. la becassine. Engl. the snipe.) S. rostro
recto tuberculato, pedibus fuscis, frontis
lineis fuscis quaternis
.

Frisch tab. 229.

Fast durchgehends in der nordlichern Erde.

59. Tringa. Rostrum teretiusculum lon-
gitudine capitis, digito postico vniarti-
culato, a terra eleuato
.

1. †. Pugnax. der Kampfhahn, Renomist,
Hausteufel. (Fr. le combattant, le paon de
mer
. Engl. the ruff.) T. rostro pedibus-
que rubris, rectricibus tribus lateralibus
immaculatis, facie papillis granulatis carneis
.

Frisch tab. 232. u. f.

In der nordlichen alten Welt. Hat seinen Nah-
men von der Streitbarkeit, mit welcher die Männ-
chen zur Brunstzeit gegen einander kämpfen.

2. †. Vanellus. der Kybitz. (Gavia. Fr. le
vanneau
. Engl. the lapwing.) T. pedibus
rubris, crista dependente, pectore nigro
.

Frisch tab. 213.

Ebenfalls in der nordlichern alten Welt.

[Seite 207]

60. Charadrivs. Regenpfeiffer. (Fr.
pluvier. Rostrum teretiusculum, obtu-
sum. Nares lineares. Pedes cursorii, tri-
dactyli
.

1. †. Hiaticula. die Seelerche. (Fr. le pluvier
à collier
. Engl. the sea-lark.) C. pectore
nigro, fronte nigricante fasciola alba, ver-
tice fusco, pedibus luteis
.

Frisch tab. 214.

Hin und wieder an den Flüssen der nordlichen
Erde, auch hier herum, und auf den Sandwich-
Inseln des stillen Oceans.

61. Recvrvirostra. Säbelschnäbler.
Rostrum depresso-planum subulatum, re-
curuatum, acuminatum
apice flexili. Pe-
des palmati, tridactyli
.

1. † Avosetta. R. albo nigroque varia.

Buffon vol. VIII. tab. 38.

In den mildern Gegenden der alten Welt etc.
nährt sich vorzüglich von Wasser-Insecten und
Gewürmen, die er mit seinem sonderbar aufwärts
gebognen Schnabel sehr geschickt zu fangen weiß.

62. Haematopvs. Rostrum compres-
sum, apice cuneo aequali; pedes cur-
sorii tridactyli
.

1. †. Ostralegus. der Austerdieb, Austermann,
die Meerelster. (Fr. l'hutrier. Engl. the
sea pie, the pied oister-catcher
.) H. rostro
pedibusque rubris
.

Latham Vol. III. P. I. tab. 84.

[Seite 208]

Hin und wieder an den Seeufern aller Welt-
theile; nährt sich vorzüglich von Conchylien.

63. Fvlica. Wasserhuhn. Rostrum con-
vexum, mandibula superiore margine
supra inferiorem fornicata
; frons calua,
pedes tetradactyli, subpinnati.

1. †. Atra. das schwarze Blaßhuhn. (Fr. la
foulque, la morelle
. Engl. the coot.) F.
fronte incarnata, armillis luteis, corpore
nigricante
.

Frisch tab. 209.

In der mildern nordlichen Erde.

64. Parra. Rostrum teretiusculum, obtu-
siusculum. Nares ouatae in medio rostri.
Frons carunculata, carunculis lobatis.
Alulae spinosae
.

1. Iacana. (Fr. le chirurgien, le chevalier.) P.
vnguibus posticis longissimis, pedibus viri-
descentibus
.

Buffon vol VIII. tab. 16.

In Westindien, Brasilien etc.

65. Rallvs. Rostrum basi crassius, com-
pressum, dorso attenuatum apicem versus,
aequale, acutum, pedes tetradactyli, fissi
.

1. †. Crex. der Wachtelkönig, Schnerz, Wie-
senschnarcher, Schars. (ortygometra. Fr.
le râle de genet. Engl. the rail, the daker
hen
.) R. alis rufo-ferrugineis.

Frisch tab. 210.

[Seite 209]

In den mildern Gegenden der alten Welt.
Wachtelkönig heißt er von der alten irrigen Sage,
daß er dieser Vögel Heerführer im Strich sey.

66. Psophia. Rostrum cylindrico-coni-
cum, conuexum, acutiusculum, mandi-
bula superiore longiore. Nares ouatae,
patulae. Pedes tetradactyli fissi
.

1. Crepitans. die Trompete, der Agami, Macku-
kawa. (Fr. l'oiseau trompette.) P. nigra
pectore columbino
.

Latham Vol. II. P. II. tab. 68.

In Süd-America, vorzüglich häufig am Ama-
zonen-Strom. Wird ausnehmend kirre und seinem
Herrn zugethan.


IX. ANSERES.

Die Vögel dieser Ordnung werden durch ihre
Schwimmfüße kenntlich, die ihnen mehr nach
hinten zu sitzen, und daher zum Rudern sehr ge-
schickt aber desto unbequemer zum Gehen sind.
Ihr Oberschnabel endigt sich meist in ein kurzes
Häkchen, und ist wie der untere bey den mehre-
sten mit einer ausnehmend nervenreichen Haut
überzogen. (– s. oben S. 137 u. f. –) Sie
haben eine fleischige Zunge, einen rauhen stache-
ligen Gaumen, und bey vielen von ihnen haben
die Männchen vorn an der Luftröhre eine be-
sondre knorplige oder knöcherne Capsel. Sie
haben dichtes fettes Gefieder, das kein Wasser
[Seite 210] annimmt, halten sich an den Ufern des Meers,
der Seen, der Flüsse, auf Inseln, Klippen,
im Schilf etc. auf, und leben mehrentheils in
Polygamie. Sie legen meistens nur Ein oder
wenige Eyer; sind aber, besonders wegen ihres
Fleisches, Fettes, Federn etc. von mannigfaltiger
Nutzbarkeit.

67. Rhinchops. Rostrum rectum man-
dibula superiore multo breuiore; infe-
riore apice truncata
.

1. Nigra. (Fr. le bec en ciseaux, Engl. the
seacrow, the cut-water
.) R. nigricans,
subtus alba, rostro basi rubro
.

Brisson T. VI. tab. 21. fig. 2.

In Nord-America. Der Oberschnabel ist kürzer
als der untre und dieser liegt in jenem gleichsam
wie ein eingeschlagnes Taschenmesser.

68. Sterna. Rostrum edentulum, subu-
latum, subrectum, acutum, compressiuscu-
lum. Nares lineares, ad basin rostri
.

1. Stolida. die Noddy. (Fr. le fou) S. cor-
pore nigro, fronte albicante, superciliis atris
.

Brisson T. VI. tab. 18. fig. 2.

In allen Meeren zwischen den beiden Wende-
zirkeln.

2. Hirundo. die Seeschwalbe. S. cauda for-
ficata: rectricibus duabus extimis albo ni-
groque dimidiatis
.

Frisch tab. 219.

An der ganzen nordlichsten Erde.

[Seite 211]

69. Colymbvs. Taucher. Rostrum eden-
tulum, subulatum, rectum, acumina-
tum, pedes compedes
.

1. Grylle. die Grönländische Taube. (Engl.
the sea turtle.) C. pedibus palmatis tridacty-
lis, corpore atro, rectricibus alarum albis
.

Frisch tab. 185.

Ebenfalls an der ganzen nordlichsten Erde.

2. †. Troile. die Lumer. (Fr. le Guillemot.)
C. pedibus palmatis tridactylis, corpore
fusco, pectore abdomineque niueo, remi-
gibus secundariis extremo apice albis
.

Frisch tab. 185.

An den Seeküsten der nordlichen Erde.

3. †. Vrinator. (Fr. la grébe.) C. capite
laeui, palbebra inferiore lutea, macula ala-
rum alba
.

Edwards tab. 360. fig. 2.

Im wärmern Europa, zumahl häufig auf dem
Genfer-See. Sein Fell wird so wie das vom
C. cristatus zu Feder-Muffen etc. verarbeitet.

70. Larvs. Möve. (Fr. mouette. Engl.
gull.) Rostrum edentulum rectum cul-
tratum, apice subadunco. Mandibula in-
ferior infra apicem gibba
.

Meist an den Küsten der nordlichen Erde, doch
finden sich auch welche auf der Südsee und zwar
in so ungeheuren Scharen, daß sie gleichsam den
Tag verdunkeln wenn sie aufgejagt werden, und
dabey ihre Verfolger mit Unrath bespritzen.

[Seite 212]

1. †. Tridactylus. (Engl. the tarrock.) L. al-
bicans, dorso canescente, rectricum apici-
bus, excepto extremo, nigris, pedibus tri-
dactylis
.

Brisson T. VI. tab. 17. fig. 2.

Am nordlichen Ocean.

71. Plotvs. Rostrum rectum, acumina-
tum, denticulatum. Facies tecta, pedes
palmati omnibus digitis connexis
.

1. Anhinga. P. ventre albo.

Willoughby tab. 72.

In Brasilien etc. Am Leibe von der Größe einer
Ente, aber mit einem sehr langen Hals, den das
Thier spiralförmig zusammen rollen und so den
Kopf gegen die Fische die es erschnappen will,
los schnellen soll.

72. Phaëthon. Rostrum cultratum,
rectum, acuminatum, fauce pone ro-
strum hiante. Digitus posticus antror-
sum versus
.

1. Aethereus. der Tropikvogel. (Fr. la paille
en cul
. Engl. the tropic bird.) P. rectrici-
bus duabus longissimis, rostro serrato, pe-
dibus aequilibribus: digito postico connexo
.

Brisson T. VI. tab. 42. fig. 1.

An der offenbaren See, zwischen beiden Wen-
dezirkeln. Nährt sich meist von den fliegenden
Fischen.

[Seite 213]

73. Procellaria. Rostrum edentu-
lum, subcompressum: mandibulis aequa-
libus; superiore apice adunco; inferiore
apice compresso-canaliculato. Pedes vn-
gue postico sessili absque digito
.

1. Pelagica. der Sturmvogel, Ungewitter-
vogel. (Fr. le petrel. Engl. the storm-finch.)
P. nigra, vropygio albo.

Linné fauna suecica. tab. 2. fig. 143.

Sowohl im nordlichen als südlichen Ocean.
Meist in offner freyer See fern vom Lande auf
Klippen, und die Schiffer sehen es als Zeichen
eines bevorstehenden Sturms an, wenn er sich von
da nach den Schiffen flüchtet. Die Einwohner der
Fervër etc. bedienen sich seiner statt Lampe, indem
sie ihm bloß einen Docht durch den Körper ziehen,
und anbrennen, da dann die Flamme von dem
vielen Fette das allmählich hinein zieht, lange
Zeit unterhalten wird.

74. Diomedea. Rostrum rectum: ma-
xilla superiore apice adunca; inferiore
truncata
.

1. Exulans. der Albatros. D. alis pennatis lon-
gissimis, pedibus aequilibribus tridactylis
.

Edwards tab. 88.

Von der Größe eines Schwans, hält aber mit
ausgespannten Flügeln wohl 11 Fuß Breite, fliegt
wohl 500 deutsche Meilen von irgend einem Lande
entfernt, aber selten höher als 10 bis 20 Fuß über
der Meers-Fläche. Nährt sich großentheils von
fliegenden Fischen*).

[Seite 214]

75. Pelecanvs. Rostrum edentulum,
rectum: apice adunco, vnguiculato: pe-
des aequilibres: digitis omnibus quatuor
simul palmatis
.

1. †. Onocrotalus. die Kropfgans, der Pelican.
(Fr. und Engl. pelican.) P. gula saccata.

Ein Blatt von J. E. Ridinger. 1740.

In den wärmern Gegenden der alten Welt, aber
auch auf Neu-Holland: hat den Griechischen Nah-
men von ihrer Eselstimme, den Deutschen aber
von dem ungeheueren beutelförmigen Kropfe, der
ihr am Unterschnabel hängt, und sich so ausdehnen
läßt, daß er wohl 30 Pfund Wasser fassen kann.
Die fabelhafte Sage vom Pelican, der seine Junge
mit seinem eignen Blute ätzen sollte, ist wohl
daher entstanden, daß wie man sagt dieses Thier
seinen Jungen das Wasser in seinen rothen Beu-
telkropfe zutragen, sodann an die Brust drücken
und so ausleeren soll.

Die Americanische Kropfgans scheint specifisch
von dieser verschieden zu seyn.

2. Aquilus. die Fregatte. (Fr. le tailleur. Engl.
the man of war bird.) P. alis amplissimis,
cauda forficata, corpore nigro, rostro rubro,
orbitis nigris
.

Edwards tab. 309.

Hat in der Bildung und Lebensart viel Aehn-
liches mit dem Albatros: nur noch längere Flügel,
die ausgespannt auf 14 Fuß breit sind, und dem
fliegenden Thier ein sonderbares Ansehn geben.

3. Carbo. die Scharbe. (Fr. und Engl. cor-
moran
.) P. cauda rotundata, corpore nigro,
rostro edentulo, capite subcristato
.

Frisch tab. 187.

[Seite 215]

Meist in allen fünf Welttheilen. Lebt von
Fischen die sie ganz verschluckt, und daher (so
wie einige verwandte Gattungen dieses Geschlechts)
in Schina u.a. zum Fischfang abgerichtet wird,
indem man ihr einen Ring um den Hals legt
so daß die verschluckten Fische oberhalb des Kropfes
stecken bleiben und dem Vogel wieder abgenom-
men werden.

4. Bassanus. die Rothgans. (Fr. le fou de
bassan
. Engl. the gannet, the soland goose.)
P. cauda cuneiformi, corpore albo, rostro
serrato, remigibusque primoribus nigris,
facie caerulea
.

Brisson T. VI. tab. 44.

Zumahl im Norden von Europa und America,
zumahl auf den Schottischen Inseln, und nahment-
lich auf Baß*), wovon diese Gans den Nahmen
führt. Hier lauert sie im Sommer auf die Züge
der Häringe, so wie hingegen im Winter um
Portugal herum und an der Barbarey etc. auf die
Sardellen. Auf jenen Schottischen Inseln werden
die jungen Vögel und die Eyer in unermeßlicher
Menge gegessen, und daher mit schaudervoller
Lebensgefahr aus den Nestern in den schroffen
Felsenklippen ausgenommen**).

76. Anas. Rostrum lamelloso-dentatum
conuexum, obtusum; lingua ciliata,
obtusa
.

[Seite 216]

1. †. Olor. der Schwan, Elbsch. (Fr. le
cygne
. Engl. the swan, the elk.) A. rostro
semicylindrico atro, cera nigra, corpore albo
.

Frisch tab. 152.

In der nordlichen alten Welt: nährt sich von
Fröschen, Wasserpflanzen etc. Man muß diesen,
den so genannten stummen oder zahmen Schwan,
von dem so genannten wilden. A. cygnus, (mit
gelber Haut an der Schnabelwurzel und weit
längerer krummlaufender Luftröhre) unterscheiden.
Dieser letztre gibt einen hellen weit schallenden
nicht unangenehmen Ton von sich.

2. Cygnoides. die Spanische oder Schinesi-
sche Gans. (Fr. l'oye de Guinée. Engl. the
swan-goose, chinese goose
.) A. rostro semi-
cylindrico: cera gibbosa, palpebris tumidis
.

Frisch tab. 153. 154.

Auf Guinea, am Cap, dann in Sibirien und
Schina, und wie es scheint auch auf den Sand-
wich-Inseln des stillen Oceans. Man unterschei-
det mehrere Varietäten.

3. †. Anser. die Gans. (Fr. l'oye. Engl. the
goose
) A. rostro semicylindrico, corpore
supra cinereo, subtus pallidiore, collo striato
.

Meist in allen fünf Welttheilen wild. Unter
den zahmen soll es wohl häufig völlig schneeweiße
Ganserte, aber nur selten eine ganz weiße weib-
liche Gans geben.

4. Canadensis. die Hudsonsbay-Gans. (Engl.
the grey goose.) A. cinerea, capite collo-
que nigris, genis gulaque albis
.

Edwards tab. 151.

[Seite 217]

Im kältern Nordamerica. Ein wichtiger Han-
delsartikel wegen seiner ausnehmenden Flaumen
zu Betten. Giebt auch vorzügliche Schreibfedern.

5. Bernicla. die Baumgans, Rothgans, Schot-
tische Gans. A. fusca, capite collo pecto-
reque nigris, collari albo
.

Frisch tab. 156.

In den kältesten Ländern der nordlichen Erde
(z.B. auf Neu-Zembla), und kommt bloß zum
Ueberwintern nach Schottland u.a. mildern Ge-
genden, wo sie sich unter andern von dem Thier
der Entenmuschel (Lepas anatifera) nährt, daher
die alte seltsame Fabel entstanden, daß dieser Ente
nicht aus einem Ey sondern aus einer Muscheln
hervor komme u.s.w.*)

6. Mollissima. der Eidervogel. (Fr. l'oye à
duvet
. Engl. the eiderduck, cuthbert duck.)
A. rostro cylindrico, cera postice bifida,
rugosa
.

Brünnichs N. H. des Eidervogels. tab. 1. u. f.

In der nordlichen Erde, zumahl häufig auf
Island und in Grönland. Sein Fleisch und Eyer
sind sehr schmackhaft; noch wichtiger aber ist sein
Fell, womit man Kleider futtert, und die Flaum-
federn, die unter dem Nahmen der Eiderdunen
bekannt sind**).

[Seite 218]

7. †. Boschas. die Ente. (Fr. le canard. Engl.
the duck.) A. rectricibus intermediis (maris)
recuruatis, rostro recto.

Frisch tab. 158. u. f.

Die wilde Ente findet sich fast in der ganzen
nordlichen Erde, theils in ungemein schönen Spiel-
arten. Die zahmen Enten scheinen große Neigung
zu unnatürlicher Paarung zu haben, so daß z.B.
die Entriche aus Hühner erpicht sind und v. v.
Enten den wälschen Hahnen nachlaufen und sie
zu reitzen suchen.

8. †. Clypeata. die Löffelente. (Fr. le souchet.
Engl. the shoveler.) A. rostri extremo di-
latato rotundato; vngue incuruo
.

Frisch tab. 161. u. f.

Hat meist gleiches Vaterland mit der vorigen.

77. Mergvs. Taucher, Wasserhuhn.
Rostrum denticulatum, subulato-cylin-
dricum, apice adunco
.

1. †. Merganser. der Kneifer (Fr. l'harle.
Engl. the goos-ander.) M. crista longitu-
dinali erectiuscula: pectore albido imma-
culato, rectricibus cinereis, scapo nigricante
.

Frisch tab. 190.

In der ganzen nordlichen Erde. So wie andere
Gattungen dieses Geschlechts ein schädliches Thier
für Fischteiche, zumahl zur Leichzeit.

78. Alca. (Engl. auk.) Rostrum edentu-
lum, breue, compressum, conuexum,
transuerse sulcatum: mandibula inferior
ante basin gibbosa
.

Das ganze Geschlecht an den Küsten und Klip-
pen der nordlichen Erde.

[Seite 219]

1. Arctica. der Papageytaucher. (Fr. le ma-
careux
. Engl. the puffin.) A. rostro com-
presso-ancipiti fulcato sulcis
4, oculorum
orbita temporibusque albis, palpebra supe-
riore mucronata
.

Nistet in Kaninchenhöhlen, oder wühlt sich auch
selbst so ein unterirdisches Lager.

79. Aptenodytes. Fettgans, Pinguin.
Rostrum compressiusculum, subcultra-
tum, longitudinaliter oblique sulcatum
:
mandibula inferior apice truncato: alae
impennes, pinniformes
.

Ihr glattes glänzendes Gefieder, die nakten
stumpfen kleinen Flügel und ihr gerader fast auf-
rechter Gang geben diesen Thieren ein sonderbares
Ansehen, deren verschiedne Arten an den südlichen
Küsten und Inseln von Africa und America, so
wie andre um Neu-Holland, Neu-Guinea und
Neu-Seeland zu Hause sind*). Finden sich theils
in zahlloser Menge beysammen.

1. Chrysocome. A. rostro rufo-fusco, pedibus
flauescentibus, crista frontali atra erecta,
auriculari deflexa flaua
.

Forster l. c. tab. 1.

Auf den Falklands-Inseln, Neu-Holland etc.

2. Demersa. A. rostro pedibusque nigris, su-
perciliis fasciaque pectorali albis
.

Edwards tab. 94.

Häufig am Cap etc.

Sechster Abschnitt.
Von den Amphibien.

[Seite 220]

§. 81.

Die Säugethiere und die Vögel unterscheiden
sich beides durch die Wärme ihres Bluts (§. 23.
und 40.) und durch die Menge desselben von den
Amphibien und Fischen, als welche letztre beide
fast nur dieselbe Temperatur mit dem Medium
halten in welchen sie sich befinden, und dann auch
bey weitem weniger Blut als jene warmblütigen
Thiere haben.

§. 82.

Die Amphibien aber ähneln doch darin noch
den warmblütigen Thieren, und zeichnen sich hin-
gegen von den Fischen vorzüglich dadurch aus,
daß sie wie jene auch noch durch Lungen Luft
schöpfen; obgleich dieselben von weit lockerer
Textur, und auch ihre Athemzüge weit unbe-
stimmter, und so zu sagen unordentlicher sind
als bey den beiden Classen mit warmen Blute.
Auch können sie das Athemhohlen weit länger
entbehren als diese, weit länger im so genanten
luftleeren Raume, oder auch in eingesperrter Luft
(wie z.B. Kröten in einer engen Höhle mitten
[Seite 221] in Baumstämmen oder Steinblöcken) und selbst
geraume Zeit in einer Atmosphäre von Kohlen-
gesäuerter oder fixer Luft aushalten, und auf-
fallende Extreme von Hitze und von Kälte aus-
dauern, so daß man z.B. ungezweifelte Bey-
spiele von Wassermolchen und Fröschen hat, die
sowohl im Magen und Darmcanal von Men-
schen gelebt haben, als auch ihrem Leben unbe-
schadet in dichte Eisschollen eingefroren sind.

§. 83.

Und eben weil die Amphibien mit Lungen ver-
sehen sind, so sind sie auch noch fähig Stimme
von sich zu geben: doch scheinen einige (wie
z.B. unter den hieländischen der wahre Sala-
mander, die grüne Eidexe, die Blindschleiche etc.)
gänzlich stumm zu seyn.

§. 84.

In Rücksicht der Bildung überhaupt herrscht
vorzüglich die doppelte Verschiedenheit unter den
Amphibien, daß sie entweder, wie die Schild-
kröten, Frösche, Eidexen etc. mit vier Füßen
versehen sind; oder aber, als Schlangen einen
langgestreckten, dünnen, cylindrischen Körper
ohne alle äußere Bewegungswerkzeuge haben.

§. 85.

Die äußern Bedeckungen sind bey den Am-
phibien mannigfaltiger als bey den warmblüti-
gen Thieren. Einige sind mit einer knochigen
[Seite 222] Schale überzogen: andre mit hornartigen Rei-
fen oder mit zahlreichen kleinen Schildchen oder
mit Schuppen bedeckt: und noch andre haben
eine nakte nur mit Schleim überzogne Haut.
Die mehresten häuten sich von Zeit zu Zeit.
Manche, wie z.B. der Laubfrosch und verschiedne
Eidexen, besonders der Chamäleon, ändern auch
zuweilen plötzlich ihre Farbe. Ueberhaupt aber
gibt es in dieser Classe, gegen das gemeine Vor-
urtheil, doch Thiere von den reitzendsten Farben
so wie vom muntersten und unschuldigsten Be-
tragen. Zumahl unter den Eidexen und unter
den Schlangen.

§. 86.

Den mehresten Amphibien ist, wie schon die
Benennung der ganzen Classe andeutet, Wasser
und Land zum gemeinschaftlichen Aufenthalt an-
gewiesen. Manche gehen willkürlich in beiden
Elementen ihren Geschäften und ihrer Nahrung
nach. Andre hingegen bringen entweder eine
bestimmte Periode ihres Lebens, oder gewisse
Jahrszeiten bloß in einem von beiden zu. End-
lich sind aber auch manche entweder bloß für
das Land oder bloß für das Wasser, und nicht
für beides zugleich bestimmt.

Von den Landthieren dieser Classe leben viele
im dumpfen feuchten Dickicht; andere aber auch
in anmuthigen der Sonnenwärme ausgesetzten
Gegenden: manche gar auf Bäumen etc.

§. 87.

[Seite 223]

Manche Amphibien, zumahl unter den
Schildkröten und Schlangen, leben von sehr
gemischter Nahrung: andre hingegen wie der
Laubfrosch, Chamäleon etc. sind sehr eigen in der
Wahl ihrer Speisen, gehen z.B. bloß lebende
Insecten von einigen wenigen bestimmten Gat-
tungen an. Großen Theils können sie zum Wun-
der lange fasten: ich selbst habe z.B. Salaman-
der auf acht Monathe lang ohne Speise und
selbst ohne daß sie dabey beträchtlich abgezehrt
wären, erhalten: und von Schildkröten weiß
man, daß sie gegen anderthalb Jahre ohne alle
Nahrung ausdauren können.

§. 88.

Ueberhaupt scheint die Nutrition der Am-
phibien eingeschränkter als bey den warmblütigen
Thieren. Ich habe z.B. es nie dahin bringen
können, sie so wie die Säugethiere und Vögel
mit Färberröthe zu füttern, daß die Knochen
ganz davon gefärbt worden wären.

§. 89.

Um desto auffallender ist hingegen bey vielen
die ausnehmende Leichtigkeit und Stärke ihrer
Reproductionskraft (§. 19.), ein Vorzug, der,
wo ich nicht irre, in der obgedachten Stärke
ihrer Nerven und hingegen respectiven Kleinheit
ihres Gehirns (§. 29.) zu suchen ist; da folglich
[Seite 224] die erstern von letzterem minder abhängig sind;
und überhaupt die ganze Maschine zwar schwächte
Mobilität, weniger consensus zeigt, das ganze
Leben der Amphibien einfacher, und mehr bloß
vegetativ scheint als bey den warmblütigen Thie-
ren, – aber dagegen die Glieder mehr mit
eigenthümlicher independenter Lebenskraft ver-
sehen sind. Und da folglich bey dieser mehr
eigenthümlichen Lebenskraft der einzelnen Theile,
nicht gleich jeder Stimulus, der auf Einen
Theil, oder auf Ein System wirkt, sogleich
wie bey den warmblütigen Thieren andere in
Consensus zieht, so erklärt sich auch wohl über-
haupt daher ihr zähes Leben, so daß Frösche,
denen das Herz ausgerissen worden, doch noch
umher hüpfen, und Schildkröten, denen das
Gehirn aus dem Kopfe genommen worden, noch
Monathe lang leben können: daher auch wohl
die anhaltende Beweglichkeit der den Amphibien
abgeschnittnen Theile, wie z.B. der Schwänze
von Wassermolchen, Blindschleichen etc.*).

§. 90.

Zu Waffen und Vertheidigungsmitteln
dient manchen Amphibien, zumahl unter den
Schlangen, ihr Gift; dem Salamander, der
Feuerkröte etc. ihr milchichter Hautschaum den sie
[Seite 225] im Nothfall von sich geben; vielen auch wohl
der specifike Geruch den sie verbreiten; so zu-
mahl manche Schlangen, Kröten, Eidexen,
Crocodile etc.

§. 91.

Die äußern Sinne scheinen bey den mehre-
sten Amphibien von keiner sonderlichen Schärfe
zu seyn.

Unter den innern zeichnet sich doch bey vie-
len das Gedächtniß aus, da man Beyspiele selbst
von Crocodilen und Kröten hat, die ihre Wohl-
thäter kennen gelernt und kirre geworden, und
vollends viele Schlangen bekanntlich sich zu aller-
hand Gaukeleyen abrichten lassen.

Hingegen finden sich bey den Thieren dieser
Classe nur sehr wenige Spuren von wahren
Kunsttrieben. (§. 36.)

§. 92.

Auch scheinen die Amphibien, etwa einige
Gattungen von Schildkröten ausgenommen, kei-
nen täglichen Erhohlungsschlaf zu halten.

Dagegen aber wohl alle ohne Ausnahme die
kältern Wintermonathe in Erstarrung zubringen.
Und zwar theils einzeln, theils wie unsere hie-
ländische Frösche und Salamander in großen
Haufen. Doch können auch diese gar leicht des
Winterschlafs entbehren, und Jahr aus Jahr
ein wachend im Zimmer erhalten werden.

§. 93.

[Seite 226]

Das Fortpflanzungsgeschäfte der Amphi-
bien hat ungemein viel sonderbares. Der Paa-
rungstrieb ist bey vielen so heftig, daß man z.B.
Frösche gesehen hat, die in Ermangelung eines
Weibchens andre männliche Frösche oder Kröten
oder gar todte Weibchen besprungen haben. Bey
den mehresten Fröschen und See-Schildkröten
dauert die Paarung mehrere Tage, ja Wochen
lang. Die Vipern schlängeln sich in der Paa-
rung mit dem Hinterleibe aufs innigste um ein-
ander, und züngeln dabey mit gebognem Halse
auf einander los. Die Wassermolche hingegen
umfassen einander gar nicht, sondern das Männ-
chen schwimmt zur Brunstzeit bloß um sein
Weibchen herum und bespritzt die Eyerchen so
wie sie dieselben von sich gibt, von der Ferne.

§. 94.

Die Amphibien sind, bis auf sehr wenige
Ausnahmen, sämmtlich Eyerlegende Thiere. Aber
manche, zumahl unter den Schlangen etc. geben
die Eyer nicht eher von sich, als bis das darin
befindliche Junge schon meist seine völlige Aus-
bildung erhalten hat. Die Pipa heckt ihre Junge
aus dem Rücken aus.

Anm. 1. Ein Salamander, den ich wenigstens vom
Ende des Sommers an ganzer vier Monathe lang
völlig isolirt in einem Glase gehalten, hat hierauf
um Neujahr herum ganz unerwartet binnen weni-
gen Tagen 34 Junge geheckt, so daß folglich hier
eine ehemahlige Befruchtung, auf eine noch weit
[Seite 227] längere Zeit hinaus als bey den Hühnern, ihre
Wirksamkeit erhalten muß.

Anm. 2. In der ganzen Classe der Amphibien ist mir
zwar kein ganz zuverläßiges Beyspiel von Bastard-
zeugung bekannt: fast wäre ich aber geneigt einige
Spielarte von Wassermolchen dafür zu halten, die
ich in der hiesigen Nachbarschaft in einem stehen-
den Masse gefunden, worin lacerta lacustris und
palustris unter einander lebten, und die an Größe
und Bildung das völlige Mittel zwischen diesen
beiden Gattungen zu halten scheinen.

§. 95.

Die Frösche und Eidexen die im Wasser jung
werden, komnen nicht gleich in ihrer vollkomm-
nen Gestalt zur Welt, sondern müssen sich zuerst
noch einer Art von Metamorphose unterziehen,
ehe sie die Ausbildung und den völligen Ge-
brauch aller ihrer Gliedmaßen erlangen. Die
kleinen Frösche z.B. (die so genannten Kaul-
quappen, gyrini, Fr. tétards, Engl. toad-
poles
) haben Anfangs noch keine Füße sondern
dafür einen langen Ruderschwanz; auch, so wie
die neugebornen Salamander eine Art von Fisch-
kiefern (branchiae oder Swammerdam's ap-
pendices fimbriatae
) am Halse; ferner zum
Theil eine kleine Saugeröhre an der Unterlefze
u. dergl. m. Lauter Theile die nur für das ganz
zarte junge Thier bestimmt sind und mit der
zunehmenden Reife desselben allgemach schwinden.

§. 96.

Die Amphibien haben ein langsames
Wachsthum; so daß z.B. unsere hieländischen
[Seite 228] Frösche meist erst im vierten Jahre mannbar
werden: und doch erreichen diese nur ein, nach
Verhältniß dieser späten Pubertät, nicht beträcht-
liches Alter von 12 bis 16 Jahren. Hingegen
weiß man daß Schildkröten selbst in der Gefan-
genschaft über 125 Jahre gelebt haben, so daß
hiernach zu schließen, die Crocodile und großen
Schlangen etc. zu einem noch ungleich höhern
Alter müssen gelangen können.

§. 97.

Die Benutzung der Amphibien fürs Men-
schengeschlecht ist ziemlich einfah; aber für
manche Gegenden theils äußerst beträchtlich.
Zumahl der Genuß der Schildkröten und ihrer
Eyer, so wie auch verschiedener Frösche und Ei-
dexen etc. – Schildpatt zu Kunstarbeiten etc. –
Eidexen, Vipern etc. als Arzney.

§. 98.

Schädlich werden manche ungeheuere Thiere
dieser Classe, die Crocodile, Wasserschlangen etc.
durch ihre Größe, und andere zumahl unter den
Schlangen durch ihr Gift, das in keiner andern
Thierclasse von einer so gefahrvollen Heftig-
keit ist.

Die ganze Classe zerfällt bloß in zwey Ord-
nungen:

[Seite 229]

1. Reptiles. Die Amphibien mit vier Füßen.
(Die quadrupeda ouipara der ältern
Naturforscher) – Schildkröten, Frösche,
Eidexen. Und

2. Serpentes. Die Schlangen, ohne alle
äußere Bewegungswerkzeuge. (§. 84.)

* * *

Einige wenige Quellen zur N. G. dieser
Classe:

  1. Alb. Seba rerum naturalium thesaurus. Amst. 1734-65.
    IV. vol. Fol. imper. (– hierher gehören bloß die
    beiden ersten Bände –).
  2. Joh. Nic. Laurenti synopsis reptilium emendata. Vindob.
    1768. 8.
  3. C. de la Cepede histoire naturelle des quadrupèdes ovi-
    pares et des serpens
    . Par. 1785. II. vol. 4.

I. REPTILES.

[Seite 230]

Alle Thiere dieser Ordnung sind (wenigstens
wenn sie ihre vollkommene Gestalt erlangt haben,)
mit vier Füßen versehen, die nach dem ver-
schiednen Aufenthalt dieser Thiere entweder freye,
(pedes digitati) oder durch eine Schwimm-
haut verbundene, (palmati) oder gar wie in
eine Flosse verwachsene Zehen (pinnati) haben.

1. Testvdo. Schildkröte*). (Fr. tortue.
Engl. tortoise, die See-Schildkröten aber
turtle.) Corpus testa obtectum, cauda
(plerisque) breuis, os mandibulis nudis
edentulis
.

Die mehresten Schildkröten sind mit einer kno-
chichten sehr festen Schale bedeckt, deren Obertheil
mit dem Rückgrat und den Rippen des Thiers
verwachsen, und mit den breiten hornigen Schup-
pen belegt ist, die bey manchen Gattungen so
stark und schönfarbig sind, daß sie zu Kunstsachen
verarbeitet werden. Gewöhnlich liegen 13 der-
gleichen Schuppen in der Mitte, und 24 um den
Rand herum. Der Untertheil oder das Bauch-
schild ist etwas kleiner als das obere, und mit
Ausschnitten für Kopf, Schwanz und Füße ver-
sehen.

[Seite 231]

1. Membranacea. T. pedibus palmatis, vn-
guiculis tribus, testa orbiculari ouata, mem-
branacea grisea, striata, scabra
.

Schneider l. c. tab. 1.

In Guiana.

2. Imbricata. die Carette. (Engl. the hawks-
bill turtle
.) T. pedibus pinniformibus, testa
cordata subcarinata, margine serrato: scu-
tellis imbricatis latiusculis, cauda squamata
.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils,
im Anhang tab. 42.

In beiden Indien; auch im rothen Meere. Gibt
das beste Schildpatt*).

3. Mydas. die grüne oder Riesen-Schild-
kröte. (viridis Schneider. Fr. la tortue
franche. Engl. the green turtle.) T. pedi-
bus pinniformibus, marginibus maxillarum
dentatis, testa ouata
.

Schöpff tab. 17. fig. 2.

Diese See-Schildkröte hält zuweilen 8 Centner
am Gewicht, und kann mit Lasten von 6 u. m.
Centnern, die man ihr auf den flachen Rücken
legt, fortkriechen. Sie hat ihren gewöhnlichern
Nahmen von ihrer blaß-olivengrünlichen Schale
und der auffallend grünen Farbe ihres schmack-
haften Fettes. Legt mehrere hundert Eyer. Lebt
bloß vom Seetang u. dergl. Vegetabilien, daher
ihr ausnehmend schmackhaftes gar nicht thranich-
tes Fleisch.

[Seite 232]

4. †. Orbicularis. die gemeine Flußschildkröte.
(europaea Schneid.) T. pedibus palmatis,
testa orbiculata planiuscula
.

Im mildern Europa.

5. Graeca. T. pedibus subdigitatis, testa po-
stice gibba: margine laterali obtusissimo,
scutellis planiusculis
.

Schöpff tab. 8. 9.

Im südlichen Europa und nordlichen Africa.

6. Geometrica. T. pedibus posticis palmatis,
testae scutellis eleuatis truncatis
.

Schöpff tab. 10.

In Ostindien. Ungefähr von der Größe einer
flachen Hand: hat wegen seines regelmäßigen
schwarz und gelb gezeichneten hochgewölbten Rücken-
schildes ein artiges Ansehen.

2. Rana. Frosch (Fr. grenouille. Engl.
frog.) und Kröte (Fr. crapaud. Engl. toad.)
Corpus nudum pedibus quatuor, posticis
longioribus
.

Die Thiere dieses Geschlechts haben einen kür-
zern Körper und breitern dickern Kopf als die
Eidexen. Eine einzige Gattung ausgenommen,
sind die übrigen ungeschwänzt. Die mehresten
haben an den Vorfüßen freye Zehen, hinten aber
Schwimmfüße*).

[Seite 233]

1. Pipa. R. corpore plano, rostro spathiformi,
digitis anticis muticis quadridentatis, posti-
cis vnguiculatis
.

Seba vol. I. tab. 77.

In den Gewässern von Guiana. Wird durch
die überaus sonderbare und ganz anomalische Weise,
mit der die Mutter ihre Junge ausheckt, merk-
würdig. Das Männchen streicht nähmlich den
Leich, den das Weibchen vorher auf die gewöhn-
liche Weise von sich gegeben, demselben auf den
Rücken, und befruchtet sie hierauf mit seinem
Samen. Die Eyerchen verwachsen nachher gleich-
sam mit der Haut der Mutter, bis nach Verlauf
von beynahe drey Monathen die darin befindliche
geschwänzte Kaulquappen*) zum Ausbruch reif
sind, und nachdem ihr Schwanz allgemach ver-
schwunden und sie dagegen ihre vier Füße erhalten,
den Rücken ihrer Mutter verlassen können.

2. Cornuta. R. palpebris conicis.

Seba vol. I. tab. 72. fig. 1. 2.

In Virginien; hat wegen seiner großen stieren
Augen, und der ungeheueren tutenförmigen obern
Augenlider ein abentheuerliches Ansehn.

3. Ocellata. (Engl. the bull-frog.) R. auri-
bus ocellatis, pedibus muticis
.

Catesby vol. II. tab. 72.

In Nord-America. Fast von der Größe eines
Kaninchens. Hat den englischen Nahmen von
seiner starken Stimme.

[Seite 234]

4. Paradoxa. (Rana piscis quorundam.) R.
caudata, femoribus postice oblique striatis
.

Seba vol. I. tab. 78.

Im südlichen America. Zeichnet sich durch einen
starken fleischigen auf den Seiten platt gedrück-
ten Schwanz von den übrigen Gattungen dieses
Geschlechts aus. Dieses Thier erreicht, gegen die
Weise anderer Frösche, bevor es noch völlig aus-
gebildet worden, doch eine fast Spannenlange
Größe, käutet sich während der Zeit verschiedent-
lich, und hat in diesem Zustande zu einer alten
Sage von Fröschen, die sich in Fische verwan-
delten, Anlaß gegeben.

5. †. Bufo. die Kröte. R. corpore ventricoso
verrucoso lurido fuscoque
.

Rösel tab. 20. 21.

Daß ihr Harn ein heftiges Gift seyn soll, ist
ungegründet. Hingegen ist es unläugbar, daß
man verschiedentlich lebendige Kröten mitten in
durchsägten Baumstämmen, oder in Steinblöcken etc.
angetroffen hat*).

6. †. Bombina. die Feuerkröte. R. corpore
verrucoso, abdomine aurantio-caesio macu-
lato, pupilla triquetra
.

Rösel tab. 22.

Am Bauche schön blau und gelb gemarmelt,
hüpft fast wie ein Frosch.

[Seite 235]

7. †. Portentosa. die Haus-Unke. (Bufo ca-
lamita
, Laurent). R. verrucosa, linea dor-
sali flaua, lateralibus rufescentibus
.

Rösel tab. 24.

In feuchten Kellern, Ufer-Höhlen etc. Kommt
selten zum Vorschein; gibt aber einen eignen dum-
pfigen Laut von sich, der allerhand abergläubige
Sagen veranlaßt hat.

8. †. Temporaria. der braune Grasfrosch.
R. subfusca dorso planiusculo subangulato.

Rösel tab. 1-8.

Im Gras und Gebüsch etc. von da die Junge
nach warmen Sommer-Regen haufenweise hervor
kriechen, da dann ihre plötzliche Erscheinung wohl
zu der alten Sage vom Froschregen Anlaß gege-
ben haben mag. Sie sind für die Gärten nutz-
bare Geschöpfe, da sie viele Schnecken, aber auch
giftartige Insecten, und z.B. Spanische Fliegen
verzehren, und darum unsicher zu essen sind.

9. † Esculenta. der grüne Wasserfrosch, Rö-
ling, Marxgöker. R. viridis corpore angu-
lato, dorso transuerse gibbo, abdomine
marginato.

Rösel tab. 13-16.

In Teichen und Sümpfen. Die Männchen
quaken laut, zumahl des Abends bey schönem
Wetter, und treiben dabey zwey große Blasen
hinter den Maulwinkeln auf. Sie sind schlau
und muthig, verzehren Mäuse, Sperlinge, und
selbst junge Enten, Forellen etc. und können sogar
über große Hechte Herr werden: sind aber ohne
Gefahr zu essen. Zur Begattungszeit bekommen
die Männchen dieser und der vorigen Gattung
[Seite 236] schwarze warzige Knollen an den Daumen der
Vorderfüße, womit sie sich äußerst fest um ihrer
Weibchen Brust klammern können.

10. †. Arborea. der Laubfrosch. (Calamites.
Fr. la raine, grenouille de St. Martin, le
graisset
). S. corpore laeui, subtus granu-
lato, pedibus fissis, apicibus digitorum len-
ticulatis
.

Rösel tab. 9 ad 12.

Fast in ganz Europa (doch nicht in England,
aber desto häufiger in Italien), auch in Ame-
rica etc. Der klebrige Schleim, womit er wie die
Schnecken überzogen ist, dient ihm bey seinem
Aufenthalt am Laub der Bäume, zur Haltung.
Die erwachsnen Männchen, die an ihrer braunen
Kehle kenntlich sind, haben eine laute Stimme,
die sie, wenn das Wetter sich ändern will, aber
auch außerdem zur Paarungszeit von sich geben.
Sie blasen dabey die Kehle zu einer großen Kugel,
fast so groß als ihr ganzer Leib, auf.

3. Draco. Corpus tetrapodum cauda-
tum, alatum
.

1. Volans. die fliegende Eidexe. D. brachiis
ab ala distinctis
.

Seba vol. II tab. 86. fig. 3.

In Ostindien und Africa. Die so genannten
Flügel, die sie zu beiden Seiten des Leibes hat,
dienen dem kleinen Thier wohl zu einem Fall-
schirm, aber nicht zum wirklichen Flug.

4. Lacerta. Eidexe. (Fr. lezard. Engl.
lizard) Corpus elongatum, pedibus
quatuor aequalibus
.

[Seite 237]

1. Crocodilus. der Nil-Crocodil. L. capite
cataphracto, nucha carinata, cauda superne
cristis binis lateralibus horrida.

Gesner de quadruped. ouiparis. pag. 8.

Dieser Crocodil ist das größte Thier der süßen
Wasser, das wohl eine Länge von funfzig*) Fuß
erreichen soll, und hauptsächlich im Nil zu Hause
ist. Er tödtet Menschen und größere Thiere, aber
jung gefangene Crocodile lassen sich doch zähmen.
Das Weibchen liegt bey der Paarung auf dem
Rücken, und legt hernach auf 100 Eyer, die
kaum die Größe eines Gänse-Eyes haben.

2. Gangetica. L. maxillis elongatis teretibus
subcylindricis, cauda superne cristis binis
in vnum confluentibus horrida.

Edwards in philos. Transact. Vol. XLIX.
P. II. tab. 19.

Zumahl im Ganges.

3. Alligator. der Kaiman, Americanische Cro-
codil. L. capite imbricato plano, nucha
nuda, cauda superne lineis binis laterali-
bus aspera.

Catesby vol. II. tab. 63.

Im mittlern America. Legt nur etwa dreyßig
Eyer etc.

4. Monitor. (Fr. la sauve-garde.) L. cauda
carinata, corpore mutico maculis ocellatis.

Seba vol. I. tab. 94. fig. 1. 2. 3.

In beiden Indien. Ein überaus sauber und
regelmäßig schwarz und weiß geflecktes Thier, das
ungefähr anderthalb Ellen lang wird, und weil
[Seite 238] es sich meist in Gesellschaft der Crocodile auf-
hält, durch den pfeifenden Laut, den es von sich
gibt, diese seine furchtbare Gefährten verrathen soll.

5. Iguana der Leguan. L. cauda tereti longa,
sutura dorsali dentata, crista gulae denti-
culata.

Seba vol. I. tab. 95. sqq. tab. 98. fig. 1.

In Westindien. Ein flinkes Thier. Hat ein
überaus schmackhaftes Fleisch und Eyer.

6. Chamaeleon. L. cauda prehensili, digitis
duobus tribusque coadunatis.

Jo. Fr. Miller fascic. II. tab. 11.

In Ostindien, Nord-Africa, und nun auch
theils in Spanien. Langsam, träge, lebt auf
Bäumen und Hecken, währt sich von Insecten,
die es mit seiner langen klebrigen Zunge sehr be-
hende zu fangen versteht. Seine Lungen sind
ungeheuer groß, füllen den größten Theil des
Leibes aus, und das Thier kann sich damit nach
Willkühr aufblasen oder dünner machen, daher
vermuthlich die Sage der Alten entstanden seyn
wag, daß das Chamäleon bloß von Luft lebe.
Die Augen des Thiers haben die ganz eigne Ein-
richtung, daß jedes besonders, oder auch beide
zugleich nach verschiedenen Richtungen, eins z.B.
aufwärts, das andere hinterwärts u.s.w. und
zwar sehr schnell bewegt werden können. Die
natürliche Farbe des Chamäleons ist stahlgrau, es
ändert dieselbe aber zuweilen, zumahl wenn es
zornig wird etc. Der zuweilen bemerkte Wieder-
schein von benachbarten farbichten Gegenständen
auf die glänzenden Schuppen des lebendigen Thiers
hat Anlaß zu der Fabel gegeben, als ob sich seine
Farbe überhaupt nach denselben richte.

[Seite 239]

7. Gecko. (vermuthlich der wahre stellio oder sau-
rus
der Alten.) L. cauda tereti mediocri,
digitis muticis subtus lamellatis, corpore
verrucoso, auribus concauis
.

Seba vol. I. tab. 108.

In Ostindien, auch auf den Inseln der Südsee
und selbst hin und wieder im südlichen Europa,
z.B. im Neapolitanischen. Am häufigsten aber
in Aegypten, wo er sich gern in die Häuser zieht
und gefährlich wird. Er hat nähmlich einen gifti-
gen Saft zwischen seinen blättrichten Fußzehen,
der sich den Eßwaaren, wo das Thier drüber
wegläuft, mittheilt.

8. Stincus. (crocodilus terrester.) L. cauda te-
reti mediocri, apice compressa, digitis mu-
ticis lobato-squamosis marginatis
.

Im steinigen Arabien, Aegypten etc. War wei-
land als ein Stärkungsmittel besonderer Art be-
rufen; wird auch noch jetzt, in seiner Heimath,
zu dieser Absicht verbraucht.

9. †. Agilis. die grüne Eidexe, Kupfer-Eidexe.
L. cauda verticillata longiuscula, squamis
acutis, collari subtus squamis constricto
.

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Im wärmern Europa, und wie es scheint, auch
in beiden Indien und auf den Inseln der Südsee.
Ist eben so unschuldig als alle übrige Deutschen
Eidexen. Ihre Eyer leuchten eine Zeitlang im
Finstern.

10. †. Palustris. Die Sumpf-Eidexe. L. cauda
lanceolata mediocri, corpore laeui, capite
depresso.

Laurenti tab. 4. fig. 2.

[Seite 240]

11. †. Lacustris. der Wasser-Molch, Wasser-
Salamander. L. dorso lateribusque verru-
cosis, capite crassiore, mutico; genis pen-
dulis
.

Laurenti tab. 2. fig. 4.

Weit größer und dicker als die vorige Gattung:
von schwarzgrüner Farbe: die Männchen haben
im Frühjahr eine vom Kopf bis zum Schwanz
längs des Rückens hinlaufende empor stehende
ausgezackte Haut. Von seiner ausnehmenden Re-
productionskraft s. oben S. 29.

12. †. Salamandra. der Molch, Salamander,
die Molle, Ulme. (Fr. le sourd, le mouron.)
L. cauda tereti breui, pedibus muticis, cor-
pore flauo nigroque vario nudo, poroso
.

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Schwarz und orangegelb gefleckt, Spannenlang
und Daumendick. Daß es giftig sey, im Feuer
leben könne etc. sind Fabeln.


II. SERPENTES.

Die Schlangen*) haben gar keine äußeren
Gliedmaßen, sondern bloß einen cylindrischen
lang gestreckten Körper, den sie wellenförmig
bewegen; und der mit Schuppen, Schildern,
oder Ringen bekleidet ist. Manche leben im
Wasser (da sie bey ihren ausnehmend langen
und theils blasenförmigen Lungen leicht schwim-
men können), andre auf der Erde, andre meist
[Seite 241] auf Bäumen. Sie legen mehrentheils an ein-
ander gekettete Eyer, und ihre Kinnladen sind
nicht, wie bey andern Thieren, fest eingelenkt,
sondern zum Kauen ungeschickt, indem sie sich
weit von einander dehnen lassen, so daß die
Schlangen andere Thiere, die oft weit dicker
als sie selbst sind, ganz verschlingen können.*)
Manche sind mit heftigem Gift in besondern
Bläschen des Oberkiefers versehen, was ihnen
als Digestivmittel, aber auch zum Fang ihres
Raubes und zur Vertheidigung dient**). Es
wird in eignen Drüsen abgeschieden und durch
besondre röhrenförmige, einzeln stehende, gegen
die Spitze zu mit einer länglichen Oeffnung ver-
sehene, Giftzähne (– als durch einen Ausfüh-
rungsgang –) beym Biß in die Wunde geflößt.

[Seite 242]

5. Crotalvs. Klapperschlange. (Fr. ser-
pent à sonnettes
. Engl. rattle-snake.) Scuta
abdominalia. Scuta squamaeque subcau-
dales.
Crepitaculum terminale caudae.

1. Horridus.C. scutis 167. scutellis 23.

Seba vol. II. tab. 95. fig. 1.

Zumahl im wärmern Nordamerica: wird auf
6 Fuß lang und fast Arms dick. Die Zahl der
Gelenke an der Klapper steigt bey manchen über
40 und soll mit den Jahren des Thiers wachsen.
Daß kleine Vögel etc. im Gebüsch der darunter
liegenden Klapperschlange gleichsam von selbst in
den Rachen fallen*), wird von gültigen Augen-
zeugen versichert; ist aber keine ausschließliche
Eigenheit dieses Geschlechts, da man das nähm-
liche auch an mehrern andern Schlangen der
neuen und alten Welt bemerkt haben will. –
Die Klapperschlangen selbst, werden häufigst von
den Schweinen und Raubvögeln, auch von vielen
Negern in America, ohne Nachtheil gegessen.
Auch lassen sie sich überaus kirre und zahm machen.

[Seite 243]

6. Boa. Scuta abdominalia et subcaudalia.

1. Constrictor. die Abgottsschlange, Anaconda.
B. scutis 240. scutellis 60.

Merrem II. Heft tab. I.

In Ostindien und Africa. Wird nach Adam-
sons Versicherung auf 40 bis 50 Fuß lang. Kann
einem lebendigen Tiger die Rippen und andere
Knochen entzwey brechen und nachdem sie ihn mit
einem gallertartigen Geifer überzogen, hinter-
würgen. Doch ist sie leicht kirre zu machen und
wird wie die Brillenschlange von den Ostindischen
Gaucklern zu allerhand Kunststücken abgerichtet.

Die Amaru-Schlange in Süd-America die
von den Antis in Peru angebetet ward, und auch
auf 30 Fuß lang wird, scheint wenig von dieser
verschieden.

Hingegen ist wohl die auf Guinea so heilig ver-
ehrte so genannte Juda-Schlange von einer
andern Gattung. Auch wird sie nur etwa sechs
Fuß lang.

7. Colvber. (Fr. couleuvre.) Scuta ab-
dominalia, squamae subcaudales
.

1. Vipera. ♂ C. scutis 118. squamis 22.

Es werden mehrere Schlangen mit dem Nahmen
der Viper belegt. Hier diese von Linné so ge-
nannte, ist in Aegypten zu Hause.

2. Cerastes. ♂ die gehörnte Schlange.*) C.
scutis
145. squamis 44.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils, im
Anhang tab. 40.

[Seite 244]

Hat gleiches Vaterland mit der vorigen, und
soll allerdings auch giftig seyn*).

3. †. Berus. die Otter, Viper. (Engl. the
adder
) ♂ C. scutis 146. squamis 39.

Meyer (s. oben S. 37.) vol. II. tab. 15-18.

Laurenti tab. 2. fig. 1.

Diese ehemahls officinelle Viper ist von bräun-
licher Farbe und in den wärmern Gegenden der
alten Welt, auch schon in Deutschland und in der
Schweiz, zu Hause. Ihr Biß verursacht zwar
heftige Entzündung etc. wird doch aber nur selten
tödtlich. Auch wird sie ohne Schaden von den
Raubvögeln gefressen. Es ist dieselbe Gattung
womit ehedem Redi und neuerlich Fontana so
viele merkwürdige Versuche angestellt haben.

4. † Natrix. die Ringel-Natter, Schnacke,
der Unk. C. scutis 170. squamis 60.

Meyer l. c. vol. I. tab. 89. sqq.

Stahlfarb mit weißen Seiten-Flecken, zumahl
an den beiden Seiten des Halses. Man hat selbst
in Europa welche von 10 u. m. Fuß gefunden,
die dann wohl ehedem Anlaß zu den abentheuer-
lichen Erzählungen von Lindwürmern etc. gegeben
haben mögen.

5. Coccineus. die Carmoisin-Schlange. C.
scutis
175. squamis 35.

Voigts Magazin 5ten B. 1stes St. tab. 1.

Diese ausnehmend schönfarbige und unschuldige
Schlange ist in Florida und Neu-Spanien zu
Hause. Fingers dick und ungefähr 2 Fuß lang.
[Seite 245] Längs des Rückens laufen etliche und zwanzig
große und sehr regelmäßige carmoisinrothe Flecken,
die mit schwarzen Rändern eingefaßt, und diese
wieder mit citrongelben Queerstreifen von einander
abgesondert sind. Die Mädchen in Florida tragen
das schöne Thier zum Putz als Halsband oder in
die Haare geflochten etc.

6. Naja. die Brillenschlange. (Cobra de Ca-
belo
.) ♂ C. scutis 193. squamis 60.

SEBA vol. II. tab. 85. 90. u.a.

In Orient. Die Haut am Halse ist weit aus-
dehnbar, und hinten mit einer brillenähnlichen
Figur bezeichnet. Ist eine der giftigsten Schlan-
gen, wird aber doch vom Ichneumon ohne Scha-
den gefressen, und ist auch leicht und ohne Gefahr
zu allerhand Gaukelkünsten abzurichten.

8. Angvis. Squamae abdominales et
subcaudales.

1. †. Fragilis. die Blindschleiche, der Hasel-
wurm, Hartwurm. (Engl. the blind-worm,
the flow-worm
.) A. squ. abd. 135. totidem-
que subcaud
.

Laurenti tab. 5. fig. 2.

In dumpfigen Gegenden, alten Gemäuer etc.
Bricht leicht entzwey, wenn man sie anfaßt, und
die Stücke bewegen sich doch noch stundenlang.
Man findet von ihr mancherley theils sauber ge-
zeichnete Spielarten.

2. Platura. ♂ A. cauda compressa obtusa.

Vosmaer Monogr.

Im Indischen Ocean und der Südsee.

[Seite 246]

9. Amphisbaena. Annuli trunci cau-
daeque.

1. Fuliginosa. A. ann. tr. 200, caudae 30.

Seba vol. I. tab. 88. fig. 3. u.a.

In America. Schwarz und weiß gefleckt.

10. Caecilia. Rugae trunci caudaeque.
Labrum superius tentaculis
2.

1. Tentaculata. C. rugis 135.

Seba vol. II. tab. 25. fig. 2.

Auch in America. Hat gar keine Schuppen,
sondern runzlige Ringe in der glatten Haut, fast
wie ein Regenwurm.


Siebenter Abschnitt.
Von den Fischen.

[Seite 247]

§. 99.

Die Fische sind diejenigen mit rothem kalten
Blut versehenen Thiere, die sich mittelst wahrer
mit Gräten versehenen Flossen bewegen, und
mittelst wahrer lebenslang bleibender Kiefern
Athem hohlen.

Anm. Wahre Kiefer und wahre Flossen – um sie
von den gewisser Maßen analogen Organen der
ganz jungen Frösche, Salamander etc. (§. 95.) zu
unterscheiden.

§. 100.

Diese Kiefern oder Kiemen (branchiae)
vertreten bey den Fischen fast vollkommen die
Stelle der Lungen. Sie liegen auf beiden Sei-
ten hinter dem Kopfe, meistens unter einer oder
mehreren großen halbmondförmigen Schuppen,
die deßhalb die Kiefer-Deckel (opercula bran-
chialia
) heißen und bey den mehresten mit der
Kiefer-Haut (membrana branchiostega) ver-
bunden sind. Die Kiefern selbst sind mit unzäh-
ligen der zartesten Blutgefäße durchwebt, und
auf jeder Seite in vier Blätter vertheilt, die
ungefähr der Fahne an einer Feder ähneln und
[Seite 248] die an ihrer Basis durch eben so viele bogen-
förmige Gräten unterstützt werden.

§. 101.

Das Athemhohlen, das die Fische eben so
wenig als die mit Lungen versehenen Thiere lange
entbehren können, geschieht bey ihnen indem sie
die im Wasser aufgelösete Luft durch den Mund
in die Kiefern leiten, und dann durch die Kiefer-
öffnung (apertura branchialis) wiederum von
sich geben; folglich nicht wie die mit Lungen
versehenen Thiere durch den gleichen Weg ein-
und ausathmen.

§. 102.

Da sie keine Lungen haben, so versteht sich
folglich von selbst, daß ihnen auch keine wahre
Stimme zugeschrieben werden kann, obgleich
einige von ihnen, wie z.B. der Knurrhahn, der
Wetterfisch etc. einen Laut von sich geben können.

§. 103.

Die Bildung des Körpers überhaupt ge-
nommen, ist bey den Fischen ungleich mannig-
faltiger als bey den beiden vorigen Thierclassen.
Bey den mehresten hat doch der Körper eine
verticale Stellung d.h. er ist auf beiden Seiten
zusammen gedrückt (corpus compressum s. ca-
thetoplateum
); bey einigen andern hingegen,
wie bey dem Rochen, liegt er horizontal, ist in
die Breite platt gedrückt (corpus depresum s.
[Seite 249] plagioplateum); bey andern, wie beym Aal etc.
ist er mehr rundlich: bey andern, wie bey den
Panzerfischen, prismatisch oder vierkantig etc.

Bey allen aber stoßen Kopf und Rumpf
unmittelbar an einander ohne durch einen eigent-
lichen Hals von einander abgesondert zu seyn.

§. 104.

Die Fische sind (höchstens bis auf sehr we-
nige Ausnahmen) mit Schuppen bekleidet; die
von einer ganz eignen Substanz, und bey den
verschiedenen Gattungen von der mannigfaltig-
sten theils ausnehmend eleganten Bildung und
Zeichnung, und farbigen Gold- und Silber-
glanze sind.

Sie werden von außen noch mit einem beson-
dern Schleim überzogen, der großen Theils aus
kleinen Schleimhöhlen abgeschieden zu werden
scheint, die bey den mehresten Fischen zu beiden
Seiten des Körpers in der so genannten Seiten-
Linie liegen.

Die mehrsten der so genannten Knorpelfische
sind mit schildförmigen Schuppen oder gar mit
einer festen knochigen Schale gepanzert.

§. 105.

Die Bewegungswerkzeuge der Fische, die
Flossen, (an welchen man neuerlich merkwürdige
Reproductionskraft wahrgenommen), bestehen
aus dünnen knochenartigen oder knorplichten
[Seite 250] Gräten, die durch eine besondere Haut mit ein-
ander verbunden, an eignen Knochen befestigt,
und durch bestimmte Muskeln bewegt werden.
Ihrer bestimmten Lage nach heißen die obern,
Rückenflossen (pinnae dorsales); die seitwärts
hinter den Kiefern befindlichen, Brustflossen
(pinnae pectorales); die am Bauche vor der
Oeffnung des Afters stehenden, Bauchflossen
(pinnae ventrales); die hinter dieser Oeff-
nung, Steißflosse (pinna analis); endlich am
Schwanze, die Schwanzflosse (pinna caudalis).
Die letztere hat alle Mahl eine verticale Lage,
und vertritt völlig die Stelle eines Steuerruders
zum Lenken etc. So wie hingegen die Brustflossen
zum eigentlichen Fortrudern u.s.w. dienen.

Die so genannten fliegenden Fische haben sehr
lange und straffe Brustflossen, so daß sie sich da-
mit selbst über die Oberfläche des Wassers erhe-
hen und kleine Strecken weit fortfliegen können.

§. 106.

Ein anderes Hülfsmittel zur Bewegung der
Fische, besonders wohl zum Steigen und Sinken
(wie bey den so genannten Cartesianischen Teu-
felchen), ist die Schwimmblase, womit zumahl
die Süß-Wasser-Fische versehen sind, die mit
Stickluft (Gas azotique) gefüllt ist, und meist
mittelst eines eignen Canals (ductus pneuma-
ticus
) mit dem Magen oder Schlunde in Ver-
bindung steht.

§. 107.

[Seite 251]

In Rücksicht ihres Aufenthalts theilt man
die Fische überhaupt in See- und Süß-Wasser-
Fische. Einige können doch auch zuweilen einige
Zeit im Trocknen aushalten, wie der Aal, die
Muräne etc. Andere theils in warmen minerali-
schen Quellen*).

§. 108.

Die mehresten Fische, zumahl die in der
See leben, sind animalia nocturna, die nähm-
lich ihren Geschäften zur Nachtzeit nachgehen,
am Tage hingegen sich mehr in der Tiefe ruhig
halten. Daher auch die von Fischen lebenden
Insulaner und Küsten-Bewohner meist des
Nachts auf den Fang ausgehen.

§. 109.

Eine große Anzahl Gattungen von Fischen
verändern in gewissen Jahreszeiten ihren Auf-
enthalt; so steigen viele Seefische um zu leichen
in die Buchten und Mündungen der Flüsse;
manche derselben aber, wie z.B. die Häringe
im nordlichen atlantischen Ocean, machen auch
noch außerdem anderweitige Züge zu bestimm-
ten Jahrszeiten und in unermeßlichen Schaaren
zwischen den Küsten des westlichen Europa und
des nordostlichen America**).

§. 110.

[Seite 252]

Die Fische sind größten Theils fleischfressende
Thiere, und sind, da sie keine eigentliche Füße
haben ihre Beute damit zu fassen, mit mancher-
ley andern Mitteln ihrer Herr zu werden, ver-
sehen worden.

Theils nähmlich mit langen Bartfasern
(cirri) am Maule, um damit andere kleine Was-
serthiere, wie mit einem Köder zu locken und
gleichsam zu angeln. (So der Sternseher, der
Froschfisch etc.)

Andre wie der Chaetadon rostratus, mit
einer Spritzröhre, um dadurch die über dem
Wasser fliegenden Insecten gleichsam herab zu
schießen.

Andre, wie drey Seefische, der Zitterrochen,
Tetrodon electricus und Trichiurus indicus
und die beiden Flußfische, der Zitteraal und der
Zitterwels, mit einer besondern erschütternden
und betäubenden Kraft u.s.w.

§. 111.

Was die äußern Sinne der Fische betrifft,
so muß der Geruch bey vielen überaus scharf
seyn, da sie den versteckten Köder in weiter Ent-
fernung auswittern.

Ueber ihr Gehör ist man nun ziemlich ins
Reine, da man weiß, daß sie nicht nur den Sinn,
und zwar in auffallender Schärfe, – sondern
[Seite 253] auch selbst ähnliche Organe wie die im innern
Ohr anderer rothblütigen Thiere, besitzen.

Die auffallendsten Sonderbarkeiten zeigen
sich aber im Baue des Auges der Fische*), das
sich z.B. durch den gänzlichen Mangel des so
genannten Strahlenbandes (corpus ciliare); –
und anderseits durch einen überaus sonderbaren
fleischichten meist ringförmigen Wulst der inner-
halb des Augapfels hinter der schwarzen Haut
liegt, u. dergl. m. auszeichnet.

§. 112.

Ueber die Naturtriebe u.a. Seelenkräfte
der Fische läßt sich vor der Hand aus Mangel
an richtigen Beobachtungen wenig sagen. Doch
weiß man, daß manche, wie z.B. die Forellen
überaus kirre werden**); andere, z.B. die
Karpfen sehr listig und verschlagen sind u.s.w.

§. 113.

Von ihrem Schlaf gilt meist die gleiche
Anmerkung, die bey den Amphibien gemacht
worden (§. 92.), daß nähmlich vermuthlich alle
einem Winterschlaf ausgesetzt sind; aber wohl
nur sehr wenige einen bestimmten täglichen pe-
riodischen Erhohlungsschlaf haben: wie es z.B.
vom Goldbrachsen gesagt wird.

§. 114.

[Seite 254]

Außer den wenigen lebendig-gebährenden
Fischen, wohin der Aal und die so genannte Aal-
mutter gehören, mögen sich wohl wenige Fische
wirklich mit einander paaren; sondern bey den
mehresten gibt das Weibchen den Rogen noch
unbefruchtet von sich, und das Männchen kommt
hierauf nach, um denselben mir seiner Milch zu
begießen.

Man hat diese Einrichtung für die Landwirth-
schaft benutzen gelernt, indem man auch aus der
künstlichen Vermischung von Eyern und Samen
der Forellen etc. junge Fische erzielen kann*).

Anm. Zu andern Merkwürdigkeiten im Zeugungsge-
schäfte der Fische gehört auch noch, daß man
einzeln unter denselben wirkliche Zwitter – und
anderseits auch völlig geschlechtlose**) Mißge-
burten gefunden haben will.

§. 115.

Die Vermehrung der meisten Fische ist
zum Wunder stark, so, daß ungeachtet die Eyer-
chen der mehresten in Verhältniß zu ihrer Sta-
tur ungleich kleiner sind, als in irgend einer an-
dern Thier-Classe; dennoch bey manchen die Eyer-
stöcke größer sind, als ihr ganzer übriger Körper.
Daher zählt man, z.B. beym Häring, zwischen
20 und 37000, beym Karpfen über 200000, bey
[Seite 255] der Schleihe 383000, beym Flinder über eine
Million Eyerchen etc.*)

§. 116.

Theils haben die jungen Fische, so wie sie aus
dem Eye kriechen, noch nicht ihre völlige Gestalt;
sondern müssen sich ebenfalls, so wie viele Am-
phibien (§. 95.), erst einer Art von Metamor-
phose unterziehen, wodurch erst nach und nach
ihre Flossen u. dergl. m. allgemach ausgebildet
werden.

§. 117.

Die Fische gelangen, im Verhältniß zur Größe
ihres Körpers, zu einem hohen Alter. Man weiß
von Karpfen, Hechten etc. daß sie anderthalb
hundert Jahre erreichen können. Doch werden
einige kleine Fische, wie z.B. der Stichling etc.
nur wenige Jahre alt.

§. 118.

Die Brauchbarkeit der Fische für den Men-
schen ist ziemlich einfach, meist bloß zur Speise;
aber eben von dieser Seite für einen großen Theil
des Menschengeschlechts, der theils fast ganz von
diesen Thieren lebt, von der äußersten Wichtig-
keit. Selbst wilde Völker, wie z.B. die Kamt-
schadalen, Brasilianer etc. wissen die Fische auf
die mannigfaltigste Weise, sogar zu einer Art
Mehl, zu Kuchen u.s.w. zu bereiten: und bey
vielen, wie z.B. unter den Insulanern des stil-
[Seite 256] len Oceans, macht der Fischfang ihr Haupt-
geschäft, – und in Rücksicht der überaus sinn-
reichen angemeßnen Geräthschaften die sie sich
dazu erfunden haben wirklich eine Art von nach-
denkendem Studium aus. Aber auch für einen
großen Theil der cultivirten Erde ist der Fang
einiger besondern Gattungen von Fischen wie
z.B. des Härings, Cabliaus, Thunnfisches
u. dergl. m. ein äußerst wichtiger Gegenstand.
Des unsäglichen Luxus zu geschweigen, den man
zumahl bey den alten Römern mit vorzüglich
großen Stücken von schmackhaften Fischen, be-
sonders mit Stören, Muränen etc. getrieben. Ihr
berühmtes garum*) ward aus den Eingewei-
den mancher Fische, (gewisser Maßen so wie der
Cavear aus dem Rogen der Störe) bereitet.

Manche Theile einiger Fische werden auch zu
Kunstsachen benutzt; wie z.B. die Schuppen
des Ukley zu Glasperlen; Fischhaut von Rochen
und Hayen etc.; Hausenblase etc. Die Haut des
Sägefisches zu Sohlenleder. Thran der Häringe
u.a. Fische zum Brennen etc.

§. 119.

Den mehresten Schaden thun die Raub-
fische; zumahl in den Weltmeeren die Haye; und
[Seite 257] in den süßen Wassern die Hechte. – Auch sind
einige Fische mit heftigem Gift versehen, das
ihren Genuß gefahrvoll und tödtlich machen kann.
So zumahl einige Gattungen von Tetrodon.

§. 120.

Bey der Anordnung der Geschlechter habe
ich, wie es die Natur mit sich bringt, die von
Linné ohne Grund zu den Amphibien gezählten
Fische wieder hieher in diese ihre behörige Classe
gebracht, wo sie nun die beiden ersten Ordnun-
gen ausmachen.

In den übrigen vieren hingegen bin ich ganz
dem Linnéischen System gefolgt.

* * *

I. Chondropterygii. Die eigentlichen Knor-
pelfische, die nähmlich knorpelartige Grä-
ten und meist mehrere Kiemenlöcher (spi-
racula branchialia
) haben.

II. Branchiostegi. Denen der Kieferdeckel
und die Kieferhaut oder doch eins von
beiden mangelt.

Die folgenden hat Linné nach der Beschaf-
fenheit und Lage der Bauchflossen geordnet:
nähmlich:

III. Apodes. Die gar keine Bauchflossen
haben.

[Seite 258]

IV. Iugulares. Die, deren Bauchflossen vor
den Brustflossen sitzen.

V. Thoracici. Die, wo die Bauchflossen ge-
rade unter den Brustflossen, und

VI. Abdominales. Wo sie hinter diesen sitzen.

Zur N. G. der Fische.

  1. Guil. Rondelet de piscibus. Lugd. 1554. P. II. 1555. fol.
  2. Conr. Gesner de piscium et aquatilium animantium na-
    tura
    . Tig. 1558. fol.
  3. Steph. a. Schonevelde ichthyologia. etc. Hamburg.
    1624. 4.
  4. F. Willoughbeii historia piscium. ex ed. Rail. Oxon.
    1686. fol.
  5. Jo. Raii synopsis methodica piscium. Lond. 1713. 8.
  6. Petr. Artedi ichthyologia. ex. ed. Linnaei. Lugd. Bat.
    1738. 8.
  7. Laur. Theod. Gronovii Zoophylacium Gronovia-
    num
    . Lugd. Bat
    . 1781. P. I. – III. fol.
  8. Ant. Gouan historia piscium. Argent. 1770. 4.
  9. Du Hamel et de Marre histoire des poissons (traité
    des pêches etc.
    ) Par. 1770. sqq. III. vol. fol.
  10. M. El. Bloch ökonomische N. G. der Fische Deutsch-
    lands. Berl. 1782. III. B. 4.
  11. Dess. N. G. ausländischer Fische. ib. 1785. IX. B. 4.
* * *
  1. Al. Monro Vergleichung des Baues und der Physio-
    logie der Fische mit dem Bau des Menschen und
    der übrigen Thiere. – Mit vielen Zusätzen von
    P. Camper und J. G. Schneider. Leipz. 1787. 4.

I. CHONDROPTERYGII.

[Seite 259]

Die Fische dieser Ordnung haben knorplichte
Gräten (besonders auch in den Flossen), und bey
den mehresten ist das Maul auf der Unterseite
des Kopfs befindlich.

1. Raia. Roche. (Fr. raie. Engl. ray.)
Spiracula branchialia 5 subtus ad collum;
corpus depressum; os sub capite.

Ungeachtet sie nur ein Ey auf einmahl legen,
so vermehren sie sich doch so stark, daß das Meer
in manchen Gegenden davon wimmelt. Die Eyer
haben eine hornichte Schale mit vier Spitzen, und
heißen See-Mäuse.

1. Torpedo. der Zitterroche, Krampfisch. (Fr.
la torpille. Engl. the crampfish.) R. tota
laeuis maculis dorsalibus 5 orbiculatis.

Philos. Transact. vol. LXIII. tab. 19 sqq.

Besonders im mitländischen Meer. Der bekann-
teste von den elektrischen Fischen. (§. 110.) Wird
doch an theils Orten gegessen.

2. †. Batis. der Glattroche, Baumroche, Flete,
Tepel. (Fr. la raie lisse. Engl. the skate, the
flair
.) R. varia, dorso medio glabro, cauda
vnico aculearum ordine.

Bloch tab. 79.

In den europäischen Meeren. Wird auf zwey
Centner schwer. Hat ein vorzüglich schmackhaf-
tes Fleisch.

[Seite 260]

3. Pastinaca. der Stachelroche, Pfeilschwanz.
(Fr. la pastenaque, la tareronde. Engl. the
sting-ray.
) R. corpore glabro, aculeo longo
anterius serrato in cauda, et dorso apterygio.

Bloch tab. 82.

In vielen Meeren der Welt. Sein Schwanz-
Stachel ist zwar nicht giftig; aber er dient dem
Thiere und auch wilden Völkern als Waffen.

2. Gastrobranchvs. Bauchkieme. Spi-
racula branchialia 2 ventralia. Fistula
in rostro. Pinnae pectorales aut ventra-
les nullae
.

Dieses Fischgeschlecht ward ehedem unter dem
Nahmen Myxine den Gewürmen beygezählt.

1. Coecus. der Blindfisch, Schleimaal. (My-
xine
glutinosa Linn.)

Bloch tab. 413.

An den Küsten des nordlichen atlantischen Oceans.
Soll gar keine Augen haben!

3. Petromyzon. Spiracula branchia-
lia 7 ad latera colli. Fistula in vertice.
Pinnae pectorales aut ventrales nullae
.

1. †. Marinus. die Lamprete. (Fr. la lamproye.
Engl. the lamprey.) P. ore intus papilloso,
pinna dorsali posteriori a cauda distincta
.

Bloch tab. 77.

In der Nordsee so wie im mitländischen u.a.
Meeren. Steigt aber auch 8 und mehrere Meilen
weit in die Flüsse. Wird wohl auf 3 Fuß lang.

[Seite 261]

2. †. Fluuiatilis. die Pricke, Neunauge. P.
pinna dorsali posteriore angulata
.

Bloch tab. 78.

In größern Flüssen. Nur halb so groß als die
vorige Gattung.

4. Sqvalvs. Hay. (Fr. chien de mer.
Engl. shark.) Spiracula branchialia 5 ad
latera colli. Corpus oblongum tere-
tiusculum. Os in anteriore capitis parte
.

1. Acanthias. der Dornhay. (Fr. l'aguillat.)
S. pinna anali nulla, dorsalibus spinosis,
corpore teretiusculo
.

Bloch tab. 85.

In den europäischen Meeren. Hat drey Reihen
Zähne in jedem Kiefer.

2. Zygaena. der Hammerfisch, Jochfisch. S.
capite latissimo transuerso malleiformi
.

Bloch tab. 117.

3. Carcharias. (lamia, tiburo. Fr. le requin.
Engl. the white shark.) S. dorso plano,
dentibus serratis
.

Bloch tab. 119.

Wiegt zuweilen auf zehntausend Pfund, und in
seinem Magen hat man wohl eher ganze Pferde
gefunden. Hat sechsfache Reihen Zähne im Rachen,
die (wie überhaupt bey den mehresten Hayen)
nicht in die Kinnladen eingekeilt, sondern durch
eine Art Gelenk mit denselben verbunden und folg-
lich beweglich sind, und zurückgeschlagen werden
können.

[Seite 262]

4. Pristis. der Sägefisch, Schwertfisch. (Fr.
la scie de mer. Engl. the saw fish.) S. pinna
ani nulla, rostro ensiformi osseo plano vtrin-
que dentato
.

Bloch tab. 120.

Das breite schwertförmige oft mehrere Ellen
lange Gewehr, das dieses Thier vor dem Kopfe
führt, ist an beiden Seiten-Rändern mit 24 oder
mehreren starken eingekeilten Zähnen besetzt.

5. Chimaera. Spiracula solitaria, qua-
dripartita, sub collo. Oris labium su-
perius quinquepartitum. Dentes primo-
res incisores bini supra infraque.

1. Monstrosa. C. rostro subtus plicis pertusis.

Bloch tab. 124.

Im nordlichen atlantischen Meer.

6. Acipenser. Spiracula lateralia soli-
taria, linearia. Os sub capite, retractile,
edentulum. Cirri quatuor sub rostro
ante os.

1. †. Sturio. der Stör. (Fr. l'esturgeon. Engl.
the sturgeon.) A. squamis dorsalibus 11.

Bloch tab. 88.

In allen europäischen Meeren, auch im ca-
spischen etc. in der Wolga, im Nil etc. Macht
nebst den übrigen Gattungen dieses Geschlechts so
wohl wegen des Fleisches als des aus dem Rogen
bereiteten Caviars, für viele Völker einen wich-
tigen Fang aus, und kann gegen tausend Pfund
schwer werden.

[Seite 263]

2. Ruthenus. der Sterlet. A. squamis dorsa-
libus
15.

Bloch tab. 89.

Dieser vorzüglich schmackhafte Fisch findet sich
am häufigsten im caspischen Meer und in der
Wolga, aber selten über 30 Pfund schwer.

3. Huso. der Hausen, Beluga. A. squamis
dorsalibus
13. caudalibus 43.

Bloch tab. 129.

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen. Ist
vorzüglich wegen des Fischleims oder der Hausen-
blase merkwürdig, die man besonders aus der
Schwimmblase desselben, doch auch aus dem Stör
und noch aus einer andern Gattung dieses Ge-
schlechts, nähmlich der Sewruge (Acipenser
stellatus) die auch das beste Caviar gibt; ja theils
auch aus der Schwimmblase des Wels, bereitet.


II. BRANCHIOSTEGI.

In Rücksicht der Flossen und übrigen Grä-
ten nähern sich die Thiere dieser Ordnung schon
mehr den folgenden Ordnungen der von Linné
eigentlich so genannten Fische. Es fehlt ihnen
aber doch entweder der Kieferndeckel, oder die
Kiefernhaut, oder beides*).

[Seite 264]

7. Lophivs. Seeteufel. (Fr. diable de mer.
Engl. sea-devil.) Pinnae pectorales bra-
chiis insidentes. Spiracula solitaria pone
brachia.

1. †. Piscatorius. der Froschfisch. (rana pisca-
trix.
Fr. la grenouille pecheufe. Engl. the
frog-fish.
) L. depressus capite rotundato.

Bloch tab. 87.

An den europäischen Küsten. Der ungeheure
Kopf, der die größere Hälfte des ganzen Thiers
ausmacht, und dann die fleischichten Angelfaden
am Maule (§. 110.) geben ihm ein auffallendes
Ansehen.

8. Balistes. Hornfisch. Caput compres-
sum. Apertura supra pinnas pectora-
les. Corpus compressum, squamis corio
coadunatis. Abdomen carinatum.

1. Tomentosus. (Engl. the little old wife.) B.
pinna capitis biradiata, corpore posterius
subuilloso.

Bloch tab. 148. fig. 1.

In beiden Indien.

9. Ostracion. Panzerfisch (Fr. poisson
coffre
.) Corpus osse integro loricatum.
Pinnae ventrales nullae
.

1. Triqueter. O. trigonus muticus.

Bloch tab. 130.

So wie der folgende in Ostindien.

[Seite 265]

2. Cornutus. O. tetragonus, spinis frontali-
bus subcaudalibusque binis
.

Bloch tab. 133.

Ein niedliches kleines Thier, dessen Panzer aufs
regelmäßigste, meist mit Sechsecken wie Bienen-
zellen, bezeichnet ist.

10. Tetrodon. Stachelbauch. Corpus
subtus muricatum. Pinnae ventrales
nullae
.

1. Lagocephalus. (Fr. le poisson souffleur.) T.
abdomine aculeato, corpore laeui, humeris
prominentibus
.

Bloch tab. 140.

Besonders häufig im Senegal. Und zwar sind
die so man oben im Flusse landeinwärts fängt, ein
gesundes gutes Essen. Hingegen die nahe an der
See, in der Mündung des Flusses, sehr giftig.

2. Electricus. T. corpore maculoso; pinnis
viridibus
.

Philos. Transact. Vol. LXXVI. P. II.
tab. 13.

Einer von den fünf bis jetzt bekannten elektri-
schen Fischen. (§. 110.) In Ostindien an der
St. Johanna-Insel.

3. Hispidus. der Kugelfisch. (orbis. Engl. the
moon-fish.
) T. totus hispidus, papillis setaceis.

Bloch tab. 142.

Im rothen Meere etc. Aber auch in den süßen
Wassern der benachbarten Länder.

[Seite 266]

4. Mola. der Klumpfisch. (Engl. the sun-fish.)
T. laeuis compressus, cauda truncata: pinna
breuissima dorsali analique annexa
.

Hamburg. Magaz. XVIII. B. tab. I.

11. Diodon. Corpus spinis acutis mobi-
libus vndique adspersum. Pinnae ven-
trales nullae
.

1. Hystrix der Stachelfisch, Guara. (Engl.
the porcupine-fish.) D. oblongus, aculeis
teretibus
.

Bloch tab. 126.

Zumahl im atlantischen Ocean: und zwar auch
an den nordamericanischen Küsten.

12. Cycloptervs. Bauch-Sauger.
Caput obtusum. Pinnae ventrales in
orbiculum connatae
.

1. †. Lumpus. der See-Hase, Klebpfost, Hof-
padde. (Fr. le lievre de mer. Engl. the lump-
sucker
.) C. corpore squamis osseis angulato.

Bloch tab. 90.

In den nordlichen Meeren der alten Welt.
Hängt sich mit seinem gerippten flachen Brustschilde
aufs festeste an die Klippen, Schiffe u.s.w. an.

13. Centriscvs. Messer-Fisch. Caput
productum in rostrum angustissimum.
Abdomen carinatum. Pinnae ventrales
vnitae
.

1. Scolopax. die Meer-Schnepfe. C. corpore
squamoso scabro, cauda recta extensa
.

Bloch tab. 123 fig. 1.

Im mitländischen Meer etc.

[Seite 267]

14. Syngnathvs. Rostrum subcylin-
dricum, ore operculato maxilla inferiore.
Corpus cataphractum. Pinnae ventrales
nullae
.

1. Acus. die Meer-Nadel, Sack-Nadel.
(Engl. the pipe.) S. pinnis caudae ani
pectoralibusque radiatis; corpore septem-
angulato tuberculato
.

Bloch tab. 91. fig. 2.

In der Nord- und Ostsee etc.

2. Hippocampus. das See-Pferdchen, die
See-Raupe. (Fr. le cheval marin. Engl.
the sea horse.) S. pinna caudae quadrangu-
lae nulla, corpore septemangulato tuber-
culato
.

Bloch tab. 119. fig. 3.

Im mitländischen u.a. Meeren. Hat seine
Nahmen, weil der Vordertheil einem Pferdekopf
und Hals, das hintere Ende aber einer Raupe
verglichen worden. Im Tode krümmt es sich wie
ein S, und ähnelt so dem Springer im Schach.

15. Pegasvs. Os proboscide tetractili.
Rostrum ensiforme lineare. Corpus ar-
ticulatum osseis incisuris, cataphractum.
Pinnae ventrales abdominales
.

1. Draconis. der Seedrache. P. rostro conico.

Bloch tab. 109. fig. 1. 2.

In Ostindien. Die großen breiten Brustflossen
ähneln ausgespannten Flügeln, und mögen wohl
den Nahmen veranlaßt haben.

III. APODES.

[Seite 268]

Diese und die folgenden drey Ordnungen be-
greifen nun die von Linné eigentlich so genannten
Fische. Und zwar hier diese, die so gar keine
Brustflossen haben.

16. Mvraena. Caput laeue. Nares tubu-
losae. Membr. branch. radiis
10, corpus
teretiusculum, lubricum. Pinna caudalis
coadunata dorsali anique. Spiracula pone
caput vel pinnas pectorales
.

1. Helena, die Muräne. M. pinnis pectorali-
bus nullis
.

Bloch tab. 153.

Ein sehr gefräßiger Raubfisch, in den wärmern
Meeren beider Welten.

2. †. Anguilla. der Aal. (Fr. l'anguille, Engl.
the eel.) M. maxilla inferiore longiore, cor-
pore vnicolore
.

Bloch tab. 73.

In den Flüssen beider Welten. Geht zuweilen
ans Land auf Wiesen, ins Getreide etc. Hat ein
zähes Leben, und das ihm ausgeschnittne Herz
behält wohl noch 40 Stunden lang seine Reitz-
barkeit. Nach den genauesten Beobachtungen ge-
bährt er wohl sicher lebendige Junge.

17. Gymnotvs. Caput operculis laterali-
bus. Tentacula duo ad labium superius.
Membr. branch. radiis 5; corpus com-
pressum, subtus pinna carinatum
.

[Seite 269]

1. Electricus. der Zitteraal, Zitterfisch, Drill-
fisch (Fr. l'anguille electrique.) G. nudus,
dorso apterygio, pinna caudali obtusissima
anali connexa
.

Bloch tab. 156.

Besonders bey Surinam und Cayenne wo ihn
van Berkel*) zuerst bekannt gemacht hat. Un-
gefähr Manns lang.

18. Trichivrvs. Caput porrectum,
operculis lateralibus. Dentes ensiformes,
apice semisagittati: primores maiores.
Membr. branchiostega radiis
7. Corpus
compresso-ensiforme. Cauda subulata,
aptera
.

1. Lepturus. T. mandibula inferiore longiore.

Bloch tab. 158.

In beiden Indien.

2. Indicus. T. mandibulis aequalibus.

Willoughby App. tab. 3. fig. 3.

In Ostindien. Ebenfalls ein elektrischer Fisch.
(§. 110.)

19. Anarrhichas. Caput obtusiuscu-
lum. Dentes primores supra infraque co-
nici, diuergentes, sex pluresue, molares
inferiores palatique rotundati. Membr.
branch. rad. 6. Corpus teretiusculum,
pinna caudae distincta
.

[Seite 270]

1. †. Lupus. der Klippfisch, Seewolf. (Engl.
the ravenous.) A. pinnis pectoralibus amplis
subrotundis
.

Bloch tab. 74.

An den Küsten des nördlichen Europa.

20. Ammodytes. Caput compressum.
Labium superius duplicatum, dentes ace-
rosi. Membr. branch. rad. 7 corpus tere-
tiusculum, cauda distincta
.

1. †. Tobianus der Sandfisch, Sandaal, To-
biasfisch. (Engl. the sand launce) A.
maxilla inferiore longiore
.

Bloch tab. 75. fig. 2.

Ebenfalls am nordlichen Europa.

21. Ophidivm. Caput nudiusculum,
dentes maxillis, palato, faucibus. Membr.
branch. rad.
7 patula. Corpus ensiforme.

1. Barbatum. (Fr. la donzelle.) O. maxilla
inferiore cirris
4.

Bloch tab. 159. fig. 1.

Am südlichen Europa.

22. Stromatevs. Caput compressum.
Dentes in maxillis, palato. Corpus oua-
tum, latum, lubricum. Cauda bifida
.

1. Paru. S. vnicolor.

Bloch tab. 160.

An America.

[Seite 271]

23. Xiphias. Caput maxilla superiore
terminatum rostro ensiformi. Os eden-
tulum. Membr. branch. rad.
8; corpus
teretiusculum
.

1. †. Gladius. der Schwertfisch, Hornfisch.
(Fr. l'épee de mer, l'empereur, l'espadon.
Engl. the sword-fish, whale-killer.) X.
mandibula inferiore acuta, triangulari
.

Bloch tab. 76.

In den nordlichen so wohl als südlichen Meeren,
wird mit seinem Schwerte auf 18 Fuß lang, und
hält dann gegen 5 Centner an Gewicht.


IV. IVGVLARES.

Fische, deren Bauchfloßfedern vor den Brust-
flossen sitzen.

24. Callionymvs. Caput labio su-
periore duplicato; oculi approximati.
Membr. branchiostega rad.
6.; apertura
nuchae foraminibus respirante. Oper-
cula clausa. Corpus nudum. Pinnae ven-
trales remotissimae
.

1. Lyra. (Fr. le lacert Engl. the piper.) C.
dorsalis prioris radiis longitudine corporis
.

Bloch tab. 161.

Im atlantischen Ocean.

25. Vranoscopvs. Caput depressum,
scabrum, maius. Os simum, maxilla su-
[Seite 272] perior breuior. Membr. branch. rad. 5;
anus in medio
.

1. Scaber. der Sternseher. (Fr. le boeuf. Engl.
the star gazer.) V. citris multis in maxilia
inferiore
.

Bloch tab. 163.

Vorzüglich häufig im mitländischen Meer.

26. Trachinvs. Caput scabriusculum,
compressum. Membr. branch. rad. 6;
anus prope pectus
.

1. †. Draco. das Petermännchen. (Fr. la vive.
Engl. the wever.) Trachinus.

Bloch tab. 61.

Im mitländischen Meer, und der Nordsee etc.

27. Gadvs. Corpus laeue. Membr.
branch. rad. 7 teretibus; pinnae cute
communi vestitae, pectorales acuminatae
.

1. †. Aeglefinus. der Schellfisch. (Engl. the
hadock
.) G. tripterygius cirratus albicans,
cauda biloba, maxilla superiore longiore
.

Bloch tab. 62.

Im ganzen nordlichen europäischen Ocean, vor-
züglichst aber an den englischen und schottischen
Küsten.

2. Callarias. der Dorsch. G. tripterygius cir-
ratus varius, cauda integra, maxilla supe-
riore longiore
.

Bloch tab. 63.

Hat gleichen Aufenthalt mit dem vorigen.

[Seite 273]

3. †. Morrhua. der Kabbeljau, Steinfisch.
Baccaljao. (Asellus. Fr. la morue. Engl.
the cod-fish.) G. tripterygius cirratus, cauda
subaequali, radio primo anali spinoso
.

Bloch tab. 64.

Es werden unter diesen gemeinschaftlichen Nah-
men mehrere verwandte Gattungen dieses Ge-
schlechts begriffen, die wegen der unsäglichen Menge
und wegen der mannigfaltigen Zubereitung (ge-
trocknet als Stockfisch, als Laberdan, und als
Klippfisch) und langen Conservation etc. von der
äußersten Wichtigkeit sind. Sie finden sich in den
nordlichen Gegenden, beides des stillen und des
atlantischen Oceans, werden aber vorzüglichst um
Labrador, Neu-Fundland, auch um Island und
an den Nordküsten von Großbritannien gefangen*).

4. †. Merlangus. der Witling, Gadde. (Fr.
le merlan. Engl. the whiting.) G. tripte-
rygius imberbis albus, maxilla superiore
longiore
.

Bloch tab. 65.

In den europäischen Meeren.

5. †. Lota. die Quappe, Drusche, Kutte,
Aalraupe, Aalputte. (Fr. la lote, Engl.
the burbot.) G. dipterygius cirratus, maxil-
lis aequalibus
.

Bloch tab. 70.

Vorzüglich in den Schweizer-Seen. Einer
der schmackhaftesten europäischen Fische.

[Seite 274]

28. Blennivs. Schleimfisch Caput de-
cliue, tectum. Membr. branch. rad. 6.
corpus lanceolatum, pinna ani distincta
.

1. †. Viuiparus. die Aalmutter. B. ore ten-
taculis duobus
.

Bloch tab. 72.

Im mitländischen Meer, in der Nordsee etc.
Gebärt lebendige Junge.


V. THORACICI.

Fische, deren Bauchfloßfedern gerade unter
den Brustflossen sitzen.

29. Cepola. Caput subrotundum com-
pressum. Os simum, dentes curuati, sim-
plici ordine. Membr. branch. radiis 6.
Corpus ensiforme, nudum, abdomine vix
capitis longitudine.

1. Taenia. der Bandfisch. (Fr. le ruban) C.
pinna caudae attenuata, capite obtusissimo
.

Bloch tab. 170.

30. Echeneis. Caput depressum, supra
planum marginatum, transuerse sulca-
tum. Membr. branch. rad
. 10.

1. Remora. der Saugefisch. (Fr. le sucet. Engl.
the sucking fish.) L. cauda bifurca, striis
capitis
18.

Bloch tab. 172.

[Seite 275]

Ein sonderbares Thier, was sich mittelst des
queergestreiften Hinterkopfs, aufs festeste an Schiffe
und Ufer anhalten kann. Daher die alte Fabel,
daß ein einziger ein Schiff in vollem Lauf zu
hemmen vermöge.

31. Coryphaena. Caput truncato de-
cliue. Membr. branch. rad. 5; pinna dor-
salis longitudine dorsi.

1. Hippurus. der Goldkarpfe. (Fr. la dorade.)
C. cauda bifida, radiis dorsalibus 60.

Bloch tab. 174.

Im atlantischen Meer. Ein prachtvolles Thier.

32. Gobivs. Caput poris 2 inter oculos
approximatos, altero anteriore. Membr.
branch. radiis 4. Pinnae ventrales vnitae
in ouatam.

1. †. Niger. die Meergrundel, G. pinna dor-
sali secunda radiis
14.

Bloch tab. 38. fig. 1. 3. 5.

33. Cottvs. Caput corpore latius, spi-
nosum. Membr. branch. rad
. 6.

1. †. Cataphractus. der Knurrhahn, Stein-
picker. (Engl. the pogge.) C. loricatus
rostro verrucis bifidis, capite subtus cirroso
.

Bloch tab. 38. fig. 3. 4.

An den nordlichen Küsten von Europa und
America.

2. †. Gobio. der Kaulkopf, Rotzkolpe, Gropp,
Kruppe. (Engl. the bull-head, the miller's
thumb
.) C. laeuis, capite spinis duabus.

Bloch tab. 38. fig. 1. 2.

[Seite 276]

Ein sehr gemeiner europäischer Flußfisch. Das
Weibchen scharrt sein Leich in eine Höhle am
Grund, und bewacht es bis die Jungen ausge-
krochen sind aufs sorgfältigste.

34. Scorpaena. Caput magnum, acu-
leatum. Oculi vicini. Dentes maxillis,
palato, faucibusque. Membr. branch.
radiis
7.

1. Horrida. S. tuberculis callosis adspersa.

Bloch tab. 183.

In Ostindien.

35. Zevs. Caput compressum, decliue.
Labium superius membrana transuersa
fornicatum. Lingua subulata. Membr.
branch. radiis
7 perpendicularibus: in-
fimo transuerso. Corpus compressum
.

1. Vomer. Z. cauda bifurca, spina ante pin-
nam analem dorsalemque recumbente
.

Bloch tab. 193.

2. Faber. (Engl. the doree, dory.) Z. cauda
rotundata; lateribus mediis ocello fusco;
pinnis analibus duabus
.

Bloch tab. 41.

Beide im atlantischen Meer.

36. Plevronectes. Butte, Scholle,
Halbfisch. (Fr. sole. Engl. flounder.) Ocu-
lis vtrisque in eodem latere frontis.
Membr. branch. rad.
4–7. Corpus com-
pressum, latere altero dorsum, altero ab-
domen referente
.

[Seite 277]

Die Schollen sind die einzigen Thiere in der
Natur, die ihre beiden Augen auf einer Seite des
Kopfs haben; manche Gattungen nähmlich auf
der rechten, andere auf der linken: sehr selten
finden sich Mißgeburten unter ihnen, die anoma-
lisch auf der unrechten Seite ihre Augen haben.
Auch beide Nasenlöcher sitzen ebenfalls so schief
seitwärts. Sie schwimmen in einer schrägen Lage,
die Augenseite in die Höhe gerichtet.

1. †. Platessa. die Scholle, Plateis, Gold-
butte. (passer. Fr. la plie. Engl. the plaise.)
P. oculis dextris, corpore glabro, tubercu-
lis
6 capitis.

Bloch tab. 42.

Nebst den folgenden besonders in den nordlichen
Meeren.

2. †. Flesus. der Flünder. (Engl. the flounder.)
P. oculis dextris, linea laterali aspera, spi-
nulis ad pinnas
.

Bloch tab. 44.

3. †. Limanda. die Glahrke, Kliesche (Engl.
the dab.) P. oculis dextris, squamis ciliatis,
spinulis ad radicem pinnarum dorsi anique,
dentibus obtusis
.

Bloch tab. 46

4. †. Hippoglossus. die Heiligbutte. (Fr. le
fletang
. Engl. the holibut.) P. oculis dextris,
corpore toto glabro
.

Bloch tab. 47.

Theils von vier Centnern an Gewicht: unter
andern in größter Menge im nordlichen stillen
Ocean.

[Seite 278]

5. †. Maximus. die Steinbutte (Fr. und Engl.
turbot.) P. oculis sinistris, corpore aspero.

Bloch tab. 49.

Doch weit kleiner als die vorige.

37. Chaetodon. Dentes (plurimis) se-
tacei, flexiles confertissimi, numerosissimi.
Membr. branch. rad.
6; corpus pictum,
pinna dorsi anique carnosa squamosa
.

1. Rostratus. C. cauda integra, spinis pinnae
dorsalis
9, maculaque ocellari; rostro cy-
lindrico
.

Bloch tab. 202.

In Ostindien. Der Oberkiefer endigt sich in
eine Röhre, wodurch das Thier die Insecten, die
an allerhand Wasserpflanzen sitzen, bespritzt, daß
sie herabfallen und ihm zur Speise werden müssen.

2. Macrolepidotus. C. cauda integra, spinis
dorsalibus
11, radio dorsali quarto filiformi
longissimo
.

Bloch tab. 200.

In Ostindien.

38. Sparvs. Brachse. Dentes primores
robusti, molares obtusi, conferti. Labia
simplicia. Membr. branch. rad.
5. cor-
pus compressum. Pinnae pectorales acu-
minatae
.

1. Aurata. der Goldbrachsen. S. lunula aurea
inter oculos
.

Bloch tab. 266.

Hat fast in allen Sprachen seinen Nahmen von
dem goldfarbigen halben Monde vor den Augen.

[Seite 279]

2. Sargus. der Geißbrachsen. S. ocello sub-
caudali, corpore fasciis nigris
.

Bloch tab. 264.

Die Männchen sollen zur Begattungszeit sehr
hitzig wie Säugethiere oder Vögel um ihre Ge-
liebte kämpfen.

3. Pagrus. der Seebrachse. S. rubescens,
cute ad radicem pinnarum dorsi et ani in
sinum producta
.

Bloch tab. 267.

Einer der allgemeinst verbreiteten Seefische.
Zuweilen giftig.

39. Labrvs. Lippfisch. Dentes acuti, labia
duplicata magna. Membr. branch. rad. 6;
pinnae dorsalis radii postice ramento fili-
formi aucti. Pectorales rotundatae
.

1. Iulis. der Meerjunker L. lateribus cae-
rulescentibus, vitta longitudinali fulua vtrim-
que dentata
.

Bloch tab. 287.

Im mitländischen Meer. Nur Fingers lang,
von ausnehmend schönen Farben. Wird den Ba-
denden durch seinen Biß lästig, der wie Mücken-
stiche schmerzt.

40. Sciaena. Caput totum squamis ob-
tectum. Membr. branch. rad.
6; opercula
squamosa et totum caput. Corpus fos-
sula dorsi pro pinna dorsali recondenda
.

1. Nigra. S. tota nigra, ventre fusco-al-
bescente
.

Bloch tab. 297.

[Seite 280]

Wie so viele andre Gattungen dieses Geschlechts
im rothen Meere.

41. Perca. Opercula squamosa, serrata.
Membr. branch. rad.
7. Corpus pinnis
spinosis
.

1. †. Fluuiatilis. der Barsch. (Fr. la perche.
Engl. the perch.) P. pinnis dorsalibus di-
stinctis, secunda radiis
16.

Bloch tab. 52.

2. †. Lucioperca. der Zander, Sandbarsch,
Schiel. P. pinnis dorsalibus distinctis, se-
cunda radiis
32.

Bloch tab. 51.

Ein schmackhafter Raubfisch des nordlichern
Europa.

3. †. Cernua. der Kaulbarsch. (Engl. the
ruffe
.) P. pinnis dorsalibus vnitis radiis 27;
spinis 15; cauda bifida.

Bloch tab. 53. fig. 2.

42. Gasterostevs. Membr. branch.
rad.
3; corpus ad caudam vtrimque cari-
natum. Pinnae ventrales pone pectora-
les, sed supra sternum
.

1. †. Aculeatus. Der Stichling. (spinarella.
Engl. the stickleback.) G. spinis dorsalibus
tribus
.

Bloch tab. 53. fig. 3.

43. Scomber. Caput compressum, laeue.
Membr. branch. rad.
7; corpus laeue, li-
nea laterali postice carinatum. Pinnae
spuriae saepe versus caudam
.

[Seite 281]

1. †. Scomber. die Makrele. (Fr. le marquereau.
Engl. the mackrel.) S. pinnulis 5.

Bloch tab. 54.

Im nordischen und atlantischen Meer etc. Wie
der folgende ein gefräßiger aber vorzüglich schmack-
hafter Raubfisch. Von beiden machten die Alten
ein vorzügliches Garum. (§. 118.)

2. Pelamys. die Bonite. S. pinnulis inferio-
ribus
7; abdomine lineis vtrinque 4 nigris.

In den wärmern Weltgegenden.

3. †. Thynnus. der Thunnfisch. (Fr le thon.
Engl. the tunny.) S. pinnulis vtrimque 8.

Bloch tab. 55.

In der Nordsee, dem mitländischen Meer, Ost-
und Westindien etc. Wird über manus lang, und
dann wohl gegen 5 Centner schwer. Ist zuwei-
len giftig*).

44. Mvllvs. Caput compressum, decliue,
squamis tectum. Membr. branch. rad.
3.
Corpus squamis magnis facile deciduis.

1. Barbatus. der Rothbart, die Meerbarbe.
M. cirris geminis, corpore rubro.

Bloch tab. 348. fig. 2.

Ein schöner schmackhafter Fisch des mitländi-
schen Meers. Ungefähr fuß lang.

45. Trigla. Caput loricatum lineis sca-
bris. Membr. branch. rad.
7. Digiti liberi
ad pinnas pectorales
.

[Seite 282]

1. Hirundo. die Seeschwalbe. (Fr. la cabote.
Engl. the tub fish.) T. digitis ternis, linea
laterali aculeata
.

Bloch tab. 60.

2. Volitans. T. digitis vicenis membrana pal-
matis
.

Bloch tab. 351.

Beides fliegende Fische.


VI. ABDOMINALES.

Fische, deren Bauchflossen hinter den Brust-
floßfedern sitzen. Sie leben größtentheils in süßen
Wassern.

46. Cobitis. Oculi in suprema capitis
parte. Membr. branch. rad.
4-6. Cauda
versus pinnam minus angustata
.

1. Anableps. C. cirris 2; capite depresso, oculis
prominulis
.

Bloch tab. 361.

Bey Surinam. Gebiert lebendige Junge, und
wird besonders durch den ganz einzigen Bau seiner
gleichsam in zwey Abschnitte halbirten Hornhaut
des Auges, und übrige Einrichtung der Augäpfel,
merkwürdig*).

2. †. Barbatula. der Schmerling, Grundel,
Bartgrundel. (Fr. la loche.) C. cirris 6,
capite inermi compresso.

Bloch tab. 31. fig. 3.

[Seite 283]

In mehrern Spielarten, mit und ohne Bart-
fäden etc. Die größten finden sich in der Aar in
der Schweiz.

3. †. Fossilis. der Wetterfisch, Peizker,
Schlammbeisker, die Pipe, Steinpietsche,
Kurrpietsche. C. cirris 8, spina supra oculos.

Bloch tab. 31. fig. 1.

Kann wie der Knurrhahn einen Laut von sich
geben. Wenn man ihn in Gläsern, mit Sand
am Boden, erhält, so wird er bey jeder bevor-
stehenden Wetterveränderung unruhig.

47. Silvrvs. Caput nudum. Os cir-
ris filiformibus tentaculatum. Membr.
branch. rad.
4-14. Radius pinnarum
pectoralium aut dorsalis primus spino-
sus, retrodentatus
.

1. † Glanis. der Wels, Schaidfisch. S. pinna
dorsali vnica scapulari mutica, cirris
6.

Bloch tab. 34

Der größte Süßwasserfisch, der wohl 3 Centner
am Gewicht hält, und wegen des unförmlich
großen und breiten Kopfes und der langen Bart-
fäden ein sonderbares Ansehen hat.

2. Cataphractus. S. pinna dorsali postica vni-
radiata, squamis ordine simplici, cirris
6
cauda integra.

Catesby vol. III tab. 19.

In Nordamerica.

3. Electricus. der Zitter-Wels, Raasch. (Fr.
le trembleur.) S. pinna dorsali vnica lum-
bari, remota absque radiis, cirris
6.

[Seite 284]

Broussonet in den Mém. de l'ac. des sc.
de Paris
, 1782. tab. 20.

Ebenfalls ein electrischer Fisch. (§. 110.) Findet
sich im Nil und mehrern andern africanischen Flüs-
sen. Wird ungefähr 20 Zoll lang. Ist doch eßbar.

48. Loricaria. (Fr. cuirassier.) Caput
laeue depressum. Os edentulum re-
tractile. Membr. branch. radiis
6; cor-
pus cataphractum
.

1. Plecostomus. L. pinnis dorsi duabus.

Bloch tab. 374.

In Süd-America.

49. Salmo. Caput laeue. Dentes in
maxillis, lingua. Membr. branch. rad
.
4-10; pinna dorsalis postica adiposa;
pinnae ventrales multiradiatae.

1. † Salar. der Lachs, Salm. (Fr. le saumon.
Engl. the salmon.) S. rostro vltra inferio-
rem maxillam prominente.

Bloch tab. 20. 98.

In den nordischen Meeren und Flüssen, theils,
wie auf Labrador, in unsäglicher Menge. Hält
sich des Sommers in den Flüssen, im Winter aber
in der See auf. Nur die Männchen haben einen
gebogenen Unterkiefer.

2. †. Trutta. die Lachs-Forelle. (Fr. la truitte
saumonée
. Engl. the sea trout.) S. ocellis
nigris iridibus brunneis, pinna pectorali
punctis
6.

Bloch tab. 21.

Wird wohl 8 bis 10 Pfund schwer.

[Seite 285]

3. †. Fario. die Forelle. (Fr. la truite. Engl.
the trout.) S. maculis rubris, maxilla in-
feriore sublongiore
.

Bloch tab. 22. 23.

In schattigen kalten Waldbächen auf kiesichtem
Grund; wird selten über 2 Pfund schwer. Variirt
sehr an Farbe und Geschmack.

4. †. Alpinus. die Alpenforelle, der Roth-
fisch. S. dorso nigro lateribus caeruleis,
ventre fuluo
.

Bloch tab. 104.

Im alpinischen und nordlichen Europa. Ein
wichtiges Thier für die Schwedischen Lappen,
deren beynahe einzige Nahrung es zu Zeiten aus-
macht; lebt größtentheils von Mücken (culex
pipiens).

5. †. Eperlanus. der große Stint, Alander.
(Engl. the smelt.) S. capite diaphano, radiis
pinnae ani
17.

Bloch tab. 28. fig. 2.

Im nordlichern Europa. Fast durchscheinend.

6. †. Lauaretus. der Schnepel, Weißfisch.
S. maxilla superiore longiore, radiis pinnae
dorsi
14.

Bloch tab. 25.

In der Nord- und Ostsee; auch in der Hud-
sonsbay.

Dahin gehören vermuthlich auch die Felchen,
und der Aalbock im Thuner-See, der mit der
Ferra des Genfer-Sees einerley zu seyn scheint.

[Seite 286]

7. †. Thymallus. die Aesche. (Fr. l'ombre.)
S. maxilla superiore longiore, pinna dorsi
radiis
23.

Bloch tab. 24.

Im mittlern Europa und Sibirien.

50. Fistvlaria. Caput: rostrum cy-
lindricum, apice maxillosum. Membr.
branch. radiis
7; corpus....

1. Tabacaria. F. cauda bifida setifera.

Bloch tab. 387.

In Nordamerica.

51. Esox. Caput supra planiusculum;
mandibula superiore plana breuiore, in-
feriore punctata: dentes in maxillis,
lingua. Membr. branch. rad.
7-12.

1. †. Lucius. der Hecht. (Fr. le brochet. Engl.
the pike.) Q. rostro depresso subaequali.

Bloch tab. 32.

Einer der gefräßigsten Raubfische, der nicht
nur andere Fische, sondern auch allerhand Am-
phibien, Kröten etc. viele Wasservögel und kleine
Säugethiere, auch zuweilen gar Krebse verschlingt.

2. †. Belone. der Hornfisch. (Fr. l'orphie.
Engl. the garpike.) L. rostro vtraque maxilla
subulato
.

Bloch tab. 33.

In den europäischen Meeren, theils in unsäg-
licher Menge. Seine Gräten sind grün, als wenn
sie mir Saftfarbe angestrichen wären.

[Seite 287]

52. Elops. Caput laeue. Dentium sca-
brities in maxillarum margine, palato.
Membr. branch. radiis
30; praeterea
exterius in medio armata dentibus
5.

1. Saurus. E. cauda supra infraque armata.

Bloch tab. 393.

Auf Jamaica.

53. Argentina. Dentes in maxillis,
lingua. Membr. branch. radiis
8. Cor-
pus ano caudae vicino. Pinnae ventra-
les multiradiatae
.

1. Carolina. A. pinna anali radiis 15.

Catesby vol. II. tab. 24.

Hat den Nahmen von seinem Vaterlande.

54. Atherina. Caput maxilla superiore
planiuscula. Membr. branch. radiis
6.
Corpus fascia laterali argentea.

1. Hepsetus. A. pinna ani radiis fere 12.

Bloch tab. 393. fig. 3.

Im mitländischen Meere.

55. Mvgil. Caput: Labia membranacea:
inferius introrsum carinatum. Dentes
nulli. Denticulus inflexus supra sinus
oris. Membr. branch. rad.
7. curuis. Oper-
cula laeuia rotundata. Corpus albicans
.

1. Cephalus. M. pinna dorsali anteriore quin-
queradiata
.

Bloch tab. 394.

Im mitländischen u.a. Meeren.

[Seite 288]

56. Exocoetvs. Caput squamosum.
Os edentulum, maxillis vtroque latere
connexis. Membr. branch. rad. 10. Cor-
pus albicans, abdomen angulatum, pinnae
pectorales maxime volatiles, radiis an-
tice carinatis
.

1. Volitans. der fliegende Häring. E. abdo-
mine vtrinque carinato
.

Gesner pag. 653.

Der gemeinste aller fliegenden Fische. Findet
sich meist in allen wärmern Weltmeeren; theils
in unsäglicher Menge.

57. Polynemvs. Caput compressum,
vndique squamosum: rostro obtusissimo
prominente. Membr. branch. rad.
7. s. 5;
corpus digitis liberis ad pinnas pectorales.

1. Quinquarius P. digitis quinque corpore
longioribus
.

Seba vol. III. tab. 27. 90. fig. 2.

In Westindien.

58. Clvpea. Caput maxillarum superio-
rum mystacibus serratis. Membr. branch.
rad.
8. Branchiae interne setaceae. Ab-
dominis carina serrata. Pinnae ventrales
saepe nouemradiatae
.

1. †. Harengus. der Häring, Strömling. (Fr.
l'hareng. Engl. the herring.) C. immacu-
lata, maxilla inferiore longiore
.

Bloch tab. 29.

[Seite 289]

Einer der wichtigsten Fische für die nordliche
Erde, der zwar von Menschen und sehr vielen
Thieren (zumahl vom Nordkaper, von manchen
Möven-Gattungen etc.) verfolgt wird, sich aber
auch dagegen zum bewundern stark vermehrt. Be-
sonders sind nun seit dem zwölften Jahrhundert
bey Gelegenheit ihrer großen äußerst bestimm-
ten, regelmäßigen Sommer-Reisen (– s. oben
§. 109. –) nach den europäischen Küsten, zumahl
nach den Orcaden, nach Norwegen etc. so viele tausend
Europäer mit ihrem Fang beschäftigt. Wilhelm
Beukelszoon von Bierfliet in Flandern hat 1416
zuerst Häringe eingesalzen.

2. †. Sprattus. die Sprotte, der Breitling.
(Fr. la sardine. Engl. the sprat.) C. pinna
dorsali radiis
13.

Bloch tab. 29. fig. 2.

Ebenfalls in den nordlichen Meeren, aber auch
im mitländischen. Ist von manchen Naturfor-
schern irrig für den jungen Häring gehalten worden.

3. †. Alosa. die Alse, der Mutterhäring, May-
fisch. (Fr. l'alose. Engl. the shad.) C. late-
ribus nigro maculatis, rostro nigro
.

Bloch tab. 30. fig. 1.

Vorzüglich häufig im mitländischen Meere.

4. †. Encrasicolus. die Sardelle, der Anscho-
vis. (Fr. l'anchois.) C. maxilla superiore
longiore
.

Bloch tab. 30. fig. 2.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem vorigen.
Wird vorzüglich häufig bey Gorgona unweit Li-
vorno gefangen.

[Seite 290]

59. Cyprinvs. Caput ore edentulo. Os
nasale bisulcum. Membr. branch. rad.
3.
Corpus laeue albens. Pinnae ventrales
saepe nouemradiatae
.

1. †. Barbus. die Barbe. C. pinna ani ra-
diis
7. cirris 7, pinnae dorsi radio secundo
vtrinque serrato
.

Bloch tab. 18.

2. †. Carpio. der Karpfe. (Fr. la carpe. Engl.
the carp.) C. pinna ani radiis 9, cirris 4,
pinnae dorsalis radio postice serrato.

Bloch tab. 16.

Jetzt nun meist in ganz Europa. Soll mit
verwandten Gattungen, zumahl mit der Karau-
sche, Bastarden geben. Auch finden sich unter
den Karpfen häufiger Mißgeburten als unter irgend
einer andern bekannten Fischgattung.

Die Spiegelkarpfen*), die sich besonders
durch die beständig von Schuppen entblößten Theile
des Körpers auszeichnen, sind doch nicht bloß für
eine Spielart sondern für eine besondre Gattung
dieses Geschlechts anzusehen.

3. †. Tinca. die Schleihe. (Fr. la tanche.
Engl. the tench.) C. pinna ani radiis 25,
cauda integra, corpore mucoso cirris 2.

Bloch tab. 19.

In sacht fließenden Wassern mit lehmigem
Boden; seltner in großen Flüssen, wie im Rhein,
in der Tiber etc. Auch sie gibt einen Laut mit
den Kieferdeckeln von sich. Die Goldschleihe**)
[Seite 291] die sich zumahl in Schlesien findet, ist einer der
schönsten deutschen Fische.

4. †. Carassus. die Karausche. (Fr. le carassin.
Engl. the crucian.) C. pinna ani radiis 10,
cauda integra, linea laterali recta.

Bloch tab. 11.

5. Auratus. das Schinesische Goldfischchen,
der Goldkarpfe, Kin-ju. (Fr. la dorée.
Engl. the goldfish.) C. pinna ani gemina,
caudae transuersa bifurca
.

Bloch tab. 43. 94. fig. 1-3.

Joh. Baster in Haarlem. Verhandl.
VII. D. I. St. mit illum. Fig.

In den Flüssen von Schina und Japan in
mancherley theils wunderbaren Varietäten, der
Farbe, Zahl und Bildung der Flossen, Größe der
Augen etc. Man hält sie dort ihrer schönen Auror-
Farbe und ihrer Munterkeit wegen auf den Zim-
mern in Porcellan-Gefäßen: und sie kommen
auch recht gut in Europa fort, wo sie zuerst 1691
nach England gebracht worden sind. Können Jahr
und Tag im bloßen Wasser ohne alle weitre Nah-
rung leben, und geben dabey doch von Zeit zu
Zeit Unrath von sich.

6. †. Phoxinus. die Elritze. (Fr. le vairon.
Engl. the minow.) C. pinna ani radiis 8,
macula fusca ad caudam, corpore pellucido.

Bloch tab. 8. fig. 5.

Häufig in der Weser.

7. †. Orfus. der Orf, Urf, Würfling, Elft.
C. pinna ani radiis 13.

Bloch tab. 96.

[Seite 292]

Zumahl im südlichen Deutschland. Schön Oran-
gefarben.

8. †. Alburnus. Ukley, Weißfisch. (Fr. l'ablette.
Engl. the bleak.) C. pinna ani rad. 20.

Bloch tab. 8. fig. 4.

Seine Schuppen werden zur Verfertigung der
Glasperlen gebraucht*).

9. †. Brama. der Bley, Brachsen. C. pinna
ani rad
. 27. pinnis fuscis.

Bloch tab. 13.

Wegen seiner starken Vermehrung und schmack-
haften Fleisches einer der wichtigsten Fische
Deutschlands.


Achter Abschnitt.
Von den Insecten.

[Seite 293]

§. 121.

Die letzten beiden Classen des Thierreichs, die
Insecten und Gewürme, unterscheiden sich schon
dadurch von den vorhergehenden, daß sie kein
rothes Blut, sondern statt dessen einen weiß-
lichen Saft in ihrem Körper führen: weßhalb sie
auch von den Alten Blutlose Thiere (animalia
exsanguia
) genannt wurden.

§. 122.

Die Insecten haben ihren Nahmen daher,
weil wenigstens in ihrem vollkommenen Zu-
stande, Kopf, Brust und Hinterleib, wie durch
Einschnitte von einander abgesondert sind, ja
bey den mehresten fast nur wie durch einen Faden
unter sich verbunden werden. Außerdem zeich-
nen sie sich aber auch durch besondre Fäden aus,
die sie in ihrem vollkommnen Zustande an der
Stirn tragen, (Antennae, Fühlhörner) und
die alle Mahl an der Wurzel eingelenkt, meist
aber auch noch außerdem gegliedert sind; und
endlich durch die hornartigen eingelenkten Füße,
[Seite 294] und deren größere Anzahl, da die vollkommenen
Insecten zum allermindesten ihrer sechs, manche
aber wohl auf anderthalb hundert etc. haben.

§. 123.

Außer den angegebenen Merkzeichen, haben
die Insecten wenige Eigenschaften, die ihnen
allen gemein wären. Die ganz unermeßliche
Anzahl der Gattungen, ihre so unendlich ver-
schiedenen Bestimmungen, und dahin abzweckende
eben so verschiedene Lebensart, Bedürfnisse etc. er-
fordern einen äußerst mannigfaltigen Körper-
bau, in welchem sie, so wie in der ungleichen
Größe ihres Körpers ausnehmend von einander
abweichen.

§. 124.

Selbst die äußere Bedeckung ihres Körpers
ist weit mannigfaltiger als bey den übrigen Thie-
ren. Sehr viele sind wie mit einem hornartigen
Panzer überzogen, der aus mehrern Stücken
besteht, die sich wie die Schienen eines Blech-
handschuhes über einander schieben lassen; und
wodurch diese Thiere vor mancherley Unfällen
gesichert, und für den Mangel der Knochen, die
bey andern Thieren zur Grundlage der Muskeln
u.a. weichen Theile dienen, entschädigt werden.
Manche sind mit seinen Haaren besetzt, und bey
den Schmetterlingen etc. die Flügel mit kleinen
Federchen, oder vielmehr Schuppen bedeckt, die
zum Theil von den schönsten Farben sind: so wie
[Seite 295] sich überhaupt unter den Insecten, Thiere von
ganz unbeschreiblicher Schönheit finden.

§. 125.

Auch in der Einrichtung der Sinnwerk-
zeuge, und also vermuthlich auch in der Art der
Empfindung, weichen die Insecten gar sehr von
den übrigen Thieren ab. So daß ihnen sogar
viele berühmte Männer verschiedne von unsern
fünf äußern Sinnen, zumahl das Gehör und den
Geruch, ohne Grund haben absprechen wollen;
da man doch jenes bey vielen die einander zur
Paarungszeit durch einen besondern Laut locken,
und diesen bey noch weit mehrern die ihren ver-
steckten Fraß auswittern, unverkennbar wahr-
nimmt.

§. 126.

Die Augen der Insecten sind vorzüglich merk-
würdig, und zwar in Rücksicht ihres Baues von
zweyfacher Art. Die einen sind ungeheure Halb-
kugeln, die aber meist aus vielen tausend Facet-
ten, bey einigen auch aus zahlreichen kegelför-
migen Spitzen, und in beiden Fällen eigentlich
aus eben so viel besondern kleinen Linsen bestehen,
die auf der innern Seite mit einem theils bunt-
farbigen oder glänzenden Anstrich überzogen sind.
Die mehresten geflügelten Insecten, aber auch
manche ungeflügelte, wie der Hummer etc. haben
dergleichen. Die Augen der andern Art (ocelli,
stemmata) sind einfach, klein, und so wohl in
[Seite 296] Rücksicht ihrer Anzahl als Lage verschieden. Die
erstern scheinen mehr für die Ferne, so wie die
letztern für die Nähe bestimmt zu seyn; wenig-
stens reimt sich dieß damit, daß die Schmetter-
linge in ihrem geflügelten vollkommnen Zustande
solche große componirte telescopische Augen krie-
gen, da sie vorher als Raupen nur myopische
kleine Augen hatten. Nur wenige Insecten, wie
z.B. die Krebse, können ihre Augen bewegen.

§. 127.

Die Fühlhörner (§. 122.) die Linné und
andre berühmte Männer für Werkzeuge beson-
derer, den Insecten eigener Sinne angesehen
haben, scheinen doch nichts weiter zu seyn, als
was ihr Nähme andeutet. – Werkzeuge des
Gefühls, Sonden, Tangenten, die ihnen bey
ihrer harten unempfindlichen äußern Decke, und
bey der Unbeweglichkeit ihrer Augen doppelt
wichtig werden. Die Insecten scheinen das feinste
Gefühl in ihren Antennen, wie wir in den Finger-
spitzen, zu haben; und da sie großentheils im
Finstern leben, dadurch, so wie Blinde, den
Mangel des Lichts durch seines Gefühl zu ersetzen.

§. 128.

Im innern Körperbau*) weichen die In-
secten gar sehr von den rothblütigen Thieren ab.

[Seite 297]

Was man z.B. das Herz der Insecten
nennt, ist bey vielen, z.B. bey den Raupen ein
langer Canal von ungleicher Weite der längs des
Rückens liegt, aus welchem aber nicht eine ein-
zige Ader entspringt, so daß folglich auch die
Ernährung bey diesen Insecten auf eine eigne,
von der Nutrition der rothblütigen Thiere ganz
verschiedne Art vor sich gehen muß.

Hingegen sind sie mit unzähligen Luftröhren
vom erstaunenswürdigsten feinsten Bau, und
mit äußerst zahlreichen Muskeln, die aber auch
so wohl in der Bildung als in der Farbe von
den Muskeln der rothblütigen Thiere abweichen,
versehen.

§. 129.

Ungeachtet die Insecten eben so wohl als
die rothblütigen Thiere, des beständigen Um-
satzes von Kohlenstoff gegen Sauerstoff (§. 24.)
zur Erhaltung ihres Lebens bedürfen; so bemerkt
man doch nur bey wenigen (wie z.B. bey den
Heuschrecken und manchen Cicaden und Kä-
fern etc.) eine dem Athemholen ähnliche Bewe-
gung. Auch können die meisten weit länger
als jene rothblütigen Thiere im so genannten
luftleeren Raume aushalten; und viele leben in
der den so eben genannten Thieren so schädlichen
mephitischen Luft worin animalische und vege-
tabilische Stoffe faulen (– dem gekohlten
Wasserstoffgas etc. –) gleichsam als in ihrem
Elemente.

§. 130.

[Seite 298]

Ueberhaupt ist der Aufenthalt der Insecten
auf und unter der Erde weit unbeschränkter, als
der von irgend einer andern Thierclasse. Es
sind fast auf allen Thieren ohne Ausnahme welche
anzutreffen, so daß sogar größere Insecten, wie
z.B. Käfer, Bienen etc. selbst wieder ihre be-
sondere Milben und Läuse haben. Eben so sind
auch wohl nur sehr wenige Gewächse (etwa der
Taxus, der Sevenbaum etc.) die gar keinen be-
kannten Insecten zur Wohnung und Aufenthalt
dienen. Da hingegen manche wie z.B. die
Eiche, von mehr als einem hundert verschiedener
Gattungen von Insecten bewohnt und besucht
werden.

So allgemein aber die Insecten, im Ganzen
genommen, über die ganze Erde verbreitet sind,
so streng ist doch dagegen vielen einzelnen Gat-
tungen ihr ganz besonderer, eingeschränkter Aufent-
halt auf bestimmten Thieren oder Pflanzen, und
deren einzelnen Theilen angewiesen: so wie auch
manche sich sogar nur in einer gewissen Jahrs-
zeit oder Tageszeit am gleichen Orte aufhalten etc.

§. 131.

Nur wenige Insecten leben in gesellschaft-
licher Verbindung, und leisten sich in ihren
Geschäften wechselseitige Hülse. Die allermeisten
gehen einzeln und isolirt ihren Verrichtungen
nach, und manche, die wie die Spinnen in zahl-
[Seite 299] reicher Gesellschaft jung worden sind, zerstreuen
sich bald nachher, und leben einsiedlerisch, so
daß viele außer der Begattungszeit kein anderes
Geschöpf ihrer Art nachher wieder zu sehen
kriegen.

§. 132.

Der überaus merkwürdigen Gebäude, Woh-
nungen etc. die sich so viele Insecten zu verfer-
tigen wissen, ist schon oben den Anlaß der Kunst-
triebe (§. 36.) Erwähnung geschehen. Es sind
wenige Thiere dieser Classe, die nicht wenigstens
Ein Mahl, in einer gewissen Periode ihres Lebens
Proben dieser natürlichen Kunstfähigkeit ablegen
sollten, indem sie entweder wie die Kleidermot-
ten und Frühlingsfliegen in ihrer unvollende-
ten Gestalt, als Larven, sich ein Gehäuse zum
Aufenthalt und zum Schutze verfertigen; oder
sich, um die Verwandlung und den langen Todes-
schlaf zu bestehen, ein Lager bereiten, sich ein-
spinnen etc., oder die sich wie die Ameisenlöwen
Fallen, und wie die Spinnen Netze für ihren
Raub verfertigen; oder die wie manche Was-
serkäfer und Spinnen, zur Sicherheit für ihre
Nachkommenschaft, Säcke oder Nester zuberei-
ten, denen sie ihre Eyer anvertrauen können.
Manche von denen, die in gesellschaftlicher Ver-
bindung leben, bauen sich mit vereinten Kräften,
und nach den Gesetzen einer äußerst regelmäßigen
ihnen angebornen Meßkunst, gemeinschaftliche
Wohnungen u.s.w.

§. 133.

[Seite 300]

Bey der Ernährungsart der Insecten sieht
man offenbar, daß sie nicht bloß essen sollen um
satt zu werden, sondern um zugleich Aas zu ver-
zehren, um selbst wieder andre lebendige In-
secten aufzureiben etc., um Unkraut zu vertilgen
u.s.w. – eine große Bestimmung, zu deren
Erfüllung diesen kleinen Thierchen, theils ihr
unersättlicher Appetit zu statten kommt. Man
weiß, daß eine Raupe in 24 Stunden das Tri-
plum ihres eignen Gewichts verzehren kann.

§. 134.

Vor den Nachstellungen ihrer Feinde sind
einige Insecten, wie z.B. die Spannraupen
durch ihre täuschende Gestalt; andere dadurch
daß sie einerley Farbe mit den Gewächsen haben,
worauf sie leben, und folglich weniger darauf
abstechen, nicht so leicht bemerkt werden können;
andere durch Gestank, den sie im Nothfall
verbreiten können; andere durch die Macht des
gesellschaftlichen Lebens; noch andre durch ihre
bewundernswürdige Stärke etc. gesichert. Und
manche sind gar mit Waffen, z.B. mit Hör-
nern wie Kneipzangen, oder mit Stachel und
Gift versehen.

§. 135.

Auch bey der Fortpflanzung der Insecten
zeigen sich ungemein viele eigene Sonderbar-
[Seite 301] keiten. So z.B. daß oft in einer und eben der-
selben Gattung die beiden Geschlechter einander
so äußerst unähnlich gebildet sind, daß man sie
eher für ganz verschiedene Thierarten, als für
zusammen gehörige Gatten halten sollte: oder
daß unter den Bienen und andern ihnen ver-
wandten Insecten immer die größte Anzahl gänz-
lich geschlechtlos ist; das heißt daß sie gezeugt
und gebohren werden, ohne doch selbst die Be-
stimmung zur Empfängniß oder zur Zeugung
zu haben.

§. 136.

Auch die Begattung hat bey verschiednen
Insecten sehr viel eignes. Die mehresten leben
in sofern in einer gezwungenen Monogamie, weil
sie schlechterdings nicht mehr als ein einziges
Mahl in ihrem Leben sich paaren können: der
Tod ist bey ihnen eine so unausbleibliche Folge
der ersten Begattung, daß man sogar ihr Leben
durch verzögerte Paarung verlängern kann.

§. 137.

Zu andern Sonderbarkeiten beym Fortpflan-
zungsgeschäfte der Insecten, gehört auch daß bey
vielen, wie z.B. beym Cochenille-Wurm, beym
Sandfloh etc. das trächtige Weibchen zu einer
ganz ungeheuren Größe anwächst: so daß man
z.B. rechnet daß bey der weißen Ameise der
Hinterleib der zum Gebühren reifen Mutter auf
2000 Mahl dicker und größer ist als er vor der
Befruchtung war.

§. 138.

[Seite 302]

Die mehresten Insecten legen Eyer, die von
den Müttern nach einem bewundernswürdigen
Instinct immer aufs genaueste an die bestimmten
der künftigen jungen Brut angemessensten Orte
gelegt werden. Manche legen z.B. ihre Eyer
bloß in den Körper lebendiger Insecten anderer
Art, in Raupen; oder in Puppen; oder gar in
andrer Insecten ihre Eyer! denn wirklich kriecht
zuweilen aus den Eyern der Ringelraupe statt
der jungen Raupe eine eigne Art kleiner Mück-
chen aus.

Auch sind die Insecten. Eyer zum Theil,
zumahl bey den Schmetterlingen, von einer über-
aus mannigfaltigen sonderbaren Bildung und
Zeichnung, und wenn sie von der Mutter an die
freye Luft gelegt werden, mit einer Art Firniß
überzogen, damit sie weder vom Regen abge-
spült noch durch andern Zufall leicht zerstört
werden können. Einige wenige Insecten gebären
lebendige Junge und manche, wie die Blatt-
läuse pflanzen sich auf beyderley Weise fort.

§. 139.

Ein äußerst merkwürdiges Phänomen, das
fast bloß dieser Thierclasse eigen, wenigstens in
den andern (§. 95. 116.), bey weitem nicht so
auffallend wird, ist ihre Metamorphose. Die
wenigsten Insecten behalten nähmlich die gleiche
Gestalt, in der sie zuerst ans Licht gekommen
[Seite 303] sind, ihr ganzes übriges Leben hindurch, son-
dern sie verwandeln sich größtentheils zu wieder-
hohlten Mahlen in bestimmten Epochen ihres
Lebens, und erscheinen während dieser Auftritte
oft in ganz verschiednen Gestalten, wobey zugleich
ihr ganzer innrer Körperbau (gegen die gemeine
Meinung) auf eine Weise umgeschaffen wird*),
die sich schwerlich mit den vermeinten präexisti-
renden Keimen (§. 7.) zusammen reimen läßt.

§. 140.

In der Gestalt, wie diese Insecten die sich
einer Metamorphose unterziehen, zuerst aus dem
Ey kriechen, heißen sie Larven. Meist kom-
men sie äußerst klein aus Licht, so daß z.B. eine
erwachsene Weidenraupe 72,000 Mahl schwerer
wiegt als da sie eben ans dem Ey gekrochen war.
Dagegen wachsen sie aber auch desto schneller,
so daß z.B. die Maden der blauen Schmeiß-
fliege 24 Stunden nach dem Auskriechen schon
155 Mahl schwerer wiegen als da sie aus dem
Ey kamen.

Theils haben diese Larven Füße, wie die Rau-
pen und Engerlinge: theils aber keine, wie die
Maden. Flügel haben sie gar noch nicht. Auch
sind sie in diesem Zustande zur Fortpflanzung
noch gänzlich unfähig: sie ernähren sich bloß, und
wachsen, und häuten sich mit unter einige Mahl.

§. 141.

[Seite 304]

In der Gestalt, worein die Larve umgebildet
wird, heißt sie Nymphe. Manche können sich
während dieses Zustandes herum bewegen, auch
Nahrungsmittel zu sich nehmen. Andere hin-
gegen verschließen sich als Puppe, (chrysalis,
aurelia
) und bringen diesen Theil ihres Lebens
in einem betäubenden Todesschlaf, ohne Nah-
rungsmittel, und ohne sich von der Stelle zu
bewegen, zu.

§. 142.

Allein während der Zeit, da das Geschöpf
so ganz fühllos und erstarrt in seiner Hülse ver-
graben scheint, geht mit ihm selbst die große
Veränderung vor, daß es aus seinem Larven-
stand zum vollkommnen Insect (Insectum
declaratum
) umgebildet wird, und nach be-
stimmter Zeit aus seinem Kerker hervorbrechen
kann. Manche Insecten absolviren die letzte
Rolle ihres Lebens in einer sehr kurzen Zeit.
Verschiedne bringen, wenn sie aus ihrer Hülfe
kriechen, nicht ein Mahl einen Mund mit zur
Welt, sie fressen nicht mehr, sie wachsen nicht
weiter; jene beiden Bestimmungen eines orga-
nisirten Körpers hatten sie schon als Larven er-
füllt; jetzt ist ihnen nur noch die dritte übrig:
sie sollen ihr Geschlecht fortpflanzen, und dann der
Nachkommenschaft Platz machen, und sterben.

§. 143.

[Seite 305]

Die unmittelbare Brauchbarkeit der In-
secten ist ziemlich einfach: dagegen aber ist der
Antheil, den diese kleinen wenig bemerkten Thiere
an der großen Haushaltung der Natur haben,
desto mannigfaltiger und ganz unermeßlich. Die
Insecten sind es, die unzählige Arten von Un-
kraut theils im Keim ersticken, theils, wenn es
auch ausgewachsen ist, vertilgen, und seinem
fernern Wucher vorbeugen müssen. Einen an-
dern ebenfalls äußerst wichtigen Nutzen leisten
so viele Insecten, die sich von Aas nähren, im
Miste leben u.s.w. und die dadurch, daß sie
diese widrigen animalischen Substanzen auszeh-
ren, zerstreuen und durchwirken, von der einen
Seite der Infection der Luft vorbeugen, und
von der andern die allgemeine Düngung des
Erdreichs befördern. Aus jener Rücksicht wer-
den z.B. die Schmeißfliegen in den heißen Erd-
strichen so wohlthätig. Anderseits befördern
auch unzählige Insecten die Befruchtung der
Gewächse, auf überaus merkwürdige Weise*).
Manche Thiere dieser Classe, wie die Krebse, die
großen orientalischen Heuschrecken etc. sind eßbar.
So auch der Honig der Bienen. Die Seide
nutzt zur Kleidung und mancherley anderm Ge-
[Seite 306] brauch. Verschiedne Insecten geben vortreff-
liche Farben, wie die Cochenille den Scharlach,
des Kermes das Carmoisin. Die Galläpfel
werden zur Dinte, und Wachs zu Lichtern und
vielerley andern Absichten benutzt. So das
Lack, ein Product gewisser ostindischer Schild-
läuse, das zu Firniß, zum Siegellack u.s.w.
verbraucht wird. Für die Arzney sind vorzüg-
lich die spanischen Fliegen, die Kelleresel und
die Maykäfer, und so genannten Maywürmer,
vom neuen als Hülfsmittel gegen den tollen
Hundsbiß berüchtigt worden.

§. 144.

Nutze und Schade der verschiednen Thier-
classen stehen meist im Verhältniß mit einander:
und so ist auch hier der Nachtheil, den die In-
secten anrichten, im Ganzen genommen, be-
trächtlicher als bey andern Thieren. Sehr viele
Insecten sind den Feldfrüchten überhaupt ge-
fährlich, verursachen Mißwachs, und verheeren,
wie die Zug-Heuschrecken, junge Saat, und
alles, wo sie auffallen. Manche sind besonders
dem Getreide nachtheilig; andere, wie so viele
Raupen, Erdflöhe, Engerlinge etc. den Garten-
gewächsen; andre Raupen und Käferlarven etc.
den Obstbäumen; die Schildläuse besonders der
Orangerie; die Larven einiger Dermestes-
Gattungen und die Holzraupen den Holzungen;
[Seite 307] die Ameisen den Wiesen; die Kackerlacken, die
weißen Ameisen etc. dem Hausgeräthe; die Klei-
dermotten der Wolle, dem Pelzwerk u.s.w.
Die Larven vieler kleiner Käferchen den Büchern
und Naturaliensammlungen. Endlich werden
auch einige Arten von so genanntem Ungeziefer
dem Menschen selbst, so wie den Pferden, Scha-
fen, Hühnern und andern Hausthieren, ja sogar
verschiednen nutzbaren Insecten, den Bienen,
Seidenwürmern etc. auf eine sehr unmittelbare
Weise lästig; und andre, wie die Skorpione etc.
durch ihr Gift, furchtbar.

§. 145.

In der systematischen Anordnung folge ich
in dieser Classe ganz dem Entwurf des R. Linné.
Es versteht sich, daß die Charactere alle Mahl
vom vollkommnen Insect nach überstandner Ver-
wandlung etc. hergenommen sind.

I. Ordn. Coleoptera. Käfer. Meist mit
hornartigem Körper. Die Flügel falten sich
in der Ruhe zusammen, und sind mit zwey
hornartigen Decken oder Scheiden belegt,
die sich in der Mitte in gerader Linie an
einander schließen.

II. Hemiptera. Theils mit einem hornichten
spitzen Rüssel, der vorn an der Brust
hinab liegt: theils mit vier meist kreuz-
weis zusammen gelegten zur Hälfte harten,
pergamentähnlichen Flügeln etc.

[Seite 308]

III. Lepidoptera. Schmetterlinge. Mit
weichem behaartem Körper, und vier aus-
gespannten Flügeln, die mit bunten Schup-
pen bedeckt sind.

IV. Neuroptera. Mit vier durchsichtigen
netzförmigen oder gegitterten Flügeln.

V. Hymenoptera. Mit vier durchsichtigen
geaderten Flügeln.

VI. Diptera. Die Insecten mit zwey (unbe-
deckten) Flügeln.

VII. Aptera. Die völlig ungeflügelten In-
secten.

* * *

Zur N. G. der Insecten.

  1. Th. Mouffet theatrum insectorum. Lond. 1634. fol.
  2. Jo. Raii historia insectorum. Lond. 1710. 4.
  3. Jo. Swammerdam algemeene Verhandeling van de bloede-
    loose Dierkens
    . Utr. 1669. 4.
  4. Ej. biblia naturae. LB. 1737. fol.
  5. Mar. Sib. Merian metamorphosis insectorum Surinamen-
    sium
    . Amst. 1705. fol. max.
  6. Jac. l'Admiral iun. gestaltverwisselende gekorvene Diert-
    jes
    . Amst. 1740. fol.
  7. Chr. Sepp Nederlandsche Insecten. Amst. seit 1762. 4.
  8. Joh. Leonh. Frisch Beschreibung von allerhand In-
    secten in Deutschland. Berl. 1720-38. XIII. Th. 4.
  9. G. W. Panzer's Insectenfaune Deutschlands seit 1795. 12.
  10. Aug. Joh. Rösel monatliche Insecten-Belustigungen.
    Nürnb. 1746-61. IV. B. 4.
  11. Chr. Fr. C. Kleemann Beiträge dazu. Ebendas. seit
    1761. 4.
  12. v. Linné fundamenta entomologiae. Vps. 1767. 4. it.
    im VII. B. von Linne's amoenitatib. academic.
  13. Ej. entomologia speciebus nuper detectis locupletata, curante
    C. de Villers. Lugd. 1789. IV. vol. 8.
  14. J. H. Sulzers Kennzeichen der Insecten. Zürich 1761. 4.
    Dess. abgekürzte Geschichte der Insecten. Winterthur
    1776. 4.
  15. Jac. Chr. Schaeffer elementa entomologica. Ratisb.
    1766. 4.
  16. Ej. icones insectorum Ratisbonensium. ib. 1767. 4.
  17. Jo. Ant. Scopoli entomologia Carniolica. Vindob.
    1763. 8.
  18. Jo. Chr. Fabricii philosophia entomologica. Hamburg.
    1778. 8.
  19. Ej. systema entomologiae. Flensb. 1775. 8.
  20. Ej. genera insectorum. Kilon. 1776. 8.
  21. Ej. species insectorum. Hamb. 1781. II. vol. 8.
  22. EJ. entomologia syste-
    matica
    . Hafn. 1793. IV vol. 8.
  23. de Reaumur histoire des insectes. Par. 1734-1742.
    VI. vol. 4.
  24. de Geer histoire des insectes. Stockh. 1752-1777.
    VI. vol. 4.
  25. Ej. genera et species insectorum; extraxit A. I. Retzius.
    Lips. 1783. 8.
  26. Geoffroy histoire des insectes des environs de Paris.
    Par. 1762. II. vol. 4.
  27. Jo. Bapt. Schluga primae lineae cognitionis insectorum.
    Vienn. 1767. 8.
* * *
  1. Lesser theologie des insectes (trad. de l'allemand) avec
    des remarques de
    P. Lyonet. à la Haye. 1742.
    II. vol. 8.

I. COLEOPTERA (s. Vaginipennia.)

[Seite 310]

Die Thiere dieser Ordnung*) werden über-
haupt Käfer genannt, ob man gleich diesen Nah-
men auch dem ersten Geschlechte insbesondere
beylegt. Die Larve hat Freßzangen, und bey
den mehresten Geschlechtern sechs Füße, die an
der Brust sitzen: bey einigen wie unter den Holz-
bocken ist sie ohne Füße (eine Made). Sie
verpuppt sich mehrentheils unter der Erde in
einer ausgehöhlten lehmigen Scholle: oder aber,
wie bey den genannten Holzböcken, im Holze.
Das vollkommene Insect kriecht zwar weich aus
der Puppe; seine Haut verhärtet aber in kurzer
Zeit an der Luft; es hat so wie die Larve Kinn-
laden am Kopfe, und ist mit harten hornartigen
Flügeldecken (Elytra) versehen.

1. Scarabaevs. Käfer. (Fr. hanneton.
Engl. beetle.) Antennae clauatae capitulo
fissili. Tibiae anticae saepius dentatae
.

1. Hercules. S. scutellatus, thoracis cornu
incuruo maximo; subtus barbato vniden-
tato, capitis recuruato; supra multidentato
.

Rösel vol. IV. tab. 5. fig. 3.

In Brasilien. Die Larve einen starken Dau-
men dick, und beynahe eine viertel Elle lang.
Der Käfer variirt in der Farbe, schmutzig-grün etc.

[Seite 311]

2. Actaeon. (rhinoceros.) S. scutellatus tho-
race bicorni, capitis cornu vnidentato,
apice bifido.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. A. fig. 2.

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen.

3. †. Lunaris. S. exscutellatus, thorace bi-
corni; intermedio obtuso bifido, capitis cornu
erecto clypeo emarginato
.

Frisch P. IV. tab. 7.

Auf Wiesen und Viehweiden, vorzüglich im
Kuhmist, aus dem er, wie andere verwandte Kä-
fergattungen, hohle Kugeln formt, die er einzeln
unter die Erde verscharrt, an Graswurzeln be-
festigt und in jede ein einziges Ey legt.

4. †. Nasicornis. der Nashornkäfer. S. scu-
tellatus, thorace prominentia triplici, capi-
tis cornu incurnato, antennis heptaphyllis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 7. fig. 8. 10.

Der größte hieländische Käfer; findet sich häufig
in Gerberlohe und in hohlen Bäumen; fliegt
sehr selten.

5. †. Sacer. S. exscutellatus, clypeo sexden-
tato, thorace inermi crenulato, tibiis posti-
cis ciliatis, vertice subbidentato
.

Sulzers Gesch. tab. 1. fig. 3.

Im südlichen Europa, und selbst in Tyrol, auch
in der Krimm, vorzüglich aber häufig in Aegypten,
wo er von den alten Aegyptiern verehrt, und auf
ihren Kunstwerken vorgestellt worden. Besonders
hat man ihn auf die Hinterseite der Aegyptischen
und Etruscischen geschnittenen Steine ausgeschnitzt,
[Seite 312] die deshalb Käferrücken oder Scarabäen genannt
werden.

6. †. Fimetarius. S. scutellatus, thorace in-
ermi, capite tuberculato, elytris rubris, cor-
pore nigro
.

Frisch P. IV. tab. 19. fig. 3.

Im Kuhmist.

7. †. Stercorarius. der Roßkäfer, Scharne-
weber, Schnurrkäfer, Schaffink. (Engl.
the dung-beetle.) S. scutellatus, muticus,
ater, glaber; elytris sulcatis; capite rhom-
beo: vertice prominulo; antennis rubris
.

Frisch P. IV. tab. 6. fig. 3.

Besonders im Pferdemist: daher häufig auf
Fahrwegen. Wenn er an heitern Sommeraben-
den herum fliegt, so ist auch für den folgenden
Tag noch gut Wetter zu erwarten.

8. †. Vernalis. des Mistkäfer. S. scutellatus
muticus, elytris glabris laeuissimis, capitis
clypeo rhombeo, vertice prominulo, an-
tennis nigris
.

Sulzer Gesch. tab. 1. fig. 6.

Vorzüglich im Schafmist.

9. †. Horticola. der Gartenkäfer. S. scutella-
tus muticus, capite thoraceque caeruleo
subpiloso, elytris griseis, pedibus nigris
.

Frisch P. IV. tab. 14.

Zumahl an den Obstbäumen etc.

10. †. Melolontha. der Maykäfer, Kreuzkäfer.
S. scutellatus muticus testaceus, thorace
[Seite 313] villoso, cauda inflexa, incisuris abdomi-
nis albis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 1.

Eins der gemeinsten Insecten, das vier Jahre
lang als Engerling unter der Erde lebt, sich von
Getreidewurzeln etc. nährt, und zuweilen allge-
meinen Mißwachs verursacht hat*). Im sechsten
Jahr kommt es endlich als Maykäfer zum Vor-
schein, und schadet in dieser Gestalt dem jungen
Laub, besonders an Obstbäumen.

11. †. Solstitialis. der Brachkäfer, Junius-
käfer, Johanniskäfer. S. scutellatus mu-
ticus testaceus, thorace villoso, elytris lu-
teo-pallidis pellucidis; lineis tribus albis
parallelis
.

Frisch P. IX. tab. 15. fig. 3.

12. †. Auratus. der Goldkäfer, Rosenkäfer.
S. scutellatus muticus auratus, segmento
abdominis primo lateribus vnidentato, cly-
peo planiusculo
.

Frisch P. XII. tab. 3. fig. 1.

Die Larve und Puppe findet sich häufig in Amei-
senhaufen, und hohlen Baumstämmen. Der schöne
Käfer selbst aber in Gärten etc. Man hat Bey-
spiele, daß er sich über 8 Jahr lebendig erhalten
und mit angefeuchteten Brodrinden füttern lassen.

[Seite 314]

2. Lvcanvs. Antennae clauatae; claua
compressa latere latiore pectinato-fissili.
Maxillae porrectae, exsertae, dentatae
.

1. †. Cervus. der Hornschröter, Weinschrö-
ter, fliegende Hirsch, Neuntödter, Börner,
Donnerguge. (Fr. le cerf volant. Engl. the
stag flie
.) L. scutellus; maxillis exsertis,
apice bifurcatis, latere vnidentatis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 5.

Nächst den Krebsen das größte deutsche Insect,
lebt vorzüglich in Eichenwäldern. Nur das Männ-
chen hat die Geweihen ähnelnden Kneipzangen
am Kopfe.

3. Dermestes. Antennae clauatae; ca-
pitulo perfoliato; articulis tribus crassio-
ribus. Thorax conuexus, vix margina-
tus. Caput sub thorace inflexum latens
.

1. †. Lardarius. der Speckkäfer. D. niger,
elytris antice cinereis, punctis nigris
.

Frisch P. V. tab. 9.

Larve und Käfer nähren sich von fetten weichen
Theilen todter Thiere.

2. †. Pellio. D. niger coleoptris punctis al-
bis binis
.

Zieht sich zumahl nach Pelzwerk, ausgestopften
Thieren u.s.w.

3. †. Typographus. der Borkenkäfer, Fichten-
krebs, Holzwurm. D. testaceus pilosus,
elytris striatis retusis praemorsodentatis
.

v. Trebra in den Schr. der Berl. Ges. Na-
turforsch. Freunde. IV. B. tab. 4.

[Seite 315]

Das den Fichtenwaldungen neuerlich auf dem
Harz und in mehrern Gegenden Deutschlands so
furchtbar gewordne Thier; das im Splint der Fich-
ten (Pinus abies) theils in solcher Menge hauset,
daß man wohl in einem mäßigen Baume über
80000 seiner Larven gezählt bat. Bey der dadurch
verursachten Wurmtrockniß stirbt der Baum vom
Wipfel herunter ab, seine Nadeln werden roth,
er verliert sein Harz, und taucht dann kaum recht
zum Verkohlen geschweige als Bau- oder Brennholz.

4. †. Piniperda. der Tannenkäfer, schwarze
fliegende Wurm. D. niger subuillosus, ely-
tris piceis integris, plantis rufis
.

Kaum halb so groß als die vorige Gattung.

4. Ptinvs. Kümmelkäfer. (Fr. pannache,
vrillette
.) Antennae filiformes; articulis
vltimis maioribus. Thorax subrotundus,
immarginatus, caput excipiens
.

1. †. Pertinax. P. fuscus vnicolor.

Hat seinen Nahmen daher, weil er, sobald man
ihn berührt, die Füße anzieht, wie todt liegt, und
lange durch keinen Reitz von der Stelle zu treiben ist.

2. †. Fur. P. testaceus, subapterus, thorace
quadridentato, elytris fasciis duabus albis
.

Sulzers Gesch. tab. 2. fig. 8.

Eins der furchtbarsten Thiere für Naturalien-
sammlungen, Bibliotheken, Hausgeräthe und
Pelzwerk.

3. †. Fatidicus. die Todtenuhr. (Engl. the
Death-watch
.) P. fuscus subpilosus griseo
irregulariter maculosus
.

Philos. Transact. N. 271. 291.

[Seite 316]

Eine der sehr verschieden Insectenarten, die
durch den klopfenden Laut, womit die Gatten ein-
ander zur Parungszeit locken, zu mancherley Volks-
aberglauben Anlaß gegeben haben.

5. Hister. Antennae capitatae capitulo
solidiusculo; infimo articulo compresso,
decuruato. Caput intra corpus retractile.
Os forcipatum. Elytra corpore breuiora.
Tibiae anticae dentatae
.

1. †. Vnicolor. H. totus ater, elytris sub-
striatis
.

Sulzers Kennzeichen tab. 2. fig. 8. 9.

In sandigem Boden und auf Viehweiden.

6. Gyrinvs. Antennae clauatae, rigi-
dae, capite breuiores, oculi
4, duobus
supra, duobus infra.

1. †. Natator. der Schwimmkäfer. G. sub-
striatus
.

Sulzers Gesch. tab. 2. fig. 10.

Schwimmt mit großer Schnelligkeit auf der
Oberfläche des Wassers. Im Tauchen hat er eine
Luftblase am Hintern; gibt einen widrigen Geruch
von sich.

7. Byrrhvs. Antennae clauatae subso-
lidae, subcompressae
.

1. †. Museorum. B. nebulosus, elytris sub-
nebulosis puncto albo
.

In Pelzwerk, ausgestopften Thieren etc.

[Seite 317]

8. Silpha. Antennae extrorsum crassio-
res. Elytra marginata. Caput promi-
nens. Thorax planiusculus, marginatus
.

1. †. Vespillo. der Todtengräber. (Fr. le fos-
soyeur
.) S. oblonga atra, clypeo orbiculato
inaequali, elytris fascia duplici aurantia
.

Frisch P. XII. tab. 3. fig. 2.

Sie haben ihren Nahmen von der besondern
Geschicklichkeit, womit sie die Aeser von kleinen
Thieren, Maulwürfen, Fröschen etc. die sie von
weitem auswittern, unter die Erde zu vergraben,
und ihre Eyer dahinein zu legen. Ihrer sechse
sind wohl im Stande, einen todten Maulwurf
binnen vier Stunden, einen Fuß tief in fetten Boden
einzuscharren.

9. Cassida. Schildkäfer. Antennae sub-
filiformes, extrorsum crassiores. Elytra
marginata. Caput sub thoracis clypeo
plano reconditum
.

1. †. Viridis. C. viridis, corpore nigro.

Rösel vol. II. Erdkäf. III. tab. 6.

Auf Disteln, Feldmelde etc. Die Larve und
Puppe sind ganz flach und am Rande sonderbar
ausgezackt mit Spitzen versehen.

2. †. Murraea. C. nigra, clypeo rubro, ely-
tris sanguineis, punctis nigris sparsis
.

Besonders häufig am Alant.

10. Coccinella. Sonnenkäfer, Gottes-
kuh, Marienkuh, Sommerkind, Gottes-
lämmchen. (Fr. vache à Dieu, bête de la
[Seite 318] vierge
. Engl. Lady-cow, Lady-bird.)
Antennae subclauatae, truncatae. Palpi
claua semicordata. Corpus hemisphaeri-
cum, thorace elytrisque marginatis, ab-
domine plano.

1. †. Bipunctata. C. coleoptris rubris, punctis
nigris duobus
.

Frisch P. IX. tab. 16. fig. 4.

2. †. Bipustulata. C. coleoptris nigris punctis
rubris duobus, abdomine sanguineo
.

Frisch P. IX. tab. 16. fig. 6.

11. Chrysomela. Blattkäfer. Anten-
nae moniliformes, extrorsum crassiores.
Thorax, nec elytra, marginatus
.

1. †. Gottingensis. C. ouata atra pedibus vio-
laceis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. III. tab. 5.

Häufig an der Schafgarbe.

2. †. Minutissima. C. ouata nigra opaca.

Eins der kleinsten Käferchen. Kaum den dritten
Theil so groß als ein Floh.

3. †. Cerealis. C. ouata aurata, thorace lineis
tribus, coleoptrisque quinque violaceis, ab-
domine violaceo.

4. †. Oleracea. C. saltatoria (s. femoribus po-
sticis crassissimis
) virescenti-caerulea.

Ein schädliches kleines Thier, das so wie meh-
rere verwandte Gattungen unter dem Nahmen
Erdflöhe oder Erdfliegen bekannt ist.

[Seite 319]

5. †. Merdigera. der Lilienkäfer. (Crioceris
rubra Geoffr
.) C. oblonga rubra, thorace
cylindrico vtritique impresso
.

Sulzers Gesch. tab. 3. fig. 14.

In Lilien, Mayblumen etc. Die Larve bedeckt
sich mit ihrem eignen Unrath. Der kleine rothe
Käfer, worein sie sich verwandelt, gibt, wenn man
ihn anfaßt, mit seinen Flügeldecken einen durch-
dringenden hellen Laut von sich.

12. Hispa. Stachelkäfer. Antennae fusi-
formes, basi approximatae, inter oculos
sitae. Thorax elytraque aculeata saepius
.

1. †. Atra. H. corpore toto atro.

Unter der Erde an Graswurzeln.

13. Bruchvs. Antennae filiformes, sen-
sim crassiores
.

1. †. Pisi. der Erbsenkäfer. B. elytris albo
punctatis, podice albo maculis binis nigris
.

Thut zumahl in Nordamerica den Hülsenfrüch-
ten großen Schaden.

14. Cvrcvlio. Rüsselkäfer. (Fr. charan-
son
.) Antennae subclauatae, rostro in-
sidentes. Rostrum corneum prominens
.

Sie haben meist einen kurzen rundlichen aber
überaus hart gepanzerten Körper, und einen festen
mehr oder weniger gebognen Rüssel von verschied-
ner Länge. Es sind nachtheilige Thiere, von
denen besonders die mit dem sehr langen Rüssel
den Bäumen, die übrigen aber den Feldfrüchten
und Gartengewächsen Schaden thun. Die Larven
nennt man Pfeiffer.

[Seite 320]

1. Palmarum. der Palmbohrer. C. longiro-
ster ater, thorace ouato planiusculo, elytris
abbreuiatis striatis
.

Sulzers Kennz. tab. 3. fig. 20.

In beiden Indien. Hat fast die Größe des
Hornschröters. Die Larve nährt sich vom Sagu-
marke; wird aber selbst als ein schmackhaftes Ge-
richt gegessen.

2. †. Frumentarius. der schwarze Kornwurm,
Reiter, Wippel. C. longiroster sanguineus.

Eine große Plage für die Kornböden. Er saugt
das Mehl aus dem Korn und läßt die Hülse liegen.
Das bewährteste Gegenmittel ist, die Fruchtböden
und ihre Gebälke etc. mit scharfer Seifensiederlauge
besprengen und abfegen zu lassen.

3. †. Granarius. C. longiroster piceus oblon-
gus thorace punctato longitudine elytrorum
.

Auch auf Kornböden, in Mühlen etc.

4. †. Paraplecticus. C. longiroster cylindricus
subcinereus, elytris mucronatis.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 7.

Auf Wasserpflanzen. Die Beschuldigung daß
er den Pferden Lähmung verursache, ist unge-
gründet, und trifft wohl die verdächtigen Pflanzen,
aber nicht das darauf wohnende unschuldige Thier.

5. †. Bacchus. der Rebensticher. C. longi-
roster aureus, rostro plantisque nigris
.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 4.

An Weinstöcken etc. – Larve oder Käferchen
von dieser und einigen andern Gattungen an einen
schmerzenden hohlen Zahn gerieben, soll den Schmerz
vertreiben.

[Seite 321]

6. Anchoraco. C. longiroster, femoribus den-
tatis, elytris flauo striatis, thorace elongato
.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 6.

Die schmale Brust, und der Rüssel sind jedes
so lang als der ganze Hinterleib: dadurch das
Thier ein sonderbares Ansehen bekommt.

7. †. Nucum. C. longiroster, femoribus den-
tatis, corpore griseo longitudine rostri
.

Rösel vol. III. Erdkäf. IV. tab. 67.

Macht die Haselnüsse wurmstichig.

8. Imperialis. der Juwelenkäfer. C. breui-
roster niger, elytris dentatis, sulcatis punctis
excauatis, auro versicolore distinctis, ab-
domine aeneo viridi
.

In Brasilien. Eins der prachtvollsten Insecten.
Das gefärbte Gold in den unzähligen Grübchen,
die reihenweise auf den Flügeldecken eingegraben
sind, thut in hellem Lichte zumahl unterm Ver-
größerungsglase eine unbeschreibliche Wirkung.

15. Attelabvs. Caput postice attenua-
tum inclinatum. Antennae apicem ver-
sus crassiores
.

1. †. Coryli. A. niger, elytris rubris.

Sulzers Kennz. tab. 4. fig. 25.

2. †. Apiarius. der Immenwolf. A. caeru-
lescens, elytris rubris, fasciis tribus nigris.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 4.

Ist häufig wo viel Bienenzucht ist, thut in
manchen Jahren den Stöcken großen Schaden.

[Seite 322]

16. Cerambyx. Holzbock. (capricornus)
Antennae attenuatae. Thorax spinosus
aut gibbus. Elytra linearia
.

Manche Gattungen haben ungeheuer lange Fühl-
hörner, einen ungemein starken Brustschild und
Flügeldecken, und ein überaus zähes Leben, so
daß man angespießte Holzböcke noch nach vier
Wochen lebendig gefunden hat. Meist leben sie
in Holz, und geben mittelst des Brustschilds, den
sie an den Flügeldecken reiben, einen knarrenden
Laut von sich.

1. Longimanus. C. thorace spinis mobilibus,
elytris basi vnidentatis apiceque bidentatis,
antennis longis
.

Rösel vol. II. Erdkäf. II. tab. 1. fig. 2.

So wie die folgende Gattung in Südamerika.

2. Ceruicornis. C. thorace marginato dentato,
maxillis porrectis coniformibus vtrinque spi-
nosis, antennis breuibus
.

Noch größer als der vorige. Ebenfalls schön
gezeichnet, mit Kinnzangen, fast wie am Horn-
schröter.

3. †. Moschatus. C. thorace spinoso, elytris
obtusis viridibus nitentibus, femoribus mu-
ticis, antennis mediocribus
.

Frisch P. XIII. tab. 11.

Gibt einen bisamänlichen Geruch von sich.

4. †. Aedilis. C. thorace spinoso; punctis 4.
luteis, elytris obtusis nebulosis, antennis
longissimis
.

Frisch P. XIII. tab. 12.

[Seite 323]

Die Fühlhörner sind wohl sechs Mahl so lang
als das ganze Thier.

17. Leptvra. Antennae setaceae. Ely-
tra apicem versus attenuata. Thorax
teretiusculus
.

1. †. Aquatica. L. deaurata, antennis nigris,
femoribus posticis dentatis
.

An allerhand Wasserpflanzen. Variirt in der
Farbe.

18. Necydalis. Afterholzbock. Anten-
nae setaceae. Elytra alis minora. Cauda
simplex
.

1. †. Maior. N. elytris abbreuiatis ferrugi-
neis immaculatis, antennis breuioribus
.

19. Lampyris. Johanniswürmchen. (ci-
cindela, nitedula
. Fr. ver luisant. Engl.
glow-worm.) Antennae filiformes. Ely-
tra flexilia. Thorax planus, semiorbi-
culatus, caput subtus occultans cingens-
que. Abdominis latera plicato-papillosa
.

Nur die Männchen sind geflügelt, und diese
haben zwey blaulich phosphorescirende lichte Punkte
unten am Bauche. Ihre ungeflügelten Weibchen
leuchten weit stärker als die Männchen, besonders
um die Begattungszeit, da ihr Licht vermuthlich
den Männchen zur Anzeige dient, sie aufzufinden.
Einige Zeit, nachdem das Weibchen seine Eyer
gelegt hat, (die selbst auch im Finstern leuchten)
verliert sich der Schein bey beiden Geschlechtern.

[Seite 324]

1. †. Noctiluca. L. oblonga fusca, clypeó
cinereo
.

Unter Wachholdersträuchen, Rosenbüschen etc.
Ein paar in ein Gläschen gethan, leuchten hell
genug, um dabey im Finstern lesen zu können.

20. Cantharis. Antennae setaceae.
Thorax marginatus capite breuior. Ely-
tra flexilia. Abdominis latera plicato-
papillosa
.

1. †. Fusca. C. thorace marginato rubro ma-
cula nigra, elytris fuscis
.

Frisch P. XII. III. Pl. tab. 6. fig. 5.

Die Larve dieses Thiers hält sich über Winter
in der Erde auf, und kommt dann zuweilen wenns
geschneyt hat zu tausenden hervorgekrochen, da
ihre plötzliche Erscheinung auf dem frischen Schnee
zu allerhand Sagen Anlaß gegeben.

2. †. Naualis. C. thorace teretiusculo, cor-
pore luteo, elytris margine apiceque nigris
.

Frisch P. XIII. tab. 20.

Ein schädliches Thier, dessen Larve das Eichen-
holz durchbohrt und für die Schiffe gefährlich wird.

21. Elater. Springkäfer, Schmid. (Fr.
taupin.) Antennae setaceae. Thorax
retrorsum angulatus. Mucro pectoris e
foramine abdominis resiliens
.

Diese Thiere sind wegen der sonderbaren Fertig-
keit merkwürdig, mit welcher sie, wenn sie auf
dem Rücken zu liegen kommen, sich in die Höhe
zu schnellen, und wieder auf die Beine zu helfen
[Seite 325] wissen. Vorzüglich hilft ihnen dazu ein Stachel,
der vorn an der Brust befestigt ist, und in eine
Rinne oben am Bauche paßt, aus der er beym
Aufschnellen mit Gewalt heraus schnappt; und
dann die Spitzen, die rückwärts auf beiden Seiten
des Brustschilds heraus stehen, und mit den Flü-
geldecken auf eine ähnliche Weise eingelenkt sind.

1. Noctilucus. der Cucuyo. E. thoracis late-
ribus macula flaua glabra
.

Im mittlern America; wohl zwey Zoll lang.
Die beiden gelben runden Flecken gegen die Sei-
tenspitzen des Brustschildes leuchten stark im Fin-
stern, und die Caraiben bedienten sich ehedem der
Cucuyos und einiger anderer phosphorescirenden
Insecten statt der Leuchten.

2. †. Niger. E. thorace laeui, elytris pedibus
corporeque nigris
.

Häufig auf Viehweiden.

22. Cicindela. Sandlaufer. Antennae
setaceae. Maxillae prominentes denticu-
latae. Oculi prominuli. Thorax rotun-
dato-marginatus
.

Als Larven scharren sie sich in Sand, fast wie
der Ameisenlöwe, um andern Insecten aufzulauern,
und als Käfer wissen sie ihnen mit ausnehmender
Schnelligkeit im Lauf und Flug nachzujagen.

1. †. Germanica. C. viridis, elytris puncto
lunulaque apicum albis
.

23. Bvprestis. Prachtkäfer. Antennae
setaceae, longitudine thoracis. Caput
dimidium intra thoracem retractum
.

[Seite 326]

1. Gigantea. B. elytris fastigiatis bidentatis
rugosis, thorace marginato laeui, corpore
inaurato
.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 38.

In beiden Indien. Wohl Fingers lang.

2. †. Chrysostigma. B. elytris serratis longi-
tudinaliter sulcatis, maculis duabus aureis
impressis, thorace punctato
.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 39.

24. Dytiscvs. Wasserkäfer, Fischkäfer.
(Hydrocantharus.) Antennae setaceae
aut clauato-perfoliatae. Pedes postici
villosi, natatorii submutici
.

1. †. Piceus. D. antennis perfoliatis, corpore
laeui, sterno carinato, postice spinoso
.

Frisch P. II. tab. 6. fig. 1.

Eine der größten Gattungen. Wenn der Käfer
seine Eyer legen will, so bereitet er dazu eine
artige längliche Hülse, die er mit einer braunen
Seide überzieht, und die mit den eingeschloßnen
Eyern wie ein Schiffchen auf dem Wasser schwimmt,
bis die kleinen Larven ausgekrochen und im Stande
sind, in ihr Element über Bord zu springen.

2. †. Semistriatus. D. fuscus, elytris sulcis
dimidiatis decem villosis
.

Frisch P. II. tab. 7. fig. 4.

Ist (so wie vermuthlich die mehresten Gattun-
gen dieses Geschlechts,) den Fischreichen gefährlich.

[Seite 327]

25. Carabvs. Laufkäfer. Antennae seta-
ceae. Thorax obcordatus apice trunca-
tus marginatus. Elytra marginata
.

Raubthiere in ihrer Art. Geben, wenn man
sie anfaßt, einen widerlichen Saft von sich. Die
wenigsten können fliegen; laufen aber desto schneller.

1. †. Coriaceus. C. apterus ater opacus, elytris
punctis intricatis subrugosis
.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 44.

2. †. Auratus. der Goldhahn. C. apterus,
elytris porcatis; striis sulcisque laeuibus
inauratis
.

Häufig auf Feldern, Wiesen etc.

3. †. Sycophanta. C. aureo nitens, thorace
caeruleo, elytris aureo viridibus striatis, ab-
domine subatro
.

Sulzers Gesch. tab. 7. fig. 1.

Der größte hieländische Laufkäfer.

4. †. Crepitans. der Bombardirkäfer. C. tho-
race capite pedibusque ferugineis, elytris
viridi nigricantibus
.

Schwedische Abhandl. 1750. tab. 7. fig. 2.

Ein kleines Käferchen. Wird besonders von
der vorigen Gattung verfolgt, und ist dabey durch
die von D. Rolander bemerkte ganz eigne Art
berühmt geworden, womit er sich gegen jenen u.a.
seiner Feinde zu vertheidigen sucht; da er ihnen
mit einem auffallend starken Laut einen blaulichen
Dunst entgegen schießt etc.

[Seite 328]

26. Tenebrio. Antennae moniliformes
articulo vltimo subrotundo. Thorax pla-
noconuexus, marginatus. Caput exser-
tum. Elytra rigidiuscula
.

1. †. Molitor. T. alatus niger totus, femori-
bus anticis crassioribus
.

Frisch P. III. tab. 1.

Die Larven halten sich im Mehl auf, finden
sich daher häufig in Mühlen und Beckerhäusern,
heißen Mehlwürmer, und geben das bekannte
Nachtigallenfutter ab.

2. †. Mortisagus. der Todtenkäfer. T. apte-
rus thorace aequali, coleoptris laeuibus mu-
cronatis
.

Frisch P. XIII. tab. 25.

27. Meloë. Antennae moniliformes ar-
ticulo vltimo ouato. Thorax subrotun-
dus. Elytra mollia flexilia, caput in-
flexum, gibbum
.

1. †. Proscarabeus. der Maywurm. (Fr. le
scarabé onctueux
. Engl. the oil-beetle.) M.
apterus, corpore violaceo
.

Frisch P. VI. tab. 6. fig. 5.

Ein weiches Thier, das bey jeder Berührung
einen stinkenden Saft aus der Brust, da wo die
Füße eingelenkt sind, fließen läßt.

2. †. Vesicatorius. die spanische Fliege. (Can-
tharis
offic.) M. alatus viridissimus nitens,
antennis nigris
.

Das wichtige heilsame Geschöpf, das zum Bla-
senziehen gebraucht wird.

[Seite 329]

28. Mordella. Antennae filiformes
serratae. Caput deflexum sub collo
(in
territo
). Palpi compresso-clauati, oblique
truncati. Elytra deorsum curua apicem
versus. Ante femora lamina lata ad basin
abdominis
.

Kleine Käferchen. Das ganze Geschlecht be-
greift nur wenige Gattungen, die sich noch dazu
wenig zu vermehren scheinen.

1. †. Aculeata. M. atra, ano spina terminate.

Sulzers Kennz. tab. 7. fig. 46.

29. Staphylinvs. Antennae monili-
formes. Elytra dimidiata. Alae tectae.
Cauda simplex exserens duas vesiculas
oblongas
.

Sind besonders wegen der kleinen Blasen merk-
würdig, die sie, so bald sie Gefahr merken, aus
dem Hinterleibe treiben; deren Nutzen aber noch
unbestimmt ist.

1. †. Maxillosus. S. pubescens niger, fasciis
cinereis, maxillis longitudine capitis
.

30. Forficvla. Antennae setaceae. Ely-
tra dimidiata. Alae tectae. Cauda for-
cipata
.

1. †. Auricularia. der Ohrwurm, Oehrling,
Ohrhöhler. (Fr. le perce-oreille. Engl. the
ear-wig
.) F. elytris apice albis.

Frisch P. VIII. tab. 15. 1. 2.

[Seite 330]

Das bekannte Thier, von dem die ungegründete
Sage erdichtet ist, daß es gern den Menschen
in die Ohren kröche, wohin sich irgend etwa ein
Mahl eins, so gut wie jedes andre Insect, ver-
irren kann. Aber den Gärten sind sie nachtheilig,
da sie junges Gemüse, die Augen an Orangerie,
Nelkenknospen etc. zerfressen.


II. HEMIPTERA.

Bey den Insecten dieser Ordnung ist der
Kopf an der Brust niedergedrückt, bey einigen
mit Kinnladen, bey den mehresten aber mit
einem nach dem Unterleibe gebogenen Saugerüssel
versehen, weßhalb diese auch von einigen Na-
turforschern Proboscidea genannt werden. An-
zahl, Bildung und Richtung der Flügel ist ver-
schieden. Meistens haben sie vier Flügel, von
welchen zumahl die obern an der Wurzel fester
und hornartiger, am äußern Ende aber dünner
und weicher sind. Bey einigen sind sie gerade
ausgestreckt, bey andern übers Kreuz zusammen
gefaltet. Theils sind sie auch mit einer Art klei-
ner Flügeldecken belegt. Manche haben nur zwey
Flügel, und bey verschiedenen sind die Weibchen
gänzlich ungeflügelt. Ihre Verwandlung ist
nicht sehr ausfallend: sondern die Larven ähneln
dem vollkommnern Insect bis auf die Flügel, die
erst nach und nach völlig ausgebildet werden.

31. Blatta. Die Schabe. Caput infle-
xum. Antennae setaceae. Elytra alaeque
[Seite 331] planae, subcoriaceae. Thorax planiuscu-
lus, orbiculatus, marginatus. Pedes cur-
sorii. Cornicula duo supra caudam
.

1. †. Orientalis. der Kakerlake, Tarokan.
(Engl. the black beetle, cockroach.) B. fer-
rugineo-fusca elytris abbreuiatis sulco ob-
longo impresso
.

Frisch P. V. tab. 3.

In Ost- und Westindien. Und nun auch in
einem großen Theil von Europa. So wie andere
Schaden, ein lichtscheues aber verwüstendes Thier,
das Brod, Leder, Hausgeräthe verzehrt, sich
zumahl gern in Beckerhänsern einnistelt, und wo
es noch nicht zu sehr überhand genommen durch
Arsenik, Schiespulverdampf, kochend Wasser etc.
wieder auszurotten ist.

2. Heteroclita. B. fusca, elytris nigris, sinistro
integro 4-pustulato; dextro ad marginem
internum semipellucido,
3-pustulato.

Pallas spileg. zoologic. IX. tab. 1. fig. 5.

In Tranquebar etc. Wegen der auffallenden
Ungleichheit zwischen beiden Flügeldecken merk-
würdig.

3. †. Lapponica. B. flauescens, elytris nigro-
maculatis
.

Auch außer Lappland im mildern Europa.

32. Mantis. Caput nutans, maxillosum,
palpis instructum. Antennae setaceae.
Alae
4 membranaceae, conuolutae, in-
feriores plicatae. Pedes
antici compressi,
[Seite 332] subtus serrato denticulati, armati ungue
solitario et digito setaceo laterali articu-
lato:
postici 4. laeues, gressorii. Thorax
linearis elongatus angustatus.

Alle von einer ungewöhnlichen lang gestreckten,
sonderbaren Bildung. Auch ihr Gang, ihr Be-
tragen etc. hat was eignes gleichsam Feyerliches,
das wohl zu der abergläubischen Devotion Anlaß
gegeben hat, mit der mehrere Gattungen dieses
Geschlechts, zumahl im Oriente angesehen werden.

1. Gigas. M. thorace teretiusculo scabro, ely-
tris breuissimis, pedibus spinosis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 19. fig. 9. 10.

Auf Amboina. Spannen lang, und doch kaum
so dick als eine Gäuse-Spuhle. Wird von den
Indianern gegessen.

2. Gongylodes. M. thorace subciliato, femo-
ribus anticis spina terminatis, reliquis lobo.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 7. fig. 1. 2. 3.

Auf Guinea etc.

3. †. Religiosa. die Gottesanbeterinn, das
wandelnde Blatt, der Weinhandel, Wein-
hasel. M. thorace laeui subcarinato elytris-
que viridibus immaculatis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 1. 2.

Geht meist nur auf den vier Hinterfüßen, und
hält die vordern beiden in die Höhe. Man nennt
es das wandelnde Blatt, weil seine Oberflügel
an Gestalt und Farbe einem Weidenblatte ähneln.
Kann wohl zehn Jahre alt werden.

[Seite 333]

33. Gryllvs. Heuschrecke. (Fr. sauterelle.
Engl. grashopper.) Caput inflexum, ma-
xillosum, palpis instructum. Antennae
setaceae s. filiformes. Alae
4 deflexae,
conuolutae, inferiores plicatae. Pedes
postici saltatorii. Vngues vbique bini
.

Ein großes Geschlecht, dessen mehreste Gattun-
gen dem Wiesenwachs und Getreide gefährlich
sind. Bey manchen geben die Männchen entwe-
der zur Begattungszeit, oder bey einbrechender
Nacht, oder wenn sich das Wetter ändern will,
einen bekannten zirpenden Laut von sich, den sie
theils mit den Springfüßen, am meisten aber mit
den Flügeln hervorbringen.

1. †. Gryllotalpa. die Werre, Maulwurfs-
grille, der Riehwurm. Reitwurm, Schrot-
wurm, Ackerwerbel, Erdkrebs. G. tho-
race rotundato, alis caudatis elytro longio-
ribus, pedibus anticis palmatis tomentosis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 14. 15.

In Europa und Nordamerica: an theils Orten,
wie im Thüringischen etc. ausnehmend häufig. Lebt
meist unter der Erde, und thut zumahl den Küchen-
gewächsen und der Gerstensaat großen Schaden.

2. †. Domesticus. die Grille, Zirse, Heimchen.
(Fr. le grillon. Engl. the cricket.) G. tho-
race rotundato, alis caudatis elytro longio-
ribus, pedibus simplicibus, corpore glauco.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 12.

3. †. Campestris. die Feldgrille. G. thorace
rotundato, cauda biseta stylo lineari, alis
elytro breuioribus, corpore nigro.

Frisch P. I. tab. 1.

[Seite 334]

4. †. Viridissimus. der Baumhüpfer. G. tho-
race rotundato, alis viridibus immaculatis,
antennis setaceis longissimis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 10. 11.

Von schöner grüner Farbe. Lebt meist aus Ge-
büschen, springt vorzüglich weit.

5. †. Verruciuorus. das Heupferd. G. tho-
race subquadrato laeui, alis viridibus fusco
maculatis, antennis setaceis longitudine
corporis.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 8.

6. Cristatus. G. thorace cristato, carina qua-
drifida
.

Rösel vol. II. Heusch. tab. 5.

Die große eßbare Heuschrecke der Morgenländer.

7. †. Migratorius. die Zugheuschrecke, Strich-
heuschrecke, Heerheuschrecke. G. thorace
subcarinato; segmento vnico, capite obtuso,
maxillis atris.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 24.

Bey weitem nicht so groß, als die vorige, aber
furchtbar, weil sie oft in unsäglichen Zügen auch
in Europa eingefallen ist, und allgemeinen Miß-
wachs, Hungersnoth etc. verursacht hat. Ur-
sprünglich gehört sie wohl in die große Tatarey
zu Hause, doch findet es sich auch einzeln in
Deutschland, das doch seit 1750 mit ihren großen
Invasionen verschont geblieben.*) Auch soll sie
[Seite 335] sich (wenn es anders die gleiche Gattung ist) in
Nord- und Süd-America finden.

8. †. Stridulus. die Holzheuschrecke. G. tho-
race subcarinato, alis rubris extimo nigris
nebulosis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 21. fig. 1.

Leben meist im Gehölze. Die Männchen geben
im Fluge einen lauten klappernden Ton von sich.

34. Fvlgora.*) Caput fronte producta,
inani. Antennae infra oculos, articulis
2,
exteriore globoso. Rostrum inflexum,
pedes gressorii
.

Der sonderbare Character dieses Geschlechts ist
die große hornichte Blase vor der Stirne, die beym
lebenden oder kürzlich abgestorbnen Thier einen
hellen Schein verbreitet.

1. Laternaria. der Surinamische Laternträ-
ger, Leyermann. (Fr. la portelanterne.
Engl. the lanthorn-fly.) F. fronte ouali
recta, alis liuidis; posticis ocellatis
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 28. 29.

Die größte Art; die leuchtende Blase ist größer
als der ganze übrige Körper, und scheint so hell,
daß sich die Wilden ihrer statt Leuchten bedienen
sollen, wenn sie im Finstern reisen.

2. Candelaria. der Schinesische Laternträger.
F. fronte rostrato subulata adscendente, ely-
[Seite 336] tris viridibus luteo-maculatis, alis flauis;
apice nigris
.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 30.

35. Cicada. (Fr. cigale.) Rostrum in-
flexum. Antennae setaceae. Alae
4
membranaceae, deflexae. Pedes pleris-
que saltatorii
.

Die männlichen Cicaden geben wie die Heu-
schrecken einen Laut von sich, der durch besondre,
mehr zusammengesetzte Werkzeuge an ihrem Un-
terleibe hervor gebracht wird.

Merkwürdig ist, daß ein gewisser kleiner Keu-
lenschwamm (clauaria) besonders häufig auf den
Aesern mancher Cicaden-Gattungen theils gar auf
dem lebendigen Leibe ihrer Larven (aber freylich
auch oft auf den Puppen andrer Insecten) zu
wachsen pflegt*).

1. † Cornuta. C. thorace bicorni postice subu-
lato longitudine abdominis, alis nudis
.

Sulzers Kennz. tab. 10. fig. 63.

Auf Getreide, Disteln etc.

2. Plebeia. C. scutelli apice bidentato, elytris
anastamosibus quatuor, lineisque sex fer-
rugineis
.

In Griechenland, Italien und Nordafrica. Die
bey den Alten so beliebte Cicade.

[Seite 337]

3. Orni. C. elytris intra marginem tenuiorem
punctis sex concatenatis, anastamosibus in-
terioribus fuscis
.

Sulzers Kennz. tab. 10. fig. 65.

4. † Sanguinolenta. C. atra, elytris maculis
duabus fasciaque sanguineis
.

5. †. Spumaria. der Schaumwurm, Gäscht-
wurm. C. fusca, elytris maculis binis albis
lateralibus; fascia duplici interrupta albida.

Frisch P. VIII. tab. 12.

Besonders häufig auf Weidenbäumen, denen
die Larve im Frühjahr den Saft aussaugt, und
ihn in Gestalt eines Schaums (des so genannten
Kuckuckspeichels), unter welchen sie oft versteckt
sind, wieder von sich gibt. Daher auch die Sage
von regnenden Weiden.

36. Notonecta. Wasserwanze. Ro-
strum inflexum. Antennae thorace bre-
viores. Alae
4 cruciato complicatae,
antice coriaceae. Pedes posteriores pilosi
natatorii
.

1. † Glauca. N. grisea elytris griseis mar-
gine fusco punctatis apice bifidis
.

Frisch P. VI. tab. 13.

Schwimmt die mehreste Zeit auf dem Rücken:
weiß auch in dieser Lage kleine Mücken etc. von
denen sie sich nährt, mit vieler Geschwindigkeit zu
haschen.

37. Nepa. Wasserscorpion. Rostrum in-
flexum. Alae
4 cruciato-complicatae an-
tice coriaceae. Pedes anteriores cheli-
formes; reliqui
4 ambulatorii.

[Seite 338]

Der Körper ist platt wanzenartig. Die Vor-
derfüße haben einige Aehnlichkeit mit Krebsschee-
ren. Der lange Stachel am Hinterleibe nutzt
nicht als Waffen sondern zum Luftschöpfen.

1. †. Cinerea. N. cinerea, thoraci inaequali,
corpore oblongo-ouato
.

Frisch P. VII. tab. 15.

Die Eyer dieses Thieres haben eine überaus
sonderbare Gestalt, an einem Ende mit Häkchen,
fast wie Samen von Kornblumen etc.

2. †. Cimicoides. N. abdominis margine serrato.

Frisch P. VI. tab. 14.

3. Plano. N. subfusca; oculis nigris, alis al-
bidis, dorso plano
.

Eine gewisse Art Wassermilben legt diesem Thier,
das auf Tranquebar zu Hause ist, ihre Eyer auf
den Rücken.*)

38. Cimex. Wanze. (Fr. punaise. Engl.
bug.) Rostrum inflexum. Alae 4 cru-
ciato-complicatae, superioribus antice
coriaceis. Dorsum planum thorace mar-
ginato. Pedes cursorii.

1. †. Lectularius. die Bettwanze, Wandlaus.
(Engl. the wall-louse.) C. flauescens,
alis nullis.

Sulzers Kennz. tab. 10. fig. 69.

[Seite 339]

Ueber die ursprüngliche Heimath und den Aufent-
halt dieses ekelhaften lichtscheuen Insects im wil-
den Zustande weiß man wenig zuverlässiges. Jetzt
findet sichs in den Wohnungen unreinlicher oder
sorgloser Menschen fast in allen Welttheilen (nah-
mentlich in Sibirien, Ostindien, Nord- und Süd-
America etc.) So leicht Wanzen durch Zufall in
ein Haus kommen können, so leicht ist es sie bald
anfangs durch sorgfältige wiederholte Anwendung
kräftiger Mittel*) auch wieder zu vertreiben:
was aber äußerst schwer hält, wo man sie einmahl
überhand nehmen und sich weit verbreiten lassen.

2. †. Corticalis. C. membranaceus, abdomi-
nis margine imbricatim secto, corpore nigri-
cante
.

In Wäldern an Baumstämmen: ist wegen seiner
täuschenden Rindenartigen Gestalt und Farbe schwer
zu finden.

[Seite 340]

3. †. Baccarum. Qualster. C. ouatus griseus;
abdominis margine nigro maculato
.

In Gärten, zumahl an Johannisbeeren. Auch
diese Wanze stinkt fürchterlich: doch bloß wenn sie
berührt wird; da ihr der Gestank, wie manchen
andern Wanzen zum Vertheidigungsmittel zu
dienen scheint.

4. †. Personatus. C. rostro arcuato, antennis
apice capillaceis, corpore oblongo subuil-
loso fusco
.

Frisch P. X. tab. 20.

Hält sich in Winkeln auf. Die Larve zumahl
sieht äußerst häßlich aus, und ist immer wie mit
Staub und Kehricht bedeckt.

39. Aphis. Blattlaus, Neffe, Mehltau.
(Fr. puceron. Engl. plant louse.) Rostrum
inflexum. Antennae thorace longiores.
Alae
4 erectae aut nullae. Pedes ambu-
latorii. Abdomen postice saepius bicorne
.

Es gibt oft in einer Gattung, ja in einer und
eben derselben Familie geflügelte und ungeflügelte
Blattläuse, und das ohne alle Beziehung auf den
Geschlechtsunterschied. Die Männchen sind kleiner
als ihre Weibchen, und werden auch in weit
mindrer Anzahl jung. Sie erscheinen nicht eher
als im Herbste, und nur auf kurze Zeit, da sie
ihre Weibchen befruchten, die kurz darauf Eyer
oder vielmehr Hülsen von sich geben, in welchen
zwar die jungen Blattläuse schon völlig ausgebil-
det liegen, aber doch nicht eher als bis im fol-
genden Frühjahr hervor brechen, und zwar sind
alle diese nunmehr ausgekrochenen Blattläuse durch-
gehends weiblichen Geschlechts, so daß im Früh-
jahr und Sommer schlechterdings keine männliche
[Seite 341] Blattlaus zu sehen ist. Und dessen ungeachtet sind
doch alle jene jungfräulichen Blattläuse im Stande,
ohne Zuthun, eines Gatten ihr Geschlecht fortzu-
pflanzen; so daß jene einmahlige Begattung im
Herbste, ihre befruchtende Wirkung im folgenden
Frühjahr und Sommer bis ins neunte Glied äußert.

1. †. Ribis. A. ribis rubri.

Frisch P. XI. tab. 14.

2. †. Vlmi. A. vlmi campestris.

3. †. Sambuci. A. sambuci nigrae.

Frisch P. XI. tab. 18.

4. †. Rosae. A. rosae.

Sulzers Kennz. tab. 12. fig. 79.

5. †. Bursaria. A. populi nigrae.

Swammerdam biblia nat. tab. 45. fig.
22. u. f.

Auf der Schwarzpappel, da sie die sonderbaren
rosenartigen Auswüchse verursachen, die man Pap-
pelrosen, Alberknospen etc. heißt.

6. Pistaciae. A. nigra, alis albidis, tibiis
longissimis, thorace verrucoso
.

An Pistacien, Mastix, Terpenthinbaum etc. wo
sich die Blattläuse in einer spannenlangen Schoten-
ähnlichen Hülse aufhalten.

40. Chermes. Blattsauger. Rostrum pe-
ctorale. Antennae thorace longiores.
Alae
4 deflexae. Thorax gibbus, pedes
saltatorii
.

Haben in der Bildung viel Aehnliches mit den
geflügelten Blattläusen. Als Larven sehen sie fast
aus wie Cicaden, hüpfen auch so etc.

[Seite 342]

1. †. Buxi. C. buxi.

2. †. Alni. C. betulae alni.

Frisch P. VIII. tab. 13.

41. Coccvs. Schildlaus. Rostrum pe-
ctorale. Abdomen postice setosum. Alae

2 erectae masculis. Feminae apterae.

Bey keinen andern Thieren sehen die beiden Ge-
schlechter einander so auffallend ungleich als bey
den Schildläusen. Das Männchen ähnelt einer
kleinen Mücke, das Weibchen hingegen ist unge-
flügelt, und sitzt, nachdem es sich gehäutet hat,
fast unbeweglich an den Gewächsen, und könnte
bey manchen Arten ehe für eine Narbe an der
Pflanze, als für ein lebendiges Thier angesehen
werden. Das Männchen schwärmt indeß im Freyen
umher, bis es vom Begattungstrieb gereitzt, ein
solches einsiedlerisches Weibchen aussucht und be-
fruchtet.

1. Hesperidum. C. hybernaculorum.

Sulzers Kennz. tab. 12. fig. 81.

Das Weibchen hält sich vorzüglich an Orangen-
bäumen, auf der Rückseite der Blätter, auf.

2. Adonidum. C. rusa farinacea pilosa.

Wie die vorige in Gewächshäusern, besonders
an Caffeebäumen etc. Man verreibt sie, wenn man
die Gewächse nach dem Begiesen mit Schwefel-
blumen bestreut.

3. Ilicis. Kermes. C. quercus cocciferae.

Im südlichen Europa, besonders in Languedoc
und Provence, an Stechpalmen etc. Die beeren-
förmigen, gallapfelartigen Eyer-Nester dieser
[Seite 343] Thiere werden mit Essig besprengt, und das Car-
moisinroth daraus verfertigt.

4. †. Polonicus. Deutsche Cochenille, Johan-
nisblut. C. radicis scleranthi perennis.

Frisch P. V. tab. 2.

Macht ebenfalls Kermesartige Eyer-Nester an
den Wurzeln von Weggras und andern Pflanzen;
zumahl häufig in Polen und am Don, wo sie
gesammelt, und zur Farbe angewandt werden.

5. Cacti. der Scharlachwurm. (Fr. la coche-
nille
, Engl. the cochineal-fly.) C. cacti
coccinelliferi
.

Ellis in den philos. Transact. vol. LII.
P. II.

Ursprünglich in Mexico; findet sich auf mehreren
Cactusarten, die deßhalb in großen Plantagen
gepflanzt, und die Cochenillwürmer fast wie die
Seidenwürmer darauf gezogen, und jährlich zu
dreyen Mahlen abgelesen werden.

6. Lacca. der Gummi-Lackwurm. C. ficus
indicae et religiosae
.

D. Roxburgh in Voigt's Magazin VIII. B.
4. St. tab. 1.

Zumahl in den gebirgigen Gegenden von Hin-
dostan zu beiden Seiten des Ganges; von ihm
kommt das harzichte rothbraune so genannte Gum-
milack.*)

[Seite 344]

42. Thrips. Rostrum obscurum. An-
tennae longitudine thoracis. Abdomen
sursum reflexile. Alae
4 rectae, dorso
incumbentes, longitudinales, angustae,
subcrucitae
.

Ueberaus kleine Insecten, die sich gesellschaft-
lich in den Blüthen mancher Gewächse aufhalten,
und meist nur durch ihre große Anzahl, oder durch
die Munterkeit, mit der sie umher hüpfen und
fliegen, bemerkbar werden.

1. †. Physapus. T. elytris glaucis, corpore atro.

De Geer in den Schwed. Abhandl. v. J.
1744. tab. 4. fig. 4.

Im Getreide, Bohnenblüten etc.


III. LEPIDOPTERA.*)

Die Schmetterlinge oder Zweyfalter,
(Pfeifholder etc.) eine weitläuftige Ordnung, die
[Seite 345] sich durch vier ausgespannte, mit bunten Schup-
pen befiederte Flügel, durch einen behaarten Kör-
per, und fast durchgehends durch einen spiral-
förmig gewundenen Rüssel, auszeichnet. Diese
Thiere entstehen sämtlich aus Eyern, aus wel-
chen sie als Raupen hervor brechen. In die-
sem Zustand haben sie Kinnladen, zwölf Augen
am Kopf, einen lang gestreckten cylindrischen
Körper von zwölf Abschnitten, mit neun Luft-
löchern auf jeder Seite, drey Paar hakenförmi-
gen Klauen an der Brust, und meist fünf Paar
runden fleischigen Füßen am Hinterleibe. Die
Raupe häutet sich verschiedentlich, wird dann
zur Puppe, die mehrentheils unbeweglich, doch
bey der Weidenraupe und einigen andern sehr
wenigen Gattungen sich von der Stelle zu be-
wegen im Stande ist. Hieraus kommt endlich
nach einer bestimmten Zeit der Schmetterling
zum Vorschein, der lange Fühlhörner, nur drey
Paar Füße, und statt jener zwölf kleinen Augen,
zwey große halbkuglichte und drey kleine (§. 126.)
hat. Alle die zahlreichen Gattungen lassen sich
doch füglich unter folgende drey Geschlechte
bringen.

43. Papilio. Tagvogel. (Engl. butter-
fly
.) Antennae apicem versus crassiores,
saepius clauato-capitatae. Alae erectae
sursumque conniuentes
.

Die Raupe ist mehrentheils wie mit Dornen
besetzt, und häutet sich gewöhnlich vier Mahl.
[Seite 346] Sie verpuppt sich ohne ein äußeres Gespinste:
die Puppe ist zackig, theils schön goldfarbig
(chrysalis, aurelia), und hängt sich mit dem hin-
tern Ende auf. Der Schmetterling fliegt nur am
Tage umher, und hält im Sitzen seine vier brei-
ten ausgespannten Flügel in die Höhe, mit der
Oberseite gegen einander gekehrt. Linné hat das
ganze Geschlecht, leichterer Faßlichkeit wegen, wie-
der in fünf Familien (phalanges) abgetheilt.

a. Eqvites. Alis primoribus ab angulo po-
stico ad apicem longioribus, quam ad basin:
his saepe antennae filiformes
.

Tröes, ad pectus maculis sanguineis sae-
pius nigri
.

Achiui, pectore incruento, ocello ad
angulum ani
.

b. Heliconii. Alis angustis integerrimis, saepe
denudatis: primoribus oblongis; posticis
breuissimis
.

c. Danai. Alis integerrimis.

Candidi, alis albidis.

Festiui, alis variegatis.

d. Nymphales. Alis denticulatis.

Gemmati, alis ocellatis.

Pharelati, alis caecis absque ocellis.

e. Plebeii. Parni. Larua saepius contracta.

Rurales, alis maculis obscurioribus.

Vrbicolae, alis maculis pellucidis.

* * *

1. Priamus. P. E. T. alis denticulatis tomen-
tosis supra viridibus: institis atris, posticis
maculis sex nigris.

Clerk tab. 17.

[Seite 347]

Auf Amboina etc. So wie der folgende ein großes
prächtiges Thier.

2. Vlysses. P. E. A. alis caudatis fuscis, disco
caeruleo splendente dentato. Posticis subtus
ocellis septem.

Clerk tab. 23. fig. 1.

Auch auf Amboina.

3. †. Machaon. der Schwalbenschwarz. P. E. A.
alis caudatis concoloribus flauris limbo fusco
lunulis flauis, angulo ani fuluo.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 1.

4. †. Podalirius. der Segelvogel. P. E. A.
alis caudatis subconcoloribus flauescenti-
bus: fasciis nigricantibus geminatis: posticis
subtus linea sanguinea
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 2.

Die Raupe variirt in der Farbe, lebt am Kohl,
Schlehen, Apfelbäumen etc.

5. †. Apollo. der rothe Augenspiegel. P. H.
alis oblongis integerrimis albis: posticis
ocellis supra
4: subtus 6, basique rubris.

Sulzers Kennz. tab. 13. fig. 41.

Im wärmern Europa auf Wintergrün, Kna-
benkraut etc.

6. †. Crataegi. der Lilienvogel, Baumweiß-
ling, Heckenweißling. P. H. alis integer-
rimis rotundatis albis: venis nigris
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 3.

[Seite 348]

Eine der schädlichsten Raupen für Obstbäume.
Die Junge halten sich gesellschaftlich in einem
Gespinnste zusammen.

7. †. Brassicae. die Kohleule, der Kohlweiß-
ling, Buttervogel. P. D. C. alis integerri-
mis rotundatis albis: primoribus maculis
duabus apicibusque nigris, maior.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 4.

Nebst den beiden folgenden auf Kohl, Kraut
und Rübsaat. Buttervogel heißt der Schmetter-
ling (so wie die Butterblume), von der gelben
Farbe der Unterflügel: ein Nahme, der aber
nachher auch den Papilionen überhaupt gegeben
worden ist.

8. †. Rapae. der Rübenweißling. P. D. C.
alis integerrimis rotundatis: primoribus ma-
culis duabus apicibusque nigris, minor
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 5.

9. †. Napi. P. D. C. alis integerrimis ro-
tundatis albis: subtus venis dilatato-vi-
rescentibus.

10. † Cardamines. der Auroravogel. P. D. C.
alis integerrimis rotundatis albis, primori-
bus medio fuluis, posticis subtus viridi-
nebulosis
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 8.

Am Täschelkraut, Kohl etc.

11. †. Rhamni. der Citronen-Papilion, das
fliegende Blatt. P. D. C. alis integerrimis
angulatis flauis: singulis puncto flauo, sub-
tus ferrugineo
.

Rösel vol. III. tab. 46.

Am Faulbeerbaum, Wegdorn.

[Seite 349]

12. †. Hyperanthus. P. D. F. alis integerrimis
fuscis, subtus primoribus ocellis tribus:
posticis duobus tribusque
.

Im Gras.

13. †. Io. das Pfauenauge, der Pfauenspiegel.
P. N. G. alis angulato dentatis-fuluis nigro-
maculatis: singulis subtus ocello caeruleo.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 3.

An Brennesseln. Die Puppe wie vergoldet.

14. †. Galathea. das Bretspiel. P. N. G. alis
dentatis albis nigroque variis, subtus pri-
moribus ocello vnico, posticis quinque ob-
soletis.

Rösel vol. III. tab. 37.

Am Wiesenklee.

15. †. Cardui. der Distelvogel. P. N. G. alis
dentatis fuluis albo nigroque variegatis, po-
sticis vtrinque ocellis quatuor, saepius coecis.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 10.

An Disteln, Cardobenedicten, Kletten. Die
Puppe ebenfalls ganz goldglänzend. In manchen
Jahren unsäglich häufig.

16. †. Iris. der Schillervogel, Changeant.
P. N. G. alis subdentatis subtus griseis; fascia
vtrinque alba interrupta, posticis supra vnio-
cellatis
.

Rösel vol. III. tab. 42.

An Espen, Eichen etc.

17. †. Antiopa. der Trauermantel. P. N. P.
alis angulatis nigris limbo albido.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 1.

An Birken, Weiden etc.

[Seite 350]

18. †. Polychloros. der große Fuchs. P. N. P.
alis angulatis fuluis, nigro maculatis: pri-
moribus supra punctis quatuor nigris.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 2.

An Kirschen, Birnen, Weiden. Die Raupe
gibt einen bisamähnlichen Geruch von sich.

19. †. Vrticae. der kleine Fuchs, Nesselvogel.
P. N. P. alis angulatis fuluis nigro-macu-
latis: primoribus supra punctis tribus nigris.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 4.

An Brennesseln.

20. †. C. album. der C-Vogel. P. N. P. alis
angulatis fuluis nigro maculatis, posticis
subtus
C albo notatis.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 5.

An Nesseln, Stachelbeeren, Johannisbeeren,
Hopfen etc.

21. †. Atalanta. der Admiral, 980-Vogel,
Mars. P. N. P. alis dentatis nigris albo-
maculatis: fascia communi purpurea, pri-
moribus vtrinque, posticis marginali.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 6.

Einer der schönsten deutschen Schmetterlinge.

22. †. Paphia. der Silberstrich. P. N. P. alis
dentatis luteis nigro-maculatis, subtus lineis
argenteis transuersis
.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 7.

Auch ein überaus schönes Thier von mittler
Größe. Die Raupe in Wäldern auf Brennesseln etc.

[Seite 351]

23. †. Aglaia. der große Perlenmuttervogel,
Violenvogel. P. N. P. alis dentatis flauis
nigro-maculatis: subtus maculis
21 ar-
genteis.

24. †. Pruni. P. P. R: alis subcaudatis supra
fuscis: posticis subtus fascia marginali fulua
nigro-punctata.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 7.

Auf Zwetschenbäumen.

25. †. Maluae. der Pappelvogel. P. P. V.
alis denticulatis diuaricatis nigris albo-ma-
culatis.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 10.

Auf Stockrosen.

44. Sphinx. Abendvogel. Antennae me-
dio crassiores s. vtraque extremitate at-
tenuatae subprismaticae. Alae deflexae.

Die Raupen in diesem Geschlechte sind mehren-
theils von vortrefflicher Farbe, mit einem haken-
förmigen Horn am Ende des Rückens, dessen
Spur auch noch an der Puppe sichtbar ist. Sie
verpuppen sich unter der Erde, ohne Gespinnste.
Die Abendvögel haben ihren Nahmen daher, weil
sie meist bloß in der Abenddämmerung umher
fliegen. Die mehresten haben einen langsamen
schweren Flug. Linné hat das ganze Geschlecht,
das doch nicht gar zahlreich ist, auf folgende Art
unterabgetheilt:

a. Legitimae alis angulatis.

Alis integris, ano simplici.

Alis integris, ano barbato.

b. Adscitaehabitu et larua diuersae.

* * *
[Seite 352]

1. †. Ocellata. das Abendpfauenauge. S. L.
alis repandis: posticis ocellatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. I.

Auf Weiden, Ostbäumen.

2. †. Nerii. der Oleandervogel. S. L. alis
subangulatis, viridibus: fasciis variis palli-
dioribus saturatoribus flauescentibusque.

Rösel vol. III. tab. 16.

Am Oleander.

3. †. Conuoluuli. S. L. alis integris: posticis
nigro fasciatis margine postico albo-puncta-
tis, abdomine rubro cingulis atris.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 7.

Auf Winden, Zaunglocken.

4. †. Ligustri. S. L. alis integris: posticis
incarnatis fasciis nigris, abdomine rubro
cingulis nigris.

Auf Hartiegel, spanischem Hollunder.

5. †. Atropos. der Todtenkopf. S. L. alis in-
tegris: posticis luteis fasciis, abdo-
mine luteo cingulis nigris.

Rösel vol. III. tab. 2.

Auf Jasmin, Cartoffelkraut etc.

6. †. Celerio. der Phönix. S. L. alis integris
griseis lineola albo nigra; inferioribus basi
rubris maculis sex.

Rösel vol. IV. tab. 8.

An Weinstöcken.

[Seite 353]

7. †. Elpenor. die Weinraupe, der große
Weinvogel. S. L. alis integris virescenti-
bus, fasciis purpureis variis, posticis rubris
basi atris.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 4.

Wie die vorige auf Weinlaub, Balsaminen etc.

8. †. Porcellus. die kleine Weinmotte. S. L.
alis integris margine rubris; posticis basi
fuscis.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 5.

Aehnelt der vorigen in der Bildung und Auf-
enthalt.

9. †. Euphorbiae. die Wolfsmilchraupe. S. L.
alis integris fuscis vitta superioribus pallida,
inferioribus rubra.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 3.

An Wolfsmilch, Färberröthe.

10. †. Pinastri. der Fichtenschwärmer. S. L.
alis integris canis margine postico albo ma-
culato, abdomine fusco cingulis albis.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 6.

In Kiefernwäldern, wo die Raupe, die sich in
den Gipfeln aufhält, zuweilen große Verheerun-
gen anrichtet.

11. †. Stellatarum. der Taubenschwanz, Kar-
pfenkopf. S. L. abdomine barbato lateribus
albo nigroque variis, alis posticis ferrugineis.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 8.

Auf Färberröthe, Wegkraut.

[Seite 354]

12. †. Filipendulae. die Cirkelmotte. S. A.
alis superioribus cyaneis; punctis sex rubris;
inferioribus rubris immaculatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 62.

An Quecken, Hundsgras.

13. †. Phegea. die Ringelmotte. S. A. viridi-
atra, alis punctis fenestratis: superiorum
sex, inferiorum duobus, abdomine cin-
gulo luteo.

Aehnelt der vorigen.

45. Phalaena. Nachtvogel. (Engl. Moth.)
Antennae setaceae, a basi ad apicem sen-
sim attenuatae. Alae sedentis saepius
deflexae.

Das weitläufigste Geschecht unter den Insecten.
Die Raupen sind mehrentheils behaart: und ver-
puppen sich meist innerhalb eines besondern seiden-
artigen Gespinnstes (folliculus), wozu sie den kle-
brigen Stoff in zwey darmähnlichen Schläuchen,
die längs dem Rücken hinab neben dem Magen
liegen, führen; und ihn nachher, mittelst einer
besondern Röhre; die sich hinter dem Munde dieser
Raupen findet, zu äußerst feinen Faden spinnen,
die ihnen auch außerdem zu andern Zwecken, sich
z.B. wie die Spinnen daran herablassen zu kön-
nen etc. nutzen*). Diese Gehäuse werden bey
einigen, wie bey dem Pfauvogel, wegen ihrer
überaus künstlichen Einrichtung; bey einigen Arten
von Seidenwürmern aber durch ihre große Nutz-
barkeit merkwürdig. Die Phalänen selbst, die
[Seite 355] meist des Nachts ihren Geschäften nachgehen, hat
Linné in folgende Familien abgetheilt:

a. Attaci alis patulis inclinatis.

Pectinicornes.

Seticornes.

b. Bombyces alis incumbentibus; an-
tennis pectinatis
.

Elingues absque lingua manifeste spirali.

Spirilingues lingua inuoluto-spirali.

c. Noctvaealis incumbentibus. An-
tennis setaceis, nec pectinatis.

Elingues.

Spirilingues.

d. Geometrae alis patentibus horizon-
talibus quiescentes.

Pecticornes.

Seticornes.

e. Tortrices alis obtusissimis, vt fere
retusis, margine exteriore curuo
.

f. Pyralides alis conniuentibus in figu-
ram deltoideam forficatam
.

g. Tineaealis conuolutis, fere in cy-
lindrum, front prominula
.

h. Alvcitaealis digitatis fissis ad basin
vsque
.

* * *

1. †. Atlas. P. Att. pectinicornis elinguis, alis
falcatis concoloribus luteo-variis, macula
fenestrata, superioribus sesquialtera
.

Merianae Surinam. tab. 32.

In beiden Indien auf den Orangenbäumen.
Größer als eine hieländische Fledermaus. Man
macht aus dem Gespinste dieser und anderer großen
Phalänen in Schina die so genannte wilde Seide.

[Seite 356]

2. †. Pavonia. der Pfauvogel, das Nacht-
pfauenauge. P. Att. pectinicornis elinguis,
alis rotundatis griseo-nebulosis subfasciatis:
ocello nictitante subfenestrato.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 4. 5.

Auf Obstbäumen, Schleben, Weiden etc. Das
Puppengehäuse hat die Gestalt einer runden Flasche,
mit einem dem Anschein nach, offnen abgestutzten
Halse, dessen Eingang aber doch inwendig auf
eine überaus artige Weise, mittelst elastischer con-
vergirender Stacheln, die in eine hervorstehende
Spitze zusammen laufen, so gut verwahrt ist, daß
das vollkommne Thier zu seiner Zeit füglich heraus,
hingegen kein feindseliges Insect in seine Hülse
hinein dringen kann.

3. †. Quercifolia. das Eichblatt. P. B. elin-
guis, alis reuersis semitectis dentatis fer-
rugineis margine postico nigris.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 41.

Im Gras und an Obstbäumen. Im Sitzen
hat die Phaläne eine sonderbare bucklige Stellung.

4. †. Pini. der Fichtenspinner. P. B. elinguis,
alis reuersis griseis; strigis duabus cinereis;
puncto albo triangulari.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 59.

Eine schädliche Raupe für die Kiefernwaldungen.

5. †. Vinula. der Gabelschwanz, Hermelin-
vogel. P. B. elinguis albida nigro-punctata,
alis subreuersis fusco venosis striatisque.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 19.

An Weiden, Pappeln und Eichen. Die Raupe
bekommt durch ihren dicken abgestumpften Kopf,
[Seite 357] und die beiden Schwanzspitzen, die ihr statt des
letzten Paars Hinterfüße gegeben sind, ein sonder-
bares Ansehn. Sie vermag einen sauren aber schar-
fen Saft, auf Fuß weit von sich zu spritzen, und
sich damit im Nothfall zu vertheidigen*).

6. Mori. der Siedenwurm. P. B. elinguis,
alis reuersis pallidis; striis tribus obsoletis
fuscis maculaque lunari.

Rösel vol. III. tab. 7. 8.

Jac. l'Admiral tab. 9.

Der Assyrische bombyx beym Plinius etc. ist
wohl sicher unsere Seide; sie kam aber schon zu
Stoffen verarbeitet heraus; und ist der Wurm
selbst erst zu Justinians Zeiten in Europa gezogen.
Er bleibt 6 bis 7 Wochen lang Raupe; spinnt
sich hierauf, nachdem er sich vier Mahl gehäutet
hat, in einen Coccon von weißer oder gelber Farbe,
der wenn er drittehalb Gran am Gewicht hält,
aus einem 900 Fuß langen Faden besteht (deren
180 dicht neben einander gelegt erst die Breite
von einer Linie ausmachen), und kriecht endlich
drey Wochen nachher als Schmetterling aus. Nach
der Paarung legt das überaus dicke Weibchen
bey 500 Eyer, die im folgenden Frühjahr um die
Zeit wenn die weißen Maulbeerbäume zu grünen
anfangen, auskriechen. Sie sind wohl ursprüng-
lich in Schina**) zu Hause, gewohnen aber auch
[Seite 358] unser Climas recht gut, und man zieht sie nun
auch in Nordamerica.

7. †. Neustria. die Ringelraupe. P. B. elinguis,
alis reuersis: fascia sesquialtera; subtus vnica.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 6.

Nebst der folgenden eine sehr schädliche Raupe.
Die Phaläne legt ihre Eyer in einer Spirallinie
dicht an einander um ein Aestchen herum.

8. †. Caia. die schwarze Bärenraupe. P. B.
elinguis, alis deflexis fuscis: riuulis albis,
inferioribus purpureis nigro punctatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 1.

9. †. Dispar. P. B. elinguis, alis deflexis:
masculis griseo fuscoque nebulosis: femi-
neis albidis lituris nigris.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 3.

Hat ihren Nahmen von der ungleichen Bildung
und Größe der beiden Geschlechter.

10. †. Chrysorhoea. die schwarze Winterraupe.
P. B. elinguis alia deflexis albidis, abdomi-
nis apice barbato luteo.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 22.

Eine der schädlichsten Raupen für die Obst-
bäume, die im Herbst aus den Eyern kriecht, und
den Winter durch gesellschaftlich in zusammen ge-
sponnenem welken Laube an den Aesten zubringt,
ohne daß ihr selbst die strengste Kälte schade.

11. †. Antiqua. P. B. elinguis, alis planiuscu-
lis: superioribus ferrugineis lunula alba
anguli postici.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 39.

Das Weibchen ungeflügelt.

[Seite 359]

12. †. Caeruleocephala. P. B. elinguis cristata,
alis deflexis griseis: stigmatibus albidis
coadunatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 16.

Ebenfalls eine den Obstbäumen sehr schädliche
Raupe.

13. †. Cossus. die Weidenraupe. P. B. elin-
guis, alis deflexis nebulosis, thorace postice
fascia atra, antennis lamellatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 18.

Dieselbe Raupe von der Lyonet die unbeschreib-
lich mühsame Zergliederung gegeben hat. Sie hält
sich in Ulmen, Eichen etc. doch bey weitem am
häufigsten an Weidenstämmen auf, die so von ihr
durchfressen werden, daß sie leicht ausgehen oder
bey mäßigem Sturme umfallen. Der Schade den
diese Raupe verursacht, wird dadurch vergrößert,
daß sie gegen das Beyspiel vielleicht aller übrigen
Raupen bey drey Jahr alt wird ehe sie sich ver-
puppt. Dabey hat sie ein so äußerst zähes Leben,
daß sie ohne Schaden etliche Stunden lang im so
genannten Luftleeren Raume, und mitten im Som-
mer fast drey Wochen lang unter Wasser aus-
dauern kann. Eben so sonderbar ist, daß die
Puppe sich von der Stelle bewegen, und wenn
die Zeit des Auskriechens herbeynaht, aus der
Mitte des Stammes sich vom bis an die Mün-
dung in der Rinde hervor bohren kann.

14. †. Aesculi. P. N. elinguis laenis niuea
antennis thorace breuioribus, alis punctis
numerosis caeruleo-nigris, thorace senis.

15. †. Humuli. P. N. elinguis fulua, anten-
nis thorace breuioribus, maris alis niueis.

An Hopfenwurzeln.

[Seite 360]

16. †. Pacta. P. N. spirilinguis cristata, alis
grisescentibus, inferioribus rubris, fasciis
duabus nigris, abdomine supra rubro.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 15.

17. †. Meticulosa. P. N. spirilinguis cristata
alis erosis pallidis: superioribus basi incar-
nata, intra triangulum fuscum.

Rösel vol. IV. tab. 9.

An allerhand Küchengewächsen, auch an Erd-
beeren.

18. †. Wavaria. P. G. pectinicornis, alis ci-
nereis; anticis fasciis
4 nigris abbreuiatis
inaequalibus.

Rösel vol. I. Nachtvögel III. tab. 4.

So wie die folgende auf Johannisbeeren, Sta-
chelbeeren.

19. †. Grossulariata. P. G. seticornis, alis
albidis, maculis rotundatis nigris: anticis
strigis luteis.

Rösel vol. I. Nachtvögel III. tab. 2.

20. †. Viridana. P. To. alis rhombeis, su-
perioribus viridibus immaculatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel IV. tab. 3.

21. †. Farinalis. P. P. palpis recuruatis, alis
politis fuscescentibus: strigis repandis albi-
dis area interiecta glauca.

Clerk phal. tab. 2. fig. 14.

Im Mehl.

22. †. Pinetella. P. Ti. alis superioribus flauis,
maculis duabus argenteis, anteriore oblonga,
posteriore ouata.

Clerk phal. tab. 4. fig. 15.

In Fichtenwaldungen.

[Seite 361]

23. †. Pellionella. die Pelzmotte. P. Ti. alis
canis, medio puncto nigro, capite sub-
griseo.

Rösel vol. I. Nachtvögel IV. tab. 17.

In Pelzwerk, ausgestopften Thieren etc.

24. †. Sarcitella. die Kleidermotte. P. Ti.
alis cinereis, thorace vtrinque puncto albo.

Besonders in wollnen Kleidungstücken.

25. †. Mellonella. P. Ti. alis canis postice
purpurascentibus, striga alba, scutello nigro
apice candido.

Rösel vol. III. tab. 41.

Einer der gefährlichsten Bienenfeinde.

26. †. Granella. der Wolf, weiße Korn-
wurm. P. Ti. alis albo nigroque maculatis
capite albo.

Rösel vol. I. Nachtvögel IV. tab. 12.

Auf Kornböden in der Frucht, die er benagt,
abhülset, zerschrotet, und sich daher leicht verräth.

27. †. Goedartella. P. Ti. alis auratis: fasciis 2
argenteis: priore antrorsum, posteriore re-
trorsum arcuata.

Clerk phal. tab. 12. fig. 14.

28. †. Linneella. P. Ti. alis fuscis, punctis
tribus argenteis eleuatis.

Clerk phal. tab. 12. fig. 8.

29. †. Hexadactyla. P. Al. alis patentibus
fissis: singulis sexpartitis cinereis.

Hat wie die übrigen Nachtvögel dieser Familie,
wegen der sonderbaren gespaltenen Flügel ein unge-
wöhnliches Aussehen.

IV. NEVROPTERA.

[Seite 362]

Eine kleine Ordnung, die sich durch vier zarte
netzförmige oder gegitterte Flügel auszeichnet, die
mehrentheils in allerhand Farben schillern. Die
Larve hat sechs Füße.

46. Libellvla. Wasserjungfer, Spinne-
jungfer, Teufelsnadel. (Fr. demoiselle.
Engl. dragon-fly.) Os maxillosum, maxil-
lis pluribus. Antennae thorace breuio-
res. Alae extensae. Cauda maris ha-
moso-forcipata.

Als Larve leben diese Thiere im Wasser, und
haben eine sonderbar bewegliche Maske oder Kappe
vor dem Munde, womit sie ihre Beute haschen.
Die Paarung der vollkommen geflügelten Wasser-
jungfern, die überhaupt gar viel Sonderbares hat,
wird im Fluge vollzogen.

1. †. Depressa. L. alis omnibus basi nigri-
cantibus, thorace lineis duabus flauis, ab-
domine lanceolato lateribus flauescente.

Rösel vol. II, Wasser-Ins. II. tab. 6. 7.
fig. 3.

2. †. Virgo. L. alis erectis coloratis.

Rösel vol. II. Wasser-Ins. II. tab. 9.

3. †. Puella. L. alis erectis hyalinis.

Rösel vol. II. Wasser-Ins. II. tab. 10. 11.

47. Ephemera. Uferaas, Hafft, Ge-
schwäder (hemerobius, diaria). Os eden-
tulum absque palpis. Ocelli
2 maximi
[Seite 363] supra oculos. Alae erectae, posticis mi-
nimis. Cauda setosa.

Das Uferaas lebt einige Jahre lang als Larve
im Wasser. Nach dieser Zeit kommen mitten im
Sommer binnen wenigen Tagen in manchen Ge-
genden Millionen der vollkommen ausgebildeten
Thiere mit einem Mahle aus dem Wasser hervor
geflogen, die sich auch alsdann, gegen die Weise
andrer Insecten erst nochmahls häuten müssen;
überhaupt aber diesen ihren vollkommnern Zustand
nur sehr kurze Zeit, oft nur wenige Stunden
genießen.

1. †. Vulgata. E. cauda triseta, alis nebuloso-
maculatis
.

Sulzers Kennz. tab. 17. fig. 103.

P. Collinson in philos. Transact. N. 481.
tab. 2. fig. 2. 3. 4. p. 329 sqq.

Das Weibchen legt ein eyförmiges Klümpchen,
das aus sehr vielen Eyerchen zusammen gesetzt ist.

2. †. Horaria. E. cauda biseta, alis albis
margine crassiore nigricantibus
.

Swammerdam bibl. nat. tab. 13. fig. 15.

48. Phryganea. Frühlingsfliege. (Engl.
caddice, water moth.) Os edentulum
palpis
4. Ocelli 3. Antennae thorace
longiores. Alae incumbentes, inferiori-
bus plicatis.

Die Larven, die sich ebenfalls im Wasser auf-
halten, werden besonders durch die theils sehr
künstlichen meist cylindrischen Hülsen merkwürdig,
die sie sich verfertigen, und die sie, fast wie die
[Seite 364] Schnecken ihr Haus mit sich herum schleppen.
Manche machen diese Gehäuse aus Schilfstückchen,
andre aus Gras, aus Sandkörnchen, aus kleinen
Steinchen, andre aus lauter kleinen Flußschneck-
chen u.s.w.

1. †. Bicaudata. P. cauda biseta, alis venosis
reticulatis.

Sulzers Kennz. tab. 17. fig. 6.

2. †. Striata. P. nigra, alis testaceis, ner-
voso-striatis.

Frisch P. XIII. tab. 3.

3. †. Rhombica. P. alis flauescentibus deflexo-
compressis macula rhombea laterali alba.

Rösel vol. II Wasser-Ins. II. tab. 16.

49. Hemerobivs. Florfliege, Landlibelle.
Os dentibus 2: palpis 4. Ocelli nulli.
Alae deflexae
(nec plicatae). Antennae
thorace conuexo longiores, setaceae por-
rectae
.

Die Larve lebt im Trocknen. Das vollkommne
Insect ähnelt den vorigen.

1. †. Perla. H. luteo-viridis, alis hyalinis:
vasis viridibus.

Rösel vol. III. tab. 21. fig. 4. 5.

2. †. Pulsatorius. die Papierlaus, Holzlaus.
(Fr. le pou de bois.) H. apterus, ore rubro,
oculis luteis
.

Sulzers Gesch. tab. 29. fig. 3.

In Büchern, alten Papieren, auch im Holz.
Ward sonst allgemein für ungeflügelt gehalten.
Auch sind die geflügelten Individua so äußerst selten
bemerkt worden, daß sie höchstens nur auf sehr
kurze Zeit mit Flügeln versehen seyn müssen.

[Seite 365]

50. Myrmeleon. Afterjungfer. Os ma-
xillosum: dentibus
2. Palpi 4 elongati.
Ocelli nulli. Cauda maris forcipe e fila-
mentis duobus rectiusculis. Antennae
clauatae longitudine thoracis. Alae de-
flexae
.

1. †. Formicarius. der Ameisenlöwe. (Fr. le
fourmilion
.) M. alis macula alba margi-
nali postica.

Rösel vol. III. tab. 17. u. f.

Das merkwürdige berufne Geschöpf, das sich
als Larve eine trichterförmige Fallgrube in Sand-
boden wühlt, sich selbst unten bis an den Hals
hinein scharrt, und da die Ameisen u.a. kleine
Insecten empfängt und verzehrt, die unversehens
an den Rand dieser Grube kommen, und mit dem
lockern Sand hinab schurren.

51. Panorpa. Scorpionfliege. Rostrum
corneum cylindricum, palpis
2. Ocelli 3.
Antennae thorace longiores. Cauda ma-
ris chelata
.

1. †. Communis. P. alis aequalibus nigro ma-
culatis.

Frisch P. IX. tab. 14. fig. 1.

52. Raphidia. Kamelhals. Os denti-
bus
2 in capite depresso corneo. Palpi 4.
Ocelli 3. Alae deflexae. Antennae lon-
gitudine thoracis antice elongati cylin-
drici. Cauda feminae seta recurua laxa.

1. †. Ophiopsis. R. thorace cylindrico.

Rösel vol. III. tab. 21. fig. 6. 7.

V. HYMENOPTERA.

[Seite 366]

Insecten mit vier häutigen Flügeln, die mit
wenigen aber starken Adern durchzogen, auch
bey den mehresten kürzer und schmaler sind als
bey den Insecten der vorigen Ordnung. Bey
den mehresten sind die Weibchen
und geschlechtlosen Thiere mit
einem verletzenden Stachel am
Hinterleibe, theils auch mit Gifte, das sie beym
Stich in die Wunde flößen, bewaffnet; daher
die ganze Ordnung auch von einigen Entomolo-
gen Aculeata genannt worden. Die Larven
sind verschiedentlich gebildet: theils wie Raupen
mit zwanzig Füßen, theils wie Maden ohne
Füße etc.

53. Cynips. Gallwespe. Os maxillis
absque proboscide. Aculeus spiralis, sae-
pius reconditus.

Das Weibchen legt seine Eyer in besondere
Theile gewisser Pflanzen, die dadurch anschwellen,
und theils sonderbare Auswüchse bilden, die dann
der Larve so lange zum Aufenthalte dienen, bis
sie ihre Verwandlung überstanden hat, und nun
als vollkommnes Insect aus ihrem Kerker hervor
brechen kann. Ganz sonderbar ist dabey, daß
jene Eyer selbst, nachdem sie von der Mutter in
das Gewächs gelegt werden, erst noch wachsen,
theils noch Ein Mahl so groß werden, bevor die
darin befindliche Larve auskriecht.

1. †. Rosae. C. nigra, abdomine ferrugineo
postice nigro, pedibus ferrugineis
.

Frisch P. VI. tab. 1.

[Seite 367]

An wilden Rosen, wo sie die Moosartigen
krausen Auswüchse verursacht, die unter dem Nah-
men Rosenschwämme oder Schlafäpfel (spon-
gia cynosbat
i, Bedeguar) ehedem officinell waren.

2. †. Quercus folii. C. nigra, thorace lineato,
pedibus griseis, femoribus subtus nigris.

Frisch P. II. tab. 3. fig. 5.

Am Eichenlaub, wo sie bekanntlich die Gall-
äpfel hervor bringt, die auch oft noch nachher,
wenn sie schon von der Nachkommenschaft ihrer
Urheberin verlassen sind, kleinen Wespen verschied-
ner Art zum Aufenthalt dienen.

3. Psenes. C. ficus caricae.

Zumahl auf den Inseln des mitländischen Meers;
in den wilden Feigen, die man deßhalb zu den
zahmen Feigen hängt, damit der cynips von
jenen in diese übergehen mag, als wodurch die
Zeitigung und Größe derselben befördert wird.

54. Tenthredo. Blattwespe. Os maxil-
lis absque proboscide. Alae planae tu-
midae. Aculeus laminis duabus serratis,
vix prominentibus. Scutellum granis
duobus impositis distantibus.

Die Larven haben Raupengestalt, (daher sie
Reaumür fausses chenilles nennt) leben vom Laub
und finden sich besonders auf Rosenstöcken und
Weiden. Verpuppen sich aber in der Erde.

1. †. Lutea. T. antennis clauatis luteis, ab-
dominis segmentis plerisque flauis.

Frisch P. IV. tab. 24.

[Seite 368]

2. †. Capreae. T. salicis.

Frisch P. VI. tab. 4.

55. Sirex. Holzwespe, Sägenfliege. Os
maxillis
2 validis. Palpi 2 truncati: An-
tennae filiformes, articulis vltra
24. Acu-
leus exsertus rigens serratus. Abdomen
sessile mucronatum. Alae lanceolatae,
planae omnibus.

Das Weibchen weiß mit seinem sägeförmigen
Legestachel sehr geschickt in weiches Holz zu boh-
ren, um seine Eyer da einzulegen. Die Larve
hält sich einige Jahre lang im Holze auf.

1. †. Gigas. S. abdomine ferrugineo: segmen-
tis nigris, thorace villoso.

Rösel vol. II. Humm. und Wesp. tab. 9.

56. Ichnevmon. Schlupfwespe, Spin-
nenstecher. Os maxillis absque lingua.
Antennae articulis vltra
30. Abdomen
petiolatum plerisque. Aculeus exsertus
vagina cylindrica, biualui
.

Zahlreiche Thiere, die sehr vieles zur Vertil-
gung der Raupen, Spinnen und andrer Insecten
beytragen. Sie legen ihre Eyer in lebendige
Raupen, die davon erkranken, und vor oder nach
ihrer Verpuppung absterben. Manche sind auch
an andre Gattungen ihres eigenen Geschlechts ge-
wiesen, denen sie als Larven ihre Eyer in den
Leib legen, so daß nach Rolanders Bemerkung,
von verschiednen Gattungen die eine bloß zur Ver-
tilgung der andern geschaffen zu seyn scheint.

[Seite 369]

1. †. Persuasorius. I. scutello albo, thorace
maculato, abdomine atro, segmentis omni-
bus vtrinque punctis duobus albis
.

Sulzers Gesch. tab. 26. fig. 12. 13.

2. †. Comitator. I. ater totus, antennis fascia
alba.

Sulzers Gesch. tab. 26. fig. 14.

3. †. Luteus. I. luteus thorace striato, ab-
domine falcato.

4. †. Aphidum. I. niger, abdomine basi pe-
dibusque anticis genubusque posticis flauis
.

Frisch P. XI. tab. 19.

57. Sphex. Raupentödter. Os maxillis
absque lingua. Antennae articulis
10.
Alae plano incumbentes (nec plicatae)
in omni sexu. Aculeus punctorius re-
conditus
.

In der Bildung ähneln die Raupentödter den
Schlupfwespen, haben aber viel eignes in ihrer
Lebensart. Meist graben sich die Weibchen mit
außerordentlicher Mühe runde Höhlen in sandiges
Erdreich, schleppen sodann eine große Spinne oder
Raupe einer Phaläne hinein, die sie meist nur
lahm beißen, und legen sodann in jede Höhle ein
Ey, da dann nachher die junge Larve dem großen
Thier, das die Mutter dahin begraben hatte, den
Saft zum Gespinste aussaugt, und sich selbst ein
Verwandlungsgehäuse daraus bereitet.

1. †. Sabulosa. S. nigra hirta, abdomine fuluo,
postice nigro, petiolo longissimo.

Frisch P. II. tab. I. fig. 6. 7.

[Seite 370]

2. †. Cribraria. die Sieb-Biene. S. nigra,
abdomine fasciis flauis, tibiis anticis clypeis
concauis fenestratis.

Sulzers Gesch. tab. 27. fig. 6.

Goeze im Naturforscher II. St. tab. 2.

Man hat lange die Scheiben an den Vorder-
füßen für durchlöchert gehalten, und hat auch nicht
ermangelt, diesen vermeinten Sieben eine merk-
würdige Bestimmung anzudichten, und viel schönes
über die weise Einrichtung eines gar nicht existi-
renden Theils zu sagen.

58. Chrysis. (Fr. mouche dorée. Engl.
golden-fly.) Os maxillis absque pro-
boscide. Antennae filiformes: articulo

1 longiore, reliquis 11 breuioribus. Ab-
domen subtus fornicatum, vtrinque squa-
ma laterali. Anus dentatus aculeo sub-
exserto. Alae planae. Corpus auratum.

1. †. Ignita. C. glabra nitida, thorace viridi:
abdomine aureo: apice quadridentato
.

Frisch P. IX. tab. 10. fig. 1.

59. Vespa. Wespe. (Fr. guépe. Engl. wasp.)
Os maxillis absque proboscide. Alae su-
periores plicatae in omni sexu. Aculeus
punctorius reconditus. Oculi lunares.
Corpus glabrum
.

Die mehresten Gattungen dieses und des fol-
genden Geschlechts werden durch die strenge gesell-
schaftliche Verbindung, in der sie theils zu tau-
senden beysammen leben, und durch die überaus
[Seite 371] kunstreichen Nester und gemeinschaftlichen Wohnun-
gen, die sie sich mit vereinten Kräften zu verfer-
tigen wissen, merkwürdig.

1. †. Crabro. die Horniße. (Engl. the hornet.)
V. thorace nigro antice rufo immaculato
abdominis incisuris puncto nigro duplici
contiguo
.

Frisch P. IX. tab. II. fig. 1.

2. †. Vulgaris. die Wespe. (Engl. the wasp.)
V. thorace vtrinque lineola interrupta, scu-
tello quadrimaculato, abdominis incisuris
punctis nigris distinctis.

Frisch P. IX. tab. 12. fig. 1.

Leben wie andre Gattungen dieses Geschlechts
besonders vom Raube des Bienenhonigs, von rei-
fen Baumfrüchten etc. doch auch von rohem Fleisch.
Sie bauen theils unter der Erde, oder in ledige
Bienenstöcke, oder hangen ihre Nester an Bäumen
auf. Diese Nester sind meist kuglicht von ver-
schiedner Größe, aus einfachen Scheiben zusammen
gesetzt, die von außen mit einer lockern blätterigen
Umkleidung überzogen sind. Ihre Substanz die
eigentlich aus zarten Holzzasern besteht, ähnelt
dem Löschpapiere, und ist meist von grauer Farbe,
theils aber auch marmorirt, braun, weiß etc.

60. Apis. Biene. (Fr. abeille. Engl. bee.)
Os maxillis atque proboscide inflexa va-
ginis duabus biualuibus. Alae planae in
omni sexu. Aculeus feminis et neutris
punctorius reconditus.

1. †. Mellifica. die Honigbiene, Imme. A.
pubescens thorace subgriseo, abdomine fusco,
tibiis posticis ciliatis, intus transuerse striatis.

[Seite 372]

Bekanntlich sind unter den Bienen, Wespen,
Ameisen und Termesgattungen, die bey weiten
zahlreichsten Individuen geschlechtlos, d.h. sie
werden von einem Vater erzeugt, und von einer
dadurch befruchteten Mutter geboren, ohne doch
selbst vollkommne Geschlechtsorgane zu haben.

Hier bey der Imme hat das Weibchen, die so
genannte Königin oder der Weißler, einen schlan-
ken schmalen Leib, kurze Flügel, einen behaarten
Kopf, ein zackiges Gebiß, braune Füße u.s.w.

Die männlichen Bienen, oder Dronen oder
Deck- oder Holmbienen sind groß und stark von
Leibe, mit langen Flügeln etc.

Die geschlechtlosen, oder Werk- und Arbeits-
Bienen hingegen sind weit kleiner als jene beiden,
von mittler Taille, verhältnißmäßig langen Flü-
geln, glattem Gebiß, schwarzen Füßen und einer
besondern Grube am Hinterschenkel, die zum Auf-
laden des Blumenstaubes dient, u.s.w.

Diese letztern, deren in einem großen Stock
wohl auf 10000 seyn können, haben allein die
mannigfaltigen Verrichtungen des Aufbauens, Ein-
tragens und der Besorgung der Brut. Die jüngern
sammeln Blumenstaub, den sie halbe Stunden
weit her als Höschen zum Stock tragen, wo er
ihnen von den ältern abgenommen, und zu Wachs
verarbeitet wird; ferner saugen sie theils den süßen
Schweiß vieler Baumblätter, vorzüglich aber den
so genannten Nektar, einen süßlichen Saft der
Blüthen, und den sie in einem besondern Einge-
weide zu Honig umarbeiten, und im Stocke wieder
von sich geben. Sie füttern die Bienen-Larven,
halten den Stock rein, und tragen ihre Todten
zum Stock hinaus. Sie sind mit Gift und Stachel
als Waffen versehen, von dem sie aber meist nur
[Seite 373] Ein Mahl in ihrem Leben Gebrauch machen kön-
nen, da sie gewöhnlich mit Verlust ihres Stachels
stechen, und ihn in der Wunde stecken lassen.

Die männlichen Bienen (etwa 700 in einem
großen Stock) haben keine andre Bestimmung,
als sich einst mit ihrer einzigen Königin zu paaren.
Manche sterben gleich darauf: die übrigen müssen
nachher verhungern, oder werden von den Arbeits-
bienen in der so genannten Dronenschlacht um-
gebracht.

Die so reichlich befruchtete Königin legt ihre
Eyer in die Zellen oder Mutterpfeifen, von denen
schon vorläufig die für die Dronen bestimmten
größer als die übrigen gebaut sind.

Wenn die Nachkommenschaft nach etlichen und
20 Tagen zur Reife gekommen, so trennt sie sich
als Colonie vom Stammvolke, sie schwärmt.

In der Wildniß bauen die Bienen in hohle
Bäume, oder unter die Erde etc. Der Mensch
hat sie aber sich zum Hausthier zu machen, und
durch mannigfaltige scharfsinnige Erfindungen ihre
Vermehrung und Benutzung zu befördern gelernt.
Obgleich einzelne Bienen so wenig Wärme haben
als andere kaltblütige Thiere; so erhitzen sie doch
im Stock, zuweilen bis zur Wärme des mensch-
lichen Körpers*).

[Seite 374]

2. †. Centuncularis. die Rosenbiene. A. nigra,
ventre lana fulua.

Frisch P. XI. tab. 2.

Lebt einsam unter der Erde, und verfertigt sich
eine überaus artige Hülse zur Wohnung von Blät-
tern der Rosenbüchse.

3. †. Violacea. die Holzbiene. A. hirsuta atra,
alis caerulescentibus.

Reaumur vol. VI. tab. 6. fig. 1. 2.

In alten Baumstämmen, wo sie sich ihre Woh-
nung der Länge nach aushöhlen, und die einzel-
nen Zellen durch dünne Holzscheibchen von einan-
der absondern.

4. †. Terrestris. die Hummel. (bombylius.
Engl. the humble-bee.) A. hirsuta nigra
thoracis cingulo flauo, ano albo.

Frisch P. IX. tab. 13. fig. 1.

Nistet tief unter der Erde.

5. †. Muscorum. die Moosbiene. A. hirsuta
fulua abdomine flauo.

Reaumur vol. VI. tab. 2. fig. 3. 4.

Bekleidet ihr Nest von außen mit Moos.

[Seite 375]

6. †. Caementaria. die Maurerbiene. A. fulua
abdomine nigro
(femina nigro-violacea pe-
dibus fuscis
).

Baut sich mit bewundernswürdiger Kunst und
Festigkeit ihr Nest aus Grant und Mörtel an alten
Mauern, die viel Sonne haben. Die eyförmigen
Zellen, deren etwa zehn in jedem solchen Gebäude
sind, werden mit Gespinste austapezirt, und zu-
weilen auch vom attelabus apiarius, Schlupf-
wespen etc. bewohnt.

61. Formica. Ameise, Emse. (Fr. fourmi.
Engl. ant.) Squamula erecta thoraci ab-
dominique interiecta. Aculeus feminis
et neutris reconditus. Alae maribus et
feminis, sed neutris nullae.

Die mehrsten hiesigen Ameisen halten sich vor-
züglich in Wäldern und Wiesen, theils bey vier-
und mehreren taufenden in einem Haufen auf; die
Emsigkeit dieses kleinen Volks, vorzüglich die
Sorgfalt, mit der sie ihre Puppen (die fälschlich
so genannten Ameisen-Eyer) warten und pflegen,
geht so weit, daß man gesehen, wie eine Arbeits-
ameise, der man den Hinterleib abgeschnitten, doch
noch zehn Puppen vor ihrem schmerzhaften Tode
in Sicherheit gebracht hat etc.

1. †. Herculanea. die Roß-Ameise. F. nigra
abdomine ouato, femoribus ferrugineis.

Sulzers Kennz. tab. 19. fig. 125.

2. †. Rufa. F. thorace compresso toto fer-
rugineo, capite abdomineque nigris.

3. †. Rubra. F. testacea, oculis punctoque
sub abdomine nigris.

[Seite 376]

4. †. Nigra. F. tota nigra nitida, tibiis cine-
rascentibus.

Diese Ameisen paaren sich zu Ende des Som-
mers im Schwärmen, da sie zuweilen in unzäh-
liger Menge und sonderbarer Gestalt der Schwärme
als auf und nieder fahrende Säulen zum Vor-
schein kommen, deren man zuweilen wohl 20 auf
Ein Mahl sieht, die sich in der Ferne fast wie ein
Nordlicht ausnehmen.*)

5. †. Caespitum. F. abdominis petiolo bino-
doso: priore subtus, thoraceque supra bi-
dentato.

Sulzers Gesch. tab. 27. fig. 20.

6. Cephalotes. F. thorace quadrispinoso, capite
didymo magno vtrinque postice mucronato.

Merianae ins. Surinam. tab. 18.

In Westindien, von der Größe einer Wespe;
werden vorzüglich von den Ameisenbären verzehrt.

62. Termes. Weiße Ameise, Holz-Emse,
(Fr. fourimi blanche, poux de bois. Engl.
white ant, wood ant, wood louse.) Squa-
mula intergerina nulla. Alae maribus et
feminis temporariae; sed neutris plane
nullae.

1. Fatalis. (bellicosus. Soland) T. corpore
fusco, alis fuscescentibus: costa ferruginea,
stemmatibus subsuperis oculo propinquis,
puncto centrali prominulo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 9.

[Seite 377]

Die Gebäude der Guineischen Termiten. Eben-
daselbst tab. 10.

Hier diese Gattung (denn es sind schon jetzt
wenigstens noch vier andre bekannt, die hin und
wieder zwischen beiden Wendezirkeln zumahl in
beiden Indien, im südwestlichen Africa und auf
Neuholland zu Hause sind) findet sich besonders
in Ostindien und Guinea, und führt aus Thon,
Letten etc. kegelförmige, meist mit mehrern Spitzen
besetzte, inwendig hoch ausgewölbte Gebäude auf,
die zuweilen wohl 10 bis 12 Fuß lang sind, und
theils in solcher Menge beysammen stehen, daß
sie von Ferne das Ansehn eines Dorfs kriegen.
Mit den Jahren wird so ein hohler Ameisenhaufen
von außen ganz mit Gras überwachsen etc. und ist
dabey so fest, daß er mehrere Menschen zu tragen
im Stande ist, ungeachtet die Wände selbst mit
großen weiten Gängen durchzogen sind, die theils
über eine halbe Elle im Durchmesser haben. Unauf-
hörlich wird in diesen Stöcken gebaut, alte Zellen
abgebrochen, neue aufgeführt, andre erweitert
u.s.w. Die Zellen des Königs und der Königin
(als von welchen in jedem Stocke nur Ein Paar
befindlich ist) sind im Innersten des Gebäudes
verborgen. Zunächst um dieselben herum wohnen
die Arbeiter, hierauf folgen die Eyerzellen für die
junge Brut und dicht bey diesen die Magazine.
Diese Thiere zerbeißen und verzehren Holzwerk,
Geräthe, Hütten etc. kurz alles außer Erz und
Stein; und können binnen wenigen Wochen mäch-
tige Baumstämme gleichsam vernichten. Daß der
Hinterleib der befruchteten Königin 2000 Mahl
dicker und größer wird als er vorher war, ist schon
oben erwähnt. Sie kann dann binnen 24 Stun-
den auf 80000 Eyer legen.

[Seite 378]

63. Mvtilla. Alae nullae in plerisque.
Corpus pubescens. Thorax postice retu-
sus. Aculeus reconditus punctorius.

1. Occidentalis. M. coccinea, abdomine cin-
gulo nigro.


VI. DIPTERA.

Die Insecten mit zwey Flügeln und ein Paar
kleinen Knöpfchen oder so genannten Flügelkölb-
chen oder Balancirstangen (halteres), die hinter
den Flügeln an der Brust sitzen, und meist noch
mit einer kleinen Schuppe bedeckt sind; deren
Nutzen aber noch unbestimmt ist, und derent-
wegen einige Naturkündiger die ganze Ordnung
Halterata benannt haben. Die Larve ist meist
eine Made, die mehrentheils an saulichten, un-
reinen Orten lebt: die schrumpft nach einiger Zeit
zusammen, und verhärtet zu einer brauen cylin-
drischen Puppe. Das vollkommene Insect hat
bey einigen Geschlechtern einen spitzigen harten
Saugestachel, bey andern einen weichen bieg-
samen Rüssel, bey noch andern gar keinen Mund
u.s.w. Einige dieser Thiere gebähren lebendige
Junge.

64. Oestrvs. Bremse. (Engl. gad-fly.)
Os nullum, punctis tribus, absque pro-
boscide aut rostro exserto
.

Bey den zunächst benannten Gattungen legt das
Weibchen seine Eyer in die Haut der lebendigen
[Seite 379] Thiere, wodurch gleichsam eine Art von Fontanell
(die so genannte Daßelbeule) entsteht, in welchem
sich die Larve (der Engerling) ernährt.

1. †. Bouis. die Ochsenbremse. O. niger, alis
immaculatis, thorace apice antice postice-
que pilis griseis, abdomine antice pilis gri-
seis apiceque flauo-fuluis.

Sulzers Gesch. tab. 28. fig. 1.

2. Tarandi. die Renthierbremse. O. alis
immaculatis, thorace flauo fascia nigra, ab-
domine fuluo apice flauo
.

3. †. Nasalis. die Pferdebremse. O. alis im-
maculatis, thorace ferrugineo, abdomine
nigro: pilis flauis.

Wahrscheinlich sind es die Larven (Engl. Botts)
dieser Gattung, die man im Frühjahr theils in
so großer Anzahl und fast allgemein im Magen
der Pferde antrifft, wo sie mit den vordern spitzen
Ende ihres an Größe und Form ungefähr einem
Dattelkern ähnelnden Körpers in der innern Haut
des Magens eingehakt festsitzen.

4. †. Ouis. die Schafbremse. O. alis sub-
punctatis, abdomine albo nigroque versi-
colore.

Reaumur vol. IV. tab. 35. fig. 21. 22.

In den Stirnhöhlen der Hirsche, Rehe, Ziegen,
und vorzüglich der Schafe.

65. Tipvla. Schnacke. (Engl. crane-fly.)
Os capitis elongati maxilla superiore
fornicata: palpi duo incurui capite lon-
giores. Proboscis recuruata breuissima
.

[Seite 380]

Aeußerst dauerhafte Insecten, deren Larven sogar
in Schwefelwassern leben können, und die Hr.
de Luc in einer Höhe von 1560 Toisen über der
Meeresfläche angetroffen, wo sie folglich wohl
unter allen Thieren auf unsrer Erde am höch-
sten lebten.

Der berüchtigte so genannte Heerwurm, eine
Art von Erdmast der wilden Sauen, besteht aus
einem in der That bewundernswürdigen Zuge von
vielen tausend dicht an einander kriechenden kaum
einen halben Zoll langen Schnaken-Maden, welcher
Zug zuweilen wohl 12 Ellen lang, Hände breit
und Daumens hoch ist, und so in Wäldern an
feuchten Gegenden im Sommer in größter regel-
mäßigster Ordnung umher zieht*).

1. †. Oleracea. T. alis hyalinis, costa mar-
ginali fusca
.

Frisch P. IV. tab. 12.

Die Larve thut an den Pflanzenwurzeln, zumahl
am Gemüse viel Schaden.

2. †. Plumosa. T. thorace virescente, alis
hyalinis puncto nigro
.

Frisch P. XI. tab. 3. 12.

Ihre bluthrothe Larve lebt im Wasser und ist
eine Speise der Armpolypen.

3. †. Phalaenoides. T. alis deflexis cinereis
ouato-lanceolatis ciliatis
.

Frisch P. X. tab. 3. 11.

Ein kleines Thier, das meist an dumpfigen
Orten, Abtritten etc. lebt.

[Seite 381]

66. Mvsca. Fliege. (Fr. mouche. Engl. fly.)
Os proboscide carnosa: labiis 2 laterali-
bus: palpi nulli
.

1. †. Vomitoria. die Schmeißfliege. M. an-
tennis plumatis pilosa, thorace nigro, ab-
domine caeruleo nitente
.

2. †. Carnaria. M. antennis plumatis pilosa
nigra, thorace lineis pallidioribus, abdo-
mine nitidulo tesselato: oculis rubris
.

Frisch P. VII. tab. 14.

Gebiert lebendige Maden.

3. †. Domestica. die Stubenfliege. M. anten-
nis plumatis, pilosa nigra, thorace lineis
5
obsoletis, abdomine nitidulo tesselato, ocu-
lis fuscis
.

(v. Gleichen) Gesch. der gemeinen Stuben-
fliege. (Nürnb.) 1784. 4.

Findet sich fast auf der ganzen Erde: und in
theils Gegenden, wie auf Taheiti, Neuholland,
am Cap etc. in unsäglich lästiger Menge. Das
befruchtete Weibchen legt seine 80 oder mehr Eyer
in Ställe, Misthaufen. – Um ihre Puppenhülse
aufzusprengen, kann die zum Auskriechen reife
Fliege ihre Stirne wie zu einer Blase auftreiben.

4. †. Cellaris. (vinulus, conops.) M. antennis
setariis pilosa nigra, alis neruosis, oculis
ferrugineis
.

Reaumur vol. V. tab. 8. fig. 7.

Sehr kleine Thierchen, in Weinkellern und über-
haupt auf süßlichen gährenden Früchten etc.

5. †. Meteorica. M. antennis setariis pilosa
nigra abdomine subcinereo, alis basi sub-
flauis, oculis brunneis
.

[Seite 382]

In Gärten und Wäldern, haben einen sonder-
baren gleichsam hüpfenden Flug.

6. †. Putris. M. antennis setariis, subpilosa
atra, alarum costa nigra, oculis ferrugineis
.

Frisch P. I. tab. 7.

Die Made lebt im faulem Käse.

67. Tabanvs. Blinde Fliege, Breme.
(Fr. taon) Os proboscide carnosa, ter-
minata labiis duobus. Rostro palpis duo-
bus, subulatis, proboscidi lateralibus,
parallelis
.

1. †. Bouinus. T. oculis virescentibus, ab-
dominis dorso maculis albis trigonis longi-
tudinalibus.

Reaumur vol. IV. tab. 17. fig. 8.

68. Cvlex. Os aculeis setaceis intra va-
ginam flexilem
.

1. †. Pipiens. die Mücke, Schnake, Moskite.
(Fr. le cousin. Engl. the gnat.) C. cinereus
abdomine annulis fuscis
8.

Kleemanns Beytr. zu Rösel T. I. tab. 15. 16.

Das beschwerliche Thier hält sich zumahl häufig
am Wasser auf. In vielen Erdstrichen, zumahl
in heißen, (wo ohnedieß alle Insectenstiche – wie
bey uns in brennenden Sommertagen – weit hef-
tigere Entzündung verursachen,) sind diese Thiere,
die von den europäischen Seefahrern Moskiten
genannt werden, in unsäglicher Menge, und wer-
den oft eine recht gefährliche Plage. Unkundige
Reisende belegen aber auch wohl überhaupt alle
Mückenartige stechende Insecten mit dem gemein-
schaftlichen Namen von Moskiten.

[Seite 383]

2. Reptans. die Beißfliege, Kolumbachische
Mücke. C. niger, alis hyalinis, pedibus
nigris annulo albo
.

Im gebirgigen Lappland, im südlichen Sibirien,
vor allen aber im Bannat, wo sie zwey Mahl im
Jahre, im Frühjahr und Sommer, in unermeß-
lichen Scharen erscheint und den Pferden u.a.
Vieh zu allen Oeffnungen des Körpers einkriecht,
daß es oft davon in wenigen Minuten sterben
muß. Auch den Menschen werden sie dann wenig-
stens äußerst lästig, wenn auch nicht so gefährlich.

69. Empis. Os rostro corneo, inflexo,
biualui, thorace longiore. Valuulis ho-
rizontalibus
.

1. †. Pennipes. E. antennis filatis, nigra, pe-
dibus posticis longis: alterius sexus pennatis
.

Sulzers Kennz. tab. 21. fig. 137.

70. Conops. Stechfliege, Pferdestecher.
Os rostro porrecto geniculato.

1. †. Calcitrans. C. antennis subplumatis, ci-
nerea glabra ouata
.

Sulzers Kennz. tab. 21. fig. 138.

Hat ganz die Bildung der Stubenfliege, nur
statt des Rüssels den hervorragenden Stachel.
Sie kommt nur wenn es regnen will in Häuser,
fliegt niedrig, und setzt sich auch bloß an die
Beine, so wie sie draußen auf der Weide sich an
die Füße des Viehes zu setzen gewohnt ist, das
daher so unruhig wird und aufstampft.

71. Asilvs. Raubfliege. Os rostro cor-
neo porrecto, recto biualui
.

[Seite 384]

1. †. Cabroniformis. A. abdomine tomentoso,
antice segmentis tribus nigris, postice flauo
inflexo
.

Frisch P. III. tab. 8.

72. Bombylivs. Schwebfliege. (Fr. bour-
don
. Engl. buzz-fly.) Os rostro porrecto,
setaceo, longissimo, biualui: valuulis
horizontalibus, intra quas aculei setacei
.

1. †. Maior. B. alis dimidiato-nigris.

Sulzers Gesch. tab. 28. fig. 22.

73. Hippobosca. (Fr. mouche-araignée.)
Os rostro biualui, cylindrico, obtuso,
nutante. Pedes vnguibus pluribus
.

1. †. Equina. die Pferdelaus. (Engl. the horse-
leech
.) H. alis obtusis thorace albo varie-
gato, pedibus tetradactylis
.

Sulzers Kennz. tab. 21. fig. 141.

Die trächtige Mutter wird ungeheuer dick, und
legt nur ein einziges Ey oder vielmehr ein Puppe,
in welcher sich in den ersten Wochen nichts als
ein weißer Saft zeigt, der nachher gleich zum
erwachsenen Thier gebildet wird, das nach einiger
Zeit als vollkommen erwachsenes geflügeltes Insect
auskriecht.

2. †. Ouina. die Schaflaus. H. alis nullis.

Frisch P. V. tab. 18.

Ein ungeflügeltes Insect, das doch wegen seines
ganzen übrigen Habitus diese Stelle behauptet.
Es lebt in der Wolle der Schafe, die davon
grün wird.

VII. APTERA.

[Seite 385]

Die gänzlich ungeflügelten Insecten. Sie
sind in Rücksicht der Größe, Bildung, Aufent-
halt, Nahrung, Freßwerkzeuge, Anzahl und
Länge der Füße, der Augen u.s.w. gar sehr ver-
schieden. Theils legen sie Eyer, theils gebären
sie lebendige Junge. Den Floh ausgenommen,
besteht die übrigen keine eigentliche Verwand-
lung. Vermuthlich liegt hierin ein Grund, warum
die Zergliederung derjenigen Insecten dieser Ord-
nung, die man genau zerlegen kann, wie z. E.
der Krebse, Spinnen etc. so sehr große Abwei-
chungen vom innern Bau der Raupen, Käfer,
Bienen etc. zeigt.

74. Lepisma. Pedes 6 cursorii. Os pal-
pis
2 setaceis et 2 capitatis. Cauda se-
tosa setis extensis. Corpus squamis im-
bricatum
.

1. †. Saccharina. der Zuckergast, das Fisch-
chen. (forbicina) L. squamosa cauda triplici.

Sulzers Kennz. tab. 22. fig. 142.

Ist eigentlich in America zu Hause, aber nun
schon fast in ganz Europa einheimisch.

75. Podvra. (Engl. spring-tail.) Pedes 6
cursorii. Oculi 2 compositi ex octonis.
Cauda bifurca, saltatrix inflexa. Anten-
nae setaceae elongatae
.

[Seite 386]

1. †. Fimetaria. P. terrestris alba.

Oft haufenweise unter Blumentöpfen.

76. Pedicvlvs. Laus. (Fr. pou. Engl.
louse.) Pedes 6 ambulatorii, oculi 2. Os
aculeo exserendo. Antennae longitu-
dine thoracis. Abdomen depressum sub-
lobatum
.

Vielleicht eines der weitläufigsten aller Thier-
geschlechter. Die mehresten Säugethiere und Vögel
mögen wohl ihre Läuse haben: und selbst Fische,
ja sogar manche Insecten, wie die Bienen etc. sind
damit geplagt.*)

1. †. Humanus. die Laus. P. humanus.

Swammerdam bibl. nat. tab. 1. fig. 3-6.

Ist außer am Menschen meines Wissens bloß
am Schimpansee (Simia troglodytes – s. oben
S. 65. –) gefunden worden. Das ekelhafte Thier
kann sich so schnell und häufig vermehren, daß
es dann nicht nur der Reinlichkeit, sondern auch
der Gesundheit selbst äußerst nachtheilig wird. Bey
den Mohren sind die Läuse schwarz: daß sie sich
aber wie Oviedo u.a. behaupten, auf den Schiffen
verlören, wenn diese die Linie passiren, ist leider
eine Fabel.

2. †. Pubis. (morpio. Engl. the crab-louse.)
P. pubis.

Redi l. c. tab. 19. fig. 1.

Am Unterleibe unreinlicher Menschen.

[Seite 387]

77. Pvlex. Floh. (Fr. puce. Engl. flea.)
Pedes 6 saltatorii: oculi 2. Antennae
filiformes. Os rostro inflexo, setaceo,
aculeum recondente. Abdomen com-
pressum
.

1. †. Irritans. der Floh. P. proboscide cor-
pore breuiore
.

Rösel vol. II. Mücken etc. tab. 2. 3. 4.

Außer dem Menschen auch auf Hunden, Füchsen,
Katzen, Hasen, Eichhörnchen, Igeln etc. doch nicht
im äußerstem Nordamerica, und nur sehr einzeln
auf manchen westindischen Inseln, (z.B. auf
Martinike) etc. Er kann wenigstens auf 6 Jahr
alt werden.

2. Penetrans. der Sandfloh, die Tschike, Nigua,
Ton, Attun. P. proboscide corporis lon-
gitudine
.

Catesby N. H. of Carolina. III. tab. 10.
fig. 3.

Ein äußerst lästiges Thier im mittlern America,
ähnelt dem gemeinen Floh in der Bildung und in
den Sprüngen, ist aber kleiner; hält sich beson-
ders im Staube auf, und legt seine Eyer den
Menschen unter die Nägel der Fußzehen, wodurch
heftige und zuweilen in Brand übergehende Ent-
zündungen entstehen.

78. Acarvs. Milbe. (Fr. tique. Engl. tick.)
Pedes 8. Oculi 2 ad latera capitis. Ten-
tacula
2 articulata, pediformia.

Ein großes Geschlecht von zahlreichen Gattun-
gen, die sich theils wie die Läuse auf andern Thie-
ren, theils aber auch in alten Milchgeschirren, an
Bierfässern, auf Pilzen u.s.w. finden.

[Seite 388]

1. †. Ricinus. der Holzbock. A. globoso-
ouatus: macula baseos rotunda: antennis
clauatis
.

Frisch P. V. tab. 19.

2. †. Siro. die Käsemilbe, Miete. (Fr. le
ciron, la mite
. Engl. the mite.) A. lateri-
bus sublobatis, pedibus
4 posticis longissi-
mis, femoribus capiteque ferrugineis, ab-
domine setoso
.

In Mehl, Käserinden, rohen Schinken etc. Sie
wird nur mit drey Paar Füßen gebohren, und das
vierte wächst erst nachher dazu.

79. Hydrachna. Wasserspinne, Wasser-
milbe. Pedes 8. Palpi 2 articulati. Oculi
2, 4, 6. Caput, thorax, abdomenque vnita.

Alle bis jetzt bekannten zahlreichen Gattungen
dieses zuerst vom sel. Etats-Rath Müller be-
stimmten Geschlechts*) leben in stehenden süßen
Wassern.

1. †. Despiciens. (acarus aquaticus Linn.) H.
rubra rotundata maculis pluribus; oculis
inferis
.

Frisch P. 8. tab. 3.

Fast wie eine kleine blutrothe Spinne. Sehr
lebhaft in ihren Bewegungen.

80. Phalangivm. Pedes 8. Oculi ver-
ticis
2 contigui. Frons antennis pedi-
formibus. Abdomen rotundatum
.

[Seite 389]

1. †. Opilio. der Weberknecht, Schuster, Geist,
Tod, Haferhauer, die Holzspinne, Hafer-
geis. (Fr. le faucheur. Engl. the shepherd.)
P. abdomine ouato; subtus albo.

Sulzers Kennz. tab. 22. fig. 140.

Ein animal nocturnum. Die ausgerißnen
Beine zeigen noch Tagelang Lebenskraft und Be-
wegung. Die Augen sitzen dem Thiere zwischen
den Schultern.

2. †. Cancroides. der Bücherscorpion. (Fr. le
scorpion araignée
.) P. abdomine obouato
depresso, chelis laeuibus, digitis pilosis
.

Rösel vol. III. tab. 64.

In altem Papier etc. Sieht wegen des flachen
plattgedruckten Körpers und der langen Scheeren
sonderbar aus. Kriecht rücklings und vorwärts
wie ein Krebs.

3. †. Balaenarum. die Wallfischlaus. P. ab-
domine dilatato muricato, rostro subulato
.

Pennant's british zoology P. IV. tab. 18.
fig. 7.

Darf nicht mit dem oniscus ceti verwechselt
werden.

4. Araneoides. (Solpuga Lichtenst.) P. chelis
dentatis villosis, corpore oblongo
.

Pallas spicil. IX. tab. 3. fig. 7-9.

Hin und wieder in heißen Erdstrichen der alten
Welt. Sein Biß verursacht heftige Entzündung
zuweilen mit gefahrvollen Zufällen.

81. Aranea. Spinne, Kanker. (Fr. araignée.
Engl. spider.) Pedes 8. Oculi 8. (pleris-
que
) Os vnguibus s. retinaculis 2. Anus
papillis textoriis
.

[Seite 390]

Ein ansehnliches Geschlecht von zahlreichen Gat-
tungen*), die sich meines Wissens alle bloß von
lebendigen Thieren, zumahl Insecten, nähren;
auch einander selbst auffressen. Daß auch der Biß
von manchen hieländischen Spinnen zuweilen beym
Menschen sehr gefährliche Folgen haben könne, ist
neuerlich durch Erfahrung allerdings bestätigt**).
Die mehresten Spinnen weben sich ein Gespinnst,
dessen regelmäßige Anlage sowohl als die Festig-
keit, womit es Wind und Wetter aushält, bewun-
dernswürdig ist. Auch hat man mehrmahlen den
freylich seltsamen Einfall im Kleinen ausgeführt,
aus Spinnewebe, und besonders aus dem Eyer-
gespinnste der Kreuzspinnen, eine Art Seide zu ver-
arbeiten. – Der so genannte fliegende Sommer
(Mädchen-Sommer, Mariengarn etc.) ist wenig-
stens größtentheils kleinen Spinnen zuzuschreiben,
die zumahl im Frühjahr häufig an Hecken und
Büschen umher weben.

1. †. Diadema. die Kreuzspinne. A. abdo-
mine subgloboso rubro-fusco: cruce alba
punctata
.

Rösel vol. IV. tab. 35-40.

H. Quatremere d'Isjonval erklärt diese und
die folgende Spinne für die untrüglichsten Wet-
terpropheten.

2. †. Domestica. die Fensterspinne. A. abdo-
mine ouato fusco: maculis nigris
5 sub-
contiguis: anterioribus maioribus
.

Clerk tab. 2. fig. 9.

[Seite 391]

3. †. Scenica. (Fr. l'araignée sauteuse.) A.
saliens nigra: lineis semicircularibus
3 albis
transuersis
.

Clerk tab. 5. fig. 13.

Auf Dächern etc. Sie hüpft: macht aber kein
Gespinst.

4. †. Saccata. A. abdomine ouato ferrugi-
neo fusco
.

Frisch P. VIII. tab. 3.

Sie trägt ihre Eyer in einem Sacke am Hin-
terleibe mit sich umher, und wagt mit einer bey-
spiellosen Zärtlichkeit ihr Leben, um ihn wenn er
ihr mit Gewalt entrissen wird, zu retten*).

5. Auicularia. die Buschspinne. A. thorace
orbiculato conuexo: centro transuerso ex-
cauato
.

Kleemanns Beyträge zu Rösel Tom. I.
tab. 11. 12.

Theils in Westindien. Von der Größe einer
kleinen Kinderfaust. Die Fußsohlen schillern in
bunte Goldfarben. Sie tödtet Colibrite, und saugt
ihre Eyer aus. Ihr Biß kann auch bey Menschen
gefahrvolle Entzündung verursachen.

6. Spithamea. A. abdomine oblongo, pedi-
bus longissimis
.

Seba thesaur. vol. IV. tab. 99. fig. 9.?

In Ostindien. Mit ausgestreckten Beinen vom
Umfang einer ausgespannten Hand.

7. Tarantula. A. fusca, subtus atra, pedibus
subtus atro fasciatis
.

G. Baglivi diss. de tarantula. fig. 1. 2.

[Seite 392]

In Apulien. Die Fabeln von den unausbleib-
lichen Folgen ihres Bisses und den musicalischen
Heilungsmitteln dagegen lösen sich dahin auf, daß
es theils Einbildungen hypochondrischer und hyste-
rischer Patienten; mehrentheils aber armselige Bet-
teleyen seyn mögen, womit sich leichtgläubige
Reisende haben hintergehen lassen. So viel ist
indeß richtig, daß diese Spinne, die sich auf dem
Felde in kleinen Erdhöhlen aufhält, den Schnit-
tern zur Erntezeit durch ihren Biß lästig wird:
und so wie alle Insectenstiche etc. im brennenden
Sommer gefährlich werden (zuweilen wohl eine
Art Veits-Tanz erregen) können, so auch freylich
wohl der Tarantel-Biß.

82. Scorpio. Pedes 8. insuper chelae
2 frontales. Oculi 2 in tergo. Palpi 2
cheliformes. Cauda elongata articulata
terminata mucrone arcuato.
Pectines 2
subtus inter pectus et abdomen.

Die Scorpione haben in der Bildung und Lebens-
art manches mit den Krebsen gemein, auch werfen
sie, so wie diese, jährlich ihre Schale ab. Der
kleinen Europäische ist, wenn nicht grade schwüle
Sonnenhitze u.a. dergl. Umstände dazu kommen,
ziemlich unschädlich. Auch der Stich eines Ost-
indischen ist oft weniger gefährlich als ein Bienen-
stich. Hingegen verursacht der von den Persiani-
schen, und so auch von den Westindischen Scor-
pionen leicht den Brand.

1. Afer. S. pectinibus 13 dentatis, manibus
subcordatis pilosis.

Rösel vol. III. tab. 65.

2. †. Europaeus. S. pectinibus 18 dentatis,
manibus angulatis
.

Rösel vol. III. tab. 66. fig. 1. 2.

[Seite 393]

83. Cancer. Krebs. (Fr. cancre. Engl.
crab.) Pedes 8 insuper manus 2 chela-
tae. Oculi
2 distantes, plerisque pedun-
culati, elongati mobiles. Palpi
2 cheli-
feri. Cauda articulata inermis
.

Ein weitläuftiges Geschlecht, dessen Gattungen
nach der verschieden Länge und Bedeckung des
Schwanzes, von Linné in folgende drey Familien
abgetheilt worden*):

A) Brachyuri. Krabben, Taschen-
krebse, Seespinnen.

1. Pinnotheres. C. brachyurus glaberrimus,
thorace laeui lateribus antice planato, cau-
dae medio noduloso-carinato
.

Die Sage, daß sich dieser Krebs innerhalb der
Steckmuschel aufhalte, um die Muschel bey An-
näherung der Blackfische zu warnen, ist irrig. Er
verwirrt sich wohl oft in den Bart dieser Muschel
so wie andre Krebse auch: aber die vorgegebne
Absicht fällt weg.

2. Ruricola. die schwarze Landkrabbe. C.
brachyurus, thorace laeui integerrimo, an-
tice retuso: pedum articulis vltimis penul-
timisque vndique spinosis
.

Catesby vol. II. tab. 32.

In Westindien und den benachbarten Land-
strichen. Lebt im Gebüsch in Erdhölen; zieht aber
im Frühjahr theils in großen Schaaren nach den
Seeufern, um die Eyer in den Sand zu legen.

[Seite 394]

3. Vocans. die Sandkrabbe. (Engl. the sand-
crab
.) C. brachyurus, thorace quadrato
inermi, chela altera ingenti
.

Catesby vol. II. tab. 35.

Zumahl im wärmern Nordamerika. Das Männchen wird durch
die auffallende Ungleichheit seiner beiden Scheeren
merkwürdig, deren eine nicht viel größer als ein
Bein des Thiers, die andre hingegen so schwer-
fällig ist, daß sie der Krebs, wenn er von der
Stelle will, auf den Rücken legen, und so fort-
tragen muß.

4. Maenas. die Krabbe. C. brachyurus, tho-
race laeuiusculo, vtrinque quinquedentato,
carpis vnidentatis, pedibus ciliatis: posti-
cis subulatis
.

5. Pagurus. der Taschenkrebs, die Tasche.
(Engl. the punger.) C. brachyurus, tho-