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[titlePage_recto]
Handbuch
der
Naturgeschichte.

Mit Kupfern.

Multa fiunt eadem sed aliter.

(qvintilian.)

Göttingen,
bey Johann Christian Dieterich,

1779
.
[titlePage_verso]
Ex
Bibliotheca
Acad. Georgiæ
Augustæ

Vorrede.

[[III]]

Der Zweck des gegenwärtigen Werks
scheint deutlich genug, um keiner
weitern Erläuterung zu bedürfen. Es
war nemlich um ein Handbuch zu thun,
was den ersten Umriß der allgemeinen
und besondern Naturgeschichte zugleich
umfassen sollte. Jene hat allerdings ihre
eigne Vorzüge, und es ist auch gesagt
worden, sie sey für Anfänger allein zu-
reichend. Aber es scheint dem grossen
Haufen der Dilettanten, für die doch hier
am meisten gesorgt werden muß, interes-
[[IV]] santer, die besondre Geschichte des Men-
schen, des Elephanten, der Polypen, die
Oekonomie eines Bienenstocks u.s.w. zu
wissen, als sich mit den abstracten Leh-
ren von den allgemeinen Eigenschaften
der Naturalien allein zu begnügen. Nur
muß man unter specieller Geschichte keine
blose trockne Registratur der Gattungen
und ihrer Charaktere verstehen. Das Lin-
neische Systema Naturae und änliche In-
ventarien unsrer neuen Faunisten und
Floristen haben ihre großen Verdienste,
aber wol schwerlich Reiz genug, einen
jungen Menschen aufzumuntern, sich mit
der Natur und der Kentniß ihrer Ge-
schöpfe in etwas vertraut zu machen. Es
[[V]] ist daher meine Absicht gewesen, sowol
die allgemeinen Grundsätze der Naturge-
schichte überhaupt, als auch das anzüg-
lichste aus der Geschichte der merkwür-
digsten Geschöpfe insbesondere, in diesen
Bogen zu vereinigen. Ich pflichte voll-
kommen den erhabnen Begriffen von ei-
nem Compendium bey, die einer der wei-
sesten Menschen, Bacon von Verulam
davon hegte, daß es nemlich der kernige
Inbegriff der wichtigsten Wahrheiten ei-
ner Wissenschafft seyn sollte, die als reine
narhafte Quelle für die Zeitgenossen, und
in Zukunft fürs Archiv der Litteratur
noch als ächte Urkunde dienen sollte, wie
hoch man zu damaliger Zeit in der Wis-
[[VI]] senschaft gestiegen sey. Ich würde mich
daher schwerlich an ein Werk von einer
so ernsten und wichtigen Bestimmung ge-
wagt haben, wenn nicht theils schon mein
Beruf, nemlich die Bearbeitung der theo-
retischen Medicin, und deren ihre nahe
Verwandschaft mit dem Studium der
übrigen Natur, und dann auch die mir
übertragne Unteraufsicht des Akademischen
Musei, die Hoffnung in mir erregt
hätten, dieser Arbeit einigermasen entspre-
chen zu können. Besonders hat mich die
Benutzung dieses Musei, das vielleicht
von manchem an äusrer Pracht oder
Grösse, aber schwerlich von einem an in-
nerer Brauchbarkeit und der durch lange
[[VII]] Jahre und Kosten und Kennerfleis, und
mit einem seltnen Glücke gesammleten
Menge der instructivsten Stücke, über-
troffen wird, in den Stand gesetzt, die
Natur nicht blos aus Büchern, sondern
aus ihr selbst studiren zu können. Es ist
nicht anders möglich, als daß ich bey die-
sen Subsidien vieles neues sehen mußte.
Gleichwol bin ich immer ungern und nie
anders von Linne und andern berümten
Männern abgegangen, als wenn ich der
Warheit schlechterdings eine solche Tren-
nung schuldig war. Es ist noch manches
stehen geblieben, wogegen sich wol meine
Ueberzeugung empörte: aber ich wollte
lieber, daß man einen alten Irthum auch
[[VIII]] einst noch in meinem Buche rügen sollte,
als daß ich in den, der Warheit und den
Wissenschaften weit gefährlichern Fehler
verfallen wollte, eine richtige Lehre aus
Neuerungssucht durch Zweifel verdächtig
zu machen. Darum ist auch unter den
manchen abweichenden neuen Lehren, die
ich in diesem Buche vortrage, keine ein-
zige, von deren Zuverlässigkeit ich mich
nicht durch widerholte Versuche und eigne
Erfahrungen vergewissert hätte. Die Cha-
ractere der Geschlechter und Arten habe
ich lateinisch angegeben, theils der Kür-
ze wegen, theils auch um dadurch den
trocknen Theil des Buchs vom anmu-
thigern sogleich zu unterscheiden. Je-
[[IX]] ner ist für Leute vom Metier, die doch La-
tein verstehen werden, und um reine Regi-
stratur zu halten, immer nothwendig; aber
er ennuyirt die blosen Liebhaber, die sich
um jene kunstmäsige Definitionen, nicht zu
bekümmern brauchen, und in der wenigen
Zeit die sie von ihren Berufsgeschäften
zum Vergnügen auf Naturgeschichte ver-
wenden, nur das Unterhaltendste der Wis-
senschaft verlangen. Denn so wie ich
zwar glaube, daß einige Kenntnis der
Natur allen gebildeten Menschen manchen
wesentlichen Nutzen und viele Unterhal-
tung verschaffen kan, so gewis soll sie
doch auch bey den allermehresten loses
Nebenwerk und Erholungsstudium blei-
[[X]] ben, aber nicht für die basis aller mensch-
lichen Kenntnisse verschrien werden, und
am wenigsten etwa Humaniora u.a. so-
lide Grundwissenschaften verdrängen. Ich
habe so gedrungen zu schreiben gesucht,
als es der Deutlichkeit ohnbeschadet ge-
schehen konnte, wenigstens immer die un-
erträglich langweilige Weitläufigkeit ver-
mieden, womit so manche Werke zur
Naturgeschichte durchwässert sind, und
die sich nur durch Unfähigkeit wie bey
illiteratis (die doch für ihren guten Wil-
len Dank verdienen) oder durch häus-
liche Bedrängnisse entschuldigen läst.
Nur in den ersten Blättern die eine Art
Einleitung seyn sollten, bin ich in etwas
[[XI]] umständlicher gewesen. Ueberhaupt habe
ich meinem Buche den Zuschnitt gege-
ben, daß es sowol als Handbuch für je-
den Liebhaber, als auch zur Grundlage
bey Vorlesungen dienen kan. Es ist zur
letzten Absicht geschmeidig genug, und
hoffentlich wird sich kein Lehrer in Ver-
legenheit finden, im mündlichen Vortrage
noch gnug zusetzen zu können. Was
noch von Pflanzen und Mineralien ge-
sagt werden soll, wird wenig an Bogen
betragen. Von jenen versteht sich, blos
das allgemeine; denn nur die Namen der
Pflanzen-Geschlechter anzuzeigen, ist eine
sterile Arbeit, und sich in Geschichte der Gat-
tungen einzulassen, gehört fürs weite Feld
[[XII]] der Botanik. Den Citationsprunk habe
ich vermieden, und nur hin und wieder
etwa ein anatomisches Werk oder eine
andere von Naturforschern vielleicht bis-
her übersehene Quelle angegeben. Den
Thieren die sich in Deutschland finden,
habe ich ein † vorgesezt: So hat man zu-
gleich eine Art Fauna Germanica, ohne
daß ich doch bey jedem widerholen durfte
daß es Landsleute wären. Ein * am
Ende des Charakters bedeutet, daß ich
das ganze Thier im academischen Museo
oder sonst gesehen habe. Göttingen, den
24. Apr. 1779.

Blumenbach.

Einige Druckfehler die zum Theil abgeschmack-
ten Sinn geben, daher sie der Verfasser vor dem
Gebrauch des Buches, abzuändern bittet.

[[XIII]]

S. 5. Z. 10. statt einige, lies innige. S. 23. Z. 14.
st. neugebohrne l. ungebohrne. S. 113. Z. 3. vom Ende
wiederum st. neugebornen l. ungebornen. S. 116. Z. 4.
vom Ende st. bisweilen l. bey weiten. S. 117. Z. 16. st.
Schneelaurinnen l. Schneelauwinnen. Und Z. 21. st. diese
l. tiefe. S. 119. Z. 15. st. Geschlecht. l. Thiers Geschichte.
S. 123. Z. 12. v. E. st. Tamhirsch l. Tannhirsch. S. 125.
Z. 11. st. seinem l. seinen. S. 142. Z. 9. st. spiritales l. spi-
rales
. S. 158. Z. 8. st. May l. Aprils; und Z. 9. st. Aprils
Mays. S. 185. Z. 15. st. percuopterus l. percnopterus. S.
218. lezte Z. st. 1674. l. 1574. S. 240. Z. 6. v. E. st. de
l. La. S. 406. Z. 8. st. gute l. eigentlich. S. 407. Z. 6.
st. herabsteigen l. herabstürzen.

Verbesserungen und Zusätze.

S. 51. Z. 13. die Worte: sind stumme; andre, wie –
werden ausgestrichen.

S. 143. Z. 4 v. E. st. Junius u. Julius l. May und Junius.

S. 153. Z. 14. Wir haben seit den Abdruck jenes Bogens,
unsre Untersuchung der Luftbehälter bey Vögeln wei-
ter verfolgt: und halten es für eine Hauptbestim-
mung der Zellen im Unterleibe, daß sie die Auslee-
rung des Unraths befördern, und dadurch den Man-
gel eines fleischigen Zwerchfells ersetzen sollen.

S. 208. soll die 13te Zeile heisen: Schlangen, Fröschen
und Kröten.


[interleaf]

Erster Abschnitt.
Von Naturalien überhaupt;
ihrer Eintheilung in drey Reiche
u.s.w.

[Seite 1]

§. 1.

Alle Dinge, die sich auf, und in unsrer Erde
finden, zeigen sich entweder in derselben
Gestalt, in welcher sie aus der Hand der Natur
gekommen; oder so, wie sie durch Menschen
oder Thiere, zu bestimmten Absichten, oder auch
durch bloßen Zufall verändert und gleichsam
umgeschaffen worden sind. Auf diese Verschie-
denheit gründet sich die bekannte Eintheilung
[Seite 2] aller Körper in natürliche (naturalia), und
durch Kunst verfertigte (artefacta). Die
erstern machen den Gegenstand der Naturge-
schichte aus, und man belegt alle Körper mit
dem Namen der Naturalien, die nur noch
keine wesentliche Veränderung durch
Menschenhände erlitten haben; Da hin-
gegen die mehresten von denen so der Zufall um-
geändert hat, und beyläufig auch diejenigen so
durch die Thiere nach ihren Trieben und zu Stil-
lung ihrer Bedürfnisse verändert und umgebil-
det worden, mit unter den Naturalien begrif-
fen werden. Artefacten werden sie blos als-
dann, wenn der Mensch*) wesentliche Ver-
änderungen mit ihnen vornimt. Man rech-
net z.B. die schwammichte Rinde einer Art
Maulbeerbäume (Morus papyrifera) oder die
äussere Schaale einer Cocosnuß doch zu den Na-
turalien, wenn gleich beyde durch Menschen
vom Stamme oder von der Nuß, die sie um-
kleideten, abgelöst worden. Die dadurch mit
ihnen vorgenommene Veränderung ist nicht
Wesentlich genug, um sie deshalb zu Artefak-
ten zu machen. Dies werden sie aber, und sie
verlieren folglich den Namen von Naturalien,
wenn die Chinesen aus jener Rinde Papier, und
[Seite 3] die Utaheiten ihre feinsten Zeuge daraus verfer-
tigen, und wenn man in ganz Ostindien aus der
Cocusnuß-Schaale Stricke dreht. Wenn der
Blitz in sandichten Boden schlägt, schmilzt er
oft den Sand zu Glas, wie wir selbst derglei-
chen milchweiße Glaßtropfen vor uns liegend
haben: und ähnliche Glaßstückchen zeigen sich
auch gemeiniglich in den Laven der feuerspeyen-
den Berge. Beyderley gehören zu den Natu-
ralien, da sie zufälligerweise von himmli-
schem und unterirdischem Feuer gezeugt worden:
Da hingegen das Glas, was der Mensch aus
ähnlichen Ingredienzen verfertigt, blos deswe-
gen, weil es seiner Hände Werk ist, Artefakt
heist. Die Holzzasern, die die Wespen zu ihrem
Nesterbau verarbeiten, werden auch selbst in die-
ser Gestalt, nach einer sehr wesentlichen Verän-
derung mit zu den Naturalien gezählt: da hinge-
gen die Papier-Proben, die man auf ähnliche Weise
in neuern Zeiten aus Holzspänen verfertigt hat,
ohne Widerrede Artefakten heisen. Diese Ver-
schiedenheit zwischen so verwandten Produkten,
reducirt sich blos darauf, daß das eine durch
Wespen, das andere durch Menschen-
hände verfertigt worden. So faßlich indeß
diese Hintheilung aller Körper scheint, so wenig
hält sie doch eine strengere Analyse aus. Es
lassen sich eben so wenig absolute Grenzen zwi-
schen Natur und Kunst bestimmen, als irgend
eine Logik des Erdbodens das relative in den
[Seite 4] Begriffen von wesentlich und zufällig, wor-
auf doch im gegenwärtigen Fall so vieles an-
kommt, aufzuheben, und eine Scheidewand zwi-
schen beyden festzusetzen, vermocht hat. Nichts
desto weniger wird man sich aber auch sehr leicht,
und der ganzen Eintheilung unbeschadet, über
den Gesichtspunkt vergleichen können, aus wel-
chem man diesen oder jenen zweydeutigen Kör-
per ansehen will, und nach welchem er etwa
mehr Anspruch auf Natur oder auf Kunst ma-
chen könnte.

§. 2.

Alle und jede natürliche Körper zeigen, in
Rücksicht ihrer Entstehung, ihres Wachs-
thums, und ihrer Structur, eine doppelte
Verschiedenheit. Die einen nemlich sind alle-
mal von andern natürlichen Körpern ihrer Art
hervorgebracht; ihre Exsistenz setzt in einer un-
unterbrochenen Reihe bis zur ersten Schöpfung
hinauf immer andere dergleichen Körper voraus,
denen sie ihr Daseyn zu danken haben. Zwey-
tens nehmen sie allerhand fremde Substanzen als
Nahrungsmittel in ihren Körper auf, aßimili-
ten sie den Bestandtheilen desselben, nnd beför-
dern dadurch ihr Wachsthum von innen (in-
nige Aneignung, intus susceptio). Diese bey-
den Eigenschaften setzen drittens von selbst eine
besondere Structur bey dieser Art von natürli-
chen Körpern voraus. Sie müssen nemlich,
[Seite 5] wenn sie anders ihres gleichen hervorbringen,
und Nahrungsmittel zu sich nehmen sollen, man-
cherley Gefäße und Organe in ihrem Körper ha-
ben, die zur Aßimilation dieser Alimente, zur Er-
zeugung ähnlicher Körper ihrer Art u.s.w.
nothwendig sind. Dies alles fehlt bey den natür-
lichen Körpern der andern Art. Beydes, so-
wol ihre Entstehung, als ihr Wachsthum, wenn
man es gar nur Wachsthum nennen darf, ist
sehr zufällig, wird keineswegs durch innige An-
eignung, sondern lediglich durch Anhäufung oder
Ansatz von aussen (Sammlung, aggregatio)
bewirkt; und sie bedürfen folglich auch keines
so zusammengesetzten Körperbaues, keiner sol-
chen Organe, als die Eigenschaften der natürli-
chen Körper der ersten Art unumgänglich erfo-
derten. Jene heisen deshalb organisirte, die
letztern unorganisirte Körper, oder Mine-
ralien.

§. 3.

Endlich sind nun auch die organisirten
Körper selbst, theils in der Art wie sie ihre Nah-
rungsmittel zu sich nehmen, theils in Rücksicht
ihrer Bewegung, sehr augenscheinlich verschieden.
Manche ziehen einen bloßen Saft durch zahlrei-
che kleine Oefnungen, die sich an einem Ende
ihres Körpers befinden, in sich: da hingegen an-
dere eine einfache, aber nach Proportion grös-
sere Oefnung an sich haben, die zu einem ge-
[Seite 6] räumlichen Schlauche führt, wohin sie ihre Ali-
mente, die von sehr verschiedner Art sind, bringen;
die aber alsdann erst noch vielerley Veränderung
erleiden müssen, ehe sie zur Nutrition geschickt
werden. Diese letztern äussern zudem noch
willkürliche oder eigenthümliche Bewe-
gung ihrer Gliedmaßen, die den erstern völlig
mangelt. Jenes sind die Pflanzen, dieses
die Thiere.

§. 4.

Diese sehr faßliche Eintheilung der na-
türlichen Körper in organisirte und unorgani-
sirte (§. 2.), und der organisirten wieder unter
sich (§. 3.), ist nun der Grund der bekannten drey
Reiche, worein man alle Naturalien sehr schick-
lich classificirt hat, und wovon das erste die
Thiere, das zweyte die Pflanzen, das dritte die
Mineralien begreift. Die Thiere sind, nach
dem was oben gesagt worden, organisirte Kör-
per, die erstens willkührliche Bewegung besitzen,
und zweytens ihre Alimente durch den Mund
in den Magen bringen, wo der nahrhafteste Ex-
tract davon abgesondert und zur Nutrition ver-
wandt wird. Die Pflanzen sind zwar eben-
falls organisirte Körper, denen aber die willkühr-
liche Bewegung gänzlich mangelt, und die zwey-
tens ihren Nahrungssaft durch Wurzeln einsau-
gen, nicht so wie die Thiere ihre Speisen durch
eine besondere einfache Oefnung zu sich nehmen.
[Seite 7] Die Mineralien endlich sind unorganisirte
Körper, die blos dadurch entstehen, daß ein-
fache Theile durch Ansatz von aussen zusammen
gehäuft, und mit einander verbunden werden,
ohne daß sie die mindste Nahrung, weder durch
einen Mund wie die Thiere, noch durch Wur-
zeln wie die Pflanzen, in sich bringen, und so
ihr Wachsthum durch innige Aneignung bewir-
ken könnten.

§. 5.

Man hat sonst die Thiere und Pflanzen durch
andere als die angezeigten Charaktere zu unter-
scheiden gemeint. Die Pflanzen, sagte man,
sind organisirte Körper die den Ort ihres Aufent-
halts nicht verändern können, weil sie eingewur-
zelt sind; da hingegen die Thiere allerdings diese
Fähigkeit ihren Standpunkt zu wechseln (loco-
motivitas
) besitzen. Allein diese Kennzeichen
sind unzulänglich. Von der einen Seite ken-
nen wir sehr viele Pflanzen, die nichts weniger als
eingewurzelt sind; und von der andern sehr viele
Thiere, die eben so wenig auf locomotivitas An-
spruch machen können. Eine Wasserlinse würde,
im Fall sie willkürliche Bewegung besäße, sehr
leicht ihren Aufenthalt ändern können, da hin-
gegen eine See-Tulpe (Lepas balanus) so wie
viele andere Thiere aus der Classe der Würmer,
ihren einmal eingenommenen Platz nie von selbst
wieder verlassen kann.

§. 6.

[Seite 8]

Andere berühmte Männer haben, zumal ganz
neuerlich, die Gränzen zwischen Thier- und Pflan-
zen-Reich gänzlich aufzuheben getrachtet; indem
sie sich auf organisirte Körper bezogen haben,
die gleich viel Anspruch auf thierische und Pflan-
zen-Natur machen könnten, die folglich mit Un-
recht zu einem organisirten Reiche insbesondere
gezählt würden, sondern die das Band zwischen
beyden, und einen unmerklichen Uebergang vom
einen zum andern, abgäben. Allein diese Ein-
würfe verschwinden, sobald man sich über die
Eigenschaften vergleicht, die man zu einem Thier
oder zu einer Pflanze erfodert. Wir haben uns
erklärt, was wir für Begriffe mit Animalität
oder Vegetabilität verbinden, und so ist unserm
Bedünken nach alle Zweydeutigkeit und Unge-
wißheit über diese Punkte gehoben. Der Po-
lype läßt sich durch Zweige fortpflanzen, wie
eine Weide; aber muß er nun deswegen gleich
zur Pflanze, oder doch zum Mittelding zwischen
ihr und einem Thiere gemacht werden? Er ver-
schlingt seine Würmchen durch eine große Oeff-
nung die an seinem Körper ist, und zieht seine
Nahrung nicht durch Wurzelzäserchen in sich; er
hat willkürliche Bewegung, so gut als irgend
ein Thier des Erdbodens; und das ist uns ge-
nug, um ihm seine Animalität zu vindiciren,
und zu behaupten, daß er mit gleich wenig Recht
Pflanze oder Stein genannt werden dürfe. Erst
[Seite 9] vor kurzem hat man sich einiger Mooße, beson-
ders der gallertigen Wasserfäden (Conferva ge-
latinosa
) zu Aufhebung des Unterschieds zwi-
schen Thier und Pflanze bedient, indem man an
diesen Gewächsen, die ganz augenscheinlich durch
Wurzeln ernährt werden, doch eine willkürliche
Bewegung wahrzunehmen geglaubt hat. Al-
lein wir haben schon mehrere Sommer hindurch
an verschiedenen Varietäten dieser Wasserfäden,
die sich in der Nachbarschaft von Göttingen fin-
den, mit aller uns möglichen Behutsamkeit, und
theils unter den Augen sehr vieler Zeugen, Ver-
suche angestellt, ohne auch nur die geringste Spur
von eigenthümlicher Bewegung an diesem merk-
würdigen Mooße zu bemerken. Die mindste
Bewegung eines kleinen Würmchens, was etwa
zugleich mit diesem Mooße im Wasser ist, oder
der mindste Hauch auf die Oberfläche des Was-
sers, setzen freylich das ganze gallertige Gewächs
in Erschütterung; aber diese consensuelle Bewe-
gung ist doch wohl eben so wenig willkürlich zu
nennen, als die bekannten Erscheinungen an den
sogenannten Fühlpflanzen, der Venus-Fliegen-
Falle (Dionaea muscipula) u.s.w. die alle, so-
wol als die gedachten Wasserfäden, in unsern Au-
gen wahre Pflanzen, so wie die Polypen wahre
Thiere, bleiben. Kurz, uns wenigstens ist noch
kein Geschöpf bekannt, daß auf beyde organisirte
Reiche gleich viel Anspruch machen dürfte; und
schon a priori scheint uns die Exsistenz eines sol-
[Seite 10] chen Dinges gar nicht denkbar, was in dem Fall
willkürliche Bewegung zugleich haben und nicht
haben müßte. Aber das ist eine andere Frage,
ob wir nicht zuweilen auf organisirte Körper
stossen, deren Eigenschaften noch so wenig ent-
wickelt sind, daß man balanciren muß, zu wel-
chem von beyden Reichen man sie rechnen soll.
Von der Art sind in unsern Augen die Wasser-
schwämme (Spongiae) und die Landschwämme
(Fungi). Es scheint uns leichter gesagt als er-
wiesen, daß jenes Thiere, dies Pflanzen seyn
sollen. Hierzu aber würden wir des berühmten
und ungemein verdienten Landdrosten von
Münchhausen Mittel-Reich (Regnum neu-
trum
) recipiren. Nicht daß es vermeinte Bin-
dungs-Glieder zwischen beyden organisirten Rei-
chen enthalten solle; sondern daß man die noch
nicht genug untersuchten, und pro und contra
bestrittenen Körper ad interim dahin deponirte;
bis ihre Natur durch die Bemühung der After-
welt näher bestimmt, und ihnen ihr behöriger
Platz in einem von beyden organisirten Rei-
chen mit Zuverläßigkeit angewiesen würde.

§. 7.

Noch müssen wir endlich ein paar Worte
über die bekannten Bilder von Ketten und Lei-
tern und Netzen, die man der Natur angepaßt
hat, sagen. Auch durch sie hat man neuerlich
die Stützen der bestimmten Naturreiche zu un-
[Seite 11] tergraben gesucht. Man hat nemlich den Satz:
Die Natur thut keinen Sprung, über den
schon der große Leibnitz viel wahres und schö-
nes gesagt hat, den Bradley nachher (auf
Addison's Anrathen) in einem eignen Werke,
aber ziemlich unvollständig und trocken, Bon-
net ungemein scharfsinnig, und Robinet ganz
abentheuerlich behandelt haben, dahin gedeutet:
daß alle erschaffene Wesen, vom vollkommensten
bis zum Atom, vom Engel bis zum einfachsten
Elemente, in einer ununterbrochnen Reihe, wie
Glied an Glied in einer Kette, zusammenhin-
gen; daß sie in Rücksicht ihrer Bildung und Ei-
genschaften stufenweise, aber doch so unmerk-
lich auf einander folgten, daß durchaus keine an-
dre, als eine sehr willkürliche, sehr imaginäre
Abtheilung in Reiche oder Classen und Ordnun-
gen etc. bey ihnen statt finden könne. Dieses
Räsonnement scheint wirklich auf den ersten
Blick ganz richtig. Die Idee von Stufenfolge
in der Natur ist eben so alt als artig. Wir
selbst haben sie von je her für eine der interessant-
sten Speculationen in der Natürlichen Philoso-
phie gehalten. Sie kann auch sehr wesentlich
nutzbar werden. Sie ist, beym Lichte betrachtet,
der wahre Grund eines natürlichen Systems
in der Naturgeschichte, das der große, aber noch
meist unbefriedigte Wunsch, aller Naturforscher
ist, und nach welchem man die natürlichen Kör-
per nach ihrer grösten Verwandschaft zusammen
[Seite 12] ordnen, die ähnlichen verbinden, die unähnli-
chen von einander entfernen soll. Jedes natür-
liche System sollte eigentlich eine Art Bonneti-
scher Leiter seyn, und das ganze Studium der
Naturgeschichte würde ungemein gewinnen,
würde gar sehr erleichtert werden, wenn die Sy-
stematiker nach diesem Plane arbeiteten, sich
weniger willkürliche Charaktere abstrahirten, nach
welchen sie die Naturalien rangiren etc. Aber
alles dies herzlich gerne zugegeben, dürfen
doch die Leitern und Ketten, der guten Sache der
bestimmten Naturreiche, und der Classification
der Naturalien, bey weitem keinen Eintrag thun.
Die passendste Allegorie kann matt werden, kann
in eine Spielerey ausarten, wenn sie zu weit
getrieben wird. Und das ist in der That bey
den eben angeführten zu befürchten. Es ist un-
terhaltend, es ist, wie wir so eben selbst gesagt
haben, nutzbar, wenn der Naturforscher die
Creaturen nach ihrer nächsten Verwandschaft un-
ter einander ordnet, an einander kettet u.s.w.
Aber es scheint uns von der andern Seite eine
schwache, und der Allweisheit des Schöpfers
unanständige Behauptung, wenn man im
Ernste annehmen wollte, daß auch Er bey der
Schöpfung einen solchen allegorischen Plan be-
folgt, und die Vollkommenheit seiner großen
Handlung darein gesetzt hätte, daß er seinen Crea-
turen alle ersinnliche Formen gäbe, und sie folg-
lich vom obersten bis zum untersten ganz regel-
[Seite 13] mäßig stufenweis auf einander folgen liesse. Man
würde lächeln, wenn jemand den Vorzug bey der
Einrichtung eines Hauses darinn suchte, daß die
Meublen darinne alle von verschiedner Gestalt
oder Größe wären, und sich auch, so wie die an-
gebliche Kette der natürlichen Körper, unter eine
gleiche Stufenfolge bringen liessen. Die Voll-
kommenheit in der große Haushaltung der Mut-
ter-Natur ist, so wie bey der kleinsten Oekonomie
einer Familie, in ganz andern Vorzügen zu su-
chen. Daß Gott in seiner Schöpfung keine
Lücke gelassen hat, daß dieses unermeßliche Uhr-
werk nirgend stockt, sondern im ununterbroch-
nen Gange, im beständigen Gleichgewicht er-
halten wird, davon liegt der Grund wohl schwer-
lich darinne, weil der Orangoutang den Ueber-
gang vom Menschen zum Affen machen, oder
weil die Vögel durch die Fledermäuse mit den
vierfüßigen Thieren, und durch die fliegenden
Fische mit den Fischen verbunden seyn sollen:
sondern weil jedes erschaffne Wesen seine Be-
stimmung, und den zu dieser Bestimmung er-
foderlichen Körperbau hat; weil kein zweckloses
Geschöpf exsistirt, was nicht auch seinen Bey-
trag zur Vollkommenheit des Ganzen gäbe. Das
machts, daß die Schöpfung ihren Gang geht,
und daß noch kein Weiser, irgend einer Zeit oder
eines Volks, in ihr eine Lücke hat antreffen kön-
nen. Kette der Natur, die suchen wir nicht
in der gradativen Bildung ihrer Körper, nicht
[Seite 14] darinn, daß der eine, Thier und Pflanze, und ein
andrer Pflanze und Stein verknüpfen soll; son-
dern in den angewiesenen Geschäften der Glie-
der dieser Kette, wie Glied und Glied nicht nach
ihrer Form, sondern nach ihrer Bestimmung in
einander greifen u.s.w. Bey dem ewigen Cir-
kel von unermeßlich weiser Einrichtung, da die
Pflanzen ihre Nahrung aus der Erde ziehn, und
nachher Menschen und Thieren, und ein Thier
dem andern, zur Nahrung dienen, und da am
Ende Menschen und Thiere und Pflanzen wieder
zur Erde werden; bey diesem großen Cirkel
braucht die Vernunft keine Bindungsglieder
vorauszusetzen, die diese Geschöpfe so verschied-
ner Art in Rücksicht ihrer Bildung verknüpfen
müßte; so wie uns auch die Erfahrung bis
jetzt noch keine natürliche Körper kennen gelehrt
hat, die mit Recht auf den Namen solcher Bin-
dungsglieder zwischen den drey Naturreichen
Anspruch machen dürften.

xxx

Zweyter Abschnitt.
Von den organisirten Körpern
überhaupt.

[Seite 15]

§. 8.

Es scheint beym Vortrag der N. G. ziemlich
willkürlich, ob man die unorganisirten oder die
organisirten Körper zuerst abhandle. Doch
dünkt es uns schicklicher, mit dem Menschen, und
den ihm zunächst verwandten Thieren anzufan-
gen, dann zu den übrigen organisirten Körpern
fortzuschreiten, und mit dem Mineral Reich zu
beschliessen. Was ein organisirter Körper im
Gegensatz vom unorganisirten, vom Mineral,
sey, haben wir oben (§. 2.) bestimmt. Jetzt
müssen wir die allgemeinen Eigenschaften dieser
Körper, die Eigenschaften, die der Mensch und
die Käse-Milbe, die Ceder und der Schimmel
mit einander gemein haben, näher beleuchten.

§. 9.

Jeder organisirte Körper entsteht, lebt,
und stirbt ab. Das sind die drey großen
Revolutionen, welche die Exsistenz eines je-
den Thiers oder jeder Pflanze unumgänglich vor-
[Seite 16] aussetzt, sie mögen nun wie der Baobab (Adan-
sonia
) und die Eiche ein Alter von Jahrtausen-
den erreichen, oder wie mancher Schimmel alle
diese Rollen in wenigen Tagen absolviren; und
wenn sie auch selbst in der Geburt erstickt wä-
ren, so setzt doch ihr augenblickliches Daseyn
Entstehung, Leben und Tod voraus; die man
sich als eben so verschiedne Epochen oder Revo-
lutionen ihrer Exsistenz denken muß. Jedes Thier
und jede Pflanze haben von der andern Seite
auch drey große Bestimmungen, die sie schon
als organisirte Körper, ohne Rücksicht auf ihre
übrigen Funktionen, und auf den Beytrag den
sie zur Vollkommenheit des Ganzen thun, erfül-
len müssen; nemlich: sich nähren, wachsen
und ihres gleichen zeugen. Die beyden er-
sten sind eben so absolut als jene Revolutionen;
nur die dritte ist conditional. Das Leben eines
organisirten Körpers mag noch so kurz, noch so
augenblicklich seyn, so hätte es doch nicht ohne
Nahrung dauren können, und diese Ernährung
hat Wachsthum zur Folge, sollte dies auch gleich
noch so unmerklich gewesen seyn; die dritte Be-
stimmung hingegen, oder die Fähigkeit seines
gleichen zu zeugen, kommt dem organisirten Kör-
per nur bedingungsweise zu. Denn erstens
giebt es ganz ungezweifelt Thiere, die gebohren
werden, sich nähren, wachsen, alle Rollen ihres
Lebens ganz natürlich spielen, und am Ende
wieder absterben, ohne auch nur den Beruf oder
[Seite 17] die Fähigkeit zu haben, diese dritte Bestimmung
eines organisirten Körpers zu erfüllen: wohin
z.B. die Arbeitsbienen gehören. Zweytens
aber wird auch das Zeugungs-Geschäfte, bey
denen organisirten Körpern die alle Fähigkeiten
dazu besitzen, doch nur in einem bestimmten Alter
ihres Lebens vollzogen, dahingegen Ernährung
und Wachsthum (letzteres nemlich im weitläuf-
tigen Sinn genommen) lebenswierig dauern.
Die also vor dem bestimmten Alter absterben,
können diese Bestimmung gar nie erfüllen, und
die es überleben, sind auch nachher unvermögend
dazu. Drittens endlich, so kommen, zumal
bey den Thieren, des behörigen Alters und der
Fähigkeit ohngeachtet, doch oft zufällige Ursa-
chen hinzu, die sie dennoch zur Ausübung dieses
Berufs unfähig machen.

§. 10.

Die Entstehung der organisirten Körper
ist, alles des großen Lichtes, was die Bemühun-
gen der Neuern darüber verbreitet haben, ohn-
geachtet, eine der schwierigsten Lehren der Phy-
siologie. Wo der erste Grundstoff eines je-
den Thiers und jeder Pflanze hervorkomme, und
durch was für Kräfte dieser Stoff nachher aus-
gebildet werde, sind beydes Probleme, deren
Auflösung bis jetzt immer noch mit vieler Dun-
kelheit bedeckt ist. Den ersten Stoff oder die
Grundtheile des organisirten Körpers haben fast
[Seite 18] alle Alten, und neuerlich auch Büffon u.a.m.
aus der Vermischung des männlichen Saa-
mens mit dem weiblichen (dessen Exsistenz
aber noch nicht einmal erwiesen ist) hergeleitet.
Nachdem aber Ludwig von Hammen aus
Danzig, im August 1677. zuerst die Würmgen
im männlichen Saamen entdeckt hatte, so glaub-
ten Leeuwenhöck, Börhaave, Chr. Wolff
u.a. den ersten Stoff eben in diesen Saamen-
Thiergen zu finden. Allein sie haben neuer-
lich sehr viel von ihrem Ansehen verlohren,
nachdem man sie in vielen männlichen Thieren
vermißt, und hingegen in tausend andern
faulichten Säften ausser lebendigen Körpern, ähn-
liche Würmgen (Infusions-Thiergen) vorgefun-
den hat. Andere berühmte Männer haben endlich,
nach den Erfahrungen über den Eyerstock der
unbefruchteten Vögel, die Grundtheile der or-
ganisirten Körper im weiblichen Ey gesucht.
Besonders hat Herr von Haller aus diesen
Erfahrungen Schlüsse gefolgert, die diese Lehre
bey weitem mehr als blos wahrscheinlich machen.

§. 11.

Die Ausbildung dieses Grundstoffs zu
erklären, ist man zwey Wege eingeschlagen, die
beyde von sehr großen Männern betreten wor-
den sind, deren jeder den seinigen zu verfechten,
und die Richtigkeit des andern zu bestreiten, ge-
trachtet hat. Diese Wege sind die, in der neuern
Philosophie so berühmt gewordnen, Theorien der
[Seite 19] Epigenese und der Evolution. Die Epi-
genese lehrt, daß der rohe Grundstoff (§. 10.)
nach der Empfängnis oder Befruchtung all-
mählig ausgebildet, und ein Theil des orga-
nisirten Körpers nach dem andern geformt würde.
Diese allmählige Bildung wahrscheinlich zu ma-
chen, haben ihre Anhänger allerhand Kräfte
angenommen, die dieses Geschäfte bewürken soll-
ten. Die Spiritualisten haben die Seele zum
Baumeister ihres Körpers machen wollen, Büf-
fon hat sich innere Modelle im alten organi-
sirten Körper ersonnen, von welchen der Grund-
stoff des neuen, Abdrücke nehmen sollte; Herr
Casp. Fr. Wolff hat zu seinem scharfsinnigen
System eine gewisse vis essentialis aufgenommen,
der er diese allmählige Ausbildung überträgt u.
s. w. Die Theorie der Evolution hingegen
nimmt an, daß in dem rohen Urstoff nicht erst
ein Theil nach dem andern gebildet werde, son-
dern, daß derselbe den ganzen Keim, den völli-
gen Entwurf des organisirten Körpers in sich
fasse, daß folglich alle Keime der organisirten
Körper in ihren Vorfahren bis zur ersten Schö-
pfung hinauf gleichsam eingeschachtelt, und in
einen unthätigen Schlaf versenkt gelegen hätten,
und daß diese Keime bey der Befruchtung durch
den Reiz des männlichen Saamens nur ermun-
tert, und so zu ihrer fernern Entwickelung
angetrieben würden.

§. 12.

[Seite 20]

Diese Lehre von der Entwickelung des, lan-
ge vor der Befruchtung, vorräthig liegenden
Keims, hat durch die Erscheinungen an den
Blattläusen, am Kugelthier, am Leich der Frö-
sche, besonders aber durch die unzählichen und
äusserst genauen Beobachtungen des Herrn von
Haller am Hünchen im Ey, ein sehr starkes
Gewicht erhalten. Dem Hallerischen System
zufolge liegt der Keim des neuen organisirten
Körpers im Ey der Mutter eingewickelt, und
der männliche Saame trägt zur Erzeugung wei-
ter nichts bey, als daß er durch seinen Reiz die-
sen Keim zur Entwickelung antreibt, und einige
wenige Veränderung in Bildung der Frucht zu
bewürken vermag. Doch möchte, unserm Be-
dünken nach, der Antheil des männlichen Saa-
mens an Bildung der Frucht wohl größer seyn,
als er gemeiniglich angegeben wird. Die Er-
zeugung der Bastarde, die sechsfingrichten Fa-
milien der Kalleja und Bilfinger, besonders
aber die Beyspiele so vieler Gattungen von Thie-
ren, bey welchen die beyden Geschlechter von
gänzlich verschiedner Bildung sind (wie die
Schildläuse u.a.m.), scheinen unsre Vermu-
thung allerdings zu begünstigen.

§. 13.

Die Alten, die den Gebrauch der Mikroskope
verkannten, und denen so viele andre von unsern
[Seite 21] Subsidien mangelten, nahmen bey der Zeugung
kleiner organisirter Körper, zumal des sogenann-
ten Ungeziefers, ihre Zuflucht zur Entstehung
aus Fäulniß, zur generatio aequivoca. Die
bekannte Erfahrung, daß Fäulniß die Vermeh-
rung solcher Thiere, auch des Schimmels etc.
befördere, konnte sie freylich auf diesen Fehl-
schluß leiten. So verfänglich es nun zwar heu-
tiges Tages ist, und so wenig wir also geneigt
sind, der generatio aequivoca das Wort zu reden,
so dünkt sie uns doch öfterer verlacht als gründ-
lich widerlegt zu seyn. Die gewisse Wahrheit,
daß manche Gattungen von Würmern sich blos
in andern thierischen Körpern finden; und daß
sie gänzlich von denen verschieden sind, die sich
auch ausser andern Thieren im Wasser aufhalten,
ist uns immer aus dieser Rücksicht bedenklich ge-
wesen. Am wenigsten wissen wir uns die Er-
zeugung der kleinen Spulwürmer zu erklären, die
Bald. Ronßeus und der seel. Brendel bey
ungebohrnen Thieren vorgefunden haben. Wir
selbst haben junge Hunde, wenige Stunden nach
ihrer Geburt zergliedert, und ihren ganzen Darm-
kanal mit unzähligen Bandwürmern gefüllt
gesehn.

§. 14.

Sowol durch eine fehlerhafte Anlage des
Keims, als auch durch Zufall bey seiner Ent-
wickelung, wird zuweilen ein organisirter Kör-
[Seite 22] per zur Mißgeburt verunstaltet. Nach dem
Sprachgebrauch versteht man unter Misge-
burt: eine widernatürliche, angebohrne, leicht
in die Augen fallende Verunstaltung in Bil-
dung äusserer, grösserer Theile. So unzählich
diese Mißgestalten seyn können, so lassen sie sich
doch alle auf vier Hauptclassen reduciren.

1. M. G. mit widernatürlicher Bildung ein-
zelner Glieder. Fabrica aliena. Wohin
auch die blos getrennten Theile, (wie Ha-
senscharte) und die blos zusammen gewach-
senen Theile gerechnet werden.

2. M. G. mit Versetzung oder widernatür-
licher Lage einzelner Glieder. Situs mu-
tatus
.

3. M. G. denen ganze Glieder mangeln.
Monstra per defectum.

4. M. G. mit überzähligen oder zum Theil
unmäßig großen Gliedern. Monstra per
excessum
.

Daß nicht alle M. G. durch Zufall entstehn,
sondern daß ein großer Theil von ihnen schon im
ersten Entwurfe des Keims monströs gebildet
seyn müsse, wird besonders durch die Beyspiele
der widernatürlich links gewundnen Schnecken,
und durch die Zergliederungen der Mißgeburten
aus der 4ten Classe erweislich.

§. 15.

[Seite 23]

Die Ernährung der organisirten Körper
geht auf verschiedene Weise vor sich. Den Pflan-
zen wird ihre Nahrung durch Wurzeln, die sich
ausserhalb ihres Stammes am einen Ende
desselben finden, zugeführt. Die Thiere hinge-
gen haben, wie sich Börhaave ausdrückte,
ihre Wurzeln innerhalb ihres Körpers. Sie
bringen nemlich die Alimente durch den Mund
in den Magen und Darmcanal, wo der nahr-
hafte Theil durch unzählige Bläsgen und Röhr-
gen, wie bey den Pflanzen durch Wurzeln, ein-
gesogen und den Theilen des Körpers zugeführt
wird. Viele ungebohrne Thiere werden auch
ausserdem durch den Nabel ernährt; eine Art
von Nutrition, die ebenfalls sehr viel Aehnlich-
keit mit der Gewächse ihrer hat. Der brauch-
bare Theil der Alimente wird der Substanz der
organisirten Körper assimilirt; der überflüßige
hingegen ausgedünstet; und bey den Thieren,
die keinen so geläuterten Nahrungssaft wie die
Pflanzen zu sich nehmen, auch durch andre Wege
ausgeworfen.

§. 16.

Das Wachsthum der organisirten Kör-
per ist die Folge ihrer Ernährung. Die meh-
resten haben eine bestimmte Größe ihres Kör-
pers; und wenn sie diese erreicht haben, so ist
alsdann ihr ferneres Wachsthum bloßer Ersatz
[Seite 24] dessen, was nach und nach von der Maschi-
ne abgenutzt wird. Der Mensch z. E. wächst
gemeiniglich bis zum zwanzigsten Jahre zu einer
Höhe von 6 Fuß; seine übrige Lebenszeit hin-
durch wird blos das, was seinem Körper allmäh-
lig abgeht, durch die fernere Ernährung wieder
ersetzt. Dieser Abgang von der einen Seite,
und sein Ersatz von der andern, sind doch aber
so beträchtlich, daß man annehmen kann, der
ganze menschliche Körper werde in Zeit von vier
Jahren immer gänzlich erneuert, so daß wir
heute wenig oder nichts von dem Körper mehr
übrig haben, den unsre Seele vor vier Jahren
bewohnte. Einige Thiere hingegen, wie die Cro-
codille, die großen Wasserschlangen etc. scheinen
gar keine bestimmte Größe zu haben, sondern
ihre ganze Lebenszeit hindurch in die Länge zu
wachsen.

§. 17.

Zum Wachsthum der organisirten K. ge-
hört auch ihre Reproduktion, oder die merk-
würdige Eigenschaft, daß sich verlohrne Theile
ihres Körpers von selbst wieder ersetzen. Sie
gehört zu den weisesten Einrichtungen in der
Natur, und sichert die Thiere und die Pflanzen
bey tausend Gefahren, wo ihr Körper verletzt
wird: sie ist folglich auch einer der grösten Vor-
züge, wodurch die Maschinen aus der Hand des
Schöpfers bey weitem über die grösten Kunst-
[Seite 25] werke der Menschen erhoben werden. Die Au-
tomaten von Vaucanson und den beyden Ja-
quet Droz, die in der That alles übertreffen,
was menschliche Kunst in der Art noch hervorge-
bracht hat, müssen doch darinn jedem natürlich
organisirten Körper nachstehen, daß ihnen ihr
Künstler keine Kraft mittheilen kann, ihre Trieb-
federn und Räder, wenn sie verstümmelt und
abgenutzt würden, von selbst wieder zu restitui-
ren: eine Kraft, die hingegen jedem Thier und
jeder Pflanze, nur in verschiedenem Maaße, bey-
wohnt. Manche organisirte K. verlieren zu
gewissen Zeiten, Theile ihres Körpers von freyen
Stücken, die ihnen nachher wieder reproducirt
werden; wohin das Abwerfen der Geweihe,
das Mausern der Vögel, und das Entblättern
der Pflanzen gehört. Aber ausser dem werden
ihnen auch Theile ersetzt, die durch Zufall verloh-
ren oder verstümmelt werden; eine Eigenschaft
die man an den Pflanzen vorlängst bemerkt hat,
und auf die man, zumal nach Trembley's
Erfahrungen an den Polypen, nun auch im
ganzen Thierreich attent worden ist. Der Mensch,
und die ihm zunächst verwandten Thiere besitzen
eine geringe, die Würmer hingegen, besonders
die Polypen, die Seeanemonen etc. eine unend-
lich starke Reproductions-Kraft.

§. 18.

Nächst Ernährung und Wachsthum war
die dritte Bestimmung der organisirten K. die,
[Seite 26] ihres gleichen zu zeugen (§. 9.). Zu diesem Ge-
schäfte werden sie aber erst in einem bestimmten
Alter tüchtig, und vollziehen es alsdann auf
sehr verschiedne Weise. Bey den mehresten
ist jedes Individuum für sich im Stande, sein
Geschlecht fortzupflanzen; bey den übrigen hin-
gegen müssen sich immer ihrer zwey, der eine
männlichen, der andre weiblichen Geschlechts, mit
einander begatten, wenn sie neue organisirte K.
ihrer Art hervorbringen sollen. Die mannich-
faltigen Arten der Vermehrung lassen sich doch
füglich unter folgende vier Classen bringen.

I. Cl. Jedes Individuum vermehrt sich auf die
einfachste Weise, ohne vorhergegangne Be-
fruchtung: entweder durch Theilung wie
manche Infusions-Thiergen; oder durch
Sprossen wie die Arm-Polypen und viele
Gewächse; oder so, daß das junge in
eine Hülse (Ey der Thiere, Saame der
Pflanzen) eingeschlossen ist, die der alte
organisirte K. von sich giebt, u.s.w.

II. Cl. Jedes Individuum enthält dergleichen
Hülsen; die aber bey den Pflanzen erst
mit Blumen-Staub, und bey den Thie-
ren mit männlichem Saamen, (der doch
ebenfalls bey jedem organisirten Körper
dieser Art vorräthig liegt) begossen werden
müssen, ehe sich ein junges daraus ent-
wickeln kann. Dies ist der Fall bey den
[Seite 27] mehresten Pflanzen, und bey wenigen Thie-
ren, wie beym Kiefenfuß.

III. Cl. Ebenfalls beyde Geschlechter, wie bey den
Hermaphroditen der vorigen Classe, in ei-
nem Individuo verknüpft; doch daß keins
sich selbst zu befruchten im Stande ist, son-
dern immer ihrer zwey sich zusammen be-
gatten müssen. Diese sonderbare Ein-
richtung findet sich nur bey wenigen
Thieren; wie nach Swammer-
dams Bemerkung bey manchen Garten-
Schnecken.

IV. Cl. Die beyden Geschlechter in separaten
Individuis, von denen das eine die Hül-
sen oder Eyer, das andere den befruchten-
den Saft enthält. So die größern Thiere,
und manche Pflanzen, wie die Weiden,
der Hopfen etc. Einige Thiere dieser Classe
geben die Hülsen selbst von sich; das heist,
sie legen Eyer, in welchen sich erst nach-
her das Junge folgends ausbildet. Dies
sind die Eyerlegenden Thiere (ovipara).
Bey andern aber wird dies Ey so lange
in der Gebährmutter zurück behalten, bis
das Junge vollkommen entwickelt worden,
und nun von seinen Hülsen befreyt, zur
Welt kommen kann; Lebendiggebährende
Thiere (vivipara).

[Seite 28]

NB. Wie gering der Unterschied zwischen Eyerlegen und
Lebendiggebähren sey, erweisen die Beyspiele der
Blattläufe und Federbusch-Polypen, die sich auf
beyderley Weise fortpflanzen.

§. 19.

Die neuerzeugten organisirten K. sollten ei-
gentlich ihren Vorfehren, und ihre Nachkom-
men ihnen selbst vollkommen gleichen. Doch
findet sich bey Thieren und Pflanzen derselben
Art, sehr oft in Rücksicht ihrer Bildung, Größe,
Farbe etc. so viel Verschiedenheit, daß sie zuwei-
len leicht für besondre Gattungen angesehn wer-
den könnten. Solche Abweichungen nennt man
Spielarten, Varietäten; und sie sind eine
Folge der Ausartung, Degeneration, die
aus verschiedenen Quellen hergeleitet werden muß.

§. 20.

Der kürzeste Weg zur Degeneration ist die
Begattung organisirter Körper verschiedner Art;
wodurch Bastarde (hybrida) erzeugt werden,
die keinem von beyden Eltern vollkommen glei-
chen, sondern vielmehr mit beyden zusammen
Aehnlichkeit haben. Nach einer weisen Ein-
richtung der Vorsehung sind diese Bastarde
mehrentheils unfruchtbar; und nur wenige sind
im Stande ihr Geschlecht weiter fortzupflanzen.
Die Bastarden von Hänflingen und Canarien-
vögeln, von Füchsen und Hunden, von ver-
schiednen Gattungen Tabac etc. sind allerdings
[Seite 29] fruchtbar. Hingegen können wir schwerlich glau-
ben, daß man je aus der Vermischung von Ca-
ninchen und Hünern, oder von Stieren und
Stuten, auch nur unfruchtbare Bastarden gezo-
gen habe, so wie folgends die von Menschen
und Vieh, aus mehr als blos physischen Grün-
den, absolut zu leugnen sind.

§. 21.

Die übrigen Ursachen der Degeneration wür-
ken zwar langsam, aber kräftig. Wir rechnen
dahin Einfluß des Himmelsstrichs, der Lebens-
art, der Nahrungsmittel u.s.w. Kaltes Kli-
ma unterdrückt das Wachsthum der organisirten
K. und bringt auch weiße Farbe an ihnen her-
vor. Drum sind die Patagonier groß, die
Grönländer klein; die Neger schwarz, die Deut-
schen weiß u.s.f. Was aber Lebensart, Cul-
tur und Nahrung vermöge, davon sehn wir an
unsern Hausthieren, und an den Pflanzen die in
unsern Gärten künstlicher Pflege bedürfen, au-
genscheinliche Beyspiele.

§. 22.

Nachdem die organisirten K. die Bestim-
mungen ihres Lebens erfüllt haben, so geht die
letzte Revolution (§. 9.) mit ihnen vor, sie ster-
ben. Diese Revolution ereignet sich bey eini-
gen nach einer langen, bey andern nach einer
sehr kurzen Lebensfrist. Die wenigsten erreichen
[Seite 30] aber das Ziel was ihnen die Natur zum Laufe
ihres Lebens vorgesteckt hat, sondern tausender-
ley Zufälle verkürzen ihnen diesen Weg meist
lange vor der bestimmten Zeit; und sie sind nur
nach der Verschiedenheit ihres Körperbaues, bald
mehr, bald weniger, gegen solche Unfälle gesichert.
Ein Polyp pflanzt durch die Wunden sein
Geschlecht fort, die eine Fliege tödten würden.
Ein Fisch muß sterben, wenn er lange dem Was-
ser entzogen wird; dahingegen ein Räder-Thier
mehrere Sommer hindurch an der Sonne gedörrt
werden kann, und dennoch wieder auflebt, so-
bald man es nur nachher mit einem Tropfen sei-
nes Elementes befeuchtet.

§. 23.

Nach dem Tode der Thiere und Pflanzen
wird ihr Körper allmählich ausgelöst, ihr Orga-
nismus zerstört, und ihre Asche endlich mit der
übrigen Erde vermengt, die ihnen vorher Nah-
rung oder Aufenthalt gegeben hatte.

xxx

Dritter Abschnitt.
Von den Thieren überhaupt.

[Seite 31]

§. 24.

Der vorige Abschnitt lehrte, was Thiere und
Pflanzen als organisirte Körper mit einander ge-
mein haben. Der gegenwärtige soll nun die
Eigenschaften behandeln, die den Thieren allein
zukommen, und wodurch sie sich von den Ge-
wächsen auszeichnen.

§. 25.

Die äussere Bildung der Thiere ist so
unendlich verschieden, daß sich nichts allgemei-
nes darüber sagen läst. Das einzige, was un-
serm Bedünken nach alle Thiere ohne Ausnahme
hierinn mit einander gemein haben, ist eine ein-
fache, aber verhältnißmäßig große Oeffnung an
ihrem Körper, durch welche sie ihm seine Nah-
rung zuführen. Sowol diese Oeffnung, nem-
lich der Mund, als auch die große Mannich-
faltigkeit der Alimente, die die Thiere zu ihrer
Erhaltung verwenden, unterscheidet sie schon
hinlänglich vom andern Haufen organisirter Kör-
per, von den Pflanzen. Statt daß diese eine
[Seite 32] einförmige Nahrung, und zwar fast gänzlich aus
dem Mineralreich geniessen; so ist hingegen der
Thiere ihr Futter fast unbeschränkt, und wird
beynah blos aus den organisirten Reichen ent-
lehnt. Manche nähren sich sogar von Thieren
ihrer eignen Gattung, wie der Mensch und die
Spinne; nur wenige aber nehmen Mineralien
als Speise zu sich.

§. 26.

Die Thiere werden von der einen Seite durch
die unerträglichen Gefühle des Hungers und
Durstes, und von der andern durch die ange-
nehmen Reitze des Appetits getrieben, diese ihre
Nahrungsmittel zu sich zu nehmen und dadurch
ihre Erhaltung zu bewürken. Die kaltblütigen
Thiere können indeß doch überhaupt länger, als
die warmblütigen, und manche von ihnen zum
Erstaunen lange hungern. Auch nehmen einige,
zumal aus der Classe der Insecten, in einer ge-
wissen Epoche ihres Lebens; viele andre aber im
Winter, den sie theils durchschlafen, gar keine
Speise zu sich.

§. 27.

Die Nahrungsmittel müssen bey den Thie-
ren sehr mannichfaltige Veränderungen erleiden,
ehe sie zur eigentlichen Nutrition geschickt, und
der Substanz des thierischen Körpers assimilirt
werden können. Die härtern Speisen müssen
[Seite 33] von den mehresten erst mittelst der Zähne zer-
malmt, und mit Speichel, oder wie bey manchen
Schlangen gar mit ätzendem Gift vermischt,
oder wie bey vielen Vögeln in einem besondern
Behälter einige Zeit eingeweicht werden, eh sie
zum Magen und Darmcanal gelangen können.
Auch hier werden sie noch ferner mit allerhand
vorräthigen Säften vermengt und in einen wei-
chen Brey verwandelt, von welchem der nahr-
hafte Theil abgesondert, und der Ueberrest als Un-
rath wider aus dem Körper geworfen wird.
Dies letztere geschieht bey den mehresten durch
den After; bey einigen aber durch die gleiche
Oefnung, wodurch sie die Alimente zuerst in
sich nahmen.

§. 28.

Bey den meisten Thieren wird der abgeson-
derte Nahrungssaft (§. 27.) zuvor mit dem
Blute vermischt, und von da erst in die Theile
des Körpers abgesetzt. Das Blut ist bey man-
chen Thieren von rother, bey andern von weisser
Farbe; bey einigen warm, bey den mehresten
kalt; und wird mittelst des Herzens, und derer
Adern in welchen es läuft, in beständiger Circu-
lation erhalten. Einige wenige Thiere (Arm-
Polypen etc.) haben aber weder Blut, noch
Herz, noch Adern, sondern der nahrhafte Theil
ihrer Alimente tritt sogleich aus dem Magen in
die gallertige Substanz ihres Körpers selbst über.

§. 29.

[Seite 34]

Nächst der Ernärungsart war willkürliche
Bewegung ein Hauptcharakter, wodurch wir
die Thiere von den Pflanzen auszeichneten (§. 4.).
Die Organe die zum Behuf aller dieser unzählig-
mannichfaltigen Bewegungen dienen, sind die
Muskeln, die oft bey sehr kleinen Thieren in
grosser Anzal befindlich sind. Der Mensch hat
kaum funftehalb hundert Muskeln, eine Wei-
denraupe hingegen über viertausend. Hieraus
läßt sich aber auch die ungemeine Stärke vieler
dieser kleinen Thiere erklären. Ein Floh z.B.
schleppt wol eine Last die achtzig mal so viel als
er selbst wiegt, und ein Mist-Käfer läuft mit
einem Stücke Bley auf dem Rücken fort, was
eben so gros als er selbst ist.

§. 30.

Die Muskeln werden nach dem Entschluß
des Willens durch die Nerven in Bewegung
gesetzt; einige (wie z.B. das Herz) ausge-
nommen, über die der Wille nichts vermag,
sondern die unaufhörlich, lebenslang, und zwar
ohne wie andere Muskeln zu ermüden, oder end-
lich zu schmerzen, in Bewegung sind.

Der dunkle Körper im Leibe des Räderthiers, den einige
berümte Männer, seiner willkürlichen Bewegung
ungeachtet, für das Herz des Thiergens gehalten
haben, ist nach unsern Untersuchungen zuverläßig
der Magen, und kein Herz.

§. 31.

[Seite 35]

Ausser dem Einfluß, den die Nerven auf die
Muskelbewegung haben, ist ihr zweytes Ge-
schäft, auch die äussern Eindrücke auf den thie-
rischen Körper, der Seele durch die Sinne mit-
zutheilen. Die Art der sinnlichen Empfindung
und die Beschaffenheit der Sinnwerkzeuge ist
bey den Thieren sehr verschieden. Viele Thiere
erhalten offenbar allerhand sinnliche Eindrücke,
ohne daß wir doch die Organe an ihnen entde-
cken könnten, die bey andern zu solchen Eindrü-
cken nothwendig sind. Der Polype z.B. hat
keine Augen, und doch das feinste Gefühl vom
Licht. Die Schmeisfliege riecht, und die Biene
hört, ob wir gleich weder Nase noch Ohren an
ihnen wahrnehmen.

§. 32.

Durch den anhaltenden Gebrauch werden
Nerven und Muskeln ermüdet, und sie brauchen
von Zeit zu Zeit Ruhe zur Sammlung neuer
Kräfte, die ihnen der Schlaf gewärt. Den
mehresten Thieren ist die Nacht zu dieser Erho-
lung angewiesen, da sie schon durch ihre Dun-
kelheit zum Schlafe einladet; wenigstens schla-
fen viele Thiere weit über ihre bestimmte Zeit,
wenn sie sich in finstern Orten befinden, und
wachen hingegen lange, wenns ungewönlich helle
um sie ist. Einige Thiere müssen aber doch
eben diese Stille der Nacht, da ihre mehresten Mit-
[Seite 36] geschöpfe der Ruhe pflegen, zu Vollziehung
ihrer Geschäfte benutzen, und dagegen einen Theil
des Tages zu ihrer Erholung verwenden. So
die Katzen, Mäuse, Fledermäuse, Eulen,
Schaben, Nachtzweyfalter u.a.m. Die Län-
ge der zu dieser Erholung nöthigen Zeit ist bey
den Thieren sehr verschieden; sie steht weder mit
der Grösse ihres Körpers, noch mit dem Maasse
ihrer Arbeiten in bestimmtem Verhältnis. Ein
Pferd schläft wenig, der Dachs ungemein lange;
der menschliche Körper bedarf, im Durchschnitt
genommen, fünf bis sechs Stunden, um neue
Kräfte für die Arbeiten des Tags zu sammlen.
Manche Thiere, wie z.B. die Hüner, gehen sehr
pünktlich zur Ruhe, und erwachen wieder zur
gesetzten Stunde: andere hingegen, wie die
Katzen etc. schlafen zu ganz unbestimmten Zeiten.

§. 33.

Ausser diesem Erholungsschlaf findet sich in
der Oekonomie vieler Thiere noch die sehr be-
queme Einrichtung, daß sie einen beträchtlichen
Theil des Jahrs, und zwar gerade die herbsten
Monate, da es ihnen schwer werden würde, für
ihre Erhaltung zu sorgen*), in einem tiefen
Winterschlaf passiren. Sie verkriechen sich,
wenn diese Zeit kommt, an sichre schaurige Orte,
wie die Murmelthiere, Hamster, Ameisen etc.
[Seite 37] in ihre Nester, die Fledermäuse in Hölen, die
Frösche und einige Fische in Sümpfe, die Ufer-
schwalben ins Schilf, die Schlangen und Schne-
cken ins Gebüsch u.s.w. und fallen mit einbre-
chender Kälte in eine Art von Erstarrung, aus
der sie erst durch die erwärmenden Blicke der
Frühlingssonne wieder erweckt werden. Diese
Erstarrung ist so stark, daß die warmblütigen
Thiere wärend dieses Todtenschlafs nur unmerk-
liche Wärme übrig behalten, und daß die Pup-
pen vieler Insecten, die zu gleicher Zeit ihre Ver-
wandlung bestehen, im Winter oft so durchfro-
ren sind, daß sie, dem Leben des drin schlafenden
Thieres unbeschadet, wie Eiszapfen oder Glas
klingen, wenn man sie aus die Erde fallen läßt.
Der Winterschlaf ist bey einerley Thieren, nach
Verschiedenheit des Clima, oder der Witterung
bald länger bald kürzer. Der Bär durchschläft in
Nördlichen Zonen 5 Monate, in Deutschland
nur so viele Wochen. In harten Wintern liegt
das Murmelthiere lange und tief in seiner Höle
unter der Erde verborgen, in gelinden Wintern
machts kein so tiefes Nest und kommt im Früh-
jahr zeitiger wieder zum Vorschein. Manche
Thiere erwachen auch wol wärend ihres Win-
terschlafs bey warmen Tagen zuweilen auf kur-
ze Zeit, und fallen beym folgenden Frost wieder
in ihre vorige Erstarrung. So ist eine Haselmaus
in einem rauhen September einigemal unter
unsern Augen erwacht, hat schlaftrunken etwa
[Seite 38] einen halben Tag herum getaumelt, sich wieder ver-
krochen, und ist dann von neuem in ihren
Schlummer verfallen. Die Stubenfliegen, die
den Winter über in den Fenstern herum liegen, er-
muntern sich, wenn im Zimmer eingeheitzt wird,
und fallen in der Kälte wieder für todt nieder.

§. 34.

So wie nun gar viele Thiere durch diesen
Winterschlaf in der rauhesten nahrlosesten Jahrs-
zeit, die ihnen so leicht tödtlich seyn könnte, er-
halten werden; so hat der Schöpfer noch tau-
senderley andere Mittel in die thierische Natur
gelegt, wodurch sie ihre Sicherheit und Erhal-
tung bewirken, ihr Geschlecht fortpflanzen, und
alle die andern Geschäfte vollziehen können, die
ihnen zur Vollkommenheit des Ganzen übertra-
gen sind. Zu diesen Mitteln gehört z.B. die
sonderbare Structur mancher Thiere, die, wie
die Polypen, wegen ihrer starken Reproductions-
kraft fast unzerstörbar sind, oder die äussern Be-
kleidungen ihres Körpers, die Schuppen,
Schilder, Schaalen, Flügeldecken etc. die
sie gegen die Anfälle vieler Feinde (wie z.
B. das Stachelschwein gegen die Macht des
Löwen) sichern; oder ihre Stärke, ihre Waf-
fen, Hörner, Zähne, Klauen, das Gift wo-
mit viele versehen sind u.s.w. Vorzüglich
auch die Macht des gesellschaftlichen Lebens, wo-
gegen sich zwar einige unserer neuern Weltwei-
[Seite 39] sen empören; die doch aber ganzen Gattungen
von Thieren Sicherheit verschaft, da sie ohne
sociale Verbindung und einzeln gegen ihre
Feinde zu ohnmächtig seyn würden. So hat
man gesehn, daß Ameisen mit vereinter Kraft
einen grossen feindlichen Käfer lebendig begra-
ben, und daß Bienen eine Raubschnecke auf
eben die Art mit Wachs umzogen haben.

§. 35.

Von allen diesen mannichfaltigen Mitteln,
womit die Thiere zu ihrem eignen und der ganzen
Schöpfung Besten, ausgerüstet sind, ist das
allerwichtigste und allgemeinste, ihr Instinct,
oder die angebohrnen natürlichen Triebe,
nach welchen sie viele zweckmäßige Handlungen
ganz maschinenmäßig, ohne Anweisung, sondern
blos aus innerm eigenem Drange verrichten müs-
sen. Alle Thiere haben dergleichen Triebe in
ihrer Natur, nur freylich jedes nach seiner Be-
stimmung, Instincte verschiedener Art und in
verschiedenem Maaße. Die allgemeinsten Na-
tur-Triebe, wie z.B. die zur Begattung, sind bey
der einen Thierart stärker, bey der andern schwä-
cher; und Montesquieu derivirt schon aus die-
sem verschiedentlich bestimmten Maaße von In-
stinct, das unveränderliche Gleichgewicht, was sich
bey der Vermehrung jeder Gattung von Thieren
zeigt. Die Erde könnte für die Elephanten zu
klein, und das Menschengeschlecht gegen die Lö-
[Seite 40] wen zu schwach werden, wenn diese grossen und
fürchterlichen Thiere den unersättlichen Liebes-
trieb der Caninchen oder Meerschweinchen be-
sässen. Eben so merkwürdig sind die Triebe
der Selbsterhaltung, ohne welche ganze Thier-
arten sehr bald ihren Untergang finden würden.
Nur wenige haben Winterschlaf: wie viele der
übrigen müßten also unter Kälte und Mangel
an Lebensmitteln erliegen, wenn nicht einige,
wie die Biber, vom Instinct getrieben, zur guten
Zeit ihre Scheuern mit Wintervorrath füllten,
oder andere, wie die Zugvögel, im Herbst unsre
rauhen Gegenden verliessen, und bis gegens Früh-
jahr sich am Nil, am Senega etc. wohl seyn
liessen. Daß dies blos innerer Trieb, nicht
Gewohnheit, oder Unterweisung und Tradition
der alten Thiere sey, lehrt das Beyspiel junger
Zugvögel, die man ganz isolirt im Zimmer er-
zogen hat, und die doch, wenn die Zeit naht,
da ihre Brüder ihr Haus bestellen, und sich zu
ihrer grossen Reise bereiten, im Bauer unruhig
werden, und es, bey allem guten Futter und bey
aller Bequemlichkeit, doch innerlich fülen, daß
es nicht ihre Bestimmung sey, das ganze Jahr
am gleichen Ort zu verweilen. Andre Natur-
triebe der Thiere dienen nicht zu Befriedigung
eigener Bedürfnisse, sondern blos zur Erhal-
tung ihrer, vielleicht noch nicht einmal erzeug-
ten, Nachkommenschaft. Die genaue Wahl eines
schicklichen Ortes zum Eyerlegen, welcher dem
[Seite 41] Unterhalt der daraus entstehenden Jungen voll-
kommen entspricht, giebt ein deutliches Beyspiel
dieser Art von Instinct: so legen manche In-
secten ihre Eyer blos auf Aas, andre in den
Körper lebendiger Thiere, andre auf Tuch, in
bestimmte Theile der Pflanzen u.s.w.

§. 36.

Unter allen diesen verschiedenen thierischen
Trieben sind die Kunsttriebe ganz vorzüglich
merkwürdig, da sich viele Thiere ohne allen Un-
terricht so ungemein künstliche Wohnungen, Ne-
ster, Gewebe etc. zu ihrem Aufenthalt, zur Si-
cherheit für ihre Jungen, zum Fang ihres Rau-
des, und zu tausend andern Zwecken zu verferti-
gen wissen. Der Bau der Biber, die Hölen
der Hamster, der Murmelthiere; die Nester der
Eichhörnchen, der Vögel, der Insecten; die
Spinneweben, die Fallgruben des Ameisenlö-
wen; ferner die Auswahl der Bau-Materia-
lien, da die eine Gattung von Insecten ihre
Zellen aus Wachs, eine andre verwandte Art
die ihrigen aus Stein, eine dritte ans Holzspän-
chen, eine vierte aus Rosenblättern verfertigt;
die regelmäßige, aber ewig einförmige, Gestalt
dieser Wohnungen u.s.w. geben unerschöpflich
zahlreiche Beweise von der Grösse und Man-
nichfaltigkeit dieser unbegreiflichen Naturtriebe.

§. 37.

[Seite 42]

Der Mensch hat überhaupt wenig Instinct,
Kunsttriebe aber gar nicht: was ihn hingegen
reichlich dafür entschädigt, ist der Gebrauch der
Vernunft, die ihm allein ausschließlich, und
durchaus keinem andern Thiere zukommt. Er
hat keinen bestimmten Wohnplatz, sondern die
ganze Erde, in Norden und Süden und unter
jedem Meridian, ist ihm zum Aufenthalt ange-
wiesen; die Verschiedenheit des Clima und der
Lebensart erregt in ihm eben so verschiedne Be-
dürfnisse, die nicht auf einerley Weise befrie-
digt werden können; und ein einförmiger Kunst-
trieb würde folglich ein sehr unbrauchbares Ge-
schenk für ihn gewesen seyn: da er hingegen
durch Reflexion die individuellen Bedürfnisse
auf mannichfaltige und schickliche Weise zu stil-
len vermag.

§. 38.

Allen Instinct eines Thiers, seine ganze Le-
bensart, Handlungen, Aufenthalt, Charakter,
Oekonomie u.s.w. begreift man unter dem all-
gemeinen Namen von Naturell. Jede Gat-
tung von Thieren hat, nach der Verschiedenheit
aller dieser Dinge, und nach ihrer besondern Be-
stimmung, auch ihr verschiednes, eignes Na-
turell, was nach der weisen Einrichtung des
Ganzen, seine eben so bestimmten Grenzen und
Richtung hat. In dessen kann doch der Mensch,
[Seite 43] durch den Gebrauch seiner Vernunft, die ihn
zum Herrn der übrigen Schöpfung macht, nach
seiner Willkür ungemein viel am Naturell der
Thiere abändern, so daß wir uns keines der oben
genannten Stücke entsinnen, was nicht Men-
schenkunst an diesen oder jenen Thieren gleich-
sam umzuschaffen vermocht hätte. Der Mensch
hat sich ganze Gattungen anderer Thiere unter-
jocht, sie aus der Wildnis genommen, und zu
Hausthieren gemacht. Er hat Elephanten und
Raubthiere gebändigt, und zu seinen Diensten
oder zu seiner Belustigung abgerichtet; hat
Spinnen gezähmt, Adler und Seemöven an
blosses Brod gewöhnt; und hat die Antipathie
der Thiere zu dämpfen, und Hunde, Katzen,
Mäuse, Sperlinge etc.*) zu gemeinschaftlichen
Tischgenossen zu machen gewußt.

§. 39.

Die Anzal der Gattungen von Thieren zu
bestimmen, kennen wir unsre Erde noch zu we-
nig. Von dem was wir wissen, auf das was
uns noch davon unbekannt ist, zu schliessen,
kann man ihrer ohngefähr dreyßigtausend anneh-
men. Da wir so viele Thiere blos versteint,
und noch nicht in Natur kennen, so haben eini-
ge berühmte Männer geschlossen, daß wol manche
Gattungen ja ganze Geschlechter ausgestorben
seyn möchten. Dagegen läßt sich nun zwar
[Seite 44] das eben gesagte einwenden, daß ein sehr gros-
ser Theil der Erde noch ununtersucht ist, und
daß wir nicht wissen können, was im Boden
des Meers, im innern Afrika und anderwärts,
wo sich Naturgeschichte noch keinen Weg hinge-
bahnt hat, verborgen liegen kann. Aber von
der andern Seite bleibts doch immer bedenklich,
daß man von so grossen Petrefacten-Geschlechtern
dergleichen z. E. die Ammoniten sind, noch gar
kein Original aufgefunden hat: und da wir doch
aus allem sehn, daß unsere Erde weiland schon
gar sehr grosse Catastrophen erlitten hat, so
wär es wenigstens sehr wohl möglich, daß da
auch Thier-Gattungen hätten untergehen kön-
nen, die nur für jene Vorwelt bestimmt, und
der revolvirten Erde entbehrlich gewesen wären.

§. 40.

Man hat mancherley Eintheilungen erson-
nen, um die Geschlechter und Gattungen der
Thiere unter bestimmte Classen zu bringen.
Aller der Mängel unbeachtet, deren man das
Linneische System beschuldigt hat, scheinen
uns doch die Classen des berümten Mannes un-
gemein gründlich und passend bestimmt zu seyn;
daher wir sie ganz nach seiner Angabe beybehal-
ten. Es sind folgende sechse.

I. Cl. Säugthiere, (mammalia,) Thiere
mit warmem rothem Blut, die ihre Jun-
[Seite 45] gen lebendig zur Welt bringen, und sie
einige Zeit lang mit Milch an Brüsten
säugen.

Fast alle Thiere dieser Cl. haben Haare, nur die Wall-
fische ausgenommen; die aber wegen ihrer gan-
zen körperlichen Einrichtung doch allerdings zu
den übrigen Saugthieren, und nicht zu den
Fischen zu rechnen sind.

II. Cl. Vögel, (Aves) Thiere mit warmem
rothem Blut, die aber Eyer legen, die
Jungen nicht mit Milch säugen, und
Federn haben.

III. Cl. Amphibien, Thiere mit kaltem ro-
them Blut, die durch Lungen Othem holen.

IV. Cl. Fische, (pisces) Thiere mit kaltem
rothem Blut, die durch Kiefern, und nicht
durch Lungen, athmen.

V. Cl. Insecten, Thiere mit kaltem weissem
Blut, die Fühlhörner (Antennas) am
Kopf haben.

VI. Cl. Würmer, (vermes,) Thiere mit
kaltem weissem Blute, die keine Fühlhör-
ner, sondern meist Fühlsaden (tentacula)
haben.

Bey dieser letzten Classe ist noch am meisten qui pro
quo
. Nicht alle Thiere derselben haben einmal
Blut (§. 28.)

xxx

Vierter Abschnitt.
Von den Säugethieren.

[Seite 46]

§. 41.

Die Thiere der ersten Classe haben zwar, so wie
die Vögel, warmes rothes Blut; doch zeichnen
sie sich schon dadurch von ihnen aus, daß sie
keine Eyer legen, sondern lebendige Junge ge-
bähren: ihr Hauptcharakter aber, der sie von
allen übrigen Thieren unterscheidet, und von
dem auch die Benennung der ganzen Classe ent-
lehnt ist, sind die Brüste, wodurch die Weib-
gen ihre Jungen mit Milch ernären. Die
Anzal und Lage der Brüste ist verschieden. Meist
sind ihrer noch einmal so viel, als die Mutter
gewönlicher Weise Junge zur Welt bringt;
und sie sitzen entweder an der Brust, (mammae
pectorales
) oder am Bauche (abdominales),
oder zwischen den Hinterfüssen (inguinales).
Gewönlich haben auch die Männchen, zu uns
unbekannten Zwecken, dergleichen Brüste; doch
fehlen sie einigen, wie den Hamstern, der Ha-
selmaus u.a.m. gänzlich; bey andern sind sie
doch in geringerer Anzal als der Weibchen ihre,
der Hund z.B. hat nur sechs Zitzen am Bauche,
[Seite 47] die Hündin aber ausser diesen auch noch viere
an der Brust; und allemal sind sie kleiner als
beym weiblichen Geschlechte.

§. 42.

Die mehresten Säugethiere haben einen be-
haarten Körper; einige aber, wie z.B. die
Wallfische, sind unbehaart. Diejenigen, die
mit andern Bedeckungen, wie die Igel- und Sta-
chelschweine mit Stacheln, der Manis mit
Schuppen, und der Armadill mit einem beiner-
nen Panzer, versehen sind, haben doch wenig-
stens an einigen Theilen ihres Körpers, am
Halse etc. wirkliche Haare; so wie sich hingegen
am Körper vieler Säugethiere oft einzelne kahle
Stellen finden. Der Mensch ist fast gar nicht,
der Chimpanzee, der Elephant u.a. nur dünn
behaart. Beym Menschen wächst dem männ-
lichen Geschlechte in gewissen Jahren d-r Bart,
der hingegen den Frauenzimmern mangelt. Die
Länge, Beschaffenheit und Farbe der Haare ist
oft bey einer und eben derselben Gattung (z. E.
bey den Hunden) gar sehr verschieden: weiche
gerollte Haare heissen Wolle, straffe hingegen
Borsten. Wenn die Haare in conträrer Richtung
einander entgegen laufen, so nennt man die er-
habnen Streifen, wo sie sich begegnen, Näthe,
(suturas), längeres Haar am Hals und Rücken
aber Mähne (juba). Um die Lippen, und an
einzeln Stellen des Gesichts, haben viele Säuge-
[Seite 48] thiere einzelne längere steifere Haare (mystaces
und vibrissas). Die Farbe der Haare variirt,
zumal bey den Hausthieren aus dieser Classe, un-
gemein, doch ist sie beym Esel beständiger; die
Haare der Nordischen Säugethiere sind, des kal-
ten Clima wegen (§. 21.) meist weiß: doch
kann die gleiche Anomalie auch durch eine Krank-
heit, die mit der weissen Mohren ihrer viel
Aehnlichkeit hat, bewirkt werden. Bey man-
chen ändert sich die Farbe nach der Jahrszeit,
wie beym Hasen, Eichhörnchen, Wiesel etc.
und einige wechseln gar ihre Haare, und mausen
sich gleichsam wie die Vögel: so das Caninchen
von Angora, der Bison u.a.

§. 43.

Der Aufenthalt der Säugthiere ist sehr
verschieden. Die mehresten leben auf der Erde,
manche fast blos auf Bäumen, wie die Eich-
hörnchen, einige unter der Erde, wie der Maul-
wurf, andere bald auf dem Lande bald im Was-
ser, wie die Biber, Seebären, oder blos im
Wasser wie die Wallfische. Hiernach sind nun
auch die Füsse oder die änlichen Bewegungs-
werkzeuge dieser Thiere verschieden. Die meh-
resten haben vier Füsse, der Mensch nur zwey,
aber auch zwey Hände. Die meisten Affen ha-
ben vier Hände, und sie können die hintern we-
gen des abstehenden Daumens eben so wol zum
greifen brauchen als die vordern. (Taf. I. Fig.
[Seite 49] 1 und 2). Die Finger und Zehen der Säug-
thiere sind in Rücksicht ihrer Bildung, Anzal
und Verbindung sehr verschieden. Gemeinig-
lich sind sie frey; bey einigen aber, die im Was-
ser und auf dem Lande zugleich leben, durch eine
Schwimmhaut (Taf. I. Fig. 3) verbunden. Bey
den Fledermäusen sind die an den Vorderfüßen
ungemein lang und dünne; und zwischen ihnen
ist eine Floränliche Haut ausgespannt (Taf. I.
Fig. 4), die zum Fliegen dient. Die Füße man-
cher Seethiere aus dieser Classe sind in einen
unförmlichen Klumpen verwachsen, und bey den
Wallfischen äneln sie gar den Floßfedern der Fi-
sche; doch daß die Hinterfüße horizontal, und
nicht wie der Fischschwanz vertical, liegen. Ei-
nige wenige Säugethiere (Solidungula) haben
Hufe; viele aber (Bisulca) gespaltene Klauen.
Die mehresten gehen blos auf den Spitzen der
Füße (Taf. I. Fig. 5); einige aber, wie der
Mensch, die Affen, Bären, Eichhörnchen u.
a. m. auf dem ganzen Fuß bis zur Ferse (Taf. I.
Fig. 6).

§. 44.

Der Mund und die Kinnladen der Säug-
thiere liegen horizontal; nur der Unterkiefer ist
bey ihnen beweglich. Die Ameisenbären, For-
mosanischen Teufelgen, und einige Wallfische aus-
genommen, sind die übrigen Thiere dieser Classe
mit Zähnen versehn, die man in Schneide-
[Seite 50] zähne (incisores), Spitzzähne (caninos), und
Backenzähne (molares), abtheilt. Die leztern
zumal sind nach der verschiednen Nahrung die-
ser Thiere auch verschiedentlich gebaut. Bey
den fleischfressenden zackicht (Taf. I. Fig. 7),
bey den grasfressenden platt (Taf. I. Fig. 8), und
bey denen die sich, so wie der Mensch, von beiden
organisirten Reichen nähren, in der Mitte ge-
furcht, und an den Seiten abgerundet (Taf. I.
Fig. 9).

§. 45.

Verschiedene grasfressende Säugethiere
Kauen wieder; das heist, sie treiben das
einmal geschluckte Futter nach und nach Bissen-
weise wieder in den Mund, zermalmen es noch-
mals, und bringen es sodann zum zweytenmal
in den Magen. Einige dieser ruminirnden
Thiere haben vier Magen, deren jeder seinen
bestimmten Namen hat. Der erste heist Rumen
oder Aqualiculus, der Pansen; der zweyte Re-
ticulum
, die Haube oder Mütze; der dritte
Echinus oder Omasum, das Buch oder der Psal-
ter; der vierte endlich Faliscus oder Abomasum,
der Laab oder die Ruthe. Im Grunde bestim-
men aber weder die vielfachen Magen, noch die
gespaltnen Klauen, sondern blos der schmal zu-
laufende Unterkiefer, und die Art seiner Ver-
bindung mit dem übrigen Kopfe, den Chara-
kter des Wiederkauens.

§. 46.

[Seite 51]

Alle Säugethiere haben Lungen, die ih-
nen zum Othemholen, und zur Stimme (vox)
dienen, die zwar nach Verschiedenheit der Gat-
tungen, des Geschlechts, des Alters, und der
Leidenschaften variirt; aber doch nicht mit so-
viel Mannichfaltigkeit abwechselt, als der Ge-
sang der Vögel, die überdem auch viel öfterer
als die Säugethiere ihre Stimme von sich ge-
ben. Einige dieser Thiere, wie der Maulwurf,
Ameisenbär, das Formosanische Teufelgen etc.
die Hasen, Canin-
chen etc. lassen ihre Stimme nur im äussersten
Nothfall erschallen. Der Mensch allein besitzt
ausschlieslich den Gebrauch der Sprache (Lo-
quela
), die eine Folge der ihm ebenfalls allein
eignen Vernunft (§. 37.) ist.

§. 47.

Auser den Hufen, Klauen, Zähnen etc. sind
viele Säugethiere auch mit Hörnern zu Waf-
fen versehen, die doch, wie der Bart beym Men-
schen, erst zur Zeit der Mannbarkeit hervor-
brechen. Bey einigen Gattungen, wie beym
Hirsch, sind die Weibchen ungehörnt; bey an-
dern, wie im Ziegengeschlecht, sind ihre Hörner
doch kleiner als der Männchen ihre. Anzal,
Bau, und Lage der Hörner sind sehr verschie-
den. Beym Ochsen- und Ziegengeschlechte sind
[Seite 52] sie hol, und sitzen wie eine Scheide über einen
Fortsatz der Stirnknochen. Des Rhinoce-
ros Hörner sind dichte, und blos mit der Haut
aus der Nase verwachsen. Beym Hirschge-
schlecht hingegen, bey den gehörnten Hasen u.
s. w. sind sie zwar ebenfalls solide, aber von be-
sondrer, beynahe holzichter Structur, und
astig. Sie heissen dann Geweihe, und werden
mehrentheils alljärlich abgeworfen und neue an
ihrer Statt reproducirt.

§. 48.

Die Oeffnung des Afters wird bey den meh-
resten Säugethieren durch den Schwanz be-
deckt, der eine Fortsetzung des Kukuksbeins
(coccyx), und von mannichfaltiger Bildung und
Gebrauch ist. Er dient den Thieren z.B. die
Fliegen und Bremsen von sich zu wedeln; oder
als Werkzeug zum Bau, wie dem Biber der
seinige; oder zum Anhalten für die Jungen, wie
beym Surinamischen Aenegs; oder statt einer
Hand, um damit, wie der Elephant mit seinem
Rüssel, fassen zu können (cauda prehensilis. Taf. I.
Fig. 10); so der Rollschwanz vieler Meerkatzen,
eines Ameisenbären etc.; oder zum Schirm ge-
gen Sonnenstich und Regen, wie beym Mongoz
und beym Eichhörnchen, dem sein Schwanz auch
auserdem zum Laufe auf den Aesten der Bäume
nutzt. Manche Säugethiere, wie der Mensch,
einige Affen, ein Faulthier u.a. sind gänzlich
ungeschwänzt.

§. 49.

[Seite 53]

Noch sind am Körper einiger Thiere beson-
dere Beutel von verschiedner Bestimmung zu
merken. So haben manche Meerkatzen, der
Hamster, die Ziselmaus u.a. Backentaschen,
um Proviant darin einschleppen zu können. Das
Weibchen der Beutelratte hat eine Tasche über
ihre Zitzen am Bauche, in welche sich die sau-
genden Jungen verkriechen, können. Der Orang-
utang und das Rennthier haben einen Beutel am
Halse, der sich in die Kehle öffnet, und zur Ver-
stärkung der Stimme dient. Der Biber, die
Zibetkatze, das Bisamthier, der Dachs u.a.m.
haben verschiedne Beutel (Folliculos) am Na-
bel, beym After etc. in welche sich eine schmierich-
te starkriechende Fettigkeit sammlet u.s.w.

§. 50.

Die Säugethiere geben die wichtigsten
Geschöpfe fürs Menschengeschlecht. Der Mensch
hat sich noch aus keiner andern Thierclasse so
treue, arbeitsame und dienstfertige Gehülfen zu
schaffen gewußt, als aus dieser. Sie enthält un-
gemein gelehrige Thiere, deren Naturell sich leicht
abändern läst, und der Mensch hat folglich ganze
Gattungen aus ihrer Wildniß versetzen, und
blos zu seinen Hausgenossen machen können.
Der Verlust der Freyheit zeigt sich nach mehrern
Generationen besonders durch hängende Ohren
[Seite 54] und schlichten Schwanz, so daß manschen aus
diesen Zeichen errathen kan, wie lang oder wie
kürzlich die Schweine und andere Hausthiere in
verschiednen Gegenden unterjocht seyn mögen.

§. 51.

Die vielfache Brauchbarkeit der Säug-
thiere fürs Menschengeschlecht reducirt sich vor-
züglich auf folgendes. Zum Reiten, zum
Zug, Ackerbau, Lasttragen u.s.w.: Pfer-
de, Maulthiere, Esel, Ochsen, Büffel, Renn-
thiere, Elephanten, Kameele, Clacma, Hun-
de. Im Krieg: Pferde, Elephanten, Ka-
meele. Zur Jagd: Pferde und Hunde. Zum
Bewachen: Hunde. Zum Mausen und
Vertilgen anderer schädlichen Thiere: Katzen,
Igel, Ameisenbären etc. Zur Speise: das
Fleisch von Rindvieh, Schafen, Ziegen, Schwei-
nen, vom Hirschgeschlecht, von Hasen, Ca-
ninchen, Eichhörnchen, Wallfischen u.s.w.
Speck, Schmalz, Blut, Milch, Butter,
Käse. Zur Kleidung, zu Decken, Zelten,
Schiffgen (Baidar): gegerbte Felle, Haare,
Wolle etc. Zum Brennen: Talg, Fischthran.
Zum Schreiben, Bücherbinden etc. Per-
gament, Leder. Für andere Künstler und zu
gemischtem Gebrauch: Borsten, Haare,
Geweihe, Hörner, Klauen, Elfenbein, Zäh-
ne, Fischbein, Knochen, Blasen. Sehnen
und Knochen zu Tischlerleim. Därme zu
[Seite 55] Saiten. Blut zu Farbe. Mist zum Dün-
ger, zur Feuerung, zu Salmiak etc. Harn
zu Phosphorus. Eselsmilch, Wallrath,
allerhand Fett, zu Pomaden und sonst für die
Toilette. Endlich zur Arzney: Bisam, Bi-
bergeil, Hirschhorn; und weiland auch; Zibet,
Wallrath, Bezoare aus beiden Indien, Pie-
dra del Porco u.s.w.

§. 52.

Von der andern Seite sind aber freylich
mehrere Thiere dieser Classe dem Menschenge-
schlecht unmittelbar oder mittelbar nachthei-
lig. Die reissenden Thiere, besonders aus dem
Hunde- und Katzen-Geschlecht, tödten Men-
schen. Andere vertilgen viel nutzbare Vögel
u.a. Thiere: so die Wiesel, Marder, Iltis,
Vielfraß, Fischottern, Wallfische etc. oder scha-
den den Gewächsen, Bäumen, Garten-
früchten, Getraide u.s.w. wie die Feld-
mäuse, Hamster, Leming, Ziegen, Hirsche, Hasen,
Biber, Affen, Elephanten, Rhinoceros, Nil-
pferde etc. oder gehen andern Eßwaaren nach;
wie Ratten, Mäuse, Fledermäuse, Murmel-
thiere. Verderben Hausgeräthe, wie die Scha-
kale, Hyänen u.s.w. Gift besitzt kein einzi-
ges Thier dieser Classe, ausser in der Wuth
und Wasserscheue, der aber viele, zumal aus
dem Hundegeschlecht, leicht ausgesetzt sind.

§. 53.

[Seite 56]

Man hat verschiedene künstliche Systeme,
nach welchen berümte Männer die Säugthiere
zu ordnen versucht haben, die aber unserm
Bedünken nach grossentheils mangelhaft und
unnatürlich ausfallen. Aristotelis Einthei-
lung ist auf die Verschiedenheit der Zehen und
Klauen gegründet, und die haben auch Ray
und Klein nach der Hand angenommen und
weiter bearbeitet. Aber hierbey müssen die ver-
wandtesten und im ganzen noch so änlichen Gat-
tungen von Affen, Ameisenbären, Faulthieren
etc. getrennt, und in ganz verschiedene Ordnun-
gen versetzt werden, blos weil die eine mehr,
die andere weniger Zehen hat. Linne' hat die
Zähne zum Classificationsgrund gewält, ein
Weg, auf dem man aber nicht minder, bald auf
die unnatürlichsten Trennungen, bald auf die
sonderbarsten Verbindungen stößt. Das Ge-
schlecht der Fledermäuse muß nach des Ritters
Entwurf, wegen des verschiedenen Gebisses bey
einigen Gattungen, wenigstens in drey verschie-
dene Ordnungen zerstückt werden; der Elephant
kommt mit den Panzerthieren, und den formo-
sanischen Teufeln; der Igel aber und der Maul-
wurf mit Löwen und Tigern in eine gemeinschaft-
lichen Ordnung.

§. 54.

Wir haben daher diesen Mängeln abzuhel-
fen, und ein natürliches System der Säug-
[Seite 57] thiere zu entwerfen getrachtet, wobey wir,
nach unserm Begriffe von natürlicher Methode,
(§. 7.) nicht auf einzelne abstrahirte, sondern
auf alle äußere Merkmale zugleich, auf den ganzen
Habitus der Thiere gesehn haben. So sind Thiere
die in neunzehn Stücke einander änelten, und nur
im zwanzigsten differirten, doch zusammergeordnet
worden, dieses zwanzigste mochten nun die Zäh-
ne oder die Klauen oder irgend ein andrer
Theil seyn; und so sind denn folgende zwölf
Ordnungen dieser ersten Classe entstanden.

I. Ord. Inermis. Der Mensch mit zwey Hän-
den. Inermis hier in besonderem Sinne
genommen, um Mangel angebohrner Waf-
fen, Kunsttriebe, Bedeckungen, kurz
alles dessen zu bezeichnen, wofür den Men-
schen Vernunft schadlos hält.

II. Pitheci. Thiere mit vier Händen. Affen,
Paviane, Meerkatzen, und Lemur.

III. Bradypoda. Thiere mit langen haken-
förmigen Krallen, deren ganzer Körper-
bau auf den ersten Blick Phlegma und
Langsamkeit verräth. Ameisenbär, Faul-
thier.

IV. Sclerodermata. Die Säugthiere mit son-
derbaren Decken statt behaarter Haut, und
zwar a) mit Stacheln: Igel und Sta-
chelschwein. b) mit Schuppen: die For-
[Seite 58] mosanischen Teufelgen, c) mit Schildern:
die Tatu.

V. Chiroptera. Die Säugethiere, deren Vor-
derfüße Flügel bilden, (§. 43.) die Fle-
dermäuse.

VI. Glires. Mäuse, Maulwürfe, Hasen, Wiesel
und andere verwandte kleinere Säugthiere.

VII. Ferae. reissende Thiere, die Menschen
anfallen. Nur Bäreu, Hunde, Katzen.

VIII. Solidungula. Pferd.

IX. Bisulca. Thiere mit gespaltnen Klauen.
Die allgemeine Verwandschaft der Thiere
dieser Ordnung unter sich, rechtfertigt
die Benennung der Ordnung nach der
Beschaffenheit der Füße, eben sowol als
die der vorigen Ordnung, der IIIten und
der XIten.

X. Belluae. Ungeheure, dünnbehaarte Thiere,
mit dicken Füssen. Tapir, Elephant,
Nashorn, Nilpferd.

XI. Palmata. Die Amphibien dieser Classe
mit kurzen Schwimmfüssen, und zwar
a) lacustria, mit blosser Schwimmhaut
zwischen den Zehen. b) marina, mit ver-
wachsenen Fingern (§. 43.), deren Spur
nur durch die Nägel bezeichnet wird. Der
[Seite 59] Manate macht von hier den schicklichsten
Uebergang zur

XIIten O. Cetacea. Wallfische, warmblütige
Thiere, die mit den kaltblütigen Fischen
fast nichts als den unschicklichen Namen
gemein haben, und deren natürliche Ver-
bindung mit den übrigen Säugethieren
Ray vollkommen richtig eingesehen hat.*)


I Ord. INERMIS.

[Seite 60]

1. Geschl. homo. Animal rationale, loquens,
erectum, bimanum
.*)

1. Gatt. sapiens. Der Mensch wird durch so
merkwürdige Eigenschaften des Geistes und des
Körpers von der ganzen übrigen thierischen Schö-
pfung ausgezeichnet, daß er bey weitem nicht
blos in einem eignen Geschlecht, sondern aller-
dings in einer besondern Ordnung, von ihr abge-
schieden werden muß. Er hat ausser dem Be-
gattungstrieb wenig Spuren von Instinct:
Kunsttriebe aber, daß er sich, wie tausend an-
dere Thiere, ohne Unterricht und ohne Nachsinnen,
aus blossem innern Drange, Wohnungen, Netze
für seinen Raub u.s.w. verfertigen könnte, hat
er gar nicht. Der Schöpfer hat ihn für diese
Mangel durch den Gebrauch der Vernunft ent-
schädiget, die ihm allein ausschließlich, und kei-
nem andern Thiere zukommt, und wodurch er
alle seine grossen Bestimmungen besser erfüllen,
seine endlosen Bedürfnisse passender befriedigen
kann, als wenn er selbst die Kunsttriebe mehre-
rer Thiere in sich vereinte. Eine directe Folge
der Vernunft, mithin ein abermaliges Eigenthum
der Menschheit, ist die Rede oder Sprache (Lo-
quela
), die nicht mit der Stimme (vox) der
Thiere verwechselt werden darf. Auch der Mensch
hat Stimme, wie man an den unglücklichen
Beyspielen in Wildniß aufgewachsener, oder taub-
gebohrner Kinder sieht, und wie die unwillkürli-
[Seite 61] chen Töne aus beklemmter Brust, bey Schrecken,
und in andern heftigen Leidenschaften zeigen.
Die Sprache aber entwickelt sich erst mit der
Vernunft, da denn die Seele ihre erlangten Be-
griffe, der Zunge zum Aussprechen überträgt. Es
giebt eben so wenig ein sprachloses, als ein ver-
nunftloses Volt auf unserer Erde, und wir ha-
ben nun die Wörterbücher der Eskimos, der
Hottentotten und anderer Nationen, denen die
leichtglaubigen Reisenden der alten Zeit die Re-
de abzusprechen wagten. Zu den körperlichen
Eigenschaften des Menschen gehört vorzüglich
sein aufrechter Gang und der Gebrauch
zweyer Hände, wodurch er, unserm Bedün-
ken nach, selbst vom Menschenähnlichsten Af-
fen zu unterscheiden ist. Moscati's spashaf-
ter Ruf an die Menschheit, auf allen vieren zu
laufen, wird bey einiger Kenntnis von Anatome
comparata
blos belächelt. Die breiten Fußsoh-
len sind zum Auftreten, die Hände zum Fassen und
Greifen. Die Affen hingegen haben vier Hände,
nemlich keine grosse Zehe, sondern an den Hin-
terfüßen eben sowol einen abstehenden Daumen,
als an den vordern (§. 43); und daß nicht et-
wa unser Fuß nur durch den Gebrauch der Schu-
he die Bildung und Fähigkeit der Hände verloren
habe, wird durch die Beyspiele der barfussen
Nationen, und des ungebornen Kindes, erweis-
lich. Das Weibliche Geschlecht hat noch ein paar
eigenthümliche Charaktere, die dem Männlichen
und allen übrigen Thieren abgehen, nämlich ei-
nen periodischen Blutverlust in einer bestimm-
ten Reihe von Lebensjahren; und dann ein kör-
perliches Kennzeichen der unverlezten Jung-
fräulichen Unschuld, was blos seinen sittlichen
Nutzen hat, und folglich für andre Thiere ein
zweckloser Theil seyn würde.

[Seite 62]

Der Mensch ist für sich ein wehrloses hülfbe-
dürftiges Geschöpf. Kein andres Thier außer
ihm ist so instinctlos, Keins bleibt so lange Kind,
Keins wird so sehr späte mannbar u.s.w. Selbst
seine großen Vorzüge, Vernunft und Sprache,
sind nur Keime, die sich nicht von selbst, son-
dern erst durch fremde Hülfe, durch Kultur und
Erziehung entwickeln können. Diese natürliche
Blösse von der einen Seite, und die vielfachen
Bedürfnisse von der andern, machen den Menschen
zum geselligen Thiere, so daß Hobbes den blos-
sen Nothzwang für die einzige Triebfeder anneh-
men durfte, wodurch der Mensch, so wie die
Bienen und Ameisen durch ihren Instinct, zur so-
cialen Verbindung gedrungen würde. Der
Aufenthalt und die Nahrung des Menschen
sind beide unbeschränkt; er bewohnt die ganze
Erde, und nährt sich beynabe von der ganzen or-
ganisirten Schöpfung. Er erreicht, in Rücksicht
seiner mässigen Körpermasse, und in Vergleich
mit andern Säugethieren, ein ausnehmend ho-
hes Alter, was ihn für seine lange Kindheit ent-
schädigt. Die Proportion in der Anzal der Men-
schen beyden Geschlechts, die unglücklichen Fol-
gen der Vielweiberey etc. erweisen die natürliche
Bestimmung des Menschen zur Monogamie.

Es giebt nur eine Gattung im Menschenge-
schlecht; und die Menschen aller Zeiten und aller
Himmelsstriche können von Adam abstammen.
Die Verschiedenheiten in Bildung und Farbe der
menschlichen Körper werden blos durch Clima,
Nahrung, Lebensart u.s.w. bewirkt; da der
Mensch kein Privilegium hat, warum er nicht
auch, wie jeder andere organisirte Körper, (§. 21.)
wie eine Taube oder wie eine Tulpe, ausarten
sollte? So brennt die Sonnenhitze die Mohren
schwarz, und macht sie kraushaarigt; so wie hin-
[Seite 63] gegen die Kälte in Nordischen Zonen weisse Far-
be und kleine Statur hervorbringt. Alle diese
Verschiedenheiten fliessen so unvermerkt zusam-
men, daß sich eigentlich keine bestimmte Gren-
zen zwischen ihnen fest setzen lassen; doch haben
wir das ganze Menschengeschlecht am füglichsten
unter folgende fünf Varietäten zu bringen ge-
glaubt;

1. Die ursprüngliche und größte Raçe begreift
erstens alle Europäer, die Lappen mit ein-
geschlossen, deren Bildung und Sprache
ihre Finnische Abkunft verrätht, und die gar
nichts so auszeichnendes haben, daß sie eine
besondere Varietät ausmachen könnten: so-
dann die Asiaten, die disseits des Obi,
des Caspischen Meeres, des Gebürges
Imaus und des Ganges, wohnen: fer-
ner die Nordafrikaner: und endlich die
Grönländer und Eskimos, die gänzlich
von den übrigen Amerikanern verschieden
sind, und wahrscheinlich auch von Finnen
abstammen. Alle diese Völker sind meh-
rentheils von weisser Farbe, und nach un-
sern Begriffen von Schönheit die best gebil-
desten Menschen.

2. Die übrigen Asiaten, jenseits des Obi,
Ganges etc. Sie sind meist gelbbraun,
dünnbehaart, haben platte Gesichter und
kleine Angen.

3. Die übrigen Afrikaner: von schwarzer
Farbe, mit wollichten Haar, stumpfen Na-
sen und aufgeworfenen Lippen.

4. Die übrigen Amerikaner: von kupfer-
rother Farbe.

[Seite 64]

5. Die Australasiaten und Polynesen; oder
die Südländer des fünften Welttheils; da-
zu man auch wol die Bewohner der Sun-
daischen Inseln, der Molucken, Philippi-
nen u.s.w. zälen könnte. Sie sind meist
schwarzbraun, breitnasicht, und starkbe-
haart.

Die Patagonischen Riesen sind, von Magel-
hans Zeiten bis auf die unsrigen, in den Erzä-
lungen der Reisenden, von zwölf Fus zu sechs bis
siebenthalb eingekrochen, und bleiben also nicht
größer und nicht kleiner als jeder andre ehrliche
Mensch von guter Statur. Commersons Quimos
und andre Zwergnationen werden in dem Maas
wachsen, wie die Patagonen an Länge abgenommen
haben. Die Rackerlacken, Blafards, Albinos oder
weiße Mohren sind nicht einmal eine Spielart,
geschweige eine besondre Gattung, wozu sie der
gute Voltaire so gern machen möchte: sondern
eine Krankheit, die Menschen unter allen Meri-
dianen befallen kan, und der auch Thiere unter-
worfen sind. Linne's Homo troglodytes ist
ein Gemisch aus der Geschichte dieser preßhaften
waren Menschen, und des Orangutangs. Die
in Wildnis unter Thieren erwachsenen Kinder
sind klägliche sittliche Monstra, die man eben
so wenig, als die Cretins oder andre durch Krank-
heit oder Zufall entstellte Menschen, zum Muster
des Meisterstücks der Schöpfung anführen darf.
Geschwänzte Völker, von Natur geschürzte
Hottentottinnen, von Natur unbärtige Ame-
rikaner, Syrenen, Centauren, und alle Fa-
beln von gleichem Schrot und Korn, verzeihn
wir der gutherzigen Leichtgläubigkeit unsrer lie-
ben Alten.


II. PITHECI.

[Seite 65]

Säugthiere mit vier Händen, wie es ihre
Lebensart und ihr Aufenthalt auf den Bäumen
erfodert. Sie sind blos zwischen den Wende-
cirkeln zu Hause.

2. simia. Affe. habitus anthropomorphus.
nares alis obtectae. vox grunniens
.

Die Affen finden sich blos in der alten Welt; ihr
Gesicht ist Menschenänlich, doch mehr vorwärts ge-
zogen, weil sie, so wie die mehresten übrigen
Säugthiere, einen besondern Knocken zwischen
den Oberkiefern haben, in welchem die vordern
Schneidezähne sitzen, und der dem Menschenge-
schlechte mangelt.

a) ungeschwänzte.

1. Troglodytes. der Chimpanse. S. macro-
cephala, torosa, dorso et humeris pilosis,
reliquo corpore glabro
.

Tulpii observ. med. p. 284. tab. XIIII.

Nov. A. E. Lips. m. Sept. 1739. tab. V.

2. Satyrus. der Orangutang. S. capite mi-
nore, gracilior, hirsuta; pilorum humeri
et ulnae contraria directione. (ut in ho-
mine)
*

Tyson's anatomy of a pygmie, tab. I. II.

Le Cat Traité du mouvement musculaire,
tab
. I.

[Seite 66]

Diese beiden merkwürdigen Thiere sind in ih-
rem Ansehen und Bildung so wesentlich verschie-
den, daß wir sie für zwey besondere Gattungen
ansehen. Da sie selten nach Europa kommen,
nur in dicken Wäldern leben, und von wenigen
glaubwürdigen Reisenden beschrieben und rich-
tig unterschieden sind, so ist ihre Geschickte noch
ziemlich dunkel, und mit viel Fabeln verfälscht.
Man vermengt sie unter den Namen van Pon-
go, Barris, Jocko, Waldmensch etc. vielleicht
sinds die Satyren der Alten. Sie sind ohngefär
fünf Fuß hoch, von bräunlicher Farbe, leben
Truppweis im innern Africa, auf den Sundai-
scheu Inseln etc. sollen Feinde der Elephanten,
aber Liebhaber der Frauenzimmer seyn. Sie sind
nicht so munter wie andre Affen; sollen sich gern
nach dem Feuer ziehen, was die Wilden etwa im
Walde gemacht haben, aber es nicht mit nachge-
legtem Holz zu unterhalten verstehen. Das mensch-
liche Betragen solcher Thiere, die man in Euro-
pa gesehen, ist blos Nachahmung, wie bey Tanz-
bären oder gelernten Hunden.

3. Longimana. der Gibbon oder Golok. Lin-
ne's homo lar. S. brachiis longissimis, talos
attingentibus
.

Ein artiges, zahmes, aber schwächliches Thier,
was sich in Malacka, Coromandel, und auf den
Molucken findet, und dem sein menschenäuliches
Gesicht und die ungeheuer langen Arme ein son-
derbares Ansehen geben. Es ist von schwärzlicher
Farbe, wird gegen vier Fus hoch, und ist, wenns
auf allen vieren läuft, doch nur wenig mit dem
Körper vorwärts gebogen.

4. Sylvanus. der gemeine Türkische Affe. S.
brachiis brevibus, natibus calvis.
*

[Seite 67]

Der dauerhafteste Affe, der auch in Europa
leicht Junge heckt, hat etwa die Grösse vom
Fuchs, ist leicht zu zähmen, sehr gelehrig und
possierlich, hat ein starkes Gedächtnis, und keunt
seine alten Wohlthäter nach mehrern Jahren wie-
der. Lebt in Äthiopien, Ostindien etc. thut da
den Baumfrüchten grossen Schaden.

b) geschwänzte.

5. Cynomolgus. der Macacco. S. cauda lon-
ga, arcuata, labio leporino
. *

Findet sich im südwestlichen Africa, besonders
auf Guinea. Ein ausnehmend lebhaftes Thier
von Olivenfarbe, was aber viel Feldfrüchte sei-
nes Vaterlandes, besonders die schwarze Hirse
(kleine Milio) verwüstet. Seine Gesichtsfarbe
variirt, wie beym Menschen, nach Clima u.s.w.
Von zweyen, die wir zergliedert haben, war der
eine im Gesicht braun wie ein Abessinier, der
andere Fleischfarben wie ein Europäer.

3. papio. Pavian. Caput prolongatum,
corpus brevius, cauda abbreviata
.

Auch die Paviane sind der alten Welt eigen.
Ihr Kopf hat wenig menschenänliches, ehr etwas
vom Schwein, zumal in der breiten Schnauze.
Meist sind es unbändige, säuische und äusserst geile
Thiere, die den Weibern der Wilden furchtbar
seyn sollen.

1. Mormon. der Choras. P. naso miniato,
ad latera coerulescente
. *

Schwed. Abhandl. 1766. p. 144. tab. III.

Wird gegen fünf Fus hoch, ist auf Ceilan etc.
zu Hause. Sieht wegen der schönen farbichten
[Seite 68] Streifen im Gesicht, wegen seines weissen Barts,
und der spitzzulaufenden Kopfhaare, sehr bizar
aus. Er ist reinlicher als andere Paviane, ziem-
lich phlegmatisch, aber fürchterlich stark.

2. Mandril. Linne's Maimon. P. facie violacea
glabra, profunde sulcata
. *

Variirt in der Statur. Manche sind, wenn
sie aufgerichtet stehen, wol fünf Fus hoch; einer
aber den wir zergliedert haben, war völlig aus-
gewachsen, und doch nur von der Grösse des
Fuchses: es war ein ungemein neugieriges, die-
bisches Thier. Das Vaterland der Mandril ist
Guinea, das Cap etc. wo oft ganze Schaaren
des Nachts Weinberge und Obstgärten plündern
sollen.

4. cercopithecvs. Meerkatze. nares
lateraliter hiantes, vox crocitans
.

Das ganze Geschlecht ist blos in America ein-
heimisch.

a) cauda prehensili, Sapajou.

1. Paniscus. der Coaita oder Beelzebub. C.
ater, palmis tetradactylis absque pollice
. *

Ein munteres, zahmes, aber zärtliches Thier,
was in Südamerica, besonders in Brasilien, zu
Hause ist. Es weiß sich seines langen Rollschwan-
zes sehr geschickt zu bedienen, und ersetzt sich da-
durch den Mangel des Daumen an den Vorder-
händen. Es soll damit Fische fangen können;
und wenn mehrere von einem Baume auf einen
andern, etwas entferntern, wollen; so hängen
sie sich, wie eine Kette, von einem Aste herunter,
und schwanken so lange hin und wieder, bis der
letzte den andern Baum erreicht und sich dran an-
[Seite 69] gehalten hat, da denn der erste losläßt, und so
die ganze Ketten über fliegt.

b) cauda non prehensili, Sangouin.

2. Jacchus. der Ouistiti. C. juba pilosa alba
ad genas ante aures, cauda villosa annu-
lata
. *

Eine der kleinsten artigsten Meerkatzen; ist in
Brasilien zu Hause, und kann in einer Cocusnuß-
schale logiren. Ihre Hände äneln den Pfoten
unsers Eichhörnchens: auch die Lebensart beider
Thiere hat viel gleiches. Doch frißt der Ouistiti
besonders gern Fische.

5. lemvr. Maki. Caput vulpinum, den-
tes incisores inferiores incumbentes
.

1. Cucang. der Loris. Linne's tardigradus.
L. ecaudatus
. *

Seba thes. I. tab. XXXV. f. 1 et 2.

Diese und die folgende Gattung haben am Zei-
gefinger der Hinterfüsse eine spitzige Kralle, an
allen übrigen Fingern aber platte Nägel. Der
Loris hat die Grösse des Eichhörnchens, ist von
hellbrauner Farbe, auf Ceilan zu Hause; hat
schlanke dünne Beine, lebt in Monogamie, und
das Männchen soll sich beym Fressen, und sonst,
sehr empfindsam gegen sein Weibgen bezeigen.

2. Mongoz. der Mongus. L. facie nigra, cor-
pore et cauda griseis
. *

Der Mongus hat schöne orangegelbe Augen,
sehr weiches Haar, und einen langen wollichten
Schwanz, den er im Sitzen um den Hals schlägt.
Die Hinterfüsse sind viel länger als die vordern.
Sein Fell hat, wie bey manchen Affen, einen spe-
[Seite 70] cifiken Geruch, fast nach Ameisenhaufen. Sei-
ne Stimme ist ein Grunzen, wie bey den Af-
en; wenn er aber böse wird, so quikt er helle
wie die Meerkatzen. Er ist in Madagascar, Mo-
zambike etc. zu Hause. Büffon beschreibt
ihn als wild und böse; das waren aber die,
die wir gesehen, und einer, den wir selbst ge-
raume Zeit lebendig gehabt haben, im gering-
sten nicht. Der unsrige war das gefälligste,
sanftmüthigste Thier von der Welt, mit dem je-
des Kind spielen konnte. Er kannte seinen Herrn,
vertrug sich sehr gut mit Affen und andern Thie-
ren; fraß am liebsten Obst, gelbe Möhren, und
über alles gern kleine lebendige Vögel.


III. BRADYPODA.

Die Füsse und der ganze Habitus dieser
Thiere verrathen ihren trägen langsamen Gang.
Meist haben sie wenig Zehen an den Vorder-
füssen, die aber mit grossen krummen Klauen
versehen sind, und zum Klettern auf Bäumen
etc. nutzen. Sie sind dickbehaart, und können
lange fasten; ein Vorzug der ihnen bey ihrer
Faulheit sehr zu statten kommt. Sie sind durch
zahlreiche aber sehr breite Rippen von innen so
gut gepanzert, als die Sclerodermata durch ihre
hornichte Decken von aussen.

6. ignavvs. Faulthier. Caput rotundum,
crura antica longiora
.

[Seite 71]

1. Tridactylus. der Aï. I. pedibus tridacty-
lis, cauda brevi
. *

Ein unglaublich phlegmatisches Geschöpf im
südlichen America. Es soll einen Tag brauchen,
um 50 Schritte weit zu kriechen, soll weinen,
und immer sein klägliches Aï, wovon die Brasi-
lianer des Thieres Namen entlehnt haben, von
sich hören lassen; hat ein äusserst zähes Leben, lebt
vom Laub der Bäume, hängt sich mit den Füssen
an die Zweige, nimt sich aber nicht die Mühe,
wieder von Bäumen herunter zu steigen, sondern
fällt herab, und bleibt so lange liegen, bis es
endlich der Hunger nöthigt, sich allgemach wei-
ter zu schleppen.

7. myrmecophaga. Ameisenbär. Ro-
strum productius, lingua filiformis, dentes
nulli
.

Das ganze Geschlecht ist blos in Südamerica
zu Hause.

1. Didactyla. der kleine Tamandua. M. pal-
mis didactylis, ungue exteriore maximo,
plantis tetradactylis, cauda prehensili
. *

Von der Grösse des Eichhörnchens, und hell-
brauner Farbe. Die vier Zoll lange Zunge ist,
wie bey den übrigen Gattungen, mit zähem Schleim
überzogen, an dem die Ameisen klebend bleiben.
Mit den grossen hakenförmigen Klauen der Vor-
derfüsse scharrt er in den Ameisenhaufen. Die
Hinterpfoten sind zum Laufen unbequem, aber
desto geschickter zum Anhalten an Zweigen. Im
Nothfall rollt er sich zusammen, wie die Thiere
der folgenden Ordnung. Er hat, so wie andere
Gattungen seines Geschlechts ursprünglich hän-
gende Ohren. Er ist stumm, und wir haben bey
[Seite 72] seiner Zergliederung die Kehlknorpel knöchern,
wie das Zungenbein gefunden; von ihnen stieg
keine knorplichte Luftröhre, sondern gleich zwey
häutichte kurze Bronchien, zu den grossen lappich-
ten Lungen hinab.


IV. SCLERODERMATA.

Die Säugthiere mit Stacheln, oder Schup-
pen, oder Schilden statt des behaarten Fells.
Sie rollen sich bey Gefahr ganz kugelicht zu-
sammen, und können sich, wegen ihrer Sta-
cheln etc. zur Begattung, nicht wie die mehre-
sten übrigen Thiere dieser Classe bespringen.

8. hystrix. Corpus spinis tectum.

1. †. Erinaceus. der Igel. H. auriculis ro-
tundatis, naribus cristatis
. *

Die Bildung und Lebensart der Igel ist so mit
der Stachelschweine ihrer verwandt, daß wir uns
nicht haben überwinden können, sie in besondern
Geschlechtern von einander zu trennen. Der
Igel, das sehr unschuldige Thier, ist fast in der
ganzen alten Welt zu Hause. Er nährt sich von
Ratten und Mäusen, die er mit viel Geschicklich-
keit zu fangen versteht; auch von Kröten, In-
secten, Früchten etc. Lebt in Monogamie. Viele
Zergliederer haben ihm mit unrecht den Herzbeu-
tel abgesprochen. Es giebt allerdings zwey Va-
rietäten bey dieser Gattung: Hundsigel und
Schweinigel; deren Verschiedenheit sich so gar
auf den Bau ihrer Eingeweide erstrecken soll.*)
[Seite 73] Der Schweinigel ist seltener, wird aber unge-
mein zahm.

2. Malaccensis. H. auriculis pendulis.

Findet sich auf Malacca und den Sundaischen
Inseln; und ist wegen des Piedra del porco merk-
würdig, der sich zuweilen in seiner Gallenblase
erzeugt.

3. Cristata. das Stachelschwein. H. capite
cristato, cauda abbreviata
. *

Ist im wärmern Asien und in ganz Africa zu
Hause, pflanzt sich nun auch in Italien und Spa-
nien fort, wird leicht zahm. Im Zorn rasselts mit
seinen Stacheln, schießt sie aber nicht gegen sei-
nen Feind von sich. Im Herbst fallen sie ihm
leicht aus. Selbst kein Löwe kann über ein zu-
sammengerolltes Stachelschwein Herr werden.

9. manis. Formosanische Teufelchen.
Corpus squamis tectum. dentes nulli. lin-
gua teres
.

Die Bekleidung ausgenommen, haben die Thie-
re dieses Geschlechts, in ihrer Bildung, Lebens-
art etc. viel Verwandschaft mit den Ameisen-
bären.

1. Macroura. der Phatagin. M. cauda lon-
giore
. *

In Formosa u.a. Gegenden Asiens: auch wol
in Afrika. Ein zahmes artiges Thier. von der
Grösse des obigen Ameisenbären. Der Körper
des Phatagins änelt einem Tannenzapfen. Die
Schuppen sind von dunkelbrauner Farbe und un-
gemein schön gezeichnet.

[Seite 74]

10. tatu. Armadillo. Corpus testis zonis-
que osseis tectum. dentes incisores et lania-
rii nulli
.

1. Novemcinctus. der Cachicame. Zonis dor-
salibus
IX. palmis tetradactylis, plantis
pentadactylis
. *

Watson philos. transact. 1764. tab. VII.

Im Südlichen America. Am Bauche, Hal-
se, an den Beinen etc. hat er blose Hant mit we-
nigen Haaren. Lebt von kleinen Thieren und
Früchten. Sein Fleisch ist eßbar.


V. CHIROPTERA.

Die Finger der Vorderfüsse sind, den
Daumen ausgenommen, länger als der ganze
Körper dieser Thiere; und zwischen ihnen ist eine
Floränliche Haut ausgespannt, die statt Flügel
dient (§. 43). Daher können sie eben so we-
nig wie die Affen bequem aus der Erde gehn.

11. vespertilio. Fledermaus. Pollex
palmarum et digiti plantarum breves, reli-
qui longissimi
.

1. Spectrum. der Vampyr. V. ecaudatus,
naso infundibili formi lanceolato
. *

Seba thesaur. I. tab. LVIII. fig. 1.

Die Flügel abgerechnet, hat der Körper dieses
Thiers, was sich im mittlern America aufhält,
[Seite 75] die Grösse vom Eichhorn. Es ist von graubräun-
licher Farbe, lebt von Thieren und Baumfrüch-
ten, wird aber dadurch fürchterlich, daß es, wie
man sagt, schlafenden Personen Blut aussaugt,
indeß es ihnen mit seinen grossen Flügeln Küh-
lung zuwehet.

2. †. Perspicillatus. V. caudatus. naso folio
simplici lanceolato. *

Seba thesaur. I. tab. LV. fig. 2.

Das Nasenblättchen ausgenommen, gleicht sie
der gemeinen Fledermaus. Sie ist in Südame-
rica, und, wie wir zuverläßig wissen, auch in
Deutschland zu Hause. Wir haben mehrere ge-
sehen, die in Gotha, bey Jena etc. gefangen
waren.

3. †. Auritus. V. caudatus, auriculis maximis. *

Man schreibt ihr gemeiniglich, aber mit Un-
recht, doppelte Ohren zu. Sie sind eben so
wol einfach als bey der folgenden Gattung, nur
alle Theile (zumal die Muschel mit ihren beiden
Leisten und dem vordern Blatte) ungeheuer gros,
daher das Thier ein äusserst sonderbares Ansehen
hat. Es ist in Europa gemein, und seine Le-
bensart völlig wie der nachstehenden Gattung
ihre.

4. †. Murinus. die gemeinste Fledermaus,
Speckmaus. V. caudatus, auriculis capite
minoribus
. *

Diese Thiere halten sich am Tage in altem Ge-
mäure, und vorzüglich gern in Rauchkammern
beym Speck auf, da sie sich mit den Klauen der
Daumen einschlagen und fressen. Des Abends,
und zumal in heitern Sommernächten, kommen
sie hervor geflattert, fangen Nachtfalter weg,
[Seite 76] werden aber darüber selbst leicht den Eulen zu
Theil. Zu ihrem Winterschlaf hängen sie sich
in Hölen klumpweise bey den Hinterfüssen auf.

5. Molossus. V. caudatus, auriculis crassis,
brevibus, in fronte approximatis
. *

Ist in Brasilien zu Hause, hat ein stumpfes
breites Maul, und ein sonderbares Gebiß. In
dem Exemplar, was wir vor uns haben, (Taf.
I. Fig. 4.) sind im Oberkiefer zwey zugespitzte,
im Unterkiefer hingegen zwey ungemein kleine stum-
pfe Vorderzähne. Die zwey obern Eckzähne sind
gros, und stehen weit aus einander; die untern
sind etwas kleiner, stehen näher beysammen, und
haben am innern Rande, nach den Vorderzähnen
zu, einen sonderbaren Fortsatz, den vermutlich
einige berühmte Männer für ein eignes Paar Vor-
derzähne angesehen haben. Auf jeder Seite jedes
Kiefers sind vier Backenzahne, wovon die obern
flacher, die untern zackichter sind.


VI. GLIRES.

Eine grosse Ordnung, die wieder in Fa-
milien eingetheilt werden kann. Die dahin ge-
hörigen Thiere sind vielzehicht, gehen fast im-
mer auf dem ganzen Hinterfuß (§. 43), und
haben, sowol wegen ihrer Bildung als ihrer
Oekonomie, viel gleiches.

a) Sciurina.

12. scivrvs. cauda pilosa, disticha.

[Seite 77]

Die Thiere dieses Geschlechts leben auf Bäu-
men, die vom folgenden aber auf der Erde, und
dürfen nicht als cospecies unter einander gemengt
werden.

1. Volans. das fliegende Eichhörnchen, der
Polatouche. S. duplicatura cutis laterali a
pedibus anterioribus ad posteriores
*

Der Flug dieser Thiere, die sich fast in der
ganzen nördlichen Erde finden, kann bey weitem
nicht mit der Fledermaus ihrem verglichen wer-
den. Das schlappe Fell, was von ihren Vorder-
füssen nach den Hinterfüssen zu, auf der Seite
wegläuft, dient ihnen nur zu einem Seegel, um
einen weitern Sprung wagen zu dürfen. Sie
können nie aufwärts oder wasserpaß, sondern
immer nur schief herunterwärts fliegen. Sie le-
ben gesellschaftlich und fressen am liebsten Ellern-
knospen.

2. †. Vulgaris. das Eichhörnchen. S. auricu-
lis apice barbatis, cauda dorso concolori
. *

Die Fledermaus änelt den Vögeln in ihrer Bil-
dung, das Eichhörnchen aber in seiner ganzen
Oekonomie, in seinen Nahrungsmitteln, in der
Leichtigkeit seiner Bewegungen u.s.w. In der
Wildnis kommt es fast nie auf die Erde, son-
dern lebt auf den Bäumen, und springt oft
zwölf und mehr Fus weit von einem zum andern.
Es macht sich in den Gipfeln der Tannen und
Eichen ein Nest aus Laub und Moos, oder quar-
tirt sich auch wol in vacante verlaßne Nester wil-
der Tauben und anderer Vögel. Im Sommer
lebt es von Haselnüssen, Castanien, Bucheckern,
und verscharrt sich auch zum Ueberfluß Proviant
in hole Bäume; doch muß es in den spätern Win-
termonaten, wenn jener Vorrath aufgezehrt ist,
[Seite 78] bey Tannenzapfen und Fichtenäpfeln darben.
Das Vorgeben vieler Naturforscher, daß die Eich-
hörnchen den Winter durchschliefen, ist irrig;
hingegen hat sich neuerlich die alte Sage bestäti-
get, daß sie auf Stücken Baumrinde bey Wind-
stille übers Wasser schiffen, und mit dem Schwan-
ze gleichsam rudern. In Verhältnis ihrer Grösse
haben sie ungemeine Stärke, so daß ein altes
Eichhörnchen Lasten von vielen Pfunden fortzu-
schleppen vermag. Wenn sie recht zufrieden sind,
klatschen sie mit der Zunge; im Zorn aber ist
ihre Stimme ein murksen. Die vortheilhafte
Gestalt, die schönen Augen, die ausnehmende
Lebhaftigkeit, die grosse Reinlichkeit, und andere
empfelende Qualitäten, machen die Eichhörnchen
ohne Widerrede zu den artigsten und amüsante-
sten Europäischen Thieren. So wild sie von Na-
tur scheinen, so leicht lassen sie sich doch, zumal
in ihrer Jugend, zu ausserordentlich zahmen und
sanften Geschöpfen umbilden. Wir haben ein
Eichhörnchen gekannt, was dem Rufe seiner Ge-
bieterin folgte, sich auf ihr Geheis zur Ruhe
legte, sich zuweilen in benachbarte Gärten, selbst
jenseits eines kleinen Flusses verirrte, und doch
wieder den Weg nach Hause fand.

Ganz Europa, fast ganz Asien und das nörd-
liche America, ist das Vaterland der Eichhörn-
chen. Die Nordischen, zumal an den Ufern des
Obi und am Baikal-See, werden im Winter grau,
und geben dann das bekannte Grauwerk, pe-
tit gris
; das Büffon mit Unrecht von einer be-
sondern grossen Nordamerikanischen Gattung ab-
leitet. Zuweilen finden sich auch schwarze Eich-
hörnchen; sehr selten aber Schneeweisse mit Rosen-
rothen Augen, die doch, wie die Negres blancs,
und wie die weissen Mäuse, Patienten, und keine
besondern Varietäten sind.

[Seite 79]

13. glis. Cauda rotunda, in apice crassior.

1. †. Esculentus, der Siebenschläfer, die Rell-
maus, Le Loir. G. canus, subtus albi-
dus
. *

Valvassor Ehre des Herzogth. Krain, Th.
I. S. 437. u. f.

Der Siebenschläfer ist der wahre glis der Al-
ten, den sie als die größte Delicatesse verspei-
sten*), und daher in eigenen glirariis**) mä-
steten. Er ist im südlichern Europa zu Hause,
lebt in Eichen- und Buchenwäldern, nistet in
holen Bäumen; kommt nur des Nachts zum Vor-
schein; und hält langen und sehr festen Winter-
schlaf. Das Fell des Thiers giebt ein brauch-
bar Pelzwerk, wird aber meist von den Kürsch-
nern schwarzfleckicht gebeizt.

2. †. Quercinus. die Eichelmaus, grosse Ha-
selmaus, Le Lérot. G. canus, macula ni-
gra sub oculis
. *

Im südlichen Europa, nistet in holen Bäu-
men und altem Gemäuer, thut den Pfersichen
Schaden.

3. †. Avellanarius. die kleine Haselmaus. Le
Muscardin. G. pollice plantarum mutico
. *

Ein ungemein artiges, muntres Thierchen,
frißt am liebsten Haselnüsse, braucht nicht zu
trinken, faßt geschickt mit den Vorderpfötgen,
hat gar keinen Blinddarm.

b) Murina.

14. marmota. auriculae abbreviatae, cau-
da brevis, pilosa
.

[Seite 80]

1. Alpina. das Murmelthier. Murmont,
mus montanus. M. corpore supra fusco, sub-
tus flavescente
. *

Stumpfens Schweytzer-Chronik. Th. II. S.
288. u. f.

Ein muntres possierliches Thier, was in ge-
bürgichten Gegenden der nordlichen Erde, beson-
ders in den Schweizer-Alpen, in Savoyen,
Aegypten, und in der grossen Tattarey zu Hause
ist. Es macht sich tiefe Hölen in die Erde, die
es mit Heu und Moos ausfüttert, nährt sich von
allerhand Pflanzen und Wurzeln; liebt aber vor-
züglich Milchspeisen, daher es sich in den Schwei-
zeralpen haüfig in die Sennhütten eingräbt. Bey
kaltem Wetter schlafen die Murmelthiere; sobald
aber die Sonne scheint, kommen sie aus ihren
Hölen hervor, balgen sich und spielen mit ein-
ander. Ihr Fleisch ist eßbar und wohlschme-
ckend. Gegen den Winter werben sie so fett, daß
oft eins bey 20 Pfund wiegt. Sie schlafen als-
dann vom October bis in den April; und nach-
dem der Winter hart oder gelind werden wird,
vermachen sie den Eingang zu ihren Hölen fester
oder lockerer. In der Tatarey pflanzen sie den
Rhabarber fort.*)

2. †. Cricetus. der Hamster. M. abdomine
nigro
. *

F. G. Sulzers N. G. des Hamsters. Gött.
1774. 8. Taf. I. II.

Die Murmelthiere und die Hamster baden in
Rücksicht ihres Körperbaues und ihrer Lebensart
vieles mit einander gemein. Nur bewohnt der
Hamster mehr nordliche Gegenden und flaches
Land; da hingegen das Murmelthier weiter ge-
[Seite 81] gen Süden und im Gebürge zu finden ist. Sibi-
rien, die Ukräne, das Elsas, Deutschland, und
namentlich das Herzogthum Gotha sind das Va-
terland des erstern. Ausser dem verschiedenen Auf-
enthalt zeichnen sich aber beide Thiere auch durch
ihren sehr contrastirenden Charakter aus. Das
Murmelthier war kirre, sehr leicht zu zähmen etc.
lanter gute Seiten, von denen der Hamster keine
einzige hat. Er ist ein beissiges boshaftes Thier,
was ausser dem Zorn kaum eine andere Leiden-
schaft kennt. Bey einer sehr unbeträchtlichen Lei-
besgrösse geht er doch Menschen und Pferde an;
und Hunde, die des Hamsterfangs ungewohnt
sind, ziehen leicht gegen ihn den Kürzern. Er
lebt von kleinen Thieren, jungen Pflanzen, doch
vorzüglich von Getraide, wovon er erstaunlichen
Vorrath in den Backentaschen zu seinen unter-
irdischen Hölen schleppet. Er vermehrt sich stark,
und man hat wohl eher im Gothaischen in einem
Jahr, über 27000 Hamster getödtet. Der Pelz
des Thiergens ist nicht viel werth. Es giebt eine
ganz schwarze Spielart unter diesen Thieren: so
wie auch weisse Blafards mit rosenrothen Augen.

3. †. Citellus. das Erdzeiselgen, Suslik. M.
corpore longiore, capite parvo, pedibus bre-
vibus pentadactylis
. *

Pallas, Nov. Comm. Petrop. Tom. XIV.
tab. 21.

Die äussere Gestalt des Erdzeiselgen kommt
des Hamsters seiner eben nicht sehr nahe; desto
verwandter sind aber beide Thiere in Rücksicht
ihres innern Körperbaues, der Backentaschen,
ihrer Lebensart, Nesterbaues, Winterschlafs u. s.
w. Nur, statt daß der Hamster fettes Erdreich
liebt, so baut hingegen das Erdzeiselchen in dür-
[Seite 82] rem sandichtem oder thonichtem Boden. Es sin-
det sich in Oesterreich, und Böhmen, doch nur
in geringer Anzal; in größter Menge hingegen
in Ungarn, Polen und Sibirien. Es scheut das
Wasser, bleibt daher bey Regenwetter zu Hanse;
und man fängt auch diese Thiergen gar leicht, wenn
man Wasser in ihre Hölen gießt. Bey Sonnen-
schein kommen sie wie die Murmelthiere aus ihren
Löchern hervor, sitzen oft auf den Hinterfüssen,
spielen mit einander etc. Die Calmuken essen ihr
Fleisch; die Ungrischen Bauern aber streifen ihnen
das ganze Fell ab, und brauchens zum Geldbeu-
tel. Wir begreifen nicht, wie man dem Erdzei-
selgen die äussern Ohren hat absprechen, und es
von der Seite mit dem Maulwurf im Parallele
setzen dürfen. Wir unterscheiden an dem Exem-
plar, was wir vor uns haben, alle Theile des
äussern Ohrs, die Muschel mit ihren beiden Lei-
sten und Blättern; nur alles das flach an den
Kopf angedrückt, und nicht so ausgebildet als
bey Vespertilio auritus.

4. Lemmus. der Leming. M. capite acuto,
corpore nigro fulvoque irregulariter macu-
lato
.

Ol. Wormii hist. animalis, quod in Nor-
vagia quandoque e nubibus decidit. Hafn.

1653. 4. p. 19. fig. I.

Der Leming hat die kurzen Vorderfüsse des Erd-
zeiselgen, aber nicht seinen langgestreckten schmäch-
tigen Körper. Er ist in Lappland zu Hause,
frißt Rennthiermoos und junge Pflanzen, und
thut überhaupt den Gewächsen grossen Schaden.
Zuweilen emigriren ganze Legionen wie Zugheu-
schrecken von einer Gegend in die andere. Sie
gehen in dem Fall in gerader Linie, ohne Unt-
[Seite 83] weg, über Berg und Thal, durch Seen und
Flüsse, bis zum Ort wo sie sich niederlassen wol-
len. Ihre unerwartete und unbemerkte Ankunft
daselbst hat zu einer allgemeinen Sage Anlaß
gegeben, der sogar Th. Bartholin, Ol. Worm
und viele andere Naturforscher der vorigen Zeit
beygepflichtet sind, daß die Leming Schaaren-
weise vom Himmel regneten.

15. mus. cauda gracilis, subnuda.

1. †. Rattus. die Ratte. M. cauda elongata,
palmis tetradactylis cum unguiculo pol-
licari
. *

Die Ratte ist fast in ganz Europa, und von
da seit 1544 auch in America, zu Hause. Ein
beissiges, zorniges und sehr gefräßiges Thier,
was sich am liebsten von Getraide und Mehlspei-
sen, doch auch von kleinen Thieren närt, und
selbst übers Kaninchen Herr wird. Hingegen muß es
gegen seinen Erbfeind, den Wiesel, erliegen.
Die Ratten sind sehr verliebte Geschöpfe, und
pflanzen sich daher stark fort. Die Mütter ver-
theidigen ihre Jungen mit eigner Lebensgefahr,
selbst gegen grössere Katzen. Dagegen werden
auch alte kraftlose Ratten von den jüngern be-
sorgt und gefüttert. Solche bejahrte Ratten, die
nun der Ruhe pflegen, verwickeln sich zuweilen
mit den Schwänzen in einander, und das sind
die ehemals so berufenen Rattenkönige.

2. †. Amphibius. die Wasserratte. M. cauda
mediocri, corpore nigricante, abdomine fer-
rugineo.

Die Wasserratte hält sich in Europa und Nord-
amerika an den Ufern der Flüsse und Teiche auf.
Sie lebt von kleinen Fischen, Fischrogen, Frö-
schen, Wasserinsecten und Pflanzenwurzeln. Sie
[Seite 84] schwimmt und taucht mit viel Geschick, hat aber
keinesweges, wie doch viele berümte Män-
ner behaupten, hinten Schwimmfüsse. Man
kennt auch eine weisse Spielart von diesem Thier.

3. †. Silvaticus. die Waldmaus, grosse Feld-
maus; Buffons Mulot. M. cauda medio-
cri, pectore flavescente, abdomine albido
.

Hat das gleiche Vaterland mit der vorigen
Gattung. Hält sich aber nicht beym Wasser, son-
dern im Wald und Feld auf. Lebt von Getraide
und Früchten; sammlet auch wie der Hamster
Wintervorrath.

4. †. Musculus. die Hausmaus. M. cauda
elongata, palmis tetradactylis, pollice pal-
marum mutico. *

Ein freylich sehr gefräßiges, und daher oft be-
schwerliches; aber flinkes und muntres Thiergen,
was seinen Geschäften bey Nachtzeit nachgeht,
und das Unglück hat, so vielen Menschen aus
Idiosyncrasie verhaßt zu seyn. Die Maus geniest
beynahe gar keine bestimmte Nahrungsmittel,
sondern fast alles was ihr vorkommt, und ihren
Zähnen beisbar ist; selbst Bley. Sie zieht sich
nach der Musik, die sie zu lieben scheint. Ihre
Oekonomie gleicht der Ratte ihrer vollkommen.
Sie wohnt auch, wie diese am liebsten auf Korn-
böden, in Mehlkammern u.s.w. doch auch in
Eichelwäldern. Katzen, Igel und Eulen sind ihre
Erbfeinde. Die weissen Mäuse mit rothen Augen
find Kakerlaken im höchsten Grade; die Mäuse
überhaupt sind ohnedem animalia nocturna, die
weissen aber sind folgends so Lichtschen, daß sie
auch jede mäßige Hellung fliehen. Bey einem
solchen Albino, den wir noch jetzt lebendig haben,
können wir daher nicht entscheiden, ob er blind
[Seite 85] oder sehend ist, weil er wenigstens in einer Däm-
merung, die unsern Augen noch etwas unterschei-
den läßt, die seinigen geschlossen hält.

5. †. terrestris. die Feldmaus, Stoßmaus.
M. cauda mediocri, dorso ferrugineo, abdo-
mine cinereo
. *

Ein schädliches Thier, was in Europa und
Nordamerica zu Hause ist, sich im Sommer in
Garten und Feldern, im Winter aber im Wald
aufhält. Es nistet unter der Erde, die es wie
der Maulwurf durchackert; vermehrt sich in man-
chen Jahren ganz ungeheuer, und thut den Feld-
früchten, und den jungen Bäumchen grossen
Schaden.

16. sorex. nasus rostratus, auriculae breves.

1. †. Araneus. die Spitzmaus. S. cauda me-
diocri, abdomine albido
. *

Lebt in Europa und Nordamerika in altem Ge-
mäuer. Der Knoblauchgeruch dieses Thiers, und
die Bemerkung, daß es zwar wie die Hausmaus
von der Katze verfolgt und getödtet, aber nicht
gefressen wird, hat wol das Thier in den Ver-
dacht des Giftes gebracht. Zuweilen, aber sel-
ten, finden sich weisse Spitzmäuse.

2. †. Daubentonii. die Wasserspitzmause. S. ha-
bitu talpae, digitis ciliatis
. *

Daubenton in Mem. de l'ac. de Paris, 1756.
tab. I. fig. 2.

Ein erst neuerlich bekannt gewordenes, aber
überaus sonderbares artiges Thiergen, von des-
sen Oekonomie Herr Daubenton andern Natur-
forschern noch vieles zu sagen übrig gelassen hat.
Die Wasserspitzmaus findet sich an kleinen Ge-
[Seite 86] wässern, und ist mehr ein eigentliches Wasser-
thier, als die obige Wasserratte. Ihre Füsse ha-
ben zwar keine Schwimmhaut: Jede Zähe ist
aber zu beiden Seiten mit kurzen breiten Härchen
besetzt; die die Füsse zum Rudern ungemein ge-
schickt machen. Die Oefnung des Gehörgangs
kann das Thier durch eine Klappe zuschliessen, so
lang es unter Wasser ist. Es närt sich von Re-
genwürmern etc. kommt wenig zum Vorschein,
läßt sich am meisten früh Morgens blicken, ist
aber wegen seiner Behendigkeit schwer zu fangen.

17. talpa. caput rostratum, palmae fos-
soriae.

1. †. Europaea. der Maulwurf. T. cauda
breviore, auriculis plane nullis
. *

Der Maulwurf ist ein sehr unschuldiges Ge-
schöpf, der das Erdreich locker erhalt, Insecten
und Regenwürmer vertilgt, und in Verhältnis
gegen seine Nutzbarkeit den Gärten sehr geringen
Schaden thut. Sein Aufenthalt ist blos unter
der Erde, wozu ihm seine Schaufelpfoten, und
ein sonderbares Brustbein, was der Vögel ihrem
änelt, zu passe kommen. Er hat gar keine äusse-
re Ohren, und so kleine Augen, daß ihn das Al-
terthum deshalb für blind*) verschrieen hat.
Die Natur hat ihn für diese scheinbaren Mängel
dadurch, daß er ausser Regen und Menschen fast
keinen Feind kennt, durch ein ungemein feines
Fell, und durch gewisse andere körperliche Talen-
te zu entschädigen gewußt. Es giebt auch weiße
und gesteckte Maulwürfe.

[Seite 87]

18. didelphis. Plantae manus, pollice mu-
tico. cauda longa, subnuda
.

Ein groß Geschlecht, dessen Gattungen aber
noch nicht sattsam untersucht und bekannt sind.

1. Dorsigera. der Surinamische Aeneas. D.
cauda basi pilosa, dorso fusco, abdomine
albido
. *

Seba thes. I. tab. 34. fig. 1. 2.

Dieß Thier, was in Surinam zu Hause ist,
und da in unterirdischen Holen lebt, wird durch
den Instinct merkwürdig, mit dem es seine Jun-
gen aus Gefahr zu retten versteht. Die Mutter
schlägt den Schwanz auf den Rücken; die Jun-
gen springen auf sie, rollen ihre Schwänze um
der Mutter ihren an, die denn sogleich mit ihrer
Familie davon flüchtet.

2. Marsupialis. die Beutelratte, der Opos-
sum, Philander. D. mammis intra sac-
cum abdominalem. *

Seba thes. I. tab. 36. fig. 1. 2. 3.

Auch bey dieser Gattung hat die Natur eine
sonderbare Einrichtung zur Erhaltung der Jun-
gen getroffen. Das Weibgen hat nemlich eine
große Tasche am Bauche, die durch besondre
Muskeln und dünne Knochen geschlossen und ge-
öffnet werden kan; und in deren Boden die Zi-
tzen liegen. Die Jungen werden sehr klein, und
gleichsam nur als unreife Abortus zur Welt ge-
bohren, verkriechen sich aber sogleich in diese Ta-
sche, nähren sich da von der Muttermilch, und
verweilen so lauge, bis sie ausgebildet sind, und
nun gleichsam vom neuem gebohren werden kön-
nen. Doch bleibt dieser Beutel auch nach dieser
zweyten Geburt noch zuweilen ihre Retirade; die
[Seite 88] Mutter nimt sie bey Gefahr darin auf, und
sucht sich und ihre Bürde durch die Flucht zu ret-
ten. Das Thier ist in beiden Indien zu Hause,
und erreicht die Grösse eines Fuchses.

c) Leporina.

19. jacvlvs. Pedes antici brevissimi, po-
stici elongati. Cauda corpore longior
.

1. Giganteus. Der Ränguruh. J. cauda at-
tenuata
.

Cptn. Cook, in Hawkesworth's Account etc.
Vol
. III. No. 20.

Dieses durch die neuern Reisen der Engländer
nach der Südsee bekannt gewordne Thier ist auf
Neu-Süd-Wallis zu Hause, und hat in der Grö-
ße, und in der Bildung des Kopfs, viel vom
Windspiel. Sein Fell ist mausefahl; das Fleisch
eßbar und schmackhaft; übrigens änelt es in sei-
nem ganzen Habitus und in seinen Sprüngen der
folgenden Gattung.

2. Jerboa. Der Erdhaase; die zweybeinich-
te Bergmaus der Araber; der Alactacha.
J. cauda floccosa, plantis tridactylis.

Haym, tesoro Britann. Vol. II. p. 124.

Dieses sonderbare Thier, was schon auf den al-
ten Münzen von Cyrene sehr gut abgebildet ist,
findet sich in Nord-Africa, in Arabien, Geor-
gien und Sibirien. Es macht sich Hölen in die
Erde*), wo es am Tage verborgen bleibt, und
des Nachts seinen Geschäfften nachgeht. Die
Vorderfüße sind, zumal wenn es sitzt, beynah
unmerklich, die hintern hingegen ungeheuer lang
[Seite 89] Der Erdhaase kan sich ziemlich lange auf den Hin-
terbeinen aufrecht erhalten, doch scheint ihm in
dem Fall sein langer Schwanz gleichsam zum drit-
ten Fuße zu dienen. Er springt mit der Leichtig-
keit einer Heuschrecke, und wol 7 bis 8 Fuß weit.
Sein Fleisch wird von den Arabern und Kalmu-
cken gegessen.

20. lepvs. Dentes primores superiores du-
plicati
.

1. †. timidus. Der Hase. L. auriculis apice
nigris, corpore et pedibus posticis longio-
ribus
. *

Der Hase ist ein sehr furchtsames unbewehrtes
Geschöpf, was sich fast über der ganzen Erde fin-
det, und von Menschen und vielen Thieren ver-
folgt wird. Doch wird er durch seine hervorlie-
genden Augen und durch sein scharfes Gehör sehr
leicht für einer nahenden Gefahr gewarnt, und
durch seine Geschwindigkeit sehr oft daraus ent-
rissen; zudem hilft ihm auch sein Instinkt, da
er durch vielerley Wendungen und Absprünge sei-
nen Verfolgern die Epur zu verderben sucht. So
gut sich indeß der Hase auf seine Läufte zu verlassen
weiß, so macht er doch in seiner Familie gern den
Poltron, frißt seine Jungen oder kleinere Thier-
gen, Mäuse u.s.w. Beide, er und das Ca-
ninchen, sind äußerst fruchtbare Thiere; beide käu-
en auch wieder. Zuweilen giebt es schwarze Ha-
sen, und auch ganz weiße: und zwar von den
leztern theils solche, die, wie in Grönland etc.
Jahr aus Jahr ein, theils andre die wie in der
Schweiz, nur im Winter weiß sind.

Ein ungemein merkwürdiges Phänomen, was
alle Aufmerksamkeit der Naturforscher und Phy-
[Seite 90] siologen verdient, sind die gehörnten Hasen, da
man nemlich schon oft und in ganz verschiednen
Gegenden und Zeiten Hasen gefunden hat, aus
deren Stirnknochen ein paar kleine Geweihe, völ-
lig wie bey einem Rehbock, nur kleiner, mit
Krone und proportionirten Enden gewachsen wa-
ren.*)

1. †. Cuniculus. Das (Runiglin) Caninchen.
L. auriculis nudatis, corpore et pedibus po-
sticis brevioribus
. *

Das Caninchen ist in den wärmern Zonen der
alten Welt zu Hause, ist aber nun auch in Nor-
dischen Gegenden einheimisch worden. Ehedem
war besonders Spanien wegen der ungeheuren
Menge dieser Thiere bekannt,**) und sie ver-
mehrten sich da so stark, daß sie zur Landplage
wurden.***) Sie Hecken wol siebenmal im Jahr,
und werfen jedesmal sechs und mehrere Junge.
Das Fleisch der wilden Caninchen ist sehr schmack-
haft; sie werden mit Frettelchen gejagt, die so
wie die Iltisse und Dachse ihre Erbfeinde sind.
[Seite 91] Die weissen Caninchen mit rothen Augen sind
Zwar eben sowol kränkliche Kakerlaken, als die
Negres blancs, doch scheinen sie das Licht besser,
als andere Thiere der Art, vertragen zu können.

21. cavia. Halbcaninchen. Auriculae ro-
tundatae, parvae, cauda nulla aut brevis.

1. Porcellus. das Meerschweinchen. C. ecau-
data, corpore variegato. *

Ist in Brasilien zu Haufe, kommt aber auch
in Europa sehr leicht fort. Ein muntres, kirres,
reinliches, und überaus fruchtbares Thier. Das
Weibgen läßt sich, gegen andrer Thiere Weise, gleich
nach der Niederkunft schon wieder zur Begattung
willig finden.

2. Aguti. C. caudata, dorso fusco, abdomine
flavescente. *

Das Aguti hat einerley Vaterland mit dem
Meerschweinchen, auch seine grunzende Stimme,
aber die Grösse des Caninchen. Es hält sich in
holen Bäumen auf, sitzt oft auf den Hinterfüssen,
und kann leicht und weit springen.

3. Paca. C. caudata, corpore fusco, fasciis
lateralibus punctatis flavis
. *

Das Paca änelt dem Aguti in seinem Ansehen
und in seiner Lebensart; nur sitzt es nicht wie die-
fes auf den Hinterfüssen; ist auch in Brasilien zu
Hause.

d) Mustelina.

22. mustela. Dentes primores inferiores
VI, quorum II retrorsum positi; lingua
laevis.

[Seite 92]

Die Thiere dieses Geschlechts haben kurze Füsse,
und einen langgestreckten Körper, den sie im Ge-
hen bogenförmig krümmen; sie besteigen Bäume.

1. †. Martes. der Marder. M. corpore fulvo
nigricante, gula pallida. *

I. El. Ridinger Entw. einiger Thiere N. 85.
Baum-Marder. N. 86. Stein-Marder.

Man kennt zwey Spielarten von diesen Thie-
ren. Die eine hat eine gelbe Kehle, und hält
sich in Wäldern, zumal von Schwarzholz, auf;
dies ist der Baum-Marder oder Feld-Mar-
der. Der Haus-Marder oder Stein-Mar-
der hingegen zieht sich mehr in die Häuser, und
wohnt da in altem Gemäuer, und hat eine weisse
Kehle. Beide sind in der nördlichen Erde zu
Hause, und leben von kleinen Sängethieren und
Federvieh. Ihr Auswurf hat einen Bisamäuli-
chen Geruch.

2. †. Putorius. Der Iltis. M. flavo-nigri-
cans, ore et auricularum apicibus albis. *

J. E. Ridinger Entw. ein. Th. N. 87.

Aenelt dem Marder in seiner Bildung und Le-
bensart. Tödtet eben so kleine Thiere. Stellt
besonders den Hünern und ihren Eyern nach. Hält
sich, zumal im Winter, gern auf Höfen unter
Holzstößen und Steinhaufen auf. Das ganze
Thier, und selbst sein abgezognes Fell, geben einen
sehr widrigen Geruch von sich.

3. Furo. Das Frettel. M. corpore pallide
flavo
. *

Ist eigentlich in Africa einheimisch. Von da
hat mans nach Spanien gebracht, um die Ca-
ninchen zu vertilgen, und nun hat sichs schon
weiter in Europa verbreitet. Es kriecht den Ca-
[Seite 93] ninchen in ihre Holen nach, jagt sie heraus, oder
tödtet sie auch wol darinn, und saugt ihnen das
Blut aus. Es hat auch den widrigen Geruch
des Iltis. Man behauptet, daß sich beide Thiere
mit einander begatten, und Bastarden geben, die
blasser als der Iltis, aber dunkler von Farbe als
das Frettel wären.

4. Zibellina. Der Zobel. M. corpore fulvo ni-
gricante, facie et gula cinereis
.

I. G. Gmelin in Nov. Comm. Petrop. T.
V. tab. VI.

Der Zobel lebt in dichten einsamen Wäldern
des nördlichen Asiens, und nistet in holen Bäumen,
oder unter ihren Wurzeln in der Erde. Er ist
flink und kann mit viel Leichtigkeit auf den Bäu-
men herumspringen. Am Tage schläft er; des
Nachts geht er seinem Raub nach, der gewöhn-
lich in kleinen Sängethieren und Vögeln besteht;
doch frißt er auch, wenns die Zeit mit sich bringt,
Beeren und Früchte. Der Zobelfang dauert vom
November bis in den Hornung. Man stellt ihnen
Schlingen, und schätzt die Felle am höchsten,
die recht schwarzbraun, dickhaaricht und glän-
zend sind. Die besten Zobel finden sich um
Jakuzk.

5. †. Erminea. das Wiesel und Hermelin.
M. caudae apice atro. *

Das Hermelin ist doch wol blos eine Nordische
Spielart von unserm gemeinen Wiesel. Auch
dieses wird bey uns im Winter weiß, und in
hochliegenden bergichten Gegenden, wie z.B. im
Walbeckischen, fängt man zuweilen mitten im
Sommer völlig weisse Wiesel oder Hermeline.
Es finden sich diese Thiere in der ganzen Nordi-
schen Erde, sie wonen in Wäldern, ziehen sich
[Seite 94] aber gern nach Häusern wo Federvieh gehalten
wird; ihre Nahrung ist dieselbe wie der Iltisse
ihre, sie fressen auch gern Fische und Erdschwäm-
me, aber keine (andre) Pflanzen. Die besten
Sibirischen Hermeline werden im Isetischen ge-
fangen.

6. Ichneumon. das Ceilanische Füchschen.
V. corpore subluteo, facie nigricante. *

Seba thes. I. tab. XLI. fig. 6.

Dieses Thier wird fast durchgehends mit der
Pharaonsmaus im folgenden Geschlechte (viver-
ra ichneumon
) vermengt, von der es aber völ-
lig unterschieden, und ins Wieselgeschlecht gesetzt
werden muß. Seba hatte es lange lebendig,
und dasselbe Exemplar ist nun im Academischen
Museum, wo wir es genau untersucht haben. Es
hat das ganze Ansehen und die Grösse des Mar-
ders, auch völlig seine stumpfere Schnauze, und
bey weitem nicht den zugespitzten Kopf der Pha-
raonsmaus. Seine schmuzig weissen Haare sind
steif, borstenänlich. Es ist leicht zu zähmen;
schläft am Tage; und wült des Nachts fast immer
in der Erde, um Wurzeln und Regenwürmer aus-
zugraben, von denen es, wie von andern kleinen
Thieren, lebt.

7. Gulo. der Vielfraß. Rosomak. M. medio
dorsi nigro
.

Klein dispos. quadruped. tab. V.

Der Vielfraß ist in Lapland, und vorzüglich in
den grossen Wäldern des Nördlichen Asiens, zu
Hause. Sein überaus starker Appetit hat zu al-
lerhand Fabeln Anlaß gegeben. Er närt sich von
Aas und lebendigen Thieren, und kann sogar
Rennthiere überwältigen. Sein Fell war ehedem
[Seite 95] im höhern Werthe als hentiges Tages. Er stinkt
wie der Iltis und andere Thiere dieses und des
folgenden Geschlechts.

23. viverra. Dentes primores utrinque VI,
intermediis brevioribus. Lingua plerisque
retrorsum aculeata.

1. Zibetha. Die Zibethkatze. V. cauda annu-
lata, dorso cinereo nigroque undatim striato. *

Perrault hist. des animaux, I, Tab. XXIII.

Das südliche Asien und die mitlere Zone von
Africa ist das Vaterland der Zibethkatze. Bey
beiden Geschlechtern sammlet sich in einer be-
sondern Höle, die zwischen dem Affter und den
Zeugunsgliedern liegt, eine schmierichte stark rie-
chende Substanz, die ehedem mehr als jezt zum
Parfümiren und in der Arzney gebraucht wurde.
Man zieht deshalb auch in Holland Zibethkatzen
in Käfichten, um ihnen alle drey Tage ihr Quent-
chen Zibeth nehmen zu können.

2. Genetta. Die Genettkatze. V. cauda annu-
lata, corpore fulvo maculato
.

Hat in der Bildung viel mit der vorigen Gat-
tung gemein. Auch bey ihr wird, in derselben
Gegend wie bey der Zibethkatze, eine wohlriechen-
de Fettigkeit abgeschieden, doch weder in der
Menge, noch von der Stärke des Geruchs, wie
der Zibeth. Das Thier ist im Orient zu Hause,
hält sich gern am Wasser auf, und wird leicht
zahm.

3. Putorius. Das Stinkthier, Conepate. V.
lineis quinque dorsalibus albis
.

Catesby nat. hist. of Carolina, II, tab. LXII.

[Seite 96]

Das Stinkthier, was unserm Iltis änelt, hat
seinen Namen von dem über alle Beschreibung
unerträglichen Gestank, den es, so wie mehrere
verwandte Gattungen seines Geschlechts, im Zor-
ne von sich giebt. Besonders heftig stinkt der
Harn des Thiers, den es auf viele Fuß weit ge-
gen seinen Feind zu sprützen vermag. Wenn
man das geschoßne Stinkthier schleunig ausbalgt,
und ihm die Harnblase heraus nimmt, so ist das
Fleisch eßbar.

4. Ichneumon. Die Pharaonsmaus, der
Mungo.

Rumph. herbar. Amboin. auctar. T.
XXVIII. fig. 2. 3.

Dieses berühmte Thier, was keineswegs mit
dem minder bekannten Ichneumon des vorigen
Geschlechts verwechselt werden darf, ist in Ostin-
dien und vorzüglich in Aegypten zu Hause. Es
lebt von Schlangen, Fröschen, Mäusen, und be-
sonders von Crocodilleyern, die es mit viel Ver-
schlagenheit aus dem Sande scharrt. Man glaubt,
wenn es von der Brillenschlange gebissen worden,
so brauche es Schlangenwurzel (Ophiorhiza
Mungos
) zum Antidot.

5. Lotor, das Coati, der Raccoon, (Linne's
Ursus lotor.) V. cauda annulata, fascia fu-
sca palpebras ambiente. *

Seba thes. I. tab. XLII. fig. 2.

Das ganze Ansehen des Coati, seine Lebens-
art, sein Zibethbeutel beym Hintern u.s.w. er-
weisen seine nahe Verwandschaft mit andern Vi-
verris
, und seine Unänlichkeit mit dem Bären.
Es ist in Nordamerica zu Hause, und lebt vor-
züglich von Hünern und andern Vögeln und ihren
Eyern.

[Seite 97]

6. †. Meles. Der Dachs. (Linnes ursus meles)
V. cauda concolore, abdomine nigro,

J. E. Ridinger Entw. einiger Thiere. N.
78. 79.

Auch dieses Thiers Bildung, Oekonomie und
Fettbehälter unter dem Schwanze, weisen ihm
in diesem Geschlechte, und nicht beym Bären sei-
nen Platz an. Der Dachs findet sich in Euro-
pa und in Asien bis gen China. Er lebt wie
andre Viverrae von kleinen Thieren, von Wur-
zeln und Vogel Eyern. Er baut unter der
Erde einen tiefen Keßel, zu welchem verschied-
ne Röhren oder Gänge führen. Er verschläft
den grösten Theil seines Lebens, und hält beson-
ders langen und festen Winterschlaf, wobey er
seine Schnauze in den Fettbeutel steckt.

7. Mellivora. der Honigsucher, Ratel. V.
dorso cinereo, fascia laterali nigra, abdomi-
ne nigro, unguibus longis, subtus cavis,
fossoriis
.

Sparrmann Schweb. Abhandl. 1777. tab.
IV. fig. III.

Dieses sonderbare Thier findet sich am Cap,
und lebt vom Honig und Wachs der wilden Bie-
nen, die in die Hölen der Stachelschweine, Erd-
haasen, Caninchen, Schakale etc. nisten. Bey
Sonnenuntergang giebt der Honigsucher auf den
Flug der heimeilenden Bienen acht, oder folgt
auch wohl blos der Anweisung des cuculus indi-
cator
, geht ihm nach, und macht so den Erd-
bienen seine unwillkommene Visite. Denen hin-
gegen, die ihr Nest an Baumäste hängen, kann
er nichts anhaben; dock beißt und nagt er in die
Bäume, an welchen er solche Nester vermerkt, und
die Hottentotten wissen gleich an diesem Kenn-
[Seite 98] zeichen, daß sie Honig auf solchen angebissenen Bäu-
men zu erwarten haben. Der Honigsucher hat ein
zottichtes Fell, und darunter eine ungemein starke
Haut, die ganz locker und gleichsam wie ein Sack
über das Fleisch des Thieres herum hängt, wo-
durch er denn sowohl für den Bienenstichen als
für den Bissen der Hunde gesichert ist.


VII. FERAE.

Die grossen reissenden Thiere, die Menschen
anfallen; wozu wir aber nicht, wie Linne thut,
auch den Maulwurf oder den unschuldigen Igel
rechnen können.

24. ursus. Dentes primores superiores alter-
natim excavati, inferiores laterales lobati,
lingua laevis, cauda abrupta.

1. †. Arctos. der Bär. U. fusco nigricans,
collo brevi
. *

J. E. Ridinger Entw. ein. Th. N. 39 bis 44.

Ein phlegmatisches, brummichtes, aber im
Grunde gutmüthiges Geschöpf, was mehrentheils
einsam in den grossen Wäldern, und in den Alp-
gegenden der nördlichen Erde lebt, und was sich
nur im grösten Grimm, und wenn es aufs äus-
serste gebracht worden, am Menschen vergreift.
Andere Thiere verzehrt der Bär gerne, und trabt
daher des Nachts weit umher seinem Raube nach;
doch begnügt er sich auch mit Wurzeln, die er
geschickt auszugraben weiß, mit Ameisenhaufen
etc. Sein größter Leckerbissen aber ist wilder Ho-
[Seite 99] nig. Zum Gefechte stellt er sich auf die Hinter-
füsse, drückt und schlägt seinen Feind mit den
Vordertatzen, und bedient sich der Klauen oder
des Gebisses seltner als andere reissende Thiere.
Junge Bären lassen sich leicht zähmen, und sind
bis zur Zeit der Mannbarkeit ungemein possierli-
che Thiere. Im Winter schläft dieses Thier, die
Länge dieses Schlafs variirt aber nach Verschie-
denheit des Clima. Freytags Bärenfang*) ist
in Crain, Polen etc. allgemein gebräuchlich. Den
Kopf ausgenommen, hat des Bären Gerippe mit
dem menschlichen ungemein viel Aenlichkeit. Man
kennt verschiedene Spielarten unter den Bären;
die großen schwarzen Ameisenbären; die kleinen
hellbraunen Honigbären; die noch kleinern weiß-
lichten Silberbären.

2. Maritimus. der weisse Bär, Polarbär.
U. albus, collo et rostro elongatis.

Pennant, synopsis of quadrupeds, tab. XX.
fig. I.

Der Polarbärist allerdings eine eigne Gattung,
die nicht mit der weissen Spielart des gemeinen
Bären verwechselt werden darf. Er wird viel
grösser, bey zwölf Fus lang, hat schlankere Glie-
der, weisses langzottichtes Haar, hält sich in
der nördlichsten Erde, beym Treibeis und am
Meerufer auf, schwimmt und taucht sehr ge-
schickt, nährt sich von Fischen, tobten Seehun-
hunden und Wallfischen, geht aber auch sehr
leicht Menschen an, wie Heemskerk auf Neu Zem-
bla**) u.a. erfahren haben.

[Seite 100]

25. canis. Dentes incisores superiores inter-
medii, inferiores omnes lobati
.

Die Thiere dieses Geschlechts klettern nicht auf
die Bäume.

1. †. Familiaris. der Hund. C. cauda recur-
vata;
interdum digitus spurius ad pedes po-
sticos
. *

So allgemein Weltbekannt der Hund ist, so
hat doch seine N. G. noch manches dunkles.
Eben darum, weil er sich fast über die ganze Erde
verbreitet hat, kann man nicht mit Zuverlässig-
keit bestimmen, welches seine ursprüngliche Hei-
mat sey; ob man nicht mehrere ganz diverse Gat-
tungen unter den Hunden annehmen müsse, die
durch Vermischung erst manche Spielarten und
Racen hervorgebracht; welches unter diesen wol
wieder Stamm-Racen oder entferntere Abarten
seyn mögen, u.s.w. Vielleicht dürfte man Ostin-
dien fürs Vaterland der Hunde annehmen, we-
nigstens waren sie dort in den ältesten Zeiten be-
rümt, und wurden von da nach Egypten und
Europa verführt.*) Man hat den Schäferhund
für den Stammvater der übrigen ausgegeben,
aber doch scheinen die zottichten Hunde erst in
Norden langhaaricht geworden zu seyn, wenig-
stens sind die auf den alten Kunstwerken glatt, und
zwar theils Bullenbeisser, theils Windspiele.
Die Hauptvarietäten unter diesen Thieren sind
folgende:

a) fricator. der Mops, mit untersetztem, kur-
zem Leibe, rundem Kopf, ganz stumpfer
Schnauze, hängenden Ohren, und glat-
tem Haar.

[Seite 101]

b) molossus, mastivus. der Bärenbeisser,
Bullenbeisser, Dogue. gros, starklei-
bicht, mit stumpfem Kopf, hängenden lap-
pichten Oberlefzen, und glattem Haar, bellt
dumpfig und kurz.

J. E. Ridinger. Entw. einig. Th. N. 1. 2. 3.
Dahin gehört auch wol der Metzgerhund.

c) sagax. der Jagdhund. mit langem dicken
Körper, eingefurchtem Hinterkopfe, langen
hängenden Ohren. Das Haar ist bald
schlicht, bald zotticht.

Ridinger, N. 4. 5. 6. 10. 11. 12. 14. 15.
17. 18.

Die Bracke, der Hünerhund, und der
Wachtelhund haben kürzere Ohren, auch
einen kürzern Schwanz.

Die Corsicanerhunde sind schön getigert,
haben aber übrigens die Bildung der glat-
ten Hünerhunde.

d) aquaticus. der Budel, mit stumpfem Kopf,
dickem Leibe, und wollichtem Haar.

e) domesticus, pastor fidelis. der Haushund,
Schäferhund. mit aufrechten Ohren; der
Schwanz ist auf der untern Seite lang behaart.

Hierzu rechnen wir auch den Sibirischen und
Isländischen Hund, den Spitz etc. Der
Isländische scheint wenig vom gemeinen
Spitz verschieden. Einer, den wir leben-
dig haben, und der in Island geworfen wor-
den, hat einen grössern Kopf, und keine so
spitzige Schnauze, als der von Büffon ab-
gebildete; er ist völlig schwarz, bis auf die
Ohren, die am Rande mit weissem wollich-
tem Haar eingefaßt sind.

[Seite 102]

f) meliteus. das Bologneserhündchen.
von ungemein kleiner Statur, mit sehr lan-
gen zottichten Haaren, zumal im Gesichte.

g) vertagus. der Dachshund, Däckel, mit
langer Schnauze, Hangenden Ohren, lang-
gestrecktem Körper, kurzen krummen Vor-
derfüssen.

Ridinger, N. 16.

h) grajus. das Windspiel. mit langem zu-
gespitztem Kopf, hängenden Ohren, dicker
Brust, schlankem Leib und Füssen, bald
glatthaaricht, bald schlicht.

Ridinger, N. 7. 8. 9. 13. 15.

i) Aegyptius. der Türkische Hund. änelt
dem Windspiel, hat aber nur im Gesichte
Haare, der übrige Körper ist schwarz und
kahl, wie eine geräucherte Spekschwarte.

Wenn die Menge vorzüglicher Eigenschaften
und zugleich die vielfache Brauchbarkeit fürs Men-
schengeschlecht den Werth eines Thieres bestim-
men sollen, so würden wir dem Hunde eher als
dem Löwen den Namen eines Königs der Thiere
zugestehn. Es concentriren sich beym Hunde
Schönheit, Starke und viele andre Talente, die
wir zerstreut in andern Thieren bewundern; al-
lein er wird überdem durch mehrere Qualitäten,
die ihm ganz ausschließlich zukommen, besonders
aber durch die ausnehmende Feinheit seiner äus-
sern und innern Sinne über die übrige thierische
Schöpfung erhoben. Der Mensch hat ihn da-
her auch vor allen andern Hausthieren in seine
nähere Gesellschaft gezogen, und seine ungemeine
Gelehrigkeit auf mannichfaltige Weise zu benutzen
[Seite 103] gewußt. Der Hund hat den feinsten Geruch*)
und dieser Vorzug in Verbindung mit seiner Stär-
ke und Geschwindigkeit macht ihn zur Jagd an-
derer Thiere geschickt. Er ist wachsam, lernt sei-
nen Herrn und andre Wohlthäter kennen, unter-
scheidet ihre Stimme, und versteht sich sogar auf
ihren Wink und Minen; ist erkenntlich, getreu,
**) läst sich ungemein leicht zu künstlichen Hand-
lungen abrichten,***) und nimmt mit weniger
und geringer Kost vorlieb. Mau kann ihn zum
Zuge, in Schlitten und kleinen Wagen, und im
Kriege statt Mannschaft gebrauchen; sein Fleisch
ist eßbar, sein Fell, sein Speichel, und selbst sein
Auswurf nutzbar: und endlich sind auch die un-
zähligen Hunde, die als Opfer der Anatomie ge-
storben sind, zufälligerweise für die Wahrheit und
für die Wissenschaften äusserst wichtig worden.
Der Hund wird gegen zwanzig Jahre alt; Der
Begattungstrieb ist, zumal bey den männlichen
Hunden stark; sie sind eifersüchtig, aber gegen
das schwächere Geschlecht galant, doch in der Wahl
ihrer Gattin eben nicht eigen. Sie vermischen
sich leicht mit Wölfen und Füchsen, und zeugen
zumal mit letztern fruchtbare Bastarden, derglei-
chen wir selbst mehrere vor Augen haben.

2. †. Lupus. Der Wolf. C. cauda incurvata. *

[Seite 104]

Der Wolf ist fast in der ganzen Welt zu Hause,
doch ist er in einigen Ländern gänzlich ausgerot-
tet worden. So hat man seit 1680 keinen mehr
in Schotland gespürt; früher schon waren sie
in England vertilgt, und 1710 ist auch in Irland
der letzte geschossen worden. Der Wolf hat ei-
nen schleppenden Gang, aber einen sehr feinen
Geruch. Er kann lange hungern, frißt aber als-
dann auch desto gieriger. Er zieht oft in gros-
sen Schaaren, fällt doch nur im Nothfall Men-
schen an, und ist mit Feuer, was er scheut, leicht
abzuhalten. Man hat auch weiße und ganz
schwarze Wölfe.

3. †. Vulpes. Der Fuchs. C. cauda recta. *

J. E. Ridinger Entw. N. 73. Brandfuchs.
74. Birkfuchs.

Der Fuchs ist ein ungemein listiges, und wenn
er noch klein ist, ein überaus possierliches Thier.
Er baut unter der Erde, oder nimmt von einer
Dachshöle Posseß, sammlet sich Vorrath, thut
den Schaafheerden und Hausgeflügel großen
Schaden, frißt doch auch Vegetabilien, und na-
mentlich überaus gern Weintrauben. Sein Harn
hat einen sehr widrigen Geruch, und er braucht
ihn zur Vertheidigung gegen die Hunde.

Der gemeine Fuchs oder Birkfuchs hat eine
weiße, der Roth- oder Brandfuchs (alopex)
aber eine schwarze Schwanzspitze. Der letztre
ist doch wohl eine bloße Spielart vom erstern.
Auch der Nordische weiße und blaue Fuchs, und
der Creuzfuchs, deren Felle so hoch geschätzt
werden, scheinen uns zu wenig eignes zu haben,
um sie für besondre Gattungen anzusehn. Zu-
dem wissen wir, daß man selbst in Deutschland,
wie z.B. in Waldeckischen, schwarzbraune Creuz-
füchse geschossen hat.

[Seite 105]

4. Aureus. Der Schnellwolf, Schakal. C.
corpore fulvo, pedibus longioribus, caudae
apice nigro
.

Güldenstaedt, Nov. Comm. Petrop. T. XX.
Tab. II.

Dieses berufene Thier hält in seiner ganzen Bil-
dung das Mittel zwischen Wolf und Fuchs und
Hund; besonders zeigt es so viel Verwandschaft
mit dem letztern, daß Herr Güldenstädt bewo-
gen wird, den Schakal für den wilden Hund
zu halten. Er ist in ganz Orient und Nordafrica
zu Hause, zieht des Nachts schaarweise umher;
frißt Thiere, Lederwaaren etc. gräbt Leichen aus,
und soll auch lebendige Kinder rauben. Er ist
oft mit der Hyäne vermengt worden, und die
schwankenden Berichte der Reisenden machens
wahrscheinlich, daß man selbst in seiner Heimath
andre Thiere mit ihm verwechselt.*)

5. Hyaena. Das Grabthier, der Abend-
wolf. C. villosus, nigricans, facie nigra, juba
cervicis dorsique
. *

Der Indianische Wolf von J. El. Ridinger.

Die Hyäne hat einerley Vaterland mit dem
Schakal, dem sie auch in der Lebensart änelt.
Ein äusserst boshaftes, zorniges Thier von fürch-
terlichem Ansehen, über welches selbst der Löwe
kaum Herr werden kann; nährt sich von Leichen
und frischen Thieren, doch auch im Nothfall von
Vegetabilien. Es baut unter die Erde, und wird
in Aegypten gegessen.**)

26. felis. Ungues retractiles, caput rotun-
dius, lingua aspera.

[Seite 106]

Die Thiere dieses Geschlechts, den Löwen aus-
genommen, besteigen Bäume.

1. Leo. Der Löwe. F. cauda elongata floc-
cosa, corpore fulvo
*

B. Picart, Recueil de Lions. Amst. 1729. 4.
transv. nach Dürers, Remdrands, le
Brüns, Potters, und Picarts eignen Zeich-
nungen.

Der Löwe ist in den heisen Zonen der alten
Welt, vorzüglich in Africa, zu Hause. Er lebt
vom Raube größerer Säugthiere, und geht nur
wenn er gereitzt, oder vom äussersten Hunger ge-
trieben wird, Menschen an. In der Jugend
läßt er sich zähmen, und selbst zum Zuge abrich-
ten. Von seiner Erkenntlichkeit und Treue gegen
Wohlthäter zeugen die bekannten Geschichten von
Androclus und Gottfried von Bouillon. Er scheut
das Feuer, aber bey weitem nicht Hanengeschrey.

2. Tigris. Das Tigerthier. F. cauda elon-
gata, capite, corpore et cruribus nigro-vir-
gatis
. *

The Tiger, von G. Stubbs, in schwarzer Kunst.

Der Tiger ist blos in Asien einheimisch. Ein
schönes, überaus regelmäßig gestreiftes, aber
fürchterliches Thier. Es wütet gegen seinen Gat-
ten, und frißt im Hunger seine Jungen; es fällt
ohne Unterschied Menschen und Löwen und an-
dre Säugthiere an, muß aber für dem Elephan-
ten erliegen. Es hat keine Spur von dem Edel-
muth des Löwen, doch ist die Sage irrig, daß es
durchaus nicht zu bändigen sey. Wir haben selbst
einen großen lebendigen Tiger gesehn, dem alle
seine Wärter ohne Bedenken den Rachen aufreis-
sen und mit ihm spielen konnten.

[Seite 107]

3. Leopardus. Der Leopard. F. cauda sub-
elongata, maculis numerosis, minoribus, ob-
tuse angulatis
. *

Dieses Thier, was in seiner Bildung sehr viel
Verwandschaft mit den folgenden Gattungen zeigt,
ist in Africa zu Hause. Sein Fell ist über alle
Beschreibung schön, und änelt einer bekannten
Sorte von großfleckichtem Manchester. Der Grund
ist goldgelb, die kleinen schwarzen Flecken stehen
dichter und regelmäßiger als beym Pantherthier,
meist drey bis viere nahe beysammen. Der Leo-
pard giebt dem Tiger an Stärke und Raubgierde
wenig nach, doch geht er nicht so leicht Menschen
an, ist auch eben sowol als der Tiger zu zähmen;
Wir haben die seltne Gelegenheit gehabt, die
mehresten Gattungen dieses Geschlechts lebendig
neben einander zu sehn, und sie unter sich, und
mit den theils sehr verworrenen Beschreibungen
der Naturforscher, vergleichen zu können.

4. Pardus. Das Pantherthier, der Parder.
F. cauda subelongata, maculis majoribus,
irregularibus, passim confluentibus et annu-
latis
. *

Ebenfalls ein africanisches Thier, was größer
wird als der Leopard, aber ihm und dem Tiger
in der Lebensart gleicht. Das Fell des Panther-
thiers ist bey weitem nicht so schön als des Leo-
parden seins; Die Flecken sind größer, irregu-
lärer, hin und wieder wie zusammen geflossen,
bald in Hufeisenform, bald geringelt u.s.w.

5. Onça. der Jaguar, americanische Tiger.
F. cauda subelongata, corpore fusco-lute-
scente, maculis angulatis, ocellatis, me-
dio flavis
. *

[Seite 108]

Die Onza ist für Südamerica das, was die
drey vorigen Thiere in der alten Welt sind; in ihrer
Gestalt und Oeconomie kommt sie ihnen sehr na-
he, doch ist sie furchtsamer und flieht für nur
mäßig grossen Hunden.

6. Serval. der Katzen-Parder, Marapüté.
F. cauda abbreviata, corpore cinereo, ni-
gro obscure striato et maculato
. *

Der Serval ist in Orient und Africa zu Hau-
se; er lebt in dicken Wäldern, und hält sich meist
auf den Bäumen auf. Der, den wir gesehen
haben, war ernsthaft und stille; aber raubgierig,
und dabey sehr schnell und flink in seinen Bewe-
gungen. Seine Farbe war wie der wilden Kaz-
zen ihre, nicht gelblicht wie an dem den Büf-
fon gesehen hat.

7. †. Lynx, der Luchs. F. cauda abbreviata
apice atra, auriculis apice barbatis, corpore
maculato, plantis palmisque amplissimis.

J. E. Ridinger, Entw. N. 65. 66. 67.

Dieses Thier findet sich in großen dickten Wäl-
dern der nördlichen Erde; es verliert sich zwar
immer mehr aus den bewohnten Gegenden, doch
hat man noch vor wenig Jahren welche auf dem
Thüringer Walde geschossen, und sie sind noch keine
so unerhörte Seltenheit für Europa, als man
neuerlich in, Frankreich hat behaupten wollen.
Der Luchs hält sich auf Bäumen auf, und stürzt
sich auf vorbeygehende größere Säugthiere herab,
denen er doch meist nur das Blut aussaugt, und
ihr Gehirn frißt. Das Weibgen fängt auch Vö-
gel zum Futter für die Jungen.

8. †. Catus. Die Katze. F. cauda elongata,
striis dorsalibus longitudinalibus, lateralibus
spiralibus
. *

[Seite 109]

Die Hauskatze ist kleiner als die Wilde, und
variirt in der Farbe wie andre Hausthiere. Sie
lebt zwar auch wie der Hund in Gesellschaft des
Menschen; allein sie hat bey weitem nicht das at-
tachante, treuherzige jenes Thiels. Ihr Cha-
rakter behält bey aller Cultur widrige Seiten;
sie ist falsch, tückisch, näschig; und ihre hübsche
Gestalt, ihre Reinlichkeit und ihre Schmeiche-
leyen und das einzige, weswegen sie der Mensch
zuweilen zu seinem Zeitvertreib und nähern Um-
stanz erhebt. Doch hat man einzelne Beyspiele
von Katzen, die mit aller Treue eines Hundes
ihrem Herrn ergeben gewesen, nach seinem Tode
die Leiche begleitet, und lange Zeit hindurch täg-
lich sein Grab besucht haben.*) Die Katzen
sind ungemein elektrisch, ein Phänomen, das,
so wie der unüberwindliche ängstliche Abscheu
vieler Menschen vor diesen Thieren, weitere
Untersuchung verdient. Es scheint, daß sich
ihr Naturell schwer abändern lasse; die zahme
Katze ist nicht sehr von der wilden verschie-
den; sie hat noch nicht die hängenden Ohren an-
derer unterjochten Thierarten; sie begattet sich
nicht, wie andere Thiere, unter den Augen des
Menschen, und verwildert geschwinde wieder,
wenn sie zufällig in ihre natürliche Freyheit ge-
rätht. Wir begreifen nicht, wie man dem R.
Linne hat nachschreiben können, das die Katzen
keine Flöhe hätten.


VIII. SOLIDUNGULA.

Thiere mit Hufen. Ein einziges Geschlecht
von wenigen Gattungen.

[Seite 110]

27. Equus. pedes ungula indivisa, cauda se-
tosa.

1. †. Coballus. das Pferd. E. cauda undique
setosa
. *

Das Pferd allein ist schon im Stande, den
deutlichsten Beweis von dem. Uebergewicht und
der unbegränzten Herrschaft des Menschen über
die ganze übrige, Thierwelt abzugeben. Das
wilde Pferd, so wie es in den Schottischen
Hochländern, in Sibirien, in der grossen Tat-
tarey etc. gefunden wird, ist ein kleines ruppich-
tes, dicktöpfichtes, häßliches, und dabey doch un-
bändiges Geschöpf; was aber durch, die Cultur
und die Bemühungen der Menschen zum schön-
sten, ansehnlichsten, edelsten und zugleich folg-
samsten Thiere umgebildet werden kann. Das
ursprüngliche Vaterland der Pferde läßt sich eben
so wenig, als der Hunde ihres, mit Gewißheit
angeben. Die Schönheit dieser Thiere ist
eine Folge der Cultur, mithin darf man bey wei-
tem nicht die schönsten Pferde-Racen auch für
die ältesten, und die minder schönen für ihre ans-
gearteten Abkömmlinge halten; so wenig als man
Sibirien, seiner wilden Pferde wegen, für die Hei-
math der ganzen Gattung annehmen darf. Si-
birien bat auch wilden Weizen, wildes Korn und
wilde Gerste; aber beides, jene Pferde und die-
se Getraidearten, sind sicher erst durch Zufall da-
hin gekommen und nur mit der Zeit verwildert.
Die Talente des Pferds sind so mannigfaltig und
so relativ, daß man keiner Race den absoluten Vor-
zug vor den übrigen zugestehen kan. Die Ara-
bischen, Spanischen, Neapolitanischen und Eng-
lischen sind die schönsten Reitpferde. Die leztern
[Seite 111] haben überdem noch die ungemeine Geschwindig-
keit voraus. Die Frisischen sind zum Zug am dauer-
haftesten u.s.w. Die Pferde sind eigentlich Gras-
fressende Thiere, doch lassen sie sich im Nothfall
auch an Thierische Nahrungsmittel gewöhnen.
Fett und Seife verabscheuen sie. Für ihre Jun-
gen bezeugen sie viel Liebe, und für alte kraftlo-
se Bekannte Achtung. Sie schlafen meist ste-
hend, und nur wenige Stunden. Das Fleisch
der Pferde ist eßbar, und aus ihrer Milch ma-
chen die Calmucken Branntewein.

2. †. Asinus. der Esel. T. cauda extremitate
setosa, cruce dorsali nigra
. *

Der Esel hat weder die schöne Taille noch das
Feuer des Pferdes, aber eine Menge anderer
empfelender Eigenschaften berechtigen uns, seine
Eloge zu machen, und ihn von der unbilligen Ver-
achtung, mit der er nur neuerlich*) im nörd-
lichen Europa angesehen wird, loszusprechen.
Er gebt saufter und sicherer als das Pferd, trägt
grosse Lasten, ist dabey ungemein gedultig, und
begnüat sich mit schlechten Unkraut zum Futter.
Auch sein ursprüngliches Vaterland ist ungewiß.
Daß er in die südliche Erde zu Hause gehöre,
wird durch die Homonymie seines Namens in
den nordlichen Sprachen erweislich. In der Tat-
tarey lebt er Heerdenweise wild. Sonst hatte
Aegypten,**) jetzt Italien, die besten Esel; im
nördlichsten Europa finden sie sich bis jetzt noch
gar nicht. Der zahme Esel ist wenig vom wil-
den verschieden, und variirt nicht so, wie andere
Hausthiere, in der Farbe.

[Seite 112]

Pferd und Esel laßen sich zusammen bestatten,
und geben Bastarden, die in ihrer Bildung die
mehrste Aehnlichkeit mit der Mutter zeigen, und
die zuweilen fruchtbar sind.*) Mulus. das
Maulthier (J. E. Ridinger, Entw. N. 30)
wird vom männlichen Esel gezeugt, und von der
Stute geworfen. Hinnus hingegen, der Maul-
esel (Hist. des eglises Vaudoises par J. Leger. Ley-
de
1669. fol. p. 7.) ist vom Hengste gezeugt,
und von der Eselin geworfen. Der lezte ist selt-
ner, und hat Gelegenheit zur Sage von den Ju-
marn, fabelhaften Bastarden vom Pferd- und
Ochsengeschlecht, gegeben.

3. Zebra. N. zonis fuscis et albidis, maxime
regularibus
. *

The Sebra or wild Ass, von G. Stubbs, mit
lebendigen Farben. 1771.

Der Zebra ist im südlichen Africa zu Hause,
hat in seiner Bildung die mehreste Gleichheit mit
dem Maulthier (mulus), und ist in Rücksicht
der äuserst regelmäßigen Streifen seines Fells das
schönste von allen Säugethieren. Er lebt Heer-
denweis, ist ungemein geschwinde, aber wild
und unbändig, und daher nur sehr selten und mit
großer Mühe zum Zug oder zum Reiten abzu-
richten.**)


IX. BISULCA.

Thiere mit gespaltnen Klauen.

28. camelus. Cornua nulla, labium lepori-
num. pedes subbisulci
.

[Seite 113]

1. Dromedarius. das gemeine Kameel, Büf-
fons Dromedaire. C. topho dorsi unico. *

Ein Blatt von van Schley, nach Herrn Cam-
pers Zeichnung. Kopf und Füße des Thiers.

Die Klauen sind, zumal bey dieser und der folgen-
den Gattung, nicht durchaus, sondern nur vorne
gespalten. Allein die Beschaffenheit der Schaa-
len, des Fußes selbst, und die ganze Oekonomie
dieser Thiere, rechtfertigen den Platz, den wir ih-
nen unter andern bisulcis anweisen. Das Ka-
meel findet sich noch hin und wieder in Asien wild,
ist aber für den ganzen Orient das wichtigste
Hausthier. Es ist im Stande, funfzehn Centner
zu tragen, und in einem sanften Trabe achtzehn
Meilen in einem Tage zurückzulegen. Es kann
lange hungern, und frißt wie der Esel unnützes
Futter, nemlich dornichtes Buschwerk, was in
den Wüsten in Menge wächst, für kein anderes
Säugethier zur Nahrung taugt, und nur dem
Kameele, das deshalb mit hornichten Lippen
versehen ist, geniesbar wird. Auch den Durst
kann dieses Thier mehrere Tage lang erdulden,
säuft aber dafür ungeheuer viel auf einmal, und
behält gleichsam zum Vorrath eine Menge Was-
ser in besondern Zellen seines Magens. Es ist
ein sanftmüthiges folgsames Thier, was doch
zur Brunstzeit leicht wütend wird, und dann
selbst seine Führer und Herren verkennt. Beide,
sowol diese, als die folgende Gattung, haben eine
grosse Schwiele vorn an der Brust, vier kleine
an den Vorderfüssen, und zwey dergleichen an
ben Hinterfüssen, die ihnen zum Aufstemmen
dienen, wenn sie müde sind, und sich niederle-
gen; und die schon bey den ungebornen Kamee-
len zu sehen sind, mithin nicht, wie berümte
Männer geglaubt haben, erst in der Folge durch
[Seite 114] das Niederknieen entstehen. Man distinguirt
verschiedene Racen unter den Kameelen. Der
Djämmel z.B. ist zum Lasttragen am dauer-
haftesten: der Hadjin schöner von Körper und
geschwinder im Laufen; auch in der Farbe va-
riiren die Kameele; es giebt braune, weisse
u.s.w.

2. Bactrianus. das Trampelthier. Büffons
Chameau. C. tophis dorsi duobus. *

Ein Blatt von M. E. Ridinger, nach seines
Vaters J. E. Zeichnung.

Diese Gattung hat mit der vorigen so viel Aen-
lichkeit in ihrer Bildung und Lebensart, daß sie
von vielen Naturforschern für eine blosse Spielart
von jener angegeben worden ist. Beide Thiere
begatten sich auch mit einander. Doch findet
sich das Kameel mit zwey Buckeln mehr im nörd-
lichen Asien, bis gen China, meist wild, und
wird nicht so häufig, wie die vorige Gattung, als
Hausthier gebraucht.

3. Clacma. die Rameelziege, Guanaco. C.
dorso laevi, topho pectorali
.

Matthioli epist. L. V. p. 212.

Beide, dieses und das folgende Thier, sind
dem südlichen America, besonders dem gebürgich-
ten Peru eigen. Sie äneln den Kameelen der
alten Welt in ihrer Lebensart, nur sind sie viel
kleiner, und haben in der Bildung viel von der
Ziege. Das Clacma ist leicht zu zähmen, und
trägt, bey seiner mäßigen Grösse, Lasten von an-
derthalb Centnern. Es kann lange dursten, und.
wehrt sich durch einen ätzenden Unrath, den es auf
zehn Fus weit gegen seine Feinde zu speyen vermag.

[Seite 115]

4. Vicunna. das Schaafcameel. C. tophis
nullis, corpore lanato
.

Hill, hist. of anim. tab. XXVIII.

Die Vicunna ist in ihrer Gestalt wenig vom
Clacma unterschieden, nur kleiner. Sie taugt
aber nicht so zum Lasttragen, sondern wird mehr
ihres rothbraunen Hares wegen geschätzt, was
die bekannte Vicugna-Wolle giebt. Auch der
occidentalische Bezoar kommt von diesem Thier.
Das Alpaca kommt ihm sehr nahe, ist aber
noch grösser als das Clacma.

29. capra. Cornua cava scabra.

1. †. Ovis. das Schaaf. C. mento imberbi,
cornibus compressis lunatis
. *

Das Schaaf begattet sich sehr leicht mit der
Ziege, und ist überhaupt in seiner ganzen Oekono-
mie und Körperbau zu nahe mit ihr verwandt,
als daß es in ein besonder Geschlecht von ihr ge-
trennt zu werden verdiente. Es ist ein ungemein
furchtsames, dummes, und zugleich wehrloses
Thier, was sich seiner Freyheit von selbsten begeben
zu haben, und freywillig unter den Schutz des Men-
schen geflüchtet zu seyn scheint, was sich daher
nicht mehr wild, aber fast über die ganze Erde
als Hausthier findet. Wenige dieser Thiere sind
dem Menschen auf so mannichfaltige Weise, und
so unmittelbar nutzbar als das Schaaf. Sein
Fleisch, seine Milch, seine Wolle, sein Fell, sein
Talg, seine Därme, seine Knochen, und selbst
sein Mist werden zu vielfachen Zwecken verbraucht;
und der starke Hang zur Wollust, den dieses Thier
mit aller seiner Dummheit verbindet, und seine
davon abhängende Fruchtbarkeit, machen den
Vortheil, den man von seiner Zucht zieht, noch
[Seite 116] um desto beträchtlicher. Die Schaafe arten leicht
aus, und man kennt daher viele Varietäten von
ihnen, worunter vorzüglich die Spanischen und
Englischen Schaafe wegen ihrer vorzüglichen
Wolle, die Isländischen Schaafe und Haid-
Schnucken mit vier oder sechs Hörnern, und
die Arabischen Schaafe mit dem grossen und
fetten Schwanze, zu merken sind.

2. †. Hircus. die Ziege. C. mento barbato, cor-
nibus arcuatis, carinatis
. *

Ausser einigen unbedeutenden Verschiedenhei-
ten im Körperbau, distinguirt sich die Ziege vor-
züglich durch ihr lebhafteres Naturell vom Schaaf.
Sie ist ein muthwilliges muntres Thier, was
leicht menschlicher Gesellschaft gewohnt, aber
auch eben so leicht wieder in Wildnis ausartet.
Sie hält sich gern in bergichten Gegenden auf,
frißt dürres Moos, Laub und Rinde der Bäu-
me, dornichtes Gesträuch etc. auch den, dem
Menschen und andern Thieren giftigen Schier-
ling. Den Schaden, den sie den Gärten und
besonders den jungen Bäumgen thut, ersetzt sie
reichlich durch die vielfache Brauchbarkeit ihrer
Milch, Fleisches, Haare etc. und dock ist man in
einigen Gegenden unbarmherzig genug den
Ziegen die Vorderzähne auszubrechen, oder
ihnen, damit sie nicht über Zäune springen kön-
nen, den einen Hinterfuß zu lähmen. Die An-
gorische Ziege hat einen kürzern Leib und län-
gere Beine als die gemeine; und ihr langes Sei-
den artiges Haar giebt das beste Kameelgarn,
was dem von den Haaren des wahren Kameels
bey weiten vorzuziehen ist.

3. †. Ibex. der Steinbock. C. mento barbato,
cornibus lunatis maximis, supra nodosis, in
dorsum reclinatis
. *

[Seite 117]

a) corpore hirto. C. Gesner, icon. quadrup.
p
. 35. Der Steinbock aus Stumpfens
Schweytzer-Chronik, Th. II. S. 287. Ybsch-
geis, des Steinbocks Wyblin oder Gespan.

b) corpore glabro. Vorbildung aller aus-
länd. Thiere in des Pr. Eugens Menage-
gerie, Augsb. 1734. fol. transv.

Ridinger Entw. einiger Th. N. 71.

Dieses merkwürdige, aber selbst in seiner Hei-
mat seltne und wenig bekannte Thier, ist in den
höchsten Schneegebirgen von Tyrol, Savoyen
und der Schweiz zu Hause. Es bewohnt blos
die steilsten und für Menschen fast unzugänglichen
Felsen, und kommt nur, wenn es auf der Flucht
nicht weiter klettern kann, oder wenn es von
Schneelauwinnen ergriffen wird, in die Thäler
herab. Es wird grösser als unsere Ziege, und
wiegt im Alter wohl einige Centner; und doch
kann dieses schwerleibige Thier mit einer unbe-
schreiblichen Leichtigkeit jähe Felsenwände hinan-
laufen, und über tiefe Abgründe von einer Klip-
pe zur andern setzen. Besonders sind seine Klauen
dazu sehr bequem eingerichtet, lang, scharfge-
spalten, fest und spitzig. Das Gehörn eines
bejahrten Steinbocks wiegt wol zwanzig Pfund,
und hat eben so viel knorrichte Ringe auf je-
der Seite. Die mehresten Naturforscher be-
schreiben auch das Weibchen als gehörnt; das
aber Herr von Haller, in der Nachricht, die er
uns über seltene Schweizer-Thiere mitzutheilen
die Güte gehabt hat, ausdrücklich verneint. Die
Gestalt des Thieres ist bey weitem schöner als
die von unserer gemeinen Ziege. Es hat keine so
häßliche Nase, helle feurige Augen, unk in der
Bildung des ganzen Kopfs mehr vom Hirsch als
[Seite 118] von der Ziege; daher wir Pennant's Behaup-
tung, daß unsere Hausziegen vom Steinbock ur-
sprünglich abstammeten, unmöglich beypflichten
können. Wenn der Steinbock ganz jung gefan-
gen wird, so ist er leicht zu zähmen, und läßt
sich, wie man im Walliserlande versucht hat,
mit den Heerden der Hausziegen auf die Weide
führen. Den, den wir lebendig gesehen haben,
war im Grindelwalde gefangen, und selbst in der
ganzen Schweiz als eine grosse Seltenheit herum
geführt worden. Er war überaus flink und mun-
ter, aber doch ganz kirre, und gegen seinen Herrn
sehr schmeichelnd.

4. †. Rupicapra. die Gemse. C. mento im-
berbi, cornibus erectis uncinatis.

Faesi Erdbeschr. der Eidgenossenschaft, Th.
I. S. 34. u. f.

Ridinger Entw. ein. Th. N. 72.

Die Gemse hat einerley Vaterland mit der vo-
rigen Gattung, doch wagt sie sich nie auf die
äußersten Felsenspitzen, die der Steinbock be-
wohnt, sondern hält sich mehr in den mittlern
Berggegenden, und zwar theils auf kahlen Stein-
klippen, theils im Gehölze und Buschwerk auf.
Die Gemsen, die blos auf den Klippen wohnen,
sind kleiner und dunkler von Farbe, als die so auch
ins Gebüsch gehen. Jene nennt man in der
Schweiz Gratthiere, diese Waldthiere. In ihrer
übrigen Oekonomie sind aber beide Arten einan-
der gleich. Sie leben in Gesellschaft, sind furcht-
samer im Klettern und Springen als der Stein-
bock, und stellen auf der Weide einen aus ihrem
Mittel auf die Wache, der das Vorthier oder
die Vorgeyß genannt wird, und der beym
mindesten Geräusch durch einen besondern Ton
[Seite 119] die Heerde warnt, und mit ihr davon flüchtet.
Daß sich die Gemsen ihrer Hörngen zum Klettern
bedienten, ist eine irrige Sage. Ausser dem Men-
scheu, sind die Lämmergeyer die gefährlichsten
Feinde dieser Thiere. Ihre Jagd und deren Ge-
fahren ist im Theuerdank umständlich und ganz
nach der Natur beschrieben. Von den unverdau-
lichen Zasern der Bärwurz und anderer Quirlför-
migen Pflanzen, bilden sich in dem Magen der
Gemsen runde Kugeln (aegagropilae), denen
man vor Zeiten seltsame Heilkräfte andichtete.

5. Bezoartica. der Berzoarbock. C. mento bar-
bato, cornibus teretibus subarcuatis annu-
latis, apice laevi
.

Auch dieses Thiers Geschichte hat noch viel dunkles.
Es lebt Heerdenweise auf den Bergen von Orient
und Aegypten, kommt wenig zum Vorschein,
ist doch aber, wenn es jung gefangen wird, wie
der Steinbock, leicht zu zähmen. Von ihm kömmt
der Orientalische Bezoarstein, der ebenfalls ehe-
dem in dem ungegründeten Rufe einer Pana-
cee war.

6. Dorcas. die Gazelle. C. mento imberbi,
cornibus teretibus annulatis, medio flexis,
apicibus laevibus approximatis
.

Ein schönes, kleines, schlankes Thiergen, mit
muntern schwarzen Augen, was in ganz Orient
und Nordafrica zu Hause ist. Es wird oft im
hohen Lied erwänt, und ist noch jetzt in der Orien-
talischen Dichtersprache das gewöhnliche Bild,
womit schöne Mädchen verglichen werden. Die
Hörner der Gazelle, die wir vor uns haben, glei-
chen in der Grösse und Struktur der Gemsen
ihren, nur sind sie anders gebogen.

[Seite 120]

30. bos. Cornua concava, lunata, laevia.

1. Taurus. der Ochse. Stier. B. cornibus
teretibus extrorsum curvatis, palearibus la-
xi
s. *

Die Genealogie dieses Thiers läßt sich weit
leichter, als der Pferde, Hunde u.a. Hausthie-
re ihre, verfolgen. Das Rindvieh stammt si-
cher vom Auerochsen ab, der in Polen, Litthauen,
Sibirien, und einzeln auch in Deutschland (wo
er zu Cäsars Zeiten in Menge war) gefunden
wird. Die zahmen Ochsen arten auch in
Bildung und Grösse nicht so merklich als die übri-
gen Hausthiere aus, und selbst ihre Farbe ist,
wenigstens in verschiedenen Gegenden, ziemlich
constant. Sie gehören zu den allerwichtigsten
Geschöpfen fürs Menschengeschlecht, da ihre Be-
nutzung zugleich mannichfaltig und überaus be-
trachtlich und gros ist. Viele tausend Menschen,
zumal in der Schweiz etc. geniessen, den größten
Theil ihres Lebens hindurch keine andern Nah-
rungsmittel, als die ihnen ihre Kühe geben, und
von der andern Seite hängt der ganze Wohlstand
vieler grossen Provinzen lediglich von dieser ein-
zigen Art Viehzucht, und der mannichfaltigen
Milchprodukte, ab. Zum Lasttragen taugt zwar
der Ochse nicht, aber desto besser zum Ackerbau
und überhaupt zum Zug, wobey er nicht, wie
das Pferd, mit der Brust, sondern mehr mit
der Stirne und Nacken arbeitet. Das Leder die-
ser Thiere, ihr Horn, ihr Talg, ihr Blut, sind
auf vielfache Weise brauchbar, und neuerlich hat
man gar die Kuhställe zum Aufenthalte für
schwindsüchtige Personen angerathen. Der Ochse
frißt zwar gewönlich, wie andere wiederkauende
Thiere, lauter Vegetabilien, doch hat man ihn
in Norwegen und mehrern Gegenden auch an
[Seite 121] thierische Nahrung; Fischgräten u.s.w. gewönt.
In dem Magen dieser Thiere finden sich zuweilen
Ballen, die aber weder steinartig, wie die Be-
zoare, noch von vegetabilischer Substanz, wie
die Gemskugeln sind, sondern blos aus Haaren
zusammengebacken sind, die sie sich abgeleckt
und eingeschluckt haben. Die Viehseuche ist eine
ihnen eigene, aber fürchterliche Pestartige Krank-
heit, die theils im Blute, theils in den Lun-
gen ihren Sitz hat, die zwar durch strenge Sper-
rung zu verhüten ist, aber wenn sie sich einmal
geäussert hat, unheilbar scheint.

2. †. Bubalis. der Büffel. B. cornibus resu-
pinatis intortis antice planis
. *

Zwey Blätter von M. C. Ridinger, nach sei-
nes Vaters J. E. Zeichnungen.

Der Büffel ist in Asien und Nordafrica zu
Hause; wird aber auch hin und wieder in Euro-
pa, wie z.B. seit dem siebenten Jahrhundert in
Italien, in Ungern, und auch selbst im Salz-
burgischen, gezogen und zum Zug gebraucht, wo
er den gemeinen Ochsen an Kräften bisweilen
übersteigt. Zwey Büffel sind im Stande, eine
Last zu ziehen, die sechs Pferde kaum zu bewe-
gen im Stande seyn würden; sie sind aberschwer
zu bändigen, und man muß ihnen, wie den
Tanzbären, Ringe an die Nase legen, und sie da-
mit regieren. Sie sind, zumal in der Hitze,
sehr durstig, und wenn sie nicht mit sattsamem
Wasser versorgt werden, gehen sie zuweilen
durch, und springen mit samt dem Karrn, den
sie ziehen, in den nächsten Fluß. Sie haben dik-
kes schwarzes Fell, aber wenig Haar.

3. Bison. der Buckelochse, Wisent. B. cor-
nibus divaricatis, juba longissima, dorso
gibboso
.

[Seite 122]

Dieses grosse und grimmige Thier findet sich
im nördlichen Amerika, wo es Heerdenweise in
sumpfichten Wäldern lebt. Im Winter ist es
über den ganzen Körper behaart, im Frühjahr
hingegen wird es am Rücken und Hinterleibe
kahl, und behält blos seine ungeheure Brust- und
Nacken-Mäne. Jung gefangen, läßt sich der
Wisent doch auch zähmen. Sein Fleisch ist
schmackhafter, als das vom gemeinen Ochsen.

31. cervus. Cornua solida, annua, tenera
corio hirto tecta
.

1. Camelopardalis. Die Giraffe. C. cornibus
simplicissimis, tuberculo frontali, iuba dor-
sali, pedibus anticis longioribus.

Cptn. Carteret, philos. Transact. Vol. LX.
for 1770. tab. 1.

Die Giraffe hat, wegen ihres langen Halses,
ihres kurzen Körpers, des abhängigen Rückens,
der langen Vorderfüße, der kleinen Hörngen, der
Hals, und Rückenmäne, und wegen ihres gefleck-
ten Fells, ein überaus sonderbares Ansehn, und
verdiente daher wohl, in einem eignen Geschlechte
von den eigentlichen Hirschgattungen abgesondert
zu seyn. Sie findet sich blos im innern Africa,
kommt äusserst selten nach Europa, und ihre Ge-
schickte ist mit vielen Fabeln und widersprechen-
den Nachrichten verdunkelt. Sie soll im Schrei-
ten, wie die Paßgänger, immer den Vorder- und
Hinterfuß der einen Seite zugleich heben, und
daher einen hinkenden sonderbaren Gang haben,
von dem die Bewegung des Springers im Schach-
spiel entlehnt worden*). Sie ist, wenn sie auf-
recht steht, nach Gillis Zeugniß, sechszehn Fuß
[Seite 123] hoch, und nährt sich vom Land der Bäume, die
sie mit ihrer zwey Fuß langen Zunge abreisten soll.
Sie kaut wieder, und ist, ihrer Größe ungeachtet,
doch schwächlich, furchtsam und sehr leicht zu bän-
digen.

2. Alces. Das Elendthier. C. cornibus acan-
libus, palmatis
. *

Das Elendthier lebt in der nördlichen Erde, er-
reicht beynah die Größe vom Pferd, und kommt
in seiner Lebensart mit dem Rennthier überein.
Es ist eben so schnell, und soll in einem Tage funf-
zig Meilen zurück legen können. Es läßt sich
zahmen und mit den Rennthieren auf die Weide
treiben, bleibt aber doch auch alsdann, wie andre
Gattungen dieses Geschlechts, zur Brunstzeit
fürchterlich. Das Fleisch des Thiers ist schmack-
haft, und sein Fell so fest, daß es Flintenkugeln
widerstehen soll. Daß das Elendthier oft von
Epilepsie befallen werde, und sich dann mit sei-
ner Hinterklaue am Kopf blutig kratze, und daß
die Ringe und Halsbänder von Elendsklauen
wirksame Mittel gegen vielerley Krankheiten wä-
ren, sind alles ungegründete Sagen.

3. †. Dama. Der Damhirsch, Tannhirsch. C.
cornibus subramofis compressis, summitate
palmata
.

Dieses Thier lebt Heerdenweise in den Wäl-
dern des gemäßigten Europa und Nordamerika.
Es ist kleiner als der gemeine Hirsch, dem es aber
in seiner Oekonomie gleicht, und variirt in der
Farbe. Man hat braune, gefleckte, und auch ganz
weisse Damhirsche. In der Wildniß sind ziemlich
muthige Thiere, die oft Tage lang wegen eines
streitigen Weidplatzes, oder die Männchen wegen
ihrer Gatten kämpfen. Allein in der Gefangen-
[Seite 124] schaft legt sich dieses Feuer, da sie zwangkirre
und furchtsam werden.

4. Tarandus. Das Rennthier. C. cornibus
ramosis teretibus, summitatibus palmatis
. *

Das Rennthier ist in der ganzen nördlichen
Erde zu Hanse, hält sich den Sommer durch im
Gebürge und Wald, im Winter hingegen mehr
in Ebnen auf; kann aber in wärmern Gegen-
den nicht ausdauern. Es giebt wenig Geschöpfe
in der Natur, die so wie das Rennthier, fast alle
Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen im Stan-
de wären, und doch sind es blos die Lappländer,
die die Vortheile dieser Thiere in ihrem ganzen
Umfange zu benutzen verstehn. Sie nähren sich
von ihrem Fleisch und Milch, kleiden sich in ihre
Felle, und beziehn ihre Schlitten und Zelte damit;
brauchen sie zum Lasttragen und zum Zug, verfer-
tigen allerhand Geräthe aus ihren Hörnern, Ra-
deln aus ihren Knochen, Faden aus ihren Sehnen,
und Beutel und Flaschen aus ihrer Harnblase.
Die Rennthierbutter ist unschmackhaft, der Käse
aber desto delikater. Das Rennthier ist bey allem
dem überaus wohlfeil zu ernähren; es lebt von dür-
rem Laub, und vorzüglich von Rennthier-Moos,
das es unter dem Schnee hervorscharrt.

5. †. Elaphus. Der Hirsch. C. cornibus ra-
mosis totis, teretibus recurvatis
. *

Ein prächtiges schlankes Thier, was eine schö-
nere Taille als alle vorige Gattungen hat, und
sich so wie das Reunthier in der ganzen nördli-
chen Erbe, doch mehr in wärmern Zonen auf-
hält. Der Hirsch schlägt sich im Hornung sein
Geweihe ab, das sich nachher wieder reproducirt,
und im August wieder völlig hart, ausgewach-
sen, und noch größer und vielendiger, als das ab-
[Seite 125] geworfne ist. Die Zahl der Enden an den Hirsch-
geweihen richtet sich nicht genau nach dem Alter
des Thiers. Im vierten Jahre ist es sechsendigt,
und nach dem achten Jahre ist die Anzahl der En-
den unbestimmt. Die grösten Geweihe sind von
64 Enden. Was man vom erstaunlich hohen Al-
ter der Hirsche sagt, ist Fabel; er wird ungefähr
30 Jahre oder etwas drüber alt. Die Brunstzeit
dieses Thiers ist im September, und dauert wohl
sechs Wochen lang. Das Männchen spürt sei-
nen Weibgen, mit vorhängendem Kopfe, wie ein
Hund nach, und weis genau die Stellen wieder
zu finden, wo es in vorigen Jahren die Freuden
der Liebe genossen hat. Treffen sich mehrere bey
einer Geliebten, so entstehen blutige Gefechte, wo-
bey sie zuweilen einander spiessen, oder sich so fest
mit den Geweihen in einander versperren, daß sie
nicht wieder von einander können, sondern auf
dem Wahlplatz verhungern müssen. Sie lassen
sich doch zähmen, und wurden von spätern Römi-
schen Kaisern zum Zug gebraucht. Zum reiten
taugen sie hingegen gar nicht, sie werden scheu
und unbändig, und es war ehedem die unmensch-
liche Strafe für Wilddiebe, daß sie auf Hirsche
geschmiedet, und so bey der Flucht dieser scheuen
Thiere im Gehölze allmählig in Stücke zerrissen
wurden.

6. †. Capreolus. Das Reh. C. cornibus ra-
mosis, teretibus, erectis, summitate bifida
. *

Das Reh ist in Europa und Asien zu Hause,
hat in der Bildung viel vom Hirsch, nur ist es
kleiner, lebt doch eben so in Wäldern, zieht auch
truppweise, ist eben so munter und flink, und läßt
sich doch noch leichter zähmen. Der Rehbock wirft
sein Geweihe, das oft ganz sonderbar und mon-
streus gebildet ist, nicht wie der Hirsch im Hor-
[Seite 126] nung, sondern im Herbst ab, und seine Brunst
fällt in den December.

32. moschvs. Cornua nulla. Dentes la-
niarii superiores solitarii exserti
.

Rozier, obs. et mém. sur la physique, T.
I. p. 63.

1. Moschiferus. Das Bisamthier. M. fol-
liculo umbilicali
.

Das Bisamthier lebt einsam in den Schwarz-
wäldern und bergichten Gegenden von Tibet und
dem südlichen Sibirien. Das Männchen hat in
der Nabelgegend einen Beutel von der Größe ei-
nes Hünereys, worum sich, zumal in der Brunst-
zeit ein braunes schmierichtes Wesen, nemlich der
Müsk sammlet, der ehedem mehr als jetzt zum
Parfüm, aber wegen seiner ungemeinen Heil-
träfte desto häufiger als Arzney gebraucht wird.
Der beste Bisam ist der, den sich das brünstige
Männchen selbst an Steinen oder Bäumen aus-
reibt, dessen frischer Geruch aber so unglaublich
stark ist, daß man ihn mit verbundner Nase ein-
sammlen muß, wenn man nicht zu ersticken riski-
ren will.

2. Pygmaeus. Das kleine Guineische Reh-
gen. M. supra fusco-rufus, subtus albus,
ungulis succenturiatis nullis
. *

Seba, thes. I. tab. XLV. fig. I.

Das kleinste Thier dieser Ordnung. Es ist in
Ostindien und auf Guinea zu Hause, aber über-
aus zärtlich, und kann daher sehr selten nach Eu-
ropa gebracht werden. Bey der sehr geringen
Größe hat es doch die schlankste schönste Taille
von der Welt; die ganzen Beine des Thiergens
sind kaum einen kleinen Finger lang, von der Dicke
[Seite 127] eines Pfeifenstiels, und werden mit Gold beschla-
gen, und zu Tobacksstopfern gebraucht.

33. sus. Rostrum truncatum, prominens,
mobile.

1. †. Scrofa. das Schwein. S. dorso setoso,
cauda pilosa
. *

Das wilde Schwein ist nur wenig vom zah-
men verschieden. Es hat eine längere Schnauze,
kürzere aufrechte Ohren, grössere Fangzähne, kei-
nen Speck, und ist fast immer von schwarzgrauer
Farbe. Doch variirt auch die Farbe des zah-
men Schweins weniger als bey andern Hausthie-
ren. Es sind wenige Thiere so allgemein fast
über die ganze Erde verbreitet als das Schwein,
und einige Völker ausgenommen, welche aus Re-
ligionsprincipien, die sich doch auf medicinische
Ursachen gründen, kein Schweinfleisch essen dür-
fen, wird es, seit den ältesten Zeiten, und un-
ter allen Himmelsstrichen verspeist. Das Schwein
bat einen ungemein scharfen Geruch, ist von
phlegmatischem Temperament, sehr unreinlich, und
zumal in der Wahl seiner Nahrungsmittel nichts
weniger als delicat. Gegen die Weise anderer
Thiere macht hier das Männchen den Spröden,
und läßt sich erst nach langen zärtlichen Liebko-
sungen des Weibgens zum Liebesgeschäft willig
finden. Das Weibchen ist überaus fruchtbar,
und wirft unter allen Thieren mit gespaltenen
Klauen die mehresten Jungen. In Schweden und
Ungern findet sich eine Spielart von Schweinen
mit ungespaltenen Klauen, die schon den Alten
bekannt war.

2. Tajassu. das Nabelschwein, Bisam-
schwein. S. cauda nulla, folliculo moschi-
fero ad coccygem. *

[Seite 128]

Tyson, philos. Transact. N. 153. p. 359.

Dieses Thier findet sich in den wärmsten Ge-
genden von Südamerica, wo es sich heerdenwei-
se in den Gebürgen, und dichten Wäldern auf-
halt. Es ist viel reinlicher als unser Schwein,
närt sich aber auch wie dieses, von Wurzeln, klei-
nen Thieren, und besonders von Schlangen. Das
Fleisch des Nabelschweins ist eßbar und schmack-
haft, doch muß man ihm, so bald es getödtet
worden, den Rückenbeutel ausschneiden, weil sonst
das ganze Thier mit dem heftigen Bisamgeruch
durchzogen wird, und dann nicht zu geniessen ist.

3. Babirussa.*) der Schweinhirsch, Hirsch-
eber. S. dentibus laniaribus superioribus
maximis, arcuatis
.

Seba, thes. I. tab. 50. fig. 2.

Dieses Thier hält sich in den Molukkischen In-
seln auf, und hat, wie schon sein Name an-
zeigt, in seiner Bildung einige Aenlichkeit vom
Hirsch. Es lebt am Wasser, und kann sehr ge-
schickt schwimmen und untertauchen. Es hält
schwer, zu bestimmen, wozu dem Hirscheber die
fast cirkelförmigen grossen Eckzähne des Oberkie-
fers dienen mögen? Etwa um Zweige von den
Bäumen damit herabzuziehen, von deren Laub
er sich nährt, oder auch, wie man vorgiebt,
um sich damit an die Aeste halten, und ausru-
hen zu können.

X. BELLUAE.

[Seite 129]

Grosse, dem Ansehn nach plumpe Thiere
mit dicken Füssen, und starkem, aber dünnbehaar-
tem Fell.

34. tapir. Habitus suillus, juba cervicalis,
palmae ungulis
IV. plantae ungulis III.

1. Suillus. das Wasserschwein, Anta. T. auri-
culis ovalibus, rostro spithamaeo retractili.

Buff. h. n. additions par M. Allamand, tab.
IX. X.

Der Tapir ist das größte Landthier der neuen
Welt, ohngefähr von der Statur eines mittel-
mäßigen Ochsen. Er ist fast im ganzen Süd-
amerika zu Hause, und macht füglich den Ueber-
gang vom Schweinegeschlecht zu den Belluis.
Der Kopf und die Schenkel sind wie beym
Schwein; der Rüssel fast wie am Elephanten,
nur kürzer und ohne die hackenförmige Spitze;
und endlich hat das ganze Thier auch mit dem
Nilpferd viel änliches. Der Tapir lebt in Ge-
sellschaft, liegt am Tage in sumpfichten Wäl-
dern verborgen, und geht nur des Nachts seinen
Geschäften nach. Er geht gern ins Wasser,
schwimmt sehr gut, nährt sich von Zuckerrohr,
und andern Vegetabilien, ist aber bey seiner be-
trächtlichen Grösse doch zärtlich und furchtsam.
Sein Rüssel ist ganz beweglich, wie beym Ele-
phanten, und er weiß sich desselben mit vie-
lem Geschick zum Aufheben, Abreisen und An-
fassen zu bedienen.

[Seite 130]

35. elephas. proboscis longissima, prehen-
filis, dentes laniarii superiores elongati.

1. Maximus. der Elephant.*) E. palmis
plantisque pentadactylis
. *

P. Gillii nova descriptio elephanti, ad cal-
cem Aeliani de h. anim. Lugd.
1565. 8.
P. 497-525.

(Fr. Serno) opuscoli di fisico argumento.
Napol
. 1766. 4. p. 1-62. tab. 1.

Wer je einen Elephanten lebendig gesehen, oder
sich mit seiner Geschichte bekannt gemacht hat,
muß gestehen, daß er, nächst dem Menschen, ohne
Widerrede das merkwürdigste Geschöpf auf Erd-
boden ist. Er findet sich im mittlern Africa und
im südlichen Asien, und ist das größte von allen
Landthieren. Ein erwachsener Elephant ist wohl
funfzehn Fus hoch, und ein ganz junger von
vierzehn Jahren, den Peiresc 1631 zu Aix wie-
gen lies, hielt fünftehalbtausend Provenzer Pfund.
Seine Haut ist harsch, voller Schrammen, aber
stark, aus dem Rücken fast Daumens dick, und
Hey alle dem selbst gegen Insectenstiche empfind-
lich. Gewönlich sind die Elephanten von grauet
Farbe, die röthlichen und zumal die ganz weis-
sen sind äusserst selten, und man hat in Pegu
und Siam über den blosen Titel eines Königs
vom weissen Elephanten blutige Kriege ent-
stehen gesehen. Die Augen des Thiers sind klein,
matt, aber sprechend; seine Ohren hingegen de-
sto grösser, und bey drey Spannen lang. Das
Hauptorgan des Elephanten ist sein Rüffel, der
ihm zum Athemholen, zum Riechen, zum Brül-
[Seite 131] len, zum Wasserschöpfen, sein Futter damit zu
fassen und ins Maul zu stecken, zum Gefechte,
und zu tausend unbegreiflich künstlichen Verrich-
tungen, statt der Hände dient. Er kann ihn drey
Ellen lang ausstrecken, und bis zu einer Elle wie-
der einziehen. Am Ende ist der Rüssel, wie mit
einem biegsamen Haken versehen, und hiermit
kann er Knoten aufknüpfen, Schnallen auflösen.
mehrere Stücken Geld mit einem mal aufheben,
Schlüssel an Thüren aufdrehen, kleine Blümchen
abreissen u.s.w. Wenn er durchs Wasser schwimmt,
trägt er den Rüssel immer in der Höhe, und im
Schlaf drückt er die Mündung desselben auf
den Boden, damit ihm, wie schon Pli-
nius richtig bemerkt hat, nicht Mäuse hinein
kriechen können. Das Gehirn des Elephan-
ten ist nach Proportion ungemein klein, und
widerlegt also die schöne Hypothese von der
verhältnismäßigen Grösse des Gehirns der Thiere
mit ihren Geistes-Kräften. Er hat starken Ap-
petit, und man rechnet, daß ein Elephant täg-
lich so viel frißt, als dreißig Neger verzehren
können. Seine Nahrung ist blos vegetabilisch,
und besteht aus Laub der Bäume, aus Reis und
andern Gräsern. Er halt sich gern in sumpfich-
ten Gegenden und am Wasser auf, und schwimmt
mit ungemeiner Leichtigkeit selbst durch die schnell-
sten Ströme, wie schon Hannibals Elephanten
in der Rhone gezeigt haben. Die Fortpflanzung
dieser Thiere ist noch der dunkelste Theil ihrer
Geschichte. Mit dem Verlust der Freyheit resi-
gniren sie auf allen Genuß der Liebe; sie begat-
ten sich blos in öden einsamen Wäldern, und da
sie zur Brunstzeit fürchterlich wild werden, so
ist die Gelegenheit eben so gefährlich als selten,
[Seite 132] ihre ehelichen Geschäfte beobachten zu können.
Doch will man neuerlich gesehen haben, daß sie
sich, gegen die Muthmaßung der Alten, wie die
mehreren übrigen Säugthiere bespringen. Ohn-
gefähr im dritten, vierten Jahre kommen die
zwey grossen Eckzähne bey beiden Geschlechtern
zum Ausbruch, die das Elfenbein geben, aber
in ihrer Lage und Struktur von den Zähnen an-
derer Thiere abweichen, und eher einige Aen-
lichkeit mit Hörnern haben. Sie werden, wenn
sie ausgewachsen sind, abgesägt, und wiegen bey
grossen Elephanten zusammen wol drey Centner
und drüber. Das Alter dieser Thiere ist nicht ge-
nau zu bestimmen; warscheinlich erstreckt sichs
über zweyhundert Jahre. Man fängt die Ele-
phanten durch zahme abgerichtete Weibchen, de-
neu die wilden folgen, und so von ihnen in be-
sonders dazu eingerichtete Ställe gelockt werden.
Nach einer achttägigen Melancholie fangen sie an,
ihres Schicksals zu gewohnen, die Herrschaft des
Menschen zu erkennen, und sich allmälig zur Alb-
richtung zu bequemen. Die ganz unbegreifliche
Gelehrigkeit*) eines Thieres von einer so unge-
heuren plumpen Körpermasse, was noch dazu
nicht in langen Generationen als Hausthier ge-
zogen wird, sondern immer erst aus der Wildnis
gefangen werden muß, rechtfertigt den Vorzug
den wir ihm beym Anfang seiner Geschichte zu-
gestanden haben. Man hat dieses Talent des
Elephanten zum Nutzen und zur Unterhaltung
mannichfaltig zu benutzen gewust. Die müßigen
Römer lehrten das schwerleibige Thier auf dem
[Seite 133] Seile tanzen, Worte schreiben, sich krank stellen,
und sich so von vier andern in der Sänfte tra-
gen lassen etc. In alten Zeiten bediente man sich
der Elephanten häufig im Krieg; man setzte ih-
nen Thürme mit Mannschaft ans den Rücken,
panzerte sie*) und bewaffnete ihre Seiten mit
Sensen. Die Erfindung des Schiespulvers hat
sie aber zu diesem Gebrauche untauglicher ge-
macht, da sie beym Feuer und Dampf scheu wer-
den, und gegen ihre eigenen Heere wüten würden.
Am häufigsten nuzt man sie also jetzt zum Lasttragen,
da sie wol vierzig Centner zu schleppen, und die
größten Transporte Berge hinauf zu wälzen, im
Stande sind. Ihr Gang ist schnell, einem kur-
zen Galopp gleich, und dabey so sicher, daß sie
auf ungebauten Wegen doch nicht straucheln, und
mit der größten Vorsicht, den Menschen, die
ihnen unversehens begegnen, ausweichen, oder
sie behutsam bey. Seite heben, und dann ihren
Lauf fortsetzen. Ein anderer wichtiger Nutzen, den
man vom Elephanten zieht, ist das Elfenbein,
das man seit dem Trojanischen Kriege**) zu
Kunstwerken aller Art verwandt hat. Das Fleisch
des Thieres ist schmackhaft, und gleicht dem be-
sten Rindfleische. Sein getrockneter Mist wird
auf Ceilan statt Kohlen gebrannt, und auch von
Töpfern unter den Thon gemengt.

[Seite 134]

36. rhinoceros. Cornu solidum, coni-
cum, naso infìdens.

1. Rugosus. Das Nashorn. R. ungulis tri-
bus.

B. S. Albini tabulae musculorum corp. hum.
tab.
IV et VIII. von Wandelaar.

Ein Blatt von J. E. Ridinger, 1748.

Das Nashorn hat einerley Vaterland mit dem
Elephanten, änelt ihm auch in seiner Nahrung
und Lebensart, ist aber ein unendlich dümmeres
Geschöpf, was weder durch gelinde Behandlung,
noch durch Zwang, zu irgend einer von den mannich-
faltigen, eben so nutzbaren als künstlichen Handlun-
gen des Elephanten abgerichtet werden kann. Es ist
ein ziemlich phlegmatisches Thier, was ungereizt
nicht leicht Menschen anfallen wird, aber in der
Wuth, zumal wenns verwundet worden, fürch-
terlichen Gebrauch von seinem Horne zu machen
weist. Am Ende der Oberlippe hat das Nashorn
einen spitzigen schnabelförmigen sehr beweglichen
Haken, dessen es sich zum Anfassen und Aufhe-
ben kleiner Dinge doch ganz geschickt bedient.
Sein Fell ist gefaltet, harsch, runzlicht, und das
sonderbare Ansehen, das es dadurch erhält, ist in
den Zeichungen der ältern Maler, selbst in Dürers
seiner noch übertrieben, und das ganze Thier wie
mit Schilden behängt, vorgestellt worden. Das
Hörn sitzt bey ihm nicht wie andre Thierhörner
am Knochen fest, sondern ist blos mit der Haut
verwachsen. Es wird nicht wie Hirschgeweihe
von Zeit zu Zeit abgeworfen, sondern perennirt.
Beym erwachsnen Nashorn wird es wohl drey
Fuß lang, ist von faserichter Struktur, an der
Wurzel gleichsam behaart, und endigt sich in eine
scharfe Spitze, die aber bey gefangnen Rhinocern
[Seite 135] abgescheuert und das ganze Horn kurz abgestümpft
wird. Die Stimme des Thiers gleicht dem Grün-
zen eines Schweins. Daß es mit dem Elephan-
ten im ewigen Streit lebe, ist ein irriges Vorge-
ben; es ist viel zu ohnmächtig dazu, und es flieht
vor dem Elephanten, der über Nashorn und Ti-
ger Herr wird, und der ausser dem Menschen
und der Maus kein anders Thier fürchten darf.
Man hat auch Rhinocer mit zwey Hörnern, de-
ren schon die Alten*) gedenken, und die auch auf
Münzen**) vorgestellt sind. Sie sind aber wei-
ter in nichts vom gemeinen Nashorn verschieden,
und für eine blose Spielart von diesem anzusehn.
Das zweyte Horn ist kleiner, und sitzt hinter dem
erstern nach der Stirne hinauf.

37. hippopotamus. Dentes primores supe-
riores remoti, inferiores procumbentes; la-
niarii inferiores recurvati, oblique truncati.

1. Amphibius. das Nilpferd, Wasserschwein.
H. pedibus tetradactylis.

(Allamand) Additions à l'histoire natu-
relle de l'hippopotame.
1776. 4. tab. I.

Ein äusserst plumpes, misgestaltes Thier, mit
einem unförmlich grossen Kopf, ganz ungeheurem
Rachen, dickem Leibe, kurzen Beinen etc. Es
lebt im nördlichen Africa, zumal in Aegypten,
hält sich besonders am Nil auf, dessen Symbol
es auf alten Kunstwerken vorstellt, und macht,
da es schnell und leicht schwimmt, die Fahrt auf
diesem Flusse gefährlich; doch scheut es das Feuer,
das deshalb zur Vorsicht auf den Schiffen unter-
[Seite 136] halten wird. Ein erwachsenes Nilpferd wiegt
drittehalbtausend Pfund, und hat ohngefähr die
Grösse vom Rhinocer. Es macht sein Lager in
dickem Schilf, nährt sich von Vegetabilien und
Fischen, frißt viel, und thut daher den Reisfel-
dern grossen Schaden. Das Fleisch des Thiers
ist schmackhaft. Die spätern Römischen Kaiser
haben oft Nilpferde zur Schau nach Rom kom-
men lassen, und wir haben numos seculares der
Ottacilla Severa vor uns, worauf dieses Thier
besser als von den mehresten neuen Künstlern,
abgebildet ist.


XI. PALMATA.

Die Säugthiere mit kurzen Schwimmfüs-
sen. Sie zerfallen, nach der Bildung dieser Füsse
und ihrem Aufenthalt, wieder in zwey Familien:
a) mit deutlichen Zehen an den Füssen, die nur
durch eine Schwimmhaut unter einander ver-
bunten, und daher zum Rudern geschickt sind:
b) mit plumpen Füssen und undeutlichen Zehen,
deren Spur fast blos durch die Krallen sichtbar
wird. Jene halten sich in süssen Wassern, diese
in offenbarer See auf.

a) lacustria.

38. castor. Pedes tantum postici palmati.

1. †. Fiber. der Biber. C. cauda depressa, ova-
ta, squamosa.

J. E. Ridinger, Entw. ein. Th. N. 84.

[Seite 137]

La Hontan, Memoires de l'Amer. septentr.
T
. III.

Der Biber lebt in der nördlichen Erde, am
liebsten in einsamen Gegenden an Teichen und
grössern Flüssen. Er geht zu Nachtzeit seinen
Geschäften nach, und nährt sich von Baumrin-
den, zu deren Verdauung sein Magen ganz be-
sonders eingerichtet, und gleich beym Eingang
mit grossen Schleimdrüsen besetzt ist. Der
Biber wirb wegen seiner feinen Haare für die
Handlung, und für die Arzneykunst wegen einer
schmierichten Substanz wichtig, die sich bey bei-
den Geschlechtern in besondern Behältern unterm
Schwanze findet, und die unter dem unschickli-
lichen Namen Bibergeil, als eins der wirksam-
sten Heilmittel verbraucht wird. Was aber die,
se Thiere, zumal für die Naturgeschichte, noch
bey weitem merkwürdiger macht, sind die erstaun-
lichen Kunsttriebe mit welchen sie, besonders in
den grossen Strömen von Nordamerica, ihre
Wohnungen anlegen. Unsere Europäischen Bi-
ber bauen zwar auch, allein da sie meist isolirt,
höchstens nur wenige beysammen leben, so sind
ihre Gebäude kleiner, zerstreut, meist un-
term Wasser, und nicht so ins Grosse gehend,
als der Biber in Canada ihre, die sich im Früh-
jahr zu hunderten an den Ufern der Seen und
Flüsse versammlen, und dann mit vereinten Kräf-
ten Wohnungen aufführen, die Menschenkunst be-
schämen, und bey deren Besitz ein Californier
oder Feuerländer glücklich seyn würde. Sie fäl-
len Bäume, behauen sie zu Pfälen, schleppen
Steine, Thon etc. zusammen, führen grosse Däm-
me auf, und bauen dann erst ihre eigentlichen
Wohnhütten dahinter, die von ovaler Form sind,
und den Kralen der Hottentotten äneln. Sie sind,
[Seite 138] nach der verschiedenen Stärke der Familie die
sie beziehen soll, auch von verschiedener Grösse,
von vier bis zehn Fuß im Durchschnitt, und die-
nen vier bis zwanzig und mehrern Bibern zum
Aufenthalt. Jedes Haus hat meist eine doppel-
te Oeffnung. von denen die eine ins Wasser, die
andere ans Ufer führt. Die ganze Wohnung wird
überaus reinlich gehalten, und die Biber entle-
digen sich sogar ihres Unraths nur ausser dem
Hause. Unterm Wasser legen sie Magazine an,
und sammeln schon bey Gelegenheit ihres Baues
die abgenagten Blätter und Rinden zu Winter-
vorrath. Im Herbst und Winter halten sie sich
häuslich, begatten sich, und erziehen ihre Jun-
gen, mit denen sie aber bey annahendem Früh-
ling ihre Wohnungen bis auf den wärmern Som-
mer verlassen, und die Zwischenzeit tiefer im Land,
im Gehölze zubringen, und sich bey saftigen Rin-
den und Knospen wohl seyn lassen.

39. lvtra. Plantis palmisque natatoriis.

1. †. Vulgaris. Die Fischotter. L. plantis
nudis, cauda corpore dimidio breviore
.

J. E. Ridinger, Vorst. ein. Th. N. 82. 83.

Die Fischotter und der Biber haben einerley
Vaterland, einerley Aufenthalt, auch überhaupt
in ihrer Oeconomie vieles mit einander gemein,
ob sie wol, die Fuße ausgenommen, in ihrem übri-
gen Körperbau verschieden gebildet sind. Der
Biber hat lange Vorderzähne wie das Eichhorn,
um Bäume fallen und benagen zu können. Die
Fischotter hingegen, die fast blos von thierischer
Nahrung, von Fischen, Krebsen und Fröschen lebt,
und nur im Nothfall ihren Hunger mit Baum-
rinden stillt, hat ein fleischfressendes Gebiß, was
[Seite 139] der Wiesel und Marder ihrem gleicht. Sie
schleicht des Nachts am Ufer umher, um ihren
Raub aufzuspühren, stürzt sich, sobald sie ihn merkt,
ins Wasser, wo sie, so wie unterm Eise, lang ver-
weilen kann, verzehrt ihn aber im trocknen. Sie
baut bey weitem nicht so künstlich, wie der Biber,
sondern gräbt sich blos in hole Ufer, hat ihren
Eingang unterm Wasser, und läßt nur ein kleines
Luftloch oben über der Erde.

2. Marina. Die Meerotter. L. plantis pi-
losis, cauda corpore quadruplo breviore.

Steller, nov. Comm. Petrop. T. II. tab. XXVI.

Die Meerotter hat ihren Namen daher, weil sie sich
auch zuweilen in der See finden läßt, doch ent-
fernt sie sich nicht weit vom Lande, und zieht sich
allemal lieber in Flüsse und andre süße Wasser.
Sie ist in Nordamerika und Sibirien, besonders
um Kamtschatka, zu Hause. Sie hat ein kostba-
res schwarzes oder silbergraues sammtartiges
Fell, was zumal von den Chinesern geschäzt und
aufgekauft wird. Ihre Hinterfüße äneln schon
denen von der folgenden Familie.

b) marina.

40. phoca. Pedes postici exporrecti, digiti
coaliti.

1. Vitulina. Der Seehund, Robbe, das See-
kalb. P. capite laevi, auriculis nullis, cor-
pore griseo
.*

B. S. Albini annot. academ. L. I. tab. VI.
von Wandelaar.

Der Seehund ist in der ganzen nördlichen Erde
zu Hause, hält sich im Sommer mehr auf dem
Lande, im Winter in der See auf, und versteigt
[Seite 140] sich nur selten in die Mündung der Flüsse. Er
lebt, wie andre Gattungen dieses Geschlechts, von
Seetang, doch auch von Fischen und vorzüglich
von Häringen. Er ist für die Kamtschadalen und
besonders für die Grönländer und Esquimaux,
ein äusserst wichtiges Geschöpf: sie nähren sich
von seinem Fleisch, kleiden sich in sein Fell, be-
ziehn ihre Sommerhütten und Baidar damit etc.
Auch werden viele Felle in Europa zu Cofferbe-
schlägen verbraucht.

2. Ursina. Der Seebär. P. capite auriculato.
Steller l. c.

Der Seebär findet sich im Sommer Heerden-
weise auf den Inseln des Anadirskischen Archipe-
lagus, von denen er sich im Herbst wieder entfernt,
und vermuthlich in südlichen Zonen überwintert.
Er lebt in Monogamie, und jedes Männchen
hält sich wohl ein Serail von dreysig bis vierzig
Weibgen, die es mit vieler Eifersucht bewacht,
und grimmig gegen seine Rivale zu behaupten
sucht. Die Männchen tyrannisiren gegen ihre
Weibgen, zumal wenn diese in der Sorge für die
Jungen etwas versehn haben, und diese sollen
sich mit thränenden Augen, zu den Füssen ihres
Gatten, wieder in seine Gunst einzuschmeichlen su-
chen. Die alten kraftlosen Seebären entfernen
sich aus der Gesellschaft ihrer Brüder, von denen
sie keine Hülfe zu erwarten haben, und bringen
den traurigen Rest ihrer Tage ganz einsam am
Ufer mit Hungern und Schlafen zu.

3. Leonina. Der Seelöwe. P. capite antice
cristato.

Anson's Voyage tab. XIX.

Ein großes Thier, was wohl zwanzig Fus lang
wird, und wegen der fleischichten Lappen im Ge-
[Seite 141] sicht ein sonderbares Ansehn hat. In seiner Le-
bensart hat der Seelöwe viel vom Seebären, hält
sich aber blos in der südlichen Hemisphäre, zu-
mal im stillen Meere auf.

41. trichecvs. Pedes posteriores in pin-
nam coadunati.

1. Rosmarus. Das Wallroß. T. dentibus
laniariis superioribus exsertis longioribus
.

Das Wallroß lebt gesellschaftlich beym Treibeis
des Nordpols: oft finden sich hundert und meh-
rere beysammen. Sie nähren sich von Seetang
und Schaalthieren, die sie mit ihren großen Vor-
verzähnen loskratzen. Wenn sie landen wollen,
hauen sie die Eckzähne mit vorgestrecktem Kopfe
ins Ufer, und schleppen den plumpen Körper all-
mählig nach.

2. Manatus. Die Seekuh. T. dentibus la-
niariis inclusis.

Clusii exotica p. 134.

Die Seekuh findet sich in den Meeren der
wärmern Erde, und hält sich nur in kleinen
Familien, nicht in so grossen Schaaren wie die
vorigen Gattungen, zusammen. Die Lapides
manati
sind keine Gehörknochen dieses Thiers,
sondern seine Pauke. In der Bildung weicht
der Manate noch mehr als die andern Palmata.
von den übrigen Säugethieren ab, und änelt
schon gar sehr den Thieren der folgenden letzten
Ordnung.

XII. CETACEA.

[Seite 142]

Wir brauchen die Gründe nicht wieder ab-
zuschreiben, warum die Thiere dieser Ordnung,
ihrer ganzen Oeconomie nach zu den Säugthie-
ren, und bey weitem nicht zu den Fischen ge-
rechnet werden müssen.

42. monodon. Dentes duo maxillae superio-
ris longissimi, recti, spirales.

1. Narhwal. das See-Einhorn. D. fistulis re-
spiratoriis duabus, confluentibus.

Ruysch, thef. anatom. IX. tab. V. fìg. 5.

Der Narhwal hat allerdings zwey lange pa-
rallele Zähne, und sollte folglich nicht monodon,
monoceros
oder Einhorn genannt werden. Er
hat einerley Vaterland mit den eigentlichen Wall-
fischen, und zieht mehrentheils vor ihnen her.
Wenn viele beysammen sind, versperren sie sich
mit den Zähnen Unter einander, und können dann
leicht gefangen werden. Man verarbeitet die
Zähne wie Elfenbein zu Kunstsachen, und die
Grönländer brauchen sie in Ermangelung des Hol-
zes zu Sparren unter ihren Hütten. Sie find
meist eben so lang, als der Körper des Thiers,
und halten wohl achtzehn Fus und drüber.

43. balaena. Laminae corneae, loco den-
tium superiorum.

1. Mysticetus. der gemeine Grönländische
Wallfisch. B. fistulis respiratoriis duabus,
distinctis, dorso impinni.

[Seite 143]

P. P. v. S. seldsaame Wal-vis-vangst. Leid.
1684. mit sehr exacten Kupf.

de Bry, India orient. T. IV. tab. 4.

Der Wallfisch, das größte aller bekannten Thie-
re, ist gegen den Nordpol, besonders um Grönland
und Spitzbergen herum, zu Hanse. Die größ-
ten, die heutiges Tages gefangen werden sind
sechzig bis siebenzig Schuh lang, in vorigen Zei-
ten aber, da ihnen noch nicht so häufig nachge-
stellt worden, hat man welche von hundert Fus
und drüber, gesehen. Der ungeheure Kopf macht
beynahe die Hälfte des ganzen Thiers aus. Das
Fell des Wallfisches ist schwarz, Daumen dick,
hin und wieder dünnbehaart, und oft mit Pflan-
zen, Corallen und Muscheln besetzt. Der beste
Fang ist um Spitzbergen, der in Stra-Davis hinge-
gen unbeträchtlich. Das wichtigste am Walisisch
sind die 700 Barden im Oberkiefer, die das
Fischbein geben, und von denen die mittelsten
wohl zwanzig Fus lang sind. Der Fischthran
wird aus dem Specke des Thiers gezogen. Der
beste ist der, welcher von selbst auslauft; der nach-
her noch ausgekochte ist schlechter. Die beyden
Knochen der Unterkinnlade, die allein ein halb
Quarteel solches reinen Thrans enthalten, wer-
den, wenn dieses ausgelaufen ist, in Grönland
und Holland zu Thorwegen aufgerichtet, auch
wohl zu Bänken und Kirchstülen gebraucht etc.
Das Fleisch des Wallfisches ist eßbar, aber hart
und thranicht; der Schwanz ist noch am schmack-
haftesten. Aus ihm und aus den Finnen wird Leim
gekocht, und die Sehnen brauchen die Grönlän-
der statt Faden. Der beste Fang ist im May
und Junius, wo die Wallfische oft in solcher
Menge beysammen sind, daß sie wegen der Fon-
tainen, die sie aus ihren Nackenlöchern blasen, in
[Seite 144] der Ferne einer großen Stadt mit rauchenden
Schornsteinen äneln. In der Breite vom 77 bis
79 Grad kann man um die Zeit zuweilen auf
vierthalbhundert Schiffe, von allerhand Nationen,
jedes mit fünf bis sechs Schaluppen, zälen, die in
einer Zeit von zwey Monaten leicht zwey tausend
Wallfische fangen können.

2. Physalus. Der Finnfisch. B. pinna dorsali.
P. P. v. S. l. c.

Er ist eben so lang, aber schmaler als das vo-
rige Thier. Er schlägt auch heftiger mit dem
Schwanze, und ist daher gefährlicher zu fangen.
Sein Fleisch ist schmackhafter, als das vom Wall-
fisch, hingegen die Barden kürzer und knoticht,
auch der Speck schlechter.

44. physeter. Dentes in maxilla inferiore.

1. Catodon. Der Wittfisch, Weißfisch. P.
dorso impinni, fistulis duabus, coalescenti-
bus, in rostro.

Hat den Namen von seiner Farbe; änelt in
der Bildung dem Wallfisch, hat aber einen spitzi-
gern Kopf; er wird nur 3 Klaffter lang, und
giebt kaum vier Tonnen Thran. Am häufigsten
findet er sich in der Diskobay, und Cranz schreibt
ihm auch Zähne im Oberkiefer zu.

2. Macrocephalus. Der Caschelott, Pottfisch.
P. dorso impinni, fìstulis duabus coalescenti-
bus in fronte.

Er erreicht beynah die Größe des Wallfisches,
hat einen ungeheuern Rachen, und kann Klafter-
lange Hayfische verschlingen. Seine Schnauze
ist sehr breit, und das ganze Thier von conischer
Gestalt. Der Caschelott wird vorzüglich des
[Seite 145] Wallraths (sperma ceti) wegen aufgesucht, was
in der Gestalt eines milchweissen Oels in beson-
dern Canälen, die den Blutbehaltern im Kopfe
anderer Thiere äneln, gefunden wird; und an
der Luft zu einem halbdurchsichtigen Talk ver-
härtet.

45. delphinus. Dentes in maxilla utraque.

1. Phocaena. das Meerschwein, der Braun-
fisch. D. rostro obtuso.

(Tyson's) Phocaena. Lond. 1680. 4. tab.
I. fig. 1.

Das Meerschwein findet sich im Europäischen
Ocean, wird zwey Klafter lang, hat ein leidlich
eßbares Fleisch, und vielen Speck, der auch zu
Thran gekocht wird. Er lebt in Gesellschaft und
zieht sich zumal bey herannahendem Sturm nach
den Schiffen.

2. Delphis. der Delphin, Tümmler. D. ro-
stro longo, acuto.

Der Delphin der Alten, der durch die Ge-
schichte mit Arion, und wegen anderer vorgebli-
chen Proben seiner Menschenliebe, berümt wor-
den ist. Er ist auf den alten Münzen von Gros-
Griechenland sehr genau abgebildet, und wird
von den neuern Zeichnern meist durch einen plum-
pen Kopf verunstaltet. Seine Lebensart ist wie
der vorigen Gattung ihre.

3. Orca. der Nordcaper. Putzkopf. D. ro-
stro sursum repando.

[Seite 146]

Er ist am Nord-Cap und im übrigen Nordi-
schen Ocean zu Hause, und zieht nicht wie
andere Cetacea zu gewissen Zeiten in südliche-
re Gegenden. Er wird zwanzig Fus lang,
und lebt fast blos von Häringen, die er durch
einen Schwung mit dem Schwanze in einen
Wirbel zusammen treibt, und Tonnenweise ver-
schlingt.

xxx

Fünfter Abschnitt.
Von den Vögeln.

[Seite 147]

§. 55.

Die Säugethiere zeigen in ihrer Bildung, in
ihrer Lebensart etc. so viel Verschiedenheit,
daß sich nur wenig Allgemeines von ihnen über-
haupt sagen läßt, und man sich folglich bey
ihrer speciellen Geschichte desto umständlicher zu
seyn gedrungen sieht. Schon bey den Vögeln,
noch mehr aber bey den folgenden Thierclassen
ist der Fall anders. Die Gattungen haben
ausser ihrer Gestalt weniger eigenthümlich Aus-
zeichnendes, und ihre Oekonomie zeigt so viel
Einförmigkeit, daß man, um ewige Wiederho-
lung zu vermeiden, das mehreste im allgemei-
nen Theil zusammen fassen, und blos die ein-
zelnen abweichenden Eigenschaften bey der beson-
dern Anzeige dieser Thiere nachtragen muß.

§. 56.

Alle Vögel kommen in Rücksicht ihrer Bil-
dung darin mit einander überein, daß sie zwey
Füsse, zwey Flügel, einen hornichten
Schnabel, und einen mit Federn bedeckten
[Seite 148] Körper haben. Sie zeichnen sich zugleich durch
diese vier Charactere von allen andern Thieren
aufs kenntlichste aus, und sie sind gleichsam eint
ganz isolirte Classe von Geschöpfen, die mit
keiner andern zusammenstießt, und die daher
mit Mühe in einer Stufenfolge der natürlichen
Körper (§. 7.) unterzubringen ist.

§. 57.

Der ganze Körperbau der Vögel ist ih-
rer Bestimmung zum Fluge angemessen. Ihr
Rumpf ist klein, eyförmig, und in seiner Stru-
ctur gänzlich vom Rumpfe der Säugethiere ver-
schieden. Das Brustbein änelt einer Pflug-
schaar, und dient den Vögeln vorzüglich, die
Lust im Fluge zu durchschneiden. Zu beiden
Seiten des Brustbeins liegen die ausnehmend
grossen und starken Brustmuskeln, die vorzüg-
lich die Flügel bewegen, und die, bey wilden
Vögeln wenigstens, nie mit Fette bedeckt sind,
was sonst der Leichtigkeit im Fliegen und dem
Zweck des Brustbeins hinderlich werden könnte.
Das Rückgrad ist unbeweglich; der Hals
aber dagegen desto gelenker, und dabey in
Verhältniß gegen den übrigen Körper ungemein
lang.

§. 58.

Auch der Kopf der Vögel ist bey den mei-
sten verhältnismäßig klein, daher er ebenfalls
[Seite 149] die Luft leicht durchbohrt, und dadurch den Flug
erleichtert. Ihre Gliedmassen sind überaus
schlank, und fein gebaut, so daß sie nebst dem
ausnehmend geringen Gewicht des ganzen Kör-
pers, der Lebensart dieser Thiere, und besonders
ihrem Aufenthalt und ihrer freyen Bewegung
in dem Elemente, wofür die mehresten bestimmt
sind, vollkommen entsprechen.

§. 59.

Einen vorzüglichen Antheil an der geschick-
ten und leichten Bewegung dieser Thiere haben
die Federn, womit die Vögel, so wie die meh-
resten Säugthiere mit Haaren, oder, wie die
Fische mit Schuppen, bekleidet sind. Man
unterscheidet an einer Feder den Kiel und die
Fahne. Der Kiel ist mit dem untern, dickern und
holen Ende, das die Spuhle genennet wird,
in der Haut befestigt; der obere dünne Theil ist
dicht, und heißt der Schaft (rachis). Die
Fahne besteht aus lauter parallel laufenden und
schichtweise über einander liegenden Fasern, de-
ren jede aber wiederum mit änlichen kleinern Zä-
sergen besetzt ist.

§. 60.

Die Federn sind in regelmäßigen Reihen
(in quincunce) in die Haut der Vögel vermach-
sen, aber zu gewisser Jahreszeit, gewönlich im
Herbste, mausern sich diese Thiere, d.h. es fal-
[Seite 150] len ihnen die Federn von selbst aus, und wer-
den dann (wie die Haare vieler Säugethiere)
neue an ihre Statt reproducirt. Dieses Wech-
seln der Federn scheint viel zum hohen Alter der
Vögel beyzutragen, ist doch aber immer mit
einer kleinen Unpäßlichkeit verbunden; daher
zumal ausländische Vögel in fremden Climaten
leicht zur Mauserzeit sterben, und die einheimi-
mischen Sangvögel wärend der Zeit übel dispo-
nirt und stille sind. Die neuen Federn haben
bey jungen Vögeln oft ganz andere Farbe als die
ausgefallnen; daher man bey Bestimmung der
Gattungen auf das Alter dieser Thiere und auf
die davon abhängende Verschiedenheit in der
Farbe, Rücksicht nehmen muß. In der Kunst-
spräche heißt ein Vogel, der sich noch nie ge-
mausert hat, avis hornotina; wenn er aber Fe-
dern gewechselt hat, avis adulta.

§. 61.

Die Federn variiren unendlich in der Grösse,
Farbe u.s.w. Die stärksten sind in den Fittigen
und im Schwänze. Jene heissen Schwungfe-
dern (remiges), diese Schwanzfedern (rectri-
ces
). Die Schwungfedern sind von unbestimmter
Anzal, nach aussen und nach hinten zu gerichtet,
und bilden gleichsam breite Fächer, womit sich
die Vögel in die Luft heben und fliegen können.
Einige wenige Vögel (aves impennes) wie
die Pinguine etc. haben gar keine Schwungfedern
[Seite 151] und sind daher zum Fluge ungeschickt. Der
Schwanzfedern sind mehrentheils zwölfe: die
Hüner etc. haben achtzehn, die Spechte nur zehn
u.s.w. Einigen Vögeln, wie dem Casuar,
den Tauchergen etc. fehlen sie gänzlich. Die ganz
kleinen weichen Federgen, die zwischen die übri-
gen eingesprengt sind, heissen Pflaumen
(plumae).

§. 62.

Die Federn sind mit vielem Fett durchzogen,
wodurch sie leichter werden, und auch der Nässe
desto besser widerstehen können. Die Vögel ha-
ben auch am Ende des Rückens besondere Fett-
drüsen (uropygium, crissum), aus welchen
sie das Oel mit dem Schnabel auspressen, und
die Federn, besonders in den Flügeln, damit be-
streichen. Dieß thun besonders die Wasservö-
gel, und die kleinen Sangvögel im Fall sie sich
baden wollen, oder wenn sie Regenwetter ver-
Werken. Diese Fettdrüsen werden leicht ver-
stopft, und die Vögel dadurch mit einer Krank-
heit befallen, die die Darre heißt, die zumal
den Sangvögeln leicht tödtlich wird, die aber
doch durch den innern Gebrauch von Eisenrost
und Safran, und am sichersten durch eine klei-
ne Operation am leidenden Theil gehoben wer-
den kann.

§. 63.

[Seite 152]

Die Farbe der Federn ist bey vielen Vö-
geln über alle Beschreibung schön. Sie wer-
den durch die mannichfaltigen Nüancen der Cou-
lenren, durch das Changeant von rothem oder
grünem Golde, durch die theils so hellen bren-
nenden Farben n. s. w. über alle übrigen Thiere
erhoben, unter denen nur etwa manche In-
secten den Vögeln, ihrer körperlichen Schönheit
wegen, an die Seite gesetzt werden dürfen. Die
Natur, die in der Oekonomie der Vögel so viel
sonderbares gehäuft hat, ist auch darinn von
ihrer Regel abgewichen, daß sie die Schönheit
der Farben und einige andere Vorzüge, womit
sie sonst das weibliche Geschlecht unter den übri-
gen Thieren begünstigt, in dieser Classe den
Männchen, und zwar ausschließlich, mitgetheilt
hat. Was wir oben von den organisirten Kör-
pern überhaupt gesagt haben, daß ihre Farben
in kalten Climaten blaß und matt, in heißen
Gegenden hingegen dunkler und höher sind,
findet sich vorzüglich bey den Vögeln bestätigt.
Die allerschönsten Vögel, die Pfauen, Colibri,
Papageyen etc. sind, so wie der Leopard und der
Zebra, wie die schönsten Schmetterlinge und wie
die schönsten Blumen, den heißen Zonen eigen.

§. 64.

Im innern Körperbau und in der Ver-
richtung der Eingeweide haben die Vögel viel
[Seite 153] Gleichheit mit der vorigen Elaste der warmblü-
tigen Thiere. Nur zeichnen sie sich, ausser eini-
gen minder beträchtlichen Verschiedenheiten,
durch besondre Luftbehälter aus, die in ih-
rem ganzen Körper zerstreut, und zum Fluge von
äusserster Wichtigkeit sind. Die mehresten ste-
hen mit den Lungen, andere aber mit dem Maule
in Verbindung, und der Vogel kann sie nach
Willkür mit Luft laden oder ausleeren, je nach-
dem er seinen Körper leichter oder schwerer ma-
chen will. Zu diesen Luftbehaltern gehört vorzug-
lich ein lockres weiches Zellgewebe, was theils
im Unterleibe, theils unter den Achseln und
sonst noch unter der Haut verbreitet ist, und
durchs Einathmen in die Lunge voll Luft gepumpt
werden kau. Ausserdem dienen den Vögeln
auch gewisse markleere hole Knochen, beson-
ders die Schenkelknochen*) und die Schulter-
knochen im Flügel, auch das Rückgrad, das
Brustbein, und manchen auch die Hirn-
schaale, zu gleichen Zwecken. Und endlich
sind auch, nach unsern eignen Untersuchungen
die ungeheuren Schnabel der Pfefferfraße,
Nashornvögel, Papageyen etc. die berühmte Män-
ner**) mit Unrecht für Werkzeuge, des Geruchs
[Seite 154] gehalten haben, ebenfalls nichts anders als der-
gleichen Luftbehälter; und selbst die Federspu-
len stehen mit dem obgedachten lockern Zellge-
webe in Verbindung, und können mittelst des
weichen knorplichten Kanals der in der Spule
liegt (die Seele) gleichfalls mit Luft gefüllt oder
ausgeleert werden.

§. 65.

Durch diese merkwürdigen Luftbehälter, und
durch mannichfaltige andre Einrichtungen im
Körperbau der Vögel, die wir oben angezeigt
haben, werden diese Thiere zum Flug geschickt,
den welchem die Geschwindigkeit sowol als die
lange anhaltende Dauer gleich merkwürdig sind.
Man hat die Schwalben, acht Tage nachdem sie
Frankreich verlassen hatten, am Senegal an-
kommen gesehen; und ein Falke, der König Hein-
richen dem zweyten von Frankreich entflog, ward
am folgenden Tag auf Malta wieder eingefan-
gen; so wie ein andrer Falk in sechszehn Stun-
den von Andalusien nach der Insel Teneriffa
über zweyhundert deutsche Meilen zurücklegte.
Hingegen können verschiedene Vögel, wie der
Straus, der Casuar, die Pinguine und andre
Aves impennes (§. 61) gar nicht, andre aber
doch nicht hoch oder nicht weit fliegen.

§. 66.

Der Aufenthalt der Vögel ist beynahe
eben so verschieden als der Säugethiere ihrer.
[Seite 155] Die mehresten leben auf Bäumen, andre in
Wassern, sehr wenige blos aus der Erde: aber
kein einziger Vogel (so wie der Maulwurf in
der vorigen, und viele Geschöpfe in den beiden
letzten Thier-Classen,) unter der Erde. Die
Bildung der Füsse ist auch bey den Vögeln, so
wie bey den Säugethieren, ihrem diversen Auf-
enthalt angemessen. Die mehresten dieser Thiere
haben freye unverbundne Zehen (aves fissipedes
Taf. II. Fig. 1.) und zwar gewönlich ihrer vier,
wovon drey noch vorn, und der vierte gleich-
sam als Daumen nach hinten gekehrt ist (pedes
ambulatorii
). Oder aber es sind nur zwey Ze-
hen nach vorn, und zwey nach hinten gekehrt
(pedes scansorii); oder der Vogel kann willkür-
lich die eine Zehe bald vorwärts zu den übrigen
zweyen, bald rückwärts zum Daumen schlagen
(digitus versatilis). Bey andern ist auch wol
die mittlere Zehe an die eine Seitenzehe ange-
wachsen (pedes gressorii); oder die Hinterzehe
fehlt ganz (pedes cursorii); oder alle vier Zehen
sind, wie bey der Mauerschwalbe, nach vorn, und
gar keine rückwärts gekehrt; oder die Hinterzehe
ist, wie bey manchen Hünern, doppelt u.s.w.
Bey denen Vögeln, die keine freye Zehen haben,
sind die Zehen entweder nur an der Wurzel
(Taf. II. Fig. 2. pedes semipalmati), oder aber
bis vorn an die Spitze (Taf. II. Fig. 3. pedes pal-
mati
) durch eine Schwimmhaut verbunden;
bey andern sind die einzelen Zehen mit einer lap-
[Seite 156] pichten schmalen Haut, die entweder einen glat-
ten, (Taf. II. Fig. 4. pedes lobati) oder zackich-
ten Rand (Taf. II. Fig. 5. pedes pinnati) hat,
wie mit Franzen eingefaßt.

§. 67.

Sehr viele Vögel verändern ihren Wohn-
platz zu gewissen Jahrszeiten; die meisten zwar
nur in so fern, daß sie nur wenige Meilen weit
in die benachbarten Gegenden streichen, und bald
darauf in ihre alte Heimath returniren; andere
aber so daß sie große Wallfarten, weit übers
Meer und über einen beträchtlichen Theil der
Erdkugel weg, anstellen, und einen großen Theil
des Jahrs in wärmern Zonen zubringen. Diese
Thiere würden nemlich in den rauhen Winter-
monaten wo die ganze organisirte Natur aus-
gestorben zu seyn scheint, unter Hunger und
Kälte erliegen müssen. Ihre Nester würden sie,
zumal bey den entblätterten Bäumen nicht satt-
sam gegen die tödtlichen Folgen des Frostes
schützen; die gefrornen Gewässer, die hart
gefrorne Erde würde sie verhindern, ihrer
Nahrung nachgehn zu können; und da oh-
nedem auch die Insecten sich im Winter ver-
kriechen, und keine Beeren und Körner von
Früchten in dieser Jahreszeit mehr zu se-
hen sind, so müßten unzälige Vögel verhun-
gern, wenn sie nicht vom innern Instinct getrie-
ben, noch vor Einbruch der strengen Kälte, un-
[Seite 157] sere Gegenden verliessen, und bis zur Wider-
kehr der wärmern Tage, südliche Himmelsstri-
che besuchten. Da sie nemlich vorher paarweise
im Gebüsch zerstreuet waren, so werden sie nun
mit einem mal unruhig, fliegen hin und her, ver-
sammlen sich in Schaaren, schicken Bothen aus
um ihre sorglosen vergessenen Mitbrüder, oder
ihre Invaliden folgends zusammen zu treiben.
Und an frischen heitern Herbstmorgen verläßt
denn eine Gattung von Vögeln derselbe n Ge-
gend nach der andern ihr Vaterland, und emi-
grirt nach mildern Erdstrichen. Der Zug
geht in der strengsten Ordnung vor sich. Er-
hat mehrentheils die Gestalt eines scharfen Win-
kels, und der Anfürer, der an der Spitze des
Heers zuerst die Lust gegen Süden durchschnei-
den, und folglich am meisten arbeiten muß,
wird von Zeit zu Zeit durch andere von seinem
Posten abgelößt, und stiegt dann mit weniger An-
strengung einige Zeit in den letzten Gliedern. Zu-
weilen läßt sich der Zug unterweges an bestimmten
Orten, in Feldern, im Wald etc. auch auf den
Inseln des Mittelländischen Meeres und auf
Schiffen, nieder, um Malzeit oder Rasttag
zu halten; bis er denn endlich an dem Ort sei-
ner Bestimmung, in Aegypten, auf Guinea, etc.
angelangt ist. So bald dieß geschehen, zer-
streut sich die Gesellschaft bis aufs Wiedersehen
zur Zeit der Rückkehr im nächsten Frühjahr: je-
der Vogel geht seinem eigenen Beruf, seiner
[Seite 158] Narung nach, nistet aber nicht, begattet sich
nicht, und beträgt sich in allem wie ein Pilger
und Gast, der diese Gegenden zum Besuch und
zur Retirade, aber nicht zum beständigen Auf-
enthalt bewohnt.

§. 68.

Zu Ende des April, oder im Anfang des
Mays, wenn die Schöpfung durch die Früh-
lings-Sonne von neuem belebt zu werden an-
fängt, sieht man diese Emigranten wieder ihrem
Vaterlande und ihrer Heimat zueilen; aber we-
der in so großen noch in so regelmäßigen Zügen
in welchen sie vor einem halben Jahre, abreisten.
Sie fülen, daß die besten Tage im Jahr die Tage
da sie die Freuden der liebe gemessen sollen, für
der Thüre sind; und von diesem Gedanken be-
seelt, trennt sich allmälich ein Pärgen nach dem
andern vom großen Trupp, und flieg: mit ver-
doppelten Kräften zu seinem alten Busch, und
zu seinem alten Neste, um nun vom neuen sein
Haus zu bestellen und die schönen Frühlingstage
zu den ehelichen und ökonomischen Geschäften zu
benutzen. Man hat Störche und Schwalben
vor ihrer Abreise markirt, und weiß daher, daß
jeder Vogel, nach einer Abwesenheit von so vielen
Monaten, in einer Entfernung von so vielen
hundert Meilen, dennoch nicht nur seine Pro-
vinz, sondern sein Dörfgen, sein Strohdach
und seinen Schornstein wieder findet, an dem er
[Seite 159] in vorigen Zeiten seine Wohnung aufgeschlagen
hatte.

§. 69.

Die Nahrungsmittel der Vögel sind
sehr verschieden. Die Raubvögel leben von al-
lerhand andern Thieren; die Wasservögel meist
von Fischen und deren Laich; manche von fri-
schem Fleisch, andere von Aas; sehr viele blos
von Insecten; die mehresten kleinen Vögel aber
von Samen und Kernen der Früchte, von junger
Saat u.s.w. Die Vögel haben keine Zähne, son-
dern müssen ihre Speise entweder mit dem Schna-
bel zerbeissen, oder ganz schlucken. Bey den-
jenigen, die ihren Samen ganz einschlucken, ge-
langen diese doch nicht sogleich in den Magen,
sondern werden vorher im Kropfe, (ingluvies) d.
i. in einem besondern Drüsenreichen Behälter ein-
geweicht, und von da nur allmälig an den Magen
überlassen. Der Magen der fleischfressenden Vö-
gel änelt der Säugethiere ihrem; bey den Sa-
menfressenden ist hingegen dieser Theil äusserst
muskulös, und so stark daß er sogar nach Re-
aumurs merkwürdigen Versuchen kleine me-
tallne Rörgen platt zu drücken vermag. Man-
che Vögel, wie z. E. der Auerhan, wissen den
Mangel der Zähne durch kleine Kieselsteine zu
ersetzen, die sie zugleich mit ihrer Nahrung ver-
schlucken, und wodurch sie im Magen, eben so
gut als durch Zähne im Mund, zermalmt wird.
Verschiedne fleischfressende Vögel, wie die Eu-
[Seite 160] len etc. können die Knochen und Haare der klei-
nen Thiere, die sie verzehrt haben, nicht verdauen,
sondern brechen sie in eine runde Kugel geballt,
nach der Mahlzeit wieder von sich.

§. 70.

Der Harn wird in den Vögeln nicht, wie
bey den Säugethieren, in einer besondern Blase
gesammelt, sondern wie bey den kaltblütigen
Thieren in den Mastdarm ergossen, und von
da zugleich mit dem übrigen Unrath ausgewor-
fen. Mit dem Harn wird zugleich die über-
flüßige Erde aus dem Körper geschaft, und auch
dieß ist wol ein Grund des hohen Alters der
Vögel, daß ihr Körper nicht, wie beym Men-
schen und bey andern Säugethieren, in zuneh-
menden Jahren mit allzuvieler Kalkerde überla-
den, und dadurch früher steif und unbiegsam
wird, und gleichsam vor der Zeit veraltert.

§. 71.

Die Vögel haben wenig Waffen, da sie ih-
ren mehresten Feinden durch den Flug zu entge-
hen wissen. Doch dient bey vielen der Schnabel,
der nach der diversen Nahrung der Vögel auch
verschieden gebaut ist, zum Angriff oder zur Ver-
theidigung. Er hat die mehreste Aehnlichkeit
mit den Hörnern des Ziegen- und Ochsen Ge-
schlechts, und sitzt als eine hornichte Scheide über
einem knochichten Fortsatz, der ihm zur Stütze
[Seite 161] dient. Ben den mehresten Wasservögeln ist er
mit einer weichen Haut überzogen. Außerdem
bedienen sich auch die Vögel, zumal die fleisch-
fressenden, ihrer Krallen zur Wehre. Man-
che haben noch außerdem einen oder mehrere
Sporne hinten über dem Fuß, andre, wie der
Casuar, Stacheln an den Flügeln, und noch
andre Hörner aus dem Kopfe, womit sie ihre
Feinde angreifen können.

§. 72.

Die Sinne der Vögel sind von sehr um
gleicher Stärke. Ihr Gefühl, ihr Geruch und
ihr Geschmack scheinen schwach zu seyn; ihr Ge-
hör und Gesicht hingegen überaus sein. Eine
Henne sieht einen Habicht in einer Entfernung,
in welcher kaum ein gutes Fernglas dem mensch-
lichen Auge etwas erkennen läßt: und eben so
scharf ist auch das Gehör dieser Thiere, zumal
der Raubvögel. Die innern Gehörwerkzeuge
sind bey den Vögeln ganz anders, als bey den
Säugethieren gebildet, und der ganzen Classe feh-
len auch die äussern Ohren; ein Mangel, der aber
durch die äußerst regelmäßige cirkelförmige Stel-
lung und bestimmte Richtung der Federgen
in der Gegend des Ohrs sattsam ersezt wird.

§. 73.

Die Vögel schlafen nur kurze Zeit, und
zwar sitzend, so daß sie sich mit der Schärfe des
[Seite 162] Brustbeins aufstemmen, und sich selbst auf den
dünnsten Aestgen im Gleichgewicht zu erhalten
wissen. Die kleinen Vögel stecken meist im
Schlaf den Kopf unter den einen Flügel. Das
Gedächtnis der Vögel ist stark, wie man an
den abgerichteten Sangvögeln sieht; und die
Lebhaftigkeit ihrer Phantasie wird durch die
Heftigkeit ihrer Begattungstriebe, und durch
ihre hitzigen Gefechte erweislich: doch sind sie
im Ganzen genommen, bey weitem nicht so ge-
lehrig als die Thiere der vorigen Classe, und
sehr schwer zu nur irgend künstlichen Handlun-
gen abzurichten.

§. 74.

Die Stimme der Vögel ist überaus verschie-
den; aber so wie die Schönheit der Federn beym
männlichen Geschlecht weit vorzüglicher als beym
Weiblichen. Die Raubvögel, die Wasservö-
gel, und die mehresten Hünerarten, geben zwar
meist nur einen ziemlich monotonen, nicht sehr
angenehmen Laut von sich: desto mannichfalti-
ger und anmuthiger sind hingegen die Töne der
kleinen Sangvögel, welche außer dem Men-
scheu, die einzigen Geschöpfe in der Natur sind,
die fingen können. Gesang ist die Stimme
der Liebe; und die Vögel singen daher auch nie
kräftiger und anhaltender, als wenn sie im Früh-
jahr eine Gattin an sich zu locken suchen, oder
ihren Verlust beweinen, oder wenn sie in einsa-
[Seite 163] men Käfigen versperrt, den Mangel der Frey-
heit und des Genusses ehlicher Freuden betrau-
ten. Sie wetteifern unter einander, und las-
sen sich durch lautes Reden, und durch jedes Ge-
räusch, besonders aber durch Instrumental-
Musik sehr willig zum Schlagen ermun-
tern. Die Luftbehälter (§. 64) kommen ihnen
auch in dieser Absicht zu Nutzen, um Vorrath
von Luft einzupumpen, und ihn allmälig zum
Langaushalten der Töne und zum anhaltenden
Gesang verwenden zu können. Ueberhaupt
lassen die Vögel ihre Stimme viel öfter als die
Säugethiere erschallen, und manche, wie die
Haushüner, geben sie zu bestimmten Stunden
von sich. Die Papageyen, Raben, Staare etc. hat
man Menschenstimme nachahmen und Worte aus-
sprechen gelehrt; die Sangvögel nehmen im Käficht
auch leicht fremden Gesang an, lernen Lieder
pfeiffen, und lassen sich sogar zum Accompagne-
ment abrichten, so, daß man mit Dohmpfaf-
fen schon wirklich kleine Concerte hat geben
können.

§. 75.

Die Vögel sind überhaupt sehr verliebte
Geschöpfe, daher man auch unter ihnen weit
leichter als von andern Thieren Bastarden er-
zielen kan. Besonders sind die Männchen in
ihren Anwerbungen sehr dringend und hitzig,
wozu besonders die Lage ihrer Zeugungstheile
[Seite 164] innerhalb der Bauchhöle, vieles beyträgt. Der
Trieb zum Paaren ist bey ihnen so heftig, daß
sie sich zuweilen in Ermangelung eines Weib-
gens wol an andern ihres eignen Geschlechts
vergreisen. Manche, wie die Auerhäne, sind
zur Brunstzeit ganz sinnlos, und man weiß, daß
Entriche, denen man ihr Weibgen vorenthalten
hatte, so wütend worden sind, daß ihr Biß,
wie der von tollen Hunden, die Wasserscheu her-
vorgebracht hat.

§. 76.

Die mehresten Vögel begatten sich im
Frühjahr; das Hausgeflügel ist aber an gar
keine bestimmte Zeit gebunden, sondern läßt
sich Jahr aus Jahr ein zu diesen Geschäfte wil-
lig finden. Die eheliche Verfassung ist bey den
Vögeln, wie bey den Thieren der vorigen Clas-
se, verschieden. Manche halten sich mir zur
Begattungszeit, andre aber für immer paar-
weise zusammen: doch leidet auch diese Einrich-
tung im Nothfall ihre Ausnahmen, und selbst
unter den Tauben, deren gepriesne Treue sogar
in die Dichtersprache übergegangen ist, lassen
sich doch auch ganz leicht Bastarden hervorbrin-
gen. Viele Vögel leben in Polygamie, und andere
vermischen sich ohne alle weitere eheliche Verbin-
dung mit einander.

§. 77.

[Seite 165]

Das befruchtete Weibgen wird vom In-
stinct getrieben, für die Zukunft zu sorgen, und
ein Nest, zum Wochenbett für sich, und zur
Wiege für die künftigen Jungen, zu bauen.
Bey vielen Vögeln, wie bey den Hünerarten,
nimmt das Männchen gar keinen Antheil an die-
sem Geschäfte; bey den übrigen aber, zumal
unter den Sangvögeln, trägt es doch Bauma-
terialien herbey, und verpflegt sein Weibgen
wärend ihrer Arbeit. Das Nisten und Brüten
der Vögel gehört unter die interessantsten Vor-
fälle in ihrer Oekonomie, und wir müssen da-
her die besondern Umstände bey beiden noch im
nähern detail beleuchten.

§. 78.

Erstens ist die Auswal des Ortes, an dem
jede Gattung ihr Nest anlegt, ihren Bedürfnissen
und ihrer ganzen Lebensart aufs genaueste angemes-
sen. Die Raubvögel bauen ihren Horst entwe-
der in die Gipfel hoher Bäume, oder auf Fel-
senspitzen, um freye Aussicht zu haben und
wie von einer Warte auf den Raub lauren zu
können. Die Wasservögel nisten ins Schilf,
auf feuchten Wiesen, wo sie Fische, Wasser-
pflanzen etc. vorfinden; manche von ihnen, wie die
Schwane, bauen zuweilen gar schwimmende Ne-
ster, um während der Brützeit den Ort ih-
res Aufenthalts zu verändern. Die Hü-
[Seite 166] nerarten, die Lerchen etc. nisten des Getraides und
andrer Sämereyen wegen, aufs Feld. Die klei-
nen Sangvögel, die von Insecten, Beeren etc.
leben, ins Gebüsch u.s.w. Die Rauchschwal-
be baut meist aus den Dörfern in Häusern oder
unter den Rauchsängen an einem Brandnagel
an, der dem ganzen Nest zur Stütze dient, und
folglich dem Thiergen die Arbeit erleichtert. So
die Hausschwalbe unterm Dache, die Dohlen
und manche Eulen in altem Gemäuer, an Kirch-
thürmen, die Störche an den Feuermauren u.
s. w.

§. 79.

Eben so sorgfältig wählt ferner jede Gat-
tung die Baumaterialien zu ihrem Neste.
Die Vögel der heissen Zonen, oder die, so nur
den Sommer in nördlichen Gegenden zubringen,
oder die, wie die Tauben, viel natürliche Wär-
me haben, nehmen zu ihrem Bau nur leichten
Stoff, Baumreiser, zarte Wurzeln, Stroh,
Schilf, Heu, dürres Laub, Birkenbast, Spin-
neweben, Hanf, Fischgräten, Leimen, aller-
hand gallertige Seegewächse, wie zu den Tun-
kins-Nestern u.s.w. Da hingegen an-
dere, um ihre Jungen für Frost zu schützen, und
sich selbst das Bebrüten zu erleichtern, Wolle,
Moos, Distelflocken, Haare, Federn u.a.
dergleichen wärmende Materialien zu ihren Ne-
stern verwenden. Doch sind die Vögel nicht
[Seite 167] eben ganz unabänderlich an bestimmte Materia-
lien gebunden, sondern wissen sich auch im
Nothfall nach den Umstanden zu bequemen, und
in Ermangelung ihres eigentlichen Stoffs, andern
in substituiren. So machen die Rothkehlgen
ihr Nest gewöhnlich aus Eichenlaub, mit unter
aber doch auch aus Moos, Haaren, Wolle etc.
Und Zeisgen, oder andere zahme Sangvögel,
die zuweilen im Zimmer nisten, behelfen sich mit
Wappen, Zwirn, Papierspänen und ähnlichen
Ingredienzen. Die meisten Vögel füttern ihr
Nest inwendig noch besonders mit ganz weichen
Pflaumen, Wolle etc. zur Bequemlichkeit und
Wärme aus.

§. 80.

Wenn sattsame Materialien aus einen Hau-
fen zusammen gebracht worden, so setzt sich die
Mutter daraus nieder, dreht Kopf und Füsse
nach allen Seiten hin und her, mißt den Raum
für sich und ihre künftige Familie, webt und
flicht sodann alles durch einander, und giebt
ihrem Neste die Gestalt, die ihrer Lebensart
und den Bedürfnissen der Jungen aufs ge-
naueste entspricht. Die Form der Nester ist
bald mehr bald minder künstlich. Manche Vö-
gel, wie die Schnepfen, Trappen, Kybitze etc.
machen sich blos ein dürres Lager von Reisholz und
Strohhalmen aus der platten Erde: andere tra-
gen sich nur ein weiches kunstloses Bett in Lö-
[Seite 168] cher der Mauern, Felsenritzen und hohle Bäume;
so die Spechte, Heber, Dolen, Widehopfe,
Sperlinge etc. Sehr viele, zumal unter den Hü-
nern, Tauben und Sangvögeln, geben ihrem
Neste die Gestalt einer Halbkugel oder einer
Schüssel: andere wie die Elstern und Wasser-
amseln, eine fast kuglichte Form; noch andere,
wie die Schwanzmeise und der Pendulin, die Fi-
gur eines Beutels; der Jupujuba u.a. Vögel
aus dem Oriolus Geschlechte, die von einem
Destillirkolben oder von einem Schrotbeutel
u.s.w.

§. 81.

Wenn endlich das Geschaffte des Nester-
baues vollendet ist, so legt die Mutter ihre Eyer
hinein; deren Anzal aber bey den verschiedenen
Gattungen der Vögel gar sehr variirt. Sehr
viele Wasservögel legen jedesmal nur ein einzi-
ges Ey; die Täuchergen und mehresten Tauben
ihrer zwey; die Möven drey; die Raben vier;
die Finken fünfe; die Schwalben sechs bis acht;
die Rebhüner und Wachteln vierzehn; das Haus-
huhn aber, besonders wenn man ihm die Eyer
nach und nach wegnimmt, bis funfzig und drü-
ber. Zuweilen geben auch manche Vögel, ohne
vorhergegangene Befruchtung, Eyer von sich,
die aber zum Bebrüten untauglich sind und
Windeyer (ova zephyra, hypenemia) heissen.

§. 82.

[Seite 169]

Die innere Einrichtung des Eyes, und
die Entwickelung des darin verborgenen Küchel-
chens ist im Ganzen genommen bey allen Vö-
geln dieselbe. Sie verdient aber, theils wegen
des Aufschlusses, den sie über das ganze Zeu-
gungsgeschäfte giebt, (§. 12.) theils des Ver-
gnügens wegen, das ihre Untersuchung gewährt,
eine genauere Anzeige, wovon wir zwar nur die
wichtigsten Sätze, aber nach der Natur und
nach unfern eignen Erfahrungen an Hünereyern,
abfassen wollen. Die Gestalt der Eyer variirt
bey einer und eben derselben Gattung von Vö-
geln, und ist bald sphärischer, bald länglichter;
eine Verschiedenheit, die aber lediglich von der
Bildung der Geburtsglieder bey der Mutter
abhängt, und gar keine Beziehung auf das
darinn enthaltene Thier hat. Die äusserste
kalkichte Schale des Eyes ist in Mutterleibe
weichlicht, durchsichtig; verhärtet aber nachher
an der Lust; wird durchs Bebrüten gelblicht,
aber glatter, wie abgeschliffen, ist auf der gan-
zen, Oberfläche poörs, und duftet folglich in
der Wärme aus; daher man Eyer, die man
zum Gebrauch lange aufbewahren will, mit
Firnis überziehen muß. Unter dieser Kalk-
schale finden sich zwey feinere Häutchen, von de-
nen das äussere dock etwas stärker als das zwey-
te ist, so zunächst das Eyweis umkleidet. Diese
Häute liegen aber nicht überall au der Kalk-
[Seite 170] schale dicht an, sondern entfernen sich am stum-
fen Ende des Eyes in etwas davon, und las-
sen einen leeren Raum (Taf. II. Fig. 6. a.) der
mit Luft gefüllt ist, die dann durch die Wärme
wärend des Bebrütens ausgedehnt wird, und
den Dotter nach und nach dem Hünchen zur
Nahrung in den Leib treibt. Hierauf folgt
das doppelte Eyweis (albumen) wovon das
äussere (T. II. F. 6. b.) mehr wäßricht, das in-
nere (T. II. F. 6. c) hingegen consistenter ist.
Jedes ist mit einer besondern Haut umschlossen,
und man kan das äussere ablauffen lassen, ohne
daß das innere dadurch in seiner Lage gestört
würde. Innerhalb des innern Eyweisses liegt
endlich der Dotter (vitellus, T. II. F. 6. d.) der
die Gestalt einer Pomeranze hat, und von ölich-
ter Substanz ist. Er wird von einer ziemlich
festen Haut umgeben, und an seinen beiden
Polen, nach den Spitzen des Eyes zu, mittelst
zweyer knotichten Stricke (chalazae, Hagel
T. Il. F. 6. e. f.) die das Eyweis durchbohren,
und selbst zum Theil damit gefüllt sind, frey-
schwebend erhalten. Diejenige Stelle des Dot-
ters, an welcher seitwärts der Keim des künfti-
gen Hünchens eingewickelt liegt, ist leichter als
die entgegengesetzte Seite. Man mag daher
das bebrütete Ey an einer jeden willkürlichen
Stelle von der Seite öffnen, so wird sich doch
immer der Embryo des Hünchens auf der Ober-
stäche zeigen; und es ist eine vergebne Sorge
[Seite 171] der Hausmütter, wenn sie den Brüthennen die
Eyer von Zeit zu Zeit umwenden, damit
alle Seiten gleich stärk durchwärmt werden
mochten, indem auch ohne diese Vorsicht
von selbst schon das kleine Hünchen beständig
nach dem Bauche der brütenden Mutter zuge-
kehrt ist.

§. 83.

Die Entwickelung und Ausbildung des jun-
gen Thiers, die bey den Säugethieren noch im
Mutterleibe vollzogen wird, muß hingegen bey
den Vögeln im schon gelegten Ey, mittelst der
Wärme bewürkt werden. Die mehresten Vö-
gel brüten ihre Eyer selbst aus. Der Straus,
der wegen seines Körperbaues nicht wol brüten
kann, verscharrt zwar die seinigen in den heissen
Sand, doch unterzieht er sich, wenigstens des
Nachts allerdings auch diesem Geschaffte. Auch
die Möven wissen sich die Beschwerde des Brü-
tens dadurch zu erleichtern, daß sie ihr Nest an
Orten anbauen, wo es lange von der Sonne
beschienen werden kann, der sie dann von Zeit zu
Zeit die Erwärmung ihrer Eyer überlassen. Der
Kukuk legt seine Eyer in die Nester der Gras-
mücken und Bachstelzen, die sich auch ganz
willig zum Ausbrüten derselben bequemen. So
hat man auch Capaunen zum Brüten gezwun-
gen; und man weiß, daß Menschen blos durch
die natürliche Wärme ihres Körpers Hüner aus-
[Seite 172] gebrütet haben.*) Auch blos durch künstliche Wär-
me, durch erhitzten Mist**), oder über Lampen-
feuer in besonders dazu eingerichteten Kesseln, und
in Brütöfen, kann man leicht Hünchen auskriechen
lassen. Dieß geht zumal in wärmern Gegenden
so gut von statten, daß man die Anzal der Hü-
ner, die auf diese Weise järlich in den Aegypti-
schen Oefen***) ausgebrütet werden, auf
50,000,000 rechnet. Die Vögel werden durchs
anhaltende Brüten abgemattet, und nur bey
denen, die sich paarweise zusammenhalten, wie
bey den Tauben, Schwalben, Rothschwänzen
etc. nimmt auch das Männchen, und doch nur
wenig Stunden des Tags, an diesem Geschäf-
te Antheil. Es löst früh um neune sein Weib-
gen vom Neste ab, und brütet sodann bis Mit-
tags um zwey, da sich dann das Weibgen von
neuen dieser Arbeit unterziehen muß. Die
Häne unter den Canarienvögeln, Hänflingen,
Stiglitzen etc. überlassen zwar das Brüten blos
ihren Weibgen, versorgen sie doch aber wärend
[Seite 173] der Zeit mit Futter und ätzen sie theils aus dem
Kropfe.

§. 84.

Während des Brütens gehen nun im Eye
selbst grosse Veränderungen vor, wovon wir
die wichtigsten anzeigen müssen. Es zeigt sich
nemlich gleich in den ersten Stunden, nachdem
das Brüten seinen Ansang genommen, an der
Seite des Dotters ein weißer Fleck wie eine Nar-
be (cicatricula, sacculus vitellarius T. II. A. 6. g.
F. 7. a), in welcher Harvey, Malpighi und und an-
dre berümte Männer fälschlich den Keim des
künftigen Hünchens zu finden gemeint haben.
Diese Narbe ist viel früher als die Spur des
werdenden Küchelgens sichtbar, sie zeigt sich so-
gar zuweilen bey Windeyern (§. 81), und bleibt,
wenn auch das Hünchen selbst durch Zufall ab-
gestorben ist, noch übrig. Sie ist nach unsrer Ue-
berzeugung blos eine kleine Blase, die sich vor-
läufig an die Stelle ansezt, wo sich das junge
Hünchen entwickeln soll, und die durch ihre
Leichtigkeit den obgedachten (§. 82) Vortheil be-
wirkt, daß das Thiergen bey jeder tage des Ey-
es doch immer oben schweben muß. Einen glei-
chen Nutzen leisten auch wol die weißlichten Ringe
(Halones Taf. II. Fig. 7. b. b.) von unbestimm-
ter Größe und Anzahl, die in den ersten Ta-
gen dieses Bläschen umgeben, und dann ein
glänzendes Häutgen (colliquamentum, nidus pul-
[Seite 174] li Taf. II. Fig. 7. c.) was sich ganz nahe bey
der beschrieben Narbe zeigt, und wodurch gleich-
sam ein Bette in den Dotter gedruckt wird, in
welchem sich nachher das Küchelgen ausbilden
soll. Alle diese Theile sind nur für eine kurze
Zeit, für die Dauer weniger Tage bestimmt,
und verschwinden allmälich, sowie das Hünchen
und seine Häute selbst hingegen zunehmen. Die
erste Spur des Hünchens (pullus Taf. II. Fig. 7.
d.) wird meist zehn oder zwölf Stundennach An-
sang der Bebrütung sichtbar: doch kanman es
nicht vor dem Ende des zweyten Tags von der Bla-
se (amnios Taf. II. 7. e.) in der es eingeschlos-
sen ist, deutlich unterscheiden. Das kleine
Thier hat anfangs die Gestalt eines Saamen-
thiergens, oder eines ganz jungen Frosches, wie er
so eben aus dem Eye kommt, und ist in der
Mitte des andern Tages kaum zwey Linien
lang. Nach 38 Stunden zeigt sich die erste
Spur des kleinen Herzgens, das aber erst mit
dem Ende des zweyten Tages oder gegen die
funfzigste Stunde Bewegung zeigt (punctum
saliens
). Um die gleiche Zeit sind auch die un-
geheuren Augen schon sehr deutlich zu sehen.
In den ersten Tagen ist das Hünchen ganz ge-
rade gestreckt, und zwar (wenn man das Ey
mit dem stumpfen Ende nach oben gekehrt hält)
beständig nach der rechten Hand des Zergliede-
rers gerichtet. Vom vierten Tage an krümmet
es sich allmälich in einen Bogen. An eben
[Seite 175] diesem Tage werden der Magen und die Gedär-
me liebst einer kleinen Blase (membrana umbi-
licalis
Taf. II. Fig. 7. f.) sichtbar, die den Harn-
behältern (allantois) mancher ungeborner Säu-
gethiere änelt, und die, zumal um die Mitte der
Brütezeit, d.h. am zehnten und folgenden Ta-
gen, unzälige Adergeflechte von unbeschreibli-
cher Schönheit zeigt. Am fünften Tage kom-
men die Lungen zum Vorschein, und schon zu
Ende des gleichen Tages haben wir auch das
kleine gallertige Geschöpf sich bewegen gesehen.
Bis zum achten Tage wächst der Rumpf und
die Gliedmaßen des Vogels, in Verhältnis sei-
nes unmäßig grossen Kopfs, nur sehr langsam.
Nach der Zeit werden aber auch jene Theile im-
mer grösser, und mehr und mehr ausgewirkt.
Am vierzehnten Tage brechen die Federn aus,
und zu Anfang des funfzehnten, den man mit
dem Ende des sechsten Monaths beym menschli-
chen Fötus vegleichen kann, find die zum Leben
nothwendigen Eingeweide völlig ausgebildet.
Das Hünchen schnappt dann schon nach Luft,
und ist am neunzehnten Tage im Stande einen
Laut von sich zu geben. Gewönlich zu Ende
des ein und zwanzigsten Tages ist es endlich zum
Auskriechen reif; es durchbricht die Schaale
am stumpfen Ende des Eyes, und verläßt nun
seine Hülse, in welcher es die drey Wochen
über vom Dotter, und theils auch vom Eyweis
ernärt worden. Wir haben die Termine sei-
[Seite 176] ner Entwickelung nach dem Mittelcalcul ange-
geben; sie variiren aber nach der verschiedenen
Wärme des Himmelsstriches und der Witte-
rung. In kalten Gegenden geht die Ausbil-
dung langsamer von Statten, und so geschah es
auch bey unsern Versuchen in dem kalten win-
terhaften Sommer des verflossenen Jahres.

§. 85.

Die Adern des Hünchens sind mit den
Adern der Haut, die den Dotter umschließt,
unzertrennlich verbunden, und da nun der Dot-
ter mit seiner Haut und deren Blutgefässen schon
im Eyerstock der unbefruchteten Henne vorräthig
liegt, so läßt sich daher die Wahrscheinlichkeit
der Präexsistenz der Keime der organisirten Kör-
per im Leibe der Mutter vor ihrer Befruchtung
(§. 12.) sehr sinnlich erweisen.

§. 86.

Die jungen Vögel werden einige Zeit von
der Mutter, und bey denen, die in Monoga-
mie leben, auch vom Vater, mit vieler Zärtlich-
keit gefüttert, und zumal bey den Sangvögeln
aus dem Kropfe geätzt, bis sie erwachsen, und
für ihren eignen Unterhalt zu sorgen im Stan-
de sind.

§. 87.

Die Vögel erreichen, nach Verhältnis ihrer
körperlichen Grösse, und im Vergleich mit den
[Seite 177] Säugethieren, ein sehr hohes Alter, und man
weiß, daß Adler und Papagayen hundert Jah-
re und drüber leben können. Die Ursachen
davon sind oben (§. 60. 70.) angezeigt.

§. 88.

Die Vögel sind für die ganze Haushaltung
der Natur ungemein wichtige Geschöpfe, ob-
gleich ihre unmittelbare Brauchbarkeit fürs
Menschengeschlecht nicht so mannichfaltig ist,
als der Säugethiere ihre. Sie vertilgen un-
zälige Insecten, und die gänzliche Ausrot-
tung mancher vermeintlich schädlichen Vögel, der
Sperlinge, Krähen etc. in manchen Gegenden,
hat eine ungleich schädlichere Vermehrung des
Ungeziefers, und ähnliche nachteilige Folgen
nach sich gezogen. Andre verzehren größere
Thiere, Feldmäuse, Schlangen, Frösche, Ei-
dexen etc. oder Aeser, und beugen dadurch so-
wol dem Miswachs als der Infection der Luft
vor; ein wichtiger Nutze, den die Eulen, Wei-
hen u.a. Raubvögel bey uns; der Aasgeyer
aber, nebst dem Storch und Ibis, ganz vorzüg-
lich und sehr sichtbarlich in Aegypten nach der
Ueberschwemmung des Nils, leisten. Eben so
haben unzälige Vögel die grosse Bestimmung,
so mancherley Unkraut auszurotten, und sei-
nen Wucher zu verhindern. Von der andern
Seite wird aber auch die Vermehrung und
Fortpflanzung der Thiere, sowol als der
[Seite 178] Gewächse, durch Vögel befördert. So weiß
man z.B. daß die wilden Gänse in Sibirien
bey ihren Zügen fruchtbare Fischeyer in entfern-
te Teiche über getragen, und sie dadurch in der
Folge fischreich gemacht haben. Der Nußbeis-
ser vergräbt Haselnüsse, die mit der Zeit keimen
und aufwachsen, und sehr viele Vögel verschlu-
cken Saamenkörner, die sie nachher mit ihrem
Unrath noch ganz wieder von sich geben, und
dadurch den Anflug der Pflanzen an Orten, wo
sie sonst schwerlich hervorgekommen seyn wür-
den, bewirken. Die Falken und verschiedne
Wasservögel lassen sich zur Jagd andrer Thiere
abrichten; der Honigkukuk wird dadurch, daß
er die wilden Bienennester verräth, nutzbar.
Sehr viele Vögel, ihre Eyer, ihr Fett, und
die Tunkinsnester, dienen zur Speise. Die Fe-
dern zum Füllen der Betten, zum schreiben,
zum verkielen musikalischer Instrumente, zu
Muffen, und vorzüglich zu mancherley ge-
schmackvollem Kopfputz, deßen Gebrauch so-
wol durch sein hohes Alterthum, als durch das
Beyspiel der Feuerländer und andrer übrigens
ganz schmuckloser Völker, gerechtfertigt wird.
Viele Vögel amüsiren auch schon durch ihren
Gesang oder durch die Schönheit ihrer Farben.
Der Mist der Tauben und andrer Vögel giebt
vorzüglich guten Dünger. Für die Arzney ist
hingegen kein beträchtlicher Nutze aus dieser
Classe von Thieren zu ziehen.

§. 89.

[Seite 179]

Der Schade, den die Vögel anstiften, re-
ducirt sich fast gänzlich auf die Vertilgung
nutzbarer Thiere und Gewächse. Der
Cuntur, der Lämmergeyer u.a. Raubvögel töd-
ten Gemsen, Rehe, Ziegen, Schafe etc. Der
Fischadler und so viele Wasservögel sind den Fi-
schen und ihrem Laich; so wie die Falken, Ha-
bichte, Sperber, Neuntödter, Aelstern etc. dem
Hausgeflügel gefährlich. Die Sperlinge und
andre kleine Sangvögel schaden der Saat, den
Weintrauben, den Obstbäumen u.s.w. Und
endlich werden denn auch nicht blos brauchbare
Gewächse, sondern auch eben sowol wucherndes
Unkraut, durch die Vögel, besonders bey Ge-
legenheit ihrer großen Züge von einer Gegend in
die andre, verpflanzt. Giftige Thiere fin-
den sich aber in dieser Classe von Thieren eben so
wenig als in der vorigen.

§. 90.

Die Classification der Vögel ist weniger
Schwierigkeiten unterworfen, als der Säugethie-
re ihre. Ihre Bildung ist, im Ganzen genom-
men, nicht so mannichfaltig, sondern einfacher:
und gewisse Theile ihres Körpers, wie der
Schnabel und die Füße, bestimmen schon an sich
soviel vom Habitus des ganzen Thieres, daß
man, dem natürlichen System unbeschadet,
schon von ihnen Charaktere der Ordnungen und
[Seite 180] Geschlechter entlehnen kan. Die mehresten Orni-
thologen haben daher auch ihre Classification auf
die Verschiedenheit des einen oder des andern
von den genannten Theilen gegründet: Klein
z.B. auf die Bildung der Zehen, Möhring
auf die Bedeckung der Füße, Brißon auf bei-
des in Verbindung mit der Beschaffenheit des
Schnabels u.s.w. Linné nimmt in dem
Plane seines Systems der Vögel auch auf die
Bildung mehrerer Theile zugleich, und so ziem-
lich auf den ganzen Habitus, Rücksicht: nur
scheint er sich in der Ausführung zuweilen
vergessen zu haben: wenigstens begreift man
nicht, wie Papagey, Colibri und Krähe bey
ihm eine Ordnung verbunden, hingegen der
Dudu und Casuar in zwey Ordnungen von ein-
ander gerissen, und mehr Verbindungen oder
Trennungen dieser Art zugelassen werden durften.

§. 91.

Wir haben uns also auch hier, wie bey den
Säugethieren, ein eigenes System zu schaffen
gedrungen gesehen, in welches zwar einige Lin-
neische Ordnungen unverändert aufgenommen
sind, was wir aber im ganzen doch der Natur
angemessener, mithin auch fürs Gedächtnis
faßlicher zu machen gesucht haben. Der Ord-
nungen selbst sind neun:

[Seite 181]

I. Accipitres. Die Raubvögel mit krummen
starken Schnäbeln, die seitwärts an der
obern Kinnlade noch mit einem starken
Ausbug versehen sind; kurzen starken Füs-
sen, und grossen, gebogenen, scharfen
Klauen. Geyer, Adler, Falken, Eulen,
Neuntödter etc.

II. Levirostres. Vögel der heissesten Erdstriche,
mit kurzen Füssen, und ungeheuren grossen,
aber holen und daher sehr leichten, Schnä-
beln. Papagayen, Pfeffervögel, Nas-
hornvögel.

III. Pici. Vögel mit kurzen Füssen, mittel-
mäßig langen aber dünnen Schnäbeln,
und mehrentheils fadenförmiger Zunge.
Wendehals, Spechte, Baumkletten, Co-
libritgen etc.

IV. Anseres. Schwimmvögel mit Ruder-
füssen, einem stumpfen, mit Haut über-
zognen, am Rande meist gezänelten Schna-
bel, der sich an der Spitze des Oberkie-
fers mit einem Häckgen endigt.

V. Struthiones. Die grossen zum Flug unge-
schickten Vögel. Der Straus, Casuar
und Dudu.

VI. Grallae. Sumpfvögel, mit langen Füs-
sen, langem walzenförmigem Schnabel,
[Seite 182] und meist langem Hals. Der Trappe, der
viel Verwandschaft mit der vorigen Ord-
nung zeigt, Reiher, Störche, Schnepfen,
Wasserhüner etc.

VII. Gallinae. Vögel mit kurzen Füßen, oben
etwas erhabnem Schnabel, der an der
Wurzel mit einer fleischichten Haut be-
wachsen ist. Pfau, Truthahn, Haus-
hahn, Auerhahn, Wachtel etc. Auch
den Tauben haben wir in dieser Ordnung
ihren Platz angewiesen, da sie bey weitem
mehr mit den Hünern als mit den Sang-
vögeln, denen sie Linné zugesellte, ver-
wandt sind.

VIII. Coraces. Vögel mit kurzen Füßen, mittel-
mäßig langem, und ziemlich starkem oben
erhabnem Schnabel. Raben, Krähen etc.
Die Golddrossel macht von diesen den
schicklichsten Uebergang zur lezten Ord-
nung:

IX. Passeres. Die Sangvögel nebst den Schwal-
ben etc. Sie haben kurze Füße, und ei-
nen kegelförmigen zugespitzten Schnabel,
von verschiedner Länge und Dicke.


I. ACCIPITRES.

[Seite 183]

Vögel mit kurzen starken Füßen, grossen
scharfen Krallen und starkem gekrümmtem Schna-
bel, der oben auf der Seite in zwey stumpfe
schneidende Spitzen ausläuft, und an der Wur-
zel mehrentheils mit einer fleischichten Haut (ce-
ra
) bedeckt ist. Sie nähren sich theils von Aas,
theils vom Raube lebendiger Thiere, und äneln
in ihrer ganzen Oekonomie den feris der vorigen
Classe. Sie leben in Monogamie, nisten an
erhabnen Orten, können theils zur Jagd abge-
richtet werden, haben aber ein wilderndes un-
schmackhaftes Fleisch. Gegen die Regel sind
die Weibchen in dieser Ordnung doch größer und
schöner von Farbe, als ihre Männchen.

1. vultur. Geyer. Rostrum rectum, api-
ce aduncum. plerisque caput impenne. Lin-
gua bifida.

1. Gryphus. Der Cuntur, Greifgeyer. V.
caruncula verticali longitudine capitis.

Der Cuntur ist der allergröste fliegende Vo-
gel, dessen Geschichte aber noch nicht sattsam
ins Licht gesezt worden ist, und der wahrschein-
lich zur Fabel vom Vogel Greif Anlaß gege-
ben hat. Mit ausgespannten Flügeln hält er
achtzehn Fuß in die Breite, und seine Schwung-
federn sind am Kiel von der Dicke eines starken
Daumen. Er nistet auf Felsen, und an Ufern,
[Seite 184] lebt meist vom Raube der Säugthiere, und geht
nur im Nothfall auch Fische an. Ein Cuntur soll
ein ganzes Kalb, und ihrer zwey eine Kuh, auf
eine Malzeit verzehren können. Das eigentliche
Vaterland dieses ungeheuren Thiers ist wol das
südliche Amerika, besonders Chili und Peru, und
es widerlegt nebst den Patagonen die gemeine
Sage, daß die Thiere der neuen Welt durchge-
hends kleiner wären, als die in der alten. In-
zwischen scheint der Cuntur, nach den Erzälungen
der Reisenden zu schliessen, doch auch in Afrika
und in Ostindien zu leben. Und selbst in Europa
sind hin und wieder Vögel geschossen worden,
die, wenn sie keine Lämmergeyer waren (womit
man den Cuntur oft vermengt hat), wahrschein-
lich Cunture gewesen sind. So hat man 1551 ei-
nen zwischen Torgau und Meisen gefangen, der
sein Nest auf drey Eichen gehabt; und ähnliche,
aber nur nicht genau genug bestimmte Vögel sind
1666 zu Harvic bey London, 1719 in Frankreich
und anderwärts geschossen worden.

2. † Barbatus. Der Lämmergeyer, Bartgey-
er. Goldgeyer. V. albidus, dorso fusco,
rostro incarnato barbato, cera coerulea, ca-
pite linea nigra cincto.

(Andreä) Briefe aus der Schweiz, Taf. XII.
Lavaters physiognom. Fragm. 2 Th. Taf. 55.

Der Lämmergeyer ist der gröste Europäische
Vogel, der dem Cuntur in vielen Stücken, beson-
ders auch in seiner Lebensart änelt, sich doch aber
durch seinen starkhaarichten Bart, und durch den
befederten Kopf, der bey andern Geyern kahl ist,
auszeichnet. Er ist vorzüglich in Tyroler- und
Schweizer-Alpen, besonders häufig in den
leztern, zu Hause, aber sehr schwer lebendig
zu fangen. Er lebt nur im Nothfall von Aas-
[Seite 185] sonst vom Raube der Gemsen, Ziegen, wilden
Katzen etc. und ist auch für die Menschen selbst ge-
färlich. Man weiß, daß die Lämmergeyer zu-
weilen kleine Kinder fortgetragen haben, und Tho-
mas Plater flog einmal schon wirklich in den Klau-
en eines solchen Thiers von der Erde auf, das ihn
aber aufs Geschrey der Bauren wieder fallen lies:
daher auch die Hirten ihre Kinder auf der Weide
an Bäume binden, um sie für diesen Entfürun-
gen zu sichern. Man hat sogar Beyspiele, daß
der Lämmergeyer erwachsene Personen angefallen
hat, die sich kaum, und mit Lebensgefahr seiner
haben erwehren können*).

3. Percnopterus. Der Aasgeyer. V. remigibus
nigris margine exteriore, praeter extimas,
canis.

Bellon hist. des oiseaux, p. III.

Dieser Vogel ist im südlichen Europa, in Pa-
lästina, Arabien und in Aegypten zu Hause. Er
lebt meist von Aase, und ist für viele Gegenden
ein äuserst wichtiges und nutzbares Geschöpf. So
verzehrt er im gelobten Lande unzäliche Feldmäu-
se, und in Aegypten die vielen Amphibien und
Aeser, die nach der Ueberschwemmung des Nils
das Land decken, und leicht die Luft inficiren
könnten. Die alten Aegypter haben diesen Vogel,
so wie einige andre ihnen vorzüglich nuzbare
Thiere, heilig gehalten, ihn zu tödten bey Lebens-
strafe verbothen, und ihn häufig in ihrer Bilder-
schrift auf Obelisken, Mumienbekleidungen**)
u.s.w. vorgestellt. Er ist oft, aber ganz fälsch-
lich, für den Ibis der Alten gehalten worden.

[Seite 186]

2. falco. Rostrum aduncum, basi cera in-
structum. caput pennis tectum. lingua bifida.

Die Thiere dieses Geschlechts leben blos vom
Raube frischer oder kürzlich getödteter Thiere, und
fressen blos im Hunger, den sie doch lange erdul-
den können, faulendes Aas. Sie fliegen überaus
hoch, und können sich geraume Zeit auf einer
Stelle in der Luft schwebend erhalten; ihr Gesicht
ist unbegreiflich scharf, und auf ihre Beute schief-
sen sie mit der Geschwindigkeit eines abgedruckten
Pfeils herab. Die Begattungszeit ausgenom-
men, leben sie zerstreut, einsam, und jedes geht
seinen Geschäften allein für sich nach.

1. † Chrysaëtos. der Goldadler, Steinadler.
(le grand Aigle, Buff.) F. cera lutea, pedi-
busque lauatis luteo-ferrugineis, corpore
fusco ferrugineo vario, cauda nigra, basi
cinereo-undulata
. *

Der Steinadler ist im gebirgichten Europa zu
Hause, hat eine schöne Taille und grosse Stärke;
er lebt vom Raube kleiner Säugthiere und Vögel,
fällt aber auch wohl grosse Hirsche an, und ver-
steht ihrer Herr zu werden. Er hat eine starke
fürchterliche Stimme, und nistet auf hohen Fel-
senspitzen. Seine Jungen versorgt er mit dem be-
sten Wildpret von Hasen, jungen Rehen etc. und
man pflegt daher im südlichen Frankreich und in
andern Gegenden die Adler Neste für die Küche
zu benutzen, indem man in Abwesenheit des al-
ten Adlers sein Nest besteigt, den Jungen ihr
Wildpret wieder abnimmt, und sie so gar, wenn
sie bald erwachsen sind anbindet, damit sie noch
über die gesetzte Zeit von der Mutter mit Spei-
se versorgt werden mögen. Der Steinadler
muß ein ausnehmend hohes Alter erreichen,
[Seite 187] da man sogar welche in Menagerien über hundert
Jahre lebendig erhalten hat.

2. Ossifragus. der Fischadler, der Bein-
brecher. (Orfraie Buff.) F. cera lutea pe-
dibusque semilanatis, corpore ferrugineo,
rectricibus latere interiore albis.

C. Gesner icones avium p. 129.

Der Fischadler findet sich im nördlichen Euro-
pa, und lebt blos von Fischen, so daß er lieber
eine Woche lang hungert, ehe er sich an anderm
Fleisch vergreifen sollte. Er ist ein ziemlich sanft-
müthiges Thier, hat eine dicke fast menschenän-
liche Zunge, und scharfe schneidende Krallen;
aber nicht, wie viele Naturforscher vorgegeben
haben, auf der linken Seite einen Schwimmfuß,
sondern an beyden Füssen freye Zehen wie andere
Thiere seines Geschlechts.

3. † Milvus. die Weyhe, der Gabelgeyer,
Milan, Scheerschwänzel. F. cera flava,
cauda forficata, corpore ferrugineo, capite
albidiore.
*

C. Gesner ic. p. 8.

Die Weihe lebt fast in der ganzen alten Welt,
thut zwar dem Hausgeflügel Schaden, wird aber
von der andern Seite dadurch nutzbar, daß sie
eine Menge Aas und Amphibien verzehrt; daher
sie auch in manchen Gegenden, wie der Aasgeyer
in Aegypten gehegt wird, und zu schiessen verbo-
then ist. Sie zieht im Herbst, zuweilen in ganz
unermeßlichen Schaaren, nach Africa, und man
sieht ihre Rückkunft im Frühjahr für ein sichres
Zeichen des geendeten Winters an. Sie hat eine
dumpfe Stimme, die sie zumal bey annahendem
Regenwetter von sich giebt, so wie sie hingegen
[Seite 188] bey heiterm Sonnenschein still, aber hoch, in der
Luft fliegt.

4. † Gentilis. der Edelfalk. F. cera pedibusque
flavis, corpore cinereo maculis fuscis, cau-
da fasciis quatuor nigricantibus.
*

Vorzüglich wird diese Gattung, doch auch an-
dere verwandte Thiere dieses Geschlechts, zum
Fang kleiner Säugethiere und Vögel, zur Reiher-
beize etc. abgerichtet. In Orient hat man diese
Jagd besonders auf die Gazellen, schon in den äl-
testen Zeiten getrieben, in Europa ist sie aber erst
seit Ende des zwölften Jahrhunderts gebräuch-
lich, da sie Kaiser Heinrich der sechste in Italien
einfürte.*)

5. † Haliëtus. der Entenstösser, Moosweyh.
(Balbuzard Buff.) F. cera pedibusque cae-
ruleis, corpore supra fusco, subtus albo,
capite albido.

Gesner ic. pag. 6.

Der Entenstösser ist oft mit dem Fischadler ver-
mengt worden, dem er in der Lebensart änelt,
aber in der Bildung gänzlich von ihm verschieden
ist. Linné hat auch diesem Thier ganz unrecht
einen Schwimmfuß an der linken Seite zuge-
schrieben.

6. † Nisus. der Sperber. F. cera viridi, pe-
dibus flavis, abdomine albo griseo undulato,
cauda fasciis nigricantibus.
*

Gesner ic. p. 7.

Ein schädlich Thier fürs Hausgeflügel, beson-
ders für die Tauben; was sich aber leicht zum
Vogelfang abrichten läßt, und zumal im Orient
[Seite 189] so wie der Falke zur Jagd gebraucht wird. Was
Linné u.a. von den Thieren dieses Geschlechts
überhaupt gesagt haben, daß sie vom Brode
stürben, ist irrig. Wir haben mehrere Sperber
geraume Zeit lebendig erhalten, die ganz willig
Brod unter anderm Futter frassen, und sich wohl
dabey befanden.

3. strix. Eule. Rostrum breve, aduncum,
nudum absque cera. nares barbatae. caput
grande. lingua bifida. pedes digito versatili.

Lichtscheue Vögel, die ihren Geschäften nur
zur Nachtzeit nachgehen, und die, wenn sie sich
am Tage blicken lassen, von vielen kleinen Vö-
geln, besonders aber von den Krähen mit lautem
Geschrey insultirt und berupft werden: daher
man auch lebendige oder ausgestopfte Eulen auf
Vogelheerden zum Anlocken braucht. Sie haben
grosse, scharfsehende, im Finstern leuchtende
Augen, mit einem sehr empfindlichen, schönfar-
bichten Sterne; und ein überaus feines Gehör,
mit einer besondern Klappe in der Oeffnung des
äussern Ohrs. Sie nähren sich von Aas und von
lebendigen kleinen Thieren, von Haasen, Mäu-
sen, Fledermäusen, Vögeln, Eidexen, Heuschre-
ken u.s.w. Den Winter bringen sie ganz trau-
rig und einsam mit Hungern und Schlafen in
Scheuren und altem Gemäuer zu, und fressen in
der Noth wohl einander selbst auf. In der Le-
bensart, auch im runden Kopf etc. äneln sie der
Katze.

1. † Bubo. der Uhu, Schubut, die Ohr-
eule. S. auribus pennatis, iridibus croceis,
corpore ruffo.
*

[Seite 190]

Das größte Thier seines Geschlechts, von un-
gemeiner Stärke, so daß selbst Adler ihm unter-
liegen müssen.

2. † Ulula. der Steinkauz, die Steineule.
S. capite laevi, iridibus croceis, corpore fer-
rugineo, remige tertio longiore.
*

Die Steinkauze leben in verfallenem Gemäuer,
alten Schlössern etc. Verschiedene, die wir leben-
dig gehabt haben, wurden doch bald, und leichter
als andere Eulen, zahm und der Menschen ge-
wohnt.

4. lanivs. Rostrum rectiusculum, dente
utrinque versus apicem, basi nudum. lingua
lacera.

1. † Excubitor. der Würger, Bergälster.
L. cauda cuneiformi, lateribus alba, dorso
cano, alis nigris macula alba.
*

Der Würger ist ein gefräßiges Thier, was viele
andre Vögel tödtet, ihre Stimme nachzuah-
men, und sie dadurch zu sich zu locken weis. Wenn
er mächtigere Raubvögel gewahr wird, so giebt
er einen besondern Laut von sich, den auch andre
Vögel verstehn, und sich durch die Flucht zu ret-
ten suchen. Er kan wie der Sperber zur Jagd
abgerichtet werden.

2. † Collurio. der Neuntödter. L. cauda sub-
cuneiformi, dorso griseo, rectricibus qua-
tuor intermediis unicoloribus, rostro plum-
beo.
*

Hat in der Bildung sehr viel Aehnlichkeit mit
der vorigen Gattung, lebt ebenfalls von kleinen
Vögeln, und laurt sogar Kramtsvögeln auf, die
er mit List überfällt, und ihnen den Kopf einbeißt.
[Seite 191] Er frißt auch Insekten, zumal Käfer, Schmeiß-
fliegen etc. und spießt sie in Menge zum Vorrath
an Schwarzdorn und andres dornichtes Gebüsche.


II. LEVIROSTRES.

Die Vögel dieser Ordnung sind blos den
wärmsten Erdstrichen eigen, und werden durch
die ungeheuer grossen, aber in Verhältnis aus-
nehmend leichten Schnäbel, kentlich, die, wie
wir oben gesagt haben (§. 64.), nicht zur Ver-
stärkung des Geruchs, sondern als Lustbehälter
dienen.

5. psittacvs. Sittig, Papagey. man-
dibula superior adunca, inanis, cera instru-
cta. Lingua carnosa, integra. Pedes scan-
sorii.

Die Papagayen haben einerley Vaterland, und
auch in ihrem Betragen viel Aenlichkeit mit den
Affen. Ihr Hakenförmiger Oberschnabel ist be-
weglich,*) und nutzt ihnen sowol zum Klettern
als zum Abschälen der Cocosnüsse. Die Männ-
chen lernen Worte nachsprechen, und sind auch
an Schönheit der Farbe ihren Weibchen weit
überlegen. Alexander der grosse hat zuerst Papa-
gayen nach Europa gebracht; wo sie nun seit Aloy-
sius von Cadamosta**) Schiffarten gemeiner
worden sind.

[Seite 192]

1. Cristatus. der Cacadu. P. albus, cauda
brevi, crista plicatili flava.
*

Seba, Mus. T. I. t. LTX. f. 1.

Ist in Ostindien zu Hause, und hat wie der
Wiedehopf einen Federbusch auf dem Kopfe, den
er in der Ruhe zurück schlägt, aber im Zorne
aufrichtet.

2. Passerinus. P. viridis, cauda brevi, macu-
cula alarum, alisque subtus caeruleis.
*

Edwards's Birds, t. 235.

Ein kleines niedliches Thier, was in America
lebt, und nur die Grösse eines Sperlings hat.

6. ramphastos. Pfefferfraß. Rostrum
maximum, inane, extrorsum serratum, api-
ce incurvatum. Pedes scansorii plerisque.

Der unproportionirlich grosse Schnabel giebt
diesen Thieren, die sich blos im südlichen Ame-
rica finden, ein sonderbares Ansehen. Ihre Zun-
ge ist eine halbe Spanne lang, hornicht, dünne,
an der Wurzel kaum eine Linie breit, und an
den Seiten nach vorne zu gezasert.

1. Tucanus. R. nigricans, fascia abdominali
flava.
*

Olearii Gottorp. Kunstkammer, T. XIII.
F. 7.

Der Tucan hat einen grünlichen Schnabel, der
an der Wurzel mit einem schwarzen Streif einge-
faßt ist, und thut zumal den Pisangfrüchten gro-
ßen Schaden.

[Seite 193]

7. buceros. Der Nashornvogel. (hy-
drocorax.) Rostrum maximum, inane, ad
basin versus frontem recurvatum, pedes
gressorii.

1. Rhinoceros. B. processu rostri frontali re-
curvato.

Stalp. v. d. Wiel obs. med. anatom. Cent.
I. t. IX. f. 1.

Ist wie die übrigen Nashornvögel in Ostindien
zu Hause, lebt von Aas, und hat einen widrigen
Geruch fast wie der Wiedehopf.


III. PICI.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze
Füsse, einen geraden eckichten Schnabel von
mittelmäßiger Länge, und nären sich mehren-
theils von Insecten und Würmern.

8. picvs. Specht. Rostrum polyedrum,
apice cuneato, lingua teres lumbriciformis,
longissima, mucronata, apice retrorsum acu-
leata; pedes scansorii.

Der Wendehals und noch mehrere Vögel die-
ser Ordnung haben den sonderbaren Bau der Zun-
ge mit den Spechten gemein. Das Zungenbein
endigt sich nemlich in zwey lange federförmige
Knorpel, die von unten nach oben und von hin-
ten nach vorn über den ganzen Hirnschädel un-
ter der Haut weglaufen, und sich an der Stirne
beynahe an der Schnabelwurzel festsetzen. (Taf.
[Seite 194] II. Fig. 8.) Diese Knorpel sind also gleichsam
elastische Federn, mittelst welcher diese Vögel ihre
Fadenförmige Zunge fast wie die Ameisenbären oder
wie der Chamäleon hervorschiessen, und Insecten
damit fangen können. Die Pedes scansorii nuz-
zen ihnen zum Klettern, der Schwanz zum Wi-
derstämmen und zur Unterstützung, der scharf zu-
laufende keilförmige Schnabel aber zum Aufhacken
der Baumrinde, um die Insecten etc. darunter
hervorsuchen zu können.

1. † Martius. der Schwarzspecht. P. niger,
vertice coccineo.
*

Findet sich nebst den folgenden Gattungen im
gemäßigten Europa.

2. † Viridis. der Grünspecht. P. viridis, ver-
tice coccineo.
*

Ist zumal häufig in der Schweiz, und thut den
Bienen Schaden.

3. † Major. der grosse Buntspecht. P. albo
nigroque varius, occipite rubro.
*

Hat einen kürzern Schnabel als andere Spechte.

4. † Minor. der kleine Buntspecht. P. albo
nigroque varius, vertice rubro.
*

9. lynx. Rostrum teretiusculum, acuminatum,
lingua lumbriciformis, longissima mucrona-
ta; pedes scansorii.

1. † Torquilla. der Drehhals, Wendehals.
F. cauda explanata, fasciis fuscis quatuor. *

Der Wendehals hat seinen Nahmen von der
ungemeinen Gelenksamkeit seines Halses, und ist
in ganz Europa zu Hause, lebt meist in holen
[Seite 195] Bäumen, und soll durch einen besondern war-
nenden Laut die Annäherung der Raubvögel ver-
rathen.

10. sitta. Rostrum subulatum, teretiuscu-
lum, apice compresso, mandibula superio-
re paullo longiore; pedes ambulatorii.

1. † Europaea. Blauspecht S. rectricibus ni-
gris: lateralibus quatuor infra apicem albis.
*

Findet sich in Europa und Nordamerica, und
hat sowol in der Bildung als in der Lebensart
sehr viel Aehnlichkeit mit den eigentlichen Spechten.

11. alcedo. Rostrum trigonum, crassum,
rectum, longum; digitus versatilis.

1. † Ispida. der Eisvogel. (Alcyon) A. su-
pra cyanea, fascia temporali flava, cauda
brevi.
*

Einer der schönsten deutschen Vögel, dessen
Geschichte ehedem mit vielerley Fabeln vermengt
wurde. Die Eisvögel halten sich sowol an der See,
als auch bey Teichen und Flüssen auf; und zwar
sind die, welche an der See leben, schlanker und
kleiner, als die so an süssen Gewässern nisten.
Sie nähren sich von Fischen, und speyen nach der
Malzeit die Gräten in einem Ballen, wie die
Eulen die Mäuseknochen etc. wieder von sich.

12. merops. Rostrum curvatum compres-
sum, carinatum; pedes gressorii.

1. Apiaster. der Immenwolf. M. dorso fer-
rugineo, abdomine caudaque viridi coerule-
scente, gula lutea, fascia temporali nigra.

[Seite 196]

Ein überaus schönes Thier, was im südlichen
Europa zu Hause ist, und sich nur selten nach
Deutschland verirrt. Es lebt von Heuschrecken
und andern Insecten, besonders aber von Bie-
nen, die es in grosser Menge wegfängt.

13. upupa. Rostrum arcuatum, convexum,
subcompressum, obtusiusculum; pedes am-
bulatorii.

1. † Epops. der Wiedehopf. U. crista varie-
gata.
*

Der Wiedehopf lebt in Europa und Ostindien,
und närt sich von Mistkäfern, Todtengräbern
und andern Insecten, die er aus dem Koth der
Menschen und Thiere aufliest: ein schmuziges
Geschäfte, was dem sonst schönen Vogel einen
ekelhaften widrigen Geruch zuzieht. Im Affect
richtet er den Federbusch auf dem Kopfe, wie der
Cacadu, in die Höhe.

14. certhia. Rostrum arcuatum, tenue,
subtrigonum, acutum. pedes ambulatorii.

1. † Familiaris. Die Baumklette, der Grü-
per, Grauspecht, Baumkleber. C. grisea,
subtus alba, remigibus fuscis; rectricibus
decem.
*

Den gekrümmten dünnen Schnabel abgerech-
net, änelt die Baumklette andern Spechten in
der Bildung, besonders aber in der Lebensart
vollkommen. Klettert eben so an den Baumstäm-
men rum, um Insekten und Puppen zu suchen etc.

2. † Muraria. Der Mauerspecht. C. cinerea,
macula alarum fulva.
*

[Seite 197]

Der Mauerspecht ist im wärmern Europa zu
Hause, zeichnet sich aber durch seine Lebensart von
den bisher angezeigten Thieren aus. Er lebt
nicht in Wäldern, sondern mehr wie die Eulen,
in alten Gemäuern, auf Thürmen, Hochgerich-
ten etc. und weis sich die Arbeit beym Nestbau da-
durch zu erleichtern, daß er einen Schedel von
Menschen oder Thieren aufsucht, und sich blos
ein weiches Lager da hinein bettet.

15. trochilvs. Colibri. Honigsauger.
Rostrum subulato-filiforme longum. Man-
dibula inferiore tubulata, superiore vaginan-
te inferiorem. Lingua filis duobus coalitis tu-
bulosa. pedes ambulatorii.

Ueberaus kleine Vögel, aber von einer Schön-
heit, die weder Pinsel noch Beschreibung auszu-
drücken vermag. Das grün und roth und blau
ihrer Federn änelt dem gefärbten Golde, und
thut zumal im Sonnenschein eine unbeschreibliche
Wirkung. Diese Thiergen sind so zart, daß sie
sehr leicht den grossen Buschspinnen zum Raube
werden, und nicht anders als durch Besprüzen
mit Wasser gefangen werden können, da sie selbst
mit dem feinsten Schrot oder Sand in Stücke
geschoßen werden würden. Sie nähren sich vom
Honigsaft der Blumen, den sie im Schweben und
Flattern mit ihrem dünnen rörenförmigen Schna-
bel auszusaugen wissen. Die Bildung des Schna-
bels differirt bey den verschiednen Gattungen. Er
ist entweder gerade, oder aufwärts, oder nie-
derwärts gebogen. Das ganze Geschlecht ist wol
blos dem wärmern Amerika eigen.

[Seite 198]

1. Minimus. T. rectirostris, corpore viridi ni-
tente, subtus albido; rectricibus lateralibus
margine exteriore albis.
*

Der allerkleinste bekannte Vogel, der nur ohn-
gefähr dreysig Gran wieget. Sein Nest ist von
Baumwolle, und hat die Größe einer Wallnuß;
und seine Eyer etwa die von einer Zuckererbse.


IV. ANSERES.

Die Vögel dieser Ordnung werden durch
ihre Schwimmfüße kenntlich, und äneln sowol
hierin, als auch in ihrer Lebensart, den palmatis
der vorigen Classe. Ihr Oberschnabel endigt
sich meist in ein kurzes Häkgen, und ist wie, der
untere mit einer zähen Haut überzogen. Sie
haben eine fleischigte Zunge, einen rauhen sta-
chelichten Gaum, und die mehrsten von ihnen
vorn au der Luftröre eine besondre knorplichte
oder knöcherne Capsel*), die vermuthlich zu glei-
chen Zwecken als die andern allgemeinen Luftbe-
hälter, deren wir schon mehrmals gedacht ha-
ben, dienet. Die Schwimmvögel halten sich,
ihrer Bestimmung und dem Bau ihres Körpers
gemäs, an den Ufern des Meers, der Seen, der
Flüsse, auf Inseln, auf Klippen, im Schilf etc.
auf, und leben mehrentheils in Polygamie. Sie
legen meistens zahlreiche Eyer, wodurch ih-
[Seite 199] re mannichfaltige Nutzbarkeit, die sich besonders
auf ihr Fleisch, Fett, Federn etc. erstreckt, ver-
größert wird.

16. anas. Rostrum lamelloso-dentatum, con-
vexum, obtusum. Lingua ciliata, obtusa.

1. † Cygnus. Der Schwan, Elbsch. A. ro-
stro semicylindrico atro, cera flava, corpore
albo.
*

Der Schwan ist in der ganzen nördlichen Erde
zu Hause, und närt sich von Fröschen, Wasser-
pflanzen etc. Man unterscheidet zwey Spielarten
unter den Schwänen, die wilden und die zah-
men, die wesentlich und selbst im anatomischen
Bau der Luftröhre von einander abweichen. Die
zahmen Schwäne werden zumal in Sibirien häu-
fig, und völlig wie andres Hausgeflügel gehal-
ten, und mit Wasserpflanzen gemästet.

2. † Anser. Die Gans. A. rostro semicylin-
drico, corpore supra cinereo, subtus palli-
diore, collo striato. *

Dieser sehr bekannte Vogel hat in der Bildung
sehr viel vom Schwane, nur einen ungleich kür-
zern Hals, etwas größern Kopf etc. Er lebt in
der nördlichen Erde wild, wird aber auch, ob-
schon mit weniger Profit als andres Meyergeflü-
gel, häuslich erzogen. Am nutzbarsten wird er
durch seine Federn, die man ihm jährlich zwey-
bis dreymal ohne Nachtheil abrupfen kan.

3. Bernicla. Die Baumgans, Scottische
Gans (Morillon). A. fusca, capite collo
pectoreque nigris, collari albo.

Ebenfalls ein der nordischen Erde eignes Thier,
dessen Geschichte man ehedem mit der Entenmu-
[Seite 200] schel (Lepas anatifera) ihrer verwebt, und daher
abgeschmackte abentheuerliche Erzälungen von ihm
erdichtet hat.

4. Mollissima. der Eidervogel. A. rostro cy-
lindrico, cera postice bifida, rugosa.

Ein überaus nutzbarer Vogel, der sich in der
nördlichen Erde, zumal häufig auf Island und
in Grönland findet. Sein Fleisch und seine Eyer
sind sehr schmackhaft; was ihn aber noch wichti-
ger macht, ist sein Fell, womit man Kleider füt-
tert, und die Pflaumenfedern, die unter dem Na-
men der Eiderdunen bekant sind. Die besten Dunen
sind die, die sich der Vogel selbst ausrupft, um
sein Nest innewendig damit zu bekleiden. Sie
verbinden eine starke Wärme mit einer so unge-
meinen Leichtigkeit, daß man zu Ausstopfung
eines ganzen Bettes kaum über fünf Pfund von
ihnen braucht.

5. + Boschas. die Ente. A. rectricibus inter-
mediis (maris) recurvatis, rostro recto.
*

Die Ente hat in ihrer Bildung, Vaterland,
und Lebensart vieles mit der Gans gemein; sie
wird auch eben so als Hausgeflügel, und zwar
sehr vortheilhaft erzogen, weil sie fast gar nichts
zu erhalten kostet, und sich blos von Amphibien,
Insecten, Meerlinsen etc. närt.

17. mergus. Taucher, Wasserhuhn.
Rostrum denticulatum, subulato-cylindri-
cum, apice adunco.

1. † Merganser. der Kneifer. M. crista lon-
gitudinali-erectiuscula, pectore albido im-
maculato, rectricibus cinereis, scapo nigri-
cante.

[Seite 201]

Ist im nördlichen Europa zu Hause, und wie
andere Gattungen dieses Geschlechts ein schädli-
ches Thier für Fischteiche, zumal zur Leichzeit.

18. alca. Rostrum edentulum, breve, com-
pressum, convexum, transverse sulcatum:
nandibula inferior ante basin gibbosa.

1. Impennis. die Fettgans, der Penguin. A.
rostro compresso-ancipiti sulcato, macula
ovata utrinque ante oculos.

Man belegt mehrere aves impennes aus dieser
Ordnung mit dem Namen Penguin*). Dieser
ist an den Küsten von Norwegen, Nordamerika etc.
zu Hause, und findet sich zumal auf unbewohn-
ten Inseln, zuweilen in unglaublicher Menge. Er
legt wie andre Thiere dieses Geschlechts, jedes-
mal nur ein einziges, aber verhältnißmäßig gro-
ßes Ey.

19. procellaria. Rostrum edentulum,
subcompressum : mandibulis aequalibus; su-
periore apice adunco; inferiore apice com-
presso-canaliculato. Pedes ungue postico
fessili absque digito.

1. Pelagica. Der Sturmvogel, Ungewitter-
vogel. P. nigra, uropygio albo.

Linn. Faun. Suec. T. II. f. 143.

Der Ungewittervogel hält sich meist in offner
freyer See auf Klippen auf, und die Schiffer se-
hens als Zeichen eines bevorstehenden Sturms
[Seite 202] an, wenn er sich von da entfernt, und nach den
Schiffen flüchtet. Er hat überaus viel Fett, und
die Einwohner von Feroër etc. bedienen sich seiner
statt Lampe, indem sie ihm blos einen Tocht durch
den Körper ziehn, und anbrennen, da denn die
Flamme von dem Fette was allmählich hinein-
zieht, lange Zeit unterhalten wird.

20. diomedea. Rostrum rectum: maxilla
superiore apice adunca; inferiore truncata.

1. Exsulans. Der Albatros. D. alis pennatis
longissimis, pedibus aequilibribus tridacty-
lis.

Ist an den Meer-Ufern der wärmern Erde zu
Hause, fliegt ungemein hoch, und nährt sich gro-
ßentheils von fliegenden Fischen.

2. Demersa. Die Magellanische Gans, der
Penguin. D. alis impennibus, pedibus com-
pedibus tetradactylis: digitis omnibus con-
nexis.

Ist in der südlichen Hemisphäre, zumal auf
Feuerland, auf den Inseln des stillen Meers und
am Cap zu Hause.

21. pelecanvs. Rostrum edentulum, re-
ctum: apice adunco, unguiculato: pedes ae-
quilibres: digitis omnibus quatuor simul pal-
matis.

1. Onocrotalus. die Kropfgans, der Viel-
fras, Nimmersatt. P. gula saccata. *

Ein Blatt von J. E. Ridinger. 1740.

Die Kropfgans ist in beiden Welten zu Hause,
und ist selbst in manchen Gegenden von Europa,
[Seite 203] wie in Ungern und Siebenbirgen, in Menge einhei-
misch, wird auch zuweilen, obschon seltner, in
Deutschland und in der Schweiz geschossen. Sie
hat den griechischen Namen von ihrer Eselsstimme,
den deutschen aber von dem ungeheuern Beu-
tel, der ihr am Unterschnabel hängt, den sie zu-
sammen zu ziehen und auszudehnen vermag,
und in welchen sie wol dreissig Pfund Wasser fas-
sen kan. Sie hat einen ungemeinen Appetit, und
verschlucket, wie wir selbst gesehen haben, Kar-
pfen von mehreren Pfunden; wozu ihr ein unge-
heurer Magen, der vom Bau andrer Vögelma-
gen abweicht, und eher der Säugthiere, besonders
der Hunde ihrem änelt, zu statten kommt.

2. Aquilus. die Fregatte. P. alis amplissimis,
cauda forsicata, corpore nigro, rostro ru-
bro, orbitis nigris.

Die Fregatte hat einerley Vaterland Aufent-
halt und Lebensart mit dem Albatros: nur noch
längere und fast unproportionirte Flügel, die aus-
gespannt auf vierzehn Fus breit sind, und dem
fliegenden Thier ein sonderbares Ansehn geben.

22. phaëton. Rostrum cultratum, rectum,
acuminatum, fauce pone rostrum hiante.
Digitus posticus antrorsum versus.

1. Aethereus. der Tropikvogel. P. restricibus
duabus longissimis, rostro serrato, pedibus
aequilibribus: digito postico connexo.

Lebt an der offenbaren See zwischen beiden
Wendezirkeln, daher auch die Seefahrer seine
Erscheinung für ein Zeichen annehmen, daß sie
sich nun innerhalb derselben befinden.

[Seite 204]

23. colymbus. Rostrum edentulum, subu-
latum, rectum, acuminatum, pedes compe-
des.

1. Grylle. die Grönländische Taube. C. pe-
dibus palmatis tridactylis, corpore atro, re-
ctricibus alarum albis. *

Findet sich in Grönland, Spitzbergen, auch
am Nordcap etc. und lebt, gegen die Weise der
mehresten Vögel dieser Ordnung, in Monogamie.

24. larus. Möve. Rostrum edentulum re-
ctum cultratum, apice subadunco. Mandi-
bula inferior infra apicem gibba.

1. Tridactylus. L. albicans, dorso canescente, re-
ctricum apicibus, excepto extremo, nigris,
pedibus tridactylis.
*

Wir haben eine solche Möve, die auf der In-
sel Heiligeland gefangen war, mehrere Jahre le-
bendig unter unsern Augen gehabt. Ihr ganzes
Naturell ward allmälig durch die Zucht abgeän-
dert; Sie lebte im Trocknen, lies sich mit Brod
speisen, und ward so zahm, daß sie ihres Herrn
Stimme von ferne erkannte, und mit ihrem
heisern pfeiffenden Tone beantwortete. Sie hatte
ungemeinen Appetit, konnte Spannen lange Kno-
chen mit einmal verschlingen, und fras nach ei-
ner guten Malzeit doch wol noch den Pfauen und
andern Vögeln, unter denen sie lebte, ihre Futter
weg. Wir haben nachher bey ihrer Zergliederung
den Schlund ungemein weit und dehnbar, den
derben muskulösen Magen hingegen zwar überaus
robust aber klein gefunden, so daß unmöglich die
ganzen grossen Knochen darin Platz haben konn-
ten, sondern das eine Ende davon im Magen zer-
[Seite 205] malmt werden mußte, indeß das andere noch in
die Speiseröhre hinausragte.

25. phoenicopterus. Rostrum denuda-
tum, infracto-incurvatum, denticulatum,
pedes tetradactyli.

1. Ruber. der Flamingo, Flamant. P. ruber,
remigibus nigris.
*

Wir haben den Flamingo, seiner Schwimm-
füsse und mit Haut überzogenen Schnabels we-
gen, in diese Ordnung versezt, ob er gleich in
Rücksicht seines übrigen Körperbaus auch viel
Aehnlichkeit mit den Sumpfvögeln zeigt. Er ist
in Africa und America zu Hause, und war schon
bey den Alten, sowol wegen seiner anmuthigen
rothen Farbe, als wegen seines schmakhaften
Fleisches geschäzt.


V. STRUTHIONES.

Grosse Landvögel, mit freyen unverbundenen
Zehen, und kurzen zum Flug ungeschickten Flü-
geln ohne Schwungfedern.

26. struthio. Rostrum subconicum, pe-
des cursorii.

1. Camelus. der Straus. S. pedibus didacty-
lis, digito exteriore parvo mutico, spinis
alarum binis.
*

Der allergröste Vogel, der eine Höhe von acht
Fus und drüber erreicht. Er ist in Africa zu
Hause, und hat in seiner Bildung, auch beson-
[Seite 206] ders in Rücksicht der Brustschwiele, viel Aenlich-
keit mit dem Cameel. Das Unvermögen zum
Flug wird bey ihm durch die unglaubliche Schnel-
ligkeit seines Laufs vergütet, worinn er fast alle
andere Thiere übertrifft. Der Straus verschluckt
zwar zuweilen Geldstücke und ander Metall, aber
ohne davon ernärt zu werden, wie man ehedem
vorgegeben hat: und der Versuch selbst kan nicht
oft ohne Schaden der Gesundheit des Thiers
wiederholt werden.

2. Casuarius. der Casuar, Emeu. S. pedibus
tridactylis, galea palearibusque nudis, remi-
gibus spinosis.
*

Der Casuar ist in Africa und Ostindien zu
Hause, und gränzt sowol in seiner Bildung als
Grösse zunächst an den Straus. Seine Federn
sind hornicht und äneln Pferdehaaren. Es ent-
springen immer zwey und zwey Schafte aus
einem gemeinschaftlichen Kiele.

27. didus. Rostrum medio coarctatum ru-
gis duabus transversis: utraque mandibula
inflexo apice. facies ultra oculos nuda.

1. Ineptus. der Dudu, Walghvogel. D. pe-
dibus ambulatoriis, cauda brevissima, pen-
nis incurvis.

Olearii Gottorp. Kunstk. T. XIII. F. 5.

Der Dudu lebt in Ostindien und ist ein lang-
sames träges Thier, was leicht zu fangen, aber
wegen seines widrigen Fleisches von wenig Nuz-
zen ist.

[Seite 207]

VI. GRALLAE.

Die Vögel dieser Ordnung haben einen walzen-
förmigen Schnabel von ungleicher Länge, lan-
ge Füsse, und mehrentheils auch einen langen
Hals, aber kurzen Schwanz. Sie halten sich in
sumpfichtem moorichtem Boden auf, leben von
Amphibien, Insecten und Wasserpflanzen, nisten
meist auf der Erde oder im Schilf, und werden
durch ihr ganz vorzüglich schmackhaftes Fleisch
und durch ihre Eyer nutzbar.

28. otis. Rostrum mandibula superiore for-
nicata, pedes cursorii, tetradactyli.

1. † Tarda. Der Trappe. O. maris capite ju-
guloque utrinque cristato.
*

Der Trappe ist im wärmern Europa und in
Ostindien zu Hause, fliegt wenig und langsam,
und kan daher mit Windhunden gefangen wer-
den. Im Winter streicht er nur auf kurze Zeit
in benachbarte Gegenden, närt sich von Getrai-
de, doch auch von kleinen Vögeln, Lerchen etc.
Er lebt in Polygamie, die Männchen sind zur
Brunstzeit äuserst hitzig, und fechten unter ein-
ander um ihr Weibchen.

29. ardea. Rostrum rectum, acutum, lon-
gum, subcompressum. pedes tetadractyli.

1. † Grus. Der Kranich. A. occipite nudo
papilloso, corpore cinereo, alis extus testa-
ceis.
*

[Seite 208]

Der Kranich findet sich im südlichen Europa;
zieht aber im Herbste zu grossen Schaaren nach
wärmern Gegenden. Daß er mehrentheils nur
auf einem Bein steht, und das andre an den Leib
zieht, ist gewiß: aber Fabel, daß er in diesem
einen Stein halte etc.

2. † Ciconia. Der Storch. A. alba, orbitis
nudis remigibusque nigris: rostro, pedibus
cuteque sanguineis.
*

Ist fast in der ganzen alten Welt zu finden, und
närt sich fast blos von Amphibien, besonders von
Fröschen und Schlangenund Kröten;
nistet auf Dächern an den Schornsteinen, und
überwintert in Africa. Er giebt zumal des Nachts
einen eignen Ton von sich, indem er mit dem
Schnabel klappert, den er sehr schnell zusammen
schlägt.

3. † Cinerea. Der graue Reiher. A. occipite
nigro laevi, dorso caerulescente, subtus albi-
do, pectore maculis oblongis nigris.
*

Schädliche Thiere, die den Fischteichen und be-
sonders der jungen Brut nachtheilig werden. Sie
nisten auf den höchsten Eichen, und geben einen
überaus ätzenden Unrath von sich, wovon sogar
oft die Bäume verdorren. Ihr Fleisch ist unge-
mein schmackhaft, und es wird daher sowol die-
se als andre Gattungen Reiher mit Falken ge-
haizet.

4. † Stellaris. Die Rohrdommel, der
Iprump. A. capite laeviusculo, supra testa-
cea maculis transversis, subtus pallidior, ma-
culis oblongis fuscis.
*

Ein langsames träges Thier, das eine rauhe
starke Stimme hat, die es zumal bey Regenwet-
terzeit von sich gibt, und in der Bildung den Rei-
[Seite 209] hern änelt, aber nicht auf Bäumen, sondern in
sumpfichten Boden nistet.

30. tantalus. Rostrum longum subula-
tum teretiusculum subarcuatum, saccus ju-
gularis nudus, pedes tetradactyli, basi pal-
mati.

1. Ibis. T. facie rubra, rostro luteo, pedibus
griseis, remigibus nigris, corpore rufescen-
te albido.

Das sehr wichtige Thier für Aegypten, was
zumal nach der Ueberschwemmung des Nils, nebst
den Störchen etc. die unzäligen Frösche u.a. Am-
phibien verzehren hilft.

31. scolopax. Schnepfe. Rostrum te-
retiusculum obtusum, capite longius, facies
tecta, pedes tetradactyli, postico pluribus ar-
ticulis insistente.

1. † Rusticola. die Waldschnepfe. S. rostro
basi rufescente, pedibus cinereis, femoribus
tectis, fascia capitis nigra.
*

Ein überaus schmackhafter, aber dummer Vo-
gel; der am Tage im Gehölze verborgen liegt,
und nur zur Nachtzeit, theils um sich für den Nach-
stellungen der Füchse und wilden Katzen zu sichern,
theils seiner Nahrung nachzugehen sich heraus
in sumpfichten Grund, ins Riedgras etc. begiebt.

2. † Gallinago. die Herrschnepfe, Himmels-
ziege, Becassine, der Haberbock, das Ha-
berlämmchen. S. rostro recto tuberculato,
pedibus fuscis, frontis lineis fuscis quater-
nis.
*

[Seite 210]

Nährt sich vom Getraide, zumal vom Haber,
das Männchen fliegt sehr hoch in der Luft, und
giebt dabey seine meckernde Stimme von sich, da-
her es zu allerhand Fabeln Anlaß gegeben hat.

32. tringa. Rostrum teretiusculum longitu-
dine capitis, postico uniarticulato, a terra
elevato.

Die Thiere dieses Geschlechts sind schwer von
den Schnepfen zu unterscheiden. Sie halten sich
doch mehr im Felde auf, und berühren mit dem
Daumen die Erde kaum oder gar nicht. Da die
Schnepfen hingegen in moorichtem Grund leben,
und auf allen vier Zehen gehen.

1. † Pugnax. der Kampfhahn, Renomist,
Hausteufel. T. rostro pedibusque rubris,
rectricibus tribus lateralibus immaculatis
facie papillis granulatis carneis.
*

Der einzige wilde Vogel, der in Rücksicht seiner
Couleuren eben so variirt wie unser Hausgeflügel.
Seinen Namen hat er von der hartnäckichen
Streitbarkeit, mit welcher zumal die Männchen
zur Brunstzeit gegen einander fechten.

2. † Vanellus. der Kybitz. T. pedibus rubris
crista dependente, pectore nigro.
*

Ist in Europa und Nordafrica zu Hause, hält
sich gewönlich wie andere Sumpfvögel am Was-
ser auf, nistet doch aber in trocknen Wiesen und
Feldern, auf die er auch bey trübem Wetter ein-
fällt.

33. haematopus. Rostrum compressum:
apice cuneo aequali, pedes cursorii tri-
dactyli.

[Seite 211]

1. † Ostralegus. der Austerdieb, Auster-
mann. H. rostro pedibusque rubris.

Lebt in Europa und Nordamerica von Conchy-
lien, und soll auch bey Annäherung eines Men-
schen einen warnenden Laut von sich geben, nach
welchem andere Vögel flüchten.

34. fulica. Wasserhuhn. Rostrum con-
vexum, mandibula superiore margine su-
pra inferiorem fornicata; frons calva, pe-
des tetradactyli, subpinnati.

1. † Atra. das schwarze Blaßhun. F. fron-
te incarnata, armillis luteis, corpore nigri-
cante.
*

Ist fast in ganz Europa zu finden. Entfernt
sich nie vom Wasser.

35. rallus. Rostrum basi crassius, com-
pressum, dorso attenuatum apicem versus,
aequale acutum, pedes tetradactyli, fissi.

1. † Crex. der Wachtelkönig. Schnerz. (or-
tygometra
) R. alis rufo-ferrugineis. *

Die Namen Crex und Schnerz hat er von sei-
ner Stimme. Wachtelkönig heißt er etwa seiner
Farbe wegen, die der Wachteln ihrer änelt, oder
von der alten Sage, daß er dieser Vögel Heer-
fürer im Strich sey.


VII. GALLINAE.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze
Füsse und einen convexen Schnabel, der an der
[Seite 212] Wurzel mit einer fleischichten Haut überzogen
ist, und dessen obere Hälfte seitwärts über den
Unterschnabel hinaus ragt. Sie nähren sich
meist von Pflanzen-Saamen, die sie im Kro-
pfe (§. 69.) einweichen; leben in Polygamie,
legen zahlreiche Eyer; und sind ganz vorzüglich
nutzbare Thiere: daher auch das mehreste Haus-
geflügel aus dieser Ordnung genommen ist.

36. pavo. Caput pennis revolutis tectum,
pennae caudales elongatae, ocellatae.

1. † Cristatus. der Pfau. P. capite crista
compressa, calcaribus solitariis.
*

Der Pfau ist in Ostindien zu Hause, und seit
Alexanders des grossen Zeiten auch in Europa be-
kannt. Besonders ist das Männchen in Rücksicht
der unbeschreiblichen Pracht seiner Schwanzfedern
eins der schönsten Geschöpfe in der Natur: doch
wird dieser Theil nicht vor dem dritten Jahre
beym jungen Thiere ausgebildet: so wie auch das
Federbüschgen auf dem Kopfe erst in einer bestimm-
ten Zeit und unter kränklichen Anfällen hervor-
bricht: das Weibgen versteckt gern seine Eyer
trägt auch für die nachherigen Jungen ungemeine
Sorgfalt, und sucht sie für den Gewalthätigkeit-
ten des Männchens zu schützen.

37. meleagris. Caput carunculis spongio
sis tectum, gula caruncula membranacea
longitudinali.

1. Gallopavo. der Kalckuter, Truthahn,
Puder, Wälscher Hahn, Ruhnhahn. M.
maris pectore barbato. *

[Seite 213]

Dieses Thier, was in Ostindien und Afrika zu
Hause ist, ward 1530 zuerst nach Deutschland
gebracht, wo es nun wegen seines vortreflichen
Fleisches als Meyergeflügel gehalten wird. Die
Männchen zumal sind sehr hitzige Geschöpfe, die die
rothe Farbe und das Pfeiffen nicht leiden können,
und mit vieler Wuth um ihre Geliebten fechten.
Sie können die Nässe nicht vertragen, und wer-
den am besten mit Wallnüssen und Milch ge-
mästet.

38. phasianvs. Genae cute nuda laevigata.

1. † Gallus. Der Haushahn. P. caruncula
compressa verticis geminaque gulae, auri-
bus nudis, cauda compressa ascendente.
*

Auch dieses Thier stammt, wie die vorhergehen-
den, aus Ostindien. Es ist aber durch die Cul-
tur, wie andre Hausthiere, nach und nach man-
nichfaltig ausgeartet, daher vorzüglich folgende
Spielarten entstanden sind:

a) Der englische Hahn, mit einem dichten
Federbusch auf dem Kopf. Frisch Vögel. T.
129. 130.

b) Der Kluthahn ohne Schwanz. Frisch T.
131. 132.

c) Der Krausehahn, Frisländische Hahn,
mit krausen lockichten Federn. Fr. 135.

d) Der Zwerghahn, Bantam, mit befiderten
Füssen. Fr. 137.

Das Huhn ist eins der allernutzbarsten Thiere der
ganzen Classe, dessen ökonomische Brauchbarkeit
durch die Menge seiner Eyer und durch das oft-
malige Brüten gar sehr erhöhet wird. Bey den al-
ten Römern hatte der Aberglaube diese Thiere da-
[Seite 214] durch zu sehr wichtigen Geschöpfen erhoben*),
daß man aus dem Fall der Körner bey ihrem Fras,
Glück oder Unfall zu den schwierigsten Vorhaben
weißagte: und die Streitbarkeit der Häne hat
man von jeher zur Unterhaltung benutzt, und
Hanen-Gefechte als Schauspiele gegeben. Bey
den Alten waren vorzüglich die Häne von Rho-
dos, Chalcis und Tanagra wegen ihres Muths
berühmt. In Sina, auf den Sundaischen In-
seln, auf den Philippinen, im Darischen Meer-
busen, und vorzüglich in England, sind noch jezt
die Hanen-Gefechte gewöhnliche Vergnügungen.

2. Colchicus. Der Fasan. P. rufus, capite cae-
ruleo, cauda cuneata genis papillosis.
*

Des Fasans Vaterland ist Africa und das wär-
mere Asien. Sie pflanzen sich zwar auch in Europa
fort, brauchen aber kostbare Wartung, und sind
daher bis jezt noch nicht mit Vortheil zu ziehen.

3. Pictus. Der Sinesische Goldfasan. P. cri-
sta flava, pectore coccineo, remigibus secun-
dariis caeruleis, cauda cuneata.
*

Aenelt der vorigen Gattung in der Bildung,
zeichnet sich aber durch die herrlichsten Roth- und
Goldgelbfarben von ihr aus.

39. nvmida. caput collo compresso colora-
to cornutum. palearia carunculacea ad latera
maxillae utriusque.

1. Meleagris. Das Perlhuhn. N. rostro cera
instructo nares recipiente.
*

[Seite 215]

Ein schön geflecktes Thier, was in Afrika ein-
heimisch ist, aber auch nördlicher Gegenden ge-
wohnt, und leicht zu ziehen ist.

40. tetrao. Macula prope oculos nuda,
papillosa.

Die Thiere dieses Geschlechts haben in ihrer Le-
bensart vieles mit einander gemein. Einige
halten sich in Feldern, die mehresten aber im
Gehölze auf, und diese leben im Sommer von
Beeren, im Winter aber von zartem Heidekraut,
Tannensprossen etc.

1. † Urogallus. Der Auerhahn. T. pedibus
hirsutis, cauda rotundata, axillis albis.
*

Ist in Europa und Nordamerika zu Hause,
hat ein äuserst scharfes Gesicht und Gehör, lebt
im Dickicht, und nistet auf der Erde. So bald
das Thier angeschossen wird, schluckt es seine
Zunge, daher die alte Sage entstanden, daß
der Auerhahn gar keine Zunge habe, die man
aber bey der Untersuchung im Schlunde steckend
finden kan.

2. † Tetrix. Der Birkhahn. T. pedibus hir-
sutis, cauda bifurcata, remigibus secunda-
riis basin versus albis.
*

Ist im nördlichen Europa zu Hause. Aenelt
dem Auerhahn in der Lebensart, auch im Betra-
gen zur Brunstzeit, hat aber ein noch schmackhaf-
teres Fleich als dieser.

3. Lagopus. Das Schnechuhn, Rypen. T.
pedibus lanatis, remigibus albis, rectricibus
nigris, apice albis: intermediis albis.

Findet sich in der nördlichsten Erde, ist im Som-
mer von grauer, im Winter aber von weisser Far-
[Seite 216] be, macht sich aber nicht, wie man vorgegeben
hat, Gänge und Gruben unter dem Schnee.

4. † Bonasia. Das Haselhuhn. T. pedibus
hirsutis, rectricibus cinereis punctis nigris
fascia nigra: exceptis intermediis duabus
. *

Lebt einsam in den Haselgebüschen des mitt-
lern Europa. Auch bey dieser Gattung ist das
Männchen im Frühjahr sehr hitzig, und läst sich
dann wie die Wachtel mit der Pfeife locken.

5. † Rufus. perdrix rouge. T. pedibus nudis
calcaratis rostroque sanguineis, gula alba
cincta fascia nigra albo punctata.
*

6. † Perdix. Das Rebhuhn, Feldhuhn. T.
pedibus nudis calcaratis, macula nuda coc-
cinea sub oculis, cauda ferruginea, pectore
brunneo.
*

Die Rebhühner leben, gegen die Gewohnheit
andrer Thiere dieser Ordnung, in Monogamie,
brüten jedesmal zwanzig und mehr Eyer aus, und
beyde Eltern erziehn ihre Jungen mit ungemeiner
Sorgfalt. Am Tage gehn sie ins Gebüsch, blei-
ben aber wegen der Nachstellung der Füchse und
Katzen nie über Nacht darin, sondern fallen Abends
ins Feld. Sie halten sich gern in Weinbergen
auf, und thun den Reben Schaden.

7. † Coturnix. Die Wachtel. T. pedibus nu-
dis, corpore griseo maculato, superciliis albis,
rectricibus margine lunulaque ferruginea. *

Die Wachteln finden sich in den wärmern Stri-
chen der alten Welt, streichen in grossen Schaa-
ren, und sind wol sicher die Speise der Israeli-
ten in der Wüste*) gewesen, die Ludolf auf Heu-
schrecken, und der junge Ol. Rudbeck auf fliegen-
[Seite 217] de Fische deutete. Diese Thiere werden sehr leicht
zahm, verwildern aber, so bald sie wieder in Frey-
heit kommen. Die Männchen singen anmuthig,
sind aber überaus hitzig, und tödten einander
leicht im Streit um ihre Weibgen.

41. columba. Rostrum rectum versus api-
cem descendens.

1. † Oenas. Die Haustaube, Feldtaube,
Holztaube. C. coerulescens, cervice viridi
nitente, dorso postico albo, fascia alarum
apiceque caudae nigricante.
*

Chr. Sepp en Zoon Nederl. Vog. door No-
zeman. t.
VII.

Auch unter diesen Thieren sind zahlreiche Ab-
artungen, die theils für eigne Gattungen auge-
sehen worden sind, die aber zumal in ihrem in-
nern Körperbau zu viel Gleichheit zeigen, um für
etwas mehr als blosse Varietäten passiren zu dür-
fen. Die vorzüglichsten sind folgende:

a) dasypus, die Trummeltaube, mit rauh
befederten Füssen. Frisch Vögel. T. 145.

b) gutturosa, die Kropftaube, der Krö-
pfer, mit einem ungeheuren Kropfe, den
sie bis zur Grösse des ganzen Körpers auf-
zutreiben vermag. Frisch T. 146.

c) cucullata, die Schleiertaube, Perüken-
taube, mit vorwärts gebogenem Federbu-
sche auf dem Kopfe. Fr. T. 150.

d) turbita, das Möwchen, mit krausen Brustfe-
dern und ganz kurzem Schnabel. Fr. T. 147.

e) laticauda, die Pfauentaube, der Hü-
nerschwanz, mit aufrechtem ausgebreitetem
Schwanze. Fr. T. 151.

[Seite 218]

Die Tauben brauchen zwar sorgfältige War-
tung und Reinlichkeit, schaden auch den Dächern,
und wenn sie Feldflüchter sind, auch dem Getraide
und Gärten; sind doch aber von der andern Sei-
te auf sehr vielfache Weise, wegen ihrer starken
Vermehrung, wegen ihres Fleisches, und selbst
ihres Mistes wegen, der den besten Dünger ab-
giebt, für die Wirthschaft profitabel. Die Gat-
ten lieben einander sehr, und sie sind das einzige
Meyergeflügel, wo auch das Männchen am
Brütgeschäfte Antheil nimt. In den ersten vier
Jahren bezeigen die Tauben auch viele Liebe für
ihre Jungen, wenn sie aber älter werden, müs-
sen sie abgeschaft werden, weil sie nachher ihre
Eyer zerbrechen, ihre Jungen heissen etc. Die
Tauben zeichnen sich von den mehresten übrigen
Vögeln dadurch aus, daß sie viel, und ohne Ab-
setzen, saufen, fast wie die Säugthiere.

2. Tabellaria. die Posttaube. C. obscure coe-
rulescens, cera lata carunculata albida, pal-
pebris tuberosis, nudis, furfuraceis.

Diese Taube hat ihren Nahmen daher weil
man sich ihrer in Orient, zumal um Aleppo
herum bedient, um Briefe zu überschicken; da
man nemlich solche Thiere aus ihren Kobeln mit
in die Ferne nimt, und ihnen dann ein Billet an
die Flügel bindet, mit welchem sie ihren alten
Neste zueilen, und da abgeredtermaßen aufge-
fangen, und ihnen ihre Aufträge abgenommen
werden. Inzwischen ist bey weitem nicht blos
diese Gattung, sondern auch unsere Haustaube,
zu diesem Geschäfte brauchbar, wie schon Hir-
tius und Brutus bey der Belagerung von Mo-
dena, die Harlemer bey der Belagerung von
1573, die Leidner bey der von 1574, u.a.m.
[Seite 219] mit bestem Erfolg versucht haben.*) Ja man weiß,
daß sogar Schwalben, Krähen u.a. Vögel zu
gleicher Absicht gebraucht worden sind.

3. † Palumbus. Die Ringtaube, große Holz-
taube, Schlagtaube, Plochtaube. C. rectri-
cibus postice atris, remigibus primoribus mar-
gine exteriore albidis, collo utrinque albo.
*

Sepp, t. IV. V.

Fliegt schaarenweise, und thut den Fruchtfel-
dern Schaden.

4. † Turtur. Die Turteltaube. C. rectricibus
apice albis, dorso griseo, pectore incarnato,
macula laterali colli nigra lineolis albis.
*

Sepp, t. VI.

Die kleinste wilde Taube. Ein überaus schö-
nes Thier, was sich in Schwarzwäldern aufhält,
in hole Bäume nistet und sehr leicht kirre wird; des-
sen gepriesene Keuschheit und eheliche Treue aber
freylich nicht so gar wörtlich und streng verstan-
den werden muß. Die Turteltauben ziehen im
Herbste von uns, und man sieht ihre Rückkehr im
Frühjahr für ein sicheres Zeichen des völlig geen-
deten Winters an.

5. † Risoria. Die Lachtaube. C. supra lute-
scens, lunula cervicali nigra.
*

Von der Grösse der Turteltaube, der sie auch
in der Bildung und Lebensart änelt.


VIII. CORACES.

Die Vögel dieser Ordnung haben einen star-
ken oben erhabnen Schnabel von mittelmäßiger
[Seite 220] Größe, und kurze Füsse. Sie leben theils von
Getraide u.a. Pflanzen-Saamen etc. theils von
Insecten, und auch von Aas; und haben meh-
rentheils ein wilderndes unschmackhaftes Fleisch.

42. corvus. Rostrum convexum cultratum,
nares mystace tectae. pedes ambulatorii.

1. † Corax. Der Kolk-Rabe, gemeine Rabe.
C. ater dorso atro caerulescente, cauda sub-
rotunda.
*

Der Rabe nistet auf Tannen, hält sich aber
der Nahrung wegen gern bey Hochgerichten, auf
Angern etc. auf, und hat wol unter allen Vögeln
den schärfsten Geruch, indem er in einer erstaun-
lichen Entfernung das Aas, was im stärksten
Dickicht verborgen liegt, auswittert. Die Mut-
ter nimt sich nur kurze Zeit ihrer Jungen an,
stöst sie dann aus dem Nest, und verjagt sie wol
gar aus ihrem Revier.

2. † Frugilegus. Die Saatkräche, der Kare-
chel. C. ater, fronte cinerascente, cauda sub-
rotunda.
*

Lebt gesellschaftlich; schadet dem Getraide.

3. † Cornix. Die Nebelkrähe. C. cinerascens,
capite jugulo alis caudaque nigris.
*

Ein unschuldiges Thier, was wenigstens den
geringen Schaden, den es thut, durch die Vertil-
gung unzähligen Ungeziefers sattsam vergütet.

4. † Monedula. Die Dohle. C. fuscus, occi-
pite incano, fronte alis caudaque nigris.
*

Die Dohlen nisten auf hohen Thürmen etc. hal-
ten sich im Sommer zerstreut im Felde auf, näh-
ren sich von Getraide und Aas, ziehen sich im
[Seite 221] Winter haufenweis zusammen, und flüchten des
Abends in die Städte auf Kirchdächer etc. wo
wir sie oft zu hunderten haben übernachten ge-
sehen.

5. † Glandarius. Der Holzheher, Nußbeis-
ser, Marcolph. C. tectricibus alarum cae-
ruleis, lineis transversis albis nigrisque, cor-
pore ferrugineo variegato.
*

Sepp, t. I.

Ein schönes aber gefrässiges Thier, was sich
von Saat, Eicheln, Nüssen und Aas nährt; doch
aber dadurch nutzbar wird, daß es vom Ueber-
fluß Nüsse etc. vergräbt, die nachher auskeimen
und aufwachsen.

6. † Caryocatactes. der C. fuscus
alboque punctatus, alis caudaque nigris: re-
ctricibus apice albis: intermediis apice de-
tritis.
*

Sepp, t. III.

7. † Pica. die Aelster, Heister. C. albo ni-
groque varius, cauda cuneiformi.
*

Sepp, t. II.

Einer der schädlichsten Vögel, zumal für jun-
ge Hünchen und Gänse.

43. coracias. Rostrum cultratum, apice
incurvato, basi pennis denudatum. pedes
ambulatorii.

1. † Garrula. die Mandelkrähe, Racke, der
Birkheher. C. caerulea, dorso rubro, re-
migibus nigris.
*

Ein schöner Vogel, der sich von Insecten und
Saamenkernen nährt; im Gebüsche, zumal auf Bir-
[Seite 222] ken, nistet, aber in der Erndezeit, wenn die
Frucht in Mandeln steht, hauffenweis auf die
Felder fliegt.

44. paradisea. Paradisvogel. Rostrum
basi plumis tormentosis tectum, pennae hy-
pochondriorum longiores. Rectrices duae
superiores singulares denudatae.

1. Apoda. P. pennis hypochondriis corpore
longioribus, rectricibus duabus intermediis
longis setaceis.
*

Seba thes. T. I. t. LXIII. f. 1. 2.

Lebt Schaarenweis auf den Molukkischen In-
seln, nährt sich vorzüglich von Schmetterlingen,
hat einen unproportionirlich kleinen Kopf, aber
grosse Füsse, die ihm die leichtgläubigen Alten
abzusprechen wagten.

45. cuculus. Rostrum teretiusculum, pe-
des scansorii.

1. † Canorus. der Kukuk. C. cauda rotunda-
ta nigricante albo-punctata.
*

Ein merkwürdiges Thier, von dem man ehe-
dem viel Unwahres erdichtet hat. Gewiß ist,
daß er seine Eyer nicht selbst bebrütet, sondern sie
in die Nester der Grasmücken und Bachstelzen legt,
die sich an seiner statt diesem Geschäft unterzieh-
hen: aber was man vom Undank des erwachse-
nen Kukuks gegen seine Pflegemutter, oder gar
von seiner Metamorphose in einen Sperber ge-
sagt hat, sind Fabeln.

2. Indicator. der Honigweiser, Honigkukuk.
C. cauda cuneiformi fusco-et albido-macula-
ta, alis fuscis maculis flavis, pedibus nigris.

[Seite 223]

Sparrman in Philos. Transact. 1777. t. 9.

Der Honigkukuk ist im südlichern Afrika vom
Cap Landeinwärts zu Hause, und hat seinen Na-
men von der Fertigkeit, mit welcher er seine
liebste Nahrung, die wilden Bienennester, aufzu-
suchen weiß. Er thut dies zumal des Morgens
und gegen Abend; und die Hottentotten sowol
als die dortigen Holländer bedienen sich dieser
Gelegenheit, um selbst den wilden Honig einzu-
sammeln. Sie geben auf den Ruf des Vogels
Acht, beantworten ihn durch Pfeiffen, und so
hält sich dieses Thier immer um sie auf, flattert
vor ihnen her, und leitet sie zum bestimmten
Orte. Zur Erkenntlichkeit überläßt man ihm
nachher eine kleine Portion vom gefundenen Ho-
nig; aber nur eben genug, um seinen Appetit
von neuem rege zu machen, und ihn zum fer-
nern Honigverrath zu ermuntern.

46. oriolvs. Rostrum conicum, conve-
xum, acutissimum: rectum: mandibula su-
periore paulo longiore, obsolete emarginata.
pedes ambulatorii.

1. † Die Golddroßel, der Kirschvogel, Wi-
dewall, Pyrol, Pfingstvogel, Weihrauch,
Bieresel. O. luteus, artubus nigris, rectri-
cibus exterioribus postice flavis.
*

Sepp, t. XI.

Lebt in Europa und Ostindien von In-
secten und Beeren, und macht sich ein überaus
künstliches napfförmiges Nest, was er sehr daur-
haft zwischen zwey Aestgen zu befestigen versteht.

2. Persicus. Der Jupujaba. O. niger, dorso
postico maculaque tectricum alarum basique
rectricum luteis.

[Seite 224]

Baut sich, wie andre Gattungen dieses Geschlechts
die in die wärmsten Erdstriche beyder Welten zu
Hause gehören, ein langes Beutelförmiges Nest
von Schilf und Binsen, mit einer engen Oeffnung,
das er am Ende eines Baumzweiges aufhängt,
und dadurch seine Jungen für den Ueberfällen der
Affen und Schlangen sichert.


IX. PASSERES.

Kleine Vögel, mit kurzen schlanken Füssen,
und kegelförmigem scharf zugespitztem Schnabel
von verschiedner Grösse und Bildung. Sie le-
ben in Monogamie, nären sich von Insecten und
Pflanzen. Saamen, und füttern mehrentheils
ihre Jungen aus dem Kropfe. Sie haben ein
zartes schmackhaftes Fleisch, und die meisten
von ihnen singen.

47. alauda. Rostrum cylindrico-subulatum,
rectum: mandibulis aequalibus, basi deor-
sum dehiscentibus. Unguis posticus rectior,
digito longior.

1. † Arvensis. Die Feldlerche, Himmelsler-
che. A. rectricibus extimis duabus extror-
sum longitudinaliter albis: intermediis infe-
riori latere ferrugineis.
*

Lebt in ebnen Gegenden, von Insecten und Ge-
traidesaamen, besonders auch von wildem Knob-
lauch, der das Fleisch dieser Thiere vorzüglich
schmackhaft macht. Sie steigen hoch in die Luft,
und singen, zumal bey heiterm Wetter. Sie brü-
[Seite 225] ten im Getraide, werden aber, wenn sie jung
gefangen sind, ungemein zahm.

2. † Pratensis. Die Wiesenlerche. A. rectri-
cibus duabus extimis extrorsum albis, linea
superciliorum alba. *

Findet sich mehr auf den Wiesen, und im Herbst
auf den Fahrwegen; singt nicht so wie andre Ler-
chenarten, sondern schreit blos.

3. † Arborea. die Waldlerche, Baumlerche,
A capite vitta annulari alba cincto. *

Lebt gesellschaftlich.

4. † Campestris. die Brachlerche. A. rectri-
cibus fuscis: inferiori medietate, exceptis in-
termediis duabus, albis: gula pectoreque
flavescente. *

5. † Trivialis. die Piplerche, Leimvogel. A.
rectricibus fuscis: extima dimidiato-alba, se-
cunda apice cuneiformi alba, linea alarum
duplici albida.
*

6. † Cristata. die Haubenlerche, Kobellerche
Heidelerche, der Kothmünch. A. rectrici-
bus nigris: extimis duabus margine exterio-
ri albis, capite cristato.
*

Singt ungemein schön, ist aber selten länger
als ein Jahr im Zimmer zu erhalten, und braucht
sorgfältige Wartung und abwechselndes Futter.

48. stvrnvs. Rostrum subulatum, angu-
lato-depressum, obtusiusculum: mandibula
superiore integerrima, marginibus paten-
tiusculis.

[Seite 226]

1. † Vulgaris. der Staar, die Sprehe. S.
rostro flavescente, corpore nigro punctis al-
bis.
*

Ein muntres possierliches, und dabey nutzbares
Thier, was Raupen, Heuschrecken u.a. schädli-
che Insecten vertilgt, dabey sehr gelehrig ist, und
leicht Worte sprechen lernt. Er gränzt in seiner
Bildung, Nesterbau und Lebensart an die Aelster,
so wie die Lerche an die Wachtel.

2. † Cinclus. die Wasseramsel. S. niger, pe-
ctore albo.
*

Hält sich einzeln an kiesichten Forellenbächen
auf, und lebt meist von Wasserinsecten.

49. tvrdvs. Rostrum tereti-cultratum:
mandibula superiore apice deflexo, emargi-
nato, faux ciliata.

1. † Viscivorus. die Schnarre, Misteldrossel,
der Brachvogel, Zaritzer. T. dorso fusco,
collo maculis albis, rostro flavescente.
*

Nährt sich von Mistelbeeren, hat einen anmu-
thigen Gesang, und wird leicht zahm.

2. † Pilaris. der Krametsvogel. T. rectrici-
bus nigris: extimis margine interiore apice
albicantibus, capite uropygioque cano.
*

Ist fast in ganz Europa zu Hause, nährt sich
vorzüglich von Wachholder- (Kramets-) Ber-
ren, und war schon bey den Römern wegen sei-
nes schmackhaften Fleisches berühmt.

3. † Iliacus. die Zipdrossel, Rothdrossel. T.
alis subtus férrugineis, superciliis flavescen-
tibus.
*

Sepp, t. XII.

[Seite 227]

Hält sich im Herbste Schaarenweis zusammen,
und thut nebst den folgenden Gattungen den
Weintrauben grossen Schaden.

4. Musicus. die Sangdrossel, Weindrossel,
Weißdrossel. T. remigibus basi interiore
ferrugineis.
*

Ihr Gesang änelt der Nachtigall ihrem. Zu-
weilen findet sich eine weißgraue Spielart von
ihr, dergleichen wir selbst im Waldeckischen ge-
sehen haben.

5. † Merula. die Amsel, Schwarzdrossel.
T. ater, rostro palpebrisque flavis. *

Sepp, T. X.

Die Amsel lebt einsam, nährt sich von Wachhol-
derbeeren, tödtet aber auch kleine Sangvögel,
hat ein gutes Gedächtnis, und behält, was sie
einmal pfeiffen gelernt hat, Lebenslang.

6. † Torquatus. die Ringdrossel, Ringamsel.
T. nigricans, rostro flavescente, macula pe-
ctorali albida. *

7. † Arundinaceus. die Bruchdrossel. T. fu-
sco ferrugineus, subtus albido-testaceus, re-
migibus fasciis apice rufescentibus.
*

Nistet im Schilf. So lange das Weibgen
brütet, singt das Männchen unaufhörlich.

50. ampelis. Rostrum rectum, convexum:
mandibula superiore longiore, subincurvata,
utrinque emarginata.

1. Garrulus. der Seidenschwanz, Pfeffervo-
gel, Sterbevogel, Böhmer. A. occipite
cristato, remigibus secundariis apice cocci-
neo cartilagineo.
*

[Seite 228]

Ist in der ganzen nordlichen Erde zu Hause,
kommt doch aber nur in kalten Wintern nach
Deutschland.

51. loxia. Rostrum conico-gibbum; fron-
tis basi rotundatum. mandibula inferior mar-
gine laterali inflexa
.

1. †. Curvirostra. der Krumschnabel, Krü-
niz, Tannenpapagey. L. rostro forfìcato.

Ein überaus sonderbares Thier, was sich in
Tannenwäldern aufhält, und in Rücksicht seiner
schönen Farben, im Gebrauch seines Schnabels,
und überhaupt in seinem ganzen Betragen, unge-
mein viel Aenlichkeit mit den Papagayen zeigt.
Der Krüniz ist, so viel wir wissen, der einzige
Vogel in der Natur, dessen Schnabelspitzen sich
kreuzen; eine Anomalie, die ihm zum Ausklauben
der Tannenzapfen, und zum bequemen Klettern
zu passe kommt. Der Oberschnabel läuft bald
rechts, bald links neben den untern vorbey.
Auch darin weicht das Thier von der Oekonomie
anderer Vögel ab, daß es mitten im Winter zu
Ende des Jänners brütet, und wie wir sicher
wissen, sein Nest, um es gegen Nässe und Schnee
dauerhaft zu machen, mit Harz kalfatert.

2. †. Coccothraustes. der Kirschfink, Kern-
beisser. L. linea alarum alba, remigibus
mediis apice rhombeis, rectricibus latere te-
nuiore baseos nigris. *

Er vermag mit seinem starken Schnabel Kirsch-
kerne aufzubeissen, und sich gegen Hunde und
Katzen zu wehren.

3. Pyrrhula. der Dompfaff, Blutfink, Sim-
pel, Rothfink, Gieker. (rubicilla) L. ar-
[Seite 229] tubus nigris, tectricibus caudae remigumque
posticarum albis. *

Ein schönes, aber dummes Thier, was doch
leicht Lieder pfeiffen lernt, und mit der Canarien-
Sie Bastarden giebt.

4. Cardinalis. der Indianische Haubenfink,
die Virginische Nachtigall. L. cristata ru-
bra, capistro nigro, rostro pedibusque san-
guineis
. *

Ist in Nordamerica zu Hause, und wegen der
Schönheit seiner Federn und seines vortrefflichen
Gesanges gleich schätzbar.

5. † Chloris. der Grünfink, Grünling,
Grünschwanz, die Zwuntsche. (anthus s.
florus
) L. flavicanti-virens, remigibus pri-
moribus antice luteis, rectricibus laterali-
bus quatuor basi luteis. *

Lernt anderer Vögel Gesang nachahmen: faßt
schwer, behält aber desto besser, und hat den
Vorzug, daß er das ganze Jahr durch singt. Er
nistet in Schwarzholz, und giebt mit der Cana-
rien-Sie Bastarden.

52. emberiza. Rostrum conicum, man-
dibulae basi deorsum a se invicem disceden-
tes: inferiore lateribus inflexo-coarctata, su-
periore angustiore.

1. † Nivalis. die Schneeammer, der Schnee-
vogel. E. remigibus albis: primoribus ex-
trorsum nigris, rectricibus nigris: laterali-
bus tribus albis.

Ein ganz nördlicher Vogel, der eigentlich blos
zum Ueberwintern nach Deutschland kömmt, doch
[Seite 230] auch zuweilen daselbst in gebürgichten Gegenden
nistet.

2. †. Miliaria. die graue Ammer. E. grisea,
subtus nigro-maculata, orbitis rufis.
*

3. †. Hortulana. der Ortolan, Kornfink, die
Fettammer, Windsche Goldammer. E.
remigibus nigris: primis tribus margine al-
bidis, restricibus nigris: lateralibus duabus
extrorsum nigris. *

Nisten in Weinbergen: nähren sich besonders
von Hirsen, davon sie vorzüglich schmackhaft und
fett werden.

4. †. Citrinella. die Goldammer, der Emmer-
ling. E. rectricibus nigricantibus: extimis
duabus latere interiore macula alba acuta. *

Vertilgt die Kohlraupen; zieht sich im Winter
nach den Dörfern etc. brütet oft viermal im Jah-
re. lernt Finkenschlag, und fingt ungewönlich
lange, nämlich vom Hornung bis im August.

5. † Schoeniclus. die Rohrammer, der Rohr-
sperling, Moosemmerling. E. capite ni-
gro, corpore griseo nigroque, rectricibus
extimis macula alba cuneiformi
.

Im Schilf und auf sumpfichten Wiesen. Die
Männchen allein streichen im Herbste weg, so
daß alsdenn lauter Weibgen zu sehen sind.

53. fringilla. Rostrum conicum rectum
acuminatum.

1. †. Caelebs. der Buchfink, Gartenfink,
Rothfink, Waldfink. F. artabus nigris, re-
migibus utrinque albis; tribus primis imma-
culatis, rectricibus duabus oblique albis. *

[Seite 231]

Der Finken Gesang ist überaus mannichfaltig,
so daß man wol zwanzig verschiedene Gattungen
zählt, die von den Vogelstellern mit eignen Nah-
wen belegt, und verschiedentlich geschätzt werden.
Mehrentheils schlagen die Finken in jedem Revier
von sechs oder mehr Meilen in die Runde über-
ein, und die in den benachbarten Gegenden wie-
der anders. Oft hat aber auch ein Fink drey-
viererley Gesang, mit dem er abwechselt. Die
Streichzeit dieser Thiere ist um Michaelis, und
dauert vier Wochen lang. Sie fallen, zumal
bey neblichtem Wetter, leicht auf den Heerd, und
lassen sich willig durch geblendete Finken locken.
Sonsten sind sie schlaue Thiere, die den Raubvö-
geln und den Garnen auf mannichfaltige Weise
zu entgehen wissen.

2. †. Montifringilla. der Bergfink, Tannen-
fink, Rothfink, Mistfink, Rowert, Schnee-
fink, Winterfink, Quäckfink, Nikawitz,
Gegler. F. alarum basi subtus flavissima. *

Findet sich häufig auf den Harz, und über-
haupt in Tangelwäldern, zieht sich aber des Win-
ters nach den Dörfern, um seine Nahrung auf
dem Mist zu suchen.

3. † Carduelis. der Stieglitz, Distelfink. F.
fronte et gula coccineis, remigibus antror-
sum flavis: rectricibus duabus extimis me-
dio reliquisque apice albis. *

Ein überaus artiges Thier, was sich durch sehr
viele vortheilhafte Seiten empfiehlt. Es ist der
schönste hiesige Sangvogel, der Jahr aus, Jahr
ein im Käficht fingt, sehr leicht zahm wird, und
selbst zum freyen Aus- und Einstiegen zu gewöh-
nen ist. Er erreicht dabey ein Alter von zwan-
zig und mehr Jahren, und frißt in der Wildnis
[Seite 232] Distelflocken und anderes unnützes Futter. Mit
der Canarien-Sie giebt er schön gezeichnete Ba-
starben, die die Taille der Mutter, und nicht
des Vaters kurze Beine, aber seine schönen Far-
den haben.

4. † Canaria. der Canarienvogel. F. rostro
corporeque albo flavescente, restricibus re-
migibusque virescentibus. *

Dieses Thier ist zu Anfang des sechzehnten
Jahrhunderts aus den Canarischen Inseln nach
Europa gebracht worden, wo es nun gänzlich
eingewohnt, und schon wie andres Hausgeflügel
in mehrere Varietäten ausgeartet ist. Die Haupt-
Verschiedenheit reducirt sich auf die Farbe: es giebt
graue, grünliche, hochgelbe und semmelfarbne
Canarienvögel; auch Kakerlaken mit rothen Au-
gen. Nächst seinem eignem anmuthigen Gesang
ahmt der Canarienvogel auch gern Nachtigallen-
schlag nach, und lernt sehr richtig Lieder pfeiffen.
Er wird überaus zahm, so daß er seinen Herrn
kennen lernt, zum Ein- und Ausfliegen, und so
gar zum Blüten in der Wildnis zu gewöhnen ist.
Man kann den kleinen Krankheiten, die dieses
Thier, so wie andere Sangvögel, zuweilen befallen,
dadurch vorbeugen, daß man ihnen mit unter Sa-
latsaamen, ein Stückgen Apfel, Zucker, ein we-
nig Hünerdarm (alfine media) oder Bingelkraut
(mercurialis annua) zu fressen gibt, und zu Zei-
ten etwas Safran, Süsholz und besonders Eisen-
rost unter ihr Saufen thut.

5. †. Spinus. das Zeisgen, der Erlenfink.
(Ligurinus, acanthis) F. remigibus medio
luteis: primis quatuor immaculatis, rectri-
cibus basi flavis, apice nigris. *

[Seite 233]

Ein sehr gelehriger Vogel, der leicht zum Was-
serziehn, und zum Ein- und Ausfliegen zu ge-
wöhnen ist, auch Lieder pfeiffen lernt, und mit
der Canarien-Sie Bastarden giebt. Er thut den
Hopfengärten Schaden, fällt im Herbst Schaa-
renweis auf die Ellern, hält sich aber sonst am
liebsten in grossen Tangelwäldern auf, und nistet
ganz einsam auf den höchsten Tannengipfeln; da-
her sein Nest freylich selten gefunden wird, und zu
allerhand abgeschmackten Fabeln Anlaß gegeben
hat.*)

6. †. Cannabina. der Hänfling. F. remigibus
primoribus rectricibusque nigris, utroque
margine albis. *

Der Hänfling nistet in Wacholderbüschen, wird
sehr kirre, verliert aber im Käficht seine schöne
braunrothe Farbe. Er singt durchs ganze Jahr,
lernt Lieder pfeiffen, und ahmt auch Nachtigallen-
Gesang nach. Die Bastarden, die man mit den
Hänflingsmännchen und der Canarien-Sie er-
zielt, sind überaus schön gelb und roth gezeich-
net, und gegen die Weise anderer Bastar-
den, nebst ihrer ganzen Nachkommenschaft frucht-
bar.**)

7. †. Linaria. das Citrinchen, Steinschöß-
lein, der Flachsfink, Carminhänfling. F.
remigibus rectricibusque fuscis, margine ob-
solete pallido, litura alarum albida. *

Zumal beym Männchen ist Brust und Hals un-
gemein schön carminroth gesprenkelt, hat einen
[Seite 234] sanften lieblichen Gesang, wird sehr zahm, und
läßt sich, wie das Zeisgen, zum Wasserziehen
und änlichen Kunststücken abrichten. Die Gatten
lieben einander sehr zärtlich, und schnäbeln sich
wie die Tauben.

8. †. Domestica. der Sperling, Spaz F. re-
migibus rectricibusque fuscis, gula nigra,
temporibus ferrugineis. *

Freylich für Gärten und Feld ein schädliches
Thier, was aber doch auch seine guten Seiten
hat, die man nicht so ganz miskennen sollte. Der
Sperling vertilgt unzäliges Ungeziefer, hat ein
gutes eßbares Fleisch, wird ungemein kirre, und
lernt vieler Vögel Gesang recht artig nachpfeiffen.
Zum Liebesgeschäfte ist er ganz unglaublich auf-
gelegt, und brütet viermal im Jahre. Am be-
sten vertilgt man die Sperlinge, wenn mau gleich
im Sommer die Jungen tödtet; denn das Weg-
schössen im Winter hilft wenig, da diese Thiere
im Herbst und Frühjahr wegstreichen, und folg-
lich statt der geschossenen im folgenden April doch
neue an dieselbe Stelle kommen.

54. motacilla. Rostrum subulatum re-
ctum: mandibulis subaequalibus
.

1.†. Luscinia. die Nachtigall, Philomele.
M. rufo-cinerea, armillis cinereis.

Die Nachtigall gehört unter die wenigen Thie-
re, die sich durch einen ausschließlichen Vorzug
vor der ganzen übrigen beseelten Schöpfung aus-
zeichnen. Sie wird eben so sehr durch ihre me-
lodische Stimme, als der Pfau durch die Schön-
heit seiner Federn, oder der Adler durch seinen
Edelmuth und Tapferkeit, über alle andere Vögel
erhoben, und die unbeschreibliche Anmuth ihres
[Seite 235] Gesanges wird durch die romantischen Bilder von
klagender Liebe, von einsamen dunkeln Gebü-
sche und Sommernächtlicher Stille noch immer
reizender. Sie kommt im April in unfern Ge-
genden an, und zwar treffen die Männchen vier-
zehn Tage früher als ihre Weibgen ein. So
lange sie ihre Gattin locken, singen sie fast die
ganze Nacht durch, nach der Begattung aber,
und wenn die Weibgen schon dem Brütgeschäfte
obliegen, nur nach Mitternacht. Sie sind un-
gemein neugierige Thiere, und daher, zumal in
den ersten Frühlingsmonaten, leicht zu fangen.
Sie leben isolirt, und wo sich, zumal zur Brunst-
zeit, mehrere Männchen in einer stillen Inse-
ctenreichen schattichten Gegend zusammentref-
fen, fechten sie äusserst hitzig gegen einander,
und der stärkste tödtet oder verjagt seine Ri-
valen; daher das Wegfangen der Nachtigallen
weniger Nachtheil hat, als insgemein ge-
glaubt wird, weil doch nur wenige in einem
Revier zusammen leben, viele aus Mangel eines
schicklichen Wohnplatzes umkommen, und der
Gefangenen Stelle gar bald durch andere ersetzt
wird. Sie Hecken sehr leicht in Zimmern; die
Jungen sind aber mühsam und kostbar aufzuzie-
ben, und müssen doch zu alten singenden Nachti-
gallen gehängt werden: well sie sonst nicht leicht,
und nur schlecht von selbst schlagen, und ehe an-
derer Vögel Gesang, den sie etwa hören, anneh-
men. Ueberhaupt kan man diese Thiere nicht
leicht über sechs oder acht Jahre in der Gefangen-
schaft erhalten: doch dauern sie besser und schla-
gen schöner, wenn sie im Zimmer frey her-
um fliegen können, als wenn sie in Käfichte ver-
sperrt werden.

[Seite 236]

2. † Modularis. die Grasmücke, Baum-
nachtigall, Braunelle. M. supra griseo-fu-
sca, rectricibus alarum apice albis, pectore
caerulescente-cinereo. *

Ein kirrer menschenfreundlicher Vogel, der
einen leisen artigen Gesang hat, und der Nach-
tigall in der Bildung und auch im Betragen änelt.

3. †. Curruca. die graufleckichte oder fahle
Grasmücke. M. supra fusca, subtus albida,
rectricibus fuscis: extima margine tenuiore
alba. *

Das gutmüthige Thier, was sich dem Bebrü-
ten und der Pflege der jungen Kukuke unterzieht,
und auch seine eignen Jungen mit ungemeiner
Zärtlichkeit besorgt.

4. †. Ficedula. der braune Fliegenschnäpper.
M. subfusca, subtus alba, pectore cinereo ma-
culato. *

5. †. Alba. das Ackermännchen, die weisse
oder graue Bachstelze. M. pectore nigro,
rectricibus duabus lateralibus dimidiato-ob-
lique albis. *

Ein unruhiges muntres Thier, was in Hol-
wegen und Holzstoffen nistet, doch leicht zahm
wird, aber keine sonderliche Stimme hat.

6. †. Flava. die gelbe Bachstelze. M. pectore
abdomineque flavo, rectricibus duabus late-
ralibus dimidiato oblique-albis. *

Hat fast die schöne gelbe Farbe des Kirschvo-
gels, und im Frühjahr einen artigen hellen
Gesang; hält sich in schattichten Gründen an kie-
sichten Bächen auf, ist aber schwer zu fangen und
zu zähmen.

[Seite 237]

7. †. Oenanthe. das Weiskehlgen. (vitiflo-
ra
) M. dorso cano, fronte alba, oculorum
fascia nigra
. *

8. † Rubetra. das Braunkehlgen. M. nigri-
cans, superciliis albis, macula alarum alba,
gula pectoreque flavescente. *

9. †. Atricapilla. der Klosterwenzel, Mönch.
M. testacea, subtus cinerea, pileo obscuro. *

10. † Phoenicurus. das Schwarzkehlgen. M.
gula nigra, abdomine caudaque rufis, capi-
te dorsoque cano. *

Nistet in altem Gemäuer, singt anmuthig.

11. † Erithacus. Das Rothschwänzgen. M.
dorso remigibusque cinereis, abdomine re-
ctricibusque rufis: extimis duabus cinereis. *

12. † Suecica. Das Blaukehlgen, die Was-
sernachtigall. M. pectore ferrugineo cingu-
lo caeruleo, rectricibus fuscis versus basin
ferrugineis. *

Das himmelblaue Brustschild, mit dem weissen
Fleck in der Mitte, giebt diesem Vogel, der auch
in deutschen Schwarzwäldern, auf dem Harz etc.
nicht gar selten ist, ein überaus schönes Ansehn.
An Bildung kommt er dem Rothkehlgen, in der
Stimme aber der Nachtigall am nächsten. Er
sing nicht so laut als diese, übrigens aber fast
eben so schön. Im April findet man vor Son-
nen Auf- und Niedergang fast immer ihrer vier
zusammen auf einem Baum sitzend, die in die Wet-
te fingen: da sie dann, zumal mit Leimruthen,
leicht zu fangen sind.

13. † Rubecula. Das Rothkehlgen, Roth-
brüstgen (erithacus). M. grisea, gula pe-
ctoreque ferrugineis. *

[Seite 238]

Ein beisiges Thier, was leicht andre Vögel im
Bauer tödtet, und in der Wildnis keine Nachbarn
um sich rum leidet, was aber angenehm singt,
und Nachtigallen Schlag ablernt. Sie werden in
der ersten Stunde, da man sie einfängt, zahm;
und sind auch zum Ein- und Ausfliegen zu gewöh-
nen.

14. † Troglodytes. Zaunkönig, Schneekönig,
Winterkönig. M. grisea, alis nigro cinereo-
que undulatis.

Ein muntrer kleiner Vogel, der einen hübschen
Gesang hat, in altem Gemäuer nistet, und im
Winter an den Zäunen herum sein Falter sucht.
Daß er nie der Gefangenschaft gewöhne*), ist
irrig. Er kan sowol im Zimmer rum fliegend,
als auch im Käficht lange Zeit erhalten werden,
braucht aber freylich viel Wartung, abwechseln-
des Futter etc.

15. † Trochilus. Der Sommerkönig, Wei-
denzeisig (Asilus). M. cinereo-virens, alis
subtus tectricibus flavescentibus, superciliis
flavis. *

Ist in der nördlichen Erbe zu Hause, variirt
aber nach Verschiedenheit des Clima in den Far-
den.

16. † Regulus. Das Goldhähnchen. M. re-
migibus secundariis exteriori margine flavis,
medio albis, crista verticali crocea. *

Der allerkleinste Europäische Vogel, der le-
bend ohngefähr ein Quentchen wiegt, und der sein
goldgelbes Federbüschgen, fast wie der Cacadu
und wie der Wiedehopf, aufrichten und zurück
schlagen kan. Er macht sich ein artiges beutel-
[Seite 239] förmiges Nest, was er in Schwarzwäldern an
hohe Bäume befestiget, hüpft wie der Zaunkönig
im Winter an den Zäunen herum, und muß mit
feinen Sand geschossen werden.

55. parus. Meise. Rostrum integerrimum,
basi setis tectum.

Die Meisen amüsiren weniger durch ihren Ge-
sang, als durch ihr ungemein lebhaftes Naturell
und ihr possierliches Betragen. Sie klettern wie
die Spechte, sind überaus neugierig, und lassen
sich, leichter als andere Vögel, zu allerhand
künstlichen Handlungen abrichten. Im Zimmer
eingesperrt, kan man sie nicht leicht über ein Jahr
erhalten, daher man sie zum Ein- und Ausflie-
gen gewönen muß; was sie aber, wenn sie auch
gleich nicht aus dem Neste auferzogen worden,
doch sehr leicht lernen. Sie sind überaus frucht-
bar, legen meist ein Dutzend Eyer und drüber,
sind aber gleichsam Raubvögel in dieser Ordnung,
die sogar Leichen auf Hochgerichten befressen, und
andern kleinen Sangvögeln die Köpfe aufhacken;
daher man sie nicht leicht mit diesen zugleich in
einem Bauer erhalten kan.

1. † Cristatus. die Haubenmeise, Schopf-
meise, Robelmeise. P. capite cristato, col-
lari nigro, ventre albo
. *

Nistet in altem Gemäuer, holen Bäumen, Stein-
ritzen etc. Ist leicht zu zähmen, aber minder ge-
lehrig als andere Gattungen dieses Geschlechts.
Hingegen ist ihre Stimme angenehmer, und hat
mannichfaltige Abwechselung.

2. † Major. die Kohlmeise, Spiegelmeise,
Finkmeise. P. capite nigro, temporibus al-
bis, nucha lutea
. *

[Seite 240]

Ein schön gezeichnetes Thier, was sehr kirre
wird, und zumal im Winter in die Dörfer und
auf die Höfe kömmt, um Nahrung zu suchen.

3. † Caeruleus. Die Blaumeise, Pimpelmei-
se. P. remigibus caerulescentibus: primori-
bus margine exteriore albis, fronte alba, ver-
tice caeruleo. *

Ebenfalls ein sehr schönes, aber dabey zärtli-
ches Thier. Die Blaumeisen streichen nicht in so
grosser Anzal als die Kohlmeisen, aber kurz vor
ihnen her; so daß man da, wo sie sich nieder-
lassen, in wenigen Minuten eine grosse Schaar
Kohlmeisen erwarten kan.

4. † Palustris. Die Plattenmeise, Aschmeise,
Bymeise. P. capite nigro, dorso cinereo, tem-
poribus albis
. *

5. † Caudatus. Die Schwanzmeise, Schnee-
meise, Zogelmeise, der Pfannenstiel. P.
vertice albo, cauda corpore longiore. *

Ein schwächliches Thier, was nicht leicht int
Zimmer zu erziehn ist. Legt zwanzig Eyer, und
baut sich an Baumstammen ein beutelförmiges
Nest von Moos, Haaren, Wolle und Spinnwe-
ben, füttert es inwendig mit weichen Pflaumen
aus, und bekleidet es, uns zu verbergen, von
ausen mit dem nämlichen Moose, womit der
Baum, an welchem es nistet, bewachsen ist.

6.† Biarmicus. Das Bartmännchen, der
Indianische Sperling (La Moustache) P.
vertice cano, cauda corpore longiore, capi-
te barbato.

7. Pendulinus. Die Beutelmeise, Pendu-
linmeise, der Remiz, Cottonvogel. P. ca-
pite subferrugineo, fascia oculari nigra, re-

[Seite 241] migibus rectricibusque fuscis margine utro-
que ferrugineo.

Baut sich ein ungemein künstliches Beutelför-
miges Nest von Pappelwolle etc. läßt zwey Oeff-
nungen daran zum Ein- und Ausflug, und hängt
es, fast wie der Jupujuba das seinige, an einem dün-
nen Aste auf.

56. hirundo. Schwalbe. Rostrum mini-
mum incurvum, subulatum, basi depressum.

Die Schwalben zeichnen sich durch ihre Bil-
dung, durch ihre zwitschernde Stimme und durch
ihre Lebensart von den übrigen Thieren dieser
Ordnung aus. Sie gehen fast nie, sondern ver-
richten ihr Geschäfte meist fliegend oder sitzend.
Sie haben einen weiten Rachen, und wissen da-
mit sehr geschickt die Insecten aus der Luft oder
überm Wasser im Flug wegzuschnappen. Ueber
ihren Winteraufenthalt ist seit Aristoteles Zeiten
sehr verschieden geurtheilt worden. Viele berühm-
te Männer haben behauptet, daß sich die Schwal-
ben im Herbste in Sümpfe verkröchen, und da
bis künftigen Frühjahr im Winterschlaf begraben
lägen. Andre haben hingegen die Schwalben zu
den Zugvögeln gerechnet, und geglaubt, daß sie,
wie so viele andre Thiere dieser Classe, den Win-
ter in mittäglichen Zonen zubrächten. Nach den
Erfahrungen dieser Männer und nach unsern eig-
nen Untersuchungen sind wir überzeugt, daß die
Rauchschwalbe und Hausschwalbe im Herbst
von uns ziehn, die Uferschwalbe hingegen bey
uns bleibt, und im Schilf schlafend überwintert.

1. † Rustica. Die Rauchschwalbe. (hirundo
domestica quorumdam) H. rectricibus, exce-
ptis duabus intermediis, macula alba notatis. *

[Seite 242]

Baut innerhalb der Hauser im Hausärn, un-
ter den Rauchfängen etc. und wält meist einen höl-
zernen Brandnagel zur Basis des Nests.

2. Esculenta. H. rectricibus omnibus macula
alba notatis.

Baut die berufnen Indianischen oder Tunkins-
nester an den Ufern der Flüsse von Sina, Cochin-
china etc. aus gewürzhaften gallertigen Seegewäch-
sen, Tremellen etc.

3. † Urbica. Die Hausschwalbe. (hirundo
agrestis s. rustica aliorum) H. pedibus hirsu-
tis, rectricibus immaculatis, dorso nigro cae-
rulescente, tota subtus alba. *

Nistet auserhalb der Hänser unterm Dache, an
den Fenstern etc.

4. † Riparia. Die Uferschwalbe, Erdschwal-
be. H. cinerea, gula abdomineque albis. *

Baut in Leimengruben, Sandhügeln etc.

5. † Apus. Die Mauerschwalbe, Stein-
schwalbe. H. nigricans, gula alba, digitis
omnibus quatuor anticis
. *

Nistet in alten Thürmen, Kornböden, Kirchen etc.

57. caprimulgus. Rostrum modice in-
curvum, minimum, subulatum basi depres-
sum, vibrissae ciliares; unguis intermedius
introrsum ciliatus.

1. † Europaeus. Die Nachtschwalbe, Hexe,
der Ziegenmelker, Ziegensauger, Nacht-
[Seite 243] rabe, Tagschläfer. C. narium tubis ob-
soletis. *

Ein schön marmorirtes Thier, was seinen
Geschäften blos des Nachts nachgebt, und im
Flug beständig schnurrt. Die Beschuldigung,
daß es den Ziegen die Milch aussauge, ist un-
gegründet. Es lebt von Nachtfaltern, und ni-
stet in schattichten Gegenden zwischen Felsen-
ritzen.


Sechster Abschnitt.
Von den Amphibien.

[Seite 244]

§. 92.

Wir haben hie warmblütigen Thiere nunmehr
absolvirt, und gehen zu den kaltblütigen über;
von denen die in den beiden nächsten Classen,
nemlich die Amphibien und Fische, ebenfalls ro-
thes Blut haben, was sich blos durch seine
Kälte vom Blut der Säugthiere und Vögel
auszeichnet. (§. 40) Dahingegen die Insecten
und Würmer nur einen weissen Saft in ihrem
Körper füren, der kaum noch den Namen von
Blut verdient.

§. 93.

Die Amphibien und Fische kommen, so wie
in der Beschaffenheit des Bluts, so auch in der
Einrichtung und Bildung ihres Herzens, mit
einander überein: sie sind aber darinn von ein-
ander unterschieden, daß jene durch Lungen
Athem hohlen, mithin auch Stimme von
sich geben können; da die Fische hingegen blos
durch Kiefern athmen, und niemals Lungen
[Seite 245] haben, folglich auch sowol als die Insecten und
Würmer stumm sind.

§. 94.

Die äussere Bildung der Amphibien ist
sehr verschieden. Manche, wie die Schildkrö-
ten, Frösche und Kröten, haben einen breiten fla-
chen Körper mit vier Füssen. Die Crocodile
u.a. Eidexen haben zwar auch vier Füsse, aber
einen längern, rundlichen, schlanken und ge-
schwänzten Körper. Die Schlangen einen lang-
gestreckten, dünnen cylindrischen Körper, ohne
Füsse. Und endlich äneln auch viele Thiere
dieser Classe in ihrer äussern Bildung den Fi-
schen, sind eben so wie diese mit Flossen verse-
hen u.s.w. Vermuthlich ist diese Verschieden-
heit in der Gestalt der Amphibien Ursache ge-
wesen, daß sie von den ältern Naturforschern
gar nicht für eine eigene Thierclasse angesehen,
sondern theils den Fischen, theils auch den Säu-
gethieren etc. zugesellt und untergeschoben wor-
den sind.

§. 95.

Auch die Bekleidung des Körpers der Am-
phibien ist weit verschiedener, als bey den be-
nachbarten Classen. Einige sind mit einer kno-
chichten Schaale, wie mit einem Gehäuse über-
zogen, in das sie Kopf und Gliedmaaßen fast
ganz zurückziehen können. Andere sind mit kno-
[Seite 246] chichten Reifen oder mit zahlreichen kleinen
Schildgen, andere mit Schuppen bedecket, und
noch andere haben eine ganz glatte, nur mit
Schleim überzogene Haut.

§. 96.

Die Amphibien überhaupt sind neuerlich vom
Ritter Linne*) und verschiedenen seiner Nach-
folger für abscheuliche, widrige, eckelhafte Ge-
schöpfe, und gleichsam für Auswurf der übri-
gen thierischen Schöpfung verschrien worden.
Beym Ritter hatte dieser Widerwille, wie uns
gesagt worden, einen körperlichen natürlichen
Grund, da er für jeden kleinen Frosch, so
wie viele Leute für Kröten etc. zurück bebte: al-
lein ein Philosoph sollte doch seine Idiosyncra-
sien nicht für Gesetze der Natur verkaufen; und
so gern wir uns auch bescheiden, daß manche
dieser Thiere in ihrer Bildung und Naturell
viel widriges haben, so unbillig finden wir es
doch, ihrentwegen alle Amphibien überhaupt zu
verrufen. Selbst unter unsern hieländischen
Amphibien giebt es einige, wie die grüne Ei-
dexe, den Laubfrosch etc. die in Rücksicht ih-
rer schönen Farben, ihres stinken, und doch
unschuldigen Betragens, den artigsten Thie-
ren anderer Classen an die Seite gesetzt wer-
den dürfen.

§. 97.

[Seite 247]

Den mehresten Amphibien ist, wie schon
die Benennung der ganzen Classe andeutet,
Wasser und Land zum gemeinschaftlichen Auf-
enthalt angewiesen. Die meisten gehen will-
kührlich in beiden Elementen ihren Geschäften
und ihrer Nahrung nach. Manche bringen
hingegen entweder eine bestimmte Periode ihres
Gebens, oder gewisse Jahrszeiten blos in einem
von beiden zu; und andere heissen endlich abusive
Amphibien, da sie blos fürs Land, oder blos
fürs Wasser und nicht für beides zugleich bestimmt
sind. Von den Landthieren dieser Classe, leben
viele in dumpfichtem, feuchtem Dickicht, und die
könnten freylich Linne's nachtheilige Aeuserung
rechtfertigen; andere aber suchen sich auch recht
trockne, anmuthige, der Sonnenwärme ausge-
setzte Gegenden zur Wohnung aus; manche le-
ben gar auf Bäumen u.s.w.

§. 98.

Die Nahrungsmittel der Amphibien sind
überaus mannichfaltig. Manche leben von le-
bendigen warmblütigen oder kaltblütigen Thie-
ren, von Insecten, Conchylien, Fischeyern; an-
dere von Aas, vom Miste anderer Thiere; viele
aber von blos vegetabilischen Substanzen, Pflan-
zen-Wurzeln etc. Sie sind überhaupt in der
Wahl ihrer Speise nicht eckel, und fast an gar
keine besonders bestimmte Alimente gebunden.
[Seite 248] Sie transspiriren dabey wenig, und ihre Nu-
trition geht auch sehr langsam von statten, da-
her sie zum verwundern lange hungern kön-
nen. Wir selbst haben Laubfrösche, aus Mangel
der Fliegen, den Winter durch fastend erhalten,
und von vielen Eidexen und Schlangen weiß
man, daß sie ein ganzes Jahr, von Schildkrö-
ten aber, daß sie anderthalb Jahre ohne alle
Nahrungsmittel gelebt haben.

§. 99.

Fast alle Amphibien, wenigstens die in den
kältern Zonen, verschwinden im Herbst, verkrie-
chen sich ins Gebüsche oder in Sümpfe, und
halten Winterschlaf. Daß aber einigen, z. E.
den Fröschen die Zeit über das Maul mit einer
Schleimhaut verschlossen sey, ist eine irrige
Sage, wozu vermuthlich die Häutung dieser
Thiere im Frühjahr, Anlaß gegeben hat.

§. 100.

Die Amphibien sind mit mancherley Waf-
fen zum Angriff und zur Vertheidigung be-
wehrt. Manchen, wie den Crocodillen und
Wasserschlangen, kommt schon ihre körperliche
Grösse, andern kleinen doch ihr Muth und ihre
Geschwindigkeit zu paße. Man hat gesehen,
daß der grüne Wasserfrosch oft grosser Hechte
Herr worden ist. Er springt ihnen auf die Stir-
ne, hält sich, ihrer schnellen ängstlichen Bewe-
[Seite 249] gungen ohngeachtet, fest, und beist ihnen leicht
die Augen aus*). Die mehresten Amphibien
sind mit zahlreichen spitzigen Zähnen, manche mit
Stacheln, viele sonst wehrlose Thiere dieser
Classe mit Gift, und der Zitterrochen mit einer
sonderbaren erschütternden Kraft, versehen.

§. 101.

Von der andern Seite sind die Amphibien
durch ihr äusserst zähes Leben bey weitem mehr
als andere Thiere gegen die Anfälle ihrer Feinde
geschützt. Man hat Schildkröten geraume Zeit
ohne Kopf leben, und Frösche mit aus der Brust
gerißnen Herzen rumhüpfen gesehen. Auch die
reproductionskraft ist bey diesen Thieren
ungemein stark; und sie sind daher, zumal wenn
sie noch jung sind, ganz vorzüglich geschickt, um
Versuche über diese merkwürdige Lehre an ihnen
anzustellen.

§. 102.

Die eheliche Verfassung der Amphibien
hat ungemein viel sonderbares. Es werden die-
se Thiere in Verhältnis ihrer Grösse und ihres
Alters erst sehr spät, wie unsre Frösche erst im
vierten Jahr, mannbar, nachher ist aber auch der
Begattungstrieb, zumal bey den Männchen,
ganz unwiderstehlich heftig, so daß man Bey-
spiele von Fröschen hat, die in Ermangelung
[Seite 250] einer Gattin, andre männliche Frösche, oder tod-
te Weibgen, oder Kröten besprungen haben.
Bey den mehrsten mit Füssen versehenen Am-
phibien werden die Weibgen von ihren Männ-
chen zur Begattungszeit mehrere Tage ja Wo-
chen lang umfaßt, und man kann diesen wären-
der Zeit ehr die Beine vom Leibe reißen, als
daß sie ihre Geliebte los lassen sollten. Bey
vielen dieser Thiere hat keine wirkliche Begat-
tung statt, sondern das Männchen befruchtet
erst alsdann die weiblichen Eyer, wenn sie schon
aus dem Leibe der Mutter herausgetreten sind.

§. 103.

Einige Amphibien gebaren lebendige Jun-
ge, die mehrsten hingegen legen Eyer, und die
Viper macht gleichsam den Uebergang von den
lebendig gebärenden zu den eyerlegenden Thieren.
Sie gibt zwar wirklich Eyer von sich, in welchen
aber die jungen Vipern schon fast völlig entwi-
ckelt da liegen, und nur noch wenige Tage lang
auser dem Leibe der Mutter folgends ausgebil-
det, und zum Auskriechen geschickt werden*).

§. 104.

Die Amphibien können so wenig als andre
kaltblütige Thiere ihre Eyer selbst bebrüten.
Sie überlassen dieß der Sonnenwärme, und ge-
ben daher entweder ihre Eyer ins Wasser von
[Seite 251] sich, oder scharren sie in den Sand, oder ver-
graben sie, wie die Natter, um die Ausbildung
der Jungen zu beschleunigen, in Misthaufen.
Nur die weibliche Pipa streicht sich ihren Laich
aus den Buckel, drückt und reibt ihn recht
in die Haut ein, und last so ihre Jungen auf
ihrem Rücken auskriechen.

§. 105.

Nicht alle Amphibien kommen gleich in ih-
rer vollkommnen Gestalt zur Welt, sondern ver-
schiedne müssen sich in ihrer Jugend erst noch ei-
ner Art von Metamorphose unterziehen, ehe sie
die Ausbildung und den völligen Gebrauch aller
ihrer Gliedmassen erlangen. Dieß gilt vorzüg-
lich von den Fröschen und Eidexen, die in der
Gestalt wie sie dem Eye entkriechen, noch we-
nig von der Figur haben, die sie im reisern Al-
ter erlangen sollen. Sie haben dann noch kei-
ne Füsse, von denen erst allmälig zuerst das hin-
tere und hernach das vordere Paar zum Aus-
bruch kommen soll. Dagegen sind sie mit ei-
nem langen fischähnlichen Schwänze versehn, der
bey den mehrsten Fröschen in demselben Maas-
se allgemach verschwindet, in welchem sich die
Beine des Thiergens entwickeln. Diese unvoll-
kommenen Geschöpft (larvae) leben blos im Was-
ser, wenn sie auch gleich in der Folge das tro-
ckene Land zu ihrem Aufenthalt wählen; und
das blosse Athemholen durch Lungen würde ihnen
[Seite 252] für dieses Element nie zureichend seyn, wenn
sie nicht für diese Zeit, doch oft nur wenige Ta-
ge durch, auch mit einer Art von Kiefern oder
branchiis hinter den Ohren*) versehen wären.
Manche haben auch noch einige Zeit nachher
zwey besondere gestreifte Eingeweide oder After-
lungen neben den wahren Lungen in der Brust,
die wohl ebenfalls das Respiriren erleichtern sol-
len. Manche solche Larven aus dem Froschge-
schlechte (Kaulquappen, Roßnägel, Roß-
köpfe, gyrini, ranabottoli) sind überdem
auch an der Unterlefze mit einer kleinen Röhre
versehen, mittelst deren sie sich, der Sicherheit
wegen, an Wasserpflanzen etc. fest saugen kön-
nen. Endlich haben auch einige blos auf der
linken Seite des Kopfs neben den Augen einen
kleinen Schlauch oder Blase, wodurch sie das
eingeschluckte Wasser, wie die Fische durch
die Kiefern, wieder von sich sprühen können.

§. 107.

Auserdem ziehen auch manche Amphibien
zu gewissen Jahrszeiten ihre Oberhaut (epider-
mis
) ab, oder häuten sich, ein Geschäfte, was dem
Mausern der Vögel, und dem Haarwechseln vie-
ler Säugthiere änelt. Die Schlangen werfen
dabey eine ziemlich feste Haut (Natterhemd)
ab, in der die Eindrücke der Schuppen etc. zu
sehn sind. Von Fröschen und Eidexen hin-
[Seite 253] gegen geht nur ein schleimichter, im Wasser bald
zerfliessender, Ueberzug herunter.

§. 108.

Das Gehör und Gesicht der mehrsten Am-
phibien, zumal der Frösche und Eidexen, ist
ausnehmend sein, ihr Gefühl hingegen und
auch wol ihre übrigen Sinne stumpf. Geleh-
tig sind diese Thiere wol sehr wenig. Freylich
hat mans noch nicht der Mühe werth ge-
funden, über ihre Talente zu experimentiren, aber
ihre ganze Geschichte, ihr Naturell, ihre In-
stincte scheinen schon an sich gar wenig zu ver-
sprechen.

§. 109.

Das Alter der Amphibien ist sehr verschie-
den, und es passen bey ihnen die die wenigsten
Schlüsse, aus denen man sonst mit viel Grund
aufs Alter anderer Thiere schliessen kan. Un-
sere Frösche z. E. werden erst im vierten Jahre
mannbar, und erreichen dem ohngeachtet nur
ein Alter von zwölf bis sechszehn Jahren. Hin-
gegen behauptet man, daß die Crocodile, die
großen Schildkröten*) u.a.m. auf hundert
Jahre und drüber, leben sollen.

§. 110.

Der Nutzen der Amphibien fürs Men-
schengeschlecht ist einfach, aber theils sehr be-
[Seite 254] trächtlich. Erstens vertilgen sie doch viel schäd-
liche Insecten, Schnecken etc. sodann werden
viele zur Speise verwandt. Vorzüglich unzälige
Schildkröten und ihre Eyer so auch verschiedene
Frösche und Eidexen, Neunaugen, Störe, Rochen
etc. Schildplatt und Hausenblasen werden zu
Kunstsachen verarbeitet. Arzneyen gibt diese
Classe wenig. Vielleicht sind Kröten ein wichtiges
Mittel gegen den Krebs. Froschlaich wird zu Pfla-
ster, Ottern- und Natter-Fette ehedem zu Augensal-
be, und der Stincus zu andern Zwecken verbraucht.

§. 111.

Der Schade der Amphibien steht mit ih-
rem Nutzen in ziemlichem Verhältnis. Der grö-
ste Nachtheil ist wol der, daß sie andere nuz-
bare Thiere, Fische und deren Eyer etc. vertil-
gen, Pflanzen – Wurzeln abfressen u.s.w.
Gegen die fürchterlich grossen Amphibien oder
gegen das Gift der kleinern hat Vorsicht und
Erfarung die Menschen sich ziemlich sichern
gelehrt.

§. 112.

Die Amphibien lassen sich am schicklichsten
nach dem Plane ordnen, den der Ritter Linné,
dem man überhaupt die Bestimmung der ganzen
Classe schuldig ist, darüber entworfen hat. Er
ist auf dem ganzen Habitus dieser Thiere ge-
gründet, und begreift nur drei Ordnungen.

[Seite 255]

I. Reptiles. Die Amphibien mit Füssen.
Schildkröten, Frösche, Eidexen.

II. Serpentes. Die Schlangen. Ohne
Füsse, Floßfedern oder andere äussere
Gliedmaaßen; sie haben einen cylindri-
schen langgestreckten Körper, kriechen auf
dem Bauche, und bewegen sich wellen-
förmig.

III. Nantes. Die Amphibien mit Floßfe-
dern, mittelst deren sie wie die Fische im
Wasser schwimmen.

Die Siren lacertina*) aus Süd-Carolina, die Linné,
doch erst spät und mit eigenem Gefühl von Zwei-
fel und Ungewißheit, in eine besondere vierte Ord-
nung (meantes) gesetzt hat, ist nach der Analogie
zu schließen, besonders auch der Ohrkiefern (§.
105.) wegen, doch wol nur ein noch unvollkomme-
nes Geschöpf, eine Larve.


I. REPTILES.

[Seite 256]

Alle Thiere dieser Ordnung sind, wenigstens
wenn sie ihre vollkommne Gestalt erlangt haben,
mit vier Fußen versehn, die nach dem verschied-
nen Aufenthalt dieser Thiere entweder freye, oder
durch eine Schwimmhaut verbundene, oder gar
wie in eine Flosse verwachsene Zehen haben. Sie
legen sämmtlich Eyer, und manche von ihnen sind
überaus fruchtbar.

1. testudo. Schildkröte. Corpus testa
obtectum, cauda brevis, os mandibulis nu-
dis edentulis.

Die Schildkröten sind wol die trägsten phleg-
manschten Geschöpfe in der Natur. Auch ihr
Wachsthum und übrige Lebensgeschäffte gehen
auserordentlich langsam von statten, so daß man
rechnet, daß eine Schildkröte binnen zwanzig Jah-
ren nur wenige Zolle an Größe zunehme. Die
mehresten sind mit einer breiten knochichten sehr
festen Schaale bedeckt, in die sich das Thier im
Nothfall fast wie eine Schnecke in ihr Haus zu-
rückziehen kan. Der Obertheil dieser Schaale,
oder das Rückenschild ist mit dem Rückgrade und
den Rippen des Thiers verwachsen, und mit den
breiten hornichten Schuppen belegt, die bey man-
chen Gattungen so stark und schönfarbicht sind,
daß sie zu Kunstsachen verarbeitet werden. Der
Untertheil oder das Bauchschild ist etwas kleiner
als das obere, und mit Ausschnitten für Kopf,
Schwanz und Füsse versehen.

[Seite 257]

1. Membranacea T. pedibus pinniformibus, un-
guiculis tribus, testa dorsali membranacea
ovata grisea striata. *

Ein artiges kleines Thier, was wir aus Guiana
erhalten haben, und von den bisher bekannten*)
weichschaalichten Schildkröten verschieden ist.

2. Imbricata. Die Carette. T. pedibus pinni-
formibus, testacordata subcarinata, margine
serrato: scutellis imbricatis latiusculis, cau-
da squamata. *

Findet sich in beiden Indien; zumal häufig an
den Antillen. Man nimmt das beste Schildpatt
von ihr, und die Wilden brauchen ihr Fett als
Arzney.

3. Mydas. T. pedibus pinniformibus, ungui-
bus palmarum binis, plantarum solitariis,
testa ovata. *

Die gröste und stärkste Schildkröte, die wol
mit Lasten von sechs und mehrern Centnern, die
man ihr auf den Rücken legt, fortkriecht. Sie
ist vorzüglich auf den Inseln der Oceane zu Hause,
und wird wegen ihres schmackhaften Fleisches
und ihrer zalreichen Eyer, besonders für die See-
farenden wichtig.

4. Geometrica. T. pedibus posticis palmatis,
testae scutellis elevatis truncatis. *

Ein kleines Thier, ohngefähr von der Grösse
einer flachen Hand: es lebt in Ostindien, und
hat wegen seines regelmäßigen schwarz und gelb
gezeichneten Rückenschilds, ein sehr artiges
Ansehn.

[Seite 258]

2. rana. Frösche und Kröten. Corpus
nudum, pedibus quatuor, posticis longio-
ribus.

Die Thiere dieses Geschlechts haben einen kür-
zern Körper und breitern dickern Kopf als die Ei-
dexen. Eine einzige Gattung ausgenommen,
sind die übrigen ungeschwänzt. Die mehresten
haben an den Vorderfüssen freie Zehen, hinten
aber Schwimmfüsse.

1. Pipal, die Pipa, Tedo. R. corpore plano,
rostro spathiformi, digitis anticis muticis
quadridentatis, posticis unguiculatis
. *

Die Pipa ist in den Gewässern von Guiana zu
Hause, und wird durch die überaus sonderbare
und ganz anomalische Weise, mit der die Mut-
ter ihre Jungen ausbrütet, merkwürdig. Das
Männchen streicht nemlich den Laich, den das
Weibchen vorher auf die gewönliche Weise von sich
gegeben, demselben auf den Rücken, wälzt sich
nachher selbst noch rücklings drüber her, drückt
dadurch die Eyerchen in besondere Grübgen die
in der Haut des Weibchens befindlich sind, fest;
und befruchtet sie hierauf mit seinem Saamen.
Diese Eyerchen verwachsen nachher gleichsam
mit der Haut der Mutter, bis nach Verlauf von
beinah drei Monaten die darin befindlichen Jun-
gen zum Ausbruch reif sind, und nach einer kur-
zen Verwandlung den Rücken ihrer Mutter ver-
lasten können. Denn daß die jungen Pipas aller-
dings auch so wie die hieländischen jungen Frösch-
chen eine Verwandlung überstellen, wird, gegen die
gemeine Meynung, aus einer vollständigen Suite
von sechs Exemplaren dieser Thiere erweislich,
die wir aus dem akademischen Museum vor uns
haben, wo beym einen die noch geschlossen Eyer,
[Seite 259] beym andern die hervorbrechenden geschwänzten
Jungen (§. 105.), beym dritten völlig ausgebil-
dete ungeschwänzte Jungen u.s.w. zu sehen sind.

2. Cornuta. R. palpebris conicis.

Seba T. I. t. LXXII. f. 1. 2.

Findet sich in Virginien, und hat wegen seiner
grossen stieren Augen, und der ungeheuren Tuten-
förmigen obern Augenlieder ein sehr sonderbares
Ansehn.

3. Paradoxa (Rana piscis quorundam) R. cau-
data, femoribus postice oblique striatis. *

Dieses Thier ist im südlichen America zu Hause,
Und zeichnet sich durch einen starken fleischichten
auf den Seiten plattgedrückten Schwanz von den
übrigen Gattungen dieses Geschlechts aus. Es
erreicht, gegen die Weise anderer Frösche, bevor
es noch völlig ausgebildet worden, doch eine be-
trächtliche fast Spannenlange Grösse, häutet sich
wärend der Zeit verschiedentlich, und hat in die-
sem Zustand zu einer alten Sage von Fröschen,
die sich in Fische verwandelten, Anlaß gegeben.
Wenn es aber auch gleich seine Metamorphosen
überstanden hat, und die Füsse gros gewachsen
und völlig ausgebildet sind, bleibt es dennoch ge-
schwänzt, wie wir ebenfalls aus einer ganzen
Reihe dieser Thiere in ihrer stufenweisen Ver-
wandlung, im akademischen Museum, ersehen.

4. † Bufo. Die gemeine Kröte. R. corpore
ventricoso verrucoso lurido fuscoque*

Rösel Gesch. der Frösche, Taf. 20.

Ein langsames Thier, das wol durch sein schmut-
ziges Ansehn, durch seine lichtscheue Lebensart, und
dumpfigen Aufenthalt so allgemein verhaßt wor-
den, und in den unschuldigen: Verdacht des Gifts
[Seite 260] gekommen ist. Denn daß die Kröten wirklich Gift
besässen, das sich sogar Gewächsen mittheilen,
und selbst dann noch tödtlich werden könne*), ist
eben so irrig als die vorgegebne Antipathie zwi-
schen diesen Thieren und den Spinnen. Hingegen
ist es wol unläugbar, daß man verschiedentlich
lebendige Kröten mitten in grossen Steinen, in
Marmorblöcken etc. angetroffen hat**), die aber
wol nach im Ey dahinein verschlossen seyn mö-
gen, und vielleicht erst kurz vor ihrer Entdeckung
ausgekrochen und erwachsen sind.

5. † Bombina. Die Feuerkröte. R. corpore
verrucoso, abdomine aurantio-caesio macu-
lato, pupilla triquetra. *

Rösel Taf. 22.

Eine muntre kleine Kröte, die sich hin und
wieder in Deutschland, in der Schweiz etc. und
theils in erstaunlicher Menge, findet. Sie ist
am Bauche schon blau und gelb gefleckt, hüpft
fast wie ein Frosch, und gibt einen lauten
Ton von sich, der einem Gelächter änelt.

6. † Temporaria. Der braune Grasfrosch.
R. dorso planiusculo subangulato. *

Rösel T. 1.

Die gemeinste Gattung Frösche. Sie hatten sich
den Sommer über auf dem Lande, den Winter durch
[Seite 261] aber im Wasser auf. Nach Regenwetter kom-
men sie hanfenweis aus dem Gebüsch hervorge-
krochen, und diese Erscheinung mag wol zu der
alten Sage von Froschregen Anlaß gegeben ha-
haben. Sie vermehren sich ungemein stark, so
daß sie Landplage werden können, und die Ab-
deriten einst zu Cassanders Zeiten würtlich ihrent-
halb emigrirten. Sie sind für die Garten nutz-
bare Geschöpfe, da sie viel Ungeziefer, Schne-
chen, Insekten etc. verzehren, aber auch darum
unsicher zu essen sind.

7. † Esculenta. Der grüne Wasserfrosch. R.
corpore angulato, dorso transverse gibbo,
abdomine marginato. *

Rösel Taf. 13.

Leben blos in Teichen und Sümpfen. Die
Männchen quaken laut, zumal des Abends bey
schönen Wetter, und treiben dabei zwey grosse
Blasen aus den Maulwinkeln auf. Sie sind
schlau und muthig, so daß sie über weit grössere
Thiere Herr werden (§. 100.), und sind ohne
Besorgniß zu essen. Zur Begattungszeit bekom-
men die Männchen von dieser und der vorigen
Gattung schwarze warzichte Knollen an den Dan-
wen der Vorderfüsse, womit sie sich äusserst fest
um ihrer Weibchen Brust klammern können.

8. † Arborea. Der Laubfrosch (Calamites).
R. corpore laevi, subtus granulato, pedi-
bus fissis, unguibus lenticulatis. *

Rösel Taf. 9.

Ein anmuthiges Thier, was fast in ganz Eu-
ropa (doch nicht in England, aber desto häufiger
in Italien) und in Nordamerica zu Hanse ist.
Ist mit einem klebrichten Schleim, wie die Schne-
cken überzogen, der ihm bey seinem Aufenthalt am
[Seite 262] Laub der Bäume, zum Anhängen zu passe kommt.
Die Männchen haben eine laute Stimme, die sie,
wenn es regnen will, besonders aber zur Paarungs-
zeit, und zwar alsdann so laut von sich geben,
daß man sie wol Meilen weit hören kann. Sie
blasen dabey die Kehle zu einer grossen Kugel, fast
so groß als der ganze Leib des Thiers, auf. Zu-
weilen verändert sich ihre Farbe ins graue,
schwärzliche etc. fast wie beym Chamäleon.

3. draco. Corpus tetrapodum caudatum, ala-
tum.

1. Volans. Die fliegende Eidexe. D. brachi-
is ab ala distinctis. *

Diese Thiere finden sich in Ostindien und Africa.
Die Flügel, die sie zu beiden Seiten des Leibes ha-
ben, dienen ihnen, wie dem fliegenden Eichhörn-
chen, einen weiten Sprung zu wagen, aber nicht
zum ordentlichen Flug wie bey den Vögeln. Im
übrigen Körperbau äneln sie der gemeinen Eidexe.
Vermutlich haben diese Thiere den Stoff zu den
Fabeln von Drachen, Basilisken u.s.w. gegeben.

4. lacerta. Eidexe. Corpus elongatum,
pedibus quatuor aequalibus
.

1. Crocodilus. Der Nil Crocodil. (Hiobs
Leviathan.) L. capite cataphracto, nucha
carinata, cauda superne cristis binis latera-
libus horrida
. *

Der Crocodil ist das größte Thier dieser Ord-
nung, was wol eine Länge von 25 Fus erreicht,
und hauptsächlich im Nil, dock auch in Ostin-
dien zu Hause ist. Seine Grosse, seine Schnel-
ligkeit und sein unersättlicher Appetit machen ihn
für die Gegenden, wo er sich findet, fürchterlich.
[Seite 263] Er tödtet Menschen und grössere Thiere, und ver-
schluckt zugleich, wie manche Vögel (§. 69.),
Kieselsteine, um die Verdauung zu befördern. Auch
wacht er ausserdem die Fahrt auf den Flüssen ge-
färlich, da er leicht Bote umschmeist, in die Fi-
scher – Netze färt etc. Dabey ist seine Haut zumal
auf dem Rücken so harsch, daß sie Flinten-Kugeln
widersteht, und er kaum anders als am Bauche
zu verwunden ist. Auf ebnem Wege läuft er un-
glaublich schnell, kan sich aber nicht wol seit-
wärts krümmen, daher man ihm durch Absprünge
und Hin- und Widerlaufen entgehen kan. Das
Weibchen liegt bey der Begattung auf den Rü-
cken, legt hernach auf 100 Eyer, und verscharrt
sie in den Sand. Sie haben kaum die Grösse
eines Gänseeyes, und werden grossentheils vom
Ichneumon (Viverra ichn.) aufgesucht und aus,
gesoffen. Der Crocodil hat eine brüllende Stimme,
und soll seinen Auswurf nicht durch dem natürli-
chen Weg, sondern wieder durch den ungeheuren
Rachen von sich geben. Der Tabac soll ihm töd-
lich seyn.*)

2. Alligator. Der Kaiman, Americanische
Crocodil. L. capite imbricato plano, nu-
cha nuda, cauda superne lineis binis latera-
libus aspera
. *

Der Kaiman findet sich im mittlern America,
und wird gewönlich nur für eine Spielart des
Nil-Crocodils ausgegeben, von dem er sich aber
theils durch seine kleinere Statur, vorzüglich aber
durch die Bildung seines Körpers und Schwan-
les, auszeichnet, die beide nicht mit so scharf
hervorstehenden starken Schildern, wie bey jenem
Thier, sondern mit weit flackern Erhabenheiten
besetzt sind. Dieser ganz specifike Unterschied fällt
[Seite 264] zumal bey den Exemplaren beider Thiere, die im
akademischen Museum von gleicher Grösse befind-
lich sind, sehr sichtlich in die Augen.

3. Monitor. Die Sauvegarde. L. cauda ca-
rinata, corpore mutico maculis ocellatis
. *

Ein überaus schönes schwarz und weiß marmo-
rirtes Thier, was ohngefär anderthalb Elen lang
wird, und sich meist in Gesellschaft des Crocodils
aufhalten, und durch den pfeifenden Laut, den
es von sich giebt, seinen furchtbaren Gefährten
verrathen soll.

4. † Agilis. Die grüne Eidexe, Kupfer-Ei-
dexe. L. cauda verticillata longiuscula, squa-
mis acutis, collari subtus squamis constricto. *

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Die schönste hieländische Eidexe, die sich über-
Haupt im wärmern Europa und in Ostindien fin-
det. Am Bauche ist sie zuweilen ganz kupfer-
farben, und das Grüne am Kopf, Rücken und
Schwanz ist unverbesserlich. Dabey ist das Thier-
chen überaus flink, lebhaft, wohnt in trocknen
Gegenden, auf Felsen, in Mauerritzen, som-
mert sich gern an der Sonne, und ist eben so un-
schuldig als alle übrige deutsche Eidexen.

5. Chamaeleon. L. cauda tereti brevi incurva,
digitis duobus tribusque coadunatis
. *

Das Chamäleon ist in Ostindien, Nord-Africa,
und auch in Spanien zu Hause, und wird we-
gen vieler Sonderbarheiten in seiner Oekonomie
merkwürdig, die ehedem zu allerhand Erdichtun-
gen Anlaß gegeben haben. Es hält sich auf Bäu-
men ans, und lebt von Insecten, die es fast wie
der Ameisenbär mit einer langen fadenförmigen
klebrichten Zunge zu fangen versteht. Seine Lun-
[Seite 265] gen sind ungeheuer groß, füllen den grösten Theil
des Leibes aus, und das Thier kan sich damit
nach Willkür aufblasen oder dünner machen, da-
her vermutlich die Sage der Alten entstanden seyn
wag, daß das Chamäleon blos von Luft lebe.
Die schönen goldfarbnen Augen des Thiers haben
die ganz eigne Einrichtung, daß jedes besonders,
und beide zugleich nach verschiedenen Richtungen.
eins z.B. aufwärts, das andere hinterwärts u.s.w.
bewegt werden können*): am meisten aber ist es
durch die Veränderung seiner Farben berüchtigt
worden, da man vorgegeben hat, daß es jedes-
mal die Farbe der Körper annähme, die ihm zu-
nächst wären; also auf Bäumen grün, auf Stroh
gelb u.s.w. Das ist nicht. Die natürliche Farbe
des Chamäleons ist stahlgrau, zuweilen wird es aber
gelb, schwarz, auch gefleckt etc. und das zwar
ohne alle Beziehung auf die Farbe der benach-
barten Gegenstände, sondern theils von freyen
Stücken, am sichtbarsten aber wenn das Thier
gereizt und bös gemacht wird. Am füglichsten
kan man dieses Phänomen auf Rechnung der Galle
schreiben, und es mit der Gelbsucht vergleichen.

6. Gecko. L. cauda tereti mediocri, digitis
muticis subtus lamellatis, corpore verru-
coso, auribus concavis. *

Der Gecko hat meist das gleiche Vaterland mit
dem Chamäleon, und ist auch hin und wieder im
südlichen Europa, z.B. im Neapolitanischen ein-
heimisch. Am häufigsten findet er sich in Aegy-
pten, zumal bey Cairo, wo er sich gern in die
Häuser zieht und oft gefärlich wird. Er hat
nemlich einen giftigen Saft zwischen seinen blätt-
richten Fuszehen, der sich den Eßwaren, wo das
[Seite 266] Thier drüber wegläuft, mittheilt: deren Genuß
nachher die gefährlichsten und fast tödtlichen Coliken
nach sich zieht. Die Aegypter nennen ihn den
Aussatzvater, weil sie glauben, daß er diese Krank-
heit in die Häuser bringe; oder mehr wol der
Aenlichkeit wegen, die seine knospichte Haut mit dem
Aussatz jener Gegenden hat. Er hält sich oft
blos auf den Vorderfüssen, indem er den Hinter-
leib in die Höhe richtet; und ist wol der ware
Stellio und Saurus der Alten.*)

7. Stincus. L. cauda tereti mediocri, apice
compressa, digitis muticis lobato-squamosis
marginatis. *

Der Stincus findet sich im steinichten Ara-
bien, Ober-Aegypten etc. und war weiland als
ein Stärkungsmittel besonderer Art berufen; wird
auch noch jezt wenigstens in seiner Heimat in
dieser Absicht verbraucht.

8. Iguana. Der Leguan. L. cauda tereti
longa, sutura dorsali dentata, crista gulae
denticulata. *

Ist in America zu Hause. Hat ein überaus
schmackhaftes Fleisch, und wird deshalb zuwei-
len noch lebendig nach Europa verfürt; soll aber
für venerische Personen gefärlich zu essen seyn.

9. † Vulgaris. Die gemeine Landeidexe. L.
cauda tereti mediocri, pedibus unguiculatis,
palmis tetradactylis, dorso linea duplici
fusca. *

Hält sich, bevor sie ihre Verwandlung bestan-
den bat, im Wasser, nachher aber auf dem Lande
in steinichtem Boden, altem Gemäuer etc. auf.

[Seite 267]

10. † Palustris. Die Sumpfeidexe. L. cauda
lanceolata mediocri, pedibus muticis, pal-
mis tetradactylis. *

Lebt in Sümpfen, Teichen etc. und thut den
Fischen zur Laichzeit grossen Schaden; kan aber
mit Salz vertrieben werden.

11. † Salamandra. L. cauda tereti brevi, pe-
dibus muticis, corpore flavo nigroque va-
rio nudo, poroso. *

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Auch vom Salamander hat man ehedem viel
gefabelt: daß er giftig sey, im Feuer leben kön-
ne etc. An lezterm Umstand ist doch etwas wares,
nemlich daß das Thier in einem mäßigen Kohl-
feuer ohne Schaden ausbauen, indem es theils
durch den Mund, vorzüglich aber durch kleine
Oeffnungen, die über seinen Körper zerstreut sind,
einen Saft von sich sprüzt, wodurch es von Zeit
zu Zeit einen Theil des Feuers auslöschen und
die Glut mindern tau.


II. SERPENTES.

Die Schlangen haben einen cylindrischen
langgestreckten Körper, ohne Füsse, Floßfe-
dern etc. den sie wellenförmig (seitwärts, aber
nicht auf und nieder, wie es insgemein vorge-
stellt wird) bewegen; und der mit Schuppen,
Schildern, oder Ringen bekleidet ist. Manche
leben, im Wasser, andre auf der Erde, noch
andre auf Bäumen. Sie häuten sich zuwei-
[Seite 268] len; legen mehrentheils aneinander gekettete
Eyer, und halten, wenigstens in Europa,
Winterschlaf. Ihre Kinnladen sind nicht, wie
bey andern Thieren, fest eingelenkt, sondern
lassen sich so weit von einander dehnen, daß die
Schlangen, Vögel, Mäuse u.a. Thiere die
oft weit dicker als sie selbst sind, ganz verschlin-
gen können*). Manche sind mit heftigem Gift
in besondern Bläsgen des Oberkiefers versehen,
was ihnen als Digestivmittel, aber auch zum
Fang ihres Raubes und zur Vertheidigung
dient.**) Sie holen durch Zungen Othem, die
sich unten in eine länglicht dünne Blase enden.

5. crotalvs. Klapperschlange. Scuta
abdominalia. Scuta squamaeque subcauda-
les.
Crepitaculum terminale caudae.

1. horridus. ♂ C. scutis 167. scutellis 23. *

Ein fürchterliches Thier des wärmern America,
dessen Biß in fünf Minuten tödtlich werden kan,
wenn man nicht schleunigst den leibenden Theil
scarificirt, und viel lauwarme Milch dazu trinkt.
Diese Klapperschlange wird auf sechs Fus lang
und Armsdick. Der Laut, den die Klapper am Ende
des Schwanzes von sich gibt, änelt dem von einer
hölzern Kinderklapper mit Erbsen. Die Anzal der
Gelenke dieses Theils soll mit den Jahren des
Thiers wachsen, und höchstens bis gegen 40 steigen.
Daß Eichhörnchen, kleine Vögel etc. von den Bäu-
men, der drunter liegenden Klapperschlange von
[Seite 269] selbst in den Rachen fallen, bestätigt sich aller-
dings; und rürt wol von den Schrecken her,
worein jene Thiere beym Anblick dieses furchtbaren
Geschöpfs versezt werden. Hingegen werden die
Klapperschlangen selbst, von den Schweinen auf,
gesucht, und ohne Nachtheil gefressen.

6. boa. Scuta abdominalia et subcaudalia.

1. Constrictor. Die Abgottsschlange. B. scu-
tis
240, scutellis 60. *

Findet sich in beiden Indien, ist zwar nicht
giftig, wird aber durch ihre Grösse fürchterlich,
die sich auf zwölf Elen und drüber erstreckt. Sie
verschlingt Rehe und windet sich um Hirsche und
grössere Thiere, bricht ihnen die Rippen entzwey
und verzehrt sie sodann. Sie ist schön gezeich-
net, und wird von den Wilden in America an-
gebethet.

7. coluber. Scuta abdominalia, squamae
subcaudales.

1. Vipera. ♂ Die Viper. C. scutis 118. squa-
mis
22. *.

Ist in Aegypten zu Hause, und wird zu Arz-
ney verbraucht.

2. Cerastes. Die gehörnte Schlange.*) C.
scutis
145. squamis 44.

Ellis philos. Trans. Vol. LVI. tab. XIV.

Hat gleiches Vaterland mit der Viper.

3. † Berus. ♂ C. scutis 146. squamis 39. *

Variirt in Her Farbe, die zuweilen silbergrau,
zuweilen schwärzlich ist. Ihr Biß ist nicht leicht
[Seite 270] tödtlich, verursacht aber heftige und schnelle Ent-
zündung, Fieber, Schlaflosigkeit etc.

4. † Chersea. ♂ C. scutis 150. squamis 43. *

Von rothbrauner Farbe. Gefärlicher als die
vorige.

5. † Natrix. Die Natter. C. scutis 170.
squamis. 60.

Hat zu beiden Seiten des Halses einen weis-
sen Fleck. Hält sich gern in Viehställen auf, und
legt ihre Eyer in Mistgruben.

6. Naja. Die Brillenschlange. ♂ C. scutis
193. squamis 60. *

Ist in Ostindien zu Hause. Die Haut am
Halse ist wie ein Kragen weit ausgedehnt, und
hinten mit einer Brillenänlichen Figur bezeichnet.
Ist die allergiftigste Schlange, wird aber doch
vom Ichneumon (Viverra ichm.) ohne Schaden
gefressen.

8. anguis. Squamae abdominales et subcau-
dales.

1. † Fragilis. Die Blindschleiche. A. squ.
abd.
135. totidemque subcaud. *

Hält sich in dumpfigen Gegenden, in alten
Kellern etc. auf: bricht leicht entzwey, wenn man
sie anfaßt, und die Stücke bewegen sich doch
noch Stunden lang. Die Alten wollten auch die-
sem Thier, so wie dem Maulwurf die Augen ab-
sprechen.

9. amphisbaena. Annuli trunci cau-
daeque.

1. Fuliginosa. A. ann. tr. 200, caudae 30. *

[Seite 271]

Ist schwarz und weiß gefleckt. Findet sich in
America.

10. caecilia. Rugae trunci caudaeque.
Labium superius tentaculis
2.

1. Tentaculata. C. rugis 155. *

Auch in America. Hat gar keine Schuppen,
sondern runzlichte Ringe in der glatten Haut,
fast wie beym Regenwurm.


III. NANTES.

Die Thiere dieser Ordnung äneln in ihrer
Bildung den Fischen, denen sie auch von vie-
len Naturforschern zugesellt werden. Sie ha-
ben Floßfedern, auch mehrentheils Kiefern etc.
weichen doch aber darin von allen Fischen gänz-
lich ab, daß sie Lungen haben, die jenen Thieren
gänzlich mangeln, daher sie immer ihren Platz
in dieser Classe behaupten können.

11. petromyzon. Spiracula VII. ad la-
tera colli. Branchiae nullae. Fistula in ver-
tice, pinnae pectorales aut ventrales nullae.

1. Marinus. Die Lamprete. P. ore intus
papilloso, pinna dorsali posteriori a cauda
distincta. *

Findet sich im Mittländischen Meer, in der
Nord See etc. versteigt sich aber doch auch acht
und mehr Meilen weit in die Flüsse. Aenelt in
der Bildung und im Geschmack dem Aal; und
wird bis drey Fus lang.

[Seite 272]

2. † Fluviatilis. Die Pricke, Neunauge.
P. pinna dorsali posteriore angulata. *

Lebt in grossen Flüssen. Wird nur halb so
groß als die vorige Gattung. Kau sich mit dem
Maule fast wie der Blutigel ansaugen.

12. raia. Roche. Spiracula V subtus ad
collum. Corpus depressum. Os sub capite.

Sie haben einen ganz breiten weist rhomboi-
dalen Körper; einige Gattungen spitze, andre aber
stumpf abgerundete Zähne. Ihre Eyer haben
eine schwarzbraune hornichte Schaale, mit vier
Spitzen, heissen See-Mäuse, und wurden ehe-
dem als Arzneyen gepriesen.

1. Torpedo. Der Zitterfisch, Krampffisch.
R. tota laevis, maculis dorsalibus quinque
orbiculatis.

J. Walsh et J. Hunter, philos. Tr. Vol. LXIII.
tab. XIX. XX.

Ein überaus merkwürdiges Thier, was sich
vorzüglich im Mittländischen Meer findet, und
nicht mit dem Zitteraal (Gymnotus electricus)
verwechselt werden darf. Es betäubt die Thiere,
die sich ihm nähern, und man empfindet die
gleiche Würkung im Arm, wenn man es anfaßt;
ausserdem kan es auch einen erschütternden
Schlag mittheilen, der dem von der Leydner Flasche
änelt; aber doch ganz erträglich ist. Man hat
gestritten, ob man diese sonderbare Erscheinungen
auf eine blos mechanische Kraft der tausend klei-
nen Muskeln (von fünf und sechseckichter pris-
matischer Gestalt,) die sich in den breiten Seiten-
theilen des Thiers finden, oder auf eine eigne
Art von Electricität schreiben solle. Zwar hat
man noch nicht bemerkt, daß er Funken gäbe, auch
[Seite 273] nicht daß er anziehende und zurückstossende Kraft
besässe; doch aber scheinen die übrigen Phäno-
mene, zumal in Begleichung mit denen am Zitier-
aal, die leztere Vermuthung zu begünstigen. In
Aegypten wird dieser Roche gegessen, und soll-
schmackhaftes Fleisch haben.

2. Batis. R. varia, dorso medio glabro, cau-
da unico aculeorum ordine
. *

Wird so wie andre Rochenarten (R. oxyrin-
chus, fullonica, clavata etc
.) häufig in der
Nord-See, im Mittländischen Meere etc. gefan-
gen und verspeist. Die Gattungen dieses Ge-
schlechts verdienen aber sorgfältigere Untersu-
chung, da die wenigsten bis jezt noch genau ge-
nug bestimmt sind.

3. Pastinaca. Der Giftroche, Stachelroche.
(Altavela). R. corpore glabro, aculeo lon-
go anterius serrato in cauda, et dorso ap-
terygio. *

Der Stachel am Schwänze dieses Rochen soll
giftig, und seine Verletzungen tödtlich seyn. Te-
legonus erhielt einen solchen Stachel von der Circe,
um ihn vorn an der Speer zu befestigen, und
hatte das Unglück, seinen eignen Vater Ulysses ohn-
wissender Weise damit zu ermorden.*)

13. squalus. Hay. Spiracula V ad la-
tera colli. Corpus oblongum teretiusculum.
Os in anteriore capitis pane.

1. Acanthias. S. pinna anali nulla, dorsalibus
spinosis, corpore teretiusculo. *

[Seite 274]

Ist im Europäischen Ocean zu Hause: hat drey
Reihen Zähne in jedem Kiefer: sein Fleisch ist über-
aus schmackhaft.

2. Zygaena. Der Hammerfisch, Jochfisch.
S. capite latissimo transverso malleiformi. *

3. Carcharias. Der Requin (Lamia). S. dorso
plano, dentibus ferratis.

Ein ungeheures Thier, was zuweilen auf zehn-
tausend Pfund wiegt, und das, wenn man die
Geschichte des Propheten Jonas nicht etwa allego-
risch erklären will, wol der Wallfisch, von dem
dort die Rede ist, seyn könnte. Man hat ganze
Pferde im Magen solcher Thiere gefunden. Sie
haben sechsfache Reihen Zähne im Rachen, die
sich häufig versteinert finden und Glossopetren
heissen.

4. Pristis. Der Sägefisch. S. pinna ani nulla,
rostro ensiformi osseo plano utrinque den-
tato. *

Das breite Schwerdförmige oft mehrere Elen
lange Gewehr, was dieses Thier vor dem Kopfe
fürt, ist knochicht, und zu beiden Seiten an den
Schärfen mit starken Stacheln, wie mit Zähnen
besetzt.

14. chimaera. Spiracula solitaria, qua-
dripartita, sub collo. Oris labium superius
quinquepartitum. Dentes primores inciso-
res bini supra infraque.

1. Monstrosa. C. rostro subtus plicis pertusis.

Im Atlantischen Meer, lebt von Muscheln etc.

15. lophius. Pinnae pectorales brachiis in-
sidentes. Spiracula solitaria pone brachia.

[Seite 275]

1. Piscatorius. Der Seeteufel (Rana pisca-
trix
). L. depressus, capite rotundato. *

Der ungeheure Kopf, der die grössere Hälfte des
ganzen Thiers ausmacht, und dann die langen
fleischichten Faden beym Maule, womit er Fische
angelt, geben ihm ein sonderbares Ansehn.

16. acipenser. Spiracula lateralia solita-
ria, linearia. Os sub capite, retractile, eden-
tulum, Cirri sub rostro ante os.

1. Sturio. Der Stör. A. cirris 4. squamis
dorsalibus
II. *

Ist in allen Europäischen Meeren zu finden;
wird sehr groß, hat ein schmackhaftes Fleisch,
und war bey den spätern Römern bis zum Luxus
geschäzt.

2. Ruthenus. Der Sterlet. A. cirris 4. squa-
mis dorsalibus
15. *

In Rußland, Schweden etc. Ist weit kleiner,
aber von ungleich delicaterm Fleisch als der Stör.
Aus den Eyern dieser und der folgenden Gattung
wird der Caviar bereitet.

3. Huso. Der Hausen. A. cirris 4. squamis
dorsalibus
13. caudalibus 43. *

Ist vorzüglich wegen der Hausenblase merk-
würdig, die man aus dieses Thiers Haut,
Schwanz, und Eingeweiden; doch auch aus der
Luftblase verschiedner Fische bereitet.

17. balistes. Caput compressum. Aper-
tura supra pinnas pectorales. Corpus com-
pressum, squamis corio coadunatis. Abdo-
men carinatum.

[Seite 276]

1. Hispidus. B. pinna dorsali prima biradiata,
radio anteriore triplo longiore, anterius deor-
sum serrulato. Pinnae ventralis radiis in
spinam muticam coalitis. Corpore papillis
stellatis obsito. *

Ein artiges kaum Zollanges Thier, das, so
viel uns wissend, noch nicht beschrieben ist. Wir
haben es durch die Güte des Herrn D. Sulzer in
Gotha, und dieser aus Neuorleans, erhalten.

18. ostracion. Corpus osse integro lo-
ricatum. Pinnae ventrales nullae.

1. Quadricornis. O. trigonus, spinis fronta-
libus subcaudalibusque binis
. *

Ebenfalls ein sehr hübsches kleines Thierchen,
aber aus Ostindien. Der ganze Panzer ist mit
Sechsecken, wie Bienenzellen bezeichnet.

19. tetrodon. Corpus subtus murica-
tum. Pinnae ventrales nullae.

1. Mola. T. laevis compressus, cauda trun-
cata: pinna brevissima dorsali analique an-
nexa. *

C. Gesner icon. et nomencl. p. 158.

Der abgestumpfte dicke Hinterleib gibt dem
Thier ein ungewönliches Aussehn.

20. diodon. Corpus spinis acutis mobili-
bus undique adspersum. Pinnae ventrales
nullae.

1. Hystrix. Der Stachelfisch. D. oblongus,
aculeis teretibus. *

Ist am Cap, und wie uns ebenfalls Hr. D.
Sulzer belehrt hat, auch in Nordamerica zu Hause.

[Seite 277]

21. cyclopterus. Caput obtusum. Pin-
nae ventrales in orbiculum connatae.

1. Lumpus. Der Klebpfost, Hafpadde. C.
corpore squamis osseis angulato
. *

Findet sich in der alten Welt. Hängt sich mit
den Bauchflossen an den Uferfelsen fest.

22. centriscvs. Caput productum in
rostrum angustissimum. Abdomen carina-
tum. Pinnae ventrales unitae
.

1. Scolopax. Die Meer-Schnepfe. C. cor-
pore squamoso scabro, cauda recta extensa. *

Im mittländischen Meer. Hat am Ende des
Rückens einen knochichten gesägten Stachel.

23. syngnathus. Rostrum subcylin-
dricum, ore operculato maxilla inferiore.
Corpus cataphractum. Pinnae ventrales
nullae.

1. Acus. Die Meer-Nadel, Sack-Nadel.
S. pinnis caudae ani pectoralibusque radia-
tis, corpore septemangulato. *

Wird anderthalb Fuß lang, aber kaum Fin-
gers dick.

2. Hippocampus. Das Seepferdchen, die
Seeraupe. S. pinna caudae quadrangulae
nulla, corpore septemangulato tuberculato.

Hat seinen Nahmen, weil der Vordertheil einem
Pferde. Kopf und Hals, das Hintere Ende aber
einer Raupe äneln soll. Wird meist wie ein S
zusammengebogen, und änelt so dem Springer im
Schach.

[Seite 278]

24. pegasus. Os proboscide retractili. Ro-
strum ensiforme, lineare. Corpus articula-
tum osseis incisuris, cataphractum. Pin-
nae ventrales abdominales
.

1. Draconis. P. rostro conico.*

Die grossen Seitenflossen äneln ausgespannten
Flügeln, und mögen wol den Namen veranlaßt
haben.


Siebenter Abschnitt.
Von den Fischen.

[Seite 279]

§. 113.

Es ist nur noch die lezte Classe rothblütiger
Thiere übrig, die Fische. Sie haben, wie schon
gedacht (S. 271.) mit den Amphibien der lez-
ten Ordnung (Nantes) viel gleiches, bewohnen
so wie sie blos das Wasser, bewegen sich mit-
telst Floßfedern, unterscheiden sich aber da-
durch gänzlich von ihnen, daß sie lediglich durch
Kiefern, und nie durch Lungen Athem holen,
und daß sie fast durchgehends mit Schuppen
bedeckt sind.

§. 114.

Die Bildung des Körpers der Fische ist
verschieden. Bey den mehresten ist er aus den
Seiten vertical platt gedruckt; bald mehr in die
Länge, bald mehr in die Höhe gezogen. Kopf
und Rumpf stossen unmittelbar an einander,
ohne durch einen Hals separirt zu seyn.

§. 115.

Die Schuppen sind von hornichter Sub-
stanz, und wie man zumal durchs Microscop
[Seite 280] sieht, überaus artig gezeichnet. Meist glän-
zen sie wie mattes Silber oder Gold; theils
spielen sie aber auch in andre Farben, und sind
bey einigen Fischen, wie bey den kleinen Chi-
nesischen Goldkarpen etc. von auserordentlicher
Schönheit. Sie sind noch mit einem besondern
Schleim überzogen, der aus der Haut abge-
schieden wird, und die Bewegung dieser Thie-
re erleichtert. Einige Fische, wie die Remora,
haben gar keine Schuppen (Alepidoti), bey
andern aber, wie z.B. beym Spiegelkarpen, sind
doch gewisse Theile des Körpers von Schuppen
entblößt.

§. 116.

Die Kiefern (branchiae) dienen den Fi-
schen statt der Lungen, und sind von einer son-
derbaren und sehr merkwürdigen Einrichtung.
Sie liegen auf beiden Seiten hinter dem Kopfe,
unter einer grossen halbmondförmigen Schup-
pe, die deshalb der Kieserndeckel (operculum
branchiale
) heißt, und bestehen aus vielen tau-
send knorplichten Fäden, die mit unzäligen A-
dern und Nerven durchwebt sind. Sie sind
durch eine zarte Haut untereinander verbunden,
und bilden auf jeder Seite vier Bläter, die ohn-
gefähr der Fahne an einer Feder (§. 59.) äneln,
und die an ihrer Basis durch eben so viele Rip-
penförmige Gräten unterstützt werden.

§. 117.

[Seite 281]

Das Athemholen der Fische geschieht, in-
dem sie die Luft mit dem Wasser durch den Mund
in sich ziehen, und durch die Kiefern wieder
von sich geben. Die Kiefern selbst dehnen sich
dabey (wie die Lungen der Thiere in den drey
vorigen Classen) wechselseitig aus, und fallen
wieder zusammen, wie man besonders bey ihrer
heftigen ängstlichen Bewegung, an Fischen die
man aus dem Wasser genommen hat, sehen kan.
Da die Fische keine Lungen haben, so geht ih-
nen folglich auch die Stimme ab, und sie sind
stumm.

§. 118.

Auch derjenige Umlauf des Bluts, der
bey andern Thieren zwischen Herz und Lungen
vorgeht, (der sogenannte circulus sanguinis mi-
nor
) wird bey den Fischen zwischen Herz und
Kiefern vollzogen. Aus dem obern Herzohr
entspringt nemlich die gröste Hauptschlagader
(aorta ascendens), die anfangs in zwey Aesten
auf jeder Seite nach dem Obertheil der Kiefer
hinauf steigt, sich nach der Anzal der Kiefer-
blätter in vier grosse Zweige zertheilt, und nach-
dem diese wieder unzäliche kleine Zweige (§.
116.) abgegeben hahen, sich am untern Ende
der Kiefer abermals in einen gemeinschaftlichen
Stamm (aorta descendes) vereint, und von
da dem übrigen Körper sein Blut zufürt. Die
[Seite 282] lezten Endgen der feinsten Kieferschlagadern ge-
hen in eben so viele kleine zurückfürende Adern
(Venen, Blutadern) über, die sich ebenfalls
auf jeder Seite in vier grosse Aeste, und end-
lich am obern Theil der Kiefer wieder in einen
gemeinschaftlichen Stamm (vena cava superior)
vereinigen, der das Kieserblut dem untern Herz-
ohr wieder überliefert; zu welchem auch das
Blut des übrigen Körpers in zwey grossen Adern
(venae cavae inferiores) zurück gefürt, und so
vom neuen durch die gröste Hauptschlagader
nach den Kiefern geschickt wird.

§. 119.

Der Aufenthalt der Fische ist blos im
Wasser, worin sie sich so wie die Vögel in der
Luft bewegen, daher sie auch, so wie andrer
Aenlichkeit wegen, Geflügel des Wassers ge-
nannt worden sind. Nur sehr wenige, z.B.
der Aal, gehen zuweilen auf kurze Zeit ans
Land. Die mehrsten leben in der offenbaren
See, andre in Teichen und Flüssen. Die lez-
tern halten sich meist in bestimmten Revieren
auf, entfernen sich nicht aus ihren Wohnbezir-
ken: daher man oft in kleinen Flüßgen an ver-
schiednen Stellen auch verschiedne bestimmte
Gattungen Fische findet; auch der Geschmack
und andre Eigenschaften von Fischen derselben
Gattung, in verschiednen Gegenden desselben
Flusses, oft sehr auffallend differiren.

§. 120.

[Seite 283]

Die vorzüglichsten Werkzeuge zur Bewe-
gung der Fische sind die Floßfedern und die
Schwimmblase, wovon man jene mit den Flü-
geln der Vögel, diese aber mit ihren Luftbehäl-
tern (§. 64.) vergleichen könnte. Die Floß-
federn bestehen aus dünnen elastischen Gräten,
die durch eine besondere Haut mit einander ver-
bunden, an eigne Knochen befestigt, und durch
bestimmte Muskeln bewegt werden. Ihrer La-
ge nach heissen die obern, Rückenfloßfedern (pin-
nae dorsales
); die seitwärts neben den Kiefern
befindlichen, Brustfloßfedern (p. pectorales);
die am Bauche vor der Oeffnung des Afters ste-
henden, Bauchfloßfedern (p. ventrales); die
hinter dieser Oeffnung, Steisfloßfeder (p. analis);
endlich am Schwanze die Schwanzfloßfeder
(p. caudalis). Die leztere hat allemal eine ver-
ticale Lage, sie ist zur Bewegung der Fische die
allerwichtigste, und vertritt völlig die Stelle ei-
nes Steuerruders: so wie hingegen die Brust-
floßfedern mehr zum Stillstehen der Fische, zum
Aufhalten im Schwimmen beytragen. Einige
Fische haben sehr lange und straffe Brustflossen,
so daß sie sich damit selbst über die Oberfläche
des Wassers erheben, und kleine Strecken weit
wirklich fliegen können.

§. 121.

[Seite 284]

Die Schwimmblase mangelt nur weni-
gen Fischen, sie liegt bey den übrigen im Un-
terleibe, und wird, nach unsern Versuchen mit
der Luftpumpe zu schliessen, wol durch besondre
Gänge, die sich von der Oberfläche des Körpers
dahin erstrecken, mit Luft gefüllt. Ausserdem
steht sie auch mittelst eines eignen Canals (du-
ctus pnevmaticus
) mit dem Magen oder
Schlunde*) in Verbindung, und die Fische
können sie willkürlich zusammen pressen, und in
etwas ausleren oder aufblasen und füllen, um
sich dadurch leichter oder schwerer zu machen.
Daß sie auch zur Verdauung nutze**), dünkt
uns unwahrscheinlich.

§. 122.

Die Narungsmittel der Fische sind so
wie bey allen übrigen Thierclassen verschieden.
Die meisten leben von Wasserinsecten und Was-
serpflanzen, Meerlinsen, Seetang u.s.w. Vie-
le fressen auch Schlamm und Erde mit hinter.
Die Raubfische nären sich von grössern Thieren,
von Fröschen, Eidexen, Wasservögeln, und
auch von andern Fischen. Die Verdauung
wird bey den Fischen durch beygemischte Galle,
vorzüglich aber durch den Saft der grossen Ma-
[Seite 285] gendrüse (succus pancreaticus), die bey vielen
ganz sonderbar gros und vielfach ist*), beför-
dert. Die Oeffnung des Afters liegt nicht, wie
bey den mehrsten übrigen Thieren, am äussersten
Ende des Körpers, sondern weiter vorwärts,
bey vielen in der Gegend der Brust etc.

§. 123.

Die Sinne der Fische scheinen nicht son-
derlich scharf zu seyn. Die Werkzeuge des Ge-
sichts und Gehörs sind auch anders als bey
den übrigen Thieren gebaut, wie es das Ele-
ment, das sie bewohnen, und die Gesetze des
Lichtes und Schalles erfodern. Der Crystall-
körper in ihrem Auge ist fast ganz sphärisch,
nicht wie bey andern Thieren linsenförmig. Au-
genlieder haben sie gar nicht. Die Regenbo-
genhaut ist meist gold- oder silberfarben, und
die Pupille bey vielen nach vorn in einen Win-
kel zugespizt. Auch das äusere Ohr mangelt
den Fischen; hingegen haben sie allerdings in-
nere Gehörwerkzeuge; und daß sie auch würk-
lich hören, hat man längst beobachtet, und wir
haben selbst ehedem die Karpen im Teich eines
grossen Gartens zum Füttern gelockt. Ueber die
innern Sinne der Fische läßt sich wenig sagen.
Ihre Liebestriebe sind doch sehr heftig, und
man hat auch ausserdem bemerkt, daß die Fische
einander kennen lernen, und wenn sie zusammen
[Seite 286] erzogen, und nachher getrennt worden, sich würk-
lich nach ihren alten Bekannten sehnen*).

§. 124.

Es ist unwahrscheinlich, daß sich die Fische
würklich begatten sollen; höchstens geschieht
das nur von sehr wenigen. Bey den meisten
giebt das Weibgen die Eyer noch unbefruchtet
von sich, und das Männchen kommt einige Zeit
hernach, um sie mit seinem Saamen zu begies-
sen**). Man hat diese Einrichtung für die
Landwirthschaft benutzen gelernt, indem man
auch aus der künstlichen Vermischung von Eyern
und Saamen der Forellen etc. junge Fische erzie-
len kan.

§. 125.

Die Vermehrung der Fische ist, wie
sichs bey ihrer grossen Nutzbarkeit fürs Men-
schengeschlecht von der Vorsehung erwarten
läßt, überaus stark. Bey manchen sind die
Eyerstöcke grösser als der ganze übrige Kör-
per, und man zält wol bey einem Häring auf
zehn tausend Eyergen. Auch die Seefische
begeben sich doch mehrentheils zur Leichzeit
an die Seeküsten; und da die verschiednen Gat-
tungen auch meist zu ganz verschiednen Zeiten
leichen, so vergeht kein Monat im Jahr, daß
[Seite 287] nicht grosse Züge Fische an die Küsten kommen,
und sich den Bewohnern gleichsam von selbst
zum Fang anbieten sollten, die dadurch Jahr
aus Jahr ein mit diesem Lebensmittel versorgt
werden.

§. 126.

Auch ausser der Leichzeit, unternehmen doch
manche Gattungen Fische, fast wie die Zugvö-
gel, alljährlich grosse Reisen. So kommen
z.B. die Häringe im Junius zu Millionen
vom Nordpol in die gelindern Europäischen
Meere, um dort ihren Feinden den Wallfischen
zu entgehen, da denn indessen ihr Besuch un-
zälige Menschen mit ihrem Fang beschäftigt.

§. 127.

Die Fische erreichen im Verhältniß ihrer
Grösse ein hohes Alter. Man weiß von Kär-
pen, Hechten etc. daß sie anderthalbhundert
Jahre erreichen können. Doch werden einige
kleine Fische, die Stichlinge etc. nur wenige
Jahre alt.

§. 128.

Die Benutzung der Fische ist einfach, meist
blos zur Speise, aber für manche Völker, die
fast ganz von diesen Thieren leben, äusserst be-
trächtlich. Den mehresten Schaden thun die
[Seite 288] Raubfische, die den Wasservögeln, und auch an-
dern Fischen nachstellen.

§. 129.

In der Classification der Fische folgen
wir ganz dem Ritter Linné der sie nach der
Beschaffenheit und Lage der Bauchfloßfedern
unter folgende vier Ordnungen gebracht hat:

I. Apodes. Fische die gar keine Bauchfloßfe-
dern haben.

II. Jugulares. Fische deren Bauchfloßfedern
vor den Brustflossen sitzen.

III. Thoracici. Die, wo die Bauchflossen
grade unter den Brustflossen, und

IV. Abdominales, wo sie hinter diesen sitzen.


I. APODES.

[Seite 289]

Die Fische ohne Bauchfloßfedern.

1. mvraena. Caput laeue. Nares tubulo-
sae. Membr. branch. radiis
10. corpus tere-
tiusculum, lubricum. Pinna caudalis coadu-
nata dorsali anique. Spiracula pone caput
vel pinnas pectorales.

1. Helena. Die Muräne. M. pinnis pe-
ctoralibus nullis
. *

Ein sehr gefräßiger Raubfisch, der in den
wärmern Meeren beider Welten zu Hause, und
wegen des Luxus, der bey den alten Römern mit
ihm getrieben wurde, merkwürdig ist. Sie mäste-
ten ihn mit ungeheuren Kosten in eignen Behäl-
tern, oder hielten ihn auch theils nur zum Zeit-
vertreib, wie man etwa bey uns chinesische Gold-
fischgen hält.

2. † Auguilla. Der Aal. M. maxilla infe-
riore longiore, corpore vnicolore.
*

Ein merkwürdiges Thier, was seinen Geschäf-
ten nur zu Nachtzeit nachgeht, und mehrentheils
von Aas, doch auch von kleinen lebendigen Fischen
und ihrem Laich lebt. Der Aal kann gegen die
Weise andrer Fische ziemlich lang ausser dem Was-
ser ausdauern, und geht zuweilen ans Land auf
Wiesen, ins Getraide etc. Seine Haut ist ausser-
ordentlich feste und daher zu Dreschflegelriemen
und zu anderm Gebrauch dienlich.

2. gymnotvs. Caput operculis lateralibus.
Tentacula duo ad labium superius. Membr.

[Seite 290] branch. radiis 5. corpus compressum, sub-
tus pinna carinatum.

1. Electricus. Der Zitteraal, Zitterfisch,
Drillfisch. G. nudus, dorso apterygio,
pinna caudali obtusissima anali annexa.

I. Hunter in philos. Trans. Vol. LXVI. tab. 9.

Der Zitteraal findet sich bey Surinam und
Cayenne wo ihn Dr. Rich im Jahr 1677 zuerst
bemerkt und bekannt gemacht hat. Er wird vor-
züglich wegen der sonderbaren ihm beywohnen-
den electrischen Kraft merkwürdig, mittelst deren
er so wie der Zitterrochen, Menschen und Thieren,
die sich ihm nähern, einen betäubenden Schlag
mittheilt, der dem von der leidner Flasche änelt.
Daß es bey diesem Fische ganz unwiderredlich
wahre Elektricität sey, ist neulich, da man das
Thier lebendig nach England gebracht und gese-
hen hat daß er Funken von sich giebt etc. völlig
erwiesen.

3. anarrhichas. Caput obtusiusculum.
Dentes primores supra infraque conici, di-
uergentes, sex pluresue, molares inferiores
palatique rotundati. Membr. branch. rad.
6.
corpus teretiusculum, pinna caudae distincta.

1. Lupus. Der Seewolf. A. pinnis pecto-
ralibus amplis subrotundis.
*

An der Küste des nördlichen Europa. Die so-
genannten Bufoniten sind wohl die versteinten
stumpfen Zähne dieses Thiers.

4. ammodytes. Caput compressum. La-
bium superius duplicatum, dentes acerosi.

[Seite 291] Membr. branch. rad. 7. corpus teretiusculum,
cauda distincta.

1. Tobianus. Der Sandfisch. Tobiasfisch.
A. maxilla inferiore longiore. *

5. ophidivm. Caput nudiusculum, den-
tes maxillis, palato, faucibus. Membr.
branch. rad.
7. patula. Corpus ensiforme.

1. Imberbe. O. maxillis imberbibus, cauda ob-
tusiuscula.

6. xiphias. Caput maxilla superiore ter-
minatum rostro ensiformi. Os edentulum.
Membr. branch. rad.
8. corpus teretiusculum
alepidotum.
(§. 115.)

1. Gladius. Der Schwerdfisch. X. mandi-
bula inferiore acuta, triangulari
.*

Ein furchtbares starkes Thier der Nördlichen
Meere, was wol auf achtzehn Fus lang wird,
und gegen zwey Centner am Gewicht hält. Ein
Schwerdfisch vermag wol einen todten Wallfisch
fortzuschleppen, wenn auch gleich ein paar Scha-
luppen mit Leuten sich widersetzen und ihn fort-
buxiren wollen.


II. IVGVLARES.

Fische, deren Bauchfloßfedern vor den Brust-
flossen sitzen.

7. vranoscopvs. Caput depressum, sca-
brum, maius. Os simum, maxilla superior

[Seite 292] breuior. Membr. branch. rad. 5. anus in
medio.

1. Scaber. Der Sternseher. V. cirris mul-
tis in maxilla inferiore
. *

Ist vorzüglich häufig im Mitländischen Meer;
schläft am Tage und geht nur zu Nachtzeit am
seinen Raub aus. Die Augen sind bey diesem
Thiere beständig in die Höhe und gen Himmel
gerichtet, und machen, so wie bey noch vielen an-
dern Thieren Ausnahme vom pronaque cum spe-
ctent etc
.

8. trachnivs. Caput scabriusculum, com-
pressum. Membr. branch. rad.
6. anus prope
pectus.

1. Draco. Das Petermännchen. T. maxilla
inferiore longiore, imberbi, dorso transuer-
sim striato.

Ein sehr schmackhafter, geschätzter Fisch im
Mittländischen Meer, und der Nordsee etc. Die
Augen des Thiers äneln wegen ihrer vortrefflich
grünen Farbe den Smaragden. Die Stacheln
der ersten Rückenfloßen werden für giftig gehalten.

9. gadvs. Caput laeue. Membr. branch.
rad.
7. teretibus, pinnae cute communi ve-
stitae, pectorales acuminatae.

1. Aeglefinus. Der Schellfisch. G. triptery-
gius cirratus albicans, cauda biloba, maxilla
superiore longiore
. *

Wird besonders an den Englischen und Schot-
tischen Küsten gefangen, und größtentheils ein-
gesalzen.

[Seite 293]

2. Callarias. Der Dorsch. G. tripterygius
cirratus varius, cauda integra, maxilla su-
periore longiore
. *

Hat gleichen Aufenthalt und Lebensart mit dem
vorigen.

3. Morrhua. Der Kabliau, Stockfisch,
Steinfisch (Asellus) G. tripterygius cirra-
tus, cauda subaequali, radio primo anali
spinoso
. *

Ist ebenfalls in der Nördlichen Erde zu Hause.
Vermehrt sich unglaublich, und ist zumal frisch,
ein überaus schmackhafter Fisch.

4. Merlangus. Der Witling, Gadde. G.
tripterygius imberbis albus, maxilla supe-
riore longiore
. *

5. † Lota. Die Quappe, Drusche, Rutte,
Aalraupe, Aalputte. G. dipterygius cir-
ratus, maxillis aequalibus
. *

Ein überaus schnelles und verschlagnes Thier,
was leicht andrer Fische Herr wird; laicht um
Weyhnachten und vermehrt sich sehr stark. Be-
sonders ist die Leber als ein Leckerbissen berüchtigt.

10. blennivs. Caput decliue, tectum.
Membr. branch. rad.
6. corpus lanceolatum,
pinna ani distincta.

1. Viuiparus. B. ore tentaculis duobus.

Gebiert gegen die Weise anderer Fische leben-
dige Junge.

III. THORACICI.

[Seite 294]

Fische, deren Bauchfloßfedern gerade unter
den Brustflossen sitzen.

11. echeneis. Caput depressum, supra
planum, marginatum, transuerse sulcatum.
Membr. branch. rad.
10. Corpus nudum.

1. Remora. Der Säugefisch. L. cauda bi-
furca, striis capitis
18.*

Ein sonderbares Thier, was sich mittelst derun-
zälichen kleinen Mündungen auf dem quergestreif-
ten Hinter-Kopfe, aufs festeste an Schiffe und
Ufer festsaugen kann. Die alte Fabel, daß ein
einziges ein Schiff in vollem Lauf zu hemmen ver-
möge, bedarf kaum einer Erwänung; doch hat
sich neulich bestätigt, daß ihrer viele allerdings
ein kleines Fahrzeug aufzuhalten im Stande sind.

12. coryphaena. Caput truncato de-
cliue. Membr. branch. rad.
5. pinna dorsa-
lis longitudine dorsi.

1. Hippurus. Der Goldkarpe (el Dorado).
C. cauda bifida, radiis dorsalibus 60.*

Hat den Namen von der schönen Goldfarbe
seiner Schuppen. Last sich wie der Delphin zur
Sturmzeit häufig um die Schiffe sehen.

13. cottvs. Caput corpore latius, spino-
sum. Membr. branch. rad
. 6.

[Seite 295]

1. Cataphractus. Der Knurrhan, Stein-
bicker. C. loricatus, rostro verrucis bifidis,
capite subtus cirroso.
*

Giebt wenn er gereizt wird einen knurrenden
Laut von sich, was aber keine Stimme, sondern
wie bey Heuschrecken ein bloser Schall ist.

2. † Gobio. Der Kaulkopf, Rotzkolbe. C.
laeuis, capite spinis duabus
.*

Ein sehr gemeiner Flußfisch. Hat schöne gras-
grüne glänzende Augen. Kommt nur des Nachts,
besonders bey Mondenschein hervor. Das Weib-
chen scharrt sein Laich in eine Höle am Grund,
und bewacht es bis die Jungen ausgekrochen
sind aufs sorgfältigste.

14. plevronectes. Die Burren,
Schollen. Oculis vtrisque in eodem la-
tere frontis. Membr. branch. rad.
4-7. Cor-
pus compressum, latere altero dorsum, al-
tero abdomen referente.

Die Schollen sind die einzigen Thiere in der
Natur die ihre beiden Augen auf einer Seite des
Kopfs haben; manche Gattungen nemlich auf
der rechten, andere auf der linken: sehr selten fin-
den sich Misgeburten unter ihnen, die anomalisch
auf der unrechten Seite ihre Augen haben. Auch
beide Nasenlöcher sitzen ebenfalls so schief seit-
wärts. Sie schwimmen in einer schrägen Lage,
die Augenseite in die Höhe gerichtet.

1. Platessa. Die Scholle, Plateis, Gold-
butte. P. oculis dextris, corpore glabro,
tuberculis
6 capitis.*

[Seite 296]

Die Unterseite ist weis, die Augenseite grau
mit gelben Flecken. Wird für die schmackhaf-
tefte Gattung gehalten.

2. Flesus. Der Flünder. P. oculis dextris,
linea laterali aspera, spinulis ad pinnas
. *

Von weit schlechterm Fleische als das vorige
Thier.

3. Maximus. Die Steinbutte. P. oculis
sinistris, corpore aspero.

15. chaetodon. Dentes setacei, flexi-
les, confertissimi, numerosissimi. Membr.
branch. rad.
6. corpus pictum, pinna dorsi
anique carnosa squamosa.

1. Rostratus. C. cauda integra, spinis pinnae
dorsalis
9, maculaque ocellari, rostro cy-
lindrico
. *

Philos. Trans. 1765. tab. IX.

In Ostindien. Hat so wie die verwandten
Gattungen dieses Geschlechts vortrefliche Farben.
Der Oberkiefer endigt sich in eine Röhre, wo-
durch das Thier die Insecten die über dem Was-
ser schweben bespritzt, daß sie herabfallen und
ihm zur Speise werden müssen.

16. sparvs. Dentes primores robusti, mo-
lares obtusi, conferti. Labia duplicata.
Membr. branch. rad.
5, corpus compressum.
Pinnae pectorales rotundatae.

1. Aurata. Der Goldbrachsen. S. lunula
aurea inter oculos
. *

Hat fast in allen Sprachen seinen Namen von
dem goldnen halben Mond vor den Augen. Hält
[Seite 297] sich im Sommer in der offnen See, die übrige
Zeit aber am Gestade und in Flüssen auf. Er
schläft zu gesetzter Zeit, was man bey andern Fi-
schen nicht so bemerkt.

2. Sargus. Der Geyßbrachsen. S. ocello
subcaudali, corpore fasciis nigris
. *

Aenelt dem vorigen Fisch in der Bildung und
Lebensart. Die Männchen sollen zur Begattungs-
zeit sehr hitzig seyn und wie Säugthiere oder Vö-
gel um ihre Geliebte kämpfen. Beide, dieses
und das vorige Thier waren vorzüglich bey den
Römern in hohem Werth.

17. labrvs. Dentes acuti, labia simplicia.
Membr. branch. rad.
6. pinnae dorsalis radii
postice ramento filiformi aucti. Pectorales
acuminatae.

1. Iulis. Der Meerjunker. L. lateribus
caerulescentibus, vitta longitudinali fulua
vtrimque dentata
. *

Der schönste Europäische Fisch, von vielfachen
Farben, besonders am Rücken treflich changeant.
Er soll listig und schwer zu fangen seyn, weil
er den Köder abfrißt ohne die Angel zu schlucken.

18. perca. Opercula squamosa, serrata.
Membr. branch. rad.
7. Corpus pinnis spi-
nosis.

1. † Fluuiatilis. Der Bars. P. pinnis dor-
salibus distinctis, secunda radiis
16.*

Ist vorzüglich im Sommer fett und schmack-
haft, hält sich an den Ufern, und laicht an Reis-
holz, Gestrüppe etc.

[Seite 298]

2. † Lucioperca. Der Zander, Sandbars,
Schiel. P. pinnis dorsalibus distinctis, se-
cunda radiis
32.*

Ein Raubfisch, der harten kiesichten Grund
liebt, und an Steinen laicht.

3. † Cernua. Der Kaulbars. P. pinnis dor-
salibus unitis radiis
27. spinis 15, cauda
bifida
. *

Hält sich in Teichen auf; ist im Winter am
schmackhaftesten.

19. gasterostevs. Membr. branch.
rad.
3. corpus ad caudam vtrimque carina-
tum. Pinnae ventrales pone pectorales, sed
supra sternum.

1. † Aculeatus. Der Stichling. G. spinis
dorsalibus tribus
. *

Ein kleiner aber schädlicher Raubfisch; der
nicht zum Essen, aber desto besser zur Schweine-
mast dient, und guten Thran giebt.

2. Volitans. G. spinis dorsalibus 13, cirris 6,
pinnis pectoralibus corpore longioribus. *

Ist um Amboina zu Hause, und kann sich
mittelst seiner langen Brustflossen wie andere flie-
gende Fische einige Zeit in der Luft halten.

20. scomber. Caput compressum, laeue.
Membr. branch. rad.
7. corpus laeue, linea
laterali postice carinatum. Pinnae spuriae
saepe versus caudam.

1. Thynnus. Der Thunnfisch. S. pinnulis
vtrimque
8.

[Seite 299]

Ein sehr gefräßiges grosses Thier, was wol
mehrere Centner wiegt. Um kleine Fische zu fan-
gen, schwimmt der Thunnfisch in einer Spiralli-
nie, wodurch er sie wie in einem Maalstrom hau-
fenweis zusammen treibt.

21. mvllvs. Caput compressum, decliue,
squamis tectum. Membr. branch. rad.
3.
Corpus squamis magnis facile deciduis.

1. Barbatus. Der Rothbart, Die Meer-
barbe. M. cirris geminis, corpore rubro.

Ein sehr schönes Thier, roth mit Goldstrie-
fen. War ebenfalls bey den Römern bis zur
Ausschweifung geschätzt.

22. trigla. Caput loricatum lineis sca-
bris. Membr. branch. rad.
7. Digiti liberi
ad pinnas pectorales.

1. Hirundo. T. digitis ternis, linea laterali
aculeata
. *

2. Volitans. T. digitis vicenis membrana
palmatis
. *

Beides fliegende Fische, die in beiden Elemen-
ten ihre Feinde haben, im Wasser Raubfische,
und drüber die Wasservögel; doch auch beiden
durch Fliegen oder Schwimmen zu entgehen wissen.


IV. ABDOMINALES.

Fische, deren Bauchflossen hinter den Brust-
floßfedern sitzen.

[Seite 300]

23. cobitis. Oculi in suprema capitis
parte. Membr. branch. rad.
4-6. Cauda
versus pinnam minus angustata.

1. † Barbatula. Der Schmerling, Bart-
gründel. C. cirris 6, capite inermi com-
presso
. *

Ein sehr bekannter kleiner Fisch, der kiesich-
ten Grund liebt, und im Frühjahr am schmack-
haftesten ist.

2.† Fossilis. Der Wetterfisch, Peizker. C.
cirris
8, spina super oculos. *

Philos. Trans. 1747. t. II. f. 1.

Giebt wie der Knurrhan einen Laut von sich;
wenn man ihn in Gläsern mit Sand am Boden,
erhält, so zeigt er die Wetteränderungen an wie
der Laubfrosch.

24. silvrvs. Caput nudum. Os cirris
fìliformibus tentaculatum. Membr. branch.
rad.
4-14. Radius pinnarum pectoralium
aut dorsalis primus spinosus, retrodentatus.

1. † Glanis. Der Wels, Schaidfisch. S. pinna
dorsali vnica mutica, cirris
6.*

Der größte Süswasserfisch, der wol eine Länge
von acht Elen erreicht, und wegen des unförm-
lich grossen und breiten Kopfes und der langen
Bartfäden ein sonderbar Ansehn hat. Er närt
sich von andern Fischen, auch von Wasservögeln
und grössern Thieren, und soll wol ehe selbst
Menschen aufgefressen haben.

25. salmo. Caput laeue. Dentes in ma-
xillis, lingua. Membr. branch. rad
. 4-10.
[Seite 301] pinna dorsalis postica adiposa; pinnae ven-
trales multiradiatae.

1. Salar. Der Lachs, Salm. S. rostro vl-
tra inferiorem maxillam prominente
.*

Eigentlich ein Seefisch, der aber zur Laichzeit
in die Flüsse steigt. Er wird besonders um die
Zeit sehr von Würmern (Lernaea salmonum)
hinter dem Kiefer geplagt, daher er oft aus Un-
ruhe weite schnelle Sprünge übers Wasser thut.

2. † Trutta. Die Lachs-Forelle. S. ocel-
lis nigris iridibus brunneis, pinna pectorali
punctis
6.*

3. † Fario. Die Forelle. S. maculis rubris,
maxilla inferiore sublongiore
. *

Lebt in schattichten Waldbächen auf kiesichtem
Grund, wird in theils Gegenden bis 50 Pfund
schwer, in andern aber kaum Spannenlang.
Doch sind diese kleinen vorzüglich schmackhaft.

4. Alpinus. Der Rothfisch. S. dorso nigro
lateribus caeruleis, ventre fuluo.
*

Ein sehr wichtiges Thier für die Schwedischen
Lappen, deren beynah einzige Nahrung es aus-
macht; lebt fast blos von Mücken (culex pipiens).

5. Eperlanus. Der Stint, Alander. S. ca-
pite diaphano, radiis pinnae ani
17.*

6. † Lauaretus. Der Gangfisch, Blauling,
Schnepel, Weisfisch. S. maxilla superiore
longiore, radiis pinnae dorsi
14.*

Ein kleiner aber überaus schädlicher Raubfisch,
der sich fast blos vom Laich anderer Fische närt.
Sein Fleisch ist schmackhaft, und wird auch einge-
salzen, geräuchert etc. Vorzüglich wird eine Spiel-
art (Ferra), die sich im Genfer-See findet, aber
[Seite 302] nur zu gewissen Zeiten gefangen wird*), für einen
der delicatsten Fische gehalten.

7. † Thymallus. Die Aesche. S. maxilla su-
periore longiore, pinna dorsi radiis
23.*

26. esox. Caput supra planiusculum; man-
dibula superiore plana breuiore, inferiore pun-
ctata: dentes in maxillis, lingua. Membr.
branch. rad.
7-12.

1. † Lucius. Der Hecht. Q. rostro depresso
subaequali
. *

Einer der gefährlichsten Raubfische, der nicht nur
andere Fische, sondern auch Wasservögel und Säu-
gethiere verschlingt. Er wird zuweilen auf drey-
sig Pfund schwer.

2. Belone. L. rostro vtraque maxilla subulato.

Ein schmackhafter Fisch. Seine Gräten sind
grün, als wenn sie mit Saftfarbe angestrichen
wären. Daß sie aber im Finstern leuchten soll-
ten, wie Linné sagt, ist nicht: – wenigstens nicht
immer.

27. exocoetvs. Caput squamosum. Os
edentulum, maxillis vtroque latere conne-
xis. Membr. branch. rad.
10. Corpus al-
bicans, abdomen angulatum, pinnae pecto-
rales maximae volatiles, radiis antice cari-
natis.

1. Volitans. E. abdomine vtrimque carinato. *

28. clvpea. Caput maxillarum superio-
rum mystacibus serratis. Membr. branch.

[Seite 303] rad. 8. Branchiae interne setaceae. Ab-
dominis carina serrata. Pinnae ventrales saepe
nouemradiatae.

1. Harengus. Der Häring. C. immaculata,
maxilla inferiore longiore.

Einer der wichtigsten Fische für die Nördliche
Erde, der zwar von Menschen und sehr vielen
Thieren verfolgt wird, sich aber auch dagegen
ungemein vermehrt, indem man bey einem Hä-
ring wol auf 10000 Eyerchen zält. Besonders
sind die Wallfische der Häringe gefährlichste
Feinde; denen diese im Junius durch ihre
grossen Reisen nach den Europäischen Küsten zu
entgehen suchen, da denn ihre Anwesenheit einige
tausend Menschen mit ihrem Fang beschäfftigt.
Wilhelm Beukelszoon von Bierfilet in Flandern
hat 1416 zuerst Häringe eingesalzen.

2. Alosa. Die Sardelle, Alse, der Gold-
fisch, Mayfisch. C. lateribus nigro macu-
latis, rostro bifido
.*

Die Sardellen finden sich vorzüglich häufig im
Mittländischen Meere; doch sind die so sich in
Flüsse ziehen bey weitem schmackhafter.

3. Encrasicolus. Der Anschovis. C. ma-
xilla superiore longiore
. *

Ein sehr beliebter kleiner Fisch, der auf sehr
verschiedne Weise für die Tafeln bereitet wird.

29. cyprinvs. Caput ore edentulo. Os
nasale bisulcum. Membr. branch. rad.
3.
Corpus laeue albens. Pinnae ventrales saepe
nouemradiatae.

[Seite 304]

1. Barbus. Die Barbe. C. pinna ani ra-
diis
7, cirris 4, pinnae dorsi radio secundo
vtrimque serrato
. *

2. † Carpio. Der Karpe. C. pinna ani ra-
diis
9, cirris 4, pinnae dorsalis radio postice
serrato
. *

Es giebt mehrere Spielarten, worunter sich
die Spiegelkarpen wegen ihrer schönen Farben,
und einiger beständig von Schuppen entblösten
Theile des Körpers auszeichnen. Unter den Kar-
pen giebts häufiger als unter andern Fischen Mis-
geburten.

2. † Gobio. Der Gründling, die Kresse.
C. pinna ani radiis 11, cirris 2.*

4. † Tinca. Die Schleihe. C. pinna ani ra-
diis
25, cauda integra, corpore mucoso,
cirris
2.*

Findet sich in sacht fliessenden Wassern mit lei-
michtem Boden; seltner in grossen Flüssen, wie
im Rhein, in der Tiber etc. Auch sie giebt einen
Laut mit den Kieferdeckeln von sich.

5. † Carassus. Die Karausche. C. pinna
ani radiis
10, caudae integra, linea laterali
recta
. *

Ein Raubfisch, der besonders den Karpen ge-
fährlich wird.

6. Auratus. Das Schinesische Goldfischgen.
C. pinna ani gemina, caudae transuersa bi-
furca
. *

Ioh. Baster in Haarlem. Verhandl. VII. D.
1 S. illum. Fig.

Ein überaus schön gezeichnetes Thier, was in
den Flüssen von China und Japan zu Hause ist.
[Seite 305] Die schönsten Goldfische werden in einem klei-
nen Teiche in der Provinz Che-Kyang gefangen.
Man hält sie ihrer schönen Farbe und ihrer Mun-
terkeit wegen auf den Zimmern in Porcellan-Va-
sen: und sie kommen auch in Europa fort, wo
sie zuerst 1691. nach England gebracht worden
sind.

7. † Phoxinus. Die Elritze. C. pinna ani ra-
diis
8. macula fusca ad caudam, corpore
pellucido.
*

Ein gemeiner, aber ebenfalls schönfarbiger
kleiner Fisch. Am Rücken glänzt er wie Gold,
am Bauch wie Silber, und an den Seiten chan-
girt er ins Purpurrothe.

8. † Aphya. Der Spirling. C. pinna ani
radiis
9, iridibus rubris, corpore pellu-
cido
. *

Das kleinste Thier der ganzen Classe.

9. † Leuciscus. Die Seele, Laugele, der
Blauling. C. pinna ani radiis 10, dorsa-
li
9.*

Ist zumal in einigen Gegenden der Schweiz
äuserst häufig: lebt gesellschaftlich: hält sich gern
an dergleichen Stelle auf: wird geräuchert und
eingepöckelt.

10. † Dobula. Der Häseling, Hasel, Schnott.
C. pinna ani dorsalique radiis 10.*

11. † Rutilus. Das Rothauge, Röthling.
C. pinna ani dorsalique radiis 12. rubicun-
da
. *

Es giebt mehrere Varietäten unter dieser Gat-
tung; wovon besonders die eine wegen ihrer
schönen zinnoberrothen Farbe merkwürdig ist.

[Seite 306]

12. † Orsus. Der Orf, Urf, Würfling, Elft.
C. pinna ani radiis 13.*

13. † Nasus. Die Nase. C. pinna ani radiis
14. rostro prominente. *

So wie die vorige Gattung besonders häufig
im Rhein. Die Nase hat ihren Nahmen von
der ungewöhnlichen Bildung ihrer Schnauze,
die einer Menschennase änelt.

14. † Alburnus. Der Weisfisch, die Blicke.
C. pinna ani radiis 20.*

Ein sehr gemeiner, wenig geschäzter Fisch.

15. † Brama. Der Brachsen. C. pinna ani
radiis
27, pinnis fuscis. *

Ein bekannter, schmackhafter Fisch, dessen
Nutzbarkeit durch seine ausserordentliche Vermeh-
rung verstärkt wird. Er lebt in lettigen Boden,
den er bey Annäherung der Hechte oder anderer
Raubfische aufwült, und sich dadurch ihren Au-
gen entzieht.


Achter Abschnitt.
Von den Insecten.

[Seite 307]

§. 130.

Die lezten beiden Classen des Thierreichs,
Die Insecten und Gewürme unterscheiden sich
schon dadurch von den vorhergehenden, daß
sie kein rothes Blut, sondern statt dessen einen
weißlichten Saft in ihrem Körper führen: wes-
halb sie auch von den Alten Blutlose Thiere
(animalia exsanguia) genannt wurden. Doch
lehren die microscopischen Untersuchungen, daß
dieser Saft wenigstens bey den grössern Insec-
ten, bey Hummern etc. blos in der Farbe vom
rothen Blut der bisher abgehandelten Thiere
verschieden ist, daß hingegen die Kügelgen,
aus denen er besteht, in ihrer Bildung und
Einrichtung den eigentlich so genannten Blut-
kügelgen allerdings gleichen.

§. 131.

Die Insecten haben ihren Nahmen daher,
weil wenigstens in ihrem vollkommenen Zustan-
de, Kopf, Brust und Hinterleib, wie durch
Einschnitte von einander abgesondert sind,
[Seite 308] ja bey den mehresten fast nur wie durch einen
Faden unter sich verbunden werden. Auserdem
characterisiren sie sich aber auch durch geglieder-
te Fäden, die sie an der Stirne tragen, (Anten-
nae, Fühlhörner
): durch die Lage der Rinn-
laden, die sich nicht wie bey allen rothblütigen
Thieren horizontal auf und nieder, sondern
seitwärts hin und her bewegen: und endlich
durch die grössere Anzahl Füsse, da die vollkom-
menen Inseten zum allermindesten ihrer sechs,
manche aber wol auf anderhalb hundert etc.
haben.

§. 132.

Auser den angegebenen Merkzeichen, haben
die Insecten wenig Eigenschaften, die ihnen al-
len gemein wären. Die ganz unermeßliche An-
zal der Gattungen, ihre so unendlich verschiede-
nen Bestimmungen, und dahin abzweckende
eben so verschiedene Lebensart, Bedürfnisse etc.
erfordern einen äuserst mannichfaltigen Kör-
perbau, in dem sie, so wie in der ungleichen
Grösse ihres Körpers, ausserordentlich von ein-
ander abweichen.

§. 133.

Selbst die äusere Bedeckung ihres Kör-
pers ist weit mannichfaltiger, als bey den übri-
gen Thieren. Sehr viele sind wie mit einem
hornartigen Panzer überzogen, der sie für man-
[Seite 309] cherley Unfällen sichert, und für den Mangel der
Knochen, die bey andern Thieren zur Grundlage
der Muskeln u.a. weichen Theile dienen, ent-
schädigt. Manche sind mit seinen aber meist
kleifen Haaren besetzt, und bey einigen die
Flügel mit kleinen Federgen, oder vielmehr
schuppen bedeckt, die zum Theil von den
schönsten Farben sind: so wie sich überhaupt
unter den Insecten, vorzüglich unter den Kä-
fern und Schmetterlingen, Thiere von ganz un-
beschreiblicher Schönheit finden.

§. 134.

Auch in der Einrichtung der Sinnwerk-
zeuge, und also vermuthlich auch in der Art
der Empfindung, weichen die Insecten gar
sehr von den übrigen Thieren ab. So daß ih-
nen so gar viele berühmte Männer verschiedne
von unsern fünf äusern Sinnen gänzlich abzu-
sprechen, oder andre uns unbekannte Sinne
zuzuschreiben gewagt haben. So wenig wir
nun zwar etwas ungereimtes in einer von beiden
Vermuthungen finden, so wenig dünken sie
uns dennoch, nach dem, was uns die Betrach-
tung der Insecten und ihrer Haushaltung ge-
lehrt hat, nothwendig. Daß viele dieser Thie-
re allerdings riechen, wird durch die artige
Erfahrung erweislich, da sich die Schmeisflie-
gen zuweilen durch den aashaften Geruch man-
cher Pflanzen verführen lassen, ihre Eyer dar-
[Seite 310] auf zu legen, ein Irrthum den nachher die
auskriechenden Maden aus Mangel der Nah-
rung mit dem leben bezalen müssen. So ha-
ben andre Versuche das Gehör der Bienen
und mehrer Insecten vollkommen bestätigt.

§. 135.

Die Augen der Insecten sind vorzüglich
merkwürdig, und zwar in Rücksicht ihres Baues
von zweyfacher Art. Die einen sind ungeheure
Halbkugelu, die aber aus vielen tausend Facet-
ten, oder wie es Swammerdam's mühseeli-
ger Fleis erwiesen hat, eigentlich aus eben so
viel besondern kleinen Augen bestehen. Fast
alle geflügelte Insecten haben solche componirte
Augen; doch meist erst im vollkommenen Zu-
stande, nach ihrer lezten Verwandlung. Die
Augen der andern Art sind einfach, klein, und
sowol in Rücksicht ihrer Anzahl als Lage ver-
schieden. Die Insecten haben keine eigentli-
che Augenlieder, die ihnen bey der Härte der
Hornhaut entbehrlich sind: und nur wenige,
wie die Krebse, können ihre Augen bewegen.

§. 136.

Die Fühlhörner (§. 131.), die Linné und
andere berühmte Männer für Werkzeuge beson-
derer, den Insecten eigener Sinne angesehen ha-
ben, dünken uns doch nichts weiter, als was
sie ihrem Nahmen nach seyn sollen: – Werk-
[Seite 311] zeuge des Gefühls, Sonden, die ihnen bey
ihrer harten unempfindlichen äusern Decke,
und bey der Unbeweglichkeit ihrer Augen dop-
pelt wichtig werden.

§. 137.

Im innern Körperbau weichen die In-
secten gar sehr von den rothblütigen Thieren ab.
Ihr Gehirn ist sehr klein und einfach: dage-
gen hat aber ihr Rückenmark hin und wieder
grosse Knoten, die dem Gehirn äneln, und
aus welchen, eben so wie aus dem Gehirne
selbst, Nervenstämme entspringen. Ihr Herz
ist fadenförmig aber lang: und ihr Magen
und Darmcanal hat nach den verschiedenen
Nahrungsmitteln, die den Gattungen angewie-
sen sind, auch verschiedne Bildung und Lage etc.
Lungen haben die Insecten nie: folglich auch
keine Stimme, obschon manche, wie die Heu-
schrecken mittelst ihrer Flügel, oder wie die Ci-
kaden durch besondere Höhlen in der Brust etc.
einen Laut von sich geben können. Die mehre-
sten Insecten müssen durch eigne Oeffnungen
(stigmata), die sich meist an der Seite ihres
Körpers befinden, Athem holen: diese können
sich fast wie der Stern im Auge erweitern und
verengern, und durch sie wird die geschöpfte
Luft mittelst unzähliger der unbeschreiblich fein-
sten Zweige in den ganzen Körper vertheilt.
Wie wir selbst bey mehrern Insecten gese-
[Seite 312] hen haben, so änelt die Anzahl ihrer Athem-
züge, den Pulsschlägen eines gesunden Men-
schen: etwa 80 in einer Minute. Verschie-
dene Wasserinsecten respiriren doch durch ganz
andere Wege: wie durch den Hintern etc.

§. 138.

Der Aufenthalt der Insecten ist weit unbe-
schränkter, als der von irgend einer andern
Thierclasse. Sie sind so zu sagen in allen Ele-
menten verbreitet: man wird keine Spanne
breit Erdreich untersuchen können, ohne Spu-
ren von Insecten zu finden: es sind fast auf al-
len Thieren ohne Ausnahme, auf allen Pflan-
zen, welche anzutreffen, und sie machen gleich-
sam eine unsichtbare Welt für sich aus, die
zwischen die ganze übrige organisirte Schöpfung
eingeschoben ist. So allgemein aber die In-
secten, im Ganzen genommen, über die ganze
Erde verbreitet sind, so streng ist doch dagegen
einer jeden einzelnen Gattung ihr besonderer
eingeschränkter Aufenthalt auf bestimmten Thie-
ren oder Pflanzen, und deren einzelnen Theilen
angewiesen: so wie auch manche sich sogar
nur in einer gewissen Jahrszeit oder Tagszeit
am gleichen Orte aufhalten, und nachher In-
secten andrer Art Platz machen müssen: so daß
kein Thier das andere in den Geschäften stören
darf, die ihm zu seiner eignen Erhaltung oder
[Seite 313] zum Wohl des Ganzen von der Hand des
Schöpfers übertragen sind.

§. 139.

Nur wenige Insecten leben in gesell-
schaftlicher Verbindung, und leisten sich
in ihren Geschäften wechselseitige Hülfe. Die
allermeisten gehen einzeln und insolirt ihren
Verrichtungen nach, und manche, die wie die
Spinnen in zahlreicher Gesellschaft jung wor-
den sind, zerstreuen sich bald nachher, und leben
einsiedlerisch, so, daß viele auser der Begat-
tungszeit kein anderes Geschöpf ihrer Art nach-
her wieder zu sehen kriegen.

§. 140.

Der überaus merkwürdigen Gebäude, Woh-
nungen etc. die sich so viele Insecten zu verfer-
tigen wissen, haben wir schon oben auf An-
laß der Kunsttriebe (§. 36.) Erwähnung ge-
than. Es sind wenige Thiere dieser Classe,
die nicht wenigstens einmal, in einer gewissen
Periode ihres Lebens Proben dieser natürlichen
Kunstfähigkeit ablegen sollten, indem sie entwe-
der wie die Kleidermotten und Frühlingsfliegen
in ihrer unvollkommenen Gestalt, als Larven,
sich ein Gehäuse zum Aufenthalt und zum
Schutze verfertigen, oder sich, um die Verwand-
lung und den langen Todesschlaf zu bestehen,
ein Lager bereiten, oder sich einspinnen, oder
[Seite 314] die sich wie die Ameisenlöwen Fallen, und wie
die Spinnen Netze für ihren Raub verfertigen,
oder die doch wenigstens, wie manche Wasser-
käfer und Spinnen, zur Sicherheit für ihre Nach-
kommenschaft Säcke oder Nester zubereiten, de-
nen sie ihre Eyer anvertrauen können. Man-
che von denen, die in gesellschaftlicher Verbin-
dung leben, bauen sich mit vereinten Kräften,
und nach den Gesetzen einer äuserst regelmässi-
gen ihnen angebohrnen Meßkunst, gemeinschaft-
liche Wohnungen: einige andere Insecten hin-
gegen, denen der Schöpfer keinen Kunsttrieb zur
eignen Verfertigung eines Nestes etc. verliehen
hat, beziehen doch wie Bruder Bernhard der
Einsiedler leerstehende ausgestorbene Schnecken-
häuser, die sie mit der Zeit, wenn sie ihnen zu
enge werden sollten, leicht mit andren geräumi-
gern vertauschen können.

§. 141.

Die Nahrung der Insecten entspricht
mehrentheils ihrem Aufenthalt: und sie ist ei-
ner der erstaunenswürdigsten wunderbarsten
Beweise von der unendlich weisen Einrichtung
in der grossen Haushaltung der Natur. Die
Insecten sollen nicht blos essen, um satt zu wer-
den, um sich zu ernähren, sondern um das Gleich-
gewicht zwischen beiden organisirten Reichen zu
erhalten, um Aas zu verzehren, um Unkraut
zu vertilgen u.s.w. eine grosse Bestimmung, zu
[Seite 315] deren Erfüllung diesen kleinen Thiergen, theils
ihre fast unglaublich starke Vermehrung, theils
ihr unersättlicher Appetit zu statten kommt.
Man weiß, daß eine Raupe in 24. Stunden
das Triplum ihres eignen Gewichts verzehren
kan.

§. 142.

Für den Nachstellungen ihrer Feinde
sind einige Insecten, wie z.B. die Spanurau-
pen durch ihre tauschende Gestalt, andere da-
durch, daß sie einerley Farbe mit den Gewäch-
sen haben, worauf sie leben, und folglich we-
niger darauf abstechen, nicht so leicht bemerkt
werden können; andere durch den Gestank, den sie
im Nothfall verbreiten können, andere durch
die Macht des gesellschaftlichen Lebens (§. 34.)
und noch andre durch ihre bewunderungswürdige
Stärke (§. 29.) gesichert. Manche sind gar
mit Waffen, z.B. mit Hörnern wie Kneip-
zangen, oder mit Stachel und Gift versehen,
oder sie sind wie die sogenannten Bärraupen
mit Hären besetzt, die wie Nesseln empfindlich
in die Haut stechen, wenn man sie fassen will:
oder sie können auch, wie manche Weidenrau-
pen, einen äuserst scharfen ätzenden Saft in ziem-
licher Entfernung auf ihre Verfolger sprützen.

§. 143.

Es giebt unter den Insecten sehr wenige
Hermaphroditen (§. 18.), sondern es herrscht
[Seite 316] bey den allermehresten der gleiche Geschlechts-
unterschied, wie bey allen Thieren der vorigen
Classen. Hingegen sind oft in derselben Gat-
tung die beiden Geschlechter einander so unän-
lich gebildet, daß man sie ehr für ganz verschie-
dene Thierarten, als für zusammen gehörige
Gatten halten sollte. Unter den Bienen und
andern ihnen verwandten Insecten ist immer die
gröste Anzahl gänzlich geschlechtlos; das
heist, sie werden gezeugt und gebohren, ohne
doch selbst je die Bestimmung, oder die Fä-
higkeit zur Empfängnis oder zur Zeugung
zu haben.

§. 144.

Auch die Begattung der Insecten hat sehr
viel sonderbares. Bey einigen, wie bey den
Spinnen scheint sie ein zweydeutiges Gemisch
von Angst und Vergnügen zu seyn, und sehr
viele andre können schlechterdings nicht mehr als
ein einziges mal in ihrem Leben die eheliche Freu-
de geniesen: der Tod ist bey diesen eine so un-
ausbleibliche Folge der ersten Begattung, daß
man so gar ihr Leben durch verzögerte Paarung
verlängern kan.

§. 145.

Die mehresten Insecten legen Eyer, die
zum Theil, zumal bey den Schmetterlingen, von
einer überaus mannigfaltigen sonderbaren Bil-
[Seite 317] dung und Zeichnung sind. Einige wenige ge-
bähren lebendige Junge, und manche, wie
die Blattläuse, pflanzen sich auf beyderley Wei-
se fort. Auch wird bey eben diesen sonderbaren
Geschöpfen durch eine einzige Paarung zugleich
die ganze weibliche Nachkommenschaft bis ins
vierte Glied, und weiter hinaus, schon in Mut-
terleibe befruchtet.

§. 146.

Ein äuserst merkwürdiges Phänomen, was
fast blos dieser Thierclasse eigen ist, sich wenig-
stens in den andern (§. 105.), doch bey wei-
tem nicht so auffallend interessant zeigt, ist ihre
Metamorphose. Die wenigsten Insecten
behalten nemlich die gleiche Gestalt, in der sie
zuerst ans Licht gekommen sind, ihr ganzes übri-
ges Leben hindurch, sondern sie verwandeln sich
gröstentheils zu wiederholten malen in bestimm-
ten Epochen ihres Lebens, und erscheinen wäh-
rend dieser Austritte oft in so sehr verschiednen
Gestalten, daß man nur erst neuerlich, nach sehr
sorgfältigen Untersuchungen, die bleibenden
Spuren des gleichen Geschöpfs unter so man-
cherley Verwandlungen, und den allmähligen
Uebergang der einen in die andere hat auffinden
können.

§. 147.

[Seite 318]

In der Gestalt, wie diese Insecten, die sich
einer Metamorphose unterziehen, zuerst aus dem
Ey kriechen, heisen sie Larven. Theils haben
sie Füsse, wie die Raupen und Engerlinge:
theils aber keine, wie die Maden. Flügel haben
sie noch nicht. Auch sind sie in diesem Zustand
zur Fortpflanzung noch gänzlich unfähig: sie er-
nähren sich blos, und wachsen, und häuten
sich mit unter einige mal.

§. 148.

Wenn die Larve merkt, daß ihre Zeit her-
bey kommen ist, so verpuppt sie sich, sie ver-
fertigt sich eine Verwandlungshülse, in der sie
bis zur lezten Catastrophe ihres Lebens einge-
schlossen bleibt. Manche können sich während
dieses Zustandes herum bewegen, auch Nah-
rungsmittel zu sich nehmen. Andere hingegen
verschliessen sich in ihre Puppe (chrysalis, au-
relia
) fast wie in einen Sarg: und bringen ei-
nen grossen Theil des Jahrs und ihres Lebens
in einem betäubenden Todesschlaf, ohne Nah-
rungsmittel, und ohne sich von der Stelle zu
bewegen, zu.

§. 149.

Allein während der Zeit, da das Geschöpf
so ganz fühllos und erstarrt in seiner Hülse
[Seite 319] vergraben scheint, geht mit ihm selbst die grosse
Veränderung vor, daß es aus seinem Larven-
stand zum vollkommnen Insect (lnsectum
declaratum
) umgebildet wird, und nach bestimm-
ter Zeit verschönert und vervollkommnet aus sei-
nem Kerker hervorbrechen kan. Wirklich ist
es eines der bedeutungsvollsten Schauspiele in
der Natur, die Betäubung zu beobachten, mit
der das schlaftrunkene Thier zum zweyten mal das
Licht der Welt begrüst, bis es von seinem Tau-
mel ermuntert, verjüngt und neu belebt davon
flattert, und der Erfüllung seiner noch übrigen
Pflichten entgegen eilt. Manche Insecten ab-
solviren diese lezte Rolle ihres Lebens in einer
sehr kurzen Zeit. Verschiedne bringen, wenn
sie aus ihrer Hülse kriechen, nicht einmal einen
Mund mit zur Welt, sie fressen nicht mehr, sie
wachsen nicht weiter: jene beiden Bestimmun-
gen eines organisirten Körpers hatten sie schon
als Larven erfüllt: Jetzt ist ihnen nur noch die
dritte übrig; sie sollen eine Gattin aufsuchen,
ihr Geschlecht fortpflanzen, und dann der Nach-
kommenschaft Platz machen, und sterben.

§. 150.

Die unmittelbare Brauchbarkeit der In-
secten ist ziemlich einfach: dagegen ist aber der
Antheil, den diese kleinen unbemerkten Thiere
an der grossen Haushaltung der Natur haben,
die Geschäfte die ihnen der Schöpfer zum Wohl
[Seite 320] des Ganzen anvertrauet hat, desto mannichfal-
tiger und ganz unermeßlich. Wir haben ihrer
schon bey mehrerem Anlaß Erwähnung gethan.
Die Insecten sind es, die die bestimmten Gren-
zen des Pflanzenreichs, sein verhältnismässiges
Gleichgewicht gegen das Thierreich erhalten,
und deshalb unzählige Arten von Unkraut
theils im Keim ersticken, theils, wenns auch
aufgewachsen ist, vertilgen, und seinem fernern
Wucher vorbeugen müssen. Eine gar nicht sehr
in die Augen fallende, aber im Grunde unab-
schliche und unaufhörliche Arbeit, die schlech-
terdings als eine der ersten und kräftigsten
Triebfedern im Gange der Schöpfung angese-
hen werden muß. Einen andern ebenfalls äu-
serst wichtigen Nutzen leisten so viele Insecten
die sich von Aas nähren, im Miste leben u. s.
w. und die dadurch, daß sie diese widrigen ani-
malischen Substanzen aufzehren, zerstreuen und
durchwirken, von der einen Seite der Infe-
ction der Luft vorbeugen, und von der an-
dern die allgemeine Düngung des Erdreichs
befördern. Manche Thiere dieser Classe, wie
die Krebse, die grossen orientalischen Heuschre-
cken etc. sind eßbar. So auch der Honig der
Bienen. Die Seide nutzt zur Kleidung und
mancherley andern Gebrauch. Verschiedne
Insecten geben vortrefliche Farben, wie die
Cochenille den Scharlach, der Kermes das
Carmoisin, Die Galläpfel werden zur Dinte,
[Seite 321] und Wachs zu Lichtern und tausenderley an-
dern Absichten verbraucht. Für die Arzney
sind vorzüglich die Spanischen Fliegen, die Kel-
leresel und die Ameisen von Belange, und neuer-
lich sind auch die Maykäfer, und sogenann-
ten Maywürmer, vom frischen als Hülfsmittel
gegen den tollen Hundsbiß berüchtigt worden.

§. 151.

Die Weisheit des Schöpfers hat gewollt,
baß Nutze und Schade der verschiednen Thier-
classen in einigem Verhältnis stehe: und so ist
auch hier der Nachtheil, den die Insecten an-
richten, zwar mit ihrem unermeßlichen Nutzen
in keinen Vergleich zu bringen, aber doch im
Ganzen genommen, importanter als bey an-
dern Thieren. Sehr viele Insecten sind den
Feldfrüchten überhaupt gefährlich, verursa-
chen Miswachs, und verheeren, wie die gros-
sen Heuschrecken, junge Saat, und alles, wo
sie auffallen. Manche sind besonders dem Ge-
traide nachtheilig; andere, wie so viele Rau-
pen, Erdflöhe, Engerlinge etc. den Gartenge-
wächsen; andre Raupen, und Käferlarven etc.
den Obstbäumen; die Schildläuse besonders
der Orangerie: die Larven von Speckkäfern,
und Holzraupen den Holzungen: die Ameisen
den Wiesen: die Kakerlacken, die Wanzen, die
weissen Ameisen etc. dem Hausgeräthe: die
[Seite 322] Larven vieler kleiner Käfergen den Büchern
und Naturaliensammlungen. Endlich wer-
den auch einige Arten von sogenanntem Unge-
ziefer den Menschen selbst, so wie den Pferden,
Schaafen, Hünern und andern Hausthieren, ja
so gar verschiednen nutzbaren Insecten, den Bie-
nen, Seidenwürmern etc. auf eine sehr unmittel-
bare Weise lästig, und andre, wie die Skor-
pione etc. durch ihr Gift, furchtbar.

§. 152.

Die systematische Anordnung wird bey
dieser Classe durch die zahllose Menge der da-
rin begriffenen Thiere, und durch ihre so sehr
verschiedne Bildung, erschwehrt. Wir fol-
gen indeß auch hier dem scharssinnigen Ent-
wurf des R. Linné, dessen Classification der In-
secten sich am meisten auf den ganzen Habitus
derselben gründet, und wegen der wenigen Ord-
nungen auch den Vorzug der Faßlichkeit fürs Ge-
dächtnis hat. Es versteht sich, daß die Cha-
ractere allemal vom vollkommen reifen Insect
hergenommen sind.

I. Ordn. Coleoptera. Käfer. Insecten
mit hornigem Körper, deren Flügel in der
Ruhe sich zusammen falten, und mit
zwey hornartigen Decken oder Schei-
den belegt werden, die sich in der Mitte
in gerader Linie an einander schliefen.

[Seite 323]

II. Hemiptera. meist mit einem hornichten
spitzen Rüssel, der vorn an der Brust
hinab liegt: und mit vier meist kreuzweis
zusammengelegten zur Hälfte harten Per-
gamentänlichen Flügeln.

III. Lepidoptera. Schmetterlinge. Mit
weichem behaarten Körper, und vier aus-
gespannten Flügeln, die mit bunten Schup-
pen bedeckt sind.

IV. Nevroptera. mit vier durchsichtigen netz-
förmigen oder gegitterten Flügeln.

V. Hymenoptera. mit vier durchsichtigen ge-
aderten Flügeln.

VI. Diptera. Die Insecten mit zwey (unbe-
deckten) Flügeln.

VII. Aptera. Die völlig ungeflügelten In-
secten.


I. COLEOPTERA.

[Seite 324]

Die Thiere dieser Ordnung werden über-
haupt Käfer genannt, ob man gleich diesen
Nahmen auch dem ersten Geschlechte ins beson-
dere beylegt. Die Larve, welche allemal aus
einem Ey entspringt, hat Freßzangen, und bey
den mehresten Geschlechtern sechs Füsse, die an
der Brust sitzen: bey einigen, wie unter den Holz-
böcken, ist sie ohne Füsse (eine Made). Sie ver-
puppt sich mehrentheils unter der Erde in einer
ausgehölten leimigten Scholle: oder aber, wie
bey den eben genannten Holzböcken, im Holze.
Das vollkommene Insect kriecht zwar weich
aus der Puppe: seine Haut verhärtet aber in
kurzer Zeit an der Luft: es hat so wie die Larve
Kinnladen am Kopfe, und Luftlöcher an der
Seite: und ist mit harten hornartigen Flügel-
decken (Elytra) versehen.

1. scarabavs. Käfer. Antennae claua-
tae capitulo fìssilli. Tibiae anticae saepius
dentatae.

1. Hercules. S. scutellatus, thoracis cornu in-
curuo maximo: subtus barbato vnidentato,
capitis recuruato: supra multidentato
. *

Eins der grösten Insecten; dessen Larve einen
starken Daumen dick, und beynah eine viertel Ele
lang ist. Beym Käfer ist das Horn von der Stir-
[Seite 325] ne aufwärts, und das längere vom Brustschild
im Bogen runterwärts gebogen, so daß das Thier
beide bewegen, und damit fassen und kneipen kan.
Ist in Brasilien zu Hause, variirt in der Farbe,
dunkelbraun, violet, schmutzig grün etc.

2. Actaeon. (rhinoceros auctori.) S. scutella-
tus thorace bicorni, capitis cornu uniden-
tato, apice bifido
. *

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen: ist aber
am Körper noch stärker. Seine Flügel sind wol
zweymal so lang als der Leib, und unter den Flü-
geldecken zusammengefaltet.

3. † Lunaris. S. exscutellatus, thorace bicor-
ni: intermedio obtuso bifido, capitis cornu
erecto, clypeo emarginato
.*

Hat die Grösse vom gemeinen Mistkäfer: ist vor-
züglich hart, ganz schwarz, glänzend, und überaus
artig gebildet. Das Männgen hat ein längeres
Horn auf der Stirne als das Weibchen: und sein
Brustschild ist sehr regelmässig ausgeschweift, zackigt.
Er lebt auf Wiesen und Viehweiden, vorzüglich im
Ruhmist: aus dem er, wie andre verwandte Käfer-
arten, hole Kugeln formt; die er einzeln unter die
Erde verscharrt, an Graswurzeln befestigt, und in
jede ein einziges Ey legt; damit die künftig daraus
kriechende Larve aus dem Miste Nahrung, und bis
zu ihrer Verwandlung sichern Aufenthalt habe.

4. † Nasicornis. Der Nashornkäfer. S. scu-
tellatus, thorace prominentia triplici, capi-
tis cornu incurvato, antennis heptaphyllis
.*

Der gröste hieländische Käfer: findet sich vor-
züglich in Gerberlohe von Eichenrinde, und in ho-
len Bäumen: fliegt sehr selten.

[Seite 326]

5. Sacer. S. exscutellatus, clypeo sexdentato,
thorace inermi crenulato, tibiis posticis ci-
liatis, vertice subbidentato
.

Nicht ganz so gros als der Nashornkäfer, legt
auch seine Eyer in Kugeln von Mist. Ist in süd-
lichen Europa, und in Nordafrica, vorzüglich häu-
fig in Aegypten zu Hause, wo er nach der Ueber-
schwemmung des Nils den Unrath verzehren hilft,
und wohl mehr dieser Ursache wegen, als wegen
der symbolischen Aenlichkeit, die das Wälzen seiner
Mistkugel mit dem Lauf der Sonne haben sollte*),
von den alten Aegyptern verehret, und auf ihren
Kunstwerken vorgestellt ist. Besonders hat man
ihn auf die Hinterseite der geschnittenen Steine
ausgeschnitzt, die deshalb Scarabaei genannt wer-
den. Wir besitzen selbst einen solchen Carneol, der
auf dem Rücken ganz genau und völlig nach der
Natur in Form dieses Käfers geschnitten ist.

6. † Fimetarius. S. scutellatus, thorace iner-
mi capite tuberculato, elytris rubris, cor-
pore nigro
. *

Ein kleiner Käfer, der sich so, wie seine Larve, im
Kuhmist aufhält, ihn durchwült, verarbeitet etc.

7. † Stercorarius. Der Roßkäfer, Scharne-
weber. S. scutellatus muticus ater glaber-
elytris sulcatis; capite rhombeo: vertice
prominulo, antennis rubris.
*

Lebt besonders im Pferdemist: ist daher häufig
auf Fahrwegen zu finden. Wenn er an heitern
Sommerabenden herum fliegt, so ist auch für den fol-
genden Tag noch gut Wetter zu erwarten.

[Seite 327]

8. † Vernalis. Der Mistkäfer. S. scutellatus
muticus, elytris glabris laeuissimis, capite
clypeo rhombeo, vertice prominulo, anten-
nis nigris
. *

Vorzüglich im Schaafmist, den er zwischen die
Stacheln der Hinterfüsse faßt, und wie Kugeln um
die Axe wälzt. Manche changiren schön violett,
grün etc. wird wie die beiden vorigen Arten sehr von
Ungeziefer (acarus coleoptrorum) geplagt.

9. † Melolontha. Der Maykäfer. S. scutel-
latus muticus testaceus, thorace villoso,
cauda inflexa, iucisuris abdominis albis
.*

Eins der gemeinsten Insecten, was fünf Jahre
lang als Engerling unter der Erde lebt, sich von
Getraidewurzeln etc. nährt, und zuweilen allgemei-
nen Miswachs verursacht hat*). Im sechsten
Jahr kömmts endlich als Maykäfer zum Vorschein,
und schadet in dieser Gestalt dem jungen Laub, be-
sonders an Obstbäumen.

10. † Solstitialis. Der Brachkäfer, Junius-
käfer. S. scutellatus muticus testaceus, tho-
race villoso, elytris luteo-pallidis: lineis tri-
bus albis parallelis
.*

Hat wie der vorige seinen Nahmen von der Zeit,
wann er sich zuerst als Käfer sehen läst. Aenelt ihm
auch in der Bildung, ist aber nur halb so gros.

[Seite 328]

11. †. Auratus. Der Goldkäfer, Rosenkä-
fer. S. scutellatus muticus auratus, segmen-
te abdominis primo lateribus vnidentato,
clypeo planiusculo
.

Die Larve und Puppe findet sich häufig in Amei-
senhaufen, und holen Baumstämmen. Der Käfer
selbst aber, der wegen seiner grün-goldnen Flügel-
decken überaus schön aussieht, in den Gärten an
Rosenstöcken, Lilien, Iris etc.

2. Lvcanvs. Antennae clavatae: clava com-
pressa latere latiore pectinato-fissili. Maxillae
porrectae, exsertae, dentatae
.

1. †. Cervus. Der Feuerschröter, fliegende
Hirsch, Börner, Donnerguge. L. scutel-
latus: maxillis exsertis apice bifurcatis la-
tere unidentatis
. *

Nächst den Krebsen das gröste deutsche Insect,
lebt vorzüglich in Eichenwäldern, variirt in der
Grösse und Farbe, die bey manchen mehr ins
Schwarze, bey andern ins Dunkelrothe fällt.
Nur das Männchen hat die überaus artigen, klei-
nen Geweihen änelnden Kneipzangen am Kopfe.

3. dermestes. Antennae clavatae: ca-
pitulo perfoliato: articulis tribus crassiori-
bus. Thorax convexus, vix marginatus.
Caput sub thorace inflexum latens
.

1. †. Lardarius. der Speckkäfer. D. niger,
elytris antice cinereis, punctis nigris
. *

Larve und Käfer nähren sich von fetten weichen
Theilen todter Thiere, und sind daher überall in
Speisekammern, negligirten Naturaliensammlun-
gen, und auf anatomischen Theatern zu finden.
[Seite 329] An eingespritzten trockenen anatomischen Präpara-
ten fressen sie manchmal das Fleisch und die Häute
so rein ab, daß die blose Wachsmasse in Form
der Gefässe sauber übrig bleibt.*)

2. †. Pellio. D. niger, coleopteris punctis al-
bis binis
. *

Zieht sich zumal nach Pelzwerk, ausgestopften
Thieren u.s.w.

3. †. Typographus, der Holzwurm. D. te-
staceus pilosus, elytris striatis retusis prae-
morsodentatis
. *

Unter der Rinde der Bäume, da er so wie
mehrere verwandte Gattungen dieses Geschlechts
das Holz wurmstichig macht.

4. †. Piniperda, der schwarze fliegende
Wurm, Borkenkäfer. D. niger subvillo-
sus, elytris piceis integris, plantis rufis
. *

In Nadelhölzern, wo er in manchen Jahren
ausserst häufig ist, und grosse Verwüstungen
anrichtet.

4. ptinvs. Antennae filiformes: articulis
ultimis majoribus. Thorax subrotundus,
immarginatus, caput excipiens
.

1. †. Pertinax. P. fuscus unicolor. *

Hat seinen Namen daher, weil er, sobald man
ihn berürt, die Füsse anzieht, wie todt liegt,
und lange durch keinen Reiz von der Stelle zu
treiben ist.

2. †. Fur. P. testaceus subapterus, thorace
quatuordentato, elytris fasciis duabusalbis
. *

[Seite 330]

Eins der furchtbarsten Thiere für Naturalien-
sammlungen, Bibliotheken, Hausgeräthe und
Pelzwerk; was durch keine der gewöhnlichen Ver-
wahrungsmittel gegen solche nachtheilige Inse-
cten, sondern blos durch genaue Aufsicht und öf-
tere Nachsuchung abgehalten oder vertilgt wer-
den kan.

5. hister. Antennae capitatae capitulo so-
lidiusculo; infimo articulo compresso, de-
curvato. Caput intra corpus retractile. Os
forcipatum. Elytra corpore breviora. Ti-
biae anticae dentatae
.

1. †. Unicolor. H. totus ater, elytris sub-
striatis
. *

In sandigen Boden und auf Viehweiden.

6. gyrinvs. Antennae clavatae, rigidae,
capite breviores, oculi
4, duobus supra, duo-
bus infra
.

1. †. Natator, der Schwimmkäfer. G. sub-
striatus
. *

Etwa von der Grösse einer Kaffeebohne, ist
den Sommer durch fast in allen Gewässern zu
finden. Lebt gesellschaftlich, schwimmt mit einer
ausserordentlichen Schnelligkeit auf der Oberflä-
che des Wassers. Im Tauchen hat er eine Luft-
blase am Hintern: giebt einen widrigen Geruch
von sich.

7. byrrhvs. Antennae clavatae subsolidae,
subcompressae
.

[Seite 331]

1. †. Museorum. B. nebulosus, elytris sub-
nebulosis puncto albo
. *

Nistet in Pelzwerk, ausgestopften Thieren etc.
und richtet in Naturaliencabinetten leicht Verwü-
stung an.

8. silpha. Antennae extrorsum crassiores.
Elytra marginata. Caput prominens. Tho-
rax planiusculus, marginatus
.

1. †. Vespillo, der Todtengräber. S. oblon-
ga atra clypeo orbiculato inaequali, elytris
fascia duplici aurantia
. *

Etwas kleiner als ein Maykäfer. Die Flügel
schwarz und orangegelb in die Quere gestreift.
Sie haben ihren Nahmen von dem besondern
Triebe, die Aeser von kleinen Thieren, Maulwür-
fen, Mäusen, Fröschen, Kröten, Schlangen etc.
die sie von weitem auswittern, mit vereinten
Kräften unter die Erbe zu vergraben, und ihre
Eyer dahinein zu legen. Ihrer sechs sind wohl
im Stande, einen todten Maulwurf binnen vier
Stunden, Fuß tief in fetten Boden einzuschar-
ren. Sie geben einen starken bisamähnlichen
Geruch von sich: und sind oft voll Ungeziefer.

9. cassida. Schildkäfer. Antennae sub-
filiformes, extrorsum crassiores. Elytra
marginata. Caput sub thoracis clypeo pla-
no reconditum
.

1. †. Viridis. C. viridis, corpore nigro. *

Auf Disteln, Feldmelde etc. Die Larve und
Puppe sind ganz flach und am Rande sonderbar
ausgezakt mit Spitzen versehen.

[Seite 332]

2. †. Murraea. C. nigra, clypeo rubro, ely-
tris sanguineis, punctis nigris sparsis
. *

Von der Grösse des vorigen, besonders häufig
am Alant.

10. coccinella, Sonnenkäfer, Ma-
rienkäfer, Marienkühgen. Antennae
subclavatae, truncatae. Palpi clava semi-
cordata. Corpus hemisphaericum, thorace
elytrisque marginatis, abdomine plano
.

Die Gattungen dieses Geschlechts zeichnen sich
fast bloß durch die Farbe ihrer Flügeldecken und
deren Flecken von einander aus, die Käfer selbst
sind klein, und meist halbkugelförmig.

1. †. Bipunctata. C. coleoptris rubris, pun-
ctis nigris duobus
. *

2. †. Bipustulata. C. coleoptris nigris punctis
rubris duobus, abdomine sanguineo
. *

11. chrysomela, Blattkäfer. Anten-
nae moniliformes, extrorsum crassiores.
Thorax, nec elytra, marginatus.

Ein üheraus weitläuftiges Geschlecht, dessen
Gattungen zum Theil durch die schönen Gold-
farben ihrer Flügeldecken, theils aber auch durch
den Schaden, den sie an Bäumen und Küchen-
gewächsen thun, merkwürdig werden.

1. †. Goettingensis. C. ovata atra pedibus vio-
laceis. *

Häufig an der Schaafgarbe.

2. †. Minutissima. C. ovata nigra opaca. *

[Seite 333]

Eins der kleinsten Käfergen. Kaum den drit-
ten Theil so gros als ein Floh.

3. †. Cerealis. C. ovata aurata, thorace lineis
tribus, coleoptrisque quinque violaceis, ab-
domine violaceo
. *

Eine der schönsten Chrysomelen, auf deren
Brustschild und Flügeldecken die violetten Strei-
fen mit andern von rothen und grünen Golde ab-
wechseln.

4. †. Oleracea. C. saltatoria (s. femoribus
posticis crassissimis) virescenti-caerulea
. *

Ein schädliches kleines Thier, das so wie meh-
rere verwandte Gattungen unter dem Namen der
Erdflöhe oder Erdfliegen bekannt ist.

12. hispa, Stachelkäfer. Antennae fu-
siformes, basi approximatae, inter oculos
sitae. Thorax elytraque aculeata saepius
.

1. †. Atra. H. corpore toto atro. *

Lebt unter der Erde von Graswurzeln, variirt
in der Grösse.

13. brvchvs. Antennae filiformes, sen-
sim crassiores
.

1. Pisi, der Erbsenkäfer. B. elytris albo pun-
ctatis, podice albo maculis binis nigris
.

Zumal in Nordamerika sehr häufig, wo er den
Hülsenfrüchten grossen Schaden thut.

14. Cvrcvlio. Rüsselkäfer. Antennae
subclavatae, rostro insidentes. Rostrum cor-
neum prominens
.

[Seite 334]

Die Rüsselkäfer haben meist einen kurzen rund-
lichen aber überaus hart gepanzerten Körper; und
einen festen runterwärts gebognen Rüssel von ver-
schiedener Länge. Es sind nachtheilige Thiere,
von denen besonders, die mit dem sehr langen
Rüssel den Bäumen, die übrigen aber den Feld-
flüchten und Gartengewächsen Schaden thun.
Die Larven nennt man Pfeifer.

1. Palmarum. Der Palmbohrer. C. longiro-
stris ater, thorace ovato planiusculo, elytris
abbreviatis striatis
. *

Ist in beiden Indien zu Hause, hat die Grösse
des Hornschröters. Die Larve nährt sich vom
Sagumarke; wird aber selbst von den Indianern
gegessen.

2. †. Frumentarius. Der schwarze Korn-
wurm, Reuter. C. longirostris sangui-
neus
. *

3. †. Granarius. C. longirostris piceus oblon-
gus, thorace punctato longitudine elytro-
rum
. *

Nebst dem vorigen auf Kornböden, in Mühlen.

4. †. Paraplecticus. C. longirostris cylindricus
subcinereus, elytris mucronatis
. *

Auf Wasserpflanzen. Daß er den Pferden
Lähmung verursache, haben wir nirgends bestä-
tigt gefunden.

5. †. Bacchus. Der Rebensticher. C. longi-
rostris aureus, rostro plantisque nigris
.

6. Anchoraco. C. longirostris, femoribus den-
tatis, elytris flavo striatis, thorace elonga-
to
.

[Seite 335]

Die schmale Brust, und der Rüssel sind jedes
so lang als der ganze Hinterleib: dadurch das
Thier ein sonderbares Ansehn bekommt.

7. †. Nucum. C. longirostris, femoribus den-
tatis, corpore griseo longitudine rostri
. *

Macht die Haselnüsse wurmstichig.

8. Imperialis. Der Juwelenkäfer. C. brevi-
rostris niger, elytris dentatis, sulcatis pun-
ctis excavatis, auro versicolore distinctis,
abdomine aeneo viridi
. *

Eins der prachtvollsten Geschöpfe in der Na-
tur. Das gefärbte Gold in den unzäligen Grüb-
gen, die reihenweis auf den Flügeldecken einge-
graben sind, thut in hellem Lichte, zumal unterm
Vergrösserungsglase einen unbeschreiblichen Ef-
fect. Das schöne Thier ist in Brasilien zu Hause,
und kommt in der Grösse etwa dem Maykäfer
bey.

15. Attelabvs. Caput postice attenuatum
inclinatum. Antennae apicem versus cras-
siores
.

1. †. Coryli. A. niger, elytris rubris. *

Lebt nebst mehreren Gattungen seines Ge-
schlechts auf Haselstauden.

2. †. Apiarius. Der Immenwolf. A. caeru-
lescens, elytris rubris, fasciis tribus nigris
. *

Ist häufig, wo viel Bienenzucht ist, thut den
Stöcken grossen Schaden.

16. Cerambyx. Holzbock. (Capricornus
auctor.) Antennae attenuatae, Thorax spi-
nosus aut gibbus. Elytra linearia
.

[Seite 336]

Die Holzböcke haben eine artige, meist cylindri-
sche schlanke Bildung, zum Theil auch schöne
Zeichnung und Farben; manche ganz ungeheure
lange Fühlhörner, einen ungemein harten Brust-
schild und Flügeldecken, und ein überaus zähes
Leben. Wir wissen, daß man angespießte Holz-
böcke noch nach vier Wochen lebendig gefunden
hat. Meist leben sie in Holz, und geben mittelst
des Brustschilds, den sie an die Flügeldecken rei-
ben, einen knarrenden Laut von sich.

1. Cervicornis. C. thorace marginato dentato,
maxillis porrectis coniformibus vtrinque
spinosis, antennis brevibus
. *

Sehr groß, schön gezeichnet, mit Kinnzan-
gen, fast wle am Hornschröter. Ist in Südame-
rica zu Hause: wo seine Larve von den Wilden
aufgesucht und gegessen wird.

2. †. Granulatus. C. thorace spinoso, rugoso,
elytris bidentatis, nigris, polline ferrugi-
neo conspersis, ad basin acinulis nigris splen-
dentibus granulatis
. *

Ein ansehnliches, zwey Zoll langes, vielleicht
noch nicht beschriebenes Thier. Die Fühlhörner
sind von gleicher Länge mit dem Körper. Die
Flügeldecken haben an beiden Seiten, zumal an
der äusern, einen schwarzen aufgeworfnen schma-
len Rand.

3. †. Moschatus. C. thorace spinoso, elytris
obtusis viridibus nitentibus, femoribus mu-
ticis, antennis mediocribus
. *

Dunkelgrün und blau, wie angelaufener Stahl-
giebt ein bisamänlichen Geruch von sich.

4. †. Aedilis. C. thorace spinoso: punctis 4.
luteis, elytris obtusis nebulosis, antennis
longissimis
.

[Seite 337]

Nicht so gros als der vorige. Die Fühlhörner
sind wohl sechsmal so lang als das ganze Thier.

17. leptvra. Antennae setaceae. Ely-
tra apicem versus attenuata. Thorax tere-
tiusculus
.

1. †. Aquatica. L. deaurata, antennis nigris,
femoribus posticis dentatis
. *

An allerhand Wasserpflanzen. Variirt in der
Farbe, manche grün und Gold, andere braun
und Gold etc.

18. necydalis, Afterholzbock. An-
tennae setaceae. Elytra alis minora. Cau-
da simplex
.

1. †. Major. N. elytris abbreviatis ferrugi-
neis immaculatis, antennis brevioribus
. *

19. lampyris, Johanniswürmgen.
(Cicindela auctor.*)) Antennae filiformes.
Elytra flexilia. Thorax planus, semiorbi-
culatus, caput subtus occultans cingensque,
Abdominis latera plicato-papillosa
.

Die Johanniswürmgen werden vorzüglich durch
den blaulichen Schein merkwürdig, den sie in
heitern Sommerabenden von sich geben. Nur
die Männchen sind geflügelt, und diese haben
zwey lichte Punkte unten am Bauche, die im fin-
stern phosphoresciren. Die Weibgen sind unge-
flügelt, äneln ehe den Larven dieses Geschlechts
und leuchten weit stärker als die Männchen, be-
[Seite 338] sonders um die Begattungszeit, da ihr Licht ver-
mutlich den Männchen zur Anzeige dient, sie auf-
zufinden. Einige Zeit, nachdem das Weibgen
seine Eyer gelegt hat, (die selbst auch im finstern
leuchten) verliert sich der Schein bey beyden
Geschlechtern.

1. †. Noctiluca. L. oblonga fusca, clypeo
cinereo
. *

Unter Wachholdersträuchen, Rosenbüschen etc.
Ihrer vier oder fünf in ein Gläschen gethan,
leuchten hell genug, um dabey im finstern lesen
zu können; und die Spanischen Damen stecken
sie als Putz auf ihren Abendpromenaden in die
Haare.*)

20. cantharis. Antennae setaceae. Tho-
rax marginatus capite brevior. Elytra fle-
xilia. Abdominis latera plicato. papillosa
.

1. †. Navalis. C. thorace teretiusculo, cor-
pore luteo, elytris margine apiceque nigris
. *

Ein schädliches Thier, dessen Larve das Eichen-
holz durchbohrt und für die Schiffe gefährlich
wird.

21. elater, Springkäfer, Schmidt.
Antennae setaceae. Thorax retrorsum an-
gulatus. Mucro pectoris e foramine abdo-
minis resiliens
.

Diese Thiere sind wegen der sonderbaren Fer-
tigkeit merkwürdig, mit welcher sie, wenn sie
auf den Rücken zu liegen kommen, sich in die
Höhe zu schnellen, und wieder auf die Beine zu
helfen wissen. Vorzüglich hilft ihnen dazu ein
[Seite 339] Stachel, der vorn an der Brust befestigt ist, und
in eine Rinne oben am Bauche paßt, aus der
er beym Aufschnellen mit Gewalt heraus schnappt;
und dann die Spizen, die rückwärts auf beyden
Seiten des Brustschilds heraus stehen, und mit
den Flügeldecken auf eine änliche Weise eingelenkt
sind.

1. Noctilucus, der Cocujo. E. thoracis late-
ribus macula flava glabra
.

Ist in Nordamerika zu Hause. Wird wol zwey
Zoll lang. Die beyden Flecken auf dem Brust-
schild leuchten stark im finstern, und die Wilden
bedienten sich vor Ankunft der Spanier keiner
andern Leuchten als der Cocujos und einiger an-
dern Insecten.

3. †. Niger. E. thorace laevi, elytris pedibus
corporeque nigris
. *

Häufig auf Viehweiden.

22. cicindela. Antennae setaceae. Ma-
xillae prominentes denticulatae. Oculi pro-
minuli. Thorax rotundato-marginatus
.

Kleine aber meist sehr schöne Käfer. Die Flü-
geldecken sind mehrentheils artig gezeichnet, und
der Unterleib und die Füsse changiren in farbiges
Gold. Es sind muthige Thiere, die fast blos
vom Raube anderer Insecten leben. Als Larven
scharren sie sich in Sand, fast wie der Ameisen-
löwe, um ihrer Beute aufzulauern, und als Kä-
fer wissen sie ihr mit ausnehmender Schnellig-
keit im Lauf und Flug nachzujagen.

1. †. Germanica. C. viridis, elytris puncto
lunulaque apicum albis
. *

[Seite 340]

23. bvprestis, Stinkkäfer. Antennae se-
taceae, longitudine thoracis. Caput dimi-
dium intra thoracem retractum
.

Ebenfalls ausserordentlich prächtige Thiere
von den unnachahmlichsten Goldfarben; daher
ihre Flügeldecken schon längst von den Wilden
zum Putz verwendet worden.

1. Gigantea. B. elytris fastigiatis bidentatis
rugosis, thorace marginato laevi, corpore
inaurato
. *

Wird wol Fingers lang, ist in beyden Indien
zu Hause.

2. †. Chrysostigma. B. elytris serratis longi-
tudinaliter sulcatis, maculis duabus aureis
impressis, thorace punctato. *

24. dytiscvs, Wasserkäfer, Fischkä-
fer. (Hydrocantharus auctor.) Antennae
setaceae aut clavato-perfoliatae. Pedes po-
stici villosi, natatorii submutici
.

1. †. Piceus. D. antennis perfoliatis, corpo-
re laevi, sterno carinato, postice spinoso
. *

Eine der grösten Arten. Ist in den Europäi-
schen Gewässern gemein. Auch haben wir sie
aus Tranquebar erhalten. Wenn der Käfer seine
Eyer legen will, so bereitet er dazu eine artige
längliche Hülse, die er mit einer braunen Seide
überzieht, und die mit den eingeschloßnen Eyern
wie ein Schiffgen auf dem Wasser schwimmt,
bis die kleinen Larven ausgekrochen und im Stan-
de sind, in ihr Element über Bord zu springen.

2. †. Semistriatus. D. fuscus, elytris sulcis
dimidiatis decem villosis
. *

[Seite 341]

Ist, so wie vermutlich die mehresten Gattun-
gen dieses Geschlechts, den Fischteichen ge-
fährlich.

25. carabvs, Laufkäfer. Antennae se-
taceae. Thorax obcordatus apice truncatus
marginatus. Elytra marginata
.

Leben meist vom Raube anderer Insecten: und
geben, wenn man sie anfaßt, einen ätzenden
Saft von sich. Die wenigsten können fliegen;
laufen aber desto schneller.

1. †. Coriaceus. C. apterus ater opacus, ely-
tris punctis intricatis subrugosis
. *

2. †. Auratus, der Goldhahn. C. apterus
elytris punctis striis sulcisque laevibus in-
auratis
. *

26. tenebrio. Antennae moniliformes
articulo ultimo subrotundo. Thorax plano-
convexus, marginatus. Caput exsertum.
Elytra rigidiuscula
.

1. †. Molitor. T. alatus niger totus, femo-
ribus anticis crassioribus
. *

Die Larven halten sich im Mehl auf, finden
sich daher häufig in Mühlen, und Beckerhäusern,
heissen Mehlwürmer, und geben bekanntlich
das beste Nachtigallenfutter ab.

2. †. Mortisagus, der Todtenkäfer. T. apte-
rus thorace aequali, coleoptris laevibus mu-
cronatis
. *

Lebt in modrigen Orten, hat einen widrigen
Geruch, und ist vom Aberglauben ehedem für
omineus gehalten worden.

[Seite 342]

27. meloë. Antennae moniliformes articu-
lo ultimo ovato. Thorax subrotundus.
Elytra mollia flexilia, caput inflexum, gib-
bum
.

1. †. Proscarabaeus, der Maywurm. M.
apterus, corpore violaceo
. *

Ein widriges weiches Thier, was bey jeder
Berürung einen stinkenden Saft auf der Brust,
da wo die Füsse eingelenkt sind, fliessen läßt.

2. †. Vesicatorius, die spanische Fliege. (Can-
tharis offic.) M. alatus viridissimus nitens,
antennis nigris
. *

Das wichtige heilsame Geschöpf, was zum
Blasenziehen gebraucht wird.

28. mordella. Antennae filiformes ser-
ratae. Caput deflexum sub collo, in ter-
rito. Palpi compresso-clavati, oblique trun-
cati. Elytra deorsum curva apicem versus.
Ante femora lamina lata ad basin abdo-
minis
.

Kleine Käfergen. Das ganze Geschlecht be-
greift nur wenige Gattungen, die sich noch dazu
sehr wenig zu vermehren scheinen.

1. †. Aculeata. M. atra, ano spina terminato.

29. staphylinvs. Antennae monilifor-
mes. Elytra dimidiata. Alae tectae. Cau-
da simplex exserens duas vesiculas oblongas.

Sind besonders wegen der kleinen Blasen,
merkwürdig, die sie, so bald sie Gefahr merken,
[Seite 343] aus dem Hinterleibe treiben; deren wahrer Nuzen
aber noch unbestimmt ist.

1. †. Maxillosus. S. pubescens niger, fasciis
cinereis, maxillis longitudine capitis
. *

30. forficvla. Antennae setaceae. Ely-
tra dimidiata. Alae tectae. Cauda forci-
pata
.

1. †. Auricularia, der Ohrwurm. F. elytris
apice albis
. *

Das bekannte Thier, von dem die abgeschmakte
Sage ersonnen ist, daß es gerne den Menschen
in die Ohren kröche.


II. HEMIPTERA.

Bey den Insecten dieser Ordnung ist der
Kopf an die Brust niedergedruckt, bey einigen
mit Kinnladen, bey den mehresten aber mit
einem Saugerüssel versehen, weshalb diese auch
von einigen Naturforschern Proboscidea genannt
werden. Anzal und Bildung und Richtung
der Flügel ist verschieden. Meistens haben sie
vier Flügel, die an der Wurzel fester und hörn-
artiger, am äussern Ende aber dünner und wei-
cher sind. Bey einigen sind sie gerade ausge-
streckt, bey andern übers Kreuz zusammen ge-
falten. Theils sind sie auch mit einer Art klei-
ner Flügeldecken belegt. Manche haben nur
zwey Flügel, und bey verschiedenen sind die
[Seite 344] Weibchen gänzlich ungeflügelt. Ihre Ver-
wandlung ist nicht sehr auffallend: sondern die
Larven äneln dem vollkomnern Insect bis auf
die Flügel, die erst nach und nach völlig ausge-
bildet werden.

31. blatta, die Schabe. Caput infle-
xum. Antennae setaceae. Elytra alaeque
planae, subcoriaceae. Thorax planiuscu-
lus, orbiculatus. marginatus. Pedes curso-
rii. Cornicula duo supra caudam
.

1. †. Orientalis, der Kakerlake, Tarokan.
B. ferrugineo-fusca, elytris abbreviatis sulco
oblongo impresso
. *

Ist eigentlich in Südamerika zu Hause: hat
sich aber von da nach Ostindien und nun auch
fast in ganz Europa fortgepflanzt. So wie an-
dere Schaben ein lichtscheues aber verwüstendes
Thier, was Brod, Leder, Hausgeräthe verzehrt,
sich zumal gern in Beckerhäusern einnistelt; sich
sehr nach der Wärme zieht; und bis jetzt durch
keins der vorgeschlagenen Mittel auszurotten ist.

2. †. Lapponica. B. flavescens, elytris nigro-
maculatis
. *

Nicht in Lappland allein, sondern auch um
Paris, um Göttingen, und in der wärmern
Schweiz.

32. mantis. Caput nutans, maxillosum,
palpis instructum. Antennae setaceae. Alae

4 membranaceae, convolutae, inferiores
plicatae. Pedes
antici compressi, subtus ser-
[Seite 345] rato-denticulati, armati ungue solitario et
digito setaceo laterali articulato:
postici 4 lae-
ves, gressorii. Thorax linearis elongatus
angustatus
.

Alle von einer ungewönlichen langgestreckten
sonderbaren Bildung. Auch ihr Gang, ihr Be-
tragen etc. hat was eigenes Feyerliches, was wol
zu der abergläubischen Devotion Anlaß gegeben
hat, mit der mehrere Gattungen in Orient und
im wärmern Europa angesehen worden sind.

1. Gigas. M. thorace teretiusculo scabro, ely-
tris brevissimis, pedibus spinosis
. *

Spannen lang, und doch kaum so dick als
eine Gänse Spuhle. Ist auf Amboina zu Hause.

2. Gongylodes. M. thorace subciliato, femo-
ribus anticis spina terminatis, reliquis lobo
. *

3. †. Religiosa, die Gottesanbetherin, das
wandelnde Blatt. M. thorace laevi sub-
carinato elytrisque viridibus inmaculatis
. *

Geht meist nur auf den vier Hinterfüssen, und
hält die vordern beyden in die Höhe, um Mücken
damit zu fangen. Der Türkische Pöbel hat sich
eingebildet, daß sie mit dem Kopf immer nach
Mecca zu gerichtet sey, und ihre Vorderfüsse
aus Andacht falte. Der Deutsche und Französi-
sche Pöbel hat in dieser Stellung auch was Bit-
tendes oder Bedeutungvolles zu finden gemeynt.
Das wandelnde Blatt nennt man das Thier,
weil seine Oberflügel an Gestalt und Farbe einem
Weidenblatte äneln. Man weiß, daß es wohl
zehn Jahre alt wird.

[Seite 346]

33. gryllvs, Heuschrecke. Caput in-
flexum, maxillosum, palpis instructum.
Antennae setaceae s. filiformes. Alae
4 de-
flexae, convolutae, inferiores plicatae. Pe-
des postici saltatorii. Ungues ubique bini.

Ein grosses Geschlecht, dessen mehreste Gat-
tungen dem Wiesenwachs und Getraide gefärlich
sind. Manche geben entweder zur Begattungs-
zeit, oder bey einbrechender Nacht, oder wenn
sich das Wetter ändern will, einen bekannten
zirpenden, Laut von sich, den sie theils mit den
Springfüssen, am meisten aber, wie schon Ari-
stoteles richtig bemerkt hat, mit den Flügeln
hervorbringen, von denen die untern an der Wur-
zel mit einer Art Trommelfellgen, die obern
aber mit einem Knöpfgen versehen sind, das auf
jenes Fellgen paßt, und darauf hin und her ge-
rieben wird.*) Bey der Begattung sitzt das
Weibgen dem Männchen auf dem Rücken.

1. †. Gryllotalpa, die Werre, Maulwurfs-
grille, der Riehwurm, Reutwurm,
Schrotwurm, Ackerwerbel, Erdkrebs.
G. thorace rotundato, alis caudatis elytro
longioribus, pedibus anticis palmatis to-
mentosis
. *

Ist in einigen Gegenden, wie im Thüringi-
schen etc. ausserordentlich häufig. Lebt meist un-
ter der Erde, und thut, zumal den Küchenge-
wächsen und der Gerstensaat, grossen Schaden.

2. †. Domesticus, die Grille, Zirse, Heim-
gen. G. thorace rotundato, alis caudatis
[Seite 347] elytro longioribus, pedibus simplicibus, cor-
pore glauco
. *

Kommen zur Erndezeit mit der Frucht in die
Häuser, ziehen sich nach der Wärme, zirpen die
Nacht durch, sind aber mit hellem Licht zum
schweigen zu bringen.

3. †. Campestris, die Feldgrille. G. thorace
rotundato, cauda biseta stylo lineari, alis
elytro brevioribus, corpore nigro
. *

Hat in der Bildung vieles mit der vorigen
Grille gemein, in ihrem Betragen aber ist sie
noch poßirlicher als jene. Der Laut, den sie
nut ihren Flügeln hervorbringt, variirt nach
Verschiedenheit der Leidenschaft so gut als die
Stimme der Thiere. Er ist anders, wenn das
Männchen eine Gattin zu sich locken will, und
anders, wenn zwey Feldgrillen einerley Ge-
schlechts über eine leerstehende Höle, die sie be-
ziehen wollen, oder sonst zu Streite kommen:
die beyden Geschlechter hingegen leben verträg-
lich, und besonders bezeigt das Männchen,
wenn es mit einem Weibchen über der Weide,
oder sonst in Collision kommt, viel Gefälligkeit.

4. †. Viridissimus, der Baumhüpfer. G. tho-
race rotundato, alis viridibus immaculatis,
antennis setaceis longissimis
. *

Von schöner grüner Farbe. Lebt meist auf
Gebüschen, springt vorzüglich weit; zirpt am
meisten in den Hundstagen.

5. †. Verrucivorus. G. thorace subquadrato
laevi, alis viridibus fusco maculatis, anten-
nis setaceis longitudine corporis
. *

Die gemeinste Heuschrecke. Variirt in der Farbe.

[Seite 348]

6. Cristatus. G. thorace cristato, carina qua-
drifida
. *

Die grosse eßbare Heuschrecke der Araber, die
Johannes in der Wüste as, und die noch jetzt
in Arabien und andern Morgenländern auf man-
nichfaltige Weise zubereitet und allgemein ver-
speist wird.

7. †. Migratorius, die Zugheuschrecke, Strich-
heuschrecke, Heerheischrecke. G. thorace
subcarinato: segmento unico, capite obtu-
so, maxillis atris
. *

Bey weitem nicht so gros als die vorige, aber
furchtbar, weil sie oft in unsäglichen Zügen in
Europa eingefallen ist und allgemeinen Miswachs
und Hungersnoth verursacht hat. Ursprünglich ge-
hört sie wohl in die grosse Tartarey zu Hause,
doch findet sie sich auch in Deutschland hin und
wieder, aber einzeln. Seit 1747 ist Deutsch-
land mit ihren grossen Invasionen verschont ge-
blieben. Besonders haben sich noch diese Thiere
durch die Widerwärtigkeiten, die sie K. Carl dem
XII. in Bessarabien verursachten,*) berüchtigt
gemacht.

8. †. Stridulus, die Holzheuschrecke. G. tho-
race subcarinato, alis rubris extimo nigris
nebulosis
. *

Leben meist im Gehölze. Die Männchen ge-
ben im Fluge einen lauten klappernden Ton
von sich.

34. fvlgora. Caput fronte producta, ina-
ni. Antennae infra oculos, articulis
2. ex-
[Seite 349] teriore globoso majore. Rostrum inflexum,
pedes gressorii
.

Der sonderbare Character dieses Geschlechts
ist die grosse hornichte Blase vor der Stirne, die
beym lebenden oder kürzlich abgestorbnen Thier
einen hellen Schein verbreitet.

1. Laternaria, der Surinamische Laternträ-
ger. F. Fronte ovali recta, alis lividis: posti-
cis ocellatis
. *

Die gröste Art; die leuchtende Blase ist grös-
ser als der ganze übrige Körper, und scheint so
hell, daß sich die Wilden ihrer statt Leuchten be-
dienen, wenn sie im finstern reisen.

2. Candelaria, der Chinesische Laternträger.
F. fronte rostrata subulata adscendente, ely-
tris viridibus luteo-maculatis, alis flavis:
apice nigris
. *

35. cicada. Rostrum inflexum. Anten-
nae setaceae. Alae
4 membranaceae, de-
flexae. Pedes plerisque saltatorii
.

Die männlichen Cikaden geben wie die Heu-
schrecken einen Laut von sich, der aber abwech-
selnder und anmuthiger ist, und durch sehr zu-
sammengesetzte Werkzeuge in ihrer Bauchhöle,
die Reaumur und Rösel sehr genau untersucht
haben, hervorgebracht wird. Besonders haben
die alten Griechen und Römer die Töne dieser
Thiergen ausserordentlich goutirt, und theils die-
serwegen, theils wegen eines sehr allgemeinen
und ungewönlich günstigen Vorurtheils, was sie
von den unschuldigen sanften Sitten, und dem
sich immer gleichen heitern Temperament der Ci-
[Seite 350] kaden hegten, diese Geschöpfe mit einer ausneh-
menden Achtung angesehen.*)

1. †. Cornuta. C. thorace bicorni postice su-
bulato longitudine abdominis, alis nudis
. *

Auf Getraide, Disteln etc. Die spitzen Zapfen
zu beyden Seiten des Brustschilds geben ihr ein
sonderbar Ansehen.

2. Plebeja. C. scutelli apice bidentato, ely-
tris anastomosibus quatuor, lineisque sex
ferrugineis
. *

In Griechenland, Italien und Nordafrika.
Diese und die folgende Gattung sind die bey den
Alten so beliebten Cikaden.

3. Orni. C. elytris intra marginem tenuio-
rem punctis sex concatenatis, anastomosi-
bus interioribus suscis
. *

4. †. Sanguinolenta. C. atra, elytris maculis
duabus fasciaque sanguineis
. *

In Italien, im südlichen Frankreich, und
auch um Göttingen nicht selten.

5. †. Spumaria, der Schaumwurm, der
Gäschtwurm. C. fusca, elytris maculis
binis albis lateralibus: fascia duplici interru-
pta albida
. *

Besonders häufig auf Weiden, denen er im
Frühjahr den Saft aussaugt, und ihn in Ge-
stalt eines Schaums wieder von sich giebt; man
findet diesen Schaum, dem man unter dem Na-
men Gukuksspeichel allerhand fabelhaften Ur-
sprung angedichtet, oft in Klumpen, wie eine
Haselnuß groß, und das Thier selbst in der
Mitte vergraben.

[Seite 351]

36. notonecta, Wasserwanze. Ro-
strum inflexum. Antennae thorace brevio-
res. Alae
4 cruciato-complicatae, antice
coriaceae. Pedes posteriores pilosi natatorii
.

1. †. Glauca. N. grisea elytris griseis margine
fusco punctatis apice bifidis
. *

Schwimmt die mehreste Zeit auf dem Rücken:
weiß auch in dieser Lage kleine Mücken etc. von
denen sie sich nährt, mit vieler Geschwindigkeit
zu haschen. Mit dem Saugestachel kann sie em-
pfindlich stechen. Ihre Eyergen läßt sie aufs
gerade wol ins Wasser fallen. Sie sind so schwer,
daß sie zu Boden sinken, und da bis zum Aus-
schlupfen der Jungen sicher genug liegen bleiben.

37. nepa, Wasserscorpion. Rostrum in-
flexum. Alae
4 cruciato-complicatae antice
coriaceae. Pedes anteriores cheliformes: re-
liqui
4 ambulatorii.

Die Körper ist platt wanzenartig. Die Vor-
derfüsse haben einige Aenlichkeit mit Krebsschee-
ren. Der lange Stachel am Hintern nutzt nicht
als Waffen, sondern blos zum Athemholen
(§. 37.)

1. †. Cinerea. N. cinerea, thoraci inaequali,
corpore oblongo-ovato
. *

Der Rücken ist schön zinnoberroth. Die Eyer
haben eine überaus sonderbare Gestalt, am einen
Ende mit Häkchen, fast wie ein zusammen ge-
krochener Armpolype, oder wie Saamen von
Kornblumen. etc.

2. †. Cimicoides. N. abdominis margine ser-
rato
. *

[Seite 352]

Aenelt den Thieren des vorigen Geschlechts.

38. cimex, Wanze. Rostrum inflexum.
Alae
4 cruciato-complicatae, superioribus
antice coriaceis. Dorfum planum thorace
marginato. Pedes cursorii
.

Widrige Geschöpfe, die theils durch den man-
nichfaltigen Schaden den sie thun, theils durch
den unausstehlichen Gestank den sie von sich ge-
ben, furchtbar werden.

1. †. Lectularius, die Bettwanze. C. flave-
scens, alis nullis
. *

Die Bettwanzen mögen allerdings im südli-
chen Europa einheimisch seyn: wenigstens reden
Aristophanes und andere alte Griechen von ihnen
als von bekannten Thieren. Auch sind sie lange
vor dem grossen Londner Brand von 1666 in
England gewesen, und nur erst nachher durch
die Einführung des ausländischen Bauholzes ge-
meiner worden. Sie kommen nur des Nachts
zum Vorschein. Von allen gegen dieses Unge-
ziefer vorgeschlagnen Hülfsmitteln scheint Vor-
sicht und Reinlichkeit das wirksamste.

2. †. Corticalis. C. membranaceus, abdomi-
nis margine imbricatim secto, corpore ni-
gricante
. *

In Wäldern an Baumstämmen, ist wegen sei-
ner täuschenden Rindenartigen Gestalt und Far-
be schwer zu finden.

3. †. Baccarum. C. ovatus griseus; abdominis
margine nigro maculato
. *

In Gärten, zumal an Johannisbeeren; die da-
her zuweilen einen häßlichen Geschmack anneh-
men. Auch diese Wanze stinkt fürchterlich: doch
[Seite 353] blos wenn sie berührt wird; da ihr der Gestank,
wie andren Wanzen, zum Vertheidigungsmittel
dient.

4. †. Personatus. C. rostro arcuato, antennis
apice capillaceis, corpore oblongo subvillo-
so fusco
. *

Hält sich in Winkeln auf. Die Larve zumal
sieht äußerst häßlich aus, und ist immer mit
Staub und Kehricht bedeckt.

39. aphis. Blattlaus, Mehlthau. Ro-
strum inflexum. Antennae thorace longio-
res. Alae
4 erectae aut nullae. Pedes ambu-
latorii. Abdomen postice saepius bicorne
.

Kleine wehrlose, aber bey aller ihrer Schwäche
furchtbare Thiere, die theils durch den Schaden
den sie den Gewächsen zufügen, mehr aber noch
durch die Wunder die der Schöpfer in ihrer na-
türlichen Geschichte gehäuft hat, merkwürdig wer-
den. Es giebt sehr vielerley Gattungen Blatt-
läuse, die meist an eben so verschiednen Gewäch-
sen, besonders an den jungen Zweigen, Stielen
und Blättern sich aufhalten, ihnen den Saft aus-
saugen, so daß dadurch besonders die Blätter auf
mancherley Weise verunstaltet, gelb, roth ge-
färbt, gekrümmt und bläserig werden. Sie ge-
ben theils durch ein paar kleine Röhrgen, die ihnen
auf den Hüften stehen, theils aber auch nur durch
zwey Oeffnungen, die sich an deren Stelle befin-
den, einen süslichten Saft von sich, welcher Amei-
sen und andre ihnen feindliche Insecten herbey
lockt. Es giebt oft in einer Gattung, ja in ei-
ner und eben derselben Familie geflügelte und un-
geflügelte Blattläuse, und das ohne alle Beziehung
auf den Geschlechtsunterschied. Doch sind die
[Seite 354] Männchen weit kleiner als ihre Weibgen, und
werden auch in weit mindrer Anzahl jung. Sie
erscheinen nicht eher als im Herbste, wo sie ihre
Weibgen befruchten, die kurz darauf Eyer oder
vielmehr Hülsen von sich geben, in welchen zwar
die jungen Blattläuse schon völlig ausgebildet lie-
gen, aber doch nicht eher als bis im folgenden
Frühjahr hervorbrechen. Das unerwartetste hier-
bey ist, daß alle diese nunmehr ausgekrochenen
Blattläuse durchgehends weiblichen Geschlechts
sind, und daß im Frühjahr und Sommer schlech-
terdings keine männliche Blattlaus zu sehen ist.
Und demohngeachtet sind doch alle jene jungfräu-
lichen Blattläuse im Stande, ohne Zuthun eines
Gatten ihr Geschlecht fortzupflanzen; sie waren
nicht nur für sich selbst, sondern zugleich für alle
ihre künftigen Töchter und Enkelinnen in Mut-
terleibe befruchtet; man kan jedes Junge, was
sie nunmehr von sich geben, isoliren, in eine Ein-
öde verschließen, und doch wird es nach einiger
Zeit wieder andere Junge gebären. Und so hat
Bonner (der diesen Wundern und ihrer microsco-
pischen Untersuchung seine Augen opferte) ge-
funden, daß jene einmalige Begattung im Herb-
ste, ihre befruchtende Würkung im folgenden
Frühjahr und Sommer bis ins neunte Glied äu-
sert. Alle die Millionen von Blattläusen, die
wärend dieser ganzen Zeit jung werden, sind
fruchtbar, gebären allesammt Junge, ohne je ein
männlich Thier ihrer Art gesehn, ohne sich ge-
paart zu haben, ohne anders als im Leibe ihrer
Mütter und Eltermütter befruchtet zu seyn. Ge-
gen den Herbst verliert endlich jene einmalige Be-
fruchtung ihre wunderbare Wirksamkeit. Die
Blattläuse hören auf, blose Weibgen zu gebären,
es kommen, wie wir schon gesagt haben, nun
[Seite 355] auch Männchen zum Vorschein, bis sich Gatten
suchen, sich paaren, und zugleich die ganze weib-
liche Nachkommenschaft des künstigen Sommers
wieder mit befruchten müssen.

1. †. Ribis. A. ribis rubri. *

2. †. Ulmi. A. ulmi campestris. *

3. †. Sambuci. A. sambuci nigrae. *

4. †. Rosae. A. rosae. *

5. †. Bursaria. A. populi nigrae. *

Auf der Schwarzpappel, da sie die sonderba-
ren rosenartigen Auswüchse verursachen, die man
Pappelrosen, Alberknospen etc. heist.

6. †. Pistaciae. A. nigra, alis albidis, tibiis
longissimis, thorace verrucoso
. *

An Pistacien, Mastix, Terpenthinbaum etc. wo
sich die Blattläuse in einer spannenlangen Schoten-
ähnlichen Hülse aufhallen*).

40. chermes. Blattsauger. Rostrum pe-
ctorale. Antennae thorace longiores. Alae

4 deflexae. Thorax gibbus, pedes saltatorii.

Haben in der Bildung viel ähnliches mit den
geflügelten Blattläusen. Als Larven sehen sie fast
aus wie Cikaden, hüpfen auch so etc.

1. †. Buxi. C. buxi. *

2. †. Alni. C. betulae alni. *

41. coccus. Schildlaus. Rostrum pecto-
rale. Abdomen postice setosum. Alae
2 ere-
ctae masculis. Feminae apterae
.

[Seite 356]

Wir entsinnen uns keiner anderer Thiere, bey
denen die beyden Geschlechter einander so ausser-
ordentlich ungleich sähen, als die Schildläuse.
Das Männchen änelt einer kleinen Mücke, das
Weibgen hingegen ist ungleich grösser, ungeflü-
gelt, und hat meist die Gestalt eines platten
Schildgens oder einer Narbe. Es sizt, nach dem
es sich gehäutet hat, fast unbeweglich an den
Gewächsen, und könnte bey manchen Arten ehe
für einen Auswuchs, der Pflanze, als für ein leben-
diges Thier angesehen werden. Das Männchen
schwärmt indeß im freyen umher, bis es vom
Begattungstrieb gereizt, ein solches einsiedleri-
sches Weibgen aufsucht und befruchtet.

1. Hesperidum. C. hybernaculorum. *

Das Weibgen hält sich vorzüglich an Orangen-
bäumen, auf der Rückseite der Blätter, zumal
an der Mittelribbe auf.

2. Adonidum. C. rufa farinacea pilosa. *

Wie die vorige in Gewächshäusern, wo sie
grosse Verwüstungen anrichtet: besonders an Caf-
feebäumen etc.

3. Ilicis. Kermes. C. quercus cocciferae. *

Im südlichen Europa, besonders in Langue-
doc und Provenze, an Stechpalmen etc. werden
mit Essig besprengt, und das Carmoisinroth
draus verfertigt.

4. †. Polonicus. deutsche Cochenille, Johannis-
blut. C. radicis scleranthi perennis. *

An den Wurzeln vom Weggras und andern
Pflanzen, zumal häufig in Polen, wo sie gesamm-
let, und zur Farbe angewandt wird. Im mitt-
[Seite 357] lern Zeitalter hat man sie auch in Deutschland
sorgfältig aufgesucht und zu Gute gemacht*).

5. Cacti. Cochenille, Scharlach. C. cacti coc-
cinelliferi
. *

Ein wegen seines Gebrauchs zur Färberey für
die Handlung äuserst wichtiges Geschöpf. Ist
ursprünglich in Mexico zu Hause; wird aber auch
in mehrern Theilen von Südamerika, und nun
selbst in Spanien erzielt. Die Cochenille findet
sich auf mehrern Sorten Indianischer Feigen, die
deshalb in grossen Plantagen gepflanzt, und die
Cochenille fast wie die Seidenwürmer darauf ge-
zogen, und järlich zu dreyen malen abgelesen
wird.

42. thrips. Rostrum obscurum. Antennae
longitudine thoracis. Abdomen sursum re-
flexile. Alae
4 rectae, dorso incumbentes,
longitudinales, angustae, subcruciatae
.

Ueberaus kleine Insecten, die sich gesellschaftlich
in den Blüthen mancher Gewächse aufhalten, und
meist nur durch ihre große Anzal, oder durch die
Munterkeit, mit der sie umher hüpfen und flie-
gen, bemerkbar werden.

1. †. Physapus. T. elytris glaucis, corpore
atro
. *

Im Getraide, Bohnenblüten etc.

III. LEPIDOPTERA.

[Seite 358]

Die Schmetterlinge, eine weitläuftige
Ordnung, die sich durch vier ausgespannte, mit
bunten Schuppen befiederte Flügel, durch einen
behaarten Körper, und fast durchgehends durch
einen spiralmäßig gewundenen Rüssel, charakte-
risirt. Diese Thiere entstehen sämmtlich aus
Eyern, aus denen sie als Raupen hervorbre-
chen. In diesem Zustand haben sie Kinnladen,
zwölf Augen am Kopf, einen langgestreckten
cylindrischen Körper von zwölf Abschnitten,
mit neun Luftlöchern auf jeder Seite, drey paar
haakenförmige Klauen an der Brust, und meist
fünf paar runden fleischigen Füßen am Hinter-
leibe. Die Raupe häutet sich verschiedentlich,
verpuppe sich sodann, und kommt zuletzt als
Schmetterling zum Vorschein, der lange
Fühlhörner, nur drey paar Füße, und statt
jener zwölf kleinen Augen, zwey grosse halbkug-
lichte und drey kleine (§. 135.) hat. Alle die
zahlreichen Gattungen lassen sich doch füglich un-
ter drey Geschlechte bringen.

43. papilio. Tagvogel. Antennae api-
cem versus crassiores, saepius clavato-capi-
tatae. Alae erectae sursumque conniventes.

Die Raupe ist mehrentheils wie mit Dornen
besezt, und häutet sich gewönlich viermal. Sie
[Seite 359] verpuppt sich ohne ein äuseres Gespinste: die
Puppe ist zackicht, theils schön goldfarbig, und
hängt sich mit dem hintern Ende auf. Der Pa-
pillion fliegt nur am Tage umher, und hält im
Sitzen seine vier breiten ausgespannten Flügel in
die Höhe, mit der Oberseite gegen einander ge-
kehrt. Linne' hat das ganze Geschlecht, leichte-
rer Faßlichkeit wegen, wieder in sechs Familien
(phalanges) abgetheilt.

a. eqvites. Alis primoribus ab angulo po-
stico ad apicem longioribus, quam ad
basin: his saepe antennae filiformes
.

Troës, ad pectus maculis sanguineis saepius
nigri
.

Achivi, pectore incruento, ocello ad angu-
lum ani
.

b. heliconii. Alis angustis integerrimis,
saepe denudatis: primoribus oblongis;
posticis brevissimis
.

c. danai. Alis integerrimis.

Candidi alis albidis.

Festivi alis variegatis.

d. nymphales. Alis denticulatis.

Gemmati Alis ocellatis.

Phalerati Alis caecis absque ocellis.

e. plebeji. Parvi. Larva saepius contracta.

Rurales, alis maculis obscurioribus.

Urbicolae, alis saepius maculis pellucidis.

1. Priamus. P. E. T. alis denticulatis tomen-
tosis supra viridibus: institis atris, posticis
maculis sex nigris
. *

[Seite 360]

Auf Amboina. Ein grosses unbeschreiblich
prächtiges Thier, dessen Flügel einem glänzenden
grünen Atlas gleichen.

2. †. Machaon. Der Schwalbenschwanz. P.
E. A. alis caudatis concoloribus flavis limbo
fusco lunulis flavis, angulo ani fulvo
. *

Die Raupe am Till, Fenchel, Rübsaat. Der
Schmetterling kriecht zuweilen wol erst im zwey-
ten Jahr aus der Puppe.

3. †. Podalirius. Der Segelvogel. P. E. T.
alis caudatis subconcoloribus flavescentibus:
fasciis nigricantibus geminatis: posticis sub-
tus linea sanguinea
. *

Die Raupe variirt in der Farbe, lebt am Kohl,
Schlehen, Apfelbäumen etc.

4. †. Apollo. Der rothe Augenspiegel. P. H.
alis oblongis integerrimis albis: posticis
ocellis supra
4: subtus 6, basique rubris. *

Auf Wintergrün, Knabenkraut etc.

5. †. Crataegi. Der Lilienvogel, Baumweis-
ling, Heckenweisling. P. H. alis integer-
rimis rotundatis albis: venis nigris
. *

Eine der schädlichsten Raupen für Obstbäume.
Die Jungen halten sich gesellschaftlich in einem
Gespinste zusammen.

6. †. Brassicae. Die Kohleule, der Kohlweis-
ling, Buttervogel. P. D. C. alis integerrimis
rotundatis albis: primoribus maculis duabus
apicibusque nigris, major
. *

Nebst den beyden folgenden auf Kohl, Kraut,
und Rübsaat. Buttervogel heist der Schmetter-
ling (so wie die Butterblume), von der gelben
Farbe der Unterflügel: ein Name, der aber nach-
[Seite 361] her auch den Papilionen überhaupt gegeben wor-
den ist.

7. †. Rapae. Der Rübenweisling. P. D. C. alis
integerrimis rotundatis: primoribus maculis
duabus apicibusque nigris, minor
. *

8. †. Napi. P. D. C. alis integerrimis rotun-
datis albis: subtus venis dilatato-virescenti-
bus
. *

9. †. Cardamines. Der Auroravogel. P. D.
C. alis integerrimis rotundatis albis, primo-
ribus medio fulvis, posticis subtus viridi-ne-
bulosis
. *

Am Täschelkraut, Kohl etc.

10. †. Rhamni. Der Citronen-Papilion, das
fliegende Blatt. P. D. C. alis integerrimis
angulatis flavis: singulis puncto flavo, sub-
tus ferrugineo
. *

Am Faulbeerbaum, Wegdorn.

11. †. Hyperanthus. P. D. F. alis integerrimis
fuscis, subtus primoribus ocellis tribus: po-
sticis duobus tribusque
. *

Im Gras.

12. †. Io. Das Pfauenauge, der Pfauen-
spiegel. P. N. G. alis angulato dentatis-ful-
vis nigro-maculatis: singulis subtus ocello
caeruleo
. *

An Brennesseln. Die Puppe wie vergoldet.

13. †. Galathea. Das Bretspiel. P. N. G. alis
dentatis albo nigroque variis, subtus primo-
ribus ocello unico, posticis quinque obso-
letis
. *

Am Wiesenklee.

[Seite 362]

14. †. Cardui. Der Distelvogel. P. N. G. alis
dentatis fulvis albo nigroque variegatis, po-
sticis utrinque ocellis quatuor, saepius coe-
cis
. *

An Disteln, Cardobenedicten, Kletten. Die
Puppe ebenfalls ganz goldglänzend. In man-
chen Jahren unsäglich häufig.

15. †. Iris. Der Schillervogel, Changeant.
P. N. G. alis subdentatis subtus griseis; fa-
scia utrinque alba interrupta; posticis supra
uniocellatis
. *

16. †. Antiopa. Der Trauermantel. P. N. P.
alis angulatis nigris limbo albido
. *

An Birken, Weiden etc.

17. †. Polychloros. Der grosse Fuchs. P. N.
P. alis angulatis fulvis, nigro maculatis: pri-
moribus supra punctis quatuor nigris
. *

An Kirschen, Birnen, Weiden. Die Raupe
gibt einen biesamähnlichen Geruch von sich.

18. †. Urticae. Der kleine Fuchs, Nesselvo-
gel. P. N. P. alis angulatis fulvis nigro-ma-
culatis: primoribus supra punctis tribus ni-
gris
. *

An Brennesseln.

19. †. C. album. Der C-Vogel. P. N. P. alis
angulatis fulvis nigro maculatis, posticis
subtus c albo notatis
. *

An Nesseln, Stachelbeeren, Johannisbeeren,
Hopfen. Der Schmetterling variirt in der Grös-
se, und in der Farbe der Unterseite, braun,
grün etc.

[Seite 363]

20. †. Atalanta. Der Admiral, 980: Vogel,
Mars. P. N. P. alis dentatis nigris albo-ma-
culatis: fascia communi purpurea, primori-
bus utrinque, posticis marginalis
.

Einer der schönsten deutschen Schmetterlinge:
zumal auf der Unterseite von den vortreflichsten
Farben.

21. †. Paphia. Der Silberstrich. P. N. P. alis
dentatis luteis nigro maculatis, subtus li-
neis argenteis transversis
. *

Auf Nachtvolen, Wollweiden.

22. †. Aglaja. Der grosse Perlenvogel, Vio-
lenvogel. P. N. P. alis dentatis flavis nigro-
maculatis: subtus maculis
21 argenteis. *

Auf Stiefmütterchen, Veilchen.

23. †. Lathonia. Der Perlenmuttervogel. P.
N. P. alis dentatis luteis nigro-maculatis:
subtus maculis
37 argenteis. *

Im Gehölze.

24. †. Pruni. P. P. R. alis subcaudatis supra
fuscis: posticis subtus fascia marginali fulva
nigro-punctata
. *

Auf Zwetschenbäumen.

25. †. Malvae. Der Pappelvogel. P. P. V.
alis denticulatis divaricatis nigris albo-ma-
culatis
. *

Auf Stockrosen.

44. sphinx. Abendvogel. Antennae me-
dio crassiores s. utraque extremitate attenua-
tae, subprismaticae. Alae deflexae
.

[Seite 364]

Die Raupen dieser Thiere sind mehrentheils
von vortreflicher Farbe, mit einem haakenförmi-
gen Horn am Ende des Rückens, dessen Spur
auch noch an der Puppe sichtbar ist. Sie ver-
puppen sich unter der Erde, ohne Gespinste. Die
Abendvögel haben ihren Namen daher, weil sie
blos in der Abenddämmerung umher fliegen.
Die mehresten haben einen langsamen schweren
Flug. Linne' hat das ganze Geschlecht, was doch
nicht gar zahlreich ist, auf folgende Art unterab-
getheilt:

a. legitimaealis angulatis.

Alis integris, ano simplici.

Alis integris, ano barbato.

b. adscitaehabitu et larva diversae.

1. †. Ocellata. Das Nachtpfauenauge. S. L.
alis repandis: posticis ocellatis
. *

Auf Weiden, Obstbäumen.

2. †. Nerii. Der Oleandervogel. S. L. alis
subangulatis viridibus: fasciis variis pallidi-
oribus saturatioribus flavescentibusque
. *

Am Oleander.

3. †. Convolvuli. S. L. alis integris: posticis
nigro fasciatis margine postico albo-puncta-
tis, abdomine rubro cingulis atris
. *

Auf Winden, Zaunglocken.

4. †. Ligustri. S. L. alis integris: posticis in-
carnatis fasciis nigris, abdomine rubro cin-
gulis nigris
. *

Auf Hartriegel, spanischem Hollunder.

[Seite 365]

5. †. Atropos. Der Todtenkopf. S. L. alis in-
tegris: posticis luteis fasciis fuscis, abdomi-
ne luteo cingulis nigris
. *

Auf Jesmin, Färberröthe, Cartoffelkraut.
Die ehemalige grosse Seltenheit dieses Thiers in
Deutschland, die Todtenkopfähnliche Zeichnung
auf den Schultern des Schmetterlings, und der
jammernde Laut, den er mit dem Säugrüssel her-
vorbringen kann, mögen wol zu dem Aberglau-
den Anlaß gegeben haben, mit dem man das
schöne Thier ehedem als einen Sterbepropheten
etc. angesehen hat.

6. †. Celerio. Der Phönix. S. L. alis integris
griseis lineola albo-nigra; inferioribus basi
rubris maculis sex
. *

Am Weinstöcken.

7. †. Elpenor. Die Weinraupe, der grosse
Weinvogel. S. L. alis integris virescenti-
bus, fasciis purpureis variis, posticis rubris,
basi atris
. *

Wie die vorige auf Weinlaub, Balsaminen etc.

8. †. Porcellus. Die kleine Weinmotte. S. L.
alis integris margine rubris; posticis basi
fuscis
. *

Aenelt dem vorigen in der Bildung und Auf-
enthalt.

9. †. Euphorbiae. Die Wolfsmilchraupe. S.
L. alis integris fuscis: vitta superioribus pal-
lida, inferioribus rubra
. *

Auf Wolfsmilch, Färberröthe.

10. †. Stellatarum, der Taubenschwanz, Kar-
pfenkopf. S. L. abdomine barbato lateri-
[Seite 366] bus albo nigroque variis, alis posticis ferru-
gineis
. *

Auf Färberröthe, Wegkraut.

11. †. Filipendulae, die Cirkelmotte. S. A.
alis superioribus cyaneis: punctis sex ru-
bris; inferioribus rubris immaculatis
. *

An Quecken, Hundsgras.

12. †. Phegea, die Ringelmotte. S. A. viri-
di-atra, alis punctis fenestratis: superiorum
sex, inferiorum duobus, abdomine cingulo
luteo
. *

Aenelt der vorigen.

45. phalaena, Nachtvogel. Antennae
setaceae, a basi ad apicem sensim attenua-
tae. Alae sedentis saepius deflexae
.

Das weitläuftigste Geschlecht unter den In-
secten. Die Raupen sind mehrentheils behaart:
und verpuppen sich meist innerhalb eines beson-
dern seidenartigen Gespinstes (folliculus) wo-
zu sie den klebrigen Stoff in zwey Darmänlichen
Schläuchen, die längst dem Rücken hinab neben
dem Magen liegen, führen; und ihn nachher,
mittelst einer besondern Röhre, die sich hinter
dem Munde dieser Raupe findet, zu äusserst fei-
nen Faden spinnen.*) Diese Gehäuse werden
[Seite 367] bey einigen, wie bey dem Pfanvogel, wegen
ihrer überaus künstlichen Einrichtung, beym Sei-
denwurm aber durch ihre grosse Nutzbarkeit merk-
würdig. Die Phalänen selbst, die fast alle blos
des Nachts ihren Geschäften nachgehen, hat Linne
in folgende Familien abgetheilt.

a. attacialis patulis inclinatis.

Pectinicornes.

Seticornes.

b. bombycesalis incumbentibus; an-
tennis pectinatis
.

Elingues absque lingua manifeste spirali.

Spirilingues lingua involuto-spirali.

c. noctvaealis incumbentibus. An-
tennis setaceis, nec pectinatis
.

Elingues.

Spirilingues.

d. geometraealis patentibus hori-
zontalibus quiescentes
.

Pectinicornes.

Seticornes.

e. tortricesalis obtusissimis, ut se-
re retusis, margine exteriore curvo
.

f. pyralidesalis conniventibus in
figuram deltoideam forficatam
.

g. tinearalis convolutis fere in cy-
lindrum fronte prominula
.

[Seite 368]

h. alvcitaealis digitatis fissis ad
basin usque.

1. Atlas. P. Att. pectinicornis elinguis, alis
falcatis concoloribus luteo-variis, macula
fenestrata, superioribus sesquialtera
. *

In beyden Indien auf den Orangebäumen.
Von der Grösse einer hieländischen Fledermaus.
Die grossen kahlen schuppenlosen Stellen auf den
Flügeln sind halbdurchsichtig, wie mattes Glas.

2. †. Pavonia, der Pfauvogel, das Nacht-
pfauenauge. P. Att. pectinicornis elinguis,
alis rotundatis griseo-nebulosis subfasciatis:
ocello nictitante subfenestrato
. *

Auf Obstbäumen, Schlehen, Weiden etc. Das
Puppengehäuse hat die Gestalt einer runden Fla-
sche, mit einem, dem Anschein nach, offnen ab-
gestutzten Hals: dessen Eingang aber doch, auf
eine überaus artige Weise, mittelst convergiren-
der Stralen, die in eine hervorstehende Spitze
zusammen laufen, so gut verwahrt ist, daß das voll-
kommne Thier zu seiner Zeit füglich heraus, hin-
gegen kein feindseliges Insect in seine Hülse
hinein dringen kann.*) Der Schmetterling selbst
variirt sehr in Farbe und Grösse.

3. †. Quercifolia, das Eichblatt. P. B. elin-
guis, alis reversis semitectis dentatis ferru-
gineis margine postico nigris
. *

Im Gras und an Obstbäumen. Im Sitzen hat
die Phaläne eine sonderbar bucklige Stellung.

4. † Vinula, der Gabelschwanz, Hermelin-
vogel. P. B. elinguis albida nigro-puncta-
ta, alis subreversis fusco venosis striatisque
. *

[Seite 369]

An Weiden, Pappeln und Eichen. Die Rau-
pe bekommt durch ihren dicken abgestumpften
Kopf, und die beyden Schwanzspitzen, die ihr
statt des letzten Paars Hinterfüsse gegeben sind,
ein sonderbar Ansehen. Sie vermag einen sauren
aber scharfen Saft, auf Fuß weit von sich zu
spritzen, und sich damit im Nothfall zu verthei-
digen.*)

5. Mori. Der Seidenwurm. P. B. elinguis,
alis reversis pallidis: striis tribus obsoletis
fuscis maculaque lunari
. *

Obgleich der Bombyx der Alten wol schwerlich
der gegenwärtige Seidenwurm gewesen seyn mag:
so scheint ihnen doch die Seide allerdings bekannt
gewesen zu seyn: doch hat man sie erst seit Justi-
nianus Zeiten in Europa selbst gezogen. Diese
Thiere gewohnen allgemach unsers Climas, und
man zieht sie gegenwärtig schon in ziemlich nord-
lichen Gegenden mit bestem Erfolg. Ein Coccon,
der drittehalb Gran am Gewicht hält, besteht
aus einem 900 Fuß langen Faden, der über eine
[Seite 370] zähere Grundlage hergesponnen ist, die die Flo-
retseide giebt. Daher werden auch über 2000
Seidenwürmer zu einem einzigen Pfund reiner
Seide erfordert: dagegen ist aber auch ihre War-
tung ziemlich leicht, so daß zehn Personen für
300,000 Raupen zureichend sind. Außer Rein-
lichkeit, Wärme und trocknem Laub, brauchen sie
wenig Aufsicht. Ein innerer Vorzug der Seide
ist, daß sie so gar an feuchten Orten Jahrhun-
derte lang der Verwesung widersteht, wie wir
selbst in alten Gräbern beobachtet haben.

6. †. Neustria, die Ringelraupe. P. B. elin-
guis, alis reversis: fascia sesqui altera; sub-
tus unica
. *

Nebst der folgenden eine sehr schädliche Raupe.
Die Phaläne legt ihre Eyer in eine Spirallinie
dicht an einander um ein Aestgen herum.

7. †. Caja, die schwarze Bärenraupe. P. B.
elinguis, alis deflexis fuscis: rivulis albis,
inferioribus purpureis nigro punctatis
. *

8. †. Dispar, P. elinguis, alis deflexis: mas-
culis griseo fuscoque nebulosis: femineis
albidis lituris nigris
. *

9. †. Antiqua. P. B. elinguis, alis pluriuscu-
lis: superioribus ferrugineis lunula alba an-
guli postici
. *

Das Weibgen ungeflügelt.

10. †. Caeruleocephala. P. B. elinguis cristata,
alis deflexis griseis: stigmatibus albidis coad-
unatis
. *

Eine der schädlichsten Raupen für Obstbäume.

[Seite 371]

11. †. Cossus, die Weidenraupe. P. B. elin-
guis, alis deflexis nebulosis, thorace postice
fascia atra, antennis lamellatis
. *

Dieselbe Raupe, von der Lyonet im angeführ-
ten Werke die unbeschreiblich mühsame Zerglie-
derung gegeben hat.

12. †. Humuli. P. N. elinguis fulva, antennis
thorace brevioribus, maris alis niveis
. *

An Hopfenwurzeln.

13. †. Pacta. P. N. spirilinguis cristata, alis
grisescentibus, inferioribus rubris, fasciis dua-
bus nigris, abdomine supra rubro
. *

Eine große schöne Phaläne, deren Oberflügel
grau aber fein gezeichnet, und die Unterflügel
vortreflich carminroth sind.

14. †. Meticulosa. P. N. spirilinguis cristata,
alis erosis pallidis: superioribus basi incarna-
ta intra triangulum fuscum
. *

An allerhand Küchengewächsen, auch an Erd-
beeren.

15. †. Wavaria. P. G. pectinicornis, alis cine-
reis: anticis fasciis
4 nigris abbreviatis in-
aequalibus
. *

So wie die folgende auf Johannisbeeren, Sta-
chelbeeren.

16. †. Grossulariata. P. G. seticornis, alis al-
bidis, maculis rotundatis nigris: anticis stri-
gis luteis
. *

17. †. Viridana. P. To. alis rhombeis, supe-
rioribus viridibus immaculatis
. *

Die Raupe und die kleine Phaläne sind beide
von schöner grüner Farbe.

[Seite 372]

18. †. Farinalis. P. P. palpis recurvatis, alis
politis fuscescentibus: strigis repandis albi-
dis area interjecta glauca
. *

19. †. Mellonella. P. Ti. alis canis postice pur-
purascentibus, striga alba, scutello nigro,
apice candido
. *

Eine der gefährlichsten Bienenfeinde.

20. †. Granella, der Wolf, weiße Korn-
wurm. P. Ti. alis albo nigroque maculatis
capite albo
. *

Auf Kornböden in der Frucht.

21. †. Goedartella. P. Ti. alis auratis: fasciis
2 argenteis: priore antrorsum, posteriore
retrorsum arcuata
. *

Ein niedliches überaus kleines Thier, dessen
Flügelchen dicht an einander liegen, nach hinten
spitz zulaufen, und in die Queere Gold- und Per-
lenmutterfarbe gestreift sind.

22. †. Hexadactyla. P. Al. alis patentibus fissis:
singulis sexpartitis cinereis
. *

Hat wie die übrigen Nachtvögel dieser Familie
wegen der sonderbaren gespaltnen Flügel ein un-
gewöhnliches Aussehn.


IV. NEUROPTERA.

Eine kleine Ordnung, die sich durch vier
zarte netzförmige oder gegitterte Flügel characte-
[Seite 373] risirt, die mehrentheils in allerhand Farben chan-
giren. Die Larve hat sechs Füße.

46. libellvla. Demoiselle, Wasserjung-
fer, Teufelsnadel. Os maxillosum, ma-
xillis pluribus. Antennae thorace breviores.
Alae extensae. Cauda maris hamoso-forci-
pata
.

Artig gebildete Thiere von überaus schlanker
Taille und vieler Munterkeit, mit der sie beson-
ders an schönen Sommertagen im Sonnenschein
an Gewässern überaus schnell umherfliegen, und
mit gierigem Muthe andre Insecten wegfangen
und verzehren. Als Larve leben sie im Wasser,
und haben eine sonderbare bewegliche Maske oder
Kappe vor dem Munde, womit sie ihre Beute ha-
schen: auch athmen sie in diesem Zustande wie
die Fische blos die im Wasser befindliche Luft,
aber durch den Hintern, wie man an der abwech-
selnden Bewegung eines einzelnen Fadens, den
man vom Seidencoccon abgewickelt, und am En-
de in ein Klümpgen gedreht hat, und ins Was-
ser hinter eine solche Libellenlarve hinab läst, be-
merken kan. Die Luftlöcher (§. 137.) an der
Brust, sind zwar schon bey der Larve sichtbar,
werden aber erst dem ausgebildeten vollkommen
geflügelten Insect brauchbar. Die Paarung die-
ser Thiere, die überhaupt gar viel sonderbares
hat, wird im Fluge vollzogen.

1. †. Depressa. L. alis omnibus basi nigrican-
tibus, thorace lineis duabus flavis, abdo-
mine lanceolato lateribus flavescente
. *

2. †. Virgo. L. alis erectis coloratis. *

[Seite 374]

Die Flügel schwarzblau changeant, oder braun.
Der Körper schön blau oder grün, theils wie ver-
goldet.

3. †. Puella. L. alis erectis hyalinis. *

Mit ungefärbten Flügeln: auch von kleinerer
Statur als die vorige.

47. ephemera, Uferaas, Hafft, (He-
merobius s. Diaria auctor.) Os edentulum
absque palpis. Stemmata
2 maxima supra
oculos. Alae erectae posticis minimis. Cau-
da setosa
.

Das Uferaas lebt einige Jahre lang als Larve
im Wasser, wo es sich Hölen und Gänge zum
Aufenthalt ins Ufer wült, und von den Fischern
aufgesucht und zum Lock beym Angeln gebraucht
wird. Nach zwey bis drey Jahren kommen mit-
ten im Sommer binnen wenigen Tagen viele
Millionen dieser Thiere mit einmal aus dem Was-
ser als vollkommene geflügelte Insecten hervorge-
flogen, genießen aber ihren vollkommnen Zustand
kaum einen halben Tag, indem das Weibgen
nun ihre Eyer fallen läst, das Männchen aber sie
nachher befruchtet, und beide kurz darauf ab-
sterben.

1. †. Vulgata. E. cauda triseta, alis nebuloso-
maculatis
. *

2. †. Horaria. E. cauda biseta, alis albis mar-
gine crassiore nigricantibus
. *

48. phryganea, Frülingsfliege. Os
edentulum palpis
4. Stemmata 3. Antennae
thorace longiores: Alae incumbentes, infe-
rioribus plicatis
.

[Seite 375]

Die Larven, die sich ebenfalls im Wasser auf-
halten, werden vorzüglich durch die überaus ar-
tigen theils sehr künstlichen cylindrischen Hülsen
merkwürdig, die sie sich zum Schutz verfertigen,
in die sie nachher einkriechen, und die sie fast wie
die Schnecken ihr Haus mit sich herum schlep-
pen. Manche machen diese Gehäuse aus Schilf-
stückgen, andre aus Gras, aus Sandkörnchen,
aus kleinen Steinchen, andre aus lauter kleinen
Flußschneckgen u.s.w.

1. †. Bicaudata. P. cauda biseta, alis venosis
reticulatis
. *

2. †. Striata. P. nigra, alis testaceis, nervoso
striatis
. *

49. hemerobivs, Landlibelle. Os den-
tibus
2: palpis 4. Stemmata nulla. Alae de-
flexae (nec plicatae) Antennae thorace con-
vexo longiores, setaceae porrectae
.

Die Larve lebt im Trocknen. Das vollkommne
Insect änelt den vorigen: Manche Gattungen
haben schöne perlfarbne Flügel, und goldglän-
zende Augen.

1. †. Perla. H. luteo-viridis, alis hyalinis,
vasis viridibus
. *

Nährt sich vorzüglich von Blattläusen.

50. myrmeleon. Os maxillosum: denti-
bus
2. Palpi 4 elongati. Stemmata nulla.
Cauda maris forcipe e filamentis duobus re-
ctiusculis. Antenaae clavatae longitudine tho-
racis. Alae deflexae
.

[Seite 376]

1. †. Formicarius, der Ameisenlöwe. M. alis
macula alba marginali postica
. *

Das merkwürdige berufne Geschöpf, das
sich als Larve eine trichterförmige Fallgrube in
Sandboden wült, sich selbst unten bis an den
Hals hinein scharrt, und da die Ameisen u.a.
kleine Insecten empfängt und verzehrt, die un-
versehns an den Rand dieser Grube gekommen,
und mit dem lockern Sand hinabgeschurrt waren.

51. panorpa. Scorpionfliege. Rostrum
corneum cylindricum, palpis
2. Stemmata
3. Antennae thorace longiores. Cauda maris
chelata
.

1. †. Communis. P. alis aequalibus nigro ma-
culatis
. *

52. raphidia, Kameelhals. Os dentibus
2 in capite depresso corneo. Palpi 4. Stem-
mata
3. Alae deflexae. Antennae longitudi-
ne thoracis antice elongati cylindrici. Cauda
feminae seta recurva laxa
.

Die Geschichte dieser beyden Geschlechte ist noch
wenig untersucht.

1. †. Ophiopsis. R. thorace cylindrico. *


V. HYMENOPTERA.

Insecten mit vier häutigen Flügeln, die
mit wenigen aber starken Adern durchzogen sind.
[Seite 377] Die Weibgen sind mit einem verletzenden Sta-
chel am Hinterleibe, theils auch mit Gifte, das
sie beym Stich in die Wunde flößen, und das
nach des Abt Fontana Untersuchung saurer Na-
tur ist, bewaffnet; daher die ganze Ordnung
auch von einigen Entomologen Aculeata genannt
worden. Die Larven sind verschiedentlich ge-
bildet: theils wie Raupen mit zwanzig Füßen,
theils wie Maden ohne Füße etc.

53. cynips, Gallwespe. Os maxillis abs-
que proboscide. Aculeus spiralis, saepius re-
conditus
.

Das Weibgen legt seine Eyer in besondere Thei-
le gewisser Pflanzen, die dadurch anschwellen,
und theils sonderbare Auswüchse bilden, die denn
der Larve solang zum Aufenthalt dienen, bis sie
ihre Verwandlung überstanden hat, und nun als
vollkommnes Insect aus ihrem Kerker hervorbre-
chen kan.

1. †. Rosae. C. nigra, abdomine ferrugineo po-
stice nigro, pedibus ferrugineis. *

An wilden Rosen, wo sie die bunten krausen
Auswüchse verursacht, die unter dem Namen
Schlafäpfel (Bedeguar) ehedem officinell, und
wegen verschiedner ihnen angedichteten heilsamen
Kräfte berüchtigt waren.

2. †. Quercus folii. C. nigra, thorace lineato,
pedibus griseis, femoribus subtus nigris
. *

An Eichenlaub, wo sie bekanntlich die Gall-
äpfel hervorbringt, die auch oft noch nachher,
wenn sie schon von der Nachkommenschaft ihrer
[Seite 378] Urheberin verlassen sind, kleinen Wespen ver-
schiedner Art zum Aufenthalt dienen*).

3. Psenes. C. ficus caricae. *

Im Orient, in den Feigen; deren Befruchtung
sie nach Haßelquists Bericht dadurch befördert,
daß sie von männlichen zu weiblichen Feigen fliegt,
und von jenen den Blamenstaub zu diesen zufäl-
ligerweise überträgt.

54. tenthredo. Blatwespe. Os maxil-
lis absque proboscide. Alae planae tumidae.
Aculeus laminis duabus serratis, vix promi-
nentibus. Scutellum granis duobus impositis
distantibus
.

Die Larven leben von Laub, und finden sich
besonders auf Rosenstöcken und Weiden. Ver-
puppen sich aber in der Erde.

1. † Lutea. T. antennis clavatis luteis, abdo-
minis segmentis plerisque flavis
. *

2. † Capreae. T. salicis. *

55. sirex, Holzwespe. Os maxillis 2 vali-
dis. Palpi
2 truncati: Antennae filiformes,
articulis ultra
24. Aculeus exsertus rigens ser-
ratus. Abdomen sessile mucronatum. Alae
lanceolatae, planae omnibus
.

Das Weibgen weis mit ihrem Sägeförmigen
Legestachel sehr geschickt in weiches Holz zu boh-
ren, um ihre Eyer da einzulegen. Die Larve
hält sich einige Jahre lang im Holz auf.

[Seite 379]

1. † Gigas. S. abdomine ferrugineo: segmen-
tis nigris, thorace villoso
. *

56. ichneumon, Schlupfwespe. Os
maxillis absque lingua. Antennae articulis
ultra
30. Abdomen petiolatum plerisque.
Aculeus exsertus vagina cylindrica, bivalvi
.

Zahlreiche Thiere, die sehr vieles zur Vertil-
gung schädlicher Raupen und anderer Insecten
beytragen. Sie legen ihre Eyer in lebendige
Raupen, die davon erkranken, und vor oder nach
ihrer Verpuppung absterben. Manche sind auch
an andre Gattungen ihres eigenen Geschlechts
gewiesen, denen sie als Larven ihre Eyer in den Leib
legen, so daß nach Rolanders Bemerkung, von
verschiednen Gattungen die eine blos zum Un-
tergang der andern geschaffen zu seyn scheint.

1. † Luteus. I. luteus thorace striato, abdo-
mine falcato
. *

2. † Aphidum. I. niger, abdomine basi pedi-
busque anticis genubusque posticis flavis
. *

57. sphex, Raupentödter. Os maxillis
absque lingua. Antennae articulis
10. Alae
plano incumbentes (nec plicatae) in omni
sexu. Aculeus punctorius reconditus
.

In der Bildung äneln die Raupentödter den
Schlupfwespen, haben aber viel eignes in ihrer
Lebensart. Meist graben sich die Weibgen mit
auserordentlicher Mühe runde Hölen in sandiges
Erdreich, schleppen sodann eine grosse Spinne
oder Raupe einer Phaläne hinein, die sie meist
nur lahm beissen, und legen sodann in jede Höl-
[Seite 380] ein Ey, da denn nachher die junge Larve dem gro-
ßen Thier, das die Mutter dahin begraben hatte,
den Saft zum Gespinste aussaugt, und sich selbst
ein Verwandlungsgehäuse daraus bereitet.

1. † Sabulosa. S. nigra hirta, abdominis pe-
tiolo biarticulato: segmento secundo tertio-
que ferrugineis
. *

2. † Cribraria, die Siebbiene. S. nigra, ab-
domine fasciis flavis, tibiis anticis clypeis
concavis fenestratis
. *

Man hat lange die Scheiben an den Vorder-
füssen für durchlöchert gehalten, und hat auch
nicht ermangelt, diesen vermeinten Sieben eine
merkwürdige Bestimmung anzudichten, und viel
schönes über die weise Einrichtung eines gar nicht
existirenden Theils zu sagen.

58. chrysis. Os maxillis absque proboscide.
Antennae filiformes: articulo
1 longiore, re-
liquis
11 brevioribus. Abdomen subtus for-
nicatum, utrinque squama laterali. Anus
dentatus aculeo subexserto. Alae planae.
Corpus auratum
.

Kleine aber überaus schöne Thiergen, die am
Leibe mit dem schönsten gefärbten Goldglanze
prangen.

1. † Ignita. C. glabra nitida, thorace viridi:
abdomine aureo: apice quadridentato
.

59. vespa, Wespe. Os maxillis absque
proboscide. Alae superiores plicatae in omni
sexu. Aculeus punctorius reconditus. Oculi
lunares. Corpus glabrum
.

[Seite 381]

Die mehresten Gattungen dieses und des fol-
genden Geschlechts werden durch die strenge ge-
sellschaftliche Verbindung, in der sie theils zu tau-
senden beysammen leben, und durch die überaus
kunstreichen Nester und gemeinschaftlichen Woh-
nungen, die sie sich mit vereinten Kräften zu ver-
fertigen wissen, merkwürdig. Sie bauen diese
meist in horizontalen Scheiben oder Kuchen, die
Etagenweis über einander stehen, und in lauter
einzelne senkrechte Zellen abgetheilt sind, die ge-
rade diejenige Form haben, bey der sie mit mög-
lichster Ersparung des Raums doch am mehresten
fassen können. Die Wespen bauen nur einfache
Scheiben, die Bienen aber doppelte, so daß
zwey Schichten von Zellen über einander stehen,
und durch eine gemeinschaftliche Scheidewand
von einander getrennet werden. Bey diesen ist
folglich jede Zelle aus neun Flächen zusammenge-
setzt: sechs lange Trapezia nemlich die die Sei-
tenwände, und drey Rhombi die den Boden aus-
machen. Daß die Wespen aus Holzzasern bauen,
ist schon oben (§. 1.) beyläufig gesagt. Die mei-
sten hängen ihre Nester an Bäumen auf. Einige
Merkwürdigkeiten, die den Geschlechtsunterschied
und die eheliche Verfassung der Wespen betreffen
und die sie mit der Biene gemein haben, versparen
wir bis zu diesem Thiere.

1. † Crabro. V. thorace nigro antice rufo im-
maculato abdominis incisuris puncto nigro
duplici contigno
. *

2. † Vulgaris, die Horniße. V. thorace utrin-
que lineola interrupta, scutello quadrimacu-
lato, abdominis incisuris punctis nigris di-
stinctis
. *

[Seite 382]

Lebt wie andre Wespen vom Raube des Bie-
nenhonigs.

60. apis, Biene. Os maxillis atque probo-
scide inflexa vaginis duabus bivalvibus. Alae
planae in omni sexu. Aculeus feminis et neu-
tris punctorius reconditus
.

1. † Mellifica, die Imme. A. pubescens,
thorace subgriseo, abdomine fusco, tibiis po-
sticis ciliatis, intus transverse striatis
. *

Ein Thier, dessen Nutze für den Menschen so
wichtig, dessen Geschichte so merkwürdig, und
ihre Untersuchung so lehrreich und anmuthig ist,
daß wir sorgen müßen, uns nicht länger dem
Vergnügen ihrer Erzälung zu überlassen, als es
der Zuschnitt eines Handbuchs erlauben will.
Die Bienen, die Wespen und die Ameisen, sind,
so viel man bis jezt weis, die einzigen Thiere in
der Natur, von denen immer die mehresten we-
der männlichen noch weiblichen Geschlechts, son-
dern völlig geschlechtlos, gleichsam natürliche
Spadonen oder Eunuchen sind. Die gegenseitigen
Erfarungen einiger neuern Bienenväter die die Ge-
schlechtlosen oder Arbeitsbienen gern zu unentwi-
ckelten Königinnen machen möchten, sind zwar an
sich noch zu schwankend, um jene Lehre der vori-
gen Jahrtausende zu widerlegen: allein ohne dem
ist Anatomie auch hier ein Licht was nicht trügt:
und wer die verschiednen Bienen zergliedert hat,
wird wissen, daß den Arbeitsbienen alle Geburts-
Glieder, der Königin aber die Eingeweide zur
Bereitung des Wachses abgehn u.s.w. Auch
wärs hier nicht blos um die Umschaffung des
Körperbaues, sondern auch um Vertauschung
der Instincte, die bey den dreyerley Bienen so
[Seite 383] gänzlich verschieden sind, zu thun. Die Arbeits-
bienen, deren in einem Stock wol 20000 sind,
haben allein die mannichfaltigen grossen Verrich-
tungen des Aufbauens, Eintragens und der Be-
sorgung der Brut. Die jüngern sammlen Blu-
menstaub, den sie halbe Stunden weit her als
Hösgen zum Stock tragen, wo er ihnen von den
ältern abgenommen, und zu Wachs verarbeitet
wird: ferner saugen sie den so genannten Nectar,
einen süslichen Safft, der sich vielleicht in allen
Blüthen findet, und den sie in einem besondern
Eingeweide zu Honig umarbeiten, und im Stocke
wieder von sich geben. Sie füttern die Bienen-
Larven, halten den Stock rein, und tragen ihre
Leichen zum Stock hinaus. Sie sind mit Gift
und Stachel als Waffen versehn, von dem sie aber
nur einmal in ihrem Leben Gebrauch machen
können, da sie mit Verlust ihres Stachels
stechen, und ihn in der Wunde stecken las-
sen. Man hat Beyspiele, daß ein Schwarm
zwey Pferde zu Tode gestochen hat. Die männ-
lichen Bienen oder Thronen oder Holmbienen,
(etwa 1500 im Stock) sind Müssiggänger, und
haben keine andre Geschäffte, als sich einst mit
ihrer einzigen Königin zu paaren; und selbst hier-
zu müssen sie, gegen die allgemeine Regel der
Natur, doch erst durch wiederholte Liebkosungen
der wollüstigen Königin ermuntert werden. Man-
che sterben sogleich nachdem sie sich zur Begat-
tung haben willig finden lassen: die übrigen wer-
den einige Monate nachher von den Arbeitsbie-
nen ermordet. Die nun so reichlich befruchtete
Königin legt ihre Eyer in die bestimmten Zellen
oder Mutterpfeifen, von denen schon vorläufig die
für die Thronen bestimmten größer als die übri-
gen gebaut sind. Wann diese Nachkommenschaft
[Seite 384] zur Reife gekommen, so trennt sie sich als Colo-
nie vom Stammvolke, sie schwärmt. Finden sich
hierbey mehrere Königinnen oder Weisler ein, so
kämpfen diese unter einander, und die Ueber-
winderin wird vom ganzen Schwarm für Regen-
tin erkannt. Einzelne Bienen haben so wenig
Wärme als andre kaltblüthige Thiere: im Stock
aber erwärmen sie durch die Friction etc. zuwei-
len bis zum Grade des bebrüteten Hüner-Eyes.

2. † Centuncularis, die Rosenbiene. A. nigra,
ventre lana fulva
. *

Lebt einsam unter der Erde, und verfertigt sich
eine überaus artige Hülse zur Wohnung von
Blättern der Rosenbüsche.

3. † Violacea, die Holzbiene. A. hirsuta atra,
alis caerulescentibus
. *

In alten Baumstämmen, wo sie sich ihre Woh-
nung der Länge nach aushölen, und die einzel-
nen Zellen durch dünne Holzscheibgen von einan-
der absondern.

4. † Terrestris, die Hummel. (bombylius) A.
hirsuta nigra thoracis cingulo flavo, ano
albo
. *

Nistet tief unter der Erde.

5. † Muscorum, die Moosbiene. A. hirsuta
fulva, abdomine flavo
. *

Bekleidet ihr Nest von aussen mit Moos, da-
her es schwer zu finden ist.

6. † Caementaria, die Maurerbiene. A. ful-
va abdomine nigro (femina nigro violacea
pedibus fuscis)
. *

Baut sich mit bewundernswürdiger Kunst und
Festigkeit ihr Nest aus Grand und Mörtel an al-
[Seite 385] ten Mauern, die viel Sonne haben. Die eyför-
migen Zellen, deren etwa zehn in jeder solchen
Eremitage sind, werden mit Gespinste austape-
zirt, und zuweilen auch von Immenwölfen,
Schlupfwespen etc. bewohnt.

61. formica, Ameise, Kremense. Squa-
mula erecta thoraci abdominique interjecta.
Aculeus feminis et neutris reconditus. Alae
maribus et feminis, sed neutris nullae
.

Auch die Haushaltung der Ameisen hat auser-
ordentlich viel merkwürdiges, ob sie gleich nicht
so nutzbar als der Bienen ihre, auch nicht so auf-
fallend ist, da ihre Haufen nicht so viel Kunst
verrathen, als die Nester der vorigen Geschlech-
ter. Bey einer genauen Betrachtung wird aber
die unermüdete Industrie dieses kleinen Volks,
die Emsigkeit mit der sie Proviant und Harz (wil-
den Weyhrauch) einsammlen, vorzüglich aber
die musterhafte Zärtlichkeit, mit der sie ihre Pup-
pen (die fälschlich so genannten Ameisen-Eyer)
am Morgen in die Sonne, des Abends aber,
oder wenn Regen kommen will, wieder nach
Hause tragen, alle Bewunderung erregen. Man
hat gesehen, daß eine Arbeitsameise, der man
den Hinterleib abgeschnitten, doch noch zehn Pup-
pen vor ihrem schmerzhaften Tode in Sicherheit
gebracht hat. Unsre hiesigen Ameisen bringen
den Winter im Schlaf zu, und brauchen folglich
keinen Wintervorrath einzutragen. Die in den
warmen Zonen hingegen werden von keiner er-
starrenden Kälte eingeschlummert, und müssen
folglich, wenn sie nicht darben wollen, das thun
was Salomo zwar gesagt*), aber mancher neuere
[Seite 386] Naturforscher nicht nöthig gefunden hat, zur gu-
ten Zeit Vorrath einsammlen.

1. † Herculanea. F. nigra abdomine ovato, fe-
moribus ferrugineis
. *

2. † Rufa. F. thorace compresso toto ferru-
gineo, capite abdomineque nigris
. *

Sehr gierige Thiere, die im Hunger einander
selbst auffressen.

3. † Rubra. F. testacea, oculis punctoque sub
abdomine nigris
. *

4. † Caespitum. F. abdominis petiolo binodo-
so: priore subtus, thoraceque supra biden-
tato
. *

5. † Omnivora. F. thorace punctis elevatis,
petiolo binodoso, corpore testaceo, abdo-
mine minuto
. *

In beiden Indien*). Furchtbare Thiere,
die in großen Heeren wandern, und auf ihren Zü-
gen alles zerfressen, was nur ihrem Gebis beis-
bar ist: aber selbst von Ameisenbären verzehrt
werden.

62. mutilla. Alae nullae in plerisque. Cor-
pus pubescens. Thorax postice retusus. Acu-
leus reconditus punctorius
.

1. Occidentalis. M. coccinea, abdomine cin-
gulo nigro.

VI. DIPTERA.

[Seite 387]

Die Insecten mit zwey Flügeln und ein paar
kleinen Knöpfgen oder so genannten Flügelkölb-
gen oder Balancirstangen (halteres), die hinter den
Flügeln an der Brust sitzen: deren Nutzen noch
unbestimmt ist, und derentwegen einige Natur-
kündiger die ganze Ordnung Halterata benannt
haben. Die Larve ist meist eine Made, die
mehrentheils an faulichten unreinen Orten lebt:
sie schrumpft nach einiger Zeit zusammen, und
verhärtet zu einer braunen cylindrischen Puppe.
Das vollkommene Insect hat bey einigen Ge-
schlechtern einen spitzen harten Saugestachel,
bey andern einen weichen biegsamen Rüssel, bey
noch andern gar keinen Mund u.s.w. Eini-
ge dieser Thiere gebären lebendige Junge.

63. oestrvs, Bremse. Os nullum, punctis
tribus, absque proboscide aut rostro exserto
.

Das Weibgen legt seine Eyer in die Haut le-
bendiger Thiere, wodurch eine Geschwulst und
Geschwür entsteht, von welchem sich die Larve er-
nährt.

1. † Bovis, die Viehbremse. O. alis macula-
tis, thorace flavo, fascia fusca, abdomine
flavo apice nigro
. *

2. Tarandi, die Renntbierbremse. O alis
immaculatis, thorace flavo fascia nigra, ab-
domine fulvo apice flavo
. *

[Seite 388]

3. † Haemorrhoidalis, die Pferdebremse. O.
alis immaculatis, thorace nigro, scutello pal-
lido, abdomine nigro basi albo apiceque
fulvo
. *

Ein für die Pferde sehr gefärliches oft tödliches
Thier. Das Weibgen paßt die Zeit ab, wann
das Pferd sich seines Unraths entledigt, und legt
ihm seine Eyer ans Ende des Mastdarms. Die
jungen Larven kriechen sodann durch die 84 Fus
langen Gedärme des Pferds in dessen Magen,
wo wir sie selbst bey Zergliederungen zu mehrern
Hunderten, von der Größe eines Dattelkerns, und
alle mit ihren Häkgen an der innern Haut des
Magens befestigt, gefunden haben. Zuweilen
durchboren sie den Magen, und verursachen Gan-
grän. Gemeiniglich aber kriechen sie, wann sich
die Zeit ihrer Verwandlung herbey naht, densel-
ben langen finstern Weg, durch den sie ankamen,
zurück, stürzen sich selbst aus dem Hintern des
Pferdes heraus, bohren sich augenblicklich in die
Erde, und verpuppen sich.

4. † Ovis, die Schafbremse. O. alis subpun-
ctatis, abdomine albo nigroque versicolore
. *

In den Stirnhölen der Hirsche, Rehe, Ziegen,
und vorzüglich der Schaafe, die davon erkranken,
schwindelnd werden, und dann Seegler heißen.
Wir haben vor einigen Jahren, da die Krankheit
in einigen benachbarten Schäfereyen wüthete, bey
der Untersuchung allemal die Larven dieser Brem-
sen in den Stirnhölen, aber keine Wasserblasen ge-
funden.

64. tipvla. Os capitis elongati maxilla su-
periore fornicata: palpi duo incurvi capite
longiores. Proboscis recurvata brevissima
.

[Seite 389]

1. † Oleracea. T. alis hyalinis, costa marginali
fusca
. *

Die Larve thut an den Pflanzenwurzeln, zu-
mal am Gemüse viel Schaden.

65. musca, Fliege. Os proboscide carnosa:
labiis
2 lateralibus: palpi nulli.

1. † Caesar, die Schmeisfliege. M. antennis
plumatis pilosa viridi nitens pedibus nigris
. *

2. † Domestica, die Stubenfliege. M. anten-
nis plumatis, pilosa nigra, thorace lineis
5
obsoletis, abdomine nitidulo tesselato, ocu-
lis fuscis
. *

3. † Cellaris. (vinulus, conops.) M. antennis
setariis pilosa nigra, alis nervosis, oculis
ferrugineis
. *

In Weinkellern.

4. † Meteorica. M. antennis setariis pilosa ni-
gra abdomine subcinereo, alis basi subflavis,
oculis brunneis
. *

In Gärten und Wäldern, haben einen hüpfen-
den sonderbaren Flug: schwärmen bey schönem
Wetter haufenweis um die Bäume, und verur-
sachen am mehresten das Gesumse, was man im
Sommer, zumal in den heissen Mittagsstunden,
in stillen Gehölzen überall hört.

5. † Putris. M. antennis setariis, subpilosa atra,
alarum costa nigra, oculis ferrugineis
. †

Die Made lebt in faulem Käse.

66. tabanvs. Os proboscide carnosa, ter-
minata labiis duobus. Rostro palpis duobus,
subulatis, proboscidi lateralibus, parallelis.

[Seite 390]

1. † Bovinus. T. oculis virescentibus, abdomi-
nis dorso maculis albis trigonis longitudi-
nalibus
. *

67. culex. Os aculeis setaceis intra vaginam
flexilem
.

1. † Pipiens, die Mücken, Schnacke. C. ci-
nereus abdomine annulis fuscis
8. *

Das beschwerliche Thier hält sich zumal häufig
am Wasser auf. Die Americanischen Mosquitos
scheinen blos eine Spielart unsrer Mücken zu
seyn.

68. empis. Os rostro corneo, inflexo, bi-
valvi, thorace longiore. Valvulis horizonta-
libus
.

1. † Pennipes. E. antennis filatis, nigra, pedi-
bus posticis longis: alterius sexus pennatis
. *

69. conops, Stechfliege, Pferdestecher.
Os rostro porrecto geniculato.

1. † Calcitrans. C. antennis subplumatis, cine-
rea glabra ovata
. *

Hat ganz die Bildung der Stubenfliege, nur
statt des Rüssels den furchtbaren hervorragenden
Stachel. Sie kommt nur wanns regnen will in
die Häuser, fliegt niedrig, und sezt sich auch blos
an die Beine, so wie sie drausen auf der Weide
sich an die Füße des Viehes zu setzen gewohnt ist,
das daher so unruhig wird und aufstampft.

70. asilvs, Raubfliege. Os rostro cor-
neo porrecto, recto, bivalvi.

[Seite 391]

1. † Crabroniformis. A. abdomine tomentoso,
antice segmentis tribus nigris, postice flavo
inflexo
. *

71. bombylivs. Os rostro porrecto, seta-
ceo, longissimo, bivalvis valvulis horizon-
talibus, intra quas aculei setacei
.

1. † Major. B. alis dimidiato-nigris. *

72. hippaobosca. Os rostro bivalvi, cylin-
drico, obtuso, nutante. Pedes unguibus plu-
ribus
.

1. † Equina, die Pferbelaus. H. alis obtusis,
thorace albo variegato, pedibus tetradacty-
lis
. *

2. † Ovina, die Schaflaus. H. alis nullis. *

Ein ungeflügeltes Insect, das doch wegen sei-
nes ganzen übrigen Habitus diese Stelle behau-
ptet. Es lebt in der Wolle der Schaafe, die
davon grün wird.


VII. APTERA.

Die gänzlich ungeflügelten Insecten. Sie
sind in Rücksicht der Größe, Bildung, Auf-
enthalt, Nahrung, Freßwerkzeuge, Anzal und
Länge der Füße, der Augen u.s.w. auseror-
dentlich verschieden. Theils legen sie Eyer,
theils gebären sie lebendige Junge. Den Floh
ausgenommen, bestehen die übrigen keine andre
[Seite 392] Verwandlung, als daß sie sich meist einigemal
häuten.

73. lepisma. Pedes 6 cursorii. Os palpis 2
setaceis et 2 capitatis. Cauda setosa setis ex-
tensis. Corpus squamis imbricatum
.

1. † Saccharina, der Zuckergast, das Fisch-
gen. L. squamosa cauda triplici. *

Ein überaus behendes Thiergen, matt silber-
glänzend; ist eigentlich in Amerika zu Hause, aber
nun schon fast in ganz Europa einheimisch.

74. podura. Pedes 6 cursorii. Oculi 2 com-
positi ex octonis. Cauda bifurca saltatrix in-
flexa. Antennae setaceae elongatae
.

1. † Fimetaria. P. terrestris alba. *

Haufenweis unter Blumentöpfen.

75. termes. Pedes 6 cursorii. Oculi 2. An-
tennae setaceae. Os maxillis duabus
.

1. Fatale, die weisse Ameise. T. luteum, ma-
xillis longitudine antennarum
.

Die furchtbare Plage beider Indien. Das
kleine Thier vermehrt sich unsäglich, und zernagt
und frißt mit einer unersättlichen Gierde alles
Holz, Hausgeräthe, Kleider, Eßwaaren etc.

2. † Pulsatorium, die Todtenuhr, Papier-
laus. S. abdomine oblongo, ore rubro, ocu-
culis luteis
*

In Büchern, Kräutersammlungen, Papier-
tapeten und in Holz, wo sie zumal bey nächtli-
cher Stille einen Laut von sich giebt, den der
[Seite 393] Aberglaube ehedem als Unglücksdeutung angese-
hen hat.

76. pediculus, Laus. Pedes 6 ambula-
torii, oculi
2. Os aculeo exserendo. Anten-
nae longitudine thoracis. Abdomen depres-
sum sublobatum
.

Vielleicht das weitläuftigste aller Thiergeschlech-
ter. Die mehresten Säugethiere und Vögel mö-
gen wol ihre Läuse haben: und selbst Fische, ja
sogar manche Insecten, wie die Bienen etc. sind
mit dergleichen Ungeziefer geplagt.

1. † Humanus, die Kopflaus und Kleider-
laus. P. humanus. *

Das ekelhafte Thier vermehrt sich schnell und
häufig: und wird nicht nur der Reinlichkeit, son-
dern auch der Gesundheit selbst äuserst nachthei-
lig, und kan gefährliche und schwere Cachexien
verursachen. Bey den Mohren sind die Läuse
schwarz: daß sie sich aber auf den Schiffen ver-
löhren, wenn diese die Linie passiren, ist leider
eine Fabel.

77. pulex, Floh. Pedes 6 saltatorii: oculi
2. Antennae filiformes. Os rostro inflexo,
setaceo, aculeum recondente. Abdomen com-
pressum
.

1. † Irritans. P. proboscide corpore bre-
viore
. *

Der Floh ist fast eben so weit als der Mensch
über die Erde verbreitet: doch findet er sich nicht
im äusersten Norden, an der Baffinsbay etc. Er
kan alt werden: wenigstens hat man Beyspiele
daß Flöhe sechs Jahre lang an kleinen goldnen
[Seite 394] Kettgen lebendig erhalten worden sind. Seiner
auserordentlichen Stärke haben wir oben gedacht
(§. 29.).

78. acarus, Milbe. Pedes 8. Oculi 2 ad
latera capitis. Tentacula
2 articulata, pedi-
formia
.

Ein großes Geschlecht von zahlreichen Gattun-
gen, die theils wie die Läuse auf andern Thieren:
theils aber von Pflanzen leben.

1. † Ricinus. A. globoso-ovatus: macula ba-
seos rotunda: antennis clavatis
. *

2. † Siro, die Käsemilbe. A. lateribus sublo-
batis, pedibus
4 posticis longissimis, femo-
ribus capiteque ferrugineis, abdomine se-
toso
. *

In Mehl und Käserinden. Daß sie die Krätze
verursachen solle, ist falsch. Aber freilich kan
sie wol bey äuserst unreinlichen Krätzigen sich ein-
nisteln, und das Uebel verschlimmern.

3. † Aquaticus. A. abdomine sanguineo de-
presso tomentoso postice obtuso
. *

Im Wasser; fast wie eine kleine blutrothe
Spinne.

79. phalangium. Pedes 8. Oculi verticis
2 contigui, 2 laterales. Frons antennis pe-
diformibus. Abdomen rotundatum
.

1. † Opilio, der Weberknecht, Schuster,
Geist, die Holzspinne. P. abdomine ovato;
subtus albo
. *

Ein langbeinichtes sonderbar gebildetes Thier,
was seinen Geschäften des Nachts nachgeht. Die
[Seite 395] ausgerißnen Beine zeigen noch lange nachher Le-
benskraft und Bewegung. Die Augen sitzen dem
Thier zwischen den Schultern auf einem Stielgen.

2. † Cancroides, der Bücherscorpion. P. ab-
domine obovato depresso, chelis laevibus,
digitis pilosis
. *

In altem Papier, Büchern, Kräutersammlun-
gen. Sieht wegen des flachen plattgedruckten
Körpers und der langen Krebsscheeren sonderbar
aus. Kriecht rücklings und vorwärts wie ein
Krebs.

3. † Balaenarum, die Walfischlaus. P. ab-
domine dilatato muricato, rostro subulato
. *

Darf nicht mit dem oniscus ceti verwechselt
werden.

80. aranea, Spinne. Pedes 8. Oculi 8.
Os unguibus s. retinaculis 2. Anus papillis
textoriis
.

Die Lichtscheue einsiedlerische Lebensart der
Spinnen, ihr gehässiger Charakter, da sie ein-
ander selbst auffressen etc. und der Verdacht des
Giftes mag wol Ursach an dem gemeinen und oft
unüberwindlichen Vorurtheil seyn, mit dem sich
so viele Menschen für diesen Thieren entsetzen. Al-
lerdings scheint auch ihr Biß nach des grossen
Harveys Versuchen verdächtig zu seyn*): und
wir selbst haben oft Fliegen zu retten gesucht, die
nur einmal von einer Spinne gestochen waren, und
die demohngeachtet in kurzem unter sonderbaren
Zuckungen und Krämpfen verstarben. Hingegen
kan man Spinnen, mit so wenig Gefahr als Vi-
perngift, essen. Auch lassen sie sich kirre machen,
[Seite 396] und lernen ihren Wohlthäter kennen, wie der
Grav Lauzun im Gefängnis zu Pignerol, und Pe-
lißon in der Bastille aus langer Weile versucht
haben. Spinneweben wie Seide zu verarbeiten,
war ein Project, das im großen unüberwindliche
Hindernisse finden würde. Der Meynung, daß
die Zeugungsglieder der männlichen Spinne am
Kopfe säßen, und der, daß der fliegende Som-
mer von Spinnen herrühre, können wir bis
jezt noch nicht beytreten.

1. † Diadema, die Kreuzspinne. A. abdomi-
ne subgloboso rubro-fusco: cruce albo-pun-
ctata
. *

Auf Boden, in Gartenhäusern etc. macht ein
rädförmiges Gespinste.

2. † Domestica, die Fensterspinne. A. abdo-
mine ovato fusco: maculis nigris
5 subcon-
tiguis: anterioribus majoribus
. *

3. † Scenica. A. saliens nigra: lineis semicir-
cularibus
3 albis transversis. *

Auf Dächern, ausen an Wänden etc. sie hüpft:
macht aber kein Gespinste.

4. Avicularia, die Buschspinne. A thorace
orbiculato convexo; centro transverse ex-
cavato.
*

Ein fürchterliches Geschöpf, was in Südame-
rika zu Hause ist, und wovon wir Stücke von
der Größe einer kleinen Kinderfaust besitzen. Die
Fußsohlen changiren bunte Goldfarben. Sie töd-
tet Colibrits, und saugt ihre Eyer aus.

5. Tarantula. A. subtus atra, pedibus subtus
atro fasciatis
. *

[Seite 397]

Die abgeschmackten Fabeln, die man vom Ta-
rantelbiß und seinen Folgen und musikalischen
Heilungsmitteln erdichtet hat, lösen sich dahin
auf, daß es theils Einbildungen hypochondrischer
und hysterischer Patienten; mehrentheils aber
armseelige Betteleyen seyn mögen, womit sich
mitleidige leichtgläubige Reisende haben betrügen
lassen.

81. scorpio. Pedes 8. insuper chelae 2 fron-
tales. Oculi
2 in torgo. Palpi 2 cheliformes.
Cauda elongata articulata terminata mucrone
arcuato. Pectines
2 subtus inter pectus et ab-
domen
.

Der Scorpion hat in der Bildung und Lebens-
art viel mit dem Krebs gemein, auch werfen sie,
so wie diese, järlich ihre Schale ab. Der kleine
Europäische Scorpion ist zuverlässig unschädlich.
Die großen Africanischen hingegen mögen aller-
dings giftig seyn.

1. Afer. S. pectinibus 13 dentatis, manibus
subcordatis pilosis
. *

2. † Europaeus. S. pectinibus 18 dentatis, ma-
nibus angulatis
. *

82. cancer, Krebs. Pedes 8. insuper ma-
nus
2 chelatae. Oculi 2 distantes, plerisque
pedunculati, elongati mobiles. Palpi
2 che-
liferi. Cauda articulata inermis
.

Ein weitläuftiges Geschlecht, dessen Gattun-
gen nach der verschiednen Länge des Schwanzes,
und der Beschaffenheit des Brustschilds und der
Scheeren wieder in Familien abgetheilt werden
können.

[Seite 398]

1. Pinnotheres. C. brachyurus glaberrimus, tho-
race laevi lateribus antice planato, caudae
medio nodulofo-carinato
. *

Die Sage, daß sich dieser Krebs innerhalb der
Steckmuschel aufhalte, um die Muschel bey An-
nähung der Blackfische zu warnen, ist irrig. Er
verwirrt sich wol oft in den Bart dieser Muschel
so wie andre Krebse auch: aber die gutmüthige Ab-
sicht fällt weg.

2. Maenas, die Krabbe. C. brachyurus, tho-
race laeviusculo, utrinque quinque dentato,
carpis unidentatis, pedibus ciliatis: posti-
cis subulatis
. *

3. Bernhardus, Bruder Bernhard der Ein-
siedler. C. macrourus parasiticus, chelis cor-
datis muricatis: dextra majore
. *

Bewohnt leere Schneckenhäuser (§. 140.):
und zwar wies scheint ohne Auswal besondrer
Gattungen. Wir haben ihn unter andern im mu-
rex vertagus
.

4. Gammarus, der Hummer. C. macrourus,
thorace laevi, rostro lateribus dentato: basi
supra dente duplici
. *

In den Meeren der nördlichen Erde: wo er
wie manche Fische zu gewissen Jahreszeiten hin
und her zieht. Er ist sehr gefrässig, und hat ei-
nen geräumigen Magen, der durch besondre Grä-
tenförmige Knochen ausgespannt und unterstützt
wird.

5. † Astacus, der Fluß Krebs. C. macrou-
rus thorace laevi, rostro lateribus dentato:
basi utrinque dente unico
. *

[Seite 399]

Ein bekanntes Thier, das vorzüglich durch sei-
ne Schmackhaftigkeit, durch die Steinartigen
kalkichten Verhärtungen, die sich im Sommer
in seinem Magen finden, die man fälschlich Krebs-
augen nennt, und die man ehedem als Arzney
misbrauchete, und dann durch die Stärke seiner
Reproductionskraft merkwürdig wird.

6. Pulex. C. macrourus articularis, manibus
4 adactylis, pedibus 10.

Ein muntres kleines Thier, was sich zumal
häufig in der Brunnenkresse findet, und im Was-
ser auf dem Rücken schwimmt.

83. monoculus, Riefenfus. Pedes nata-
torii. Corpus crusta tectum. Oculi approxi-
mati, testae innati
.

1. Polyphemus, der Moluccische Krebs. M.
testa plana convexa sutura lunata, postica
dentata, cauda subulata longissima
. *

Das allergröste Insect, was wol eine Länge
von vier Fuß erreichen kan. Daß es nur ein
Auge haben soll, ist irrig, mithin seine Benen-
nung gar nicht passend. Auch ist es falsch, daß
es nur in Ostindien sich finde: wir wissen von
Augenzeugen, daß es häufig an der Küste von
Carolina gefangen wird.

2. † Apus. M. testa subcompressa, antice retu-
sa, postice truncata, cauda biseta
. *

3. † Pulex. M. antennis dichotomis, cauda
inflexa
. *

In Flüssen und Teichen, auch in Brunnenwasser:
an theils Orten äuserst häufig. Ist nebst dem folgen-
den eine vorzügliche Nahrung der Arm-Polypen.

[Seite 400]

4. † Quadricornis. M. antennis quaternis, cau-
da recta bifida
. *

84. oniscus. Pedes 14. Antennae setaceae.
Corpus ovale
.

1. Ceti, die Wallfischlaus. O. ovalis, segmen-
tis distinctis, pedibus tertii quartique paris
linearibus ovaticis
. *

2. † Asellus, der Kelleresel. O. ovalis, cau-
da obtusa, stylis simplicibus
. *

An feuchten Orten, in Fenstern, Mauerritzen etc.

85. scolopendra, Assel. Pedes nume-
rosi, totidem utrinque quot corporis segmen-
ta. Antennae setaceae. Palpi
2 articulati.
Corpus depressum
.

1. Morsitans. S. pedibus utrinque 20.

In den heißen Zonen: und selbst schon in Spa-
nien. Ihr Biß verursacht gefärliche Entzündung.

2. † Electrica. S. pedibus utrinque 70. *

Phosphorescirt stark, und sogar der Fleck wo
sie gelegen, leuchtet noch geraume Zeit nachher.

86. iulus, Vielfus. Pedes numerosi: du-
plo utrinque plures quam corporis segmenta.
Antennae moniliformes. Palpi
2 articulati.
Corpus semicylindricum
.

1. † Terrestris. S. pedibus utrinque 100. *

Ein langsames Thier, was meist unter der
Erde in fettem Boden oder im Miste lebt.


Neunter Abschnitt.
Von den Würmern.

[Seite 401]

§. 153.

Die Insecten haben so zuverlässige und faßli-
che, die Würmer hingegen so wenig allge-
mein positive Charactere, daß man die leztern
vielleicht am kürzesten durch diejenigen kaltblüti-
gen Thiere definiren könnte, die keine Insecten
sind. Doch wollen wir versuchen, die auszeich-
nenden Eigenschaften dieser äuserst merkwürdi-
gen Geschöpfe, mit welchen wir die Thierge-
schichte beschließen, zusammen zu lesen.

§. 154.

Die Würmer haben einen weichen mat-
schigen, theils schleimigen, meist nackten Kör-
per: nur wenige sind wie die Aphroditen mit
Haaren, einige wie die Seeigel mit einer knorp-
lichen Schaale bedeckt. Viele aber, die Con-
chylien nemlich und die Corallen, bewohnen ein
festes steinartiges Gehäuse, das ihnen zum
Schutz und Aufenthalt dienet: und theils mit
dem Thier umher getragen wird, theils aber
unbeweglich fest steht.

§. 155.

[Seite 402]

Kein einziges Thier dieser Classe ist geflü-
gelt: auch kann man ihnen keine eigentliche Füs-
se zum Aufstützen des Körpers und zum Fort-
schreiten zugestehen. Doch haben die Regen-
würmer, Seeigel, und Seesterne gewisse Glied-
masen, die wenigstens eine ähnliche Bestim-
mung haben. Und überhaupt wird auch der
Mangel dieser Bewegungswerkzeuge bey
den Würmern durch die ausnehmende Reizbar-
keit ihrer Muskeln und die Kraft ihren Körper
dadurch wechselsweis zusammen zu ziehen, und
wieder auszudehnen, ersetzt.

§. 156.

Statt der Fühlhörner, die die Insecten be-
saßen, haben die mehresten Würmer sogenann-
te Fühlfaden (tentacula), oder biegsame un-
gegliederte meist weiche fleischige Faden am Ko-
pfe, die bey einigen von ansehnlicher Länge,
überhaupt aber von mannichfaltiger Bestim-
mung sind. Den Arm-Polypen nutzen sie zum
Fang: bey den Gartenschnecken sitzen vorn die
Augen dran u.s.w.

§. 157.

Manche Würmer sind von so einfachem Kör-
perbau, daß man gar keine Gliedmasen an
ihnen unterscheiden kan. Andre haben hinge-
[Seite 403] gen desto zahlreichre, doch meist ziemlich ein-
förmig gebildete Glieder.

§. 158.

Auch die Größe variirt in dieser Classe
weit mehr, als in der vorigen. Es giebt Con-
chylien, die auf sechs Centner am Gewicht hal-
ten, und Infusionsthiergen, die kaum durch
unsre besten Vergrößerungsgläser erkannt wer-
den können.

§. 159.

Die mehresten Würmer haben unansehn-
liche Farben. Doch sind auch einige, wie die
Seeanemonen, Seefedern, Aphroditen, und vie-
le Conchylien von auserordentlicher Schönheit.

§. 160.

Ueber die Sinne dieser Thiere und deren
Werkzeuge läst sich noch weniger bestimmtes als
über der Insecten ihre, sagen. Einige haben
ungezweifelt wahre Augen, und andre, wie
z.B. die Polypen, haben ohne Augen doch das
feinste Gefül von Licht und Hellung.

§. 161.

Wenn die Würmer würklich Athem ho-
len, so geschieht dieß doch wenigstens auf eine
von andrer thierischen Respiration sehr verschied-
ne Weise.

§. 162.

[Seite 404]

Bey den allerwenigsten Würmern läst sich
ein wirkliches Herz oder Gehirn erweisen.
Magen und Darmcanal hingegen haben sie
wol alle ohne Ausnahme.

§. 163.

Der Aufenthalt dieser Thiere ist meist im
Wasser: theils gar nur in fauligen Säfften:
oder doch in feuchten dumpfigen Orten. Eini-
ge leben blos unter der Erde: und viele ledig-
lich im lebendigen Körper andrer Thiere, wie
die Darmwürmer, Saamenthiergen u.s.w.
Viele leben gesellschaftlich an Corallen-Stäm-
men, auf Austerbänken etc., doch werden diese
mehr durch Noth oder Zufall, als durch Will-
kühr und in der Absicht sich wechselseitige Hülse
zu leisten, zusammen gebracht.

§. 164.

Die Nahrung der Würmer ist ziemlich
einfach: die mehresten nähren sich durch saugen.
Manche essen Erde, und viele können auseror-
dentlich lang fasten.

§. 165.

Manche sind mit Gift als Waffen, und
der Blackfisch mit seiner Dinte als Vertheidi-
gungsmittel versehn. Viele werden auch durch
ihr zähes Leben, oder durch ihre auserordentliche
[Seite 405] Reproductionskraft, die in keiner andern Thier-
Classe so überaus wunderbar ist, für feindliche
Gewaltthätigkeiten geschützt: und einige besitzen
eine Art von Reviviscenz, wodurch sie gewisser-
masen unzerstörbar scheinen.

§. 166.

Die allermehresten Würmer sind wol Her-
maphroditen, von denen jedes Individuum
sein Geschlecht fortzupflanzen im Stande ist (§.
18). Manche thun das, indem sie selbst in
mehrere Stücke zerspringen, andere durch
Sprossen, die sie aus ihrem Körper heraustrei-
ben, andere durch Eyer die sie legen; oder durch
lebendige Junge die sie gebären: und manche
können sich wie die Arm-Polypen und Feder-
busch-Polypen auf mehrere der genannten We-
ge zugleich vermehren.

§. 167.

Die Würmer werden dadurch dem Menschen
mittelbar oder unmittelbar nutzbar, daß sie
wie der Regenwurm die Erde locker halten;
oder wie der Fadenwurm den Thon durchbo-
ren, und dadurch dem Wasser Durchgang ver-
schaffen. Ferner sind viele, zumal unter den
Conchylien, eßbar. Von einigen Murexarten
wurde ehedem mehr als jetzt eine grünlich rothe
Farbe (wie Weinbeeren) der Purpur der Alten
genommen. Aus dem Safte der Blackfische
[Seite 406] kan Dinte bereitet werden. Der Barth der
Steckmuschel giebt eine braune Seide, die zu
Kleidungsstücken verarbeitet wird. Mehrere
Muschelarten führen Perlen. Verschiedne
Schneckgen cursiren bey einigen wilden Völkern
statt Geldes. Die Mahlermuschel, Perlen-
mutter, das eigentlich sogenannte rothe Corall, und
die grosse beinartige Schuppe des Blackfisches
(os sepiae) werden von Künstlern benutzt.
Der Badeschwamm hat mancherley häusli-
chen Gebrauch. Die Blutigel endlich sind
ein überaus wichtiges Genesmittel.

§. 168.

Zu den schädlichen Thieren dieser Classe
gehören vorzüglich alle die furchtbaren Wür-
mer des menschlichen Körpers: die sich
entweder wie die Askariden, Spulwürmer,
Trichuriden und Bandwürmer im Darmcanal:
oder wie der Nervenwurm unter der Haut und
zwischen dem Fleische aufhalten. Sodann auch
die Egelschnecken, die sich bey den Schafen,
und so viele andre Würmer, die sich zumal bey
Hausthieren und bey Fischen aufhalten, und
sie krank machen. Die Regenwürmer und
Schnecken schaden den Gewächsen. Der
Pfahlwurm durchbort Dämme und Schiffe.
Manche Würmer sind auch, wie wir schon ge-
sagt haben, giftig. Hingegen können wir den
abentheuerlichen Erzälungen von der höllischen
[Seite 407] Furie, einem von niemand zuversichtlich gesehe-
nen, und doch sehr genau beschriebenen, und
wie es heist, mit Widerhäkgen bewaffneten,
und ohne Flügel in der Luft rumfliegenden Würm-
gen, was auf Menschen und Vieh herabstür-
zen, und sie durchboren soll u.s.w., keinen
Glauben beymessen.

§. 169.

Wir haben auch diese Classe in ein eignes
System gebracht: und so lebhaft wir auch fü-
len, wie viel diesem noch an seiner Vollkom-
menheit abgehe, so glauben wir doch hoffen zu
dürfen, daß es wenigstens natürlicher und
faßlicher als die bisher ausgearbeiteten seyn
möchte.

I. Mollusca. Nakte weiche Würmer, die
sich theils durch zahlreichere Gliedmasen,
theils durch zusammengesetztere Eingewei-
de, von den Zoophyten auszeichnen.

II. Testacea. Die Würmer die ein Schne-
ckenhaus oder Muschelschaalen bewoh-
nen, mit einem Worte die Conchylien.

III. Cartilaginea. Mit knorplichtem Kör-
per, und theils mit einer festen Spat-
artigen Cruste. See-Igel, Seesterne,
See-Palme.

[Seite 408]

IV. Corallia. Die Polypen und andere
Thierpflanzen die einen Corallenstamm
oder ein anderes ähnliches Gehäuse be-
wohnen.

V. Zoophyta. Die nackten Thierpflanzen
ohne Gehäuse. Nebst den Infusions-
thiergen.


I. MOLLUSCA.

[Seite 409]

In der Bildung des Körpers sind zwar die
Würmer dieser Ordnung sehr verschieden: dar-
in aber kommen alle mit einander überein, daß
er weich, und einige wenige Gattungen ausge-
nommen, nackt ist. Die Würmer des mensch-
lichen Körpers sind alle aus dieser Ordnung.

1. gordius, Fadenwurm. Corpus fili-
forme, aequale laeve
.

1. † Aquaticus, das Wasserkalb. G. palli-
dus extremitatibus nigris
. *

Spannenlang, von der Dicke eines Zwirnfa-
den. Lebt in thonigem Boden und im Wasser.
Ist vermuthlich der gleiche Wurm, der sich auch
bey Pferden, Falken, Lerchen, Fischen, Heu-
schrecken, Raupen, und in der Luftröre der
Schweine findet: und den Poterius und Fr. Hof-
mann sogar bey Menschen im Knie, in den Wa-
den etc. völlig wie den Indianischen Nervenwurm
gesehen haben.

2. Medinensis, der Nervenwurm. (dracun-
culus, Vena Medinensis) G. totus pallidus
. *

Im Orient, auf Guinea, in Surinam, etwas
stärker als der vorige, und wol zwey und mehr
Ellen lang. Er kriecht zumal an den Knöcheln,
am Knie, am Arm etc. unter die Haut, verur-
sacht schmerzhafte Beulen, Entzündung u. s.
w., und muß äuserst behutsam, damit er nicht
abreiße, allgemach ausgezogen werden: eine
[Seite 410] Operation, die wol drey und mehr Wochen dauert.
Selten hat ein Mensch mehr als einen solchen
Wurm: doch auch wol vier, fünfe etc. zugleich.

3. † Marinus. G. plano spirali convolutus. *

Häufig in Häringen. Doch haben wir ihn
auch zwischen den Kiefern der Forelle gefunden.

2. ascaris, Corpus teres conicum, altera
extremitate acutum
.

1. † Vermicularis, der Madenwurm, Spring-
wurm. A. longit. 4 linearum. *

Wie eine Käse-Made. Hält sich im Mastdarm
auf.

3. echinorhynchos. Corpus teres subfi-
liforme rugosum. Proboscis retractilis echi-
nata
.

Ein neues Geschlecht des Herrn Zöga, durch
dessen Güte wir zahlreiche Gattungen, die sich
zumal in Fischen finden, kennen gelernt haben.

1. † Trichuris, der Haarwurm. E. cauda
filiformi tenui prolongata
. *

wrisberg de animale, infusoriis.

Blos im Blindharm, wo er zuerst bey einer
Epidemie in den Leichen der Französischen Be-
satzung von Göttingen im Winter 1760 bemerkt
worden ist. Wir selbst haben ihn häufig in den
Leichen armer erwachsener Personen gefunden.

4. lumbricus. Corpus teres annulatum
utraque extremitate attenuatum
.

1. † Terrestris, der Regenwurm. L. ephip-
pio circulari,
8 feriebus aculeorum abdomi-
nalium
.

[Seite 411]

i. andr. mvrray de verm. in lepra
obviis. Tab
. II.

Das bekannte Thier distinguirt sich durch
seinen Fingerbreiten Wulst gegen die Mitte des
Leibes, und durch die vierdoppelten Stacheln,
die ihm auf jedem Abschnitte sitzen, sehr deut-
lich vom Spulwurme. Auch legt der Regen-
wurm Eyer, da der Spulwurm hingegen le-
bendige Junge gebiert.

2. † Intestinalis, der Spulwurm, Herz-
wurm. L. corpore aequali, laevi, ore tri-
lobo
. *

Im ganzen Darmcanal. Zuweilen in unzäli-
ger Menge: wir haben sie selbst zu mehrern Hun-
derten auf einmal von einem Kranken abgehen
gesehen.

5. fasciola. Corpus gelatinosum, plani-
usculum, poro ventrali duplici
.

1. Hepatica, die Egelschnecke. F. depressa,
ovata, fusca, antice tubulo instructa
. *

In den Lebern der Schaafe.

2. † Intestinalis. F. corpore taeniolari, mar-
ginibus undulatis
. *

Wie ein schmales Streifgen Band: ungeglie-
dert: verdiente also eher den Namen Bandwurm,
als das folgende Geschlecht. Hält sich in Fischen
auf, und ist selbst, nachdem diese gesotten wa-
ren, noch lebendig in ihnen gefunden worden.

6. taenia, Bandwurm. (Lumbricus la-
tus auctor.) Corpus gelatinosum, planiuscu-
lum, os quadrilobum
.

[Seite 412]

Es sind schon in mehrern Werken unsre Grün-
de ausführlich angegeben worden, warum wir
die vermeinten Gelenke, des sehr uneigentlich so
genannten Bandwurms, nicht für Glieder ei-
nes einzigen Wurms, sondern für eben so viel
besondere Thiere, die sich nur an einander ge-
saugt und angereihet haben, halten müssen. Wir
haben Specimina vor uns, wo sich verschiedene
Gattungen dieses Geschlechts in eine gemeinschaft-
liche Reihe angekettet haben, andere wo mehrere
Reihen derselben Gattung sich auf sonderbare
Weise unter einander angehängt haben u.s.w.
Auch haben wir die Bandwürmer oft genug bey
Hunden und andern Thieren, die wir lebendig
zergliedert haben, selbst noch lebend gefunden,
und Stundenlang in lauwarmer Milch erhalten,
und alle unsre dabey angestellten Versuche haben
unsre Meynung immer mehr bestätigt. Es ge-
hören auch diese Thiere bey weitem nicht unter
die Zoophyten, da sie nichts von dieser ihrer Re-
productionskraft besitzen, sondern einzelne Wür-
mer, wenn sie in der Mitte durchschnitten wer-
den, binnen wenig Minuten absterben. Die
Gattungen sind äuserst zahlreich, aber die wenig-
sten noch genug bestimmt. Wir haben noch un-
beschriebene Bandwürmer aus Pferden, Katzen,
Füchsen, Murmelthieren, Kreuzschnäbeln u.s.w.

1. † Solium, der B. W. mit langen Gelen-
ken, Kürbskernwurm. (T. cucurbitina,
Ascaris auctor.) T. osculo alterius mar-
ginis
. *

So wie die beiden folgenden Arten, in den dün-
nen Därmen bey Menschen u.a. Thieren. Theils
in unsäglicher Menge. Man hat gegen 400 El-
len Bandwürmer in kurzer Zeit, und gegen 800
[Seite 413] Ellen binnen fünf Jahren von Menschen abgehen
gesehen.

2. † Vulgaris, der B. W. mit kurzen Ge-
lenken. T. osculis lateralibus utrinque. *

Ist leichter abzutreiben, als die vorige Gat-
tung.

3. † Lata, der B. W. mit breiten Gelen-
ken. T. osculo alterius tantum lateris. *

Die gemeinste Art: die zumal in einigen Ge-
genden der Schweiz, in Holland, Rußland etc.
sehr häufig ist.

7. sipunculus. Corpus teres elongatum.
Os anticum, attenuatum, cylindricum.
Apertura lateralis corporis verruciformis
.

1. Saccatus. S. corpore tunica laxa induto. *

8. myxine. Corpus teres, subtus carinatum
pinna adiposa. Maxillae binae pinnatae.
Dentes in faucibus
.

1. Glutinosa. M. tentaculis 9.

9. hirudo, Blutegel. Corpus oblongum,
promovens se ore caudaque in orbiculum di-
latandis
.

1. † Medicinalis. H. depressa nigricans, supra
lineis flavis
6: intermediis nigro-arcuatis,
subtus cinerea nigro maculata
. *

Die brauchbarste Gattung zum Blutsaugen.

2. † Sanguisuga. H. depressa fusca: margine
laterali flavo
. *

Noch blutgieriger als die vorigen. Man sagt,
ihrer 9 sollen ein Pferd zu tode saugen können.

[Seite 414]

10. limax, Schnecke. Corpus oblongum,
repens: supra clypeo carnoso: subtus disco
longitudinali plano: foramen laterale dex-
trum pro genitalibus et excrementis. Tenta-
cula
4 supra os.

Sämtlich den Gartengewächsen und Wiesen:
theils auch den Bienen schädlich.

1. † Ater. L. ater. *

2. † Rufus. L. subrufus. *

3. † Maximus. L. cinereus maculatus. *

4. † Agrestis. L. cinereus immaculatus. *

11. laplysia. Corpus repens. Clypeo dor-
sali membranaceo. Foramen laterale dex-
trum pro genitalibus. Anus supra extremita-
tem dorsi
.

1. Depilans, die Giftkuttel. L. tentacu-
lis
4.

2. Leporina, der Seehaafe. L. labro ciliato.

12. aphrodita, Seeraupe. Corpus re-
pens, ovale: fasciculi pediformes utrinque
plurimi. Os retractile. Tentacula
2 setacea.

1. Aculeata, der Goldwurm. A. ovalis hir-
suta aculeata, pedibus utrinque
32. *

Ein über alle Beschreibung prächtiges Geschöpf:
die Stacheln und Haare, womit es zumal an
beiden Seiten besetzt ist, changiren, zumal im
Sonnenschein, in alle mögliche Goldfarben: theils
auch wie blaue Schwefelflammen u.s.w.

[Seite 415]

13. nereis. Corpus repens oblongum linea-
re. Tentaculis lateralibus penicillatis, plu-
mosis supra os
.

1. Noctiluca. N. segmentis 23, corpore vix
conspicuo
.

In Seewasser, dessen nächtliches Leuchten es
verursacht.

2. Tubiformis. N. pedibus utrinque 26. Ore
ciliato pectine aureo
.

Diese und verschiedne andre Nereiden-Arten,
verfertigen sich, fast wie die Phryganäenlarven,
unbeschreiblich kunstreiche Rören zu ihrem Auf-
enthalt. Bey dieser Gattung ist die Hülse nur
so dünn wie Papier, und aus vielen tausend Sand-
körnchen zusammen gebauet.

14. nais, Wasserschlängelgen. (Mille-
pied d'eau) Corpus lineare pellucidum, de-
pressum, setis pedatum
.

Diese Würmer sind in neuern Zeiten durch die
sonderbare Weise ihrer Fortpflanzung, die der
Fleis berühmter Männer, besonders des Hrn.
Staatsraths Müller an ihnen wahrgenommen hat,
berümt worden. Das lezte Gelenk des geglieder-
ten Wurms dehnt sich nemlich allmälig aus, und
erwächst zu einen ganzen Thiere, das sich nach
einiger Zeit vom übrigen Körper der alten Naide
absondert, oder auch selbst noch vorher wieder an-
dre Junge auf gleiche Weise durch die Ausdeh-
nung seines lezten Gelenkes hinten austreibt: so
daß man ganze Reihen von sechs dergleichen nach
und nach entstandnen Thieren gesehen hat, die
doch alle noch wie die Bandwürmer an einander
gekettet waren. Doch ist dieß nicht die einzige
[Seite 416] Weise ihrer Vermehrung, indem wenigstens man-
che Gattungen, wie z.B. ganz gewiß die nach-
stehende, auch auserdem durch Eyerstöcke, die durch
eine wahre Paarung befruchtet werden, sich fort-
pflanzen können.

1. † Proboscidea, die gezüngelte Naide. N.
setis lateralibus solitariis, proboscide longa
. *

15. ascidia. Corpus fixum teretiusculum,
vaginans. Aperturae binae ad summitatem:
altera humiliore
.

Sie sitzen an Uferfelsen, und vermögen das
Wasser in langen Stralen von sich zu sprützen.

1. Intestinalis. A. laevis alba membranacea. *

16. actinia, Seeanemone, Meernessel.
(Urtica marina, cul d'ane) Corpus se affi-
gens basi, oblongum, teres, apices margi-
ne dilatabili intus tentaculato, os terminale
centrale ambiente
.

Die Seeanemonen haben neuerlich besonders
durch die Versuche Aufmerksamkeit erregt, die
der Hr. Abt Dicquemare über ihre Reproductions-
kraft angestellt hat, die der Arm-Polypen ihrer
wenig nachgiebt, und bey dem zusammengesetzten
Körperbau allerdings noch auffallender ist. Sie
können, ihrem Leben ohnbeschadet, einfrieren, ge-
raume Zeit in heißem Wasser und in luftleerem
Raume ausdauern, Jahre lang ohne Nahrung
bleiben u.s.w. Die abgeschnittenen Fühlfaden
bewegen sich noch Tage lang; und werden bald
am Körper wieder reproducirt. Ja selbst in der
Mitte getheilte Seeanemonen sind wieder zu gan-
zen Thieren erwachsen.

[Seite 417]

1. Senilis. A. subcylindrica transverse rugosa. *

Wir haben diese Gattung von Dieppe erhalten
und zergliedert. Der Schlund ist überaus son-
derbar der Länge nach gefalten; und die Bauch-
höle mit einer flockigen Haut, wie in den dün-
nen Därmen vieler warmen Thiere, ausgekleidet.

17. lernaea. Corpus se affigens tentaculis,
oblongum teretiusculum. Ovaria bina. Ten-
tacula brachiformia
.

Ein schädliches Ungeziefer für Fische, in de-
ren Kiefern es vorzüglich nistet.

1. † Cyprinacea. L. corpore obclavato, thorace
cylindrico bifurco, tentaculis apice lunatis
.

18. sepia, Dintenfisch, Blackfisch. Bra-
chia
8 interius adspersa cotyledonibus. Os
inter brachia terminale, corneum. Corpus
carnosum vagina excipiens pectus. Tubus
ad basin pectoris
.

Auser der sonderbaren Bildung werden die meh-
resten Gattungen noch durch den schwarzen Saft
merkwürdig, den sie in einem besondern Behälter
im Leibe führen, und im Nothfall von sich lassen, und
das Wasser zunächst um sich verdunkeln können.

1. Officinalis. S. corpore ecaudato marginato
tentaculis duobus
. *

2. Loligo, der Calmar. S. corpore subcylin-
drico subulato, cauda ancipiti rhombea
. *

Die sogenannten Seetrauben (Uvae mari-
nae
) sind die Eyerstöcke dieses Thieres.

19. medvsa. Corpus gelatinosum, orbicu-
latum, depressum. Os subtus, centrale
.

[Seite 418]

Wir haben noch nicht Gelegenheit gehabt, Me-
dusen genau zu untersuchen, und sind daher noch
zweifelhaft, ob sie nicht vielleicht in die dritte
Ordnung gehören.

1. Aurita. M. orbicularis subtus 4 cavitatibus.

2. Velella. M. ovalis concentrice striata, mar-
gine ciliato, supra velo membranaceo
.


II. TESTACEA.
Die Conchylien.


Ueber die Thiere, so in den Conchylien
wohnen, läst sich bis jetzt noch wenig bestimm-
tes sagen. In einigen Geschlechtern äneln sie
verschiednen Würmern der vorigen Ordnung,
wie man z.B. aus der Vergleichung der nack-
ten Schnecken mit der Gartenschnecke mit dem
Haus etc. ersieht. In einigen andern Geschlech-
tern, wie in den Anomien, Chiton etc. haben
die Thiere eine ganz eigne Bildung, die sich
nicht wol mit andrer nackten Würmer ihrer ver-
gleichen läßt. Bey sehr vielen aber ist die wah-
re Beschaffenheit des würklichen Thiers noch
gänzlich unbekannt, da die Liebhaberey aus der
Kenntnis der leeren Schaalen ein eignes, frey-
lich nicht sehr fruchtbares Studium gemacht
hat, worüber die Untersuchung ihrer Bewoh-
ner doch wol zu sehr vernachlässigt worden ist.
[Seite 419] Und selbst über die Physiologie der Gehäuse,
über ihre Entstehung, Ausbildung, Farben u.
s. w. ist doch bey aller der weitschichtigen Regi-
stratur der Schneckenhäuser nur noch ein schwa-
ches Licht verbreitet. Es ist uns indeß glaub-
lich, daß die Conchylienschaalen auf eine ähn-
liche Weise, wie die Knochen bey jungen Säu-
gethieren und Vögeln gebildet werden, daß nem-
lich eine gallertige und nachher knorpliche Sub-
stanz die Grundlage des künftigen Gehäuses
ausmachen, in die nur nach und nach Kalkerde
abgesetzt, und Festigkeit bewirkt werde. Das
knorpliche Ansehn der ungebohrnen Conchylien,
dergleichen wir vor uns haben, die Aenlichkeit
der ehedem gebrochnen und nach der Hand wie-
der geheilten Schneckenschaalen mit dem Callus
bey Beinbrüchen, und die Untersuchungen des
Hrn. Herissant begünstigen diese Meynung.
Fast alle Conchylien werden aus Eyern geboh-
ren, und auser dem Papier Nautilus sind die
Thiere der übrigen lebenslang in ihrer Schaale
fest angewachsen: nur sollen die Cypräen all-
jährlich ihr Gehäuse mit einem neuen vertau-
schen. Man vertheilt die weitläuftige Ordnung
am füglichsten nach der Anzal und Bildung der
Schaalen in folgende vier Familien: A) Viel-
schaalige Conchylien. B) Zweyschaalige oder Mu-
scheln, C) einschaalige mit bestimmten Windun-
gen, nemlich die Schnecken, und D) einschaa-
lige ohne dergleichen Windungen.

A) Vielschaalige Conchylien.
MVLTIVALVES.
[Seite 420]

20. chiton. Testae plures, longitudinali-
ter digestae, dorso incumbentes
.

1. Tuberculatus, Oscabrion. C. testa septem-
valvi, corpore tuberculato
. *

21. lepas. Animal rostro involuto spirali,
tentaculis cristatis. Testa multivalvis, inae-
quivalvis
.

1. Balanus, die Meertulpe, See-Eichel.
L. testa conica sulcata fixa, operculis acu-
minatis
. *

Unbeweglich an Ufern, am Kiel der Schiffe,
oder auch als Parasite auf andern Thieren,
Muscheln, Krebsen etc.

2. Anatifera, die Entenmuschel. (Pentilas-
mus) L. testa compressa quinquevalvi laevi,
intestino insidente
. *

Sie ist vorzüglich durch die fabelhaften Sa-
gen berüchtigt worden, deren wir schon bey
Gelegenheit der Baumgans Erwähnung gethan
haben.

22. pholas, Bohrmuschel. Testa bival-
vis, divaricata, cum minoribus accessoriis
difformibus, ad cardinem. Cardo recurva-
tus, connexus cartilagine
.

Sie bohren sich in die Uferfelsen, selbst in den
härtesten Marmor*), auch in starke Corallen-
stämme und Austerschaalen.

[Seite 421]

1. Dactylus, die Dattelmuschel. P. testa ob-
longa hinc reticulato striata
. *

Das Thier selbst phosphorescirt überaus hell
im Duncklen.

B) Zweyschaalige Conchylien. Muscheln.
CONCHAE.

Die Hauptverschiedenheit der Geschlechter be-
ruht auf der Gleichheit oder Ungleichheit der bei-
den Schaalen und ihrer Ränder. Verschiedne
Muscheln werden auch durch die Perlen merk-
würdig, die sich zum Theil im Thier selbst, theils
aber auch innwendig an der Schaale finden, und
deren Entstehungsart noch nicht zuverlässig ent-
schieden ist.

23. mya. Testa bivalvis, hians altera extre-
mitate. Cardo dente (plerisque) solido,
crasso, patulo, vacuo, nec inserto testae op-
positae
.

1. † Pictorum, die Flußmuschel, Mahler-
muschel. M. testa ovata, cardinis dente pri-
mario crenulato: laterali longitudinali: al-
terius duplicato
. *

2. † Margaritifera, die Perlenmuschel. M.
testa ovata antice coarctata, cardinis dente
primario conico, natibus decorticatis
. *

24. solen, Messerscheide. Testa bivalvis,
oblonga, utroque latere hians. Cardo dens
subulatus, reflexus, saepe duplex, non in-
sertus testae oppositae: margo lateralis ob-
soletior
.

[Seite 422]

1. Siliqua. S. testa lineari recta, cardine al-
tero bidentato
. *

25. tellina, Sonne. Testa bivalvis, an-
tice hinc ad alterum latus flexa. Cardo den-
tibus ternis; lateralibus planis alterius testae
.

1. Angulata. T. testa subovata striis transver-
sis recurvatis, antice angulata, dentibus la-
teralibus nullis
. *

2. † Cornea. T. globosa, transversim striata,
costa fusca transversali
.

In kleinen Flüssen, Waldbächen etc. etwa von
der Grösse einer Linse. Wir haben in der Leine
bey Göttingen mancherley artige Varietäten da-
von, himmelblau mit weiß etc. gefunden.

26. cardivm. Testa bivalvis, subaequila-
tera, aequivalvis. Cardo dentibus mediis bi-
nis alternatis; lateralibus remotis insertis
.

1. Echinatum. C. testa subcordata, sulcis exa-
ratis linea ciliata aculeis inflexis plurimis
. *

27. mactra. Testa bivalvis, inaequilatera,
aequivalvis. Cardo dente medio complicato
cum adjecta foveola; lateralibus remotis in-
serti
.

1. Solida. M. testa opaca laeviuscula subanti-
quata
. *

28. donax. Testa bivalvis, margine antico
obtusissimo. Cardo dentibus duobus: mar-
ginalique solitario, subremoto sub ano
.

[Seite 423]

1. Scripta. D. testa ovata compressa laevi,
scripta lineis purpureis undatis, rima acuta,
marginibus crenulatis
. *

29. venvs. Testa bivalvis, labiis margine
antico incumbentibus. Cardo dentibus
3
omnibus approximatis, lateralibus apice di-
vergentibus
.

1. Dione, die Venusmuschel. V. testa subcor-
data, transverse sulcata, antrorsum spinosa
. *

30. spondylvs. Testa inaequivalvis, ri-
gida. Cardo dentibus
2 recurvis, cum fora-
minulo intermedio
.

1. Gaederopus, die Lazarusklappe. S. testa
subaurita spinosa
. *

Die eine Schaale läuft hinten beym Charnier
weit über die andere hinaus, und ist wie abge-
sägt. Eben so merkwürdig ist auch die Einlen-
kung des Charnir selbst, deren Zähne so sonderbar
in einander gefügt sind, daß sich die Muschel
zwar öffnen, aber die Schaalen nicht ohne Zer-
brechen des Schlosses von einander ablösen lassen.

31. chama. Testa bivalvis, grossior. Cardo
callo gibbo, oblique inserto fossulae obli-
quae
.

1. Cor, das Ochsenherz. C. testa subrotunda
laevi, processibus retrorsum recurvatis, ri-
ma hiante
. *

2. Gigas, die Hohlziegel, Nagelschulpe. C.
testa plicata, fornicata, squamosa
. *

Die gröste bekannte Conchylie, deren Schaalen
wol gegen sechs Centner wiegen.

[Seite 424]

32. arca. Testa bivalvis, aequivalvis. Car-
do dentibus numerosis, acutis, alternis, in-
sertis
.

1. Noae, die Arche. A. testa oblonga striata,
apice emarginata, processibus incurvis re-
motissimis, margine integerrimo hiante
. *

Wir haben sie annoch mit dem Thiere, das
aber keinem der uns bekannten Würmer gleicht.

33. ostrea. Testa bivalvis, inaequivalvis,
subaurita. Cardo edentulus fossula cava ova-
ta, striisque lateralibus transversis
.

1. Pleuronectes, die Compasmuschel. O. te-
sta aequivalvi radiis
12 duplicatis, extus
laevi
. *

2. Pallium, der Königsmantel. O. testa ae-
quivalvi radiis
12 convexis, striata scabra
squamis imbricata
. *

3. Malleus, der Polnische Hammer, das
Crucifix. O. testa aequivalvi triloba, lobis
transversis
. *

Eine sehr theure Muschel, wovon wir ein äu-
serst sonderbares Spannenlanges Exemplar mit
grossen wellenförmig geschuppten Fortsätzen, aus
dem academischen Museum vor uns haben.

4. Folium, das Lorbeerblatt. O. testa inae-
quivalvi ovata, lateribus obtuse plicata, pa-
rasitica
. *

5. Edulis, die gemeine Auster. O. testa inae-
quivalvi semiorbiculata, membranis imbrica-
tis undulatis, valvula altera plana integer-
rima
. *

[Seite 425]

Das wegen seines leckern Geschmacks allge-
mein bekannte Thier, das deshalb zumal an den
Küsten der nördlichen Erde auf Austerbänken ge-
hegt, und beträchtlicher Handel damit getrieben
wird.

34. anomia. Testa inaequivalvis; valvula
altera planiuscula (saepe basi perforata), al-
tera basi magis gibba. Cardo edentulus cica-
tricula lineari prominente, introrsum dente
laterali. Radii
2 ossei pro basi animalis.

1. Terebratula. A. testa obovata laevi conve-
xa: valvula altera triplicata, altera bipli-
cata
. *

35. mytilvs. Miesmuschel. Testa bi-
valvis rudis, saepius affixa bysso. Cardo
edentulus, distinctus linea subulata excavata
longitudinali
.

1. Crista galli, der Hanenkamm. M. testa pli-
cata spinosa, labro utroque scabro
. *

2. Margaritiferus. M. testa compresso-plana
suborbiculata, basi transversa imbricata tu-
nicis dentatis
. *

Theils wegen der ausnehmend schönen Perlen,
die sich in diesem Thiere finden*), und theils
der Schaale wegen merkwürdig, die das Perlen-
mutter giebt. Vorzüglich im Persischen Meer-
busen.

3. Edulis. M. testa laeviuscula violacea, val-
vulis antice subcarinatis, postice retusis
. *

Eine zweydeutige Speise, deren Genuß zuwei-
len tödlich gewesen ist.

[Seite 426]

4. Bidens. M. testa striata subcurvata, margi-
ne posteriore inflexo, cardine terminali bi-
dentato
. *

Nicht im mitländischen Meer allein, sondern
auch an der Küste von Carolina und um Japan,
woher wir eine überaus artige dunkelviolette, fast
durchsichtige Spielart erhalten haben.

36. pinna, Steckmuschel. Testa subbi-
valvis, fragilis, erecta, emittens barbam
byssinam. Cardo edentulus, coalitis in unam
valvulis
.

Diese Muscheln sind wegen ihres Barts be-
rühmt, womit sie sich befestigen können, und der
eine kostbare braune Seide giebt, die von den
Frauenzimmern in Smirna, Messina, Paler-
mo etc. zu Strümpfen, Handschuhen u.s.w.
verarbeitet wird.

1. Rudis. P. testa sulcata: squamis fornicatis,
per series digestis
. *

C) Einschaalige Conchylien mit bestimmten
Windungen. Schnecken. COCHLEAE.

Die Richtung der Schneckenwindungen ist fast
durchgehends gleichförmig: so nemlich, daß sie,
wenn man die Mündung nach oben, und die
Spitze unterwärts gerichtet hält, der scheinbaren
Bewegung der Sonne gleich laufen: einige we-
nige Gattungen haben von Natur eine gegensei-
tige Windung: und dann finden sich auch, ob-
schon äuserst selten, unter andern Schnecken zu-
weilen monstreuse Exemplare, die völlig linksge-
wunden sind (anfractibus sinistris s. contrariis);
wir haben sie schon oben (§. 14.) zum Beweis
[Seite 427] der ursprünglichen Misgeburten angeführt,
und auf der IIten Kupfert. Fig. 10. ist ein sol-
cher linksgewundener Murex despectus, vom Ufer
von Harwich, den wir der Güte des Herrn I. A.
de Lüc zu verdanken haben, neben dem rechtsge-
wundnen (Fig. 9) abgezeichnet. Die Thiere
selbst äneln großentheils den nackten Gartenschne-
cken (Limax). Einige vermögen ihr Gehäuse mit-
telst eines besondern Deckels (operculum) zuzu-
schliessen, und andre können sich wenigstens bey
Annährung des Winters, durch eine Kaltscheibe,
die sie vor die Mündung ihres Hauses ziehen, das
Ueberwintern erleichtern.

37. argonavta. Animal sepia. Testa
univalvis spiralis, involuta, membranacea,
unilocularis
.

1. Argo, der Papiernautilus. A. carina sub-
dentata
. *

Eine milchweiße überaus dünne leichte, aber
große Schaale, die von einem Blackfischähnli-
chen Thier bewohnt wird, das doch nicht wie
andre Thiere dieser Ordnung an das Gehäuse
angewachsen ist, und mittelst eines ausgespann-
ten häutigen Segels sehr geschickt auf der Ober-
fläche des Meers zu schwimmen, aber auch un-
terzutauchen etc. versteht.

38. navtilvs. Testa univalvis, isthmis
perforatis concamerata, polythalamia
.

Die Gehäuse sind in Kammern abgetheilt, in
deren vorderer das Thier wohnt, und durch Was-
ser, das es in die übrigen ein- oder auspumpt,
sich nach Willkühr leichter oder schwerer machen
kann.

[Seite 428]

1. Pompilius, das Schiffboot. N. testa spira-
li, apertura cordata, anfractibus contiguis
obtusis laevibus
. *

Die Schaale ward ehedem zu Trinkgeschirren
zugerichtet, gravirt, ausgeschnitzt u.s.w.

3. Calcar. N. testa spirali, apertura lineari,
anfractibus contiguis, geniculis elevatis
. *

Eins von den sehr kleinen Schneckgen im Sand
von Rimini, die zwar den versteinten Ammoni-
ten in Rücksicht ihres Baues in etwas äneln,
aber doch die Meynung vom Untergang vieler
organisirter Körper einer Vorwelt (§. 39.) nicht
zu entkräften vermögen.

39. convs. Testa univalvis, convoluta, tur-
binata. Apertura effusa longitudinalis, linea-
ris edentula, basi integra; columella laevis
.

1. Ammiralis. C. testa basi punctato-scabra. *

Auf einige Spielarten dieses und des folgenden
Admirals, zumal wenn sie recht complet (topf-
schön) sind, hat eine sonderbare Art von Luxus
ungeheure Preise gesetzt.

2. Aurisiacus, der Orange-Admiral. C. testa
incarnata laevi fasciis albidis, anfractuum
summis canaliculatis
. *

40. cypraea, Porcellane. Testa unival-
vis, involuta, subovata, obtusa, laevis.
Apertura utrinque effusa, linearis, utrinque
dentata, longitudinalis
.

1. Moneta, die Muschelmünze, das Ottern-
köpfgen, Rauri, Simbipuri. C. testa mar-
ginato-nodosa albida
. *

[Seite 429]

Zumal auf den Maldivischen Inseln. Ist
bekanntlich nebst den bittern Mandeln die einzige
Scheidemünze einiger schwarzen Völker.

41. bvlla, Blasenschnecke. Testa unival-
vis, convoluta, inermis. Apertura subcoar-
ctata, oblonga, longitudinalis, basi integer-
rima. Columella obliqua, laevis
.

1. Ovum. B. testa ovata obtuse subbirostri,
labro dentato
. *

42. volvta. Testa unilocularis, spiralis.
Apertura ecaudata, subeffusa. Columella pli-
cata: labio umbilicove nullo
.

1. Oliva. V. testa emarginata cylindroide lae-
vi, spirae basi reflexae, columella oblique
striata
. *

In Ostindien: doch auch bey Neuorleans und
sonst in Nordamerika: variirt unendlich in der
Zeichnung.

2. Musica, die Notenschnecke. V. testa mar-
ginata fusiformi, anfractibus spinis obtusis,
columella octoplicata, labro laevi crassius-
culo
. *

43. bvccinvm, Sturmhaube. Testa
univalvis, spiralis, gibbosa. Apertura ovata,
desinens in canaliculum dextrum, cauda re-
tusum. Labium interius explanatum
.

1. Pullus. B. testa gibba oblique striata, labio
interiore explanato gibbo
. *

2. Harpa, die Davidsharfe. B. testa varici-
bus aequalibus longitudinalibus distinctis
mucronatis, columella laevigata
. *

[Seite 430]

44. strombvs. Testa univalvis, spiralis,
latere ampliata. Apertura labro saepius dila-
tato, desinens in canalem sinistrum
.

1. Lentiginosus. S. testae labro antice trilobo
incrassato, dorso verrucoso coronato, cauda
obtusa
. *

Der Deckel dieser Schnecke, die sogenannte
Blatta byzantina, war ehedem officinell.

45. mvrex. Testa univalvis, spiralis, exa-
sperata suturis membranaceis, Apertura desi-
nens in canalem integrum, rectum s. sub-
ascendentem
.

1. Tribulus, der Spinnenkopf. M. testa ova-
ta spinis setaceis trifariis, cauda elongata
subulata recta similiter spinosa
. *

Theils mit wunderbaren langen dünnen Sta-
cheln.

2. Despectus. M. testa patulo-subcaudata ob-
longa, anfractibus octolineis, duabus ele-
vatis
. *

Tab. II. fig. 9. 10.

3. Vertagus. M. testa turrita, anfractibus su-
perne plicatis, cauda adscendente, columel-
la intus plicata
. *

46. trochvs, Kräuselschnecke. Testa
univalvis, spiralis, subconica. Apertura sub-
tetragono-angulata s. rotundata, superius
transversa, coarctata: columella obliquata
.

1. Perspectivus, die Perspectivschnecke, das
Wirbelhorn. T. testa convexa obtusa mar-
ginata, umbilico pervio crenulato
. *

[Seite 431]

Eine Schnecke mit überaus merkwürdigen Win-
dungen, die in der Mitte einen trichterförmigen
Raum zwischen sich lassen etc.

47. tvrbo. Testa univalvis, spiralis, so-
lida. Apertura coarctata, orbiculata, in-
tegra
.

1. Cochlus. T. testa imperforata ovata striata:
stria unica dorsali crassiore
. *

Der Deckel davon ist der ehedem officinelle Um-
bilicus veneris
.

2. Scalaris, die ächte Windeltreppe. T. testa
cancellata conica anfractibus distantibus
. *

Auch eine sehr kostbare Conchylie, die sich doch
fast blos durch die von einander abstehenden
Windungen von der folgenden sehr gemeinen
Schnecke unterscheidet.

3. Clathrus, die unächte Windeltreppe. T.
testa cancellata turrita exumbilicata, anfra-
ctibus contiguis laevibus
. *

4. † Perversus, das Linkshörngen. T. testa
turrita pellucida:
anfractibus contrariis, aper-
tura edentula
. *

5. † Nautileus. T. testa planiuscula anfracti-
bus annulatis dorso cristatis
. *

Von der Größe einer Linse, an allerhand Was-
serpflanzen.

48. helix. Testa univalvis, spiralis subdia-
phana, fragilis. Apertura coarctata, intus
lunata s. subrotunda: segmento circulari
demto
.

[Seite 432]

1. † Lapicida. H. testa carinata umbilicata
utrinque convexa, apertura marginata trans-
versali ovata
. *

Nährt sich von Moos, Schimmel und Baum-
rinden. Aber wol schwerlich oder nur im Noth-
fall von Kalk. Eine artige ganz weisse Spielart
haben wir an den Felsen im Bremeker Thale ge-
funden.

2. † Pomatia. H. testa umbilicata subovata,
obtusa decolore, apertura subrotundo-lu-
nata
. *

Man hat neuerlich an dieser und einigen ver-
wandten sehr gemeinen Gattungen dieses Ge-
schlechte merkwürdige Versuche über die Reprodu-
ction angestellt. Daß einer Schnecke der gänz-
lich abgeschnittene Kopf wieder gewachsen wäre,
hat uns nie glücken wollen.

49. nerita. Testa univalvis spiralis, gib-
ba, subtus planiuscula. Apertura semiorbi-
cularis: labio columellae transverso, trun-
cato planiusculo
.

1. † Fluviatilis. N. testa purpurascente, ma-
culis albis tessulata
. *

Ein überaus sauber gezeichnetes Schneckgen,
von zahlreichen Varietäten.

50. haliotis. Meerohr. Testa aurifor-
mis, patens: spira occultata laterali; disco
longitudinaliter poris pertuso
.

1. Tuberculata. H. testa subovata dorso trans-
versim rugoso tuberculato
. *

D) Einschaalige Conchylien ohne bestimmte
äusere Windungen.
[Seite 433]

51. patella, Napfschnecke. Testa uni-
valvis subconica absque spira externa
.

1. Neritoidea. P. testa integra ovata apice sub-
spirali, labio laterali
. *

2. † Lacustris. P. testa integerrima ovali, ver-
tice mucronato reflexo
. *

52. dentalivm, Meerzahn. Testa uni-
valvis, tubulosa, recta, utraque extremitate
pervia
.

1. Entalis. D. testa tereti subarcuata continua
laevi
. *

53. serpvla, Wurmröhre. Testa uni-
valvis, tubulosa, adhaerens
.

1. Glomerata. S. testa tereti decussato-rugosa
glomerata
. *

Das kleine Thier, das wir zu untersuchen Ge-
legenheit gehabt und aufbewahret haben, hat ei-
ne überaus artige Bildung, mit sieben langen
in Bogen gekrümmten und convergirenden Ar-
men, die an der Wurzel mit 60 kurzen geraden
Fäden besetzt sind.

2. Penicillus, der Venusschacht, Neptunus-
schacht, die Gieskanne. S. testa tereti recta,
extremitatis disco poris pertuso, margine
reflexo, tubuloso
. *

Eine sonderbare Art von Wurmröhren, deren
Mündung eine ungemein merkwürdige aber schwer
zu beschreibende Einrichtung hat.

[Seite 434]

54. teredo. Testa teres, flexuosa, lignum
penetrans
.

1. Navalis, der Schiffwurm, Pfahlwurm,
Bohrwurm. T. maxillis calcariis lunatis. *

Ein sehr schädliches Thier. Es durchbort die
Dämme und Schiffe, und hat schon einigemal
wie 1730 für Holland gros Unglück gedroht.


III. CARTILAGINEA.

Wir haben die nachstehenden Thiere unter
eine besondre Ordnung zu bringen, uns berech-
tigt geglaubt, da sie zu sehr von andern Wür-
mern abweichen, und im ganzen hingegen, be-
sonders in ihrer knorplichen Textur viel über-
einstimmendes unter einander zeigen.

55. echinvs, See-Igel. Corpus subro-
tundum, crusta spatacea tectum, spinis mo-
bilibus saepius aculeatum. Os quinquevalve
subtus
.

Die Schaale der See-Igel bricht meist in
schräge Würfel, wie der Doppelspat. Meist ist
sie mit beweglichen Stacheln besetzt, die aber
nicht mit den Füßen oder Bewegungswerkzeugen
des Thiers vermengt werden müssen. Diese sind
um ein Drittel länger als die Stacheln, aber
nur so lange sichtbar, als das Thier unter Was-
ser ist; es zieht sie ein, wenn es aus seinem Ele-
mente genommen wird. Ein See-Igel, der et-
[Seite 435] wa 2000 Stacheln hat, hat ohngefähr 1400 sol-
cher Füße.

1. † Esculentus. E. hemisphaerico-globosus;
areis obsolete verrucosis
. *

56. asterias, See-Stern. Corpus de-
pressum, crusta subcoriacea, tentaculis mu-
ricata. Os centrale, quinquevalve
.

Die Bewegungswerkzeuge der Seesterne sind
der See-Igel ihren ähnlich. Doch können sie
nicht so schnell wie diese, sondern nur langsam
wie die Schnecken fortkommen.

1. Rubens. A. stellata, radiis lanceolatis gib-
bis, undique aculeata
. *

2. Caput Medusae. A. radiata, radiis dicho-
tomis
. *

Ein äuserst sonderbares und ansehnlich gebilde-
tes Thier, an dem der blinde Rumph auf 82000
Gelenke gezält hat.

57. encrinvs. Stirps elongata, corpore
terminali-radiato (aut ovali)
.

1. Asteria, die See-Palme. E. stirpe spata-
cea articulata pentagona, ramis verticillatis;
stella terminali sexfida ad basin, tum dicho-
toma
.

gvettard in Mem. de l'ac. des Sc. 1755.

Das bis jetzt noch sehr kostbare Thier findet sich
an der Küste von Barbados: doch auch an Brasi-
lien, woher wir selbst Bruchstücke erhalten haben.
Sie sind auch frisch spatig wie die See-Igelschaa-
len. Der Haupttheil des Thiers hat überaus
[Seite 436] viel Gleichheit mit dem letzten Thier des vorigen
Geschlechts, dem Medusenhaupt.

2. Mylii. E. stirpe cartilaginea continua, stel-
la terminali octoradiata
.

Chr. Mylius Schreiben an den Hrn. v. Hal-
ler. Lond. 1755. 4.

3. Boltenii. E. stirpe cartilaginea continua,
corpore terminali ovali
.

io. f. boltenii ep. ad C. a Linné.
Hamb
. 1771. gr. 4.


IV. CORALLIA.

Die gegenwärtige Ordnung verhält sich zu
der folgenden lezten, beynah wie die Conchy-
lien zu den Molluscis. Die Thiere selbst haben
in beiden viel übereinstimmendes. Nur sind
sie in der lezten nackt unbedeckt; da sie hingegen
in dieser besondre Gehäuse bewohnen, die bey
den mehresten Arten von steinartiger Substanz
sind, und Corallen heissen. Wir haben wenig
Gelegenheit gehabt, eigne Untersuchungen über
die Thiere dieser Ordnung, und besonders über
die Entstehungsart ihrer Gehäuse anzustellen.
Nach dem aber zu schließen, was wir in trock-
nen Corallen gesehen haben, verglichen mit un-
sern Versuchen über die Bildung der Knochen
im bebrüteten Hünchen, und über die Feder-
buschpolypen, so dünkt es uns wahrscheinlich,
[Seite 437] daß auch hier von dem kleinen Thiere der erste
Grund zu seinem künftigen Gehäuse mit einer
Gallerte gelegt werde, in die es denn allmälich
Kalkerde absetzt und ihm dadurch seine Festig-
keit verschafft. Wie durch fernern Anbau nach
und nach ungeheure Corallenstämme entstehen
können, ist ohnehin ohnschwer zu begreifen.
Von der wunderbaren Reproductionskraft, die
diese Thiere mit denen in der folgenden Ordnung
gemein haben, sprechen wir unten bey den Arm-
Polypen.

58. tvbipora. Corallium tubis cylindri-
cis, cavis erectis, parallelis
.

1. Musica, das Orgelwerk. T. tubis fascicu-
latis combinatis: dissepimentis transversis
distantibus
. *

59. madrepora. Corallium cavitatibus la-
melloso-stellatis
.

1. Fungites. M. simplex acaulis orbiculata,
stella convexa: lamellis simplicibus longitu-
dinalibus, subtus concava
. *

2. Oculata, das weiße Corall. M. caulescens
tubulosa glabra flexuosa oblique substriata,
ramis alternis, stellis immersis bifariis
. *

60. millepora. Corallium poris turbinatis
teretibus
.

1. Cellulosa, Neptunus Manschette. M. mem-
branacea reticulata umbilicata, turbinato-
undulata, hinc porosa pubescens
. *

[Seite 438]

61. isis. Stirps radicata solida, cortice mol-
li habitabili obducta
.

1. Hippuris, das Königs-Corall. I. stirpe
articulata, geniculis attenuatis
. *

2. Nobilis, das rothe Corall. I. stirpe con-
tinua, aequali, striis obsoletis obliquis, ra-
mis vagis
. *

Ward ehedem häufiger als jetzt zu Kunstarbei-
ten verarbeitet, auch für heilsam gehalten etc.

3. Antivathes, das schwarze Corall. I. stirpe
paniculato-ramosa, extus flexuose striata
. *

Wir haben von diesem Corall blos den schwar-
zen Strunk gesehen, den wir nicht leicht anima-
lischen Ursprungs gehalten hätten.

62. gorgonia. Crusta calcarea corallina
stirpem vegetabilem obducens
.

Die Stämme selbst sind nach unsrer Ueberzeu-
gung wahre Pflanzen, nemlich See-Tangar-
ten (fuci); die blos mit Corallencruste überzo-
gen sind. Man findet den sogenannten Venus-
fliegenwedel (Ceratophyton flabelliforme) gar
häufig, ohne den thierischen Ueberzug, und da
zeigt er schlechterdings nichts animalisches. Viel-
leicht waren die Corallen, die den See Tang um-
kleiden, eher mit den Milleporen zu verbinden.

1. Anceps. G. crusta rubra fucum ancipitem
obducente
. *

63. alcyonivm. Stirps radicata, stuposa,
tunicato-corticata. Animal hydra
.

1. Epipetrum. A. stirpe cavata carnosa rufe-
scente
. *

[Seite 439]

2. Gelatinosum. A. polymorphum gelatino-
sum
. *

64. spongia, Schwamm. Stirps radi-
cata, flexilis, spongiosa, bibula
.

Es geschieht mit einiger Schüchternheit, daß wir
den Schwämmen diesen Platz anweisen (§. 6.).
Wir haben mit der Gattung, die sich in den Ge-
wässern um Göttingen findet, mehrere Sommer
hindurch experimentirt, ohne auch nur eine be-
stimmte Vermuthung über ihre Natur wagen zu
dürfen.

1. Fistularis. S. tubulosa fusca simplex fragilis
sensim ampliata
. *

Wächst in Ellenlangen Röhren von der Dicke
eines Kinder-Arms.

2. Officinalis, der Badeschwamm. S. fora-
minulata subramosa difformis tenax tomen-
tosa
. *

3. † Lacustris, die Badaja. S. viridis, po-
lymorpha, fragilis, granulis repleta
. *

Diese hieländische Spongia verbreitet einen sehr
starken specifiken Geruch; und ist sehr oft mit
Stämmen von Federbusch-Polypen durchwürkt:
ob das aber nur zufällig geschieht, oder ob beide
einige Beziehung auf einander haben, können
wir noch nicht entscheiden. Wenn sie jung ist,
liegt sie meist nur flach am Ufer, an Dämmen etc.
an, Mit der Zeit treibt sie Aeste wie Finger oder
Geweihe, und das hat wol manche Naturforscher
verführt, zwey verschiedne Gattungen anzuneh-
men (lacustris und fluviatilis), die doch wol nur
im Alter differiren.

[Seite 440]

65. flvstra. Stirps radicata foliacea, un-
dique poris cellulosis tecta
.

1. Foliacea. F. foliacea ramosa, laciniis cunei-
formibus rotundatis
. *

66. tvbvlaria. Federbusch-Polyp.
Stirps tubulosa. Animal polypus cristatus.

Diese ungemein schönen Thiere distinguiren sich
durch einen Federbusch, der aus steifen etwas
gekrümmten Fäden besteht, die bey einigen Gat-
tungen dem Elfenbein, bey andern aber polirtem
Stale äneln. Sie ziehen ihn bey der mindesten
Berührung ein. In dem durchsichtigen Körper
kan man, wie beym Räderthier, die Speisebe-
hälter unterscheiden. Einige Arten können diesen
Körper aus der Hülse hervorstrecken, andre nicht.
Die Hülse ist anfangs gallertartig, verhärtet aber
mit der Zeit, und zeigt sich oft bey der glei-
chen Gattung unter sehr verschiednen Gestalten.
Wir haben einzelne dergleichen Rörgen wie kleine
Därme an Wasserpflanzen umherranken gesehn:
andre die wie Bäumgen mit Zweigen zwischen
Spongia in die Höhe gewachsen waren: andre
die sich zu tausenden dicht neben einander (wie ei-
ne Millepore) an Dämme etc. angelegt hatten: an-
dre die in dichten Pfund-schweren Klumpen in
unzäliger Menge neben einander gebaut waren,
u.s.w. Wir führen nur einige von den Arten
an, die wir in den hiesigen Gewässern gefunden
haben.

1. † Repens. T. crista lunata, corpore extra
vaginam etractili
. *

trembley Mem. Tab. X. fig. 8. 9.

[Seite 441]

2. † Campanulata. T. crista lunata, orificiis
vaginae annulatis, corpore intra vaginam
abscondito
. *

Rösel Ins. Belust. 3ter Th. Taf. 73-75.

Beide Gattungen haben gegen 60 Arme oder
Faden im Federbusche.

3. † Sultana. T. crista infundibuliformi, ad
basin ciliata
. *

Ein überaus niedliches Geschöpf, was wir im
Stadtgraben von Göttingen entdeckt haben. Es
hat 20 Arme, die äuserst regelmäsig wie ein klei-
ner Federbusch (Sultan) rangirt sind.

67. corallina. Stirps radicata, genicula-
ta, filamentosa, calcarea
.

1. Officinalis. C. subbipinnata, articulis sub-
turbinatis
. *

Wird als ein mechanisches Mittel gegen den
Bandwurm gebraucht.

68. sertvlaria. Stirps radicata, fibrosa,
nuda, articulata: articulis unifloris
.

Ein sehr weitläuftiges Geschlecht. Die Stäm-
me sind meist ausnehmend fein, und alle ihre
Schönheit kaum den blosen Augen sichtbar. Sie
pflanzen sich durch Blasen fort, die man mit
den Eyerstöcken großer Thiere vergleichen kan.

1. Abietina. S. denticulis suboppositis tubu-
losis, ovariis ovalibus, ramis pinnato-alter-
nis
. *

V. ZOOPHYTA.

[Seite 442]

Man hat den Namen Zoophyt oder Thier-
pflanze den Geschöpfen dieser und der vorigen
Ordnung gemeinschaftlich beygelegt. Und in
der That kommen auch, wie wir schon erinnert
haben, beiderley Thiere in vielem mit einander
überein. In der gegenwärtigen haben sie einen
unbedeckten Körper, wenigstens kein solches Ko-
rallengehäuse als in der vorigen. Einige sind
doch in einen gemeinschaftlichen Stamm ver-
bunden, andre hingegen einzeln.

69. pennatvla, Seefeder. Stirps libera,
penniformis
.

Auch von diesem Geschlecht wollen wir nicht
behaupten, ob wir ihm hier seinen schicklichsten
Platz angewiesen haben.

1. Grisea. P. stirpe carnosa, rachi laevi, pin-
nis imbricatis plicatis spinosis
.

b. s. albini annot. acad. L. I. Tab. IV.
fig. 1. 2.

70. hydra. Arm-Polyp. Corpus gelati-
nosum conicum. Os terminale cinctum cir-
ris filiformibus
.

Diese Thiere sind neuerlich durch die Wunder
allgemein berühmt worden, die der Scharfsinn
des würdigen Trembley, und andrer berümten
Männer nach ihm, an ihnen entdeckt hat. Da
nicht leicht eine Gegend seyn wird, in deren Ge-
[Seite 443] wässern sich nicht Polypen finden sollten, und
da die leichten und doch noch lange nicht erschöpf-
ten Versuche, die sich mit diesen Thieren anstellen
lassen, zu den lehrreichsten und anmuthigsten Zeit-
vertreiben gehören, so führen wir nur sehr we-
niges von dem an, was zur Aufmunterung und
Erleichterung ihrer Untersuchung dienen kan. Die
Arm-Polypen sind gallertartig, halbdurchsichtig,
und daher von ungeübten Augen nicht immer gleich
zu erkennen. In der Ruhe haben sie den Körper
und die Arme ausgestreckt: bey einer gewaltsa-
men Berührung aber, oder auser dem Wasser, zie-
hen sie sich in ein unförmliches Klümpgen zusam-
men. Die Gattungen variiren in der Farbe,
theils auch in der Proportion, und in der meh-
rern oder mindern Festigkeit ihres schleimichten
Körpers. Die verschiedene Anzal der Arme ist
mehr zufällig. Sie sind vom April bis October
in sanft fließenden Wassern und Teichen zu fin-
den, und sitzen mit dem hintern Ende an Was-
serpflanzen, Schnecken etc. fest. Oft sieht man
zu Hunderten bey einander: da zuweilen ihre
Arme wie verwirrter Flachs durch einander zu
kreuzen scheinen, und doch jedes einzelne Thier
die seinigen ohne sie zwischen der andern ihren zu
verwickeln, zu sich ziehen kan. Ihr Körper ist
hol, ohne alle Eingeweide. Den Sommer hin-
durch vermehren sie sich, indem sie die lebendigen
Jungen wie Sprossen aus ihrem Körper treiben,
die sich oft erst, wenn ihnen selbst schon wieder
Junge ausgewachsen sind, von der Mutter los-
reißen. Bey Annäherung des Winters aber mö-
gen sie, wie wir aus der Analogie mit den Feder-
busch-Polypen und Blumen-Polypen schließen,
wol Eyer legen, aus denen im Frühjahr die junge
Brut hervorbricht. Man kan sie in sechs und
mehr Stücke zerschneiden, und jedes Stück wird
[Seite 444] binnen einigen Tagen wieder zu ganzen Polypen
erwachsen. Man kan ihnen den Kopf oder den
Hintertheil der Länge nach spalten, und sich viel-
köpfige oder vielgeschwänzte Polypen schaffen.
Man kann mehrere Polypen in einander stecken,
oder auch zu wunderlichen monstreusen Gruppen
zusammenheilen. Man kan sie durch einen, frey-
lich Uebung und Geduld erfordernden, Handgriff
wie einen Handschuh umkehren. Man kan sie der
Länge nach aufschlitzen, und wie ein Stückgen
Band ausbreiten, und doch werden auch dann,
wie Rösel zuerst bemerkt hat, mehrere auf eine
schwehr zu begreifende Weise einander auffressen,
oder eigentlich in einander schmelzen, können. Man
kan sie, nach den merkwürdigen Versuchen des
Hrn. Prof. Lichtenberg, mit Schlingen von Haaren
durchschnüren, und wärend daß die Schlinge all-
mälig durchschneidet, werden die derweil getrenn-
ten Theile doch schon wieder aneinander wachsen
u.s.w.

1. † Viridis, der grüne Arm-Polyp. H. vi-
ridis, corpore et cirris brevioribus
. *

Kürzer, untersetzter als die übrigen Arten.
Im Teiche vor der Rasemüle ohnweit Göttingen
haben wir aber auch eine Art grüner Arm-Po-
lypen mit schlankem spindelförmigem Körper,
und kurzen Armen, gefunden.

2. † Fusca, der braune Arm-Polyp. H.
fusca, corpora longiore, cirris longissimis
. *

3. † Aurantia, der Orangegelbe Arm-Polyp.
H. aurantia, corpore longiore, cirris lon-
gissimis
. *

Auch diese Gattung haben wir um Göttingen
mit Zoll-langem Körper und Spannen langen
Armen gefunden.

[Seite 445]

71. vorticella, Blumen-Polypen.
Corpus petiolatum vibrans. Os terminale,
plerisque ciliatum
.

Auch überaus merkwürdige Geschöpfe, deren
nähere Untersuchung aber doch ein stark bewaff-
netes Auge erfordert. Die mehresten Blumen-
Polypen leben gesellschaftlich, entweder an einem
gemeinschaftlichen Stamme als Aeste, oder sie
sind doch in eine Stelle zusammen versammelt;
da eine solche Colonie dem blosen Auge wie ein
Kügelchen Schimmel vorkomt, das aber bey der
mindesten Erschütterung des Glases auf einige
Zeit zusammenfährt, und zu verschwinden scheint.

1. † Anastatica. V. stirpe multifida, floribus
campanulatis
. *

trembley in philos. Transact. Vol.
XLIV. Tab. I. fig. 7. 8. 9.

2. † Rotatoria, das Räderthier. V. caudata
cylindracea, pharyngis rotulis binis
. *

Wir haben des überaus sonderbaren Thiergens
schon mehrmahlen erwähnt (§. 22. 30): und
ihm schon oben das vermeinte Herz abgesprochen,
und es für die Speiseröhre erklärt.

3. † Tubulosa, der Röhren-Polyp. V. tu-
bulosa, fixa, erecta, capite tetrapetalo
.

An Wasserpflanzen in einem kleinen Futteral.
Der Hals dreht sich unaufhörlich aber langsam her-
um, fast wie eine Schraube ohne Ende. Unser ver-
storbener Freund der Hr. Leibmed. Wagler hat uns
versichert, daß die Nebenrörgen nicht aus der
Hauptröre entspringen, sondern blos zufällig
angebauet werden.

[Seite 446]

72. volvox. Corpus liberum, rotundatum,
gelatinosum gyratile
.

1. † Globator, das Kugelthier. V. globosus,
superficie granulata
. *

Ein kleines Kügelchen, von blauer, grüner oder
andrer Farbe, das sich ohne alle sichtbare Bewe-
gungswerkzeuge doch im Wasser fortwälzt und
umher dreht. Man kan die Nachkommenschaft
schon im Leibe der durchsichtigen Mutter bis ins
vierte Glied erkennen.

73. chaos. Corpus liberum, simplex, generi
polymorphon, speciebus uniforme
.

Wir fassen mit Linné, zum Beschluß der gan-
zen Thiergeschichte unter diesen Geschlechtsnamen
die zallosen meist dem blosen Auge unsichtbaren
Geschöpfe zusammen, die sich in faulenden Säf-
ten, und eingebeizten Theilen andrer Thiere und
der Gewächse zeigen. Es wäre wider den Zweck
eines Handbuchs, dem Fleis der gedultigen Män-
ner zu folgen, die auch diese Thiergen in ein
besondres System gebracht haben. Fast in allen
faulen Säften finden sich sogenannte Infusions-
thiergen, ob es schon nicht gegründet ist, daß
alle Infusionen verschiedner Art auch ihre ver-
schiednen Thiergen hervorbrächten, oder daß der
Staub der Pilze oder der Brand im Getraide zu
dergleichen Thiergen belebt würde. Hingegen ist
es allerdings richtig, daß sie von auserordentli-
cher Dauer sind, daß sie der Hitze des siedenden
Wassers und der Dürre widerstehen können, daß
man z.B. im Aufguß von gebranntem Kaffee
doch die bestimmten Thiergen, und im aufgeweich-
ten Kleister von alten Bücherbänden doch die
kleinen Aale erblickt. Auch im luftleeren Raume
[Seite 447] können sie mehrere Wochen hindurch ausdauern:
aber der elektrische Funke macht sie zerschmelzen.
Meist vermehren sie sich durch Theilung: doch ge-
bären auch manche lebendige Junge, und einige
legen Eyer.

1. † Anguillula, die Essig-Aale, Kleister-
Aale. C. filiforme, utrinque attenuatum. *

2. † Spermaticum, die Saamenthiergen. C.
corpore ovato, cauda brevi filiformi
. *

S. oben §. 10.

xxx

Appendix A Anweisung der Kupfertafeln.

[Seite 448]

Appendix A.1 I. Taf.

Fig. 1. 2. 3. zu S. 49.

4. zu S. 49. und 76.

5. 6. zu S. 49.

7. 8. 9. zu S. 50.

10. zu S. 52.

Appendix A.2 II. Taf.

Fig. 1. 2. 3. zu S. 155.

4. 5. zu S. 156.

6. zu S. 170.

7. zu S. 173. u. f.

8. zu S. 194.

9. 10. zu S. 427. und 430.


Appendix B

[Tab. I]
Tab. I.xxx
[interleaf] [Tab. II]
Tab. II.xxx
[interleaf] [interleaf] [binding_verso]
Notes
*).
[Seite 2]

Ars, sive additus rebus homo. baco de verulam.
L'art en général est l'industrie de l'homme appliquée
par ses besoins, ou par son luxe, aux productions de la
Nature.
diderot.

*).
[Seite 36]

Ergo in hyemes aliis provisum pabulum, aliis pro cibo
somnus
. plinivs.

*).
[Seite 43]

cappellerii hist. Pilati montis. p. 150.

*).
[Seite 59]

Cetacea quadrupedum modo pulmonibus respirant, co-
eunt, vivos foetus pariunt, eosdemque lacte alunt,
partium denique omnium internarum structura et usu
cum iis conveniunt
. raivs.

*).
[Seite 60]

Sanctiusanimal, mentisque capacius altae
..... et quod dominari in caetera posset.

ovid.

*).
[Seite 72]

volcheri coiteri observ. anat. p. 128.

*).
[Seite 79]

apicivs VIII. 9.

**).
[Seite 79]

varro de R. R. III. 15.

*).
[Seite 80]

Bell's Travels I. p. 311.

*).
[Seite 86]

Von Art seyn alle Maulwurff blind,
Kein sehenden man nimmer find.

Burc. Waldis.

*).
[Seite 88]

Sprüchw. Salom. K. 30. V. 26.

*).
[Seite 90]

Abbildungen oder Nachrichten von gehörnten Hasen
finden sich z.B. in c. gesneri icon. et nomenclatur.
quadrupedum, ed.
1560. p. gassendi vita Peirescii.
th. bartholini epist. medic Cent. II. Mus. bes-
ler
. Mus. wormian. ol. iacobaei. Mus. reg.
g. h. welschii hecatost. phys. med. I. th. bowrey
Malayo Diction. Lond. 1701. 4. Jenkel Museograph.
Misc. N. C. Dec
. II. klein dispositio quadruped. I.
D. Meyers Vorstell, allerh. Thiere. M. E. Ridin-
ger
hat auch ein Blatt nach seines Vaters Joh.
Elias Zeichnung gestochen, worauf zwey gehörnte
Hasen nach dem Leben abgebildet sind.

**).
[Seite 90]

cuniculosa Hispania. v. spanheim de usu et praest.
numism. Diss
. III.

***).
[Seite 90]

Certum est, Balearicos adversus proventum cuniculorum
auxilium militare a Divo Augusto petiisse
. plin.

*).
[Seite 99]

Robinson Crusoe, Vol. I. p. 275. sqq.

**).
[Seite 99]

Begin ende Voortgangh van de Oost. indische Com-
pagnie
. 1646. 4to transv.

*).
[Seite 100]

Athonaei deipnosoph. L. V.

*).
[Seite 103]

V. Haller elem. physiol. L. XII. et XIV. Von Leonh.
Zollikofers Hund, der 1582 seinem Herrn, vierzehn
Tage nach dessen Abreise, vom Schlosse Altenklin-
gen im Thurgau nach Paris ganz allein nachgelau-
fen und ihn aufgefunden, s. Herrlibergers Topogra-
phie der Eidgenoßschaft, 1. Th.

**).
[Seite 103]

Plin. L. VIII. c. 40.

***).
[Seite 103]

Von einem Hunde der Briefe über Feld getragen etc.
s. Gothaisch. Kirchen- und Schul-Staat, I B. II St.

*).
[Seite 105]

Mich. Casiri bibl. arab. Hispan. Escurial. T. I. p. 320.

**).
[Seite 105]

Io. Vesling obs. anatom. c. 6.

*).
[Seite 109]

Roux, Journ. de medecine, Decembr. 1771.

*).
[Seite 111]

L. M. Gesner de antiqua asinorum honestate. Comm.
Goett
. T. II.

**).
[Seite 111]

Casiri bibl. Escurial. T. I. p. 208.

*).
[Seite 112]

(Spallanzani) Memorie sopra i muli. Modena. 1768. 8.

**).
[Seite 112]

Hiob Ludolf in der hist. Aethiop. glaubt, Salomo
meyne den Zebra, Sprüchw. K. 30. B. 31.

*).
[Seite 122]

Th. Hyde, Shahiludium p. 103 sqq. ed. Gr. Sharpe.

*).
[Seite 128]

Baba heißt auf Malaisch das Schwein, russa der
Hirsch.

*).
[Seite 130]

Der Behemot. Buch Hiob K. 40.

*).
[Seite 132]

Plin. VIII. 1. Elephas animal proximum est humanis sen-
sibus
. Die Malaier brauchen orang, das Stamm-
wort zu orang-utang, gemeinschaftlich vom Menschen
und Elephanten.

*).
[Seite 133]

Pitture antiche d'Ercolano. T. II. tav. XLVI.

**).
[Seite 133]

Die Kunstgeschichte des Elfenbeins, zumal dessen
Bearbeitung Hey den Alten hat Hr. Hofr. Heyne
in zwey Abhandlungen erschöpft, die sich in den
Nov. Comment. Goett. T. I. finden. Die unbeschreib-
lich schönen Sculpturarbeiten des Lausanner Künst-
lers Pergaut übertreffen an Feinheit alle Versuche
seiner Vorgänger in diesem Fache.

*).
[Seite 135]

Pausan. Boeotica. p. 297. Martial. Spect. epigr. 22.

**).
[Seite 135]

Auf einer Münze von Domitianus in klein Erz. s.
Philos. Transact. Vol. XLVI. tab. II. fig. 5. 6. 7.

*).
[Seite 153]

Wir haben einen Neu-Seeländischen Damen-Hals-
schmuck vor uns, der aus solchen Luftknochen von
Sangvögeln und aus kleinen Schneckenhäusern ge-
macht ist. Die Luftknochen der Gänse u.a. grösserer
Vögel werden bekanntlich zu Pfeifgen verarbeitet.

**).
[Seite 153]

Cajetan. Monti, in Comment. instit. Bonon. T. III.
p. 298. sqq.

*).
[Seite 172]

plin. L. X. c. 55. Livia Angusta, prima sua juventa
Tiberio Caesare ex Nerone gravida, cum parere viri-
lem sexum admodum cuperet, hoc usa est puellari an-
gurio, ovum in sinu fovendo, atqne cum deponendum
haberet, nutrici per sinum tradendo, ne intermitte-
retur tepor etc.

**).
[Seite 172]

L'art de faire éclore des oiseaux domestiques, p. Mr. de
reaumur
. Par. 1749. 2 Vol.

***).
[Seite 172]

io. vesling observ. anat. c. 1. Nieburh Reis.
1 Th.

*).
[Seite 185]

Cysatus Beschr. des Lucernersees, S. 183.

**).
[Seite 185]

Alex. Gordon, Ess. towards explainnig the hierogl. fig.
on the Coffin of an ancient Mummy etc. Lond.
1737.
fol.

*).
[Seite 188]

Pandolfo Collenuccio istoria Napoletana.

*).
[Seite 191]

Reald. Columbi anat. d. 1. c. 8.

**).
[Seite 191]

Im Jahr 1455. Th. Astley's Collect. of Voyages. T. I.

*).
[Seite 198]

Ephem. N. C. Cent. X. p. 431. sq.

*).
[Seite 201]

Th. Pennant on the different species of the Birds, call-
ed Pinguins. Philos. Tr. Vol.
LVIII. p. 98. sqq.

*).
[Seite 214]

Hi magistratus nostros quotidie regunt, domosque ipsis
suas claudunt aut reserant. Hi fasces Romanorum im-
pellunt aut retinent, jabent acies aut prohibent: vi-
ctoriarum omnium toto orbe partarum auspices. Hi
maxime terrarum imperio imperant etc.
plin.

*).
[Seite 216]

2 B. Mos. K. 16. v. 13. 4 B. Mos. K. 11. v. 31.

*).
[Seite 219]

Frontini strategem. L. III. c. 13. Tasso Gierusal. liber.
C.
XVIII. Russel nat. hist. of Aleppo.

*).
[Seite 233]

Günthers Nester und Eyer versch. Vögel, durch
Wirsing. Taf. X. Ein Nest, was zahme Zeisgen
in der Stube gebaut, s. in Dresdn. Magazin 1. Th.
Taf. 1.

**).
[Seite 233]

Sprenger, opusc. physico-mathemat. p. 40. sqq.

*).
[Seite 238]

Rollenhagens Froschmäusler. 2. B. 2. C.

*).
[Seite 246]

Syst. nat. T. I. p. 397.

*).
[Seite 249]

Ian. Dubravius de piscinis p. 20 sqq.

*).
[Seite 250]

Harvey Exerc. de partu p. 341. 345.

*).
[Seite 252]

Appendices fimbriatae Swammerdammii.

*).
[Seite 253]

Lettres edifiantes T. XVI.

*).
[Seite 255]

Linn. amoen. acad. Vol. VII. Ellis in Philos.
Trans. Vol.
LVI.

*).
[Seite 257]

Com. Roncalli Censur. medic. univ. p. 131. Pennant
in Philos. Trans. Vol
. LXI. P. I.

*).
[Seite 260]

Boccaccio Decameron. Giorn. IV. Nov. 7.

**).
[Seite 260]

Mehrere solche Fälle s. in Herrn Hofr. Kästners
Vorrede zum 3ten B. seiner Ueberf. der Schwed.
Abh. Wie lange die Keime der organisirten Kor-
per in ihren Hülsen (§. 18.) verschlossen ausdauren
können, sieht man an Vogeleyern, die noch nach
vielen Monaten zum Bebrüten geschickt bleiben; an
Getraide-Saamen, die selbst nach einigen Jahrhun-
derten noch ausgekeimt und aufgewachsen sind etc.

*).
[Seite 263]

vesling obs. anat. c. V.

*).
[Seite 265]

panarolvs ap. th. bartholin. hist. anatomic.
C
. II. H. 62.

*).
[Seite 266]

paoli della relig. di gentili p. rign. ad alcuni anim.
P.
III.

*).
[Seite 268]

seba T. ll. tab. 8. 17. 19.

**).
[Seite 268]

Die giftigen Schlangen sind mit ♂ bezeichnet.

*).
[Seite 269]

Saraf, 4 B. Mos. 21. 6

*).
[Seite 273]

oppian. halieut. p. 104. ed. Schneid.

*).
[Seite 284]

Obs. anatom. Coll. priv. Amstel. P. II. p. 42. tab. X.

**).
[Seite 284]

gv. needham disqu. anatom. de formato foctu
p
. 155.

*).
[Seite 285]

Colleg. anatom. Amstelod. l. c.

*).
[Seite 286]

Philos. Trans. n. 482.

**).
[Seite 286]

harvey exerc. 41.

*).
[Seite 302]

Nouv. Heloise. P. VI. L. XI.