Table of contents

[binding_recto] [interleaf] [interleaf] [interleaf]
[titlePage_recto]
Handbuch
der
Naturgeschichte.

Mit Kupfern.

Multa fiunt eadem sed aliter.
qvintilian.

Vierte sehr verbesserte Auflage.

Göttingen,
bey Johann Christian Dieterich,

1791
.
[titlePage_verso]
Ex
Bibliotheca
Regia Acad.
Georgiæ
Aug:

Vorrede.

[[III]]

Ich habe auch bey dieser vierten Auf-
lage meinen möglichsten Fleiß ange-
wandt, die Mängel der vorigen zu verbes-
sern, und das wichtigste von dem Zuwachs,
den die Naturgeschichte, und besonders
die Mineralogie in den letztern Jahren er-
halten, nachzutragen. Um aber das Buch
doch nicht anzuschwellen, habe ich mich da-
gegen hin und wieder zumahl im Thier-
reich mehr als bey den vorigen Ausgaben
ins Kurze gefaßt. Ueberhaupt aber darf
wohl ein Handbuch der N. G., wenn es
nähmlich auch als Leitfaden zum academi-
schen Vortrage brauchbar seyn soll, wohl
nicht viel kürzer seyn. Denn da es die
[Seite IV] Natur der Sache mit sich bringt, daß
bey weiten der größte Theil der Zuhörer
doch nicht mehr als einen halbjährigen
Cursus auf diese so viel umfassende Wis-
senschaft wenden kann; so muß das Com-
pendium an den wichtigsten Gegenständen
derselben so reichhaltig als möglich seyn,
damit die kurze Zeit des mündlichen Vor-
trags zur nöthigen Erläuterung des Buchs,
zur Anleitung zum fernern Gebrauch des-
selben, und zur Mittheilung der anschau-
lichen Kenntnisse durch Vorzeigung der
Naturalien selbst, oder wo das nicht geht
durch treue deutliche Abbildungen etc. be-
nutzt werden kann.

Bloß in der systematischen Anordnung
des Mineralreichs habe ich einige, mei-
ner Ueberzeugung nach, nützliche und der
Natur angemessene Veränderungen getrof-
fen. Außerdem aber habe ich an der
übrigen Anordnung im Ganzen nichts zu
ändern nöthig gefunden.

Aeußerst selten, und nur in Fällen wo
es mir unvermeidlich schien, habe ich mich
[Seite V] der heut zu Tage so oft mißbrauchten und
das Studium der Naturgeschichte so un-
glaublich erschwerenden Frezheit bedient,
den Naturalien neue Nahmen zu geben.
Da ich z.B. die weissen Ameisen von den
Papierläusen trennen mußte, so habe ich
jenen den Geschlechtsnahmen termes ge-
lassen, und dagegen das Geschlecht der
letztern termiculus genannt. Das be-
rühmte neue Fossil aus Neuholland habe
ich in Ermangelung eines andern Nahmens
Australsand genannt. Die Gründe für
die Wahl einiger andern neuen Benen-
nungen wie Tuffwacke, Strahltremolit
u.s.w. sind im Buche selbst angegeben.

Ich habe zwar außer den Lateinischen,
Französischen und Englischen Nahmen auch
die deutschen Synonymien von Bedeutung
gesammelt; durchgehends aber immer die
gebräuchlichste mithin verständlichste Be-
nennung zuerst gesetzt; denn ich bin des
festen Glaubens, daß man hierin zur
Erleichterung des Studii durchaus den ge-
meinen Sprachgebrauch respectiren müsse;
den ‘"vsus

[Seite VI]

‘"quem penes arbitrium est, et ius, et
norma loquendi
!“’

Darum brauche ich z.B. nicht das hier zu
Lande gewöhnliche Wort Molle sondern
das allgemeiner angenommne Molch: eben
so nicht das im Erzgebürge gebräuchliche
Wort Kobelt, sondern das längst allge-
mein adoptirte und selbst in andre lebende
und todte Sprachen aufgenommne Ko-
balt u.s.w.

Im Thierreich habe ich immer den La-
teinischen Nahmen voraus gesetzt, weil da
hundert erotische Dinge vorkommen die
im Deutschen keine bekannten verständlichen
Nahmen haben. Im Mineralreich hin-
gegen ist der Fall umgekehrt. Da sind
gerade die Deutschen Benennungen die be-
kanntesten und selbst großen Theils in andre
Sprachen aufgenommen.

Daß ich bey den organisirten Körpern
das Wort genus immer durch Geschlecht,
und hingegen species durch Gattung über-
setze, dafür habe ich nicht nur die Auto-
rität unsrer genauesten Deutschen Sprach-
[Seite VII] kundigen, so wie auch der Deutschen Classi-
ker im Fache der N. G., des Hrn. v. Haller
u.a.m., sondern noch zwey Autoritäten
ganz andrer Art, nähmlich wieder den ge-
meinen Sprachgebrauch und gewissermaßen
die Natur selbst vor mir.

Die Natur zeigt (wenigstens im ge-
wöhnlichen Laufe, de regula), daß nur
die Thiere von Einer species sich mit ein-
ander gatten; und daß genus auch Ge-
schlecht bedeutet, lernen wir ja schon in
den Kinderjahren in der Grammatik beym
Unterschied der Worte generis masculini
oder foeminini etc.

Beym Thierreich ist denjenigen Gat-
tungen die sich in Deutschland finden, wie-
der so wie in den vorigen Ausgaben ein †
vorgesetzt: und ein * am Ende des Latei-
nischen Characters bedeutet, daß ich das
ganze Thier im hiesigen academischen
Museo oder sonst wo gesehen habe. Im
Mineralreich konnte beides unterbleiben.
Ersteres, weil so ein Zeichen bey den allge-
mein verbreiteten Mineralien überflüssig,
[Seite VIII] bey vielen von denen aber die in Deutsch-
land selbst ein sehr eingeschränktes Vater-
land haben, wie der Boracit, Schiefer-
spath, Uranit etc. unzureichend gewesen
wäre. Letztres hingegen weil überhaupt
nicht eine einzige Art von Mineralien ge-
nannt ist, die ich nicht selbst in meiner
eignen Sammlung besitzen sollte.

Göttingen,
den 11ten März 1791.
J. F. Blumenbach.

Verbesserungen.

[Seite IX]

S. 69 Z. 18. 19 statt: zu einem Segel, l. wie zu
einem Fallschirm,

S. 78 Z. 12 st. 8 (?) lese man 6.

S. 142 Z. 10. 11 st. ihrer Luftröhre – die – l. ihres
Kehlkopfs – der –

S. 183 Z. 3 v. E. l. bullfinch

S. 271 Z. 19 st. race l. raie

S. 328 Z. 1 l. vierge

S. 437 Z. 6 l. Schiffwreck

S. 539 Z. 10 st. Gates l. Gauts

S. 564 die ganze Parenthese in den drey letzten Zei-
len fällt weg. Denn wie ich nun an frischen Bruch-
stücken des verde di Corsica sehe, so ist das grüne einge-
sprengte Gestein das insgemein für Feldspath, von andern
auch für Schörl gehalten worden, keines von beiden,
sondern wahrer Bitterstein, lapis muriaticus S. 589.

S. 588 Z. 10 l. Zöblitz

S. 598 Z. 4 l. Argyll's

S. 601 Z. 5 st. Seepalme l. Medusenpalme

S. 603 Z. 5 st. kleinem blattrichten l. kleinblättrichtem

S. 619 Z. 19 u. 20. Manche dieser antiken Aegypti-
schen Granite wie z.B. der schöne rothe gehören doch
wie ich nun bey näherer Prüfung finde mehr zum über-
[Seite X] mengten- als zum After-Granit, da sie außer der
Hornblende doch allerdings auch Glimmerblättchen in ihrem
Gemenge halten.

S. 623 Z. 4 st. feinem l. zartschuppichten

S. 681 Z. 13 st. Salz l. Mittelsalz

S. 684 Z. 4 st. der l. oder

Zusätze.

Zu S. 515 Z. 8 v. E. Deutschlands Flora oder bota-
nisches Taschenbuch für das Jahr
1791 von G. Fr.
Hoffmann. Erlangen. 12.

S. 570 nach Z. 12. Der gemeine Lehm oder Laim
ist ein meist sehr eisenschüssiger, mit Kalk und theils mit
Sand durchmengter Thon.


Anweisung der Kupfertafeln.

[Seite XI]

Tab. I.

Fig. 1–7. die verschiednen Würmer im menschlichen
Körper in natürlicher Größe. – Sie sind alle nach der
Natur gezeichnet nur den Blasenwurm fig. 7 ausgenom-
men, den ich noch nicht selbst gesehen, und daher aus
Werners Schrift entlehnt habe.

Fig. 1. Ascaris vermicularis (S. 418).

– 2. Der Vordertheil von ascaris lumbricoides. (Eben-
daselbst.)

– 3. Ascaris trichuris. (Ebendas.)

– 4. Das Kopfende der menschlichen Bandwürmer
(S. 420).

– 5. Vier Hinterglieder der taenia solium (S. 421).

– 6. Achtzehn Hinterglieder der taenia lata (S. 422).

– 7. Hydatis humana. (Ebendas.)

– 8. Ein Liebespfeil der gemeinen Waldschnecke
(S. 411) stark vergrößert.

– 9. Ein Stamm mit drey Federbusch-Polypen,
tubularia sultana (S. 471) stark vergrößert.

– 10. Ein Arm-Polype mit einem Jungen, hydra
viridis
(S. 477) in natürlicher Größe.

– 11. Ein Stamm mit zwölf Blumen-Polypen,
brachionus anastatica (S. 478) stark vergrößert.

[Seite XII]

Fig. 12. Das Räderthier, vorticella rotatoria (S. 478)
stark vergrößert.

– 13. Ein menschliches Saamenthierchen, chaos sper-
maticum
(S. 480) noch weit stärker vergrößert.

Tab. II.

Fig. 1. 2. Blattrinde der Pirnblätter (S. 486) stark
vergrößert.

– 3. (S. 495 u. f.)

– 4–11. (S. 498 u. f.)

Tab. III.

Die merkwürdigsten Crystallisationen der Mineralien.


Erster Abschnitt.
Von Naturalien überhaupt;
ihrer Eintheilung in drey Reiche.
u.s.w.

[Seite 1]

§. 1.

Alle Körper, die sich auf, und in unsrer
Erde finden, zeigen sich entweder in der-
selben Gestalt und Beschaffenheit, die sie aus der
Hand des Schöpfers und durch die Wirkung der
sich selbst überlassenen Naturkräfte erhalten ha-
ben; oder so, wie sie durch Menschen und Thiere,
zu bestimmten Absichten, oder auch durch bloßen
Zufall verändert und gleichsam umgeschaffen
worden sind.

Auf diese Verschiedenheit gründet sich die
bekannte Eintheilung derselben in natürliche
(naturalia), und durch Kunst verfertigte (ar-
tefacta
). Die erstern machen den Gegenstand
der Naturgeschichte aus, und man belegt alle
Körper mit dem Nahmen der Naturalien, die
nur noch keine wesentliche Veränderung durch
Menschen erlitten haben. Artefacten werden
[Seite 2] sie bloß alsdann, wenn der Mensch*) wesent-
lich Veränderungen mit ihnen vornimmt.

Anm. 1. Da übrigens der Begriff vom wesentlichen
hier nur relativ ist, so versteht sich von selbst, daß
auch die Grenzen zwischen Natur und Kunst nach
diesem Begriff nicht sehr streng bestimmt werden
können.

Anm. 2. Zuweilen können Kunstproducte den Natura-
lien so ähnlich seyn, daß sie nicht zu unterscheiden
sind. Daher z.B. die getheilten Meinungen über
das von Hrn. Pallas beschriebene gediegne Eisen
vom Jenisei.

Anm. 3. Manche Körper können auch nach dem verschie-
denen Gesichtspunct des Sammlers sowohl unter
den Naturalien als Kunstwerken ihre Stelle fin-
den. So z.B. die Mumien etc.

§. 2.

Alle und jede natürliche Körper zeigen, 1) in
Rücksicht ihrer Entstehung, 2) ihres Wachs-
thums, und 3) ihrer Structur, eine doppelte
Verschiedenheit. Die einen nähmlich sind alle-
mahl von andern natürlichen Körpern derselben
Gestalt und Art hervor gebracht; so daß ihre
Existenz in einer ununterbrochenen Reihe bis
zur ersten Schöpfung**) hinauf immer andere
[Seite 3] dergleichen Körper voraus setzt, denen sie ihr Da-
seyn zu danken haben. Zweytens nehmen sie
allerhand fremde Substanzen als Nahrungsmit-
tel in ihren Körper auf, assimiliren sie den Be-
standtheilen desselben, und befördern dadurch
ihr Wachsthum von innen (mittelst inniger An-
eignung, intus susceptio, expansio). Diese
beiden Eigenschaften setzen drittens von selbst eine
besondere Structur bey dieser Art von natürli-
chen Körpern voraus. Sie müssen nähmlich,
wenn sie auf diese Weise Nahrungsmittel zu sich
nehmen und mit der Zeit andere Geschöpfe ih-
rer Art wieder hervor bringen sollen, mancherley
Gefäße, Adern und andere Organe in ihrem
Körper haben, die zur Aufnahme bestimmter
Säfte, zur Assimilation dieser Alimente, zur
Erzeugung ihrer Nachkommenschaft u.s.w. noth-
wendig sind: und diese Organe müssen mit Le-
benskraft versehen seyn, und dadurch zu Voll-
ziehung ihrer Verrichtungen geschickt werden.

Dieß alles fehlt bey den natürlichen Kör-
pern der andern Art, nähmlich den Mineralien.
Beides, sowohl ihre Entstehung, als ihr Wachs-
thum, (wenn man es gar nur Wachsthum nen-
nen darf,) wird keineswegs durch Ernährung,
sondern lediglich durch Anhäufung oder Ansatz
[Seite 4] homogener Theile von außen (aggregatio, iux-
ta positio
) bewirkt; und sie bedürfen folglich
auch keines organisirten Körperbaues, keiner sol-
chen Gefäße und keiner Lebenskräfte etc. als die
Existenz der natürlichen Körper der ersten Art
unumgänglich erforderte.

Und eben deßhalb heissen jene organisirte,
die letztern aber, unorganisirte Körper.

§. 3.

Endlich sind nun auch die organisirten Kör-
per selbst, theils in der Art wie sie ihre Nah-
rungsmittel zu sich nehmen, theils in Rücksicht
ihrer Bewegung, von einer doppelten Verschie-
denheit. Die Einen nähmlich ziehen einen sehr
einfachen Nahrungssaft durch zahlreiche kleine
Oeffnungen, die sich am einen Ende ihres Kör-
pers befinden, in sich: da hingegen die Andern
eine einfache, aber nach Verhältniß ungleich
größere Oeffnung an sich haben, die zu einem
geräumigen Schlauche führt, wohin sie ihre
Alimente, die von sehr verschiedener Art sind,
bringen; die aber alsdann erst noch vielerley
Veränderungen erleiden müssen, ehe sie zur Nu-
trition geschickt werden. Diese letztern äußern
zudem noch willkührliche Bewegung des ganzen
Körpers oder seiner Gliedmaßen, die den erstern
völlig mangelt, und zeigen dadurch daß sie be-
seelt sind. Jenes sind die Pflanzen, dieses die
Thiere.

[Seite 5]

Anm. Hingegen gibt die Fähigkeit den Standpunct
zu verändern (locomotiuitas) kein hinreichendes
Unterscheidungszeichen der Thiere von den Pflan-
zen, ab. Denn viele Pflanzen, wie z.B. die ge-
meinen Wasserlinsen, sind nicht festgewurzelt,
sondern können zu gewissen Jahrszeiten etc. ihren
Aufenthalt verändern, bald zu Boden sinken,
bald wieder auf die Oberfläche des Wassers stei-
gen u.s.w. Und hingegen gibt es ganze Ge-
schlechter von Wasserthieren, zumahl unter den
Conchylien, Corallen etc. die ihren einmahl einge-
nommenen Platz nie von selbst wieder verlassen
können.

§. 4.

Diese sehr faßliche Eintheilung der natür-
lichen Körper in organisirte und unorganisirte
(§. 2.), und der organisirten wieder unter einan-
der (§. 3.), ist nun der Grund der bekannten
drey Reiche, worunter man die Naturalien sehr
schicklich gebracht hat, und wovon das erste die
Thiere, das zweyte die Pflanzen, das dritte die
Mineralien begreift.

Die Thiere sind folglich nach dem was oben
gesagt worden, belebte und beseelte organisirte
Körper, die sich ihre Nahrung mittelst willkühr-
licher Bewegung suchen, und selbige durch den
Mund in den Magen bringen.

Die Pflanzen sind zwar ebenfalls organi-
sirte Körper, aber bloß belebt, so daß ihnen die
willkührliche Bewegung gänzlich mangelt, und
sie ihren Nahrungssaft mittelst der Wurzeln
durch unwillkührliche Bewegung einsaugen.

[Seite 6]

Die Mineralien endlich sind unbelebte und
unorganisirte Körper, die folglich ohne Lebens-
kraft nach den bloß physischen und chemischen
Gesetzen von Anziehung, Anhäufung etc. ent-
stehen.

Anm. Gegen diese Eintheilung der Naturalien in die
drey Reiche sind, zumahl neuerlich, Einwendungen
gemacht worden: da manche Naturforscher wenig-
stens keine bestimmte Grenzen zwischen dem Thier-
und Pflanzenreich haben zugeben wollen: andere
aber überhaupt geläugnet haben, daß dergleichen
Grenzen zwischen den so genannten Naturreichen,
geschweige zwischen den Classen etc. worein jedes
derselben wieder abgetheilt wird, in der Natur
Statt fänden.

Die erstern haben sich theils auf die so genann-
ten empfindlichen Pflanzen, theils auf die Poly-
pen u.a. so genannte Pflanzenthiere berufen, die
aus verschiedner Rücksicht sowohl zum einen als
zum andern organisirten Reiche, gerechnet wer-
den könnten, folglich das Band zwischen bei-
den –, und einen unmerklichen Uebergang vom
einen zum andern, abgäben etc.

Die andern nehmen vollends eine allgemeine
Continuität in der Natur an; deuten den Satz:
Die Natur thut keinen Sprung, dahin daß alle
Arten von erschaffenen Wesen in der Natur, in
Rücksicht ihrer Bildung, einander stufenweise
wie Sprosse auf Sprosse in einer Leiter folgten,
gleichsam wie Glied an Glied in einer Kette zu-
sammen hingen, so daß durchaus keine andre als
nur sehr willkührliche erkünstelte Eintheilung der
Naturalien in Reiche und Classen und Ordnun-
gen etc. statt habe.

Die erstre Einwendung schwindet so bald man
reine bestimmte Begriffe von thierischer und von
Pflanzen-Natur fest gesetzt hat. So kann es wohl,
diesen Begriffen unbeschadet, Thiere geben, die
in manchen minder wesentlichen Eigenschaften ei-
[Seite 7] nige Aehnlichkeit mit den Gewächsen zeigen und
v. v. – Aber doch wohl schwerlich ein Ding das
willkührliche Bewegung zugleich hat und auch nicht
hat etc. Kurz kein wahres Mittelding das gleich
viel Anspruch auf einen Platz im Thierreich und
auf einen im Pflanzenreich machen könnte.

Und so ist die zweyte Einwendung eigentlich
von selbst gleich beygelegt; da vollends die Kluft
zwischen dem Pflanzen- und Mineralreich noch un-
gleich auffallender ist. – Ueberhaupt aber haben
die Bilder von Stufenfolge, von Kette, oder Lei-
ter in der Natur, zwar in so fern ihren großen
Nutzen, daß sie den wahren Grund eines natür-
lichen Systems in der N. G. abgeben, zur Er-
leichterung der Methode und als Hülfsmittel fürs
Gedächtniß dienen etc. – aber sie nun wie doch oft
geschieht, dem Schöpfer in den Plan seiner Schö-
pfung hinein legen, und die Vollkommenheit und
den Zusammenhang derselben darin suchen zu wol-
len, daß die Geschöpfe in Rücksicht ihrer Form
so fein stufenweise auf einander folgten, wäre
doch an sich schon Schwachheit, wenn sie
auch nicht, wie doch der Fall ist, durch alle Er-
fahrung so ganz widerlegt würde. Denn erstens
ist schlechterdings noch kein Körper bekannt, noch
auch nach den obigen bestimmten Begriffen der
drey Naturreiche denkbar, der ein wahres Bin-
dungsglied zwischen zweyen derselben abgeben
könnte. Und anderseits finden sich hingegen, zu-
mahl im Thierreich, ganze Classen, und zahlreiche
Geschlechter von einer so ausgezeichneten Bildung,
daß man sie auch bey der sorgfältigsten Anlage
einer solchen Leiter der Natur doch nur mit Mühe
und nicht ohne sichtlichen Zwang irgendwo ein-
schieben und unterbringen kann. So isolirt ist
z.B. die Classe der Vögel, das Geschlecht der
Schweine etc. Und endlich wie soll es dann mit
der Einrollirung derjenigen Thiergattungen gehal-
ten werden, bey welchen die beiden Geschlechter
eine so durchaus gänzlich verschiedne Bildung ha-
ben, wie z.B. bey den Schildläusen etc.

Haupt-Quellen zur N. G. überhaupt.

[Seite 8]
  1. Aristoteles. (lebte ungefähr 400. J. vor Christi
    Geburt.) Ej. opera, gr. lat. ex. ed. Gu. du Val.
    Paris. 1654. IV. vol. fol. zumahl im IIten B.
  2. C. Plinivs secvndvs. (†. im J. 79. nach Chr.
    Geb.) Ej. historia mundi L. XXXVII. – ein paar
    saubere und correcte Handausgaben sind die Leid-
    ner, Elzevirische 1635. III. vol. 12. und die Zwey-
    brücker 1783. V. vol. 8.
  3. Conr. Gesner. (†. 1562.)
  4. Joh. Ray. (†. 1705.) Die hierher gehörigen Haupt-
    werke dieser beiden Männer werden anderwärts
    angeführt.
  5. C. v. Linné. (†. 1778.) Ej. systema naturae ed. 12.
    Holm. 1766. IV. vol. 8. und die dazu gehörigen
    beiden mantissae ib. 1767 sq. 8.
  6. ed. 13. aucta, reformata cura Jo. Fr. Gmelin. Lips.
    seit 1788. 8.
  7. Und zum Verständniß der Linnéischen Kunstsprache:
    Jo. Reinh. Forster enchiridion historiae natu-
    rali inserviens
    . Hal
    . 1788. 8.
  8. G. L. le Clérc C. de Buffon. (†. 1788.) Ej. histoire
    naturelle
    . Die große Orig. Ausg. Paris, seit
    1749. 4.

Miscellan-Werke.

  1. C. v. Linné amoenitates academicae. Holm. seit 1749.
    IX. vol. 8.
  2. Oeuvres de Ch. Bonnet. Neuch. 1779. sq. 4. die er-
    sten V. B.

Physicotheologische und ähnliche Werke.

  1. Jo. Ray's wisdom of God manifested in the works of the
    creation
    . ed
    . 12. Glasgow. 1750. 12.
  2. W. Derham's physicotheology. ed. 4. Lond. 1716. 8.
  3. Ch. Bonnet contemplation de la nature. nouv. ed.
    Hamb
    . 1782. III. vol. 8.
  4. Abr. Trembley instructions d'un pere à ses enfans
    sur la nature et sur la religion
    . Genev
    . 1775.
    II. vol. 8.

Wörterbücher.

  1. Valm. de Bomare dictionnaire de l'histoire naturelle.
    Paris.
    1775. VI. vol. 4.
  2. Neuer Schauplatz der Natur in alphabetischer Ordnung.
    Leipz. 1775. u. f. X. B. 8.

Journale etc.

  1. Journal de physique. Paris seit 1773. 4.
  2. Der Naturforscher. Halle, seit 1773. 8.
  3. Magazin für das neuste aus der Physik und Natur-
    geschichte, herausgegeben von L. C. Lichtenberg
    und J. H. Voigt. Gotha, seit 1781. 8.

Zweyter Abschnitt.
Von den organisirten Körpern
überhaupt.

[Seite 10]

§. 5.

Jeder organisirte Körper (§. 2.) wird erzeugt,
dann lebenslang ernährt und dadurch seine Selbst-
erhaltung und Wachsthum, und wenn er zu
seiner Reise gelangt, auch seine Fortpflanzungs-
fähigkeit bewirkt.

§. 6.

Zu diesen großen Verrichtungen werden die
organisirten Körper durch die Organisation ih-
res Baues, und durch die mit derselben verbun-
denen Lebenskräfte geschickt gemacht. Denn
durch diese letzteren erhalten die Organe ihre Em-
pfänglichkeit gegen Reitze (stimuli) und das da-
von abhängende Bewegungsvermögen, ohne wel-
ches weder Ernährung noch Wachsthum u.s.w.
denkbar seyn könnte.

§. 7.

Sich die Entstehung der organisirten Kör-
per zu erklären, hat man neuerlich die freylich
ganz commode Lehre der Evolution angenom-
[Seite 11] men, und gemeint, es werde kein Mensch und
kein Thier und keine Pflanze in der Welt er-
zeugt, sondern sie lägen alle schon seit der er-
sten Schöpfung als völlig präformirte Keime
bey ihren Aeltern und Vorfahren längstens vor-
räthig; die verschiedenen Generationen steckten,
gleichsam wie eingepackte Schachteln in einan-
der, und würden nur nach und nach so wie die
Reihe an sie käme durch die Befruchtung ent-
wickelt und ans Licht gebracht. – Manche Ge-
lehrte haben diese Keime im väterlichen, andere
hingegen haben sie im mütterlichen Zeugungs-
stoffe gesucht. Jene glaubten sie also bey den
Thieren in den so genannten Saamenthierchen,
diese aber im weiblichen Eyerstock gefunden
zu haben.

§. 8.

Gegen diese vermeinte Präexistenz solcher
vorgeblich präformirten Keime streitet aber, um
nur weniges anzuführen, z.B. die bekannte Er-
fahrung, daß sich auch dem bewaffnetesten Auge
doch nie sogleich – sondern immer erst eine ge-
raume, zum Theil beträchtlich lange Zeit, nach
der Befruchtung die erste Spur des neu empfan-
gnen Menschen oder Thiers oder Gewächses zeigt;
das aber dann auch gleich mit dem ersten An-
fange die Ausbildung aufs schnellste fortrückt
u.s.w. Ferner so viele mit dem Evolutions-
system nicht zu reimende Phänomene in Er-
[Seite 12] zeugung der Bastarde, und der Mißgeburten;
auch in der Ausartung der organisirten Körper;
so wie fast das ganze Reproductions-Geschäft etc.
besonders auch die Entstehung ganz widernatür-
licher, sonst im natürlichen Baue gar nicht exi-
stirender organischer Theile, die bloß durch zu-
fällige Verletzungen und andere Krankheiten ver-
anlaßt worden, u.s.w.

Und können einmahl vollkommen organisirte
Theile da gebildet werden, wo an keinen dazu
präformirten Keim zu denken ist, wozu brauchts
denn überhaupt der ganzen Einschachtelungs-
Hypothese?

§. 9.

Hingegen zeigen sich durch die ganze orga-
nisirte Natur die unverkennbarsten Spuren eines
allgemein verbreiteten Triebes, der Materie eine
bestimmte Bildung zu geben; und in beiden or-
ganisirten Reichen läßt sich die Wirkungsart die-
ses Triebes bey solchen Thieren oder Pflanzen
die von durchsichtiger Textur sind, und dabey so
schnell erzeugt werden und wachsen, daß man die
ganze Entstehung derselben gleichsam unter den
Augen verfolgen kann, ganz augenscheinlich be-
obachten; so z.B. bey den Arm-Polypen, bey
der Brunnen-Conserve (conferua fontinalis.) etc.

§. 10.

Und so ist es wohl ungleich befriedigender
und allen Erscheinungen des Zeugungs- und Nu-
[Seite 13] tritions- und Reproductions-Geschäftes weit an-
gemeßner, wenn man annimmt: daß keine prä-
formirte Keime präexistiren; sondern daß in
dem vorher rohen ungebildeten Zeugungsstoff der
organisirten Körper, nachdem er zu seiner Reife
und an den Ort seiner Bestimmung gelangt ist,
ein besonderer, dann lebenslang thätiger Trieb
rege wird, ihre bestimmte Gestalt anfangs an-
zunehmen, dann lebenslang zu erhalten, und
wenn sie ja etwa verstümmelt worden, wo mög-
lich wieder herzustellen. Ein Trieb der folglich
die erste wichtigste Kraft zu aller Zeugung, Er-
nährung und Reproduction zu seyn scheint, und
den man, um ihn von allen andern Lebenskräf-
ten zu unterscheiden, mit dem Namen des Bil-
dungstriebes (nisus formatiuus) belegen
kann*).

§. 11.

Die Ursache dieses Bildungstriebes läßt sich
freylich eben so wenig als die der Attraction oder
der Schwere und anderer noch so allgemein an-
erkannten Naturkräfte angeben. Genug daß es
eine eigenthümliche Kraft ist, deren unläugbare
Existenz und ausgedehnte Wirksamkeit sich durch
[Seite 14] die ganze organisirte Schöpfung in der Erfah-
rung offenbart, und deren so constante Phäno-
mene einen weit leichtern und hellern Aufschluß
über die Zeugung und viele andere der wichtig-
sten Geschäfte des körperlichen Lebens geben,
als andere zu deren Erklärung vorgeschlagene
Theorien.

§. 12.

Der Bildungstrieb kann aber bey der Zeu-
gung auf mancherley Weise von seiner bestimm-
ten Richtung abweichen. So kann er bey
Bildung der einen Art organisirter Körper die
für eine ganz andere Art derselben bestimmte
Richtung annehmen, wohin z.B. die gehörnten
Hasen mit vollkommen ausgebildeten kleinen
Rehgeweihen u.a. dergl. sonderbare Erscheinun-
gen, zu gehören scheinen.

Oder es können bey Ausbildung der Sexual-
organe, die bey einem Geschlecht, mehr oder we-
niger von der Gestaltung des andern erhalten,
und dadurch ein zwitterartiges Geschöpf ent-
stehen.

Wenn aber der Bildungstrieb nicht bloß eine
solche fremdartige, sondern eine völlig wider-
natürliche Richtung befolgt, so wird der orga-
nisirte Körper zur eigentlich so genannten Miß-
geburt verunstaltet. Nach dem Sprachge-
brauch versteht man unter Mißgeburt: eine wi-
dernatürliche, angeborne, leicht in die Augen
[Seite 15] fallende Verunstaltung in Bildung äußerer,
größerer Theile. So mannichfaltig aber diese
Mißgestalten seyn können, so lassen sie sich doch
alle auf folgende vier Hauptclassen zurück bringen:

1) M. G. mit widernatürlicher Bildung ein-
zelner Glieder. Fabrica aliena.

2) M. G. mit Versetzung oder widernatürli-
cher Lage einzelner Glieder. Situs muta-
tus
. Die seltensten von allen.

3) M. G. denen ganze Glieder mangeln.
Monstra per defectum. Unter diesen
die lehrreichsten.

4) M. G. mit überzähligen Gliedern. Mon-
stra per excessum
. Die gemeinsten. –
Theils gar erblich, wie z.B. in den sechs-
fingrigen Familien.

Anm. Die auffallende Aehnlichkeit unter so vielen
Monstrositäten, beweiset, daß auch selbst diese Ab-
weichungen des Bildungstriebes dennoch bestimm-
ten Gesetzen folgen müssen; so wie hingegen die
bekannte Erfahrung, daß die Hausthiere seit ih-
rer Unterjochung denselben weit mehr als in ih-
rem wilden Zustand unterworfen sind, (daß z.B.
Mißgeburten unter den Hausschweinen so häufig,
unter den wilden Schweinen hingegen fast uner-
hört sind) sich mit der Lehre der vor der Be-
fruchtung präexistirenden Keime, doch schlechter-
dings nicht reimen läßt.

§. 13.

Anders sind wieder diejenigen Abweichungen
des Bildungstriebes, wodurch die organisirten
[Seite 16] Körper in Spielarten oder Variatäten ausar-
ten: welche Ausartung (Degeneration) vor-
züglich aus folgenden Quellen abgeleitet wer-
den muß.

§. 14.

Der kürzeste Weg zur Ausartung ist die Be-
gattung organisirter Körper verschiedner Art;
wodurch Bastarde (hybrida) erzeugt werden,
die keinem von beiden Eltern vollkommen glei-
chen, sondern vielmehr mit beiden zusammen
Aehnlichkeit haben. Da aber von der bestimm-
ten Bildung der organisirten Körper, besonders
der Thiere, die behörige und für den Gang der
Schöpfung so äußerst wichtige Vollziehung ih-
rer Geschäfte abhängt, so ist es eine weise Ein-
richtung der Vorsicht, daß diese Bastarde meh-
rentheils unfruchtbar, und nur sehr selten im
Stande sind ihr Geschlecht weiter fortzupflanzen.
Daher gehört es zu den seltnern Ausnahmen
wenn Maulthiere, oder die Bastarde von Füch-
sen und Hunden, von Hänflingen und Canarien-
vögeln zuweilen fruchtbar sind. Bey den Pflan-
zen gelingt es leichter daß durch künstliche Be-
fruchtung verschiedner Gattungen von Tabak etc.
Bastard-Arten hervor gebracht werden können
die fruchtbaren Samen tragen. Hingegen be-
dürfen die fabelhaften Sagen von vermeinten
Bastarden aus der Vermischung vom Rindvieh
und Pferden oder Eseln, und von Caninchen und
[Seite 17] Hühnern, oder vollends gar von Menschen und
Vieh, jetzt hoffentlich keiner weitern Wider-
legung.

§. 15.

Andre Ursachen der Ausartung wirken zwar
langsamer, unmerklicher, aber meist für die
Folge desto dauerhafter, tiefer. Es gehören
dahin vorzüglich Einfluß des Himmelsstrichs,
der Nahrung, und bey Menschen und Thieren
auch der Lebensart u.s.w. Kaltes Clima z.B.
unterdrückt das Wachsthum der organisirten
Körper, und bringt auch weiße Farbe an ihnen
hervor, und v. v. Drum sind die Grönländer,
Lappländer etc., so wie die Thiere und Gewächse
kalter Erdstriche, klein, untersetzt; die Nord-
länder von Natur von weißer Haut etc.; so wie
viele warmblütige Thiere der kältesten Gegenden
anomalisch weiße Haare und Federn haben, viele
Pflanzen daselbst anomalisch weiße Blüthen tra-
gen u.s.w.

Wie sehr aber verschiedne Lebensart, Cultur
und Nahrungsmittel nach und nach die Bildung,
Farbe und ganze Constitution der organisirten
Körper umzuändern vermöge, davon sehen wir
an unsern Hausthieren*), an unserm Getreide,
Obst, Küchen-Gewächsen, Blumen-Floren etc. –
[Seite 18] am allerauffallendsten aber bey den Verschieden-
heiten im Menschen-Geschlechte selbst, die augen-
scheinlichsten Beyspiele.

Diese mancherley Ursachen der Degeneration
können nun aber nach Verschiedenheit der Um-
stände einander entweder unterstützen, und die
Ausartung um so schneller und auffallender
machen, oder aber auch wieder gewisser Maßen
aufheben u.s.w.; daher man in dieser Untersu-
chung bey der Anwendung auf einzelne Fälle nie
zu voreilig urtheilen darf.

Anm. 1. So gibt es z.B. selbst unter der Linie kalte
Erdstriche, wie im Innern von Sumatra etc. Hin-
gegen bringt Sibirien gar viele Gewächse der wär-
mern Gegenden hervor, die in dem weit südli-
chern Europa nicht fortkommen.

Anm. 2. Sonderbar ist die individuelle Wirkung
die einige Climate auf die organisirten Körper,
zumahl des Thierreichs, äußern. So daß z.B. in
Syrien die Katzen, Kaninchen, Ziegen etc. so auf-
fallend langes und weißes Haar haben; auf Cor-
sica die Pferde, Hunde etc. so auszeichnend gefleckt
sind; auf Guinea Menschen und Hunde und Hühner
zu Negern in ihrer Art werden u.s.w.

Anm. 3. Selbst Künsteleven am Körper wenn sie
durch lange Reihen von Generationen wiederhohlt
werden, scheinen mit der Zeit angeboren werden
zu können.*) – Bey Völkern z.B., die ihre Knäb-
chen beschneiden, ist es nichts seltnes, daß auch wel-
che mit kurzer Vorhaut gleichsam beschnitten ge-
boren werden. – Büffon hat Hunde gesehen,
[Seite 19] denen so wie ihren Vorfahren die Ohren und der
Schwanz gestutzt worden, und die nun eben so
verstümmelte Junge warfen. –

§. 16.

Die Ernährung der organisirten Körper
geht auf verschiedene Weise vor sich. Den
Pflanzen wird ihre einfache Nahrung durch Wur-
zeln, die sich außerhalb ihres Stammes am ei-
nen Ende desselben befinden, zugeführt. Die
Thiere hingegen haben, wie sich Boerhaave
ausdrückte, gleichsam ihre Wurzeln innerhalb
ihres Körpers, nähmlich im Magen und Darm-
canal, wo der nahrhafte Theil der Alimente
durch unzählige Gefäschen, fast wie bey den
Pflanzen durch Wurzeln, eingesogen und den
Theilen des Körpers zugeführt wird. Viele
ungeborne Thiere werden auch außerdem durch
die Nabelschnur ernährt; eine Art von Nutrition,
die ebenfalls viele Aehnlichkeit mit der Gewächse
ihrer hat.

Der brauchbare Theil der Nahrungsmittel
wird durch einen bewunderungswürdigen Proceß
dem Stoff der organisirten Körper assimilirt; der
überflüssige hingegen ausgedunstet; und bey den
Thieren, die keinen so geläuterten Nahrungssaft
wie die Pflanzen zu sich nehmen, auch durch
andre Wege als Unrath ausgeworfen.

§. 17.

[Seite 20]

Das Wachsthum der organisirten Körper
ist die Folge ihrer Ernährung. Die mehresten
erreichen früh die bestimmte Größe ihres Kör-
pers; und dann ist ferneres Wachsthum bloßer
Ersatz dessen, was nach und nach durch die Be-
wegung der festen Theile und durch den Umlauf
der flüssigen, von der Maschine abgenutzt wird.
Einige Thiere hingegen, wie die Crocodile, die
großen Wasserschlangen etc. mehr aber noch viele
Gewächse, Eichen, Linden, Cedern etc. scheinen
ihre ganze Lebenszeit hindurch an Länge und
Dicke zuzunehmen.

§. 18.

Zum Wachsthum der organisirten Körper ge-
hört auch ihre Reproductions-Kraft, oder die
merkwürdige Eigenschaft, daß sich verstümmelte
oder völlig verlorne Theile ihres Körpers von
selbst wieder ergänzen. Sie gehört zu den wei-
sesten Einrichtungen in der Natur, und sichert
die Thiere und die Pflanzen bey tausend Gefah-
ren, wo ihr Körper verletzt wird: sie ist folglich
auch nebst der Ernährung überhaupt, einer der
größten Vorzüge, wodurch die Maschinen aus
der Hand des Schöpfers bey weitem über die
größten Kunstwerke der Menschen erhoben wer-
den, als welchen ihre Verfertiger keine Kraft
mittheilen können ihre Triebfedern und Räder,
wenn sie verbogen, verstümmelt und abgenutzt
[Seite 21] würden, von selbst wieder herzustellen: eine
Kraft, die hingegen die Allmacht jedem Thier
und jeder Pflanze – nur in verschiedenem
Maße – beygelegt hat.

Viele organisirte Körper verlieren zu be-
stimmten Zeiten, gewisse Theile ihres Körpers
von freyen Stücken, die ihnen nachher wieder
reproducirt werden; wohin das Abwerfen der
Geweihe, das Mausern der Vögel, die Häu-
tung der Schlangen, der Raupen, das Schälen
der Krebse, das Entblättern der Gewächse u.s.w.
gehört. Man könnte dieß die natürliche Re-
production nennen.

Die andre hingegen ist die außerordentliche,
von der hier eigentlich die Rede ist, da nähmlich
den organisirten Körper, zumahl den Thieren,
Wunden, Beinbrüche etc. geheilt, oder gar durch
Unfall verstümmelte und verlorne Theile wie-
der ersetzt werden. Der Mensch, und die ihm
zunächst verwandten Thiere besitzen eine minder
vollkommene, und meist nur auf Knochen, Nä-
gel, Haare und Zellgewebe eingeschränkte Re-
productionskraft: die hingegen bey vielen kalt-
blütigen Thieren, besonders bey den Wasser-
Molchen, Krebsen, Land-Schnecken, Regenwür-
mern, See-Anemonen, See-Sternen, Arm-
Polypen etc. von einer ausnehmenden Stärke und
Vollkommenheit ist.

Anm. Manche dieser so äußerst merkwürdigen Re-
productionsversuche setzen eine schon in derglei-
[Seite 22] chen Arbeiten geübte Hand und viele Vorsicht,
auch vielleicht günstige Nebenumstände voraus,
wenn sie gelingen sollen: daher man sich hüten
muß aus dem etwa anfangs mißlungenen Erfolg
zu voreilig die ganze Sache bezweifeln zu wollen.
Mir selbst ist es nach mehrern fruchtlosen Versu-
chen erst spät gelungen, daß der ganze Kopf der
gemeinen Waldschnecke (helix pomatia) mit seinen
vier Hörnern binnen ungefähr 6 Monathen wieder
reproducirt ward.

Vor einigen Jahren habe ich einem Wasser-
molch der größern Art (lacerta lacustris) den ich
nun ich Spiritus aufbewahre, fast das ganze Auge
exstirpirt; nähmlich alle Säfte auslaufen lassen und
dann 4/5 der ausgeleerten Häute rein ausgeschnit-
ten –: und doch hat sich binnen 10 Monaten ein
vollkommener neuer Augapfel mit neuer Hornhaut,
Augenstern, Crystall-Linse etc. reproducirt, der sich
bloß dadurch vom andern gesunden Auge auszeich-
net daß er nur erst ungefähr halb so groß ist.
(– s. Götting. gel. Anz. 1785. 47 St.)

§. 19.

Wenn die organisirten Körper durch Ernäh-
rung und Wachsthum zu ihrer vollen Reife ge-
langen, so erhalten sie dann auch das Fortpflan-
zungsvermögen (§. 5.), das aber auf eine sehr
verschiedene Weise vollzogen wird. Ueberhaupt
nähmlich ist entweder schon jedes Individuum für
sich im Stande, sein Geschlecht fortzupflanzen;
oder aber es müssen sich ihrer zwey mit einan-
der paaren oder begatten, wenn sie neue orga-
nisirte Körper ihrer Art hervor bringen sollen.
Die mannigfaltigen besondern Verschiedenheiten
in diesen beiderley Hauptarten der Fortpflan-
[Seite 23] zungsweise lassen sich doch füglich unter folgende
vier Classen bringen:

I. Cl. Jedes Individuum vermehrt sich auf die
einfachste Weise, ohne vorher gegangne Be-
fruchtung: entweder durch Theilung, wie man-
che Infusions-Thierchen*) und Blumen-Po-
lypen**); oder wie bey der Brunnen-Con-
serve so, daß das alte fadenartige Gewächs
am einen Ende zu einem dicken Knöpfchen
anschwillt, das nachher abfällt und wieder zu
einem solchen Faden ausgetrieben und umge-
bildet wird***); oder durch Sprossen wie die
Arm-Polypen und viele Gewächse u.s.w.

II. Cl. Jedes Individuum ist zwar auch im
Stande sich fortzupflanzen, hat aber als ein
wahrer Zwitter beiderley Geschlechtstheile an
seinem Leibe, und muß vorher, wenn es Thier
ist, die bey sich habenden weiblichen Eyerchen
mit männlichem Samen – und wenn es
Pflanze ist, seine weiblichen Samen-Kör-
ner mit männlichem Blumenstaub – begie-
sen und dadurch befruchten, ehe sich ein Junges
daraus bilden kann. Dieß ist der Fall bey
[Seite 24] den mehresten Gewächsen, und im Thierreich
wie es scheint bey manchen Muscheln.

III. Cl. Ebenfalls beide Geschlechter, wie bey
den Hermaphroditen der vorigen Classe, in
einem Individuo verknüpft; doch daß keines
sich selbst zu befruchten im Stande ist, sondern
immer ihrer zwey sich zusammen paaren und
wechselseitig einander befruchten und befruch-
tet werden müssen. Diese sonderbare Ein-
richtung findet sich nur bey wenigen Thie-
ren; beym Regenwurm, bey manchen Land-
Schnecken*) etc.

IV. Cl. Die beiden Geschlechter in separaten
Individuis, von denen das eine die weibli-
chen Theile oder Eyer, das andere den männ-
lichen befruchtenden Saft enthält. So alle
rothblütige und viele andre Thiere, und so
auch manche Pflanzen, wie die Weiden, der
Hopfen, die mehresten Moose etc.

Einige Thiere dieser Classe geben die Eyer
selbst von sich, in welchen sich erst nachher das
Junge vollends ausbildet. Dieß sind die
Eyer legenden Thiere (ouipara). Bey an-
dern aber wird dieß Ey so lange in der Bär-
mutter zurück behalten, bis das Junge voll-
kommen ausgebildet worden, und nun von sei-
nen Hülsen befreyt, zur Welt kommen kann;
lebendig gebärende Thiere (viuipara).

[Seite 25]

Anm. Wie gering inzwischen der Unterschied zwischen
Eyer Legen und lebendig Gebären sey, erweisen
die Beyspiele der Blattläuse und Federbusch-Po-
lypen, die sich bald auf die eine, bald auf die
andre Weise fortpflanzen; und der Salamander
und manche Schlangen die zwar Eyer legen, in
welchen aber das ganz ausgebildete Thier ent-
halten ist. Gewissermaßen könnte man mit die-
sem letztern Falle diejenigen Pflanzen vergleichen
in deren reifen Samenkörnern ein grüner Pflan-
zenkeim eingeschlossen liegt, wie z.B. bey den
sogenannten Aegyptischen Bohnen von der Nym-
phaea nelumbo
.

§. 20.

Nachdem die organisirten Körper die Bestim-
mungen ihres Lebens erfüllt haben, so geht über lang
oder kurz die letzte Revolution mit ihnen vor, sie
sterben. Die wenigsten aber erreichen das Ziel,
das ihnen die Natur zum Laufe ihres Lebens vorge-
steckt hat, sondern tausenderley Zufälle verkürzen
ihnen diesen Weg meist lange vor der bestimmten
Zeit. Von allen den großen furchtbaren Thieren,
Crocodilen, Wasserschlangen etc. erreicht vielleicht
nicht das tausendste sein gesetztes Alter und Größe,
sondern muß in seiner Kindheit kleinern Thieren
zum Raube werden, da es sonst künftig Menschen
und andre große Thiere verschlungen haben würde.

§. 21.

Nach dem Tode der Thiere und Pflanzen wird
ihr Körper allmählich aufgelöset, ihr Organismus
zerstört, und ihre Asche endlich mit der übrigen Erde
vermengt, die ihnen vorher Nahrung und Aufent-
halt gegeben hatte.


Dritter Abschnitt.
Von den Thieren überhaupt.

[Seite 26]

§. 22.

So unendlich mannigfaltig die Bildung und
der Bau der Thiere ist, so scheinen sie doch sämmt-
lich (oder höchstens bis auf wenige Ausnahmen
mancher so genannten Infusionsthierchen etc.) eine
einfache Oeffnung an ihrem Körper, mit ein-
ander gemein zu haben, durch welche sie demsel-
ben seine Nahrung zuführen. So wohl diese
Oeffnung, nähmlich der Mund, als auch die
große Verschiedenheit der Alimente, die die
Thiere zu ihrer Erhaltung verwenden, unterschei-
det sie schon hinlänglich von den Pflanzen. Statt
daß diese eine einförmige Nahrung, und zwar
fast lediglich aus dem Mineralreich genießen;
so ist hingegen der Thiere ihr Futter äußerst
mannigfaltig, und wird beynahe ohne Ausnahme
aus den organisirten Reichen entlehnt.

§. 23.

Die Thiere werden von der einen Seite durch
die unerträglichen Gefühle des Hungers und
Durstes, und von der andern durch die unwider-
stehlichen Reitze des Appetits getrieben, diese ihre
[Seite 27] Nahrungsmittel zu sich zu nehmen und dadurch
ihre Erhaltung zu bewirken. Die kaltblütigen
Thiere können indeß doch überhaupt länger als
die warmblütigen, und manche von ihnen zum
Erstaunen lange hungern. Auch nehmen einige,
zumahl aus der Classe der Insecten, in einer ge-
wissen Epoche ihres Lebens; viele andere aber im
Winter, den sie theils durchschlafen, gar keine
Speise zu sich.

§. 24.

Die Speisen müssen bey den Thieren sehr
mannigfaltige Veränderungen erleiden, ehe sie
zur eigentlichen Ernährung geschickt, und der
Substanz des thierischen Körpers assimilirt wer-
den können. Die härtern Speisen müssen von
den mehresten erst mittelst des Gebisses zermalmt,
und mit speichelartigen Säften vermischt wer-
den, ehe sie zum Darmcanal gelangen können.
Hier werden sie noch ferner durch allerhand auf-
lösende Mittel in einen weichen Brey verwandelt,
von welchem der eigentliche Nahrungssaft ab-
gesondert, und der Ueberrest als Unrath wieder
aus dem Körper geworfen wird.

§. 25.

Bey den insgemein so genannten vollkomm-
neren Thieren wird der abgesonderte Nahrungs-
saft zuvor mit dem Blute das in den Adern cir-
culirt, vermischt, und von da erst in die übrigen
[Seite 28] Bestandtheile des Körpers abgesetzt. Außer
dem werden zugleich in besondern dazu bestimm-
ten Werkzeugen durch das Secretions-Geschäfte
mancherley besondre Säfte aus der allgemeinen
Blutmasse abgeschieden. Dieses wahre Blut
ist durchgehends von rother Farbe, aber in
Rücksicht seiner Wärme bey den verschiednen
Classen dieser rothblütigen Thiere von doppelter
Verschiedenheit. Bey den einen nähmlich hält
es meist ungefähr die Temperatur des Mediums
in welchem sie sich befinden, daher sie kaltblütig
genannt werden. Bey den andern aber, die
deßhalb warmblütig heissen, zeigt es in ihrem
vollkommensten gesunden Zustande immer eine
Wärme von ungef. 100 Gr. Fahrenh mehr oder
weniger. Der Saft hingegen, wodurch bey den
so genannten weißblütigen Thieren (nähmlich bey
den Insecten und Gewürmen) die Ernährung
vollzogen wird, zeigt doch im Ganzen genom-
men nur eine entfernte Aehnlichkeit mit dem
wahren rothen Blute.

§. 26.

Nächst der Ernährungsart war willkührliche
Bewegung ein Hauptcharacter, wodurch sich die
Thiere von den Pflanzen auszeichneten (§. 3.).
Die Organe die bey den allermehresten Thier-
classen zum Behuf aller dieser unzählig man-
nigfaltigen Bewegungen dienen, sind die Mus-
[Seite 29] keln, die bey den rothblütigen Thieren das ei-
gentlich so genannte Fleisch ausmachen.

§. 27.

Die Muskeln werden durch die Nerven in
Bewegung gesetzt; und zwar die allermehresten
nach dem Entschlusse des Willens; der hingegen
über einige wenige Muskeln, wie z.B. über das
Herz nichts vermag, als welches unaufhörlich,
lebenslang, und zwar ohne wie andere Muskeln
zu ermüden, oder endlich zu schmerzen, als
Haupttriebfeder des Blutumlaufs, in seiner
schlagenden Bewegung ist.

§. 28.

Die Nerven entspringen aus dem Gehirn
und aus dem Rückenmark, und es scheint daß
die Größe der beiden letztern in Vergleichung
zur Dicke der daraus entstehenden Nerven mit
den Geisteskräften der Thiere im umgekehrten
Verhältniß stehe*), so daß der Mensch von allen
das größte Gehirn, in Vergleichung seiner sehr
dünnen Nerven, hat; einfältige Thiere hinge-
gen wie z.B. die hieländischen Amphibien haben
dicke Nerven zu einem sehr kleinen Gehirne.

§. 29.

Außer dem Einfluß, den die Nerven auf die
Muskelbewegung haben, ist ihr zweytes Ge-
[Seite 30] schäft, auch die äußern Eindrücke auf den thie-
rischen Körper, der Seele durch die Sinne mit-
zutheilen. Die Art der sinnlichen Empfindung
so wohl, als die Beschaffenheit der Sinnwerk-
zeuge ist bey den Thieren sehr verschieden. Viele
Thiere erhalten offenbar allerhand sinnliche Ein-
drücke, ohne daß wir doch die Sinn-Werkzeuge
an ihnen entdecken könnten, die bey andern zu
solchen Eindrücken nothwendig sind. Der Po-
lype z.B. hat keine Augen, und doch das feinste
Gefühl vom Licht; die Schmeißfliege und viele
andere Insecten haben Geruch, ob wir gleich
keine Nase an ihnen wahrnehmen.

§. 30.

Durch den anhaltenden Gebrauch werden
Nerven und Muskeln ermüdet, und sie brauchen
von Zeit zu Zeit Ruhe zur Sammlung neuer
Kräfte, die ihnen der Schlaf gewährt. Dem
Menschen und den mehresten Grasfressenden
Thieren ist die Nacht zu dieser Erhohlung ange-
wiesen; viele Raubthiere und die mehresten Fi-
sche hingegen, auch die kränklichen Kackerlacken
mit den lichtscheuen, bleichen Augen, und manche
Insecten müssen eben diese Stille der Nacht, da
die übrigen Geschöpfe der Ruhe pflegen, zu
Vollziehung ihrer Geschäfte benutzen, und da-
gegen einen Theil des Tages zu jener Erhohlung
verwenden.

§. 31.

[Seite 31]

Außer diesem Erhohlungsschlaf findet sich in
der Oeconomie vieler Thiere noch die sehr be-
queme Einrichtung, daß sie einen beträchtlichen
Theil des Jahrs, und zwar gerade die rauhesten
Monathe, da es ihnen schwer werden würde, für
ihre Erhaltung zu sorgen*), in einem tiefen
Winterschlaf zubringen. Sie verkriechen sich,
wenn diese Zeit kommt, an sichre, schaurige Orte;
wie die Murmelthiere, Hamster, Ameisen etc. in
ihre Nester, die Fledermäuse in Höhlen, die Frö-
sche und einige Fische in Sümpfe, die Schlangen
und Schnecken ins Gebüsch u.s.w. und fallen mit
einbrechender Kälte in eine Art von Erstarrung,
aus der sie erst durch die erwärmenden Blicke der
Frühlingssonne wieder erweckt werden. Diese
Erstarrung ist so stark, daß die warmblütigen
Thiere während dieses Todtenschlafs nur unmerk-
liche Wärme übrig behalten, und daß die Pup-
pen vieler Insecten, die zu gleicher Zeit ihre Ver-
wandlung bestehen, im Winter oft so durchfro-
ren sind, daß sie, dem Leben des darin schlafen-
den Thieres unbeschadet, wie Eiszapfen oder
Glas klingen, wenn man sie auf die Erde fallen
läßt.

§. 32.

Von den Seelenfähigkeiten sind manche
dem Menschen mit den mehresten übrigen Thie-
[Seite 32] ren gemein, wie z.B. die Vorstellungskraft,
die Aufmerksamkeit, und so auch die beiden in-
nern Sinne, das Gedächtniß nähmlich und die
Einbildungskraft.

§. 33.

Andere sind fast bloß den übrigen Thieren
eigen, so daß sich beym Menschen nur wenige
Spuren davon finden, nähmlich die so genannten
Naturtriebe oder Instincte. Dagegen er hin-
wiederum im ausschließlichen Besitz der Ver-
nunft ist.

§. 34.

Der Instinct*) ist das Vermögen der Thiere
aus einem angebornen, unwillkührlichen, in-
neren Drange, ohne allen Unterricht, von freyen
Stücken, sich zweckmäßigen, und zu ihrer und
ihres Geschlechts Erhaltung abzielenden Hand-
lungen zu unterziehen.

Daß diese wichtigen Handlungen wirklich
ganz unüberlegt bloß maschinenmäßig vollzogen
werden, wird durch tausend Bemerkungen z.B.
dadurch offenbar erweislich, daß die Hamster
auch todten Vögeln doch zuerst die Flügel zer-
brechen ehe sie weiter anbeissen; daß junge Zug-
vögel, die man ganz einsam im Zimmer erzo-
gen hat, doch im Herbst den innern Ruf zum
[Seite 33] Fortziehen fühlen, und im Käficht bey allem
guten Futter und Pflege unruhig werden.

§. 35.

Unter den mancherley Arten dieser thierischen
Triebe sind besonders die so genannten Kunst-
triebe ganz vorzüglich merkwürdig, da sich nähm-
lich so viele Thiere ohne alle Anweisung und
ohne alle vorgängige Uebung*), (die bey so vie-
len z.B. bey den Raupen, die nur Ein für alle Mahl
in ihrem Leben davon Gebrauch machen können,
und wo folglich schlechterdings erster Versuch und
Meisterstück eins seyn muß, durchaus nicht statt
finden kann), so ungemein künstliche Wohnun-
gen, Nester, Gewebe etc. zu ihrem Aufenthalt,
zur Sicherheit für ihre Junge, zum Fang ihres
Raubes, und zu tausend andern Zwecken zu ver-
fertigen wissen.

§. 36.

Der Mensch zeigt außer den Begattungs-
trieben wenig andere Spuren von Instinct: an-
geborne Kunsttriebe aber hat er vollends ganz
und gar nicht. Was ihn hingegen reichlich für
diesen scheinbaren Mangel entschädigt, ist der
Gebrauch der Vernunft, nähmlich desjenigen
so auszeichnenden Vorzugs, wodurch er die Herr-
[Seite 34] schaft über die ganze übrige thierische Schöpfung,
und die ganze bewohnbare Erde zum unbeschränk-
ten Aufenthalt erhält.

§. 37.

Diese Vernunft mag nun entweder eine aus-
schließliche eigenthümliche Fähigkeit der mensch-
lichen Seele seyn; oder aber ein unendlich stär-
kerer Grad einer Fähigkeit seyn, wovon manche
Thiere auch einige schwache Spur hatten; oder
eine eigne Richtung der gesammten menschlichen
Seelenkräfte u.s.w. so liegt wenigstens der ge-
dachte auszeichnende Vorzug, den der Mensch
durch den Besitz derselben erhält, unwiderred-
lich am Tage.

§. 38.

Der Mensch hat keinen bestimmten Wohn-
platz, und keine bestimmte Nahrung – sondern,
die ganze bewohnbare Erde ist ihm zum Auf-
enthalt, und fast die ganze organisirte Schöpfung
zur Speise überlassen. Die Verschiedenheit der
Climate die er bewohnen soll, und der Nahrung
die ihm der Ort seines Aufenthalts gestattet, er-
zeugt ihm eben so verschiedene Bedürfnisse, die
er durch den Gebrauch seiner Vernunft auf eben
so mannigfaltige Weise zu stillen vermag.

§. 39.

Wie unendlich aber der Mensch schon durch
diesen einzigen Vorzug über die ganze übrige
[Seite 35] thierische Schöpfung erhoben werde, beweiset die
unbeschränkte Herrschaft, womit er über alle Triebe
und über die Lebensart, Haushaltung etc. mit ei-
nem Wort über das ganze Naturell dieser seiner
Mitgeschöpfe nach Willkühr disponiren, die
furchtbarsten Thiere zähmen, ihre heftigsten
Triebe dämpfen, sie zu den kunstreichsten Hand-
lungen abrichten kann u.s.w.

Am allerauffallendsten erhellt dieß aus dem
Beyspiele der Hausthiere, als von welchen der
Mensch entweder wie bey den Pferden, Scha-
fen, Hühnern etc. die ganzen Gattungen ihrer
Freyheit beraubt und sich unterjocht hat; oder,
wenn ihm auch dieß bey einigen, wie beym Ele-
phanten, Falken etc. noch nicht gelungen ist, doch
die einzelnen Individua einzufangen, zu händi-
gen und zu seinem Dienst abzurichten versteht.

Anm. Um sich überhaupt zu überzeugen wie sehr der
cultivirte Mensch Herr der übrigen Schöpfung, auf
dieser Erde ist, braucht man sich bloß an die Um-
schaffung zu erinnern, die er seit Entdeckung der
neuen Welt mit ihr und der alten wechselseitig
vorgenommen hat! Was für Gewächse und Thiere
er aus dieser in jene übergepflanzt hat, wie z.B.
Reis, Caffee etc., Pferde, Rindvieh, und sogar Ca-
mele und Affen! und was er v. v. von dorther
nun wieder in seinem Welttheil einheimisch ge-
macht wie z.B. Cartoffeln, Tabak u.s.w.

§. 40.

Das ganze Thierreich läßt sich füglich nach
dem Linnéischen System unter folgende sechs
Classen bringen:

[Seite 36]

I. Cl. Säugethiere (mammalia), Thiere
mit warmen rothen Blut, die ihre Junge
lebendig zur Welt bringen, und sie dann
einige Zeit lang mit Milch an Brüsten
säugen.

II. Cl. Vögel (aues), Thiere mit warmen
rothen Blut, die aber Eyer legen, din Jun-
ge nicht mit Milch säugen, und Federn
haben.

III. Cl. Amphibien, Thiere mit kaltem ro-
then Blut, die durch Lungen Athem hohlen.

IV. Cl. Fische (pisces), Thiere mit kaltem
rothen Blut, die durch Kiefern, und nicht
durch Lungen, athmen.

V. Cl. Insecten, Thiere mit kaltem weißen
Blut, die Fühlhörner (antennas) am Kopf
haben.

VI. Cl. Würmer (vermes), Thiere mit
kaltem weißen Blut, die keine Fühlhör-
ner, sondern meist Fühlfaden (tentacula)
haben.

* * *

Hauptquellen zur Thiergeschichte überhaupt.

  1. Aristoteles. – Histoire des animaux d'Aristote,
    avec des notes etc. par M. Camus. Par. 1783.
    II. vol. 4.
  2. Conr. Gesneri icones quadrupedum viniparorum, it-
    anium et animalium aquatilium; cum nomenclaturis
    [Seite 37] singulorum in linguis diuersis Europae.
    ed
    . 2. Tig.
    1560. fol.
  3. Aldrovandvs.
  4. Io. Ionston historia naturalis de animalibus. Frf. 1649-
    53. fol.
  5. auch unter dem Titel H. Rvysch (Frid. fil.) thea-
    trum vniuersale omnium animalium
    . Amst
    . 1718.
    II. vol. fol.
  6. Ray.
  7. Buffon.
  8. Joh. Dan Meyer Vorstellungen allerhand Thiere,
    so wohl nach ihrer Gestalt als auch nach der Struc-
    tur ihrer Scelete. Nürnb. 1748-56. III. Bände
    in Fol.
  9. Linnaei fauna Suecica ed. 2. Holm. 1761. 8.
  10. Th. Pennant's British Zoology. Lond. 1768-77.
    IV. vol. 8.
  11. und Dess. großes Kupferwerk unter gleichem Titel.
    ib. seit 1763. gr. Fol.

Vierter Abschnitt.
Von den Säugethieren
.

[Seite 38]

§. 41.

Die Säugethiere haben das warme rothe Blut
mit den Vögeln gemein; aber sie gebären leben-
dige Junge: und ihr Hauptcharakter, der sie von
allen übrigen Thieren unterscheidet, und von
dem auch die Benennung der ganzen Classe ent-
lehnt ist, sind die Brüste, wodurch die Weibchen
ihre Junge mit Milch ernähren. Die Anzahl
und Lage der Brüste ist verschieden. Meist sind
ihrer noch Ein Mahl so viel, als die Mutter ge-
wöhnlicher Weise Junge zur Welt bringt; und
sie sitzen entweder an der Brust, oder am Bauche,
oder zwischen den Hinterfüßen.

§. 42.

Der Körper der allermehresten (wo nicht al-
ler*)) Säugethiere ist mit Haaren von sehr ver-
schiedener Stärke, Länge und Farbe bedeckt;
die auch bey einigen als Wolle gekräuselt, oder
als Borsten straff und struppicht sind, oder gar
wie beym Igel etc. steife Stacheln bilden. Bey
[Seite 39] manchen Thieren sind die Haare an besondern
Stellen als Mähne oder Bart verlängert; und
bey einigen wie bey den Pferden, Hunden etc. ste-
hen sie an bestimmten Stellen in entgegen gesetz-
ter Richtung an einander und machen so genannte
Näthe (suturas). Bey manchen wie z.B. bey
den Seehunden etc. ändert sich die Farbe mit dem
Alter und bey den mehrsten Hausthieren dieser
Classe variirt sie, so wie beym Gefieder des mei-
sten Hausgeflügels. Auch sind manche durch die
Kälte (§. 15.) bey uns den Winter über, in Nor-
den aber Jahr aus Jahr ein, entweder grau wie
das Eichhörnchen (Grauwerk), oder schneeweiß wie
das große Wiesel (Hermelin) etc. Wenn hingegen
diese weisse Farbe zugleich mit rosenrothen licht-
scheuen Augen verbunden ist, wie bey den weis-
sen Mohren, bey den Mäusen etc. (auch bey man-
chen Vögeln,) so ist es die Folge einer wirklich
kränklichen Schwäche. Die allermehresten Säu-
gethiere haaren sich in gewissen Jahrszeiten, so
wie sich die Vögel mausern, und die Schlangen
sich häuten etc. (§. 18.).

§. 43.

Der Aufenthalt der Säugethiere ist sehr
verschieden. Die mehresten leben auf der Erde;
manche wie die Affen, Eichhörnchen etc., fast bloß
auf Bäumen; einige wie der Maulwurf, als ei-
gentliche animalia subterranea unter der Erde;
[Seite 40] andere bald auf dem Lande bald im Wasser, wie
die Bieber, Seebären; und noch andere endlich
bloß im Wasser wie die Wallfische. – Hiernach
sind nun auch ihre Füße oder ähnliche Bewe-
gungswerkzeuge verschieden. Die mehresten ha-
ben vier Füße; der Mensch nur zwey, aber auch
zwey Hände. Die Affen hingegen haben vier
Hände, und können die an den Hinterfüßen, da
sie auch einen abstehenden Daumen und keine
große Zehe haben, eben so wohl zum fassen und
greifen gebrauchen als ihre Vorderhände. Die
Finger und Zehen der Säugethiere sind im Rück-
sicht ihrer Bildung, Anzahl und Verbindung sehr
verschieden. Gemeiniglich sind sie frey; bey ei-
nigen aber, die im Wasser und auf dem Lande
zugleich leben, durch eine Schwimmhaut ver-
bunden. Bey den Fledermäusen sind die an
den Vorderfüßen ungemein lang und dünne; und
zwischen ihnen ist eine florähnliche Haut ausge-
spannt, die zum Fliegen dient. Die Füße man-
cher Seethiere aus dieser Classe sind wie in ei-
nen Klumpen verwachseln, und bey den Wall-
fischen ähneln sie gar einiger Maßen den Floßfe-
dern der Fische; doch daß die Hinterflossen ohne
Knochen sind, und horizontal, nicht wie ein Fisch-
schwanz vertical, liegen. Einige wenige Säu-
gethiere (Solidungula) haben Hufe; viele aber
(Bisulca) gespaltene Klauen. Die mehresten
gehen bloß auf den Zehen der Füße; einige aber,
wie der Mensch, und gewisser Maßen auch die
[Seite 41] Affen, Bären, Elephanten u.a.m. auf der gan-
zen Fußsohle bis zur Ferse.

§. 44.

Die Ameisenbären, Formosanischen Teufel-
chen, und einige Wallfische ausgenommen, sind
die übrigen Säugethiere mit Zähnen versehn,
die man in Schneidezähne (primores), Spitz-
zähne oder Eckzähne (laniaros), und Backen-
zähne (molares), abtheilt. Die letztern zumahl
sind nach der verschiednen Nahrung dieser Thiere
auch verschiedentlich gebildet. Bey den fleisch-
fressenden nähmlich ist die Krone zackicht und
scharf; bey den grasfressenden oben breit und
eingefurcht; und bey denen die sich, so wie der
Mensch, von beiden organisirten Reichen nähren,
in der Mitte eingedruckt, und an den Ecken ab-
gerundet.

§. 45.

Bloß unter den Säugethieren, und zwar
nur unter den grasfressenden, gibt es wirklich
wiederkauende Gattungen, bey welchen nähm-
lich das bloß flüchtig zerbißne und geschluckte
Futter bissen-weise wieder durch den Schlund zu-
rück getrieben' und nun erst recht durchkaut und
dann zum zweyten Mahl geschluckt wird.

Der allgemeine Character dieser wieder-
kauenden Thiere liegt nicht in den gespaltnen
Klauen, als welche aus den Schweinen zukom-
[Seite 42] men, die doch nicht ruminiren, und hingegen
den allerdings wiederkauenden Kaninchen etc. ab-
gehen. Eben so wenig gibt der bloße Mangel
der obern Vorderzähne ein hinreichendes Unter-
scheidungszeichen, da sie bey den Kaninchen sogar
doppelt sind etc.

Mehr allgemein passend ist hingegen die den
wiederkauenden Thieren eigne Bildung der Ba-
cken-Zähne; die wie mit sägeförmigen Queer-
furchen ausgeschnitten, und deren Kronen nicht
horizontal liegen, sondern schräg-ausgeschlägelt
sind, so daß an denen im Oberkiefer die Außen-
seite – an denen im untern aber die nach der
Zunge hin gerichtete innere Seite, die höchste
ist. Dabey haben sie einen schmalen Unterkie-
fer der eine sehr freye Seitenbewegung hat, wo-
durch denn wie der Augenschein lehrt, der Me-
chanismus dieser sonderbaren Verrichtung be-
wirkt wird.

Anm. 1. Bey denjenigen ruminantibus, die zugleich
gespaltene Klauen haben, nähmlich bey den Ge-
schlechtern der Schafe und Ziegen, Antilopen, des
Rindviehs, der Camele, Hirsche, Moschus-Thiere
und vermuthlich auch der Giraffe kommt nun
außerdem noch der vierfache Magen hinzu, dessen
innerer Bau und Mechanismus überaus merkwür-
dig ist. Das zum ersten Mahl geschluckte noch halb
rohe Futter gelangt nähmlich in den ungeheuren
ersten Magen (rumen, magnus venter, franz.
le double, l'herbier, la panse, der Pansen, Wanst),
als in ein Magazin, worin es nur ein wenig durch-
weicht wird. Von da wird eine kleine Portion
dieses Futters nach der andern mittelst des zwey-
ten Magens (reticulum, franz. le bonnet, le reseau,
[Seite 43] die Haube, Mütze, das Garn), der gleichsam nur
ein Anhang des ersten ist, aufgefaßt und wieder
durch den Schlund hinauf getrieben. Nun wird
der wiedergekaute zum zweyten Mahl geschluckte
Bissen durch eine besondere Rinne, ohne wieder
durch die beiden ersten Mägen zu passiren, gleich
aus dem Schlunde in den dritten (echinus, cen-
tipellio, omasus,
franz. le feuillet, le pseautier, das
Buch, der Psalter, der Blättermagen) geleitet,
wo er sich wohl bey der geringe Weite desselben
nicht lange aufhalten kann, sondern von da end-
lich zur völligen Verdauung in den vierten (abo-
masus
, franz. la caillette, der Laab, die Ruthe, der
Fettmagen) gelangt, der dem Magen andrer Säu-
gethiere am nächsten kommt.

Anm. 2. Der allgemeine Haupt-Nutze der Rumination
scheint noch unbekannt. – Vielen kleinen, schüch-
ternen, unbewaffneten wiederkauenden Thieren
und denen noch dazu von den reissenden Thieren
so sehr nachgestellt wird, kommt sie in sofern zu
passe, das sie ihr Futter auf der offnen Weid ge-
schwind abgrasen und dann im Dickicht in Ruhe
und Sicherheit gemächlich ruminiren können etc.

§. 46.

Die allermehrsten Säugethiere haben eine
Stimme (vox), die nach Verschiedenheit der
Gattungen, des Geschlechts, des Alters, und
der Leidenschaften überaus mannigfaltig ist. Ei-
nige, wie der Maulwurf, die Hasen, Kanin-
chen etc. lassen sie aber nur im äußersten Noth-
fall erschallen. Der Mensch allein besitzt den
Gebrauch der Sprache (loquela), die eine Folge
seiner Vernunft (§. 37.) ist*).

§. 47.

[Seite 44]

Außer den Klauen, Zähnen etc. sind viele
Säugethiere auch mit Hörnern zu Waffen ver-
sehen, die doch, wie der Bart beym Menschen,
meist erst gegen die Zeit der Mannbarkeit recht
hervor brechen. Bey einigen Gattungen, wie
beym Hirsch, Reh etc. sind die Weibchen unge-
hörnt; bey andern, wie im Ziegengeschlecht,
sind ihre Hörner doch kleiner als der Männchen
ihre. Anzahl, Structur, und Lage der Hörner
sind sehr verschieden. Beym Ochsen-Ziegen-
und Gazellengeschlecht sind sie hohl, und sitzen
wie eine Scheide über einem knöchernen Zapfen
oder Fortsatz des Stirnbeins. Des Rhinocers
Hörner sind dichte, und bloß mit der Haut auf
der Nase verwachsen. Beym Hirschgeschlecht
hingegen, sind sie zwar ebenfalls solide, aber
von besondrer Structur, und astig. Sie heissen
dann Geweihe, und werden mehrentheils all-
jährlich abgeworfen und neue an ihrer statt re-
producirt.

§. 48.

Die Oeffnung des Afters wird bey den meh-
resten Säugethieren durch den Schwanz bedeckt,
der eine Fortsetzung des Guckucksbeins (coccyx),
und von mannigfaltiger Bildung und Gebrauch
ist. Er dient z.B. manchen Thieren die Fliegen
und Bremsen von sich zu wedeln; vielen Meer-
katzen u.a. Americanischen Thieren statt einer
[Seite 45] Hand, um sich daran halten, oder damit fassen
zu können (cauda prehensilis, Rollschwanz);
dem Eichhörnchen zur Haltung beym schnellen
Lauf auf den Zweigen etc.

§. 49.

Noch sind am Körper einiger Thiere dieser
Classe besondere Beutel von verschiedner Bestim-
mung zu merken. So haben viele Affen, Pa-
viane, Meerkatzen, auch der Hamster, die Zi-
selmaus u.a., Backentaschen, um Proviant
darin einschleppen zu können. Beym Weib-
chen der Beutelratte liegen die Zitzen in einer be-
sondern Tasche am Bauche, worein sich die sau-
genden Junge verkriechen können. Der Orang-
utang und manche andre Affen, auch das Renn-
thier etc. haben einen Beutel am Halse, der sich in
die Kehle öffnet, und vermuthlich zur Verstär-
kung der Stimme dient.

§. 50.

Die Wichtigkeit der Thiere überhaupt läßt
sich hauptsächlich aus einem zweyfachen Gesichts-
puncte bestimmen; entweder nähmlich, in so
fern sie auf die Haushaltung der Natur im
großen, auf den ganzen Gang der Schöpfung
Einfluß haben; oder in so fern sie dem Men-
schen unmittelbar nutzbar werden. Aus jener
Rücksicht sind, wie wir unten sehen werden, die
Insecten und Gewürme die bey weiten wichtig-
[Seite 46] sten Geschöpfe; aus dieser hingegen die Säuge-
thiere. Die Verschiedenheit in ihrer Bildung,
ihre große Gelehrigkeit, ihre Stärke u.s.w. ma-
chen sie für den Menschen auf die mannigfal-
tigste Weise brauchbar. Aus keiner andern Classe
von Thieren hat er sich so treue, dienstfertige und
arbeitsame Gehülfen zu schaffen gewußt; keine
ist ihm zu seinem unmittelbaren Gebrauch und
zu seiner Selbsterhaltung so schlechterdings un-
entbehrlich als diese. – Ganze Völker des Erd-
bodens können mit einer einzigen Art von Säu-
gethieren fast alle ihre dringendsten Bedürfnisse
befriedigen. So die Grönländer mit dem See-
hund; die Lappen, Tungusen etc. mit dem Renn-
thier; die Aleuten mit dem Wallfisch. – Ge-
wisser Maßen auch die Einwohner der Lüneburger
Heide mit dem Schaf etc.

§. 51.

Die vielfache Brauchbarkeit der Säugethiere
fürs Menschengeschlecht reducirt sich vorzüglich
auf folgendes. Zum Reiten, zum Zug, Acker-
bau, Lasttragen u.s.w.: Pferde, Maulthiere,
Esel, Ochsen, Büffel, Rennthiere, Elephanten,
Camele, Llacmas, Hunde. Zur Jagd, zum
Bewachen etc. Hunde. Zum Mausen und Ver-
tilgen anderer schädlichen Thiere: Katzen, Igel
Ameisenbären etc. Zur Speise: das Fleisch von
Rindvieh, Schafen, Ziegen, Schweinen, vom
Hirschgeschlecht, von Hasen, Kaninchen, u.s.w.
[Seite 47] Ferner Speck, Schmalz, Blut, Milch, But-
ter, Käse. Zur Kleidung, zu Decken, Zel-
ten etc. Pelzwerk, Leder, Haare, Wolle etc. Zum
Brennen: Talg, Fischthran, Wallrath. Zum
Schreiben, Bücherbinden etc. Pergament, Le-
der. Für andere Künstler und zu gemischtem
Gebrauch: Borsten, Haare (zumahl Pferde-
Haar), Geweihe, Hörner, Klauen, Elfenbein,
Zähne, Fischbein, Knochen, Blasen. Sehnen
und Knochen zu Tischlerleim. Därme zu Sai-
ten. Blut zu Farbe. Mist zum Dünger, zur
Feuerung, zu Salmiak etc. Harn etc. zu Phos-
phorus. Endlich zur Arzney: Bisam, Bie-
bergeil, Hirschhorn, Milch etc.

§. 52.

Von der andern Seite sind aber freylich
mehrere Thiere dieser Classe dem Menschenge-
schlecht unmittelbar oder mittelbar nachtheilig.
Die reissenden Thiere, besonders aus dem Katzen-
Geschlecht, tödten Menschen. Eben diese und
noch manche andere z.B. die Wiesel, Marder,
Iltise, Vielfraße, Fischottern, Wallfische etc. ver-
tilgen viele nutzbare Thiere: – oder schaden
den Gewächsen, Bäumen, Gartenfrüchten,
dem Getreide u.s.w. wie die Feldmäuse, Ham-
ster, Leming, Hirsche, Hasen, Bieber, Affen,
Elephanten, Rhinoceros, Nilpferde etc. oder gehen
andern Eßwaaren nach; wie Ratten, Mäuse,
Fledermäuse, Murmelthier. Verderben Haus-
[Seite 48] geräthe, wie die Schakale, Hyänen u.s.w. Gift
scheint kein einziges Thier dieser Classe zu be-
sitzen, außer in der Wuth und Wasserscheue, der
zumahl die aus dem Hundegeschlecht leicht aus-
gesetzt sind.

§. 53.

Man hat verschiedene künstliche Systeme,
nach welchen berühmte Männer die Säugethiere
zu ordnen versucht haben. Aristotelis Einthei-
lung z.B. ist auf die Verschiedenheit der Zehen
und Klauen gegründet, und die haben auch Ray
u.a. nach der Hand angenommen und weiter
bearbeitet. Aber hierbey müssen die verwandte-
sten und im ganzen noch so ähnlichen Gattungen
von Ameisenbären, Faulthieren etc. getrennt, und
in ganz verschiedene Ordnungen versetzt werden,
bloß weil die eine mehr, die andere weniger Ze-
hen hat. Linné hat die Zähne zum Classifica-
tionsgrund gewählt, ein Weg, auf dem man
aber nicht minder, bald auf die unnatürlichsten
Trennungen, bald auf die sonderbarsten Verbin-
dungen stößt. Das Geschlecht der Fledermäuse
muß nach des Ritters Entwurf, wegen des ver-
schiedenen Gebisses bey einigen Gattungen we-
nigstens in drey verschiedene Ordnungen zerstückt
werden; der Elephant kommt mit den Panzer-
thieren, und den formosanischen Teufelchen; der
Igel aber und der Maulwurf mit Löwen und
Tigern in eine gemeinschaftliche Ordnung.

§. 54.

[Seite 49]

Ich habe daher diesen Mängeln abzuhelfen,
und ein natürliches System der Säugethiere zu
entwerfen getrachtet, wobey ich nicht auf ein-
zelne abstrahirte, sondern auf alle äußere Merk-
mahle zugleich, auf den ganzes Habitus der
Thiere gesehn habe. So sind Thiere die in
neunzehn Stücke einander ähnelten, und nur im
zwanzigsten differirten, doch zusammen geordnet
worden, dieses zwanzigste mochten nun die Zähne
oder die Klauen oder irgend ein andrer Theil
seyn; und so sind denn folgende zwölf Ordnun-
gen dieser ersten Classe entstanden:

I. Ordn. Bimanus (Inermis). Der Mensch
mit zwey Händen.

II. Quadrumana (Pitheci). Thiere mit vier
Händen. Affen, Paviane, Meerkatzen,
und Makis.

III. Bradypoda. Thiere mit langen haken-
förmigen Krallen, deren ganzer Körper-
bau auf den ersten Blick Trägheit und
Langsamkeit verräth. Faulthiere, Amei-
senbären.

IV. Sclerodermata. Die Säugethiere mit
sonderbaren Decken statt behaarter Haut,
und zwar a) mit Schuppen: die Formosa-
nischen Teufelchen; b) mit Schildern: die
Panzerthiere; c) mit Stacheln: Igel und
Stachelschweine.

[Seite 50]

V. Chiroptera. Die Säugethiere, deren
Vorderfüße Flügel bilden (§. 43). Die
Fledermäuse.

V. Glires. Mäuse, Maulwürfe, Hasen,
Wiesel und andere verwandte kleine viel-
zehige Säugethiere.

VI. Ferae. Reissende Thiere, die Menschen
anfallen. Nur die Bären-Hunde- und
Katzen-Geschlechter.

VIII. Solidungula. Pferd etc.

IX. Bisulca. Thiere mit gespaltnen Klauen.

X. Belluae. Ungeheure, dünnbehaarte Thiere,
mit dicken Füßen. Tapir, Elephant,
Nashorn, Nilpferd.

XI. Palmata. Die Amphibien dieser Classe
mit kurzen Schwimmfüßen: und zwar
a) lacustria, mit bloßer Schwimmhaut
zwischen den Zehen; b) marina, mit ver-
wachsenen Fingern (§. 43.), deren Spur
nur durch die Nägel bezeichnet wird.

Der Manate macht von hier den schick-
lichsten Uebergang zur

XIIten O. Cetacea. Wallfische, warmblütige
Thiere, die mit den kaltblütigen Fischen
fast nichts als den unschicklichen Nahmen
gemein haben, und deren natürliche Verbin-
[Seite 51] dung mit den übrigen Säugethieren schon
Ray vollkommen richtig eingesehen hat*).

* * *

Zur N. G. der Säugethiere.

  1. Conr. Gesneri historiae animalium L. I. de quadru-
    pedibus viuiparis.
    Basil
    . 1551 fol.
  2. Ul. Aldrovandi de quadrupedibus digitatis viuiparis
    L. III. Bonon. 1627. fol.
  3. Id. de quadrupedibus solidipedus ib. 1616. fol.
  4. Id. de quadrupedibus bisulcis ib. 1613. fol.
  5. Ei. de cetis L. I. (am Ende seines Werkes de piscibus).
    ib. eod. fol.
  6. Io. Raii. synopsis animalium quadrupedum. Lond.
    1613. 8.
  7. Buffon.
  8. Th. Pennant's synopsis of quadrupeds. Chester
    1771. 8.
  9. Ei. history of quadrupeds Lond. 1781. II. vol. 4.
  10. Ei. arctic zoology vol. I. ib. 1784. 4.
  11. J. Ch. Dan Schrebers Säugethiere. Erlang. seit
    1774. 4.
  12. I. Chr. Pol. Erxleben systema mammalium Lips.
    1777. 8.
  13. E. A. W. Zimmermann specimen zoologiae geogra-
    phicae.
    LB.
    1777. 4.

I. Ordn. BIMANUS (Inermis).

[Seite 52]

1. Geschl. Homo. Animal erectum, bima-
num, inerme, rationale, loquens. Dentes
primores incisores supra et infra
4. la-
niarii
longitudine reliquis aequales, ap-
proximati
.

1. Gatt. sapiens. Der Mensch wird schon durch so auf-
fallende Eigenschaften seines Körperbaues von der gan-
zen übrigen thierischen Schöpfung ausgezeichnet, daß er
bey weiten nicht bloß in einem eignen Geschlecht, son-
dern allerdings in einer besondern Ordnung von ihr
abgeschieden werden muß.

Es gehört dahin gleich vorzüglichst sein aufrechter
Gang, wozu seine breiten Fußsohlen, und überhaupt
sein ganzer Körperbau eingerichtet ist, und der freyste
Gebrauch zweyer vollkommnen Hände, wodurch er,
selbst vom menschenähnlichsten Affen zu unterschei-
den ist.

Das weibliche Geschlecht hat noch ein paar eigen-
thümliche Charaktere, die dem männlichen und allen
übrigen Thieren abgehen, nähmlich einen periodischen
Blutverlust in einer bestimmten Reihe von Lebensjah-
ren; und dann ein körperliches Kennzeichen der unver-
letzten jungfräulichen Unschuld.

Der Mensch hat außer dem Begattungstrieb wenig
Spuren von Instinct (§. 33. u. f.), Kunsttriebe aber
(§. 35.), schlechterdings gar nicht. Dagegen ist er
ausschließlich im Besitz der Vernunft (§. 37.), und der
dadurch erfundenen Rede oder Sprache (loquela), die
[Seite 53] nicht mit der bloß thierischen Stimme (vox) als welche
auch den ganz jungen und selbst den stummgebohrnen
Kindern zukommt, verwechselt werden darf (§. 46.).
Daß die Rede hingegen eine bloße Folge der Vernunft
und nicht etwa der besondern Organisation der mensch-
lichen Sprachwerkzeuge sey, erhellt aus den bekannten
Beyspielen der Papagayen, Raben etc. die allerhand
Worte ganz vernehmlich nachsprechen lernen. Die
Stimme ist den Thieren wie ihr Instinct angeboren:
die Sprache hingegen entwickelt sich erst mit der Ver-
nunft, da dann die Seele ihre erlangten Begriffe, der
Zunge zum Aussprechen überträgt. Es gibt eben so
wenig ein sprachloses, als ein vernunftloses Volk auf
unserer Erde, und wir haben nun die Wörterbücher
der Eskimos, der Hottentotten und anderer Nationen,
denen die leichtgläubigen Reisenden der alten Zeit die
Rede abzusprechen wagten.

* * *

Der Mensch ist für sich ein wehrloses hülfsbedürfti-
ges Geschöpf. Kein andres Thier außer ihm bleibt so
lange Kind, keins kriegt so sehr späte erst sein Gebiß,
lernt so sehr spät erst auf seinen Füßen stehn, keins
wird so sehr spät mannbar u.s.w. Selbst eine gro-
ßen Vorzüge, Vernunft und Sprache, sind nur Keime,
die sich nicht von selbst, sondern erst durch fremde Hül-
fe, durch Cultur und Erziehung entwickeln können; da-
her denn bey dieser Hülfsbedürftigkeit und bey diesen
zahllosen dringenden Bedürfnissen die allgemeine natür-
liche Bestimmung des Menschen zum geselligen Um-
gang. Nicht ganz so allgemein läßt sich hingegen vor
[Seite 54] der Hand noch entscheiden, ob in allen Welttheilen die
Proportion in der Anzahl der gebornen Knäbchen und
Mädchen, und die Dauer der Zeit der Fortpflanzungs-
fähigkeit bey beiden Geschlechtern so gleich sey, daß der
Mensch überall so wie in Europa zur Monogamie
bestimmt sey.

Sein Aufenthalt und seine Nahrung sind beide un-
beschränkt; er bewohnt die ganze bewohnbare Erde,
und nährt sich beynahe aus der ganzen organisirten
Schöpfung. Und in Verhältniß zu seiner mäßigen
körperlichen Größe, und in Vergleich mit andern Säu-
gethieren erreicht er ein ausnehmend hohes Alter, was
ihn für seine lange Kindheit entschädigt.

* * *

Es gibt nur eine Gattung (species) im Menschen-
geschlecht; und alle uns bekannte Völker aller Zeiten
und aller Himmelsstriche können von einer gemeinschaft-
lichen Stammraße abstammen. Alle National-Ver-
schiedenheiten in Bildung und Farbe des menschlichen
Körpers sind nicht um ein Haar auffallender oder un-
begreiflicher als die, worin so viele andere Gattungen
von organisirten Körpern, zumahl unter den Hausthie-
ren, gleichsam unter unseren Augen ausarten. Alle
diese Verschiedenheiten fließen aber durch so mancherley
Núancen so unvermerkt zusammen, daß sich keine andre
als sehr willkürliche Grenzen zwischen ihnen fest setzen
lassen: doch habe ich das ganze Menschengeschlecht noch
am füglichsten unter folgende fünf Varietäten zu brin-
gen geglaubt:

1) Die Europäer und westlichen Asiaten, disseits des
Obi, des Caspischen Meers, und des Ganges-
[Seite 55] nebst den Nordafrikanen, also ungefähr die Be-
wohner der den alten Griechen und Römern bekannten
Welt. Sie sind von Farbe mehr oder weniger weiß,
und nach den europäischen Begriffen von Schönheit
die best gebildeten Menschen.

2) Die übrigen Asiaten, jenseits des Obi, des Gan-
ges etc. und dann die nordlichsten Americaner, (an
der westlichen Küste nähmlich etwa bis nach Alasch-
ka etc. und an der ostlichen bis Labrador). Sie sind
meist gelbbraun, dünn behaart, haben platte Gesich-
ter und eng-geschlitzte Augenlieder. Als Ideal ihrer
Gestaltung denke man sich die Schinesen.

3) Die übrigen Africaner: mehr oder weniger schwarz;
mit stärker prominirendem Untertheil des Gesichts,
wulstigen Lippen, stumpfer Nase und meist krausem
Haar. Am auffallendsten ist dieser Charakter bey
den Negern, die sich dann in die Habessinier, Mau-
ren etc. verlieren, so wie jede andre Menschen-Va-
rietät mit ihren benachbarten Völkerschaften gleich-
sam zusammen fließt.

4) Die übrigen Americaner: meist von kupferrother
Farbe, schlichtem straffen Haar und mancherley meist
durch Kunst bewirkter Form des Kopfes.

5) Die Südsee-Insulaner oder die Bewohner des
fünften Welttheils; bis wieder gen Ostindien. Sie
sind meist schwarzbraun, breitnasig, und groß-
maulig, mit dichtem Haarwuchs und stark ausge-
wirkten Gesichtszügen.

* * *

Alle den fabelhaften Wust herzuzählen, womit die
Menschen die N. G. ihres Geschlechts verunreinigt
[Seite 56] haben, lohnt sich kaum mehr der Mühe: die ver-
meintlichen Patagonischen Riesen z.B. sind, von Ma-
galhaens Zeiten bis auf die unsrigen, in den Er-
zählungen der Reisenden, von zwölf Fuß zu siebente-
halb eingekrochen, und bleiben also wenig größer
als jeder andre Mensch von guter Statur.

Und daß Commerson's Quimo's und andre Zwergna-
tionen auch nichts als Erdichtungen waren, ist nun
allgemein bekannt.

Die Kackerlacken, Blafards, Albinos oder weiste
Mohren sind nicht ein Mahl eine Spielart, geschwei-
ge eine besondre Gattung, sondern Patienten, deren
Geschichte mehr in die Pathologie als in die Na-
turhistorie gehört.

Linné's Homo troglodytes ist ein unbegreifliches Ge-
mische aus der Geschichte jener preßhaften kränkli-
chen Menschen, und des Orangutangs: sein Homo
lar
hingegen ein wahrer Affe.

Die in Wildniß unter Thieren erwachsenen Kinder
sind klägliche sittliche Monstra, die man eben so
wenig, als andre durch Krankheit oder Zufall ent-
stellte Menschen, zum Muster des Meisterstücks der
Schöpfung anführen darf.

Geschwänzte Völker, von Natur geschürzte Hotten-
tottinnen, die vorgebliche natürliche Bartlosigkeit
der Amerikaner, die Sirenen, Centauren, und
alle Fabeln von gleichem Schrot und Korn, ver-
zeihen wir der gutherzigen Leichtgläubigkeit unsrer
lieben Alten.

II. QUADRUMANA (Pitheci).

[Seite 57]

Säugethiere mit vier Händen, wie es ihre
Lebensart und ihr Aufenthalt auf den Bäumen
erfordert. Sie sind bloß zwischen den Wendezir-
keln zu Hause.

2. Simia. Affe. habitus plus minus anthro-
pomorphus, auriculae et manus magis
humanae. Dentes primores incisores, su-
pra et infra
4. laniarii solitarii, reliquis
longiores
.

Die Affen finden sich bloß in der alten Welt; ihr
Gesicht ist zwar menschenähnlicher als andrer Thiere
ihres, aber doch schon vorn in eine Thier-Schnauze
verlängert, weil sie, so wie die allermehresten übrigen
Säugethiere einen besondern Knochen (os intermaxil-
lare
) zwischen den Oberkiefern haben, in welchem die
obern Schneidezähne sitzen, und der dem Menschenge-
schlechte mangelt. Ueberhaupt aber sind auch die
menschenähnlichsten Affen in ihrer ganzen Bildung,
durch die schmalen Hüften, durch die platten Lenden
u.s.w. vollends durch so tausend Besonderheiten in ih-
rem innern Körperbau aufs auffallend sichtlichste vom
Menschen unterschieden.

a) Ungeschwänzte.

1. Troglodytes. der Africanische Waldmensch, Schim-
pansee, Pongo, Jocko, Barris. S. macrocephala,
torosa, dorso et humeris pilosis, reliquo corpore
glabro.

[Seite 58]

Tulpii observ. med. p. 234. tab. XII.

Im innern von Angola, Congo etc. und tiefer land-
einwärts; wird ungefähr fünf Fuß hoch; hat doch ein
etwas mehr menschenähnliches Ansehen als der eigent-
liche Orangutang und dient folglich zum kürzesten bün-
digsten Beweis des mächtig-großen Abstandes, der
auch schon in Rücksicht der äußern Bildung, zwischen
dem Menschen und der ganzen übrigen thierischen Schö-
pfung vorwaltet. Diese Thiere sind unbändig stark,
wild, und sollen Menschen anfallen. Man sagt daß sie
sich Truppweise in den dicksten Wäldern aufhalten, sich
auf den Bäumen eine Art von Laube gegen Wind und
Wetter machen, sich gern nach dem Feuer ziehen was
die Wilden etwa im Walde angemacht haben, daß sie
es aber nicht mit nachgelegtem Holze zu unterhalten
verstehen.

2. Satyrus. der Ostindische Waldmensch, eigentliche
Orangutang (Büffon's Jacko). S. capite minore
gracilior, hirsuta; pilorum humeri et uluae contraria
directione, pollice manuum anteriorum mutico, un-
gue destituto.

Schrebers Säugth. tab. II. A.

Wie es scheint bloß auf Borneo; wird ungefähr 4
Fuß hoch; unterscheidet sich durch einen weit schlankern,
schmächtigern Wuchs, kleinern Kopf, ganz andere Ge-
sichtsbildung und einen dicht behaarten Leib, von dem
Africanischen Waldmenschen, womit er gemeiniglich ver-
wechselt worden; läßt sich, wenn er ganz jung einge-
fangen worden, so wie der Schimpanse und andere Af-
fen auch, zu allerhand künstlichen Handlungen abrich-
[Seite 59] ten, die man aber von seinem natürlichen Betragen
genau unterscheiden muß.

Camper hat aus der Zergliederung eines ähnlichen
Thiers die physische Unmöglichkeit erwiesen, daß der-
gleichen so genannte menschenähnliche Geschöpfe je ei-
ner menschlichen Rede, oder eines natürlichen aufrech-
ten Ganges etc. fähig seyn könnten.

3. Longimana. der Gibbon oder Golok. (Linné's
Homo lar.) S. brachiis longissimis, talos attin-
gentibus.

Schreber tab. III.

In Malacka, Coromandel, und auf den Molucken;
sein ziemlich menschenähnliches Gesicht und die unge-
heuer langen Arme geben ihm ein sonderbares Ansehn.
Ist von schwärzlicher Farbe, und wird gegen vier Fuß
hoch.

4. Syluanus der gemeine Türkische Affe. S. brachiis
corpore breuioribus, natibus caluis, capite subro-
tundo
. *

Schreber tab. IV.

Der allgemeinste und dauerhafteste Affe, der auch
in Europa leicht Junge heckt. Hat etwa die Größe
vom Fuchs, ist leicht zu zähmen, sehr gelehrig und
possirlich, lebt scharenweise in Nordafrica, Ostin-
dien etc.

5. Innus (cynocephalus auctorum. Büffon's magot.)
S. capite oblongo, natibus caluis. *

Schreber tab. V., it. V. a, V. b.

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen und ist ihm
überhaupt so ähnlich, daß es schwer hält, beide recht
[Seite 60] bestimmt von einander zu unterscheiden. Man hält
diesen für den wahren Aegyptischen cynocephalus der
Alten. Er ist auch auf Gibraltar verwildert und hat
sich da im freyen fortgepflanzt.

b) Geschwänzte.

6. Cynomolgus. der Macacco. die (insgemein so ge-
nannte) Meerkatze. S. cauda longa, arcuata, labio
leporino.

Schreber tab. XIII.

Auf Guinea, Angola etc. beynahe olivenfarben. Ueber-
aus lebhaft, possirlich und dauerhaft, daher er häu-
fig nach Europa gebracht wird.

7. Aygula (Büffon's aigrette). S. subimberbis grisea,
eminentia pilosa verticis reuersa longitudinali. *

Schreber tab. XXII.

In Ostindien. Graugelblich. Von der Größe einer
Katze.

3. Papio Pavian. (Fr. babouin. Engl. ba-
boon.
) Caput prolongatum, minus an-
thropomorphum, nates nudae, coccineae,
cauda abbreuiata. Dentes ut in simiis.

Auch die Paviane sind der alten Welt eigen. Ihr
Kopf hat wenig menschenähnliches, bey manchen eher
etwas vom Schwein, zumahl in der breiten Schnauze.
Meist sind es unbändige, säuische und äußerst geile
Thiere.

1. Mormon. der Choras. P. naso miniato, ad latera
coerulescente. *

[Seite 61]

Schreber tab. VIII. A. VIII. B.

Auf Ceilan etc. Wird gegen fünf Fuß hoch; hat wegen
der schönen farbigen Streifen im Gesicht, wegen seines
weissen Barts, und der spitz zulaufenden Kopfhaare, ein
auffallendes Ansehn.

2. Mandril. (maimon. Linn) P. facie violacea glabta,
profunde sulcata. *

Schreber tab. VII.

Auf Guinea, am Cap etc. wo oft ganze Scharen des
Nachts Weinberge und Obstgärten plündern sollen.
Kleiner als der vorige.

4. Cercopithecvs. Meerkatze. auri-
culae minus humanae. manus (plurimis)
quasi sciurinae. Dentes ut in simiis.

Das ganze Geschlecht ist bloß in Süd-America
einheimisch.

a) cauda prehensili, die Sapajus.

1. Paniscus. der Coaita, Beelzebub. C. ater, palmis
tetradactylis absque pollice.
*

Schreber tab. XXVI. A. XXVI. B.

In Brasilien, Peru etc. Soll mit seinem langen
Rollschwanz Fische fangen können; und wenn mehrere
von einem Baume disseits eines schmalen Flusses auf
einen andern, jenseitigen wollen; so sollen sie sich, wie
eine Kette, von einem Aste herunter an einander hän-
gen, und so lange über dem Wasser hin und wieder
schwanken, bis der unterste den jenseitigen Baum er-
reicht und sich dran angehalten hat, da dann der
[Seite 62] erste los läßt, und so die ganze Kette hinüber
fliegt.*)

b) cauda non prehensili, die Sanguinchen.

2. Jacchus. der Uistiti. C. juba pilosa alba ad genas
ante aures, cauda villosa annulata. *

Schreber tab. XXXIII.

In Brasilien. Von brauner Farbe und so klein, daß
er in einer Cocosnuß-Schale Raum hat.

5. Lemur. Maki. Nasus acutus, dentes
primores superiores
4. inferiores 6. por-
recti, compressi, incumbentes; laniarii
solitarii, approximati.

1. Tardigradus. der Loris. (cucang.) L. ecaudatus. *

Schreber tab. XXXVIII.

Auf Ceilan; hat die Größe und Farbe des Eichhörn-
chens, schlanke dünne Beine etc. und so wie die folgende
Gattung am Zeigefinger der Hinterfüße eine spitzige
Kralle, an allen übrigen Fingern aber platte Nägel.

2. Mongoz. der Mongus. L. facie nigra, corpore et
cauda griseis
. *

Schreber tab. XXXIX. A. XXXIX. B.

Ist so wie einige verwandte Gattungen auf Madagas-
car, und den benachbarten Inseln zu Hause. Hat schöne
orangegelbe Augen, sehr weiches Haar, und einen lan-
gen wolligen Schwanz, den er im Sitzen um den Hals
schlägt. Die Hinterfüße sind viel länger als die vor-
[Seite 63] dern. Sein Fell hat, wie bey manchen Affen, einen
specifiken Geruch, fast nach Ameisenhaufen.


III. BRADYPODA.

Der Bau der Füße und der ganze Habitus
dieser Thiere verräth ihren trägen langsamen
Gang. Meist haben sie wenige Zehen an den
Vorderfüßen, die aber mit großen krummen
Klauen versehen sind, und zum Klettern auf Bäu-
men dienen. Sie sind dick behaart, und durch
zahlreiche aber sehr breite Rippen von innen fast
so gut gepanzert, als die Sclerodermata durch
ihre hornichte Decken von außen.

6. Bradypus. Faulthier. Ignavus. (Fr.
paresseux, Engl. sloth) Caput rotun-
datum, crura antica longiora. Dentes
primores nulli utrinque; laniarii
(?)
obtusi, solitarii; molares cylindrici, obtusi.

1. Tridactylus. der Aï. B. pedibus tridactylis, cauda
brevi. *

Schreber tab. LXIV.

In Guiana etc. Freylich ein äußerst langsames, schwer-
fälliges Geschöpf; was nie mehr als einen Fuß auf Ein
Mahl aufheben, nachher jedes Mahl erst einige Zeit aus-
ruhen, und beständig sein heulendes Aï, wovon es den
Nahmen hat, hören lassen soll. Aber bey aller dieser
Trägheit ist es listig genug um seinen Feinden, zumahl
[Seite 64] den kleinen Americanischen Tigern etc. auf allerhand
Weise zu entgehen; und stark genug, um sich im Noth-
fall gegen sie zu vertheidigen. Hat dabey ein äußerst
zähes Leben, und wenige Bedürfnisse. Frißt Laub,
säuft gar nicht etc.

7. Myrmecophaga. Ameisenbär. (Fr.
fourmiller, Engl. ant-eater.) Rostrum pro-
ductius, lingua lumbriciformis; dentes
nulli.

1. Didactyla. der kleine Tamandua. M. palmis didacty-
lis, ungue exteriore maximo, plantis tetradactylis;
cauda prehensili
. *

Schreber tab. LXVI.

In Südamerica; von der Größe und auch fast von
der Farbe des Eichhörnchens. Mit seiner vier Zoll lan-
gen Zunge bohrt er nach und nach gleichsam einen Gang
in die Ameisenhaufen, und da sie wie bey den übrigen
Gattungen mit zähem Schleim überzogen ist, so blei-
ben die Ameisen dran kleben, und er braucht sie nur
von Zeit zu Zeit in den Mund zu ziehen und die Thier-
chen hinterzuschlucken. Mit den großen hakenförmigen
Klauen der Vorderfüße kratzt er die mit einer festen
Erdrinde bedeckten Ameisenhaufen auf.

IV. SCLERODERMATA:

Die Säugethiere mit Stacheln, oder Schup-
pen, oder Schilden statt des behaarten Fells.
Sie rollen sich bey Gefahr ganz kugelicht zusam-
[Seite 65] men, und können sich bey der Begattung nicht
wie die mehresten übrigen Thiere dieser Classe
bespringen.

8. Manis. Formosanisches Teufelchen. Cor-
pus squamis tectum. lingua teres. den-
tes nulli.

Die Bekleidung ausgenommen, haben die Thiere
dieses Geschlechts, in ihrer Bildung, Lebensart etc. viel
Aehnlichkeit mit den Ameisenbären. Von vielen ältern
Naturforschern werden sie unter die Eidexen gezählt.

1. Macroura. der Phatagin. (tetradactyla Linn.) M.
cauda longiore
. *

Schreber tab. LXX.

Auf Formosa und dem benachbarten Asien. Von der
Größe des obigen Ameisenbären. Sein geschuppter Kör-
per ähnelt einem Tannenzapfen. Die Schuppen sind
von castanienbrauner Farbe und ungemein sauber ge-
streift.

9. Tatu. Armadill, Panzerthier, Gürtelthier.
(dasypus Linn.) Corpus testis zonisque
osseis
cataphractum. dentes primores et la-
niarii
nulli
.

1. Nouemcinctus. der Caschicame. Zonis dorsalibus 9
palmis tetradactylis. plantis pentadactylis. *

Schreber tab. LXXIV.

In Südamerica, wohin das ganze Geschlecht zu
Hause zu gehören scheint. Baut unter die Erde, wird
leicht sehr kirre.

[Seite 66]

10. Hystrix. Corpus spinis tectum.

a) dentibus primoribus 2. distantibus, laniariis
utrinque
2. recumbentibus.

1. †. Erinaceus. der Igel. (Fr. le hérisson, Engl. the
hodge-hog
) H. auriculis rotundatis, naribus cri-
statis.
*

Fast in der ganzen alten Welt. Nährt sich von Rat-
ten und Mäusen; auch von Kröten, Insecten, (sogar
spanischen Fliegen) und von Früchten, Wurzeln etc.

2. Malacensis. H. auriculis pendulis.

Seba thesaur. vol. I tab. LI. Fig. 1.

Auf Malacca und den Sundaischen Inseln; ist we-
gen des ehedem als Panazee berufnen und so theuer be-
zahlten Piedra del porco merkwürdig, der sich zuweilen
in seiner Gallenblase erzeugt.

b) dentibus primoribus utrinque 2. oblique scissis,
laniariis nullis.

3. Cristata. das Stachelschwein. (Fr. le porcepic. Engl.
the porcupine) H. capite cristato, cauda abbreuiata. *

Schreber tab. CLXVII.

Im wärmern Asien und fast ganz Africa; nährt
sich von Baumrinde und Früchten, und nistet in einem
ziemlich tiefen Bau unter der Erde. Im Zorn ras-
selt es mit seinen Stacheln, die ihm zuweilen, zumahl
im Herbste ausfallen, schießt sie aber nicht gegen seine
Verfolger von sich.

V. CHIROPTERA.

[Seite 67]

Die Finger der Vorderfüße sind, den Dau-
men ausgenommen, länger als der ganze Kör-
per dieser Thiere; und zwischen denselben ist eine
florähnliche Haut ausgespannt, die statt Flügel
dient (§. 43.). Daher können sie eben so wenig
als die Affen, Faulthiere etc. bequem auf der
Erde gehn.

11. Vespertilio. Fledermaus (Fr. chau-
vesouris
. Engl. bat.) Pollex palmarum et
digiti plantarum breues, reliqui longissi-
mi, membranae expansili intertexti, pro
volatu.

Ein weitläuftiges Geschlecht von animalibus noctur-
nis
, dessen verschiedene Gattungen in alle fünf Welt-
theile verbreitet sind.

a) dentibus primorbius 4. utrinque.

1. Spectrum. der Vampyr. V. ecaudatus, naso infundi-
buliformi lanceolato. *

Schreber tab. XLV.

In Südamerica; der Körper von der Größe des
Eichhorns. Graubraun, wird dadurch sehr lästig, daß
er nicht nur dem Rindvieh, Pferden etc. sondern auch
schlafenden Menschen, bey welchen er sich vorzüglich an
die Fußzehen setzt, Blut aussaugt, woher er denn auch
den Nahmen des Vampyrs erhalten hat; tödtet auch
Tauben; beißet den Schweinen die Zitzen ab etc.*)

[Seite 68]

2. Canis volaus. der fliegende Hund. (Linné's vampyrus,
Büffon's roussette.) V. ecaudatus, naso simplici, mem-
brana inter femora diuisa. *

Schreber tab. XLIV.

Ist größer als der Vampyr, lebt aber bloß von
Baumfrüchten und wird also ganz unrichtig Vampyr
genannt: findet sich scharenweise auf Ternate und an-
dern Ostindischen- und Austral-Inseln; auf welchen
letzteren (Neu-Holland ausgenommen) er nebst den
Schweinen, Hunden und Ratten die einzigen daselbst
einheimischen Säugethiere ausmacht.

b) dentibus primoribus supra 4. infra 6.

3. †. Auritus. (Büffon's oreillard.) V. caudatus, auri-
culis maximis. *

Schreber tab. I.

So wie die folgende in den gemäßigten Gegenden der
alten Welt. Ihre Ohren, die man insgemein, aber
fälschlich, doppelt nennt, sind einfach, nur alle Theile
ungeheuer groß.

4. †. Murinus. die gemeine Fledermaus, Speckmaus
V. caudatus, auriculis capite minoribus. *

Zu ihrem Winterschlaf hängen sie sich in Höhlen
klumpweise bey den Hinterfüßen auf.

VI. GLIRES.

[Seite 69]

Eine große Ordnung, die wieder in Fami-
lien eingetheilt werden kann. Die dahin gehö-
rigen Thiere sind vielzehig, gehen fast immer
auf dem ganzen Hinterfuß (§. 43.), und mehren-
theils im Galopp. Meist sind es kleine aber
flinke, lebhafte Geschöpfe.

A) Sciurina.

12. Sciurus. Cauda pilosa, disticha.
Dentes primores utrinque
2; inferiores
subulati; laniarii nulli.

1. Volans. das fliegende Eichhörnchen, der Polatu-
sche. S. duplicatura cutis laterali a pedibus anterio-
ribus ad posteriores. *

Schreber tab. CCXXIII.

Fast in der ganzen nördlichen Erde. Das schlaffe
Fell, das von den Vorderfüßen nach den Hinterfüßen
zu, auf der Seite weglauft, dient ihm nur wie zu
einem Fallschirm, um einen weitern Sprung wagen zu dürfen.
Es kann aber damit nie auswärts, nicht ein Mahl was-
serpaß, sondern immer nur schief herunterwärts setzen.

2. †. Vulgaris. das Eichhörnchen. (Fr. l'ecureil. Engl.
the squirrel.) S. auriculis apice barbaris, cauda dorso
concolori. *

Wohl in ganz Europa, fast ganz Asien und im nörd-
lichen America. Lebt fast bloß auf den Bäumen, da
ihm bey den schnellen weiten Sprüngen der Schwanz
statt Segel und die immer stark dunstenden, feuchten
[Seite 70] und großen Fußsohlen zum festem Tritt helfen. Macht
sich in den Gipfeln der Tannen und Eichen ein Nest
aus Laub und Moos, oder bezieht auch wohl verlaßne
Nester wilder Tauben und anderer Vögel.

Die Nordischen, zumal an den Ufern des Obi und
am Baikal-See, werden im Winter grau, und geben
dann das bekannte Grauwerk (petit gris); wovon der
Bauch unter dem Nahmen von Vebam zu Futtern
verarbeitet wird. Zuweilen finden sich auch schwarze
Eichhörnchen; seltner schneeweiße mit rosenrothen Au-
gen; auch habe ich ein weiß- und schwarz geflecktes
aus dem Gothaischen gesehn.

13. Glis. Cauda rotunda, in apice cras-
sior. Dentes ut in sciuris.

1. †. Esculentus. der Siebenschläfer, Ratz, Bilch, die
Rellmaus (Fr. le loir Engl. the rellmouse.) G. gri-
seus, subtus albidus, auriculis rotundatis, nudis
. *

Schreber tab. CCXXV.

So wie die folgende Gattung in den gemäßigten
Erdstrichen der alten Welt. Es ist der wahre glis
der Alten, den sie als Delicatesse verspeiseten*), und
in eigenen glirariis**) mästeten. Lebt in Eichen- und
Buchenwäldern, nistet in hohle Bäume; und hält
langen und sehr festen Winterschaf.

2. †. Auellanarius. die kleine Haselmaus. (Fr. le mus-
cardin
. Engl. the dormouse.) G. rufus, pollice planta-
rum mutico, auriculis rotundatis. *

[Seite 71]

Schreber tab. CCXVII.

Von der Größe der Hausmaus. Zu seinem Win-
terschlaf bereitet es sich ein kuglichtes, ziemlich festes
Lager von Tangelnadeln, u.a. kleinem Gestrüppe, worin
sie sich vergräbt.

B) Murina.

14. Marmota. auriculae abbreuiatae,
cauda breuis, pilosa. Dentes (plerisque)
ut in praecedentibus.

1. Alpina. das Murmelthier. (Romanisch murmont
vom Lat. mus montanus. Fr. la marmotte.) M. corpore
supra fusco, subtus flauescente. *

Schreber tab. CCVII.

In den höhern Alpen von Europa und Asien, beson-
ders in Savoyen, Graubünden, am St. Gotthard, und
in der großen Tatarey. Macht sich tiefe Höhlen in die
Erde, die es mit Heu und Moos ausfuttert, nährt sich
von allerhand Pflanzen und Wurzeln. Merkwürdig ist,
daß man es auf der allée blanche in Savoyen theils auf
isolirten Klippen findet die wie Inseln aus diesem Eis-
meer hervorragen, etliche Stunden weit von allem un-
beeiseten Erdreich entfernt, und im ganzen Jahr nur
etwa 6 Wochen lang von Schnee befreyt sind; so daß
es scheint, die dasigen Murmelthiere durchschlafen
wenigstens 10 Monate vom Jahr und bringen nur
einen äußerst kleinen Theil ihrer Existenz wachend zu.

2. †. Citellus. das Erdzeifelchen, Suslik. (mus noricus).
M. corpore longiore, capite parno, pedibus breuibus
pentadactylis.
*

[Seite 72]

Schreber tab. CCXI. A. CCXI. B.

Häufigst in Ungarn, Pohlen und Sibirien. Die
äußere Gestalt und Farbe, auch die Sitten sind
wie vom Murmelthier. Es hat aber nur die Größe
vom Hamster, auch so wie dieser Backentaschen etc. Nur,
statt daß der Hamster fettes Erdreich liebt, so baut
hingegen das Erdzeifelchen in dürren sandichten oder
thonichten Boden.

3. †. Cricetus. der Hamster, Kornferkel. M. abdomine
nigro.
*

Schreber tab. CXCVIII. A. CXCVIII. B.

F. G. Sulzers N. G. des Hamsters. Gött. 1774.
8. Taf. I. II.

Hin und wieder in Deutschland, Pohlen, Sibirien etc.
lebt zum Theil von kleinen Thieren, jungen Pflanzen etc.
doch vorzüglich von Getreide, Bohnen etc. wovon er
großen Vorrath in den Backentaschen zu seinen unter-
irdischen, wohl 7 Fuß tiefen Höhlen schleppet. Eine
Höhle hält wohl manchmahl auf 60 Pfund solcher Victu-
alien. Er vermehrt sich ausnehmend stark, und man
hat wohl eher im Gothaischen in einem Jahr über
27000 Hamster getödtet. Es gibt eine ganz schwarze
Spielart unter diesen Thieren, so wie auch Kackerlacken
mit rosenrothen Augen.

4. Lemmus. der Leming. M. capite acute, corpore
nigro fuluoque irregulariter maculato.
*

Schreber tab. CXCV. A. CXCV. B.

Häufigst in Lappland und Sibirien. Thut den Ge-
wächsen großen Schaden. Zuweilen emigriren ganze
Legionen wie Zugheuschrecken von einer Gegend in die
[Seite 73] andere. Sie sollen sodann in gerader Linie, bis zum
Ort wo sie sich niederlassen wollen, ziehen. Ihre uner-
wartete und unbemerkte Ankunft daselbst, und dann
auch der Fall, daß welche von den Raubvögeln in die
Luft gehoben worden und sich doch noch los gearbeitet
und herunter gefallen etc., hat zu der wunderlichen Sage
Anlaß gegeben, daß es Lemminge vom Himmel regne.

5. Typhlus. die Blindmaus, Slepez. M. ecaudata,
palmis pentadactylis, incisoribus supra infraque latis,
palpebrarum aperturis auriculisque nullis.

Schreber tab. CCVI.

Im südlichen Rußland. Lebt mehrentheils unter der
Erde. Es soll für seine kleinen ganz deutlichen Aug-
äpfel doch gar keine Oeffnung in der Gegend der Au-
genlider haben, und folglich gänzlich blind seyn!

15. Mus. cauda gracilis, subnuda. Dentes
ut in praecedentibus.

1. Oeconomus. die Wurzelmaus. M. cauda subses-
quuncialis, auriculis nudis vellere molli latentibus,
palmis subtetradactylis, corpore fusco
.

Schreber tab. CXC.

Durch Sibirien, bis nach Kamtschatka. Wird theils
durch die großen Wanderungen die sie, zumahl von
Kamtschatka aus, in manchen Jahren in unsäglicher
Menge und unermeßlichen Zügen fast wie der Lemming
anstellt, besonders aber durch die Industrie merkwür-
dig, womit dieses kleine Thier eine große Menge meist
eßbarer Wurzeln in seine unterirdischen Höhlen
schleppt, denen die Tungusen u.a. Sibirische Völker
[Seite 74] (wie die Thüringer dem Hamster-Höhlen) nachgra-
ben und diesen Wurzelvorrath zu ihrem eignen Ge-
brauch ernten.

2. †. Siluaticus. die Waldmaus, große Feldmaus. (Fr.
le mulot. Engl. the field-rat.) M. cauda mediocri,
pectore flauescente, abdomine albido.

Schreber tab. CLXXX.

In den Europäischen Wäldern, ist zumahl den Hol-
zungen sehr schädlich, sammelt häufigen Wintervor-
rath von Nüssen, Eicheln etc.

3. †. terrester. die Feldmaus, Stoßmaus. (Fr. le
campagnol.
Engl. the field-mouse.) M. cauda mediocri,
dorso ferrugineo, abdomine cinereo. *

Schreber tab. CXCI.

Meist in ganz Europa, hält sich im Sommer mehr
in Wiesen, Gärten und Feldern, im Winter aber mehr
im Walde auf. Vermehrt sich in manchen Jahren
ganz ungeheuer, und thut den Feldfrüchten, zumahl
der jungen Saat, großen Schaden.

4. †. Musculus. die Hausmaus. (Fr. la souris. Engl.
the mouse.) M. cauda elongata, palmis tetradactylis,
pollice palmarum mutico. *

In Europa und den gemäßigten Erdstrichen von
Asien und America. Hat sich dem Menschen gewisser
Maßen zum Hausthier aufgedrungen. Frißt fast alles
was ihren Zähnen beißbar ist.

Die weißen Mäuse mit rothen Augen sind die
Kackerlacken in ihrer Art, und zuweilen so lichtscheu,
daß sie in der Hellung die Augenlider fest zuschließen,
und für blind gehalten werden könnten.

[Seite 75]

5. †. Rattus. die Ratte. (Fr. le rat. Engl. the rat.)
M. cauda elongata, palmis tetradactylis cum vngul-
culo pollicari. *

Die Rate ist jetzt fast über alle fünf Welttheile ver-
breitet; scheint aber ursprünglich im mittlern Europa
zu Hause. Wenige andre Thiere sind so äußerst gefrä-
ßig als die Raten. Sie fressen sogar Scorpione und
ziehen dem Menschen und seinen Victualien überall nach.
Sogar den Bergleuten in die tiefsten Schachte. Sie
verlassen die ankommenden Schiffe wen sie ausgeladen
werden und schwimmen ans Land; und beziehen sie wie-
der so bald sie von neuem befrachtet werden. Die Müt-
ter vertheidigen ihre Junge mit eigner Lebensgefahr,
selbst gegen größere Katzen. Dagegen werden auch alte
kraftlose Ratten von den jüngern besorgt und gefüttert.

Solche bejahrte Ratten, die nur der Ruhe pflegen,
verwickeln sich zuweilen zu 6, 8 und mehrern, mit den
Schwänzen in einander, und das sind die ehemahls so
berufenen und neuerlich ohne Grund gänzlich geläugne-
ten Rattenkönige.

16. Sorex. nasus rostratus, auriculae
breues. Dentes primores superiores
2. bi-
fidi; inferiores
4. intermediis breuiori-
bus
; (interdum 2.) laniarii utrinque
plures
.

1. † Araneus. die Spitzmaus. (Fr. la musaraigne.
Engl. the shrew.) S. cauda mediocri, abdomine
albido
. *

Schreber tab. CLX.

[Seite 76]

In Europa und Nordasien in altem Gemäuer, Stäl-
len, Mistgruben etc. Daß sie giftig sey, oder den Pfer-
den in den Leib krieche etc. sind ungegründete Sagen.
Zuweilen, aber selten, finden sich weiße Spitzmäuse.

2. † Daubentonii. die Wasserspitzmaus. S. habitu
talpae, digitis ciliatis
. *

Daubenton in den Mém. de l'ac. de Paris, 1756.
tab. I. fig. 2.

Ein überaus sonderbares artiges Thierchen, das sich
an kleinen Gewässern aufhält, aber sich, wie es scheint
im Herbst aufs Land begibt, und da auf Aeckern etc. in
der Erde überwintert. Seine Füße haben zwar keine
Schwimmhaut: jede Zähe ist aber zu beiden Seiten mit
kurzen Härchen besetzt, die die Füße zum Rudern unge-
mein geschickt machen. Die Oeffnung des Gehörganges
kann das Thier durch eine Klappe zuschließen, so lang
es unter Wasser ist.

3. Exilis. S. minimus, cauda crassissima tereti.

Am Jenisei. Das allerkleinste Säugethier, wiegt
nicht über ein halb Quentchen.

17. Talpa. caput rostratum, palmae fos-
soriae. Dentes primores superiores
6, in-
feriores
8. laniarii maior 1. minores 4.

1. † Europaea. der Maulwurf, die Schermaus. (Fr.
la taupe. Engl. the mole) T. cauda breuiore, auri-
culis plane nullis
.

Fast in der ganzen alten Welt. Ist ein vollkommnes
animal subterraneum, wozu ihm seine Schaufelpfoten,
und ein sonderbares Brustbein, was fast der Vögel
[Seite 77] ihrem ähnelt, zu statten kommen. Er hat gar keine
äußeren Ohren, und sehr kleine Augen. Kann geschickt
schwimmen und bey Ueberschwemmung auf die Bäume
klettern. Es giebt auch weiße und gefleckte Maulwürfe.

18. Didelphis. Plantae manus, pollice
mutico (plerisque?). cauda subnuda.
Dentes primores superiores
10. inferio-
res
8, intermediis breuissimis; laniarii
longi, plures
.

1. Dorsigera. der Surinamische Aeneas. D. cauda basi
pilosa, dorso fusco, abdomine albido
. *

Schreber tab. CI.

In Südamerica, baut unter die Erde und ist beson-
ders durch die Art berühmt, wie die Mutter ihre Junge
aus Gefahr zu retten versteht. Sie schlägt den Schwanz
auf dm Rücken: die Junge springen auf sie, rollen ihre
Schwänze um der Mutter ihren an, die dann so mit
ihnen davon flüchtet.

2. Marsupialis. die Beutelratte, der Opossum, Philan-
der. D. mammis intra saccum abdominalem. *

Schreber tab. CXLV.

Auch bey dieser Gattung, die im ganzen wärmern
America, (eine ihr verwandte aber auch in Ostindien)
zu Hause ist, hat die Natur eine sonderbare Einrichtung
zur Erhaltung der Jungen getroffen. Das Weibchen
hat nähmlich eine große Tasche am Bauche, die durch
besondre Muskeln geschlossen und geöffnet werden kann;
und in deren Boden die Zitzen liegen. Die Junge
werden sehr klein, und gleichsam nur als unreife Abor-
[Seite 78] tus zur Welt geboren, dann aber erst 10 Wochen lang
in dieser Tasche getragen, wo sie sich von der Mutter-
milch nähren, bis sie reifer und vollkommner ausge-
bildet, gleichsam von neuen geboren werden können.
Doch bleibt dieser Beutel auch nach dieser zweyten
Geburt noch zuweilen ihre Retirade; die Mutter nimmt
sie bey Gefahr darin auf, und sucht sich und ihre
Bürde durch die Flucht zu retten.

C) Leporina.

19. Jaculus. Pedes antici breuissimi,
postici elongati. Cauda corpore longior.

a) dentibus primoribus superioribus 6. (?), inferio-
ribus
2. porrectis, subulatis, incumbentibus;
laniariis nullis.
*)

1. Giganteus. der Känguruh. I. cauda attenuata.

Schreber tab. CLIV.

Dieses durch Cook's erste Reise nach der Südsee
bekannt gewordne Thier lebt herdenweise auf der
von ihm entdeckten Ostküste von Neu-Holland, und
wiegt wohl auf anderthalb Centner. Dessen ungeachtet
ist es so äußerst stink, daß es unglaublich hohe und
weite Sprünge thun kann. Sein Fell ist mausefahl;
das Weibchen soll fast so wie die Beutelratte einen
Zitzenbeutel am Bauche haben.

b) dentibus primoribus utrinque 2; laniariis nullis.

2. Jerboa. der Springhase, Erdhase, die zweybei-
nige Bergmaus. I. cauda floccosa, plantis tri-
dactylis
.*

[Seite 79]

Schreber tab. CCXXIX.

Haym, tesoro Britann. Vol. II. p. 124.

In Nord-Africa, Arabien etc. Macht sich Höhlen
in die Erde, wo es am Tage verborgen bleibt, und
des Nachts seinen Geschäften nachgeht. Die Vorder-
füße sind, zumahl wenn es sitzt, beynahe unmerklich,
die hintern hingegen ungeheuer lang. Kann sich ziem-
lich lange auf den Hinterbeinen ausrecht erhalten, doch
scheint ihm in dem Fall sein langer ausgestreckter
Schwanz gleichsam zum dritten Fuße zu dienen.
Springt mit der Leichtigkeit einer Heuschrecke, und
wohl 7 bis 8 Fuß weit.

Die Sibirische Alactacha ist ihm ähnlich, aber fünf-
zehig. Beider Thiere Fleisch wird von den Arabern
und Kalmücken gegessen.

20. Lepus. Dentes primores utrinque 2;
superiores duplicati; laniarii nulli.

1. † timidus. der Hase (Fr. le liévre. Engl. the hare.)
A. auriculis apice nigris, corpore et pedibus posticis
longioribus
. *

Fast in der ganzen alten Welt, und auch in Nord-
America. Ist unter den Fußsohlen, und sogar zum
Theil im Munde behaart. Beide, Hase und Kanin-
chen, kauen wieder*).

Zuweilen giebt es schwarze Hasen, und in den nörd-
lichen und Alpinischen Gegenden eine besondre weiße
Spielart, die eigentlich so genannten Berghasen, die
in manchen Gegenden, wie in Grönland etc. Jahr aus
Jahr ein, in andern aber, wie in der Schweiz, nur
[Seite 80] im Winter weiß, im Sommer aber von der gewöhn-
lichen Hasen-Farbe sind.

Merkwürdig ist, daß man schon oft und in ganz
verschiednen Gegenden und Zeiten Hasen gefunden hat,
aus deren Stirnknochen ein Paar kleine Geweihe, völ-
lig wie bey einem Rehbock, nur kleiner, mit Krone
und proportionirten Enden gewachsen waren. (s. oben
S. 14.)

2. † Cuniculus. das Kaninchen. (Fr. le lapin. Engl.
the rabbet.) L. auriculis nudatis, corpore et pedibus
posticis breuioribus
. *

Ist ursprünglich in den wärmern Zonen der alten
Welt zu Hause, aber nun auch in nordischen Gegen-
den einheimisch worden. Sie vermehren sich so stark,
daß sie wohl eher (z.B. neuerlich ums Jahr 1736.
auf der S. Peters Insel bey Sardinien*)) zur Land-
plage geworden sind**); und kommen auch in ganz
wüsten Gegenden, wie auf Volcano, der sonst so öden
Liparischen Insel, fort.

Die wilden Kaninchen sind grau.

Die weißen mit rothen Augen sind zwar eben so-
wohl Kackerlacken, wie die Negres blancs, doch schei-
nen sie des Lichts besser als andre Thiere der Art,
gewohnt zu seyn.

Die langhaarigen Angorischen (§. 15. Anm. 2.)
oder so genannten englischen Seidenhasen kommen
auch hier zu Lande sehr gut fort.

[Seite 81]

21. Cavia. Halbkanichen. Auriculae ro-
tundatae, paruae. cauda nulla aut bre-
uis. Dentes primores utrinque
2; laniarii
nulli
.

1. Porcellus. das Meerschweinchen. (Fr. le cochon d' Inde.
Engl. the Guinea-pig.) C. ecaudata, corpore varie-
gato
. *

Schreber tab. CLXXIII.

Ursprünglich in Brasilien etc. kommt aber auch in
Europa sehr leicht fort, variirt in der Farbe, und ist
überaus fruchtbar.

2. Aguti. (Piculi.) das Ferkelkaninchen. C. caudata,
corpore ex rufo fusco, abdomine flauescente
. *

Schreber tab. CLXXII.

Ebenfalls in Brasilien, Westindien etc. größer als ein
Kaninchen. War beynahe das einzige Landthier, dessen,
sich die nunmehr fast ganz ausgestorbenen Caraiben zur
Nahrung bedienten.

D) Mustelina.

22. Mustela. Dentes primores superio-
res 6. erecti, acutiores, distincti; inferio-
res
6, obtusiores, conferti; duo interio-
res. Lingua laeuis.

Die Gattungen dieses Geschlechts haben kurze Füße,
und einen lang gestreckten Körper, den sie im Gehen
bogenförmig krümmen. Sie find sehr flink, beissig und
blutdürstig.

1. †. Martes. der Baummarder, Edelmarder, Tan-
nenmarder, Wildmarder, Feldmarder. (Fr. la marte.
[Seite 82] Engl. the pine-martin.) M. corpore fuluo nigricante,
gula flaua. *

Schreber tab. CXXX.

In den Wäldern, zumahl im Schwarzholz der gan-
zen nordlichen Erde. Hat eine rothgelbe feuerfarbne
Kehle. Lebt vorzüglich von Eichhörnchen u.a. dergl.
kleinen Säugethieren. Sein schönes Fell kommt dem
Zobel am nächsten.

2. †. Foina. Der Hausmarder, Steinmarder. (Fr. la
fonine
. Engl. the martin.) M. corpore fuluo-nigri-
cante, gula alba
. *

Schreiber tab. CXXIX.

Im Mittlern und wärmern Europa und dem benach-
barten Asien. Seine Kehle ist weiß. Lebt vorzüglich vom
Federvieh.

3. †. Putorius. der Iltis, Ilk, Stänkerratz. (Fr. le
putois
. Engl. the sitchet, polcat.) M. flauonigricans,
ore et auricularum apicibus albis
. *

Schreber tab. CXXXI.

Hat einerley Vaterland mit dem Hausmarder. Stellt
besonders den Hühnern und ihren Eyern, auch den Fi-
schen nach. Das ganze Thier, und selbst sein abge-
zogenes Fell, geben einen sehr widrigen Geruch
von sich.

4. Zibellina. der Zobel. (Fr. la zibeline. Engl. the sable.)
M. corpore fuluo nigricante, facie et gula cinereis.

Schreber tab. CXXXVI.

In dichten einsamen Wäldern der nordlichen Erde,
zumahl in Sibirien, wo sein Fang vom November
bis in den Hornung dauert. Die schönsten mit recht
[Seite 83] schwarzbraunen, dickhaarigen und glänzenden Fell fin-
den sich um Jakuzk.

5. Furo. das Frettel. (Fr. le furet. Engl. the ferret.)
M. corpore pallide flauo
. *

Schreber tab. CXXXIII.

Ursprünglich in der Barbaren etc. Von da hat man
es nach Spanien gebracht, um die Kaninchen zu ver-
tilgen, und nun hat sichs schon weiter in Europa ver-
breitet. Es hat auch den widrigen Geruch des Iltis.

6. erminea. das große Wiesel, Hermelin. (Fr. le re-
selet, l'hermine
. Engl. the stoat, the ermine.) M. cau-
dae apice nigro.
*

Schreber tab. CXXXVII. A. CXXXVII. B.

In der nordlichen Erde, vorzüglich in Sibirien.
Größer als das gemeine Wiesel. Aendert aber eben
so wie dieses die Farbe, so daß es im Sommer bräun-
lich, im Winter aber (als Hermelin) weil ist.

7. † vulgaris. das gemeine Wiesel. (Fr. la belette.
Engl. the weesel.) M. corpore ex rufo fusco subtus
albo
. *

Schreber tab. CXXXVIII.

Im Norden von Europa und Asien. Ein kleines aber
muthiges Thier, über welches kaum eine Katze Herr
wird. Kann auch große Hasen bewältigen. Stellt aber
zumahl den Eyern des Hausgeflügels und der wilden
Hühner nach. Die Mutter trägt ihre Junge oft im
Maule umher (daher die alte Sage, als ob sie diesel-
ben durch diesen Weg zur Welt brächte).

[Seite 84]

23. Viverra. Caput vulpinum. Cauda
plerisque felina. Dentes primores vtrin-
que
6. intermediis breuioribus. Lingua
plerisque retrorsum aculeata. Ungues
exserti
.

1. Zibetha. die Zibethkatze hyaena odorifera. (Fr. la ci-
vette
. Engl. the civet.) V. cauda annulata, dorso ci-
nereo nigroque vndatim striato
. *

Schreber tab. CXII.

Im südlichen Asien und nordlichen Africa. Bey
beiden Geschlechtern sammelt sich in einer besondern
Höhle, die zwischen dem After und den Zeugungsglie-
dern liegt, das Zibet, eine schmierige, stark riechende
Substanz.

2. Genetta. die Genettkatze. (Fr. la genette. Engl. the
genet
.) V. cauda annulata, corpore fuluo-nigricante
maculato
. *

Schreber tab. CXIII.

In der Levante. Wird vorzüglich seines schönen
Felles wegen geschätzt.

3. Putorius. daß Stinkthier, Coneparl. (Engl. the
polcat
.) V. lineis quinque dorsalibus parallelis albis
.

Schreber tab. CXXII.

In Virginien, Canada etc. hat seinen Nahmen von
dem über alle Beschreibung unerträglichen Gestank,
den es, so wie mehrere verwandte Gattungen seines
Geschlechts, im Zorne von sich gibt, und der bey ihm
von einem besondern unter der Harnblase befindlichen
Safte herrühren soll.

[Seite 85]

4. Ichneumon. die Pharaonsmaus, der Mungo. (Büf-
fon's mangouste.) V. caudae basi incrassata sensim at-
tenuata, pollicibus remotiusculis
. *

Schreber tab. CXV. B. CXVI. A. CXVI. B.

In Ostindien etc. vorzüglich aber in Aegypten, wo es
zumahl nach der Ueberschwemmung des Nils eine Men-
ge Schlangen, Frösche, Mäuse und dergl. verzehrt, auch
den Crocodileyern nachstellt, die es mit viel Verschla-
genheit aus dem Sande scharrt. Man glaubt, wenn
es von der Brillenschlange gebissen worden, so brauche
es Schlangenwurzel (Ophiorhiza mungos) zum Ge-
gengift.

5. aurita. das Großohr, Fennec, (Büffon's animal
anonyme
.) V. auriculis amplissimis
.

Bruce's Reisen nach den Quellen des Nils, im
Anhang. tab. XXII.

In der Barbarey, Nubien etc. Die ungeheuern Oh-
ren geben dem artigen kleinen Thier ein ganz auffallen-
des Ansehen. Es nistet auf den Palmen, und lebt vor-
züglich von Datteln.

24. Meles. caput vrsinum. corpus toro-
sum. cauda abbreuiata. vngulae pleris-
que fossoriae. dentes primores vtrimque
6.
intermediis breuioribus.

1. gulo. der Vielfraß, Rosomack. (Fr. le glouton. Engl.
the glutton.) M. corpore rufofusco, medio dorsi nigro.

Schreber tab. CXLIV.

In der nördlichen alten Welt, besonders in den
großen Wäldern von Sibirien. Seine Freßgierde hat
[Seite 86] zu allerhand Fabeln Anlaß gegeben. Er ist so stark
daß er selbst Rehnthiere überwältigen kann. Sein Fell
gibt ein kostbares Pelzwerk.

2. Mellinorus. der Honig-Dachs, Rattel. M. dorso
cinereo, fascia laterali nigra, abdomine nigro
.

Sparrmann in den Schwed. Abhandl. 1777.
tab. IV. fig. 3.

Am Cap. lebt vom Honig und Wachs der wilden
Bienen, die in die Höhlen der Stachelschweine, Erd-
hasen, Kaninchen, Schakale etc. nisten. Bey Sonnen-
untergang gibt er auf den Flug der heim eilenden Bie-
nen acht, oder folgt auch wohl bloß der Anweisung des
Honigkuckucks. Hat ein zottiges Fell, und darunter
eine ungemein starke Haut, die ganz locker und gleich-
sam wie ein Sack über das Fleisch des Thieres herum
hängt, wodurch es dann so wohl vor den Bienenstichen
als vor den Bissen der Hunde gesichert ist.

3. †. Taxus. der Dachs. (Fr. le blaireau. Engl. the
badger
.) M. cauda concolore, abdomine nigro
. *

Schreber tab. CXLII.

In Europa und Asien bis gen Schina. Lebt von klei-
nen Thieren, Rüben u.a. Wurzeln, Eichelmast etc.
Baut unter der Erde einen tiefen Kessel, zu welchem
verschiedne Röhren oder Gänge führen. Verschläft den
größten Theil seines Lebens, und hält besonders langen
und festen Winterschlaf, wobey er seine Schnauze in
den Fettbeutel am Hinterleibe steckt.

4. Lotor. der Rackun, Coati. (Büffon's Raton, Lin-
né's ursus lotor.) M. cauda annulata, fascia per oculos
transuersali nigra
. *

[Seite 87]

Mém. de l'ac. de Berlin. 1756. tab. XII.

Im wärmern Nordostlichen America etc. Frißt man-
cherley. Vorzüglich gern Fische und Eyer. Wäscht alles,
was er habhaft werden kann, im Wasser. Bedient sich
der Vorderpfoten sehr geschickt zum Fassen etc. Wird
äußerst kirre. Aehnelt von manchen Seiten den Bären.


VII. FERAE.

Die größern reissenden Thiere, die andre
Säugethiere, und manche Gattungen derselben
selbst Menschen anfallen.

25. Vrsus. Dentes primores superiores 6,
intus excauati alterni, inferiores 6. late-
rales
2. longiores lobati; laniarii prima-
rii solitarii, exserti. (minimi plures inter
hos et primos molares
) lingua laeuis, cauda
abrupta
.

1. †. Arctos der Bär. (Fr. l'ours. Engl. the bear.)
V. fusco nigricans, collo breui. *

Schreber tab. CXXXIX. CXL.

In den großen Wäldern, und in den Alpgegenden
der nordlichen Erde, doch auch in Ost-Indien. In der
Jugend nährt er sich fast bloß von Gewächsen; nach
dem dritten Jahre aber mehr vom Fleisch; sein größter
Leckerbissen aber ist Honig. Zum Gefechte stellt er sich
auf die Hinterfüße, drückt und schlägt seinen Feind
mit den Vordertatzen, und bedient sich dabey des Ge-
bisses seltner als andere reissende Thiere. Er ist im
[Seite 88] Stande ganze Pferde fortzuschleppen und mit seinen
scharfen Krallen das Fleisch bis auf die Knochen durch-
zuhauen. Den Winter bringt er mit weniger, und
theils gar ohne Nahrung zu, und dennoch soll die
Mutter dabey ihre Junge säugen.*) Da sein Gerippe,
den Kopf und das Brustbein ausgenommen, viel ähn-
liches mit dem menschlichen hat, so lernt er leicht auf-
recht stehen und andre ähnliche Kunststücke machen.

Zu den vorzüglichen Spielarten unter den Bären
gehören: die großen schwarzen Ameisenbären; die klei-
nen hellbraunen Honigbären; und die noch kleinern
weißlichen Silberbären.

2. Maritimus. der Eisbär, Polarbär. U. albus, collo
et rostro elongatis
.

Schreber tab. CXLI.

Cptn. Cook's voyage to the northern hemisphere.
vol
. III. tab. LXXIII.

Der Polarbär darf ja nicht mit der weissen Spielart
des gemeinen Bären verwechselt werden. Er wird viel
größer, bey zwölf Fuß lang, hat eine ganz andre
Stimme, schlankere Glieder, weisses, langzottiges, wei-
ches Haar, hält sich in der nördlichsten Erde beym
Treib-Eis und an den Küsten auf, schwimmt und taucht
sehr geschickt, nährt sich von Fischen, Vögeln und de-
ren Eyern, von todten Seehunden und Wallfischen,
gräbt Leichen ans und geht Menschen an, wie unter
andern Heemskerks Gefehrten A. 1596. auf Neu-
Zembla u.a. erfahren habn. Seine Leber scheint giftig
zu seyn.

[Seite 89]

26. Canis. Dentes primores superiores 6.
laterales longiores distantes, intermedii
lobati; inferiores
6. lobati omnes; lania-
rii
solitarii, incuruati
.

1. Familiaris. der Hund. (Fr. le chien. Engl. the dog.)
C. cauda recuruata; subinde digito spurio ad pedes
posticos
. *

Mehrere Gründe machen es wahrscheinlich, daß diese
von so vielen Seiten so sehr vorzüglichen Thiere wohl
in einem sehr großen Theil der Erde ursprünglich zu
Hause gehören, da selbst in Süd-America*) eine Race
derselben schon vor Ankunft der Spanier einheimisch
gewesen zu seyn scheint.

Und eben so scheint es auch, daß man wohl sicher
mehr als eine ursprüngliche Stamm-Race von Hunden
annehmen muß, da der Bullenbeisser, der Dachshund,
das Windspiel etc. einen so ausgezeichneten und zu be-
stimmten Absichten und Gebrauch abzweckenden Körper-
bau haben, daß man sie wohl schwerlich für bloß aus-
geartete Varietäten einer und eben derselben Stamm-
race halten darf. Doch läßt sich jetzt wohl schwerlich
bestimmen, was unter den nachstehenden Spielarten
von Hunden ursprüngliche oder bloß durch Ausartung
entstandne Racen seyn mögen.

a) fricator. der Mops. (Fr. le doguin. Engl. pug-
dog
) mit untersetztem, kurzen Leib, rundem Kopf,
ganz stumpfer Schnautze, hängenden Ohren, und
glattem Haar.

[Seite 90]

b) molossus, mastiuus. der Bärenbeisser, Bullen-
beisser. (Fr. le dogue. Engl. the bull-dog, the ma-
stiff
) groß, starkleibig, mit stumpfem Kopf, hän-
genden lappichten Oberlefzen, und glattem Haar.
Bellt dumpfig und kurz.

Ihm scheint der Metzgerhund (Fr. le matin.) nahe
verwandt.

c) Terrae novae. der Neufundländer ist meines Wis-
sens bloß auf Neufundland zu Hause. Zeichnet
sich durch seine ausnehmende Größe, langes sei-
denartiges Haar, langflockigen, meist in die Höhe
stehenden Schwanz, besonders aber durch die Art
von Schwimmhaut zwischen den Zehen aus, die
bey ihm ungleich größer ist als bey andern Hun-
den. Daher sein ausnehmendes Geschick zum
Schwimmen. Meist sind diese Hunde schwarz und
weiß; und über alle Vorstellung gelehrig.

d) sagax. der Jagdhund. (Fr. le chien-courant) mit
langem dicken Körper, eingefurchtem Hinterkopfe,
langen hängenden Ohren. Das Haar ist bald
schlicht, bald zottig.

Die Bracke, der Hühnerhund, und der Wachtel-
hund haben kürzere Ohren, auch einen kürzern
Schwanz.

Die Corsicanerhunde sind schön getigert, haben aber
übrigens die Bildung der glatten Hühnerhunde.

e) aquaticus. der Budel. (Fr. le barbet. Engl. the
water-dog
) mit stumpfem Kopf, dickem Leibe, und
wollichten Haar.

f) domesticus. der Haushund, Schäferhund. (Fr.
le chien de berger, Engl. the cur) mit aufrechten
[Seite 91] Ohren; der Schwanz ist auf der untern Seite lang
behaart.

Hierzu gehört auch der Isländische Hund, und der
Spitz oder Pommer. (Fr. le chien-loup.) So auch
der in Kamtschatka und übrigen Nordöstlichen
Asien, wo er allgemein zum Zug in Schlitten ge-
braucht wird.

Auch die auf den Inseln der Südsee einheimischen
Hunde, deren Fleisch die allgemeinste und belieb-
teste Speise der dasigen Einwohner ausmacht, schei-
nen zu dieser Race zu gehören.

g) meliteus. das Bologneserhündchen. (Fr. l'epag-
neul, le bichon
, Engl. the lap-dog, the shock) von
ungemein kleiner Statur, mit sehr langen zotti-
gen Haaren, zumahl im Gesichte.

h) vertagus. der Dachshund. (Fr. le basset, Engl.
the tumbler, the turnspit) mit langer Schnautze,
hangenden Ohren, lang gestrecktem Körper, kurzen
krummen Vorderfüßen.

i) graius. das Windspiel. (Fr. le levrier, Engl. the
grey-hound
) mit langem zugespitztem Kopf, hän-
genden Ohren, dicker Brust, schlankem Leib und
Füßen. Bald zottig, bald schlicht.

k) Aegyptius. der Aegyptische Hund. (Fr. le chien-
turc
, Engl. the Indian dog, the naked dog) ähnelt
dem Windspiel, hat aber nur im Gesichte Haare,
der übrige Körper ist schwarz und kahl, fast wie
Neger-Haut (s. S. 18. Anm. 2.)

Diese verschiednen Hauptracen paaren und vermischen
sich aber nicht nur unter einander, sondern auch mit
verwandten Gattungen dieses Geschlechts, z.B. mit
[Seite 92] Wölfen und Füchsen, mit welchen letztern sie sogar zu-
weilen fruchtbare Bastarde erzeugen.

2. †. Lupus. der Wolf. (Fr. le loup. Engl. the wolf.)
C. cauda incuruata
. *

Schreber tab. LXXXVIII.

Fast in der ganzen alten Welt, ist aber in einigen
Ländern, wie z.B. in Groß-Britannien und Irland
ausgerottet. In Ländern wo er sich zugleich mit dem
Bären findet, herrscht dieser doch mehr im Sommer;
der Wolf mehr im Winter. Er hat einen schleppenden
doch dabey schnellen und nicht leicht zu ermüdenden
Gang und große Stärke, zumahl im Nacken. Die
Wölfe gehen gesellschaftlich ungleich größre Thiere,
wilde Schweine und Bären an. Aus Hunger fressen sie
sogar Schilf und Erde; graben auch Leichen aus, und
da mag etwa ihre nächtliche Erscheinung auf Kirchhö-
fen etc. den Anlaß zu der alten Sage von Währwölfen
gegeben haben.

3. lycaon. der schwarze Fuchs. C. cauda recta, corpo-
re toto nigro
.

Schreber tab. LXXXIX.

Jo. Fr. Miller fasc. IV. tab. XIX. fig. 2.

Dieses wegen seines kostbaren Felles berühmte Thier
ist in der nordlichsten Erde zu Hause und hält so wohl
in der Statur als in der Bildung ungefähr das Mit-
tel zwischen Wolf und Fuchs.

Der so genannte Silberfuchs ist eine Spielart da-
von mit silberfarbnen Spitzen der Haare.

4. †. vulpes. der Fuchs, Birkfuchs. (Fr. le renard.
Engl. the fox.) C. cauda recta, apice albo. *

[Seite 93]

Schreber tab. XC.

In der nordlichen alten Welt. Er baut unter der
Erde, oder nimmt auch wohl von einer Dachshöhle
Besitz, thut dem Wildpret und dem Geflügel großen
Schaden, frißt aber auch Mäuse, Amphibien, Fische,
Wespen u.a. Insecten, Honig, Getreide, und beson-
ders gern Weintrauben.

5. alopex. der Brandfuchs. (Fr. le renard charbonier.)
C. cauda recta, apice nigro. *

Schreber tab. XCI.

Hat mit dem vorigen gleiches Vaterland und unter-
scheidet sich fast bloß durch die etwas kleinere Statur,
dunklere Farbe, und schwarze Schwanzspitze von dem-
selben.

6. lagopus. der Polarfuchs, Steinfuchs. (Isatis)
C. cauda recta, apice concolore, palmis plantisque
pilosissimis
.

Schreber tab. XCIII. A. XCIII. B.

In den Polarländern, zumahl auf Spitzbergen, Neu-
Zembla etc. wo sie meist mit dem Eis-Bär alterniren:
d.h. sie kommen daselbst erst im November zum Vor-
schein wenn nun die Sonne unsichtbar wird und zu-
gleich jene Bären sich verlieren. Ihr Fleisch ist schmack-
haft, wie das von Kaninchen: und ihr Fell bekanntlich
geschätzt.

Die mehresten sind weiß. Die so genannten blauen
Füchse hingegen bläulich-grau. Und der Kreuzfuchs
hat ein schwarzes Kreuz über Schultern und Rücken.

7. aureus. der Schnellwolf, Schakal, Thos. (Büffon's
Adive.) C. corpore fuluo, pedibus longioribus, cau-
dae apice nigro
.

[Seite 94]

Schreber tab. CXIV.

Güldenstaedt in Nov. Comm. Petrop. vol.
XX. tab. II.

Dieses berufene Thier ist in ganz Nordafrica und
Orient, vorzüglich häufig aber in Natolien und Benga-
len, zu Hause, zieht des Nachts scharenweise umher;
frißt Thiere, Lederwaren etc. gräbt Leichen aus, und
soll auch lebendige Kinder rauben*). Manche Natur-
forscher haben den Schakal für den ursprünglich wil-
den Hund, und manche Exegeten Simsons Füchse für
Schakale gehalten: oft ist dieses Thier auch mit der
Hyäne vermengt worden.

8. Hyaena. das Grabthier, der Abendwolf. C. villo-
sus, nigricans, facie nigra, iuba ceruicis dorsique
. *

Schreber tab. XCVI.

Jo. Fr. Miller Fasc. IV. tab. XIX. fig. 1.

Der Indianische Wolf, von J. El. Ridinger.

Die Hyäne (wovon es mehrere Spielarten gibt) hat
einerley Vaterland mit dem Schakal, dem sie auch in
der Lebensart ähnelt. In der unsäglichsten Menge fin-
det sie sich in Habessinien. Ein äußerst boshaftes,
unbändig zorniges Thier, von fürchterlichem Ansehen,
das sich sogar gegen den Löwen muthig vertheidigt.
Es baut unter die Erde oder nistet in Felsenhöhlen
und Klüfte, und wird vom gemeinen Volk in Ae-
gypten gegessen.

27. Felis. Vngues retractiles, caput ro-
tundius, lingua aspera. Dentes primores
6.
[Seite 95] acutiusculi, exterioribus majoribus. la-
niarii
solitarii, supra a primoribus, infra
a molaribus remoti
.

1. Leo. der Löwe. (Fr le lion. Engl. the lion)
F. cauda elongata floccosa corpore fuluo
. *

Schreber tab. XCVII. A. XCVII. B.

In den heissesten Zonen der alten Welt, vorzüglich
in den Sandwüsten des innern Africa; hat sich hinge-
gen von den Küsten (so wie die Bären und Luchse in
andern bewohnten Gegenden) mehr und mehr verloren.
Der männliche Löwe zeichnet sich durch die Mähne aus,
die aber erst im zweyten Lebensjahre ausbricht. Er
nährt sich, außer im größten Hunger, bloß von seiner
eignen Beute und zwar von größern Säugethieren;
schont hingegen (wie man wenigstens an eingesperrten
Löwen mehrmahlen gesehen) kleiner kraftloser Geschöpfe.
Er verträgt auch unser Clima recht gut; läßt sich aus-
nehmend zahm machen und selbst zum Zug und zur
Jagd andrer Thiere abrichten. Das Weibchen wirft
3 bis 4 Junge, von denen aber meist nur eins erwach-
sen und die andern am Zahnen sterben sollen. Das
Fleisch des Löwen ist eßbar und eine Horde Araber zwi-
schen Tunis und Algier lebt fast bloß davon.

2. Tigris. das Tigerthier. F. cauda elongata. capite,
corpore et cruribus nigro-virgatis
. *

Schreber tab. XCVIII.

the Tiger, von G. Stubbs, in schwarzer Kunst.

Bloß in Asien und vorzüglichst von Bengalen bis
Schina, auch auf Sumatra etc. Ein prächtiges, über-
aus regelmäßig schön gestreiftes, aber fürchterliches
[Seite 96] Thier. Es wüthet gegen seinen Gatten, und frißt im
Hunger seine Junge; es fällt ohne Unterschied Men-
schen und Löwen und andre Säugethiere an, muß aber
vor dem Elephanten erliegen. Auch ist die alte Sage
ungegründet, daß es durchaus nicht zu bändigen sey.

3. Leopardus. der Leopard. F. cauda subelongata, ma-
culis numerosis, minoribus, obtuse angulatis
. *

Schreber tab. CI.

In Africa. Zeigt in seiner Bildung sehr viel Ver-
wandtschaft mit den folgenden Gattungen, daher auch
aller ihre Nahmen gar oft mit einander vermengt und
verwechselt werden. Sein Fell ist über alle Beschrei-
bung schön, hat einen goldgelben Grund mit kleinen
schwarzen Flecken, die aber dichter und regelmäßiger als
beym Pantherthier, und meist drey bis vier nahe bey-
sammen stehn. Er gibt dem Tiger an Stärke und
Raubgierde wenig nach, ist aber leichter zu zähmen.

4. Pardus. das Pantherthier, der Parder. F. cauda
subelongata, maculis maioribus, irregularibus, pas-
sim confluentibus et annulatis
. *

Schreber tab. XCIX.

Ebenfalls ein africanisches Thier, das noch größer
wird als der Leopard, aber ihm und dem Tiger in der
Lebensart gleicht. Die Flecken seines Fells sind größer
als beym Leoparden, weniger regulär, hin und wieder
wie zusammen geflossen, bald in Hufeisenform, bald
geringelt u.s.w.

5. panthera. das kleine Pantherthier. (Büffon's once)
F. cauda elongata, corpore albido, maculis irregulari-
bus nigris
. *

[Seite 97]

Schreber tab. C.

In der Barbarey und Ostindien. Weit kleiner als
die vorigen Gattungen. Auch leicht zu zähmen, und
zur Jagd der Rehe, Gazellen etc. abzurichten, wozu
sie in Orient vorlängst, und in den mittlern Zeiten
auch in Italien und Frankreich gebraucht worden.

6. Onça. der Jaguar, Americanische Tiger. F. cauda
subelongata, corpore fusco lutescente, maculis an-
gularis, ocellatis, medio flauis
. *

Schreber tab. CII.

In Südamerica. Ebenfalls weit kleiner als die drey
vorletzten Thiere der alten Welt. Furchtsamer, auch
weit feiger, so daß er schon vor mäßig großen Hunden
flieht.

7. concolor. der americanische Löwe, Puma, Cuguar.
F. cauda mediocri, corpore immaculato fuluo.

Schreber tab. CIV.

Ein blutdürftiges Thier, das am häufigsten in Peru,
Brasilien etc. zu Hause ist und sich durch sein rothgel-
bes ungeflecktes Fell (weßhalb es mit dem Nahmen ei-
nes Löwen belegt worden) und kleinen Kopf auszeichnet.

8. †. Lynx. der Luchs. (Fr. le loup-cervier.) F. cauda
abbreuiata, apice atro, auriculis apice barbatis, cor-
pore maculato, plantis palmisque amplissimis
.

Schreber tab. CIX.

In großen dichten Wäldern der nordlichern Erde;
doch auch häufig im Neapolitanischen. Einzeln auch
zuweilen auf dem Thüringer Walde. Hält sich auf
Bäumen auf, und stürzt sich auf vorbey gehende größere
Säugethiere herab. Hat ein furchtbares Gebiß und
[Seite 98] thut den Wildbahnen größern Schaden als der
Wolf.

9. †. Catus. die Katze. (Fr. le chat. Engl. the cat.)
F. cauda elongata, striis dorsalibus longitudinalibus,
lateralibus spiralibus
. *

Schreber tab. CVII. CVII. A. CVII. B.

Fast in der ganzen alten Welt; ist aber erst von da
durch die Spanier nach America überbracht worden.
Die wilde ist größer, als die zahme, von grauer Farbe,
mit schwarzen Lefzen und Fußsohlen und nährt sich vom
Raube des Federwildprets, der Hasen, und selbst jun-
ger Rehe. Die Hauskatze hat noch nicht die schlaffen
Ohren und den hängenden Schwanz vieler andern un-
terjochten Thiere, auch begattet sie sich nur äußerst sel-
ten unter den Augen der Menschen, und verwildert
sehr leicht wieder wenn sie zufällig in Wildniß geräth.
Zu den Besonderheiten der Katzen gehört ihre starke
Electricität*): das Leuchten ihrer Augen im Finstern;
ihre seltsame Gierde auf gewisse Pflanzen, wie z.B.
auf die Nepeta cataria und aufs Teucrium marum etc.;
ihr Schnurren oder Spinnen, das durch ein Paar eigne
zarte gespannte Häutchen in ihrem Kehlkopf bewirkt
wird; die ängstliche unüberwindliche Antipathie vieler
Menschen gegen dieselben etc.

Außer den gemeinen Abänderungen in der Farbe,
sind die vorzüglichsten Spielarten dieses Thiers die
Angorische Katze mit dem langen seidenartigen Haar,
die gewöhnlich schwer hört; die bläulich-graue Car-
theuser- oder Cyperkatze; und die Spanische oder
Schildpattfärbige Katze (Tortoise shell-cat); unter
[Seite 99] welchen letztern man häufig weibliche Katzen von drey ganz
verschiednen Farben (z.B. schwarz, weiß und gelb) aber
noch nie einen dergleichen Kater gefunden haben soll.


VIII. SOLIDUNGULA.

Thiere mit Hufen. Ein einziges Geschlecht
von wenigen Gattungen.

28. Equus. pedes vngula indiuisa, cauda
setosa. Dentes primores superiores
6. ob-
tuse truncati; inferiores
6. prominentio-
res: laniarii solitarii utrinque remoti
.

1. †. Caballus. das Pferd. (Fr. le cheval. Engl. the
horse
.) E. cauda vndique setosa
. *

Ursprünglich wilde Pferde gibt es nicht mehr, aber
häufig und theils in großen Heerden verwilderte; so
z.B. in den Polnischen Wäldern, in den Schottischen
Hochländern, in der Tatarey, in America (wo sie auch
erst durch die Spanier hingebracht worden) und zwar
da in der unermeßlichsten Menge in Paraguay u.s.w.
Diese verwilderten Pferde sind meist klein, struppigt,
dickköpfig, häßlich und dabey ganz unbändig; da sich
hingegen die zahmen Pferde-Racen durch so vielseitige
Talente auszeichnen. Die Araber z.B. (zumahl die
von der Zucht der Annecy um Palmyra herum, und
vom Libanus bis gegen den Horeb etc.) durch ihre
äußerste Leichtigkeit und Dauerhaftigkeit. Die Persia-
ner und Barben durch ihren ausnehmend schönen Bau
u.s.w. Unter den Europäischen sind die Spanischen,
[Seite 100] (besonders die aus Andalusien), die Neapolitanischen
und Englischen die vorzüglichsten. Die letztern haben
besonders den Vorzug der Schnelligkeit, wodurch sie
sich hauptsächlich in den Wettrennen, einem auch schon
bey den Alten und noch jetzt bey den Tataren, Türken,
in Italien und anderwärts gebräuchlichen Zeitvertrieb,
auszeichnen*).

Ueberhaupt aber ist schwerlich ein andres Thier in
der Schöpfung von einer so mannigfaltigen und zu-
gleich so großen Brauchbarkeit für den Menschen als
das Pferd. Ganzer berittenen Nationen zu geschweigen,
wie z.B. die Cosacken, Tataren, Calmücken, die
Pferde-Tungusen, die Abiponer etc. so braucht man
auch bey den cultivirtesten Völkern nur sich an den
Werth dieses Thiers für Landwirthschaft, Cavallerie,
und Postwesen zu erinnern. Manche der gedachten be-
rittenen Völker leben auch großen Theils vom Fleisch
und Milch der Pferde. Die letztre gibt, wenn sie zu-
sammen geronnen, vollends aber wenn sie abgezogen
worden, das berauschende Kumiß der Mongolen.

2. †. Asinus. der Esel. (Fr. l'asne. Engl. the ass.) E.
cauda extremitate setosa, cruce dorsali nigra
. *

[Seite 101]

Der wilde Esel von welchem das zahme Hausthier
abstammt, ist der wahre onager der Alten; und findet
sich jetzt zumahl in der Tatarey, unter dem Nahmen
Kulan*), von da er jährlich im Herbst in unzähligen
Heerden südlich gegen Indien und Persien zieht und da-
selbst überwintert. Er ist größer und schlanker als der
zahme Esel, und von außerordentlicher Schnellig-
keit.**)

Auch der zahme Esel hat eine Menge empfehlender
Eigenschaften, wodurch er bey den Alten***) und noch
jetzt im Morgenland und im südlichen Europa wichtig
und geschätzt wird. Er geht sanfter und sicherer als
das Pferd, begnügt sich mit schlechtem Unkraut zum
Futter, ist wenigen Krankheiten unterworfen, und
wird gegen 30 Jahr alt. Daß er in die südliche Erde
zu Hause gehöre, wird durch die Homonymie seines
Nahmens in den nordlichen Sprachen erweislich. Sonst
hatte Aegypten****) die besten Esel; jetzt finden sich
die schönsten und zur Maulthierzucht vorzüglichsten in
Spanien, wo die Ausfuhr der Zuchtesel bey Lebens-
[Seite 102] strafe verboten ist. Ins nordlichste Europa ist der Esel
bis jetzt noch gar nicht verpflanzt. Auch artet er wenig
aus. Höchstens etwa in der Farbe, da es z.B. weiße
Esel gibt.

* * *

Pferd und Esel lassen sich zusammen begatten, und
geben zweyerley Bastarde, die von großer Dauerhaf-
tigkeit und Stärke, und zuweilen (aber sehr selten)
fruchtbar sind.

Eins ist das gemeine Maulthier (mulus, Fr. le mu-
let
*)) das vom männlichen Esel gezeugt, und von der
Stute geworfen wird.

Das andere ist der Maulesel (hinnus, Fr. le bar-
deau
**)) der vom Hengste gezeugt, und von der Ese-
lin geworfen ist.

Dieser letztere ist seltner, und hat Gelegenheit zur
Sage von den fabelhaften Jumarn oder vorgeblichen
Bastarden vom Pferd- und Ochsengeschlecht, gegeben.

3. Zebra. E. zonis fuscis et albidis, maxime regula-
ribus
. *

The Sebra or wild Ass. von G. Stubbs, mit le-
bendigen Farben. 1771.

Das Zebra (wovon es zwey ganz verschiedne Gattun-
gen gibt, deren eine man fälschlich für die Weibchen
der andern gehalten hat) ist im südlichen Africa zu
Hause, und in Rücksicht der äußerst regelmäßigen Strei-
fen seines Fells eins der schönsten Säugethiere. Es
lebt heerdenweis, ist ungemein schnell, aber wild und
[Seite 103] unbändig, und daher nur sehr selten und mit großer
Mühe zum Zug oder zum Reiten abzurichten.*)


IX. BISULCA.

Die Thiere mit gespaltnen Klauen, unter
welchen sich die wichtigsten Hausthiere finden.

29. Camelus. Cornua nulla. labium le-
porinum. pedes subbisulci.
**) Dentes pri-
mores
inferiores
6. spathiformes; laniarii
distantes, superiores
3, inferiores 2.

1. Dromedarius. das gemeine Camel. (Fr. le droma-
daire
***).) C. topho dorsi vnico. *

Buffon vol. XI. tab. IX.

Das Camel findet sich noch hin und wieder in Asien,
zumahl in den Wüsteneyen zwischen Schina und In-
dien, wild, ist aber für den ganzen Orient und für das
nordliche und mittlere Africa das wichtigste Hausthier.
[Seite 104] Auch in Europa hat man es fortzubringen versucht,
wo z.B. das Camelgestüte zu Pisa recht gut einschlägt;
besser als auf Jamaica. Es kann zehn und meh-
rere*) Centner tragen, und in einem sanften Trabe
zwölf Meilen in einem Tage zurücklegen. Es kann
lange hungern, und frißt wie der Esel unnützes Futter,
nähmlich dornichtes Buschwerk, was in den Wüsten in
Menge wächst, für kein anderes Säugethier zur Nah-
rung taugt, und nur dem Camele, das deßhalb mit
knorpelartigen Lippen und Zahnfleisch versehen ist, ge-
nießbar wird. Auch den Durst kann dieses Thier, wie
man versichert, mehrere Wochen lang erdulden, säuft
aber dafür ungeheuer viel auf ein Mahl, da sich dieses
Wasser lange Zeit in seinem Magen ziemlich unverän-
dert erhält. Beide, sowohl diese, als die folgende
Gattung haben eine große Schwiele vorn an der Brust,
vier kleine an den Vorderfüßen, und zwey dergleichen
an den Hinterfüßen, die ihnen zum Aufstemmen die-
nen, wenn sie müde sind, und sich niederlegen.

2. Bactrianus. das Trampelthier. (Fr. le chameau.
Engl. the camel.) C. tophis dorsi duobus. *

Buffon vol. XI. tab. XXII.

Dieses Camel mit zwey Buckeln findet sich mehr im
mittlern Asien, bis gen Schina, zumahl in ganzen
großen Heerden in Beßarabien etc. und wird nicht so
häufig, wie die vorige Gattung, zum Lasttragen, son-
dern seines sehr schnellen Trabes und natürlichen Sat-
tels wegen, mehr zum Reiten und bey den Tatarn
vorzüglich zum Zug gebraucht.

[Seite 105]

3. Llacma. die Camelziege, Guanaco. C. dorso
laeui, topho pectorali
.

Buffon, supplement. vol. VI. tab. XXVII.

Beide, dieses und das folgende Thier, sind dem
südlichen America, besonders Quito und dem gebir-
gigten Peru eigen. Sie ähneln den Camelen der
alten Welt in ihrer Lebensart, nur sind sie weit klei-
ner, und haben in der Bildung viel von der Ziege.
Die Llacma war nebst dem ihm verwandten Pacos
das einzige Geschöpf das die Americaner schon vor
Ankunft der Spanier als Hausthier hielten. Es trägt
bey seiner mäßigen Größe doch bis auf anderthalb
Centner, und wird vorzüglich und in ganzen Carava-
nen zum Transport der Silber-Barren aus den Berg-
werken von Potosi gebraucht. Doch machts nur kurze
Tagereisen von wenigen Meilen, und wenn es ge-
waltsam fortgetrieben oder überladen wird, so legt
sichs auf der Stelle nieder und ist durch kein Mittel
wieder zum Aufstehen zu bringen, sondern muß ge-
schlachtet werden.

4. Vicuuna. das Schafcamel. (Fr. la vigogne.) C. to-
phis nullis, corpore lanato
.

Buffon supplement vol. VI. tab. XXVIII.

Kleiner als die Llacma. Sie taugt aber nicht so
zum Lasttragen, läßt sich auch überhaupt nicht zäh-
men, sondern wird ihres rothbraunen Haares wegen,
das die bekannte Vicugna-Wolle gibt, in großen
äußerst beschwerlichen Monathe lang dauernden Treib-
jagden haufenweis gefangen. Auch der occidentalische
Bezoarstein kommt von diesem Thier.

[Seite 106]

30. Capra. Cornua caua rugosa scabra.
Dentes primores superiores nulli, inferio-
res
8; laniarii nulii.

1. †. Onis. das Schaf. (Fr. le brebis. Engl. the sheep.)
C. mento imberbi, cornibus compressis lunatis. *

Das Schaf findet sich nirgend mehr ursprünglich
wild; scheint auch nicht ein Mahl nur wieder verwildern
zu können: wird aber fast in der ganzen alten Welt
als eins der allernutzbarsten Hausthiere gehalten und
ist auch bald nach der Entdeckung von America dorthin
verpflanzt worden. Eine Folge dieser gänzlichen Un-
terjochung und dadurch eben so gänzlich umgeschaffe-
nen Lebensart des Thiers ist es aber auch wohl, daß
wenige andere Thiere so vielen Krankheiten unterwor-
fen und von so vielerley Ungeziefer geplagt sind.

Unter den verschiedenen Racen der Schafe sind vor
allen die Tibetanischen aus deren überaus zartem Ge-
spinste der Schaul verfertigt wird; die Spanischen
aus Segovien, und dann die Englischen ebenfalls we-
gen ihrer ausnehmenden Wolle; die Isländischen mit
vier, sechs oder acht Hörnern; und die Arabischen
mit dem großen und wohl 40 Pfund schweren Fett-
Schwanze, zu merken. Die zwischen den Wendezirkeln
haben mehrentheils statt der krausen Wolle schlichtes
Ziegenhaar; und die in Südafrica noch überdem lange
herab hängende Ohren.

2. Ammon. das Muffelthier, Argali, (musimon. Büf-
fon's mouflon.) C. cornibus arcuatis circumflexis
subtus planiusculis, palearibus laxis pilosis
.

Pallas spicileg. zoolog. fasc. XI. tab. I. II.

[Seite 107]

Hin und wieder in der alten Welt, z.B. auf Cor-
sica und Sardinien, in Griechenland, in der Barba-
rey; vorzüglich aber in Sibirien bis Kamtschatka und
auf den Kurilen. Das im nordlichen Asien ist ein
großes und dabey doch äußerst flinkes Thier mit mäch-
tig starken und schweren*) Hörnern. Es wird neuer-
lich von einigen Naturforschern für das ursprünglich
wilde Schaf gehalten.

3. †. Hircus. die Ziege. (Fr. la chevre. Engl. the goat.)
C. mento barbato, cornibus arcuatis, carinatis. *

Unsre Hausziege scheint von dem so genannten ae-
gagrus
einem wilden Thiere dieses Geschlechts abzu-
stammen, das in den wildesten Gegenden des Cauca-
sus und der daran grenzenden östlichen Gebirge lebt,
und in dessen Mägen zuweilen der orientalische Be-
zoarstein gefunden wird, daher das Thier selbst mit
dem Nahmen des Bezoarbocks belegt worden.**)

Die Hausziege hat mehr von ihrem ursprünglichen
Naturell beybehalten als das Schaf. Daher sie auch
leicht wieder verwildert.***) Sie ist nun meist eben
so weit als das Schaf auf der Erde verbreitet, und
frißt unter andern auch den, dem Menschen und an-
dern Thieren giftigen Schierling.

[Seite 108]

Sonderbar ist daß man bey dieser Thiergattung un-
gleich häufiger als bey andern Säugethieren Beyspiele
von Männchen gefunden hat, die Milch aus den Zi-
tzen gegeben.

Die Angorische Ziege oder das Kämmelthier hat
einen kürzern Leib und längere Beine als die gemeine;
und ihr langes seidenartiges Haar gibt das beste so
genannte Camelgarn, das dem von den Haaren des
wahren Camels bey weiten vorzuziehen ist.

4. †. Ibex. der Steinbock. (Fr. le bouquetin. Engl. the
wild goat
.) C. mento barbato, cornibus lunatis ma-
ximis, supra nodosis, in dorsum reclinatis
.

Conr. Gesner l. c. pag. 1099.

In den höchsten Schneegebirgen von Tyrol und Sa-
voyen so wie auf Candia und in den Sibirischen Al-
pen. Bewohnt bloß die steilsten und für Menschen
fast unzugänglichen Felsen; wird größer als unsere
Ziege, und kann doch mit großer Leichtigkeit schroffe
Felsenwände hinausetzen, und über tiefe Abgründe von
einer Klippe zur andern springen. Das Gehörn eines
bejahrten Steinbocks wiegt wohl zwanzig Pfund, und
hat meist eben so viel knorrichte Ringe auf jeder
Seite.

31. Antilope. Cornua caua, teretia, an-
nulata, vel spiralia. Dentes ut in capris
.

1. †. Rupicapra. die Gemse (Fr. le chamois.) A. cor-
nibus erectis vncinatis
. *

Schreber tab. CCLXXIX.

In Europa hat sie ungefähr einerley Vaterland mit
dem Steinbock, doch hält sie sich mehr in den etwas
[Seite 109] niedrigern Berggegenden auf. Zahm gemachte Gemsen
sollen sich mit den Ziegen gepaart und Bastarde erzeugt
haben. Das Fleisch der Gemsen ist ein schmackhaftes
Wildpret und ihr Fell zugleich geschmeidig und überaus
fest. Von den unverdaulichen Zasern ihres Futters
bilden sich in ihren Mägen runde Kugeln (aegagropilae),
denen man vor Zeiten seltsame Heilkräfte andichtete.

2. Dorcas. die Gazelle. C. cornibus teretibus annula-
tis, medio flexis, apicibus laeuibus approximatis
.

Schreber tab. CCLXIX.

Ein schönes, kleines, schlankes Thierchen, mit mun-
tern schwarzen Augen, das im ganzen Orient und Nord-
africa zu Hause ist. Es wird oft im hohen Lied er-
wähnt, und ist noch jetzt in der Orientalischen Dichter-
sprache das gewöhnliche Bild, womit schöne Mädchen
verglichen werden.

3. Gnu. das Gnu-Thier. A. cornibus antrorsum di-
rectis, apicibus reflexis: mento barbato: iuba cerui-
cali et pectorali.

Buffon, supplement. vol. VI. tab. VIII. IX.

Sparrmanns Reise tab. X.

In öden Gegenden vom Cap landeinwärts. Fast
von der Größe eines Pferdes: und von einer auffallen-
den Bildung die meist völlig das Mittel zwischen dem
Antilopen- und Ochsen-Geschlecht hält, zu welchem letz-
tern es daher auch die Hrn. Forster rechnen und es
bos poephagus nennen.

32. Bos. Cornua concaua, lunata, laeuia.
Dentes ut in generibus praecedentibus
.

[Seite 110]

1. †. Taurus. der Ochse. (Fr. le boeuf. Engl. the ox.)
B. cornibus teretibus extrorsum curuatis, palearibus
laxis
. *

Das Rindvieh stammt vom Auerochsen ab, (vrus,
bonasus
, und Bison der alten Welt; denn diese dreyer-
ley Nahmen scheinen sämmtlich die Stammrace un-
sers Hornviehs zu bezeichnen), der in Pohlen, Lithauen,
Sibirien, gefunden wird (und ehedem auch in Deutsch-
land war.) Die zahmen Ochsen arten auch in Bil-
dung und Größe nicht so merklich als die übrigen Haus-
thiere aus, und selbst ihre Farbe ist, wenigstens in
verschiedenen Gegenden, ziemlich beständig. Viele tau-
send Menschen, zumahl in der Schweiz etc. (auch in
manchen Gegenden von Süd-America z.B. auf Terra-
ferma, wo sich das Rindvieh bey den immer grünen
Weiden zum Erstaunen vermehrt) genießen den größten
Theil ihres Lebens hindurch, keine andern Nahrungs-
mittel, als die ihnen ihre Kühe geben, und der ganze
Wohlstand vieler großen Provinzen hängt lediglich von
dieser einzigen Art Viehzucht, und der mannigfaltigen
Milchproducte, ab. In den Mägen dieser Thiere fin-
den sich zuweilen Ballen, die aber weder steinartig wie
die Bezoare, noch von vegetabilischer Substanz wie die
Gemskugeln, sondern bloß aus Haaren zusammen ge-
backen sind, die sie sich abgeleckt und eingeschluckt ha-
ben. Die Viehseuche ist eine ihnen eigene, aber fürch-
terliche pestartige Krankheit, die zwar schon den Alten
bekannt war, aber doch erst seit 1711. da sie sich von
Ungarn aus durch Italien über ganz Europa verbrei-
tete, allgemeiner grassirt hat.

[Seite 111]

Merkwürdig ist, daß überhaupt zwar unter den bi-
fulcis
öfter als unter andern Ordnungen der Säuge-
thiere, besonders aber doch unter den Schafen und am
häufigsten unter dem Rindvieh, Lämmer und Kälber
mit Zwitterartiger Mißgestaltung der Zeugungstheile
geworfen werden. Am öftersten soll sich dieser mon-
ströse Bau bey Zwillingskälbern finden.

2. Bison. der Buckelochse. B. cornibus diuaricatis,
iuba longissima, dorso gibboso
.

Buffon supplem. vol. III. tab. V.

Das größte Landthier der neuen Welt; findet sich im
gemäßigtern Nord-America, wo es heerdenweise in
sumpfichten Wäldern lebt. Im Winter ist es über den
ganzen Körper behaart im Frühjahr hingegen wird es
am Rücken und Hinterleibe kahl, und behält bloß seine
ungeheure Brust- und Nacken-Mähne. Sein Fleisch
ist schmackhafter als das vom gemeinen Ochsen.

3. Buffelus. der Büffel. (Engl. the buffalo.) B. cor-
nibus resupinatis intortis antice planis
. *

Buffon vol. XI. tab. XXV.

Stammt wohl ursprünglich aus Tibet, ist nun aber
nach und nach durch den größten Theil von Asien und
Nordafrica verbreitet, und wird auch hin und wieder
in Europa, wie z.B. seit dem siebenten Jahrhundert
in Italien, in Ungarn, und auch im Salzburgi-
schen gezogen und zum Zuge gebraucht. Zwey Büffel
sind im Stande, eine Last zu ziehen, die sechs Pferde
kaum zu bewegen im Stande seyn würden; sie sind aber
unfläthig, schwer zu bändigen etc. und man muß ihnen,
wie den Tanzbären, Ringe an die Nase legen, und sie
[Seite 112] damit regieren. Sie haben ein schwarzes dünn behaar-
tes Fell, das ausnehmend stark und vorzüglich zu
Schläuchen tauglich ist. Ihre Milch und die daraus
gemachten Käse und Butter und selbst ihr Fleisch ist
ungleich schmackhafter als vom gemeinen Hornvieh.

4. Grunniens. der Büffel mit dem Pferdeschweif. Zie-
genochse. B. cornibus teretibus, introrsum curuatis,
vellere propendente, cauda vndique iubata
.

Pallas in Act. acad. Petropolit. T. I. P. II.
tab. X.

Ebenfalls in Tibet zu Hause, wird aber auch in In-
dien etc. als Hausthier gehalten. Kleiner als unser
Hornvieh, zeichnet sich auch außerdem durch seine grun-
zende Stimme, durch sein zottiges Ziegenhaar, und
durch einen büschlichten sehr langhaarigen Schwanz
aus, der, wenn er schön ist, in Indien äußerst hoch
geschätzt und aufs theuerste bezahlt wird.

5. Moschatus. der Bisamstier. (Fr. le boeuf musqué.
Engl. the musk-ox) B. cornua deflexa, basibus la-
tissimis complanatis ad frontem contiguis; apicibus
reflexis
.

Pennant's arctic zoology. T. I. tab. VII.

Dieses Thier, das sich schon durch die ganz eigne
Bildung seiner Hörner (wovon ein Paar zuweilen über
1/2 Centner wiegen soll) auszeichnet, wird vor allen durch
sein Vaterland äußerst merkwürdig, das bloß aufs
äußerste Nordamerica im Westen der Hudsonsbay vom
66 bis 73° der Breite eingeschränkt ist.

[Seite 113]

33. Giraffa. cornua simplicissima pelle
tecta, fasciculo pilorum nigro terminata.
Dentes primores superiores nulli; infe-
riores
8. spatulati, extimo bilobo; lania-
rii
nulli.

1. Camelopardalis. die Giraffe.

Schreber tab. CCLV.

Cptn. Carteret, in den philos. Transact. Vol.
LX. tab. 1.

Im innern Africa. Sie hat, wegen ihres langen Hal-
ses, kurzen Körpers, abhängigen Rückens, und wegen
ihres röthlichen, schön gefleckten Fells, ein sehr aus-
zeichnendes Ansehn. Sie soll im Schreiten, wie die
Paßgänger, immer den Vorder- und Hinterfuß der ei-
nen Seite zugleich heben, und daher einen sonderbaren
Gang haben, von dem die Bewegung des Springers
im Schachspiel entlehnt worden. Sie ist, wenn sie
aufrecht steht, sechzehn Fuß hoch, und nährt sich vom
Laub der Bäume, das sie mit ihrer zwey Fuß langen
aalförmigen Zunge abreissen soll.

34. Cervus. Cornua solida multifida.
Dentes ut in generibus praecedentibus

(interdum tamen laniarii solitarii supe-
rius.
)

1. Alces. das Elennthier. (Fr. l'elan. Engl. the elk.)
C. cornibus planis acaulibus, palmatis. *

Schreber tab. CCXLVI.

In der ganzen nordlichen Erde, (wenn anders das
Nord-Americanische Elenn, Fr. l'orignal, Engl. the
[Seite 114] moose-deer
*) keine eigne Gattung ist.) erreicht beynahe
die Größe vom Pferd, wiegt wohl über 1200 und sein
Gehörn auf 56 Pfund, und kommt in seiner Lebensart
meistens mit dem Rehnthier überein. Es läßt sich auch
zähmen und herdenweise auf die Weide treiben. Das
Fleisch des Thiers ist schmackhaft, und sein Fell über-
aus fest. Die alten Sagen, daß das Elennthier oft
von Epilepsie befallen werde, und daß die Ringe und
Halsbänder von Elennsklauen wirksame Mittel gegen
diese u.a. Krankheiten wären etc. brauchen jetzt keiner
weitern Widerlegung.

2. †. Dama. der Damhirsch, Tannhirsch. (Fr. le
dain
. Engl. the fallow-deer.) Cornibus subramosis
compressis, summitate palmata
. *

Schreber tab. CCXLIX. A. B.

Im gemäßigtern Europa. Kleiner als der gemeine
Hirsch; variirt in der Farbe. Man hat braune, ge-
fleckte, und auch ganz weiße Damhirsche.

3. Tarandus. das Rehnthier. (rangifer. Fr. le renne.
Engl. the rein.) C. cornibus longis, simplicibus, te-
retibus, summitatibus subpalmatis, iuba gulari pen-
dula
. *

Schreber tab. CCXLVII. A. B. C.

In der ganzen nordlichen Erde. Theils, wie in
Kamtschatka in großen Heerden von 1000 u. m. Stück.
Hält sich den Sommer durch im Gebirge und Wald,
im Winter hingegen mehr in Ebnen und flachen Moos-
Heiden auf; kann aber in wärmern Gegenden nicht
[Seite 115] ausdauern. Die Lappländer, Koräken, Tungusen und
Samojeden wissens auf alle Weise zu benutzen. Sie
nähren sich von seinem Fleisch und Milch, kleiden sich
in sein Fell, und beziehen ihre Schlitten und Zelte da-
mit; brauchen es zum Lasttragen und zum Zug, ver-
fertigen allerhand Geräthe aus seinen Hörnern, Na-
deln aus seinen Knochen, Faden aus seinen Sehnen,
und Beutel und Flaschen aus seiner Harnblase. Das
Rehnthier lebt von dürrem Laub, und vorzüglich von
Rehnthier-Moos, das es unter dem Schnee hervor
scharrt.

4. †. Elaphus. der Hirsch. (Fr. le cerf. Engl. the stag.)
C. cornibus ramosis totis teretibus recuruatis apici-
bus multifidis
. *

Schreber tab. CCXLVIII. A. B. C. D. E.

Hat im Ganzen meist gleiches Vaterland mit dem
Elenn, nur unter mehr südlicher Breite. Er
schlägt sich im Frühjahr sein Geweihe ab, das sich
nachher wieder reproducirt, und ungefähr nach einem
Vierteljahre wieder völlig hart, ausgewachsen, und
noch größer und vielendiger als das abgeworfene ist.
Doch richtet sich die Zahl der Enden nicht genau nach
dem Alter des Thiers: nach dem achten Jahr ist sie
unbestimmt. Die größten natürlich-schönen Ge-
weihe sind von 18 bis 24 wahren Enden. Der
Hirsch wird ungefähr 30 Jahre oder etwas drüber
alt. Seine Brunst fällt in den September, und
dauert wohl sechs Wochen lang.

5. †. Capreolus. das Reh. (Fr. le chevreuil. Engl. the
roe.
) C. cornibus ramosis, teretibus, erectis, sum-
mitate bifida
. *

[Seite 116]

Schreber tab. CCLII. A. B.

In den gemäßigtern und wärmern Erdstrichen von
Europa und Asien. Das Rehbock wirft sein Geweihe,
(das öfter als bey andern Gattungen dieses Geschlechts
durch sonderbare Exostofen entstellt ist,) im Herbst
ab, und seine Brunst fällt in den December.

35. Moschus. Cornua nulla. Dentes
primores ut in praecedentibus generibus;
laniarii superiores solitarii exserti
.

1. Moschiferus. das Bisamthier. (Fr. le musc. Engl.
the musk.) M. folliculo vmbicilicali.

Schreber tab. CCXLII.

Buffon supplement. vol. VI. tab. XXIX.

Lebt einsam in den Schwarzwäldern und bergigen
Gegenden von Tibet und dem südlichen Sibirien. Ein
flinkes aber äußerst schüchternes wildes Thier. Das
Männchen hat in der Nabelgegend einen Beutel von
der Größe eines Hühnereys, worin sich der Bisam,
dieses wohlthätige Arzneymittel, sammelt.

2. Pygmaeus. das kleine Guineische Rehchen. M. su-
pra fusco-rufus, subtus albus, vngulis succenturia-
tis nullis
. *

Seba, thes. I. tab. XLV. fig. 1.

Das kleinste Thier dieser Ordnung. Es ist in Ost-
indien und auf Guinea zu Hause, hat den Wuchs
des Rehes, ist aber so zart, daß seine ganzen Beine
kaum einen Finger lang sind, und ungefähr die Dicke
eines Pfeifenstiels haben.

[Seite 117]

36. Sus. Rostrum truncatum, prominens,
mobile. Dentes primores superiores
4.
conuergentes, inferiores 6. prominentes
(plerisque); laniarii superiores 2. brevio-
res, inferiores
2. exserti.

1. †. Scrofa. das Schwein. (Fr. das wilde le sanglier,
das zahme le cochon. Engl. jenes the wild boar, dieses
the hog.) S. dorso setoso, cauda pilosa. *

Das wilde Schwein hat eine längere Schnautze und
überhaupt eine andre Form des Schädels, kürzere auf-
rechte Ohren, größere Fangzähne als das Hausschwein,
auch keinen Speck, und niemals Finnenwürmer, und
ist fast immer von schwarzgrauer Farbe. Es wird
durch seine Fänge furchtbar, womit es sich, wie man
in der Barbarey zuweilen bemerkt hat, selbst gegen
Löwen sattsam vertheidigen kann: doch hat man auch
Beyspiele, daß sich Frischlinge haben kirre machen las-
sen, und wenn sie schon erwachsen, ihren Herrn gefolgt
sind u.s.w. Es sind wenige Thiere so allgemein fast
über die ganze Erde verbreitet, als das Hausschwein,
und einige Völker ausgenommen, welche aus Reli-
gionsprincipien, die sich doch auf medicinische Ursa-
chen gründen, kein Schweinefleisch essen dürfen, wird
es seit den ältesten Zeiten, und fast unter allen Him-
melsstrichen verspeiset, hat auch vor den übrigen den
großen Vorzug, daß es durchs Räuchern und Einsalzen
sich so lange erhalten läßt. Das Schwein hat einen
ungemein scharfen Geruch, und ist beynahe ein animal
omnivorum
. Das Weibchen wirft unter allen Thie-
ren mit gespaltenen Klauen die mehresten Junge.

[Seite 118]

In America, wohin die Schweine aus Europa
übergebracht worden, sind sie theils verwildert. (Fr.
cochons marons.) Auf Cuba wurden sie mehr als noch
Ein Mahl so groß als ihre Europäische Stammältern;
auf Cubogua arteten sie in eine abentheuerliche Race
aus mit Klauen, die auf eine halbe Spanne lang
waren etc.

Die Schinesischen (Fr. cochons de Siam) haben kür-
zere Beine und einen ausgeschweiften Rücken ohne
Mähne.

In Schweden und Ungarn findet sich häufig eine
Spielart von Schweinen mit ungespaltenen Klauen,
die schon den Alten bekannt war, so wie man auch
welche mit drey Klauen gesehen hat. Und überhaupt
findet sich bey diesem Hausthier durch die einwirkenden
Ursachen der Degeneration fast noch mehr und auffal-
lendere Spielarten, als bey dem vollkommensten aller
Hausthiere, dem Menschen.

2. aethiopicus. das Emgalo. (Büffon's sanglier du cap
vert
.) S. sacculis mollibus sub oculis
.

Buffon, supplement, vol. III. tab. XI.

Im Innern von Süd-Africa. Auch auf Madagas-
car. Ein furchtbar wildes Thier von einer ganz wi-
derlichen Bildung, mit einem mächtig großen Kopf,
spannen-breiten Rüssel, großen warzichten Fleischlap-
pen unter den Augen etc.

3. Tajassu. das Nabelschwein, Bisamschwein, Pe-
cari. S. cauda nulla, folliculo moschifero ad coc-
cygem
. *

Buffon vol. X. tab. III. IV.

[Seite 119]

Herdenweise in den wärmsten Gegenden von Süd-
america. Ist viel reinlicher als unser Schwein, nährt
sich aber auch wie dieses von Wurzeln, kleinen Thie-
ren, und besonders von Schlangen. Sein Fleisch ist
eßbar und schmackhaft, doch wird das Thier höchstens
nur 60 Pfund schwer, und man muß ihm, sobald es
getödtet worden, den Rückenbeutel ausschneiden, weil
es sonst mit dem heftigen Bisamgeruch durchzogen
wird, und dann nicht zu genießen ist.

4. Babirussa.*) der Schweinhirsch, Hirscheber. S. den-
tibus laniaribus superioribus maximis, arcuatis
.

Buffon suppl. tab. III. tab. XII.

Auf den Moluckischen Inseln und hin und wieder
in Africa. Hat, wie schon sein Nahme anzeigt, in
seiner Bildung einige Aehnlichkeit mit dem Hirsch. Lebt
am Wasser, und kann sehr geschickt schwimmen und
untertauchen. Es hält schwer, zu bestimmen, wozu
ihm die fast zirkelförmigen großen Eckzähne des Ober-
kiefers dienen mögen?


X. BELLVAE.

Große, dem Ansehn nach plumpe Thiere,
meist mit dicken Füßen, und starkem, aber dünn
behaartem Fell. Wenige Geschlechter, und je-
des nur von Einer oder ein Paar Gattungen.

[Seite 120]

37. Tapir. Habitus suillus. Dentes pri-
mores
utrinque
10; laniarii nulli. palmae
vngulis
4. plantae vngulis 3.

1. Suillus. der Tapir, Anta.

Buffon vol. XI. tab. XLIII. und supplement vol.
VI. tab. I.

Das größte Landthier in Süd-America, von der
Statur eines mittelmäßigen Ochsen. Kopf und Schen-
kel sind ungefähr wie beym Schwein; der Rüssel fast
wie am Elephanten, aber eine Spanne lang und ohne
die hakenförmige Spitze; doch sehr beweglich und zu
allerhand künstlichen Handlungen geschickt. Es ist ein
schüchternes Geschöpf, liegt am Tage in sumpfigen
Wäldern, und geht nur des Nachts seinen Geschäften
nach. Gewöhnlich setzt sichs auf die Hinterfüße wie
ein Hund. Geht gern ins Wasser, schwimmt sehr
gut etc.

38. Elephas. proboscis longissima, pre-
hensilis: dentes primores nulli; laniarii
superiores elongati
.

1. Maximus. der Elephant. *

Buffon, supplement vol. III. tab. LIX. vol. VI.
tab. II.

Das erstaunenswürdige Geschöpf findet sich im mitt-
lern Africa*) und im südlichen Asien, vorzüglich auf
[Seite 121] Ceilan, und ist das größte von allen Landthieren, das
wohl 15 Fuß hoch wird und im 20sten Jahr auf 7000
Pfund wiegt. Seine Haut ist harsch, voller Schram-
men, aber auf dem Rücken fast Daumens dick, und
bey alle dem selbst gegen Insectenstiche empfindlich;
gewöhnlich von grauer Farbe. Das Hauptorgan des
Elephanten ist sein Rüssel, der ihm zum Athemhohlen,
zum äußerst feinen Geruch, zum Brüllen, zum Was-
serschöpfen, sein Futter damit zu fassen und ins Maul
zu stecken, zum Gefechte, und zu tausend unbegreif-
lich künstlichen Verrichtungen, statt der Hände dient.
Er kann ihn drey Ellen lang ausstrecken, und bis zu
einer Elle wieder einziehen. Am Ende ist derselbe,
wie mit einem biegsamen Haken versehen, und hiermit
kann er Knoten aufknüpfen, Schnallen auflösen, meh-
rere Stücken Geld mit Einem Mahl aufheben, Schlüs-
sel an Thüren aufdrehen, kleine Blümchen abreissen
u.s.w. Seine Nahrung ist bloß vegetabilisch, und
besteht aus Laub der Bäume, aus Reis und andern
Gräsern. Er hält sich gern in sumpfigen Gegenden
und am Wasser auf, und schwimmt mit ungemeiner
Leichtigkeit selbst durch die schnellsten Ströme; bey
der Begattung soll er sich, wie die mehresten übrigen
Säugethiere bespringen. Das neugeworfne Junge soll
die Größe eines wilden Schweins haben; und saugt
mit dem Maule (nicht mit dem Rüssel wie viele ge-
meint haben). Ungefähr im dritten, vierten Jahre
kommen bey beiden Geschlechtern die zwey großen Eck-
zähne zum Ausbruch, die das Elfenbein geben, aber
doch in ihrer Textur von den Zähnen anderer Thiere
abweichen. Sie werden wohl 7 bis 8 Fuß lang und
[Seite 122] je älter desto stärker gebogen. Man hat einzelne solche
Zähne gesehen die auf 160 Pfund wogen. Das Alter
des Elephanten ist nicht genau zu bestimmen; wahr-
scheinlich erstreckt sichs doch über zwey hundert Jahre.
Man fängt die Elephanten auf verschiedne Weise,
theils in Gruben, meist aber in Treibjagden, auch
durch zahme abgerichtete, denen die wilden folgen,
und so von ihnen in besonders dazu eingerichtete Ställe
gelockt werden. In alten Zeiten bediente man sich der
Elephanten häufig im Krieg. Die Erfindung des
Schießpulvers hat sie zwar zu diesem Gebrauche min-
der tauglich gemacht, doch werden sie noch von den
Indianern auf Ceilan etc. dazu gebraucht und dabey
mit einem Getränk aus Opium berauscht. Am häu-
figsten nutzt man sie also jetzt zum Lasttragen, da sie
zum mindesten zwanzig Centner tragen, und die größ-
ten Transporte Berge hinauf zu wälzen, im Stande
sind. Ihr Gang ist schnell, einem kurzen Galopp gleich,
und dabey so sicher, daß sie auf ungebahnten Wegen
doch nicht straucheln. Ein anderer wichtiger Nutzen,
den man vom Elephanten zieht, ist das Elfenbein, das
man seit den Zeiten des Trojanischen Kriegs*) zu
Kunstwerken aller Art verwandt hat. Das Fleisch des
Thiers soll dem Rindfleische gleichen. Sein getrockne-
ter Mist wird auf Ceilan statt Kohlen gebrannt, und
auch von den Töpfern unter den Thon gemengt.

[Seite 123]

39. Rhinoceros. Cornu solidum, co-
nicum, naso insidens
.

1. vnicornis. das asiatische Nashorn. Rh. cornu vni-
co, dentibus primoribus vtrinque binis. inferioribus
conicis, superioribus sublobatis; laniariis nullis
.

B. S. Albini tab. musculorum corp. hum. tab.
IV. et. VIII.

Ein Blatt von J. E. Ridinger, 1748.

In Ostindien. Hat am Ende der Oberlippe einen
schnabelförmigen sehr beweglichen Haken, dessen es sich
zum Anfassen und Aufheben kleiner Dinge doch ganz
geschickt bedient. Im ganzen aber ist es ein ungelehri-
ges Geschöpf. Sein Fell ist gefaltet, harsch und runz-
lig. Das Horn sitzt bey ihm nicht wie andre Thier-
hörner am Knochen fest, sondern ist bloß mit der Haut
verwachsen. Daß es mit dem Elephanten im ewigen
Streit lebe, ist ein irriges Vorgeben; es flieht vor
ihm.

2. bicornis. das africanische Nashorn. Rh. cornibus
duobus. incisoribus et laniariis nullis
. *

Buffon, supplement vol. VI. tab. VI.

In Süd-Africa, am Cap etc. Das zweyte Horn ist
kleiner, und sitzt hinter dem erstern nach der Stirne
hinauf.

40. Hippopotamus. Dentes primores
superiores remoti, inferiores procumben-
tes; laniarii inferiores incuruati, oblique
truncati
.

1. Amphibius. das Nilpferd.

[Seite 124]

Buffon, supplement vol. III. tab. LXII. LXIII.
vol. VI tab. IV. V.

Häufig im südlichen Africa. Vor Zeiten auch im
Nil. Ein äußerst plumpes Thier, mit einem unförm-
lich großen Kopfe, ganz ungeheueren Rachen, dicken
Leibe, kurzen Beinen etc. Ein erwachsenes Nilpferd
wiegt wenigstens viertehalb tausend Pfund, und hat
beynahe die Größe vom Rhinocer. Es macht sein La-
ger in dickem Schilf, nährt sich von Vegetabilien und
Fischen. Das Fleisch des Thiers ist eßbar.


XI. PALMATA.

Die Säugethiere mit kurzen Schwimm-
füßen. Diese Ordnung zerfällt, nach der Bil-
dung der Füße und dem Aufenthalt der Thiere,
wieder in zwey Familien: a) mit deutlichen Ze-
hen an den Füßen, die nur durch eine Schwimm-
haut unter einander verbunden sind: b) mit
plumpen Füßen und undeutlichen Zehen, deren
Spur fast bloß durch die Krallen sichtbar wird.
Jene halten sich mehr in süßen Wassern, diese
in der See auf.

a) Lacustria.

41. Castor. Pedes tantum postici pal-
mati Dentes primores utrinque
2, infe-
riores scalpriformes; laniarii nulli
.

1. †. Fiber. der Biber. (Fr. le castor. Engl. the beaver.)
C. cauda depressa, ouata, squamosa
.

[Seite 125]

Schreber tab. CLXXV.

In der nordlichern Erde, in einsamen Gegenden an
Land-Seen und größern Flüssen. Er wird wegen seiner
feinen Haare für die Handlung, und für die Arzney-
kunst wegen des so genannten Bibergeils wichtig, das
sich bey beiden Geschlechtern in besondern Behältern
unterm Schwanze findet. Am berühmtesten sind diese
Thiere durch die bewundernswürdigen Kunsttriebe, mit
welchen sie, besonders da wo sie sich, wie im Innern
von Canada u.a. noch in großer Menge beysammen
finden, ihre berühmten Gebäude aufführen. Da sie
z.B. sich zu mehrern hunderten am Ufer eines Flusses
oder Sees versammeln; Bäume fällen, sie zu Pfählen
behauen, sie an Ort und Stelle flößen, Canäle und Floß-
teiche zu Erleichterung des Transports graben; im Fall
das Wasser zu seichte ist, vorher große fast unverwüst-
liche Dämme aufführen, und dann erst ihre eigentli-
chen Wohnhütten dahinter bauen, die nach der ver-
schiedenen Anzahl der Familien, die sie beziehen sollen,
auch von verschiedener Größe, von vier bis zehn Fuß
im Durchschnitt, meistens drey Stockwerk hoch, und
oben gewölbt sind. Das untere im Wasser befindliche
Stockwerk dient zum Magazin für den Wintervorrath
von Baumrinden und Laub etc.

42. Lutra. Palmae plantaeque natato-
riae. Dentes primores utrinque
6; su-
periores distincti, inferiores conferti
.

1. †. Vulgaris. die Fischotter. (Fr. la loutre. Engl.
the otter.) M. plantis nudis, cauda corpore dimidio
breuiore
.

[Seite 126]

Schreber tab. CXXVI. A. B.

Hat im ganzen einerley Heimath mit dem Biber. Sie
gräbt sich in hohle Ufer, hat ihren Eingang unterm
Wasser, und läßt nur ein kleines Luftloch oben über
der Erde. Wenn sie jung gefangen worden, läßt sie sich
zähmen und sogar zum Fischfang abrichten.

2. Marina. die Meerotter. L. plantis pilosis, cauda
corpore quadruplo breuiore
.

Schreber tab. CXXVIII.

Cook's voyage to the northern hemisphere vol. II.
tab. XLIII.

Die Meerotter hat ihren Nahmen daher, weil sie
sich auch zuweilen in der See finden läßt, doch entfernt
sie sich nicht weit vom Lande, und zieht sich alle Wahl
lieber in Flüsse und andre süße Wasser. Sie ist beson-
ders um Kamtschatka und an der jenseitigen Küste vom
nordwestlichen America bis hinunter nach Nutka-Sund,
zu Hause. Ihr schwarzes und silbergraues Fell ist das
kostbarste aller Rauchwerke. Das Stück wird wohl
bis anderthalb hundert Thaler bezahlt. Ihre Hin-
terfüße ähneln schon denen von der folgenden Fa-
milie.

b) Marina.

43. Phoca. Pedes postici exporrecti, di-
giti coaliti. Dentes primores superiores
6,
inferiores 4; laniarii solitarii.

Die Thiere dieses und des folgenden Geschlechts
sind so recht die Amphibien unter den Säugethieren,
[Seite 127] deren ganzer Körperbau darnach eingerichtet ist um in
beiden Elementen leben zu können.*)

1. Vitulina. der Seehund, die Robbe, das Seekalb.
(Fr. le veau marin. Engl. the seal.) P. capite laeui,
auriculis nullis, corpore griseo
. *

Schreber tab. LXXXIV.

B. S. Albini annot. academ. L. III. tab. VI.

In den nordlichen Meeren. Lebt, wie andre Gat-
tungen dieses Geschlechts, von Seetang, doch auch von
Fischen, und vorzüglich von Häringen. Ist für die
[Seite 128] Finnischen Insulaner, so wie für die Kamtschadalen,
besonders aber für die Grönländer und Esquimos, ein
äußerst wichtiges Geschöpf: die beiden letztern Völker
zumahl nähren sich von seinem Fleisch, kleiden sich in
sein Fell, beziehen ihre Sommerhütten und Fischerbote
damit etc. Sein Fang macht ihr vorzüglichstes Ge-
schäft, und die darin erworbene Geschicklichkeit ihr
Glück und ihren Stolz aus.

2. Vrsina. der Seebär. P. auriculata, collo laeui.

Schreber tab. LXXXII.

Buffon, supplement vol. VI. tab. XLVII.

Im Sommer herdenweise auf den Inseln des Kamt-
schatkischen Inselmeers, überwintert aber vermuthlich
auf den benachbarten etwas südlichern Inseln des stillen
Meers. Lebt in Polygamie, so daß jedes Männchen
wohl dreyßig bis vierzig Weibchen hat, die es mit vie-
ler Eifersucht bewacht, und grimmig gegen seine Ne-
benbuhler zu behaupten sucht.*)

3. Leonina. der Seelöwe. (Phoca iubata Linn.) P.
auriculata, collo iubato
.

Buffon, supplement vol. VI. tab. XLVIII.

Im ganzen stillen Meer. Die größte Gattung dieses
Geschlechts, die wohl 25 Fuß lang wird, und den
Nahmen von ihrer gewisser Maßen löwenartigen
Mähne hat.

44. Trichecus. Pedes posteriores in
pinnam coadunati. Dentes primores nul-
li; laniarii superiores solitarii.

[Seite 129]

1. Rosmarus. das Wallroß. (Fr. le morse. Engl. the
Walrus
.) T. dentibus laniariis superioribus exsertis
longioribus
.

Schreber tab. LXXIX.

Cook's voyage to the northern hemisphere vol. II.
tab. LII.

Beym Treibeis des Nordpols: oft zu hunderten bey-
sammen. Sie nähren sich von Seetang und Schal-
thieren, die sie mit ihren großen Hauzähnen loskratzten.
Wenn sie landen wollen, schlagen sie diese Zähne mit
vorgestrecktem Kopfe ins Ufer, und ziehen den plumpen
Körper allmählich nach.

2. Manatus. die Seekuh. (Fr. le lamantin.) T. denti-
bus laniariis inclusis
.

Schreber tab. LXXX.

Findet sich mehr einzeln als die vorigen Gattungen,
in den Meeren der wärmern Erde, auch häufig im Ori-
noco. Hat die Größe der vorigen beiden Thiere, ein
schmackhaftes Fleisch, und kann wohl zur Erdichtung
von Sirenen und Meerjungfern Anlaß gegeben
haben.

Die so genannten Lapides manati sind gar nicht von
diesem Thiere, sondern gewöhnlich ein Theil des äußern
Gehörganges und der Pauke des Wallfisches.


XII. CETACEA.

Die Gründe sind schon oben angegeben,
warum die Thiere dieser Ordnung, ihrer ganzen
Oeconomie nach zu den Säugethieren, und bey
[Seite 130] weitem nicht zu den Fischen gerechnet werden
müssen.*)

45. Monodon. Dentes duo maxillae su-
perioris longissimi, recti, spirales
.

1. Narhwal. das See-Einhorn. D. fistulis respirato-
riis duabus, confluentibus.

Klein hist. piscium. Miss. II. tab. II. fig. C. Miss.
V. tab
. III. fig. a. b.

Das Narhwal hat allerdings zwey lange parallele
Zähne, und sollte folglich nicht monodon, monoceros
oder Einhorn genannt werden. Es ist im nordlichen
Ocean zu Hause. Man verarbeitet die Zähne wie El-
fenbein zu Kunstsachen. Sie sind meist eben so lang,
als der Körper des Thiers, also wohl 18 Fuß und
darüber.

46. Balaena. Laminae corneae loco
dentium superiorum
.

1. Mysticetus. der Wallfisch. (Fr. la baleine. Engl. the
whale
.) B. dorso impinni
.

Abbild. der Wallfische bey Homanns Erben, in
Landkarten Format. fig. 1. 2.

Das größte aller bekannten Thiere, das über 100000
Pfund an Gewicht hält, ist theils gegen den Nordpol,
aber auch in südlichen Gegenden im Atlantischen Ocean,
[Seite 131] und im stillen Meere zu Hause. Die heutiges Tages
gefangen werden, sind selten über 60 bis 70 Fuß lang,
in vorigen Zeiten aber, da ihnen noch nicht so häufig
nachgestellt worden, haben sie bey höherm Alter auch
eine Länge von 120 Fuß und darüber erreicht. Der
ungeheure Kopf macht beynahe die Hälfte des ganzen
Thieres aus. Die Haut ist meistens schwarz oder mit
weiß gemarmelt etc., Daumens dick, hin und wieder
dünn behaart, und oft mit Seegewächsen, Corallen und
Muscheln besetzt. Den Kamtschadalischen Insulanern
und den Nordwestlichsten Americanern gibt dieses un-
geheure Thier victus et amictus. Aus seinen Därmen
machen sie ihre Hemden, aus seiner Haut ihre Schuh-
sohlen, aus seinen Sehnen ihre Bogenschnüre etc. Die
Europäer hingegen fangen den Wallfisch (wovon ein
großer 6000 rthl. werth seyn kann) des Fischthrans
und besonders der Barden wegen, deren er 700 im
Oberkiefer hat, die das Fischbein geben, und von de-
nen die mittelsten wohl zwanzig Fuß lang werden. Der
beste Fang ist im May, wo die Wallfische oft in solcher
Menge beysammen sind, daß sie wegen der Wasserstra-
len, die sie aus ihren Nackenlöchern blasen, in der Fer-
ne einer großen Stadt mit rauchenden Schornsteinen
ähneln. In der Breite vom 77 bis 79 Grad kann man
um die Zeit zuweilen auf viertehalb hundert Schiffe
zählen, die in Zeit von zwey Monaten leicht zwey tau-
send Wallfische fangen können.

2. Physalus. der Finnfisch. B. pinna dorsali.

Die Homannische Abbild. fig. 5. 6.

[Seite 132]

Eben so lang, aber schmäler als das vorige Thier.
Hat meistens das gleiche Vaterland; findet sich aber
besonders häufig in der Südsee.

47. Physeter. Dentes in maxilla in-
feriore
.

1. Macrocephalus. der Caschelot, Pottfisch. P. dorso
impinni, dentibus inflexis, apice acutiusculo
.

Die Homannische Abbild. fig. 4.

Er erreicht beynahe die Größe des Wallfisches, hat
einen ungeheuern Rachen, und kann Klafter lange
Hayfische verschlingen. Sein Oberkiefer ist sehr breit,
der untere hingegen überaus schmal. Der Cachelot
wird vorzüglich des Wallraths (sperma ceti) wegen auf-
gesucht, das in Gestalt eines milchweißen Oels theils
im Körper des Thiers bey dem Thran, theils aber, und
zwar in größter Menge in besondern Canälen, im Kopfe
desselben gefunden wird, und an der Luft zu einem halb
durchsichtigen Talk verhärtet. Unter seinen Excrementen
findet sich zuweilen die wohlriechende graue Ambra.

48. Delphinus. Dentes in maxilla
vtraque
.

1. Phocaena. das Meerschwein, der Braunfisch. (tursio
Plin. Engl. the porpus.) D. corpore subconiformi,
dorso lato pinnato, rostro subobtuso
.

Klein hist. pisc. Miss. II. tab. II. fig. A. B.
tab
. III. fig. B.

So wie die folgende Gattung in den Europäischen
Meeren: wird 1 1/2 Klafter lang. Lebt in Gesellschaft
[Seite 133] und zieht sich, zumahl bey bevorstehendem Sturm, nach
den Schiffen.

2. Delphis. der Delphin, Tümmler. (Fr. le dauphin.
Engl. the porpesse.) D. corpore oblongo subtereti,
dorso pinnato, rostro attenuato, acuto
.

Klein l. c. tab. III. fig. A.

Der eigentliche Delphin der Alten. Wird etwas
größer als die vorige Gattung.

3. Orca. der Nordcaper, Butzkopf. (Engl. the gram-
pus
.) D. pinna dorsi altissima: dentibus subconicis,
parum incuruis
.

Die Homannische Abbild. fig. 3.

Mehr im nordlichen Weltmeer, doch auch im Mit-
ländischen; wird zwanzig Fuß lang, und lebt in
Norden größten Theils von Häringen.


Fünfter Abschnitt.
Von den Vögeln
.

[Seite 134]

§. 55.

Die Säugethiere zeigen in ihrer Bildung,
mithin auch in ihrer Lebensart etc. so sehr viel
Verschiedenheit, daß sich nur wenig allgemeines
von ihnen überhaupt sagen läßt, und man sich
folglich bey ihrer speciellen Geschichte desto um-
ständlicher zu seyn gedrungen sieht. Schon bey
den Vögeln, noch mehr aber bey den folgenden
Thierclassen ist der Fall anders. Beides, so
wohl ihre Gestalt als auch ihre Lebensart hat im
ganzen genommen mehr übereinstimmendes, da-
her man sich bey der besondern Geschichte ihrer
einzelnen Geschlechter und Gattungen schon kür-
zer fassen kann.

§. 56.

Alle Vögel kommen in Rücksicht ihrer Bil-
dung darin mit einander überein, daß sie zwey
Füße, zwey Flügel, einen hornichten Schna-
bel, und einen mit Federn bedeckten Körper
haben. Sie zeichnen sich zugleich durch diese
vier Charactere von allen andern Thieren aufs
kenntlichste aus, und machen eine gleichsam iso-
[Seite 135] lirte Classe von Geschöpfen aus, die mit keiner
andern zusammen fließt, und die daher in der
vermeinten Kette oder Leiter der natürlichen Kör-
per (S. 7.) schwerlich unterzubringen ist.

§. 57.

Der ganze Körperbau der Vögel ist ihrer
Bestimmung zum Fluge angemessen. Ihre
Gliedmaßen sind überaus schlank, und fein ge-
baut, so daß sie nebst dem geringen Gewicht des
ganzen Körpers, der Lebensart dieser Thiere, und
besonders ihrem Aufenthalt und ihrer freyen Be-
wegung in dem Elemente, wofür die mehresten
bestimmt sind, vollkommen entsprechen.

§. 58.

Einen vorzüglichen Antheil an der geschick-
ten und leichten Bewegung der Vögel haben die
Federn, womit sie bekleidet sind, die in regel-
mäßigen Reihen (in quincunce) in die Haut
verwachsen und mit vielem Fette durchzogen sind;
aber in gewisser Jahreszeit, gewöhnlich im
Herbste, ausfallen und neue an ihre Statt re-
producirt werden. Manche, wie die Wachteln,
die Schneehühner etc. mausern sich gar zwey Mahl
im Jahr, im Frühling und Herbst. Die neuen
Federn haben bey jungen Vögeln oft ganz an-
dere Farbe als die ausgefallnen; daher man bey
Bestimmung der Gattungen auf das Alter dieser
Thiere und auf die davon abhängende Verschie-
[Seite 136] denheit in der Farbe, Rücksicht nehmen muß.
In der Kunstsprache heißt ein einjähriger Vo-
gel, der sich nähmlich noch nie gemausert hat,
auis hornotina; wann er aber Federn gewech-
selt hat, auis adulta.

§. 59.

Die stärksten Federn sind in den Fittigen
und im Schwanze. Jene heißen Schwungfe-
dern (remiges), diese Schwanzfedern (rectri-
ces
). Die Schwungfedern sind von unbestimm-
ter Anzahl, und bilden gleichsam breite Fächer,
womit sich die Vögel in die Luft heben und flie-
gen können. Einige wenige Vögel (aues im-
pennes
) wie die Pinguine etc. haben gar keine
Schwungfedern, und sind daher zum Fluge un-
geschickt. So fehlen auch einigen Vögeln, wie
dem Casuar, den Taucherchen etc. die Schwanz-
federn.

§. 60.

Die Farbe der Federn ist bey vielen Vö-
geln über alle Beschreibung schön. Die Raub-
vögel ausgenommen so sind fast bey allen übri-
gen die Männchen schöner befidert als die Weib-
chen, und im ganzen auch in dieser Classe so wie
überhaupt in beiden organisirten Reichen die
bey weitem allerprachtvollsten Geschöpfe den heis-
sen Erdstrichen eigen.

§. 61.

[Seite 137]

Im innern Körperbau*) zeichnen sich die
Vögel besonders durch die merkwürdigen Luft-
behälter aus, die in ihrem ganzen Körper ver-
theilt, und zum Fluge von äußerster Wichtigkeit
sind. Die mehresten stehen mit den Lungen,
andere aber bloß mit dem Rachen in Verbin-
dung, und der Vogel kann sie nach Willkühr
mit Luft laden oder ausleeren, je nachdem er sei-
nen Körper leichter oder schwerer machen will.
Zu diesen Luftbehältern gehören vorzüglich große
aber zarte häutige Zellen, die theils im Unter-
leibe, theils unter den Achseln und sonst noch
unter der Haut verbreitet sind, und durchs Ein-
athmen mittelst der Lungen voll Luft gepumpt
werden können. Außerdem dienen den Vögeln
auch gewisse markleere hohle Knochen, wie die
Schulterknochen im Flügel, auch das Rückgrat,
das Brustbein etc. und manchen auch die Hirn-
schale, zu gleichen Zwecken. Und endlich sind
auch die ungeheuern Schnäbel der Pfefferfraße,
Nashornvögel, Papageyen etc. ebenfalls dahin
gehörig; und selbst die Federspulen stehen mit
dem obgedachten lockern Zellgewebe in Verbin-
[Seite 138] dung, und können mittelst des weichen knorp-
lichten Canals, der in der Spule liegt (die Seele),
gleichfalls mit Luft gefüllt oder ausgeleert werden.

§. 62.

Durch diese merkwürdigen Luftbehälter, in
Verbindung mit den obgedachten Einrichtungen
im Körperbau der Vögel überhaupt, werden
diese Thiere zum Flug geschickt, bey welchem die
Geschwindigkeit so wohl als die lange anhaltende
Dauer gleich merkwürdig sind. Nur wenige
Vögel, wie der Straus, der Casuar, die Pin-
guine und andre aues impennes (§. 59.) können
gar nicht fliegen.

§. 63.

Der Aufenthalt der Vögel ist beynahe eben
so verschieden als der Säugethiere ihrer. Die
mehresten leben auf Bäumen, andre in Wassern,
sehr wenige bloß auf der Erde: aber kein einzi-
ger Vogel (so wie der Maulwurf in der vorigen,
und viele Geschöpfe in den beiden letztern Thier-
Classen,) bloß unter der Erde. Die Bildung der
Füße ist auch bey den Vögeln, so wie bey den
Säugethieren, ihrem verschiednen Aufenthalt an-
gemessen. Die mehresten haben freye, unver-
bundne Zehen (aues fissipedes) und zwar ge-
wöhnlich ihrer viere, wovon dreye nach vorn,
und der vierte gleichsam als Daumen nach hin-
ten gekehrt ist (pedes ambulatorii). Oder
[Seite 139] aber es sind nur zwey Zehen nach vorn, und
zweye nach hinten gekehrt (pedes scansorii);
oder der Vogel kann willkührlich die eine Zehe
bald vorwärts zu den übrigen zweyen, bald rück-
wärts zum Daumen schlagen (digitus versati-
lis
). Bey andern ist auch wohl die mittlere
Zehe an die eine Seitenzehe angewachsen (pe-
des gressorii
); oder die Hinterzehe fehlt ganz
(pedes cursorii); oder alle vier Zehen sind, wie
bey der Mauerschwalbe, nach vorn, und gar
keine rückwärts gekehrt; oder die Hinterzehe ist,
wie bey manchen Hühnern, doppelt u.s.w. Bey
denen Vögeln, die keine freye Zehen haben, sind
die Zehen entweder nur an der Wurzel (pedes
semipalmati
) – oder aber bis vorn an die
Spitze (pedes palmati) – durch eine Schwimm-
haut verbunden; bey andern sind die einzelnen
Zehen mit einer lappichten schmalen Haut, die
entweder einen glatten, (pedes lobati) – oder
zackichten Rand (pedes pinnati) hat, wie mit
Fransen eingefaßt.

§. 64.

Sehr viele Vögel verändern ihren Wohn-
platz zu gewissen Jahrszeiten: die meisten zwar
bloß in so fern, daß sie nur wenige Meilen weit
in die benachbarten Gegenden streichen, und bald
darauf in ihre alte Heimath zurückkehren; an-
dere aber wie die Hausschwalben, die Kraniche,
Störche etc. so daß sie im Herbst große Wallfahr-
[Seite 140] ten, weit übers Meer und über einen beträchtli-
chen Theil der Erdkugel weg, anstellen, und den
Winter bis zur Rückkehr im folgenden Frühjahr
in wärmern Zonen zubringen.

§. 65.

Auch das Nutritionsgeschäfte der Vögel hat
viel eignes. Ueberhaupt haben sie keine Zähne,
sondern müssen ihre Speise entweder mit dem
Schnabel zerbeissen, oder ganz schlucken. Bey
denjenigen samenfressenden Vögeln die ihre Kör-
ner ganz, unzerbissen, einschlucken, gelangen diese
nicht sogleich in den Magen, sondern werden vor-
her im Kröpfe oder Vor-Magen (ingluuies
s. prolobus
) d.h. in einem besondern drüsenrei-
chen Behälter eingeweicht, und von da nur all-
mählich an den Magen überlassen: der bey die-
sen Thieren äußerst musculös, und so stark ist
daß er sogar nach Reaumur's u.a. merkwürdi-
gen Versuchen verschluckte Haselnüsse und Oli-
venkerne zu zerdrücken und Münzen so glatt wie
Papier abzuscheuern vermag. Sehr viele Vö-
gel verschlucken aber auch überdem noch kleine
Kieselsteinchen, die ebenfalls die Zermalmung
und nachherige Verdauung der Speisen befördern.
Verschiedne fleischfressende Vögel, wie die Eulen,
Eisvögel etc. können die Knochen, Haare und Grä-
ten der kleinen Thiere, die sie verzehrt haben, nicht
verdauen, sondern brechen sie, in eine runde Ku-
gel geballt, nach der Mahlzeit wieder von sich.

§. 66.

[Seite 141]

Unter den Sinnen der Vögel ist besonders
ihr Gesicht und bey vielen auch das Gehör von
vorzüglicher Schärfe. Auch haben die Werk-
zeuge dieser beiden Sinne bey diesen Thieren
überaus viel eignes, merkwürdiges. Die Au-
gen z.B. einen sonderbaren schwarzen Fächer
(pecten plicatum, Fr. bourse) im Augapfel,
der aus dem Ende des Sehenerven entspringt
und in die gläserne Feuchtigkeit (corpus vi-
treum
) hinein dringt. Die innern Gehörwerk-
zeuge hingegen sind bey den Vögeln weit einfa-
cher als bey den Säugethieren gebildet, und der
ganzen Classe fehlen auch die äußern Ohren;
ein Mangel, der aber durch die äußerst regel-
mäßige zirkelförmige Stellung und bestimmte
Richtung der Federchen in der Gegend des Oh-
res sattsam ersetzt wird.

Anm. Nur sehr wenige Vögel, die Enten nähmlich
u.a. verwandte Gattungen, scheinen den wirkli-
chen Sinn des Gefühls (im engern Verstande) zu
besitzen; und das Organ dazu ist wohl die weiche
Bedeckung ihres Schnabels, die mit ausnehmend
starken Hautnerven versehen, und beym lebendigen
Thier äußerst empfindlich ist. Auch sieht man, wie
die Enten in den Pfützen, wo sie bey Aufsuchung
des Fraßes weder dem Gesicht, noch dem Geruch
nachgehen können, mit dem Schnabel wirklich
sondiren.

§. 67.

Was die Stimme der Vögel betrifft, so
geben zwar die Raubvögel, die mehresten Was-
[Seite 142] servögel, und die mehresten Hühnerarten, meist
nur einen ziemlich einförmigen, nicht sehr ange-
nehmen Laut von sich: desto mannichfaltiger und
anmuthiger sind hingegen die Töne der kleinen
so genannten Sangvögel, von denen man doch
nicht so wohl sagen darf daß sie singen, (– denn
Gesang ist wohl ein ausschließliches Vorrecht
des Menschen –) als daß sie pfeifen. Außer
den obgedachten Luftbehältern (§. 61.) kommt ih-
nen dazu vorzüglich die Einrichtung ihres
Kehlkopfs zu statten, der bey den Vögeln nicht bloß
so wie bey andern Thieren am obern Ende,
nähmlich an der Zungenwurzel befindlich, son-
dern gleichsam in zwey abgesonderte Hälften an
die beiden Enden der Luftröhre vertheilt ist.
Die Papageyen, Raben, Stare, Dompfaf-
fen etc. hat man Menschenstimme nachahmen
und Worte aussprechen gelehrt: so wie auch die
Sangvögel im Käfig leicht fremden Gesang
annehmen, Lieder pfeifen lernen, und sich sogar
zum Accompagnement abrichten lassen, so, daß
man mit mehrern Dompfaffen zugleich schon
wirklich kleine Concerte hat geben können. Ue-
berhaupt aber scheint auch der Waldgesang der
Sangvögel doch erst durch Uebung und Nachah-
mung recht ausgebildet zu werden.

§. 68.

Die Vögel sind überhaupt sehr verliebte Ge-
schöpfe, daher man auch unter ihnen weit leich-
[Seite 143] ter als von andern Thieren Bastarden erzielen
kann. Die mehresten begatten sich im Früh-
jahr; manche aber, wie der Kreuzschnabel, in
der kältesten Jahrszeit nach Weihnachten. Das
Hausgeflügel ist an gar keine bestimmte Zeit
gebunden, sondern läßt sich Jahr aus Jahr ein
zu diesem Geschäfte willig finden. Manche hal-
ten sich nur zur Begattungszeit, andere aber wie
die Tauben für immer paarweise zusammen:
noch andre aber leben wie die Hühner in Po-
lygamie.

§. 69.

Das befruchtete Weibchen wird vom In-
stinct getrieben, für die Zukunft zu sorgen, und
zu nisten, wovon vielleicht bloß der Kuckuck aus-
genommen ist. Bey den polygamischen Vögeln,
wie bey den Hühnerarten, nimmt das Männ-
chen gar keinen Antheil an diesem Geschäfte;
bey denen aber die sich paarweise zusammen hal-
ten, zumahl unter den Sangvögeln, trägt es
doch Baumaterialien herbey, und verpflegt sein
Weibchen während ihrer Arbeit.

§. 70.

Die Auswahl des Ortes, an dem jede
Gattung ihr Nest anlegt, ist ihren Bedürfnissen
und ihrer ganzen Lebensart aufs genaueste ange-
messen. Und eben so sorgfältig wählt auch jede
Gattung die Baumaterialien zu ihrem Neste.
[Seite 144] Die Vögel der heissen Zonen z.B., oder die,
so ohnehin in schaurigen Orten nisten, nehmen
zu ihrem Bau nur leichten Stoff, Stroh, Schilf,
Heu u.s.w. Da hingegen andere, um ihre
Junge für Frost zu schützen, und sich selbst das
Bebrüten zu erleichtern, Wolle, Moos, Di-
stelflocken, Federn u.a. dergleichen wärmende
Materialien zu ihrem Nest verwenden. Die
meisten füttern dasselbe inwendig noch besonders
mit einer Lage von ganz weichen Flaumen, Wolle etc.
zur Bequemlichkeit und Wärme aus.

Die Form der Nester ist bald mehr bald
minder künstlich. Manche Vögel, wie die
Schnepfen, Trappen, Kibitze etc. machen sich
bloß ein dürres Lager von Reisholz und Stroh-
halmen auf der platten Erde: andere tragen sich
nur ein weiches kunstloses Bett in Löcher der
Mauern, Felsenritzen und hohle Bäume; so die
Spechte, Heher, Dohlen, Wiedehopfe, Sper-
linge etc. Sehr viele, zumahl unter den Hüh-
nern, Tauben, und Sangvögeln geben ihrem
Neste die Gestalt einer Halbkugel oder einer
Schüssel: andere, wie der Zaunkönig, die Form
eines Backofens: noch andere, wie der Pendu-
lin, der Jupujuba etc. die von einem Beutel
u.s.w.*)

§. 71.

[Seite 145]

Wenn endlich das Geschäft des Nesterbaues
vollendet ist, so legt die Mutter ihre Eyer hin-
ein; deren Anzahl bey den verschiedenen Gattun-
gen der Vögel sehr verschieden ist. Viele Was-
servögel z.B. legen jedes Mahl nur ein einziges
Ey; die Taucherchen und mehresten Tauben ihrer
zweye; die Möven dreye; die Raben viere; die
Finken fünfe; die Schwalben sechs bis acht; die
Rebhühner und Wachteln vierzehn; das Haus-
huhn aber, besonders wenn man ihm die Eyer
nach und nach wegnimmt,*) bis fünfzig und drü-
ber. Zuweilen geben auch manche Vögel, ohne
vorher gegangene Befruchtung, Eyer von sich,
die aber zum Bebrüten untauglich sind und
Windeyer (oua subuentanea, zephyria, hy-
penemia
) heissen.

§. 72.

Die Ausbildung des jungen Thieres, die bey
den Säugethieren noch im Mutterleibe vollzogen
wird, muß hingegen bey den Vögeln im schon geleg-
ten Ey, mittelst des Brütens bewirkt werden. Nur
der Kuckuck brütet seine Eyer nie selbst aus, sondern
überläßt es den Grasmücken oder Bachstelzen etc. in
deren Nest er sein Ey gelegt hat. Hingegen weiß
man, daß selbst Capaunen, und Hunde, und sogar
[Seite 146] Menschen Vogeleyer ausgebrütet haben*). Auch
bloß durch künstliche Wärme, durch erhitzten
Mist**), und durch Lampenfeuer in so genannten
Brüt-Maschinen***) und in Brütöfen, kann man
leicht Hühnchen auskriechen lassen. Dieß letztre
geht zumahl in wärmern Gegenden so gut von stat-
ten, daß man die Anzahl der Hühner, die auf diese
Weise jährlich in den Aegyptischen Oefen****)
ausgebrütet werden, auf 92,000,000 rechnet. Die
Vögel werden durchs anhaltende Brüten abge-
mattet, und nur bey solchen, die sich paarweise zu-
sammen halten, wie bey den Tauben, Schwalben,
Rothschwänzen etc. nimmt auch das Männchen an
diesem Geschäfte Antheil. Die Hähne unter den
Canarienvögeln, Hänflingen, Stiglitzen etc. über-
lassen zwar das Brüten bloß ihren Weibchen, ver-
sorgen sie doch aber während der Zeit mit Futter
und ätzen sie theils aus dem Kropfe.

§. 73.

[Seite 147]

Während des Brütens geht nun im Eye
selbst die große Veränderung vor, daß das
Küchelchen darin allmählich gebildet, und von
Tag zu Tag mehr zur Reife gebracht wird. Zu
dieser Absicht ist nicht nur der Dotter überhaupt
specifisch leichter als das Eyweis, sondern auch
wiederum diejenige Stelle auf seiner Oberfläche
an welcher das künftige Hühnchen zu liegen
kommt, selbst noch leichter als die entgegen ge-
setzte Seite, so daß folglich bey jeder Lage des
Eyes doch immer jene Stelle dem Leibe des
bebrütenden Vogels am nächsten liegt. Die
erste Spur des neuen Küchelchens zeigt sich,
wie schon oben erwähnt worden (§. 8.), immer
erst eine geraume Zeit nachdem das Brüten sei-
nen Anfang genommen. Beym Hühnerey z.B.
kaum vor Ende des ersten Tages: so wie am
Ende des zweyten das berühmte Schauspiel der
ersten Bewegung des dann noch sehr unvollkomm-
nen Herzchens (das punctum saliens) seinen
Anfang nimmt. Zu Ende des fünften Tages
sieht man schon das ganze kleine gallertartige Ge-
schöpf sich bewegen. Am vierzehnten brechen die
Federn aus; zu Anfang des fünfzehnten schnappt
das Hühnchen schon nach Luft; und ist am neun-
zehnten Tage im Stande einen Laut von sich zu
geben.

Anm. Beym Vogel im Ey ist die erste Gestalt, worin
er sich zeigt, unendlich mehr von seiner nachmah-
ligen Form, wenn er zum Auskriechen reif ist, ver-
[Seite 148] schieden; als die früheste Gestalt des neuempfan-
genen Säugethiers von seiner nachherigen Bil-
dung. Man kann sagen, das Küchelchen im Eye
gelangt erst durch eine Art von Metamorphose zu
seiner vollkommenen Gestalt, und das in Rücksicht
einzelner Eingeweide (z.B. des Herzens) sowohl
als in der Totalbildung.

§. 74.

Jede Gattung Vögel hat zwar ihre bestimmte
Brützeit von verschiedener Länge, die aber doch
nach Verschiedenheit des Clima und der wär-
mern oder kältern Witterung verzögert oder be-
schleunigt wird. Beym Huhn ist das Küchel-
chen gewöhnlich zu Ende des ein und zwanzigsten
Tages zum Auskriechen aus dem Eye reif; in
welchem es die drey Wochen über vom Dotter, wel-
cher allgemach durch das sich ihm beymischende
Eyweis verdünnt wird –, ernährt worden.

§. 75.

Die jungen Vögel werden einige Zeit von
der Mutter, und bey denen, die in Monogamie
leben, auch vom Vater, mit vieler Zärtlichkeit
gefüttert, und zumahl bey den Körnerfressenden
aus dem Kropfe geätzt, bis sie erwachsen, und für
ihren eignen Unterhalt zu sorgen im Stande sind.

§. 76.

Die Vögel erreichen, nach Verhältniß ih-
rer körperlichen Größe, und in Vergleich mit den
Säugethieren, ein sehr hohes Alter, und man
weiß, daß selbst in der Gefangenschaft, Adler
[Seite 149] und Papageyen über hundert, Stieglitze über
24 Jahre etc. leben können. Da ihr Aufenthalt
ungleich ausgedehnter als der Säugethiere ihrer
ist, sie auch nach Verhältniß weit weniger zu
ihrem Unterhalt bedürfen, so begreift sich von
selbst, warum sie länger leben dürfen, den fol-
genden Generationen nicht so bald Platz machen
müssen u.s.w.

§. 77.

Die Vögel sind für die Haushaltung der
Natur im Ganzen, ungemein wichtige Geschöpfe,
obgleich ihre unmittelbare Brauchbarkeit fürs
Menschengeschlecht nicht so mannichfaltig ist, als
der Säugethiere ihre. Fürs erste ist es gewiß
keiner ihrer geringsten Vorzüge, daß sie unter
allen allen Thieren am allermeisten Leben und
Munterkeit in die ganze Schöpfung verbreiten!
Ferner vertilgen sie unzählige Insecten und die
gänzliche Ausrottung mancher vermeintlich schäd-
lichen Vögel, der Sperlinge, Krähen etc. in man-
chen Gegenden, hat eine ungleich schädlichere
Vermehrung des Ungeziefers, und ähnliche nach-
theilige Folgen nach sich gezogen. Andere ver-
zehren größere Thiere, Feldmäuse, Schlangen,
Frösche, Eidexen etc. oder Aeser, und beugen da-
durch sowohl dem Mißwachs als der Infection
der Luft vor. Eben so haben unzählige Vögel
die große Bestimmung, so mancherley Unkraut
auszurotten, und seinen Wucher zu verhindern.
[Seite 150] Von der andern Seite wird auch die Vermeh-
rung und Fortpflanzung der Thiere so wohl, als
der Gewächse, durch Vögel befördert. So
weiß man z.B. daß die wilden Gänse bey ihren
Zügen befruchteten Fischrogen in entfernte Teiche
übertragen, und sie dadurch zuweilen fischreich
machen. Sehr viele Vögel verschlucken Sa-
menkörner die sie nachher wieder ganz von sich
geben und dadurch die Verbreitung derselben be-
fördern: so z.B. die Tauben die auf den Ge-
würz-Inseln auf diese Weise die Muscatnüsse
fortpflanzen etc. Der Mist der Seevögel düngt
kahle Felsenklippen- und Küsten, daß nachher
die heilsamen Gewächse, Löffelkraut etc. da fort-
kommen können. Die Falken und verschiedne
Wasservögel lassen sich zur Jagd andrer Thiere
abrichten etc. Sehr viele Vögel, ihre Eyer, ihr
Fett, und die Tunkinsnester, dienen zur Speise.
Die ganzen Felle der Seevögel zur Kleidung
mancher der nördlichsten Völker. Die Federn
zum Füllen der Betten, zum Schreiben, zum
Verkielen musikalischer Instrumente, zu Muffen,
und vorzüglich zu mancherley Putz, weswegen
sie bey vielen wilden Völkern, zumahl in Ame-
rica und auf den Inseln des stillen Oceans einen
der wichtigsten Handelsartikel ausmachen. Für
die Arzney ist hingegen kein beträchtlicher Nutze
aus dieser Classe von Thieren zu ziehen.

§. 78.

[Seite 151]

Der Schade, den die Vögel stiften, läßt
sich fast gänzlich auf die Vertilgung nutzbarer
Thiere und Gewächse zurück bringen. Der
Condor, der Lämmergeyer u.a. Raubvögel tödten
Gemsen, Rehe, Ziegen, Schafe etc. Der Fisch-
adler und so viele Wasservögel sind den Fischen
und ihrem Leich; so wie die Falken, Habichte,
Sperber, Neuntödter, Aelstern etc. dem Haus-
geflügel gefährlich. Die Sperlinge und andre
kleine Sangvögel schaden der Saat, den Wein-
trauben, den Obstbäumen u.s.w. Und endlich
werden freylich nicht bloß brauchbare Gewächse,
sondern auch eben so wohl wucherndes Unkraut,
durch die Vögel verpflanzt. Giftige Thiere
finden sich aber in dieser Classe von Thieren eben
so wenig als in der vorigen.

§. 79.

Die Classification der Vögel ist weniger
Schwierigkeiten unterworfen, als der Säuge-
thiere ihre. Ihre Bildung ist, im Ganzen ge-
nommen, nicht so mannichfaltig, sondern einfa-
cher: und gewisse Theile ihres Körpers, wie der
Schnabel und die Füße, die sich auf ihre ganze
Lebensart, Nahrung etc. beziehen, bestimmen schon
an sich so viel vom ganzen Habitus der Vögel,
daß man, dem natürlichen System unbeschadet,
schon davon die Charactere der Ordnungen und
Geschlechter entlehnen kann. Die mehresten
[Seite 152] Ornithologen haben daher auch ihre Classification
auf die Verschiedenheit des einen oder des an-
dern von den genannten Theilen gegründet; Klein
z.B. auf die Bildung der Zehen, Möhring auf
die Bedeckung der Füße, Brisson auf beides in
Verbindung mit der Beschaffenheit des Schna-
bels u.s.w. Linné nimmt in dem Plan seines
Systems der Vögel auch auf die Bildung meh-
rerer Theile zugleich, und so ziemlich auf den
ganzen Habitus, Rücksicht; nur scheint er sich
in der Ausführung zuweilen vergessen zu haben:
wenigstens begreift man nicht, wie Papageyen,
Colibrite und Krähen bey ihm in eine Ordnung
verbunden, hingegen der Dudu und Casuar in
zwey Ordnungen von einander gerissen, und mehr
Verbindungen oder Trennungen dieser Art zuge-
lassen werden durften.

§. 80.

Ich habe mir also hier einige Abänderung
von dem Linnéischen System erlaubt, und die
ganze Classe in folgende neun Ordnungen abzu-
theilen versucht.

A) Landvögel.

I. Accipitres. Die Raubvögel mit krummen
starken Schnäbeln, meist mit kurzen starken
knorrichten Füßen, und großen, gebogenen,
scharfen Klauen. Geyer, Adler, Falken,
Eulen, Neuntödter etc.

[Seite 153]

II. Leuirostres. Vögel der heißesten Erd-
striche, mit kurzen Fußen, und meist sehr
großen dicken, aber mehrentheils hohlen
und daher sehr leichten Schnäbeln. Papa-
geyen, Pfeffervögel, Nashornvögel.

III. Pici. Vögel mit kurzen Füßen, mittel-
mäßig langen und schmalen Schnäbeln,
und theils wurmförmiger, theils fadenför-
miger Zunge. Wendehals, Spechte,
Baumkletten, Colibritchen etc.

IV. Coraces. Vögel mit kurzen Füßen, mit-
telmäßig langem, und ziemlich starken oben
erhabnem Schnabel, Raben, Krähen etc.

V. Passeres. Die Sangvögel nebst den
Schwalben etc. Sie haben kurze Füße, und
einen mehr oder weniger kegelförmigen zu-
gespitzten Schnabel, von verschiedner Länge
und Dicke.

VI. Gallinae. Vögel mit kurzen Füßen, oben
etwas erhabnem Schnabel, der an der
Wurzel mit einer fleischichten Haut be-
wachsen ist. Der Trappe, Pfau, Truthahn,
Haushahn, Auerhahn, die Wachtel etc.
Auch den Tauben habe ich in dieser Ord-
nung ihren Platz angewiesen, da sie bey
weitem mehr mit den Hühnern als mit
den Sangvögeln, denen sie Linné zugesellte,
verwandt sind.

[Seite 154]

VII. Struthiones. Die großen zum Flug un-
geschickten Landvögel. Der Straus, Casuar
und Dudu.

B) Wasservögel.

VIII. Grallae. Sumpfvögel, mit langen Fü-
ßen, langem walzenförmigen Schnabel, und
meistens langem Hals. Reiher, Störche,
Schnepfen, Wasserhühner etc.

IX. Anseres. Schwimmvögel mit Ruderfü-
ßen, einem stumpfen, mit Haut überzog-
nen, am Rande meist gezähnelten Schna-
bel, der sich an der Spitze des Oberkiefers
mit einem Häkchen endigt.

* * *

Zur N. G. der Vögel.

  1. Conr. Gesneri historiae animalium. L. III. qui est
    de auium natura
    . Tiguri
    . 1555. fol.
  2. Ulyss. Aldrovandi ornithologia. Bonen. 1599.
    sq. Vol. III. fol.
  3. F. Willughby ornithologiae. L. III. ex ed. Raji.
    Lond. 1676. fol.
  4. Jo. Raji synopsis methodica auium. ib. 1713. 8.
  5. J. Edward's natural history of birds. Lond. 1743.
    sq. Vol. IV. 4.
  6. Ej. gleanings of natural history. ib. 1758. sq. Vol. III. 4.
  7. Brisson ornithologie. Par. 1760. Vol. VI. 4.
  8. Buffon.
  9. Daubenton planches des oiseaux. Par. 1775. sq.
    fol
    . (984 Bl.)
  10. Th. Pennant's genera of birds. Lond. 1781. 4.
  11. Ej. arctic zoology. IIter B. ib. 1784. 4.
  12. (Jo. Latham's) general synopsis of birds. ib. 1781.
    Vol. VI. 4.
* * *
  1. Joh. Leonh. Frisch Vorstellung der Vögel in Deutsch-
    land. Berlin, 1733. bis 1763. Fol. (242 Taf.)
  2. Corn. Nozemann Nederlandsche Vogelen, door
    Chr. Sepp et Zoon. Amst. 1770. sq. fol.
  3. Marc Catesby natural history of Carolina. Lond.
    1731. Vol. II. fol.
* * *
  1. Joh. H. Zorn Petinotheologie. Pappenheim, 1741.
    Vol. II. 8.

[Seite 156]

Erst also die Landvögel in VII. Ord-
nungen.

I. ACCIPITRES.

Fast alle mit kurzen starken Füßen, großen
scharfen Krallen und starkem gekrümmten Schna-
bel, der meist oben auf der Seite in zwey stum-
pfe schneidende Spitzen ausläuft, und an der
Wurzel mehrentheils mit einer fleischichten Haut
(cera) bedeckt ist. Sie nähren sich theils von
Aas, theils vom Raube lebendiger Thiere, und
ähneln in ihrer Oeconomie meist den feris der
vorigen Classe. Sie leben in Monogamie, nisten
an erhabnen Orten, und haben ein wilderndes
widerliches Fleisch.

1. Vultur. Geyer. Rostrum rectum,
apice aduncum. plerisque caput et col-
lum impenne. Lingua bifida
.

1. Gryphus. der Condor, Cuntur, Greifgeyer. V. carun-
cula verticali longitudine capitis
.

Hauptsächlich im westlichen Südamerica. Ist der
größte von allen fliegenden Vögeln, hält mit ausge-
spannten Flügeln fünfzehn Fuß in die Breite, und seine
Schwungfedern sind am Kiel wohl Fingersdick. Er ist
schwarz und weiß von Farbe, fast wie die Aelster. Ni-
stet im Gebirge und an felsigen Ufern, fliegt ausneh-
mend hoch, lebt meist vom Raube unter den Viehher-
den, und von den todten Fischen, die die See auswirft.

[Seite 157]

2. Papa. der Geyerkönig, Kuttengeyer, Sonnengeyer.
V. naribus carunculatis, vertice colloque denudato. *

Buffon, oiseaux. Vol. I. tab. VI.

In Westindien und Südamerica. Nur von der Größe
eines welschen Huhns; zumahl am Kopf von schönen
gelben rothen und schwarzen Farben, mit langen flei-
schichten Lappen über dem Schnabel. Kann den nakten
Hals ganz in den dickgefiederten Schulterkragen einzie-
hen. Lebt vorzüglich von Schlangen und andern Am-
phibien, und wird häufig nach Europa gebracht.

3. †. Barbatus. der Lämmergeyer, Bartgeyer, Gold-
geyer. V. rostri dorso versus apicem gibboso, mento
barbato
. *

Conr. Gesner l. c. pag. 748.

(Andrea) Briefe aus der Schweiz, Taf. XII.

In den Tyroler- und Schweizer-Alpen; auch in Si-
birien. Der größte Europäische Vogel, dessen ausge-
spannte Flügel bey 10 Fuß messen, und der sich vor-
züglich durch seinen starkharigen Bart, und durch den
befederten Kopf, besonders aber durch den gewölbten
Rücken vorn am Oberschnabel von andern Geyern aus-
zeichnet.*) Er nistet bloß in den allerunzugänglichsten
Einöden, daher man noch nie weder sein Nest noch
seine Eyer entdecken können. Er lebt meist vom Raube
der Gemsen, Ziegen, wilden Katzen etc.

4. Percnopterus. der Aasgeyer. V. remigibus nigris
margine exteriore, praeter extimas, canis
.

[Seite 158]

Im südlichen Europa, mehr aber in Palästina, Ara-
bien und Aegypten. Verzehrt im gelobten Lande un-
zählige Feldmäuse, und in Aegypten die vielen Amphi-
bien, die zumahl nach der Ueberschwemmung des Nils
das Land decken. Die alten Aegyptier haben diesen
Vogel, so wie einige andere ihnen vorzüglich nutzbare
Thiere, heilig gehalten, und ihn häufig in ihrer Bil-
derschrift auf Obelisken, Mumienbekleidungen u.s.w.
vorgestellt.

2. Falco. Rostrum aduncum, basi cera
instructum. caput pennis tectum. lingua
bifida
.

1. Serpentarius. der Secretär. (sagittarius.) F. cera
alba, cruribus longissimis, crista ceruicali pendula,
rectricibus intermediis elongatis
.

Jo. Fr. Miller Fasc. V. tab. XXVIII.

Vom Cap landeinwärts, auch auf den Philippinen.
Mit langen Füßen wie ein Sumpfvogel. Lebt meist
von Schlangen und Eidexen.

2. †. Melanaëtus. der schwarzbraune Adler. (Büf-
fon's aigle commun, Engl. the black eagle.) F. cera
lutea, pedibusque semilanatis, corpore ferrugineo-ni-
gricante, striis flauis
. *

Frisch tab. LXIX.

In Europa. Beträchtlich kleiner als der folgende.

3. †. Chrysaëtos. der Goldadler, Steinadler. (Büf-
fon's grand aigle, Engl. the golden eagle.) F. cera
lutea, pedibusque lanatis luteo-ferrugineis, corpore
fusco ferrugineo vario, cauda nigra, basi cinereo un-
dulata
. *

[Seite 159]

Buffon Vol. I. tab. I.

Im gebirgigen Europa. Lebt vom Raube kleiner
Säugethiere und Vögel, fällt aber auch wohl Hirsche etc.
an, und versteht ihrer Herr zu werden. Hat eine starke
fürchterliche Stimme, nistet auf hohen Felsenspitzen,
und versorgt seine Junge mit dem besten Wildpret von
Hasen, jungen Rehen etc.

4. Ossifragus. der Fischadler, der Beinbrecher. (Fr.
l'orfraie, Engl. the sea-eagle, the osprey. F. cera lutea
pedibusque semilanatis, corpore ferrugineo, rectrici-
bus latere interiore albis
.

Buffon Vol. I. tab. III.

An den Europäischen Küsten, auch in Nordamerica
und theils auf der Südsee. Erreicht wohl die Größe
des Goldadlers. Lebt bloß von Fischen, so daß er lie-
ber eine Woche lang hungert, ehe er sich an anderm
Fleisch vergreifen sollte. Hat keinesweges, wie doch
viele Naturforscher vorgegeben haben, auf der linken
Seite einen Schwimmfuß, sondern an beiden Füßen
freye Zehen wie andere Thiere seines Geschlechts.

5. Haliaëtus. der Entenstößer, Moosweih. (Fr. le
balbuzard
, Engl. the osprey.) F. cera pedibusque
caeruleis, corpore supra fusco, subtus albo, capite al-
bido
.

Buffon Vol. I. tab. II.

Mehr an den Ufern der Flüsse als an den Seeküsten.
Ist oft mit dem Fischadler vermengt worden*).

6. †. Milnus. die Weihe, der Gabelgeyer, Milan,
Scherschwänzel, Schwalbenschwanz, Taubenfalke.
[Seite 160] (Fr. le milan, Engl. the kite.) F. cera flaua, cauda
forficata, corpore ferrugineo, capite albidiore
. *

Frisch tab. LXXII.

Fast in der ganzen alten Welt, thut zwar dem Haus-
geflügel Schaden, wird aber von der andern Seite da-
durch nutzbar, daß sie eine Menge Aas und Amphibien
verzehrt; daher sie auch in manchen Gegenden, wie der
Aasgeyer in Aegypten, gehegt wird und zu schießen ver-
boten ist.

7. †. Gentilis. der Edelfalke. (Fr. le faucon, Engl. the
falcon
.) F. cera pedibusque flauis corpore cinereo
maculis fuscis, cauda fasciis quatuor nigricantibus.
*

Frisch tab. LXXIV.

Buffon Vol. I. tab. XV. XVI.

In gebirgigen Gegenden der nordlichen Erde; va-
riirt in zahlreichen Spielarten deren einige auch von
manchen für besondre Gattungen angenommen werden.
Wird vorzüglich (so wie freylich die folgende und
andere verwandte Gattungen dieses Geschlechts auch)
zum Fang kleiner Säugethiere und Vögel, und beson-
ders zur Reiherbeitze etc. abgerichtet. Im Orient hat
man diese Jagd (besonders auf die Gazellen,) schon in
den ältesten Zeiten getrieben, in Europa ist sie aber erst
seit Ende des zwölften Jahrhunderts gebräuchlich.

8. †. Palumbarius. der Habicht, Taubenfalke. (Acci-
piter
, Fr. l'autour, Engl. the goose-hawk.) F. cera
nigra, margine pedibusque flauis, corpore fusco, re-
ctricibus fasciis pallidis, superciliis albis
. *

Frisch tab. LXXXI. LXXXII.

Hat meist gleiche Heimath mit der vorigen Gattung.

[Seite 161]

9. †. Nisus. der Sperber, Vogelfalke. (Fr. l'epervier,
Engl. the sparrow hawk.) F. cera viridi, pedibus fla-
uis, abdomine albo griseo vndulato, cauda fasciis ni-
gricantibus
. *

Frisch tab. XC. XCI. XCII.

In Europa. Ein schädlich Thier fürs Hausgeflügel,
besonders für die Tauben; auch für Rebhühner, Wach-
teln etc.

3. Strix. Eule. Rostrum breue, adun-
cum, nudum absque cera. nares barba-
tae. caput grande. lingua bifida. pedes
digito versatili. remiges aliquot serra-
tae
.

1. †. Bubo. der Uhu, Schubut, die Ohreule. (Fr.
le grand duc, Engl. the great horn-owl, the eagle-owl.)
S. auribus pennatis, iridibus croceis, corpore rufo. *

Frisch tab. XCIII.

Das größte Thier seines Geschlechts, von ungemei-
ner Stärke, so daß selbst Adler ihm zuweilen unterlie-
gen müssen. Ist so wie die folgende Gattung im ge-
mäßigtern Europa und westlichen Asien zu Hause.

2. †. Ulula. der Steinkautz, die Steineule. (Fr. la
chouette
, Engl. the brown owl) S. capite laeui, iri-
dibus croceis, corpore ferrugineo, remige tertio lon-
giore
. *

Frisch tab. XCVIII.

3. †. Passerina. das Käutzlein. (Fr. la chevêche, Engl.
the little owl.) S. capite laeui, remigibus maculis
albis quinque ordinum
. *

[Seite 162]

Frisch tab. C.

In Europa und Nordamerica.

4. Lanius. Rostrum rectiusculum, dente
vtrinque versus apicem, basi nudum. lin-
gua lacera
.

1. †. Excubitor. der Würger, Bergälster. (Fr. la
pie-grieche grise
, Engl. the great shrike.) L. cauda
cuneiformi, lateribus alba, dorso cano, alis nigris
macula alba
. *

Frisch tab. LIX.

In Europa und Nordamerica. Soll andrer Vögel
Stimme nachahmen und sie dadurch locken, um sie zu
würgen.

2. †. Collurio. der Neuntödter. (Fr. l'ecorcheur, Engl.
the red-backed shrike.) L. cauda subcuneiformi, dorso
griseo, rectricibus quatuor intermediis vnicoloribus,
rostro plumbeo
. *

Frisch tab. LX.

In Europa. Für seine Junge sammelt er Insecten,
zumahl Käfer, Schmeißfliegen etc. und spießt sie zum
Vorrath an Schwarzdorn und andres dornichtes Ge-
büsche.


II. LEVIROSTRES.

Die Vögel dieser Ordnung sind bloß den
wärmsten Erdstrichen eigen, und werden durch
die theils sehr großen, dicken, aber in Verhältniß
meist sehr leichten Schnäbel, kenntlich, deren
[Seite 163] oben (§. 61.), bey Gelegenheit der Luftbehälter
gedacht worden.

5. Psittacus. Papagey, Sittig. (Fr.
perroquet. Engl. parrot.) Mandibula su-
perior adunca, cera instructa. lingua car-
nosa, integra. Pedes scansorii
.

Das ganze Geschlecht hat, überhaupt genommen,
meist das gleiche Vaterland mit den pithecis unter den
Säugethieren. Hingegen ist merkwürdig, daß manche
einzelne Gattungen von Papageyen eine so überaus ein-
geschränkte Heimath haben, daß sich z.B. auf dem oft-
indischen Archipelagus um Lüßon verschiedne derselben
bloß einzig und allein auf der einen oder andern Insel,
und hingegen nie auf den noch so nahe liegenden be-
nachbarten, finden. Diese Thiere haben viel auszeich-
nendes eignes in ihrem Betragen. Sie wissen sich z.B.
ihrer Füße wie Hände zu bedienen, bringen ihre Speise
damit zum Munde, krauen sich damit hinter den Oh-
ren, und wenn sie auf dem Boden gehen, so treten sie
nicht wie andre Vögel bloß mit den Krallen sondern
wie Menschen und Affen mit der ganzen Ferse auf etc.
Ihr hakenförmiger Oberschnabel ist eingelenkt und sehr
beweglich, und nutzt ihnen fast statt eines dritten Fußes
zum Klettern, Anhalten; besonders aber auch zum Aus-
klauben, Knuppern u.s.w. Sie können niesen, sich
räuspern, gähnen etc. und beide Geschlechter lernen mit
ihrer dicken fleischigen Zunge und bey ihrer großen Ge-
lehrigkeit sehr leicht Worte nachsprechen. Ich hebe aus
dem zahlreichen Geschlechte nur einige derjenigen Gat-
tungen aus, die entweder ihres vorzüglichen Gefieders
[Seite 164] wegen, oder weil sie am besten sprechen lernen, am
häufigsten nach Europa gebracht werden.

1. Macao. der Aras, Indianische Rabe. P. macrourus
ruber, remigibus supra caeruleis, subtus rufis, genis
nudis rugosis
. *

Edwards's birds tab. CLVIII.

In Südamerica. Ein großes prachtvolles Thier.

2. Alexandri. P. macrourus viridis, collari pectoreque
rubro, gula nigra
. *

Edwards l. c. tab. CCLXXXXII.

In Ostindien. Der erste der, durch Alexander des
Großen Indische Züge, nach Europa gebracht worden.

3. Cristatus. der Cacadu. P. brachyurus, crista plica-
tili flaua
. *

Frisch tab. L.

In Ostindien, zumahl auf den Molucken.

4. Erithacus. der Jaco, aschgraue Papagey. P. bra-
chyurus canus, temporibus nudis albis, cauda coc-
cinea
. *

Frisch tab. LI.

Auf Guinea, Congo und Angola.

5. Amazonicus. der Amazonen-Papagey. (Ajurucuraü).
P. brachyurus viridis, fronte caerulea, temporibus
fuluis
. *

Frisch tab. XLVII.

In Brasilien.

6. Pullarius. (Fr. l'inseparable.) P. brachyurus viridis,
fronte rubra, cauda fulua fascia nigra, orbitis cine-
reis
. *

Frisch tab. LIV. fig. 1.

[Seite 165]

Auf Guinea und Ostindien. Nicht viel größer als
ein Blutfink. Hat den französischen Nahmen von der
Zärtlichkeit womit die beiden Gatten einander zuge-
than sind.

6. Ramphastos. Pfefferfras. Rostrum
maximum, inane, extrorsum serratum,
apice incuruatum. Pedes scansorii ple-
risque
.

Der ungeheure Schnabel, der alle Gattungen dieses
sonderbaren Geschlechts Südamericanischer Vögel aus-
zeichnet, ist ausnehmend leicht, von ungemein weichen
Horn und die Ränder sehr irregulär gezähnelt (d.h. am
Ober-Schnabel oft anders als am untern, auf der rech-
ten Seite anders als auf der linken u.s.w.) Die Zunge
dieser merkwürdigen Geschöpfe ist eine halbe Spanne
lang, wie von Fischbein, an der Wurzel kaum eine
Linie breit, und an den Seiten vorwärts gezasert.
Das Gefieder ist oft bey beiden Geschlechtern verschie-
den und variirt auch nach dem Alter etc. und solche na-
türliche Verschiedenheiten sind von manchen Systema-
tikern für besondre Gattungen angenommen worden.

1. Tucanus. R. nigricans, rostro flauescente, versus
basin fascia nigra, fascia abdominali flaua
. *

7. Buceros. Der Nashornvogel. (hydro-
corax
.) Rostrum maximum, inane, ad
basin versus frontem recuruatum, pedes
gressorii
.

1. Rhinoceros. B. processu rostri frontali recuruato.

[Seite 166]

Wie die übrigen Nashornvögel in Ostindien; lebt
von Aas; hat einen widrigen Geruch.


III. PICI.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze Füße,
und meist einen geraden, nicht dicken Schnabel
von mittelmäßiger Länge.

8. Picus. Specht. (Fr. pic. Engl. wood-
pecker
.) Rostrum polyedrum, apice cu-
neato. lingua teres lumbriciformis, lon-
gissima, mucronata, apice retrorsum acu-
leato. pedes scansorii
.

Die Spechte haben vorzüglich den sonderbaren Bau
der Zunge, daß sich das Zungenbein in zwey lange fe-
derförmige Knorpel endigt, die von hinten nach vorn
über den ganzen Hirnschädel unter der Haut weglaufen,
und sich an der Stirne nahe an der Schnabelwurzel fest
setzen. Diese Knorpel sind also gleichsam elastische Fe-
dern, mittelst welcher diese Vögel ihre fadenförmige
Zunge hervorschießen, und Insecten damit fangen kön-
nen. Die pedes scansorii nutzen ihnen zum Klettern,
der robuste Schwanz zum Widerstämmen und zur Un-
terstützung, der scharf zulaufende keilförmige Schnabel
aber zum Aufhacken der Baumrinde, um die Insecten etc.
darunter hervor suchen zu können.

1. †. Martius. der Schwarzspecht, gemeine Specht,
die Hohlkrähe. P. niger, vertice coccineo. *

Frisch tab. XXXIV. fig. 1.

[Seite 167]

Nebst den folgenden Gattungen im gemäßigtern Eu-
ropa.

2. †. Viridis. der Grünspecht, der Grasspecht. P. vi-
ridis, vertice coccineo
. *

Frisch tab. XXXV.

Thut den Bienenstöcken großen Schaden.

3. †. Maior. der große Bunt- oder Rothspecht. P.
albo nigroque varius, occipite rubro
. *

Frisch tab. XXXVI.

4. †. Minor. der kleine Bunt- oder Rothspecht. P.
albo nigroque varius, vertice rubro
. *

Frisch tab. XXXVII.

9. Iynx. Rostrum teretiusculum, acumi-
natum. lingua lumbriciformis, longissima
mucronata. pedes scansorii
.

1. †. Torquilla. der Drehhals, Wendehals, Natter-
windel. (Fr. le torcol, Engl. the wryneck.) F. cauda
explanata, fasciis fuscis quatuor
. *

Frisch tab. XXXVIII.

Hat seinen Nahmen von der ungemeinen Gelenksam-
keit seines Halses, und ist in ganz Europa zu Hause.

10. Sitta. Rostrum subulatum, tere-
tiusculum, apice compresso, mandibula
superiore paullo longiore; pedes ambu-
latorii
.

1. †. Europaea. der Blauspecht. (Fr. la fittelle, le tor-
chepot
, Engl. the nuthatch, the woodcracker.) S. re-
[Seite 168] ctricibus nigris: lateralibus quatuor infra apicem
albis
. *

Frisch tab. XXXIX.

In Europa und Nordamerica.

11. Todus. Rostrum subulatum, depres-
siusculum, obtusum, rectum, basi setis
patulis. pedes gressorii
.

1. Viridis. (Fr. le todier. Engl. the green sparrow.) T.
viridis, pectore rubro
.

12. Alcedo. Rostrum trigonum, crassum,
rectum, longum. digitus versatilis
.

1. †. Ispida. der Eisvogel. (Aleron. Fr. le martin
pécheur
, Engl. the kingsfisher.) A. supra cyanea, fus-
cia temporali flaua, cauda brevi
. *

Frisch tab. CCXXIII.

Fast in der ganzen alten Welt. Hält sich sowohl an
der See, als auch bey Teichen und Flüssen auf; nährt
sich von Fischen, und bricht nach der Mahlzeit die
Gräten in einem Ballen, wie die Eulen die Mäusekno-
chen etc. wieder von sich.

13. Merops. Rostrum curuatum compres-
sum, carinatum; pedes gressorii
.

1. Apiaster. der Immenwolf, Bienenfresser. (Fr. le
gnêpier
, Engl. the bee-eater.) M. dorso ferrugineo,
abdomine caudaque viridi coerulescente, gula lutea,
fascia temporali nigra
. *

Frisch tab. CCXXII.

[Seite 169]

Ein schönes Thier, das im südlichen Europa zu
Hause ist, und sich nur selten nach Deutschland verirrt.
Es lebt von Heuschrecken und andern Insecten, beson-
ders aber von Bienen, die es in großer Menge weg-
fängt.

14. Upupa. Rostrum arcuatum, conue-
xum, subcompressum obtusiusculum; pe-
des ambulatorii
.

1. †. Epops. der Wiedehopf, Kothhahn, Dreckkrä-
mer. (Fr. la hupe, Engl. the hoopoe.) V. crista va-
riegata
. *

Frisch tab. XLIII.

In Europa und Ostindien, nährt sich von Mistkä-
fern, Todtengräbern und andern Insecten, die er aus
dem Mist der Thiere auflieset. Er nistet in hohle Bäu-
me, oft auf eine Grundlage von Menschenkoth*).

15. Certhia. Baumläufer. Rostrum
arcuatum, tenue, subtrigonum, acutum;
pedes ambulatorii
.

1. †. Familiaris. die Baumklette, der Grüper, Grau-
specht, Baumkleber. (Fr. le grimpereau, Engl. the
creeper
.) C. grisea, subtus alba, remigibus fuscis;
rectricibus decem
. *

Frisch tab. XXXIX. fig. 1.

In Europa. Klettert so wie die Spechte an den
Baumstämmen herum, um Inseten und Puppen zu
suchen etc.

[Seite 170]

2. †. Muraria. der Mauerspecht. C. cinerea, macula
alarum fulua
. *

Im wärmern Europa. In altem Gemäuer, auf
Thürmen etc.

3. Coccinea. C. rectricibus remigibusque nigris, reliquo
corpore coccineo
. *

Ein kleines Thier vom schönsten Carmosinroth, auf
der für Cptn Cook unglücklichen Insel Owaihi, deren
kunstreiche Einwohner mit den Federchen desselben man-
cherley in der That überaus prachtvollen Putz, und
andre Kleidungsstücke, Helme etc. sogar ganze Mäntel etc.
überziehen.

16. Trochilus. Colibri, Honigsauger,
Blumenspecht. (Fr. oiseau-mouche. Engl.
humming bird.) Rostrum subulato-filifor-
me longum. Mandibula inferiore tubu-
lata, superiore vaginante inferiorem.
Lingua filis duobus coalitis tubulosa. pe-
des ambulatorii
.

Ueberaus kleine Vögel, aber von einer Schönheit die
weder Pinsel noch Beschreibung auszudrücken vermag.
Das Grün und Roth und Blau ihrer Federn ähnelt
dem gefärbten Golde, und thut zumahl im Sonnen-
schein eine unbeschreibliche Wirkung. Diese Thierchen
sind so zart, daß sie leicht den großen Buschspinnen
zum Raube werden, und nicht anders als durch Be-
sprützen mit Wasser gefangen werden können, da sie selbst
mit dem feinsten Schrot oder Sand in Stücke geschossen
werden würden. Sie nähren sich großentheils vom Ho-
[Seite 171] nigsaft der Blumen, den sie im Schweben und Flat-
tern mit ihrem dünnen röhrenförmigen Schnabel aus-
zusaugen wissen. Die Bildung des Schnabels differirt
bey den verschiednen Gattungen. Er ist entweder ge-
rade, oder aufwärts, oder niederwärts gebogen. Diese
Thiere sind doch nicht bloß im wärmern America son-
dern theils auch in Californien und eine Gattung sogar
in Nutka-Sund zu Hause.

1. Minimus. T. rectirostris, corpore viridi nitente, sub-
tus albido; rectricibus lateralibus margine exteriore
albis
. *

Edwards tab. CV.

Der allerkleinste bekannte Vogel, der nur ungefähr
dreyßig Gran wiegt. Sein Nest ist von Baumwolle,
und hat die Größe einer Wallnuß; und seine Eyer etwa
die von einer Zuckererbse.

2. Mosquitus. der Juwelen-Colibrit. (Fr. le Rubis-
topase
.) T. viridescens vertice purpureo aurato, gut-
ture auroreo rutile
. *

Seba thes. tab. XXXVII. fig. 1.

Ein unbeschreiblich prachtvolles Thierchen, dessen
Stirn und Scheitel wie ein Rubin, und seine Kehle
wie ein glühendes Gold glänzen.


IV. CORACES.

Die Vögel dieser Ordnung haben einen star-
ken oben erhabnen Schnabel von mittelmäßiger
Größe, und kurze Füße. Sie leben theils von
Getreide u.a. Pflanzen, Samen etc. theils von
[Seite 172] Insecten, und auch von Aas; und haben mehren-
theils ein wilderndes unschmackhaftes Fleisch.

17. Buphaga. Rostrum rectum, subqua-
drangulare: mandibulis gibbis, integris,
extrorsum gibbosioribus. Pedes ambula-
torii
.

1. Africana. (Fr. le pic boeuf. Engl. the beef-eater.)

Latham Vol. I. P. I. tab. XII.

Auf Senegal etc.

18. Crotophaga. Rostrum compres-
sum, semiouatum, arcuatum, dorsato-ca-
rinatum. Mandibula superiore margine
vtrinque angulata. Nares peruiae
.

1. Ani. (Fr. le bout de petun. Engl. the razorbilled black-
bird
.) C. pedibus scansoriis
.

Latham l. c. tab. XIII.

In Westindien. Lebt in gesellschaftlicher Verbindung,
so daß, gegen die Weise aller andern Vögel, viele Weib-
chen sich zusammen halten und sich ein gemeinschaftli-
ches Nest bauen, mit einander brüten, die Jungen ge-
meinschaftlich füttern u.s.w.

19. Corvus. Rostrum conuexum cultra-
tum, nares mystace tectae, pedes ambu-
latorii
.

1. †. Corax. der Kolk-Rabe. (Fr. le corbeau. Engl. the
raven
.) C. ater dorso atro caerulescente, cauda sub-
rotunda
. *

[Seite 173]

Frisch tab. LXIII.

Fast durchgehends in beiden Welten. Hat einen
überaus scharfen Geruch, indem er in einer weiten Ent-
fernung das Aas, das im Dickicht verborgen liegt, aus-
wittert. Er ist ein schädliches Thier, raubt Fische,
Krebse, junge Enten, selbst junge Hasen etc. stiehlt auch
Sachen, die er nicht fressen kann.

2. †. Corone die Raben-Krähe. (Fr. la corneille, Engl.
the carrion crow.) C. atrocaerulescens totus, cauda
rotundata: rectricibus acutis
. *

Buffon Vol. III. tab. III.

Hat ein eben so ausgedehntes Vaterland als der
Kolk-Rabe.

3. †. Frugilegus. die Saatkrähe, der Karechel. (Fr.
le freux, la frayonne. Engl. the rook.) C. ater, fronte
cinerascente, cauda subrotunda
. *

Frisch tab. LXIV.

In Europa. Ein überaus nützliches Thier, das
unzählige Feldmäuse, Engerlinge, Grasraupen etc. ver-
zehrt.

4. †. Cornix. die Krähe, Nebelkrähe. (Fr. la corneille
mantelée
. Engl. the royston crow.) C. cinerascens, ca-
pite iugulo alis caudaque nigris
. *

Frisch tab. LXV.

In der alten Welt. Wird ebenfalls durch die Ver-
tilgung unzähligen Ungeziefers nutzbar.

5. †. Monedula. die Dohle. (Fr. le choucas. Engl. the
jackdaw
.) C. fuscus, occipite incano, fronte alis cau-
daque nigris
. *

Frisch tab. LXVII.

[Seite 174]

Im nordwestlichern Europa.

6. †. Glaudarius. der Holzheher, Nußbeißer, Mar-
colph, Hetzle, Herrenvogel. (Fr. le jeay. Engl. the
jay
.) c. rectricibus alarum caeruleis, lineis transuer-
sis albis nigrisque, corpore ferrugineo variegato
. *

Frisch. tab. LV.

Im gemäßigten Europa. Ein schönes Thier, das sehr
leicht zu zähmen ist.

7. †. Caryocatactes. der Nußheher. (Fr. le casse noix.
Engl. the nut cracker.) C. fuscus alboque punctatus,
alis caudaque nigris: rectricibus apice albis: interme-
diis apice detritis
. *

Frisch tab. LVI.

Hin und wieder in der nordlichen Erde.

8. †. Pica. die Aelster, Aßel, Aegerste, Heister. (Fr.
la pie. Engl. the magpye.) C. albo nigroque varius,
cauda cuneiformi
. *

Frisch tab. LVIII.

In Europa und Nordamerica. Ein sehr schädliches
Thier für junges Meyergeflügel.

9. †. Graculus. der Waldrabe, Alprabe. (Engl. the
cornish chongh
.) C. violaceo nigricans, rostro pedi-
busque luteis
. *

Gesner pag. 503.

In den Gebirgen (zumahl in den Alpen) des mil-
dern Europa und des Orients.

Vermuthlich ist er einerley mit dem räthselhaften,
meines Wissens von keinem kundigen Ornithologen je
zuverläßig gesehenen coruus eremita Linn.*)

[Seite 175]

20. Coracias. Rostrum cultratum, apice
incuruato, basi pennis denudatum. pe-
des ambulatorii
.

1. †. Garrula. die Mandelkrähe, Racke, Blauracke,
der Birkheher. (Fr. le rollier, Engl. the roller.) C.
caerulea, dorso rubro, remigibus nigris
. *

Frisch tab. LVII.

Im gemäßigtern Europa und in Nordafrica. Läßt
sich in der Erntezeit, wenn die Frucht in Mandeln
steht, haufenweise auf den Feldern sehen.

21. Gracula. Rostrum conuexo-cultra-
tum, basi nudiusculum. Lingua integra
,
acutiuscula, carnosa. Pedes ambulatorii.

1. Religiosa. (Fr. le mainate, Engl. the minor grakle.)
G. nigro violacea, macula alarum alba, fascia occipi-
tis nuda, flaua
. *

Buffon vol. III. tab. XXV.

In Ostindien. Hat einen schönen Gesang, und lernt
ausnehmend deutlich Worte sprechen.

2. Quiscula, der Maisdieb. G. nigro-violacea, cauda
rotundata
. *

Catesby vol. I. tab. XII.

In Nordamerica: wo er den Schaden den er freylich
dem Mais thut, durch die Vertilgung unzähliger schäd-
licher Insecten, zumahl des Erbsenkäfers etc. reichlich
vergütet. Daher war es unüberlegt, daß man vor 40
Jahren in Pensylvanien so lange kleine Preise auf die
eingelieferten Köpfe dieses Vogels gesetzt hatte, bis er
beznahe vertilgt war. Denn von der Zeit an nahm
[Seite 176] das Ungeziefer so furchtbar überhand, daß man froh
war wie der Vogel sich allgemach wieder vermehrte.

22. Paradisea. Paradisvogel. (manuco-
diatta
.) Rostrum basi plumis tomentosis
rectum, pennae hypochondriorum lon-
giores. Rectrices duae superiores singula-
res denudatae
.

Das ganze Geschlecht von zahlreichen Gattungen hat
ein überaus eingeschränktes Vaterland, da es wohl bloß
auf Neu-Guinea zu Hause ist, von da diese Thiere als
Zugvögel nach den Molucken u.a. benachbarten Inseln
streichen. Noch jetzt schneiden die Papus diesen Thie-
ren, die wegen ihres prachtvollen Gefieders in Indien
als Putz getragen werden, wenn sie sie zu dieser Absicht
verkaufen, die Füße ab, die daher die leichtgläubigen
Alten den Paradisvögeln überhaupt abzusprechen wag-
ten, deren Bildung aber schon Magalhaens Gefehrte,
Ant. Pigafetta*) beschrieben hat.

1. Apoda. P. brunnea pennis hypochondriis luteis cor-
pore longioribus, rectricibus duabus intermediis lon-
gis setaceis
. *

Edwards tab. CX.

23. Trogon. Curucuru. Rostrum capite
breuius, cultratum, aduncum, margine
mandibularum serratum. Pedes scansorii
.

1. Viridis. T. viridi aureus, subtus luteus, gula nigra.

Edwards tab. CCCXXXI.

In Guiana.

[Seite 177]

24. Bucco. (Fr. barbu, Engl. barbet.) Ro-
strum cultratum, lateraliter compressum
apice vtrinque emarginato, incuruato,
rictu infra oculos protenso
.

1. Capensis. B. rufus, fascia humerali fulua, pectorali
nigra
.

Buffon vol. VII. tab. IV.

Hat mit dem vorigen gleiches Vaterland; und ist da-
her der gedachte Linnéische Trivialnahme nicht richtig.

25. Cuculus. Rostrum teretiusculum,
pedes scansorii
.

1. †. Canorus. der Kuckuck. (Fr. le coucou. Engl. the
cuckow
.) C. cauda rotundata nigricante albo-pun-
ctata
. *

Frisch tab. XL. u. f.

In der nordlichen alten Welt; wo er aber doch nur
von der Mitte des Aprils bis Anfang Julii zu sehen ist.
Er bebrütet die zahlreichen Eyer, die er jedes Frühjahr
legt, nicht selbst, sondern legt sie einzeln in die Nester der
Grasmücken und Bachstelzen etc. unter dieser ihre eignen
Eyer, da sich dann diese kleinen Vögel an seiner statt dem
Brüt-Geschäft unterziehen. Merkwürdig ist, daß seine Eyer
nicht größer sind, als dieser so weit kleinern Vögel ihre,
und daß sie auch nicht länger als diese bebrütet zu wer-
den brauchen. Der junge Kuckuck wächst aber dagegen
sehr schnell, und wirft die mit ihm zugleich ausgebrü-
teten jungen Grasmücken aus ihrem mütterlichen Nest.
Sein Winteraufenthalt ist noch nicht ganz zuverläßig
bekannt.

[Seite 178]

2. Indicator. der Konigkuckuck, Sengo, Mook. C.
cauda cuneiformi fusco-et albido-maculata, alis fus-
cis maculis flauis, pedibus nigris
.

Jo. Fr. Miller fasc. IV. tab. XXIV.

Im südlichern Africa vom Cap landeinwärts, hat
seinen Namen von der Fertigkeit, mit welcher er wie
der Honig-Dachs (s. oben S. 86.) seine liebste Nah-
rung, die wilden Bienennester, aufzusuchen weiß. Er
thut dies zumahl des Morgens und gegen Abend; und
die Hottentotten so wohl als die dortigen Holländer be-
dienen sich dieser Gelegenheit, um selbst den wilden
Honig einzusammeln. Sie geben auf den Ruf des
Vogels Acht, beantworten ihn durch Pfeifen, und so
hält sich dieses Thier immer um sie auf, flattert vor
ihnen her, und leitet sie zum bestimmten Orte.

26. Oriolus. Rostrum conicum, conue-
xum, acutissimum, rectum: mandibula
superiore paulo longiore, obsolete emar-
ginata, pedes ambulatorii
.

1. †. Die Golddrossel, Goldamsel, der Kirschvogel,
Bülow, Wiedewall, Pyrol, Pfingstvogel, Weih-
rauch, Bieresel. (Fr. le loriot.) O. luteus, pedibus
nigris, rectricibus exterioribus postice flauis
. *

Frisch tab. XXXI.

Hin und wieder in der alten Welt. Ein überaus
schönes Thier, wovon das Männchen goldgelb und
schwarz, das Weibchen Olivengrün ist. Macht sich ein
künstliches napfförmiges sehr dauerhaft zwischen zwey
Aestchen befestigtes Nest.

[Seite 179]

2. Persicus. der Jupujaba. O. niger, dorso postico
maculaque tectricum alarum basique rectricum lu-
teis
. *

Brisson vol. II. tab. IX. fig. 1.

In Brasilien etc. Baut sich, wie mehrere Gattungen
dieses Geschlechts, die in die wärmsten Erdstriche beider
Welten zu Hause gehören, ein langes Beutelförmiges
Nest von Schilf und Binsen*), mit einer engen Oeff-
nung, das er am Ende eines Baumzweiges aufhängt,
und dadurch seine Junge vor den Ueberfällen der Meer-
katzen und Schlangen sichert.


V. PASSERES.

Kleine Vögel, mit kurzen schlanken Füßen,
und kegelförmigem scharf zugespitztem Schnabel
von verschiedner Größe und Bildung. Sie leben
in Monogamie, nähren sich von Insecten und
Pflanzen-Samen, haben ein zartes schmackhaf-
tes Fleisch, und die meisten von ihnen singen.

27. Alauda. Rostrum cylindrico-sub-
ulatum, rectum, mandibulis aequalibus,
basi deorsum dehiscentibus. Vnguis po-
sticus rectior digito longior
.

1. †. Aruensis. die Feldlerche, Himmelslerche, Bardale.
(Fr. l'alouette. Engl. the field-lark, the sky-lark)
A. rectricibus extimis duabus extrorsum longitudina-
liter albis: intermediis inferiori latere ferrugineis
. *

[Seite 180]

Frisch tab. XV. fig. 1.

Fast in der ganzen alten Welt. Badet sich wie Hüh-
ner und viele andre so genannte Scharrvögel (Aues
pulueratrices
) im Sand.

2. †. Cristata. die Haubenlerche, Kobellerche, Heide-
lerche, der Rothmönch. (Fr. le cochevis) A. re-
ctricibus nigris: extimis duabus margine exteriori
albis, capite cristato
. *

Frisch tab. XV. fig. 2.

In Deutschland und den benachbarten Ländern.

28. Sturnus. Rostrum subulatum, an-
gulato-depressum, obtusiusculum: man-
dibula superiore integerrima, margini-
bus patentiusculis
.

1. †. Vulgaris. der Staar, die Sprehe. (Fr. l'etour-
neau
. Engl. the stare, the sterling.) S. rostro flaues-
cente, corpore nigro punctis sagittatis albis
. *

Frisch tab. CCXVII.

Meist in der ganzen alten Welt. Ein nutzbares
Thier, das unzählige schädliche Insecten vertilgt, und
dabey ausnehmend gelehrig ist, leicht Worte sprechen
lernt etc.

29. Turdus. Rostrum tereti-cultratum:
mandibula superiore apice deflexo, emar-
ginato. faux ciliata
.

1. †. Visciuorus. die Schnarre, Misteldrossel, der Zie-
mer, Mistler, Brachvogel, Zaritzer (Fr. la draine.
Engl. the missel bird, the shrite.) T. dorso fusco, collo
maculis albis, rostro flauescente
. *

[Seite 181]

Frisch tab. XXV.

Hin und wieder in der alten Welt. Nährt sich von
Mistelbeeren, die auch häufig durch ihn fortgepflanzt
werden.

2. †. Pilaris. der Krammetsvogel (Fr. la litorne, la
tourdelle
. Engl. the fieldfare.) T. rectricibus nigris:
extimis margine interiore apice albicantibus, capite
vropygioque cano
. *

Frisch tab. XXVI.

Im nordlichen Europa, streicht aber ins südliche.
Nährt sich vorzüglich von Wachholder- (Krammets-)
Beeren.

3. †. Iiiacus. Zipdrossel, Rothdrossel, Zippe. (Fr. le
mauvis
. Engl. the redwing.) T. alis subtus ferru-
gineis, superciliis flauescentibus
. *

Frisch tab. XXVIII.

Im gemäßigtern Europa. Glättet sein Rest mit
Letten und faulem Holze aus; und da letztres theils
im Finstern leuchtet, so könnte vielleicht so ein qui pro
quo
den Anlaß zur Erzählung der Alten von einer
Ave hercynica noctu lucente gegeben haben.

4. †. Musicus. die Sangdrossel, Weindrossel, Weiß-
drossel. (Fr. la grive. Engl. the throstle, the song
thrush
.) T. remigibus basi interiore ferrugineis
. *

Frisch tab. XXVII.

Hat ungefähr gleiches Vaterland mit der vori-
gen. Zuweilen findet sich eine weißgraue Spielart
von ihr.

5. Polyglottus. die Americanische Nachtigall, Sinsonte.
(Fr. le moqueur. Engl. the mock bird.) T. fusco-ci-
[Seite 182] nereus, subtus albidus, maculis verticis, alarum et
caudae candidis
.

Catesby vol. I. tab. XXVII.

In Luisiana, Carolina, auch auf Jamaica etc. Er
soll keinen eigenthümlichen Gesang haben, aller an-
dern Vögel Stimme, auch Lachen und Weinen der
Menschen aufs täuschendste nachmachen; und dabey
in unaufhörlicher Bewegung und Lebhaftigkeit seyn.

6. †. Merula. die Amsel, Schwarzdrossel. (Fr. le
merle
. Engl. the blackbird, amzell.) T. ater, rostro
palpebrisque flauis
. *

Frisch tab. XXIX.

Im gemäßigtern Europa. Lebt einsam, nährt sich
von Wachholderbeeren, hat ein treues Gedächtniß,
und behält, was sie ein Mahl pfeifen gelernt hat, le-
benslang.

30. Ampelis. Rostrum rectum, conue-
xum: mandibula superiore longiore,
subincuruata, vtrinque emarginata
.

1. Garrulus. der Seidenschwanz, Pfeffervogel, Ster-
bevogel, Böhmer. (Fr. le jaseur de Boheme. Engl.
the bohemian chatterer.) A. occipite cristato: racheos
s. costae remigum secundariorum apice coccineo com-
planato
. *

Frisch tab. XXXII.

Im nördlichsten Europa, kommt aber in manchen
Jahren zur Herbstzeit (vermuthlich wenns in seiner
Heimath strenger Winter werden will) häufig nach
Deutschland: zumahl auch auf den Harz.

[Seite 183]

31. Loxia. Rostrum conico-gibbum;
frontis basi rotundatum. mandibula in-
ferior margine laterali inflexa
.

1. †. Curuirostris. der Kreuzschnabel, Krummschna-
bel, Krünitz, Tannenpapagey. (Fr. le bec croisé.
Engl. the cross-bill, the sheld-apple.) L. rostro for-
ficato
. *

Frisch tab. XI. fig. 3. 4.

In den Schwarzwäldern der nördlichern Erde.
Zeigt in Rücksicht seiner schönen Farben, im Gebrauch
seines Schnabels und überhaupt in seinem ganzen Be-
tragen, manche Aehnlichkeit mit den Papageyen. Das
Männchen ist roth, wird aber mit der Zeit, zumahl
im Käfig, grün wie das Weibchen. Jenes lernt ar-
tig pfeifen. Dieses brütet mitten im Winter zu Ende
des Jänners und kalfatert das Nest mit Harz, um
es gegen Nässe und Schnee dauerhaft zu machen.

2. †. Coccothraustes der Kernbeißer, Kirschfink, Kirsch-
knäpper. (Fr. le gros bec. Engl. the hawfinch.) L. li-
nea alarum alba, remigibus mediis apice rhombeis,
rectricibus latere tenuiore baseos nigris
. *

Frisch tab. IV. fig. 2. 3.

Hin und wieder in Europa. Vermag mit seinem
starken Schnabel Kirschkerne und Wallnüsse aufzubeis-
sen, und sich gegen Hunde und Katzen zu mehren.

3. †. Pyrrhula. der Dompfaff, Blutfink, Liebig, Gim-
pel, Rothfink, Gieker. (rubicilla. Fr. le bouvreuil.
Engl. the bullfinch.) L. artubus nigris, rectricibus cau-
dae remigumque posticarum albis
. *

Frisch tab. II. fig. 1. 2.

[Seite 184]

In der nordlichern alten Welt. Ein ausnehmend
vertrauliches zuthuiges Geschöpf, wovon beide Ge-
schlechter außer ihrem eigenthümlichen sanften Ton,
auch sehr leicht Lieder pfeifen, selbst einander accom-
pagniren, und sogar Worte aussprechen lernen.

4. Cardinalis. der Indianische Haubenfink, die Virgi-
nische Nachtigall. (Engl. the red bird.) L. cristata
rubra, capistro nigro, rostro pedibusque sanguineis
. *

Frisch tab. IV. fig. 1.

In Nordamerica, ist wegen der Schönheit seines
rothen Gefieders und seines vortrefflichen Gesanges ge-
schätzt.

5. Oryzivora. der Reis-Dieb, Padda. L. fusca, tem-
poribus albis, rostro rubro
. *

Edwards tab. XLI. u. f.

In Ostindien, Schina etc. auf den Reisfeldern.

6. †. Chloris. der Grünfink, Grünling, Grünschwanz,
die Zwuntsche. (anthus, florus. Fr. le verdier. Engl.
the greenfinch.) L. flauicanti-virens, remigibus pri-
moribus antice luteis, rectricibus lateralibus quatuor
basi luteis
. *

Frisch tab. II. fig. 3. 4.

Hin und wieder in Europa.

32. Emberiza. Ammer. Rostrum coni-
cum, mandibulae basi deorsum, a se inui-
cem discedentes: inferiore lateribus in-
flexo-coarctata, superiore angustiore.

1. †. Niualis. die Schneeammer, der Schneevogel.
(Fr. l'ortolan de neige. Engl. the snow bunting.) E. re-
[Seite 185] migibus albis, primoribus extrorsum nigris: rectrici-
bus nigris, lateralibus tribus albis
. *

Frisch tab. VI. fig. 1. 2.

In der nordlichen Erde. Läßt sich zuweilen mit ein
Mahl in ganz unermeßlichen Zügen sehen: wie im
Febr. 1766. hier um Göttingen herum.

2. †. Miliaria. die graue Ammer. (Fr. le proyer. Engl.
the bunting.) E. grisea, subtus nigro maculata, orbi-
tis rufis
. *

Frisch tab. VI. fig. 4.

Meist durch ganz Europa.

3. †. Hortulana. der Ortolan, Kornfink, der Fettam-
mer, Windsche Goldammer. E. remigibus nigris,
primis tribus margine albidis: rectricibus nigris, la-
teralibus duabus extrorsum nigris
. *

Frisch tab. V. fig. 3. 4.

In den wärmern Gegenden von Europa und dem
benachbarten Asien.

4. †. Citrinella. die Goldammer, Gelbgans, der
Emmerling. (Fr. le bruant. Engl. the yellow hammer.)
E. rectricibus nigricantibus: extimis duabus latere
interiore macula alba acuta
. *

Frisch tab. V. fig. 1. 2.

Meist durch ganz Europa.

5. Paradisaea. die Witwe. (Fr. la veuve à collier d'or.)
E. fusca, pectore rubro, rectricibus intermediis qua-
tuor elongatis acuminatis: duabus longissimis, rostro
rubro
. *

Edwards tab. LXXXVI.

[Seite 186]

Auf Angola etc. Ein muntrer Vogel der unser Cli-
ma gut verträgt, und daher häufig heraus gebracht
wird.

33. Tanagra. Rostrum conicum, acumi-
natum, emarginatum, basi subtrigonum
,
apice decliue.

1. Jacapa. (Fr. le cardinal pourpré, le bec d'argent.
Engl. the red-breasted blackbird.) T. atra, fronte iu-
gulo pectoreque coccineis
. *

Edwards tab. CCLXVII.

In Westindien und dem benachbarten America.

34. Fringilla. Fink. Rostrum conicum
rectum acuminatum
.

1. †. Caelebs. der Buchfink, Gartenfink, Rothfink,
Waldfink. (Fr. le pinçon. Engl. the chaffinch.) F. ar-
tubus nigris, remigibus vtrinque albis, tribus primis
immaculatis: rectricibus duabus oblique albis
. *

Frisch tab. I. fig. 1. 2.

Der Finken Gesang ist überaus mannigfaltig, so daß
man wohl zwanzig verschiedene Gattungen zählt, die
von den Vogelstellern mit eignen Nahmen belegt, und
verschiedentlich geschätzt werden. Mehrentheils schla-
gen die Finken in jedem Revier von sechs oder mehr
Meilen in die Runde überein, und in benachbarten
Gegenden wieder anders. Oft hat aber auch ein Fink
drey bis viererley Gesang, mit dem er abwechselt.

2. †. Montifringilla. der Bergfink, Tannenfink, Koth-
fink, Mistfink, Rowert, Schneefink, Winterfink,
[Seite 187] Quäkfink, Nikawitz, Zetscher, Gegler. (Fr. le
pinçon d'Ardennes
. Engl. the bramble.) F. alarum basi
subtus flauissima
. *

Frisch tab. III. fig. 1. 2.

Linné fauna suec. tab. II. fig. 198.

Im nordlichen Europa.

3. Niualis. der Schneefink. (Fr. la niverolle.) F. fusca,
subtus niuea, remigibus secundariis tectricibusque
albis
. *

Brisson vol. III. tab. XV. fig. 1.

Auf dem Caucasus, und in den Europäischen Alpen.
Zumahl auf dem St. Gotthard und dem großen St.
Bernhard, wo er in den Clostergängen des Hospitii
nistet.

4. †. Carduelis. der Stieglitz, Distelfink. (Fr. le char-
donneret
. Engl. the goldfinch, the thistlefinch.) F.
fronte et gula coccineis, remigibus antrorsum flauis:
rectricibus duabus extimis medio, reliquisque apice
albis
. *

Frisch tab. I. fig. 3. 4.

Fast durch ganz Europa und in den benachbarten
Ländern der übrigen alten Welt. Gibt mit der Ca-
narien-Sie vorzüglich schöne Bastarden.*)

5. Amandaua. der Finke von Bengalen. (Fr. le Ben-
gali piqueté
.) F. fusca rufescensque albo punctata
. *

Buffon vol. IV. tab. II. fig. 1.

In Ostindien. Ein überaus niedlicher kleiner Vo-
gel, von dem man behauptet, daß er gelbe Knochen
[Seite 188] habe, das ich aber bey denen, die ich zu untersuchen
Gelegenheit gehabt, nicht bestätigt gefunden.

6. Canaria. der Canarienvogel, ehedem Zuckervöglein.
(Fr. le serin de Canarie.) F. rostro corporeque albo
flauescente, rectricibus remigibusque virescentibus
. *

Frisch tab. XII. fig. 1–4.

Scheint zu Anfang des sechszehnten Jahrhunderts
aus den Canarischen Inseln zuerst nach Europa ge-
bracht worden zu seyn; ist aber schon gegen Ende des-
selben in Deutschland gemeiner geworden, und seitdem
in mancherley Varietäten ausgeartet. Die Stamm-
Race scheint die bräunlich-grüne zu seyn, die auf
den Canarischen Inseln in kalten gebirgigen Gegenden
am Wasser nistet. Unter den übrigen sind vorzüglich
die mit der Holle oder Federbüschchen auf dem Kopfe
(so genannte Kapp-Vögel), und die Kackerlacken mit
rothen Augen zu merken.

7. †. Spinus. der Zeisig, Erlenfink. (ligurinus, acanthis.
Fr. le tarin. Engl. the siskin.) F. remigibus medio
luteis: primis quatuor immaculatis, rectricibus basi
flauis, apice nigris
. *

Frisch tab. XI. fig. 1. 2.

Ist ursprünglich wohl im äußersten Norden zu Hause:
und kommt bloß zum Ueberwintern ins gemäßigte Eu-
ropa, daher auch sein Nest hier zu Lande so sehr selten
gefunden wird.*) Ist sehr gelehrig; lernt Lieber pfei-
fen und Worte sprechen.

[Seite 189]

8. †. Cannabina. der Hänfling, Leinfink, die Artsche.
(Fr. la linotte. Engl. the greater linnet.) F. remigi-
bus primoribus rectricibusque nigris, vtroque margine
albis
. *

Frisch tab. IX. fig. 1. 2.

In Europa und Nord-America. Die Bastarden,
die man mit ihm und der Canarien-Sie erzielt, sind
gegen die Weise anderer Bastarden zuweilen fruchtbar.

9. †. Linaria. das Citrinchen, Gräslein, Steinschöß-
lein, der Bergzeisig, Meerzeisig, Flachsfink, Car-
minbänfling. (Fr. le sizerin. Engl. the lesser linnet.)
F. remigibus rectricibusque fuscis, margine obsolete
pallido, litura alarum albida
. *

Frisch tab. X. fig. 3. 4.

In der ganzen nördlichen Erde. Hat einen sanften
lieblichen Gesang, und wird sehr zahm.

10. †. Domestica. der Sperling, Spatz, Lüning.
(Fr. le moineau. Engl. the sparrow.) F. remigibus
rectricibusque fuscis, gula nigra, temporibus ferru-
gineis
. *

In ganz Europa und den benachbarten Ländern der
übrigen alten Welt. Hält sich aber nicht in Schwarz-
wäldern auf. Ueberhaupt ist der Sperling gleichsam
ein Hausthier das sich wie die Maus von selbst nach
den Menschen gezogen hat. Er wird ungemein kirre,
ist sehr wollüstig, und brütet vier Mahl im Jahre.
Freylich für Gärten und Feld ein schädliches Thier,
das aber doch auch unzähliges Ungeziefer vertilgt.
Zuweilen finden sich ganz weiße Sperlinge.

[Seite 190]

35. Muscicapa. (Fr. gobe mouche. Engl.
flycatcher.) Rostrum subtrigonum vtrin-
que emarginatum, apice incuruo; vibrissae
patentes versus fauces
.

1. †. Atricapilla. der Fliegenschnäpper. M. nigra,
subtus frontisque macula alarumque speculo albis,
rectricibus lateralibus extus albis
. *

Frisch tab. XXIV. fig. 1.

Linné fauna suecica. tab. I. fig. 229.

Hin und wieder in Europa.

36. Motacilla. Rostrum subulatum
rectum: mandibulis subaequalibus
.

1. †. Luscinia. die Nachtigall, Philomele. (Fr. le
rossignol
. Engl. the Nightingale.) M. rufo-cinerea,
armillis cinereis
. *

Frisch tab. XXI fig. 1. 2.

Das entzückende Thier ist ein Vorrecht der kühlern
und gemäßigtern Erdstriche von Europa und Asien,
das im April in unsern Gegenden ankommt, und wo-
von die Männchen meist vierzehn Tage früher als die
Weibchen eintreffen. Diese machen in schattigen Ge-
büsch ein leichtes Nest von dürrem Eichen-Laub,
Bast*) etc. und legen vier olivengrüne Eyer, brüten
aber zu wiederholten Mahlen. Zu Ende des Augusts
ziehen sie wieder von uns, man weiß noch nicht ge-
wiß, wohin; wenigstens, so viel bekannt, nicht nach
Africa.

[Seite 191]

2. †. Curruca. die Grasmücke, der Heckenschmatzer,
Weidenzeisig. (Fr. la fauvette. Engl. the hedge spar-
row
.) M. supra fusca, subtus albida, rectricibus fus-
cis: extima margine tenuiore alba
. *

Frisch tab. XXI. fig. 3.

Im gemäßigtern Europa. Von ihr werden die
mehresten Kuckuckseyer ausgebrütet.

3. Alpina. die Flüe- (d.h. Felsen-) Lerche. (Fr. la
fauvette des alpes
.) M. griseo-ferruginea, gula alba
maculis lunatis fuscis, rectricibus alarum nigricanti-
bus versus apicem linea punctatis alba
. *

Andreä Br. aus der Schweiz tab. XIII.

Dieses von den Ornithologen oft verkannte*) artige
Thier ist in den gebirgigen Gegenden des mittlern
Europa zu Hause, vorzüglich häufig auf den fetten
Alpen-Weiden. Hat einen angenehmen Gesang und
sehr schmackhaftes Fleisch.

4. †. Ficedula. die Beccafige. M. subfusca, subtus alba,
pectore cinereo maculato
. *

Frisch tab. XXII. fig. 3. 4.

Im mildern und wärmern Europa, zumahl auf der
Insel Cyprus, von wannen sie wegen ihres schmack-
haften Fleisches in größter Menge weit verführt wird.

5. †. Alba. das Ackermännchen, die weiße oder graue
Bachstelze. (Fr. la lavandiere. Engl. the white water-
wagtail
) M. pectore nigro, rectricibus duabus late-
ralibus dimidiato oblique albis
. *

[Seite 192]

Frisch tab. XXIII. fig. 4.

Meist in der ganzen alten Welt.

6. †. Atricapilla. der Klosterwenzel, Mönch. (Fr. la
fauvette à tête noire
. Engl. the black-cap.) M. testa-
cea, subtus cinerea, pileo obscuro
. *

Frisch tab. XXIII. fig. 1.

Linne' fauna suecica tab. I. fig. 256.

Im gemäßigtern Europa. Ihr Schlag ähnelt fast
der Nachtigall ihrem.

7. †. Phoenicurus. das Schwarzkehlchen (Fr. le rossignol
de muraille
. Engl. the redstart.) M. gula nigra, ab-
domine caudaque rufis, capite dorsoque cano
. *

Frisch tab. XIX. fig. 1.

Hat gleiches Vaterland mit der Nachtigall; kommt
und geht auch zu gleicher Zeit mit ihr; hat auch eine
überaus anmuthige Stimme.

8. †. Rubecula. das Rothkehlchen, Rothbrüstchen,
der Rothbart. (erithacus. Fr. le rougegorge. Engl. the
red breast
.) M. grisea, gula pectoreque ferrugineis
. *

Frisch tab. XIX. fig. 2.

Meist in ganz Europa. Bleibt auch über Winter
bey uns. Ist gar nicht scheu, sondern kirr und dreist.
Aber beissig, so daß nach dem lat. Sprichwort nicht zwey
Paar in einem Busche sich vertragen. Tödtet auch leicht
andere Vögel.

9. †. Troglodytes. der Zaunkönig, Zaunschlupfer,
Schneekönig, Winterkönig. (Engl. the wren.) M.
grisea, alis nigro cinereoque vndulatis.
*

Frisch tab. XXIV. fig. 3.

[Seite 193]

In der nordlichen Erde. Ein muntrer kleiner Vogel,
der seine Stimme bey Wind und Wetter und herbem
Frost dennoch hören läßt, und im Winter an den Zäu-
nen herum sein Futter sucht und Raupennester ablieset.
Macht sich ein warmes, weiches, bedecktes Nest, fast in
Gestalt eines Backofen*), und legt sehr zahlreiche Eyer.

10. †. Regulus. das Goldhähnchen. (Fr. le roitelet.)
M. remigibus secundariis exteriori margine flauis, me-
dio albis, crista verticali crocea
. *

Frisch tab. XXIV. fig. 4.

In vielen Gegenden beider Welten. Der aller-
kleinste europäische Vogel.

11. Sartoria. der Schneidervogel. M. tota pallide lutea.

Pennant's Indian Zoology. tab. VIII.

In Indien. Kleiner als der Zaunkönig. Hat den
Nahmen von der merkwürdigen Art, wie er sein Nest
aus zwey Baumblättern verfertigt, da er ein dürres
Blatt an ein grünes am äußersten Ende eines Zweiges
gleichsam annähet, so daß beide zusammen eine tuten-
förmige Höhlung bilden, die er mit seinen Flaumen
ausfüttert.

37. Pipra. Manakin. Rostrum capite
breuius, basi subtrigonum integerrimum,
apice incuruum. Pedes gressorii
.

1. Rupicola. (Fr. le coq de roche.) P. crista erecta mar-
gine purpurea, corpore croceo, tectricibus rectricum
truncatis
.

[Seite 194]

Edwards tab. CCLXIV.

In Guiana etc.

38. Parus. Meise (Fr. mesange Engl.
titmouse.) Rostrum integerrimum, basi
setis tectum
.

1. †. Maior. die Kohlmeise, Brandmeise, Spiegel-
meise, Pickmeise, Finkmeise. (Fr. la charbonniere.
Engl. the great titmouse.) P. capite nigro, tempori-
bus albis, nucha lutea
. *

Frisch tab. XIII. fig. 1. 2.

Meist durch die ganze alte Welt. Ein muthiges
Thier, das weit größere Vögel anfällt, andern kleinen
Sangvögeln die Köpfe aufpickt, und auch wohl schla-
fenden Kindern nach den Augen hackt. Man hat bey
dieser und andern über Winter bey uns bleibenden Gat-
tungen dieses Geschlechts angemerkt, daß dann das
Horn ihres Schnabels weit härter wird als im Som-
mer, das ihnen beym Auspicken ihres Futters aus dem
gefrornen Erdreich zu passe kommt.

2. †. Caeruleus. die Blaumeise, Pimpelmeise, Jung-
fernmeise, der Blaumüller (Fr. la mesange bleue.
Engl. the nun.) P. remigibus caerulescentibus: pri-
moribus margine exteriore albis, fronte alba, vertice
caeruleo
. *

Frisch tab. XIV. fig. 1.

Häufig in Europa. Ein schönes und überaus nutzba-
res kleines Thier, das Jahr aus Jahr ein unzählige
Menge Insecten und deren Eyer vertilgt.

3. †. Caudatus die Schwanzmeise, Moormeise, Schnee-
meise, Zagelmeise, der Backofendrescher, Pfannen-
[Seite 195] stiel. (Fr. la mesange à longue queue. Engl. the long-
tailed titmouse
) P. vertice albo, cauda corpore lon-
giore
. *

Frisch tab. XIV. fig. 3.

In Europa und Westindien. Sehr dick befiedert.
Legt zwanzig Eyer, und baut sich ein kunstreiches sack-
förmiges Nest*) von Moos, Wolle etc. und bekleidet
es, um es zu verbergen, von außen mit den nähmli-
chen Baumkrätzen u.a. Moosen, womit der Baum, an
dessen Stamm sie es angelegt, bewachsen ist.

4. †. Biarmicus. das Bartmännchen, der Indiani-
sche Sperling. (Fr. le moustache. Engl. the bearded
titmouse
) P. vertice cano, cauda corpore longiore,
capite barbato
. *

Frisch tab. VIII. fig. 3.

Im nordwestlichen Europa, England etc.

5. Pendulinus. die Beutelmeise, Pendulinmeise, der
Remitz, Cottonvogel. (Fr. la mesange de Pologne.)
P. capite subferrugineo, fascia oculari nigra, remigi-
bus rectricibusque fuscis margine vtroque ferrugineo
.

Buffon vol. III. tab. XXIX. fig. 2.

J. D. Titii parus minimus remiz descriptus. Lips.
1755. 4. tab. I. II.

Hin und wieder in Ober-Italien, Pohlen, Sibi-
rien etc. Baut sich ein ungemein künstliches beutelför-
miges Nest von Pappelwolle etc. das sie an einem dünnen
Aste aufhängt.

[Seite 196]

39. Hirundo. Schwalbe. Rostrum mi-
nimum incuruum, subulatum, basi de-
pressum
.

Die Schwalben zeichnen sich auch außer ihrer Bil-
dung durch ihre Lebensart etc. gar sehr von den übrigen
Thieren dieser Ordnung aus. Sie gehen fast nie, son-
dern verrichten ihre Geschäfte meist fliegend oder sitzend.
Haben einen weiten Rachen, und wissen damit sehr ge-
schickt die Insecten aus der Luft oder über dem Wasser
im Flug wegzuschnappen. Die bekannte Streitfrage
über den Winteraufenthalt unsrer hieländischen Schwal-
ben, zumahl der beiden ersten Gattungen, ist nach allem
was darüber geschrieben worden, doch noch nicht voll-
kommen ins Reine. Schade, daß bey den für die eine*)
oder für die andre**) Behauptung angeführten Erfah-
rungen, die Gattungen an welchen sie gemacht worden,
nicht bestimmt genug angegeben sind. In dubio scheint
doch aber immer das Wegziehen derselben nach wär-
mern Gegenden bey weiten die mehreste Wahrscheinlich-
keit für sich zu haben.

1. †. Domestica. die Rauchschwalbe, Feuerschwalbe.
(hirundo rustica Linn. Fr. l'hirondelle de cheminée.
Engl. the house-swallow, the chimney-swallow.) H.
[Seite 197] rectricibus, exceptis duabus intermediis, macula alba
notatis
. *

Frisch tab. XVIII. fig. 1.

In der ganzen nordlichen Erde. Die Benennungen
dieser und der folgenden Gattung sind bey den Syste-
matikern aufs seltsamste vermengt und verwechselt wor-
den. Hier diese mit den nakten unbefiederten Füßen
und weißgefleckten Schwanzfedern heißt füglich die
Stadtschwalbe, da sie öfter als die folgende in den
Städten sich findet. Sie baut ihr offenes Nest an die
Dachgiebel, Ställe, Scheuern, und auf den Dörfern
in den Hausären und unter die Rauchfänge.

2. †. Agrestis. die Hausschwalbe, Fensterschwalbe,
Mehlschwalbe, Spyrschwalbe. (hirundo vrbica
Linn. Fr. l'hirondelle de muraille, le martinet à cul
blanc
. Engl. the martin.) H. pedibus hirsutis, rectri-
cibus immaculatis, dorso nigro caerulescente, tota
subtus alba
. *

Frisch tab. XVII. fig. 2.

Hat nebst der folgenden meist gleiches Vaterland mit
der vorigen. Nistet meist auf den Dörfern außerhalb
der Häuser unterm Dache, an den Kirchfenstern etc.
Das Nest ist wie ein Backofen oben zugewölbt und die
Leim-Klümpchen woraus es besteht, sind ziemlich regel-
mäßig fast wie Quaterstücken über einander gelegt.

3. †. Riparia. die Uferschwalbe, Erdschwalbe. (Fr.
l'hirondelle de ripage. Engl. the sand martin, the shore
bird
.) H. cinerea, gula abdomineque albis
. *

Frisch tab. XVIII. fig. 2.

Baut in Fluß-Ufern, Leimgruben, Sandhügeln etc.

[Seite 198]

4. Esculenta. die Salangane. H. rectricibus omnibus
macula alba notatis
.

Von der Größe eines Zaunkönigs. Findet sich auf
den Sundaischen u.a. Inseln des Indischen Archipela-
gus bis Neu-Guinea etc. Baut da in die Uferlöcher
und Berghöhlen die berufnen Indianischen- oder Tun-
kinsnester, deren Stoff der Hausenblase ähnelt, aber
noch weiter nicht genau bekannt ist. Man sammelt
jährlich wohl vier Millionen dieser Nestchen, die größ-
tentheils nach Schina verkauft werden.

5. †. Apus. die Mauerschwalbe, Steinschwalbe,
Thurmschwalbe. (Fr. le martinet. Engl. the black
martin, the swift
) H. nigricans, gula alba, digitis
omnibus quatuor anticis
. *

Frisch tab. XVII. fig. 1.

In allen drey Welttheilen der nordischen Erde, fliegt
meist nur früh und Abends aus. Nistet gern in Thür-
men, auf Kornböden etc.

40. Caprimulgus. Rostrum modice
incuruum, minimum, subulatum, basi
depressum. vibrissae ciliares. Rictus am-
plissimus. vnguis intermedius introrsum
ciliatus
.

1. †. Europaens. die Nachtschwalbe, Hexe, der Zie-
genmelker, Ziegensauger, Nachtrabe, Tagschläfer.
(nycticorax. Fr. l'engoulevent. Engl. the goatsucker,
night-raven.) C. narium tubis obsoletis. *

Frisch tab. CI.

In der alten Welt. Ein schön marmorirtes Thier,
das seinen Geschäften bloß des Nachts nachgeht, und
[Seite 199] im Flug beständig schnurrt. Es lebt von Nachtfaltern etc.
und die alte Sage, daß es den Ziegen die Milch aus-
sauge, ist ungegründet.


VI. GALLINAE.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze Füße
und einen convexen Schnabel, der an der Wur-
zel mit einer fleischigen Haut überzogen ist, und
dessen obere Hälft zu beiden Seiten über die
untere tritt. Sie nähren sich meist von Pflanzen-
Samen, die sie im Kropfe (§. 65.) einweichen;
leben in Polygamie, legen zahlreiche Eyer; und
geben das mehreste Hausgeflügel.

41. Columba. Taube. (Fr. und Engl.
pigeon.) Rostrum rectum versus apicem
descendens
.

a) Cauda aequali modica.

1. †. Oenas. die Haustaube, Feldtaube, Holztaube.
(vinago, linia. Fr. le biset. Engl. the stock dove.)
C. coerulescens, ceruice viridi nitente, dorso postico
albo, fascia alarum apiceque caudae nigricante
. *

Die Holztaube ist meist in der ganzen alten Welt zu
Hause. Die im Norden ziehen im Herbst nach etwas
südlichern Gegenden. Die in gemäßigtern Erdstrichen
hingegen überwintern scharenweise in Felsen-Klüften,
hohlen Bäumen etc. Das wilde Weibchen brütet zwey
Mahl im Jahre, die Haustaube hingegen wohl neun
bis zehn Mahl, so daß man von einem einzigen Paar
[Seite 200] binnen vier Jahren 14762 Tauben ziehen könnte. Die
vorzüglichsten Abartungen (wovon doch manche für be-
sondre Gattungen angesehen werden) sind folgende:

a) dasypus, die Trommeltaube. (Fr. le pigeon pattu,
Engl. the rough-footed dove.) mit langbefederten
Füßen. Frisch tab. CXLV.

b) gutturosa, die Kropftaube, der Kröpfer. (Fr.
le pigeon à grosse gorge, le grand gosier, Engl. the
cropper pigeon
.) mit einem ungeheuren Kropfe.
Frisch tab. CXLVI.

c) turbita, das Möwchen. (Fr. le pigeon cravate,
à gorge frisce, Engl. the turbit.) mit krausen Brust-
federn und ganz kurzem Schnabel. Frisch tab.
CXLVII.

d) gyratrix, der Tümler. (Fr. le pigeon culbutant.
Engl. the tumbler.) mit glattem Kopf und einem
kahlen rothen Augenring: überschlagen sich im
schnellen Flug. Frisch tab. CXLVIII.

e) cucullata, die Schleiertaube, Zopftaube. (Fr. le
pigeon romain
, Engl. the jacobine.) mit vorwärts
gerichtetem Kopf-Busche. Frisch tab. CL.

f) laticauda, die Pfauentaube, der Hühnerschwanz.
(Fr. le pigeon paon, Engl. the shaker.) mit auf-
rechtem ausgebreiteten Schwanze. Frisch tab.
CLI.

g) tabellaria, die Posttaube, Brieftaube, türkische
Taube. (Fr. le pigeon messager, Engl. the carrier
pigeon
.) mit rothen Fleischwarzen um den Schna-
bel und Augen herum. Hat ihren Nahmen daher,
weil man sich ihrer in der Levante bedient, um
Briefe zu überschicken; da man nähmlich solche
[Seite 201] Tauben aus ihren Kobeln mit in die Ferne nimmt,
und ihnen dann ein Billet unter die Flügel bindet,
mit welchem sie ihrem alten Neste zueilen, und
da abgeredeter Maßen aufgefangen, und ihnen
ihre Aufträge abgenommen werden.

2. Coronata. der Kronvogel. C. caerulescens, supra cine-
rea, orbitis nigris, crista erecta, humeris ferrugineis
. *

Jo. Fr. Miller fasc. III. tab. XVI.

Auf Neu-Guinea und den benachbarten Inseln. Fast
von der Größe des welschen Hahns.

3. †. Palumbus. die Ringtaube, große Holztaube,
Schlagtaube, Plochtaube, Kohltaube, Holztaube.
(Fr. le pigeon ramier, Engl. the ring-dove.) C. rectri-
cibus postice atris, remigibus primoribus margine ex-
teriore albidis collo vtrinque albo
. *

Frisch tab. CXXXVIII.

Meist in ganz Europa.

4. †. Turtur. die Turteltaube, Wegetaube. (Fr. la
tourterelle
. Engl. the turtle-dove.) C. rectricibus apice
albis, dorso griseo pectore incarnato, macula laterali
colli nigra lineolis albis
. *

Frisch tab. CXL.

In den warmen und gemäßigten Gegenden der alten
Welt. Ihre gepriesene Keuschheit und eheliche Treue
darf nicht so gar wirtlich verstanden werden.

5. †. Risorin. die Lachtaube. (Fr. la tourterelle à collier,
Engl. the indian turtle.) C. supra lutescens lunula
ceruicali nigra
. *

Frisch tab. CXLI.

Im mildern Europa und in Ostindien.

[Seite 202]

b) Cauda longiore cuneata.

6. Migratoria. C. orbitis denudatis sanguineis, pectore
rufo
. *

Frisch tab CXLII.

Im nordostlichen America. Ein Zugvogel, dessen
unermeßliche Züge im wörtlichen Verstande zuweilen
den Tag verdunkeln. Sie fallen dann in so dichten
Scharen auf die Bäume, daß oft sehr starke Aeste da-
von brechen; werden dann aber auch zu vielen tausen-
den von den Indianern gefangen und frisch oder geräu-
chert und getrocknet gegessen.

42. Tetrao. Macula prope oculos nuda,
papillosa.

1. †. Coturnix. die Wachtel. (Fr. la caille. Engl. the
quail
.) T. pedibus nudis, corpore griseo maculato,
superciliis albis, rectricibus margine lunulaque ferru-
ginea
. *

Frisch tab. CXVII.

In der ganzen alten Welt; von Lappland bis zum
Cap. Ein Zugvogel, der sich im Zug, zumahl auf den
Inseln des mittländischen Meers und im benachbarten
festen Lande*), zuweilen in unermeßlichen Scharen
sehen läßt. Die Männchen sind zumahl in Italien ih-
res Schlags wegen beliebt, wo man sie auch so wie in
Schina (wie Kampfhähne) Paarweise fechten läßt.

2. †. Perdix. das Rebhuhn, Feldhuhn. (Fr. la per-
drix grise
. Engl. the partridge.) T. pedibus nudis cal-
[Seite 203] caratis, macula nuda coccinea sub oculis, cauda fer-
ruginea, pectore brunneo
. *

Frisch tab. CXIV.

Im mittlern Europa und in den gemäßigten Gegen-
den des asiatischen Rußlands.

3. †. Rufus. (Fr. la perdrix rouge, la bartavelle.) T. pe-
dibus nudis calcaratis rostroque sanguineis, gula alba
cincta fascia nigra albo punctata
. *

Daubenton planch. enlum. CCXXXI.

Im südlichen Europa und Orient. Wird auf den
Inseln des Archipelagus als Meyergeflügel gehalten.

4. †. Bonasia. das Haselhuhn. (Fr. la gelinote.) T. pe-
dibus hirsutis, rectricibus cinereis punctis nigris fascia
nigra: exceptis intermediis duabus
. *

Buffon vol. II. tab. VII.

Lebt einsam in den Haselgebüschen des mittlern Europa.

5. Lagopus. das Schneehuhn, Rypen. (Fr. la gelinote
blanche
. Engl. the white game.) T. pedibus lanatis,
remigibus albis, rectricibus nigris, apice albis: inter-
mediis albis
. *

Frisch tab. CX. CXI.

Findet sich auf den Schweizer- und Savoyschen-Alpen,
und dann in den nördlichsten Erdgegenden, ist im Som-
mer von grauer, im Winter aber von weißer Farbe.

6. †. Tetrix. der Birkhahn, deutsche Fasan. (Fr.
le petit tetras, Engl. the black cock) T. pedibus hir-
sutis, cauda bifurcata, remigibus secundariis basin
versus albis
. *

Frisch tab. CIX.

In der nordlichern alten Welt.

[Seite 204]

7. †. Vrogallus, der Auerhahn. (Fr. le coq de bruyere,
le tetras. Engl. the cock of the wood.) T. pedibus
hirsutis, cauda rotundata, axillis albis
. *

Frisch tab. CVII. CVIII.

Im nordlichern Europa, hat ein äußerst scharfes Ge-
sicht und Gehör. Seine Zunge und oberer Kehlkopf
liegen tief unten im Schlunde.

43. Numida. Caput collo compresso co-
lorato cornutum. palearia carunculacea
ad latera maxillae vtriusque
.

1. Meleagris. das Perlhuhn. (Fr. la peintade. Engl.
the guiney hen.) N. rostro cera instructo nares reci-
piente
. *

Frisch tab. CXXVI.

In Africa einheimisch, aber nun fast in ganz Europa
und vielen Gegenden von America fortgepflanzt.

44. Phasianus. Genae cute nuda lae-
uigata
.

1. †. Gallus. der Haushahn. (Fr. le coq, Engl. the cock.)
P. caruncula compressa verticis geminaque gulae, au-
ribus nudis, cauda compressa ascendente
. *

Der wilde Stammhahn*) ist in Indien zu Hause,
wo ihn zuerst Dampfer auf Pulo-Condor entdeckt hat.
Er ist von rothbrauner Farbe, und zeichnet sich durch
flache hornichte Blättchen an den Spitzen der Hals- und
Flügelfedern aus (die den zinnoberrothen Flügelblätt-
[Seite 205] chen des Seidenschwanzes ähneln). Der Haushahn
hingegen ist meist über die ganze Erde verbreitet. Doch
ist er erst durch die Spanier in die neue Welt gebracht:
hingegen auf der Oster-Insel, auf Tongatabu, Owaihi,
u.a. Inseln der Südsee bey ihrer Entdeckung schon
häufig vorgefunden worden. Das Huhn ist bey der
Menge Eyer die es legt, und seinem oftmahligen Brü-
ten eins der allernutzbarsten Thiere der ganzen Classe.
Und die Streitbarkeit der Hähne hat man von jeher
zur Unterhaltung benutzt, und Hahnen-Gefechte als
Schauspiele gegeben.

Die Hühner find, wie andre Hausthiere, nach und
nach mannigfaltig ausgeartet. Daher vorzüglich fol-
gende Spielarten zu merken sind:

a) Der Englische Hahn, mit einem dichten Feder-
busch auf dem Kopf. Frisch tab. CXXIX. CXXX.

b) Der Kluthahn, ohne Schwanz. Frisch tab.
CXXXI. CXXXII.

c) Der krause Hahn, Friesländische Hahn, mit krau-
sen lockigen Federn. Frisch tab. CXXXV.

d) Das Wollhuhn, aus Japan, Schina etc. Seine
Federn find schlicht, fast wie Haare, daher die
Fabel von Bastarden die mit Kaninchen und Hüh-
nern erzeugt seyn sollten, entstanden ist.

e) Das Negerhuhn, das so wie der Mohr und der
canis aegyptius den individuellen Einfluß des Cli-
mats von Guinea erfahren und schwarze Haut er-
halten hat. Vorzüglich auf St. Jago am grünen
Vorgebirge, wo überhaupt auch noch andre Vögel
diese Sonderbarkeit haben sollen.

[Seite 206]

2. Colchicus. der Fasan. (Fr. le faisan, Engl. the phea-
sant
. P. rufus, variegatus, capite viridi caerulescente,
cauda cuneata genis papillosis
. *

Frisch tab. CXXIII.

Hat den Nahmen vom Flusse Phasis in Mingrelien
von da ihn die Argonauten zuerst nach Europa gebracht
haben. Bey den Fasanhennen ist zuweilen so wie verschie-
dentlich bey Pfauhennen die seltsame Veränderung beob-
achtet worden, daß sie das Gefieder der Hähne gekriegt
haben.

3. Pictus. der Schinesische Goldfasan. P. crista flaua,
pectore coccineo, remigibus secundariis caeruleis,
cauda cuneata
. *

Edwards tab. LXVIII. LXIX.

4. Nycthemerus. der Schinesische Silberfasan. P. albus,
crista abdomineque nigris, cauda cuneata
. *

Edwards tab. LXVI.

45. Crax. Rostrum basi cera obductum
in vtraque mandibula. Pennae caput
tegentes reuolutae
.

1. Alector. der Curasso. C. cera flaua, corpore nigro.
ventre albo
.

Buffon vol. II. tab. XIII.

In Guiana etc.

46. Meleagris. Caput carunculis spon-
giosis tectum, gula caruncula membrana-
cea longitudinali
.

[Seite 207]

1. Gallopauo. der Kalekuter, Truthahn, Puder, Wäl-
sche Hahn, Kuhnhahn. (Fr. le dindon, Engl. the
turkey.
) M. maris pectore barbato
.*

Im mittlern und nordlichern America, wo er in
großen Heerden zu hunderten, zumahl auf den höchsten
Bäumen lebt, ward 1530 zuerst nach Deutschland ge-
bracht, wo er nun wegen seines vortrefflichen Fleisches
als Meyergeflügel gehalten wird, und in zahlreiche Va-
rietäten von weißer u.a. Farben ausgeartet ist.

47. Pavo. Caput pennis reuolutis tectum,
pennae caudales elongatae, ocellatae
.

1. †. Cristatus. der Pfan, Pageluhn. (Fr. le paon,
Engl. the peacock.) P. capite crista compressa, cal-
caribus solitariis
. *

Ist wohl ursprünglich in Ostindien einheimisch, und
seit Alexanders des Großen Zeiten nach Europa ver-
pflanzt. Besonders ist das Männchen in Rücksicht der
unbeschreiblichen Pracht seiner Schwanz- oder vielmehr
Rücken-Federn eins der schönsten Geschöpfe in der Na-
tur: doch wird dieser Theil nicht vor dem dritten Jahre
beym jungen Thiere ausgebildet; so wie auch das Fe-
derbüschchen auf dem Kopfe alsdann erst hervor bricht.
Zuweilen (aber freylich sehr selten) finden sich doch auch
Pfau-Hennen mit dergleichen männlichem Gefieder*).

Auch gibt es bekanntlich eine weiße Spielart unter
den Pfauen**).

48. Otis. Rostrum mandibula superiore
fornicata, pedes cursorii
.

[Seite 208]

1. †. Tarda. der Trappe. (Fr. l'outarde, Engl. the bu-
stard
.) O. maris capite iuguloque vtrinque cristato
. *

Frisch tab. CVI. u. f.

Dieser größte hieländische Vogel ist in der gemäßig-
ten alten Welt zu Hause. Das Männchen wird wohl
gegen 30 Pfund schwer, und hat vorn am Halse einen
weiten verborgenen Sack, der sich unter der Zunge
öffnet.


VII. STRUTHIONES.

Große Landvögel, mit freyen unverbundenen
Zehen, und kurzen zum Flug ungeschickten Flü-
geln ohne Schwungfedern.

49. Struthio. Rostrum subconicum,
pedes cursorii
.

1. Camelus. der Straus. (Fr. l'autruche. Engl. the
ostrich
.) S. pedibus didactylis, digito exteriore paruo
mutico, spinis alarum binis
. *

Latham vol. III. P. I. tab. LXXI.

Der allergrößte Vogel, der eine Höhe von acht bis
zehn Fuß erreicht, und wohl drey Centner wiegt. Er
ist in Africa zu Hause, und hat in manchen Stücken
wie z.B. in Rücksicht der Brustschwiele und einer an-
dern am Hinterleibe, die ihm beide beym Liegen, Sitzen
und Schlafen zur Stütze dienen, einige Aehnlichkeit
mit dem Camel. Das Unvermögen zum Flug wird bey
ihm durch die unglaubliche Schnelligkeit seines Laufs
vergütet, worin er fast alle andere laufende Thiere über-
[Seite 209] trifft. Er läßt sich abrichten, so daß wohl zwey erwach-
sene Personen auf ihm reiten können. Vorzüglich aber
wird er durch seine Federn nutzbar. Er verschluckt zwar
zuweilen Geldstücke und ander Metall, aber der Ver-
such kann doch nicht oft ohne Schaden der Gesundheit
des Thiers wiederhohlt werden.

2. Casuarius. der Casuar, Emeu. S. pedibus tridacty-
lis, galea palearibusque nudis, remigibus spinosis
. *

Latham l. c. tab. LXXII.

In Ostindien. Kann auch so wie der Straus, Me-
tallstückchen, glühende Kohlen etc. verschlucken: hat
große Stärke in seiner mittlern Klaue, womit er
daumendicke Breter durchtreten kann. Seine Federn
sind hornicht und ähneln Pferdeharen, und es entsprin-
gen immer zwey und zwey Schafte aus einem gemein-
schaftlichen Kiele.

Der so genannte Americanische Straus, (Suri,
Tuju, struthio rhea) der in Chili zu Hause ist, hat viel
Aehnliches mit ihm..

50. Didus. Rostrum medio coarctatum
rugis duabus transuersis: vtraque man-
dibula inflexo apice. facies vltra oculos
nuda
.

1. Ineptus. der Dudu, Dronte, Walghvogel. (Cygnus
cucullatus
.) D. pedibus ambulatoriis, cauda breuissima,
pennis incuruis
.

Latham l. c. tab. LXX.

Ehedem auf Ile de France und Bourbon, aber nach
den Versicherungen des Hrn. Morel, der deßhalb an
[Seite 210] Ort und Stelle Untersuchung angestellt hat, existirt die-
ser Vogel jetzt nicht mehr. Und das ist nicht unwahr-
scheinlich, da er das schwerleibigste, langsamste Thier
der ganzen Classe, folglich leicht zu fangen, und doch
wegen seines widrigen Fleisches von wenig Nutzen
war*).


So weit die Landvögel. Nun die Was-
servögel in II. Ordnungen.

VIII. GRALLAE.

Diese, die Sumpfvögel, haben einen wal-
zenförmigen Schnabel von ungleicher Länge, lange
Füße, und mehrentheils auch einen langen Hals,
aber kurzen Schwanz. Sie halten sich in sum-
pfigem moorigem Boden auf, leben meist von
Amphibien, Fischen, Insecten und Wasserpflan-
zen, die mehresten nisten auf der Erde oder im
Schilf, und werden meist durch ihr vorzüglich
schmackhaftes Fleisch und durch ihre Eyer nutzbar.

51. Phoenicopterus. Rostrum de-
nudatum, infracto-incuruatum, denti-
culatum, pedes tetradactyli
.

1. Ruber. der Flamingo, Flamant, Schartenschnäb-
ler, Korkorre. P. ruber, remigibus nigris. *

Catesby vol. I. tab. LXXIII. sqq.

[Seite 211]

In Seegegenden der wärmern Erdstriche beider Wel-
ten. Wird bey einem mäßig großen Körper aber ganz
auffallend langen Hals und Beinen wohl Mannshoch,
und ist über und über vom schönsten Carmosinroth.

52. Platalea. Rostrum planiusculum;
apice dilatato, orbiculato, plano. Pedes
tetradactyli, semipalmati
.

1. Leucorodia. die Löffelgans, der Löffelreiher. (Fr.
la spatule. Engl. the spoon-bill.) P. corpore albo gula
nigra, occipite subcristato
. *

Frisch tab. CC. u. f.

Hin und wieder in der westlichen alten Welt.

53. Palamedea. Rostrum conicum,
mandibula superiore adunca. Pedes te-
tradactyli, fissi
.

1. Cornuta. (kamichy, camoucle.) P. alulis bispinosis,
fronteque cornuta
.

Latham vol. III. P. I. tab. LXXIV.

Im ostlichen Süd-America.

54. Mycteria. Rostrum subadscendens,
acutum: mandibula superiore triquetra
rectissima: inferiore trigona acuminata
adscendente: frons calua: nares linea-
res: pedes tetradactyli
.

1. Americana. (Jabirn. Fr. la cicogne du Bresil.)

Latham l. c. tab. XXV.

Hat mit dem vorigen Vogel gleiches Vaterland.

[Seite 212]

55. Cancroma. Rostrum gibbosum:
mandibula superiore cymbae resupinatae
forma
.

1. Cochlearia. (Fr. la cuilliere. Engl. the boat-bill.)
C. ventre rufescente.

Latham l. c. tab. XXVI.

Ebenfalls in Brasilien etc.

56. Ardea. Rostrum rectum, acutum,
longum, subcompressum. pedes tetra-
dactyli
.

1. †. Grus. der Kranich. (Fr. la grue. Engl. the crane.)
A. occipite nudo papilloso, corpore cinereo, alis ex-
tus testaceis
. *

Frisch tab. CXCIV.

In der nordlichen alten Welt, zieht aber im Herb-
ste zu großen Scharen nach wärmern Gegenden.

2. †. Ciconia. der Storch, Hennotter, Aehbähr.
(Fr. la cicogne. Engl. the stork.) A. alba, orbitis nu-
dis remigibusque nigris: rostro, pedibus cuteque san-
guineis
. *

In den mildern Gegenden fast der ganzen alten
Welt. Nährt sich nicht bloß von Amphibien, sondern
frißt auch nutzbare Thiere, ganze Ketten junge Reb-
hühner u.s.w. schleppt auch nicht selten Leinewand,
Garn etc. ins Nest um es weich auszufuttern.

3. †. Cinerea. der graue Reiher, Fischreiher. (Fr.
und Engl. heron.) A. occipite nigro laeui, dorso
caerulescente, subtus albido, pectore maculis oblon-
gis nigris
. *

[Seite 213]

Frisch tab. CXCVIII.

Fast durchgehends in beiden Welten. Schädliche
Thiere, die den Fischteichen und besonders der jungen
Brut nachtheilig werden. Sie nisten auf den höchsten
Eichen. Vorzüglich diese, doch auch andre Gattungen
Reiher werden mit Falken gebaizet.

4. Garzetta. (Fr. l'aigrette.) A. occipite cristato, cor-
pore albo, rostro nigro, loris pedibusque virescentibus
.

Buffon T. VII. tab. XX.

In Persien etc. Hat die berühmten langen, silber-
weißen, seidenartigen Rückenfedern, die in den Mor-
genländern so theuer bezahlt und auf den Turbanen etc.
getragen werden.

5. †. Stellaris. die Rohrdommel, der Iprump. (Fr.
le butor. Engl. the bittern.) A. capite laeuiusculo,
supra testacea maculis transversis, subtus pallidior,
maculis oblongis fuscis
. *

Frisch tab. CCV.

In den mildern Gegenden der nordlichen Erde. Ein
langsames träges Thier, das eine rauhe starke Stimme
hat, die es zumahl bey Regenwetterzeit von sich gibt.

57. Tantalus. Rostrum longum sub-
ulatum teretiusculum subarcuatum, sac-
cus iugularis nudus, pedes tetradactyli,
basi palmati
.

1. Ibis. T. facie rubra, rostro luteo, pedibus griseis,
remigibus nigris, corpore rufescente albido
.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils, im Anhang
tab. XXXV.

[Seite 214]

Das berühmte, ehedem in Aegypten, auf den dasi-
gen alten Denkmählern verewigte*), göttlich verehrte,
und so wie die damahligen menschlichen Leichen zu Mu-
mien kostbar einbalsamirte**) und in besondern Ge-
wölbern in größter Menge beygesetzte, aber jetzt we-
nigstens in Nieder-Aegypten ziemlich seltne Thier.

Ob der schwarze etwas kleinere Ibis eine besondre
Gattung ausmacht, oder bloß etwa im Alter vom
weißen Ibis (der ungefähr die Größe vom Storch
hat) verschieden sey, ist noch unentschieden.

58. Scolopax. Schnepfe. Rostrum te-
retiusculum obtusum, capite longius, fa-
cies tecta, pedes tetradactyli, postico plu-
ribus articulis insistente
.

1. †. Rusticula. die Waldschnepfe. (Fr. la becasse. Engl.
the woodcock.) S. rostro basi rufescente, pedibus cine-
reis, femoribus tectis, fascia capitis nigra
. *

Frisch tab. CCXXVI. u. f.

In den wärmern Gegenden der nordlichen alten Welt.

2. †. Gallinago. die Heerschnepfe, Himmelsziege, der
Haberbock, das Haberlämmchen. (Fr. la becassine.
Engl. the snipe.) S. rostro recto tuberculato, pedi-
bus fuscis, frontis lineis fuscis quaternis
. *

Frisch tab. CCXXIX.

Hat ein weit ausgedehnteres Vaterland als die vo-
rige Gattung und findet sich fast durchgehends in bei-
den Welten.

[Seite 215]

59. Tringa. Rostrum teretiusculum lon-
gitudine capitis, digito postico vniarticu-
lato, a terra eleuato
.

1. †. Pugnax. der Kampfhahn, Renomist, Hausteu-
fel. (Fr. le combattant, le paon de mer. Engl. the ruff.)
T. rostro pedibusque rubris rectricibus tribus laterali-
bus immaculatis, facie papillis granulatis carneis
. *

Frisch tab. CCXXXII u. f.

In der nordlichen alten Welt. Seinen Nahmen hat
er von der hartnäckigen Streitbarkeit, mit welcher zu-
mahl die Männchen zur Brunstzeit gegen einander
fechten.

2. †. Vanellus. der Kybitz. (Gania. Fr. le vanneau.
Engl. the lapwing.) T. pedibus rubris, crista depen-
dente, pectore nigro
. *

Frisch tab. CCXIII.

Ebenfalls in der nordlichen alten Welt. Läßt sich
mit Nutzen zahm machen und in Gärten halten, wo
er die Regenwürmer u.a. dergl. Ungeziefer vertilgt.

60. Charadrius. Regenpfeifer. (Fr.
pluvier.) Rostrum teretiusculum, obtu-
sum. Nares lineares. Pedes cursorii, tri-
dactyli
.

1. †. Hiaticula. die Seelerche. (Fr. le pluvier à crllier
Engl. the sea-lark.) C. pectore nigro, fronte nigri-
cante fasciola alba, vertice fusco, pedibus luteis
. *

Frisch tab. CCXIV.

Das überaus niedliche Thier findet sich hin und wie-
der an den Flüssen der nordlichen Erde, auch hier
[Seite 216] herum, und auf den Sandwich-Inseln des stillen
Oceans.

61. Recurvirostra. Säbelschnäbler.
Rostrum depresso-planum subulatum, re-
curuatum, acuminatum apice flexili. Pe-
des palmati, tridactyli
.

1. †. Auosetta. R. albo nigroque varia. *

Buffon vol. VIII. tab. XXXVIII.

In den mildern Gegenden der alten Welt etc. nährt
sich vorzüglich von Wasser-Insecten, die er mit seinem
sonderbar aufwärts gebognen Schnabel sehr geschickt
zu fangen weiß.

62. Haematopus. Rostrum compres-
sum: apice cuneo aequali, pedes curso-
rii tridactyli
.

1. †. Ostralegus. der Austerdieb, Austermann. (Fr.
l'hutrier. Engl. the sea pie, the pied oister-catcher.)
H. rostro pedibusque rubris. *

Latham vol. III. P. I. tab. LXXXIV.

Hin und wieder an den Seeufern aller Welttheile;
nährt sich vorzüglich von Conchylien.

63. Fulica. Wasserhuhn. Rostrum con-
uexum, mandibula superiore margine su-
pra inferiorem fornicata; frons calua, pe-
des tetradactyli, subpinnati
.

1. †. Atra. das schwarze Blaßhuhn. (Fr. la foulque,
la morelle. Engl. the coot.) F. fronte incarnata, ar-
millis luteis, corpore nigricante.
*

[Seite 217]

Frisch tab. CCIX.

In der nordlichen Erde.

64. Parra. Rostrum teretiusculum, obtu-
siusculum. Nares ouatae in medio rostri.
Frons carunculata, carunculis lobatis.
Alulae spinosae
.

1. Jacana. (Fr. le chirurgien, le chevalier.) P. vnguibus
posticis longissimis, pedibus viridescentibus
.

Buffon vol. VIII. tab. XVI.

In Westindien, Brasilien etc.

65. Rallus. Rostrum basi crassius, com-
pressum, dorso attenuatum apicem ver-
sus, aequale, acutum, pedes tetradactyli,
fissi
.

1. †. Crex. der Wachtelkönig, Schnerz, Wiesenschnar-
cher, Schars. (ortygometra. Fr. le râle de genet. Engl.
the rail, the daker hen.) R. alis rufo-ferrugineis. *

Frisch tab. CCX.

In den mildern Gegenden der alten Welt. Den
Nahmen Crex und Schnerz hat er von seiner Stimme.
Wachtelkönig heißt er etwa seiner Farbe wegen, die
der Wachteln ihrer ähnelt, oder von der alten irrigen
Sage, daß er dieser Vögel Heerführer im Strich sey.

66. Psophia. Rostrum cylindrico-coni-
cum, conuexum, acutiusculum, mandi-
bula superiore longiore. Nares ouatae,
patulae. Pedes tetradactyli fissi
.

[Seite 218]

1. Crepitans. die Trompete, der Agami, Mackuka-
wa. (Fr. l'oiseau trompette.) P. nigra pectore colum-
bino
.

Latham vol. II. P. II. tab. LXVIII.

In Süd-America, vorzüglich häufig am Amazonen-
Strom.


IX. ANSERES.

Die Vögel dieser Ordnung werden durch ihre
Schwimmfüße kenntlich, die ihnen mehr nach
hinten zu sitzen, und daher zum Rudern sehr ge-
schickt aber desto unbequemer zum Gehen sind.
Sie haben hierin so wie in ihrer Lebensart viel
Aehnliches mit den palmatis der vorigen Classe.
Ihr Oberschnabel endigt sich meist in ein kurzes
Häkchen, und ist wie der untere bey den mehre-
sten mit einer zähen Haut überzogen. Sie ha-
ben eine fleischige Zunge, einen rauhen stache-
ligen Gaumen, und bey vielen von ihnen haben
die Männchen vorn an der Luftröhre eine be-
sondre knorplige oder knöcherne Capsel*). Sie
haben dichtes fettes Gefieder, das kein Wasser
annimmt, und woran sogar bey manchen Arten
abgeschoßnes Schrot abprallt. Sie halten sich
an den Ufern des Meers, der Seen, der Flüsse,
auf Inseln, Klippen, im Schilf etc. auf, und leben
[Seite 219] mehrentheils in Polygamie. Sie legen meistens
nur Ein oder wenige Eyer; sind aber, besonders
wegen ihres Fleisches, Fettes, Federn etc. von
mannigfaltiger Nutzbarkeit.

67. Rhinchops. Rostrum rectum man-
dibula superiore multo breuiore; infe-
riore apice truncata
.

1. Nigra. (Fr. le bec én ciseaux. Engl. the seacrow, the
cut-water
.) R. nigricans, subtus alba, rostro basi
rubro
.

Brisson T. VI. tab. XXI. fig. 2.

In Nord-America. Der Oderschnabel ist kürzer als
der untre und dieser liegt in jenem gleichsam wie ein
eingeschlagnes Taschenmesser.

68. Sterna. Rostrum edentulum, sub-
ulatum, subrectum, acutum, compressi-
usculum. Nares lineares, ad basin rostri.

1. Stolida. die Noddy. (Fr. le fou.) S. corpore nigro,
fronte albicante, superciliis atris
.

Brisson T. VI. tab. XVIII. fig. 2.

In allen Meeren zwischen den beiden Wendezirkeln.
Hat ihren Nahmen von der Unbefangenheit, womit sie
sich mit Händen greifen läßt.

2. Hirundo. die Seeschwalbe. S. cauda forficata: re-
ctricibus duabus extimis albo nigroque dimidiatis
. *

Frisch tab. CCXIX.

An der ganzen nordlichsten Erde.

[Seite 220]

69. Colymbus. Rostrum edentulum,
subulatum, rectum, acuminatum, pedes
compedes
.

1. Grylle. die Grönländische Taube. (Engl. the sea
turtle
.) C. pedibus palmatis tridactylis, corpore atro,
rectricibus alarum albis
. *

Frisch tab. CLXXXV.

Ebenfalls an der ganzen nordlichsten Erde.

2. †. Troile. die Lumer. (Fr. le Guillemot.) C. pedibus
palmatis tridactylis, corpore fusco, pectore abdomi-
neque niueo, remigibus secundariis extremo apice
albis
.

Frisch tab. CLXXXV.

An den Seeküsten der nordlichen Erde.

3. †. Urinator. (Fr. la grèbe.) C. capite laeui, palpebra
inferiore lutea, macula alarum alba
. *

Edward's gleanings tab. CCCLX. fig. 2.

Im wärmern Europa, zumahl häufig auf dem Gen-
fer-See. Sein Fell wird zu den schönen Feder-Muf-
fen verarbeitet.

70. Larus. Möve. (Fr. mouette. Engl.
gull.) Rostrum edentulum rectum cultra-
tum, apice subadunco. Mandibula infe-
rior infra apicem gibba
.

Leben meist an den Küsten der nordlichen Erde,
doch finden sich auch welche auf der Südsee und zwar
in so ungeheuren Scharen daß sie gleichsam den Tag
verdunkeln wenn sie aufgejagt werden, und dabey ihre
Verfolger mit Unrath bespritzen.

[Seite 221]

1. Tridactylus. (Engl. the tarrock.) L. albicans, dorso
canescente, rectricum apicibus, excepto extremo, ni-
gris, pedibus tridactylis
. *

Brisson T. VI. tab. XVII. fig. 2.

Am nordlichen Ocean wo sie bey bevorstehenden Re-
gen oder Sturm mit lautem Geschrey nahe über dem
Wasser flattern.

71. Plotus. Rostrum rectum, acumi-
natum, denticulatum. Facies tecta, pe-
des palmati omnibus digitis connexis
.

1. Anhinga. P. ventre albo.

Willoughby tab. LXXII.

In Brasilien etc. Am Leibe von der Größe einer Ente,
aber mit einem sehr langen Hals, den das Thier spi-
ralförmig zusammen rollen und so den Kopf gegen die
Fische die es erschnappen will, los schnellen soll.

72. Phaëthon. Rostrum cultratum,
rectum, acuminatum, fauce pone rostrum
hiante. Digitus posticus antrorsum
versus
.

1. Aethereus. der Tropikvogel. (Fr. la paille en cul.
Engl. the tropic bird.) P. rectricibus duabus longis-
simis, rostro serrato, pedibus aequilibribus: digito
postico connexo
.

Brisson T. VI. tab. XLII. fig. 1.

Lebt an der offenbaren See, und zwar fast bloß zwi-
schen beiden Wendezirkeln, daher die Seefahrer seine
Erscheinung insgemein für ein Zeichen annehmen, daß
[Seite 222] sie sich nun innerhalb derselben befinden. Nährt sich
meist von den fliegenden Fischen.

73. Procellaria. Rostrum edentu-
lum, subcompressum: mandibulis aequa-
libus; superiore apice adunco; inferiore
apice compresso-canaliculato. Pedes vn-
gue postico fessili absque digito
.

1. Pelagica. der Sturmvogel, Ungewittervogel. (Fr.
le petrel. Engl. the storm-finch.) P. nigra, vropygio
albo
.

Linne' fauna suecica. tab. II. fig. 143.

Sowohl im nordlichen als südlichen Ocean. Hält
sich meist in offner freyer See fern vom Lande auf Klip-
pen auf, und die Schiffer sehen es als Zeichen eines be-
vor stehenden Sturms an, wenn er sich von da entfernt,
und nach den Schiffen flüchtet. Er hat überaus viel
Fett, und die Einwohner von Feroër etc. bedienen sich
seiner statt Lampe, indem sie ihm bloß einen Tocht
durch den Körper ziehen, und anbrennen, da dann die
Flamme von dem Fette das allmählich hinein zieht,
lange Zeit unterhalten wird.

74. Diomedea. Rostrum rectum: ma-
xilla superiore apice adunca; inferiore
truncata
.

1. Exulans. der Albatros. D. alis pennatis longissimis,
pedibus aequilibribus tridactylis
.

Edwards tab. LXXXVIII.

Seine eigentliche Heimath scheint in Süden und
Norden außerhalb der Wendezirkel zu seyn. Ist von
[Seite 223] der Größe eines Schwans, hält aber mit ausgespann-
ten Flügeln wohl 11 Fuß Breite, fliegt wohl 500 deut-
sche Meilen von irgend einem Lande entfernt, aber sel-
ten höher als 10-20 Fuß über der Meeres-Fläche. Auf
seinen weiten Zügen innerhalb der Wendezirkel nährt er
sich großentheils von fliegenden Fischen.*)

75. Pelecanus. Rostrum edentulum,
rectum: apice adunco, vnguiculato: pe-
des aequilibres: digitis omnibus quatuor
simul palmatis
.

1. †. Onocrotalus. die Kropfgans, der Pelican. (Fr.
und Engl. pelican.) P. gula saccata. *

Frisch tab. CLXXXVI.

Ein Blatt von J. E. Ridinger. 1740.

In den wärmern Gegenden der alten Welt aber auch
auf Neu-Holland: hat den Griechischen Nahmen von
ihrer Eselsstimme, den Deutschen aber von dem unge-
heuern beutelförmigen Kropfe, der ihr am Unterschna-
bel hängt, und sich so ausdehnen läßt, daß er wohl
dreyßig Pfund Wasser fassen kann. Die fabelhafte Sage
vom Pelican, der seine Junge mit seinem eignen Blute
ätzen sollte, ist wohl von der Weise entstanden, wie
dieses Thier seinen theils blutrothen Beutelkropf worin
es den Jungen das Wasser zuträgt, sodann an die Brust
drückt und so ausleert.

Die Americanische Kropfgans scheint specifisch von
dieser verschieden zu seyn.

2. Aquilus. die Fregatte. (Fr. le tailleur. Engl. the
man of war bird
.) P. alis amplissimis, cauda forfi
-
[Seite 224] cata, corpore nigro, rostro rubro, orbitis ni-
gris
.

Edwards tab. CCCIX.

Hat in der Bildung und Lebensart viel Aehnliches mit
dem Albatros: nur noch längere Flügel, die ausgespannt
auf vierzehn Fuß breit sind, und dem fliegenden Thier
ein sonderbares Ansehn geben.

3. Carbo. die Scharbe. (Fr. und Engl. cormoran.) P.
cauda rotundata, corpore nigro, rostro edentulo, ca-
pite subcristato
. *

Frisch tab. CLXXXVII.

Meist in allen fünf Welttheilen. Lebt von Fischen
die sie ganz verschluckt, und daher (so wie einige ver-
wandte Gattungen dieses Geschlechts) in Schina u.a.
zum Fischfang abgerichtet wird, indem man ihr einen
Ring um den Hals legt so daß die verschluckten Fische
oberhalb des Kropfes stecken bleiben und dem Vogel
wieder abgenommen werden.

4. Bassanus. (Fr. le fou de bassan. Engl. the gannet, the
soland goose
.) P. cauda cuneiformi, corpore albo, ro-
stro serrato, remigibusque primoribus nigris, facie
caerulea
. *

Brisson T. VI tab. XLIV.

Im Norden von Europa und America, zumahl auf
den Schottischen Inseln, und nahmentlich auf Baß*),
wovon diese Gans den Nahmen führt. Hier lauert sie
im Sommer auf die Züge der Häringe, so wie hingegen
im Winter um Portugal herum und an der Barbarey etc.
auf die Sardellen. Auf jenen Schottischen Inseln wer-
[Seite 225] den die jungen Vögel und die Eyer in unermeßlicher
Menge gegessen, und daher mit schaudervoller Lebensge-
fahr aus den Nestern in den schroffen Felsenklippen aus-
genommen.*)

76. Anas. Rostrum lamelloso-dentatum
convexum, obtusum. lingua ciliata, obtusa
.

1. †. Cygnus. der Schwan, Elbsch. (Fr. le cygne. Engl.
the swan, the elk.) A. rostro semicylindrico atro, cera
flaua, corpore albo
. *

Frisch tab. CLII.

In der ganzen nordlichen Erde: nährt sich von Frö-
schen, Wasserpflanzen etc. Man unterscheidet zwey Spiel-
arten von Schwanen (die auch von manchen Naturfor-
schern für verschiedne Gattungen angesehen werden)
nähmlich den so genannten wilden (mit gelber Haut an
der Schnabelwurzel), und den so genannten zahmen (mit
schwarzer dergleichen Haut). Jener gibt einen hellen
weit schallenden nicht unangenehmen Ton von sich, der
vielleicht zur Fabel vom melodischen Gesang der sterben-
den Schwäne Anlaß gegeben.

2. Cygnoides. die Spanische oder Schinesische Gans.
(Fr. l'oye de guinée. Engl. the swan-goose, chinese goose.)
A. rostro semicylindrico: cera gibbosa, palpebris tu-
midis.
*

Frisch tab. CLIII. CLIV.

Hält in der Größe das Mittel zwischen dem Schwan
und der Gans. Ist auf Guinea, am Cap, dann in
[Seite 226] in Sibirien und Schina, und wie es scheint auch auf
den Sandwich-Inseln des stillen Oceans zu Hause.
Man unterscheidet mehrere Varietäten.

3. †. Anser. die Gans. (Fr. l'oye. Engl. the goose.)
A. rostro semicylindrico, corpore supra cinereo, sub-
tus pallidiore, collo striato
. *

Meist in allen fünf Welttheilen wild. Unter den zah-
men soll es wohl häufig völlig schneeweiße Ganserte,
aber nur selten eine ganz weiße weibliche Gans geben.

4. Bernicla. die Baumgans, Rothgans, Schottische
Gans. A. fusca, capite collo pectoreque nigris, col-
lari albo
.

Frisch tab. CLVI.

In den kältesten Ländern der nordlichen Erde (z.B.
auf Neu-Zembla, wo sie Barents brütend fand), und
kommt bloß zum Ueberwintern nach Schottland u.a.
laulichere Gegenden, wo sie sich unter andern von dem
Thier der fast eyförmigen Entenmuschel (Lepas anati-
fera
) nährt, daher die alte seltsame Fabel entstanden,
daß diese Ente nicht aus einem Ey sondern aus diesen
Muscheln hervor komme u.s.w.*)

5. Mollissima. der Eidervogel. (Fr. l'oye à duvet. Engl.
the eiderduck, cuthbert duck.) A. rostro cylindrico,
cera postice bifida, rugosa
.

Edwards tab. XCVIII.

Brünnichs N. H. des Eidervogels. tab. I. u. f.

[Seite 227]

In der nordlichen Erde, zumahl häufig auf Island
und in Grönland. Sein Fleisch und seine Eyer find
sehr schmackhaft; was ihn aber noch wichtiger macht,
ist sein Fell, womit man Kleider futtert, und die
Flaumfedern, die unter dem Nahmen der Eiderdunen
bekannt sind.

6. †. Boschas. die Ente. (Fr. le canard. Engl. the duck.)
A. rectricibus intermediis (maris) recuruatis, rostro
recto
. *

Frisch tab. CLVIII. u. f.

Die wilde Ente findet sich fast in der ganzen alten
Welt, theils in ungemein schönen Spielarten. Die
zahmen Enten scheinen die größte Neigung zu unnatür-
licher Paarung zu haben, so daß z.B. die Entriche auf
Hühner erpicht sind und v. v. Enten den wälschen Hah-
nen nachlaufen und sie zu reitzen suchen.

7. †. Clypeata. die Löffelente. (Fr. le souchet. Engl.
the shoveler.) A. rostri extremo dilatato rotundato;
vngue incuruo
. *

Frisch tab. CLXI. u. f.

Hat meist gleiches Vaterland mit der vorigen.

77. Mergus. Taucher, Wasserhuhn.
Rostrum denticulatum, subulato-cylin-
dricum, apice adunco
.

1. †. Merganser. der Kneifer. (Fr. l'harle. Engl. the
goos-ander
.) M. crista longitudinali-erectiuscula:
pectore albido immaculato, rectricibus cinereis, scapo
nigricante
. *

Frisch tab. CXC.

[Seite 228]

In der ganzen nordlichen Erde. So wie andere Gat-
tungen dieses Geschlechts ein schädliches Thier für Fisch-
teiche, zumahl zur Leichzeit.

78. Alca. (Engl. auk.) Rostrum edentu-
lum, breue, compressum, conuexum,
transuerse sulcatum: mandibula inferior
ante basin gibbosa
.

1. Arctica. der Papageyentaucher. (Fr. le macareux.
Engl. the puffin.) A. rostro compresso-ancipiti sulca-
to sulcis
4, oculorum orbita temporibusque albis, pal-
pebra superiore mucronata
. *

An den See-Küsten der nordlichen Erde. Nistet in
Kaninchenhöhlen, oder wühlt sich auch selbst so ein un-
terirdisches Lager.

79. Aptenodytes. Fettgans, Pinguin.
Rostrum compressiusculum, subcultra-
tum, longitudinaliter oblique sulcatum:
mandibula inferior apice truncato: alae
impennes, pinniformes
.

Hr. Dr. Forster hat unter diesem Geschlechtsnahmen
sehr schicklich die bisher in andre Geschlechter (Diome-
dea, Phaëthon
etc.) zerstreueten Pinguins-Gattungen
vereinigt.*)

Ihr glattes glänzendes Gefieder, die nakten stumpfen
kleinen Flügel und ihr gerader fast aufrechter Gang ge-
ben diesen Thieren ein sonderbares Ansehen, die sich
[Seite 229] zumahl zur Brütezeit in großen Scharen, auf den ein-
samen Inseln der Südsee, vorzüglich auch um Feuer-
land herum etc. finden.

1. Patagonica. A. rostro pedibusque nigris, macula pa-
rotica aurea
.

J. R. Forster in Comment. soc. sc. Gotting. l. c.
tab
. II.

An der Magellanischen Meerenge, Südgeorgien etc.,
auch auf Neu-Guinea. Die größte Gattung. Ueber
drey Fuß hoch.

2. Magellanica. A. rostro nigro, pedibus rubicundis,
fasciis duabus albis, vna includente oculos, altera
pectorali
.

Forster l. c. tab. V.

Auf dem Feuer-Lande, auf den Falklands-Inseln etc.


Sechster Abschnitt.
Von den Amphibien
.

[Seite 230]

§. 81.

Die Säugethiere und die Vögel unterscheiden
sich beides durch die Wärme ihres Bluts (§. 25.
und 42.) und durch die Menge desselben von den
Amphibien und Fischen, als welche letztre beide
meist nur einerley Temperatur mit dem Medium
halten in welchen sie sich befinden, und dann auch
bey weitem weniger Blut als jene warmblütigen
Thiere haben.

§. 82.

Die Amphibien aber ähneln doch darin noch
den warmblütigen Thieren, und zeichnen sich hin-
gegen von den Fischen vorzüglich dadurch aus,
daß sie wie jene auch noch durch Lungen Luft
schöpfen; obgleich dieselben von weit lockrerer Tex-
tur, und auch ihre Athemzüge weit unbestimm-
ter, und so zu sagen unordentlicher sind als bey
den beiden Classen mit warmen Blute. Auch
können sie das Athemhohlen weit länger entbeh-
ren als diese, weit länger im so genannten luft-
leeren Raume, oder auch in eingesperrter Luft
(wie z.B. Kröten in einer engen Höhle mitten
[Seite 231] in Baumstämmen oder Steinblöcken) und selbst
geraume Zeit in einer Atmosphäre von fixer und
phlogistisirter Luft aushalten, und auffallende
Extreme von Hitze und von Kälte ausdauern, so
daß man z.B. ungezweifelte Beyspiele von Was-
sermolchen und Fröschen hat, die sowohl im Ma-
gen und Darmcanal vom Menschen gelebt ha-
ben, als auch dem Leben unbeschadet in dichte
Eisschollen eingefroren sind.

§. 83.

Und eben weil die Amphibien mit Lungen ver-
sehen sind, so sind sie auch noch fähig Stimme
von sich zu geben: doch scheinen einige (wie z.B.
unter den hieländischen der wahre Salamander,
die grüne Eidexe, die Blindschleiche etc.) gänz-
lich stumm zu seyn.

§. 84.

In Rücksicht der Bildung überhaupt herrscht
vorzüglich die doppelte Verschiedenheit unter den
Amphibien, daß sie entweder, wie die Schild-
kröten, Frösche, Eidexen etc. mit vier Füßen ver-
sehen sind; oder aber, als Schlangen einen lang-
gestreckten, dünnen, cylindrischen Körper ohne alle
äußere Bewegungswerkzeuge haben.

§. 85.

Die äußern Bedeckungen sind bey den Am-
phibien mannigfaltiger als bey den warmblüti-
gen Thieren. Einige sind mit einer knochichten
[Seite 232] Schale überzogen: andre mit hornartigen Rei-
fen oder mit zahlreichen kleinen Schildchen oder
mit Schuppen bedeckt: und noch andre haben
eine nakte nur mit Schleim überzogne Haut.
Die mehresten häuten sich von Zeit zu Zeit.
Manche, wie z.B. der Laubfrosch und verschiedne
Eidexen, besonders der Chamäleon, ändern auch
zuweilen plötzlich ihre Farbe. Ueberhaupt aber
gibt es in dieser Classe, gegen das gemeine Vor-
urtheil, doch Thiere von den reitzendsten Farben
so wie vom muntersten und unschuldigsten Be-
tragen. Zumahl unter den Eidexen und unter
den Schlangen.

§. 86.

Den mehresten Amphibien ist, wie schon die
Benennung der ganzen Classe andeutet, Wasser
und Land zum gemeinschaftlichen Aufenthalt an-
gewiesen. Manche gehen willkührlich in beiden
Elementen ihren Geschäften und ihrer Nahrung
nach. Andre hingegen bringen entweder eine
bestimmte Periode ihres Lebens, oder gewisse
Jahrszeiten bloß in einem von beiden zu. End-
lich sind aber auch manche entweder bloß für das
Land oder bloß für das Wasser, und nicht für
beides zugleich bestimmt.

Von den Landthieren dieser Classe leben viele
in dumpfen feuchten Dickicht; andere aber auch
in anmuthigen der Sonnenwärme ausgesetzten
Gegenden: manche gar auf Bäumen etc.

§. 87.

[Seite 233]

Manche Amphibien, zumahl unter den
Schildkröten und Schlangen, leben von sehr ge-
mischter Nahrung: andre hingegen wie der
Laubfrosch, Chamäleon etc. sind sehr eigen in der
Wahl ihrer Speisen, gehen z.B. bloß lebende
Insecten von einigen wenigen bestimmten Gat-
tungen an. Großen Theils können sie zum Wun-
der lange fasten: ich selbst habe z.B. Salaman-
der auf acht Monathe lang ohne Speise und
selbst ohne daß sie dabey beträchtlich abgezehrt
wären, erhalten: und von Schildkröten weiß
man, daß sie gegen anderthalb Jahre ohne alle
Nahrung ausdauren können.

§. 88.

Ueberhaupt scheint die Nutrition der Am-
phibien eingeschränkter als bey den warmblüti-
gen Thieren. Ich habe z.B. es nie dahin brin-
gen können sie so wie die Saugethiere und Vö-
gel mit Färberröthe zu füttern, daß die Knochen
davon gefärbt worden wären.

§. 89.

Um desto auffallender ist hingegen bey vielen
die ausnehmende Leichtigkeit und Stärke ihrer
Reproductionskraft (§. 18.), ein Vorzug, der,
wo ich nicht irre, in der obgedachten Stärke
ihrer Nerven und hingegen respectiven Kleinheit
ihres Gehirns (§. 28.) zu suchen ist; da folglich
[Seite 234] die erstern von letzterem minder abhängig sind;
und überhaupt die ganze Maschine zwar schwäch-
re Mobilität, weniger consensus zeigt, das
ganze Leben der Amphibien einfacher, und mehr
bloß vegetativ scheint als bey den warmblütigen
Thieren, – aber dagegen die Glieder mehr mit
eigenthümlicher independenter Lebenskraft verse-
hen sind. Und da folglich bey dieser mehr eigen-
thümlichen Lebenskraft der einzelnen Theile, nicht
gleich jeder Stimulus, der auf Einen Theil,
oder auf Ein System wirkt, sogleich wie bey
den warmblütigen Thieren andere in Consensus
zieht, so erklärt sich auch wohl überhaupt daher
ihr zähes Leben, so daß Frösche, denen das Herz
ausgerissen worden, doch noch umher hüpfen, und
Schildkröten, denen das Gehirn aus dem Kopfe
genommen worden, noch Monathe lang leben
können: daher auch wohl die anhaltende Beweg-
lichkeit der den Amphibien abgeschnittnen Theile,
wie z.B. der Schwänze von Wassermolchen,
Blindschleichen etc.*)

§. 90.

Zu Waffen und Vertheidigungsmitteln
dient manchen Amphibien zumahl unter den
Schlangen ihr Gift; dem Salamander, der
Feuerkröte etc. ihr milchichter Hautschaum den sie
[Seite 235] im Nothfall von sich geben; vielen auch wohl
der specifike Geruch den sie verbreiten; so zu-
mahl manche Schlangen, Kröten, Wassereidexen,
Crocodile etc.

§. 91.

Die äußern Sinne scheinen bey den meh-
resten Amphibien von keiner sonderlichen Schärfe
zu seyn.

Unter den innern zeichnet sich doch bey vie-
len das Gedächtniß aus, da man Beyspiele selbst
von Crocodilen und Kröten hat, die ihre Wohl-
thäter kennen gelernt und kirre geworden, und
vollends viele Schlangen bekanntlich sich zu aller-
hand Gaukeleyen abrichten lassen.

Hingegen ist, meines Wissens, kein einzi-
ges Thier dieser Classe mit irgend einem wahren
Kunsttriebe (§. 35.) versehen.

§. 92.

Auch scheinen die Amphibien, etwa einige
Gattungen von Schildkröten ausgenommen, kei-
nen täglichen Erhohlungsschlaf zu halten.

Dagegen aber wohl alle ohne Ausnahme die
kältern Wintermonathe in Erstarrung zubringen.
Und zwar theils einzeln, theils wie unsere hie-
ländische Frösche und Salamander in großen
Haufen. Doch können auch diese gar leicht des
Winterschlafs entbehren, und Jahr aus Jahr ein
wachend im Zimmer erhalten werden.

§. 93.

[Seite 236]

Das Fortpflanzungsgeschäfte der Amphi-
bien hat ungemein viel sonderbares. Der Paa-
rungstrieb ist bey vielen so heftig daß man z.B.
Frösche gesehen hat, die in Ermangelung eines
Weibchens andre männliche Frösche oder Kröten
oder gar todte Weibchen besprungen haben. Bey
den mehresten Fröschen und See-Schildkröten
dauert die Paarung mehrere Tage, ja Wochen
lang. Die Vipern schlängeln sich in der Paa-
rung mit dem Hinterleibe aufs innigste um ein-
ander, und züngeln dabey mit gebognem Halse
auf einander los. Die Wassermolche hingegen
umarmen einander gar nicht, sondern das Männ-
chen schwimmt zur Brunstzeit bloß um sein
Weibchen herum und bespritzt die Eyerchen so
wie sie dieselben von sich gibt, von der Ferne.

§. 94.

Die Amphibien sind, meines Wissens, sämmt-
lich Eyerlegende Thiere. Aber freylich geben
manche, zumahl unter den Schlangen, auch der
Salamander etc. die Eyer nicht eher von sich als
bis das darin befindliche Junge schon meist seine
völlige Ausbildung erhalten hat. Die Pipa heckt
ihre Junge auf dem Rücken aus.

Anm. 1. Ein Salamander, den ich wenigstens vom
Ende des Sommers an ganzer vier Monathe lang
völlig isolirt in einem Glase gehalten, hat hierauf
um Neujahr herum ganz unerwartet binnen weni-
gen Tagen 34 Junge geheckt, so daß folglich hier
[Seite 237] eine ehemahlige Befruchtung, auf eine noch weit
längere Zeit hinaus als bey den Hühnern, ihre
Wirksamkeit erhalten muß.

Anm. 2. In der ganzen Classe der Amphibien ist mir
zwar kein ganz zuverläßiges Beyspiel von Bastard-
zeugung bekannt: fast wäre ich aber geneigt einige
Spielarten von Wassermolchen dafür zu halten, die
ich in der hiesigen Nachbarschaft in einem stehen-
den Wasser gefunden, worin lacera lacustris und
palustris unter einander lebten, und die an Größe
und Bildung das völlige Mittel zwischen diesen
beiden Gattungen zu halten scheinen.

§. 95.

Die Frösche und Eidexen die im Wasser jung
werden, kommen nicht gleich in ihrer vollkomm-
nen Gestalt zur Welt, sondern müssen sich zuerst
noch einer Art von Metamorphose unterziehen,
ehe sie die Ausbildung und den völligen Ge-
brauch aller ihrer Gliedmaßen erlangen. Die
kleinen Frösche z.B. (die so genannten Kaul-
quappen, gyrini) haben Anfangs noch keine
Füße sondern dafür einen langen Ruderschwanz;
auch, so wie die neugebornen Salamander eine
Art von Fischkiefern (branchiae oder Swam-
merdam's appendices fimbriatae) hinter den
Ohren; ferner zum Theil eine kleine Sauge-
röhre an der Unterlefze u. dergl. m. Lauter Theile
die nur für das ganz zarte junge Thier bestimmt
sind und mit der zunehmenden Reife desselben all-
gemach schwinden.

§. 96.

Die Amphibien haben ein langsames
Wachsthum; so daß z.B. unsere hieländischen
[Seite 238] Frösche meist erst im vierten Jahre mannbar
werden: und doch erreichen diese nur ein, nach
Verhältniß dieser späten Pubertät nicht beträcht-
liches Alter von 12–16 Jahren. Hingegen
weiß man daß Schildkröten selbst in der Gefan-
genschaft über 125 Jahre gelebt haben, so daß
hiernach zu schließen, die Crocodile, und großen
Schlangen etc. zu einem noch ungleich höhern
Alter müssen gelangen können.

§. 97.

Die Benutzung der Amphibien fürs Men-
schengeschlecht ist ziemlich einfach; aber für man-
che Gegenden theils äußerst beträchtlich. Zu-
mahl der Genuß der Schildkröten und ihrer
Eyer, so wie auch verschiedener Frösche und Ei-
dexen etc. – Schildpatt zu Kunstarbeiten etc. –
bunte Schlangen bey den Nordamericanischen
Wilden als Putz; – Eidexen, Vipern etc. zur
Arzney.

§. 98.

Schädlich werden manche ungeheure Thiere
dieser Classe, die Crocodile, Wasserschlangen etc.
durch ihre Größe, und andere zumahl unter den
Schlangen durch ihr Gift, das in keiner andern
Thierclasse von einer so gefahrvollen Heftig-
keit ist.

Die ganze Classe zerfällt bloß in zwey Ord-
nungen:

[Seite 239]

I. Reptiles. Die Amphibien mit vier Füßen.
(Die quadrupeda ouipara der ältern Na-
turforscher) – Schildkröten, Frösche, Ei-
dexen. Und

II. Serpentes. Die Schlangen, ohne alle
äußere Bewegungswerkzeuge. (§. 84.)

* * *

Einige wenige Quellen zur N. G. dieser
Classe:

  1. Alb. Seba rerum naturalium thesaurus. Amst. 1734 –
    65. IV. vol. Fol. imper. (– hierher gehören bloß
    die beiden ersten Bände –)
  2. Joh. Nic. Laurenti synopsis reptilium emendata.
    Vindob
    . 1768. 8.
  3. C. de la cepede histoire naturelle des quadrupèdes
    ovipares et des serpens
    . Par
    . 1788. II. vol. 4.

I. REPTILES.

[Seite 240]

Alle Thiere dieser Ordnung sind (wenigstens
wenn sie ihre vollkommne Gestalt erlangt haben,)
mit vier Füßen versehen, die nach dem verschied-
nen Aufenthalt dieser Thiere entweder freye, (pe-
des digitati
) oder durch eine Schwimmhaut
verbundene, (pedes palmati) oder gar wie in
eine Flosse verwachsene Zehen (pedes pinnati)
haben.

1. Testudo. Schildkröte.*) (Fr. tortue.
Engl. tortoise. die See-Schildkröten aber
turtle). Corpus testa obtectum, cauda
(plerisque) brevis, os mandibulis nudis
edentulis
.

Die mehresten Schildkröten find mit einer breiten
knochichten sehr festen Schale bedeckt, deren Obertheil
mit dem Rückgrat und den Rippen des Thiers verwach-
sen, und mit den breiten hornichten Schuppen belegt ist,
die bey manchen Gattungen so stark und schönfarbig
sind, daß sie zu Kunstsachen verarbeitet werden. Ge-
wöhnlich liegen 13 dergleichen Schuppen in der Mitte,
und 24 um den Rand herum. Der Untertheil oder das
Bauchschild ist etwas kleiner als das obere, und mit
Ausschnitten für Kopf, Schwanz und Füße versehen.

[Seite 241]

1. Membranacea. T. pedibus palmatis vnguiculis tribus,
testa dorsali membranacea ouata grisea striata
. *

Schneider l. c. tab. 1.

In Guiana.

2. Imbricata. die Carette. (Engl. the hawks-bill turtle.)
T. pedibus pinniformibus, testa cordata subcarinata,
margine ferrato: scutellis imbricatis latiusculis, cauda
squamata
. *

Bruce's R. nach den Quellen des Nils, im An-
hang tab. XLII.

In beiden Indien: auch im rothen Meere. Gibt das
beste Schildpatt.

3. Mydas. die grüne oder Riesen-Schildkröte. (viridis
Schneid. Fr. la tortue franche. Engl. the green
turtle
.) T. pedibus pinniformibus, marginibus maxil-
larum dentatis, testa ouata
. *

Catesby l. c. tab. XXXVIII.

Die größte und stärkste Schildkröte, die zuweilen
wohl acht Centner an Gewicht hält*), und mit Lasten
von sechs und mehrern Centnern, die man ihr auf
den flachen Rücken legt, fortkriecht. Sie hat ihren
gewöhnlichen Nahmen von ihrer blaß-olivengrünli-
chen Schale und der auffallend dunkel-grünen Farbe
ihres schmackhaften Fettes; hält sich in der See auf,
kommt aber zumahl im Junius etc. häufigst auf unbe-
wohnte Inseln wie z.B. in Westindien, im stillen
[Seite 242] Ocean etc. (die theils davon ihren Nahmen erhalten ha-
ben) um ihre Eyer zu legen, deren Anzahl sich auf meh-
rere hunderte erstreckt. Da diese Gattung bloß von
Seetang u. dergl. Vegetabilien lebt, so hat sie ein aus-
nehmend schmackhaftes gar nicht thranichtes Fleisch das
so wie die Eyer derselben besonders für die Küstenbe-
wohner, Insulaner und für die Seefahrenden von größ-
ter Wichtigkeit ist.

4. †. Orbicularis. die gemeine Flußschildkröte. (euro-
paea
Schneid.) T. pedibus palmatis, testa orbicu-
lata planiuscula
. *

Im mildern Europa.

5. Carolina. (Engl. the turapin.) T. pedibus digitatis,
testa gibba, cauda nulla
. *

Edwards tab. CCV.

Diese Landschildkröte ist in Carolina etc. zu Hause.
Ueberhaupt leben die Landschildkröten gesellig, und
manche Gattungen derselben (wie z.B. die auf Ile de
France) halten sich des Nachts in ganzen Scharen bey-
sammen, so daß der Boden wie mit ihnen gepflastert
scheint und man wohl hundert Schritt weit auf ihnen
herum gehen kann, ohne daß man braucht den Fuß auf
die Erde zu setzen.

6. Geometrica. T. pedibus posticis palmatis, testae scu-
tellis eleuatis truncatis
. *

In Ostindien. Ungefähr von der Größe einer flachen
Hand: hat wegen seines regelmäßigen schwarz und gelb
gezeichneten hochgewölbten Rückenschilds, ein artiges
Ansehen.

[Seite 243]

2. Rana. Frosch (Fr. grenouille. Engl.
frog.) und Kröte (Fr. crapaud. Engl. toad.)
Corpus nudum pedibus quatuor, posticis
longioribus
.

Die Thiere dieses Geschlechts haben einen kürzern
Körper und breitern dickern Kopf als die Eidexen. Eine
einzige Gattung ausgenommen, sind die übrigen unge-
schwänzt. Die mehresten haben an den Vorderfüßen
freye Zehen, hinten aber Schwimmfüße.*)

1. Pipal. die Pipa, Tedo. R. corpore plano, rostro
spathiformi, digitis anticis muticis quadridentatis, po-
sticis vnguiculatis
. *

Seba vol. I. tab. LXXVII.

In den Gewässern von Guiana. Wird durch die
überaus sonderbare und ganz anomalische Weise, mit
der die Mutter ihre Junge ausheckt, merkwürdig. Das
Männchen streicht nähmlich den Leich, den das Weib-
chen vorher auf die gewöhnliche Weise von sich gegeben,
demselben auf den Rücken, und befruchtet sie hierauf
mit seinem Samen. Die Eyerchen verwachsen nachher
gleichsam mit der Haut der Mutter, bis nach Verlauf
von beynahe drey Monathen die darin befindliche ge-
schwänzte Kaulquappen**) zum Ausbruch reif sind, und
nachdem ihr Schwanz allgemach verschwunden und sie
dagegen ihre vier Füße erhalten, den Rücken ihrer
Mutter verlassen können.

[Seite 244]

2. Cornuta. R. palpebris conicis.

Seba vol. I. tab. LXXII. fig. 1. 2.

In Virginien; hat wegen seiner großen stieren Augen,
und der ungeheuren tutenförmigen obern Augenlider ein
abentheuerliches Ansehn.

3. Ocellata. (Engl. the bull-frog.) R. auribus ocellatis,
pedibus muticis
. *

Catesby vol. II. tab. LXXII.

In Nord-America. Fast von der Größe eines Kanin-
chens. Hat den englischen Nahmen von seiner starken
Stimme.

4. Paradoxa. (Rana piscis quorundam.) R. caudata,
femoribus postice oblique striatis
. *

Seba vol. I. tab. LXXVIII.

Im südlichen America. Zeichnet sich durch einen star-
ken fleischichten auf den Seiten platt gedrückten Schwanz
von den übrigen Gattungen dieses Geschlechts aus. Die-
ses Thier erreicht, gegen die Weise anderer Frösche, be-
vor es noch völlig ausgebildet worden, doch eine fast
Spannenlange Größe, häutet sich während der Zeit ver-
schiedentlich, und hat in diesem Zustand zu einer alten
Sage von Fröschen, die sich in Fische verwandelten,
Anlaß gegeben.

5. †. Bufo. die Kröte, Ueze, Quadüze, Padde, der
Lork. R. corpore ventricoso verrucoso lurido fusco-
que
. *

Rösel tab. XX. XXI.

Ist wohl unschuldiger Weise in den Verdacht des hef-
tigen Gifts gekommen. Hingegen ist es unläugbar, daß
man verschiedentlich lebendige Kröten mitten in durch-
[Seite 245] sägten Baumstämmen, oder in Steinblöcken etc. ange-
troffen hat.*)

6. †. Bombina. die Feuerkröte. R. corpore verrucoso,
abdomine aurantio-caesio maculato, pupilla trique-
tra
. *

Rösel tab. XXII.

Am Bauche schön blau und gelb gefleckt, hüpft fast
wie ein Frosch.

7. †. Portentosa. die Haus-Unke. (Bufo calamita Lau-
rent
.) R. verrucosa, linea dorsali flaua, lateralibus
rufescentibus
. *

Rösel tab. XXIV.

In feuchten Kellern, Ufer-Höhlen etc. Kommt selten
zum Vorschein; gibt aber einen eignen dumpfigen Laut
von sich, der allerhand abergläubische Sagen veranlaßt
hat.

8. †. Temporaria. der braune Grasfrosch, Pogge.
R. dorso planiusculo subangulato. *

Rösel tab. I-VIII.

Im Gras und Gebüsch etc. von da die Junge nach
warmen Sommer-Regen haufenweise hervor kriechen,
da dann ihre plötzliche Erscheinung wohl zu der alten
Sage vom Froschregen Anlaß gegeben haben mag. Sie
vermehren sich ungemein stark, so daß sie Landplage
[Seite 246] werden können, und die Abderiten einst zu Cassanders
Zeiten wirklich ihrenthalb emigrirten. Sie sind für die
Gärten nutzbare Geschöpfe, da sie viele Schnecken, aber
auch giftartige Insecten, und z.B. Spanische Fliegen
verzehren, und darum unsicher zu essen sind.

9. †. Esculenta. der grüne Wasserfrosch, Röling
Marxgöker. R. corpore angulato, dorso transuerse
gibbo, abdomine marginato
. *

Rösel tab. XIII-XVI.

In Teichen und Sümpfen. Die Männchen quaken
laut, zumahl des Abends bey schönem Wetter, und
treiben dabey zwey große Blasen hinter den Maulwin-
keln auf. Sie find schlau und muthig, verzehren Mäuse,
Sperlinge, und selbst junge Enten, Forellen etc. und
können sogar über große Hechte Herr werden: sind
aber ohne Gefahr zu essen. Zur Begattungszeit bekom-
men die Männchen dieser und der vorigen Gattung
schwarze warzichte Knollen an den Daumen der Vorder-
füße, womit sie sich äußerst fest um ihrer Weibchen
Brust klammern können.

10. †. Arborea. der Laubfrosch. (Calamites. Fr. la
raine, la grenouille de St. Martin, le graisset
.) S. cor-
pore laeui, subtus granulate, pedibus fissis, apicibus
digitorum lenticulatis
. *

Rösel tab. IX ad XII.

Fast in ganz Europa (doch nicht in England, aber
desto häufiger in Italien), auch in America etc. Der
klebrige Schleim, womit er wie die Schnecken über-
zogen ist, dient ihm bey seinem Aufenthalt am Laub der
Bäume, zum Anhängen. Die mannbaren Männchen,
die an ihrer braunen Kehle kenntlich sind, haben eine
[Seite 247] laute Stimme, die sie, wenn das Wetter sich ändern
will, aber auch außerdem zur Paarungszeit von sich ge-
ben. Sie blasen dabey die Kehle zu einer großen Ku-
gel, fast so groß als ihr ganzer Leib, auf.

3. Draco. Corpus tetrapodum cauda-
tum, alatum
.

1. Volans. die fliegende Eidexe. D. brachiis ab ala
distinctis
. *

Seba vol. II. tab. LXXXVI. fig. 3.

In Ostindien und Africa. Die so genannten Flügel,
die sie zu beiden Seiten des Leibes hat, dienen ihr wohl
einen Sprung zu wagen, aber nicht zu einem ordentli-
chen Flug. Im übrigen Körperbau ähnelt sie der ge-
meinen grünen Eidexe.

4. Lacerta. Eidexe. (Fr. lezard. Engl.
lizard.) Corpus elongatum, pedibus
quatuor aequalibus
.

1. Crocodilus. der Nil-Crocodil. L. capite cataphracto,
nucha carinata, cauda superne cristis binis lateralibus
horrida
. *

Gesner le quadruped. ouiparis. pag. 8.

Dieser Crocodil ist das größte Thier der süßen Was-
ser, das wohl eine Länge von funfzig*) Fuß erreicht,
und hauptsächlich im Nil zu Hause ist. Er tödtet Men-
schen und größere Thiere, aber jung gefangene Crocodile
lassen sich doch zähmen und abrichten. Das Weibchen
liegt bey der Paarung auf dem Rücken, legt hernach auf
100 Eyer, und verscharrt sie in den Sand. Sie ha-
[Seite 248] den kaum die Größe eines Gänse-Eyes, und werden gro-
ßentheils vom Ichneumon aufgesucht und ausgesoffen.

2. Alligator. der Kaiman, Americanische Crocodil.
L. capite imbricato plano, nucha nuda, cauda superne
lineis binis lateralibus aspera
. *

Catesby vol. II. tab. LXIII.

Im mittlern America. Ist schüchtern, furchtsam,
und überhaupt so wie in der Bildung so auch im Na-
turell und Lebensart vom Nil-Crocodil sehr verschieden:
legt nur etwa dreyßig Eyer etc.

3. Monitor. (Fr. la sauve-garde.) L. cauda carinata,
corpore mutico maculis ocellatis
. *

Seba vol. I. tab. XCIV. fig. 1. 2. 3.

In beiden Indien. Ein überaus sauber und regel-
mäßig schwarz und weiß geflecktes Thier, das ungefähr
anderthalb Ellen lang wird, und weil es sich meist in
Gesellschaft der Crocodile aufhält, durch den pfeifen-
den Laut, den es von sich gibt, diese seine furchtbare
Gefährten verrathen soll.

4. Iguana. der Leguan. L. cauda tereti longa, sutura
dorsali dentata, crista gulae denticulata
. *

Seba vol. I. tab. XCV. sqq tab. XCVIII. fig. 1.

In Westindien. Ein flinkes Thier. Hat ein überaus
schmackhaftes Fleisch und Eyer, soll aber, wie schon
Hieron. Benig bemerkt, für venerische Personen gefähr-
lich zu essen seyn.

5. Chamaeleon. L. cauda prehensili, digitis duobus tri-
busque coadunatis
. *

Jo. Fr. Miller fascic. II. tab. XI.

In Ostindien, Nord-Africa, und nun auch theils in
Spanien. Ein langsames träges Thier, das sich auf
[Seite 249] Bäumen und in Hecken aufhält, und von Insecten lebt,
die es beschleicht und dann mit einer langen klebrigen
Zunge sehr behende zu fangen versteht. Seine Lungen
sind ungeheuer groß, füllen den größten Theil des Lei-
bes aus, und das Thier kann sich damit nach Willkühr
aufblasen oder dünner machen, daher vermuthlich die
Sage der Alten entstanden seyn mag, daß das Cha-
mäleon bloß von Luft lebe. Die Augen des Thiers ha-
ben die ganz eigne Einrichtung, daß jedes besonders,
oder auch beide zugleich nach verschiedenen Richtungen,
eins z.B. aufwärts, das andere hinterwärts u.s.w.
und zwar sehr schnell bewegt werden können. Die na-
türliche Farbe des Chamäleons ist stahlgrau, zuweilen
wird es aber gelb, schwarz, auch gefleckt etc. und das
zwar ohne alle Beziehung auf die Farbe der benachbar-
ten Gegenstände, sondern theils von freyen Stücken,
am sichtbarsten aber wenn es gereitzt und böse gemacht
wird.

6. Gecko. (vermuthlich der wahre stellio oder saurus der
Alten.) L. cauda tereti mediocri, digitis moticis sub-
tus lamellatis, corpore verrucoso, auribus concauis
. *

Seba vol. I. tab. CVIII.

In Ostindien, auch auf den Inseln der Südsee und
selbst hin und wieder im südlichen Europa, z.B. im
Neapolitanischen. Am häufigsten aber in Aegypten, wo
er sich gern in die Häuser zieht und oft gefährlich wird.
Er hat nähmlich einen giftigen Saft zwischen seinen
blättrichten Fußzehen, der sich den Eßwaaren, wo das
Thier drüber wegläuft, mittheilt: deren Genuß nach-
her die gefährlichsten und fast tödtlichen Coliken nach
sich zieht.

[Seite 250]

7. Stincus. (crocodilus terrester.) L. cauda tereti medio-
cri, apice compressa, digitis muticis lobato-squamo-
sis marginatis
. *

Seba vol. II. tab. CV. fig. 3.

Im steinigen Arabien, Aegypten etc. War weiland
als ein Stärkungsmittel besonderer Art berufen; wird
auch noch jetzt, wenigstens in seiner Heimath, in dieser
Absicht verbraucht.

8. †. Agilis. die grüne Eidexe, Kupfer-Eidexe. L.
cauda verticillata longiuscula, squamis acutis, collari
subtus squamis constricto
. *

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Im wärmern Europa, und wie es scheint, auch in
beiden Indien und auf den Inseln der Südsee. Ist
eben so unschuldig als alle übrigen Deutschen Eidexen.
Ihre Eyer leuchten eine Zeitlang im Finstern. Ver-
muthlich ist es die gleiche Gattung, die neuerlich im
Spanischen America als ein so kraftvolles specifisches
Heilmittel berufen ward.

9. †. Palustris. die Sumpfeidexe. L. cauda lanceolata
mediocri, corpore laeui, capite depresso
. *

Laurenti tab. IV. fig. 2.

10. †. Lacustris der Wasser-Molch, Wasser-Sala-
mander. L. dorso lateribusque verrucosis, capite
crassiore, mutico; genis pendulis
. *

Laurenti tab. II. fig. 4.

Weit größer und dicker als die vorige Gattung: von
schwarzgrüner Farbe: die Männchen haben im Früh-
jahr eine vom Kopf bis zum Schwanz längs des Rü-
ckens hinlaufende emporstehende ausgezackte Haut. Der
äußerst merkwürdigen Reproductionskraft wodurch sich
[Seite 251] beide Gattungen hieländischer Wasser-Eidexen, zumahl
aber hier diese, auszeichnen, ist schon oben Erwähnung
geschehen (§. 18.) Die Türken gebrauchen dieses wi-
drige Geschöpf, das bey ihnen Skinkôre heißt, zu
gleicher Absicht wie den Stincus, und bezahlen es
daher aufs theuerste.*)

11. †. Salamandra. der Molch, Salamander, die
Molle, Ulme. (Fr. le sourd, mouron.) L. cauda
tereti breui, pedibus muticis, corpore flauo nigroque
vario nudo, poroso
. *

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Ein schönes schwarz und orangegelb geflecktes, Span-
nenlanges und Daumendickes Thier, wovon man ehe-
dem gefabelt hat, daß es giftig sey, im Feuer leben
könne etc. Was am letztern Umstand wahr ist, kommt
darauf hinaus, daß der Salamander in einem schwachen
Kohlfeuer einige Zeit ohne Schaden ausdauern kann,
indem er theils durch den Mund, vorzüglich aber
durch kleine Oeffnungen, die über seinem Körper zer-
streut sind, einen Saft von sich spritzt, wodurch er
von Zeit zu Zeit einen Theil des Feuers auslöscht und
die Gluth mindert.


II. SERPENTES.

Die Schlangen haben gar keine äußeren
Gliedmaßen, sondern bloß einen cylindrischen
lang gestreckten Körper, den sie wellenförmig
bewegen; und der mit Schuppen, Schildern,
[Seite 252] oder Ringen bekleidet ist. Manche leben im
Wasser, (da sie bey ihren ausnehmend langen
und theils blasenförmigen Lungen leicht schwim-
men können) andre auf der Erde, andre meist
auf Bäumen. Sie legen mehrentheils an ein-
ander gekettete Eyer, und ihre Kinnladen sind
nicht, wie bey andern Thieren, fest eingelenkt,
sondern zum Kauen ungeschickt, und lassen sich
so weit von einander dehnen, daß sie, andere
Thiere, die oft weit dicker als sie selbst sind, ganz
verschlingen können*). Manche sind mit hefti-
gem Gift in besondern Bläschen des Oberkiefers
versehen, was ihnen als Digestivmittel, aber
auch zum Fang ihres Raubes und zur Verthei-
digung dient**).

5. Crotalus. Klapperschlange. (Fr. ser-
pent à sonnettes
; Engl. rattle-snake.) Scuta
abdominalia. Scuta squamaeque subcau-
dales. Crepitaculum terminale caudae
.

[Seite 253]

1. Horridus. ♂ C. scutis 167. scutellis 23. *

Seba vol. II. tab. XCV. fig. 1.

Zumahl im wärmern Nordamerica: wird auf sechs
Fuß lang und Arms dick. Der Laut, den die Klap-
per von sich gibt, soll dem Zwitschern großer Heu-
schrecken ähneln*). Die Anzahl der Gelenke dieses
Theils steigt bey manchen über 40 und soll mit den
Jahren des Thiers wachsen. Daß Eichhörnchen, kleine
Vögel etc. von den Bäumen der darunter liegenden
Klapperschlange gleichsam von selbst in den Rachen
fallen, bestätigt sich allerdings, und ist um so weniger
befremdend, da man ähnliche Phänomene auch an an-
dern Schlangen, und so auch an Kröten, an Habich-
ten, und an Katzen bemerkt hat, die alle, wie es
scheint, unter gewissen Umständen durch bloßes steifes
Ansehen andre kleine Thiere an sich locken können.
Hier dieser Schlange kommt dabey ihre Klapper zu
statten, deren zischelndem Laut die Eichhörnchen etc.
(– seys nun aus einer Art Neugierde, oder Mißver-
ständniß, oder zagender Angst etc. –) von selbst nach-
zugehen scheinen. Wenigstens weiß ich von sehr unter-
richteten Augenzeugen, daß es der gewöhnliche Kunst-
griff der dortigen jungen Wilden ist, sich im Busch
zu verstecken, das Zischeln der Klapperschlangen nach-
zumachen und dadurch die Eichhörnchen zu locken und
zu fangen. – Die Klapperschlangen selbst, werden
von den Schweinen aufgesucht, und ohne Nachtheil
gefressen. Auch lassen sie sich überaus kirre und zahm
machen.

[Seite 254]

6. Boa. Scuta abdominalia et subcaudalia.

1. Constrictor. die Abgottsschlange, Anaconda. B.
scutis
240, scutellis 60. *

Seba vol. II. tab. XCVIII. sqq.

In Ostindien und Africa. Wird nach H. Adansons
Versicherung auf 40 bis 50 Fuß lang. Kann einem
lebendigen Tiger die Rippen und andere Knochen ent-
zwey brechen und nachdem sie ihn mit einem gallerti-
gen Geifer überzogen, ganz hinterwürgen. Doch ist
sie leicht kirre zu machen und wird wie die Brillen-
schlange von den Ostindischen Gaucklern zu allerhand
Kunststücken abgerichtet.

Die Amaru-Schlange in Süd-America die von den
Antis in Peru angebetet ward, und auch auf 30 Fuß
lang wird, scheint wenig von dieser verschieden.

Hingegen ist wohl die auf Guinea so heilig verehrte
so genannte Juda-Schlange von einer andern Gat-
tung. Auch wird sie nur etwa sechs Fuß lang.

7. Coluber. (Fr. couleuvre.) Scuta ab-
dominalia, squamae subcaudales
.

1. Vipera. ♂ C. scutis 118. squamis 22. *

Es werden mehrere Schlangen mit dem Nahmen
der Viper belegt. Hier diese von Linné so genannte,
ist in Aegypten zu Hause.

2. Cerastes. ♂ die gehörnte Schlange.*) C. scutis
145. squamis 44.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils, im Anhang.
tab. XI.

[Seite 255]

Hat gleiches Vaterland mit der vorigen, und soll
allerdings auch giftig seyn.*)

3. †. Berus. die Italiänische Viper. (Engl. the adder.)
C. scutis 146. squamis 39. *

Meyer (s. oben S. 37.) vol. II. tab. XV–XVIII.

Laurenti tab. II. fig. 1.

Diese zu Suppen und andern Arzneyen ehedem häu-
figst verordnete eigentliche Viper ist von bräunlicher
Farbe und in den wärmern Gegenden der alten Welt,
auch schon im südlichen Deutschland und in der
Schweiz, zu Hause. Ihr Biß verursacht zwar heftige
Entzündung etc. wird doch aber nur selten tödtlich.
Auch wird sie ohne Schaden von den Raubvögeln ge-
fressen. Es ist dieselbe Gattung womit ehedem Redi
und neuerlich Fontana so viele merkwürdige Versuche
angestellt haben.

4. †. Natrix. die Natter, Schnacke. C. scutis 170.
squamis 60. *

Meyer l. c. vol. I. tab. LXXXIX. sqq.

Stahlfarb mit weißen Seiten-Flecken, zumahl an
beiden Seiten des Halses. Man hat selbst in Europa
welche von 10 u. m. Fuß gefunden die dann wohl
ehedem Anlaß zu den abentheuerlichen Erzählungen
von Lindwürmern etc. gegeben haben mögen.

5. Coccineus. die Carmoisin-Schlange. C. scutis 175.
squamis 35. *

Voigt's Magazin Vten B, Istes St. tab. 1.

Diese ausnehmend schönfarbige und unschuldige
Schlange ist in Florida und Neu-Spanien zu Hause.
Fingers dick und ungefähr 2 Fuß lang. Längs des
[Seite 256] Rückens laufen etliche und zwanzig große und sehr re-
gelmäßige carmoisin-rothe Flecken, die mit schwarzen
Rändern eingefaßt, und diese wieder mit citron-gel-
ben Queerstreifen von einander abgesondert sind. Die
Mädchen in Florida tragen das schöne Thier zum
Putz als Halsband oder in die Haare geflochten etc.

6. Naja. die Brillenschlange. (Cobra de Cabelo.) ♂ C.
scutis
193. squamis 60. *

Seba vol. II. tab. LXXXV. XC u.a.

In Orient. Die Haut am Halse ist weit ausdehn-
bar, und hinten mit einer brillenähnlichen Figur be-
zeichnet. Ist eine der giftigsten Schlangen, wird aber
doch vom Ichneumon ohne Schaden gefressen, und ist
auch leicht und ohne Gefahr zu allerhand Gaukelkün-
sten abzurichten.

8. Anguis. Squamae abdominales et
subcaudales
.

1. †. Fragilis. die Blindschleiche, der Haselwurm,
Hartwurm. (Engl. the blind-worm, the slow-worm.)
A. squ. abd. 135. totidemque subcaud. *

Laurenti tab. V. fig. 2.

In dumpfigen Gegenden, alten Gemäuer etc. Bricht
leicht entzwey; wenn man sie anfaßt, und die Stücke
bewegen sich doch noch Stunden-lang. Man findet
von ihr mancherley theils sauber gezeichnete Spiel-
arten.

9. Amphisbaena. Annuli trunci cau-
daeque
.

1. Fuliginosa. A. ann. tr. 200, caudae 30. *

[Seite 257]

Seba vol. I. tab. LXXXVIII. fig. 3. u.a.

In America. Schwarz und weiß gefleckt.

10. Caecilia. Rugae trunci caudaeque.
Labium superius tentaculis
2.

1. Tentaculata. C. rugis 135. *

Seba vol. II. tab. XXV. fig. 2.

Auch in America. Hat gar keine Schuppen, son-
dern runzlige Ringe in der glatten Haut, fast wie
ein Regenwurm.


Siebenter Abschnitt.
Von den Fischen
.

[Seite 258]

§. 99.

Die Fische sind diejenigen mit rothem kalten
Blut versehenen Thiere, die sich mittelst wahrer
Flossen bewegen, und mittelst wahrer Kiefern
Athem hohlen.

Anm. Wahre Kiefer und wahre Flossen – um sie
von den gewisser Maßen analogen Organen der
ganz jungen Frösche, Salamander etc. (§. 95.)
zu unterscheiden.

§. 100.

Diese Kiefern oder Kiemen (branchiae)
vertreten bey den Fischen fast vollkommen die
Stelle der Lungen. Sie liegen auf beiden Sei-
ten hinter dem Kopfe meistens unter einer oder
mehrern großen halbmondförmigen Schuppen,
die deßhalb die Kiefer-Deckel (opercula bran-
chialia
) heißen und bey den mehresten mit der
Kiefer-Haut (membrana branchiostega) ver-
bunden sind. Die Kiefern selbst sind mit unzäh-
ligen der zartesten Blutgefäße durchwebt, und auf
jeder Seite in vier Blätter vertheilt, die unge-
fähr der Fahne an einer Feder ähneln und die
[Seite 259] an ihrer Basis durch eben so viele bogenförmige
Gräten unterstützt werden.

§. 101.

Das Athemhohlen, das die Fische eben so
wenig als die mit Lungen versehenen Thiere lange
entbehren können, geschieht bey ihnen indem sie
die im Wasser aufgelösete Luft durch den Mund
in die Kiefern leiten, und dann durch die Kiefer-
öffnung (apertura branchialis) wiederum von
sich geben; folglich nicht wie die mit Lungen ver-
sehenen Thiere durch den gleichen Weg ein- und
ausathmen.

§. 102.

Da sie keine Lungen haben, so versteht sich
folglich von selbst, daß ihnen auch keine wahre
Stimme zugeschrieben werden kann, obgleich ei-
nige von ihnen, wie z.B. der Knurrhahn, der
Wetterfisch etc. einen Laut von sich geben können.

§. 103.

Die Bildung des Körpers überhaupt ge-
nommen, ist bey den Fischen ungleich mannig-
faltiger als bey den beiden vorigen Thierclassen.
Bey den mehresten hat doch der Körper eine ver-
ticale Stellung, d.h. er ist auf beiden Seiten zu-
sammen gedrückt (corpus compressum s. ca-
thetoplateum
); bey einigen andern hingegen
wie bey dem Rochen, liegt er horizontal, ist in
die Breite platt gedrückt (corpus depressum s.
[Seite 260] plagioplateum
); bey andern, wie beym Aal etc.
ist er mehr rundlich: bey andern, wie bey den
Panzerfischen prismatisch oder viereckt etc.

Bey allen stoßen aber Kopf und Rumpf un-
mittelbar an einander ohne durch einen eigentli-
chen Hals von einander abgesondert zu seyn.

§. 104.

Wohl alle Fische ohne Ausnahme sind mit
Schuppen bekleidet; die von einer ganz eignen
Substanz, und bey den verschiedenen Gattungen
von der mannigfaltigsten theils ausnehmend ele-
ganten Bildung und Zeichnung, und farbigen
Gold- und Silberglanze sind.

Sie werden von außen noch mit einem beson-
dern Schleim überzogen, der großen Theils aus
kleinen Schleimhöhlen abgeschieden zu werden
scheint, die bey den mehresten Fischen zu beiden
Seiten des Körpers in der so genannten Seiten
Linie liegen.

Die mehrsten der so genannten Knorpelfische
sind mit schildförmigen Schuppen oder gar mit
einer festen knochichten Schale gepanzert.

§. 105.

Die Bewegungswerkzeuge der Fische, die
Flossen, (an welchen man neuerlich merkwürdige
Reproductionskraft wahrgenommen,) bestehen
aus dünnen knochenartigen oder knorplichten
Gräten, die durch eine besondere Haut mit ein-
[Seite 261] ander verbunden, an eignen Knochen befestigt,
und durch bestimmte Muskeln bewegt werden.
Ihrer bestimmten Lage nach heißen die obern,
Rückenflossen (pinnae dorsales); die seitwärts
hinter den Kiefern befindlichen, Brustflossen
(pinnae pectorales); die am Bauche vor der
Oeffnung des Afters stehenden, Bauchflossen
(pinnae ventrales); die hinter dieser Oeffnung,
Steißflosse (pinna analis); endlich am Schwan-
ze, die Schwanzflosse (pinna caudalis). Die
letztere hat alle Mahl eine verticale Lage, und ver-
tritt völlig die Stelle eines Steuerruders zum
Lenken etc. So wie hingegen die Brustflossen
zum eigentlichen Fortrudern u.s.w. dienen.

Die so genannten fliegenden Fische haben sehr
lange und straffe Brustflossen, so daß sie sich da-
mit selbst über die Oberfläche des Wassers erhe-
ben und kleine Strecken weit fortfliegen können.

§. 106.

Ein andres Hülfsmittel zu Bewegung der
Fische, besonders wohl zum Steigen und Sinken,
ist die Schwimmblase, womit zumahl die Süß-
Wasser-Fische versehen sind, die mit phlogisti-
sirter Luft gefüllt ist, und meist mittelst eines eig-
nen Canals (ductus pneumaticus) mit dem
Magen oder Schlunde in Verbindung steht.

§. 107.

In Rücksicht ihres Aufenthalts theilt man
die Fische überhaupt in See- und Süß-Wasser-
[Seite 262] Fische. Einige können doch auch zuweilen einige
Zeit im Trocknen aushalten, wie der Aal, die
Muräne etc. Andre theils in warmen minerali-
schen Quellen*).

§. 108.

Die mehresten Fische, zumahl die in der
See leben, sind animalia nocturna, die nähm-
lich ihren Geschäften zur Nachtzeit nachgehen,
am Tage hingegen sich mehr in der Tiefe ruhig
halten. Daher auch die von Fischen lebenden
Insulaner und Küsten-Bewohner meist des
Nachts auf den Fang ausgehen.

§. 109.

Viele Gattungen von Fischen unternehmen
in gewissen Jahreszeiten große Reisen; manche
Seefische steigen z.B. um zu leichen in die Buch-
ten und Mündungen der Flüsse; andere wie die
Häringe ziehen zu bestimmter Zeit vom Nordpol
nach den mildern südlichern Meeren etc.

§. 110.

Die Fische sind größten Theils fleischfressende
Thiere, und sind, da sie keine eigentlichen Füße
haben ihre Beute damit zu fassen, mit mancher-
ley andern Mitteln ihrer Herr zu werden, ver-
sehen worden.

[Seite 263]

Theils nähmlich mit langen Bartfasern
(cirri) am Maule, um damit andere kleine Was-
serthiere wie mit einem Köder zu locken und
gleichsam zu angeln. (So der Sternseher, der
Froschfisch etc.)

Andre wie der Chaetadon rostratus mit ei-
ner Spritzröhre, um dadurch die über dem Was-
ser fliegenden Insecten gleichsam herab zu
schießen.

Andre wie der Zitterrochen, der Zitteraal,
der Zitterwels etc. mit einer besondern erschüttern-
den und betäubenden Kraft.

Viele wie die Hayfische u.a.m. mit einem
furchtbaren Gebiß.

Manche wie der Sägefisch, Schwertfisch etc.
mit andern Waffen u.s.w.

§. 111.

Die äußern Sinne der Fische haben unge-
mein viel sonderbares, auszeichnendes.

Der Geruch z.B. muß bey vielen überaus
scharf seyn, da sie die versteckten Köder in wei-
ter Entfernung auswittern.

Ueber ihr Gehör ist man nun ziemlich ins
Reine, da man weiß, daß sie nicht nur den Sinn,
und zwar in auffallender Schärfe –, sondern auch
selbst ähnliche Organe wie die im innern Ohr
andrer rothblütigen Thiere, besitzen.

[Seite 264]

Die auffallendsten Sonderbarkeiten zeigen
sich aber im Baue des Auges der Fische*), das
sich z.B. durch den gänzlichen Mangel des so
genannten Strahlenbandes (corpus ciliare); –
und anderseits durch einen überaus sonderbaren
fleischichten meist ringförmigen Wulst der inner-
halb des Augapfels hinter der schwarzen Haut
liegt, u. dergl. m. auszeichnet.

§. 112.

Was die Seelenkräfte der Fische betrifft, so
fehlt es noch sehr an richtigen Beobachtungen
über dieselben. Doch weiß man, daß manche
wie z.B. die Forellen überaus kirre werden**);
andre, z.B. die Karpfen sehr listig und verschla-
gen sind u.s.w.

§. 113.

Von ihrem Schlaf gilt meist die gleiche
Anmerkung die bey den Amphibien gemacht
worden (§. 92.), daß nähmlich vermuthlich alle
einem Winterschlaf ausgesetzt sind; aber wohl
nur sehr wenige einen bestimmten täglichen pe-
riodischen Erhohlungsschlaf haben: wie es z.B.
vom Goldbrachsen gesagt wird.

§. 114.

Außer den wenigen lebendig-gebährenden
Fischen wohin der Aal und die so genannte Aal-
[Seite 265] mutter gehören, mögen sich wohl wenige Fische
wirklich mit einander paaren; sondern bey den
mehresten gibt das Weibchen den Rogen noch
unbefruchtet von sich, und das Männchen kommt
hierauf nach, um denselben mit seiner Milch zu
begießen.

Man hat diese Einrichtung für die Landwirth-
schaft benutzen gelernt, indem man auch aus der
künstlichen Vermischung von Eyern und Saamen
der Forellen etc. junge Fische erzielen kann*).

Anm. Zu andern Merkwürdigkeiten im Zeugungsge-
schäfte der Fische gehört auch noch, daß man
einzeln unter denselben wirkliche Zwitter**); –
und anderseits auch völlig geschlechtlose***)
Mißgeburten gefunden haben will.

§. 115.

Die Vermehrung der meisten Fische ist
zum Wunder stark, so, daß ungeachtet die Eyer-
chen der mehresten in Verhältniß zu ihrer Sta-
tur ungleich kleiner sind, als in irgend einer an-
dern Thier-Classe; dennoch bey manchen die Eyer-
stöcke größer sind als ihr ganzer übriger Körper.
Daher zählt man z.B. beym Häring zwischen
20 und 37000, beym Karpfen über 200000, bey
der Schleihe 383000, beym Flinder über eine
Million Eyerchen etc.****).

§. 116.

[Seite 266]

Theils haben die jungen Fische so wie sie aus
dem Eye kriechen noch nicht ihre völlige Gestalt;
sondern müssen sich ebenfalls so wie viele Am-
phibien (§. 95.) erst einer Art von Metamorphose
unterziehen, wodurch erst nach und nach ihre
Flossen u. dergl. m. allgemach ausgebildet
werden.

§. 117.

Die Fische gelangen im Verhältniß zur Größe
ihres Körpers zu einem hohen Alter. Man weiß
von Karpfen, Hechten etc. daß sie anderthalb hun-
dert Jahre erreichen können. Doch werden ei-
nige kleine Fische, wie z.B. der Stichling etc.
nur wenige Jahre alt.

§. 118.

Die Brauchbarkeit der Fische für den Men-
schen ist ziemlich einfach, meist bloß zur Speise;
aber eben von dieser Seite für einen großen Theil
des Menschengeschlechts, der theils fast ganz von
diesen Thieren lebt, von der äußersten Wichtig-
keit. Selbst wilde Völker, wie z.B. die Kamt-
schadalen, Brasilianer etc. wissen die Fische auf
die mannigfaltigste Weise, sogar zu einer Art
Mehl, zu Kuchen u.s.w. zu bereiten: und bey
vielen, wie z.B. unter den Insulanern des stil-
len Oceans, macht der Fischfang ihr Hauptge-
schäft –, und in Rücksicht der überaus sinnrei-
[Seite 267] chen angemeßnen Geräthschaften die sie sich dazu
erfunden haben, wirklich eine Art von nachden-
kendem Studium aus. Aber auch für einen gro-
ßen Theil der cultivirten Erde ist der Fang eini-
ger besondern Gattungen von Fischen wie z.B.
des Härings, Cabliaus, Thunnfisches u. dergl. m.
ein äußerst wichtiger Gegenstand. Des unsäg-
lichen Luxus zu geschweigen den man zumahl bey
den alten Römern mit vorzüglich großen Stücken
von schmackhaften Fischen, besonders mit Stören,
Muränen etc. getrieben. Ihr berühmtes garum*)
ward aus den Eingeweiden mancher Fische, (ge-
wisser Maßen so wie der Cavear aus dem Rogen
der Störe) bereitet.

Manche Theile einiger Fische werden auch zu
Kunstsachen benutzt; wie z.B. die Schuppen
des Ukley zu Glasperlen; Fischhaut von Rochen
und Hayen etc.; Hausenblase etc. Die Haut des
Sägefisches zu Sohlenleder. Thran der Häringe
u.a. Fische zum Brennen etc.

§. 119.

Den mehresten Schaden thun die Raub-
fische; zumahl in den Weltmeeren die Haye; und
in den süßen Wassern die Hechte. – Auch sind
einige Fische mit heftigem Gift versehen, das ih-
[Seite 268] ren Genuß gefahrvoll und tödtlich machen kann.
So zumahl einige Gattungen von Tetrodon.

§. 120.

Bey der Anordnung der Geschlechter dieser
Classe habe ich, wie es die Natur mit sich bringt,
die von Linné ohne Grund zu den Amphibien ge-
zählten Fische wieder in ihre behörige Classe ge-
bracht, wo sie nun die beiden ersten Ordnun-
gen ausmachen.

In den übrigen vieren hingegen bin ich ganz
dem Linnéischen System gefolgt.

* * *

I. Chondropterygii. Die eigentlichen Knor-
pelfische, die nähmlich knorpelartige Grä-
ten haben.

II. Branchiostegi. Denen der Kieferdeckel
und die Kieferhaut oder doch eins von
beiden mangelt.

Die folgenden hat Linné nach der Beschaf-
fenheit und Lage der Bauchflossen geordnet:
nähmlich:

III. Apodes. Die gar keine Bauchflossen
haben.

IV. Iugulares. Die, deren Bauchflossen vor
den Brustflossen sitzen.

V. Thoracici. Die, wo die Bauchflossen ge-
rade unter den Brustflossen, und

VI. Abdominales. Wo sie hinter diesen sitzen.

Zur N. G. der Fische.

[Seite 269]
  1. Guil. Rondelet de piscibus. Lugd. 1554. P. II.
    1555. fol.
  2. Conr. Gesner de piscium et aquatilium animantium
    natura
    . Tig
    . 1558. fol.
  3. Steph. a Schonevelde ichthyologia. etc. Ham-
    burg
    . 1624. 4.
  4. F. Willoughbeii historia piscium. ex ed. Raii.
    Oxon. 1686. fol.
  5. Jo. Raii synopsis methodica piscium. Lond. 1713. 8.
  6. Petr. Artedi ichthyologia. ex ed. Linnaei. LB.
    1738. 8.
  7. Laur. Theod. Gronovii Zoophylacium Grono-
    vianum
    . LB. 1781. P. I–III. fol.
  8. Ant. Gouan historia piscium. Argent. 1770. 4.
  9. Du Hamel et de Marre histoire des poissons. (traité
    des pêches etc.) Par
    . 1770. sqq. III. vol. fol.
  10. M. El. Bloch öconomische N. G. der Fische Deutsch-
    lands. Berl. 1782. III. B. 4.
  11. Dess. N. G. ausländischer Fische. ib. seit 1785. 4.
* * *
  1. Al. Monro Vergleichung des Baues und der Physio-
    logie der Fische mit dem Bau des Menschen und
    der übrigen Thiere. – Mit vielen Zusätzen von
    P. Camper und J. G. Schneider. Leipz. 1787. 4.

I. CHONDROPTERYGII.

[Seite 270]

Die Fische dieser Ordnung haben knorplichte
Gräten, besonders auch in den Flossen, und bey
den mehresten ist das Maul auf der Unterseite
des Kopfs befindlich.

1. Petromyzon. Spiracula 7. ad la-
tera colli. Fistula in vertice. Pinnae pe-
ctorales aut ventrales nullae
.

1. †. Marinus. die Lamprete. (Fr. la lamproye. Engl.
the lamprey. P. ore intus papilloso, pinna dorsali po-
steriori a cauda distincta
. *

Bloch tab. LXXVII.

In der Nordsee so wie im mitländischen u.a. Mee-
ren. Steigt aber auch 8 und mehrere Meilen weit in
die Flüsse. Wird wohl auf 3 Fuß lang.

2. †. Fluuiatilis. die Pricke, Neunauge. P. pinna
dorsali posteriore angulata
. *

Bloch tab. LXXVIII.

In größern Flüssen. Wird nur halb so groß als
die vorige Gattung. Beide können sich mit dem
Maule an Klippen, Schiffe etc. (fast wie Blutigel)
fest saugen.

2. Raia. Roche. (Fr. raie. Engl. ray.)
Spiracula 5. subtus ad collum. corpus
depressum. os sub capite
.

Ein ansehnliches Geschlecht, dessen Gattungen aber
noch nicht genau genug bestimmt scheinen. Sie werden
[Seite 271] theils durch ihre Größe, theils durch ihr sonderbares
Ansehn, theils durch andre auszeichnende Eigenschaf-
ten etc. merkwürdig. Ungeachtet sie nur ein Ey auf ein-
mal legen so vermehren sie sich doch so stark, daß das
Meer in manchen Gegenden ganz davon wimmelt.
Die Eyer haben eine hornichte Schale mit vier Spi-
tzen, und heißen See-Mäuse.

1. Torpedo. der Zitterroche, Krampffisch. (Fr. la
torpille
. Engl. the crampfish.) R. tota laeuis macu-
lis dorsalibus
5 orbiculatis.

Bloch tab. CXXII.

Philos. Transact. vol. LXIII. tab. XIX. sqq.

Besonders im mitländischen Meer. Er betäubt die
Thiere, die sich ihm nähern. Kann aber auch einen
erschütternden Schlag mittheilen, der dem von der
Leidner Flasche ähnelt. Wird doch an theils Orten vom
gemeinen Mann gegessen.

2. †. Batis. der Glattroche, Baumroche, Flete, Te-
pel. (Fr. la raie lisse. Engl. the skate, the flair.) R. va-
ria, dorso medio glabro, cauda vnico aculeorum ordine
. *

Bloch tab. LXXIX.

In den europäischen Meeren. Wird auf zwey Cent-
ner schwer. Hat ein vorzüglich schmackhaftes Fleisch.

3. Pastinaca. der Stachelroche, Pfeilschwanz. (Fr.
la pastenaque, la tareronde. Engl. the sting-ray.) R.
corpore glabro, aculeo longo anterius serrato in
cauda, et dorso apterygio
. *

Bloch tab. LXXXII.

In vielen Meeren der Welt. Sein Schwanz-
Stachel ist zwar nicht giftig. Aber er dient dem
Thiere und auch wilden Völkern als Waffen.

[Seite 272]

3. Squalus. Hay. (Fr. chien de mer.
Engl. shark.) Spiracula 5 ad latera colli.
Corpus oblongum teretiusculum. Os in
anteriore capitis parte
.

1. Acanthias. der Dornhay. (Fr. l'aguillat.) S. pinna
anali nulla, dorsalibus spinosis, corpore teretiusculo.
*

Bloch tab. LXXXV.

In den Europäischen Meeren. Hat drey Reihen
Zähne in jedem Kiefer.

2. Zygaena. der Hammerfisch, Jochfisch. S. capite
latissimo transuerso malleiformi
. *

Bloch tab. CXVII.

3. Carcharias. (lamia, tiburo. Fr. le requin. Engl. the
white shark
.) S. dorso plano, dentibus serratis
. *

Bloch tab. CXIX.

Ein ungeheures blutdürstiges unersättlich-gefräßiges
Thier, das zuweilen auf zehntausend Pfund wiegt,
und in dessen Magen man wohl eher ganze Pferde ge-
funden hat. Zieht scharenweise den Transportschiffen
mit Negersclaven von Guinea bis zu den Antillen etc.
nach, um die Menge derselben die unterwegs an
Krankheit sterben oder sich selbst ersäufen, gleich auf-
zuschnappen. Hat sechsfache Reihen Zähne im Rachen,
die (wie überhaupt bey den mehresten Hayen) nicht
in die Kinnladen eingekeilt, sondern durch eine Art
Gelenk mit denselben verbunden und folglich beweglich
find, und zurückgeschlagen werden können.

4. Pristis. der Sägefisch, Schwertfisch. (Fr. la scie
de mer
. Engl. the saw fish.) S. pinna ani nulla,
rostro ensiformi osseo plano vtrinque dentato
. *

Bloch tab. CXX.

[Seite 273]

Das breite schwertförmige oft mehrere Ellen lange
Gewehr, das dieses Thier vor dem Kopfe führt, ist
an beiden Seiten-Ränden mit 24 starken eingekeilten
Zähnen besetzt.

4. Chimaera. Spiracula solitaria, qua-
dripartita, sub collo. Oris labium su-
perius quinquepartitum. Dentes primo-
res incisores bini supra infraque
.

1. Monstrosa. C. rostro subtus plicis pertusis.

Bloch tab. CXXIV.

Im nordlichen Atlantischen Meer.

5. Acipenser. Spiracula lateralia so-
litaria, linearia. Os sub capite, retractile,
edentulum. Cirri quatuor sub rostro
ante os
.

1. Sturio. der Stör. (Fr. l'esturgeon. Engl. the sturgeon.)
A. squamis dorsalibus 11. *

Bloch tab. LXXXVIII.

In allen Europäischen Meeren, auch im Caspischen etc.
in der Wolga, im Nil etc. Macht nebst den übrigen
Gattungen dieses Geschlechts so wohl wegen des Flei-
sches als des aus dem Rogen bereiteten Caviars, für
viele Völker einen wichtigen Fang aus, und kann ge-
gen tausend Pfund schwer werden.

2. Ruthenus. der Sterlet. A. squamis dorsalibus 15. *

Bloch tab. LXXXIX.

Dieser vorzüglich schmackhafte Fisch findet sich am
häufigsten im Caspischen Meer und in der Wolga,
aber selten über 30 Pfund schwer.

[Seite 274]

3. Huso. der Hausen, Beluga. A. squamis dorsali-
bus
13. caudalibus 43. *

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen. Ist vor-
züglich wegen des Fischleims oder der Hausenblase
merkwürdig, die man besonders aus der innern Haut
der Schwimmblase desselben, doch auch aus dem Stör
und noch aus einer andern Gattung dieses Geschlechts,
nähmlich der Sewruge (Acipenser stellatus) die auch
das beste Caviar gibt; ja theils auch aus der
Schwimmblase des Wels, bereitet.


II. BRANCHIOSTEGI.

In Rücksicht der Flossen- und übrigen Grä-
ten nähern sich die Thiere dieser Ordnung schon
mehr den folgenden Ordnungen der von Linné ei-
gentlich so genannten Fische. Es fehlt ihnen aber
doch entweder der Kieferndeckel, oder die Kie-
fernhaut, oder beides*).

6. Lophius. Seeteufel. (Fr. diable de mer.
Engl. sea-devil.) Pinnae pectorales bra-
chiis insidentes. Spiracula solitaria pone
brachia
.

1. †. Piscatorius. der Froschfisch. (rana piscatrix. Fr.
la grenouille pecheuse. Engl. the frog-fish.) L. depres-
sus capite rotundato
. *

[Seite 275]

Bloch tab. LXXXVII.

Der ungeheure Kopf der die größere Hälfte des gan-
zen Thiers ausmacht, und dann die fleischichten Angel-
faden am Maule (§. 110.) geben ihm ein auffallendes
Ansehen.

7. Balistes. Hornfisch. Caput compres-
sum. Apertura supra pinnas pectorales.
Corpus compressum, squamis corio coa-
dunatis. Abdomen carinatum
.

1. Tomentosus. (Engl. the little old wife.) B. pinna
capitis biradiata, corpore posterius subvilloso
. *

Bloch tab. CXLVIII. fig. 1.

In beiden Indien.

8. Ostracion. Panzerfisch. (Fr. poisson
coffre
.) Corpus osse integro loricatum.
Pinnae ventrales nullae
.

1. Triqueter. O. trigonus muticus. *

Seba vol. III tab. XXIV. fig. 6. 12.

So wie der folgende in Ostindien.

2. Cornutus. O. tetragonus, spinis frontalibus subcau-
dalibusque binis.
*

Ein überaus niedliches kleines Thier, dessen Panzer
aufs regelmäßigste, meist mit Sechsecken wie Bienen-
zellen, bezeichnet ist.

9. Tetrodon. Corpus subtus murica-
tum. Pinnae ventrales nullae
.

1. Lagocephalus. (Fr. le poissson souffleur.) T. abdomine
aculeato, corpore laeui, humeris prominentibus
.

Seba vol. III. tab. XXIII. fig. 5.

[Seite 276]

Besonders häufig im Senegal. Und zwar sind die
so man oben im Flusse landeinwärts fängt, ein gesun-
des gutes Essen. Hingegen die nahe an der See, in
der Mündung des Flusses, sehr giftig.

2. Hispidus. der Kugelfisch. (orbis. Engl. the moon fish.)
T. totus hispidus papillis setaceis. *

Gesner pag. 744.

Im rothen Meere etc. Aber auch in den süßen Was-
sern der benachbarten Länder.

3. Mola. der Klumpfisch. (Engl. the sun fish.) T.
laeuis compressus, cauda truncata: pinna breuissima
dorsali analique annexa
.

Gesner pag. 754.

Hamburg. Magaz. XVIII. B. tab. 1.

10. Diodon. Corpus spinis acutis mo-
bilibus vndique adspersum. Pinnae ven-
trales nullae
.

1. Hystrix. der Stachelfisch, Guara. (Engl. the porcu-
pine-fish
.) D. oblongus, aculeis teretibus
. *

Bloch tab. CXXVI.

Zumahl im Atlantischen Ocean: und zwar auch an
den Nordamericanischen Küsten.

11. Cyclopterus. Bauch-Sauger.
Caput obtusum. Pinnae ventrales in
orbiculum connatae
.

1. †. Lumpus. der See-Hase, Klebpfost, Hofpadde
(Fr. le lievre de mer. Engl. the lump sucker.) C. cor-
pore squamis osseis angulato
. *

Bloch tab. XC.

[Seite 277]

In den nordlichen Meeren der alten Welt. Hängt
sich mit seinem gerippten flachen Brustschilde aufs
festeste an die Klippen, Schiffe u.s.w. an.

12. Centriscus. Messer-Fisch. Caput
productum in rostrum angustissimum.
Abdomen carinatum. Pinnae ventrales
vnitae
.

1. Scolopax. die Meer-Schnepfe. C. corpore squa-
moso scabro, cauda recta extensa
. *

Bloch tab. CXXIII. fig. 1.

Im mitländischen Meer etc.

13. Sygnathus. Rostrum subcylin-
dricum, ore operculato maxilla inferiore.
Corpus cataphractum. Pinnae ventrales
nullae
.

1. Acus. die Meer-Nadel, Sack-Nadel. (Engl. the
pipe
.) S. pinnis caudae ani pectoralibusque radiatis,
corpore septemangulato tuberculato
. *

Bloch tab. XCI. fig. 2.

In der Nord- und Ostsee etc. wird wohl über zwey
Fuß lang, aber kaum Daumens dick.

2. Hippocampus. das See-Pferdchen, die See-Raupe.
(Fr. le cheval marin. Engl. the sea horse.) S. pinna
caudae quadrangulae nulla, corpore septemangulato
tuberculato
. *

Bloch tab. CIX. fig. 3.

Im mitländischen u.a. Meeren. Hat seine Nah-
men, weil der Vordertheil einem Pferdekopf und Hals,
das hintere Ende aber einer Raupe ähneln soll. Im
[Seite 278] Tode krümmt es sich wie ein S, und ähnelt so dem
Springer im Schach.

14. Pegasus. Os proboscide tetractili.
Rostrum ensiforme, lineare. Corpus arti-
culatum osseis incisuris, cataphractum.
Pinnae ventrales abdominales
.

1. Draconis. der Seedrache. P. rostro conico. *

Bloch tab. CIX fig. 1. 2.

In Ostindien. Die großen breiten Brustflossen äh-
neln ausgespannten Flügeln, und mögen wohl den
Nahmen veranlaßt haben.


III. APODES.

Diese und die folgenden drey Ordnungen be-
greifen nun die von Linné eigentlich so genannten
Fische. Und zwar hier diese, die so gar keine
Brustflossen haben.

15. Muraena. Caput laeue. Nares tubu-
losae. Membr. branch. radiis
10, corpus
teretiusculum, lubricum. Pinna caudalis
coadunata dorsali anique. Spiracula pone
caput vel pinnas pectorales
.

1. Helena. die Murâne. M. pinnis pectoralibus nullis. *

Bloch tab. CLIII.

Ein sehr gefräßiger Raubfisch, in der wärmern
Meeren beider Welten.

2. †. Anguilla. der Aal. (Fr. l'anguille. Engl. the eel.)
M. maxilla inferiore longiore, corpore vnicolore. *

[Seite 279]

Bloch tab. LXXIII.

In den Flüssen beider Welten. Geht zuweilen ans
Land auf Wiesen, ins Getreide etc. Hat ein zähes Le-
ben, und das ihm ausgeschnittne Herz behält wohl
noch 40 Stunden lang seine Reitzbarkeit. Nach den
genauesten Beobachtungen gebiert er wohl sicher leben-
dige Junge.

3. Siren. M. pinnis pectoralibus tetradactylis, membra-
nae branchiostegae officulis tribus pinnatifidis
.

Philos. Transact. vol. LVI. tab. IX.

Dieß ist Linné's siren lacertina woraus er eine eigne
Ordnung von Amphibien machte.

16. Gymnotus. Caput operculis laterali-
bus. Tentacula duo ad labium superius.
Membr. branch. radiis
5, corpus compres-
sum, subtus pinna carinatum
.

1. Electricus. der Zitteraal, Zitterfisch, Drillfisch. G.
nudus, dorso apterygio, pinna caudali obtusissima
anali annexa
.

Bloch tab. CLVI.

Besonders bey Surinam und Cayenne wo ihn van
Berkel*) zuerst bekannt gemacht hat. Er ist etwa
Manns lang, und vorzüglich wegen der sonderbaren
ihm beywohnenden electrischen Kraft merkwürdig, mit-
telst deren er so wie der Zitterroche und Zitterwels,
Menschen und Thieren, die sich ihm nähern, einen
betäubenden Schlag mittheilt. Daß es auch bey die-
sem Fische ganz unwiderredlich währe Electricität sey,
[Seite 280] ist selbst dadurch völlig erwiesen, daß man gesehen,
wie er Funken gibt etc.

17. Trichiurus. Caput porrectum,
operculis lateralibus. Dentes ensiformes,
apice semisagittati: primores maiores.
Membr. branchiostega radiis
7. Corpus
compresso-ensiforme. Cauda subulata,
aptera
.

1. Lepturus. Trichiurus.

Bloch tab. CLVIII.

In beiden Indien.

18. Anarrhichas. Caput obtusiuscu-
lum. Dentes primores supra infraque co-
nici, diuergentes, sex pluresue, molares
inferiores palatique rotundati. Membr.
branch. rad.
6. Corpus teretiusculum,
pinna caudae distincta
.

1. †. Lupus. der Klippfisch, Seewolf. (Engl. the
ravenous
.) A. pinnis pectoralibus amplis subrotundis
. *

Bloch tab. LXXIV.

An den Küsten des nördlichen Europa.

19. Ammodytes. Caput compressum.
Labium superius duplicatum, dentes ace-
rosi. Membr. branch. rad.
7. corpus tere-
tiusculum, cauda distincta
.

1. †. Tobianus. der Sandfisch, Sandaal, Tobiasfisch.
(Engl. the sand launce) A. maxilla inferiore longiore. *

Bloch tab. LXXV. fig. 2.

Ebenfalls am nordlichen Europa.

[Seite 281]

20. Ophidium. Caput nudiusculum,
dentes maxillis, palato, faucibus. Membr.
branch. rad.
7. patula. Corpus ensiforme.

1. Barbatum. (Fr. la donzelle.) O. maxilla inferiore
cirris
4. *

Bloch tab. CLIX. fig. 1.

Am südlichen Europa.

21. Stromateus. Caput compressum.
Dentes in maxillis, palato. Membr. bran-
chiostega.... Corpus ouatum, lubricum.
Cauda bifida
.

1. Paru. S. vnicolor.

Bloch tab. CLX.

In America.

22. Xiphias. Caput maxilla superiore
terminatum rostro ensiformi. Os eden-
tulum. Membr. branch. rad.
8. corpus
teretiusculum
.

1. †. Gladius. der Schwertfisch, Hornfisch. (Fr. l'épee
de mer, l'empereur, l'efpadon.
Engl. the sword-fish.
whale-killer.) X. mandibula inferiore acuta, trian-
gulari
. *

Bloch tab. LXXVI.

Ein furchtbar-starkes Thier der nordlichen so wohl
als der südlichen Meere, das wohl mit seinem Schwerte
auf achtzehn Fuß lang wird, und gegen fünf Centner
am Gewicht hält.

IV. JUGULARES.

[Seite 282]

Fische, deren Bauchfloßfedern vor den Brust-
flossen sitzen.

23. Callionymus. Caput labio su-
periore duplicato; oculi approximati.
Membr. branchiostega rad.
6. apertura
nuchae foraminibus respirante. Oper-
cula clausa. Corpus nudum. Pinnae ven-
trales remotissimae
.

1. Lyra. (Fr. le lacert. Engl. the piper.) C. dorsalis
prioris radiis longitudine corporis
. *

Bloch tab. CLXI.

Im Atlantischen Ocean.

24. Vranoscopus. Caput depressum,
scabrum, maius. Os simum, maxilla supe-
rior breuior. Membr. branch. rad.
5. anus
in medio
.

1. Scaber. der Sternseher. (Fr. le boeuf. Engl. the
star gazer
.) V. cirris multis in maxilla inferiore
. *

Bloch tab. CLXIII.

Vorzüglich häufig im Mitländischen Meer.

25. Trachinus. Caput scabriusculum,
compressum. Membr. branch. rad.
6. anus
prope pectus
.

1. †. Draco. das Petermännchen. (Fr. la vive. Engl.
the wever.) Trachinus.

Bloch tab. LXI.

Im Mitländischen Meer, und der Nordsee etc.

[Seite 283]

26. Gadus. Corpus laeue. Membr.
branch. rad.
7. teretibus, pinnae cute
communi vestitae, pectorales acuminatae
.

1. †. Aeglesinus. der Schellfisch. (Engl. the hadock.)
G. tripterygius cirratus albicans, cauda biloba, ma-
xilla superiore longiore
. *

Bloch tab. LXII.

Im ganzen nordlichen Europäischen Ocean, vorzüg-
lichst aber an den Englischen und Schottischen Küsten.

2. Callarias. der Dorsch. G. tripterygius cirratus varius,
cauda integra maxilla superiore longiore
. *

Bloch tab. LXIII.

Hat gleichen Aufenthalt mit dem vorigen.

3. †. Morrhua. der Kabliau, Stockfisch, Steinfisch.
(Asellus. Fr. la morue. Engl. the cod-fish.) G. tripte-
rygius cirratus, cauda subaequali, radio primo anali
spinoso
. *

Bloch tab. LXIV.

Es werden unter diesen gemeinschaftlichen Nahmen
mehrere verwandte Gattungen dieses Geschlechts begrif-
fen, die wegen der unsäglichen Menge und wegen der
mannigfaltigen Zubereitung (als eigentlicher Stockfisch,
als Laberdan, und als Klippfisch) und langen Conser-
vation etc. von der äußersten Wichtigkeit fürs Menschen-
geschlecht sind. Sie finden sich in den nordlichen Ge-
genden, beides des stillen und des Atlantischen Oceans,
werden aber vorzüglichst um Neu-Fundland, Neu-Eng-
land, Neu-Schottland, auch um Island und an den
Nordküsten von Großbritannien gefangen*)

[Seite 284]

4. †. Merlangus. der Witling, Gadde. (Fr. le merlan.
Engl. the whiting.) G. tripterygius imberbis albus,
maxilla superiore longiore. *

Bloch tab. LXV.

In den Europäischen Meeren.

5. †. Lota. die Quappe, Drusche, Kutte, Aalraupe,
Aalputte. (Fr. la lote. Engl. the burbot.) G. dipte-
rygius cirratus, maxillis aequalibus
. *

Bloch tab. LXX.

Vorzüglich in den Schweizer-Seen. Einer der
schmackhaftesten Europäischen Fische.

27. Blennius. Schleimfisch. Caput
decliue, tectum. Membr. branch. rad
. 6.
corpus lanceolatum, pinna ani distincta.

1. †. Viuiparus. die Aalmutter. B. ore tentaculis duobus. *

Im Mitländischen Meer, in der Nordsee etc. Gebiert
lebendige Junge.


V. THORACICI.

Fische, deren Bauchfloßfedern gerade unter
den Brustflossen sitzen.

28. Cepola. Caput subrotundum com-
pressum Os simum, dentes curuati, sim-
plici ordine. Membr. branch. radiis
6.
Corpus ensiforme, nudum, abdomine vix
capitis longitudine
.

1. Taenia. der Bandfisch. (Fr. le ruban.) C. pinna
caudae attenuato, capite obtusissimo
.

Bloch tab. CLXX.

[Seite 285]

29. Echeneis. Caput depressum, supra
planum marginatum, transuerse sulcatum.
Membr. branch. rad.
10.

1. Remora. der Saugefisch. (Fr. le sucet. Engl. the
sucking fish
.) L. cauda bifurca, striis capitis
18. *

Bloch tab. CLXXII.

Ein sonderbares Thier, was sich mittelst des queer-
gestreiften Hinterkopfs, aufs festeste an Schiffe und Ufer
anhalten kann. Daher die alte Fabel, daß ein einziger
ein Schiff in vollem Lauf zu hemmen vermöge.

30. Coryphaena. Caput truncato de-
cliue. Membr. branch. rad.
5. pinna dor-
salis longitudine dorsi
. *

1. Hippurus. der Goldkarpfe. (Fr. la dorade. Engl. the
delphin
.) C. cauda bifida, radiis dorsalibus
60. *

Bloch tab. CLXXIV.

Im Atlantischen Meer. Ein prachtvolles Thier.

31. Gobius. Caput poris 2 inter oculos
approximatos: altero anteriore. Membr.
branch. radiis
4. Pinnae ventrales vnitae
in ouatam
.

1. †. Niger. die Meergrundel. G. pinna dorsali se-
cunda radiis
14.

Bloch tab. XXXVIII. fig. 1. 3. 5.

32. Cottus. Caput corpore latius, spi-
nosum. Membr. branch. rad.
6.

1. †. Cataphractus. der Knurrhahn, Steinpicker. (Engl.
the pogge.) O. loricatus rostro verrucis bifidis, capite
subtus cirroso
. *

[Seite 286]

Bloch tab. XXXVIII. fig. 3. 4.

An den nordlichen Küsten von Europa und America.

2. †. Gobio. der Kaulkopf, Rotzkolpe, Gropp, Kruppe.
(Engl. the bull-head, the miller's thumb.) C. laeuis,
capite spinis duabus
. *

Bloch tab. XXXVIII. fig. 1. 2.

Ein sehr gemeiner Flußfisch. Das Weibchen scharrt
sein Leich in eine Höhle am Grund, und bewacht es bis
die Jungen ausgekrochen sind aufs sorgfältigste.

33. Scorpaena. Caput magnum, acu-
leatum. Oculi vicini. Dentes maxillis,
palato, faucibusque. Membr. branch.
radiis
7.

1. Horrida. S. tuberculis callosis adspersa. *

In Ostindien.

34. Zevs. Caput compressum. Decliue.
Labium superius membrana transuersa
fornicatum. Lingua subulata. Membr.
branch. radiis
7. perpendicularibus: in-
fimo transuerso. Corpus compressum
.

1. Vomer. Z. cauda bifurca, spina aute pinnam ana-
lem dorsalemque recumbente
. *

2. Faber. (Engl. the doree, dory.) Z. cauda rotundata la-
teribus mediis ocello fusco, pinnis analibus duabus
. *

Gesner p. 439.

Beide im Atlantischen Meer.

35. Plevronectes. Butte, Scholle,
Halbfisch. (Fr. sole. Engl. flounder.) Ocu-
lis vtrisque in eodem latere frontis
.
[Seite 287] Membr. brahch. rad. 4-7. Corpus com-
pressum, latere altero dorsum, altero ab-
domen referente
.

Die Schollen sind die einzigen Thiere in der Natur
die ihre beiden Augen auf einer Seite des Kopfs haben;
manche Gattungen nähmlich auf der rechten, andere auf
der linken: sehr selten finden sich Mißgeburten unter
ihnen, die anomalisch auf der unrechten Seite ihre Au-
gen haben Auch beide Nasenlöcher sitzen ebenfalls so
schief seitwärts. Sie schwimmen in einer schrägen Lage,
die Augenseite in die Höhe gerichtet.

1. †. Platessa. die Scholle, Plateis, Goldbutte. (passer.
Fr. la plie. Engl. the plaise.) P. oculis dextris, cor-
pore glabro, tuberculis
6. capitis. *

Bloch tab. XLII.

Nebst den folgenden besonders in den nordlichen
Meeren.

2. †. Flesus. der Flünder. (Engl. the flounder.) P.
oculis dextris, linea laterali aspera, spinulis ad pin-
nas
. *

Bloch tab. XLIV.

3. †. Limanda. die Glahrke, Kliesche. (Engl. the dab.)
P. oculis dextris, squamis ciliatis, spinulis ad radicem
pinnarum dorsi anique, dentibus obtusis
. *

Bloch tab. XLVI.

4. †. Hippoglossus. die Heilbutte. (Fr. le fletang. Engl.
the holibut.) P. oculis dextris, corpore toto glabro. *

Bloch tab. XLVII.

Theils von vier Centnern an Gewicht.

5. †. Maximus. die Steinbutte. (Fr. und Engl. turbot.)
P. oculis sinistris, corpore aspero. *

[Seite 288]

Bloch tab. XLIX.

Doch weit kleiner als die volige.

36. Chaetodon. Dentes setacei, flexi-
les confertissimi, numerosissimi. Membr.
branch. rad.
6. corpus pictum, pinna dorsi
anique carnosa squamosa
.

1. Rostratus. C. cauda integra, spinis pinnae dorsalis 9.
maculaque ocellari, rostro cylindrico. *

Philos. Transact. 1765. tab. IX.

In Ostindien. Der Oberkiefer endigt sich in eine
Röhre, wodurch das Thier die Insecten die an aller-
hand Wasserpflanzen sitzen, bespritzt, daß sie herabfal-
len und ihm zur Speise werden müssen.

2. Macrolepidatus. C. cauda integra, spinis dorsalibus
11, radio dorsali quarto filiformi longissimo. *

Seba vol. III. tab. XXV. fig. 8.

In Ostindien.

37. Sparus. Dentes primores robusti,
molares obtusi, conferti. Labia duplica-
ta. Membr. branch. rad
5. corpus com-
pressum. Pinnae pectorales rotundatae
.

1. Aurata. der Goldbrachsen. S. lunula aurea inter
oculos
. *

Rondelet pag. 115.

Hat fast in allen Sprachen seinen Nahmen von dem
goll farbigen halben Monde vor den Augen.

2. Sargus. der Geißbrachsen. S. ocello subcaudali, cor-
pore fasciis nigris
. *

Rondelet pag. 122.

[Seite 289]

Aehnelt dem vorigen Fisch in der Bildung und Le-
bensart. Die Männchen sollen zur Begattungszeit sehr
hitzig wie Säugethiere oder Vögel um ihre Geliebte
kämpfen.

38. Labrus. Dentes acuti, labia simpli-
cia. Membr. branch. rad.
6. pinnae dorsa-
lis radii postice ramento filiformi aucti.
Pectorales acuminatae
.

1. Iulis. der Meerjunker. L. lateribus caerulescenti-
bus, vitta longitudinali fulua vtrimque dentata
. *

Gesner pag. 549.

Im Mitländischen Meer. Nur Fingers lang, von
ausnehmend schönen Farben. Wird den Badenden durch
seinen Biß lästig, der wie Mückenstiche schmerzt.

39. Sciaena. Caput.... Membr.
branch. rad.
6. opercula squamosa et to-
tum caput. Corpus: fossula dorsi propin-
na dorsali recondenda
.

1. Vmbra. S. nigro varia, pinnis ventralibus integerrimis.
Ebenfalls im Mitländischen Meer.

40. Perca. Opercula squamosa, serrata.
Membr. branch. rad.
7. Corpus pinnis
spinosis
.

1. †. Fluuiatilis. der Baarsch. (Fr. la perche. Engl.
the perch.) P. pinnis dorsalibus distinctis, secunda
radiis
16. *

Bloch tab. LII.

2. †. Lucioperea. der Zander, Sandbarsch, Schiel.
P. pinnis dorsalibus distinctis, secunda radiis 32. *

[Seite 290]

Bloch tab. LI.

Ein sehr schmackhafter Raubfisch des nordlichern
Europa.

3. †. Cernna. der Kaulbarsch. (Engl. the ruffe.) P.
pinnis dorsalibus vnitis radiis
27. spinis 15. cauda
bifida
. *

Bloch tab. LIII. fig. 2.

41. Gasterosteus. Membr. branch.
rad.
3. corpus ad caudam vtrimque cari-
natum. Pinnae ventrales pone pectora-
les, sed supra sternum
.

1. †. Aculeatus. der Stichling. (spinarella. Engl. the
stickleback
.) G. spinis dorsalibus tribus
. *

Bloch tab. LIII. fig. 3.

2. Volitans. G. spinis dorsalibus 13. cirris 6, pinnis
pectoralibus corpore longioribus
. *

Seba vol. III. tab. XXVIII. fig. 1.

Um Amboina. Einer der fliegenden Fische.

42. Scomber. Caput compressum; laeue.
Membr. branch. rad.
7. corpus laeue, linea
laterali postice carinatum. Pinnae spuriae
saepe versus caudam
.

1. †. Scomber. die Makrele. (Fr. le maquerean. Engl.
the mackrel.) S. pinnulis 5. *

Bloch tab. LIV.

Im Nordischen und Atlantischen Meer etc. Wie der
folgende ein gefräßiger aber schmackhafter Raubfisch.
Von beiden machten die Alten ein vorzügliches Garum
(§. 118.).

[Seite 291]

2. †. Thynnus. der Thunnfisch. (Fr. le thon. Engl. the
tunny
.) S. pinnulis vtrimque
8. *

Bloch tab. LV.

In der Nordsee, dem Mitländischen Meer, Ost- und
Westindien etc. Wird über Manns-lang, und dann
wohl gegen 5 Centner schwer*).

43. Mullus. Caput compressum, decliue,
squamis tectum. Membr. branch.
rad.
3. Corpus squamis magnis facile
deciduis
.

1. Barbatus. der Rothbart, die Meerbarbe. M. cir-
ris geminis, corpore rubro
.

Gesner pag. 667.

Ein sehr schöner und vorzüglich schmackhafter Fisch
des Mitländischen Meers. Ungefähr Fuß-lang.

44. Trigla. Caput loricatum lineis sca-
bris. Membr. branch. rad.
7. Digiti liberi
ad pinnas pectorales
.

1. Hirundo. die Seeschwalbe. (Fr. la cabote. Engl.
the tub fish.) T. digitis ternis, linea laterali acu-
leata
. *

Bloch tab. LX.

2. Volitans. T. digitis vicenis membrana palmatis. *

Gesner pag. 514.

Beides fliegende Fische.

VI. ABDOMINALES.

[Seite 292]

Fische, deren Bauchflossen hinter den Brust-
floßfedern sitzen. Sie leben größtentheils in süßen
Wassern.

45. Cobitis. Oculi in suprema capitis
parte. Membr. branch. rad.
4-6. Cauda
versus pinnam minus angustata
.

1. Anableps. C cirris 2. capite depresso, oculis promi-
nulis
.

Seba vol. III. tab. XXXIV. fig. 7.

Bey Surinam. Gebiert lebendige Junge, und wird
besonders durch den ganz einzigen Bau seiner gleichsam
in zwey Abschnitte halbirten Hornhaut des Auges, und
übrige Einrichtung der Augäpfel, merkwürdig*).

2. †. Barbatula. der Schmerling, Grundel, Bartgrun-
del. (Fr. la loche.) C. cirris 6, capire inermi com-
presso
. *

Bloch tab. XXXI. fig. 3.

Ein bekannter schmackhafter kleiner Fisch, wovon es
mehrere Spielarten, mit und ohne Bartfäden tc. gibt.
Die größten finden sich in der Aar in der Schweitz.

3. †. Fossilis. der Wetterfisch, Peizker, Schlamm-
beisker, die Pipe, Steinpietsche, Kurrpietsche.
C cirris 8, spina super oculos. *

Bloch tab. XXXI fig. 1.

Kann wie der Knurrhahn einen Laut von sich geben.
Wenn man ihn in Gläsern, mit Sand am Boden, er-
hält, so wird er bey jeder bevorstehenden Wetterver-
änderung unruhig.

[Seite 293]

46. Amia. Caput osseum, nudum, sca-
brum, suturis conspicuum. Dentes in
mandibulis palatoque acuti, conferti.
Cirri nasales
2. Membr. branch. radiis
12. corpus squamosum.

1. Calua. A. cauda macula nigra.

In Carolina.

47. Silurus. Caput nudum. Os cir-
ris filiformibus tentaculatum. Membr.
branch. rad.
414. Radius pinnarum
pectoralium aut dorsalis primus spino-
sus, retrodentatus
.

1. †. Glanis. der Wels, Schaidfisch. S. pinna dorsali
vnica scapulari mutica, cirris
6.

Bloch tab. XXXIV.

Der größte Süßwasserfisch, der wohl 3 Centner am
Gewicht hält, und wegen des unförmlich großen und
breiten Kopfes und der langen Bartfäden ein sonder-
bar Ansehen hat. Er soll wohl eher selbst Menschen
und Pferde etc. aufgefressen haben.

2. Cataphractus. S. pinna dorsali postica vniradiata,
squamis ordine simplici, cirris
6 cauda integra. *

Catesby vol. III. tab. XIX.

In Nordamerica.

3. Electricus. der Zitter-Wels, Raasch. S. pinna dor-
sali vnica lumbari, remota absque radiis, cirris
6.

Broussonet in den Mém. de l'ac. des sc. de
Paris
, 1782. tab. XX.

Ist ebenfalls einen electrischen Schlag mitzutheilen
im Stande. Findet sich im Nil u.a. Africanischen
[Seite 294] Strömen. Wird ungefähr 20 Zoll lang. Ist doch
eßbar.

48. Teuthis. Caput antice subtrun-
catum. Membr. branch. radiis
5. Den-
tes simplici serie aequales, rigidi, ap-
proximati
.

1. Hepatus. T. spina vtrinque caudali recumbente mobili.

Seba vol. III. tab. XXXIII. fig. 3.

In beiden Indien.

49. Loricaria. (Fr. cuirassier.) Caput
laeue depressum. Os edentulum retra-
ctile. Membr. branch. radiis
6. corpus
cataphractum
.

1. Cataphracta. L. pinna dorsi vnica, cirris duobus. *

Seba vol. III. tab. XXIX. fig. 14.

In Süd-America.

50. Salmo. Caput laeue. Dentes in
maxillis, lingua. Membr. branch. rad.

410. pinna dorsalis postica adiposa;
pinnae ventrales multiradiatae
.

1. †. Salar. der Lachs, Salm. (Fr. le saumon. Engl.
the salmon.) S. rostro vltra inferiorem maxillam pro-
minente
. *

Bloch tab. XX. XCVIII.

In den nordischen Meeren und Flüssen. Hält sich des
Sommers in den Flüssen, im Winter aber in der See
auf. Nur die Männchen haben einen gebogenen Un-
terkiefer.

[Seite 295]

2. †. Trutta. die Lachs-Forelle. (Fr. la truite saumo-
née
. Engl. the sea trout.) S. ocellis nigris iridibus
brunneis, pinna pectorali punctis
6. *

Bloch tab. XXI.

Wird wohl 8-10 Pfund schwer.

3. †. Fario. die Forelle. (Fr. la truite. Engl. the trout.)
S. maculis rubris, maxilla inferiore sublongiore. *

Bloch tab. XXII. XXIII.

In schattigen kalten Waldbächen auf kiesichtem
Grund, wird selten über zwey Pfund schwer. Variirt
gar sehr an Farbe und Geschmack.

4. †. Alpinus. die Alpenforelle, der Rothfisch. S.
dorso nigro lateribus caeruleis, ventre fuluo
. *

Bloch tab. CIV.

Im Alpinischen und Nordischen Europa. Zumahl
ein sehr wichtiges Thier für die Schwedischen Lappen,
deren beynahe einzige Nahrung es zu Zeiten ausmacht;
lebt fast bloß von Mücken (culex pipiens).

5. †. Eperlanus. der Stint, Alander. (Engl. the smelt.)
S. capite diaphano, radiis pinnae ani 17. *

Bloch tab XXVIII. fig. 2.

Im nordlichern Europa.

6. †. Lauaretus. der Schnepel, Weißfisch. S. maxilla
superiore longiore, radiis pinnae dorsi
14. *

Bloch tab. XXV.

In der Nord- und Ostsee.

Einige verwandte und wegen ihres ausnehmend
schmackhaften Fleisches berühmte Fische sind nur noch
nicht genau genug bestimmt um entscheiden zu können,
ob sie als bloße Spielarten der Schnepel oder für be-
sondre Gattungen angesehen werden müssen.

[Seite 296]

Dahin gehören z.B. die Felchen, und der Aalbock
im Thuner-See, der mir mit der berühmten*) Ferra
des Genfer-Sees einerley zu seyn scheint.

7. †. Thymallus. die Aesche. (Fr. l'ombre.) S. maxilla
superiore longiore, pinna dorsi radiis
23. *

Bloch tab. XXIV.

Im mittlern Europa und Sibirien.

51. Fistularia. Caput: rostrum cy-
lindricum, apice maxillosum. Membr.
branch. radiis
7. corpus.....

1. Tabacaria. F. cauda bifida setifera.

Catesby vol. II. tab. XVII. fig. 2.

In Nordamerica.

52. Esox. Caput supra planiusculum;
mandibula superiore plana breuiore, in-
feriore punctata: dentes in maxillis,
lingua. Membr. branch. rad.
712.

1. †. Lucius. der Hecht. (Fr. le brochet. Engl. the pike.)
Q. rostro depresso subaequali. *

Bloch tab. XXXII.

Einer der gefährlichsten Raubfische, der nicht nur
andere Fische, sondern auch allerhand Amphibien, selbst
Kröten, viele Wasservögel und Säugethiere, auch zu-
weilen gar Krebse verschlingt.

2. †. Belone. der Hornfisch. (Fr. l'orphie. Engl. the
garpike
.) L. rostro vtraque maxilla subulato
. *

Bloch tab. XXXIII.

Seine Gräten sind grün, als wenn sie mit Saftfarbe
angestrichen wären.

[Seite 297]

53. Elops. Caput laeue. Dentium sca-
brities in maxillarum margine, palato.
Membr. branch. radiis
30; praeterea
exterius in medio armata dentibus
5.

1. Saurus. E. cauda supra infraque armata.

Auf Jamaica.

54. Argentina. Caput: dentes in
maxillis, lingua. Membr. branch. radiis

8. Corpus ano caudae vicino. Pinnae
ventrales multiradiatae
.

1. Carolina. A pinna anali radiis 15.

Catesby vol. II. tab. XXIV.

Hat den Nahmen von seinem Vaterlande.

55. Atherina. Caput maxilla supe-
riore planiuscula. Membr. branch. radiis

6. Corpus fascia laterali argentea.

1. Hepsetus. A. pinna ani radiis fere 12.

Im Mitländischen Meere.

56. Mugil. Caput: Labia membrana-
cea: inferius introrsum carinatum. Den-
tes nulli. Denticulus inflexus supra sinus
oris. Membr. branch. rad.
7. curuis. Oper-
cula laeuia rotundata. Corpus albicans
.

1. Cephalus. M. pinna dorsali anteriore quinqueradiata. *

Gesner pag. 649.

Im Mitländischen u.a. Meeren.

57. Exocoetus. Caput squamosum.
Os edentulum, maxillis vtroque latere
[Seite 298] connexis. Membr. branch. rad.
10. Cor-
pus albicans, abdomen angulatum, pinnae
pectorales maxime volatiles, radiis antice
carinatis
.

1. Volitans. der fliegende Häring. E. abdomine vtrin-
que carinato
. *

Gesner pag. 653.

Der häufigste aller fliegenden Fische. Findet sich
meist in allen wärmern Weltmeeren; theils in unsäg-
licher Menge.

58. Polynemus. Caput compressum,
vndique squamosum: rostro obtusissimo
prominente. Membr. branch. radiis
7. s. 5.
corpus digitis liberis ad pinnas pectorales.

1. Quinquarius. P. digitis quinque corpore longioribus. *

Seba vol. III. tab. XXVII. fig. 2.

In Westindien.

59. Mormyrus. Caput laeue. Dentes
plures, emarginati. Apertura branchia-
rum linearis absque operculo. Membr.
branch. radio
1. corpus squamosum.

1. Cyperinoides. M. cauda bifida acuta.

Im Nil.

60. Clupea. Caput maxillarum superio-
rum mystacibus serratis. Membr. branch.
rad.
8. Branchiae interne setaceae. Ab-
dominis carina serrata. Pinnae ventrales
saepe nouemradiatae
.

[Seite 299]

1. †. Harengus. der Häring, Strömling. (Fr. l'ha-
reng
. Engl. the herring.) C. immaculata, maxilla
inferiore longiore
. *

Bloch tab. XXIX.

Einer der wichtigsten Fische für die nördliche Erde,
der zwar von Menschen und sehr vielen Thieren (zu-
mahl vom Nordkaper, von manchen Möven-Gattun-
gen etc.) verfolgt wird, sich aber auch dagegen unglaub-
lich vermehrt. Besonders sind nun seit dem zwölften
Jahrhundert bey Gelegenheit ihrer großen äußerst be-
stimmten, regelmäßigen Sommer-Reisen nach den Eu-
ropäischen Küsten, zumahl nach den Orcaden, nach
Norwegen etc. einige tausend Europäer mit ihrem Fang-
beschäftigt. Wilhelm Beukelszoon von Bierfliet in Flan-
dern hat 1416 zuerst Häringe eingesalzen.

2. †. Sprattus. die Sprotte, der Breitling. (Fr. la
sardine
. Engl. the sprat.) C. pinna dorsali ra-
diis
13. *

Bloch tab. XXIX. fig. 2.

Ebenfalls in den nordlichen Meeren, aber auch im
Mitländischen. Ist von vielen Naturforschern irrig für
den jungen Häring gehalten worden.

3. †. Alosa. die Alse, der Mutterhäring, Mayfisch.
(Fr. l'alose. Engl. the shad.) C. lateribus nigro ma-
cularis, rostro bifido
. *

Bloch tab. XXX. fig. 1.

Vorzüglich häufig im Mitländischen Meere.

4. †. Encrasicolus. die Sardelle, der Anschovis. (Fr.
l'anchois.) C. maxilla superiore longiore. *

Bloch tab. XXX. fig. 2.

[Seite 300]

Ein sehr beliebter kleiner Fisch. Hat meist gleiches
Vaterland mit dem vorigen. Wird vorzüglich häufig
bey Gorgana unweit Livorno gefangen.

61. Cyprinus. Caput ore edentulo. Os
nasale bisulcum. Membr. branch. rad.
3.
Corpus laeue albens. Pinnae ventrales
saepe nouemradiatae
.

1. †. Barbus. die Barbe. C. pinna ani radiis 7, cirris
7, pinnae dorsi radio secundo vtrinque serrato. *

Bloch tab. XVIII.

2. †. Carpio. der Karpfe. (Fr. la carpe. Engl. the carp.)
C. pinna ani radiis 9, cirris 4, pinnae dorsalis radio
postice serrato
. *

Bloch tab. XVI.

Jetzt nun meist in ganz Europa. Soll mit verwand-
ten Gattungen, zumahl mit der Karausche, Bastarden
geben. Auch finden sich unter den Karpfen häufiger
Mißgeburten als unter irgend einer andern bekannten
Fischgattung.

Die Spiegelkarpfen*), die sich besonders durch die
beständig von Schuppen entblößten Theile des Körpers
auszeichnen, sind doch nicht, bloß für eine Spielart son-
dern für eine besondre Gattung dieses Geschlechts anzu-
sehen.

3. †. Tinca. die Schleihe. (Fr. la tanche. Engl. the
thench
.) C. pinna ani radiis
25, cauda integra, cor-
pore mucoso cirris
2. *

Bloch tab. XIX.

In sacht fließenden Wassern mit leimichtem Boden;
seltner in großen Flüssen, wie im Rhein, in der Tiber etc.
[Seite 301] Auch sie gibt einen Laut mit den Kieferdeckeln von sich.
Die Goldschleihe*) die sich zumahl in Schlesien findet,
ist einer der prachtvollsten Deutschen Fische.

4. †. Carassus. die Karausche. (Fr. le carassin. Engl.
the crucian.) C. pinna ani radiis 10, cauda integra,
linea laterali recta
. *

Bloch tab. XI.

5. Auratus. das Schinesische Goldfischchen, der Gold-
karpe, Kin-ju. (Fr. la dorée. Engl. the goldfish.)
C. pinna ani gemina, caudae transuersa bifurca. *

Bloch tab. XLIII. XCIV. fig. 1–3

Job. Baster in Haarlem. Verhandl. VII. D. I. St.
mit illum. Fig.

Ein überaus schön gezeichnetes Thier, das in den
Flüssen von Schina und Japan zu Hause ist. Man
hält sie dort ihrer schönen Auror-Farbe und ihrer
Munterkeit wegen auf den Zimmern in Porcellan-Ge-
fäßen: und sie kommen auch recht gut in Europa fort,
wo sie zuerst 1691 nach England gebracht worden sind.

6. †. Phoxinus. die Elritze. (Fr. le vairon. Engl. the
minow
.) C. pinna ani radiis
8, macula fusca ad cau-
dam, corpore pellucido
. *

Bloch tab. VIII. fig. 5.

Ein schöner und sehr schmackhafter kleiner Fisch.
Häufig in der Weser.

7. †. Orsus. der Orf, Urf, Würfling, Elft. C.
pinna ani radiis
13. *

Bloch tab. XCVI.

Zumahl im südlichen Deutschland. Ausnehmend
schön Orangenfarben.

[Seite 302]

8. †. Alburnus. Ukley, Weißfisch. (Fr. l'ablette. Engl.
the bleak.) C. pinna ani rad. 20. *

Bloch tab. VIII. fig. 4.

Ein sehr gemeiner Fisch, dessen Schuppen zur Ver-
fertigung der Glasperlen gebraucht werden*).

9. †. Brama. der Bley, Brachsen. C. pinna ani rad.
27, pinnis fuscis. *

Bloch tab. XIII.

Wegen seiner starken Vermehrung und schmackhaften
Fleisches einer der wichtigsten Fische Deutschlands.


Achter Abschnitt.
Von den Insecten
.

[Seite 303]

§. 121.

Die letzten beiden Classen des Thierreichs, die
Insecten und Gewürme unterscheiden sich schon
dadurch von den vorhergehenden, daß sie kein
rothes Blut, sondern statt dessen einen weißli-
chen Saft in ihrem Körper führen: weßhalb sie
auch von den Alten Blutlose Thiere (animalia
exsanguia
) genannt wurden.

§. 122.

Die Insecten haben ihren Nahmen daher,
weil wenigstens in ihrem vollkommenen Zustan-
de, Kopf, Brust und Hinterleib, wie durch Ein-
schnitte von einander abgesondert sind, ja bey den
mehresten fast nur wie durch einen Faden unter
sich verbunden werden. Außerdem zeichnen sie
sich aber auch durch besondre Fäden aus, die sie
in ihren vollkommnen Zustand an der Stirne
tragen, (Antennae, Fühlhörner) und die alle
Mahl an der Wurzel eingelenkt, meist aber auch
noch außerdem gegliedert sind; und endlich durch
die größere Anzahl Füße, da die vollkommenen
[Seite 304] Insecten zum allermindesten ihrer sechs, manche
aber wohl auf anderthalb hundert etc. haben.

§. 123.

Außer den angegebenen Merkzeichen, haben
die Insecten wenige Eigenschaften, die ihnen
allen gemein wären. Die ganz unermeßliche
Anzahl der Gattungen, ihre so unendlich ver-
schiedenen Bestimmungen, und dahin abzweckende
eben so verschiedene Lebensart, Bedürfnisse etc. er-
fordern einen äußerst mannigfaltigen Körper-
bau, in welchem sie, so wie in der ungleichen
Größe ihres Körpers ausnehmend von einander
abweichen.

§. 124.

Selbst die äußere Bedeckung ihres Körpers
ist weit mannigfaltiger als bey den übrigen Thie-
ren. Sehr viele sind wie mit einem hornartigen
Panzer überzogen, der aus mehrern Stücken
besteht, die sich wie die Schienen eines Blechhand-
schuhes über einander schieben lassen; und wo-
durch diese Thiere vor mancherley Unfällen ge-
sichert, und für den Mangel der Knochen, die bey
andern Thieren zur Grundlage der Muskeln u.a.
weichen Theilen dienen, entschädigt werden. Man-
che sind mit feinen Haaren besetzt, und bey den
Schmetterlingen etc. die Flügel mit kleinen Feder-
chen, oder vielmehr Schuppen bedeckt, die zum
Theil von den schönsten Farben sind: so wie sich
[Seite 305] überhaupt unter den Insecten, Thiere von ganz
unbeschreiblicher Schönheit finden.

§. 125.

Auch in der Einrichtung der Sinnwerkzeuge,
und also vermuthlich auch in der Art der Em-
pfindung (§. 29.), weichen die Insecten gar sehr
von den übrigen Thieren ab. So daß ihnen so-
gar viele berühmte Männer verschiedne von un-
sern fünf äußern Sinnen, zumahl das Gehör und
den Geruch, ohne Grund haben absprechen wollen;
da man doch jenes bey vielen die einander zur
Paarungszeit durch einen besondern Laut locken,
und diesen bey noch weit mehrern die ihren ver-
steckten Fraß auswittern, unverkennbar wahr-
nimmt.

§. 126.

Die Augen der Insecten sind vorzüglich merk-
würdig, und zwar in Rücksicht ihres Baues von
zweyfacher Art. Die einen sind ungeheure Halb-
kugeln, die aber meist aus vielen tausend Facet-
ten, bey einigen auch aus zahlreichen kegelför-
migen Spitzen, und in beiden Fällen eigentlich
aus eben so viel besondern kleinen Linsen bestehen,
die auf der innern Seite mit einem theils bunt-
farbigen oder glänzenden Anstrich überzogen sind.
Die mehresten geflügelten Insecten, aber auch
manche ungeflügelte, wie der Hummer etc. haben
dergleichen. Die Augen der andern Art (ocelli,
[Seite 306] stemmata) sind einfach, klein, und so wohl in
Rücksicht ihrer Anzahl als Lage verschieden. Die
erstern scheinen mehr für die Ferne, so wie die
letztern für die Nähe bestimmt zu seyn; wenig-
stens reimt sich dieß damit daß die Schmetterlin-
ge in ihrem geflügelten vollkommnen Zustande
solche große componirte telescopische Augen krie-
gen, da sie vorher als Raupen nur myopische
kleine Augen hatten. Nur wenige Insecten, wie
z.B. die Krebse, können ihre Augen bewegen.

§. 127.

Die Fühlhörner (§. 122.) die Linné und an-
dre berühmte Männer für Werkzeuge besonderer,
den Insecten eigener Sinne angesehen haben,
scheinen doch nichts weiter zu seyn, als was ihr
Nähme andeutet. – Werkzeuge des Gefühls,
Sonden, Tangenten, die ihnen bey ihrer harten
unempfindlichen äußern Decke, und bey der Un-
beweglichkeit ihrer Augen doppelt wichtig werden.
Die Insecten scheinen das feinste Gefühl in ihren
Antennen, wie wir in den Fingerspitzen, zu ha-
ben; und da sie großentheils im Finstern leben,
dadurch, so wie Blinde, den Mangel des Lichts
durch feines Gefühl zu ersetzen.

§. 128.

Im innern Körperbau*) weichen die Insec-
ten gar sehr von den rothblütigen Thieren ab.

[Seite 307]

Was man z.B. das Herz der Insecten nennt,
ist ein langer Canal von ungleicher Weite der
längs des Rückens liegt, aus welchem aber nicht
eine einzige Ader entspringt, als von welchen
man überhaupt – bey den Raupen wenigstens –
keine Spur findet, so daß folglich auch die Ernäh-
rung bey diesen Insecten auf eine eigne, von der
Nutrition der rothblütigen Thiere ganz verschiedne
Art vor sich gehen muß.

Hingegen sind sie mit unzähligen Luftröhren
vom erstaunenswürdigsten feinsten Bau, und mit
äußerst zahlreichen Muskeln (§. 26.), die aber
auch so wohl in der Bildung als in der Farbe von
den Muskeln der rothblütigen Thiere abweichen,
versehen.

§. 129.

So unentbehrlich ihnen die Lust, zur Bewe-
gung der Muskeln u.a. Verrichtungen scheint, so
bemerkt man doch kein eigentliches wahres Athem-
hohlen an ihnen; auch ist die mephitische Luft,
worin animalische und vegetabilische Substanzen
faulen und die den rothblütigen Thieren tödtlich
ist, gleichsam das wahre Element der Insecten
worin sie sich trefflich wohl befinden.

§. 130.

Der Aufenthalt der Insecten ist weit unbe-
schränkter, als der von irgend einer andern Thier-
classe. Sie sind so zu sagen in allen Elementen
verbreitet: man wird zumahl im Sommer nie
leicht eine Spanne breit Erdreich untersuchen
[Seite 308] können, ohne Spuren von Insecten zu finden:
es sind fast auf allen Thieren ohne Ausnahme
welche anzutreffen, so daß sogar größere Insecten,
wie z.B. Käfer, Bienen etc. selbst wieder ihre
besondere Milben und Läuse haben. Eben so sind
auch wohl nur sehr wenige Gewächse (etwa der
Taxus, der Sevenbaum etc.) die gar keinen bekann-
ten Insecten zur Wohnung und Aufenthalt die-
nen. Da hingegen manche wie z.B. die Eiche
von mehr als einem hundert verschiedener Gat-
tungen von Insecten bewohnt und besucht wer-
den. Kurz, diese kleinen Thiere machen gleich-
sam eine unsichtbare Welt für sich aus, die zwi-
schen die ganze übrige organisirte Schöpfung ein-
geschoben ist.

So allgemein aber die Insecten, im Ganzen
genommen, über die ganze Erde verbreitet sind,
so streng ist doch dagegen einer jeden einzelnen
Gattung ihr besonderer eingeschränkter Aufent-
halt auf bestimmten Thieren oder Pflanzen, und
deren einzelnen Theilen angewiesen: so wie auch
manche sich sogar nur in einer gewissen Jahrszeit
oder Tageszeit am gleichen Orte aufhalten etc.

§. 131.

Nur wenige Insecten leben in gesellschaftli-
cher Verbindung, und leisten sich in ihren Ge-
schäften wechselseitige Hülfe. Die allermeisten
gehen einzeln und isolirt ihren Verrichtungen
nach, und manche, die wie die Spinnen in zahl-
[Seite 309] reicher Gesellschaft jung worden sind, zerstreuen
sich bald nachher, und leben einsiedlerisch, so,
daß viele außer der Begattungszeit kein anderes
Geschöpf ihrer Art nachher wieder zu sehen
kriegen.

§. 132.

Der überaus merkwürdigen Gebäude, Woh-
nungen etc. die sich so viele Insecten zu verferti-
gen wissen, ist schon oben bey Anlaß der Kunst-
triebe (§. 35.) Erwähnung geschehn. Es sind
wenige Thiere dieser Classe, die nicht wenigstens
Ein Mahl, in einer gewissen Periode ihres Lebens
Proben dieser natürlichen Kunstfähigkeit ablegen
sollten, indem sie entweder wie die Kleidermot-
ten und Frühlingsfliegen in ihrer unvollkomme-
nen Gestalt, als Larven, sich ein Gehäuse zum
Aufenthalt und zum Schutze verfertigen; oder
sich, um die Verwandlung und den langen To-
desschlaf zu bestehen, ein Lager bereiten, sich ein-
spinnen etc., oder die sich wie die Ameisenlöwen
Fallen, und wie die Spinnen Netze für ihren
Raub verfertigen; oder die wie manche Was-
serkäfer und Spinnen, zur Sicherheit für ihre
Nachkommenschaft, Säcke oder Nester zuberei-
ten, denen sie ihre Eyer anvertrauen können.
Manche von denen, die in gesellschaftlicher
Verbindung leben, bauen sich mit vereinten
Kräften, und nach den Gesetzen einer äußerst
regelmäßigen ihnen angebornen Meßkunst, ge-
meinschaftliche Wohnungen u.s.w.

§. 133.

[Seite 310]

Bey der Ernährungsart der Insecten sieht
man offenbar daß sie nicht bloß essen sollen um
satt zu werden, sondern um zugleich Aas zu ver-
zehren, um selbst wieder andre lebendige Insec-
ten aufzureiben etc., um Unkraut zu vertilgen
u.s.w. – eine große Bestimmung, zu deren
Erfüllung diesen kleinen Thierchen, theils ihre
fast unglaublich starke Vermehrung, theils ihr
unersättlicher Appetit zu statten kommt. Man
weiß, daß eine Raupe in 24 Stunden das Tri-
plum ihres eignen Gewichts verzehren kann.

§. 134.

Vor den Nachstellungen ihrer Feinde sind
einige Insecten, wie z.B. die Spannraupen
durch ihre täuschende Gestalt; andere dadurch
daß sie einerley Farbe mit den Gewächsen haben,
worauf sie leben, und folglich weniger darauf ab-
stechen, nicht so leicht bemerkt werden können;
andere durch den Gestank, den sie im Nothfall
verbreiten können; andere durch die Macht des
gesellschaftlichen Lebens; noch andre durch ihre
bewundernswürdige Stärke etc. gesichert. Und
manche sind gar mit Waffen, z.B. mit Hör-
nern wie Kneipzangen, oder mit Stachel und
Gift versehen.

§. 135.

Auch bey der Fortpflanzung der Insecten
zeigen sich ungemein viele eigene Sonderbarkei-
[Seite 311] ten. So z.B. daß oft in einer und eben dersel-
ben Gattung die beiden Geschlechter einander so
äußerst unähnlich gebildet sind, daß man sie eher
für ganz verschiedene Thierarten, als für zusam-
wen gehörige Gatten halten sollte: oder daß un-
ter den Bienen und andern ihnen verwandten
Insecten immer die größte Anzahl gänzlich ge-
schlechtlos ist; das heißt daß sie gezeugt und
gebohren werden, ohne doch selbst je die Bestim-
mung, oder die Fähigkeit zur Empfängniß oder
zur Zeugung zu haben.

§. 136.

Auch die Begattung hat bey verschiednen
Insecten sehr viel eignes. Die mehresten leben
in sofern in einer gezwungenen Monogamie, weil
sie schlechterdings nicht mehr als ein einziges
Mahl in ihrem Leben sich paaren können: der
Tod ist bey ihnen eine so unausbleibliche Folge
der ersten Begattung, daß man sogar ihr Leben
durch verzögerte Paarung verlängern kann.

§. 137.

Zu andern Sonderbarkeiten beym Fortpflan-
zungsgeschäfte der Insecten, gehört auch daß bey
vielen, wie z.B. beym Cochenille-Wurm, beym
Sandfloh etc. das trächtige Weibchen zu einer
ganz ungeheuren Größe anwächst: so daß man
z.B. rechnet daß bey der weißen Ameise die zum
Gebähren reife Mutter auf 2000 Mahl dicker
und größer ist als sie vor der Befruchtung war.

§. 138.

[Seite 312]

Die mehresten Insecten legen Eyer, die von
den Müttern nach einem bewundernswürdigen
Instinct immer aufs genauste an die bestimmten
der künftigen jungen Brut angemessensten Orte
gelegt werden. Manche legen z.B. ihre Eyer
bloß in den Körper lebendiger Insecten anderer
Art, in Raupen; oder in Puppen; oder gar in
andrer Insecten ihre Eyer! denn wirklich kriecht
zuweilen aus den Eyern der Ringelraupe statt
der jungen Raupe eine eigne Art kleiner Mück-
chen aus.

Auch sind die Insecten-Eyer zum Theil,
zumahl bey den Schmetterlingen, von einer über-
aus mannigfaltigen sonderbaren Bildung und
Zeichnung, und wenn sie von der Mutter an die
freye Luft gelegt werden, mit einer Art Firniß
überzogen, damit sie weder vom Regen abge-
spült noch durch andern Zufall leicht zerstört
werden können. Einige wenige Insecten gebä-
ren lebendige Junge und manche, wie die Blatt-
läuse pflanzen sich auf beiderley Weise fort.

§. 139.

Ein äußerst merkwürdiges Phänomen, das
fast bloß dieser Thierclasse eigen, wenigstens in
den andern (§. 95. 116.), bey weitem nicht so
auffallend wird, ist ihre Metamorphose. Die
wenigsten Insecten behalten nähmlich die gleiche
Gestalt, in der sie zuerst ans Licht gekommen
[Seite 313] sind, ihr ganzes, übriges Leben hindurch, son-
dern sie verwandeln sich größtentheils zu wieder-
höhlten Mahlen in bestimmten Epochen ihres
Lebens, und erscheinen während dieser Auftritte
oft in ganz verschiednen Gestalten, wobey zugleich
ihr ganzer innrer Körperbau (gegen die gemeine
Meinung) auf eine Weise umgeschaffen wird*),
die sich schwerlich mit den vermeinten präexisti-
renden Keimen (§. 7. u. f.) zusammen reimen
läßt.

§. 140.

In der Gestalt, wie diese Insecten die sich
einer Metamorphose unterziehen, zuerst aus dem
Ey kriechen, heißen sie Larven. Meist kom-
men sie äußerst klein ans Licht, so daß z.B. eine
erwachsene Weidenraupe 72,000 Mahl schwerer
wiegt als da sie eben aus dem Ey gekrochen war.
Dagegen wachsen sie aber auch desto schneller,
so daß z.B. die Maden der blauen Schmeiß-
fliege 24 Stunden nach dem Auskriechen schon
155 Mahl schwerer wiegen als da sie aus dem
Eye kamen.

Theils haben diese Larven Füße wie die Rau-
pen und Engerlinge: theils aber keine, wie die
Maden. Flügel haben sie gar noch nicht. Auch
sind sie in diesem Zustande zur Fortpflanzung noch
gänzlich unfähig: sie ernähren sich bloß, und wach-
sen, und häuten sich mit unter einige Mahl.

§. 141.

[Seite 314]

In der Gestalt, worein die Larve umgebildet
wird, heißt sie Nymphe. Manche können sich
während dieses Zustandes herum bewegen, auch
Nahrungsmittel zu sich nehmen. Andere hin-
gegen verschließen sich als Puppe, (chrysalis,
aurelia) und bringen diesen Theil ihres Lebens
in einem betäubenden Todtesschlaf, ohne Nah-
rungsmittel, und ohne sich von der Stelle zu be-
wegen, zu.

§. 142.

Allein während der Zeit, da das Geschöpf so
ganz fühllos und erstarrt in seiner Hülse vergra-
ben scheint, geht mit ihm selbst die große Ver-
änderung vor, daß es aus seinem Larvenstand
zum vollkommnen Insect (Insectum declara-
tum
) umgebildet wird, und nach bestimmter Zeit
aus seinem Kerker hervorbrechen kann. Manche
Insecten absolviren die letzte Rolle ihres Lebens
in einer sehr kurzen Zeit. Verschiedne bringen,
wenn sie aus ihrer Hülse kriechen, nicht ein Mahl
einen Mund mit zur Welt, sie fressen nicht mehr,
sie wachsen nicht weiter; jene beiden Bestimmun-
gen eines organisirten Körpers hatten sie schon
als Larven erfüllt; jetzt ist ihnen nur noch die
dritte übrig: sie sollen ihr Geschlecht fortpflan-
zen, und dann der Nachkommenschaft Platz ma-
chen, und sterben.

§. 143.

[Seite 315]

Die unmittelbare Brauchbarkeit der Insec-
ten ist ziemlich einfach: dagegen aber ist der An-
theil, den diese kleinen unbemerkten Thiere an der
großen Haushaltung der Natur haben, desto man-
nigfaltiger und ganz unermeßlich. Die Insecten
sind es, die unzählige Arten von Unkraut theils
im Keim ersticken, theils, wenn es auch aufge-
wachsen ist, vertilgen, und seinem fernern Wu-
cher vorbeugen müssen. Einen andern ebenfalls
äußerst wichtigen Nutzen leisten so viele Insecten
die sich von Aas nähren, im Miste leben u.s. w.
und die dadurch, daß sie diese widrigen animali-
schen Substanzen aufzehren, zerstreuen und durch-
wirken, von der einen Seite der Infection der
Luft vorbeugen, und von der andern die allge-
meine Düngung des Erdreichs befördern. Aus
jener Rücksicht werden z.B. die Schmeißfliegen
in den heißen Erdstrichen so wohlthätig. An-
derseits helfen auch unzählige Insecten zur Fort-
pflanzung und Befruchtung der Gewächse, indem
sie den Blumenstaub vom einen zum andern über-
tragen*). Manche Thiere dieser Classe, wie
die Krebse, die großen orientalischen Heuschre-
cken etc. sind eßbar. So auch der Honig der
Bienen. Die Seide nutzt zur Kleidung und
mancherley anderm Gebrauch. Verschiedne In-
[Seite 316] secten geben vortreffliche Farben, wie die Coche-
nille den Scharlach, der Kermes das Carmoisin.
Die Galläpfel werden zur Dinte, und Wachs
zu Lichtern und tausenderley andern Absichten be-
nutzt. So das Lack, ein Product gewisser oft-
indischer Schildläuse, das zu Firniß, zum Siegel-
lack u.s.w. verbraucht wird. Für die Arzney sind
vorzüglich die spanischen Fliegen, die Kelleresel
und die Ameisen von Belange, und neuerlich sind
auch die Maykäfer, und so genannten Maywür-
mer, vom neuen als Hülfsmittel gegen den tollen
Hundsbiß berüchtigt worden.

§. 144.

Nutze und Schade der verschiednen Thierclas-
sen stehen meist in Verhältniß mit einander: und
so ist auch hier der Nachtheil, den die Insecten
anrichten, im Ganzen genommen, beträchtlicher
als bey andern Thieren. Sehr viele Insecten
sind den Feldfrüchten überhaupt gefährlich, ver-
ursachen Mißwachs, und verheeren, wie die
Zug-Heuschrecken, junge Saat, und alles, wo
sie auffallen. Manche sind besonders dem Ge-
treide nachtheilig; andere, wie so viele Raupen,
Erdflöhe, Engerlinge etc. den Gartengewächsen;
andre Raupen, und Käferlarven etc. den Obst-
bäumen; die Schildläuse besonders der Oran-
gerie: die Larven einiger Dermestes-Gattun-
gen, und die Holzraupen den Holzungen: die
Ameisen den Wiesen. die Kackerlacken, die
[Seite 317] weißen Ameisen etc. dem Hausgeräthe: die Klei-
dermotten der Wolle, dem Pelzwerk u.s.w. Die
Larven vieler kleiner Käferchen den Büchern und
Naturaliensammlungen. Endlich werden auch
einige Arten von so genanntem Ungeziefer dem
Menschen selbst, so wie den Pferden, Schafen,
Hühnern und andern Hausthieren, ja sogar ver-
schiednen nutzbaren Insectes, den Bienen, Sei-
denwürmern etc. auf eine sehr unmittelbare Weise
lästig; und andre, wie die Skorpione etc. durch
ihr Gift, furchtbar.

§. 145.

In der systematischen Anordnung folge ich
in dieser Classe ganz dem Entwurf des R. Linné.
Es versteht sich, daß die Charactere alle Mahl
vom vollkommnen Insect nach überstandner Ver-
wandlung etc. hergenommen sind.

I. Ordn. Coleoptera. Käfer. Meist mit
hornartigem Körper. Die Flügel falten sich
in der Ruhe zusammen, und sind mit zwey
hornartigen Decken oder Scheiden belegt,
die sich in der Mitte in gerader Linie an
einander schließen.

II. Hemiptera. Theils mit einem hornichten
spitzen Rüssel, der vorn an der Brust hin-
ab liegt: theils mit vier meist kreuzweis
zusammen gelegten zur Hälfte harten, Per-
gamentähnlichen Flügeln etc.

[Seite 318]

III. Lepidoptera. Schmetterlinge. Mit
weichem behaarten Körper, und vier aus-
gespannten Flügeln, die mit bunten Schup-
pen bedeckt sind.

IV. Neuroptera. Mit vier durchsichtigen
netzförmigen oder gegitterten Flügeln.

V. Hymenoptera. Mit vier durchsichtigen
geaderten Flügeln.

VI. Diptera. Die Insecten mit zwey (unbe-
deckten) Flügeln.

VII. Aptera. Die völlig ungeflügelten In-
secten.

* * *

Zur N. G. der Insecten.

  1. Th. Mouffet theatrum insectorum. Lond. 1634. fol.
  2. Jo. Raii historia insectorum. Lond. 1710. 4.
  3. Jo. Swammerdam algemeene Verhandeling van de
    bloedeloose Dierkens
    . Utr
    . 1669. 4.
  4. Ej. biblia naturae. lb. 1737. fol.
  5. Mar. Side Merian metamorphosis insectorum Surina-
    mensium
    . Amst
    . 1705 fol. max.
  6. Jac. l'Admiral iun. gestaltverwisselende gekorvene
    Diertjes
    . Amst
    . 1740. fol.
  7. Chr. Sepp Nederlandsche Insecten. Amst. seit 1762. 4.
  8. Joh. Leonh. Frisch Beschreibung von allerhand Insec-
    ten in Deutschland. Berl. 1720–38. XIII. Th. 4.
  9. Aug. Joh. Rösel monathliche Insecten-Belustigungen.
    Nürnb. 1746–61. IV B. 4.
  10. Chr. Fr. C. Kleemann Beyträge dazu. Ebendas. seit
    1761. 4.
  11. v. Linné fundamenta entomologiae. Vps. 1767. 4. it.
    im
    VII. B. von Linne's amoenitatib. academic.
  12. Ej. entomologia speciebus nuper detectis locupletata, curante
    C. de Villers. Lugd. 1789. IV. vol. 8.
  13. J. H. Sulzers Kennzeichen der Insecten. Zürich 1761. 4.
  14. Dess. abgekürzte Geschichte der Insecten. Winterthur
    1776. 4.
  15. Jac. Chr. Schaeffer elementa entomologica. Ra-
    tisb
    . 1766. 4.
  16. Ej. icones insectorum Ratisponensium. ib. 1767. 4.
  17. Jo. Ant. Scopoli entomologia Carniolica. Vindob.
    1763. 8.
  18. Jo. Chr. Fabricii philosophia entomologica. Hamb.
    1778. 8.
  19. Ej. systema entomologiae. Flensb. 1775. 8.
  20. Ej. genera insectorum. Kilon. 1776. 8.
  21. Ej. species insectorum. Hamb. 1781. II. vol. 8.
  22. de Reaumur histoire des insectes. Par. 1734–42.
    VI. vol. 4.
  23. de Geer histoire des insectes. Stockh. 1752–77.
    VI. vol. 4.
  24. Ej. genera et sptcies insectorum. extraxit A. I. Ret-
    zius
    , Lips. 1783. 8.
  25. Geoffroy histoire des insectes des environs de Paris.
    Par
    . 1762. II. vol. 4.
  26. Jo. Bapt. Schluga primae lineae cognitionis insecto-
    rum
    . Vienn
    . 1767. 8.
* * *
  1. Lesser theologie des insectes (trad. de l'allemand)
    avec des remarques de
    P. Lyonet. à la Haye.
    1742. II. vol. 8.

I. COLEOPTERA (s. Vaginipennia).

[Seite 320]

Die Thiere dieser Ordnung*) werden über-
haupt Käfer genannt, ob man gleich diesen Nah-
men auch dem ersten Geschlechte insbesondere
beylegt. Die Larve, welche alle Mahl aus ei-
nem Ey entspringt, hat Freßzangen, und bey den
mehresten Geschlechtern sechs Füße, die an der
Brust sitzen: bey einigen wie unter den Holzbö-
cken ist sie ohne Füße (eine Made). Sie ver-
puppt sich mehrentheils unter der Erde in einer
ausgehöhlten lehmigen Scholle: oder aber, wie
bey den genannten Holzböcken, im Holze. Das
vollkommene Insect kriecht zwar weich aus der
Puppe: seine Haut verhärtet aber in kurzer Zeit
an der Luft: es hat so wie die Larve Kinnladen
am Kopfe, und ist mit harten hornartigen Flü-
geldecken (Elytra) versehen.

1. Scarabaeus. Kafer. (Fr. hanneton.
Engl. beetle.) Antennae clauatae capitulo
fissili. Tibiae anticae saepius dentatae
.

1. Hercules. S. scutellatus, thoracis cornu incuruo ma-
ximo: subtus barbato vnidentato, capitis recuruato:
supra multidentato
. *

Rösel vol. IV. tab. V. fig. 3.

In Brasilien. Die Larve einen starken Daumen dick,
und beynahe eine viertel Elle lang. Der Käfer variirt
in der Farbe, schmutzig-grün etc.

[Seite 321]

2. Actaeon. (rhinoceros.) S. scutellatus thorace bicorni,
capitis cornu vnidentato, apice bifido
. *

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. A. fig. 2.

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen.

3. †. Lunaris. S. exscutellatus, thorace bicorni: inter-
medio obtuso bifido, capitis cornu erecto clypeo
emarginato
. *

Frisch P. IV. tab. VII.

Hat die Größe vom gemeinen Mistkäfer: ist ganz
schwarz, glänzend, und überaus artig gebildet; zumahl
das Männchen dessen Brustschild sehr regelmäßig aus-
geschweift ist. Er lebt auf Wiesen und Viehweiden,
vorzüglich im Kuhmist: aus dem er, wie andre ver-
wandte Käfergattungen, hohle Kugeln formt; die er
einzeln unter die Erde verscharrt, an Graswurzeln be-
festigt, und in jede ein einziges Ey legt.

4. †. Nasicornis. der Nashornkäfer. S. scutellatus,
thorace prominentia triplici, capitis cornu incuruato,
antennis heptaphyllis
. *

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. VII. fig. 8. 10.

Der größte hieländische Käfer: findet sich vorzüglich
in Gerberlohe von Eichenrinde, und in hohlen Bäu-
men: fliegt sehr selten.

5. †. Sacer. S. exscutellatus, clypeo sexdentato, tho-
race inermi crenulato, tibiis posticis ciliatis, vertice
subbidentato
. *

Sulzers Gesch. tab. I. fig. 3.

Nicht ganz so groß als der Nashornkäfer, legt auch
seine Eyer in Kugeln von Mist. Ist im südlichen Eu-
ropa, und selbst in Tyrol, auch in der Krimm, vor-
[Seite 322] züglich aber häufig in Aegypten zu Hause, wo er von
den alten Aegyptiern verehrt, und auf ihren Kunstwer-
ken vorgestellt worden. Besonders hat man ihn auf die
Hinterseite der Aegyptischen und Hetrurischen geschnit-
tenen Steine ausgeschnitzt, die deshalb Käferrücken oder
Scarabäen genannt werden.

6. †. Fimetarius. S. scutellatus, thorace inermi capite
tuberculato, elytris rubris, corpore nigro
. *

Frisch P. IV. tab. XIX. fig. 3.

Im Kuhmist.

7. †. Stercorarius. der Roßkäfer, Scharneweber,
Schnurrkäfer, Schaffink. (Engl. the dung-beetle.)
S. scutellatus muticus ater glaber, elytris sulcatis:
capite rhombeo: vertice prominulo antennis rubris
. *

Frisch P. IV. tab. VI. fig. 3.

Besonders im Pferdemist: daher häufig auf Fahr-
wegen. Wenn er an heitern Sommerabenden herum
fliegt, so ist auch für den folgenden Tag noch gut Wet-
ter zu erwarten.

8. †. Vernalis. der Mistkäfer. S. scutellatus muticus,
elytris glabris laeuissimis, capitis clypeo rhombeo,
vertice prominulo, antennis nigris
. *

Sulzer Gesch. tab. I. fig. 6.

Vorzüglich im Schafmist. Manche Spielarten schil-
lern schön violet, grün etc.

9. †. Horticola. der Gartenkäfer. S. scutellatus mu-
ticus, capite thoraceque caeruleo subpiloso, elytris gri-
seis, pedibus nigris
. *

Frisch P IV. tab. XIV.

Zumahl an den Obstbäumen etc.

[Seite 323]

10. †. Melolontha. der Maykäfer, Kreuzkäfer. S. scu-
tellatus muticus testaceus, thorace villoso, cauda in-
flexa, incisuris abdominis albis
. *

Rösel vol. II Erdkäf. I. tab. I.

Eins der gemeinsten Insecten, das vier Jahre lang
als Engerling unter der Erde lebt, sich von Getreide-
wurzeln etc. nährt, und zuweilen allgemeinen Mißwachs
verursacht hat*). Im sechsten Jahr kommt es endlich
als Maykäfer zum Vorschein, und schadet in dieser
Gestalt dem jungen Laub, besonders an Obstbäumen.

11. †. Solstitialis. der Brachkäfer, Juniuskäfer, Jo-
hanniskäfer. S. scutellatus muticus testaceus, tho-
race villoso, elytris luteo pallidis pellucidis: lineis tri-
bus albis parallelis
. *

Frisch P. IX. tab. XV. fig. 3.

Hat wie der vorige seinen Nahmen von der Zeit wann
er sich zuerst als Käfer sehen läßt. Aehnelt ihm auch
in der Bildung, ist aber nur halb so groß.

12. †. Auratus. der Goldkäfer, Rosenkäfer. S. scutel-
latus muticus auratus, segmento abdominis primo
lateribus vnidentato, clypeo planiusculo
. *

Frisch P. XII. tab. III. fig. 1.

Die Larve und Puppe findet sich häufig in Ameisen-
haufen, und hohlen Baumstämmen. Der schöne Käfer
selbst aber in Gärten etc. Man hat Beispiele daß er sich
[Seite 324] über 8 Jahr lebendig erhalten und mit angefeuchteten
Brodrinden füttern lassen.

2. Lucanus. Antennae clauatae: claua
compressa latere latiore pectinato-fissili.
Maxillae porrectae, exsertae, dentatae
.

1. †. Cervus. der Hornschröter, Weinschröter, Feuer-
schröter, fliegende Hirsch, Neuntödter, Börner,
Donnerguge. (Fr. le cerf volant. Engl. the stag flie.)
L. scutellus: maxillis exsertis apice bifurcatis latere
vnidentatis
. *

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. V.

Nächst den Krebsen das größte deutsche Insect, lebt
vorzüglich in Eichenwäldern, variirt in der Größe und
Farbe. Nur das Männchen hat die überaus artigen,
kleinen Geweihen ähnelnden Kneipzangen am Kopfe.

3. Dermestes. Antennae clauatae:
capitulo persoliato: articulis tribus cras-
sioribus. Thorax conuexus, vix margina-
tus. Caput sub thorace inflexum latens.

1. †. Lardarius. der Speckkäfer. D. niger, elytris au-
tice cinereis, punctis nigris
. *

Frisch P. V. tab. IX.

Larve und Käfer nähren sich von fetten weichen Thei-
len todter Thiere.

2.†. Pellio. D. niger coleoptris punctis albis binis. *

Zieht sich zumahl nach Pelzwerk, ausgestopften Thie-
ren u.s.w.

3. †. Typographus. der Borkenkäfer, Fichtenkrebs, Holz-
wurm. D. testaceus pilosus, elytris striatis retusis prae-
morsodentatis
. *

[Seite 325]

v. Trebra in den Schr. der Berl. Ges. Naturforsch.
Freunde. IV. B. tab. IV.

Das den Fichtenwaldungen neuerlich auf dem Harz
und in mehrern Gegenden Deutschlands so furchtbar
gewordne Thier; das im Splint der Fichten (Pinus
abies
) theils in solcher Menge hauset, daß man wohl
in einem mäßigen Baume über 80000 seiner Larven
gezählt hat. Bey der dadurch verursachten Wurm-
trockniß stirbt der Baum vom Wipfel herunter ab,
seine Nadeln werden roth, er verliert sein Harz, und
taugt dann kaum recht zum Verkohlen geschweige als
Bau- oder Brennholz.

4. †. Piniperda. der Tannenkäfer, schwarze fliegende
Wurm. D. niger subuillosus, elytris piceis integris,
plantis rufis
. *

Kaum halb so groß als die vorige Gattung.

4. Ptinus. Kümmelkäfer. (Fr. pannache,
vrillette.) Antennae filiformes: articulis
vltimis maioribus. Thorax subrotundus,
immarginatus, caput excipiens
.

1. †. Pertinax. P. fuscus vnicolor. *

Hat seinen Nahmen daher, weil er, sobald man
ihn berührt, die Füße anzieht, wie todt liegt, und
lange durch keinen Reiß von der Stelle zu treiben ist.

2. †. Fur. P. testaceus, subapterus, thorace quadri-
dentato, elytris fasciis duabus albis
. *

Sulzers Gesch. tab. II. fig. 8.

Eins der furchtbarsten Thiere für Naturaliensamm-
lungen, Bibliotheken, Hausgeräthe und Pelzwerk.

[Seite 326]

5. Hister. Antennae capitatae capitu-
lo solidiusculo; infimo articulo com-
presso, decuruato. Caput intra corpus
retractile. Os forcipatum. Elytra cor-
pore breuiora. Tibiae anticae den-
tatae
.

1. †. Vnicolor. H totus ater, elytris substriatis. *

Sulzers Kennzeichen tab. II. fig. 8. 9.

In sandigen Boden und auf Viehweiden.

6. Gyrinus. Antennae clauatae, rigi-
dae, capite breuiores, oculi
4, duobus
supra, duobus infra
.

1. †. Natator. der Schwimmkäfer. G. substriatus. *

Sulzers Gesch. tab. II fig. 10.

Schwimmt mit einer außerordentlichen Schnelligkeit
auf der Oberfläche des Wassers. Im Tauchen hat er
eine Luftblase am Hintern: gibt einen widrigen Ge-
ruch von sich.

7. Byrrhus. Antennae clauatae sub-
solidae, subcompressae
.

1. †. Museorum. B. nebulosus, elytris subnebulosis
puncto albo
. *

In Pelzwerk, ausgestopften Thieren etc.

8. Silpha. Antennae extrorsum cras-
siores. Elytra marginata. Caput pro-
minens. Thorax planiusculus, margi-
natus
.

[Seite 327]

1. †. Vespillo. der Todtengräber. (Fr. le fossoyeur.)
S. oblonga atra clypeo orbiculato inaequali, elytris
fascia duplici aurantia
. *

Frisch P. XII. tab. III. fig. 2.

Etwas kleiner als ein Maykäfer. Sie haben ihren
Nahmen von dem besondern Triebe, die Aeser von
kleinen Thieren, Maulwürfen, Mäusen, Fröschen,
Kröten, Schlangen etc. die sie von weitem auswittern,
mit vereinten Kräften unter die Erde zu vergraben,
und ihre Eyer dahinein zu legen. Ihrer sechse sind
wohl im Stande, einen todten Maulwurf binnen vier
Stunden, Fuß-tief in fetten Boden einzuscharren.
Sie geben einen starken bisamähnlichen Geruch von
sich.

9. Cassida. Schildkäfer. Antennae sub-
filiformes, extrorsum crassiores. Elytra
marginata. Caput sub thoracis clypeo
plano reconditum
.

1. †. Viridis. C. viridis, corpore nigro. *

Rösel vol. II. Erdkäf. III. tab. VI.

Auf Disteln, Feldmelde etc. Die Larve und Puppe
sind ganz flach und am Rande sonderbar ausgezackt
mit Spitzen versehen.

2. †. Murraea. C. nigra, clypeo-rubro, elytris sangui-
neis, punctis nigris sparsis
. *

Von der Größe des vorigen, besonders häufig am
Alant.

10. Coccinella. Sonnenkäfer, Got-
teskuh, Marienkuh, Sommerkind, Got-
teslämmchen. (Fr. vache à Dieu, bête de
[Seite 328] la vierge
. Engl. Lady-cow, Lady-bird.)
Antennae subclauatae, truncatae. Pal-
pi claua semicordara. Corpus hemisphae-
ricum, thorace elytrisque marginatis, ab-
domine plano
.

1. †. Bipunctata. C. coleoptris rubris, punctis nigris
duobus
. *

Frisch P. IX. tab. XVI. fig. 4.

2. †. Bipustulata. C. coleoptris nigris punctis rubris
duobus, abdomine sanguineo
. *

Frisch P. IX. tab. XVI. fig. 6.

11. Chrysomela. Blattkäfer. Anten-
nae moniliformes, extrorsum crassiores.
Thorax, nec elytra, marginatus
.

1. †. Gottingensis. C. ouata atra pedibus violaceis. *

Rösel vol. II. Erdkäf. III. tab. V.

Häufig an der Schafgarbe.

2. †. Minutissima. C. ouata nigra opaca. *

Eins der kleinsten Käferchen. Kaum den dritten
Theil so groß als ein Floh.

3. †. Cerealis. C. ouata aurata, thorace lineis tribus,
coleoptrisque quinque violaceis, abdomine violaceo
. *

Eine der schönsten Chrysomelen, auf deren Brust-
schild und Flügeldecken die violetten Streifen mit an-
dern von rothen und grünen Golde abwechseln.

4. †. Oleracea. C. saltatoria (s. femoribus posticis
crassissimis) virescenti-caerulea
. *

Ein schädliches kleines Thier, das so wie mehrere
verwandte Gattungen unter dem Nahmen Erdflöhe
oder Erdfliegen bekannt ist.

[Seite 329]

5. †. Merdigera. der Lilienkäfer. (Crioceris rubra
Geoffr.) C. oblonga rubra, thorace cylindrico
vtrinque impresso
. *

Sulzers Gesch. tab. III. fig. 14.

In Lilien, Mayblumen etc. Die Larve bedeckt sich
mit ihrem eignen Unrath. Der kleine rothe Käfer
worein sie sich verwandelt gibt wenn man ihn anfaßt,
mit seinen Flügeldecken einen durchdringenden hellen
Laut von sich.

12. Hispa. Stachelkäfer. Antennae fu-
siformes, basi approximatae, inter oculos
sitae. Thorax elytraque aculeata saepius.

1. †. Atra. H. corpore toto atro. *

Lebt unter der Erde von Graswurzeln, variirt in
der Größe.

13. Bruchus. Antennae filiformes, sen-
sim crassiores
.

1. †. Pisi. der Erbsenkäfer. B. elytris albo punctatis,
podice albo maculis binis nigris
. *

Zumahl in Nordamerica sehr häufig, wo er den
Hülsenfrüchten großen Schaden thut.

14. Curculio. Rüsselkäfer. (Fr. charan-
son
.) Antennae subclauatae, rostro in-
sidentes. Rostrum corneum prominens
.

Die Rüsselkäfer haben meist einen kurzen rundlichen
aber überaus hart gepanzerten Körper: und einen fe-
sten mehr oder weniger gebognen Rüssel von verschied-
ner Länge. Es sind nachtheilige Thiere, von denen
besonders die mit dem sehr langen Rüssel den Bäu-
[Seite 330] men, die übrigen aber den Feldfruchten und Gartenge-
wächsen Schaden thun. Die Larven nennt man Pfeifer.

1. Palmarum. der Palmbohrer. C. longiroster ater,
thorace ouato planiusculo, elytris abbreuiatis stria-
tis
. *

Sulzers Kennz. tab. III. fig. 20.

In beiden Indien. Hat fast die Größe des Horn-
schröters. Die Larve nährt sich vom Sagumarke;
wird aber selbst von den Indianern gegessen.

2. †. Frumentarius. der schwarze Kornwurm, Reiter,
Wippel. C. longiroster sanguineus. *

Eine große Plage für die Kornböden. Er saugt das
Mehl aus dem Korn und läßt die Hülse liegen. Da-
bey ist er so dauerhaft daß er die Hitze des siedenden
Wassers aushalten kann.

3. †. Granarius. C longirostet piceus oblongus tho-
race punctato longitudine elytrorum
. *

Auch auf Kornböden, in Mühlen etc.

4. †. Paraplecticus. C. longiroster cylindricus subcine-
reus, elytris mucronatis
. *

Sulzers Gesch. tab. IV. fig. 7.

Auf Wasserpflanzen. Die Beschuldigung daß er den
Pferden Lähmung verursache, ist ungegründet, und
trifft wohl die verdächtigen Pflanzen, aber nicht das
darauf wohnende unschuldige Thier.

5. †. Bacchus. der Rebensticher. C. longiroster aureus,
rostro plantisque nigris
. *

Sulzers Gesch. tab. IV. fig. 4.

6. Anchoraco. C. longiroster, femoribus dentatis, ely-
tris flauo striatis, thorace elongato
.

Sulzers Gesch. tab. IV. fig. 6.

[Seite 331]

Die schmale Brust, und der Rüssel sind jedes so
lang als der ganze Hinterleib: dadurch das Thier ein
sonderbares Ansehen bekommt.

7. †. Nucum. C. longiroster, femoribus dentatis, cor-
pore griseo longitudine rostri
. *

Rösel vol. III. Erdkäf. IV. tab. LXVII.

Macht die Haselnüsse wurmstichig.

8. Imperialis. der Juwelenkäfer. C. breuiroster niger,
elytris dentatis, sulcatis punctis excauatis, auro ver-
sicolore distinctis, abdomine aeneo viridi
. *

Eins der prachtvollsten Geschöpfe in der Natur. Das
gefärbte Gold in den unzähligen Grübchen, die rei-
henweise auf den Flügeldecken eingegraben sind, thut
in hellen Lichte zumahl unterm Vergrißerungsglase ei-
ne unbeschreibliche Wirkung. Das schöne Thier ist in
Brasilien zu Hause, und kommt in der Größe etwa
dem Maykäfer bey.

15. Attelabus. Caput postice atte-
nuatum inclinatum. Antennae apicem
versus crassiores
.

1. †. Coryli. A. niger, elytris rubris. *

Sulzers Kennz. tab. IV. fig. 25.

Lebt nebst mehreren Gattungen seines Geschlechts
auf Haselstauden.

2. †. Apiarius. der Immenwolf. A. caerulescens, ely-
tris rubris, fasciis tribus nigris
. *

Sulzers Gesch. tab. IV. fig. 4.

Ist häufig wo viel Bienenzucht ist, thut in man-
chen Jahren dm Stöcken großen Schaden.

[Seite 332]

16. Cerambyx. Holzbock. (capricornus)
Antennae attenuatae. Thorax spinosus
aut gibbus. Elytra linearia
. *

Manche Gattungen haben ungeheuer lange Fühlhör-
ner, einen ungemein harten Brustschild und Flügel-
decken, und ein überaus zähes Leben, so daß man
angespießte Holzböcke noch nach vier Wochen lebendig
gefunden hat. Meist leben sie in Holz, und geben
mittelst des Bruckschilds, den sie an die Flügeldecken
reiben, einen knarrenden Laut von sich.

1. Longimanus. C. thorace spinis mobilibus, elytris
basi vnidentatis apiceque bidentatis, antennis longis
. *

Rösel vol. II. Erdkäf. II. tab. I. fig. 2.

So wie die folgende Gattung in Südamerica.

2. Ceruicornis. C. thorace marginato dentato, maxil-
lis porrectis coniformibus vtrinque spinosis, antennis
breuibus
. *

Noch größer als der vorige. Ebenfalls schon ge-
zeichnet, mit Kinnzangen, fast wie am Hornschröter.
Seine Larve wird von den Wilden gegessen.

3. †. Moschatus. C. thorace spinoso, elytris obtusis viridibus
nitentibus, femoribus muticis, antennis mediocribus
. *

Frisch P. XIII. tab. XI.

Von Farbe und Wuchs fast wie eine große Spani-
sche Fliege: gibt einen bisamähnlichen Geruch von sich.

4. †. Aedilis. C. thorace spinoso: punctis 4. luteis,
elytris obtusis nebulosis, antennis longissimis
. *

Frisch P. XIII. tab. XII.

Nicht so groß als der vorige. Die Fühlhörner sind
wohl sechs Mahl so lang als das ganze Thier.

[Seite 333]

17. Leptura. Antennae setaceae. Ely-
tra apicem versus attenuata. Thorax
teretiusculus
.

1. †. Aquatica. L. deaurata, antennis nigris, femori-
bus posticis dentatis
. *

An allerhand Wasserpflanzen. Variirt in der Farbe.

18. Necydalis. Afterholzbock. Anten-
nae setaceae. Elytra alis minora. Cauda
simplex
.

1. †. Maior. N. elytris abbreuiatis ferrugineis imma-
culatis, antennis breuioribus
. *

19. Lampyris. Johanniswürmchen.
(cicindela, nitedula. Fr. ver luisant. Engl.
glow-worm.) Antennae filiformes.
Elytra flexilia. Thorax planus, semior-
biculatus, caput subtus occultans cin-
gensque. Abdominis latera plicato-pa-
pillosa
.

Die nachstehenden Gattungen werden vorzüglich durch
den blaulichen Schein merkwürdig, den sie in warmen
Sommerabenden eine kurze Zeit hindurch von sich geben.
Nur die Männchen sind geflügelt, und diese haben zwey
lichte Punkte unten am Bauche. Ihre ungeflügelten
Weibchen ähneln eher den Larven dieses Geschlechts
und leuchten weit stärker als die Männchen, besonders
um die Begattungszeit, da ihr Licht vermuthlich den
Männchen zur Anzeige dient, sie aufzufinden. Einige
Zeit, nachdem das Weibchen seine Eyer gelegt hat, (die
[Seite 334] selbst auch im Finstern leuchten) verliert sich der Schein
bey beiden Geschlechtern.

1. †. Noctiluca. L. oblonga fusca, clypeo cinereo. *

Unter Wachholdersträuchen, Rosenbüschen etc. Ein
paar in ein Gläschen gethan, leuchten hell genug, um
dabey im Finstern lesen zu können; und die Spanischen
Frauenzimmer stecken sie als Putz auf ihren Abendpro-
menaden in die Haare*).

20. Cantharis. Antennae setaceae.
Thorax marginatus capite breuior. Ely-
tra flexilia. Abdominis latera plicato-
papillosa
.

1. †. Fusca. C. thorace marginato rubro macula nigra,
elytris fuscis
. *

Frisch P XII. III Pl. tab. VI. fig. 5.

Die Larve dieses Thiers hält sich über Winter in der
Erde auf, und kommt dann zuweilen wenns geschneyt
hat zu tausenden hervor gekrochen, da ihre plötzliche Er-
scheinung auf dem frischen Schnee zu allerhand Sagen
Anlaß gegeben.

2. †. Naualis. C. thorace teretiusculo, corpore luteo,
elytris margine apiceque nigris
. *

Frisch P. XIII. tab. 20.

Ein schädliches Thier, dessen Larve das Eichenholz
durchbohrt und für die Schiffe gefährlich wird.

21. Elater. Springkäfer Schmid. (Fr.
taupin.) Antennae setaceae. Thorax
retrorsum angulatus. Mucro pectoris e
foramine abdominis resiliens
.

[Seite 335]

Diese Thiere sind wegen der sonderbaren Fertigkeit
merkwürdig, mit welcher sie, wenn sie auf dem
Rücken zu liegen kommen, sich in die Höhe zu schnellen,
und wieder auf die Beine zu helfen wissen. Vorzüglich
hilft ihnen dazu ein Stachel, der vorn an der Brust
befestigt ist, und in eine Rinne oben am Bauche paßt,
aus der er beym Aufschnellen mit Gewalt heraus
schnappt; und dann die Spitzen, die rückwärts auf bei-
den Seiten des Brustschilds heraus stehen, und mit den
Flügeldecken auf eine ähnliche Weise eingelenkt sind.

1. Noctilucus. der Cucuyo. E. thoracis lateribus macu-
la flaua glabra
. *

Häufigst im mittlern America; wohl zwey Zoll lang.
Die beiden gelben runden Flecken gegen die Seitenspi-
tzen des Brustschildes leuchten stark im Finstern, und
die Wilden bedienten sich vor Ankunft der Spanier kei-
ner andern Leuchten als der Cucuyos und einiger ande-
rer Insecten.

2. †. Niger. E. thorace laeui, elytris pedibus corpore-
que nigris
. *

Häufig auf Viehweiden.

22. Cicindela. Sandlaufer. Antennae
setaceae. Maxillae prominentes denticu-
latae. Oculi prominuli. Thorax rotun-
dato-marginatus
.

Kleine aber muthige Thiere, die fast bloß von andern
Insecten leben. Als Larven scharren sie sich in Sand,
fast wie der Ameisenlöwe, um ihrer Beute aufzulauern,
und als Käfer wissen sie ihr mit ausnehmender Schnel-
ligkeit im Lauf und Flug nachzujagen.

[Seite 336]

1. †. Germanica. C. viridis, elytris puncto lunulaque
apicum albis
. *

23. Buprestis. Prachtkäfer. Antennae
setaceae, longitudine thoracis. Caput
dimidium intra thoracem retractum
.

Großentheils prächtige Thiere von den unnachahm-
lichsten Goldfarben.

1. Gigantea. B. elytris fastigiatis bidentatis rugosis, tho-
race marginato laeui, corpore inaurato
. *

Sulzers Kennz. tab. VI. fig. 38.

In beiden Indien. Wird wohl Fingers lang.

2. †. Chrysostigma. B. elytris serratis longitudinaliter
sulcatis, maculis duabus aureis impressis, thorace
punctato
. *

Sulzers Kennz. tab. VI. fig. 39.

24. Dytiscus. Wasserkäfer, Fischkäfer.
(Hydrocantharus). Antennae setaceae
aut clauato-perfoliatae. Pedes postici
villosi, natatorii submutici
.

1. †. Piceus. D. antennis perfoliatis, corpore laeui,
sterno carinato, postice spinoso
. *

Frisch P. II. tab. VI. fig. 1.

Eine der größten Gattungen. Ist in den Europäischen
Gewässern gemein. Wenn der Käfer seine Eyer legen
will, so bereitet er dazu eine artige längliche Hülfe, die
er mit einer braunen Seide überzieht, und die mit den
eingeschloßnen Eyern wie ein Schiffchen auf dem Wasser
schwimmt, bis die kleinen Larven ausgekrochen und im
Stande sind, in ihr Element über Bord zu springen.

[Seite 337]

2. †. Semistriatus. D. fuscus, elytris sulcis dimidiatis
decem villosis
. *

Frisch P. II. tab. VII. fig. 4.

Ist (so wie vermuthlich die mehresten Gattungen die-
ses Geschlechts,) den Fischreichen gefährlich.

25. Carabus. Laufkäfer. Antennae seta-
ceae. Thorax obcordatus apice trunca-
tus marginatus. Elytra marginata
.

Raubthiere in ihrer Art. Geben, wenn man sie an-
faßt, einen widerlichen Saft von sich. Die wenigsten
können fliegen; laufen aber desto schneller.

1. †. Coriaceus. C. apterus ater opacus, elytris punctis
intricatis subrugosis
. *

Sulzers Kennz. tab. VI. fig. 44.

2. †. Auratus der Goldhahn. C. apterus, elytris por-
catis: striis sulcisque laeuibus inauratis
. *

Häufig auf Feldern, Wiesen etc.

3. †. Sycophanta. C. aureo nitens, thorace caeruleo,
elytris aureo viridibus striatis, abdomini subatro
. *

Sulzers Gesch. tab. VII. fig. 1.

Der größte hieländische Laufkäfer.

4. †. Crepitans. der Bombardirkäfer. C. thorace capite
pedibusque ferrugineis, elytris viridi nigricantibus
. *

Schwedische Abhandl. 1750. tab. VII. fig. 2.

Ein kleines Käferchen. Wird besonders von der vori-
gen Gattung verfolgt, und ist dabey durch die von
D. Rolander bemerkte ganz eigne Art berühmt geworden,
womit er sich gegen jenen u.a. seiner Feinde zu verthei-
digen sucht; da er ihnen mit einem auffallend star-
ken Laut einen blaulichen Dunst entgegen schießt etc.

[Seite 338]

26. Tenebrio. Antennae moniliformes
articulo vltimo subrotundo. Thorax pla-
noconuexus, marginatus. Caput exser-
rum. Elytra rigidiuscula
.

1. †. Molitor. T. alatus niger totus, femoribus anticis
crassioribus
. *

Frisch P. III. tab. I.

Die Larven halten sich im Mehl auf, finden sich da-
her häufig in Mühlen und Beckerhäusern, heißen Mehl-
würmer, und geben das bekannte Nachtigallenfut-
ter ab.

2. †. Mortisagus. der Todtenkäfer. T. apterus thorace
aequali, coleoptris laeuibus mucronatis
. *

Frisch. P. XIII. tab. XXV.

Lebt in modrigen Orten, hat einen widrigen Geruch-
und ist vom Aberglauben ehedem für ominös gehalten
worden.

27. Meloë. Antennae moniliformes ar-
ticulo ultimo ovato. Thorax subrotun-
dus. Elytra mollia flexilia, caput infle-
xum, gibbum
.

1. †. Proscarabeus. der Maywurm. (Fr. le scarabé
onctueux
. Engl. the oil-beetle.) M. apterus, corpore
violaceo
. *

Frisch P. VI. tab. VI. fig. 5.

Ein weiches Thier, das bey jeder Berüh-
rung einen stinkenden Saft aus der Brust, da wo die
Füße eingelenkt sind, fließen läßt.

2. †. Vesicatorius. die spanische Fliege. (Cantharis offic.)
M. alatus viridissimus nitens, antennis nigris. *

[Seite 339]

Das wichtige heilsame Geschöpf, das zum Blasen-
ziehen gebraucht wird.

28. Mordella. Antennae filiformes
serratae. Caput deflexum sub collo in
territo. Palpi compresso clauati, oblique
truncati. Elytra deorsum curva apicem
versus. Ante femora lamina lata ad basin
abdominis
.

Kleine Käferchen. Das ganze Geschlecht begreift nur
wenige Gattungen, die sich noch dazu sehr wenig zu ver-
mehren scheinen.

1. †. Aculeata. M. atra, ano spina terminato. *

Sulzers Kennz. tab. VII. fig. 46.

29. Staphylinus. Antennae monili-
formes. Elytra dimidiata. Alae tectae.
Cauda simplex exferens duas vesiculas
oblongas
.

Sind besonders wegen der kleinen Blasen merkwür-
dig, die sie, so bald sie Gefahr merken, aus dem Hin-
terleibe treiben; deren Nutzen aber noch unbestimmt ist.

1. †. Maxillosus. S. pubescens niger, fasciis cinereis,
maxillis longitudine capitis
. *

30. Forficula. Antennae setaceae. Ely-
tra dimidiata. Alae tectae. Cauda forci-
pata
.

1. †. Auricularia. der Ohrwurm, Oehrling, Ohrhöhler.
(Fr. le perce-oreille. Engl. the ear-wig.) F. elytris
apice albis
. *

Frisch P. VIII. tab. XV. fig. 1. 2.

[Seite 340]

Das bekannte Thier, von dem die ungegründete Sage
erdichtet ist, daß es gern den Menschen in die Ohren
kröche, wohin sich irgend etwa ein Mahl eins, so gut wie
jedes andre Insect, verirren kann. Aber den Gärten
sind sie nachtheilig, da sie junges Gemüse, die Augen
an Orangerie, Nelkenknospen etc. zerfressen.


II. HEMIPTERA.

Bey den Insecten dieser Ordnung ist der
Kopf an der Brust niedergedrückt, bey einigen
mit Kinnladen, bey den mehresten aber mit ei-
nem nach dem Unterleibe gebogenen Saugerüssel
versehen, weßhalb diese auch von einigen Natur-
forschern Proboscidea genannt werden. Anzahl
und Bildung und Richtung der Flügel ist ver-
schieden. Meistens haben sie vier Flügel, von
welchen zumahl die obern an der Wurzel fester
und hornartiger, am äußern Ende aber dünner
und weicher sind. Bey einigen sind sie gerade
ausgestreckt, bey andern übers Kreuz zusammen
gefaltet. Theils sind sie auch mit einer Art klei-
ner Flügeldecken belegt. Manche haben nur zwey
Flügel, und bey verschiedenen sind die Weibchen
gänzlich ungeflügelt. Ihre Verwandlung ist
nicht sehr auffallend: sondern die Larven ähneln
dem vollkommnern Insect bis auf die Flügel, die
erst nach und nach völlig ausgebildet werden.

31. Blatta. Die Schabe. Caput infle-
xum. Antennae setaceae. Elytra alaeque
[Seite 341] planae, subcoriaceae. Thorax planiuscu-
lus, orbiculatus, marginatus. Pedes cur-
sorii. Cornicula duo supra caudam
.

1. †. Orientalis. der Kakerlake, Tarokan. B. ferru-
gineo-fusca elytris abbreviatis fulco oblongo im-
presso
. *

Frisch P. V. tab. III.

In Ost- und Westindien. Und nun auch in einem
großen Theil von Europa. So wie andere Schaben,
ein lichtscheues aber verwüstendes Thier, das Brod, Le-
der, Hausgeräthe verzehrt, sich zumahl gern in Becker-
häusern einnistelt, und bis jetzt durch keines der vorge-
schlagenen Mittel auszurotten ist.

2. Heteroclita. B. fusca, elytris nigris, sinistro integro 4.
pustulato; dextro ad marginem internum semipellu-
cido,
3 pustulato. *

Pallas spicileg. zoologic. IX. tab. I. fig. 5.

In Tranquebar etc. Wegen der auffallenden Ungleich-
heit zwischen beiden Flügeldecken merkwürdig.

3. †. Lapponica. B. flavescens, elytris nigro-maculatis. *

Auch außer Lappland im mildern Europa.

32. Mantis. Caput nutans, maxillosum,
palpis instructum. Antennae setaceae.
Alae
4 membranaceae, convolutae, infe-
riores plicatae. Pedes antici compressi,
subtus serrato denticulati, armati ungue
solitario et digito setaceo laterali articu-
lato: postici
4. laeves, gressorii. Thorax
linearis elongatus angustatus.

[Seite 342]

Alle von einer ungewöhnlichen, lang gestreckten, sonder-
baren Bildung. Auch ihr Gang, ihr Betragen etc. hat
was eignes gleichsam Feyerliches, das wohl zu der aber-
gläubischen Devotion Anlaß gegeben hat, mit der meh-
rere Gattungen dieses Geschlechts zumahl im Orient an-
gesehen werden.

1. Gigas. M. thorace teretiusculo scabro, elytris breuis-
simis, pedibus spinosis
. *

Rösel vol. II. Heuschr. tab. XIX. fig. 9. 10.

Auf Amboina. Spannen lang, und doch kaum so
dick als eine Gänse Spuhle, wird von den Indianern
gegessen, hingegen den Kühen für tödlich gehalten.
Eine wenigstens sehr verwandte Gattung ist in Brasilien
zu Hause, und soll, wenn sie zufälliger Weise gedrückt
oder getreten wird, sich mit einem Biß wehren der
ein ganz eignes Zittern durch den ganzen Körper (eine
Art von Tetanus) verursache.

2. Gongylodes. M. thorace subciliato, femoribus anticis
spina terminatis, reliquis lobo.
*

Rösel vol. II. Heuschr. tab. VII. fig. 1. 2. 3.

Auf Guinea etc.

3. †. Religiosa die Gottesanbeterinn, das wandelnde
Blatt, der Weinhandel, Weinhasel. M. thorace
laeui subcarinato elytrisque viridibus immaculatis
. *

Rösel vol. II. Heuschr. tab. I. II.

Geht meist nur auf den vier Hinterfüßen, und hält
die vordern beiden in die Höhe, um Mücken damit zu
fangen. Man nennt es das wandelnde Blatt, weil seine
Oberflügel an Gestalt und Farbe einem Weidenblatte
ähneln. Es kann wohl zehn Jahre alt werden.

[Seite 343]

33. Gryllus. Heuschrecke. (Fr. sauterelle.
Engl. grashopper.) Caput inflexum, ma-
xillosum, palpis instructum. Antennae
setaceae s. filiformes. Alae
4 deflexae,
convolutae, inferiores plicatae. Pedes
postici saltatorii. Vngues vbique bini
.

Ein großes Geschlecht, dessen mehreste Gattungen
dem Wiesenwachs und Getreide gefährlich sind. Bey
manchen geben die Männchen entweder zur Begattungs-
zeit, oder bey einbrechender Nacht, oder wenn sich das
Wetter ändern will, einen bekannten zirpenden Laut von
sich, den sie theils mit den Springfüßen, am meisten
aber mit den Flügeln hervorbringen.

1. †. Gryllotalpa. die Werre, Maulwurfsgrille, der
Riehwurm, Reitwurm, Schrotwurm, Ackerwer-
bel, Erdkrebs. G. thorace rotundato, alis caudatis
elytro longioribus, pedibus anticis palmatis tomen-
tosis
. *

Rösel vol. II. Heuschr. tab. XIV. XV.

In Europa und Nordamerica: an theils Orten, wie
im Thüringischen etc. ausnehmend häufig. Lebt meist
unter der Erde, und thut zumahl den Küchengewächsen
und der Gerstensaat großen Schaden.

2. †. Domesticus. die Grille, Zirse, Heimchen. (Fr.
le grillon. Engl. the cricket.) G. thorace rotundato,
alis caudatis elytro longioribus, pedibus simplicibus,
corpore glauco.
*

Rösel vol. II. Heuschr. tab. XII.

3. †. Campestris. die Feldgrille. G. thorace rotundato,
cauda biseta stylo lineari, alis elytro brevioribus, cor-
pore nigro.
*

[Seite 344]

Frisch P. I. tab. I.

Läßt sich nach reicher Ernte auf den Stoppelfeldern
hören. Schweigt hingegen nach Mißwachs.

4. †. Viridissimus. der Baumhüpfer. G. thorace ro-
tundato, alis viridibus immaculatis, antennis setaceis
longissimis
. *

Rösel vol. II. Heuschr. tab. X. XI.

Von schöner grüner Farbe. Lebt meist aus Gebüschen,
springt vorzüglich weit; zirpt am meisten in den Hunds-
tagen.

5. †. Verrucivorus. das Heupferd. G. thorace subqua-
drato laeui, alis viridibus fusco maculatis, antennis
setaceis longitudine corporis.
*

Rösel vol. II. Heuschr. tab. VIII.

6. Cristatus. G. thorace cristato, carina quadrifida. *

Rösel vol. II. Heuschr. tab. V.

Die große eßbare Heuschrecke der Morgenländer.

7. †. Migratorius. die Zugheuschrecke, Strichheuschrecke,
Heerheuschrecke. G. thorace subcarinato; segmento
vnico, capite obtuso, maxillis atris.
*

Rösel vol. II. Heuschr. tab. XXIV.

Bey weitem nicht so groß, als die vorige, aber furcht-
bar, weil sie oft in unsäglichen Zügen in Europa einge-
fallen ist, und allgemeinen Mißwachs, Hungersnoth etc.
verursacht hat. Ursprünglich gehört sie wohl in die
große Tatarey zu Hause, doch findet sie sich auch ein-
zeln in Deutschland, das doch seit 1750 mit ihren gro-
ßen Invasionen verschont geblieben. In Spanien hin-
gegen ist sie sehr häufig, soll sich auch (wenn es anders
die gleiche Gattung ist) zuweilen in Peru, auf Barba-
dos etc. einfinden.

[Seite 345]

8. †. Stridulus. die Holzheuschrecke. G. thorace sub-
carinato, alis rubris extimo nigris nebulosis
. *

Rösel vol. II. Heuschr. tab. XXI. fig. 1.

Leben meist im Gehölze. Die Männchen geben im
Fluge einen lauten klappernden Ton von sich.

34. Fulgora.*) Caput fronte produ-
cta, inani. Antennae infra oculos, arti-
culis
2 exteriore globoso. Rostrum infle-
xum, pedes gressorii
.

Der sonderbare Character dieses Geschlechts ist die
große hornichte Blase vor der Stirne, die beym leben-
den oder kürzlich abgestorbnen Thier einen hellen Schein
verbreitet.

1. Laternaria. der Surinamische Laternträger, Leyer-
mann. (Fr. la portelanterne. Engl. the lanthorn-fly.)
F. fronte ouali recta, alis lividis; posticis ocellatis. *

Rösel vol. II. Heuschr. tab. XXVIII. XXIX.

Die größte Art; die leuchtende Blase ist größer als
der ganze übrige Körper, und scheint so hell, daß sich
die Wilden ihrer statt Leuchten bedienen sollen, wenn
sie im Finstern reisen.

2. Candelaria. der Schinesische Laternträger. F. fronte
rostrato subulata adscendente, elytris viridibus luteo-
maculatis, alis flauis: apice nigris
. *

Rösel vol. II. Heuschr. tab. XXX.

35. Cicada. (Fr. Cigale.) Rostrum in-
flexum. Antennae setaceae. Alae
4
[Seite 346] membranaceae, deflexae. Pedes pleris-
que saltatorii
.

Die männlichen Cicaden geben wie die Heuschrecken
einen Laut von sich, der aber abwechselnder und an-
muthiger ist, und durch sehr zusammen gesetzte Werk-
zeuge an ihrem Unterleibe hervor gebracht wird.

Merkwürdig ist, daß ein gewisser kleiner Keulen-
schwamm (clauaria) besonders häufig auf den Aesern
mancher Cicaden-Gattungen theils gar auf dem leben-
digen Leibe ihrer Larven (aber freylich auch oft auf den
Puppen andrer Insecten) zu wachsen pflegt.*)

1. †. Cornuta. C. thorace bicorni postice subulato
longitudine abdominis, alis nudis.
*

Sulzers Kennz. tab. X. fig. 63.

Auf Getreide, Disteln etc.

2. Plebeja. C. scutelli apice bidentato, elytris anasta-
mosibus quatuor, lineisque sex ferrugineis.
*

In Griechenland, Italien und Nordafrica. Die bey
den Alten so beliebte Cicade.

3. Orni. C. elytris intra marginem tenuiorem punctis
sex concatenatis, anastamosibus interioribus fuscis.
*

Sulzers Kennz. tab. X. fig. 65.

4. †. Sanguinolenta. C. atra, elytris maculis duabus
fasciaque sanguineis.
*

5. †. Spumaria der Schaumwurm, Gäschtwurm. C.
fusca, elytris maculis binis albis lateralibus; fascia
duplici interrupta albida.
*

Frisch P. VIII. tab. XII.

[Seite 347]

Besonders häufig auf Weiden, denen die Larve im
Frühjahr den Saft aussaugt, und ihn in Gestalt eines
Schaums (des so genannten Kuckuckspeichels) unter
welchen sie oft versteckt sind, wieder von sich gibt.

36. Notonecta. Wasserwanze. Ro-
strum inflexum. Antennae thorace bre-
uiores. Alae
4 cruciato complicatae,
antice coriaceae. Pedes posteriores pilosi
natatorii
.

1. † Glauca. N. grisea elytris griseis margine fusco
punctatis apice bifidis
. *

Frisch P. VI. tab. XIII.

Schwimmt die mehrste Zeit auf dem Rücken: weiß
auch in dieser Lage kleine Mücken etc. von denen sie sich
nährt, mit vieler Geschwindigkeit zu haschen.

37. Nepa. Wasserscorpion. Rostrum in-
flexum. Alae
4 cruciato-complicatae an-
tice coriaceae. Pedes anteriores cheli-
formes: reliqui
4 ambulatorii.

Der Körper ist platt wanzenartig. Die Vorderfüße
haben einige Aehnlichkeit mit Krebsscheeren. Der lange
Stachel am Hinterleibe nutzt nicht als Waffen sondern
zum Luftschöpfen.

1. †. Cinerea. N. cinerea, thoraci inaequali, corpore
oblongo-ouato
. *

Frisch P. VII. tab. XV.

Die Eyer dieses Thieres haben eine überaus sonder-
bare Gestalt, an einem Ende mit Häkchen, fast wie ein
zusammen gekrochener Armpolype, oder wie Samen
von Kornblumen etc.

[Seite 348]

2. †. Cimicoides. N. abdominis margine ferrato. *

Frisch P. VI. tab. XIV.

3. Plano. N. subfusca; oculis nigris, alis albidis, dorso
plano
. *

Eine gewisse Art Wassermilben legt diesem Thier, das
auf Tranquebar zu Hause ist, ihre Eyer auf den Rücken.*)

38. Cimex. Wanze. (Fr. punaise. Engl.
bug.) Rostrum inflexum. Alae 4 cru-
ciato-complicatae, superioribus antice
coriaceis. Dorsum planum thorace mar-
ginato. Pedes cursorii.

1. †. Lectularius. die Bettwanze, Wandlaus. C. fla-
nescens, alis nullis.
*

Sulzers Kennz. tab. X. fig. 69.

Von der wahren Naturgeschichte dieses ekelhaften,
lichtscheuen, und wo es ein Mahl über Hand genommen,
so äußerst schwer zu vertilgenden, Insects, ist noch sehr
wenig bekannt. Man weiß nicht ein Mahl mit Gewißheit
zu sagen, ob es in Europa ursprünglich einheimisch ist,
oder wenn und von wannen es dahin verpflantzt worden.

2. †. Corticalis. C. membranacens, abdominis margine
imbricatim secto, corpore nigricante.
*

In Wäldern an Baumstämmen: ist wegen seiner täu-
schenden Rindenartigen Gestalt und Farbe schwer zu
finden.

3. †. Baccarum. Qualster. C. ouatus griseus; abdomi-
nis margine nigro maculato.
*

[Seite 349]

In Gärten, zumahl an Johannisbeeren; die daher
zuweilen einen häßlichen Geschmack annehmen. Auch
diese Wanze stinkt fürchterlich: doch bloß wenn sie be-
rührt wird; da ihr der Gestank, wie manchen andern
Wanzen zum Vertheidigungsmittel dient.

4. †. Personatus. C. rostro arcuato, antennis apice ca-
pillaceis, corpore oblongo subuilloso fusco
. *

Frisch P. X. tab. XX.

Hält sich in Winkeln auf. Die Larve zumahl sieht
äußerst häßlich aus, und ist immer wie mit Staub und
Kehricht bedeckt.

39. Aphis. Blattlaus, Neffe, Mehltau.
(Fr. puceron. Engl. plant louse.) Rostrum
inflexum. Antennae thorace longiores
,
Alae 4 erectae aut nullae. Pedes ambu-
latorii. Abdomen postice saepius bicorne
.

Es gibt oft in einer Gattung, ja in einer und eben
derselben Familie geflügelte und ungeflügelte Blattläuse,
und das ohne alle Beziehung auf den auf den Geschlechtsunter-
schied. Die Männchen sind kleiner als ihre Weibchen,
und werden auch in weit mindrer Anzahl jung. Sie
erscheinen nicht eher als im Herbste, wo sie ihre Weib-
chen befruchten, die kurz darauf Eyer oder vielmehr
Hülsen von sich geben, in welchen zwar die jungen
Blattläuse schon völlig ausgebildet liegen, aber doch
nicht eher als bis im folgenden Frühjahr hervor brechen,
und zwar sind alle diese nunmehr ausgekrochenen Blatt-
läuse durchgehends weiblichen Geschlechts, so daß im
Frühjahr und Sommer schlechterdings keine männliche
Blattlaus zu sehen ist. Und dessen ungeachtet sind doch
[Seite 350] alle jene jungfräulichen Blattläuse im Stande, ohne
Zuthun eines Gatten ihr Geschlecht fortzupflanzen; so
daß jene einmahlige Begattung im Herbste, ihre be-
fruchtende Wirkung im folgenden Frühjahr und Som-
mer bis ins neunte Glied äußert. Alle die Millionen
von Blattläusen, die während dieser ganzen Zeit jung
werden, sind fruchtbar, gebären allesamt Junge, ohne
je ein männlich Thier ihrer Art gesehn, ohne sich ge-
paart zu haben etc. Erst gegen den Herbst kommen end-
lich wie schon gesagt, auch wieder Männchen zum Vor-
schein, die sich paaren, und ebenfalls die ganze weibli-
che Nachkommenschaft des künftigen Sommers wieder
mit befruchten müssen.

1. †. Ribis. A. ribis rubri. *

Frisch P. XI. tab. XIV.

2. †. Vlmi. A. vlmi campestris. *

3. †. Sambuci. A. sambuci nigrae. *

Frisch P. XI. tab. XVIII.

4. †. Rosae. A. rosae. *

Sulzers Kennz. tab. XII. fig. 79.

5. †. Bursaria. A. populi nigrae. *

Swammerdam biblia nat. tab. XLV. fig. 22. u. f.

Auf der Schwarzpappel, da sie die sonderbaren ro-
senartigen Auswüchse verursachen, die man Pappelrosen,
Alberknospen etc. heißt.

6. Pistaciae. A. nigra, alis albidis, tibiis longissimis
thorace verrucoso
.

An Pistacien, Mastix, Terpentinbaum etc. wo sich
die Blattläuse in einer spannenlangen Schotenähnlichen
Hülse aufhalten.

[Seite 351]

40. Chermes. Blattsauger. Rostrum pe-
ctorale. Antennae thorace longiores.
Alae
4 deflexae. Thorax gibbus, pedes
saltatorii
.

Haben in der Bildung viel Aehnliches mit den geflü-
gelten Blattläusen. Als Larven sehen sie fast aus wie
Cicaden, hüpfen auch so etc.

1. †. Buxi. C. buxi. *

2. †. Alni. C. betulae alni. *

Frisch P. VIII. tab. XIII.

41. Coccus. Schildlaus. Rostrum pe-
ctorale. Abdomen postice setosum. Alae

2 erectae masculis. Feminae apterae.

Bey keinen andern Thieren sehen die beiden Geschlech-
ter einander so auffallend ungleich als bey den Schild-
läusen. Das Männchen ähnelt einer kleinen Mücke,
das Weibchen hingegen ist ungeflügelt, und sitzt, nach-
dem es sich gehäutet hat, fast unbeweglich an den Ge-
wächsen, und könnte bey manchen Arten ehe für eine
Narbe an der Pflanze, als für ein lebendiges Thier an-
gesehen werden. Das Männchen schwärmt indeß im
Freyen umher, bis es vom Begattungstrieb gereitzt, ein
solches einsiedlerisches Weibchen aufsucht und befruchtet.

1. Hesperidum. C. hybernaculorum. *

Sulzers Kennz. tab. XII. fig. 81.

Das Weibchen hält sich vorzüglich an Orangenbäu-
men, auf der Rückseite der Blätter, auf.

2. Adonidum. C. rufa farinacea pilosa. *

Wie die vorige in Gewächshäusern, besonders an Caf-
feebäumen etc.

[Seite 352]

3. Ilicis. Kermes. C. quercus cocciferae. *

Im südlichen Europa, besonders in Languedoc und
Provence, an Stechpalmen etc. Die beerenförmigen,
gallapfelartigen Eyer-Nester dieser Thiere werden mit
Essig besprengt, und das Carmoisinroth daraus ver-
fertigt.

4. †. Polonicus. Deutsche Cochenille, Johannisblut.
C. radicis scleranthi perennis. *

Frisch P. V. tab. II.

Macht ebenfalls Kermesartige Eyernester an den Wur-
zeln von Weggras und andern Pflanzen; zumahl häufig
in Pohlen und am Don, wo sie gesammelt, und zur
Farbe angewandt werden.

5. Cacti. der Scharlachwurm. (Fr. la cochenille, Engl.
the cochineal-fly.) C. cacti coccinelliferi.

Ellis in den philos. Transact. vol. LII. P. II.

Ursprünglich in Mexico; findet sich auf mehreren Sor-
ten Indianischer Feigen, die deßhalb in großen Plantagen
gepflanzt, und die Cochenillewürmer fast wie die Seiden-
würmer darauf gezogen, und jährlich zu dreyen Mahlen
abgelesen werden.

6. Lacca. der Gummi Lack-wurm. C. ficus indicae
et religiosae
.

Kerr in den philos. Transact. vol. LXXI. P. II.

Zumahl in den gebirgigen Gegenden von Hindostan
zu beiden Seiten des Ganges; von ihm kommt das so
genannte Gummilack.*)

[Seite 353]

42. Thrips. Rostrum obscurum. An-
tennae longitudine thoracis. Abdomen
sursum reflexile. Alae
4 rectae, dorso
incumbentes, longitudinales, angustae,
subcrucitae
.

Ueberaus kleine Insecten, die sich gesellschaftlich in
den Blüthen mancher Gewächse aufhalten, und meist
nur durch ihre große Anzahl, oder durch die Munter-
keit, mit der sie umher hüpfen und fliegen, bemerkbar
werden.

1. †. Physapus. T. elytris glaucis, corpore atro. *

De Geer in den Schwed. Abh. v. J. 1744. tab. IV.
fig. 4.

Im Getreide, Bohnenblüten etc.


III. LEPIDOPTERA.*)

Die Schmetterlinge, oder Zweyfalter,
(Pfeifholder etc.) eine weitläuftige Ordnung, die
[Seite 354] sich durch vier ausgespannte, mit bunten Schup-
pen befiederte Flügel, durch einen behaarten Kör-
per, und fast durchgehends durch einen spiral-
mäßig gewundenen Rüssel, auszeichnet. Diese
Thiere entstehen sämtlich aus Eyern, aus wel-
chen sie als Raupen hervor brechen. In die-
sem Zustand haben sie Kinnladen, zwölf Augen
am Kopf, einen lang gestreckten cylindrischen
Körper von zwölf Abschnitten, mit neun Luftlö-
chern auf jeder Seite, drey Paar hakenförmigen
Klauen an der Brust, und meist fünf Paar run-
den fleischigen Füßen am Hinterleibe. Die
Raupe häutet sich verschiedentlich, wird dann
zur Puppe, die mehrentheils unbeweglich, doch
bey der Weidenraupe und einigen andern sehr
wenigen Gattungen sich von der Stelle zu bewe-
gen, im Stande ist. Hieraus kommt endlich
nach einer bestimmten Zeit der Schmetterling
zum Vorschein, der lange Fühlhörner, nur drey
Paar Füße, und statt jener zwölf kleinen Augen,
zwey große halbkuglichte und drey kleine (§. 126.)
hat. Alle die zahlreichen Gattungen lassen sich
doch füglich unter folgende drey Geschlechte
bringen.

43. Papilio. Tagvogel. (Engl. butter-
fly
.) Antennae apicem versus crassiores,
[Seite 355] saepius clauato-capitatae. Alae erectae
sursumque conniuentes
.

Die Raupe ist mehrentheils wie mit Dornen besetzt,
und häutet sich gewöhnlich vier Mahl. Sie verpuppt
sich ohne ein äußeres Gespinste: die Puppe ist zackicht,
theils schön goldfarbig, (chrysalis, aurelia), und hängt sich
mit dem hintern Ende auf. Der Schmetterling fliegt nur
am Tage umher, und hält im Sitzen seine vier breiten
ausgespannten Flügel in die Höhe, mit der Oberseite
gegen einander gekehrt. Linné hat das ganze Geschlecht,
leichterer Faßlichkeit wegen, wieder in fünf Familien
(phalanges) abgetheilt.

a. Equites: Alis primoribus ab angulo postico ad
apicem longioribus, quam ad basin; his saepe anten-
nae filiformes.

Tröes, ad pectus maculis sanguineis, saepius nigri.

Achiui, pectore incruento, ocello ad angulum ani.

b. Heliconii. Alis angustis integerrimis, saepe de-
nudatis: primoribus oblongis; posticis breuissimis
.

c. Danai. Alis integerrimis.

Candidi, alis albidis.

Festini, alis variegatis.

d. Nymphales. Alis denticulatis.

Gemmati, alis ocellatis.

Phalerati, alis caecis absque ocellis.

e. Plebeji. Parui. Larua saepius contracta.

Rurales, alis maculis obscurioribus.

Vrbicolae, alis maculis pellucidis.

* * *

1. Priamus. P. E. T. alis denticulatis tomentosis supra
viridibus: institis atris, posticis maculis sex nigris. *

[Seite 356]

Clerk tab. XVII.

Auf Amboina. So wie der folgende ein großes präch-
tiges Thier.

2. Vlysses. P. E. A. alis caudatis fuscis, disco caeruleo
splendente dentato. Posticis subtus ocellis septem. *

Clerk tab. XXIII. fig. 1.

Auch auf Amboina.

3. †. Machaon. der Schwalbenschwanz. P. E. A. alis
caudatis concoloribus flauis limbo fusco lunulis flauis,
angulo ani fuluo. *

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. I.

Die Raupe am Till, Fenchel, Rübsaat. Der Schmet-
terling kriecht zuweilen wohl erst im zweyten Jahr aus
der Puppe.

4. †. Podalirius. der Segelvogel. P. E. A. alis cauda-
tis subconcoloribus flauescentibus: fasciis nigricanti-
bus geminatis: posticis subtus linea sanguinea
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. II.

Die Raupe variirt in der Farbe, lebt am Kohl, Schle-
hen, Apfelbäumen etc.

5. †. Apollo. der rothe Augenspiegel. P. H. alis ob-
longis integerrimis albis: posticis ocellis supra
4:
subtus 6, basique rubris. *

Sulzers Kennz. tab. XIII. fig. 41.

Im wärmern Europa auf Wintergrün, Knabenkraut etc.

6. †. Crataegi. der Lilienvogel, Baumweißling, He-
ckenweißling. P. H. alis integerrimis rotundatis al-
bis: venis nigris
.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. III.

Eine der schädlichsten Raupen für Obstbäume. Die Jun-
ge halten sich gesellschaftlich in einem Gespinnste zusammen.

[Seite 357]

7. †. Brassicae. die Kohleule, der Kohlweißling, But-
tervogel. P. D. C. alis integerrimis rotundatis albis:
primoribus maculis duabus apicibusque nigris, ma-
ior.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. IV.

Nebst den beiden folgenden auf Kohl, Kraut, und
Rübsaat. Buttervogel heißt der Schmetterling (so wie
die Butterblume), von der gelben Farbe der Unterflügel:
ein Nahme, der aber nachher auch den Papilionen über-
haupt gegeben worden ist.

8. †. Rapae. der Rübenweißling. P. D. C. alis inte-
gerrimis rotundatis: primoribus maculis duabus api-
cibusque nigris, minor
. *

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. V.

9. †. Napi. P. D. C. alis integerrimis rotundatis albis:
subtus venis dilatato-virescentibus. *

10. † Cardamines. der Auroravogel. P. D. C. alis in-
tegerrimis rotundatis albis, primoribus medio fuluis,
posticis subtus viridi-nebulosis
. *

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. VIII.

Am Täschelkraut, Kohl etc.

11. †. Rhamni. der Citronen-Papilion, das fliegende
Blatt. P. D. C. alis integerrimis angulatis flauis:
singulis puncto flauo, subtus ferrugineo
. *

Rösel vol. III. tab. XLVI.

Am Faulbeerbaum, Wegdorn.

12. †. Hyperanthus. P. D. F. alis integerrimis fuscis,
subtus primoribus ocellis tribus: posticis duobus tri-
busque
. *

Im Gras.

[Seite 358]

13. †. Io. das Pfauenauge, der Pfauenspiegel. P. N. G.
alis angulato dentatis-fuluis nigro-maculatis: singu-
lis subtus ocello caeruleo. *

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. III.

An Brennesseln. Die Puppe wie vergoldet.

14. †. Galathea. das Bretspiel. P. N. G. alis dentatis
albo nigroque variis, subtus primoribus ocello vnico,
posticis quinque obsoletis.
*

Rösel vol. III. tab. XXXVII.

15. †. Cardui. der Distelvogel. P. N. G. alis dentatis
fuluis albo nigroque variegatis, posticis vtrinque ocel-
lis quatuor, saepius coecis.
*

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. X.

Am Disteln, Cardobenedicten, Kletten. Die Puppe eben-
falls ganz goldglänzend. In manchen Jahren unsäglich
häufig.

16. †. Iris. der Schillervogel, Changeant. P. N. G.
alis subdentatis subtus griseis; fascia vtrinque alba
interrupta, posticis supra vniocellatis
. *

Rösel vol. III. tab. XLII.

Am Espen, Eichen etc.

17. †. Antiopa. der Trauermantel. P. N. P. alis an-
gulatis nigris limbo albido.
*

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. I.

An Birken, Weiden etc.

18. †. Polychloros. der große Fuchs. P. N. P. alis an-
gulatis fuluis, nigro maculatis; primoribus supra
punctis quatuor nigris.
*

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. II.

[Seite 359]

An Kirschen, Birnen, Weiden. Die Raupe gibt
einen bisamähnlichen Geruch von sich.

19. †. Vrticae. der kleine Fuchs, Nesselvogel. P. N. P.
alis angulatis fuluis nigro-maculatis: primoribus su-
pra punctis tribus nigris.
*

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. IV.

An Brennesseln.

20. †. C. album. der C-Vogel. P. N. P. alis angulatis
fuluis nigro maculatis, posticis subtus C. albo notatis.
*

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. V.

An Nesseln, Stachelbeeren, Johannisbeeren, Hopfen etc.

21. †. Atalanta. der Admiral, 980-Vogel, Mars.
P. N. P. alis dentatis nigris albo-maculatis: fascia com-
muni purpurea, primoribus vtrinque, posticis mar-
ginali.
*

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. VI.

Einer der schönsten deutschen Schmetterlinge.

22. †. Paphia. der Silberstrich. P. N. P. alis dentatis
luteis nigro maculatis, subtus lineis argenteis trans-
versis
. *

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. VII.

Auch ein überaus schönes Thier von mittler Größe.
Die Raupe in Wäldern auf Brennesseln etc.

23. †. Aglaia. der große Perlenmuttervogel, Violen-
vogel. P. N. P. alis dentatis flauis nigro-maculatis:
subtus maculis
21 argenteis. *

Auf Stiefmütterchen, Veilchen.

24. †. Pruni. P. P. R. alis subcaudatis supra fuscis:
posticis subtus fascia marginali fulua nigro-punctata.
*

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. VII.

Auf Zwetschenbäumen.

[Seite 360]

25. †. Maluae. der Pappelvogel. P. P. V. alis denti-
culatis diuaricatis nigris albo-maculatis.
*

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. X.

Auf Stockrosen.

44. Sphinx. Abendvogel. Antennae me-
dio crassiores s. vtraque extremitate at-
tenuatae subprismaticae. Alae deflexae.

Die Raupen in diesem Geschlechte sind mehrentheils
von vortrefflicher Farbe, mit einem hakenförmigen
Horn am Ende des Rückens, dessen Spur auch noch
an der Puppe sichtbar ist. Sie verpuppen sich unter der
Erde, ohne Gespinnste. Die Abendvögel haben ihren
Nahmen daher, weil sie meist bloß in der Abenddäm-
merung umher fliegen. Die mehresten haben einen lang-
samen schweren Flug. Linné hat das ganze Geschlecht,
das doch nicht gar zahlreich ist, auf folgende Art unter-
abgetheilt:

a. Legitimae alis angulatis. *

Alis integris, ano simplici.

Alis integris, ano barbato.

b. Adscitaehabitu et larua diuersae. *

* * *

1. †. Ocellata. das Abendpfauenauge. S. L. alis re-
pandis: posticis ocellatis.
*

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. I.

Auf Weiden, Ostbäumen.

2. †. Nerii. der Oleandervogel. S. L. alis subangu-
latis viridibus: fasciis variis pallidioribus saturatori-
bus flauescentibusque.
*

Rösel vol. III. tab. XVI.

Am Oleander.

[Seite 361]

3. †. Conuoluuli. S. L. alis integris: posticis nigro fas-
ciatis margine postico albo-punctatis, abdomine rubro
cingulis atris.
*

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. VII.

Auf Winden, Zaunglocken.

4. †. Ligustri. S. L. alis integris: posticis incarnatis
fasciis nigris, abdomine rubro cingulis nigris.
*

Auf Hartriegel, spanischem Hollunder.

5. †. Atropos. der Todtenkopf. S. L. alis integris:
posticis luteis fasciis fuscis, abdomine luteo cingulis
nigris.
*

Rösel vol. III. tab. II.

Auf Jasmin, Cartoffelkraut etc.

6. †. Celerio. der Phönix. S. L. alis integris griseis lineola
albo nigra; inferioribus basi rubris maculis sex.
*

Rösel vol. IV. tab. VIII.

An Weinstöcken.

7. †. Elpenor. die Weinraupe, der große Weinvogel.
S. L. alis integris virescentibus, fasciis purpureis variis,
posticis rubris, basi atris.
*

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. IV.

Wie die vorige auf Weinlaub, Balsaminen etc.

8. †. Porcellus. die kleine Weinmotte. S. L. alis inte-
gris margine rubris; posticis basi fuscis.
*

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. V.

Aehnelt der vorigen in der Bildung und Aufenthalt.

9. †. Euphorbiae. die Wolfsmilchraupe. S. L. alis in-
tegris fuscis vitta superioribus pallida, inferioribus
rubra.
*

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. III.

An Wolfsmilch, Färberröthe.

[Seite 362]

10. †. Stellatarum. der Taubenschwanz, Karpfenkopf.
S. L. abdomine barbato lateribus albo nigroque variis,
alis posticis ferrugineis.
*

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. VIII.

Auf Färberröthe, Wegkraut.

11. †. Filipendulae. die Cirkelmotte. S. A. alis supe-
rioribus cyaneis; punctis sex rubris; inferioribus ru-
bris immaculatis.
*

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. LVII.

An Quecken, Hundsgras.

12. †. Phegea. die Ringelmotte. S. A. viridi-atra,
alis punctis fenestratis: superiorum sex, inferiorum
duobus, abdomine cingulo luteo.
*

Aehnelt der vorigen.

45. Phalaena. Nachtvogel. (Engl. Moth.)
Antennae setaceae, a basi ad apicem sensim
attenuatae. Alae sedentis saepius deflexae.

Das weitläufigste Geschlecht unter den Insecten.
Die Raupen sind mehrentheils behaart: und verpuppen
sich meist innerhalb eines besondern seidenartigen Ge-
spinstes (folliculus) wozu sie den klebrigen Stoff in
zwey Darmähnlichen Schläuchen, die längst dem Rücken
hinab neben dem Magen liegen, führen; und ihn nach-
her, mittelst einer besondern Röhre; die sich hinter dem
Munde dieser Raupen findet, zu äußerst feinen Faden
spinnen, die ihnen auch außerdem zu andern Zwecken,
sich z.B. wie die Spinnen daran herablassen zu kön-
nen etc. nutzen*). Diese Gehäuse werden bey einigen,
[Seite 363] wie bey dem Pfauvogel, wegen ihrer überaus künstlichen
Einrichtung; bey einigen Arten von Seidenwürmern aber
durch ihre große Nutzbarkeit merkwürdig. Die Phalänen
selbst, die meist des Nachts ihren Geschäften nachgehen,
hat Linné in folgende Familien abgetheilt:

a. Attaci alis patulis inclinatis.

Pectinicornes.

Seticornes.

b. Bombyces alis incumbentibus; antennis
pectinatis
.

Elingues absque lingua manifeste spirali.

Spirilingues lingua inuoluto-spirali.

c. Noctuaealis incumbentibus. Antennis seta-
ceis, nec pectinatis.

Elingues.

Spirilingues.

d. Geometrae alis patentibus horizontalibus
quiescentes
.

Pectinicornes.

Seticornes.

e. Tortrices alis obtusissimis, vt fere retusis,
margine exteriore curuo.

f. Pyralides alis conniuentibus in figuram
deltoideam forficatam
.

g. Tineae alis conuolutis fere in cylindrum
fronte prominula
.

h. Alucitae alis digitatis fissis ad basin vsque.

* * *

1. Atlas. P. Att. pectinicornis elinguis, alis falcatis
concoloribus luteo-variis, macula fenestrata, superio-
ribus sesquialtera
. *

[Seite 364]

Merianae Surinam. tab. LII.

In beiden Indien auf den Orangenbäumen. Von
der Größe einer hieländischen Fledermaus. Man
macht aus dem Gespinste dieser und anderer großen
Phalänen in Schina die so genannte wilde Seide.

2. †. Pavonia. der Pfauvogel, das Nachtpfauenauge.
P. Att. pectinicornis eliguis, alis rotundatis griseo-
nebulosis subfasciatis: ocello nictitante subfenestrato.
*

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. IV. V.

Auf Obstbäumen, Schlehen, Weiden etc. Das Pup-
pengehäuse hat die Gestalt einer runden Flasche, mit
einem dem Anschein nach, offnen abgestutzten Hals:
dessen Eingang aber doch inwendig auf eine überaus
artige Weise, mittelst elastischer convergirender Sta-
cheln, die in eine hervorstehende Spitze zusammen
laufen, so gut verwahrt ist, daß das vollkommne
Thier zu seiner Zeit füglich heraus, hingegen kein
feindseliges Insect in seine Hülse dringen kann.

3. †. Quercifolia. das Eichblatt. P. B. elinguis, alis reuersis
semitectis dentatis ferrugineis margine postico nigris.
*

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. XLI.

Im Gras und an Obstbäumen. Im Sitzen hat die
Phaläne eine sonderbare buckliche Stellung.

4. †. Vinula. der Gabelschwanz, Hermelinvogel. P. B.
elinguis albida nigro-punctata, alis subreuersis fusco
venosis striatisque.
*

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. XIX.

An Weiden, Pappeln und Eichen. Die Raupe be-
kommt durch ihren dicken abgestumpften Kopf, und
die beiden Schwanzspitzen, die ihr statt des letzten
Paars Hinterfüße gegeben sind, ein sonderbar Ansehn.
[Seite 365] Sie vermag einen sauren aber scharfen Saft, auf Fuß
weit von sich zu spritzen, und sich damit im Nothfall
zu vertheidigen*).

5. Mori. der Seidenwurm. P. B. elinguis, alis reuer-
sis pallidis: striis tribus obsoletis fuscis maculaque
lunari.
*

Rösel vol. III. tab. VII. VIII.

Jac. l'Admiral tab. IX.

Der Assyrische bombyx beym Plinius etc. ist wohl
sicher unsere Seide; sie kam aber schon zu Stoffen
verarbeitet heraus: und ist der Wurm selbst erst seit
Justinians Zeiten in Europa gezogen. Er bleibt 6 bis
7 Wochen lang Raupe; spinnt sich hierauf nachdem er
sich vier Mahl gehäutet in einen Coccon von weißer
oder gelber Farbe; der wenn er dritthalb Gran am
Gewicht hält, aus einem 900 Fuß langen Faden be-
steht; (deren 180 dicht neben einander gelegt erst die
Breite von einer Linie ausmachen;) und kriecht end-
lich drey Wochen nachher als Schmetterling aus.
Nach der Paarung legt das überaus dicke Weibchen
bey 500 Eyer, die im folgenden Frühjahr um die
Zeit wenn die weißen Maulbeerbäume zu grünen an-
fangen, auskriechen. Sie sind wohl ursprünglich in
Schina*) zu Hause, gewohnen aber auch unsers Cli-
[Seite 366] mas recht gut, und man zieht sie nun auch in Nord-
america.

6. †. Neustria. die Ringelraupe. P. B. elinguis, alis
reuersis: fascia sesquialtera; subtus unica.
*

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. VI.

Nebst der folgenden eine sehr schädliche Raupe. Die
Phaläne legt ihre Eyer in einer Spirallinie dicht an
einander um ein Aestchen herum.

7. †. Caja. die schwarze Bärenraupe. P. B. elinguis,
alis deflexis fuscis: rivulis albis, inferioribus purpureis
nigro punctatis.
*

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. I.

8. †. Dispar. P. B. elinguis, alis deflexis: masculis
griseo fuscoque nebulosis: femineis albidis lituris
nigris.
*

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. III.

Hat ihren Nahmen von der ungleichen Bildung
und Größe der beiden Geschlechter.

9. †. Chrysorhoea. die schwarze Winterraupe. P. B.
elinguis alis deflexis albidis, abdominis apice barba-
to luteo.
*

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. XXII.

Eine der schädlichsten Raupen für die Obstbäume,
die im Herbst aus den Eyern kriecht, und den Winter
durch gesellschaftlich in zusammen gesponnenem welken
Laube an den Aesten zubringt, ohne daß ihr selbst die
strengste Kälte schade.

10. †. Antiqua. P. B. elinguis, alis planiusculis: supe-
rioribus ferrugineis lunula alba anguli postici.
*

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. XXXIX.

Das Weibchen ungeflügelt.

[Seite 367]

11. †. Caeruleocephala. P. B. elinguis cristata, alis de-
flexis griseis: stigmatibus albidis coadunatis.
*

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. XVI.

Ebenfalls eine den Obstbäumen sehr schädliche Raupe.

12. †. Cossus. die Weidenraupe. P. B. elinguis, alis
deflexis nebulosis, thorace postice fascia atra, anten-
nis lamellatis.
*

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. XVIII.

Dieselbe Raupe von der Lyonet die unbeschreib-
lich mühsame Zergliederung gegeben hat. Sie hält
sich in Ulmen, Eichen etc. doch bey weitem am häu-
figsten in Weidenstämmen auf, die so von ihr durch-
fressen werden daß sie leicht ausgehen oder bey mäßi-
gem Sturme umfallen. Der Schade den diese Raupe
verursacht wird dadurch vergrößert daß sie gegen das
Beyspiel vielleicht aller übrigen Raupen bey drey
Jahr alt wird ehe sie sich verpuppt. Dabey hat sie
ein so äußerst zähes Leben, daß sie ohne Schaden
etliche Stunden lang im Luftleeren Raume, und
mitten im Sommer fast drey Wochen lang un-
ter Wasser ausdauern kann. Eben so sonderbar
ist, daß die Puppe sich von der Stelle bewegen,
und wenn die Zeit des Auskriechens herbeynaht,
aus der Mitte des Stammes sich vorn bis an die
Mündung in der Rinde hervor bohren kann.

13. †. Aesculi. P. N. elinguis laeuis niuea antennis
thorace breuioribus, alis punctis numerosis caeruleo
nigris, thorace senis.
*

14. †. Humuli. P. N. elinguis fulua, antennis thorace
breuioribus, maris alis niueis.
*

An Hopfenwurzeln.

[Seite 368]

15. †. Pacta. P. N. spirilinguis cristata, alis grisescen-
tibus, inferioribus rubris, fasciis duabus nigris, ab-
domine supra rubro.
*

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. XV.

16. †. Meticulosa. P. N. spirilinguis cristata alis erosis
pallidis: superioribus basi incarnata, intra triangu-
lum fuscum.
*

Rösel vol. IV. tab. IX.

An allerhand Küchengewächsen, auch an Erdbeeren.

17. †. Wavaria. P. G. pectinicornis, alis cinereis: an-
ticis fasciis
4 nigris abbreuiatis inaequalibus. *

Rösel vol. I. Nachtvögel III. tab. IV.

So wie die folgende auf Johannisbeeren, Stachel-
beeren.

18. †. Grossulariata. P. G. seticornis, alis albidis, ma-
culis rotundatis nigris: anticis strigis luteis.
*

Rösel vol. I. Nachtvögel III. tab. II.

19. †. Viridana. P. To. alis rhombeis, superioribus
viridibus immaculatis.
*

Rösel vol. I. Nachtvögel IV. tab. III.

20. †. Farinalis. P. P. palpis recurvatis, alis politis
fuscescentibus: strigis repandis albidis area interiecta
glauca.
*

Clerk phal. tab. II. fig. 14.

Im Mehl.

21. †. Pellionella. die Pelzmotte. P. Ti. alis canis, me-
dio puncto nigro, capite sub-griseo.
*

Rösel vol. I. Nachtvögel IV. tab. XVII.

In Pelzwerk, ausgestopften Thieren etc.

22. †. Sarcitella. die Kleidermotte. P. Ti. alis cine-
reis, thorace vtrinque puncto albo.
*

[Seite 369]

Besonders in wollenen Kleidungsstücken.

23. †. Mellonella. P. Ti. alis canis postice purpurascen-
tibus, striga alba, scutello nigro apice candido.
*

Rösel vol. III. tab. XLI.

Einer der gefährlichsten Bienenfeinde.

24. †. Granella. der Wolf, weiße Kornwurm. P. Ti.
alis albo nigroque maculatis capite albo.
*

Rösel vol. I. Nachtvögel IV. tab. XII.

Auf Kornböden in der Frucht, die er benagt, abhül-
set, zerschrotet, und sich daher leicht verräth.

25. †. Goedartella. P. Ti. alis auratis: fasciis 2 argen-
teis: priore antrorsum, posteriore retrorsum arcuata.
*

Clerk phal. tab. XII. fig. 14.

26. †. Linneella. P. Ti. alis fuscis, punctis tribus argen-
teis eleuatis.
*

Clerk phal. tab. XII. fig. 8.

27. †. Hexadactyla. P. Al. alis patentibus fissis: singu-
lis sexpartitis cinereis.
*

Hat wie die übrigen Nachtvögel dieser Familie wegen
der sonderbar gespaltenen Flügel ein ungewöhnliches
Ansehen.


IV. NEUROPTERA.

Eine kleine Ordnung, die sich durch vier zarte
netzförmige oder gegitterte Flügel auszeichnet, die
mehrentheils in allerhand Farben schillern. Die
Larve hat sechs Füße.

46. Libellula. Wasserjungfer, Spin-
nejungfer, Teufelsnadel, Schillebolze,
[Seite 370] Schurschotte. (Fr. Demoiselle. Engl. Dra-
gon-fly
.) Os maxillosum, maxillis plu-
ribus. Antennae thorace breuiores. Alae
extensae. Cauda maris hamoso-forcipata.

Als Larve leben diese Thiere im Wasser, und haben
eine sonderbar bewegliche Maske oder Kappe vor dem
Munde, womit sie ihre Beute haschen. Die Paarung
der vollkommen geflügelten Wasserjungfern, die über-
haupt gar viel sonderbares hat, wird im Fluge voll-
zogen.

1. †. Depressa. L. alis omnibus basi nigricantibus, tho-
race lineis duabus flauis, abdomine lanceolato lateri-
bus flauescente.
*

Rösel vol. II. Wasser-Ins. II. tab. VI. VII. fig. 3.

2. †. Virgo. L. alis erectis coloratis. *

Rösel vol. II. Wasser-Ins. II. tab. IX.

3. †. Puella. L. alis erectis hyalinis. *

Rösel vol. II. Wasser-Ins. II. tab. X. XI.

47. Ephemera. Uferaas, Hafft, Ge-
schwäder (hemerobius, diaria). Os eden-
tulum absque palpis: Ocelli
2 maximi
supra oculos. Alae erectae, posticis mini-
mis. Cauda setosa.

Das Uferaas lebt einige Jahre lang als Larve im
Wasser, wo es sich Höhlen und Gänge zum Aufenthalt
ins Ufer wühlt, und von den Fischern aufgesucht und
zum Köder beym Angeln gebraucht wird. Nach zwey
bis drey Jahren kommen mitten im Sommer binnen
wenigen Tagen Millionen dieser Thiere mit Einem Mahle
aus dem Wasser als vollkommene geflügelte Insecten
[Seite 371] hervor geflogen, die sich auch alsdann, gegen die Weise
andrer Insecten erst nochmahls häuten müssen; über-
haupt aber diesen ihren vollkommnern Zustand nur sehr
kurze Zeit, oft kaum einen halben Tag genießen.

1. †. Vulgata. E. cauda triseta, alis nebuloso-macu-
latis
. *

Sulzers Kennz. tab. XVII. fig. 103.

P. Collinson in philos. Trans. N. 481. tab. II.
fig. 2. 3. 4. pag. 329 sqq.

Das Weibchen legt ein Eyförmiges Klümpchen das
aus sehr vielen Eyerchen zusammen gesetzt ist.

2. †. Horaria. E. cauda biseta, alis albis margine cras-
siore nigricantibus
. *

Swammerdam bibl. nat. tab. XIII. fig. 15.

48. Phryganea. Frühlingsfliege. Os
edentulum palpis
4. Ocelli 3. Anten-
nae thorace longiores. Alae incumben-
tes, inferioribus plicatis.

Die Larven, die sich ebenfalls im Wasser aufhalten,
werden vorzüglich durch die überaus artigen, theils sehr
künstlichen meist cylindrischen Hülsen merkwürdig, die
sie sich verfertigen, und die sie, fast wie die Schnecken
ihr Haus mit sich herum schleppen. Manche machen
diese Gehäuse aus Schilfstückchen, andre aus Gras, aus
Sandkörnchen, aus kleinen Steinchen, andre aus lauter
kleinen Flußschneckchen u.s.w.

1. †. Bicaudata. P. cauda biseta, alis venosis reticulatis. *

Sulzers Kennz. tab. XVII. fig. 6.

2. †. Striata. P. nigra, alis testaceis, nervoso-striatis. *

Frisch P. XIII. tab. III.

[Seite 372]

3. †. Rhombica. P. alis flauescentibus deflexo-com-
pressis macula rhombea laterali alba.
*

Rösel vol. II Wasser-Ins. II. tab. XVI.

49. Hemerobius. Florfliege, Lanolibelle.
Os dentibus 2: palpis 4. Ocelli nulli.
Alae deflexae
(nec plicatae). Antennae
thorace convexo longiores, setaceae por-
rectae
.

Die Larve lebt im Trocknen. Das vollkommne In-
sect ähnelt dem vorigen.

1. †. Perla. H. luteo-viridis, alis hyalinis; vasis viri-
dibus
. *

Rösel vol. III. tab. XXI. fig. 4. 5.

50. Myrmeleon. Afterjungfer. Os ma-
xillosum: dentibus
2. Palpi 4 elongati.
Ocelli nulli. Cauda maris forcipe e fila-
mentis duobus rectiusculis. Antennae
clauatae longitudine thoracis. Alae de-
flexae
.

1. †. Formicarius. der Ameisenlöwe. (Fr. le fourmilion.)
M. alis macula alba marginali postica. *

Rösel vol. III. tab. XVII. u. f.

Das merkwürdige berufene Geschöpf, das sich als Larve
eine trichterförmige Fallgrube in Sandboden wühlt, sich
selbst unten bis an den Hals hinein scharrt, und da die
Ameisen u.a. kleine Insecten empfängt und verzehrt,
die unversehens an den Rand dieser Grube kommen,
und mit dem lockern Sand hinab schurren.

[Seite 373]

51. Panorpa. Scorpionfliege. Rostrum
corneum cylindricum, palpis
2. Ocelli 3.
Antennae thorace longiores. Cauda ma-
ris chelata
.

1. †. Communis. P. alis aequalibus nigro maculatis. *

Frisch P. IX. tab. XIV. fig. 1.

52. Raphidia. Kamelhals. Os denti-
bus
2 in capite depresso corneo. Palpi 4.
Ocelli 3. Alae deflexae. Antennae lon-
gitudine thoracis antice elongati cylin-
drici. Cauda feminae seta recurua laxa.

1. †. Ophiopsis. R. thorace cylindrico. *

Rösel vol. III. tab. XXI. fig. 6. 7.


V. HYMENOPTERA.

Insecten mit vier häutigen Flügeln, die mit
wenigen aber starken Adern durchzogen, auch über-
haupt kürzer und schmaler sind als bey den Insec-
ten der vorigen Ordnung. Die Weibchen und
geschlechtlosen Thiere dieser Ordnung sind mit ei-
nem verletzenden Stachel am Hinterleibe, theils
auch mit Gifte, das sie beym Stich in die Wunde
flößen, bewaffnet; daher die ganze Ordnung auch
von einigen Entomologen Aculeata genannt
worden. Die Larven sind verschiedentlich gebil-
det: theils wie Raupen mit zwanzig Füßen,
theils wie Maden ohne Füße etc.

[Seite 374]

53. Cynips. Gallwespe. Os maxillis
absque proboscide. Aculeus spiralis,
saepius reconditus.

Das Weibchen legt seine Eyer in besondere Theile
gewisser Pflanzen, die dadurch anschwellen, und theils
sonderbare Auswüchse bilden, die dann der Larve so
lange zum Aufenthalt dienen, bis sie ihre Verwandlung
überstanden hat, und nun als vollkommnes Insect aus
ihrem Kerker hervor brechen kann. Ganz sonderbar ist
dabey, daß jene Eyer selbst, nachdem sie von der Mut-
ter in das Gewächs gelegt werden, erst noch wachsen,
theils noch Ein Mahl so groß werden, bevor die darin
befindliche Larve auskriecht.

1. †. Rosae. C. nigra, abdomine ferrugineo postice ni-
gro, pedibus ferrugineis
. *

Frisch P. VI. tab. I.

An wilden Rosen, wo sie die Moosartigen krausen
Auswüchse verursacht, die unter dem Nahmen Schlaf-
äpfel (spongia cynosbati, Bedeguar) ehedem officinell waren.

2. †. Quercus folii. C. nigra, thorace lineato, pedibus
griseis, femoribus subtus nigris.
*

Frisch P. II. tab. III. fig. 5.

An Eichenlaub, wo sie bekanntlich die Galläpfel her-
vor bringt, die auch oft noch nachher, wenn sie schon
von der Nachkommenschaft ihrer Urheberin verlassen
sind, kleinen Wespen verschiedner Art zum Aufenthalt
dienen.

3. Psenes. C. ficus caricae. *

Zumahl auf den Inseln des mitländischen Meers;
in den wilden Feigen, die man deßhalb zu den zahmen
[Seite 375] Feigen hängt, damit der cynips von jenen, in diese über-
gehen mag, als wodurch die Zeitigung und Größe der-
selben befördert wird.

54. Tenthredo. Blattwespe. Os ma-
xillis absque proboscide. Alae planae
tumidae. Aculeus laminis duabus serra-
tis, vix prominentibus. Scutellum gra-
nis duobus impositis distantibus.

Die Larven haben Raupengestalt, (daher sie Reau-
mür fausses chenilles nennt), leben vom Laub und finden
sich besonders auf Rosenstöcken und Weiden. Ver-
puppen sich aber in der Erde.

1. †. Lutea. T. antennis clauatis luteis, abdominis
segmentis plerisque flauis.
*

Frisch P. IV. tab. XXIV.

2. †. Capreae. T. salicis. *

Frisch P. VI. tab. IV.

55. Sirex. Holzwespe, Sägenfliege. Os
maxillis
2 validis. Palpi 2 truncati: An-
tennae filiformes, articulis vltra
24. Acu-
leus exsertus rigens serratus. Abdomen
sessile mucronatum. Alae lanceolatae,
planae omnibus.

Das Weibchen weiß mit seinem sägeförmigen Lege-
stachel sehr geschickt in weiches Holz zu bohren, um
seine Eyer da einzulegen. Die Larve hält sich einige
Jahre lang im Holze auf.

1. †. Gigas. S. abdomine ferrugineo: segmentis ni-
gris, thorace villoso.
*

Rösel vol. II. Humm. und Wesp. tab. IX.

[Seite 376]

56. Ichneumon. Schlupfwespe, Spin-
nenstecher. Os maxillis absque lingua.
Antennae articulis vltra
30. Abdomen
petiolatum plerisque. Aculeus exsertus
vagina cylindrica, biualui
.

Zahlreiche Thiere, die sehr vieles zur Vertilgung der
Raupen, Spinnen und andrer Insecten beytragen. Sie
legen ihre Eyer in lebendige Raupen, die davon erkran-
ken, und vor oder nach ihrer Verpuppung absterben.
Manche sind auch an andre Gattungen ihres eigenen
Geschlechts gewiesen, denen sie als Larven ihre Eyer
in den Leib legen, so daß nach Rolanders Bemerkung,
von verschiednen Gattungen die eine bloß zur Vertil-
gung der andern geschaffen zu seyn scheint.

1. †. Persuasorius. I. scutello albo, thorace maculato,
abdomine atro, segmentis omnibus vtrinque punctis
duobus albis
. *

Sulzers Gesch. tab. XXVI. fig. 12. 13.

2. †. Comitator. I. ater totus, antennis fascia alba. *

Sulzers Gesch. tab. XXVI. fig. 14.

3. †. Luteus. I. luteus thorace striato, abdomine fal-
cato.
*

4. †. Aphidum. I. niger, abdomine basi pedibusque
anticis genubusque posticis flauis
. *

Frisch P. XI. tab. XIX.

57. Sphex. Raupentödter. Os maxillis
absque lingua. Antennae articulis
10.
Alae plano incumbentes (nec plicatae)
in omni sexu. Aculeus punctorius re-
conditus
.

[Seite 377]

In der Bildung ähneln die Raupentödter den Schlupf-
wespen, haben aber viel eignes in ihrer Lebensart. Meist
graben sich die Weibchen mit außerordentlicher Mühe
runde Höhlen in sandiges Erdreich, schleppen sodann
eine große Spinne oder Raupe einer Phaläne hinein,
die sie meist nur lahm beißen, und legen sodann in jede
Höhle ein Ey, da dann nachher die junge Larve dem
großen Thier, das die Mutter dahin begraben hatte,
den Saft zum Gespinste aussaugt, und sich selbst ein
Verwandlungsgehäuse daraus bereitet.

1. †. Sabulosa. S. nigra hirta, abdomine fuluo, postice
nigro, petiolo longissimo.
*

Frisch P. II. tab. I. fig. 6. 7.

2. †. Cribraria. die Sieb-Biene. S. nigra, abdomine
fasciis flauis, tibiis anticis clypeis concauis fenestratis.
*

Sulzers Gesch. tab. XXVII. fig. 6.

Goeze im Naturforscher II. St. tab. II.

Man hat lange die Scheiben an den Vorderfüßen für
durchlöchert gehalten, und hat auch nicht ermangelt,
diesen vermeinten Sieben eine merkwürdige Bestimmung
anzudichten, und viel schönes über die weise Einrichtung
eines gar nicht existirenden Theils zu sagen.

58. Chrysis. (Fr. mouche dorée. Engl. gol-
den-fly
.) Os maxillis absque proboscide.
Antennae filiformes: articulo
1 longiore,
reliquis
11 breuioribus. Abdomen subtus
fornicatum, vtrinque squama laterali.
Anus dentatus aculeo subexserto. Alae
planae. Corpus auratum.

[Seite 378]

1. †. Ignita. C. glabra nitida, thorace viridi: abdomi-
ne aureo: apice quadridentato
. *

Frisch P. IX. tab. X. fig. 1.

59. Vespa. Wespe. (Fr. guépe. Engl. wasp.)
Os maxillis absque proboscide. Alae su-
periores plicatae in omni sexu. Aculeus
punctorius reconditus. Oculi lunares.
Corpus glabrum
.

Die mehresten Gattungen dieses und des folgenden
Geschlechts werden durch die strenge gesellschaftliche Ver-
bindung, in der sie theils zu tausenden beysammen leben,
und durch die überaus kunstreichen Nester und gemein-
schaftlichen Wohnungen, die sie sich mit vereinten Kräf-
ten zu verfertigen wissen, merkwürdig.

1. †. Crabro. die Horniße. V. thorace nigro antice ru-
so immaculato abdominis incisuris puncto nigro du-
plici contiguo
. *

Frisch P. IX. tab. XI. fig. 1.

2. †. Vulgaris. die Wespe. V. thorace vtrinque lineola
interrupta, scutello quadrimaculato, abdominis inci-
suris punctis nigris distinctis.
*

Frisch P. IX. tab. XII. fig. 1.

Leben wie andre Gattungen dieses Geschlechts beson-
ders vom Raube des Bienenhonigs, von reifen Baum-
früchten etc. doch auch von rohem Fleisch. Sie bauen
theils unter der Erde, oder in ledige Bienenstöcke, oder
hängen ihre Nester an Bäumen auf. Diese Nester sind
meist kuglicht von verschiedner Größe, aus einfachen
Scheiben zusammen gesetzt, die von außen mit einer
lockern blätterigen Umkleidung überzogen sind. Ihre
[Seite 379] Substanz die eigentlich aus zarten Holzfasern besteht,
ähnelt einem Papiere, und ist meist von grauer Farbe,
theils aber auch schön marmorirt, braun, weiß etc.

60. Apis. Biene. (Fr. abeille. Engl. bee.)
Os maxillis atque proboscide inflexa va-
ginis duabus biualiubus. Alae planae in
omni sexu. Aculeus feminis et neutris
punctorius reconditus.

1. †. Mellifica. die Honigbiene, Imme. A. pubescens
thorace subgriseo, abdomine fusco, tibiis posticis cilia-
tis, intus transuerse striatis.
*

Bekanntlich sind unter den Bienen, Wespen und
Ameisen und Termesgattungen, die bey weiten zahl-
reichsten Individuen völlig Geschlechtlos, d.h. sie wer-
den von einem Vater erzeugt, und von einer dadurch
befruchteten Mutter geboren, ohne doch selbst weder
männlichen noch weiblichen Geschlechts zu seyn. Hier
bey der Imme*) zeigt sich die Verschiedenheit zwischen
diesen dreyerley Geschöpfen, am allerauffallendsten zwar
[Seite 380] bey der Zergliederung ihres innern Baues, doch auch
schon in ihrer äußern Bildung.

Das Weibchen, die so genannte Königin oder der
Weißler, hat einen schlanken schmalen Leib, kurze Flü-
gel, einen behaarten Kopf, ein zackichtes Gebiß, braune
Füße u.s.w.

Die männlichen Bienen, oder Dronen sind groß
und stark von Leibe, mit langen Flügeln etc.

Die Geschlechtlosen, oder Werk- und Arbeits-Bienen
hingegen sind weit kleiner als jene beiden, von mittler
Taille, verhältnißmäßig langen Flügeln, glattem Ge-
biß, schwarzen Füßen und einer besondern Grube am
Hinterschenkel die zum Aufladen des Blumenstaubes
dient, u.s.w.

Diese letztern, deren in einem Stock wohl 20000
sind, haben allein die mannigfaltigen großen Verrich-
tungen des Aufbauens, Eintragens und der Besorgung
der Brut. Die jüngern sammeln Blumenstaub, den sie
halbe Stunden weit her als Höschen zum Stock tragen,
wo er ihnen von den ältern abgenommen, und zu
Wachs verarbeitet wird; ferner saugen sie theils den
süßen Schweiß vieler Baumblätter, vorzüglich aber
den so genannten Nektar, einen süßlichen Soft, der
sich vielleicht in allen Blüthen findet, und den sie in
einem besondern Eingeweide zu Honig umarbeiten, und
im Stocke wieder von sich geben. Sie füttern die Bie-
nen-Larven, halten den Stock rein, und tragen ihre
Leichen zum Stock hinaus. Sie sind mit Gift und Sta-
chel als Waffen versehen, von dem sie aber meist nur
Ein Mahl in ihrem Leben Gebrauch machen können, da
[Seite 381] sie gewöhnlich mit Verlust ihres Stachels stechen, und
ihn in der Wunde stecken lassen.

Die männlichen Bienen oder Dronen oder Holm-
bienen, (etwa 1500 im Stock) haben keine andre Be-
stimmung, als sich einst mit ihrer einzigen Königin zu
paaren; und selbst hierzu müssen sie, gegen die allge-
meine Regel der Natur, doch erst durch wiederhohlte
Liebkosungen der wollüstigen Königin ermuntert werden.
Manche sterben sogleich nachdem sie sich zur Begattung
haben willig finden lassen: die übrigen müssen nachher
verhungern, oder werden von den Arbeitsbienen er-
mordet.

Die so reichlich befruchtete Königin legt ihre Eyer
in die bestimmten Zellen oder Mutterpfeifen, von denen
schon vorläufig die für die Dronen bestimmten größer
als die übrigen gebaut sind.

Wann diese Nachkommenschaft nach 20 Tagen zur
Reife gekommen, so trennt sie sich als Colonie vom
Stammvolke, sie schwärmt.

In der Wildinß bauen die Bienen in hohle Bäume,
oder unter die Erde etc. Der Mensch hat sie aber sich
zum Hausthier zu machen, und durch mannigfaltige
scharfsinnige Erfindungen ihre Vermehrung und Be-
nutzung zu befördern gelernt. Die Biene wird unge-
fähr 7 Jahr alt, und obgleich einzelne Bienen so wenig
Wärme haben als andere kaltblütige Thiere; so erhitzen
sie doch im Stock, zuweilen bis zur Wärme des mensch-
lichen Körpers.

2. †. Centuncularis. die Rosenbiene. A. nigra, ventre
lana fulua.
*

Frisch P. XI. tab. II.

[Seite 382]

Lebt einsam unter der Erde, und verfertigt sich eine
überaus artige Hülse zur Wohnung von Blättern der
Rosenbüsche.

3. †. Violacea. die Holzbiene. A. hirsuta atra, alis
caerulescentibus.
*

Reaumur vol. VI. tab. VI. fig. 1. 2.

In alten Baumstämmen, wo sie sich ihre Wohnung
der Länge nach aushöhlen, und die einzelnen Zellen
durch dünne Holzscheibchen von einander absondern.

4. †. Terrestris. die Hummel. (bombylius) A. hirsuta
nigra thoracis cingulo flauo, ano albo.
*

Frisch P. IX. tab. XIII. fig. 1.

Nistet tief unter der Erde.

5. †. Muscorum. die Moosbiene. A. hirsuta fulua ab-
domine flauo.
*

Reaumur vol. VI. tab. II. fig. 3. 4.

Bekleidet ihr Nest von außen mit Moos.

6. †. Caementaria. die Maurerbiene. A fulua abdo-
mine nigro
(femina nigro-violacea pedibus fuscis). *

Baut sich mit bewundernswürdiger Kunst und Festig-
keit ihr Nest aus Grant und Mörtel an alten Mauern,
die viel Sonne haben. Die eyförmigen Zellen, deren
etwa zehn in jedem solchen Gebäude sind, werden mit
Gespinste austapezirt, und zuweilen auch vom attelabus
apiarius
, Schlupfwespen etc. bewohnt.

61. Formica. Ameise, Kremense. (Fr.
fourmi. Engl. ant.) Squamula erecta tho-
raci abdominique interiecta. Aculeus fe-
minis et neutris reconditus. Alae mari-
bus et feminis, sed neutris nullae.

[Seite 383]

Die mehresten hiesigen Ameisen halten sich vorzüglich
in Wäldern und Wiesen, theils bey vier- und mehreren
tausenden in einem Haufen auf; die unermüdete In-
dustrie dieses kleinen Volks, vorzüglich aber die muster-
hafte Zärtlichkeit, mit der sie ihre Puppen (die fälsch-
lich so genannten Ameisen-Eyer) warten und pflegen,
geht so weit, daß man gesehen, wie eine Arbeitsameise,
der man den Hinterleib abgeschnitten, doch noch zehn
Puppen vor ihrem schmerzhaften Tode in Sicherheit
gebracht hat etc.

1. †. Herculanea. die Roß-Ameise. F. nigra abdo-
mine ouato, femoribus ferrugineis.
*

Sulzers Kennz. tab. XIX. fig. 125.

2. †. Rufa. F. thorace compresso toto ferrugineo, capite
abdomineque nigris.
*

Sehr gierige Thiere, die im Hunger einander selbst
auffressen.

3. †. Rubra. F. testacea, oculis punctoque sub abdo-
mine nigris.
*

Nebst den beiden folgenden auf Wiesen, Weiden etc.

4. †. Nigra. F. tota nigra nitida, tibiis cinerascentibus. *

Diese Ameisen paaren sich zu Ende des Sommers im
Schwärmen, da sie zuweilen in unzähliger Menge und
sonderbarer Gestalt der Schwärme als auf- und nieder
fahrende Säulen zum Vorschein kommen, deren man zu-
weilen wohl 20 auf Ein Mahl sieht, die sich in der
Ferne fast wie ein Nordlicht ausnehmen.*)

5. †. Caespitum. F. abdominis petiolo binodoso: priore
subtus, thoraceque supra bidentato.
*

[Seite 384]

Sulzers Gesch. tab. XXVII. fig. 20.

6. Cephalotes. F. thorace quadrispinoso, capite didymo
magno vtrinque postice mucronato.
*

Merianae ins. Surinam. tab. XVIII.

In Westindien, von der Größe einer Wespe; werden
vorzüglich von den Ameisenbären verzehrt.

62. Termes. Weiße Ameise. (Fr. fourmi
blanche, poux de bois
. Engl. white ant, wood
ant, wood louse, bugga bug.
) Squamula
intergerina nulla. Alae maribus et femi-
nis temporariae; sed neutris plane nullae.

1. Fatalis. (bellicosus. Soland.) T. corpore fusco,
alis fuscescentibus: costa ferruginea, stemmatibus sub-
superis oculo propinquis, puncto centrali prominulo.
*

Smeathman über die Termiten etc. mit Zusätzen
von F. A. A. Meyer. Göttingen, 1789. 8.

Hier diese Gattung (denn es sind schon jetzt wenig-
stens noch vier andre bekannt, die hin und wieder zwi-
schen beiden Wendezirkeln zumahl in beiden Indien, im
Südwestlichen Africa und auf Neuholland zu Hause
sind) findet sich besonders auf Guinea, und führt aus
Leimen, Letten etc. kegelförmige, meist mit mehreren
Spitzen besetzte, inwendig hoch ausgewölbte Gebäude
auf, die zuweilen wohl 10 bis 12 Fuß lang sind, und
theils in solcher Menge beysammen stehen, daß sie von
Ferne das Ansehen eines Dorfs kriegen. Mit den Jah-
ren wird so ein hohler Ameisenhaufen von außen ganz
mit Gras überwachsen etc. und ist dabey so fest, daß er
mehrere Menschen auf seiner Spitze zu tragen im
Stande ist, ungeachtet die Wände selbst mit großen
[Seite 385] weiten Gängen durchzogen sind, die theils über eine
halbe Elle im Durchmesser haben. Unaufhörlich wird
in diesen Stöcken gebaut, alte Zellen abgebrochen, neue
aufgeführt, andre erweitert u.s.w. Die Zellen des Kö-
nigs und der Königin (als von welchen in jedem Stock
nur Ein Paar befindlich ist) sind im Innersten des Ge-
bäudes verborgen. Zunächst um dieselben herum wohnen
die Arbeiter, hierauf folgen die Eyerzellen für die junge
Brut und dicht bey diesen die Magazine. Diese Thiere
zerbeißen und verzehren Holzwerk, Geräthe, Häuser etc.
kurz alles außer Erzt und Stein; und können binnen
wenigen Wochen mächtige Baumstämme gleichsam ver-
nichten. Daß die befruchtete Königin 2000 Mahl dicker
und größer wird als sie vorher war, ist schon oben er-
wähnt. Sie legt dann binnen 24 Stunden auf 80000
Eyer.

63. Mutilla. Alae nullae in plerisque.
Corpus pubescens. Thorax postice retu-
sus. Aculeus reconditus punctorius.

1. Occidentalis. M. coccinea, abdomine cingulo nigro.


VI. DIPTERA.

Die Insecten mit zwey Flügeln und ein Paar
kleinen Knöpfchen oder so genannten Flügelkölb-
chen oder Balancirstangen (halteres), die hinter
den Flügeln an der Brust sitzen, und meist noch
mit einer kleinen Schuppe bedeckt sind; deren
Nutzen aber noch unbestimmt ist, und derentwe-
gen einige Naturkündiger die ganze Ordnung
[Seite 386] Halterata benannt haben. Die Larve ist meist
eine Made, die mehrentheils an faulichten, un-
reinen Orten lebt: sie schrumpft nach einiger Zeit
zusammen, und verhärtet zu einer braunen cylin-
drischen Puppe. Das vollkommene Insect hat
bey einigen Geschlechtern einen spitzigen harten
Saugestachel, bey andern einen weichen biegsa-
men Rüssel, bey noch andern gar keinen Mund
u.s.w. Einige dieser Thiere gebären lebendige
Junge.

64. Oestrus. Bremse. (Engl. gad-fly.)
Os nullum, punctis tribus, absque pro-
boscide aut rostro exserto.

Bey den zunächst benannten Gattungen legt das
Weibchen seine Eyer in die Haut der lebendigen Thiere, wo-
durch eine Geschwulst und Geschwür (die so genannte
Daßelbeule) entsteht, in welchem sich die Larve (der
Engerling) ernährt.

1. †. Bouis. die Ochsenbremse. O. niger, alis imma-
culatis, thorace apice antice posticeque pilis griseis,
abdomine antice pilis griseis apiceque flauo – fuluis. *

Sulzers Gesch. tab. XXVIII. fig. 1.

2. Tarandi. die Rennthierbremse. O. alis immaculatis,
thorace flauo fascia nigra, abdomine fuluo apice flauo
.

3. †. Haemorrhoidalis. die Pferdebremse. O. fuluo gri-
seus, thorace fascia transuersa nigra, alis maculatis
pedibus fuluis. *.

Frisch P. V. tab. VII.

Ein für die Pferde lästiges, auch wohl gar tödtliches
Thier. Das Weibchen soll wie man versichert die Zeit
[Seite 387] abpassen, wann das Pferd sich seines Unraths entledigt,
und ihm seine Eyer ans Ende des Mastdarms legen,
und von da sollen die daraus kommenden jungen Larven
durch die 84 Fuß langen Gedärme des Pferds in dessen
Magen gelangen, wo man sie allerdings oft zu mehrern
Hunderten, bis zur Größe eines Dattelkerns, und mit
ihren Häkchen an der innern Haut des Magens befestigt,
vorfindet. Von da sollen sie dann, wann sich die Zeit
ihrer Verwandlung herbey nahet, denselben langen fin-
stern Weg, durch den sie gekommen, zurück kriechen,
sich selbst aus dem Hintern des Pferdes heraus stürzen,
sich augenblicklich in die Erde bohren, und hiermit
verwandeln etc.

4. †. Ouis. die Schafbremse. O. alis subpunctatis, ab-
domine albo nigroque versicolore. *

Reaumur vol. IV. tab. XXXV. fig. 21. 22.

In den Stirnhöhlen der Hirsche, Rehe, Ziegen, und
vorzüglich der Schafe.

65. Tipula. Schnacke. (Engl. crane-fly.)
Os capitis elongati maxilla superiore for-
nicata: palpi duo incurui capite longio-
res. Proboscis recuruata breuissima
.

Aeußerst dauerhafte Insecten, deren Larven sogar
in Schwefelwassern leben können, und die H. de Luc in
einer Höhe von 1560 Toisen über der Meeresfläche an-
getroffen, wo sie folglich wohl unter allen Thieren auf
unsrer Erde am höchsten lebten.

Der berüchtigte so genannte Heerwurm, eine Art
von Erdmast der wilden Sauen, besteht aus einem in
der That bewundernswürdigen Zuge von vielen tausend
[Seite 388] dicht an einander kriechenden kaum einen halben Zoll
langen Schnaken-Maden, welcher Zug zuweilen wohl
12, Ellen lang, Hände breit und Daumens hoch ist, und
so in Wäldern an feuchten Gegenden im Sommer in
größter regelmäßigster Ordnung umher zieht*).

1. †. Oleracea. T. alis hyalinis, costa marginali fusca. *

Frisch P. IV. tab. XII.

Die Larve thut an den Pflanzenwurzeln, zumahl am
Gemüse viel Schaden.

2. †. Plumosa. T. thorace virescente, alis hyalinis puncto
nigro
. *

Frisch P. XI. tab. III. XII.

Ihre bluthrothe Larve lebt im Wasser und ist eine
Speise der Armpolypen.

3. †. Phalaenoides. T. alis deflexis cinereis ouato-lan-
ceolatis ciliatis
. *

Frisch P. X. tab. III. XI.

Ein kleines Thier, das meist an dumpfigen Orten,
Abtritten etc. lebt.

66. Musca. Fliege. (Fr. mouche. Engl. fly.)
Os proboscide carnosa: labiis 2 laterali-
bus: palpi nulli
.

1. †. Vomitoria. die Schmeißfliege. M. antennis plumatis
pilosa, thorace nigro, abdomine caeruleo nitente
. *

2. †. Carnaria. M. antennis plumatis pilosa nigra, tho-
race lineis pallidioribus, abdomine nitidulo tesselato:
oculis rubris
. *

Frisch P. VII. tab. XIV.

Gebiert lebendige Maden.

[Seite 389]

3. †. Domestica. die Stubenfliege. M. antennis pluma-
tis, pilosa nigra, thorace lineis
5 obsoletis, abdomine
nitidulo tesselato, oculis fuscis
. *

(v. Gleichen) Gesch. der gemeinen Stubenfliege.
(Nürnb.) 1784. 4.

Findet sich fast auf der ganzen Erde; und in theils
Gegenden, wie auf Taheiti, Neuholland, am Cap etc.
in unsäglich lästiger Menge. Bey der Paarung nimmt
das Männchen die Geschlechtstheile des Weibchen in
eine dazu bestimmte Vertiefung seines Hinterleibes auf.
Das so befruchtete Weibchen legt dann seine 80 oder
mehr Eyer in Ställe, Misthaufen. – Um ihre Puppen-
hülse aufzusprengen, kann die zum Auskriechen reife
Fliege ihre Stirne wie zu einer Blase auftreiben.

4. †. Cellaris. (vinulus, conops) M. antennis setariis
pilosa nigra, alis neruosis, oculis ferrugineis
. *

Reaumur vol. V. tab. VIII. fig. 7.

Sehr kleine Thierchen, in Weinkellern und überhaupt
auf süßlichen gährenden Früchten etc.

5. †. Meteorica. M. antennis setariis pilosa nigra abdo-
mine subcinereo, alis basi subflauis, oculis brunneis
. *

In Gärten und Wäldern, haben einen hüpfenden son-
derbaren Flug.

6. †. Putris. M. antennis setariis, subpilosa atra, alarum
costa nigra, oculis ferrugineis
. *

Frisch P. I. tab. VII.

Die Made lebt im faulem Käse.

67. Tabanus. Blinde Fliege, Breme. (Fr.
taon) Os proboscide carnosa, terminata
labiis duobus. Rostro palpis duobus,
[Seite 390] subulatis, proboscidi lateralibus, paral-
lelis
.

1. †. Bouinus. T. oculis virescentibus, abdominis dorso
maculis albis trigonis longitudinalibus. *

Reaumur vol. IV. tab. XVII. fig. 8.

68. Culex. Os aculeis setaceis intra va-
ginam flexilem
.

1. †. Pipiens. die Mücke, Schnake, Moskite. (Fr. le
cousin
. Engl. the gnat.) C. cinereus abdomine an-
nulis fuscis
8. *

Kleemanns Beytr. zu Rösel T. I. tab. XV. XVI.

Das beschwerliche Thier hält sich zumahl häufig am
Wasser auf. In vielen heißen Erdstrichen, wo ohnedieß
alle Insectenstiche (wie bey uns in brennenden Sommer-
tagen) weit heftigere Entzündung verursachen, sind
diese Thiere, die dort Moskiten genannt werden, in
unsäglicher Menge, und werden daher für Seefahrer
oft eine recht gefährliche Plage. Unkundige Reisende
belegen aber auch wohl überhaupt alle Mückenartige
stechende Insecten mit dem gemeinschaftlichen Nahmen
von Moskiten.

2. Reptans. die Beißfliege, Kolumbachische Mücke.
C. niger, alis hyalinis, pedibus nigris annulo albo.

Im gebirgigen Lappland, im südlichen Sibirien, vor
allen aber im Bannat, wo sie zwey Mahl im Jahre,
im Frühjahr und Sommer, in unermeßlichen Scharen
erscheint und den Pferden u.a. Vieh zu allen Oeffnungen
des Körpers einkriecht, daß es davon oft in wenigen
Minuten sterben muß. Auch den Menschen werden sie
[Seite 391] dann wenigstens äußerst lästig, wenn auch nicht so ge-
fährlich.

69. Empis. Os rostro corneo, inflexo,
bivalvi, thorace longiore. Valuulis ho-
rizontalibus
.

1. †. Pennipes. E. antennis filatis, nigra, pedibus po-
sticis longis: alterius sexus pennatis
. *

Sulzers Kennz. tab. XXI. fig. 137.

70. Conops. Stechfliege, Pferdestecher.
Os rostro porrecto geniculato.

1. †. Calcitrans. C. antennis subplumatis, cinerea gla-
bra ouata
. *

Sulzers Kennz. tab. XXI. fig. 138.

Hat ganz die Bildung der Stubenfliege, nur statt des
Rüssels den hervor ragenden Stachel. Sie kommt nur
wenn es regnen will in Häuser, fliegt niedrig, und
setzt sich auch bloß an die Beine, so wie sie draußen auf
der Weide sich an die Füße des Viehes zu setzen gewohnt
ist, das daher so unruhig wird und aufstampft.

71. Asilus. Raubfliege. Os rostro cor-
neo porrecto, recto biualui
.

1. †. Cabroniformis. A. abdomine tomentoso, antice
segmentis tribus nigris, postice flauo inflexo
. *

Frisch P. III. tab. VIII.

72. Bombylius. Schwebfliege (Fr. bour-
don
. Engl. buzz-fly.) Os rostro porrecto,
setaceo, longissimo, biualui: valuulis ho-
rizontalibus, intra quas aculei setacei
.

[Seite 392]

1. †. Maior. B. alis dimidiato-nigris. *

Sulzers Gesch. tab. XXVIII. fig. 22.

73. Hippobosca. (Fr. mouche-araignée.)
Os rostro biualui, cylindrico, obtuso, nu-
tante. Pedes vnguibus pluribus
.

1. †. Equina. die Pferdelaus. (Engl. the horse-leech.)
H. alis obtusis, thorace albo variegato, pedibus tetra-
dactylis
. *

Sulzers Kennz. tab. XXI. fig. 141.

Die trächtige Mutter wird ungeheuer dick, und legt
nur ein einziges Ey oder vielmehr eine Puppe, in wel-
cher sich in den ersten Wochen nichts als ein weißer
Saft zeigt, der nachher gleich zum erwachsenen Thier
gebildet wird, das nach einiger Zeit als vollkommenes
geflügeltes Insect auskriecht.

2. †. Ouina. die Schaflaus. H. alis nullis. *

Frisch P. V. tab. XVIII.

Ein ungeflügeltes Insect, das doch wegen seines gan-
zen übrigen Habitus diese Stelle behauptet. Es lebt
in der Wolle der Schafe, die davon grün wird.


VII. APTERA.

Die gänzlich ungeflügelten Insecten. Sie
sind in Rücksicht der Größe, Bildung, Aufent-
halt, Nahrung, Freßwerkzeuge, Anzahl und
Länge der Füße, der Augen u.s.w. gar sehr ver-
schieden. Theils legen sie Eyer, theils gebären
sie lebendige Junge. Den Floh ausgenommen,
[Seite 393] bestehen die übrigen keine andre Verwandlung,
als daß sie sich meist einige Mahl häuten. –
Vermuthlich liegt hierin ein Grund warum die
Zergliederung derjenigen Insecten dieser Ord-
nung, die man genau zerlegen kann, wie z. E.
der Krebse, Spinnen etc. so sehr große Abwei-
chungen vom innern Bau der Raupen, Käfer,
Bienen etc. zeigt.

74. Lepisma. Pedes 6 cursorii. Os pal-
pis
2 setaceis et 2 capitatis. Cauda setosa
setis extensis. Corpus squamis imbri-
catum
.

1. †. Saccharina. der Zuckergast, das Fischchen. (forbi-
cina) L. squamosa, cauda triplici
. *

Sulzers Kennz. tab. XXII. fig. 142.

Ist eigentlich in America zu Hause, aber nun schon
fast in ganz Europa einheimisch.

75. Podura. (Engl. spring-tail.) Pe-
des
6 cursorii. Oculi 2 compositi ex
octonis. Cauda bifurca, saltatrix, inflexa.
Antennae setaceae elongatae
.

1. †. Fimetaria. P. terrestris alba. *

Oft haufenweise unter Blumentöpfen.

76. Termiculus. Pedes 6 cursorii.
Oculi
2. Antennae setaceae. Os maxillis
duabus.

1. †. Pulsatorius. die Papierlaus, Holzlaus. (Fr. le
pou du bois
.) S. abdomine oblongo, ore rubro, oculis
luteis.
*

[Seite 394]

Sulzers Gesch. tab. XXIX. fig. 3.

In Büchern, alten Papieren, auch in Holz.

77. Pediculus. Laus. (Fr. pou. Engl.
louse.) Pedes 6 ambulatorii, oculi 2. Os
aculeo exserendo. Antennae longitudine
thoracis. Abdomen depressum sublo-
batum
.

Vielleicht eines der weitläufigsten aller Thiergeschlech-
ter. Die mehresten Säugethiere und Vögel mögen wohl
ihre Läuse haben: und selbst Fische, ja sogar manche
Insecten, wie die Bienen etc. sind damit geplagt.*)

1. †. Humanus. die Laus. P. humanus. *

Swammerdam bibl. nat. tab. 1. fig. 3–6.

Das ekelhafte Thier kann sich so schnell und häufig
vermehren, daß es dann nicht nur der Reinlichkeit, son-
dern auch der Gesundheit selbst äußerst nachtheilig wird.
Es scheint sich auf keinem andern Thiere als beym
Menschen, und auch vielleicht nicht unter allen Him-
melsstrichen zu finden. Cook bemerkte z.B. keine bey
den Neuholländern. Bey den Mohren sind die Läuse
schwarz: daß sie sich aber, wie Oviedo u.a. behaupten,
auf den Schiffen verlören, wenn diese die Linie passiren,
ist leider eine Fabel.

2. †. Pubis. (morpio.) P. pubis. *

Redi l. c. tab. XIX. fig. 1.

Am Unterleibe unreinlicher Menschen.

[Seite 395]

78. Pulex. Floh. (Fr. puce. Engl. flea.)
Pedes 6 saltatorii: oculi 2. Antennae
filiformes. Os rostro inflexo, setaceo,
aculeum recondente. Abdomen com-
pressum
.

1. †. Irritans. der Floh. P. proboscide corpore breuiore. *

Rösel vol. II. Mücken etc. tab. II. III. IV.

Der Floh findet sich außer dem Menschen auch auf
Hunden, Füchsen, Katzen, Hasen, Eichhörnchen, Igeln etc.
doch nicht im äußerstem Norden, wie an der Baffins-
bay, und nur sehr einzeln auf manchen westindischen In-
seln (z.B. auf Martinicke) etc. Er kann wenigstens auf
6 Jahr alt werden.

2. Penetrans. der Sandfloh, die Tschike, Nigua, Ton,
Attun. P. proboscide corporis longitudine.

Catesby N. H. of Carolina. III. tab. X. fig. 3.

Ein äußerst lästiges Thier im mittlern America, äh-
nelt dem gemeinen Floh in der Bildung und in den
Sprüngen, ist aber kleiner; hält sich besonders im
Staube auf, und legt seine Eyer den Menschen unter
die Nägel der Fußzehen, wodurch heftige und zuweilen
in Brand übergehende Entzündungen entstehen.

79. Acarus. Milbe. (Fr. tique. Engl. tick.)
Pedes 8. Oculi 2 ad latera capitis. Ten-
tacula
2 articulata, pediformia.

Ein großes Geschlecht von zahlreichen Gattungen, die
sich theils wie die Läufe auf andern Thieren, theils aber
auch in alten Milchgeschirren, an Bierfässern, auf
Pilzen u.s.w. finden.

[Seite 396]

1. †. Ricinus. A. globoso-ouatus: macula baseos ro-
tunda: antennis clauatis
. *

Frisch P. V. tab. XIX.

2. †. Siro. Käsemilbe, Miete. (Fr. le ciron, la mite.)
A. lateribus sublobatis, pedibus 4 posticis longissimis,
femoribus capiteque ferrugineis, abdomine setoso
. *

In Mehl, Käserinden, rohen Schinken etc. Sie wird
nur mit 3 Paar Füßen gebohren, und das 4te wächst
erst nachher dazu.

80. Hydrachna. Wasserspinne, Wasser-
milbe. Pedes 8. Palpi 2 articulati. Oculi
2, 4, 6. Caput, thorax, abdomenque vnita.

Alle bis jetzt bekannten zahlreichen Gattungen dieses
zuerst vom sel. Etats-Roth Müller bestimmten Ge-
schlechts*) leben in stehenden süßen Wassern.

1. †. Despiciens. (acarus aquaticus Linn.) H. rubra
rotundata maculis pluribus; oculis inferis
. *

Frisch P. VIII. tab. III.

Fast wie eine kleine blutrothe Spinne. Sehr leb-
haft in ihren Bewegungen.

81. Phalangium. Pedes 8. Oculi ver-
ticis
2 contigui, 2 laterales. Frons anten-
nis pediformibus. Abdomen rotundatum
.

1. †. Opilio. der Weberknecht, Schuster, Geist, Tod,
Haberhauer, die Holzspinne, Habergeis. (Fr. le
faucheur.
) P. abdomine ouato; subtus albo
. *

Sulzers Kennz. tab. XXII. fig. 140.

[Seite 397]

Ein animal nocturnum. Die ausgerißnen Beine zei-
gen noch Stundenlang Lebenskraft und Bewegung.
Die Augen sitzen dem Thiere zwischen den Schultern.

2. †. Cancroides. der Bücherscorpion. (Fr. le scorpion
araignée
.) P. abdomine obouato depresso, chelis lae-
vibus, digitis pilosis
. *

Rösel vol. III. tab. LXIV.

In altem Papier etc. Sieht wegen des flachen platt-
gedruckten Körpers und der langen Scheeren sonderbar
aus. Kriecht rücklings und vorwärts wie ein Krebs.

3. †. Balaenarum. die Wallfischlaus. P. abdomine di-
latato muricato, rostro subulato
. *

Pennant's british zoology P. IV. tab. XVIII.
fig. 7.

Darf nicht mit dem oniscus ceti verwechselt werden.

82. Aranea. Spinne, Kanker. (Fr. araignée.
Engl. spider.) Pedes 8. Oculi 8. (plerisque)
Os unguibus s. retinaculis
2. Anus papillis
textoriis
.

Ein ansehnliches Geschlecht von zahlreichen Gattun-
gen*), die sich meines Wissens alle bloß von lebendigen
Thieren, zumahl Insecten, nähren; auch einander selbst
auffressen. Daß sich doch auch selbst diese Thiere kirre
machen lassen, und ihre Wohlthäter kennen lernen, ha-
ben der Graf Lauzun im Gefängniß zu Pignerol, und
Pelisson in der Bastille erfahren. Die mehresten Spin-
nen weben sich ein Gespinnst, dessen regelmäßige Anlage
sowohl als die Festigkeit, womit es Wind und Wetter
[Seite 398] aushält, bewundernswürdig ist. Auch hat man mehr-
mahlen den freylich seltsamen Einfall im Kleinen aus-
geführt aus Spinnewebe, und besonders aus dem Eyer-
gespinste der Kreuzspinnen, eine Art Seide zu verarbei-
ten. – Der so genannte fliegende Sommer (Mädchen-
Sommer, Mariengarn etc.) ist wenigstens größtentheils
kleinen Spinnen zu zuschreiben, die zumahl im Frühjahr
häufigst an Hecken und Büschen umher weben.

1. †. Diadema. die Kreuzspinne. A. abdomine sub-
globoso rubro-fusco; cruce alba punctata
. *

Rösel vol. IV. tab. XXXV–XL.

2. †. Domestica. die Fensterspinne. A. abdomine ouato
fusco: maculis nigris
5 subcontiguis: anterioribus
maioribus
. *

Clerck tab. II. fig. 9.

3. †. Scenica. (Fr. l'araignée sauteuse.) A. saliens nigra:
lineis semicircularibus
3 albis transuersis. *

Clerck tab. V. fig. 13.

Auf Dächern etc. Sie hüpft: macht aber kein Ge-
spinnst.

4. †. Saccata. A. abdomine ouato ferrugineo fusco. *

Frisch P. VIII. tab. III.

Sie trägt ihre Eyer in einem Sacke am Hinterleibe
mit sich umher, und wagt mit einer beyspiellosen Zärt-
lichkeit ihr Leben, um ihn, wenn er ihr mit Gewalt
entrissen wird, zu retten*).

5. Avicularia. die Buschspinne. A. thorace orbiculato
conuexo: centro transuerse excuato
. *

Kleemanns Beytr. zu Rösel T. I. tab. XI. XII.

[Seite 399]

Theils in Westindien. Von der Größe einer kleinen
Kinderfaust. Die Fußsohlen schillern in bunte Goldfar-
ben. Sie tödtet Colibrite, und saugt ihre Eyer aus.
Ihr Biß kann auch bey Menschen gefahrvolle Entzün-
dung verursachen.

6. Spithamea. A. abdomine oblongo, pedibus longissimis. *

Seba thesaur. vol. IV. tab. XCIX. fig. 9.?

In Ostindien. Mit ausgestreckten Beinen vom Um-
fang einer ausgespannten Hand.

7. Tarantula. A. fusca, subtus atra, pedibus subtus
atro fasciatis
. *

G. Baglivi diff. de tarantula. fig. 1. 2.

In Apulien. Die Fabeln von den unausbleiblichen
Folgen ihres Bisses und den musicalischen Heilungs-
mitteln dagegen lösen sich dahin auf, daß es theils Ein-
bildungen hypochondrischer und hysterischer Patienten;
mehrentheils aber armselige Betteleyen seyn mögen,
womit sich leichtgläubige Reisende haben hintergehen
lassen. So viel ist indeß richtig daß diese Spinne, die
sich auf dem Felde in kleinen Erdhöhlen aufhält, den
Schnittern zur Erntezeit durch ihren Biß lästig wird:
und so wie alle Insectenstiche etc. im brennenden Som-
mer gefährlich werden (zuweilen wohl eine Art Veits-
Tanz erregen) können, so auch freylich wohl der Ta-
rantel-Biß.

83. Scorpio. Pedes 8. insuper chelae
2 frontales. Oculi 2 in tergo. Palpi 2
cheliformes. Cauda elongata articulata
terminata mucrone arcuato. Pectines
2
subtus inter pectus et abdomen.

[Seite 400]

Der Scorpion hat in der Bildung und Lebensart
manches mit den Krebs gemein, auch wirft er, so wie
dieser, jährlich ihre Schale ab. Der kleine Europäi-
sche ist, wenn nicht gerade schwüle Sonnenhitze u.a.
dergl. Umstände dazu kommen, ziemlich unschädlich. Auch
der Ostindischen Stich ist oft weniger gefährlich als ein
Bienenstich*). Hingegen verursacht der von den Per-
sianischen, und so auch von den Westindischen Scor-
pionen leicht den Brand.

1. Afer. S. pectinibus 13 dentatis, manibus subcorda-
tis pilosis. *

Rösel vol. III. tab. LXV.

2. †. Europaeus. S. pectinibus 18 dentatis, manibus
angulatis
. *

Rösel vol. III. tab. LXVI. fig. 1. 2.

84. Cancer. Krebs. (Fr. cancre. Engl.
crab.) Pedes 8. insuper manus 2 chela-
tae. Oculi
2 distantes, plerisque pedun-
culati, elongati mobiles. Palpi
2 cheli-
feri. Cauda articulata inermis
.

Ein weitläuftiges Geschlecht, dessen Gattungen nach
der verschieden Länge und Bedeckung des Schwanzes,
von Linné in folgende drey Familien abgetheilt wor-
den