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Handbuch
der
Naturgeschichte.

Mit Kupfern.

Multa fiunt eadem sed aliter.
(qvintilian.)

Dritte sehr verbesserte Ausgabe.

Göttingen,
bey Johann Christian Dieterich,

1788
.
[titlePage_verso]
Ex
Bibliotheca
Regia Acad.
Georgiæ
Aug:

Vorrede.

[[III]]

Ich habe bey dieser neuen Auflage
meinen möglichsten Fleiß ange-
wandt, die Mängel der vorigen zu
verbessern, und das wichtigste von
dem Zuwachs den die Naturgeschichte
in den letzten Jahren erhalten, nach-
zutragen. Um aber das Buch doch
nicht anzuschwellen habe ich mich da-
gegen hin und wieder mehr als bey
den vorigen Ausgaben ins kurze ge-
faßt. Ueberhaupt aber darf wohl
[Seite IV] ein Handbuch der N. G., wenn es
nemlich auch als Leitfaden zum aca-
demischen Vortrage brauchbar seyn
soll, wohl nicht viel kürzer seyn.
Denn da es die Natur der Sache
mit sich bringt, daß bey weiten der
größte Theil der Zuhörer doch nicht
mehr als einen halbjährigen Cursus
auf diese so viel umfassende Wissen-
schaft wenden kan, so muß das Com-
pendium an den wichtigsten Gegen-
ständen derselben so reichhaltig als
möglich seyn, damit die kurze Zeit
des mündlichen Vortrags zur nöthigen
Erläuterung des Buchs, zur Anlei-
tung zum fernern Gebrauch desselben,
und zur Mittheilung der anschaulichen
Kenntnisse durch Vorzeigung der Na-
turalien selbst oder wo das nicht geht
durch treue deutliche Abbildungen etc.
benutzt werden kan.

[Seite V]

Auch dadurch habe ich dieser neuen
Ausgabe einen kleinen Vorzug vor den
vorhergehenden zu geben gesucht, daß
ich am Ende jedes Abschnitts die wich-
tigsten Schriftsteller darüber ange-
führt, auch durchgehends wo es nö-
thig schien bey jeder Gattung eine
treue Abbildung citirt, und die fran-
zösischen und englischen Namen bey-
gefügt habe.

Vorzüglich habe ich im Thierreich
manche nützliche physiologische Be-
merkung aus der anatome comparata
etc
. beygebracht; so auch den Ab-
schnitt von der Physiologie und dem
Nutzen der Gewächse erweitert; be-
sonders aber haben wohl die Ab-
schnitte von der allgemeinen Minera-
logie und von den Versteinerungen
(und der Behandlungsart wodurch das
[Seite VI] sonst sterile Studium der letztern sehr
fruchtbar werden kan) beträchtliche
Verbesserungen erhalten.

An der Ordnung im Ganzen habe
ich nichts zu ändern gefunden, einiges
weniges ausgenommen; da man es
z.B. gut heißen wird, daß ich die
Linnéischen nantes von den Amphi-
bien getrennt und wieder zu den
Fischen gebracht: und hingegen die
Dachsartigen Thiere die man sonst
bald zu den Bären bald zu den viuer-
ris
zog, in einem eignen Geschlechte
verbunden habe. Da ich die weißen
Ameisen von den Papirläusen trennen
mußte, so habe ich jenen den Ge-
schlechtsnamen termes gelassen und
dagegen das Geschlecht der letztern
zum Unterschied termiculus genannt.

[Seite VII]

Daß ich das Wort genus immer
durch Geschlecht, und hingegen spe-
cies
durch Gattung übersetze, dafür
habe ich nicht nur die Autorität des
Hrn. v. Haller u.a. Claßiker in die-
sem Fache, sondern noch zwey Autori-
täten ganz andrer Art, den gemeinen
Sprachgebrauch nemlich und gewis-
sermaßen die Natur selbst, vor mir.

Die Natur zeigt (wenigstens im
gewöhnlichen Laufe, de regula), daß
nur die Thiere von einer species sich
mit einander gatten; und daß genus
auch Geschlecht bedeutet lernen wir in
den Kinderjahren in der Grammatik
beym Unterschied der Worte generis
masculini
oder foeminini etc.

Beym Thierreich ist denjenigen
Gattungen die sich in Deutschland
[Seite VIII] finden, wieder so wie in den vorigen
Ausgaben ein † vorgesetzt: und ein *
am Ende des lateinischen Characters
bedeutet, daß ich das ganze Thier im
hiesigen academischen Museo oder
sonst wo gesehen habe.

Göttingen,
den 1ten März 1788.
J. F. Blumenbach.

Verbesserungen und Zusätze.

[Seite IX]

S. 17 lese man die beiden ersten Zeilen so:
erreichen früh die bestimmte Größe ihres Kör-
pers, und dann ist ihr

S. 45 letzte Zeile, l. doch daß die Hinter-
floßen ohne Knochen sind, und horizontal,
nicht wie

S. 46. Z. 13. l. incisores.

Der S. 67. Z. 9 u. f. angegebene Umstand hat,
wie ich nun von kundigen Augenzeugen weis, seine
vollkommenste Richtigkeit.

S. 77. Z. 19. l. Baikal

S. 84. Z. 12. l. Sagen

S. 86. Z. 1. 2. st. ebenfalls in Südamerica l.
im ganzen wärmern America

S. 97. Z. 11. setze hinzu: Eisbär.

S. 141. Z. 16. l. Sein Fang

S. 145. Z. 7 vom Ende werden die Worte
– und Junius – ausgestrichen.

[Seite X]

S. 192. Zu Lösung des scheinbaren Wieder-
spruchs, daß vom Albatros gesagt wird er lebe
außerhalb der Wendecirkel und nähre sich doch
großentheils von fliegenden Fischen, muß ich zu-
setzen daß zwar die eigentliche Heimat dieser Vögel
außerhalb der Wendecirkel zu seyn scheint, daß sie
aber bey ihren Zügen den ganzen Ocean von Sü-
den nach Norden und v. v. durchstreichen, und sich
da von fliegenden Fischen nähren. – Vergl. Pen-
nant's arctic Zoology T. II. pag. 507.

S. 193. Z. 10. l. hat in der Bildung und
Lebensart viel ähnliches mit

S. 197. Z. 9. statt: und liegt in diesem l. und
dieser liegt in jenem

S. 214. Z. 13 wird das Wort äußersten aus-
gestrichen.

Ebendas. Z. 27. l. pattu.

S. 223. Z. 8. setze noch ein Synonym hinzu:
Mook.

S. 293. Z. 17. l. Rochen.

S. 298. Z. 9. l. old wife.

S. 333. Z. 11. l. man wird zumal im
Sommer kaum eine

[Seite XI]

S. 343. Z. 3. vom Ende werden die Worte
– die Wanzen – ausgestrichen.

S. 361. Z. 5. v. E. l. attelabvs.

S. 376. Z. 7. 8. v. E. werden ausgestrichen da
sie nichts dem Heupferd eignes enthalten.

S. 381. zu Z. 17. – Eine ähnliche Bemerkung
hat aber auch schon Swammerdam bey dem Hielän-
dischen grauen Wasserscorpion gemacht. s. Dess.
biblia naturae T. I. pag. 230. tab. III. fig. 4. 5.

S. 389. Z. 12. v. E. st. schon l. schön

S. 473. Z. 3. 4. l. werden ihnen, wie schon
die Alten wußten, leicht reproducirt.

S. 547. Z. 10. die Brodfrucht wird doch nicht
ganz roh gegessen sondern erst geschält und geröstet.

S. 550. Z. 2. v. E. statt vorzüglich l. am
meisten

S. 574. Z. 12. 13. v. E. st. gelblichtes l. ge-
bleichtes

S. 621. Z. 17. l. zinci

[Seite XII]

Ein paar wichtige Gattungen von Thieren
müssen auch noch nachgetragen werden.

S. 124. nach Z. 14. – 5. Moschatus. Der
Bisamstier. (Fr. le boeuf musquè. Engl. the
musk-ox
.) B. cornuum deflexorum basibus la-
tissimis complanatis ad frontem contiguis; apici-
bus reflexis
.

pennant's arctic Zool. T. I. tab. VII.

Dieses Thier das sich schon durch die ganz
eigne Bildung seiner Hörner (wovon ein Paar zu-
weilen über 1/2 Centner wiegen soll) auszeichnet,
wird vor allen durch sein Vaterland äußerst merk-
würdig, das blos aufs äußerste Nordamerica im
Westen der Hudsonsbay vom 66 bis 73° der
Breite eingeschränkt ist.

S. 200. nach Z. 6. – 3. * Garzetta. (Fr.
l'aigrette) A. occipite cristato, corpore albo,
rostro nigro, loris pedibusque virescentibus
.

buffon T. VII. tab. XX.

Diese Gattung ist im Orient zu Hause, und
hat die berühmten langen, schneeweißen seidenar-
[Seite XIII] tigen Rückenfedern, die zumal von den Persianern
und Türken so theuer bezahlt, und auf dem Tur-
ban getragen werden.


Noch zu S. 8.

Ein längst gewünschtes überaus nützliches Hülfs-
mittel zum Studium der N. G., nemlich eine Er-
klärung der Linnéischen Kunstsprache, erhalte ich
so eben bey der Revision dieses Bogen:

io. reinh. forster enchiridion historiae na-
turali inseruiens, quo termini et delineationes ad
auium, piscium, insectorum et plantarum adum-
brationes intelligendas et concinnandas, secundum
methodum systematis
Linnaeani continentur.
Halae
1788. 8.

Den zweyten Theil dazu der die übrigen Fächer
der N. G. befaßt, haben wir vom jüngern Hrn.
Forster, dem Hrn. Geh. R. zu erwarten.


Anweisung der Kupfertafeln.

[Seite XIV]

Tab. I.

Fig. 1-7. die verschiednen Würmer im mensch-
lichen Körper in natürlicher Größe. – Sie sind
alle nach der Natur gezeichnet nur den Blasen-
wurm fig. 7. ausgenommen, den ich noch nicht
selbst gesehen, und daher aus Werners Schrift
entlehnt habe.

  • Fig. 1. Ascaris vermicularis (S. 459).
  • – 2. Der Vordertheil von ascaris lumbri-
    coides
    . (Ebendas.)
  • – 3. Ascaris trichuris. (S. 460.) Der Hin-
    terleib ist zu dick vorgestellt.
  • – 4. Das Kopfende der menschlichen Band-
    würmer (S. 462).
  • – 5. Vier Hinterglieder der taenia solium
    (S. 463).
  • – 6. Achtzehn Hinterglieder der taenia lata.
    (Ebendas.)
  • – 7. Hydatis humana. (Ebendas.)
  • – 8. Ein Liebespfeil der gemeinen Wald-
    schnecke (S. 454) stark vergrößert.
  • [Seite XV] Fig. 9. Ein Stamm mit drey Federbusch-Po-
    lypen, tubularia sultana (S. 511)
    stark vergrößert.
  • – 10. Ein Arm-Polype mit einem Jungen,
    hydra viridis (S. 517) in natürlicher
    Größe.
  • – 11. Ein Stamm mit zwölf Blumen-Poly-
    pen, brachionus anastatica (S. 518)
    stark vergrößert.
  • – 12. Das Räderthier, vorticella rotatoria
    (ebendas.) sehr stark vergrößert.
  • – 13. Ein menschliches Saamenthierchen,
    chaos spermaticum (S. 520) noch
    weit stärker vergrößert. Der eyför-
    mige Körper sollte schlanker, und der
    Schwanz in Verhältnis zu demselben
    etwas länger seyn.

Tab. II.

  • Fig. 1. 2. Blattrinde der Pirnblätter (S. 525)
    stark vergrößert.
  • – 3. (S. 534 u. f.)
  • – 4-11. (S. 537 u. f.)

Tab. III.

[Seite XVI]
  • Fig. 1. 2. 6. (S. 570 u. f.)
  • – 3. (S. 591.)
  • – 4. (S. 579.)
  • – 5. (S. 611.)
  • – 7. (S. 593.)
  • – 8. (S. 596.)
  • – 9. (S. 603.)
  • – 10. (S. 626.)
  • – 11. (S. 606.)
  • – 12. (S. 598) so wie das folgende sehr ver-
    kleinert.
  • – 13. Ein Bruchstück vom wahren ludus
    Helmontii
    (S. 658).
  • – 14. Ein Stück Gekrösstein von Bochnia
    (ebendas.) in natürlicher Größe.
  • – 15. Ein Bruchstück von den Doppelröhren
    (S. 675.) etwas verkleinert.

Erster Abschnitt.
Von Naturalien überhaupt
;
ihrer Eintheilung in drey Reiche
u.s.w.

[[1]]

§. 1.

Alle Dinge, die sich auf, und in unsrer
Erde finden, zeigen sich entweder in der-
selben Gestalt, in welcher sie aus der Hand der
Natur gekommen; oder so, wie sie durch Men-
schen und Thiere; zu bestimmten Absichten, oder
auch durch bloßen Zufall verändert und gleich-
sam umgeschaffen worden sind. Auf diese Ver-
schiedenheit gründet sich die bekannte Einthei-
lung aller Körper in natürliche (naturalia), und
durch Kunst verfertigte (artefacta). Dir er-
stern machen den Gegenstand der Naturge-
schichte aus, und man belegt alle Körper mit
dem Namen der Naturalien, die nur noch
keine wesentliche Veränderung durch Men-
schenhände erlitten haben. Artefacten werden
[Seite 2] werden sie blos alsdann, wenn der Mensch*)
wesentliche Veränderungen mit ihren vornimt.

Anm. Da übrigens der Begriff vom wesentlichen hier
nur relativ ist, so versteht sich von selbst, daß auch die
Grenzen zwischen Natur und Kunst nach diesem
Begriff nicht sehr streng bestimmt werden können.

§. 2.

Alle und jede natürliche Körper zeigen, 1) in
Rücksicht ihrer Entstehung, 2) ihres Wachs-
thums, und 3) ihrer Structur, eine doppelte Ver-
schiedenheit. Die einen nemlich sind allemal von
andern natürlichen Körpern ihrer Art hervorge-
bracht; so daß ihre Existenz in einer ununter-
brochenen Reihe bis zur ersten Schöpfung hin-
auf immer andere dergleichen Körper voraus-
setzt, denen sie ihr Daseyn zu danken haben.
Zweytens nehmen sie allerhand fremde Substan-
zen als Nahrungsmittel in ihren Körper auf, as-
similiren sie den Bestandtheilen desselben, und
befördern dadurch ihr Wachsthum von innen
(mittelst inniger Aneignung, intus susceptio,
expansio
). Diese beiden Eigenschaften setzen
drittens von selbst eine besondere Structur bey
dieser Art von natürlichen Körpern voraus. Sie
[Seite 3] müssen nemlich, wenn sie auf diese Weise Nah-
rungsmittel zu sich nehmen und mit der Zeit an-
dere Geschöpfe ihrer Art wieder hervorbringen
sollen, mancherley Gefäße und Organe in ihrem
Körper haben, die zur Assimilation dieser Ali-
mente, zur Erzeugung ihrer Nachkommenschaft
u.s.w. nothwendig sind.

Dieß alles fehlt bey den natürlichen Körpern
der andern Art, nemlich den Mineralien. Bei-
des, sowol ihre Entstehung, als ihr Wachsthum,
wenn man es gar nur Wachsthum nennen darf,
wird keineswegs durch Ernährung, sondern le-
diglich durch Anhäufung oder Ansatz homogener
Theile von außen (aggregatio, iuxta positio)
bewirkt; und sie bedürfen folglich auch keines or-
ganisirten Körperbaues, keiner solcher Gefäße etc.
als die Eigenschaften der natürlichen Körper der
ersten Art unumgänglich erfoderten.

Und eben deshalb heisen jene organisirte,
die letztern aber, unorganisirte Körper.

§. 3.

Endlich sind nun auch die organisirten Kör-
per selbst, theils in der Art wie sie ihre Nah-
rungsmittel zu sich nehmen, theils in Rücksicht
ihrer Bewegung, von einer doppelten Verschie-
denheit. Die Einen nemlich ziehen einen sehr
einfachen Nahrungssaft durch zahlreiche kleine
[Seite 4] Oeffnungen, die sich am einen Ende ihres Kör-
pers befinden, in sich: da hingegen die Andern
eine einfache, aber nach Verhältnis ungleich
größere Oeffnung an sich haben, die zu einem
geräumigen Schlauche führt, wohin sie ihre
Alimente, die von sehr verschiedener Art sind,
bringen; die aber alsdann erst noch vielerley Ver-
änderungen erleiden müssen, ehe sie zur Nutri-
tion geschickt werden. Diese letztern äussern zu-
dem noch willkürliche Bewegung ihrer Glied-
maßen, die den erstern völlig mangelt, und zei-
gen dadurch daß sie beseelt sind. Jenes sind die
Pflanzen, dieses die Thiere.

Anm. Hingegen giebt die Fähigkeit den Standpunkt
zu verändern (locomotiuitas) kein hinreichendes Un-
terscheidungszeichen der Thiere von den Pflanzen,
ab. Denn viele Pflanzen, wie z.B. die gemeinen
Wasserlinsen, sind nicht festgewurzelt, sondern
können zu gewissen Jahrszeiten etc. ihren Aufent-
halt verändern, bald zu Boden sinken, bald wie-
der auf die Oberfläche des Wassers steigen u.s.w.
Und hingegen giebt es ganze Geschlechter von Was-
serthieren, zumal unter den Conchylien, Coral-
len etc. die ihren einmal eingenommenen Platz nie
von selbst wieder verlassen können.

§. 4.

Diese sehr faßliche Eintheilung der natürli-
chen Körper in organisirte und unorganisirte
(§. 2.), und der organisirten wieder unter einan-
der (§. 3.), ist nun der Grund der bekannten drey
Reiche, worunter man die Naturalien sehr schick-
[Seite 5] lich gebracht hat, und wovon das erste die Thiere,
das zweyte die Pflanzen, das dritte die Minera-
lien begreift.

Die Thiere sind folglich nach dem was oben
gesagt worden, belebte und beseelte organisirte
Körper, die erstens willkührliche Bewegung be-
sitzen, und zweytens ihre Nahrungsmittel durch
den Mund in den Magen bringen, wo der nahr-
hafteste Theil davon abgesondert und zur Nutri-
tion verwandt wird.

Die Pflanzen sind zwar ebenfalls organi-
sirte Körper, aber blos belebt, so daß ihnen die
willkührliche Bewegung gänzlich mangelt, und
die zweytens ihren Nahrungssaft durch Wurzeln
einsaugen, nicht so wie die Thiere ihre Speisen
durch eine besondere einfache Oeffnung zu sich
nehmen.

Die Mineralien endlich sind unbelebte und
unorganisirte Körper, die blos dadurch entstehen,
daß einfache feste Theile durch Ansatz von aussen
zusammen gehäuft, und mit einander verbun-
den werden.

Anm. Gegen diese Eintheilung der Naturalien in die
drey Reiche sind, zumal neuerlich, Einwendungen
gemacht worden: da manche Naturforscher wenig-
stens keine bestimmte Grenzen zwischen dem Thier-
und Pflanzenreich haben zugeben wollen: andere
aber überhaupt geläugnet haben, daß dergleichen
Grenzen zwischen den sogenannten Naturreichen,
[Seite 6] geschweige zwischen den Classen etc. worein jedes der-
selben wieder abgetheilt wird, in der Natur Statt
fänden.

Die erstern haben sich theils auf dies sogenannten
empfindlichen Pflanzen, theils auf die Polypen u.a.
sogenannte Pflanzenthiere berufen, die aus ver-
schiedner Rücksicht sowohl zum einen als zum an-
dern organisirten Reiche, gerechnet werden könn-
ten, folglich das Band zwischen beiden –, und
einen unmerklichen Uebergang vom einen zum an-
dern, abgäben etc.

Die andern nehmen folgends eine allgemeine
Continuität in der Natur an, deuten den Satz:
Die Natur thut keinen Sprung, dahin daß alle
Arten von erschaffenen Wesen in der Natur, in
Rücksicht ihrer Bildung, einander Stufenweise wie
Sprosse auf Sprosse in einer Leiter folgten, gleich-
sam wie Glied an Glied in einer Kette zusammen
hiengen, so daß durchaus keine andre als nur sehr
willkürliche erkünstelte Eintheilung der Naturalien
in Reiche und Classen und Ordnungen etc. statt habe.

Die erstre Einwendung schwindet sobald man
reine bestimmte Begriffe von thierischer und von
Pflanzen-Natur festgesetzt hat. So kann es wohl,
diesen Begriffen ohnbeschadet, Thiere geben, die
in manchen minder wesentlichen Eigenschaften ei-
nige Aenlichkeit mit den Gewächsen zeigen und
v. v. – Aber doch wohl schwerlich ein Ding das
willkürliche Bewegung zugleich hat und auch nicht
hat etc. Kurz kein wahres Mittelding das gleich
viel Anspruch auf einen Platz im Thierreich und
auf einen im Pflanzenreich machen könnte.

Und so ist die zweyte Einwendung eigentlich
von selbst gleich beygelegt; da folgends die Kluft
zwischen dem Pflanzen- und Mineralreich noch un-
gleich auffallender ist. – Ueberhaupt aber haben
die Bilder von Stufenfolge, von Kette, oder Lei-
ter in der Natur, zwar in sofern ihren großen Nu-
tzen, daß sie den wahren Grund eines natürlichen
[Seite 7] Systems in der N. G. abgeben, zur Erleichtung
der Methode und als Hülfsmittel fürs Gedächtnis
dienen etc. – aber sie nun wie doch oft geschieht,
dem Schöpfer in den Plan seiner Schöpfung hin-
einlegen; und die Vollkommenheit und den Zusam-
menhang derselben darin suchen zu wollen, daß die
Geschöpfe in Rücksicht ihrer Form so sein Stufen-
weise auf einander folgten, wäre doch an sich schon
eine Schwachheit, wenn sie auch nicht, wie doch
der Fall ist, durch alle Erfahrung so ganz wider-
legt würde. Denn erstens ist schlechterdings noch
kein Körper bekannt, noch auch nach den obigen
bestimmten Begriffen der drey Naturreiche denkbar,
der ein wahres Bindungsglied zwischen zweyen der-
derselben abgeben könnte. Und anderseits finden
sich hingegen, zumal im Thierreich, ganze Classen,
und zahlreiche Geschlechter von einer so auszeichnen-
den Bildung, daß man sie auch bey der sorgfältig-
sten Anlage einer solchen Leiter der Natur doch nur
mit Mühe und nicht ohne sichtlichen Zwang irgend-
wo einschieden und unterbringen kann. So isolirt
ist z.B. die Classe der Vögel, das Geschlecht der
Schweine etc. Und endlich wie soll es dann mit der
Einrollirung derjenigen Thiergattungen gehalten
werden, bey welchen die beiden Geschlechter eine
so durchaus gänzlich verschiedne Bildung haben,
wie z.B. bey den Schildläusen etc.

* * *

Haupt-Quellen zur N. G. überhaupt.

  1. aristotelis opera. gr. lat. ex ed. Gu. du Val. Paris.
    1654, IV vol. fol. zumal im IIten B.
  2. c. plinii secvndi historia mundi L. xxxvii. – ein paar
    saubere und correcte Handausgaben sind die Leid-
    ner, Elzevirische 1635. III. vol. 12. und die Zwey-
    brücker 1783. V. vol. 8.
  3. Conr. Gesner.
  4. Ulyß. Aldrovandus.
  5. Joh. Ray. Die hieher gehörigen Hauptwerke dieser
    drey Männer werden anderwärts angeführt.
  6. C. v. linné systema naturae ed. 12. Holm. 1766 IV vol.
    8. und die dazu gehörigen beiden mantissae. ib.
    1767. sq. 8.
  7. (G. L. le Clerc C. de bvffon) histoire naturelle. Die
    große Orig. Ausg. Paris, seit 1749. 4.

Miscellan-Werke.

  1. C. v. linné amoenitates academicae. Holm. seit 1749. IX.
    vol. 8.
  2. Oeuvres de ch. bonnet. Neuch. 1779 sq. 4. die ersten
    V B.

Physicotheologische und änliche Werke.

  1. jo. ray's wisdom of God manifested in the works of the
    creation
    . ed
    . 12. Glasgow. 1750. 12.
  2. w. derham's physicotheology. ed. 4. Lond. 1716. 8.
  3. (pluché) spectacle de la nature. Paris 1732. sq. 12.
    Die ersten IV B.
  4. ch. bonnet contemplation de la nature. nouv. ed. Hamb.
    1782. III vol. 8.
  5. abr. trembley instructions d'un pere à ses enfans sur la
    nature et sur la religion
    . Genev
    . 1775. II vol. 8.

Wörterbücher.

  1. valm. de bomare dictionnaire de l'histoire naturelle. Paris.
    1775. VI vol. 4.
  2. Neuer Schauplatz der Natur in alphabetischer Ordnung.
    Leipz. 1775. u. f. X B. 8.

Journale etc.

  1. (rozier) journal de physique. Paris seit 1773. 4.
  2. Der Naturforscher. Halle. seit 1773. 8.
  3. Magazin für das neuste aus der Physic und Naturge-
    schichte, herausgegeben von L. C. Lichtenberg und
    J. H. Voigt. Gotha. seit 1781. 8.

Zweyter Abschnitt.
Von den organisirten Körpern
überhaupt
.

[Seite 9]

§. 5.

Jeder organisirte Körper (§. 2.) entsteht,
lebt, und stirbt ab. Dieß sind die drey großen
Revolutionen, welche die Existenz eines jeden
Thiers oder jeder Pflanze unumgänglich voraus-
setzt, sie mögen nun wie der Baobab (Adansonia)
und die Eiche ein Alter von Jahrtausenden errei-
chen, oder wie mancher Schimmel (z.B. Embolus
carneus
hall.) binnen einer einzigen Stunde
entstehen, erwachsen, veraltern und sterben; und
wenn sie auch selbst sogleich nach der Empfäng-
nis wieder vernichtet wären, so setzt doch dieses
ihr augenblickliches Daseyn Entstehung, Leben
und Tod voraus; die man sich als eben so ver-
schiedne Epochen oder Revolutionen ihrer Exi-
stenz denken muß.

§. 6.

Jedes hier und jede Pflanze haben von der
andern Seite auch drey große Bestimmungen,
die sie schon als organisirte Körper, ohne Rück-
[Seite 10] sicht auf ihre übrigen Geschäfte, erfüllen müssen;
nemlich: sich zu nähren, zu wachten und ihres
gleichen zu zeugen. Die beiden ersten sind eben
so schlechterdings nothwendig als jene Revoluti-
onen; nur die dritte ist conditional. Das Leben
eines organisirten Körpers mag noch so kurz,
noch so augenblicklich seyn, so hätte es doch nicht
ohne Nahrung dauren können, und diese Ernäh-
rung hat Wachsthum zur Folge, sollte dieß
auch gleich noch so unmerklich gewesen seyn; die
dritte Bestimmung hingegen, oder die Fähig-
keit seines gleichen zu zeugen, kommt dem orga-
nisirten Körper nur bedingungsweise zu. Denn
erstens giebt es ganz ungezweifelt Thiere, die
erzeugt und gebohren werden, sich nähren, wach-
sen etc. und am Ende wieder absterben, ohne je
im Stande zu seyn, weder zu erzeugen, noch zu
empfangen, ohne je der Freuden der Liebe zu
genießen u.s.w. wohin z.B. die Arbeitsbienen
gehören. Zweytens aber wird auch das Zeu-
gungs-Geschäfte, bey denen organisirten Kör-
pern, die alle Fähigkeiten dazu besitzen, doch
nur in einem bestimmten. Alter ihres Lebens voll-
zogen, dahingegen Ernährung und Wachsthum
(letzteres nemlich im weitläuftigen Sinn genom-
men) lebenswierig dauern. Die also vor dem
bestimmten Alter absterben, können diese Be-
stimmung gar nie erfüllen, und die es überle-
ben, sind auch nachher unvermögend dazu.

§. 7.

[Seite 11]

Sich die Entstehung der organisirten Kör-
per zu erklären, hat man neuerlich die freylich
ganz commode Lehre der Evolution angenom-
men, und gemeynt, es werde kein Mensch und
kein Thier und keine Pflanze in der Welt er-
zeugt, sondern sie lägen alle schon seit der er-
sten Schöpfuug als völlig präformirte Keime
bey ihren Eltern und Vorfahren längstens vor-
räthig; die verschiedenen Generationen streckten,
gleichsam wie eingepackte Schachteln in einan-
der, und würden nur nach und nach so wie die
Reihe an sie käme durch die Befruchtung ent-
wickelt und ans Licht gebracht. Manche Ge-
lehrte haben diese Keime im väterlichen, andere
hingegen haben sie im mütterlichen Zeugungs-
stoffe gesucht. Jene glaubten sie also bey den
Thieren in den sogenannten Saamenthiergen,
diese aber im weiblichen Eyerstock gefunden zu
haben.

§. 8.

Gegen diese vermeynte Präexistenz solcher
vorgeblich präformirten Keime streitet aber, um
nur weniges anzuführen, z.B. die bekannte Er-
fahrung, daß sich auch dem bewaffnetesten Auge
doch nie sogleich – sondern immer erst nur ge-
raume, zum Theil beträchtlich lange Zeit, nach
der Befruchtung die erste Spur des neu empfan-
[Seite 12] gnen Menschen oder Thiers oder Gewächses zeigt;
das aber dann auch gleich mit dem ersten An-
fange die Ausbildung aufs schnellste fortrückt
u.s.w. Ferner soviele mit dem Evolutions-
system nicht zu reimende Phänomene in Er-
zeugung der Bastarde, und der Misgeburten;
auch in der Ausartung der organisirten Körper;
so wie fast das ganze Reproductions-Geschäfte etc.
wie auch die unleugbaren Beyspiele von erblich
werdenden Verstümmelungen am Körper; be-
sonders auch die Entstehung ganz widernatür-
licher, sonst im natürlichen Baue gar nicht exi-
stirender organischer Theile, die blos durch zu-
fällige Verletzungen und andere Krankheiten ver-
anlaßt worden: wohin auch gewissermaßen die
so eleganten Vegetationen gezählt werden kön-
nen, die nie anders als nach dem zufälligen
Stich eines Insects auswuchern wie z.B. die
Schlafäpfel (spongiae cynosbati) u.s.w.

Und können einmal vollkommen organisirte
Theile da gebildet werden, wo an keinen dazu
präformirten Keim zu denken ist, wozu brauchts
denn überhaupt der ganzen Einschachtelungs-
Hypothese?

§. 9.

Hingegen zeigen sich durch die ganze Natur
die unverkennbarsten Spuren eines fast allge-
[Seite 13] mein verbreiteten Triebes, der Materie eine be-
stimmte Bildung zu geben; welcher schon im
unorganisirten Reiche von auffallender Würksam-
keit ist, da es z.B. metallische Crystallisationen
giebt, die, was die äußere Bildung betrifft, ge-
wissen organisirten Körpern zum Wunder ähnlich
sind. So z.B. manches dendritisches gedie-
genes Silber, oder auch die sogenannte Menge-
pesse (eine Art von Stück-Meßing) mit gewis-
sen Moosarten zumal unter den hypnis. Und
in beiden organisirten Reichen läßt sich die Wür-
kungsart dieses Triebes bey solchen Thieren oder
Pflanzen die von durchsichtiger Textur sind, und
dabey so schnell erzeugt werden und wachsen daß
man die ganze Entstehung derselben gleichsam
unter den Augen verfolgen kann, ganz augen-
scheinlich beobachten; so z.B. bey den Arm-
Polypen, bey der Brunnen-Conserve (conferua
fontinalis
.) etc.

§. 10.

Und so ist es wohl ungleich befriedigender
und allen Erscheinungen des Zeugungs- und Nu-
tritions- und Reproductions-Geschäftes weit an-
gemeßner, wenn man annimmt: daß keine prä-
formirte Keime existiren; sondern daß in den bey
der Befruchtung ergoßnen Zeugungsstoffen der
beiden Geschlechter, nachdem dieselben sich in-
nigst gemischt, gleichsam zur behörigen Reife
[Seite 14] gediehen, ein besonderer, dann lebenslang thä-
tiger Trieb rege wird, ihre bestimmte Gestalt
anfangs anzunehmen, dann lebenslang zu er-
halten, und wenn sie ja etwa verstümmelt wor-
den, wo möglich wieder herzustellen. Ein Trieb
der folglich der Hauptgrund aller Generation,
Nutrition und Reproduction zu seyn scheint, und
den man, um ihn von allen andern Naturkräf-
ten zu unterscheiden mit dem Namen des Bil-
dungstriebes (nisus formatiuus) belegen kann.

§. 11.

Die Ursache dieses Bildungstriebes läßt sich
freylich eben so wenig als die der Attraction oder
der Schwere und anderer noch so allgemein an-
erkannten Naturkräfte angeben. Genug daß es
eine eigenthümliche Kraft ist, deren unleugbare
Existenz und ausgedehnte Würksamkeit sich durch
die ganze Natur in der Erfahrung offenbart,
und deren so constante Phänomene einen weit
leichtern und hellern Aufschluß über das Zeu-
gungsgeschäfte und viele andere der wichtigsten
Gegenstände der Naturgeschichte geben, als an-
dere zu deren Erklärung vorgeschlagene Theorien.

§. 12.

Wenn der Bildungstrieb durch eine zufäl-
lige Ursache gestört wird, eine abweichende
Richtung nimmt, so wird dadurch ein organisir-
[Seite 15] ter Körper zur Misgeburt verunstaltet. Nach
dem Sprachgebrauch versteht man unter Mis-
geburt: eine widernatürliche, angebohrne, leicht
in die Augen fallende Verunstaltung in Bildung
äußerer, größerer Theile. So unzählich diese
Misgestalten seyn können, so lassen sie sich doch
alle auf vier Hauptclassen zurückbringen.

1. M. G. mit wiedernatürlicher Bildung ein-
zelner Glieder. Fabrica aliena.

2. M. G. mit Versetzung oder wiedernatürlicher
Lage einzelner Glieder. Situs mutatus. Die
seltensten von allen.

3. M. G. denen ganze Glieder mangeln. Mon-
stra per defectum
. Unter diesen die lehr-
reichsten.

4. M. G. mit überzähligen oder zum Theil
unmäßig großen Gliedern. Monstra per ex-
cessum
. Die gemeinsten. – Theils gar erblich,
wie z.B. in den sechs-fingrichten Familien.

Anm. Die auffallende Aenlichkeit unter so vielen
Monstrositäten, beweist, daß auch selbst diese
Abweichungen des Bildungstriebes dennoch be-
stimmten Gesetzen folgen müssen; so wie hingegen
die bekannte Erfahrung, daß die Hausthiere seit
ihrer Unterjochung denselben weit mehr als in ih-
rem wilden Zustand unterworfen sind, (daß z.B. Mis-
geburten unter den Hausschweinen so häufig, unter
den wilden Schweinen hingegen fast unerhört sind) sich
mit der Lehre der vor der Befruchtung präexistiren-
den Keime, doch schlechterdings nicht reimen läßt.

§. 13.

[Seite 16]

Die Ernährung der organisirten Körper geht
auf verschiedene Weise vor sich. Den Pflanzen
wird ihre einfache Nahrung durch Wurzeln, die
sich außerhalb ihres Stammes am einen Ende
desselben befinden, zugefüührt. Die Thiere hin-
gegen haben, wie sich Boerhaave ausdruckte,
gleichsam ihre Wurzeln innerhalb ihres Kör-
pers. Sie bringen nemlich die Alimente durch
den Mund in den Magen und Darmcanal, wo
der nahrhafte Theil durch unzählige Gefäsgen,
fast wie bey den Pflanzen durch Wurzeln, einge-
sogen und den Theilen des Körpers zugeführt
wird. Viele ungebohrne Thiere werden auch
außerdem durch den Nabel ernährt; eine Art
von Nutrition, die ebenfalls viele Aehnlichkeit
mit der Gewächse ihrer hat.

Der brauchbare Theil der Nahrungsmittel
wird durch einen bewundernswürdigen Proceß
dem Stoff der organisirten Körper assimilirt; der
überflüssige hingegen ausgedunstet; und bey den
Thieren, die keinen so geläuterten Nahrungssaft
wie die Pflanzen zu sich nehmen, auch durch
andre Wege als Harn und Unrath ausgeworfen.

§. 14.

Das Wachsthum der organisirten Körper
ist die Folge ihrer Ernährung. Die mehresten
[Seite 17] erreichen früh die bestimmte Größe
ihres Körpers, und dann ist ihr
ferneres Wachsthum bloßer Ersatz dessen, was
nach und nach durch die Bewegung der festen
Theile und durch den Umlauf der flüssigen, von
der Maschine abgenutzt wird. Einige Thiere
hingegen, wie die Crocodile, die großen Wasser-
schlangen etc. mehr aber noch viele Gewächse,
Eichen, Linden, Cedern etc. scheinen gar keine
bestimmte Größe zu haben sondern ihre ganze
Lebenszeit hindurch an Länge und Dicke zuzu-
nehmen.

§. 15.

Zum Wachsthum der organisirten K. gehört
auch ihre Reproduction, oder die merkwürdige
Eigenschaft, daß sich verstümmelte oder völlig
verlohrne Theile ihres Körpers von selbst wieder
ergänzen. Sie gehört zu den weisesten Einrich-
tungen in der Natur, und sichert die Thiere und
die Pflanzen bey tausend Gefahren, wo ihr Kör-
per verletzt wird: sie ist folglich auch nebst der
Ernährung überhaupt, einer der grösten Vor-
züge, wodurch die Maschinen aus der Hand
des Schöpfers bey weitem über die grösten Kunst-
werke der Menschen erhoben werden, als wel-
chen ihre Verfertiger keine Kraft mittheilen kön-
nen ihre Triebfedern und Räder, wenn sie ver-
bogen, verstümmelt und abgenutzt würden, von
selbst wieder herzustellen: eine Kraft, die hin-
[Seite 18] gegen die Allmacht jedem Thier und jeder Pflanze
– nur in verschiedenem Maaße – beygelegt hat.

Viele organisirte K. verlieren zu bestimmten
Zeiten, gewisse Theile ihres Körpers von freyen
Stücken, die ihnen nachher wieder reproducirt
werden; wohin das Abwerfen der Geweihe, das
Mausern der Vögel, die Häutung der Schlan-
gen, der Raupen, das Schälen der Krebse,
das Entblättern der Gewächse u.s.w. gehört.
Man könnte dieß die natürliche Reproduction
nennen.

Die andre hingegen ist die außerordentliche,
von der hier eigentlich die Rede ist, da nemlich
den organisirten K. zumal den Thieren Wun-
den, Beinbrüche etc. geheilt, oder gar durch Un-
fall verstümmelte und verlohrne Theile wieder
ersetzt werden. Der Mensch, und die ihm zu-
nächst verwandten Thiere besitzen eine minder
vollkommene, und meist nur auf Knochen, Nä-
gel, Haare und Zellgewebe eingeschränkte Re-
productionskraft: die hingegen bey vielen kaltblü-
tigen Thieren, besonders bey den Wasser-Molchen,
Krebsen, Land-Schnecken, Regenwürmern, See-
Anemonen, See-Sternen, Arm-Polypen etc.
von einer ausnehmenden Stärke und Vollkom-
menheit ist.

Anm. Manche dieser so äuserst merkwürdigen Repro-
ductionsversuche setzen eine schon in dergleichen Ar-
beiten geübte Hand und viele Vorsicht, auch viel-
[Seite 19] leicht günstige Nebenumstände voraus, wenn sie
gelingen sollen: daher man sich hüten muß aus dem
etwa anfangs mislungenen Erfolgt zu voreilig die
ganze Sache bezweifeln zu wollen. Mir selbst ist
es nach mehrern fruchtlosen Versuchen erst spät
gelungen, daß der ganze Kopf der gemeinen Wald-
schnecke (helix pomatia) mit seinen vier Hörnern
binnen ohngefähr 6 Monaten wieder reproducirt
ward.

Vor drey Jahren habe ich einem Wassermolch
der größern Art (lacerta lacustris) den ich nun in
Spiritus aufbewahre, fast das ganze Auge exstir-
pirt; nemlich alle Säfte auslaufen lassen und dann
4/5 der ausgeleerten Häute rein ausgeschnitten –:
und doch hat sich binnen 10 Monaten ein vollkom-
mener neuer Augapfel mit neuer Hornhaut, Au-
genstern, Crystall-Linse etc. reproducirt, der sich blos
dadurch vom andern gesunden Auge auszeichnet daß
er nur erst ohngefähr halb so groß ist. (– s. Göt-
ting. gel. Anz. 1785. 47 St.)

§. 16.

Nächst Ernährung und Wachsthum war
die dritte Bestimmung der organisirten K. die,
ihres gleichen zu zeugen (§. 6.). Zu diesem
Geschäfte werden sie aber erst in einem bestimm-
ten Alter tüchtig, und vollziehen es alsdann auf
sehr verschiedene Weise. Ueberhaupt nemlich
ist entweder schon jedes Individuum für sich im
Stande, sein Geschlecht fortzupflanzen; oder
aber es müssen sich ihrer zweye mit einander paa-
ren oder begatten, wenn sie neue organisirte K.
ihrer Art hervorbringen sollen. Die mannich-
faltigen besondern Verschiedenheiten in diesen
beiderley Hauptarten der Fortpflanzungsweise
[Seite 20] lassen sich doch füglich unter folgende vier Classen
bringen.

I. Cl. Jedes Individuum vermehrt sich auf die
einfachste Weise, ohne vorhergegangne Be-
fruchtung: entweder durch Theilung wie man-
che Infusions-Thiergen*) und Blumen-Po-
lypen**); oder wie bey der Brunnen-Con-
serve so, daß das alte fadenartige Gewächs
am einen Ende zu einem dicken Knöpfgen
anschwillt, das nachher abfällt und wieder zu
einem solchen Faden ausgetrieben und umge-
bildet wird***); oder durch Sprossen wie die
Arm-Polypen und viele Gewächse u.s.w.

II. Cl. Jedes Individuum ist zwar auch im
stande sich fortzupflanzen, hat aber als ein
wahrer Zwitter beiderley Geschlechtstheile an
seinem Leibe, und muß vorher, wenn es Thier
ist, die bey sich habenden weiblichen Eyergen
mit männlichen Saamen – und wenn es
Pflanze ist, seine weiblichen Saamen-Kör-
ner mit männlichen Blumenstaub – begie-
sen und dadurch befruchten, ehe sich ein junges
daraus entwickeln kan. Dieß ist der Fall bey
[Seite 21] den mehresten Gewächsen, und im Thierreich
wie es scheint bey manchen Muscheln.

III. Cl. Ebenfalls beide Geschlechter, wie bey
den Hermaphroditen der vorigen Classe, in
einem Individuo verknüpft; doch daß keines
sich selbst zu befruchten im Stande ist, son-
dern immer ihrer zwey sich zusammen paaren
und wechselseitig einander befruchten und be-
fruchtet werden müssen. Diese sonderbare
Einrichtung findet sich nur bey wenigen Thie-
ren; beym Regenwurm, bey manchen Land-
Schnecken*) etc.

IV. Cl. Die beiden Geschlechter in separaten
Individuis, von denen das eine die weibli-
chen Theile oder Eyer, das andere den männ-
lichen befruchtenden Saft enthält. So alle
rothblütige und viele andre Thiere, und so auch
manche Pflanzen, wie die Weiden, der
Hopfen etc.

Einige Thiere dieser Classe geben die Eyer
selbst von sich, in welchen sich erst nachher das
Junge folgends ausbildet. Dieß sind die
eyerlegenden Thiere (ouipara). Bey andern
aber wird dieß Ey so lange in der Gebähr-
mutter zurück behalten, bis das Junge voll-
kommen entwickelt worden, und nun von sei-
nen Hülsen befreyt, zur Welt kommen kan;
lebendiggebährende Thiere (viuipara).

[Seite 22]

Anm. Wie gering inzwischen der Unterschied zwischen
Eyerlegen und Lebendiggebähren sey, erweisen die
Beyspiele der Blattläufe und Federbusch-Polypen,
die sich bald auf die eine, bald auf die andre Weise
fortpflanzen; und der Salamander und manche
Schlangen die zwar Eyer legen, in welchen aber
das ganz ausgebildete Thier enthalten ist. Gewis-
sermasen könnte man mit diesem letztern Fall dieje-
nigen Pflanzen vergleichen in deren reisen Saa-
menkörnern ein grüner Pflanzenkeim eingeschlossen
liegt, wie z.B. bey den sogenannten Aegyptischen
Bohnen von der Nymphaea nelumbo.

§. 17.

Die neuerzeugten organisirten K. sollten ei-
gentlich ihren Vorfahren, und ihre Nachkom-
men ihnen selbst vollkommen gleichen. Nun aber
findet sich dennoch bey Thieren und Pflanzen der-
selben Art sehr oft in Rücksicht ihrer Bildung,
Größe, Farbe etc. so viel Verschiedenheit, daß
sie zuweilen leicht für besondre Gattungen ange-
sehen werden könnten. Solche Abweichungen
nennt man Spielarten, Varietäten; und sie
sind eine Folge der Ausartung, Degeneration,
die vorzüglich aus folgenden Quellen hergeleitet
werden muß.

§. 18.

Der kürzeste Weg zur Degeneration ist die
Begattung organisirter Körper verschiedner Art;
wodurch Bastarde (hybrida) erzeugt werden,
die keinem von beiden Eltern vollkommen glei-
chen, sondern vielmehr mit beiden zusammen
Aehnlichkeit haben. Da aber von der bestimm-
[Seite 23] ten Bildung der organisirten Körper, besonders
der Thiere, die behörige und für den Gang
der Schöpfung so äußerst wichtige Vollziehung
ihrer Geschäfte abhängt, so ist es eine weise
Einrichtung der Vorsicht, daß diese Bastarde
mehrentheils unfruchtbar, und nur sehr selten im
Stande sind ihr Geschlecht weiter fortzuflanzen.
Daher gehört es zu den seltnern Ausnahmen
wenn Maulthiere, oder die Bastarde von Füch-
sen und Hunden, von Hänflingen und Canarien-
vögeln zuweilen fruchtbar sind. Bey den Pflan-
zen gelingt es leichter daß durch künstliche Be-
fruchtung verschiedner Gattungen von Tabac etc.
Bastard-Arten hervorgebracht werden können
die fruchtbaren Saamen tragen. Hingegen be-
dürfen die fabelhaften Sagen von vermeynten
Bastarden aus der Vermischung vom Rindvieh
und Pferden oder Eseln, und von Caninchen und
Hünern, oder folgends gar von Menschen und
Vieh, jetzt hoffentlich keiner weitern Widerlegung.

§. 19.

Andre Ursachen der Ausartung würken zwar
langsamer, unmerklicher, aber meist für die
Folge desto dauerhafter, tiefer. Es gehören da-
hin vorzüglich Einfluß des Himmelsstrichs, der
Nahrung, und bey Menschen und Thieren auch
der Lebensart u.s.w. Kaltes Clima z.B. un-
terdruckt das Wachsthum der organisirten Kör-
per und bringt auch weiße Farbe an ihnen her-
[Seite 24] vor, und v. v. Drum sind die Grönländer,
Lappländer etc. so wie die Thiere und Gewächse
kalter Erdstriche, klein, untersetzt: die Nord-
länder von Natur von weißer Haut, meist blau-
augicht etc. so wie viele warmblütige Thiere der
kältesten Gegenden anomalisch weiße Haare und
Federn haben, viele Pflanzen daselbst anomalisch
weiße Blüthen tragen u.s.w.

Wie sehr aber verschiedne Lebensart, Cultur
und Nahrungsmittel nach und nach die Bildung,
Farbe und ganze Constitution der organisirten
Körper umzuändern vermöge, davon sehen wir
an unsern Hausthieren, an unserm Getraide,
Obst, Küchen-Gewächsen, Blumen-Floren etc. –
am allerauffallendsten aber bey den Verschieden-
heiten im Menschen-Geschlechte selbst die augen-
scheinlichsten Beyspiele.

Diese mancherley Ursachen der Degeneration
können nun aber nach Verschiedenheit der Um-
stände entweder einander unterstützen und die Aus-
artung um so schneller und auffallender machen,
oder aber auch wieder gewissermasen aufheben
u.s.w. daher man in dieser Untersuchung bey
der Anwendung auf einzelne Fälle nie zu voreilig
urtheilen darf.

Anm. 1. So giebt es z.B. selbst unter der Linie kalte
Erdstriche, wie im innern von Sumatra etc. Hin-
gegen bringt Sibirien gar viele Gewächse der wär-
[Seite 25] mern Gegenden hervor, die in dem weit südlichern
Europa nicht fortkommen.

Anm. 2. Sonderbar ist die individuelle Würkung die
einige Climaten auf die organisirten Körper, zu-
mal des Thierreichs, äusern. So z.B. daß in
Syrien die Katzen, Caninchen, Ziegen etc. so auf-
fallend langes und weißes Haar haben: auf Cor-
sica die Pferde, Hunde etc. so auszeichnend gefleckt
sind: auf Guinea Menschen und Hunde und Hüner
zu Negern in ihrer Art werden u.s.w.

Anm. 3. Selbst Künsteleyen am Körper wenn sie
durch lauge Reihen von Generationen wiederholt
werden, scheinen mit der Zeit zum erblichen Schlag
auszuarten. – Bey Völkern z.B. die ihre Knäb-
gen beschneiden ist es nichts seltnes daß auch welche
mit kurzer Vorhaut gleichsam beschnitten gebohren
werden. – Büffon hat Hunde gesehen denen so
wie ihren Vorfahren die Ohren und der Schwanz
gestutzt worden, und die nun eben so verstümmelte
Junge warfen. – In England wo seit 1000
Jahren den Pferden die Schwänze gestutzt worden,
sollen die Füllen nun weniger Wirbel im Schwanz
mit zur Welt bringen.*) – Und wer weis wie
viele uns jetzt räzelhafte Verschiedenheit im Men-
schengeschlecht – zumal in Rücksicht der Gesichts-
Form – von der gleichen Ursache herrührt.

§. 20.

Nachdem die organisirten K. die Bestim-
mungen ihres Lebens erfüllt haben, so geht über
lang oder kurz die letzte Revolution (§. 5.) mit
ihnen vor, sie sterben. Die wenigsten aber er-
reichen das Ziel, was ihnen die Natur zum
Laufe ihres Lebens vorgesteckt hat, sondern tau-
senderley Zufälle verkürzen ihnen diesen Weg
[Seite 26] meist lange vor der bestimmten Zeit. Von allen
den großen furchtbaren Thieren, Crocodilen,
Wasserschlangen etc. erreicht vielleicht nicht das
tausendste sein gesetztes Alter und Größe, son-
dern muß in seiner Kindheit kleinern Thieren
zum Raube werden, da es sonst künftig Men-
schen und andre große Thiere verschlungen haben
würde.

§. 21.

Nach dem Tode der Thiere und Pflanzen
wird ihr Körper allmählich aufgelöst, ihr Or-
ganismus zerstört, und ihre Asche endlich mit der
übrigen Erde vermengt, die ihnen vorher Nah-
rung und Aufenthalt gegeben hatte.


Dritter Abschnitt.
Von den Thieren überhaupt.

[Seite 27]

§. 22.

So unendlich mannichfaltig die äußere Bil-
dung der Thiere ist, so scheinen sie doch alle ohne
Ausnahme eine einfache, aber verhältnißmäßig
große Oeffnung an ihrem Körper, mit einander ge-
mein zu haben, durch welche sie demselben seine Nah-
rung zuführen. Sowol diese Oeffnung, nemlich der
Mund, als auch die große Verschiedenheit der
Alimente, die die Thiere zu ihrer Erhaltung ver-
wenden, unterscheidet sie schon hinlänglich von
den Pflanzen. Statt daß diese eine einförmige
Nahrung, und zwar fast lediglich aus dem Mi-
neralreich genießen; so ist hingegen der Thiere ihr
Futter äußerst mannichfaltig, und wird beynah
ohne Ausnahme aus den organisirten Reichen
entlehnt.

§. 23.

Die Thiere werden von der einen Seite durch
die unerträglichen Gefühle des Hungers und
Durstes, und von der andern durch die unwider-
stehlichen Reize des Appetits getrieben, diese ihre
Nahrungsmittel zu sich zu nehmen und dadurch
[Seite 28] ihre Erhaltung zu bewürken. Die kaltblütigen
Thiere können indeß doch überhaupt länger als
die warmblütigen, und manche von ihnen zum
Erstaunen lange hungern. Auch nehmen einige,
zumal aus der Classe der Insecten, in einer ge-
wissen Epoche ihres Lebens; viele andere aber im
Winter, den sie theils durchschlafen, gar keine
Speise zu sich.

§. 24.

Die Speisen müssen bey den Thieren sehr
mannichfaltige Veränderungen erleiden, ehe sie
zur eigentlichen Ernährung geschickt, und der
Substanz des thierischen Körpers assimilirt wer-
den können. Die härtern Speisen müssen von
den mehresten erst mittelst des Gebisses zermalmt,
und mit speichelartigen Säften vermischt wer-
den, ehe sie zum Darmcanal gelangen können.
Auch hier werden sie noch ferner mit allerhand
vorräthigen Säften, Galle etc. vermengt, da-
durch aufgelöst, und in einen weichen Brey ver-
wandelt, von welchem der meist milchartige
Nahrungssaft abgesondert, und der Ueberrest
als Unrath wieder aus dem Körper geworfen wird.

§. 25.

Bey den insgemein sogenannten vollkomm-
neren Thieren wird der abgesonderte Nah-
rungssaft zuvor mit dem Blute das in den
Adern circulirt, vermischt, und von da erst in
[Seite 29] die übrigen Bestandtheile des Körpers abgesetzt.
Auserdem werden zugleich in besondern dazu be-
stimmten Werkzeugen durch das Secretions-Ge-
schäfte mancherley besondre Säfte aus der allge-
meinen Blutmasse abgeschieden. Dieses wahre
Blut ist durchgehends von rother Farbe, aber
in Rücksicht seiner Wärme bey den verschiednen
Classen dieser rothblütigen Thiere von doppelter
Verschiedenheit. Bey dem einen nemlich hält
es meist ohngefähr die Temperatur des Mediums
in welchem sie sich befinden, daher sie kaltblütig
genannt werden. Bey den andern aber, die des-
halb warmblütig heißen, zeigt es in ihrem voll-
kommensten gesunden Zustande immer eine Wärme
von ohngef. 100 Gr. Fahrenh. mehr oder weniger.
Und diese thierische Wärme scheint vorzüglich
durch die Art wie diese warmblütigen Thiere mit-
telst sehr vollkommner Lungen athmen, unter-
halten zu werden. Der Saft hingegen, wodurch
bey den sogenannten weißblütigen Thieren (nem-
lich bey den Insecten und Gewürmen) die Ernäh-
rung vollzogen wird, zeigt doch im Ganzen ge-
nommen nur eine entfernte Aenlichkeit mit dem
wahren rothen Blute.

§. 26.

Nächst der Ernährungsart war willkürliche
Bewegung ein Hauptcharacter, wodurch sich
die Thiere von den Pflanzen auszeichneten (§. 3.).
Die Organe die bey den allermehresten Thierclassen
[Seite 30] zum Behuf aller dieser unzählig mannichfaltigen
Bewegungen dienen, sind die Muskeln, die
oft bey sehr kleinen Thieren in großer Anzahl be-
findlich sind. Der Mensch hat kaum fünftehalb-
hundert Muskeln, eine Weidenraupe hingegen
über viertausend. Hieraus läßt sich aber auch
die ungemeine Stärke vieler dieser kleinen Thiere
zumal unter den Insecten erklären. Ein Floh
z.B. an ein Kettgen gelegt, schleppt wol eine
Last die achtzigmal so viel als er selbst wiegt, und
ein Mist-Käfer läuft mit einem Stücke Bley
auf dem Rücken fort, was eben so groß als er
selbst ist.

§. 27.

Die Muskeln werden nach dem Entschluß
des Willens durch die Nerven in Bewegung
gesetzt; einige (wie z.B. das Herz) ausgenom-
men über die der Wille nichts vermag; sondern
die unaufhörlich, lebenslang, und zwar ohne
wie andere Muskeln zu ermüden, oder endlich
zu schmerzen, in Bewegung sind.

§. 28.

Die Nerven entspringen aus dem Gehirn
und aus dem Rückenmark, und es scheint daß
die Größe der beiden letztern in Verhältnis zur
Dicke der daraus entstehenden Nerven mit den
Geisteskräften der Thiere im umgekehrten Ver-
[Seite 31] hältnis stehe*), so daß der Mensch von allen
das größte Gehirn, in Vergleich seiner sehr dün-
nen Nerven, hat; einfältige Thiere hingegen
wie z.B. die hieländischen Amphibien haben dicke
Nerven zu einem sehr kleinen Gehirne.

§. 29.

Außer dem Einfluß, den die Nerven auf die
Muskelbewegung haben, ist ihr zweytes Ge-
schäfte, auch die äußern Eindrücke auf den thie-
rischen Körper, der Seele durch die Sinne mit-
zutheilen. Die Art der sinnlichen Empfindung
sowol als die Beschaffenheit der Sinnwerkzeuge
ist bey den Thieren sehr verschieden. Viele
Thiere erhalten offenbar allerhand sinnliche Ein-
drücke, ohne daß wir doch die Sinn-Werkzeuge
an ihnen entdecken könnten, die bey andern zu
solchen Eindrücken nothwendig sind. Der Po-
lype z.B. hat keine Augen, und doch das fein-
ste Gefühl vom Licht; die Schmeisfliege und
viele andere Insecten haben Geruch, ob wir
gleich keine Nase an ihnen wahrnehmen.

§. 30.

Durch den anhaltenden Gebrauch werden
Nerven und Muskeln ermüdet, und sie brau-
chen von Zeit zu Zeit Ruhe zur Sammlung
[Seite 32] neuer Kräfte, die ihnen der Schlaf gewährt.
Dem Menschen und den mehresten Grasfressen-
den Thieren ist die Nacht zu dieser Erholung an-
gewiesen; viele Raubthiere und die mehresten
Fische hingegen, auch die kränklichen Kacker-
lacken mit den lichtscheuen bleichen Augen, und
manche Insecten müssen eben diese Stille der
Nacht, da die übrigen Geschöpfe der Ruhe pfle-
gen, zu Vollziehung ihrer Geschäfte benutzen,
und dagegen einen Theil des Tages zu jener Er-
holung verwenden. Die Länge der zu dieser Er-
holung nöthigen Zeit ist bey den Thieren sehr
verschieden; sie steht weder mit der Größe ihres
Körpers, noch mit dem Maaße ihrer Arbeiten
in beständigen Verhältnis. Ein Pferd z.B.
schläft wenig, der Dachs ungemein lange; und
der Körper eines gesunden erwachsenen Men-
schen braucht etwa sechs Stunden, um neue
Kräfte für die Arbeiten des Tages zu samm-
len: nur in beiden Extremen ihres Lebens als
Säuglinge und als kindische Greise sind sich die
Menschen auch darin gleich daß sie eines viel-
stündigen Schlafs bedürfen.

§. 31.

Außer diesem Erholungsschlaf findet sich in
der Oekonomie vieler Thiere noch die sehr be-
queme Einrichtung, daß sie einen beträchtlichen
Theil des Jahrs, und zwar gerade die rauhesten
Monate, da es ihnen schwer werden würde, für
[Seite 33] ihre Erhaltung zu sorgen*), in einem tiefen Win-
terschlaf zubringen. Sie verkriechen sich, wenn
diese Zeit kommt, an sichre schaurige Orte; wie die
Murmelthiere, Hamster, Ameisen etc. in ihre
Nester, die Fledermäuse in Hölen, die Frösche und
einige Fische in Sümpfe, die Schlangen und Schne-
cken ins Gebüsch u.s.w. und fallen mit einbrechen-
der Kälte in eine Art von Erstarrung, aus der
sie erst durch die erwärmenden Blicke der Früh-
lingssonne wieder erweckt werden. Diese Er-
starrung ist so stark, daß die warmblütigen Thiere
während dieses Todtenschlafs nur unmerkliche
Wärme übrig behalten, und daß die Puppen
vieler Insecten, die zu gleicher Zeit ihre Ver-
wandlung bestehen, im Winter oft so durchfro-
ren sind, daß sie, dem Leben des darin schlafen-
den Thieres unbeschadet, wie Eiszapfen oder
Glas klingen, wenn man sie auf die Erde fallen
läßt. Der Winterschlaf ist aber auch bey einer-
ley Thieren nach Verschiedenheit des Clima, oder
der Witterung bald länger bald kürzer. In har-
ten Wintern liegt z.B. das Murmelthier lange und
tief in seiner Höle unter der Erde verborgen, in
gelinden Wintern machts kein so tiefes Nest
und kommt im Frühjahr zeitiger wieder zum
Vorschein.

§. 32.

[Seite 34]

So wie aber unzählige Thiere durch diesen
Winterschlaf in der rauhesten nahrlosesten Jahrs-
zeit, die ihnen sonst so leicht tödlich seyn könnte,
erhalten werden; so hat nun überhaupt die Vor-
sehung auch bey allen übrigen Thieren nach dem
Maas ihrer Bedürfnisse und der Gefahren de-
nen sie bey ihrer bestimmten Lebensart ausge-
setzt seyn müssen, ihre eigene und ihres Geschlechts
Erhaltung auf die mannichfaltigste wunderbarste
Weise gesichert. So weit wir jetzt die Schö-
pfung kennen, enthält sie auch nicht ein einziges
von ihrem Schöpfer vergessenes, verwahrlostes
Geschöpf: und es ist daher nichts weniger als
scharfsinnig wenn sich einige Sophisten haben
beykommen lassen, manche Thiere wie z.B. das
Faulthier als unglücklich und von der Natur zum
Leiden bestimmt zu verschreien. Schon der Kör-
perbau der mehresten Thiere zweckt aufs augen-
scheinlichste zu ihrer Selbsterhaltung ab; indem
manche wie z.B. die Polypen, wegen ihrer star-
ken Reproductionskraft fast unzerstörbar sind,
andre durch die äußern Bekleidungen ihres Kör-
pers, durch Schuppen, Schilder, Schaalen,
Flügeldecken etc. gegen die Anfälle vieler Feinde
(wie z.B. das Stachelschwein gegen die Macht
des Löwen) gesichert werden; andre mit aus-
nehmender Stärke oder mit mancherley Waf-
fen, Hörnern, Zähnen, Klauen, oder theils
mit Gift versehen sind u.s.w.

§. 33.

[Seite 35]

Doch das allerwichtigste und allgemeinste
von allen diesen mannichfaltigen Mitteln, wo-
mit die Thiere zu ihrem eignen und der ganzen
Schöpfung Besten ausgerüstet sind, ist ihr In-
stinct oder Naturtrieb*), da sie nemlich aus
einem angebohrnen, unwillkürlichen, blinden
Drange, ohne allen Unterricht von freyen Stücken
sich mannichfaltigen, zweckmäsigen, und zu ihrer
und ihres Geschlechts Erhaltung abzielenden
Handlungen, unterziehen.

Daß diese so wichtigen Handlungen wirklich
ganz unüberlegt blos maschinenmäsig vollzogen
werden wird durch tausend Bemerkungen z.B.
dadurch offenbar erweislich, daß die Hamster
auch tobten Vögeln doch zuerst die Flügel zer-
brechen ehe sie weiter anbeisen; daß die Meisen
auch tobten Thieren doch zuerst nach den Augen
hacken; daß die Schmeisfliegen sich so oft durch
den aashaften Geruch mancher Blumen (stape-
lia hirsuta u.a. m
.) verführen lassen ihre Eyer
drauf zu legen, welchen Irthum doch nachher
die auskriechenden Maden aus Mangel der
Nahrung mit dem Leben büßen müssen u.s.w.

§. 34.

Zu diesen Instincten gehöret nun ganz vor-
züglich der, Trieb zum gesellschaftlichen Leben,
[Seite 36] wogegen sich zwar einige unsrer neuern Welt-
weisen empören wollen, der doch aber ganzen
Gattungen von Thieren z.B. den Bienen und
Ameisen ihre Lebenserhaltung sichert, die sie
ohne denselben unmöglich gegen ihre zahlreichen
größern Feinde zu behaupten vermöchten. Eben
dahin gehören die mannichfaltigen Mittel wo-
durch so viele Gattungen von Thieren ihrem
sonstigen Untergang in der rauhesten Jahrszeit
zu entgehen wissen. Nur wenige haben Win-
terschlaf: wie viele der übrigen müßten also un-
ter Kälte, und Mangel an Lebensmitteln erlie-
gen, wenn nicht einige, wie die Bieber, vom
Instinct getrieben, zur guten Zeit ihre Scheu-
ern mit Wintervorrath füllten, oder andere,
wie die Zugvögel, im Herbst unsre rauhen Ge-
genden verliessen, und bis gegens Frühjahr sich
am Nil, am Senegal etc. wohl seyn liessen.
Daß dieß blos innerer Trieb, nicht Angewohn-
heit, oder Unterweisung und Tradition der alten
erfahrnern Thiere sey, lehrt das Beyspiel junger
Zugvögel, die man ganz einsam im Zimmer
erzogen hat, und die doch wenn die Zeit naht,
da ihre Brüder ihr Haus bestellen, und sich zu
ihrer großen Reise bereiten, im Bauer unruhig
werden, und es bey allem guten Futter und bey
aller Bequemlichkeit, doch innerlich fühlen, daß
es nicht ihre Bestimmung sey, das ganze Jahr
am gleichen Ort zu verweilen.

§. 35.

[Seite 37]

Andre Naturtriebe der Thiere dienen nicht
zu Befriedigung eigener Bedürfnisse, sondern
blos zur Erhaltung ihrer, vielleicht noch nicht
einmal erzeugten, Nachkommenschaft. Die
genaue Wahl eines schicklichen Ortes zum Eyer-
legen, welcher dem Unterhalt der daraus ent-
stehenden Jungen vollkommen entspricht, giebt
ein deutliches Beyspiel dieser Art vom Instinct:
so legen manche Insecten ihre Eeyer blos auf
Aas, andre in den Körper lebendiger Thiere,
andre in bestimmte Theile der Pflanzen u.s.w.

§. 36.

Unter diesen verschiedenen thierischen Trie-
ben sind besonders die Kunsttriebe ganz vorzüg-
lich merkwürdig, da sich nemlich so viele Thiere
ohne alle Anweisung und ohne alle vorgängige
Uebung, (die bey so vielen z.B. bey den Rau-
pen die nur ein für allemal in ihrem Leben davon
Gebrauch machen können, und wo folglich schlech-
terdings erster Versuch und Meisterstück eins
seyn muß, durchaus nicht statt finden kann), so
ungemein künstliche Wohnungen, Nester, Ge-
webe etc. zu ihrem Aufenthalt, zur Sicherheit
für ihre Junge, zum Fang ihres Raubes, und
zu tausend andern Zwecken zu verfertigen wissen.
Der Bau der Bieber, die Hölen der Hamster,
der Murmelthiere; die Nester der Eichhörn-
chen, der Vögel, der Insecten; die Spinne-
[Seite 38] weben, die Failgruben des Ameisenlöwen; fer-
ner die Auswahl der bestimmten Bau-Mate-
rialien, und die regelmäßige – aber ewig einför-
mige – Gestalt dieser Wohnungen überhaupt,
folgends aber die einzelnen erstaunenswürdigen
Beyspiele wie z. E. der Bienen die nicht einerley
– sondern drey ganz verschiedne Sorten von
Zellen, nach eben so verschiedenen Maas und
Zweck erbauen müssen; vor allen aber die innere
Einrichtung der colossalischen Wohnhügel der
sogenannten weißen Ameisen u.s.w. geben un-
erschöpflich zahlreiche Beweise von der Größe
und Mannichfaltigkeit dieser unbegreiflichen Na-
turtriebe.

§. 37.

Der Mensch zeigt außer den Begattungs-
trieben wenig andere Spuren von Instinct:
Kunsttriebe aber hat er folgends ganz und gar
nicht. Was ihn hingegen reichlich für diesen
Mangel entschädigt, ist der Gebrauch der Ver-
nunft, die ihm allein ausschließlich, und durch-
aus keinem andern Thiere zukommt, und die
sich schon dadurch von den Instincten aufs deut-
lichste auszeichnet, daß sie erstens nicht so wie
diese eine angebohrne Fertigkeit ist, sondern erst
durch Erziehung, Unterricht und Cultur gleichsam
entwickelt und ausgebildet werden muß; daß sie
aber dagegen zweytens auch unendlich unbe-
schränkter und eines täglich zunehmenden Wachs-
[Seite 39] thums fähig ist, welches bey den thierischen Trie-
ben, zumal bey den Kunsttrieben schlechter-
dings nicht statt hat. Der Mensch hat keinen
bestimmten Wohnplatz, und keine bestimmte
Nahrung – sondern, die ganze Erde, in Nor-
den und Süden und unter jedem Meridian, ist
ihm zum Aufenthalt, und die ganze organisirte
Schöpfung von seinem Nebenmenschen an bis
zur Auster und vom Pisang und von der Ananas
bis zum Pilz und zur Trüffel zur Speise über-
lassen. Diese unendliche Verschiedenheit des Cli-
mas und der Lebensart erregt folglich in ihm eben
so verschiedene Bedürfnisse, die nicht auf einer-
ley Weise befriedigt werden können; mithin
würde ein einförmiger Kunsttrieb ein sehr un-
brauchbares Geschenk für ihn gewesen seyn, da
er hingegen durch den Gebrauch seiner Vernunft
alle seine mannichfaltigen Bedürfnisse auf eben
so mannichfaltige Weise zu stillen vermag.

§. 38.

Wie unendlich aber der Mensch schon durch
diesen einzigen Vorzug über die ganze übrige
thierische Schöpfung erhoben werde, beweist die
unbeschränkte Herrschaft womit er über alle Triebe
und über die Lebensart, Haushaltung etc. mit
einem Wort über das ganze Naturell dieser sei-
ner Mitgeschöpfe nach Willkühr disponiren kan!
Er weis die furchtbarsten Thiere, Tiger und
Rhinocer und Crocodile unter seine Hand zu beu-
[Seite 40] gen, sie geschmeidig und kirre zu machen: er
kan die ungelehrigsten Geschöpfe, Kröten, Spin-
nen etc. an seinen Ruf und Wink gewöhnen: er
kan ihre hefrigsten Antipathien dämpfen und
Katzen und Mäuse zu gemeinschaftlichen Tisch-
genossen machen; und den plumpsten ungeschick-
testen Thieren die außerordentlichsten kunstreich-
reichsten Handlungen beybringen.

§. 39.

Am allerdeutlichsten erhellt dieß aus dem
Beyspiel der Hausthiere: als von welchen der
Mensch entweder wie bey den Pferden, Schaa-
fen, Hünern etc. die ganzen Gattungen ihrer
Freyheit beraubt und sich unterjocht hat: oder,
wenn ihm auch dieß bey einigen, wie beym Ele-
phanten, Falken etc. noch nicht gelungen ist, doch
die einzelnen Individua einzufangen, zu bändi-
gen und zu seinem Dienst abzurichten versteht.

Anm. Um sich überhaupt zu überzeugen wie sehr der
cultivirte Mensch Herr der übrigen Schöpfung auf
dieser Erde ist, braucht man sich blos an die Um-
schaffung zu erinnern, die er seit Entdeckung der
neuen Welt mit ihr und der alten wechselseitig
vorgenommen hat! Was für Gewächse und Thiere
er aus dieser in jene übergepflanzt hat, wie z.B.
Reis, Zuckerrohr, Caffee etc., Pferde, Rindvieh,
und sogar Cameele und Affen! und was er v. v.
von dorther nun wieder in seinem Welttheil einhei-
misch gemacht wie z.B. Cartoffeln, Tabac u.s.w.

§. 40.

[Seite 41]

Das ganze Thierreich läßt sich füglich nach
dem Linneischen System unter folgende sechs
Classen bringen:

I. Cl. Säugethiere (mammalia), Thiere
mit warmen rothen Blut, die ihre Junge
lebendig zur Welt bringen, und sie dann
einige Zeit lang mit Milch an Brüsten
säugen.

II. Cl. Vögel (aues), Thiere mit warmen
rothen Blut, die aber Eyer legen, die Jun-
ge nicht mit Milch säugen, und Federn
haben.

III. Cl. Amphibien, Thiere mit kalten ro-
then Blut, die durch Lungen Athem holen.

IV. Cl. Fische (pisces), Thiere mit kalten
rothen Blut, die durch Kiefern, und nicht
durch Lungen, athmen.

V. Cl. Insecten, Thiere mit kalten weißen
Blut, die Fühlhörner (antennas) am Kopf
haben.

VI. Cl. Würmer (vermes), Thiere mit
kalten weißen Blut, die keine Fühlhör-
ner, sondern meist Fühlfaden (tentacula)
haben.

Hauptquellen zur Thiergeschichte überhaupt.

[Seite 42]
  1. aristotelis historia animalium. ex ed. Ph. Iac. Maus-
    saci
    . Tolos. 1619. fol.
  2. conr. gesneri icones quadrupedum viuiparorum, it. anium
    et animalium aquatilium; cum nomenclaturis singu-
    lorum in linguis dinersis. Europae
    . ed.
    2. Tig. 1560. fol.
  3. aldrovandvs
  4. io. ionston historia naturalis de animalibus. Frf. 1649-
    53. fol.
  5. auch unter dem Titel h. rvyschii (Frid. Fill.) thea-
    trum universale omnium animalium. Amst
    . 1718.
    II vol. fol.
  6. ray
  7. buffon
  8. Joh. Dan. Meyer Vorstellungen allerhand Thiere,
    sowohl nach ihrer Gestalt als auch nach der
    Structur ihrer Scelete. Nürnb. 1748–56. III
    Bände in Fol.
  9. linnaei fauna suecica. ed. 2. Holm. 1761. 8.
  10. th. pennant's British Zoology. Lond. 1768–77. IV
    vol. 8.
  11. und Dess. großes Kupferwerk unter gleichem Titel. ib.
    seit 1763. gr. Fol.

Vierter Abschnitt.
Von den Säugethieren
.

[Seite 43]

§. 41.

Die Säugethiere haben zwar das warme rothe
Blut mit den Vögeln gemein; doch zeichnen sie
sich schon dadurch von ihnen aus, daß sie keine
Eyer legen, sondern lebendige Junge gebähren:
ihr Hauptcharakter aber, der sie von allen übri-
gen Thieren unterscheidet, und von dem auch die
Benennung der ganzen Classe entlehnt ist, sind
die Brüste, wodurch die Weibgen ihre Junge
mit Milch ernähren. Die Anzahl und Lage der
Brüste ist verschieden. Meist sind ihrer noch
einmal so viel, als die Mutter gewöhnlicher Weise
Junge zur Welt bringt; und sie sitzen entweder an
der Brust (mammae pectorales), oder am Bauche
(abdominales), oder zwischen den Hinterfüßen
(inguinales). Bey den Männchen sind sie weit
kleiner als der Weibgen ihre; und einigen männ-
lichen Thieren z.B. dem Mongoz, dem Ham-
ster, der Haselmaus etc. scheinen sie, wenigstens
wenn dieselben erwachsen sind, gänzlich zu feh-
len; und bey einigen andern finden sie sich, wie
beym Hunde etc. doch in geringerer Anzahl als
der Weibgen ihre, oder wie beym Hengste an
einer andern Stelle.

§. 42.

[Seite 44]

Der Körper der allermehresten Säugethiere
ist mit Haaren von sehr verschiedener Stärke,
Länge, und Farbe bedecket; die auch bey einigen
als Wolle gekräuselt, oder als Borsten straff
und struppicht sind, oder gar wie beym Igel etc.
steife Stacheln bilden. Bey manchen Thieren
sind die Haare an besondern Stellen als Mähne
oder Bart verlängert; und bey einigen wie bey
den Pferden, Hunden etc. stehen sie an bestimm-
ten Stellen in entgegen gesetzter Richtung an
einander und machen sogenannte Näthe (suturas).
Bey manchen wie z.B. bey den Seehunden etc.
ändert sich die Farbe mit dem Alter und bey den
mehresten Hausthieren dieser Classe variirt sie
so wie beym Gefieder des meisten Hausgeflügels.
Auch sind manche durch die Kälte (§. 19.) bey
uns den Winter über, in Norden aber Jahr aus
Jahr ein entweder grau wie die Eichhörnchen
(Grauwerk), oder schneeweiß wie die Wiesel
(Hermelin) etc. Wenn hingegen diese weiße Farbe
zugleich mit rosenrothen lichtscheuen Augen ver-
bunden ist, wie bey den weißen Mohren, bey
den weißen Mäusen etc. (auch bey manchen Vö-
geln,) so ist es die Folge einer wirklich kränk-
lichen Schwache. Die allermehresten Säuge-
thiere haaren sich in gewissen Jahrszeiten
so wie sich die Vögel mausern und die Schlan-
gen sich häuten etc. (§. 15.).

§. 43.

[Seite 45]

Der Aufenthalt der Säugethiere ist sehr
verschieden. Die mehresten leben auf der Erde;
manche wie die Affen, Eichhörnchen, etc. fast
blos auf Bäumen; einige wie der Maulwurf
als eigentliche animalia subterranea unter der
Erde; andere bald auf dem Lande bald im
Wasser, wie die Bieber, Seebären; und noch
andre endlich blos im Wasser wie die Wallfische.
Hiernach sind nun auch ihre Füße oder änli-
che Bewegungswerkzeuge verschieden. Die
Mehresten haben vier Füße, der Mensch nur
zweye, aber auch zwey Hände. Die Affen hin-
gegen haben vier Hände, und können die an
den Hinterfüßen, da sie auch einen abstehenden
Daumen und keine große Zehe haben, eben so
wol zum fassen und greifen gebrauchen als ihre
Vorderhände. Die Finger und Zehen der
Säugethiere sind in Rücksicht ihrer Bildung,
Anzahl und Verbindung sehr verschieden. Ge-
meiniglich sind sie frey; bey einigen aber, die
im Wasser und auf dem Lande zugleich leben,
durch eine Schwimmhaut verbunden. Bey den
Fledermäusen sind die an den Vorderfüßen un-
gemein lang und dünne; und zwischen ihnen ist
eine floränliche Haut ausgespannt die zum flie-
gen dient. Die Füße mancher Seethiere aus
dieser Classe sind wie in einen Klumpen verwach-
sen, und bey den Wallfischen äneln sie gar den
Floßfedern der Fische; doch daß die Hinter-
[Seite 46] floßen ohne Knochen sind, und horizontal,
nicht wie ein Fischschwanz ver-
tical, liegen. Einige wenige Säugethiere (Solid-
ungula
) haben Hufe; viele aber (Bisulca) ge-
spaltene Klauen. Die mehresten gehen blos
auf den Zehen der Füße; einige aber, wie der
Mensch, und gewissermaßen auch die Affen,
Bären, Elephanten u.a.m. auf der ganzen
Fußsohle bis zur Ferse.

§. 44.

Die Ameisenbären, Formosanischen Teu-
felgen, und einige Wallfische ausgenommen,
sind die übrigen Säugethiere mit Zähnen ver-
sehn, die man in Schneidezähne (incisores),
Spitzzähne oder Eckzähne (caninos), und
Backenzähne (molares), abtheilt. Die letztern
zumal sind nach der verschiednen Nahrung die-
ser Thiere auch verschiedentlich gebildet. Bey
den fleischfressenden nemlich ist die Krone zackicht
und scharf; bey den grasfressenden oben breit und
eingefurcht; und bey denen die sich, so wie der
Mensch, von beiden organisirten Reichen näh-
ren, in der Mitte eingedruckt, und an den Ecken
abgerundet.

§. 45.

Blos unter den Säugethieren, und zwar nur
unter den grasfressenden, giebt es wirklich wieder-
kauende Gattungen, bey welchen nemlich das
blos flüchtig zerbißne und geschluckte Futter
[Seite 47] bissen-weis wieder durch den Schlund zurück ge-
trieben und nun erst recht durchkaut und dann
zum zweytenmal geschluckt wird.

Der allgemeine Character dieser wieder-
kauenden Thiere liegt nicht in den gespaltnen
Klauen, als welche auch den Schweinen zukom-
men, die doch nicht ruminiren, und hingegen
den allerdings wiederkauenden Caninchen etc. ab-
gehen. Eben so wenig giebt der blose Mangel
der obern Vorderzähne ein hinreichendes Unter-
scheidungszeichen, da sie bey den Caninchen sogar
doppelt sind etc.

Mehr allgemein passend ist hingegen die den
wiederkauenden Thieren eigne Bildung der Ba-
cken-Zähne; die wie mit sägeförmigen Queer-
furchen ausgeschnitten, und deren Kronen nicht
horizontal liegen, sondern schräg-ausgeschlegelt
sind, so daß an denen im Oberkiefer die Ausenseite
– an denen im untern aber die nach der Zunge
hin gerichtete innere Seite, die höchste ist. Da-
bey haben sie einen schmalen Unterkiefer der eine
sehr freye Seitenbewegung hat, wodurch denn
wie der Augenschein lehrt, der Mechanismus
dieser sonderbaren Verrichtung bewürkt wird.

Ann. 1. Bey denjenigen ruminantibus, die zugleich gespalt-
ne Klauen haben, nemlich bey den Geschlechtern
der Schaafe und Ziegen, Antilopen, des Rindviehs,
der Cameele, Hirsche, Moschus-Thiere und vermuth-
lich auch der Giraffe kommt nun auserdem noch der
[Seite 48] vierfache Magen hinzu, dessen innerer Bau und
Mechanismus überaus merkwürdig ist. Das zum
erstenmal geschluckte noch halb-rohe Futter gelangt
nemlich in den ungeheuren ersten Magen, (rumen,
[...] gnus venter
, franz. le double, l'herbier, la panse,
der Pansen, Wanst) als in ein Magazin, worin
es nur ein wenig durchweicht wird. Von da wird
eine kleine Portion dieses Futters nach der andern mit-
telst des zweyten Magens (reticulum, franz. le bonnet,
le reseau
, die Haube, Mütze, das Garn) der gleich-
sam nur ein Anhang des ersten ist, aufgefaßt und wie-
der durch den Schlund hinauf getrieben. Nun wird
der wiedergekaute zum zweytenmal geschluckte
Bissen durch eine besondere Rinne, ohne wieder
durch die beiden ersten Mägen zu passiren, gleich
aus dem Schlunde in den dritten (echinus, cen-
tipellio, omasus
, franz. le feuillet, le pseautier, das
Buch, der Psalter, der Blättermagen) geleitet,
mo er sich wohl bey der geringen Weite desselben
nicht lange aufhalten kan, sondern von da endlich
zur völligen Verdauung in den vierten (abomasus,
franz. la caillette, der Laab, die Ruthe, der Fett-
magen) gelangt, der dem Magen andrer Säuge-
thiere am nächsten kommt.

Anm. 2. Der allgemeine Haupt – Nutze der Rumina-
tion scheint noch unbekannt. – Vielen kleinen,
schüchternen, unbewaffneten wiederkauenden Thie-
ren und denen noch dazu von den reissenden Thie-
ren so sehr nachgestellt wird, kommt sie in sofern
zupasse, daß sie ihr Futter auf der offnen Weide
geschwind abgraßen und dann im Dickicht in Ruhe
und Sicherheit gemäglich ruminiren können etc.

§. 46.

Die allermehresten Säugethiere haben eine
Stimme (vox), die nach Verschiedenheit der
Gattungen, des Geschlechts, des Alters, und
der Leidenschaften überaus mannichfaltig ist. Ei-
nige, wie der Maulwurf, die Hasen, Canin-
[Seite 49] chen etc. lassen sie aber nur im äußersten Noth-
fall erschallen. Der Mensch allein besitzt aus-
schlieslich den Gebrauch der Sprache (loquela).
die eine nothwendige Folge der ihm ebenfalls
allein eignen Vernunft (§. 37.) ist.

§. 47.

Außer den Klauen, Zähnen etc. sind viele
Säugethiere auch mit Hörnern zu Waffen ver-
sehen, die doch, wie der Bart beym Menschen,
meist erst gegen die Zeit der Mannbarkeit recht
hervorbrechen. Bey einigen Gattungen, wie
beym Hirsch, Reh etc. sind die Weibchen unge-
hörnt; bey andern, wie im Ziegengeschlecht,
sind ihre Hörner doch kleiner als der Männchen
ihre. Anzahl, Structur, und Lage der Hör-
ner sind sehr verschieden. Beym Ochsen-Ziegen-
und Gazellengeschlecht sind sie hol, und sitzen wie
eine Scheide über einem knöchernen Zapfen oder
Fortsaß des Stirnbeins. Des Rhinocers Hör-
ner sind dichte, und blos mit der Haut auf der
Nase verwachsen. Beym Hirschgeschlecht hin-
gegen, sind sie zwar ebenfalls solide, aber von
besondrer Structur, und astig. Sie heissen
dann Geweihe, und werden mehrentheils alljär-
lich abgeworfen und neue an ihrer statt repro-
ducirt.

§. 48.

Die Oeffnung des Afters wird bey den meh-
resten Säugethieren durch den Schwanz be-
[Seite 50] deckt, der eine Fortsetzung des Kukuksbeins
(coccyx), und von mannichfaltiger Bildung
und Gebrauch ist. Er dient z.B. manchen
Thieren die Fliegen und Bremsen von sich zu
wedeln; andern statt einer Hand, um sich daran
halten, oder fast wie der Elephant mit seinem
Rüssel damit fassen zu können (cauda prehensilis,
Rollschwanz); dem Eichhörnchen zur Haltung
beym schnellen Lauf auf den Zweigen etc.

§. 49.

Noch sind am Körper einiger Thiere dieser
Classe besondere Beutel von verschiedner Be-
stimmung zu merken. So haben viele Affen,
Paviane, Meerkatzen, auch der Hamster, die
Ziselmaus u.a., Backentaschen, um Proviant
darin einschleppen zu können. Beym Weibchen
der Beutelratte liegen die Zitzen in einer beson-
dern Tasche am Bauche, worein sich die saugen-
den Junge verkriechen können. Der Orang-
utang und manche andre Affen, auch das Renn-
thier etc. haben einen Beutel am Halse, der sich in
die Kehle öffnet, und vermuthlich zur Verstärkung
der Stimme dient. Der Bieber, die Zibetkatze,
das Bisamthier, der Dachs u.a.m. haben ver-
schiedne Behälter (folliculos) am Nabel, beym
After etc. in welche sich eine klebriche, starkrie-
chende Feuchtigkeit sammlet u.s.w.

§. 50.

[Seite 51]

Die Wichtigkeit der Thiere überhaupt läst
sich hauptsächlich aus einem zweyfachen Gesichts-
punkte bestimmen; entweder nemlich, in so ferne
sie auf die Haushaltung der Natur im großen,
auf den ganzen Gang der Schöpfung Einfluß
haben; oder in so fern sie dem Menschen unmit-
telbar nutzbar werden. Aus jener Rücksicht sind,
wie wir unten sehen werden, die Insecten die
bey weiten wichtigsten Geschöpfe; aus dieser hin-
gegen die Säugethiere. Die Verschiedenheit in
ihrer Bildung, ihre große Gelehrigkeit, ihre
Stärke u.s.w. machen sie für den Menschen
aus die mannichfaltigste Weise brauchbar. Aus
keiner andern Classe von Thieren hat er sich so
treue, dienstfertige und arbeitsame Gehülfen zu
schaffen gewußt; keine ist ihm zu seinem unmit-
telbaren Gebrauch und zu seiner Selbsterhaltung
so schlechterdings unentbehrlich als diese. –
Ganze Völker des Erdbodens können mit einer
einzigen Art von Säugethieren fast alle ihre
dringendsten Bedürfnisse befriedigen. So die
Grönländer mit dem Seehund; die Lappen,
Tungusen etc. mit dem Rennthier; die Aleuten mit
dem Wallfisch. – Gewissermaßen auch die Ein-
wohner der Lüneburger Heide mit dem Schaaf etc.

§. 51.

Die vielfache Brauchbarkeit der Säuge-
thiere fürs Menschengeschlecht reducirt sich vor-
[Seite 52] züglich auf folgendes. Zum Reiten, zum,
Zug, Ackerbau, Lasttragen u.s.w.: Pferde,
Maulthiere, Esel, Ochsen, Büffel, Rennthiere,
Elephanten, Kameele, Lacmas, Hunde. Zur
Jagd, zum Bewachen etc. Hunde. Zum
Mausen und Vertilgen anderer schädlichen Thiere:
Katzen, Igel, Ameisenbären etc. Zur Speise:
das Fleisch von Rindvieh, Schafen, Ziegen,
Schweinen, vom Hirschgeschlecht, von Hasen,
Caninchen, u.s.w. Ferner Speck, Schmalz,
Blut, Milch, Butter, Käse. Zur Kleidung,
zu Decken, Zelten etc. Pelzwerk, Leder, Haare,
Wolle etc. Zum Brennen: Talg, Fischthran,
Wallrath. Zum Schreiben, Bücherbinden etc.
Pergament, Leder. Für andere Künstler und
zu gemischtem Gebrauch: Borsten, Haare,
Geweihe, Hörner, Klauen, Elfenbein, Zähne,
Fischbein, Knochen, Blasen. Sehnen und
Knochen zu Tischlerleim. Därme zu Saiten.
Blut zu Farbe. Mist zum Dünger, zur Feue-
rung, zu Salmiak etc. Harn zu Phosphorus.
Endlich zur Arzney: Bisam, Biebergeil,
Hirschhorn, Milch etc.

§. 52.

Von der andern Seite sind aber freylich
mehrere Thiere dieser Classe dem Menschenge-
schlecht unmittelbar oder mittelbar nachtheilig.
Die reissenden Thiere, besonders aus dem Katzen-
Geschlecht, tödten Menschen. Eben diese und
[Seite 53] noch manche andere z.B. die Wiesel, Marder,
Iltise, Vielfraße, Fischottern, Wallfische etc. ver-
tilgen viele nutzbare Thiere: – oder schaden den
Gewächsen, Bäumen, Gartenfrüchten, dem
Getraide u.s.w. wie die Feldmäuse, Hamster,
Leming, Hirsche, Hasen, Bieber, Affen, Ele-
phanten, Rhinocer, Nilpferde etc. oder gehen
andern Eßwaaren nach; wie Ratten, Mäuse,
Fledermäuse, Murmelthiere. Verderben Haus-
geräthe, wie die Schakale, Hyänen u.s.w.
Gift besitzt kein einziges Thier dieser Classe,
außer in der Wuth und Wasserscheue, der zu-
mal die aus dem Hundegeschlecht leicht ausge-
setzt sind.

§. 53.

Man hat verschiedene künstliche Systeme,
nach welchen berühmte Männer die Säugethiere
zu ordnen versucht haben. Aristotelis Einthei-
lung z.B. ist auf die Verschiedenheit der Zehen und
Klauen gegründet, und die haben auch Ray
u.a. nach der Hand angenommen und weiter be-
arbeitet. Aber hierbey müssen die verwandte-
sten und im ganzen noch so änlichen Gattungen
von Ameisenbären, Faulthieren etc. getrennt, und
in ganz verschiedene Ordnungen versetzt werden,
blos weil die eine mehr, die andere weniger Ze-
hen hat. Linné hat die Zähne zum Classifica-
tionsgrund gewählt, ein Weg, auf dem man
aber nicht minder, bald auf die unnatürlichsten
[Seite 54] Trennungen, bald auf die sonderbarsten Verbin-
dungen stößt. Das Geschlecht der Fledermäuse
muß nach des Ritters Entwurf, wegen des ver-
schiedenen Gebisses bey einigen Gattungen we-
nigstens in drey verschiedene Ordnungen zerstückt
werden; der Elephant kommt mit den Panzer-
thieren, und den formosanischen Teufelgen; der
Igel aber und der Maulwurf mit Löwen und
Tigern in eine gemeinschaftliche Ordnung.

§. 54.

Ich habe daher diesen Mängeln abzuhelfen,
und ein natürliches System der Säugethiere zu
entwerfen getrachtet, wobey ich nicht auf ein-
zelne abstrahirte, sondern auf alle äußere Merk-
male zugleich, auf den ganzes Habitus, der
Thiere gesehn habe. So sind Thiere die in
neunzehn Stücke einander änelten, und nur im
zwanzigsten differirten, doch zusammengeordnet
worden, dieses zwanzigste mochten nun die
Zähne oder die Klauen oder irgend ein andrer
Theil seyn; und so sind denn folgende zwölf Ord-
nungen dieser ersten Classe entstanden:

I. Ord. Inermis. Der Mensch mit zwey
Händen.

II. Pitheci. Thiere mit vier Händen. Affen,
Paviane, Meerkatzen, und Makis.

[Seite 55]

III. Bradypoda. Thiere mit langen haken-
förmigen Krallen, deren ganzer Körper-
bau auf den ersten Blick Trägheit und
Langsamkeit verrächt. Faulthiere, Amei-
senbären.

IV. Sclerodermata. Die Säugethiere mit
sonderbaren Decken statt behaarter Haut,
und zwar a) mit Schuppen: die Formo-
sanischen Teufelgen; b) mit Schildern:
die Panzerthiere; c) mit Stacheln: Igel
und Stachelschweine.

V. Chiroptera. Die Sängethiere, deren
Vorderfüße Flügel bilden (§. 43.). Die
Fledermäuse.

VI. Glires. Mäuse, Maulwürfe, Hasen,
Wiesel und andere verwandte kleinere viel-
zehigte Säugethiere.

VII. Ferae. Reissende Thiere, die Menschen
anfallen. Nur die Bären-Hunde- und
Katzen-Geschlechter.

VIII. SolidunguIa. Pferd etc.

IX. Bisulca. Thiere mit gespaltnen Klauen.

X. Belluae. Ungeheure, dünnbehaarte Thiere,
mit dicken Füßen. Tapir, Elephant,
Nashorn, Nilpferd.

[Seite 56]

XI. Palmata. Die Amphibien dieser Classe
mit kurzen Schwimmfüßen: und zwar
a) lacustria, mit bloßer Schwimmhaut
zwischen den Zehen; b) marina, mit ver-
wachsenen Fingern (§. 43.), deren Spur
nur durch die Nägel bezeichnet wird.

Der Manate macht von hier den schick-
lichsten Uebergang zur

XIIten O. Cetacea. Wallfische, warmblütige
Thiere, die mit den kaltblütigen Fischen
fast nichts als den unschicklichen Namen
gemein haben, und deren natürliche Verbin-
dung mit den übrigen Säugethieren schon
Ray vollkommen richtig eingesehen hat.*)

Zur N. G. der Säugethiere.

  1. conr. gesneri historiae animalium L. I. de quadrupedi-
    bus viuiparis
    . Basil. 1551. sol.
  2. vl. aldrovandi de quadrupedibus digitatis viuiparis L.
    III. Bonon. 1627. fol.
  3. id. de quadrupedibus solidipedibus. ib. 1616. fol.
  4. id. de quadrupedibus bisulcis. ib. 1613. fol.
  5. ei. de cetis L. I. (am Ende seines Werks de piscibus).
    ib. eod. fol.
  6. io. raii synopsis animalium quadrupedum Lond. 1613. 8.
  7. buffon.
  8. th. pennant's synopsis of quadrupeds. Chester 1771. 8.
  9. ei. history of quadrupeds. Lond. 1781. II vol. 4.
  10. ei. arctic zoology vol. I. ib. 1784. 4.
  11. I. Ch. Dan. Schrebers Säugthiere. Erlang. seit
    1774. 4.
  12. i. chr. pol. erxleben systema mammalium. Lips. 1777. 8.
  13. e. a. w. zimmermann specimen zoologiae geographicae.
    LB
    . 1777. 4.

I. Ordn. INERMIS.

[Seite 58]

1. Geschl. homo. Animal rationale, loquens,
erectum, bimanum.

1. Gatt. sapiens. Der Mensch wird durch so
merkwürdige Eigenschaften des Geistes und des
Körpers von der ganzen übrigen thierischen
Schöpfung ausgezeichnet, daß er bey weitem
nicht blos in einem eignen Geschlecht, sondern
allerdings in einer besondern Ordnung von ihr
abgeschieden werden muß.

Er hat außer dem Begattungstrieb wenig
Spuren von Instinct (§. 33 u. f.), Kunsttriebe
aber (§. 36.), schlechterdings gar nicht. Da-
gegen ist er ausschlieslich im Besitz der Vernunft
(§. 37.), und der dadurch erfundenen Rede
oder Sprache (loquela), die nicht mit der
blos thierischen Stimme (vox) als welche auch
den ganz jungen und selbst den stummgebohrnen
Kindern zukommt, verwechselt werden darf (§.
46.). Daß die Rede hingegen eine blose Folge
der Vernunft und nicht etwa der besondern Or-
ganisation der menschlichen Sprachwerkzeuge
sey, erhellt aus den bekannten Beyspielen der
Papagaien, Raben etc. die allerhand Worte ganz
vernehmlich nachsprechen lernen. Die Stimme
ist den Thieren wie ihr Instinct angebohren;
die Sprache hingegen entwickelt sich erst mit der
Vernunft, da dann die Seele ihre erlangten
Begriffe, der Zunge zum Aussprechen über-
[Seite 59] trägt. Es giebt eben so wenig ein sprachloses,
als ein vernunftloses Volk auf unserer Erde,
und wir haben nun die Wörterbücher der Es-
kimos, der Hottentotten und anderer Nationen,
denen die leichtglaubigen Reisenden der alten
Zeit die Rede abzusprechen wagten.

Zu den körperlichen Eigenschaften des Men-
schen gehört vorzüglich sein aufrechter Gang,
wozu seine breiten Fussohlen, und überhaupt
sein ganzer Körperbau eingerichtet ist, und der
Gebrauch zweyer Hände, wodurch er, selbst
vom menschenähnlichsten Affen zu unterschei-
den ist.

Das weibliche Geschlecht hat noch ein paar
eigenthümliche Chraktere, die dem männlichen
und allen übrigen Thieren abgehen, nemlich
einen periodischen Blutverlust in einer bestimm-
ten Reihe von Lebensjahren; und dann ein
körperliches Rennzeichen der unverlezten Jung-
fräulichen Unschuld.

Der Mensch ist für sich ein wehrloses hülf-
bedürftiges Geschöpf, das ohne alle Waffen
und ohne alle schützende Bedeckung auf die Welt
kommt. Kein andres Thier außer ihm ist so in-
stinctlos, keins bleibt so lange Kind, keins kriegt
so sehr späte erst sein Gebiß, lernt so sehr späte
erst auf seinen Füßen stehn, keins wird so sehr
späte mannbar u.s.w. Selbst seine großen
Vorzüge, Vernunft und Sprache, sind nur
Keime, die sich nicht von selbst, sondern erst
durch fremde Hülfe, durch Kultur und Erzie-
hung entwickeln können; so daß sich also wol
die sonderbare Frage von selbst beantwortet, ob
der Mensch bey dieser natürlichen Blöse und
[Seite 60] bey diesen zahllosen dringendsten Bedürfnissen
zum geselligen Umgang bestimmt sey oder nicht?
So wie es sich aus der Proportion in der An-
zahl der gebohrnen Mädgen und Knäbgen, aus
den unglücklichen Folgen der Vielweiderey u.s.w.
von selbst ergiebt, daß er in Monogamie leben soll.

Sein Aufenthalt und seine Nahrung sind
beide unbeschränkt; er bewohnt die ganze Erde,
und nährt sich beynahe von der ganzen organi-
sirten Schöpfung. Und in Verhältnis mit seiner
mäßigen körperlichen Größe, und in Vergleich
mit andern Säugethieren erreicht er ein aus-
nehmend hohes Alter, was ihn für seine lange
Kindheit entschädigt.

Es giebt nur eine Gattung im Menschen-
geschlecht; und die Menschen aller Zeiten und
aller Himmelsstriche können von Adam abstam-
men. Die Verschiedenheiten in Bildung und
Farbe des menschlichen Körpers werden blos
durch Clima, Nahrung, Lebensart u.s.w. bewirkt,
da der Mensch kein Privilegium hat, warum
er nicht auch, wie jeder andere organisirte Kör-
per, (§. 10.) wie eine Taube oder wie eine
Tulpe, ausarten sollte? So brennt die Son-
nenhitze die Mohren schwarz, und macht sie
kraushaarigt; so wie hingegen die Kälte in Nor-
dischen Zonen weiße Farbe und kleine Statur
hervorbringt. Alle diese Verschiedenheiten fließen
aber so unvermerkt zusammen, daß sich keine
andre als sehr willkührliche Gränzen zwischen
ihnen festsetzen lassen; doch habe ich das ganze
Menschengeschlecht noch am füglichsten unter fol-
gende fünf Varietäten zu bringen geglaubt;

1) Die ursprüngliche und größte Raçe begreift
erstens alle Europäer, die Lappen mit ein-
[Seite 61] geschlossen, deren Bildung und Sprache ihre
Finnische Abkunft verrätht, und die gar nichts
so auszeichnendes haben, daß sie eine beson-
dere Varietät ausmachen könnten: sodann die
Asiaten, die disseits des Obi, des Caspi-
schen Meers, des Gebürges Imaus und
des Ganges, wohnen: und endlich die Nord-
afrikaner. Alle diese Völker find mehren-
theils von weißer Farbe, und nach den Eu-
ropäischen Begriffen von Schönheit die best
gebildetsten Manschen.

2) Die übrigen Asiaten, jenseits des Obi,
Ganges etc. und bann die allernordlichsten
Americaner, (an der westlichen Küste nemlich
etwa bis nach Alaschka etc. und an der ostlichen
bis Labrodor). Sie sind meist gelbbraun,
dünnbehaart, haben platte Gesichter und kleine
Augen. Als Ideal ihrer Gestaltung denke
man sich die Schinesen.

3) Die übrigen Afrikaner: von schwarzer
Farbe, mit wollichten Haar, stumpfen Nasen,
und aufgeworfenen Lippen Am auffallendsten
ist dieser Charakter bey den Negern, die sich
dann in die Abessinier, Mauren etc verlieren,
so wie jede andre Menschen-Varietät mit
ihren benachbarten Völkerschaften gleichsam
zusammenfließt.

4) Die übrigen Amerikaner: von kupferro-
ther Farbe, meist schlanken Wuchs und her-
vorstehenden Backenknochen, tiefliegenden Au-
gen etc.

5) Die Südländer oder Australasiaten und Po-
lynesen des fünften Welttheils; dazu man
auch wohl die Bewohner der Sundaischen In-
seln, der Molukken, Philippinen u.s.w. zäh-
[Seite 62] len könnte. Sie sind meist schwarzbraun,
breitnasicht, großmanlicht und dick-behaart.
Ihre Gesichtszüge gleichsam stark ausge-
würkt etc.

* * *

Alle den fabelhaften Wust herzuzählen, womit
die Menschen die N. G. ihres Geschlechts
verunreinigt haben, lohnt sich kaum mehr
der Mühe: die vermeintlichen Patagonischen
Riesen z. N. sind, von Magalbaens Zeiten
bis auf die unsrigen, in den Erzählungen der
Reisenden, von zwölf Fuß zu sechs bis sie-
benthalb eingekrochen, und bleiben also we-
nig größer als jeder andre Mensch von guter
Statur.

Und daß Commersons Quimos und andre
Zwergnationen auch nichts als abgeschmackte
Erdichtungen waren, ist jetzt nun allgemein
bekannt.

Die Rackerlacken, Blafards, Albinos oder
weiße Mohren sind nicht einmal eine Spiel-
art, geschweige eine besondre Gattung, son-
dern Patienten, deren Geschickte mehr in
die Pathologie als in die Naturhistorie gehört.

Linnés Homo troglodytes ist ein unbegreif-
liches Gemische aus der Geschichte jener
preßhaften kränklichen Menschen, und des
Orangutangs: sein Homo lar hingegen ein
wahrer Affe.

Die in Wildnis unter Thieren erwachsenen Kin-
der find klägliche sittliche Monstra, die man
eben so wenig, als andre durch Krankheit
oder Zufall entstellte Menschen, zum Muster
[Seite 63] des Meisterstücks der Schöpfung anführen
darf.

Geschwänzte Völker, von Natur geschürzte
Hottentotinnen, Syrenen, Centauren, und
alle Fabeln von gleichem Schrot und Korn,
verzeihen wir der gutherzigen Leichtglaubig-
keit unsrer lieben Alten.


II. PITHECI.

Säugethiere mit vier Händen, wie es ihre
Lebensart und ihr Aufenthalt aus den Bäumen
erfodert. Sie sind blos zwischen den Wende-
cirkeln zu Hause.

2. simia. Affe. habitus plus minus anthropo-
morphus, auriculae et manus magis hu-
manae
.

Die Affen finden sich blos in der alten Welt;
ihr Gesicht ist zwar Menschenänlicher als an-
drer Thiere ihres, aber doch schon vorn in eine
Thier-Schnauze verlängert, weil sie, so wie
die übrigen Säugethiere einen besondern Kno-
chen (os intermaxillare) zwischen den Oberkie-
fern haben, in welchem die obern Schneidezähne
sitzen, und der dem Menschengeschlechte mangelt.
Auch ihr Unterkiefer ist länger und schmaler als
beym Menschen, das Kinn zurückgezogen, die Lippen
dünne und kurz, daher das aeffische Zähneflet-
schen. Ueberhaupt aber sind auch die Menschen-
änlichsten Affen in ihrer ganzen Bildung, durch
die schmalen Hüften, durch die platten Len-
den u.s.w. folgends durch so tausend Beson-
[Seite 64] derheiten in ihrem innern Körperbau aufs auf-
fallend sichtlichste vom Menschen unterschieden.

a) ungeschwänzte.

1. Troglodytes. der Schimpanse, Pongo,
Jocko, Barris. S. macrocephala, torosa.
dorso et humeris pilosis, reliquo corpore
glabro
.

tvlpii observ. med. p. 284. tab XIII.

Nou.a. E. Lips. m. Sept. 1739. tab. V.

Ist im innern von Angola, Congo etc. und
tiefer landeinwärts zu Hause; wird ohngefähr
fünf Fus hoch; hat doch ein etwas mehr Men-
schenänliches Ansehen als der eigentliche Orang-
utang und dient folglich zum kürzesten bün-
digsten Beweis des mächtig-großen Abstan-
des, der auch schon in Rücksicht der äusern
Bildung, zwischen dem Menschen und der gan-
zen übrigen thierischen Schöpfung vorwaltet.
Diese Thiere sind unbändig stark, wild, und
sollen Menschen anfallen. Man sagt daß sie sich
Truppweise in den dicksten Wäldern aufhalten,
sich auf den Bäumen eine Art von Laube gegen
Wind und Wetter machen, sich gern nach dem
Feuer ziehen was die Wilden etwa im Walde
angemacht haben, daß sie es aber nicht mit
nachgelegten Holze zu unterhalten verstehen.

2. Satyrus. der Orangutang (Büffons Jocko)
S. capite minore, gracilior, hirsuta; pilo-
rum humeri et ulnae contraria directione.
pollice manuum anteriorum mutico, ungue
destituto.

Schrebers Säugth. tab. II. A.

[Seite 65]

vosmaer descr. du or. out. Amst. 1778.
4. tab. I. II.

Dieses berufene Thier, das mit dem vori-
gen sehr oft unter dem gemeinschaftlichen Na-
men von Waldmensch, Pygmäe u.s.w. ver-
wechselt worden, ist wie es scheint blos auf Bor-
neo zu Hause, wird ohngefähr 4 Fus hoch, hat
aber einen weit schlankern, schmächtigern Wuchs,
kleinern Kopf, ganz andere Gesichtsbildung und
einen dicht behaarten Leib. Ist sehr schüchtern
und leutescheu, und wird daher selbst in seiner
Heimat nicht häufig gesehen; gewohnt auch gar
schwer der Gefangenschaft und fremden Climas;
läßt sich aber doch wenn es ganz jung einge-
fangen worden, so wie der Schimpanse und
andere Affen auch, zu allerhand künstlichen
Handlungen abrichten, die man aber von seinem
natürlichen Betragen genau unterscheiden muß.

Nach aller Wahrscheinlichkeit giebt es aber
in Ostindien, und zumal auf den Sundaischen
Inseln, noch andere Gattungen von menschen-
änlichen Affen die von diesem wahren Orang-
utang specifisch verschieden sind. Selbst der
langzottige Affe den Hr. Prof. Camper zerglie-
dert und als einen Orangutang beschrieben*),
scheint mir, besonders auch bey seinem so ganz
auffallend sonderbaren Profil mit einer so
stark gewölbten Stirne und hingegen fast ho-
rizontal hervorragenden Schnauze, mehr als
eine blose Spielart des vorigen zu seyn.

[Seite 66]

Herr Camper hat dieses Thier zerglie-
dert und die physische Unmöglichkeit erwie-
sen, daß dergleichen sogenannte Menschenänliche
Geschöpfe je einer menschlichen Rede, oder eines
natürlichen aufrechten Ganges etc. fähig seyn
könnten.

3. Longimana. der Gibbon oder Golok.
(Linne's homo lar.) S. brachiis longissimis,
talos attingentibus
.

Schreber tab. III.

jo. Fr. miller Fasc. V. tab. XXVII.

Ein artiges, kirres, aber schwächliches
Thier, was sich in Malacka, Coromandel, und
auf den Molucken findet, und dem sein ziemlich
menschenänlichcs Gesicht und die ungeheuer lan-
gen Arme ein sonderbares Ansehn geben. Es
ist von schwärzlicher Farbe, wird gegen vier Fus
hoch, und braucht, wenns auch auf allen vie-
ren lauft, sich doch nur wenig mit dem Körper
vorwärts zu beugen.

4. Syluanus. der gemeine Türkische Affe. S.
brachiis corpore breuioribus, natibus cal-
uis, capite subrotundo
. *

Schreber tab. IV.

Der allergemeinste und dauerhafteste Affe, der
auch in Europa leicht Junge heckt. Hat etwa
die Größe vom Fuchs, ist leicht zu zähmen, sehr
gelehrig und possirlich, lebt Schaarenweise in
Nordafrica, Ostindien etc.

5. Inuus (cynocephalus auctorum. Büffons
magot.) S. capite oblongo, natibus caluis. *

Schreber tab. V., it. V. a. V. b.

[Seite 67]

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen
und ist ihm überhaupt so nahe verwandt daß
es schwer hält beide recht bestimmt von einan-
der zu unterscheiden. Zumal da beide, den
Abbildungen nach zu urtheilen, selbst in meh-
rere Varietäten ausgeartet zu seyn scheinen.
Man hält den inuus für den wahren Aegypti-
schen cynocephalus der Alten. – Derselbe
Affe soll auch auf Gibraltar verwildet seyn und
sich da im freyen fortpflanzen. Und im 6ten Jahr-
hundert war (vermuthlich auch durch eine solche
zufällige Verwilderung) ganz Corsica voll Affen.

b) geschwänzte.

6. Cynomolgus. der Macacco. die (insgemein
sogenannte) Meerkatze S. cauda longa,
arcuata, labio leporino
. *

Schreber tab. XIII.

Im westlichen Africa, auf Guinea, Ango-
la etc. Von beynah oliven-grünlicher Farbe. Ein
überaus lebhaftes, possirliches und dauerhaftes
Thier, das daher sehr häufig nach Europa ge-
bracht wird.

7. Aygula (Büffons aigrette) S. subimberbis
grisea, eminentia pilosa verticis reuersa lon-
gitudinali
. *

Schreber tab. XXII.

In Ostindien. Graugelblich. Von der Größe
einer Katze.

3. papio. Pavian. (Fr. babouin. Engl. ba-
boon
.) Caput prolongatum, minus anthro-
pomorphum, nates nudae, coccineae, cauda
abbreuiata.

[Seite 68]

Auch die Paviane sind der alten Welt eigen.
Ihr Kopf hat wenig menschenänliches, bey man-
chen ehr etwas vom Schwein, zumal in der
breiten Schnauze. Auch ihre Stimme ist so
grunzend. Meist sind es unbändige, säuische
und äußerst geile Thiere.

1. Mormon. der Choras. P. naso miniato, ad
latera coerulescente
. *

Schreber tab. VIII. A. VIII. B.

Wird gegen fünf Fus hoch, ist auf Ceilan etc.
zu Hause, und hat wegen der schönen farbichten
Streifen im Gesicht, wegen seines weißen Barts,
und der spitzzulaufenden Kopfhaare, ein auffal-
lendes Ansehn.

2. Mandril. (maimon linn.) P. facie violacea
glabra, profunde sulcata
. *

Schreber tab. VII.

Auf Guinea, am Cap etc. wo oft ganze
Schaaren des Nachts Weinberge und Obstgär-
ten plündern sollen. Die Größe scheint bey die-
sem Pavian und auch wol bey andern Thieren
dieser Ordnung zuweilen sehr verschieden zu
seyn. Es giebt Mandrils, die wol fünf Fus
hoch sind; einer aber den ich zergliedert habe,
war völlig ausgewachsen und bejahrt, und doch
nur von der Größe des Fuchses.

4. cercopithecvs. Meerkatze. auriculae mi-
nus humanae. manus (plurimis) quasi sciu-
rinae.

Das ganze Geschlecht ist blos in America
einheimisch.

a) cauda prehensili, die Sapajus.

[Seite 69]

1. Paniscus. der Coaita, Beelzebub. C. ater,
palmis tetradactylis absque pollice
. *

Schreber tab XXVI. A. XXVI. B.

In Südamerika, besonders in Brasilien.
Soll mit seinem langen Rollschwanz Fische fan-
gen können; und wenn mehrere von einem Bau-
me diesseits eines schmalen Flußes auf einen an-
dern, jenseitigen wollen; so sollen sie sich, wie
eine Kette, von einem Aste herunter aneinan-
der hängen, und so lange über dem Wasser hin
und wieder schwanken, bis der unterste den jen-
seitigen Baum erreicht und sich dran angehal-
ten hat, da dann der erste losläßt, und so die
ganze Kette nüber fliegt.*)

b) cauda non prehensili, die Sangu-
inchen.

2. Jacchus. der Uistiti. C. juba pilosa alba
ad genas ante aures, cauda villosa annu-
lata.
*

Schreber tab. XXXIII.

In Brasilien. Von brauner Farbe und so
klein daß er in einer Cocosnuß-Schale Raum hat.
Soll besonders gern Fische fressen.

5. lemvr. Mati. Nasus acutus, dentes inci-
sores inferiores porrecti, compressi, incum-
bentes
.

1. Cucang. der Loris. (tardigradus linn.)
L. ecaudatus. *

Schreber tab. XXXVIII.

Diese und die folgende Gattung haben am
Zeigefinger der Hinterfüße eine spitzige Kralle,
an allen übrigen Fingern aber platte Nägel.
[Seite 70] Der Loris findet sich auf Ceilan; ein flinkes leb-
haftes Thiergen von der Größe und Farbe des
Eichhörnchens, schlanken dünnen Beinen etc.

2. Mongoz. der Mongus L. facie nigra, cor-
pore et cauda griseis
. *

Schreber tab. XXXIX. A. XXXIX. B.

Ist so wie einige verwandte Gattungen auf
Madagaskar, und den benachbarten Inseln zu
Hause. Hat schöne orangegelbe Augen, sehr
weiches Haar, und einen langen wollichten
Schwanz, den er im Sitzen um den Hals schlägt.
Die Hinterfüße sind viel länger als die vor-
dern. Sein Fell hat, wie bey manchen Affen,
einen specifiken Geruch, fast nach Ameisen-
haufen.


III. BRADYPODA.

Der Bau der Füße und der ganze Habi-
tus dieser Thiere verrätht ihren trägen langsa-
men Gang. Meist haben sie wenige Zehen an
den Vorderfüßen, die aber mit großen krum-
men Klauen versehen sind, und zum klettern
auf Bäumen dienen. Sie sind dickbehaart,
und durch zahlreiche aber sehr breite Rippen von
innen fast so gut gepanzert, als die Scleroder-
mata
durch ihre hornichte Decken von aussen.

6. ignavvs. Faulthier. (Fr. paresseux. Engl.
sloth.) Caput rotundatum, crura antica
longiora.

[Seite 71]

1. Tridactylus. der Aï. I. pedibus tridacty-
lis, cauda breui.
*

Schreber tab. LXIV.

Freylich ein äußerst langsames, schwerfälli-
ges Geschöpf, was nie mehr als einen Fus auf
einmal aufheben, nachher jedesmal erst einige
Zeit ausruhen, und beständig sein heulendes
Aï, wovon es den Namen hat, hören lassen soll.
Aber bey aller dieser Trägheit ist es (wie ich
von Augenzeugen weis die sich viele Jahre in
Guiana aufgehalten) listig genug um seinen
Feinden, zumal den kleinen Amerikanischen Ti-
gern etc. auf allerhand Weise zu entgehen; und
stark genug um sich im Nothfall gegen sie zu
vertheidigen. Hat dabey ein äußerst zähes Le-
ben, und wenige Bedürfnisse. Frißt wenig, säuft
gar nicht etc.

7. myrmecophaga. Ameisenbär. (Fr. four-
miller
. Engl. ant-eater.) Rostrum pro-
ductius, lingua lumbriciformis, dentes
nulli.

1. Didactyla. der kleine Tamandua. M. pal-
mis didactylis, ungue exteriore maximo,
plantis tetradactylis, cauda prehensili.
*

Schreber; tab. LXVI.

In Südamerica; von der Größe und auch
fast von der Farbe des Eichhörnchens. Mit sei-
ner vier Zoll langen Zunge bohrt er nach und
nach gleichsam einen Gang in die Ameisenhau-
fen, und da sie wie bey den übrigen Gattun-
gen mit zähem Schleim überzogen ist, so blei-
den die Ameisen dran klebend und er braucht
sie nur von Zeit zu Zeit in den Mund zu ziehen
[Seite 72] und die Thiergen hinterzuschlucken. Mit den
großen hakenförmigen Klauen der Vorderfüße
kratzt er die mit einer festen Erdrinde bedeckten
Ameisenhaufen auf.


IV. SCLERODERMATA.

Die Säugethiere mit Stacheln, oder Schup-
pen, oder Schilden statt des behaarten Fells.
Sie rollen sich bey Gefahr ganz kugelicht zu-
sammen, und können sich bey der Begattung
nicht wie die mehresten übrigen Thiere dieser
Classe bespringen.

8. manis. Formosanische Teufelchen. Cor-
pus squamis tectum. dentes nulli. lingua
teres
.

Die Bekleidung ausgenommen, haben die
Thiere dieses Geschlechts, in ihrer Bildung,
Lebensart etc. viel Aenlichkeit mit den Ameisen-
bären. Von vielen ältern Reisebeschreibern und
Naturforschern wurden sie unter die Eidexen
gezählt.

1. Macroura. der Phatagin. (tetradactyla
linn
.) M. cauda longiore. *

Schreber tab. LXX.

In Formosa u.a. Gegenden Asiens: auch
wol in Africa. Ein seltnes kleines Thier, von
der Größe des obigen Ameisenbären. Sein ge-
schuppter Körper änelt einem Tannenzapfen.
Die Schuppen sind von dunkelbrauner Farbe
und ungemein sauber gestreift.

[Seite 73]

9. tatu. Armadill, Panzerthier. (dasypus
linn.) Corpus testis zonisque osseis tectum,
dentes incisores et laniarii nulli
.

1. Nouemcinctus der Caschicame. Zonis dor-
salibus
IX. palmis tetradactylis. plantis pen-
tadactylis
.*

Schreber tab. LXXIV.

In Südamerica, wohin das ganze Geschlecht
zu Hause zu gehören scheint. Baut unter die
Erde und ist sehr kirre so daß die Kinder damit
spielen.

10. histrix. Corpus spinis tectum.

1. †. Erinaceus. der Igel. (Fr. le herisson,
Engl. the hedge-hog) H. auriculis rotun-
datis, naribus cristatis.
*

Ein unschuldiges Thier, das fast in der
ganzen alten Welt zu Hause ist. Er nährt sich
von Ratten und Mäusen, die er mit viel Ge-
schicklichkeit zu fangen versteht; auch von Krö-
ten, Insecten, besonders aber von Früchten,
die er zuweilen an seine Stacheln gespiest zu sei-
nem Lager schleppen soll. Man unterscheidet
insgemein zwey Varietäten bey dieser Gattung:
Hundsigel und Schweinigel; deren Verschie-
denheit besonders in der Bildung der Schnauze
beruhen soll.

2. Malaccensis. H. auriculis pendulis.

seba thesaur. vol. I tab. LI. Fig. 1.

Findet sich auf Malacca und den Sundai-
schen Inseln; und ist, wegen des ehedem als
Panazee berufnen und mit großen Summen
[Seite 74] bezahlten Piedra del porco merkwürdig, der
sich zuweilen in seiner Gallenblase erzeugt.

3. Cristata. das Stachelschwein. (Fr. le porc-
epic
. Engl. the porcupine) H. capite cristato,
cauda abbreuiata
. *

Schreber tab. CLXVII.

Ist im wärmern Asien und in ganz Africa
zu Hause, nährt sich von Baumrinde und
Früchten, und nistet in einen ziemlich tiefen Bau
unter der Erde. Im Zorn rasselts mit seinen
Stacheln, die ihm zuweilen, zumal im Herbste
ausfallen, schießt sie aber nicht gegen seine Ver-
folger von sich.


V. CHIROPTERA.

Die Finger der Vorderfüße sind, den Dau-
men ausgenommen, länger als der ganze Kör-
per dieser Thiere; und zwischen ihnen ist eine
Floränliche Haut ausgespannt, die statt Flügel
dient (§. 43). Daher können sie eben so wenig
als die Affen, Faulthiere etc. bequem auf der
Erde gehn.

11. vespertilio. Fledermaus. (Fr. chauve-
souris.
Engl. bat.) Pollex palmarum et digiti
plantarum breues, reliqui longissimi
.

1. Spectrum, der Vampyr. V. ecaudatus, naso
infundibiliformi lanceolato.
*

Schreber tab. XLV.

[Seite 75]

Die Flügel abgerechnet, hat der Körper
dieses Thiers, was in Südamerica zu Hause
ist, die Größe vom Eichhorn. Es ist von grau-
braunlicher Farbe, lebt von kleinen Thieren und
Baumfrüchten, wird aber dadurch wenigstens be-
schwerlich wenn auch nicht sehr gefährlich,*)
daß es nicht nur dem Rindvieh, Pferden, Maul-
eseln etc. sondern auch schlafenden Menschen, bey
welchen es sich vorzüglich an die Fuszehen setzt,
Blut aussaugt, woher es denn auch den Na-
men des Vampyrs erhalten hat.

2. canis volans. der fliegende Hund. (Linnés
vampyrus, Büffons roussette.) V. ecauda-
tus, naso simplici, membrana inter femora
diuisa. *

Schreber tab. XLIV.

Ist größer als der Vampyr, lebt aber blos
von Baumfrüchten und wird also ganz unrich-
tig Vampyr genannt: findet sich Schaarenweis
auf Ternate und andern Ostindischen – und Au-
stral-Inseln; auf welchen letzteren er nebst den
Schweinen, Hunden und Ratten die einzigen
daselbst einheimischen Säugethiere ausmacht.

3. †. Auritus. (Büffons oreillard) V. cauda-
tus, auriculis maximis
. *

Schreber tab. L.

Diese Fledermaus hat mit der folgenden
einerley Vaterland und Lebensart. Ihre Ohren
die man insgemein, aber fälschlich, doppelt
nennt, sind auch eben so einfach, nur alle
Theile ungeheuer groß, daher das Thier ein
sonderbares Ansehen erhält.

[Seite 76]

4. †. Murinus. die gemeine Fledermaus,
Speckmaus. V. candatus, auriculis capite
minoribus
. *

Diese Thiere sind wie die vorigen animalia
nocturna
. Zu ihrem Winterschlaf hängen sie
sich in Hölen klumpweise bey den Hinterfüßen
auf.


VI. GLIRES.

Eine große Ordnung, die wieder in Fami-
lien eingetheilt werden kan. Die dahin gehö-
rigen Thiere sind vielzehicht, gehen fast immer
auf dem ganzen Hinterfuß (§. 43), und mehren-
theils im Galop. Meist sind es kleine aber
flinke, lebhafte Geschöpfe.

a) Sciurina.

12. scivrvs. cauda pilosa, disticha.

1. Volans. das fliegende Eichhörnchen, der
Polatusche. S. duplicatura cutis laterali a
pedibus anterioribus ad posteriores
. *

Schreber tab. CCXXIII.

Der Flug dieser Thiere, die sich fast in der
ganzen nordlichen Erde finden, kan bey weitem
nicht mit der Fledermaus ihrem verglichen wer-
den. Das schlappe Fell, was von ihren Vor-
derfüßen nach den Hinterfüßen zu, auf der
Seite weglauft, und wovon sich auch schon, bey
unsern gemeinen Eichhörnchen eine Spur zeigt,
dient ihnen nur zu einem Seegel, um einen
weitern Sprung wagen zu dürfen. Sie können
[Seite 77] damit nie aufwärts, nicht einmal wasserpaß,
sondern immer nur schief herunterwärts setzen.

2. †. Vulgaris. das Eichhörnchen. (Fr. l'ecu-
reil
. Engl. the squirrel) S. auriculis apice
barbatis, cauda dorso concolori.
*

Diese flinken kleinen Thiere kommen in der
Wildnis fast nie auf die Erde, sondern leben
auf den Bäumen, da ihnen bey ihren schnellen
weiten Sprüngen der Schwanz statt Seegel
und die immer stark dunstenden feuchten und
großen Fußsohlen zum festern Tritt helfen. Sie
machen sich in den. Gipfeln der Tannen und
Eichen ein Nest aus Laub und Moos, oder be-
ziehn auch wol verlaßne Nester wilder Tauben
und anderer Vögel. Ihr Vaterland ist ganz Eu-
ropa, fast ganz Asien und das nordliche Ame-
rica.

Die Nordischen, zumal an den Ufern des Obi und
am Baikal-See, werden im Winter grau, und geben
dann das bekannte Grauwerk (petit gris); das
Büffon mit Unrecht von einer besondern großen
Nordamerikanischen Gattung ableitet, und wo-
von der Bauch unter dem Namen von Vebam
zu Futtern verarbeitet wird. Zuweilen finden
sich auch schwarze Eichhörnchen; seltner schnee-
weiße mit rosenrothen Augen; auch habe ich ein
weiß- und schwarz geflecktes aus dem Gothai-
schen gesehn.

13. glis. Cauda rotunda, in apice crassior.

Leben nicht wie die Eichhörnchen auf den
Bäumen, sondern auf der Erde, und nisten
meist unter derselben.

1. †. Esculentus. der Siebenschläfer, Ras
Bilch, die Rellmaus (Fr. le loir. Engl.
[Seite 78] the rellmouse) G. griseus, subtus albidus
auriculis rotundatis, nudis.
*

Schreber tab. CCXXV.

Der Siebenschläfer ist der wahre glis der Al-
ten, den sie als Delicatesse verspeisten*), und
in eigenen glirariis**) mästeten. Er ist im südli-
chern Europa, auch einzeln hier um Göttingen zu
Hause, sein Fell änelt der Farbe nach fast dem
Grauwerk. Lebt in Eichen- und Buchenwäldern,
nistet in hole Bäume; und hält langen und
sehr festen Winterschlaf.

2. †. Auellanarius. die kleine Haselmaus. (Fr.
le muscardin. Engl. the dormouse.) G. ru-
fus, pollice plantarum mutico, auriculis
rotundatis.
*

Schreber tab. CCXXVII.

In der nordlichen alten Welt. Ein ungemein
niedliches, muntres Thierchen, von der Größe
der Hausmaus, aber mehr vom Betragen des
Eichhörnchen. Zu seinem Winterschlaf bereitet
es sich eine kuglichte ziemlich feste Hülse von
Tangelnadeln, u.a. kleinen Gestrüppe, worin
es sich vergräbt.

b) Murina.

14. marmota. auriculae abbreuiatae, cauda
breuis, pilosa
.

1. Alpina. das Murmelthier. (Romanisch
murmont vom Lat. mus montanus. Fr. la
marmotte
) M. corpore supra fusco, subtus
flauescente
. *

[Seite 79]

Schreber tab. CCVll.

In den höhern Alpen von Europa und Asien
besonders in Savoyen, Graubünden, am St
Gotthard, und in der großen Tattarey. Macht
sich tiefe Hölen in die Erde, die es mit Heu
und Moos ausfuttert, nährt sich von allerhand
Pflanzen und Wurzeln; liebt aber vorzüglich
Milchspeisen, daher es sich in den Schweizer-
alpen häufig in die Sennhütten eingräbt
Merkwürdig ist, daß man es auf der allée blan-
che
in Savoyen theils auf isolirten Klippen fin-
det die wie Inseln auf diesem Eismeer hervor-
ragen, etliche Stunden weit von allem unbe-
eisten Erdreich entfernt, und im ganzen Jahr
nur etwa 6 Wochen lang von Schnee befreyt
sind, so daß es scheint, die dasigen Murmel-
thiere durchschlafen wenigstens 10 Monate vom
Jahr und bringen nur einen äuserst kleinen Theil
ihrer Existenz wachend zu.

2. †. Citellus. das Erdzeiselgen, Suslik.
(mus noricus.) M. corpore longiore, capite
paruo, pedibus breuibus pentadactylis.
*

Schreber tab. CCXI. A. CCXI. B.

Dieses artige kleine Geschöpf steht vollkom-
men zwischen dem Murmelthier und Hamster
in der Mitte. Die äusere Gestalt und Farbe,
auch die Sitten sind wie vom Murmelthier.
Es hat aber nur die Größe vom Hamster, auch
so wie dieser Backentaschen etc. Nur, statt daß
der Hamster fettes Erdreich liebt, so baut hin-
gegen das Erdzeiselchen in dürren sandichten
oder thonichten Boden. Es findet sich in Oester-
reich, und Böhmen, doch nur in geringer An-
zahl; in größter Menge hingegen in Un-
garn, Polen und Sibirien. Ein paar die
[Seite 80] mir vom Carpatischen Gebürge zugeschickt wor-
den, fraßen Getraide, Obst, Brod etc. und über
alles gern Fleisch. Sie werden von den Cal-
muken und Ungrischen Bauern gegessen; und
leztre streifen ihnen das ganze Fell ab, und
brauchens zum Geldbeutel.

3. †. Cricetus. der Hamster, Kornferkel. M.
abdomine nigro.
*

Schreber tab. CXCVIII. A. CXCVIII. B.

F. G. Sulzers V. G. des Hamsters. Gött.
1774. 8. Taf. I. II.

Hin und wieder in Deutschland, Polen, Si-
birien etc. Ein beissiges boshaftes Thier, was außer
dem Zorn kaum eine andere Leidenschaft zu ken-
nen scheint. Hey einer sehr unbeträchtlichen Leibes-
größe stellt er sich doch, gegen Menschen etc. zur Wehr;
und Hunde, die des Hamsterfangs ungewohnt
sind, ziehen leicht gegen ihm den Kürzern. Er
lebt von kleinen Thieren, jungen Pflanzen doch
vorzüglich von Getraide, Bohnen etc. wovon er
erstaunlichen Vorrath in den Backentaschen zu
seinen unterirdischen und wol 7 Fuß tiefen Hö-
len schleppet. Eine Höle hält wol manchmal auf
60 Pfund solcher Victualien. Fr vermehrt sich
ausnehmend stark, und man hat wol eher im
Gothaischen in einem Jahr über 27000 Hamster
getödtet. Es giebt eine ganz schwarze Spielart
unter diesen Thieren: so wie auch Kackerlacken
mit rosenrothen Augen.

4. Lemmus. der Lemming. M. capite acuto,
corpore nigro fuluoque irregulariter macu-
lato.
*

Schreber tab. CXCV. A. CXCV. B.

Vorzüglich in Lappland und Sibirien. Thut
den Gewächsen großen Schaden. Zuweilen
[Seite 81] emigriren ganze Legionen wie Zugheuschrecken
von einer Gegend in die andere. Sie sollen so-
dann in gerader Linie, ohne Umweg, über
Berg und Thal, durch Seen und Flüsse, bis
zum Ort wo sie sich niederlassen wollen, ziehen.
Ihre unerwartete und unbemerkte Ankuft da-
selbst, und dann auch der Fall daß welche von
den Raubvögeln in die Luft gehoben worden
und sich doch noch losgearbeitet und herunter ge-
fallen etc., hat zu der wunderlichen Sage Anlaß
gegeben, der sogar Th. Bartholin, Ol. Worm
und viele andere Naturforscher der vorigen Zeit
beygepflichtet sind, daß es Leminge vom Him-
mel regnete.

5. Typhlus. die Blindmaus, Slepez. M. ecau-
data, palmis pentadactylis, incisoribus su-
pra infraque latis, palpebrarum aperturis au-
riculisque nullis.

Schreber tab. CCVI.

Im südlichen Rußland. Lebt mehrentheils
unter der Erde. Es soll für seine kleinen ganz
deutlichen Augäpfel doch gar keine Oeffnung in
der Gegend der Augenlider haben, und folglich
gänzlich blind seyn!

15. mvs. cauda gracilis, subnuda.

1. Oeconomus. die Wurzelmaus. M. cauda sub-
sesquuncialis, auriculis nudis vellere molli
latentibus, palmis subtetradactylis, corpore
fusco
.

Schreber tab. CXC.

Durch Sibirien, bis nach Kamtschatka. Wird
theils durch die großen Wanderungen die es, zu-
mal von Kamtschatka aus, in manchen Jahren in
unsägliger Menge und unermeßlichen Zügen fast
[Seite 82] wie der Leming anstellt, besonders aber durch
die Industrie merkwürdig, womit dieses kleine
Thier eine große Menge meist eßbarer Wurzeln
in seine unterirdischen Hölen schleppt, denen die
Tungusen u.a. Sibirische Völker (wie die Thü-
ringer etc. den Hamster-Hölen) nachgraben und
diesen Wurzelvorrath zu ihrem eignen Gebrauch
ernden.

2. †. Siluaticus. die Waldmaus, große Feld-
maus. (Fr. le mulot. Engl. the field-rat.)
M. cauda mediocri, pectore flauescente, ab-
domine albido.

Schreber tab. CLXXX.

Dieses zumal für die Holzungen sehr schäd-
liche Thier lebt in den Europäischen Wäldern,
sammlet häufigen Wintervorrath von Nüssen,
Eicheln etc.

3. †. terrester. die Feldmaus, Stoßmaus. (Fr.
le campagnol. Engl. the field-mouse) M.
cauda mediocri, dorso ferrugineo, abdo-
mine cinereo.
*

Schreber tab. CXCI.

Ein schädliches Thier, was meist in ganz Eu-
ropa zu Hause ist, sich im Sommer mehr in
Wiesen, Gärten und Feldern, im Winter aber
mehr im Wald aufhält. Es nistet unter der
Erde, vermehrt sich in manchen Jahren ganz
ungeheuer, und thut den Feldfrüchten, zumal
der jungen Aussaat, großen Schaden.

4. †. Musculus, die Hausmaus. (fr. le souris.
Engl. the mouse.) M. cauda elongata, pal-
mis tetradactylis, pollice palmarum mutico.
*

Die Maus änelt der Ratte wie in der Bil-
dung so in der Lebensart, doch daß sie sich mehr
häuslich hält, nicht so wie jene umherschweift.
[Seite 83] Sie frißt fast alles was ihr vorkommt, und ih-
ren Zähnen beisbar ist. Katzen, Igel und Eu-
len sind ihre Erbfeinde.

Die weißen Mäuse mit rothen Augen sind die
Kackerlacken in ihrer Art, und theils so lichtscheu,
daß sie in der Hellung die Augenlider fest zu-
schließen, und für blind gehalten werden könnten.

5. †. Rattus. die Ratte. (Fr. le rat. Engl.
the rat.) M. cauda elongata, palmis tetra-
dactylis cum vnguiculo pollicari.
*

Die Ratte ist, wie sich aus Albertus Ma-
gnus, Vincenz von Beauvais etc. schließen läßt
ursprünglich im mittlern Europa zu Hause. Die
alten Griechen und Römer gedenken des Thiers
nie, und in die neue Welt ist es erst seit ihrer
Entdeckung, von Europa aus übergebracht wor-
den. Wenige andre Thiere sind so äuserst
gefräßig als die Ratten. Sie fressen sogar
Scorpione und ziehen den Menschen und seinen
Victualien überall nach. Sogar den Bergleu-
ten in die tiefsten Schachte. Sie verlassen die
ankommenden Schiffe wenn sie ausgeladen wer-
den und schwimmen ans Land; und beziehen sie
wieder sobald sie von neuem befrachtet wer-
den*). Sie benagen sogar schlafende Men-
schen; haben aber auch oft in Hungersnoth,
zumal auf Schiffen, vielen zur Erhaltung als
Nahrungsmittel dienen müssen. Die Mütter
vertheidigen ihre Junge mit eigner Lebensge-
fahr, selbst gegen größere Katzen. Dagegen
werden auch alte kraftlose Ratten von den jün-
gern besorgt und gefüttert.

Solche bejahrte Ratten, die nun der Ruhe
pflegen, verwickeln sich zuweilen zu 6, 8 und
[Seite 84] mehrern, mit den Schwänzen in einander, und
das sind die ehemals so berufenen und neuerlich
ohne Grund gänzlich geleugneten Rattenkönige.

16. sorex. nasus rostratus, auriculae breues.

1. †. Araneus. die Spitzmaus. (Fr. la musa-
raigne
. Engl. the shrew.) S. cauda medio-
cri, abdomine albido.
*

Schreber tab. CLX.

Lebt in Europa und Nordasien in altem Ge-
mäuer, in Ställen, Mistgruben etc. Daß sie
giftig sey, oder den Pferden in den Leib krieche etc.
sind ungegründete Sagen. Zuweilen, aber sel-
ten, finden sich weiße Spitzmäuse.

2. †. Daubentonii. die Wasserspitzmaus. S.
habitu talpae, digitis ciliatis
.

davbenton in den Mém. de l'ac. de Paris,
1756. tab. I. fig. 2.

Ein erst neuerlich bekannt gewordenes, aber
überaus sonderbares artiges Thiergen, das sich
an kleinen Gewässern aufhält, und mehr ein
eigentliches Wasserthier ist als die obige Wasser-
ratte. Seine Füße haben zwar keine Schwimm-
haut: jede Zähe ist aber zu beiden Seiten mit
kurzen Härchen besetzt, die die Füße zum Ru-
dern ungemein geschickt machen. Die Oeffnung
des Gehörganges kan das Thier durch eine Klappe
zuschließen, so lang es unter Wasser ist. Es
nährt sich von Regenwürmern etc. kommt wenig
zum Vorschein, läßt sich am meisten früh Mor-
gens blicken, ist aber wegen seiner Behendigkeit
schwer zu fangen.

[Seite 85]

17. talpa. caput rostratum, palmae fossoriae.

1. †. Europaea. der Maulwurf. (Fr. la taupe.
Engl. the mole.) T. cauda breuiore, auri-
riculis plane nullis.
*

Der Maulwurf ist ein vollkommnes animal
subterraneum
, wozu ihm seine Schaufelpfoten,
und ein sonderbares Brustbein, was fast der
Vögel ihrem änelt, zu statten kommen. Er hat
gar keine äußere Ohren, und so kleine Augen,
daß ihn das Alterthum deshalb für blind ver-
schrieen hat. Er kan geschickt schwimmen und
bey Ueberschwemmung auf die Bäume klettern.
Die Junge sind gar possirliche kleine Geschöpfe,
die zusammen spielen, balgen etc. Es giebt auch
weiße und gefleckte Maulwürfe.

18. didelphis. Plantae manus, pollice mutico.
cauda subnuda
.

1. Dorsigera. der Surinamische Aeneas. D.
cauda basi pilosa, dorso fusco, abdomine
albido
. *

Schreber tab. CL.

In Südamerika, baut unter die Erde und ist
besonders durch die Art berühmt, wie die Mut-
ter ihre Junge aus Gefahr zu retten versteht.
Sie schlägt den Schwanz auf den Rücken; die
Junge springen auf sie, rollen ihre Schwänze
um der Mutter ihren an, die dann so mit ih-
nen davon flüchtet.

2. Marsupialis. die Beutelratte, der Opos-
sum, Phylander, D. mammis intra saccum ab-
dominalem
.

Schreber tab. CXLV.

[Seite 86]

Auch bey dieser Gattung, die im ganzen
wärmern America, (eine ihr verwandte aber auch in
Ostindien) zu Hause ist, hat die Natur eine
sonderbare Einrichtung zur Erhaltung der Jun-
gen getroffen. Das Weibgen hat nemlich eine
große Tasche am Bauche, die durch besondre
Muskeln und dünne Knochen geschlossen und ge-
öffnet werden kan; und in deren Boden die Zi-
tzen liegen. Die Junge werden sehr klein, und
gleichsam nur als unreife Abortus zur Welt ge-
bohren, verkriechen sich aber sogleich in diese Ta-
sche, nähren sich da von der Muttermilch, und
verweilen so lange bis sie ausgebildet sind, und
nun gleichsam vom neuen gebohren werden
können. Doch bleibt dieser Beutel auch nach
dieser zweyten Geburt noch zuweilen ihre Reti-
rade; die Mutter nimt sie bey Gefahr darin auf,
und sucht sich und ihre Bürde durch die Flucht
zu retten.

c) Leporina.

19. iacvlvs. Pedes antici breuissimi, postici
elongati. Cauda corpore longior.

1. Giganteus. der Känguruh. I. cauda atte-
nuata
.

Schreber tab. CLIV.

Dieses durch Cook's erste Reise nach der
Südsee bekannt gewordne Thier ist auf der Ost-
küste von Neu-Holland zu Hause, und hat in
der Bildung des Kopfs viel vom Windspiel, ist
aber über 80 Pfund schwer. Doch demohnge-
achtet äuserst flink so daß es unglaublich hohe
und weite Sprünge thun kan. Sein Fell ist
mausefahl; das Fleisch eßbar und schmackhaft.

[Seite 87]

2. Ierboa. der Springhaase, Erdhaase, die
zweybeiuichte Bergmaus. I. cauda floccosa,
plantis tridactylis
. *

Schreber tab. CCXXIX.

haym, tesoro Britann. Vol. II. p. 124.

Dieses sonderbare Thier, was schon auf den
alten Münzen von Cyrene sehr gut abgebildet
ist, findet sich in Nord-Africa, Arabien etc.
Es macht sich Hölen in die Erde*), wo es am
Tage verborgen bleibt, und des Nachts seinen
Geschäften nachgeht. Die Vorderfüße sind, zu-
mal wenn es sitzt, beynah unmerklich, die hin-
tern hingegen ungeheuer lang. Der Erdhaase
kan sich ziemlich lange auf den Hinterbeinen
aufrecht erhalten, doch scheint ihm in dem Fall
sein langer ausgesteifter Schwanz gleichsam zum
dritten Fuße zu dienen. Er springt mit der
Leichtigkeit einer Heuschrecke, und wol 7 bis 8
Fuß weit.

Die Sibirische Alactacha ist ihm ähnlich,
aber fünfzehicht. Beider Thiere Fleisch wird
von den Arabern und Kalmucken gegessen.

20. lepvs. Dentes primores superiores du-
plicati
.

1. †. timidus. der Hase. (Fr. le liévre. Engl.
the hare.) A. auriculis apice nigris, cor-
pore et pedibus posticis longioribus
. *

Der Hase ist ein sehr furchtsames unbewehr-
tes Geschöpf, wird aber durch seine hervorlie-
genden Augen und durch sein scharfes Gehör
sehr leicht für einer nahenden Gefahr gewarnt,
und durch seine Geschwindigkeit sehr oft daraus
entrissen; zudem hilft ihm auch sein Instinkt, da
[Seite 88] er durch vielerley Wendungen und Absprünge
seinen Verfolgern die Spur zu verderben sucht.
Er ist unter den Fussohlen, und sogar zum Theil
im Munde behaart. Beide, er und das Ca-
ninchen, sind äuserst fruchtbare Thiere; beide
kauen auch wieder.*)

Zuweilen giebt es schwarze Hasen, und in den
nordlichen und Alpinischen Gegenden eine eigne
weiße Spielart, nemlich die eigentlich sogenann-
ten Berghasen; die in manchen Gegenden wie
in Grönland etc. Jahr aus Jahr ein; in andern
aber wie in der Schweiz, nur im Winter weiß,
im Sommer aber von der gewöhnlichen Hasen-
Farbe sind.

Merkwürdig ist, daß man schon oft und in
ganz verschiednen Gegenden und Zeiten Hasen
gefunden hat, aus deren Stirnknochen ein paar
kleine Geweihe, völlig wie bey einem Rehbock,
nur kleiner, mit Krone und proportionirten
Enden gewachsen waren.

2. †. Cuniculus. das Caninchen. (Fr. le lapin.
Engl. the rabbet.) L. auriculis nudatis, cor-
pore et pedibus posticis breuioribus
. *

Das Caninchen ist ursprünglich in den wär-
mern Zonen der alten Welt zu Hause, ist aber
nun auch in Nordischen Gegenden einheimisch
worden. Sie vermehren sich so stark daß sie wol
eher (z.B. neuerlich ums Jahr 1736 auf der
S. Peters Insel bey Sardinien**)) zur Land-
plage worden sind***); und kommen auch in
[Seite 89] ganz wüsten Gegenden, wie auf Volcano, der
sonst so öden Liparischen Insel, fort. Die wil-
den Caninchen sind grau und ihr Fleisch sehr
schmackhaft; sie werden mit Frettelchen gejagt,
die so wie die Iltisse und Dachse ihre Erbfeinde sind.

Die weißen Caninchen mit rothen Augen
sind zwar eben sowol Kackerlacken, wie die Ne-
gres blancs
, doch scheinen sie des Lichts besser
als andre Thiere der Art, gewohnt zu seyn.

Die langhaarichten Angorischen (§. 19. Anm.
2.) oder sogenannten Seiden-Haäsen kommen
auch hier zu Lande sehr gut fort.

21. cavia. Halbcaninchen. Auriculae rotun-
datae, paruae. cauda nulla aut breuis
.

1. Porcellus. das Meerschweinchen. (Fr. le
cochon d'Inde
. Engl. the Guiney-pig.) C.
ecaudata, corpore variegato
. *

Schreber tab. CLXXIII.

Ist so wie die folgende Gattung in Brasilien
zu Hause, kommt aber auch in Europa sehr
leicht fort, variirt in der Farbe, ist überaus
fruchtbar, und hat ein sehr schmackhaftes weißes
Fleisch.

2. Paca. C. caudata, corpore fusco, fasciis la-
teralibus punctatis flauis
. *

Schreber tab. CLXXI.

Von der Größe des Caninchen und von
eben so schmackhaften Fleisch als das Meer-
schweinchen.

d) Mustelina.
[Seite 90]

22. mvstela. Dentes primores inferiores VI,
quorum
II retrorsum positi; lingua laeuis.

Die Thiere dieses Geschlechts haben kurze
Füße, und einen langgestreckten Körper, den
sie im Gehen bogenförmig krümmen. Sie sind
sehr flink, beisig und blutdurstig.

1. †. Martes. der Baum-Marder, Edel-M.,
Tannen-M., Wild-M., Feld-Marder.
(Fr. la marte. Engl. the pine-martin.) M.
corpore fuluo nigricante, gula flaua
. *

Schreber tab. CXXX.

In den Wäldern, zumal im Schwarz-Holz
der ganzen Nordlichen Erde. Hat eine roth-
gelbe feuerfarbne Kehle. Lebt vorzüglich von
Eichhörnchen u.a. dergl. kleinen Säugethieren.
Sein schönes Fell kommt dem Zobel am nächsten.

2. †. Foina. der Haus-Marder, Stein-Mar-
der. (Fr. la fouine. Engl. the martin.) M.
corpore fuluo-nigricante, gula alba.
*

Schreber tab. CXXIX.

Hat ein eingeschränkteres Vaterland als die
vorige Gattung, der er übrigens in der Bil-
dung sehr ähnlich ist. Seine Kehle ist weiß.
Findet sich im mittlern und wärmern Europa
und dem benachbarten Asien, hält sich gern in
alten Gemäuer auf, lebt vorzüglich von Fe-
dervieh.

3. †. Putorius. der Iltis, Ilk, Stänkerratz.
(Fr. le putois. Engl. the polecat.) M. flauo-
nigricans, ore et auricularum apicibus albis.
*

Schreber tab. CXXXI.

[Seite 91]

Hat einerley Vaterland mit dem Haus-Mar-
der, dem er auch in seiner Bildung und Le-
bensart änelt. Stellt besonders den Hühnern
und ihren Eyern, auch den Fischen nach. Hält
sich, zumal im Winter, gern auf Höfen unter
Holzstößen und Steinhaufen auf. Das ganze
Thier, und selbst sein abgezogenes Fell, geben
einen sehr widrigen Geruch von sich.

4. Zibellina. der Zobel. (Fr. la zibeline. Engl.
the sable.) M. corpore fuluo nigricante, fa-
cie et gula cinereis
.

Schreber tab. CXXXVI.

Der Zobel kommt dem Baum-Marder am
nächsten. Lebt in dichten einsamen Wäldern
der nordlichen Erde, zumal aber in Sibirien,
wo sein Fang vom November bis in den Hor-
nung dauert. Man stellt ihm Schlingen, und
schätzt die stelle am höchsten, die recht schwarz-
braun, dickhaaricht und glänzend sind. Die
besten finden sich um Jakuzk.

5. Furo. Das Frettel. (Fr. le furet. Engl. the
ferret
.) M. corpore pallide flauo
. *

Schreber tab. CXXXIII.

Ist eigentlich in Africa einheimisch. Von da
hat mans nach Spanien gebracht, um die Ca-
ninchen zu vertilgen, und nun hat sichs schon
weiter in Europa verbreitet. Es kriecht den Ca-
ninchen in ihre Hölen nach, jagt sie heraus,
oder tödtet sie auch wol darin, und saugt ihnen
das Blut aus. Es hat auch den widrigen Ge-
ruch des Iltis.

6. †. erminea. das große Wiesel; Hermelin.
(Fr. le roselet, l'hermine. Engl. the stoat,
the ermine.) M. caudae apice nigro. *

[Seite 92]

Schreber tab. CXXXVII. A. CXXXVII. B.

In der nordlichen Erde, vorzüglich in Sibi-
rien. Größer als das gemeine Wiesel. Aen-
dert aber eben so wie dieses die Farbe, so daß
es im Sommer braunlich, im Wintes aber (als
Hermelin) weiß ist.

7. †. vulgaris. das gemeine Wiesel. (Fr. la
belette
. Engl. the weesel.) M. corpore ex
rufo fusco subtus albo
. *

Schreber tab. CXXXVIII.

Im Norden von Europa und Asien. Ein klei-
nes aber muthiges Thier, über welches kaum
eine Katze Herr wird. Kan auch große Ha-
sen bewältigen. Stellt aber zumal den Eyern
des Hausgeflügels und der wilden Hüner nach
Die Mutter trägt ihre Junge oft im Maule
umher (daher die alte Sage, als ob sie
dieselben durch diesen Weg zur Welt brächte).

23. viverra. Caput vulpinum. Cauda pleris-
que felina. Dentes primores vtrinque
VI. inter-
mediis breuioribus. Lingua plerisque retror-
sum aculeata
.

1. Zibetha. die Zibethkatze. (Fr. la civette.
Engl. the civet.) V. cauda annulata, dorso
cinereo nigroque vndatim striato
. *

Schreber tab. CXII.

Das südliche Asien und die mittlere Zone von
Africa ist das Vaterland der Zibethkatze. Bey
beiden Geschlechtern sammlet sich in einer beson-
dern Höle, die zwischen dem After und den Zeu-
gungsgliedern liegt, eine schmierichte stark rie-
chende Substanz, die ehedem mehr als jezt zum
parfümiren und in der Arzney gebraucht wurde.

[Seite 93]

2. Genetta. die Genettkatze. (Fr. la genette.
Engl. the genet.) V. cauda annulata, cor-
pore fuluo-nigricante maculato
. *

Schreber tab. CXIII.

Hat in der Bildung viel mit der vorigen Gat-
tung gemein; ist im Orient zu Hause, hält sich
gern am Wasser auf, und wird vorzüglich sei-
nes schönen Felles wegen gesucht.

3. Putorius. das Stinkthier, Conepatl. (Engl.
the pol-cat.) V. lineis quinque dorsalibus
parallelis albis
.

Schreber tab. CXXII.

Das Stinkthier, was unserm Iltis änelt,
hat seinen Namen von dem über alle Beschrei-
bung unerträglichen Gestank, den es, so wie
mehrere verwandte Gattungen seines Geschlechts,
im Zorne von sich giebt, und der bey ihm von
einem besondern unter der Harnblase befindlichen
Safte herrühren soll.

4. Ichneumon. die Pharaonsmaus, der Mun-
go. (Büffon's mangouste.) V. caudae basi
incrassata sensim attenuata, pollicibus remo-
tiusculis
. *

Schreber tab. CXV. B. CXVI. A. CXVI. B.

Dieses berühmte Thier ist in Ostindien und
vorzüglich in Aegypten zu Hause, wo es zumal
nach der Ueberschwemmung des Nils eine Menge
Schlangen, Frösche, Mäuse und dergl. verzehrt,
auch den Crocodileyern nachstellt, die es mit
viel Verschlagenheit aus dem Sande scharrt.
Man glaubt, wenn es von der Brillenschlange
gebissen worden, so brauche es Schlangenwurzel
[Seite 94] (Ophiorhiza mungos) zum Gegengift. Es
wird leicht kirre und ist dann äuserst possirlich.

5. aurita. das Gros-Ohr, Zerda. (Büffons
animal anonyme.) V. auriculis amplissimis.

Skiöldebrand in den Schwed. Abhandl.
XXXIX B. 1777. tab. VI.

R. Bruce in Büffons supplement vol. III.
tab. XIX.

Ich habe dieses erst neuerlich bekannt gewor-
dene und wegen seiner ungeheuren Ohren so
auffallende kleine Thier, das in der Wüste Saara
zu Hause ist, unter die viuerras gesetzt, weil
mir sein ganzer übriger habitus, zumal die Bil-
dung des Kopfs, der Füße und des Schwanzes
damit überein zu kommen scheint. Wenigstens
weit eher als mit dem Fuchs wozu es Hr. Skiöl-
debrand rechnet –, oder mit dem Eichhörnchen
womit es R. Bruce vergleicht. Jener sagt, es
baue in den Sandwüsten in die Erde und lebe
von Heuschrecken u.a. Insecten: dieser aber
versichert, es halte sich auf den Palmen auf
und nähre sich von den Früchten derselben.

24. meles. caput vrsinum. corpus torosum.
cauda abbreuiata. vngulae plerisque fosso-
riae. dentes primores vtrimque
VI. interme-
diis breuioribns
.

1. gulo. der Vielfras, Kosomack. (Fr. le glou-
ton
. Engl. the glutton.) M. corpore ruso-
fusco, medio dorsi nigro
.

Schreber tab. CXLIV.

In der Nordlichen alten Welt vorzüglich in
den großen Wäldern von Sibirien. Seine
[Seite 95] Freßgierbe hat zu allerhand Fabeln Anlas ge-
geben. Er ist so stark daß er selbst Rennthiere
überwältigen kan. Sein Fell giebt ein kostba-
res Pelzwerk.

2. Melliuorus. Der Honig-Dachs, Rattel.
M. dorso cinereo, fascia laterali nigra, abdo-
mine nigro
.

Sparrmann in den Schwed. Abhandl.
1777. tab. IV. fig. 3.

Dieses sonderbare Thier findet sich am Cap,
und lebt vom Honig und Wachs der wilden Bie-
nen, die in die Hölen der Stachelschwein, Erd-
haasen, Caninchen, Schakale etc. nisten. Bey
Sonnenuntergang giebt der Honig-Dachs auf
den Flug der heimeilenden Bienen acht, oder
folgt auch wohl blos der Anweisung des Honig-
kukuks. Er hat ein zottichtes Fell, und darun-
ter eine ungemein starke Haut, die ganz locker
und gleichsam wie ein Sack über das Fleisch des
Thieres herum hängt, wodurch es dann sowohl
für den Bienenstichen als für den Bissen der
Hunde gesichert ist.

3. †. Taxus. Der Dachs. (Fr. le blaireau.
Engl. the badger.) M. cauda concolore,
abdomine nigro
. *

Schreber tab. CXLII.

Der Dachs findet sich in Europa und Asien
bis gen Schina. Er lebt von kleinen Thieren,
Rüben u.a. Wurzeln, Eichelmast etc. Er baut
unter der Erde einen tiefen Kessel, zu welchem
verschiedne Röhren oder Gänge führen. Er
verschläft den größten Theil seines Lebens, und
hält besonders langen und festen Winterschlaf,
wobey er seine Schnauze in den Fettbeutel am
Hinterleibe steckt.

VII. FERAE.

[Seite 96]

Die großen reissenden Thiere, die andre
Säugethiere, und manche Gattungen derselben
selbst Menschen anfallen.

25. vrsvs. Dentes primores superiores alter-
natim excauati, inferiores laterales lobati,
lingua laeuis, cauda abrupta
.

1. †. Arctos. Der Bär. (Fr. l'ours. Engl. the
bear
.) V. fusco nigricans, collo breui
. *

Schreber tab. CXXXIX. CXL.

Ein phlegmatisches, brummichtes, aber im
Grunde gutmüthiges Geschöpf, was mehren-
theils einsam in den großen Wäldern, und in
den Alpgegenden der nordlichen Erde, doch auch
in Ost-Indien, lebt, und sich nicht leicht außer
im größten Grimm, am Menschen vergreift.
In der Jugend nährt sich der Bär fast blos von
Gewächsen; nach dem dritten Jahre aber wehr
vom Fleisch; sein größter Leckerbissen aber ist
Honig. Zum Gefechte stellt er sich auf die Hin-
terfuße, druckt und schlägt seinen Feind mit den
Vordertatzen, und bedient sich dabey des Gebisses
seltner als andere reissende Thiere. Er hat aus-
nehmende Stärke und ist, im Stande ganze
Pferde fortzuschleppen und mit seinen scharfen
Krallen das Fiesch bis auf die Knochen durch-
zuhauen. Junge Bären lassen sich leicht zäh-
men, und sind bis zur Zeit der Mannbarkeit
ungemein possirliche Thiere. Den Winter brin-
gen sie ohne Nahrung zu und dennoch kan die
[Seite 97] Mutter dabey ihre Junge säugen.*) Da ihr
Gerippe, den Kopf und das Brustbein ausge-
nommen, viel änliches mit dem menschlichen
hat, so lernen sie leicht aufrecht stehen und andre
änliche Kunststücke machen, wozu sie besonders
zu Smorgonie in Polen abgerichtet werden.

Man kennt verschiedene Spielarten unter
den Bären: die großen schwarzen Ameisenbä-
ren; die kleinen hellbraunen Honigbären; die
noch kleinern weißlichten Silberbären.

2. Maritimus. der weiße Bär, Polarbär, Eisbär. U.
albus, collo et rostro elongatis.

Schreber tab. CXLI.

Cptn Cook's voyage to the northern he-
misphere
. vol
. III. tab. LXXIII.

Der Polarbär darf ja nicht mit der weißen
Spielart des gemeinen Bären verwechselt wer-
den. Er wird viel größer, bey zwölf Fuß lang,
hat eine ganz andre Stimme, schlankere Glie-
der, weißes langzottichtes weiches Haar, hält
sich in der nördlichsten Erde beym Treib-Eis
und an den Küsten auf, schwimmt und taucht
sehr geschickt, nährt sich von Fischen, Vögeln
und deren Eyern, von todten Seehunden und
Wallfischen, gräbt Leichen aus und geht Men-
schen an, wie unter andern Heemskerks Gefehr-
ten A. 1596 auf Neu-Zembla u.a. erfahren
haben. Er hält auch, meines Wissens, keinen
Winterschlaf. Seine Leber scheint giftig zu seyn.

26. canis. Dentes incisores superiores inter-
medii, inferiores omnes, lobati
.

[Seite 98]

1. †. Familiaris. der Hund. (Fr. le chien. Engl.
the dog.) C. cauda recuruata; subinde di-
gito spurio ad pedes posticos
. *

Ein sehr vorzügliches Geschöpf, was daher
der Mensch, besonders der Schärfe seiner Sinne
und seiner ausnehmenden Gelehrigkeit wegen,
vor allen andern Thieren in seinen nähern
geselligen Umgang gezogen hat Auser den
mannichfaltigen allgemeinen bekannten Be-
nutzungen des Hundes, wird er auch besonders
in vielen Gegenden des nördlichen Asiens zum
Zug in Schlitten, so wie in einem großen Theil
der Südlichen Erde zur allgemeinsten und vor-
züglichsten Speise gebraucht.

Mehrere Gründe machen es wahrscheinlich,
daß diese Thiere wol in einen sehr großen Theil
der Erde ursprünglich zu Hause gehören, da
selbst in Süd-Amerika*) eine Raçe derselben
schon vor Ankunft der Spanier einheimisch ge-
wesen zu seyn scheint. Und eben so scheint es
auch, daß man wol sicher mehr als eine ur-
sprüngliche Stamm-Raçe von Hunden anneh-
men muß, da der Bullenbeiser, der Dachshund,
das Windspiel etc. einen so ausgezeichneten und zu
bestimmten Absichten und Gebrauch abzweckenden
Körperbau haben, daß man sie wol eben so we-
nig für blos ausgeartete Schäferhunde oder
Schakale, als für Wölfe (denen doch die in
America verwilderten Europäischen Hunde voll-
kommen gleichen sollen**)), halten darf. Doch
läßt sich jetzt wol schwerlich bestimmen, was unter
den nachstehenden Verschiedenheiten von Hunden
[Seite 99] ursprüngliche oder blos durch Ausartung ent-
standne Raçen seyn mögen.

a) fricator. der Mops. (Fr. le doguin, Engl.
pug-dog) mit untersetztem kurzen Leib,
runden Kopf, ganz stumpfer Schnauze, hän-
genden Ohren, und glattem Haar.

b) molossus, mastiuus, der Bärenbeisser,
Bullenbeisser. (Fr. le dogue, Engl. the
bull-dog
, the mastiffe
) groß, starkleibicht,
mit stumpfen Kopf, hängenden lappichten
Oberlefzen, und glattem Haar. Bellt dum-
pfig und kurz.

Dahin gehört auch wol der Metzgerhund.
(Fr. le matin.)

c) sagax. der Jagdhund. (Fr. le chien-cou-
rant
) mit langem dicken Körper, einge-
furchtem Hinterkopfe, langen hängenden
Ohren. Das Haar ist bald schlicht, bald
zotticht.

Die Bracke, der Hünerhund, und der
Wachtelhund haben kürzere Ohren, auch
einen kürzern Schwanz.

Die Corsicanerhunde sind schön getigert, ha-
ben aber übrigens die Bildung der glatten
Hünerhunde.

d) aquaticus. der Budel, (Fr. le barbet,
Engl. the water-dog) mit stumpfen Kopf,
dicken Leibe, und wollichten Haar.

e) domesticus. der Haushund, Schäfer-
hund. (Fr. le chien de berger, Engl. the
curre
) mit aufrechten Ohren; der Schwanz
ist auf der untern Seite lang behaart.

[Seite 100]

Hierzu gehört auch der Sibirische und Is-
ländische Hund, der Spitz oder Pommer
(Fr. le chien-loup.)

Auch die auf den Inseln der Südsee einhei-
mischen Hunde, die sich zwar durch einen
großen Kopf, kleine Augen, spitzige Oh-
ren etc. auszeichnen, scheinen doch zu dieser
Raçe zu gehören.

f) meliteus. das Bologneserhündchen. (Fr.
l'epagneul, le bichon, Engl. the lap-dog,
the shock
) von ungemein kleiner Statur,
mit sehr langen zottichten Haaren, zumal
im Gesichte.

g) vertagus. der Dachshund. (Fr. le basset,
Engl. the tumbler, the turnspit) mit lan-
ger Schnauze, hangenden Ohren, langge-
streckten Körper, kurzen krummen Vorder-
füßen.

h) graius. das Windspiel. (Fr. le levrier,
Engl. the gre-hound) mit langen zugespitz-
tem Kopf, hängenden Ohren, dicker Brust,
schlankem Leib und Füßen. Bald zotticht,
bald schlicht.

i) Aegyptius der Aegyptische Hund. (Fr.
le chien-turc, Engl. the Indian dog, the
naked dog
) änelt dem Windspiel, hat aber
nur im Gesichte Haare, der übrige Körper
ist schwarz und kahl, völlig wie Neger-Haut
(s. S. 19. Anm. 2.)

Diese verschiednen Hauptraçen paaren und
vermischen sich aber nicht nur unter einander,
sondern auch mit verwandten Gattungen dieses
Geschlechts, z.B. mit Wölfen und Füchsen, mit
welchen letztern sie sogar zuweilen fruchtbare Ba-
starde erzeugen.

[Seite 101]

2. †. Lupus. der Wolf. (Fr. le loup. Engl. the
wolf
.) C. cauda incuruata
. *

Schreber tab. LXXXVIII.

Der Wolf ist ursprünglich fast in der ganzen
alten Welt zu Hause, aber in einigen Ländern,
wie z.B. in Groß-Britannien und Irland
gänzlich ausgerottet. In Ländern wo er sich zu-
gleich mit dem Bären findet, herrscht dieser doch
mehr im Sommer; der Wolf mehr im Winter.
Er hat einen schleppenden doch dabey schnellen
und nicht leicht zu ermüdenden Gang und große
Stärke, zumal im Nacken. Die Wölfe stehen
einander bey, und gehen gesellschaftlich ungleich
größre Thiere, wilde Schweine und Bären an.
Aus Hunger fressen sie was ihnen vorkommt,
sogar Schilf und Erde; graben auch Leichen aus,
und da mag etwa ihre nächtliche Erscheinung
auf Kirchhöfen etc. den Anlaß zu der alten Sage
von Währwölfen gegeben haben. Sonst fallen
sie nur in der äusersten Noth Menschen an, und
sind mit Feuer was sie (wie alle animalia no-
cturna
) scheuen, leicht abzuhalten.

3. lycaon. der schwarze Fuchs. C. cauda recta,
corpore toto nigro
.

Schreber tab. LXXXIX.

jo. fr. miller fasc. IV. tab. XIX. fig. 2.

Dieses wegen seines kostbaren Felles berühmte
Thier ist in der nordlichsten Erde zu Hause und
hält sowol in der Statur als in der Bildung ohn-
gefähr das Mittel zwischen Wolf und Fuchs.

Der sogenannte Silber-Fuchs ist eine Spiel-
art davon mit silberfarbnen Spitzen der
Haare.

[Seite 102]

4. †. vulpes. der Fuchs, Birkfuchs. (Fr. le
renard
. Engl. the fox.) C. cauda recta, apice
albo
. *

Schreber tab. XC.

Ein listiges, und wenn er noch klein ist, über-
aus possirliches gar leicht zu zähmendes Thier der
nordlichen alten Welt. Er baut unter der Erde,
oder nimmt auch wohl von einer Dachshöle
Besitz, thut dem Wildpret und dem Geflügel
großen Schaden, frißt aber auch Mäuse, Am-
phibien, Fische, Wespen u.a. Insecten, Honig,
Getraide, und besonders gern Weintrauben.

5. †. alopex. der Brandfuchs. (Fr. le renard
charbonier
.) C. cauda recta, apice nigro
. *

Schreber tab. XCI.

Hat mit dem vorigen gleiches Vaterland und
unterscheidet sich fast blos durch die etwas klei-
nere Statur, dunklere Farbe, und schwarze
Schwanzspitze von demselben.

6. lagopus. der Polarfuchs, Steinfuchs. (Isa-
tis
) C. cauda recta, apice concolore, pal-
mis plantisque pilosissimis
.

Schreber tab. XCIII. A. XCIII. B.

In den Polar-Ländern, zumal auf Spitzber-
gen, Neu-Zembla etc. wo sie meist mit dem Eis-
Bär alterniren: d.h. sie kommen daselbst erst
im November zum Vorschein wenn nun die
Sonne unsichtbar wird und zugleich jene Bären
sich verlieren. Ihr Fleisch ist schmackhaft; wie
das von Caninchen: und ihr Fell bekanntlich
geschätzt.

Die mehresten sind weiß. Die sogenannten
blauen Füchse hingegen blaulicht-grau. Und
[Seite 103] der Kreuzfuchs hat ein schwarzes Kreuz über
Schultern und Rücken.

7. aureus. der Schnellwolf, Schakal, Thos.
(Büffons Adive.) C. corpore fuluo, pedi-
bus longioribus, caudae apice nigro
.

Schreber tab. CXIV.

güldenstaedt in Nov. Comm. Petrop.
vol
. XX. tab. II.

Dieses berufene Thier ist in ganz Nordafria
und Orient, vorzüglich häufig aber in Natolien
und Bengalen, zu Hause, zieht des Nachts
schaarenweise umher; frißt Thiere, Lederwaa-
ren etc. gräbt Leichen aus, und soll auch leben-
dige Kinder rauben*). Manche Naturforscher
haben den Schakal für den ursprünglich wilden
Hund, und manche Exegeten Simsons Füchse
für Schakale gehalten: oft ist dieses Thier auch
mit der Hyäne vermengt worden.

8. Hyaena. Das Grabthier, der Abendwolf.
C. villosus, nigricans, facie nigra, iuba
ceruicis dorsique
. *

Schreber tab. XCVI.

Jo. fr. miller Fasc. IV. tab. XIX. fig. 1.

Der Indianische Wolf. von J. El. Ridinger.

Die Hyäne hat einerley Vaterland mit dem
Schakal, dem sie auch in der Lebensart änelt.
Ein äußerst boshaftes, unbändig zorniges Thier
von fürchterlichem Ansehen, das sich sogar ge-
gen den Löwen muthig vertheidigt. Es baut
unter die Erde oder nistet in Felsenhölen und
[Seite 104] Klüften, und wird vom gemeinen Volk in Ae-
gypten gegessen.*)

27. felis. Vngues retractiles, caput rotun-
dius, lingua aspera
.

1. Leo. der Löwe. (Fr. le lion. Engl. the lion.)
F. cauda elongata floccosa corpore fuluo
. *

Schreber tab. XCVII. A. XCVII. B.

Das majestätische Thier ist in den heissesten Zo-
nen der alten Welt, vorzüglich in den Sand-
wüsten des innern Africa zu Hause, hat sich
hingegen von den Küsten (so wie die Bären und
Luchse in andern bewohnten Gegenden) mehr
und mehr verlohren. Sein ganzes Ansehn, sein
donneränliches Brüllen, seine furchtbare Stärke
und die Mäsigung, die er demohngeachtet in
Vergleich mit den folgenden blutdürstigen mör-
derischen Raubthieren bezeigt, haben ihm den
Beynamen des Königs der Thiere verschafft.
Er nährt sich blos von seiner eignen Beute und
zwar von größern Säugethieren; fällt hingegen
nur in der Nothwehr oder aus äußerstem Hun-
ger Menschen an, schont kleiner kraftloser Ge-
schöpfe; entsetzt und scheut sich aber vor den Bä-
ren**). Er verträgt auch unser Clima recht
gut; läßt sich ausnehmend zahm machen und
selbst zum Zug und zur Jagd andrer Thiere ab-
richten. Das Weibgen wirft 3 bis 4 Junge
von denen aber meist nur eins erwachsen und
die andern am Zahnen sterben sollen.***)

[Seite 105]

2. Tigris. das Tigerthier. F. cauda elongata.
capite, corpore et cruribus nigro-virgatis
. *

Schreber tab. XCVIII.

the Tiger, von G. Stubbs, in schwar-
zer Kunst.

Ist blos in Asien und vorzüglichst von Benga-
len bis Schina einheimisch. Ein prächtiges,
überaus regelmäßig schön gestreiftes, aber fürch-
terliches Thier. Es wüthet gegen seinen Gat-
ten, und frißt im Hunger seine Junge; es fällt
ohne Unterschied Menschen und Löwen und andre
Säugethiere an, muß aber für dem Elephan-
ten erliegen. Es hat keine Spur von dem Edel-
muth des Löwen, doch ist die Sage irrig, daß
es durchaus nicht zu bändigen sey. Ich habe
selbst einen großen lebendigen Tiger gesehn, dem
alle seine Wärter ohne Bedenken den Rachen
aufreissen und mit ihm spielen konnten.

3. Leopardus. der Leopard. F. cauda subelon-
gata, maculis numerosis, minoribus, ob-
tuse angulatis
. *

Schreber tab. CI.

In Africa. Zeigt in seiner Bildung sehr viel
Verwandtschaft mit den folgenden Gattungen.
daher auch aller ihre Namen gar oft miteinan-
der vermengt und verwechselt werden. Das
Fell des Leoparden ist über alle Beschreibung
schön, hat einen goldgelben Grund mit kleinen
schwarzen Flecken die aber dichter und regel-
mäßiger als beym Pantherthier, und meist drey
bis vier nahe beysammen stehn. Der Leopard
giebt dem Tiger an Stärke und Raubgierde
wenig nach, ist aber leichter zu zähmen. Er
soll nicht leicht Weiße anfallen, hingegen auf
Neger desto erpichter seyn.

[Seite 106]

4. Pardus. das Pantherthier, der Parder.
F. cauda subelongata. maculis maioribus.
irregularibus, passim confluentibus et an-
nulatis
. *

Schreber tab. XCIX.

Ebenfalls ein africanisches Thier, was noch
größer wird als der Leopard, aber ihm und
dem Tiger in der Lebensart gleicht. Das Fell
des Pantherthiers ist bey weitem nicht so schön
als des Leoparden seins; die Flecken sind größer,
weniger regulär, hin und wieder wie zusam-
men geflossen, bald in Hufeisenform, bald ge-
ringelt u.s.w.

5. panthera. das kleine Panthertier. (Büf-
fons once) F. cauda elongata corpore albido
maculis irregularibus nigris
. *

Schreber tab. C.

In der Barbarey und Ostindien. Weit klei-
ner als die vorigen Gattungen. Auch leicht zu
zähmen und zur Jagd kleiner Thiere, der Rehe,
Gazellen etc. abzurichten: wozu sie in Orient vor-
längst: und in den mittlern Zeiten auch in Ita-
lien und Frankreich gebraucht worden.

6. Onça. der Jaguar, Americanische Tiger.
F. cauda subelongata, corpore fusco-lutes-
cente, maculis angulatis, ocellatis, medio
flauis
. *

Schreber tab. CII.

In Südamerica. Ebenfalls weit kleiner als die
drey vorletzten Thiere der alten Welt. Furcht-
samer, auch weit feiger, so daß er schon für mäßig
großen Hunden flieht.

[Seite 107]

7. concolor. der americanische Löwe, Puma.
Cuguar. F. cauda mediocri, corpore imma-
maculato fuluo
.

Schreber tab. CIV.

Ein blutdürstiges Thier, das in Peru, Bra-
silien etc. zu Hause ist und sich durch sein roth-
gelbes ungeflecktes Fell (weshalb es mit dem
Namen eines Löwen belegt worden) und kleinen
Kopf auszeichnet.

8. †. Lynx. der Luchs. (Fr. le loup-cervier.)
F. cauda abbreuiata apice atro, auriculis
apice barbatis, corpore maculato, plantis
palmisque amplissimis
.

Schreber tab. CIX.

Dieses Thier findet sich in großen dichten
Wäldern der nordlichern Erde; doch auch noch
jetzt häufig in den Wäldern von Abbruzzo im
Neapolitanischen. Zwar verliert er sich immer
mehr aus den bewohnten Gegenden, doch hat
man noch vor wenigen Jahren welche auf dem
Thüringer Walde geschossen. Hält sich auf Bäu-
men auf, und stürzt sich auf vorbeygehende
größere Säugethiere herab. Hat ein furchtba-
res Gebiß und thut den Wildbahnen größern
Schaden als der Wolf.

9. †. Catus. die Katze. (Fr. le chat. Engl.
the cat.) F. cauda elongata, striis dorsalibus
longitudinalibus, lateralibus spiralibus
. *

Schreber tab. CVII. CVII. A. CVII. B.

Die Katze ist fast in der ganzen alten Welt
zu Hause, aber erst von da durch die Spanier
nach Amerika übergebracht worden*). Die
[Seite 108] wilde ist größer, als die zahme, von grauer
Farbe, mit schwarzen Lefzen und Fussohlen und
nährt sich vom Raube des Federwildprets, der
Hasen, und selbst junger Rehe. Die Hauskatze
hat noch nicht die schlappen Ohren und den hän-
genden Schwanz vieler andern unterjochten
Thiere, auch begattet sie sich nur äußerst selten
unter den Augen der Menschen, und verwil-
dert sehr leicht wieder wenn sie zufällig in Wild-
nis gerätht. Zu den Besonderheiten der Katzen
gehört ihre stärkere Electricität; das Leuchten
ihrer Augen im finstern; ihre seltsame Gierde
auf gewisse Pflanzen, wie z.B. auf Baldrian
und aufs marum verum etc.; ihr schnurren oder
spinnen das durch ein paar eigne zarte gespannte
Häutgen in ihrem Kehlkopf bewürkt wird; die
ängstliche unüberwindliche Antipathie vieler
Menschen für denselben etc.

Außer den gemeinen Abänderungen in der
Farbe, sind die vorzüglichsten Spielarten dieses
Thiers die Angorische Katze mit dem langen
seidenartigen Haar, die meist taub ist; die blau-
lichgraue Cartheuser- oder Cyper Katze; und
die Spanische oder Schildpattfärbige Katze
(Tortoise shell-cat); unter welchen letztern
es zwar häufig weibliche Katzen von drey ganz
verschiednen Farben (z.B. schwarz, weiß
und gelb) aber nie einen dergleichen Kater ge-
ben soll.

VIII. SOLIDVNGVLA.

[Seite 109]

Thiere mit Hufen. Ein einziges Geschlecht
von wenigen Gattungen.

28. eqvvs. pedes vngula indiuisa, cauda se-
tosa
.

1. †. Caballus. das Pferd. (Fr. le cheval. Engl.
the horse.) E. cauda vndique setosa. *

Die großen Vorzüge dieses edlen prächtigen
Geschöpfs erhellen schon aus der auszeichnenden
Achtung womit es der Mensch zu allen Zeiten
angesehen und aus der Sorgfalt und Mühe
die er auf seine Erziehung verwendet. Kein
andres Thier ist so wie das Pferd vorzeiten zu-
gleich mit seines Herrn Leiche verbrannt, und
beider Asche zugleich zur Erde gestattet worden;
keines andern Thiers Abstammung wird so wie
der arabischen Pferde ihre mit Documenten be-
legt; keins ist so von den größten Dichtern be-
sungen, keins ein so allgemeiner Gegenstand
für die bildenden Künste worden u.s.w. Keins
hat aber auch seine Vorzüge so sehr dem Ver-
lust seiner Freyheit und der erlittnen Unterjo-
chung zu danken als eben das Pferd! denn ob
es gleich keine ursprünglich wilden Pferde mehr
giebt, so läßt sich doch aus den verwilderten
die man in den Polnischen Wäldern, in den
Schottischen Hochländern, in der Tattarey, in
America (wo sie auch erst durch die Spanier
hingebracht worden) und zwar da in der uner-
meßlichsten Menge in Paraguay u.s.w. findet,
auf ihre natürliche Bildung schließen, die aber
[Seite 110] mit der, die sie durch Cultur erhalten haben,
einen sehr abfallenden Contrast macht; da diese
verwilderten Pferde meist klein, struppicht, dick-
köpfig, häßlich und dabey ganz unbändig sind;
und hingegen die zahmen Pferde-Raçen sich
durch so vielseitige Talente auszeichnen. Die
Araber z.B. (versteht sich von der edlen Raçe)
durch ihre äußerste Leichtigkeit und Dauerhaftig-
keit. Die Persianer und Barben durch ihren
ausnehmend schönen Bau u.s.w. Unter den
Europäischen sind die Spanischen, (besonders
die aus Andalusien), die Neapolitanischen und
Englischen die vorzüglichsten. Die letztern haben
besonders den Vorzug der Schnelligkeit, wo-
durch sie sich hauptsächlich in den Wettrennen,
einem auch schon bey den Alten und noch jetzt
bey den Tattaren, Türken, in Italien und ander-
wärts gebräuchlichen Zeitvertreib, auszeichnen.*)

Außer der mannichfaltigen andern Nutzbar-
keit der Pferde ist auch ihr Fleisch eßbar, und
zwar schmackhaft; und ihre Milch sehr nahr-
haft und schon wenn sie zusammengeronnen,
folgends aber wenn sie abgezogen worden, wie
Brantewein berauschend**)

[Seite 111]

2. †. Asinus. der Esel. (Fr. l'asne. Engl. the
ass
) E. cauda extremitate setosa, cruce dor-
sali nigra.
*

Der wilde Esel von welchem das zahme Haus-
thier abstammt, ist der wahre onager der Al-
ten; und findet sich jetzt zumal in der Tattarey,
unter dem Namen Kulan*), von da er jähr-
lich im Herbst in unzähligen Heerden südlich
gegen Indien und Persien zieht und daselbst
überwintert. Er ist größer und schlanker als
der zahme Esel, und von außerordentlicher
Schnelligkeit.**)

Auch der zahme Esel hat eine Menge empfeh-
lender Eigenschaften, wodurch er bey den Al-
ten***) und noch jetzt im Morgenland und im
südlichen Europa wichtig und geschätzt wird. Er
geht sanfter und sicherer als das Pferd, trägt
große Lasten, begnügt sich mit schlechten Unkraut
zum Futter, ist wenigen Krankheiten unterwor-
fen, und wird gegen 30 J. alt. Daß er in die
südliche Erde zu Hause gehöre, wird durch die
Homonymie seines Namens in den nordlichen
Sprachen erweislich. Sonst hatte Aegypten****)
[Seite 112] die besten Esel; jetzt finden sich die schönsten und
zur Maulthierzucht vorzüglichsten in Spanien
und im Mayländischen, wo einer mit mehrern
hundert Thalern bezahlt wird, und in Spanien
die Ausfuhr der Zuchtesel bey Lebensstrafe ver-
bothen ist. Ins nordlichste Europa ist der Esel
bis jetzt noch gar nicht verpflanzt. Auch artet
er wenig aus. Höchstens etwa in der Farbe,
da es z.B. weiße Esel giebt.

* * *

Pferd und Esel lassen sich zusammen begat-
ten, und geben zweyerley Bastarde, die von
großer Dauerhaftigkeit und Stärke, und zuwei-
len (aber sehr selten) fruchtbar sind.

Eins ist das gemeine Maulthier (mulus,
Fr. le mulet*)) das vom männlichen Esel ge-
zeugt, und von der Stute geworfen wird.

Das andere ist der Maulesel (hinnus, Fr.
le bardeau**)) der vom Hengste gezeugt, und
von der Eselin geworfen ist.

Dieser letztere ist seltner, und hat Gelegen-
heit zur Sage von den fabelhaften Jumarn oder
vorgeblichen Bastarden vom Pferd- und Ochsen-
geschlecht, gegeben.

3. Zebra. E. zonis fuscis et albidis, maxime
regularibus
. *

The Sebra or wild Ass. von G. Stubbs,
mit lebendigen Farben. 1771.

Das Zebra (wovon es zwey ganz verschiedne
Gattungen giebt, deren eine man fälschlich für
[Seite 113] die Weibgen der andern gehalten hat) ist im
südlichen Africa zu Hause, und in Rücksicht der
äußerst regelmäßigen Streifen seines Fells eins
der schönsten Säugethiere. Es lebt Heerden-
weis, ist ungemein schnell, aber wild und un-
bändig, und daher nur sehr selten und mit
großer Mühe zum Zug oder zum Reiten ab-
zurichten.*)

IX. BISVLCA.

Die Thiere mit gespaltnen Klauen, unter
welchen sich die wichtigsten Hausthiere der cul-
tivirten Völker der Erde finden.

29. camelvs. Cornua nulla. labium lepori-
num. pedes subbisulci
.**)

1. Dromedarius. das gemeine Kameel. (Fr.
le dromadaire***)) C. topho dorsi vnico. *

bvffon vol. XI. tab. IX.

[Seite 114]

Das Kameel findet sich noch hin und wieder
in Asien, zumal in den Wüsteneyen zwischen
Schina und Indien, wild, ist aber für den gan-
zen Orient das wichtigste Hausthier. Es kan
zehn und mehrere*) Centner tragen, und in
einem sanften Trabe zwölf Meilen in einem
Tage zurücklegen. Es kan lange hungern, und
frißt wie der Esel unnützes Futter, nemlich dor-
nichtes Buschwerk, was in den Wüsten in
Menge wächst, für kein anderes Säugethier
zur Nahrung taugt, und nur dem Kameele, das
deshalb mit knorpelartigen Lippen und Zahn-
fleisch versehen ist, geniesbar wird. Auch den
Durst kan dieses Thier mehrere Tage lang er-
dulden, säuft aber dafür ungeheuer viel auf
einmal, da sich dieses Wasser lange Zeit in sei-
nem Magen ziemlich unverändert erhält. Es
ist ein sanftmüthiges folgsames Thier, was
doch zur Brunstzeit leicht wütend wird, und
dann selbst seine Führer und Herren verkennt.
Beide, sowol diese, als die folgende Gattung
haben eine große Schwiele vorn an der Brust,
vier kleine an den Vorderfüßen, und zwey der-
gleichen an den Hinterfüßen, die ihnen zum
Aufstemmen dienen, wenn sie müde sind, und
sich niederlegen; und die schon bey den unge-
bornen Kameelen zu sehen sind, mithin nicht,
wie man hat behaupten wollen, erst in der
Folge durch das Niederknieen entstehen.

2. Bactrianus. das Trampelthier. (Fr. le cha-
meau
. Engl. the camel.) C. tophis dorsi
duobus
. *

buffon vol. XI. tab. XXII.

[Seite 115]

Dieses Kameel mit zwey Buckeln findet sich
mehr im mittlern Asien, bis gen Schina, zu-
mal in ganzen großen Heerden in Beßarabien etc.
und wird nicht so häufig, wie die vorige Gat-
tung, zum Lasttragen, sondern seines sehr schnel-
len Trabes und natürlichen Sattels wegen, mehr
zum reiten und bey den Tattarn vorzüglich zum
Zug gebraucht.

3. Llacma. die Kameelziege, Guanaco. C. dorso
laeui, topho pectorali
.

buffon, supplement. vol. VI. tab. XXVII.

Beide, dieses und das folgende Thier, sind
dem südlichen America, besonders Quito und
dem gebürgichten Peru eigen. Sie äneln den
Kameelen der alten Welt in ihrer Lebensart,
nur sind sie weit kleiner, und haben in der Bil-
dung viel von der Ziege. Die Llacma war
nebst dem ihm verwandten Pacos das einzige
Geschöpf das die Amerikaner schon vor Ankunft der
Spanier als Hausthier hielten. Noch jetzt lieben
sie es aufs zärtlichste, putzen es, richten es heerden-
weis, aber mit großen Feyerlichkeiten zum Last-
tragen ab u.s.w. Es trägt bey seiner mäßigen
Größe doch Lasten von anderthalb Centner, und
wird unter andern auch vorzüglich und in gan-
zen Caravanen zum Transport der Silber-Bar-
ren aus den Bergwerken von Potosi gebraucht.
Doch machts nur kurze Tagereisen von wenigen
Meilen, und wenn es gewaltsam fortgetrieben
oder überladen wird, so legt sichs auf der Stelle
nieder und ist durch kein Mittel wieder zum
Aufstehen zu bringen, sondern muß geschlachtet
werden, wehrt sich auch durch einen ätzenden
[Seite 116] Unrath den es auf die sich ihm nähernden Personen
ausspeyt*) und der eine Art Krätze auf der
Haut verursachen soll**).

4. Vicuña. das Schaafkameel. (Fr. la vigogne.)
C. tophis nullis, corpore lanato.

buffon supplement vol. VI. tab. XXVIII.

Die Vicugna ist in ihrer Gestalt wenig von
der Llacma unterschieden, nur kleiner. Sie
taugt aber nicht so zum Lasttragen, läßt sich
auch überhaupt nicht zähmen, sondern wird ih-
res rothbraunen Haares wegen, was die be-
kannte Vicugna-Wolle giebt, in großen äußerst
beschwerlichen Monatelang dauernden Treibjag-
den haufenweis gefangen. Auch der occiden-
talische Bezoarstein kommt von diesem Thier.

30. capra. Cornua caua rugosa scabra.

1. †. Ouis. das Schaaf. (Fr. le brebis. Engl.
the sheep.) C. mento imberbi, cornibus
compressis lunatis
. *

Das Schaaf begattet sich sehr leicht mit der
Ziege, und ist überhaupt in seiner ganzen Oe-
konomie und Körperbau zu nahe mit ihr ver-
wandt, als daß es in ein besondres Geschlecht
von ihr getrennt zu werden verdiente. Es fin-
det sich fast über der ganzen alten Welt und seit der
Entdeckung der neuen, auch nun in einem großen
Theil von dieser, als Hausthier, und wenige
Hausthiere sind auch dem Menschen auf so man-
nichfaltige Weise, und so unmittelbar nutzbar
[Seite 117] als das Schaaf. Aber auch wenige andere
Thiere sind so vielen Krankheiten unterworfen
und von so vielerley Ungeziefer geplagt.

Unter den verschiedenen Raçen der Schaafe sind
vorzüglich die Spanischen aus Segovien, und
die Englischen wegen ihrer ausnehmenden
Wolle; die Isländischen mit vier, sechs oder
acht Hörnern; und die Arabischen mit dem
großen und wohl 40 Pfund schweren Fett-
Schwanze, zu merken. Die auf den Caraiben,
auch die in Abessinien, Cafrerien etc. haben statt
der krausen Wolle schlichtes Ziegenhaar; und
die letztern noch überdem lange herabhängende
Ohren.

2. Ammon. das Muffelthier, Argali, (musi-
mon
. Büffons mouflon.) C. cornibus arcuatis
circumflexis subtus planiusculis, palearibus
laxis pilosis
.

pallas spicileg. zoolog. fasc. XI. tab. I. II.

Hin und wieder in der alten Welt, z.B. auf
Corsica und Sardinien, in Griechenland, in
der Barbarey; vorzüglich aber in Sibirien bis
Kamtschatka und auf den Kurilen. Ein großes
und dabey doch äußerst flinkes Thier mit mäch-
tig starken und schweren*) Hörnern, und von
überaus schmackhaften Fleisch. Es wird neuerlich
von vielen Naturforschern für das ursprünglich
wilde Schaaf gehalten.

3. †. Hircus. die Ziege. (Fr. la chevre. Engl.
the goat.) C. mento barbato, cornibus ar-
cuatis, carinatis
. *

[Seite 118]

Unsre Hausziege scheint von dem sogenannten
aegagrus einem wilden Thiere dieses Geschlechts
abzustammen, das in den wildesten Gegenden
des Caucasus und der daran grenzenden ostli-
chen Gebürge lebt, und in dessen Mägen zuwei-
len der orientalische Bezoarstein gefunden
wird, daher das Thier selbst mit dem Namen
des Bezoarbocks belegt worden.*)

Außer einigen Verschiedenheiten im Kör-
perbau, unterscheidet sich die Ziege vorzüglich
durch ihr lebhafteres Naturell vom Schaaf.
Sie ist ein muthwilliges muntres Thier, was
leicht menschlicher Gesellschaft gewohnt, aber
auch eben so leicht wieder in Wildnis aus-
artet.**) Sie ist nun meist eben so weit
als das Schaaf auf der Erde verbreitet,
hält sich besonders gern in bergichten Gegenden
auf, frißt dürres Moos, Laub und Rinde der
Bäume, dornichtes Gesträuch etc. auch den, dem
Menschen und andern Thieren giftigen Schierling.

Sonderbar ist daß man bey dieser Thier-
gattung ungleich häufiger als bey andern Säu-
gethieren Beyspiele von Männchen gefunden
hat, die Milch aus den Zitzen gegeben. Schon
Aristoteles beschreibt dergleichen melkbare Bö-
cke von der Ins. Lemnos. Matthiolus hat die
Abbildung eines solchen Bocks gegeben und ich
selbst habe einen dergl. der hier auf einem be-
nachbarten Amte ist, genau untersucht und be-
schrieben.

[Seite 119]

Die Angorische Ziege oder das Kämmelthier
hat einen kürzern Leib und längere Beine als
die gemeine; und ihr langes seidenartiges Haar
giebt das beste sogenannte Kameelgarn, was dem
von den Haaren des wahren Kameels bey wei-
ten vorzuziehen ist.

4. †. Ibex. der Steinbock. (Fr. le bouquetin.)
C. mento barbato, cornibus lunatis maxi-
mis, supra nodosis, in dorsum reclinatis
.

conr. gesner l. c. pag. 1099.

Dieses merkwürdige, aber selbst in seiner Hei-
mat seltne oder doch wenig bekannte Thier, ist
in den höchsten Schneegebirgen von Tyrol und
Savoyen so wie auf Candia und in den Sibi-
rischen Alpen zu Hause. Es bewohnt blos die
steilsten und für Menschen fast unzugänglichen
Felsen; wird größer als unsere Ziege, und wiegt
im Alter wol einige Centner; und doch kan die-
ses schwerleibige Thier mit großer Leichtigkeit
jähe Felsenwände hinansetzen, und über tiefe
Abgründe von einer Klippe zur andern springen.
Erst im dritten Jahr sollen sie anfangen Hörner
aufzusetzen, und jedes derselben dann jährlich
einen neuen Knoten erhalten. Das Gehörn ei-
nes bejahrten Steinbocks wiegt wol zwanzig
Pfund, und hat meist eben so viel knorrichte
Ringe auf jeder Seite. Wenn der Steinbock
ganz jung gefangen wird, so ist er leicht zu zäh-
men, und läßt sich, wie man im Walliserlande
versucht hat, mit den Heerden der Hausziegen
auf die Weide führen.

31. antilope. Cornua caua, teretia, annulata,
vel spiralia
.

[Seite 120]

1. †. Rupicapra. die Gemse. (Fr. le chamois.)
A cornibus erectis vncinatis. *

Schreber tab. CCLXXIX.

Die Gemse hat wenigstens in Europa ohnge-
fähr einerley Vaterland mit dem Steinbock, doch
wagt sie sich nicht so wie dieser auf die äußersten
Felsenspitzen, sondern hält sich mehr in den
mittlern Berggegenden auf. Jung eingefangen
lassen sich die Gemsen zähmen, so daß sie mit
den Hausziegen auf die Weide getrieben werden.
In Glarus bin ich versichert worden daß sich
wohl ehe dergleichen zahme Gemsen mit den
Ziegen gepaart und Bastarde erzeugt haben.
Das Fleisch der Gemsen ist ein schmackhaftes
Wildpret und ihr Fell zugleich geschmeidig und
überaus fest. Von den unverdaulichen Zasern
ihres Futters bilden sich in dem Magen
der Gemsen runde Kugeln (aegagropilae), denen
man vor Zeiten seltsame Heilkräfte andichtete.

2. Dorcas. die Gazelle. C. cornibus teretibus
annulatis, medio flexis, apicibus laeuibus
approximatis
.

Schreber tab. CCLXIX.

Ein schönes, kleines, schlankes Thiergen, mit
muntern schwarzen Augen, was in ganz Orient
und Nordafrica zu Hause ist. Es wird oft im
hohen Lied erwähnt, und ist noch jetzt in der
Orientalischen Dichtersprache das gewöhnliche
Bild, womit schöne Mädchen verglichen werden.
Die Hörner der Gazelle gleichen in der Größe
und Textur der Gemsen ihren, nur sind sie
anders gebogen.

[Seite 121]

3. Gnu. das Gnu-Thier. A. cornibus antror-
sum directis, apicibus reflexis: mento bar-
bato: iuba ceruicali et pectorali
.

buffon, supplement. vol. VI. tab. VIII. IX.

Sparrmanns Reise tab. X.

In öden Gegenden vom Cap landeinwärts.
Fast von der Größe eines Pferds: und von ei-
ner auffallenden Bildung die meist völlig das
Mittel zwischen dem Antilopen- und Ochsen-Ge-
schlecht hält, zu welchen letztern es daher auch die
Hrn. Forster rechnen und es bos poephagus
nennen.

32. bos. Cornua concaua, lunata, laeuia.

1. †. Taurus. der Ochse. (Fr. le boeuf. Engl.
the ox.) B. cornibus teretibus extrorsum
curuatis, palearibus laxis
. *

Das Rindvieh stammt vom Auerochsen ab,
(vrus, bonasus, und Bison der alten Welt;
denn diese dreyerley Namen scheine doch sämt-
lich die Stammraçe unsers Hornviehs zu be-
zeichnen), der in Polen, Lithauen, Sibirien, ge-
funden wird (und ehedem auch in Deutschland
war.) Die zahmen Ochsen arten auch in Bil-
dung und Größe nicht so merklich als die übri-
gen Hausthiere aus, und selbst ihre Farbe ist,
wenigstens in verschiedenen Gegenden, ziemlich
beständig. Sie gehören zu den allerwichtigsten
Geschöpfen fürs Menschengeschlecht, da ihre Be-
nutzung zugleich mannichfaltig und überaus be-
trächtlich und groß ist. Viele tausend Men-
schen, zumal in der Schweiz etc. (auch in man-
chen Gegenden von Süd-America z.B. auf
Terra-ferma, wo sich das Rindvieh bey den
immer grünen Weiden zum erstaunen vermehrt)
[Seite 122] genießen den größten Theil ihres Lebens hin-
durch, keine andern Nahrungsmittel, als die
ihnen ihre Kühe geben, und der ganze Wohl-
stand vieler großen Provinzen hangt lediglich
von dieser einzigen Art Viehzucht, und der man-
nichfaltigen Milchproducte, ab. Zum Lasttra-
gen taugt zwar der Ochse nicht so gut als zum
Ackerbau und überhaupt zum Zug, wobey er
nicht, wie das Pferd, mit der Brust, sondern
mehr mit der Stirne und Nacken arbeitet, doch
wird er von den Jakuten und Hottentotten auch
zum reiten gebraucht. In den Magen dieser
Thiere finden sich zuweilen Ballen, die aber
weder steinartig wie die Bezoare, noch von ve-
getabilischer Substanz wie die Gemskugeln, son-
dern blos aus Haaren zusammengebacken sind,
die sie sich abgeleckt und eingeschluckt haben.
Die Viehseuche ist eine ihnen eigene, aber fürch-
terliche pestartige Krankheit, die zwar schon den
Alten bekannt war, aber doch erst seit 1711 da
sie sich von Ungarn aus durch Italien über
ganz Europa verbreitete, allgemeiner grassirt
hat.

Merkwürdig ist, daß überhaupt zwar unter
den bisulcis öfter als unter andern Ordnungen
der Säugethiere, besonders aber doch unter den
Schaafen und am häufigsten unter dem Rind-
vieh, Lämmer und Kälber mit misgestalten
männlichen Zeugungstheilen geworfen werden,
die selbst berühmte Zergliederer ganz fälschlich
für wirkliche Zwitter gehalten haben. Am son-
derbarsten ist, daß sich dieser monströse Bau ge-
wöhnlich bey Zwillings-Kalbern finden, und
diese daher zur Fortpflanzung ihres Geschlechts
unfähig seyn sollen.

[Seite 123]

2. Bison. der Buckelochse. B. cornibus
diuaricatis, iuba longissima, dorso gib-
boso
.

buffon supplem. vol. III. tab. V.

Das größte Landthier der neuen Welt. Es
findet sich im gemäßigtern Nord-America, wo
es Heerdenweise in sumpfichten Wäldern lebt.
Im Winter ist es über den ganzen Körper be-
haart, im Frühjahr hingegen wird es am Rü-
cken und Hinterleibe kahl, und behält blos seine
ungeheure Brust- und Nacken-Mäne. Sein
Fleisch ist schmackhafter als das vom gemei-
nen Ochsen.

3. Buffelus. der Büffel. B. cornibus resupina-
tis intortis antice planis
. *

buffon vol. XI. tab. XXV.

Der Büffel stammt wol ursprünglich aus Ty-
bet, ist nun aber nach und nach durch den größten
Theil von Asien und Nordafrica verbreitet, und
wird auch hin und wieder in Europa, wie z.B.
seit dem siebenten Jahrhundert in Italien, in
Ungarn, und auch selbst im Salzburgischen, ge-
zogen und zum Zuge gebraucht. Zwey Büffel
sind im Stande, eine Last zu ziehen, die sechs
Pferde kaum zu bewegen im Stande seyn wür-
den; sie sind aber unflätig, schwer zu bändi-
gen etc. und man muß ihnen, wie den Tanzbä-
ren, Ringe an die Nase legen, und sie damit
regieren. Sie haben ein schwarzes dünnbehaar-
tes Fell, das außerordentlich stark und vorzüg-
lich zu Schläuchen tauglich ist. Ihr Fleisch ist
schlechter, ihre Milch hingegen und die daraus
gemachten Käse und Butter ungleich schmack-
hafter als die vom gemeinen Hornvieh.

[Seite 124]

4. Grunniens. der Büffel mit dem Pferdeschweif,
Ziegenochse. B. cornibus teretibus, in-
trorsum curuatis, vellere propendente, cau-
da vndique iubata
.

pallas in Act. acad. Petropolit. T. I. P. II.
tab. X.

Ebenfalls in Tybet zu Hause, wird aber auch
in Indien etc. als Hausthier gehalten. Kleiner
als unser Hornvieh, zeichnet sich auch außerdem
durch seine grunzende Stimme, durch sein zot-
tiges Ziegenhaar, und durch einen büschlichten
sehr langhaarichten Schwanz aus, der, wenn
er schön ist, in Indien äußerst hochgeschätzt und
aufs theuerste bezahlt wird.

33. giraffa.

1. Camelopardalis. die Giraffe. C. cornibus
solidis simplicissimis, breuibus, rectis, tu-
berculo frontali, dorso decliui, iubato
.

Schreber tab. CCLV.

Cptn carteret, in den philos. Transact.
Vol
. LX. tab. I.

Die Giraffe hat, wegen ihres langen Halses,
ihres kurzen Körpers, abhängigen Rückens, der
Hals- und Rückenmäne, und wegen ihres röth-
lichen, schön gefleckten Fells, ein sehr auszeich-
nendes Ansehn, und verdient daher allerdings
in einem eignen Geschlechte von den Hirschgat-
tungen abgesondert zu werden. Sie finden sich
blos im innern Africa, ist unter den spätern
Römischen Kaisern ziemlich oft, in neuern Zei-
ten aber äußerst selten nach Europa gebracht
worden, und ihre Geschichte ist mit vielen Fa-
beln und widersprechenden Nachrichten verdun-
kelt. Sie soll im Schreiten, wie die Paßgän-
[Seite 125] ger, immer den Vorder- und Hinterfuß der ei-
nen Seite zugleich heben, und daher einen son-
derbaren Gang haben, von dem die Bewegung
des Springers im Schachspiel entlehnt wor-
den*). Sie ist, wenn sie aufrecht steht, sech-
zehn Fuß hoch, und nährt sich vom Laub der
Bäume, das sie mit ihrer zwey Fuß langen aal-
förmigen Zunge abreissen soll. Sie kaut wie-
der, und ist, ihrer Größe ungeachtet, doch
schwächlich, furchtsam und sehr leicht zu bän-
digen.

34. cervvs. Cornua solida multifida.

1. Alces. das Elennthier. (Fr. l'elan. Engl.
the elk.) C. cornibus planis acaulibus, pal-
matis
. *

Schreber tab. CCXLVI.

In der ganzen nordlichen Erde, (wenn anders
das Nord-Americanische Elenn, Fr. l'orignal,
Engl. the moose-deer**) keine eigne Gattung
ist.) erreicht beynah die Größe vom Pferd, wiegt
wohl über 1200 und sein Gehörn auf 56 Pfund, und
kommt in seiner Lebensart meist mit dem Renn-
thier überein. Es läßt sich auch zähmen und
Heerdenweise auf die Weide treiben, wird aber
doch alsdann, wie andre Gattungen dieses Ge-
schlechts, zur Brunstzeit leicht wild und unbändig.
Das Fleisch des Thiers ist schmackhaft, und
sein Fell überaus fest. Die alten Sagen, daß
das Elennthier oft von Epilepsie befallen werde,
und sich dann mit seiner Hinterklaue am Kopf
[Seite 126] blutig kratze, und daß die Ringe und Halsbän-
der von Elennsklauen wirtsame Mittel gegen
diese u.a. Krankheiten wären, brauchen jetzt
keiner weitern Widerlegung.

2. †. Dama. der Damhirsch, Tannhirsch. (Fr.
le dain. Engl. the fallow-deer.) cornibus
subramosis compressis, summitate palmata
. *

Schreber tab. CCXLIX A. B.

In den Wäldern des gemäßigten Europa,
Der Nordamericanische wird von manchen für
das gleiche Thier, von andern aber für eine
eigne Gattung gehalten. Ist kleiner als der ge-
meine Hirsch, dem er aber in seiner Oekonomie
gleicht, und variirt in der Farbe. Man hat
braune, gefleckte, und auch ganz weiße Dam-
hirsche.

3. Tarandus. das Rehnthier. (rangifer. Fr.
le renne. Engl. the rein.) C. cornibus lon-
gis, simplicibus, teretibus, summitatibus
subpalmatis, iuba gulari pendula
. *

Schreber tab. CCXLVII. A. B. C.

In der ganzen nordlichen Erde. Theils, wie
in Kamtschatka in großen Heerden von 1000 u.
m. Stück. Hält sich den Sommer durch im Ge-
bürge und Wald, im Winter hingegen mehr in
Ebnen und flachen Moos-Heyden auf; kan aber
in wärmern Gegenden nicht ausdauern. Es
giebt wenig Geschöpfe in der Natur, die so wie
das Rehnthier, fast alle Bedürfnisse des Men-
schen zu befriedigen im Stande wären, daher es
auch von den Lappländern, Koräken, Tungusen und
Samojeden auf alle Weise benutzt wird. Sie näh-
ren sich von seinem Fleisch und Milch, kleiden
[Seite 127] sich in sein Fell, und beziehn ihre Schlitten
und Zelte damit; brauchen es zum Lasttragen
und zum Zug, verfertigen allerhand Geräthe
aus seinen Hörnern, Nadeln aus seinen Knochen,
Faden aus seinen Sehnen, und Beutel und Fla-
schen aus seiner Harnblase. Die Rehnthierbut-
ter ist unschmackhaft, der Käse aber desto vorzüg-
licher. Das Rehnthier ist bey alle dem über-
aus wohlfeil zu ernähren: es lebt von dürrem
Laub, und vorzüglich von Rehnthier-Moos, das
es unter dem Schnee hervorscharrt.

4. †. Elaphus. der Hirsch. (Fr. le cerf. Engl.
the flag.) C. cornibus ramosis totis tereti-
bus recuruatis apicibus multifidis
. *

Schreber tab. CCXLVIII. A. B. C. D. E.

Hat im Ganzen meist gleiches Vaterland mit
dem Elenn, nur unter etwas mehr südlicher
Breite. Er schlägt sich im Frühjahr sein Ge-
weihe ab, das sich nachher wieder reproducirt,
und meist schon im August wieder völlig hart,
ausgewachsen, und noch größer und vielendiger
als das abgeworfene ist. Doch richtet sich die
Zahl der Enden nicht genau nach dem Alter des
Thiers. Im vierten Jahre ist es sechsendigt, und
nach dem achten Jahr ist die Anzahl der Enden
unbestimmt. Die größten Geweihe sind von 64
Enden. Denn was man vom erstaunlich hohen
Alter der Hirsche sagt, ist Fabel; er wird un-
gefähr 30 Jahre oder etwas drüber alt. Seine
Brunst fällt in den September, und dauert
wohl sechs Wochen lang. Das Männchen ist
während der Zeit wie außer sich, ändert Farbe,
Stimme etc. reißt gierig durchs Gehölz, nimmt
sich kaum Zeit zu weiden, ruft laut, spürt sei-
nen Weibgen mit vorhängendem Kopfe hitzig
[Seite 128] nach, und weis genau die Stellen wieder zu
finden, wo es in vorigen Jahren die Freuden
der Liebe genossen hat.

5. †. Capreolus. das Reh. (Fr. le chevreuil.
Engl. the roe.) C. cornibus ramosis, tere-
tibus, erectis, summitate bifida
. *

Schreber tab. CCLII. A. B.

In den gemäßigtern und wärmern Erdstrichen
von Europa und Asien. Der Rehbock wirft sein
Geweihe, (das öfter als den andern Gattungen
dieses Geschlechts ganz sonderbar und monströs
gebildet ist,) nicht wie der Hirsch im Frühjahr,
sondern im Herbst ab, und seine Brunst fällt
im December.

35. moschvs. Cornua nulla Dentes laniarii
superiores solitarii exserti
.

1. Moschiferus. das Bisamthier. (Fr. le musc.
Engl. the musk.) M. folliculo vmbicilicali.

Schreber tab. CCXLII.

buffon supplement vol VI. tab. XXIX.

Das Bisamthier lebt einsam in den Schwarz-
wäldern und bergichten Gegenden von Tybet und
dem südlichen Sibirien. Ein flinkes aber äußerst
schüchternes wildes Thier. Das Männchen hat
in der Nabelgegend einen Beutel von der Größe
eines Hünereys, worin sich der Bisam, dieses
wohlthätige Arzneymittel sammlet.

2. Pygmaeus. das kleine Guineische Rehgen.
M. supra fusco-rufus, subtus albus, vngu-
lis succenturiatis nullis
. *

seba, thes. I. tab. XLV. fig. I.

[Seite 129]

Das kleinste Thier dieser Ordnung. Es ist
in Ostindien und auf Guinea zu Hause, hat den
Wuchs des Rehs, ist ober so zart daß seine gan-
zen Beine kaum einen kleinen Finger lang sind
und ohngefähr die Dicke eines Pfeifenstiels haben.

36. svs. Rostrum truncatum, prominens
mobile
.

1. †. Scrofa. das Schwein. (Fr. le cochon.
Engl. the hog.) S. dorso setoso, cauda pi-
losa
. *

Das wilde Schwein hat eine längere Schnau-
ze, kürzere aufrechte Ohren, größere Fang-
zähne als das Hausschwein, auch keinen Speck,
und ist fast immer von schwarzgrauer Farbe.
Es wird durch seine Fänge furchtbar, womit es
sich, wie man in der Barbarey zuweilen be-
merkt hat, selbst gegen Löwen sattsam verthei-
digen kan: doch hat man auch Beyspiele; daß
sich Frischlinge haben kirre machen lassen und
wenn sie schon erwachsen, ihren Herrn gefolgt
sind u.s.w. Es sind wenige Thiere so allge-
mein fast über die ganze Erde verbreitet, als
das Hausschwein, und einige Völker ausgenom-
wen, welche aus Religionsprincipien, die sich
doch auf medicinische Ursachen gründen, kein
Schweinefleisch essen dürfen, wird es seit den
ältesten Zeiten, und fast unter allen Himmels-
strichen verspeist, hat auch vor den übrigen den
großen Vorzug, daß es durchs Räuchern und
Einsalzen sich so lange erhalten läßt. Das
Schwein hat einen ungemein scharfen Geruch,
ist aber übrigens äußerst dumm und sehr unrein-
lich. Das Weibchen ist überaus fruchtbar, und
wirft unter allen Thieren mit gespaltenen Klauen
die mehresten Junge.

[Seite 130]

In America, wohin die Schweine aus Eu-
ropa übergebracht worden, sind sie theils ver-
wildert (Fr. cochons marons).

Die Schinesischen Fr. cochons de Siam) haben
kürzere Beine und einen ausgeschweiften Rücken
ohne Mähne.

In Schweden und Ungarn findet sich häufig
eine Spielart von Schweinen mit ungespalte-
nen Klauen, die schon den Alten bekannt war*),
so wie man auch welche mit drey Klauen gese-
hen hat.

2. aethiopicus. das Emgalo. (Büffons sanglier
du cap vert.
) S. sacculis mollibus sub oculis
.

buffon, supplement, vol. III. tab. XI.

pallas spicileg. fasc. II. tab. I. fasc. XI.
tab. V. fig. 7.

Im Innern, von Süd-Africa. Auch auf
Madagascar. Ein furchtbar wildes Thier von
einer ganz widerlichen Bildung, mit einem mäch-
tig großen Kopf, spannen-breiten Rüssel, großen
warzichten Fleischlappen unter den Augen etc.

3. Tajassu. das Nabelschwein, Bisamschwein,
Pecari. S. cauda nulla, folliculo moschifero
ad coccygem
. *

buffon vol. X. tab. III. IV.

tyson, in philos. Transact. N. 153. p. 359.

Heerdenweis in den wärmsten Gegenden von
Südamerica. Ist viel reinlicher als unser
Schwein, nährt sich aber auch wie dieses, von
Wurzeln, kleinen Thieren, und besonders von
Schlangen. Sein Fleisch ist eßbar und schmack-
[Seite 131] haft, doch wird das Thier höchstens nur 60
Pfund schwer, und man muß ihm, sobald es
getödtet worden, den Rückenbeutel ausschnei-
den, weil es sonst mit dem heftigen Bisamgeruch
durchzogen wird, und dann nicht zu genießen ist.

4. Babirussa.*) der Schweinhirsch, Hirsch-
eber. S. dentibus laniaribus superioribus,
maximis, arcuatis.

buffon suppl. vol. III. tab. XII.

Auf den Moluckischen Inseln und hin und
wieder in Africa. Hat, wie schon sein Name
anzeigt, in seiner Bildung einige Aehnlichkeit
vom Hirsch. Lebt am Wasser, und kan sehr ge-
schickt schwimmen und untertauchen. Es hält
schwer, zu bestimmen, wozu ihm die fast cirkel-
förmigen großen Eckzähne des Oberkiefers die-
nen mögen?

X. BELLVAE.

Große, dem Ansehn nach plumpe Thiere,
meist mit dicken Füßen, und starkem, aber dünn-
behaartem Fell. Wenige Geschlechter, und
jedes nur von einer oder ein paar Gattungen.

37. tapir. Habitus suillus, iuba ceruicalis,
palmae vngulis
IV. plantae vngulis III.

1. Suillus. der Tapir, Anta. T. dentibus pri-
moribus vtrinque
10, rostro spithamaeo re-
tractili.

[Seite 132]

buffon vol. XI. tab. XLIII. und supple-
ment
vol. VI. tab.
I.

Der Tapir ist das größte Landthier in Süd-
America, von der Statur eines mittelmäßigen
Ochsen, und macht einigermaßen den. Ueber-
gang vom Schweinegeschlecht zu den Belluis.
Der Kopf und die Schenkel sind ohngefähr wie
beym Schwein; der Rüssel fast wie am Ele-
phanten, nur weit kürzer und ohne die haken-
förmige Spitze; und endlich hat das ganze Thier
auch mit dem Nilpferd manches änliches. Es
ist ein schüchternes Geschöpf, liegt am Tage in
sumpfichten Wäldern verborgen, und geht nur
des Nachts seinen Geschäften nach. Gewöhn-
lich setzt sichs auf die Hinterfüße wie ein Hund.
Geht gern ins Wasser, schwimmt sehr gut etc.
Sein kurzer Rüssel ist doch ganz beweglich, fast
wie beym Elephanten, und es weis sich desselben
mit vielem Geschick zum aufheben, abreissen und
anfassen zu bedienen.

38. elephas. proboscis longissima, prehensi-
lis. dentes laniarii superiores elongati.

1. Maximus. der Elephant. *

buffon, supplement vol. III. tab. LIX.
vol. VI. tab. II.

Das erstaunenswürdige Geschöpf findet sich
im mittlern Africa und im südlichen Asien, vor-
züglich auf Ceilan, und ist das größte von allen
Landthieren. Ein erwachsener Elephant ist wohl
funfzehn Fuß hoch, und ein ganz junger von
20 I. der 1651 zu St. Gallen gewogen worden,
hielt volle 7000 Pfund. Seine Haut ist harsch,
voller Schrammen, aber auf dem Rücken fast
[Seite 133] Daumens dick, und bey alle dem selbst gegen
Insectenstiche empfindlich. Gewöhnlich sind die
Elephanten von grauer Farbe; die weißen oder
vielmehr fleischfarbnen finden sich nur einzeln
und äußerst selten. Das Hauptorgan des Ele-
phanten ist sein Rüssel der ihm zum Athem-
holen, zum äußerst feinen Geruch, zum brüllen,
zum Wasserschöpfen, sein Futter damit zu fas-
und ins Maul zu stecken, zum Gefechte, und
zu tausend unbegreiflich künstlichen Verrichtun-
gen, statt der Hände dient. Er kan ihn drey
Ellen lang ausstrecken, und bis zu einer Elle
wieder einziehen. Am Ende ist derselbe, wie
mit einem biegsamen Haken versehen, und hier-
mit kan er Knoten aufknüpfen, Schnallen auf-
lösen, mehrere Stücken Geld mit einem mal
aufheben, Schlüssel an Thüren aufdrehen, kleine
Blümchen abreissen u.s.w. Seine Nahrung
ist blos vegetabilisch, und besteht aus Laub der
Bäume, aus Reis und andern Gräsern. Man
rechnet daß ein Elephant täglich so viel frißt,
als dreissig Neger verzehren können. Er hält
sich gern in sumpfichten Gegenden und am Wasser
auf, und schwimmt mit ungemeiner Leichtig-
keit selbst durch die schnellsten Ströme, wieschon
Hannibals Elephanten im Rhone gezeigt haben.
Man will neuerlich gesehen haben, daß sich die
Elephanten bey der Begattung, gegen die Muth-
maßung der Alten, wie die mehresten übrigen
Säugethiere bespringen. Auch die zahmen
Männchen werden dock (ohngeachtet sie sich in
der Gefangenschaft nicht mit den Weibchen paa-
ren) alljährlich um die Brunstzeit auf einige
Zeit wild und unbändig, wobey ihnen ein brau-
ner Saft aus einer besondern Oeffnung an den
[Seite 134] Schläfen hervordringt*). Das neugeworfne
Junge soll die Größe eines wilden Schweins
haben; und saugt mit dem Maule (nicht mit
dem Rüssel wie viele gemeynt haben.) Ohnge-
fähr im dritten, vierten Jahre kommen bey bei-
den Geschlechtern die zwey großen Eckzähne zum
Ausbruch, die das Elfenbein geben, aber doch
in ihrer Textur von den Zähnen anderer Thiere
abweichen. Sie werden wol 7 bis 8 Fuß lang
und je älter desto stärker gebogen. Man hat
einzeln solche Zähne gesehen die auf 160 Pfund
wogen. Das Alter des Elephanten ist nicht ge-
nau zu bestimmen; wahrscheinlich erstreckt sichs
doch über zweyhundert Jahre. Man fängt die
Elephanten auf verschiedne Weise. Theils in
Gruben, meist aber in Treibjagden, auch durch
zahme abgerichtete, denen die wilden folgen,
und so von ihnen in besonders dazu eingerich-
tete Ställe gelockt werden. Die ganz unbe-
greifliche Gelehrigkeit eines Thieres von einer
so ungeheuren plumpen Körpermasse, was noch
dazu nicht in langen Generationen als Haus-
thier gezogen wird, sondern immer erst aus der
Wildnis gefangen werden muß, rechtfertigt den
Vorzug, den ihm die Naturkenner aller Zeiten
zugestanden haben. Man hat die Talente des
Elephanten zum Nutzen und zur Unterhaltung
mannichfaltig zu benutzen gewußt. Die müssi-
gen Römer lehrten das schwerleibige Thier auf
dem Seile gehn, Worte schreiben, sich krank
stellen und sich so von vier andern in der Sänfte
tragen lassen etc. In alten Zeiten bediente man
sich der Elephanten häufig im Krieg; setzte ihnen
kleine Thürme mit Mannschaft auf den Rücken,
[Seite 135] panzerte sie*) und bewaffnete ihre Seiten mit
Sensen. Die Erfindung des Schiespulvers hat
sie zwar zu diesem Gebrauche minder tauglich
gemacht, da sie beym Feuer und Dampf leicht
scheu werden etc. Doch werden sie noch von den
Indianern auf Ceilan etc. dazu gebraucht und
dabey mit einem Getränk aus Opium berauscht.
Am häufigsten nutzt man sie also jetzt zum Last-
tragen, da sie zum mindsten zwanzig Centner
tragen, und die größten Transporte Berge hin-
auf zu wälzen, im Stande sind. Ihr Gang ist
schnell, einem kurzen Galop gleich, und dabey
so sicher, daß sie auf ungebahnten Wegen doch
nicht straucheln, und mit der größten Vorsicht,
den Menschen, die ihnen unversehens begegnen,
ausweichen, oder sie behutsam bey Seite heben,
und dann ihren Lauf fortsetzen. Ein anderer
wichtiger Nutzen, den man vom Elephanten
zieht, ist das Elfenbein, das man feit den Zei-
ten des Trojanischen Kriegs**) zu Kunstwerken
aller Art verwandt hat. Das Fleisch des Thiers
soll schmackhaft seyn, und dem Rindfleische glei-
chen***). Sein getrockneter Mist wird auf
Ceilan statt Kohlen gebrannt, und auch von den
Töpfern untern den Thon gemengt.

39. rhinoceros. Cornu solidum, conicum,
naso insidens.

1. vnicornis. das asiatische Nashorn. Rh. cornu
vnico, dentibus primoribus vtrinque binis
.

b. s. albini tab. musculorum corp. lium. tab.
IV. et VIII.

[Seite 136]

Ein Blatt von J. E. Ridinger, 1748.

In Ostindien. Ein ziemlich phlegmatisches
Thier, was ungereizt nicht leicht Menschen an-
fallen wird, aber in der Wuth fürchterlichen
Gebrauch von seinem Horne zu machen weis.
Am Ende der Oberlippe hat das Nashorn einen
spitzigen schnabelförmigen sehr beweglichen Ha-
ken, dessen es sich zum Anfassen und Aufheben
kleiner Dinge doch ganz geschickt bedient. Im
ganzen aber ist es ein ungelehriges Geschöpf.
Sein Fell ist gefaltet, harsch und runzlicht.
Das Horn sitzt bey ihm nicht wie andre Thier-
hörner am Knochen fest, sondern ist blos mit
der Haut verwachsen. Daß es mit dem Ele-
phanten im ewigen Streit lebe, ist ein irriges
Vorgeben; es flieht vor ihm.

2. bicornis. das africanische Nashorn. Rh. cor-
nibus duobus. incisoribus nullis
. *

buffon, supplement vol. VI. tab. VI.

In Süd-Africa, am Cap etc. Das zweyte
Horn ist kleiner und sitzt hinter dem erstern nach
der Stirne hinauf.

40. hippopotamvs. Dentes primores superio-
res remoti, inferiores procumbentes; lania-
rii inferiores incuruati, oblique truncati.

1. Amphibius. das Nilpferd, Wasserschwein.

buffon, supplement vol. III. tab. LXII.
LXIII. vol. VI. tab. IV. V.

Ein äußerst plumpes, misgestaltes Thier, mit
einem unförmlich großen Kopfe, ganz ungeheu-
rem Rachen, dickem Leibe, kurzen Beinen etc.
[Seite 137] Findet sich im innern von Ober- Aegypten, be-
sonders am Nil, dessen Symbol es auf alten
Kunstwerken vorstellt, und macht, da es schnell
und leicht schwimmt, die Fahrt auf diesem Flusse
gefährlich; doch scheut es das Feuer, das des-
halb zur Vorsicht auf den Schiffen unterhalten
wird. Ein erwachsenes Nilpferd wiegt wenig-
stens viertehalb tausend Pfund, und hat bey-
nahe die Größe vom Rhinocer. Es macht sein
Lager in dickem Schilf, nährt sich von Vegeta-
bilien und Fischen, frißt viel, und thut daher
den Reisfeldern großen Schaden. Das Fleisch
des, Thiers ist eßbar. Die spätern Römischen
Kaiser haben oft Nilpferde zur Schau nach Rom
kommen lassen, jetzt aber sind sie selbst in Nie-
der- Aegypten selten oder gar nicht mehr zu
sehen.

XI. PALMATA.

Die Säugethiere mit kurzen Schwimm-
süßen. Diese Ordnung zerfällt, nach der Bil-
dung der Füße und dem Aufenthalt der Thiere,
wieder in zwey Familien: a) mit deutlichen
Zehen an den Füßen, die nur durch eine
Schwimmhaut unter einander verbunden sind:
b) mit plumpen Füßen und undeutlichen Zehen,
deren Spur fast blos durch die Krallen sichtbar
wird. Jene halten sich mehr in süßen Was-
sern, diese in der See auf.

a) lacustria.
[Seite 138]

41. castor. Pedes tantum postici palmati, den-
des sciurini.

1.†. Fiber. der Biber. (Fr. le castor. Engl.
the beaver.) C. cauda depressa, ouata, squa-
mosa.

Schreber tab. CLXXV.

In der nordlichern Erde, in einsamen Gegen-
den an Teichen und größern Flüssen. Er wird
wegen seiner feinen Haare für die Handlung,
und für die Arzneykunst wegen einer schmierich-
ten Substanz wichtig, die sich bey beiden Ge-
schlechtern in besondern Behältern unterm
Schwanze findet, und die unter dem unschickli-
chen Namen Bibergeil, als eins der wirksam-
sten Heilmittel verbraucht wird. Was aber
diese Thiere für die Naturgeschichte am merk-
würdigsten macht, sind die erstaunlichen Kunst-
triebe mit welchen sie, besonders da wo sie sich,
wie im innern von Canada u.a. noch in großer
Menge beysammen finden, ihre berühmten Ge-
bäude aufführen. Wenn nemlich eine neue Co-
lonie von ihnen sich anbauen will, so versam-
meln sie sich zu mehrern Hunderten am Ufer ei-
nes Flusses oder Sees; fällen Bäume, behauen
sie zu Pfählen, rollen und flösen sie an Ort und
Stelle, schleppen Erde zusammen, graben Ca-
näle und Floßteiche zu Erleichterung des Trans-
ports, führen im Fall das Wasser zu seichte ist,
vorher große fast unverwüstliche Dämme auf,
und bauen dann erst ihre eigentlichen Wohn-
hütten dahinter, die nach der verschiedenen An-
zahl der Familien, die sie beziehen sollen, auch
von verschiedener Größe, von vier bis zehn Fuß
[Seite 139] im Durchschnitt, meist drey Stockwerk hoch,
und oben gewölbt sind, und vier bis zwölf und
mehrern Bibern zum Aufenthalt dienen. Jedes
Haus, hat meist eine doppelte Oeffnung, von
welchen die eine ins Wasser, die andere ans Ufer
führt. Das untre im Wasser befindliche Stock-
werk dient ihnen zum Magazin, das sie schon
bey Gelegenheit ihres Baues mit den abgenag-
ten Blättern und Rinden zu Wintervorrath fül-
len. Im Herbst und Winter halten sie sich
häuslich, im Frühjahr hingegen verlassen sie
ihre Wohnung auf einige Zeit und ziehen zu
Holze um frische saftige Rinden und Knospen zu
genießen.

42. lvtra. Palmae plantaeque natatoriae, den-
tes mustelini.

1. †. Vulgaris. die Fischotter. (Fr. la loutre.
Engl. the otter.) M. plantis nudis, cauda
corpore dimidio breuiore.

Schreber tab. CXXVI. A. B.

Die Fischotter und der Biber haben meist ei-
nerley Vaterland, einerley Aufenthalt, auch
überhaupt in ihrer Lebensart manches mit ein-
ander gemein, ob sie wol in ihrem Körperbau,
zumal im Gebiß, verschieden gebildet sind. Die
Fischotter hat den Namen von ihrer vorzüglich-
sten Nahrung. Sie gräbt sich in hole Ufer,
hat ihren Eingang unterm Wasser, und läßt
nur ein kleines Lüftloch oben über der Erde.
So wild sie sonst ist, so läßt sie sich doch wenn
sie jung gefangen worden zähmen und sogar zum
Fischfang abrichten.

2. Marina. die Mecrotter. L. plantis pilofis,
cauda corpore quadruplo breuiore.

[Seite 140]

Schreber tab. CXXVIII.

cook's. voyage to the northern hemisphere
vol
. II. tab. XLIII.

Die Meerotter hat ihren Namen daher, weil
sie sich auch zuweilen in der See finden läßt,
doch entfernt sie sich nicht weit vom Lande, und
zieht sich allemal lieber in Flüsse und andre süsse
Wasser. Sie ist besonders um Kamtschatka und
an der jenseitigen Küste vom nordwestlichen Ame-
rica bis hinunter zu K. George's Sund, zu
Hause. Ihr schwarzes und silbergraues Fell ist
das kostbarste aller Rauchwerke. Das Stuck
wird wohl bis anderthalbhundert Thaler be-
zahlt. Ihre Hinterfüße äneln schon denen von der
folgenden Familie.

b) marina.

43. phoca. Pedes postici exporrecti, digiti
coaliti.

Die Thiere dieses und des folgenden Ge-
schlechts sind so recht die Amphibien unter den
Säugethieren, deren ganzer Körperbau darnach
eingerichtet ist um in beiden Elementen leben zu
können.*)

[Seite 141]

1. Vitulina. der Seehund, die Robbe, das See-
kalb. (Fr. le veau marin. Engl. the seal.)
P. capite laeui, auriculis nullis, corpore
griseo
. *

Schreber tab. LXXXIV.

b. s. albini annot. academ. L. III. tab. VI.

In den nordlichen Meeren. Lebt, wie andre
Gattungen dieses Geschlechts, von Seetang,
doch auch von Fischen, und vorzüglich von Ha-
ringen. Ist für die Finnischen Insulaner, so
wie für die Kamtschadalen, besonders aber für
die Grönländer und Esquimaux, ein äußerst
wichtiges Geschöpf: die beiden letztern Völker
zumal nähren sich von seinem Fleisch, kleiden
sich in sein Fell, beziehn ihre Sommerhütten
und Fischerbote damit etc. Sein Fang macht
ihr vorzüglichstes Geschäfte und die darin erwor-
bene Geschicklichkeit ihr Glück und ihren Stolz
aus. In Europa werden bekanntlich die See-
hundfelle am meisten zu Cofferbeschlägen ver-
braucht.

2. Vrsina. der Seebär. P. auriculata, collo
laeui
.

[Seite 142]

Schreber tab. LXXXII.

buffon, supplement vol. VI. tab. XLVII.

Findet sich im Sommer heerdenweise auf den
Inseln des Kamtschatkischen Inselmeeres, von da
er sich im Herbst wieder entfernt, und vermuthlich
auf den benachbarten etwas südlichem Inseln des
stillen Meers überwintert. Erlebt in Polygamie,
so daß jedes Männchen wol dreisig bis vierzig
Weibgen hat, die es mit vieler Eifersucht be-
wacht, und grimmig gegen seine Nebenbuhler
zu behaupten sucht. Ueberhaupt aber muß die
ganze Geschichte dieser Thiere, wenn anders das
alles zuverlässig ist, was Steller davon berichtet
hat*), (wie z.B. daß die Weibgen aus Weh-
muth Thränen vergießen sollen etc.) ausnehmend
viel sonderbares haben.

3. Leonina. der Seelöwe. (Phoca iubata linn.
P. auriculata collo iubato.

buffon, supplement vol. VI. tab. XLVIII.

Im ganzen stillen Meer. Das größte Thier
dieses Geschlechts: was wohl 25 Fuß lang wird,
und den Namen von seiner gewissermaßen löwen-
artigen Mähne hat.

44. trichecvs. Pedes posleriores in pinnam
coadunati.

1. Rosmarus. das Wallroß. (Fr. le morse.
Engl. the Walrus.) T. dentibus laniariis
superioribus exsertis longioribus.

Schreber tab. LXXIX.

[Seite 143]

cook's voyage to the northern hemisphere
vol
. II. tab. LII.

Beym Treibeis des Nordpols: oft ihrer hun-
dert und mehrere beysammen. Sie nähren sich
von Seetang und Schaalthieren, die sie mit
ihren großen Hauzahnen loskratzen. Wenn sie
landen wollen, schlagen sie diese Zähne mit vor-
gestrecktem Kopfe ins Ufer, und ziehen den
plumpen Körper allmählig nach.

1. Manatus. die Seekuh. (Fr. le lamantin.)
T. dentibus laniariis inclusis.

Schreber tab. LXXX.

Die Seekuh findet sich mehr einzeln als die
vorigen Gattungen in den Meeren der wärmern
Erde, auch häufig im Orinoco. Sie hat die
Größe der vorigen beiden Thiere, ein vorzüg-
lich schmackhaftes Fleisch*), und mag wohl
das Thier seyn, das ehedem zur Erdichtung
von Syrenen und Meerjungfern Anlaß gegeben.
Die sogenannten Lapides manati sind gar nicht
von diesem Thiere, sondern gewöhnlich ein Theil
des äußern Gehörgangs und der Pauke des
Wallfisches.

XII. CETACEA.

Die Gründe sind schon oben angegeben,
warum die Thiere dieser Ordnung, ihrer ganzen
Oekonomie nach zu den Säugethieren, und bey
[Seite 144] weitem nicht zu den Fischen gerechnet werden
müssen.*)

45. monodon. Dentes duo maxillae superioris
longissimi, recti, spirales
.

1. Narhwal. das See-Einhorn. D. fistulis
respiratoriis duabus, confluentibus.

klein hist. piscium. Miss. II. tab. II. fig. C.
Miss
. V. tab. III. fig. a. b.

Das Narhwal hat allerdings zwey lange pa-
rallele Zähne, und sollte folglich nicht mon-
odon, monoceros
oder Einhorn genannt wer-
den. Es ist im nordlichen Ocean zu Hause;
und zieht da mehrentheils vor den eigentlichen
Wallfischen her. Man verarbeitet die Zähne
wie Elfenbein zu Kunstsachen, und die Grön-
länder brauchten sie ehedem in Ermangelung
des Holzes zu Sparren unter ihre Hütten. Sie
find meist eben so lang, als der Körper des
Thiers, und halten wohl achtzehn Fuß und
drüber.

46. balaena. Laminae corneae loco dentium
superiorum.

1. Mysticetus. der Wallfisch. (Fr. la baleine.
Engl. the whale.) B. dorso impinni.

Abbild. der Wallfische bey Homanns Erbe,
in Landkarten Format. fig. 1. 2.

[Seite 145]

Das größte aller bekannten Thiere, das über
100000 Pfund am Gewicht hält, ist theils ge-
gen den Nordpol, besonders um Grönland und.
Spitzbergen herum, außerdem aber auch in süd-
lichen Gegenden im Atlantischen Ocean, auch
um Schina herum und im stillen Meere, wo es
die alten Peruaner anbeteten, zu Hause. Die
heutiges Tages gefangen werden, sind selten
über sechzig bis siebenzig Fuß lang, in vori-
gen Zeiten aber, da ihnen noch nicht so häufig
nachgestellt worden, haben sie bey höhern Alter
auch eine Länge von 120 F. und drüber er-
reicht. Der ungeheure Kopf macht beynahe die
Hälfte des ganzen Thiers aus. Sein Fell ist
meist schwarz oder mit weiß verschiedentlich un-
termengt, gemarmelt etc. theils auch ganz
weiß oder gelblicht, Daumens dick, hin und
wieder dünnbehaart, und oft mit Seegewäch-
sen, Corallen und Muscheln besetzt. Den Kamt-
schadalischen Insulanern und den Nordwestlich-
sten Americanern giebt dieses ungeheure Thier
victus et amicus. Aus seinen Därmen machen
sie ihre Hemden, aus seiner Haut ihre Schuh-
sohlen, aus seinen Sehnen ihre Bogenschnüre etc.
Die Europäer hingegen fangen den Walisisch
des Fischthrans und besonders der Barden we-
gen, deren er 700 im Oberkiefer hat, die das
Fischbein geben, und von denen die mittelsten
wohl zwanzig Fuß lang werden. Der beste Fang
ist im May, wo die Wallfische oft
w solcher Menge beysammen sind, daß sie we-
gen der Wasserstrahlen, die sie aus ihren Nak-
kenlöchern blasen, in der Ferne einer großen
Stadt mit rauchenden Schornsteinen äneln. In
der Breite vom 77 bis 79 Grad kan man um
die Zeit zuweilen auf viertehalbhundert Schiffe,
[Seite 146] von allerhand Nationen, jedes mit fünf bis
sechs Schaluppen, zählen, die in einer Zeit von
zwey Monaten leicht zweytausend Wallfische
fangen können.

2. Physalus. der Finnfisch. B. pinna dorsali.

Die Homannische Abbild. fig. 5.6.

Eben so lang, aber schmaler als das vorige
Thier, hat auch meist das gleiche Vaterland;
und findet sich besonders häufig in der Südsee.
Er schlägt heftiger mit dem Schwanze, und ist
daher gefährlicher zu fangen. Sein Fleisch ist
schmackhafter, als das vom Wallfisch, hinge-
gen die Barden kürzer und knoticht, auch der
Speck schlechter.

47. physeter. Dentes in maxilla inferiore.

1. Macrocephalus. der Caschelot, Pottfisch.
P. dorso impinni, dentibus inflexis, apice
acutiusculo.

Die Homannische Abbild. fig. 4.

Er erreicht beynah die Größe des Wallfisches
hat einen ungeheuern Rachen, und kan Klaf-
terlange Hayfische verschlingen. Sein Oberkiefer
ist sehr breit, der untere hingegen überaus
schmal. Der Caschelot wird vorzüglich des
Wallraths (sperma ceti) wegen aufgesucht, was
in Gestalt eines milchweißen Oels in besondern
Canälen, die ihrer Lage nach gewißermaßen den
Blutbehaltern im Kopfe anderer Thiere äneln
gefunden wird: und an der Luft zu einem halb-
durchsichtigen Talk verhärtet. Unter seinen Ex-
crementen findet sich zuweilen die wohlriechende
graue Ambra.

[Seite 147]

48. delphinvs. Dentes in maxilla vtraque.

1. Phocaena. das Meerschwein, der Braun-
fisch. (tursio plin. Engl. the porpus.) D.
corpore subconiformi, dorso lato pinnato.
rostro subobtuso.

klein hist. pisc. Miss. II. tab. II. fig. A. B.
tab
. III. fig. B.

So wie die folgende Gattung in den Europäi-
schen Meeren, wird zwey Klafter lang, hat ein
eßbares Fleisch, und vielen Speck, der auch zu
Thran gesotten wird. Lebt in Gesellschaft und
zieht sich zumal bey bevorstehenden Sturm nach
den Schiffen.

2. Delphis. der Delphin, Tümmler. (Fr. le
dauphin
. Engl. the porpesse.) D. corpore ob-
longo subtereci, dorso pinnato, rostro at-
tenuato, acuto.

klein l. c. tab. III. fig. A.

Der Delphin der Alten, der durch die Ge-
schichte mit Arion, und wegen anderer vorgeb-
lichen Proben seiner Menschenliebe, berühmt
worden. Ist auf den alten Münzen von Gros-
Griechenland genau abgebildet.

3. Orca. der Nordcaper, Bugkopf. (Engl.
the grampus.) D. pinna dorsi altissima; den-
tibus subconicis, parum incuruis.

Die Homannische Abbild. fig. 3.

Mehr im nordlichen Weltmeer, doch auch im
Mitländischen, wird zwanzig Fuß lang, und
lebt in Norden größtentheils von Häringen, die
er durch einen Schwung mit dem Schwänze in
einen Wirbel zusammen treibt, und Tonnen-
weise verschlingt.


Fünfter Abschnitt.
Von den Vögeln.

[Seite 148]

§. 55.

Die Säugethiere zeigen in ihrer Bildung, mit-
hin auch in ihrer Lebensart etc. so sehr viel Ver-
schiedenheit, daß sich nur wenig allgemeines von
ihnen überhaupt sagen läßt, und man sich folg-
lich bey ihrer speciellen Geschichte desto umständ-
licher zu seyn gedrungen sieht. Schon bey den
Vögeln, noch mehr aber bey den folgenden
Thierclassen ist der Fall anders. Beides, so-
wohl ihre Gestalt als auch ihre Lebensart hat im
ganzen genommen mehr übereinstimmendes, da-
her man sich bey der besondern Geschichte ihrer
einzelnen Geschlechter und Gattungen schon kür-
zer fassen kan.

§. 56.

Alle Vögel kommen in Rücksicht ihrer Bil-
dung darin mit einander überein, daß sie zmey
Füße, zwey Flügel, einen hornichten Schna-
bel, und einen mit Federn bedeckten Körper
haben. Sie zeichnen sich zugleich durch diese
vier Charactere von allen andern Thieren aufs
kenntlichste aus, und machen eine gleichsam iso-
[Seite 149] lirte Classe von Geschöpfen, aus, die mit keiner
andern zusammenstießt, und die daher in der ver-
meinten Kette oder Leiter der natürlichen Körper
(G. 7) schwerlich unterzubringen ist.

§. 57.

Der ganze Körperbau der Vögel ist ihrer
Bestimmung zum Fluge angemessen. Ihre
Gliedmaßen sind überaus schlank, und sein ge-
baut, so daß sie nebst dem ausnehmend geringen
Gewicht des ganzen Körpers, der Lebensart die-
ser Thiere, und besonders ihrem Aufenthalt und
ihree freyen Bewegung in dem Elemente, wo-
für die mehresten bestimmt sind, vollkommen
entsprechen.

§. 58.

Einen vorzüglichen Antheil an der geschick-
ten und leichten Bewegung der Vogel haben die
Federn, womit sie bekleidet sind, die in regel-
mäßigen Reihen (in quincunce) in die Haut
verwachsen und mit vielem Fette durchzogen sind;
aber in gewisser Jahreszeit, gewöhnlich im
Herbste, ausfallen und neue an ihre Statt re-
producirt werden. Manche, wie die Wachteln,
die Schneehüner etc. mausern sich gar zweymal
im Jahr, im Frühling und Herbst. Die neuen
Federn haben bey jungen Vögeln oft ganz an-
dere Farbe als die ausgefallnen; daher man bey
Bestimmung der Gattungen auf das Alter dieser
[Seite 150] Thiere und auf die davon abhängende Verschie-
denheit in der Farbe, Rücksicht nehmen muß.
In der Kunstsprache heist ein einjähriger Vogel,
der sich nemlich noch nie gemausert hat, auis
hornotina
; wenn er aber Federn gewechselt hat,
auis adulta.

§. 59.

Die stärksten Federn sind in den Fittigen
und im Schwanze. Jene heissen Schwungfe-
dern (remiges), diese Schwanzfedern (rectri-
ces
). Die Schwungfedern sind von unbestimm-
ter Anzahl, und bilden gleichsam breite Fächer,
womit sich die Vögel in die Luft heben und flie-
gen können. Einige wenige Vogel (aues im-
pennes
) wie die Pinguine etc. haben gar keine
Schwungfedern, und sind daher zum Fluge un-
geschickt. So fehlen auch einigen Vögeln, wie
dem Casuar, den Tauchergen etc. die Schwanz-
federn.

§. 60.

Die Farbe der Federn ist bey vielen Vögeln
über alle Beschreibung schön. Sie werden durch
die theils so lebhaften hellen Farben, durch ihre
mannichfaltigen Nuancen, durch das schillern
von rothem oder grünem Golde u.s.w. über alle
übrigen Thiere erhaben, unter denen nur etwa
manche Insecten den Vögeln, ihrer körperlichen
Schönheit wegen, an die Seite gesetzt werden
dürfen. Die Raubvögel ausgenommen so sind
[Seite 151] fast bey allen übrigen die Männchen schöner be-
fidert als die Weibgen, und im ganzen auch in
dieser Classe so wie überhaupt in beiden organi-
sirten Reichen die bey weitem allerschönsten Ge-
schöpfe bis auf einzelne Ausnahmen den heissen
Erdstrichen eigen.

§. 61.

Im innern Körperbau zeichnen sich die Vö-
gel besonders durch die merkwürdigen Luftbehäl-
ter aus, die in ihren ganzen Körper vertheilt,
und zum Fluge von äußerster Wichtigkeit sind.
Die mehresten stehen mit den Lungen, andere
aber blos mit dem Rachen in Verbindung, und
der Vogel kan sie nach Willkühr mit Luft laden
oder ausleeren, je nachdem er seinen Körper leich-
ter oder schwerer machen will. Zu diesen Luft-
behältern gehören vorzüglich große aber zarte
häutige Zellen, die theils im Unterleibe, theils
unter den Achseln und sonst noch unter der Haut
verbreitet sind, und durchs Einathmen mittelst
der Lungen voll Lust gepumpt werden können.
Außerdem dienen den Vögeln auch gewisse mark-
leere hohle Knochen, wie die Schulterknochen
im Flügel, auch das Rückgraat, das Brustbein etc.
und manchen auch die Hirnschale, zu gleichen
Zwecken. Und endlich sind auch die ungeheuren
Schnäbel der Pfefferfraße, Nashornvögel, Pa-
pageyen etc. ebenfalls dahin gehörig; und selbst
die Federspulen stehen mit dem obgedachten
[Seite 152] lockern Zellgewebe in Verbindung, und können
mittelst des weichen knorplichten Kanals, der in
der Spule liegt (die Seele), gleichfalls mit
Luft gefüllt oder ausgeleert werden.

§. 62.

Durch diese merkwürdigen Luftbehälter, in
Verbindung mit den obgedachten Einrichtungen
im Körperbau der Vögel überhaupt, werden
diese Thiere zum Flug geschickt, bey welchem
die Geschwindigkeit sowol als die lang anhaltende
Dauer gleich merkwürdig sind. Nur wenige
Vögel, wie der Straus, der Casuar, die Pin-
guine und andre aues impennes (§. 59.) können
gar nicht fliegen.

§. 63.

Der Aufenthalt der Vögel ist beynahe eben
so verschieden als der Säugethiere ihrer. Die
mehresten leben auf Bäumen, andre in Wassern,
sehr wenige blos auf der Erde: aber kein einzi-
ger Vogel (so wie der Maulwurf in der vorigen,
und viele Geschöpfe in den beiden letztern Thier-
Classen,) unter der Erde. Die Bildung der
Füße ist auch bey den Vögeln, so wie bey den
Säugethieren, ihrem verschiednen Aufenthalt an-
gemessen. Die mehresten haben freye unver-
bundne Zehen (aues fissipedes) und zwar ge-
wöhnlich ihrer viere, wovon dreye nach vorn, und
der vierte gleichsam als Daumen nach hinten ge-
[Seite 153] kehrt ist (pedes ambulatorii). Oder aber es
find nur zwey Zehen nach vorn, und zweye nach
hinten gekehrt (pedes scansorii); oder der Vo-
gel kan willkürlich die eine Zehe bald vorwärts
zu den übrigen zweyen, bald rückwärts zum Dau-
men schlagen (digitus versatilis). Bey andern
ist auch wol die mittlere Zehe an die eine Sei-
tenzehe angewachsen (pedes gressorii); oder die
Hinterzehe fehlt ganz (pedes cursorii); oder alle
vier Zehen sind, wie bey der Mauerschwalbe,
nach vorn, und gar keine rückwärts gekehrt; oder
die Hinterzehe ist, wie bey manchen Hünern, dop-
pelt u.s.w. Bey denen Vögeln, die keine freye
Zehen haben, sind die Zehen entweder nur an
der Wurzel (pedes semipalmati) – oder aber
bis vorn an die Spitze (pedes palmati) – durch
eine Schwimmhaut verbunden; bey andern sind
die einzelnen Zehen mit einer lappichten schmalen
Haut, die entweder einen glatten, (pedes lo-
bati
) – oder zackichten Rand (pedes pinnati)
hat, wie mit Fransen eingefaßt.

§. 64.

Sehr viele Vögel verändern ihren Wohn-
platz zu gewissen Jahrszeiten; die meisten zwar
blos in sofern, daß sie nur wenige Meilen weit
in die benachbarten Gegenden streichen, und
bald darauf in ihre alte Heimat zurückkehren;
andere aber wie die Hausschwalben, die Kra-
niche, Störche etc. so daß sie im Herbst große
[Seite 154] Wallfahrten, weit übers Meer und über einen
beträchtlichen Theil der Erdkugel weg, anstellen,
und den Winter bis zur Rückkehr im folgenden
Frühjahr in wärmern Zonen zubringen.

§. 65.

Auch das Nutritionsgeschäfte der Vögel
hat viel eignes. Ueberhaupt haben sie keine
Zähne, sondern müssen ihre Speise entweder mit
dem Schnabel zerbeissen, oder ganz schlucken.
Bey denjenigen saamenfressenden Vögeln die ihre
Körner ganz, unzerbissen, einschlucken, gelan-
gen diese nicht sogleich in den Magen, sondern
werden vorher im Kropfe oder Vor-Magen (in-
gluuies s. prolobus
) d.h. in einem besondern
drüsenreichen Behälter eingeweicht, und von da
nur allmählig an den Magen überlassen: der bey
diesen Thieren äußerst muskulös, und so stark ist
daß er sogar nach Reaumurs u.a. merkwürdi-
gen Versuchen verschluckte Haselnüsse und Oli-
venkerne zu zerdrücken und Münzen so glatt wie
Papier abzuscheuren vermag. Sehr viele Vö-
gel verschlucken aber auch überdem noch kleine
Kieselsteinchen, die ebenfalls die Zermalmung
und nachherige Verdauung der Speisen beför-
dern. Verschiedne fleischfressende Vögel, wie
die Eulen, Eisvögel etc. können die Knochen,
Haare und Gräten der kleinen Thiere, die sie ver-
zehrt haben, nicht verdauen, sondern brechen sie,
in eine runde Kugel geballt, nach der Mahlzeit
wieder von sich.

§. 66.

[Seite 155]

Unter den Sinnen der Vögel ist besonders
ihr Gesicht und bey vielen auch das Gehör von
vorzüglicher Schärfe. Auch haben die Werk-
zeuge dieser beiden Sinne bey diesen Thieren über-
aus viel eignes, merkwürdiges. Die Augen z.
B. einen knöchernen aus einzelnen nachgiebigen
Blättgen zusammen gesetzten Ring in der harten
Haut (sclerotica), und einen sonderbaren schwar-
zen Fächer (pecten plicatum, Fr. bourse) im
Augapfel, der aus dem Ende des Gesichtsnerven
entspringt und in die gläserne Feuchtigkeit (cor-
pus vitreum
) hineindringt. Die innern Gehör-
werkzeuge hingegen sind bey den Vögeln weit ein-
facher als bey den Säugethieren gebildet, und
der ganzen Classe fehlen auch die äußern Ohren;
ein Mangel, der aber durch die äußerst regel-
mäßige cirkelförmige Stellung und bestimmte
Richtung der Federgen in der Gegend des Ohres
sattsam ersetzt wird.

§. 67.

Was die Stimme der Vögel betrifft, so ge-
ben zwar die Raubvögel, die mehresten Wasser-
vögel, und die mehresten Hünerarten, meist nur
einen ziemlich einförmigen, nicht sehr angeneh-
men laut von sich: desto mannichfaltiger und an-
muthiger sind hingegen die Töne der kleinen soge-
nannten Sangvögel, von denen man doch nicht so-
wohl sagen darf daß sie singen, (– denn Gesang ist
wohl ein ausschließliches Vorrecht des Menschen –)
[Seite 156] als daß sie pfeifen. Außer den obgedachten Luftbe-
hältern (§. 61.) kommt ihnen dazu vorzüglich
die Einrichtung ihrer Luftröhre zu statten, die
bey, den Vögeln nicht blos so wie bey andern
Thieren am obern Ende, nemlich an der Zun-
genwurzel befindlich, sondern gleichsam in zwey
abgesonderte Helften an die beiden Enden der
Luftröhre vertheilt ist. Die Papageyen, Ra-
ben, Staare, Dohmpfaffen etc. hat man Men-
schenstimme nachahmen und Worte aussprechen
gelehrt: so wie auch die Sangvögel im Käficht
leicht fremden Gesang annehmen, Lieder pfeiffen
lernen, und sich sogar zum Accompagnement ab-
richten lassen, so, daß man mit mehrern Dohm-
pfaffen zugleich schon wirklich kleine Concerte hat
geben können. Ueberhaupt aber scheint auch der
Waldgesang der Sangvögel doch erst durch Ue-
bung und Nachahmung recht ausgebildet zu
werden.

§. 68.

Die Vögel sind überhaupt sehr verliebte Ge-
schöpfe, daher man auch unter ihnen wen leich-
ter als von andern Thieren Bastarden erzielen
kan. Die mehresten begatten sich im Frühjahr;
manche aber, wie der Kreuzschnabel, in der käl-
testen Jahrszeit nach Weyhnachten. Das Haus-
geflügel ist an gar keine bestimmte Zeit gebun-
den, sondern laßt sich Jahr aus Jahr ein zu
diesem Geschäfte willig finden. Manche halten
[Seite 157] sich nur zur Begattungszeit, andere aber wie die
Tauben für immer paarweise zusammen: noch
andre aber leben wie die Hüner in Polygamie.

§. 69.

Das befruchtete Weibgen wird vom Instinct
getrieben, für die Zukunft zu sorgen, und zu
nisten, wovon vielleicht blos der Kukuk ausge-
nommen ist. Bey den polygamischen Vögeln,
wie bey den Hünerarten, nimmt das Männchen
gar keinen Antheil an diesem Geschäfte; bey
denen aber die sich paarweise zusammen halten,
zumal unter den Sangvögeln, trägt, es doch Bau-
materialien herben, und verpflegt sein Weibgen
während ihrer Arbeit.

§. 70.

Die Auswahl des Ortes, an dem jede
Gattung ihr Nest anlegt, ist ihren Bedürfnissen
und ihrer ganzen Lebensart aufs genaueste ange-
messen. Und eben so sorgfältig wählt auch jede
Gattung die Baumaterialien zu ihrem Neste.
Die Vögel der heissen Zonen z.B., oder die,
so ohnehin in schaurigen Orten nisten, nehmen
zu ihrem Bau nur leichten Stoff, Stroh, Schilf,
Heu u.s.w. Da hingegen andere, um ihre
Junge für Frost zu schützen, und sich selbst das
Bebrüten zu erleichtern, Wolle, Moos, Di-
stelflocken, Federn u.a. dergleichen wärmende
Materialien zu ihrem Nest verwenden. Die
[Seite 158] meisten füttern dasselbe inwendig noch besonders
mit einer Lage von ganz weichen Flaumen,
Wolle etc. zur Bequemlichkeit und Wärme aus.

Die Form der Nester ist bald mehr bald min-
der künstlich. Manche Vögel, wie die Schnepfen,
Trappen, Kybitze etc. machen sich blos ein dürres
Lager von Reisholz und Strohhalmen auf der
platten Erde: andere tragen sich nur ein wei-
ches kunstloses Bett in Löcher der Mauern, Fel-
senritzen und hohle Bäume; so die Spechte, He-
her, Dolen, Wiedehopfe, Sperlinge etc. Sehr
viele, zumal unter den Hünern, Tauben, und
Sangvögeln geben ihrem Neste die Gestalt einer
Halbkugel oder einer Schüssel: andere, wie der
Zaunkönig, die Form eines Backofen: noch an-
dere, wie der Pendulin, der Jupujuba etc. die
von einem Beutel u.s.w.*)

§. 71.

Wenn endlich das Geschäfte des Nesterbaues
vollendet ist, so legt die Mutter ihre Eyer hin-
ein; deren Anzahl bey den verschiedenen Gattun-
gen der Vögel sehr verschieden ist. Viele Was-
servögel z.B. legen jedesmal nur ein einziges
Ey; die Tauchergen und mehresten Tauben ihrer
zweye; die Möven dreye; die Raben viere; die Fin-
ken fünfe; die Schwalben sechs bis acht; die
[Seite 159] Rebhüner und Wachteln vierzehn; das Haus-
Huhn aber, besonders wenn man ihm die Eyer
nach und nach wegnimmt, bis fünfzig und drü-
ber. Zuweilen geben auch manche Vögel, ohne
vorhergegangene Befruchtung, Eyer von sich,
die aber zum Bebrüten untauglich sind und
Windeyer (oua subuentanea, zephyria, hy-
penemia
) heissen.

§. 72.

Die Ausbildung des jungen Thiers, die bey
den Säugethieren noch im Mutterleibe vollzogen
wird, muß hingegen bey den Vögeln im schon
gelegten Ey, mittelst des Brütens bewürkt wer-
den. Nur der Kukuk brütet seine Eyer nie selbst
aus, sondern überläßt es den Grasmücken oder
Bachstelzen etc. in deren Nest er sein Ey gelegt
hat. Hingegen weis man, daß selbst Capau-
nen, und Hunde, und sogar Menschen Vogel-
eyer ausgebrütet haben*). Auch blos durch
künstliche Wärme, durch erhitzten Mist**),
und durch Lampenfeuer in sogenannten Brüt-Ma-
[Seite 160] schinen*) und in Brütöfen, kan man leicht
Hünchen auskriechen lassen. Dies letztre geht
zumal in wärmern Gegenden so gut von statten, daß
man die Anzahl der Hüner, die auf diese Weise
jährlich in den Aegyptischen Oefen**) ausge-
brütet werden, auf 92,000,000 rechnet. Die Vö-
gel werden durchs anhaltende Brüten abgemattet,
und nur bey solchen, die sich, paarweise zusam-
men halten, wie bey den Tauben, Schwalben,
Rothschwänzen etc. nimmt auch das Männchen
an diesem Geschäfte Antheil. Die Hähne unter
den Canarienvögeln, Hänflingen, Stiglitzen etc.
überlassen zwar das Brüten blos ihren Weibgen,
versorgen sie doch aber während der Zeit mit Fut-
ter und ätzen sie theils aus dem Kropfe.

§. 73.

Während des Brütens geht nun im Eye
selbst die große Veränderung vor, daß das Kü-
chelgen darin allmälig gebildet und von Tag zu
Tag mehr zur Reise gebracht wird. Zu dieser
Absicht ist nicht nur der Dotter überhaupt speci-
fisch leichter als das Eyweis, sondern auch wie-
derum diejenige Stelle auf seiner Oberfläche an
[Seite 161] welcher das künftige Hünchen zu liegen kommt,
selbst noch leichter als die entgegengesetzte Seite,
so daß folglich bey jeder Lage des Eyes doch im-
mer jene Stelle dem leibe des bebrütenden Vogels
am nächsten liegt. Die erste Spur des neuen
Küchelgens zeigt sich, wie schon oben erwähnt
worden (§. 8.), immer erst eine geraume Zeit
nachdem das Brüten seinen Anfang genom-
men. Beym Hünerey z.B. kaum vor Ende
des ersten Tages: so wie am Ende des zweyten
das berühmte Schauspiel der ersten Bewegung
des dann noch sehr unvollkommen Herzgens
(das punctum faliens) seinen Anfang nimmt.
Zu Ende des fünften Tages sieht man schon das
ganze kleine gallertige Geschöpf sich bewegen.
Um vierzehnten brechen die Federn aus; zu An-
fang des funfzehnten schnappt das Hünchen schon
nach Luft; und ist am neunzehnten Tage im
Stande einen laut von sich zu geben.

§. 74.

Jede Gattung Vögel hat zwar ihre be-
stimmte Brutzeit von verschiedener Länge, die
aber doch nach Verschiedenheit des Clima und
der wärmern oder kältern Witterung verzögert
oder beschleunigt wird. Beym Huhn ist das
Küchelgen gewöhnlich zu Ende des ein und
zwanzigsten Tages zum auskriechen aus dem
Eye (in welchem es die drey Wochen über vom
Dotter, und theils auch vom Eyweis ernärt
[Seite 162] worden) reif; und durchbricht dann die Schaale
mittelst eines von der Natur ihm dazu verliehe-
nen knorplichten Aussatzes auf dem Schnabel
der ihm, nachdem es ausgekrochen, meist schon
am ersten Tage entweder von selbst abfällt, oder
von andern jungen Hünern abgepicket wird.

§. 75.

Die jungen Vögel werden einige Zeit von
der Mutter, und bey denen, die in Monogamie
leben, auch vom Vater, mit vieler Zärtlichkeit
gefüttert, und zumal bey den Körnerfressenden
aus dem Kropfe geätzt, bis sie erwachsen, und für
ihren eignen Unterhalt zu sorgen im Stande sind.

§. 76.

Die Vögel erreichen, nach Verhältnis ihrer
körperlichen Größe, und in Vergleich mit den
Säugethieren, ein sehr hohes Alter, und man
weis, daß selbst in der Gefangenschaft, Adler
und Papageyen über hundert, Stieglitze über
24 Jahre etc. leben können. Da ihr Aufenthalt
ungleich ausgedehnter als der Säugethiere ihrer
ist, sie auch nach Verhältnis weit weniger zu
ihrem Unterhalt bedürfen, so begreift sich von
selbst, warum sie länger leben dürfen, den fol-
genden Generationen nicht so bald Platz machen
müssen u.s.w.

§. 77.

[Seite 163]

Die Vögel sind für die Haushaltung der
Natur im ganzen, ungemein wichtige Geschöpfe,
obgleich ihre unmittelbare Brauchbarkeit fürs
Menschengeschlecht nicht so mannichfaltig ist, als
der Säugethiere ihre. Fürs erste ist es gewiß
keiner ihrer geringsten Vorzüge, daß sie unter
allen andern Thieren am allermeisten Leben und
Munterkeit in die ganze Schöpfung verbreiten!
Ferner vertilgen sie unzälige Insecten, und die
gänzliche Ausrottung mancher vermeintlich schäd-
lichen Vögel, der Sperlinge, Krähen etc. in
manchen Gegenden, hat eine ungleich schädlichere
Vermehrung des Ungeziefers, und ähnliche nach-
theilige Folgen nach sich gezogen. Andere ver-
zehren grössere Thiere, Feldmäuse, Schlangen,
Frösche, Eidexen etc. oder Aeser, und beugen
dadurch sowol dem Miswachs als der Infection
der Luft vor. Eben so haben unzälige Vögel
die grosse Bestimmung, so mancherley Unkraut
auszurotten, und seinen Wucher zu verhindern.
Von der andern Seite wird auch die Vermeh-
rung und Fortpflanzung der Thiere sowohl,
als der Gewächse, durch Vögel befördert. So
weis man z.B. daß die wilden Gänse bey ihren
Zügen fruchtbare Fischeyer in entfernte Teiche
übertragen, und sie dadurch zuweilen fischreich
machen. Sehr viele Vögel verschlucken Saa-
menkörner die sie nachher wieder ganz von sich
geben und dadurch die Verbreitung derselben be-
[Seite 164] fördern: so z.B. die Tauben die auf den Ge-
würz- Inseln auf diese Weise die Muskatnüsse fort-
pflanzen etc. Der Mist der Seevögel düngt
kahle Felsenklippen und Küsten, daß nachher
die heilsamen Gewächse, Löffelkraut etc. da fort–
kommen können. Die Falken und verschiedne
Wasservögel lassen sich zur Jagd andrer Thiere
abrichten etc. Sehr viele Vögel, ihre Eyer, ihr
Fett, und die Tunkinsnester, dienen zur Speise.
Die Federn zum Füllen der Betten, zum schrei-
ben, zum verkielen musikalischer Instrumente,
zu Muffen, und vorzüglich zu mancherley Putz,
weswegen sie bey vielen wilden Völkern, zumal
in Amerika und aus den Inseln des stillen Oceans
einen der wichtigsten Handelsartikel ausmachen.
Für die Arzney ist hingegen kein beträchtlicher
Nutze aus dieser Classe von Thieren zu ziehen.

§. 78.

Der Schade, den die Vögel anstiften, last
sich fast gänzlich auf die Vertilgung nutzbarer
Thiere und Gewächse zurückbringen. Der
Condor, der Lämmergeyer u.a. Raubvögel töd-
ten Gemsen, Rehe, Ziegen, Schafe etc. Der
Fischadler und so viele Wasservögel sind den
Fischen und ihrem laich; so wie die Falken, Ha-
bichte, Sperber, Neuntödter, Aelstern etc. dem
Hausgeflügel gefährlich. Die Sperlinge und
andre kleine Sangvögel schaden der Saat, den
Weintrauben, den Obstbäumen u.s.w. Und
[Seite 165] endlich werden freylich nicht blos brauchbare Ge-
wächse, sondern auch eben sowol wucherndes
Unkraut, durch die Vögel verpflanzt. Giftige
Thiere finden sich aber in dieser Classe von
Thieren eben so wenig als in der vorigen.

§. 79.

Die Classification der Vögel ist weniger
Schwierigkeiten unterworfen, als der Sänge-
thiere ihre. Ihre Bildung ist, im Ganzen ge-
nommen, nicht so mannichfaltig, sondern ein-
facher: und gewisse Theile ihres Körpers, wie
der Schnabel und die Füsse, die sich auf ihre
ganze Lebensart, Nahrung etc. beziehen, bestim-
men schon an sich so viel vom ganzen Habitus
der Vögel, daß man, dem natürlichen System
unbeschadet, schon davon die Charaktere der
Ordnungen und Geschlechter entlehnen kan.
Die mehresten Ornithologen haben daher auch
ihre Classification auf die Verschiedenheit des
einen oder des andern von den genannten Thei-
len gegründet; Klein z.B. auf die Bildung der
Zehen, Möhring auf die Bedeckung der Füsse,
Brisson auf beides in Verbindung mit der Be-
schaffenheit des Schnabels u.s.w. Linné nimmt
in dem Plan seines Systems der Vögel auch
auf die Bildung mehrerer Theile zugleich, und
so ziemlich auf den ganzen Habitus, Rücksicht:
nur scheint er sich in der Ausführung zuweilen
vergessen zu haben: wenigstens begreift man
[Seite 166] nicht, wie Papagey, Colibrit und Krähe bey
ihm in eine Ordnung verbunden, hingegen der
Dudu und Casuar in zwey Ordnungen von ein-
ander gerissen, und mehr Verbindungen oder
Trennungen dieser Art zugelassen werden durfte.

§. 80.

Ich habe mit also hier einige Abänderung
von dem Linnéischen System erlaubt, und die
ganze Classe in folgende neun Ordnungen ab-
zutheilen versucht.

I. Accipitres. Die Raubvögel mit krum-
men starken Schnäbeln, kurzen starken
knorrichten Füssen, und grossen, geboge-
nen, scharfen Klauen. Geyer, Adler,
Falken, Eulen, Neuntödter etc.

II. Leuirostres. Vögel der heissesten Erd-
striche, mit kurzen Füssen, und meist un-
geheuer grossen, aber mehrentheils holen
und daher sehr leichten Schnäbeln. Papa-
geyen, Pfeffervögel, Nashornvögel.

III. Pici. Vögel mit kurzen Füssen, mit-
telmäßig langen und schmalen Schnäbeln,
und mehrentheils fadenförmiger Zunge,
Wendehals, Spechte, Baumkletten, Co-
libritgen etc.

IV. Anferes. Schwimmvögel mit Ruder-
füssen, einem stumpfen, mit Haut überzog-
nen, am Rande meist gezänelten Schna-
[Seite 167] bel, der sich an der Spitze des Oberkiefers
mit einem Häckgen endigt.

V. Grallae. Sumpfvögel, mit langen Füs-
sen, langem walzenförmigen Schnabel, und
meist langem Hals. Reiher, Störche,
Schnepfen, Wasserhüner etc.

VI. Struthiones. Die grossen zum Flug
ungeschickten Vögel. Der Straus, Ca-
suar und Dudu.

VII. Gallinae. Vögel mit kurzen Füssen,
oben etwas erhabnem Schnabel, der an
der Wurzel mit einer fleischichten Haut be-
wachsen ist. Der Trappe, Pfau, Trut-
hahn, Haushahn, Auerhahn, die Wach-
tel etc. Auch den Tauben habe ich in die-
ser Ordnung ihren Platz angewiesen, da
sie bey weitem mehr mit den Hünern als
mit den Sangvögeln, denen sie Linné zu-
gesellte, verwandt sind.

VIII. Coraces. Vögel mit kurzen Füssen,
mittelmäßig langem, und ziemlich star-
ken oben erhabnem Schnabel. Raben,
Krähen etc. Die Golddrossel macht von
diesen den schicklichsten Uebergang zur letz-
ten Ordnung:

IX. Pafferes. Die Sängvögel nebst den
Schwalben etc. Sie haben kurze Füsse,
und einen mehr oder weniger kegelförmigen
[Seite 168] zugespitzten Schnabel, von verschiedner
Länge und Dicke.

Zur N. G. der Vögel.

  1. conr. gesneri historiae animalium L. III. qui est de
    auium natura
    . Tiguri
    . 1555. fol.
  2. vlyss. aldrovandi ornithologia. Bonon. 1599 sq.
    Vol. III. fol.
  3. f. willughby ornithologiae I. III. ex ed. RAJI. Lond.
    1676. Fol.
  4. jo. raji synopsis methodica auium. ib. 1713. 8.
  5. j. erdward' s natural history of birds. Lond. 1743. sq.
    Vol
    . IV. 4.
  6. ej. gleanings of natural history. ib. 1758. sq. Vol. III. 4.
  7. brisson ornithologie. Par. 1760. Vol. VI. 4.
  8. buffon
  9. daubenton planches des oiseaux. Par. 1775. sq. fol.
    (984 Bl.)
  10. th. pennant's genera of birds. Lond. 1781. 4.
  11. ej. arctic zoology. Uter. B. ib. 1784. 4.
  12. (jo. latham's) general synopsis of birds. ib. 1781.
    Vol. VI. 4.
* * *
  1. Joh. Leonh. Frisch Vorstellung der Vögel in Deutsch-
    land. Berlin 1733 bis 1763. Fol. (242 Taf.)
  2. corn. nozemann Nederlandsche Vogelen, door chr.
    sepp
    et zoon. Amst
    . 1770 sq. sol.
  3. marc catesby natural history of Carolina. Lond. 1731
    Vol. II. sol.
* * *
  1. Joh. H. Zorn Vetinotheologie. Pappenheim 1742.
    Vol. II. 8.

I. ACCIPITRES.

[Seite 169]

Vögel mit kurzen starken Füssen, grossen
scharfen Krallen und starkem gekrümmten Schna-
bel, der meist oben auf der Seite in zwey
stumpfe schneidende Spitzen ausläuft, und an
der Wurzel mehrentheils mit einer fleischichten
Haut (cera) bedeckt ist. Sie nähren sich theils
von Aas, theils vom Raube lebendiger Thiere,
und äneln in ihrer Oekonomie meist den feris
der vorigen Classe. Sie leben in Monogamie,
nisten an erhabnen Orten, und haben ein wil-
derndes widerliches Fleisch.

1. vultur. Geyer. Rostrum rectum, apice
aduncum. plerisque caput et collum im-
penne. Lingua bifida
.

1. Gryphus. Der Condor, Cuntur, Greif-
geyer. V. caruncula verticali longitudine
capitis.

Der Condor ist der gröste von allen stiegen-
den Vögeln, der mit ausgespannten Flügeln
funfzehn Fuß in die Breite hält, und dessen
Schwungfedern am Kiel wohl Fingersdick sind.
Er ist schwarz und weiß von Farbe, fast wie
die Aelster, findet sich vorzüglich im westlichen
Südamerika, nistet im Gebirge und an felsich-
ten Ufern, stiegt ausnehmend hoch, lebt meist
vom Raube unter den Viehherden, und von
den tobten Fischen die die See auswirft. Soll
[Seite 170] auch wohl Knaben von zehn bis zwölf Jahren
angefallen und getödtet haben*).

2. Papa. Der Geyerkönig, Ruttengeyer,
Sonnengeyer. V. naribus carunculatis,
vertice colloque denudato
. *

buffon, oiseaux. Vol. I. tab. VI.

In Westindien und Südamerika. Nur von der
Große eines welschen Huhns; zumal am Kopf
von schönen gelben rothen und schwarzen Far-
ben, mit langen fleischichten Lappen über dem
Schnabel. Kan den nackten Hals ganz in den
dickgefiederten Schulterkragen einziehen. Lebt
vorzüglich von Schlangen, und andern Amphi-
bien, und wird häufig nach Europa gebracht.

3. †. Barbatus. Der Lämmergeyer, Bart-
geyer, Goldgeyer. V. rostri dorso versus
apicem gibboso, mento barbato
. *

conr. gesner l. c. pag. 748.

(Andreä) Briefe aus der Schweiz, Taf. XII.

Der gröste Europäische Vogel, dessen ausge-
spannte Flügel bey 10 Fuß messen, und der sich
vorzüglich durch seinen starkhaarichten Bart,
und durch den befederten Kopf, besonders aber
durch den gewölbten Rücken vorn am Oberschna-
bel von andern Geyern auszeichnet**). Ist
in den Tyroler- und Schweizer- Alpen, beson-
ders auf dem Gotthard, der Grimsel, und in
den Wildnissen beym Pfeffersbade, auch in Si-
birien, zu Hause, nistet aber blos in den aller-
unzugänglichsten Einöden, daher man aller
[Seite 171] Mühe ohngeachtet noch nie weder sein Nest noch
feine Eyer entdecken können. Er lebt meist vom
Raube der Gemsen, Ziegen, wilden Katzen etc.
Daß er aber je wirklich Kinder weggetragen
haben soll, wie doch fast allgemein erzält wird,
habe ich in der Schweiz selbst, aller genauen
Nachfrage ohngeachtet, nie anders als vom
ungewissen Hörensagen erfahren können.

4. Percnopterus. Der Aasgeyer. V. remigi-
bus nigris margine exteriore, praeter exti-
mas, canis
.

Im südlichen Europa, mehr aber in Palä-
stina, Arabien und Aegypten. Verzehrt im ge-
lobten Lande unzälige Feldmäuse, und in Aegyp-
ten die vielen Amphibien und Aeser, die nach
der Ueberschwemmung des Nils das Land dek-
ken, und leicht die Luft inficiren könnten. Die
alten Aegyptier haben diesen Vogel, so wie
einige andere ihnen vorzüglich nuzbare Thiere,
heilig gehalten, ihn zu tödten bey Lebensstrafe
verboten, und ihn häufig in ihrer Bilderschrift
auf Obelisken, Mumienbekleidungen u. s. m.
vorgestellt.

2. falco. Rostrum aduncum, basi cera
instructum. caput pennis tectum. lingua
bifida
.

1. Serpentarius. Der. Secretär (sagittarius),
F. cera alba, cruribus longissimis, crista
ceruicali pendula, rectricibus intermediis
elongatis.

jo. fr. miller Fasc. V. tab. XXVIII.

Vom Cap Landeinwarts, auch auf den Phi-
lippinen. Mit langen Füssen wie ein Sumpf-
vogel. Lebt meist von Schlangen und Eidexen.

[Seite 172]

2. †. Melanaëtus. Der schwarzbraune Adler.
(Büffons aigle commun, Engl. the black
eagle
.) F. cera lutea, pedibusque semila-
natis, corpore ferrugineo- nigricante, striis
flauis. *

Frisch. tab. LXIX.

In Europa. Beträchtlich kleiner als der fol-
gende.

3. †. Chrysaëtos. Der Goldadler, Steinad-
ler. (Büffons grand aigle, Engl. the gol-
den eagle
.) F. cera lutea, pedibusque la-
natis luteo-ferrugineis, corpore fusco fer-
rugineo vario, cauda nigra, basi cinereo-
undulata
. *

buffon Vol. I. Tab. I.

Im gebirgichten Europa. Lebt vom Raube
kleiner Säugethiere und Vögel, fällt aber auch
wohl Hirsche etc. an, und versteht ihrer Herr zu
werden. Hat eine starke fürchterliche Stimme,
nistet auf hohen Felsenspitzen, und versorgt seine
Junge mit dem besten Wildpret von Hasen,
jungen Rehen etc. Er muß ein ausnehmend
hohes Alter erreichen, da man sogar welche in
Menagerien über hundert Jahre lebendig er-
halten hat.

4. Ossifragus. Der Fischadler, der Beinbre-
cher. (Fr. l'orfraie, Engl. the sea-eagle,
the osprey.) F. cera lutea pedibusque semi-
lanatis, corpore ferrugineo, rectricibus la-
tere interiore albis.

buffon Vol. I. Tab. III.

An den Europäischen Küsten, auch in Nord-
america und theils auf der Südsee. Erreicht
wohl die Grösse des Goldadlers. Lebt blos von
Fischen, so daß er lieber eine Woche lang hun-
[Seite 173] gert, ehe er sich an andern Fleisch vergreifen
sollte. Hat keinesweges, wie doch viele Naturfor-
scher vorgegeben haben, auf der linken Seite einen
Schwimmfus, sondern an beiden Füssen freye
Zehen wie andere Thiere seines Geschlechts.

5. †. Haliaëtus. Der Entenstösser, Moos-
weyh. (Fr. le balbuzard, Engl. the osprey.)
F. cera pedibusque caeruleis, corpore supra
fusco, subtus albo, capite albido
.

buffon Vol. I. Tab. II.

Mehr an den Ufern der Flüsse als an den
Seeküsten. Ist oft mit dem Fischadler vermengt
worden*).

6. †. Miluus. Die Weihe, der Gabelgeyer,
Milan, Scheerschwänzel, Taubenfalke.
(Fr. le milan, Engl. the kite.) F. cera flaua,
cauda forficata, corpore ferrugineo, capite
albidiore
. *

Frisch Tab. LXXII.

Fast in der ganzen alten Welt, thut zwar
dem Hausgeflügel Schaden, wird aber von der
andern Seite dadurch nutzbar, daß sie eine
Menge Aas und Amphibien verzehrt; daher
sie auch in manchen Gegenden, wie der Aas-
geyer in Aegypten, gehegt wird und zu schießen
verbothen ist. Sie zieht im Herbst, zuweilen
in unermeßlichen Schaaren, nach Africa, und
man sieht ihre Rückkunft im Frühjahr für ein
sichres Zeichen des geendeten Winters an.

7. †. Gentilis. Der Edelfalke. (Fr. le faucon,
Engl. the falcon.) F. cera pedibusque flauis
corpore cinereo maculis fuscis, cauda fasciis
quatuor nigricantibus. *

[Seite 174]

Frisch Tab. LXXIV.

buffon Vol. I. Tab. XV. XVI.

Vorzüglich wird diese Gattung, die eigent-
lich in gebirgichten Alpgegenden zu Hause ist,
doch auch andere verwandte Thiere dieses Ge-
schlechts, zum Fang kleiner Säugethiere und
Vögel, und besonders zur Reiherbeitze etc. abge-
richtet. Im Orient hat man diese Jagd beson-
ders auf die Gazellen, schon in den ältesten Zei-
ten getrieben, in Europa ist sie aber erst seit
Ende des zwölften Jahrhunderts gebräuchlich,
da sie, Kaiser Heinrich der sechste in Italien ein-
führte.

8. †. Palumbarius. Der Habicht, Tanben-
falke. (Accipiter, Fr. l'autour, Engl. the
goos hawk
.) F. cera nigra, margine pedibus-
que flauis, corpore fusco, rectricibus fasciis
pallidis, superciliis albis. *

Frisch Tab. LXXXI. LXXXII.

So wie die vorhergehenden Gattungen und
die folgende in Europa und theils auch in der
benachbarten übrigen alten Welt. Soll sich
auch in Nordamerika finden.

9. †. Nisus. Der Sperber, Vogelfalke.(Fr.
l'epervier, Engl. the sparrow hawk.) F. cera
viridi, pedibus flauis, abdomine albo griseo
vndulato, cauda fasciis nigricantibus
. *

Frisch Tab. XC. XCI. XCII.

Ein schädlich Thier fürs Hausgeflügel, be-
sonders für die Tauben; auch für Rebhüner,
Wachteln etc. Läst sich doch auch leicht zum Vo-
gelfang abrichten. Das Weibchen ist fast noch
einmal so schwehr und gros als das Männchen.

[Seite 175]

3. strix. Eule. Rostrum breue, aduncum,
nudum absque cera. nares barbatae. ca-
put grande. lingua bifida. pedes digito
versatili. remiges aliquot serratae.

Lichtscheue Vögel, die ihren Geschäften nur
zur Nachtzeit nachgehen, und die, wenn sie sich
am Tage blicken lassen, von vielen kleinen Vö-
geln, besonders aber von den Krähen mit lau-
tem Geschrey insultirt und berupft werden. Sie
haben grosse, für die Dämmerung eingerichtete
Augen, mit einem sehr beweglichen schönfarbich-
ten Stern, und ein überaus scharfes Gehör.
Sie nähren sich von Aas und von lebendigen
kleinen Thieren, von Haasen, Mäusen, Fleder-
mäusen, Vögeln, Eidexen, Heuschrecken u.s.w.
Den Winter bringen sie einsam in Scheuren
und altem Gemäuer zu, und fressen in der
Roth wohl einander selbst auf.

1. †. Bubo. Der Uhu, Schubut, die Ohr-
eule. (Fr. le grand duc, Engl. the great
horn-owl, the eagle-owl
) S. auribus
pennatis, iridibus croceis, corpore rufo
. *

Frisch Tab. XCIII.

Das gröste Thier seines Geschlechts, von un-
gemeiner Stärke, so daß selbst Adler ihm
zuweilen unterliegen müssen. Ist so wie die
folgende Gattung im gemäßigten Europa zu
Hause.

2. †. Ulula. Der Steinkauz, die Steineule.
(Fr. la chouette, Engl. the brown owl.) S.
capite laeui, iridibus croceis, corpore fer-
rugineo, remige tertio longiore. *

Frisch Tab. XCVIII.

[Seite 176]

3. †. Passerina. Das Käutzlein. (Franz. la
chevêche
, Engl. the little owl.) S. capite
laeui, remigibus maculis albis quinque or-
dinum
. *

Frisch Tab. C.

In Europa und Nordamerika.

4. lanivs. Rostrum rectiusculum, dente
vtrinque versus apicem, basi nudum-
lingua lacera
.

1. †. Excubitor. Der Würger, Bergälster.
(Fr. la pie-grieche grise, Engl. the great
shrike
.) L. cauda cuneiformi, lateribus
alba, dorso cano, alis nigris macula alba
. *

Frisch Tab. LIX.

In Europa und Nordamerika; soll andrer
Vögel Stimme nachahmen und sie dadurch
locken, um sie zu tödten.

2. †. Collurio. Der Neuntödter. (Fr. l' ecor-
cheur
, Engl. the red-backed shrike.) L.
cauda subcuneiformi, dorso griseo, rectrici-
bus quatuor intermediis vnicoloribus, rostro
plumbeo. *

Frisch Tab. LX.

In Europa, lebt ebenfalls von kleinen Vö-
geln, die er mit list überfällt, und ihnen den
Kopf einbeist. Für seine Junge sammelt er In
sekten, zumal Käfer, Schmeisfliegen etc. und
spiest sie zum Vorrath an Schwarzdorn und
andres dornichtes Gebüsche.

II. LEVIROSTRES.

[Seite 177]

Die Vögel dieser Ordnung sind blos den
wärmsten Erdstrichen eigen, und werden durch
die theils ungeheuer grossen, aber in Verhältnis
meist sehr leichten Schnäbel, kenntlich, deren
oben (§. 61.), bey Gelegenheit der Luftbehälter
gedacht worden.

5. psittacvs. Papagey, Sittig. (Fr. per-
roquet
. Engl parrot.) Mandibula supe-
rior adunca, cera instructa. Lingua
carnosa, integra. Pedes scansorii.

Das ganze Geschlecht hat, überhaupt genom-
men, meist das gleiche Vaterland mit den pi-
thecis
unter den Säugethieren. Hingegen ist
Merkwürdig, daß manche einzelne Gattungen
von Papageyen eine so überaus eingeschränkte
Heimat haben, daß sich z.B. auf dem ostindi-
schen Archipelagus um Luçon verschiedne der-
selben blos einzig und allein auf der einen oder
andern Insel, und hingegen nie auf den noch
so nahe liegenden benachbarten, finden. Diese
Thiere haben viel auszeichnendes eignes in
ihrem Betragen. Sie wissen sich z.B. ihrer
Füsse wie Hände zu bedienen, bringen ihre
Speise damit zum Munde, krauen sich damit
hinter den Ohren, und wenn sie auf dem Bo-
den gehen, so treten sie nicht wie andre Vögel
blos mit den Krallen sondern wie Menschen und
Affen mit der ganzen Ferse auf etc. Ihr haken-
[Seite 178] förmiger Oberschnabel ist eingelenkt*) und sehr
beweglich, und nutzt ihnen fast statt eines drit-
ten Fusses zum klettern, anhalten; besonders
aber auch zum ausklauben, knuppern u.s.w.
Sie können niesen, sich räuspern, jähnen etc.
und beide Geschlechter lernen mit ihrer dicken
fleischichten Zunge und bey ihrer großen Geleh-
rigkeit sehr leicht Worte nachsprechen. Ich
hebe aus dem zahlreichen Geschlechte nur einige
derjenigen Gattungen aus, die entweder ihres
vorzüglichen Gefieders wegen, oder weil sie am
besten sprechen lernen, am häufigsten nach Eu-
ropa gebracht werden.

1. Macao. der Aras, Indianische Rabe.
P. macrourus ruber, remigibus supra caeru-
leis, subtus rufis, genis nudis rugosis
. *

Ein großes prachtvolles Thier**) was in den
dicken Wäldern des südlichen America in gan-
zen Fluchten sich sehen läst, und durch sein hoch-
rothes Gefieder, blauen auf der untern Seite
rothschillernden Flügel und einen langen keil-
förmigen Schwanz ein wunderschönes Ansehen
bekommt.

2. Alexandri. P. macrourus viridis, collari
pectoreque rubro, gula nigra
. *

In Ostindien. Der erste der, durch Alexan-
der des Großen Indische Züge, nach Europa
gebracht worden.

3. Cristatus. der Cacadu. P. brachyurus,
crista plicatili flaua
. *

Frisch tab. L.

In Ostindien, zumal auf den Molucken.

[Seite 179]

4. Erithacus. der Jaco, aschgraue Papagey.
P. brachyurus canus, temporibus nudis al-
bis, cauda coccinea
. *

Frisch tab. LI.

Auf Guinea, Congo und Angola.

5. Amazonicus. der Amazonen-Papagey
(Ajurucuraii). P. brachyurus viridis, fronte
caerulea, temporibus fuluis.
*

Frisch tab. XLVII.

In Brasilien.

6. Pullarius. (Fr. l'inseparable.) P. brachyu-
rus viridis, fronte rubra, cauda fulua fascia
nigra, orbitis cinereis
. *

Frisch tab. LIV. fig. 1.

Auf Guinea und Ostindien. Nicht viel
größer als ein Dohmpfaff. Hat den französischen
Namen von der Zärtlichkeit womit die beiden
Gatten einander zugethan sind.

6. ramphastos. Pfefferfras. Rostrum
maximum, inane, extrorsum serratum,
apice incuruatum. Pedes scansorii ple-
risque
.

Der ungeheure Schnabel giebt diesen Thie-
ren, die sich blos im südlichen America finden,
ein sonderbares Ansehen. Ihre Zunge ist eine
halbe Spanne lang, hornicht, dünne, an der
Wurzel kaum eine Linie breit, und an den Sei-
ten nach vorne zu gezasert; sie nähren sich am
meisten von Pisang- und andern Früchten.

1. Tucanus. R. nigricans, rostro flauescente,
versus basin fascia nigra, fascia abdominali
flaua
. *

[Seite 180]

7. bvceros. Der Nashornvogel. (hydroco-
rax
.) Roftrum maximum, inane, ad bafin
versus frontem recuruatum, pedes gressorii
.

1. Rhinoceros. B. processu rostri frontali re-
curuato
.

Wie die übrigen Nashornvögel in Ostindien;
lebt von Aas; hat einen widrigen Geruch.


III. PICI.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze Füsse,
und meist einen geraden, nicht dicken Schnabel
von mittelmäßiger Länge.

8. picvs. Specht. (Fr. pic. Engl. wood-
pecker
) Rostrum polyedrum, apice cu-
neato. lingua teres lumbriciformis, longissi-
ma, mucronata, apice retrorsum aculeato,
pedes scansorii.

Die Spechte haben vorzüglich den sonderba-
ren Bau der Zunge, daß sich das Zungenbein
in zwey lange federförmige Knorpel endigt, die
von hinten nach vorn über den ganzen Hirn-
schädel unter der Haut weglaufen, und sich an
der Stirne nahe an der Schnabelwurzel fest
setzen. Diese Knorpel sind also gleichsam elasti-
sche Federn, mittelst welcher diese Vögel ihre
Fadenförmige Zunge hervorschießen, und In-
secten damit fangen können. Die pedes scan-
sorii
nutzen ihnen zum Klettern, der robuste
Schwanz zum Widerstämmen und zur Un-
[Seite 181] terstützung, der scharf zulaufende keilförmige
Schnabel aber zum Aufhacken der Baumrinde,
um die Insecten etc. darunter hervorsuchen zu
können.

1. †. Martius. der Schwarzspecht, gemeine
Specht, die Hohlkrähe. P. niger, vertice
coccineo
. *

Frisch tab. XXXIV. fig. 1.

Nebst den folgenden Gattungen im gemäßig-
ten Europa.

2. †. Viridis. der Grünspecht, Grasspecht.
P. viridis, vertice coccineo. *

Frisch tab. XXXV.

Thut den Bienenstöcken großen Schaden.

3. †. Maior. der große Bunt- oder Roth-
specht. P. albo nigroque varius, occipite
rubro
. *

Frisch tab. XXXVI.

Hat einen kürzern Schnabel als andere Spechte.

4. †. Minor. der kleine Bunt- oder Roth-
specht. P. albo nigroque varius, vertice
rubro
. *

Frisch tab. XXXVII.

9. iynx. Rostrum teretiusculum, acumina-
tum. lingua lumbriciformis, longissima
mucronata. pedes scansorii
.

1. †. Torquilla. der Drehhals, Wendehals,
Natterwindel. (Fr. le torcol, Engl. the
wryneck
.) F. cauda explanata, fasciis fuscis
quatuor
. *

Frisch tab. XXXVIII.

[Seite 182]

Hat seinen Namen von der ungemeinen Ge-
lenksamkeit seines Halses, und ist in ganz Eu-
ropa zu Hause.

10. sitta. Rostrum subulatum, teretiusculum,
apice compresso, mandibula superiore paullo
longiore; pedes ambulatorii
.

1. †. Europaea. der Blauspecht. (Fr. la sit-
telle, le torchepot
, Engl. the nuthatch, the
woodcracker
.) S. rectricibus nigris: late-
ralibus quatuor infra apicem albis
. *

Frisch tab. XXXIX.

In Europa und Nordamerica.

11. todvs. Rostrum subulatum, depressiuscu-
lum, obtusum, rectum, basi setis patulis,
pedes gressorii
.

1. Viridis. (Fr. le todier, Engl. the green
sparrow
.) T. viridis, pectore rubro
.

In Westindien.

12. alcedo. Rostrum trigonum, crassum,
rectum, longum. digitus versatilis
.

1. †. Ispida. der Eisvogel. (Alcyon, Fr. le
martin pécheur
, Engl. the kingsfisher.) A.
supra cyanea, fascia temporali flaua, cauda
breui
. *

Frisch tab. CCXXIII.

Einer der schönsten deutschen Vögel, dessen
Geschichte ehedem mit vielerley Fabeln vermengt
wurde. Hält sich sowohl an der See, als auch
bey Teichen und Flüssen auf; nährt sich von
Fischen, und bricht nach der Mahlzeit die Grä-
ten in einem Ballen, wie die Eulen die Mäuse-
knochen etc. wieder von sich.

[Seite 183]

13. merops. Rostrum curuatum compressum,
carinatum; pedes gressorii
.

1. Apiaster. der Immenwolf, Bienenfresser.
(Fr. le guépier, Engl. the bee-eater.) M.
dorso ferrugineo, abdomine caudaque viridi
coerulescente, gula lutea, fascia temporali
nigra
. *

Frisch tab. CCXXII.

Ein schönes Thier, was im südlichen Europa
zu Hause ist, und sich nur selten nach Deutsch-
land verirrt. Es lebt von Heuschrecken und an-
dern Insecten, besonders aber von Bienen, die
es in großer Menge wegfängt.

14. vpvpa. Rostrum arcuatum, conuexum,
subcompressum obtusiusculum; pedes am-
bulatorii
.

1. †. Epops. der Wiedehopf, Kothhahn,
Dreckkrämer. (Fr. la hupe, Engl. the hoo-
poe
.) V. crista variegata
. *

Frisch tab. XLIII.

In Europa und Ostindien, nährt sich von
Mistkäfern, Todtengräbern und andern Insecten,
die er aus dem Mist der Thiere aufliest. Er
nistet in hole Bäume auf eine Grundlage von
Menschenkoth*).

15. certhia. Baumläufer. Rostrum arcua-
tum, tenue, subtrigonum, acutum; pedes
ambulatorii
.

1. †. Familiaris. die Baumklette, der Grü-
per, Grauspecht, Baumkleber. (Fr. le
[Seite 184] grimpereau, Engl. the creeper.) C. grisea,
subtus alba, remigibus fuscis; rectricibus
decem
. *

Frisch tab. XXXIX. fig. 1.

In Europa. Klettert so wie die Spechte an
den Baumstämmen rum, um Insecten und
Puppen zu suchen etc.

2. †. Muraria. der Mauerspecht. C. cinerea,
macula alarum fulua
. *

Im wärmern Europa. Lebt mehr in altem
Gemäuer, auf Thürmen etc. und soll sich zuwei-
len die Arbeit beym Nestbau dadurch erleichtern,
daß er einen offnen Schedel von Menschen oder
Thieren aufsucht, und sich da hinein bettet.

3. Coccinea. C. rectricibus remigibusque ni-
gris, reliquo corpore coccineo
. *

Ein kleines Thier vom schönsten Carmoisin
roth, auf der für Cptn Cook unglücklichen In-
sel Owaihi, deren kunstreiche Einwohner mit den
Federgen desselben mancherley in der That über-
aus prachtvollen Putz, und andre Kleidungsstücke,
Helme etc. sogar ganze Mäntel etc. überziehen.

16. trochilvs. Colibri, Honigsauger, Blu-
menspecht. (Franz oiseau-mouche. Engl.
humming bird.) Rostrum subulato-filiforme
longum. Mandibula inferiore tubulata,
superiore vaginante inferiorem. Lingua filis
duobus coalitis tubulosa. pedes ambulatorii
.

Ueberaus kleine Vögel, aber von einer Schön-
heit die weder Pinsel noch Beschreibung auszu-
drücken vermag. Das grün und roth und blau
ihrer Federn änelt dem gefärbten Golde, und
thut zumal im Sonnenschein eine unbeschreib-
[Seite 185] liche Wirkung. Diese Thiergen sind so zart,
daß sie leicht den großen Buschspinnen zum
Raube werden, und nicht anders als durch Be-
sprützen mit Wasser gefangen werden können,
da sie selbst mit dem feinsten Schrot oder Sand
in Stücke geschossen werden würden. Sie näh-
ren sich vom Honigsaft der Blumen, den sie im
Schweben und Flattern mit ihrem dünnen rö-
renförmigen Schnabel auszusaugen wissen. Die
Bildung des Schnabels differirt bey den ver-
schiednen Gattungen. Er ist entweder gerade,
oder aufwärts, oder niederwärts gebogen.
Diese Thiere sind doch nicht blos im wärmern
America sondern theils auch in Californien und
nach den Versicherungen sehr sorgfältiger Rei-
sebeschreiber*) auch am Vorgebirge der guten
Hoffnung zu Hause.

1. Minimus. T. rectirostris, corpore viridi
nitente, subtus albido; rectricibus laterali-
bus margine exteriore albis
. *

edwards tab. CV.

Der allerkleinste bekannte Vogel, der nur
ohngefähr dreissig Gran wiegt. Sein Nest ist
von Baumwolle, und hat die Größe einer Wall-
nuß; und seine Eyer etwa die von einer Zuk-
kererbse.

2. Mosquitus. der Juwelen-Colibrit. (Fr. le
Rubis-topase
.) T. viridescens vertice pur-
pureo aurato, gutture auroreo rutilo
. *

seba thes. tab. XXXVII. fig. 1.

Ein unbeschreiblich prachtvolles Thiergen, des-
sen Stirne und Scheitel wie ein Rubin, und
seine Kehle wie ein glühendes Gold glänzen.
[Seite 186] Die alten Peruaner verfertigten vor Zeiten aus
den zarten Federgen dieser und einiger andrer
der schönsten Colibrite Mosaische Gemählde, und
ihre Weiber trugen die ganzen Vögelgen zum
Putz als Ohrengehänge.


IV. ANSERES.

Die Vögel dieser Ordnung werden durch
ihre Schwimmsüsse kenntlich, die ihnen mehr
nach hinten zu sitzen, und daher zum rudern sehr
geschickt aber desto unbequemer zum gehen sind.
Ueberhaupt haben sie, besonders auch in ihrer
Lebensart viel änliches mit den palmatis der
vorigen Classe. Ihr Oberschnabel endigt sich
meist in ein kurzes Häkgen, und ist wie der un-
tere mit einer zähen Haut überzogen. Sie ha-
ben eine fleischichte Zunge, einen rauhen stache-
lichten Gaumen, und die mehresten von ihnen
vorn an der Luftröhre eine besondre knorplichte
oder knöcherne Capsel*). Sie haben dichtes
fettes Gefieder, das kein Wasser annimmt und
woran sogar bey manchen Arten abgeschoßnes
Schrot abprallt**). Sie halten sich ihrer Be-
stimmung und dem Bau ihres Körpers gemäß
an den Ufern des Meers, der Seen, der Flüsse,
auf Inseln, Klippen, im Schilf etc. aus, und
[Seite 187] leben mehrentheils in Polygamie. Sie legen
meistens nur ein oder wenige Eyer; sind aber
von mannichfaltiger Nutzbarkeit, die sich beson-
ders auf ihr Fleisch, Fett, Federn etc. erstreckt.

17. anas. Rostrum lamelloso-dentatum con-
vexum, obtusum. Lingua ciliata, obtusa
.

1. †. Cygnus. der Schwan, Elbsch. (Fr. le
cygne
. Engl. the swan, the elk) A. rostro
semicylindrico atro, cera flaua, corpore
albo
. *

Frisch tab. CLII.

In der ganzen nordlichen Erde: nährt sich
von Fröschen, Wasserpflanzen etc. Die wilden
Schwane (die von manchen Naturforschern für
eine eigne vom sogenannten zahmen Schwan
verschiedne Gattung angesehen werden) geben
einen hellen weit schallenden nicht unangeneh-
men Ton von sich, der vielleicht zur Fabel vom
melodischen Gesang der sterbenden Schwane An-
laß gegeben. Die zahmen werden, zumal in
Sibirien, häufig, und völlig wie andres Haus-
geflügel gehalten, und mit Wasserpflanzen ge-
mästet.

2. Cygnoides. die Spanische oder Schinesische
Gans. (Fr. l'oye de guinée. Engl. the swan-
goose, chinese goose
.) A. rostro semicylin-
drico: cera gibbosa, palpebris tumidis
. *

Frisch tab. CLIII. CLIV.

Hält in der Größe das Mittel zwischen dem
Schwan und der Gans. Ist auf Guinea, am
Cap, dann in Sibirien und Schina, und wies
scheint auch auf den Sandwich-Inseln des stil-
[Seite 188] len Oceans zu Hause. Man unterscheidet meh-
rere Varietäten.

3. †. Anser. die Gans. (Fr. l'oye. Engl. the
goose
.) A. rostro semicylindrico, corpore
supra cinereo, subtus pallidiore, collo
striato
. *

Meist in allen fünf Welttheilen wild. Unter
den zahmen soll es wohl häufig völlig schneeweisse
Ganserte, aber nur selten eine ganz weisse weib-
liche Gans geben.

4. Bernicla. die Baumgans, Rothgans, Schot-
tische Gans. A. fusca, capite collo pecto-
reque nigris, collari albo
.

Frisch tab. CLVI.

In den kältesten Ländern der nordlichen Erde
(z.B. auf Neu-Zembla, wo sie Barents brü-
tend fand), und kommt blos zum Ueberwintern
nach Schottland u.a. laulichere Gegenden, wo
sie sich unter andern von dem Thier der fast ey-
förmigen Entenmuschel (Lepas anatifera) nährt,
daher die alte seltsame Fabel entstanden daß
diese Ente nicht aus einem Ey sondern aus diesen
Muscheln hervorkomme u.s.w.

5. Mollissima. der Eidervogel. (Fr. l'oye à du-
vet
. Engl. the eiderduck, cuthbert duck.)
A. rostro cylindrico, cera postice bifida, ru-
gosa
.

edwards tab. XCVIII.

Brünnichs N. H. des Eidervogels tab. I.
u. f.

In der nordlichen Erde, zumal häufig auf
Island und in Grönland. Sein Fleisch und
seine Eyer sind sehr schmackhaft; was ihn aber
noch wichtiger macht, ist sein Fell, womit man
[Seite 189] Kleider futtert, und die Flaumfedern, die unter
dem Namen der Eiderdunen bekannt sind. Die
besten Dunen sind die, so sich der Vogel selbst
ausrupft, um sein Nest inwendig damit zu be-
kleiden.

6. †. Boschas. die Ente. (Fr. le canard. Engl.
the duck.) A. rectricibus intermediis (ma-
ris) recuruatis, rostro recto
. *

Frisch tab. CLVIII. u. f.

Die wilde Ente findet sich fast in der ganzen
alten Welt, theils in ungemein schönen Spiel-
arten; wird sehr leicht kirre, und läst sich dann
so gut wie die zahme als Meiergeflügel hal-
ten. Die zahmen Enten scheinen die größte
Neigung zu unnatürlicher Paarung zu haben,
so daß z.B. die Entriche auf Hüner erpicht sind
und v. v. Enten den wälschen Hahnen nachlaufen
und sie zu reizen suchen.

7. †. Clypeata. die Löffelente. (Fr. le souchet.
Engl. the shoveler.) A. rostri extremo dila-
tato rotundato; vngue incuruo
. *

Frisch tab. CLXI. u. f.

Hat meist gleiches Vaterland mit der vorigen.

18. mergvs. Taucher, Wasserhuhn. Ro-
strum denticulatum, subulato-cylindricum,
apice adunco
.

1. †. Merganser. der Kneifer. (Fr. l'harle.
Engl. the goos-ander.) M. crista longitudi-
nali-erectiuscula: pectore albido immacu-
lato, rectricibus cinereis, scapo nigricante
. *

Frisch tab. CXC.

In der ganzen nordlichen Erde. So wie an-
dere Gattungen dieses Geschlechts ein schädliches
Thier für Fischteiche, zumal zur Laichzeit.

[Seite 190]

19. alca. (Engl. auk.) Rostrum edentulum,
breue, compressum, conuexum, transuerse
sulcatum: mandibula inferior ante basin
gibbosa
.

1. Arctica. der Papageyentaucher. (Fr. le ma-
careux
. Engl. the puffin.) A. rostro com-
presso-ancipiti sulcato sulcis
4, oculorum
orbita temporibusque albis, palpebra supe-
riore mucronata
. *

An den See-Küsten der nordlichen Erde. Ni-
stet in Caninchenhölen, oder wühlt sich auch selbst
so ein unterirdisches Lager.

20. aptenodytes. Fettgans, Pinguin. Ro-
strum compressiusculum, subcultratum, lon-
gitudinaliter oblique sulcatum: mandibula
inferior apice truncato: alae impennes, pin-
niformes
.

Hr. Dr. Forster hat unter diesen Geschlechts-
nahmen sehr schicklich die bisher in andre Ge-
schlechter (Diomedea, Phaëthon etc.) zerstreue-
ten Pinguins-Gattungen vereinigt.*)

Ihr glattes glänzendes Gefieder, die nackten
stumpfen kleinen Flügel und ihr gerader fast
aufrechter Gang geben diesen Thieren ein son-
derbares Ansehen, die sich zumal zur Brütezeit
in großen Schaaren, auf den einsamen Inseln
der Südsee, vorzüglich auch um Feuerland her-
um etc. finden.**)

[Seite 191]

1. Patagonica. A rostro pedibusque nigris,
macula parotica aurea
.

forster in Commentat. soc. sc. Gotting.
l. c. tab
. II.

An der Magellanischen Meerenge, Südgeor-
gien etc., auch auf Neu-Guinea. Die größte Gat-
tung. Ueber drey Fuß hoch.

2. Magellanica. A. rostro nigro, pedibus ru-
bicundis, fasciis duabus albis, vna includente
oculos, altera pectorali
.

forster l. c. tab. V.

Auf dem Feuer-Lande, auf den Falklands-
Inseln etc.

21. procellaria. Rostrum edentulum, sub-
compressum: mandibulis aequalibus; supe-
tiore apice adunco; inferiore apice com-
presso-canaliculato. Pedes vngue postico
fessili absque digito
.

1. Pelagica. der Sturmvogel, Ungewittervo-
gel. (Fr. le petrel. Engl. the storm-finch.)
P. nigra, vropygio albo.

linn. fauna suec. tab. II. fig. 143.

Sowohl im nordlichen als südlichen Ocean.
Hält sich meist in offner freyer See fern vom
Lande auf Klippen auf, und die Schiffer sehens
als Zeichen eines bevorstehenden Sturms an,
wenn er sich von da entfernt, und nach den
Schiffen flüchtet. Er hat überaus viel Fett,
und die Einwohner von Feroër etc. bedienen sich
seiner statt Lampe, indem sie ihm blos einen
Tocht durch den Körper ziehn, und anbrennen,
da dann die Flamme von dem Fette was allmäh-
lig hineinzieht, lange Zeit unterhalten wird.

[Seite 192]

22. diomedea. Rostrum rectum: maxilla su-
periore apice adunca; inferiore truncata
.

1. Exulans. der Albatros. D. alis pennatis
longissimis, pedibus aequilibribus tridactylis.

edwards tab. LXXXVIII.

In Süden und Norden außerhalb der Wen-
de-Cirkel. Von der Größe eines Schwans, hält
aber mit ausgespannten Flügeln wohl 11 Fuß
Breite, fliegt wohl 500 deutsche Meilen von ir-
gend einem Lande entfernt, aber selten höher
als 10-20 Fuß über der Meeres-Fläche. Nährt
sich großentheils von fliegenden Fischen.

23. pelecanvs. Rostrum edentulum, rectum:
apice adunco, vnguiculato: pedes aequili-
bres: digitis omnibus quatuor simul pal-
matis
.

1. †. Onocrotalus. der Pelican, die Kropfgans.
(Fr. und Engl. pelican.) P. gula saccata. *

Frisch tab. CLXXXVI.

Ein Blatt von J. E. Ridinger. 1740.

Die Kropfgans ist in den wärmern Gegenden
der alten Welt zu Hause, und hat den griechi-
schen Namen von ihrer Eselsstimme, den deut-
schen aber von dem ungeheuern beutelförmigen
Kropfe, der ihr am Unterschnabel hängt, und
sich ungemein ausdehnen läßt, so daß er wohl
dreißig Pfund Wasser fassen kan. Sie ist unge-
mein gefräßig, und verschluckt Karpfen von
mehrern Pfunden. Die fabelhafte Sage vom
Pelican der seine Junge mit seinem eignen Blute
ätzen sollte, ist wohl von der Weise entstanden,
wie dieses Thier seinen theils blutrothen Beu-
telkropf worin es den Jungen das Wasser zu-
[Seite 193] trägt, sodann an die Brust druckt und so
ausleert.

Die Americanische Kropfgans scheint wesent-
lich von dieser verschieden zu seyn.

2. Aquilus. die Fregatte. (Fr. le tailleur. Engl.
the man of war bird.) P. alis amplissimis,
cauda forficata, corpore nigro, rostro ru-
bro, orbitis nigris
.

edwards tab. CCCIX.

Hat in der Bildung und
Lebensart viel ähnliches mit dem Albatros: nur noch längere
Flügel, die ausgespannt auf vierzehn Fuß breit
sind, und dem fliegenden Thier ein sonderbares
Ansehn geben.

3. carbo. die Scharbe. (Fr. und Engl. cormo-
ran
.) P. cauda rotundata, corpore nigro,
rostro edentulo, capite subcristato
. *

Frisch tab. CLXXXVII.

Meist in allen fünf Welttheilen. Lebt von
Fischen die sie ganz schluckt, und daher (so wie
einige verwandte Gattungen dieses Geschlechts)
in Schina u.a. zum Fischfang abgerichtet wird,
indem man ihr einen Ring um den Hals legt
so daß die verschluckten Fische oberhalb des Kro-
pfes stecken bleiben und dem Vogel wieder ab-
genommen werden.

4. bassanus. (Fr. le fou de bassan. Engl. the
gannet, the soland goose
.) P. cauda cunei-
formi, corpore albo, rostro serrato, remigi-
busque primoribus nigris, facie caerulea
. *

brisson T. VI. tab. XLIV.

Im Norden von Europa und America, zu-
mal auf den Schottischen Inseln, und nament-
[Seite 194] lich auf Baß*), wovon diese Gans den Namen
führt. Hier lauert sie im Sommer auf die Züge
der Heeringe, so wie hingegen im Winter um
Portugal herum und an der Barbarey etc. auf
die Sardellen. Auf jenen Schottischen Inseln
werden die jungen Vögel und die Eyer in uner-
meßlicher Menge gegessen, und daher mit schau-
dervoller Lebensgefahr aus den Nestern in den
schroffen Felsenklippen ausgenommen.**)

24. plotvs. Rostrum rectum, acuminatum,
denticulatum. Facies tecta, pedes palmati
omnibus digitis connexis
.

1. anhinga. P. ventre albo.

willoughby tab. LXXII.

In Brasilien etc. Am Leibe von der Größe
einer Ente, aber mit einem sehr langen Hals,
den das Thier spiralförmig zusammenrollen und
so den Kopf gegen die Fische die es erschnappen
will, losschnellen soll.

25. phaëthon. Rostrum cultratum, rectum,
acuminatum, fauce pone rostrum hiante.
Digitus poflicus antrorsum versus
.

1. Aethereus. der Tropikvogel. (Fr. la paille
en cul
. Engl. the tropic bird) P. rectricibus
duabus longissimis, rostro serrato, pedibus
aequilibribus: digito postico connexo
.

brisson T. VI. tab. XLII. fig. 1.

Lebt an der offenbaren See, und zwar fast
blos zwischen beiden Wendezirkeln, daher die
[Seite 195] Seefahrer seine Erscheinung insgemein für ein
Zeichen annehmen, daß sie sich nun innerhalb
derselben befinden. Auch dieser Vogel nährt
sich meist von den fliegenden Fischen.

26. colymbvs. Rostrum edentulum, subula-
tum, rectum, acuminatum, pedes com-
pedes
.

1. Grylle. die Grönländische Taube. (Engl.
the sea turtle.) C. pedibus palmatis tridacty-
lis, corpore atro, rectricibus alarum albis
. *

Frisch tab. CLXXXV.

In der ganzen nordlichsten Erde.

2. †. Troile. die Lumer. (Fr. le Guillemot)
C. pedibus palmatis tridactylis, corpore fu-
sco, pectore abdomineque niueo, remigi-
bus secundariis extremo apice albis
. *

Frisch tab. CLXXXV.

An den Seeküsten der nordlichen Erbe. Zieht
sich im Winter südlicher, ans mitländische Meer etc.
und ist mir dann auch mehrmalen vom Seebur-
ger-See bey Göttingen gebracht worden.

27. larvs. Möve. (Fr. mouette. Engl. gull.)
Rostrum edentulum rectum cultratum, apice
subadunco. Mandibula inferior infra api-
cem gibba
.

Leben meist an den Küsten der nordlichen Erd,
doch finden sich auch welche auf der Südsee und
zwar in so ungeheuren Schaaren daß sie gleich-
sam den Tag verdunkeln wenn sie aufgejagt wer-
den und dabey ihre Verfolger mit Unrath be-
sprützen.

[Seite 196]

1. Tridactylus. (Engl. the tarrock.) L. albi-
cans, dorso canescente, rectricum apicibus,
excepto extremo, nigris, pedibus trida-
ctylis
. *

brisson T. VI. tab. XVII. fig. 2.

Am nordlichen Ocean wo sie bey bevorstehen-
den Regen oder Sturm mit lautem Geschrey
nahe über dem Wasser flattern*)

28. sterna. Rostrum edentulum, subulatum,
subrectum, acutum, compressiusculum. Na-
res lineares, ad basin rostri
.

1. Hirundo. die Seeschwalbe. S. cauda for-
ficata: rectricibus duabus extimis albo ni-
groque dimidiatis
.

Frisch tab. CCXIX.

An der ganzen nordlichsten Erde.

[Seite 197]

29. rhinchops. Rostrum rectum mandibula
superiore multo breuiore; inferiore apice
truncata
.

1. Nigra. (Fr. le bec en ciseaux. Engl. the
seacrow, the cut-water
) R. nigricans, sub-
tus alba, rostro basi rubro
.

brisson T. VI. tab. XXI. fig. 2.

In Nord-America. Der Oberschnabel ist
kürzer als der untre und
dieser liegt in jenem gleich-
sam wie ein eingeschlagnes Taschenmesser.


V. GRALLAE.

Die Vögel dieser Ordnung haben einen
walzenförmigen Schnabel von ungleicher Länge,
lange Füße, und mehrentheils auch einen langen
Hals, aber kurzen Schwanz. Sie halten sich
in sumpfichtem moorichtem Boden auf, leben
von Amphibien, Insecten und Wasserpflanzen,
nisten meist auf der Erde oder im Schilf, und
werden durch ihr ganz vorzüglich schmackhaftes
Fleisch und durch ihre Eyer nutzbar.

30. phoenicoptervs. Rostrum denudatum,
infracto-incuruatum, denticulatum, pedes
tetradactyli
.

1. Ruber. der Flamingo, Flamant, Schar-
tenschnäbler, Korkorre. P. ruber, remigi-
bus nigris
. *

catesby vol. I. tab. LXXIII sq.

[Seite 198]

In den wärmern Erdstrichen beider Welten.
Wird bey einem mäßig großen Körper aber ganz
auffallend langen Hals und Beinen wohl Manns-
hoch, und ist über und über von schönstem Car-
moisinroth.

31. platalea. Rostrum planiusculum; apice
dilatato, orbiculato, plano. Pedes tetrada-
ctyli, semipalmati
.

1. leucorodia. die Löffelgans, der Löffelrei-
her. (Fr. la spatule. Engl. the spoon-bill)
P. corpore albo gula nigra, occipite subcri-
stato
. *

Frisch tab. CC. u. f.

Hin und wieder in der westlichen alten Welt.

32. palamedea. Rostrum conicum, mandi-
bula superiore adunca. Pedes tetradactyli,
fissi
.

1. cornuta. (kamichy, camoucle) P. alulis bi-
spinosis, fronteque cornuta
.

latham vol. III. P. I. tab. LXXIV.

Im ostlichen Süd-America.

33. mycteria. Rostrum subadscendens, acu-
tum: mandibula superiore triquetra rectis-
sima: inferiore trigona acuminata adscen-
dente: frons calua: nares lineares: pedes
tetradactyli
.

1. americana. (Iabiru. Fr. la cicogne du Bresil.)

latham l. c. tab. XXV.

Hat mit dem vorigen gleiches Vaterland.

[Seite 199]

34. cancroma. Rostrum gibbosum: mandi-
bula superiore cymbae resupinatae forma
.

1. cochlearia. (Fr. la cuilliere. Engl. the boat-
bill
) C. ventre rufescente
.

latham l. c. tab. XXVI.

Ebenfalls in Brasilien etc.

35. ardea. Rostrum rectum, acutum, longum,
subcompressum. pedes tetradactyli
.

1. †. Grus. der Kranich. (Fr. la grue. Engl.
the crane.) A. occipite nudo papilloso, cor-
pore cinereo, alis extus testaceis
. *

Frisch tab. CXCIV.

In der nordlichen alten Welt, zieht aber im
Herbste zu großen Schaaren nach wärmern Ge-
genden.

2. †. Ciconia. der Storch, Hennotter, Aeh-
bähr. (Fr. la cicogne. Engl. the stork) A.
alba, orbitis nudis remigibusque nigris: ro-
stro, pedibus cuteque sanguineis
. *

In den mildern Gegenden fast der ganzen alten
Welt. Nährt sich nicht blos von Amphibien,
sondern frißt auch nutzbare Thiere, ganze Ket-
ten junge Rebhüner u.s.w. schleppt auch nicht
selten Leinewand, Garn etc. ins Nest ums weich
auszufuttern.

3. †. Cinerea, der graue Reiher, Fischreiher.
(Fr. und Engl. heron) A. occipite nigro
laeui, dorso caerulescente, subtus albido,
pectore maculis oblongis nigris
. *

Frisch tab. CXCVIII.

Fast durchgehends in beiden Welten. Schäd-
liche Thiere, die den Fischteichen und besonders
[Seite 200] der jungen Brut nachtheilig werden. Sie nisten
auf den höchsten Eichen, und geben einen über-
aus ätzenden Unrath von sich, wovon sogar oft
die Bäume verdorren. Vorzüglich diese, doch
auch andre Gattungen Reiher werden mit Fal-
ken gebaizet.

4. †. Stellaris. die Rohrdommel, der Ip-
rump. (Fr. le butor. Engl. the bittern) A. ca-
pite laeuiusculo, supra testacea maculis trans-
versis, subtus pallidior, maculis oblongis
fuscis
. *

Frisch tab. CCV.

In den mildern Gegenden der nordlichen Erde.
Ein langsames träges Thier, das eine rauhe
starke Stimme hat, die es zumal bey Regen-
wetterzeit von sich gibt.

36. tantalvs. Rostrum longum subulatum
teretiusculum subarcuatum, saccus iugularis
nudus, pedes tetradactyli, basi palmati
.

1. Ibis. T. facie rubra, rostro luteo, pedibus
griseis, remigibus nigris, corpore rufescente
albido
.

buffon vol. VIII. tab. I.

Das berühmte, ehedem in Aegypten, auf den
dasigen alten Denkmälern verewigte*), gött-
lich verehrte und so wie die damaligen mensch-
lichen Leichen zu Mumien kostbar einbalsamir-
te**) und in besondern Gewölbern in größter
Menge beygesetzte, aber jetzt wenigstens in Nie-
der-Aegypten ziemlich seltne Thier.

[Seite 201]

Ob der schwarze etwas kleinere Ibis eine be-
sondre Gattung ausmacht, oder blos etwa im
Alter von weißem Ibis (der ohngefähr die Größe
vom Storch hat) verschieden sey, ist noch un-
entschieden.

37. scolopax. Schnepfe. Rostrum teretiuscu-
lum obtusum, capite longius, facies tecta,
pedes tetradactyli, postico pluribus articu-
lis insistente
.

1. †. Rusticula. die Waldschnepfe. (Fr. la be-
casse
. Engl. the woodcock) S. rostro basi ru-
fescente, pedibus cinereis, femoribus tectis,
fascia capitis nigra
. *

Frisch tab. CCXXVI. u. f.

In den wärmern Gegenden der nordlichen al-
ten Welt.

2. †. Gallinago. die Heerschnepfe, Himmels-
ziege, der Haberbock, das Haberlämm-
chen. (Fr. la becassine. Engl. the snipe) S.
rostro recto tuberculato, pedibus fuscis,
frontis lineis fuscis quaternis
. *

Frisch tab. CCXXIX.

Hat ein weit ausgedehnteres Vaterland als
die vorige Gattung und findet sich fast durchge-
hends in beiden Welten. Das Männchen fliegt
sehr hoch in der Luft, und giebt dabey seine
meckernde Stimme von sich, daher es zu aller-
hand Fabeln Anlaß gegeben.

38. tringa. Rostrum teretiusculum longitu-
dine capitis, digito postico vniarticulato, a
terra eleuato
.

[Seite 202]

1. †. Pugnax. (der Kampfhahn, Renomist,
Hausteufel. (Fr. le combattant, le paon de
mer
. Engl. the ruff) T. rostro pedibusque
rubris, rectricibus tribus lateralibus imma-
culatis, facie papillis granulatis carneis
. *

Frisch tab. CCXXXII. u. f.

In der nordlichen alten Welt. Vielleicht der
einzige wilde Vogel, der in Rücksicht seiner
Farben eben so variirt wie unser Hausgeflügel.
Seinen Namen hat er von der hartnäckigen
Streitbarkeit, mit welcher zumal die Männchen
zur Brunstzeit gegen einander fechten.

2. †. Vanellus. der Kybitz. (Gauia. Fr. le van-
neau
. Engl. the lapwing) T. pedibus ru-
bris, crista dependente, pectore nigro
. *

Frisch tab. CCXIII.

Ebenfalls in der nordlichen alten Welt. Zieht
wies scheint im Winter nach Nord-Africa.
Läßt sich mit Nutzen zahm machen und in Gär-
ten halten, wo er die Regenwürmer u.a. dergl.
Ungeziefer vertilgt.

39. charadrivs. Regenpfeifer. (Fr. pluvier)
Rostrum teretiusculum, obtusum. Nares
lineares. Pedes cursorii, tridactyli
.

1. †. hiaticula. die Seelerche. (Fr. le pluvier
à collier
. Engl. the sea-lark.) C. pectore ni-
gro, fronte nigricante fasciola alba, vertice
fusco, pedibus luteis
. *

Frisch tab. CCXIV.

Das überaus niedliche Thier findet sich hin und
wieder an den Flüssen der nordlichen Erde, auch
hier herum, und auf den Sandwich-Inseln des
stillen Oceans.

[Seite 203]

40. recvrvirostra. Säbelschnäbler. Ro-
strum depresso-planum subulatum, recur-
vatum, acuminatum apice flexili. Pedes pal-
mati, tridactyli
.

1. †. Auosetta. R. albo nigroque varia. *

buffon vol. VIII. tab. XXXVIII.

In den mildern Gegenden der alten Welt etc.
nährt sich vorzüglich von Wasser-Insecten die er
mit seinem sonderbar aufwärts gebognen Schna-
bel sehr geschickt zu fangen weis.

41. haematopvs. Rostrum compressum: apice
cuneo aequali, pedes cursorii tridactyli
.

1. †. Ostralegus. der Austerdieb, Austermann.
Fr. l'hutrier. Engl. the sea pie, the pied oi-
ster-catcher
) H. rostro pedibusque rubris
. *

latham vol. III. P. I. tab. LXXXIV.

Hin und wieder an den Seeufern aller Welt-
theile; nährt sich vorzüglich von Conchylien.

42. fvlica. Wasserhuhn. Rostrum conue-
xum, mandibula superiore margine supra
inferiorem fornicata; frons calua, pedes
tetradactyli, subpinnati
.

1. †. Atra. das schwarze Blaßhuhn. (Fr. la
foulque, la morelle
. Engl. the coot) F. fronte
incarnata, armillis luteis, corpore nigricante
*

Frisch tab. CCIX.

In der nordlichen Erde.

43. parra. Rostrum teretiusculum, obtusi-
usculum. Nares ouatae in medio rostri
.
[Seite 204] Frons carunculata, carunculis lobatis. Alulae
spinosae
.

1. jacana. (Fr. le chirurgien, le chevalier) P.
vnguibus posticis longissimis, pedibus viri-
descentibus
.

bvffon vol. VIII. tab. XVI.

In Westindien, Brasilien etc.

44. rallvs. Rostrum basi crassius, compres-
sum, dorso attenuatum apicem versus, ae-
quale acutum, pedes tetradactyli, fissi
.

1. †. Crex. der Wachtelkönig, Schnerz, Wie-
senschnarcher, Schars. (ortygometra. Fr.
le râle de genet. Engl. the rail, the daker
hen
) R. alis rufo-ferrugineis
. *

Frisch tab. CCX.

In den mildern Gegenden der alten Welt.
Den Namen Crex und Schnerz hat er von sei-
ner Stimme. Wachtelkönig heist er etwa seiner
Farbe wegen, die der Wachteln ihrer änelt,
oder von der alten Sage, daß er dieser Vögel
Heerführer im Strich sey.

45. psophia. Rostrum cylindrico-conicum,
conuexum, acutiusculum, mandibula supe-
riore longiore. Nares ouatae, patulae. Pe-
des tetradactyli fissi
.

1. Crepitans. die Trompete, der Agami, Mak-
kukwa. (Fr. l'oiseau trompette) P. nigra
pectore columbino
.

latham vol. II. P. II. tab. LXVIII.

In Süd-America, vorzüglich häufig am
Amazonen-Strom.

[Seite 205]

VI. STRVTHIONES.

Große Landvögel, mit freyen unverbundenen
Zehen, und kurzen zum Flug ungeschickten Flü-
geln ohne Schwungfedern.

46. strvthio. Rostrum subconicum, pedes
cursorii
.

1. Camelus. der Straus. (Fr. l'autruche. Engl.
the ostrich) S. pedibus didactylis, digito
exteriore paruo mutico, spinis alarum binis
. *

latham vol. III. P. I. tab. LXXI.

Der allergrößte Vogel, der eine Höhe von
acht bis zehn Fuß erreicht, und wohl drey Cent-
ner wiegt. Er ist in Africa zu Hause, und hat
in manchen Stücken wie z.B. im breiten flachen
Brustbein etc. auch besonders in Rücksicht der
Brustschwiele und einer andern am Hinterleibe,
die ihm beide beym liegen, sitzen und schlafen
zur Stütze dienen*), einige Aehnlichkeit mit
dem Cameel. Das Unvermögen zum Flug wird
bey ihm durch die unglaubliche Schnelligkeit
seines Laufs vergütet, worin er fast alle andere
laufende Thiere übertrifft. Er läßt sich abrich-
ten, so daß wohl zwey erwachsne Personen auf
ihm reiten können. Vorzüglich aber wird er
durch seine Federn nutzbar. Er verschluckt zwar
zuweilen Geldstücke und ander Metall, aber der
Versuch kan doch nicht oft ohne Schaden der
Gesundheit des Thiers wiederholt werden.

[Seite 206]

2. Casuarius. der Casuar, Emeu. S. pedibus
tridactylis, galea palearibusque nudis, re-
migibus spinosis
. *

latham l. c. tab. LXXII.

In Ostindien. Kan auch so wie der Straus,
Metallstückgen, glüende Kohlen, Eis etc. ver-
schlucken: hat große. Stärke in seiner mittlern
Klaue, womit er daumendicke Breter durchtre-
ten kan*). Seine Federn sind hornicht und
äneln Pferdehaaren, und es entspringen immer
zwey und zwey Schafte aus einem gemein-
schaftlichen Kiele.

Der sogenannte Amerikanische Straus, (Suri,
Tuju, struthio rhea) der in Chili zu Hause ist,
hat viel änliches mit ihm.

47. didvs. Rostrum medio coarctatum rugis
duabus transuersis: vtraque mandibula in-
flexo apice. facies vltra oculos nuda
.

1. Ineptus. der Dudu, Dronte, Walghvo-
gel. (Cygnus cucullatus) D. pedibus ambu-
latoriis, cauda breuissima, pennis incuruis.

latham l. c. tab. LXX.

Der Dudu, dessen Existenz man neuerlich zu
bezweifeln sich hat einfallen lassen, lebt auf Ile
de France und Bourbon, und ist das schwerlei-
bigste langsamste Thier der ganzen Classe, was
leicht zu fangen, aber wegen seines widrigen
Fleisches von wenig Nutzen ist.

Von ihm scheint der Solitaire wenig oder
nicht verschieden, den Leguat beschrieben**).

[Seite 207]

VII. GALLINAE.

Die Vögel dieser Ordnung habe kurze Füße
und einen convexen Schnabel, der an der Wur-
zel mit einer fleischichten Haut überzogen ist, und
dessen obere Hälfte seitwärts über den Unter-
schnabel hinaus ragt. Sie nähren sich meist
von Pflanzen-Saamen, die sie im Kropfe (§.
65.) einweichen; leben in Polygamie, legen
zahlreiche Eyer; und sind ganz vorzüglich nutz-
bare Thiere; daher auch das mehreste Hausge-
flügel aus dieser Ordnung genommen ist.

48. otis. Rostrum mandibula superiore for-
nicata, pedes cursorii
.

1. †. Tarda. der Trappe. (Fr. l'outarde, Engl.
the bustard.) O. maris capite iuguloque
vtrinque cristato
. *

Frisch tab. CVI. u. f.

Dieser gröste hieländische Vogel ist in der ge-
mäßigten alten Welt zu Hause, fliegt wenig,
läuft aber desto schneller. Das Männchen wird
wohl gegen 30 Pfund schwer.

49. pavo. Caput pennis reuolutis tectum,
pennae caudales elongatae, ocellatae
.

1. †. Cristatus. der Pfau, Pageluhn. (Fr.
le paon, Engl. the peacock.) P. capite crista
compressa, calcaribus solitariis
. *

Ist wohl ursprünglich in Ostindien einhei-
misch, und seit Alexanders des großen Zeiten
[Seite 208] nach Europa verpflanzt. Besonders ist das
Männchen in Rucksicht der unbeschreiblichen
Pracht seiner Schwanz- oder vielmehr Rücken-
Federn eins der schönsten Geschöpfe in der Na-
tur: doch wird dieser Theil nicht vor dem drit-
ten Jahre beym jungen Thiere ausgebildet: so
wie auch das Federbüschgen auf dem Kopfe als-
dann erst hervorbricht. Zuweilen (aber freylich
sehr selten) finden sich doch auch Pfau-Hennen
mit dergleichen männlichen Gefieder*).

Auch giebt es bekanntlich eine weiße Spiel-
art unter den Pfauen**).

50. meleagris. Caput carunculis spongiosis
tectum, gula caruncula membranacea lon-
gitudinali
.

1. Gallopauo. der Kalekuter, Truthahn, Pu-
der, Wälsche Hahn, Kuhnhahn. (Fr. le
dindon
, Engl. the turkey.) M. maris pe-
ctore barbato
. *

Ist in mittlern und nordlichern America zu
Hause, wo er in großen Heerden zu Hunderten,
zumal auf den höchsten Bäumen lebt, ward
1530 zuerst nach Deutschland gebracht, wo er
nun wegen seines vortreflichen Fleisches als
Meyergeflügel gehalten wird, und in zahlreiche
Varietäten von weisser u.a. Farben ausgeartet
ist. Die Männchen zumal sind sehr hitzige Ge-
schöpfe, die die rothe Farbe und das Pfeiffen
nicht leiden können, und im Zorn ihr ganz Ge-
fieder sträuben etc., wobey zugleich der blaue
Fleischzapfen über dem Schnabel und die am
Halse anschwellen, erröthen etc.

[Seite 209]

51. crax. Rostrum basi cera obductum in
vtraque mandibula. Pennae caput tegentes
reuolutae
.

1. Alector. der Curasso. C. cera flaua, cor-
pore nigro, ventre albo
.

bvffon vol. II. tab. XIII.

In Guiana etc.

52. phasianvs. Genae cute nuda laeuigata.

1. †. Gallus. der Haushahn. (Fr. le coq, Engl.
the cock.) P. caruncula compressa verticis
geminaque gulae, auribus nudis, cauda com-
pressa ascendente
. *

Der wilde Stammhahn*) ist in Indien zu
Hause, wo ihn zuerst Dampier auf Pulo-Con-
dor entdeckt hat. Er ist von rothbrauner Farbe,
und zeichnet sich durch flache hornichte Blättchen
an den Spitzen der Hals- und Flügelfedern aus
(die den zinnoberrothen Flügelblättgen des Sei-
denschwanzes ähneln). Der Haushahn hinge-
gen ist meist über die ganze Erde verbreitet.
Doch ist er erst durch die Spanier in die neue
Welt gebracht: hingegen auf der Oster-Insel,
auf Tongatabu, O-waihi, u.a. Inseln der
Südsee bey ihrer Entdeckung schon häufig vor-
gefunden worden. Das Huhn ist bey der
Menge Eyer die es legt, und seinem oftmali-
gen Brüten eins der allernutzbarsten Thiere der
ganzen Classe. Und die Streitbarkeit der Hähne
hat man von jeher zur Unterhaltung benutzt,
und Hahnen-Gefechte als Schauspiele gegeben.
[Seite 210] Bey den alten waren vorzüglich die Hähne von
Rhodos, Chalcis und Tanagra wegen ihres
Muths berühmt. In Schina, auf Ceilan, auf
den Sundaischen Inseln, auf den Philippinen,
im Darischen Meerbusen, und vorzüglich in
England, sind noch jezt die Hahnen-Gefechte
gewöhnliche Vergnügungen.

Die Hühner sind, wie andre Hausthiere, nach
und nach mannichfaltig ausgeartet. Daher
vorzüglich folgende Spielarten zu merken sind:

a) Der Englische Hahn, mit einem dichten
Federbusch auf dem Kopf. Frisch tab.
129. 130.

b) Der Kluthahn, ohne Schwanz. Frisch
tab. 131. 132.

c) Der Krausehahn, Frisländische Hahn,
mit krausen lockichten Federn. Fr. tab. 135.

d) Das Wollhuhn, aus Japan, China etc.
dessen schon Mark Polo, Ritter Maunde-
ville und andre Reisebeschreiber des mitt-
lern Zeitalters erwähnen. Seine Federn
sind schlicht, fast wie Haare, daher die
Fabel von Bastarden die mit Caninchen
und Hünern erzeugt worden, entstanden ist.

e) Das Negerhuhn, das so wie der Mohr
und der canis aegyptius den individuellen
Einfluß des Climats von Guinea erfahren
und schwarze Haut erhalten hat. Vorzüg-
lich auf St. Jago am grünen Vorgebirge,
wo überhaupt auch noch andre Vögel diese
Sonderbarkeit haben sollen.

2. Colchicus. der Fasan. (Fr. le faisan, Engl.
the pheasant.) P. rufus, variegatus, capite
[Seite 211] viridi caerulescente, cauda cuneata genis
papillosis
. *

Frisch tab. CXXIII.

Hat den Namen vom Flusse Phasis in Min-
grelien von da ihn die Argonauten zuerst nach
Europa gebracht haben. Er ist äußerst scheu
und wild, und das Männchen zur Brunstzeit
unersättlich hitzig. Bey den Fasanhennen ist
ebenfalls zuweilen die oben von den Pfauhennen
angemerkte Veränderung beobachtet worden,
daß sie nemlich das Gefieder der Hähne ge-
kriegt haben.

3. Pictus. der Schinesische Goldfasan. P.
crista flaua, pectore coccineo, remigibus
secundariis caeruleis, cauda cuneata
. *

edwards tab. LXVIII. LXIX.

4. Nycthemerus. der Schinesische Silberfa-
san. P. albus, crista abdomineque nigris,
cauda cuneata
. *

edwards tab. LXVI.

53. nvmida. caput collo compresso colorato
cornutum. palearia carunculacea ad latera
maxillae vtriusque
.

1. Meleagris. das Perlhuhn. (Fr. la peintade.
Engl. the guiney hen.) N. rostro cera in-
structo nares recipiente
. *

Frisch tab. CXXVI.

In Africa einheimisch, aber nun fast in ganz
Europa und vielen Gegenden von America fort-
gepflanzt.

54. tetrao. Macula prope oculos nuda, pa-
pillosa
.

[Seite 212]

1. †. Vrogallus. der Auerhahn. (Fr. le coq de
bruyere, le tetras
. Engl. the cock of the
wood
.) T. pedibus hirsutis. cauda rotun-
data, axillis albis
. *

Frisch tab. CVII. CVIII.

Im nordlichern Europa, hat ein äußerst schar-
fes Gesicht und Gehör. So bald er angeschossen
wird, schluckt er seine Zunge, daher die alte
Sage entstanden, daß er gar keine Zunge habe,
die man aber bey der Untersuchung im Schlunde
steckend finden kan.

2. †. Tetrix. der Birkhahn, deutsche Fasan.
(Fr. le petit tetras, Engl. the black cock.)
T. pedibus hirsutis, cauda bifurcata, remi-
gibus secundariis basin versus albis
. *

Frisch tab. CIX.

In der nordlichern alten Welt.

3. Lagopus. das Schneehuhn, Rypen. (Fr.
la gelinote blanche. Engl. the white game.)
T. pedibus lanatis, remigibus albis, rectri-
cibus nigris, apice albis: intermediis albis
. *

Frisch tab. CX. CXI.

Findet sich auf den Schweizer- und Savoy-
schen-Alpen, und dann in den nördlichsten Erd-
gegenden, ist im Sommer von grauer, im Win-
ter aber von weisser Farbe.

4. †. Bonasia. das Haselhuhn. (Fr. la gelinote.)
T. pedibus hirsutis, rectricibus cinereis
punctis nigris fascia nigra: exceptis inter-
mediis duabus
. *

buffon vol. II. tab. VII.

[Seite 213]

Lebt einsam in den Haselgebüschen des mitt-
lern Europa.

5. †. Rufus. (Fr. la perdrix rouge. la barta-
velle
.) T. pedibus nudis calcaratis rostro-
que sanguineis, gula alba cincta fascia nigra
albo punctata
. *

daubenton planch. enlum. CCXXXI.

Schon in der Schweiz. Zumal aber im süd-
lichen Europa und Orient. Wird auf den In-
seln des Archipelagus als Meyergeflügel gehalten.

6. †. Perdix. das Rebhuhn, Feldhuhn. (Fr.
la perdrix grise. Engl. the partridge.) T.
pedibus nudis calcaratis, macula nuda coc-
cinea sub oculis, cauda ferruginea, pectore
brunneo
. *

Frisch tab. CXIV.

Im mittlern Europa und in den gemäßigten
Gegenden des asiatischen Rußlands. Lassen sich
auch auf dem Hofe halten, und so abrichten,
daß sie zwar im Gehölze brüten, aber dennoch
die Kette Junge auf den Hof bringen.

7. †. Coturnix. die Wachtel. (Fr. la caille.
Engl. the quail.) T. pedibus nudis, cor-
pore griseo maculato, superciliis albis, re-
ctricibus margine lunulaque ferruginea
. *

Frisch tab. CXVII.

In der ganzen alten Welt; von Lappland bis
zum Cap. Ein Zugvogel, der sich dann, zumal
auf den Inseln des mittländischen Meers und
im benachbarten festen Lande*), zuweilen in
[Seite 214] unermeßlichen Schaaren sehen läßt*). Die
Männchen sind zumal in Italien ihres Schlags
wegen beliebt, und in Schina last man sie
(wie Kampfhäne) paarweis fechten.

55. colvmba. Taube (Fr. und Engl. pigeon.)
Rostrum rectum versus apicem descendens.

1. †. Oenas. die Haustaube, Feldtaube, Holz-
taube. (vinago, liuia. Fr. le biset. Engl.
the stock dove.) C. coerulescens, ceruice
viridi nitente, dorso postico albo, fascia
alarum apiceque caudae nigricante
. *

Die Holztaube ist meist in der ganzen alten
Welt zu Hause. Die im Norden zieht
im Herbst nach etwas südlichern Gegenden. Die
in gemäßigten Erdstrichen hingegen überwin-
tern Schaarenweis in Felsen-Klüften, holen
Bäumen etc. Das wilde Weibchen brütet zwey-
mal im Jahr, die Haustaube hingegen wohl
neun bis zehnmal, so daß man von einem ein-
zigen Paar binnen vier Jahren 14762 Tauben
ziehen könnte. Daher sie zumal in Persien und
Aegypten so allgemein und so sorgfältig gehal-
ten werden. Die vorzüglichsten Abartungen
(wovon doch manche für besondre Gattungen
angesehen werden) sind folgende:

a) dasypus, die Trommeltaube, (Fr. le pi-
geon pattu
, Engl. the rough-footed dove)
mit langbefederten Füssen. Frisch tab. CXLV.

b) gutturosa, die Kropftaube, der Kröpfer,
(Fr. le pigeon à grosse gorge, le grand
gosier
, Engl. the cropper pigeon) mit einem
ungeheuren Kropfe. Frisch tab. CXLVI.

[Seite 215]

c) turbita, das Möwchen, (Fr. le pigeon
cravate, à george frisée
, Engl. the turbit)
mit krausen Brustfedern und ganz kurzem
Schnabel. Frisch tab. CXLVII.

d) gyratrix, der Tümler, (Fr. le pigeon cul-
butant
, Engl. the tumbler) mit glattem
Kopf und einem kahlen rothen Augenring:
überschlagen sich im schnellen Flug, und
sind zumal in Orient hochgeschätzt. Frisch
tab. CXLVIII.

e) cucullata, die Schleiertaube, Zopftaube,
(Fr. le pigeon romain, Engl. the jacobine)
mit vorwärts gerichtetem Kopf-Busche. Fr.
tab. CL.

f) laticauda, die Pfauentaube, der Hüh-
nerschwanz, (Fr. le pigeon paon, Engl.
the shaker) mit aufrechtem ausgebreiteten
Schwanze. Frisch tab. CLI.

g) tabellaria, die Posttaube, Brieftaube,
türkische Taube, (Fr. le pigeon messager,
Engl. the carrier pigeon) mit rothen Fleisch-
warzen um den Schnabel und Augen herum.
Hat ihren Namen daher, weil man sich
ihrer im Orient, zumal um Aleppo herum
bedient, um Briefe zu überschicken; da
man nemlich solche Tauben aus ihren Ko-
beln mit in die Ferne nimmt, und ihnen
dann ein Billet unter die Flügel bindet,
mit welchem sie ihrem alten Neste zueilen,
und da abgeredetermaßen aufgefangen, und
ihnen ihre Aufträge abgenommen werden.
Mit andern Tauben habens schon Hirtius
und Brutus bey der Belagerung von Mo-
dena, die Harlemer bey der Belagerung von
[Seite 216] 1573, die Leidner bey der von 1574, u.a.m.
mit bestem Erfolg versucht.

2. †. Palumbus. die Ringtaube, große Holz-
taube, Schlagtaube, Plochtaube, Kohl-
taube, Holztaube. (Fr. le pigeon ramier,
Engl. the ring dove.) C. rectricibus postice
atris, remigibus primoribus margine exte-
riore albidis collo vtrinque albo
. *

Frisch tab. CXXXVIII.

Meist in ganz Europa.

3. †. Turtur. die Turteltaube, Wegetaubt.
(Fr. la tourterelle. Engl. the turtle dove.)
C. rectricibus apice albis, dorso griseo pe-
ctore incarnato, macula laterali colli nigra
lineolis albis
. *

Frisch tab. CXL.

In den warmen und gemäßigten Gegenden
der alten Welt. Ihre gepriesene Keuschheit
und eheliche Treue darf nicht so gar wörtlich
verstanden werden. Sie ist ein Zugvogel, und
man sieht ihre Rückkehr im Frühjahr für ein
sicheres Zeichen des völlig geendeten Winters an.

4. †. Risoria. die Lachtaube. (Fr. la tourte-
relle à collier
, Engl. the indian turtle.) C.
supra lutescens lunula ceruicali nigra
. *

Frisch tab. CXLI.

Im mildern Europa und in Ostindien.

[Seite 217]

VIII. CORACES.

Die Vögel dieser Ordnung haben einen star-
ken oben erhabnen Schnabel von mittelmäßiger
Größe, und kurze Füsse. Sie leben theils von
Getraide u.a. Pflanzen, Saamen etc. theils von
Insecten, und auch von Aas; und haben meh-
rentheils ein wilderndes unschmackhaftes Fleisch.

56. bvphaga. Rostrum rectum, subquadran-
gulare: mandibulis gibbis, integris, extror-
sum gibbosioribus. Pedes ambulatorii
.

1. Africana. (Fr. le pic boeuf. Engl. the beef-
eater
.)

latham Vol. I. P. I. tab. XII.

Auf Senegal etc.

57. crotophaga. Rostrum compressum, se-
miouatum, arcuatum, dorsato carinatum.
Mandibula superiore margine vtrinque an-
gulata. Nares peruiae
.

1. Ani. (Fr. le bout de petun. Engl. the razor-
billed black bird
.) C. pedibus scansoriis
.

latham l. c. tab. XIII.

In Westindien. Lebt in gesellschaftlicher Ver-
bindung, so daß, gegen die Weise aller andern
Vögel, viele Weibchen sich zusammen halten
und sich ein gemeinschaftliches Nest bauen, mit
einander brüten, die Jungen gemeinschaftlich
füttern u.s.w.

[Seite 218]

58. corvvs. Rostrum conuexum cultratum,
nares mystace tectae. pedes ambulatorii
.

1. †. Corax. der Kolk-Rabe. (Fr. le corbeau.
Engl. the raven.) C. ater dorso atro caeru-
lescente, cauda subrotunda
. *

Frisch tab. LXIII.

Fast durchgehends in beiden Welten. Er hat
vielleicht unter allen Vögeln den schärfsten Ge-
ruch, indem er in einer erstaunlichen Entfer-
nung das Aas, was im Dickicht verborgen liegt,
auswittert. Er ist ein schädliches Thier, raubt
Fische, Krebse, junge Enten, selbst junge Ha-
sen etc. stielt auch Sachen die er nicht fressen kan.
Wird bekanntlich sehr zahm und lernt überaus
deutlich Worte sprechen.

2. †. Corone. die Raben-Krähe. (Fr. la cor-
neille
, Engl. the carrion crow.) C. atro-
caerulescens totus, cauda rotundata: rectri-
cibus acutis
. *

buffon vol. III. tab. III.

Hat ein eben so ausgedehntes Vaterland als
der Kolk-Rabe.

3. †. Frugilegus. die Saatkrähe, der Kare-
chel. (Fr. le freux, la frayonne. Engl. the
rook
.) C. ater, fronte cinerascente, cauda
subrotunda
. *

Frisch tab. LXIV.

In Europa. Ein überaus nützliches Thier,
das unzählige Feldmäuse, Engerlinge, Gras-
raupen etc. verzehrt.

4. †. Cornix. die Krähe, Nebelkrähe. (Fr.
la corneille mantelée. Engl. the royston crow.)
C. cinerascens, capite iugulo alis caudaque
nigris
. *

Frisch tab. LXV.

[Seite 219]

In der alten Welt. Wird ebenfalls durch die
Vertilgung unzähligen Ungeziefers nutzbar.

5. †. Monedula. die Dohle. (Fr. le choucas.
Engl. the jackdaw.) C. fuscus, occipite
incano, fronte alis caudaque nigris
. *

Frisch tab. LXVII.

Im nordwestlichern Europa.

6. †. Glandarius. der Holzheher, Nußbeisser,
Marcolph, Hetzle, Herrenvogel. (Fr. le
jeay
. Engl. the jay.) C. rectricibus alarum
caeruleis, lineis transuersis albis nigrisque,
corpore ferrugineo variegato
. *

Frisch tab. LV.

Im gemäßigten Europa. Ein schönes Thier,
was sehr leicht zu zähmen und in seinem Betra-
gen gar possirlich ist.

7. †. Caryocatactes. der Nußheher. (Fr. le
casse noix
. Engl. the nut cracker.) C. fuscus
alboque punctatus, alis caudaque nigris
:
rectricibus apice albis: intermediis apice
detritis
. *

Frisch tab. LVI.

Hin und wieder in der nordlichen Erde.

8. †. Pica. die Aelster, Atzel, Aegerste, Hei-
ster. (Fr. la pie. Engl. the magpye.) C.
albo nigroque varius, cauda cuneiformi
. *

Frisch tab. LVIII.

In Europa und Nordamerica.

9. †. Graculus. der Waldrabe, Alprabe.
(Engl. the cornish chough.) C. violaceo-
nigricans, rostro pedibusque luteis
. *

gesner pag. 503.

[Seite 220]

In den Gebirgen (zumal in den Alpen) des
mildern Europa und des Orients.

Vermuthlich ist er einerley mit dem räthsel-
haften, meines wissens von keinem kundigen Or-
nithologen je zuverläßig gesehenen coruus ere-
mita
linn
.*).

59. coracias. Rostrum cultratum, apice in-
curuato, basi pennis denudatum. pedes am-
bulatorii
.

1. †. Garrula. die Mandelkrähe, Racke, Blau-
racke, der Birkheher. (Fr. le rollier, Engl.
the roller.) C. caerulea, dorso rubro, re-
migibus nigris
. *

Frisch tab. LVII.

Im gemäßigtern Europa und in Nordafrica.
Läst sich in der Erndtezeit, wenn die Frucht in
Mandeln steht, hauffenweis auf den Feldern
sehen.

60. gracvla. Rostrum conuexo-cultratum,
basi nudiusculum. Lingua integra, acutius-
cula, carnosa. Pedes ambulatorii
.

1. Religiosa. (Fr. le mainate, Engl. the minor
grakle
.) G. nigro violacea, macula alarum
alba, fascia occipitis nuda, flaua
. *

buffon vol. III. tab. XXV.

In Ostindien. Hat einen schönen Gesang,
und lernt ausnehmend deutlich Worte sprechen.

2. Quiscula. der Maisdieb. G. nigro-viola
cea, cauda rotundata
. *

catesby vol. I. tab. XII.

[Seite 221]

In Nordamerica: wo er den Schaden den er
freylich dem Mais thut, durch die Vertilgung
unzähliger schädlicher Insecten, zumal des Erb-
senkäfers etc. reichlich vergütet. Daher war es
unüberlegt, daß man vor 40 Jahren in Pen-
sylvanien so lange kleine Preise auf die eingelie-
ferten Köpfe dieses Vogels gesetzt hatte, bis er
beynah vertilgt war. Denn von der Zeit an
nahm das Ungeziefer so furchtbar überhand,
daß man froh war wie der Vogel sich allgemach
wieder vermehrte.

61. paradisea. Paradisvogel. (manuco-
diatta
.) Rostrum basi plumis tomentosis
tectum, pennae hypochondriorum longio-
res. Rectrices duae superiores singulares
denudatae
.

Das ganze Geschlecht von zahlreichen Gat-
tungen hat ein überaus eingeschränktes Vater-
land, da es wohl blos auf Neu-Guinea zu
Hause ist, von da diese Thiere als Zugvögel
nach den Molucken u.a. benachbarten Inseln
streichen. Noch jetzt schneiden die Papus diesen
Thieren, die wegen ihres prachtvollen Gefieders
in Indien als Putz getragen werden, wenn sie
sie zu dieser Absicht verkaufen, die Füsse ab,
die daher die leichtgläubigen Alten den Para-
disvögeln überhaupt abzusprechen wagten, de-
ren Bildung aber schon Magalhaens Gefährte,
Ant. Pigafetta*) beschrieben hat.

1. Apoda. P. brunnea pennis hypochondriis
luteis corpore longioribus, rectricibus dua-
bus intermediis longis setaceis
. *

edwards tab. CX.

[Seite 222]

62. trogon. Curucuru. Rostrum capite bre-
vius, cultratum, aduncum, margine man-
dibularum serratum. Pedes scansorii
.

1. Viridis. T. viridi aureus, subtus luteus,
gula nigra
.

edwards tab. CCCXXXI.

In Guiana.

63. bvcco. (Fr. barbu, Engl. barbet.) Ro-
strum cultratum, lateraliter compressum
apice vtrinque emarginato, incuruato, rictu
infra oculos protenso
.

1. Capensis. B. rufus, fascia humerali fulua,
pectorali nigra
.

bvffon vol. VII. tab. IV.

Hat mit dem vorigen gleiches Vaterland;
und ist daher der Linnéische Trivialname nicht
richtig.

64. cvcvlvs. Rostrum teretiusculum, pedes
scansorii
.

1. †. Canorus. der Kukuk. (Fr. le coucou.
Engl. the cuckow.) C. cauda rotundata ni-
gricante albo-punctata
. *

Frisch tab. XL. u. f.

Ein merkwürdiges Thier, von dem man ehe-
dem viel Unwahres erdichtet hat. Gewiß ist,
daß er seine Eyer nicht selbst bebrütet, wozu
er selbst nach seinem innern Körperbau nicht
geschickt scheint*), sondern sie in die Nester der
Grasmücken und Bachstelzen legt, die sich an
seiner statt diesem Geschäfft unterziehen. Der
[Seite 223] junge Kukuk hat anfangs eine feine Stimme,
fast wie die Grasmücken; im Alter geht er wohl
kleine Vögel an und frißt sie, daher etwa die
Sage von seiner Verwandlung in einem Sper-
ber entstanden seyn mag. Er ist in der nördli-
chen alten Welt zu Hause, scheint aber als Zug-
vogel in Nordafrica zu überwintern.

2. Indicator. der Honigkukuk, Sengo, Mook. C.
cauda cuneiformi fusco- et albido-maculata,
alis fuscis maculis flauis, pedibus nigris
.

jo. fr. miller fasc. IV. tab. XXIV.

Im südlichern Afrika vom Cap Landeinwärts,
hat seinen Namen von der Fertigkeit, mit wel-
cher er wie der Honig-Dachs (s. oben S. 95) seine
liebste Nahrung, die wilden Bienennester, auf-
zusuchen wels. Er thut dies zumal des Mor-
gens und gegen Abend; und die Hottentotten
sowohl als die dortigen Holländer bedienen sich
dieser Gelegenheit, um selbst den wilden Honig
einzusammeln. Sie geben auf den Ruf des
Vogels Acht, beantworten ihn durch Pfeiffen,
und so hält sich dieses Thier immer um sie auf,
flattert vor ihnen her, und leitet sie zum be-
stimmten Orte.

65. oriolvs. Rostrum conicum, conuexum,
acutissimum, rectum: mandibula superiore
paulo longiore, obsolete emarginata. pedes
ambulatorii
.

1. †. Die Golddrossel, Goldamsel, der Kirsch-
vogel, Bülow, Wiedewall, Pyrol, Pfingst-
vogel, Weihrauch, Bieresel. (Fr. le loriot.)
O. luteus, pedibus nigris, rectricibus exte-
rioribus postice flauis
. *

Frisch tab. XXXI.

[Seite 224]

Hin und wieder in der alten Welt. Ein über-
aus schönes Thier, wovon das Männchen gold-
gelb und schwarz, das Weibgen Olivengrün ist.
Macht sich ein künstliches napfförmiges sehr
dauerhaft zwischen zwey Aestgen befestigtes Nest.

2. Persicus. der Jupujaba. O. niger, dorso
postico maculaque tectricum alarum basique
rectricum luteis
. *

brisson vol. II. tab. IX. fig. 1.

In Brasilien etc.

Baut sich, wie mehrere Gattungen dieses Ge-
schlechts die in die wärmsten Erdstriche beider
Welten zu Hause gehören, ein langes Beutel-
förmiges Nest von Schilf und Binsen*), mit
einer engen Oeffnung, das er am Ende eines
Baumzweiges aufhängt, und dadurch seine
Junge für den Ueberfällen der Meerkatzen und
Schlangen sichert.


IX. PASSERES.

Kleine Vögel, mit kurzen schlanken Füssen,
und kegelförmigen scharf zugespitzten Schnabel
von verschiedner Grösse und Bildung. Sie le-
ben in Monogamie, nähren sich von Insecten
und Pflanzen-Saamen, und füttern mehren-
theils ihre Junge aus dem Kropfe. Sie ha-
ben ein zartes schmackhaftes Fleisch, und die
meisten von ihnen singen.

[Seite 225]

66. alavda. Rostrum cylindrico-subulatum,
rectum, mandibulis aequalibus, basi deor-
sum dehiscentibus. Vnguis posticus rectior
digito longior
.

1. †. Aruensis. die Feldlerche, Himmelsler-
che, Bardale. (Fr. l'alouette. Engl. the
field-lark, the sky-lark
.) A. rectricibus
extimis duabus extrorsum longitudinaliter
albis: intermediis inferiori latere ferrugi-
neis
. *

Frisch tab. XV. fig. 1.

Fast in der ganzen alten Welt. Badet sich
wie Hüner und viele andre sogenannte Scharr-
vögel (Aues pulueratrices) im Sand.

2. †. Cristata. die Haubenlerche, Kobellerche
Heidelerche, der Kothmönch. (Fr. le coche-
vis
.) A. rectricibus nigris: extimis duabus
margine exteriori albis, capite cristato
. *

Frisch tab. XV. fig. 2.

In Deutschland und den benachbarten Ländern.

67. stvrnvs. Rostrum subulatum, angulato-
depressum, obtusiusculum: mandibula su-
periore integerrima, marginibus patentius-
culis
.

1. †. Vulgaris. der Staar, die Sprehe. (Fr.
l'etourneau. Engl. the stare, the sterling.)
S. rostro flauescente, corpore nigro punctis
sagittatis albis
. *

Frisch tab. CCXVII.

Meist in der ganzen alten Welt. Ein mun-
tres possirliches, und dabey nutzbares Thier,
[Seite 226] was schädliche Insecten vertilgt, dabey sehr ge-
lehrig ist, und leicht Worte sprechen lernt.

68. tvrdvs. Rostrum tereti-cultratum: man-
dibula superiore apice deflexo, emarginato.
faux ciliata
.

1. †. Visciuorus. die Schnarre, Misteldros-
sel, der Ziemer, Mistler, Brachvogel,
Zaritzer. (Fr. la draine. Engl. the missel
bird, the shrite
.) T. dorso fusco, collo
maculis albis, rostro flauescente
. *

Frisch tab. XXV.

Hin und wieder in der alten Welt. Nährt
sich von Mistelbeeren, die vorzüglich durch ihn
fortgepflanzt werden, wird außerordentlich zahm,
und ist dabey sehr dauerhaft und viele Jahre
zu erhalten.

2. †. Pilaris. der Krametsvogel. (Fr. la litorne,
la tourdelle
. Engl. the field fare.) T. rectri-
cibus nigris: extimis margine interiore
apice albicantibus, capite vropygioque cano
. *

Frisch tab. XXVI.

Im nordlichen Europa, streicht aber ins süd-
liche. Nährt sich vorzüglich von Wachholder-
(Kramets-) Beeren.

3. †. Iliacus. Zipdrossel, Rothdrossel, Zippe.
(Fr. le mauvis. Engl. the redwing). T. alis
subtus ferrugineis, superciliis flauescen-
tibus
. *

Frisch tab. XXVIII.

Im gemäßigtern Europa.

4. †. Musicus. die Sangdrossel, Weindrossel,
Weißdrossel. (Fr. la grive. Engl. the throst-
[Seite 227] le, the song thrush) T. remigibus basi inte-
riore ferrugineis
. *

Frisch tab. XXVII.

Hat ohngefähr gleiches Vaterland mit der
vorigen. Zuweilen findet sich eine weißgraue
Spielart von ihr, dergleichen ich im Waldecki-
schen gesehen habe.

5. Polyglottus. die Amerikanische Nachtigall,
Sinsonte. (Fr. le moqueur. Engl. the mock
bird
) T. fusco-cinereus, subtus albidus,
maculis verticis, alarum et caudae candidis
.

catesby vol. I. tab. XXVII.

In Luisiane, Carolina, auch auf Jamaica etc.
Er ahmt aller andern Vögel Gesang aufs täu-
schendste nach, und ist dabey in unaufhörlicher
Bewegung und Lebhaftigkeit; ollte auch wohl
unser Clima gewohnen, wenigstens hat man ihn
in Spanien mit leichter Mühe im Käficht hal-
ten können.*)

6. †. Merula, die Amsel, Schwarzdrossel.
(Fr. le merle. Engl. the blackbird) T. ater,
rostro palpebrisque flauis
. *

Frisch tab. XXIX.

Im gemäßigtern Europa. Lebt einsam, nährt
sich von Wacholderbeeren, hat ein treues Ge-
dächtnis, und behält, was sie einmal pfeiffen
gelernt hat, Lebenslang.

69. ampelis. Rostrum rectum, conuexum:
mandibula superiore longiore, subincuruata,
vtrinque emarginata
.

[Seite 228]

1. Garrulus. der Seidenschwarz, Pfeffervo-
gel, Sterbevogel, Böhmet. (Fr. le jaseur
de Boheme.
Engl. the bohemian chatterer)
A. occipite cristato: racheos remigum se-
cundariorum apice coccineo complanato
. *

Frisch tab. XXXII.

Im nordlichsten Europa, kommt aber in manchen
Jahren zur Herbstzeit (vermuthlich wenns in
seiner Heimat strenger Winter werden will) häu-
fig nach Deutschland: zumal auch auf den Harz.

70. loxia. Rostrum conico-gibbum; frontis
basi rotundatum. mandibula inferior mar-
gine laterali inflexa
.

1. †. Curuirostris. der Kreuzschnabel, Krumm-
schnabel, Krünitz, Tannenpapagey. (Fr.
le bec croise. Engl. the cross-bill, the sheld-
apple
) L. rostro forticato
. *

Frisch tab. XI. fig. 3. 4.

In den Schwarzwäldern der nordlichern Erde.
Zeigt in Rücksicht seiner schönen Farben, im Ge-
brauch seines Schnabels und überhaupt in seinem
ganzen Betragen, manche Aehnlichkeit mit den
Papagayen. Das Männchen ist roth, wird
aber mir der Zeit, zumal im Käficht, grün wie
das Weibgen. Jenes lernt artig pfeiffen. Dieses
brütet mitten im Winter zu Ende des Jänners
und kalfatert das Nest mit Harz, um es gegen
Nässe und Schnee dauerhaft zu machen.

2. †. Coccothraustes. der Kernbeisser, Kirsch-
fink, Kirschknäpper. (Fr. le gros bec. Engl.
the hawfinch) L. linea alarum alba, remigi-
bus mediis apice rhombeis, rectricibus la-
tere tenuiore baseos nigris
. *

Frisch tab. IV. fig. 2. 3.

[Seite 229]

Hin und wieder in Europa. Vermag mit sei-
nem starken Schnabel Kirschkerne aufzubeissen,
und sich gegen Hunde und Katzen zu wehren.

3. †. Pyrrhula. der Dompfaff, Blutfink, Lie-
big, Gimpel, Rothfink, Gieker. (rubicil-
la
. Fr. le bouvreuil. Engl. the bulfinch) L.
artubus nigris, rectritibus caudae remigum-
que posticarum albis
. *

Frisch tab. II. fig. 1. 2.

In der nordlichern alten Welt. Ein ausneh-
mend vertrauliches zuthuiges Geschöpf, wovon
beide Geschlechter ausser ihrem eigenthümlichen
sanften Ton, auch sehr leicht Lieder pfeiffen,
selbst einander acompagniren, und sogar Worte
aussprechen lernen.

4. Cardinalis. der Indianische Haubenfink,
die Virginische Nachtigall. (Engl. the red
bird
). L. cristata rubra, capistro nigro, ro-
stro pedibusque sanguineis
. *

Frisch tab. IV. fig. 1.

In Nordamerica, ist wegen der Schönheit
seines rothen Gefieders und seines vortreflichen
Gesanges geschätzt.

5. Oryzivora. der Reis-Dieb, Padda. L. fu-
sca, temporibus alois, rostro rubro
. *

edwards tab. XLI. u. f.

In Ostindien, Schina etc. auf den Reisfeldern.

6. †. Chloris. der Grünfink, Grünling,
Grünschwanz, die Zwuntsche. (an-
thus, florus
. Fr. le verdier. Engl. the green-
finch
) L. flauicanti-virens, remigibus pri-
moribus antice luteis, rectricibus lateralibus
quatuor basi luteis
. *

[Seite 230]

Frisch tab. II. fig. 3. 4.

Hin und wieder in Europa.

71. emberiza. Ammer. Rostrum conicum,
mandibulae basi deorsum, a se inuicem di-
scedentes: inferiore lateribus inflexo-coar-
ctata, superiore angustiore
.

1. †. Niualis. die Schneeammer, der Schnee-
vogel. (Fr. l'ortolan de neige. Engl. the
snow bunting
) E. remigibus albis, primo-
ribus extrorsum nigris: rectricibus nigris,
lateralibus tribus albis
. *

Frisch tab. VI. fig. 1. 2.

In der nordlichen Erde. Läßt sich zuweilen
mit einmal in ganz unermeßlichen Zügen sehen:
wie im Febr. 1766 hier um Göttingen herum.

2. †. Miliaria. die graue Ammer. (Fr. le pro-
yer
. Engl. the bunting) E. grisea, subtus
nigro maculata, orbitis rufis
. *

Frisch tab. VI. fig. 4.

Meist durch ganz Europa.

3. †. Hortulana. der Ortolan, Kornfink, die
Fettammer, Windsche Goldammer. E. re-
migibus nigris. primis tribus margine albi-
dis: rectricibus nigris, lateralibus duabus
extrorsum nigris
. *

Frisch tab. V. fig. 3. 4.

In den wärmern Gegenden von Europa und
dem benachbarten Asien.

4. †. Citrinella. die Goldammer, Gelbgans,
der Emmerling. (Fr. le bruant. Engl. the
yellow hammer
) E. rectricibus nigricanti
-
[Seite 231] bus: extimis duabus latere interiore macula
alba acuta
. *

Frisch tab. V. fig. 1. 2.

Meist durch ganz Europa.

5. paradisaea. die Witwe. (Fr. la veuve á col-
lier d'or
) E. fusca, pectore rubro, rectri-
cibus intermediis quatuor elongatis acumi-
natis: duabus longissimis, rostro rubro
. *

edwards tab. LXXXVI.

Auf Angola etc. Ein muntrer Vogel der unser
Clima gut verträgt, und daher häufig heraus
gebracht wird.

72. tanagra. Rostrum conicum, acumina-
tum, emarginatum, basi subtrigonum, apice
decliue.

1. iacapa. (Fr. le cardinal pourpré, le bec d'-
argent
. Engl. the red-breasted blackbird)
T. atra, fronte iugulo pectoreque coccineis
. *

edwards tab. CCLXVII.

In Westindien und dem benachbarten America.

73. fringilla. Fink. Rostrum conicum re-
ctum acuminatum.

1. †. Caelebs. der Buchfink, Gartenfink, Roth-
fink, Waldfink. (Fr. le pincon. Engl. the
chaffinch
) F. artubus nigris, remigibus
vtrinque albis, tribus primis immaculatis:
rectricibus duabus oblique albis
. *

Frisch tab. I. fig. 1. 2.

Der Finken Gesang ist überaus mannichfaltig,
so daß man wol zwanzig verschiedene Gattun-
[Seite 232] gen zählt, die von den Vogelstellern mit eignen
Namen belegt, und verschiedentlich geschätzt
werden. Mehrentheils schlagen die Finken in
jedem Revier von sechs oder mehr Meilen in die
Runde überein, und in benachbarten Gegenden
wieder anders. Oft hat aber auch ein Fink
drey bis viererley Gesang, mit dem er abwechselt.

2. †. Montifringilla. der Bergfink, Tannen-
fink, Rothfink, Mistfink, Rowert, Schnee-
fink, Winterfink, Quäksink, Nikawitz,
Zerscher, Gegler. (Fr. le pincon d'Arden
nes.
Engl. the bramble) F. alarum basi sub
tus flauissima.

Frisch tab. III. fig. 1. 2.

linné fauna suec. tab. II. fig. 198.

Im nordlichen Europa.

3. niualis. der Schneefink. (Fr. la nive-
rolle
) F. fusca, subtus niuea, remigibus se-
condariis tectricibusque albis
. *

brisson vol. III. tab. XV. fig. 1.

Auf dem Caucasus, und in den Europäischen
Alpen. Zumal auf dem St. Gotthard und dem
großen St. Bernhard: wo er in den Clostergän-
gen des Hospitii nistet.

4. †. Carduelis. der Stieglitz, Distelfink. (Fr. le
chardonneret
. Engl. the goldfinch, the thistle-
finch
) F. fronte et gula coccineis, remigi-
bus antrorsum flauis: rectricibus duabus ex-
timis medio, reliquisque apice albis
. *

Frisch. tab. I. fig. 3. 4.

Fast durch ganz Europa und in den benach-
barten Ländern der übrigen alten Welt. Der
schönste hiesige Sangvogel, der Jahr aus Jahr
[Seite 233] ein im Käficht singt, sehr leicht zahm wird, und
selbst zum freyen Aus- und Einfliegen zu gewöh-
nen ist. Giebt mit der Canarien-Sie vorzüg-
lich schöne Bastarden.*)

5. amandaua. der Finke von Bengalen. (Fr.
le Bengali piqueté) F. fusca tufescensque
albo punctata
. *

bvffon vol. IV. tab. II. fig. 1.

In Ostindien. Ein überaus niedlicher kleiner
Vogel, von dem man behauptet**) daß er gelbe
Knochen habe, das ich aber bey denen, die ich
zu untersuchen Gelegenheit gehabt, nicht bestä-
tigt gefunden.

6. Canaria. der Canarienvogel, ehedem Zu-
ckervöglein. (Fr. le serin de Canarie) F. ro-
stro corporeque albo flauescente, rectricibus
remigibusque virescentibus
. *

Frisch tab. XII. fig. 1-4.

Scheint zu Anfang des sechszehnten Jahrhun-
derts aus den Canarischen Inseln zuerst nach
Europa gebracht worden zu seyn; ist aber schon
gegen Ende desselben in Deutschland gemeiner
worden, und seitdem in mancherley Varietäten
ausgeartet. Die Stamm-Raçe scheint die
grünliche zu seyn, die auf den Canarischen In-
seln in kalten gebirgichten Gegenden***) am
Wasser nistet. Unter den übrigen sind vorzüg-
lich die mit der Holle oder Federbüschgen auf dem
Kopfer (sogenannte Kapp-Vögel), und die
Rackerlacken mit rothen Augen zu merken.

[Seite 234]

7. †. Spinus. der Zeisig, Erlenfik. (ligu-
rinus
, acanthis
. Fr. le tarin. Engl. the siskin)
F. remigibus medio luteis: primis quatuor
immculatis, rectricibus basi flauis, apice
nigris
. *

Frisch tab. XI. fig. 1. 2.

Ist ursprünglich wohl im äußersten Norden zu
Hause: und kommt blos zum überwintern ins
gemäßigte Europa: daher auch sein Nest hier zu
Lande so sehr selten gefunden wird*). Ist sehr
gelehrig; lernt Lieder pfeifen und Worte sprechen.

8. †. Cannabina. den Hänfling, Leinfink, die
Artsche. (Fr. la linotte. Engl. the greater
linnet
) F. remigibus primoribus rectricibus-
que nigris, vtroque margine albis
. *

Frisch tab. IX. fig. 1. 2.

In Europa und Nord-America. Die Bastar-
den, die man mit ihm und der Canarien-Sie
erzielt, sind schön gezeichnet, und gegen die
Weise anderer Bastarden zuweilen fruchtbar.

9. †. Linaria. das Citrinchen, Gräslein
Steinschößlein, der Bergzeisig, Meerzei-
sig, Flachsfink, Carminhänfling. (Fr. le
sizerin
. Engl. the lesser linnet) F. remigibus
rectricibusque fuscis, margine obsolete pal-
lido, litura alarum albida
. *

Frisch tab. X. fig. 3. 4.

In der ganzen nordlichen Erde. Hat einen
sanften lieblichen Gesang, und wird sehr zahm.

10. †. Domestica. der Sperling, Spaz, Lüning.
(Fr. le moineau. Engl. the sparrow) F. re-
[Seite 235] migibus rectricibusque fuscis, gula nigra,
temporibus ferrugineis
. *

In ganz Europa und den benachbarten Län-
dern der übrigen alten Welt. Hält sich aber
nicht in Schwarzwäldern auf. Ueberhaupt ist
der Sperling gleichsam ein Hauschier das sich
wie die Maus von selbst nach den Menschen ge-
zogen hat. Er wird ungemein kirre, ist sehr
wollüstig, und brütet viermal im Jahre. Frey-
lich für Gärten und Feld ein schädliches Thier,
was aber doch auch unzähliges Ungeziefer vertilgt.

Zuweilen finden sich ganz weisse Sperlinge.

74. mvscicapa. (Fr. gobe mouche. Engl. fly-
catcher
) Rostrum subtrigonum vtrinque emar-
ginatum, apice incuruo; vibrissae patentes
versus fauces.

1. †. atricapilla. der Fliegenschnäpper. M. nigra,
subtus frontisque macula alarumque speculo
albis, rectricibus lateralibus extus albis
. *

Frisch tab. XXIV. fig. I.

linné fauna suecica. tab. I. fig. 229.

Hin und wieder in Europa.

75. motacilla. Rostrum subulatum rectum:
mandibulis subaequalibus.

1. †. Luscinia. die Nachtigall, Philomele.
(Fr. le rossignol. Engl. the Nightingale)
M. rufo-cinerea, armillis cinereis
. *

Frisch tab. XXI. fig. 1. 2.

Das entzückende Thier ist ein Vorrecht der
kühlern und gemäsigtern Erdstriche der alten
Welt, das im April in unfern Gegenden an-
[Seite 236] kommt, und wovon die Männchen meist vier-
zehn Tage früher als die Weibgen eintreffen.
Diese machen in schattichten Gebüsch ein leichtes
Nest von dürren Eichen-Laub, Bast*) etc. und
legen vier olivengrüne Eyer, brüten aber zu
wiederholten malen. Zu Ende des Augusts zie-
hen sie wieder von uns, man weis noch nicht
gewiß, wohin? wenigstens so viel bekannt nicht
nach Africa. Sie gewohnen übrigens der Ge-
fangenschaft ganz leicht und lassen sich wol zwölf
und mehrere Jahre im Käficht erhalten.

2. †. Curruca. die Grasmücke, der Hecken-
schmatzer, Weidenzeisig. (Fr. la fauvette.
Engl. the hedge sparrow) M. supra fusca,
subtus albida, rectricibus fuscis: extima
margine tenuiore alba
. *

Frisch tab. XXI. fig. 3.

Im gemäsigtern Europa. Das gutmüthige
Thier, was sich so häufig dem Bebrüten und der
Pflege der jungen Kukuke unterzieht, hat einen
artigen leisen Gesang, den es aber fast blos im
Winter, vom ersten Frost an bis ins Frühjahr,
hören läßt.

3. alpina. die Flüe- (d.h. Felsen-) Lerche.
(Fr. la fauvette des alpes) M. griseo-ferru-
ginea, gula alba maculis lunatis fuscis, re-
ctricibus alarum nigricantibus versus apicem
linea punctatis alba
. *

Andreä Br. ans der Schweiz tab. XIII.

[Seite 237]

Dieses von den Ornithologen oft verkannte*)
artige Thier ist in den gebirgichten Gegenden
des Mittlern Europa zu Hause, vorzüglich häu-
fig auf den fetten Alpen-Weiden. Hat einen
angenehmen Gesang und sehr schmackhaftes
Fleisch.

4. †. Ficedula. die Beccafige. M. subfusca,
subtus alba, pectore einereo maculato
. *

Frisch tab. XXII. fig. 3. 4.

Im mildern und wärmern Europa, zumal
auf der Insel Cyprus, von wannen sie wegen
ihres schmackhaften Fleisches in größter Menge
weit verführt wird.

5. †. Alba. das Ackermännchen, die weisse
oder graue Bachstelze. (Fr. la lavandiere.
Engl. the white water-wagtail) M. pectore
nigro, rectricibus duabus lateralibus dimi-
diato-oblique albis
. *

Frisch tab. XXIII. fig. 4.

Meist in der ganzen alten Welt.

6 †. atricapilla. der Klosterwenzel, Mönch.
(Fr. la fauvette á tête noire. Engl. the black-
cap
) M. testacea, subtus cinerea, pileo ob-
scuro
. *

Frisch tab. XXIII. fig. 1.

linné fauna fuecica tab. I. fig. 256.

Im gemäsigtern Europa. Ihr Schlag änelt
der Nachtigal ihrem.

[Seite 238]

7. †. phoenicurus. das Schwarzkehlchen. (Fr.
le rossignol de muraille. Engl. the redstart)
M. gula nigra, abdomine caudaque rufis,
capite dorsoque cano
. *

Frisch tab. XIX. fig. I.

Hat gleiches Vaterland mit der Nachtigal;
kommt und geht auch zu gleicher Zeit mit ihr;
hat auch eine überaus anmuthige Stimme. Zieht
sich nach den Wohnungen, und nistet zuweilen
unter Dächer oder in Mauerlöcher.

8. †. Rubecula. das Rothkehlgen, Rothbrüsi-
gen, der Rothbart. (erithacus. Fr. le rouge-
gorge
. Engl. the red breast) M. grisea, gula
pectoreque ferrugineis
. *

Frisch tab. XIX. fig. 2.

Meist in ganz Europa. Bleibt auch über Win-
ter bey uns. Ist gar nicht scheu sondern kirr
und dreust. Aber beißig so daß nach dem lat.
Sprüchwort nicht zwey Paar in einem Busche
sich vertragen. Tödtet auch leicht andere Vögel.

9. †. Troglodytes. der Zaunkönig, Zaunschlu-
pfer, Schneekönig, Winterkönig, (Engl.
the wren) M. grisea, alis nigro cinereoque
vndulatis
. *

Frisch tab. XXIV. fig. 3.

In der nordlichen Erde. Ein muntrer kleiner
Vogel, der seine Stimme bey Wind und Wetter
und herben Frost dennoch hören laßt, und im
Winter an den Zäunen herum fein Futter sucht
und Raupennester abliest. Macht sich ein war-
mes weiches bedecktes Nest, fast in Gestalt eines
Backofen*), und legt sehr zahlreiche Eyer.

[Seite 239]

10. †. Regulus. das Goldhähnchen. (Fr. le
roitelet
) M. remigibus secundariis exteriori
margine flauis, medio albis, crista verticali
crocea
. *

Frisch tab. XXIV. fig. 4.

In vielen Gegenden beider Welten. Der aller-
kleinste europäische Vogel.

11. Sartoria. der Schneidervogel. M. tota pal-
lide lutea.

pennant's Indian Zoology. tab. VIII.

In Indien. Kleiner als der Zaunkönig. Hat
den Namen von der merkwürdigen Art wie er
sein Nest aus zwey Baumblättern verfertigt, da
er ein dürres Blatt an ein grünes am äußersten
Ende eines Zweigs gleichsam annähet, so daß
beide zusammen eine tutenförmige Hölung bil-
den, die er mit seinen Flaumen ausfüttert.

76. pipra. Manakin. Rostrum capite breuius,
basi subtrigonum integerrimum, apice in-
curuum. Pedes gressorii.

1. rupicola. (Fr. le coq de roche) P. crista ere-
cta margine purpurea, corpore croceo, te-
ctricibus rectricum truncatis.

edwards tab. CCLXIV.

In Guiana etc.

77. parvs. Meise. (Fr. mesange. Engl. tit-
mouse
) Rostrum integerrimum, basi setis
tectum.

Ueberaus muntre lebhafte, und meist sehr
fruchtbare Vögel.

[Seite 240]

1. †. Maior. die Kohlmeise, Brandmeise,
Spiegelmeise, Pickmeise, Finkmeise. (Fr.
la charbonniere. Engl. the great titmouse)
P. capite nigro, temporibus albis, nucha
lutea
. *

Frisch tab. XIII. fig. 1. 2.

Meist durch die ganze alte Welt. Ein muthi-
ges Thier das weit größere Vögel anfällt, andern
kleinen Sangvögeln die Köpfe aufpickt, und auch
wohl schlafenden Kindern nach den Augen hackt*).

2. †. Caeruleus. die Blaumeise, Pimpelmeise,
Jungfernmeise, der Blaumüller. (Fr. la me-
sange bleue
. Engl. the blue titmouse) P. remi-
gibus caerulescentibus: primoribus margine
exteriore albis, fronte alba, vertice cae-
ruleo
. *

Frisch tab. XIV. fig. 1.

Häufig in Europa. Ein schönes und überaus
mutzbares kleines Thier, was Jahr aus Jahr
ein unzählige Insecten und deren Eyer vertilgt.

3. †. Caudatus. die Schwanzmeise, Moor-
meise, Schneemeise, Zagelmeise, der Back-
ofendrescher, Pfannenstiel. (Fr. la mesange
á longue queue
, Engl. the longtailed titmouse)
P. vertice albo, cauda corpore longiore
. *

Frisch tab. XIV. fig. 3.

In Europa und Westindien. Sehr dick be-
fiedert. Legt zwanzig Eyer, und baut sich ein
kunstreiches sackförmiges Nest**) von Moos,
Wolle etc. und bekleidet es, ums zu verbergen,
[Seite 241] von aussen mit den nämlichen Baumkratzen u.a.
Moosen, womit der Baum, an dessen Stamm
sie es angelegt, bewachsen ist.

4. †. Biarmicus. das Bartmännchen, der In-
dianische Sperling. (Fr. le moustache. Engl.
the bearded titmouse.) P. vertice cano, cauda
corpore longiore, capite barbato.

Frisch tab. VIII. fig. 3.

Im nordwestlichen Europa, England etc.

5. Pendulinus. die Beutelmeise, Pendulin-
meise, der Remitz; Cottonvogel. (Fr. la me-
sange de Pologne
.) P. capite subferrugineo,
fascia oculari nigra, remigibus rectricibus-
que fuscis margine vtroque ferrugineo.

buffon vol. III. tab. XXIX. fig. 2.

j. d. titii parus minimus remiz descritus
Lips
. 1755. 4. tab. I. II.

Hin und wieder in Ober-Italien, Polen,
Sibirien etc. Baut sich ein ungemein künstliches
Beutelförmiges Nest von Pappelwolle etc. das
sie fast wie der Jupujuba das seinige, an einem
dünnen Aste aufhängt.

78. hirvndo. Schwalbe. Rostrum minimum
incuruum, subulatum, basi depressum.

Die Schwalben zeichnen sich außer ihrer Bil-
dung auch durch ihre zwitschernde Stimme und
durch ihre Lebensart gar sehr von den übrigen
Thieren dieser Ordnung aus. Sie gehen fast
nie, sondern verrichten ihr Geschäfte meist flie-
gend oder sitzend. Haben einen weiten Rachen,
und wissen damit sehr geschickt die Insecten aus
der Luft oder überm Wasser im Flug wegzu-
[Seite 242] schnappen. Die bekannte Streitfrage über den
Winteraufenthalt unsrer hieländischen Schwal-
ben, zumal der beiden ersten Gattungen, ist
nach allem was darüber geschrieben worden,
doch noch nicht vollkommen ins reine. Schade
daß bey den für die eine*) oder für die an-
dre**) Behauptung angeführten Erfahrungen,
die Gattungen an welchen sie gemacht worden,
nicht bestimmt genug angegeben sind. In dubio
scheint doch aber immer das wegziehen dersel-
ben nach wärmern Gegenden bey weiten die
mehreste Wahrscheinlichkeit für sich zu haben.

1. †. Domestica. die Rauchschwalbe, Feuer-
schwalbe. (hirundo rustica LINN. Fr. l'hi-
rondelle de cheminée.
Engl. the house-swal-
low
, the chimney-swailow.) H. rectrici-
bus, exceptis duabus intermediis, macula
alba notatis
. *

Frisch tab. XVIII. fig. 1.

In der ganzen nordlichen Erde. Die Benen-
nungen dieser und der folgenden Gattung sind
bey den Systematikern aufs seltsamste vermengt
und verwechselt worden. Hier diese mit den
nackten unbefiederten Füssen und weißgefleckten
Schwanzfedern heist füglich die Stadtschwalbe,
da sie öfter als die folgende in den Städten sich
[Seite 243] findet. Sie baut ihr offenes Nest an die Dach-
giebel, Ställe, Scheuern, und auf den Dör-
fern in den Hausären und unter die Rauchfange.

2. †. Agrestis. die Hausschwalbe, Fenster-
schwalbe, Mehlschwalbe, Spyrschwalbe.
(hirundo vrbica linn. Fr. l'hirondelle de
muraille, le martinet à cul blanc.
Engl. the
martin
.) H. pedibus hirsutis. rectricibus
immaculatis, dorso nigro caerulescente, tota
subtus alba
. *

Frisch tab. XVII. fig. 2.

Hat nebst der folgenden meist gleiches Va-
terland mit der vorigen. Nistet meist auf den
Dörfern außerhalb der Häuser unterm Dache,
an den Kirchfenstern etc. Das Nest ist wie ein
Backofen oben zugewölbt und die Leim-Klümp-
gen woraus es besteht, sind ziemlich regelmäßig
fast wie Quaterstücken über einander gelegt.

3. †. Riparia. die Uferschwalbe, Erdschwalbe.
(Fr. l'hirondelle de ripage. Engl. the sand
martin
, the shore bird.) H. cinerea, gula
abdomineque albis
. *

Frisch tab. XVIII. fig. 2.

Baut in Fluß-Ufern, Leimgruben, Sand-
hügeln etc.

4. Esculenta. die Salangane. H. rectricibus
omnibus macula alba notatis.

Von der Größe eines Zaunkönigs. Findet sich
auf den Sundaischen u.a. Inseln des Indischen
Archipelagus bis Neu-Guinea etc. Baut da in
Uferlöcher und Berghölen die berufnen
Indianischen- oder Tunkinsnester, deren Stoff
der Hausenblase änelt, aber noch weiter nicht
[Seite 244] genau bekannt ist. Man sammlet jährlich wohl
vier Millionen dieser Nestgen, die größtentheils
nach Schina verkauft werden.

5. †. Apus. die Mauerschwalbe, Steinschwal-
be, Thurmschwalbe. (Fr. le martinet. Engl.
the black, martin, the swift) H. nigricans,
gula alba, digitis omnibus quatuor anticis
. *

Frisch tab. XVII. fig. 1.

In allen drey Welttheilen der nordlichen Erde,
fliegt meist nur früh und Abends aus. Nistet
gern in Thürmen, auf Kornböden etc.

79. caprimvlgvs. Rostrum modice incur-
vum, minimum, subulatum, basi depres-
sum, vibrissae ciliares. Rictus amplissimus,
vnguis intermedius introrsum ciliatus.

1. †. Europaeus. die Nachtschwalbe, Hexe,
der Ziegenmelker, Ziegensauger, Nacht-
rabe, Tagschläfer. (nycticorax. Fr. l'en-
goulevent
. Engl. the goatsucker) C. narium
tubis obsoletis.

Frisch tab. CI.

In der alten Welt. Ein schön marmorirtes
Thier, was seinen Geschäften blos des Nachts
nachgeht, und im Flug beständig schnurrt.
Es lebt von Nachtfaltern etc. und die alte Sage
daß es den Ziegen die Milch aussauge, ist un-
gegründet.


Sechster Abschnitt.
Von den Amphibien
.

[Seite 245]

§. 81.

Die Säugethiere und die Vögel unterscheiden
sich beides durch die Wärme ihres Bluts (§. 25
und 40.) und durch die Menge desselben von den
Amphibien und Fischen, als welche letztre beide
meist nur einerley Temperatur mit dem Medium
halten in welchen sie sich befinden, und dann
auch bey weitem weniger Blut als jene warmblü-
tigen Thiere haben.

§. 82.

Die Amphibien aber äneln doch darin noch
den warmblütigen Thieren, und zeichnen sich hin-
gegen von den Fischen vorzüglich dadurch aus,
daß sie wie jene auch noch durch Lungen Luft
schöpfen; obgleich dieselben von weit lockerer Tex-
tur, und auch ihre Athemzüge weit unbestimm-
ter und so zu sagen unordentliches sind als bey
den beiden Classen mit warmen Blute. Auch
können sie das Athemholen weit langer entbehren
als diese, weit langer im sogenannten luftleeren
Raume, oder auch in eingesperrter Luft (wie z.B.
[Seite 246] Kröten in einer engen Hole mitten in Baum-
stämmen oder Steinblöcken) und selbst geraume
Zeit in einer Atmosphäre von fixer und phlogi-
stisirter Luft aushalten, lind auffallende Extreme
von Hitze und von Kälte ausdauern, so daß man
z.B. ungezweifelte Beyspiele von Wasser-
molchen und Fröschen hat, die sowohl im
Magen und Darmcanal vom Menschen gelebt
haben, als auch dem Leben ohnbeschadet in
dichte Eisschollen eingefroren sind.

§. 83.

Und eben weil die Amphibien mit Lungen
versehen sind, so sind sie auch noch fähig Stimme
von sich zu geben: doch scheinen einige (wie z.
B. unter den hieländischen der wahre Salaman-
der, die grüne Eidechse, die Blindschleiche etc.)
gänzlich stumm zu seyn.

§. 84.

In Rücksicht der Bildung überhaupt herrscht
vorzüglich die doppelte Verschiedenheit unter den
Amphibien, daß sie entweder, wie die Schildkrö-
ten, Frösche, Eidexen etc. mit vier Füßen verse-
hen sind; oder aber, als Schlangen einen lang-
gestreckten, dünnen cylindrischen Körper ohne
olle äußere Bewegungswerkzeuge haben.

§. 85.

[Seite 247]

Die äußern Bedeckungen sind bey den Am-
phibien mannichfaltiger als bey den warmblütigen
Thieren. Einige sind mit einer knochichten Schaale
überzogen: andre mit hornartigen Reifen oder
mit zahlreichen kleinen Schildgen oder mit Schup-
pen bedeckt: und noch andre haben eine nackte
nur mir Schleim überzogne Haut. Die mehre-
sten häuten sich von Zeit zu Zeit. Manche, wie
z.B. der Laubfrosch und verschiedne Eidexen,
besonders der Chamäleon, ändern auch zuweilen
plötzlich ihre Farbe. Ueberhaupt aber giebt es
in dieser Classe, gegen das selbst von Linné au-
torisirte Vorurtheil, doch Thiere von den rei-
zendsten Farben so wie vom muntersten und un-
schuldigsten Betragen. Zumal unter den Ei-
dexen und unter den Schlangen.

§. 86.

Den mehresten Amphibien ist, wie schon die
Benennung der ganzen Classe andeutet, Wasser
und Land zum gemeinschaftlichen Aufenthalt ange-
wiesen. Die mehresten gehen willkürlich in bei-
den Elementen ihren Geschäften und ihrer Nah-
rung nach. Manche bringen hingegen entweder
eine bestimmte Periode ihres Lebens, oder ge-
misse Jahrszeiten blos in einem von beiden zu:
Endlich sind aber auch manche entweder blos
fürs Land oder blos fürs Wasser, und nicht für
beides zugleich bestimmt.

[Seite 248]

Von den Landthieren dieser Classe leben viele
in dumpfen feuchten Dickicht; andere aber auch
in anmuthigen der Sonnenwärme ausgesetzten
Gegenden: manche gar aus Bäumen etc.

§. 87.

Manche Amphibien, zumal unter den Schild-
kröten und Schlangen, leben von sehr gemischter
Nahrung: andre hingegen wie der Laubfrosch,
Chamäleon etc. sind sehr eigen in der Wahl ihrer
Speisen, gehen z.B. blos lebende Insecten von
einigen wenigen bestimmten Gattungen an.
Großentheils können sie zum Wunder lange fasten:
ich selbst habe z.B. Salamander aus acht Mo-
nate lang ohne Speise und selbst ohne daß sie da-
bey beträchtlich abgezehrt wären, erhalten: und
von Schildkröten weis man, daß sie gegen an-
derthalb Jahre ohne alle Nahrung ausdauren
können.

§. 88.

Ueberhaupt scheint die Nutrition der Am-
phibien eingeschränkter als bey den warmblütigen
Thieren. Ich habe z.B. es nie dahin bringen
können sie so wie die Säugethiere und Vögel mit
Färberröthe zu füttern, daß die Knochen davon
gefärbt worden wären.

§. 89.

Um desto auffallender ist hingegen bey vielen
die ausnehmende Leichtigkeit und Stärke ihrer
[Seite 249] Reproductionskraft (§. 15.), ein Vorzug, der,
wo ich nicht irre, in der abgedachten Stärke ih-
rer Nerven und hingegen respectiven Kleinheit ih-
res Gehirns (§. 28.) zu suchen ist; da folglich
die erstern von letzterem minder abhängig sind; und
überhaupt die ganze Maschine zwar schwächre
Mobilität, weniger consensus zeigt, das ganze
Leben der Amphibien einfacher, und mehr blos
vegetativ scheint als bey den warmblütigen Thie-
ren, – aber dagegen die Glieder mehr mit eigen-
thümlicher independenter Lebenskraft versehen sind.
Und da folglich bey dieser mehr eigenthümlichen
Lebenskraft der einzeln Theile, nicht gleich jeder
Stimulus, der auf einen Theil, oder auf ein
System würkt, sogleich wie bey den warmblüti-
gen Thieren andere in Consensus zieht, so erklärt
sich auch wohl überhaupt daher ihr zähes Leben,
so daß Frösche, denen das Herz ausgerissen wor-
den, doch noch umherhüpfen, und Schildkrö-
ten, denen das Gehirn aus dem Kopfe genom-
men worden, noch Monatelang leben können:
daher auch wohl die anhaltende Beweglichkeit
der den Amphibien abgeschnittnen Theile, wie
z.B. der Schwänze von Wassermolchen, Blind-
schleichen etc.*)

§. 90.

[Seite 250]

Zu Waffen und Vertheidigungsmitteln
dient manchen Amphibien zumal unter den
Schlangen ihr Gift; dem Salamander, der
Feuerkröte etc. ihr milchichter Hautschaum den
sie im Nothfall von sich geben; vielen auch
wohl der specifike Geruch den sie verbreiten; so
zumal manche Schlangen, Kröten, Wasserei-
dexen, Crocodille etc.

§. 91.

Die äußern Sinne scheinen bey den meh-
resten Amphibien von keiner sonderlichen Schärfe
zu seyn.

Unter den innern zeichnet sich doch bey vie-
len das Gedächtnis aus, da man Beyspiele
selbst von Crocodillen und Kröten hat die ihre
Wohlthäter kennen gelernt und kirre worden,
und vollends viele Schlangen bekanntlich sich
zu allerhand kunstreichen Gaukeleyen abrichten
lassen.

Hingegen ist, meines Wissens, kein einzi-
ges Thier dieser Classe mit irgend einem wahren
Kunsttriebe (§. 36.) versehen.

§. 92.

Auch scheinen die Amphibien, etwa einige
Gattungen von Schildkröten ausgenommen,
keinen täglichen Erholungsschlaf zu halten.

[Seite 251]

Dagegen aber wohl alle ohne Ausnahme
die kältern Wintermonate in Erstarrung zu-
bringen. Und zwar theils einzeln, theils wie
unser hieländische Frösche und Salamander in
großen Haufen. Doch können auch diese gar
leicht des Winterschlafs entbehren und Jahr aus
Jahr ein wachend im Zimmer erhalten werden.

§. 93.

Das Fortpflanzungsgeschäfte der Amphi-
bien hat ungemein viel sonderbares. Der Paa-
rungstrieb ist bey vielen so heftig daß man z.B.
Frösche gesehen hat, die in Ermangelung eines Weib-
gens andre männliche Frösche oder Kröten oder
gar todte Weibgen besprungen haben. Bey den
mehresten Fröschen und See-Schildkröten dauert
die Paarung mehrere Tage, ja Wochenlang. Die
Vipern schlängeln sich in der Paarung mit dem
Hinterleibe aufs innigste umeinander, und zün-
geln dabey mit gebognem Halse auf einander
los. Die Wassermolche hingegen umarmen ein-
ander gar nicht, sondern das Männchen schwimmt
zur Brunstzeit blos um sein Weibgen herum und
bespritzt die Eyergen so wie sie dieselben von sich
giebt, von der Ferne.

§. 94.

Die Amphibien sind meines Wissens sämt-
lich Eyerlegende Thiere. Aber freylich geben
[Seite 252] manche, zumal unter den Schlangen, auch der
Salamander etc. die Eyer nicht eher von sich als
bis das darin befindliche Junge schon meist seine
völlige Ausbildung erhalten hat. Die Pipa
heckt ihre Junge auf dem Rücken aus.

Anm. 1. Ein Salamander den ich wenigstens vom
Ende des Sommers an ganzer vier Monate lang
völlig isolirt in einem Glase gehalten, hat Hier-
auf um Neujahr herum ganz unerwartet binnen
wenigen Tagen 34 Junge geheckt, so daß folglich
hier eine ehemalige Befruchtung, auf eine noch
weit längere Zeit hinaus als bey den Hünern,
ihre Wurksamkeit erhalten muß.

Anm. 2. In der ganzen Classe der Amphibien ist mit
zwar kein ganz zuverläßiges Beyspiel von Bastard-
zeugung bekannt: fast wäre ich aber geneigt
einige Spielarten von Wassermolchen dafür zu
halten die ich in der hiesigen Nachbarschaft in einem
stehenden Wasser gefunden, worin lacerta lacustris
und palustris untereinander lebten, und die an
Größe und Bildung das völlige Mittel zwischen
diesen, beiden Gattungen zu halten scheinen.

§. 95.

Die Frösche und Eidexen die im Wasser
jung werden, kommen nicht gleich in ihrer voll-
kommnen Gestalt zur Welt, sondern müssen
sich zuerst noch einer Art von Metamorphose
unterziehen ehe sie die Ausbildung und den völ-
ligen Gebrauch aller ihrer Gliedmaßen erlangen.
Die kleinen Frösche z.B. (die sogenannten
Kaulquappen, gyrini) haben anfangs noch
keine Füße sondern dafür einen langen Ruder-
[Seite 253] schwanz; auch, so wie die neugebohrnen Sala-
mander eine Art von Fischkiefern (branchiae
oder Swammerdams appendices fimbriatae)
hinter den Ohren; ferner zum Theil eine kleine
Saugeröhre an der Unterlefze u. dergl. m.
lauter Theile die nur für das ganz zarte junge
Thier bestimmt sind und mit der zunehmenden
Reise desselben allgemach schwinden.

§. 96.

Die Amphibien haben ein langsames
Wachsthum; so daß z.B. unsere hieländischen
Frösche meist erst im vierten Jahre mannbar
werden: und doch erreichen diese nur ein, nach
Verhältnis dieser späten Pubertät nicht be-
trächtliches Alter von 12-16 Jahren. Hin-
gegen weis man daß Schildkröten selbst in der
Gefangenschaft über 125 Jahre gelebt haben, so
daß hiernach zu schließen, die Crocodille, und
großen Schlangen etc. zu einem noch ungleich hö-
hern Alter müssen gelangen können.

§. 97.

Die Benutzung der Amphibien fürs Men-
schengeschlecht ist ziemlich einfach; aber für manche
Gegenden theils äußerst beträchtlich. Zumal
der Genuß der Schildkröten und ihrer Eyer,
so wie auch verschiedener Frösche und Eidexen etc.
[Seite 254] – Schildpatt zu Kunstarbeiten etc. – bunte
Schlangen bey den Nordamericanischen Wilden
als Putz; – Eidexen, Vipern etc. zur Arzney.

§. 98.

Schädlich werden manche ungeheuere Thiere
dieser Classe, die Crocodille, Wasserschlangen etc.
durch ihre Größe, und andere zumahl unter
den Schlangen durch ihr Gift, das in keiner
andern Thierclasse von einer so gefahrvollen Hef-
tigkeit ist.

§. 99.

Linné machte vier Ordnungen in dieser
Classe: da er außer den beiden nächstfolgenden
auch noch drittens die sogenannten knorplichten
Fische hieher rechnete und sie nantes nannte;
und viertens ein eidexenartiges Wasserthier aus
Südcarolina (Siren lacertina) in eine eigne Ord-
nung mit dem Namen meantes aufnahm. Offen-
bar aber gehören jene nantes zu den übrigen Fi-
schen, und die vermeynte Siren ist wohl nichts
mehr und nichts weniger als ein noch unvoll-
kommnes Geschöpf aus dem Eidexengeschlechte,
das nur seine Verwandlung (§. 95.) noch nicht
überstanden hat.

Es bleiben uns also blos

I. Reptiles. Die Amphibien mit vier Füßen.
(Die quadrupeda ouipara der ältern Na-
[Seite 255] turforscher) – Schildkröten, Frösche, Ei-
deren, und

II. Serpentes. Die Schlangen, ohne alle
äußere Bewegungswerkzeuge (§. 84.)

* * *

Einige wenige Quellen zur N. G. dieser
ganzen Classe:

  1. alb. seba rerum naturalium thesaurus. Amst. 1734. – 65.
    IV. vol. Fol. imper. (– hierher gehören blos die
    beiden ersten Bände –)
  2. john. nic. lavrenti synopsis reptilium emendata Vindob.
    1768. 8.

I. REPTILES.

[Seite 256]

Alle Thiere dieser Ordnung sind (wenigstens
wenn sie ihre vollkommne Gestalt erlangt haben,)
mit vier Füßen versehn, die nach dem ver-
schiednen Aufenthalt dieser Thiere entweder
freye, (pedes digitati) oder durch eine
Schwimmhaut verbundene, (p. palmati) oder
gar wie in eine Flosse verwachsene Zehen (p.
pinnati
) haben.

1. testvdo. Schildkröte.*) (Fr. tortue.
(Engl. tortoise. die See-Schildkröten aber
turtle) Corpus testa obtectum, cauda (pleris-
que
) brevis, os mandibulis nudis edentulis.

Die mehresten Schildkröten sind mit einer
breiten knochichten sehr festen Schaale bedeckt,
deren Obertheil mit dem Rückgraat und den
Rippen des Thiers verwachsen, und mit den
breiten hornichten Schuppen belegt ist, die bey
manchen Gattungen so stark und schönfarbicht
sind, daß sie zu Kunstsachen verarbeitet werden.
Gewöhnlich liegen 13 dergleichen Schuppen in
der Mitte, und 24 um den Rand herum. Der
Untertheil oder das Bauchschild ist etwas kleiner
als das obere, und mit Ausschnitten für Kopf,
Schwanz und Füße versehen.

[Seite 257]

1. Membranacea. T. pedibus palmatis vngui-
culis tribus, testa dorsali membranacea ouata
grisea striata
. *

Schneider l. c. tab. I.

Ein artiges kleines Thier, was ich aus Gui-
ana erhalten habe, und von den mir sonst bekann-
ten*) weichschaalichten Schildkröten verschie-
den ist.

2. Imbricata. die Carette. (Engl. the hawks-
bill turtle
) T. pedibus pinniformibus, testa
cordata subcarinata, margine serrato: scu-
tellis imbricatis latiusculis, cauda squamata
. *

catesby vol. II. tab. XXXIX.

In beiden Indien; zumal häufig an den An-
tillen. Giebt das beßte Schildpatt.

3. Mydas. Die grüne oder Riesen-Schild-
kröte, (viridis schneid. Fr. la tortue franche.
Engl. the green turtle) T. pedibus pinnifor-
mibus, vnguibus palmarum binis, planta-
rum solitariis, testa ouata
. *

catesby l. c. tab. XXXVIII.

Die größte und stärkste Schildkröte, die nach
Leguats Versicherung wohl fünf Centner an Ge-
wicht hält**), und mit Lasten von sechs und
und mehrern Centnern, die man ihr auf den
flachen Rücken legt, fortkriecht. Sie hat ihren
[Seite 258] gewöhnlichen Namen von ihrer schwärzlich grü-
nen Schaale und der auffallend hoch-grünen
Farbe ihres schmackhaften und heilsamen Fettes;
hält sich in der See auf, kommt aber zumal in
Junius etc. häufigst auf unbewohnte Inseln wie
z.B. in Westindien, im stillen Ocean etc. (die
theils davon ihren Namen erhalten haben) um
ihre Eyer zu legen, deren Anzahl sich auf meh-
rere hunderte erstreckt, und die nebst dem Fleisch
der Thiere selbst, das an Geschmack dem Kalb-
fleische äneln soll, für die Wilden und für die
Seefahrenden von größter Wichtigkeit ist.

4. †. Orbicularis. die gemeine Flußschildkröte
(europaea schneid.) T. pedibus palmatis,
testa orbiculata planiuscula
. *

Im gemäßigtern Europa.

5. Carolina. (Engl. the turapin) T. pedibus
digitatis, testa gibba, cauda nulla
. *

edwards tab. CCV.

Diese Landschildkröte ist in Carolina etc. zu
Hause. Ueberhaupt leben die Landschildkröten
gesellig, und manche Gattungen derselben (wie
z.B. die auf Ile de France) halten sich des
Nachts in ganzen Schaaren beysammen, so daß
der Boden wie mit ihnen gepflastert scheint und
man wohl hundert Schritt weit auf ihnen herum-
gehen kan, ohne daß man braucht den Fus am
die Erde zu setzen.

6. Geometrica. T. pedibus posticis palmatis,
testae scutellis eleuatis truncatis
. *

In Ostindien. Ohngefähr von der Größe ei-
ner stachen Hand: hat wegen seines regelmäßi-
gen schwarz und gelb gezeichneten hochgewölbten
Rückenschilds, ein artiges Ansehn.

[Seite 259]

2. rana. Frosch (Fr. grenouille. Engl. frog)
und Kröte (Fr. crapaud. Engl. toad) Cor-
pus nudum pedibus quatuor, posticis lon-
gioribus.

Die Thiere dieses Geschlechts haben einen kür-
zern Körper und breitern dicken Kopf als die Ei-
deren. Eine einzige Gattung ausgenommen,
sind die übrigen ungeschwänzt. Die mehresten
haben an den Vorderfüßen freye Zehen, hinten
aber Schwimmfüße.*)

1. Pipal. die Pipa. Tedo. R. corpore plano,
rostro spathiformi, digitis anticis muticis
quadridentatis, posticis vnguiculatis
. *

seba vol. I. tab. LXXVII.

Die Pipa ist in den Gewässern von Guiana
zu Hause, und wird durch die überaus sonder-
bare und ganz anomalische Weise, mit der die
Mutter ihre Junge ausheckt, merkwürdig.
Das Männchen streicht nemlich den Laich, den
das Weibchen vorher auf die gewöhnliche Weise
von sich gegeben, demselben auf den Rücken,
wälzt sich nachher selbst noch rücklings drüber
her, druckt dadurch die Eyergen in besondere
Grübgen die in der Haut des Weibgens befind-
lich sind, fest; und befruchtet sie hierauf mit sei-
nem Saamen. Diese Eyergen verwachsen nach-
her gleichsam mit der Haut der Mutter, bis
nach Verlauf von beynahe drey Monaten die
darin befindliche Junge zum Ausbruch reif sind,
[Seite 260] und nach einer kurzen Verwandlung den Rücken
ihrer Mutter verlassen können. Denn daß die
jungen Pipas allerdings auch so wie die hielän-
dischen jungen Fröschen eine Verwandlung über-
stehen, wird, gegen die gemeine Meynung, aus
einer vollständigen Suite von sechs Exemplaren
dieser Thiere im akademischen Museum erweis-
lich, wo beym einen die noch geschloßnen Eyer-
beym andern die hervorbrechende geschwänzte
Junge, beym dritten völlig ausgebildete unge-
schwänzte Junge u.s.w. zu sehen sind.

2. Cornuta. R. palpebris conicis.

seba vol. I. tab. LXXII. fig. 1. 2.

In Virginien; hat wegen seiner großen stieren
Augen, und der ungeheuren tutenförmigen obern
Augenlider ein abentheuerliches Ansehn.

3. ocellata. (Engl. the bull-frog) R. auribus
ocellatis, pedibus muticis
. *

catesby Vol. II. tab. LXXII.

In Nord-America. Fast von der Größe ei-
nes Caninchen. Hat den englischen Namen von
seiner starken brüllenden Stimme.

4. Paradoxa. (Rana piscis quorundam) R.
caudata, femoribus postice oblique striatis
. *

seba vol. I. tab. LXXVIII.

Im südlichen America*). zeichnet sich durch
einen starken fleischichten auf den Seiten platt-
gedruckten Schwanz von den übrigen Gattun-
gen dieses Geschlechts aus. Dieses Thier er-
reicht, gegen die Weise anderer Frösche, bevor
[Seite 261] es noch völlig ausgebildet worden, doch eine
fast Spannenlange Größe, häutet sich während
der Zeit verschiedentlich, und hat in diesem Zu-
stand zu einer alten Sage von Fröschen, die sich
in Fische verwandelten, Anlaß gegeben. Wenn
es aber auch gleich seine Metamorphose über-
standen hat, und die Füße groß gewachsen und
völlig ausgebildet sind, bleibt es dennoch ge-
schwänzt, wie ich ebenfalls aus einer ganzen
Reihe dieser Thiere in ihrer stufenweisen Ver-
wandlung im akademischen Museum, vor mir
sehe.

5. †. Bufo. die Kröte, Ueze, Quadüze, Padde,
der Lork. R. corpore ventricoso verrucoso
lurido fuscoque
. *

Rösel tab. XX. XXI.

Ist wohl durch ihr düsteres widerliches An-
sehn, durch ihre lichtscheue Lebensart, dumpfi-
gen Aufenthalt, und den knoblauchartigen Ge-
ruch den sie verbreitet wenn sie gereizt wird, in
den unschuldigen Verdacht des Gifts gekommen.
Denn daß die Kröten wirklich Gift besäßen,
scheint doch eben so irrig als die vorgegebene
Antipathie zwischen diesen Thieren und den
Spinnen. Hingegen ist es unläugbar, daß man
verschiedentlich lebendige Kröten mitten in durch-
sägten Baumstämmen, oder in Steinblöcken etc.
angetroffen hat.*)

[Seite 262]

6. †. Bombina. die Feuerkröte. R. corpore ver
rucoso, abdomine aurantio – caesio maculato,
pupilla triquetra
. *

Rösel tab. XXII.

Eine muntre kleine Kröte, die am Bauche
schön blau und gelb gefleckt ist, fast wie ein
Frosch hüpft, und einen lauten Ton von sich
giebt, der einem Gelächer änelt.

7. †. portentosa. die Haus-Unke. (Bufo cala-
mita
lavrent.) R. verrucosa, linea dorsali
flaua, lateralibus rufescentibus
. *

Rösel tab. XXIV.

In feuchten Kellern, Ufer-Holen etc. Kommt
selten zum Vorschein; giebt aber einen eignen
dumpfigen Laut von sich, der allerhand aber-
gläubische Sagen veranlaßt hat.

8. †. Temporaria. der braune Grasfrosch,
Pogge. R. dorso planiusculo subangulato. *

Röfel tab. I–VIII.

Im Gras und Gebüsch etc. von da die Junge
nach warmen Sommer-Regen haufenweis her-
vorkriechen, da dann ihre plötzliche Erscheinung
wol zu der alten Sage von Froschregen Anlaß
gegeben haben mag. Sie vermehren sich unge-
mein stark, so daß sie Landplage werden können,
und die Abderiten einst zu Cassanders Zeiten
wirklich ihrenthalb emigrirten. Sie sind für
die Gärten nutzbare Geschöpfe, da sie viele
Schnecken, aber auch giftartige Insecten, und
z.B. Spanische Fliegen verzehren, und darum
unsicher zu essen sind.

[Seite 263]

9. †. Esculenta. der grüne Wasserfrosch, Rö-
ling, Marxgöker. R. corpore angulato, dorso
transuerse gibbo, abdomine marginato
. *

Rösel tab. XIII–XVI.

In Teichen und Sümpfen. Die Männchen
quaken laut, zumal des Abends bey schönem
Wetter, und treiben dabey zwey große Blasen
aus den Maulwinkeln auf. Sie sind schlau und
muthig, verzehren Mäuse, Sperlinge, und
selbst junge Enten, Forellen etc. und können so-
gar über große Hechte Herr werden*): sind
aber ohne Gefahr zu essen. Zur Begattungs-
zeit bekommen die Männchen dieser und der vo-
rigen Gattung schwarze warzichte Knollen an
den Daumen der Vorderfüße, womit sie sich
äußerst fest um ihrer Weibgen Brust klammern
können.

10. †. Arborea. der Laubfrosch. (Calamites.
Fr. la raine, la grenouille de St. Martin, le
graisset.
) S. corpore laeui, subtus granu-
lato, pedibus fissis, apicibus digitorum len-
ticulatis
. *

Rösel tab. IX ad XII.

Ein anmuthiges Thier, was fast in ganz Eu-
ropa (doch nicht in England, aber desto häufi-
ger in Italien), auch in America etc. zu Hause
ist. Der klebrichte Schleim womit es wie die
Schnecken überzogen ist, dient ihm bey seinem
Aufenthalt am Laub der Baume, zum anhän-
gen. Die Männchen, die an ihrer braunen
Kehle kenntlich sind, haben eine laute Stimme,
die sie, wenn es regnen will, besonders aber
zur Paarungszeit von sich geben. Sie blasen
[Seite 264] dabey die Kehle zu einer großen Kugel, fast so
groß als ihr ganzer Leib, auf.

3. draco. Corpus tetrapodum caudatum,
alatum.

1. Volans. die fliegende Eidexe, D. brachiis ab
ala distinctis
. *

seba vol. II. tab. LXXXVI. fig. 3.

In Ostindien und Africa. Die sogenannten
Flügel, die sie zu beiden Seiten des Leibes hat,
dient ihr wohl einen Sprung zu wagen, aber
nicht zu einem ordentlichen Flug. Im übrigen
Körperbau änelt sie der der gemeinen grünen Ei-
dexe.

4. lacerta. Eidexe. Corpus elongatum, pe-
dibus quatuor aequalibus.

1. Crocodilus. der Nil-Crocodil. L. capite
cataphracto, nucha carinata, cauda superne
cristis binis lateralibus horrida
. *

gesner quadruped. ouiparis. pag. 8.

Der Crocodil ist das größte Thier der süßen
Wasser, was wol eine Länge von fünfzig*) Fuß
erreicht, und hauptsächlich im Nil zu Hause ist.
Er tödtet Menschen und größere Thiere, und
verschluckt zugleich, (wie manche Vögel, §. 65.)
Kieselsteine, um die Verdauung zu befördern.
Jung gefangene Crocodile lassen sich doch zäh-
men und abrichten. Herodotus beschreibt schon
solche zahme von Priestern gepflegte und gehei-
ligte Crocodile, dergleichen Strabo selbst einen
zu Arsinoë, und in neuem Zeiten der Oxforder
[Seite 265] Lehrer J. Greaves einen zu Cairo gesehen hat.
Der letztere schlief unter seines Herren Bett, kam zu
demselben wenn ihn hungerte u.s.w. Das Weib-
gen liegt bey der Begattung auf dem Rücken,
legt hernach auf 100 Eyer, und verscharrt sie
in den Sand. Sie haben kaum die Größe eines
Gänseeyes, und werden großentheils vom Ichneu-
mon (Viuerra ichn.) aufgesucht und ausgesof-
fen. Der Crocodil hat eine brüllende Stimme,
und der Tabac soll ihm tödtlich seyn.*)

3. Alligator. der Kaiman, Americanische Cro-
codil. L. capite imbricato plano, nucha
nuda, cauda superne lineis binis lateralibus
aspera
. *

catesby vol. II. tab. LXIII.

Im mittlern America. Linné u.a. gaben ihn
für eine Spielart des Nil-Crocodils aus, von
dem er sich aber außer seiner weit kleinern Sta-
tur, schon durch die Bildung seines Körpers
und Schwanzes auszeichnet, die beide nicht mit
so scharf hervorstehenden starken Schildern, wie
bey jenem Thier, sondern mit weit flächern Er-
habenheiten besetzt sind. Dieser ganz specifike
Unterschied fällt zumal bey den Exemplaren bei-
der Thiere, die im akademischen Museum von
gleicher Größe befindlich sind, sehr sichtlich in
die Augen. Auch ist der Kaiman schüchtern,
furchtsam**), und überhaupt in seinem Natu-
rell und Lebensart vom Nil-Crocodil sehr ver-
schieden: legt nur etwa dreissig Eyer etc.

[Seite 266]

3. Monitor. (Fr. la sauve-garde) L. cauda
carinata, corpore mutico maculis ocel-
latis
. *

seba vol. I. tab. XCIV. fig. 1. 2. 3.

In beiden Indien. Ein überaus sauber und
regelmäßig schwarz und weiß geflecktes Thier,
was ohngefähr anderthalb Ellen lang wird, und
weil es sich meist in Gesellschaft der Crocodile
aufhält, durch den pfeiffenden Laut, den es von
sich giebt, diese seine furchtbare Gefährten ver-
rathen soll.

4. Iguana. der Leguan. L. cauda tereti longa,
sutura dorsali dentata, crista gulae denti-
culata
. *

seba vol. I. tab. XCV sqq. tab. XCVIII.
fig. 1.

In Westindien. Ein äußerst träges indolentes
Thier. Hat ein überaus schmackhaftes Fleisch
und Eyer, und wird des erstern wegen zuweilen
noch lebendig nach Europa verführt; soll aber,
wie schon Hieron. Benzo bemerkt, für venerische
Personen gefährlich zu essen seyn.

5. Chamaeleon. L. cauda prehensili, digitis
duobus tribusque coadunatis
. *

io. fr. miller fascic. II. tab. XI.

In Ostindien, Nord-Africa, und nun auch theils
in Spanien. Ein langsames träges Thier, das
sich auf Bäumen und in Hecken aufhält, und
von Insecten lebt, die es beschleicht und dann
mit einer langen klebrichten Zunge sehr behende
zu fangen versteht. Seine Lungen sind unge-
heuer groß, füllen den größten Theil des Leibes
aus, und das Thier kan sich damit nach Will-
[Seite 267] kühr aufblasen oder dünner machen, daher ver-
muthlich die Sage der Alten entstanden seyn
mag, daß das Chamäleon blos von Luft lebe.
Die schönen goldfarbnen Augen des Thiers haben
die ganz eigne Einrichtung, daß jedes besonders,
oder auch beide zugleich nach verschiedenen Rich-
tungen, eins z.B. aufwärts, das andere hin-
terwärts u.s.w. und zwar sehr schnell bewegt
werden können: am meisten aber ist es durch
die Veränderung seiner Farben berüchtigt wor-
den, da man vorgegeben hat, daß es jedesmal
die Farbe der Körper annähme, die ihm zu-
nächst wären, also auf Bäumen grün, auf
Stroh gelb u.s.w. Das ist nicht. Die natür-
liche Farbe des Chamäleons ist stahlgrau, zu-
weilen wird es aber gelb, schwarz, auch ge-
fleckt etc. und das zwar ohne alle Beziehung auf
die Farbe der benachbarten Gegenstände, son-
dern theils von freyen Stücken, am sichtbarsten
aber wenn das Thier gereizt und bös gemacht
wird.

6. Gecko. (vermuthlich der wahre stellio oder
saurus der Alten*)) L. cauda tereti medio-
cri, digitis muticis subtus lamellatis, cor-
pore verrucoso, auribus concauis
. *

seba vol. I. tab. CVIII.

Hat ein weit ausgedehnteres Vaterland als
der Chamäleon, und ist in Ostindien so wie auf
den Inseln der Südsee und auch hin und wieder
im südlichen Europa, z.B. im Neapolitanischen
einheimisch. Am häufigsten findet er sich in Ae-
gypten, zumal bey Cairo, wo er sich gern in
die Hauser zieht und oft gefährlich wird. Er
[Seite 268] hat nemlich einen giftigen Saft zwischen seinen
blättrichen Fußzehen, der sich den Eßwaaren,
wo das Thier drüber wegläuft, mittheilt: deren
Genuß nachher die gefährlichsten und fast tödt-
lichen Coliken nach sich zieht.

7. Stincus. (crocodilus terrester) L. cauda te-
reti mediocri, apice compressa, digitis mu-
ticis lobato-squamosis marginatis
. *

seba vol. II. tab. CV. fig. 3.

Im steinichten Arabien, Ober-Aegypten etc.
War weiland als ein Stärkungsmittel besonde-
rer Art berufen; wird auch noch jetzt, wenig-
stens in seiner Heimat, in dieser Absicht ver-
braucht.

8. †. Agilis. die grüne Eidexe, Kupfer-Ei-
dexe. L. cauda verticillata longiuscula, squa-
mis acutis, collari subtus squamis constricto
. *

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Die schönste hieländische Eidexe, die sich über-
haupt im wärmern Europa, und wie es scheint,
auch in beiden Indien findet. Bey uns ist sie,
zumal in heißen Sommern, sehr häufig: da sie
zuweilen am Bauche ganz kupferfarben glänzt.
Sie wohnt in trocknen Gegenden, auf Felsen,
in Mauerritzen, sommert sich gern an der Sonne,
und ist eben so unschuldig als alle übrige deutsche
Eidexen. Ihre Eyer leuchten eine Zeitlang im
finstern. Vermuthlich ist es die gleiche Gattung
die neuerlich im Spanischen America als ein so
kraftvolles specifisches Heilmittel berufen ward.

9. †. Vulgaris. die gemeine Landeidexe. L.
cauda tereti mediocri, pedibus vnguiculatis,

[Seite 269] palmis tetradactylis, dorso linea duplici
fusca
. *

lavrenti tab. III. fig. 4.

Die kleinste hieländische Gattung. Auf stei-
nichten Boden, an Mauern etc.

10. †. Palustris. die Sumpfeidexe. L. cauda
lanceolata mediocri, corpore laeui, capite
depresso
. *

lavrenti tab. IV. fig. 2.

Nicht viel größer als die vorige Gattung.
Lebt aber in Sümpfen, Gräben etc.

11. †. Lacustris. der Wasser-Molch, Wasser-
Salamander. L. dorso lateribusque verru-
cosis, capite crassiore, mutico; genis pen-
dulis
. *

lavrenti tab. II. fig. 4.

Weit größer und dicker als die vorige Gat-
tung: von schwarzgrüner Farbe: die Männchen
haben im Frühjahr eine vom Kopf bis zum
Schwanz längst des Rückens hinlaufende em-
porstehende ausgezackte Haut. Der äußerst
merkwürdigen Reproductionskraft wodurch sich
beide Gattungen hieländischer Wasser-Eidexen,
zumal aber hier diese, auszeichnen, ist schon
oben Erwähnung geschehn (§. 15.) Die Tür-
ken gebrauchen dieses widrige Geschöpf, das
bey ihnen Skinkôre heist, zu gleicher Absicht
wie den Stincus, und bezahlen es daher aufs
theuerste.*)

[Seite 270]

12. †. Salamandra. der Molch, Salaman-
der, die Molle. (Fr. le sourd, le mouron)
L. cauda tereti breui, pedibus muticis,
corpore flauo nigroque vario nudo, po-
roso
. *

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Ein schönes schwarz und Orangegelb ge-
flecktes, Spannenlanges und Daumendickes
Thier, was an nicht vielen Orten, (an man-
chen aber wie z.B. im Braunwalde bey Löwen-
hagen 3 Stunden von hier, in unzähliger
Menge) gefunden wird, und wovon man ehe-
dem gefabelt hat, daß es giftig sey, im Feuer
leben könne etc. An letztern Umstand ist doch
etwas wahres, nemlich daß der Salaman-
der in einem schwachen Kohlfeuer einige Zeit
ohne Schaden ausdauern kann, indem er theils
durch den Mund, vorzüglich aber durch kleine
Oeffnungen, die über seinem Körper zerstreut
sind, einen Saft von sich sprüht, wodurch er
von Zeit zu Zeit einen Theil des Feuers auslöscht
und die Glut mindert. Durch mehrere Ver-
suche habe ich erfahren, daß auch diesem Thiere
abgeschnittne Theile wieder wachsen. Doch weit
langsamer als bey den Wassermolchen.

II. SERPENTES.

[Seite 271]

Die Schlangen haben einen cylindrischen
langgestreckten Körper, ohne äußere Gliedmaßen,
den sie wellenförmig bewegen; und der mit
schuppen, Schildern, oder Ringen bekleidet ist.
Manche leben im Wasser, (da sie bey ihren aus-
nehmend langen und theils blasenförmigen Lungen
leicht schwimmen können) andre aus der Erde,
andre meist auf Bäumen. Sie legen mehren-
theils aneinander gekettete Eyer, und ihre Kinn-
laden sind nicht, wie bey andern Thieren, fest
eingelenkt, sondern zum kauen ungeschickt, und
lassen sich so weit von einander dehnen, daß sie,
andere Thiere, die oft weit dicker als sie selbst
sind, ganz verschlingen können*). Manche sind
mit heftigem Gift in besondern Bläsgen des
Oberkiefers versehen, was ihnen als Digestiv-
mittel, aber auch zum Fang ihres Raubes und
zur Vertheidigung dient**).

[Seite 272]

5. crotalvs. Klapperschlange. (Fr. serpent
à sonnettes
. (Engl. rattle-snake) Scuta abdo-
minalia. Scuta squamaeque subcaudales.
Crepitaculum terminale caudae.

1. horridus. ♂ C. scutis 167. scutellis 23. *

seba vol. II. tab. XCV. fig. 1.

Diese so vorzüglich berufne Schlange ist zumal
im wärmem Nordamerika zu Hause, und wird
auf sechs Fuß lang und Arms dick. Der Laut,
den die Klapper von sich gibt, soll dem Zwit-
schern großer Heuschrecken äneln*). Die An-
zahl der Gelenke dieses Theils steigt bey man-
chen über 40 und soll mit den Jahren des Thiers
wachsen. Daß Eichhörnchen, kleine Vögel etc.
von den Bäumen der drunter liegenden Klap-
perschlange gleichsam von selbst in den Rachen
fallen, bestätigt sich allerdings, und ist um so
weniger befremdend, da man ähnliche Phäno-
mene auch an andern Schlangen, und so auch
an Kröten, an Habichten, und an Katzen
merkt hat, die alle, wie es scheint, un-
ter gewissen Umständen durch bloßes steifes An-
sehen andre kleine Thiere an sich locken können-
Wenigstens liegt also der Grund dieses vermeyn-
ten Zaubers nicht in der stinkenden und nach
Kalm's Versicherung**) theils bis zur Ohn-
[Seite 273] macht betäubenden Ausdünstung der Klapper-
Schlange. Hingegen kommt ihr ausserdem auch
noch ihre Klapper zu passe, deren zischelndem
Laut die Eichhörnchen etc. (– seys nun aus ei-
ner Art Neugierde, oder Misverständnis, oder
zagender Angst etc. –) von selbst nachzugehen
scheinen. Wenigstens weis ich von sehr unter-
richteten Augenzeugen die sich lange Jahre in
der Heimat der Klapperschlangen aufgehalten
haben, daß es der gewöhnliche Kunstgriff der
dortigen jungen Wilden ist, sich im Busch zu
verstecken, das Zischeln der Klapperschlangen
Nachzumachen und dadurch die Eichhörnchen
zu locken und zu fangen. – Die Klapperschlan-
gen selbst, werden von den Schweinen aufge-
sucht, und ohne Nachtheil gefressen. Sie lassen
sich überaus kirre und zahm machen; ja man
versichert daß die Wilden in Canada solche ab-
gerichtete Klapperschlangen mit Anfang des Win-
ters in Freyheit setzen, und sich diese im folgen-
den May doch richtig wieder an einem bestimm-
ten Orte bey ihnen einfinden.*)

6. boa. Scuta abdominalia et snbcaudalia.

1. Constrictor. die Abgottsschlange. B. scutis
240, scutellis 60. *

seba vol. II. tab. XCVIII. sqq.

In Ostindien und Africa. Ihre Größe er-
streckt sich nach H. Adansons Versicherung auf
40 bis 50 Fus. Sie verschlingt Rehe und win-
det sich um Hirsche und größere Thiere, bricht
ihnen die Rippen entzwey und verzehrt sie so-
[Seite 274] dann. Doch ist sie leicht kirre zu machen und
wird wie die Brillenschlange von den Ostindi-
schen Gaucklern zu allerhand Kunststücken ab-
gerichtet.

Die Amaru-Schlange in Süd-America die
von den Amis in Peru angebetet ward, und
auch auf 30 Fus lang wird, scheint wenig von
dieser verschieden.

Hingegen ist wohl die auf Guinea so heilig
verehrte sogenannte Juda-Schlange von einer
andern Gattung, da sie nur etwa sechs Fus lang
wird u.s.w.*)

7. colvber. (Fr. couleuvre) Scuta abdomi-
nalia, squamae subcaudales.

1. Vipera.C. scutis 118. squamis 22. *

Es werden mehrere Schlangen mit dem Na-
men der Viper belegt. Hier diese von Linné so
genannte, ist in Aegypten zu Hause.

2. Cerastes. ♂ die gehörnte Schlange.**)
C. scutis 145. squamis 44.

ellis in philos. Trans. Vol. LVI. tab. XIV.

Hat gleiches Vaterland mit der vorigen, und
soll allerdings auch giftig seyn.***)

3. †. Berus. die Italiänische Viper. (Engl.
the adder)C. scutis 146. squamis 39. *

Meyer (S. oben S. 42.) vol. II. tab. XV-
XVIII.

[Seite 275]

lavrenti tab. II. fig. 1.

Diese zu Suppen und andern Arzneyen ehe-
dem häufigst verordnete eigentliche Viper ist von
bräunlicher Farbe (die aber bald mehr ins graue
bald mehr ins rothe sticht) und in den wärmern
Gegenden der alten Welt, auch schon im südli-
chen Deutschland und in der Schweiz, zu Hause.
Ihr Biß ist zwar heftig, verursacht Entzündung
und Fieber etc. wird doch aber nur selten tödtlich.
Auch wird sie ohne Scheu von den Raubvögeln
gefressen. Es ist dieselbe Gattung womit ehe-
dem Redi und neuerlich Fontana so viele merk-
würdige Versuche angestellt haben.

Sie variirt aber in mehrerley Spielarten,
wohin auch wohl die von Linné für eigne Gat-
tungen gehaltne aspis und chersea gehören
möchten.

4. †. Natrix. die Natter. C. scutis 170. squa-
mis
60. *

Meyer l. c. vol. I. tab. LXXXIX. sq.

Ein unschuldiges schönes Thier von Stahl-
Farbe mit weissen Seiten-Flecken, zumal an
beiden Seiten des Halses. Man hat selbst in Eu-
ropa welche von 10 u. m. Fus gefunden die dann
wohl ehedem Anlaß zu den abentheuerlichen Er-
zählungen von Lindwürmern etc. gegeben haben
mögen.

5. coccineus. die Carmoisin-Schlange. C. scu-
tis
175. squamis 35. *

Voigts Magazin (s. oben S. 8.) IVten B.
4tes St. tab. I.

Diese ausnehmend schönfarbichte und unschul-
dige Schlange ist in Florida und Neu-Spanien
[Seite 276] zu Hause, Fingers dick und ohngefähr 2 Fus
lang. An meinem Exemplar das ich der Güte
des Hrn. Major Gardner verdanke, laufen
längst des Rückens 2, große und sehr regel-
mäßige carmoisin-rothe Flecken, die mit schwar-
zen Rändern eingefaßt, und diese wieder mit
citron-gelben Queerstreifen von einander abge-
sondert sind. Die Mädchen in Florida tragen
das schöne Thier zum Putz als Halsband oder
in die Haare geflochten etc.

6. Naja. die Brillenschlange. (Cobra de Ca-
belo
) ♂ C. scutis 193. squamis 60. *

seba vol. II. tab. LXXXV. XC. u.a.

In Orient. Die Haut am Halse ist weit aus-
dehnbar, und hinten mit einer brillenähnlichen
Figur bezeichnet. Ist eine der giftigsten Schlan-
gen, wird aber doch vom Ichneumon (Viuerra
ichn
) ohne Schaden gefressen, und ist auch
leicht und ohne Gefahr zu allerhand Gaukel-
künsten abzurichten.*)

8. angvis. Squamae abdominales et subcau-
dales.

1. †. Fragilis. die Blindschleiche, der Hasel-
wurm, Hartwurm. (Engl. the blind-worm.
the slow-worm
) A. squ. abd. 135. totidem-
que subcaud
. *

lavrenti tab. V. fig. 2.

In dumpfigen Gegenden, alten Gemäuer etc.
bricht leicht entzwey, wenn man sie anfaßt, und
die Stücke bewegen sich doch noch Stunden-lang.
Man findet von ihr mancherley theils sauber
gezeichnete Spielarten.

[Seite 277]

9. amphisbaena. Annuli trunci caudaeque.

1. Fuliginosa. A. ann. tr. 200, caudae 30. *

seba vol. I. tab. LXXXVIII. fig. 3. u.a.

Ist schwarz und weiß gefleckt. Findet sich in
America.

10. caecilia. Rugae trunci caudaeque. La-
bium superius tentaculis
2.

1. Tentaculata. C. rugis 135. *

seba vol. II. tab. XXV. fig. 2.

Auch in America. Hat gar keine Schuppen,
sondern runzlichte Ringe in der glatten Haut,
fast wie ein Regenwurm.


Siebenter Abschnitt.
Von den Fischen
.

[Seite 278]

§. 100.

Die Fische sind diejenigen mit rothen kalten
Blut versehenen Thiere, die sich mittelst wahrer
Flossen bewegen und mittelst wahrer Kiefern
Athem holen.

Anm. wahre Kiefer und wahre Flossen – um sie
von den gewissermaßen analogen Organen der ganz
jungen Frösche, Salamander etc. (§. 95.) zu unter-
scheiden.

§. 101.

Diese Kiefern oder Kiemen (branchiae)
vertreten bey den Fischen fast vollkommen die
Stelle der Lungen. Sie liegen auf beiden Sei-
ten hinter dem Kopfe unter einer oder mehrern
großen halbmondförmigen Schuppen, die des-
halb die Kiefer-Deckel (opercula branchialia)
heissen und mit der Kiefer-Haut (membrana
branchiostega
) verbunden sind. Die Kiefern
selbst sind mit unzähligen der zartesten Blutge-
fäße durchwebt und auf jeder Seite in vier Blät-
ter vertheilt, die ohngefähr der Fahne an einer
Feder äneln und die an ihrer Basis durch eben
[Seite 279] so viele bogenförmige Gräten unterstützt
werden.

§. 102.

Das Athemholen, das die Fische eben so
wenig als die mit Lungen versehene Thiere lange
entbehren können, geschieht bey ihnen indem sie
die im Wasser aufgelöste Luft durch den Mund
in die Kiefern leiten und dann durch die Kieser-
öffnung (apertura branchialis) wiederum von
sich geben.

§. 103.

Da sie keine Lungen haben so versieht sich
folglich von selbst, daß ihnen auch keine wahre
Stimme zugeschrieben werden kan, obgleich ei-
nige von ihnen, wie z.B. der Knurrhahn, der
Wetterfisch etc. einen Laut von sich geben können.

§. 104.

Die Bildung des Körpers überhaupt ge-
nommen, ist bey den Fischen ungleich mannich-
faltiger als bey den beiden letztern Thierclassen.
Bey den mehresten hat doch der Körper eine ver-
ticale Stellung d.h. er ist auf beiden Seiten zu-
sammengedruckt (corpus compressum s. cathe-
toplateum
); bey einigen andern, hingegen wie
bey dem Roch en, liegt er horizontal, ist in die
Breite platt gedruckt (corpus depressum s. pla-
gioplateum
); bey andern, wie beym Aal etc. ist
[Seite 280] er mehr rundlicht: bey andern, wie bey den
Panzerfischen prismatisch oder viereckt etc.

Bey allen stoßen aber Kopf und Rumpf un-
mittelber an einander ohne durch einen eigentli-
chen Hals von einander abgesondert zu seyn.

§. 105.

Die mehresten Fische sind mit Schuppen
bekleidet; die von einer ganz eignen Substanz,
und bey den verschiednen Gattungen von der
mannichfaltigsten theils ausnehmend eleganten
Bildung und Zeichnung, und farbichten Gold-
und Silberglanze sind.

Sie werden von aussen noch mit einem beson-
dern Schleim überzogen, der großentheils aus
kleinen Schleimhölen abgeschieden zu werden
scheint, die bey den mehrsten Fischen zu beiden
Seiten des Körpers in der sogenannten Seiten-
Linie liegen.

Einige Fische (pisces alepidoti) wie der
Saugefisch etc. haben gar keine Schuppen, son-
dern eine nackte schlüpfrige Haut.

Die mehrsten der sogenannten Knorpelfische
sind statt der Schuppen mit Schildern oder gar
mit einer festen knochichten Schaale gepanzert.

§. 106.

[Seite 281]

Die Bewegungswerkzeuge der Fische, die
Flossen, bestehen aus dünnen knochenartigen oder
knorplichten Gräten, die durch eine besondere
Haut mit einander verbunden, an eignen Kno-
chen befestigt, und durch bestimmte Muskeln be-
wegt werden. Ihrer bestimmten Lage nach
heissen die obern, Rückenflossen (pinnae dorsales);
die seitwärts hinter den Kiefern befindlichen,
Brustflossen (p. pectorales); die am Bauche
vor der Oeffnung des Afters stehenden, Bauch-
flossen (p. ventrales); die hinter dieser Oeffnung,
Steisflosse (p. analis); endlich am Schwanze,
die Schwanzflosse (p. caudalis). Die letztere
hat allemal eine verticale Lage, und vertritt völ-
lig die Stelle eines Steuerruders zum lenken etc.
So wie hingegen die Brustflossen zum eigentli-
chen Fortrudern u.s.w. dienen.

Die sogenannten fliegenden Fische haben sehr
lange und straffe Brustflossen, so daß sie sich da-
mit selbst über die Oberfläche des Wassers erhe-
ben und kleine Strecken weit fortfliegen können.

Anm. Man muß beides die Schnelligkeit und die Länge
der Zeit bewundern, womit die Fische ihre Flossen
bewegen und schwimmen können. Jenes ist zumal
bey ganz jungen Fischen auffallend, da das Auge
kaum der schnellen Bewegung ihrer Flossen folgen
kann, Dieses wird zum B. durch die Erfahrung
erweislich, da zuweilen die nemlichen Thunnfische
den Europäischen, von Martinike kommenden und
[Seite 282] mit dem besten Winde seegelnden Retourschiffen bis
an die Straße von Gibraltar Tag und Nacht und
ablässig nachfolgen.

§. 107.

Ein andres Hülfsmittel zu Bewegung der
Fische, besonders wohl zum steigen und sinken,
ist die Schwimmblase, womit zumal die Süs-
Wasser-Fische versehen sind, die mit phlogisti-
sirter Luft gefüllt ist und meist mittelst eines eig-
nen Canals (ductus pneumaticus) mit dem
Magen oder Schlunde in Verbindung steht.

§. 108.

In Rücksicht ihres Aufenthalts theilt man
die Fische überhaupt in See- und Süs-Wasser-
Fische. Einige können doch auch zuweilen ei-
nige Zeit im Trocknen aushalten, wie der Aal,
die Muräne etc. Andre theils in warmen mine-
ralischen Quellen*).

§. 109.

Die mehresten Fische, zumal die in der See
leben, sind animalia nocturna, die nemlich ih-
ren Geschäften zur Nachtzeit nachgehen, am
Tage hingegen sich mehr in der Tiefe ruhig hal-
ten. Daher auch die von Fischen lebenden In-
sulaner und Küsten-Bewohner meist des Nachts
auf den Fang ausgehn.

§. 110.

[Seite 283]

Viele Gattungen von Fischen unternehmen
in gewissen Jahrszeiten große Reisen; manche
Seefische steigen z.B. um zu laichen in die
Buchten und Mündungen der Flüsse; andere wie
die Häringe ziehn zu bestimmter Zeit vom Nord-
pol nach den mildern südlichern Meeren etc.

§. 111.

Die Fische sind größtentheils fleischfressende
Thiere, und sind, da sie keine eigentlichen Füße
haben ihre Beute damit zu fassen, mit mancher-
len andern Mitteln ihrer Herr zu werden, ver-
sehen worden.

Theils nemlich mit langen Bartfasern (cirri)
am Maule, um damit andere kleine Wasserthiere
wie mit einem Köder zu locken und gleichsam zu
angeln. (So der Sternseher, der Froschfisch etc.)

Andre wie der Chaetadon rostratus mit ei-
ner Spritzröhre, um dadurch die über dem Wasser
fliegenden Insecten gleichsam herab zu schießen.

Andre wie der Zitterrochen, der Zitteraal,
und der Zitterwels mit einer besondern erschüt-
ternden und betäubenden Kraft.

Viele wie die Hayfische u.a.m. mit einem
furchtbaren Gebiß.

[Seite 284]

Manche wie der Sägefisch, Schwerdfisch etc.
mit andern Waffen u.s.w.

§. 112.

Die äußern Sinne der Fische haben unge-
mein viel sonderbares, auszeichnendes.

Das Gefühl ist bey vielen von der äußersten
Schärfe, so daß sie die unmerklichste Bewegung
des Wassers empfinden.

Auch der Geruch muß bey vielen überaus
scharf seyn, da sie versteckten Köder in weiter
Entfernung auswittern.

Die Organe des Geschmacks sind bey den
Fischen sehr von denen der warmblütigen Thiere
verschieden. Nur wenige haben eine wahre
Zunge, aber großentheils dagegen einen fleischich-
ten Gaumen.

Ueber ihr Gehör ist man nun ziemlich ins
reine, da man weis, daß sie nicht nur den Sinn,
und zwar in auffallender Schärfe –, sondern
auch selbst ähnliche Organe wie die im innern
Ohr andrer rothblütigen Thiere, selbst eine Art
flach-länglicher Gehörknöchelgen (von porcellan-
artigen Ansehen, aber sehr brüchiger Textur)
besitzen.

[Seite 285]

Die auffallendsten Sonderbarkeiten zeigen
sich aber in Baue des Auges der Fische*), das
sich in dieser Classe überhaupt erst durch die größere
Menge und die merkwürdige theils unbeschreib-
lich prachtvolle Einrichtung der gemeinschaftlichen
Häute desselben und ihrer Blätter; – hingegen
durch den gänzlichen Mangel des sogenannten
Strahlenbandes (corpus ciliare); – dann auch
durch einen ganz eignen glockenförmigen Theil an
der Crystall-Linse (campanula) der einige Aehn-
lichkeit mit dem schwarzen Fächer im Auge der
Vögel (§. 66.) hat; – ferner durch einen son-
derbaren kleinen Muskel der innerhalb des Aug-
apfels auf der schwarzen Haut liegt, u. d. m.
auszeichnet: dann aber auch bey verschiednen Fi-
schen insbesondre, wieder ausnehmend auffal-
lende eigenthümliche Verschiedenheit zeigt: So
vor allem bey der cobitis anableps**), bey den
Rochen***) etc.

§. 113.

Was die innern Sinne der Fische betrifft,
so fehlt es noch sehr an richtigen Beobachtungen
[Seite 286] über dieselben. Doch weis man, daß manche
wie z.B. die Forellen überaus kirre werden*);
andre, z.B. die Karpen sehr listig und verschla-
gen sind u.s.w.

Auch will man bemerkt haben daß die Fische
einander kennen lernen und wenn sie zusammen
erzogen und nachher getrennt werden, sich wirk-
lich nach ihren alten Bekannten sehnen**).

§. 114.

Von ihrem Schlaf gilt meist die gleiche An-
merkung die bey den Amphibien gemacht wor-
den (§. 92.), daß nemlich vermuthlich alle einem
Winterschlaf ausgesetzt sind; aber wohl nur sehr
wenige einen bestimmten täglichen periodischen
Erholungsschlaf haben: wie es z.B. vom Gold-
brachsen gesagt wird.

§. 115.

Außer den wenigen lebendig-gebährenden
Fischen wohin der Aal und die sogenannte Aal-
mutter gehören, mögen sich wohl wenige Fische
wirklich mit einander paaren; sondern bey den
mehresten giebt das Weibgen den Rogen noch
unbefruchtet von sich, und das Männchen kommt
hierauf nach, um denselben mit seiner Milch zu
begießen.

[Seite 287]

Man hat diese Einrichtung für die Landwirth-
schaft benutzen gelernt, indem man auch aus der
künstlichen Vermischung von Eyern und Saa-
men der Forellen etc. junge Fische erzielen kan*).

Anm. Zu andern Merkwürdigkeiten im Zeugungsge-
schäfte der Fische gehört auch noch, daß man ein-
zeln unter denselben wirkliche Zwitter**); -
und anderseits auch völlig geschlechtlose***) Mis-
geburten gefunden haben will.

§. 116.

Die Vermehrung der Fische ist zum Wun-
der stark, so, daß ohngeachtet die Eyergen der
mehresten Fische in Verhältnis zu ihrer Statur
ungleich kleiner sind, als in irgend einer andern
Thier-Classe; dennoch bey manchen die Eyer-
stöcke größer sind als ihr ganzer übriger Körper.
Daher zählt man z.B. beym Häring zwischen
20 und 37000, beym Karpen über 200000, bey
der Schleihe 383000, beym Flinder über eine
Million Eyergen etc.****).

§. 117.

Theils haben die jungen Fische so wie
sie aus dem Eye kriegen noch nicht ihre völ-
lige Gestalt; sondern müssen sich ebenfalls so wie
[Seite 288] viele Amphibien (§. 95.) erst einer Art von Me-
tamorphose unterziehen, wodurch erst nach und
nach ihre Flossen u. dergl. m. allgemach ausge-
bildet werden.

§. 118.

Die Fische gelangen in Verhältnis zur Größe
ihres Körpers zu einem hohen Alter. Man weis
von Karpen, Hechten etc. daß sie anderthalbhun-
dert Jahre erreichen können. Doch werden einige
kleine Fische, wie z.B. der Stichling etc. nur
wenige Jahre alt.

§. 119.

Die Brauchbarkeit der Fische für den Men-
schen ist ziemlich einfach, meist blos zur Speise;
aber eben von dieser Seite für einen großen Theil
des Menschengeschlechts, der theils fast ganz von
diesen Thieren lebt, von der äußersten Wichtig-
keit. Selbst wilde Völker, wie z.B. die Kamt-
schadalen, Brasilianer etc. wissen die Fische auf
die mannichfaltigste Weise, sogar zu einer Art
Mehl, zu Kuchen u.s.w. zu bereiten: und bey
vielen, wie z.B. unter den Insulanern des stil-
len Oceans, macht der Fischfang ihr Hauptge-
schäfte –, und in Rücksicht der überaus sinn-
reichen angemeßnen Geräthschaften die sie sich
dazu erfunden haben, wirklich eine Art von nach-
denkenden Studium aus. Aber auch für einen
großen Theil der cultivirten Erde ist der Fang
[Seite 289] einiger besondern Gattungen von Fischen wie z.
B. des Härings, Cabliaus, Thunnfisches u. d.
m. ein äußerst wichtiger Gegenstand. Des un-
säglichen Luxus zu geschweigen den man zumal
bey den alten Römern mit vorzüglich großen
Stücken von schmackhaften Fischen, besonders
mit Stören, Muränen etc. getrieben. Ihr be-
rühmtes garum*) ward aus den Eingeweiden
mancher Fische, (gewissermaßen so wie der Ca-
vear aus dem Rogen der Störe) bereitet.

Manche Theile einiger Fische werden auch zu
Kunstsachen benutzt; wie z.B. die Schuppen
des Ukley zu Glasperlen; Fischhaut von Ro-
chen und Hayen etc.; Hausenblase etc. Die Haut
des Sägefisches zu Sohlenleder. Sein Thran
zum brennen etc.

§. 120.

Den mehresten Schaden thun die Raub-
fische; zumal in den Weltmeeren die Haye; und
in den süßen Wassern die Hechte. – Auch
sind einige Fische mit heftigen Gift versehen, das
ihren Genuß gefahrvoll und tödlich machen kan.
So zumal einige Gattungen von Tetrodon.

§. 121.

[Seite 290]

Bey der Anordnung der Geschlechter dieser
Classe habe ich, wie es die Natur mit sich bringt,
die von Linné ohne Grund zu den Amphibien
gezählte Fische (§. 99.) wieder in ihre behörige
Classe gebracht, wo sie nun die beiden ersten
Ordnungen ausmachen.

In den übrigen vieren hingegen bin ich ganz
dem Linnéschen System gefolgt.

I. Chondropterygii. Die eigentlichen Knor-
pelfische, die nemlich knorpelartige Gräten
haben;

II. Branchiostegi. Denen der Kieserdeckel
und die Kieferhaut oder doch eins von bei-
den mangelt.

Die folgenden hat Linné nach der Beschaf-
fenheit und Lage der Bauchflossen geordnet:
nemlich:

III. Apodes. Die gar keine Bauchflossen haben.

IV. Iugulares. Die, deren Bauchflossen vor
den Brustflossen sitzen.

V. Thoracici. Die, wo die Bauchflossen ge-
rade unter den Brustflossen, und

VI. Abdominales. wo sie hinter diesen sitzen.

* * *

Zur N. G. der Fische.

[Seite 291]
  1. gvil. rondelet de piscibus. Lugd. 1554. P. II. 1555. fol.
  2. hippol. salviani aquatilium historia. Rom. 1554. fol.
  3. conr. gesner de piscium et aquatilium unimantium na-
    tura
    . Tig
    . 1558. fol.
  4. vl. aldrovandvs de piscibus. Bonon. 1638. fol.
  5. steph. a schonevelde ichthyologia. etc. Hamburg.
    1624. 4.
  6. f. willovghbeii historia piscium. ex ed. raii. Oxon.
    1686. fol.
  7. io. raii synopsis methodica piscium. Lond. 1713. 8.
  8. petr. artedi ichthyologia. ex ed. linnaei. LB. 1738. 8.
  9. lavr. theod. gronovii Zoophylacium Gronovianum
    LB. 1781. P. I–III. fol.
  10. ant. gouan historia piscium. Argent. 1770. 4.
  11. du hamel et de marre histoire des poissons. (traité des
    pêches etc.) Par
    . 1770 sq. III vol. fol.
  12. M. El. Block öconomische N. G. der Fische Deutsch-
    lands Berl. 1782. III B. 4.
  13. Dess. N. G. ausländischer Fische. ib. seit 1785. 4.
* * *
  1. Al. Monro Vergleichung des Baues und der Physio-
    logie der Fische mit dem Bau des Menschen und
    der übrigen Thiere. – mit vielen Zusätzen von
    P. Camper und J. G. Schneider. Leipz. 1787. 4.

I. CHONDROPTERYGII.

[Seite 292]

Die Fische dieser Ordnung haben knorplichte
Gräten, besonders auch in den Flossen, und bey
den mehrsten ist das Maul auf der Unterseite
des Kopfs befindlich.

1. petromyzon. Spiracula VII ad latera colli.
Fistula in vertice. Pinnae pectorales aut ven-
trales nullae
.

1. †. Marinus. die Lamprete. (Fr. la lam-
proye
. Engl. the lamprey) P. ore intus ps-
pifloso, pinna dorsali posteriori a cauda di-
stincta
*.

Bloch tab. LXXVII.

In der Nordsee so wie im mitländischen u.a.
Meeren. Steigt aber auch 8 und mehrere Mei-
len weit in die Flüsse. Wird wohl auf 3 Fuß
lang.

2. †. fluuiatilis. die Pricke, Neunauge. P. pinna
dorsali posteriore angulata
. *

Bloch tab. LXXVIII.

In größern Flüssen. Wird nur halb so groß
als die vorige Gattung. Beide können sich mit
dem Maule an Klippen, Schiffe etc. (fast wie
Blutigel) festsaugen.

2. raia. Roche. (Fr. raie. Engl. ray.) Spi-
racula V fubtus ad collum. corpus depres-
sum. os sub capite
.

[Seite 293]

Ein ansehnliches Geschlecht, dessen Gattungen
aber noch nicht genau genug bestimmt scheinen.
Sie werden theils durch ihre Größe, theils durch
ihr sonderbares Ansehn, theils durch andre
auszeichnende Eigenschaften etc. merkwürdig.
Ohngeachtet sie nur ein Ey auf einmal legen so
vermehren sie sich doch so stark, daß das Meer
in manchen Gegenden ganz davon wimmelt. Die
Eyer haben eine hornichte Schaale mit vier
Spitzen, und heissen See-Mause. Freylich
legt die Mutter viele Eyer hinter einander, und
da dieselben gleich eine ansehnliche Größe haben,
und auch die jungen Thiere nur von wenigen
Raubfischen gefressen werden, so erreichen nach
Verhältnis sehr viele derselben ihr volles Wachs-
thum etc. Die alte Grille, daß man getrocknete
Rochen durch allerhand Künsteley in Drachen-
form umgebildet hat, kan wohl zum Theil mit
Anlaß zum Mährchen von Basilisken gegeben
haben.

1. torpedo. der Zitterroche, Krampffisch. (Fr.
la torpille. Engl. the crampfish.) R. tota
laeuis maculis dorsalibus
5 orbiculatis.

Bloch tab. CXXII.

Philos. Transact. vol. LXIII. tab. XIX. sq.

Vorzüglich im mitländischen Meer. Er be-
täubt die Thiere die sich ihm nähern, und man
empfindet die gleiche Würkung, im Arm, wenn
man ihn anfassen will. Außerdem kan er aber
auch einen erschütternden Schlag mottheilen, der
dem von der Leidner Flasche änelt. Wird doch
an theils Orten vom gemeinen Mann gegessen.

2. †. Batis. der Glattroche, Baumroche,
Flete, Tepel. (Fr. la raie lisse. Engl. the
[Seite 294] skate, the flair
.) R. varia, dorso medio gla-
oro, cauda vnico aculeorum ordine.
*

Bloch tab. LXXIX.

In den europäischen Meeren. Wird auf zwey
Centner schwer. Hat ein vorzüglich schmackhaf-
tes Fleisch.

3. Pastinaca. der Stachelroche, Pfeilschwanz.
(Fr. la pastenaque, la tareronde. Engl. the
sting-ray
.) R. corpore glabro, aculeo longo
anterius serrato in cauda, et dorse apterygio
.*

Bloch tab. LXXXII.

In vielen Meeren der Welt. Der Stachel
am Schwanze dieses Rochen wird irrig für gif-
tig, und seine Verletzungen für tödtlich gehal-
ten. Aber er dient dem Thiere und auch wilden
Völkern als Waffen. So schäfften z.B. die
Brasilianer und viele Insulaner des stillen Oceans
ihre Pfeile und Spieße damit.

3. sovalvs. Han. (Fr chien de mer. Engl.
shark.) Spiracula V ad latera colli. Cor-
pus oblongum teretiusculum. Os in ante-
riore capitis parte
.

1. Acanthias. der Dornhay. (Fr. l'aguillat.)
S. pinna anali nulla, dorsalibus spinosis, cor-
pore teretiusculo
. *

Bloch tab. LXXXV.

In den europäischen Meeren. Hat drey Rei-
hen Zähne in jedem Kiefer.

2. Zygaena. der Hammerfisch, Jochfisch.
S. capite latissimo transuerso malleiformi.*

Bloch tab. CXVII.

[Seite 295]

3. Carcharias. (lamia. tiburo. Fr. le requin.
Engl. the white shark.) S. dorso plano,
dentibus serratis
. *

Bloch tab. CXIX.

Ein ungeheures blutdürstiges unersättlich-
gefräßiges Thier, was zuweilen auf zehntausend
Pfund wiegt, und in dessen Magen man wohl ehr
ganze Pferde gefunden hat. Zieht Schaaren-
weis den Transportschiffen mit Negersclaven
von Guinea bis zu den Antillen etc. nach, um
die Menge derselben die unterwegs an Krank-
heit sterben oder sich selbst ersäufen, gleich auf-
zuschnappen. Hat sechsfache Reihen Zähne im
Rachen, die (wie überhaupt bey den mehrsten
Hayen) nicht in die Kinnladen eingekeilt, son-
dern durch eine Art Gelenk mit denselben ver-
bunden und folglich beweglich sind, zurückgelegt
werden können.

4. Pristis. der Sägefisch, Schwerdfisch. (Fr.
la scie de mer. Engl. the saw fish.) S. pinna
ani nulla, rostro ensiformi osseo plano vtrin-
que dentato
. *

Bloch tab. CXX.

Das breite schwerdförmige oft mehrere Elen
lange Gewehr, was dieses Thier vor dem Kopfe
führt, und womit es sich selbst den größten Wall-
fischen furchtbar macht, ist knorplicht und zu
beiden Seiten an den Schärfen mit 24 starken
eingekeilten Zähnen besetzt.

4. chimaera. Spiracula solitaria, quadripar-
tita, sub collo. Oris labium superius quin-
quepartitum. Dentes primores incisores bini
supra infraque
.

[Seite 296]

1. Monstrosa. C. rostro subtus plicis pertusis.

Bloch tab. CXXIV.

Im nordlichen Atlantischen Meer.

5. acipenser. Spiracula lateralia solitaria, li-
nearia. Os sub capite, retractile, edentu-
lum. Cirri quatuor sub rostro ante os.

1. Sturio. der Stör. (Fr. l'esturgeon. Engl.
the sturgeon) A. quamis dorsalibus 11. *

Bloch tab. LXXXVIII.

In allen Europäischen Meeren, auch im Ca-
spischen etc. in der Wolga, im Nil etc. Macht
nebst den übrigen Gattungen dieses Geschlechts
sowohl wegen des Fleisches als des aus dem Ro-
gen bereiteten Caviars, für viele Völker einen
wichtigen Fang aus, und kan gegen tausend
Pfund schwer werden.

2. Ruthenus. der Sterlet. A. squamis dorsa-
libus
15. *

Bloch tab. LXXXIX.

Dieser vorzüglich schmackhafte Fisch findet sich
am häufigsten im Caspischen Meer und in der
Wolga, aber selten über 30 Pfund schwer.

3. Huso. der Hausen, Beluga. A. squamis
dorsalibus
13. caudalibus 43. *

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen. Ist
vorzüglich wegen des Fischleims oder der Hau-
senblase merkwürdig, die man besonders aus der
innern Haut der Schwimmblase desselben, doch
auch aus dem Stör und noch aus einer andern
Gattung dieses Geschlechts, nemlich der Se-
wruge (Acipenser stellatus) die auch das beste
[Seite 297] Caviar giebt; ja theils auch aus der Luftblase
des Wels, bereitet.

Auch findet sich zuweilen in den Nieren dieses
Thiers der berühmte Beluga-Stein, der zumal
bey vielen Russisch-Asiatischen Völkern im unge-
gründeten Ruf eines wichtigen Arzneymittels
steht.


II. BRANCHIOSTEGI.

In Rücksicht der Flossen- und übrigen Grä-
ten nähern sich die Thiere dieser Ordnung schon
wehr den folgenden Ordnungen der von Linne'
eigentlich sogenannten Fische. Es fehlt ihnen
aber doch entweder der Kieferndeckel, oder die Kie-
fernhaut, oder beides*).

6. lophivs. Seeteufel. (Fr. diable de mer.
Engl. sea-devil) Pinnae pectorales brachiis
insidentes. Spiracula solitaria pone brachia.

1. piscatorius. der Froschfisch. (rana pisca-
trix
. Fr. la grenouille pecheuse. Engl. the
toad-fish
.) L. depressus capite rotundato.
*

Bloch tab. LXXXVII.

[Seite 298]

Der ungeheure Kopf der die größere Helfte des
ganzen Thiers ausmacht, und dann die fleischich-
ten Angelfaden am Maule (§. III.) geben ihm
ein auffallendes Ansehn.

7. balistes. Hornfisch. Caput compressum.
Apertura supra pinnas pectorales. Corpus
compressum, squamis corio coadunatis. Ab-
domen carinatum.

1. tomentosus. (Engl. the old wife) B.
pinna capitis biradiata, corpore posterius
subvilloso.
*

Bloch tab. CXLVIII. fig. 1.

In beiden Indien.

8. ostracion. Panzerfisch. (Fr poisson coffre)
Corpus osse integro loricatum. Pinnae ven-
trales nullae
.

1. triqueter. O. trigonus muticus. *

seba vol. III. tab. XXIV. fig. 6. 12.

So wie der folgende in Ostindien.

2. cornutus. O. tetragonns, spinis frontali-
bus subcaudalibusque binis
. *

Ein überaus niedliches kleines Thier, dessen
Panzer aufs regelmäßigste, meist mit Sechsecken
wie Bienenzellen, bezeichnet ist.

9. tetrodon. Corpus subtus muricatum. Pin-
nae ventrales nullae
.

1. lagocephalus. (Fr. le poisson souffleur) T.
abdomine aculcato, corpore laeui, humeris
prominentibus
.

[Seite 299]

seba vol. III. tab. XXIII. fig. 5.

Besonders häufig im Senegal. Und zwar
sind die so man oben im Flusse landeinwärts
fängt, ein gesundes gutes Essen. Hingegen die
nahe an der See, in der Mündung des Flusses,
sehr giftig.

2. hispidus. der Kugelfisch. (orbis) T. totus
hispidus papillis setaceis
. *

gesner pag. 744.

Im rothen Meere etc. Aber auch in den süßen
Wassern der benachbarten Länder. Kan mit
ausnehmender Schnelligkeit bald schwimmen
bald tauchen etc. und ist neuerlich mit den Luft-
ballonen verglichen und gleichsam als eine Was-
ser-Montgolfiere angesehen worden. Ein sehr
giftiger Fisch, der aber, wenn ihm das Gift
benommen worden, unschädlich zu essen und
überaus schmackhaft ist.

3. mola. der Klumpfisch. T. laeuis compres-
sus, cauda truncata: pinna breuissima dor-
sali analique annexa.

gesner pag. 754.

Hamburg. Magaz. XVIII. B. tab. I.

10. diodon. Corpus spinis acutis mobilibus
vndique adspersum. Pinnae ventrales nullae.

1. Hystrix. der Stachelfisch, Guara. D. ob-
longus, aculeis teretibus
. *

Bloch tab. CXXVI.

Zumal im Atlantischen Ocean: und zwar auch
an den Nordamericanischen Küsten.

[Seite 300]

11. cycloptervs. Bauch-Sauger. Caput
obtusum. Pinnae ventrales in orbiculum
connatae
.

1. †. Lumpus. der See-Haase, Klebpfost,
Hafpadde. (Fr. le lievre de mer. Engl. the
lump sucker
.) C. corpore squamis osseis an-
gulato.
*

Bloch tab. XC.

In den nordlichen Meeren der alten Welt.
Hängt sich mit seinem gerippten stachen Brust-
schilde aufs festeste an die Klippen, Schiffe u.
f. w. an.

12. centriscvs. Messer-Fisch. Caput pro-
ductum in rostrum augustissimum. Abdo-
men carinatum. Pinnae ventrales vnitae
.

1. Scolopax. die Meer-Schnepfe. C. corpore
squamoso scabro. cauda recta extensa
. *

Bloch tab. CXXIII. fig. 1.

Im mitländischen Meer etc.

13. syngnathvs. Rostrum subcylindricum,
ore operculato maxilla inferiore. Corpus ca-
taphractum. Pinnae ventrales nullae
.

1. Acus. die Meer-Nadel, Sack-Nadel.
(Engl. the pipe) S. pinnis caudae ani pectora-
libusque radiatis, corpore septemangulato
tuberculato
. *

Bloch tab. XCI. fig. 2.

In der Nord- und Ostsee etc. wird wohl über
zwey Fuß lang, aber kaum Daumens dick.

[Seite 301]

2. Hippocampus. das See-Pferdgen, die See-
Raupe. (Engl. le cheval marin) S. pinna
caudae quadrangulae nulla, corpore septem-
angulato tuberculato
. *

Bloch tab. CIX. fig. 3.

Hat seine Namen, weil der Vordertheil ei-
nem Pferdekopf und Hals, das Hintere Ende
aber einer Raupe äneln soll. Im Tode krümmt
es sich wie ein S, und änelt so dem Springer im
Schach.

14. pegasvs. Os proboscide tetractili. Ro-
strum ensiforme, lineare. Corpus articu-
latum osseis incisuris, cataphractum. Pinnae
Ventrales abdominales.

1. Draconis. der Seedrache. P. rostro conico. *

Bloch tab. CIX. fig. 1. 2.

In Ostindien. Die großen breiten Brustflos-
sen äneln ausgespannten Flügeln, und mögen
wol den Namen veranlaßt haben.


III. APODES.

Diese und die folgenden drey Ordnungen be-
greifen nun die von Linné eigentlich sogenannten
Fische. Und zwar hier diese, die so gar keine
Brustflossen haben.

15. mvraena. Caput laeue. Nares tubulosae.
Membr. branch. radiis
X. corpus teretiuscu-
[Seite 302] lum, lubricum. Pinna caudalis coadunata
dorsali anique. Spiracula pone caput vel
pinnas pectorales.

1. Helena. die Muräne. M. pinnis pectorali-
bus nullis
. *

Bloch tab. CLIII.

Ein sehr gefräßiger Raubfisch, der in den
wärmern Meeren beider Welten zu Hause, und
selbst wegen des Luxus, der bey den alten Rö-
mern mit ihm getrieben wurde, bekannt ist.

2. †. Anguilla. der Aal. (Fr. l'anguille. Engl.
the eel) M. maxilla inferiore longiore, cor-
pore vnicolore
. *

Bloch tab. LXXIII.

In den Flüssen beider Welten. Geht zuwei-
len ans Land auf Wiesen, ins Getraide etc. und
verkriecht sich bey strengen Wintern wol gar
auf Heuböden. Hat ein zähes Leben, und das
ihm ausgeschnittne Herz behält wol noch 40
Stunden lang seine Reizbarkeit. Nach den ge-
nauesten Beobachtungen gebiert er wol sicher le-
bendige Junge.

16. gymnotvs. Caput operculis lateralibus.
Tentacula duo ad labium superius. Membr.
branch. radiis
V. corpus compressum, sub-
tus pinna carinatum
.

1. Electricus. der Zitteraal, Zitterfisch, Drill-
fisch. G. nudus, dorso apterygio, pinna cau-
dali obtusissima anali annexa.

Bloch tab. CLVI.

[Seite 303]

Bey Surinam und Cayenne wo ihn Richer
und Flamstead zuerst bekannt gemacht haben.
Er ist etwa Mannslang, und vorzüglich wegen
der sonderbaren ihm beywohnenden electrischen
Kraft merkwürdig, mittelst deren er so wie der
Zitterrochen und Zitterwels, Menschen und
Thieren, die sich ihm nähern, einen betäu-
benden Schlag mittheilt, der dem von der Leid-
ner Flasche änelt. Daß es auch bey diesem
Fische ganz unwiderredlich wahre Electricität
sey, ist selbst dadurch daß man gesehen wie er
Funken giebt etc. völlig erwiesen.

17. trichivrvs. Caput porrectum, opercu-
lis lateralibus. Dentes ensiformes, apice
semisagittati: primores maiores Membr.
branchiostega radiis
VII. Corpus compresso-
ensiforme. Cauda subulata, aptera
.

1. lepturus. trichivrvs.

Bloch tab. CLVIII.

In beiden Indien.

18. anarrhichas. Caput obtusiusculum. Den-
tes primores supra infraqne conici, diuer-
gentes, sex pluresue, molares inferiores
palatique rotundati. Membr. branch. rad.

VI. Corpus teretiusculum, pinna caudae di-
slincta.

1. †. Lupus. der Klippfisch, Seewolf. (Engl.
the ravenous) A. pinnis pectoralibus amplis
subrotundis
. *

Bloch tab. LXXIV.

An den Küsten des nördlichen Europa.

[Seite 304]

19. ammodytes. Caput compressum. La-
bium superius duplicatum, dentes acerosi.
Membr. branch. rad.
VII. corpus teretiuscu-
lum, cauda distincta
.

1. †. Tobianus. der Sandfisch, Sandaal, To-
biasfisch). (Engl. the sand launce) A. ma-
xilla inferiore longiore
. *

Bloch tab. LXXV. fig. 2.

Ebenfalls am nordlichen Europa.

20. ophidivm. Caput nudiosculum, dentes
maxillis, palato, faucibus. Membr. branch
rad
VII. patula. Corpus ensiforme.

1. barbatum. (Fr. la donzelle) O. maxilla in-
feriore cirris
4. *

Bloch tab. CLIX. fig. 1.

Am südlichen Europa.

21. stromatevs. Caput compressum. Dentes
in maxillis, palato. Membr. branchiostega
.... Corpus ouatum, lubricum. Cauda
bifida
.

1. paru. S. vnicolor.

Bloch tab. CLX.

In America.

22. xiphias. Caput maxilla superiore termina-
tum rostro ensiformi. Os edentulum.
Membr. branch. rad.
VIII. corpus teretiuscu-
lum alepidotum
.

[Seite 305]

1. †. Gladius. der Schwerdfisch, Hornfisch.
(Fr. l'épee de mer, l'empereur, l'espadon.
Engl. the sword-fish, whale-killer) X. man-
dibula inferiore acuta, triangulari
. *

Bloch. tab. LXXVI.

Ein furchtbar-starkes Thier der nordlichen
sowohl als der südlichen Meere, was wol auf
achtzehn Fuß lang wird, und gegen fünf Centner
am Gewicht hält.

IV. IVGVLARES.

Fische, deren Bauchfloßfedern vor den
Brustflossen sitzen.

23. callionymvs. Caput labio superiore du-
plicato; oculi approximati. Membr. bran-
chiostega rad.
VI. apertura nuchae forami-
nibus respirante. Opercula clausa. Corpus
nudum. Pinnae ventrales remotissimae
.

1. lyra. (Fr. le lacert) C. dorsalis prioris ra-
diis longitudine corporis
. *

Bloch tab. CLXI.

Im Atlantischen Ocean.

24. vranoscopvs. Caput depressum, sca-
brum, maius. Os simum, maxilla supe-
rior breuior. Membr. branch. rad.
V. anus
in medio
.

[Seite 306]

1. Scaber. der Sternseher. (Fr. le boeuf. Engl.
the star gazer.) V. cirris multis in ma-
xilla inferiore
. *

Bloch tab. CLXIII.

Vorzüglich häufig im Mitländischen Meer.

25. trachinvs. Caput scabriusculum, com-
pressum. Membr. branch. rad.
VI. anus prope
pectus
.

1. †. Draco. das Petermännchen. (Fr. la vive.
Engl. the wever) trachinvs.

Bloch tab. LXI.

Im Mitländischen Meer, und der Nordsee etc.

26. gadvs. Caput laeue. Membr. branch.
rad.
VII. teretibus, pinnae cute communi ve-
stitae, pectorales acuminatae
.

1. †. Aeglefinus. der Schellfisch. (Engl. the
hadock
) G. tripterygius cirratus albicans,
cauda biloba, maxilla superiore longiore
. *

Bloch tab. LXII.

Im ganzen nordlichen Europäischen Ocean,
vorzüglichst aber an den Englischen und Schot-
tischen Küsten.

2. Callarias. der Dorsch. G. tripterygius cir-
ratus varius, cauda integra, maxilla supe-
riore longiore
. *

Bloch tab. LXIII.

Hat gleichen Aufenthalt mit dem vorigen.

3. †. Morrhua. der Kabliau, Stockfisch, Stein-
fisch. (Asellus. Fr. la morne. Engl. the cod-
[Seite 307] fish) G. tripterygius cirratus, cauda subae-
quali, radio primo anali spinoso
. *

Bloch tab. LXIV.

Es werden unter diesen gemeinschaftlichen Na-
men mehrere verwandte Gattungen dieses Ge-
schlechts begriffen, die wegen der unsäglichen
Menge und wegen der mannichfaltigen Zuberei-
tung (als eigentlicher Stockfisch, als Laberdan,
und als Klippfisch) und langen Conservation etc.
von der äußersten Wichtigkeit fürs Menschenge-
schlecht sind. Sie finden sich in den nordlichen
Gegenden, beides des stillen und des Atlan-
tischen Oceans, werden aber vorzüglichst um
Neu-Fundland, Neu-England, Neu-Schott-
land, auch um Island und an den Nordküsten
von Grosbritannien gefangen*).

4. †. Merlangus. der Witling, Gadde. (Fr.
le merlan. Engl. the whiting) G. triptery-
gius imberbis albus, maxilia superiore lon-
giore
. *

Bloch tab. LXV.

In den Europäischen Meeren.

5. †. Lota. Die Quappe, Drusche, Rutte,
Aalraupe, Aalputte. (Fr. la lote. Engl. the
burbot
.) G. dipterygius cirratus, maxillis
aequalibus
.*

Bloch tab. LXX.

Vorzüglich in den Schweizer-Seen. Einer
der schmackhaftesten Europäischen Fische.

[Seite 308]

27. blennivs. Schleimfisch. Caput decliue,
tectum. Membr. branch. rad.
VI. corpus
lanceolatum, pinna ani distincta.

1. †. Viuiparus. die Aalmutter. B. ore tenta-
culis duobus.
*

Im Mitländischen Meer, in der Nordsee etc.
Gebiert lebendige Junge.


V. THORACICI.

Fische, deren Bauchfloßfedern gerade unter
den Brustflossen sitzen.

28. cepola. Caput subrotundum compressum.
Os simum, dentes curuati, simplici ordine
Membr. brauch. radiis
VI. Corpus ensi-
forme, nudum, abdomine vix capitis lon-
gitudine
.

1. taenia. der Bandfisch. (Fr. le ruban.) C.
pinna caudae attenuata, capite obtusissimo
.

Bloch tab. CLXX.

29. echeneis. Caput depressum, supra pla-
num marginatum, transuerse sulcatum.
Membr. branch. rad.
X. Corpus nudum.

1. Remora. der Saugefisch. (Fr. le sucet.
Engl. the sucking fish) L. cauda bifurca
striis capitis
18. *

Blach tab. CLXXII.

[Seite 309]

Ein sonderbares Thier, was sich mittelst der
unzähligen kleinen Mündungen auf dem queer-
gestreiften Hinterkopfe, aufs festeste an Schiffe
und Ufer festsaugen kan. Die alte Fabel, daß
ein einziger ein Schiff in vollem Lauf zu hemmen
vermöge, bedarf keiner Widerlegung; doch hat
sich neuerlich bestätigt, daß ihrer viele allerdings
bey einem kleinen Fahrzeug das Rudern zu er-
schweren im Stande sind.

30. coryphaena. Caput truncato decliue.
Membr. branch. rad.
V. pinna dorsalis lon-
gitudine dorsi
.

1. Hippurus der Goldkarpe. (Fr. la dorade.
Engl. the delphin) C. cauda bifida, radiis
dorsalibus
LX. *

Bloch tab. CLXXIV.

Im Atlantischen Meer. Hat den Namen von
der schönen Goldfarbe seiner Flossen. Ueber-
haupt ein prachtvolles Thier.

31. gobivs. Caput poris 2 inter oculos appro-
ximatos: altero anteriore. Membr. branch.
radiis
IV. Pinnae ventrales vnitae in ouatam.

1. †. niger. die Meergrundel. G. pinna dor-
sali secunda radiis
XIV.

Bloch tab. XXXVIII. fig. 1. 3. 5.

32. cottvs. Caput corpore latius, spinosum.
Membr. branch. rad
. VI.

1. †. Cataphractus. Der Knurrhan, Stein-
picker. (Engl. the pogge) O. loricatus rostro
verrucis bifidis, capite subtus cirroso
. *

[Seite 310]

Bloch tab. XXXVIII. fig. 3. 4.

An den nordlichen Küsten von Europa und
America.

2. †. Gobio. der Kaulkopf, Kotzkolbe, Gropp,
Kruppe. (Engl. the bull-head, the miller's
thumb
) C. laeuis, capite spinis duabus
.*

Bloch tab. XXXVIII. fig. 1. 2.

Ein sehr gemeiner Flußfisch. Das Weibchen
scharrt sein Laich in eine Höle am Grund, und
bewacht es bis die Jungen ausgekrochen sind
aufs sorgfältigste.

33. scorpaena. Caput magnum, aculeatum.
Oculi vicini. Dentes maxillis, palato, fau-
cibusque. Membr. branch. radiis
VII.

1. horrida. S. tuberculis callosis adspersa.*

In Ostindien.

34. zevs. Caput compressum. Decliue. La-
bium superius membrana transuersa forni-
catum. Lingua subulata. Membr. branch.
radiis
VII. perpendicularibus: infimo trans-
uerso. Corpus compressum.

1. vomer. Z. cauda bifurca, spina ante pinnam
analem dorsalemque recumbente.
*

2. faber. Z. cauda rotundata lateribus mediis
ocello fusco, pinnis analibus duabus
. *

gesner p. 439.

Beide im Atlantischen Meer.

[Seite 311]

35. plevronectes. Butte, Scholle,
Halbfisch. (Fr. sole. Engl. flounder) Ocu-
lis vtrisque in eodem latere frontis. Membr.
branch. rad
. IV-VII. Corpus compressum,
latere altero dorsum, altero abdomen re-
ferente
.

Die Schollen sind die einzigen Thiere in der
Natur die ihre beiden Augen auf einer Seite
des Kopfs haben; manche Gattungen nemlich
auf der rechten, andere auf der linken: sehr sel-
ten finden sich Misgeburten unter ihnen, die
anomalisch auf der unrechten Seite ihre Augen
haben Auch beide Nasenlöcher sitzen ebenfalls
so schief seitwärts. Sie schwimmen in einer
schrägen Lage, die Augenseite in die Höhe ge-
richtet.

1. †. Platessa. die Scholle, Plateis, Gold-
butte. (passer. Fr. la plie. Engl. the plaise)
P. oculis dextris, corpore glabro, tubercu-
lis
6 capitis. *

Bloch tab. XLII.

Nebst den folgenden besonders in den nordli-
chen Meeren. Hier diese wird für die schmack-
hafteste Gattung gehalten.

2. †. Flesus. der Flünder. (Engl. the floun-
der
) P. oculis dextris, linea laterali aspera,
spinulis ad pinnas
. *

Bloch tab. XLIV.

3. †. limanda. die Glahrke, Kliesche. (Engl.
the dab) P. oculis dextris, squamis ciliatis,
spinulis ad radicem pinnarum dorsi anique,
dentibus obtusis
. *

Bloch tab. XLVI.

[Seite 312]

4. †. hippoglossus. die Heilbutte. (Fr. le fte-
tang
. Engl. the holibut) P. oculis dextris,
corpore toto glabro
. *

Bloch tab. XLVII.

Theils von vier Centnern an Gewicht.

5. †. Maximus. die Steinbutte. (Fr. und Engl.
turbot) P. oculis sinistris, corpore aspero.*

Bloch tab. XLIX.

Doch weit kleiner als die vorige.

36. chaetodon. Dentes setacei, flexiles con-
fertissimi, numerosissimi. Membr. branch.
rad.
VI. corpus pictum, pinna dorsi anique
carnosa squamosa.

1. Rostratus. C. cauda integra, spinis pinnae
dorsalis
IX. maculaque ocellari, rostro cylin-
drico.
*

Philos. Trans. 1765. tab. IX.

In Ostindien. Hat so wie die verwandten
Gattungen dieses Geschlechts vortrefliche Far-
ben. Der Oberkiefer endigt sich in eine Röhre,
wodurch das Thier die Insecten die an allerhand
Wasserpflanzen sitzen, bespritzt, daß sie herab-
fallen und ihm zur Speise werden müssen.

2. macrolepidatus. C. cauda integra, spinis
dorsalibus
XI, radio dorsali quarto filiformi
longissimo
. *

seba vol. III. tab. XXV. fig. 8.

In Ostindien.

37. sparvs. Dentes primores robusti, molares
obtusi, conferti. Labia duplicata. Membr.

[Seite 313] branch. rad. V. corpus compressum. Pinnae
pectorales rotundatae
.

1. Aurata. der Goldbrachsen. S. lunula au-
rea inter oculos.
*

rondelet pag. 115.

Hat fast in allen Sprachen seinen Namen von
dem goldnen halben Monde vor den Augen.

2. Sargus. der Geißbrachsen. S. ocello sub-
caudali, corpore fasciis nigris
. *

rondelet pag. 122.

Aenelt dem vorigen Fisch in der Bildung und
Lebensart. Die Männchen sollen zur Begat-
tungszeit sehr hitzig wie Säugethiere oder Vogel
um ihre Geliebte kämpfen.

38. labrvs. Dentes acuti, labia simplicia.
Membr. branch. rad.
VI. pinnae dorsalis ra-
dii postice ramento filiformi aucti. Pecto-
rales acuminatae
.

1. Iulis. der Meerjunker. L. lateribus caeru-
lescentibus, vitta longitudinali fulua vtrim-
que dentata.
*

gesner pag. 549.

Im Mitländischen Meer. Nur Fingers lang,
und blos seiner ausnehmend schönen Farbe we-
gen merkwürdig. Wird den Badenden durch
seinen Biß lästig der wie Mückenstiche schmerzt.

39. sciaena. Caput..... Membr. branch.
rad.
VI. opercula squamosa et totum caput.
Corpus: fossula dorsi pro pinna dorsali re-
condenda.

[Seite 314]

1. umbra. S. nigro varia, pinnis ventralibus
integerrimis
.

Im Mitländischen Meer.

40. perca. Opercula squamosa, serrata.
Membr. branch. rad.
VII. Corpus pinnis
spinosis
.

1. †. Fluuiatilis. der Baarsch. (Fr. la perche,
Engl. the perch.) P. pinnis dorsalibus di-
stinctis, secunda radiis
XVI.*

Bloch tab. LII.

Von mehrern Seiten einer der vorzüglichsten
Flußfische.

2. †. Lucioperca. der Zander, Sandbarsch,
Schiel. P. pinnis dorsalibus distinctis, se-
cunda radiis XXXII.
*

Bloch tab. LI.

Ein sehr schmackhafter Raubfisch des nordli-
chern Europa.

3. †. Cernua. der Kaulbarsch. (Engl. the ruffe)
P. pinnis dorsalibus vnitis radiis
XXVII. spinis
XV, cauda bifida.

Bloch tab. LIII. fig. 2.

41. gasterostevs. Membr. branch. rad. III.
corpus ad caudam vtrimque carinatum.
Pinnae ventrales pone pectorales, sed supra
sternum
.

1. †. Aculeatus. der Stichling. (spinarella.
Engl. the stickleback.) G. spinis dorsalibus
tribus
. *

Bloch tab. LIII. fig. 3.

[Seite 315]

2. Volitans. G. spinis dorsalibus XIII. cirris 6,
pinnis pectoralibus corpore longioribus
. *

seba vol. III. tab. XXVIII. fig. 1.

Um Amboina. Einer der fliegenden Fische.

42. scomber. Caput compressum, laeue.
Membr. branch, rad.
VII. corpus laeue, li-
nea laterali poslice carinatum. Pinnae spu-
riae saepe versus caudam.

1. †. scomber. die Makrele. (Fr. le maquereau.
Engl. the mackrel) S. pinnulis V.

Bloch tab LIV.

Im Nordischen und Atlantischen Meer etc. Wie
der folgende ein gefräßiger aber schmackhafter
Raubfisch. Von beiden machten die Alten ein
vorzügliches Garum (§. 119).

2. †. Thynnus. der Thunnfisch. (Fr. le thon.
Engl. the tunny) S. pinnulis vtrimque 8. *

Bloch tab. LV.

In der Nordsee, Mitländischen Meer, Ost-
und Westindien etc. Wird über Manns-lang
und dann wol gegen 5 Centner schwer*).

43. mvllvs. Caput compressum, decliue, squa-
mis tectum. Membr. branch. rad
. III. Cor-
pus squamis magnis facile deciduis.

1. Barbatus. der Rothbart, die Meerbarbe.
M. cirris geminis, corpore rubro.

gesner pag. 667.

[Seite 316]

Ein sehr schöner und vorzüglich schmackhafter
Fisch des Mitländischen Meers. Ohngefähr
Fus-lang.

44. trigla. Caput loricatum lineis scabris.
Membr. branch. rad
. VII. Digiti liberi ad
pinnas pectorales
.

1. †. Hirundo. die Seeschwalbe. (Fr. la ca-
bote
. Engl. the tub fish) T. digitis ternis,
linea laterali aculeata.
*

Bloch tab. LX.

2. Volitans. T. digitis vicenis membrana pal-
matis.
*

gesner pag. 514.

Beides fliegende Fische.


VI. ABDOMINALES.

Fische, deren Bauchflossen hinter den Brust-
floßfedern sitzen. Sie leben größtentheils in
süßen Wassern.

45. cobitis. Oculi in suprema capitis parte.
Membr. branch. rad
. IV–VI. Cauda versus
pinnam minus angustata
.

1. anableps. C. cirris 2. capite depresso, oculis
prominulis.

seba vol. III. tab. XXXIV. fig. 7.

Bey Surinam. Gebiert lebendige Junge,
and wird besonders (wie obgedacht §. 112.) durch
[Seite 317] den ganz einzigen Bau seiner gleichsam in zwey
Abschnitte halbirten Hornhaut des Auges, und
übrige Einrichtung der Augäpfel, merkwürdig.

2. †. Barbatula. der Schmerling, Grundel,
Bartgrundel. (Fr. la loche) C. cirris 6, ca-
pite inermi compresso.
*

Bloch tab. XXXI. fig. 3.

Ein bekannter schmackhafter kleiner Fisch, wo-
von es mehrere Spielarten, mit und ohne Bart-
fäden etc. giebt. Die größten finden sich in der
Aar in der Schweiz.

3. †. Fossilis. der Wetterfisch, Peizker,
Schlammbeisker, die Pipe, Steinpietsche,
Kurrpietsche. C. cirris 8, spina super oculus.*

Bloch tab. XXXI. fig. 1.

Giebt wie der Knurrhan einen Laut von sich;
wenn man ihn in Gläsern mit Sand am Boden,
erhält, so wird er bey jeder bevorstehenden Wet-
terveränderung unruhig.

46. amia. Caput osseum, nudum, scabrum,
suturis conspicuum. Dentes in mandibulis
palatoque acuti, conferti. Cirri nasales
2.
Membr. branch. radiis XII. corpus squa-
mosum
.

1. calua. A. cauda macula nigra.

In Carolina.

47. silvrvs. Caput nudum. Os cirris filifor-
mibus tentaculatum. Membr. branch. rad.

IV-XIV. Radius pinnarum pectoralium aut
dorsalis primus spinosus, retrodentatus
.

[Seite 318]

1. †. Glanis. der Wels, Schaidfisch. S. pinna
dorsali vnica scapulari mutica, cirris
6.

Bloch tab. XXXIV.

Der größte Süswasserfisch, der wol 3 Cent-
ner am Gewicht hält, und wegen des unförmlich
großen und breiten Kopfes und der langen Bart-
fäden ein sonderbar Ansehn hat. Er soll wol eher
selbst Menschen und Pferde etc. aufgefressen haben.

2. cataphractus. S. pinna dorsali postica vnira-
diata, squamis ordine simplici, cirris
6 cauda
integra
. *

catesby vol. III. tab. XIX.

In Nordamerica.

3. electricus. der Zitter-Wels, Raasch. S. pinna
dorsali vnica lumbari, remota absque radiis.
cirris
6.

broussonet in den mém. de l'ac. des sc.
Paris
, 1782. tab. XX.

Die dritte bis jetzt bekannte Fisch-Gattung
die einen electrischen Schlag mitzutheilen im
Stande ist*). Findet sich im Nil u.a. Afrikani-
schen Strömen. Wird ohngefähr 20 Zoll lang.
Ist doch eßbar.

48. tevthis. Caput antice subtruncatum.
Membr. branch. radiis
V. Dentes simplici
serie aequales, rigidi, approximati
.

1. hepatus. T. spina vtrinque caudali recum-
bente mobili
.

seba vol. III. tab. XXXIII. fig. 3.

In beiden Indien.

[Seite 319]

49. loricaria. (Fr. cuirassier) Caput laeue de-
pressum. Os edentulum retractile. Membr.
branch. radiis
VI. corpus cataphractum.

1. cataphracta. L. pinna dorsi vnica, cirris
duobus
. *

seba vol. III. tab. XXIX. fig. 14.

In Süd-America.

50. salmo. Caput laeue. Dentes in maxillis,
lingua. Membr. branch. rad.
IV-X. pinna
dorsalis postica adiposa; pinnae ventrales
multiradiatae.

1. †. Salar. der Lachs, Salm. (Fr. le sau-
mon
. Engl. the salmon) S. rostro vltra in-
feriorem maxillam prominente
. *

Bloch tab. XX. XCVIII.

In den nordischen Meeren und Flüssen. Hält
sich des Sommers in den Flüssen, im Winter
aber in der See auf. Wird besonders um die
Laichzeit sehr von Würmern (Lernaea salmo-
num
) hinter den Kiefern geplagt, daher er oft
aus Unruhe schnelle Sprünge übers Wasser thut.
Nur die Männchen haben einen gebogenen Un-
terkiefer.*)

2. †. Trutta. die Lachs-Forelle. (Fr. la truits
saumonée
. Engl. the sea trout) S. ocellis
nigris iridibus brunneis, pinna pectorali
punctis
6. *

Bloch tab. XXI.

Wird wol 8-10 Pfund schwer.

[Seite 320]

3. †. Fario. die Forelle. (Fr. la truite. Engl.
the trout) S. maculis rubris, maxilla infe-
riore sublongiore
.

Bloch tab. XXII. XXIII.

Dieß schöne, muntre und doch leicht kirre Thier
lebt in schattichten kalten Waldbächen auf kie-
sichtem Grund, wird selten über zwey Pfund
schwer. Variirt gar sehr an Farbe und Ge-
schmack.

4. †. Alpinus. die Alpenforelle, der Rothfisch.
S. dorso nigro lateribus caeruleis, ventre
fuluo
. *

Bloch tab. CIV.

Im Alpinischen und Nordischen Europa. Zu-
mal ein sehr wichtiges Thier für die Schwedi-
schen Lappen, deren beynah einzige Nahrung es
zu Zeiten ausmacht; lebt fast blos von Mücken
(culex pipiens).

5. †. Eperlanus. der Stint, Alander. (Engl.
the smelt) S. capite diaphano, radiis pinnae
ani
XVII. *

Bloch tab. XXVIII. fig. 2.

Im nordlichern Europa.

6. †. Lauaretus. der Schnepel, Weisfisch.
S. maxilla superiore longiore, radiis pinnae
dorsi
XIV. *

Bloch tab. XXV.

In der Nord- und Ostsee.

Einige verwandte und wegen ihres ausneh-
mend schmackhaften Fleisches berühmte Fische
sind nur noch nicht genau genug bestimmt um
[Seite 321] entscheiden zu können ob sie als blose Spielarten
der Schnepel oder für besondre Gattungen an-
gesehen werden müssen.

Dahin gehören z.B. die Felchen, und der
Aalbock im Thuner-See, der mir wenigstens
mit der berühmten*) Ferra des Genfer-Sees
einerley zu seyn scheint.

51. fistvlaria. Caput: rostrum cylindricum,
apice maxillosum. Membr. branch. radiis

VII. corpus.....

1. tabacaria. F. cauda bifida setifera.

catesby vol. II. tab. XVII. fig. 2.

In Nordamerica.

52. esox. Caput supra planiusculum; mandi-
bula superiore plana breuiore, inferiore
punctata: dentes in maxillis, lingua. Membr.
branch. rad
. VII-XII.

1. †. Lucius. der Hecht. (Fr. le brochet. Engl.
the pike) Q. rostro depresso subaequali. *

Bloch tab. XXXII.

Einer der gefährlichsten Raubfische, der nicht
Nur andere Fische, sondern auch allerhand Am-
phibien, auch Kröten, viele Wasservögel und
Säugethiere, auch zuweilen gar Krebse ver-
schlingt. Er wird wol auf dreisig Pfund schwer,
und über hundert Jahre alt.

2. †. Belone. der Hornfisch. (Fr. l'orphie. Engl.
the garpike) L. rostro vtraque maxilla su-
bulato. *

[Seite 322]

Bloch tab. XXXIII.

Ein schmackhafter Fisch. Seine Gräten sind
grün, als wenn sie mit Saftfarbe angestrichen
wären. Daß sie aber im Finstern leuchten soll-
ten, wie Linne sagt, muß wenigstens nicht
immer seyn.

53. elops. Caput laeue. Dentium scabrities in
maxillarum margine, palato. Membr. branch.
radiis
XXX; praeterea exterius in medio ar-
mata dentibus
V.

1. saurus. E. cauda supra infraque armata.

Auf Jamaica.

54. argentina. Caput: dentes in maxillis
lingua. Membr. branch. radiis
VIII. Cor-
pus ano caudae vicino. Pinnae ventrales
multiradiatae
.

1. carolina. A. pinna anali radiis XV.

catesby vol. II. tab. XXIV.

Hat den Namen von seinem Vaterlande.

55. atherina. Caput maxilla superiore pla-
niuscula. Membr. branch. radiis
VI. Corpus
fascia laterali argentea.

1. hepsetus. A. pinna ani radiis fere XII.

Im Mitländischen Meere.

56. mvgil. Caput: Labia membranacea: in-
ferius introrsum carinatum. Dentes nulli.
Denticulus inflexus supra sinus oris. Membr
.
[Seite 323] branch. radiis VII. curuis. Opercula laeuia
rotundata. Corpus albicans.

1. cephalus. M. pinna dorsali anteriore quin-
queradiata
. *

gesner pag. 649.

Im Mitländischen u.a. Meeren.

57. exocoetvs. Caput squamosum. Os eden-
tulum, maxillis vtroque latere connexis.
Membr. branch. rad
. X. Corpus albicans,
abdomen angulatum, pinnae pectorales ma-
xime volatiles, radiis, antice carinatis
.

1. Volitans, der fliegende Häring. E. abdo-
mine vtrinque carinato
. *

gesner pag. 653.

Der häufigste aller fliegenden Fische. Findet
sich meist in allen wärmern Weltmeeren; theils
in unsäglicher Menge.

58. polynemvs. Caput compressum, vndique
squamosum: rostro obrusissimo prominente.
Membr. branch. radiis
VII. s. V. corpus di-
gitis liberis ad pinnas pectorales
.

1. quinquarius. P. digitis quinque corpore lon-
gioribus
. *

seba vol. III. tab. XXVII. fig. 2.

In Westindien.

59. mormyrvs. Caput laeue. Dentes plures,
emarginati. Apertura branchiarum linearis
[Seite 324] absque operculo. Membr. branch. radio
I.
corpus squamosum.

1. cyperinoides. M. cauda bifida acuta.

Im Nil.

60. clvpea. Caput maxillarum superiorum
mystacibus serratis. Membr. branch. rad.

VIII. Branchiae interne setaceae. Abdo-
minis carina serrata. Pinnae ventrales saepe
nouemradiatae.

1. †. Harengus. der Häring, Ströhmling.
(Fr. l'hareng. Engl. the herring) C. imma-
culata, maxilla inferiore longiore.
*

Bloch tab. XXIX.

Einer der wichtigsten Fische für die nordliche
Erde, der zwar von Menschen und sehr vielen
Thieren (zumal vom Nordkaper, von manchen
Möven-Gattungen etc.) verfolgt wird, sich aber
auch dagegen unglaublich vermehrt. Besonders
sind nun seit dem zwölften Jahrhundert bey Ge-
legenheit ihrer großen äußerst bestimmten, regel-
mäßigen Sommer-Reisen nach den Europäi-
schen Küsten, zumal nach den Orcaden, nach Nor-
wegen etc. einige tausend Europäer mit ihrem
Fang beschäftigt. Wilhelm Benkelszoon von
Bierfliet in Flandern hat 1416 zuerst Häringe
eingesalzen.

2. †. sprattus. die Sprotte, der Breitling.
(Fr. la surdine. Engl. the sprat) C. pinna
dorsali radiis
XIII. *

Bloch tab. XXIX. fig. 2.

[Seite 325]

Ebenfalls in den nordlichen Meeren, aber
auch im Mitländischen. Ist von vielen Natur-
forschern irrig für den jungen Häring gehalten
worden.

3. †. Alosa. die Alse, der Mutterhäring, May-
fisch. (Fr. l'alose Engl. the shad) C. late-
ribus nigro maculatis, rostro bifido
. *

Bloch tab. XXX. fig. 1.

Vorzüglich häufig im Mitländischen Meere.

4. †. Encrasicolus. die Sardelle, der Anscho-
vis. (Fr. l'anchois) C. maxilla superiore lon-
giore
. *

Bloch tab. XXX. fig. 2.

Ein sehr beliebter kleiner Fisch. Hat meist
gleiches Vaterland mit dem vorigen. Wird vor-
züglich häufig bey Gorgona ohnweit Livorno ge-
fangen.

61. cyprinvs. Caput ore edentulo. Os nasale
bisulcum. Membr. branch. rad.
III. Cor-
pus laeue albens. Pinnae ventrales saepe
nouemradiatae
.

1. †. Barbus. die Barbe. C. pinna ani radiis
7, cirris 7, pinnae dorsi radio secundo
vtrinque ferrato
.

Bloch tab. XVIII.

2. †. Carpio. der Karpe. ( Fr. la carpe. Engl.
the carp) C. pinna ani radiis 9, cirris 4,
pinnae dorsalis radio postice serrato. *

Bloch tab. XVI.

In ganz Europa. Soll mit verwandten Gat-
tungen, zumal mit der Karausche, Bastarden
[Seite 326] geben. Auch finden sich unter den Karpen häu-
figer Misgeburten als unter irgend einer andern
bekannten Fischgattung. Ihres hohen Alters ist
oben gedacht.

Die Spiegelkarpen*), die sich besonders
durch die beständig von Schuppen entblößten
Theile des Körpers auszeichnen, sind doch nicht
blos für eine Spielart sondern für eine besondre
Gattung dieses Geschlechts anzusehen.

3. †. Tinca. die Schleihe. (Fr. la tanche. Engl.
the thench) C. pinna ani radiis XXV, cauda
integra, corpore mucoso cirris
2. *

Bloch tab. XIX.

In sacht fließenden Wassern mit leimichtem
Boden; seltner in großen Flüssen, wie im Rhein,
in der Tiber etc. Auch sie giebt einen Laut mit
den Kieferdeckeln von sich. Die Goldschleihe**)
die sich zumal in Schlesien findet, ist einer der
prachtvollsten deutschen Fische.

4. †. Carassus. die Karausche. (Fr. le carassin.
Engl. the crucian) C. pinna ani radiis X,
cauda integra, linea laterali recta. *

Bloch tab. XI.

5. Auratus. das Schinesische Goldfischgen, der
Goldkarpfe, Kin-ju. (Fr. la dorée. Engl.
the goldfish) C. pinna ani gemina, caudae
transuersa bifurca.
*

Bloch tab. XLIII. XCIV. fig. 1-3.

iob. baster in Haarlem. Verhandl. VII.
D. I. St. mit. illum. Fig.

[Seite 327]

Ein überaus schön gezeichnetes Thier, was in
den Flüssen von Schina und Japan zu Hause ist.
Man hält sie dort ihrer schönen Auror-Farbe und
ihrer Munterkeit wegen auf den Zimmern in
Porcellan-Gefäßen: und sie kommen auch recht
gut in Europa fort, wo sie zuerst 1691 nach
England gebracht worden sind.

6. †. Phoxinus die Elritze. (Fr. le vairon. Engl.
the minow) C. pinna ani radiis VIII, macula
fusca ad caudam, corpore pellucido.
*

Bloch tab. VIII. fig. 5.

Ein schöner und sehr schmackhafter kleiner
Fisch. Häufig in der Weser.

7. †. Orfus. der Orf, Urf, Würfling, Elft.
C. pinna ani radiis XIII. *

Bloch tab. XCVI.

Zumal im südlichen Deutschland. Ausnehmend
schön Orangenfarben.

8. †. Alburnus. Ukley, Weisfisch. (Fr. l'ab-
lette
. Engl. the bleak) C. pinna ani rad. XX.*

Bloch tab. VIII. fig. 4.

Ein sehr gemeiner Fisch, dessen Schuppen zur
Verfertigung der Glasperlen gebraucht werden.*)

9. †. Brama, der Bley, Brachsen. C. pinna
ani radiis
XXVII, pinnis fuscis.*

Bloch tab. XIII.

Wegen seiner starken Vermehrung und schmack-
haften Fleisches einer der wichtigsten Fische
Deutschlands.


Achter Abschnitt.
Von den Insecten
.

[Seite 328]

§. 122.

Die letzten beiden Classen des Thierreichs, die
Insecten und Gewürme unterscheiden sich schon
dadurch von den vorhergehenden, daß sie kein
rothes Blut, sondern statt dessen einen weißlich-
ten Saft in ihrem Körper führen: weshalb sie
auch von den Alten Blutlose Thiere (animalia
exsanguia
) genannt wurden.

§. 123.

Die Insecten haben ihren Namen daher,
weil wenigstens in ihrem vollkommenen Zustande,
Kopf, Beust und Hinterleib, wie durch Ein-
schnitte von einander abgesondert sind, ja bey
den mehresten fast nur wie durch einen Faden
unter sich verbunden werden. Ausserdem zeichnen
sie sich aber auch durch besondre Fäden aus, die
sie in ihren vollkommnen Zustand an der Stirne
tragen, (Antennae, Fühlhörner) und die alle-
mal an der Wurzel eingelenkt, meist aber auch
noch ausserdem gegliedert sind; ferner durch die Lage
der Kinnladen, die sich bey denjenigen Insecten,
[Seite 329] so damit versehen sind, nicht wie bey allen roth,
blütigen Thieren horizontal auf und nieder, son-
dern seitwärts hin und her bewegen: und end-
lich durch die größere Anzahl Füße, da die voll-
kommenen Insecten zum allermindesten ihrer
sechs, manche aber wol auf anderthalbhundert etc.
haben.

§. 124.

Ausser den angegebenen Merkzeichen, haben
die Insecten wenige Eigenschaften, die ihnen
allen gemein wären. Die ganz unermeßliche
Anzahl der Gattungen, ihre so unendlich ver-
schiedenen Bestimmungen, und dahin abzwek-
kende eben so verschiedene Lebensart, Bedürf-
nisse etc. erfordern einen äußerst mannichfaltigen
Körperbau, in welchem sie, so wie in der un-
gleichen Größe ihres Körpers ausnehmend
von einander abweichen.

§. 125.

Selbst die äußere Bedeckung ihres Körpers
ist weit mannichfaltiger als bey den übrigen
Thieren. Sehr viele sind wie mit einem horn-
artigen Panzer überzogen, der aus mehrern
Stücken besteht die sich wie die Schienen eines
Blechhandschuhes über einander schieben lassen;
und wodurch diese Thiere für mancherley Unfällen
gesichert, und für den Mangel der Knochen die
bey andern Thieren zur Grundlage der Muskeln
[Seite 330] u.a. weichen Theilen dienen, entschädigt. Man-
che sind mit feinen aber meist steifen Haaren be-
setzt, die ihnen zur Vertheidigung dienen, da sie
ein empfindliches brennen und jucken in der Haut
verursachen, und bey einigen die Flügel mit klei-
nen Federgen, oder vielmehr Schuppen bedeckt.
die zum Theil von den schönsten Farben sind: so
wie sich überhaupt unter den Insecten, vorzüg-
lich unter den Käfern und Schmetterlingen,
Thiere von ganz unbeschreiblicher Schönheit
finden.

§. 126.

Auch in der Einrichtung der Sinnwerk-
zeuge, und also vermuthlich auch in der Art der
Empfindung (§. 29.), weichen die Insecten gar
sehr von den übrigen Thieren ab. So daß ihnen
sogar viele berühmte Männer verschiedne von
unsern fünf äussern Sinnen gänzlich abzusprechen,
oder andre uns unbekannte Sinne zuzuschreiben
gewagt haben.

§. 127.

Die Augen der Insecten sind vorzüglich merk-
würdig, und zwar in Rücksicht ihres Baues von
zweyfacher Art. Die einen sind ungeheure Halb-
kugeln, die aber aus vielen tausend Facetten,
oder wie es Swammerdam's mühseliger Fleiß
erwiesen hat, eigentlich aus eben so viel beson-
dern kleinen Augen bestehen. Die mehresten
[Seite 331] geflügelten Insecten, aber auch manche unge-
flügelte, wie der Hummer etc. haben dergleichen.
Die Augen der andern Art (ocelli, stemmata)
sind einfach, klein, und sowol in Rücksicht ihrer
Anzahl als Lage verschieden. Die erstern schei-
nen mehr für die Ferne, so wie die letztern für
die Nähe bestimmt zu seyn; und darum kriegen
die Schmetterlinge in ihrem geflügelten voll-
kommnen Zustande solche große componirte tele-
scopische Augen, da sie vorher als Raupen nur
myopische kleine Augen hatten. Nur wenige
Insecten, wie z.B. die Krebse, können ihre
Augen bewegen.

§. 128.

Die Fühlhörner (§. 123.) die Linné und
andre berühmte Männer für Werkzeuge beson-
derer, den Insecten eigener Sinne angesehen
haben, scheinen doch nichts weiter zu seyn, als
was ihr Name andeutet. – Werkzeuge
des Gefühls, Sonden, Tangenten, die ihnen
bey ihrer harten unempfindlichen äussern Decke,
und bey der Unbeweglichkeit ihrer Augen doppelt
Wichtig werden. Die Insecten scheinen das
feinste Gefühl in ihren Antennen, wie wir in
den Fingerspitzen, zu haben; und da sie großen-
theils im finstern leben, dadurch, so wie Blinde,
den Mangel des Lichts durch feines Gefühl zu
ersetzen.

§. 129.

[Seite 332]

Im innern Körperbau*) weichen die In-
secten gar sehr von den rothblütigen Thieren ab.

Ihr Gehirn ist so klein und einfach daß es
kaum den Namen davon verdiene; so wenig als
das daran hängende Rückenmark, das bey ihnen
längst des Bauches liegt.

Was man das Herz der Insecten nennt, ist
folgends so sonderbar gebildet, daß man es
schwerlich dafür erkennen kan. Es ist ein langer
Canal von ungleicher Weite der längst des Rückens
liegt, aus welchen aber nicht eine einzige Ader
entspringt, als von welchen man überhaupt – bey
den Raupen wenigstens – keine Spur findet, so
daß folglich auch die Ernährung bey diesen In-
secten auf eine eigne, von der Nutrition der roth-
blütigen Thiere ganz verschiedne Art vor sich
Zehen muß.

Hingegen sind sie mit unzähligen Luftröhren
vom erstaunenswürdigsten feinsten Bau, und mit
äußerst zahlreichen Muskeln (§. 26.), die aber
auch sowohl in der Bildung als in der Farbe von
den Muskeln der rothblütigen Thiere abweichen,
versehen.

So unentbehrlich ihnen die Luft, zur Be-
wegung der Muskeln u.a. Verrichtungen ist,
[Seite 333] so bemerkt man doch kein, eigentliches wahres
Athemholen au ihnen; auch ist die mephitische
Luft worin animalische und vegetabilische Sub-
stanzen faulen und die den rothblütigen Thieren
tödlich ist, gleichsam das wahre Element der In-
secten worin sie sich treflich wohl befinden.

§. 130.

Der Aufenthalt der Insecten ist weit un-
beschränkter, als der von irgend einer andern
Thierclasse. Sie sind so zu sagen in allen Ele-
menten verbreitet: man wird zumal im
Sommer kaum eine Spanne breit
Erdreich untersuchen können, ohne Spuren von
Insecten zu finden: es sind fast auf allen Thie-
ren ohne Ausnahme welche anzutreffen, so daß
sogar größere Insecten, wie z.B. Käfer, Bie-
nen etc. selbst wieder ihre besondere Milben und
Läuse haben. Eben so sind auch wohl nur sehr
wenige Gewächse (etwa der Taxus, der Seven-
baum etc.) die gar keinen bekannten Insecten zur
Wohnung und Aufenthalt dienen. Da hinge-
gen manche wie z.B. die Eiche von mehr als
einem hundert verschiedener Gattungen von Insec-
ten bewohnt und besucht werden. Kurz, diese kleinen
Thiere machen gleichsam eine unsichtbare Welt
für sich aus, die zwischen die ganze übrige orga-
nisirte Schöpfung eingeschoben ist.

So allgemein aber die Insecten, im Gan-
zen genommen, über die ganze Erde verbreitet
[Seite 334] sind, so streng ist doch dagegen einer jeden ein-
zelnen Gattung ihr besonderer eingeschränkter
Aufenthalt auf bestimmten Thieren oder Pflan-
zen, und deren einzelnen Theilen angewiesen: so
wie auch manche sich sogar nur in einer gewissen
Jahrszeit oder Tageszeit am gleichen Orte auf-
halten, und nachher Insecten andrer Art Platz
machen müssen: so daß kein Thier das andere in
den Geschäften stören darf, die ihm zu seiner
eignen Erhaltung oder zum Wohl des Ganzen
von der Hand des Schöpfers übertragen sind.

§. 131.

Nur wenige Insecten leben in gesellschaft-
licher Verbindung, und leisten sich in ihren
Geschäften wechselseitige Hülfe. Die allermei-
sten gehen einzeln und isolirt ihren Verrichtun-
gen nach, und manche, die wie die Spinnen in
zahlreicher Gesellschaft jung worden sind, zer-
streuen sich bald nachher, und leben einsiedlerisch,
so, daß viele außer der Begattungszeit kein an-
deres Geschöpf ihrer Art nachher wieder zu sehen
kriegen.

§. 132.

Der überaus merkwürdigen Gebäude, Woy-
nungen etc. die sich so viele Insecten zu verferti-
gen wissen, ist schon oben bey Anlaß der Kunst-
triebe (§. 36.) Erwähnung geschehn. Es sind
wenige Thiere dieser Classe, die nicht wenigstens
[Seite 335] einmal, in einer gewissen Periode ihres Lebens
Proben dieser natürlichen Kunstfähigkeit ablegen
sollten, indem sie entweder wie die Kleidermotten
und Frühlingsfliegen in ihrer unvollkommenen
Gestalt, als Larven, sich ein Gehäuse zum Auf-
enthalt und zum Schutze verfertigen, oder sich,
um die Verwandlung und den langen Todeschlaf
zu bestehen, ein Lager bereiten, oder sich ein-
spinnen, oder die sich wie die Ameisenlöwen Fal-
len, und wie die Spinnen Netze für ihren Raub
verfertigen, oder die doch wenigstens, wie man-
che Wasserkäfer und Spinnen, zur Sicherheit
für ihre Nachkommenschaft, Säcke oder Nester
zubereiten, denen sie ihre Eyer anvertrauen kän-
nen. Manche von denen, die in gesellschaftli-
cher Verbindung leben, bauen sich mit vereinte
Kräften, und nach den Gesetzen einer äußerst
regelmäßigen ihnen angebornen Meßkunst, ge-
meinschaftliche Wohnungen: einige andere In-
secten hingegen, denen der Schöpfer keinen Kunst-
trieb zur eignen Verfertigung eines Nestes etc.
verliehen hat, beziehen doch wie der sogenannte
Einsiedlerkrebs etc. leerstehende ausgestorbene
Schneckenhäuser, die sie mit der Zeit, wenn sie
ihnen zu enge werden sollten, leicht mit andren
geräumigern vertauschen können.

§. 133.

Die Nahrung der Insecten entspricht meh-
rentheils ihrem Aufenthalt: und sie ist einer der
[Seite 336] erstaunenswürdigsten wunderbarsten Beweise von
der unendlich weisen Einrichtung in der großen
Haushaltung der Natur. Die Insecten sollen
nicht blos essen um satt zu werden, um sich zu
ernähren, sondern um das Gleichgewicht zwi-
schen beiden organisirten Reichen zu erhalten, um
Aas zu verzehren, um selbst wieder andre leben-
dige Insecten aufzureiben etc., um Unkraut zu
vertilgen u.s.w. eine große Bestimmung, zu
deren Erfüllung diesen kleinen Thiergen, theils
ihre fast unglaublich starke Vermehrung, theils
ihr unersättlicher Appetit zu statten kommt. Man
weis, daß eine Raupe in 24 Stunden das Tri-
plum ihres eignen Gewichts verzehren kan.

§. 134.

Für den Nachstellungen ihrer Feinde sind
einige Insecten, wie z.B. die Spannraupen
durch ihre täuschende Gestalt; andere dadurch
daß sie einerley Farbe mit den Gewächsen haben,
worauf sie leben, und folglich weniger darauf ab-
stechen, nicht so leicht bemerkt werden können,
andere durch den Gestank, den sie im Nothfall
verbreiten können; andere durch die Macht des
gesellschaftlichen Lebens (§. 34.); noch andre durch
ihre bewundernswürdige Stärke (§. 26.) etc. ge-
sichert. Und manche sind gar mit Waffen, z.
B. mit Hörnern wie Kneipzangen, oder mit
Stachel und Gift versehen.

§. 135.

[Seite 337]

Es giebt unter den Insecten sehr wenige
Hermaphroditen*) sondern es herrscht bey den
allermehresten der gleiche Geschlechtsunterschied,
wie bey allen Thieren der vorigen Classen. Hin-
gegen sind oft in derselben Gattung die beiden
Geschlechter einander so unähnlich gebildet, daß
man sie ehr für ganz verschiedene Thierarten, als
für zusammen gehörige Gatten halten sollte. Un-
ter den Bienen und andern ihnen verwandten In-
secten ist immer die größte Anzahl gänzlich ge-
schlechtlos; das heist sie werden gezeugt und ge-
boren, ohne doch selbst je die Bestimmung, oder
die Fähigkeit zur Empfängnis oder zur Zeugung
zu haben.

§. 136.

Auch die Begattung hat bey verschiednen
Insecten sehr viel sonderbares. Die mehresten
leben in sofern in einer gezwungenen Monoga-
mie, weil sie schlechterdings nicht mehr als ein
einzigesmal in ihrem Leben sich paaren können:
der Tob ist bey ihnen eine so unausbleibliche Folge
der ersten Begattung, daß man sogar ihr Leben
durch verzögerte Paarung verlängern kan.

§. 137.

Auch das eigne hat das Fortpflanzungsge-
schäfte der Insecten, daß bey vielen, wie z.B.
[Seite 338] beym Cochenille-Wurm, beym Sandfloh etc.
das trächtige Weibgen zu einer ganz ungeheuren
Größe anwächst: so daß man z.B. rechnet daß
bey der weißen Ameise die zum gebähren reise
Mutter auf 2000 mal dicker und größer ist als
sie vor der Befruchtung war.

§. 138.

Die mehresten Insecten legen Eyer, die von
den Müttern nach einen bewundernswürdigen
Instinct immer aufs genauste an die bestimmten
der künftigen jungen Brut angemessensten Orte
gelegt werden. Manche legen z.B. ihre Eyer
blos in den Körper lebendiger Insecten anderer
Art, in Raupen; oder in Puppen; oder gar
in andrer Insecten ihre Eyer! denn wirklich krie-
chen zuweilen aus den Eyern der Ringelraupe
statt der jungen Raupe eine eigne Art kleiner
Mückgen aus.

Auch sind die Insecten-Eyer zum Theil, zu-
mal bey den Schmetterlingen, von einer überaus
mannichfaltigen sonderbaren Bildung und Zeich-
nung, und wenn sie von der Mutter an die
freye Luft gelegt werden, mit einer Art Vernis
überzogen, damit sie weder vom Regen abgespült
noch durch andern Zufall leicht zerstört werden
können. Einige wenige Insecten gebären leben-
[Seite 339] dige Junge und manche, wie die Blattläuse
pflanzen sich auf beiderley Weise fort.

§. 139.

Ein äusserst merkwürdiges Phänomen, was
fast blos dieser Thierclasse eigen, wenigstens in
den andern (§. 9. 117.), bey weitem nicht so
auffallend wird, ist ihre Metamorphose. Die
wenigsten Insecten behalten nemlich die gleiche
Gestalt, in der sie zuerst ans Licht gekommen
sind, ihr ganzes übriges Leben hindurch, sondern
sie verwandeln sich größtentheils zu wiederholten
malen in bestimmten Epochen ihres Lebens, und
erscheinen während dieser Auftritte oft in ganz
verschiednen Gestalten, wobey zugleich ihr ganzer
innrer Körperbau (gegen die gemeine Meynung)
auf eine Weise umgeschaffen wird*), die sich
schwerlich anders als mit den Gesetzten des Bil-
dungstriebes (§. 10. u. f.), am wenigsten aber
mit den vermeynten präexistirenden Keimen (§.
7. u. f.) zusammen reimen läßt.

§. 140.

In der Gestalt, wie diese Insecten die sich
einer Metamorphose unterziehen, zuerst aus dem
En kriechen heissen sie Larven. Meist kommen
sie äusserst klein ans Licht, so daß z.B. eine er-
wachsene Weidenraupe 72,000 mal schwerer wiegt
als da sie eben aus dem Ey gekrochen war. Da-
[Seite 340] gegen wachsen sie aber auch desto schneller, so
daß z.B. die Maden der blauen Schmeisfliege
24 Stunden nach dem Auskriechen schon 155 mal
schwerer wiegen als da sie aus dem Eye kamen.

Theils haben diese Larven Füße wie die Rau-
pen und Engerlinge: theils aber keine, wie die
Maden. Flügel haben sie gar noch nicht. Auch
sind sie in diesem Zustand zur Fortpflanzung noch
gänzlich unfähig: sie ernähren sich blos, und
wachsen, und häuten sich mit unter einige mal.

§. 141.

Wenn die Larve merkt, daß die Zeit herbey
kommen ist, so verpuppt sie sich, sie verfertigt
sich eine Verwandlungshülse, in der sie bis zur
letzten Catastrophe ihres Lebens eingeschlossen
bleibt. Manche können sich während dieses Zu-
standes herum bewegen, auch Nahrungsmittel
zu sich nehmen. Andere hingegen verschließen
sich in ihre Puppe, (chrysalis, aurelia) fast
wie in einen Sarg: und bringen einen großen
Theil des Jahrs und ihres Lebens in einem be-
täubenden Todesschlaf, ohne Nahrungsmittel,
und ohne sich von der Stelle zu bewegen, zu.

§. 142.

Allein während der Zeit, da das Geschöpf
so ganz fühllos und erstarrt in seiner Hülse ver-
graben scheint, geht mit ihm selbst die große
[Seite 341] Veränderung vor, daß es aus seinem Larvenstand
zum vollkommnen Insect (Insectum declara-
tum
) umgebildet wird, und nach bestimmter
Zeit verschönert und vervollkommnet aus seinem
Kerker hervorbrechen kan. Manche Insecten
absolviren diese letzte Rolle ihres Lebens in einer
sehr kurzen Zeit. Verschiedne bringen, wenn
sie aus ihrer Hülse kriechen, nicht einmal einen
Mund mit zur Welt, sie fressen nicht mehr, sie
wachsen nicht weiter: jene beiden Bestimmungen
eines organisirten Körpers hatten sie schon als
Larven erfüllt: Jetzt ist ihnen nur noch die dritte
übrig: sie sollen eine Gattin aufsuchen, ihr Ge-
schlecht fortpflanzen, und dann der Nachkom-
menschaft Platz machen, und sterben.

§. 143.

Die unmittelbare Brauchbarkeit der In-
secten ist ziemlich einfach: dagegen aber ist der
Antheil, den diese kleinen unbemerkten Thiere
an der großen Haushaltung der Natur haben, die
Geschäfte die ihnen der Schöpfer zum Wohl des
Ganzen anvertrauet hat, desto mannichfaltiger
und ganz unermeßlich. Die Insecten sind es,
die ganz vorzüglich die bestimmten Grenzen des
Pflanzenreichs, sein verhältnismäßiges Gleich-
gewicht gegen das Thierreich erhalten, und des-
halb unzählige Arten von Unkraut theils im Keim
ersticken, theils, wenns auch aufgewachsen ist,
vertilgen, und seinem fernern Wucher vorbeu-
[Seite 342] gen müssen. Eine nicht gar sehr in die Augen
fallende, aber im Grunde unabsehliche und un-
aufhörliche Arbeit, die schlechterdings als eine
der ersten und kräftigsten Triebfedern im Gange
der Schöpfung angesehen werden muß. Einen
andern ebenfalls äußerst wichtigen Nutzen leisten
so viele Insecten die sich von Aas nähren, im
Miste leben u.s.w. und die dadurch, daß sie
diese widrigen animalischen Substanzen aufzeh-
ren, zerstreuen und durchwirken, von der einen
Seite der Infection der Lust vorbeugen, und
von der andern die allgemeine Düngung des
Erdreichs befördern. Aus jener Rücksicht wer-
den z.B. die Schmeisfliegen in den heißen Erd-
strichen so wohlthätig. Anderseits helfen auch
unzählige Insecten zur Fortpflanzung und Be-
fruchtung der Gewächse, indem sie den Blumen-
staub vom einen zum andern übertragen*)
Manche Thiere dieser Classe, wie die Krebse,
die großen orientalischen Heuschrecken etc. sind eß-
bar. So auch der Honig der Bienen. Die
Seide nutzt zur Kleidung und mancherley andern
Gebrauch. Verschiedne Insecten geben vor-
trefliche Farben, wie die Cochenille den Schar-
lach, der Kermes das Carmoisin. Die Gall-
äpfel werden zur Dinte, und Wachs zu Lich-
tern und tausenderley andern Absichten benutzt.

[Seite 343]

So das Lack, ein Product gewisser ostindischer
Schildläuse, das zu Vernis, zum Siegellack u.
s. w. verbraucht wird. Für die Arzney sind
vorzüglich die spanischen Fliegen, die Kelleresel
und die Ameisen von Belange, und neuerlich
sind auch die Maykäfer, und sogenannten May-
würmer, vom neuen als Hülfsmittel gegen den
tollen Hundsbiß berüchtigt worden.

§. 144.

Nutze und Schade der verschiednen Thier-
classen stehen meist in Verhältnis mit einander:
und so ist auch hier der Nachtheil, den die In-
secten anrichten, zwar mit ihrem unermeßlichen
Nutzen in keinem Vergleich zu bringen, aber
doch im Ganzen genommen, beträchtlicher als
bey andern Thieren. Sehr viele Insecten sind
den Feldfrüchten überhaupt gefährlich, verur-
sachen Miswachs, und verheeren, wie die Zug-
Heuschrecken, junge Saat, und alles, wo sie
auffallen. Manche sind besonders dem Getraide
nachtheilig; andere, wie so viele Raupen, Erd-
flöhe, Engerlinge etc. den Gartengewächsen;
andre Raupen, und Käferlarven etc. den Obst-
bäumen; die Schildläuse besonders der Orangerie:
die Larven einiger Dermestes-Gattungen, und die
Holzraupen den Holzungen: die Ameisen den
Wiesen: die Kackerlacken, die
weissen Ameisen etc. dem Hausgeräthe: die Klei-
dermotten der Wolle, dem Pelzwerk u.s.w.

[Seite 344]

Die Larven vieler kleiner Käfergen den Büchern
und Naturaliensammlungen. Endlich werden
auch einige Arten von sogenanntem Ungeziefer
dem Menschen selbst, so wie den Pferden, Schaa-
fen, Hünern und andern Hausthieren, ja sogar
verschiednen nutzbaren Insecten, den Bienen,
Seidenwürmern etc. auf eine sehr unmittelbare
Weise lästig; und andre, wie die Skorpione etc.
durch ihr Gift, furchtbar.

§. 145.

Die systematische Anordnung wird bey
dieser Classe durch die zahllose Menge der darin
begriffenen Thiere, und durch ihre so sehr ver-
schiedne Bildung, erschwehrt. Ich folge indeß
auch hier dem Entwurf des R. Linné, dessen
Classification der Insecten sich am meisten auf
den ganzen Habitus derselben gründet, und we-
gen der wenigen Ordnungen auch den Vorzug
der Faßlichkeit fürs Gedächtnis hat. Es ver-
steht sich, daß die Charactere allemal vom voll-
kommnen Insect nach überstandner Verwand-
lung etc. hergenommen sind.

I. Ordn. Coleoptera. Käfer. Meist mit
hornartigem Körper. die Flügel falten sich
in der Ruhe zusammen, und sind mit zwey
hornartigen Decken oder Scheiden belegt,
die sich in der Mitte in gerader Linie an
einander schließen.

[Seite 345]

II. Hemiptera. Theils mit einem hornichten
spitzen Rüffel, der vorn an der Brust hinab
liegt: theils mit vier meist kreuzweis zu-
sammengelegten zur Hälfte harten Perga-
mentähnlichen Flügeln etc.

III. Lepidoptera. Schmetterlinge. Mit wei-
chem behaarten Körper, und vier ausge-
spannten Flügeln, die mit bunten Schup-
pen bedeckt sind.

IV. Neuroptera. mit vier durchsichtigen netz-
förmigen oder gegitterten Flügeln.

V. Hymenoptera. mit vier durchsichtigen ge-
aderten Flügeln.

VI. Diptera. Die Insecten mit zwey (unbe-
deckten) Flügeln.

VII. Aptera. Die völlig ungeflügelten In-
secten.

* * *

Zur N. G. der Insecten.

  1. vl. aldrovandi de animalibus insectis. L. VII. Bonon.
    1638. fol.
  2. th. movffet theatrum insectorum. Lond. 1634. fol.
  3. io. raii historia insectorum. Lond. 1710. 4.
  4. io. goedart metamorphosis et historia naturalis insectorum.
    Medioburg
    . 1662. III. vol. 8. (Seltenheit und
    Vorzüge der von ihm Selbst ausgemahlten Exem-
    plare.)
  5. io. swammerdam algemeene Verhandeling van de bloede-
    loose Dierkens
    . Utr. 1669. 4.
  6. ei. biblia naturae. LB. 1737. fol.
  7. mar. sib. merian metamorphosis insectorum Surinamen-
    sium
    . Amst
    . 1705. fol. max. (Die gleich Anmer-
    kung wie bey Goedart.)
  8. iac. l'admiral iun. gestaltverwisselende gekorvene Diert-
    jes
    . Amst
    . 1740. fol.
  9. chr. sepp Nederlandsche Iusectrn. Amst. seit 1762. 4.
  10. Joh. Leonh. Frisch Beschreibung von allerhand In-
    secten in Deutschland. Berl. 1720–38. XIII
    Th. 4.
  11. Aug. Joh. Rösel monatliche Insecten, Belustigungen.
    Nürnd. 1746–61. IV B. 4.
  12. Chr. Fr. C. Kleemann Beyträge dazu. Ebendas. seit.
    1761. 4.
  13. v. linné fundamenta entomologiae. Vps. 1767. 4. it.
    im VII B. von Linnés amoenitatib. academic.
  14. J. H. Sulzers Kennzeichen der Insecten. Zürich
    1761. 4.
  15. Dess. abgekürzte Geschichte der Insecten. Winterthur
    1776. 4.
  16. jac. chr. schaeffer elementa entomologica. Ratisb.
    1766. 4.
  17. ei. icones insectorum Ratisponensium. ib. 1767. 4.
  18. io. ant. scopoli entamologia Carniolica. Vindob. 1763. 8.
  19. io. chr. fabricii philosophia entomologica. Hamb. 1778. 8.
  20. ei. Systema entomologiae. Flensb. 1775. 8.
  21. ei. genera insectorum Kilon. 1776. 8.
  22. ei. Species insectorum. Hamb. 1781. II vol. 8.
  23. de reaumur histoire des insectes. Par.. 1734–42.
    VI vol. 4.
  24. de geer histoire des insectes. Stockh. 1752–77. VI
    vol. 4.
  25. ei. genera et species insectorum. extraxit a. i. retzivs.
    Lips
    . 1783. 8.
  26. geoffroy histoire des insectes des environs de Paris.
    Par
    . 1762. II vol. 4.
  27. io. bapt. schlvga primae lineae cognitionis insectorum.
    Vienn
    . 1767. 8.
* * *
  1. lesser theologie des insectes (trad. de l'allemand) avec
    des remarques de
    p. lyonet. à la Haye
    . 1742.
    II vol. 8.

I. COLEOPTERA (s. Vagini-
pennia
).

[Seite 348]

Die Thiere dieser Ordnung*) werden über-
haupt Käfer genannt, ob man gleich diesen Nu-
men auch dem ersten Geschlechte insbesondere
beylegt. Die Larve, welche allemal aus einem
Ey entspringt, hat Freßzangen, und bey den
mehresten Geschlechtern sechs Füße, die an der
Brust sitzen: bey einigen wie unter den Holz-
böcken ist sie ohne Füße (eine Made). Sie ver-
puppt sich mehrentheils unter der Erde in einer
ausgehölten leimigten Scholle: oder aber, wie
bey den genannten Holzböcken, im Holze. Das
vollkommene Insect kriecht zwar weich aus der
Puppe: seine Haut verhärtet aber in kurzer Zeit
an der Lust: es hat so wie die Larve Kinnladen
am Kopfe, und ist mit harten hornartigen Flü-
geldecken (Elytra) versehen.

1. scarabaevs. Käfer. (Fr. hanneton. Engl.
beetle.) Antennae clauatae capitulo fissili.
Tibiae anticae saepius dentatae.

1. Hercules. S. scutellatus, thoracis cornu in-
curuo maximo: subtus barbato vnidentato,
capitis recuruato: supra multidentato
. *

Rösel vol. IV. tab. V. fig. 3.

[Seite 349]

Eins der größten Insecten; dessen Larve einen
starken Daumen dick, und beynah eine viertel
Ele lang ist. Beym Käfer ist das Horn von
der Stirne aufwärts, und das längere vom
Brustschild im Bogen runterwärts gebogen, so
daß das Thier beide bewegen, und damit fassen
und kneipen kan. Ist in Brasilien zu Hause,
variirt in der Farbe, schmutzig-grün etc.

2. Actaeon. (rhinoceros.) S. scutellatus tho-
race bicorni, capitis cornu vnidentato, apice
bifido
. *

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. A. fig. 2.

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen: ist
aber am Körper noch stärker. Seine Flügel
sind wol zweymal so lang als der Leib, und un-
ter den Flügeldecken zusammengefaltet.

3. †. Lunaris. S. exscutellatus, thorace bi-
corni: intermedio obtuso bifido, capitis cornu
erecto clypeo emarginato
. *

Frisch P. IV. tab. VII.

Hat die Größe vom gemeinen Mistkäfer: ist
ganz schwarz, glänzend, und überaus artig ge-
bildet; zumal das Männgen dessen Brustschild
sehr regelmäßig ausgeschweift ist. Er lebt auf
Wiesen und Viehweiden, vorzüglich im Kuh-
mist: aus dem er, wie andre verwandte Käfergat-
tungen, hohle Kugeln formt; die er einzeln unter
die Erde verscharrt, an Graswurzeln befestigt,
und in jede ein einziges Ey legt; damit die
künftig daraus kriechende Larve aus dem Miste
Nahrung, und bis zu ihrer Verwandlung sichern
Aufenthalt habe.

[Seite 350]

4. †. Nasicornis. der Nashornkäfer. S. scu-
tellatus, thorace prominentia triplici, ca-
pitis cornu incuruato, antennis hepta-
phyllis
. *

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. VII. fig. 8. 10.

Der größte hieländische Käfer: findet sich vor-
züglich in Gerberlohe von Eichenrinde, und in
holen Bäumen: fliegt sehr selten.

5. †. Sacer. S. exscutellatus, clypeo sexden-
tato, thorace inermi crenulato, tibiis pofti-
cis ciliatis, vertice subbidentato
. *

Sulzer Gesch. tab. I. fig.